um Athen
keine Wste und keine Tiger und Bre waren; da es, zu der Zeit des
Demokrits, keinen Knig hatte usw. Aber er hat das alles itzt nicht
wissen wollen; seine Absicht war, die Sitten seines Landes unter fremden
Namen zu schildern. Diese Schilderung ist das Hauptwerk des komischen
Dichters, und nicht die historische Wahrheit.
Andere Fehler mchten schwerer zu entschuldigen sein; der Mangel des
Interesse, die kahle Verwickelung, die Menge miger Personen, das
abgeschmackte Geschwtz des Demokrits, nicht deswegen nur abgeschmackt,
weil es der Idee widerspricht, die wir von dem Demokrit haben, sondern
weil es Unsinn in jedes andern Munde sein wrde, der Dichter mchte ihn
genannt haben, wie er wolle. Aber was bersieht man nicht bei der guten
Laune, in die uns Strabo und Thaler setzen? Der Charakter des Strabo ist
gleichwohl schwer zu bestimmen; man wei nicht, was man aus ihm machen
soll; er ndert seinen Ton gegen jeden, mit dem er spricht; bald ist er
ein feiner witziger Sptter, bald ein plumper Spam$
tte bestrken knnen, dessen gute Wirkung sie weder den meisten noch
den besten Stcken der Alten abgesehen hatten.
Unter diesen war besonders Euripides seiner Sache so gewi, da er fast
immer den Zuschauern das Ziel voraus zeigte, zu welchem er sie fhren
wollte. Ja, ich wre sehr geneigt, aus diesem Gesichtspunkte die
Verteidigung seiner Prologen zu bernehmen, die den neuern Kriticis so
sehr mifallen. "Nicht genug", sagt Hdelin, "da er meistenteils alles,
was vor der Handlung des Stcks vorhergegangen, durch eine von seinen
Hauptpersonen den Zuhrern geradezu erzhlen lt, um ihnen auf diese
Weise das Folgende verstndlich zu machen: er nimmt auch wohl fters
einen Gott dazu, von dem wir annehmen mssen, da er alles wei, und
durch den er nicht allein was geschehen ist, sondern auch alles, was noch
geschehen soll, uns kundmacht. Wir erfahren sonach gleich anfangs die
Entwicklung und die ganze Katastrophe und sehen jeden Zufall schon von
weiten kommen. Dieses aber ist ein sehr merklicher Fehler, welch$
nen knnen
und mssen. Nun ist zwar wahr, da wir diesen ihren Charakter aus ihren
wirklichen Begegnissen abstrahieret haben: es folgt aber daraus nicht,
da uns auch ihr Charakter wieder auf ihre Begegnisse zurckfhren msse;
er kann uns nicht selten weit krzer, weit natrlicher auf ganz andere
bringen, mit welchen jene wirkliche weiter nichts gemein haben, als da
sie mit ihnen aus einer Quelle, aber auf unzuverfolgenden Umwegen und
ber Erdstriche hergeflossen sind, welche ihre Lauterheit verdorben
haben. In diesem Falle wird der Poet jene erfundene den wirklichen
schlechterdings vorziehen, aber den Personen noch immer die wahren Namen
lassen. Und zwar aus einer doppelten Ursache: einmal, weil wir schon
gewohnt sind, bei diesen Namen einen Charakter zu denken, wie er ihn in
seiner Allgemeinheit zeiget; zweitens, weil wirklichen Namen auch
wirkliche Begebenheiten anzuhngen scheinen und alles, was einmal
geschehen, glaubwrdiger ist, als was nicht geschehen. Die erste dieser
Ursachen fliet aus der Verbin$
nd studiert
haette. Er wuerde mit einer sicherern Einsicht in die Schoenheiten seines
Originals gearbeitet haben und vielleicht in vielen Stuecken gluecklicher
gewesen sein.
Der Wert der "Neuen Heloise" ist, von der Seite der Erfindung, sehr
gering, und das Beste darin ganz und gar keiner dramatischen Bearbeitung
faehig. Die Situationen sind alltaeglich oder unnatuerlich, und die wenig
guten so weit voneinander entfernt, dass sie sich, ohne Gewaltsamkeit, in
den engen Raum eines Schauspiels von drei Aufzuegen nicht zwingen lassen.
Die Geschichte konnte sich auf der Buehne unmoeglich so schliessen, wie sie
sich in dem Romane nicht sowohl schliesst, als verlieret. Der Liebhaber
der Julie musste hier gluecklich werden, und Herr Heufeld laesst ihn
gluecklich werden. Er bekoemmt seine Schuelerin. Aber hat Herr Heufeld auch
ueberlegt, dass seine Julie nun gar nicht mehr die Julie des Rousseau ist?
Doch Julie des Rousseau oder nicht: wem liegt daran? Wenn sie nur sonst
eine Person ist, die interessierst. Aber eben d$
erklaeren und ihn dadurch auf den Thron zu setzen, welcher eine gewisse
Bedingung eingehen wolle; lasst uns erdichten, dass diese Bedingung der Tod
der Rodogune sei. Nun haetten wir ja, was wir haben wollten: beide Prinzen
sind in Rodogunen sterblich verliebt; wer von beiden seine Geliebte
umbringen will, der soll regieren.
Schoen; aber koennten wir den Handel nicht noch mehr verwickeln? Koennten
wir die guten Prinzen nicht noch in groessere Verlegenheit setzen? Wir
wollen versuchen. Lasst uns also weiter erdichten, dass Rodogune den
Anschlag der Kleopatra erfaehrt; lasst uns weiter erdichten, dass sie zwar
einen von den Prinzen vorzueglich liebt, aber es ihm nicht bekannt hat,
auch sonst keinem Menschen es bekannt hat, noch bekennen will, dass sie
fest entschlossen ist, unter den Prinzen weder diesen geliebtern, noch
den, welchem der Thron heimfallen duerfte, zu ihrem Gemahle zu waehlen, dass
sie allein den waehlen wolle, welcher sich ihr am wuerdigsten erzeigen
werde; Rodogune muss geraechet sein wollen; mu$
s zur
Unverschaemtheit, lustig bis zum Tollen, viel Physiognomie, wenig
Schoenheit, niedlicher als wohlgestaltet, Taille aber keine Figur; dieses
Ding, als es den Sultan erblickt, faellt mit der plumpesten Schmeichelei,
wie mit der Tuere ins Haus: Graces au ciel, voici une figure humaine!
--(Eine Schmeichelei, die nicht bloss dieser Sultan, auch mancher deutscher
Fuerst, dann und wann etwas feiner, dann und wann aber auch wohl noch
plumper, zu hoeren bekommen, und mit der unter zehnen neune, so gut
wie der Sultan, vorlieb genommen, ohne die Beschimpfung, die sie wirklich
enthaelt, zu fuehlen.) Und so wie dieses Eingangskompliment, so das uebrige
--Vous etes beaucoup mieux, qu'il n'appartient a un Turc: vous avez
meme quelque chose d'un Francais--En verite ces Turcs sont plaisants--Je
me charge d'apprendre a vivre a ce Turc--Je ne desespere pas d'en faire
quelque jour un Francais.--Dennoch gelingt es dem Dinge! Es lacht und
schilt, es droht und spottet, es liebaeugelt und mault, bis der Sultan,
nicht genug, ih$
e die
Ueberzeugung dazu kommen; die Erkennung seiner Unschuld und die Erinnerung
ihres Versprechens, ihn auch dann, wenn er schuldig sein sollte, fuer
unschuldig gelten zu lassen, muessten sie auf einmal ueberraschen, aber
nicht eher ueberraschen, als bis es nicht mehr in ihrem Vermoegen stehet,
gerecht und erkenntlich zu sein.
Viel gluecklicher hat Banks die Ohrfeige in sein Stueck eingeflochten.--
Aber eine Ohrfeige in einem Trauerspiele! Wie englisch, wie unanstaendig!
Ehe meine feinern Leser zu sehr darueber spotten, bitte ich sie, sich der
Ohrfeige im "Cid" zu erinnere. Die Anmerkung, die der Hr. von Voltaire
darueber gemacht hat, ist in vielerlei Betrachtung merkwuerdig.
"Heutzutage", sagt er, "duerfte man es nicht wagen, einem Helden eine
Ohrfeige geben zu lassen. Die Schauspieler selbst wissen nicht, wie sie
sich dabei anstellen sollen; sie tun nur, als ob sie eine gaeben. Nicht
einmal in der Komoedie ist so etwas mehr erlaubt; und dieses ist das
einzige Exempel, welches man auf der tragischen Buehne $
 alli se conjelaban.
Diese Aehnlichkeit treibt der Dichter noch weiter, wenn er beschreiben
will, wie die Dame, das Wasser zu kosten, es mit ihrer hohlen Hand
geschoepft und nach dem Munde gefuehrt habe. Diese Hand, sagt er, war dem
klaren Wasser so aehnlich, dass der Fluss selbst fuer Schrecken zusammenfuhr,
weil er befuerchtete, sie moechte einen Teil ihrer eignen Hand mittrinken.
    Quiso probar a caso
    El agua, y fueron cristalino vaso
    Sus manos, acercolas a los labios,
    Y entonces el arroyo lloro agravios,
    Y como tanto, en fin, se parecia
    A sus manos aquello que bebia,
    Temi con sobresalto (y no fue en vano)
    Que se bebiera parte de la mano.
    Yo, que al principio vi, ciego, y turbado,
    A una parte nevado
    Y en otra negro el rostro,
    Juzgue, mirando tan divino monstruo,
    Que la naturaleza cuidadosa
    Desigualdad uniendo tau hermosa,
    Quiso hacer por asombro, o por ultraje,
    De azabache y marfil un maridaie.
    Ruido de armas en la Quinta,
    Y dentro el Co$
n immer, erregen immer die suessesten sympathetischen
Empfindungen, wir moegen sie finden, wo wir wollen. Sie ganz ohne Schuld
leiden zu sehen, ist zwar herbe, ist zwar fuer unsere Ruhe, zu unserer
Besserung kein sehr erspriessliches Gefuehl: aber es ist doch immer Gefuehl.
Und sonach beschaeftiget uns das Stueck durchaus, und vergnuegt durch diese
Beschaeftigung unserer Seelenkraefte. Das ist wahr; nur die Folge ist nicht
wahr, die man daraus zu ziehen meinet: naemlich, dass wir also damit
zufrieden sein koennen.
Ein Dichter kann viel getan, und doch noch nichts damit vertan haben.
Nicht genug, dass sein Werk Wirkungen auf uns hat: es muss auch die haben,
die ihm, vermoege der Gattung, zukommen; es muss diese vornehmlich haben,
und alle andere koennen den Mangel derselben auf keine Weise ersetzen;
besonders wenn die Gattung von der Wichtigkeit und Schwierigkeit und
Kostbarkeit ist, dass alle Muehe und aller Aufwand vergebens waere, wenn sie
weiter nichts als solche Wirkungen hervorbringen wollte, die durch e$
trastierten Vaeter darin sind mit so gleicher
Staerke gezeichnet, dass man dem feinsten Kunstrichter Trotz bieten kann,
die Hauptperson zu nennen; ob es Micio oder ob es Demea sein soll? Faellt
er sein Urteil vor dem letzten Auftritte, so duerfte er leicht mit
Erstaunen wahrnehmen, dass der, den er ganzer fuenf Aufzuege hindurch fuer
einen verstaendigen Mann gehalten hat, nichts als ein Narr ist, und dass
der, den er fuer einen Narren gehalten hat, wohl gar der verstaendige Mann
sein koennte. Man sollte zu Anfange des fuenften Aufzuges dieses Drama fast
sagen, der Verfasser sei durch den beschwerlichen Kontrast gezwungen
worden, seinen Zweck fahren zu lassen und das ganze Interesse des Stuecks
umzukehren. Was ist aber daraus geworden? Dieses, dass man gar nicht mehr
weiss, fuer wen man sich interessieren soll. Vom Anfange her ist man fuer
den Micio gegen den Demea gewesen, und am Ende ist man fuer keinen von
beiden. Beinahe sollte man einen dritten Vater verlangen, der das Mittel
zwischen diesen zwei Personen$
war natuerlicher, als dass
er den Aedilen das griechische Original vorgezeigt und sie wegen des
Inhalts unterrichtet hatte? Ja, die Aedilen konnten das leicht selbst von
ihm gefodert haben. Und darauf geht das
Novam esse ostendi, et quae esset.
[6] Tusc. Quaest., lib. III. c. 27.
----Fussnote
Neunundachtzigstes Stueck
Den 8. Maerz 1768
Zuerst muss ich anmerken, dass Diderot seine Assertion ohne allen Beweis
gelassen hat. Er muss sie fuer eine Wahrheit angesehen haben, die kein
Mensch in Zweifel ziehen werde, noch koenne; die man nur denken duerfe, um
ihren Grund zugleich mitzudenken. Und sollte er den wohl gar in den
wahren Namen der tragischen Personen gefunden haben? Weil diese Achilles
und Alexander und Cato und Augustus heissen und Achilles, Alexander, Cato,
Augustus wirkliche einzelne Personen gewesen sind: sollte er wohl daraus
geschlossen haben, dass sonach alles, was der Dichter in der Tragoedie sie
sprechen und handeln laesst, auch nur diesen einzeln so genannten Personen,
und keinem in der Welt zugl$
der Olympiade gestorben,
in welcher Menander sein erstes Stueck auffuehren lassen, und zwar noch das
Jahr vorher. (Eusebius in Chronico ad Olymp. CXIV. 4.) Allein man hat
unrecht, wenn man den Anfang der Neuen Komoedie von dem Menander rechnet;
Menander war der erste Dichter dieser Epoche, dem poetischen Werte nach,
aber nicht der Zeit nach. Philemon, der dazugehoert schrieb viel frueher,
und der Uebergang von der Mittleren zur Neuen Komoedie war so unmerklich,
dass es dem Aristoteles unmoeglich an Mustern derselben kann gefehlt haben.
Aristophanes selbst hatte schon ein solches Muster gegeben; sein
"Kokalos" war so beschaffen, wie ihn Philemon sich mit wenigen
Veraenderungen zueignen konnte: Kokalon heisst es in dem "Leben des
Aristophanes", [Greek: en ho eisagei phthoran kai anagnorismon, kai
talla panta a ezaelose Menandros]. Wie nun also Aristophanes Muster von
allen verschiedenen Abaenderungen der Komoedie gegeben, so konnte auch
Aristoteles seine Erklaerung der Komoedie ueberhaupt auf sie alle
einrichte$
n sie voneinander unterschieden sein muessen.
Unter die letztern rechnet er, in Ansehung der Komoedie und Tragoedie, auch
diese, dass der Tragoedie eine wahre, der Komoedie hingegen eine erdichtete
Begebenheit zutraeglicher sei. Hierauf faehrt er fort: The same genius in
the two dramas is observable, in their draught of characters. Comedy
makes all its characters general; tragedy, particular. The Avare of
Moliere is not so properly the picture of a covetous man, as of
covetousness itself. Racine's Nero on the other hand, is not a picture of
cruelty, but of a cruel man. d.I.: "In dem naemlichen Geiste schildern
die zwei Gattungen des Drama auch ihre Charaktere. Die Komoedie macht alle
ihre Charaktere general; die Tragoedie partikulaer. Der Geizige des Moliere
ist nicht so eigentlich das Gemaelde eines geizigen Mannes, als des Geizes
selbst. Racines Nero hingegen ist nicht das Gemaelde der Grausamkeit,
sondern nur eines grausamen Mannes."
Hurd scheinet so zu schliessen: wenn die Tragoedie eine wahre Begebenheit$
, wenn auch in einer freien, mit
dichtender Umbildung versetzten Form, so doch mit jener Wahrheit,
die auch der Dichtung innewohnt, dargestellt. Eine mehr
nchterne, aber gerade darum wertvolle Auffassung des S.
findet sich in den "Memorabilien" Xenophons, der ebenfalls zu dem
Kreise seiner Vertrauten gehrte. Die Lehre des S. ist, da er
selbst nichts geschrieben hat, nur durch seine Schler auf uns
gekommen. Als Philosoph kam derselbe mit seinen Zeitgenossen, den
Sophisten, darin berein, da er, wie diese, den
Schwerpunkt des Unterrichts in die (lehrbare) Methode und den Zweck
desselben nicht, wie deren Vorgnger, die griechischen
Physiker und Naturphilosophen, in die Erkenntnis der Natur, sondern
in jene des dem Menschen Ntzlichen als des fr diesen
einzig Wissens- und Wnschenswerten legte, unterschied sich
aber von denselben dadurch, da einerseits seine Methode
nicht, wie die der Sophisten, ein dialektisch-rhetorisches
Kunststck, um Wahres falsch, Falsches wahr scheinen zu
machen, sondern die dialekti$
 unterseits filzigen
Blttern und lilafarbigen, groen Blten,
trgt ovale, violette, gelbe oder weie Frchte
(Aubergine, Albergine) von der Gre eines
Hhnereies, die als Zuthat an Saucen, Suppen, Ragouts etc.
oder gerstet gegessen werden. Man kultiviert sie in den
Tropen, in Spanien, Sdfrankreich, um Rom, Neapel, in der
Walachei und der Levante. In Deutschland kommt diese Pflanze nur in
Tpfen oder auf warmen Rabatten, besser in Mistbeeten, vor. S.
nigrum L. (Hhnertod, Saukraut, s. Tafel "Giftpflanzen II"),
aus Amerika eingewandert, allenthalben auf bebautem Land, an Wegen,
auf Schutt, unbewehrt, mit eirunden, buchtig-gezahnten
Blttern, weien, selten ins Violette spielenden
Blten in kurz doldenartigen Wickeln und erbsengroen,
schwarzen (auch grnen) Beeren, und das zottig oder dicht
behaarte S. villosum Lam. mit gelben und mennigroten (S. miniatum
Bernh.) Beeren, sind bekannte Giftpflanzen und enthalten Solanin.
S. Quitoense Lam. (Orange von Quito), ein bis 2 m hoher Halbstrauch
in Peru und Quito, $
 de Argensola (gest. 1613 und 1631),
zwei Lyriker, die, Horaz und den Italienern nacheifernd, klassische
Korrektheit des Stils mit poetischem Gefhl und
glcklichem Darstellungstalent verbinden; Estevan Manuel de
Villegas (gest. 1669), als der erste unter den erotischen Dichtern
anerkannt; Francisco de Rioja (gest. 1659), Verfasser
vortrefflicher Lieder und Oden; Juan de Arguijo (um 1620), ein
zartsinniger Sonettensn-
Spanische Litteratur (17. und 18. Jahrhundert).
ger, besonders bekannt durch sein Gedicht auf seine Leier;
ferner Juan de Jauregui (gest. 1641), der bersetzer von
Tassos "Aminta" und Verfasser einer Dichtung: "Orfeo", in fnf
Gesngen; Francisco de Borja, Principe de Esquilache (gest.
1658), mehr durch seine Romanzen und kleinern lyrischen Gedichte
als durch seine grern Werke ("Napoles recuperada")
hervorragend; Vicente Espinel (gest. 1634), der teils in
italienischen Silbenmaen, teils im altspanischen Stil
dichtete, auch eine neue Art eigentmlich gereimter Dezimen
(die sogen. Espinelen) e$
in
solches Spektrophotometer bewirkten Messung der Lichtstrken
unter Bercksichtigung des bekannten Absorptionsgesetzes auf
die Menge der Substanz schlieen. Bei andern
Spektrophotometern (Glan) wird die Schwchung des einen
Strahlenbndels durch Polarisation bewirkt.
Schon Fraunhofer hatte beobachtet, da die helle gelbe
Linie des Natriumlichts dieselbe Stelle im Spektrum einnimmt wie
die dunkle Linie D des Sonnenlichts. Kirchhoff zeigte nun,
da ein gas- oder dampffrmiger Krper genau
diejenigen Strahlengattungen absorbiert, welche er im
glhenden Zustand selbst aussendet, whrend er alle
andern Strahlenarten ungeschwcht durchlt. Bringt
man z. B. eine Spiritusflamme, deren Docht mit Kochsalz eingerieben
ist, zwischen das Auge und ein Taschenspektroskop und blickt durch
letzteres nach einer Lampenflamme, so sieht man das umgekehrte
Spektrum des Natriums, d. h. die Natriumlinie erscheint dunkel auf
hellem Grund, weil die Natriumflamme fr Strahlen von der
Brechbarkeit derer, welche sie selbst aussendet, $
em
Namen Lord Althorp, geb. 30. Mai 1782, trat nach Vollendung seiner
Studien zu Cambridge 1803 ins Unterhaus und war unter Fox und
Grenville Lord des Schatzes. Er stand auf seiten der Whigs. Im
Ministerium Grey (1830) wurde er Kanzler der Schatzkammer und galt
in allen finanziellen und staatswirtschaftlichen Fragen als
Autoritt. Er legte auch 2. Febr. 1833 dem Unterhaus die
irische Kirchenreformbill vor, welche der Appropriationsklausel
wegen im Kabinett selbst eine Spaltung hervorrief. Als er 1834
durch den Tod seines Vaters Mitglied des Oberhauses ward,
mute er sein Schatzkanzleramt niederlegen und widmete sich
fortan landwirtschaftlicher Beschftigung. Spter trat er
zu der Anticornlawleague. Er starb 1. Okt. 1845. Vgl. Le Marchant,
Memoirs of John Charles Viscount Althorp, third Earl of S. (Lond.
3) Frederick, vierter Graf von, Bruder des vorigen, geb. 14.
April 1798, trat in den Marinedienst, zeichnete sich in der
Schlacht von Navarino aus, erbte 1845 Titel und Gter seines
Bruders, war vom Juli 1846 $
Kurfrsten Johann Georg
III., dem er als Beichtvater in einem Briefe Vorstellungen wegen
seines Lebenswandels gemacht, zerfallen und hatte 1691 einen Ruf
als Propst und Inspektor der Kirche zu St. Nikolai und Assessor des
Konsistoriums nach Berlin angenommen, wo er seine Wirksamkeit unter
fortdauernden Angriffen seitens der orthodoxen Lutheraner
fortsetzte. Leider fehlte es ihm an Energie, um sich scharf gegen
die Ausschreitungen seiner Gesinnungsgenossen, insbesondere gegen
die Visionen und Offenbarungen des pietistischen Frauenkreises in
Halberstadt, auszusprechen. Whrend die 1694 gestiftete
Universitt Halle ganz unter seinem Einflu stand,
lie die theologische Fakultt zu Wittenberg 1695 durch
den Professor Deutschmann 264 Abweichungen Speners von der
Kirchenlehre zusammenstellen, und letzterm gelang es nicht, durch
seine "Aufrichtige bereinstimmung mit der Augsburger
Konfession" die Gegner zu beschwichtigen. Selbst nach seinem Tod
(5. Febr. 1705) wurde der Streit bis gegen die Mitte des
Jahrhunderts f$
d aus den Kannen der Streckmaschinen, wickelt aber
das Vorgarn auf Spulen, so da vom Grobflyer abwrts das
Garn auf Spulen gewickelt in die Maschine gelangt. Das Wesen eines
Flyers zeigt Fig. 13 der Tafel. Von den Spulen a a luft das
Vorgarn in das Streckwerk b, von hier zu den Spindeln c c, mit den
Flgeln d, welche durch die am Fu angebrachten
Kegelrder k in Umdrehung versetzt werden und dadurch dem Garn
Draht geben. Indem das Garn zugleich durch den hohlen
Flgelarm d und den Finger f auf die Spule e geleitet und
letztere um die Spindel vermittelst schiefer Kegelrder i
gedreht wird, wickelt es sich auf die Spule, welche aus einem
hlzernen Rohr besteht und behufs regelmiger
Bewickelung mit der sogen. Spulenbank (Wagen) g innerhalb der
Flgel auf und ab steigt, bis sie gefllt ist, um nach
Abheben des Flgels von der Spindel abgezogen u. der
nchstfolgenden Maschine bergeben zu werden. Ein sehr
sinnreicher, aber komplizierter Mechanismus mit
Differenzialrderwerk (Differenzialflyer) regelt die
Aufwi$
i oder drei Grbottiche und setzt die Kartoffelmaische
zu. Auch Roggen wird jetzt in ganzen Krnern im
Henzedmpfer verarbeitet. Whrend bei dem alten Verfahren
durchschnittlich 18,7 Proz. Strke unvergoren blieben, betrug
der Verlust bei Hollefreund 6,9, bei Bohm 7,2, bei Henze, bei
Ellenberger 4,6-6,6 Proz. 1 kg Strkemehl gibt theoretisch
71,7 Literprozent (s. unten) Alkohol; da jedoch thatschlich
nur 94 Proz. dieser Menge in Rechnung gezogen werden knnen,
so ergeben sich als erreichbarer Maximalbetrag nur 67,4 Literproz.
In der Praxis erhielt man nach dem alten Verfahren 45,3 Proz., nach
Henze 48,4, nach Hollefreund 50,5 und nach Bohm 53,8 Proz.
Verarbeitung der Maische.
Die verzuckerte Maische mu so schnell wie mglich
auf die zum Hefengeben und zum Einleiten der Grung
erforderliche Temperatur (12-17) abgekhlt werden. Dies
geschah frher auf Khlschiffen, flachen
Gefen von solcher Gre, da die
Maische darin nur eine dnne Schicht bildet, deren
Abkhlung noch durch Umrhren und starken Luftwechs$
rrscht im Innern
von Brasilien eine so groe Sprachverschiedenheit, da
bisweilen an einem Flu hin, dessen Lnge 300-500 km
nicht bersteigt, 7-8 vllig verschiedene Sprachen
gesprochen werden. Genaue Kenner des Landes erklren dies
daraus, da es ein Hauptzeitvertreib der Indianer ist,
whrend sie an ihrem Feuer sitzen, neue Wrter zu
ersinnen, ber die, wenn sie treffend sind, der ganze Haufe in
Gelchter ausbricht und sie dann beibehlt. Bei
sdafrikanischen Negerstmmen, unter denen der englische
Missionr Moffat lebte, wurden die Kinder manchmal von ihren
Eltern so sehr sich selbst berlassen, da sie
gentigt waren, sich eine besondere Sprache zu ersinnen,
wodurch im Lauf einer Generation die Sprache des ganzen Stammes
eine andre Gestalt annahm. Missionre in Zentralamerika hatten
von der Sprache des Volkes, dem sie das Christentum predigten, ein
sorgfltiges Lexikon angelegt; als sie nach zehn Jahren zu dem
nmlichen Stamm zurckkehrten, fanden sie, da
dasselbe veraltet und unbrauchbar geworden war. $
anck (1541), Eyering (1601), Zinkgref (zuerst
1626), Lehmann (1630); aus neuerer Zeit die von Krte (2.
Aufl., Leipz. 1861), Simrock (4. Aufl., Frankf. 1881), Binder
(Stuttg. 1874), Wchter (Gtersloh 1888), ferner
Sutermeister ("Schweizerische S.", Aar. 1869), Birlinger ("So
sprechen die Schwaben", Berl. 1868), Eichwald ("Niederdeutsche S."
Leipz. 1860), Frischbier ("Preuische S.", Berl. 1865) und
als umfangreichste Sammlungen: Wanders "Deutsches
Sprichwrterlexikon" (Leipz. 1863-80, 5 Bde.) und v.
Reinsberg-Dringsfelds "S. der germanischen und romanischen
Sprachen, vergleichend zusammengestellt" (das. 1872-75, 2 Bde.).
Arabische S. verffentlichte Socin (Tbing. 1878),
niederlndische Harrebome (Utr. 1853-70, 3 Bde.),
italienische Passerini (Rom 1875), sizilische Pitr (Palermo
1879, 3 Bde.). S. auch Rechtssprichwort. Vgl. Nopitsch, Litteratur
der S. (Nrnb. 1833); Zacher, Die deutschen
Sprichwrtersammlungen (Leipz. 1852); Duplessis, Bibliographie
parmiologique (Par. 1847); Wahl, Das Sprichwort der neu$
eiben, wurde in die
Strafprozeordnung nicht aufgenommen, obwohl sich der
deutsche Juristentag dafr ausgesprochen hatte. Es ist aber
fr den Fall, da die Staatsanwaltschaft dem bei ihr
angebrachten Antrag auf Erhebung der ffentlichen Klage keine
Folge gibt, nicht nur das Recht der Beschwerde an die vorgesetzte
Dienstbehrde, sondern auch gegen einen ebenfalls ablehnenden
Bescheid der letztern die Berufung auf gerichtliche Entscheidung
statuiert. Diese geht von dem Oberlandesgericht und in den vor das
Reichsgericht gehrigen Sachen von diesem selbst aus. Auf
diese Weise ist also das sogen. Anklagemonopol der
Staatsanwaltschaft abgeschwcht. brigens kann die
Staatsanwaltschaft gerichtlichen Entscheidungen gegenber auch
zu gunsten des Beschuldigten von den gesetzlich zulssigen
Rechtsmitteln Gebrauch machen. Endlich ist auch die
Strafvollstreckung Sache der Staatsanwaltschaft. In Preuen
liegt brigens dem S. auch die berwachung der durch das
Handelsgesetzbuch den Kaufleuten auferlegten Verpflichtungen ob.$
rich, ward S. 1202
erobert, fiel aber um 1204 an Bremen zurck, nachdem es von
Otto IV. umfangreiche Freiheiten erhalten hatte. In diese Zeit
fllt die Einfhrung des Elbzolles. 1648 im
Westflischen Frieden ward es Schweden zuerkannt und zur
Hauptstadt des Frstentums Bremen gemacht. 1676 von den
Hannoveranern, 1712 von den Dnen erobert, kam es 1719 nebst
dem Bistum Bremen an Hannover. 1807 ward es Westfalen einverleibt,
1810 von Napoleon I. in Besitz genommen, 1813 aber von den
Alliierten an Hannover zurckgegeben und von diesem wieder zur
Festung gemacht und 1816 neu befestigt. Hannover mute den
Elbzoll durch Vertrag vom 22. Juni 1861 gegen eine
Entschdigung von 2,857,338 Thlr. aufheben (s. Elbe, S. 503).
Am 18. Juni 1866 wurde die Festung S. von den Preuen ohne
Kampf genommen und fiel dann mit dem brigen Hannover an
Preuen. Der Regierungsbezirk S. (s. Karte "Hannover etc.")
umfat 6786 qkm (123,25 QM.), zhlt (1885) 325,916 Einw.
(darunter 320,329 Protestanten, 4118 Katholiken und 1126 Juden) und
be$
ahn in der Regel
von einem Halbkreis eingeschlossen, in dem sich die Pltze
fr die Kampfrichter (Hellanodiken) und die vornehmern
Zuschauer befanden, und wo auch die brigen Wettkmpfe
stattfanden. Bei den Rmern kamen die Stadien zu Csars
Zeit auf und wurden hier auch zu andern Vergngungen,
namentlich zu Tierhetzen, benutzt. Im modernen Sprachgebrauch
bezeichnet man mit S. jeden einzelnen Abschnitt in dem Verlauf oder
der Entwickelung einer Sache.
Stadler, Maximilian, Abbe, Kirchenkomponist, geb. 7. Aug.
1748 zu Melk in Untersterreich, geno seine
musikalische Ausbildung vorwiegend als Zgling des Wiener
Jesuitenkollegiums, trat dann in das Benediktinerstift seines
Geburtsorts, ward 1786 zum Abt von Lilienfeld und drei Jahre
spter zum Abt und Kanonikus von Kremsmnster ernannt.
Nachdem er 1791 von dieser Stelle freiwillig zurckgetreten
war, lebte er bis zu seinem Tod 8. Nov. 1833 in Wien, als Mensch
und Knstler hochgeachtet und mit allen musikalischen
Berhmtheiten seiner Zeit in lebhaftem Verkehr ste$
 vorzgliches Bindemittel
einander folgender Akkorde ist ferner das Liegenbleiben gemeinsamer
Tne. Eine Ausnahme macht die Fhrung der
Bastimme, welche gern von Grundton zu Grundton der Harmonien
fortschreitet und wesentlich der Frderung des harmonischen
Verstndnisses dient; auch von Hauptton zu Terzton und von
Terzton zu Terzton oder Hauptton geht der Ba gern, dagegen
ist der Sprung der Bastimme zum Quintton mit Vorsicht zu
behandeln (s. Quartsextakkord und Konsonanz). berhaupt aber
ist die Sekundbewegung zwar erstrebenswert, jedoch keineswegs immer
erreichbar, und gerade die Stimme, welche zumeist frei und zuerst
erfunden wird, die eigentliche Melodiestimme (in der neuern Musik
gewhnlich die Oberstimme), unterbricht die Sekundbewegung
gern durch grere, sogen. harmonische Schritte. Da
solche Schritte, wie bereits bemerkt, den Effekt der
Mehrstimmigkeit durch Brechung machen, so sind sie
Stimmgabel - Stimmung.
eine Bereicherung des Satzes; es blht sozusagen eine
zweite Stimme aus der einen heraus ($
 wird
gegenwrtig durch Graf Botho August Karl, Standesherrn in
Preuen und Hessen, geb. 12. Juli 1850, vertreten. Vgl. Graf
Botho zu S.-Wernigerode, Geschichte des Hauses S. 1210-1511
(Magdeb. 1883) ; Derselbe, Regesta Stolbergica (das. 1886).
Stolberg, 1) Christian, Graf zu, Dichter, der Linie
S.-Stolberg angehrig, geb. 15. Okt. 1748 zu Hamburg, Sohn des
Grafen Christian Gnther, studierte seit 1769 in Halle,
1772-74 in Gttingen, wo er dem Gttinger Dichterbund (s.
d.) beitrat, erhielt 1777 die Amtmannsstelle zu Tremsbttel in
Holstein und vermhlte sich hier mit der in vielen
Stolberger Diamanten - Stolberg-Wernigerode.
seiner Gedichte gefeierten Luise, Witwe des
Hofjgermeisters v. Gramm, einer gebornen Grfin von
Reventlow. Nach 23jhriger musterhafter Verwaltung
seines Amtes legte er dasselbe (1800) nieder und lebte
fortan auf seinem Gut Windebye bei Eckernfrde. Er
starb 18. Jan. 1821. Seine kleinern "Gedichte" (Elegien, Lieder,
Balladen etc.) sind mit denen seines Bruders zuerst 1779 in Leipzig
(neu$
 Flssigkeit,
welche durch das Rohr B in den Raum D gelangen kann, mit sich in
die Mndung (Fangdse) des Rohrs C fort. Die beim
Eintritt in das Rohr C in der Mischflssigkeit vorhandene
Geschwindigkeit wird durch allmhliche Erweiterung von C in
Druck umgewandelt, welcher die berwindung einer gewissen
Steighhe oder das Eindringen in einen unter Druck stehenden
Raum gestattet. Bei der bertragung der Geschwindigkeit von
der bewegenden auf die bewegte Flssigkeit finden bedeutende
Kraftverluste statt, welche den Nutzeffekt der S. um so
ungnstiger beeinflussen, je grer der Unterschied
zwischen dem spezifischen Gewicht der beiden zur Verwendung
kommenden Flssigkeiten ist; mithin werden die S. die Kraft
des bewegenden Mediums am besten bertragen, wenn der bewegte
Krper denselben Aggregatzustand hat wie jenes (wenn also z.
B. Wasser durch einen Wasserstrahl, Luft durch einen Dampfstrahl
bewegt wird). Trotzdem werden vielfach S. mit Medien verschiedenen
Zustandes verwendet (der bei weitem verbreitetste Stra$
chen. Solche Dampfstraenbahnen sind
besonders in Oberitalien in betrchtlicher Ausdehnung
vorhanden und vermitteln den Personen- und Gterverkehr
zwischen Ortschaften abseits der Eisenbahnen. Auch feuerlose
Lokomotiven sind fr S. benutzt worden, ebenso Dampfwagen, bei
welchen die Dampfmaschine in dem fr die
Personenbefrderung bestimmten Wagen angebracht ist (s.
Lokomotive, S. 890). Ein in Amerika mehrfach in Anwendung
befindliches Straenbahnsystem mit Dampfbetrieb (Taubahnen,
Kabel-, Seilbahnen) benutzt stationre Dampfmaschinen und zur
bertragung der Zugkraft auf die Wagen ein unter dem
Straenplanum laufendes Stahldrahtseil ohne Ende. Die Bahn
selbst ist eine zweigeleisige, und die beiden Seiltrmer sind
so gelegt, da das eine fortwhrend nach derselben
Richtung hinlaufende Trum unter dem einen Geleise, das andre in
entgegengesetzter Richtung bewegte unter dem zweiten Geleise
bleibt, entsprechend dem Lauf der hin- und hergehenden Wagen. Damit
das Seil weder den sonstigen Wagenverkehr behindert, noch $
ler, s. Waffenfliegen.
Stratioten (griech., "Soldaten", auch Stradioten),
halbwilde leichte Reiter aus Albanien und Morea, die im Solde der
Venezianer standen, im 15. Jahrh. auch im franzsischen und
spanischen Heer dienten, trugen trkische Tracht ohne Turban,
ein Panzerhemd und kleinen Helm und fhrten als Waffen eine
bis 4 m lange, an beiden Enden mit Eisen beschlagene Wurflanze,
breiten Sbel und Gewehr.
Stratiotes L. (Wasserscher, Krebsscher), Gattung aus der
Familie der Hydrocharideen, untergetauchte oder nur mit den
Blattspitzen auftauchende, aloeartige Wasserpflanzen mit dicht
rosettenartig gestellten, sitzenden, breit linealen, zugespitzten,
stachlig gezahnten, starren Blttern, zusammengedrcktem
Bltenschaft und dizischen Blten. S. alodes
L. (Meeraloe), mit schwertfrmig dreikantigen Blttern,
weien Blten und sechsfcheriger Beere, in
stehenden und langsam flieenden Gewssern
Norddeutschlands, meist gesellig, eignet sich gut fr
Stratocumulus (lat.), die geschichtete Haufenwolke, s.
Stratos, $
en" (Osnabr. 1826) heraus; von seinen
selbstndigen Arbeiten erwhnen wir: eine Darstellung des
Verhltnisses der Stadt Osnabrck zum Stift (Hannov.
1824); "Geschichte des Hochstifts Osnabrck" (Bd. 1 u. 2, das.
1853-1872; Bd.3, 1882); "Wesen und Verfassung der Landgemeinden in
Niedersachsen und Westfalen" (Jena 1851); "Untersuchungen ber
die Gogerichte in Westfalen und Niederfachsen" (das. 1870) u.
Stygisch (griech.), der Styx, d. h. der Unterwelt,
angehrig; daher s. v. w. frchterlich, schauerlich.
Styl (griech.), s. Stil.
Stylidiaceen, dikotyle, etwa 100 Arten umfassende,
vorzugsweise in Australien einheimische Pflanzenfamilie aus der
Ordnung der Kampanulinen; von ihren nchsten Verwandten durch
ihre beiden mit dem Griffel in eine auf dem Eierstock stehende
Sule verwachsenen Staubgefe verschieden.
Styliten (griech., Sulenheilige), eine im 5. Jahrh.
im Morgenland aufgekommene Klasse christlicher Asketen, welche ihr
Leben auf der Spitze hoher Sulen stehend zubrachten (s.
Simeon 3). Die S. hielten sich$
g fand, wird ein arabischer Perser aus
Irak genannt; fr seine bedeutendsten Vertreter gelten der
persische Dichter Dschelal eddin Rumi und Frerid eddin Attar aus
Nischabur wie auch die berhmten Dichter Hafis und Saadi. Vgl.
Tholuck, S., sive Theosophia Persarum pantheistica (Berl. 1821);
Kremer, Geschichte der herrschenden Ideen des Islams (Leipz. 1868);
Palmer, Oriental mysticism (Lond. 1867); Gobineau, Les religions et
les philosophes dans l'Asie Centrale (2. Aufl., Par. 1866).
Suganathal (Val Sugana),Fluthal der Brenta, soweit
sie tirolisches Gebiet durchstrmt, zieht sich von den Quellen
der Brenta ab ber 50 km bis zur italienischen Grenze, wo es
bei Tezze in eine wilde Schlucht bergeht, enthlt die
Seen von Caldonazzo und Levico, hat sdliche Vegetation, Wein-
und Seidenkultur und ca. 70,000 Bewohner. Wichtige Orte sind
Pergine, Levico, Borgo und der Badeort Roncegno. Der Name wird von
dem Volksstamm der Euganeer abgeleitet, welche hier angesiedelt
Sugatag (spr. sch-), Dorf im ungar. Komitat
Marmar$
Erhebung der Klage erst
dann zulssig, wenn vor der zustndigen
Vergleichsbehrde die Shne fruchtlos versucht worden
ist. Hierber hat der Klger mit der Klage eine
Bescheinigung einzureichen. Die Vergleichsbehrde ist in den
meisten deutschen Staaten der Schiedsmann (s. d.), der auch die
gtliche Beilegung von privatrechtlichen Streitigkeiten
versuchen kann.
Suicidium (lat.), Selbstmord.
Suidas, griech. Lexikograph, um 970 n. Chr., Verfasser
eines Worterklrungen und Notizen (namentlich biographische)
ber die alten Schriftsteller enthaltenden lexikalischen
Werkes. Eilig und ohne Kenntnis und Kritik aus ltern
Wrterbchern, Scholien und grammatischen Schriften
zusammengeschrieben, leidet es an zahlreichen schweren Mangeln und
Irrtmern, ist aber dennoch durch die Flle nur hier
erhaltener Nachrichten besonders fr die Litteraturgeschichte
von unschtzbarem Wert. Neuere Ausgaben besorgten Gaisford
(Oxford 1834, 3 Bde.), Bernhardy (Halle 1834-53, 2 Bde.) und Beker
(Berl. 1854). Vgl. Daub, De Suidae biographi$
Getreidehandel fr frei, legte Kanle an und leistete in
dieser Stellung viel fr Verbesserung der Kommunikationsmittel
des Landes. Zugleich leitete er auch die auswrtigen
Verhandlungen. 1604 wurde er zum Gouverneur von Poitou und 1606
fr sein Gut Sully an der Loire zum erblichen Herzog ernannt.
Dabei erwarb er fr sich selbst ein bedeutendes Vermgen.
Nach der Ermordung Heinrichs IV. (14. Mai 1610) ward er seiner
Stellung am Hof entbunden und von diesem auf sein Schlo S.
verwiesen; doch bediente sich auch Ludwig XIII. fters seines
Rats und ernannte ihn 1634 zum Marschall; er starb 21. Dez. 1641.
Wichtig fr die Geschichte seiner Zeit, obwohl nicht durchaus
zuverlssig, sind seine in Stil und Form ungeniebaren
"Memoires" (Amsterd. 1634, 2 Bde.; 2 Supplementbnde 1662),
die vom Abb L'Ecluse (das. 1745, 8 Bde.) modernisiert, aber
auch sehr verndert und geflscht wurden. Vgl. die
biographischen Schriften von Legouv (Par. 1873), Gourdault
(3. Aufl., Tours 1877), Bouvet de Cresse (das. 1878), Dussieux
(Par$
arbeitung von Phosphoriten mssen die
Behlter mit einem hlzernen Mantel bedeckt werden, um
Dmpfe von Chlor- und Fluorwasserstoffsure in die Esse
leiten zu knnen. Mineralische Phosphate werden viel leichter
aufgeschlossen, wenn man 7-10 Proz. der Schwefelsure durch
Salzsure ersetzt oder Kochsalz hinzufgt. Husig
mischt man auch das S. mit stickstoffhaltigen Substanzen, wie
schwefelsaurem Ammoniak oder Chilisalpeter, ferner Horn, Leder,
Lumpen, welche gedmpft und dann gemahlen werden, auch mit
Leimbrhe vom Dmpfen der Knochen etc. Vgl. Marek,
ber den relativen Dngewert der Phosphate (Dresd.
Superporte (neulat., ital. soprapporto), ein ber
einer Zimmerthr angebrachtes, mit dieser gleich breites, aber
niedriges Bild in Malerei, Stuck, Weberei etc.; besonders bei den
Dekorateuren des Barock- und Rokokostils beliebt.
Superrevision (lat.), nochmalige Prfung.
Supersedeas (lat., "la ab"), in England Befehl,
das Verfahren einzustellen.
Superstition (lat.), Aberglaube; superstitis,
aberglubisch.
Supert$
mpieion und der Hafenort Daskon. S. war eine dorische
Niederlassung, 734 v. Chr. von den Korinthern auf Ortygia
gegrndet und nach der sumpfigen Ebene Syrako, westlich vom
groen Hafen, benannt. Wiewohl der Zeit nach die zweite
griechische auf Sizilien gegrndete Kolonie, wurde sie doch
bald durch Betriebsamkeit und Handel dem Rang nach die erste und
grndete selbst neue Niederlassungen auf Sizilien (Akr,
Kasmen, Kamarina u. a.). Sie hatte eine aristokratische
Verfassung. Die Gamoren hatten die Regierung in den Hnden,
zuerst mit einem Knig an der Spitze, spter ohne einen
solchen. Aus den Gamoren, den Nachkommen der ersten Kolonisten,
wurden die Magistrate und Mitglieder des Hohen Rats gewhlt,
welche das Volk in ihren Versammlungen leiteten. 491 wurde die
Aristokratie der Gamoren von der demokratischen Partei
gestrzt, welche aber keine geordnete Verfassung herzustellen
vermochte. So ward es Gelon (s. d.) leicht, die Gamoren nach S.
zurckzufhren und sich dann selbst 485 der Herrschaft zu
bemchtigen. U$
her Weizen und Wein, Mais,
Obst, Kastanien), hat (1881) 296,678 Einw. (meist Serben) u.
lebhafte Pferde-, Vieh-, Bienen- und Seidenraupenzucht.
Komitatssitz ist Vukovar (s. d.).
Syrnium, s. Eulen, S. 906.
Syrokomla, Wladyslaw (eigentlich Ludwig Kondratowicz),
poln.Dichter, geb. 17. Sept. 1823 zu Jaskowice in Litauen, lebte
bis 1853 als Landwirt in Zalucz am Niemen, spter in
Borejkowszczyzna bei Wilna und starb in letzterer Stadt 15. Okt.
1862. S. war kein Dichter von hohem Gedankenflug. aber vom Feuer
echter Begeisterung und tiefem, auf, richtigem Gefhl
erfllt, zugleich von einer ungewhnlichen Einfachheit im
Ausdruck. Unter seinen zahlreichen im Volkston gehaltenen
poetischen Erzhlungen (Gawedy) sind hervorzuheben: "Urodzony
Jan Deborog", "Janko Cmentarnik", "Noc hetmanska" und "Zgon Acerna"
auf den Tod Klonowicz' (f. d.), dessen trbe Lebensschicksale
ein Spiegelbild der seinigen bildeten. Weniger erfolgreich
versuchte er sich) auf dramatischem Gebiet ("Kaspar Karlinski"
u.a.). S. lieferte auch eine Ges$
sind in lange,
dnne Fden geschnitten, schn goldbraun,
aromatisch, krftig, trocken und schmackhaft zugleich. Die
Tabake der asiatischen Trkei sind schwerer als die
rumelischen und strker; von den syrischen Sorten ist der
Latakia und Abou Reha aus der Provinz Saida grob geschnitten, braun
bis schwarz, stark fermentiert. Als trkischer T. geht
brigens auch viel griechisches und russisches Produkt.
Tabaksbltter riechen narkotisch, schmecken widerlich und
scharf bitter; sie enthalten 16-27 Proz. anorganische Stoffe,
welche zu 1/4-1/3 aus Kalk, oft bis zu 30 Proz. aus Kali bestehen,
auch reich an Phosphorsure und Magnesia sind. Der
Stickstoffgehalt betrgt 4,5 Proz. Die Basen find
groenteils an organische Suren gebunden, und die
leichte Einscherung der Bltter, also die richtige
Brennbarkeit des Rauchtabaks, ist abhngig von der Gegenwart
organischer Kalisalze. Schlecht brennender T. liefert eine an
Kaliumsulfat und Chlorkalium reiche, aber von Kaliumcarbonat freie
Asche. Von groem Einflu auf die Bren$
ereinigte Staaten 109 193 700 Kolumbien .... 2 250 000
Trkei. .......... 32 000 000 Puerto Rico ... 1 757 900
Brasilien .... .... 23 485 000 China ......... 1 557 900
Niederl.-Ostindien.. 19 878 900 Japan. ........ 1 531 100
Philippinen........ 7 452 800 Paraguay. ..... 1 413 500
Britisch-Ostindien 7 259 300 Peru ........ 400 000
Cuba .............. 5 909 900 Mexiko......... 350 000
San Domingo........ 4 832 600 Venezuela...... 286 000
Algerien........... 4 092 700 ---------------
Persien............ 2 600 000 Zusammen: 226 251 300
Meyers Konv -Lexikon, 4. Aufl., Xv. Bd.
Berechnet man die Differenz zwischen Produktion und Export
fnr die Vereinigten Staaten mit nur 100 Mill. kg, fr
Japan mit 40, fr Britisch-Ostindien mit 160, fr
Algerien mit 4 Mill. kg, so ergibt dies, ohne Persien zu
bercksichtigen, eine Jahreserzeugung von 530 Mill. kg, welche
aber der Wirklichkeit bei weitem nicht entspricht, da sie den
Lokalverbrauch aller in dieser Berechnung nicht genannten
Lnder unbercksichtigt lt. Die
europis$
peterlsung umgeschmolzen, in kaltes Wasser gegossen und in
Spnen an der Sonne gebleicht. Auch durch Schmelzen mit etwa 1
Proz. Braunsteinpulver, 2 Proz. Schwefelsure und 30 Proz.
Wasser, Abgieen, Versetzen mit 1 Proz. Oxalsure und
abermaliges Abgieen kann T. gebleicht werden. Zum
Hrten schmelzt man T. mit 0,5 Proz. Schwefelsure und
0,5 Proz. Salpetersure, wscht aus und erhitzt bis zum
Verdunsten des Wassers, oder man rhrt 0,007 Proz. Bleizucker
in das geschmolzene Fett ein. Man kann auch geschmolzenen T. auf
20-25 abkhlen lassen und das flssig gebliebene
Olein abpressen. Das abgeprete breifrmige Talgl
dient zur Darstellung von Kunstbutter. Die grte Menge
T. liefert Ruland, im Sden mehr Hammeltalg
(weier T.), im Norden hauptschlich Rindertalg (gelber
T.). Je nach der Reinheit und Konsistenz unterscheidet man auch
Lichtertalg und Seifentalg, welch letzterer namentlich aus Sibirien
kommt. Auch Polen, Holland und Dnemark liefern viel und guten
T., welcher, wie die inlndische Produktion, i$
zwifchen
den englischen Grafschaften Cornwall und Devon, mndet in den
Plymouthsund; 96 km lang. Sein stuar bildet die berhmte
Reede Hamoaze. Er ist bis Launceston schiffbar, von wo ein Kanal
nach Budehaven an der Nordkste von Cornwall fhrt.
Tamara, ital. Wrzpulver aus Koriander, Zimt,
Nelken, Fenchel und Anis; wird in der Kche wie Curry-powder
(s. d.) benutzt.
Tamarikaceen (Tamariskenartige), dikotyle, etwa 40 Arten
umfassende Familie aus der Ordnung der Cistifloren, Holzpflanzen,
selten Stauden mit kleinen, oft schuppenfrmigen,
blaugrnen, abwechselnden Blttern und
regelmigen, zwitterigen, 4-5zhligen, in
hren, Kpfen, Trauben oder Rispen stehenden Blten.
Von den verwandten Familien unterscheiden sich die T.
hauptschlich durch einen Haarschopf am Samen. In Deutschland
kommt nur Tamarix (Myricaria) germanica Devs. an kiesigen
Fluufern vor, deren Rinde wie auch die der am Mittelmeer
heimischen Tamarix gallica L. frher offizinell war. Der
Familie der T. werden auch die kleinen Gruppen der Reaumu$
te des 3. vorchristlichen Jahrtausends
wurde T. um 2100 Residenz der semitischen Hyksosknige und
diejenige der groen Herrscher aus der 19. Dynastie, wie
Ramses' II. und
Merenptahs, deren ersterer in T. einen groartigen Tempel
Kriegsgottes Set erbaute, in dessen Ruinen nicht weniger als
Obelisken gefunden wurden. In sehr fruchtbarer, wild- und
fischreicher
Gegend gelegen und selbst fr Seeschiffe erreichbar, war T.
Grndung Alexandrias wohl die grte
Handelsstadt gyptens, sank aber
spter infolge von Landanschwemmungen und des Versandens
Tanitischen Nilmndung und wurde wahrscheinlich 174 n.
gelegentlich eines Aufstandes zerstrt. Vgl. Flinders
Petrie, Tanis
(Lond. 1885, Bd. 1).
Tanjore, Stadt, s. Tandschor.
Tankred, 1) T. von Hauteville, normnn. Ritter im 11.
Jahrh., dessen zehn Shne, unter ihnen
der berhmte Robert Guiscard und Roger I., 1038
nach Unteritalien zogen, es eroberten und dort das
normnnische Reich
2) Berhmter Kreuzfahrer, Enkel des vorigen, von
dessen Tochter Emma aus
ihrer Ehe mit dem $
tern" (Berl. 1877) stilistisch
mustergltige Vorbilder fr die Straminstickerei auf
Kanevas geboten. Vgl. Handarbeiten, weibliche.
Tapolcza (spr. tpolza), 1) Markt im ungar.
Komitat Zala, mit Nonnenkloster, (1881) 2913 Einw., Weinbau,
Schwefelquelle, Badeanstalt und Bezirksgericht. - 2) Badeort im
ungar. Komitat Borsod, 3 km von Miskolcz, mit einer ergiebigen
indifferenten Therme von 25 C., die mehrere Teiche bildet.
Tapotement (franz., spr. -pott'mang), das Klopfen bei der
Tapp, sddeutsches Kartenspiel mit 36 Blttern
(As bis Sechs), welche wie im Sechsundsechzig rangieren. Drei
Personen sind ntig; jeder erhlt 11 Karten, 3 Karten
bleiben als Talon. Coeur ist stets hchste Farbe; die andern
Farben rangieren gleich. Man spielt Coeurfrage (mit Einnehmen des
Talons und Ekartieren), Solo in schlechter Farbe und Coeursolo. Bei
Solo zhlt der Talon fr den Spieler, darf aber nicht
angesehen werden. Zum Gewinnen mu der Spieler 61 Points
haben. Die Pointzahl, welche er darber hat, wird ihm bei
Frage zum vierte$
, wurde
Rechtsanwalt, dann Professor der englischen Litteratur am
University College in London, trat 1850 in den Staatsdienst, ward
1854 Hauptsekretr des Gesundheitsamtes und bei Auflsung
dieser Behrde nach 21jhriger Dienstzeit in Ruhestand
versetzt. Inzwischen hatte er als Kunstkritiker der "Times"
bedeutenden Einflu erworben, als Mitarbeiter des "Punch"
viel Heiteres geschrieben und besonders als dramatischer
Schriftsteller sich hervorgethan. Mehr als 100 Stcke sind aus
seiner Feder hervorgegangen, freilich viele nach fremden Mustern.
"The fool's revenge", "An unequal match". "The ticket-of-leave
man", "Clancarty" haben sich auf der Bhne erhalten, ebenso
die historischen Dramen: "Twixt axe and crown", "Joan of Arc" und
"Anne Boleyn". Whrend der letzten acht Jahre seines Lebens
war er Herausgeber des "Punch". Er starb 12. Juli 1880 in London.
Auch als Herausgeber der Biographien englischer Knstler, wie
Haydons (1853), Leslies (1859), Reynolds (1865), sowie eines
"Catalogue of the works of Sir J. Rey$
ssen
Haupttendenzen die Bewahrung des ritterlichen Geistes und das
Bekenntnis eines aufgeklrten, in der Zeitphilosophie
wurzelnden Deismus waren, und dem die ersten Personen des Hofs und
der Pariser Gesellschaft beitraten. Nachdem derselbe whrend
der Revolution sich aufgelst hatte, sammelte in den letzten
Jahren das Direktorium seine Trmmer wieder, und man suchte
nun dem Bund eine politische Richtung zu geben. Napoleon I.
begnstigte ihn als ein Adelsinstitut. Die Restauration sah
den aufgeklrte Tendenzen verfolgenden Bund zwar mit
argwhnischen Augen an, doch bestand derselbe fort. Die
Philhellenenvereine fanden in ihm eifrige Teilnehmer. Nach der
Julirevolution trat der Bund sogar in Paris wieder ffentlich
hervor und zwar mit kommunistischen Tendenzen, und seine Mitglieder
nannten sich Chrtiens catholiques primitifs. Seine
Geheimlehre war in einem "Johannisevangelium" zusammengefat.
Der Orden erlosch 1837. Vgl. Wilcke, Geschichte des Ordens der T.
(2. Ausg., Halle 1860, 2 Bde.); Michelet, Procs des$
. Tennysons poetische Richtung
ist vorwiegend kontemplativ, weniger aufs Erhabene gerichtet;
meisterhaft sind seine Schilderungen des Natur- und Seelenlebens.
Die Universitt Cambridge hat T., der seit 1869 auf einem
Landsitz in der Nhe von Petersfield in Hampshire lebt, durch
Aufstellung seiner Bste in der Bibliothek der Trinity Hall
geehrt, Oxford durch Verleihung des Doktorgrades; 1884 wurde er von
der Knigin als Baron T. von Altworth zum Peer ernannt. Seine
gesammelten Werke: "Poetical works", erschienen zuletzt 1886 in 10
Bnden, die "Dramatic works" 1887 in 4 Bnden.
Ausgewhlte Dichtungen von T. in deutscher bersetzung
gaben Freiligrath (in "Englische Gedichte aus neuerer Zeit",
Stuttg. 1846), Hertzberg (Dess. 1854) und Strodtmann (Hildburgh.
1867) heraus. Letztere Ausgabe enthlt auch das ungemein
beliebte Gedicht "Enoch Arden", welches auerdem noch von R.
Waldmller (30. Aufl., Hamb. 1888) u. a. bersetzt ward.
Vgl. Wace, Alfred T. (Lond. 1881).
Tenor (lat.), der ununterbrochene Lauf einer Sache$
afwolle, fr feinere T. auch
Ziegenhaare und Seide. Die schnsten orientalischen T. sind
die persischen (s. Tafel "Ornamente IV", Fig. 11, und Tafel
"Weberei", Fig. 16) und von diesen wieder die von Farahan in der
Provinz Arak; sie enthalten auf 1 m Breite 400-500 Flormaschen. Die
indischen (s. Tafel "Weberei", Fig. 22) haben einen ansehnlich
hhern Flor und 300-350 Maschen auf 1 m, fr den
europischen Handel sind aber bei weitem wichtiger die
ungleich billigern trkischen T., von denen die Smyrnaer mit
120-200 Maschen am geschtztesten sind; sie besitzen stets
eine wollene Kette, whrend die der persischen und indischen
aus Baumwolle besteht. Die orientalischen T., und namentlich die
geknpften Smyrnateppiche, werden mit gutem Erfolg in Europa,
speziell in Deutschland (Schmiedeberg seit 1856, Kottbus, Wurzen,
Springe, Linden etc.) und Wien, nachgeahmt und zwar unter Anwendung
derselben Methode. Man arbeitet aber mit Kette aus Leinengarn und
Grundschu aus Jute, erreicht eine groe technische
Vollkommenheit $
inl. Terpentinhydrat [s.
Terpentinl.]
Terpsichore (die "Tanzfrohe"), eine der neun Musen, spter
besonders die Muse der Tanzkunst und des Chorgesanges; fhrte
in Bildwerken eine groe Leier und in der Rechten das
Plektron. Vgl. Musen (mit Abbildung).
Terra (lat.), Erde, Land; T. incognita. unbekanntes Land;
T. firma, Festland; T. di Siena, Sienaerde (s. Bolus); T. foliata
tartari, essigsaures Kali; T. foliata tartari crystallisata,
essigsaures Natron; T.inebriata, glasierte Thonwaren in der Art der
Robbia-Arbeiten; T. japonica, s. Katechu; T. lemnia, Siegelerde (s.
Bolus); T. ponderosa, Schwererde, Baryt; T. sigillata, s. Bolus; T.
tripolitana Tripel; T. umbria, schwarze Kreide.
Terracina (spr. -tschina), Stadt in der ital. Provinz
Rom, Kreis Velletri, am gleichnamigen Golf des Tyrrhenischen Meers,
frher wichtiger Punkt an der Strae von Rom nach
Neapel, ist Sitz eines Bischofs, hat eine Kathedrale (an der Stelle
eines antiken Tempels), Ruinen eines Palastes des Gotenknigs
Theoderich, einen Hafen, von wel$
r fielen, 30,000 wurden als
Sklaven verkauft. Erst 315 wurde T. von Kassandros mit Hilfe der
Athener wieder aufgebaut und stand nun unter makedonischer
Herrschaft. Im achischen Krieg 146 schlo es sich der
Kriegserklrung der Acher an die Rmer an; nach
Verlust der Schlachten bei Skarpheia und Leukopetra flohen aber die
Einwohner Thebens nach dem Peloponnes, und T. verdete
seitdem. Pausanias fand nur noch die Burg und einige Tempel vor. Im
2. Jahrh. n. Chr. war die untere Stadt schon gnzlich
verschwunden. In neuerer Zeit hat man den Kabirentempel
ausgegraben. Aus Thebens Gebiet stammte Pindar. An Stelle der
phnikischen Burg Kadmeia erhob sich Thiv (s. d.).
Theben (ungar. Dvny), Markt und
Dampfschiffstation im ungar. Komitat Preburg, an der
Mndung der March in die Donau und am Fu des 513 m
hohen Thebner Kogels, mit dem die Kleinen Karpathen am
Donaudurchbruch (der Porta Hungarica) dem Leithagebirge
gegenber beginnen, hat (1881) 1655 meist deutsche Einwohner,
die bedeutenden Handel mit Gemse treibe$
u Eukleides und
Ptolemos. Seine Schriften gab Halma (Par. 1821-23, 2 Bde.)
mit franzsischer bersetzung heraus.
3) lios, aus Alexandria, griech. Rhetor des 5. Jahrh. n.
Chr., ist Verfasser einer trefflichen Anleitung, sogenannter
"Progymnasmata" (hrsg. von Finckh, Stuttg. 1834, und in den
"Rhetores graeci" von Walz und von Spengel).
Theophanes, mit dem Beinamen Isauricus oder Confessor,
byzantin. Geschichtschreiber, geb. 758 zu Konstantinopel,
bekleidete daselbst mehrere Hofmter, ward dann Vorsteher
eines Klosters in Bithynien, aber als Bilderverehrer von Kaiser Leo
III. verbannt und starb 817 in Samothrake. Er verfate eine
"Chronographia" (hrsg. von Classen und Becker, Bonn 1839-41, 2
Bde.; von Boor, Leipz. 1883-85, 2 Bde.).
Theophanie (griech., "Gotteserscheinung"), in der
christlichen Kirche s. v. w. Epiphania (s. d.).
Theophano (Theophania), Kaiserin, Tochter des
ostrm. Kaisers Romanos II. und der berchtigten
Theophano, welche 963 Romanos und 969 ihren zweiten Gemahl,
Nikephoros Phokas, ermorden li$
wieder mehr, ihr
freies Ende bewegt sich nach rechts, lt den Zeiger cd
auf der erreichten Maximaltemperatur stehen und schiebt nun den
Zeiger fg mittels des Stifts q nach rechts, wo derselbe bei
erneuter Erwrmung stehen bleibt und das Temperaturminimum
anzeigt. Die bogenfrmige Skala wird durch Vergleichung mit
einem Quecksilberthermometer graduiert. Solche Spiralen eignen sich
sehr gut zur Konstruktion selbstregistrierender T. (s.
Registrierapparate, S. 664).
Das Tiefseethermometer von Negretti und Zambra ist ein
gewhnliches Quecksilberthermometer mit cylindrischem
Gef, dessen Hals verengert und auf besondere Weise
zusammengezogen ist (Fig. 7 u. 8). Jenseit dieser Verengerung ist
das Thermometerrohr mehr ausgebogen und bildet eine kleine Bucht
zur Aufnahme von Quecksilber. Das Ende der alsdann gerade
verlaufenden Rhre bildet ein Reservoir fr das aus dem
cylindrischen Gef abflieende Quecksilber. Wird
der Apparat zunchst so gehalten, da dies
Gef sich unten befindet, so fllt das Quecksilber
die $
nahme
aufblhen u. abblttern, beim Abbau, namentlich beim
Tunnelbohren, groe Schwierigkeiten bereiten und
Einstrze veranlassen.
Thonglimmerschiefer, s. Phyllitschiefer.
Thonissen, Jean Joseph, belg. Nationalkonom und
Rechtslehrer, geb. 21. Jan. 1817 zu Hasselt, studierte
Rechtswissenschaft, widmete sich hierauf der Advokatur und wurde,
nachdem er verschiedene mter im Gebiet der Verwaltung und der
Rechtspflege bekleidet hatte, 1847 Professor des Kriminalrechts an
der katholischen Universitt zu Lwen und spter
auch in das Abgeordnetenhaus gewhlt. 1855 wurde er zum
Mitglied der Akademie in Brssel ernannt und 1869 zum
korrespondierenden Mitglied der franzsischen Akademie. Seit
1863 der Abgeordnetenkammer angehrend, wurde er 26. Okt. 1884
Minister des Innern und des ffentlichen Unterrichts, trat
jedoch Oktober 1887 zurck. Er schrieb: "La constitution belge
annote" (1844, 3. Aufl. 1879); "Le socialisme et ses
promesses" (1850); "Le socialisme dans le pass" (1851); "Le
socialisme depuis l'antiquit ju$
r jung
Parlamentsrat, Requetenmeister, auch Gromeister der
kniglichen Bibliothek und spter Staatsrat, aber als
Mitwisser der Verschwrung des Cinq-Mars (s. d.) 12. Sept.
1642 in Lyon enthauptet.
Thouars (spr. tur), Stadt im franz. Departement
Deux-Svres, Arrondissement Bressuire, rechts am Thouet,
ber den drei Brcken fhren, Knotenpunkt
Thouars - Thrakische Chersones.
der Eisenbahnen Tours-Bressuire und Saumur-Niort, hat ein
Felsenschlo mit schner Kapelle, Reste von
Befestigungswerken, Weberei, Gerberei, Handel mit Getreide, Pferden
etc. und (1881) 3535 Einw.
Thouars, auch P. Th., bei botan. Namen fr L. M. A.
du Petit-Thouars, geb. 1756 auf Schlo Boumois in Anjou,
bereiste die Maskarenen und Madagaskar, gest. 1831 in Paris. Flora
der sdafrikanischen Inseln; Obstbume.
Thourout (spr. turuh), Stadt in der belg. Provinz
Westflandern, Arrondissement Brgge, Knotenpunkt der
Staatsbahnlinie Ostende-Ypern und der Linie Brgge-Courtrai,
hat Leinweberei, Gerberei, Hutfabrikation und (1888) 8972 Einw.
Thouv$
 dafr in den
Freiherrenstand erhoben. Durch eine Konvention mit der Pforte
bewirkte er 1776 die Abtretung der Bukowina an sterreich.
Nachdem er an den Hfen von Neapel, Versailles und Berlin
diplomatisch thtig gewesen, ging er 1780 als Gesandter nach
Warschau, 1787 nach Neapel und 1788 als Hofkommissar in die Moldau
und Walachei, deren Verwaltung er bis 1790 leitete. Er beteiligte
sich hierauf an den Friedensunterhandlungen mit der Pforte zu
Sistova und leitete in Paris die Unterhandlungen zwischen der
Knigin Maria Antoinette und dem Grafen Mirabeau. Nach seiner
Rckkehr im J. 1792 wurde er zum Armeeminister bei dem Heer
des Prinzen von
[Zeus auf dem Thron os sitzend (Mnze von
Thuin - Thulden.
Koburg, welches die verlornen Niederlande wiedererobern sollte,
ernannt und 27. Mai 1793 Generaldirektor der Staatskanzlei unter
Kaunitz und damit tatschlich, nach Kaunitz' Tod 1794 auch
formell, Minister der auswrtigen Angelegenheiten. Ein Mann
von Geist und Talent, aber rnkevoll und gewissenlos,
schrfte er du$
schen und Kstenprovinzen, bernahm 1799 beim
Wiederausbruch des Kriegs aufs neue das Portefeuille des
Auswrtigen, trat aber schon im Dezember 1800 wieder
zurck und lebte fortan zu Preburg und Wien, wo er 29.
Mai 1818 starb. Vgl. Vivenot, T., Clerfayt und Wurmser 1794-97
(Wien 1869); Derselbe, T. und sein System (das. 1870, 2 Tle.);
Derselbe, Vertrauliche Briefe des Freiherrn v. T. (das. 1871, 2
Thuin (spr. tung), Hauptstadt eines Arrondissements
in der belg. Provinz Hennegau, an der Sambre und der Eisenbahn
Charleroi-Erquelines, mit schner Kirche, hherer
Knabenschule, Tuchfabrikation, Eisenwerken und (1888) 5361 Einw. T.
gehrte frher zum Bistum Lttich und war stark
Thuja Tourn. (Lebensbaum), Gattung aus der Familie der
Kupressineen, Bume von in der Regel mehr oder weniger
pyramidenfrmigem Wuchs, mit blattartig flachen letzten
Verstelungen, vierreihig dachziegeligen,
schuppenfrmigen, nur an der Spitze freien Blttern,
monzischen Blten auf verschiedenen sten und
kleinen, im zweiten Jahre reifen$
 Congo, welcher an diesem Flu
oberhalb der Stanleyflle die Stationen Kibonge, Riba Riba und
Kasongo (die letzte, etwas abseits vom Congo oberhalb Njangwe
gelegen, ist die Hauptstation) nebst zahlreichen andern kleinen
Handelsposten besitzt, gegenwrtig auch als Gouverneur der
Station Stanley Falls im Dienste des Congostaats steht. T. wurde
uns zuerst durch Cameron bekannt, dem er 1874 bei seiner
Durchquerung Afrikas ber den Lualaba bis nach Utotera (5
sdl. Br. und 25 54' stl. L. v. Gr.) das Geleit
gab. Als Stanley 1876 seine denkwrdige Entdeckungsreise den
Congo abwrts machte, lieh ihm T. seinen wertvollen Beistand,
namentlich zur berwindung der Stanleyflle. Schon zu
jener Zeit war T. ein hchst einflureicher Mann,
seitdem wuchs sein Einflu noch mehr, wiewohl ihn seine
Handelsunternehmungen in groe Abhngigkeit von den
indischen Hndlern an der ostafrikanischen Kste
brachten, die ihn das Anerbieten Stanleys bei dessen Zug zu Emin
Pascha, in die Dienste des Congostaats zu treten und Stanley bei
$
ge Departement hat (1885) 24,408 Einw.
Traille (franz., spr. traj), Fhre, fliegende
Brcke. Bisweilen flschlich fr Tralje (s. d.).
Train (franz., spr. trng), das Fuhrwesen der Heere,
welches diesen Bedrfnisse jeder Art nachzufhren hat, u.
zwar nennt man T. sowohl die einem Heer oder einer einzelnen Truppe
folgenden Fahrzeuge (T. eines Bataillons etc.) mit den
zugehrigen Leuten (Trainsoldaten) und Pferden als auch die
besondere Truppengattung. Hiernach unterscheidet man Verpflegungs-,
Sanitts-, Administrations-, Feldbrcken- und
Belagerungstrains. Die beiden erstern, mit der Truppe in engster
Verbindung stehend, sind zur Erhaltung der Schlagfertigkeit
derselben von hchster Bedeutung, mssen daher eine
grere Bewegungsfhigkeit zur Anpassung an die
Operationen der kmpfenden Truppen besitzen und werden deshalb
auch von den Trainbataillonen als Truppenteile formiert. In
Deutschland hat jedes Trainbataillon (also pro Armeekorps) 5
Proviantkolonnen, 1 Feldbckereikolonne, ein Pferdedepot, 3
Sanittsdetac$
he angeordnet. Zwar ward
es bald Sitte, das Verlbnis dem Bischof oder
Kirchenltesten anzuzeigen, und zum wirklichen Anfang der Ehe
wurde die kirchliche Einsegnung hufig begehrt und erteilt;
ein die Gltigkeit der Ehe bedingendes Erfordernis ward jene
aber erst im 9. Jahrh., im Abendland durch Karl d. Gr., fr
die griechische Kirche durch Leo VI. Philosophus. Auch Papst
Nikolaus I. machte die Gltigkeit des ehelichen
Bndnisses davon abhngig, da dieses mit dem
kirchlichen Segen und einer Messe geschlossen sei. Noch aber
erfolgte die Eheschlieungserklrung vor dieser
Brautmesse. Erst seit 1100 etwa befragt der segnende Priester die
Eheschlieenden um die Ernstlichkeit ihres Vorhabens. Aber
noch die groen Dichtungen des deutschen Mittelalters lassen
die Paare erst am Tag nach ihrer Verehelichung sich zur Kirche
begeben, und erst seit dem 15. Jahrh. finden sich
Trauungsformulare, in welchen der Priester als Stellvertreter
Gottes die Eheleute zusammenspricht. Aber selbst das tridentinische
Konzil verlangt z$
g des Gebiets immer neue
T. gebildet, bis 241 n. Chr. die Zahl 35 erreicht wurde, bei
welcher man stehen blieb; vier derselben hieen
stdtische (t. urbanae), weil sie aus vier stdtischen
Bezirken gebildet waren; die brigen gehrten der
Landschaft an und hieen daher lndliche (t. rusticae).
Auf der Grundlage dieser T. entstand eine besondere Art von
Komitien (s. d.), die Comitia tributa, in denen innerhalb der T.
nach der Kopfzahl gestimmt wurde, und die daher einen
demokratischen Charakter hatten.
Tribut (lat.), ursprnglich die Steuer im alten Rom,
welche die Brger von ihrem Vermgen an den Staat zu
zahlen hatten, dann die von den Provinzen erhobene Kopfsteuer
(tributum capitis). Jetzt versteht man darunter Abgaben, welche
bezwungene Vlker an den Sieger zahlen mssen; auch wird
im figrlichen Sinn die Gewhrung der schuldigen
Hochachtung oder Verehrung so genannt.
Tributr (franz.), tributpflichtig.
Tricarico, Stadt in der ital. Provinz Potenza, Kreis
Matera, Bischofsitz, mit alten Mauern und Trmen, K$
Ferdinanda und Revoltella, hoch ber T. an der
Poststrae das Dorf Optschina mit Obelisk und herrlichem
berblick ber Stadt und Meer, in der Mitte einer
schnen Eichenwaldung das k. k. Hofgestt Lipizza. Am
nrdlichen Meeresstrand liegen der Kstenort San Bartolo
(Barcola), mit Fabriken und Seebadeanstalt und weiter das
schne Schlo Miramar (s. d.). Die Stadt wird von
mehreren Brunnen der Umgebung sowie durch eine Wasserleitung aus
dem Abhang des Gebirgszugs Santa Croce mit gutem Wasser versehen.
Das Wappen von T. s. auf Tafel "sterreichisch-Ungarische
Lnderwappen".
T. (Tergeste) ward 178-177 v. Chr. mit Istrien dem
rmischen Reich einverleibt und unter Augustus zu einer
rmischen Kolonie gemacht. Im Mittelalter tritt es
zunchst als Bischofsstadt mit einem bedeutenden Territorium
(der rmischen regio) hervor. Der Kommune gelang es im 13.
Jahrh., dem Bischof die wichtigsten Hoheitsrechte teils abzuringen,
teils abzulsen. Doch befand es sich, im wechselnden Kampf um
seine Selbstndigkeit Venedig gegenber$
ion fr wollene, baumwollene und leinene
Stoffe, Wirkwaren, Handschuhe, Stickereien, knstliche Blumen,
Blechwaren, Nadeln, Leder, Wachsleinwand, Pergament, Papier etc.,
Brauereien, Brennereien, Bereitung von berhmten
Cervelatwrsten und gerucherten Hammelzungen und
lebhaften Handel. Es hat ein Lyceum, eine Zeichen- und Bauschule,
eine Handels- und Gewerbeschule, einen Kursus fr angewandte
Chemie, Normalschulen fr Lehrer und Lehrerinnen, eine
ffentliche Bibliothek von 110,000 Bnden und gegen 5000
Handschriften, eine Gemldegalerie, Mnz- und
Antikensammlung und mehrere gelehrte und industrielle
Gesellschaften. T. ist der Sitz eines Bischofs, des Prfekten,
eines Gerichtshofs und eines Handelsgerichts. - T. war im Altertum
die Hauptstadt der keltischen Tricasser und hie Noviomagus,
erhielt von Augustus den Namen Augustobona und nahm im 5. Jahrh.
den Namen Trec an. In der Nhe, bei Mery, fand 451 die
groe Hunnenschlacht (s. d.) statt. 889 von den Normannen
zerstrt, ward es 950 wieder aufgebaut, kam 10$
rend
der andre, wenn die Saite schwang, durch schnelles Berhren
des Resonanzbodens einen etwas schnarrenden Ton hervorbrachte.
Truncus (lat.), der Stamm der Bume etc.; vgl.
Stengel und Baum.
Trunkelbeere, s. Vaccinium.
Trunkenheit, im allgemeinen der durch den Genu
betubender Stoffe, z. B. Opium, Alkohol, Haschisch, Kumys und
andrer gegorner Getrnke, auf den Organismus hervorgebrachte
abnorme Zustand der Gehirnthtigkeit etc. Fr
gewhnlich wird die T. erzeugt durch alkoholhaltige
(spirituse) Getrnke. Man unterscheidet als den ersten
Grad der T. den Rausch. Derselbe gibt sich anfangs in einer
Steigerung des ganzen Lebensprozesses kund, die sich besonders als
eine hhere gemtliche Anregung im Gemeingefhl
durch Heiterkeit und Wohlbehagen, raschern Puls, gertetes
Gesicht, belebte, glnzende Augen, lebhafte, wechselnde
Vorstellungen und leicht zu Gemtsbewegungen sich steigernde
Gefhle zu erkennen gibt. Beim zweiten Grade, der
Betrunkenheit (ebrietas), sind alle jene physischen Erscheinungen
gesteigert$
e sich die
neuere t. L. auf dem der Wissenschaften und insbesondere der
historischen. Als Historiker stehen in erster Linie: Franz Pelcel
(1734-1801), der Verfasser einer Reihe historischer Untersuchungen
(darunter Biographien Karls IV., Wenzels IV. etc.) und einer "Nova
kronika cesk", die wesentlich zur Erweckung des
tschechischen Nationalgefhls beitrug; sodann Paul Jos.
Safarik (Schafarik, 1795-1861), der in seinen "Starozitnosti
slovansk" den ersten den modernen Bedrfnissen
entsprechenden Versuch machte, die slawische Urgeschichte bis zum
10. Jahrh. aufzuhellen, und besonders Franz Palacky (1798-1876),
mit dessen monumentaler "Geschichte Bhmens von den
ltesten Zeiten bis 1526", deren 1. Band 1836 erschien, die
tschechische Historiographie sich pltzlich aus mhsamer
und schwerflliger Altertumsforschung auf die Hhen
moderner, knstlerischer Darstellung emporschwang. Auch um die
slawische Sprachforschung erwarb sich nach den schon genannten
Gelehrten, Dobrovsky und Jungmann, besonders Paul Safarik du$
heit des
Landes sehr wechselnd und wegen der rauhen Nordostwinde klter
ist als in Italien und Spanien, welche Lnder mit der
Trkei unter gleicher Breite liegen. Im ganzen werden dadurch
Klima und Vegetation denen Mitteleuropas sehr hnlich. Der
Balkan macht eine sehr merkliche Wetterscheide, denn whrend
in den Donaulndern der Winter ziemlich streng, oft
schneereich ist und das Thermometer nicht selten auf -10 C.
und darunter sinkt, steigt im S. dieses Gebirges die Klte
selten ber -3 und ist der Sommer bei fast bestndig
heiterm Himmel oft drckend hei. Whrend die
kalten Nordwinde fr die Gegenden am Bosporus
Schneestrme bringen, kennt man in den Kstenlndern
des geischen Meers und auf den Inseln winterliche Witterung
nur auf den Gebirgshhen. Die Luft ist, wenige Sumpfstriche
ausgenommen, berall rein und gesund; wohl aber werden manche
Gegenden durch Erdbeben heimgesucht. Konstantinopel hat mit Venedig
gleiche mittlere Jahrestemperatur. Die Trkei gehrt zum
grten Teil zu der subtropischen Reg$
ors, dann Papinians, bekleidete unter
Alexander Severus, dessen Lehrer und Vormund er gewesen war, die
hchsten mter und ward 228 als Praefectus praetorio
Ulricehamn - Ulrich von Trheim.
den ber seine Strenge erbitterten Prtorianern vor
den Augen des Kaisers ermordet. Als Jurist nimmt U. den ersten Rang
nach Papinian ein. Seine beiden Hauptwerke sind die dogmatischen
Darstellungen des prtorischen Rechts ("Ad edictum", in 83
Bchern) und des Zivilrechts ("Ad Sabinum", in 51
Bchern). Sie bilden die Grundlage der Pandekten und haben den
dritten Teil des in denselben angesammelten Stoffes geliefert.
Wertvoll ist auch die kleine Schrift "Tituli ex corpore Ulpiani",
gewhnlich "Ulpiani fragmenta" genannt, herausgegeben von Hugo
(5. Aufl., Berl. 1834), Bcking (4. Aufl., mit Faksimile der
vatikanischen Handschrift, Leipz. 1855), Vahlen (Bonn 1856),
Huschke (5. Aufl., Leipz. 1886) und Krger (Berl. 1878). Ein
Fragment von U.' Institutionen, welches 1835 in der Wiener
Hofbibliothek gefunden wurde, gab Endlicher $
arburg, wo er fr die Reformation gewonnen wurde. Nachdem
sich 1534 der Schwbische Bund aufgelst hatte,
fhrte Philipp von Hessen U. an der Spitze von 20,000 Mann
nach Wrttemberg zurck, wo der Sieg bei Lauffen am
Neckar 13. Mai ihm sein Herzogtum wieder verschaffte; doch
mute U. dasselbe in dem am 29. Juni d. J. zu Kaaden in
Bhmen mit Ferdinand zu stande gekommenen Vergleich als
sterreichisches Afterlehen anerkennen. Bald nachher
fhrte er in seinem Lande das Reformationswerk zu Ende. Als
Mitglied des Schmalkaldischen Bundes lie er 1546 eine
betrchtliche Truppenzahl zum Heer der Verbndeten an die
Donau vorrcken; nach dem unglcklichen Ausgang des
Kriegs mute er nach dem Vertrag von Heilbronn eine
ansehnliche Summe zahlen, dem Kaiser mehrere Schlsser
einrumen und in Ulm vor diesem einen Fufall thun. Auch
dem Augsburger Interim unterwarf er sich, ward aber dennoch von
einem kaiserlichen Gericht mit Absetzung bedroht, als er 6. Nov.
1550 starb. Vgl. Heyd, Herzog U. von Wrttemberg (Tbing.
1841-43$
chnet man an deutschen U. die
Vorlesungen der Lehrer als Kollegien, ohne dabei an die
geschichtliche Herkunft dieser Bezeichnung zu denken. - Neben dem
festern Kern jener Bursen und Kollegien bevlkerten die U. des
Mittelalters die sogen. fahrenden Schler, eine bunt
gemischte, wandernde Gesellschaft, in welcher die verschiedensten
Alters- und Bildungsstufen zusammentrafen (s. Vaganten). In ihrem
Scho bildeten sich zuerst in rohen Umrissen die Anfnge
der studentischen Sitten heraus, die sich teilweise bis heute
erhalten haben; so die Gewalt der ltern Studenten
(Bacchanten) ber die jngern (Schtzen,
Nach Deutschland bertrug das Universittswesen Karl
IV. durch die Grndung der Universitt Prag 1348 (vier
Nationen: Bhmen, Polen, Bayern, Sachsen). Bis zum Anfang der
Reformation folgten mit ppstlicher und kaiserlicher
Genehmigung: Wien (1365), Heidelberg (1386), Kln (1388),
Erfurt (1392), Leipzig (1409), Rostock (1419, 1432), Lwen
(1426), Greifswald (1456), Freiburg i. Br. (1456), Basel (1456),
Ingolsta$
le 35 64 616 661 52 110 1489 1532
Kiel 17 37 132 132 43 83 560 579
Knigsberg 30 54 347 347 45 89 844 862
Marburg 29 55 227 247 47 79 928 965
Mnster 10 17 328 328 22 35 457 463
Preuen 330 694 5682 6491 520 1150 13777 15482
Mnchen 50 90 1893 1893 72 163 3809 3833
Erlangen 26 42 431 431 37 53 926 926
Wrzburg 30 41 705 705 39 75 1547 1580
Leipzig 44 105 794 794 66 174 3208 3273
Tbingen 37 73 743 743 52 83 1449 1470
Freiburg 26 34 327 356 39 84 1125 1161
Heidelberg 34 80 719 752 41 101 984 1127
Gieen 31 56 402 402 35 55 546 565
Rostock 21 31 108 108 29 41 347 347
Jena 24 60 420 432 39 88 634 663
Straburg - - - - 63 110 828 862
Deutschland 653 1306 12224 13107 1032 2177 29180 31289
Universitten (auerdeutsche).
Von den preuischen U. folge hier noch die Verteilung der
Studierenden auf die einzelnen Fakultten. Sie betrug nach
Prozenten etwa:
Fakultten 1853 1867 1878 1888
Evangelische Theologie 16 18 8 20,5
Katholische Theologie 11 9 3 4,5
Rechtswissenschaft 33 17,5 29 17
Medizin 18 22 16 25,5
Philosophisc$
inander
setzen, da in den Endungen immer dieselbe Art von Vokalen
erscheinen mu wie in der Wurzel. So heit im
Trkischen "von unsern Vtern" babalarumdan; aber der
entsprechende Kasus von dedeh, "Grovater", lautet
dede-lerinden, weil auf die "leichten" Vokale e der Wurzel auch in
der Endung nur leichte Vokale folgen drfen. In
smtlichen uralaltaischen Sprachen sind so die Vokale in
leichte und schwere eingeteilt; doch gibt es daneben in vielen
Sprachen auch neutrale Vokale. Andre allen fnf Gruppen
gemeinsame Eigentmlichkeiten sind: die
Aufeinanderhufung einer fast unbegrenzten Anzahl von Endungen
an die Wurzel, welche stets unverndert bleibt, die
Anhngung des besitzanzeigenden Frwortes an das
Hauptwort und die Scheidung der Konjugation in eine bestimmte und
unbestimmte. Die Sprachen jeder Gruppe sind meistens unter sich
sehr nahe verwandt; namentlich ist es wichtig, zu bemerken,
da z. B. das Trkische sich vom Nogaischen in
Sdruland nicht strker unterscheidet als das
Hochdeutsche vom Niederdeut$
ie Fuesse schuette,
Wenn sich die Morgenroete jenes Tags,
Der unsern Bund auf ewig gruenden soll,
Am Horizonte feierlich erhebt,
So scheinst du nun verlegen, widerwillig
Den Antrag eines Braeutigams zu fliehn.
Hofmeisterin.
Du zeigst mir nur die eine Seite dar,
Sie glaenzt und leuchtet, wie im Sonnenschein
Die Welt erfreulich daliegt; aber hinten
Droht schwarzer Naechte Graus, ich ahn' ihn schon.
So lass uns erst die schoene Seite sehn!
Verlangst du Wohnung, mitten in der Stadt,
Geraeumig, heiter, trefflich ausgestattet,
Wie man's fuer sich, so wie fuer Gaeste wuenscht?
Sie ist bereit, der naechste Winter findet
Uns festlich dort umgeben, wenn du willst.
Sehnst du im Fruehling dich aufs Land, auch dort
Ist uns ein Haus, ein Garten uns bestimmt,
Ein reiches Feld. Und was Erfreuliches
An Waldung, Busch, an Wiesen, Bach und Seen
Sich Phantasie zusammendraengen mag,
Geniessen wir, zum Teil als unser eignes,
Zum Teil als allgemeines Gut. Wobei
Noch manche Rente gar bequem vergoennt,
Durch Sparsamkeit ein sichres G$
r, alle dir;
Erschaffe, was du hier verliern sollst,
Dir Stamm und Vaterland und Fuerstentum.
Getraust du zu tun, was du gebietest?
Ich tat's!--Als jungen Mann entfuehrte schon
Zu wilden Staemmen mich der Geist hinueber.
Ins rohe Leben bracht' ich milde Sitte,
Ich brachte Himmelshoffnung in den Tod.
O haett' ich nicht, verfuehrt von treuer Neigung,
Dem Vaterland zu nuetzen, mich zurueck
Zu dieser Wildnis frechen Staedtelebens,
Zu diesem Wust verfeinerter Verbrechen,
Zu diesem Pfuhl der Selbstigkeit gewendet!
Hier fesselt mich des Alters Unvermoegen,
Gewohnheit, Pflichten; ein Geschick vielleicht,
Das mir die schwerste Pruefung spaet bestimmt.
Du aber, jung, von allen Banden frei,
Gestossen in das Weite, dringe vor
Und rette dich! Was du als Elend fuehlst,
Verwandelt sich in Wohltat! Eile fort!
Eroeffne klarer! Was befuerchtest du?
Im Dunklen draengt das Kuenft'ge sich heran,
Das kuenftig Naechste selbst erscheinet nicht
Dem offnen Blick der Sinne, des Verstands.
Wenn ich beim Sonnenschein durch diese Strassen$
 geplant. Sie htten schon vor zwei
Monaten die Pltze bestellt,--und jetzt sei etwas dazwischen gekommen.
Man habe Jrgen Thiis gefragt, ob er nicht die Billets bernehmen und
zehn Personen heranholen knne, um mit ihnen diese herrliche Fahrt zu
machen. Unten in den Kleinstdten lebe man in besserer Kameradschaft, da
sei es leichter, eine solche Gesellschaft zusammenzubringen. Jrgen
Thiis habe sich bereit erklrt,--wenn Mary Krog dabei sein wolle; er
wisse, dann bekomme man die andern schon zusammen.
Frau Falke setzte Mary das in ihrer Schmeichelkatzenart auseinander, der
nur wenige widerstehen konnten. Mary hatte freilich nicht die geringste
Lust, in der Sommerhitze auf dem Deck eines Dampfers zu sitzen und alles
abzubrechen, was hier unternommen wurde; es war gar zu nett. Aber sie
wollte Jrgen Thiis nicht gern noch einmal krnken. Sie sprach mit ihrem
Vater und mit Frau Dawes: sie hrte noch einmal Frau Falke an--und
willigte ein.
In der ersten Hlfte des Juli versammelte sich die Gesellschaft eines
Nach$
us,
wo er sich gerade aufhielt, schrieb er: "Jetzt habe ich bald drei Jahre
gebraucht, um das, was ich in einem erlebt habe, noch einmal zu
durchleben. Ich kann nicht sagen, dass ich es mir schon ganz zu eigen
gemacht habe. Namentlich wird viel Neues hinzukommen, wenn ich die
Staetten wiedersehe, wo wir zusammen waren. Aber soweit bin ich durch das
tiefere Hineinleben dieser Jahre doch gekommen, dass ich diese Staetten
nicht mehr scheue; im Gegenteil, ich sehne mich jetzt nach ihnen."
Die Begegnung mit der neuen Marit wurde ein Fest fuer ihn. Nicht sofort;
denn zuerst hatte sie natuerlich Angst vor dem fremden Mann mit den
grossen Augen. Aber es erhoehte seine Freude, wie sie vorsichtig, nach und
nach ihm naeher kam. Als sie schliesslich auf seinen Knien sass mit den
beiden neuen Puppen, einem Tuerken und einer Tuerkin, und ihm diese in die
Nase steckte, damit er niesen sollte, weil die Tante das auch getan
hatte, da sagte er mit Traenen in den Augen: "Ich habe nur eine Begegnung
erlebt, die noch herrlicher w$
hte er um und kam auf dieselbe
Weise zurueck. "Das ist eins von meinen Zirkuskunststuecken", sagte er
strahlend. "Jetzt kommt ein anderes!" Er warf sich in der Luft herum und
kam wieder auf die Fuesse genau an derselben Stelle, wo er hochgesprungen
war. Dann noch einmal. "Sehen Sie? Genau wo ich hochgesprungen bin!" Er
triumphierte und machte es noch zwei-, noch drei-, vier-, fuenfmal vor.
Sie bewunderten ihn. Es war auch bewundernswert, wie der grosse, starke
Mann das mit einer Leichtigkeit ausfuehrte, dass es wirklich schoen aussah.
Angefeuert durch ihr Lob fing er an, sich mit solcher Geschwindigkeit
herumzuwirbeln, dass den andern beim blossen Zusehen schlecht wurde. Schoen
war es auch nicht. Sie wandten sich ab und schrien. Das machte ihm
furchtbaren Spass. Aergerlich rief Alice: "Sie sind wahrhaftig wie ein
Schuljunge von siebzehn Jahren!"--"Wie alt sind Sie eigentlich?" fragte
Mary. "Ueber dreissig." Da lachten sie aus vollem Halse.
Das haetten sie nicht tun sollen. Dafuer musste er sie strafen. Ehe Al$
 bist zu sehr daran
gewoehnt."--
Mary antwortete diesmal nicht; aber einige Tage spaeter--es war lange
nasskaltes Wetter gewesen, und sie hatte nicht draussen sein koennen--sagte
sie zu Frau Dawes: "Du kannst recht haben, das Leben, das wir all diese
Jahre hindurch gefuehrt haben, hat tiefe Wurzeln in mir geschlagen."--"O
ja, tiefere als Du selbst ahnst, mein Kind!"--"Aber was soll ich denn
tun? Von hier fort kann ich doch nicht? Ich will es auch
nicht."--"Nein.--Aber Du koenntest Dir etwas Abwechslung verschaffen."
--"Wie denn?"--"Du verstehst mich recht gut, Kind! Wenn Du
verheiratet waerst, wuerde er zeitweise hier mit Dir leben und Du
zeitweise mit ihm da, wo er hin muss."--"Eine wunderliche Ehe!"--"Ich
glaube nicht, dass Du ihm sonst naeherkommen kannst."--"Wem
naeherkommen?"--"Dem, was das Leben von Dir verlangt. Und dem, woran Du
gewoehnt bist."
Mary fuehlte, das, was Frau Dawes da sagte, sei auch des Vaters Wunsch.
Dass es ihr Schicksal sei, was ihm die groesste Sorge mache. Dass ihm eine
Ehe mit Joer$
ng den kleinen
Narren in seine Freundschaft auf. Er, der sonst keine jungen Hunde
leiden mochte, verliebte sich in ihn. Er litt, dass er ihn an den Ohren
zerrte und ihn in die Beine biss, ja, er legte sich vor ihm nieder und
spielte den Ueberwundenen. Mary machte das solche Freude, dass sie die
Frau ein Stueck begleitete, um dem Spiel zuzusehen. Und sie wurde dafuer
belohnt; denn sie hoerte warme Lobesworte ueber ihren Vater und einen
Widerhall all dessen, was in diesen Tagen in der Umgegend gesprochen
worden war und den Grund zu seinem Nachruhm legte.
Als sie mit dem Hunde, der jetzt sehr aufgekratzt war, wieder nach Hause
ging, dachte sie: werde ich wohl Mutter aehnlich? Ist irgend etwas in
mir, das bisher keinen Platz gehabt hat? Etwas Idyllisches?
Es warteten ihrer an diesem Tage zwei Dinge.
Das eine war ein Brief von Onkel Klaus, er nannte sie "Hochverehrtes,
liebes Patenkind, Fraeulein Mary Krog."
Dass er ihr Pate war, hatte sie nicht geahnt. Das hatte ihr Vater ihr nie
gesagt; wahrscheinlich wusste er $
oergen. Ich gehe naemlich davon aus, dass Ihr jetzt heiratet.
Seit vielen Jahren habe ich Frau Dawes' Testament bei mir liegen, wie
ich auch ihr Geld in Verwaltung gehabt habe. Gestern habe ich das
Testament geoeffnet. Sie hat Dir alles vermacht, was sie besitzt. Es sind
wohl an sechzigtausend Kronen. Aber es ist mit diesem Gelde ebenso
bestellt wie mit dem Gelde Deines Vaters: es traegt zurzeit so gut wie
keine Zinsen.
Dein Pate Klaus Krog."
Mary antwortete sofort:
"Mein lieber Pate!
Dein Brief hat mich tief geruehrt. Ich danke Dir von ganzem Herzen.
Aber Dein grosses Geschenk darf ich nicht annehmen.
Joergen ist doch Dein Pflegesohn, und ich moechte ihm in keiner Weise im
Wege stehen.
Du darfst mir das nicht uebelnehmen. Ich kann unmoeglich anders handeln.
Ueber Frau Dawes' Testament werde ich spaeter meine Bestimmungen treffen
und sie Dir dann mitteilen.
Deine dankbare
Als sie den Brief fertig hatte, hoerte sie einen Wagen vorfahren. Gleich
darauf wurde ihr eine Visitenkarte ueberbracht; darauf stand: Marg$
, ohne das geringste zu verzehren,
so bleibt diese Hflichkeit sich dennoch gleich: Wirt und Wirtin
begleiten die Reisenden an den Wagen, danken fr die erzeigte Ehre
und bitten, bald wieder zu kommen. Freilich haben die Wirte auf jeden Fall
einigen Nutzen von den Reisenden, da sie die Post fr eigene Rechnung
Je weiter man in's nrdliche England dringt und sich Schottland nhert,
je mehr nimmt diese Aufmerksamkeit der Wirte zu, verbunden mit
einer Art Kordialitt, die unangenehm auffllt. Der Wirt bringt immer
die erste Schssel auf den Tisch, sei sein Gasthof noch so gro
und ansehnlich; ihm folgt seine Frau, selbst alle Kinder des Hauses,
die nur einigermaen sich dazu schicken, folgen dem Alter nach
in Prozession, alle bringen etwas; oft sahen wir zuletzt so einen
kleinen goldlockigen Cherub von drei, vier Jahren geschftig mit
einem Pfefferbchsen dahergetrippelt kommen. Die Aufwrter, Waiters,
scheinen Flgel zu haben, so schnell kommen sie auf jeden Klingelzug,
und in allen Zimmern hngen gute, gangbar$
 Saale, den er sich zu diesem Zwecke erbauen lie,
sahen wir viele seiner Gemlde im schnsten Lichte mit wahrer Freude.
Pferderennen
Das Pferderennen, welches so viel Fremde in Edinburgh versammelt hatte,
konnten wir nicht unbesucht lassen; wir wohnten noch den beiden
letzten und daher wichtigsten bei. Gewhnlich werden sie an anderen
Orten auf einer dazu eingerichteten groe Wiese gehalten, hier aber
hat man, wunderlich genug, das Ufer des Meeres bei Leith dazu erwhlt,
eigentlich die sandige Flche, von welcher sich das Meer zur Zeit
der Ebbe zurckzieht. Darum mu die Stunde genau abgepat werden.
Uns schien die Expedition nicht ganz ohne Gefahr. Sollte den
alten Poseidon einmal eine Laune anwandeln und er schickte seine Wogen
etwas frher zurck, so mchte wohl die Katastrophe des Knigs Pharao
im Roten Meere nochmals wiederholt werden, und Edinburgh wre mit
einem Male verdet, denn niemand bleibt bei diesem wichtigen Vorgange
zu Hause, wenn er nicht mu. Uns kann das ganze Vergngen etwas
wunderlich vo$
n ihn sehr bekannt gemacht.] aus dem
fnften Weltteile mitgebrachten Merkwrdigkeiten, die hier ein
ganzes Zimmer anfllen, betrachten wir nur im Vorbergehen.
Mehrere Zimmer enthalten in Schrnken, mit Drahtgittern versehen,
die groe, reichhaltige Bibliothek. Auer eine groen Zahl lterer,
zum Teil sehr seltener Bcher, fat sie beinahe alles, was bis auf
den heuten Tag in England herauskommt; denn von jedem mit Privilegium
gedruckten Buche mu ein Exemplar hier abgeliefert werden. Wir verweilten
nur einige Zeit in dem Zimmer, in welchem sich die Manuskripte befinden.
Nicht nur alte Handschriften aller Art, von den beschriebenen
Palmblttern und in Stein gehauenen gyptischen Hieroglyphen an bis auf
die krausen, bunten Schriftzge der Mnche des Mittelalters, werden hier
aufbewahrt, sondern auch zahllose Briefe und Manuskripte der
interessantesten und berhmtesten Menschen spterer Zeiten; eine
unendliche Fundgrube fr den Geschichtsforscher, dem ein freundliches
Geschick erlaubt, sie mit Mue und Auswahl $
cht habende Lehrer und dankt Gott, dass er auf drei Wochen
die Last los ist und sich bei der sehr reichlich besetzten Tafel
des sehr ehrwuerdigen Herrn mit den Kostgaengern und der uebrigen
Gesellschaft, von der in der Woche ausgestandenen Not und Mangel
erholen kann. Kein Lehrer lernt die Kinder genauer kennen, da jeder sie
nur ungefaehr zwoelf Wochen im Jahre in so verschiedenen Zeitraeumen
unter seiner Aufsicht hat.
Die Kostgaenger haben dagegen ein herrliches Leben, denn sie bringen
dem ehrwuerdigen Herrn dreimal soviel Guineen als die Schueler.
Nur einige Schueler, deren Eltern es zu bezahlen vermoegen, gehoeren
auch dazu. Diese nehmen zwar an den Schulstunden teil, essen aber
an dem gut besetzten Tische, koennen nach Herzenswunsch im Lustgarten
und im Obstgarten ihr Wesen treiben, waehrend ihre Kameraden
auf dem oeden Hofe bleiben muessen und entsetzlich gepruegelt werden,
wenn sie sich einmal in jene verbotenen Reviere eingeschlichen haben.
So muessen die Kinder schon in der Jugend lernen, dass dem Rei$
nschen knnen sich eben
nicht ber das Alltgliche erheben und dem Gedankenfluge
weitausschauender Zeitgenossen folgen. Neid und Missgunst stellen sich
den Grossen dieser Erde entgegen, und die Rivalitt der Konkurrenten,
die alles verkleinern und herabziehen. Im Kampfe um die Eroberung der
Luft haben wir zwei hervorragende Flle dafr gehabt, wie sich die
Bahnbrecher nur mhselig zu Anerkennung durchzuringen vermgen. Wir
haben aber hier gleichzeitig ein seltenes Beispiel, wie zwei Mnner noch
bei Lebzeiten die grsste Anerkennung ihrer Zeitgenossen gefunden haben.
Der Gedanke an die Eroberung der Luft ist so bestechend, dass er in den
weitesten Schichten der Vlker ganz aussergewhnlichen Anteil findet.
Bislang beherrschte der Mensch nur zwei Dimensionen. Jetzt hat er auch
begonnen, sich die dritte Dimension, die Luft, zu erobern. Zeppelin und
Wright sind die Knige der Luft. Ihnen beiden ist es zu danken, dass wir
anfangen, die Luft sowohl mit Fahrzeugen, "leichter als die Luft", als
auch mit solchen, die $
chon ganz wesentliche Aenderungen an ihrer
Maschine vorgenommen. Der sonst bliche "Schwanz" war fortgelassen und
durch eine kleinere Tragflche ersetzt, die sich vor den Hauptflchen
befand. Hierdurch gedachten sie ein Kippen des Apparates zu verhindern,
indem der Winddruck durch die Wirkung auf die kleine Flche als
Gegenlast zu den grossen diente. Eine weitere grundstzliche Aenderung
bestand darin, dass der Pilot nicht, wie es bisher immer geschehen war,
sich in aufrechter, sondern in liegender Stellung befand.
Ueber die Vorteile der horizontalen Lage des Luftschiffers im
Gleitflieger hat sich Wilbur Wright wiederholt geussert. Hauptschlich
betont er, dass der Widerstand eines Krpers gegen die Luft in
aufrechter Stellung fast dreimal so gross ist als in waagerechter
Haltung. Whrend Lilienthal und seine Nachfolger Chanute, Herrings und
Pilcher annahmen, dass pendelnde Bewegungen der Beine nach vorn,
rckwrts und nach den Seiten wesentlich zur Sicherheit des Fluges und
zur Erhaltung des Gleichgewichts $
ustellen. Er reiste deshalb im Oktober 1907 dahin
und besuchte dort am 4. Oktober den alten Bischof Wright. Ausserdem
wurden eine Anzahl der angesehensten Buerger der Stadt Dayton, die etwa
85000 Einwohner zaehlt, eingehend befragt. Ein dem "Berliner
Lokalanzeiger" zur Verfuegung gestellter Bericht hierueber sei im folgenden
unter Weglassung der hier schon angegebenen Konstruktionseinzelheiten
wiedergegeben.
[Illustration: *Messen der Windgeschwindigkeit*
    Wilbur Wright misst mit einem kleinen Anemometer--Windmesser, der
    durch die sich im Winde drehenden Fluegel angibt, wieviel Meter in
    der Sekunde die Luft vorwaertsstroemt--die Geschwindigkeit des Windes]
[Illustration: *Flieger-Werkstaette*
    im Hangar bei Pau. Eine gewoelbte Trageflaeche ist rechts in ihrer
    ganzen Ausdehnung zu sehen.]
Lokalanzeiger Nr. 588 vom 18. November 1907.
Die Flugmaschine der Gebrueder Wright.
Dayton (Ohio), Ende Oktober.
    "'Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt, schwankt sein
    Charakterbild in der Geschic$
l
von der Familie gehalten, ja, sie sprte es erst jetzt recht deutlich,
eine wahre Liebe hatte sie fr sie alle empfunden, ganz anders als je
fr frhere Mietsleute. Sie mute das alles mit Frau Pfffling
besprechen. Aber ihr Mann war dagegen, da sie hinaufging.
Frau Pfffling ihrerseits war ganz irre geworden an den Hausleuten. Sie
hatte so viel Vertrauen in sie gehabt und sie hochgeachtet wegen des
echten christlichen Sinnes, den sie jederzeit bewhrt hatten. Wie
stimmte dazu die Lieblosigkeit, die Kinder in die kalte Nacht
hinauszuschlieen und dann noch zu kndigen, und das alles blo wegen
einer gestrten Nachtruhe! Sie mute sich das erklren lassen von Frau
Hartwig, aber mit ihr _allein_ wollte sie sprechen. So strebten die
beiden Frauen zusammen, und wo ein Wille ist, findet sich bald ein Weg.
Im obersten Stock des Hauses war ein Revier, das beide Familien
bentzten. Das war der groe Bodenraum, wo die Seile gezogen waren zum
Wschetrocknen und die Mange stand, zum Mangen und Rollen des Weizeugs.
D$
meine Sachen, und die von Frau
Hartwig, und was etwa sonst noch kommt, verstecken, und dann eine schne
Bescherung halten. Wo knnen denn Ihre Kinder bleiben, solange Sie
herrichten, ist's zu kalt in der Kammer?"
"Kalt ist's, aber ich stecke sie eben ins Bett so lang!"
"Ja, das tun Sie. Und noch etwas: knnen die Kinder nicht unter dem
Christbaum dem Vater ein Weihnachtslied hersagen, aus der Kinderschule?
Das gehrt auch zur rechten Feier. Und wenn Sie noch von Ihrem Waschlohn
ein paar Pfennige brig htten, dann sollten Sie fr den Mann noch einen
Kalender kaufen, oder was ihn sonst freut, und dann erzhlen Sie mir,
Schmidtmeierin, ob er wirklich keine Freude gehabt hat am heiligen
Abend, und ob es nicht schn bei Ihnen war."
"Ich mach's wie Sie sagen, Frau Pfffling, und ich danke fr die vielen
Sachen, die Sie mir zusammengerichtet haben."
"Es ist recht, Schmidtmeierin, aber glauben Sie mir's nur, die Sachen
allein, und wenn es noch viel mehr wren, machen kein schnes Fest, das
knnen nur Sie machen fr $
im gleichen
Hause etwas mehr zu hren und zu sehen von den Knstlern, als was sich
im Konzertsaal abspielt."
Herr Meier hatte einen Blick in die Telegramme getan: "Nur
Zimmerbestellungen," sagte er, "es ist aber schon alles bei mir besetzt
oder vorausbestellt. Ich mu fr Aufnahme in anderen Husern sorgen. Mir
ist es lieb, zu denken, da Rudolf fern von dem allem an seiner Arbeit
oder auch beim Kinderspiel sitzt. Ich werde Ihnen immer dankbar sein fr
Ihren Rat, Herr Pfffling."
Die beiden Mnner trennten sich und als Herr Pfffling das Zentralhotel
verlie, dessen schne Freitreppe er nun vielleicht zum letztenmal
berschritten hatte, wandte er sich unwillkrlich und warf noch einmal
einen Blick auf diesen Ort des Luxus und des Wohllebens zurck. Wie
wenig Unterschied war doch im Grund bei aller ueren Verschiedenheit
zwischen dem, was hier und was im einfachen Hause die Herzen bewegte.
Der russische General, der reiche Geschftsmann und er, der schlichte
Musiklehrer, schlielich hatten sie alle das gleich$
e immer leicht gemacht hatten. Die
jungen Leute drckten sich nun schon gewandt in der deutschen Sprache
aus, baten Frau Pfffling, ihren Dank zu vermitteln und teilten ihr mit,
da die Eltern ihre Abreise noch um einige Tage verschoben htten,
selbst noch einen Gru schreiben und diesem das Honorar fr die Stunden
beilegen wollten.
Unser Musiklehrer htte sie noch in der Frhlingsstrae treffen mssen,
wenn er zur gewohnten Zeit heim gekommen wre. Aber es hatte heute in
der Musikschule nach Schlu des Unterrichts eine sehr erregte
Besprechung zwischen den Lehrern der Anstalt gegeben, und Herr Pfffling
kam spter als sonst und nicht mit seiner gewohnten frhlichen Miene
heim. Heute war er nicht, wie gestern, der Ansicht, da reich oder arm
nicht viel zum Glck des Menschen ausmache! Der Direktor hatte
mitgeteilt, da zu dem abendlichen Konzert nur eine einzige Freikarte,
auf seinen Namen lautend, fr die Lehrer der Musikschule abgegeben
worden sei. Darber herrschte groe Entrstung unter den Kollegen.
Manc$
tockfinsternis dem Haus zu.
"Hast du doch den Schluessel, Karl?" "Jawohl, da ist er."
"Das waere kein Spass, wenn du den verloren haettest und wir muessten da
draussen bleiben in der Kaelte!"
Sie kamen nun nahe an das Haus, schlichen sich leise und schweigend an
die Tuere. Karl schloss auf und klinkte an der Schnalle, aber die von
innen verriegelte Tuere ging nicht auf. "Was ist denn das?" fluesterte
Karl, drehte den Schluessel noch einmal im Schloss auf und zu und klinkte
und drueckte gegen die Tuere, aber die gab nicht nach.
"Lass doch mich probieren," sagte Wilhelm leise, "du hast wohl falsch
herumgedreht," er brachte ebensowenig zustande und Otto nicht mehr.
"Lasst doch, ihr verdreht das Schloss noch," sagte Karl, "ihr seht doch,
es geht nicht. Was kann denn aber schuld sein? Das Schloss ist doch in
Ordnung, was haelt die Tuere zu?"
In leisem Fluesterton gingen nun die Vermutungen hin und her. "Jemand hat
etwas vor die Tuere gestellt, damit wir nicht hereinkoennen." "Oder den
Riegel vorgeschoben."
"Ja, ja$
d seien. Als sie die Versicherung erhielt, dass sich alle
frisch und wohl befaenden wie bei ihrer Abreise, da kam aus erleichtertem
Herzen ein dankbares: Gottlob!
"Ich habe schon gefuerchtet, da keine Karte kam, es moechte eines von euch
krank sein," sagte sie. "Nein, das war nicht der Grund, warum ich nimmer
geschrieben habe," entgegnete Herr Pfaeffling und seine Antwort lautete
ein wenig bedrueckt. Sie bemerkte es. "Alles andere, was etwa vorgekommen
ist, bekuemmert mich gar nicht," sagte sie und drueckte gluecklich die Hand
ihres Mannes. Das freute ihn. "Hoert nur, Kinder," sagte er lachend, "die
Mutter ist ordentlich leichtsinnig geworden auf der Reise." So kamen
sie, froehlich plaudernd, bis zum Marktplatz, wo ganz brav, der
Verabredung gemaess, die zwei Schwestern gewartet hatten und jetzt der
ueberraschten Mutter jubelnd in die Arme flogen.
Nun nahmen diese beiden der Mutter Haende in Beschlag, bis sie an der
Ecke der Fruehlingsstrasse von einem andern verdraengt wurden. Dort hatte
Frieder gewartet und$
lag auf den Knieen vor ihr. Auf
einmal riss er sie fest an sich und ksste sie.
Sie schrie auf und schnellte zurck, als er sie los liess. Sie war mehr
erschrocken als gekrnkt, und sah mit einem etwas dmmlichen Lachen auf
ihre Schrze.
Ihre Schulmdchenhaftigkeit machte ihn vor sich selbst lcherlich. Wie
kam er dazu, dieses Kind zu kssen. Er fhlte das Bedrfnis, sich vor
sich selbst zu entschuldigen.
"Siehst du, das ist die Strafe," sagte er aufstehend.
"Wofr?" fragte sie patzig.
"Fr das Naschen."
Sie machte eine eigensinnige Schulterbewegung und rieb mit dem
Schrzenzipfel, den sie unbedenklich mit der Zunge befeuchtete, den
Fruchtflecken auf ihrer Backe.
"Na, adieu Kind," sagte er und reichte ihr die Hand. "Nun pflck auch
"Wollen Sie schon gehen?"
Er sah in ihren Blicken, dass sie gerne gesehen htte, wenn er noch bei
ihr bliebe. Aber er nickte ihr freundlich zu und ging.
Verdutzt sah sie ihm nach. Enttuschung malte sich auf dem hbschen
Kindergesicht, Unmut und bellaunigkeit. Und die Spitze des r$
einander, und ich
meckerte in ihren schnen Alt hinein.
Sie hatte die Fhrung, ich folgte wie ein Lmmlein der Hirtin.
Die Orgel. Die "liebe Gemeinde" (es war eine wirklich hbsche
Sopranstimme da, die ber diesem misstnigen Gemecker, Gebrumm und
Gepfeife schwebte, wie eine weisse Mwe ber ein schmutziges
missfarbiges Stoppelfeld), die weissen schmucklosen Wnde, die Sonne
draussen und die Sonne drinnen, in langen, breiten Streifen ber diesen
alten und jungen Kpfen. Das schwarze Brett mit den grossen weissen
Nummern der Chorle. Die kleine, schwarze Kanzel mit dem kleinen,
weisshaarigen Pastor Weidenbusch.--
Mir wurde ganz heimatlich. Wie lange bin ich nicht in einer Dorfkirche
       *       *       *       *       *
Man sage nicht, dass in unserer protestantischen Kirche die Poesie
keinen Platz hat. In den kalten grossen Stadtkirchen mit ihrem
nchternen Prunk, ja, da ist sie erfroren, elendiglich erfroren. Aber
unsere Dorfkirchen. Selbst diese kahlen, getnchten Wnde atmen Poesie,
diese alten rohen Ba$
e und Stolze
durch die Anmut der Jugend gemildert. Wie entzueckend sah sie in dem
leichten, hellblauen Kleid aus. Der Aermel war leicht zurueckgefallen, als
sie die Hand nach den Rosen ausstreckte, und der weisse Sammet ihres bei
aller Fuelle doch schlanken Armes leuchtete mit warmem, matten Glanz.
Fides bat ihn, ihren Gartenhut zu holen. Ob sie nicht einen Spaziergang
machen wollten.
Er ging, den Hut zu holen, der auf dem Esstisch lag. Er zoegerte drinnen
einen Augenblick und verschlang vom Fenster aus ihre Gestalt mit den
In der Veranda fand er seine Muetze, eine schon etwas mitgenommene, einst
weisse Strandmuetze. Er befestigte das schmale lederne Sturmband unterm
Kinn, obgleich das schoenste Wetter war und nur ein ganz schwaches
Lueftchen wehte.
"Warum tragen Sie eigentlich immer dieses Sturmband?" fragte sie. "Ich
finde es haesslich."
"O," sagte er leicht erroetend. "Moegen Sie es nicht? Ich finde, es sieht
so--maennlich aus."
Er fand nicht gleich einen andern Ausdruck.
"Was ist denn da maennliches dabei$
 machen, mute sie auch diese angenehme
Erffnung stillschweigend entgegennehmen.
Im Grunde war Lulu das Treiben der Schwester hchst gleichgiltig. Ihr
jetzt etwas in den Weg zu legen, sie sich zu verfeinden, wre obendrein
unklug gewesen. Stand Paula mit Beuthien auf vertrautem Fu, konnte sie
ihr vielleicht noch gute Dienste leisten.
Am Sonnabend kam ein Brief der Altonaer Freundin, der Lulu zum
Geburtstag einlud und besonders betonte, den Hausschlssel nicht zu
vergessen. Man wolle recht vergngt sein, und es wrde voraussichtlich
spt werden.
"Dat is doch nett von Lene Krger, dat se noch an Di denkt," meinte
Mutter Behn. "Se war immer so'n ltt anghnglich Deern. Wat schenkst Du
Lulu entschlo sich zu einem Bouquet und einer Tafel Vanillechocolade,
die Lene so sehr liebte, wie sie sagte.
Hermann Heineckes Liebe zu Mimi Kruse war erfinderisch in allerlei
kleinen Aufmerksamkeiten gegen das hbsche Mdchen, obgleich er sich mit
Rcksicht auf Therese immer noch Zurckhaltung auferlegte. Sein gutes
Herz erlau$
en trockenen Graben.
Das war ein Gespringe und Gehpfe, ein Gekreisch und ein Gelchter.
Frau Caroline getraute sich nicht die ziemlich steile Bschung hinunter.
Aengstlich trippelte sie und hob ihr Kleid.
Im Graben aber stand Beuthien mit seiner Laterne und sang: "Komm herab,
o Madonna Therese", zum Gaudium der nachdrngenden. Endlich ntigte er
mit einem festen Griff die Aengstliche zu einem ungewollten Hopsen, und
weiter ging's unter Lachen und Scherzen.
Nein, so was Schnes war noch nie dagewesen. Frau Caroline stand nicht
allein mit diesem Urteil.
Und dabei war es so "gruselig" in dem dunklen Wald.
"Hier sind doch keine Schlangen?" fragte die kleine Frau einmal
"Ne, aber Katteker," versetzte der unverbesserliche Tetje.
Lngst lag Frau Caroline schon in den Federn, als durch ihre Trume noch
immer die Lampions wie groe Leuchtkfer huschten.
"Nein, was ich mich gestern amsiert habe, sagen kann ich es nicht,"
sagte sie am folgenden Morgen zu Therese und Mimi. Acht Tage, acht
Wochen spter, sprach sie noch$
ie fanden einen fruchtbaren Boden. Schnell
scho das neue Verhltnis unter dem befruchtenden Segen der
vierzigtausend Mark in die Halme, das bescheidene Grn der alten
Beziehungen zu Hermann berwuchernd und erstickend.
Mimi hatte zum zweiten Renntag, dem Sonntag, eine Einladung von Pohlenz
angenommen. Sie hatte am ersten Tag Hermann in Begleitung einiger
Freunde vorbeifahren sehen, hatte jedoch Therese und deren Tante nicht
auf ihn, der sich wie absichtlich abwandte, aufmerksam gemacht.
Ob sie ihn wohl auch am Sonntag auf dem Rennplatz treffen wrde? Sie
wnschte es beinah. Es wre pikant. Auf jeden Fall wrde sie an der
Seite ihres neuen Verehrers dem Abgedankten imponieren.
Pohlenz wollte ein Cabriolet nehmen und selbst fahren. Hermann htte
sich das nicht leisten knnen, htte auch wohl kaum zu fahren
Den ganzen Tag lag ihr nichts mehr im Kopf, als diese mgliche Begegnung
zwischen ihr und Hermann. Wie eine Theaterszene malte sie es sich aus.
Sie war nie beim Rennen gewesen und brannte vor Ungeduld. Sorgf$
dat fand gar nicht gleich Worte, so berrascht war er, so
bewegt, als er sah, wie Gebhard zu seiner Gromutter trat und zu ihr
sagte: "Ich habe es _doch_ tun mssen, Gromutter!"
Sie zog ihn an sich heran. "Es wird dich nicht reuen," sagte sie.
Aber der Feldgraue machte Einwnde: "Ich kann das gar nicht annehmen von
dem Kind, es tut ihm weh. Nein, das Opfer ist zu gro!"
"Ei was, wer wird darber so viel Worte machen," wehrte Frau Stegemann
und wandte sich an Gebhard: "So ein kleiner Bursche wie du hat nicht
leicht das Glck, da er dem Vaterland etwas wertvolles opfern kann, das
darf wohl auch wehtun, sonst wre es ja gar kein Opfer!"
"Es tut weh, Gromutter!"
"Ich glaube dir's wohl, mein lieber Bub!"
Sie sah, da der kleine Mann sich mit aller Macht wehrte, die Trnen
zurckzuhalten und kam ihm zu Hilfe, indem sie sich an den Soldaten
"Nun werden Sie erst erproben mssen, ob Leo wirklich brauchbar ist als
Sanittshund."
"Ja, aber ich zweifle nicht, es wird sich bald zeigen. Ein feines Tier
ist das. Ich kann$
o unablssig herabwrdigen, dass die Folgen davon bis
heute den Aberglauben aufzureizen vermgen. Wenn daher zwar auf einer
Seite die Jungfrau, welche schmerzenstillendes Oel unter Segenssprchen
bereitete, als lschwitzende Heilige kanonisirt worden ist, so ist sie
auf der andern Seite zugleich zur Hexenmutter satanisirt: Zaubertrnke
brauend, Seuchen und Misswachs herabbeschwrend, Besen salbend, das
aller Zeugung feindselige Kebsweib des Teufels in der Walburgisnacht.
Dorten war sie die ehestiftende Liebesgttin gewesen, hier eine Frau
Mutter des Frauenhauses (S. 82. 154). Dorten trank der Mensch auf ihren
Namen die Minne, sie selbst reichte dem in den Himmel eingehenden Helden
den Unsterblichkeitstrank; hier wird sie zwar auch eine Himmlische, aber
nur weil sie vorher als "Wirthskellnerin" tugendhaft geblieben war (S.
149). So ursprnglich schon steckt in dem Legenden erzhlenden Mnch
ein Blumauer, der die Aeneide travestirt. Ihm haust da ein spukender
Waldteufel, wo in der frnkischen Waldeinsamkeit des$
lichen Felsen
und erratischen Bloecke des Aargaus aufgezaehlt, welche den Namen
Kleinkindersteine und eine dem gemaesse Ortstradition an sich tragen.
Hier kommen nur die auf Verena bezueglichen in Betracht. Jener vorhin
erwaehnte Felsblock in der Solothurner Verena-Einsiedelei traegt ein ueber
Faustgroesse ausgerundetes Loch, das man fuer die Spuren der Hacke der
Ammenfrau ausgiebt, die hier den Bedarf an Kindern fuer die Stadt
heraushackt. Wolf, Ztschr. f. Myth. 4, 1. Dasselbe gilt gleichfalls in
dem eben genannten Dorfe Koblenz vom Kalchofen, einem ofenfoermig
gewoelbten, isolirten Kalkfelsen am dortigen linken Rheinufer. Derselbe
Glaube herscht im Schwabenlande, weil bis dahin der Verenacultus
kirchlich gereicht hatte. Eine Felshoehle beim Bergschlosse Teck auf der
wuertemberger Alb heisst Frena-Bubelinsloch und besitzt eine Sage ueber
zwei hier im Fels erzeugte und gross gewordne Knaben. Antiquarius des
Neckarstroms 1740, 46.
Ein fernerer auf die Korn- und Muehlengoettin hindeutender Zug ist
enthalten in $
ht umgeben von tiefen Waldungen ein Bauernhof mit alter
Wirthschaftsgerechtsame, benachbart eine durch den Bischof Sigismund von
Konstanz 1062 eingeweihte Kapelle sammt Wallfahrt zur Schmerzhaften
Mutter Gottes. Jeden Samstag wird hier Messe gelesen, im Monat Mai eine
Feldprozession und ein Jahrmarkt abgehalten. Die guenstige Jahreszeit,
des Berges wilde Schoenheit mit seiner erstaunlichen Fernsicht ins Hegau
und Klettgau hinueber, die Wunderthaetigkeit des Ortes und der den
andaechtigen Besuchern gewaehrte paepstliche Ablass fuehrt alsdann
zahlreiche Schaaren des Landvolkes aus dem Elsass und Schwarzwald hier
zusammen. Man kocht im Freien ab und lagert des Nachts um hohe Feuer.
Doch kein Wallfahrer verlaesst den Berg, ohne nicht ueber eine in Felsen
gehauene Treppe zu der Schlucht beim Rothen Kreuz hinab zu steigen, wo
die Wegscheide in das Aarthal hingeht. Hier trinkt er am wunderthaetigen
Verenabruennlein und laesst auch fuer seine Kranken daheim ein Krueglein
voll anlaufen. Ueber diese Waldquelle geht fol$
 gar nicht, ich habe gern Einquartierung."
Eine Weile herrschte tiefe Stille im Ort; kein Mensch wagte sich auf die
Straen, alle verkrochen sich in Todesangst in ihre Huser.
Dann pltzlich hrte man von ferne Pferdegetrabe, hrte ein Signal, die
Kosaken hielten im Dorf. Ihr Anfhrer lie in deutscher Sprache
ausrufen, da keiner der Einwohner den Ort verlassen drfe. Bei
Todesstrafe sei es verboten, durch Signale, durch Glockenluten oder
sonst auf irgend eine Weise die Anwesenheit der Kosaken zu verraten.
Nach dieser Androhung stiegen sie vom Pferd und zerstreuten sich im Ort.
Es dauerte nicht lange, so hatten sie das schne Pfarrhaus, obwohl es
abseits lag, entdeckt. Ein Trupp von vier Mann kam mitrauisch um sich
schauend durch den Garten auf die Haustre zu; voran einer, der der
Anfhrer zu sein schien. Der Pfarrer kam ihnen zuvor und machte die Tre
weit auf. Als seine groe Gestalt im langen, schwarzen Talar pltzlich
vor ihnen auftauchte, stutzten die Kosaken einen Augenblick. Der Pfarrer
machte eine$
r!"
Dagegen konnten die andern nicht aufkommen; der Lateinschueler und der
Volksschueler sprangen also miteinander davon.--Die zwei Klassen waren in
dem Gedraenge durcheinander gekommen und jetzt sprachen sie zusammen ueber
die Brueder und wo sie standen; ueber die Vaeter, und dass die Briefe so
lange ausblieben. Da fand es sich, dass einer von der Volksschule und
einer von dem Lateinschule ihre Brueder in dem gleichen Bataillon hatten,
und dass sie in den Vogesen gekaempft hatten. Nun lagen sie beide schwer
verwundet in dem gleichen Feldlazarett; der eine hatte sechs Wunden, der
andere hatte ein Bein verloren. Daraufhin kamen alle ueberein, dass diese
beiden morgen miteinander nach den Telegrammen laufen duerften.
Die zwei Klassen verstanden sich immer besser. Einmal als die beiden
Abgesandten die Nachricht von dem Fall der Festung Antwerpen brachten,
gab Professor Jahn ein kleines Fest. Er lud aus beiden Klassen die
Schueler zu sich, deren Angehoerige in Belgien fochten. Es waren ihrer
acht, die sich nicht $
 zum Meere zurueck, und nicht lange, so wandte er,
abgelenkt von den Stimmen der Jugend am Sandbau, den Kopf bequem an
der Lehne des Stuhles nach rechts, um sich nach dem Treiben und
Bleiben des trefflichen Adgio wieder umzutun.
Der erste Blick fand ihn; die rote Masche auf seiner Brust war nicht
zu verfehlen. Mit anderen beschaeftigt, eine alte Planke als Bruecke
ueber den feuchten Graben der Sandburg zu legen, gab er rufend und mit
dem Kopfe winkend seine Anweisungen zu diesem Werk. Es waren da mit
ihm ungefaehr zehn Genossen, Knaben und Maedchen, von seinem Alter und
einige juenger, die in Zungen, polnisch, franzoesisch und auch in
Balkan-Idiomen durcheinander schwatzten. Aber sein Name war es, der am
oeftesten erklang. Offenbar war er begehrt, umworben, bewundert. Einer
namentlich, Pole gleich ihm, ein staemmiger Bursche, der aehnlich wie
"Jaschu" gerufen wurde, mit schwarzem, pomadisiertem Haar und leinenem
Guertelanzug, schien sein naechster Vasall und Freund. Sie gingen, als
fuer diesmal die Arbeit am $
 heute begleitet?" hob sie an
und richtete ihren lebhaften Blick auf sein unbewegliches Gesicht.
"Nein!" erwiderte er. "Aber ich habe einiges auf dem Herzen, und
hier"--er lud sie zum Sitzen ein--"will ich Ihnen einmal sagen, wozu
bisher stets der rechte Augenblick gefehlt hat."
Die feine Rte auf Anges Gesicht wich einer leichten Blsse. Ein halb
zaghafter, halb ungeduldiger Ausdruck stahl sich in ihre Mienen, und
sie fate die Reitgerte fester. Aber sie berwand sich und sagte
ungezwungen:
"Wohlan, setzen wir uns und erzhlen Sie mir etwas. Aber nichts, nichts
Unangenehmes heute, lieber Teut. Ein andermal. Ich bin frhlich; weshalb
mir das nehmen? O, ich bin glcklich hier in dieser schnen Welt.
Teut zuckte zusammen. Immer, wenn sie in diesem zrtlichen und bittenden
Tone sprach, zgerte er, ihr auch nur durch tadelnden Blick eine
Verstimmung zu bereiten. Wieviel besser verstand er jetzt Claireforts
Zaudern als ehedem! Dieses unschuldsvolle Kind mit seiner sorglosen
Frhlichkeit und seiner Freude am Leben $
ten sich mit einer
Herzlichkeit, als ob sie eine lange Zeit getrennt gewesen wren.
Aber in demselben Augenblick und whrend die Kinder Teut jubelnd
umringten, vernderten sich Anges Zge und erhielten einen furchtsamen
Da stand der Graf, finster, bleich, und bi sich auf die Lippen. Da
stand er, der Herr des Hauses und weder Frau noch Kinder nherten sich
ihm. Aber alle umringten ihn--ihn, den Hausfreund, dem auch er sein
grtes Vertrauen geschenkt und den er doch in diesem Augenblick mehr
hate als den Tod.
"Wartet mit dem Essen!" sagte Clairefort, seinen Unmut schlecht
verbergend, und machte eine Bewegung gegen Teut, ihm zu folgen.
Letzterer sah noch Anges erbleichendes Gesicht und warf ihr einen
beruhigenden Blick zu. Dann schlo sich hinter beiden Mnnern die Thr.
Als sie Platz genommen, knpfte Clairefort den Rock auf und holte tief
Atem. Teut aber sagte nachlssig und mit einem Anflug von Ungeduld:
"Nun, was steht zu Diensten, Clairefort?"
Durch diesen Ton war jener schon halb entwaffnet; jedenfalls $
te sie. "Ich leide entsetzlich, weil ich
wei, da Du leidest. Sag, Carlos"--sie stockte; sie drckte seine Hand
und legte ihr Kpfchen an seine Schulter--"liebst Du mich noch?"
"O Ange--Ange!" prete der Mann hervor. "Ob ich Dich liebe?"
Pltzlich wandte er sich mit mhsamer, aber rascher Bewegung zu ihr,
umfate sie mit seinen Armen, hob sie empor und bedeckte ihr Gesicht
mit Kssen und--mit Thrnen.
"Sag mir, was Dich beunruhigt, mein Carlos, was Dich bedrckt neben
Deiner Krankheit, um die ich Tag und Nacht sorge," hob Ange endlich an
und schmiegte sich fester an die Brust ihres Mannes.
Clairefort zitterte, als ob er an ein Verbrechen erinnert werde. Sie
fhlte es. Ein drngendes, unerklrlich angstvolles Gefhl jagte durch
ihr Inneres.
Aber er stand ihr nicht Rede, selbst jetzt nicht, wo ihre Seelen in
Liebe und Zrtlichkeit zusammenschmolzen, selbst jetzt nicht, wo das
Hchste sie ergriff, was Menschenbrust zu durchdringen vermag.
Sie war zu vornehm geartet, etwas erzwingen zu wollen, was ihr nicht
frei$
igen gegen den Herrn Baron
Die Frau Grfin uerte, da diese Vorschsse sie im hchsten Mae
bedrckten, und da sie lieber Not leiden wolle, als irgend welche
Darlehen oder gar Freundesgaben aus Ihrer Hand fernerhin empfangen. Das
Freundschaftsverhltnis zu Ihnen, gndiger Herr, das unter den
bisherigen gleichen Lebensverhltnissen ein so gutes gewesen sei, knne
Schaden leiden, und Frau Grfin zgen es daher vor, sich Ihrer
freundschaftlichen Hilfe (da diese ohne Zweifel auf Ratschlge sich
nicht beschrnken werde) nicht mehr zu bedienen, sondern sogar Ihnen in
Zukunft fern zu bleiben. Die Frau Grfin, die C. verlassen und nach
einem kleinen, noch nicht feststehenden Orte bersiedeln will, um sich
dort mit den ihr bleibenden Mitteln einzurichten, stellten sogar das
Ansinnen an mich, Ihnen nicht zu verraten, wohin sie gehen werde, und
nehmen als selbstverstndlich an, da ich Ihnen auch sonst keinerlei
Mitteilungen zukommen lassen wrde.
Da Frau Grfin sich so sehr gegen alles, was sich ihrem Entschlusse
en$
kunft
wegen Ermigung der Steuern gebeten. Es war ihr unfalich, da sie das
nicht vorher bedacht, und sie schalt ihren Mangel an berlegung nun, da
es zu spt war.
Ange fand brigens nicht so rasch Gelegenheit dem Alten vorzutragen,
was sie beschftigte. Die Gesellschafterin war ein unliebsamer Zeuge,
und selbst, als diese einmal fortging, fand sich kein Anknpfungspunkt.
So wurden denn gleichgltige Gesprchsgegenstnde berhrt, und Ange
empfand doppeltes Unbehagen an der Unterhaltung, da sie ihre Absicht
nicht auszufhren vermochte.
Pltzlich sagte Putz: "Nun, haben Sie Nachricht von der Steuerbehrde,
Frau Grfin? Ich wollte schon immer fragen."
Ange bejahte. Sie berichtete, da man sie aufgefordert habe, ihre
Antrge nachweislich zu belegen, und da dann eine nochmalige Prfung
stattfinden solle. Vorlufig msse die Summe gezahlt werden, zu der sie
eingeschtzt sei.
"Ganz recht, ganz recht! So, so!" sagte der Alte, und nach kurzer Pause
fuhr er fort: "Wenn ich Ihnen irgendwie behilflich sein knnte, Fra$
htung, die Eingewoehnung in die neuen Verhaeltnisse. Das
erfordert gewiss ein Jahr, in dem ich mich Ihnen nuetzlich machen kann."
Ange sah dem trefflichen Menschen ins Auge, und eine Thraene der Ruehrung
stahl sich in ihr eigenes.
"Gut, unter einer Bedingung, Tibet!" entschied sie, waehrend sie ihre
Empfindungen zurueckdraengte "Sie versprechen mir, dass Sie meine vorher
geaeusserten Wuensche erfuellen, dass Sie dem Baron von Teut--"
Tibet hatte bei den ersten Worten dankbar das Haupt geneigt, jetzt trat
ein unverkennbarer Ausdruck der Unruhe in seine Zuege.
"Nun, Tibet?" unterbrach sich Ange.
"Darf ich offen sprechen, Frau Graefin?"
Ange nickte, ergriff einen kleinen Gegenstand, der auf dem Tische lag,
rollte ihn in ihrer Hand auf und ab und horchte mit einem Anflug von
Spannung auf.
"Ich gab Herrn Baron von Teut beim Abschied mein Wort, Frau Graefin, ihm
von allem Mitteilung zu machen, was die graefliche Familie anbetraefe. Ich
meine," setzte er schnell auf einen stolzen Blick aus Anges Augen hinzu,
"ihm so$
 moeglich, Tibet, dass Sie die Villa um die
Haelfte mieten konnten?'--'Die Frau Graefin haben ja den Mietskontrakt in
Haenden,' erwiderte ich, als ob ich den eigentlichen Sinn dieser
Nachfrage gar nicht verstanden haette. Kopfschuettelnd ging die Frau
Graefin davon. Schon fuerchtete ich, dass alles wuerde entdeckt werden."
"Und das Schulgeld?" fragte Teut, der mit groesster Aufmerksamkeit
zugehoert hatte. "Wie haben Sie das gemacht?"
"Ich habe gleich das ganze Semester bezahlt und der Frau Graefin
gesagt--"--Tibet hielt inne, dunkle Schamroete faerbte seine Wangen--"dass
der Direktor auf meine Vorstellung dasselbe erlassen habe."
"Und das glaubte die Graefin?"
"Vorlaeufig ja, Herr Baron. Aber ich zittere doch jeden Tag, dass es ans
Licht kommt, und dann--"
"Und Steuern?" fragte Teut und konnte sich des Laechelns nicht erwehren,
weil er wie ein Beichtvater alle Vergehen aus dem armen Suender
herausholte.
"Die habe ich gar nicht erwaehnt! Davon hat die Frau Graefin keine Ahnung.
Ich fing den Steuerboten ab und-$
 fuer den Brief der Frau Graefin recht
sehr bedanken. Er wuerde denselben schon beantwortet haben, wenn er nicht
wuenschte, der Frau Graefin muendlich--"
Tibet hielt inne; er fuerchtete nun sicher eine Unterbrechung. Aber zu
seiner Ueberraschung sagte Ange nichts, nur ihr Blick blieb noch ebenso
ernst, ja, so eigentuemlich auf ihm haften, dass er unwillkuerlich die
Augen niederschlagen musste. Er raffte sich aber auf und fuhr fort:
"Der Herr Baron hofft in einigen Wochen wieder so weit hergestellt zu
sein, dass er Wiesbaden verlassen kann. Er will dann nach Eder reisen und
auf dieser Reise die Frau Graefin gern in Eisenach begruessen."
"Und was sagten Sie dazu, Tibet?" fragte Ange kalt.
"Ich--ich--Frau Graefin--" Er sprach nicht aus. Einen Augenblick
schwiegen beide: nur Anges fleissige Nadel, die auf-und abflog,
unterbrach die Stille. In dem Gemache stand ein runder Tisch, der von
einer Lampe erhellt ward. Ringsum befanden sich die Moebel, welche einst
in Carlos' Zimmer Platz gefunden hatten. Dieselben Bilde$
und wieder hinauf, denn so phlegmatisch bin
ich nicht veranlagt, es bei solchem Nebel unten auszuhalten.
Glcklicherweise dauerte es auch diesmal nicht lange, dann aber hatten
wir keine Lust, uns noch einmal betrgen zu lassen, wir blieben auf,
tranken eine Tasse Kaffee, nahmen ein Bad, wozu das Wasser direkt aus
dem Meere in die Wanne geleitet wird, und strkten uns dann an einem
krftigen Frhstck. Ausgenommen die Mahlzeiten lag ich natrlich, wie
immer auf See, in meinem Triumphklappstuhl neben dem Kapitn auf der
Kommandobrcke, um die reine Luft aus erster Hand zu trinken. Die vielen
Schiffe, die uns im Sunde und noch im Kattegat umgeben hatten,
verschwanden allmhlich und verteilten sich nach verschiedenen
Richtungen. Nur dann und wann begegnete uns eins, einige gingen auch mit
uns. Einen Dampfer trafen wir stillliegend an, er hatte vor dem
Vordermaste drei schwarze Blle aufgezogen, was bedeutete, da er
manvrierunfhig war. Einen zweiten groen Dampfer sahen wir dreimal
stillliegen und immer wieder $
teren
Kreisen bekannt! Ich wrde sonst dem Herrn Grafen einen Sklaven schicken
(wenn ich einen htte), der ihm jeden Mittag und jeden Abend, wie jener
Sklave dem Perserknig, zurufen mte: Landgraf, werde hart, hart, hart!
Ich werde den Herrn Setzer brigens bitten, diese ganze Stelle zu
Um auch einmal ins "Ausland" zu kommen, beschlo ich einen Ausflug nach
dem Stdchen Rhoden in Waldeck zu machen. Auf der Fahrt nach Wrexen,
wohin ich die Bahn benutzte, hatte ich eine helle Freude an einer
Chaussee, die in bunter Abwechselung mit reichbeladenen Aepfelbumen,
Ebereschen voller leuchtendroter Beeren, Ahornen, Kastanien, Birken und
Akazien besetzt war--wahrlich, keine Spur jener Eintnigkeit, an der
sonst Landstraen zu leiden pflegen! Von Wrexen, das schon waldeckisch
ist (der Name klingt auch so auslndisch, nicht wahr?), fhrt ein
einstndiger Marsch nach Rhoden. Schon von ferne sieht man das
Stdtchen (von dem bekanntlich der Spruch: hic Rhodus, hic salta! kommt)
auf steilem Bergkegel, ganz oben ein schlo$
bis zum badischen Finanzminister brachte. Ihr
Sohn, ein Offizier, besuchte nach der Schlacht bei Jena den Minister
Goethe in Weimar.
Das eigentliche Goetheviertel htten wir somit durchschritten und das
Wesentliche gesehen. Machen wir jedoch noch einen Abstecher in den
Nordosten der Stadt, wohin auch ein Abglanz des Goetheschen Ruhmes
gefallen ist.
In der Friedberger Gasse, wo jetzt das Hotel Drexel steht, wohnte
Goethes Grovater mtterlicherseits, Textor, der hochansehnliche
Schulthei oder Brgermeister von Frankfurt. Dort lebte der Alte, ganz
der Pflege und Wartung seiner Blumen hingegeben. "Die vielfachen
Bemhungen", erzhlt der Enkel von ihm, "welche ntig sind, um einen
schnen Nelkenflor zu erhalten und zu vermehren, lie er sich niemals
verdrieen. Er selbst band sorgfltig die Zweige der Pfirsichbume
fcherartig an die Spaliere, um einen reichlichen und bequemen Wachstum
der Frchte zu befrdern. Das Sortieren der Zwiebeln von Tulpen,
Hyazinthen und verwandten Gewchsen, sowie die Sorge fr Aufbew$
in
vorzglicher Schlittschuhfahrer, kam eines Tages in sausender Fahrt die
Lahn herunter und fuhr auf ein Wehr zu, wobei er infolge der
spiegelblanken Eisflche nicht sah, da vor dem Wehr ein breiter
Streifen offenes Wasser war. Voll Schrecken schrie ich ihm zu,
umzukehren. Er gehorchte auch. Aber es war zu spt. Als er den
Ausweichbogen beschrieb, brach er ein. Krampfhaft hielt er sich am Eis
fest, sobald er aber den Versuch machte, ein Bein auf dasselbe zu
bringen, brach es von neuem. Rasch ri ich jetzt einen langen
gestrickten wollenen Schal, wie sie damals allgemein getragen wurden,
vom Hals, nahm einen zweiten von einem neben mir stehenden Kameraden,
knpfte beide zusammen und warf das eine Ende meinem Vetter zu, das er
glcklich erhaschte. Jetzt zogen wir ihn langsam auf festes Eis. Er war
Mein schlimmer Ruf bei unserem Kantor war allmhlich so fest begrndet,
da er es als selbstverstndlich voraussetzte, da ich bei jeder
Teufelei, die vorkam, beteiligt sei. Versuchte ich einmal einen
Kameraden vor $
eit schliefen, ein
gedrucktes Gebet angeschlagen mit dem Ersuchen, es vor dem Zubettgehen
zu beten. Von einem moralischen Zwang keine Spur. Ich wiederhole, wie es
seitdem in den katholischen Gesellenvereinen geworden ist, wei ich
In Erfurt fing der geschilderte Vorgang an, uns zu amsieren. Wir
brllten wie Lwen die vorgespielte Melodie mit dem zitierten Text. Dann
ging's hher hinauf in den Schlafsaal. Nachdem vorschriftsmig unsere
Hemdkragen auf fremde Bewohner untersucht worden waren, stiegen wir zu
Bett. Darauf entfernte sich der Herbergsvater mit dem Licht, und
schwarze Dunkelheit herrschte. Jetzt ging aber unter den Dutzenden
junger Leute, unter denen fast alle deutschen Landsmannschaften
vertreten waren, ein Ulken und Spotten los, wie es mir bisher noch nicht
zu Ohren gekommen war. Die Heiterkeit erreichte ihren Hhepunkt, als in
der entfernteren Ecke des Saales ein Schlafgenosse aus Wrttemberg im
unverflschtesten Schwbisch einige humoristische Bemerkungen machte.
Erst spt nahm der Lrm ein End$
 Ich habe die
Absicht, die ganze Angelegenheit durch die Presse zu verffentlichen und
abzuwarten, ob nicht darauf einzelne sich herbeilassen, ber die Kpfe
der extremsten Fhrer wie Hrtel, Brockhaus usw. hinweg die Hand zur
Verstndigung zu bieten. Noch bemerke ich, da sechs Druckereien in der
Hauptsache die Forderungen der Arbeiter bewilligt haben...."
       *       *       *       *       *
Auf diesen Brief antwortete postwendend Sonnemann am 12. Mai:
"Ich war erstaunt, so lange ohne alle Nachricht zu bleiben. Meine
Anfrage vom 1. ds. Mts. bezglich der Buchdrucker war nur eine
vorlufige. Meine deutlich ausgesprochene Absicht war, da Sie in der
Sache gemeinschaftlich mit Dr. Hirsch und Bandow operieren sollten, und
beide hatten sich auch schon mir gegenber dazu bereit erklrt. Nicht
etwa, da ich nicht zu Ihnen das volle Vertrauen htte, da Sie auch
allein imstande sind, die Sache zu fhren; meine Absicht war, dem
Auftreten des Ausschusses dadurch, da drei seiner Mitglieder als
Vertreter kommen, m$
aren, wurde eine
Gewerkschaftsunion und die Herausgabe eines Gewerkschaftsorgans, "Die
Union", beschlossen. Auf Antrag Yorks wurde folgende Resolution
einstimmig angenommen:
"In Erwgung, da die Kapitalmacht alle Arbeiter, gleichviel, ob sie
konservativ, fortschrittlich, liberal oder Sozialdemokraten sind, gleich
sehr bedrckt und ausbeutet, erklrt der Kongre es fr die heiligste
Pflicht der Arbeiter, allen Parteihader beiseite zu setzen, _um auf dem
neutralen Boden einer einheitlichen Gewerkschaftsorganisation_ die
Vorbedingung eines erfolgreichen krftigen Widerstandes zu schaffen,
die bedrohte Existenz sicherzustellen und eine Verbesserung
ihrer Klassenlage zu erkmpfen. Insbesondere aber haben die
verschiedenen Fraktionen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei die
Gewerkschaftsbewegung nach Krften zu frdern, und spricht der Kongre
sein Bedauern darber aus, da die Generalversammlung des Allgemeinen
Deutschen Arbeitervereins (in Berlin) einen gegenteiligen Beschlu
gefat hat."
Als ich nach langer $
Daseins zu
erheben vermag!"
"Sie betonen Ihre Worte so stark! Haben Sie bereits so unerfreuliche
Erfahrungen gemacht, Komtesse?"
Aber sie gab auf diese Frage keine Antwort. Sie zuckte nur die
Achseln.--Aber deshalb trieb's ihn, die Schranke gewaltsam zu
durchbrechen, die sie trennte.
Sanft sprechend, sagte er:
"Ich wrde gern Ihre Freundschaft erringen, Komtesse! Aber Sie weichen
mir schroff aus, Sie gebrauchen sogar Waffen gegen mich. Ich sinne ber
die Grnde nach, die Sie so handeln lassen. Giebt's keinen Weg, der uns
zusammenfhren knnte?"
Aber was er erhoffte, ward ihm nicht.
Indem sie ihn kalt und unbeugsam anblickte, sagte sie kurz und hart im
"Nein, keinen, Graf Dehn!"
Nach diesen Worten benutzte sie einen Anruf von Frulein Merville,
machte eine khl entschuldigende Geste, stand auf und entfernte sich
Er aber schaute ihr nach, umfing mit seinen Blicken ihre Psychegestalt,
seufzte auf und trat zu den brigen zurck.
Die Herren waren eben im Nebenzimmer beschftigt, die Grfin aber, die
zu einer Handa$
ahlin zu stehen.
Eine Annherung zwischen ihr und Axel mute sich nach und nach ergeben.
Jeder Zwang war von Uebel.
Am Freitag der folgenden Woche traf endlich Lucile ein.
Alle fuhren ihr in einem mit zwei schwarzen und zwei weien Rennern
bespannten, offenen Gefhrt bis zur Landstrae entgegen. Sie kam mit der
Post, ebenso wie Graf Dehn; sie hatte es so gewollt.
Komtesse Lucile Lavard war eine ungemein schlanke Dame mit einer
auerordentlich vornehmen Haltung. Ihr Gesicht besa eine vollendete
Regelmigkeit; sie glich einer edlen Rmerin, die den Schnheitspreis
davongetragen. Die Nase war leicht gebogen, die schwarzen Augen glhten
in einem dunklen Feuer, die Lippen waren sein geschnitten. Gleich der
Abendrte Anhauch lagen sauste Farben auf den weichen Wangen, und ihre
Zhne blitzten in dem Wei der Fischgrte.
Die Grfin hatte recht, sie war blendend schn und zugleich von einer
Liebenswrdigkeit, die etwas wahrhaft Bestrickendes besa.--
Als man das Schlo erreicht hatte, zog sich Axel absichtlich zurc$
,
damit sie von Prest getrennt wird, und auch darauf, da man ihn, sobald
sie zurckkehrt, nicht mehr hier findet!"
"Ja, ja"--Lucile, die mit grter Spannung zugehrt und namentlich bei
der Schilderung dessen, was Graf Dehn selbst im Landhof gesprochen, mit
lebhaftem Ausdruck ausgehorcht hatte, nun sinnend zurck.
"Wenn es nur nicht zu spt ist! Ich frchte nach dem, was Sie mir gesagt
haben, allerdings, da sie schon die Thorheit begangen hat. Und ist's
der Fall, dann giebt's keine Schlsser und Ketten, keine Lnder und
Entfernungen, die sie von ihm und ihren Entschlssen trennen wrden.
Selbst ein nachtrgliches Erkennen seiner Unwrdigkeit wrde sie
abhalten, ihr einmal gegebenes Wort zu brechen; die allerschwersten, die
grten Selbstaufopferungen mit sich fhrenden Pflichten wrde sie auf
sich nehmen."
"Eine Hoffnung besteht vielleicht noch, Komtesse!" fiel Axel ein.
"Sie erinnern sich, da Graf Knut mir erzhlte, Prest sei verlobt. So
hat doch vielleicht nur die gemeinsame Sache sie zusammengefhrt."$
 bleiben, irren, sich
gegen ihre Freunde und die Verhltnisse auflehnen, sich aber wieder
besinnen und je nach dem Wert ihres Ich einen zufriedenen Zustand
zurckzugewinnen vermgen. Auch ich habe mir mein Glck suchen mssen,
und ich habe es gefunden, weil ich das Gute erstrebte fr ihn, Lavard,
fr das Kind, das ich wahrhaft liebte, und fr mich selbst!
Mein Schluwort soll sein:
Mchte es Ihnen nun gelingen, dieses treffliche, wenn auch zeitweise
irregeleitete Mdchen heimzufhren, ihr das Glck zu verschaffen, was
wir ihr alle sehnschtig wnschen!"
Graf Dehn hatte mit auerordentlicher Spannung und mit steigender
Bewunderung den Ausfhrungen der Grfin zugehrt. Als sie die letzten
Worte gesprochen, beugte er sich auf ihre Hand herab und drckte einen
"Ihnen, Frau Grfin, nahe bleiben zu drfen, ist fast so viel, wie der
Wert, einer Imgjor Gatte zu werden--" stie er warmherzig heraus.
Er suchte bei diesen Worten ihr Auge und sie gab ihm den Blick mit dem
alten vertieften Ausdruck, der ihr eigen war, zur$
 Reif der Spruch: "Was Gott zusammenfget, soll kein
Mensch scheiden". Katharinas Ring hat einen Rubin und ist mit Kruzifix
u.a. geziert, mit der Inschrift: "D. Martinus Lutherus, Catharina von
Boren 13. Juni 1525"[138].
Da dabei Katharina in blichem Brautschmuck erschien, ist
selbstverstndlich, wenn dieser auch nicht so reich war, als das
angebliche Bild Katharinas von Bora im Hochzeitsstaat denken lt[139].
So wurde mit den guten Freunden eine frhliche Hochzeit gefeiert.
Freilich werden der unruhigen Zeitlufte wegen nicht alle Eingeladenen
erschienen sein--Luther setzte das schon in seinen Briefen voraus. Auch
Magister Philipp Melanchthon war nicht dabei, der ngstliche Gelehrte,
welcher gegen Luthers Ehe und besonders mit der Nonne war, wre ein
bler Hochzeitsgast gewesen. Von Katharinas Verwandten scheint niemand
anwesend gewesen zu sein. Vater und Mutter waren wohl schon lngst tot,
zwei Brder im fernen Preuen, der lteste vielleicht auch ferne; den
anderen Verwandten war Kthe doch durch ihr Kl$
ich (fllt,
da) Unsere gndige Gewogenheit so wenig bei ihm bedacht wird." Daher
schlage es der Herzog ab, Hans reisen zu lassen; wolle er aber in
Knigsberg vor gut annehmen, so sei der Herzog geneigt, um seines Vaters
willen ihn mit Unterhalt zu versorgen[648].
Das war ein Schlag fr Katharinas Mutterherz! Also weder fleiig noch
ordentlich war ihr Liebling und beides wre er doch nicht nur dem
Herzog, sondern auch seinem Vater und seiner Mutter schuldig gewesen.
Und wenn sie sich auch sagen mochte, der Herzog sei strenge gegen seine
Schtzlinge: wie einst gegen ihren Bruder Clemens, so jetzt gegen ihren
Sohn Hans und wenn sie auch wohl mit ebenso viel Recht geltend machen
konnte, der junge, sonst gut geartete und willige Mensch sei durch bse
Gesellschaften verfhrt worden, so blieb doch die Thatsache stehen, da
sie dem Sohn zu viel und zu Gutes zugetraut, und da die Vormnder doch
recht gehabt mit der Behauptung, Hans habe nicht das Zeug zum
Studium--war er doch auch jetzt schon 25 Jahre alt! Daran kon$
n diesem Jahre gedruckt wird. Es tritt
darin auf "der Rbezahl der Lneburger Haide," der Reprsentant des
niederschsischen Volkshumors, der geniale Till und rlpst auf die
anmuthigste Weise lauter Witze vor sich hin, die aus einer Zeit stammen,
wo das Volk nur den groben Wanst, dagegen die Ritterschaft den Arm, die
Geistlichkeit den Kopf des Staatsungeheuers reprsentirte.
Oder was zieht ihr vor an der plattdeutschen Sprache? Ich wei die
Antwort nur zu gut, "sie macht uns Spa[7]; sie ist uns gemthlich."
Chorus von Gttingen, Rostock, Greifswalde, Kiel, sie macht uns Spa,
sie ist uns gemthlich, es wird uns wohl dabei! Auch in Jena,
Heidelberg, Berlin, Bonn, wohin wir kommen und wo unserer zwei bis drei
beisammen sind, da ist sie mitten unter uns. Sie gehrt mit zum Wesen
der norddeutschen Landsmannschaft und das wre kein braver Holsat oder
Meklenburger, oder Oldenburger, der nicht wenigstens drei Plattitden am
Leibe htte, plattes (Mtze) auf dem Kopf, plattes (Mappe) unter'm Arm
und das liebe Platt i$
einstweilen auszuziehn, wenn sie uns zu _enge_ wird.
Grade das behaupte ich von der und gegen die plattdeutsche Sprache. Sie
ist dem Verstand der Zeit laengst zu enge geworden, ihr Wachsthum hat
bereits mit dem sechszehnten Jahrhundert aufgehoert, sie kann die
geistigen und materiellen Fortschritte der Civilisation nicht fassen,
nicht wiedergeben _und daher verurtheilt sie den bei weitem groessten
Theil der Volksmasse in Norddeutschland, dem sie annoch taegliches Organ
ist, zu einem Zustande der Unmuendigkeit, Rohheit und Ideenlosigkeit, der
vom Zustand der Gebildeten auf die grellste und empoerendste Weise
Habe ich Recht ober Unrecht? Steht es nicht so mit dem Volk in Hannover,
Westphalen, Meklenburg, Holstein u.s.w.? Wurzelt nicht das Hauptuebel im
absoluten Unvermoegen der taeglichen Umgangssprache, den noethigsten
Ideenverkehr zu bewerkstelligen?
Dass ich in beiden Unrecht haette. Aber den Stein, den diese Anklage gegen
die plattdeutsche Sprache als eine Feindin der Volksbildung, der
geistigen Thaetigkeit$
ie beiden
geworfen htte.--"Mach' uns nicht unglcklich!" schrie sie.
Eine Weile darauf sa Ingebjrg in der Stube; Thorbjrn zog sich an,
der Vater ging auf und ab und trank hin und wieder einen Schluck Wasser;
aber die Hand zitterte ihm so dabei, da das Wasser manchmal ber den
Tassenrand auf die Diele spritzte. Aslak kam nicht herein, und Ingebjrg
machte kurz darauf Miene, hinauszugehen. "Bleib", sagte Smund, mit
einem Ton, als wenn er gar nicht zu ihr sprche; und sie blieb. Bald
jedoch ging er selbst. Er kam nicht wieder. Thorbjrn las fortwhrend,
ohne aufzublicken, obgleich er nicht imstande war, den kleinsten Satz
zusammenzubringen.
Weiterhin am Vormittag war das Haus in gewohnter Ordnung, obgleich allen
zumute war, wie nach dem Besuche eines noch nie dagewesenen Fremden.
Thorbjrn wagte endlich auf den Hof zu gehen, und der erste, den er dort
traf, war Aslak, der alle seine Habseligkeiten auf einen
Schlitten--Thorbjrns Schlitten--geladen hatte. Thorbjrn starrte ihn
an, er sah grlich aus. Sein $
sum mahlten auf der Granlidener
Mhle, wenn ihre Bche kein Wasser mehr hatten; der Granlidener Bach
bekam immer neuen Zuflu von den Bergen. Viele Scke waren
hinunterzutragen, manche recht groe, manche riesig groe darunter. Die
Frauen standen unweit davon, hielten Wsche und wrangen aus. Thorbjrn
ging zu seinem Vater hin und packte einen Sack. "Kann ich Dir vielleicht
helfen?"--"Das schaffe ich schon allein", sagte Smund, nahm schnell
einen Sack auf seinen Rcken und trug ihn zur Mhle. "Hier sind noch
eine ganze Menge", sagte Thorbjrn, packte zwei groe, stemmte den
Rcken dagegen, griff ber die Schultern, fate mit jeder Hand einen und
sttzte ihn seitlich mit dem Ellbogen. Auf halbem Wege traf er Smund,
der zurckkam, um mehr zu holen; rasch sah er Thorbjrn an, sagte aber
nichts. Als Thorbjrn zum Schuppen zurckging, traf er Smund mit noch
zwei greren Scken auf dem Rcken. Diesmal nahm Thorbjrn einen ganz
kleinen und zog damit ab; als Smund ihn traf, sah er ihn an, aber
lnger als das vori$
r war
niemals in der Stube. Die anderen sahen, da der Kranke das merkte; er
blickte gespannt hin, sobald die Tr aufging; jedenfalls doch, weil er
den Vater erwartete. Schlielich fragte ihn Ingrid, wen er wohl
auerdem noch gern sehen mchte? "Ach, mich will ja keiner sehen",
antwortete er. Das wurde Smund wiedererzhlt; der entgegnete im
Augenblick nichts, und als an diesem Tage der Doktor kam, war er nicht
zu Hause. Aber ein Stck Weges vom Hofe erwartete er ihn bei der
Rckfahrt; er hatte auf dem Grabenrand gesessen, stand auf, als der
Wagen vorbeifuhr, grte und fragte nach dem Zustand seines Sohnes. "Sie
haben ihm bse mitgespielt", lautete kurz die Antwort. "Wird er
durchkommen?" fragte Smund und bastelte am Bauchgurt des Pferdes.
"Danke, der Gurt sitzt ja gut", sagte der Doktor. "Nicht stramm genug",
antwortete Smund. Dann waren beide eine Zeitlang stumm; der Doktor sah
ihn an; Smund arbeitete eifrig an dem Gurt herum, blickte aber nicht
auf. "Du hast gefragt, ob er durchkommen wird; ja, das gla$
."--"Hast Du denn gar keinen,
der Dich lieb hat?"--"Nein, keinen."
Aber Arne verlie ihn, und so lieb hatte er seine Mutter, als solle ihm
das Herz springen, und er hatte das Gefhl, als werde es hell ber ihm.
Himmlischer Vater, dachte er, Du hast mir sie gegeben und durch sie so
unsglich viel Liebe, und ich gehe achtlos an ihr vorber--und wenn ich
sie einmal haben mchte, dann ist sie vielleicht nicht mehr da. Er
wollte hin zu ihr, blo um sie zu sehen. Unterwegs aber fiel ihm
pltzlich ein: "Weil Du sie gering geachtet hast, wirst Du vielleicht
bald damit gestraft weiden, da Du sie verlierst!"--Er blieb auf dem
Fleck stehen. "Allmchtiger Gott, was soll dann aus mir werden?"
Ihm war's, als geschehe jetzt ein Unglck zu Haus; er setzte in groen
Sprngen auf das Haus zu, der kalte Schwei stand ihm auf der Stirn, und
die Fe berhrten kaum die Erde. Er ri die Stubentr auf. Die Mutter
hatte sich schlafen gelegt, der Mond fiel ihr gerade auf das Gesicht;
sie lag und schlummerte wie ein Kind.
Sechstes Ka$
uschulen jeder blo eine, und es wurde immer das
beschlossen, was er beantragte, wenn die andern es sich erst berlegt
hatten. Auf der Versammlung vorher aber, wo er nicht war, da haben die
andern blo gequatscht. Den Leutnant, der uns im Feldmessen
unterrichtet, hat der Direktor auch blo wegen seiner eigenen
Tchtigkeit bekommen, denn die andern Schulen haben keinen Leutnant.
Unserer aber ist sehr tchtig und soll auf der Offiziersschule der
allerbeste gewesen sein.
Der Herr Lehrer fragt, ob ich auch in die Kirche gehe. Natrlich gehe
ich in die Kirche, denn jetzt hat der Pfarrer hier einen Hilfsprediger
erhalten, und der predigt, da den Leuten in der Kirche angst und bange
wird, und es ist eine Freude, ihn zu hren. Er ist von der neuen
Religion, die sie in Kristiania haben, und die Leute behaupten, er sei
zu streng, aber das ist ihnen ganz gesund.
Augenblicklich lernen wir viel Geschichte, die wir vorher noch nicht
gehabt haben, und es ist seltsam, was alles in der Welt geschehen ist
und besonders bei un$
hm zu reden, oder auf ihn zu hren, dann gnade Gott euch
beiden!--Das sag' ihm von mir!" fgte sie mit drohender Stimme hinzu,
als das Kind nicht gleich antwortete.--"Ja, ja, ja, ja!"--"Sag' ihm das
von mir!" wiederholte sie noch einmal, aber leiser und bei jedem Wort
mit dem Kopf nickend, indem sie hinausging.
Das Kind wusch sich, zog seine Sonntagskleider an und setzte sich vors
Haus auf die Treppe. Aber bei dem Gedanken an den ausgestandenen
Schrecken stieg ihr immer wieder das Schluchzen in die Kehle.--"Warum
weinst Du, Kind?" fragte eine Stimme, so freundlich, wie noch nie jemand
zu ihr gesprochen hatte. Petra blickte auf. Vor ihr stand ein schlanker
Mann mit einem edlen Gesicht und einer Brille. Sie stand sofort auf;
denn sie erkannte Hans degaard, einen jungen Menschen aus dem Ort, vor
dem alles sich ehrerbietig erhob. "Warum weinst Du, Kind?" Sie sah ihn
an und erzhlte ihm, sie habe "mit ein paar andern Jungens" in Pedro
Ohlsens Garten pfel stehlen wollen; aber Pedro und der Polizeidiener
seien gek$
t in Trnen, ohne einen Blick um sich zu werfen. Hinunter
wollte sie nicht--da saen Matrosen und andere Gste; sie zog ihr
Konfirmationskleid aus und sa auf ihrem Bett bis tief in die Nacht
hinein. Erwachsensein--das schien ihr das Unglckseligste auf der ganzen
Viertes Kapitel
Eines schnen Tages, bald nach der Konfirmation, ging Petra zu degaards
Schwestern hinber; aber sie merkte gleich, da das ein Fehlgriff von
ihm gewesen war. Der Propst tat, als sei sie Luft, und die Tchter,
beide lter als degaard, waren mehr als steif. Sie begngten sich
damit, ihr kurz und knapp mitzuteilen, was der Bruder ber sie bestimmt
habe. Sie solle den ganzen Vormittag in einem Haus auerhalb der Stadt
die Haushaltung erlernen, und nachmittags in die Nhschule gehen;
schlafen, frhstcken und Abendbrot essen solle sie zu Hause. Sie tat,
wie ihr befohlen war, und schickte sich ganz gut darein, solang ihr die
Sache neu war, aber nach und nach, und besonders als es Sommer wurde,
fing das Ding sie zu langweilen an. Sonst u$
gerin, die
Dich karikieren will! Komm doch mal und sieh sie Dir an!" Ein Damenkopf
mit ungekmmtem, trotzig schwarzem Haar, dunkeln Augen und einem groen
Mund schaute herein und lachte. Petra aber eilte augenblicklich auf sie
zu; das _mute_ die Heldin sein von gestern Abend--oder nein, ihre
Mutter, dachte sie, als die Dame nher kam. Petra sah sie an und sagte:
"Ich wei nicht--sind Sie's ... oder sind Sie ihre Mutter?" Jetzt lachte
auch der Direktor. Der Frauenkopf hatte sich wieder zurckgezogen, aber
aus dem Nebenzimmer tnte noch immer das Lachen. Petras Verlegenheit
malte sich so lebhaft in Stellung, Gesicht, Mienenspiel, da der
Direktor aufmerksam wurde. Er betrachtete sie eine Weile; dann griff er
nach einem Buch und sagte so ganz beilufig: "Kommen Sie mal her, Kind,
und lesen Sie. Aber lesen Sie einfach so, wie Sie fr gewhnlich
sprechen." Petra las.--"Nein, nein--das ist ja Unsinn! Hren Sie zu!"
Und er las ihr vor, und sie las ihm nach, genau so, wie er gelesen
hatte. "Nein doch, nein! So lesen$
e er und schielte nach seinem Herrn, um zu sehen, was fuer eine
Wirkung seine Worte haetten. "Waldscheu ist der Gaul", rief Saemund im
Gehen, "einen Baum hast Du ueber ihm gefaellt und jetzt will er nicht mehr
ruhig an den Baeumen vorbei." Aslak hoerte das mit an und erwiderte nach
einer kurzen Pause: "Du kannst ja glauben, was Du willst; Glauben macht
selig; aber dass Du damit Dein Pferd wieder gesund machst, das glaube ich
nicht"--im selben Augenblick jedoch drueckte er sich tiefer in die
Tonne und deckte sein Gesicht mit der Hand. Saemund war fest auf ihn
zugegangen und sagte halblaut, aber in recht unheimlichem Ton: "Du
niedertraechtiger..." "Saemund", erklang eine Stimme vom Herde. Ingebjoerg,
seine Frau war es, die rief und ihn beruhigen wollte, wie sie ihr
Juengstes beruhigte, das auf ihrem Schoss sass, bange war und schreien
wollte. Zuerst wurde das Kind still, dann schwieg auch Saemund, aber er
hielt die fuer einen so staemmigen Mann etwas kleine Faust Aslak dicht
unter die Nase, waehrend er sich vor$
lichen, zu einer Weihestunde, in der man auch der
herbsten Wirklichkeit gerade in das Auge zu sehen wagt. Doch beide waren
ueberzeugt, dass Thorbjoerns Schuld diesmal gering war, und dass er nichts
begangen hatte, das sich zwischen ihn und ihr Mitgefuehl stellen konnte.
Da weinten sich beide frei aus, aber leise,--und Synnoeve weinte am
staerksten; sie sass ganz zusammengekauert auf der Bettkante. Ingrid
suchte sie durch Erinnerungen aufzuheitern: wie froh und vergnuegt waren
sie alle drei so manchesmal gewesen! Aber nun passierte es wie so oft,
dass jede winzige Erinnerung an Tage voll Sonnenschein in Kummer und
Traenen zerrann.
"Hat er nach mir gefragt?" fluesterte Synnoeve.--"Er hat fast gar nicht
gesprochen."--Ploetzlich erinnerte sich Ingrid des Zettels, und das fiel
ihr arg auf die Seele.--"Faellt's ihm zu schwer, zu sprechen?"--"Das weiss
ich nicht--er denkt wohl desto mehr."--"Liest er in der Bibel?"--"Mutter
liest ihm vor; jetzt muss sie es alle Tage tun."--"Was sagt er
dann?"--"Er spricht fast gar n$
n Augen unter der kraeftigen Stirn und mit einem
breiten Munde, der oft laechelte und sich dann immer nach einer Seite
verzog,--war Birgit Boeen. Nils gewahrte sie, als er zu den Deckenbalken
emporsah. Die Geige setzte ein, tiefe Stille entstand, und er trat zum
Tanz an. Er warf sich auf den Boden, schob sich im Takt der Musik halb
auf der Seite an der Erde hin, schlenkerte mit den Beinen, warf sie ab
und zu kreuzweis unter sich, sprang wieder auf, stellte sich wie zum
Wurf bereit und ging dann wieder schraeg wie vorhin. Die Fiedel wurde von
tuechtiger Hand gestrichen. Die Weise wurde immer feuriger. Nils bog den
Kopf immer weiter zurueck, und ploetzlich lag der Stiefelabsatz am
Deckenbalken, dass der Staub herunterrieselte. Alle lachten und
kreischten um ihn herum, die Maedchen hielten den Atem an. Die Melodie
jauchzte dazwischen und trieb zu immer tolleren Spruengen an. Er
widerstand ihr auch nicht, bog den Koerper vornueber, huepfte im Takt,
richtete sich wie zum Wurf auf, hielt sie aber nur zum Narren, ka$
ing geachtet hast, wirst Du vielleicht
bald damit gestraft weiden, dass Du sie verlierst!"--Er blieb auf dem
Fleck stehen. "Allmaechtiger Gott, was soll dann aus mir werden?"
Ihm war's, als geschehe jetzt ein Unglueck zu Haus; er setzte in grossen
Spruengen auf das Haus zu, der kalte Schweiss stand ihm auf der Stirn, und
die Fuesse beruehrten kaum die Erde. Er riss die Stubentuer auf. Die Mutter
hatte sich schlafen gelegt, der Mond fiel ihr gerade auf das Gesicht;
sie lag und schlummerte wie ein Kind.
Sechstes Kapitel
Einige Tage darauf beschlossen Mutter und Sohn, die sich seitdem inniger
aneinander angeschlossen hatten, bei Verwandten auf einem Nachbarhof
eine Hochzeit mitzumachen. Die Mutter war seit ihrer Maedchenzeit auf
keinem Fest mehr gewesen.
Die beiden kannten fast alle Gaeste nur dem Namen nach, und Arne kam es
besonders sehr merkwuerdig vor, dass ihn alle ansahen, wo er sich blicken
Auf der Diele fiel hinter ihm ein Wort,--bestimmt wusste er es nicht,
aber er glaubte es gehoert zu haben, und jeder$
lich an mich selbst dabei gedacht."--"Soll es Dir
denn so ergehen?"--"Ich weiss nicht;--aber damals empfand ich so;--ja,
ich begreife es gar nicht; aber mir war damals so schwer ums
Herz."--"Das ist doch seltsam"; sie malte wieder auf den Scheiben.
Das naechste Mal, als Arne zum Mittagessen erschien, ging er zuerst ans
Fenster. Draussen war es grau und trueb, drinnen warm und gut; an die
Scheibe aber war mit dem Finger geschrieben: "Arne, Arne, Arne" und
immerzu "Arne"; das war das Fenster, wo Eli am Abend vorher gestanden
Am Tage darauf aber kam Eli nicht hinunter; sie war krank. Sie war
ueberhaupt die ganze Zeit ueber nicht recht munter; sie sagte es selbst,
und man konnte es ihr auch ansehen.
Elftes Kapitel
Den naechsten Tag kam Arne herein und erzaehlte, was er eben auf dem Hof
erfahren hatte: naemlich dass Mathilde, die Tochter des Pfarrers, in die
Stadt gefahren sei; sie selbst glaube, nur fuer ein paar
Tage,--tatsaechlich aber solle sie ein Jahr oder zwei dort bleiben. Eli
hatte bis jetzt keine Ahnung $
fen
suchen; sie kommen von selbst."--"Wie denn?"--"Wie alles Liebe: wenn Du
es am wenigsten erwartest."--Sie schwiegen beide. "Mich wundert, Arne,
dass Du Dich von hier fortsehnst, wo Du doch soviel Schoenes in Dir
hast."--"Weisst Du denn, dass ich mich fortsehne?"--Sie antwortete nicht;
sie lag ganz still wie in Gedanken. "Arne, Du darfst nicht fort!" sagte
sie, und das ging ihm warm zu Herzen.--"Manchmal hab' ich auch weniger
Lust dazu."--"Deine Mutter muss Dich sehr lieb haben. Ich moechte Deine
Mutter einmal sehen!"--"Komm doch mal nach Kampen, wenn Du erst wieder
gesund bist." Und da stellte er sie sich auf einmal vor, wie sie in
Kampen in der hellen Stube sass und auf die Berge schaute; sein Herz fing
zu klopfen an, und das Blut schoss ihm ins Gesicht. "Es ist warm hier
drinnen", sagte er und stand auf.
Sie hoerte es. "Willst Du schon gehen?" sagte sie, und er setzte sich
"----Du musst oefter zu uns kommen;--Mutter hat Dich so lieb."--"Ich
selbst moechte auch gern;--aber ich muss doch ein Gewerbe treibe$
n es bloss nicht zu spaet
wird."--"Ja, wenn wir hier lange stehen und drueber reden, dann mag es
wohl zu spaet werden",--und sie gingen. "Du hast auch wohl viel gelernt,
wo Du doch beim Herrn Pfarrer aufgewachsen bist?" Ja, das habe sie. "Das
wird Dir gut zustatten kommen," meinte Margit, "wenn Du mal einen
bekommst, der weniger kann."--Nein, meinte Eli, solchen moechte sie
nicht. "Nun ja, es ist ja auch vielleicht nicht das beste, aber hier im
Dorf haben die Leute wenig Bildung."--Eli fragte, was da hinten im Walde
rauche. "Das kommt von dem neuen Paechterhaus, das zu Kampen gehoert. Da
wohnt der Knut vom Oberland. Er war immer so allein, und da hat Arne ihm
den Platz gegeben, dass er ihn urbar mache. Er weiss, was es heisst, allein
zu sein, der arme Arne." Nach einer Weile waren sie hoch genug, um das
Gehoeft sehen zu koennen. Die Sonne schien ihnen gerade ins Gesicht; sie
beschatteten die Augen und schauten hin. Mitten drin lag das
rotgestrichene Haus mit den weissen Fensterrahmen; ringsum die Wiesen
waren$
ging sie hinaus und sah sich im Garten nach Eli um; die kauerte da am
Boden und schrieb in den Sand. Sie wischte es aus, als Margit kam,
blickte auf und laechelte; sie hatte geweint.--"Dabei ist nichts zu
weinen, Kind", sagte Margit und streichelte sie. Sie sahen oben am Wege
etwas Schwarzes hinter den Bueschen. Eli schlich sich ins Haus, die
Mutter hinterher. Drinnen war gewaltig aufgetischt: Rahmbrei,
Rauchfleisch und Kringel; Eli sah aber gar nicht hin; sie setzte sich
dicht an die Wand auf einen Stuhl in der Ecke neben der Uhr und
zitterte, sowie sich nur eine Katze ruehrte. Die Mutter stand am Tisch.
Feste Schritte ertoenten auf den Steinfliesen, ein kurzer, leichter auf
der Diele, leise wurde die Tuer aufgemacht und Arne trat ein. Das erste,
was er sah, war Eli in der Ecke neben der Uhr; er liess die Tuer los und
blieb stehen. Das machte Eli noch verlegener; sie stand auf, bereute es
aber gleich und drehte sich nach der Wand um.--"Du bist hier?" sagte
Arne leise und wurde gluehend rot bei dieser Frage.-$
sah ueber den ganzen Zug hin, bis seine Augen an
dem Brautpaar und seiner Frau haengen blieben: "Das haette mal einer vor
zwanzig Jahren sagen sollen", meinte er.
       *       *       *       *       *
EIN FROEHLICHER BURSCH
Erstes Kapitel
Oeyvind hiess er, und als er geboren wurde, schrie er. Aber als er erst
aufrecht auf Mutters Schoss sass, lachte er, und wenn abends Licht
angesteckt wurde, lachte er, dass es schallte; doch wenn er nicht
herandurfte, weinte er. "Aus dem Jungen wird sicher was Besonderes",
sagte seine Mutter.
Ueber das Haus, worin er geboren wurde, neigte sich die kahle Bergwand;
aber sie war nicht sehr hoch. Fichten und Birken schauten hernieder, und
die Vogelkirsche streute ihre Blueten aufs Dach. Oben auf dem Dache aber
sprang ein Boeckchen, das Oeyvind gehoerte; es musste da oben weiden, wo es
sich nicht verlaufen konnte, und Oeyvind brachte ihm Laub und Gras. Eines
schoenen Tages sprang das Boeckchen zur Bergwand hinueber; es kletterte
hinauf, weit hinauf, wo es noch nie gewesen war.$
nde des Bettes und brach in
heftiges Weinen aus. Der Kranke sah ihn unverwandt an und schwieg.
Schliesslich bat er seine Frau, hinauszugehen; aber Baard winkte ihr, sie
moege bleiben,--und dann sprachen sich die Brueder aus. Sie sprachen ueber
alles von dem Tage an, da sie auf die Uhr geboten hatten, bis zu der
Stunde, da sie hier zusammentrafen. Baard holte schliesslich den
Goldklumpen heraus, den er immer bei sich trug, und nun sahen die Brueder
ein, dass sie sich in all den Jahren nicht einen einzigen Tag gluecklich
gefuehlt hatten.
Anders sagte nicht viel, dazu war er zu schwach; aber Baard blieb am
Bett sitzen, solange Anders krank war. "Jetzt bin ich wieder ganz
gesund," sagte Anders eines Morgens, als er aufwachte, "jetzt wollen
wir noch lange zusammenleben, mein Herzensbruder, und nie mehr
auseinandergehen, ganz wie damals." An dem Tage aber starb er.
Frau und Kind nahm Baard zu sich, und sie hatten es fortan gut. Was aber
die Brueder am Krankenbett zusammen gesprochen hatten, das drang hinaus
durch d$
erausbringen
und wandte die Augen zur Seite. "Du bist in letzter Zeit auch gar nicht
mehr froehlich; hat sie andere lieber als Dich?" Oeyvind schwieg
beharrlich, der Schulmeister fuehlte sich etwas verletzt und liess ihn
stehen; sie gingen zurueck.
Als sie eine lange Strecke gegangen waren, wartete der Schulmeister,
bis Oeyvind ihn eingeholt hatte. "Du sehnst Dich wohl danach, konfirmiert
zu werden?" fragte er.--"Ja."--"Was willst Du denn nachher
anfangen?"--"Ich moechte gern aufs Seminar."--"Und Schulmeister
werden?"--"Nein."--"Das ist Dir wohl nicht fein genug?"--Oeyvind schwieg.
Wieder gingen sie eine lange Strecke. "Wenn Du mit dem Seminar fertig
bist, was willst Du dann?"--"Das habe ich mir noch nicht ordentlich
ueberlegt."--"Wenn Du Geld haettest, wuerdest Du Dir wohl einen Hof kaufen,
nicht?"--"Ja, aber die Muehle behalten."--"Dann ist's am besten, Du gehst
auf die Ackerbauschule."--"Lernt man da ebensoviel wie auf dem
Seminar?"--"Ach nein, aber man lernt das, was man spaeter
braucht."--"Bekommt man da$
ltet, und er sagt, dass
es sich da, wo es stand, gut verzinst hat; aber jetzt ist ja das beste,
Oeyvind nimmt es fuer Nordistuen." Die Mutter stand hinten in der Ecke und
machte sich ganz klein, waehrend sie mit leuchtenden Augen zu Tore
hinsah, der jetzt sehr gewichtig dahockte und beinahe dumm aussah; Ole
Nordistuen sass ihm mit weit offnem Mund gegenueber; Oeyvind war der erste,
der sich von der Ueberraschung erholte. "Ist das nicht, als wenn das
Glueck mich verfolgt?" rief er, ging auf seinen Vater zu und schlug ihm
auf die Schulter, dass es droehnte. "Du Prachtvater!" sagte er, rieb sich
die Haende und ging auf und ab.
"Wieviel mag das wohl sein?" fragte schliesslich Ole ganz zaghaft den
Schulmeister. "Es ist gar nicht so wenig."--"Ein paar hundert
Taler?"--"Noch ein bisschen mehr."--"Noch ein bisschen mehr? Oeyvind, noch
ein bisschen mehr! Herrgott, das soll ein Hof werden!" Er stand auf und
lachte hell heraus.
"Ich will mit Dir zu Margit", sagte Oeyvind. "Die Postkutsche steht ja
noch draussen, da geht$
 auf...
Ploetzlich wurde sie blass; sie sah zu den beiden auf, sah wieder in das
Buch, auf die wohlbekannten Schriftzuege. Es gibt Dinge, die einen ins
Herz treffen, wie eine Kugel, Dinge, von denen man sich hunderte von
Meilen entflohen waehnt, und die man auf einmal dicht vor sich sieht.
Da--auf dem ersten Blatt--stand geschrieben: "Hans Oedegaard."
Flammendrot rief sie: "Gehoert _ihm_ das Buch?--Kommt _er_ hierher?" Und
sie stand auf. "Ja, versprochen hat er's", erwiderte Signe. Und Petra
entsann sich, dass er im Ausland mit einer Pastorenfamilie aus dem Stift
Bergen zusammengewesen war. Sie selbst war nur im Ring herumgefahren,
sie war geradenwegs auf ihn zugereist. "Kommt er bald? Ist er etwa gar
hier?" Sie schickte sich auf der Stelle an, davonzulaufen.--"Nein, er
ist ja doch krank", sagte Signe.--"Ach, richtig, er ist ja krank!"
wiederholte Petra schmerzlich und sank zusammen.
"Sagen Sie mal," rief Signe, "Sie sind doch nicht etwa--?" "Das
Fischermaedel?" vollendete der Propst. Petra sah flehend zu ihn$
 "denn Arbeit ist ein
Gebot."--"Gewiss soll er das, wenn er auch andere Mittel und andere
Aufgaben hat; jeder hat seine. Aber sag', soll der Mensch unaufhoerlich
arbeiten?"--"Er soll auch beten", fiel die blonde Frau ein und faltete
die Haende, als komme ihr jetzt zum Bewusstsein, dass sie es zu lange
versaeumt habe.--"Also: immer wenn ein Mensch nicht arbeitet, soll er
beten?--Kann ein Mensch das?--Was waere das fuer ein Beten, und was waere
das fuer ein Arbeiten?--Soll er nicht auch ausruhen?"--"Wir sollen erst
ausruhen, wenn wir nicht mehr koennen; dann werden wir nicht von boesen
Gedanken versucht,--ja, dann werden wir nicht in Versuchung gefuehrt!"
sagte Eise wieder, und der Psalmist fiel ein:
    "So gehet ein, ihr Mueden,
    In Jesu suessen Frieden,
    Die Arbeit war so gross.
    Die Zeit ist nicht mehr weit,
    Da man fuer euch bereit't
    Ein Bettlein in der Erde Schoss!"----
"Still, Erik, und hoer' zu," sagte der Propst. Oedegaard aber zog jetzt
die Schlinge zusammen: "Seht Ihr, die Arbeit trae$
vorgeschritten? Das Wort war ausgesprochen, er konnte also offen mit ihr
darueber reden; das war ihnen auch beiden willkommen; dann brauchten sie
ja doch nicht von der Vergangenheit zu sprechen.
Indessen, sie wurden bald durch Gaeste aus der Stadt gestoert, gebetene
und ungebetene! Die Dinge standen da aber schon so, dass ein einziger,
wohlgenutzter Zufall Klarheit bringen konnte,--und dazu verhalfen die
Gaeste. Es wurde naemlich eine grosse Gesellschaft veranstaltet, und auf
dieser Gesellschaft, gleich nach Tisch, als die Herren im Arbeitszimmer
sassen, kam das Gespraech auf die Schauspielkunst; denn ein Stiftskaplan
hatte auf dem Schreibtisch eine christliche Ethik aufgeschlagen gesehen
und war auf das entsetzliche Wort "Schauspiel" gestossen. Es entspann
sich ein heftiges Wortgefecht, und mitten hinein kam der Propst, der
nicht mit bei Tisch hatte sein koennen, weil er zu einem Kranken gerufen
worden; er war sehr ernst gestimmt, er ass nicht, er nahm auch nicht an
dem Gespraech teil, aber er stopfte seine $
mal die Dinge aus dem Gleis geraten. Wo das
Vertrauen verloren gegangen war, so sagte sich Klamm, da gab's keine
Nadeln und keinen Zwirn zum wiederzusammenheften. Hchstens konnte die
Zeit, die alles klrte, auch darin einstmals eine Aenderung wieder
herbeifhren.
Und einen Gewinn trug er davon, wenn er Knoops verlie: er konnte sich
unter weit gnstigeren Umstnden Ileisa nhern, sie, wie er nach den
gestrigen Vorgngen annehmen zu knnen glaubte, fr sich gewinnen.--
Grade ihre Art und ihr Wesen hatten ihn noch mehr bestrickt, hatten die
Funken, die in ihm glhten, angefacht. Einmal wieder den Geschften
abgewendet, war das frhere, lebendige Interesse fr Frauen und
Frauenschnheit wieder in ihm wach geworden.
Oft enttuscht, fand er--wie er hoffte--in ihr endlich das Ideal seiner
Vorstellungen. Er konnte es nicht erwarten, in ihre Nhe zu
gelangen.--Auch an Frulein von Wiedenfuhrt richtete er--infolge der
vernderten Sachlage--noch an diesem Morgen einen Brief:
  "Erlauben Sie, mein hochverehrtes Frulei$
efallen
war, geriet Herr Knoop in eine ganz ungeheure Aufregung. Er sprach aus,
da er nur bedaure, Arthur nicht gleich fassen, ihn zur Rede stellen und
ihn so abkanzeln zu knnen, da ihm zu Wiederholungen eines solchen
Auftretens die Luft vergehen werde.
Aber auch Margaretens Mutter bemchtigte sich eine groe Emprung, der
sich eine tiefe Trauer und eine starke Bedrckung hinzugesellte.
Ihre alte Ahnung, da die in solcher Art herbeigefhrte Abweichung von
frherer Einfachheit ihrem Manne und ihnen allen nicht zum Segen
gereichen, ihnen vielmehr zum Verderben werden wrde, erfate sie von
Immer wieder mute Margarete erzhlen, und mit jeder Erneuerung ihrer
Darlegungen verstrkten sich in beiden der Zorn und die Entrstung ber
Arthurs Benehmen.
Erst nach einiger Zeit vermochten sie sich zu besnftigen. Whrend sich
aber Herr Knoop anschicken wollte, nunmehr zur Stadt zu fahren, erklrte
Frau Knoop, da sie sich nicht mehr in der Stimmung befinde, Besuche zu
machen. Ueberhaupt sei sie gegen das fortwhrend$
ch, wo ich mich befinde, mit ihren Kundschaftern zu umstellen, und
Personen, zu denen ich in Beziehung trat oder treten will, vor mir zu
"Hm! So! Das ist ja eine sehr fatale Sache. Und dann noch gegen solche
Bosheiten wehrlos zu sein! Ich bedaure Sie aufrichtig, Herr von Klamm.
Das muss ja eine ganz miserable Person sein, die fortgesetzt an einem
Nebenmenschen--es sei vorgefallen was will--derart Rache uebt. Ich habe
kein Verstaendnis fuer solche Charaktere--"
"Und doch sind sie weit verbreiteter, als man glaubt. Man begreift
bisweilen nicht, weshalb Personen ploetzlich eine andere Haltung
annehmen. Man schiebt ihnen, wenn keine Erklaerungen erfolgen, Launen zu.
In Wirklichkeit hat irgend ein Missguenstiger ein Minierwerk begonnen, und
mit Erfolg!--Ich bin ueberzeugt, dass es Leute giebt, die aus purem Neid
jahraus, jahrein, ohne Aufhoeren taeglich an der Untergrabung des Ansehens
anderer arbeiten, die sich dabei noch weit raffinierterer Mittel
bedienen, als meine einstige Freundin. So geschickt auch solche
a$
ts, wie das Ihrige, habe ich
naemlich schon empfangen. Eben daraus ist der Wunsch in mir rege
geworden, mich in Zukunft vorzugsweise auf diesem Gebiet zu versuchen."
So sprach Herr von Klamm, und Herr Knoop, fuer den dieses Mitglied des
Adels ploetzlich in ein voellig anderes Licht gerueckt wurde, erhob nicht
ohne starke Beifaelligkeit das Haupt.
"Hm--hm--so--so! Das sind Ihre Plaene, Herr von Klamm. Gewiss, auch das
laesst sich hoeren. Freilich, etwas draengt sich mir dabei auf. Sie glauben,
dass Sie sich in all diese, Ihnen doch in der Praxis noch fremden Dinge
wuerden hineinarbeiten koennen?
"Gewiss, gewiss! Das ist ja auch zu machen, und wenn die Saat gut war,
weshalb sollte nicht kraeftiger Weizen aufgehen? Es ist aber noch ein
Umstand da! Mein Sohn ist draussen, um sich noch in unserm Geschaeft
weiter zu bilden. Nach uebersehbarer Frist wird er zurueckkehren. Dann
sollte ihm eben das obliegen, was Sie im Auge haben.--Ich bin also grade
bezueglich einer solchen Thaetigkeit, wie Sie sie planen, in Zukunft$
ie damals, als von
dieser Moeglichkeit die Rede gewesen.
Inzwischen hatten die Plaene, die Herr Knoop, Vater und Sohn, verfolgten,
in der That noch zu starken Auseinandersetzungen mit den beiden Frauen
gefuehrt. Herr Knoop hatte nicht mit Unrecht gegen Arthur hervorgehoben,
dass er sich mit ihnen, namentlich mit seiner Frau zu verstaendigen habe.
Frau Knoop hatte gesagt:
"Wir empfangen doch keinerlei Wert und Ansehen durch unser Kleid,
sondern lediglich durch die Tadellosigkeit unserer Handlungen.
"Legten deine Vorfahren den Adel ab, so wussten sie sicher, was sie
thaten. Sie entaeusserten sich gewisser Pflichten und Noetigungen, die sie
hemmten und schaedigten. Hat es denn irgend einen Vorteil, ein 'Herr von'
zu sein, wenn man seine Befriedigung statt in Eitelkeiten, in der
Ausbildung des Gemuets und des Sinnes fuer die idealen Dinge dieser Welt,
sowie in der Pflege des Verkehrs mit den Besseren und Gleichgearteten
"Fuer Arthur ist's eine Thorheit, ihn in seinem Ehrgeiz zu verstaerken,
ja, ich fuerchte, es k$
t um einen
Walzer, eine Ekossse oder gar den Kotillon mit Ida die Hlse brechen
wollten. Sie aber lachte, da die Schneeperlen der Zhne durch die
Purpurlippen heraussahen, behauptete, sich immer nur auf eine Tour zu
versagen, hpfte dem Hofrat entgegen und reichte ihm die kleine Hand.
Selig, gerhrt, begeistert stellte er sich mit seinem holden
Engelskinde an die Spitze der Kolonne und marschierte unter den
mutigen, lockenden Tnen der Polonse stolzen Schrittes gegen das
wohlunterhaltene feindliche Tirailleurfeuer, das von vorn, von den
Flanken, berallher aus den Mndungen der Lorgnetten auf seine
Tnzerin sprhte. Aber diese,--war sie kurzsichtig, hatte sie statt
des Korsettchens einen Krassierpanzer von feinstem Stahl mit der
Musketenprobe um das Herzchen, oder war sie das Feuer so gewohnt wie
die alte Garde, die, Gewehr im Arm, im Paradeschritt durch das
Karttschenfeuer marschierte? Ich wei nicht; aber sie schien gar
nicht auf die schrecklichen Ausbrche der gebrochenen Herzen, auf die
Knallseufzer $
em herrlichen Landau mit den vier
Postpferden, den aus Leibeskrften blasenden Schwager darauf,
vorfuhr, als der reichbordierte Bediente dem jungen Mann heraushalf,
sagte sie gleich zu ihrem Ehezrter: "Gib acht, das ist was
Als sie aber dem Brktzwisl,--so nannte sich der gute alte Diener,--
die Kommoden in den drei Zimmern ffnete, ihm die Kleider und Wsche
seines Herrn aus den Koffern nehmen, sortieren und ordnen half, da
schlug sie vor Seligkeit und Staunen die Hnde zusammen. Sie hatte
doch von ihrer Mutter gewi recht feine, sanfte Leinwand zum
Brauthemdchen bekommen; aber das war grober Zwillich gegen diese
Hemden, diese Tcher--nein, so etwas Extrafeines, Schneeweies
konnte es auf der Erde nicht mehr geben wie dieses.
Es ist kein bles Zeichen unserer Zeit, wo der Edelmann seinen Degen
abgelegt hat und Grafen und Barone im nmlichen Gewand wie der
Brgerliche erscheinen, da die Frauen dem Fremden, der zu ihnen
kommt, nach dem Herzen sehen, das heit nach seiner Wsche. Ist sie
grob, unordentlich ode$
 Berner?
Hat etwa der Hof andere Absichten mit dieser Dame?"
"Was der Hof! Was der Staatsminister!" lachte der Hofrat. "Es gibt
noch ganz andere Diplomaten, als die Herren in der Residenz! Meinst
denn du, wenn so ein echter feuriger Pole liebt, da ihm das Feuer
aus den Kohlenaugen herauspfupfert, er werde erst vor dem
Staatssekretr den Hut abziehen und fragen: Erlauben Sie gtigst,
wollen Ew. Gnaden mir einen Gegenstand fr meine zrtlichen Neigungen
rekommandieren? Nein, Herr Bruder! Auf Ehre, wir haben das anders
gehalten anno achtundachtzig, und ich mag es dem guten, reichen
Jungen nicht verdenken, wenn er es auch so macht."--"Wie, so wre der
Graf in eine andere verliebt?" unterbrach ihn der Prsident.
"Verliebt, wie ich sage, und fr die Grfin so gut wie verloren."--
"Ei, ei," sagte der Prsident mit einem klugen Gesicht, indem er die
Finger an die Nase legte; "siehst du, das habe ich mir neulich gleich
gedacht, da das Attachement an die hohe Person nicht so gar gro
sein msse. Du weit von den Auft$
da ist er aber so kalt und gleichgiltig
wie Eis. Ich frage ihn endlich, als er gar nicht anbeien wollte, ob
er die Grfin denn nicht kenne, und da machte er ein ganz eigenes
Gesicht, wie wenn man beim berzuckerten Kalmus endlich aufs
Bittere kommt, und sagte: 'Nicht anders kenne ich sie als _par
renomme._' Das ist nun freilich bei der Frau Grfin nicht das
beste, das man haben kann. Wenn er sie daher nur und zuerst von
dieser Stelle kennt, so hat der Herr Staatssekretr schlecht
manvriert."
"Wei Gott, das hat er," lachte der Hofrat; "ich knnte dir Dinge
sagen--doch gedulde dich noch ein paar Wochen, und du siehest den
Herrn Grafen als Brutigam! Eine Dame aus der Residenz ist es nicht,
an die er sein Herz verlieren wird; nichtsdestoweniger ist es ein
Landeskind unseres allergndigsten Herrn, und zwar ein gutes, liebes,
"Nun, nun, so arg wird der Engel auch nicht sein," meinte der
Prsident, indem er sich verabschiedete; "aber ordentlich wohl ist es
mir, da es die Grfin nicht ist, denn ich sammelte mir$
d wenn ich das Glas mit Dnnbier zum Munde fhre, schiebt er mir immer im
Geiste Trimadera, Bordeaux oder Champagner unter."
So sprach der junge Mann und ging weiter, um auf sein groes Claurensches
Traktement der Verdauung wegen zu promenieren.
Was ist Rumford gegen einen solchen Mann? sprach ich zu mir. Jener bereitet
aus alten Knochen krftige Suppen fr Arme und Kranke; ist aber hier nicht
mehr als Rumford und andere? Speist und trnkt er nicht durch eine einzige
Auflage des "Vergimeinnicht" fnftausend Mann? Wenn nur die Phantasie des
gemeinen Mannes etwas hher ginge, wie wohlfeil knnte man Spitler, ja
sogar Armeen verproviantieren! Der Spitalvater oder der respektive Leutnant
nhme das "Vergimeinnicht" zur Hand, liee seine Kompanie Hungernder
antreten, liee sie trockenes Kommisbrot speisen und wrde ihnen einige
Tafelseiten aus Clauren vorlesen.
Doch von solchen Torheiten sollte man nicht im Scherz sprechen; sie
verdienen es nicht; denn wahrer, bitterer Ernst ist es, da solche
Niedertrchtigkeit$
lte ihr
beinahe versagen, als sie den "Grafen Martiniz" der "Graefin Aarstein"
vorstellte. Sie sah die Erz-General-Kokette erroeten, sie sah, wie sie den
bildschoenen Mann mit ihren Feuerraedchen beinahe zu versengen drohte;
es zuckte ihr ganz eisig in das liebende, aengstliche Herzchen hinein,
als die Graefin sich in einer nachlaessigen Stellung auf den Sofa warf,
ihr zurief, sie moechte sich doch gar nicht genieren und ihre Arrangements
treffen, die ein so ploetzlicher Ueberfall wie der ihrige immer notwendig
mache, sie moechte sich doch durchaus nicht genieren, der Graf werde
schon die Gnade haben, sie zu unterhalten.
"Da sei Gott gnaedig," fluesterte Ida in sich hinein, indem es ihr
froestelnd und doch wieder siedheiss durch alle Glieder ging, "wenn
die so fortmacht, so muessen wir ja alle samt und sonders, den Grafen
mit eingeschlossen, zu ihren Fuessen knien."
Sie nahm ihre Schluessel und ging; aber noch in der Tuere warf sie einen
Blick auf Martiniz zurueck, so voll Liebe und Besorgnis, als muesse sie
$
ehmen ihren Wein von den
grossen Handlungen, wo er ihnen echt und lauter gegeben wird; sie mischen
ihn, weil er dem Volke anders nicht munden will, mit einigem gebrannten
Wasser und Zucker, faerben ihn mit roten Beeren, dass er lieblich
anzuschauen ist, und verzapfen ihn ihren Kunden unter irgend einem
bedeutungsvollen Namen.
Diese Gassenwirte oder Volksmaenner treiben aber eine schaendliche und
schaedliche Wirtschaft. Sie fuehlen selbst, dass ihr Gebraeu sich nicht
halten wuerde, dass es den Ruf von Wein auf die Dauer nicht behalten
koennte, wenn er nicht auch _berausche_. Daher nehmen sie Tollkirschen und
allerlei dergleichen, was den Leuten die Sinne schwindelnd macht; oder, um
die Sache anders auszudruecken, sie bauen ihre Dichtungen auf eine gewisse
Sinnlichkeit, die sie, wie es unter einem gewissen Teil von Frauenspersonen
Sitte ist, kuenstlich verhuellen, um durch den Schleier, den sie darueber
gezogen haben, das luesterne Auge desto mehr zu reizen. Sie kleiden ihr
Gewerbe in einen angenehmen Stil, der$
 vollstndig ausfllten, hielt er eine
goldene Dose, deren er sich weniger zum eigenen Gebrauch als zur
Entamirung einer Conversation zu bedienen pflegte.
Whrend er strahlend von liebenswrdiger Hflichkeit in dem ersten Salon
seiner Wohnung Stellung nahm, befand sich die Frau Commerzienrthin mit
ihrer Tochter in einem Zimmer, das an die entgegengesetzte Seite des
Tanzsaals stie, um dort die Begrung der Gste zu empfangen.
Frau Commerzienrthin Cohnheim war eine groe hagere Gestalt mit
ziemlich eckigen Bewegungen und einem Gesicht, dessen entschieden
jdischer Schnitt in ihrem gegenwrtigen Alter wenig Einnehmendes hatte.
Sie trug ein dunkelrothes Sammetkleid, ein reiches Collier von kostbaren
Edelsteinen, Diamanten im Haar und Diamanten an den Armspangen. Der
Blick ihrer groen dunklen und stechenden Augen war kalt und fast starr,
und ihre etwas dnnen, gewhnlich fest zusammengeschlossenen Lippen
ffneten sich je nach dem Range und der Stellung ihrer Gste zu einem
mehr oder weniger hflichen und verb$
en mssen. Und auch Sie," fuhr er leise
fort, "werden endlich unter allen diesen glnzenden jungen Leuten,
welche Sie umschwrmen, mich vergessen mssen, da ich ja mit jenen Allen
den Vergleich nicht aushalten kann."
Sie blickte ihn einen Augenblick gro und sinnend an, dann schttelte
sie langsam den Kopf und mit einer raschen Bewegung reichte sie ihm das
kleine Bouquet, welches Herr von Rantow ihr soeben gebracht hatte.
"Wie schlecht kennen Sie mich," sagte sie, "wie ich Ihnen diese Blumen
gebe, so mchte ich Alles, was mir das Leben an Blthen bietet, nur dazu
benutzen, um Ihnen Freude zu machen."
Er nahm die kleinen Blumen und drckte sie wie begeistert an seine
Lippen. Ehe er antworten konnte, traten andere Herren heran, und in den
folgenden Touren des Cotillon wurde Frulein Cohnheim als die gefeierte
Tochter des Hauses so sehr in Anspruch genommen, da ein ruhiges
Gesprch nicht mehr mglich war.
Der Tanz war zu Ende. Langsam fhrte Herr von Bchenfeld Frulein
Cohnheim zu ihrer Mutter zurck. Als sie $
gen
Conversationston, "beobachtet Herr Nigra dieser ganzen Sache gegenber
eine sehr vorsichtige, fast kalte Zurckhaltung, und vom hiesigen
Vertreter Italiens ist mir noch nicht die leiseste Andeutung darber
"Bei den eigentmlichen Verhltnissen," erwiderte der Herzog, "welche
zwischen Oesterreich und Italien bestehen und bei den peinlichen
Erinnerungen aus nicht zu langer vergangener Zeit scheint es mir, da
eine Annherung zwischen beiden Mchten, namentlich eine Annherung mit
bestimmten Zielen, mit formulirten Alliancebedingungen schwer durch
direkten Verkehr hergestellt werden knne.--Auch giebt es Propositionen,
die man auf direktem Wege nicht eher machen kann, als bis man sicher
ist, da sie angenommen werden. Unter solchen Verhltnissen scheint mir
eine vorlufige, nicht officielle und zunchst nur sondirende
Verhandlung durch die Natur der Dinge angezeigt zu sein, und fr eine
solche Verhandlung knnte dann auch der neutrale Boden eines den beiden
Mchten befreundeten Hofes das richtige Terrain wer$
e
Sache dort liegt und was sie denn eigentlich fr Grnde gegen die von
mir beschlossene Art der Auflsung der Emigration haben."
Graf Platen rieb sich die Hnde und neigte den Kopf hin und her, ohne
inde etwas zu sagen.
"Aber Papa," sagte der Kronprinz, mit einer gewissen Schwierigkeit die
Worte hervorbringend, "Du wirst doch nicht von dem einmal gefaten
Beschlu wieder abgehen? Es scheint mir doch--"
Ein Schlag an der Thr ertnte.
"Wer ist da?" fragte der Knig mit seiner lauten hellen Stimme.
Der Kammerdiener trat ein und sprach:
"Der Ordonnanzofficier Major von Adelebsen bittet um die Erlaubni,
Eurer Majestt eine Meldung machen zu drfen."
"Er soll kommen," rief der Knig etwas verwundert.
Major von Adelebsen trat ein. Er war ein Mann von einundvierzig Jahren,
etwas ber Mittelgre, von magerer Gestalt und eckigen, wenig eleganten
Bewegungen. Sein Gesicht war bleich, von einer etwas gelblichen Farbe
und unregelmigen Zgen, welche wenig sympathisch berhrten, obgleich
in ihnen mehr zurckhaltende A$
immte Ansicht darueber, in
welcher Weise dies geschehen koennte.--Sie haben mir selbst," fuhr er
nach einer kleinen Pause fort, "frueher den Rath gegeben, den
kaiserlichen Thron mit liberalen Institutionen, welche in der freien
Bewegung des Volkes beruhen, zu umgeben, damit wenn die Vorsehung es
will, dass mein Sohn im fruehen Juenglingsalter zur Herrschaft berufen
werde, diese Institutionen seinen Thron schuetzend umringen. Sie sehen,
dass ich Ihren Rath befolgt habe. Aber," sagte er seufzend, "statt
Befriedigung habe ich nur eine immer unzufriedener wachsende Unruhe
hervorgerufen."
"Weil," fiel Drouyn de L'huys ein, "Eure Majestaet hierbei einen Fehler
gemacht haben. Das heisst," schaltete er, sich verneigend ein, "nach
meiner unvorgreiflichen Ueberzeugung, welche Sie mir frei auszusprechen
befohlen haben--einen Fehler, welcher schon oft in aehnlichen
Verhaeltnissen begangen worden ist, und welcher jedesmal verderbliche
Folgen gehabt hat."
"Und welchen," fragte der Kaiser gespannt, den Arm auf das Knie stue$
genen Wnschen entsprechen knnte, hierher zurck zu
kommen. Haben doch auch viele meiner Landsleute Frankreich verlassen
und in Deutschland eine neue Heimath gefunden, warum sollten Sie nicht
in unserer Mitte auch Ihre knftige Heimath begrnden knnen? Knnten
Sie diesen meinen sehnlichsten Herzenswunsch erfllen, so wrde ich kein
Bedenken hegen, die Zukunft meines Kindes Ihnen anzuvertrauen,
vorausgesetzt, da meine Tochter die Gefhle theilt, welche Sie fr sie
hegen,--worber Sie," fgte er lchelnd hinzu, "vielleicht ein wenig
unterrichtet sind."
"Ich glaube," sagte Cappei mit leiser Stimme, "da Frulein Luise mir
nicht abgeneigt ist--"
Die Thr ffnete sich, die Tochter des Herrn Challier trat ein. Sie
hatte eine Freundin besucht und trug einen einfachen kleinen Hut, mit
Rosenknospen garnirt, und ein leichtes Tuch um die Schultern. Ihr
frisches Gesicht war vom Gang leicht gerthet, ihre glnzenden Augen
richteten sich einen Augenblick wie fragend auf ihren Vater und auf den
jungen Hannoveraner. Sie e$
derliches gewhnt
hatte, und welche ihr, da sie darauf zu erwidern nicht fr nthig hielt,
die erwnschte Gelegenheit gaben, ihren Gedanken nachzuhngen.
Dies tte--tte zwischen Tochter und Mutter hatte bereits lngere Zeit
gedauert, als der Commerzienrath in groer Aufregung in das Zimmer trat.
Er verga, was er sonst stets mit einer etwas forcirten Galanterie zu
thun pflegte, seiner Frau die Hand zu kssen, und beachtete auch den
freundlichen Gru seiner Tochter kaum, welche ihm entgegen gegangen war
und ihm Hut und Stock abgenommen hatte. Er ging mit kurzen unruhigen
Schritten auf und ab, bewegte die Hnde in lebhaften Gesticulationen und
flsterte abgebrochene Worte vor sich hin.
Erstaunt sah ihm die Commerzienrthin eine Zeit lang zu, dann sagte sie
in etwas vorwurfsvollem Ton, in dem sich jedoch ein Anklang unruhiger
Besorgni beimischte:
"Du scheinst unsere Gesellschaft nicht zu beachten und vollstndig in
Deinen geschftlichen Combinationen vertieft zu sein. Vielleicht wre es
besser, die Berechnung$
in.
"Ich bin mir ber meine Worte vollkommen klar," sagte er, "und habe mit
denselben," fgte er sich leicht verneigend hinzu, "durchaus keine
persnliche Verletzung beabsichtigt. Ich habe nur sagen wollen, da
eine Regierung, welche sich vollkommen klar ist ber das, was sie nach
reiflicher Ueberlegung fr ihre Pflicht erkannt hat, sich nicht dadurch
irre machen lassen darf, ob ihre Beschlsse und Manahmen bei der einen
oder bei der andern Partei beifllige oder tadelnde Beurteilung finde;
und ich kann nur wiederholen, da die Regierung es fr ihre Pflicht
hlt, mit aller Energie gegen das System der Stimmenenthaltung
aufzutreten. Das Kaiserthum und der Kaiser stehen nicht in Frage," fuhr
er mit fester Stimme fort, "wie hier so eben bemerkt wurde, die Frage
ist nur die, ob es gut sei, das Kaiserthum der Autoritt und des
persnlichen Regiments in ein liberales Kaiserthum umzuwandeln; da die
Feinde des Kaiserthums berhaupt das Letztere nicht wollen, begreife
ich," fgte er mit scharfer Betonung hinzu, "ob $
enn protestantische Anschauungen knnen doch gewi niemals
die Politik Frankreichs, dieses so tief katholischen Landes leiten.
Welch eine Freude ist es doch," sagte er tief aufathmend, "so
vollstndiges Verstndni zu finden und mit einem Mann zu arbeiten, der
uns stets neue Gesichtspunkte ffnet."
Er bewegte die Glocke.
"Sind die Herren Minister versammelt," fragte er den eintretenden
Kammerdiener.
"Zu Befehl, Majestt."
"Wollen Sie mich in einen Augenblick im Conferenzzimmer mit den andern
Herren erwarten," sagte der Kaiser zu Herrn Ollivier, "ich werde Ihnen
sogleich folgen--wir wissen ja, was wir zu thun haben."
Der Grosiegelbewahrer verneigte sich mit zustimmender Miene und verlie
das Kabinet des Kaisers.
"Er wird thun, was ich will," sagte Napoleon ihm lchelnd nachblickend,
"und ich werde die vortreffliche Stellung haben, keinerlei Initiative zu
ergreifen; nicht meine Meinung,--sondern diejenige des Herrn Ollivier
wird durchdringen, und man wird nicht wieder vom persnlichen Regiment
und vom autocrat$
einer legitimistischen Familie nunmehr auf das Kaiserreich
bertrgt, nachdem er sich dem Dienst desselben gewidmet hat. Grammont
kennt besonders genau die Verhltnisse sterreichs, das doch fr unsere
auswrtige Politik und fr unsere auswrtige Action," fgte sie mit
besonderer Betonung hinzu, "einer der wichtigsten Factoren ist."
"Es wrde nur darauf ankommen," sagte der Kaiser, ohne den Blick seiner
Gemahlin zu erwidern, "welche Politik man nach Auen inauguriren wird,
nachdem diese inneren Angelegenheiten zum Abschlu gebracht sind. Unter
gewissen Verhltnissen wrde allerdings Grammont eine sehr geeignete
Persnlichkeit sein."
"Unter allen," sagte die Kaiserin, "Grammont ist ebenso geschickt und
geschmeidig, als ergeben."
"Nun," sagte der Kaiser, "man knnte ihn ja dann wieder hierher kommen
lassen. Ich habe frher ausfhrlich mit ihm ber die Lage der
Verhltnisse gesprochen und wrde persnlich sehr gern mit ihm
verkehren. Es kme aber darauf an, ob er sich mit den brigen Fhrern
des Cabinets verstn$
et wie
diese Blumen sind meine Gefuehle, welche gestern noch so schoen und
hoffnungsreich erbluehten,--wie oft haben meine Lippen auf diesen Blumen
geruht! Vorbei! Vorbei!"
Und wie vor der Beruehrung des kleinen Bouquets zurueckschaudernd, warf
sie dasselbe mit einer raschen Wendung in den Kamin, dessen Feuer
langsam in Kohlengluth zusammenzusinken begann. Die trockenen Blumen
flammten hoch auf und blieben dann als ein Haeuflein dunkler Asche auf
den gluehenden Kohlen liegen.
Sie presste die Haende auf ihr Herz und sah starr diesem Zerstoerungswerk
zu. Dann nahm sie den ganzen uebrigen Inhalt der Cassette, ebenfalls
kleine Bouquets, mehr oder weniger verwelkt, verschiedene andere
Cotillongeschenke und warf Alles in die Gluth, welche einen Augenblick
aufflackernd, mit hellem Schein das Zimmer erhellte.
"Die Vergangenheit ist vorbei," sagte sie schmerzlich, "meine Zukunft
wird wie diese Kohlen mehr und mehr Licht und Waerme verlieren, bis
endlich Alles in todte Asche zusammensinkt. Oh, koennte ich mein Herz
ebe$
durchzusetzen, ein Bestreben, in welchem sie durch die Indolenz der
Massen wesentlich unterstuetzt werden moechte.
"Eure Majestaet werden es gewiss billigen, dass wir auf die energischste
Weise den Praefecten aufgetragen haben, vor allen Dingen besonders in den
laendlichen Kreisen gegen die Enthaltung von der Abstimmung zu wirken."
"Gewiss, gewiss," sagte der Kaiser wie zerstreut, "man muss alle Mittel
anwenden, um diesen Herren von der Opposition zu zeigen, dass das Volk
von Frankreich sie verwirft und fest hinter mir steht,--doch," fuhr er
fort, "wie ist es mit Daru und Buffet? Bestehen sie darauf, dass die
Kammern zunaechst ueber das Plebiscit befragt werden und werden sie daraus
eine Cabinetsfrage machen?"
"Ich glaube, Sire," sagte Herr Ollivier, "dass meine beiden Kollegen sehr
geneigt sind, sich darueber zu verstaendigen; sie wollen gern ihre Kraefte
unter dem liberalen Kaiserreich und unter Eurer Majestaet erleuchteter
und ruhmvoller Fuehrung dem Wohle Frankreichs widmen. Indess halten sie es
fuer unmo$
cheinende Zimmer, ohne dessen Thuer zu verschliessen und gingen vor dem
aeussern Thor des Hauses nach verschiedenen Richtungen auseinander.
Einige Augenblicke blieb der grosse dunkle Raum im tiefen Schweigen, dann
liess sich ein leises Geraeusch vernehmen;--unter dem Tisch, an welchem
die vier Verschwoerer so eben gesessen hatten, drang ein Lichtstrahl
hervor, eines der Bretter des Fussbodens erhob sich, aus der Oeffnung
stieg ein Mann mit einer kleinen Blendlaterne hervor. Er leuchtete mit
dem hellen Strahl seiner Laterne nach allen Seiten in die Tiefe des
Zimmers hinein, dann drueckte er das erhobene Brett sorgfaeltig in seine
alte Stelle zurueck, scharrte etwas von dem auf dem Boden liegenden Staub
in die Spalten, zog dann mehrere sauber gearbeitete Schluesselhaken aus
der Tasche und oeffnete die Schublade des Tisches. Er nahm eine der
Bomben und steckte sie in seine Tasche, dann zog er ein kleines
Notizbuch hervor und schrieb beim Schein seiner Laterne einige Worte in
dasselbe, indem er vor sich hinfluest$
 Luise Challier in dem Wohnzimmer des
alten Hauses in St. Dizier. Traurige Wochen und Monate waren verflossen,
seit ihr Geliebter sie voll freudiger Hoffnung und Zuversicht verlassen
hatte. So schwer auch der Abschied von ihm sie erschttert hatte, so
hatte sie doch in den ersten Tagen glcklich und froh seiner gedacht;
sie hatte die Tage gezhlt, welche er zu seiner Reise bedurfte, sie
hatte ausgerechnet, wie lange ein Brief von Hannover gehen msse, um zu
ihr zu gelangen und hatte nach Verlauf dieser Zeit mit zweifelloser
Gewiheit, ungeduldig die Augenblicke zhlend, einer Nachricht von ihrem
Geliebten entgegengesehen.
Als ein Tag nach dem andern vergangen war, ohne da eine solche
Nachricht eintraf, hatte sie dann alle Mglichkeiten der Verzgerung
sich klar gemacht, sie hatte auch wohl mit einem leichten Gefhl von
Traurigkeit sich oft gesagt, da der junge Mann unter dem Eindruck der
Rckkehr in seine alte Heimath erfllt von den lebhaften Gefhlen des
Wiedersehens seiner Mutter gezgert habe, ihr zu sc$
eder empor und sagte.
"So weit wie die Dinge jetzt gekommen sind, darf uns keine
fehlgeschlagene Erwartung erschttern. Das Schicksal will den
Entscheidungskampf, und wir mssen mit festem und ungebeugtem Muth in
denselben eintreten. Die Geschichte unseres Landes lehrt uns, da die
eigene Kraft Frankreichs die beste und krftigste Brgschaft fr unseren
Erfolg ist. Wir haben," fgte er mit erhobener Stimme hinzu, "fter
durch unsere Siege Bundesgenossen gefunden, als durch unsere
Bundesgenossen Siege erfochten. Der Gegenstand, ber den wir soeben
sprachen, ist durch diese Mittheilung erledigt," fuhr er fort, indem er
einen vor ihm liegenden, ganz mit seiner kleinen zierlichen Handschrift
beschriebenen Bogen zusammenfaltete. "Da ganz Deutschland es fr gut
findet, sich unter die Fhrung und Botmigkeit Preuens zu stellen, so
haben wir nicht nthig, uns fr die Ausnutzung unseres Sieges Schranken
aufzulegen. Die Proclamation, von der wir sprachen, ist berflssig
geworden. Frankreich wird sich die volle Freih$
uhr er
fort, "das Opfer eines Dolches, eines Revolvers oder einer Bombe werden,
so werden Sie unverzueglich die ganze Garnison von Paris unter die Waffen
treten lassen, meinen Sohn zum Kaiser proclamiren und die Truppen ihm
und der Regentin den Eid der Treue schwoeren lassen. Sie werden jeden
Versuch einer Bewegung in der Hauptstadt mit ruecksichtsloser Strenge
niederwerfen und die Regierung genau so fortfuehren, als ob sich Nichts
geaendert habe--Nichts," fuegte er mit einem Anklang leiser Wehmuth hinzu,
"als dass neben dem Namen des Kaisers eine IV statt einer III steht.
Besprechen Sie mir das, geben Sie mir Ihr Wort darauf."
Er streckte Ollivier mit einer Bewegung voll Hoheit und liebenswuerdiger
Herzlichkeit zugleich die Hand hin.
"Ich schwoere es Eurer Majestaet," rief Ollivier mit einer von innerer
Bewegung erstickten Stimme, indem er seine Hand in die des Kaisers
"So haben wir Vorsorge getroffen," sprach Napoleon im ruhigen, heiteren
Ton weiter, "fuer den Fall eines ungluecklichen Verhaengnisses, jetzt$
ie Beruhigung Europa's von Neuem in Frage
stellt. Ich bitte, Eure Majestaet, aus der Erklaerung, welche den Kammern
gegeben werden soll, jede provocirende und verletzende Aeusserung gegen
Preussen fern halten zu lassen, damit ein fuer allemal alle
Auseinandersetzungen ueber den Gegenstand aufhoeren. Graf Bismarck," fuhr
er fort, "hat bis jetzt alle Conflikte zu vermeiden gesucht, einen
guenstigeren Kriegsfall als in diesem Augenblick koennte er aber kaum
finden, und man muss ihn nicht in die Versuchung fuehren, durch einen
grossen Aufschwung des Nationalgefuehls aus der Waffenbruederschaft aller
deutschen Staaten ein neues deutsches Reich zusammen zu schmieden."
Der Kaiser laechelte.
"Seien Sie ganz ruhig, mein lieber Fuerst," sagte er, "ich habe Gramont
den Auftrag ertheilt, mit Ollivier eine definitive Erklaerung ueber die
Beendigung der ganzen Sache an die Kammer zu redigiren, und morgen um
diese Stunde wird jede Besorgniss fuer die Stoerung des Friedens
verschwunden sein."
Fuerst Metternich stand auf.
"Ic$
tz und erhob zum
letzten Gruss die Hand.
Jetzt zum ersten Mal wurde das ernste, feierliche Schweigen gebrochen,
wie ein einziger Ruf, weithin brausend in gewaltigen Klaengen die Luft
erschuetternd, erhob sich ein dreimal wiederholtes Hurrah. Es war als ob
wie aus einem Munde, vom gleichen Pulsschlag bewegt, das Volk den
scheidenden Koenig begruesste.
Dann trat abermals tiefe Stille ein.
Der Koenig winkte noch einmal mit der Hand, gab der Koenigin den Arm und
wandte sich nach dem Wartesaal hin. Da fiel sein Auge auf einen jungen
Officier mit blassem Gesicht, welcher in einem kleinen Rollwagen auf die
Rampe gefahren war und mit leuchtenden Blicken den koeniglichen
Kriegsherrn ansah, waehrend er die in unwillkuerlicher Bewegung erhobenen
Haende gegen ihn ausstreckte.
Der Koenig blieb einen Augenblick stehen, dann schritt er rasch auf den
jungen Mann zu und reichte ihm die Hand, dieser aber fasste sie mit
seinen beiden Haenden und fuehrte sie an die Lippen, indem Thraenen aus
seinen Augen stuerzten. Dann fasste e$
rlichen Regimenter. Schweigend ritt er die Front ab,
schweigend liess er die Truppen an sich vorbei defiliren und immer
schweigend wandte er nach kurzem Gruss, den Hut erhebend, sein Pferd, um
nach der Stadt zurueckzureiten.
Noch einmal brauste das vive l'empereur donnernd durch das Lager hin,
die Strahlen der Sonne funkelten auf allen diesen Waffenspitzen, auf
allen diesen Gold schimmernden Uniformen des Generalstabes, an dessen
Spitze der Kaiser gebeugt auf seinem Pferde sitzend, im langsamen
Schritt nach der Stadt zurueckritt, waehrend der kaiserliche Prinz
ungeduldig sein Pferd zuegelte, um an der Seite seines Vaters zu bleiben.
Ueberall gruessten erneute Hochrufe und die Klaenge der Musikkorps, welche
partant pour la Syrie und die Marseillaise spielten.
Der Kaiser schien von Allem dem nichts zu hoeren und zu sehen.
Ausdruckslos starrten seine Augen in's Leere und leise die Lippen
bewegend, sprach er:
  "Ave, Caesar, morituri te salutant!"
Ende des dritten Bandes.
Der Bankerott.
Eine gesellschaftliche Tra$
g bewaffnete er die Banditen Europa's.
ADELGUNDE. O Grauen!
DER DOCTOR. Ich frchte, es kostet ihm nicht blos das Vermgen, sondern
auch die Freiheit.
ADELGUNDE. Mein Vater in den Thurm!
DER DOCTOR. Vielleicht mit Ketten an Hnden und Fen! Sein Versehen ist
politischerseits unverzeihlich . . . Und welche Zukunft erwchst daraus
fr uns! Wir treten in eine harte Ehe . . . Ach!
ADELGUNDE. Unter diesen traurigen Umstnden haben Sie noch
Lust--Nimmermehr!
DER DOCTOR. Ein Ehrenmann hlt Wort.
ADELGUNDE. Verdoppeln Sie Ihr Unglck nicht. Ich gebe Ihnen den Ring
DER DOCTOR (drohend). Frulein!
ADELGUNDE. Die Erwerbung Ihres eigenen Unterhalts wird Ihnen schon sauer
genug fallen.
DER DOCTOR. Sie hegen eine geringe Meinung von mir.
ADELGUNDE. Unsere Zeit ist in allen Bethtigungen mit berflssigen
Krften erfllt und bei dem Mangel groer volksthmlicher
Unternehmungen, einer sittlich entnervenden Concurrenz verfallen, die
dem an Anstrengungen von Jugend auf Gewhntesten, fast aller Orten das
Leben zur Plage macht.$
sie den Beginn des Feuerwerks.
VATER ZIEMENS. Unser Herr giebt heute ein Fest?
FRAU ZIEMENS. Zu Deinen Ohren drang noch nichts davon?
VATER ZIEMENS. Keine Sylbe, Muetterchen.
FRAU ZIEMENS. Ich erfuhr's auch nur zufaellig durch des Kuchenbaeckers
Frau. Nach ihrer Beschreibung sollen alle Herrschaften aus Stadt und
Umgegend versammelt und ein Aufwand entwickelt sein, der an's
Unbeschreibliche grenzt! Da sind die Kuechenmeister durch die Eisenbahn
bis von Paris geholt. Die Kellner muessen in schwarzem Frack und weisser
Atlasweste aufwarten. Saemmtliche Tafelgeschirre bestehen theils aus
Meissner und Sevre'schen Kunstporzellan, theils aus gediegenem Silber und
Golde. Die seltensten Weine, Voegel, Fische, Schildkroeten, Krebse, Gemuese
und Fruechte der ganzen Welt lieferte ein Pariser Leckerbissenhaendler.
Endlich, alle vorzueglichsten Trompeter, Geiger und Schauspielsaenger, von
hier und den Nachbarstaedten wurden zu einem Chore vereinigt. Was sagst
VATER ZIEMENS. So ist's recht; wer viel hat, soll viel draufgehe$
lasse . . .
QUESTENBERG. Nicht heute--ein andermal.
BLASHAMMER. Ist Deine Krankheit unerbittlich.
QUESTENBERG. Ich leide grenzenlos und habe noch ein Geschaeft, zu dem ich
die Huelfe des Sohnes beanspruchen muss.
DER DOCTOR. Bin dabei.
QUESTENBERG (vorwurfsvoll). Dir wird's schwer fallen!--Ich wuensche denn
beiderseits Lebewohl.
BLASHAMMER. Glueckliche Besserung.
DER DOCTOR (Adelgunden die Hand kuessend). Theures Fraeulein, einen Kuss
fuer tausend . . . Adieu . . . Auf baldiges Wiedersehen . . . Adieu! (Die
beiden Partieen mit Complimenten nach verschiedenen Seiten ab.)
Abtheilung II.
Aermlicher Garten an der Huette des Vater Ziemens. Seitwaerts eine Strasse.
Vierte Scene.
FRAU ZIEMENS. VATER ZIEMENS.
FRAU ZIEMENS (hastig von der Strasse). Vaeterchen, Vaeterchen! Bist Du da?
Schnell heraus, eine schreckliche Maehr!
VATER ZIEMENS. Pst, leise--Marie schlaeft.
FRAU ZIEMENS. Im Park soll sich ein Arbeiter erschossen haben.--Sieh'st
Du wie lebendig die Strasse wird? Alle Welt geraeth in schaudernde
Bewegung. Such'$
 zu erdulden gehabt habe, die Organisation noch
  nicht angetastet worden sei, weil man es einfach nicht knne. Mit
  einer Organisation, wie sie der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein
  habe, wrden wir lngst zugrunde gerichtet worden sein.
  Habe die Polizei das Urteil des Obertribunals auf den Allgemeinen
  Deutschen Arbeiterverein nicht angewandt, so kennzeichne das mehr als
  alles andere das gute Einvernehmen des Chefs des Allgemeinen
  Deutschen Arbeitervereins mit der preuischen Polizei. Wir htten uns
  einer solchen Gnnerschaft nicht zu erfreuen, wollten sie auch nicht
  haben, mten also unsere Organisation so einrichten, da sie gegen
  polizeiliche Uebergriffe sicher sei. Die Form sei brigens fr uns
  Nebensache, die Hauptsache sei das Prinzip und seine Anwendung. Wir
  gehrten nicht zu denen, die als Orthodoxe die uere Form ber die
  Sache setzten, wir hielten die Organisation keineswegs fr
  unverbesserlich. Jedes Mitglied der Partei knne seinen Einflu fr
  Aenderung derselben gel$
hen Lndern nach verbter Strafe ausgesprochen. Die
brigen Angeklagten wurden zu geringeren Strafen verurteilt. Ein
Hauptanklagepunkt war die Beteiligung am Eisenacher Kongre (Oberwinder
und Scheu) und die Anerkennung des Eisenacher Programms, das nur durch
Gewalt durchgesetzt werden knne.
An der Hatz, die jetzt gegen uns seitens fast der gesamten Presse wegen
unseres Verhaltens im Reichstag inszeniert wurde, beteiligte sich der
"Sozialdemokrat" in hervorragendem Mae, der uns "Landesverrter" und
hnliche schne Titel anhngte. Damit nicht genug, sandte Schweitzer
verschiedene seiner Agitatoren nach Leipzig, die dort die Massen gegen
uns aufhetzen sollten. Zunchst kam Hasenclever, dessen Versammlung
durch ein Plakat angekndigt wurde, in dem es hie: "Smtliche Arbeiter,
Brger und Bewohner der Stadt werden zu dieser Versammlung freundlichst
eingeladen. Whrend unsere Truppen im Felde stehen, scheint eine
ffentliche Kundgebung des echt deutschen Sinnes unserer Einwohnerschaft
einzelnen undeutschen Elem$
enstbotenordnung verlangt und den Parteigenossen, die mit
religisen Ueberzeugungen gebrochen htten, der Austritt aus der
Landeskirche empfohlen.--
Am 1. Februar 1872 trat Vahlteich seine Festungshaft in Hubertusburg an;
spter folgte ihm Karl Hirsch. Mittlerweile wurden aber auch die brigen
Gefngnisse mit verurteilten Sozialdemokraten besetzt. Einzelne Genossen
waren mit sehr harten Gefngnisstrafen bedacht worden.
Der Leipziger Hochverratsproze.
Bei der Erffnungsfeier des ersten deutschen Reichstags am 23. Mrz 1871
im sogenannten Weien Saale des kniglichen Schlosses zu Berlin trat
Frst Bismarck an den Abgeordneten v. Schwarze heran mit den Worten:
"Nun, Herr Generalstaatsanwalt, was wird denn aus dem Proze Bebel und
Genossen?" Der Angeredete zuckte die Achseln und erwiderte: "Gar nichts
wird.", worauf Bismarck unwillig antwortete: "Dann htte man die Leute
auch nicht einstecken sollen; jetzt fllt das Odium des Prozesses auf
uns." Wenige Augenblicke nach jenem Vorgang wandte sich der schsische
Fi$
kleinen Schleier mit einem Streifchen
Silberpapier um den Kopf, Jagomir einen groen braunen oder grauen Hut
mit einer roten Feder, der Kanzler einen schwarzen Zylinder. Natrlich
wird all das aus Papier gemacht. Die Kleider knnt ihr euch selbst
ausdenken, jeder Flicken ist dazu brauchbar.
Wenn ihr das Stck auffhren wollt, ist es am bequemsten, ihr spannt
irgendeine Decke oder ein Tuch in einen offenen Trrahmen, und zwar so
hoch, da ihr bequem mit den Hnden hinauflangen knnt; eure Kpfe drfen
natrlich ebenso wenig zu sehen sein wie eure Fe. Einen Vorhang braucht
man nicht; die Puppen verschwinden einfach hinter dem Tuch und kommen auch
wieder so zum Vorschein. Jedes Kind kann zwei Puppen spielen, mit jeder
Hand eine; bei einer mu es dann seine Stimme etwas verstellen.
So, nun versucht mal euer Heil! Es wird euch viel Spa machen; und den
Zuschauern auch.
Knig Pflaumenmus.
Prinzessin Pumpfia.
Der Kanzler.
Der Ruber Jagomir.
ERSTE SZENE.
Der Knig tritt auf, vom Kanzler begleitet.
Der Sommerabend $
ondern--aus--andern Grnden, liebe
Frau Cromwell," fuhr die Pastorin in warmem Tone fort.
"Nennen Sie mich doch wie frher, Theonie, ich bitte--" fiel Theonie
ein. Der schwermtige Zug in ihrem Gesicht verschwand, und ihr
eigentliches Antlitz durchstrahlt von Gte und Menschlichkeit, kam zum
Vorschein. Und "Ja, bitte--Sie wollten sagen?" schlo sie.
"Hier!" entgegnen die Pastorin entschlossen und zog aus der Tasche ihres
Kleides einen Brief hervor. "Dies fanden wir heut' mittag in meines
Mannes Briefkasten. Lesen Sie! Ich hatte keine Ruhe! Ich trieb meinen
guten Hppner, gleich anspannen zu lassen und mit mir Sie aufzusuchen."
Theonie nahm das Schreiben aus der Pastorin Hand und las:
'Da Sie die junge, gndige Frau auf Falsterhof lieben und ihr
wohlwollen, so helfen Sie und Ihre Frau mit Ihrem Einflu, Herr Pastor,
da der Schurke, der sich bei ihr aufhlt, da Tankred von Brecken bald
das Herrenhaus verlt. Bleibt er, so geschieht etwas Schreckliches.
Das schreibt einer, der ihm nach seinen Beobachtungen da$
gemale seinen
Worten entgegentrat. Freilich geschah das nicht in Formen, die es auch
fr die brigen erkennbar machten, da sie ihn zu brskieren trachte,
aber Tankred mit seinem scharfen Sprsinn wute, da sie sich gegen ihn
auflehnte, und er in ihr eine Gegnerin zu besiegen habe.
Indessen schien sie auf Grete keinen Einflu auszuben. Tankred bemerkte
sogar einmal, da etwas von widerspenstigem Trotz in Gretes Augen
aufblitzte. Das freute ihn, obgleich ihn die Unendlichkeit ihrer Blicke
fast erschreckte. In der Seele dieses Mdchens war nichts Nachgiebiges,
sie ging ihren eigenen Weg, und sicher gehrte sie nicht zu den vielen
sanftmtig sich unterordnenden, auf eine eigene Meinung verzichtenden
jungen Geschpfen, die mit blindem Idealismus in die Ehe gingen und sich
den spter eintretenden Enttuschungen geduldig fgten.
Nach eingenommenem Kaffee mute Tankred die Malereien der Frau des
Hauses, die nicht ohne Talent ausgefhrt waren, in Augenschein nehmen;
man sprach mit Interesse und Verstndnis ber Pol$
in unserem Kreise sind alle Arten
vertreten. Pastor Hppner kann berhaupt nicht hassen. Deshalb ist er
auch kein Mann. Seine Frau ist ohne Ansehen der Persnlichkeit gtig und
menschenfreundlich, aber sie unterscheidet im Gegensatz zu ihm und tritt
dem Schlechten energisch entgegen. Grete vermag--ihre Person
ausgenommen, die sie ber alles liebt--weder zu lieben noch zu hassen!
Ihr Mann liebt keine menschliche Seele auf der Welt, hat aber jeden,
der ihm irgendwie in den Weg tritt,--und--Sie--Sie, Herr Hederich--"
"Nun, Frulein Carin?--" forschte Hederich gespannt, und sein gutes Auge
ging unruhig hin und her.
"Ja, Sie sind ein Kind und ein Mann zugleich! Sie haben einen klaren
Verstand, ein goldenes Herz und besitzen eine treue Seele."
"Na--na--na!--Es ist schon zu viel Schnes, Frulein Carin, aber--drum
und dran,--da Sie das sagen, das--das--ist mir mehr wert als--als--"
sagte er weich betonend, und seine Stimme zitterte.
"Ach, Sie lieber Mensch!--" unterbrach das Mdchen den Mann, sah ihm mit
einem see$
nglingsjahren war mit Bewutsein kein
unwahres Wort ber seine Lippen gekommen.
Aber das war die Folge solcher Verhltnisse. Immer ungemtlicher wurde
es in Holzwerder, und Hederich sah noch weit Schlimmeres herannahen.
Whrend er, so nachdenkend, dasa und aus der Pfeife die Rauchwolken
herausblies,--fast ein Stndchen mochte vergangen sein,--hrte er auf
dem kleinen Hausflur die Klingel gehen, und gleich darauf vernahm er
Peter, den Diener, und seine Haushlterin Worte wechseln.
"Na, was giebt's?" rief Hederich die Thr ffnend. "Haben Sie eine
Bestellung an mich, Peter?"
Der Diener nickte verlegen, dann trat er nher.
"Von Herrn von Brecken soll ich bestellen, die gndige Frau von oben
liee um das Packet Handschuhe bitten, und die gndige Frau von
oben--sie fate mich ab, als ich gerade weggehen wollte--lt fragen, ob
Sie noch kommen thten, Herr Verwalter. Sie haben mir beide gesagt, ich
soll nichts sagen--ich meine, ich soll nichts an die oben und nichts an
die unten von meiner Bestellung an Sie erzh$
ht gelassen, da er zudem ein
Flscher sei, der sich als solcher in den Besitz des Gutes gesetzt habe,
so beantrage sie die Aberkennung aller Rechte, die er sich angemat
Ja, das konnte gehen! Wie ein flammend aufhellender Blitz zog's durch
das Gehirn der Frau.--Wen hatte sie zu gewinnen, um ihr Vorhaben ins
Werk zu setzen? Die Menschen im Hause und einen als Inspektor
fungierenden Groknecht, der schon in frheren Zeiten auf Holzwerder
beschftigt gewesen. Und das konnte nicht fehlen! Wenigstens wollte sie
den Versuch machen! Hederich sollte ihr helfen!
Unter solchen Gedanken bestieg sie, nachdem mit Hlfe des Kutschers
alles aufgepackt war, den Wagen und fuhr, den Hauptweg zunchst
vermeidend, mit dem Kinde in raschem Trabe Klementinenhof zu.
       *       *       *       *       *
Es war am kommenden Tage bald nach der Tischzeit, als sich Frau von
Tressen zu dem verschobenen Besuch bei Theonie auf den Weg machte.
Der Kleine war inzwischen in Klementinenhof untergebracht, und Herr von
Tressen von allem unte$
ir mit Ruhe abwarten, was geschieht. Morgen hat er bereits den Brief.
Von bermorgen ab knnen wir uns auf seinen Besuch gefat machen. Aber
alle Leute sind genau instruiert; auf den Hof wird man ihn, kommt er
durch das Thor, nicht lassen, und tritt er durch den Park ins Haus, so
werden ihm unsere Dienstboten die erforderlichen Erklrungen geben. Aber
passe auf, er wird nichts gegen uns unternehmen."
"Wer wei!" fiel Herr von Tressen ein. "Da er sich nicht in gleicher
Weise fgen wird, wie seinerzeit wir es gethan, ist sicher. Ich glaube
doch, da er irgend etwas Gewaltthtiges inszenieren wird."
"Gewaltthtiges? Nein! Dazu ist er zu feige. Da ihm vielleicht solche
Gedanken kommen, bezweifle ich nicht, aber Dinge, bei denen es sich um
mehr handelt, als um schiefe Gesichter, fat er nicht an. Wohl aber
halte ich es fr mglich, da er sich einmal wieder an Theonie
heranmacht, klagt und lamentiert und ohne Rcksicht auf alles
Vorgefallene eine seiner Komdien in Szene setzt. Da fllt mir ein: ich
will Theonie$
weisung auf ihn, die ich verwerten kann. Ich habe nicht gern mit ihm
zu thun. Er ist mir sehr unsympathisch."
Diese Worte reizten nun auch Theonie, und sehr rauh und mit einem
starken Anhauch von Bevormundung gab sie, zugleich durch ihre Mienen
zeigend, dass sie sich durch seinen Einwand durchaus nicht beirren lasse,
"Es muss aber doch so bleiben! Einige kleine Unbequemlichkeiten musst Du
schon mit in den Kauf nehmen, wenn Du Geld empfangen willst."
Aber sie bereute sogleich, was sie gesprochen. In dem Antlitz des
Menschen, der ihr gegenueber stand, erschien ein furchtbarer Ausdruck.
Wut, Rachsucht, Totschlag standen in seinem Gesicht geschrieben, und ein
zaehneknirschendes, von funkelnden Blicken begleitetes:
"Nein, ich muss nicht und will nicht!" drang wie ein Gewitter aus seinem
Munde. "Ich habe Dir alles freundlich und sachlich vorgestellt, ich habe
an Deinen Gerechtigkeitssinn und Dein Verwandtschaftsgefuehl, aber auch
an Deine Klugheit appelliert, mich nicht wie einen laestigen Habenichts
zu behandeln, $
" machte Grete langgezogen, "bitte, sagen Sie mir
alles. Ich waere Ihnen wirklich sehr, sehr dankbar, wenn Sie wir den
Inhalt des Gespraechs rueckhaltlos mitteilen wollten."
"Wie kommen Sie denn mit einemmal auf so was?" schob Hederich, sich in
seiner platten Weise ausdrueckend, eigentlich nur um sich zu sammeln,
ein. "Haben Sie Unannehmlichkeiten mit ihr gehabt--?"
Grete schuettelte den Kopf. "Nein, durchaus nicht! Aber Mama hat in
diesen Tagen die Zukunft mit mir besprochen, und ich habe dann mit
meinen Verlobten geredet, und da--da--fuerchte ich doch, dass sich noch
allerlei Schwierigkeiten herausstellen werden. Ich moechte nun gern
wissen, worauf sich bei den Eltern die Sache vorzugsweise zuspitzt. Also
bitte, erzaehlen Sie."
Aber Hederich that nicht gleich, was sie verlangte. Er fasste die Hand
des schoenen, jungen Geschoepfes, das er einst auf den Knieen gewiegt, und
das die Arme so oft zaertlich um seinen Hals geschlungen hatte, und
"Hoeren Sie, liebe Grete--liebes Fraeulein Grete. Ich moechte Sie, bev$
e mich fast boshaft auf
gegen alles, was sich mir entgegenstellt. Ja, boshaft, Hederich! Ich
fuehle Befriedigung darin, jemandem weh zu thun. So war's mit Carin.
Es brannte in mir, ihr Unangenehmes zu sagen, ich wollte mich auch von
ihren stets vigilierenden Augen befreien. Und als sie fort war, sehnte
ich mich zwar nicht nach ihr, ein Beweis,--dass ich sie wohl doch nicht
so geliebt habe, wie ich glaubte,--aber ich schaemte mich meiner
Herzlosigkeit. Was wohl noch einmal aus mir wird! Ich aengstige mich
bisweilen.--Ich glaube--ich glaube--"
"Nun?" setzte Hederich, weich sprechend, an.
Das Maedchen richtete sich hoeher empor, sah Hederich fest in die Augen
und sagte, die Stimme daempfend: "Ja, ich glaube eigentlich, dass ich
haette einen Mann haben muessen, der wie Pastor Ja-ja viel, sehr viel Herz
hat, nicht mir so ganz aehnlich sieht, wie Brecken. Wenn ich allein bin,
mache ich Plaene, wie ich doch den Eltern alles zuwenden will,--zwar
nicht ganz so, wie sie es meinen, aber doch reichlich--und wenn ich ihn
$
sie hersagen sollte. Der
Schluss der von Hederich unter vielen Noeten gedichteten Willkommsworte
  "Es wechselt Kaelte, Sonnenschein und Regen!
  Der Landmann braucht's,
  Ihm ist's ein Segen,
  Wenn's auch mal kalt und nass vom Himmel stroemt!
  Durch Eure Herzen aber moege strahlen
  Nur warmer, goldener Sonnenschein und malen
  Auf Eure Wangen Lust und Froehlichkeit!
  Das wuenschen alle, die hier sind vereinet,
  Und seht, ein jedes Auge weinet
  Vor Freud', dass Ihr zurueckgekehret seid!"
Gluecklicherweise war's ein herrlicher Tag. Alles glaenzte, umflutet von
der Sonne. Der Hof und der Vorgarten prangten in Ordnung und Sauberkeit,
die Blumen in letzterem leuchteten in lebhaften Farben, der Himmel war
klar und blau, und die am Morgen besprengten Gebuesche trugen noch
silberfunkelnde Spuren des erfrischenden Bades. Auch waren die Wege neu
aufgeschuettet, und von der Spitze des Daches flatterte eine Fahne in den
Tressenschen Farben.
Und alles vollzog sich, wie gehofft und erwartet war. Sichtlich bewegt
uma$
ochondrische Leute,
die nichts zu thun haben, kommen auf tausend ueberfluessige Geschichten.
Da faellt mir ein: es scheint ja wahrhaftig etwas zwischen Streckwitz und
Theonie zu werden. Frau von Buelow behauptete, sie seien sogar schon
verlobt. Wir muessen Hederich fragen. Uebrigens moechte ich wohl wissen, ob
der gestern noch bei ihnen oben gewesen ist. Die Sache ist klar. Er
wollte keine Handschuhe abgeben, sondern sie wollten nur zusammen
hocken, um ueber uns zu Gericht zu sitzen. Und das ist doch kein
richtiges Verhaeltnis, Grete. Sie intriguieren fortwaehrend gegen uns, und
der alte Schwaeger traegt die Neuigkeiten von Haus zu Haus, nach
Breckendorf, nach Falsterhof und nach Elsterhausen. Insofern waere es
allerdings, um einmal den Fall ernstlich ins Auge zu fassen, gar nicht
vom Uebel, wenn die Eltern fort zoegen. Streckwitz's Besitz koennten sie ja
pachten. Papa scheint sehr davon eingenommen zu sein."
Tankred hatte bei den letzten Saetzen, die ihm durch die Gelegenheit
aufgedraengt waren, Grete genau $
en gegenuebertretenden Frau,
weshalb er unverrichteter Sache zurueckkehre.
"Die Zeit muss es klaeren, und wenn nicht, nun dann war's abermals eine
Hoffnung weniger!" stiess sie in einem teilnahmlosen Ton heraus und
bueckte sich ueber ihre Handarbeit.
"Was sagst Du? Du bist so sonderbar!" forschte Tankred mit einem Anflug
von Ungeduld. Ihn aergerte ihr Wesen. "War Mama unten?"
"Sprachst Du niemanden?"
"Ich verstehe Dich nicht--"
Tankred fuehlte, dass seine Frau auswich. Man hatte wieder auf sie
eingewirkt, und er wollte, sie sollte sprechen. In seiner reizbaren
Stimmung kehrte sich sein Zorn gegen sie.
"Hederich war hier! Er sagte es mir doch--" setzte er, seine
Voraussetzung als Thatsache hinstellend, an.
Die Frau erhob das Haupt und sah ihren Mann finster an.
"Er sagte es Dir? Du sprichst die Unwahrheit, Tankred! Oft thust Du
"Oft thue ich das? Was soll das heissen? Was hast Du ueberhaupt? Du bist
so vorwurfsvoll-sentimental. Wer hat Dich beeinflusst? Sprich!"
"Ach Tankred--" ging's aus dem Munde der Frau. E$
llte, die ihm immer von neuem zufluesterte: Thu's,
und Du wirst Besitzer von Falsterhof! Thu's, und Du wirst Eigentuemer
einer halben Million!
Und wenn er sich dies ausmalte, ergriff ihn eine so wahnsinnige Gier,
dass die Schwierigkeiten, die zu ueberwinden waren, ihm wie ein Nichts
erschienen, und die That und deren Folgen ihm nicht anders duenkten, als
alles, was die Tageswelle sonst an den Strand wirft. Aber wenn dann
wieder zu anderer Zeit das Wort Totschlag in seinem Innern austoente, und
seine Phantasie sich zu regen begann, dann nahmen statt solcher
gefaelligen Vorstellungen Angst, Furcht und Grauen von ihm Besitz, und
die Feigheit--nicht seine bessere Natur, weil sie ueberhaupt keine Stimme
in ihm besass--riss ihn zurueck und stuerzte alle Plaene ueber den Haufen. Und
wiederum, wenn am Morgen Feigheit und Nuechternheit geredet und das Wort
behalten hatten, fand um mittag die Habgier sich schon wieder ein und
fluesterte, und ihre Stimme wuchs, und sie sprach so lange, bis der Mann
sich abermals da fand$
sie gro und schrge am Himmel, setzte die Wipfel der Bume in
Glut und go ihren gelbrtlichen Glanz ber den Garten hin. Und inmitten
dieser goldigen Verklrung, die gewaltige Gloriole der Sonnenscheibe zu
Hupten, stand hochaufgerichtet im Wege eine ppige, ganz in Rot, Gold
und Schottisch gekleidete Person, die ihre Rechte in die schwellende
Hfte stemmte und mit der Linken ein grazil geformtes Wgelchen leicht
vor sich hin und her bewegte. In diesem Wgelchen aber sa das Kind, sa
Anton Klterjahn der Jngere, sa Gabriele Eckhofs dicker Sohn!
Er sa, bekleidet mit einer weien Flausjacke und einem groen weien
Hut, pausbckig, prchtig und wohlgeraten in den Kissen, und sein Blick
begegnete lustig und unbeirrbar demjenigen Herrn Spinells. Der Romancier
war im Begriffe, sich aufzuraffen, er war ein Mann, er htte die Kraft
besessen, an dieser unerwarteten, in Glanz getauchten Erscheinung
vorberzuschreiten und seinen Spaziergang fortzusetzen. Da aber geschah
das Grliche, da Anton Klterjahn zu lache$
2 saure Gurke           " 0,05
20 g Speck oder Fett      " 0,02-3/4
20 g Zwiebeln             " 0,00-1/2
20 g Mehl                 " 0,00-3/4
1 Gewrzdosis gestoen    " 0,00-1/2
1/2 l Wasser
1 Tropfen Speisefarbe     " 0,00-1/4
5 g Zucker                " 0,00-1/4
5 g Salz      \
1 Teel. Essig /           " 0,00-1/4
                          M 0,25-1/4
_Vorbereitung_: Das Fleisch wird in saubere gleichmige Stcke
geschnitten, die Gurke gewrfelt, die Zwiebel gerieben.
_Zuebereitung_: In irdenem Topfe schwitzt man Speck oder Fett mit Zwiebel
und Mehl gelb, fllt unter Rhren nach und nach das mit der Zuckerfarbe
gefrbte Wasser dazu, ebenso die Gewrzdosis, lt die Sauce dick kochen,
schmeckt sie mit Salz, Zucker, Essig ab, schmort die Gurkenwrfel darin
durch, fgt das Fleisch, das aber nur darin hei werden und nicht kochen
darf, dazu und richtet sogleich an.
FLEISCHHACH MIT REIS.
200 g gekochtes Fleisch           M 0,40
50 g Reis                         " 0,03
1/4 l Brhe                       " 0,20
1$
nd lnger kochen.
Gericht fr den Selbstkocher.
HAMMELFLEISCH, GESCHNITTEN, MIT REIS.
65 g mageres Hammelfleisch    M 0,13
20 g Zwiebeln                 " 0,00-1/2
15 g Fett                     " 0,01-3/4
15 g Sellerie                 " 0,00-1/2
125 g Reis                    " 0,07-1/2
1 Prise Pfeffer und Salz      " 0,00-1/4
1/2 l Wasser.
                              M 0,23-1/2
_Vorbereitung_: Das Fleisch wird gewaschen und in gleichmige 2 cm groe
Stcke geschnitten, die Zwiebel gewiegt, der Sellerie geputzt, der Reis
sauber gewaschen.
_Zubereitung_: Fleischwrfel und Zwiebel werden im Fett gelb gebraten,
mit Pfeffer und Salz gewrzt; dazu fgt man Sellerie, Reis und Wasser und
lt alles zusammen langsam weichkochen, schmeckt aber vor dem Anrichten
noch mit Salz ab.
Gericht fr den Selbstkocher.
HAMMELFLEISCH MIT KOHLRBEN UND KARTOFFELN.
200 g Hammelfleisch           M 0,32
3/4 l Wasser \
8 g Salz     /                " 0,00-1/4
3/4 kg (1/2 Pfd.) Kohlrben   " 0,7-1/2
1-1/2 l Wasser zum Abwellen
250 g $
uehe
verkocht zum Gericht getan und gruendlich damit durchgeschuettelt. Ehe es
angerichtet wird, schmeckt man mit Pfeffer und Salz ab.
Gericht fuer den Selbstkocher.
HAMMEL- ODER KALBSGEKROeSE. (VORRAT.)
1 Gekroese                  M 0,75
1 Gewuerzdosis              " 0,00-1/2
100 g Salz                 " 0,02
50 g Zwiebeln              " 0,01-1/2
40 g Fett oder Margarine   " 0,06-1/2
40 g Mehl                  " 0,01-1/2
1 Prise Safran             " 0,03
1 Essl. Petersilie          " 0,05
1 Prise Pfeffer            " 0,00-1/4
                           M 0,95-1/4
_Vorbereitung_: Das Gekroese besteht aus dem Magen und dem Netz mit den
krausen Gedaermen. Nur vom frisch geschlachteten Tiere sollte es verwendet
werden. Es wird mit warmem Wasser oft uebergossen und in kaltem Wasser
abgespult, dann, von einer Seite angefangen, scharf mit Salz abgerieben,
noch 24 Stunden gewaessert und in 4 cm lange Stuecke geschnitten. Die
Zwiebeln werden in Scheiben geschnitten.
_Zubereitung_: Man fuegt zu dem Gekroese 1 Gewuerzd$
schrift vorbereitet; Fluegel, Hals,
Kopf und Pfoten werden abgehauen. Das Darmfett der Gans wird sorgfaeltig
von dem anderen Fett getrennt und beides fuer sich eingewaessert. Nachdem
die Gans gewaschen und ausgetrocknet ist, wird sie mit Salz ausgerieben.
Die nach Belieben geschaelten oder ungeschaelten Aepfel, geschnitten oder
wenn sie klein sind ganz, werden mit Zucker und Salz durchgeschwenkt und
mit dem abgewaschenen Beifuss in die Gans gefuellt; diese wird zugenaeht und
aussen mit Salz eingerieben.
_Zubereitung_: Der Ofen wird in her ersten Stunde nicht zu heiss gehalten,
die Gans mit 1/2 l kochendem Wasser begossen; Zwiebeln und Gewuerz werden
dazugelegt. Die Gans wird unter Begiessen mit dem Wasser 1 Stunde im Ofen
behandelt. Man darf in der ersten Stunde weder Farbe noch Bratenduft
wahrnehmen; sollte die Temperatur im Ofen sich erhoehen, so deckt man ein
Fettpapier ueber die Gans. Sie wird nun soviel eigenes Fett hergegeben
haben, dass man sie damit begiessen kann; man fuellt nun von Zeit zu Zeit
loef$
rocknete Kirschen    M 0,12-1/2
20 g Zucker                                            " 0,01
3 Essl. Wasser
5 g Salz                                               " 0,00-1/4
125 g Reis                                             " 0,07-1/2
1/2 l Wasser zum Abwellen
5 g Margarine                                          " 0,00-3/4
1 Stueckchen Apfelsinenschale                           " 0,00-1/4
                                                       M 0,22-1/4
_Vorbereitung_: Die sauren Kirschen werden gewaschen, abgestielt und nach
Belieben entkernt. Getrocknete Kirschen werden nach Vorschrift
vorbereitet.
_Zubereitung_: Mit Zucker, Apfelsinenschale und 3 Essloeffel Wasser
geschmort kommen die Kirschen zum Reis, der wie Wasserreis bereitet
REIS MIT KUeRBIS.
1 Stueck Kuerbis fuer            M 0,05
1/2 l Wasser zum Abwellen
125 g Reis                    " 0,07-1/2
5 g Salz                      " 0,00-1/4
10 g Zucker                   " 0,00-1/2
2 Essl. Essig                  " 0,01
5 g Margarine              $
ehl                " 0,00-3/4
1 Gewuerzdosis            " 0,00-1/2
1 Bruehe oder Wasser      " 0,10
2 Teel. Mostrich         " 0,02
1 Teel. Essig          |
1/2 Teel. Zucker       | " 0,00-1/4
1 Prise Salz und Pfeffer " 0,00-1/4
2 Tropfen Speisefarbe    " 0,00-1/4
                         M 0,17
_Vorbereitung_: Die Zwiebeln werden gewiegt.
_Zubereitung_: Zwiebeln werden in Fett gebraten, dann mit dem Mehl
braeunlich geschwitzt, Gewuerz, Fluessigkeit dazugetan und eine glatte Sauce
gekocht. Mostrich wird mit Zucker und Essig, sowie mit einigen Loeffeln
fertiger Sauce, mit der er sich verbinden muss, verruehrt, dann erst ruehrt
man ihn zur ganzen Sauce, mit der er aufkocht. Die Sauce wird durch ein
Sieb gestrichen und mit Salz, Pfeffer, Speisefarbe abgeschmeckt, nochmals
Diese Mostrichsauce ist zu harten Eiern (Mostricheier) und auch zu
Rindfleisch zu verwenden. Verbessern kann man sie durch Zutat von
uebriggebliebener Bratensauce.
OeLSAUCE FUeR 4 PERSONEN.
(Zu Salaten, harten Eiern, kaltem Rindfleisch und Suel$
seinem
Regierungsantritt von den Errungenschaften frherer Erzbischfe
schleunigst Gebrauch machte und eine Revision in den Personen des
Stadtrates in Bezug auf ihre Gesinnung vornahm, die eine fhlbare
Vernderung dieser Instanz hervorrufen mute.
Ludwig Alt traute aber der "linden" Stimmung des jungen Gebieters nicht
vllig, immerhin wollte er den Versuch machen, sie zu Gunsten der Stadt,
namentlich zur Wiedererlangung der abgenommenen Kriminalgerichtsbarkeit
auszunutzen. Vorsichtig brachte Alt hervor: "Wenn wir in schuldiger
Ehrfurcht eines vom gndigen Herrn erbitten drften, so wre es, da das
Stadthaupt und der Rat gewissermaen doch auch noch etwas zu sagen
Wolf warf den geistvollen Kopf auf, sein scharfer, geschwinder Sinn
hatte im Nu erfat, wohinaus der Brgermeister zielte, doch wollte er
die Erkenntnis nicht verraten und fragte daher: "Wie meint Er das?"
"Wenn Hochfrstliche Gnaden es huldvoll verstatten wollen: Wir haben nur
noch die Exekutive, seit Ew. Gnaden neue Hofratsordnung in Kraft
getret$

"Das wird der bel grtes noch nicht sein. Schlimmer wr' ein Streit
mit Bayern und dem Kaiser!"
Trotzig rief der hochfahrende Frst: "Kommt dazu es jemals, stell' ich
meinen Mann und werd' das Schwert zu fhren wissen. Doch nun genug der
leidigen Politik, es giebt schnere Dinge noch auf Erden, und meiner
Salome dankbar die Hand zu kssen, will mich ein schnes Ding bednken."
Galant kte der Frst die schmale Rechte seiner Herzensdame und
geleitete Salome in ihre Gemcher, wo er lngere Zeit verblieb.
Wochen vergingen. Zur groen und angenehmen berraschung war Bayern auf
den proponierten neuen Vertrag eingegangen und dessen Ratifizierung
erfolgt. Wolf Dietrich konnte triumphieren, Bayern hat sich, ohne es zu
merken, bervorteilen lassen, und allen Einflu bei der Steigerung des
Salzpreises, mit welcher der Salzburger nun sofort vorging, verloren. Zu
spt erkannte man in Mnchen den Fehler; der Herzog konnte den Vertrag
nicht rckgngig machen, er vermochte nur Anstalten zu treffen, um
seinen Salzverschl$
om
Dienstkmmerer, der alsdann in einem Nebengemach verschwand, um dem
Kaiser Meldung zu erstatten.
Rudolf II. in schwarzer spanischer Tracht, sa an einem mit Folianten
und Gerten berladenen Tisch, vertieft in das Studium alchymistischer
Schriften, das er nebst Astrologie so sehr liebte und darob der Sorgen
um das Reich oft verga. Kaum hrte der Monarch die leise gesprochenen
Worte des Kammerherrn, kaum, da Rudolf den Kopf hob. Nur als das Wort
"Salzburg" fiel, ward der kranke Kaiser aufmerksamer und fragte wie
geistesabwesend, wer um Empfang bitte, obwohl der Kmmerling
diesbezgliche Meldung eben erstattet hatte.
Ehrerbietig sprach der Dienstkmmerer: "Frau von Altenau aus Salzburg
bittet Euer Majestt unterthnigst um gndigen Empfang."
Rudolf fuhr mit der zitternden Rechten ber die bleiche Stirne und
murmelte: "Altenau aus Salzburg--kenn' ich nicht! Salzburg--der
widerhaarige Frst--ja ich wei--bin mde, fhr' er den Bittsteller
herein, soll kurz es machen!"
Unter tiefer Verbeugung erwiderte der K$
itulare nicht minder.
       *       *       *       *       *
Wolf Dietrich hatte in migem Tempo die Nacht hindurch den Weg ber den
Pa Lueg zurckgelegt; im Morgengrauen ritt er vorber an seiner Burg
Hohenwerfen[19], welcher ein wehmutsvoller Blick geweiht ward. Wie
glcklich fhlte sich der damals junge Frst an Salomes Seite auf dieser
Feste, und jetzt mu Wolf Dietrich auf Pferdesrcken sein Heil in
rascher Flucht suchen!
Kalt und starr ragte das Gemuer aus dem Tannengrn auf, und krchzende
Raben flogen ber die Burg hinweg.
Es frstelte den Frsten trotz des anstrengenden Rittes.
Die vom Nachtnebel gente Reichsstrae fhrte durch das stille,
traumumfangene Dorf Werfen. Kaum da ein Hund die Kavalkade anbellte,
als Hufgeklapper hrbar wurde.
Tiefernst ward des flchtigen Frsten Blick, als Wolf Dietrich am
Friedhof des einsamen Dorfes vorberritt; dort wird wohl jener Pfarrer
begraben liegen, der einst so grimmig wetterte gegen das Verhltnis des
Erzbischofes zu Salome.
"Ruh' in Frieden!" flster$
en citiert und musste an den
Herzog schreiben, dass Celsissimus Wolf Dietrich, Fuerst und Erzbischof
von Salzburg, Primas von Deutschland und Hochfuerstliche Gnaden
einwillige in ein Schiedsgericht, so dasselbe gebildet werde aus den
durch den Salzstreit beeintraechtigten Reichsstaenden.
Als dieses gefaehrliche Schreiben abgegangen, erzaehlte Wolf Dietrich im
Hochgefuehle, durch den beissenden Spott den bayerischen Gegner grimmig
geaergert zu haben, seinem Freunde Lamberg davon in einer Stunde trauter
Zwiesprache und rieb sich vergnuegt die Haende.
Graf Lamberg aber zeigte eine geradezu bestuerzte Miene und ernst klangen
seine Worte, als er sprach: "Hochfuerstliche Gnaden, das war, submissest
sag' ich das in treuer Ergebenheit, ein schlimmer Brief, der den Herzog
schwer kraenken, zu einer Gewaltthat reizen muss!"
Wolf Dietrich fuhr auf: "Soll er! So viel Kriegsmacht wie der Bayer hab'
ich auch, und mein Ehrgott wird ihn zu schlagen wissen!"
"Gnaediger Herr! Zum Kriegfuehren gehoert vor allem Geld, und zu viel$
mt, auch fr sie zu guten
Hoffnungen berechtigt.
Was wir von Neuseeland zu berichten haben (nach Hochstetter 482-497) ist
noch merkwrdiger. Gegen den Einfluss der Fremden bildete sich eine
Nationalpartei unter den Eingeborenen, welche, da sie Gott ebenso nah
stnden als die Weissen, mit diesen gleiche soziale und politische
Rechte verlangten. 1857 erwhlten die Maoris, von diesen Gesichtspunkten
ausgehend, einen Knig, den als Krieger und Redner berhmten Potatau,
der sich den zweiten Friedensknig nach Melchisedek nannte, sich
thatkrftige Huptlinge, so vor allen den Maori William Thompson aus dem
Stamm der Ngatihua, als Minister auswhlte, und seinen Herrschersitz zu
Ngaruawahia, an der Hauptwasserstrasse ins Innere, an den Thoren von
Aukland in vortrefflich ausgesuchter Lage nahm. Die Grundprinzipien des
Knigthums sollten Glaube, Liebe und Gesetzlichkeit sein. Man beschwerte
sich bitter ber die englische Regierung, welche sich gar nicht um die
Maoris kmmere, die Huptlinge nicht standesgem behandele$
elche
indess nach den Aussagen der Eingebornen (Virgin 2, 41) schon frueher
begonnen hatte, rasch fortgeschritten ist; bis unter die Haelfte der
frueheren Kopfzahl sinken die Angaben. Auf den uebrigen Societaetsinseln
war das Verhaeltniss (Meinicke a. a. O.) ein aehnliches. Auch jetzt
scheint das Aussterben, obwohl langsamer, fortzugehen: der offizielle
franzoesische Bericht fuer 1862 gibt fuer Tahiti 9086 Bewohner an (Behm
Auf Laivavai, einer der Australinseln, betrug die Bevoelkerung 1822
mindestens 1200, 1830 nur noch etwa 120 und 1834 kaum noch 100 Seelen
(Moerenhout 1, 143). Guenstiger ist Meinickes Schaetzung, welcher auf der
ganzen Gruppe Ende 1830 etwa 5000 Seelen, fuer 1840 nur noch 2000 annimmt
(a.a.O. 114). Rapa schaetzte Vankouver 1795 auf 1500 Einwohner, Moerenhout
(1, 139) 1834 nur noch auf 300 und diese waren in stetem Abnehmen. Auch
die Herveygruppe, welcher Ellis 1, 102 10-11,000 Bewohner gibt, ist
jetzt viel minder zahlreich bewohnt, namentlich Rarotonga, welches durch
eine furchtbare Seuche$

Tahiti (Moerenhout 1, 451-57). Wir finden auf allen diesen Inseln jetzt
Gedanken an Seelenwanderung eingemischt; allein man muss bedenken, dass
der Glaube an die behuetende Macht der Seelen der Vorfahren, also an den
Uebergang der abgeschiedenen Seelen in Schutzgeister der Lebenden in
Polynesien spaeter vielfach aufgekommen ist.
Auch anderer Aberglaube als dieser entzog bisweilen den Naturvoelkern die
Nahrung, wie z.B. Grey 1, 363-364 erzaehlt, dass, weil einige Eingeborene
beim Muschelessen gestorben waren, die Neuhollaender, die ihn
begleiteten, aus Furcht vor Zauberei nicht dahin zu bringen waren,
selbst durch den aeussersten Hunger nicht, dass sie Muscheln assen; und
Derartiges liesse sich, wenn es fuer unsern Zweck nicht zu weit fuehrte,
noch mancherlei sammeln.
Dass nun die engen dumpfigen Wohnungen vieler dieser Voelker (es bedarf
hierzu keiner Belegstellen), worin oft sehr viel Menschen
zusammengepfercht wohnen und schlafen und die oft von Schmutz und
Ungeziefer starren, ungesund sind, versteht sich $
m meisten Ruhm verdienen, von denen am wenigsten gesprochen
wird,[22] und er bedeutet nichts anderes, als da die Frau im Guten
ebensowenig wie im Bsen aus der Masse hervorragen darf. Es entsprach
nur der allgemeinen niedrigen Meinung von den Frauen, wenn Demosthenes
der Ansicht seiner Zeitgenossen von der Ehe Ausdruck verlieh, und sagte,
da man Frauen nur nehme, um rechtmige Kinder zu zeugen,
Beischlferinnen, um eine gute Pflege zu haben, und Buhlerinnen, um die
Freuden der Liebe zu genieen. Die eheliche Verbindung aus Liebe kannte
der Grieche nicht.[23] Im besten Fall war sein Gefhl fr die Gattin die
wohlwollende Anhnglichkeit eines Patrons zu seinem Klienten.[24] Nicht
die in strenger Zurckgezogenheit lebende, von klein auf zu khler
Keuschheit und Zurckhaltung erzogene Frau war der Gegenstand seiner
Leidenschaft, sondern die freie Priesterin Aphrodites, die Hetre.
Die uralte Verehrung des mtterlichen Prinzips in der Natur, der
Weiblichkeit und der Fruchtbarkeit, hatte sich mit dem allmhliche$
der Lebensfreude, der Sporn zu allem
Schnen und Groen, der Ausgang furchtbarer Laster und Verirrungen
wurde, ist bei den wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen
Zustnden des Mittelalters nicht zu verwundern.
Mit dem Aufblhen der Stdte, dem verhltnismigen Wohlstand und
ruhigen, gesicherten Leben ihrer Brger schienen im Schutze ihrer Mauern
die sittlichen Zustnde reinere zu werden. Aber die tiefgreifende
Umwandlung der Arbeit und ihrer Bedingungen, die an Stelle der hrigen
Arbeiterin nach und nach den freien Handwerker treten, die Arbeiten der
Hausfrau und ihrer Mgde durch die verschiedenartigsten Gewerbe
bernehmen lie, machte die Arbeitskraft zahlloser Frauen berflssig,
sie selbst brot- und obdachlos, und fhrte sie dem Laster in die Arme.
Die ehrsamen Brger, vor deren Augen die Prostitution sich mehr und mehr
breit machte, wuten diesem Uebelstand nicht anders zu begegnen, als
indem sie sogenannte Tchterhuser oder Jungfrauenhfe, die Nachfolger
der antiken Lupanare und Vorlufer der m$
 man htete sich ngstlich, sich
einzugestehen, wodurch sie verursacht wurde. Charakteristisch hierfr
waren die Verhandlungen der Tchterlehrerversammlung in Weimar 1872.
Eine Neuorganisation des hheren Mdchenschulwesens, sogar ihre
gesetzliche Regelung wurde allgemein gewnscht, die Erwerbsfrage aber
feige verleugnet und ausdrcklich bestimmt, da die Mdchenschule die
Teilnahme an der allgemeinen Geistesbildung den Frauen ermglichen
solle, ihre Gestaltung aber auf die Natur und die Lebensbestimmung des
Weibes Rcksicht zu nehmen habe. Der deutsche Verein fr das hhere
Mdchenschulwesen, der ein Jahr spter ins Leben trat, fute auf diesen
Grundstzen, und als sich im selben Jahre das preuische
Unterrichtsministerium entschlo, sich mit der Frage zu beschftigen,
stellte es sich auf den gleichen Standpunkt, machte aber der
Frauenbewegung insofern eine Konzession, als es erklrte, da die
Vorbildung fr knftige Berufsarbeit besonderen Einrichtungen
vorbehalten werden msse. Solche Einrichtungen zu tref$
ickelt
ist.[379] Das zeigt sich besonders in dem Mutterlande der Groindustrie,
in England. Schon 1839 gab Lord Ashley an, da von den 419560
Fabrikarbeitern in Grobritannien 242296 Frauen waren; in den
Baumwollfabriken waren 56-1/4%, in den Wollfabriken 69-1/2%, den
Seidenfabriken 70-1/2% und den Flachsspinnereien 70-1/2% aller Arbeiter
weiblich.[380] Und zwanzig Jahre spter konstatierte der englische
Fabrikinspektor Robert Baker, da die mnnlichen Arbeiter seit 1835 um
92%, die weiblichen dagegen um 131% zugenommen hatten. Auf einen
greren Zeitraum berechnet, erhht sich die Ziffer zu Gunsten der
Frauen noch bedeutend: Von 1841 bis 1891 ist die Zahl der mnnlichen
Industriearbeiter um 53%, die der weiblichen um 221% gestiegen.[381] Die
absoluten Zahlen veranschaulichen dieses Wachstum noch deutlicher[382]
(s. Tabelle).
                   |     1841     |     1851     |      1861     |      1871     |      1881     |      1891
                   | Mnner|Frauen|Mnner |Frauen|Mnner | Frauen| Mnner| Fr$
tz zu Deutschland
weit regelmiger ber das ganze Leben, hat daher, die starke
Beteiligung der Greisinnen abgerechnet, einen normaleren Charakter
angenommen. Noch deutlicher tritt uns die Altersgliederung der
Arbeiterinnen entgegen, wenn wir sie im Verhltnis zur weiblichen
Bevlkerung betrachten:
Von je  1000 weiblichen Personen
               im Alter               sind
               von           Arbeiterinnen
------------------------------------------
               14-20 Jahren            397
               20-30    "              273
               30-40    "              136
Deutschland    40-50    "              127
               50-60    "              127
               60-70    "              105
               70 Jahren und darber    57
------------------------------------------
               11-20  Jahren           570
               21-30     "             685
               31-40     "             577
Oesterreich    41-50     "             561
               51-60     "             507
   $
nstrengung des Sommers zu erholen, Arbeit suchen,
die, wenn sie berhaupt zu finden ist, nur krglichen Lohn abwirft.
Nach alledem drften es kaum die Lhne sein, die den immer wieder
behaupteten Vorteil der Landarbeit vor der Industriearbeit ausmachen
knnen. Ihr niedriger Stand wird von den Lobrednern der
landwirtschaftlichen Thtigkeit auch vielfach nicht geleugnet, wohl aber
damit erklrt und entschuldigt, da die Arbeits- und Lebensbedingungen
unvergleichlich bessere seien, als in anderen Berufssphren, und der
Nachteil des geringeren Einkommens dadurch zehnfach aufgewogen wrde.
Diese Auffassung rief auch jenes Mrchen von den drallen Landmgden und
den blhenden Landkindern hervor, das von der Zeit her, als die
Dorfgeschichten grassierten, den Menschen noch besonders fest im Kopfe
sitzt. Fr diejenigen, die nicht die Wirklichkeit zu sehen verstehen,
hat die moderne Malerei, die gerade nach dieser Richtung besonders
wahrhaftig ist, angefangen, ihren Mrchenglauben zu erschttern.
Versuchen wir es an der$
Deutschlands es sich
handelt; die westflischen Heuer wohnen nicht besser, als die
ostpreuischen Instleute[768], die Tagelhner wohnen sogar vielfach noch
schlechter. In Sdwestdeutschland wurden z.B. lndliche Haushaltungen
mit nur einem Wohnraum gezhlt[769]:
mit 4 bis 5 Personen bewohnt       8297
mit 6 bis 10 Personen bewohnt      4757
mit 11 und mehr Personen bewohnt     53
Strohdach und Lehmboden, hohes Grundwasser, schlechte Oefen, kein Abort
oder einer in nchster Nhe des Brunnens, Fenster, die hufig aus
Sparsamkeit fest eingesetzt wurden,--das ist die typische Behausung
norddeutscher Landarbeiter.[770] Es giebt ihrer freilich noch
schlimmere: in Schlesien fand sich ein Haus aus Lehmfachwerk mit einer
einzigen niedrigen dunklen ungedielten Stube und einigen fensterlosen
Kammern von 8 qm Grundflche, es war von neun Familien bewohnt.[771] Und
im Kreise Inowrazlaw giebt es Erdhhlen, 1 m in, 1 m ber der Erde,
deren Grundflche 12 qm betrgt und deren Wnde und Decken aus mit Sand
und Rasen beworfene$
r an Brot
mangelt, weil das Fabrikmdchen aus der Bleifabrik keine Arbeit mehr
findet und der Schande in die Arme fllt. Um so erstaunlicher war es,
da der liberale Frauenverband sich prinzipiell fr einen gesetzlichen
Schutz der Heimarbeit erklrte. Begreiflich wird das nur, wenn man sich
klar macht, da es sich dabei nicht um den Ausdruck erweiterter
Erkenntnis, sondern im wesentlichen um einen Akt der Selbstverteidigung
und des persnlichen Interesses handelt. Nicht der Schutz der Arbeiterin
vor Ausbeutung steht im Vordergrunde, sondern der Schutz der Konsumenten
vor gesundheitlichen Gefahren. Wir haben gesehen, wie gro diese
thatschlich sind, und sowohl in England wie in Amerika wird der Kampf
gegen die Hausindustrie, von brgerlichen Kreisen ausgehend, von diesem
Gesichtspunkt aus gefhrt.
Die Ideen des Rechts auf Arbeit, der Gleichstellung der Geschlechter in
Bezug auf die Erwerbsmglichkeiten sind es auch, die die Haltung der
deutschen brgerlichen Frauenbewegung gegenber der Arbeiterinnenfrage
bee$
hmen Geschmack."
Ich fge hier hinzu, dass die Cannabis indica wohl weiter nichts ist als
die verwilderte oder wilde Cannabis sativa, und eher eine Pflanze der
gemssigten Zone als der heissen ist, denn je weiter man nach Sden
vordringt, je seltener und krppelhafter gedeiht dieselbe. Whrend man
z.B. usserst schne Exemplare in den gemssigten Bergregionen des
Kleinen Atlas der Algerie und Marokko's findet, und die eine Hhe von
manchmal 1-1/2 Meter erreichen, gedeiht in den heissen Oasen Tafilet,
Tuat und Fessan die Pflanze nur kmmerlich, obgleich die Bewohner alle
Sorgfalt auf ihren Anbau anwenden, und von Norden wird dieselbe nach
Sden exportirt.
Die Eingebornen bedienen sich derselben auf verschiedene Weise: Entweder
sie zerschneiden die getrockneten Bltter und Blthen sehr klein und
rauchen sie rein oder mit Taback vermischt aus kleinen Pfeifen oder
Cigaretten, oder sie vermischen dieselben mit Tumbak (Tabak) und rauchen
so dies Kraut aus der Nargile. In Syrien bereiten sie wie Thee eine Art
Infusi$
nsofern zu
gedeihen, als sie sich bei Erziehung der Neger nicht bloss auf das
geistige Wohl des Schwarzen beschrnkt, sondern demselben auf der
Missionsanstalt auch allerlei ntzliche Handwerke gelehrt werden, was
leider die Englnder bei ihrer sonst so trefflichen Mission ganz
vernachlssigen.
Es kamen hier auch zwei von den deutschen Missionren an Bord, um nach
Christiansborg zu fahren; einer von ihnen, ein junger stutzerhafter
Mann, mit langen Haaren, kam, nachdem er sich an Bord durch ein gehrigs
Glas Ale gestrkt hatte, auf mich zu und redete mich auf englisch an,
sagend, dass er sein Deutsch unter den Negern gnzlich verlernt habe, da
er schon lngere Zeit an der Kste sei. Dies Englisch aus dem Munde
eines Schwaben (er war freilich noch nicht 40 Jahre alt) klang indess so
komisch, indem natrlich zwischen d und t, zwischen b und p, die
lcherlichsten Verwechselungen gemacht wurden, dass ich ihm auf
franzsisch antwortete, und nun unterhielten wir beiden Deutschen uns
zur grossen Belustigung des Publi$
er den Hangars kauern._ Der
Sklavenhandel wird berhaupt en gros in den Husern getrieben, indem es
z.B. vorkommt, dass ein reicher Kaufmann aus Tripoli oder Kairo seine
Waaren oder einen grossen Theil derselben an Einen Mann fr eine gewisse
Zahl von Sklaven losschlgt, ohne dass diese auf den Markt kommen. Durch
den _grossen Aufschwung des Sklavenhandels in den letzten Jahren_ sind
die Sklaven bedeutend im Preise gestiegen; so gilt ein hbsches junges
Mdchen von 13 bis 16 Jahren bis gegen 50 oder 60 Maria-Theresia-Thaler,
ein junger Bursche durchschnittlich 20 Thaler.
Hinter den Sklaven kommt gleich der Ort, wo das Vieh verkauft wird, denn
auch Kameele, Pferde, Esel, Rindvieh, Schafe, Ziegen, Hhner etc. sind
alle Tage und zwar nach unseren Begriffen zu fabelhaft billigen Preisen
zu haben. So ersteht man eine fette Kuh fr 2 Maria-Theresia-Thaler, ein
gutes Pferd fr etwa 12 solcher Thaler, ein Huhn fr 50 Muscheln. Man
kann aber auch alles mit Waaren kaufen, und wer z.B. europische Artikel
hat, steht sic$
m geschah nichts, und nur dem Zufall verdankte ich es,
von Talanta aus von Sir Robert die Erlaubniss zur Abreise von der Armee
zu bekommen; sptere Gesuche um derartige kleinere Ausflge zu machen
wurden vom englischen Oberkommando abschlgig beschieden. Mglich auch,
dass sich wenige Leute gemeldet haben wrden, von denen man derartiges
gerade htte erwarten drfen: Markham war, sobald der letzte Schuss von
Magdala gefallen war, wieder zurckgeeilt, Grant ebenfalls, Blanford der
Geologe hatte nach Gondar zu gehen die Absicht, doch ihm wurde eine
Escorte (die er aber gar nicht nthig gehabt htte) vom General en chef
verweigert, ebenso dem Oberst Phayre, der die schnen Wegeaufnahmen fr
die englische Arme gemacht hatte, kurz die Armee mit allem was
mitgezogen war, eilte so rasch, wie sie gekommen war, wieder ans Meer.
In Antalo angekommen traf ich einer der ersten ein, von denen, die bei
dem Sturm von Magdala gewesen waren; erst am folgenden Tage kam Oberst
Phayre, Herr Lieutenant Stumm und Abtheilungen von $
urchaus WNW. Und so fort kletternd ber die unwirtlichen Felsen, ohne
auch fr den ganzen Tag auf ein einziges Dorf zu stossen, oder auch nur
von Ferne eines zu sehen, war das einzige Schne die wunderbaren Formen
der Felsen im Norden. Wer in der That Berge sehen will, muss nach
Abessinien gehen, es giebt keine denkbare Form, die hier nicht zu finden
wre. Das Gestein, welches wir an diesem Tage erblickten, bestand fast
durchweg aus verschiedenen Schiefern, von denen Thonschiefer und
Glimmerschiefer die vorherrschenden waren, oft marschirten wir indess
ber Hgel, die mit kleinen weissen Quarzstcken wie bestreut waren. Die
Vegetation war usserst sprlich und bestand meist aus verkrppelten
Mimosen und dem unvermeidlichen Kolkol-Baum. Wir passirten den
Felagelasi, der in den Woreb geht, und hielten dann lngere Zeit am
Mai-Metjelorat, der ebenfalls dem Woreb tributr ist Sodann hatten wir
noch den Orei zu passiren, der von dem Tjametfluss durch den
Adergebeto-Berg getrennt ist. Wir hatten den Angeba-Berg end$
00 Fuss ber dem Meere liegt. Alvares
erzhlt uns, dass hier die Knigin Saba, deren wahrer Name Maquerda[15]
gewesen sei, regiert und nach ihr ihr Sohn, den sie mit Salomon gezeugt
hatte. Auch finden wir in seinem interessanten Buche, dass von hier aus
zuerst das Christenthum nach Abessinien verbreitet wurde, und zwar als
auch eine Knigin regierte, mit Namen Candace[16] oder Judith. Freilich
finden wir heutzutage nichts von den Wundern, von denen Alvares uns in
seiner Beschreibung von Axum unterhlt, und da unmglich die Gebude und
Steine in einem Zeitrume von 4000 Jahren knnen spurlos verschwunden
sein, so ist wohl anzunehmen, dass er seiner Phantasie grossen Spielraum
gelassen hat, ebenso wie er es mit Beschreibung der Kirchen von Lalibala
thut[17]. An Merkwrdigkeiten haben wir nur heutzutage in Axum die alten
Ruinen aus vorchristlicher Zeit und die Kirche. Letztere ist ein Gebude
ohne alle Kunst, obgleich ganz verschieden von allen anderen Kirchen in
Abessinien, weil sie ganz aus Stein aufgefhrt is$
lichen Natur erlebt hatte. Von hier aus haben wir
zum ersten Mal einen Ausblick, in welcher Weise sich das Faustproblem
weiter bilden mute. Faust mute hinaus in das Leben, um es in jedem,
also auch im hchsten Sinne zu erleben. Dazu sollte und mute dann der
Teufel selbst schlielich sehr gegen seinen Willen beitragen. Er war es
grade, der ihn mit sich fortri auf den ihm noch fremden Boden des
Lebens, im Wahne, ihn dort verderben und in seine Gewalt bringen zu
    Ich macht ihm deutlich, da das Leben
    Zum Leben eigentlich gegeben.
         *     *     *
    So lang man lebt, sei man lebendig![171]
Allein wenn auch Faust sich zunchst in schwerer Schuld verstrickte, so
gewann er doch wieder im Leben, wo er sie allein gewinnen konnte, die
Kraft zu einem hheren Leben. Aus der kummervollen Sphre des ersten
Teils, hnlich der, die der junge Dichter selbst durchlebt, erhob er
sich zu hheren Regionen in wrdigere Verhltnisse[172]: Goethe wute
daher wohl, was er sagte, wenn er kurz vor seinem Tode an Humb$
ber das Genietreiben der Zeit, das sich auf verschiedene Weise
in verschiedenen offenbarte. Individuelle Zge bot ihm das Leben dazu in
Flle, die er jedoch nie so benutzte, da etwa seine Gestalten gar
portraitartige Abbilder derer geworden wren, die ihm dazu gestanden
hatten. Genie kmpft hier mit sich selbst[199]. Daher bricht auch durch
das Zerrbild das reine Bild wahrer Genialitt fters in ergreifender
Weise durch; denn das Genie selbst hat die Satire geschrieben, nicht
Nach alledem darf also angenommen werden, da der erste Monolog und die
Erdgeistscene im Jahre 1774 gedichtet sind, nach dem Werther, nach dem
Erscheinen der ltesten Urkunde, nach der Rheinreise und der
Bekanntschaft mit Jacobi. Am 13. August war Goethe wieder heimgekehrt.
Die Stimmung der dieser Reise folgenden Zeit, in der auf die Tage
toller, berschumender Lebenslust wieder ein Rckschlag eintrat, pat
vortrefflich zu dem eigentmlichen wehmtigen Tone jener ersten Scenen.
Selbst aus den satirischen Hervorbringungen dieser Zeit w$
fuer seine Dichtung fruchtbar zu machen. Dann
koennen wir mit Bestimmtheit erklaeren: Um diese Zeit hat der Dichter
diese Anschauung in sich in dieser Weise ausgebildet. Die Stelle ist
also damals geschrieben. Das, was er geschaffen, ist das lebendige Kleid
des dichterischen Geistes, das er sich selbst immer von neuem wirkt. Aus
dem wechselnden Gewand muessen wir auf den Geist des Dichters schliessen
und in die Tiefen seiner Entwicklung eindringen.
Da nun im vorigen Schritt fuer Schritt die Entstehungsmotive aufgedeckt
sind und sich aus dem von selbst sich aufdraengenden Vergleich mit der
uebrigen Dichtung des jungen Goethe, zumal da wir ueber ihre Entstehung
besser unterrichtet sind, ein bestimmter Anhalt gewinnen liess, so ist
die Frage ueber die Entstehung der ersten Hauptmasse schon beantwortet.
Vor allem sprang uns der charakteristische Zusammenhang mit Werthers
Leiden in die Augen. Wir wissen, dass dieser Roman schon Ende 1773
geplant war, dass er aber erst Anfang 1774, als die eigentuemlichen
Lebensums$
g und mit dem Missbrauche des Erkenntnistriebes
verbundenen Hochgefahr!! Die Scene steht also mit der Idee des F. in
keiner Incongruenz (S. 214).--Die Mission des Erdgeists ist mit jenem
Hinweis erfuellt; daher ist auch nicht mit Fischer S. 431 an eine
nochmalige Erscheinung zu denken. Eine absteigende Linie ist es, die vom
Makrokosmus zum Erdgeist zum Teufel fuehrt, um aus der Hoelle durch die
Welt zum Himmel wieder aufzusteigen.
[161] D. j. G. 2. 213 f.
[162] A.a.O. 2. 241.
[163] A.a.O. 3. 481 f.
[164] A.a.O. 3. 159.
[165] W. 2. S. 94 ff. (Hempel.)
[166] W. 2. 83.
[167] W. 2. 81 f.
[168] W. 2. 86.
[169] W. 14. V. 1660 ff.
[170] W. 15. V. 11442 ff.
[171] Maskenzug von 1818. Der junge Dichter hat bekanntlich vor dem
Teufels-Buendnis Halt gemacht; erst spaeter ist die die angedeutete
Verknuepfung gelungen. Die aelteste Dichtung fuehrt uns bezeichnender Weise
nur Faust vor und nach dem Bunde vor; und gerade dieser erste Teil, der
uns Faust auf einer Hoehe zeigt, die fast der gleichkommt, auf der sein
Dichter st$
en? Der Fabrikleiter bleibt, weil nicht informiert,
auer Betracht. Auskunft ber die Katasterzahlen knnte der
Evidenzhaltungsgeometer geben, aber kein Fabrikherr wird solchen Zweifel
einem Unbeteiligten mitteilen, denn ein Gerede wre nicht zu vermeiden,
und hrt die Konkurrenz davon auch nur ein einziges Wrtchen, so sind
die geschftlichen Folgen gar nicht bersehbar und von einschneidender
Ratschiller versuchte es, den Grundbesitz graphisch darzustellen, Berg
um Berg, die zur Ausbeutung angekauft sind, zeichnete er auf einen Bogen
Papier und strich davon durch, was im Abbau sich befindet. Es verbleibt
ein stattlicher Rest an Grundbesitz, der auf Jahrzehnte hinaus zum Abbau
reichen wird. Und da kam der grliche Zweifel wieder in der Frage: "Wie
aber, wenn die angekauften Berge nicht das ntige Gestein enthalten?
Wie, wenn die chemische Analyse ergeben wrde, da nur der minderwertige
Romancement erzeugt werden knnte?" In gigantischen Ziffern sah der
Fabrikherr den Ruin vor dem geistigen Auge. Und solche$
ten die
Erlaubnis zur Betriebserffnung folgen wird. Mit Bleichert & Co. ist
alles vereinbart, die Drahtmenge &c. unterwegs, der Ingenieur zur
Seilbahnerbauung mu jeden Tag eintreffen, die Plne sind fertig
ausgearbeitet.
Ratschiller ist's, als will ihm der Kopf zerspringen. Wie und wo den
Ausweg finden, wie den geradezu lhmenden Zweifel losbringen?
Am Telephon lrmte die Klingel. Ratschiller trat an den Apparat, der das
"Allerheiligste" mit dem Breau der Fabrikleitung verbindet, und fragte
nach dem Begehr Hundertpfunds.
Wie Musik klingt es Ratschiller aus dem Hrrohr in sein Ohr. "Herr Chef!
Soeben im Eibberg erstmalig mit Janit gesprengt, ein kolossales
Mergellager liegt offen von einer ganz unerwarteten Mchtigkeit.
Gratuliere!"
"Danke!" vermochte der Chef noch zu stammeln; das Hrrohr auf den Haken
zu hngen war er nicht mehr fhig. Vor den Augen ward es schwarz, Hnde
und Kniee zitterten, der alte Mann war einer Ohnmacht nahe. Er schleppte
sich zu seinem Stuhl, lie sich hineinfallen und weinte.
Thrn$
n, welche die Ppste nach Luther geschaffen haben;
denn Leo X. und sein Hof folgten noch ungefhr den Prinzipien der Religion
Molires Don Juan wurde zu Beginn der Regierung Ludwig XIV., am 15.
Februar 1665 aufgefhrt; dieser Frst war damals noch nicht im geringsten
fromm und trotzdem lie die kirchliche Zensur die Szene des Armen im Walde
streichen. Diese Zensur wollte, um sich Nachdruck zu verschaffen, dem so
wunderbar unwissenden Knig einreden, da das Wort Jansenist
gleichbedeutend mit Republikaner sei.
Das Original ist von dem Spanier Tirso de Molina; eine italienische Truppe
spielte gegen 1664 eine Nachdichtung davon in Paris und erregte Aufsehn.
Das Stck ist vielleicht die am meisten gespielte Komdie der Welt, denn
sie handelt vom Teufel und von der Liebe, von der Furcht vor der Hlle und
von einer berschwenglichen Leidenschaft fr eine Frau, von allem also,
was es Schreckliches und Liebliches in den Augen der Menschen gibt, sofern
sie nur aus dem Zustand der Wilden heraus sind.
Es ist nicht ersta$
re.
Dieser Signor Campireali galt fr einen sehr ehrenhaften Mann und war sehr
wohlttig, aber er besa gar keinen Geist; deshalb zog er sich nach und
nach ganz aus Rom zurck und brachte schlielich fast das ganze Jahr in
seinem Palast in Albano zu. Er widmete sich der Pflege seiner Lndereien,
die in der reichen Ebene lagen, welche sich zwischen der Stadt und dem
Meer ausbreitet. Durch den Rat seiner Frau bewogen, lie er seinem Sohn
Fabio, einem auf seine Geburt sehr stolzen Jngling, und seiner Tochter
Helena, deren wunderbare Schnheit man noch auf einem Bildnis der Galerie
Farnese sehen kann, die vortrefflichste Erziehung geben. Bevor ich
begonnen hatte ihre Geschichte zu schreiben, bin ich in den Palazzo
Farnese gegangen, um die sterbliche Hlle zu betrachten, die der Himmel
dieser Frau verlieh, deren verhngnisvolles Schicksal einst so viel
Aufsehen machte und noch heute im Gedchtnis des Volkes fortlebt.
Die Form ihres Kopfes ist ein lngliches Oval, die Stirne ist sehr hoch,
die Haare sind dunkelbl$
der Zeit nicht sah,
Durch die ihm bald viel Liebes   und auch viel Leides geschah.
       *       *       *       *       *
Viertes Abenteuer.
Wie Siegfried mit den Sachsen stritt.
Da kamen fremde Mren   in Knig Gunthers Land                      144
Durch Boten aus der Ferne   ihnen zugesandt
Von unbekannten Recken,   die ihnen trugen Ha
Als sie die Rede hrten,   gar sehr betrbte sie das.
Die will ich euch nennen:   es war Ldeger                          145
Aus der Sachsen Lande,   ein mchtger Knig hehr;
Dazu vom Dnenlande   der Knig Ldegast:
Die gewannen zu dem Kriege   gar manchen herrlichen Gast.
Ihre Boten kamen   in Knig Gunthers Land,                          146
Die seine Widersacher   hatten hingesandt.
Da frug man um die Mre   die Unbekannten gleich
Und fhrte bald die Boten   zu Hofe vor den Knig reich.
Schn grte sie der Knig und sprach:   "Seid willkommen!          147
Wer euch hieher gesendet,   hab ich noch nicht vernommen:
Das sollt ihr hren laen,"   sprach der Knig gut.
D$
d.
"Sie haben in dem Sturme   der Helden viel erschlagen;              234
Doch mcht euch dieser Wunder   ein Ende Niemand sagen,
Die da Siegfried wirkte,   ritt er in den Streit.
Den Fraun an ihren Freunden   that er mchtiges Leid.
"Auch muste vor ihm fallen   der Friedel mancher Braut.             235
Seine Schlge schollen   auf Helmen also laut,
Da sie aus Wunden brachten   das flieende Blut:
Er ist in allen Dingen   ein Ritter khn und auch gut.
"Da hat auch viel begangen   von Metz Herr Ortewein:                236
Was er nur mocht erlangen   mit dem Schwerte sein,
Das fiel vor ihm verwundet   oder meistens todt.
Da schuf euer Bruder   die allergreste Noth,
"Die jemals in Strmen   mochte sein geschehn;                      237
Man mu dem Auserwhlten   die Wahrheit zugestehn.
Die stolzen Burgunden   bestanden so die Fahrt,
Da sie vor allen Schanden   die Ehre haben bewahrt.
"Man sah von ihren Hnden   der Sttel viel geleert,                238
Als so laut das Feld erhallte   von manchem lichte$
ihm von dem Grue   gar wohl erhoben der Muth.
Er neigte sich ihr minniglich,   als er den Dank ihr bot.           299
Da zwang sie zu einander   sehnender Minne Noth;
Mit liebem Blick der Augen   sahn einander an
Der Held und auch das Mgdelein;   das ward verstohlen gethan.
Ward da mit sanftem Drucke   geliebkost weie Hand                  300
In herzlicher Minne,   das ist mir unbekannt.
Doch kann ich auch nicht glauben,   sie httens nicht gethan.
Liebebedrftige Herzen   thten Unrecht daran.
Zu des Sommers Zeiten   und in des Maien Tagen                      301
Durft er in seinem Herzen   nimmer wieder tragen
So viel hoher Wonne,   als er da gewann,
Da die ihm an der Hand gieng,   die der Held zu minnen sann.
Da gedachte mancher Recke:   "Hei! wr mir so geschehn,             302
Da ich so bei ihr gienge,   wie ich ihn gesehn,
Oder bei ihr lge!   das nhm ich willig hin."
Es diente nie ein Recke   so gut noch einer Knigin.
Aus welchen Knigs Landen   ein Gast gekommen war,                  303
Er n$
ben und Leib!"
Nun kam die edle Kriemhild   mit manchem khnen Mann.               872
Da begann Frau Brunhild:   "Haltet hier noch an.
Ihr wolltet mich verkebsen:   lat uns Beweise sehn,
Mir ist von euern Reden,   das wiet, bel geschehn."
Da sprach die schne Kriemhild:   "Was lat ihr mich nicht gehn?    873
Ich bezeug es mit dem Golde,   an meiner Hand zu sehn.
Das brachte mir Siegfried,   nachdem er bei euch lag."
Nie erlebte Brunhild   wohl einen leidigen Tag.
Sie sprach: "Die Gold das edle,   das ward mir gestohlen           874
Und blieb mir lange   Jahre bel verhohlen:
Ich komme nun dahinter,   wer mir es hat genommen."
Die Frauen waren beide   in groen Unmuth gekommen.
Da sprach wieder Kriemhild:   "Ich will nicht sein der Dieb.        875
Du httest schweigen sollen,   wr dir Ehre lieb.
Ich bezeug es mit dem Grtel,   den ich umgethan,
Ich habe nicht gelogen:   wohl wurde Siegfried dein Mann."
Von Niniveer Seide   sie eine Borte trug                            876
Mit edelm Gesteine,   die wa$
rd er auch ihr Mann."
Da sprach wieder Hagen:   "Mich dnkt es nimmer wohlgethan."
Da lud man Gernoten   und Geiselhern heran,                        1252
Ob die Herren beide   duchte wohlgethan,
Wenn Frau Kriemhild nhme   den mchtgen Knig hehr.
Noch widerrieth es Hagen   und auch anders Niemand mehr.
Da sprach von Burgunden   Geiselher der Degen:                     1253
"Nun mgt ihr, Freund Hagen,   noch der Treue pflegen:
Entschdigt sie des Leides,   das ihr ihr habt gethan.
Was ihr noch mag gelingen,   das sht ihr billig neidlos an."
"Wohl habt ihr meiner Schwester   gefgt so groes Leid,"          1254
Sprach da wieder Geiselher,   der Degen allbereit,
"Ihr httets wohl verschuldet,   wre sie euch gram:
Noch Niemand einer Frauen   so viel der Freuden benahm."
"Da ich das wohl erkenne,   das sei euch frei bekannt.            1255
Und soll sie Etzeln nehmen   und kommt sie in sein Land,
Wie sie es fgen mge,   viel Leid thut sie uns an.
Wohl kommt in ihre Dienste   da mancher waidliche Mann."
Da$
Sie verga auch nicht des Leides,   das ihr daheim war geschehn.
Sie gedacht auch noch der Ehren   in Nibelungenland,               1442
Die ihr geboten worden   und die ihr Hagens Hand
Mit Siegfriedens Tode   hatte gar benommen,
Und ob ihm das nicht jemals   noch zu Leide sollte kommen.
"Es geschh, wenn ich ihn bringen   mcht in dieses Land."         1443
Ihr trumte wohl, ihr gienge   bei Etzel an der Hand
Geiselher ihr Bruder;   sie ksst' ihn allezeit
In ihrem sanften Schlafe:   das ward zu schmerzlichem Leid.
Der ble Teufel war es wohl,   der Kriemhilden rieth,              1444
Da sie in Freundschaft   von Knig Gunther schied
Und ihn zur Shne ksste   in Burgundenland.
Aufs Neu begann zu triefen   von heien Thrnen ihr Gewand.
Es lag ihr an dem Herzen   beides, spat und fruh,                  1445
Wie man mit Widerstreben   sie doch gebracht dazu,
Da sie minnen muste   einen heidnischen Mann:
Die Noth hatt ihr Hagen   und Herr Gunther angethan.
Wie sie das rchen mchte,   dachte sie alle Tage: $
 gern:
Es ist mir ein Kummer,   da sie so fremd uns sind und fern."
Er sprach: "Wenn dirs gefiele,   viel liebe Fraue mein,            1457
Wollt ich als Boten senden   zu den Freunden dein
Meine Fiedelspieler   gen Burgundenland."
Die guten Spielleute   lie man bringen gleich zur Hand.
Die Knappen kamen beide,   wo sie den Knig sahn                   1458
Sitzen bei der Knigin.   Da sagt' er ihnen an,
Sie sollten Boten werden   nach Burgundenland.
Auch lie er ihnen schaffen   reiches herrliches Gewand.
Vierundzwanzig Recken   schnitt man da das Kleid.                  1459
Ihnen ward auch von dem Knig   gegeben der Bescheid,
Wie sie Gunthern laden sollten   und Die ihm unterthan.
Frau Kriemhild mit ihnen   geheim zu sprechen begann.
Da sprach der reiche Knig:   "Nun hrt, wie ihr thut:             1460
Ich entbiete meinen Freunden   alles, was lieb und gut,
Da sie geruhn zu reiten   hieher in mein Land.
Ich habe noch gar selten   so liebe Gste gekannt.
"Und wenn sie meinen Willen   gesonnen sind zu $
elme   brach in des Sturmes Noth
An seinen Feinden   Dietrichens Schwestersohn!
Er konnt in dem Sturme   nicht gewaltiger drohn.
Volker der Starke,   als er das ersah,                             2398
Wie Siegstab der khne   aus Panzerringen da
Bche Blutes holte,   das schuf dem Biedern Zorn:
Er sprang ihm hin entgegen:   da hatte hier bald verlorn
Von dem Fiedelspieler   das Leben Siegstab:                        2399
Volker ihm seiner Knste   so vollen Anteil gab,
Er fiel von seinem Schwerte   nieder in den Tod.
Der alte Hilbrand rchte das,   wie ihm sein Eifer gebot.
"O weh des lieben Herren,"   sprach Meister Hildebrand,            2400
"Der uns hier erschlagen   liegt von Volkers Hand!
Nun soll der Fiedelspieler   auch lnger nicht gedeihn."
Hildebrand der khne   wie knnt er grimmiger sein.
Da schlug er so auf Volker,   da von des Helmes Band              2401
Die Splitter allwrts stoben   bis zu des Saales Wand,
Vom Helm und auch vom Schilde   dem khnen Spielmann;
Davon der starke Volker   nun $
e, um zu fragen,
warum es denn so notwendig sei, schon morgen, nachdem wir uns eben erst
gefunden htten, abzureisen--und als ich ihr dies dann sehr genau und
umstndlich erklrte, schien sie keine Silbe davon zu hren oder zu
verstehen. O, sie she schon, da ich mich danach sehne, nach meiner
Vaterstadt zurckzukommen, wo es noch viel schnere Mdchen als sie
gbe, die auch viel besser Ball spielen knnten, wie ich es ja selber
gesagt htte!
Ich mochte sagen, beteuern und beschwren was ich wollte--sie blieb
dabei, und immer reichlicher flossen ihre Trnen. Kann man sich wundern,
da ich bald darauf zu ihren Fen lag, ihre schlaff herabhngende Hand
mit Kssen und Trnen bedeckte und ihr versprach, nicht abzureisen? Und
wer war dann seliger als ich, als Vasitthi mich nun mit ihren weichen
Armen umschlang und mich wieder und wieder kte und vor Freude lachte
und weinte. Freilich sagte sie nun gleich: "Da siehst du, es ist gar
nicht so notwendig, da du schon wegreisest, denn dann mtest du es ja
unbedingt$
en lie. Dies Besitztum
wurde zu den Wundern Ujjenis gerechnet, und selbst der Knig kam, um es
zu besichtigen.
Hier veranstaltete ich nun mrchenhafte Gartenfeste und gab die
ppigsten Gastmhler. Denn ich hatte mich mehr und mehr auf die Freuden
der Tafel geworfen. Die leckersten Speisen, die zur betreffenden
Jahreszeit berhaupt fr Geld zu haben waren, muten auf meinem Tische
sein, selbst zu den tglichen Mahlzeiten. Damals war ich nicht, wie du
mich jetzt siehst, durch lange Wanderungen, durch Waldaufenthalt und
Askese hager und abgezehrt, sondern von blhender Krperflle; ja ein
Buchlein hatte schon angefangen sich zu runden.
Und es wurde, o Fremder, eine sprichwrtliche Redensart in Ujjeni: "Man
it bei ihm, wie beim Kaufmann Kamanita."
XIV. DER EHEMANN
Eines Morgens ging ich in den Anlagen mit meinem Obergrtner, um zu
erwgen welche neue Verbesserungen anzubringen wren, als mein Vater auf
seinem alten Esel in den Hof ritt. Ich eilte hin, um ihm beim Absteigen
behilflich zu sein, und wollte ihn in$
ch seinem teuren Leben ein
Ende machen. Freilich wre er unter keinen Umstnden jetzt gestorben, um
nur nicht dadurch den Zeremonien den allerverderblichsten Abbruch zu
tun. Diese trstliche Betrachtung stellte ich aber damals nicht an.
Whrend ich von entsetzlicher Furcht geqult wurde, mute ich die
Wartezeit bis zur Ankunft des Ersatzknaben damit ausfllen, da ich
ununterbrochen geeignete Sprche hersagte, damit ja nicht eine leere
Pause entstnde.
In dieser Stunde aber gelobte ich mir fest, da ich, was auch kommen
mchte, nie wieder heiraten wrde.
Nachdem endlich Alles erledigt war, mute ich mit meiner Gemahlin--die
gar nicht ein solcher Ausbund von Hlichkeit war, wie ich nach der
Empfehlung meines Vaters erwartet hatte--zwlf Nchte in gnzlicher
Enthaltsamkeit und unter strengem Fasten, auf dem Fuboden schlafend,
zubringen. Diesmal waren es nmlich _zwlf_ Nchte, weil mein Vater
meinte, wir mten lieber zuviel, denn zuwenig des Guten tun. Dabei
empfand ich nun freilich recht schmerzlich, da ic$
t blieb die Dichtkunst seine Lieblingsbeschftigung.
Auer Klopstock, fr den er noch immer eine besondere Vorliebe zeigte,
waren Uz, Haller, Lessing, Gerstenberg und Goethe die Dichter, deren
poetische Schpfungen ihn am meisten ansprachen. Den tiefsten Eindruck auf
sein empfngliches Gemth machten Werthers Leiden. Als dieser Roman im
Kreise einiger seiner vertrautesten Freunde vorgelesen ward, entwarfen
sie, von jugendlicher Begeisterung ergriffen, sogleich den Plan zu einem
zweiten Werther, der freilich ungeschrieben blieb. Schwer mchten die
Empfindungen zu schildern seyn, von denen Schiller bei dem Anblick
Goethe's ergriffen ward, der den Herzog von Weimar begleitete, als dieser
Frst die Karlsschule besuchte. Wie htte ihm damals nur eine Ahnung
kommen knnen, da zwischen ihm und dem Verfasser des Werther sich einst
ein Freundschaftsband knpfen werde! Als einfaches sinniges Gemlde
schner Jugendliebe sprach ihn auch Millers Siegwart an, und Stunden lang
schwrmte er, am einsamen Gitterfenster sitzen$
Fremdling ist in der Welt, der nicht wei, was auf ihr ist
und geschieht, so nenne ich den einen Flchtling, der sich den
Ansprchen des Staates entzieht; einen Blinden, der das Auge seines
Geistes schliet; einen Bettler, der eines andern bedarf und nicht in
sich alles zum Leben Ntige trgt; einen Auswuchs des Weltalls, der von
dem Grundgesetz der Allnatur abweicht und--mit dem Schicksal hadert! als
htte sie, die dich hervorgebracht, nicht auch dieses erzeugt; ein
abgehauenes Glied der menschlichen Gesellschaft, der mit seiner Seele
von dem Lebensprinzip der einen alle Vernunftwesen umfassenden Gemeinde
geschieden ist.
Es gibt Philosophen, die keinen Rock anzuziehen haben und halbnackt
einhergehen. "Nichts zu essen, aber treu der Idee." Auch fr mich ist
die Philosophie kein Brotstudium.
Liebe immerhin die Kunst, die du gelernt hast, und ruhe dich aus in ihr.
Doch gehe durchs Leben nicht anders wie einer, der alles, was er hat von
ganzem Herzen den Gttern weiht, niemandes Tyrann und niemandes Knecht.
Betr$
 fr sich,
sondern auch fr seinen Klub mit. Und so glcklich er auch war, einen
Preis nach Hause tragen zu drfen und die Ehrenzeichen und Medaillen
auf seiner Brust sich vermehren zu sehen--lieber war es ihm doch noch
und grer seine Siegerfreude, wenn er seine Preise in den Besitz des
Klubs bergehen und dort die Wand zieren sah, whrend ihm selbst nur
eine einfache Urkunde--gewissermaen als Besttigung--zuteil wurde.
So rein und ehrlich war seine Freude, da er fast noch keine Neider
hatte, wenigstens nicht unter seinen Leuten. Er war noch ganz der,
als den sie ihn damals aufgenommen hatten, wenn er auch uerlich ein
junger, eleganter Mann geworden war, der es lernte, Wert auf sein
ueres zu legen. Auf seinen Lippen zeigte sich der erste Flaum, aber
sein Krper--obwohl Felder auch im letzten Jahre tchtig in die Hhe
geschossen war--zeigte noch immer die unentwickelte Formen des
Knaben, und wenn er an den Start ging, verschwand seine Gestalt fast
neben denen der anderen. Wer ihn nicht kannte, propheze$
er
Schulmeisterkniff herausgestellt hat, um den braven Faustlehrlingen
statt des Brotes der Wahrheit den Stein grbster Sinnentuschung
hinzureichen. Es mte fr einen phantasiebegabten Mathematiker eine
seltsam lockende Aufgabe, wie ein letzter Triumph des mathematischen
Gedankens sein, fr jeden sogenannten festen Krper die Idealformel
finden zu wollen, gewissermaen die unendlich schnell rotierende lineare
Kurve darzustellen, die, um ihre Achse sich drehend, dem Auge nicht
minder wie der tastenden Hand den Eindruck des Krperlichen hervorruft.
Nach _Gramann_ hat jede auch noch so komplizierte Form, jeder Kristall,
aber auch jede amorphe Gestalt eines Krpers gewissermaen ihr ideelles
Rotationsskelett, ebenso wie etwa eine Kugel entstanden gedacht werden
kann durch einen Komplex unzhliger konzentrischer Kreise, welche alle
in den verschiedensten Achsen sich um- und durcheinander drehen. Htte
Gramann doch die Zeit der elektrischen Analyse der Atombewegung erlebt,
die uns zwingend gelehrt hat, da tats$
um, als eine Funktion des
Schlafes, in die Definition miteinzubeziehen. Denn allein die
psychologische Tatsache des Traumes und seiner gewhnlichsten
Erscheinungsformen hebt diese Anschauungen smtlich auf. Der Schlaf kann
nicht die Periode des ruhigen Zustandes des Seelenorganes genannt
werden, denn es gibt Trume; Trume sind aber "Ttigkeiten" des
Seelenorganes. Im Schlaf ist ferner oft gerade eine erhhte Erregbarkeit
des Nervensystems vorhanden, wie das Zittern und Beben des Organismus
unter unruhigen Trumen beweist. Auerdem ist die vorhandene
Erregbarkeit smtlicher Nervenfunktionen im Schlafe leicht erweisbar.
Tue Salz auf die Zungenspitze eines Schlafenden, kitzle seine Nase,
bringe ein Licht in sein Zimmer: er wird mit der Zunge schmecken, die
Nase reiben, eventuell sogar niesen, sich in den Schatten drehen und
braucht dabei gar nicht zu erwachen. Aber selbst wenn er erwachte, so
wre damit bewiesen, da sein Nervensystem erregbar war, auch whrend er
schlief,--und es wre doch schwer festzustellen$
Ganglien in chaotischen Wellen durcheinander
schwingen. Wir finden also, da wir in zeitlich nacheinander geordneten
Systemen nur deshalb denken knnen, weil uns im Augenblick immer nur
eine Bahn zum Denken von der Hemmung freigegeben ist. Was "die
Aufmerksamkeit konzentrieren" heit, ist nichts als das Gefhl und
Bewutsein davon, da von der ewig schwankenden, Anschlsse bald hier
erzwingenden, bald dort abdmpfenden Hemmung nur eine--die
Augenblicksempfindung vermittelnde--Bahn freigelassen ist. So ist also
der eigentliche Spiritus rector, _die Seele ber der Seele_, nicht in
den Ganglien, die nur die Erregungselemente abgeben, zu suchen; und in
dem Mechanismus dieser Hemmung wre das Prinzip zu erforschen, das
gleich immer wechselnden Registerzgen in der groen Hirnorgel bald
diesem, bald jenem System die Ventile ffnet, so da der einstrmende
Hauch des Lebens die fnfzehnhundert Millionen feiner Membranstimmen in
unfabar reicher Kombinationsmglichkeit zu seelischen Akkorden
erklingen lt. An einem H$
er gewaltige Mittagswind die Wellen an's Ufer
trieb, und wo ich wenigstens so allein war, als meine Heldin am Gestade von
Tauris, zog ich die ersten Linien der neuen Bearbeitung, die ich in Verona,
Vicenza, Padua, am fleiigsten aber in Venedig fortsetzte. Dann aber
gerieth die Arbeit in Stocken. Ich ward auf eine neue Erfindung gefhrt,
nmlich Iphigenie auf Delphi zu schreiben, was ich auch sogleich gethan
htte, wenn nicht die Zerstreuung und ein Pflichtgefhl gegen das ltere
Stck mich davon abgehalten htten."
Was ihn dazu bewog, seine Iphigenie ursprnglich in Prosa zu schreiben,
war, nach seinen eignen Worten "die Unsicherheit, in der die deutsche
Prosodie schwebe." "Es ist auffallend," schrieb er, "da wir in unserer
Sprache nur wenige Sylben finden, die entschieden kurz oder lang sind; mit
den brigen verfhrt man nach Geschmack und Willkhr." Ungeachtet dieser
Bemerkungen gab er spterhin seinem Schauspiel eine metrische Form. Das
vollendete Manuscript hatte er nach Weimar gesandt, um das Urtheil s$
en Zeiten zerstreut, so fhrt sie
uns zu andern Zeiten desto schneller auf uns selbst zurck. Der Mangel an
ueren Verhltnissen und Verbindungen, ja die lange Weile ist demjenigen
gnstig, der manches zu verarbeiten hat. Die Reise gleicht einem Spiel; man
empfngt mehr oder weniger, als man hofft, man kann ungestrt eine Weile
hinschlendern, und dann ist man wieder genthigt, sich einen Augenblick
zusammenzunehmen. Fr Naturen, wie die meinige, die sich gern festsetzen
und die Dinge festhalten, ist eine Reise unschtzbar; sie belebt,
berichtigt, belehrt und bildet."
Bei seiner Rckkehr nach Weimar widmete Goethe vorzugsweise seine
Aufmerksamkeit dem Theater. Sein Interesse an der Bhne, durch die
schriftliche und mndliche Unterhaltung mit Schiller immer auf's neue
belebt, ward noch hher gesteigert, als Iffland im April 1798 eine Reihe
von glnzenden Darstellungen gab. Vielfach thtig war Goethe bei dem neuen
Theatergebude, das damals durch den Architekten Thouret aus Stuttgart in
Weimar errichtet und mit$
Man kann heirathen, und doch noch immer die Braut
spielen. Eine gute Partey kann man immer auf Abschlag nehmen;
und die jungen Mdchen thun bel, wenn sie die Hand eines
ehrlichen Mannes ausschlagen, um allzeit flattirt, adorirt,
courtisirt, carressirt, und endlich meprisirt zu werden. Bist
Du denn, meine Tochter, sonst noch nie die Braut als auf der
Schaubhne gewesen?
    _Kolombine._ Nein, Papa.
    _Barth._ Hren Sie wohl, Herr Harlekin?
    _Harl._ Ich hre und sehe, Herr Barthold.
    _Barth._ Wo ist Scapin und Peter? Sie sollen auch
herkommen, und den Freyer mitspielen. Isabelle, welche schon
oft die Braut vorgestellt, und erfahrner ist als Du, Kolombine,
soll Dir die rechte Manier zeigen.
    _Kolombine._ O, Papa, ich will schon fertig werden,
ich verstehe es schon.
    _Barth._ Nun, so macht Ihr Beyde den Anfang. Ich will
herumgehen, und den Uebrigen ihre Rollen ankndigen.
Dritter Auftritt
_Harlekin_ und _Kolombine_.
    _Kolombine._ Nun, Sie fangen an.
    _Harl._ Nein, fangen Sie an.
    _Kolombin$
 an dem Schreien der Raubvgel und vor Allem an dem Leichengeruch,
den die Krper von Hingerichteten in weitem Umkreise verbreiteten.
Die beiden Collegen befanden sich auf dem Deck, als der Ingenieur eben
das Besteck machte, fr den Fall, da er seine Fahrt wieder im Nebel
fortzusetzen gezwungen wre.
"Meine Herren, begann er, ich habe keinen Grund, Ihnen zu
verheimlichen, da diese Stadt Yeddo, die Hauptstadt von Japan ist."
Onkel Prudent antwortete nicht. In Gegenwart des Ingenieurs keuchte er
nur, als wenn es seinen seinen Lungen an Luft fehlte.
"Dieser Anblick Yeddos ist wirklich recht merkwrdig.
-- So merkwrdig er auch sein mag ... versetzte Phil Evans.
-- So bleibt er doch hinter dem von Peking zurck, unterbrach ihn der
Ingenieur. Das ist meine Meinung auch, -- und Sie werden binnen Kurzem
selbst darber urtheilen knnen."
Unmglich htte der Mann liebenswrdiger sein knnen.
Der "Albatros", der bisher auf Sdost zuhielt, vernderte jetzt seine
Richtung um vier Compastriche, um im Osten eine neue Ro$
 von
allen Mitgliedern der berhmten Gesellschaft keiner auf dem fr diese
reservirten Platze innerhalb der Pfhle und Leinen fehlte, welche einen
Theil der Lichtung abgrenzten. Hier waren Truk Milnor, Bat T. Fyn,
William T. Forbes, der seine beiden Tchter Mi Doll und Mi Mat an den
Armen fhrte. Alle waren erschienen, um durch ihre Anwesenheit zu
bekrftigen, da nichts jemals im Stande sei, die Anhnger des
"Leichter, als die Luft" zu trennen.
Gegen elf Uhr zwanzig Minuten verkndigte ein Kanonenschu die
Beendigung der letzten Vorbereitungen.
Der Go a head erwartete nur noch das Signal zum Aufsteigen.
Ein zweiter Kanonenschu donnerte um elf Uhr fnfundzwanzig.
Der nur noch durch seine Leitseile gehaltene Go a head erhob sich
gegen fnfzehn Meter ber die Lichtung. Am anderen Ende der Plattform
stehend, legten Onkel Prudent und Phil Evans die linke Hand auf die
Brust, was bedeuten sollte, da sie mit dem Zuschauerkreise eines
Herzens wren. Dann streckten sie die rechte Hand nach dem Zenith aus,
um a$
ngsten Widerstand zu finden.
Pltzlich drang ein Aufschrei aus der Menge, ein Schrei, dem sofort
hunderttausend andere folgten. Alle Arme richteten sich nach einem
Punkte am Horizont, und zwar nach Nordwesten hin.
Dort im tiefen Azur ist ein sich bewegender Krper erschienen, der
nher herankommt und grer wird. Ist es ein Vogel, der mit mchtigem
Flgelschlage durch die hchsten Luftschichten schwebt? Ist's eine
Feuerkugel, deren Bahn die Atmosphre in schiefer Richtung
durchschneidet? Jedenfalls ist der rthselhaften Erscheinung eine
bedeutende Schnelligkeit eigen und sie mu bald ber die erstaunte
Volksmenge hinwegrauschen.
Ein Verdacht, der sich gleichsam elektrisch allen Gehirnen mittheilt,
verbreitet sich ber die ganze Lichtung.
Es scheint jedoch, als ob auch der Go a head den fremdartigen
Gegenstand bemerkt htte. Offenbar hat er das Gefhl einer drohenden
Gefahr empfunden, denn pltzlich steigert sich seine Geschwindigkeit
und er flieht nach Osten hin.
Ja, die Menge hat Alles begriffen. Ein von e$
eganz, die er noch nie gekostet hatte, und all dem
unbeschreiblich Verfhrerischen einer unterliegenden Tugend. Und
um sie die Kirche, gleichsam ein ungeheures Boudoir. Die Pfeiler
neigten sich, um die im Dunkel geflsterte Beichte ihrer Liebe
entgegenzunehmen. Die farbigen Fenster leuchteten, ihr schnes
Gesicht zu verklren, und aus den Weihrauchgefen wirbelten die
Dmpfe, damit sie wie ein Engel in einer Wolke von Wohlgerchen
Aber sie kam nicht. Er setzte sich in einen der hohen Sthle, und
seine Blicke fielen auf ein blaues Fenster, auf das Fischer mit
Krben gemalt waren. Er betrachtete das Bild aufmerksam, zhlte
die Schuppen der Fische und die Knopflcher an den Wmsen, whrend
seine Gedanken auf der Suche nach Emma in die Weite irrten ...
Der Schweizer rgerte sich im stillen ber den Menschen, der sich
erlaubte, die Kathedrale allein zu bewundern. Er fand sein
Benehmen unerhrt. Man bestahl ihn gewissermaen und beging
geradezu eine Tempelschndung.
Da raschelte Seide ber die Fliesen. Der Rand ei$
ihn in der ganzen Gegend berhmt machten. Niemand durfte das
Kapernaum betreten. Das ging soweit, da er es selbst ausfegte.
Die Apotheke stand fr jedermann offen. Sie war die Sttte, wo er
wrdevoll amtierte. Aber das Kapernaum war der Zufluchtsort, wo
sich Homais selbst gehrte, wo er sich seinen Liebhabereien und
Experimenten hingab. Justins Leichtsinn dnkte ihn deshalb eine
unerhrte Respektlosigkeit, und rter als seine Johannisbeeren,
wetterte er:
Natrlich! Ausgerechnet in mein Kapernaum! Sich einfach den
Schlssel nehmen zu meinen Chemikalien! Und gar meinen
Reservekessel, den ich selber vielleicht niemals in Gebrauch
genommen htte! Meinen Deckelkessel! In unsrer peniblen Kunst hat
auch der geringste Umstand die grte Wichtigkeit! Zum Teufel,
daran mu man immer denken! Man kann pharmazeutische Apparate
nicht zu Kchenzwecken verwenden! Das wre gradeso, als wenn man
sich mit einer Sense rasieren wollte oder als wenn ...
Aber so beruhige dich doch! mahnte Frau Homais.
Und Athalia zupfte ihn am$
 er.
Dieses Wort belebte sie.
Lassen Sie mir die Rechnung hier! sagte sie.
O, das eilt ja nicht! erwiderte Lheureux.
In der kommenden Woche stellte er sich wiederum ein und
berichtete, es sei ihm mit vieler Mhe gelungen, einen gewissen
Langlois ausfindig zu machen, der schon lange ein Auge auf das
Grundstck geworfen habe und wissen mchte, was es koste.
Der Preis ist mir gleichgltig! rief Emma aus.
Lheureux erklrte, man msse den Kufer eine Weile zappeln lassen.
Die Sache sei aber schon eine Reise dahin wert. Da sie selbst
nicht gut verreisen knne, bot er sich dazu an, um das Geschft
mit Langlois zu besprechen. Er kam mit der Mitteilung zurck, der
Kufer habe viertausend Franken geboten.
Emma war hocherfreut.
Offen gestanden, fgte der Hndler hinzu, das ist anstndig
Die erste Hlfte der Summe zhlte er ihr sofort auf. Als Emma
sagte, damit solle ihre Rechnung beglichen werden, meinte
Auf Ehre, es ist doch schade, da Sie ein so schnes Smmchen
gleich wieder aus der Hand geben wollen!
Sie$
 Zimmer, kam sehr bald wieder und hndigte
ihrer Schwiegermutter mit der Gebrde einer Frstin ein groes
Schriftstck ein.
Ich danke dir! sagte die alte Frau und steckte die Urkunde in
Emma brach in eine rauhe, scharfe, andauernde Lache aus. Sie hatte
einen Nervenchok bekommen.
Ach du mein Gott! rief Karl aus. Siehst du, Mutter, es war doch
nicht recht von dir! Du darfst ihr nicht so zusetzen!
Sie zuckte mit den Achseln. Das sei alles blo Tuerei!
Da lehnte sich Karl zum ersten Male in seinem Leben gegen sie auf
und vertrat Emma so nachdrcklich, da die alte Frau erklrte, sie
werde abreisen. In der Tat tat sie das andern Tags. Als Karl sie
noch einmal auf der Schwelle zum Bleiben berreden wollte,
erwiderte sie:
Nein, nein! Du liebst sie mehr als mich, und das ist ja ganz in
der Ordnung! Wenn es auch dein Nachteil ist. Du wirst ja sehen ...
La dirs wohl gehn! Ich werde ihr nicht sogleich wieder --
sozusagen -- zusetzen!
Nicht weniger als armer Snder stand er dann vor Emma, die ihm
erbittert vor$
ander zu gut, als da der gegenseitige Besitz sie
noch zu berauschen vermochte. Ihre Liebe hatte die
Entwicklungsfhigkeit verloren. Sie waren beide einander
berdrssig, und Emma fand im Ehebruche alle Banalitten der Ehe
Wie sollte sie sich aber Leos entledigen? So verchtlich ihr die
Verflachung ihres Glckes auch vorkam: aus Gewohnheit oder
Verderbtheit klammerte sie sich doch daran. Der Sinnengenu ward
ihr immer unentbehrlicher, so sehr sie sich auch nach hheren
Wonnen sehnte. Sie warf Leo vor, er habe sie genarrt und betrogen.
Sie wnschte sich eine Katastrophe herbei, die ihre Entzweiung zur
Folge htte, weil sie nicht den Mut hatte, sich aus freien Stcken
von ihm zu trennen.
Sie hrte nicht auf, ihn mit verliebten Briefen zu berschtten.
Ihrer Meinung nach war es die Pflicht einer Frau, ihrem Geliebten
alle Tage zu schreiben. Aber beim Schreiben stand vor ihrer
Phantasie ein ganz anderer Mann: nicht Leo, sondern ein
Traumgebilde, die Ausgeburt ihrer zrtlichsten Erinnerungen, eine
Reminiszenz an d$
, weil
man mich schon in jungen Jahren vor--_Kroatien_ und Slavonien "gewarnt,"
diese Lnder hhnisch als--"Halbasien" bezeichnet hatte.
Der Gewissenhaftigkeit wegen war fr die Studienreise durch Dalmatien
und Montenegro usw. die kroatische Sprache erlernt worden. Mit der zur
Verstndigungsmglichkeit ausreichenden Kenntnis dieses auf heimatlichem
Boden verspotteten, aber gar nicht bel klingenden Idioms ausgerstet,
kam es zunchst zu einer Automobilreise durch Kroatien bis zum
sdlichsten Zipfel dieses in manchen Bezirken mrchenschnen Landes, der
Kste entlang wieder herauf nach Fiume, worauf der Entschlu zu einem
lngeren Aufenthalt auf kroatischem Boden gefat wurde. Gtige
Einladungen seitens des gastfreundlichen Adels fhrten von Schlo zu
Schlo; es begann ein Wandern von einer curia nobilis zur andern, von
Dorf zu Dorf mit geschultem Blick fr landschaftliche Schnheit und
Wildbestand, mit rasch erweiterten Kenntnissen in der Geschichte des
Landes, mit der sozusagen Sprnase fr echtes Volksleben.$
 ritten, fand ich kaum
mehr die Mue, die Physiognomie der Landschaft in's Auge zu fassen. Auf
meiner sieben Jahre spter erfolgten Heimreise, auf der ich mit einem
Ochsengespann der Drre wegen langsam reisen mute, hatte ich
Gelegenheit, die Strecke theilweise geologisch zu durchforschen und
dabei einige recht interessante vom Wege abseits liegende Partien kennen
zu lernen. Gegen Colesberg zu nehmen die isolirten, tafelfrmigen
Erhebungen allmlich an Zahl und Hhe ab, dagegen geht das Land nach
Norden zu in ein Hochplateau ber. Eine der schnsten Partien ist
New-Port, ein Pa, an dem sich die Wasserscheide der nach dem Sden
flieenden Gewsser und der Nebenflsse des Oranje-River befindet. Die
Hhen im Colesberg- und Cradockdistrict beherbergen viele Pavianheerden,
mehrere kleine Gazellenarten, kleinere katzenartige Raubthiere, sowie
Leoparden, und bei Cradock auf den flachen Huptern einiger Tafelberge
finden sich noch mehr denn 50 der eigentlichen Quaggas, ich glaube die
einzige Art, die wir noch in S$
herinnen zu den Kosten
der Haushaltung bei. Ihre Thtigkeit belebt die Scenerie am Flusse.
Ein flchtiger Blick gengt, um die beiden Racen zu unterscheiden, und
ohne Zaudern werden wir den Vertretern der Betschuanarace, den
Batlapinen und Barolongen den Vorzug angenehmerer Gesichts- und
Krperbildung einrumen. Von mattschwarzem bis dunkelbraunem Teint, sind
ihre Gesichtszge weder schn noch hlich, whrend das gelblich-braune
Gesicht des Koranna direct hlich zu nennen ist. Die kleinen Augen
liegen in tiefen Hhlen, das kurze und schmale Gesicht zeigt kaum einen
deutlichen Nasenansatz, die unnatrlich vorgehenden Kinnbacken und
wulstigen Lippen sind die Hauptmerkmale der vorderen, ein kleiner,
lnglicher Schdel jener der hinteren Kopfbildung. Der Krper der Frauen
wird durch jene bekannte Sattelbildung der unteren Wirbelsule, welche
ihren Gang schwerfllig erscheinen lt, nicht wenig verunstaltet. Viele
Korannafrauen hatten Wange und Stirne mit rothem Ocker berschmiert,
oder blau bemalt, und zwar mit$
 sich einer der einfliegenden
Vgel zuweilen lngere Zeit an der Oeffnung festklammernd schaukelte.
Dann erschien am Wasserspiegel ein sich hin- und her wiegender schn
gelbgefrbter Punkt, der wie ein schimmernder Edelstein ber die hellen
und dunklen Grottenpartien am Grunde des Flusses zu gleiten schien.
Diese Webervgel zeigten nicht die geringste Scheu, so da wir sie
namentlich gegen Abend leicht im Neste fangen konnten. Hatten wir uns
von dem Neste entfernt, und waren die bei unserer Annherung entflohenen
Snger wieder nach ihren Wohnungen zurckgeflogen, so beobachteten sie
mit anmuthiger Neugierde lngere Zeit hindurch jede unserer Bewegungen.
[Illustration: Reisende Batlapinen.]
Am dritten Tage unserer Reise erblickten wir im Osten einen aus Sden
hervortretenden, in das Thal des Hart-Rivers tief eindringenden
Hhenzug, der uns als zum Gebiete des Chefs Mitzima gehrig bezeichnet
wurde. Den uersten vorgebirgsartigen Auslufer dieses Hhenzuges
nannten die Boers Spitzkopf. Die von uns durchzogene $
h die Raubthiere zu erlegen
beschlossen. Der Farmer und sechs Reiter fanden sich ein, der junge
Mann, der die getdteten Pferde aufgefunden, wurde zum Fhrer gewhlt;
die Spur der Lwen war bald gefunden. Es ging durch ein Thal, ber eine,
ber eine zweite Hhe, dann kamen sie auf eine Ebene, die leider
kurzbegrast war; der Boden war hart und wohl auch deshalb verloren sie
die Spur der Thiere und muten die Verfolgung aufgeben. Es ist jedoch
wahrscheinlicher, da den Lwenjgern der Muth etwas gesunken war und
da alle nur zu sehr einverstanden waren, lieber heimzukehren, als noch,
abgemdet nach einer lngeren Verfolgung, den Kampf mit den Raubthieren
aufzunehmen. Auf ihrer Heimkehr trennten sich die enttuschten Jger
nahe an Schmitt's Wohnung. Doch wie erstaunten er und sein Freund, als
sie in unmittelbarer Nhe des Gehftes ein Lwenprchen im hohen Grase
erblickten. Nach der Stellung, welche die Raubthiere eingenommen hatten,
schienen sie auf der Lauer zu liegen. Beim Annhern der beiden Reiter,
deren Pf$
en) schwer mit
zur Erde gesenkten Kpfen und doch hatten wir noch die schwierigste
Aufgabe zu lsen, wir muten, nur 30 Schritte vom Feuer entfernt, etwa
100 Schritte neben dem Brande zurcklegen, bevor wir nach links abbiegen
konnten. So kurz auch die Strecke war, die wir zurckzulegen hatten, sie
drohte uns sicherer Verderben zu bringen als jene, die wir von den
felsigen Hhen herabgestrmt hatten. Ein zwischen mir und dem Feuer kaum
15 Schritte vom Wagen entfernter, durch einen brennenden Zweig in
Flammen gesetzter, trockener Vaalbusch wurde uns zum zweiten Losungswort
dieser Hetzjagd.
Halloh an, die Zugthiere legten sich in's Joch, doch nach kaum fnf
Schritten, drngen sie von dem dichten Qualm betubt, nach dem
Felsenhgel, wobei sie den Wagen unwiderruflich umwerfen muten. In
diesem kritischen Momente setzt der neben ihnen an meiner Seite laufende
Genosse auf die andere, die Hgelseite ber, wo es ihm, den brigen
Genossen und dem dunklen Fhrer gelingt, durch Schlagen und Schreien die
Thiere wieder$
berhngenden Felsen gebildet wurden, boten sie
viele interessante und des Besuches werthe Punkte.
Vergebens suchte ich im sandigen und steinigen Bette nach Wasser und
wollte eben die Tiefe verlassen, als einige von der gegenber liegenden,
steilen Felsenwand wie mir schien herabgekollerte Steine mich aufwrts
blicken hieen. Oben in den Bumen, sowie an den Felsen bewegte sich
eine Truppe von Pavianen. Da mir die Thiere mit den herabkollernden
Steinen ber meinem Kopfe nicht gefielen, dachte ich sie mit einem oder
zwei Schssen zu verscheuchen. Auf einen der berhngenden Bume
zielend, feuerte ich auf den Stamm, in dessen kleiner Krone zwei Paviane
saen. Die in den Stamm eindringende Kugel erschtterte den ganzen, nur
lose in den Felsenfugen hngenden Baum und erfllte die beiden Insassen
desselben derart mit Entsetzen, da der eine hoch aufsprang, der andere
sich fest an den Stamm anklammerte. Ein altes Mnnchen erschien nun
bellend am Fue des Baumes, ergriff jedoch, nachdem es einige groe
Felsstcke los$
 mein Gram! Sieh, welch Erbarmen
  Die holden Frau'n bewegt, dass Qual und Sterben
  Zu sss du noch erachtest fr mich Armen.
  Wo ist nun Mitleid? Wen zum Schtzer werben
  Vor Weibes Grimm, wenn Mnner sich vernichten,
  In Hass und Kampf sich strzen ins Verderben?
  Du, Amor, sollst wie immer heut auch richten!
  Und reiche nur den Bogen ihren Hnden;
  Bin schuldig ich, dann mag sie mich vernichten.
  Der, welcher schmachtet zwischen Kerkerwnden,
  Der, den zum Tod man schleift in wilder Hetze,
  An welch ein Tribunal soll der sich wenden?
  Was ntzen ihm und mir Recht und Gesetze?
  Doch sag', warum lehrt dich mein Lieben hassen?
  Wer fasst es, dass dich Fleh'n in Wut versetze?
  Dem Schatten gleicht dein Reiz, in dem erblassen
  Die dir sich nah'n; das Herz, das liebewarme,
  Muss schauernd sein Verderben hier umfassen.
  Ihr stolzen, stets zum Mord bereiten Arme,
  Ihr Augen, spottend der im Netz Verstrickten,
  Ihr Hnde, hhnisch deutend auf uns Arme,
  Ihr Gaben all, verliehen der Beglckten
  $
hams ass, so wie die Juden in Palstina, aus Einer Schssel am Boden
hockend, assen, so isst noch heute der Marokkaner. Morgens nach
Sonnenaufgang wird nur saure Milch mit hineingebrocktem Brode, oder eine
mssige Suppe genommen. Die zweite Mahlzeit ist gegen Mittag: Brde d.h.
eine Art von Mehlkuchen, welche auf eisernen Platten oder erhitzten Steinen
gebacken sind, heisse Butter (in diese tippt man die Brodstcken und
verfhrt recht haushlterisch; nur die Reichen geben harte Butter) bilden
dies zweite Mahl, zu dem auch wohl noch Datteln, oder im Sommer andere
Frchte, wie die Jahreszeit und die Gegend sie bietet, gegeben werden.
Abends nach Sonnenuntergang ist die Hauptmahlzeit, welche aus Kuskussu
besteht. Aber Tag fr Tag, Jahr aus Jahr ein, kommt dies Gericht auf die
Erde (auf den Tisch kann ich nicht sagen, da der Marokkaner ein solches
Mbel nicht kennt) und mittelst der Hand, die Marokkaner kennen noch nicht
den Gebrauch der Messer und Gabeln, wird das Gericht rasch in den Magen
befrdert. Auch der G$
i Edris, oder des Grnders der Sauya
       Uesan, Mulei Abd Allah Scherif, wird in den Briefen nicht Erwhnung
       gethan.]
      [Funote 64: Skendrinischen = Alexandrinischen.]
Eine goldene Schrpe, die er um hatte, enthielt zugleich einen Revolver vom
System Lefaucheux, der berdies mittelst einer rothseidenen Schnur um den
Hals befestigt war. "Merkwrdig," dachte ich, "den Mohammedanern ist durch
den Koran verboten, Gold und Seide auf ihren Kleidern zu tragen, und nun
sehe ich den directesten Sprssling des Propheten damit berladen.["] Die
brigen Anwesenden bestanden zum Theil aus nahen Anverwandten, also
ebenfalls Abkmmlingen Mohammed's, dann aus Tholba, endlich aus vielen
Fremden von vornehmer und geringer Herkunft. Ueberdies ging es ohne
Unterlass aus und ein, da ging kein Mann oder keine Frau aus dem Gebirge
vorbei (das Gartenhaus lag an einer sehr frequenten Strasse), ohne rasch
heraufzuspringen, um den Grossscherif zu kssen und um einige Mosonat[65]
niederzulegen. Da kamen Processionen von F$
tragen
      [Funote 94: Es war dies mein in Marokko angenommener Name.]
Folgendes nun wirft auch Licht auf das summarische Gerichtsverfahren in
Marokko und Fes berhaupt, und ich schreibe die hier folgenden Zeilen
wrtlich aus meinem damals gefhrten Notizbuch ab.
Das neue Haus, welches ich bezog, hat ein Stockwerk und ist nicht nach Art
der Wohnhuser in Fes eingerichtet, sondern nach anderen Regeln erbaut.
Mitten im Garten liegend, fliesst unter dem Hause der kleine Ued Fes, der
hier in den Garten tritt und in einer 4' tiefen und 6' breiten gemauerten
Rinne luft, bis er an eine dem Hause gegenberliegende Veranda kommt, und
unter dieser in einen andern Garten tritt. Das Haus selbst hat unten eine
gerumige Veranda, einen Salon und ein Zimmer, das alkovenartig (eine Art
von Kubba) hinten angebaut ist; oben sind drei Zimmer, die wir unbewohnt
liessen; ebenso wurde das platte Dach selten benutzt. Der mir als Dolmetsch
beigegebene Offizier schlief mit mir im hintern alkovenartigen Zimmer; in
der einzigen Th$
ss ausbte.
11. Uebergabe der Bocca nach dem Tilsiter Frieden.
In der Bocca herrschte bereits einige Monate Ruhe. Die Festungen bei
Castelnuovo und Cattaro wurden natrlich stets bewacht. Der grsste Teil
der russischen Truppen mit einer kleinen Zahl von Bokelen und Bergleuten
verliess das militrische Lager, zog heim und ging seiner gewohnten
tglichen Beschftigung nach. Dann und wann wurden sie bald hier- bald
dorthin zum Kampfe gerufen, wie wir bereits gesehen haben. In der Bocca
selbst gab es seit dem Kampfe bei Castelnuovo keine Schlacht mehr.
Kleinere Gefechte und Scharmtzel mit den Franzosen wie mit den
benachbarten Trken, die seit ihrer Verbrderung mit den ersteren noch
lstiger und aufdringlicher geworden waren, hrten nie auf.
Die Ereignisse in Nordeuropa lenkten wiederum die Aufmerksamkeit der
Bokelen auf sich. Preussens Macht war vernichtet, der Krieg zwischen
Frankreich und Russland in vollem Gange. Das Glck neigte bald auf
diese, bald auf jene Seite. Die Heere Russlands waren zersplittert; $
 die Menschen mehr
bedchten, wie viel Glck von einem einfachen Gegenstand ausgehen kann,
wenn sich nur ein reiner Geschmack in ihm ausdrckt, wrden sie unter den
einfachsten Bedingungen viel dankbarer gegen ihr Leben sein drfen. Ich
kann nicht sagen, wie mich die ersten Architekturen des Sdens (in Bozen)
wieder bewegten. Ich glaube, ich werde von hier unaufhaltsam nach Italien
hinabsinken -- und vielleicht blo um seiner Bauwerke willen, die mir den
Menschen erhhen, wie der Mensch sich in ihnen erhht hat.
Als Primaner versuchte ich zum ersten Mal zu einer lebendigen Vorstellung
dessen zu gelangen, was wir des Alls Unendlichkeit nennen. Ich legte mich
nachts auf einen fast horizontal gestellten Klappsessel in den Garten, und
bemhte mich, ber das rein Bildmige des Sternenhimmels hinaus in seine
Wirklichkeit einzudringen. Es gelang mir so wohl, da ich empfand: Jetzt
noch eine Sekunde solcher Erdabwesenheit, ein einziger kleiner Schritt
weiter und mein Gehirn ist auf immer verloren. Und ich brach das
$
.
Wir leben doch alle auf dem Meeresgrund (dem Grund des Luftmeeres) --
Die Sterne lauter ganze Noten.
       *       *       *       *       *
Der Quellnixe wehendes Fontnenhaar.
Der Zypressen grne Obelisken.
       *       *       *       *       *
Der Duft der Dinge ist die Sehnsucht, die sie uns nach sich erwecken.
       *       *       *       *       *
Wer wei, ob die Gedanken nicht auch einen ganz winzigen Lrm machen, der
durch feinste Instrumente aufzufangen und empirisch (durch Vergleich und
Experiment) zu entrtseln wre.
Rhythmisch bewegte Luft ist gewissermaen farbige Luft. Wirkung der
Warum sind Hgel schner als Berge? Weil sie den Begriff des Gebirges
gegenber der Ebene, diese beglckende Naturbrechung und Erhhung des
Niveaus mit lebendigerem Ausdruck offenbaren als die starren Felsberge,
die mehr blo Begriffliches sozusagen, weniger Gefhlswarmes an sich
Die Natur kennt nur Farbenbergnge, keine Farben.
       *       *       *       *       *
Da erwiderte mir gestern ein Herr aus Br$
sses halt. Die Soldaten warfen hurtig Lanzen, Schilde
und Bandoliere ab und wuschen sich unter lautem Geschrei, schpften
die Helme voll Wasser oder tranken, platt auf dem Bauche liegend,
inmitten der Maultiere, denen das Gepck vom Rcken glitt.
Spendius, auf einem aus Hamilkars Stllen geraubten Dromedare,
erblickte von weitem Matho, der, den Arm in der Binde, barhuptig und
kopfhngerisch ins Wasser starrte, indes er sein Maultier trinken
lie. Sofort eilte der Sklave mit dem Rufe: Herr, Herr!
schnurstracks durch die Menge auf ihn zu. Matho dankte kaum fr den
Gru. Spendius nahm ihm das nicht bel, begann vielmehr seinen
Schritten zu folgen und warf nur von Zeit zu Zeit einen besorgten
Blick nach Karthago zurck.
Er war der Sohn eines griechischen Lehrers der Redekunst und einer
kampanischen Buhlerin. Anfangs hatte er durch Mdchenhandel Geld
verdient, dann aber, als er bei einem Schiffbruch sein ganzes Vermgen
verloren, hatte er mit den samnitischen Hirten gegen Rom gekmpft. Man
hatte ihn gefangen ge$
ckten die
Kmpfer mit den Rsseln oder rissen sie empor und reichten sie ber
ihre Kpfe hinweg den Soldaten in den Trmen. Mit ihren Stozhnen
schlitzten sie den Gegnern die Buche auf und schleuderten sie hoch in
die Luft. Lange Eingeweide hingen an ihren Elfenbeinhauern wie Tauwerk
an Masten. Die Barbaren suchten den Tieren die Augen auszustechen oder
die Kniekehlen durchzuschneiden. Manche krochen ihnen unter den Bauch,
stieen ihnen das Schwert bis zum Heft hinein und wurden dann von
ihnen zermalmt. Die Tapfersten klammerten sich an das Riemenzeug und
sgten mitten in Flammen, Kugeln und Pfeilen die Gurtung durch, bis
der Weidenturm umklappte wie ein Turm aus Stein. Vierzehn Elefanten
vom rechten uersten Flgel, durch ihre Wunden in Wut versetzt,
wandten sich um, gegen das zweite Treffen. Da griffen die Indier zu
ihren Hmmern, setzten die Meiel auf die Schdeldecken und schlugen
mit aller Kraft zu. Die riesigen Tiere brachen zusammen und fielen
bereinander. Sie bildeten Berge. Auf solch einem Hauf$
einen leinenen Grtel und neue Gewnder. Sie wollte diese
Dinge absichtlich nicht vom Haushofmeister fordern. Die alte Dienerin
erstaunte ber diese Zurstungen, wagte aber keine Fragen. So kam der
Tag heran, den Schahabarim zum Aufbruche Salambos bestimmt hatte.
Um die zwlfte Stunde bemerkte sie im Sykomorenhaine einen blinden
Greis, der sich mit einer Hand auf die Schulter eines vor ihm
hinschreitenden Kindes sttzte und mit der andern eine Harfe aus
schwarzem Holz gegen die Hfte gepret trug. Die Eunuchen, die Sklaven
und Dienerinnen waren sorgfltig entfernt worden. Niemand sollte etwas
von dem Mysterium erfahren, das sich zu vollziehen begann.
Taanach zndete in den Ecken des Gemaches vier eherne Dreife an, die
mit kretischem Rosenharz und Paradieskrnern gefllt waren. Dann
rollte sie groe babylonische Teppiche auf und hngte sie an Schnren
rings an den Wnden auf. Salambo wollte von niemandem gesehen werden,
selbst von den Mauern nicht. Der Harfenspieler hockte hinter der Tr.
Der Knabe stand auf$
r hatten auf die Wasserleitung Soldaten gestellt, die
Steine, Kugeln und Balken zu schleudern begannen. Spendius machte den
Sldnern klar, da sie nicht halsstarrig sein drften. Sie lagerten
sich nunmehr in grerer Entfernung, alle fest entschlossen, Karthago
       *       *       *       *       *
Mittlerweile war das Gercht von dem Kriege ber die Grenzen des
punischen Reiches hinausgedrungen. Von den Sulen des Herkules bis
ber Kyrene hinaus trumten die Hirten davon, whrend sie ihre Herden
weideten, und die Karawanen plauderten nachts darber beim
Sternenschein. Es gab also Menschen, die es wagten, das groe Karthago
anzugreifen, die Stadt, die so glnzend war wie die Sonne und
furchtbar wie ein Gott! Die Knigin der Meere! Man hatte schon
mehrfach ihren Sturz verkndet, und alle hatten daran geglaubt, weil
alle ihn wnschten: die unterworfenen Vlkerschaften wie die
zinspflichtigen Drfer, die verbndeten Provinzen wie die unabhngigen
kleinen Stmme, kurzum alle, die Karthagos Tyrannei haten, es $
i. Sie drehte die Schlange mehrere Male mit der
Spitze ihrer Sandale um. Die Sklavin war erstaunt ber die
Gleichgltigkeit ihrer Herrin.
Hamilkars Tochter setzte auch ihr Fasten nicht mehr mit dem alten
Eifer fort. Tagelang verbrachte sie oben auf dem flachen Dache des
Schlosses, die Ellbogen auf die Brstung gelehnt, und belustigte sich
damit, Ausschau zu halten. Wo die Stadt zu Ende war, da hob sich der
Mauerkranz mit seiner zackigen Zinnenlinie vom Himmel ab, und die
Lanzen der Posten bildeten lngs seiner Krone einen Stachelzaun.
Jenseits der Mauern erblickte sie zwischen den Trmen die Bewegungen
der Barbaren. An den Tagen, wo die Belagerung ruhte, konnte sie sogar
erkennen, was sie in ihren Lagern trieben. Sie flickten ihre Rstungen
aus, salbten sich das Haar mit Fett oder wuschen sich ihre blutigen
Arme im Haff. Die Zelte waren geschlossen, die Lasttiere fraen.
Dahinter sah man die im Halbkreise aufgestellten Sichelwagen wie einen
silbernen Krummsbel am Fue der Berge blinken. Schahabarims Worte
ka$
n Sohn erzogen hat! Er nennt ihn sein
Kind! Er wird wohl nun seinen Verstand ganz verlieren! Machen wir ein
Damit drngte er die drei Priester und ihr Opfer an den Schultern zum
Ausgang, trat mit ihnen hinaus und warf die Tr hinter sich mit einem
mchtigen Futritt zu.
Eine Weile noch lauschte er aufmerksam, denn er frchtete, die drei
knnten zurckkommen. Dann dachte er daran, den Sklaven zu beseitigen,
um seines Schweigens sicher zu sein. Die Gefahr war noch nicht vllig
vorber, aber ein Mord konnte durch den Zorn der Gtter auf das Haupt
seines Sohnes zurckfallen. Da nderte er seinen Plan und sandte dem
Sklaven durch Taanach die besten Speisen aus der Kche: ein Stck
Bockfleisch, Bohnen und eingemachte Granatpfel. Der Unglckliche, der
lange nichts gegessen hatte, strzte sich darauf. Seine Trnen fielen
in die Schsseln.
Endlich kehrte Hamilkar zu Salambo zurck und lste Hannibals Fesseln.
Der aufgeregte Knabe bi ihm die Hand blutig. Der Suffet wehrte ihn
mit einer Liebkosung ab.
Damit er sich ru$
emagerten Hnden hin und her. Ein
trbseliger Anblick: diese schweigende Schar, deren Ohrgehnge gegen
die bleichen Gesichter schlugen und deren goldene Tiaren fanatische
starre Stirnen krnten.
Endlich gelangte der Baal genau in die Mitte des Platzes. Seine
Priester errichteten aus Gittern eine Umzunung, um die Menge
zurckzuhalten, und stellten sich zu seinen Fen um ihn herum auf.
Die Priester Khamons in gelbroten Wollgewndern ordneten sich unter
den Sulen der Vorhalle ihres Tempels zu Reihen. Die Priester Eschmuns
in leinenen Mnteln mit Halsketten, an denen Amulette hingen, und
spitzen Mtzen, nahmen auf der Treppe der Akropolis Aufstellung. Die
Priester Melkarths in violetten Tuniken nahmen die Westseite des
Platzes ein. Die Priester der Abaddirs, mit Binden aus phrygischem
Stoffe umwickelt, stellten sich im Osten auf, und die Sdseite wies
man den Nekromanten an, die ber und ber mit Ttowierungen bedeckt
waren, ferner den Heulern, die in geflickte Mntel gehllt waren, den
Dienern der Kabiren und$
r.
Irgendwer holte aus der Vorhalle des Melkarthtempels die auf Kohlen
glhend gemachte Querstange eines Dreifues, schob sie unter der
obersten Kette hindurch und stie sie gegen Mathos Wunde. Man sah das
Fleisch rauchen. Das Hohngeschrei der Menge erstickte den Aufschrei
des Getroffenen. Schon aber stand er wieder auf den Beinen. Sechs
Schritte weiter strzte er abermals hin, dann noch ein drittes-, ein
viertesmal. Immer jagte ihn eine neue Marter wieder auf. Man
bespritzte ihn durch Rhren mit siedendem l, streute Glasscherben
unter seine Fe. Er schritt weiter. An der Ecke der Sathebstrae
lehnte er sich unter dem Dache eines Ladens mit dem Rcken gegen die
Mauer und ging nicht mehr weiter.
Die Schergen des Rats schlugen ihn mit ihren Peitschen aus
Flupferdhaut so wtend und so lange, da die Fransen ihrer Tuniken
von Schwei troffen. Matho schien kein Gefhl mehr zu haben. Pltzlich
aber nahm er von neuem einen Anlauf und begann darauf loszurennen,
whrend seine Lippen bebten, als ob er Schttelfrost $
die Verfolgten und Verratenen des Lebens -- Tobias
Mindernickel, der kleine Herr Friedemann, der Bajazzo, Rechtsanwalt
Jacoby, Friedrich Schiller, Baronin Anna, Lobgott Piepsam, Van der
Qualen, Hieronymus -- mit friedlosen, sehenden Augen an uns vorber.
Langsam erst ringt sich aus dieser Heimatlosigkeit und Sehnsucht ein
Hoffen, ein Ahnen, ein Wissen von neuer Verbundenheit: in Frau und
Kindern beginnt ihm das Leben neu, ein erstes Menschenpaar, eine junge
Welt. Durch sie fhlt er sich den Menschen wieder verbunden, nicht in
Sehnsucht mehr, in lebendigem Anteil. "Knigliche Hoheit" zeichnet die
Erlsung durch die Liebe von einem formalen, reprsentativen Dasein zur
Tat und Gemeinschaft, zum "strengen Glck". Ein Kunst- und Mrchenspiel
von romanischer Klarheit, Bewutheit, berlegenheit der Form, von
deutscher Innerlichkeit, Einsamkeit, Pflicht und Liebestiefe des
Gehalts. Der "Gesang vom Kindchen" gibt Geburt und Taufe eines
Tchterchens, Menschlich-Schlichtestes als Menschlich-Tiefstes, fast
ohne sthetisc$
ter Wirkungen und, damit verbunden, die falsche
berhhung einer in sich organisch geschlossenen Kunstgattung durch das
steigernde Pathos des dramatischen Affektes.
Die romantische Form des musikalischen Dramas, wie es sich in der
Theorie darstellt, ist im Hinblick auf das Wesen der Gattung, das
vollendet in der Oper Mozarts erscheint, eine Abirrung der Oper auf
Gebiete, die auerhalb des Charakters der Gattung liegen, und auf denen
sie nie Wurzel fassen konnte. Soweit Werke solcher Art in die Breite
wirken wie bei Wagner, beruht die Wirkung in Wahrheit doch auf dem
Spielcharakter der Oper. Er ist auch im musikalischen Drama nur
scheinbar berwunden und lebt da weiter, wo es die lebendige Wirkung
zeugt. Aber er lebt unter falschem Namen und falscher Einschtzung
seines Wesens. In dieser Vortuschung unwahrer Werte liegt die Gefahr
des Erbes der romantischen Oper fr die Gegenwart. Es gilt zunchst,
die Unmglichkeit der Oper als Form bewut kultischer Dramatik klar zu
erkennen. Es gilt gleichzeitig, die falsc$
glichkeit der Rechts- und Kunst w i s s
e n s c h a f t. Die Wissenschaft selbst, die, wie Cohen sagt, in
"gedruckten Bchern" vorliegt, ist also allein das fr den Philosophen
Urgegebene; sie erscheint hier wie vom Himmel gefallen. Auf die Art,
wie von diesem Standpunkt aus das System der Kategorien hergeleitet
wird, kann hier nicht ein gegangen werden. Die genannten Cohenschen
Grundideen haben N a t o r p und C a s s i r e r sowie die brige groe
Schlerschaft weiterentwickelt. Ein zweifelhafter Vorzug der Schule ist
der Reichtum und die Vielseitigkeit ihrer Interessen. Sie bertrifft
hierin weit die brigen Kantschulen. Natorp hat die Idee Cohens,
zunchst in erkenntnistheoretischer Hinsicht, besonders in drei
Richtungen weiterentwickelt: 1. in bezug auf die Theorie der
mathematischen Naturwissenschaft, besonders in seinem Buche "Die
Grundlagen der exakten Naturwissenschaft"; 2. in seiner, einer
erkenntnistheoretischen Fundierung der Psychologie dienenden
"Allgemeine Psychologie"; 3. in der Richtung der E$
esch'schen Metaphysik (von ihren
Mngeln, dem fast vollstndigen bergehen sowohl der sittlichen als der
geistig historisch-gesellschaftlichen Wirklichkeit als Daten auch fr
die Metaphysik abgesehen) scheint mir weniger in seinen hchst
wertvollen biologischen Positionen als in seiner Naturphilosophie des
Anorganischen zu liegen, in der er einem Mechanismus, der einem
veralteten Stande der theoretischen Physik entspricht, huldigt. Ferner
kommt auch bei ihm, hnlich wie bei Stern, der Unterschied der
spezifisch g e i s t i g e n Akte und ihrer autonomen Gesetzlichkeit
gegenber dem biopsychischen Tatsachenbereich n i c h t  zu seinem
Rechte. Dadurch entsteht die Gefahr eines pantheistisch gefrbten
Allvitalismus, der durch seine neuesten Ausfhrungen in der
"Philosophie des Organischen" ber "Einheit und Pluralitt" der
Entelechien, in denen er stark der Einheitslehre zuneigt, noch grer
geworden ist. Jedoch kann bei diesem entwicklungsreichen und
grozgigen Denker ber die endgltige Gestaltung seiner Phil$
 als in der Freiheit.
Wir wollen damit nichts weiter sagen als da Alles, was der Hofpont des
Augustus im heidnischen Rom von der Macht des Reichthumes gesungen, bis zur
Stunde auch im Kerker gltig sei.
Ein groer Dichter des Alterthums nennt das Geld die schndeste aller
Erfindungen, der grte deutsche Dichter, nmlich Gthe, behauptet, ein
gesunder Mensch ohne Geld sei halbkrank und wie sehr beide Dichter Recht
haben, lehrt die alltgliche Erfahrung zur Genge.
Unser Held weinte bei seiner Freilassung Freudenthrnen. Wre es ihm
vergnnt gewesen, einen Blick in seine Zukunft zu werfen, so wrde er
Thrnen des Schmerzes, der Trauer und Angst vergossen haben.
Schon auf dem Wege zum Hofe seines alten Meisters wurde seine Freude durch
die Wahrnehmung vermindert, da Niemand dieselbe theile. Er htte allen
Leuten, welche ihm begegneten um den Hals fallen und denselben sagen mgen,
er sei zwar ein armer Tropf und elender Krppel, jetzt aber doch wiederum
ein freier und dehalb glcklicher Mensch. Die Leute ging$
eines Monturfrackes, den
Sbel, die Bataillenbnder des Tschako's, klopft dann drunten im
Kasernenhofe Rock und Hosen aus, kleidet sich an und geht zum ersten Mal
seit 5 Wochen im vollen Staate zur Thre hinaus.
Der Benedict besitzt nicht den Muth, Einen um Erklrung des so rthselhaft
gewordenen Betragens seines Vorgesetzten zu bitten, denn er ist der Jngste
von Allen und diesmal sicher auch der Gespannteste. Um 8 Uhr geht der
Schneider zum Rapport, wird unsichtbar bis um 9 Uhr, wo derselbe mit
gerthetem Kopfe zur Probe kommt. Letztere ist beendigt, Meister Feucht
nhert sich seinem Bette, doch zieht er den Frack nicht aus, sondern kmmt
nur seinen feuerrothen Schnurrbart recht sorgfltig und eilt dann abermals
raschen Schrittes zur Thre hinaus.
Der Schneiderstuhl bleibt heute den ganzen Tag unbesetzt, nicht Eine Nadel
fdelt dessen Inhaber ein, weil er sich weder beim Mittagessen, noch beim
Verlesen sehen lt.
Abends macht der Duckmuser einen Spaziergang; kurz vor dem Zapfenstreich
kehrt er zurck, die$
holiken in ihrer Kirche durch einen reformirten
Geistlichen oder den Juden durch einen Bischof predigen lassen." Keine
Behauptung ist einleuchtender als diese. Aber wie stand es mit den
Volksschulen berhaupt? Man sollte vermeinen, da in christlichen
Volksschulen alle Lehrgegenstnde soviel als nur immer mglich mit dem
fleischgewordenen Gottessohn und der Kirche in Beziehung gebracht wrden.
Nur dann hatte die Vielwisserei, womit man seit einigen Jahrzehnten die
Kinder in Stadt und Land vollzustopfen trachtet, auch einigen Sinn und
Nutzen. Die Schule wre eine Ergnzung und Vervollstndigung der Kirche und
ein Hlfsmittel mehr, dem Volke eine klare, allseitige christliche Welt-
und Lebensanschauung beizubringen. Freilich ist das Einmaleins und die
Rechenkunst weder christlich noch katholisch, eine vortreffliche
Handschrift bleibt etwas Gutes, wenn der Schreiber auch noch so wenig taugt
und die Kinderqulerei mit Sprachlehren bliebe eine solche, wenn auch
gelegentlich der Satzbildungen, Sprachbung und des A$
 starke horizontal verlaufende Aeste ab. Auf
diese legen die Bagermi-Bewohner Balken und errichten darauf ihre
Htten; selbst der Viehstand wird in Zeiten der Gefahr mit nach oben
gezogen. Mittelst einer aufziehbaren Strickleiter gelangen die
Eigentmer hinauf. In der Nacht werden nach Nachtigal nie
Feindseligkeiten unternommen, so da whrend dieser Zeit die Inwohner
eines solchen Baumdorfes ihre Vorrthe an Wasser und Lebensmitteln
machen knnen. Und da in Bagermi der Gebrauch der Schiewaffe noch nicht
eingefhrt ist, so gewinnen die Besitzer in ihren hohen, luftigen Bauten
eine ziemliche Sicherheit.
Je mehr man sich der Kste nhert, desto mehr schwindet die Htte, und
wenn in den Ortschaften des Konggebirges oder an den Abhngen desselben
auch die Huser der privaten nicht alle jene groen kasernenartigen
Dimensionen haben, so lt sich doch in der Anlage der europische
Einflu auf den ersten Blick heraussehen. Gebrannte und behauene Steine
findet man erst, wenn man die Kstenstdte Afrika's selbst, mit$
snliche
Bekanntschaft von mir, keine Hhner essen, Docemo, der Knig, keine
weien Tauben. Jeder hat so seine speciellen Gttchen, die gewissermaen
als Heiligen den betreffenden Individuen dienen und in den Wohnungen den
Ehrenplatz einnehmen. Im Ganzen mgen gegen 25000 Heiden in Lagos sein.
Fr die Umwandlung in Christen thut die englische Regierung officiell
seit einigen Jahren nichts mehr, legt aber auch den Missionren,
einerlei, von welcher Kirche sie abgeschickt worden sind, keine
Hindernisse in den Weg.
Als Nichtchristen zhlen zunchst die Mohammedaner; ihnen gehren
besonders alle Haussa-Neger an, aber auch viele Yoruba. Der Islam hat
sich quer durch Afrika seinen Weg gebahnt, er wird um so mehr von den
Negern angenommen, als die moralischen Vorschriften besser mit den
alten hergebrachten Leben harmoniren, berdies die den Mohammedanismus
predigenden Lehrer gleich Sitten und Gebruche der Schwarzen selbst
annehmen, und nur die Formen und ueren Gebruche ihres Glaubens
verlangen. Auerdem predigt $
nische Douane, whrend man die Grenze
schon frher auf der Kante des Passes selbst passirt hat.
Die Zollbeamten waren diesmal uerst milde; hielten sie mich fr irgend
eine besondere Persnlichkeit (denn in den Augen aller dieser Leute
passirte Nol immer als mein Diener), oder ist die Praxis berhaupt
milder geworden, genug, es wurde nur ein Koffer pro forma geffnet und
damit war Alles fertig. Ich war namentlich froh wegen meiner Patronen,
die ich ja gern versteuert htte, von denen ich aber frchten mute, sie
wrden confiscirt werden.
Bald darauf erreichten wir die sdliche Schneegrenze und in ebenso guten
Postkutschen ging es weiter. Den herrlichen Punkt, wo ein Giebach ins
Thal hinab braust und wo man der Fernsicht halber eigens eine Kanzel
erbaut hat, von der man die schnste Aussicht genieen kann, passirten
wir noch eben bei Licht, dann noch eine halbe Stunde das schnste
Alpenglhen, wie ich es nie leuchtender und intensiver gesehen habe, und
tiefe Nacht senkte sich rasch auf uns herab. Nach zwei $
stadt der Denker mit dem von Steppe
zu Steppe vagabondirenden Nomaden, welcher, ohne Gesetze lebend, nur
seinem eigenen Willen folgt. Ja, es ist ein eigenthmliches Leben in
Kairo und glcklich Der, welcher Empfngnis hat fr die Sitten fremder
Vlker oder der gar die Gabe besitzt, dem Gedankengange der Eingeborenen
momentan folgen zu knnen. Hier an der ltesten Wiege menschlicher
Cultur reichen sich Tag fr Tag Asiaten, Europer und Afrikaner die
Hand, und wie schon zu verschiedenen Malen von hier aus die menschliche
Entwickelung zu ihren jeweiligen hchstem Triumphen gelangte, so scheint
auch jetzt ein neues Leben, ein neues gewaltiges Ringen zum
Vorwrtskommen erwacht zu sein.
Die Zahl der Bevlkerung von Kairo drfte man auf circa 400,000 Seelen
fr das Jahr 1875 beziffern. Genaue statistische Erhebungen sind in
mohammedanischen Stdten zur Zeit noch nicht auszufhren. Denn selbst
wenn eine amtliche Zhlung vorgenommen wird, so stt diese immer auf
unberwindliche Hindernisse wegen der Haremverhltnisse$
bemerkten wir die Nhe des lebenspendenden Nilthales.
Es war gegen 2 Uhr Nachmittags, und in verschiedenen Gruppen zu Fu
gehend waren wir den langsamen Kamelen vorausgeeilt; wir unterhielten
uns gerade ber die Mglichkeit, noch am selben Abende oder frh am
Morgen an's Nilthal zu kommen, als lautes Gejodel hinter uns ausbrach.
Es waren unsere Diener, die nun heranstrmten und uns auf eine hohe
Dampfsule aufmerksam machten, die gerade vor uns im Osten majesttisch
gen Himmel aufwirbelte. Sie konnte nur aus einem jener
Fabrikschornsteine herrhren, welche man jetzt in Aegypten, vom Delta an
bis nach Assuom hinauf, als Zeugen einer hheren Kultur antrifft.
Mit erneuertem Eifer eilten wir voran und eine Stunde vor
Sonnenuntergang hatten wir den Rand der Sahara, das felsige Steil-Ufer
des Nil, erreicht. Ja, auf einem erhhten Vorsprunge konnten wir, in
weiter Entfernung allerdings, den Nil selbst und seinen grnen Rahmen,
die schlanken Palmen, erkennen. Sobald die Kamele herangekommen waren,
wurde dann noch mit$
ch fr
das Volk fast unerschwinglich. Die Zufriedenheit und der frohe Sinn, die
ewige Heiterkeit der armen Fellahin erklrt sich nur daraus, da sie es
nie besser gewohnt waren. Seit mehr als 4000 Jahren immer im
Sclavenjoch, ist es einer Generation am Ende einerlei, ob sie mehr
bezahlen mu, als die andern frher bezahlten. Auch die Vter haben
keine Reichthmer gesammelt und haben, trotzdem sie vielleicht weniger
steuerten, auch nichts hinterlassen.
Was war das? Da tnte von der anderen Barke mit einem Male "Ein lustiger
Musikante marschirte einst am Nil" &c. herber und hernach noch andere
Lieder. Das Singen ist ansteckend; wir antworteten und so etablirten
sich Wechselgesnge oder auch, wenn die beiden Barken ganz nahe waren,
sangen wir zusammen. Zittel mit seiner wirklich schnen Stimme mute die
Palme zuerkannt werden,--doch nein, ich bertraf ihn. Denn wenn ich mit
der Kraft meines ganzen Krpers und mit unbeschreiblichem Ausdruck mein
Schnadahpfln sang, dann folgte immer ein allgemeines "bis, bis, no$
esen, und
meine Mutter lie mich, ebenso pflichttreu wie gedankenlos, bei kaltem
Wetter nur ins Freie, wenn es vllig windstill war. Aber auch dann wurde
ich dick verpackt und durfte nicht laufen wie die andern. Das lie mich
noch mehr vereinsamen. Mir ist, als htte ich die Winter stets
verschlafen, so wenig wei ich von ihnen. Vom Frhling aber und vom
Sommer wei ich um so mehr. Wir hatten einen groen Garten hinter dem
Hause mit alten Bumen, blhenden Bschen und bunten Blumen. Hier war
mein Reich. Hier durfte ich ungestrt umherspringen, mir Hhlen bauen,
die zu unterirdischen Schtzen fhrten, auf der Schaukel bis zu den
Wolken fliegen, die im Grunde gar keine Wolken, sondern Drachen und
Zaubervgel waren. Hier konnte ich mit meinen Bllen, die alle
Mrchennamen trugen, geheimnisvolle Zwiesprach halten, so da die
Nachbarn oft meinten, ich htte Scharen von Gespielen im Garten. Puck,
unser alter Pinscher, dem zwei Feldzge schon die Haare gebleicht
hatten, mute sich hier zu jugendlichen Sprngen beque$
t noch immer auf der Stirn: wie selbstverstndlich ordnen
sie sich im Spiel mit dem Herrschaftskind diesem unter und sehen es
fast als Auszeichnung an, die Rolle der Untergebenen zu bernehmen. Wo
die frische Luft der Berge weht, hat selbst die Sklavenmoral der
katholischen Kirche Freiheitsgefhl und Selbstbewutsein nicht zu
unterdrcken vermocht. Der Sepp vom Brenbauern, der am verwegensten
kletterte und am schnsten jodeln konnte, -- mein Hauptspielgefhrte, --
behandelte mich ganz auf gleich und gleich, ja er sah zuweilen mit
unverhohlenem Stolz auf mich herab, und seiner urwchstgen Kraft
gegenber kam selbst meine sonst so ausgeprgte Empfindlichkeit nicht
auf: ich bi nur in stillem Ingrimm die Zhne zusammen, wenn er mich
verspottete, weil ich ohne seine Hilfe den Fels nicht hinaufkam. Es gab
viel zerrissene Kleider dabei; und wre die alte Kathrin nicht gewesen,
die sie heimlich flickte und immer dafr sorgte, da ich in mglichst
tadelloser Toilette bei den Mahlzeiten erschien, -- ich htte mich $
 das ganze Elend der damaligen Jugendliteratur konnte
nicht deutlicher zum Ausdruck kommen als hier. Gegen den grlichen
Nieritz mit seiner Zuckerwassermoral hatte ich schon selbst protestiert,
dafr herrschten jetzt Ottilie Wildermut und Elise Polko, die der
gesitteten hhern Tochter in hundert Variationen stets dasselbe
predigten: der Mann ist deines Lebens Ziel und Zweck. Hans Guntersberg,
froh, eine so dankbare Zuhrerin fr seine Primanerweisheit gefunden zu
haben, erzhlte mir von seinen Lieblingsbchern, und von niemandem
schwrmte er mehr als von Paul Heyse. Ein Buch nach dem andern brachte
er mir, um mir daraus die seiner Meinung nach schnsten Stellen mit dem
Pathos eines Vorstadttragden vorzulesen. Sein ganzer Koffer steckte
voller Bcher und sein Kopf voller Liebesgeschichten, wobei es kein
Wunder war, da es in dem einen an Platz fr frische Kragen, in dem
andern an Interesse fr klassische Sprachen fehlte. Er war nmlich schon
zwanzig Jahre alt. Seine krperliche Nhe war mir widerwrtig, und $
Gegenstand hatte, suchte ich nachzuweisen, wohin
ungerechte Regierung, Volksbedrckung, Verachtung alles Gttlichen fhrt
... Schlechte, nur auf ihr Vergngen bedachte Frsten, eine verdorbene
Aristokratie, ein armes, durch bertriebene Aufklrungsschriften
irregeleitetes Volk standen sich gegenber. Alles bereitete eine Zeit
vor, die schrecklich, aber notwendig war. Unter den Frsten der Neuzeit
beehrte ich Friedrich Wilhelm III. mit meinem ganz besondern Zorn, den
die Taten seiner Untertanen berhmt gemacht haben, und der sich dadurch
bei ihnen bedankte, da er sein Versprechen brach ... Stein feierte ich
als den Retter des Vaterlandes, der in Frieden erreichen wollte, was
der Zweck der franzsischen Revolution gewesen war.
Hufig pflegte mein Vater meine Aufstze einer Kritik zu unterwerfen,
die fast immer dem Stil, sehr selten nur der Gesinnung galt. Nach
rckwrts radikal zu sein, wie sein Tchterchen, sich fr vergangene
Vlkerfreiheitskmpfe zu begeistern, sich ber die Schandtaten der
Frsten, d$
en -- sondern ein ungestmer, ein
wilder, zgelloser, der jung und alt in seine Dienste zwingt, der uns
berkommt wie ein Rausch und uns selig-mde zurck lt.
Eine alte Legende, die im Volke Westfalens noch immer lebendig ist,
erzhlt, da der Teufel einmal die Junker der ganzen Welt in seinen Sack
gesteckt habe, um sie der Hlle zu berliefern. Als er just ber
Westfalen flog, zerri der Sack, und es regnete Ritter. Darum gibt es
noch heut auf der roten Erde eine so groe Menge von ihnen, und kein
Knigshof knnte eine vornehmere Gesellschaft um sich versammeln als
Mnster zur Karnevalszeit. Was aber ihrem alten Adel, dessen Ursprung
sich oft bis in die dunkeln Zeiten Wittekinds des Sachsenherzogs
verliert, den Glanz verleiht, ist der gesicherte Reichtum vieler
Generationen. Der preuische, der schlesische, der mrkische Edelmann
mit seinen groen Hnden, seiner breiten Statur, seinem dicken Schdel
verrt noch oft, da sein Vorfahr wie ein Bauer arbeiten und leben
mute, und sein derber Witz, seine Verst$
en Jngsten den Rang dabei
streitig, und die Flle der Blumen, die uns gespendet wurden, lie sich
kaum fassen. Mir stoben Funken vor den Augen, und ich fhlte nichts
mehr als die wiegende, schleifende Bewegung und den heien, keuchenden
Atem meiner Tnzer. Pltzlich, mitten im wilden Abschiedsgalopp, stand
alles still, wie von einem Zauber gebannt, die Musik brach ab, mit
kurzem Gru huschten die Damen hinaus, rasch warfen die Herren den
Mantel ber die Schultern -- zwlf schlug die tiefe Glocke vom Domturm,
Aschermittwoch klingelte das schrille Glcklein von der
Liebfrauenkirche.
Mit einem Schlag schien das Leben erloschen. Still, mit verhngten
Fenstern lagen von nun an wieder die Adelshfe. Nur drben im
Erbdrostenhof regte sichs noch: gestern hatte die schlanke Tochter des
Hauses mit uns getanzt, heute nahm sie im Kloster der Ursulinerinnen den
Schleier. Wie eine glckliche Braut ward sie von all den Ihren geleitet,
und sie selbst lchelte wie eine solche. Mit einem Glanz verklrter
Freude auf den Zgen $
estndig vorschwebt, verwirklichen. Anders der
Handwerker, der rasch ein effektvolles Dekorationsstck schaffen will:
er fertigt ein Holzgerst, drapiert es mit Sackleinwand, wirft Gyps
darber und setzt eine fertig gekaufte Allerweltsgipsbste darauf. Aus
einiger Entfernung wirkt seine Arbeit nicht bel, dem Rohen tuscht sie
dauernd ein Kunstwerk vor, -- nur in der Nhe schau sie nicht an und
hte sie wohl vor Regen und Sturm, das Holzgerst mchte sonst allzu
schnell zum Vorschein kommen! -- Hat ein Knstler oder ein Handwerker
mich geschaffen? Habe ich die Nhe zu frchten und das Wetter? Oder
strzt mich kein Sturm? Bin ich, oder scheine ich nur? -- --
Bald lie es mir keine Ruhe mehr, -- kaum da ich den ntigsten Schlaf
mir gnnte --, ich schrieb und nannte das kleine schwarze Buch, ber
dessen Seiten meine Feder fiebernd flog: Wider die Lge. Seine ersten
Seiten lauteten:
Die Lge ist der Anfang alles Verderbens, ist das Verderben selbst.
Alle Schden, an denen unsere Zeit, an denen wir selber krank$
sen
werdet und er fr seine ungebrochene Kraft eine Ttigkeit findet, die
ihr entspricht.
Aber noch eine andere, und fr Dich vielleicht schwerer zu erfllende
Aufgabe mu ich Dir, meine Alix, bertragen. Ich hoffe, Du wirst daran
den Grad meines Vertrauens zu Dir ermessen knnen und es nicht als
Grausamkeit empfinden, wenn ich gerade Deinen jungen Schultern diese
Last auferlege. Ich bin 78 Jahre alt und kann jeden Tag abberufen
werden. Es ist mir mglich gewesen, meine einzige Tochter, Deine Mutter,
durch regelmige pekunire Zuwendungen, durch Geschenke, Badereisen und
dergleichen, vor qulenden Sorgen zu bewahren. Nichts konnte mich mehr
freuen, als da ich dazu imstande war, denn seine Lieben mit dem zu
untersttzen, was man entbehren kann, ist niemals ein Opfer. Deine
Mutter hat es um so selbstverstndlicher angenommen, als sie stets zu
dem Glauben berechtigt war, da ihr knftiges Erbteil noch unangetastet
in meinem Besitz sich befinde. Um den Frieden ihrer Ehe nicht zu stren,
habe ich ihr die Wahrhei$
Garten grten die Jasminstrucher
mit groen, s duftenden Blten. Niemand strte mich in dieser
Einsamkeit. Onkel Walter frchtete die Rume der Toten, als ginge ihr
Geist darin um. Mama glaubte mich bei der Arbeit, der Vater ritt mit dem
Schwesterchen durch die Wlder, wie einst mit mir. Ich hatte arbeiten
wollen. Bcher und Notizen lagen in groen Sten auf dem Tisch der
Altane. Aber sobald ich sie aufschlug, schrumpften mir alle Gedanken
ein. Tot und leer waren all die vielen Papiere, -- wie sollte je etwas
Lebendiges aus ihnen hervorgehen. Und was gingen mich im Grunde die
fremden Dinge und Menschen an? Was wrde die Welt davon haben, wenn ich
des langen und breiten von denen erzhlte, die im Dunkel geblieben
wren, wenn nicht ein ganz Groer sie in seine Nhe gezogen htte?
In Gromamas Bcherschrank standen Goethes Werke in langer Reihe mit
grnen Einbnden und weien runden Schildern auf dem Rcken. Ich begann
zu lesen -- stundenlang, tagelang, wochenlang --. Und je mehr ich las,
desto mehr zog ich$
echtlosen Frauen, von meinem ersten Auftreten fr ihre
politische Gleichstellung sprach, da wute ich, was ich zu sagen hatte.
Die Millionen Frauen, die unsere Hemden weben und unsere Kleider nhen,
haben mich nicht delegiert, aber ich fhle mich als ihre Abgesandte und
nur als die ihre.
Sekundenlanger Beifall unterbrach mich, -- galt er nicht mehr meinem
gebrochenen Englisch und meiner Trauerkleidung als meinen Worten? Mit
einem Blick voll Geringschtzung streifte ich die elegante
Zuhrerschaft. Ich werde euch schon verstummen machen --, dachte ich.
Ihre Vorsitzende rhmte mich als die erste deutsche Frau, die
in ffentlicher Versammlung das Stimmrecht fr ihr Geschlecht
gefordert habe. Ich mu dieses Lob ablehnen. Seit Jahren tragen
deutsche Arbeiterinnen von Ort zu Ort die Fahne der politischen
Gleichberechtigung, und an der Spitze der Arbeiterpartei, der
Sozialdemokratie, steht ein Mann, dem die Frauen der ganzen Welt zu
Dank verpflichtet sind: August Bebel.
Ich hielt unwillkrlich inne, ich erwartete$
entierten, verkehrt habe. Mit
den sprunghaften bergngen eines glnzenden Geistes, der weder die
Fhigkeit hat, auf die Interessen des anderen einzugehen, noch die
Fhigkeit, sich in eine Frage zu vertiefen, kam er von da auf unsere
auswrtige Politik zu sprechen, auf das berechtigte Mitrauen Englands
den offenbaren Weltmachtgelsten unseres Kaisers gegenber, auf Ruland,
an das wir um so nher uns anschlieen wrden, je weiter wir von
England abrckten, auf den knstlich ausgepeitschten Hurrapatriotismus
der Kriegserinnerungsfeiern der Gegenwart, der letzten Endes nur dazu da
sei, gegen die Sozialdemokratie mobil zu machen und die gescheiterte
Umsturzvorlage in anderer Form wieder aufleben zu lassen.
Mir war diese Gesprchswendung unbehaglich. Gut, da ich, ohne
aufzufallen, schweigen konnte. Hafteten die Eierschalen der
Vergangenheit noch so fest an mir, da die Artikel des Vorwrts ber
die Gedenkfeiern an den brudermrderischen Krieg mir das Blut in
Wallung brachten? Sie vertraten doch zweifellos M$
tztenmal in der
Egidyversammlung gesehen hatte, die schwarzen, dnnen Haarstrhnen wie
festgeklebt um den breiten Schdel und die tief eingefallenen Schlfen.
Hielte ich Ihren Plan nicht fr gut, fr notwendig sogar in diesem
Augenblick, wo der Reichskanzler den Stillstand der Sozialreform nicht
nur zugab, sondern verteidigte, ich wrde nicht so rasch hier sein,
begann er die Unterhaltung, indem er sich mhsam, das linke Bein gerade
ausgestreckt, auf dem Stuhl niederlie. Wir stehen in der Konfektion
seit Beginn des Jahres in einer Bewegung, die mir Tag und Nacht keine
Ruhe lt -- --
Ich wei: um die Durchsetzung von Betriebswerksttten handelt es sich,
unterbrach ich ihn. Der Zentralausschu knnte nichts Besseres
beginnen, als Sie darin untersttzen.
Er sah erfreut auf. Ich sehe, Sie sind orientiert, und so brauche ich
nur hinzuzufgen, da Ihr Zentralausschu auch nirgends reicheres
Material zur Frage der Frauenarbeit finden knnte als bei uns. Ihren
londoner Eindrcken, von denen ich in den Zeit$
 Blick.
In dem meinen blieb er hangen. Es war wie ein Abschiednehmen.
Ich habe es mir berlegt, stunden-, nchtelang, kam es tonlos ber
seine Lippen, ich mu fort von Berlin -- mit meiner Fr ... --, er
stockte, mit Rosalie --, verbesserte er sich hastig, bis -- bis die
Entbindung vorber ist. Es ist besser, -- besser fr uns alle.
Ja, sagte ich, die Kehle schnrte sich mir zusammen.
Dann gingen wir. Wo waren wir doch nur noch an diesem Tage? Ich entsinne
mich nicht. Meine Augen nahmen Bilder auf, von denen meine Seele nichts
Spter trafen wir wieder irgendwo in einem Kaffee mit Geier zusammen. Es
kamen noch allerlei Menschen, die ich an meinem Vortragsabend gesehen
hatte, sie gingen mit khlem Gru und vieldeutigem Lcheln an uns
Du siehst, hrte ich Geier leise sagen, whrend er mich in die Zeitung
vertieft glaubte, zum mindesten httest du nicht im selben Hotel mit
ihr wohnen drfen. Brandt fuhr auf. Flehend sah ich zu ihm hinber. Er
schwieg. Die Kellner brachten die Abendbltter. Na, da ha$
hat mit jener Freiheit der Liebe, die wir als
die einzige Grundlage echten Familienglckes den Menschen erobern
wollen; wie es die Kirche ist und der Staat, die die Religion Christi
vernichtet haben, wie die blutige Revolution nicht von uns, sondern von
denen vorbereiten wird, die mit Flinten und Sbeln drohen, die der
wehrhaften Jugend befehlen, auch auf Vater und Mutter zu schieen, die
den Ruf hungernder Arbeiter um ein paar Pfennige mehr Lohn, um ein paar
Stunden weniger Arbeitszeit mit Gewehrsalven beantworten. Ich sah nichts
mehr; zwischen mir und den Menschen da unten hingen dichte Schleier.
Aber ich fhlte ihren heien Atem, ich hrte mit gesteigerten Sinnen ihr
Sthnen, wenn ich ihr Elend malte, ihren Beifall, wenn ich von ihren
Kmpfen sprach, ihren hoffnungsstarken Jubel, wenn ich der Zukunft
gedachte, die unser sein wird.
Ich schwieg erschpft, -- jetzt erst fhlte ich, wie der Kopf mir
brannte und der Atem nach Luft rang. Hundert Hnde streckten sich mir
entgegen, als ich zitternd die Stufen hina$
ellschaft auf lange verekelt!
Der Gegensatz zwischen dem Enthusiasmus, der ihn wenige Minuten vorher
erfllt hatte, und der morosen Stimmung, die jetzt aus Wort und Ton und
Haltung sprach, war so verblffend, da wir verstummten. Aber Romberg
forderte uns zur Antwort heraus:
Sie mibilligen meinen Standpunkt? Fragend sah er von einem zum
Ganz und gar! antwortete ich heftig. Glauben Sie, da wir um der
schnen Augen der Parteigenossen willen Sozialdemokraten geworden sind,
-- oder der Partei entrstet den Rcken kehren wrden, weil ein paar
Nasen uns nicht gefallen?! Wir dienen der Sache, nicht den Personen.
Eine so reinliche Scheidung zwischen der Sache und den Personen lt
sich in Wirklichkeit nicht durchfhren, sagte er, sichtlich verletzt.
Es kann sehr wohl der Fall eintreten, da eine Sache durch eine
bestimmte Personengruppierung rettungslos verloren geht, und ich bin der
Meinung, da in Ihrer Partei Leute den Ton angeben, die Ihre Sache
diskreditieren.
Wenn Sie dieser Ansicht sind, mten S$
 um bessere
Arbeitsbedingungen die letzte Waffe zu nehmen: Das Koalitionsrecht.
Noch zgerte die Regierung mit der Verffentlichung des Wortlautes der
Vorlage, aber sie warf ihre Schatten voraus, so da an ihrem Inhalt
niemand mehr zweifeln konnte.
       *       *       *       *       *
Um diese Zeit erschien Eduard Bernsteins lngst erwartete Broschre:
Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der
Sozialdemokratie. Sie fate zusammen und fhrte aus, was er ein Jahr
vorher in seiner Artikelserie ber die Probleme des Sozialismus gesagt
hatte. Jetzt, wo die erste Erregung hinter mir lag und ich mit ruhigem
Verstand zu lesen vermochte, sprte ich den Einflu der englischen
Fabier, der Webb, der Shaw, der Burns, in deren geistiger Atmosphre
dies Buch entstanden war. Ich sprte aber auch den deutschen Gelehrten,
der der rauhen Luft Preuens seit Jahrzehnten entwhnt war und es in
seiner stillen londoner Studierstube, fern der Heimat, verfat hatte. Er
konnte drben nicht wissen, wie der deutschen$
Ich schlich hinauf. Mein Mann schlief fest. Wie ich ihn schon um diesen
Schlaf beneidet hatte! Ihn suchte er auf, ich mute ihn mir erst
erzwingen! Heute wollte er sich berhaupt nicht festhalten lassen. Der
Gedanke, da ich morgen die Minna schelten mute, peinigte mich:
dadurch, da ich ihre Arbeitskraft in Anspruch nahm, hatte ich doch noch
kein Recht ber ihre Person. Wie durfte ich verlangen, da sie mir ihre
Liebe opfern sollte? Und doch wrde vermutlich die Konsequenz meiner
Nachsicht nichts anderes sein, als da sie ihren Liebhaber mit ernhrte.
Eine gute Hausfrau nimmt alle Schlssel an sich, -- die des Hauses wie
die der Speisekammer. Ich vermochte es nicht: Konnte ich einen fremden
Menschen einsperren, wie einen Sklaven? Vor einer Hausgenossin alles
verschlieen, als hielte ich sie von vornherein fr eine Diebin? Wieder
rollte sich durch einen geringfgigen Anla ein ganzes Problem vor mir
auf. Ich grbelte ihm nach, ber die kleinen Nte meiner eigenen vier
Wnde hinaus, und fand keine andere Lsu$
 verstand, da es
Menschen gibt, die vor Heimweh krank werden.
Auf unseren Spaziergngen suchte ich immer die Wege, auf denen ich dem
weien Berge nher kam, und erzhlte dem aufhorchenden Kleinen von ihm
als der verzauberten Prinzessin und ihrem grauen finsteren Wchter, dem
Waxenstein. Dabei wurden mir wohl auch die Augen feucht. Sei nich
traurig, Mamachen, trstete mich mein Kind. Ein groer Held wird
kommen und die Prinzessin befreien!
Einmal, als wir wieder zu dem stillen See aufwrts gingen, plauderte er
lustig von den Khen und den Blumen. Dann wurde er pltzlich still, ein
grbelnder Zug trat in sein rundes Kindergesichtchen, und seine Wangen
frbten sich dunkler.
Der Hansei will Kutscher auf'n Stellwagen werden, begann er
unvermittelt; ist das nicht dumm?!
Ich nickte zerstreut. Er schwieg wieder.
Als wir uns aber im Walde lagerten, zog er meinen Kopf dicht an den
seinen und flsterte aufgeregt: Ich mu dir ein groes Geheimnis sagen,
-- dir ganz allein. Ich will ein Held werden und alle schl$
uf dem Schiff
fanden sich die brigen Reisegefhrten ein: neunundvierzig Journalisten,
unter denen ich die einzige Frau war. Ich empfand, wie meine Anwesenheit
sie beunruhigte. Sollten sie mich als Dame oder als Sozialdemokratin
behandeln? Sie entschlossen sich in der Mehrzahl, ihrer politischen
Gesinnung auch auf dem neutralen Boden unseres Dampfers unverflschten
Ausdruck zu geben. Offenbar strte es sie nur, da ich ihnen durch mein
Benehmen keinen besseren Anla dazu bot.
Ich kmmerte mich wenig um sie; mit durstigen Zgen atmete ich die
frische Salzluft ein, und mit jeder Meile, die wir uns von der Kste
entfernten, fiel mehr und mehr von mir ab, was lastend und qulend mein
Herz bedrckte. Ich stand lange am Zwischendeck, wo sie beieinander
hockten, all die Mnner, Frauen und Kinder, die das Vaterland
ausgestoen hatte. In dem Antlitz der meisten blitzte etwas wie
Zukunsfshoffnung auf. Fast dnkte es mich beneidenswert: das alte Leben
hinter sich zu lassen und nur mit dem leichten Bndel unter dem Arm
e$
s, und der Kaiser ist der Ihre.
... Fr die Knigliche Staatsregierung steht es nach wie vor fest, da
die bertragung des Reichstagswahlrechts auf Preuen dem Staatswohl
nicht entspricht und daher abzulehnen ist. Auch kann die Knigliche
Staatsregierung die Ersetzung der ffentlichen Stimmabgabe durch die
geheime nicht in Ansicht stellen.
Scharf, ohne die liebenswrdigen Floskeln des Weltmannes, ohne das
verbindliche Lcheln des Diplomaten, klingt die Erklrung durch den
Das Volk drauen wartet. Da nahen neue Schutzmannspatrouillen; hart
schlgt ihr Tritt auf den Asphaltboden auf, Pferdehufe klappern
dazwischen, -- die Begleitung zum Text des Kanzlerliedes.
Das Volk zieht sich zurck.
       *       *       *       *       *
Zwei Tage spter. Ein heller Wintersonntag. Mittags Unter den Linden das
gleiche Bild wie immer: flanierende Damen und Herren, Offiziere und
Studenten, hinter den Spiegelscheiben der Kaffees neugierige
Sonntagsbummler.
Wir gehen langsam dem Schloplatz entgegen. Schutzleute erscheinen.$
chnet man
fast jedes Schleifpulver mit dem Namen Smirgel und belegt die aller
verschiedensten Substanzen mit diesem Namen.
Die harte Art des _lapis ostracites_ der Rmer, die zum Schnitte der Gemmen
diente, und die blaue _Cadmites_ knnen hieher gehrt haben;--das _naxium_
der Rmer kam nicht von der Insel Naxos, sondern von der Stadt Naxia auf
der Insel Creta, diente zum Schleifen des Marmors und war ein gepulverter,
geschlemmter Wetzschiefer.
_clach-smior_ im Glischen;--_[Greek: smerilion]_ im
Neugriechischen;--_naschdak, naidach_ im Russischen;--_szmergiel,
szinergiel_ im Polnischen;--_shelesnast kamen_ im Windischen;--_smergel_ in
[im] Magyarischen;--_emeril corindon granulaere_ in [im]
Franzsischen;--_esmeril_ im Spanischen und Portugiesischen;--_emery_ im
Englischen;--_smeriglio_ im Italienischen;--_amaril, smergel_ im
Hollndischen, Dnischen, Schwedischen.
B. _Die dem Jakut oder Korund verwandten Edelstein-Gattungen der
orientalischen Schriftsteller, die wir noch nicht mit Sicherheit zu deuten
a. De$
 Mittelalter hiessen die
lavaartigen Gesteine _lavia, laveria_, in Sicilien _frita_; auch nannte man
sie _piperinus_, woher unser Name peperino, womit man vulkanischen Tuff
Porse, feste Abnderungen von basaltischen Gesteinen, liefern seit den
ltesten Zeiten vortreffliche Mhlsteine in Griechenland, Italien, am Rhein
u.s.w., daher man den Basalt und hnliche Gesteine als Mhlsteine
bezeichnete.
_[Greek: milods, myliai]_ (d.i. Mhlstein) im Griechischen, auch _[Greek:
pyromachos lithos]_, weil sie durch Feuer (_[Greek: pyr]_) entstanden, und
_[Greek: rhyax]_, das Geflossene, von _[Greek: rheein]_ fliessen;--_[Greek:
mylax, mylopetra]_ im Mittelalter;--_lapis molaris_, auch _silex niger,
tusculanus_ im Lateinischen; der _lapis anicianus_, jetzo manziana, ist
Lava mit vielem glasigen Feldspath.
_selce_ (von silex) im Italienischen. Der selce romano ist offenbar der
niger silex von Plinius, der tophus niger von Vitruv, eine Lava von monte
albano und Capo di Bove, die als Pflasterstein dient.
_gn-cloiche, air-$
ribus, wie Agricola, Boetius de Boot u.s.w.; erst seit
Cronstedt (1758) wurde der Kalkspath nher fixirt. Nach der Form bekam er
besondere Namen, als Schweinszahn, Nagelkopf, Hahnenkamm und viele andere.
Mit welchem Namen man ihn im classischen Alterthume bezeichnete, ist
unbekannt, die von Plinius erwhnten: pangonius, ceponius, leucochrysos,
melichrysos u.s.w. knnen hierher gehren.
Die Orientalen werden ihn unter den Namen fr Krystall begriffen haben (s.
_spath culcaire_ im Franzsischen;--_lime spar_ im
Englischen;--_meszkovalz_ im Magyarischen;--_wapanec, uhlan wapnicity_ im
Czechischen;--_weglan wapna blaskowy_ im Polnischen.
       *       *       *       *       *
#. 5. Flussspath-Gruppe.#
Flusssaurer Kalk, theils derb, meist krystallisirt. Die Krystalle, meist
ziemlich durchsichtig, sind verschieden, oft schn gefrbt, grn, gelb,
roth, blau, daher man sie frher als falschen, unchten Smaragd, Amethyst,
Sapphir u.s.w. bezeichnete, auch Topasfluss, Smaragdfluss u.s.w. nannte
(fausse emeraude,--ame$
nd in grossen
Stcken brach, wie d) der _chrysopastus_ und _chrysolampes_, auch wohl der
_chrysolithus_ der Rmer und Griechen (s. oben unter Chrysolith),
_chryselectrum_ und _xanthus_. Zu den phosphorescierenden Steinen drfte
auch wohl die _Ceraunia_ gehrt haben.--belur (d.i. Krystall) und
_seberget_. (d.i. wahrscheinlich Chrysolith) nennen die jetzigen Einwohner
von Aegypten den Stein der Insel topaze, welcher unser Flussspath seyn
_paz_ im Hebrischen, und _tuphasjon_ im Syrischen, wird mi [mit] [Greek:
pazion] und [Greek: topazion] im Griechischen zusammenhngen.
_ssila_ im Persischen, heisst jetzo (nach Ebersmann Reise nach Buchara 1823
Pag. 74) auf dem Edelsteinmarkte von Buchara, der ungeschliffene
Flussspath, _finussa_ der geschliffene, der mit Lasurstein ans Badakschan
_fzazejon_ im Aethiopischen, wird mit thiopischem Topas bersetzt, so auch
_Warawere_ (von warek das Gold) und _tankar_ (von tankara das Gold im
Abessinischen);--_zahebem wareke_ ist im Amharischen ein Stein von
Goldfarbe mit Topas $
*       *       *
#. 6. Tellur oder Silvan#.
Die Tellurerze kommen fast nur in Siebenbrgen, vorzglich bey Nagyag aber
in betrchtlichen Massen vor, wurden hier als reiche Golderze wohl seit den
ltesten Zeiten gewonnen, man bezeichnete sie als antimonialische Erze, als
aurum paradoxum-album, problematicum, Klaproth entdeckte in denselben ein
eigenes Metall, das er Tellur nannte, von tellus die Erde; fast
gleichzeitig auch Kirwan, der es Silvan nannte (von Transsilvania,
Siebenbrgen). Selten ist das gediegene, fast reine Tellur, ein flchtiges
Metall, dem Antimon und Arsenik verwandt, viel hufiger sind die
Legierungen mit silberhaltigem Golde, die verschiedene Namen haben, und
eine verschiedene chemische Zusammensetzung, wie Blttertellur, das mir
etwa 10prct. Gold enthlt, Schrifttellur, mit etwa 30prct. Gold und 10prct.
Silber, Weisstellur mit 27prct. Gold und 9prct. Silber.
Der Bergbau in Siebenbrgen ist offenbar seit ltester, selbst
vorgriechischer Zeit, wohl von keltischen Vlkern betrieben, stets $
hrt er die Menschen, an ihn zu glauben statt an seine
Welt und an Gott. Er ist immer zugleich Verfhrer und Verfhrter,
whrend der schpferische Mensch Fhrer ist; er ist stets der Sklave
seiner Eingebungen, Ideen, Worte und Gestalten, indes der schpferische
Mensch immer Herr ist. Und je mehr er seinem Werk Notwendigkeit,
Freiheit und Gltigkeit verleihen will, desto mehr mu er seine
Fhigkeit berspannen, die Empfnglichkeit seiner Sinne dem
Krampfhaften, also dem der Natur Feindlichen nhern, und niemals das
Gttliche, hchstens das Titanische ist sein Gipfel.
Dieser unausgesetzte Kampf ist ohne die uerste Wachsamkeit kaum zu
denken; in der Tat ist der Psycholog das wachsamste Geschpf der Welt.
Wo der Dichter trumt, ist er wachsam. Eine solche Wachsamkeit hat zur
Folge, da er ber alle Vorgnge seines Innern und zuletzt ber die Art
und Wirkung des Zwiespalts, in dem er sich befindet, aufs genaueste
unterrichtet ist. Jener Kampf fhrt nie zu dauernder Entscheidung; in
jedem Augenblick fllt die Ent$
r es darf, wie das
lebendige Geschpf, nicht um seiner selbst willen existieren. Weiter
knnen wir in unserer Errterung kaum gelangen. Hier ist schon die
Grenze des Traumes und der Trumerei.
_Fnf Jahre spter_
Da uns der Zufall auf einer Reise zusammenfhrt!
Man knnte glauben, du habest mich whrend all dieser Zeit
geflissentlich gemieden.
Wie knnte ich mich unterfangen! Du bist ein berhmter Mann geworden,
ich sinke mehr und mehr ins Dunkel zurck.
Hoffentlich hat mir dieser sogenannte Ruhm nicht deine gute Meinung
Das wre nur der Fall, wenn er dich zur Selbstgengsamkeit verfhrte.
Solche Leute stehen als Leichname inmitten ihrer Werke, und ihre Werke
sind krankgeborene Kinder, zu frhem Tod bestimmt.
Vor allem, es gibt doch zweierlei Arten von Ruhm. Der eine geht von dem
Zeitlichen, Zuflligen, Augenblicklichen, Problematischen unserer Taten
aus; er kann dem echten wie dem verlogenen Werk gleicherweise zu Teil
werden und hat wenig zu schaffen mit dem andern Ruhm, der durch unser
ganzes Wesen bedingt$
 sein Unrecht einsehen, denn dann erst wrde er erfahren,
was es heit, betrogen und bestohlen werden, einsam und elend sein. Und
er selbst, was sollte er beginnen? Nun, er war ja noch nicht alt; wenn
er fr sich allein war, konnte er noch mancherlei anfangen. Als Knecht
zum mindesten fand er berall sein Unterkommen. Aber whrend diese
Gedanken durch seinen Kopf zogen, blieben seine Augen immer auf den
Bruder geheftet. Und er sah ihn pltzlich vor sich, allein am Rande
einer sonnbeglnzten Strae auf einem Stein sitzen, mit den weit
offenen, weien Augen zum Himmel starrend, der ihn nicht blenden konnte,
und mit den Hnden in die Nacht greifend, die immer um ihn war. Und er
fhlte, so wie der Blinde niemand anderen auf der Welt hatte als ihn, so
hatte auch er niemand anderen als diesen Bruder. Er verstand, da die
Liebe zu diesem Bruder der ganze Inhalt seines Lebens war, und wute zum
ersten Male mit vlliger Deutlichkeit, nur der Glaube, da der Blinde
diese Liebe erwiderte und ihm verziehen, hatte ihn all$
rsnlichkeit ... In Geijerstam kndigt sich
eine neue Weltanschauung an, noch viel zu unentwickelt, um in den Rahmen
von zehn Geboten gefat zu werden, doch aber recht eigentlich die
Weltanschauung des Menschen, der nicht die Kraft, dafr aber die
Zartheit seiner eigenen Empfindungen besitzt. -- Eine neue Frucht der
Erkenntnis gleit aus der grnen Bltterpracht dieser Erzhlungen! Aus
dem Stamm des sozialen Mitleidens ist sie erwachsen. Menschen mit
verfeinerten Empfindungsorganen werden danach greifen und werden -- wie
das immer war -- beides daraus schmecken: Tod und Leben. (Frankfurter
Otto Erich Hartleben
Ausgewhlte Werke in drei Bnden
Auswahl und Einleitung von Franz Ferdinand Heitmller. Mit dem Bilde des
Dichters. Preis geheftet 8 Mark, in drei Pappbnden gebunden 10 Mark, in
drei Ganzpergamentbnden 15 Mark.
1. Bd.: Gedichte: Einleitung / Die Gedichte vollstndig.
2. Bd.: Prosa: Die Serenyi / Die Geschichte vom abgerissenen Knopfe /
Wie der Kleine zum Teufel wurde / Vom gastfreien Pastor / Der
Einh$
unvermittelt zu ihm: Hast du nun dein
Urteil revidiert? Gibst du nicht zu, da das ein Geschpf ist, wie es so
vollendet nur aus der Meisterhand Gottes hervorgehen kann? Und als er
nur mechanisch nickte, fgte ich hinzu: Ich hoffe, da du mich nicht
mideutest, und da du meine Worte so auslegst, da wir uns auch
weiterhin gerade in die Augen sehen knnen.
Mehr brauche ich nicht zu wissen, entgegnete er ernst und anscheinend
berrascht. Er besuchte von da an das Westermarksche Haus nicht mehr.
Warum ich die Art meines Verhltnisses zu Aurora vor dem Verdacht eines
Freundes schtzen zu mssen glaubte, wei ich kaum. Ich hatte keinen
Zweifel an ihrer Ehre und Reinheit. Aber das namen- und gesichtslose
Hrensagen, unter dem ihr Ruf litt, war eine Qual sondergleichen fr
mich. Ich htte mich gerne gestellt, aber wie durfte ich dies, wer htte
mir das Recht dazu eingerumt? Ein Blick, ein zweideutiges Lcheln, ein
Achselzucken, ein irrlichterndes Wort dann und wann, es berlief mich
kalt, wenn ich dessen nur$
 hie, auch den berseeischen Kapitn oder den hbschen
lebhaften Studenten, der einer Frhlingsliebe am Meer entstammte, aber
wir alle waren gegen Henriette wie blasse Sterne gegen den Mond. Wie
wunderlich, da aus der einzigen Verbindung, die sich in Alltglichkeit
und Ha verlor, sein Liebstes kam.
Da er ihre Erziehung nur bis zum dritten Lebensjahr berwachen konnte
und das Kind der Frau verbleiben mute, hatte in der ersten
Trennungszeit seine vterliche Sorge alle andern Interessen vertilgt. Er
konnte nicht tglich das Haus einer Verabscheuten betreten, welche
ihrerseits das nicht sehr geliebte Kind dem Wstling, wie sie seinen
Vater nannte, entfremden wollte. Der Vater bestach die Dienstboten, ja
er wute es durchzusetzen, da eine ihm ergebene Person das Mdchen
vllig in ihre Obhut bekam. Diese wrdige Frau Jakobea fhrte Tag fr
Tag Henriette in die Wohnung ihres Vaters.
Tag fr Tag also, seit zwlf Jahren, hatte mein Vater eine paradiesische
Stunde in dem kleinen Gemach, das nur fr ihn und Henriet$
ehalt zu
sagen. Es gebe Leute, fgte er hinzu, die sich fr wahrheitsliebend
hielten und doch unter Umstnden ein Verschweigen, eine Lge fr
erlaubt, ja sogar fr verdienstlich anshen. Gehren Sie zu denen?
Sie zgerte einen Augenblick und sagte dann, indem sie die groen Augen
fest auf ihn richtete: Ja, das tue ich.
Ihre kleinen, verarbeiteten und nicht schn geformten Hnde schlangen
sich dabei fest ineinander.
Das sind ja gute Aussichten, sagte =Dr.= Zeunemann. Haben Sie,
wenn ich fragen darf, von vornherein die Absicht, uns die Wahrheit nur
in Auszgen und Bearbeitungen zuzuteilen?
Sie schttelte den Kopf und lchelte, ein lustiges Lcheln, das im Nu
ihr ganzes Gesicht berrieselte. Nein, nein, sagte sie treuherzig,
ich habe die Absicht, die Fragen, die Sie an mich richten werden, nach
bestem Wissen und Vermgen wahrheitsgem zu beantworten. Es ist ja
nicht gesagt, da die vorhin erwhnten Umstnde hier vorliegen.
Nun das ist brav, sagte der Vorsitzende. An die schweren Folgen eines
Mein$
, sagte Frulein Schwertfeger, indem sie mit einer heldenmtigen
Anstrengung die bei der Erinnerung aufsteigenden Trnen verschluckte,
nicht besonders, nur im Anfang zitterte die Stimme ein wenig. Dann
sagte ich, da ich nicht gern mit Testamenten und solchen Sachen zu tun
htte, besonders wenn es sie anginge. Aber sie htte ganz recht. Wenn
man Vermgen bese, msse man ein Testament machen, und sie htte es
schon lngst tun sollen. Was sie denn mit ihrem Gelde vorhtte, wenn
ihre Verwandten es nicht bekommen sollten? Sie wurde darauf sehr
verlegen und machte eine lange Vorrede, ich wrde gewi erstaunt sein
und sie auslachen und sie schelten, bis sie mir endlich sagte, da sie
=Dr.= Deruga zu ihrem Erben einsetzen wollte.
Bitte, einen Augenblick, unterbrach =Dr.= Zeunemann. Ihre
Freundin setzte voraus, da der Entschlu Sie berraschen wrde. Hatte
sie frher einmal andere Plne geuert? Wenn man Sie vorher nach den
Absichten Ihrer Freundin gefragt htte, htten Sie gar keine Ahnung oder
Meinung geh$
 Abendwind, der heute mit ordentlich
verstndlichen Worten flstert. -- Aber in dem Augenblick ertnte es ber
seinem Haupte wie ein Dreiklang heller Kristallglocken; er schaute hinauf
und erblickte drei in grnem Gold erglnzende Schlnglein, die sich um die
Zweige gewickelt hatten und die Kpfchen der Abendsonne entgegenstreckten.
Da flsterte und lispelte es von neuem in jenen Worten, und die Schlnglein
schlpften und kosten auf und nieder durch die Bltter und Zweige; und wie
sie sich so schnell rhrten, da war es als streue der Holunderbusch tausend
funkelnde Smaragde durch seine dunklen Bltter. Das ist die Abendsonne, die
so in dem Holunderbusch spielt, dachte der Student Anselmus: aber da
ertnten die Glocken wieder und Anselmus sah, wie eine Schlange ihr
Kpfchen nach ihm herabstreckte. Durch alle Glieder fuhr es ihm wie ein
elektrischer Schlag, er erbebte im Innersten -- er starrte hinauf, und ein
Paar herrliche dunkelblaue Augen blickten ihn an mit unaussprechlicher
Sehnsucht, so da ein nie gekan$
Hut auf den
Kopf und eilte, den Registrator Heerbrand und den Studenten Anselmus bei
Seite schiebend, mit vielem Gerusch die Treppe hinab, so da beide ganz
verblfft dastanden und die Stubentr anguckten, die er dicht vor ihnen
zugeschlagen, da die Angeln klirrten. Das ist ja ein ganz wunderlicher
alter Mann, sagte der Registrator Heerbrand, -- Wunderlicher alter Mann,
stotterte der Student Anselmus nach, fhlend, wie ein Eisstrom ihm durch
alle Adern frstelte, da er beinahe zur starren Bildsule geworden. Aber
alle Gste lachten und sagten: Der Archivarius war heute einmal wieder in
seiner besonderen Laune, morgen ist er gewi sanftmtig und spricht kein
Wort, sondern sieht in die Dampfwirbel seiner Pfeife oder liest Zeitungen;
man mu sich daran gar nicht kehren. -- Das ist auch wahr dachte der
Student Anselmus, wer wird sich an so etwas kehren! Hat der Herr
Archivarius nicht gesagt, es sei ihm ganz ungemein lieb, da ich seine
Manuskripte kopieren wolle? -- Und warum vertrat ihm auch der Regi$
wird in besondere
Schlchen oder hlzerne Teller (_uwit_) gegossen und mit einem
gefalteten Bananenblatt als Lffel gegessen. Falls ein Kessel nicht
vorhanden ist, werden die Fische gerstet.
Alle Fleischarten werden auf die gleiche Weise wie der Fisch
zubereitet; der Bratprozess ist gnzlich unbekannt, obgleich das
hierfr geeignete Tengkawang Fett vielfach vorkommt und auch als
Zuspeise verwendet wird. Zahme Schweine und Hhner werden nur bei
religisen Festmahlzeiten genossen, whrend Wild auch an gewhnlichen
Tagen als Zuspeise gegessen wird. Salz wird niemals beim Kochen
hinzugefgt, sondern stets nur als Leckerbissen in kleinen Stckchen
nebenbei gereicht.
Als Wrze fr die Speisen dienen verschiedene essbare Bltter; am
beliebtesten sind die Bltter der Bataten (Ipomoea Batatas) und die
jungen Farnspitzen von Polypodium nigrescens Bl.
Fr lange Reisen, oder wenn Zeit und Gelegenheit zum Kochen fehlen,
nimmt man in Bambusgefssen oder in Palmblttern gersteten Klebreis,
unverndert oder in Form von gro$
are_ entdeckt habe. Whrend
der Reise warfen meine Trger mit Steinen und Holzstcken nach allen
Hhlen und Felsen, die fr Wohnsitze von Geistern galten. Einst sah
ich einen Mann den Mond anspeien, ich weiss nicht aus welchem Grunde.
Als weitere Abschreckungsmittel fr bse Geister dienen auch
menschliche Phantasiegestalten, deren Genitalien bertrieben gross
dargestellt werden. Derartige Figuren, mit Schild, Schwert und Speer
bewaffnet, werden, besonders wenn Krankheiten im Lande herrschen,
an den Pfaden lngs des Flussufers aufgestellt. Auch Genitalien an
und fr sich sind im stande, andringende Geister zu verscheuchen;
sie werden daher in roher Form aus Holz geschnitzt hufig auf Treppen
und Bretterstegen angebracht. Wie im Kapitel ber Kunst gezeigt werden
wird,  hat dieser Glaube den Bahau die eigenartigsten Motive fr die
Verzierung ihrer Huser, Waffen und Gertschaften geliefert. Aus
der Schpfungsgeschichte der Kajan geht hervor, dass ihre Gtter
und Geister vor geschlechtlichen Beziehungen ein Grau$
rzt sie z.B. von der Brcke in den Fluss, so fressen
sie die Fische und sie ist vernichtet. Die Unsterblichkeit der _bruwa_
ist somit eine begrenzte.
Die Seelen der _matei saju_, eines schnen Todes Gestorbenen, und der
_matei dja-ak_, eines schlechten Todes Gestorbenen, wandern zuerst
auf gemeinschaftlichem Pfade, dann aber findet Dreiteilung des Weges
statt: rechts fhrt ein Weg zum _Apu Kesio_, links fhren zwei Wege,
von denen der eine durch Schwerter, der andere durch Gonge bezeichnet
ist, zu anderen Anfenthaltsorten, die fr die eines gewaltsamen
Todes Gestorbenen bestimmt sind. Die Verunglckten, Erschlagenen,
Selbstmrder u.s.w. schlagen den Weg der Schwerter, die Frauen und
Kinder, die whrend oder kurz nach der Geburt gestorben sind, dagegen
den der Gonge ein.
Was die zweite Seele der Bahau, die _ton luwa_, betrifft, so ist
sie zeitlebens mit seinem Krper fest verbunden. Erst wenn der Leib
gestorben ist, verlsst auch diese Seele die stoffliche Hlle. Die
_ton luwa_ bleibt jedoch auf dem Begrbniss$
 grossen Scharen zur _ladang_ und
sammelt dort die schwarzen, fingerdicken Wurzeln, die man zu Bndeln
von 1 Fuss Lnge und 2 dm Dicke vereinigt. Binnen weniger Tage, wenn
ungefhr 200 Bndel zusammengebracht worden sind, kann der Fischzug
in einem Flsschen beginnen.
So fuhren eines Tages bei Sonnenaufgang viele Mnner mit der _tuba_
in Bten an den Platz voraus, wo der Fang stattfinden sollte. Etwas
spter begaben sich auch die Frauen, Mdchen und Knaben zum Fluss und
auch ich nahm in einem der schwankenden Fahrzeuge Platz, in welchem
mich einige Mnner flussaufwrts ruderten.
Der Schauplatz der Jagd war ein kleines Flsschen, in dem unser  Nachen
bald hier bald dort ber eine Gerllbank geschoben werden musste.
Das nur 20 m breite Gewsser schlngelte sich, von den Uferbumen
vllig berdacht, zwischen urwaldbedeckten Hgeln hindurch. Nach
einstndiger Fahrt, als das Boot nicht weiter konnte, fhrte uns
ein Waldpfad lngs dem Ufer weiter hinauf. An einer buchtartig
verbreiterten Stelle des Flusses stiessen$
 dster.
Die Huser der Taman werden nicht, wie die vieler anderer Stmme,
alle paar Jahre von ihren Bewohnern verlassen; sie sind daher auch von
zahlreichen alten Fruchtbumen: Kokospalmen, Duku, Durian, Rambutan
und Blimbing umgeben, die als dunkelgrne Wldchen aus Reisfeldern
und Gestrpp hervorragen. In einiger Entfernung vom Hause bepflanzen
die Taman ganze Felder mit Bananen; die anderen Fruchtbume wrden
dort zu viel von Affen, Eichhrnchen und Vgeln zu leiden haben.
Da unser Zug zum Mahakam bereits monatelang am oberen Kapuas besprochen
worden war, strmte bei unserer Ankunft die ganze Bevlkerung von
Siut herbei und forderte uns auf, in ihren Husern zu bernachten.
Der Kontrolleur _Barth_ und ich zogen es vor, unser Nachtquartier
im neueren Hause am rechten Ufer aufzuschlagen, whrend _Demmeni_
und _Bier_ in ihren Bten bernachten wollten. Sie liessen diese mit
dem Vorderteil auf eine Gerllbank ziehen und zwar mit dem Resultat,
dass, als das Wasser nachts noch weiter fiel, der hintere Teil des
$
Hautkrankheiten der Bahau besitzen
alle die gemeinsame Eigenschaft, dass sie mit parasiticiden Mitteln
schnell zu kurieren sind. Die Genesungsdauer hngt, in noch hherem
Masse als von der Krankheit selbst, von der Dicke der Epidermis an der
betreffenden Stelle, auf welche das Medikament einwirken muss, ab. Um
das Eindringen der wirksamen Bestandteile in die tieferen Hautschichten
zu befrdern, bentzte ich wsserige Lsungen antiseptischer Mittel,
z.B. Sublimat oder eine Chrysarobinlsung in ther und Alkohol,
welche ich mittelst Mackintosch am Verdunsten verhinderte. Die besten
Erfahrungen machte ich jedoch beim Behandeln der Eingeborenen mit
Jodtinktur, die wegen der Flchtigkeit des Jod tiefer als die beiden
anderen in die Haut eindringt. Eine wiederholte Anwendung dieser
Mittel hat stets eine bedeutende Besserung und hufig auch eine
vllige Genesung, selbst nach jahrelangem Bestehen der Krankheit,
zur Folge. Da, wo das Corium und das Rete Malpighii blossliegen,
sind parasiticide Salben von guter Wirkung$
r
viereckigen Flche, auf der als Motiv nur ein Bogen angegeben ist,
zu Gebote steht. Der den unentwickelteren Vlkern so hufig gemachte
Vorwurf, dass ihre Kunst von Armut zeuge, trifft fr die Bahau in
diesem Fall nicht zu.
Das Gleiche gilt auch fr die Seitenstcke, die rechts und links
vom Mittelfelde angebracht werden und die stets Stilisierungen von
Federn des Argusfasans vorstellen. Die Long-Glat bezeichnen sie als
"_kenjuj jauk du_". Auch hier habe ich das kaufen mssen, was man
mir gerade abtreten wollte. So ist von den Mustern, die ich erhielt,
nur dasjenige fr die Schenkelttowierung der Long-Glat vollstndig;
dagegen fehlen bei den fnf (Tafel: Ttowierung I.) abgebildeten
Mustern bei a und b das obere Ende, whrend c, d und e nur kleine
Stcke des Ganzen vorstellen.
Alle diese Muster haben die schnen Augen auf den langen Flugfedern
(_kerip_) des Argusfasans (_kwe_) zum Motiv und es spricht fr die
Phantasie der Bahau, dass sie die auch im brigen schne Zeichnung
auf der Feder nicht ohne weiter$
 die Pflanzen
der frischen Luft aussetzen konnte. Kurz darauf erschienen fnf
Long-Glat, die _Njok_ in seiner Besorgnis geschickt hatte, um auf
uns und unsere Bte zu achten. Sie erzhlten, dass _Njok_ am vorigen
Abend vor Erregung nicht hatte essen knnen. In unserem feuchtkalten
Schlupfwinkel, in wenigen Metern Abstand vom brausenden Fluss,
verbrachten wir drei Tage, whrend welcher das Wasser abwechselnd 6
m stieg und dann um ebensoviel wieder fiel. Da der Wald sehr steil
anstieg, konnten wir uns keine Bewegung verschaffen, doch gewhrte
das wilde Tosen der Wasser im Kiham Udang einen prachtvollen Anblick.
Am 16. Mai, als das Wasser zwar etwas gefallen war, aber doch noch
mit grosser Schnelligkeit an unserem Schlupfwinkel vorberschoss,
usserten des Morgens vier unserer Long-Glat den Wunsch, mit ihrem Boot
bis nach Uma Wak zurckzufahren, um dort ihren Vorrat an Sirihblttern
zum Betelkauen zu erneuern. Obgleich ich das Unternehmen sehr gewagt
und mit dem Anlass in keinem Verhltnis fand, war ich doch zu $
arang.
    Seite 120, Zeile 19 und 22 von oben Reisrispe statt Reishalm.
    Seite 120, Zeile 14-15 von unten von der Rispe statt von dem
    Reishalm.
    Seite 121, Zeile 6 von oben wird der Reis statt werden die
    Reishalme.
    Seite 124, Zeile 3, 5, 14, von unten _mela_ statt _mela_.
    Seite 125, Zeile 6, 7, von oben _mela_ statt _mela_.
    Seite 211, Zeile 16 von oben Weissmacht statt weismacht.
    Seite 224, Teile 16 von unten sollte es statt sollten sie.
    Seite 245, Zeile 8 von oben troff statt triefte.
    Seite 288, Zeile 7 von oben Bodenflche statt Oberflche.
    Seite 429, Zeile 10 von oben 1/2 gr Chinin statt 1 1/2 gr Chinin.
    Seite 429, Zeile 15 von unten Sternocleido-mastoidei statt
    Sterno-mastoide.
[1] H. Steinthal in: Anleitung zu wissenschaftl. Beobachtungen auf
Reisen von Dr. G. Neumayer.
[2]  Den Titel "Resident" fhrt in niederlndisch Borneo der hchste
Regierungsbeamte; auf ihn folgt der Assistent-Resident und in dritter
Rangstufe der Kontrolleur.
[3] Dr. _G.A.F. Molen$
r, an diesem Tage nicht weiter zu fahren, sondern
zu beraten, wie uns aus der kritischen Lage zu helfen sei. In den
letzten Strahlen der untergehenden Sonne trocknete ich meine Uhr,
meinen Revolver, den geologischen Kompass und meine Kleider. Als
unsere Mnner den ersten Schrecken berwunden zu haben schienen,
wurde in einem Kriegsrat bestimmt, dass ich mit nur einem Boote und
der ntigen Bemannung ohne Aufenthalt bis zum Blu-u durchreisen und
dafr sorgen sollte, dass man _Bier_ von dort aus so schnell als
mglich mit Reis versah. Eile war um so gebotener, als am folgenden
Tage das Wasser so schnell stieg, dass wir nicht abfahren konnten
und von unserem wenigen Reis zehren mussten.
Die Kajan, die zurckbleiben sollten, frchteten sich hauptschlich
vor dem Hunger und meinten daher, es sei unmglich, jetzt noch den
Kaso hinaufzufahren. _Bier_ und ich hatten unter den obwaltenden
Umstnden an die Ausfhrung dieses unseres anfnglichen Planes
berhaupt nicht mehr gedacht, da wir nun aber sahen, dass die Kajan
i$
 grossen,
schweren Brettern, welche fr die Diele in der Galerie bestimmt
waren. Je zwei Familien hatten ein solches Brett fertig zu stellen. Der
Hausbau lag _Kwing Irang_ so am Herzen, dass ihm sein Entschluss, mich
jetzt schon auf der Reise zu begleiten, sehr viel Selbstberwindung
gekostet haben musste.
Whrend wir in grosser Einfrmigkeit, so gut es eben ging, die
folgenden Tage verbrachten, wurden wir eines Mittags durch einen
grossen Menschenauflauf erschreckt, der sich nach dem unten am Fluss
liegenden Teil der Niederlassung bewegte. Voll Neugier schlossen wir
uns den Leuten an und bemerkten bald eine grosse, mitten aus einer
langen Huserreihe aufsteigende Rauchwolke. Beim Gedanken an das viele
trockene Holz, aus dem das Dorf bestand, wurde uns Angst, doch sahen
wir sogleich, dass das Feuer sich nicht weiter ausbreitete. Einige
Mnner, die unter lautem Geschrei auf das Dach geklettert waren,
schlugen mit Schwertern von den angrenzenden Husern die Schindeln
los und warfen sie hinunter. Auch von Innen $
eder Bahau, dem es an Zeit und Fhigkeit nicht mangelt, verziert
seine tglichen Gebrauchsgegenstnde gern mit mehr oder weniger
hbschem Schnitzwerk; doch leistet er selten etwas sehr Gutes, weil
er ausschliesslich fr sich selbst arbeitet. Anders verhlt es sich
mit der Schnitzerei von Griffen und Scheiden; diese Kunst wird von
Personen betrieben, die sich in ihr besonders ben und berhaupt nur
dann zum Schnitzen der schnsten Produkte, u.a. Schwertgriffe aus
Hirschhorn, berechtigt sind, wenn sie dem Geist, der sie beseelt,
Opfer von bestimmter Grsse gebracht haben. Die primitive Schnitzerei
der Laien wird also ohne Beseelung gebt, whrend ein Kunstwerk nur mit
Hilfe eines Geistes aus Apu Lagan entstehen kann. Bei den Mahakamkajan
muss ein junger Mann, bevor er aus Eisenholz einen hbschen Griff
oder eine Scheide zu schnitzen beginnt, erst durch eine _dajung_
seinem Geiste ein Huhn zum Opfer anbieten lassen (_mela_), und will er
seine. Kunst an Gegenstnden aus Hirschhorn erproben, so muss er vorher
eine$
zierten Bambusbchsen verdanken
ihre Schnheit zum Teil den kunstvoll gewundenen Spirallinien, die,
wie an den Verzierungen auf Tafel 68 mehrfach zu sehen ist, mit ihren
Enden ineinander verschlungen sind. Diese Spiralen laufen hufig in
viele Enden aus und tragen an diesen eigentmliche Verzierungen,
wie z.B. in Fig. b. In diesem Unterteil der Verzierungen bestehen
zahlreiche Variationen; die bei i in Fig. a gibt uns jedoch
Aufschluss ber die ursprngliche Bedeutung derselben. Aus der
Form der Spiralenden ist nmlich zu ersehen, dass diese umgebildete
Kpfe von Rhinozerosvgeln darstellen. In dieser Figur a sind bei
I an beiden ineinander geschlungenen Spiralenden folgende Teile zu
erkennen: zunchst der Kopf mit dem schwarzen Auge, der in den langen
Schnabel ausluft. Dieser bleibt hier in seiner oberen und unteren
Hlfte getrennt; die Erhebungen auf ihm stellen das Horn vor. Die
beiden Unterschnbel winden sich vllig umeinander hin, whrend
die Oberschnbel parallel an diesen hinlaufen, jedoch etwas krz$
hantastischen Stilisierungen eines Pantherkopfes, der das Zentrum der
beiden Muster bildet, heissen diese _tap kule_ (Panthermuster). Um
diese Formen zu begreifen, mssen wir sie mit dem _kohong ledjo_
von b auf Tafel 70 vergleichen. Bei der in der Mitte dieses Musters
vorkommenden Maske sind die Augen deutlich mit roten Kreisen begrenzt,
in der Maske im Mittelstck von Fig. a auf Tafel 72 sind sie mit blauen
und roten Perlen bezeichnet, die zwei dicke, eckige, nach aussen offene
Bgen im braunen Grunde bilden. Im _kohong ledjo_ ist die Nase durch
zwei weisse, in Schnrkel auslaufende Linien angedeutet, in Fig. a
durch die nach aussen und unten gerichteten schwarzen, dnnen Linien,
die sich ebenso unten am Rand nach innen umbiegen, wo die schwarzen
Schnrkel mit mehreren Strahlen versehen sind. Die beiden in schwarz
oben auf dem _kohong ledjo_ als Verzierung vorkommenden Schnrkel
sind auch in dieser Maske zu finden, doch sind sie hier rot und nach
aussen statt nach innen gerichtet.
Neben diesem Hauptmotiv ko$
die Kajan ihren Reisvorrat
gegen hohen Preis in Long Deho zu verkaufen, um, sobald der fast
ununterbrochen hoch bleibende Wasserstand es gestattete, die Heimreise
anzutreten. Als das Wasser schliesslich doch nicht fiel, machten sie
sich in _Kwings_ Gesellschaft mit fast leeren Bten trotzdem auf den
Weg, mit dem Versprechen, mglichst bald dem Vogelflug nachgehen und
beim nchsten Neumond wieder zurckkommen zu wollen.
Kaum waren alle fort, als _Lalau_, ein aus Long Blu-u bei mir
zurckgebliebener Malaie, mir eine Botschaft von _Kwing Irang_,
berbrachte. Nach ihm hatten die Kajan nicht die Absicht, zu mir
zurckzukehren, falls ich ihnen nicht pro Mann und pro Tag. 2.50
fl und _Kwing_ das Doppelte als Reiselohn ausbezahlen wollte. Sehr
wahrscheinlich hatte ich diese hohe Forderung dem Chinesen _Mi Au Tong_
zu danken, der, von der Kste wegen Schulden ins Innere geflohen, sich
bei den Kajan auf hielt und in den letzten Wochen die Long-Glat um
eine grosse Summe zu prellen versucht hatte, indem er vorgab, von de$
h wieder
dick, nur waren sie wie wir durch die stndigen Reisehindernisse sehr
enttuscht und sprachen daher fters den Wunsch aus, allein voraus zu
fahren. Einige wollten gern weiter unten am Mahakam Rotang suchen,
was ich nicht zulassen konnte, da die Kenja dort wegen der letzten
Kopfjagden, die ihre Stammesgenossen verbt hatten, nicht sicher waren.
Sobald sie merkten, dass sich unser Aufenthalt im Lager dem Ende
nahte, beschlossen sie, der Seele eines Kameraden, der auf einer
frheren Reise im Kiham Burung aus dem Boot geschleudert worden und
ertrunken war, ein grosses Opfer zu bringen. Letzteres sollte in
einem Packen Kattun bestehen, um den sie mich baten, und den sie mit
langen Holzsphnen verzierten. Mit Rcksicht auf die reichlich zur
Verfgung stehende Zeit wurde das Opfer diesmal nicht wie gewhnlich
im Vorberfahren mit etwas Salz in einem Korbe an einen niedrigen
Strauch gehngt. Sie whlten einen hohen, kerzengerade neben unserem
Lager auf dem Ufer sich erhebenden Baum aus, der unten seiner Dick$
dgreiflich werden, bereiteten _Demmeni_
und ich uns auf unseren Gongen, auf denen wir zur Schau dasassen,
auf einige schwierige Augenblicke vor. Anfangs wurde es jedoch nicht
so schlimm. Die den Schdeln gegenber versammelte Menge wuchs zwar
sehr an und das Gedrnge war weit strker, als ich es bei den Bahau
je erlebt hatte, aber anfangs drckte sich das Erstaunen nur in den
Gesichtern aus und usserte sich nur in zahlreichen h-h-Rufen,
die nicht aufhrten und bei jeder Bewegung, die wir machten, an Zahl
und Strke zunahmen. Augenscheinlich befriedigten wir noch nicht ganz
die Neugier der Menge, obgleich wir bereits auf Verlangen einen rmel
und ein Hosenbein hinaufgestreift hatten zum Beweis, dass unsere Haut
auch unter der Kleidung weiss war. Eine freundliche, lebhafte Frau,
des Huptlings Gattin, konnte ihre Wissbegierde schliesslich nicht mehr
bezwingen, packte meinen Arm, streifte den rmel auf und strich sacht
ber meine Haut, wobei sie in viele bewundernde h-Rufe ausbrach. Von
ihren, in der Kenjasp$
 Djalongs_ Tochter die Arbeit ber einen Monat
in Rckstand gebracht hatte. berdies war, wie gesagt, der Reisvorrat
der Kenja gerade jetzt sehr gering, weil das Jahr zuvor sehr viele
Mnner mit dem Huptling nach Serawak gereist waren und der Reisbau
deswegen weniger eifrig betrieben worden war. _Bui Djalong_ bat mich
auch fters um die Hilfe meiner Malaien, die dann morgens frh mit
den Dorfbewohnern aufs Feld zogen und den ganzen Tag dort verblieben.
Das rauhere Klima dieses in 600 m Hhe gelegenen Gebirgslandes machte
seinen Einfluss in bemerkenswerter Weise auch auf die Artikel geltend,
die von mir verlangt wurden. Vor allem forderten die Leute feste, dicke
Stoffe; hbsche und feine, wie Seide und Sammet, wurden weit weniger
gewrdigt. Mein weisser Kattun von guter Qualitt fand z.B. so starken
Anklang, dass ich trotz des grossen Vorrats bald sparsamer mit ihm
umgehen musste. Fr ein Stck dicken Kattuns, den ich zum Einpacken
von Gesteinen mitgenommen hatte und der seiner Steifheit wegen nie
die Kauflus$
ch Samarinda bringen sollte.
_Kwing Irang_ behauptete, auch jetzt nicht gern mit dem Sultan von
Kutei in Berhrung kommen zu wollen, weswegen er mich auch nicht zur
Kste begleiten knne. Er kam jedoch mit allen seinen Kajan mit zum
Schiff, ebenso diejenigen Kenja, die nicht mit uns fahren sollten. Ich
musste hier also von _Kwing_ Abschied nehmen. Zum Schluss hatte ich ihm
doch sehr viel zu danken, wenn er auch durch die Eigentmlichkeiten
seiner Rasse und seines Glaubens bei der Ausfhrung meiner Plne
viele Schwierigkeiten verursacht hatte. Obgleich ich nach beinahe
3 jhriger Reise mit einem Gefhl der Erlsung Abschied nahm, liess
ich meine Reisegenossen doch mit Wehmut zurck und sehr leid tat es
mir, als ich im folgenden Jahr hrte, dass _Kwing_ einige Monate nach
seiner Heimkehr einem neuen Malariaanfall erlegen war. Whrend unseres
Zusammenseins hatte er sich als der achtungswerteste Huptling gezeigt,
dem ich begegnet war, und die Rolle, die er am Ende seines Lebens bei
der Einsetzung einer niederln$
s auch ihr Charakter
hiervon das Geprge trgt, davon berzeugten wir uns bereits bei
der Betrachtung ihrer religisen berzeugungen und Gebruche. In den
Charaktereigenschaften der Bahau macht sich hauptschlich ein durch
die Verhltnisse hervorgerufener Mangel an Energie geltend, wovon wir
uns im folgenden bei einer Vergleichung mit den Charaktereigenschalten
der Kenja berzeugen werden.
Natrlich darf hierbei nicht bersehen werden, dass unter den vielen
Individuen eines Stammes grosse Unterschiede vorkommen, die allerdings
nicht so gross sind wie in einem hher entwickelten Gemeinwesen,
das seinen Gliedern verschiedenere Verhltnisse zum Leben und
zur Entwicklung bietet; doch treten auch bei den gleichfrmigeren
Existenzbedingungen der Bahaugesellschaft einzelne Persnlichkeiten
stark vor der Umgebung hervor.
Der Bahau ist im allgemeinen nicht tapfer; nie bin ich jemand begegnet,
der sich fr irgend etwas aufgeopfert htte, und sobald mit einer
Sache grosse Gefahr einer Verwundung oder gar Lebensgefahr ve$
sch essen,
bei den Kenja ist dieses nur den Priestern verboten. Whrend die Bahau
sich bei ihrem Reisbau nur wenig nach Trockenheit und Regen oder
nach dem Zustand ihrer Felder richten, sondern alle Stammesglieder
sich dem Huptlinge fgen, der die erforderlichen Zeremonien fr
bestimmte Feldarbeiten verrichten lsst, beachten die Kenja diese
sehr hinderlichen und nachteiligen Vorschriften nur in viel geringerem
Masse. Zwar lsst auch bei diesen der Huptling die ntigen Zeremonien
ausfhren, doch ist dann jeder frei, mit seinem Felde vorzunehmen,
was ihm gutdnkt, wodurch die Ernteaussichten wesentlich gebessert
werden. Die Bahau klammern sich ganz allgemein viel ngstlicher an
ihre _pemali_ als die Kenja. Trotz eines jahrelangen Zusammenwohnens
mit jenen fhlte ich mich doch verpflichtet, mich ebenso streng an
ihre Auffassungen zu halten wie sie selbst. Nur in sehr dringenden
Fllen wagte ich, in ihrer Verbotszeit auf Reisen zu gehen oder einen
Kranken zu empfangen und war daher ebenso wie sie von der Ausse$
lebte gewissermaen in zwei
abgetrennten Kontinenten, mit der Gabe, im lichteren zu vergessen, was
mich der finstere hatte erfahren lassen. Dort sozial angeschmiedet,
sozial erinnert, an die Kaste gepret, Parteiung erkennend, Unbill
wissend, im Hlichen verwoben oder in Altes, Uraltes, Ahnenhaftes,
krampfig, scheu, isoliert, meidend und oft gemieden; hier der Natur
gegeben, in freundlicher Nhe zu ihr, durch ihren Einflu, wenn auch
immer nur vorbergehend, losgesprochen von nicht abzuwlzender Schuld
und Anklagebrde, die sonst lhmend, ja zermalmend htte wirken mssen.
ber diese beiden Erlebnisgebiete hinaus, als Drittes dann die innere
Landschaft, die die Seele aus ihrem Zustand vor der Geburt mit in die
Welt bringt, die das Wesen und die Farbe des Traumes bestimmt, des
Traumes in der weitesten Bedeutung, wie berhaupt die heimlichen und
unbewuten Richtwege des Geistes, die sein Klima sind, seine eigentliche
Heimat. Nicht etwa nur Phantasiegestaltung von Meer und Gebirge, Hhle,
Park, Urwald, das para$
nen Korrekturen.
p 075: Komma hinzugefgt: Markterfolg, literarische Geltung
p 082: Trennung: ihr ge-geheimes -> geheimes
Folgende Eigenheiten des Textes wurden beibehalten:
p 076: wie von etwas sehr Geheimnisvollen (Geheimnisvollem?)
p 086: Trotz des Zurckgewiesen (Zurckgewiesenen?)
Das Originalbuch war in Frakturschrift gedruckt. Textauszeichnungen
wurden folgendermaen ersezt:
Sperrung:       _gesperrter Text_
Fettdruck:      =fett gedruckter Text=
Antiquaschrift: #Antiquatext# ]
[Transcriber's Note: This ebook has been prepared from the first print
edition, published in 1921 by S. Fischer, Berlin. The table below lists
all corrections applied to the original text.
p 075: added comma: Markterfolg, literarische Geltung
p 082: hyphenation: ihr ge-geheimes -> geheimes
The following peculiar spellings have been kept:
p 076: wie von etwas sehr Geheimnisvollen (Geheimnisvollem?)
p 086: Trotz des Zurckgewiesen (Zurckgewiesenen?)
The original book is printed in Fraktur font. Marked-up text has been
replaced by$
nes Erbtheil fast ganz eingebt. Mit
gleicher Resignation, wie er, ertrug seine Gattin, eine geborne _Kieke_,
die mannigfachen Entbehrungen, die ihres Mannes Lage zu fordern schien.
Sie war eine stille, anspruchslose Hausfrau, die jede berflssige Ausgabe
zu vermeiden suchte. Mit inniger Liebe hing sie an ihrem Sohne, und diese
Liebe verminderte sich nicht, als ihm noch ein Bruder geboren ward, der
schon frh an Engbrstigkeit litt, und bereits im Jnglingsalter starb.
Seiner Amme verdankte Wieland, wie er in sptern Jahren erzhlte, seine
groe Liebe zur Reinlichkeit. Als ihm einst der Dreier, wofr er sich beim
Gange in die Schule sein Frhstck kaufen sollte, zufllig aus der Hand
fiel, konnte er sich nicht entschlieen, die sehr beschmutzte Kupfermnze
wieder aufzuheben. Er zog es vor, hungrig die Schule zu betreten. Ein
gewisser Ernst, der ihn selbst bei seinen jugendlichen Spielen nie ganz
verlie, blieb ihm in seinen Knabenjahren eigen. Von Natur war er
schwchlich. Aber bei dem Unterricht, den ihm s$
ie Hnde fiel, begeisterte ihn dies Trauerspiel zu einem von Lob
berstrmenden Briefe an Lessing. "Es war," uerte Wieland, "das erste
Schreiben, das ich an diesen groen Mann richtete." Literrische
Bekanntschaften und Verbindungen anzuknpfen, und zu Verfolgung
schriftstellerischer Zwecke einen Briefwechsel zu unterhalten, fhlte
Wieland kein Bedrfni. Er hatte schon so viele literrische Plne wieder
aufgeben mssen, weil es ihm an Zeit fehlte, sie auszufhren. Der Kreis
von auswrtigen Freunden, mit denen er in Briefwechsel stand, war daher
sehr beschrnkt. Er schrieb an wenige, meistens nur an solche, die sich
zuerst an ihn gewendet hatten. In ein engeres Freundschaftsverhltni war
er mit Gleim und Jacobi getreten. "Beide," schrieb Wieland an Sophie la
Roche, "gehren zu der kleinen Zahl der schnen Geister, die eine zu
schne Seele haben, um des Neides und der Eifersucht fhig zu seyn, und
Sie wissen, da solche zu den weien Raben gehren." Zu dem Dichter Jacobi
fhlte sich Wieland durch eine Art v$
Mschia war wie ausgelscht, da Mohammed, der Prtendent,
gleich nach Mesurata floh, und sich dort entleibte.
Aber obschon nun die Trken Herren der Stadt und der nchsten Umgebung
derselben waren, hatten sie damit noch keineswegs die ganze Regentschaft
unterworfen. Angesichts der Eroberung Algiers durch eine christliche
Macht, fhlten jedoch alle Mohammedaner der Nordkste Afrikas
instinktartig, dass allein ein Anschluss an die nach ihrem Glauben
allmchtige Dynastie der Osmanli, sie vor einem hnlichen Schicksale
bewahren knne. Wir knnen deshalb auch gleiche Phnomene in Tunis
wahrnehmen, wo Unabhngigkeitsgelste der Furcht vor einer christlichen
Eroberung die Waage halten. Nur in Marokko sehen wir bei dem Volke das
Bewusstsein seiner Kraft unerschttert, vermehrt durch den festen Glauben
an das Kalifat seiner Sultane. Und selbst die Niederlage von Isly konnte
im marokkanischen Volke niemals den Gedanken aufkommen lassen, sich
Constantinopel in die Arme zu werfen. In Aegypten hingegen war das Volk
durch U$
ar sogar eine von einem
Malteser gehaltene Schnapskneipe darin. Diese ist nun zwar entfernt, aber
nicht etwa aus Piett fr ein Kunstwerk aus dem Alterthume, sondern weil
ein altes trkisches Gesetz existirt, wonach Schnapsschenken nur in einer
gewissen Entfernung von einer Moschee angelegt werden drfen und da hat
man denn ausgefunden, dass obschon Moschee und Kneipe Jahre lang
nebeneinander in Frieden bestanden, die Djemma des Hadj Ali Gordji nher
der Kneipe stnde, als erlaubt sei und einfach wurde der Befehl zum
Schliessen gegeben. Der wahre Grund war aber der, dass die Tholba der
Moschee zu viele Glser Araki umsonst verlangten und da der Inhaber der
Schenke ohne sich selbst Schaden zu thun, diese nicht mehr verabfolgen
wollte, so fand die heilige und gelehrte Corporation schnell einen Grund,
die Schenke gesetzlich dort aus dem Auge zu schaffen. Tout comme chez
nous, dachte ich, als der frhere Besitzer mir dies erzhlte.
Andere Alterthmer darf man hchstens noch in den Djemmen suchen, auch
sieht man a$
Direction nicht
mehr von einem deutschen Arzte, wie zur Zeit Hammiltons, geleitet wird, so
ist dieselbe jetzt unter der intelligenten Aufsicht eines trkischen
Arztes nicht minder gut, und lsst nichts fr den gesundheitlichen Zustand
von Stadt und Hafen zu wnschen brig.
Der Regierung steht ein von Tripolis abhngiger, jedoch von Constantinopel
ernannter Kaimmakam vor, welcher zumeist als Gouverneur des ganzen Ejalet
Barca, dessen Hauptstadt Bengasi ist, regiert. Ihm zur Seite stehen fr
die geistlichen Angelegenheiten ein Mufti, fr die richterlichen ein
Khadi, welche ihre Ernennung von Tripolis erhalten. Ein Midjelis oder Rath
aus den vornehmeren Kaufleuten der Stadt gebildet, und worin in neuester
Zeit auch Juden und Rajas sitzen, hat berathende Stimme. Die Stellung der
Europer der trkischen Regierung gegenber, ist wie in den brigen
Provinzen des osmanischen Reichs. Die Einknfte und Ausgaben von Bengasi
und Barca auch nur annhernd anzugeben, ist ganz unmglich, sie schwanken
berdies sehr, je nachd$
tzlichste aller Diener, in
Packen und Behandlung der Kameele war er unbertrefflich, sogar besser als
der Gatroner, da er ein junger Bursche von 25 Jahren war. Dabei hatte er
das heiterste Gemth von der Welt, fortwhrend singend, unterliess er
diese Beschftigung nur um zu plaudern und zu necken, oder allenfalls um
mit dem in Amerika zum halben Zweifler gewordenen Staui einen religisen
Discurs anzufangen, der gemeiniglich mit Staui's Niederlage endete, worauf
dieser sich dann verchtlich zu uns wandte: "nigger great donkey." Ali
hatte aber eine verhltnissmssig gute religise Erziehung gehabt, er war
sogar eine Zeitlang in der berhmten Sauya Sarabub, dem Hauptorte der
Snussi, gewesen.
Wir waren natrlich wieder in Bengasi auf dem englischen Consulate, und
mit den Einkufen verging rasch die Zeit. Namentlich musste eine grosse
Zahl von Schluchen gekauft werden, wir brauchten derer nicht weniger als
12, endlich andere Provision, Mehl, Zwieback, Oel, Butter, Datteln,
Zucker, Kaffee und Thee, auch in Fett e$
 sind andere derartige Zeugen.
Das Terrain, ursprnglich salzig und sebchaartig, ist durch die
zahlreichen sssen Quellen, von denen es in der Oase ber 30 giebt[38], in
dem Bereiche dieser Quellen culturfhig geworden. Die berhmteste von
allen, aber nicht mehr die ergiebigste (diese ist in Chamisa, auch die
Mosesquelle ist strker), ist Ain hammam, Taubenquelle, welche wir noch
heute nach alten Ueberlieferungen die Sonnenquelle nennen. Sie hat
ungefhr 110 Schritte im Umfange[39], am Grunde bemerkt man Mauerwerk. Sie
besitzt nur einen Hauptabfluss, der sich hernach in verschiedene Arme und
nach verschiedenen Richtungen zerspaltet. Nach Diodor hatte der
Sonnenquell seinen Namen daher, weil die Temperatur des Wassers in
umgekehrtem Verhltnisse zur Sonnenwrme stand; nach den Aussagen der
wissenschaftlichen Begleiter Alexanders, war der Sonnenquell Mittags kalt,
Mitternachts heiss, und Morgens und Abends lau. Wenn so die Alten, ihre
Beobachtungen auf das blosse Gefhl beim Eintauchen in das Wasser
sttzend, a$
 fragte er am Ende.
O ja, lachte sie hell. Wir mssen wieder einmal so einen Spaziergang
Das tut mir leid, antwortete er leiser. Es wird wohl der letzte
gewesen sein.
Da blieb sie stehen. Sie hatte nicht genau zugehrt, aber der betrbte
Klang seiner Worte war ihr aufgefallen.
Ja, was ist denn? fragte sie leicht erschrocken. Habt Ihr was gegen
Nein, Brbele. Aber morgen mu ich fort, ich habe gekndigt.
Was Ihr nicht saget! Ist's wahr? Das tut mir aber leid.
Um mich mu es Euch nicht leid sein. Lang wr' ich doch nicht
geblieben, und ich bin ja auch blo ein Gerber. Ihr msset bald einen
Schatz haben, einen recht schnen, dann kommt das Heimweh nimmer, Ihr
werdet sehen.
Ach, redet nicht so! Ihr wisset, da ich Euch ganz gern habe, wenn Ihr
auch nicht mein Schatz seid.
Sie schwiegen beide, der Wind pfiff ihnen ins Gesicht. Knulp ging
langsamer. Sie waren schon nah bei der Brcke. Schlielich blieb er
Ich will Euch jetzt adieu sagen, es ist besser, Ihr gehet die paar
Schritte noch allein.
B$
erlassen zwischen den Feldern
lag, weit weg vom nchsten Dorf, und mit seinen dunkeln Gebschen berm
Mauerkranz recht friedvoll und heimatlich in dem heien Lande ruhte. Am
Eingangsgitter standen zwei groe Kastanienbume, es war aber
verschlossen, und ich wollte weitergehen. Doch Knulp mochte nicht, er
schickte sich an, ber die Mauer zu steigen.
Ich fragte: Schon wieder Feierabend?
Wohl, wohl, sonst tun mir bald die Sohlen weh.
Ja, mu es denn gerade ein Kirchhof sein?
Ganz gern, komm du nur mit. Die Bauern gnnen sich nicht viel, das wei
ich wohl, aber unter der Erde wollen sie's doch gut haben. Darum lassen
sie sich's gern eine Mhe kosten und pflanzen was Sauberes auf die
Grber und daneben.
Da stieg ich mit hinber und sah, da er recht hatte, denn es lohnte
sich wohl, ber das Muerlein zu klettern. Da innen lagen in geraden
und in krummen Reihen die Grber nebeneinander, die meisten mit einem
weien Kreuz von Holz versehen, und darauf und darber war es grn und
blumenfarbig. Da glhte freud$
h Eingewanderten, und ich hrte sonst verstndige
Personen behaupten, man mchte weder diesem noch dem Kommandanten
ein ehrlich Begrbnis gestatten. Freilich hatte man sich andere
Gesinnungen versprochen, und noch sah man nicht die geringste
Bewegung unter den frnkischen Truppen, zu uns berzugehen.
Grere Heiterkeit verbreitete jedoch die Erzhlung, wie der Knig in
Verdun aufgenommen worden: vierzehn der schnsten, wohl erzogensten
Frauenzimmer hatten Ihro Majestt mit angenehmen Reden, Blumen und
Frchten bewillkommnt. Seine Vertrautesten jedoch rieten ihm ab, vom
Genuss Vergiftung befrchtend; aber der gromtige Monarch verfehlte
nicht, diese wnschenswerten Gaben mit galanter Wendung anzunehmen
und sie zutraulich zu kosten. Diese reizenden Kinder schienen auch
unseren jungen Offizieren einiges Vertrauen eingeflt zu haben;
gewiss, diejenigen, die das Glck gehabt, dem Ball beizuwohnen,
konnten nicht genug von Liebenswrdigkeit, Anmut und gutem Betragen
sprechen und rhmen.
Aber auch fr solidere Gen$
 Rcken und von der Seite
bedrohte. In der Gegend von Reims sollten sich zwanzigtausend Bauern
zusammengerottet haben, mit Feldgert und wild ergriffenen
Naturwaffen versehen; die Sorge war gor, auch diese mchten auf uns
Von solchen Dingen ward am Abend in der Herzogs Zelt, in Gegenwart
von bedeutenden Kriegsobristen, gesprochen; jeder brachte seine
Nachricht, seine Vermutung, seine Sorge als Beitrag in diesen
ratlosen rat, denn es schien durchaus nur ein Wunder uns retten
Ich aber dachte in diesem Augenblick, dass wir gewhnlich in
misslichen Zustnden uns gern mit hohen Personen vergleichen,
besonders mit solchen, denen es noch schlimmer gegangen; da fhlt'
ich mich getrieben, wo nicht zur Erheiterung doch zur Ableitung, aus
der Geschichte Ludwigs des Heiligen die drangvollsten Begebenheiten
zu erzhlen. Der Knig, auf seinem Kreuzzuge, will zuerst den Sultan
von gypten demtigen, denn von diesem hngt gegenwrtig das gelobte
Land ab. Damiette fllt ohne Belagerung den Christen in die Hnde.
Angefeuert v$
g.
Den 10. Oktober.
Ein Knabe, der uns in der verwilderten Stadt herumfhrte, fragte mit
Bedeutung: ob wir denn von den unvergleichlichen Verduner Pastetchen
noch nicht gekostet htten? Er fhrte uns darauf zu dem berhmtesten
Meister dieser Art. Wir traten in einen weiten Hausraum, in welchem
groe und kleine fen ringsherum angebracht waren, zugleich auch in
der Mitte Tisch und Bnke zum frischen Genuss des augenblicklich
Gebacknen. Der Knstler trat vor, sprach aber seine Verzweiflung
hchst lebhaft aus, dass es ihm nicht mglich sei, uns zu bedienen,
da es ganz und gar an Butter fehle. Er zeigte die schnsten Vorrte
des feinsten Weizenmehls; aber wozu ntzten ihm diese ohne Milch und
Butter! Er rhmte sein Talent, den Beifall der Einwohner, der
Durchreisenden und bejammerte nur, dass er gerade jetzt, wo er sich
vor solchen Fremden zuzeigen und seinen Ruf auszubreiten Gelegenheit
finde, gerade des Notwendigsten ermangeln msste. Er beschwor uns
daher, Butter herbeizuschaffen, und gab zu verstehen, wenn wi$
herr und Frau
begrten uns in ehrerbietiger Entfernung.
Man fhrte uns in ein getfeltes Zimmer auf gleicher Erde, wo im
schwarz-marmornen Kamin behagliches Feuer brannte. In dem groen
Spiegel darber beschauten wir uns ungern: denn ich hatte noch immer
nicht die Entschlieung gefasst, meine langen Haare kurz schneiden zu
lassen, die jetzt wie ein verworrener Hanfrocken umher quollen; der
Bart, strauchig, vermehrte das wilde Ansehen unserer Gegenwart.
Nun aber konnten wir, aus den niedrigen Fenstern den ganzen Markt
berschauend, unmittelbar das grenzenlose Getmmel beinahe mit Hnden
greifen. Aller Art Fugnger, Uniformierte, Marode, gesunde aber
trauernde Brgerliche, Weiber und Kinder drngten und quetschten sich
zwischen Fuhrwerk aller Gestalt; Rst- und Leiterwagen, Ein- und
Mehrspnner; hunderterlei eigenes und requiriertes Gepferde,
weichend, anstoend, hinderte sich rechts und links. Auch Hornvieh
zog damit weg, wahrscheinlich geforderte, weggenommene Herden. Reiter
sah man wenig; auffallend aber w$
en. Ungeachtet solcher Schwierigkeiten aber
will ich, meinen Freunden zuliebe, einige Andeutung versuchen.
Der sittliche Mensch erregt Neigung und Liebe nur insofern, als man
Sehnsucht an ihm gewahr wird: sie drckt Besitz und Wunsch zugleich
aus, den Besitz eines zrtlichen Herzens und den Wunsch, ein gleiches
in andern zu finden; durch jenes zeihen wir an, durch dieses geben
wir uns hin.
Das Sehnschtige, das in mir lag, das ich in frheren Jahren
vielleicht zu sehr gehegt und bei fortschreitendem Leben krftig zu
bekmpfen trachtete, wollte dem Mann nicht mehr ziemen, nicht mehr
gengen, und er suchte deshalb die volle, endliche Befriedigung.
Das Ziel meiner innigsten Sehnsucht, deren Qual mein ganzes Inneres
erfllte, war Italien, dessen Bild und Gleichnis mir viele Jahre
vergebens vorschwebte, bis ich endlich durch khnen Entschluss die
wirkliche Gegenwart zu fassen mich erdreistete. In jenes herrliche
Land sind mir meine Freunde gern auch in Gedanken gefolgt, sie haben
mich auf Hin- und Herwegen begleit$
lief im
Sonnenschein ber die Wiese zu den Kindern, die dort mit Federbllen
spielten, und nahm sofort am Spiele teil. Sie war kaum grer als das
lteste der drei Mdchen, und, wie ihr nun das freigelockte Haar um die
Schultern flatterte, sah sie selber einem Kinde gleich. Olivo und der
Abbate lieen sich in der Allee, in der Nhe des Hauses, auf einer
steinernen Bank nieder. Amalia wandelte an Casanovas Seite weiter. Als
sie von den andern nicht mehr gehrt werden konnte, begann sie im
Tonfall von einst, als wre ihre Stimme fr Casanova niemals in einem
andern erklungen:
So bist du wieder da, Casanova! Wie hab' ich diesen Tag ersehnt. Da er
einmal kommen wrde, hab' ich gewut. - Es ist ein Zufall, da ich da
bin, sagte Casanova kalt. Amalia lchelte nur. Nenn' es wie du willst.
Du bist da! Ich habe in diesen sechzehn Jahren von nichts anderm
getrumt als von diesem Tag! - Es ist anzunehmen, entgegnete
Casanova, da du im Laufe dieser Zeit von mancherlei anderm getrumt
und - nicht nur getrumt h$
echselt, nur die Karten sprachen, und sie sprachen deutlich
genug. Der Zufall des Spieles wollte, da alles Bargeld zu Casanova
hinberflo, und als eine Stunde vergangen war, hatte er zweitausend
Dukaten zwar von Lorenzi gewonnen, aber sie kamen alle aus des Marchese
Tasche, der nun ohne einen Soldo dasa. Casanova stellte ihm zur
Verfgung, was ihm belieben sollte. Der Marchese schttelte den Kopf.
Ich danke, sagte er, nun ist es genug. Fr mich ist das Spiel zu
Ende. Aus dem Garten klang das Lachen und Rufen der Kinder. Casanova
hrte Teresinas Stimme heraus; er sa mit dem Rcken gegen das Fenster
und wandte sich nicht um. Noch einmal versuchte er, zugunsten Lorenzis,
er wute selbst nicht warum, den Marchese zum Weiterspielen zu bewegen.
Dieser erwiderte nur durch ein noch entschiedeneres Kopfschtteln.
Lorenzi erhob sich. Ich werde mir erlauben, Herr Marchese, die Summe,
die ich Ihnen schulde, morgen vor zwlf Uhr mittags persnlich in Ihre
Hnde zu bergeben. Der Marchese lachte kurz. Ich bin ne$
man
Casanova war und Marcolina gefunden? Unwrdig, ja lcherlicher von
Minute zu Minute erschien es ihm, sich, einem Vorsatz getreu, den er
frher als Kleinmtiger gefat, aus dieser Wundernacht stumm, unerkannt,
wie ein Dieb zu flchten. Im untrglichen Gefhl ebenso der Beglckende
zu sein, als er der Beglckte war, glaubte er sich schon zu dem Wagnis
entschlossen, seinen Namen zu nennen, wenn er sich auch immer noch
bewut war, damit ein groes Spiel zu spielen, das er, wenn er es
verlor, bereit sein mute, mit dem Dasein zu bezahlen. Noch war
undurchdringliche Dunkelheit um ihn, und bis durch den dichten Vorhang
das erste Dmmern brach, durfte er ein Gestndnis hinauszgern, an
dessen Aufnahme durch Marcolina sein Schicksal, ja sein Leben hing. Aber
war denn nicht gerade dieses stummselige, sverlorene Zusammensein dazu
gemacht, ihm Marcolina von Ku zu Ku unlslicher zu verbinden? Wurde,
was sich als Betrug entsponnen, nicht Wahrheit in den namenlosen
Entzckungen dieser Nacht? Ja, durchschauerte sie, $
e sie, um an ihrem
andern Ende wieder auf die Landstrae zu geraten. Noch stand die Sonne
nicht hoch, es fehlten drei Stunden auf Mittag. Casanova dachte: Es ist
sehr wohl mglich, da man den toten Lorenzi noch nicht einmal gefunden
hat. Da er selbst Lorenzi umgebracht hatte, kam ihm kaum recht zu
Bewutsein; er war nur froh, da er sich immer weiter von Mantua
entfernte, da ihm endlich fr eine Weile Ruhe gegnnt war ... Er
verfiel in den tiefsten Schlaf seines Lebens, der gewissermaen zwei
Tage und zwei Nchte dauerte; denn die kurzen Unterbrechungen, die das
Wechseln der Pferde notwendig machte, und whrend deren er in
Wirtsstuben sa, vor Posthusern auf und ab ging, mit Postmeistern,
Wirten, Zollwchtern, Reisenden gleichgltige Zufallsworte tauschte,
hatte er als Einzelvorflle nicht im Gedchtnis zu bewahren vermocht. So
flo spter die Erinnerung dieser zwei Tage und Nchte mit dem Traum
zusammen, den er in Marcolinens Bett getrumt, und auch der Zweikampf
der zwei nackten Menschen auf einem grne$
ligkeit, dem edlen Gnner seine
unauslschliche Dankbarkeit zu beweisen: dies brachte er zur
Entschuldigung vor fr die beinahe unanstndige Gier, mit der er die
dampfende Schokolade schlrfte. Durchs Fenster drangen die
tausendfltigen Gerusche des Lebens von den groen und kleinen Kanlen;
die Rufe der Gondelfhrer schwebten eintnig ber alle andern hin;
irgendwo, nicht zu weit, vielleicht in dem Palast gegenber - war es
nicht der des Fogazzari? - sang eine schne, ziemlich hohe Frauenstimme
Koloraturen; sie gehrte offenbar einem sehr jungen Wesen an, einem
Wesen, das noch nicht einmal geboren war zur Zeit, da Casanova aus den
Bleikammern entflohen war. - Er a Zwieback und Butter, Eier, kaltes
Fleisch; und entschuldigte sich immer wieder ob seiner Unersttlichkeit
bei Bragadino, der ihm vergngt zusah. Ich liebe es, sagte er, wenn
junge Leute Appetit haben! Und soviel ich mich erinnere, mein teuerer
Casanova, hat es Ihnen daran nie gefehlt! Und er entsann sich eines
Mahls, das er in den ersten Tage$
 das Gefhrt
dahin, ohne da Hedwig das eingetretene Stillschweigen unterbrochen
Nur einmal fragte sie beinahe gleichgltig, immer die Augen in die Weite
gerichtet: Ist Else noch so hbsch, wie sie war?
Wilms bi sich auf die Lippen, die Zgel in seiner Hand lockerten sich
unwillkrlich.
Hatte er recht vernommen? Ihre frische, klare Stimme tnte genau so
khl, so obenhin, so vllig uninteressiert, als htte ihre Frage einer
ganz nebenschlichen Person gegolten.
Und das war die Schwester, die sich nach seinem armen gequlten Weibe
Ja, fuhr er rauh heraus, gerade noch so hbsch -- genau so -- --
allerdings spazieren gehen kann sie nicht mehr und sich putzen.
Anklagend und beleidigt klangen die wenigen Worte, und Hedwig richtete
zum erstenmal ihren Blick forschend auf ihren Schwager. Sie schien
verwundert und warf ein wenig die Lippen auf. Und beinahe mit
absichtlicher Herbheit setzte sie hinzu: Die lange Krankheit hat wohl
viel Geld gekostet?
Wilms schwoll der Unmut bis an die Kehle. Wie ein Wtender hi$
s bemerkt? Nein, meine Schwester
Hedwig ist noch hier und wird berhaupt lange Zeit bei uns bleiben.
So? Na da mache ich Ihnen mein Kompliment, eine auergewhnlich hbsche
junge Dame -- also, Ihre Schwester? -- Na ja, die hnlichkeit ist
unverkennbar -- hier verbeugte sich der Reiter wieder mit jener
verbindlichen Art, die ihn unbewut so prchtig kleidete. -- Ein
Frulein Schrder, das sich jetzt lngere Zeit in Stralsund aufhielt --
nicht wahr?
Das wissen Sie ebenfalls? flsterte die Kranke, sichtlich
geschmeichelt.
Es fiel ihr nicht auf, da der Aristokrat seinen Kopf vom Feuer
zurckwandte, in das er bisher eifrig hineingestarrt, um seine scharfen
blitzenden Augen minutenlang forschend auf ihr eingefallenes, blasses
Antlitz zu richten, als ob er in ihr etwas Verborgenes, Geheimnisvolles
suchen wolle. -- Dann aber schien er befriedigt zu sein. Ja, ja -- fuhr
er gleichgltig fort: Wir kennen uns -- oberflchlich natrlich nur,
denn solch zartes Pensionsfrulein wird mit einem Offizier nicht gerne$
hl Ihr Mann und Frulein
Schwester sein.
Ja wahrscheinlich, und sie bringen Pastors gleich mit.
So? Das kleine Pastorenfrulein hat sich gut entwickelt, seit ich es
nicht mehr gesehen habe. Sehr nett. Ein bichen bla, englisch
Teegesicht, aber man mu auch damit vorlieb nehmen.
Else rckte in ihrem Stuhl hin und her. Ein unbestimmtes Gefhl sagte
ihr, da ihr Gast einen Ton gegen sie anschlug, der sich nicht pate.
Und die Frsterfamilie kommt heute ebenfalls, brachte sie rasch
hervor, whrend ihre glnzenden Augen sich ungeduldig auf die Tr
richteten, durch die die Erwarteten im nchsten Augenblick eintreten
muten. Ich erhalte heute zum erstenmal Besuch, Herr Graf -- seit -- seit
langer Zeit.
Ach das freut mich in Ihrem Interesse wirklich ganz auerordentlich,
meinte der Reiter und schritt langsam ans Fenster, ohne auf den langen
Seufzer der Kranken die geringste Rcksicht zu nehmen. Also der Herr
Frster ebenfalls mit Gemahlin, murmelte er dabei vor sich hin, und bei
sich dachte er noch: Me$
n, Frulein
Hedwig, ich mu es Ihnen einmal sagen, wir wollen ehrlich miteinander
handeln. Es ist tatschlich zwecklos. Obgleich ich Ihnen wirklich gut
war -- nein, werden Sie mir nicht bse, Ihnen war ich wirklich gut, wenn
ich Sie auch in meiner Tollheit geradezu mihandelt habe, ich
unterschtzte Sie vielleicht -- -- aber das ist es nicht allein --
Nun, aber? fragte das Mdchen hastig. Ihr Herz klopfte. Unvermittelt
blitzte es ihr auf, als ob dieser junge Aristokrat, der ihr eben so
treuherzig seine Liebe gestand, die Hnde ausstrecken wrde, um sie vor
dem Fall zu bewahren, den sie ahnte. Nun, aber? kam es zitternd ber
ihre Lippen. Was wollen Sie mir noch mitteilen?
Sie wute jetzt, sie liebte ihn nicht, aber sie wollte gerettet werden.
Aber, murmelte er widerwillig und ri an dem Zgel seines Pferdes --
man hat mich da vorige Woche in der Hauptstadt verlobt.
Sie rief es beinahe entsetzt. Alles Blut entwich ihren Wangen. Und doch
durchschauerte sie es nur deshalb so kalt, weil sie sich jetzt v$
 Ecke bewegte sich gar nicht, dstere Bilder
muten vor seiner Seele stehen, denn er wandte den Kopf und starrte auf
die Stelle, wo Else im weien Hemde gelegen hatte. Dann schauerte er
Komm, Heting, drngte der Vater. Es wird nun Zeit, wenn wir noch vor
Abend zurck sein wollen.
Der alte Herr griff nach seinem Hut und sah sich noch einmal still und
betrbt in dem weiten Zimmer um, wo seine Tochter gestorben war.
Da tat das Mdchen einen tiefen Atemzug, ihre ganze Gestalt reckte sich:
Vater, entgegnete sie rasch und bestimmt, ich kann dich jetzt nicht
begleiten, ich mu noch etwa eine Woche hier bleiben, weil ich Wilms
versprochen habe, ihm alles in der Wirtschaft zu zhlen und instand zu
setzen, was durch Elses Krankheit in Unordnung geraten ist. Aber dann --
und wieder atmete sie seltsam schwer -- dann komm' ich dir nach.
Der Rendant stutzte. Eine Woche noch? wiederholte er verlegen und
putzte an seinem Zylinder. So? -- Mein Sohn, kehrte er sich fragend zu
dem Landmann, wre es dir lieber, we$
aturnothwendigkeit zu bestimmen. Ohne diese
absolut-erste uerung der Freiheit wre die zweite blos empirische
nicht zu retten, sie wre ein bloer Schein, und das erste ernsthafte
Nachdenken vernichtete den schnen Traum, in dem wir uns einen
Augenblick von der Kette der Naturnothwendigkeit losgefesselt
whnten. -- Wo ich nicht irre, so ist die Verwechselung dieser zwei sehr
verschiednen uerungen der Freiheit eine der Hauptursachen, warum man
sich die _moralische_ (nicht etwa physische) _Nothwendigkeit_, womit ein
Gesetz der _Freiheit_ gebieten soll, so schwer denken konnte. Denkt man
nemlich in den Begriff der Freiheit das Merkmal der _Willkhr_ hinein
(ein Gedanke, dessen noch immer viele sich nicht erwehren knnen), so
lt damit sich freilich auch die _moralische_ Nothwendigkeit nicht
vereinigen. Aber davon ist bei der ersten ursprnglichen uerung der
Freiheit, durch welche allein sie sich berhaupt bewhrt, gar nicht die
Rede. Die Vernunft giebt sich selbst, unabhngig von irgend etwas auer
ihr, d$
, und
bedarf einer weitern Untersuchung.
_Unsre Verbindlichkeit vom Willen Gottes ableiten_, heit, seinen
Willen, _als solchen_, fr unser Gesetz anerkennen; sich darum zur
Heiligkeit verbunden erachten, weil Er sie von uns fordert. Es ist also
dann nicht blos von einer Vollbringung des Willens Gottes, der Materie
des Wollens nach, sondern von einer auf die Form desselben gegrndeten
Verbindlichkeit die Rede; -- wir handeln dem Gesetze der Vernunft gem,
weil es _Gottes_ Gesetz ist.
Hierbei entstehen folgende zwei Fragen: Giebt es eine Verbindlichkeit,
dem Willen Gottes, als solchem, zu gehorchen, und worauf knnte sich
dieselbe grnden? und dann: Wie erkennen wir das Gesetz der Vernunft in
uns als Gesetz Gottes? Wir gehen an die Beantwortung der ersten.
Schon der Begriff von Gott wird uns blos durch unsre Vernunft gegeben,
und blos durch sie, insofern sie _a priori_ gebietend ist, realisirt,
und es ist schlechterdings keine andre Art gedenkbar, auf welche wir zu
diesem Begriffe kommen knnten. Ferner verbi$
ufhrt
Vernunft zu seyn, wenn man annimmt, da noch etwas anderes ihr gebiete,
als sie sich selbst. Stellt sie uns nun den Willen Gottes als vllig
gleichlautend mit ihrem Gesetze dar, so verbindet sie uns freilich
mittelbar, auch diesem zu gehorchen; aber diese Verbindlichkeit grndet
sich auf nichts anders, als auf die bereinstimmung desselben mit ihrem
eignen Gesetze, und es ist kein Gehorsam gegen Gott mglich, ohne aus
Gehorsam gegen die Vernunft. Hieraus erhellet nun vors erste zwar
soviel, da es vllig gleich auch fr die _Moralitt_ unsrer Handlungen
ist, ob wir uns zu etwas verbunden erachten, darum, weil es unsre
Vernunft befiehlt, oder darum, weil es Gott befiehlt; aber es lt sich
daraus noch gar nicht einsehen, wozu uns die letztere Vorstellung dienen
soll, da ihre Wirksamkeit die Wirksamkeit der erstern schon voraussetzt,
da das Gemth schon bestimmt seyn mu, der Vernunft gehorchen zu wollen,
ehe der Wille, Gott zu gehorchen, mglich ist; da es mithin scheint, da
die letztere Vorstellung un$
ndlung voraus. Mithin mu der
     Bekanntmachende ein intelligentes Wesen seyn, und seine Handlung,
     und die dadurch in dem andern erregte Vorstellung mssen sich
     verhalten, wie _moralischer Grund_ und _Folge_.
Zur Bekanntmachung gehrt endlich einer, dem etwas bekannt wird. Wird
ihm berhaupt nichts bekannt, oder wird ihm nur das nicht bekannt, was
der andre beabsichtigte, oder wird es ihm vielleicht durch andre Mittel,
nur nicht durch die Mittheilung des ndern bekannt, so ist wenigstens
die verlangte Bekanntmachung nicht geschehen.
     _Vierte Folgerung._ Die Handlung des Bekanntmachenden mu sich
     mithin zu der in dem andern hervorgebrachten Vorstellung verhalten,
     wie physische Ursache zur Wirkung. -- Da ein solches Verhltni
     mglich sey, d. i. da ein intelligentes Wesen zu Folge eines
     Zweckbegriffs durch Freiheit physische Ursache werden knne, wird
     zur Mglichkeit einer Bekanntmachung berhaupt postulirt, kann aber
     nicht theoretisch bewiesen werden.
Der Begriff$
ichen
Kriterium aufgestellt wird, mu sich aus dieser Deduktion ableiten
lassen, und alles was sich aus ihr ableiten lt, ist ein dergleichen
Sie leistet aber auch nicht mehr, als sie versprochen. Der zu
deducirende Begriff wurde blos als eine Idee angekndigt; sie hat mithin
keine objektive Gltigkeit desselben zu erweisen, mit welchem Erweise
sie auch nicht sonderlich fortkommen drfte. Alles was von ihr gefordert
wird, ist, zu zeigen, da der zu deducirende Begriff weder sich selbst,
noch einem der vorauszusetzenden Principien widerspreche. Er kndigte
sich ferner nicht als gegeben, sondern als gemacht an, (_conceptus non
datus, sed ratiocinatus_) sie hat mithin kein Datum der reinen Vernunft
aufzuzeigen, wodurch er uns gegeben wrde, welches sie zu leisten auch
nicht vorgegeben hat. Aus diesen beiden Bestimmungen ergiebt sich denn
vorlufig die Folge, da, wenn auch eine Erscheinung in der Sinnenwelt
gegeben seyn sollte, welche mit ihm vollkommen bereinstimmte (eine
Offenbarung, welche alle Kriterien de$
esserlich, da lie er sich von ihr scheiden, und sie verkam im
Elend. Der Sohn, den er sehr liebte, starb ihm in jungen Jahren, und er
stand nun verlassen in der Welt und wute nicht, fr wen er sich's noch
sauer werden lassen sollte. Es fehlte am festen Kern im inneren
Haushalt, und so wollte er es noch einmal mit der Ehe versuchen. Als
Fnfzigjhriger warf er seine Augen auf eine Schifferswitwe in Stettin,
die er als eine ordentliche und rechtliche Frau zu kennen glaubte. Die
Verbindung kam zustande, aber nun erst gingen ihm die Augen auf. Die
fromme Witwe hatte gern ihr Ruschchen und hielt es eifrig mit
mancherlei andern Dingen, die den Ehefrieden stren muten. An ein
Zusammenhalten des ehrlich Erworbenen war lnger nicht zu denken,
vielmehr sah er den unvermeidlichen Untergang seines kleinen Wohlstands
vor Augen, und was blieb ihm brig, als eine abermalige Scheidung? Mit
trben Blicken schaute er in die Zukunft. Er gehrte keinem Menschen an,
war nachgerade ein alter Mann geworden, und fhlte er gleich$
 eigentlich auf Rechnung meines
Vaters, wobei mir nur der kleine Gewinn zufiel, den ich in der
Schenkstube machte. Steuern fr das Gewerbe, sowie Ladenmiete mute ich
aber bezahlen. Dazu kam, da bei dem Laden keine Wohnung war und ich die
Wohnung fr meine Familie apart halten mute. Es brach zu jener Zeit die
Cholera in Magdeburg aus und raffte sogleich einen der beliebtesten
Gste meines Lokals, den Goldschmied Schladen, hinweg, die brigen
Mnner bekamen Furcht und mieden meine Schenkstube, sie stand verdet,
und ich mute neue Gste anzuwerben suchen. Es schlug fehl, und nach
abermals zwei Jahren mute ich das Geschft mit einer baren Einbue von
sechshundertsechzig Talern auflsen.
Viele haben den Verfall meines Hauswesens meiner Vorliebe fr
wissenschaftliche Beschftigung zugeschrieben, aber damit hat man mir
unrecht getan. Ich hatte allerdings groes Interesse an der Literatur,
las gerne historische und naturwissenschaftliche Werke, begann auch zur
damaligen Zeit ein Tagebuch, worin ich eigene Ideen $
 entschlossen fort:
Ja liebes Kind, Du; denn anstatt Deinem Mann, wenn er von seinen
Berufsgeschften ermdet zu Hause kommt den Aufenthalt daheim zu einem
freundlichen zu machen, in dem er gerne bleibt, lt Dich Dein
unglckseliges, heftiges Temperament nicht ruhen noch rasten, sondern Du
mut irgend eine Gelegenheit vom Zaune brechen mit mir zu zanken. Gebricht
es Dir aber vollkommen an Stoff, was jedoch nur in hchst seltenen Fllen
zu sein scheint, so bist Du mrrisch und verschlossen, machst ihm ein
finsteres, verdrieliches Gesicht, und sprichst kein Wort.
Sprachlos nur vor Zorn und Staunen ber die unerhrte, bodenlose
Frechheit, hatte die Frau indessen dem heute so redseligen Gatten (der
aber nicht dabei zu ihr aufzuschauen wagte, sondern bald die rechte, bald
die linke Ecke der Stube mit den Augen suchte) angesehn. Es war eine
allerdings noch jugendliche schlanke, aber eher magere als volle Gestalt,
die Frau Actuar Ledermann, mit etwas vorstehenden, wenigstens stark
markirten Backenknochen und dur$
, vertraute er ihr an und wenn es die arme Frau auch wie
ein Schlag aus heiterem Himmel traf, nahm sie das Ganze doch viel ruhiger
auf als er erwartet, gefrchtet, und damit eine schwere Last von _seinem_
Herzen -- auf das ihre. Aber leichter trgt sich die getheilte, und bereden
konnten sie jetzt zusammen was zu thun, welchen Weg zu gehen, die
Mglichkeit besprechen die sich hier ihrem Leben bot, die Mglichkeit
errwgen, die ihnen dort eine andere freiere Zukunft ffnete. Und die
Kinder? wohin Mtter und Vater gingen folgten die ja gern; nur die Scene
wechselte fr sie, anderen, vielleicht selbst bunteren Bildern Raum zu
geben, und Kummer und Sorge kannten die ja nicht.
An demselben Abend waren die beiden ltesten Tchter zu einem kleinen
Fest, dem Geburtstag einer Freundin, eingeladen und hatten schon den
ganzen Tag mit rastlosen Fingern an dem bunten blitzenden Ballstaat
genht. Der Vater begleitete sie dorthin, nur die Mutter blieb daheim,
Kopfschmerz vorschtzend, und die Sorge um das jngste Kind, das $
er machen knnen wenn wir 'was
haben wollen; ich darf nur gleich den meinigen zum Schneider schicken da
er ihn mir noch ausbessert, ehe er auch durchbrennt. S'ist wirklich zum
Verzweifeln.
Lieber Gott, sagte der Professor -- die Leute verlangen nur Ellbogenraum
sich zu rhren; sie wollen einen Platz haben, der ihren Bedrfnissen
Befriedigung verspricht.
Da haben Sie gleich den faulen Fleck, rief Kellmann, _Bedrfnisse
befriedigen_, wenn die Leute lebten wie ihre Voreltern gelebt haben, und
nicht mit jedem Jahre auch neue Bedrfnisse kennen lernten und befriedigt
haben wollten, so htten wir alle Platz, und das verwnschte Amerika
knnte sehen wo es Hnde und Fuste bekm zuzupacken und ihm den Boden zu
bestellen. Aber ich will mich nicht lnger rgern -- lat sie laufen,
nachher wird's hier erst recht gemthlich -- apropos -- Ihren Freund Weigel
haben sie gestern Abend im rothen Drachen hinausgeworfen -- er wollte
Dienstleute, ich glaube einen Schfer, verlocken nach seinem gerhmten
Amerika auszuwan$
, sie konnten ja
nichts mehr fr den Armen thun.
Hedwig weinte, whrend er sprach; aber die Thrnen lsten ihren Schmerz --
die freundlichen Worte; oh die ersten wieder seit so langer, langer Zeit
die sie gehrt, thaten ihr wohl und bannten die Verzweiflung aus ihrem
Herzen, der sie ja sonst wohl rettungslos verfallen wre. Wieviel Segen
hat schon ein herzliches Wort gebracht, dem Unglcklichen gespendet -- wie
viele Thrnen getrocknet, wie manches Weh, wenn es nicht heilen konnte,
doch gelindert.
Kellmann erbot sich dann auch, sie zu seiner Mutter zu fhren, wo sie
wenigstens bleiben konnte bis sich etwas Weiteres entschieden. Von Amerika
sagte er ihr noch Nichts, die nchsten Tage mochten sie erst mit dem
Gedanken vertrauter machen, wenn sie hrte wie viel Leute die auch ihren
Bruder gekannt und liebe Freunde von ihm selber seien, gerade jetzt nach
dort hinbergingen.
Hedwig zgerte noch schchtern das gtige Erbieten anzunehmen, aber die
Worte klangen so herzlich, so gut gemeint, sie stand so hlflos, so a$
s Raubnest sein, lesen Sie
nur einmal."
"Hoeren Sie lieber Schollfeld, ich will Ihnen einmal 'was sagen,"
erwiederte ihm Kellmann ruhig, "dieser Dr. Hayde, der Ihnen die schoenen
Artikel schreibt ist, der Meinung aller ordentlichen Kerle in Heilingen
nach, das wenigste zu sagen eine kleine geschwollene Giftkroete, ein
weggelaufener Advokat, den die Verhaeltnisse aus Deutschland vertrieben,
und den in Amerika Niemand mit seinen Talenten haben mochte. Zu faul zum
arbeiten, und nicht im Stande etwas Anderes zu thun, wurde er dort
wahrscheinlich vom Schicksal hin- und hergestossen, und wie ein aus einer
Thuer geworfener Mops, stellt er sich jetzt draussen hin, wo sich Niemand
die Muehe giebt ihn zu stoeren, und schimpft und klefft. Ich will Amerika
eben nicht in allem vertheidigen, aber was _der_ gerade darueber sagt wuerde
mich auch nicht bestimmen. Wie ein Dreckkaefer schleppt er sich nur mit
groesster Muehe kleine Stueckchen Koth herbei, und rollt sie zusammen eine
Kugel zu machen in die er sein Ei legt -- pfu$
sammenfaselt."
Mathes blieb aber bei allen diesen Ausbruechen des Erstaunens, die erste
Erklaerung nur einmal ueberstanden, vollkommen ruhig, und zog nur, statt
jeder weiteren Antwort, einen Brief aus seiner Brusttasche, den er langsam
auffaltete und vor sich legte, als ob er ihn vorlesen wollte.
"Nun was soll's mit dem Wisch?" rief aber der Apotheker aergerlich, "Ihr
habt Euere Seele doch noch nicht dem Gott sei bei uns verkauft?"
"So schlimm noch nicht," lachte der junge Bursch, "das hier ist nur ein
Brief von Caspar Lauber, den Sie ja Alle kennen und der vor etwa sieben
Jahren nach Wisconsin auswanderte."
"Der was that?" rief der Apotheker, die Augen zusammenkneifend und das
linke Ohr zu ihm hindrehend -- "nuschelt nicht so in den Bart, dass Euch ein
Christenmensch noch verstehen kann ehe Ihr unter die Heiden geht."
"Der nach Wisconsin auswanderte," sagte der junge Bauer laechelnd -- "er
hatte mir damals versprochen zu schreiben wie es ihm ginge, schlecht oder
gut; -- wenn schlecht, wollte ich ihm helfen, $
haler hat man schon bei ihm gefunden," fluesterte
der junge Henkel ihr leise zu -- "ich hoffe dass Vater Dollinger das andere
auch noch wieder bekommen soll."
"Ach Lossenwerder, warum habt Ihr das gethan?" sagte Clara, leise und
mitleidig den Gefangenen ansehend, als er an ihr vorueberging.
"U -- u -- u -- und Si -- si -- si -- si -- sie g -- g -- g -- glau -- ben d -- d --
das a -- a -- a -- a -- auch?" rief Lossenwerder und die grossen hellen Thraenen
standen ihm dabei in den Augen, aber der Polizeidiener hatte sich schon
laenger mit ihm aufgehalten, als er meinte verantworten zu duerfen, nahm ihn
leise an der Hand und fuehrte ihn die Treppe hinunter. Lossenwerder folgte
ihm wie in einem Traum.
Das Polizeigebaeude war nur hoechstens fuenfhundert Schritt von dort
entfernt, und stand an der andern Seite einer kleinen steinernen Bruecke
die ueber den, mitten durch die Stadt und haeufig ueberbrueckten kleinen Fluss
fuehrte. Als sie hinunter auf die Strasse kamen, liess der Polizeidiener
seinen Gefangenen los, k$
er
muesste denn gemeint haben dass der Capitain, wie frueher Neptun, das Meer
beherrsche. Uebrigens war es auch moeglich dass er fischen wolle, und sich
mit dem Fernrohr nur eben den staerksten und fettesten der ihn reichlich
umschwimmenden Fische ausgesucht habe.
Den Hintergrund dieses prachtvollen Seestuecks bildete ein schmaler
Streifen mit einzelnen Palmen bedeckter Kueste, an der eine Anzahl
pechschwarzer, nackter Maenner standen, die nur einen gelb und blauen
Schurz um die Huefte und einen gruenen Busch in der Hand trugen. -- Diese
sahen uebrigens gerade so aus, als ob sie die Ankunft des Schiffes schon
sehnsuechtig und vielleicht sehr lange Zeit erhofft haetten, und nun die
Zeit nicht erwarten koennten dass die Fremden an Land stiegen, damit sie
geschwind fuer sie arbeiten, und ihnen den Boden urbar machen duerften.
Neben dem Bild, und zu beiden Seiten der Thuer, wie sogar noch an dem
innern Theile des Fensterschalters, hingen lange Listen der verschiedenen
anzupreisenden Plaetze fuer Auswanderung. Obe$
hnen.
Sie haben das Unglck gehabt, eine glckliche Ehe zu finden, sonst wren
Sie ein Weib gewesen, mit dem man auf die Barrikaden gehen knnte.
Schade, wenn ein Wesen mit Adler-Instinkten zur Bruthenne erniedrigt
wird. Alles was edel und flugkrftig an Ihnen war, hat die Ehe in eine
Kapsel gepret, und Sie wagen sich nicht zu rhren aus Angst, das
Gehuse zu sprengen. Sie haben nach allen Seiten hin Versicherungen
angebracht, Verpflichtungen, Dankbarkeitsklammern, Entfaltungs-Illusionen;
wozu Sie aber htten steigen knnen, wenn man Ihnen die Menschenfreiheit
nicht geraubt htte, davor verschlieen Sie sich. Frauen wie Sie mten
in ihrer Jugend vom Staat beschlagnahmt werden. Die Ehe zerstrt sie. Es
ist als htte man Sand in ein kostbares Uhrwerk geschttet. Wenn dann
der groe Feind kommt, ist es zu spt. Der groe Feind, der groe
Abrechnungskommissr, der Unbestechliche.
Sie schwieg. Ihr Gesicht hatte einen Ausdruck unnennbarer Innigkeit, der
Golowin betroffen machte.
Glauben Sie auch nicht an den gr$
ter vier
Augen zu wechseln: Hatten Sie nicht noch einen Gast, Baronin? fragte
er vorsichtigen Tons; Marietta sprach davon - Frau von Gravenreuth
antwortete: Ja, Herr van der Muylen war bei uns. Er ist vorgestern
telegraphisch abgerufen worden. Manche haben einen guten Stern. Sie sah
Erasmus forschend an. Und wer ist der Knabe? fragte Erasmus weiter.
Sie erwiderte: Wolf ist mein Schutzbefohlener. Er lebt seit seiner
Geburt in meinem Hause. Seine Mutter ist, ... sie ist tot; sie war meine
beste Freundin. Es ist ein schnes Kind, nicht wahr? Wieder sah sie ihn
mit ihren forschenden, glanzlosen Augen an; ich hoffe nur, da diese
Eindrcke seine junge Seele nicht verdunkeln, fgte sie hinzu, meine
wird sich nie mehr von ihnen befreien knnen. Erasmus nahm ihre Hand,
fhrte sie an die Lippen und sagte: Ich empfinde tief mit Ihnen, bis
ins Innerste, und das ist kein leeres Wort. Ich kenne die Gre der
Katastrophe.
Der ins Dorf gesandte Bote kehrte mit der Nachricht zurck, der Doktor
knne nicht kom$
 Herz, und die Schauenden gewahrten bald nur noch das Herz: einen
funkelnden, pulsenden Rubin, in die Dunkelheit gelagert wie eine Figur
auf einem gemalten Kirchenfenster.
Jost brach in die Knie. Mit den Hnden tastete er rckwrts, als suche
er alle die vielen Hnde dort zum Schutz. O Kind! rief er
schluchzend, o Mensch! Wohin gehst du mit dem Flammenjuwel in deiner
Brust? Sag es nur, sag es uns, sag es aller Menschheit, da der rote
heie Kern nur einmal da ist, die leuchtende Frucht nur einmal reif
wird. Fr einen nur ein einziges Mal. Sag es, was es heit: ein einziges
Mal. Sie wissen nicht, was es bedeutet: ein einziges Mal! Sprich, du
Gotteswesen! sprich, ser Geist!
Aber das Kind lchelte blo. Lchelte und verging.
       *       *       *       *       *
Zum hohen Gebieter, vor den ewigen Thron, trat Michael, der Erzengel, in
den Morgen der rauschenden Sphren und sprach:
Ich habe die Seele des Gleichgiltigen gewonnen, Herr.
Werke von Jakob Wassermann
Die Juden von Zirndorf
Die Geschichte der $
 zu reisen.
Sie wollte im Lauf des Tages ins Hotel Adler ziehen und fr die
nchsten Wochen dann in einer Pension Unterkunft suchen. Sie wnschte in
der Nhe von Ccilies Grab zu bleiben. Der Professor nicht minder als
Hanna schienen durch ihre energische Willensuerung ziemlich erstaunt.
Dietrich bekam sie brigens erst zu Gesicht, als sie an Hannas Seite das
Haus verlie, um in den Wagen zu steigen. Sie mochte fnfzig Jahre
zhlen, sah aber jetzt wie eine Greisin aus. Mit erloschenen Augen
wankte sie durch den Flur, die Haut war entsftet, die Arme hingen
kraftlos. Dietrich nherte sich schchtern, beugte sich herab und kte
ihr die Hand. Sie schaute ihn gro und fremd an, schien von einer Ahnung
erfat zu werden und halb entsetzt, halb ergriffen sttzte sie sich eine
Sekunde lang auf seine Schulter.
Als sie im Wagen saen, fing Hanna an, von Oberlin zu sprechen, von
seinem freien Entgegenkommen, seiner bescheidenen Freundlichkeit. Sie
habe ihm Nachricht verheien; sie habe sich entschlossen, ihn hie und $
 wieder Platz genommen
hatten, sagte er:
Edgar Allan kommt mit. Noch ein paar Leute, und wir knnen anfangen.
Kommt er? Gut! Da haben wir ja einen ganzen Kerl gewonnen. Ja, du, was
ich sagen wollte - mir sind noch einige Leute eingefallen - aber man
kann ja nicht gut jemand auffordern. Und wie soll man es sonst diesen
Leuten nahelegen?
Gar nicht, natrlich, antwortete Paul Seebeck. Wer nicht freiwillig,
aus innerstem Instinkt zu uns kommt, mag fortbleiben. Die brauchen wir,
die uns zufllig finden, weil sie uns brauchen.
Ja, ja, sagte Jakob Silberland etwas verlegen. Aber wir mssen doch
einen Anfang haben. Wir zwei, drei Menschen knnen uns dort nicht
festsetzen und auf die anderen warten. Damit wrden wir uns nur
lcherlich machen und gar nichts erreichen.
Du irrst. Wir mssen gerade hingehen und uns der Lcherlichkeit
Ich frchte nur, da wir zwei, mit Edgar Allan also drei, unser ganzes
Leben lang allein auf der Insel hocken werden.
Otto Meyer, der offenbar frchtete, Zeuge eines Streites d$
zufachen. In
ihre Decken gehllt, lagen die Sieben schweigend da und sahen zum
glnzenden Sternenhimmel empor.
Als der Tag sich jhrte, an dem die sieben Grnder die Insel betreten
hatten, lag die Prinzessin Irene in vollem Flaggenschmuck vor der
Bucht. Als die Hochflut kam und die Klippen bedeckte, schleppten die
beiden zierlichen Dampfbarkassen schwere Boote mit Menschen und
Hausgert ans Land. Auf der improvisierten Landungsbrcke standen Paul
Seebeck und Melchior und begrten die Ankmmlinge, whrend die anderen
Fnf eifrig damit beschftigt waren, ihnen Unterkunft in den groen
Schuppen und Zelten zu bereiten, die zu diesem Zwecke errichtet waren.
Denn die Huser muten ja erst gebaut werden und zwar in derselben
Reihenfolge, in der die endgiltigen Erklrungen eingelaufen waren.
Dreihundertfnfzig erwachsene Personen trafen an diesem Tage ein:
tchtige Handwerker mit gesetzten Gesichtern, Kaufleute, die aus irgend
einem Grunde nicht vorwrts gekommen waren und nicht wenige
unbestimmbaren oder unsicher$
sich, auf die einzelnen Punkte einzugehn. Ich bin vllig
unbefangen hierhergekommen und habe alles mit eigenen Augen geprft,
besonders das Protokoll jener Sitzung. Da ich mich leider von der
Stichhaltigkeit jener Klage berzeugen mute, sehe ich mich zu meinem
Bedauern gentigt, von meinen Vollmachten Gebrauch zu machen. Sie mssen
die Reichsregierung verstehen, Herr Seebeck. Wenn hier nur einige
Idealisten auf einem unfruchtbaren Felseneilande sen, knnte man sie
ja in Gottes Namen machen lassen, was sie wollten, und ihre Experimente
mit Wohlwollen und Interesse betrachten. Da es sich jetzt aber schon um
Hunderte handelt, die Zahl der Ansiedler wahrscheinlich noch bedeutend
steigen wird, und ferner das Interesse des Reichs an diesem Teile seines
Kolonialbesitzes durch die Schwefelfunde noch erhht ist, ist es nicht
nur das gute Recht, sondern die Pflicht des Reiches, hier absolut
korrekte Zustnde zu schaffen.
Er machte eine Pause, als erwartete er eine Antwort; aber Paul Seebeck
sagte nichts, sah ihm nu$
 und damit gut. Gehen Sie! Jetzt besttigt
sich also meine Vermutung, da Sie zu den Verrtern gehren. Gehen Sie,
mit Ihnen bin ich fertig.
Gndige Frau, die Stimme des Krppels war ganz sanft, Sie scheinen
sehr leicht zu vergessen! Er schritt auf die Tr zu, fate die Klinke
und drehte sich wieder nach Frau von Zeuthen um. Soll ich wirklich
allen Leuten erzhlen, was in einer gewissen Nacht zwischen uns
vorgefallen ist? Er richtete sich auf und sagte kameradschaftlich:
Geben Sie mir doch lieber die Plne.
Frau von Zeuthen ging zu ihrem groen Schranke, ffnete diesen aber
nicht, sondern holte aus dem Winkel zwischen ihm und der Wand Felix'
Reitpeitsche hervor. Sie wog sie prfend in der Hand, trat dann schnell
auf Herrn de la Rouvire zu und schlug sie ihm zweimal mit aller Kraft
durchs Gesicht. Dann warf sie die Peitsche fort und blieb hoch
aufgerichtet vor ihm stehn. Er sah sie eine Weile ganz verstndnislos
an, griff dann mit beiden Hnden an sein schmerzendes Gesicht und
taumelte hinaus.
Vor de$
erland zur Vornahme der notwendigen Schritte zu
beauftragen.
Was ich bis jetzt getan habe, geht nur mich selbst an und kann fr
keinen anderen Brger der Gemeinschaft nachteilige Folgen haben, solange
sich die Gemeinschaft nicht solidarisch mit mir erklrt. Sie brauchen
also nicht zu frchten, da ich Sie in irgend eine schwere Situation
hineingebracht habe. Sie knnen ganz frei beschlieen.
Wenn Ihnen unsere Sache aber lieb ist, und Paul Seebecks mde Augen
bekamen Glanz und Feuer, wenn Sie als Mnner fr Ihr Werk eintreten
wollen, dann knnen wir es retten. Bevor ein Kriegsschiff hier ist,
knnen wir unsere Befestigungen vollenden und knnen uns halten, bis wir
unter englischem Schutze stehen.
Ich mag darber nichts mehr sagen, ich will Sie zu keinem folgenschweren
Entschlusse berreden, den Sie spter bereuen. berlegen Sie es sich in
Das eiskalte Schweigen, mit dem Paul Seebecks Rede angehrt worden war,
dauerte noch fort, als er wieder auf seinem Platze sa. Dann erklang
hinter ihm eine Stimme:
Nechli$
gniss, bis sie ihre schlsser
      bergaben. Da die verrther merkten, dass er ein milder mann war,
      und sanft und gut, und keine gerechtigkeit vollzog, da wunderten
      sie sich alle.
  Hi hadden him manred maked and aes suoren. ac hi nan treue ne
  heolden. alle he wron forsworen. and here treoes forloren. for uric
  rice man his castles makede and aganes him heolden. and fylden e land
  full of castles. Hi suencten suie e wrecce men of e land mid
  castel-weorces. a e castles waren maked. a fylden hi mid deoules
  and yuele men. a namen hi a onen e hi wenden t ani god hefden.
  bae be nihtes and be dies. carl-men and wimmen. and diden heom in
  prisun efter gold and syluer. and pined heom untellendlice pining. for
  ne wren nure nan martyrs swa pined alse hi wron.
      Sie hatten ihm gehuldigt und eide geschworen, aber sie hielten
      keine treue; sie waren alle meineidig und ihres glaubens
      verlustig. Denn ein jeder reiche mann baute seine schlsser,
      und sie be$
r der regierung Eduard's III. der volkscharakter
in religiser, politischer und literarischer beziehung eine andere,
nicht mehr normnnisch-franzsische, sondern nationale, d.h. englische
richtung nahm, hatten auch die Schotten eine heldenzeit, ihre Wallace
und Bruce zu ende des 13. und anfang des 14. jahrhunderts gehabt, welche
fr die unabhngigkeit ihres vaterlandes gegen Eduard I., Eduard II.
und Eduard III. stritten. Von natur romantischer und poetischer als
die Englnder, verarbeiteten die Schotten im 14. jahrhundert den
grossartigen nationalen stoff, welchen ihnen diese unabhngigkeitskmpfe
gegeben hatten, in ihrer mit dem nordenglischen idiom verwandten
sprache, welche, weniger mit dem Franzsischen vermischt, ihre abkunft
von den nrdlicheren germanischen stmmen, welche von dem 5. bis zum
11. jahrhundert den norden England's und die sogenannten Niederlande
(lowlands) von Schottland zum Schauplatz ihrer niederlassungen und
kriegerischen einflle machten, nicht verleugnete.
Zwar hatte die normnnisch$
Krftigung der
Kirche bei der groen Menge nicht wenig beigetragen. Die Geistlichen
nahmen nicht den geringsten Anstand, das Gotteshaus zum Tummelplatz der
Ruhmsucht des Einzelnen zu machen; wurde doch dadurch zugleich die
Kirche geschmckt und verherrlicht. Die Ppste und ihre Nepoten gingen
im Luxus der Monumente allen Anderen voran; Roms Kirchen bertrafen in
Pracht und Menge der Denkmler selbst die Grabkirchen der reichsten
Tyrannen. Wenn die Kirchen von Venedig an Zahl und Pracht der
Grabmonumente sich mit den Kirchen Roms beinahe messen knnen, wenn
diese Denkmler in Florenz durch ihre Schnheit allen anderen berlegen
sind, so haben dieselben doch an beiden Orten einen eigentmlichen
Charakter, der ihnen schon durch die Vornehmheit der Gesinnung vor den
rmischen Monumenten den Vorzug giebt: in beiden Republiken dienten
diese Denkmler in erster Reihe nicht der Verherrlichung des Einzelnen,
sondern dem Ruhme des Staats. In Venedig durfte nur dem Dogen, als dem
Reprsentanten der stolzen Republik, die$
ch vereinzelte kleinere Bildwerke zuweisen, wie die
Statue des Tufers in einem Hofe der Annunziata (der beglaubigten
Statuette am Silberaltar in der Opera del Duomo ganz entsprechend) und
verschiedene Madonnenreliefs, von denen sich das schnste, in Thon
modelliert und mit tadellos erhaltener wirkungsvoller Bemalung, in der
Berliner Sammlung befindet (No. 58). Auch ein bemaltes Stuckrelief im
Rund (No. 58A) giebt wohl eine ltere Komposition des Michelozzo wieder.
In reicheren, bewegten Kompositionen vllig ungengend, ist der Knstler
in seinen Einzelgestalten, den Freifiguren wie Reliefs, von einer den
Architekten verratenden vornehmen Ruhe, von groem Wurf der Gewnder,
von ernster, gelegentlich selbst groer Auffassung, Freilich meist ohne
volle Belebung; daher erscheint er leicht nchtern und einfrmig.
Charakteristisch ist fr den Knstler das starke Halbrelief.
Der Gehlfe Michelozzo's in jenen mit Donatello gemeinsam bernommenen
Monumenten, _Pagno di Lapo Portigiani_ (1406-1470) ist ein ebenso
handw$
chuldigkeit gethan!
Der Mann erzhlte von Klumpe-Dumpe, der die Treppe hinabfiel und sich
doch auf den Thron schwang und die Prinzessin erhielt. Und die Kinder
klatschten in die Hnde und riefen: Erzhle, erzhle! Sie wollten auch
noch die Geschichte von Ivede-Avede hren, muten sich aber mit
Klumpe-Dumpe begngen. Der Tannenbaum stand ganz still und gedankenvoll,
nie hatten die Vgel drauen im Walde dergleichen erzhlt. Klumpe-Dumpe
fiel die Treppe hinab und bekam doch die Prinzessin! Ja, ja, so geht es
in der Welt zu! dachte der Tannenbaum und hielt es fr Wahrheit, weil
der Erzhler ein so netter Mann war. Ja, ja, wer kann wissen,
vielleicht falle ich auch die Treppe hinab und bekomme eine Prinzessin!
Und er freute sich darauf, den nchsten Tag wieder mit Lichtern und
Spielzeug, mit Gold und Frchten bekleidet zu werden.
Morgen werde ich nicht zittern! dachte er. Ich werde eine recht
herzliche Freude ber alle meine Herrlichkeit empfinden. Morgen werde
ich wieder die Geschichte von Klumpe-Dumpe $
viarium Romanum. 1779. 8.; Brock, P., Die chronologische Sammlung
der Dnischen Knige im Schlosse Rosenburg. 1888. 8.; Brugsch, Heinr.,
bersichtl. Erklrung gyptischer Denkmler des Kgl. Neuen Museums zu
Berlin. 1850. 8.; Bulletin de l'institut gyptien. Annes 1869-71. 1872.
8.; Burckhardt, Jacob, Der Cicerone. 3. Aufl. 1874. 8.; Canones et decreta
sacrosancti oecumenici Concilii Tridentini. 1846. 8.; Caesaris (C. Julii)
quae exstant cum interprete Graeco. (rec. G. Jungermann). 1669. 4.;
Caesarius Heisterbachcensis' Illustrivm miracvlorvm et historiarvm
memorabilivm lib. XII. Antverpiae, ex officina typographica Martini Nutij
1605. 8.; Catechismus, der Kleine -- (1717.) kl. 8.; Curtius Rufus, de
gestis Alexandri Magni. 1849. 8.; Crull, F., Die alten Wandmalereien in
der Kirche zu Toitenwinkel. A. d. Zeitschr. f. Christl. Kunst 1891. Nr.
9.; D.B.***, Memoires du gouvernement de l'empire. 1741. 8.;
Damen-Conversations-Lexikon I-X. 1834-38. 8.; v. Dedenroth, Der
Winterfeldzug in Schleswig-Holstein. 1864. 8.;$
er_: Bericht ber das IX. u. X. Vereinsjahr. 1900. 8. --
*Wrzburg.* _Histor. Verein v. Unterfranken u. Aschaffenburg_: Archiv XLI.
Bd. 1899. 8.; Jahresbericht f. 1898. 1899. 8. -- *Zrich.* _Antiquarische
Gesellschaft_: Mitteilung. 1899. (1900.) 2.
*[**special chars in the last paragraph]* Albr. v. Eyb, Ob einem mann sey
zenemen ein eclich weib oder nit. Augsburg. Joh. Bmler. 1474. 2. --
Pirkheimer, Priscorum numismatum ad Nvrenbergensis monetae ualorem facta
aestimatio. 1533. 8. -- Apianus (Petrus), et Barptholomeus Amantius,
Inscriptiones sacrosanctae vetustatis. 1534. 2. -- Haberer, Ein gar
sch[**eo]ne Spyl von dem gl[**ea]ubigen Vatter Abraham. 1592. 8. --
Hotterus (Elias), Lectiones evangeliorvm et epistolarvm anniversariae.
1601. 8. -- Theodori Bezae Vezelii Poemata varia. 1614. kl. 8. --
Uttenhofer, Caspar, Pes mechanicus oder Werckschuch (1620). 4. Angebunden:
J. Faulhaber, Newe geometrische u. perspektivische inventiones. 1610. 4.;
J. Faulhaber, Ein sehr ntzlicher new erfundener Gebrauch eines
Nid$
ABINET._
_Geschenke._
*Brighthurst* (Orange, New Jersey _U.S.A._). Mrs. _John Crosby Brown_:
Sechs Photographien von Schrnken mit Musikinstrumenten im
Metropolitan-Museum zu New-York. -- *Dsseldorf.* Dr. jur. _Hans H. Ewers_,
Schriftsteller: Exlibris des Hrn. Geschenkgebers, gez. v. John Jack
Vrieslander in Dsseldorf. -- *Freiburg i. Br.* Professor Dr. _F. Wibel_:
Fnf Flugbltter der ersten Hlfte des 19. Jahrhdts. -- *Hall* (Schwaben).
_Konr. Schauffele_, Konditor: Flugbltter von 1791 u. 1818. Deutschlands
Hoffnung, kolor. Kupferst. aus dem Verlage von Fr. Campe in Nrnberg. Fnf
religise, etc. Darstellungen, kolor. Kupferstiche aus dem Verlage von
Riedel in Nrnberg; ca. 1820. -- *Hamburg.* _Jakob Nordheim_, Grohndler:
Das von denen Mnnern von allen Nationen zersthrte und zerbrochene
Weiber-Parlament. Kupferstich mit Text in Typendruck; ca. 1700. Neu
erfundene Chronologische Spiel-Tafel zur Erlernung der
Universal-Historia. 1719. Kupferst. v. Andreas Geyer in Regensburg.
Neu-erfundene Histori$
ift.
1900. 4. _Weidmann_'sche Buchhandl.: Achelis, Die Martyrologien, ihre
Geschichte u. ihr Wert. 1900. 4. Mllenhoff, Deutsche Altertumskunde. IV,
1 u. 2. 1898-1900. 8. Er. Schmidt, Lessing. Geschichte seines Lebens u.
seiner Schriften I. II. 2. Aufl. 1899. 8. Seeck, Die charakteristischen
Unterschiede der Brder van Eyck. 1899. 4. Suphan, Allerlei Zierliches von
der alten Excellenz. 1900. 8. -- *Bielefeld.* _Velhagen & Klasing_,
Verlagsbuchh.: Holm, Lbeck, Die Freie u. Hanse-Stadt. 1900. 8. Meisner u.
Luther, Die Erfindung der Buchdruckerkunst. 1900. 8. Steindorff, Die
Bltezeit des Pharaonenreichs. 1900. 8. -- *Braunsberg.* _Handelskammer_:
Jahresbericht f. d. J. 1899. 1900. 8. -- *Breslau.* _Handelskammer_:
Jahresbericht f. d. J. 1899. 1900. 8. -- *Bromberg.* _Handelskammer_:
Jahresbericht f. 1899. 1900. gr. 8. -- *Brnn.* _Verein Deutsches Haus_:
Bltter vom Deutschen Hause Nr. 3-9. 1891-95. 8. Nr. 13. 1900. 8.; Die
Chronik der Landeshauptstadt Brnn. II. 1. 2/3, III, IV. -- 1897. 8.
Trautenberger, F$
uenstige
Stand des Finanzwesens fanden die Anerkennung der Berichterstatter,
desgleichen der im Werk befindliche Neubau, dagegen wurde das von Direktor
von Bezold vorgelegte Projekt fuer den Umbau des Koenigsstiftungshauses als
zu weit gehend erachtet und eine Vereinfachung derselben beschlossen.
_PERSONALIEN._
Am 1. Maerz trat der Praktikant Dr. _Alfred Hagelstange_ aus, um eine
Stelle als Assistent am Staedelschen Institut in Frankfurt a. M.
anzutreten. Assistent Dr. _Max __ Wingenroth_ verliess die Anstalt am 1.
Mai und uebernahm eine Stellung bei der Inventarisierung der Kunstdenkmaeler
des Grossherzogtums Baden. Die Sekretariatsgeschaefte werden dem Assistenten
Dr. _Otto Lauffer_ uebertragen, der von der Bibliothek an die Kunst- und
Kulturgeschichtlichen Sammlungen versetzt wurde. An seine Stelle an der
Bibliothek trat am 1. Juni als Praktikant Dr. _Heinrich Heerwagen_ aus
[Illustration: Elfenbeinrelief]
Erstuermung einer Minneburg.  Elfenbeinrelief. XIV. Jahrhundert.
*       *       *       *       *
He$
 Grundri und Ansichten
erhalten: Hallenbau in der Richtung der Erzgebirgsschule. Der etwas ltere
Chor war in seiner reichen Dekoration an Streben und Fenstern der
Marien-K. zu Bernburg hnlich und rhrt von denselben Meistern her,
_Hanns_ und _Matthias Kumoller_. -- Der jetzige Bau nach der Zerstrung des
vorigen im 7j. Kriege erb. 1764-92. Langer Streit um den Plan zwischen dem
Ratszimmermeister _J. G. Schmidt_ (Schler _Bhrs_ und dadurch Vertreter
der deutschen Barocktradition) und dem Hofbaumeister und Akademiker
_Krubsacius_ (der dem eben aufkommenden Pariser Klassizismus zuneigte).
Ein Gutachten _Chiaveris_ verhalf _Schmidt_ zum Siege. Die Anlage ein
Kompromi zwischen zentraler und longitudinaler Grundform. Von dem
rechteckigen Umfang kommt der WBau fr Turm und Emporentreppen in Abzug;
ferner sind am OEnde die Ecken abgerundet; als Gemeindehaus verbleibt ein
Quadrat, in dem aber doch wieder durch elliptischen Grundri der Emporen
die west-stl. Achse strker betont ist. Die Emporen gesttzt auf weni$
.
_GAIBACH._ UFranken BA Gerolzhofen.
*Dorf-K.* 1740 nach Plnen von _Balth. Neumann_ von einem Maurermeister
aus Werneck. 1sch. lateinisches Kreuz. Die Vierung im Grundri elliptisch,
ebenso die von ihr ausstrahlenden 3 Konchen, woraus sich fr die Gewlbe
pikante Schnittlinien ergeben. Turm stl. am Chor in der Hauptachse. Fr
Neumann bezeichnend u. a. die schneidige Umrilinie des Haubenhelmes.
Fassade einfach. -- Gute Rok. Einrichtung. Altre aus Stuckmarmor. Bmkw.
Orgelgehuse.
*Kreuz-Kapelle* im Schlopark. Erb. vor 1698, vielleicht von einem der
_Dientzenhofer_. Spbar. Zentralbau; auen kreisrund, innen quadr.
Hauptraum mit 4 transversalen Nischen; Polygonkuppel ber toskan.
Pilastern. -- Altre spbar., gut in den Raum komponiert.
*Schlo*. Ursp. Anlage A. 17. Jh. durch die Herren Echter v. Mespelbrunn
als quadr. Wasserschlo mit runden Ecktrmen ber mchtigen
Fundamentbauten mit Bastionen (davon 2 erhalten); unter Frstbischof
Lothar Franz von Schnborn 1694-1708 durch den Bamberger Baumeister
_Johan$
 Kleiner Bar.Bau 1686, reich ausgestattet, Hauptaltar
hnlich dem zu Ershausen.
_KEILA._ Sachsen-Weimar VB Neustadt a. d. Orla.
*Dorf-K.* 1696, unbedeutend. -- im Chor _Gemlde_ (Kreuzigung) von _Paul
Keil_ aus Neustadt 1604 (vgl. Nimritz und Arnshaugk).
_KELBRA._ Pr. Sachsen Kr. Sangerhausen.
*Kirche* des 1251 gegr. *Cisterc.-Nonnen-Klst*. Von einem lteren Bau der
rom. Turmunterbau. Die got. Klost.-K. 1sch. flachgedeckt, in der Sptgotik
durch 1 Nebenschiff erweitert. Nach Brand 1607 stark restauriert.
_KEMBERG._ Pr. Sachsen Kr. Wittenberg.
*Stadt-K.* Spgot. Ziegelrohbau. -- _Altartriptychon_ mit Gemlden von _L.
Cranach d. J._ -- _Sakramentshaus_, zierlicher hoher Aufbau aus Sandstein,
in der Art der gewhnlich _Adam Krafft_ zugerechneten frnkischen
_KENTZGAU._ UFranken BA Hafurt.
*Dorf-K.* 1760 mit starkem ma. Chorturm. Gute Rok.Ausstattung. -- Reste des
ehemaligen *Wasserschlosses*. -- berlebensgroe _Kreuzigungsgruppe_ um
_KERSBACH._ OFranken BA Forchheim.
*Pfarr-K.* 1744 von _Kchel_, einem Schler $
Zeit.
*Wallfahrts-Kap*. _Holzfiguren_ in der Richtung _Riemenschneiders_.
_MGELN._ K. Sachsen AH Oschatz.
*Stadt-K.* Einheitlicher Bau aus A. 16. Jh. (Gewlbeschlustein bez.
1521). Hallenkirche von 3 Schiffen und 3 Jochen, in das 4. Joch der Turm
eingebaut (vollendet 1710). Die Ssch. sehr schmal, Sterngwb. auf 8eck.
Pfll. mit konkaven Flchen; Fenster 3teilig mit uerst nchternem
Mawerk; Chor 1 Joch und 5/8 Schlu. -- _Sakramentsnische_ mit Halbfiguren
von Propheten und Engeln. berlebensgroes Kruzifix. [_Flgelaltar_ von
_M. Krodel_ 1582 im Dresdener Altertumsmuseum.] Vor der sdl. Vorhalle
groes prachtvolles Gitter bez. 1648. -- _Grabmal_ des Melchior v.
Saalhausen {~DAGGER~} 1504, hchst lebendig behandelte Standfigur in fast voller
Rundung; recht tchtig auch die des Joh. von Haugwitz {~DAGGER~} 1591 und des
Diakonus Stein {~DAGGER~} 1612; Bar.Epitaphe in verschiedenfarbigem Marmor fr
Sophie und Georg Dietrich v. Wolframsdorf 1691, 1694.
*Schlo Ruhetal*. Genannt 1218. Von ma. Bauteilen nichts nac$
 18. Jh.. abgetragenen
Hauptturmes neu errichtet ist. _Torfahrtshaus_, das Haupt- und Vorburg
scheidet, in rom. Stile gehalten, darber ein lnglicher Wohnraum, die
sog. _Dirnitzlaube_; endlich an der WSeite, teils in der Haupt-, teils in
der Vorburg stehend, die Dirnitz, massiv in got. Stil erbaut. Unterbauten
z. T. noch mittelalterlich. Im Erdgescho der reichhaltige _Rstsaal_, in
den oberen Geschossen Wohnrume fr Gste. Reich geschnitztes
Schweizerzimmer, aus dem Schlosse der Herren v. Salis-Soglio bei Chur,
treffliche SpRenss.-Arbeit. An der N Seite auen rom. Steinrelief: Simson
mit dem Lwen.
_WARZA._ Sachsen-Gotha LA Gotha.
*Dorf-K.* 1520 und 1554, in den Zierformen nicht uninteressant.
_WASEWITZ._ K. Sachsen AH Grimma.
*Dorf-K.* kleiner, gut erhaltener rom. Bau wohl noch 12. Jh.
_WASSERLOSEN._ UFranken BA Hammelburg.
*Kirche.* Zwei virtuose _Rokokoaltre_ mit Altarblttern von _Nic. Treu_.
_WSSERNDORF._ UFranken BA Kitzingen.
*Pfarr-K.* Einheitlich spgot. 1496. -- _Madonna_, Holz, um 1480. 5
_Ep$
re auch ein Vierungsturm beabsichtigt gewesen. --
Das Innere birgt _Bildhauerwerke_, die unter den edelsten Kleinoden
deutscher Kunst zu nennen sind. Einheitlich nach Vollendung der K., also
um 1230-35, leider nicht mehr in ursprnglicher Anordnung. Bis zu den
eingreifenden Vernderungen im J. 1666 lag der Fuboden des Chors,
veranlat durch die Krypta, 2,5 m hher als jetzt; zu ersehen aus der
Hhenlage der Arkatur in der Apsis und der Basen der Ecksulchen an den
Triumphbogentrgern. Gegen das Qsch. war der Chor durch einen Lettner
abgeschlossen. Jetzt ist derselbe hinter den Altar, an die Grenze der
Apsis, zurckgeschoben und bei dieser Operation auch in seiner
Zusammensetzung verndert. (In einem Wirtschaftsraum des Schlosses
befinden sich formierte Trmmer, die ber die ursp. Gestalt Aufschlu
geben knnten.) Der jetzige Altartisch vor dem Mittelbogen ist modern. Es
liegt nahe, zu glauben, da sich unter ihm die Eingangstreppe zur Krypta
befand, whrend die seitlichen Arkaden zu den Chortreppen fhrten. $
tergewaende sehr wirksam mit Schellen besetzt. Das
Dachgesims im 18. Jh. erneuert. Der Zwerggalerie entspricht im inneren
Aufbau das als glatte Kugelkalotte gestaltete Gwb.; unter den Fenstern
Arkatur; bezeichnend das Streben nach moeglichst lebhaftem Formenwechsel
auch in der Form ihrer Saeulenschafte.
_Langhaus._ Querschnitt des Msch. 1 : 2, Gesamt-Querschnitt nach dem
gleichseitigen Dreieck. Die Gwbb. haben Kreuzrippen und sind in den Quer-
wie in den Schildgurten spitzbg.; trotz der Freiheit der Grundrissbildung,
die dadurch moeglich geworden waere, ist nach deutscher Gewohnheit das sog.
gebundene quadr. System beibehalten. Dabei macht sich behindernd geltend,
dass die Grundrissabmessungen auf diese Teilung ursp. nicht eingerichtet
waren: so ergeben sich von den Vierungspfll. des Qsch. bis zu den oestl.
Chorpfll. nur 4+1/2 Doppeljoche. Im Anschluss des Lhs. an den OChor tritt
deshalb sichtliche Verwirrung ein; man versuchte es mit 6teiligen Gwbb.,
hat sie aber z. T. wieder aufgegeben. Eine baugeschichtlic$
ter hat wohl am meisten auf die Schraegansicht von der
Schlossterrasse her gerechnet, wo die Kuppel in die Gruppierung eingreift;
seitlich erweitert sich die Fassade durch niedrige, mit Kuppeln gekroente
Kapp. -- Anschliessend der Conventsbau (jetzt Priesterseminar) grossenteils
schon 1668. -- Im Innern der K. einige nicht bedeutende _Skulpturen_ aus
der alten K., darunter (rechts vom Eingang) ein Karl d. Gr., im 15. Jh. in
eine karolingische Sl. gemeisselt. -- Annexe der alten Klosterk. waren im O
eine 973 errichtete Taufkirche, mit jener durch ein zweistoeckiges Paradies
verbunden, im N die noch vorhandene:
*S. Michaelis-K.* Erb. 820 als Kapelle des Begraebnisplatzes der Moenche.
Zubauten im 11. und 12. Jh. haben den alten Kern unveraendert gelassen. Die
Anlage gibt den am meisten gebraeuchlichen Typus altchristlicher
Grabkirchen: Rotunde mit innerem Umgang (lichter Durchmesser 11,5,
Mauerstaerke 0,9). Ein Kranz von 8 Sll., die unter sich durch Rundbogen
verbunden sind, traegt einen den Umgang uebersteigend$
ll, Hohenlohe und Montfort, um 1400. Auf dem (neuen) Hochaltar
_Grablegungsgruppe_ um 1500, als Antependium interessantes Relief,
Bestattung des Eremiten Paulus durch Antonius, um 1500. Die grossen
Holzfigg. an der Chorwand, Jakobus und Antonius, in etwas manierierter
Gefuehlsseligkeit. Reich bewegte _Kreuzigungsgruppe_ um 1750 (vom
ehemaligen Hochaltar).
Stattliche *Haeuser,* mehrfach mit Marienbildern des 18. Jh. geschmueckt. --
_Bildstoecke_ 1501, 1513, 1713, 1795.
_GROSSLOeBICHAU._ Sachsen-Weimar VB Apolda.
*Dorf-K.* im Chor _Sakramentshaus_ 16. Jh. Frgot. _Kruzifix_.
_Schnitzaltar_ aus Altenburger Werkstatt, vgl. Maua.
_GROSSMOeLSEN._ Sachsen-Weimar VB Weimar.
*Dorf-K.* gilt fuer eine der aeltesten Stiftungen in Thueringen; das jetzige
Gebaeude Gemengsel aus den letzten 4 Jahrhunderten. -- Taufgestell, Kanzel
und Gestuehl 1723; dem Kanzelbau eingefuegt 2 gemalte _Fluegel_ 1520 von
_Peter v. Mainz_ mit den 7 Freuden und 7 Leiden Marias; ikon. _Grabstein_
_GROSSNEUHAUSEN._ Sachsen-Weimar VB Apolda.
Stattli$
Baugeschichte von H. (O. Liemke)
setzt den Eintritt des got. Meisters 1224 bis 1228 und erklaert H. fuer den
zweitaeltesten rein got. Bau in Deutschland, unmittelbar nach Wetzlar und
vor Marburg. Diese Behauptung enthaelt nichts geradezu Unmoegliches, aber es
fehlt ihr doch auch jede festere Begruendung. Die Schulrichtung ist
dieselbe wie in S. Elisabeth (Mutterschule Soissons), und ich halte es
noch immer fuer das Wahrscheinlichste, dass sie in Hessen zuerst hier
eingesetzt hat. Danach waeren die aeltesten got. Teile in H. in die 40er
Jahre zu setzen. Es ist der Oberbau von Chor und Qsch. Die Fenster sind
hier 2teilig, der grosse Kreis der Kroenung mit Sechspass ausgesetzt (in
Marburg noch glatt), besonders schoen das 2x2 geteilte grosse Fenster des
Chorschlusses. Die Fenster der 5 oestl. Langhausjoche bleiben 2teilig,
nehmen aber Kleeblattbogen an und in der Kroenung eine Gruppe von
Dreipaessen. -- Das angenommene Verhaeltnis zu Marburg bezieht sich nur auf
die OTeile. Mit der Annahme des Hallensystems koen$
hheit: Bruchstein mit Verputz und Quaderecken, die Portale
rechtwinklige Einschnitte, sogar ohne Maueranschlag fuer die Tuerfluegel. --
Die Umwandlung des Lhs. in Hallenkirche im 13. Jh. kam nicht zur
Vollendung; mit der Marburger Schule kein Zusammenhang, eher mit
Westfalen. Am Chor wiederholte Aenderungen: im 12., im 13., im 15. Jh. --
Reste der _Ausstattung_ unerheblich. 2 spgot. _Holzreliefs_ mit Heinrich
und Kunigunde koennten zum Chorgestuehl gehoert haben. _Grabsteine_ meist
sehr beschaedigt, gut der der Aebtissin Anna v. d. Borch 1521. --
_Stiftsgebaeude_. Zu modernen Zwecken verbaut. Von Interesse nur die Frage,
ob in ihnen Reste von der Pfalz Heinrichs II. stecken. Das Inventar bejaht
sie. 1. An der SOEcke der ehemaligen Klausur stoesst eine Kap. mit 1/2
Apsis, sicher rom., vielleicht noch etwas aelter als die Klst.-K. (in den
Quellen von einer S. Georgs-Kap. die Rede). 2. In der jetzigen "Renterei"
am WFluegel des Kreuzgangs stecken die rom. Mauern eines quadr. Raumes mit
quadr. Unterteilung; etwa $
 gruendlich, zumal im Stofflichen musterhaft. --
Haengeepitaph des _B. Golnitz_ {~DAGGER~} 1635, Holzarchitektur mit Uebergewicht des
Figuerlichen, wilde Sp.Renss. -- Charakteristische Beispiele aufwandreicher
und schwulstiger Barockkunst die Steindenkmaeler des _J. J. Pantzer_ von
1673 und des _G. T. Schwendendoerffer_ von 1685. -- Mehrere _Gedenktafeln_
in der Form von Oelgemaelden, darunter bmkw. das der Familie Lawe 1548 von
einem Cranachschueler. -- "Lasset die Kindlein zu mir kommen" von _L.
Cranach d. Ae._ -- Die sehr stattlichen spgot. Klst.-Gebaeude 1830 und 1893
abgebrochen; erhalten ein Teil der umfangreichen _Wandmalereien_
(abgehoben, jetzt in der Univers.-Bibliothek, in der auch andere bmkw.
Kunstwerke).
*Barfuesser-K*. (Franziskaner). Von dem 1239 beg. Klosterbau nichts
erhalten. Die jetzige K. ist Umbau 1494-1504. 2sch. Halle. Die trennenden
4 Pfll. vielleicht Reste der alten NMauer; im S Erweiterung durch eine
ueber dem Kreuzgang angeordnete Empore (wie in der Pauliner-K.).
Nochmaliger Umbau $
; dergleichen grobkrniger Zusatz befrdert die Verdauung so
Aber _ein_ Eichhrnchen ist zu wenig fr einen Verbraucher wie Strix.
Sie mu versuchen, sich mehr zu erlauschen, zu erlauern oder zu erjagen
-- und sie streicht, einer groen Flocke gleich, durch die Kellertiefe
des Tannenwaldes und gleitet weiter wie ein Schatten durch den Hochwald.
Sie untersucht die Wipfel -- sollte da nicht eine Taube sitzen? Sie
versenkt sich in die Dickungen --: sollte sich nicht eine Amsel dort
verborgen haben? Die lhmende Angst folgt ihr; da man sie nicht hrt,
sie nicht sieht, ehe sie auftaucht, darin besteht Ihre Zaubermacht.
Schon breiten sich blagelbe Nebel im Osten aus. Die graue Dunkelheit
wird zu blauem Himmel, und schwarze Wolkenschichten erhalten
Glorienglanz. Die gelbe Sonne ist auf dem Wege aufwrts, bald wird
sie auf ihrem kurzen Tageszuge rings um den Wald wieder sichtbar werden.
Ein paar rote Dompfaffhhne zwischen einem Gewirr reifgeschmckter
Birkenzweige scheinen Strix grell in die Augen, und jetzt endli$
dern
durch die Umgegend ging, deswegen lag etwas unerklrlich Unheimliches in
ihrem einsamen nchtlichen Heulen.
13. Strix schafft sich einen Sklaven an
In der Urwaldecke -- um die alten Eichen herum -- traf man eine Menge
hohler und zunderiger Vergangenheitsbume zwischen dem Neuwuchs an.
Darin wohnten die andern Eulen des Waldes, die _kleinen_ Eulen,
deren Treiben und deren Lebensweise ganz so war wie Strixens. Ihre
Gesellschaft hatte Strix denn auch immer zugesagt.
Sie hielten Sabbath, wenn sie Sabbath hielt, bedurften des Schlafes,
wenn auch sie mde war, und kamen nicht am Tage dahergebraust und
machten Lrm. Ihre Nhe belebte die alte Eule, sie waren gleichsam
Fleisch von ihrem Fleisch und redeten _ihre_ Sprache.
Jeder Vogel singt mit seinem Schnabel, sagen die Menschen. Die eine
Vogelart versteht denn auch nicht viel von dem, was die andre sagt. Die
Lyrik der kleinen Vgel wird nicht von den Krhen verstanden, und das
Krchzen der Krhen, von dem sie selbst versichern, da es voll von den
schnsten und$
t da hundert Boten mit Milch nach der Stadt
gehen und hundert halbe Tage versumen, wrde ein einziger gengen,
der mit einem Wagen fhrt. Das sind nur einige von den zunchst in
die Augen fallenden Ersparnissen, und sie wrden sich
verzwanzigfachen lassen. Aber wie eine Gesellschaft verschmelzen,
in der die eine Familie 10.000 Franken, die andere keinen Obolus
besitzt? Wie alle die Eiferschteleien vermeiden und zu _einem_
Plan die Interessen verbinden? Wie ausshnen so viel
widerstreitende Interessen und so viel entgegenstrebende Willen
vershnen? Darauf antworte ich: durch die Lockung von Reichthum und
Vermgen. Der strkste Trieb fr den Landmann wie fr den Stdter
ist der Gewinn. Wenn die Betheiligten sehen, da die sozietr
organisirte Arbeit ihnen drei-, fnf-, sechsmal mehr Vortheile
einbringt, als in der isolirten Privatwirthschaft, da allen
Assoziirten die verschiedensten Gensse gesichert sind, so werden
sie alle ihre Eiferschteleien vergessen und sich beeilen, der
Assoziation beizutreten; sie $
iderwrtigen Arbeiten bringen, man erregt
zunchst ihren Stolz nach Rang. Jede Autoritt, sogar der Monarch,
schuldet ihnen den ersten Gru; keine industrielle Armee rckt aus,
ohne da die kleinen Horden an der Spitze marschiren; sie haben das
Vorrecht, bei allen Arbeiten der Einheit (das sind groe Arbeiten,
welche die Phalanxen eines oder mehrerer Reiche unternehmen, groe
Kanalbauten etc.) die erste Hand an's Werk zu legen; sie sind die
Ueberall und Nirgends, ohne deren Mitwirkung nichts Bedeutendes
geschieht. An ihrer Spitze stehen die kleinen Kane (Kan und Kanin),
die selbst gewhlten Offiziere; die kleinen Horden haben auch ihre
besondere Kunstsprache und ihre kleine Artillerie. Ferner whlen
sie aus der Zahl der Alten Druiden und Druidinnen, deren Aufgabe es
ist, den Geschmack fr die Funktionen der kleinen Horden zu
bewahren; sie haben ferner bei allen religisen Uebungen bestimmte
Dienste zu versehen und erhalten dafr besondere Abzeichen.
Frhzeitig zu Bette gehend (acht Uhr Abends), erheben sie si$
auch dessen
Flotte erhielt, -- 8 Linienschiffe, 7 Fregatten etc. -- lie diese
buchstblich verfaulen und die im Bau begriffenen Fregatten
unvollendet. Der bankerotte Staat hatte keine Mittel, eine
Kriegsflotte unterhalten zu knnen. Der Sklavenhandel, durch
christliche Mchte begnstigt, blieb noch bis in unser Zeitalter
ein gewinnbringendes Geschft und eine Schmach unserer Kultur.
Dreizehntens: Fortschritt des Handelsgeistes. Steigende Macht des
Brsenspiels, das der Gesetze spotte, die Frchte der Industrie an
sich reie, die Autoritt mit den Regierungen theile und berall
die Raserei fr das Spiel verbreite. Vierzehntens: Begnstigung des
Handels trotz seiner Verschlimmerung. Marseille baue fr die
Seeruber Schiffe zur Kaperung der Schiffe der Christen, um mit den
gefangenen Christen die afrikanischen Bagnos zu fllen; Nantes
besitze Fabriken in denen die Marterwerkzeuge fr die Tortur der
Neger hergestellt und den Strafgesetzen zum Trotz ausgefhrt
wrden; andere Stdte ahmten den Englndern nach und $
ufgabe, sich in der
Menge des Materials und in dem oft krausen Stil und abrupten
Gedankengang zurechtzufinden. Und doch bietet das Studium seiner
Werke einen groen Genu; sie zeigen eine erstaunliche Flle
origineller Gedanken und Ideen, die zu einem erheblichen Theil auch
fr die heutige Zeit, wie fr die zuknftige Entwicklung der
Gesellschaft von groer Fruchtbarkeit sind. Sein Studium der
menschlichen Triebe und die daraus hervorgehenden Schlsse sind
eine Arbeit, wie sie unseres Wissens nicht zum zweiten Male
existirt. Die Art, wie er die menschlichen Triebe fr eine neue
Gesellschaftsorganisation zu verwenden beabsichtigte, ist so tief
gedacht und erfat, da die Zukunft in der Richtung der von ihm
erfaten Gedanken nur weiter zu wandeln und aufzubauen braucht.
Groartig ist sein System der Kindererziehung, das einem Pdagogen
von Fach eine Flle neuer Gedanken und Anregungen geben wird und
das zugleich Zeugni ablegt von der erstaunlichen, in's kleinste
Detail gehenden Beobachtung, mit der Fourier, wi$
 der
sie geboren war, da sie mittelst der Vernichtung ihres Augenlichts,
wozu ihr die Nadel eines Schmuckstcks gedient hatte, dieses Bild fr
immer festhalten zu knnen glaubte. Der Kapitn fhlte Reue und schickte
sie mit dem im Hafen liegenden Schiff nach ihrer sdlichen Heimat.
Ich verstehe, flsterte Franziska hingenommen, wie man das eigene
Herz hassen kann, so auch die eigenen Augen. Aber was fr ein Mensch war
der Kapitn? Du sagst, er htte das Mdchen geliebt? Wie man eine
Raritt liebt, meinst du? Oder einen Papagei? Geliebt? Unsinn.
Es ist mglich, da er zuerst ein echtes Gefhl fr sie hegte,
antwortete Cajetan, und da er spter, als sie von vielen Menschen
betrachtet und angestaunt wurde, nur noch eitel war. Er hatte sie
vielleicht erziehen wollen und bemerkte dann, da die Wildheit und
Fremdheit ihr strkster Zauber war. So bot er sie andern Augen feil, und
die Neugier der Welt entseelte sie. In derselben Weise ist ja Caspar
Hauser fr seine uneigenntzigsten Freunde gleichsam entsee$
zenfest, wo er den Preis errungen hatte, das stolze Mdchen sich
ihm zuneigte. In der Nacht, whrend er in ihrer Kammer weilte, brach auf
dem Hof, wo er bedienstet war, Feuer aus. Alle waren beim Lschen
beteiligt, und er kam erst, als Scheune und Haus niedergebrannt waren.
Sein verwirrtes, ja beinahe berauschtes Betragen bestrkte den Verdacht,
den seine Abwesenheit erregt hatte, und er wurde beschuldigt, das Feuer
gelegt zu haben. Htte er sich entschlieen knnen, anzugeben, wo er die
Nacht ber geweilt, so htte niemand an seiner Unschuld gezweifelt. Aber
er wollte den Ruf seiner Geliebten schonen, er wute, wie sehr sie die
ble Nachrede frchtete und da sie ihm den Verrat nicht verziehen
htte. Seine Beteuerungen waren umsonst, und da er die Auskunft darber
verweigerte, wo er sich aufgehalten whrend der Zeit, wo das Feuer
entstanden war, so wurde er zu fnf Jahren Kerker verurteilt. Er konnte
es kaum glauben, da ihm dies geschehen, denn er war ein Mensch von
angeborener Redlichkeit, und da er einen$
igen
blassen Retter, vor Erregung schluchzend, an die Brust.
Es erwies sich, da Graf Erdmann auf die Standesherrschaft Beuthen
geraten war, die dem Grafen Carolath gehrte; das Mdchen war die junge
Grfin Caroline, Erbin und einzige Tochter. Nach Peterswalde
heimgekehrt, erscho Junker Erdmann das Pferd, das ihn gen Beuthen
gefhrt, nachdem er es zuvor mit Lilien bekrnzt hatte. Es frstelte ihn
in seiner Einsamkeit; er kam zu fteren Malen nach Beuthen, er wurde mit
der jungen Grfin vertraut, ehe sie es mit Worten waren. Worte sagten
nichts, Erdmanns Augen sagten nichts, sein Herz schien mit der
Leidenschaft zu ringen, er schlo sich zu, wo er konnte, scheinbar
widerwillig gab er sich, scheinbar widerwillig lie er sich lieben,
scheinbar mit Angst sah er den Bund besiegelt, fr jede Liebkosung
glaubte er shnen zu mssen. Als man zu Sorau vernahm, was im Werke war,
beeilte sich der alte Graf, den Freiwerber zu machen, und schon im
Herbst wurde eine prachtvolle Hochzeit gefeiert.
Kurz darauf ereignete es s$
atz meinen Tchtern gegenber: da ihre erste und
heiligste Pflicht sie neben ihre Gatten und ihre Kinder stellt. In
meinem Zustand wirken auch Schmerz und Freude gleichmig stark auf
mich; erlaubt man jemand bei mir einzutreten, den ich lange nicht
gesehen, so ergiet sich ein Strom von Trnen aus meinen Augen, und dann
kommt das Fieber. Vielleicht werden Monate, Jahre ber meine
tiefeingewurzelte Krankheit vergehen -- wie knntest Du darber auch nur
eine Deiner nchsten Pflichten vernachlssigen, whrend ich nichts
brauche als Ruhe, Stille und Einsamkeit .... Ach, knnte ich von dort
oben zu Dir hinuntersehen, dann httest Du den schnsten Trost: meine
Mutter hat die dunkle Schranke berschritten, sie ist dort, wo mein
Wunsch und mein Gebet sie hingeleitete.
Ich schliee, meine Jenny, meine geliebte Tochter, denn kein Wort knnte
ich uern, das nicht das Echo eines kranken Krpers und einer
tieftraurigen Seele wre. Bete fr mich, mein Kind, aber bete nicht, da
der Gott der Gte mir dies Leben erhalten $
 sie im stillen fr die Armen im Lande
sorgte, wei das Volk; wie sie uns Kindern eine mtterliche Frstin war,
das wissen ihre Enkel, das wei auch ich. Sie blieb mir aber immer, so
oft ich sie sah, die Groherzogin, denn 'eine Wrde, eine Hhe entfernte
die Vertraulichkeit'. Oft erzog ein Blick von ihr uns mehr als eine
Strafe unserer Erzieherinnen, und ein kleines Geschenk aus ihrer Hand
wurde mit mehr Ehrfurcht betrachtet als die grte Bonbonniere von Karl
August, der mit uns scherzte und lachte und es gar nicht liebte, wenn
'die Frauenzimmerchen zimperlich taten', sondern gern frhliche, auch
kecke Antworten hrte."
Von nachhaltigem Einflu auf Jennys geistige Entwicklung sollte der Mann
werden, dem ihre Mutter im Jahre 1817 die Hand zum zweiten Ehebunde
reichte: Ernst August von Gersdorff.[62] Seit langem im weimarischen
Dienst, hatte ihn der Herzog, als Probe auf seine Befhigung, mit seiner
Vollmacht am Wiener Kongre teilnehmen lassen, und er hat diese Probe,
zu der ihn Goethe mit den Abschiedsworte$
uch so sehr
unterdrckte, da man ihn neuerdings oft deshalb herzlos schilt, er
empfand so tief wie wenige, darum litt er auch krperlich so sehr
darunter. Nur beim Tode seiner Frau, so erzhlte mir Huschke, war er
weinend vor ihrem Bett in die Knie gesunken mit dem Ausruf: 'Du sollst,
du kannst mich nicht verlassen!' Als die Trauerglocken den Einzug des
toten Karl August uns allen wehmutsvoll in die Seele luteten, war er
still verschwunden. Den Kanzler Mller, der den Auftrag hatte, ihm des
Sohnes Tod mitzuteilen, lie er nicht zu Worte kommen, er sah ihn nur
gro an und ging hinaus. Da er die Kunde erraten hatte, wurde klar, als
Ottilie den nchsten Morgen in Trauerkleidern bei ihm eintrat und er ihr
die Hnde mit den Worten entgegenstreckte: 'Nun wollen wir recht
zusammenhalten.' Dann versuchte er zu arbeiten, verschlo sich vor jedem
Besuch, wollte schlielich verreisen; ein Blutsturz warf ihn aufs
Krankenlager und zeigte nur zu deutlich, wie entsetzlich er litt. Bei
allen geistig bedeutenden Menschen s$
r Welt her und ich war inmitten der Welt; er
stand zu fern und zu hoch, um zu verstehen, was ich zu erwidern hatte.
Niemals war ihm der Kreis nahe getreten, in den ich vom Schicksal
gestellt war, mit seinen Irrthmern und Fesseln, seinen Kleinlichkeiten
und seiner Eleganz, seinem Glanze und seinen Pflichten, seinen Masken,
seinen Regeln, seinem Katechismus des Scheins. Seine Versuchungen waren
ihm fremd, seine lstigen Anforderungen thricht; er nannte Schwachheit,
was ich als ein pflichtgemes Opfer empfand. Dennoch, vor dem Gerichte
der unbeirrten und gesunden Vernunft war alles richtig, was er sagte,
alles gut, was er rieth. Die Welt hatte allemal Unrecht, wo er und sie
Entgegengesetztes verlangten. Allein sie ist die mchtigere: Scheidler
rieth, die Welt befahl.
"Ich hatte mein Gleichgewicht wieder. Ich fhlte, dieser Mann war mein
Freund, er hatte Recht, ich mute ihn hren und seinen edlen Grundstzen
gehorsam sein. Als er mich neu belebt sah, gewann sein Gesicht den
Ausdruck reinster Befriedigung. 'Ni$
mkeitstrumen und finde
sie in Wirklichkeit noch lieber," schrieb sie nach dreijhrigem
Aufenthalt in Garden und fgte hinzu, da sie sich nicht vorzustellen
vermchte, jemals in das stdtische Leben zurckkehren zu knnen. Nur
leise klang hie und da die Sehnsucht nach fernen Lieben durch. "Von
mir," heit es in einem Brief an Frau Froriep, "kann ich nur
Erfreuliches berichten: meine lieben Herzenskinder gedeihen an Geist und
Krper, und bermorgen ist Weihnachten!! -- Ottchen ist gro und
krftig, und seine Liebe und Zrtlichkeit beglckt mich unendlich ...
Wir sehen niemanden, und jeder Tag ist sich gleich -- gleich lieb und
angenehm, ich zeichne, stricke, schreibe, lese zuweilen, spiele abends
mit Werner Schach, oder wir lesen einander vor. Die Grundfarbe des
Lebens sind immer die zwei lieben Engelchen, und htte ich meine Mama
und meine Emma, dann mchte ich niemals sterben."
Das liebe Bild Weimars mochte aber doch immer lockender vor ihrer Seele
stehen, und das Verlangen, ihr Frauenglck, ihren Muttersto$
te sich Gromama wieder von ihrer Tochter trennen.
Die Hoffnung, da mein Vater als Generalstabsoffizier im _IV._
Armeekorps bleiben wrde, erfllte sich nicht, er wurde vielmehr nach
Karlsruhe versetzt, so da die Trennung, der weiten Entfernung wegen,
eine recht schmerzliche war. Da ihr Sohn Otto so frhlich zurckkam und
beim Kronprinzen in Potsdam blieb, da ihr Sohn Werner so viel ernster
und reifer geworden zu sein schien, erleichterte ihr den Abschied. Im
Sommer des folgenden Jahres verband sie eine Reise nach Karlsruhe mit
einem Besuch bei ihrer Schwester in Paris und beschlo sie mit der
gewohnten Karlsbader Kur. In einem Briefe aus dieser Zeit -- 1872 --
heit es: "Es scheint, als ob ein sehr friedliches, sorgenloses Ausleben
mir beschieden wre." Aber schon bald nach ihrer Rckkehr nach Potsdam
verdunkelte sich das helle Zukunftsbild wieder. Es wiederholte sich, was
gerade die besten Eltern am schmerzlichsten erfahren mssen: da ein
Zusammenleben von jung und alt nicht gut tut. Bei allem Verstn$
Stock nur langsam zum Absterben bringt und in manchen Fllen dem
Bienenstock nur schadet, aber ihn nicht vernichtet. Die erstere Form wre
also, wie sie Dzierzon[42] nennt, die bsartig ansteckende, die zweite die
gutartig ansteckende Faulbrut. Die bsartig ansteckende Faulbrut, wie sie
Dzierzon a. a. O. schildert, stimmt mit meiner Beobachtung und der oben
angegebenen Characteristik berein, nur erwhnt Dzierzon a. a. O., ebenso
auch Scholtiss[43] Nichts darber, ob die verdeckelten abgestorbenen
Bienenlarven in verkehrter Stellung sich in den Zellen befanden oder nicht.
Kleine und v. Berlepsch[44] dagegen fhren ausdrcklich an, dass alle
Bienenlarven, welche faulbrtig waren mit dem Kopfende nach dem Boden der
Zelle gerichtet lagen, also ganz so, wie ich es jetzt geschildert und schon
frher beobachtet habe und in der Bienenzeitung, Jahrgang 1860 No. 1
beschrieb. Dzierzon's gutartig ansteckende Faulbrut weicht aber von meiner
in sofern ab, als Dzierzon dieselbe meist nur an unbedeckelten Bienenlarven
beoba$
 Reihenfolge,
sondern begannen mit dem letzten, denn er hrte deutlich wieder das
Winseln und Rascheln von vorher und wollte sich eben selbst im Traume
mit dem Bewutsein trsten, da es eben nur ein Traum sei, als das
Gerusch strker und lebendiger wurde und er sich endlich, ordentlich in
die Hhe fahrend, wieder im Bette aufrichtete, um darauf zu horchen.
Jesus Maria Joseph! rief er fast unwillkrlich als er zu der ganz
unzweifelhaften Gewiheit einer ganz neuen Strung gelangte, da ist
beim Himmel noch so eine Bestie darunter, und ich habe doch vorher
ringsumher gefhlt. Na, an die Nacht will ich denken; wenn ich aber je
zurck nach Gidelsbach komme, werde ich mir ein Vergngen daraus machen,
dem verdammten Doctor dieselbe Tour und ein Nachtquartier in dem Nest
hier -- wie hie es gleich? -- zu empfehlen. Der soll mir wiederkommen!
Betrachtungen nutzten aber hier durchaus nichts; der junge Hund lie
sich weder weg noch zur Ruhe philosophiren, und nach mehrmaligen
vergeblichen Versuchen, trotz der Gif$
sagte einer der Politiker, haben Sie nichts Neues gehrt
vom Kriegsschauplatz? -- Keine neuen Zeitungen mitgebracht?
Ich? Nein, lachte der Postbeamte, wollte sie uns hier holen -- ist
aber eben ein Unglck hier in der Stadt passirt, setzte er dann
ernsthafter hinzu.
Ein Unglck? Hier in Lichtenfels?
Ja, sagte der Conducteur, in der Staffelstrae ist ein armer Teufel
von Maurer mit einer groen Familie vom Gerst gefallen.
Mit der ganzen Familie? rief der Commerzienrath erschreckt.
Nein, das nicht, lachte der Conducteur, der Mann hat nur eine starke
Familie zu Hause, aber er hat den Hals gebrochen.
Sie hinken ja, Herr Conducteur? sagte der eine von des Commerzienraths
Tischnachbarn, der aufgestanden war, dem Postmanne seinen Platz zu
geben, was haben Sie denn am Fue?
O nichts, meinte dieser, halb mit gegen den Commerzienrath gewendet
neulich Abends, kurz vor Schlafengehen, gehe ich noch einmal barfu
durchs Zimmer; an demselben Tage hatte aber mein jngstes Mdchen eine
Fensterscheibe$
, die Treppe zum
ersten Stock hinauf. Langsam folgte ihm die Hausfrau, die wohlbeleibt
war und schwer atmete. Pfffling wurde ein wenig ungeduldig, er war
schon so lang unterwegs und ihm war es ganz gleichgltig, wie die Zimmer
aussahen. Auf dem ersten Treppenabsatz mute die Frau ein wenig
ausschnaufen. Jetzt konnte er sich nicht mehr zurckhalten. Ich will
Ihnen lieber gleich mitteilen, da ich Musiklehrer bin, sagte er, wenn
Sie also keinen wollen, dann verlieren wir weiter keine Zeit.
Sie stutzte einen Augenblick, dann sagte sie gndig: Steigen Sie nur
weiter hinauf. Im Nu war Pfffling die zweite Treppe droben, die
Hausfrau keuchte nach. Auf dem zweiten Treppenabsatz wieder Pause zum
Atemholen und Pfffling: Ich will Ihnen nur gleich sagen, da wir
sieben Kinder haben.
Um Himmels willen, rief die Frau, haben Sie denn fr jedes Stockwerk
so eine Hiobspost? Bis wir in den vierten Stock hinaufkommen, spielen
Sie die Regimentstrommel und haben noch ein Dutzend Buben in der Kost!
Ich tu' aber nicht$
 und Wohlstand, sich verhalten _nur_ wie Blten und
Frchte des Baumes zu Stamm und Wurzel, aus denen Blte und Frucht ihre
Nahrung ziehen.
Und damit ist gesagt, da unter dem Gesichtspunkt des _allgemeinen_ alle
Stnde gleichmig umfassenden Volkswohls kein Staatswesen eine
wichtigere Aufgabe haben kann als die Sorge, Wurzel und Stamm seines
Volkstums dauernd gesund und krftig zu erhalten. Trten nun sowohl
nackte Klasseninteressen allen Bestrebungen entgegen, welche auf
Beseitigung der am Volkskrper nagenden sozialen bel dringen, so wrde
damit die Vertretung dieser Bestrebungen unter die Fahne gestellt sein:
_Solidarische Volksinteressen gegenber den Prtentionen bevorzugter
Angesichts des immer deutlicher hervortretenden Kampfes der
Sonderinteressen um die Klinke der Gesetzgebung in Deutschland, scheint
es in der Tat Zeit zu sein, da eine politische Partei, die eine
Volkspartei sich nennt, _ihre_ Bemhung um Einwirkung auf die
Gesetzgebung deutlich unter _diese_ Fahne stelle und in diesem Sinne di$
 Beamten, Geschftsgehilfen und Arbeiter zur
Stiftung, zu ihrer Firma und zu allen Vorgesetzten erstreckt sich
lediglich auf die vertragsmige Arbeitsleistung und die sonstigen
Dienstgeschfte, und zwar in Hinsicht auf folgende Punkte:
     Art und Ma der Arbeitsleistung und der sonstigen Obliegenheiten;
     Leitung und Beaufsichtigung der dienstlichen Ttigkeit durch die
     dazu bestellten Organe;
     Obhut ber Eigentum der Firma und Eigentum Fremder, welches
     einzelnen oder mehreren vermge ihrer dienstlichen Ttigkeit
     anvertraut oder zugnglich ist, und Wahrung sonstiger ihnen darin
     anvertrauter Interessen der Firma und Fremder;
     Wahrung von Sicherheit und Ordnung in Betrieb und Verwaltung;
     Verkehr der einzelnen mit Vorgesetzten, Mitarbeitern und
     Untergebenen innerhalb des Dienstes;
     Schutz von Eigentum und sonstigen Interessen der
     Betriebsangehrigen, insoweit solches Eigentum den Angestellten und
     Arbeitern vermge des Dienstverhltnisses zugnglich ist, od$
dig zu verlautbaren sind. -- Die Sammlung dieser
Protokolle aus den letztvoraufgehenden 20 Jahren ist bei allen
nachfolgenden Rechnungslegungen wieder mit zur Vorlage zu bringen.
Schlubestimmungen.
[Sidenote: Vertretung der St. bei ev. Wegfall der jetzigen St. V.]
Sollte infolge von staatsrechtlichen Vernderungen die Bestimmung in  5
dieses Statuts bezglich der Vertretung der Stiftung einmal hinfllig
werden, so soll diese Vertretung, einschlielich der Bestellung des
Stiftungskommissars in sinngemer Anwendung des  5, und die
statutengeme Verwaltung der Carl Zeiss-Stiftung bergehen an diejenige
Staatsbehrde, welche hinsichtlich der Universitt Jena an die Stelle
des als Stiftungsverwaltung fungierenden Departements des Groherzogl.
S. Staatsministeriums tritt, wofern dieselbe innerhalb Thringens ihren
Sitz hat; andernfalls an die oberste Verwaltungsbehrde innerhalb
[Sidenote: Verfahren bis zur Neukonstituierung der St. V.]
Sollte zu irgend einer Zeit eine den Bestimmungen des  5 oder des  113
d$
von
nicht mehr als ein Zehntel zu verwenden.
[Sidenote: Nutzbarmachung der aus d. U.F. erstellten Einrichtungen fr
gemeinntzige Zwecke.]
Hinsichtlich solcher Gebude und Einrichtungen, die gnzlich aus Mitteln
des Universittsfonds beschafft oder in Betrieb erhalten werden, hat die
Stiftung auszubedingen, da ihre Benutzung fr Zwecke, die im Sinne von
gemeinntzigen Veranstaltungen auf Belehrung nicht studentischer Kreise
ausgehen, den Dozenten der Universitt insoweit gestattet werde, als
die Mitbenutzung fr solche Zwecke ohne Strung der bestimmungsmigen
Verwendung angngig ist.
Falls Leistungen der in Art. 9 bezeichneten Art auf den
Universittsfonds bernommen werden, ist fr die Dauer dessen die
gleiche Bedingung auch hinsichtlich solcher Gebude und Einrichtungen zu
stellen, die nur zum Teil aus Mitteln der Stiftung beschafft sind oder
unterhalten werden.
[Sidenote: Vorschriften fr die Rechnungslegung der
Stiftungsverwaltung.]
Fr die jhrliche Rechnungslegung der Stiftungsverwaltung, gem
 11$
 bleiben.
Arbeiter- und Angestelltenrecht der Carl Zeiss-Stiftung[81].
Dieser Titel enthlt die Przisierung der in  1 sub A, dritter Absatz,
der CARL ZEISS-Stiftung zugewiesenen sozialen Aufgabe. Ich erblicke
darin den wichtigsten Teil des Statuts, weil diese Festsetzungen fr
mich bedeuten den ueren Abschlu eines wesentlichen Stckes meiner
ganzen Lebensarbeit und weil ich zugleich berzeugt bin, da den
Bestrebungen, die darin zum Ausdruck kommen, ein ganz entscheidender
Anteil an der gnstigen Entwicklung der jetzigen Stiftungsunternehmungen
beizumessen ist, ihre fortgesetzte Anerkennung mir also auch als eine
wesentliche Bedingung fr deren ferneren gedeihlichen Fortgang
erscheinen mu.
Diese Bestrebungen aber haben auf meiner Seite -- seit wohl zwanzig
Jahren schon bewuterweise -- unter folgendem ganz allgemeinen
Gesichtspunkt gestanden:
Als ein dringendes Volks- und Staatsinteresse gilt unbestritten die
Erhaltung, beziehungsweise Wiedererneuerung eines breiten gesunden
Mittelstandes, dessen Gliede$
das er sich geworfen hatte;
sie glaubte, er habe geweint. "Du bist zu dumm, Ole!" flsterte sie.
Die graue Sommernacht, die nicht schlafen kann und auch nicht wachen,
erweckt leicht das Gefhl von etwas Halberreichtem, -- fr die beiden
wurde sie, was ein halbdunkles Zimmer fr zwei heimlich Verlobte ist.
Sie lie ihre Hand auf seinem Arm liegen, und als seine Augen den ihren
begegneten, sah sie ihn an, wie wenn man ein Kind zudeckt. "Siehst Du,
ich dachte," sagte er, "ich glaubte, ja, denk' nur, ich glaubte ..."
Trnen standen ihm in den Augen. "Du bist zu dumm, Ole!" flsterte sie
wieder. Und damit waren die Strme des Tages abgetan.
Ihre Hand blieb auf seinem Arm liegen; es sah aus, als fhre sie einen
Arrestanten. Er fhlte kaum den Druck, aber es rieselte ihm durch Mark
und Bein. Ab und zu streifte ihr seidenes Kleid sein Bein; sie gingen im
Takt, der elektrische Strom ihrer Nhe trug ihn. Sie waren ganz allein,
und es war ganz still; sie hrten ihre eigenen Schritte und das Rascheln
des seidenen Kleides$
egenheiten
mischen wollte! Spion und Angeber also? Was zum Teufel wollte er denn
eigentlich? Was beabsichtigte er? Waren das vielleicht auch "Gottes
Wege"? Durch Schlssellcher gucken und an den Tren horchen? Dieser
Kerl, der ihm "auf Gottes Wegen" seine prchtige Schwester genommen
hatte -- wollte der ihm nun auch seine Liebe nehmen? Weshalb kam er
nicht zu ihm selber? Weshalb es der Tante sagen?
Er hatte die grte Lust, ihn aufzusuchen und ihn tchtig durchzubluen,
ihn halbtot zu schlagen! Verdient htte ers, wei Gott! Er schlug
wirklich die Richtung nach Ole Tufts Wohnung ein; aber da stiegen die
groen Augen seiner Schwester vor ihm auf und sahen ihn fest an. Er
konnte sich wenden und drehen, wie er wollte -- sie waren da, die tiefen
Augen. Und dann fhlte er ihre Wange an der seinen, wie an jenem letzten
Abend. Das Ende vom Liede war, da er vorbeiging. Aber damit war er in
die Nhe seiner frheren Wohnung gelangt, und da fiel ihm Rendalen ein.
Zu dem wollte er! Kein Tttelchen wollte er ihm verheim$
zten Kampf mit Atropin nachhelfen? In einem solchen Fall war das
Mittel noch nicht erprobt; aber immerhin -- rationell war es. Wo er ging
und stand, was er auch vornahm -- berall verfolgte ihn diese Frage. Die
fnf Kinder der Kranken waren bei Sren Pedersen und Aase untergebracht;
in solchen Fllen waren die Zwei unbezahlbar.
Als er zum zweitenmal hinging, blieb er gleich da; es war ein Ringkampf
-- Aug' in Auge mit dem Tod.
Eine kleine, sehr saubere Stube mit drei Betten. Im Fenster ein
kmmerlicher Geraniumstock, und an der Wand ein Bild von Knig Karl XV.
zu Pferd -- unter Glas und Rahmen --, ein paar mit Stecknadeln
befestigte Photographien und eine Geige mit drei Saiten, die vierte hing
herab. Die dalag, war dereinst eine schne Frau gewesen, war sicher auch
jetzt noch stark und kernig, wenn sie wieder gesund wurde. Jetzt lag sie
da, abgemagert bis auf die Knochen, die zerschundenen Arbeitshnde auf
einer zerlumpten Decke. Aber der Mann, der neben ihr sa, der war nicht
stark, wie sie -- ach nein -- de$
bel und Gesetz
machen den Vater zum Eigentmer des Kindes."
Jetzt begann sie auf- und abzugehen; aber nur zwischen Fenster und Tr,
wie zwischen den Stben eines Kfigs. Ihre Brust wogte; ihr Atem ging
hrbar; ihre Gesichtsfarbe, ihre Augen, ihre Stimme verrieten, in welch
furchtbarer Aufregung sie war. Sie hatte nie geglaubt, da er zu so
etwas imstande sei. -- "Schmst Du Dich nicht? Du wolltest den Jungen
behalten?" -- "Das will ich, so wahr Gott es mir gebietet! Du sollst
unsern Jungen nicht verderben." -- "Ihn verderben? Ich? Das ist zu viel!
Jetzt sollst Du die Wahrheit hren! Von Kindheit an hast Du Macht ber
mich gewonnen -- _dadurch_! Hast Macht gewonnen ber meinen Verstand durch
Deinen unerschtterlichen Glauben, ohne da ich es merkte, weil Du gut
warst und Dich hingabst. Und damit hast Du meine Natur verpfuscht -- ja,
das hast Du! -- denn ich war anders geartet. Du hast meinem Leben Bahn
und Ziel gewiesen, ich merkte es selber nicht. Ich sag' es, wie es ist;
ich messe Dir keine Schuld bei. Aber $
ir
gerichtet werden soll, dir, dem Allwissenden, der all mein Tun und
Lassen kennt, dem auch die verborgensten Gedanken meines Herzens
offenbar sind und dessen Auge die Tat sieht, die keinen irdischen Zeugen
hatte; o ja, heute erkenne ich vollkommen, wie ich all deiner Gte und
Barmherzigkeit nicht wert gewesen bin. Und stehe ich nicht heute vor
einer unbekannten Zukunft? Wie zahlreich sind meine Wnsche, wie
mannigfaltig meine Hoffnungen, die ich an die kommenden Tage knpfe, und
wie erbebe ich bei dem Gedanken, was sie vielleicht fr mich oder fr
diejenigen in ihrem Schoe bergen, die ich mehr noch liebe als mich
selbst! O, wie konnte ich wohl der Zukunft vertrauensvoll entgegen
sehen, wenn nicht deine Verzeihung mir wrde auf meinem neuen Wege. O
Allgtiger! Nimm mich und die Meinen in deine treue Hut, la deine Gnade
mir leuchten in dem neuen Jahre, untersttze mich darin, da ich das
Gute be, hilf mir, jede sndige Lust zu berwinden. Halte fern von mir
jede Versuchung, und wenn du mir Kmpfe auferlegs$
rgehen anklagt? Wie oft bin ich es vielleicht
gewesen, der Veranlassung zum Sndigen gab, oder habe ich stets
hinreichend meine Abscheu vor dem Laster zu erkennen gegeben und all den
Kummer sehen lassen, von dem ich ergriffen wurde, wenn die Snde ohne
Errten auftrat? War meine Betrbnis nicht viel grer ber den
geringsten Verlust an zeitlichen Gtern, als darber, da sich die
Frechheit und die Ruchlosigkeit meinen Blicken darstellten, oder da ich
sah, wie eine Menschenseele verloren ging! Entflammte mein Zorn nicht
weit mehr ber die geringste Beleidigung, die mir widerfuhr, als wenn
ich Zeuge war, wie dein Name und dein Haus entweiht wurden! Ach,
Herr, flossen Trnenstrme aus meinen Augen, weil deine Gesetze nicht
beobachtet wurden? Wurde ich von Kummer verzehrt, weil deine Worte
vergessen wurden?[39] Habe ich freimtig dich und deine Lehre bekannt,
wenn der Gottlosen Hohn mich mit Schmerz erfllte? O, es ist so schwer,
ohne Fehler zu wandeln, selbst wenn auch der Edlen und Heiligen Beispiel
mir ste$
mge, mein Helfer und Gott.
Der Kinder Gebet fr einen kranken Vater oder eine kranke Mutter.[83]
6.Erhre, o Gott, mein heies Gebet, und schweige nicht zu meinen
Trnen,[84] siehe den Kummer meiner Seele und mein angsterflltes Herz!
Denn ach, die Gter meines Lebens sind in steter Gefahr, mein Vater
(meine Mutter) liegt auf dem Krankenbette!--O Herr, welche Wehmut erfat
mich, da ich ihn (sie) leiden sehe, wie graut mir vor dem Gedanken ihn
(sie) zu verlieren.Strafe mich nicht in deinem Zorn und zchtige mich
nicht in deinem Groll,[85] sondern vergib mir alle meine Snden und
sende mir Hilfe von deinem Himmel. O Herr nimm meinen Vater (meine
Mutter) nicht von mir. Vergib mir alles, worin ich mich gegen ihn (sie)
vergangen habe, und la ihn (sie) noch den Tag erleben, wo ich ihm (ihr)
meine ganze kindliche Liebe und Hingebung beweisen kann. O Herr, errette
ihn (sie) um deines heiligen Namens willen, du, mein Gott, der ein Gott
der Errettung ist, der Herr, der Ewige, der vom Tode errettet,[86] und
erf$
ckliches Seufzen durch das
Haus. Da stieg die ganze Venus aus dem Meer. Dieser Nacken,
diese Schultern, dieser Hals, die Bewegung, die anmutvolle
Hingabe, dies Sichverlieren in sester Heiterkeit! Ich sah
Mnner zittern und Frauen bleich werden. Jede Miene will
ihre angeborne Trgheit vergessen, doch ihr selbst nahen
keine Wnsche, nur Vergtterung umfngt sie. Ahnungslos und
unergriffen wandelt sie durch die gesammelte Bewunderung
hindurch, wie wenn ihr der Traum der letzten Nacht als
Schleier um die Seele gehllt wre, -- und lchelt.
Sie haben recht, Felix. Ihr Lcheln ist das Wunderbarste. Es
scheint aus einer tiefen Quelle aufzusteigen, wo die Genien
wohnen, die den Menschen wohlwollen. Keine Heiterkeit deutet
so viel Schicksal wie ihre.
_Graf Reitzenstein_
Zur Fuchs kam sie spt, erst nach der Vorstellung. Man war
schon ein wenig mde. Aber als sie eingetreten war, begann
der Tag von neuem. Sie setzt sich neben die Hausfrau und
blickt sie zrtlich und vertrauensvoll an. Sie plaudert,
und Worte sind pl$
dann hatte ihn die
freundliche, braune Ayah gefchelt, und Mutterchen hatte ihm erlaubt,
wie ein kleiner Hindujunge, nur mit einem Lendentuch bekleidet,
herumzuspringen. Und da war eine groe, mattenbedeckte Veranda gewesen
und ein prchtiger Blumengarten und das weite, blaue Meer, in dem er
jeden Morgen gebadet, und das ihm so viele schne Muscheln geschenkt.
Ja, und einmal war eine dabei gewesen, die sah drein, als habe sie ein
Tigerfellchen angezogen, und sie hatte etwas ganz Wunderbares in sich
verborgen -- -- das Rauschen des Meeres. Man mute sie nur dicht ans Ohr
halten, dann hrte man es deutlich, und wenn man die Augen schlo,
konnte man denken, nahe bei Vater und Mutter zu sein.
Jetzt wohnte Hansi in einem groen Haus mit vielen andern Buben
zusammen. Eine Veranda gab es da nicht, nur weite, helle Stuben, die ein
wenig leer und nchtern dreinsahen. An den Wnden hingen keine Bilder,
und nirgends standen Blumentpfe oder schn geformte Vasen. Natrlich,
in einem Haus mit so vielen wilden Buben konnte$
ie
sich an einem versteckten Pltzchen im Wald eine Htte bauen und dort
allein leben, ohne sich irgendeinem Menschen zu zeigen.
Whrend die Knaben diese Plne schmieden, bleibt der Zug an einer
Station stehen, und eine Buerin, die ein kleines Kind an der Hand
fhrt, steigt in das Kupee. Sie ist schwarz gekleidet, trgt ein
Kopftuch und sieht gut und freundlich aus. Sie zieht dem Kleinen das
berrckchen aus, das vom Regen na geworden ist, und wickelt ihn in
einen Schal. Dann zieht sie ihm die Schuhe ab, trocknet die kalten
Fchen, sucht aus einem Bndel Strmpfe und Schuhe hervor und legt sie
ihm an. Schlielich steckt sie ihm ein Bonbon zu und legt ihn auf die
Bank, den Kopf auf ihrem Schoe, damit er einschlafe.
Bald wirft der eine, bald der andre Knabe einen Blick auf die Buerin,
die sich mit ihrem Kinde beschftigt. Diese Blicke werden immer
hufiger, und pltzlich haben die Knaben, beide zugleich, Trnen in den
Augen. Nun sehen sie nicht mehr auf, sondern halten die Augen hartnckig
niedergeschlagen$
h auf die Bank neben Sir Archie
gesetzt hatte und ihm etwas ins Ohr flsterte.
Aber Sir Archie wute noch immer nichts davon, da sie ihm so nahe war
und da sie dasa und ihm ins Ohr flsterte. Er merkte ihre Gegenwart
nur durch die furchtbare Angst, die ber ihn kam.
Elsalill sah, da Sir Archie, nachdem die Tote ein paar Augenblicke
neben ihm gesessen und ihm ins Ohr geflstert hatte, seinen Kopf in die
Hnde sinken lie und weinte: Ach, htt' ich doch niemals die junge
Jungfrau gefunden! sagte er. Ich bereue nichts anderes, als da ich
die junge Jungfrau nicht verschonte, als sie mich anflehte.
Die beiden anderen Schotten hrten zu trinken auf und sahen Sir Archie
erschrocken an, der solchermaen alle Mnnlichkeit ablegte und sich der
Reue hingab. Ein Weilchen saen sie ratlos da, aber dann ging einer von
ihnen zum Schanktisch hin, nahm die grte Trinkkanne, die dort stand,
und fllte sie mit rotem Wein. Dann ging er auf Sir Archie zu, schlug
ihm auf die Schulter und sagte: Trinke, Bruderherz: Noch $
ing war und
gehrt hat, wie es dir ergangen ist, sagte die Mutter. Wir wissen
Helga blieb an der Tr stehen und machte, als wte sie weder aus noch
Da legte der Vater die Arbeit nieder, schob die Brille auf die Stirn und
rusperte sich, um eine Rede zu halten, die er den ganzen Abend
berdacht hatte. Es ist nmlich so, Helga, sagte er: Mutter und ich,
wir wollten immer anstndige und ehrliche Leute sein. Aber dann ist es
uns vorgekommen, als ob du Unehre ber uns gebracht httest. Es war so,
als htten wir dich nicht gelehrt, zwischen Gut und Bse zu
unterscheiden. Aber als wir nun hrten, was du heute getan hast, da
sagten wir uns, Mutter und ich, da die Leute jetzt doch sehen knnen,
da du eine ordentliche Erziehung genossen hast, und wir denken, da wir
vielleicht auch noch Freude an dir erleben knnen. Und Mutter wollte
nicht, da wir uns niederlegen, ehe du da bist, damit du doch eine
ordentliche Heimkehr hast.
Helga vom Moorhof kam jetzt nach Nrlunda, und da ging alles gut. Sie
war willig und $
ark, mit seinem Rauschen eine immerwhrende Musik des Fleckens ist.
In diese Gemeinde war vor langer Zeit ein etwa fnfundzwanzigjhriger
Priester versetzt worden, der Raffaele Francesco hie. Er war in
Ligornetto geboren, also im Tessin, und konnte sich rhmen, ein
Mitglied desselben, dort ansssigen Geschlechtes zu sein, das den
bedeutendsten Bildhauer des geeinten Italiens, hervorgebracht hatte,
der ebenfalls in Ligornetto geboren wurde und endlich auch dort
gestorben ist.
Der junge Priester hatte seine Jugend bei Verwandten in Mailand und
seine Studienzeit in verschiedenen Priester-Seminaren der Schweiz und
Italiens zugebracht. Von seiner Mutter, die aus einem edlen
Geschlechte war, stammte die ernste Richtung seines Charakters, die
ihn ohne jedes Schwanken schon zeitig dem religisen Beruf in die Arme
Francesco, der eine Brille trug, zeichnete sich vor der Menge seiner
Mitschler aus durch exemplarischen Flei, Strenge der Lebensfhrung
und Frmmigkeit. Selbst seine Mutter mute ihm schonend nahelegen, d$
Dorfplatzes
und ihre Auenmauern setzten sich in steilen Wnden des Grundfelsens
fort, an dem ein munterer Gebirgsbach unten vorberrauschte. Dieser
Gebirgsbach, unter dem Platz von Soana hindurchgefhrt, trat in einem
gemauerten Bogen ans Licht, wo er, freilich durch Abwsser stark
verunreinigt, Baumgrten und blumige Wiesen wsserte. Jenseit der
Kirche, ein wenig hher, was von hier aus nicht festzustellen war, lag
auf rundem, flachen Terrassenhgel das lteste Heiligtum der Umgegend,
eine kleine Kapelle, der Jungfrau Maria geweiht, deren verstaubtes
Kultbild auf dem Altar von einem byzantinischen Mosaik der Apsis
berwlbt wurde. Dieses, trotz tausendjhrigen und hheren Alters in
Goldgrund und Zeichnung wohlerhaltene, Mosaik stellte Christus
Pantokrator dar. Die Entfernung von der Hauptkirche bis zu diesem
Heiligtum betrug nicht ber drei Steinwurfsweiten. Eine andere hbsche
Kapelle, diese der heiligen Anna geweiht, lag in der gleichen
Entfernung von ihr. ber Soana und hinter Soana erhob sich ein uers$
n Fremder zugegen war, und
als sie nun gar in diesem Fremden Francesco erkannte, versiegte ganz
pltzlich ihr Lachen und ihre Munterkeit, und ihr Antlitz, das noch
eben vor Lust geglnzt hatte, nahm eine gleichsam trotzige Blsse an.
       *       *       *       *       *
Warum bist du heut nicht zur Kirche gekommen? Francesco tat diese
Frage, sich erhebend, in einem Ton und mit einem Ausdruck seines
bleichen Gesichts, den man als einen zornigen deuten mute, obgleich
er eine andere Erregung des Gemtes als Ursache hatte. Sei es, weil er
diese Erregung verstecken wollte, oder aus Verlegenheit, ja
Hilflosigkeit, oder weil wirklich der Seelsorger in ihm in Entrstung
geriet: der Zorn nahm zu und trat in einer Weise hervor, der den
Hirten befremdet aufblicken machte, dem Mdchen aber nacheinander die
Rte und Blsse der Bestrzung und Scham ins Antlitz trieb.
Aber whrend Francesco sprach und mit Worten strafte -- Worten, die
ihm gelufig waren, ohne da seine Seele in ihnen zu sein brauchte,
war es in seine$
t ihr in eine neue Vollkommenheit
Agata und Francesco, Francesco und Agata, der Priester, der Jngling
aus gutem Haus und das verfemte, verachtete Hirtenkind, war das erste
Menschenpaar, wie sie Hand in Hand auf nchtlichen Schleichwegen zu
Tale kletterten. Sie suchten die tiefste Verborgenheit. Schweigend,
die Seele von einem namenlosen Staunen erfllt, mit einem Entzcken,
das ihnen beiden fast die Brust sprengte, stiegen sie tiefer und
tiefer in das kstliche Wunder der Weltstunde.
Sie waren bewegt. Die Begnadung, die Auserwhlung, die sie auf sich
ruhen fhlten, vermischte mit ihrem unendlichen Glck eine ernste
Feierlichkeit. Sie hatten ihre Krper gefhlt, waren im Ku verbunden
gewesen, aber sie fhlten die unbekannte Bestimmung, der sie
zuschritten. Es war das letzte Mysterium. Es war eben das, warum Gott
schuf und warum er den Tod in die Welt gesetzt, ihn gleichsam in Kauf
genommen hatte.
So gelangte das erste Menschenpaar in die enge Schlucht hinab, die das
Flchen Savaglia gesgt hatte. Sie war se$
ung der zwischen den [formula] bestehenden Beziehungen die
folgenden Gleichungen ableiten:
aus denen durch Integration eine lineare Abhngigkeit zwischen [formula]
folgen wrde.--
So vorwrts schliessend bekommt man endlich [formula] linear unabhngige
wo jedes _v_ mit dem gleichbezeichneten _u_ zusammengehrt. Wir setzen
[formula] und nennen nunmehr berall endliche Functionen [formula] linear
unabhngig, wenn zwischen ihnen keinerlei Relation:
besteht, unter [formula] beliebige complexe Constanten verstanden. Dann
haben wir sofort:
_Die __p__ berall endlichen Functionen_
_sind linear unabhngig._
Wenn nmlich eine lineare Abhngigkeit bestnde, so knnte man in ihr das
Reelle und Imaginre sondern und erhielte dadurch lineare Beziehungen
zwischen den _u_ und _v_.
Des Weiteren aber folgt: _Jede beliebige berall endliche Function setzt
sich aus unseren _[formula]_ in der Form zusammen:_
In der That knnen wir durch geeignete Wahl der complexen Constanten
[formula] bei der linearen Unabhngigkeit der [formul$
ula]_ fach._ Denn jedesmal [formula]
Abbildungen ergeben dieselbe _m_-blttrige Flche, weil jede Flche der
Voraussetzung nach [formula] mal auf sich selber abgebildet werden kann.
Nun gibt es aber berhaupt [formula] _m_-blttrige Flchen, unter _w_ die
Zahl der Verzweigungspuncte, d. h. [formula] verstanden. Denn durch die
Verzweigungspuncte wird die Flche, wie oben bemerkt, endlich-deutig
bestimmt, und Verzweigungspunkte hherer Multiplicitt entstehen durch
Zusammenrcken einfacher Verzweigungspuncte, wie dieses betreffs der
entsprechenden Kreuzungspuncte bereits in . 1 erlutert wurde (vergl.
Figur (2) und (3) daselbst). Zu jeder dieser Flchen gehren, wie wir
wissen, algebraische Functionen. _Die Anzahl der Moduln ist daher
_[formula]_._
Bemerken wir hierzu, dass die Gesammtheit der _m_-blttrigen Flchen mit
_w_ Verzweigungspuncten ein _Continuum_ bildet(38), wie das Entsprechende
betreffs der auf gegebener Flche existirenden eindeutigen Functionen mit
_m_ Unendlichkeitspuncten bereits in . 13 he$
 bringen; wir bekommen die zweite
Art, wenn wir zu demselben Zwecke eine Spiegelung an einer Diametralebene
verwenden. Die analytische Behandlung, wie wir sie bisher benutzten,
entspricht nur den Abbildungen der ersten Art. Sind [formula] und
[formula] zwei complexe Functionen des Ortes auf derselben Flche, so
liefert [formula], [formula] die allgemeinste Abbildung erster Art (vergl.
. 6). Aber es ist leicht zu sehen, wie man die Erweiterung zu treffen
hat, um auch Abbildungen zweiter Art zu umfassen. _Man hat einfach
_[formula]_, _[formula]_ zu setzen, um eine Abbildung zweiter Art zu
Entnehmen wir zunchst den Entwickelungen des vorigen Paragraphen, was
sich auf Abbildung der ersten Art bezieht. Indem wir uns mglichst
geometrischer Ausdrucksweise bedienen, formuliren wir die folgenden
_Flchen _[formula]_ oder _[formula]_ knnen immer, Flchen _[formula]_
niemals unendlich oft durch Abbildung der ersten Art in sich bergefhrt
_Bei den Flchen _[formula]_ ist die einzelne Abbildung der ersten Art
bestimm$
a nach Westen hin die drei
anderen Boote ebenfalls voll unter Segel waren, und die Wahrheit des
Ganzen durchzuckte ihn im Nu.
Als die unten Stehenden sahen da er pltzlich seine Blicke so
aufmerksam nach der Richtung hin sandte, wo das Schiff lag, suchten sie
ebenfalls dorthin Aussicht zu gewinnen, und zwei junge Leute die rasch
eine der Casuarinen erstiegen hatten, riefen bald etwas in ihrer Sprache
hinunter. Von den Mnnern vertheilten sich jetzt mehre nach lichteren
Punkten hin, wo sie die See nach dieser Richtung hin besser berschauen
konnten, und es zeigte sich gar bald da etwas Besonderes dort an Bord
vorgehen msse, was fr den Augenblick, da es ja auch mit ihren
Verhandlungen hier in naher Beziehung stehen mute, ihre Aufmerksamkeit
vollkommen von dem jungen Matrosen ablenkte.
Ren selber dachte kaum mehr an die Eingeborenen -- er sah wie das Boot,
das ihn hatte abholen sollen, an Bord des Delaware zurckkehrte, der
augenblicklich seine Raaen umbrate und mit geblhten Segeln den
vorangeeilten Boo$
en sehr wild
fr ~waihini~ -- Mitonare ~O--no--so--no~ Tochter -- aber nicht Tochter
-- nur so Tochter -- und er bemhte sich dann in langer Rede und mit
groer Anstrengung dem jungen Mann begreiflich zu machen da ~Pu-de-ni-a
O--no--so--no's~ Pflegetochter sei.
Das war etwa der Inhalt seiner Unterhaltung, bei der er ziemlich allein
das Wort fhrte, und Ren allerdings nur nothdrftig den Sinn des Ganzen
verstand, indem der Alte oft mehr Tahitische als englische Worte
gebrauchte, und diese wenigen dann selbst noch auf wahrhaft grausame Art
verstmmelte.
Ren konnte es zuletzt nicht lnger aushalten -- die Sehnsucht die ihn
auf der einen Seite qulte, Sadie wieder zu sehn, und die peinlich
scharfe Aufmerksamkeit die er auf der andern genthigt war dem
Kauderwelsch des Kleinen zu schenken, wenn er nur berhaupt den
ungefhren Sinn der Rede fassen wollte, machten ihm die Unterhaltung zu
einer wahren Folter, und er benutzte die erste nur einigermaen passende
Gelegenheit aufzustehn, und in den Garten zu gehn. --$
remd, vllig verndert gegen frher. Wangen und
Kinn waren aufgeschwemmt, breiter, behbiger, trotzdem die modische
Kleidung ungnstige Linien verwischte. Indem er den Lehrer Specht aus
Podolin mit dem geschmeidigen, wnschevollen, verstrten, khlen und
trunkenen Mann verglich, der vor ihm sa, suchte er nach den Ursachen
einer so unheilvollen Verwandlung. Irgend welche Krfte schienen
zerstrt in Specht; er war wie ein Mensch, der wider seine Absicht an
einem Tanz teilnimmt, teilnehmen mu, und der mit allen Zeichen der
Hitze, der Benommenheit, der Atemlosigkeit eigentlich nicht wei, was
mit ihm vorgeht.
Specht lud ihn ein, mit ins Theater zu gehen, er habe zwei Sitze von der
Zeitung; Arnold nahm das Anerbieten an. Er war vor einem Monat zum
erstenmal bei einem Shakespeareschen Stck gewesen und hatte einen
tiefen Eindruck gewonnen.
Es wurde ein neues Stck aufgefhrt, welches in andern Stdten schon
groen Beifall erlangt hatte. Specht sa als berlegener Mann da. Die
zwei ersten Akte waren vorber, und b$
et ist.
  Du nahmest Theil an meinen tiefen Schmerzen,
  Als mir das Schwert der Feinde meinen Sohn,
  Den letzten, besten, von der Seite ri.
  So lang die Rache meinen Geist besa,
  Empfand ich nicht die de meiner Wohnung;
  Doch jetzt, da ich befriedigt wiederkehre,
  Ihr Reich zerstrt, mein Sohn gerochen ist,
  Bleibt mir zu Hause nichts das mich ergetze.
  Der frhliche Gehorsam, den ich sonst
  Aus einem jeden Auge blicken sah,
  Ist nun von Sorg' und Unmuth still gedmpft.
  Ein jeder sinnt was knftig werden wird,
  Und folgt dem Kinderlosen, weil er mu.
  Nun komm' ich heut in diesen Tempel, den
  Ich oft betrat, um Sieg zu bitten und
  Fr Sieg zu danken.  Einen alten Wunsch
  Trag' ich im Busen, der auch dir nicht fremd
  Noch unerwartet ist: ich hoffe, dich,
  Zum Segen meines Volks und mir zum Segen,
  Als Braut in meine Wohnung einzufhren.
  Iphigenie.
  Der Unbekannten bietest du zu viel,
  O Knig, an.  Es steht die Flchtige
  Beschmt vor dir, die nichts an diesem Ufer
  Als Schutz und $
- --
weil sie tranken!
Ich bin doch froh, dass ich ein Deutscher bin! Deutschlands grosse
Mnner durften -- -- unsittlich sein. +Unsittlich+ -- -- das heisst:
nicht eben _genau so_ sittlich, wie die guten Brger und Pfaffen. Der
Deutsche sagt: Goethe war unser grosser Dichter. -- Er weiss, dass er
nicht so sehr sittlich war, aber er nimmt ihm's nicht weiter bel. --
Der Englnder sagt: Byron war unsittlich, +darum war er+ _kein_ grosser
+Dichter+. Nur in England konnte des widerlichen Moralpfaffen Kingsley
Wort ber Heine ein geflgeltes werden: Sprecht nicht von ihm -- -- --
_er war ein schlechter Mensch!_ --
Wenn es aber gar nicht mehr anders geht, wenn alle Vlker ringsum die
unsittlichen englischen Dichter anerkennen und lieben, wenn der
Englnder endlich +gezwungen wird, zu sprechen+ -- -- -- dann +lgt+
er. Er gibt seine Heuchelei nicht auf, er sagt dann: nach neueren
Untersuchungen war der Mann gar nicht unsittlich; er war vielmehr
hochsittlich, ganz rein und ganz unschuldig! So haben die engli$
die nur die kritischen Studien und einige Gedichte
  und Humoresken nicht enthlt) erschien bei J. C. C. Bruns in Minden;
  einzelne Novellen in der Reclamschen und der Meyerschen
  Volksbibliothek.]
  [Anmerkung B: Was seinen Biographen, den Pfaffen +Griswold+, nicht
  hindert, zu behaupten, dass es in der ganzen Literatur kein
  Beispiel gbe, bei welchem man, wie bei Poe, so sehr auch nur den
  Schatten eines Gewissens vermisse!]
  [Anmerkung C: {7 Seiten} Es ist vllig verfehlt, diese Tatsache,
  wie +van Vleuten+ es tut, auf den bermssigen Alkoholgenuss
  zurckzufhren: Bacchus, der Venus Feind. Seine Bemerkung: Dass der
  Alkohol ein Feind der physischen Liebe ist, weiss jeder Arzt; in Poe
  scheint er auch das psychische quivalent vernichtet zu haben
  (Zukunft 1903 pag. 189), ist mir aus dem Munde eines ernsten
  Psychiaters, wie +van Vleutens+, einfach unbegreiflich. Ich habe im
  +Gegenteil hufig+ die Erfahrung gemacht -- und mir von Psychiatern
  besttigen lassen -- dass chronische Alko$
, die sie so viele Tage und Nchte
lang verfolgt hatten, und in die sie sich immer mehr verwickelt hatte,
je mehr sie sich damit abgab, so da sie keinen Ausweg mehr vor sich
gesehen hatte. Nun hatte der Herr Pfarrer die ganze Last auf sich
genommen, und sie konnte den Silvio von nun an auf ihn verweisen.
Silvio hatte das ganze Gesprch ber mit seinen grauen Augen den Herrn
Pfarrer fast durchbohrt vor Spannung. Als dieser nun aufstand und dem
Kleinen die Hand zum Abschied bot, patschte Silvio die seinige ganz
gewaltig hinein, so als wollte er sagen: diesmal gilt's mir! Der Herr
Pfarrer versprach, Bericht zu geben, sobald er seine Erkundigungen
eingezogen htte und wte, ob die Sache ausfhrbar wre, oder ob Silvio
von seinem Begehren abstehen msse.
Nun vergingen die Wochen eine nach der anderen, aber der Silvio hielt
sich gut. Er hatte eine bestimmte Hoffnung vor Augen, und dazu war der
Rico auf einmal so unterhaltend und lebendig geworden, wie noch nie. In
den war es gefahren wie ein zndender Freudenfunk$
a er sie zum Schuhflicker hintrage, so tat Rico wieder
desgleichen und sagte: Ich wollte lieber, es ginge ein anderer.
Die Wirtin aber war eine kluge Frau und hatte ihre Augen im Kopfe, um
damit zu sehen, was vorging, und so war es ihr nicht entgangen, wie Rico
sich seit einiger Zeit verndert hatte und wie er aussah. Frau Menotti
hatte ihn immer gut gekleidet, seit sie die Verpflichtung dazu
bernommen hatte; da aber dem Rico alles gut stand und er immer mehr
aussah wie ein Herrenshnchen, so hatte die Frau Menotti ihre Freude
daran und kleidete ihn in gute Stoffe, und Rico ging sorgsam und
ordentlich damit um, denn er mochte gern, was schn anzusehen war, und
Schmutz und Unordnung war ihm zuwider wie der Lrm. Das sah die Wirtin
alles an, und dazu war ihr wohlbewut, wie der Rico ganz so, wie er das
erste Mal getan, immer noch wenn er von den Tanzbelustigungen aus der
Umgegend zurckkehrte, seine Tasche vor ihr ausleerte und das Geld
hinrollen lie, ohne eine Miene zu machen, als ob er nur etwas davon
Er$
s Presi war verdorben.
Aber Ihr mgt ihr ja selber nicht recht ein gutes Wort gnnen, warf
Frau Cresenz beklommen ein.
Das ist etwas anderes, schnauzte der Presi, aber ich leide es nicht,
da man Bini zu einem Hexlein stempelt. Er stand auf und machte einen
Gang durchs Haus von zu unterst bis zu oberst.
Seine Gedanken waren beim letzkpfigen Pfaffen, der Binia besprochen
haben sollte. Er mochte den Halbnarren trotz dem thrichten Gerede nicht
bel leiden.
Kaplan Johannes, der in St. Peter nur so zugelaufen war, wie in einem
Hause sich etwa ein herrenloser Hund oder eine Katze einnistet, war
schlauer als die Drfler allesamt. Er hatte sich die durch die Fremden
vernderten Verhltnisse rasch zu nutze gemacht. Er lief etwas weniger
den Bauern- und Alpweibern nach, er tauschte fr seinen Kruterthee, der
gegen das Doggeli[25] schtzen, Kreuzschmerzen vertreiben und das
Lungenfieber heben solle, etwas seltener Brot, Kse und Speck ein, dafr
begann er am Wege beim Schmelzwerk einen kleinen Mineralienhandel $
es
Wetter zu machen.
Nun waren die beiden Mnner im Zug. Als das Gesprch eine Weile
gegangen, murrte der Garde:
Ich geb's ja gern zu, da unter den Fremden viele ehrbare und
rechtschaffene Leute sind, es wre traurig, wenn's anders wre, aber es
bleibt halt dabei, die Fremden verstehen uns nicht, wir sie nicht. Seit
sie kommen, ist eine verborgene Unruhe im Dorf, niemand wei, wo hinaus
Ta-ta-ta. Wo hinaus? eiferte der Brenwirt. Da sich die Leute an sie
gewhnen -- in Grenseln und Serbig haben sie auch zuerst die Hnde
hinter den Gsten geballt, jetzt aber stehen sie an allen Straen,
verkaufen ihnen Edelwei, tuten auf dem Alphorn und juheien sie an.
Eben, eben, zrnte der Garde, sie sind hudlig geworden. Presi -- ich
habe ruhiges Blut, aber das erste Mdchen in St. Peter, das sich an den
Weg stellt und die Fremden ansingt, nehme ich bei den Zpfen, fhre es
zu seiner Mutter, und der sage ich alle Schande. So lang ich lebe, darf
unsere Gemeinde nicht hudlig werden.
Er schlug mit seiner Faust auf$
aus, dann hatte er Arbeit genug, sich in Stunden
beklemmender Angst wieder durch die Finsternis ans Tageslicht zu tappen.
Wenn er wenigstens Erz gefunden htte! Aber die Stollen waren wst und
leer. Nein, endlich entdeckte er einen Schacht mit zuckerkrnigem
Bleiglanz, der nach den Ueberlieferungen von St. Peter am meisten
Silber enthielt. Ein alter Venediger hatte dabei seinen Schlegel und
sein Brecheisen stehen lassen. Damit machte er das Erz los und hatte
reiche Ernte. Er hufte den Reichtum fr Kaplan Johannes, der wie er
selbst den Silbergehalt des Erzes weit berschtzte, und ber dem
Tagewerk im Dunkel des Berges verflo die Zeit.
Als aber der Schnee zu schmelzen begann, der Frhling an den sonnigen
Berglehnen die ersten Blten hervorlockte, war Josi so elend zu Mut, da
der Gedanke, eines Tages aufgegriffen zu werden, alle Schrecken verlor.
Die Lust, auf die Berge zu steigen, war ihm vergangen. Er war wund am
Herzen und an den Fen.
Oft sa er im Teufelsgarten, kaum verborgen vor denen, die des Weges$
ebi, ich gehe
jetzt mit Vroni.
Das ist der Segen und der Sonnenschein, von dem der Alte immer geredet
hat. -- Einen ungeratenen Buben habe ich jetzt durch sie -- Garde --
Garde -- bist du taub geworden, warum hilfst du mir nicht? Und sie ri
ihm die eine Armsttze vom dicken grauen Haupt hinweg.
Da merkt sie erst, wie der Garde so stark, da er es nicht mehr
verhalten mochte, vor sich hin lachte.
Was ist auch das, du lachst! Sie war verwirrt und wtend.
Ich lache, weil der Eusebi ein Mann geworden ist. Ich kann dir nicht
sagen, wie gut er mir jetzt gefllt.
Die grogewachsene Gardin wurde ganz zahm, ernchtert grollte sie: O,
ihr wsten Mnner!
In dem Augenblick kam Vroni sonntglich gerstet und schluchzte: Nur
danken mcht' ich euch fr alles Liebe und Gute, aber Streit soll es
meinet -- -- Ihre Stimme erstickte.
So lebe wohl, liebes Vroneli, sagte der Garde, nicht traurig, sondern
gemtlich, Eusebi wird schon recht zu dir schauen.
Die Gardin war starr.
Und Eusebi sagte tief bewegt: Also le$
e Konjunktur gegeben. Man behauptete, wir wren weit
ber unsere Verpflichtungen von Versailles hinausgegangen. Jede dieser
Behauptungen wurde widerlegt, aber sie wuchsen nach wie die Kpfe der
Hydra, und es wurde offenkundig, dass es weniger die wirtschaftlichen
als die politischen Bestrebungen waren, die die grosse Agitation gegen
Wiesbaden hervorriefen. Das wurde deutlich in dem Augenblick, als man
behauptete, das Wiesbadener Abkommen htte eine so schwere Spaltung
zwischen Deutschland und England hervorgerufen, dass nunmehr England
endgltig sich von jedem Interesse Deutschland gegenber losgesagt habe.
Dass dies nicht der Fall war, wurde mir von englischer Seite besttigt;
Englnder hoher Stellung erklrten mir, dass sie in dem Wiesbadener
Abkommen unseren ersten politischen Schritt zur Verwirklichung des
Reparationsproblems erblickten. Sie gingen so weit, zu sagen, dass ohne
das Abkommen von Wiesbaden diejenigen weiteren Entwicklungen nicht
mglich gewesen wren, die uns im Verlauf der Zeit nach Cannes $
oder der Erste, bei Gott, der
mir noch mit einem Wort widerspricht, oder die Hand aufhebt gegen mich ist
eine Leiche.
Meier warf einen wilden tckischen Blick im Kreis umher, zu sehn auf wen
von der Schaar er sich wohl allenfalls noch verlassen konnte, aber die
drei Graurcke hatten wohl ihre ganz besonderen Ursachen es nicht zum
Aeuersten kommen zu lassen, noch dazu solcher Lappalie wegen, und von den
Anderen bezeugte ebenfalls Niemand Lust mit dem wilden Burschen, dem
Steuermann, so aus freier Faust anzubinden.
Wir haben ein Recht hier an Deck zu stehn und dafr bezahlt murrte er
da, als er sah wie er nicht hoffen durfte Schutz und Beistand bei den
Anderen zu finden gegen die Schiffsmannschaft.
Das knnt Ihr auch sagte der Steuermann, verchtlich seine Handspeiche
neben sich zu Boden werfend -- er wute da er jetzt keine weitere
Widersetzlichkeit mehr zu frchten hatte -- Niemand wehrt's Euch, so lange
Ihr nicht im Wege seid, wer aber dann nicht geht wird _gestoen_, und darf
sich nachher beklagen, $
e doch jetzt in theilnahmloser
Stumpfsinnigkeit, ohne sich um Mutter oder Gatten zu kmmern oder auch nur
nach ihnen zu fragen, auf ihrem Lager, und hielt Stunden lang die Hnde
fest gegen die fiebrische Stirn gepret. Leupolds Mutter, so wie sich
diese nur in etwas von dem erneuten Anfall der Seekrankheit erholt, und
Hedwig, die sich jeden Augenblick Zeit abstahl bei der Kranken zu sein,
pflegten sie unermdlich, und thaten Alles was in ihren Krften stand,
ihren Zustand zu erleichtern, aber auch das war nur sehr wenig, und dieser
selbst von dem jungen Donner -- denn Hckler hatte ihn lange aufgegeben --
fr hoffnungslos erklrt. Uebrigens bekam sie, auf Georg Donners
ernstliche Vorstellungen an den Capitain, der im Anfang nicht darauf
eingehen wollte, ihre Kost jetzt einzig und allein aus der Cajte. Lieber
Gott, es war wenig genug was sie davon genieen konnte.
Leupold selber hatte bis jetzt das Unglck das ihn betroffen mit groer
Standhaftigkeit ertragen, und war nicht von dem Lager der Kranken gewichen
$
ehrend welcher Zeit der junge Bursch
einen Teller nahm und in dem Zimmer sammelnd umherging. Die Gaeste schienen
allerdings mit dem fruehen Aufbruch, wie sie's nannten, gar nicht
zufrieden, und Steinert besonders verlangte noch einige Lieblings- Trink-
und Weinlieder, die kein Mensch weiter kannte, der alte Mann schuettelte
aber mit dem Kopf und meinte es sei genug, sein Junge wuerde ihm sonst
krank und koennte nicht mehr pfeifen, und der Ertrag der Sammlung fiel
dabei ueber alles Erwarten reich und guenstig aus.
Auswanderer, vorzueglich die in den Hotels wohnenden, haben meist immer
noch eine Menge "deutsches Geld" in den Taschen, das sie, wie sie sagen
"doch nicht mit auf das Schiff nehmen koennen" und sind gewoehnlich sehr
freigebig mit dieser kleinen Muenze, so lange sie eben dauert. Sehr zu
ihrem Erstaunen muessen sie dann aber auch freilich nicht selten schon
eingewechseltes amerikanisches Geld wieder "in den Markt" bringen, und die
ewige Klage ist nachher "oh die theueren Seestaedte."
"Von woher seid I$
sch
und er verstand keine Sylbe davon; uebrigens war das keine direkte Frage
gewesen, und er brauchte also auch nicht darauf zu antworten.
"Und wenn er nun die zuruecklaesst die ihm lieb sind" fuhr die Dame fort, ein
truebes Bild jetzt vor sich heraufbeschwoerend, "wenn sein Weib, seine
Kinder daheim sein harren; mit aengstlich klopfenden, fast erstarrten
Herzen dem grollenden Donner lauschen, der seinen Strahl hineinschmettern
kann in das Schiff das den Geliebten traegt -- oh schrecklich -- schrecklich.
-- Sind Sie verheirathet?" fuhr sie dann nach kleiner Pause, waehrend sie
das Gesicht in den Haenden geborgen hatte, wieder gegen den Seemann gewandt
Dieser, der indess mit dem Mann am Steuer, einem alten sonngebraeunten
Matrosen, ein paar nichts weniger als andaechtige Blicke gewechselt hatte;
sah sich wieder halb nach der Fragenden um, sich erst zu ueberzeugen dass er
auch wirklich gemeint sei.
"Wer -- ich?" frug er nach kleiner Pause.
"Ja -- ich meine Sie."
"Ne!" lautete die, von einem entsprechenden Kopfs$
nd nichts Besonderes in der Zeit an Bord der Haidschnucke
vorgefallen. Der Wind blieb ihnen aber, wenn auch nicht besonders stark,
doch ziemlich guenstig, dass sie wenigstens fortwaehrend Cours anliegen oder
steuern konnten(16), und bei dem herrlichen und schoensten Wetter den
ruhigen Passat benutzen durften. In jenen Breiten weht die Luft so
gleichmaessig, dass sogar eine Veraenderung an den Segeln nur selten noethig
war, und die Passagiere, die auch wohl sahen dass sie tuechtig dabei
vorwaerts rueckten, fingen schon an ungeduldig zu werden, frugen
unaufhoerlich die Steuerleute und Matrosen wann sie wohl "nach Amerika"
kommen wuerden, und kramten den ganzen ausgeschlagenen Tag in ihren Kisten
und Kasten herum ihre "Uferkleider" wieder vorzusuchen, Stiefeln und
Schuhwerk von Schimmel zu reinigen, Waesche auszuwaschen, und Tuchroecke und
Hosen an die Luft zu haengen und auszusonnen.
Eine eigenthuemliche Veraenderung war aber doch mit manchem der Passagiere,
waehrend der langen Seereise, vorgegangen. Besonders $
llein und am schaerfsten, und vermochte dem
ueber ihn hereingebrochenen Unglueck nicht die Stirn zu bieten. Laut klagte
er sich jetzt selber an, leichtsinnig und thoericht sein Glueck in der
Heimath von sich geworfen und mit Fuessen getreten, ja _durch_ seinen
Leichtsinn die eigene Frau die ihm nur mit Widerstreben gefolgt, getoedtet
zu haben, und sass dann wieder halbe Tage lang dumpf vor sich hinbruetend an
Deck, den Kopf auf die Reiling gelehnt, und ass und trank nicht, antwortete
nicht wenn man ihn fragte, und schaute stier und unverwandt in's Meer.
Am gluecklichsten von allen Zwischendeckspassagieren schien der junge
Dichter und "Schriftgelehrte" Theobald -- wie ihn Steinert nannte -- die
Zeit an Bord zu verleben. Seinem eigenen Ausdruck nach flog er wirklich
wie eine Biene von Blume zu Blume Honig einzusammeln, d. h. er machte sich
nach der Reihe an alle verschiedene Mitpassagiere, die im Bereiche seines
Armes waren, und suchte ihre Lebensverhaeltnisse und Schicksale zu
erfahren, die er sich dann unverw$
raurigen
Fall unterhielten, sammelten sich um die Luke und warfen nur manchmal
scheu den Blick nach unten, wo Leupold neben der Leiche sass, ihre kalte
Hand zwischen seinen Haenden hielt, und sich selber laut anklagte der
Moerder der Dahingeschiedenen zu sein, die er gegen ihren Willen aus dem
Vaterland, und in Verhaeltnisse gerissen habe, denen das zarte Leben
unterliegen musste. Vergebens suchte ihn die Mutter, suchten ihn seine
Freunde zu troesten dass Gott es so gewollt, und er ja nur ausgewandert sei,
weil er gehofft habe fuer die Seinigen in dem neuen Vaterland besser sorgen
zu koennen. "Nein, nein!" schrie er immer wieder -- "es ist nicht wahr -- es
ist nicht wahr -- reiner Uebermuth nur war es von mir -- reiner toller
Uebermuth dass ich, von habgierigen Menschen verlockt, mein sicheres Brod
verliess und dem Versucher folgte. -- Ich habe sie gemordet, mit kaltem Blut
gemordet und Gott wird mich dafuer strafen, Gott wird mich dafuer strafen."
"Was der Bursche da unten fuer ein Gewinsel macht dass ihm di$
yt!
Auf! Holla! Ho!
                Weh mir, ich bin verloren!
Baumwolle her! der Kerl sprengt mir die Ohren.
Wenn das Gewlbe wiederschallt,
Fhlt man erst recht des Basses Grundgewalt.
So recht, hinaus mit dem der etwas bel nimmt!
A! tara lara da!
A! tara lara da!
                 Die Kehlen sind gestimmt.
    Das liebe, heil'ge Rm'sche Reich,
    Wie hlt's nur noch zusammen?
Ein garstig Lied! Pfuy! ein politisch Lied!
Ein leidig Lied! Dankt Gott mit jedem Morgen
Da ihr nicht braucht fr's Rm'sche Reich zu sorgen!
Ich halt' es wenigstens fr reichlichen Gewinn,
Da ich nicht Kaiser oder Kanzler bin.
Doch mu auch uns ein Oberhaupt nicht fehlen;
Wir wollen einen Papst erwhlen.
Ihr wit, welch eine Qualitt
Den Ausschlag giebt, den Mann erhht.
_Frosch_ singt.
    Schwing' dich auf, Frau Nachtigall,
    Gr' mir mein Liebchen zehentausendmal.
Dem Liebchen keinen Gru! ich will davon nichts hren!
Dem Liebchen Gru und Ku! du wirst mir's nicht verwehren!
    Riegel auf! in stiller Nacht.
    Riegel auf$
n los,
Nimmst wieder mich in deinen Schoos.
Wie kommt es, da du dich vor mir nicht scheust? --
Und weit du denn, mein Freund, wen du befreyst?
Komm! komm! schon weicht die tiefe Nacht.
_Margarete._
Meine Mutter hab' ich umgebracht,
Mein Kind hab' ich ertrnkt.
War es nicht dir und mir geschenkt?
Dir auch -- Du bist's! ich glaub' es kaum.
Gieb deine Hand! Es ist kein Traum!
Deine liebe Hand! -- Ach aber sie ist feucht!
Wische sie ab! Wie mich ducht
Ist Blut dran.
Ach Gott! was hast du gethan!
Stecke den Degen ein,
Ich bitte dich drum!
La das Vergang'ne vergangen seyn,
Du bringst mich um.
_Margarete._
Nein, du mut brig bleiben!
Ich will dir die Grber beschreiben,
Fr die mut du sorgen
Gleich morgen;
Der Mutter den besten Platz geben,
Meinen Bruder sogleich darneben,
Mich ein wenig bey Seit',
Nur nicht gar zu weit!
Und das Kleine mir an die rechte Brust.
Niemand wird sonst bey mir liegen! --
Mich an deine Seite zu schmiegen
Das war ein ses, ein holdes Glck!
Aber es will mir nicht mehr gelingen,
Mir is$
n Sie, da ich
gestrt habe.
Warum weinst du denn?
Ich wei es nicht, sagte Maja, vielleicht nur, weil Sie so schn
sind. Wer sind Sie, ach sagen Sie es mir, wenn ich nicht zuviel
verlange. Sie sind sicher ein Engel.
O nein, sagte das kleine Wesen und blieb ganz ernst, ich bin nur ein
Blumenelf. Aber du kannst ruhig du zu mir sagen. Was machst denn du
kleine Biene in der Nacht drauen auf der Wiese?
Der Elf flog zu Maja hinber, setzte sich auf ein gebogenes Lilienblatt,
das ihn sanft schaukelte und betrachtete die kleine Biene ernst und
freundlich. Und whrend Maja ihm erzhlte, alles was sie wute und
wollte und was sie getan hatte, sahen immer die groen dunklen Augen aus
dem weien Elfengesicht sie an, unter dem goldenen Haar hervor, das im
Mond zuweilen wie Silber glnzte.
Der Blumenelf strich Maja ber das Kpfchen, als sie ihre Geschichte
erzhlt hatte und sah sie so innig und liebevoll an, da die kleine
Biene vor Glck die Blicke senken mute. Und dann erzhlte er ihr:
Wir Elfen leben sie$
ute
jedoch nicht, da uns zunchst die weit dringendere Sorge obgelegen
hatte, die Gefahr des Mangels abzuwenden, bevor wir an die wichtige und
dennoch sekundre Frage der Kosten herantreten konnten. Sofortige
Abhilfe wurde gefordert.
Wir hatten indessen bereits Mittel und Wege gefunden und waren mit der
Lsung fast zu Ende. Angefangen hatten wir mit der Festsetzung der
Hchstpreise fr Metalle. Sie war nicht einfach, denn nicht nur die
Mehrzahl der wichtigeren Metalle war zu bedenken, sondern auch ihre
Legierungen, die Altmetalle und die vorverarbeiteten Produkte. Nach
langen Verhandlungen war eine Tabelle zustande gekommen, die zwar nicht
in allen Positionen der Industrie und vor allem dem Handel gefiel, gegen
die aber schlielich nicht mehr viel einzuwenden war, und die vom
Bundesrat angenommen wurde. Sodann wurden die Hchstpreise fr eine
Gruppe bewltigt, die bei den Fachleuten als unberwindlich galt, die
Wollen und Wollprodukte.
Hier handelte es sich um die Vielfltigkeit der Herkunft, multipliziert
$
 dass ich laut mein Glck preise.
+Reinmar der Alte: Glcksverkndigung.+
    Froh bin ich der Mre,
  Die ich hab' vernommen,
  Dass des Winters Schwere
  Will zu Ende kommen.
  Kaum erwart' ich noch die Zeit,
  Denn ich hatte nichts als Leid,
  Seit die Welt rings war verschneit.
  Hassen wird mich keiner,
  Wenn ich frhlich bin;
  Weiss Gott! tt' es einer,
  Wr's verkehrter Sinn.
  Niemand ich ja schaden kann.
  Wenn _sie_ Gutes mir tut an,
  Was geht's einen andern an?
  Sollt' ich meine Liebe
  Bergen und verhehln,
  Msst' ich ja zum Diebe
  Werden und gar stehln.
  Nein, das kommt mir nicht zu Sinn,
  Weil ich gar zu frhlich bin,
  Geh' ich hier, geh' dort ich hin.
  Spielt sie mit dem Balle,
  In der Mgdlein Chor:
  Dass sie nur nicht falle,
  Da sei Gott davor!
  Mdchen, lasst eu'r Drngen sein!
  Stosset ihr mein Mgdelein,
  Halb dann ist der Schade mein.
+Friedrich von Hausen: Zwiespalt.+
    Es will mein Herze und mein Leib sich scheiden;
  So lange waren innig sie gesellt!
  Mein Leib will$
  Weichen muss alles herzeleid,
  Geiz, sorg und was sonst hart anleit,[52]
  Fert hin mit aller traurigkeit.                   10
  Auch ist ein jeder des wol frei,[53]
  Das solche freud kein snde sei,
  Sondern auch Gott viel bass gefelt,
  Denn alle freud der ganzen welt.
  Dem teufel sie sein werk zerstrt                 15
  Und verhindert viel bser mrd.
  Das zeugt David des knigs that,[54]
  Der dem Saul oft geweret hat
  Mit gutem sssem harfenspiel,
  Das er nicht in grossen mord fiel.                20
  Zum gttlichen wort und warheit
  Macht sie das herz still und bereit;
  Solchs hat Eliseus bekant,[55]
  Da er den geist durchs harfen fand.
  Die beste zeit im jar ist mein,                   25
  Da singen alle vgelein;
  Himel und erden ist der vol,
  Viel gut gesang da lautet wol.
  Voran die liebe nachtigal
  Macht alles frlich beral                        30
  Mit irem lieblichen gesang;
  Des muss sie haben immer dank.
  Vielmehr der liebe Herre Gott,
  Der sie also geschaffen hat,
$
erht, da ward die sach vff
geschlagen, biss vff ein andern gerichtztag, da was der gerichtz herren
einer der het ein narren da heim, vnd ob dem tisch da ward man der sach
z[uo]red. Da sprach der nar, er sol den wirt bezalen mit dem klang des
geltz, wie der arm man ersettiget ist worden von dem geschmack des
bratens. Da nun der gerichtztag kam da bleib es bei dem vrteil, das
vrteil fand der nar.
    4: The first edition was published at Strassburg in 1522.
    5: _Geschmack_ = _Geruch_.
    6: _rten_ = _Zeche_ (cost of food and drink).]
_From Wickram's 'Coaching Booklet'[7]: An accommodating parson._
Ein armer ungelerter pfaff stalt nach[8] einer g[uo]ten reichen pfarr;
dann er hort, wie sy so vil inkommens bette, derhalb sy im so wol
gefiel; es war im nit umb das schfflinweiden z[uo] th[uo]n, sunder er
verhofft, vil gelts darauff zu berkommen. Und alss er nun vil und offt
darumb gebetten unnd geloffen hette, warde er von den bauren auff ein
sontag bescheiden, so wolten sy mit im handlen und auff die pfarr$
 und fliehn und wiehern vor Wollust,
  Dass Hain und Felsen erschallt. Gefleckte Khe durchwaten,
  Gefhrt vom ernsthaften Stier, des Meierhofs bschichte Smpfe,
  Der finstre Linden durchsieht. Ein Gang von Espen und Ulmen         65
  Fhrt zu ihm, welchen ein Bach
        durchblinkt, in Binsen sich windend,
  Von Reihern und Schwnen bewohnt. Gebirge, die Brste der Reben,
  Stehn frhlich um ihn herum; sie ragen ber den Buchwald,
  Des Hgels Krone, davon ein Teil im Sonnenschein lchelt
  Und glnzt, der andere trau'rt im Flor vom Schatten der Wolken.     70
  Die Lerche steigt in die Luft,
        sieht unter sich Klippen und Thler;
  Entzckung tnet aus ihr. Der Klang des wirbelnden Liedes
  Ergetzt den ackernden Landmann.
        Er horcht eine Weile; dann lehnt er
  Sich auf den gleitenden Pflug, zieht braune Felsen ins Erdreich.
  Der Smann schreitet gemessen, giesst gleichsam trockenen Regen     75
  Von Samen hinter ihm her. --O, dass der mhsame Landwirt
  Fr sich den Segen nur streute! D$
ge habe ich nicht mehr getrumt, heute aber sah mein Auge nach den
Wolken; ich sah, wie die hellen Schichten ineinanderflossen, sich
verschoben, wie sie sich in die dunklen verloren, wie sie sich wieder
von ihnen lsten. Aber nichts mehr von lsen heute, wir haben unsere
Stunde heute schon zu viel beschattet. Nur dieses noch: Du denkst doch
nicht etwa, ich trge die Vorstellung von Entsagung in mir? Das wre ein
vlliges Verkennen. Meine Handlungen werden letzten Endes von den
Forderungen bestimmt, die in meiner _Natur_ liegen. Also, sie sind eher
das Gegenteil von Entsagung. Im Augenblick sind diese Forderungen
vielleicht so verborgen, wie die Wurzeln eines Rosenbusches.
Ich mute Dir, geliebter Junge, wohl oft schwierige Gedankensprnge zu?
Es ist aber so herrlich, zu wissen: da lebt ein Mensch, der kann niemals
denken: komisch -- seltsam -- nrrisch -- ein Mensch, der Andacht auch
vor deinen Unbegreiflichkeiten hat. Wir armen Knstler sind ja
eigentlich stets gezwungen, unsere teuersten Besitztmer zu v$
zgert. Das
Epos, sagt Herder einmal, mu langweilig sein: dies ist in dem Sinne
wahr, als es allen dramatischen Drang, alle lyrische Erreglichkeit und
Unruhe ausschliet. Aber das dadurch mangelnde lebhaftere Interesse
ersetzt es durch die Sinnlichkeit, durch die Plastizitt, durch das
helle Licht und den ununterbrochenen greifbaren Umri, womit es den
anschauenden Sinn entzckt.
Wir haben uns scheinbar von Goethe und unserm Gedicht weit entfernt,
aber in der That dadurch die wichtigsten Anhaltspunkte zu seiner
Beurteilung und Charakterisierung gewonnen.
Goethe war seiner ganzen Naturanlage nach nicht blo ein Dichter,
sondern im besondern ein epischer Dichter nach den Merkmalen, die wir
oben angegeben haben. Sein ganzes Leben ist ein groes episches Gedicht
und verflo in innerer und urer Harmonie unter dem stillen Bilden der
Lebensschicksale. Eine Altersstufe lste mit unmerklichem Werden die
andre ab und jede trug im vollen Walten des Naturgesetzes die ihr
eigentmlichen Blten und Frchte. Der Strom se$
elben, wo nach
Ueberwindung aller Qualen und Widersprche der endlichen Welt die
bewutvolle Vershnung und Seligkeit wieder eingetreten ist. Goethe nun
stand in dieser Region echter in sich beruhigter Menschlichkeit. Die
hchste Bildung war ihm die reinste Menschlichkeit; Schnheit und
Sittlichkeit, ebenso Glck und Sittlichkeit war ihm eins. Der Zustand,
wo die Pflicht mit der Neigung, der moralische Wille mit dem natrlichen
Triebe nicht zusammenstimmt, wo wir also nicht in vollem ungeteiltem
Besitz unsrer selbst sind, war ihm unertrglich. Er folgte dem schnen
Zuge seiner Natur, aber nicht der gemeinen und hlichen, sondern der
edeln und geluterten. Dies ist ganz jene Geistesstufe, die wir oben als
die dem Epos und dem epischen Dichter eigentmliche gefunden haben.
Goethes besonderes Erbteil war eine mchtige Energie der Phantasie und
die volle Gabe der Anschauung. Dadurch blieb er in einem Zeitalter des
kalten und trocknen Verstandes ein ewiger Jngling. Mit klarem Blick
schaute und beobachtete er die$
hes Mdchen,
    Da du zufrderst dich nach dem Sinne der Eltern befragest!
    Denn so strebt' ich bisher vergebens dem Vater zu dienen u. s. w.
    Aber noch frh genug merkt' ich, sie hatten mich immer zum besten;
    Und das war mir empfindlich, mein Stolz war beleidigt, doch mehr noch
    Krnkte mich's tief, da so sie den guten Willen verkannten,
    Den ich gegen sie hegte, besonders Minchen, die Jngste.
    Denn so war ich zuletzt an Ostern hinbergegangen u. s. w.
    La mich reden, mein Kind, und deine Fragen erwidern.
    Deinetwegen kam ich hieher und was soll ich's verbergen?
    Denn ich lebe beglckt mit beiden liebenden Eltern,
    Denen ich traulich das Haus und die Gter helfe verwalten u. s. w.
    Billig seid ihr, o Freund, zu den guten Wirten zu zhlen,
    Die mit tchtigen Menschen den Haushalt zu fhren bedacht sind.
    Denn ich habe wohl oft gesehn, da man Rinder und Pferde
    So wie Schafe genau bei Tausch und Handel betrachtet u. s. w.
Eine ebenso hufige Uebergangsform ist '$
eberblick ber
     die Menschheit und die Natur in ihrer Verbindung. Nur da der
     Dichter nicht die Vollstndigkeit der Objekte braucht, sondern
     mittelst eines einzelnen Objekts noch mehr leistet, da er das Gemt
     in eine unendliche Stimmung versetzt. Der epische Dichter geniet
     die weiteste Aussicht; seine Dichtung ist am meisten fhig den
     Menschen mit dem Leben zu vershnen.
     Das Epos gibt der Musik Gestalt, der Skulptur Bewegung und Sprache.
     Idyll heit nicht blo eine Dichtungsart, sondern eine
     Empfindungsweise. Die Idylle beschreibt einen Zustand, das Epos
     erzhlt eine Handlung.
     Der Kampf individueller Charaktere, Zwecke und Leidenschaften mit
     den objektiven Mchten fhrt zur dramatischen Poesie. Das Epos
     fordert aber noch jene unmittelbare Einheit von Empfindung und
     Handlung, von inneren konsequent sich durchfhrenden Zwecken und
     ueren Begebenheiten, eine Einheit, welche nur in den ersten
     Perioden des nationalen Lebens vorhanden $
 ... hm! Wie sagst allweil: Du bist frei von allen
Vorurteilen ...
Das hat dir aber nie recht gefallen.
Mein Gott, i! I bin a alter Mann! Aber ...
Nun ja. Ich verurteile sie auch nicht!
Brav, Eduard! Bist mein Mann! Bist ein Prachtmensch! Geh kumm, heut
stech ma an Rdesheimer an!
Beim Rdesheimer redeten sie noch lange und -- sehr gescheit.
So endete der erste Tag nach Thildens Heimkehr. --
Ich verurteile sie auch nicht! Hm hm! Ja ja! Das war nicht blo
geredet! Er benahm sich auch ganz danach, der Eduard. Eine Freud war's!
Wie er sie nur oft anschaute! Und sie, sie schaute ihn auch an -- so
eigen. Hm. Und einmal wurde sie ganz rot, als er sie so anschaute und
lie den Lffel in den Teller fallen vor lauter Verlegenheit. O! Wie wr
Herr Schoiengeyer da frher dreingefahren in solche Unmoralitten!
Aber jetzt! Mein Gott, man wird eben auch nach und nach frei von -- den
Vorurteilen. Der Mensch lernt nie aus. Und dann handelt es sich doch um
die Zukunft seines -- Hauses ... und wenn man's genau ni$
stvollen Liebe eines alten
schicksalsverfolgten und liebebedrftigen Mannes hing, msse
stillallmhlich vorbereitet werden. Zudem sei er, wenn auch schon auer
Bette, noch krank.
Sie bat ihn, ihr zu schreiben. Sie wollte dann den Vater unvermerkt in
ihr junges Glck einweihen und ihn schlielich die Briefe lesen lassen.
Damit war er einverstanden und schied. Er mute fort. Er war
Geschftsfhrer einer groen Fabrik, hatte jngst ein betrchtliches
Erbe angetreten und hoffte als Teilnehmer seine Arbeitskraft dem
umfangreichen Unternehmen widmen zu knnen. Er war ber die erste Blte
der Jugend hinaus, ein ernster hochgebildeter Mann, der auf seinen
weiten Reisen viel und vieles gesehen und erlebt hatte -- nur die Liebe
noch nicht. Die war ihm erst in diesem stillen Erdenwinkel erblht, den
er, vom Zufalle oder wohl von seinem gtigen Geschicke gefhrt,
aufsuchte, um Erholung nach langen Strapazen zu finden und Krfte fr
neue Arbeit zu sammeln. An Leib und Seele gesund, erfllt von einem
ganzen Frhling neuen $
e dort
droben allein hausen mit allen seinen Leidgedanken und umspukt von
qualvollen Erinnerungen, sollte sich allein berlassen bleiben mit
seiner ganzen bitterschweren Vergangenheit.
Da er einfach mitziehen knnte, wie Uller schrieb, daran dachte er gar
nicht weiter. Drngte sich ihm der Gedanke aber doch auf, dann wehrte er
ihn schier zornig ab. Er will gar nicht mit, will nicht unter fremde
Leute, will nichts mehr wissen von der Welt. Aber sie? Sie war noch jung
und hatte noch etwas zu erwarten von der Welt. So mahnte ihn sein
Gewissen. Er aber sagte sich darauf: Was soll sie erwarten? Auf die
Stormers wartet kein Glck da drauen. Das Schicksal beschenkte sie
immer nur so reich, um sie desto rmer zu machen. Er tte nur Gutes, es
wre seine Pflicht geradezu, seine heilige Vaterpflicht, sie vor neuen
Enttuschungen, vor neuem Leide und Weh zu bewahren. Die Einsamkeit wre
ihr Hort. Und ihr Schutz gegen alle weitere Pein und Seelennot: nichts
wnschen und nichts verlangen, nichts ersehnen und -- nichts ho$
weder gut noch bse. Trotz seinem vorgerckten Alter
hatte er sich erst unlngst von den Geschften zurckgezogen, und seine
Vermgensumstnde waren so zerrttet, da er im Anfang des Jahres
achtzehnhundertsiebzehn seine Domne La Morne veruern mute. Mit dem
Erls wollte er sich an einem stillen Fleck des Landes zur Ruhe setzen
und von seiner Rente leben. Eines Abends, es war der neunzehnte Mrz,
erhielt er vom Kufer des Gutes, dem Prsidenten Seguret, den Rest der
Kaufgelder in Papieren und Wechseln ausbezahlt und nachdem er die
Dokumente in seinem Schreibtisch verschlossen hatte, verlie er das Haus
und sagte der Wirtschafterin, er msse noch einmal nach La Morne
hinber, um mit dem Pchter einige notwendige Abmachungen zu treffen.
Er kam weder nach La Morne, noch kehrte er in seine Wohnung zurck. Am
andern Morgen sah die Frau eines Schneiders aus dem Dorfe Aveyron seine
Leiche in einer untiefen Stelle des Flusses liegen, rannte nach Rhodez
und holte Leute herbei.
Die felsige Bschung der Ufer war an j$
irabel sehen konnten. Sie verbarg sich nicht der
allgemeinen Neugier, mit einem hochzeitlichen Lcheln sa sie da, die
feinen schwarzen Brauen waren weit in die Stirne hinauf verzogen.
       *       *       *       *       *
Punkt zehn Uhr erschien Prsident Enjalran, der Leiter des Prozesses, im
menschenberfllten Saal, und nach Verlesung der weitlufigen
Anklageschrift wurde Bastide Grammont zum Verhr aufgerufen.
Fest wie aus Bronze stand er vor dem Tisch der Richter. Seine Antworten
waren khl, knapp und klar. Von Anfang bis zu Ende durchschaute er
jetzt das unsinnige Mrchen, gewoben aus Dummheit und Schlechtigkeit.
Durch beienden Spott gab er die namenlose Verachtung gegen all das zu
erkennen, wessen man ihn bezichtigte, und setzte damit den Verteidiger,
den das Gericht ihm in letzter Stunde bestimmt hatte und mit dem zu
unterhandeln er sich hartnckig geweigert hatte, in nicht geringe
Bisweilen wandte er den Blick gegen die kirchenartig hohen Fenster, und
als er einen Vogel gewahrte, der sich auf da$
 Niemand vermuthet htte.
Nicht gering war nmlich der jngsten Tochter Bestrzung, als sie,
nachdem der Knigssohn fortgegangen war, sich an den Rocken setzte und
fand, da der Faden in der Spule gerissen war. Zwar wurden die Enden des
Fadens im Kreuzknoten wieder zusammengeknpft und das Rad in rascheren
Gang gebracht, damit emsige Arbeit die im Kosen mit dem Brutigam
verlorene Zeit wieder einbrchte. Allein ein unerhrter und
unerklrlicher Umstand machte das Herz des Mdchens beben: das Goldgarn
hatte nicht mehr seinen vorigen Glanz. -- Da half kein Scheuern, kein
Seufzen und kein Benetzen mit Thrnen; die Sache war nicht wieder gut zu
machen. Das Unglck springt zur Thr in's Haus, kommt durch's Fenster
herein und kriecht durch jede Ritze, die es unverstopft findet, sagt ein
altes weises Wort; so geschah es auch jetzt.
Die Alte war in der Nacht nach Hause gekommen. Als sie am Morgen in die
Stube trat, erkannte sie augenblicklich, da hier etwas Unrechtes
vorgegangen sei. Ihr Herz entbrannte in Zorn; sie$
 so lange fort, bis euch links am Ufer eine Eberesche mit
bebltterten Zweigen zu Gesicht kommt. Nicht weit von der Eberesche
steht ein Stein von der Hhe einer kleinen Badstube. Beim Steine mt
ihr die Worte ausstoen: Aus der Teichrose die Jungfrau, aus dem Krebs
der Mann! In demselben Augenblick wird es so geschehen. Als der Adler
geendigt hatte, hob er die Fittige und flog davon. Der Jngling sah ihm
eine Weile nach und wute nicht, was er davon halten sollte.
Unter zweifelnden Gedanken verstrich ihm ber eine Woche; er hatte weder
Muth noch Vertrauen genug, die Befreiung in dieser Weise zu versuchen.
Da hrte er eines Tages aus dem Munde einer Krhe: Was zgerst du, der
Weisung des Alten nachzukommen? Der alte Zauberer hat noch nie falschen
Bescheid geschickt, und auch die Vogelsprache hat noch nie getrogen.
Eile an das Ufer des Flusses und trockne die Sehnsuchtsthrnen der
Jungfrau. Die Rede der Krhe machte dem Jnglinge Muth; er dachte:
Greres Unglck kann mir nicht widerfahren als der Tod, $
rten
spazieren. Da hrten sie, wie eine Elster vom Wipfel eines Baumes herab
rief: O du undankbares Geschpf, das in den Tagen des Glcks seine
hlfreichen Freunde vergessen hat. Sollen die beiden armen Jungfrauen
ihr Lebelang Goldgarn spinnen? Die lahme Alte ist nicht die Mutter der
Mdchen, sondern eine Zauberhexe, welche die Jungfrauen als Kinder aus
fernen Landen gestohlen hat. Der Alten Snden sind gro, sie verdient
keine Barmherzigkeit. Gekochter Schierling wre fr sie das beste
Gericht; sonst wrde sie wohl das gerettete Kind abermals mit einem
Hexenknuel verfolgen.
Jetzt fiel es dem Knigssohne wieder ein und er bekannte seiner Gattin,
wie er zur Waldhtte gegangen sei, die Schwestern um Rath zu fragen,
dort die Vogelsprache gelernt und den Jungfrauen versprochen habe, sie
aus ihrer Gefangenschaft zu erlsen. Die Gattin bat mit Thrnen in den
Augen, den Schwestern zu Hlfe zu eilen. Als sie den andern Morgen
erwachte, sagte sie: Ich hatte einen bedeutungsvollen Traum. Die alte
Mutter war von Hau$
 aus, da knntet ihr
die theuren Kleider verderben. _Schnellfu_ erwiederte: Wer eure Tochter
freien will, was macht sich der aus Kleidern? und ging dann zur Ruhe,
um den andern Tag desto munterer zu sein. Des Knigs Tochter, die
heimlich durch eine Thrspalte nach dem stattlichen Manne gespht hatte,
sagte seufzend: Wenn ich doch dem Rennthier Fufesseln anlegen knnte,
ich thte es, um diesen Mann zum Gemahle zu erhalten.
Als den andern Morgen die Sonne aufgegangen war, band _Schnellfu_ der
Rennthierkuh einen Halfterstrang[18] um den Hals und nahm das andere
Ende in die Faust, damit die Kuh sich nicht zu weit entfernen knnte.
Als die Stallthr geffnet wurde, scho die Kuh wie der Wind davon, der
Hirte aber lief den Halfter festhaltend neben ihr her, und blieb keinen
Schritt zurck. Der Knig und die Zuschauer aus der Stadt erstaunten
ber die wunderbare Schnelligkeit des Mannes, denn bis hierzu hatte noch
Keiner auch nur ein paar hundert Schritt weit neben der Kuh herlaufen
knnen. Wiewohl _Schnellf$
 Diener
zur Grtnerstochter, mit dem Auftrage, sie heimlich herzubringen, und
hier bis zum Abend versteckt zu halten. Als nun am Abend des Knigs
Schlo von Lichtern strahlte, und alle frstlichen Jungfrauen in ihrem
Feststaat den Augenblick erwarteten, der ihnen Glck oder Unglck
bringen sollte, trat der Knig mit einer jungen Dame in den Saal, deren
Antlitz so verhllt war, da kaum die Nasenspitze heraus sah. Was Allen
aber gleich auffiel, war der schlichte Anzug der Fremden: sie war in
weies feines Leinen gekleidet, und weder Seide, noch Sammet, noch Gold
war an ihr zu finden, whrend alle Andern von Kopf bis zu Fu in Sammet
und Seide gehllt waren. Einige verzogen spttisch den Mund, andere
rmpften unwillig die Nase, der Knig aber that, als bemerkte er es
nicht, lste die Kopfhlle der Jungfrau, trat dann mit ihr vor die
verwittwete Knigin und sagte: Hier ist meine erwhlte Braut, die ich
zur Gemahlin nehmen will, und ich lade euch und Alle, die hier
versammelt sind, zu meiner Hochzeit ein. Die v$
t herzlich dafr. Ich habe es nur von Brief zu Brief
verschoben, weil ich gewhnlich das letzte Wort eines Blattes und die
letzte Viertelstunde der Zeit erreichte, ehe ich dazu kam. Ich fange bei
meiner Frau an, da ich mich nicht erinnere, ob Sie wissen, wer sie
eigentlich ist. Wenn ich Ihnen also etwas sage, was Ihnen bekannt ist,
so seien Sie mir darum nicht bse. Sie war ein Frulein von Dacherden,
in ihrer Jugend sehr schn, und, ob sie gleich acht Kinder gehabt hat,
noch viel mehr erhalten, als es Frauen, die nicht in dem Falle sind,
gelungen ist. Sie ist seit einiger Zeit krnklich, aber auf keine Weise,
die Besorgnis erregte, oder ihre natrliche Heiterkeit strte. Burgrner
gehrt ihr und ist eins ihrer Gter, dahingegen Tegel und die
schlesischen mir gehren. Unsere Ehe wurde blo durch gegenseitige
Neigung, ohne alles Zutun von Eltern und Verwandten, geschlossen, sie
hat in den einunddreiig Jahren, die sie nun whrt, nie einen nur
weniger zufriedenen Moment gehabt, unser Glck ist gegenseitig heut$
mehr auf die richten, die dadurch, da sie ihm
anhngen, eine grere Liebe, Innigkeit und Reinheit des Gemts
beweisen, aber eine ungleiche Verteilung seiner leitenden, sorgenden,
belohnenden und strafenden Frsorge lt sich nicht, weder mit den
Begriffen von seiner Allmacht, noch mit denen von seiner Gerechtigkeit
in Vereinigung bringen. Im Alten Testament kommt allerdings von
Auserwhlten Gottes vielleicht auch in diesem Sinne vor, allein diese
Stellen hngen auch zum Teil mit der jdischen Idee des auserwhlten
Volkes Gottes zusammen, und dann braucht auch dieser Begriff der
Auserwhlung nicht gerade jenen ausschlieenden Sinn, sondern nur den zu
haben, da die Auserwhlten diejenigen waren, welche sich durch ihre
Herzensreinheit und Frmmigkeit am meisten der Liebe Gottes wrdig
gemacht und sein Wohlgefallen auf sich gezogen hatten. Im Neuen
Testament kommen Stellen, aus denen man auf eine ungleiche Sorge Gottes
in den waltenden Fgungen seiner Vorsehung schlieen knnte, wohl nicht
vor. Wenn es bei ein$
uch noch nicht sehen.
Immer schtten Sie Ihr beklommenes Herz mir aus, immer werden Sie
dieselbe Teilnahme in mir finden, die keiner Vernderung fhig ist.
Ganz der Ihrige.   H.
Den 16. Dezember 1828.
Es wird mich sehr freuen, eine Fortsetzung Ihrer Lebenserzhlung zu
bekommen. Sie wissen, da ich auch an Ihrem vergangenen Leben einen
warmen und innigen Anteil nehme, und da auerdem schon jede recht
individuelle Schilderung fr mich einen hohen Reiz hat, der mich anzieht
und verweilen lt. Ich fhle aber sehr gut, da eine solche Schilderung
aufzusetzen und aus den Hnden zu geben, eine groe und schwer zu
berwindende Schwierigkeit hat. Es kommen doch im Leben der Menschen
immer Dinge vor, die gerade in den besten und feingesinntesten Gemtern
eine gewisse Scheu, sie auszusprechen, hervorbringen. Ich meine damit
garnicht solche, die man sich gleichsam zu gestehen scheute, weil man
frchtet, deshalb ungnstig beurteilt zu werden. O nein, es gibt Dinge,
die garnicht dieser, sondern ganz entgegengesetzter Nat$
gegeben haben, und
kann das nur billigen. Solange man noch in seinen huslichen
Gewohnheiten ruhig ist, fhlt man in diesen wohl eine gewisse ermdende
Einfrmigkeit, die auf eine Reise mit Vergngen hinblicken lt. Wenn
aber der Zeitpunkt kommt, sich loszureien, so fhlt man alles
Beschwerliche und Unerfreuliche, das nicht heimisch scheint, und lernt
erst den Wert der gewhnlichen Existenz in alledem erkennen, was einen
alle Tage umgibt. Ich selbst habe mich diesmal hchst ungern zur Badekur
entschlossen und htte es nicht getan, wenn ich nicht glaubte, da ohne
die Kur die Schwchlichkeiten, an denen ich leide, und die doch meine
freie Ttigkeit hemmen, zu sehr anwachsen knnten. Interesse finde ich
an der Reise garnicht. Einige Menschen in den Orten, durch die ich
reise, sehe ich allerdings gern wieder, aber das wiegt doch die vielen
anderen Unbequemlichkeiten, und besonders den Zeitverlust, nicht auf. Zu
dem allen kommt die Ungewiheit der Zeiten.
Sie reden in Ihrem Briefe ber den Wert des Lebens und $
t. Auch die Briefe handeln fast ganz von Schillers Arbeiten, die er
gerade in jenen Jahren machte und mir nach und nach, wenn ich abwesend
war, mitteilte. Schwerlich hat je jemand Schiller so genau gekannt als
ich. Es haben ihn sehr wenige so lange und so nahe gesehen. Bei einem
Manne wie er, der nicht zum Handeln, sondern zum Schaffen durch Denken
und Dichten geboren war, heit sehen -- sprechen, und ganze Tage und
Nchte haben wir eigentlich miteinander sprechend zugebracht. Wenn daher
auch der Jahre, die wir miteinander verlebten, so viele nicht waren, so
war des Zusammenlebens doch sehr viel.
Die Lieblichkeit des Wetters dauert fort, auch fngt alles an zu knospen
und zu keimen.
Leben Sie recht wohl. Mit unvernderlicher Teilnahme und Freundschaft
der Ihrige. H.
_Tegel_, den 5. Juni 1832.
Ich finde es sehr natrlich, da Sie ernst gestimmt sind. Es liegt an
und fr sich im denkenden Menschen, ist den zunehmenden Jahren mehr noch
eigen. Das mancherlei Traurige, das Sie frher, das husliche Ereignis,
das S$
nsten Stunden des Lebens. Aber auch das eigene
Auswendiglernen und Auswendigwissen von Gedichten oder von Stellen aus
Gedichten verschnert das einsame Leben und erhebt oft in bedeutenden
Momenten. Ich trage mich von Jugend an mit Stellen aus dem Homer, aus
Goethe und Schiller, die mir in jedem wichtigen Augenblicke wiederkehren
und mich auch in den letzten des Lebens nicht verlassen werden. Denn man
kann nichts Besseres tun, als mit einem groen Gedanken hinbergehen...
Ich befinde mich, Gott sei gedankt, recht wohl, gehe aber doch den
Sommer wieder ins Seebad nach Norderney. Man findet, da es meine
Schwchlichkeiten vermindert hat. Das sehe ich nun zwar nicht, und auch
Sie werden es, an meinem Schreiben wenigstens, nicht gewahr werden.
Allein das ist wohl mglich, und das glaube ich sogar selbst, da der
jhrliche Gebrauch des Bades diese meine Schwchlichkeiten auf dem
Punkte erhlt, auf dem sie jetzt sind. Vielleicht sind auch die Wellen
unschuldig daran. Aber man ist gern dankbar, und die See ist ein s$
cht setzten, kurz, er war so aufgerumt, so
unterhaltend und trotz des Zynismus, der heimlich oder unverhllt stets
in seinen Worten lag, so gewinnend, da alle an seinem Munde hingen und
ihr Bedauern nicht verhehlten, als er abbrach und sich, pltzlich wieder
trocken und hlzern hflich, empfahl.
Olivia war in Hut und Mantel, weil sie einige Einkufe in der Stadt
machen wollte. Sie schlo sich dem Hofrat an, und er schien sich darber
zu freuen. Seine unerwartete Gesprchigkeit hatte erlsend auf sie
gewirkt; sie schpfte Hoffnung, seine Gegenwart schien keine Gefahr mehr
zu enthalten.
Schweigend gingen sie nebeneinander. Es war Abend, viele Menschen waren
unterwegs. Der Hofrat bog von den Hauptstraen ab in die stilleren, aber
auch dort sprach er nicht. Anfangs dnkte Olivia dies Schweigen
natrlich, doch als sie ihn anschaute, bemerkte sie, da seine Miene
finster und feindselig war. Sie erschrak; sie konnte sich die
Verwandlung nicht erklren; sie frchtete, ihn verletzt zu haben, wollte
fragen, brachte a$
er auf den, der sich erst seine Unterkunft grnden
mu. Der Assessor suchte sich[13-2] eine Ecke aus, dicht unter dem
grobgeschnitzten Kruzifix,[13-3] das aus den verdorrten
Palmsonntags-Birkenzweigen hervorschaute, in die sich die Fliegen als
ihr Nachtquartier verzogen, und bestellte sich einen roten
Tyroler.[13-4] Lang sa er nicht allein, denn drauen hrte man[13-5]
Stimmen, und drei junge Leute traten dicht beschneit herein. Die drei
jungen Damen schauten auf und steckten die Kpfe zusammen und
kicherten, als sie dieselben hereinkommen sahen. Da sind sie wieder,
sagte die kluge Elsa, ganz gewi sie sind's.[13-6] Ja, sie waren's,
die Studenten vom Werfener Stellwagen her.
Was tausend![13-7] Bei diesem Wetter kommen Sie hier herauf, meine
Damen, sagte der erste Tenor. Wir wren[13-8] fast verunglckt; das
ist Ihnen[13-9] ein schauderhaftes Wetter, da sollte man keinen Hund,
geschweige denn eine Dame, herausjagen.
Hatten Sie keinen Fhrer? fragte die Dame, ber die letzte
Artigkeit[13-10] etwas l$
e Austrian
crownland of Styria; a country-dance in Styria.
{=steil=}, steep.
{=stellen=}, to put, to place; {in Aussicht stellen}, to hold out a
{=stellte ... vor=}, _see_ {vorstellen.}
{=Stellwagen=}, _m._ (_pl._ {--},) stagecoach, diligence.
{=stempeln=}, to stamp, to mark.
{=sterben= (starb, gestorben)}, to die.
{=stiegen ... zu=}, _see_ {zusteigen}.
{=still=}, still, silent(ly), quiet(ly), low(ly), humble (-bly); {im
stillen}, privately, by one's self; {still stehen}, to stop.
{=stille= = still}.
{=Stille=}, _f._, quietness, stillness; {in der Stille}, quietly.
{=Stimme=}, _f._ (_pl._ {-n},) voice; part (_in vocal or instrumental
{=stimmen=}, to tune (_a musical instrument_.)
{=Stirn=}, _f._ (_pl._ {-en},) forehead, brow.
{=stocken=}, to stop, to cease.
{=Stockwerk=}, _n._ (_pl._ {-e},) story (of a house).
{=Storchenfett=}, _n._, stork-suet.
{=Storchfetttopf=}, _m._ (_pl._ {[:-]e},) (pot) jar with stork-suet,
stork-suet box.
{=Sto=}, _m._ (_pl._ {[:-]e},) stroke; {der letzte Sto}, finishing$
alter darber habe nachgrbeln mssen, und jetzt wird es
ja auch wohl gleichgltig sein, ob einer hier im Kreise noch zuletzt das
rechte Wort findet. Jenen Tag aber, diesen mir bedeutungsvollen 15.
Oktober, werde ich euch nun mit allen seinen Umstnden so genau als
mglich schildern, und ihr mt es euch schon gefallen lassen.
Kein Hase macht neugieriger seinen Kegel als ich! rief der Frster.
Lieber Gott, welch ein Abend! sagte der geistliche Herr. Hren Sie
nur diesen Sturm! O erzhlen -- erzhlen Sie!
In der That ein strmischer Abend! Je weiter die Nacht vorschritt, desto
wilder tobte es von Norden her gegen das Gebirge heran, und die Apotheke
zum wilden Mann bekam ihr volles Teil.
Solch ein Wetter war es an jenem Tage nicht, sagte Herr Philipp in
seinem gewohnten Tone, ruhig und gelassen, wie jemand, der eben ein
Menschenalter Zeit hatte, ein Erlebnis zu berdenken. Er wurde aber
auch noch einmal unterbrochen, denn es kam ein Kunde und holte fr einen
Groschen Bittersalz und setzte eine Vierte$
ebt sich). Was meinst du damit?
=Oswald.= Ich kann all diese Seelenqual nicht lnger allein tragen.
=Frau Alving.= Hast du nicht deine Mutter, die sie dir mit trgt?
=Oswald.= Ja, das hoffte ich; und deshalb kehrte ich heim zu dir. Aber
es geht nicht auf diese Weise. Ich sehe es ein, es geht nicht. Ich kann
das Leben hier nicht ertragen!
=Frau Alving.= Oswald!
=Oswald.= Ich mu ein anderes Leben fhren, Mutter. Und deshalb mu ich
fort von dir. Ich will nicht, da du es mit ansiehst.
=Frau Alving.= Mein unglcklicher Sohn! Aber Oswald, so lange du so
krank bist wie jetzt --
=Oswald.= Wenn es nur die Krankheit allein wre, so wrde ich bei dir
bleiben, Mutter. Denn du bist die treuste Freundin.
=Frau Alving.= Ja, nicht wahr, Oswald? Bin ich das nicht?
=Oswald= (geht unruhig umher). Aber es sind diese Qualen, -- die Reue,
-- -- und dann die furchtbare, tdtliche Angst. O -- diese entsetzliche
=Frau Alving= (geht ihm nach). Angst? -- Welche Angst? Was meinst du?
=Oswald.= Ach, frag' mich nicht weiter. Ich wei e$
her und Berggipfel im
Hintergrunde liegen in strahlendem Sonnenschein da.)
=Oswald= (sitzt im Lehnstuhl mit dem Rcken gegen den Hintergrund, ohne
sich zu rhren; pltzlich sagt er): Mutter, gieb mir die Sonne.
=Frau Alving= (am Tische, sieht ihn erschreckt an). Was sagst du?
=Oswald= (wiederholt dumpf und tonlos). Die Sonne. Die Sonne.
=Frau Alving= (zu ihm eilend). Oswald, wie ist dir?
=Oswald= (scheint im Stuhl zusammen zu schrumpfen; alle Muskeln
erschlaffen; sein Gesicht wird ausdruckslos; die Augen werden blde und
=Frau Alving= (bebend vor Furcht). Was ist das! (Schreit laut.) Oswald!
Was ist mit dir! (Wirft sich neben ihn auf die Kniee und schttelt ihn.)
Oswald! Oswald! Sieh mich an! Kennst du mich nicht?
=Oswald= (tonlos wie zuvor). Die Sonne. -- Die Sonne.
=Frau Alving= (springt verzweifelt auf, fhrt sich mit beiden Hnden ins
Haar und schreit): Dies ist unmglich zu ertragen! (Flstert wie
erstarrt.) Wo hat er sie nur? (Fhrt pfeilschnell ber seine Brust.)
Hier! (Weicht ein paar Schritte zurck $
r im Deutschen, und der Baum heit (= hat
den Namen) Nadelbaum oder Tannenbaum.
              *     *     *     *     *
Otto: Im Colleg habe ich ein Gedicht (= Poem) gelernt, von einem
Bumlein, das Nadeln hatte.
Herr Meister: Ist das Gedicht von Friedrich Rckert?
Otto: Friedrich Rckert -- ja, das ist der Name des Dichters (=
Bella: Ist Rckert ein guter Dichter?
Herr Meister: Das ist er. Goethe spricht sehr gut von ihm.
Louis: Bevor Sie mehr sprechen, Herr Meister, sagen Sie mir: Wann ist
Goethe geboren?
Herr Meister: Goethe ist am achtundzwanzigsten (= 28sten) August 1749
Bella: Ist Goethe lter (alt, lter, ltest) als Schiller?
Herr Meister: Ja, mein Frulein; Goethe ist lter; Schiller ist 1759
geboren und Rckert 1789; Heine 1799 und Lessing 1729.
Anna: Das ist wunderbar!
Herr Meister: Unsere grten Dichter sind in Jahren geboren, welche
die Zahl neun (= 9) am Ende haben.
Louis: Das mu ich meiner Mutter sagen. Lessing 1729, Goethe 1749,
Schiller 1759, Rckert 1789, Heine 1799. Ist das so recht?
Herr$

und soeben (= in dieser Minute) sangen sie (ich singe, ich sang, ich
habe gesungen) das wundervolle Lied von Abt: All' Abend bevor ich zur
Ruhe (= Rast) gehe. Ich mchte (= will) nun nicht, da Sie Ihr
Deutsch vergessen; ja, ich wnsche (= mchte, will), da Sie mehr
lernen, und darum habe ich Fragen fr Sie und Ihre Freundinnen[IV-1]
aufgeschrieben (ich schreibe auf, ich schrieb auf, ich habe
aufgeschrieben), und ich sende sie (= die Fragen) hier. Ihr Bruder
Otto versteht sehr gut Deutsch. Er kann Sie und Ihre Freundinnen
fragen. In wenigen Tagen werde ich wieder bei Ihnen sein. So hoffe
ich. Meine besten Empfehlungen (= Komplimente) an Sie, Ihren Bruder
und Ihre Freundinnen Bella und Anna.
                                Ihr Freund,
                                         W. Meister.
              *     *     *     *     *
Louis: Sie hren, meine Damen, Herr Meister kann nicht kommen. Er ist
unwohl, er kann nicht sprechen, er hat sich erkltet.
Anna und Bella: O, das ist schlimm (= nicht gut)!
Otto: Ich$
 Und was antwortet Ihr Vater?
Otto: Ihr Diener.
Louis: Nun wollen wir auch gehen. Ich habe Hunger. Ihr Diener,
Frulein Anna, Ihr Diener, Frulein Bella!
Bella: Sie sind sehr komisch, Louis. Adieu, Adieu, Otto.
Anna: Adieu, Louis! Adieu, Otto!
Otto: Ich empfehle mich Ihnen, meine Damen!
              *     *     *     *     *
Louis: Guten Tag, Herr Meister! Ich wei heute, was ein Ritter
ist. Soll ich es sagen?
Herr Meister: Bitte, Louis.
Louis: Ritter war in alten Zeiten der Name fr einen Nobelmann. Ein
Nobelmann oder Edelmann, das ist dasselbe. Nicht wahr, Herr Meister?
Herr Meister: Ganz gewi, Louis.
Louis: Ein Edelmann heit heute nicht mehr Ritter, er heit:
Baron, Graf oder Frst. Alle haben das kleine Wort von vor
ihrem Namen, wie: von Bismarck, von Moltke. Aber die Vter dieser
Edelleute hieen (ich heie, ich hie, ich habe geheien) vor alten,
alten Zeiten Ritter.
Otto: Ich bin erstaunt ber dich (= ich wundere mich ber dich). Wie
hast du alles dieses gelernt?
Louis: Ich wollte $
     Ist die groe goldne Kron'.
        Ihm zu Fen liegen Schafe,
        Weiche Schmeichler, rotbekreuzt;
        Kavaliere sind die Klber,
        Und sie wandern stolzgespreizt.
        Hofschauspieler sind die Bcklein;
        Und die Vgel und die Kh',
        Mit den Flten, mit den Glcklein,
        Sind die Kammermusici.
        Und das klingt und singt so lieblich,
        Und so lieblich rauschen drein
        Wasserfall und Tannenbume,
        Und der Knig schlummert ein.
        Unterdessen mu regieren
        Der Minister, jener Hund,
        Dessen knurriges Gebelle
        Wiederhallet in der Rund'.
        Schlfrig lallt der junge Knig:
        Das Regieren ist so schwer;
        Ach, ich wollt', da ich zu Hause
        Schon bei meiner Kn'gin wr'!
        In den Armen meiner Kn'gin
        Ruht mein Knigshaupt so weich,
        Und in ihren schnen Augen
        Liegt mein unermelich Reich!
                        H_e_i_n_e.
            Siegfrieds Schwert.
        Jung Siegf$
o entfernt er auch von
unsern Tagen gewesen ist. Es ist auch nicht die Hrte der alten Sprache,
welche Leser von Geschmacke beleidiget, sondern das gezwungne, frostige,
abentheuerliche Harte; nicht die Versetzung der Wrter, sondern die
unnthige und armselige Verwerfung. Man lese folgende Stelle:
    Es ist ja, Herr, dein Geschenk und Gab,
    Mein Leib, Seel und alls, was ich hab
    In diesem armen Leben;
    Damit ichs brauch zum Lobe dein,
    Zum Nutz und Dienst des Nchsten mein,
    Wollst mir deine Gnade geben!
Sie hat viel Hartes nach unsrer itzigen Mundart und uns ungewhnliche
Verssetzungen; und dennoch, wer kann sie ohne Bewegung, ohne da er
fhlt, wie seine Seele von Dank und Demuth durchdrungen wird, singen
oder lesen? Sie ist mehr werth, als ganze Bnde neuer Lieder, die kein
andres Verdienst haben, als da sie rein sind. Und warum ist diese
Stelle, ungeachtet ihrer Hrte, so schn? Weil der Ausdruck stark und
krftig, weil der Innhalt des Gedankens gro, und doch der Gedanke nicht
ausgedehnt$
 gttliche Zufriedenheit,
    Wenn wir es treu bewahren.
    Es spricht uns Trost im Elend zu,
    Verssset uns des Lebens Ruh,
    Und strkt uns in Gefahren.
    Erhalte mir, o Herr, mein Hort:
    Den Glauben an dein gttlich Wort,
    Um deines Namens willen;
    La ihn mein Licht auf Erden seyn,
    Ihn tglich mehr mein Herz erneun,
    Und mich mit Trost erfllen!
Ermunterung die Schrift zu lesen.
    Soll dein verderbtes Herz zur Heiligung genesen,
    Christ, so versume nicht, das Wort des Herrn zu lesen;
    Bedenke, da die Wort das Heil der ganzen Welt,
    Den Rath der Seligkeit, den Geist aus Gott enthlt.
    Merk auf, als ob dir Gott, dein Gott, gerufen htte;
    Merk auf, als ob er selbst zu dir vom Himmel redte!
    So lies; mit Ehrfurcht lies, mit Lust und mit Vertraun,
    Und mit dem frommen Ernst, in Gott dich zu erbaun.
    Sprich fromm: O Gott! vor dem ich meine Hnde falte,
    Gieb, da ich dein Gebot fr dein Wort ewig halte;
    Und la mich deinen Rath empfindungsvoll versteh$
nd seufzest, da der Geist der Freuden
    Von dir gewichen ist.
    Du klagst und rufst: Herr, wie so lange?
    Und Gott verzeucht, und dir wird bange,
    Da du von Gott verlassen bist.
    Sind meine Snden mir vergeben;
    Hat Gott mir Snder Heil und Leben
    In seinem Sohn verliehn:
    Wo sind denn seines Geistes Triebe?
    Warum empfind ich nicht die Liebe,
    Und hoffe nicht getrost auf ihn?
    Mhselig, sprichst du, und beladen
    Hr ich den Trost vom Wort der Gnaden,
    Und ich empfind ihn nicht;
    Bin abgeneigt, vor Gott zu treten;
    Ich bet, und kann nicht glubig beten;
    Ich denke Gott, doch ohne Licht.
    Sonst war mirs Freude, seinen Willen
    Von ganzem Herzen zu erfllen;
    Sein Wort war mir gewi.
    Itzt kann ichs nicht zu Herzen fassen,
    Und meine Kraft hat mich verlassen,
    Und meinen Geist deckt Finsterni.
    Oft fhl ich Zweifel, die mich qulen,
    Heul oft vor Unruh meiner Seelen;
    Und meine Hlf ist fern.
    Ich suche Ruh, die ich nicht finde;
    I$
dann aber dreist ihren Fu und kt ihn flchtig).
_Julie._ Ausgezeichnet! Sie htten Schauspieler werden sollen.
_Jean_ (erhebt sich). Das geht nicht so weiter, Frulein! Es knnte
jemand kommen und uns sehen.
_Julie._ Was thte das?
_Jean._ Die Leute wrden ganz einfach darber sprechen. Und wenn das
Frulein wten, wie die Muler schon vorhin gingen, dann --
_Julie._ Was sagten sie denn? Erzhlen Sie es mir! Aber setzen Sie sich!
_Jean_ (setzt sich). Ich mchte Sie nicht krnken, aber sie gebrauchten
Ausdrcke -- die Vermutungen der Art andeuteten, da -- ja, Sie werden
das ja wohl selbst verstehen! Sie sind ja kein Kind mehr, und wenn man
eine Dame allein mit einem Mann zusammen trinken sieht -- sei es auch
nur ein Bedienter -- zumal noch in der Nacht -- dann --
_Julie._ Was dann? Und brigens sind wir nicht allein. Christine ist ja
_Jean._ Ja, sie schlft.
_Julie._ Dann werde ich sie wecken. (Sie steht auf.) Christine!
Schlfst du?
_Christine_ (im Schlaf). Bla--bla--bla--bla!
_Julie._ Christine! -- Die $
skys Reisebeschreibung
    Erster Teil                                            13-99
    Zweiter Teil                                          101-148
Ein ausfhrliches Verzeichnis der frher erschienenen Bnde der
Hausbcherei sowie der Volksbcher ist diesem Bande vorgeheftet.
Der Leipziger Student Christian Reuter, der im Jahre 1696 Schelmuffskys
wahrhaftige, curise und sehr gefhrliche Reisebeschreibung zu Wasser
und Lande anonym erscheinen lie, ist als der Verfasser eines der
lustigsten Bcher unserer Literatur, das die Aufschneidereien des
weltberhmten Freiherrn von Mnchhausen noch bertrumpft, erst vor
wenigen Jahrzehnten aus der selbstgewhlten Verborgenheit an das Licht
gezogen worden. Von seinem Leben wissen wir, abgesehen von seinen
tollen Studentenjahren, ber die uns die umstndlichen Disziplinarakten
eines hochlblichen akademischen Senats Auskunft geben, herzlich wenig;
aber gerade die Leipziger Jahre Reuters, der, 1665 als Sohn eines Bauern
in der Nhe von Zrbig bei Halle geb$
r meinen Namen nennen hrten, so
wuten sie schon, wieviel es geschlagen hatte.
[Illustration]
Als nun meine Frau Mutter sah, da mir das Studieren ganz nicht zu Halse
wollte und nur das Schulgeld vor die lange Weile hingeben mute, nahm
sie mich aus der Schule wieder heraus und tat mich zu einem vornehmen
Kaufmann, da sollte ich ein berhmter Handelsmann werden, ja ich htte
es wohl werden knnen, wenn ich auch Lust dazu gehabt htte; denn
anstatt da ich sollte die Nummern an den Waren merken und wie teuer die
Elle mte mit Profit verkauft werden, so hatte ich immer andere
Schelmstcke in Gedanken, und wenn mich mein Patron wohin schickte, da
ich geschwinde wiederkommen sollte, so nahm ich allemal erstlich mein
Blaserohr mit, ging eine Gasse auf, die andere wieder nieder und sah, wo
Sperlinge saen; oder wenn wo schne groe Scheiben in Fenstern waren
und es sah niemand heraus, so knapste ich nach denselben und lief
hernach immer meine Wege wieder fort; kam ich denn wieder zu meinem
Herrn und war etwa ein $
 Nacht
Herr Bruder Graf und gute Nacht meine allerliebste Charmante, grme dich
nur nicht zu Tode, da dein anmutiger Jngling dich verlassen mu,
vielleicht kriegst du ihn bald wiederum anderswo zu sehen. Hierauf ging
ich im Dunkeln fort und immer weiter in die Welt hinein. Ich gelangte
bei frhem Morgen in der Stadt Altona an, welche drei starke deutsche
Meilen von Hamburg liegt, da kehrte ich in dem vornehmsten Wirtshause
ein, welches zum Weinberge genannt wurde, worinnen ich einen Landsmann
antraf, welcher in der Hlle[26] hinterm Kachelofen sa und hatte zwei
vornehme Damens neben sich sitzen, mit welchen er in der Karte falsch
spielte. Demselben gab ich mich zu erkennen und erzhlte ihm, wie mirs
in Hamburg gegangen wre. Es war, der Tebel hol mer, ein brav Kerl auch,
denn er war nur vor etlichen Tagen aus Frankreich gekommen und wartete
allda bei dem Wirte im Weinberge auf einen Wechsel, welchen ihm seine
Frau Mutter mit ehster Gelegenheit schicken wrde. Er erzeigte mir sehr
groe Ehre, da ichs, der $
h zu
erkennen geben, wer ich wre, alsdann wollten sie mich selbsten an
verlangten Ort bringen. Wie ich ihnen nun erzhlte, da ich der und der
wre, und da ich schon drei ganze Tage in der Stadt herumgelaufen und
kein Henker mir htte berichten knnen, in welcher Gasse doch meine Frau
Mutter wohnen mte: O sapperment! wie fielen mir die Menscher beide auf
der Strae um den Hals und erfreuten sich meiner guten Gesundheit und
glcklichen Wiederkunft. Sie kriegten mich beide bei meinem zerrissenen
Kaperrocke zu fassen und waren willens, mit mir nach meiner Frau Mutter
Hause zu marschieren. Indem wir alle drei nun sehr artig miteinander
gingen und ich ihnen unterwegens von meiner Gefangenschaft zu Sankt Malo
anfing zu erzhlen, so kamen unvermerkt zwei Kerls hinter mir
hergeschlichen, die denken, ich bin etwa ein gemeiner Handwerksbursche,
weil ich so liederlich ging, und gaben mir da rcklings ein jedweder
eine Presche und rissen mir hierauf meine Jungfer Muhmen von der Seite
weg und wanderten mit ihnen immer$
rzehn Tagen
schwatzte. Wie ich nun meine Frau Mutter hierauf fragte, ob er mich denn
noch kennte, so gab ihr der Naseweis so hhnisch zur Antwort und sagte,
warum er denn seinen liederlichen Vetter Schelmuffsky nicht kennen
sollte. Da ihm aber meine Frau Mutter die Augen erffnen wollte und zu
ihm sprach, da er unrecht sehen mte und wie da ich mich in der
Fremde was Rechts sowohl zu Wasser als zu Lande versucht htte, so fing
mein kleiner Vetter wieder an: Frau Muhme, sie wird ja nicht so
einfltig sein und solche Lgen glauben, ich habe mir von
unterschiedlichen Leuten erzhlen lassen, da mein Vetter Schelmuffsky
nicht weiter als eine halbe Meile von seiner Geburtsstadt gekommen wre
und alles miteinander mit liederlicher Kompagnie im Tobak und
Branntewein versoffen. O sapperment! wie knirschte ich mit den Zhnen,
als mir der Junge Tobak und Branntewein unter die Nase rieb.
Nach diesem baten mich meine Jungfer Muhmen, da ich doch von meiner
gefhrlichen Reise was erzhlen sollte und was ich vor Dinge i$
hte ihr einen guten Morgen; aber wie gro war ihr Erstaunen, als
sie nicht nur keine Antwort von ihr erhielt, sondern auch bei nherer
Betrachtung tiefe Niedergeschlagenheit an ihr bemerkte, woraus sie
schlo, es msse ihr etwas begegnet sein, das sie nicht erraten konnte.
Liebe Tochter, sagte die Sultanin zu ihr, woher kommt es denn, da du
alle meine Liebkosungen so schlecht erwiderst? Vor deiner Mutter
brauchst du doch keine solchen Umstnde zu machen. Gestehe mir offen und
frei, was dir begegnet ist, und lasse mich nicht so lange in dieser
peinlichen Unruhe.
Die Prinzessin Bedrulbudur unterbrach endlich das Schweigen mit einem
tiefen Seufzer. Ach, meine sehr verehrte Mutter, rief sie, verzeihe
mir, wenn ich es an der schuldigen Ehrfurcht fehlen lie. Es sind mir
heute nacht so auerordentliche Sachen zugestoen, da ich mich von
meinem Staunen und meinem Schrecken noch nicht erholt habe, ja kaum mich
selbst wiedererkenne. Sie schilderte hierauf mit den lebhaftesten
Farben, was ihr begegnet.
Die Su$
mit Menschen angefllt, da jeder an dem Platze, wo er
war, stehen bleiben mute.
Da man durch mehrere Straen gehen mute, um zu dem Palaste zu gelangen,
so konnte ein groer Teil der Stadt und Leute aus allen Klassen und
Stnden den prachtvollen Aufzug sehen. Endlich langte der erste von den
achtzig Sklaven an der Pforte des ersten Schlohofes an. Die Pfrtner,
die sich bei Annherung dieses wundervollen Zuges in zwei Reihen
aufgestellt hatten, hielten ihn fr einen Knig, so reich und
prachtvoll war er gekleidet, und nherten sich ihm, um den Saum seines
Kleides zu kssen. Der Sklave aber, den der Geist vorher seine Rolle
gelehrt hatte, gab es nicht zu und sagte feierlich zu ihm: Wir sind
blo Sklaven; unser Herr wird erscheinen, sobald es Zeit ist.
So kam der erste Sklave an der Spitze des ganzen Zugs in den zweiten
Hof, der sehr gerumig war und wo sich der Hofstaat des Sultans whrend
der Sitzung des Divans aufgestellt hatte. Die Anfhrer jeder einzelnen
Truppe waren zwar prachtvoll gekleidet, wurden $
its
waren bis an die Augenbrauen mit Salbei und Zwiebeln eingesalbt. Jetzt
wurden die Teller von Mi Belinda gewechselt und Mrs. Cratchit verlie
das Zimmer allein -- denn sie war zu unruhig, Zeugen dulden zu knnen --
um den Pudding herauszunehmen und hereinzubringen.
Wenn er nicht ausgebacken wre! Wenn er beim Herausnehmen in Stcke
zerfiele! Wenn jemand ber die Mauer des Hinterhauses geklettert wre
und ihn gestohlen htte, whrend sie sich an der Gans erquickten -- ein
Gedanke, bei dem die beiden kleinen Cratchits bleich vor Schrecken
wurden! Alles mgliche Schreckliche dachte man sich.
Hallo eine Wolke Rauch! der Pudding war aus dem Kessel genommen. Ein
Geruch, wie an einem Waschtag! das war die Serviette. Ein Geruch wie in
einem Speisehause, mit einem Pastetenbcker auf der einen und einer
Wscherin auf der andern Seite! Das war der Pudding. In einer halben
Minute trat Mrs. Cratchit herein, aufgeregt, aber stolz lchelnd und vor
sich den Pudding, hart und fest wie eine gefleckte Kanonenkugel, in
einem$
en, was uns emprte. Der groe Platz ist zum
Teil mit Bogengngen umgeben, ber denen eine lange hlzerne Galerie
hinluft, wie man sie in allen heien Lndern sieht. Hier wurden die
Schwarzen verkauft, die von der afrikanischen Kste herberkommen. Unter
allen europischen Regierungen war die von Dnemark die erste und lange
die einzige, die den Sklavenhandel abgeschafft hat, und dennoch waren die
ersten Sklaven, die wir aufgestellt sahen, auf einem dnischen
Sklavenschiff gekommen. Der gemeine Eigennutz, der mit Menschenpflicht,
Nationalehre und den Gesetzen des Vaterlandes im Streite liegt, lt sich
durch nichts in seinen Speculationen stren.
Die zum Verkauf ausgesetzten Sklaven waren junge Leute von fnfzehn bis
zwanzig Jahren. Man lieferte ihnen jeden Morgen Kokosl, um sich den
Krper damit einzureiben und die Haut glnzend schwarz zu machen. Jeden
Augenblick erschienen Kufer und schtzten nach der Beschaffenheit der
Zhne Alter und Gesundheitszustand der Sklaven; sie rissen ihnen den Mund
auf, ganz $
n, war sehr
gerumig. Man hatte groe Jaguarfelle ausgebreitet, damit wir bei Nacht
ruhen knnten. Noch waren wir nicht zwei Monate in der heien Zone, und
bereits waren unsere Organe so empfindlich fr den kleinsten
Temperaturwechsel, da wir vor Frost nicht schlafen konnten. Zu unserer
Verwunderung sahen wir, da der hunderttheilige Thermometer auf 21,8
stand. Dieser Umstand, der allen, die lange in beiden Indien gelebt haben,
wohl bekannt ist, verdient von den Physiologen beachtet zu werden. Boucher
erzhlt, auf dem Gipfel der _Montagne Pele_ auf Martiniques [der Berg ist
nach verschiedenen Angaben zwischen 666 und 736 Toisen hoch] haben er und
seine Begleiter vor Frost gebebt, obgleich die Wrme noch 21  Grad
betrug. In der anziehenden Reisebeschreibung des Capitn Bligh, der in
Folge einer Meuterei an Bord des Schiffes Bounty zwlfhundert Meilen in
einer offenen Schaluppe zurcklegen mute, liest man, da er zwischen dem
zehnten und zwlften Grad sdlicher Breite weit mehr vom Frost als vom
Hunger gel$
h, da solches bei einem ganzen Volksstamm in irgend einem
der heutigen Reisenden unbekannten Landstriche Amerikas beobachtet worden
sein sollte, und ich kann versichern, da der Fall gegenwrtig in der
Neuen Welt nicht hufiger vorkommt als in der Alten. Der Landmann in
Arenas, dessen Geschichte wir soeben erzhlt, ist nicht vom kupferfarbenen
Stamm der Chaymas, er ist ein Weier von europischem Blut. Ferner haben
Petersburger Anatomen die Beobachtung gemacht, da Milch in den Brsten
der Mnner beim niederen russischen Volke weit hufiger vorkommt, als bei
sdlicheren Vlkern, und die Russen haben nie fr schwchlich und weibisch
Es gibt unter den mancherlei Spielarten unseres Geschlechts eine, bei der
der Busen zur Zeit der Mannbarkeit einen ansehnlichen Umfang erhlt.
Lozano gehrte nicht dazu, und er versicherte uns wiederholt, erst durch
die Reizung der Brust in Folge des Saugens sey bei ihm die Milch gekommen.
Dadurch wird besttigt, was die Alten beobachtet haben: Mnner, die etwas
Milch haben, gebe$
sind; aber ihr
malerischer Eindruck ist gar nicht zu vergleichen mit den zahllosen
zerstreuten, sich hin und her bewegenden Lichtpunkten, welche im heissen
Erdstrich der Schmuck der Naechte sind, wo einem ist, als ob das
Schauspiel, welches das Himmelsgewoelbe bietet, sich auf der Erde, auf der
ungeheuren Ebene der Grasfluren wiederholte.
Als wir Fluss abwaerts an die Pflanzungen oder *Charas* kamen, sahen wir
Freudenfeuer, die Neger angezuendet hatten. Leichter, gekraeuselter Rauch
stieg zu den Gipfeln der Palmen auf und gab der Mondscheibe einen
roethlichen Schein. Es war Sonntag Nacht und die Sklaven tanzten zur
rauschenden, eintoenigen Musik einer Guitarre. Der Grundzug im Charakter
der afrikanischen Voelker von schwarzer Rasse ist ein unerschoepfliches Mass
von Beweglichkeit und Frohsinn. Nachdem er die Woche ueber hart gearbeitet,
tanzt und musicirt der Sklave am Feiertage dennoch lieber, als dass er
ausschlaeft. Hueten wir uns, ueber diese Sorglosigkeit, diesen Leichtsinn
hart zu urteilen, wird ja doch$
ht sowohl einem Werke von Menschenhand,
als vielmehr Felsmassen, die in den aeltesten Umwaelzungen des Erdballes
zertruemmert worden.
Wir wollten Halt machen, um das grossartige Schauspiel zu geniessen und den
Untergang der Venus zu beobachten, deren Scheibe von Zeit zu Zeit zwischen
dem Gemaeuer des Schlosses erschien; aber der Mulatte, der uns als Fuehrer
diente, wollte verdursten und drang lebhaft in uns, umzukehren. Er hatte
laengst gemerkt, dass wir uns verirrt hatten, und da er hoffte, durch die
Furcht auf uns zu wirken, sprach er bestaendig von Tigern und
Klapperschlangen. Giftige Reptilien sind allerdings beim Schlosse Araya
sehr haeufig, und erst vor kurzem waren beim Eingang des Dorfes Maniquarez
zwei Jaguars erlegt worden. Nach den aufbehaltenen Fellen waren sie nicht
viel kleiner als die ostindischen Tiger. Vergeblich fuehrten wir unserem
Fuehrer zu Gemuet, dass diese Tiere an einer Kueste, wo die Ziegen ihnen
reichliche Nahrung bieten, keinen Menschen anfallen; wir mussten nachgeben
und hingehen,$
gesammelt, und gab uns interessante Notizen ueber die Perlen von Cubagua,
welchen Luxusartikel er hoechst wegwerfend behandelte. Um uns zu zeigen,
wie bewandert er in der heiligen Schrift sey, fuehrte er wohlgefaellig den
Spruch Hiobs an, dass Weisheit hoeher zu waegen ist denn Perlen. Seine
Philosophie ging nicht ueber den engen Kreis der Lebensbeduerfnisse hinaus.
Ein derber Esel, der eine tuechtige Ladung Bananen an den Landungsplatz
tragen koennte, war das hoechste Ziel seiner Wuensche.
Nach einer langen Rede ueber die Eitelkeit menschlicher Herrlichkeit zog er
aus einer Ledertasche sehr kleine und truebe Perlen und drang uns dieselben
auf. Zugleich hiess er uns, es in unsere Schreibtafel aufzuzeichnen, dass
ein armer Schuster von Araya, aber ein weisser Mann und von edlem
castilischen Blute, uns etwas habe schenken koennen, das drueben ueber dem
Meer fuer eine grosse Kostbarkeit gelte. Ich komme dem Versprechen, das ich
dem braven Manne gab, etwas spaet nach und freue mich, dabei bemerken zu
koennen, das$
aermen von mehreren hundert Stueck
umherfliegen. Man muss in diesen Laendern, besonders in den heissen Thaelern
der Anden gelebt haben, um es fuer moeglich zu halten, dass zuweilen das
Geschrei dieser Voegel das Brausen der Bergstroeme, die von Fels zu Fels
stuerzen, uebertoent.
Eine starke Meile vor dem Dorfe San Fernando kamen wir aus dem Walde
heraus. Ein schmaler Fusspfad fuehrt auf mehreren Umwegen in ein offenes,
aber ausnehmend feuchtes Land. Unter dem gemaessigten Himmelsstrich haetten
unter solchen Umstaenden Graeser und Riedgraeser einen weiten Wiesenteppich
gebildet; hier wimmelte der Boden von Wasserpflanzen mit pfeilfoermigen
Blaettern, besonders von Canna-Arten, unter denen wir die prachtvollen
Bluethen der Costus, der Thalien und Heliconien erkannten. Diese saftigen
Gewaechse werden acht bis zehn Fuss hoch, und wo sie dicht beisammen stehen,
koennten sie in Europa fuer kleine Waelder gelten. Das herrliche Bild eines
Wiesgrundes und eines mit Blumen durchwirkten Rasens ist den niedern
Landstrich$
e sehr
dasselbe durch Dunkelheit und Ruhe befoerdert wird. Die europaeischen
Nachtvoegel sind mager, weil sie nicht wie der Guacharo von Fruechten,
sondern vom duerftigen Ertrag ihrer Jagd leben. Zur Zeit der "Fetternte"
(_cosecha de la manteca_), wie man es in Caripe nennt, bauen sich die
Indianer aus Palmblaettern Huetten am Eingang und im Vorhof der Hoehle. Wir
sahen noch Ueberbleibsel derselben. Hier laesst man das Fett der jungen,
frisch getoedteten Voegel am Feuer aus und giesst es in Thongefaesse. Dieses
Fett ist unter dem Namen Guacharoschmalz oder Oel (_manteca_ oder
_aceite_) bekannt; es ist halbfluessig, hell und geruchlos. Es ist so rein,
dass man es laenger als ein Jahr aufbewahren kann, ohne dass es ranzig wird.
In der Kloesterkueche zu Caripe wurde kein anderes Fett gebraucht als das
aus der Hoehle, und wir haben nicht bemerkt, dass die Speisen irgend einen
unangenehmen Geruch oder Geschmack davon bekaemen.
Die Menge des gewonnenen Oels steht mit dem Gemetzel, das die Indianer
alle Jahre in der$
se
Turnre erbost! Ich brauche nur aus der Ferne so ein poetisches Geschpf
zu erblicken, so bekomme ich vor Wut Wadenkrmpfe. Man mte einfach zu
Hilfe! schreien.
=Luka= (tritt ein).
Siebenter Auftritt.
=Smirnow.= =Luka.=
=Luka= (reicht ihm Wasser). Die gndige Frau ist krank und empfngt
=Smirnow.= Marsch hinaus!
=Luka= (geht ab).
=Smirnow.= Krank und empfngt nicht! Ist auch nicht notwendig...
Empfange nicht! Ich bleibe und werde hier sitzen, bis du das Geld
hergibst... Wirst du eine Woche krank sein, werde ich eine Woche hier
sitzen... Wirst du ein Jahr krank sein, werde ich ein Jahr hier
bleiben... Gevatterin, ich werde schon mein Geld herausbekommen! Mich
rhrst du nicht mit den Trauerkleidern, auch nicht mit den Grbchen in
den Wangen... Wir kennen diese Grbchen! (Er schreit zum Fenster
hinaus.) Simion, spann' aus! Wir fahren nicht so bald fort! Ich bleibe
hier. Sag' dort im Stall, man soll den Pferden Hafer geben! Viehkerl,
das linke Pferd hat sich schon wieder in die Zgel verwickelt. (Spottet
ihm $
 fragte die
als Mann verkleidete Frau. Der Gastwirth erwiderte: Brunnen haben wir
von Alters her genug gegraben, aber es kommt kein anderes Wasser hinein
als was der Regen hineinbringt. Unsere Obrigkeit hat schon Unsummen
daran gewendet, und hat auch demjenigen eine groe Belohnung verheien,
der Wasser in die Brunnen leiten wrde, aber wenn auch von berall her
viel geschickte Brunnenmeister kamen, um ihr Glck zu versuchen, so hat
doch keiner von ihnen Wasseradern gefunden. -- Die Frau sagte: Die
Sache scheint sehr wunderbar! Ich will Nachmittags in eurer Stadt
umhergehen, vielleicht finde ich zufllig Pflanzen, welche auf eine
Wasserader weisen. Das wird wohl vergebliche Mhe sein, -- meinte der
Gastwirth -- doch knnt ihr ja immerhin euer Heil versuchen.
Die Kaufmannsfrau schlenderte nun aus einer Strae in die andere, bis
sie auf den Markt kam. Da fand sie den groen grauen Granitblock, wie
es die Raben in ihrem Gesprche angegeben hatten; und da nun so die
beiden ersten Verkndigungen wahr gewo$
en-Trine
eine so groe Mitgift, da man sie fuhrenweise in die Stadt bringen
mute, wo dann ein prchtiges Hochzeitsfest gefeiert wurde, welches
einen vollen Monat dauerte. So war aus der verachteten Waise die
Gemahlin eines Knigssohnes geworden. Ihre Stiefschwestern wollten vor
Neid bersten, da die Aschen-Trine sich so hoch ber sie erhoben hatte
-- Aschen-Trine, welche sie bis dahin schlimmer als den Hofhund gehalten
hatten. Aber Aschen-Trinen's gutes Herz mochte ihnen nicht Bses mit
Bsem vergelten, sondern verzieh ihnen all' ihr Unrecht, ja sie that
ihnen noch obendrein Gutes, als sie nach des Schwiegervaters Tode
Knigin geworden war.
Obwohl sie nun schon lngst unter dem Rasen ruht, so lebt doch ihr
Andenken noch ungeschwcht im Munde des Volkes, und sie wird gepriesen
als die beste und auch als die schnste der Kniginnen.
[Funote 21: Wrtlich: das ungelegene Brotwiesel. L.]
[Funote 22: Wrtlich: als ob Feuer in deiner Tasche brenne. L.]
[Funote 23: S. Bd. 1, S. 102, Anm. 2. L.]
[Funote 24: Cypr$
 er
aufrecht gehen konnte. Der Rathgeber trieb ihn an, dreist
vorzuschreiten, da Unheil nicht zu befrchten sei. Eine Strecke
weiterhin dmmerte ein schwacher Schimmer auf, bis sich endlich der Mann
wieder in voller Helligkeit befand. Da stand auf weitem grnen Plane vor
ihm, noch ber eine halbe Werst weit, ein groes, aus blauem Steine
aufgefhrtes Wohnhaus. Merke auf das, was ich dir jetzt sagen will --
sprach der Rathgeber -- und fhre Alles pnktlich aus, sonst kannst du
die Knigstochter nicht aus ihrem Kerker befreien. Sie lebt dort in dem
blauen Hause des Nixen. Zwei Bren halten Tag und Nacht Wache vor der
Pforte, so da kein lebendes Wesen heraus noch hinein kann. Diese
Wchter mssen wir kirre machen. Nimm also, wenn wir hinkommen, dein
Koberchen und gebiete ihm, sich in einen Bienenstock zu verwandeln.
Diesen wirf den Bren vor und dann schlpfe hinter ihrem Rcken in's
Haus. Dort werde ich dir weitere Anleitung geben. Als der Mann an die
Pforte kam, hrte er das Brummen der Bren und da wurde $
n Kopeken in der Tasche und sie frchteten, da sie
Niemand finden wrden, der ihnen Kleider leihe. Beim Schlafengehen sah
der junge Mann, da der kleine rothe Hund verschwunden sei und fragte
deshalb die Jungfrau, wo der Hund geblieben wre. Diese machte groe
Augen und erwiderte: Ich habe _deinen_ Hund nicht mehr mit Augen gesehen,
seit wir hierher gekommen sind. Jetzt war der junge Mann nicht minder
erstaunt und erzhlte, wie er, dem Hunde folgend, den Weg in den Wald
gefunden und deswegen geglaubt habe, der Hund gehre der Jungfrau und
habe ihn zu Hlfe gerufen.
Den andern Morgen gingen der junge Mann und der Schmiedegesell um zu
versuchen, ob sie irgendwo Kleider fr die Jungfrau borgen knnten,
kamen aber Beide nach Mittag mit leeren Hnden zurck. Man legte sich
Abends mit schwerem Herzen schlafen, da der Plan ganz fehlgeschlagen
war. Ein freundliches Traumgesicht trstete die Jungfrau. Sie erlebte im
Traume, wie ein kleiner alter Mann ihr Kleider und Geld versprach, wenn
die Mnner Muth genug htten$
 alter Leute Mund vernommen, da der Kalewsohn
selber es nicht bezwungen hat. _Nasenmann_ stand eine Weile nachdenklich
und sagte dann: Wenn sich die Sache wirklich so verhlt wie du sagst,
so mssen wir ihm entgegenziehen und ihm das Garaus machen! Diese That
wird uns mehr Ehre und Ruhm bringen als ein Kampf gegen die Trken.
-- Als sie nun des Waldes ansichtig wurden, in welchem das Unthier seinen
Aufenthalt haben sollte, da sank ihnen freilich wieder das Herz in die
Hosen, was brigens auch andern Wackeren begegnen kann; dennoch wollten
sie die Heldenthat nicht aufgeben. Wer kann wissen, ob wir mit dem
Leben davon kommen, sagte _Nasenmann_ -- der Tod kmmert sich nicht um
des Menschen Alter, sondern rafft dahin, wen er eben packt. Nun wollen
wir aber nicht mit leerem Magen aus dieser Welt scheiden, darum ihr
Brderchen! setzen wir uns nieder und verzehren wir vor unserm Ende noch
einmal unser Brot, vielleicht (hier strzten ihm Thrnen aus den Augen)
ist es unsere letzte Mahlzeit. Da wurde den Mnne$
von den Wchtern vernommen hatten. Das
Feuerchen scho wie eine brennende Kerze pltzlich aus dem Wasser in die
Hhe und erlosch wieder nach Verlauf einer Stunde. Wiewohl aber dieses
Teichfeuer schon von Alters her den Leuten eine bekannte Sache war und
viele Menschen dasselbe mit eigenen Augen gesehen hatten, so wute doch
Niemand genauer anzugeben, wie es sich mit der Sache eigentlich
verhielt. Endlich fand sich im Kirchspiel Halljal ein Alter, der in
dieser Beziehung nhere Auskunft geben konnte. Seine Aussage lautete so:
Viele hundert Jahre vor der Russenzeit lebte in dem festen Schlosse
_Borkholm_ ein tapferer Ritter, der als lediger Mann die Haushaltung mit
seiner jungen Schwester fhrte. Der Ritter mute als Kriegsmann hufig
abwesend sein, und so kam es, da die Schwester mit einem jungen Manne
eine Freundschaft schlo, die weiter fhrte als Beide voraussehen
mochten. Als das Frulein ihres Zustandes so weit inne wurde, da sie
einsah, der Frauenhaube nicht mehr entrathen zu knnen, entschlo sie
sich$
rsuchen und umgekehrt, wie einst Christus, Wein in Wasser zu
verwandeln. Sie setzten nmlich fr Elsabe Jesus, und wenn im Liede
Elsabe ihr Jawort gibt, so modeln sie das in: Jesus gibt sein Ja auch
drein. Zu dieser Verballhornung hat Jesus sicher sein Ja nicht drein
gegeben. Er wird im Himmel sanft gelchelt haben, denn er kennt seine
Pfaffenheimer.
       *       *       *       *       *
In der Lyrik der Schlesier _Hofmann von Hofmannswaldau_ (1617-1679) und
_Daniel Caspar von Lohenstein_ (1635-1683) spielt Venus, prunkvoll
aufgeputzt, eine triumphierende Rolle. Wenn sie, wie zuweilen bei
Hofmannswaldau, vom Venuswagen steigt, ihr berladenes Geschmeide abtut
und ein hbsches Breslauer Brgermdchen wird, braunhaarig, braunugig,
rotwangig: da wird sie uns lieb und vertraut, wir setzen uns gern zu ihr
ins Gras und lassen uns ein ihr zu Ehr und Preis verfertigtes
Lied des Herrn von Hofmannswaldau mit leiser Stimme ins Ohr singen.
Caspar von Lohenstein huldigte seinerseits neben der Venus den Gttern
Mars $
inem Echo seines Herzens
verdanken wir die schnsten deutschen Sonette. In Syrakus ist er
gestorben, vielleicht, wie er einst sang, im Arme des endlich gefundenen
Gtterjnglings.
       *       *       *       *       *
Es gibt ein Wort: Nur wer wahrhaft schlecht gewesen ist, kann wahrhaft
gut werden. Buddha selber mu in einem frheren Leben einmal ein Mrder
gewesen sein. Niemand sehnt sich so brennend nach Erlsung wie der
Unreine, der Verfehmte, wie der Verbrecher, der seines Verbrechens sich
bewut wird. _Friedrich Hebbel_, ein Bauernsohn aus Dithmarschen
(1813-1860), war vielleicht das, was man einen bsen Menschen nennt.
Von Dmonen gehetzt brach er, ein verhungerter Wolf, an dem man jede
Rippe einzeln zhlen konnte, in die Lmmerweide der deutschen Dichtung
ein. Jedes Mittel war ihm recht, seinen geistigen Hunger zu stillen. Er
schlug Eide in den Wind und verriet Frauen, die ihn liebten, und ohne
die er krepiert wre -- um der Idee zu dienen. Er war ein armer
Schcher, ans Kreuz dieses Lebens geschla$
 Bett mu.
Der Fani kommt eigentlich nur aus Leichtsinn um sein Nachtessen, das
knnte er ja anders haben, und von den Aufgaben, die du nicht selbst
machst, wirst du auch nicht viel profitieren, Elsli, sagte die Tante.
Elsli wurde ganz rot und seine sanften, blauen Augen fllten sich mit
groen Trnen.
Ich wei schon, sagte es zaghaft; darum bin ich auch so ungeschickt
in der Schule, fast das Ungeschickteste in der ganzen Klasse.
Nein, nein, das bist du noch lange nicht, fiel Fred beschtzend ein;
du kannst nur deine Aufgaben nie, was wir auswendig lernen mssen und
nachlesen, und jetzt wei ich auch, warum, und wenn dich noch ein
einziges Mal einer auslacht, so will ich ihm dann zeigen, mit wem er es
zu tun hat.
Auf dem Elsli lag so viel, das ihm schwer machte und ihm weh tat, da es
fast nie recht froh und lustig aussah, wie die anderen Kinder. Auch
jetzt schaute es wohl dankbar fr seinen Trost den Fred an, aber es kam
keine Frhlichkeit auf sein schmales Gesichtchen; und wie es nun
aufstand und$
a ich meiner
Arbeit nach mu, und es mu eben mit den Buben fertig werden, wie es
kann. Jetzt sind wir alle gesund, und doch braucht's alle Hnde, da nur
jedes sein bichen Essen bekommt jeden Tag. Was kann ich da viel
erleichtern? Kommt einmal wieder Krankheit ins Haus, wie auch schon, da
mu ja jedes noch ganz anders dran. Kann ich das ndern? Mich trifft's
zuerst. Es wei eben kein Mensch, wie die Armut tut, der nicht da
durchgegangen ist, und ich mu manchmal denken: Unserem Herrgott sind
seine Kinder nicht alle gleich lieb.
Nein, Marget, das mt Ihr nicht denken, sagte die Frau Doktorin mit
sanftem Ton, denn das schwere Leben der armen Leute ging ihr sehr zu
Herzen. Es gibt noch viel andere Leiden auer der Armut, die noch
bitterer weh tun knnen. Der liebe Gott mu wissen, warum sie uns kommen
mssen. Aber ich wei auch, da die Armut bitter ist, und es ist mir
schwer genug, da ich nicht berall helfen kann, wie ich mchte.
Die Marget nahm nun ihren Sack zusammen und ging.
Mit schwerem Herzen t$
nde Blicke zu den beiden hinbergesandt; jetzt sagte er
bedeutsam: Es gibt auch einen Vogel, er heit Strau, #struthio#, der
steckt den Kopf vornber in den Sand hinein, denn er denkt, so sieht ihn
der Jger nicht. Diese Vgel leben in Afrika; bei uns kommen sie nur
selten vor und nhren sich von Kartoffelsalat.
Oskar, der eben, mit seinen Gedanken beschftigt, in seiner Portion
Kartoffelsalat herumstocherte, nahm die Beschreibung des Straues mit
ungewohnter Ruhe hin, und der Vater, der jetzt nach ihm hinschaute,
lachte ein wenig und sagte: Den drcken wohl die Festfreuden nieder?
Als aber keine weiteren Nachforschungen erfolgten und das Nachtessen
auch ohne alle Nachfragen nach dem Fani vorberging, standen Oskar und
Emmi mit sehr erleichterten Herzen vom Tisch auf, denn wenn auch fr
Oskar die Gefahr eines sehr empfindlichen Hohnes und fr Emmi diejenige
eines strengen Tadels nicht vorberwar, so war doch nun Zeit gewonnen,
und da war ja immer die Tante, bei der man neuerdings Rat und Hilfe
finden kon$
ten Klemmen[7] in die Leitung bergehen.
In ihrem Aufbau sind demnach die Wechselstrommaschinen viel einfacher
als die Gleichstrommaschinen. Sie sind zur Erzeugung von Strmen
bis zu 10000 Volt Spannung zu benutzen, whrend man bei den
Gleichstrommaschinen nur ausnahmsweise die Spannung hher als etwa 500
Volt treibt. Da durch die Wechselstrme nicht das erforderliche
konstante Magnetfeld hergestellt werden kann, so muss dies durch eine
besondere, aber verhltnismssig kleine Gleichstrommaschine geschehen,
die als Erregermaschine bezeichnet wird. Zuweilen hat man auch diese
direkt mit der Wechselstrommaschine verbunden, indem[8] man mittels
eines auf deren Welle aufgesetzten Kommutators einen entsprechenden Teil
des erzeugten Wechselstroms in Gleichstrom verwandelt.
Zu den Wechselstrommaschinen gehren auch die Drehstrommaschinen[9],
welche drei in ihrer Schwingungsphase gegenseitig um 120 verschobene
Wechselstrme erzeugen (Dreiphasenmotor).
_Transformatoren._ Wichtige Nebenapparate[10] und Ergnzungsmittel$
tzen. In den Hausanlagen
selbst werden die Leitungen, die in der Regel durch Umspinnung mit
Baumwolle isoliert sind, mittels kleiner isolierender Porzellanrollen an
Wnden und Decken befestigt oder durch isolierende Rhren aus Karton[15]
oder Hartgummi unterhalb des Wandverputzes[16] und durch die Wnde
selbst von einem Raume in den andern gefhrt.
Zum Aus- und Einschalten[17] der Lampen und anderer elektrischer
Apparate werden Schalter[18] von verschiedenen Formen und Einrichtungen
benutzt. Ausser diesen sind noch die Umschalter[19] zu erwhnen, welche
dazu dienen, den Strom in einer Leitung auszuschalten und dabei
gleichzeitig dafr in eine andere Leitung berzufhren oder seine
Richtung umzukehren. Diese Apparate sind mit zwei gegenberstehenden
Kontaktsystemen versehen, so dass der Hebel beim Umlegen das eine
Kontaktsystem aus- und dafr das andere einschaltet.
_Die elektrische Kraftbertragung._ Der Gleichstrommotor[1] kann bei
geeigneter Konstruktion mit einem sehr hohen Wirkungsgrade[2]
hergestellt we$
t, weil bei ihm
das Verbrechen nicht nur gewohnheitsmig und unwiderstehlich und durch
unverhltnismige Anlsse hervorgerufen erscheint, sondern auch, weil
die Neigung zum Verbrechen mit der Entwickelung seiner physischen und
psychischen Persnlichkeit wuchs, und er sie erblich berkommen hatte
als Ausdruck einer unstten und krankhaften Naturanlage, so kann man
sagen, da sein Verbrechertum sich in seinen einzelnen Zgen immer durch
den Mechanismus epileptischer Momente manifestierte: M... ist ein
geborener Verbrecher, der regelmig unter der Wirkung epileptischer
Anflle Verbrechen begeht. Er stellt mit einem Wort die Form des
gewohnheitsmigen epileptischen Verbrechertums dar.
Ein Beweis fr die epileptische Natur des M... ist die Periodizitt, in
welcher sich sein krankhaftes Temperament uert, indem die Zeiten, wo
er ganz Zorn, Ha und Rachsucht ist, mit solchen abwechseln, wo er
sanft, freundlich, milde, verliebt &c. ist.
Aber nicht nur auf Ausdrcke des Temperaments beschrnkte sich die
psychisch$
r.
  Damit, das wird jeder einsehen, wird die Frage verschoben, aber nicht
  gelst. Es schliet zwar die schlimmsten Verbrecher aus, aber zu viele
  umfat es gar nicht, oder umfat sie mit einer Verschrfung der
  Disziplin. Wenn heute der Verbrecher seine Strafe verbt hat, wird er
  veranlat sein, die besondere Behandlung, die er erfhrt, als eine
  Ungerechtigkeit zu betrachten und den Fatalismus der Schuld zu
  verstrken, von dem die Seiten M...'s voll sind. Er wird als Soldat
  eine strengere Disziplin und daher mit grter Wahrscheinlichkeit die
  Bestrafung finden. Ist das gerecht und logisch?
  Ist im sozialen Leben die moralische oder intellektuelle Inferioritt
  einer Person nicht eine Entschuldigung fr uns? Von einem Bauern
  verlangen wir gewisse uerungen des Zartgefhls nicht, die wir bei
  einer gebildeten Person fordern; von jenem dulden wir, was bei dieser
  eine Beleidigung wre.
  Wenn man bei einer Spezialdisziplin annimmt, da diese Individuen
  Verbrecher sind und wenn man sie nu$
egst du da am ruhigsten, und hast auerdem
die beste Pflege, denn was meine Frau ist, die versteht sich auf sowas
vorzglich.
Drewes war das zufrieden, vorausgesetzt, da anderen Tags sein Wieschen
kam, denn die knne er um sich nicht missen, sagte er. Sie kam auch. Der
Wulfsbauer machte groe Augen, als er sie sah, denn er hatte sie lange
nicht gesehen, wenn er auch oft genug auf dem Dreweshofe gewesen war.
Ein Bild von einem Mdchen ist das ja geworden! dachte er, als sie vor
ihm stand und ein um das andere Mal wei und rot aussehend wurde. Was
hat sie blo? dachte er, als er das sah, aber dann kmmerte er sich
weiter nicht um sie.
Mit ihrem Vater stand es besser, als es zuerst aussah. Die Wulfsbuerin
hatte die Kugel gleich gefunden und herausgenommen, aber dem Engenser
gesagt, unter zwei Wochen drfte er nicht aus dem Bette. Na, Langeweile
sollst du nicht haben, meinte sie, erstens hast du ja Wieschen, und
wenn ich Zeit habe, will ich dir immer etwas vorlesen.
Das war Drewes sehr zufrieden, denn $
er preuische Minister jede ehrenrhrige Zumutung zurck: von
der Aufhebung des neuen Gesetzes knne gar nicht die Rede sein. Zugleich
wiederholte er unermdlich in immer neuen Umschreibungen die in der
Staatszeitung verffentlichten Gedanken. Es sei unmglich, eine solche
Einigung anders als durch allmhliche Vorbereitung und die mhsamste
Ausgleichung streitender Interessen bewirkt zu sehen. Nur Vertrge
zwischen den Einzelstaaten knnten dem wirtschaftlichen Elend steuern.
Geschieht dieses im Sden wie im Norden von Deutschland, und werden diese
Versuche unter der Mitwirkung und Pflege des Bundes gemacht, so lt es
sich wohl denken, da man auf diesem freilich langsamen, aber vielleicht
einzig mglichen Wege dahin gelangen werde, die jetzt bestehenden
Scheidewnde aus dem Wege zu rumen und in Beziehung auf Handel und
Verkehr diejenige Einheit der Gesetzgebung und Verwaltung hervorzubringen,
welche ein Verein nebeneinander bestehender freier und besonderer Staaten,
wie ihn der Deutsche Bund bildet, irg$

die es kaum fassen konnten, da die Herren in Berlin sich endlich einmal
ihrer Not annahmen. Dann berwies Motz, um mit dem alten Jammer
aufzurumen, alle Rckstnde einer besonderen Verwaltung und schlo fr
das gesamte Domanium neue, billigere Pachtvertrge, welche streng
eingehalten wurden, aber hunderte von Pchtern vor dem Untergange
bewahrten. Mit der Veruerung der Domnen verfuhr er sehr vorsichtig; nur
in Westpreuen und Posen lie er zahlreiche Vorwerke an deutsche
Kolonisten veruern, um einen selbstndigen und der Regierung
anhnglichen Bauernstand zu bilden.
Das Beste blieb doch, da man nun endlich wute, woran man war. Nach kaum
drei Jahren, am 30. Mai 1828, konnte Motz dem Monarchen berichten, da
statt des gefrchteten Defizits ein reiner berschu von 4,4 Millionen
erzielt worden sei, der sich nach Eingang der Rckstnde auf 7,8 Millionen
steigern msse; 3,245 Millionen waren bereits bar an den Staatsschatz
abgefhrt, 1,172 Millionen zu auerordentlichen Ausgaben verwendet.
Dankbar gest$
ion der Stadt wurde der Tag von Sedan gefeiert, von
dem man damals hoffte, da er den Frieden unmittelbar im Gefolge haben
Mitten in dieser Siegesstimmung jhrte sich der Todestag Braters und
seine Witwe, die da glaubte, der Name ihres Mannes sei vergessen ber
den Helden des Tages, durfte erfahren, da dennoch treulich seiner
gedacht wurde. In den Mnchner Neuesten Nachrichten erschien ein
Artikel, der an den Todestag Braters erinnerte und dem wir folgende
Stze entnehmen: Wenn wir mit jubelnder Begeisterung die Heldentaten
unsrer Shne und Brder feiern, wenn wir in stolzer Trauer des Muts und
der Opfer der Gefallenen gedenken, so werden wir auch des stillen
Denkers, des beredten Kmpfers, des treuen Beraters Deutschlands,
unseres _Brater_, dankerfllt uns erinnern, der mitgeholfen, die
herrlichen Siege unsrer Tage vorzubereiten und der, wenn auch nicht auf
blutigem Schlachtfelde, doch auf dem Felde der Ehre, mitten in seinem
deutschen Berufe fiel. Wir aber, und mit uns gewi alle treuen Anhnger
des Forts$
rzustellen, und wie uns die Korrekturbogen in
    alle Meeresflchen und auf Bergeshhen verfolgten. Manches
    werdet ihr gerne gemeinsam lesen, lest auch einmal den Artikel
    Gemeinde, die Ideen oder die Auffassung, die darin
    niedergelegt sind, sind wohl heutzutage in aller Leute
    Bewutsein, aber damals war es eben nicht so, vieles wird jetzt
    als selbstverstndlich betrachtet und hingenommen, was noch vor
    zehn und zwanzig Jahren verfolgt und fast gechtet wurde...
    Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie ich es einrichten soll,
    um mein Haus zu verlassen, ich wei wahrlich nicht wie ich an
    eine Reise denken soll. Der neue Zimmerherr ist mir rgerlich
    weil er so viel braucht, er hat ein ewiges Geklingel bald um
    Feuer, bald um Wasser, auch der andere ist mir wieder rgerlich
    wegen seiner Unpnktlichkeit, und ich sinne den ganzen Tag, wie
    ich die Zimmerherrnwirtschaft los kriegen knnte.
Trotz allen Sinnens wurde kein Ausweg gefunden, denn das Haus mute zu
mglic$
htzbarem Wert, aber sie wute doch, da sie nicht immer ntig war,
und vertrat jederzeit die Ansicht wenn es irgend tunlich sei, sollte
eine Mutter nicht mit verheirateten Kindern gemeinsame Wirtschaft
fhren. Um so mehr freute sie sich, vorbergehend zu ihnen zu kommen,
und geno das Glck, mit Jubel und Wonne von Kindern und Enkeln
empfangen zu werden. Treulich unternahm sie jedes Jahr die Reise nach
Wrttemberg und brachte einige Wochen in Blaubeuren zu.
In dem frher erwhnten Album finden wir eine Photographie dieses
reizend gelegenen Stdtchens und daneben einen Vers, der von Frau Brater
sagt, da sie dreimal dorthin berufen wird
    Und sie kriegt zum Lohn
    jedesmal, so bald sie kommt,
    Einen Enkelsohn.
So wute sie es doch, wenn es not tat, immer mglich zu machen, von zu
Hause abzukommen, obwohl ihre empfindlichen Augen ihr das Reisen oft zur
Qual machten. Einmal schreibt sie nach der Heimreise von Blaubeuren, wo
sie unterwegs bei Verwandten Halt gemacht hatte: Sechs rauchende junge
Vettern$
rt, ein erprobter Hungerknstler und eine
    medizinische Raritt.... Ich bezweifle, da eine nderung
    eintritt, und werde wohl so nach und nach aushungern. Nun wie
    Gott will!..... Wieviel Gutes hat Er mir zuteil werden lassen,
    auch jetzt eine allseitige rhrende Teilnahme! Herzlichst und
    dankbarst grt Dich Dein alter Freund und Vetter
                                                        #E. R.#
In diesen Jahren, da sie eine Trauerbotschaft nach der andern erhielt,
gedachte Frau Brater oft eines Verses aus ihrer Mutter Stammbuch:
    Mein Baum war schattendicht.
    O Herbstwind, komm und zeige,
    indem du ihn entlaubst,
    den Himmel durch die Zweige.
Einmal glaubte sie selbst schon am Ziel ihrer Wanderung zu sein. Sie
wurde, whrend sie in Calw bei der Tochter zu Besuch war, von einer
heftigen Lungenentzndung befallen. An dieser Krankheit war ihre Mutter
gestorben und sie zweifelte nicht, da es bei ihr den gleichen Ausgang
nehmen wrde. Aber schon nach wenigen Tagen trat eine Kri$
te mich ihr,-- sie wollte mich
  Nicht hren; darauf bin ich weit hinweg
  Gegangen, um sie ja nicht zu erzrnen,--
  Nun tadelte sie, da ich lieblos sei.
  Sie wird gereizt durch die geringsten Klagen,
  Und rhrende Geduld ermdet sie.
  Wer sagt mir einen Ausweg aus dem Wirrwarr?
  Wenn jemand einen guten Rat mir wei,
  Will ich den Segen Allahs ihm erflehn.
KAS IBN IL MULLAUACH
  Ich denke unaufhrlich Lelas
  Und der verrauschten Jahre. Liebe Freunde,
  Warum beweint ihr meinen Jammer nicht?
  Ich mchte Freunde haben, welche weinen,
  Wenn ich in Trnen bin! Hat Gott die Macht,
  Zwei Herzen zu vereinen, wenn die Hoffnung,
  Sie zu vereinen, schon in Asche sank?
  Von Allahs Fluch getroffen seien jene,
  Die meinen, da die Zeit mir Lindrung bringt!
  Fr ewig hngt mein Sinn an Lela;
  Ich sehe sie im Geist, wie sie des Abends
  Die vterlichen Schafe heimwrts treibt.
  Gott schenkte einem andern Lela.
  Mich machte er verrckt nach Lela,--
  Konnt er mir denn nichts Besseres verleihn?
  Hat$
ber htten, als sie zu dichten begannen,
ihre Verse dem vertrauten Rhythmus des Kamelschritts angeglichen.
Vielleicht ist etwas Wahres an dieser Legende, denn die rhythmische
Bewegung der verschiedenen Gangarten des Kamels ist dem Araber, der so
nahe mit diesem Tiere befreundet ist, immer etwas sehr Vertrautes,
vermutlich der vertrauteste uere Rhythmus gewesen, der sein Ohr
erreichte, und noch die Dichter der geschichtlichen Zeit haben sich in
poetischer Fiktion mit Vorliebe in die Lage von Wstenreisenden
       *       *       *       *       *
Die arabische Sprache zeigt ein reich entwickeltes Lautsystem, in dem
die vielfachen Nuancen der Kehl- und Zischlaute berwiegen. Die
Konsonanten spielen eine ungleich wichtigere Rolle als die Vokale, von
denen nur a, i und u unterschieden werden, in ihrer Klangfarbe freilich
mannigfach schattiert durch die Einwirkung der sie umgebenden
Konsonanten. Der Wortschatz des Arabischen ist sehr gro, aber natrlich
auf den verhltnismig engen Bezirk arabischen Denkens b$
er Welt
#Zufall# ist, sondern alles vorausbestimmtes Schicksal. Wen ein
Granatsplitter (oder wie das Ding heit) treffen soll, den kann es
mitten im Frieden treffen, wenn es das Schicksal so will.
Ich htte das Jim Boughsleigh auseinandersetzen knnen, -- aber wozu mit
einem Weien streiten? Wenn ein Weier merkt, da er unrecht hat, fngt
er an zu schreien, zu prgeln und irgendeine geheime Rache zu brten.
Whrend ich mich freue, wenn ich einen Klgeren antreffe, der mir von
seiner Weisheit mitteilt, rgert den Weien nichts ingrimmiger, als wenn
er einen Klgeren findet. Der Weie ist so malos eitel, da er jede
berlegenheit seines Nchsten wie eine persnliche Krnkung empfindet,
da er den faulen Durchschnitt liebt und jeden, der darber emporragt,
mit seinem Ha zu verkleinern sucht. Und daher kommt es, da in Europa
die Dummkpfe das groe Wort fhren.
Ich sparte mir also die Mhe, Jim Boughsleigh aufzuklren darber, da
es kein alberneres Wort gbe als das inhaltlose Wort Zufall, ich
machte wiede$
ts,
sondern wandte sich sogleich dem Kranken zu, dessen Geschrei langsam in
ein erschpftes Wimmern berging.
Ich stopfte meine Notizen in die Rocktaschen und eilte, den Arzt vom
Tagesdienst zu holen.
Soso, meinte dieser, der Inder auf Nummer achtundneunzig! Ein bser
Fall! Der wird wohl das Ende des Krieges kaum erleben! -- Scheuliche
Sache, der Krieg!
Whrend der Arzt sich erhob, um nach dem Kranken zu sehen, telephonierte
ich ein Auto herbei.
Merkwrdige Gedanken schossen mir durch den Kopf, als ich diesmal die
Reinschrift ausfhrte. Und fter als einmal blieb, wenn ich aufsah, mein
Blick auf dem Plakat haften, das meine Frau krzlich einem Hausierer
abgekauft und ber meinen Schreibtisch genagelt hat, und das in dicken
Buchstaben verkndet: Gott strafe England!
Und ich dachte mir: das unverstndliche Gekreisch, das Mister
Galgenstrick in seinem Fieberanfall ausgestoen hatte, wird wohl nichts
anderes gewesen sein als eine etwas ausfhrlichere indische Umschreibung
dieses zum geflgelten Worte gewor$
sah sie an, und eine Verszeile fiel ihm ein, deren er sich lange
nicht erinnert hatte, und die ihm doch so vertraut und verwandt war:
Ich mchte schlafen, aber du mut tanzen. Er kannte sie so gut, die
melancholisch-nordische, innig-ungeschickte Schwerflligkeit der
Empfindung, die daraus sprach. Schlafen... Sich danach sehnen, einfach
und vllig dem Gefhle leben zu drfen, das ohne die Verpflichtung, zur
Tat und zum Tanz zu werden, s und trge in sich selber ruht, -- und
dennoch tanzen, behend und geistesgegenwrtig den schweren, schweren und
gefhrlichen Messertanz der Kunst vollfhren zu mssen, ohne je ganz des
demtigen Widersinnes zu vergessen, der darin lag, tanzen zu mssen,
indes man liebte...
Auf einmal geriet das Ganze in eine tolle und ausgelassene Bewegung. Die
Karrees hatten sich aufgelst, und springend und gleitend stob alles
umher; man beschlo die Quadrille mit einem Galopp. Die Paare flogen zum
rasenden Eiltakt der Musik an Tonio Krger vorber, chassierend,
hastend, einander berholen$
ng
derselben, damit weiter keine Hand daran rhren drfte. Das dazu
gebrauchte Petschaft aber ward von mir vor ihrer aller Augen durch das
Kajtenfenster in die See geworfen.
Da bei dieser Verhandlung alle und jede Behltnisse hatten geffnet
werden mssen, um nachzusehen, ob sie keine Schiffspapiere enthielten,
die mir im Sunde oder sonst ntig werden konnten, so erstaunte ich nicht
wenig, da sich hierbei nirgends weder Gelder und Barschaften, noch
seine Taschenuhr und silbernen Schuh- und Knieschnallen, noch endlich
auch jene vorerwhnten goldenen und silbernen Galanteriewaren vorfinden
lieen. Unsere Meinung fiel endlich dahin aus, da der verunglckte
Eigentmer diese Sachen wohl hier und da versteckt haben mchte, um sie
vor den gierigen Blicken und langen Fingern der Kapermannschaften zu
sichern, die je zuweilen ungelegene Besuche an unserm Borde machten.
Allein wie sorgfltig wir auch jeden Winkel der Kajte durchsuchten, so
lie sich doch nicht die mindeste Spur des Verlorenen entdecken.
Des dritten $
m Orte
ein neues Schauspiel, indem sie sich zu Hunderten auf den Sunddnen
sammelten, um uns abfahren zu sehen; allein das Wetter war schn, der
Wind gnstig, und Noirmoutiers nach einer ruhigen Fahrt von zwlf bis
vierzehn Stunden glcklich wieder erreicht.
Hier waren die beiden andern Abgeschickten schon vor mir angelangt und
alles hatte uns so gut wie verloren gegeben. Daher mischten sich in
ihren herzlichen Willkomm zugleich auch heftige Vorwrfe ber meine
Tollkhnheit, die sie sehr richtig dem wahren Grunde zuschrieben und
worauf ich freilich nur wenig zu erwidern hatte, da ich vollkommen
fhlte, wie sehr sie verdient waren. Bei alledem hatte ich doch, wie
sich's nunmehr ergab, das vorteilhafteste Geschft gemacht; nur waren
die beiden Knigsberger, da sie mich nicht mehr rechneten, kurz zuvor in
Noirmoutiers eine neue Verbindlichkeit eingegangen, wodurch sie dort
zurckgehalten wurden, wiewohl sie das Muid mit achtzig Livres zu
bezahlen gentigt waren. Und doch schlug diese Trennung wiederum zum
Glcke$
eugen dieses grlichen Schauspieles hatten sein mssen, ohne
helfen und retten zu knnen. Da es, als ich wieder an Bord kam, an
einem tchtigen, aber auch verdienten Verweise von meinem Kapitn nicht
fehlte, kann man sich wohl vorstellen. Gott wird mir jedoch meine Snde
vergeben, da er am besten wei, da ich dies Unglck nicht aus
Mutwillen, sondern gnzlich wider Wunsch und Willen verschuldet.
Merkwrdig ist gleichwohl die Versicherung der Neger, die auch durch den
Augenschein besttigt wird, da keiner ihresgleichen von diesen Haien
etwas zu frchten habe.
Wird das Fleisch auch nicht gegessen, so macht man doch zuzeiten zum
Vergngen Jagd auf die Haifische, und dazu bedarf es nur eines tchtigen
Hakens von irgend einem Kistengehnge, den man an eine starke Leine
befestigt, an der Spitze aber mit einem Stcke Speck und dergleichen
kdert. Kaum hat er das Wasser erreicht, so hat auch bereits ein
Haifisch wtend angebissen, der dann emporgezogen und auf dem Verdecke
vollends gettet wird.
       *       * $
er vier Augen zeigte er mir ein kleines Pckchen vor und
sagte, es sei mit rohen Diamanten angefllt, die in Amsterdam
geschliffen werden sollten. Sein Wunsch sei, mir diesen Schatz auf mein
ehrliches Angesicht zur berbringung dahin anzuvertrauen. Es seien
dabei, nach Usance, hundertfnfzehn hollndische Gulden Fracht fr mich
zu verdienen; ich msse aber das Pckchen unablssig an meinem Leibe
tragen und mein Schiffsvolk davon durchaus nichts ahnen lassen, sowie
mir denn noch eine Menge anderer Vorsichtsmaregeln eingeprgt wurden.
Die Sache schien mir leicht und der angebotene Gewinn wohl mitzunehmen.
Ich versprach, den Tag vor meiner Abreise jenes kostbare Pckchen in
Empfang zu nehmen. Demzufolge ward es mir denn auch angesichts des
Konsuls in meine Uhrtasche eingenht und sodann ein Konnossement ber
richtigen Empfang vorgelegt, das ich zu unterzeichnen hatte. Dies
geschah auch mit leichtem Herzen; allein in eben dem Augenblicke, da ich
ber die Schwelle des Hauses meinen Rckweg nahm, ging auch meine
h$
tigt waren, lie sich der
Kommandant vom Hauptmann v. Waldenfels bewegen, uns in Gesellschaft des
letzteren, des (Gott erbarme sich's!) Ingenieur-Kapitns Dring und
einiger andern dort auf dem Platze zu besuchen. Es war seit der ganzen
Zeit das erste Mal, da er sich auer den Toren der Stadt blicken lie.
Anstatt uns aber in unserm Fleie durch irgendein freundliches Wort
aufzumuntern, machte er unser Vornehmen mit spttischem Lachen als
Kinderspiel verchtlich. Indem aber noch weiter unter den Herren von der
Haltbarkeit der Festung hin und her gesprochen wurde und die Meinungen
verschieden ausfielen, konnte ich mein Herzpochen nicht lnger zhmen,
sondern nahm das Wort und rief: Meine Herren, Kolberg _kann_ und _mu_ dem
Knige erhalten werden; es koste was es wolle! Wir haben Brot und
Waffen, und was uns noch fehlt, wird uns zur See zugefhrt werden. Wir
Brger sind alle fr einen Mann entschlossen, und wenn auch all unsre
Huser zu Schutthaufen wrden, die Festung nicht bergeben zu lassen.
Und hrten e$
r und zermrbte seine Wnde.
Keine neue Revolution kann uns die Arbeit erleichtern, denn die
Zerstrung ist da, wir brauchen sie nicht zu rufen. Was gefordert wird,
ist Arbeit, langsamer, heiliger Neubau, Dombau. Aus tiefen, geheiligten
Herzen und neuem Geist. Nicht aus der Frechheit, die sagt: Lat mich
nur, ich bin schlau und vernnftig, ich will einmal versuchen. Nicht aus
satter Interessiertheit, die sagt: Wir werden alles reparieren. Nicht
aus Stumpfheit und brgerlicher Blde, die sagt: Kommt Zeit, kommt Rat.
Die Schicksalsstunde webt nicht ber Schlachten und Konferenzen, Brand
und Lschung, sondern ber der Bauhtte, ber ihren Meistern und
Gesellen, dem Geheimnis ihres Grund- und Aufrisses und dem Geist ihrer
Gemeinschaft. Der entscheidet die Jahrhunderte, deshalb haben wir vom
Geist zu reden.
Mit euch, Deutschlands Jugend, will ich reden. Den Genossen meines
Alters habe ich nicht mehr viel zu sagen. Mein Herz habe ich vor ihnen
ausgeschttet, mein Glauben und Schauen, Vertrauen und Sorgen ihnen vor
$
ungen, in der Verfilzung
der Staatseinrichtungen -- wo sind noch Anstze mglich fr die
Keimkrfte des neuen, reinen, freien Lebens? Kann es auerhalb einer
politisch beeinfluten Tagesmeinung berhaupt noch eine geistige
deutsche berzeugung geben? Wenn deutsche Gedanken entstnden, wirkliche
Gedanken des Geistes und Herzens, Ideen, nicht Forderungen alltglicher
Ntzlichkeit noch gehssiger Zeitungs- und Versammlungsdunst --, knnen
solche Gedanken in Deutschland noch Trger und Verwirklicher finden? Ist
unser Volk einer nicht blo herkmmlichen, nicht blo interessierten,
nicht blo agitatorischen Anschauung noch fhig? Was sind berhaupt die
Voraussetzungen fr die Mglichkeit einer deutschen Anschauung? Und sind
sie verwirklichbar?
Die erste Prfung endet freilich schlimm. In keinem Lande der Erde wird
soviel wie bei uns von Anschauung, Weltanschauung, Kultur und Ideal
geredet. Das kommt daher, da wir in der vormechanistischen Epoche eine
wundervolle Blte des Geistes erlebt haben. Das war in einem kle$
zu verbringen. Als ich zur Haustr hinaustrat, lag das Dorf im
Nebel. Er stand dick, wie eine Mauer, nach allen Seiten hin und regte sich
nicht. Ich war berrascht. So massig und leblos hatte ich ihn noch nicht
gesehen. Aus den einzelnen Husern in der Nhe schimmerten die abendlichen
Lichter, blutrot und trbe, von einem Dunstkreis umgeben. Ich tappte, halb
aufs Geratewohl, vorwrts und langte endlich bei dem Wirtshaus an. Als ich
aber die Tr ffnete und eintreten wollte, bemerkte ich, da es das
Wirtshaus gar nicht war. Der Nebel hatte mir einen Streich gespielt, ich
war fehlgegangen. Und ich htte doch, als ich das Haus so vor mir hatte
liegen sehen, wetten mgen, da es der Gasthof gewesen sei. Ein Kind des
betreffenden Hauses brachte mich in die Wirtschaft hinber, wo der Arzt
und der Frster schon auf mich warteten. Es war noch ein dritter Mensch
bei ihnen, ein Geschftsreisender, der das Dorf gerade passierte. Die
Mnner rauchten Zigarren, nur der Frster Tabak aus einer Handpfeife mit
grnem Porzella$
esehen hatte. Paul
und Fridolin saen plaudernd im Zuge, der sie nach Norden trug. Sie
ergingen sich in bunten Erinnerungen, und die Tage ihrer Kindheit standen
so klar vor ihnen auf, als htten sie sie gestern erst preisgegeben.
Fridolin blickte durch das geffnete Fenster des Zuges, durch das die
Sonne hereinkam, in die vorberfliegende Landschaft. Er war berrascht von
dem, was er sah. Er hatte gemeint, auf dieser Reise in die desten Bezirke
zu geraten, und nun sah er sich unvermutet von einer Natur umgeben, die
mit seinem landschaftlichen Fhlen im schnsten Einklang stand. Ein
wundervoll blauer Himmel lag ber der Erde, und die Strahlen der lange
entbehrten Sonne umwoben jedes Ding mit einem goldhaltigen Schimmer.
Braune Heideflchen, aus denen einzelne Birken, von dem ersten Glanz des
kommenden Laubes verklrt, hervorragten, wechselten mit kleinen
Nadelwldern, Ackerstreifen und fetten Wiesen ab. Dann flog der Zug an
Mooren vorbei, in deren schwarzen Lachen die Sonne wie bleiches Silber
lag. Aufgeschic$
rreicher, glatter Mittelnerv stark geschrumpft und seine
Intercellularen beinahe wasserfrei. Dagegen waren die noch mit ihren
Stielen versehenen Bltter, sowie die von der Spreite getrennten Stiele
usserlich ganz unverndert. Am 11. November musste, wegen bevorstehender
Abreise, der Versuch abgeschlossen werden. Die Objekte waren straff und
frisch, mit Ausnahme der stiellosen Spreiten, die beinahe vertrocknet
waren. Das Aufschneiden der Stiele ergab, dass diejenigen, welche an
Spreiten geblieben waren, sehr grosse Luftblasen enthielten, whrend in
den losen Stielen solche wohl auch vorhanden, aber von viel geringeren
Dimensionen waren. In dem einen Stiel fehlten die Luftblasen sogar ganz.
Der Versuch stellte also die Bedeutung der Wasseraufspeicherung im Stiel
fr die Deckung der Transpiration ber jeden Zweifel.
5. Auch die epiphytischen Orchideen zeigen meist Einrichtungen zum
Aufsammeln des Wassers. Theils sind die Bltter mit einem mchtig
entwickelten und oft sehr eigenartigen wasserspeichernden Gewebe $
 Endodermis ist stark cuticularisirt und mit engen, nicht
cuticularisirten Durchgangsstellen versehen. Unter der schuetzenden Schicht
befindet sich gruenes Gewebe, in welchem Wasserzellen zerstreut liegen. Die
Mitte ist, der haengenden Lebensweise entsprechend, von einem sehr festen
Strange von Sklerenchymfasern eingenommen, in welchem das aeusserst
reducirte Leitgewebe eingeschlossen ist.
Waeren nur solche Faelle extremer Anpassung, wie wir sie bei Aeranthus- und
Tillandsia-Arten kennen lernten, vorhanden, so wuerde es kaum moeglich
erscheinen, dieselben auf allmaehliche Veraenderung urspruenglich normal
gestalteter und normal sich ernaehrender Bodengewaechse zurueckzufuehren.
Thatsaechlich sind aber alle Stufen der Anpassung noch vorhanden; die
spaerlichen Absorptionsschuppen terrestrischer Pitcairnia-Arten, die kaum
angedeutete Velamenbildung bei vielen terrestrischen und epiphytischen
Araceen, stellen die Anfangsstufe dar; zwischen diesen und den
vollkommensten Anpassungen sind noch alle moeglichen Ueberg$
, denn ich will es
ohnedies besteigen. Kommen Sie doch hierher, hinter die Mauer, aber
gleich und lassen Sie mich den Kaftan umlegen.
Bist du wahnsinnig?
Ich habe alles bedacht, als ich daheim hrte, wohin man Sie schickt.
Wenn Sie dahingehen, so ttet man Sie, oder schleppt Sie in die
Sklaverei, nicht?
Du sagst es, Czinna!... Aber es ist ganz wundersam, da du hier
Er blickte sie verwirrt an und schien sich an ihr nicht sattsehen zu
Wenn man Sie ttet, dann giebt es kaum mehr ein Auferstehen.
Na, das ist wohl wahr.
Keine Spe jetzt! Sie sind ein schrecklicher Mensch! Schleppt man
Sie aber weg, so wird Sie gewi niemand auslsen. Die Senatoren wrden
es auch verhindern.
Max bi sich in die Lippen.
Wenn aber ich hingehe und mich als Lestyk ausgebe und sie mich
umbringen wollen, werden sie bemerken, da ich eine Frau bin und den
Frauen thun die Tartaren nichts zu Leide, dann knnen Sie mich
auslsen; wenn sie mich aber nur gefangen mitnehmen, dann knnen Sie
mich um so eher als Lestyk auslsen. $
des Tages, Verachtung der alten guten Sitte den Freiheiten des
Landes gefhrlicher als selbst sein Vater Philipp; sie dagegen seien
Freunde des Landes und aus jenem Geschlecht, das zu aller Zeit die alte
Sitte aufrechtzuerhalten gestrebt habe; ergraut unter den Makedonen, mit
den Wnschen des Volkes vertraut, dem groen Knige in Susa befreundet,
knnten sie allein das Land vor dessen Zorn schtzen, wenn er Genugtuung
fr den tollkhn begonnenen Krieg Philipps zu fordern komme; zum Glck sei
das Land durch die Hand ihres Freundes frh genug von einem Knige befreit,
der das Recht, der des Volkes Wohl, der Schwre und Tugend fr nichts
geachtet habe.
So die Parteien; aber das Volk hate die Knigsmrder und frchtete den
Krieg nicht; es verga Kleopatras Sohn, da der Vertreter seiner Partei
fern war; es kannte den Sohn des Perdikkas nicht, dessen Tatlosigkeit
Beweis genug fr seine Unfhigkeit schien. Auf Alexanders Seite war alles
Recht und die Teilnahme, welche unverdiente Krnkungen erwecken, auerdem
der R$
ach der Beendigung des Feldzuges
im Norden nur ntig schien, die Punkte, die den bergang nach Asien
deckten, gleichsam als Brckenkopf festzuhalten; und mit der Flotte zur
Seite gengte dazu eine geringere Truppenzahl in Rhoiteion und vielleicht
Abydos. Um so auffallender dann, da Memnon, der ein vorzglicher Feldherr
war, nicht schrfer drngte, die ganze Kste zu subern; die Satrapen
warfen ihm spterhin vor, da er, um sich unentbehrlich zu machen, den
Krieg zu verlngern suche; entweder das, oder die Eifersucht der Satrapen
entzog ihm die Mittel, mehr zu tun.
Mit dem Frhling 334 war die Flotte des Groknigs zum Aussegeln bereit; es
war an die Satrapen und Befehlshaber in Kleinasien Befehl gesandt, nach der
Kste vorzurcken und den Makedonen an der Schwelle Asiens die Spitze zu
bieten. In der Ebene von Zeleia versammelte sich diese Kriegsmacht, 20000
Mann persische, baktrische, medische, hyrkanische, paphlagonische Reiter
und ebenso viele griechische Sldner, ein Heer, das, wie es sich demnchst
zei$

Phrygien am Hellespont, der zunchst bedrohten Landschaft, Spithridates,
Satrap von Lydien und Ionien, Atizyes, Satrap von Grophrygien,
Mithrobuzanes, Hyparch von Kappadokien, der Perser Omares und andere
persische Groe. Unzweifelhaft war unter diesen Memnon der bewhrteste,
wenn nicht der einzige Feldherr; doch als Grieche und Liebling des Knigs
verhat, hatte er im Kriegsrate weniger Einflu, als fr die persische
Sache zu wnschen gewesen wre.
Whrend dieser Rstungen in Kleinasien war Alexander mit den seinigen so
weit gediehen, da er mit dem Anfang des Frhlings 334 aufbrechen konnte.
Er zog ber Amphipolis am Strymon lngs der Kste ber Abdera, Maroneia,
Kardia; am zwanzigsten Tage war er in Sestos. Schon lag seine Flotte im
Hellespont. Parmenion erhielt den Befehl, die Reiterei und den greren
Teil des Fuvolks von Sestos nach Abydos zu fhren. Mit dem brigen Fuvolk
ging der Knig nach Elaius, den troischen Gestaden gegenber, auf dem
Grabhgel des Protesilaos, des ersten Helden, der im Krieg$

Es galt, fr eine lange Abwesenheit von den westlichen Landen Frsorge zu
treffen. Bis auf Sparta und Kreta war in Hellas alles in Ruhe; nur da noch
zahlreiche Seeruber, die Nachwirkung der persischen Unternehmungen, die
Meere unsicher machten. Amphoteros erhielt Befehl, die Austreibung der
spartanischen und persischen Besatzungen aus Kreta zu beschleunigen, dann
auf die Seeruber Jagd zu machen, den Peloponnesiern, die etwa von Sparta
aus bedrngt werden knnten, Hilfe und Schutz zu bieten; die Cyprier und
Phoinikier wurden angewiesen, ihm hundert Schiffe nach dem Peloponnes
nachzusenden. Zu gleicher Zeit wurden einige Vernderungen in der
Verwaltung der bisher unterworfenen Lnder vorgenommen; es wurde nach
Lydien an die Stelle des Satrapen Asandros, der auf Werbung nach
Griechenland ging, der Magnesier Menandros von den Hetren gesandt, an
dessen Stelle Klearchos den Befehl ber die fremden Vlker erhielt; es
wurde die Satrapie Syriens von Memnon, der nicht mit der gehrigen Sorgfalt
fr die Bedrfnisse$
 dem groen Knige
persnlich seine Huldigung zu bringen, da bei der freundlichen Aufnahme,
die Spitamenes unter den ihm benachbarten Massageten gefunden hatte, er
selbst leicht verdchtigt werden konnte; er herrschte ber das Land des
unteren Oxus und versicherte, Nachbar des kolchischen Stammes und des
Weibervolkes der Amazonen zu sein; er erbot sich, wenn Alexander einen
Feldzug gegen die Kolchier und Amazonen zu unternehmen und die Unterwerfung
des Landes bis zum Pontos Euxinus zu versuchen geneigt sei, ihm die Wege zu
zeigen und fr die Bedrfnisse des Heeres auf diesem Zuge zu sorgen.
Alexanders Antwort auf diese Antrge lt einen Blick in den weiteren
Zusammenhang seiner Plne tun, die, so khn sie auch sind, von der
merkwrdigen Einsicht in das geographische Verhltnis der verschiedenen
Lnderstrecken, von deren Dasein durch seine Zge die erste Kunde
verbreitet wurde, das sicherste Zeugnis ablegen. Er hatte sich bereits
durch den Augenschein und durch die Berichte seiner Gesandtschaft und der
Eingeb$
nder politischer Zersplitterung und religiser Verwirrung,
untereinander ohne andere Gemeinschaft als die der gegenseitigen Eifersucht
und des steten Wechsels von treulosen Bndnissen und selbstschtigen
Alexander hatte mit der Unterwerfung des sogdianischen Landes die
Besitznahme des Perserreiches vollendet; die Satrapie des Paropamisos, die
er im Jahre 329 besetzt, in der er Alexandreia am Kaukasus gegrndet hatte,
war zum Ausgangspunkte des Zuges nach Indien bestimmt. Der
militrisch-politische Gedanke dieses Kriegszuges wird in unseren Quellen
nicht angegeben; er wird sich aus dem Zusammenhang der weiteren Ereignisse
hinlnglich ergeben.
Alexander hatte bereits ber den Indus hinaus mehrfache Verbindungen;
namentlich die mit dem Frsten Taxila (Takschaila) waren von groer
Bedeutung. Dessen Knigreich lag auf dem Ostufer des Indus, der Mndung des
Kophen gegenber; es erstreckte sich ostwrts nach dem Hydaspes (Vitasta)
in einer Ausdehnung, die man der der gyptischen Statthalterschaft
gleichschtzte. De$
n, in Ekbatana, Babylon, gypten
usw. stehen, wenn schon es wahrscheinlich ist, da namentlich die
Westsatrapien nicht von der groen Armee, sondern aus Europa ihre
Besatzungen ergnzten. Fr den indischen Feldzug hatte der Knig aus den
streitbaren Vlkern der arianischen und oxianischen Lande sein Heer
verstrkt. Da auch Phnikier, Kyprier, gypter in bedeutender Zahl beim
Heere waren, zeigt sich demnchst bei der Ausrstung der Indusflotte. Die
Strke des Heeres um die Zeit, als es den Indus hinabzog, betrug nach
zuverlssiger Angabe 120000 Mannen[13].
    [13] Siehe dazu die Anmerkung am Schlu.
Man sieht, dem Material nach war dies Heer schon nicht mehr ein
hellenisch-makedonisches, wohl aber der Organisation nach; und die
Tatsache, da die folgenden Feldzge mit diesem Heer gefhrt sind,
gestattet auf die feste Disziplin, auf die Armeeverwaltung und deren
Organisation, auf die Autoritt der Befehlenden, vor allem auf den
militrischen Geist und die vollendete Tchtigkeit des Offizierkorps
sichere Schl$
er wute bis in
das feindliche Lager das Gercht zu verbreiten, da er in dieser Jahreszeit
den Flubergang allerdings fr unmglich halte, das Ende der Regenzeit
abwarten wolle, um wenn das Wasser gefallen sei, den Angriff ber den Strom
hin zu versuchen. Zu gleicher Zeit aber muten die Bewegungen der
makedonischen Reiterei, das Auf- und Abfahren stark bemannter Boote, das
wiederholte Ausrcken der Phalangen, die trotz der heftigsten Regengsse
oft stundenlang unter den Waffen und wie zum Kmpfen bereitstanden, den
Frsten Poros in steter Besorgnis vor einem pltzlichen Angriff halten; ein
paar Inseln im Flusse gaben Veranlassung zu kleinen Gefechten; es schien,
als ob sie, sobald es zum ernsteren Kampfe kme, von entscheidender
Wichtigkeit werden mten.
Indes erfuhr Alexander, da Abisares von Kaschmir, trotz aller neuerdings
wiederholten Versicherungen seiner Ergebenheit, nicht blo heimlich
Verbindungen mit Poros unterhalte, sondern bereits mit seiner ganzen Macht
heranrcke, um sich mit demselben zu v$
e Gesandtschaft,
bestehend aus den Befehlshabern der Stdte, den Herren der Landschaft und
einhundertundfnfzig der Vornehmen des Landes, kamen mit reichen
Geschenken, zu allem, was der Knig fordern wrde, bevollmchtigt; sie
sagten, da sie nicht schon eher vor dem Knige erschienen, sei ihnen zu
verzeihen, da sie mehr noch als irgendein anderes Volk Indiens ihre
Freiheit liebten, die sie seit undenklichen Zeiten, seit dem Zuge des
Gottes, den die Griechen Dionysos nennen, bewahrt htten; dem Alexandros
aber -- denn er solle ja von den Gttern stammen, und seine Taten seien
Beweis dafr -- unterwrfen sie sich gern und seien bereit, einen Satrapen,
den er setzen werde, aufzunehmen, Tribut zu zahlen und Geiseln zu stellen,
so viele der Knig verlangen wrde. Er verlangte tausend der Edelsten des
Volkes, die, wenn er wolle, ihm als Geiseln folgen oder den Krieg bis zur
Unterwerfung der noch brigen Landschaften Indiens mitmachen sollten. Die
Oxydraker stellten die Tausend, sandten auerdem freiwillig fnfhund$
, 6, 8
abgesetzt wird, weil er nicht die ntige Frsorge fr die Verpflegung des
Heeres beim Marsch von gypten nach dem Euphrat gehabt hat. Nach Curtius
(IV, 5, 9) hat Parmenion bei seinem Abmarsch aus Damaskos nach Dyros dem
Andromachos den Befehl in Syrien bergeben; nach IV, 8, 9 erfhrt Alexander
bei seinem Abmarsch aus gypten, da die Samaritaner Andromachos umgebracht
haben; er straft sie und bestellt Menon zu dessen Nachfolger; eine Angabe,
die dem Arrian gegenber nicht bestehen kann. Nach Eusebius #Chr. II, 114
ed.# Schne (zum Jahr 1680 #a. A.# d. i. Ol. 111, 1, bei Hier. zum Jahr
1685 #a. A.# d. i. Ol. 112, 1) hat Alexander bei diesem Anla die Makedonen
in Samaria angesiedelt (+tn Samareian polin heln Makedonas en aut
katkise+), nach S. 118 ist es geschehen, als Perdikkas Reichsverweser war:
#Samaritanorum urbem a Perdicca constructam#, oder nach Petermann #incolis
frequentatam#. Kurz die smtlichen, auf Jerusalem und Samaria bezglichen
Angaben sind so widersprechend, da man darauf verzich$
nnte Phalanx war.
Philippos, des Machatas Sohn, ist bereits vor der Schlacht am Hydaspes zum
Satrapen in Indien bestellt, und wenn derselbe Philippos der Strateg jener
Taxis war, so hat sie dann wohl einen anderen Strategen erhalten;
vielleicht Peithon des Krateuas Sohn (VI, 6, 1: +tn pezetairn poloumenn
tn Peithnos taxin+). -- Die Formation der makedonischen Ritterschaften
der Hetren hat sich seit 330 mehr und mehr erweitert; nach Arrian (VI, 22,
7) zhlt das Heer auer dem Agema der Ritterschaft acht Hipparchien, von
deren Fhrern fnf gelegentlich genannt werden: Hephaistion, Perdikkas,
Demetrios (V, 12, 2), Kleitos (VI, 6, 4), Krateros (V, 11, 3). Das Agema
fhrt Koinos (V, 16, 3). Die Strke dieser Hyparchien lt sich aus der
Schlacht am Hydaspes so weit bestimmen, da deren vier mit den sogdischen,
baktrischen, skythischen Reitern und den 1000 dahischen Bogenschtzen zu
Pferd (#Arr.# V, 16, 4) 5000 waren (V, 14, 1). Wenn in dieser Schlacht von
den Hetren 20, von den Barbaren 200 gefallen sind (#$
kt er und lchelt. Aber
da fhlt er, da Augen ihn halten und erkennt Mnner und
wei, da es die heidnischen Hunde sind--: und wirft sein
Pferd mitten hinein.
Aber, als es jetzt hinter ihm zusammenschlgt, sind es doch
wieder Grten, und die sechzehn runden Sbel, die auf ihn
zuspringen, Strahl um Strahl, sind ein Fest.
Eine lachende Wasserkunst.
Der Waffenrock ist im Schlosse verbrannt, der Brief und das
Rosenblatt einer fremden Frau.--
Im nchsten Frhjahr (es kam traurig und kalt) ritt ein
Kurier des Freiherrn von Pirovano langsam in Langenau ein.
Dort hat er eine alte Frau weinen sehen.
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    gedruckt waren, sind hier mit "+" gekennzeichnet. Passagen,
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    gekennzeichnet.
    I$
er Gedanke _gegeben_ werden. Und das geschieht eben durch
die Eingebung oder Inspiration. Sie ist, wie ersichtlich, von dem Blicke
des Geistes, durch den wir das Wesen, den Kern der Sache erfassen,
verschieden. Dieser Blick orientiert sich an der ussern Erscheinung des
Wesens, er ist durch sie bedingt und wird durch sie bestimmt, obgleich er
sozusagen durch sie hindurchdringt und ber sie hinausgeht. Die
Inspiration oder Eingebung hingegen ist ein objektiver Zustand, der ohne
unser Zuthun zustande kommt, dem gegenber wir uns leidend verhalten. Sie
setzt natrlich in uns eine Empfnglichkeit voraus, die mannigfach
vermittelt ist; ihre Auffassung hngt darum von einer bestimmten
Entwicklung des Bewusstseins ab. Man kann die Inspiration mit dem
Einleuchten der Zusammengehrigkeit vergleichen und muss dann die
Auffassung der Inspiration mit der Einsicht zusammenstellen. Auch bei der
Eingebung handelt es sich um Zusammenhnge, um Zusammengehrigkeiten,
freilich andrer, hherer Art als bei dem Einleuchten, wie si$
nter den Merkmalen S. 8, -- wesentliche und
unwesentliche S. 6--7, 46, -- begriffliche und sinnfaellige S. 10 ff.
*Metaphysik* vermeintliche Grundvoraussetzung das Ding an sich S. VI,
Scheu vor der Metaphysik S. VI, Begriff der Wahrheit ist Metaphysik S. 87.
*Metaphysische Bedeutung* des Erkennens S. VI.
*Methode psychologische*, Isolierung der Empfindungen vom Koerper S. 54,
der Bewusstseinsvorgaenge von einander S. 60.
*Mill, Stuart* S. 54, 52.
*Mittelalterliche* Philosophie S. 1, 54.
*Mitgeteilte* Urteile keine selbstgefaellten S. 70--71.
*Mitte* zwischen Bejahen und Verneinen ausgeschlossen fuer das
Einzelwirkliche S. 29.
*Nacheinander* in der Zeit ausgeschlossen durch den Uebergang S. 48.
*Namenwissen* blosse Kenntnis S. 65--66.
*Namentliches* begriffliches Wissen eigentliches Wissen S. 59.
*Natur* Wissenschaft der Natur S. 57--58, Erkenntniswert geringer als der
der Geschichte S. VI, 73, 76, Auffassung der Natur mechanische S. 75,
Auffassung der Natur doppelte unverifizierbare S. 74, 81.
*Natura non fac$
te 7 Zeile 13 lies statt Unveraenderliche *Veraenderliche* (Diese
Anmerkung erscheint im Original auf Seite XVIII und wurde in der
Gutenberg-Fassung beruecksichtigt).
Auf den (Original-)Seiten XIII, 75, 90 und 91 wurden die Anfangsbuchstaben
'Ue' zu 'Ue' komprimiert.
Es folgen paarweise Textzeilen im Original und in der vorliegenden
geaenderten Fassung.
sondern auch allem Vergaenglichen, Unveraenderlichen so entgegengesetzte
sondern auch allem Vergaenglichen, Veraenderlichen so entgegengesetzte
nicht enbehren koennen. Um ihn zu vermeiden, mussten wir
nicht entbehren koennen. Um ihn zu vermeiden, mussten wir
einer vermeinlichen Einsicht und eines vermeintlichen Einleuchtens
einer vermeintlichen Einsicht und eines vermeintlichen Einleuchtens
ein solcher Notwendigkeitszusammenhang des Zusammengegehoerigen
ein solcher Notwendigkeitszusammenhang des Zusammengehoerigen
reden, aber man darf eben nur dies mit dem Enthaltensein gegegebene
reden, aber man darf eben nur dies mit dem Enthaltensein gegebene
auch zum Seien$
as nicht schwer!
Still! rief Maggie. Ich sage dir ja, ich nehme alles auf mich. Du
bleibst natrlich unsere weie Lilie und blhst uns wieder auf und ...
Gute Nacht, liebes Kind!
       *       *       *       *       *
Am Morgen hatte das Wetter sich ausgetobt. ber die bunten Laubbume
strichen gelbe Sonnenbahnen. Grauweie Wolken ballten und jagten sich
hoch oben, und klar, tiefblau leuchtete der Himmel dahinter vor. Weit
ins Land hinein wogte das grne Waldmeer. Herbe Duftwellen schwangen
sich von ihm durch die Luft.
Gertrud sah froh hinunter.
Der alte, geliebte Blick ins Grne und der Harzgeruch. Man fhlt
ordentlich, da man hier gesund werden mu.
Oder krank vor Langeweile, wenn man gesund ist, meinte Maggie. Nun
komm, unten gibt es Neuigkeiten. Einen Eilbrief von Laukischken.
Gertruds Gesicht nahm die gewohnte, schwermtig hilflose Frbung an.
Mein Gott! Mein Gott!
In der Estube sa der Oberfrster mit sorgenvollem, verrgertem Gesicht
am Kaffeetisch. Er streckte den Tchtern einen Brief$
eit
doch noch morgens und abends betete.
In einem Augenblick besonders starker Gewissensangst, in dem sie ihre
ganze Heiratsidee verwnschte, setzte sie sich an den Schreibtisch und
schrieb ein paar Zeilen nach Romitten, in denen sie den Freund bat,
Gertruds wegen herberzukommen. Dann nahm sie das Kursbuch in die Hand
und rechnete aus, wann Kurt eintreffen knne. Darber versumte sie, den
Brief abzuschicken. Aber dennoch war ihr, als knnte sie nun Gertrud
leichter in die Augen sehen, und sie ging hinein.
Gertrud sa wie vorhin da, mit groen, stillen Augen auf den Fahrweg
Sie war berirdisch schn, ganz ohne verhrmten oder verngstigten
Ausdruck in dem reinen Gesicht.
Wie eine Tote, dachte Maggie und trat zitternd nher.
Was willst du?
Maggie kauerte sich auf die weien Felle an Gertruds Stuhl.
Trude, ich hab' an Seckersdorf geschrieben. Soll er kommen?
Gertrud hob den Kopf, der dadurch in einen Sonnenstreifen geriet und
selbst zu leuchten schien.
Warum? fragte sie. Um ihm Gelegenheit zu einer $
.
Sie sprang auf Gertrud zu und streckte ihr die Hand entgegen. Es wollte
aus ihr hervorsprudeln: Glaub' uns doch nicht, wir betrgen dich ja.
Aber ich will nun nicht mehr -- komm -- komm ...
Ein guter Blick von Gertrud, und sie htte das alles gesagt und die
Schwester in ihren Schutz genommen. Aber Gertrud sah an ihr vorbei und
nahm die gebotene Hand nicht.
Da packte sie ebenso schnell Zorn und Verachtung gegen so viel Hochmut
und Einfalt, die sie doch eben noch Reinheit und Stolz genannt hatte,
und sie sah Gertrud so bse an, da diese zusammenschauerte.
Ich geh' schon, murmelte sie und eilte nach der Tr.
Der Vater wollte sie zurckhalten, aber sie achtete nicht darauf.
Sie hatte sich aus dem schweren Nervenanfall, der sie in die trostlose
Willenlosigkeit versetzt hatte, ein wenig aufgerafft, so weit, da sie
sich sagte: Ich mu fort von hier, ehe Kurt kommt. Und da ich nun nach
dem, was ich von Hans und Maggie erfahren, wei, da keiner mir helfen
wird, mu ich allein sorgen.
Geld hatte sie vorlufi$
and aus der meinen und richtete sich
auf. >Frau Pfarrer,< sagte sie und schaute mich mit einem Blick an, den
ich nie vergessen werde, >Frau Pfarrer, Sie mssen mir helfen, da ich
hinber komme. Ich mu die Barbara heimholen.<----
Was dem feinen, hellen Kinde nie gelungen, hatte jetzt das arme, sieche
erreicht: das Herz der Mutter war erwacht.
Und die Frau blieb ihrem Entschlusse treu, auch als ihr mein Mann mit
klaren Worten die Schwere ihres Unternehmens gezeigt. Sie scheute weder
die Auslagen noch die Beschwerlichkeiten der Reise. Sie schreckte auch
nicht zurck vor den Schwierigkeiten des Zusammenlebens mit ihrer
Tochter. Fr mich waren diese Wochen voller Wunder. Ach, nie mehr wollte
ich ber einen Menschen das Urteil fllen: so und so ist er und so und
so bleibt er. War mir diese Frau nicht all die Jahre hindurch stumpf und
gleichgltig erschienen? Hatte ich ihr nicht gezrnt, weil sie ihre
Kinder vernachlssigte und ewig in Streit lebte? Und nun brach aus
diesem Herzen eine Liebesflle, die mich besc$
 verstand alles, Tante Ursula hatte immer Zeit. Und ihr
ganzes Zimmer war voller Kstlichkeiten, die ich wieder und wieder
bestaunte, und ber die wir uns immer aufs neue unterhielten. Alle
Alltagsgerte, die drunten bei uns nchtern und seelenlos dreinsahen,
hatten hier oben ein Gesicht, erzhlten eine Geschichte, und ich war
fest berzeugt, da dies einzig und allein von Tante Ursulas Einflu
herrhre. Der Ofentapper drohte als groe schwarze Hand hinter dem
Ofen hervor, die Zndhlzer kamen in einem Schlitten angefahren. Auf dem
Stuhlkissen stolzierten sieben schwarze Raben, die trugen goldene Kronen
auf dem Kopf, und aus dem Fuschemel blhten Rosen und Vergimeinnicht.
Auf dem Rouleau war ein See, drauf schwammen weie Schwne, deren einer
sicher das hliche junge Entlein gewesen. Ganz herrlich aber war Tante
Ursulas Lampenschirm. Eine ganze Stadt sah man da mit hellerleuchteten
Fenstern. Einige Huser hatten grne oder rote, andere goldgelbe
Scheiben. Es war wunderschn, rund um den Tisch zu gehen un$
ben. Er starrte wie gebannt auf den Lichtstreifen und verga darber
sein Schlo und sein weiches Bett, verga seine Dienerschaft und Essen
und Trinken. Nur wenn ihn sein mhsam gereckter Krper gar zu sehr
schmerzte, setzte er sich auf eine Kiste, die im Dachkmmerchen stand.
Aber er hielt es nie lange aus, seine Sehnsucht nach dem Lichtstreifen
war zu gro.
Einmal, nach langer Zeit, sah der Mann, wie sich die Ritze ein wenig
vergrerte ... der Lichterstrahl wurde breiter und goldener und warf
einen blassen Widerschein in das Kmmerchen. In dem Glanze aber sah der
Mann selige Gestalten wandeln. Er hrte Klnge, die waren von so
leuchtender Schne, da sich seine Augen mit Trnen fllten. Und wie das
Licht immer breiter und goldener quoll, erkannte der Mann, da er in den
Himmel blicke.--
Hier schlo die Geschichte in dem roten Buch, und ich war das erste Mal,
als sie mir Tante Ursula vorgelesen, ganz verzweifelt. Aber Tante Ursula
lchelte nur und sagte: Die Geschichte geht nur hier im Buch zu Ende,
Vrone$
r, und warum sollte sich seine Dummheit denn eigentlich nicht
entfalten drfen? Ich z.B. bin berzeugt, da Peter im Leben
unverschmt viel Erfolg davontragen wird, und seltsam: ich gnne es ihm.
Ja, ich gehe noch weiter. Ich habe das Gefhl, und es ist ein sehr
trostreiches, prickelndes und angenehmes, da ich spter einmal solch
einen Herrn, Gebieter und Vorgesetzten bekommen werde, wie Peter einer
sein wird, denn solche Dummen, wie er einer ist, sind zum Avancieren,
Hochkommen, Wohlleben und Befehlen geschaffen, und solche in gewissem
Sinn Gescheite, wie ich, sollen den guten Drang, den sie besitzen, im
Dienst anderer blhen und entkrften lassen. Ich, ich werde etwas sehr
Niedriges und Kleines sein. Die Empfindung, die mir das sagt, gleicht
einer vollendeten, unantastbaren Tatsache. Mein Gott, und ich habe
trotzdem so viel, so viel Mut, zu leben? Was ist mit mir? Oft habe ich
ein wenig Angst vor mir, aber nicht lange. Nein, nein, ich vertraue
mir. Aber ist das nicht geradezu komisch?
Fr meinen Mitschle$
ieb. Ich wute mit diesem Menschen nichts
Ich habe mit Herrn Benjamenta gesprochen, d.h. er hat mit mir
gesprochen. Jakob, sagte er zu mir, sage mir, findest du nicht, da
das Leben, das du hier fhrst, karg ist, karg? Was? Ich mchte gern
deine Meinung wissen. Sprich offen. -- Ich zog es vor, zu schweigen,
doch nicht aus Trotz. Der Trotz ist mir lngst vergangen. Aber ich
schwieg, und zwar ungefhr so, als wenn ich htte sagen wollen: Mein
Herr, gestatten Sie mir, zu schweigen. Auf eine solche Frage knnte ich
hchstenfalles etwas Unziemliches sagen. -- Herr Benjamenta schaute
mich aufmerksam an, und ich glaubte, er verstehe mein Schweigen. Es war
auch tatschlich so, denn er lchelte pltzlich und sagte: Nicht wahr,
Jakob, du wunderst dich ein wenig, wie wir hier im Institut so trge, so
gleichsam geistesabwesend dahinleben? Ist es so? Ist dir das
aufgefallen? Doch ich will dich durchaus nicht zu unverschmten
Antworten verleiten. Ich mu dir ein Gestndnis machen, Jakob. Hre, ich
halte dich fr ei$
chen und Dinge zu stacheln, da sie sich mir
offenbaren. Hier fllt mir Herr Benjamenta ein. Aber ich will an etwas
anderes denken, d.h. ich mag an nichts mehr denken.
Ich habe eine Anzahl Menschen kennen gelernt, durch Johanns
Freundlichkeit. Es sind Knstler darunter, und es scheinen nette
Menschen zu sein. Nun, was kann man sagen bei so flchtiger Berhrung.
Eigentlich gleichen sich die Leute, die sich bemhen, Erfolg in der Welt
zu haben, furchtbar. Es haben Alle dieselben Gesichter. Eigentlich
nicht, und doch. Alle sind einander hnlich in einer gewissen, rasch
dahinsausenden Liebenswrdigkeit, und ich glaube, das ist das Bangen,
das diese Leute empfinden. Sie behandeln Menschen und Gegenstnde rasch
herunter, nur damit sie gleich wieder das Neue, das ebenfalls
Aufmerksamkeit zu fordern scheint, erledigen knnen. Sie verachten
niemanden, diese guten Leute, und doch, vielleicht verachten sie alles,
aber das drfen sie nicht zeigen, und zwar deshalb nicht, weil sie
frchten, pltzlich etwa eine Unvorsicht$
ine Kammer schlpfen? -- Sprechen Sie,
gndiges Frulein. Ich hre, sagte ich voll angstvoller Erwartung. Die
Lehrerin schauderte pltzlich jhlings zusammen. Sie fate sich aber
rasch und sagte: Ich gehe, Jakob, ich gehe. Es geht mit mir. Doch ich
kann es dir nicht sagen. Vielleicht ein anderes Mal. Ja? Ja, nicht wahr,
vielleicht morgen, oder in acht Tagen erst. Es ist dann noch immer Zeit
genug, es dir zu sagen. Sage mir, Jakob, hast du mich ein wenig lieb?
Bedeute ich deiner Brust, deinem jungen Herzen irgend etwas? -- Sie
stand mit wtend zusammengekniffenen Lippen vor mir da. Ich beugte mich
schnell auf ihre Hand, die unsagbar wehmtig an ihrem Gewand herabhing,
hinunter und kte sie. Ich war so glcklich, es ihr so sagen zu drfen,
was ich fr sie immer empfunden hatte. Schtzest du mich? fragte sie
mit ganz hoher, nach der Hhe zu schon fast erstickter, gestorbener
Stimme. Ich sagte: Wie knnen Sie zweifeln? Ich bin unglcklich. --
Aber mich emprte es, da ich fast weinen mute. Ich lie ihr$
elfen. Ganz langsam vorwrts. So. Und einer strecke die Hand aus
und ffne die Tre. So, so. Es geht. Nur sorgfltig. -- Er sprach
meiner Ansicht nach berflssige Worte. Wir trugen Frulein Lisa
Benjamenta aufs Bett, dessen Decke der Vorsteher rasch wegri, und nun
lag sie da, wie sie es mir zum voraus gleichsam angekndigt hatte. Und
dann kamen die Schulkameraden, und alle sahen es, und dann standen wir
alle so da, am Bett. Herr Vorsteher gab uns einen verstndlichen Wink,
und wir Eleven und Knaben fingen an, im Chor gedmpft zu singen. Das war
die Klage, die das Mdchen gewnscht hatte zu vernehmen, wenn sie auf
dem Lager lge. Und jetzt, so bildete ich es mir ein, vernahm sie den
leisen Gesang. Es war uns, glaube ich, allen, als wre es
Unterrichtsstunde, und wir sngen auf Befehl der Lehrerin, der wir immer
so rasch gehorchten. Als das Lied zu Ende gesungen war, trat Kraus aus
dem Halbkreis, den wir gebildet hatten, vor und sprach, ein wenig
langsam, aber um so eindringlicher, folgendes: Schlafe, ruhe $
ner wahren Flut dunkelblonden Haares ein
paar rosige kleine Ohren. Alles ein wenig zurechtgemacht. Unter den
groen Augen ein leichter Strich, die Lippen und Ohrlppchen ein bichen
zu rot, aber das Ganze von frappierender Wirkung. Eins jener Gesichter,
nach denen man sich unwillkrlich umsah, wenn man ihnen in der Menge der
gleichgltigen begegnete.
Frau Rheinthaler hob in komischem Zorn die Hummergabel gegen den
Landsberger Husar: Sie Bsewicht! Mssen Sie denn immer gleich
verraten, da ich frher einmal beim Theater war? Der neben ihr
sitzende Gatte, ein hagerer Herr mit starker Hakennase und eingefallener
Brust, fhrte hstelnd die knochige Hand zum Munde: Sei friedlich,
liebe Josepha, in fnf Minuten httest Du es dem Herrn Hauptmann da
drben ganz von selbst erzhlt. Und zu Herrn von Foucar gewendet,
fragte er: Sind Sie Theaterhabitu? Nicht ... na, dann mu ich noch
einmal vorstellen ... Er wies leicht auf die Gattin: Pepi Hohenthal,
vor einigen Jahren die entzckendste Dame =de chez Maxim=, di$
e da. Es gibt auch blo eine Tasse
Kaffee, eine Zigarette und vielleicht, wenn die Stimmung danach ist, ein
bisserl Musik.
Gaston verneigte sich leicht: Sehr liebenswrdig, gndige Frau, aber
ich habe zu Hause eine Arbeit liegen, die ich unbedingt bis morgen
Herr Rheinthaler fiel ihm ins Wort: Keine Ausflchte, Herr Baron! Das
Vaterland wird nicht in Gefahr geraten, wenn Sie sich zur Abwechslung
mal keine Schlachtplne ausdenken! Und jetzt auch nicht mehr lang
gefackelt! Die Autos stehen unten. Kellner, zahlen!
Es folgte ein allgemeiner Aufbruch. Herr von Foucar gedachte, sich auf
dem Wege zum Ausgange unauffllig zu entfernen. Da traf ihn ein
bittender Blick aus Frau Josephas Augen, und er ging mit.
An der Garderobe fand er Gelegenheit, den Landsberger Husar fr ein paar
kurze Minuten beiseite zu nehmen.
Sie, Wodersen, sagen Sie mal ...
Der Kleine hob die Hand: Wei schon! Sie wollen mich anpbeln, da ich
Sie in diese Gesellschaft da verschleppt habe! Glauben Sie mir, es ist
nicht die schlechteste. D$
n eine
Schuld, wo nichts weiter gewesen war als die Pflicht eines seiner Herrin
dienenden Kavaliers. Sie ging nach ihrer schwbischen Heimat zurck und
erzog mich dort auf ihre Art. Es steht einem Sohne nicht zu, mit der
geliebten Mutter zu rechten, aber es wre vielleicht manches in meinem
Leben anders gekommen, wenn ich eine Jugend htte haben drfen wie
andere. Wie ein junges Mdchen verpimpelte sie mich. Aber da gab es
einen Umschwung. Eines Tages hatte ich mal wieder was ausgefressen, aber
kam gerade noch mit blauem Auge davon. Wie und wieso wei ich nicht
mehr, aber einer meiner Cotanen meinte: 'Na ja, wenn man eine
Schutzheilige hat -- eine richtige, lebendige Grofrstinwitwe, die ihre
Gefhle vom Vater auf den Sohn bertrgt.' Ich fuhr ihm an den Hals, wir
schlugen uns auf schwere Sbel, und in der Festungshaft danach wurde ich
ein ernsthafter Mensch. Ein Streber schlimmster Sorte ...
Kommandierender General zum mindesten wollte ich werden! Aber ohne
weibliche Protektion!
Annemarie hatte mit aufger$
Nacht in dem Ballokal zur
Besinnung gekommen wre? Oder da er am Tage darauf aus Mitleid und mit
erregten Sinnen einen Meineid geschworen htte? Oder gar schlielich,
da in ihrer Vergangenheit etwas wre, ber das kein Mann hinweg knnte?
Das ging nicht an. Das einzige wre gewesen, mit der Absendung dieses
brutalen Briefes noch ein paar Tage zu warten, bis sie sich nach den
entsetzlichen Geschehnissen ein wenig beruhigt htte. Dann aber schickte
er den Brief da vielleicht berhaupt nicht mehr fort, ergab sich mit
einer Art von Fatalismus in sein selbstverschuldetes Schicksal.
Sein Blick fiel auf eine Stelle in dem anderen Schreiben, das vor ihm
lag. Der gndige Herr ist gestorben, ohne da er sein Testament hat
ndern knnen. Josepha erbt sein ganzes Vermgen. Der Ekel wrgte ihn
Er schlo seinen Brief in ein Kuvert, schrieb die Adresse und trug ihn
selbst nach dem nahen Bahnhof hinber, steckte ihn in den blauen
Als er wieder oben in seinem Zimmer sa, war ihm ein wenig leichter
zumut. Nur htte er viel$
n seit langem gesponnen. Die groe
Nachrichtenzentrale in Berlin war ja schon vor Wochen alarmiert, da hier
an der Grenze ein Verrter sa. Heute kam die Mitteilung, die seine
Persnlichkeit genau bezeichnete, und morgen, whrend seiner Abwesenheit,
der vernichtende Schlag. Er aber hatte nichts zu seiner Verteidigung
anzufhren, als da da vielleicht ein Racheakt vorlge. Die Rache einer in
leidenschaftlicher Liebe verratenen Frau. Er _sah_ ordentlich das
unglubige Lcheln seiner Richter ...
Die Haare strubten sich ihm, so grauenhaft war das. Nur ein Glied
fehlte noch in der Kette der Voraussetzungen, nmlich da da die auf dem
Tische liegende Nachricht von der schweren Erkrankung seines Mtterchens
geflscht war. Dann war das alles kein leeres Hirngespinst, sondern
grausige Wirklichkeit. Da erhob er sich mhsam, ging zu dem an der Wand
hngenden Telephon.
Gott sei Dank, der Apparat funktionierte wieder, das Amt Ordensburg
meldete sich.
Liebes Frulein, sagte er, wenn ich jetzt dringend nach Elingen
te$

Das Frulein auf dem Amte wiederholte den Wortlaut, als sie den Namen
Gaston aussprach, bekam ihre Stimme einen schmelzenden Klang.
Herr Rittmeister Baron von Foucar?
Allerdings!
Gott, wie interessant! Die Depesche wird noch in dieser Minute
abgeschickt werden!
Da mute er, mitten in aller Aufregung, lachen. Die kleine Telephondame
schien eine jener stillen Verehrerinnen zu sein, von deren Existenz er
selbst keine Ahnung hatte.
Freut mich sehr, mein gndiges Frulein! Wenn Sie nun noch die Gte
haben wollten, mir die aus Elingen eintreffende Nachricht telephonisch
mitzuteilen, statt durch Boten, wre ich Ihnen sehr verbunden. Das geht
doch hoffentlich auch?
Aber selbstverstndlich!
Gaston hing den Hrer an und setzte sich wieder an seinen Schreibtisch.
Noch eine ganze lange Stunde hatte er zu warten, bis er die
entscheidende Nachricht bekam. Inzwischen aber mute er die
Vorbereitungen zur Abreise treffen, um keinen Argwohn zu erregen. Er
rief seinen Burschen.
Wichotta, ich mu heute abend auf $
                 zum
                    Weihnachtabend  1854
          __________________________________________________
                           IM BRAUERHAUSE.
Es war in einem angesehenen Brgerhause, wo wir am Abendteetisch in
vertrautem Kreis beisammensaen. Unsere Wirtin, eine Fnfzigerin von
frischem Wesen, mit einem Anflug heiterer Derbheit, stammte nicht aus
einer hiesigen Familie; sie war in ihrer Jugend als wirtschaftliche
Sttze in das elterliche Haus ihres jetzigen Mannes, unseres trefflichen
Wirtes, gekommen und hatte in solchem Verhltnisse dort gelebt, bis der
einzige Sohn so glcklich gewesen war, sie als seine Ehefrau bleibend
festzuhalten. Das Vertrauen, womit des Brutigams Mutter gleich nach der
Hochzeit der Jngeren ihren eigenen Platz im Hause einrumte, hat diese
nun schon manches Jahr ber das Leben ihrer beiden Schwiegereltern
hinaus gerechtfertigt. Bei ihrem, jetzt den Siebzigern nahen Ehemann
selber begann schon das Greisenalter seine leise Spur zu ziehen; aber wo
i$
n erhabener Anblick, der die Seele zum Gebet stimmt.
Wohl eine Viertelstunde standen alle ernsthaft schweigend, und sahen,
wie der schne Feuerball im Westen allmhlich versank; die Gesichter
wurden vom Abendrot angestrahlt, die Hnde falteten sich unwillkrlich;
es war, als stnden wir, eine stille Gemeinde, im Schiffe eines
Riesendoms, und der Priester erhbe jetzt den Leib des Herrn, und von
der Orgel herab ergsse sich Palestrina's ewiger Choral.
Whrend ich so in Andacht versunken stehe, hre ich, da neben mir
jemand ausruft: Wie ist die Natur doch im allgemeinen so schn! Die
Worte kamen aus der gefhlvollen Brust meines Zimmergenossen, des jungen
Kaufmanns. Ich gelangte dadurch wieder zu meiner Werkeltagsstimmung, war
jetzt imstande, den Damen ber den Sonnenuntergang recht viel Artiges zu
sagen, und sie ruhig, als wre nichts passiert, nach ihrem Zimmer zu
fhren. Sie erlaubten mir auch, sie noch eine Stunde zu unterhalten. Wie
die Erde selbst, drehte sich unsre Unterhaltung um die Sonne. Die Mutte$
 wenn die Trne spricht                        202
        Immer Lust an Lust sich hngt                                202
        Holzfle                                                    203
    Eingeschlossene Tiere                                            204
        Weltspuk                                                     213
    Zwei Reiter am Meer                                              215
Max Dauthendey
Einen Dichter von Wert charakterisieren heit, die Stelle im Mosaikbilde
der Dichtkunst suchen, die dem Poeten, kraft seiner Leistung, zukommt.
Wenn im Bilde der germanischen Dichtkunst Goethes Schaffen das Innerste
des einen Auges der erhabenen Dichtkunstgestalt darstellt, deren zweites
Auge Shakespeares Werk belebt, wenn Schiller die tiefe, senkrechte
Denkerfurche auf die Stirne des germanischen Dichtkunstbildes zeichnete,
deren andre Gedankenfalten Hebbel, Strindberg und andere punktierten und
einrissen, wenn Hlderlin das zarte, schmerzliche Lcheln im versonnenen
Mundwinkel der ger$
? sagte ein Herr neben mir zu einer Dame.
Dann war tiefe Stille. Keine Teetasse klapperte, kein Schritt im Schnee
knirschte mehr. Die Pferde spitzten die Ohren und schnupperten. Drben
im Nebel, ber einem tageweiten Abgrund, erschien der fleischige Arm
eines Riesen, die rosige fleischige Brust einer Frau, Nacken, Schultern,
Hften in gigantischen Dimensionen. Es waren die Umrisse des Mount
Everest und des Kantschindschanga, die wie ein nacktes Riesenpaar hher
als der Mond im Himmel lagen.
Die Sonne, flsterte eine Dame.
Ich sah ber meine Schulter von den Bergen fort und entdeckte eine rote
glhende Lawine, die sich auf Nebelfeldern kaum merklich fortrollte und
grer und rter wurde,-- die Sonne. Wie eine groe rote Sintflut gab
sie den Gletschern Blut und machte den Schnee zu Fleisch.
Im selben Augenblick, mitten in diesem feierlichsten Augenblick des
Sonnenaufgangs, nahm jemand meine Hand, fhrte meine Finger in eine
Westentasche und sagte: Wo ist das Amulett, das du gestern kauftest?
Sehen die groe$
uer sind, da sie sie fr nichts
verkaufen wrden? Glauben Sie, da, wenn ein tibetanisches Weib ein
solches Amulett zufllig von sich geschleudert htte, es alle Listen
seiner listigen Natur anwenden wrde, um das Amulett wieder zu
erhalten? Glauben Sie, da es durch Hintertren in die Huser eindringen
wrde und sich nicht scheuen wrde, ein Fenster einzustoen, um das
Amulett zu erhalten?
Sie werden mir sagen: 'Das zerbrechende Fenster wrde jedermann wecken!'
Aber ich sage Ihnen: Man kann zugleich durch das zerbrochene Fenster
eine lebende Fledermaus ins Zimmer werfen, die die Aufmerksamkeit auf
sich lenkt und nicht den Gedanken aufkommen lt, da ein Mensch mit
Absicht das Fenster zerschlagen htte. Betubt man dann noch durch eine
Rucherstange den im Zimmer Anwesenden, so ist es ein leichtes, nachher
mit dem Arm durch die zerbrochene Fensterscheibe in das Zimmer zu
langen, den Fensterknopf von innen aufzudrcken, durchs geffnete
Fenster vom Balkon hineinzusteigen, das verlorene Amulett zu suchen, zu
$
msicht, und in der Erweckung der rechten
Arbeitsfreude. Wer in irgendeiner systematischen Beschftigung (mit
Holzarbeit z. B.) diese Qualitten erworben hat, der besitzt sie und
wendet sie bei jeder manuellen Arbeit an, die der sptere Beruf bringt,
genau ebenso wie derjenige, der im Latein oder in der Mathematik seine
logische Denkfhigkeit, seine Gewissenhaftigkeit und Wahrheitsliebe
entwickelt hat, sie besitzt und anwendet, wenn er auch spter nicht
Philologie, Mathematiker oder Naturwissenschaftler wird, sondern Jurist,
Historiker oder Philosoph. Ja die bertragung dieser in einer _manuellen_
Arbeitserziehung erwachsenen Qualitten auf manuelle Arbeiten anderer
Gebiete ist sehr viel gesicherter als die bertragung erworbener
Qualitten auf _geistigen_ Arbeitsgebieten, wo nicht selten Vorurteile,
Parteimeinungen, religise Bindungen usw. verhindern, die auf einem
Gebiete sich auswirkende Kraft der Wahrheitsliebe und des logischen
Denkens in gleicher Rcksichtslosigkeit auf anderen Gebieten schaffen zu
Aus $
ngsschulen
liegt die Hauptschwierigkeit darin, da die Schule selbst mit ihrer
relativ geringen Unterrichtszeit die Schler zu wenig in gegenseitige
Berhrung bringt und so gewhnlich nicht imstande ist, jenes
Gemeinsamkeitsgefhl zu erzeugen, aus dem gewissermaen spontan die
Neigung zu freiwilligen Arbeitsverbnden erwacht.
Alle diese Hindernisse kennt die hhere Schule nicht. Dazu kommt, da
namentlich in den oberen Klassen die Lektre der deutschen und fremden
Klassiker sowohl als auch der intensive Geschichtsunterricht auf die
Kulturprobleme der menschlichen Gesellschaft und auf die Aufgaben des
Staates fhrt, und da damit eine wissenschaftliche, d. h. eine
objektive Belehrung ber die Aufgaben des Staates und ber die
Pflichten der Staatsbrger von selbst nahegerckt wird. -- Da die
hheren Schulen in Deutschland im scharfen Gegensatz zu den Schulen
anderer germanischer Staaten bis jetzt diese dritte Aufgabe nicht oder
nur ganz ungengend in Angriff genommen haben, liegt nicht zum wenigsten
daran, da$
inte der aus Owassa.
-- Sechs Wochen alten Ferkeln und zwei Jahre alten Witwen kann man
nicht trauen, neckte der Fjllonger.
-- Je trockener der Zunder, desto schneller fngt er Feuer, brannte der
von Fiverstra los.
Und jeder warf seinen Scheit aufs Feuer. Die Alte aber schmunzelte und
wehrte sie ab, machte gute Miene zum bsen Spiel und scherzte mit;
bse zu werden, hatte keinen Zweck.
Dann gings auf die Bruchwiese hinunter. Da standen Segge und
Schachtelhalm so hoch wie ein Kiefernwald und das Wasser ging den
Mnnern bis an die Stiefelschfte. Die Mdchen zogen Strmpfe und
Schuhe aus und hingen sie auf den Feldzaun.
Die Alte harkte hinter Carlsson so fleiig, da sie es den Andern
zuvortat. Manches Scherzwort ber das junge Paar, wie sie genannt
wurden, fiel. Diesen Ausdruck benutzten sie als Feigenblatt, um
darunter zu verbergen, was im Geheimen zu wachsen begann.
So ward es Mittag und so ward es Abend.
Der Spielmann war mit seiner Geige gekommen; die Tenne war gerumt
und gekehrt, die schlimmsten Astlc$
er
Zu Zweien liefen die Spuren, die eine klein, die andere gro, Seite an
Seite, bald in einander tretend, bald um einander, als ob sie getanzt
htten; ber Stoppelfelder, von denen der Schnee abgeweht war; ber
Steinhaufen und Grben, ber Buschzune und Windbruch.
Sie wute nicht, wie lange sie ging; aber ihr fror der Kopf und ihre
Hnde waren klamm; sie steckte die magern, roten Hnde bald unter den
Rock, bald blies sie darauf. Sie wollte umkehren, aber es war zu spt;
auch war der Rckweg jetzt wohl ebenso weit, als wenn sie geradeaus
ging. Also vorwrts durch ein Espenwldchen, dessen letztes Laub
zitterte und raschelte, als friere es im Nordwind.
Dann kam sie zu einem Zauntritt.
Der Mondschein war klar und scharf; sie konnte deutlich sehen, dort
hatten sie gesessen. Sie sah den Eindruck von Claras Rock, von der
Jacke mit der Schafpelzverbrmung.
Hier war es also gewesen! Hier! Sie zitterte in den Kniekehlen, fror,
als sei ihr Blut Eis geworden; brannte, als habe sie kochendes Blut in
den Adern. Erschpf$
e den Korkhelm auf und betrat mutig die
Veranda meines Hauses. Ein beiflliges Murmeln der Erwartung begrte mich.
Recht gelegentlich, als lge mir nur daran, ein paar Schritte in der
Frische des Gartens zu tun, trat ich bis an die Pforte und schaute die
Strae nach Cannanore hinab. Die Kette der wartenden Menschen erstreckte
sich weiter, als meine Augen reichten, fern unter dem Dach der wilden
Feigenbume verlief sie im Laubschatten wie ein schwarzer Kohlestrich, auf
dem roten Latrittweg. Elias zog sich still ins Haus zurck, weil dieser
Anblick ihm neu war, und auf der Veranda empfingen mich wieder Panjas ruhig
abwartende Augen; er hatte einen Liegestuhl fr mich herausgetragen.
Es blieb mir nichts anderes brig, als zu beginnen. So sandte ich denn
Pascha mit einer Handvoll Rupien zum Wechseln in die Stadt, denn ich
brauchte Panja als Dolmetscher, auch wre er wahrscheinlich bis zum Abend
ausgeblieben, um mich dadurch am Erfolg meines Unternehmens zu hindern.
Der erste der zahlreichen Ankmmlinge war ein k$
 runde
Augen von einem gleichmigen sehr hellen Blau an, in denen ich keine
Abzeichnung der Pupillen unterscheiden konnte. Die Frbung ihrer Haut war
bernsteingelb und ihr Haar weilich, sie hatten breite, aber hagere
Schultern, und ihre Hften waren so schlank und so wenig ausgezeichnet, da
man von der Achselhhle bis an die Fuknchel hinsah, wie an einer geraden,
schrg gestellten Leiste. An ihren Schlfen war ein eosinrotes Band
befestigt, das in einem breiten Fcher auf die linke Schulter herabsank und
hinter ihr verschwand.
So standen die Zwei, die sonst nicht bekleidet waren, ruhig vor mir in der
grnlichen Luft mit ihren geheimnisvollen Schattenwellen. Es schien mir,
als lchelten sie, aber eher neugierig als spttisch. Endlich begannen sie
eine Unterhaltung miteinander und versuchten den Anschein zu erwecken, als
sei ihnen an meiner Beachtung nichts gelegen, aber ich unterschied doch,
da sie nur meinetwegen sprachen. Sie lchelten verstohlen und ungefllig
und sahen bisweilen mit einem raschen Bli$
d sich
mit den Affen einlassen, Sahib? Aber wenn du nur eine Heuschrecke
erblickst, so wirst du schon sorgenvoll und redest sie an, und dann tust du
so, als ob es dir antwortete, das Vieh. Wer aber mit Affen umgeht, hat bald
den Eindruck, als sei sein eigener Schatten nrrisch geworden, und den
Schatten kann man nicht fangen.
Ich will Gong haben, antwortete ich.
Panja dachte nach. Ich habe als Kind manchen Affen in der Schlinge
gefangen, und wenn der Affe, den du haben willst, dich kennt und kein
Mitrauen hegt, so kannst du ihn leicht fangen, wenn du ihm zuvor genau
zeigst, wie man in eine Schlinge geht. Von diesem Kunststck lernt er nur
die erste Hlfte, und wenn du rasch hinzuspringst, kannst du ihn greifen.
Aber du mut ihm mit der linken Hand entgegenkommen und ihn unversehens
mit der rechten im Genick packen. Die alten Affen beien, solange sie noch
Hoffnung haben, entwischen zu knnen. Spter denken sie nach und geben es
Das war ein ausgezeichneter Gedanke. Ich nahm am andern Morgen ein
haltbares $
im Herzen
dieser Kuppel, unter dem gewlbten Golddach, waren die beiden Thronsessel
des Maharadscha und des Maharadscha Khunwar, des Knigsohns, aufgestellt,
und in dem zornigen Strahlengefunkel, das das Feuer der Morgensonne
millionenfach widerspiegelte, empfing der Knig seine Gste. So dienten das
kostbare Blut seiner Berge und das Himmelslicht des neuen Tages seiner
Herrlichkeit, und die bestrzten Freunde seines Reichs, die im Augenblick
des Sonnenaufgangs vor seinen Thron gefhrt wurden, hrten den Gru des
Frsten aus einem Glanz erklingen, der ihre Augen schlo und die Knie zu
Boden zwang. Es mag gewesen sein, als dienten Himmel und Erde einem
Allmchtigen, um seine Hoheit unfabar zu machen. Zwischen jener Goldkuppel
und dem Marmorplateau, auf welches die Ankmmlinge gefhrt wurden, war ein
tiefer gelegener Garten voll blhender Blumen, wie sie sich in Duft und
Pracht nur dem tropischen Himmel ffnen, und die Wohlgerche ihrer Kelche
gesellten sich dem Glanze.
Der prachtliebende Sultan fiel von der H$
e Herzlichkeit ihrer Rede. Und wie, nachdem
das Gratias gesprochen war, der Mann die Kinder beide auf seine Kniee
nahm, und sie ihn liebkosten, auch das Elslein nicht von ihm lie, so
geschwrzt und rauh er aussah, und mir ftermals zurief: Seht, das
ist mein Vater lieb! da wut' ich nicht, sollt' ich den armen Mann
oder die Kinder fr glcklicher halten, und zum ersten Mal in meinem
Leben fragt' ich mich, ob ich wohl auch je von Mutter oder Vater so
gekoset worden wre oder mit ihnen gekost htte, und ich wnschte, es
mchte geschehen sein, ob ich auch de nicht mehr gedenken knnte, und
die Hnde, die mich gestreichelt, eben so arbeitshart gewesen wren,
wie dieser Eltern ihre.
Nehmt's nicht fr ungut, sagte der Khler, wie er mich so schweigend
sitzen sah, da ich Euch versume. Ich sehe meine Herzkinder selten,
und so denken sie, es mu so sein.
Gott helf Euch, sprach ich da, da Ihr sie immer so in Freuden
sehet, und lasse sie Euch und Eurem Weibe zur Freude gesetzt sein all'
Euer Leben lang. D$
ehen, die zum Herde diente mit einem Sims, darauf
weniges Kochgerth stand. Unten davor lag Holz bereit. Die Hlfte aber
dieser Felsenwand wich zurck zu einer Nische, die ganz schicklich als
eine Kemenate zur Lagerstatt gelten konnte. Sie verengte sich nach
hinten und schien tief in das Gestein hineinzudringen. So leicht das
Alles zu bersehen war, so konnt' ich's doch nur mit Mhe wahrnehmen;
denn das Abendroth, welches zum Fenster hineinblickte, war im
Versinken, und der Raum fast dunkel.
Aber bald lenkte mein Wirth mein ganzes Aufmerken auf sich und sein
Thun. Er tummelte sich geschftig wie ein Schaffner fr mich, und je
rauher zuweilen seine Rede war, um so sorgsamer mhte er sich.
Setz' Dich da, Meister Irregang, sagte er halb spottend, halb
ernstlich, indem er in die glimmenden Herdkohlen blies und drres
Reisig darber legte, setz' Dich da auf den Klotz, der mir Bank,
Stuhl und Schemel zugleich ist. Wei nicht, welches Sitzes Du in
Deinem Convent gewohnt bist; htt'st Dir wohl einen weicheren geg$
ner ganzen Seele sah ich ihr nach, wie sie die
Laubgnge des Gartens dahin wandelte und die Stufen zur Burghofspforte
leichtschreitend hinanstieg. Dann erhub auch ich mich. Aber ich gieng
zgernd und langsam wie Einer, der sich zu einem Entschlu gedrngt
sieht, von dem Neigung und Wunsch ihn zurckhalten. Wie sehr diese mir
zum Bleiben auf Elzeburg riethen, so lang es gieng, und auch hinwieder
wie stark Pflicht und Treue mich hinwegmahnten, beides war mir heute
wie von ungefhr vor die Seele gehalten. Es war ein schmerzlicher
Widerstreit in ihr. Aber wagt auch eines Jnglings Muth und Wille in's
Unerreichbare die Fahrt, so war mir doch, sobald ich nur ein Wenig
mich besann, diese ganze Welt, in die mich unversehens ein Irrthum
geworfen, auf ewig verschlossen: nur unter fremdem Namen hatt' ich
hier eine Sttte und auf der weiten Erde nur +eine+ Heimath, das
Kloster, in dem ich erzogen und fr das ich bestimmt war. War es nicht
die hchste Zeit, mich dahin wieder aufzumachen und mir gengen zu
lassen wie an de$
e von des Thurmes Zinne zu Ehren der
Frhlichkeit des Tages das Speyerische und des Burgvoigts Banner. Mich
sahen sie an, wie Fahnen, die in der Krypte um eine Tumba traurig
wehen, und schaudernd lenkte ich meinen Blick hinweg und folgte mit
Seufzen meinen Fhrern den steilen Pfad hinan. Wir waren nur erst eine
kleine Strecke zur Hhe gedrungen, als ich hinter mir vom Wege her
mich laut mit Namen rufen hrte.
Ich wandte mich, und: Brun! ach, Brun! -- mehr konnt' ich vor
inniglichem Leide nicht sprechen.
Er aber stund an seiner Stelle als Einer, der sich ber meinen Anblick
schier entsetzte; seine Brust keuchte und seine Stimme war gedmpft,
wie unter der Last tiefen Grams.
Also mu ich's doch mit diesen meinen alten Augen sehen, was mich so
manchmal im Traum erschreckt hat, und was abzuwenden ich zu Gottes
Gnade in allen meinen Gebeten fr Dich gefleht? Diether, Diether --
was hast Du gethan? Welch' Herzeleid schaffst Du mir?! Ach, ich soll
nicht Frieden finden -- nimmer -- nimmer!
Seine Klagen jammerten $
er.
Ich geh' einmal zur Marine, erklrte hierauf Paul mit Bestimmtheit.
Und ich wahrscheinlich auch, lie sich sein Zwillingsbruder Kurt
vernehmen, aber nicht als Offizier, sondern als Arzt oder
Naturforscher, damit ich mich mal einer Nordpolexpedition anschlieen
So, du mchtest wohl ein berhmter Reisender werden, wie z.B. Fridtjof
Nansen? Nun, und du, Philipp?
O Tante, den brauchst du gar nicht zu fragen! riefen die andern Kinder
lachend. Der Philipp, der mu Ingenieur werden; der hockt ja jetzt
schon die meiste Zeit in der Fabrik und bosselt an den Maschinen herum.
Denke nur, Tante, erzhlte Rudi, neulich war an der neuen
Dampfmaschine etwas nicht in Ordnung; man wollte schon dem Monteur
telegraphieren, der sie aufgestellt hat, aber da hat der Philipp
herausgefunden, woran es lag, und der Maschinist hat gesagt: >Das ist
aber mal ein Hauptkerl!< Und Rudis Augen leuchteten vor Freude und
Stolz ber seinen tchtigen Bruder.
Recht so, Philipp, das hre ich gern; da bekommt der Papa an dir sp$
Gedanken, du Kleines? Fhlst du dich nicht wohl? Tut dir etwas
weh -- sag' mir's doch!
Toni schttelte das Kpfchen: Nein, weh tut mir eigentlich nichts. Ich
bin nur immer so md'.
Ach geh' doch, vom Mdesein stirbt man doch nicht! sagte der Doktor
lchelnd, und aufmunternd fgte er hinzu: Komm, Kindchen, schau nicht
so ernst drein, das pat ja gar nicht fr dein Alter. Du sollst vergngt
sein und springen und lachen, so wie dein kleines Schwesterchen da. Hr
doch nur, wie es krht, und schau, wie es zappelt, da man es kaum
halten kann.
Dann stand der Doktor auf, und die Mutter ging wieder mit ihm hinunter.
Als Tante Toni etwas spter nachfolgte, da war der Doktor schon fort,
aber Tante Toni merkte, da ihre Schwester geweint hatte.
Was gibt es denn, fehlt Tonichen etwas? fragte sie besorgt. Hat der
Doktor etwas gefunden?
Nein, er hat nichts gefunden; Lunge, Herz, alles ist gesund, und doch
ist unser guter alter Doktor nicht ohne ernste Besorgnisse; denn das
Kind entwickelt sich nicht, im Gegente$
 da drinnen so kalt und starr liegt, das ist ja
gar nicht mehr unsere Toni, es ist nur ihre Hlle -- ihre liebe kleine
Seele ist schon oben im Himmel beim lieben Gott unaussprechlich
glcklich und selig.
Aber nie, nie mehr kommt sie mit mir spielen, nie mehr kann ich mit ihr
sprechen! klagte Lilly.
Aber doch, Lilly; du willst doch gewi auch einmal in den Himmel
Ja schon, Tante Toni, aber ich bin so bs, ich hab' schon so oft
gelogen, und ich wollt' neulich dem Otto auch gar nicht versprechen, nie
mehr zu lgen -- und am End' komm' ich gar nicht in den Himmel!
O, da sei du nur ganz ruhig! Das liebe Tonichen wird schon fr dich
beten und bitten, da du bald ein ganz braves und gutes Kind wirst. Du
mut nur auch ernstlich wollen, und du wirst sehen, da es gar nicht so
schwer ist. Denk' nur an Otto, wie der sich schon gendert hat!
Ja, ich mchte ja auch gern brav werden. Ach, wenn du doch immer bei
mir bliebest, Tante Toni, dann knnt' ich's vielleicht. Aber nun ist
Toni fort, und wenn du dann auch wi$
llegen gehrt hatte, dass sie sich voll Vertrauen in den Arzt und voll
Ergebung in das Schicksal zu zeigen pflegen. Wenn man ihnen ankndigen
muss, dass es fr den Kranken keine Hilfe gibt, so antworten sie:
_Herr_, was ist da zu sagen? Ich weiss, wenn er zu retten wre, httest
du ihn gerettet. -- Erst in diesen Stzen finden sich die Worte und
Namen: _Bosnien_, _Herzegowina_, _Herr_ vor, welche sich in eine
Assoziationsreihe zwischen _Signorelli_ und _Botticelli_ -- _Boltraffio_
einschalten lassen.
c) Ich nehme an, dass der Gedankenreihe von den Sitten der Trken in
Bosnien etc. die Fhigkeit, einen nchsten Gedanken zu stren, darum
zukam, weil ich ihr meine Aufmerksamkeit entzogen hatte, ehe sie noch zu
Ende gebracht war. Ich erinnere nmlich, dass ich eine zweite Anekdote
erzhlen wollte, die nahe bei der ersten in meinem Gedchtnis ruhte.
Diese Trken schtzen den Sexualgenuss ber alles und verfallen bei
sexuellen Strungen in eine Verzweiflung, welche seltsam gegen ihre
Resignation bei Todesgefahr a$
 durch, dass man sie umsonst -- "um ihrer
  schnen Augen willen" -- behandelt hat. Sie zahlen gleichsam mit ihrem
Das Vergreifen.
Der dankenswerten Arbeit von _Meringer_ und _Mayer_ entnehme ich noch
die Stelle(p.98):
Die Sprechfehler stehen nicht ganz allein da. Sie entsprechen den
Fehlern, die bei anderen Ttigkeiten des Menschen sich oft einstellen
und ziemlich tricht Vergesslichkeiten genannt werden.
Ich bin also keinesfalls der erste, der Sinn und Absicht hinter den
kleinen Funktionsstrungen des tglichen Lebens Gesunder vermutet.
Wenn die Fehler beim Sprechen, das ja eine motorische Leistung ist, eine
solche Auffassung zugelassen haben, so liegt es nahe, auf die Fehler
unserer sonstigen motorischen Verrichtungen die nmliche Erwartung zu
bertragen. Ich habe hier zwei Gruppen von Fllen gebildet; alle die
Flle, in denen der Fehleffekt das Wesentliche scheint, also die
Abirrung von der Intention, bezeichne ich als _Vergreifen_, die
anderen, in denen eher die ganze Handlung unzweckmssig ersch$
it, einiges Material zur Beantwortung der letzten Frage
zusammenzutragen. Bei der Errterung der Beispiele von Versprechen haben
wir es fr ntig gefunden, ber den Inhalt der intendierten Rede
hinauszugehen, und haben die Ursache der Redestrung ausserhalb der
Intention suchen mssen. Dieselbe lag dann in einer Reihe von Fllen
nahe und war dem Bewusstsein des Sprechenden bekannt. In den scheinbar
einfachsten und durchsichtigsten Beispielen war es eine gleichberechtigt
klingende andere Fassung desselben Gedankens, die dessen Ausdruck
strte, ohne dass man htte angeben knnen, warum die eine unterlegen,
die andere durchgedrungen war (Kontaminationen von _Meringer_ und
_Mayer_). In einer zweiten Gruppe von Fllen war das Unterliegen der
einen Fassung motiviert durch eine Rcksicht, die sich aber nicht stark
genug zur vlligen Zurckhaltung erwies (zum Vorschwein gekommen).
Auch die zurckgehaltene Fassung war klar bewusst. Von der dritten
Gruppe erst kann man ohne Einschrnkung behaupten, dass hier der
str$
igenes Gut bewirtet, sein eigenes Vieh zchtet, einen anderen
Charakter hat als die des Knechtes auf dem Gute des Grobauern und
Grogrundbesitzers. Selbst in Industrie und Handel haben sich die
kleinen und Mittelbetriebe nicht nur gehalten, sondern ihre Zahl noch
Zwischen allen diesen sozialen Schichten nun findet in der Tat ein mehr
oder minder intensiver Klassengegensatz, ein Gegensatz der Interessen
statt, und wo Gegenstze der Interessen sind, da gibt es auch jeweils
mehr oder weniger heftige Kmpfe. Wo der Grogrundbesitz, namentlich der
Latifundienbesitz, vorherrscht, gibt es Kmpfe der Bauern mit diesen
Grogrundbesitzern. Es bilden sich demokratische Bauernparteien, die
sich dadurch verkrzt fhlen, da groe Teile des Bodens in den Hnden
der Grogrundbesitzer sind. In fast allen Lndern haben da zeitweilig
wirkliche Klassenkmpfe stattgefunden. In Deutschland liegen diese
Kmpfe lngere Zeit zurck, nachdem sich durch die Bewegung fr
Agrarzlle eine Interessensolidaritt zwischen einem groen Teil$
chwebte, in eine sehr klare und bestimmte Sprache, in die logische
Entwicklung eines leitenden Gedankens gekleidet. Nachdem er dargelegt
hat, da die Pariser Kommune eine Regierung der Arbeiterklasse war und
mit den Einrichtungen der alten Klassenherrschaft, mit Militr, Polizei
usw. gebrochen hatte, fhrt er fort:
  Die Pariser Kommune sollte selbstverstndlich allen groen
  gewerblichen Mittelpunkten Frankreichs zum Muster dienen. Sobald die
  kommunale Ordnung der Dinge einmal in Paris und den Mittelpunkten
  zweiten Ranges eingefhrt war, htte die alte zentralisierte Regierung
  auch in den Provinzen der Selbstregierung der Produzenten weichen
  mssen. In einer kurzen Skizze der nationalen Organisation, die die
  Kommune nicht die Zeit hatte weiter auszuarbeiten, heit es
  ausdrcklich, da die Kommune die politische Form selbst des kleinsten
  Dorfs sein, und da das stehende Heer auf dem Lande durch eine
  Volksmiliz mit uerst kurzer Dienstzeit ersetzt werden sollte. Die
  Landgemeinden eines jed$
lten feindliche Kolonnen feststellen
und kamen dabei ber die brennende Stadt Wiczniace. Eine riesige
Rauchwolke, die vielleicht bis auf zweitausend Meter hinaufreichte,
hinderte uns am Weiterfliegen, da wir selbst, um besser zu sehen, nur in
fnfzehnhundert Metern Hhe flogen. Einen Augenblick berlegte Holck.
Ich fragte ihn, was er machen wollte, und riet ihm, drumherum zu
fliegen, was vielleicht ein Umweg von fnf Minuten gewesen wre. Aber
daran dachte Holck gar nicht. Im Gegenteil: je mehr sich die Gefahr
erhhte, um so reizvoller war es ihm. Also mitten durch! Mir machte es
auch Spa, mit einem so schneidigen Kerl zusammen zu sein. Doch sollte
uns unsere Unvorsichtigkeit bald teuer zu stehen kommen, denn kaum war
der Schwanz des Apparates in der Wolke verschwunden, schon merkte ich
ein Schwanken im Flugzeug. Ich konnte nichts mehr sehen, der Rauch bi
mir in die Augen, die Luft war bedeutend wrmer, und ich sah unter mir
blo noch ein riesiges Feuermeer. Pltzlich verlor das Flugzeug das
Gleichgewicht u$
itet werden. So findet ein stndiger
Stoffwechsel in der Zelle statt: Stoffe, die zur lebendigen Substanz der
Zelle gehren, werden verbrannt, und die Verbrennungsprodukte, die
Stoffwechselprodukte der Zelle werden aus dieser ausgeschieden; und neue
Stoffe werden von auen aufgenommen, um als Ersatz fr den verbrannten
Anteil der lebendigen Zellsubstanz zu dienen. _Alles_ Leben beruht auf
diesem Stoffwechsel der lebendigen Substanz, und alle Lehre vom Leben ist
nichts anderes als die Lehre vom Stoffwechsel der Zellen. Das Leben
erforschen, heit, den Stoffwechsel erkennen, der sich in der Zelle
abspielt. Auf den chemischen Vorgngen, die man als Stoffwechsel der
lebendigen Substanz zusammenfat, beruhen alle Erscheinungen, die man
Leben nennt: Bewegung, Ernhrung, Fortpflanzung, Empfindung und Denken.
Mit Bezug darauf, wie aus dem Stoffwechsel der lebendigen Substanz die
Lebensuerungen folgen, stehen die Dinge viel einfacher, als mancher
glaubt. Folgendes Beispiel soll uns da aushelfen. In der Dampfmaschine$
Sinne des Wortes.
Und auch noch das ist mglich: da einmal die Nervenzellen versagen, die
die _Herzarbeit_ regulieren. Das alte Herz klappt dann zusammen.
Wiederum-- man hat ausgelebt.
_So kommen wir nach all den vielen Dingen, die wir vom Sterben aus
Altersschwche erfahren haben, dahin, da die Knder des Todes hier die
Nervenzellen sind. Strungen in dem Mechanismus der Arbeit der Nervenzellen
sind es, die das schnelle Sterben der gealterten Zellen im Zellenstaat
Aber wir drfen doch nicht sagen, der Tod aus Altersschwche trete ein,
weil bestimmte Zellen des Gehirnes einen Altersschwund erfahren haben. Das
_allein_ wre falsch. Die Vernderungen, die die alternden Nervenzellen
erfahren haben, sind nur ein Teil von all den Altersvernderungen, die sich
im ganzen Zellenstaat abgespielt haben: alle andern Zellen im Zellenstaat
sind auch gealtert. Und alle Zellen im Zellenstaat sind aufeinander
angewiesen. Wenn z.B. die Nervenzellen, auf deren Mitarbeit die
Herzmuskelzellen angewiesen sind, ihre Dienste ni$
 des Chronometers, von der ich mich an Ort und Stelle berzeugt,
hatten mir groes Zutrauen zu Louis Berthoud's Uhr gegeben, so oft sie
nicht auf den Maulthieren starken Sten ausgesetzt war.
Die Tage vor und nach der Sonnenfinsterni boten sehr auffallende
atmosphrische Erscheinungen. Wir waren im hiesigen sogenannten Winter,
das heit in der Jahreszeit des bewlkten Himmels und der kurzen
Gewitterregen. Vom 10. October bis 3. November stieg mit Einbruch der
Nacht ein rthlichter Nebel am Horizont auf und zog in wenigen Minuten
einen mehr oder minder dichten Schleier ber das blaue Himmelsgewlbe. Der
Saussuresche Hygrometer zeigte keineswegs grere Feuchtigkeit an, sondern
ging vielmehr oft von 90 auf 83 zurck. Die Hitze bei Tag war 28--32,
also fr diesen Strich der heien Zone sehr stark. Zuweilen verschwand der
Nebel mitten in der Nacht auf einmal, und im Augenblick, wo ich die
Instrumente aufstellte, bildeten sich blendend weie Wolken im Zenith und
dehnten sich bis zum Horizont aus. Am 18. Octob$
e
das Fahrzeug von den Wellen erhlt.
Der rthlichte Dunst, der kurz nach Sonnenuntergang den Horizont umzog,
hatte seit dem 7. November aufgehrt. Die Luft war wieder so rein wie
sonst und das Himmelsgewlbe zeigte im Zenith das Dunkelblau, das den
Klimaten eigen ist, wo die Wrme, das Licht und groe Gleichfrmigkeit der
elektrischen Spannung mit einander die vollstndigste Auflsung des
Wassers in der Luft zu bewirken scheinen. In der Nacht vom siebten zum
achten beobachtete ich die Immersion des zweiten Jupiterstrabanten. Die
Streifen des Planeten waren deutlicher, als ich sie je zuvor gesehen.
Einen Theil der Nacht verwendete ich dazu, die Lichtstrke der schnen
Sterne am sdlichen Himmel zu vergleichen. Ich hatte schon zur See
sorgfltige Beobachtungen der Art angestellt und setzte sie spter bei
meinem Aufenthalt in Lima, Guayaquil und Mexico in beiden Hemisphren
fort. Es war ber ein halbes Jahrhundert verflossen, seit Lacaille den
Strich des Himmels, der in Europa unsichtbar ist, untersucht hatte. $
steuerten
sie nicht sowohl nach dem Polarstern selbst als nach jener Linie. Man
wundert sich, wie sie, so bald Land zu Gesicht kommt, richtig die Insel
Guadeloupe oder Santa Cruz oder Portorico finden; aber im Ausgleichen der
Abweichungen vom Curs sind sie nicht immer eben so glcklich. Wenn sich
die Fahrzeuge unter dem Wind dem Lande nhern, kommen sie gegen Ost gegen
Wind und Strmung nur sehr schwer weiter. In Kriegszeiten haben nun die
Schiffer ihre Unwissenheit und ihre Unbekanntschaft mit dem Gebrauch des
Octanten schwer zu ben; denn die Caper kreuzen eben an den Vorgebirgen,
welche die Fahrzeuge von Terra Firma, wenn sie von ihrem Curs abgekommen,
in Sicht bekommen mssen, um ihres Weges gewi zu seyn.
Wir fuhren rasch den kleinen Flu Manzanares hinab, dessen Krmmungen
Cocosbume bezeichnen, wie Pappeln und alte Weiden in unsern Klimaten. Auf
dem anstoenden drren Strande schimmerten auf den Dornbschen, die bei
Tag nur staubigte Bltter zeigen, da es noch Nacht war, viele tausend
Lichtfunken. Die$
it seinen Cocospalmen, Guavra und die
Schiffe, die in den Hafen einlaufen. Ich fand diesen Anblick noch weit
berraschender, wenn der Himmel nicht ganz rein ist und Wolkenstreifen,
die oben stark beleuchtet sind, gleich schwimmenden Eilanden sich von der
unermelichen Meeresflche abheben. Nebelschichten in verschiedenen Hhen
bilden Mittelgrnde zwischen dem Auge des Beobachters und den Niederungen,
und durch eine leicht erklrliche Tuschung wird dadurch die Scenerie
groartiger, imposanter. Von Zeit zu Zeit kommen in den Rissen der vom
Winde gejagten und sich ballenden Wolken Bume und Wohnungen zum
Vorschein, und die Gegenstnde scheinen dann ungleich tiefer unten zu
liegen als bei reiner, nach allen Seiten durchsichtiger Luft. Wenn man
sich am Abhang der mexicanischen Gebirge (zwischen las Trancas und Xalapa)
in derselben Hhe befindet, ist man noch zwlf Meilen von der See
entfernt; man sieht die Kste nur undeutlich, whrend man auf dem Wege von
Guayra nach Caracas das Tiefland (die _Tierra caliente_) $
Amaru, der
selbst nicht ohne Bildung war, schmeichelte Anfangs den Creolen und der
europischen Geistlichkeit, aber die Ereignisse und die Rachsucht seines
Neffen Andreas Condorcan rissen ihn fort und er nderte sein Verfahren.
Aus einem Aufstand fr die Unabhngigkeit wurde ein grausamer Krieg
zwischen den Racen; die Weien blieben Sieger, es kam ihnen zum
Bewutseyn, was ihr gemeinsames Interesse sey, und von nun an faten sie
das Zahlenverhltni zwischen der weien und der indianischen Bevlkerung
in den verschiedenen Provinzen sehr scharf ins Auge. Erst in unserer Zeit
kam es nun dahin, da die Weien diese Aufmerksamkeit auf sich selbst
richteten und sich mitrauisch nach den Bestandtheilen ihrer eigenen Kaste
umsahen. Jede Unternehmung zur Erringung der Unabhngigkeit und Freiheit
trennt die nationale oder amerikanische Partei und die aus dem Mutterland
Herbergekommenen in zwei Lager. Als ich nach Caracas kam, waren letztere
eben der Gefahr entgangen, die sie in dem von Espaa angezettelten
Aufstand f$
5 nach Saussure) zurck. Eine halbe Stunde
spter hllte eine dicke Wolke uns ein; wir konnten die nchsten
Gegenstnde nicht mehr erkennen und sahen mit Erstaunen, da das
Instrument fortwhrend dem Trockenpunkt zuging, bis 47 Grad (84
Saussure). Die Lufttemperatur war dabei 12--13. Obgleich beim
Fischbeinhygrometer der Sttigungspunkt in der Luft nicht bei 100 Grad
ist, sondern bei 84,5 (99 S.), so schien mir doch dieser Einflu einer
Wolke auf den Gang des Instrumentes im hchsten Grade auffallend. Der
Nebel dauerte lang genug, da der Fischbeinstreifen durch Anziehung der
Wassertheilchen sich htte verlngern knnen. Unsere Kleider wurden nicht
feucht. Ein in dergleichen Beobachtungen gebter Reisender versicherte
mich krzlich, er habe auf der _Montagne pele_ auf Martinique eine Wolke
hnlich auf den Haarhygrometer wirken sehen. Der Physiker hat die
Verpflichtung, die Erscheinungen zu berichten, wie die Natur sie bietet,
zumal wenn er nichts versumt hat, um Fehler in der Beobachtung zu
vermeiden. $
hten
sich, treu dem gewohnten Lebensgang, noch lange an die periodischen
Witterungswechsel desselben. In der Provinz Venezuela fangen die kahlen
Bume fast einen Monat vor der Regenzeit wieder an frisches Laub zu
treiben. Wahrscheinlich ist um diese Zeit das elektrische Gleichgewicht in
der Luft bereits aufgehoben, und dieselbe wird allmhlich feuchter, wenn
sie auch noch wolkenlos ist. Das Himmelsblau wird blsser und hoch oben in
der Luft sammeln sich leichte, gleichfrmig verbreitete Dnste. In diese
Jahreszeit fllt hier eigentlich das Erwachen der Natur; es ist ein
Frhling, der, nach dem Sprachgebrauch in den spanischen Colonien,(48)
Winters Anfang verkndigt und auf die Sommerhitze folgt.
In der _Quebrada Seca_ wurde frher Indigo gebaut; da aber der
dichtbewachsene Boden nicht so viel Wrme abgeben kann, als die
Niederungen oder der Thalgrund des Tuy empfangen und durch Strahlung
wieder von sich geben, so baut man jetzt statt desselben Kaffee. Je weiter
man in der Schlucht hinauf kommt, desto feuchter$
ei Leinwandstcken
bestehen, haben einen thierischen, ekligen Geruch, der darauf hinzuweisen
scheint, da das Cautschuc beim Gerinnen den Ksestoff an sich reit, der
vielleicht nur ein modificirter Eiweistoff ist.
Die Frucht des Brodfruchtbaums ist so wenig Brod, als die Bananen vor
ihrer Reise oder die strkemehlreichen Wurzelknollen der _Dioscorea_, des
_Convolvulus Batatas_ und der Kartoffel. Die Milch des Kuhbaums dagegen
enthlt den Ksestoff gerade wie die Milch der Sugethiere. Aus
allgemeinem Gesichtspunkte knnen wir mit Gay-Lussac das Cautschuc als den
ligten Theil, als die Butter der vegetabilischen Milch betrachten. Die
beiden Grundstoffe Eiwei und Fett sind in den Organen der verschiedenen
Thierarten und in den Pflanzen mit Milchsaft in verschiedenen
Verhltnissen enthalten. Bei letzteren sind sie meist mit andern, beim
Genu schdlichen Stoffen verbunden, die sich aber vielleicht auf
chemischem Wege trennen lieen. Eine Pflanzenmilch wird nahrhaft, wenn
keine scharfen, narkotischen Stoffe me$
und dem
Amazonenstrom verbindet, durch astronomische Beobachtungen festzustellen.
Wir gingen daher von Barbula nach Guacara zurck, um uns von der
achtungswrdigen Familie des Marques del Toro zu verabschieden und noch
drei Tage am Ufer des Sees zu verweilen.
Es war Fastnacht und der Jubel allgemein. Die Lustbarkeiten, _de carnes
tollendas_ genannt, arteten zuweilen ein wenig ins Rohe aus. Die einen
fhren einen mit Wasser beladenen Esel herum, und wo ein Fenster offen
ist, begieen sie das Zimmer mit einer Spritze; andere haben Dten voll
Haare der Picapica oder _Dolichos pruriens_ in der Hand und blasen das
Haar, das auf der Haut ein heftiges Jucken verursacht, den Vorbergehenden
ins Gesicht.
Von Guacara gingen wir nach Nueva Valencia zurck. Wir trafen da einige
franzsische Ausgewanderte, die einzigen, die wir in fnf Jahren in den
spanischen Colonien gesehen. Trotz der Blutsverwandtschaft zwischen den
kniglichen Familien von Frankreich und Spanien durften sich nicht einmal
die franzsischen Priester in$
es Amazonenstroms um zweihundert Toisen stiegen, so wrde die
Fluth mehr als die Hlfte von Sdamerika bedecken. Der Ostabhang oder der
Fu der Anden, der jetzt sechshundert Meilen von den Ksten Brasiliens
abliegt, wre ein von der See bespltes Ufer. Diese Betrachtung grndet
sich auf eine barometrische Messung in der Provinz Jaen de Bracamoros, wo
der Amazonenstrom aus den Cordilleren herauskommt. Ich habe gefunden, da
dort der ungeheure Strom bei mittlerem Wasserstand nur 194 Toisen ber dem
gegenwrtigen Spiegel des atlantischen Meeres liegt. Und diese in der
Mitte gelegenen waldbedeckten Ebenen liegen noch fnfmal hher als die
grasbewachsenen Pampas von Buenos Ayres und die Llanos von Caracas und am
Diese Llanos, welche das Becken des untern Orinoco bilden und die wir
zweimal im selben Jahr, in den Monaten Mrz und Juli, durchzogen haben,
hngen zusammen mit dem Becken des Amazonenstroms und des Rio Negro, das
einerseits durch die Cordillere von Chiquitos, andererseits durch die
Gebirge der Parime beg$
n Cundinamarca. Er theilte
      die oberste Gewalt mit dem Hohenpriester (Lama) von Iraca.
   73 Band I, Seite 216
   74 PLINIUS, _L. XII_, c. VII.
   75 Die Indianer versichern, wenn man Pferde zwei Tage hinter einander
      in einer Lache laufen lasse, in der es sehr viele Gymnoten gibt,
      gehe am zweiten Tag kein Pferd mehr zu Grunde.
   76 HUMBOLDTs _Versuche ber die gereizte Muskelfaser_. Vol. 1. p.
      323--329.
   77 Rothes Todtliegendes, oder ltester Fltzsandstein der Freiberger
      Schule.
   78 In den Llanos von Calabozo und am Guayaval kostet ein junger Stier
      von zwei bis drei Jahren einen Piaster. Ist er verschnitten (in sehr
      heien Lndern eine ziemlich gefhrliche Operation), so ist er 5 bis
      6 Piaster werth. Eine an der Sonne getrocknete Ochsenhaut gilt 2
      Silberrealen (1 Peso = 8 Realen); ein Huhn 2 Realen; ein Schaf, in
      Barquesimeto und Truxillo, denn ostwrts von diesen Stdten gibt es
      keine, 3 Realen. Da diese Preise sich nothwendig verndern $
e
die Scheibe vor den Wolken. Diese standen ausnehmend hoch und bildeten
Streifen, die, wie durch elektrische Abstossung, in gleichen Abstaenden
fortliefen. Es sind diess dieselben kleinen weissen Dunstmassen, die ich auf
den Gipfeln der hoechsten Anden ueber mir gesehen, und die in mehreren
Sprachen *Schaefchen*, _moutons_ heissen. Wenn der roethliche Nebel den
Himmel leicht ueberzog, so behielten die Sterne der ersten Groessen, die in
Cumana ueber 20--25 Grad hoch fast nie flimmern, nicht einmal im Zenith ihr
ruhiges, planetarisches Licht. Sie flimmerten in allen Hoehen, wie nach
einem starken Gewitterregen. Diese Wirkung eines Nebels, der auf den
Hygrometer an der Erdoberflaeche nicht wirkte, erschien mir auffallend. Ich
blieb einen Theil der Nacht auf einem Balkon sitzen, wo ich einen grossen
Theil des Horizonts uebersah. Unter allen Himmelsstrichen hat es viel
Anziehendes fuer mich, bei heiterem Himmel ein grosses Sternbild ins Auge zu
fassen und zuzusehen, wie Haufen von Dunstblaeschen sich bilden, wie $
 zum Ende der Regenzeit in Caracas bleiben, von dort ueber die
grossen Ebenen oder *Llanos* in die Missionen am Orinoco reisen, diesen
ungeheuren Strom suedlich von den Cataracten bis zum Rio Negro und zur
Grenze von Brasilien hinauffahren und ueber die Hauptstadt des spanischen
Guyana, gemeiniglich wegen ihrer Lage *Angostura*, d. h. Engpass geheissen,
nach Cumana zurueckkehren. Wie lange wir zu dieser Reise von 700 Meilen,
wovon wir ueber zwei Drittheile im Canoe zu machen hatten, brauchen wuerden,
liess sich unmoeglich bestimmen. Auf den Kuesten kennt man nur das Stueck des
Orinoco nahe an seiner Muendung; mit den Missionen besteht lediglich kein
Handelsverkehr. Was jenseits der Llanos liegt, ist fuer die Einwohner von
Cumana und Caracas unbekanntes Land. Die einen glauben, die mit Rasen
bedeckten Ebenen von Calabozo ziehen sich achthundert Meilen gegen Sued
fort und stehen mit den Steppen oder Pampas von Buenos Ayres in
Verbindung; andere halten wegen der grossen Sterblichkeit unter den Truppen
Iturriagas$

Reiz gibt. Ueberall wo in der heissen Zone der von Gebirgen starrende, mit
dichtem Pflanzenwuchs bedeckte Boden sein urspruengliches Gepraege behalten
hat, erscheint der Mensch nicht mehr als Mittelpunkt der Schoepfung. Weit
entfernt, die Elemente zu baendigen, hat er vollauf zu thun, sich ihrer
Herrschaft zu entziehen. Die Umwandlungen, welche die Erdoberflaeche seit
Jahrhunderten durch die Hand der Wilden erlitten, verschwinden zu nichts
gegen das, was das unterirdische Feuer, die austretenden gewaltigen
Stroeme, die tobenden Stuerme in wenigen Stunden leisten. Der Kampf der
Elemente unter sich ist das eigentlich Charakteristische der Naturscenerie
in der neuen Welt. Ein unbewohntes Land kommt dem Reisenden aus dem
cultivirten Europa wie eine Stadt vor, aus der die Einwohnerschaft
ausgezogen. Hat man einmal in Amerika ein paar Jahre in den Waeldern der
Niederungen oder auf dem Ruecken der Cordilleren gelebt, hat man in Laendern
so gross wie Frankreich nur eine Handvoll zerstreuter Huetten stehen sehen;
so $
r nicht
bewohnt, eine hohe Gebirgswand gibt ihm ein finsteres, einfoermiges
Ansehen; das noerdliche dagegen ist eine liebliche Landschaft mit reichen
Zucker-, Kaffee- und Baumwollenpflanzungen. Mit Cestrum, Azedarac und
andern immer bluehenden Straeuchern eingefasste Wege laufen ueber die Ebene
und verbinden die zerstreuten Hoefe. Jedes Haus ist von Baeumen umgeben. Der
Ceiba mit grossen gelben(51) und die Erithryna mit purpurfarbigen Bluethen,
deren Aeste sich verflechten, geben der Landschaft einen eigenthuemlichen
Charakter. Die Mannigfaltigkeit und der Glanz der vegetabilischen Farben
sticht wirkungsvoll vom eintoenigen Blau des wolkenlosen Himmels ab. In der
trockenen Jahreszeit, wenn ein wallender Dunst ueber dem gluehenden Boden
schwebt, wird das Gruen und die Fruchtbarkeit durch kuenstliche Bewaesserung
unterhalten. Hin und wieder kommt der Granit im angebauten Land zu Tage;
ungeheure Felsmassen steigen mitten im Thale steil empor. An ihren
nackten, zerkluefteten Waenden wachsen einige Saftpflanzen un$
te Grundstoffe
in mehreren Pflanzenfamilien vorkommen; daher, dass die Gattungen und Arten
dieser natuerlichen Familien nicht ueber die tropischen und die kalten und
gemaessigten Himmelsstriche gleich vertheilt sind; daher, dass Voelker, die
fast ganz von Pflanzenstoffen leben, vom Beduerfniss getrieben, mehligte
naehrende Stoffe ueberall finden, wo sie nur die Natur im Pflanzensaft, in
Rinden, Wurzeln oder Fruechten niedergelegt hat. Das Staerkmehl, das sich am
reinsten in den Getreidekoernern findet, ist in den Wurzeln der Arumarten,
der _Tacca pinnatifida_ und der _Jatropha Manihot_ mit einem scharfen,
zuweilen selbst giftigen Saft verbunden. Der amerikanische Wilde, wie der
auf den Inseln der Suedsee, hat das Satzmehl durch Auspressen und Trennen
vom Safte *aussuessen* gelernt. In der Pflanzenmilch und den milchigten
Emulsionen sind aeusserst nahrhafte Stoffe, Eiweiss, Kaesestoff und Zucker mit
Cautschuc und aetzenden schaedlichen Materien, wie Morphium und Blausaeure,
verbunden. Dergleichen Mischungen si$
Fluit und Leonardus.
Kennen Sie nicht die wohlbekannte Flagge des Souverns, der auf dieser
Jacht herumfhrt, und uns zuletzt, wenn es ihm mglich wre, in den
Grund segeln wrde? fragte Ludwig.
Fluit setzte sein Augenglas an und rief: In der That! die
reichsgrfliche Flagge von In- und Kniphausen! Des Grafen Jacht, der der
liebste und thtigste Freund unsers Herrn Erbstatthalters ist. Oranien
boven! Oranien boven!
Dieser volksthmliche Ausruf, der den ehrlichen Fluit als einen der
Partei des Erbstatthalters und seines Hauses ergebenen Mann bezeichnete,
war zugleich das Signal, das nahende Schiff durch Aufhissen einer
oranischen Flagge zu begren, und augenblicklich flatterte diese auch
dort auf der Jacht im Tauwerk empor. Zugleich erhielt der Steuermann
Befehl, so viel als mglich links beizudrcken und der leichten Jacht
das Fahrwasser freizugeben.
Ludwigs Falkenblick erkannte den Erbherrn, wie er auf dem Bug seines
Schiffes stand und durch das Fernrohr nach der vergulden Rose blickte.
Ludwig drehte sich$
ne. Es sind einhundert Gulden baar
nicht zu bekommen, und wenn man eintausend dafr verschreiben wollte!
Whrend dieses Gesprches hatte auch Leonardus mit Ludwig eine lange und
ernste Unterredung, in welcher der Erstere dem Freunde die ganze Flle
seines offenen und redlichen Charakters erschlo und zugleich den Blick
auf ihre beiderseitige Zukunft lenkte.
Folge du, mein Ludwig, sprach Leonardus, jetzt dem an dich ergangenen
Winke, nimm den Kriegsdienst an, der dir ehrenvolle Lebensstellung
sichert, und folge meinem wohlberlegten und brderlichen Plane.
Unterde wirke ich, und wir werden von einander hren. Angs mu mein
werden, wenn Gott mir das Leben fristet; wre Letzteres nicht, so bleibe
sie in deinen edeln Schutz gestellt, und dann erflle die Verpflichtung,
die mein Vertrauen dir auferlegt, die deine Liebe mir zugesichert. Sieh,
dann bringst du mir ein ungleich hheres und dankenswrdigeres Opfer,
als ich dir, indem ich beizutragen suche, deine Stellung im Leben
einigermaen zu sichern. Und nun kein$
t hier, wir
holen den Grafen ab, er fhlt sich leidend und sehnt sich nach
Deutschland.
Zur Gromutter, kann mir's denken!
Ihrer Excellenz Frau Gemahlin befinden sich, so viel mir bewut ist,
wieder in Kniphausen, und sind leider immer noch nicht vollkommen
Leider! leider! seufzte der Erbherr mit einem ironischen Lcheln. Alles
leidend -- Sympathie schner Seelen!
Die alte Excellenz scheint in gleichbleibender Rstigkeit ihre Tage
fortzuleben, sie schreibt mir oft oder lt mir durch Weisbrod oder
meine Schwester schreiben, und kapitelt mich hufig sehr ungndig ab,
whrend ich Kopf und Kragen daran setze, um ihre Gter in gutem Stande
zu erhalten.
Was wird es mit Doorwerth?
Dehalb bin ich hier bei Ihnen, Herr Graf. Die Sache mu so oder so ein
Ende nehmen; lngeres Hinziehen stellt Alles auf das Spiel. Fr
Doorwerth mu Geld geschafft und zum endlichen Vergleich, den jene
unglckliche Geschichte in Varel abbrach, geschritten werden.
Sie sehen, liebster Windt, sprach der Erbherr, indem er in aller
Gemthlich$
n getrennt waren und keine Seele
den Antheil errathen konnte, den die Prinzessin an dem Kinde nahm.
Graf Ludwig wute, als er in Hamburg mit seinen Schutzbefohlenen
anlangte, noch Nichts vom Ableben der regierenden Reichsgrfin Ottoline;
er hatte auch von der Gromutter lange keine Nachricht erhalten und
leicht konnten ihn jetzt Briefe verfehlen. Inde vermuthete er seine
wrdige Gnnerin in Hamburg, und hatte sich nicht getuscht. Er miethete
sogleich in der Nhe des gromtterlichen Hauses eine Wohnung fr sich
und seine Begleitung und erfuhr, da auch Windt anwesend und die
Reichsgrfin bedenklich erkrankt sei.
Ludwig suchte den alten Freund auf, und diesen versetzte das
unvermuthete Wiedersehen in eben so viel Freude als Bestrzung.
Sie finden Ihre Frau Gromutter bedeutend krank, Herr Graf! sprach
Windt; und was die Vergleichssache angeht, so sind wir noch keinen
Schritt weiter, auer da der jngere Graf, Johann Carl, sich ganz nach
England bersiedelt hat und bereits Generallieutenant geworden ist.
Der$
 Gerste, Maass zu fhren scheinen.
Nicht unbemerkt lassen wir endlich die in den Haurechnungen auftretende
Bentzung mathematischer Zeichen; so nach links oder rechts
ausschreitender Beine fr Addition und Subtraction, drei horizontale
Pfeile fr Differenz, sowie endlich ein besonderes, dem unseren nicht
unhnliches Gleichheitszeichen.
Aus dem geometrischen Theile heben wir zunchst, der Anordnung des Papyrus
nicht folgend, die Flchenberechnungen von Feldern hervor. Die
vorkommenden Beispiele beziehen sich auf quadratische, rechteckige,
kreisrunde und trapezfrmige Felder, deren Flcheninhalte aus ihren
Lngenmaassen bestimmt werden. Nachdem in den Aufgaben ber die Berechnung
des Fassungsvermgens von Fruchtspeichern mit quadratischer Grundflche
diese letztere gefunden wird durch Multiplication der Maasszahl der Seite
mit sich selbst, kann es gar keinem Zweifel unterliegen, dass auch die
Flche des Rechteckes durch Multiplication der Maasszahlen zweier
zusammenstossender Seiten erhalten wurde, da die Erken$
7, p. 1098.
_   10 Eudemi Rhodii__ Peripatetici fragmenta quae supersunt_. ed. L.
      Spengel. Berlin 1870.
_   11 Procl.__ comment._ ed. Rasil. p. 19; _Barocius_ p. 37.
   12 ISOKRATES, _Busiris_, cap. 11.
   13 STRABON, XIV, 1. 16.
   14 PORPHYRIUS, _De vita Pythagorae_ cap. 7; DIOGENES LAERTIUS, VIII, 3.
   15 DIODOR, I, c. 96.
   16 PROKLOS, ed. Friedlein, 250, 299, 352, 157.
   17 DIOGENES LAERTIUS, I, 27. PLINIUS, _Hist. nat._ XXXVI, 12, 17.
   18 PLUTARCH, ed. Didot. Vol. 2, III, p. 174.
   19 DIOGENES LAERTIUS I, 24--25.
   20 MONTUCLA, _Hist. d. math._ 2. dit. t. I, p. 49.
   21 BRETSCHNEIDER, _Die Geometrie und die Geometer vor Euklides_, p. 11.
      Dem Werke Bretschneiders, sowie jenem CANTOR's: _Vorlesungen ber
      Geschichte der Mathematik_, sind die grundlegenden Gedanken
      entnommen.
   22 CLEMENS ALEXANDRINUS, _Stromata_, ed. Potter, I, 357.
   23 THEON SMYRNAIOS, _lib. de astron._ ed. Martin, p. 272.
   24 PRISSE D'AVENNES, _Hist. de l'art Egypt. d'aprs les monuments._
   25 WILK$
t, indem er Land wegnimmt und zusetzt,
und die Gestalt veraendert, und die anderen Zeichen unkenntlich macht,
wodurch das fremde und eigene Besitzthum unterschieden wird. Man muesse
daher immer und immer wieder messen. Hieraus soll die Geometrie entstanden
Den gesellschaftlichen Einrichtungen der Aegypter entsprechend, muss als
feststehend angenommen werden, dass sich eine Kaste, nach eben Gehoertem
die der Priester, mit dem wissenschaftlichen Theile der Geometrie
beschaeftigte, waehrend eine andere, die der Feldmesser, die von den
Ersteren aufgestellten und sorgsam gehueteten geometrischen Principien
praktisch zur Anwendung brachte. Dabei wurden, wie wir spaeter sehen
werden, die Geheimnisse der Priester, insoweit sie geometrische Wahrheiten
und Berechnungsregeln betrafen, moeglicherweise nur insoweit enthuellt, dass
bei deren Verwendung nur annaeherungsweise richtige Resultate zum Vorschein
Wohl sind einige Schriftsteller so weit gegangen, dass sie, die
unlaeugbaren Uebertreibungen des Zusammenhanges zwisch$
heimischen Frsten abgeschlossenen Vertrge gegen die
Spanier siegreich zu vertheidigen und die Portugiesen auf Timor und
Solor einzuschrnken.
Hier ist die Episode des Antonio Galvan besonders lehrreich. Sie
zeigt, dass es bei Verfolgung einer humanen Politik und Schonung
der Landessitten den Portugiesen hatte leicht werden mssen, ihrer
Herrschaft ber die Molucken grssere Sicherheit und lngere Dauer
zu geben, als es wirklich der Fall war. Den Spaniern trat auf den
Philippinen allerdings nie eine so geschlossene Macht gegenber,
wie den Portugiesen auf den Molucken im dortigen Frstenbund,
so dass es ihnen leichter werden musste, die einzelnen gnzlich
von einander unabhngigen Clan's von Luzon und den Visaya's sich
zu unterwerfen. Aber die Geschichtsbcher des Landes bewahren uns
mehrere Flle von Emprungen auf, welche zeigen, dass durch die
allgemeine Sehnsucht nach Befreiung vom spanischen Joche mitunter eine
Vereinigung der sonst getrennt lebenden Stmme zu Stande kam, deren
Macht allerdings derjenig$
6; 88,5-7.]
    [Funote 35: Hiob 10,20 fg.]
    [Funote 36: Marc. 9,43 fg. Math. 18,. Offb. 18,89; 19,20.]
    [Funote 37: Luc. 16,24. Math. 13,49 f.]
    [Funote 38: Math. 8, 12.]
    [Funote 39: Math. 25, 12. 13. 42.]
    [Funote 40: Math. 25, 30.]
    [Funote 41: 1. Cor. 6,9. Off. 22,15.]
    [Funote 42: Math. 25,41.]
    [Funote 43: Off. 20,1. 2. Petri 2,4.]
    [Funote 44: Math. Cap. 25,31 fg.]
    [Funote 45: Jes. XXXIV, 1 fg.]
    [Funote 46: Ps. 27. Jes. XXXIV, 4.]
    [Funote 47: Apoc. 20,10 fg. Marc. 8,38; 13,27. Luc. 9,26; 1.
    Tess. 4,16. 1. Cor. 15,52. Apoc. 20,11-15.]
    [Funote 48: Wetzer u. Welte a.a.O. Bd. 10, pag. 228.]
    [Funote 49: Cf. Piper: Myth. I, 16.]
    [Funote 50: Abbild. bei Kraus: Roma sotteranea.]
    [Funote 51: Roskoff: a.a.O. I. pag. 274, 219/20.]
    [Funote 52: Basilius der Grosse befreite einen Sklaven, welcher
    ein Bndnis geschlossen hatte, von diesem, und der hlg.
    Theophilus (a. 538), welcher sich eigenhndig dem Teufel
    verschrieb$

theils mit des Teufels Hlfe durch die Luft kommen; 2)eine im Geiste, wenn
der Ort so entfernt ist, dass die in einem Moment zu vollendende Reise
vermge ihrer Schnelligkeit die Unmglichkeit des Athemholens voraussetzen
wrde. Den Coitus mit den Incuben und Succuben rumt der Knig ein, nicht
aber die Erzeugung von Ungeheuern und wirklichen Kindern. Die Magier
sowohl, als die Hexen sollen mit dem Tode bestraft werden. In einem andern,
der Ausbildung seines Sohns zum Regenten gewidmeten Werke[33] stellt Jakob
unter denjenigen Verbrechen, wo die knigliche Begnadigung Snde wre, die
Zauberei oben an.
Oft liegt dem Knig die Wahrheit so nahe vor den Fssen, dass er gleichsam
darber stolpert, aber sein dmonenaufsprendes Auge bleibt stets nach den
Wolken gerichtet. So antwortet er auf die Frage: warum in Lappland,
Finnland, den Orkaden und shetlndischen Inseln der dmonische Concubitus
hufiger sei, als anderwrts: Wo die Unwissenheit der Menschen am dicksten
ist, da ist auch die Unverschmtheit des Teufe$
 Hlfe des
bsen Feinds und zauberischer Zusetzung ein Kind ums Leben gebracht, auch
sonst eine Person mit solchen Mitteln bel zugerichtet, soll solcher
verbten schwerer Verbrechen halber auf einen Wagen gesetzt, zur Richtstatt
ausgefhrt, inzwischen aber an beiden Armen mit glhenden Zangen, und zwar
an jedem Arm mit Einem Griff gerissen. Darauf zwar aus Gnaden, weil sie
sich bussfertig erzeigt, mit dem Schwert und blutiger Hand vom Leben zum
Tod hingerichtet, der todte Krper aber nachmals zu Asche verbrannt
werden,-- welches Urtheil auf einkommende starke Frbitte um willen ihrer
grossen Leibesschwachheit und hohen Alters noch weiter dahin aus Gnaden
gemildert worden, dass die zween Griffe mit glhenden Zangen vermieden
geblieben.-- Das letzte Erkenntniss, welches wir kennen, ist vom 27.Juli
In der (damals freisingischen) =Grafschaft Wardenfels= (in Oberbaiern) war
in den Jahren 1589-1592 ein Hexenprozess anhngig, der damit endigte, dass
auf sieben Malefizrechtstagen achtundvierzig Frauen nach den g$
] Ein ziemlich vollstndiges Referat ber die Verhandlungen und
Vorgnge bei einem 1655 zu Marburg gefhrten Hexenprozess hat der bekannte
Philosoph _Tiedemann_ in den Hessischen Beitrgen zur Gelehrsamkeit und
Kunst, B.II. (Frankf.1787), S.577-605 geliefert.
[107] So lautet z.B. das Schlussactum eines Hexenprozesses zu Rotenburg in
Hessen von 1668 so:
                          Urtheil.
In Sachen Frstl. Hessisch-Rheinfelsischen Fiscalis, peinlichen
Amtsanklgers eines-, entgegen an Else Baldewins, peinliche Beklagte
anderen Theils, beschuldigte Hexerei in actis mit mehreren angezogen,
betreffend, wird von uns peinlichen Richtern und Schffen des Frstl.
Rheinfels. hohen Halsgerichts zu Rotenburg allem Vorbringen nach auf
vorgehabtem Rath der Rechtsgelehrten zu Recht erkannt: dass peinlich
Beklagte von der ordentlichen Strafe der Hexerei zwar zu absolviren, jedoch
aber wegen verbten Excessus ihr zur Strafe und den Anderen zum Exempel auf
ein Jahr lang ad opus publicum zu verdammen sei; wie wir dann $
 Auf dem Scheiterhaufen wollte er zum Volke reden;
die Exorzisten aber schtteten ihm eine Fluth von Weihwasser ins Gesicht,
und als die Wirkung desselben vorber war, gaben sie ihm Judasksse.
Grandier nannte sie selbst so. Wiederholt verlangten sie Bekenntnisse, und
als diese nicht erfolgten, geriethen sie in so heftigen Zorn, dass sie die
vom Propsteirichter zugestandene Erdrosselung vor dem Anznden des
Holzstosses zu vereiteln suchten. Sie knpften in die Schnur, die dem
Scharfrichter bergeben wurde, Knoten, dass sie nicht zulaufen konnte, und
der Pater Lactantius bernahm selbst das Amt des Henkerknechts, indem er
eiligst den Brand ins Holz warf. Grandier rief: Deus meus, ad te vigilo,
miserere mei, Deus! Seine Stimme wurde von den Kapuzinern unterdrckt, die
abermals den Inhalt ihrer Weihkessel auf sein Gesicht ausgossen.
Nach dem Tode des Unglcklichen hrten die Exorzismen noch immer nicht auf.
Wir gedenken indessen dieselben nicht weiter zu verfolgen. Nur verdient
noch bemerkt zu werden, dass ein$
t,
Gebet, Fleiss in der Heiligung, Gebrauch der Sakramente, werkthtige Liebe.
Zur Unterdrckung und Ausrottung der Hexerei knne aber die Strenge des
Gerichtsverfahrens gar nichts beitragen. Vielmehr msse man hierzu nach dem
Gesetze der Liebe Christi verfahren. Diejenigen, welche vor ihren
Seelsorgern wegen vorgekommener Ausbung der Zauberei ihre Reue erklrten,
sollte man darum gar nicht dem weltlichen Richter berantworten. Auch wrde
es sich in vielen Fllen sehr empfehlen, bei schon Verurtheilten die
weltliche Strafe in ffentliche Kirchenbusse zu verwandeln. Ich zweifle
nicht, sagt Tanner, dass durch solche Demthigung der Teufel weit mehr
verwirrt und ohnmchtig gemacht werden wird als durch tausend
Todesurtheile. Immer wieder kommt Tanner darauf zurck, dass hier nicht
mit leiblichen, sondern mit geistigen und geistlichen Waffen zu kmpfen
sei; und zu diesen geistigen Waffen rechnet er vor Allem eine gute
Erziehung der Jugend und eine sorgfltige Unterweisung derselben in den
Wahrheiten des Evan$
 umstndlich
vorgetragen. Die Behandlung der sogenannten crimina excepta war es gerade,
wogegen Spee seinen Hauptangriff gerichtet hatte, und nun bewies Carpzov
wieder, wie z.B. in der Zauberei das corpus delicti nur in der Vermuthung
vorzuliegen brauche und wie die leichtesten Indizien zur Tortur und
endlichen Verurtheilung ausreichen[206]. Carpzov schwamm also ganz mit dem
Strome, und darum trug ihn der Strom empor, whrend der widerstrebende Spee
unter den Wellen begraben und vergessen ward.
Fr die Masse der Juristen war nun Carpzov das Orakel, von dem man eine
absolut sichere und gewisse Wahrheit empfangen hatte, wesshalb ihm alle
blindlings folgten. Als Zeugen dieser Thatsache wollen wir aus
Norddeutschland nur Einen Rechtslehrer anfhren. In =Hitzig's= Annalen
(XXV. S.309ff.) wird nmlich ein Auszug aus des =Nicolaus v.Beckmann=
Schrift Idea iuris von 1688 mitgetheilt, worin sich derselbe S.426ff. so
ausspricht: dass es =Hexen= gibt, und man von ihnen viele wunderliche
Sachen erfhrt, ist aus fo$

Gipfeln belaubter Aeste vernimmt, schon whrend der Ablesung besondere
Ghrungen in den Gemthern der Zuhrer. Man lispelte sich sogleich stille,
wechselweise Entdeckungen ins Ohr, ja man glaubte kaum das Herabgelesene
verstanden zu haben. Man eilte nach Hause und spitzte die Federn zu
Widerlegungen etc.
So stand es damals um die Intelligenz der Trger der Wissenschaft in
Baiern, wesshalb es nicht Wunder nehmen kann, dass, nachdem die Kunde von
dem Vortrage Sterzinger's wie ein Lauffeuer durch das ganze Land gegangen
war, dessen Name alsbald in allen Schichten der Gesellschaft mit Grimm und
Verachtung genannt ward. Er wurde berall als Frevler am Glauben
verschrieen. Auch traten, nachdem die Rede im Druck erschienen war, aller
Orten literrische Verfechter des Hexenglaubens auf. Zunchst erschien eine
Streitschrift unter dem Titel: Urtheil ohne Vorurtheil ber die wirkend-
und thtige Hexerey, abgefasset von einem Liebhaber der Wahrheit, 1766.
=Mit Erlaubnis der Oberen.= Im Verlaufe des nun beginnenden St$
, die auf dem Weg zur Schule einen
ergtzlichen Abstecher machten, sogar einige hchst unbrgerliche
Erscheinungen, zerlumpte Herren, die die Nacht im Stadtgraben oder in
einer Scheune verbracht hatten.
Mit dem Verlauf des Tages wurde die Gesellschaft vornehmer; es kamen
ganze Familien, der Herr Rendant mit Weib und Kind, der Herr Major
a.D., der Schneidermeister Bgelflei, Graf Rotstrumpf mit seinen
Damen, Herr von bel und Herr von Strbel, die ihre Morgenpromenade zum
Zweck einer Besichtigung des kuriosen Untiers unterbrachen.
Es war ein heiteres Treiben; man konversierte, wisperte, lachte,
spottete und tauschte Meinungen aus. Man war freigebig und brachte dem
Jngling allerlei Geschenke, die er ansah wie ein Hund, der noch nicht
apportieren gelernt hat, den fortgeworfenen Spazierstock seines Herrn
ansieht. Man legte Ewaren vor ihn hin, um seinen Appetit zu reizen; so
schleppte zum Beispiel die Kanzleirtin Zahnlos einmal eine ganze
Schinkenkeule herauf, die allerdings am andern Tag verschwunden war --
$
erbrach er die Arbeit und
seine Augen glnzten. So machte ihn auch jedes Gerusch aus dem Innern
des weitlufigen Hauses stutzig, und nicht selten lief er zur Tr,
ffnete den Spalt und horchte aufgeregt, wenn er eine Stimme vernommen
hatte, die unbekannt klang. Die Dienstleute wurden darauf aufmerksam;
sie sagten, er sei ein Trenhorcher und lege es darauf an, sie dem Baron
zu verklatschen.
Vor dem Hause selber empfand Caspar eine unbestimmte Hochachtung; er
schritt fast auf Zehen ber die Korridore, etwa wie man in der Gegenwart
eines vornehmen Herrn leise spricht. In stolzer Zugeschlossenheit
thronte der Bau abseits vom Getriebe, und wer Einla heischte, mute
sich von einem langbrtigen Pfrtner besichtigen und befragen lassen.
Die Mauern waren so gewaltig in die Erde gebohrt, Fassade, Dach und
Giebel so majesttisch gefgt und verwachsen, als htten altverbriefte
Rechte mehr als die Kunst des Baumeisters ihnen zu solchem Ansehen
verholfen. Der Turm im Hof mit der Wendeltreppe fesselte Caspars Auge
gern a$
 ohnegleichen zu geben. Seine Feste und Gastmhler waren
berhmt gewesen. Er war von Land zu Land gereist mit einem Hofstaat von
Kchen, Sekretren, Kammerdienern, Handwerkern und Spamachern. Er hatte
bei einer Pergola in Madrid fr fnfundzwanzigtausend Livres Blumen an
die Frauen verteilen lassen. Er hatte whrend des Wiener Kongresses die
Knige und Frsten bewirtet, Wettrennen veranstaltet, die allein ein
Vermgen verschlangen, und Oratorien und Opern fr eigne Rechnung
auffhren lassen. Seine luxurisen Launen hielten die Gesellschaft in
Atem; er beschenkte seine Freunde mit Villen und Landgtern und seine
Freundinnen mit Perlenketten. Er war jahrelang der Timon des Kontinents
gewesen, um den sich eine Armee von geilen Schmarotzern drngte, die
alle ihr Profitchen an ihm machten und ihre ausschweifenden Gelste bei
ihm befriedigten. Seine Gutherzigkeit und Freigebigkeit war
sprichwrtlich geworden, seine Art, mit immer gefllten Hnden Gold um
sich her zu streuen, achtlos, ob es in die Gosse oder auf di$
verbeugte sich abermals, bedauerte, da er Seiner Exzellenz
nicht habe aufwarten knnen, und fgte bescheiden hinzu, er msse diese
Stunde zu den hchsten seines Lebens rechnen, vergnne sie ihm doch die
Bekanntschaft eines Mannes, dessen Ruf und Ruhm einzig und ber die
Grenzen der Sprache wie der Nation hinausgedrungen sei.
Von neuem der jhe, scharfe Blick des Prsidenten, ein schamhaft
satirisches Schmunzeln in dem verwitterten Gesicht und dahinter, fast
rhrend, ein Strahl naiver Dankbarkeit und Freude. Der Lord seinerseits
stellte vollendet einen Mann der groen Welt dar, der vielleicht zum
erstenmal befangen ist.
Sie nahmen Platz, der Prsident durch die Gewohnheit des Berufs mit dem
Rcken gegen das Fenster, um seinen Gast im Licht zu haben. Er sagte,
eine der Ursachen, weshalb er ihn zu sprechen verlange, sei ein gestern
eingetroffener Brief des Herrn von Tucher, worin ihm dieser nahelege,
Caspar zu sich ins Haus zu nehmen. Diese pltzliche Sinnesnderung sei
ihm um so merkwrdiger erschienen, als er$
ns Licht, immer ins Licht, die geffnete Hand an der
Wange, das Kinn ber dem Daumen. Ich sah mir ihn jetzt genauer an, indem
ich mich unauffllig nherte, jedoch sein Antlitz verriet nichts als
einen unbeweglichen, gar nicht einmal schmerzlichen, sondern starren,
fast stupiden Ernst. Meine Mutter fuhr fort, in ihn zu dringen, er solle
doch sagen, wo er herkomme und wo er gewesen sei. Da sah er uns alle der
Reihe nach an, schttelte den Kopf und faltete bittend die Hnde.
Wir beredeten uns nun, da Caspar in unserm Hause bleiben und da
bernachten solle; wir hatten, um das Aufsehen wegen Caspars
Verschwinden gleich wieder zu ersticken, die Magd zum Brgermeister
geschickt, auch zu den andern Leuten, die wir schon inkommodiert hatten,
und meine Mutter ging in die Kche, um frs Abendessen zu sorgen, da
erschien der Tuchersche Diener, erkundigte sich, ob Caspar bei uns sei,
und als wir dies bejahten, sagte er, er solle gleich nach Hause, der
Polizeileutnant Hickel aus Ansbach wre da und Caspar msse noch am
Ab$
, das Bild an den Nagel zu hngen.
Quandt hatte nmlich, vom Spitalweg kommend, schon aus der Ferne in
Caspars Zimmer Licht bemerkt. Er packte seine Frau am Arm und rief:
Sieh mal, Frau, sieh mal!
Was gibt's denn schon wieder? murrte die Frau, die voll rger darber
war, da Quandt ihr mit seiner beln Laune den ganzen Abend verdorben
Jetzt hast du doch den Beweis, da er bei der Kerze sitzt, sagte
Das Haus hatte durch ein Gartenpfrtchen auch einen Zugang von der
Rckseite. Quandt whlte den, und als er mit der Frau im Hof stand, fiel
ihm ein, ob er nicht zuerst den Jngling auf irgendwelche Art belauschen
und sehen knne, was er treibe. Der Birnbaum an der Mauer war wie
geschaffen dazu. Quandt war geschickt und krftig, ohne Mhe erklomm er
die Mauer und dann einen breiten Ast, von wo er Caspars Zimmer
berschauen konnte. Was er sah, gengte. Nach kurzer Weile kam er
aufgeregt herab, raunte seiner Frau zu: Ich hab' ihn erwischt, Jette,
und strzte ins Haus und die Stiege empor.
Da sich auf sein Klop$
, als Dillmann auf ihn zuschritt und mit
zitternder Stimme sagte: Der unvergleichliche Mann! Wenn ihm nur nichts
zustt! Wenn ihm nur nichts Menschliches passiert!
Caspar drehte sich um, entgegnete aber nichts.
Na, Hauser, und fr Sie wre es gar ein unersetzlicher Verlust, fuhr
der Alte seltsam keifend und znkisch fort; wo gibt's denn in dieser
lummerigen Welt einen Menschen, der sich so fr einen andern Menschen
einsetzt? Sollte mich nicht erstaunen, wenn das ein schlimmes Ende
nhme. Ja, es wird ein schlimmes Ende nehmen, ein schlimmes Ende.
Caspar hrte schweigend zu; seine Augen blinzelten.
So ein Mann! rief Dillmann aus. Ich hab', seit ich hier sitze, schon
sieben Prsidenten und zweiundzwanzig Regierungsrte zum Grab geleitet,
Hauser, aber so einer war nicht dabei. Ein Titan, Hauser, ein Titan!
Die Sterne knnt' er vom Himmel reien um der Gerechtigkeit willen. Man
mu ihn nur betrachten; haben Sie ihn mal genau betrachtet? Der Buckel
ber der Nase! Das deutet, wie man sagt, auf eine geniali$
Reihe nach langsam an, wobei sein Gesicht dem eines
Menschen glich, der sich soeben behaglich zum Essen setzen wollte und
dem pltzlich Schssel, Teller, Messer und Gabel, ja der ganze Tisch
weggezaubert wird.
Kommen Sie mit mir, Herr Lehrer, sagte mit heiserer Stimme Hickel, der
am Ofen stand und mit sinnloser Geschftigkeit seine Hnde an den
Kacheln rieb.
Quandt nickte und schritt mechanisch voraus.
Ist's mglich! murmelte er wieder, als er auf der Stiege stand. Ist's
mglich! Hilfesuchend blickte er den Polizeileutnant an. Ach, fuhr er
elegisch fort, wir haben doch unser redlich Teil getan. An treuer
Frsorge haben wir's wahrlich nicht fehlen lassen.
Lassen Sie doch die Flausen, Quandt, antwortete der Polizeileutnant
grob. Sagen Sie mir lieber, was hat denn der Hauser alles geredet in
seinem Wahn?
Unsinn, lauter Unsinn, versetzte Quandt bekmmert.
Achtung, Herr Lehrer, da sehen Sie mal hinunter, rief Hickel, indem er
sich ber das Gelnder beugte.
Was denn? gab Quandt erschrocken zurc$
igeunername meiner
Schwiegermutter) erkannt. Gleichzeitig ertnten wieder die in unserer
Sprache abgegebenen, gellenden Hilferufe und viel nher. Kein Zweifel,
es war die noch nicht Zurckgekommene und allem Anscheine nach war sie
in groer Gefahr. Alle strzten in fieberhafter Eile der Richtung nach,
von welcher die Hilferufe kamen. Sehen konnte man in dem tiefen Wald
noch nichts. Da, in nchster Nhe der Strae, war eine etwas grere
Lichtung, wo die Mnner das nun folgende, abscheuliche Schauspiel mit
ansehen muten. Ein Gendarm stand da neben meiner Schwiegermutter, ri
an ihr herum, er wollte sie fesseln. Sie wehrte sich dagegen, da stie
er sie mit dem Gewehrkolben in ganz unmenschlicher Weise, in Rcken, auf
die Brust, den Leib, so da sie einigemale zu Boden strzte; und sie war
in -- hochschwangerem Zustand. Ihr Mann sprang rasend vor Zorn und Wut
auf den rohen, wsten Gendarmen zu, seinem mihandelten Weibe zu Hilfe
und ihr zurufend. Darauf sprang diese auf und wie ein gehetztes Reh
davon, aber sta$
n mitten zwischen die Felsen
eingebaut und durch gefahrvolle Stiegen, die in den Stein geschlagen
sind, miteinander verbunden. ber der Spitze eines Daches sieht man ein
Mdchen in rotem Rock in einen Garten laufen. Zwischen den Ranken und
Reben von Weinstcken steigt der Rauch eines Schornsteins auf. Drfler
arbeiten auf senkrechten Feldern. Auf einem abgerutschten Felsblock
sitzt eine alte Frau und spinnt in aller Ruhe unter den Blten eines
Mandelbaums. Sie sieht auf die Reisenden zu ihren Fen hinab und
lchelt ber deren Angst. Die Risse im Boden machen ihr ebensowenig
Sorge wie die berhngenden Trmmer einer alten Mauer, die nur noch
durch die gewundenen Wurzeln eines Efeumantels vor dem vlligen
Zusammenbruch bewahrt ist.
Die Hammerschlge von Kfern hallen in den Gewlben luftiger Keller.
Kurz, hier, wo die Natur dem Menschenflei Fu zu fassen wehrt, ist die
Erde berall bebaut und fruchtbar. So lt sich auch auf dem ganzen Lauf
der Loire nichts mit dem reichen Panorama vergleichen, das die Tourai$
mit Berechnung zu weinen, zu
scherzen. Nach dieser feierlichen Krise gibt es keine Geheimnisse mehr
im Gesellschaftsleben, ber das man sich von da ab ein unwiderrufliches
Urteil gebildet hat.
Bei den jungen Frauen im Alter der Marquise wird dieser erste,
einschneidendste aller Schmerzen immer durch das gleiche Geschehnis
verursacht. Die Frau, und vor allem die junge Frau, die ebenso gro an
Seele wie an Schnheit ist, wird jederzeit dort ihr Leben einsetzen,
wohin Natur, Gesellschaft oder Neigung sie stellen -- und sie wird ihr
Leben ganz einsetzen. Wenn dieses Einsetzen ein Fehlschlag ist, ohne da
sie das Leben dabei verliert, so empfindet sie die grausamsten
Schmerzen, weil ja eben die erste Liebe das schnste aller Gefhle ist.
Warum hat dieses Unglck noch keinen Maler oder Poeten gefunden? Aber
kann es gemalt, kann es besungen werden? Nein, die Natur der Schmerzen,
die es erregt, entzieht sich der Analyse und den Farben der Kunst. Und
dann sind diese Schmerzen auch noch nie offenbart und mitgeteilt wor$
as Herrlichste, das ich mein
Leben lang kennen gelernt habe! Die menschliche Stimme hat keine
Ausdrcke fr ein himmlisches Glck.
Ein Trnenstrom entrann ihren brennenden Augen. Die vier Kinder stieen
ein klgliches Geschrei aus und liefen herbei, wie Kchlein die Mutter
umringend. Der lteste Knabe schlug nach dem General und warf ihm
drohende Blicke zu.
Abel, sagte sie, mein Engel, ich weine ja doch vor Freude.
Sie nahm ihn auf die Knie; das Kind liebkoste sie zutraulich, indem es
die Arme um den majesttischen Hals Helenens schlang, wie ein kleiner
Lwe, der mit seiner Mutter spielen will.
Und du hast keine Langeweile? rief der General, betubt von der
berschwenglichen Antwort seiner Tochter.
Doch, antwortete sie. Wenn wir mal an Land gehen; denn auch dann
verlasse ich meinen Mann nie.
Aber du liebtest doch Festlichkeiten, Blle, Musik?
Musik -- das ist seine Stimme; meine Festlichkeiten -- das sind die
Stunden, zu denen ich mich fr ihn schmcke. Wenn ich ihm in meinem Putz
gefalle, ist's$
lt lag, in der er sich
Zwei Tage lang durfte er nicht zur Mutter. Am dritten entschlo er sich,
ohne Erlaubnis an ihr Bett zu kommen, um sie zu vershnen. Doch sie
hatte Besuch. Der alte Ratgeber aus Altenberg war da und auerdem dessen
Vater, der also Engelharts Urahn war, ein Mann von sechsundneunzig
Jahren. Er lebte in Rot am Sand, zwei Stunden hinter Nrnberg. Ein
zottiger Bart von rtlichweier Farbe schlo das ungemein groe, rote,
zerwhlte, volle Gesicht wie in einen Rahmen. Als er Engelhart gewahrte,
hielt er die Hand wie einen Schirm vor die dicken Brauen und stierte
mit den scheu versteckten Augen auf ihn wie auf etwas Weitentferntes,
Winziges, gleich als ob er zeigen wolle, da achtundachtzig Jahre
zwischen ihm und diesem Kinde lgen. Er griff in die Manteltasche und
reichte mit der zitronengelben Hand Engelhart zwei halbverschimmelte
Schokoladestckchen. Seit dreiig Jahren war er nicht in der Stadt
gewesen, und nicht etwa die Liebe zu seinem Geschlecht hatte ihn
angetrieben, sondern die bloe Ne$
perrt,
so stimmte er einen greulich unmelodischen Gesang an und stolperte
geruschvoll die Stiege empor.
Seit Frau Ratgeber im Hause weilte, betrank er sich nicht mehr und
verwendete grere Sorgfalt als bisher auf seinen Anzug. Am Morgen nach
dem kleinen Tanzfest schickte er seinen Burschen mit einem Strau von
Rosen und einer Visitenkarte, auf deren Rckseite in sorgfltig gemalten
Buchstaben zu lesen stand:
    Schnheit besiegt ein jedes Herz
    Und sei es auch so hart wie Erz.
Bald danach hrte man ihn mit klirrendem Wehrgehnge die Stiege
herabpoltern, er machte im Frhstckszimmer seine Aufwartung, aber seine
Haltung verlor an Sicherheit, als die Kinder, durch sein wunderliches
Grimassenschneiden belustigt, kichernd entflohen.
Es nahte die Zeit der Reife, das Obst auf den Bumen wurde schwer.
Tglich wanderten die Kinder in die Beeren. Spt nachmittags zog die
belebte Schar heimwrts, die Mtter kamen ihnen auf der Landstrae
entgegen und freuten sich der reichen Ausbeute. An einem schnen
Septemberta$
hm leicht, die schnen klaren Schriftzge zu lesen.
Niedergedrckt schlich der Knabe im Haus umher und stellte sich, des
schlechten Wetters nicht achtend, unter das Haustor. Die anbrechende
Nacht verscheuchte ihn, und als er hinaufging, hatte er Kopfschmerz und
jagende Hitze. Adele Spanheim sah ihn bleich hereinschwanken und wurde
besorgt. Sie entkleidete ihn und strich ihm kosend ber das Haar, aber
ihr verndertes ngstliches Benehmen beleidigte seinen Stolz.
Er bekam den Scharlach in der gefhrlichsten Form, lag vier Tage
bewutlos, bumte sich aus der pflegenden Hand und schrie vor sich hin.
Danach, als er genas, fllte sich seine Brust mit Sigkeit, es wurde
ihm offenbar, da er durch ein dunkles Tor neuerdings ins Leben trat,
etwas von Lebensschnheit wurde ihm bewut, ber einem langhinlaufenden
Weg strahlte die Sonne mit herrlicher Gewalt, an beiden Seiten hingen
Rosengirlanden und ber smaragdenen Wiesen flogen Vgel, wie er sie nie
zuvor erblickt, sie hatten etwas menschlich Sanftes im Ausdruck ihr$
n gleichsam
zwischen die Zhne geschlrft, und seine Zge zeigten einen
bengstigenden Ausdruck. Da fiel sein irrer Blick auf Porkowsky, und
nicht so bald hatte er das hhnisch-feindselige und dumpf-verlegene
Lcheln auf dessen vollwangigem und fahlem Gesicht bemerkt, als ihm
alles klar wurde. Ohne Besinnung strzte er auf den Burschen zu, packte
ihn mit der einen Faust an der Kehle, mit der andern bei der Schulter
und ri ihn mit einem Ruck zu Boden. Ernestine schrie auf, der Prokurist
und Herr Zeis fielen dem Rasenden in die Arme und drngten ihn gegen das
Fenster, wo er noch immer zitternd und fieberhaft atmend stehen blieb.
Porkowsky sthnte und lag dann still da, doch war er nicht verletzt.
Herr Gallus ging zu der Glastre, die von diesem Raum aus auf die Strae
fhrte, ffnete sie, streckte die Hand aus und rief Engelhart zu:
Marsch! Engelhart nahm seinen Hut und ging, ohne den Blick zu erheben.
In demselben Schritt und derselben geduckten Haltung, wie er jene
verlassen, schlich er weiter und wurde no$
fremd und bengstigend. Ernestine wute nun um das
Unabnderliche, das kommen mute, und htte es gerne nicht geschehen
lassen, aber es gibt Stunden, wo der Wille wie ein abgeschlagenes Tier
mde wird. Beim Lampenlicht beugte sie sich noch einmal ber Engelhart
und blickte ihm tief in die Augen. Ach, seufzte sie und deckte die
Hand ber seine Lider, du weit noch nichts von der Welt. Er glich
einem Kind, als er stundenlang schweigend an ihrer Brust lag. Er dachte,
mehr von der Welt zu wissen sei berflssig. Dnkte ihm dies schon zu
In den nchsten Tagen trieb er sich mig umher. Jeden Morgen erhielt er
ein Briefchen von Ernestine, worin sie ihn benachrichtigte, wie die
Dinge standen. Sie hatte es durchgesetzt, da Herrn Freitag von dem
Vorfall keine Mitteilung gemacht wurde, doch Herr Zeis hatte den
Lehrling Porkowsky, der eine Verletzung am Kopf erlitten zu haben
behauptete, zur Forderung eines Schadenersatzes aufgehetzt. Porkowsky
verlangte fnfzig Gulden und drohte, wenn er diese nicht erhalte, sich
$
in wenig betrunken oder stellten sich so. Einer, den sie
Baron nannten, hatte ein verblasenes Lcheln auf dem bbchenhaften
Gesicht; diesem flsterte der Lange etwas zu, er kam an Engelharts Tisch
und forderte ihn mit gezierter Hflichkeit auf, sich zu der Gesellschaft
zu setzen. Engelhart dankte; Spannung und Entzcken benahmen ihm fast
So glaubte er endlich das Tor betreten zu haben, das ins Leben fhrt, in
das berhmte Leben. Von nun an wurde die Nacht sein Tag, wie fr den
Schmuggler, und schmugglerhaft war dies Herumziehen an den Grenzen der
brgerlichen Bezirke, auf den Lippen Hohn und in der Brust die Furcht
vor ihren Zollwchtern. Oft kam er erst um vier Uhr morgens nach Hause,
schlief dann ber die Zeit, kam versptet, dumpf und mde ins Bureau und
wurde unverllich bei der Arbeit. Diese Arbeit bestand im Briefeschreiben
an sumige Zahler, an unschlssige Versicherungskandidaten, in
Beantwortung von Beschwerdeschriften, in juridischen und konomischen
Aufklrungen, Agenteninstruktionen, im Ausstel$
 und sagte kalt: Jetzt
habe ich genug von Ihnen, und streckte dabei befehlend den Arm aus.
Klewein starrte sie an, dann verbeugte er sich sarkastisch und ging
hinweg. Seine heftigen Schritte verklangen in der Finsternis. Amna
wendete sich mit einem drohenden Blick zu Engelhart und fragte: Sind
Sie auch so einer? Und da er schwieg, nahm sie seinen Arm, und da er
ihr nicht werbend entgegenkam, schien sie zu erstaunen. Unter einer
Gaslaterne nahm sie ihm den Hut ab, legte die Hand auf seine Schulter,
sah ihn prfend an und sagte halb lchelnd, halb traurig: So jung, so
jung! Sie blieben eine Weile stehen, dann sagte sie: Jetzt gehen Sie
nach Hause und schlafen Sie sich mal aus, und morgen abend um neun Uhr
kommen Sie zu mir, ich tanze morgen nicht, ich fhle mich wieder unwohl,
kommen Sie zu mir in die Wohnung. Sie nannte ihm die Strae und das
Haus, nickte kokett und schritt langsam davon. Engelhart kam taumelnd
heim, entschlief erst, als der Tag anbrach, und wurde durch einen
Abgesandten des Bureaus a$
schrieb ganze Nchte hindurch, um eine lumpige Mark
herauszuschinden. Nun war es aber des Teufels mit Herrn Saffran; erstens
stellte er sich taub, wenn man Geld haben wollte, gebrauchte Ausflchte,
tat, als habe er schon Vorschu gegeben, oder rannte pltzlich davon mit
den Worten: Ach Gott, ach Gott, Seine Knigliche Hoheit haben mich ja
zur Audienz befohlen; zweitens aber zhlte er die Silben, untersuchte,
ob auf jeder Seite gleich viel Worte standen, und wenn die Sache nicht
in Ordnung war, schlug er die Hnde zusammen und jammerte laut ber die
Niedertracht der Welt. Er besa den Orden fr Wissenschaft und Kunst,
und als Engelhart einmal mit dsterer Entschlossenheit seinen Lohn
begehrte, nahm er das Ehrenzeichen und steckte es vor die Brust wie
einer, der einen Stern vom Himmel gepflckt hat und sich damit bse
Geister vom Leibe halten will, dann gab er noch allerlei sublime
Redensarten von sich, bevor er endlich den Geldbeutel ffnete.
Auch diese Erwerbsquelle versiegte mit der dritten Woche. Um das U$
whrend ihm das Wenige, was ihm
sonst noch verblieben war, nach Art einer Spitzflamme zu Hupten stand.
Am schlimmsten aber waren seine winterlichen Hnde, die, wie eine Welt
fr sich, aus dem berall zu kurz gewordenen Einsegnungsrock
hervorsahen.
Ede, sagte der Pastor freundlich, Du sollst ber Hradscheck und den
Polen aussagen, was Du weit.
Der Junge schwieg und zitterte.
Warum sagst Du nichts? warum zitterst Du?
Ick jrul' mi so.
Vor wem? Vor uns?
Ede schttelte mit dem Kopf.
Nun, vor wem denn?
Vor Hradschecken...
Eccelius, der alles zu Gunsten der Hradschecks gewendet zu sehen
wnschte, war mit dieser Aussage wenig zufrieden, nahm sich aber
zusammen und sagte: Vor Hradscheck. Warum vor Hradscheck? Was ist mit
ihm? Behandelt er Dich schlecht?
Nu wie denn?
Ick weet nich ... He is so anners.
Nu gut. Anders. Aber das ist nicht genug, Ede. Du mut uns mehr sagen.
Worin ist er anders? Was thut er? Trinkt er? Oder flucht er? Oder ist er
Nu wie denn? Was denn?
Ick weet nich ... He is so $
 einer
bestimmten Liebe, wohl aber Liebe. Sie kann dies in Wahrheit
ebensowenig. Nicht Liebe, sondern nur eine Bewegung kann sie schildern,
welche bei der Liebe oder auch einem andern Affekt vorkommen kann, immer
jedoch das Unwesentliche seines Charakters ist. Liebe ist ein
abstrakter Begriff, so gut wie Tugend und Unsterblichkeit. Die
Versicherung der Theoretiker, Musik habe keine abstrakten Begriffe
darzustellen, ist berflssig; denn _keine_ Kunst kann dies. Da nur
_Ideen_, d.i. lebendig gewordene Begriffe Inhalt knstlerischer
Verkrperung sind, versteht sich von selbst.[9] Aber auch die _Ideen_
der Liebe, des Zornes, der Furcht knnen Instrumentalwerke nicht zur
Erscheinung bringen, weil zwischen jenen Ideen und schnen
Tonverbindungen kein notwendiger Zusammenhang besteht. Welches Moment
dieser Ideen ist's denn also, dessen die Musik sich in der Tat so
wirksam zu bemchtigen wei? Es ist die _Bewegung_ (natrlich in dem
weiteren Sinne, der auch das Anschwellen und Abschwchen des einzelnen
Ton$
ei Rckschlssen von den Kompositionen auf den
  menschlichen Charakter des Komponisten notwendig ist, und wie gro
  dabei die Gefahr, da die Phantasie die nchterne Untersuchung zum
  Nachteil der Wahrheit beeinflut, das hat neuerdings u.a. die
  Beethoven-Biographie von _A.B. Marx_ gezeigt, deren musikalisch
  voreingenommene Panegyrik einer sorgfltigen Untersuchung der
  Tatsachen berhoben zu sein glaubte und daher durch _Thayers_ genaue
  Quellenforschungen in vielen Punkten drastisch berichtigt worden ist.
Nicht das tatschliche Gefhl des Komponisten, als eine blo subjektive
Affektion, ist es, was die gleiche Stimmung in den Hrern wachruft.
Rumt man der Musik solch eine zwingende Macht ein, so anerkennt man
dadurch deren Ursache als etwas Objektives in ihr; denn nur dieses
_zwingt_ in allem Schnen. Dies Objektive sind hier die _musikalischen_
Bestimmtheiten eines Tonstcks. Streng sthetisch knnen wir von
irgendeinem Thema sagen, es _klinge_ stolz oder trbe, nicht aber, es
sei ein Ausdruck $
akter_.
Die _architektonische_ Seite des Musikalisch-Schnen tritt bei der
Stilfrage recht deutlich in den Vordergrund. Eine hhere Gesetzlichkeit,
als die der bloen Proportion, wird der _Stil_ eines Tonstcks durch
einen einzigen Takt verletzt, der, an sich untadelhaft, nicht zum
Ausdruck des Ganzen stimmt. Genau so wie eine unpassende Arabeske im
Bauwerk, nennen wir stillos eine Kadenz oder Modulation, welche als
Inkonsequenz aus der einheitlichen Durchfhrung des Grundgedankens
abspringt. Natrlich ist diese Einheit im weiteren, hheren Sinne zu
nehmen, wonach sie unter Umstnden den Kontrast, die Episode und manche
Freiheiten in sich begreift.
In der _Komposition_ eines Musikstckes findet daher eine Entuerung
des eigenen persnlichen Affektes nur insoweit statt, als es die Grenzen
einer vorherrschend objektiven, formenden Ttigkeit zulassen.
Der Akt, in welchem die unmittelbare Ausstrmung eines Gefhls in Tnen
vor sich gehen kann, ist nicht sowohl die _Erfindung_ eines Tonwerkes,
als vielmehr die _R$
kommentieren. Die Tonkunst wirkte daher hauptschlich nach
ihrer _sinnlichen_ und ihrer _symbolischen_ Seite. Auf diese Faktoren
hingedrngt, mute sie dieselben durch solche Konzentration zu groer,
ja raffinierter Wirksamkeit ausbilden. Die Zuspitzung des melodischen
Materials bis zur Anwendung der Vierteltne und des enharmonischen
Tongeschlechts hat die heutige Tonkunst ebensowenig mehr aufzuweisen,
als den charakteristischen Sonderausdruck der Tonarten und ihr enges
Anschmiegen an das gesprochene oder gesungene Wort.
Diese gesteigerten tonlichen Verhltnisse fanden fr ihren engen Kreis
berdies eine viel grere Empfnglichkeit in den _Hrern_ vor. Wie das
griechische Ohr unendlich feinere Intervallenunterschiede zu fassen
fhig war, als es das unsere in der schwebenden Temperatur auferzogene
ist, so war auch das Gemt jener Vlker der wechselnden Umstimmung durch
Musik weit zugnglicher und begehrlicher als wir, die an dem
knstlerischen Bilden der Tonkunst ein kontemplatives Gefallen hegen,
das dere$
 hast. Und
nun berlege dir, wie wenige von diesen selbst mit wirklich notwendigen
Arbeiten beschftigt sind! Da nmlich bei uns das Geld der Mastab fr
alles ist, mssen wir viele vllig unntze und berflssige Gewerbe
betreiben, die blo der Verschwendung und der Genusucht dienen. Wrde
man nmlich diese ganze Masse, die jetzt im Arbeitsproze steht, nur auf
die so wenigen Gewerbe verteilen, die ein angemessener natrlicher
Bedarf erfordert, so wrde ein groer berflu an Waren entstehen, und
die Preise wrden notwendigerweise zu tief sinken, als da die
Handwerker ihren Lebensunterhalt davon bestreiten knnten. Aber wenn
alle die, die jetzt ihre Krfte in nutzloser Ttigkeit verzetteln, und
wenn noch dazu der ganze Schwarm derer, die jetzt in Nichtstun und
Trgheit erschlaffen und von denen jeder einzelne so viel von den
Produkten verbraucht, die die Arbeitskraft anderer liefert, wie zwei der
Arbeiter, wenn man also alle diese zu Arbeiten, und zwar zu ntzlichen,
verwendete, so wrde, wie leicht einzus$
te, traten die Priester dazwischen, unterbrachen das
Blutvergieen, trennten die Truppen voneinander, brachten unter
gerechten Bedingungen einen Frieden zustande und schlossen ihn ab. Denn
noch niemals ist ein Volk so wild, so grausam und so barbarisch gewesen,
da es ihre Person nicht fr heilig und unverletzlich gehalten htte.
Als Festtage begehen die Utopier den ersten und letzten Tag eines jeden
Monats und Jahres. Dieses teilen sie in Monate ein, die der Umlauf des
Mondes abgrenzt, wie der Kreislauf der Sonne das Jahr rundet. Alle
Anfangstage heien auf utopisch Cynemerner und die Schlutage
Trapemerner, was etwa soviel wie Anfangs- und Schlufeste bedeutet.
Man sieht in Utopien prachtvolle Tempel, die nicht blo mit groer Kunst
gebaut sind, sondern auch eine gewaltige Menschenmenge fassen, was ja
bei ihrer geringen Anzahl auch unbedingt notwendig ist. Gleichwohl sind
sie alle halbdunkel, und zwar soll das nicht auf mangelhafte Kenntnis in
der Baukunst zurckgehen, sondern auf einen Rat der Priester$
ligenzell
aufhielten, nach diesem zur Kirche zu gehen. Abends trat er den Rckweg
an, auf dem sich, wenn es dunkel war, am Anfang des Waldes ein Hirsch zu
ihm gesellte, welcher ein Licht zwischen den Hrnern hatte und ihm bis
zu seiner Klause leuchtete. Einmal war der Weg vom Regen so schlpferig,
da der Waldbruder aus einem Weinberg einen Rebpfahl nahm, um sich im
Gehen darauf zu sttzen. Als er in den Wald kam, war kein Hirsch da, und
er mute im Finstern nach Hause tappen. Auch an den zwei folgenden Tagen
lie der Hirsch sich nicht sehen. Da erinnerte der Einsiedler sich des
Rebpfahles, that ihn dahin, woher er ihn genommen, und hierauf fand der
Hirsch sich wieder ein und leuchtete ihm wie zuvor.
Das Kruzifix auf dem Kirchhofe zu Oberweier.
Vor etlichen Jahrhunderten verirrte sich Nachts ein Wanderer im wilden
Walde. Gengstigt durch die vielen Schlangen und Krten, welche darin
hausten, that er das Gelbde: wenn er unbeschdigt hinaus in einen Ort
kme, wolle er auf dessen Gottesacker ein Kruzifix stifte$
 ein strahlendes Bild der fernen
Welt in sein Herz gesunken.
Wie mag euch Schwalben die Erde erscheinen, die ihr bewohnt, dachte er
nun in der Erinnerung ihrer Worte, wie anders werdet ihr sie kennen und
empfinden als ein kleines Bodentier des ebenen Feldes, oder als der
Mensch. Eure Reise nach dem Sden fhrt euch Jahr fr Jahr ber das
schimmernde Meer, ber welchem, wie ber einer unabsehbaren, runden
Silberflche, die Sonne rot aufwacht, ihren hohen Strahlenweg geht,
einsam ber dem tausendfltigen Glitzern, und am Abend langsam, feuerrot
in ihr helles Bett sinkt. Dann fliegt ihr allein ber der groen Ebene,
das Wasser sieht wie flssiges Eisen aus, der Himmel im Westen wie
durchscheinendes Glas und im Osten kalt und blau, im Wehn der
herannahenden Nacht. -- Wie schn die Schwalbe erzhlt hatte.
Seid ihr nicht viel mehr als alle, seid ihr nicht am glcklichsten, ihr
Menschen, fuhr er in seinem Sinnen fort. Ich lebe unter Tieren und
Pflanzen und kann euch nicht erscheinen, aber es zieht mich zu euch,
str$
n, als dem Menschen in die Hnde zu fallen. Was er rief und bat,
wurde nicht verstanden, soviel lie sich bald erkennen. Auch er verstand
die Laute nicht, in denen die beiden Menschen sich unterhielten.
Ach Gott, sagte der Knabe zu dem kleinen Mdchen, das mit ihm auf die
Sommerwiesen gelaufen war, es ist wieder nur ein ganz gewhnlicher
brauner, ich htte so gern einmal einen echten grnen Laubfrosch
Ja, antwortete das kleine, blonde Mdchen, es ist nur ein brauner,
aber er ist hbsch klein und nicht so garstig wie die groen.
Der Knabe schien zu berlegen. Ich will ihn jedenfalls mitnehmen,
entschlo er sich, fuhr mit der Hand in das Netz und ergriff Jen,
vielleicht versteht er doch etwas vom Wetter, oder ich kann es ihm
beibringen.
Er hatte Jens Bein erwischt, zog ihn daran empor und hielt ihn gegen den
Himmel. Das Mdchen ffnete eine ovale, grne Bchse, die ihr Bruder,
ber die Schulter gehngt, bei sich trug. Jen verschwand in der ffnung
wie im Rachen eines grnen Ungeheuers und hrte noch $
cher seid, aber ihr wit durch die Bienen und
Schmetterlinge von dem Ort, oder durch die Vgel. Das Haus ist lngst
verfallen, und seine Mauerreste sind berwachsen, der Ort ist euch und
euren Vlkern zurckgegeben, ich glaube auch nicht, da es noch Menschen
im Lande gibt, die von dem Hause wissen. Die Tannen hat der Jger um die
Zeit gepflanzt, in welcher Traule geboren wurde; auch sie kennen die
Geschichte des Mdchens, aber nicht so gut wie ich, denn wenn Traule
besonders froh oder traurig war, kam sie auf einem Waldpfad, den nur sie
kannte, zu mir, um auf dem Moos unter meinen Zweigen am Bach zu weilen.
Wir kannten uns gut und liebten uns sehr. Einmal, in der Zeit, nachdem
ihre Mutter gestorben war, kam sie zu mir, legte ihre Arme um meinen
Stamm und sagte zu mir: 'Bei dir ist mir ums Herz, wie mir bei meiner
Mutter war, du nimmst mich an, wie ich bin, du spendest deine Wohltaten,
ohne nach meinem Wert zu fragen, und die Ruhe, die dein Wesen atmet,
ist, ohne meine Bitte, immer vorhanden.'
Die Menschen f$
 Antimon     | Tellurium   | Jod 126.97  |       --          |   7
          |   120.23    |   127.6     |             |                   |
          |             |             |             |                   |
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          |             |             |             |                   |
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          |             |             |             |                   |
          |             |             |             | { Osmium 191      |
          | Tantal 181  | Wolfram 184 |     --      | { Iridium 193     |  10
          |             |             |             | { Platin 194.8    |
          |             |             |             |                   |
          | Wismuth 208 |     --      |     --      |       --          |  11
          |             |             |             |$
sdehnung und Anordnung seines Materials in den Mund
gelegt, in denen klar darauf hingewiesen wird, da sein Werk ein aus
drei gleichen Teilen bestehendes, mit andern Worten, eine Trilogie
gewesen sei.
Die erste dieser Angaben steht auf fol. 125c, d (vol. I, S. 280 der
Ausgabe) und lautet folgendermaen:
  "Et sacent tuit cil qui lestoire monsigneur de Borron vau[d]ront oir
  comme il devise son livre en trois parties, l'une partie aussi grant
  comme lautre, la premiere aussi grande comme la seconde, et la
  seconde aussi grant comme la tierche. Et la premiere fenist il au
  commenchement de ceste queste et la seconde el commenchement dou
  graal et la tierche fenist il apries la mort de Lanscelot, a chelui
  point meisme quil devise de la mort le roi March. Et cest[e] chose
  amentoit [il] en la fin dou premier livre pour chou que [se]
  lestoire dou graal estoit corrompue par auchuns translatours qui
  apres lui venissent, tout li sage houme, qui meteroient lour entente
  a oir et a escouter, porroient par $
euer der drei Gefhrten mit den
drei Jungfrauen, die in der Form wie dieselben hier vorliegen,
wahrscheinlich in unseren Tagen vor mir niemand gelesen hat. In der
Analyse dieser Abenteuer, die ich hier gebe, weisen die arabischen
Zahlen in Klammern auf die Seiten meiner vorliegenden Ausgabe hin, und
zwar steht jede Zahl am Beginne der Seite, deren Inhalt erzhlt wird.
Der bersichtlichkeit halber, habe ich die Anfnge der in dem Text
durch groe Anfangsbuchstaben markierten Abschnitte in der Analyse
stets durch entsprechende Abstze gekennzeichnet.
I. __Die Abenteuer Gawains__.[39] SS. 19-44. -- (19) Nachdem Gawain
sich von Ywain und dem Morholt verabschiedet hatte, ritt er mit seiner
Jungfrau den ganzen Tag durch den Wald, ohne da ihm etwas
Bemerkenswertes passiert wre. Am Abend kehrten beide bei einem alten
_vavasour_ ein, der sie freundlich aufnahm. Als Gawain seinem Wirte
erzhlte, da er Abenteuer suchte, versprach dieser, ihm am nchsten
Tage in dem Walde ein Wunder zu zeigen, welches bisher noch niem$
rt si durement[73] quil fet son glaiue voler en
pieces, mais autre mal ne ly fet. Et le Morholt qui de rien ne
lespargne le fiert si durement quil ly met parmy lescu et parmy le
haubert le fer trenchant ou coste senestre et ly fait plaie grant, mes
ce ne fu mie[74] mortel. Il lempaint bien, si le porte du cheual a
terre.[75] Et le Morholt. qui oncques ne le regarde, sen passe oultre
et laisse celluy gisant.[76] Et quant Gauuain voit[77] son [H 223c]
cousin a terre, il en est moult doulent si dist: "Ha! dieux, tant[78]
est cil homs puissant![79] {7} Dieux, tant seroit fol et desmesures
qui[80] tel homme aatiroit[81] dune bataille, sil ny auoit droite
achoison! Pour moy le di ie premierement. Certes se ie neusse emprise
vers luy ioste, ie ne me entremeisse, apres ces trois cops que ie luy
ay veu fere, pour .i. chastel gaaigner; car apres le cop de sa main ne
puet nul homs remanoir en selle, pourquoy ie ly laissasse du tout la
iouste, se ie le peusse faire a honneur. _Comment le Morholt dIrlande
abatit messirez $
moult haultement et a son honneur. Car il le bee a aparler de
traison en la court aucun hault homme et copper li le chief en la
plaigne bataille a ce quil se sent si puissant des armes quil ne cuide
mie, silz estoient mis en vng champ, que Gauuain peust longuement
durer a lui. Lors se mist hors du pauillon faisant trop grant duel. Et
quant il est vng pou esloignes, il luy est auiz quil na mie bien
esploicte quant il na tant fait que ilz cogneussent vraiement quil ait
entreulx este[287] quant ilz [27a] sesueilleront et quil ne les ait
pas laissie occire pour ce quil ne le peust bien [faire], mais pour sa
debonnairete. Lors retorne arrieres au pauillon et trait sespee, si
la[288] met sur le cheuet du lit de trauers toute nue, si qua pou
quelle ne tochoit a vng chief et a lautre. Et quant il a ce fait, il
se mist hors du pauillon. Et quant il est vng pou loing, il commence a
faire trop grant duel et dit: "Ha, dieux! qui cuidast que en filz de
roy se peust herberger si grant traison comme ce desloyal a enuers moy$
ekulativen Wahrheiten, die wir durch das bloe natrliche
Erkenntnisvermgen[16] erkennen.
                *       *       *       *       *
In der =fnften= Betrachtung wird nicht nur das Wesen des Krpers im
allgemeinen klargelegt: es wird auch das Dasein Gottes auf eine neue Art
bewiesen, wobei aber vielleicht wieder einige Schwierigkeiten vorkommen,
die spter bei Beantwortung der Einwnde ihre Lsung finden. Schlielich
wird auch gezeigt, inwiefern selbst die Gewiheit geometrischer Beweise
durch die Erkenntnis Gottes bedingt ist.
                *       *       *       *       *
Endlich in der =sechsten= Betrachtung wird zwischen Verstand und
Vorstellungsvermgen unterschieden und die Unterscheidungsmerkmale
werden angegeben; es wird bewiesen, da der Geist wirklich vom Krper
verschieden ist, und es wird dargethan, da er gleichwohl so eng mit
jenem verbunden ist, da er mit ihm ein einheitliches Ganzes bildet.
Alle Irrtmer, die gewhnlich aus den Sinnen hervorgehen, werden
besprochen und die Mittel a$
oder Affekte, dann die
Was nun die Vorstellungen anbetrifft, so knnen sie eigentlich nicht
falsch sein, wenn man sie nur an sich betrachtet und auf nichts anderes
bezieht. Ob ich eine Ziege oder eine Chimre mir vorstelle: da ich es
=vorstelle=, ist im einen Fall ebenso wahr wie im andern!
Auch beim Willen und den Affekten brauche ich keinen Irrtum zu frchten,
denn wenn ich auch Schlechtes oder ganz und gar Unmgliches wnschen
kann, so bleibt es darum doch immer wahr, da ich solches begehre.
So bleiben nur die =Urteile= allein, bei denen ich mich vor Irrtum hten
mu.[27] Der hauptschlichste und hufigste Irrtum aber, den man in
ihnen finden kann, besteht darin, da ich meine, die Vorstellungen,
die =in mir= sind, seien gewissen Dingen =auer mir= hnlich und
entsprechend. In der That, wenn ich die Vorstellungen nur als gewisse
Arten meines Denkens betrachten und auf nichts Anderes beziehen wrde,
so knnten sie mir kaum irgend einen Stoff zum Irrtum geben.
Von diesen Vorstellungen nun sind die einen, d$
 ich dir. Sonst wei ich
dann auch noch, wo Vater und Mutter wohnen. Auch der Joseph verdient
nicht, da er mit Ausdrcken solcher Art beschimpft werde. Schick ihn
ganz fort, wenn du dich durch ihn geschdigt glaubst, aber mach keine
solche Szenen.
Sie hatte das als unselbstndige Frau natrlich weinend gesprochen,
aber was sie sprach, das hatte seinen Eindruck durchaus nicht verfehlt,
Tobler war sofort ruhig geworden, das Gewitter war am Vorbergehen. Er
fing an, mit Joseph zu ratschlagen, was man tun knne, um sich die
Kapitalien des Herrn Johannes Fischer nicht entgehen zu lassen. Morgen
frh msse sogleich telefoniert werden.
Im Leben gewisser Handelsleute spielt das Telephon eine groe Rolle. Die
kaufmnnischen Gewaltstreiche wollen in der Regel telephonisch begonnen
Schon der bloe Gedanke, da man ja diesem Herrn Fischer morgen frh
telephonieren knne, machte beider, Toblers und Josephs, Hoffnungen
wieder aufleben. Wie war es denn mglich, da, wenn man derartige
Hilfsmittel zur Verfgung hatte, $
en hat.
Joseph machte sich auf den Heimweg.
                   *       *       *       *       *
Das Haus Tobler, wie steht es da, fest und zugleich zierlich, als werde
es von lauter Anmut und Lebensgengsamkeit bewohnt! Solch ein Haus ist
nicht leicht umzuwerfen; fleiige, geschickte Hnde haben es dauerhaft
zusammengefgt, mit Mrtel, Balken und Ziegelsteinen. Ein Seewind weht
es nicht um, selbst ein Orkan nicht einmal. Was knnen ein paar
geschftliche Verfehlungen solch einem Haus schaden?
Nun besteht ja allerdings ein Haus aus zwei Seiten, aus einer sichtbaren
und einer unsichtbaren, aus einem ueren Gefge und aus einem inneren
Halt, und der innere Bau ist vielleicht ebenso wichtig, ja, manchmal
vielleicht noch wichtiger zum Tragen und Sttzen des Ganzen, wie der
uere. Was ntzt es, wenn ein Haus schmuck und gefllig steht, wenn die
Menschen, die es bewohnen, es nicht zu sttzen und zu ertragen vermgen?
Da sind allerdings die geschftlichen und konomischen Fehler von groer
Item, das Haus Tobler b$
dwind, blas' noch mehr!
  Mein Mdel verlangt nach mir!
  Hohoje! Halloho! Hoho! Ho! Ho! Ho!
ZWEITER ACT.
ERSTE SCENE.
  Summ und brumm, du gutes Rdchen,
  Munter, munter dreh' dich um!
  Spinne, spinne tausend Fdchen,
  Gutes Rdchen, summ' und brumm!
  Mein Schatz ist auf dem Meere draus,
  Er denkt nach Haus
  An's fromme Kind:
  Mein gutes Rdchen saus' und braus'!
  Ach, gbst du Wind,
  Er kam' geschwind!
  Spinnt, spinnt!
  Fleissig, Mdchen!
  Summ, brumm,
  Gutes Rdchen!
  Ei! Fleissig, fleissig, wie sie spinnen!
  Will jede sich den Schatz gewinnen.
  Frau Mary, still! denn wohl Ihr wisst,
  Das Lied noch nicht zu Ende ist.
  So singt! dem Rdchen lsst's nicht Ruh'.
  Du aber, Senta, schweigst dazu?
  Summ und brumm, du gutes Rdchen,
  Munter, munter dreh' dich um!
  Spinne, spinne tausend Fdchen,
  Gutes Rdchen, summ und brumm!
  Mein Schatz da draussen auf dem Meer
  Im Sden er
  Viel Gold gewinnt.
  Ach, gutes Rdchen, braus' noch mehr!
  Er giet's dem Kind,
  Wenn's fleissig spinnt.
  Sp$

  Wird er vollbringen, was schon oft er wollte. . .
  Und was, Erik?
  Dir einen Gatten geben. --
  Mein Herz voll Treue bis zum Sterben,
  Mein drftig Gut, mein Jgerglck:--
  Darf so um Deine Hand ich werben,
  Stsst mich Dein Vater nicht zurck?
  Wenn sich mein Herz in Jammer bricht,
  Sag', Senta, wer dann fr mich spricht?
  O schweige jetzt, Erik! Lass mich hinaus,
  Den Vater zu begrssen!
  Wenn nicht, wie sonst, an Bord die Tochter kommt,
  Wird er nicht zrnen mssen?
Du willst mich fliehn?
Ich muss zum Port.
Du weichst mir aus?
Ach! lass mich fort!
  Fliehst Du zurck vor dieser Wunde,
  Die Du mir schlugst, den Liebeswahn?
  O hre mich zu dieser Stunde,
  Hr' meine letzte Frage an!
  Wenn dieses Herz in Jammer bricht,
  Wird's Senta sein, die fr mich spricht?
  Wie? zweifelst Du an meinem Herzen?
  Du zweifelst, ob ich gut Dir bin? --
  Doch sag', was weckt Dir solche Schmerzen?
  Was trbt mit Argwohn Deinen Sinn?
  Dein Vater -- ach! nach Schtzen geizt er nur. . .
  Und Senta, Du! Wie d$
ieses fremde Luststck, wofr ich allerdings (mein
Verleger bezeugt's) den Ehrensold selber beziehe, berkam ich so
rechtlich, da ich unbeschreiblich ruhig erwarte, was der Feldprediger
gegen die Herausgabe sagt, falls er nicht schweigt. Mein Gewissen brgt
mir, da ich wenigstens auf ehrlicheren Wegen zu diesem Besitztume
gekommen, als die sind, auf denen Gelehrte mit den Ohren stehlen, welche
als geistige Hrsaalshausdiebe und Kathederschnapphhne und Kreuzer die
erbeuteten Vorlesungen in den Buchdruckereien ausschiffen, um sie im
Lande als eigene Erzeugnisse zu verhandeln. Noch hab' ich wenig mehr in
meinem Leben gestohlen, als jugendlich zuweilen -- Blicke.
2) Das zweite Wort soll die auffallende, mit einem Notensouterrain
durchbrochene Gestalt des Werkleins entschuldigen. Sie gefllt mir
selber nicht. Die Welt schlage auf und schaue hinein und entscheide
ebenfalls. Aber folgender Zufall zog diese durch das ganze Buch
streichende Teilungslinie: ich hatte meine eigenen Gedanken (oder
Digressionen), womit $
itter, das dem Postwagen nachfuhr, vernderte den Diskurs.
Ihr, Freunde, erratet wohl alle -- da ihr mich nicht als einen Mann ohne
alle Physik kennen lernen -- meine Maregeln gegen Gewitter:
    [89] In groen Stdten lebt der Fremde die ersten Tage nach seiner
    Ankunft blo von seinem Gelde im Gasthofe, erst darauf in den
    Husern seiner Freunde umsonst; langt man hingegen auf der Erde an,
    wie z.B. ich, so wird man gerade die ersten Jahre hindurch hflich
    freigehalten, in den andern und lngern aber -- denn man bleibt oft
    sechzig Jahre -- mu man wahrhaftig (ich habe die Dokumente in
    Hnden) jeden Tropfen und Bissen bezahlen, als wre man im groen
    Gasthofe zur Erde, was noch dazu wahr ist.
ich setze mich nmlich auf einen Sessel mitten in der Stube (oft bleib'
ich bei bedenklichem Gewlk ganze Nchte auf ihm), und decke mich durch
mein Reinigen von allen Leitern, Ringen, Schnallen und so weiter und
durch mein Absitzen von allen Blitzabsprngen immer so, da ich
kaltbltig die Sp$
ich die Ferse rckte, mich
selber als einen verblfften Stocknarren und Ladstock in die andere
Welt, unter die Seligen hineinscho. Ich suchte vor allen Dingen mich
mit den Fungeln in den Boden wie einzubeien und einzufressen -- weil
ich wenigstens so lange am holden Leben bleiben konnte, als ich mich
fest pflckte neben der daliegenden Atroposschere und Henkersbhne; --
darauf wnscht' ich mich zu entsinnen, auf welchen Steigen der Teufel
mich unerschossen herbeigefhrt. Aber vor Angst hatt' ich alles
ausgeschwitzt und wute gar nichts, -- im nahen Hllendorf war kein
    [11] Das goldene Kalb der Selbstsucht wchst bald zum glhenden
    Phalarisochsen, der seinen Vater und Anbeter einschert.
Hund zu ersehen und zu erschreien, der mich etwa aus dem Wasser htte
holen knnen, und die beiden Schwger soffen selig. Indes, ich fate Mut
und Entschlu -- schrieb auf einem Pergamentblatte meinen letzten Willen
sowie meine zufllige Sterbart nieder, und meinen Todesdank ans
Bergelchen -- und flog dann mit voll$
ern des Prinzen, und
er windet es sich um den Hals und wrgt sich damit. Dann tastet er ihr
nach in die Nacht hinein und jubelt pltzlich auf. Er hrt, sie hat die
kleine Tapetenthr entdeckt und er wei: nun ist sie sein; denn von da
giebt es nur einen Weg: die schmale Turmtreppe, die in das kleine
duftende Rundgemach mndet -- hoch im Moldauturme. Und mit bermtiger
Hast ist er hinter ihr, immer hinter ihr, und er vernimmt nicht ihren
verscheuchten Schritt, aber wie einen Glanz sieht er sie bei jeder
Wendung der Treppe vor sich her. Da fat er sie wieder, und jetzt hlt
er das zarte, angstwarme Hemdchen in der Hand, nur das Hemdchen, und
seinen Lippen und Wangen ist es khl. Es schwindelt ihn, und wie er
seine Beute kt, lehnt er zgernd an der Wand. Dann mit drei, vier
Tigersprngen taucht er hinauf in die Thr des Turmgemachs und --
erstarrt: hoch vor der Nacht ragt, nackt, der reine weie Leib, wie vom
Fensterrande aufgeblht. Und reglos sind sie beide. Aber dann, eh' er's
noch denkt, heben sich zwei h$
ngen in der Majoritt waren. Ein herziges kleines Familientrio,
aus einem Knaben und zwei winzigen Mdchen bestehend, wurde viel
bewundert, und die Mutter geradezu beneidet. Mehrere der anwesenden
Mtter meinten, sie htten sich oft fr John oder Tommy ein Brderchen
oder Schwesterchen gewnscht; da wenige der betreffenden Kinder lter
als fnf Jahre waren, schien die Schwierigkeit nicht unberwindlich zu
sein. Aber es herrschte nur _eine_ Meinung unter den Damen: da es zu
spt sei, wieder mit der Kleinkinderstube zu beginnen. Es tte nur
gut, wenn beide zusammen aufwachsen knnten; fnf Jahre sei ein zu
groer Altersunterschied und so weiter. Gewi werden sie dereinst ihre
Zaghaftigkeit bitter bereuen, wie es bei vielen Frauen aus meiner
persnlichen Bekanntschaft der Fall war. -- John oder Tommy knnen ihnen
genommen werden, oder, was schlimmer ist, sie knnen lieblos und
ungehorsam werden, und in jener traurigen Zeit werden sie kein anderes
Kind als trstenden Ersatz haben.
Wenn die seichten Verfasse$
 mir bermenschliches zugetraut und kann es
nicht durchfhren. Meinetwegen sage, ich bin schwach. Ich bin auch nur
ein schwaches Weib. Ich will fort von hier. Fort aus dem Hause will
Mutter -- das -- nein, das kannst du nicht! schrie Richard ganz laut
vor Schrecken und starrte seine Mutter voll Entsetzen an.
Sei leise, Richard, er hrt uns, mahnte die Mutter. Mein Junge, es
wird dir schwer, aber du mut mir das Opfer bringen -- du wirst -- ich
wei es...
Welches Opfer? fragte Richard und begann zu zittern. Was meinst du
denn, Mutti?
Da du mit mir gehen sollst, Richard, das meine ich. Heimlich wollen
wir fort. Anders geht es nicht -- sonst bringt er uns ja doch wieder
in seine Gewalt. Ich kann es nicht durchleben, wie er dich von meinem
Herzen fortlockt ... Und glaube mir, Richard -- ich kenne ihn -- in
ihm ist eine schauerliche Klte. Was gilt ihm Menschenglck -- ihm
gilt nur die Kunst ... Wenn du ihn da enttuschest -- du sollst es
sehen, wie er dich rcksichtslos ber Bord wirft...
Das darf$
zu Petrowitsch -- die Wahrheit zu sagen war diese gerade
frisch eingeseift und stank, wie alle Petersburger Hintertreppen, stark
nach Schnaps -- ich sage auf der Stiege berlegte Akaki Akakiewitsch,
wieviel Petrowitsch wohl verlangen drfte, und war in Gedanken fest
entschlossen, nicht mehr als zwei Rubel zu geben. Die Tr stand offen,
denn die Kche, wo des Petrowitsch Weib einen Fisch briet, war so voll
Rauch, da man nicht einmal die Schwaben sehen konnte. Akaki konnte also
durchgehen, ohne von der Wirtin gesehen zu werden, und trat ins Zimmer
des Petrowitsch, welcher an einem breiten ungestrichenen Tisch sa und
die Beine wie ein Pascha gekreuzt hatte. Die Fe waren wie bei allen
Schneidern blo, und vor allem mute dem Kunden der Daumen auffallen;
Akaki Akakiewitsch kannte ihn gut mit seinem verstmmelten Nagel, der
dick und hart wie Schildpatt war. Um den Hals hingen ihm Fden von Zwirn
und Seide und auf den Knien hatte er einen alten Fetzen. Schon seit
einigen Minuten suchte er den Zwirn in das Nadel$
h zuhaltend, ins linke den Schnupftabak gezogen, als das
Gespenst so heftig zu niesen begann, da es nur so in aller drei Augen
spritzte. Und so, whrend sie sich noch die Augen rieben, verschwand
das Gespenst, und sie wuten spter nicht einmal, ob sie es wirklich in
Hnden gehabt htten oder nicht. Seitdem hatten die Wachtposten alle
eine solche Furcht vor Gespenstern, da sie es nicht mehr wagten, diese
lebend zu fangen, und ihnen nur von weitem zuriefen: Du, geh du nur
deines Weges! und das Gespenst des Titularrats sich jetzt schon
jenseits der Kalinkinbrcke zeigte und dort allen furchtsamen Leuten
keine geringe Angst einjagte.
Doch wir haben ganz und gar die hochstehende Persnlichkeit sitzen
lassen, die doch in Wirklichkeit die Ursache davon war, da unsere wahre
Geschichte nun eine so phantastische Richtung genommen hat. Zunchst
sind wir es der Gerechtigkeit schuldig zu berichten, da sie bald
nachdem seinerzeit der arme, heruntergerissene Akaki Akakiewitsch
herausgegangen war, etwas wie Bedauern f$
 Sie hatte
dem abziehenden Geliebten gewissermaen aufmerksam nachgeschaut, sa
lnger als eine Stunde unbeweglich da und stand dann auf, indem sie
bitterlich zu weinen begann und ratlos nach der Tre ging. Zwei
Freundinnen gesellten sich nun zu ihr mit zweifelhaft trstenden Worten;
sie bat dieselben, ihr Mantel, Tcher, Hut und dergleichen zu
verschaffen, in welche Dinge sie sich sodann stumm verhllte, die Augen
mit dem Schleier heftig trocknend. Da man aber, wenn man weint, fast
immer zugleich auch die Nase schneuzen mu, so sah sie sich doch
gentigt, das Taschentuch zu nehmen und tat einen tchtigen Schneuz,
worauf sie stolz und zornig um sich blickte. In dieses Blicken hinein
geriet Melchior Bhni, der sich ihr freundlich, demtig und lchelnd
nherte und ihr die Notwendigkeit darstellte, nunmehr einen Fhrer und
Begleiter nach dem vterlichen Hause zurckzuhaben. Den Teich Bethesda,
sagte er, werde er hier im Gasthause zurcklassen und dafr die Fortuna
mit der verehrten Unglcklichen sicher nach Gold$
em Gritli totenbla und erfroren auf einem alten Schemel sa.
Sie hatte sich bisher ruhig und still verhalten in der Hoffnung, der
Mann werde ohne Zeugen kommen und aufmachen, und sie knne alsdann mit
ihm reden; denn bei seinem ersten unerwarteten Anblicke hatte sie
gefhlt, da er ihres Migriffs mit den Briefen bereits inne geworden,
ohne da sie erraten konnte, auf welchem Wege. Wie sie seiner daher nun
ansichtig wurde, stand sie auf, ergriff seine Hand und wollte ihn
beschwren, nur einige Minuten zuzuhren; doch da sie sah, da die
Dienstboten hinter ihm standen, konnte sie nichts sagen, und berdies
nahm er sie sofort beim Arme und fhrte sie unsanft mit den Worten auf
die Gasse hinaus: Hiermit verstoe und verjage ich dich,
verbrecherisches Weib! und nie mehr wirst du diese Schwelle betreten!
Worauf er die Haustr zuschlug und seine Leute barsch an ihre Geschfte
Hierauf begab er sich, da seine Munterkeit bereits erschpft war, wieder
ins Bett und schlief abermals wie ein Ratz bis in den Nachmittag $
e Jnglinge sich im behenden Marsch und im
festgeschlossenen Vordrange bten, an ihren langen Spieen ber breite
Grben setzten und die Krper in jeder Weise sich dienstbar machten,
oder endlich der Kunst der Bchsenschtzen oblagen.
Da durch alles dies das Leben im Hause sich nderte und besonders das
weibliche Treiben ihn strte, ohne da er recht beachtete, wie es
eigentlich damit beschaffen war, so nahm seinerseits der Forstmeister
fter, als zu Lebzeiten seiner Frau geschehen, den Weg in die
Trinkstuben seiner Stadtgenossen. Fern von der kindischen Torheit des
Hauses lag er der reiferen Torheit der Mnner ob und trug sein Haupt
zuweilen beladen, aber immer aufrecht den Forst hinan, wenn die
Mitternachtsglocke verhallte.
So gingen die Dinge ihre verschiedenen Wege und die Zeit vorber, bis an
einem sonnenhellen Johannistage allerlei Geschicke sich zu erfllen
Der Forstmeister ging in die Stadt auf seine Zunft, welche ihr
Hauptgebot mit groem Jahresschmaus abhielt, und er gedachte, bis in die
Nacht zu ze$
n, eine
Tnzerin, das mute der Mann mit der gespickten Tasche sein eigen
nennen. Nach den Reizen, die alle Welt kennt, stand sein Sinn; von dem
Glck, ein Weib, einen Schatz zu besitzen, dessen Reize mein und nur
mein heiliges Geheimnis sind, hatte er keine Ahnung. Und doch, wenn man
den goldigen Schmetterling etwas nher betrachtete, besa er denn in den
meisten Fllen das leibliche und geistige Vermgen, um auch nur ein
weibliches Wesen in seiner natrlichen und gemtlichen Tiefe und Flle
von Grund aus zu erkennen?
Da solche widerliche Erscheinungen vermindert worden, kann man als
einen Segen der Krisis preisen. Die Kunst, arm zu werden, ist an den
soeben geschilderten Leuten verloren. Ich denke mir als Zglinge dieser
Kunst ernstere, feinfhligere, bessere Naturen, welche begreifen, da im
Reichtum etwas wie eine Schuld liegt, und da der Verlust des
berflssigen eine Shne fr das noch Erhaltene bildet. Man mu sich auf
kleineren und reineren Fu einrichten und den verlorenen ueren Glanz
durch Herze$
ou should also be able to hum the air without the
piano. Strengthen your imagination so, that you may not only retain the
melody of a composition, but even the harmony which belongs to it.
                   *       *       *       *       *
Endeavour, even with a poor voice, to sing at first sight without the
aid of the instrument; by these means your ear for music will constantly
improve: but in case you are endowed with a good voice, do not hesitate
a moment to cultivate it; considering it at the same time as the most
valuable gift which heaven has granted you!
                   *       *       *       *       *
You must be able to understand a piece of music upon paper.
                   *       *       *       *       *
When you play, never mind who listens to you.
                   *       *       *       *       *
Play always as if in the presence of a master.
                   *       *       *       *       *
If any one should place before you a composition to play at sight, read
it over before y$
CE
                          TO YOUNG MUSICIANS,
                             TRANSLATED BY
                          HENRY HUGO PIERSON.
                          LEIPSIC & NEW-YORK.
                          J. SCHUBERTH & CO.
                                LONDON,
                       ENT. ST. HALL. EWER & CO.
                       (This work is copyright.)
            Entered according to act of congress AD. 1860 by
                           J. SCHUBERTH & CO.
       in the clerks office of the District Court of the Southern
                         District of New-York.
The cultivation of the Ear is of the greatest importance.--Endeavour
early to distinguish each several tone and key. Find out the exact notes
sounded by the bell, the glass, the cuckoo, etc.
                   *       *       *       *       *
Practise frequently the scale and other finger exercises; but this alone
is not sufficient. There are many people who think to obtain grand
results in this way, and who up to a mature age spend$
n das und ihre
Kinder, und haben dabei alle Hnde voll zu thun.
Aber die Nachbarn kommen dann unter einander wahrscheinlich sehr hufig
Ja, wenn sie Nachbarn haben, die Nachbarschaft in Arkansas soll aber
der Henker holen, sagte Charley -- die nennen sich so und wenn sie
zwanzig Meilen von einander sitzen.
Das ist ein Beweis fr ihre Geselligkeit lchelte Frulein von
Ja schne Geselligkeit, wenn Niemand dazwischen wohnt meinte
Charley -- ne, da lob' ich mir Little Rock; wenn mir da mein eigener
Brandy nicht mehr schmeckt, gehe ich um die Ecke herum zum Georg und
trinke da anderen, und alle Wochen kommen ein paar Dampfboote den Strom
herauf oder herunter, die auch Neues bringen, und wo man doch etwas zu
hren und zu sehn bekommt. S'ist ein ganz famoses Leben in Little Rock.
Frulein von Seebald fhlte sich, obgleich ihr der fremde Deutsche gar
nichts Direktes von den Ihrigen sagen konnte, und diese jedenfalls
in ganz andern Verhltnissen lebten wie er sie hier schilderte, doch
unangenehm berhrt d$
 die eigensinnigen Burschen,
lie sie aber gewhren, und Wolf wie Georg wurden Feuerleute auf der
Mississippi-Belle.
Die Frau brachte Georg, kurz vor der Abfahrt des Bootes, in ein
deutsches Kosthaus, und bat die Leute dort sich ihrer anzunehmen, bis
sie sich erholt habe; er selber wolle dann auf dem Rckweg wieder
vorsprechen, und gern die Kosten, zu denen er schon einige Dollar da
lie, tragen.
Die Frau sprach dabei kein Wort -- sie dankte ihm nicht, sie sah nicht
auf, und sa still und regungslos, wie sie am Feuer gesessen hatte, in
der Ecke, als er das Haus verlie.
Die Deutschen in Cincinnati.
Herr von Hopfgarten, den wir auf seiner Fahrt nach Cincinnati verlassen
haben, hatte sich indessen in der Knigin des Westens wie sie
ernsthaft, oder _Porkopolis_ -- wie sie der ungeheueren Masse Schweine
wegen, die dort jhrlich geschlachtet und verschickt werden, scherzhaft
im Lande heit, einige Wochen aufgehalten, um sich mit dem Leben und
Treiben einer der inneren Stdte Amerikas bekannt zu machen.
Die Lage $
alt bereinander gehuft, wenn nicht ein ganz
gleichartiges, nicht in Blcke getheiltes, aber von Gngen durchzogenes
Gestein anstnde und deutlich verriethe, da das Zerfallen in
Parallelipipede von atmosphrischen Einflssen herrhrt. Jene zwei bis
drei Zoll mchtigen Gnge bestehen aus einem quarzreichen, feinkrnigen
Granit im grobkrnigen, fast porphyrartigen, an schnen rothen
Feldspathkrystallen reichen Granit. Umsonst habe ich mich in der
Cordillere des Baraguan nach der Hornblende und den Specksteinmassen
umgesehen, die fr mehrere Granite der Schweizer Alpen charakteristisch
Mitten in der Stromenge beim Baraguan gingen wir ans Land, um dieselbe zu
messen. Die Felsen stehen so dicht am Flu, da ich nur mit Mhe eine
Standlinie von 80 Toisen abmessen konnte. Ich fand den Strom 889 Toisen
breit. Um begreiflich zu finden, wie man diese Strecke eine *Stromenge*
nennen kann, mu man bedenken, da der Strom von Uruana bis zum Einflu
des Meta meist 1500--2500 Toisen breit ist. Am selben, auerordentlich
h$
wir ihnen Branntwein an; sie
wollten ihn nicht einmal kosten. Die Gesichter der jungen Mdchen waren
alle mit runden schwarzen Tupfen bemalt; dieselben nahmen sich aus wie die
Schnpflsterchen, mit denen frher die Weiber in Europa die Weie ihrer
Haut zu heben meinten. Am brigen Krper waren die Guahibos nicht bemalt.
Mehrere hatten einen Bart; sie schienen stolz darauf, faten uns am Kinn
und gaben uns durch Zeichen zu verstehen, sie seyen wie wir. Sie sind
meist ziemlich schlank gewachsen. Auch hier, wie bei den Salivas und
Macos, fiel mir wieder auf, wie wenig Aehnlichkeit die Indianer am Orinoco
in der Gesichtsbildung mit einander haben. Ihr Blick ist dster,
trbselig, aber weder streng noch wild. Sie haben keinen Begriff von den
christlichen Religionsgebruchen (der Missionr von Carichana liest in San
Borja nur drei- oder viermal im Jahr Messe); dennoch benahmen sie sich in
der Kirche durchaus anstndig. Die Indianer lieben es, sich ein Ansehen zu
geben; gerne dulden sie eine Weile Zwang und Unterw$
 der Mann,
die Plackereien, ber welche die catalonischen Krmer klagen, sich zu
Schulden kommen zu lassen; man fragt sich aber, wehalb das Regiment in
den Missionen sogar in den spanischen Colonien so grndlich verhat ist?
Verlumdete man nur reiche Leute, so waren die Missionare am obern Orinoco
vor dergleichen boshaften Angriffen sicher. Sie besitzen kein Pferd, keine
Ziege, kaum eine Kuh, whrend ihre Ordensbrder, die Kapuziner in den
Missionen am Carony, Heerden von 40000 Stcken besitzen. Der Groll der
arbeitenden Classen unter den Colonisten gilt also nicht dem Wohlstand der
Observanten, sondern ihrem Prohibitivsystem, ihren beharrlichen
Bemhungen, ihr Gebiet gegen die Weien abzusperren, den Hindernissen, die
sie dem Austausch der Produkte in den Weg legen. Aller Orten emprt sich
das Volk gegen Monopole, nicht allein wenn sie auf den Handel und die
materiellen Lebensbedrfnisse Einflu uern, sondern auch wenn sich ein
Stand oder eine Schichte der Gesellschaft das Recht anmat, allein die
Jugend$
ig beachtete Quelle enthlt neben
den plumpsten Uebertreibungen sehr interessante lokale Beobachtungen.
Unter den Affen, die wir in der Mission Atures zu sehen bekamen, fanden
wir eine neue Art aus der Sippe der *Sas* oder *Sajous*, von den
Hispano-Amerikanern gewhnlich _'Machis'_ genannt. Es ist die der
*Ouavapavi* [_Simia albifrons_, HUMBOLDT.] mit grauem Pelz und blulichem
Gesicht. Augenrnder und Stirne sind schneewei, und dadurch unterscheidet
er sich auf den ersten Blick von der _Simia capucina_, der _Simia apella_,
_Simia trepida_ und den andern Winselaffen, in deren Beschreibung bis
jetzt so groe Verwirrung herrscht. Das kleine Thier ist so sanftmthig
als hlich. Jeden Tag sprang es im Hofe der Mission auf ein Schwein und
blieb auf demselben von Morgen bis Abend sitzen, whrend es auf den
Grasfluren umherlief. Wir sahen es auch auf dem Rcken einer groen Katze,
die mit ihm im Hause des Pater Zea aufgezogen worden war.
In den Katarakten hrten wir auch zum erstenmal von dem behaarten
Waldmensc$
gibt es nicht auffallend
mehr Schnaken als in dem am strksten bevlkerten Theile Europas. In Nueva
Barcelona dagegen und weiter westwrts an der Kste, die gegen Cap Codera
luft, nehmen sie ungeheuer zu. Zwischen dem kleinen Hafen von Higuerote
und der Mndung des Rio Unare haben die unglcklichen Einwohner den
Brauch, sich bei Nacht auf die Erde zu legen und sich drei, vier Zoll tief
in den Sand zu begraben, so da nur der Kopf frei bleibt, den sie mit
einem Tuch bedecken. Man leidet vom Insektenstich, doch so, da es leicht
zu ertragen ist, wenn man den Orinoco von Cabruta gegen Angostura hinunter
und von Cabruta gegen Uruana hinauffhrt, zwischen dem siebenten und
achten Grad der Breite. Aber ber dem Einflu des Rio Arauca, wenn man
durch den Engpa beim Baraguan kommt, wird es auf einmal anders, und von
nun an findet der Reisende keine Ruhe mehr. Hat er poetische Stellen aus
DANTE im Kopfe, so mag ihm zu Muthe seyn, als htte er die _'Citt
dolente'_ betreten, als stnden an den Felswnden beim Baragua$
en fleischfressenden Reptilien ruhig badet. Die
Jaguars in Maturin, Cumanacoa und auf der Landenge von Panama sind feig
denen am obern Orinoco gegenber. Die Indianer wissen recht gut, da die
Affen aus diesem und jenem Thale leicht zu zhmen sind, whrend Individuen
derselben Art, die man anderswo fngt, lieber Hungers sterben, als sich in
die Gefangenschaft ergeben.
Das Volk in Amerika hat sich hinsichtlich der Gesundheit der Gegenden und
der Krankheitserscheinungen Systeme gebildet, ganz wie die Gelehrten in
Europa, und diese Systeme widersprechen sich, gleichfalls wie bei uns, in
den verschiedenen Provinzen, in die der neue Continent zerfllt, ganz und
gar. Am Magdalenenflu findet man die vielen Moskitos lstig, aber sie
gelten fr sehr gesund. Diese Thiere, sagen die Leute, machen uns
kleine Aderlen und schtzen uns in einem so furchtbar heien Land vor
dem _Tabardillo_, dem Scharlachfieber und andern entzndlichen
Krankheiten. Am Orinoco, dessen Ufer hchst ungesund sind, schreiben die
Kranken al$
 gut geborgen.
Diese Geschichte des Missionrs wurde uns spter in Angostura aus dem
Munde des Statthalters vollkommen besttigt. Zufllige Umstnde geben zu
den seltsamsten Vermuthungen Anla. In den Hhlen, wo die Mumien und
Skelette der Atures liegen, ja mitten in den Katarakten, auf den
unzugnglichsten Inseln fanden die Indianer vor langer Zeit
eisenbeschlagene Kisten mit verschiedenen europischen Werkzeugen, Resten
von Kleidungsstcken, Rosenkrnzen und Glaswaaren. Man vermuthete, die
Gegenstnde haben portugiesischen Handelsleuten vom Rio Negro und
Gran-Para angehrt, die vor der Niederlassung der Jesuiten am Orinoco ber
Tragepltze und die Fluverbindungen im Innern nach Atures heraufkamen und
mit den Eingeborenen Handel trieben. Die Portugiesen, glaubte man, seyen
den Seuchen, die in den Raudales so hufig sind, erlegen und ihre Kisten
den Indianern in die Hnde gefallen, die, wenn sie wohlhabend sind, sich
mit dem Kostbarsten, was sie im Leben besaen, beerdigen lassen. Nach
diesen zweifelhaften $
 stellen, einen Granitgrat,
der nrdlich von der Missionskirche aus der Savane aufsteigt und nichts
ist als eine Fortsetzung der Staffeln, aus denen der Raudalito Manimi
besteht. Wir waren oft auf diesem Berge, denn man sieht sich nicht satt an
diesem auerordentlichen Schauspiel in einem der entlegensten Erdwinkel.
Hat man den Gipfel des Felsen erreicht, so liegt auf einmal, eine Meile
weit, eine Schaumflche vor einem da, aus der ungeheure Steinmassen
eisenschwarz aufragen. Die einen sind, je zwei und zwei beisammen,
abgerundete Massen, Basalthgeln hnlich; andere gleichen Thrmen,
Castellen, zerfallenen Gebuden. Ihre dstere Frbung hebt sich scharf vom
Silberglanze des Wasserschaums ab. Jeder Fels, jede Insel ist mit Gruppen
krftiger Bume bewachsen. Vom Fu dieser Felsen an schwebt, so weit das
Auge reicht, eine dichte Dunstmasse ber dem Strom, und ber den
weilichen Nebel schiet der Wipfel der hohen Palmen empor. Diese
groartigen Gewchse -- wie nennt man sie? Ich glaube es ist der
_Vadgiai_, ein$
 Boden und werde erst hart, nachdem er
bearbeitet worden.
Aus dem hier Angefhrten erhellt, da der Amazonenstein nicht im Thale des
Amazonenstromes selbst vorkommt, und da er keineswegs von diesem Flusse
den Namen hat, sondern, wie dieser selbst, von einem Volke kriegerischer
Weiber, welche Pater Acua und Oviedo in seinem Brief an den Cardinal
Bembo mit den Amazonen der alten Welt vergleichen. Was man in unsern
Sammlungen unter dem falschen Namen Amazonenstein sieht, ist weder
Nephrit noch dichter Feldspath, sondern gemeiner apfelgrner Feldspath,
der vom Ural am Onegasee in Ruland kommt und den ich im Granitgebirg von
Guyana niemals gesehen habe. Zuweilen verwechselt man auch mit dem so
seltenen und so harten Amazonenstein Werners *Beilstein*,(75) der lange
nicht so zh ist. Das Mineral, das ich aus der Hand der Indianer habe, ist
zum *Saussurit*(76) zu stellen, zum eigentlichen Nephrit, der sich
oryctognostisch dem dichten Feldspath nhert und ein Bestandtheil des
*Verde de Corsica* oder des Gabbro is$
te das leichtglubige Volk in jedem
*Palenque* von Marronnegern den Hof des Knigs Miguel, seinen Staatsrath
und den schwarzen Bischof von Buria gesehen. Die Caraiben in Terra Firma
standen mit denen auf den Inseln in Verkehr, und hchst wahrscheinlich
haben sich auf diesem Wege die Sagen vom Maragnon und Orinoco gegen Norden
verbreitet. Schon vor Orellanas Flufahrt glaubte Christoph Columbus auf
den Antillen Amazonen gefunden zu haben. Man erzhlte dem groen Manne,
die kleine Insel Madanino (Montserrate) sey von kriegerischen Weibern
bewohnt, die den grten Theil des Jahrs keinen Verkehr mit Mnnern
htten. Anderemale sahen die Conquistadoren einen Amazonenfreistaat, wo
sie nur Weiber vor sich hatten, die in Abwesenheit der Mnner ihre Htten
vertheidigten, oder auch -- und dieses Miverstndni ist schwerer zu
entschuldigen -- jene religisen Vereine, jene Klster mexicanischer
Jungfrauen, die zu keiner Zeit im Jahre Mnner bei sich aufnahmen, sondern
nach der strengen Regel Quetzalcohuatls lebten. Die a$
andhosen'_
durchgegangen waren. Dieser westliche Strich der Llanos ist der heisseste,
weil ihm die Luft zugefuehrt wird, welche bereits ueber die ganze duerre
Steppe weggegangen ist. Denselben Unterschied hat man zwischen den
oestlichen und westlichen Strichen der afrikanischen Wuesten da bemerkt, wo
die Passate wehen. -- In der Regenzeit nimmt die Hitze in den Llanos
bedeutend zu, besonders im Juli, wenn der Himmel bedeckt ist und die
strahlende Waerme gegen den Erdboden zurueckwirft. In dieser Zeit hoert der
Seewind ganz auf, und nach POZO's guten thermometrischen Beobachtungen
steigt der Thermometer im Schatten auf 39--39 deg.,5 [31 deg.,2--31 deg.,6 R], und
zwar noch ueber 15 Fuss vom Boden. Je naeher wir den Fluessen Portugueza,
Apure und Apurito kamen, desto kuehler wurde die Luft, in Folge der
Verdunstung so ansehnlicher Wassermassen. Diess ist besonders bei
Sonnenaufgang fuehlbar; den Tag ueber werfen die mit weissem Sand bedeckten
Flussufer die Sonnenstrahlen auf unertraegliche Weise zurueck, mehr al$
en und die Schildkroeten nicht durch Geschrei zu verscheuchen. Die Eier
werden immer bei Nacht gelegt, aber gleich von Sonnenuntergang an. Das
Thier graebt mit seinen Hinterfuessen, die sehr lang sind und krumme Klauen
haben, ein drei Fuss weites und zwei Fuss tiefes Loch. Die Indianer
behaupten, um den Ufersand zu befestigen, benetze die Schildkroete
denselben mit ihrem Harn, und man glaubt solches am Geruch wahrzunehmen,
wenn man ein frisch gegrabenes Loch oder _'Eiernest'_, wie man hier sagt,
oeffnet. Der Drang der Thiere zum Eierlegen ist so stark, dass manche in die
von andern gegrabenen, noch nicht wieder mit Erde ausgefuellten Loecher
hinunter gehen und auf die frisch gelegte Eierschicht noch eine zweite
legen. Bei diesem stuermischen Durcheinander werden ungeheuer viele Eier
zerbrochen. Der Missionaer zeigte uns, indem er den Sand an mehreren
Stellen ausgrub, dass der Verlust ein Drittheil der ganzen Ernte betragen
mag. Durch das vertrocknende Gelb der zerbrochenen Eier backt der Sand
noch staerker zu$
hen, als einen sehr gesuchten
Artikel, bei. Manche Leute europaeischer Abkunft brauchen den Farbstoff,
mit Wasser angeruehrt, als ein vorzuegliches harntreibendes Mittel.
Der Brauch, den Koerpers zu bemalen, ist nicht bei allen Voelkern am Orinoco
gleich alt. Erst seit den haeufigen Einfaellen der maechtigen Nation der
Caraiben in diese Laender ist derselbe allgemeiner geworden. Sieger und
Besiegte waren gleich nackt, und um dem Sieger gefaellig zu seyn, musste man
sich bemalen wie er und seine Farbe tragen. Jetzt ist es mit der Macht der
Caraiben vorbei, sie sind auf das Gebiet zwischen den Fluessen Carony,
Cuyuni und Paraguamuzi beschraenkt, aber die caraibische Mode, den ganzen
Koerper zu faerben, hat sich erhalten; der Brauch ist dauernder als die
Ist nun der Gebrauch des Onoto und des Chica ein Kind der bei wilden
Voelkern so haeufigen Gefallsucht und ihrer Liebe zum Putz, oder gruendet er
sich vielleicht auf die Beobachtung, dass ein Ueberzug von faerbenden und
oeligten Stoffen die Haut gegen den Stich $
en
Versuch im Thale des Magdalenenstroms nach dem Rathe der Indianer oft an
uns selbst gemacht. Man fragt sich, ob das Insekt die reizende Fluessigkeit
erst im Augenblick ergiesst, wo es wegfliegt, wenn man es verjagt, oder ob
es die Fluessigkeit wieder aufpumpt, wenn man es saugen laesst, soviel es
will? Letztere Annahme scheint mir die wahrscheinlichere; denn haelt man
dem _Culex cyanopterus_ ruhig den Handruecken hin, so ist der Schmerz
anfangs sehr heftig, nimmt aber immer mehr ab, je mehr das Insekt
fortsaugt, und hoert ganz auf im Moment, wo es von selbst fortfliegt. Ich
habe mich auch mit einer Nadel in die Haut gestochen und die Stiche mit
zerdrueckten Moskitos (_mosquitos machucados_) gerieben, es folgte aber
keine Geschwulst darauf. Die reizende Fluessigkeit der _Diptera Nemocera_
die nach den bisherigen chemischen Untersuchungen sich nicht wie eine
Saeure verhaelt, ist, wie bei den Ameisen und andern Hymenopteren, in
eigenen Druesen enthalten; dieselbe ist wahrscheinlich zu sehr verduennt und
damit$
en
wir nach dem Fels, der darin steht, den Keri-Grund nennen wollen; erst als
das Wasser allmaelig fiel, zog es sich ganz gegen die oestliche Kette und
liess den westlichen Stromarm trocken liegen. Streifen, deren schwarze
Farbe ohne Zweifel von Eisen- und Manganoxyden herruehrt, scheinen die
Richtigkeit dieser Ansicht zu beweisen. Man findet dieselben auf allem
Gestein, weit weg von der Mission, und sie weisen darauf hin, dass hier
einst das Wasser gestanden. Geht man den Fluss hinauf, so ladet man die
Fahrzeuge am Einfluss des Toparo in den Orinoco aus und uebergibt sie den
Eingeborenen, die den Raudal so genau kennen, dass sie fuer jede Staffel
einen besondern Namen haben. Sie bringen die Canoes bis zum Einfluss des
Cameji, wo die Gefahr fuer ueberstanden gilt.
Der Katarakt von Quittuna oder Maypures stellt sich in den zwei
Zeitpunkten, in denen ich denselben beim Hinab- und beim Hinauffahren
beobachten konnte, unter folgendem Bilde dar. Er besteht, wie der von
Mapara oder Atures, aus einem Archipel von In$
 die Bodenverhaeltnisse so guenstig, wie man sie bei Atures
vergeblich suchte. Der Canal wuerde 2850 oder 1360 Toisen lang, je nachdem
man ihn nahe an der Muendung der beiden Fluesschen oder weiter ihren Quellen
zu anfangen liesse. Das Terrain scheint im Durchschnitt von Sued Sued Ost
nach Nord Nord West um 6--7 Toisen zu fallen, und im Thal des Keri ist der
Boden ganz eben, mit Ausnahme eines kleinen Kamms oder einer
Wasserscheide, welche im Parallel der Kirche von Maypures die beiden
Nebenfluesse des Stromes nach entgegengesetzten Seiten laufen laesst. Die
Ausfuehrung dieses Plans waere durchaus nicht kostspielig, da die Landenge
groesstentheils aus angeschwemmtem Boden besteht, und Pulver haette man dabei
gar nicht noethig. Dieser Canal, der nicht ueber zehn Fuss breit zu seyn
brauchte, waere als ein schiffbarer Arm des Orinoco zu betrachten. Es
beduerfte keiner Schleusse, und die Fahrzeuge, die in den obern Orinoco
gehen, wuerden nicht mehr wie jetzt durch die Reibung an den rauhen Klippen
im Raudal besch$
, du urweltliches Treiben.
    In scheuen Haufen ziehn die Krhn zu Horst;
    Gib mir die Kraft, einsam zu bleiben,
    Welt! --
Sommerabend.
    Klar ruhn die Lfte auf der weiten Flur;
    Fern dampft der See, das hohe Rhricht flimmert,
    Im Schilf verglht die letzte Sonnenspur,
    Ein blasses Wlkchen rtet sich und schimmert.
    Vom Wiesengrunde naht ein Glockenton,
    Ein Duft von Tau entweicht der warmen Erde;
    Im stillen Walde steht die Dmmrung schon,
    Der Hirte sammelt seine satte Herde.
    Im jungen Roggen rhrt sich nicht ein Halm,
    Die Glocke schweigt wie aus der Welt geschieden;
    Nur noch die Grillen geigen ihren Psalm.
    So sei doch _froh_, mein Herz, in all dem Frieden!
Aus banger Brust.
    Die Rosen leuchten immer noch,
    Die dunkeln Bltter zittern sacht;
    Ich bin im Grase aufgewacht,
    O kmst du doch,
    Es ist so tiefe Mitternacht.
    Den Mond verdeckt das Gartentor,
    Sein Licht fliet ber in den See,
    Die Weiden warten still empor,
    Mein Nacken w$
te ohne Narkose,
    Beine ab, zerstampft.
    Kleine Schwester, Rose,
    Sei den Toten sanft!
Wei ich, da Stunden ...
    Wei ich, da Stunden, in ungezhlten,
    Pariserinnen sind auf den Boulevards;
    Da klein in Zimmern und gequlten,
    Eine Arbeiterin steht, goldenen Haars?
    Ist mir im Park, durch den ich gehe,
    Ein Gefhl von Rot oder Blau --
    Berg und Flu mit sinkender Nhe,
    Das Gesicht einer alternden Frau?
    Bei der Baronin Porzellan und Eise
    Hypnotisiert mich elektrischer Draht;
    Kirmes dreht sich, Feuerwerksrad,
    Denn es mnden in gleiche Kreise
    Meer und Spur und kindliche Weise,
    Die man am Abend vernommen hat.
    Aber keine der funkelnden Gesten
    Wird mich erhalten, wird mich betrgen;
    Bin ich ein Vogel, mde von Flgen,
    Schwebend in der Wolke des Falls:
    Steigen unten aus Tnzen und Festen
    Die verschlungenen Kurven des Alls.
Da von Geheimnissen ...
    Da von Geheimnissen, die uns umtnten,
    Keins mehr in dem vergangenen Geiste l$
Der dunkle Herbst kehrt ein 249.
Der D-Zug schreit und steigert sich 284.
Der Fels wird morsch 147.
Der Heimweg fhrte mich 26.
Der lange Junitag 153.
Der Markusturm, der bunte 230.
Der Mond betrat der Urnacht Land 184.
Der Mond geht gro 42.
Der Tod wird uns an seine Hnde nehmen 24.
Die Amseln haben Sonne 38.
Die andern sprachen 25.
Die Bume lauschen 61.
Die Bltter fallen 203.
Die Buche sagt: Mein Walten 34.
Die da nicht kommen 2.
Die du so fern bist 83.
Die Dunkelheit hat alle Wege 42.
Die Engel der Liebkosung 222.
Die frhste Sonne legt sich 158.
Die Grtner legten ihre Beete 124.
Die glatten, leisen, lustwarmen Weisen 223.
Die Glocken luten dann 247.
Die groen Feuer warfen 161.
Die Hand ganz lang im Grase 96.
Die Instrumente her! 165.
Die jubelnd nie den berschumten Becher 84.
Die Krhen schrein 194.
Die Luft so schwer 39.
Die Lge sagst du 237.
Die menschenblasse Rose 164.
Die mde schon verglhte 31.
Die Rosen leuchten immer noch 48.
Die Sommernacht, und andachtvoll 40.
Die Sterne fliehen schre$
r Waren erfolgt durch das
Zusammenwirken des Arbeitgebers und Arbeitnehmers. Das Produkt des
gemeinsamen Wirkens geht erst in den Kreislauf des Wirtschaftslebens ber.
Zur Herstellung des Produktes ist ein Rechtsverhltnis zwischen Arbeiter
und Unternehmer notwendig. Dieses kann aber durch die kapitalistische
Wirtschaftsart in ein solches verwandelt werden, welches durch die
wirtschaftliche bermacht des Arbeitgebers ber den Arbeiter bedingt ist.
Im gesunden sozialen Organismus mu zutage treten, da die Arbeit nicht
bezahlt werden kann. Denn diese kann nicht im Vergleich mit einer Ware
einen wirtschaftlichen Wert erhalten. Einen solchen hat erst die durch
Arbeit hervorgebrachte Ware im Vergleich mit andern Waren. Die Art, wie,
und das Ma, in dem ein Mensch fr den Bestand des sozialen Organismus zu
arbeiten hat, mssen aus seiner Fhigkeit heraus und aus den Bedingungen
eines menschenwrdigen Daseins geregelt werden. Das kann nur geschehen,
wenn diese Regelung von dem politischen Staate aus in Unabhngigke$
 das Erbe anzutreten, das sollte durch eine aus der
geistigen Organisation hervorgegangene Einrichtung bestimmt sein. Durch
Erfllung solcher Voraussetzungen wird sich ein Verstndnis dafr
entwickeln, da Nachkommen durch Erziehung und Unterricht fr den sozialen
Organismus geeignet gemacht werden, und nicht durch Kapitalbertragung an
unproduktive Personen sozialer Schaden angerichtet werde. Jemand, in dem
wirklich soziales Verstndnis lebt, hat kein Interesse daran, da seine
Verbindung mit einer Kapitalgrundlage nachwirke bei Personen oder
Personengruppen, bei denen die individuellen Fhigkeiten eine solche
Verbindung nicht rechtfertigen.
Niemand wird, was hier ausgefhrt ist, fr eine bloe Utopie halten, der
Sinn fr wirklich praktisch Durchfhrbares hat. Denn es wird gerade auf
solche Einrichtungen gedeutet, die ganz unmittelbar an jeder Stelle des
Lebens aus den gegenwrtigen Zustnden heraus erwachsen knnen. Man wird
nur zu dem Entschlu greifen mssen, innerhalb des Rechtsstaates auf die
Verwaltung$
 den letzten
Jahrzehnten das schleichende Krebs-Erkranken in den Staatenbeziehungen als
Folge des sozialen Lebens der fhrenden Teile der Menschheit ins Auge
fate, so konnte man verstehen, wie eine in allgemeinen menschlichen
Geistinteressen stehende Persnlichkeit angesichts des Ausdruckes, welchen
das soziale Wollen in diesen fhrenden Teilen annahm, schon 1888 sagen
mute: Das Ziel ist: die gesamte Menschheit in ihrer letzten Gestaltung zu
einem Reiche von Brdern zu machen, die, nur den edelsten Beweggrnden
nachgehend, gemeinsam sich weiter bewegen. Wer die Geschichte nur auf der
Karte von Europa verfolgt, knnte glauben, ein gegenseitiger allgemeiner
Mord msse unsere nchste Zukunft erfllen, aber nur der Gedanke, da ein
Weg zu den wahren Gtern des menschlichen Lebens gefunden werden msse,
kann den Sinn fr Menschenwrde aufrechterhalten. Und dieser Gedanke ist
ein solcher, der mit unsern ungeheuern kriegerischen Rstungen und denen
unserer Nachbarn nicht im Einklange zu stehen scheint, an den$
it bleicheren Gesicht in die helle Sommernacht hinaus. Ach, Kapitn
Der Pfarrer hob den Arm in die Hhe und schickte sich an, dem Riesen
einen gewaltigen Schlag in das grobe, dumme Gesicht zu versetzen, aber
er besann sich. Mit lautem Getse schlug er das Fenster zu und blieb
mitten im Zimmer stehen, seine geballte Faust druend gen Himmel
Er, ber dem die Feuerzunge der Inspiration geflammt hatte, er, der die
Ehre Gottes verkndet hatte, er stand dort und dachte, da Gott sein
Gaukelspiel mit ihm getrieben habe.
Mute der Bischof nicht glauben, da der Pfarrer Kapitn Christian
ausgesandt habe? Mute er nicht glauben, da er den ganzen Tag
geheuchelt und gelogen habe? Jetzt wrde er sicher Ernst machen mit dem
Verfahren gegen ihn, ihn erst suspendieren und ihn dann absetzen.
Als der Morgen kam, war der Pfarrer aus dem Pfarrhaus verschwunden. Er
hatte nicht bleiben und sich verteidigen wollen. Gott hatte ihn zum
Narren gehabt. Gott wollte ihm nicht helfen. Er wute, da er abgesetzt
werden wrde. Gott wollte $
rem Tische
stehen, und die Jungen muten zu fremden Leuten in den Dienst gehen. Die
Mutter streichelte ihren Sohn zrtlich und lie ihn eine nie versiegende
Liebe empfinden.
Doch -- da sa Gsta Berling mitten zwischen ihnen, und dem
Unberwindlichen gingen tausenderlei Plne durch den Kopf.
Ei was! rief er, noch ist es keine Zeit zum Jammern. Die Pfarrerin in
Svartsj hat die ganze Sache gemacht. Sie hat Anna ganz in ihrer Gewalt,
seit sie bei ihr auf dem Pfarrhof wohnt. Sie hat sie dazu gebracht,
Ferdinand im Stich zu lassen und den alten Dahlberg zu nehmen; aber noch
sind sie nicht getraut, und es soll auch nichts daraus werden. Jetzt
fahre ich nach Borg, und dort treffe ich Anna. Ich will mit ihr reden,
ich will sie den Pfarrersleuten, dem Brutigam schon abspenstig machen.
Ich bringe sie ber Nacht hierher; dann soll der alte Dahlberg keine
Freude mehr an ihr haben.
Und so geschah es. Gsta fuhr allein nach Borg, ohne eins der munteren
Frulein, aber geleitet von den heien Wnschen der Zurckbleiben$
hten Laube unten im Park, wo der
Geliebte wartet. Sie sieht ihn, er ist jung, er kann kssen, er kann
lieben. Jetzt, wo sie wei, da sie ihn sehen wird, steigt sein Bild mit
seltener Klarheit vor ihr auf. Wie schn er doch ist! Er kann schwrmen,
er kann glhen, er erfllt ihr ganzes Wesen mit dem Feuer des
Jetzt ist sie gelbbleich, welk und alt. Er kennt sie vielleicht gar
nicht wieder, sechzig Jahre alt, wie sie ist, aber sie kommt nicht, um
gesehen zu werden, sondern um zu sehen, um den Geliebten ihrer Jugend zu
sehen, den der Zahn der Zeit unberhrt gelassen hat, der noch immer
jung, schn, herzenswarm ist.
Sie kommt aus so weiter Ferne, da sie nie etwas von dem Pfarrer zu
Broby gehrt hat.
Und dann rasselt die Kutsche die Hgel hinan, und jetzt wird der
Pfarrhof oben auf der Spitze sichtbar.
Um Gottes Barmherzigkeit willen, jammert ein Bettler am Wegesrande,
gebt dem armen Manne einen Schilling.
Die vornehme Dame gibt ihm eine Silbermnze und fragt, ob der Brobyer
Pfarrhof in der Nhe liegt.
Der Be$
s Tor ist breiter gemacht. Die Kutsche
rollt die Brobyer Hgel so schnell hinab, wie nur Pferde laufen knnen,
die geruht haben.
Welch ein Traum! Welch ein herrlicher Traum! Keine Wolke in diesen drei
Sie kehrte lchelnd heim in ihr Schlo und zu ihren Erinnerungen. Sie
hrte seinen Namen nie wieder nennen, sie fragte niemals nach ihm. Sie
wnschte nur, solange sie lebte, diesen Traum noch einmal zu trumen.
Der Pfarrer von Broby sa in seinem einsamen Hause und weinte wie ein
Verzweifelter. Sie hatte ihn jung gemacht. Sollte er nun wieder alt
werden? Sollte der bse Geist zurckkehren, sollte er wieder verchtlich
werden -- verchtlich, wie er gewesen war?
Patron Julius
Patron Julius trug seine rotangemalte Kiste aus dem Kavalierflgel
hinunter. Er fllte ein greres Lgel, das ihn auf vielen Reisen
begleitet hatte, mit duftendem Pomeranzenbranntwein, den groen,
geschnitzten Vorratskasten packte er voll Brot und Butter und alten
Kse, schn grn und braun schattiert, voll fetten Schinken und
Reiskuchen, di$
b, um ihn
damit zu schmcken. Bald war er zu schauen wie ein wandernder Wald. So
ging es den ganzen Tag mit Spiel und Lustigkeit.
Je weiter der Tag vorschritt, um so sanfter und milder wurde Patron
Julius. Er traktierte die jungen Mdchen aus seinem Vorratskasten und
sang ihnen Lieder vor. Als sie auf dem Gipfel des Donnerfelsens standen,
die ausgedehnte Landschaft so stolz und schn unter sich -- da fhlte
Julius sein Herz mchtig pochen, die Worte strmten ihm ber seine
Lippen, und er redete ber sein geliebtes Land:
Ach, Wermland, sagte er, du schnes, du herrliches Land! Oft wenn ich
dich auf einer Karte vor mir gesehen habe, dann habe ich darber
nachgedacht, was du eigentlich vorstellst; aber jetzt verstehe ich, was
du bist. Du bist ein alter, frommer Eremit, der mit gekreuzten Beinen,
die Hnde im Scho, still dasitzt und trumt. Du hast eine Zipfelmtze
ber deine halbgeschlossenen Augen gezogen. Du bist ein Grbler, ein
heiliger Trumer, und du bist wunderbar schn. Groe Wlder sind dein
Gewand.$
ich mit ihm, hauptschlich um von Hause
fortzukommen, aber auch, weil sie ihn stets gut hatte leiden knnen.
Nie aber wrde sie den Monat vergessen, der nun folgte, jenen
Augustabend, an dem ihre Verlobung erklrt war, diese ganze Zeit des
Baron Adrian war mit jedem Tage schweigsamer und melancholischer
geworden. Er kam oft genug nach Bjrne, zuweilen zweimal am Tage, aber
sie konnte nicht umhin, zu bemerken, wie verstimmt er war. Wenn er mit
andern zusammentraf, konnte er noch scherzen, in ihrer Gegenwart aber
wurde er ganz unmglich, lauter Schweigen und Langeweile. Sie verstand
sehr wohl, was ihm fehlte: es war nicht so leicht, wie er es sich
gedacht hatte, ein hliches Mdchen zu heiraten. Jetzt hatte er
Widerwillen gegen sie gefat. Niemand wute besser als sie selber, wie
hlich sie war. Sie hatte ihm wohl gezeigt, da sie kein Verlangen nach
Liebkosungen oder Liebesversicherungen besa, aber es war fr ihn
natrlich trotzdem eine Qual, sie sich als seine Gattin vorzustellen,
und das wurde mit jedem T$
s Gesundheit ist, wei nur der Bauer. Nun
wissen Sie aber, es gibt Badeorte, Kuranstalten."
"Jawohl. Da gehn die allerfaulsten Ludersch hin; die Kranken pflegen sich
lieber zu Hause."
"Schn. Sie sind ein heller Kopf. Sie begreifen mich vollstndig. Wenn man
nun aber einen Kurort machte, wo keine feinen Villen und Hotels sind,
nein, wo lauter Bauernhfe wren und wo die Stdter, die eine Kur machen
wollen, mal auf dem Hofe oder auf dem Felde feste zugreifen und arbeiten
mten, das wrde doch den Schlingeln gesund sein - nicht wahr?"
"Gesund schon! Aber das faule Kroppzeug wird sich schn hten und
arbeiten. Wenn se aufs Dorf komm'n, saufen se einem blo die gute Milch
weg und fressen die scheensten Birn' von a Bumen. Sonst tun se nischt."
"Doch, doch, Herr Nachbar! Es wird schon Leute geben, die das Leben in der
Stadt mal satt haben und durch die Arbeit auf dem Felde gesnder werden
wollen. Das ist eine gute Idee, die hat ein Doktor ausgeknobelt."
"Die Doktors verstehn alle nischt, die Schfer sind klger."$
---------------------
All unsere Hfe sind mit Kurgsten besetzt. Wir haben so viel Anmeldungen,
da wir die Wahl htten, wen wir aufnehmen wollen, aber wir gehen der
Reihenfolge der Anmeldungen nach. Ich habe von frh bis spt Arbeit,
obwohl unser rztekollegium immer grer wird. Es lastet zuviel
Geschftliches auf mir. Das drckt auf die Seele; denn ich bin kein
Kaufmann. Was tut mir doch dieser Stefenson an, da er gerade jetzt, wo er
hier am ntigsten wre, in Amerika sitzenbleibt? Soviel ich auch schon an
ihn schrieb und telegraphierte, er kommt nicht zurck. Immer die gleiche
Antwort: "Ich bin hier noch unabkmmlich."
Unser Direktor - ein frherer Offizier - ist zum Glck ein tchtiger Mann.
Es ist Schwung in seinen Gedanken, er hat Initiative und Sprsinn. Wie ein
guter Jagdhund ist er, er hat's in der Nase, wenn er ber das weite
Gelnde unseres Arbeitsfeldes schnuppert, wo irgendwo in einer geheimen
Furche ein verborgener Erfolg aufzustbern ist. Er ist aus dem Holz, aus
dem die guten Feldherren, Di$
 Einbandentwurf von Hanne Maria Rudert
    Alle Rechte, insbesondere das der Uebersetzung, der Verfilmung, der
  Dramatisierung, des Nachdrucks und der Wiedergabe durch den Rundfunk,
                               vorbehalten
                            _Copyright 1915_
           _by Bergstadtverlag Wilh. Gottl. Korn / Breslau I_
                           _Printed in Germany_
                            INHALTSVERZEICHNIS
     Nach meiner Heimkehr                 5
     Die feindlichen Staedte              12
     Das Modebad                         28
     Auf dem Weihnachtsberg              33
     Luise                               58
     Samariterdienste                    69
     In den Tagen des Werdens            77
     Das Kind                            88
     Vorarbeiten                         95
     Die "Neustaedter Umschau"           104
     Joachim                            116
     Weihnachten                        131
     Fuegung                             136
     Bauernanwerbung $
 zu koennen.
Wenn ich nun Pech gehabt habe mit den drei Plaenen, die ich gemacht habe,
weil ich den ersten in Palermo zerrissen, den zweiten in Modena verbrannt
und den dritten in Luzern ueberhaupt nicht erst angefangen habe, so hatte
ich doch gehofft, Sie wuerden inzwischen Gewissen genug haben, zu Hause zu
bleiben und zu arbeiten."
"Hab ich auch, Mister Stefenson! Mein Plan ist fertig."
"Ah - das ist gut. Wieviel kostet er? Wie balanciert er?"
"Was er kostet, wie er balanciert, weiss ich nicht. Das ist nicht meine
Sache. Ich bin kein Kaufmann. Wofuer sind Sie da?"
"Fuers Geldgeben!"
Er schuettelte melancholisch den Kopf.
"Ihr Plan ist unrentabel", sagte er duester.
"Mister Stefenson, ich will Ihnen einen alten deutschen Witz erzaehlen. Ein
Schlaechter kam in eine kleine Wirtschaft, um eine Kuh zu kaufen. Der Bauer
fuehrte ihn nach dem Stalle. Sie kamen in einen ganz dunklen Raum. Da sagte
der Schlaechter: 'Aber Mensch, wie kann ich Ihnen fuer ein so elendes Tier
so viel Geld geben, wie Sie verlangen?' - 'Sa$
 und Waldarbeit;
sie wuenschten mehr dekorative Posten. Fuenf von den sieben wollten
Nachtwaechter sein, einer bot sich als Hilfsbrieftraeger an, wobei seine
Taetigkeit gleich Null gewesen waere, und einer sagte mit mildem
Augenaufschlag, er koenne sich nur als Krankenpfleger gluecklich fuehlen. Wir
hatten aber keine Kranken.
Da stellte der Bauer Emil Barthel vom Forellenhof neben dem Grossknecht,
den er bereits hatte, dem "langen Ignaz", noch einen zweiten Knecht ein
und sagte zu mir: "Ich hab es Ihn'n gesagt, Herr Doktor, de Stadtleute
sein olle faule Luder. Mit den is nischt anzufangen."
"Geduld, Barthel, Geduld!"
Der Anfang war wirklich klaeglich. Zwar sang Egin Harold, der als
Nachtwaechter bestellt worden (und der in seinem Privatberuf Opernsaenger
  "Hoert, ihr Herr'n, und lasst euch sagen,
  Die Uhr hat eben zehn geschlagen!"
mit tremolierender Empfindsamkeit; aber um Mitternacht sang er noch viel
empfindsamer vor dem Hofe des Sonnenbauern, der eine huebsche blonde Magd
hatte: "Gute Nacht, du mein her$
ls Feld kommen, es war ihm einerlei.
Nach einer Viertelstunde kam Emanuel. Fast haette ihn Gottfried in dem
nuechternen Reiseanzug nicht erkannt.
"Ah, da bist du noch!"
"Ja, ich wollte dich noch einmal sehen."
"Das ist lieb von dir!"
Emanuel zog die Uhr - eine einfache silberne Taschenuhr.
"Ganz fremd mutet mich das Ding an. Es ist so grausam pedantisch. Es zaehlt
Minuten und Sekunden. Drinnen in der Heimat ist es besser, da duerfen einem
nur eine Glocke oder der Grossknecht oder Mond und Sterne sagen, wie spaet
es ist. Und dann das Geld, das bedrueckt mich am meisten. Was soll ich mit
den paar Kroeten tun? Mir eine Burg des Gluecks davon bauen? Lieber Gott!"
"Du wirst noch hoch hinauf kommen!" troestete ihn Gottfried.
"Nein!" sagte Emanuel bitter. "Da drinnen, da ist es ja geboten, ueber das
eigene Ich zu schweigen. Aber hier draussen auf der Landstrasse will ich
mich dir gegenueber nicht verbergen. Ich hab Pech gehabt. Haett' gern
studiert. Aber wie ich in der Unterprima war, starb der Vater. Da musste
ich $
.
Ihr Vergleich mit dem Irrwisch ist vortrefflich, Benkendroff, lachte
der kleine Mann, ich komme mir manchmal selber so vor, noch dazu auf
meiner jetzigen Fahrt, von der ich nicht einmal eine Ahnung habe, wohin
sie mich fhrt. Aber ich mu fort -- dort unten luten ein paar
Dampfboote, und ich wei nicht, ob das meine mit dabei ist, das ich
nicht gern versumen mchte.
Apropos, -- rief ihm Benkendroff nach, als er nach kurzem Abschied und
beiderseitigem Wunsch einer glcklichen Reise der Landung zueilen
wollte -- haben Sie denn hier gar Nichts von Henkel und seiner kleinen
niedlichen Frau gehrt? -- Bloomfield, der Henkel aber unter einem
anderen Namen kennen will, qult mich fortwhrend, mich darum zu
bekmmern, ich habe aber wirklich noch keine Zeit dazu finden knnen,
und Niemand kann mir hier ihre Adresse sagen -- gar Nichts gehrt?
Kein Wort, rief Hopfgarten zurck -- ich glaube sie sind schon wieder
nach Frankreich hinber.
Sehr leicht mglich; also -- # revoir# lieber Hopfgarten.
Er wi$
 zu halten, aus allen
Krften, und oft _ber_ ihre Krfte, denn mit der Besorgung des Viehs
und dem Waschen fr so viele Menschen, hatte des Webers Frau schon
ohnedie genug zu thun. Whrend Anna also, von der Mutter und jngsten
Schwester dabei redlich untersttzt, dem Hauswesen oblag, die Kche und
das Innere Ministerium, wie sie es scherzweise nannten, besorgte,
hatte Marie, neben dem fatalen Scheuern der Gefe, das Ministerium des
ueren -- das heit das Melken der Khe und Fttern der Schweine, das
Jten und Hacken im Garten (von Anna, und zeitweise sogar Eduard dabei
untersttzt) das Aufkehren des Hofplatzes und die Oberaufsicht ber
smmtliche Hhner und ihre Nester -- ein hchst schwieriges Geschft in
Amerika, wo die Hhner ebenfalls, nach einem ziemlich unabhngigen
Charakter ihre Nester hinmachen, wo es ihnen gefllt, bald in der
Maisscheuer, bald unter einen Heuschober, bald hinter einen Busch im
Wald drauen, und tausend Listen und oft Indianischer Scharfsinn dazu
erforderlich waren, sie he$
ln.
Ich wage es! Dieser Abrahim sagt, er sei der Mamur der Provinz
En-Nasar. Mamurs giebt es nur in gypten----
Liegt En-Nasar nicht in gypten, Giaur? Ich bin selbst dort gewesen und
kenne den Mamur wie meinen Bruder, ja, wie mich selbst.
Nagelt ihn fest! gebot der Richter.
Ich zog den Revolver, und Halef, der dies sah, seine Pistolen.
Bimbaschi, ich sage dir, da ich erst den niederschieen werde, der
mich anrhrt, und dann dich! Du lgst, ich sage es noch einmal. En-Nasar
ist eine ganz kleine, geringe Oase zwischen Homrh und Tighert im Lande
Tripolis; dort giebt es keinen Mamur, sondern einen armen Scheik; er
heit Mamra Ibn Alef Abuzin, und ich kenne ihn sehr genau. Ich knnte
mit dir Komdie spielen und dir erlauben, noch weiter zu fragen; aber
ich will es kurz machen. Wie kommt es, da du die Klger stehen lssest,
whrend der Angeklagte, der Verbrecher, sitzen darf und sogar die Pfeife
von dir bekommt?
Der gute Mann sah mich ganz verdutzt an.
Wie meinst du das, Giaur?
Ich warne dich, mich$
ich zu mir herum.
Was soll das sein, Emir?
Du wirst mit uns gehen.
Ich bin kein Gefangener, ich bleibe hier!
Da drngte sich ein altes Weib herbei.
Allah kerihm, Emir! Was willst du mit meinem Sohne thun?
Er wird uns begleiten.
Er? Der Stern meines Alters, der Ruhm seiner Gespielen, der Stolz
seines Stammes? Was hat er gethan, da du ihn bindest wie einen Mrder,
den die Blutrache ereilt?
Schnell, Sir! Bindet ihn an das Pferd und dann vorwrts!
Sofort gab ich das Zeichen zum Aufbruch und ritt davon. Ich hatte erst
Mitleid mit dem so schwer bestraften Stamme gehabt, jetzt aber widerte
mich jedes Gesicht desselben an, und als wir das Lager und das
Wehegeheul hinter uns hatten, war es mir, als ob ich aus einer
Ruberhhle entronnen sei.
Halef hatte sich mit seinen drei Kamelen an die Spitze des Zuges
gestellt. Ich ritt zu ihm heran.
Liegen sie bequem?
Wie auf dem Diwan des Padischah, Sihdi.
Haben sie gegessen?
Nein, Milch getrunken.
Um so besser. Knnen sie reden?
Sie haben nur einzelne $
n einer groen Menge Krieger umgeben, welche ihre Gewehre schubereit
hielten. Da warf Mir Scheik Khan das Obergewand ab, sprang auf den
ersten Stier und stie ihm das Messer mit solcher Sicherheit in den
Nackenwirbel, da das Tier sofort tot niederstrzte. In demselben
Augenblick erhob sich ein hundertstimmiger Jubel, und ebenso viele
Schsse krachten.
Mir Scheik Khan trat zurck, und Pir Kamek setzte das Werk fort. Es
gewhrte einen eigentmlichen Anblick, diesen Mann mit weiem Haar und
schwarzem Barte von einem Stiere auf den nchsten springen und sie alle
der Reihe nach mit dem sicheren Messerstich fllen zu sehen. Dabei flo
kein Tropfen Blut. Nun aber traten die Scheiks herbei, um die Halsader
zu ffnen, und die Fakirs nahten sich mit groen Gefen, um das Blut
aufzufangen. Als dies beendet war, wurde eine ganz bedeutende Anzahl von
Schafen herbeigetrieben, deren erstes wieder Mir Scheik Khan ttete, die
andern aber wurden von den Fakirs geschlachtet, welche eine
auerordentliche Geschicklichkeit in d$
ne Kugel (293a.)[10] und der Fall eine Bewegung nach deren
Mittelpunkte sei (294c.).[11] Kurz, er hat von diesen Dingen diejenige
Kenntniss, bis zu der schon das griechisch-r[oe]mische Alterthum durch
Eratosthenes und Ptolemus gelangt war. Nur erscheint die Ueberlieferung
davon in der Weise des Mittelalters trb und verwirrt: Romulus z.B.
und Numa Pompilius, die er auf Anlass der Rmischen Jahres- und
Monatrechnung zu nennen hat, sind ihm zu _meistern_, das heisst hier zu
Astronomen, und aus _Pompilius_ ist noch _Pompeius_ geworden (296a.b.
301d.ff.). Ich vermuthe, dass er diesen antiken und berhaupt den
ganzen Stoff seines Buches durch Vermittelung der Aerzte und
Naturgelehrten zu Montpellier empfangen habe. Dahin deutet nebst der
Erwhnung eines namhaften Astronomen der in Spanien benachbarten Araber,
des Alfraganus (293a.) d.i. des Mohammed ben Ketir von Ferganah,[12]
der ditetische Abschnitt Bl. 297a. ff. Denn eben diese Regeln ber
Essen und Trinken, Schlafen und Baden finden sich, theilweis mit b$
kiesin da bi. wan so der mane
verleschit, da schinet uns an der ersten stunde der naht. aber
die da sint in oriente, die sehint des manen gebresten umbe die
dritten stunde der naht. da ist darumbe. wan e ist in e naht
dan uns. da en mohte niemer gesehen, enwere da[2] ertriche
niht kugeleht unde enmitten hoch. da von so gat in diu sunne e
uf danne uns. wonde si danne also gar michel ist, da von schinet
si sleht unde breit. unde da mer hat dise welt in driu also
geteilit: [Bild1] Da minste heiit Europa, Da ander affrica,
Da dritte asya. Von dem ertriche sprichet ein phylosophus,
alfraganus Den minsten sternen den der mensche mac gesehin,
der ist groir (293b.) danne da ertriche alle sament, unde ein
Sterne ist als ein punctel gein dem himel. Nu merke wie gro
der himel si gein dem ertriche. Diu erde ist der andern elemente
reinate unde ein drussene. Unde diu erde ist von ir nature durre
unde kalt. also der naturen sint och ein teil liute. den
sprechint die arzate[3] Melancolici. die artent nach de$
iit och der centrum,
als du kiesen[20] maht an dirre figuren: [Bild2] nemest du
denne einen stein, unde wurfest in hohe uf, so heter zwene
genge, einen hin uf betwungenlichen, unde sinket doch
naturlichen, da er drtecliche stiget. so er danne den
betwungenlichen ganc verlat, so vellet er swinde. also hant och
die planeten zwene genge. der erste planete heiit Saturnus, der
ander Jupiter, darnach Mars, unde danne die sunne, unde venus,
Mercurius unde der Mane. Jupiter unde venus sint geluckehaft,
Saturnus unde Mars ubil. aber die sunne unde der mane unde
mercurius sint etwenne guot, etwenne ubil. Saturnus ist kalt
unde durre, Jupiter hei unde fiuhte, Mars unde (294d.) die
sunne hei unde durre, der mane unde venus fiuhte unde calt.
Mercurius het mittelmsige nature. unde het ie einer witern ganc
danne der ander. da mahtu[21] allis kiesen ander figuren die
hie nach gat.[22]
    [Bild 3: Dise figura betiutet die welt wenne die elementen
    und die himmele die hie getecket sint daz heizet ah die
    welt. $
k an Segel oder Tau zufassen wolle. Der Landmann
kann alles Andere nachahmen, dieses Tragen des Krpers wird ihm nie
gelingen, und nur eine jahrelange Uebung ist im Stande, ihn
zuzurichten, oder, wie die Matrosen sagen, ihn ~ship shape~ zu
Nun Sirrah! rief der Irlnder endlich lachend, nachdem er den
forschenden Blick des Bootsmanns, wenn auch nicht ohne ein leichtes
kaum erkennbares Errthen, eine ganze Weile ertragen hatte, -- Ihr
werdet mich nun wohl kennen wenn Ihr mich wiederseht; -- wie gefall
Ganz und gar nicht, Kamerad, sagte der aber trocken, und whrend er
sein Primchen Kautabak im Munde aus einer Backe in die andere
wechselte, ganz und gar nicht, wenn Du die Wahrheit hren willst.
Hahaha, lachte aber der Ire, ohne sich im mindesten darber
beleidigt zu fhlen, verdamme mich wenn das nicht ehrlich von der
Leber weggesprochen ist; leid thut mir's nur bei der Sache, da ich
das nmliche -- nicht von Euch auch sagen kann.
Dann werd' ich mein Mglichstes thun, das fr mich so unglckliche
$
 jetzt
so voll und weit die Arme ffnet, fand er Alles, Alles gerade in dem
Augenblick erfllt, wo er sich schon an Abgrunds Rande whnte, und den
Schritt fr unvermeidlich, fr unabwendbar hielt, der ihn
zerschmettert in die Tiefe senden mute.
Und wenn er dann wieder im Anfang, von einem Extrem zum andern
berspringend, jeder Gefahr entrissen, mit jedem Wunsch erfllt, in
einem frmlichen Taumel von Wonne und Seligkeit der neu gefundenen
Rettungsbahn, die ihn nun durch blumige Auen fhrte, wie im Traume
folgte, verlor sich doch endlich dieses Gefhl, das ihn auch wirklich
sein Glck nur halb empfinden lie, und mit dem vollen Bewutsein
dessen was er sich hier, in dieser wunderherrlichen Welt gewonnen,
kehrte auch unendliche Ruhe und Seligkeit ein in sein Herz -- eine
Ruhe die sein Weib unsagbar glcklich machte und ihrer Brust letzte,
durch die anderen Protestantischen Geistlichen wachgerufenen Zweifel
und Befrchtungen beschwichtigte und widerlegte, da sich der unstete
Geist des jungen Mannes so leicht u$
ter selber zuzuschreiben haben.
Die Missionaire treiben's zum Aeuersten in ihrem stolzen Wahn,
Und ihre kurzsichtige Politik wird ihnen das geistliche wie ihrer
armen Knigin das weltliche Regiment rauben, sagte der erste
Sprecher; die einzige Rettung die dem Lande noch blieb, war eine
vernnftige Migung, die Missionair wie Franzose zugleich im Zaum
gehalten htte.
Sagt das den Priestern, Consul Mrenhout, und sie zucken die Achseln
und bedauern bei der Sache nichts thun zu knnen, da sie sich _nie_ in
die Politik dieses Landes mischten.
Heuchler! zischte der Consul zwischen den Zhnen durch und schritt
jetzt, die Huptlinge verlassend, rasch der Verandah zu, an deren
Treppe er eben den beiden Missionairen Dennis und Rowe begegnete, die,
von Nelson und Smith gefolgt, gerade niederstiegen. Als Mr. Rowe den
Franzsischen Consul auf sich zukommen sah, blieb er stehen und sagte,
noch ein paar Stufen hher als dieser, mit unendlicher Milde und
Freundlichkeit auf ihn niederblickend:
Und was fhrt un$
ier, durch das flssige Franzsisch der Insulanerin
berrascht, lie kaum in seinem Griff um ihre Taille nach, als er sich
auch schon von dem, kaum seiner Sinne mehr mchtigen Ren gefat und
mehre Schritte zurckgeschleudert fand.
Teufel! schrie er, und die Hand fuhr fast unwillkhrlich nach dem
leeren Degenkoppel, Bertrand sprang aber dazwischen, und der Officier
auch, sich rasch besinnend wo er sich befand, und da er hier das Fest
nicht stren durfte, bi nur die Zhne auf einander und winkte dem,
trotzig zu ihm hinberschauenden Ren ihm zu folgen. Aber andere Augen
hatten ebenfalls den Wink gesehen und verstanden, und ehe Ren im
Stande war sich von Sadie frei zu machen, und dem stillen aber wohl
begriffenen, ja erwarteten Ruf zu folgen, fhlte er eine Hand auf
seiner Schulter, und der Capitain der ~Jeanne d'Arc~, der gerade
zufllig mit seiner Tnzerin dort stehen geblieben, und Zeuge des
ganzen blitzesschnell in einandergreifenden Vorfalls gewesen war, bat
ihn, nur wenige Minuten auf seiner Stelle z$
erer Stadt erblickt. Allmnniglich ist es bekannt ja,
  Wie er in groer Gefahr mit tapferem Muth mir das Leben
  Rettete: d'rum auch werth und wrdig des Standes der Edeln;
  Aber nicht Mllern nur, auch jeglichem steh' ich als Schuldner,
  Der so, wie er dem Kaiser und Reich sich verdingte: Rudolphus,
  Kaiser des Reichs, wird ihm die Schuld mit Wucher bezahlen.
  Sagt' es, und schwang sich auf's wiehernde Ro. Zum freudigen Aufbruch
  Scholl die Dromet', und schnell g'en Wien bewegte der Zug sich.
    Sieh', in des Abends Grau'n, gewiegt von gaukelnden Lftchen,
  Rauschte das Laub in dem Weidenhain, der nahe den Mauern
  Drsings, am Hgel empor sich hob, und im schlngelnden Waldbach,
  Lngs dem duftenden Thal sich spiegelte! Vllig verhallt war
  Nun des Kampfes Gets' -- erstrmt die Veste. Die Gegner
  Wichen, bezwungen, zurck, und Ottgars furchtbare Gattinn
  Sah schon stolz auf das Land, das bald (so whnte sie thricht)
  Oestreichs Aar' entrissen, dem Leu'n von Bhmen zu Theil wird.
  Doch wer $
as Volk, und ihr' Erzeugten verhllten,
  Weinend, das Aug': sie kehrete heim nach der einsamen Hofburg.
  Ach, nicht sieht er sie mehr, die holde Geliebte der Jugend,
  Nicht die erlesenste Gattinn mehr, nicht die beste der Mtter:
  Denn ihr Lebenslicht soll nun, wie die Lampe verlschen,
  Die, des Oehles beraubt, nur matt aufflimmert noch einmal!
    D'rauf an der Wien, die trg in den buschigen Ufern sich fortwlzt,
  Fhrt' er die Heerschar schnell den Mauern der Veste vorber:
  Denn nicht wollt' er die Burg in den Tagen des Kampfes beschreiten,
  Whlend das Zelt zur Wohnung im Kreise der tapferen Krieger.
  Auer dem Stubenthor naht' ihm mit eilenden Schritten
  Hugo von Tauffers, er, des treuen, tyrolischen Berglands
  Heldensohn, der, jngst erkoren zum Schirmer der Festung
  Tausend trefflichen Schtzen geboth, die er warb in der Heimath.
  Herr, so sprach er ihm leis' in das Ohr, nicht wollest du Hugo's,
  Deines Getreu'n, der lange, frwahr, den Schuhen des Jnglings
  Schon entwuchs, jetzt h$
he Mdchen
  Sangen dazu, nach Heidenbrauch, unziemliche Weisen.
  Ach, und so war's! Doch bald verstummte der Sang und die Zither,
  Als der Fremdling, in Eisen gehllt, ihm nher getreten.
  All' erhoben sich schnell von dem Boden -- die brtigen Mnner
  Und die rosigen Mdchen, und jetzt der frstliche Jngling,
  Anmuthstrahlenden Blicks, an dem Haupte von brunlichen Haaren
  Lieblich umlockt, voll Jugendkraft und blhender Schnheit.
  Aber er stand verwirrt, und wute nicht, wie er beginne,
  Bis er sich wieder ermannt', und d'rauf mit krftigem Laut rief:
  Sprich: we' Landes du bist, o Fremdling? Triegt uns die Ahnung
  Nicht, so kommst du gesandt von dem Kaiser der Deutschen, Rudolphus,
  Der uns vielleicht des Saumsals zeiht, und unrhmlicher Trgheit,
  Weil wir ruhen dahier, bei Saitenspiel und Gesngen
  Uns ergetzend, und sein', des feindbedrngten nicht achten?
  Doch wir harreten nur des Winks, den er uns verheien,
  Und gedenken, ihm treu und redlich zu Hlfe zu stehen!
  Hugo beugte da$
 da rief umher die Menge dem neuen Beherrscher,
  Jauchzend, ihr Lebehoch! Doch sah nach dem Kaiser so mancher,
  Innig betrbt, noch hin, der erst von Trennen und Scheiden
  Sprach, und auf immer vielleicht den liebenden Herzen entrckt wird.
  D'rauf hie er die Frsten bei sich willkommen, und sagte:
  Kommt zum erquickenden Mahl', und ruht in der friedlichen Burg hier,
  Heiteren Sinn's, jetzt aus von des Kriegs unzhligen Sorgen!
  Aber verzeiht: ich eile zuvor nach der dsteren Kammer,
  Wo die Gattinn mir starb, und nach ihr sich, in Trauergewanden,
  Sehnen die Kinder vereint; ich gehe, die Lieben zu trsten.
  Und er entzog sich den Blicken der lautaufjubelnden Scharen:
  Thrnenden Blicks, aufschreitend allein zur Wohnung der Trauer.
  Heldengedichte Rudolph von Habsburg.
Die Marchfelder Schlacht. Jahr 1278.
Die merkwrdige Schlacht auf dem Marchfeld zwischen Rudolph I. von
Habsburg, Kaiser der Deutschen, und Przemisl Ottokar II., Knig von
Bhmen, in welcher letzterer besiegt fiel, und jener se$
da ich unverndert bin
                                          Ihr
                                                 gehorsamer Sohn
                                                    Gottlieb.
_P. S._ Es thut mir leid, da ich diesen Brief nicht frankiren kann. Ich
schike ihn durch Einschlu bis Dreden, gebe ihn also nicht hier auf die
Post. -- Aber ber 1Gr. 3Pf. darf er nicht kosten, denn er kmmt von
                       =Meinem Bruder Gotthelf.=
        Lieber Bruder,
Da ich wieder in meinem Vaterlande bin, wirst du nun wien. -- Ich bin
gesund, -- gesnder, als ich vielleicht je war; das thut das Reisen --
muthig, voll Lust und Hofnung. Aussichten, wie ich sie wnsche, habe ich
genug, aber ich erwarte sie mit Geduld, und Ergebung. Was mir am meisten
fehlt, sind Freunde. Mit gewhnlichen Studenten mag ich keinen Umgang
haben; meine alten Freunde sind alle weg: ich wnsche also oft Dich zu
mir, um so ein Gesprch zu fhren, wie wir es im Jahr 88 oft hatten. Mit
den wenigsten Menschen komme ich im$
d ging nach Knigsberg, wo ihm provisorisch eine
  Professur zugewiesen wurde; whrend seine Gattin zur Htung des Hauses
  zurckblieb, dann aber nachfolgen sollte, als sein Aufenthalt in
  Knigsberg dauernd werden zu wollen schien. So schmerzlich aber war
  ihr die Trennung von ihrem geliebten Manne, da sie trotz ihrer
  starken und duldungswilligen Seele darber im November in eine
  ernstliche Krankheit verfiel (I, 374f.).
                                    _Berlin_ d. 13: _Feb_: 1807.
Theure Eltern, so eben erhalte ich den Brief aus _Elstra_, ich eile
sogleich Ihnen Nachricht von uns zu geben, und _addressiere_ den Brief
an Sie, damit Sie geschwinder Nachricht erhalten; mein Lieber Mann ist
vor Ankunft der Franzosen hier, nach Knigsberg, mit einem Freunde
verreist, und hat dort eine _Pro_feur bis zur Wiederherstellung der
Ruhe erhalten, und lit _Co_llegien; die lezte Nachricht von ihm ist,
da er Gottlob gesund ist; ich erhalte leider sehr wenige Briefe von
ihm, und kann nur selten schreiben, weil$
che, fr welche in
jeder Woche zweimal ein Lehrer in das Haus kam. Der Bruder und unser
Lehrer nahmen sich meiner sehr an und suchten mir beizustehen. Aber da
die Prfungen kamen, gengte ich nicht, und meine Zeugnisse waren nicht
So vergingen mehrere Jahre. Da die Zeit vorber war, welche der Vater
zur Erlernung dieser Dinge bestimmt hatte, sagte er, da wir jetzt unser
Gewerbe lernen mten, das er uns nach seinem Tode bergeben wrde, und
das wir gemeinsam so ehrenwert und ansehnlich fortzufhren htten, wie
es unsere Vorfahren getan htten. Er sagte, wir mten auf die nmliche
Weise unterrichtet werden wie unsere Voreltern, damit wir auf die
nmliche Weise zu handeln verstnden wie sie. Wir mten alle Handgriffe
und Kenntnisse unseres Geschftes von unten hinauf lernen, wir mten
zuerst arbeiten knnen wie jeder gute und der beste Arbeiter in unserm
Handwerke, damit wir den Arbeiter und die Arbeit beurteilen knnten,
damit wir wten, wie die Arbeiter behandelt werden sollen, und damit
wir von den Arb$
ichen Christbaum hinaus.
Trotz der Erschpfung mute man sie noch ein wenig ankleiden, da sie
hinausgingen, die Gaben empfingen, bewunderten und endlich mit ihnen
entschliefen.
In dem Wirtshause in Gschaid war es an diesem Abend lebhafter als je.
Alle, die nicht in der Kirche gewesen waren, waren jetzt dort, und die
andern auch. Jeder erzhlte, was er gesehen und gehrt, was er getan,
was er geraten, und was fr Begegnisse und Gefahren er erlebt hatte.
Besonders aber wurde hervorgehoben, wie man alles htte anders und
besser machen knnen.
Das Ereignis hatte einen Abschnitt in die Geschichte von Gschaid
gebracht, es hat auf lange den Stoff zu Gesprchen gegeben, und man wird
noch nach Jahren davon reden, wenn man den Berg an heitern Tagen
besonders deutlich sieht, oder wenn man den Fremden von seinen
Merkwrdigkeiten erzhlt.
Die Kinder waren von dem Tage an erst recht das Eigentum des Dorfes
geworden, sie wurden von nun an nicht mehr als Auswrtige, sondern als
Eingeborene betrachtet, die man sich von dem B$
itatis (_Travers Twiss_ I S. 221, 222). Ferner
Strafbestimmungen gegen Piraterie in den Statuten von Cataro, 14.
Jahrhundert, und von Sassari, 1316, Teil III Kap. 49. Das Consolato
del mare Kap. 245 bestimmt (Text nach der Uebersetzung von
_Pardessus_): Mais, s'il est prouv qu'il a arm pour porter dommage
 quelque personne nommment, ou  quiconque seroit rencontr par lui,
et dans la vue de commettre des hostilits, de quelque manire qu'il
amne un navire avec ou sans marchandises, qu'il l'ait pris aux
ennemis, ou qu'il l'ait trouv comme il a t dit, il ne doit rien en
avoir, le tout doit tre rendu au lgitime propritaire. Ceux qui out
arm de cette manire doivent tre arrts et mis au pouvoir de la
justice, afin qu'on procde envers eux comme envers des voleurs, si
les faits ci -- dessus sont prouvs; wenn auch der in Satz 1
beschriebene Tatbestand sich nicht durchaus mit dem der Piraterie
deckt, so ist doch zu erkennen, dass dem Consolato die Rechtlosigkeit
der Piraten fremd ist.
[30] _Schubac$
Gleichberechtigung ausgeschlossen sah und die leidende Bauernschaft 
der geschlossenen Aristokratie ohnmaechtig gegenueberstand, lag es nahe, beiden 
zu helfen durch ein Kompromiss. Zu diesem Ende brachten die Volkstribune Gaius 
Licinius und Lucius Sextius bei der Gemeinde Antraege dahin ein: einerseits mit 
Beseitigung des Konsulatribunats festzustellen, dass wenigstens der eine Konsul 
Plebejer sein muesse, und ferner den Plebejern den Zutritt zu dem einen der drei 
grossen Priesterkollegien, dem auf zehn Mitglieder zu vermehrenden der 
Orakelbewahrer (duoviri, spaeter decemviri sacris faciundis, 1, 191) zu 
eroeffnen; anderseits hinsichtlich der Domaenen keinen Buerger auf die 
Gemeinweide mehr als hundert Rinder und fuenfhundert Schafe auftreiben und 
keinen von dem zur Okkupation freigegebenen Domanialland mehr als fuenfhundert 
Iugera (= 494 preussische Morgen) in Besitz nehmen zu lassen, ferner die 
Gutsbesitzer zu verpflichten, unter ihren Feldarbeitern eine zu der Zahl der 
Ackersklaven im Verhaeltn$
en und das Gewicht seines starken Heeres und seiner Kriegskunst 
fuer die Freiheit der italischen Staedte und Voelker in die Waagschale zu 
werfen. Allein Tarent handelte nicht, wie Rom im gleichen Falle gehandelt haben 
wuerde; und Prinz Kleonymos selbst war auch nichts weniger als ein Alexander 
oder ein Pyrrhos. Er beeilte sich nicht, einen Krieg zu beginnen, bei dem mehr 
Schlaege zu erwarten standen als Beute, sondern machte lieber mit den Lucanern 
gemeinschaftliche Sache gegen Metapont und liess es in dieser Stadt sich wohl 
sein, waehrend er redete von einem Zug gegen Agathokles von Syrakus und von der 
Befreiung der sizilischen Griechen. Darueber machten denn die Samniten Frieden; 
und als nach dessen Abschluss Rom anfing, sich um den Suedosten der Halbinsel 
ernstlicher zu bekuemmern und zum Beispiel im Jahre 447 (307) ein roemischer 
Heerhaufen das Gebiet der Sallentiner brandschatzte oder vielmehr wohl in 
hoeherem Auftrag rekognoszierte, ging der spartanische Condottiere mit seinen 
Soeldnern zu $
en als der, welcher du bist, in deinem ganzen Wuchse: fr das
Volk ein furchtbarer und wohlttiger Dmon, fr das Heer ein
unfehlbarer Sieger, fr den Patrioten der Vollender Italiens, fr den
Gelehrten der wiederaufgelebte rmische Ehrgeiz, fr die Frsten,
soviel du ihrer bestehen lssest, der herrschende Bundesgenosse.  Du
beutest alle Mglichkeiten und Begnstigungen des Jahrhunderts aus.
Du wirst der Verteidiger des Papstes und eroberst ihm seine Stdte
und Provinzen zurck, die du fr dich behltst; du reitest als
Schiedsrichter zwischen der verrchelnden Republik und den Mediceern
in Florenz ein, und sie gehorchen dir beide.  Ja sogar die stolze
Frstin der Hadria zwingst du in deinen Machtkreis!  Ich sehe dich",
jubelte Morone, "wie du ihr Doge wirst und dich dem Meere vermhlst.
So wchsest du, bis dich und dein herrliches Weib auf dem rmischen
Kapitol tausend frohlockende Arme vergtternd in die Lfte heben und
dich ganz Italien als seinen Knig zeigen, welches du dann, wie dir
jetzt, ich frchte, $
rer grausamen Art durch die gefesselten
Hnde zogen.  Dann ging es durch das Tor unter einem hllischen
Gelchter, in welches der Kanzler aus Verzweiflung mit einstimmte.
Letztes Kapitel
Inzwischen verlebte in dem aus einer Burg des Glckes zu einer
Behausung der Angst gewordenen Kastelle von Mailand Franz Sforza
jammervolle Tage und noch schlimmere Nchte, hilf- und ratlos nach
seinem Kanzler rufend.  Er hatte den Besuch Del Guastos erhalten, der
ihm zu melden kam, sein Feldherr habe vor ablaufender Frist den
Kanzler von Mailand empfangen, dieser ihm aber, statt der erwarteten
Zugestndnisse, im Namen der Hoheit ebenso trichte als
verbrecherische Erffnungen gemacht, die den Feldherrn bestimmen,
ohne Verzug, brigens ganz im Sinne seiner ersten Drohung, auf
Mailand zu marschieren und gegen die Hoheit als einen Hochverrter zu
verfahren.  Del Guasto hatte sich an dem Zittern des Herzogs geweidet
und war aus der Stadt verschwunden.  Whrend sich die kaiserlichen
Truppen in raschen Mrschen nherten, und selbs$
pfe mit den tapferen Iberern und Kelten schufen zu der vorzueglichen 
numidischen Reiterei ein brauchbares Fussvolk.
Von Karthago aus liess man die Barkas machen. Da der Buergerschaft 
regelmaessige Leistungen nicht abverlangt wurden, sondern vielmehr fuer sie noch 
etwas abfiel, auch der Handel in Spanien wiederfand, was er in Sizilien und 
Sardinien verloren, wurde der spanische Krieg und das spanische Heer mit seinen 
glaenzenden Siegen und wichtigen Erfolgen bald so populaer, dass es sogar 
moeglich ward, in einzelnen Krisen, zum Beispiel nach Hamilkars Fall, bedeutende 
Nachsendungen afrikanischer Truppen nach Spanien durchzusetzen, und die 
Regierungspartei wohl oder uebel dazu schweigen oder doch sich begnuegen musste, 
unter sich und gegen die Freunde in Rom auf die demagogischen Offiziere und den 
Poebel zu schelten.
Auch von Rom aus geschah nichts, um den spanischen Angelegenheiten 
ernstlich eine andere Wendung zu geben. Die erste und vornehmste Ursache der 
Untaetigkeit der Roemer war unzweifelhaf$
n Masse in die Sklaverei verkauften. Allein die Aetoler waren schon nicht mehr 
frei: sie wagten viel, wenn sie auf eigene Hand mit Philippos Frieden schlossen, 
und fanden die Roemer keineswegs geneigt, zumal bei der guenstigen Wendung der 
Dinge in Spanien und in Italien, von einem Kriege abzustehen, den sie ihrerseits 
bloss mit einigen Schiffen fuehrten und dessen Last und Nachteil wesentlich auf 
die Aetoler fiel. Endlich entschlossen diese sich doch, den vermittelnden 
Staedten Gehoer zu geben; trotz der Gegenbestrebungen der Roemer kam im Winter 
548/49 (206/05) ein Friede zwischen den griechischen Maechten zustande. Aetolien 
hatte einen uebermaechtigen Bundesgenossen in einen gefaehrlichen Feind 
verwandelt; indes es schien dem roemischen Senat, der eben damals die Kraefte 
des erschoepften Staates zu der entscheidenden afrikanischen Expedition aufbot, 
nicht der geeignete Augenblick, den Bruch des Buendnisses zu ahnden. Selbst den 
Krieg mit Philippos, den nach dem Ruecktritt der Aetoler die Roemer $
ierzehn Jahre zuvor bei 
Cannae gewichen waren, hatten ihren Ueberwindern bei Zama vergolten. Mit einer 
Handvoll Leute gelangte Hannibal fluechtig nach Hadrumetum.
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^1 Von den beiden diesen Namen fuehrenden Orten ist wahrscheinlich der 
westlichere, etwa 60 Miglien westlich von Hadrumetum gelegene, derjenige der 
Schlacht (vgl. Hermes 20, 1885, S. 144, 318). Die Zeit ist der Fruehling oder 
Sommer des Jahres 552 (202); die Bestimmung des Tages auf den 19. Oktober wegen 
der angeblichen Sonnenfinsternis ist nichtig.
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Nach diesem Tage konnte auf karthagischer Seite nur der Unverstand zur 
Fortsetzung des Krieges raten. Dagegen lag es in der Hand des roemischen 
Feldherrn, sofort die Belagerung der Hauptstadt zu beginnen, die weder gedeckt 
noch verproviantiert war, und, wenn nicht unberechenbare Zwischenfaelle 
eintraten, das Schicksal, welches Hannibal ueber Rom hatte bringen wollen, jetzt 
ueber Karth$
alle auch in derselben zeitweiligen und 
oberflaechlichen Abhaengigkeit von der griechischen Dynastie, die in Asien an 
die Stelle der Grosskoenige getreten war oder sein wollte.
Von groesserer Wichtigkeit fuer die allgemeinen Verhaeltnisse ist der 
Keltenstaat in dem kleinasiatischen Binnenland. Hier mitten inne zwischen 
Bithynien, Paphlagonien, Kappadokien und Phrygien hatten drei keltische 
Voelkerschaften, die Tolistoager, Tectosagen und Trocmer sich ansaessig gemacht, 
ohne darum weder von der heimischen Sprache und Sitte noch von ihrer Verfassung 
und ihrem Freibeuterhandwerk zu lassen. Die zwoelf Vierfuersten, jeder einem der 
vier Kantone eines der drei Staemme vorgesetzt, bildeten mit ihrem Rate von 
dreihundert Maennern die hoechste Autoritaet der Nation und traten auf der 
"heiligen Staette" (Drunemetum) namentlich zur Faellung von Bluturteilen 
zusammen. Seltsam wie diese keltische Gauverfassung den Asiaten erschien, ebenso 
fremdartig duenkte ihnen der Wagemut und die Landsknechtsitte der nordis$

Sympathien. Wenn ein Vorwurf die Roemer trifft, so ist es der, dass sie alle und 
vor allem den Flamininus, der die wohlbegruendeten Bedenken des Senats 
ueberwand, der Zauber des hellenischen Namens hinderte, die Erbaermlichkeit des 
damaligen griechischen Staatenwesens in ihrem ganzen Umfang zu erkennen, und 
dass sie all den Gemeinden, die mit ihren in sich und gegeneinander gaerenden 
ohnmaechtigen Antipathien weder zu handeln noch sich ruhig zu halten verstanden, 
ihr Treiben auch ferner gestatteten. Wie die Dinge einmal standen, war es 
vielmehr noetig, dieser ebenso kuemmerlichen als schaedlichen Freiheit durch 
eine an Ort und Stelle dauernd anwesende Uebermacht ein- fuer allemal ein Ende 
zu machen; die schwaechliche Gefuehlspolitik war bei all ihrer scheinbaren 
Humanitaet weit grausamer, als die strengste Okkupation gewesen sein wuerde. In 
Boeotien zum Beispiel musste Rom einen politischen Mord, wenn nicht veranlassen, 
doch zulassen, weil man sich einmal entschlossen hatte, die roemischen Truppe$
gen Fleisch und
Blut ebensogut ein, wie das deine!  Wer wei, ob unser Los nicht
schon gleich ist!
Preising.  Und dann?
Ernst.  Dann werde, was will!  Ich habe das Meinige getan und sorge
fr die Grber.  Aber es kann auch anders kommen.  Der Frst schlief
nur in ihm, er war nicht tot.  Warum htt' er sonst nicht entsagt?
Warum so auf dies Turnier gedrungen?  Vielleicht erwacht er wieder,
und dann--Es ist tricht, mit den gemeinen Leuten von Zauberei zu
reden, wo ein Gesicht, das unser Herrgott zweimal angestrichen hat,
alles erklrt, aber es ndert sich viel, wenn Himmel und Erde sich
erst einmal wieder in solch ein Blendwerk von Mdchen geteilt haben,
und nur noch ein Leichnam daliegt, der nicht mehr durch rote Lippen
und frische Wangen an die Eitelkeiten der Welt, nur noch durch
gebrochene Augen an die letzten Dinge mahnt!
Preising.  Da brennt's!  Oder nicht?  Ja! ja!
(Man sieht in der Ferne ein Dorf in Flammen stehen.)
Ernst.  Das ist er!  So hat die Wut den Schmerz besiegt!  Nun wird
alles gut!  (Rufend.$
echt, und wo es dennoch bei den Ausfaellen 
der Belagerten dazu kam, rechtfertigte die feige, kaum durch das persoenliche 
Erscheinen des Feldherrn gehemmte Flucht der Legionaere diese Taktik nur zu 
sehr. Nie hat ein Feldherr seine Soldaten veraechtlicher behandelt als Scipio 
die numantinische Armee; und nicht bloss mit bitteren Reden, sondern vor allem 
durch die Tat bewies er ihr, was er von ihr halte. Zum erstenmal fuehrten die 
Roemer, wo es nur auf sie ankam, das Schwert zu brauchen, den Kampf mit Hacke 
und Spaten. Rings um die ganze Stadtmauer von reichlich einer halben deutschen 
Meile im Umfang ward eine doppelt so ausgedehnte, mit Mauern, Tuermen und 
Graeben versehene zwiefache Umwallungslinie aufgefuehrt und auch der Duerofluss, 
auf dem den Belagerten anfangs noch durch kuehne Schiffer und Taucher einige 
Vorraete zugekommen waren, endlich abgesperrt. So musste die Stadt, die zu 
stuermen man nicht wagte, wohl durch Hunger erdrueckt werden, um so mehr, als es 
der Buergerschaft nicht moeglich g$
lcher Konnivenz war denn, dass nach Ueberwaeltigung des Sklavenaufstandes der 
Konsul Publius Rupilius alles, was lebend in seine Haende kam, es heisst ueber 
20000 Menschen, ans Kreuz schlagen liess. Es war freilich nicht laenger 
moeglich, das Kapital zu schonen.
Unendlich schwerer zu gewinnende, freilich auch unendlich reichere Fruechte 
verhiess die Fuersorge der Regierung fuer Hebung der freien Arbeit und 
folgeweise fuer Beschraenkung des Sklavenproletariats. Leider geschah in dieser 
Beziehung schlechterdings gar nichts. In der ersten sozialen Krise hatte man 
gesetzlich dem Gutsherrn vorgeschrieben, eine nach der Zahl seiner 
Sklavenarbeiter abgemessene Anzahl freier Arbeiter zu verwenden. Jetzt ward auf 
Veranlassung der Regierung eine punische Schrift ueber den Landbau, ohne Zweifel 
eine Anweisung zur Plantagenwirtschaft nach karthagischer Art, zu Nutz und 
Frommen der italischen Spekulation ins Lateinische uebersetzt -das erste und 
einzige Beispiel einer von dem roemischen Senat veranlassten lite$
d fanden.
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^1 Er ist grossenteils noch vorhanden und bekannt unter dem jetzt seit 
dreihundert Jahren fortgepflanzten falschen Namen des Thorischen Ackergesetzes.
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Waehrend also die restaurierte Regierung es sich angelegen sein liess, die 
Keime zum Bessern, die in der Gracchischen Verfassung vorhanden waren, 
gruendlich auszureuten, blieb sie den nicht zum Heil des Ganzen von Gracchus 
erweckten feindlichen Maechten gegenueber vollstaendig ohnmaechtig. Das 
hauptstaedtische Proletariat blieb bestehen in anerkannter Zehrberechtigung; die 
Geschworenen aus dem Kaufmannsstand liess der Senat gleichfalls sich gefallen, 
so widerwaertig auch dieses Joch eben dem besseren und stolzeren Teil der 
Aristokratie fiel. Es waren unwuerdige Fesseln, die die Aristokratie trug; aber 
wir finden nicht, dass sie ernstlich dazu tat, sich derselben zu entledigen. Das 
Gesetz des Marcus Aemilius Scaurus von 632 (122),$
ie der gedrueckten Menge und der zur Maessigung des 
starren Rechtes mahnenden Mittelpartei den Krieg und den Prozess; wieder stand 
man an dem Rande desjenigen Abgrundes, in den der verzweifelte Schuldner den 
Glaeubiger mit sich hinabreisst; nur war seitdem an die Stelle der einfach 
buergerlichen und sittlichen Ordnung einer grossen Ackerstadt die soziale 
Zerrissenheit einer Kapitale vieler Nationen und diejenige Demoralisation 
getreten, in der der Prinz mit dem Bettler sich begegnet; nur waren alle 
Missverhaeltnisse breiter, schroffer, in grauenhafter Weise grossartiger 
geworden. Indem der Bundesgenossenkrieg all die gaerenden politischen und 
sozialen Elemente in der Buergerschaft gegeneinander ruettelte, legte er den 
Grund zu einer neuen Revolution. Zum Ausbruch brachte sie ein Zufall.
Der Volkstribun Publius Sulpicius Rufus war es, der im Jahre 666 (88) bei 
der Buergerschaft die Antraege stellte, jeden Senator, der ueber 2000 Denare 
(600 Taler) schulde, seiner Ratsstelle verlustig zu erklaeren; $
 Juenglings gab dem pontischen Koenig um so mehr freie Hand, 
als mit diesem das kappadokische Regentenhaus erlosch. Als nomineller Regent 
ward, ebenwie in Bithynien geschehen war, ein falscher Ariarathes proklamiert, 
unter dessen Namen Gordios als Statthalter Mithradats das Reich verwaltete. 
Gewaltiger als seit langem ein einheimischer Monarch herrschte Koenig 
Mithradates am noerdlichen wie am suedlichen Gestade des Schwarzen Meeres und 
weit in das innere Kleinasien hinein. Die Hilfsquellen des Koenigs fuer den 
Krieg zu Lande und zu Wasser schienen unermesslich. Sein Werbeplatz reichte von 
der Donaumuendung bis zum Kaukasus und dem Kaspischen Meer; Thraker, Skythen, 
Sauromaten, Bastarner, Kolchier, Iberer (im heutigen Georgien) draengten sich 
unter seine Fahne; vor allem rekrutierte er seine Kriegsscharen aus den tapferen 
Bastarnern. Fuer die Flotte lieferte ihm die kolchische Satrapie ausser Flachs, 
Hanf, Pech und Wachs das trefflichste, vom Kaukasus herabgefloesste Bauholz; 
Steuermaenner und Of$
erden, unbedingte Begnadigung in Aussicht und veranlasste seine 
Soldaten, Mann fuer Mann, zu schwoeren, dass sie den Italikern durchaus als 
Freunden und Mitbuergern begegnen wuerden. Die buendigsten Erklaerungen 
sicherten den Neubuergern die von ihnen erworbenen politischen Rechte; so dass 
Carbo deshalb von jeder italischen Stadtgemeinde sich Geiseln wollte stellen 
lassen, was indes an der allgemeinen Indignation und an dem Widerspruch des 
Senats scheiterte. Die Hauptschwierigkeit der Lage Sullas bestand in der Tat 
darin, dass bei der eingerissenen Wort- und Treulosigkeit die Neubuerger allen 
Grund hatten, wenn nicht an seinen persoenlichen Absichten, doch daran zu 
zweifeln, ob er es vermoegen werde, seine Partei zum Worthalten nach dem Siege 
zu bestimmen.
Im Fruehling 671 (83) landete Sulla mit seinen Legionen in dem Hafen von 
Brundisium. Der Senat erklaerte auf die Nachricht davon das Vaterland in Gefahr 
und uebertrug den Konsuln unbeschraenkte Vollmacht; aber diese unfaehigen Leiter 
hatten sic$
reigelassene und Kneipgenossen, bald ohne Konkurrenz kaufen liess, bald 
ihnen den Kaufschilling ganz oder teilweise erliess - so soll zum Beispiel einer 
seiner Freigelassenen ein Vermoegen von 6 Millionen (457000 Talern) fuer 2000 
Sesterzen (152 Taler) ersteigert haben und einer seiner Unteroffiziere durch 
derartige Spekulationen zu einem Vermoegen von 10 Mill. Sesterzen (761000 
Talern) gelangt sein. Der Unwille war gross und gerecht; schon waehrend Sollas 
Regentschaft fragte ein Advokat, ob der Adel den Buergerkrieg nur gefuehrt habe, 
um seine Freigelassenen und Knechte zu reichen Leuten zu machen. Trotz dieser 
Schleuderei indes betrug der Gesamterloes aus den konfiszierten Guetern nicht 
weniger als 350 Mill. Sesterzen (27 Mill. Taler), was von dem ungeheuren Umfang 
dieser hauptsaechlich auf den reichsten Teil der Buergerschaft fallenden 
Einziehungen einen ungefaehren Begriff gibt. Es war durchaus ein fuerchterliches 
Strafgericht. Es gab keinen Prozess, keine Begnadigung mehr; bleischwer lastete $
ien, in dieser Zeit gar kein Quaestor ging. Aber sicher hat es doch schon 
vor Sulla mehr als acht Quaestoren gegeben.
8 Von einer festen Zahl der Senatoren kann genau genommen ueberhaupt nicht 
die Rede sein. Wenn auch die Zensoren vor Sulla jedesmal eine Liste von 300 
Koepfen anfertigten, so traten doch zu dieser immer noch diejenigen 
Nichtsenatoren hinzu, die nach Abfassung der Liste bis zur Aufstellung der 
naechsten ein kurulisches Amt bekleideten; und nach Sulla gab es so viele 
Senatoren, als gerade Quaestorier am Leben waren. Wohl aber ist anzunehmen, dass 
Sulla den Senat auf ungefaehr 500 bis 600 Koepfe zu bringen bedacht war; und 
diese Zahl ergibt sich, wenn jaehrlich 20 neue Mitglieder von durchschnittlich 
30 Jahren eintraten und man die durchschnittliche Dauer der senatorischen Wuerde 
auf 25 bis 30 Jahre ansetzt. In einer stark besuchten Senatssitzung der 
ciceronischen Zeit waren 417 Mitglieder anwesend.
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Hinsichtlich der Gesetzgebung begnueg$
ht schwer zu sehen, dass sein Bau kein solider war; 
aber es ist eine arge Gedankenlosigkeit, darueber zu uebersehen, dass ohne Sulla 
hoechstwahrscheinlich der Bauplatz selbst von den Fluten waere fortgerissen 
worden; und auch jener Tadel trifft zunaechst nicht Sulla. Der Staatsmann baut 
nur, was er in dem ihm angewiesenen Kreise bauen kann. Was ein konservativ 
Gesinnter tun konnte, um die alte Verfassung zu retten, das hat Sulla getan; und 
geahnt hat er es selbst, dass er wohl eine Festung, aber keine Besatzung zu 
schaffen vermoege und die grenzenlose Nichtigkeit der Oligarchen jeden Versuch, 
die Oligarchie zu retten, vergeblich machen werde. Seine Verfassung glich einem 
in das brandende Meer hineingeworfenen Notdamm; es ist kein Vorwurf fuer den 
Baumeister, wenn ein Jahrzehnt spaeter die Wellen den naturwidrigen und von den 
Geschuetzten selbst nicht verteidigten Bau verschlangen. Der Staatsmann wird 
nicht der Hinweisung auf hoechst loebliche Einzelformen, zum Beispiel des 
asiatischen Steuerwesen$
lrasselnden 
Landsknechte, die ganz besonders launig gemalte Bedientenwelt, deren Himmel der 
Keller, deren Fatum die Peitsche ist, sind bei Terenz verschwunden oder doch zum 
Besseren gewandt. Bei Plautus befindet man sich, im ganzen genommen, unter 
angehendem oder ausgebildetem Gesindel, bei Terenz dagegen regelmaessig unter 
lauter edlen Menschen; wird ja einmal ein Maedchenwirt ausgepluendert oder ein 
junger Mensch ins Bordell gefuehrt, so geschieht es in moralischer Absicht, etwa 
aus bruederlicher Liebe oder um den Knaben vom Besuch schlichter Haeuser 
abzuschrecken. In den Plautinischen Stuecken herrscht die Philisteropposition 
der Kneipe gegen das Haus: ueberall werden die Frauen heruntergemacht zur 
Ergoetzung aller zeitweilig emanzipierten und einer liebenswuerdigen Begruessung 
daheim nicht voellig versicherten Eheleute. In den Terenzischen Komoedien 
herrscht nicht eine sittlichere, aber wohl eine schicklichere Auffassung der 
Frauennatur und des ehelichen Lebens. Regelmaessig schliessen sie mi$
 glaenzendste ihren Beruf dargetan, die Zuegel des Staates zu 
fassen und zu lenken. Die ebenso unpatriotischen wie ungeschickten Versuche des 
Konsuls Piso, den Anstalten des Pompeius zu Unterdrueckung der Piraterie im 
Narbonensischen Gallien kleinliche Hindernisse in den Weg zu legen, steigerten 
nur die Erbitterung der Buergerschaft gegen die Oligarchie und ihren 
Enthusiasmus fuer Pompeius: einzig dessen persoenliche Dazwischenkunft 
verhinderte es, dass die Volksversammlung nicht den Konsul kurzweg seines Amtes 
Inzwischen war auf dem asiatischen Festland die Verwirrung nur noch aerger 
geworden. Glabrio, der an Lucullus' Stelle den Oberbefehl gegen Mithradates und 
Tigranes uebernehmen sollte, war in Vorderasien sitzen geblieben und hatte zwar 
durch verschiedene Proklamationen die Soldaten gegen Lucullus aufgestiftet, aber 
den Oberbefehl nicht angetreten, so dass Lucullus denselben fortzufuehren 
gezwungen war. Gegen Mithradates war natuerlich nichts geschehen; die pontischen 
Reiter pluenderten unge$
wies sich 
insbesondere gegen die verwegenen Raubritter als notwendig. Silas, der Herr von 
Lysias, der Herr von Tripolis, Dionysios, der Herr von Byblos, Kinyras, wurden 
in ihren Burgen gefangengenommen und hingerichtet, die Berg- und Seeschloesser 
der Ityraeer gebrochen, Ptolemaeos Mennaeos' Sohn in Chalkis gezwungen, mit 1000 
Talenten (1827000 Taler) Loesegeld sich Freiheit und Herrschaft zu erkaufen. Im 
uebrigen fanden die Befehle des neuen Machthabers meistenteils widerstandslosen 
Gehorsam. Nur die Juden schwankten. Die frueher von Pompeius gesandten 
Vermittler, Gabinius und Scaurus, hatten - beide, wie es heisst, mit bedeutenden 
Summen bestochen - im Streite der beiden Brueder Hyrkanos und Aristobulos zu 
Gunsten des letzteren entschieden, auch den Koenig Aretas veranlasst, die 
Belagerung von Jerusalem aufzuheben und sich in seine Heimat zu begeben, wobei 
er auf dem Rueckweg noch von Aristobulos eine Niederlage erlitt. Als aber 
Pompeius in Syrien eintraf, kassierte er die Anordnungen seiner Un$
tische Partei, ihre Verbuendeten siegreiche, an 
der Spitze ihrer Armeen stehende Feldherren; jetzt war der Fuehrer der 
Demokraten selber ein sieggekroenter, von grossartigen militaerischen Entwuerfen 
erfuellter Imperator, die Bundesgenossen gewesene Generale ohne Armee. Damals 
siegte die Demokratie in Prinzipienfragen und raeumte um diesen Preis die 
hoechsten Staatsaemter ihren beiden Verbuendeten ein; jetzt war sie praktischer 
geworden und nahm die hoechste buergerliche und militaerische Gewalt fuer sich 
selber, wogegen nur in untergeordneten Dingen den Bundesgenossen Konzessionen 
gemacht und, bezeichnend genug, nicht einmal Pompeius' alte Forderung eines 
zweiten Konsulats beruecksichtigt wurde. Damals gab sich die Demokratie ihren 
Verbuendeten hin; jetzt mussten diese sich ihr anvertrauen. Alle Verhaeltnisse 
sind vollstaendig veraendert, am meisten jedoch der Charakter der Demokratie 
selbst. Wohl hatte dieselbe, seit sie ueberhaupt war, im innersten Kern ein 
monarchisches Element in sich getrag$
ns den Nachtrab der 
grossen Armee unter Sillakes und dem Wesir einzuholen und aufzureiben und die 
ungeheure Beute zu gewinnen. Diese Rapporte der befreundeten Beduinen 
entschieden ueber die Marschrichtung; das roemische Heer, bestehend aus sieben 
Legionen, 4000 Reitern und 4000 Schleuderern und Schuetzen, wandte vom Euphrat 
sich ab und hinein in die unwirtlichen Ebenen des noerdlichen Mesopotamiens. 
Weit und breit zeigte sich kein Feind; nur Hunger und Durst und die endlose 
Sandwueste schienen Wache zu halten an den Pforten des Ostens. Endlich, nach 
vieltaegigem muehseligen Marsch, unweit des ersten Flusses, den das roemische 
Heer zu ueberschreiten hatte, des Balissos (Belik), zeigten sich die ersten 
feindlichen Reiter. Abgaros mit seinen Arabern ward ausgesandt, um zu 
kundschaften; die parthischen Reiterscharen wichen zurueck bis an und ueber den 
Fluss und verschwanden in der Ferne, verfolgt von Abgaros und den Seinen. 
Ungeduldig harrte man auf die Rueckkehr desselben und auf genauere Kundschaft$
nsehen im Orient wiederhergestellt, allein mit 
der parthischen Invasion in Vorderasien war es vorbei, und es blieb, vorlaeufig 
wenigstens, die Euphratgrenze erhalten.
In Rom wirbelte inzwischen der kreisende Vulkan der Revolution seine 
Rauchwolken sinnbetaeubend empor. Man fing an, keinen Soldaten und keinen Denar 
mehr gegen den Landesfeind, keinen Gedanken mehr uebrig zu haben fuer die 
Geschichte der Voelker. Es ist eines der entsetzlichsten Zeichen der Zeit, dass 
das ungeheure Nationalunglueck von Karrhae und Sinnaka den derzeitigen 
Politikern weit weniger zu denken und zu reden gab als jener elende Krawall auf 
der Appischen Strasse, in dem ein paar Monate nach Crassus der Bandenfuehrer 
Clodius umkam; aber es ist begreiflich und beinahe verzeihlich. Der Bruch 
zwischen den beiden Machthabern, lange als unvermeidlich gefuehlt und oft so 
nahe verkuendigt, rueckte jetzt unaufhaltsam heran. Wie in der alten 
griechischen Schiffersage befand sich das Fahrzeug der roemischen Gemeinde 
gleichsam zwischen$
iter in Syrien, Asia, Makedonien, Afrika, Sizilien und 
sonst befindlichen, freilich schwachen und sehr zerstreuten Truppenabteilungen 
kamen. In Italien standen unter den Waffen zunaechst nur die zwei von Caesar 
kuerzlich abgegebenen Legionen, deren Effektivbestand sich nicht ueber 7000 Mann 
belief und deren Zuverlaessigkeit mehr als zweifelhaft war, da sie, ausgehoben 
im Diesseitigen Gallien und alte Waffengefaehrten Caesars, ueber die unfeine 
Intrige, durch die man sie das Lager hatte wechseln machen, in hohem Grade 
missvergnuegt waren und ihres Feldherrn, der die fuer den Triumph jedem Soldaten 
versprochenen Geschenke ihnen vor ihrem Abmarsch grossmuetig vorausgezahlt 
hatte, sehnsuechtig gedachten. Allein abgesehen davon, dass die spanischen 
Truppen mit dem Fruehjahr entweder auf dem Landweg durch Gallien oder zur See in 
Italien eintreffen konnten, konnten in Italien die Mannschaften der von den 
Aushebungen von 699 (55) noch uebrigen drei Legionen sowie das im Jahre 702 (52) 
in Pflicht genommen$
im Kanal bei den Briten und spaeter den Sachsen 
ueblichen, im Lager anfertigen und sie auf Wagen an den Punkt, wo die Bruecken 
gestanden hatten, transportieren. Auf diesen gebrechlichen Nachen wurde das 
andere Ufer erreicht und, da man es unbesetzt fand, ohne grosse Schwierigkeit 
die Bruecke wiederhergestellt; rasch war dann auch die Verbindungsstrasse 
freigemacht und die sehnlich erwartete Zufuhr in das Lager geschafft. Caesars 
gluecklicher Einfall riss also das Heer aus der ungeheuren Gefahr, in der es 
schwebte. Sofort begann dann Caesars an Tuechtigkeit der feindlichen weit 
ueberlegene Reiterei, die Landschaft am linken Ufer des Sicoris zu 
durchstreifen; schon traten die ansehnlichsten spanischen Gemeinden zwischen den 
Pyrenaeen und dem Ebro, Osca, Tarraco, Dertosa und andere, ja selbst einzelne 
suedlich vom Ebro auf Caesars Seite. Durch die Streiftrupps Caesars und die 
Uebertritte der benachbarten Gemeinden wurde nun den Pompeianern die Zufuhr 
knapp; sie entschlossen sich endlich zum Rueckzug$
angen war, gelang es in der Tat, das Korps des Saburra am 
Bagradas bei naechtlicher Weile zu ueberraschen und uebel zuzurichten; und auf 
diese Siegesbotschaft beschleunigte Curio den Marsch der Infanterie, um durch 
sie die Niederlage zu vollenden. Bald erblickte man auf den letzten Abhaengen 
der gegen den Bagradas sich senkenden Anhoehen das Korps des Saburra, das mit 
den roemischen Reitern sich herumschlug; die heranrueckenden Legionen halfen, 
dasselbe voellig in die Ebene hinabdraengen. Allein hier wendete sich das 
Gefecht. Saburra stand nicht, wie man meinte, ohne Rueckhalt, sondern nicht viel 
mehr als eine deutsche Meile entfernt von der numidischen Hauptmacht. Bereits 
trafen der Kern des numidischen Fussvolks und 2000 gallische und spanische 
Reiter auf dem Schlachtfeld ein, um Saburra zu unterstuetzen, und der Koenig 
selbst mit dem Gros der Armee und sechzehn Elefanten war im Anmarsch. Nach dem 
Nachtmarsch und dem hitzigen Gefecht waren von den roemischen Reitern 
augenblicklich nicht viel ue$
igungsfaehigen Festungen in ungeheuren 
Massen aufgehaeuft, zugleich aus den offenen Ortschaften die Vorraete moeglichst 
entfernt. Die Abwesenheit Caesars, die schwierige Stimmung seiner Legionen, die 
Gaerung in Spanien und Italien hoben allmaehlich die Stimmung, und die 
Erinnerung an die Pharsalische Schlacht fing an, neuen Siegeshoffnungen zu 
Die von Caesar in Aegypten verlorene Zeit raechte nirgend sich schwerer als 
hier. Haette er unmittelbar nach Pompeius' Tode sich nach Afrika gewendet, so 
wuerde er daselbst ein schwaches, desorganisiertes und konsterniertes Heer und 
vollstaendige Anarchie unter den Fuehrern vorgefunden haben; wogegen jetzt, 
namentlich durch Catos Energie, eine der bei Pharsalos geschlagenen an Zahl 
gleiche Armee unter namhaften Fuehrern und unter einer geregelten Oberleitung in 
Afrika stand.
Es schien ueberhaupt ueber dieser afrikanischen Expedition Caesars ein 
eigener Unstern zu walten. Noch vor seiner Einschiffung nach Aegypten hatte 
Caesar in Spanien und Italien verschie$
hen an einem jeden Ort, so, wie sie sein koennen.  Sie schaetzen einen
Staatsmann zu Athen, an sich selbst, nicht hoeher als einen Gaukler zu
Persepolis, und eine ehrbare Matrone von Sparta ist in ihren Augen kein
vortrefflicheres Wesen als eine Lais zu Corinth.  Es ist wahr, der Gaukler
wuerde zu Athen, und die Lais zu Sparta schaedlich sein; allein ein
Aristides wuerde zu Persepolis, und eine Spartanerin zu Corinth wo nicht
eben so schaedlich, doch wenigstens ganz unnuetzlich sein.  Die Idealisten,
wie ich diese Philosophen zu nennen pflege, welche die Welt nach ihren
Ideen umschmelzen wollen, bilden ihre Lehrjuenger zu Menschen, die man
nirgends fuer einheimisch erkennen kann, weil ihre Moral eine Gesetzgebung
voraussetzt, welche nirgends vorhanden ist.  Sie bleiben arm und
ungeachtet, weil ein Volk nur demjenigen Hochachtung und Belohnung
zuerkennt, der seinen Nutzen befoerdert oder doch zu befoerdern scheint; ja
sie werden als Verderber der Jugend, und als heimliche Feinde der
Gesellschaft angesehen, und$
hr und durch
einen Zufall geschehen.  Endlich verschwand dieses Bild gaenzlich; Psyche
hoerte auf fuer ihn zu existieren, ja kaum erinnerte er sich alles dessen,
was vor seiner Bekanntschaft mit der schoenen Danae vorgegangen war anders,
als ein erwachsener Mensch sich seiner ersten Kindheit erinnert.  Es ist
also leicht zu begreifen, dass seine ganze vormalige Art zu empfinden und
zu sein, einige Veraenderung erlitt, und gleichsam die Farbe und den Ton
des Gegenstands bekam, der mit einer so unumschraenkten Macht auf ihn
wuerkte.  Sein ernsthaftes Wesen machte nach und nach einer gewissen
Munterkeit Platz, die ihm vieles, das er ehmals missbilligst hatte, in
einem guenstigern Lichte zeigte; seine Sittenlehre wurde unvermerkt freier
und gefaelliger, und seine ehmaligen guten Freunde, die aetherischen Geister,
wenn sie ja noch einigen Zutritt bei ihm hatten, mussten sich gefallen
lassen, die Gestalt der schoenen Danae anzunehmen, um vorgelassen zu werden.
Vor Begierde der Beherrscherin seines Herzens zu gefall$
ich von ihm loszureissen.  Des folgenden Tags hatte er die
Unverschaemtheit, die priesterlichen Verrichtungen mit eben der
heuchlerischen Andacht fortzusetzen, womit er mich und jeden andern bisher
hintergangen hatte.  Er liess nicht die geringste Veraenderung in seinem
Betragen gegen mich merken, und schien sich des Vergangenen eben so wenig
zu erinnern, als ob er den ganzen Lethe ausgetrunken haette.  Diese
Auffuehrung vermehrte meine Unruhe sehr; ich konnte noch nicht begreifen,
dass es Leute geben koenne, welche, mitten in den Ausschweifungen des
Lasters, Ruhe und Heiterkeit, die natuerlichen Gefaehrten der Unschuld,
beizubehalten wissen.  Allein in weniger Zeit darauf befreite mich die
Unvorsichtigkeit dieses Betruegers von den Besorgnissen, worin ich seit der
Geschichte in der Grotte geschwebet hatte.  Theogiton verschwand aus
Delphi, ohne dass man die eigentliche Ursache davon erfuhr.  Aus dem, was
man sich in die Ohren murmelte, erriet ich, dass Apollo endlich ueberdruessig
geworden sein moechte, sein$
um Vergnuegen zu gleicher Zeit zu befriedigen, und auf eine so
mannichfaltige Art gluecklich zu sein, als sich die verzaerteltste
Einbildung nur immer wuenschen koenne.
Agathon hatte auf alle diese schoene Vorspieglungen nur Eine Antwort--seine
Liebe zu Danae.  Der Sophist fand sie unzulaenglich.  Eben diese Ursachen,
welche seine Liebe zu Danae hervorgebracht hatten, sollten ihn auch fuer
die Reizungen andrer Schoenen empfindlich machen.  Seiner Meinung nach
machte die Abwechselung der Gegenstaende das groesseste Glueck der Liebe aus.
Er behauptete diesen Satz durch eine sehr lebhafte Ausfuehrung der
besondern Vergnuegungen, welche mit der Besiegung einer jeden besondern
Klasse der Schoenen verbunden sei.  Die Unwissende und die Erfahrne, die
Geistreiche und die Bloede, die Schoene und die Haessliche, die Kokette, die
Sproede, die Tugendhafte, die Andaechtige--kurz jeder besondere Charakter
beschaeftige den Geschmack, die Einbildung, und so gar die Sinnen (denn von
dem Herzen war bei ihm die Rede nicht) auf $
, die ihm die Verfolgungen der Pythia und die
Zuneigung der Athenienser zugezogen, ihn in den Augen der thrazischen
Bacchantinnen zum Gott, und in den Augen der schoenen Danae zum
liebenswuerdigsten der Sterblichen gemacht hatte--Diese Gestalt, diese
einnehmende Gesichts-Bildung, diese mit Wuerde und Anstand
zusammenfliessende Grazie, welche allen seinen Bewegungen und Handlungen
eigen war--taten ihre Wuerkung, und zogen ihm beim ersten Anblick die
allgemeine Bewunderung zu.  Dionys, welcher als Koenig zu wohl mit sich
selbst zufrieden war, um ueber einen Privat-Mann wegen irgend einer
Vollkommenheit eifersuechtig zu sein, ueberliess sich dem angenehmen Eindruck,
den dieser schoene Fremdling auf ihn machte.  Die Philosophen hofften, dass
das Inwendige einer so viel versprechenden Aussenseite nicht gemaess sein
werde, und diese Hoffnung setzte sie in den Stand, mit einem Nasenruempfen,
welches den geringen Wert, den sie einem solchen Vorzug beilegten,
andeutete, einander zu zuraunen, dass er--schoen sei.  Aber$
n Republikaner, ein Held,
ein Stoiker, ein Wolluestling; und war keines von allen, ob er gleich in
verschiedenen Zeiten durch alle diese Klassen ging, und in jeder eine
Nueance von derselben bekam.  So wird es vielleicht noch eine Zeitlang
gehen--Aber von seinem Charakter, von dem was er wuerklich war, worin er
sich unter allen diesen Gestalten gleich blieb, und was zuletzt, nachdem
alles Fremde und Heterogene durch die ganze Folge seiner Umstaende davon
abgeschieden sein wird, uebrig bleiben mag--davon kann dermalen die Rede
noch nicht sein.  Ohne also eben so voreilig ueber ihn zu urteilen, wie man
gewohnt ist, es im taeglichen Leben alle Augenblicke zu tun--wollen wir
fortfahren, ihn zu beobachten, die wahren Triebraeder seiner Handlungen so
genau als uns moeglich sein wird auszuspaehen, keine geheime Bewegung seines
Herzens, welche uns einigen Aufschluss hierueber geben kann, entwischen
lassen, und unser Urteil ueber das Ganze seines moralischen Wesens so lange
zurueckhalten, bis--wir es kennen werden.
ZE$
s Autors war, aus seinem Helden
einen tugendhaften Weisen zu machen, und zwar solchergestalt, dass man ganz
deutlich moechte begreifen koennen, wie ein solcher Mann--so geboren--so
erzogen--mit solchen Faehigkeiten und Dispositionen--mit einer solchen
besondern Bestimmung derselben--nach einer solchen Reihe von Erfahrungen,
Entwicklungen und Veraenderungen--in solchen Gluecks-Umstaenden--an einem
solchen Ort und in einer solchen Zeit--in einer solchen
Gesellschaft--unter einem solchen Himmels-Strich--bei solchen
Nahrungs-Mitteln (denn auch diese haben einen staerkern Einfluss auf
Weisheit und Tugend, als sich manche Moralisten einbilden)--bei einer
solchen Diaet--kurz, unter solchen gegebenen Bedingungen, wie alle
diejenigen Umstaende sind, in welche er den Agathon bisher gesetzt hat, und
noch setzen wird--ein so weiser und tugendhafter Mann habe sein koennen,
und (diejenigen, welche nicht gewohnt sind zu denken, moegen es nun glauben
oder nicht,) unter den naemlichen, oder doch sehr aehnlichen Umstaenden, es$
aus wurden gar bald gute Freunde.  Dieser junge
Mann gestund, seine Psyche ausgenommen, nichts vollkommners gesehen zu
haben, als Danae; und Danae erfuhr mit vielem Vergnuegen, dass Critolaus der
Gemahl der schoenen Psyche, und Psyche die wiedergefundene Schwester
Agathons sei.  Sie hatte nicht viel Muehe ihre Gaeste zu bereden, das
Nachtlager in ihrem Hause anzunehmen; unsre Liebenden haetten also die
Schuld sich selbst beimessen muessen, wenn sie keine Gelegenheit gefunden
haetten, sich umstaendlich zu besprechen, und gegen einander zu erklaeren.
Die schoene Danae meldete ihrem Freunde, dass sie die Verraeterei des Hippias,
und die Ursache der heimlichen Entweichung Agathons, bei ihrer
Zurueckkunft nach Smyrna bald entdeckt habe.  Sie verbarg ihm nicht, dass
der Schmerz ihn verloren zu haben, sie zu dem seltsamen Entschluss gebracht,
der Welt zu entsagen, und in irgend einer entlegenen Einoede sich selbst
fuer die Schwachheiten und Fehltritte ihres vergangenen Lebens zu bestrafen;
jedoch setzte sie hinzu, h$
Verkehr ihrer Mietsleute
mit ihrer Tochter moeglichst zu verhindern, war es ihr jetzt fast
unheimlich, dass der Fremde das liebe Geschoepf, ihren Augapfel,
hartnaeckig uebersah.  Sein ergrautes Haar erklaerte ihr diese seltsame
Blindheit nicht genuegend.  Er musste einen geheimen Kummer haben oder
sich so krank fuehlen, dass ihm der Anblick eines frischen Lebens wehe
tat.  Dennoch ging er straff und rasch, und seine Brust war breit und
gewoelbt, so dass die Krankheit, von der er sprach, tief im Innern ihren
Sitz haben musste.  Auch seine Gesichtsfarbe war nicht verdaechtig.  Wie
er die Strassen Venedigs durchschritt, zog er den wohlgefaelligen Blick
manch eines Frauenauges auf sich, und auch Marietta sah ihm aus einem
der oberen Fenster nicht ohne Anteil nach.
Er aber ging in sich gekehrt seinen Geschaeften nach, und obgleich er
sich bei Frau Giovanna umstaendlich nach dem Weg erkundigt hatte und
endlich ueber seine Ortsunkenntnis durch das Spruechlein: "Mit Fragen
kommt man bis Rom" von ihr getroestet worden$
.  Die
Inquisitoren setzen ihr ganzes Vertrauen in Euch.  Leonora, dass Ihr
den Schluessel zu diesem wohlverriegelten Geist finden werdet, wie es
Euch schon manchmal geglueckt ist.  Dies war nicht zu hoffen, solange
Gritti dazwischen stand.  Seine Verbannung ebnet den Weg und gibt
zugleich den Anlass einer Annaeherung an den unzugaenglichen Menschen,
dem die Freundin seines Freundes jetzt, da ihr den Verlorenen
gemeinsam betrauert, groessere Teilnahme einfloessen muss als frueher.  Das
uebrige ueberlasse ich der Macht Eurer Reize, die niemals
unwiderstehlicher waren, als wo sie auf Widerstand stiessen.
Sie ueberlegte eine Weile.  Ihre Stirn hellte sich auf, ihre Augen
gewannen einen kuehnen, stolzen Ausdruck, ihr schoener voller Mund
oeffnete sich halb und ein nachdenkliches Laecheln irrte ueber die Lippen.
Ihr versprecht, sagte sie endlich, dass Gritti sofort zurueckgerufen
wird, sobald ich den anderen Euch ueberliefert habe?
Wir versprechen es.
So soll es nicht lange dauern, bis ich Euch an die Erfuellung E$
de das Ereignis herbeigefuehrt haben moechten.
Die Wiederkehr der Gefahr verewigt die Furcht und deutet auf eine
unabsehliche Reihe von Schrecknissen hinaus, gegen die weder Mut noch
Feigheit den geringsten Schutz gewaehren koennen.
Eine aehnliche Wirkung uebte in Venedig die Kunde von dem zweiten
moerderischen Anfall gegen einen Staatsinquisitor aus.  Denn dass der
Verwundete nichts Geringeres war, hatten die Eingeweihten nicht zu
verheimlichen vermocht.  Niemand konnte sich's verhehlen, dass die
Kuehnheit, mit der dieser zweite Schlag gefuehrt worden war, durch das
Gelingen der Tat nur neu angespornt und zum Weiterschreiten auf der
Bahn der Gewalt ermuntert werden musste.  Zwar hatte dieses Mal der
Dolch, durch ein seidenes Unterkleid abgelenkt, das Opfer nicht
sogleich toedlich getroffen.  Aber die Wunde gefaehrdete dennoch das
Leben und verursachte jedenfalls einen Stillstand in der Taetigkeit des
Geheimen Tribunals, das ohne Einstimmigkeit seiner drei Mitglieder
keinen Spruch tun durfte.  Seine Herrschaf$
erten unsern Stamm rein und unverfaelscht
bewahrtest, gib nicht zu, dass ein Unwuerdiger den Namen der Abassiden
schaende, sei mit deinem Schutze meinem echten Sohne nahe in dieser
Stunde der Pruefung!"
Der Sultan erhob sich und bestieg seinen Thron wieder; allgemeine
Erwartung fesselte die Anwesenden, man wagte kaum zu atmen, man haette
ein Maeuschen ueber den Saal gehen hoeren koennen, so still und gespannt
waren alle, die hintersten machten lange Haelse, um ueber die vorderen
nach den Kistchen sehen zu koennen.  Jetzt sprach der Sultan: "Oeffnet
die Kistchen", und diese, die vorher keine Gewalt zu oeffnen vermochte,
sprangen von selbst auf.
In dem Kistchen, das Omar gewaehlt hatte, lagen auf einem samtenen
Kissen eine kleine goldene Krone und ein Zepter; in Labakans
Kistchen--eine grosse Nadel und ein wenig Zwirn!  Der Sultan befahl
den beiden, ihre Kistchen vor ihn zu bringen.  Er nahm das Kroenchen
von dem Kissen in seine Hand, und wunderbar war es anzusehen, wie er
es nahm, wurde es groesser und groesse$
 Ihr
als meinen Stellvertreter so liebgewonnen habt.  Lebet wohl und
benuetzet diese Lehre nach Kraeften!"
Die Gruenwieseler schaemten sich nicht wenig vor dem ganzen Land.  Ihr
Trost war, dass dies alles mit unnatuerlichen Dingen zugegangen sei.
Am meisten schaemten sich aber die jungen Leute in Gruenwiesel, weil
sie die schlechten Gewohnheiten und Sitten des Affen nachgeahmt
hatten.  Sie stemmten von jetzt an keinen Ellbogen mehr auf, sie
schaukelten nicht mit dem Sessel, sie schwiegen, bis sie gefragt
wurden, sie legten die Brillen ab und waren artig und gesittet wie
zuvor, und wenn je einer wieder in solche schlechten, laecherlichen
Sitten verfiel, so sagten die Gruenwieseler: "Es ist ein Affe."  Der
Affe aber, welcher so lange die Rolle eines jungen Herrn gespielt
hatte, wurde dem gelehrten Mann, der ein Naturalienkabinett besass,
ueberantwortet.  Dieser laesst ihn in seinem Hof umhergehen, fuettert ihn
und zeigt ihn als Seltenheit jedem Fremden, wo er noch bis auf den
heutigen Tag zu sehen ist.
Es entst$
n duerfet ihr euch gluecklich preisen; denn ihr habt mit einem
gelehrten, beruehmten Mann gesprochen, und alle Anwesenden ehren und
bewundern euch deshalb; es ist niemand anders als Mustapha, der
gelehrte Derwisch."
"Mustapha, der weise Mustapha, der den Sohn des Scheik erzogen hat?
Der viele gelehrte Buecher schrieb, der grosse Reisen machte in alle
Weltteile!  Mit Mustapha haben wir gesprochen?  Und gesprochen, als
waer' er unsereiner, so ganz ohne alle Ehrerbietung?"  So sprachen die
jungen Maenner untereinander und waren sehr beschaemt; denn der
Derwisch Mustapha galt damals fuer den weisesten und gelehrtesten Mann
im ganzen Morgenland.
"Troest' euch darueber", antwortete der Sklavenaufseher, seid froh, dass
ihr ihn nicht kanntet; er kann es nicht leiden, wenn man ihn lobt,
und haettet ihr ihn ein einziges Mal die Sonne der Gelehrsamkeit oder
das Gestirn der Weisheit genannt, wie es gebraeuchlich ist bei Maennern
dieser Axt, er haette euch von Stund' an verlassen.  Doch ich muss
jetzt zurueck zu den Leute$
 uns jetzt niederlegen und dann werde sie
um so leichteres Spiel haben."
"Aber meint Ihr nicht, wir koennten noch entkommen?" fragte Felix.
"Im Wald kann man doch eher auf Rettung denken als hier im Zimmer."
"Die Fenster sind auch hier vergittert", rief der Student, indem er
vergebens versuchte, einen der Eisenstaebe des Gitters loszumachen.
"Uns bleibt nur ein Ausweg, wenn wir entweichen wollen, durch die
Haustuere; aber ich glaube nicht, dass sie uns fortlassen werden."
"Es kaeme auf den Versuch an", sprach der Fuhrmann, "ich will einmal
probieren, ob ich bis in den Hof kommen kann.  Ist dies moeglich, so
kehre ich zurueck und hole euch nach." Die uebrigen billigten diesen
Vorschlag, der Fuhrmann legte die Schuhe ab und schlich sich auf den
Zehen nach der Treppe; aengstlich lauschten seine Genossen oben im
Zimmer; schon war er die eine Haelfte der Treppe gluecklich und
unbemerkt hinabgestiegen; aber als er sich dort um einen Pfeiler
wandte, richtete sich ploetzlich eine ungeheure Dogge vor ihm in die
Hoehe,$
ihn seine
Landsleute damit aufzogen.  Er trieb zwar noch immer sein Geschaeft
fort, aber mit weniger Eifer, und verlor oft einen grossen Teil der
Zeit, die er sonst mit Fischfang oder andern nuetzlichen Arbeiten
zuzubringen pflegte, in zwecklosem Suchen irgendeines Abenteuers,
wodurch er ploetzlich reich werden sollte.  Auch wollte es sein
Unglueck, dass, als er eines Tages am einsamen Ufer stand und in
unbestimmter Hoffnung auf das bewegte Meer hinausblickte, als solle
ihm von dorther sein grosses Glueck kommen, eine grosse Welle unter
einer Menge losgerissenen Mooses und Gesteins eine gelbe Kugel--eine
Kugel von Gold--zu seinen Fuessen rollte.
Wilm stand wie bezaubert; so waren denn seine Hoffnungen nicht leere
Traeume gewesen, das Meer hatte ihm Gold, schoenes, reines Gold
geschenkt, wahrscheinlich die Ueberreste eines schweren Barrens,
welchen die Wellen auf dem Meeresgrund bis zur Groesse einer
Flintenkugel abgerieben.  Und nun stand es klar vor seiner Seele, dass
einmal irgendwo an dieser Kueste ein rei$
Bestuerzt sahen die Gefangenen vor sich nieder, sie wussten nicht zu
antworten, denn Felix erkannte wohl, dass ihn das Gestaendnis ueber
seine Verkleidung nur noch mehr in Gefahr setzen koennte.
Es ist mir unmoeglich", fuhr der Hauptmann fort, "eine Dame, die meine
vollkommene Achtung hat, also in Gefahr zu sehen.  Darum will ich
Euch einen Vorschlag zur Rettung machen, es ist der einzige Ausweg,
der Euch uebrig bleibt: Ich will mit Euch entfliehen."
"Erstaunt, ueberrascht blickten ihn beide an; er aber sprach weiter:
"Die Mehrzahl meiner Gesellen ist entschlossen, nach Italien zu
ziehen und unter einer weitverbreiteten Bande Dienste zu nehmen.  Mir
fuer meinen Teil behagt es nicht, unter einem anderen zu dienen, und
darum werde ich keine gemeinschaftliche Sache mit ihnen machen.  Wenn
Ihr mir nun Euer Wort geben wolltet, Frau Graefin, fuer mich
gutzusprechen, Eure maechtigen Verbindungen zu meinem Schutze
anzuwenden, so kann ich Euch noch freimachen, ehe es zu spaet ist."
Felix schwieg verlegen; sein redlich$
te,
sie zu examinieren ueber das "Woher" und "Wohin", sprang einer der
Maenner auf und rief: "Mein Gott, was sehe ich?  Das ist ja Gottfried,
unser Jaeger!"
"Jawohl, Herr Amtmann!" antwortete der Jaeger mit freudiger Stimme,
"da bin ich, und wunderbar gerettet aus der Hand des schlechten
Die Offiziere erstaunten, ihn hier zu sehen; der Jaeger aber bat den
Major und den Amtmann, mit ihm auf die Seite zu treten, und erzaehlte
in kurzen Worten, wie sie errettet worden und wer der dritte sei,
welcher ihn und den jungen Goldschmied begleitete.
Erfreut ueber diese Nachricht, traf der Major sogleich seine Massregeln,
den wichtigen Gefangenen weiter transportieren zu lassen; den jungen
Goldschmied aber fuehrte er zu seinen Kameraden, stellte ihn als den
heldenmuetigen Juengling vor, der die Graefin durch seinen Mut und seine
Geistesgegenwart gerettet habe, und alle schuettelten Felix freudig
die Hand, lobten ihn und konnten nicht satt werden, sich von ihm und
dem Jaeger ihre Schicksale erzaehlen zu lassen.
Indessen w$
Gemahl.  "Das ist ja Felix, unser Patchen, der Sohn
unserer Kammerfrau Sabine!  Felix!  Ich bin es ja, zu der du kommen
wolltest; so hast du deine Pate gerettet, ohne es zu wissen."
"Wie?  Seid denn Ihr die Graefin Sandau, die so viel an mir und meiner
Mutter getan?  Und dies ist das Schloss Mayenburg, wohin ich wandern
wollte?  Wie danke ich dem guetigen Geschick, das mich so wunderbar
mit Euch zusammentreffen liess; so habe ich Euch doch durch die Tat,
wenn auch in geringem Masse, meine grosse Dankbarkeit bezeugen koennen!"
"Du hast mehr an mir getan", erwiderte sie, "als ich je an dir haette
tun koennen; doch so lange ich lebe, will ich dir zu zeigen suchen,
wie unendlich viel wir alle dir schuldig sind.  Mein Gatte soll dein
Vater, meine Kinder deine Geschwister und ich selbst will deine treue
Mutter sein, und dieser Schmuck, der dich zu mir fuehrte in der Stunde
der hoechsten Not, soll meine beste Zierde werden; denn er wird mich
immer an dich und deinen Edelmut erinnern."
So sprach die Graefin und hielt$
er, Katharina!"
--"Ich habe keinen andern.--Dem Manne, den ich hasse, will er mich
zum Weibe geben!  Waehrend unseres Vaters langem Siechbett habe ich
den schaendlichen Kampf mit ihm gestritten, und erst an seinem Sarg
hab ich's ihm abgetrotzt, dass ich in Ruhe um den Vater trauern mag;
aber ich weiss, auch das wird er nicht halten."
Ich gedachte eines Stiftsfraeuleins zu Preetz, Herrn Gerhardus'
einzigen Geschwisters, und meinete, ob die nicht um Schutz und
Zuflucht anzugehen sei.
Katharina nickte.  "Wollt Ihr mein Bote sein, Johannes?--
Geschrieben habe ich ihr schon, aber in Wulfs Haende kam die Antwort,
und auch erfahren habe ich sie nicht, nur die ausbrechende Wuth
meines Bruders, die selbst das Ohr des Sterbenden erfuellet haette,
wenn es noch offen gewesen waere fuer den Schall der Welt; aber der
gnaedige Gott hatte das geliebte Haupt schon mit dem letzten
Erdenschlummer zugedecket."
Katharina hatte sich nun doch auf meine Bitte mir genueber gesetzet,
und ich begann die Umrisse auf die Leinewand zu zei$
wahres, warmes Herz schlaegt dir im Busen
Du (liebst) Medea!
(Medea will aufspringen.)
Jason (sie niederziehend).
Bleib!--du liebst Medea!
Ich seh's am Sturmeswogen deiner Brust
Ich seh's an deiner Wangen Flammenglut
Ich fuehl's an deines Atems heissem Wehn,
An diesem Beben fuehl' ich es--du liebst,
Liebst (mich)!  (Mich) wie ich (dich)!--ja wie ich (dich)!
(Er kniet vor ihr.)
Schlag deine Augen auf und leugne wenn du's kannst!
Blick' mich an und sag' nein!--du liebst Medea!
(Erfasst ihre beiden Haende und wendet die sich Straeubende gegen sich,
ihr fest ins Gesicht blickend.)
Du weinst!  Umsonst, ich kenne Mitleid nicht
Mir Aug ins Aug, und sage: nein!--du liebst!
Ich liebe dich, du mich!  Sprich's aus Medea!
(Er hat sie ganz gegen sich gewendet.  Ihr Auge trifft das seinige.
Sie schaut ihm mit einem tiefen Blick ins Auge.)
Dein Auge hat's gesagt, nun auch der Mund!
Sprich's aus Medea, sprich es aus: ich liebe!
Faellt dir's so schwer ich will dich's lehren, Kind.
Sprich's nach: ich liebe dich!
(Er zieht sie $
uch Graf Bruehl sich im Grabe umdrehen
sollte, wenn auch Graf Redern, auf dem Trottoir Unter den Linden einen
Augenblick still stehend und den neuesten Theaterzettel an einer
Strassenecke lesend, laecheln, hoechst ironisch laecheln sollte, Herr von
Kuestner fuehrt doch die drei Musketiere der Madame Birch-Pfeiffer auf!
Frueher war das Verhaeltnis so: Wenn Madame Birch-Pfeiffer ein Stueck
gezeitigt hatte, so kam es an die General-Intendantur. Graf Redern sah,
ob diese Arbeit von der fruchtbaren Schriftstellerin selbst herruehrte
oder ob sie sich, wie Kuehne sagte, wieder einen Roman "eingeschlachtet"
hatte. Die Originalversuche, z.B. "Rubens in Madrid", "Die Guenstlinge"
usw. wurden mit Courtoisie angenommen und gegeben; die "Wuerste" aber
gingen hinueber in die Koenigsstadt. Dort wohnten die Hinkos, die
Pfefferroesels, die Scheibentonis und wie die edlen Gestalten alle heissen,
die Madame Birch-Pfeiffer nicht selbst geschaffen hat, sondern aus den
Romanen Storchs, Doerings, Spindlers, Bulwers usw. mit der dar$
igen, genialen Prinzen des koenigl. Hauses in
Beziehungen kamen. Es hatte sie das interessiert, besonders Rahels wegen,
mit der sie sich in ihrem Roman auffallend identifiziert. Aber der Erfolg
ist bei vielen vortrefflichen Eigenschaften ihres Werkes nicht gelungen.
Statt, wie eine kuenstlerische Intuition ihr sagen musste, den Prinzen
episodisch zu benutzen, stellte sie ihn in den Vordergrund. Statt ihren
Roman z.B. durch eine Figur wie Karl Wegmann zu heben und zu tragen und
alle jene bedeutenden Menschen nur zuweilen in ihr Werk hineinragen zu
lassen, macht sie diese selbst zu Haupttraegern der Handlung und gibt eine
romantische Biographie, statt eines Romans. Prinz Louis bleibt immer der
Mittelpunkt. Sie dichtet ihm Empfindungen an, die zu beweisen sind, sie
gruppiert Menschen um ihn, die sie als edel, mindestens bedeutungsvoll
erscheinen laesst, waehrend sie doch meist nur frivol und sittenlos sind.
Diese Pauline Wiesel, eine feine Berliner Kurtisane beruechtigten
Andenkens, erscheint bei unserer Verfass$
Mit liebender Naehe versichre mein Herz.
  Und sollt' ich mich dem Manne nicht ergeben,
  Der in der Welt allein sich an mich schloss?
  Denn ausgesetzt ward ich ins fremde Leben,
  Und fruehe schon hat ich ein strenges Loos
  (Ich darf den dunkeln Schleier nicht erheben)
  Gerissen von dem muetterlichen Schooss.
  Nur einmal sah ich sie, die mich geboren,
  Doch wie ein Traum ging mir das Bild verloren.
  Und so erwuchs ich still am stillen Orte,
  In Lebens Gluth den Schatten beigesellt,
  --Da stand er ploetzlich an des Klosters Pforte,
  Schoen, wie ein Gott, und maennlich, wie ein Held.
  O, mein Empfinden nennen keine Worte!
  Fremd kam er mir aus einer fremden Welt,
  Und schnell, als waer' es ewig so gewesen,
  Schloss sich der Bund, den keine Menschen loesen.
  Vergib, du Herrliche, die mich geboren,
  Dass ich, vorgreifend den verhaengten Stunden,
  Mir eigenmaechtig mein Geschick erkoren.
  Nicht frei erwaehlt' ich's, es hat mich gefunden;
  Ein dringt der Gott auch zu verschlossnen Thoren,
  Zu Pe$
s Seelenamt verwalte und mit heil'gem Lied
  Zur ew'gen Ruh einsegne den Begrabenen?
  Ihr frommes Lied mag fort und fort an unserm Grab
  Auf ew'ge Zeiten schallen bei der Kerze Schein;
  Doch heute nicht bedarf es ihres reinen Amts,
  Der blut'ge Mord verscheucht das Heilige.
Chor. (Cajetan.)
  Beschliesse nichts gewaltsam Blutiges, o Herr,
  Wider sich selber wuethend mit Verzweiflungsthat;
  Denn auf der Welt lebt Niemand, der dich strafen kann,
  Und fromme Buessung kauft den Zorn des Himmels ab.
  Nicht auf der Welt lebt, wer mich richten strafen kann,
  Drum muss ich selber an mir selber es vollziehn.
  Bussfert'ge Suehne, weiss ich, nimmt der Himmel an;
  Doch nur mit Blut buesst sich ab der blut'ge Mord.
Chor. (Cajetan.)
  Des Jammers Fluthen, die auf dieses Haus gestuermt,
  Ziemt dir zu brechen, nicht zu haeufen Leid auf Leid.
  Den alten Fluch des Hauses loes' ich sterbend auf,
  Der freie Tod nur bricht die Kette des Geschicks.
Chor. (Cajetan.)
  Zum Herrn bist du dich schuldig dem verwaisten Lan$
 zu viel gesagt.  Die Nacht, in der er es uns erzaehlte,
trug ihm ein Fieber ein, das ihn bis nach Hause begleitete.  Eine
naechtliche Aufregung beim Loeschen eines Hausbrandes trat hinzu.
Wenige Wochen, nachdem wir ihn zuletzt gesehen, kam die Nachricht, dass
wir ihn verloren hatten.
Nun sind mir diese Aufzeichnungen um so wertvoller, und kaum kann ich
mich entschliessen, fremde Augen hineinblicken zu lassen.  Dann wieder
empfinde ich es als eine Pflicht, das wundersame Geschick dieser
beiden Menschen nicht im Dunkeln zu lassen.  Sollte nicht das, was
hohe und edle Menschen erleben, Eigentum der ganzen Menschheit sein?
So will ich ihn denn erzaehlen lassen.
Ich war eben fuenfundzwanzig Jahre alt geworden, als mein Vater starb;
seit ich seinen schmerzlichen Todeskampf mit angesehen, schien ich mir
um zehn Jahre aelter.  Kurz vorher hatte meine einzige Schwester, die
ich sehr liebte, einen jungen Geschaeftsfreund unseres Hauses
geheiratet, einen Franzosen, dessen Familie seit lang in Genf
angesiedelt war, und $
einen
Augenblick unschluessig, ob er sich einmischen solle.  Dann sank er in
sich zusammen und schien zu traeumen.--Der Kanonikus wachte auf und
nahm eine Prise und bot auch dem alten Herrn die Dose.  Das brachte
ihm seinen Gleichmut wieder, und wir setzten unser Spiel eifrig fort.
Er sagte mir, als ich endlich ging, ich moechte ja wiederkommen, er
spiele noch lieber mit mir als mit Don Vigilio, dem Kanonikus.  Diese
Worte begleitete er mit einem herzlichen Haendedruck und der
liebenswuerdigsten Freundlichkeit, wie er ueberhaupt bei all seiner
Schwaeche die Formen eines Kavaliers aus der alten Schule noch immer
beherrschte.--Die Frau entliess mich kaelter als gestern, doch, wie mir
schien, nur des Grafen wegen, mit dem inzwischen eine Aussoehnung
stattgefunden hatte.
Und ich taeuschte mich nicht.  Denn am Abend darauf, wo der Graf durch
einen kleinen Ausflug von seinem Posten ferngehalten war, verdoppelte
sie ihre Anstrengungen, mich in ihr Netz zu ziehen.  Ich spielte die
Rolle des arglosen jungen Menschen, $
selben neben sich auf ein Pferd zu heben,
von welchem ein junger Schwabe auf seinen Wink abgesprungen war.  Das
feurige Tier, welches den veraenderten Reiter spuerte, tat ein paar
wilde Spruenge, es entstand ein Rossegedraeng auf der nicht geraeumigen
Bruecke, und Astorre, dem die Kapuze zurueckgefallen war und der sich
mit Muehe im Buegel hielt, wurde von dem entsetzt ausweichenden Volk
erkannt.  'Der Moench! der Moench!' rief und deutete es von allen Seiten,
aber schon hatte der kriegerische Tumult die Bruecke hinter sich und
verschwand um eine Strassenecke.  Der unbezahlt gebliebene Florentiner
rannte nach, aber kaum zwanzig Schritte, denn ihm wurde bange um seine
unter der schwachen Hut eines Juengelchens gelassene Ware, und dann
belehrte ihn der Zuruf der Menge, dass er es mit einer bekannten und
leicht aufzufindenden Persoenlichkeit zu tun habe.  Er liess sich den
Palast Astorres bezeichnen und meldete sich dort heute, morgen,
uebermorgen.  Die zwei ersten Male richtete er nichts aus, weil in der
Behaus$
ne Zweifel--in den Schranken
seiner Natur--der begabteste meiner drei Gaeste: so sage ich, weil
Julian Boufflers, von dem ich erzaehle, Mouton der Mensch und Mouton
der Pudel oft lange Stunden vergnuegt bei mir zusammensassen.
Ihr wisset, Sire, die Vaeter Jesuiten sind freigebige Ferienspender,
weil ihre Schueler, den vornehmen, ja den hoechsten Staenden angehoerend,
oefters zu Jagden, Komoedien oder sonstigen Lustbarkeiten, freilich
nicht alle, nach Hause oder anderswohin gebeten werden.  So nahm ich
denn Julian, welcher von seinem Vater, dem Marschall, grundsaetzlich
selten nach Hause verlangt wurde, zuweilen in Euern botanischen Garten
mit, wo Mouton, der sich unter Pflanzen und Tieren heimisch fuehlte,
mich zeitweilig besuchte, irgendeine gelehrte Eule oder einen
possierlichen Affen mit ein paar entschiedenen Kreidestrichen auf das
Papier warf und wohl auch, wenn Fleiss und gute Laune vorhielten, mir
ein stilles Zimmer mit seinen scheuenden Pferden oder saufenden Kuehen
bevoelkerte.  Ich hatte Mouton den $
Schurke auf einen ganzen wehrbaren Mann, nie ein
vollstaendiger Narr auf einen unbedingt klugen Froehlichen, so dass es
zu keinem rechten Trauerspiel und zu keiner guten Komoedie kommen
"Ich aber las nun die ganze Nacht in diesem Buche und verfing mich ganz
in demselben, da es mir gar so gruendlich und sachgemaess geschrieben
schien und mir ausserdem eine solche Arbeit ebenso neu als
verdienstlich vorkam. Weil nun alles uebrige so trefflich, wahr und
ganz erschien und ich es fuer die eigentliche und richtige Welt hielt,
so verliess ich mich insbesondere auch bei den Weibern, die es
vorbrachte, ganz auf ihn, verlockt und geleitet von dem schoenen
Sterne Lydia, und ich glaubte, hier ginge mir ein Licht auf und sei
die Loesung meiner zweifelvollen Verwirrung und Qual zu finden.
"Gut! dachte ich, wenn ich diese schoenen Bilder der Desdemona, der
Helena, der Imogen und anderer sah, die alle aus der hohen
Selbstherrlichkeit ihres Frauentums heraus so seltsamen Kaeuzen
nachgingen und anhingen, rueckhaltlos wie unsch$
t wohl
anzunehmen, dass sie Sinn fuer die Natur haben, auch abgesehen von
ihrer Nuetzlichkeit. Immer brechen sie was Gruenes ab, junge Bursche
wie alte Muetterchen, welche die alten Wege ihrer Jugend aufsuchen,
und selbst steife Landmaenner in den besten Geschaeftsjahren, wenn sie
ueber Land gehen, schneiden sich gern eine schlanke Gerte, sobald sie
durch einen Wald gehen, und schaelen die Blaetter ab, von denen sie
nur oben ein gruenes Bueschel stehenlassen. Solche Rute tragen sie wie
ein Zepter vor sich hin; wenn sie in eine Amtsstube oder Kanzlei
treten, so stellen sie die Gerte ehrerbietig in einen Winkel,
vergessen aber auch nach den ernstesten Verhandlungen nie, dieselbe
saeuberlich wieder mitzunehmen und unversehrt nach Hause zu tragen, wo
es erst dem kleinsten Soehnchen gestattet ist, sie zugrunde zu
richten.--Als Sali und Vrenchen die vielen Spaziergaenger sahen,
lachten sie ins Faeustchen und freuten sich, auch gepaart zu sein,
schluepften aber seitwaerts auf engere Waldpfade, wo sie sich in
tiefen $
n begnuegte. Sali und Vrenchen traten auch
zu den Herrlichkeiten und liessen ihre Augen darueberfliegen; denn
beide hatten zugleich die Hand in der Tasche und jedes wuenschte dem
andern etwas zu schenken, da sie zum ersten und einzigen Male
miteinander zu Markt waren; Sali kaufte ein grosses Haus von
Lebkuchen, das mit Zuckerguss freundlich geweisst war, mit einem
gruenen Dach, auf welchem weisse Tauben sassen und aus dessen
Schornstein ein Amoerchen guckte als Kaminfeger; an den offenen
Fenstern umarmten sich pausbaeckige Leutchen mit winzig kleinen roten
Muendchen, die sich recht eigentlich kuessten, da der fluechtige
praktische Maler mit einem Kleckschen gleich zwei Muendchen gemacht,
die so ineinander verflossen. Schwarze Puenktchen stellten muntere
AEuglein vor. Auf der rosenroten Haustuer aber waren diese Verse zu
  Tritt in mein Haus, o Liebste!
  Doch sei dir unverhehlt:
  Drin wird allein nach Kuessen
  Gerechnet und gezaehlt!
  Die Liebste sprach: "O Liebster,
  Mich schrecket nichts zurueck!
  Hab'$
n sie einstweilen auf ihn geworfen,
nur auf die gute Seide dieses Kleides. Andere Bedenken waren noch
nicht ernstlich in ihm aufgestiegen, da in der allgemeinen Lust der
Scherz zu gewoehnlich und erlaubt schien. Als alle sich wieder gesetzt
hatten und nachdem sich Frau Amrain ein Viertelstuendchen freundlich
mit den jungen Leuten unterhalten, winkte sie ihren Sohn zu sich und
sagte ihm, er moechte sie nach Hause begleiten, da sie gehen wolle.
Als er sich dazu ganz bereit erklaerte, fluesterte sie ihm aber mit
strengem Tone zu: "Wenn ich von einem Weibe will begleitet sein, so
konnte ich die Grete hier behalten, die mir hergeleuchtet hat! Du
wirst so gut sein und erst heimlaufen, um Kleider anzuziehen, die dir
besser stehen, als diese hier!"
Erst jetzt merkte er, dass die Sache nicht richtig sei; tief erroetend
machte er sich fort, und als er ueber die Strasse eilte und das
rauschende Kleid ihm so ungewohnt gegen die Fuesse schlug, waehrend
der Nachtwaechter ihm verdaechtig nachsah, merkte er erst recht, dass
$
 schrie
er verzweifelnd auf und ergriff und presste den Arm der Richterin, die
finstern Augen fest auf das ruhige Antlitz heftend: "Bei dem Haupte
"Bei dem Haupte Palmas", sagte sie.
"Ist sie meine Schwester?"
"Wie sonst?  Ich weiss es nicht anders.  Was denkst du dir?"
"Dann ist mein Haupt verwirkt und jeder meiner Atemzuege eine Suende!"
Er sprang auf, waehrend sie ihn mit nervigen Armen umschlang, so dass er
sie mit sich emporzog.
"Wohin, Wulfrin?  In eine Tiefe?  Nein, du darfst diesen starken Leib
und dieses tapfere Herz nicht zerstoeren!  Nimm dein Ross und reite!
Reite zu deinem Kaiser!  Mische dich unter deine Waffenbrueder!  Ein
paar Tagritte, und du bist gesundet und blickst so frei wie die andern!"
"Das geht nicht", sagte er jammervoll.  "Wir leiden nicht den
geringsten Makel in unserer Schar, und ich sollte verraeterisch die
Schande unter uns verstecken?"
"So stachle dein Ross, reite Tag und Nacht, ueber Berg und Flaeche,
springe in ein Schiff, bringe ein Meer und ein zweites zwischen sie
und dich$
 meisten.
Warum kann ich deine Schoenheit nicht ganz in mich fassen, sie nicht
ganz umschliessen?
Danton, deine Lippen haben Augen.
Ich moechte ein Teil des Aethers sein, um dich in meiner Flut zu
baden, um mich auf jeder Welle deines schoenen Leibes zu brechen.
(Lacroix, Adelaide, Rosalie treten ein.)
Lacroix (bleibt in der Tuer stehn).
Ich muss lachen, ich muss lachen.
Danton (unwillig).
Die Gasse faellt mir ein.
Auf der Gasse waren Hunde, eine Dogge und ein Bologneser
Schosshuendlein, die quaelten sich.
Was soll das?
Das fiel mir nun grade so ein, und da musst' ich lachen. Es sah
erbaulich aus! Die Maedel guckten aus den Fenstern; man sollte
vorsichtig sein und sie nicht einmal in der Sonne sitzen lassen. Die
Muecken treiben's ihnen sonst auf den Haenden; das macht Gedanken.
Legendre und ich sind fast durch alle Zellen gelaufen, die Noennlein
von der Offenbarung durch das Fleisch hingen uns an den Rockschoessen
und wollten den Segen. Legendre gibt einer die Disziplin, aber er wird
einen Monat dafuer zu fas$
rkung und ist Wirkung Ursache--Wirkung und Ursache
    Vieler Worte bedarf es, Selbstverstaendliches darzulegen: Eines ist
Ursache und Wirkung--willkuerliche, an sich nichtige Unterscheidung
in dir; doppelte Benennung des Einen, zwei Worte fuer dasselbe:
Wirklichkeit, Karma--durch dich--auf dich wirkend; Kreislauf des
*        *        *
    Und ferner, o Teurer, Karma, Wirklichkeit dieser Welt wirkt sich
in dir aus Freiheit und Notwendigkeit.
    Freiheit des menschlichen Tuns, o Teurer? oder unabwendbare
Gesetzmaessigkeit alles Geschehens? Offenbar wird dem Erkennenden die
Loesung der grossen Frage an aller Gestaltung, in jedem Vorgang, an
allem Werden, an allem Sein. Dasein; alles Gewordene aus gebundener
Freiheit. Du durchschaust das Raetsel am aufsteigenden Opferrauch, am
Lauf der Gestirne, am Monde, an jeder Zelle. Alles Gebilde ist davon
Bildnis; Urbild aller Gebilde--der Zwoelfflaechner.
    Erwaege es wohl! So lange du die endlose Flucht der Erscheinung
'teilend' zu beherrschen glaubst, so lange irrs$
che Ent-Gegnung seelischer Bewegung in dir. Deine Vorstellung,
dein Verhalten, deine Auffassung, Gesinnung, Neigung--deine
ueber-Zeugung--schafft unterscheidende Namen und unterschiedene
Dinge. Eins an sich ist, was du Ursache oder Wirkung, Freiheit oder
Notwendigkeit, Tat oder Duldung, Leben oder Tod nennst.
    Du selbst bist Ur-sache; aus deinem Verlangen schaffen sich die
    Dein Verlangen schafft Alles, dein Verlangen wandelt Alles.
Endloses Verlangen in dir erscheint als endloses Werden. Aus deinem
Verlangen wird die Welt--erscheint und ist.
    Alles Wirken und Geschehen--in dir, o Teurer, alle Bewegung und
aller Stillstand, alle Unterscheidung und aller Wandel--in dir, o
Teurer--Werden ver-Werden--in dir. Im Weichbild deiner Welt
spaltet Alles, spielt Alles gegen einander, haelt Alles sich die Wage;
alle Tat findet Vergeltung, alles Geschehen gleicht sich aus, aller
Gegensatz hebt sich auf, alles Aussereinander kehrt in sich zurueck, wie
Wellen sich ebnen.
    Dieser Welt Gleichgewicht im ewigen Krei$
heziel!--Erfasse den grossen Gedanken, ehe deine Lippe
ihn ausspricht--
   --Erwachen der Menschheit--
    Wer sein Heil im 'Ich' sucht, dem ist Selbstsucht Gebot, dem ist
Selbstsucht Gottheit.
    Wer sein Heil in dieser Welt sucht, der bleibt dieser Welt
verfallen; dem ist kein Entrinnen aus ungestilltem Verlangen; dem ist
kein Entrinnen aus nichtigem Spiel; dem ist kein Entrinnen aus den
engen Fesseln des 'Ich'. Wer sich aus dieser Welt nicht erhebt, der
lebt und vergeht mit seiner Welt.
    Wem die Gnade des Ishvara das Auge geoeffnet hat, der durchschaut
diese Welt. Wer diese Welt durchschaut, der ist fuer diese Welt
    Darum ist Erkenntnis Enttaeuschung, darum ist Erkenntnis Erwachen.
Erwachen ist Erloesung--Erloesung ist Vollendung in Gottheit.
    Davon ist gesagt: "Erkenntnis--und einen andern Weg hat der
Mensch nicht."
    Huete das Urerbe--dir zum Heil und allen denen, die auf Erden mit
dem Tode ringen.
    Also ist die Unterweisung:
    Aus Sinnes-wahr-nehmung wird, was du Wirklichkeit dieser Wel$
 Heute vormittag die Pinakothek besucht. Geert
wollte auch noch nach dem andern hinueber, das ich hier nicht nenne,
weil ich wegen der Rechtschreibung in Zweifel bin, und fragen mag ich
ihn nicht. Er ist uebrigens engelsgut gegen mich und erklaert mir
alles. Ueberhaupt alles sehr schoen, aber anstrengend. In Italien
wird es wohl nachlassen und besser werden. Wir wohnen in den 'Vier
Jahreszeiten', was Geert veranlasste, mir zu sagen, draussen sei
Herbst, aber er habe in mir den Fruehling. Ich finde es sehr sinnig.
Er ist ueberhaupt sehr aufmerksam. Freilich, ich muss es auch sein,
namentlich wenn er was sagt oder erklaert. Er weiss uebrigens alles
so gut, dass er nicht einmal nachzuschlagen braucht. Mit Entzuecken
spricht er von Euch, namentlich von Mama. Hulda findet er etwas
zierig; aber der alte Niemeyer hat es ihm ganz angetan. Tausend
Gruesse von Eurer ganz berauschten, aber auch etwas mueden Effi."
Solche Karten trafen nun taeglich ein, aus Innsbruck, aus Verona, aus
Vicenza, aus Padua, eine jede fing an$
e beiden isabellfarbenen Graditzer jagten im
Fluge durch die Stadt hin und dann landeinwaerts auf den Bahnhof zu.
Das war die erste lange Trennung, fast auf zwoelf Stunden. Arme
Effi. Wie sollte sie den Abend verbringen? Frueh zu Bett, das war
gefaehrlich, dann wachte sie auf und konnte nicht wieder einschlafen
und horchte auf alles. Nein, erst recht muede werden und dann ein
fester Schlaf, das war das beste. Sie schrieb einen Brief an die Mama
und ging dann zu Frau Kruse, deren gemuetskranker Zustand - sie hatte
das schwarze Huhn oft bis in die Nacht hinein auf ihrem Schoss - ihr
Teilnahme einfloesste. Die Freundlichkeit indessen, die sich darin
aussprach, wurde von der in ihrer ueberheizten Stube sitzenden und
nur still und stumm vor sich hinbruetenden Frau keinen Augenblick
erwidert, weshalb Effi, als sie wahrnahm, dass ihr Besuch mehr als
Stoerung wie als Freude empfunden wurde, wieder ging und nur noch
fragte, ob die Kranke etwas haben wolle. Diese lehnte aber alles ab.
Inzwischen war es Abend geworden, $
uf Effis Antlitz war sofort verschwunden; schon bloss
Gieshueblers Namen zu hoeren tat Effi wohl, und ihr Wohlgefuehl
steigerte sich, als sie jetzt den Brief musterte. Zunaechst war es
gar kein Brief, sondern ein Billett, die Adresse "Frau Baronin von
Innstetten, geb. von Briest" in wundervoller Kanzleihandschrift und
statt des Siegels ein aufgeklebtes rundes Bildchen, eine Lyra, darin
ein Stab steckte. Dieser Stab konnte aber auch ein Pfeil sein. Sie
reichte das Billett ihrem Mann, der es ebenfalls bewunderte. "Nun lies
Und nun loeste Effi die Oblate und las: "Hochverehrteste Frau,
gnaedigste Frau Baronin! Gestatten Sie mir, meinem respektvollsten
Vormittagsgruss eine ganz gehorsamste Bitte hinzufuegen zu duerfen.
Mit dem Mittagszug wird eine vieljaehrige liebe Freundin von mir, eine
Tochter unserer Guten Stadt Kessin, Fraeulein Marietta Trippelli, hier
eintreffen und bis morgen frueh unter uns weilen. Am 17. will sie in
Petersburg sein, um daselbst bis Mitte Januar zu konzertieren. Fuerst
Kotschukoff oeffne$

Vorgebliche; das Eigentliche heisst: du willst nicht." "Nein, es ist
doch mehr Ehrlichkeit dabei, als du zugeben willst. Du hast selbst
gewollt, dass ich den Doktor zu Rate ziehe. Das hab ich getan, und nun
muss ich doch seinem Rat folgen. Der gute Doktor, er haelt mich fuer
bleichsuechtig, sonderbar genug, und du weisst, dass ich jeden Tag
von dem Eisenwasser trinke. Wenn du dir ein Borckesches Diner dazu
vorstellst, vielleicht mit Presskopf und Aal in Aspik, so musst du den
Eindruck haben, es waere mein Tod. Und so wirst du dich doch zu deiner
Effi nicht stellen wollen. Freilich, mitunter ist es mir ..."
"Ich bitte dich, Effi ..."
"... Uebrigens freu ich mich, und das ist das einzige Gute dabei, dich
jedesmal, wenn du faehrst, eine Strecke Wegs begleiten zu koennen, bis
an die Muehle gewiss oder bis an den Kirchhof oder auch bis an die
Waldecke, da, wo der Morgnitzer Querweg einmuendet. Und dann steig
ich ab und schlendere wieder zurueck. In den Duenen ist es immer am
schoensten."
Innstetten war einverstan$
verbindet uns stets und treues Verlangen,
Und den Wechsel behielt nur die Begierde sich vor.
Einen Druck der Hand, ich sehe die himmlischen Augen
Wieder offen.--O nein!  Lasst auf der Bildung mich ruhn!
Bleibt geschlossen!  Ihr macht mich verwirrt und trunken, ihr raubet
Mir den stillen Genuss reiner Betrachtung zu frueh.
Diese Formen, wie gross!  Wie edel gewendet die Glieder!
Schlief Ariadne so schoen: Theseus, du konntest entfliehn?
Diesen Lippen ein einziger Kuss!  O Theseus, nun scheide!
Blick ihr ins Auge!  Sie wacht!--Ewig nun haelt sie dich fest.
Zuende mir Licht an, Knabe!--"Noch ist es hell.  Ihr verzehret
Oel und Docht nur umsonst.  Schliesset die Laeden doch nicht!
Hinter die Haeuser entwich, nicht hinter den Berg, uns die Sonne!
Ein halb Stuendchen noch waehrts bis zum Gelaeute der Nacht!"--
Unglueckseliger!  Geh und gehorch!  Mein Maedchen erwart ich.
Troeste mich, Laempchen, indes, lieblicher Bote der Nacht!
Caesarn waer ich wohl nie zum fernen Britannien gefolget,
Florus haette mich leicht in $
 dass ich ihrer nicht mehr
denken darf.  Eine lange, furchtbare Ewigkeit ohne sie.  Sieh, wenn
ich gesuendigt habe, ich will gern Straf und Marter dulden;
Hoellenqualen dulden, wie du sie mir auflegen magst; nur lass das
Andenken an sie sie mir versuessen.
(Lord Hot, Lord Hamilton, Bedienten und Tognina kommen.)
LORD HOT. Ich ungluecklicher Vater!
HAMILTON. Er wird sich nur geritzt haben.
LORD HOT. Verbindt ihn; er verblutet sich. (reisst ein Schnupftuch aus
der Tasche, und sucht das Blut aufzuhalten.) Kommt denn der Wundarzt
noch nicht?  So lauft denn jemand anderswo nach ihm! lauft alle
miteinander nach ihm!--Das sind die Folgen deiner Politik, Hamilton.
HAMILTON. (zu Tognina.) Ihr ward rasend, dass ihr ihm das Messer in
die Hand gabt.
TOGNINA. Er tat so ruhig, gnaediger Herr.
LORD HOT. Moerder!  Moerder! allezusammen! ihr habt mich um meinen Sohn
HAMILTON. Es kann unmoeglich so gefaehrlich sein.
ROBERT. (im Wundfieber.) Nein, Armida! nein!--so viel Augen haben
nach mir gefunkelt! so viel Busen nach mir sic$
Hier, dacht er, wird man dich im Gehn bewundern muessen;
Und ging einher mit steifen Fuessen.
Er ging, ein jeder sah ihn an,
Und alle lachten, die ihn sahn,
Und jeder blieb vor Lachen stehen,
Und schrie: Lehrt doch den Fremden gehen!
Der Fremde hielts fuer seine Pflicht,
Den Vorwurf von sich abzulehnen.
Ihr, rief er, hinkt; ich aber nicht;
Den Gang muesst ihr euch abgewoehnen!
Der Laermen wird noch mehr vermehrt,
Da man den Fremden sprechen hoert.
Er stammelt nicht; genug zur Schande!
Man spottet sein im ganzen Lande.
Gewohnheit macht den Fehler schoen,
Den wir von Jugend auf gesehn.
Vergebens wirds ein Kluger wagen,
Und, dass wir toericht sind, uns sagen.
Wir selber halten ihn dafuer,
Bloss, weil er klueger ist, als wir.
Das neue Ehepaar
Nach so viel bittern Hindernissen,
Nach so viel aengstlicher Gefahr,
Als jemals noch ein zaertlich Paar
Hat dulden und beweinen muessen,
Liess endlich doch die Zeit mein Paar das Glueck geniessen,
Das, wenns ein Lohn der Tugend ist,
Sie durch Bestaendigkeit zehnfach verdiene$
u ein zufriednes Herz:
So lern die Kunst, dich stoisch zu besiegen,
Und glaube fest, dass deine Sinnen truegen.
Der Schmerz ist in der Tat kein Schmerz,
Und das Vergnuegen kein Vergnuegen.
Sobald du dieses glaubst: so nimmt kein Glueck dich ein,
Und du wirst in der groessten Pein
Noch allemal zufrieden sein.
Das, sprichst du, kann ich schwer verstehen.
Ist auch die stolze Weisheit wahr?
Du sollst es gleich bewiesen sehen;
Denn Epiktet stellt dir ein Beispiel dar.
Ihn, als er noch ein Sklave war,
Schlug einst sein Herr mit einem starken Stabe
Zweimal sehr heftig auf das Bein.
"Herr", sprach der Philosoph, "ich bitt Ihn, lass Ers sein,
Denn sonst zerschlaegt Er mir das Bein."
"Gut, weil ich dirs noch nicht zerschlagen habe:
So soll es", rief der Herr, "denn gleich zerschlagen sein!"
Und drauf zerschlug er ihm das Bein;
Doch Epiktet, anstatt sich zu beklagen,
Fing ruhig an: "Da sieht Ers nun!
Hab ichs Ihm nicht gesagt, Er wuerde mirs zerschlagen?"
Dies, Mensch, kann Zenons Weisheit tun!
Besiege die Natur durch d$
zu deines Sohnes Tod.
Zum Vater blickst du,
Und Seufzer schickst du
Hinauf um sein' und deine Not.
Wer fuehlet,
Der Schmerz mir im Gebein?
Was mein armes Herz hier banget,
Was es zittert, was verlanget,
Weisst nur du, nur du allein!
Wohin ich immer gehe
Wie weh, wie weh, wie wehe
Wird mir im Busen hier!
Ich bin, ach!  kaum alleine,
Ich wein, ich wein, ich weine,
Das Herz zerbricht in mir.
Die Scherben vor meinem Fenster
Betaut ich mit Traenen, ach!
Als ich am fruehen Morgen
Dir diese Blumen brach.
Schien hell in meine Kammer
Die Sonne frueh herauf,
Sass ich in allem Jammer
In meinem Bett schon auf.
Hilf!  rette mich von Schmach und Tod!
Du Schmerzenreiche,
Dein Antlitz gnaedig meiner Not!
Nacht.  Strasse vor Gretchens Tuere
Valentin, Soldat, Gretchens Bruder.
Wenn ich so sass bei einem Gelag,
Wo mancher sich beruehmen mag,
Und die Gesellen mir den Flor
Der Maegdlein laut gepriesen vor,
Mit vollem Glas das Lob verschwemmt,
Den Ellenbogen aufgestemmt,
Sass ich in meiner sichern Ruh,
Hoert all dem Schwadronieren$
 aus dem Gedraeng entweichen;
Es ist zu toll, sogar fuer meinesgleichen.
Dortneben leuchtet was mit ganz besondrem Schein,
Es zieht mich was nach jenen Straeuchen.
Komm, komm!  wir schlupfen da hinein.
Du Geist des Widerspruchs!  Nur zu!  du magst mich fuehren.
Ich denke doch, das war recht klug gemacht:
Zum Brocken wandeln wir in der Walpurgisnacht,
Um uns beliebig nun hieselbst zu isolieren.
MEPHISTOPHELES:
Da sieh nur, welche bunten Flammen!
Es ist ein muntrer Klub beisammen.
Im Kleinen ist man nicht allein.
Doch droben moecht ich lieber sein!
Schon seh ich Glut und Wirbelrauch.
Dort stroemt die Menge zu dem Boesen;
Da muss sich manches Raetsel loesen.
MEPHISTOPHELES:
Doch manches Raetsel knuepft sich auch.
Lass du die grosse Welt nur sausen,
Wir wollen hier im stillen hausen.
Es ist doch lange hergebracht,
Dass in der grossen Welt man kleine Welten macht.
Da seh ich junge Hexchen, nackt und bloss,
Und alte, die sich klug verhuellen.
Seid freundlich, nur um meinetwillen;
Die Mueh ist klein, der Spass ist g$
bst, sie ist ein lautres Gold,
Merkur, der Bote, dient um Gunst und Sold,
Frau Venus hat's euch allen angetan,
So frueh als spat blickt sie euch lieblich an;
Die keusche Luna launet grillenhaft;
Mars, trifft er nicht, so draeut euch seine Kraft.
Und Jupiter bleibt doch der schoenste Schein,
Saturn ist gross, dem Auge fern und klein.
Ihn als Metall verehren wir nicht sehr,
An Wert gering, doch im Gewichte schwer.
Ja!  wenn zu Sol sich Luna fein gesellt,
Zum Silber Gold, dann ist es heitre Welt;
Das uebrige ist alles zu erlangen:
Palaeste, Gaerten, bruestlein, rote Wangen,
Das alles schafft der hochgelahrte Mann,
Der das vermag, was unser keiner kann.
Ich hoere doppelt, was er spricht,
Und dennoch ueberzeugt's mich nicht.
Was soll uns das?--Gedroschner Spass--
Kalenderei--Chymisterei--
Das hoert' ich oft--Und falsch gehofft--
Und kommt er auch--So ist's ein Gauch--
MEPHISTOPHELES:
Da stehen sie umher und staunen,
Vertrauen nicht dem hohen Fund,
Der eine faselt von Alraunen,
Der andre von dem schwarzen Hund.
Was$
ahr,
Und selbst Gefahr erschiene nur als eitles Draeun.
Nein, gleich sollst du versammelt schauen
Der Helden ungetrennten Kreis:
Nur der verdient die Gunst der Frauen,
Der kraeftigst sie zu schuetzen weiss.
Mit angehaltnem stillen Wueten,
Das euch gewiss den Sieg verschafft,
Ihr, Nordens jugendliche Blueten,
Ihr, Ostens blumenreiche Kraft.
In Stahl gehuellt, vom Strahl umwittert,
Die Schar, die Reich um Reich zerbrach,
Sie treten auf, die Erde schuettert,
Sie schreiten fort, es donnert nach.
An Pylos traten wir zu Lande,
Der alte Nestor ist nicht mehr,
Und alle kleinen Koenigsbande
Zersprengt das ungebundne Heer.
Draengt ungesaeumt von diesen Mauern
Jetzt Menelas dem Meer zurueck;
Dort irren mag er, rauben, lauern,
Ihm war es Neigung und Geschick.
Herzoge soll ich euch begruessen,
Gebietet Spartas Koenigin;
Nun legt ihr Berg und Tal zu Fuessen,
Und euer sei des Reichs Gewinn.
Germane du!  Korinthus' Buchten
Verteidige mit Wall und Schutz!
Achaia dann mit hundert Schluchten
Empfehl' ich, Gote, deinem Trutz.
Na$
ach und Grimm jezt raset?
Wo hat man sich so gleich ein Schimpfwort angemaset?
Und wie anjezt geschieht, Processe draus gemacht?
Die Seele in Gefahr, die Hand ums Geld gebracht?
Soll dieses menschlich seyn; soll diess vernuenftig heisen,
Der Klugheit lezten Zahn aus seinem Mund zu reisen,
Damit die Raserey die That vollenden kan?
Aus Rache, Zorn und Grimm greift man den Naechsten an,
Man schnizt so gar den Kiel, will sonsten nichts gelingen,
Und ihn, wenns moeglich waer, um Ehr und Gut zu bringen.
Wo ist die alte Zeit mit ihrer Tugend hin?
Wo hat ein Buerger jezt so einen stillen Sinn
Wie Israels Monarch und erster Koenig hegte?
Als bey der Salbung sich der freche Poebel regte.
Er that, als hoerte er die tollen Worte nicht.
Ein Buerger unsrer Zeit schrie ihm ins Angesicht:
Ist dieses koeniglich? darf diess ein Groser leiden?
Mir solte ehr ein Dolch das Herz in Stuecke schneiden!
Bleib tapfrer David nur in deiner untern Welt,
Die dich zu deinem Glueck in ihrem Abgrund haelt.
Denn soltest du dein Reich zu unsre$
n lebet.
Ich widerspreche nicht, dass hier ein Graf und Fuerst
Nach theurem Trauben=Blut, und raren Weine duerst;
Dass er mit fremder Kost die Tafel reich bedecket,
Und manche Kostbarkeit und niedlich Essen schmecket;
Wer nehrte sich wohl sonst; wo kaeme sonst das Geld
Durch Handel und Gewerb und Nahrung in die Welt?
Ich tadle nicht, dass auch ein Reicher das geniesset,
Was in dem feinen Meer und fremden Stroehmen fliesset;
Dass er Italiens und Ungerns suesse Frucht
Von Reben oder Baum zu seiner Lust versucht;
Dass seine Zunge sich an diesen auch erquicket,
Was uns durch Wind und Mast Ost, West und Sueden schicket:
Damit er der Natur auch ihre Schaetze sieht,
Wie kraeftig dieses schmeckt, wie praechtig jenes blueht,
Und weiss, wie jedes pflegt geschickt gemacht zu werden.
Diess aber widerspricht der Klugheit auf der Erden,
Wenn er sich dran gewoehnt, und seinen Mund nicht zwingt,
Diess ers aus Leckerey und uebermuth verschlingt.
Diess kan die Tugend nicht, noch die Vernunft vertragen,
Dass Maenner, welche sic$
 und die Eule
Der Adler Jupiters und Pallas Eule stritten.
"Abscheulich Nachtgespenst!"--"Bescheidner, darf ich bitten.
Der Himmel heget mich und dich;
Was bist du also mehr, als ich?"
Der Adler sprach: Wahr ists, im Himmel sind wir beide;
Doch mit dem Unterscheide:
Ich kam durch eignen Flug,
Wohin dich deine Goettin trug.
Im Walde nah bei einer Stadt,
Die man mir nicht genennet hat,
Liess einst ein seltenes Gefieder,
Ein junger Eremit sich nieder.
"In einer Stadt", denkt Applikant,
"Die man ihm nicht genannt?
Was muss er wohl fuer eine meinen?
Beinahe sollte mir es scheinen,
Dass die,--nein die--gemeinet waer."
Kurz Applikant denkt hin und her,
Und schliesst, noch eh er mich gelesen,
Es sei gewiss Berlin gewesen.
"Berlin?  Ja, ja, das sieht man bald;
Denn bei Berlin ist ja ein Wald.--
Der Schluss ist stark, bei meiner Ehre:
Ich dachte nicht, dass es so deutlich waere.
Der Wald passt herrlich auf Berlin,
Ohn ihn beim Haar herbeizuziehn.
Und ob das Uebrige wird passen,
Will ich dem Leser ueberlassen.
Auf Griec$
war so graesslich,
Die, wie man sagt, er nicht verdienet hat.
Und nur ein Hagestolz, ein schlauer Advokat,
Sprach: "Oh! dem koemmt man nicht ans Leben,
Der es Unzaehligen zu geben,
So ruehmlich sich beflissen hat."
Der Eremite, der die Nacht
Im Kerker ungewiss und sorgend durchgemacht,
Ward morgen ins Verhoer gebracht.
Der Richter war ein schalkscher Mann,
Der jeden mit Vergnuegen schraubte,
Und doch--(wie man sich irren kann!)
Von seiner Frau das beste glaubte.
"Sie ist ein Ausbund aller Frommen,
Und nur einmal in Wald gekommen,
Den Pater Eremit zu sehn.
Einmal!  Was kann da viel geschehn?"
So denkt der guetige Herr Richter.
Denk immer so, zu deiner Ruh,
Lacht gleich die Wahrheit und der Dichter,
Und deine fromme Frau dazu.
Nun tritt der Eremit vor ihn.
"Mein Freund, wollt Ihr von selbst die nennen,
Die--die Ihr kennt, und die Euch kennen:
So koennt Ihr der Tortur entfliehn.
Doch"--"Darum lass ich mich nicht plagen.
Ich will sie alle sagen.
Herr Richter, schreib Er nur!"  Und wie?
Der Eremit entdecket sie?
E$
o war die Beichte vollendet. Da gingen sie weiter
Nach des Koeniges Hof. Der fromme Grimbart und jener
Kamen durch schwaerzliche fette Gebreite; sie sahen ein Kloster
Rechter Hand des Weges. Es dienten geistliche Frauen,
Spat und frueh, dem Herren daselbst und naehrten im Hofe
Viele Huehner und Haehne, mit manchem schoenen Kapaune,
Welche nach Futter zuweilen sich ausser der Mauer zerstreuten.
Reineke pflegte sie oft zu besuchen. Da sagt' er zu Grimbart:
Unser kuerzester Weg geht an der Mauer vorueber;
Aber er meinte die Huehner, wie sie im Freien spazierten.
Seinen Beichtiger fuehrt' er dahin, sie nahten den Huehnern;
Da verdrehte der Schalk die gierigen Augen im Kopfe.
Ja, vor allen gefiel ihm ein Hahn, der jung und gemaestet
Hinter den andern spazierte, den fasst' er treulich ins Auge,
Hastig sprang er hinter ihm drein; es stoben die Federn.
Aber Grimbart, entruestet, verwies ihm den schaendlichen Rueckfall.
Handelt Ihr so? unseliger Oheim, und wollt Ihr schon wieder
Um ein Huhn in Suende geraten, nachdem $
nget das Raenzel ihm um und gebt ihm den Stab in die Haende.
Und es erwiderte drauf Bellyn: Herr Koenig, Ihr habet,
Glaub ich, vernommen, dass Reineke noch vom Banne nicht los ist.
Uebels wuerd ich deswegen von meinem Bischof erdulden,
Der es leichtlich erfaehrt und mich zu strafen Gewalt hat.
Aber ich tue Reineken selbst nichts Grades noch Krummes.
Koennte man freilich die Sache vermitteln, und sollt es kein Vorwurf
Mir beim Bischof, Herrn Ohnegrund, werden, zuernte nicht etwa
Mir darueber der Propst, Herr Losefund, oder der Dechant
Rapiamus, ich segnet ihn gern nach Eurem Befehle.
Und der Koenig versetzte: Was soll das Reimen und Reden?
Viele Worte lasst Ihr uns hoeren und wenig dahinter.
Leset Ihr ueber Reineke mir nicht Grades noch Krummes,
Frag ich den Teufel darnach! Was geht mich der Bischof im Dom an?
Reineke macht die Wallfahrt nach Rom, und wollt Ihr das hindern?
Aengstlich kraute Bellyn sich hinter den Ohren; er scheute
Seines Koeniges Zorn und fing sogleich aus dem Buch an
Ueber den Pilger zu lese$

Reineke zog die Tatze behend aus den klemmenden Zaehnen,
Hielt mit beiden den Wolf nun immer fester und fester,
Kneipt' und zog; da heulte der Wolf und schrie so gewaltig
Dass er Blut zu speien begann, es brach ihm vor Schmerzen
Ueber und ueber der Schweiss durch seine Zotten, er loeste
Sich vor Angst. Das freute den Fuchs, nun hofft' er zu siegen,
Hielt ihn immer mit Haenden und Zaehnen, und grosse Bedraengnis,
Grosse Pein kam ueber den Wolf, er gab sich verloren.
Blut rann ueber sein Haupt, aus seinen Augen, er stuerzte
Nieder, betaeubt. Es haette der Fuchs des Goldes die Fuelle
Nicht fuer diesen Anblick genommen; so hielt er ihn immer
Fest und schleppte den Wolf und zog, dass alle das Elend
Sahen, und kneipt' und druckt' und biss und klaute den Armen,
Der mit dumpfem Geheul im Staub und eigenen Unrat
Sich mit Zuckungen waelzte, mit ungebaerdigem Wesen.
Seine Freunde jammerten laut, sie baten den Koenig:
Aufzunehmen den Kampf, wenn es ihm also beliebte.
Und der Koenig versetzte: Sobald Euch allen beduenket$

Dass mich nicht die Arbeit reue!
Jaromir (aufgeschreckt).
Was!--Ihr Herr Graf!
Noch bist du uns Kunde schuldig
Von den Deinen, deiner Abkunft.
Jaromir von Eschen heisst du,
Fern am Rhein wardst du geboren,
Dienste suchst du hier im Heer,
So erzaehlte mir mein Maedchen,
Aber weiter weiss ich nichts.
Ist doch weiter auch nichts uebrig.
Maechtig waren meine Ahnen,
Reich und maechtig.  Arm bin ich.
Arm, so arm, dass wenn dies Herz,
Ein entschlossner kraeft'ger Sinn
Und ein schwergepruefter, doch vielleicht
Grade darum festrer Wille
Nicht fuer etwas gelten koennen,
Ich nichts habe und nichts bin.
Du sagst viel mit wenig Worten.
Also recht!  Du bist mein Mann!
Sieh, mein Sohn, ich bin ein Greis.
Die Natur winkt mir zu Grabe,
Und ein dunkel, dumpf Gefuehl
Nennt mir nah des Lebens Ziel.
Nie hab ich dem Tod gezittert,
Und auch jetzt schreckt er mich nicht.
Doch dies Maedchen, sie mein Kind.
Koenntest du in meinen Traenen,
Hier in meinem Herzen lesen
Was sie alles mir gewesen,
Du verstuendest meinen Schmerz.
Dass ich $

Von dem suendigen Geschlecht,
Das in Suenden ward geboren
Um in Suenden zu vergehn!
Seht ihr jenen blut'gen Punkt
Aus der grauen Vaeterwelt,
Gluehendhell herueberblinken?
Seht, vom Vater zu dem Sohne
Und vom Enkel hin zum Enkel
Rollt er wachsend, wallend fort,
Und zuletzt zum Strom geschwollen,
Hin durch wildgesprengte Daemme,
Ueber Felder, ueber Fluren,
Menschendaseins, Menschengluecks
Leichtdahingeschwemmte Spuren,
Waelzt er seine Fluten her,
Uferlos, ein wildes Meer.
Ha, es steigt, es schwillt heran,
Des Gebaeudes Fugen krachen,
Sinkend schwankt die Decke droben
Und ich fuehle mich gehoben!
Tiefverhuellte Warnerin,
Suend'ge Mutter suend'ger Kinder,
Trittst du draeuend hin vor mich?
Triumphiere!  Freue dich!
Bald, bald ist dein Stamm vernichtet;
Ist mein Sohn doch schon gerichtet!
Nimm denn auch dies Leben hin,
Es stirbt der letzte Borotin!  (Sinkt sterbend zurueck.)
Gott!  Es sprengen die Verbande!
Weh, er stirbt!
(Ueber ihn gebeugt, die Hand auf seine Brust gelegt, nach einer Pause.)
Er ist nicht mehr!--$
ch ihn vorhersehen lassen.  Aber gleichwohl ist es gewiss, dass ich
ebensowenig gewusst habe, dass Araspe Ihr Glaeubiger sei, als Sie gewusst
haben, dass er mein Vetter ist.
Adrast.  Es wird sich zeigen.
Theophan.  Zu Ihrem Vergnuegen, hoffe ich.--Heitern Sie Ihr Gesicht nur
auf, und folgen Sie mir mit zu der Gesellschaft.--
Adrast.  Ich will sie nicht wieder sehen.
Theophan.  Was fuer ein Entschluss!  Ihren Freund, Ihre Geliebte--
Adrast.  Wird mir wenig kosten, zu verlassen.  Sorgen Sie aber nur
nicht, dass es eher geschehen soll, als bis Sie befriediget sind.  Ich
will Ihren Verlust nicht, und sogleich noch das letzte Mittel
versuchen.--
Theophan.  Bleiben Sie, Adrast.--Es tut mir leid, dass ich Sie nicht
gleich den Augenblick aus aller Ihrer Unruhe gerissen habe.--Lernen
Sie meinen Vetter besser kennen, (indem er die Wechsel hervorzieht)
und glauben Sie gewiss, wenn Sie schon von mir das Allernichtswuerdigste
denken wollen, dass wenigstens er ein Mann ist, der Ihre Hochachtung
verdient.  Er will Sie nicht$
ua aergerte sich an dem Weichling Fiesco.  Ganz Genua
fluchte ueber den verbuhlten Schurken Fiesco.  Genueser!  Genueser!
Meine Buhlerei hat den arglistigen Despoten betrogen, meine Tollheit
hat eurem Fuerwitz meine gefaehrliche Weisheit verhuellt.  In den
Windeln der Ueppigkeit lag das erstaunliche Werk der Verschwoerung
gewickelt.  Genug.  Genua kennt ich in euch.  Mein ungeheuerster
Wunsch ist befriedigt.
Bourgognino (wirft sich unmuthig in einen Sessel).  Bin ich denn gar
nichts mehr?
Fiesco.  Aber lasst uns schleunig von Gedanken zu Thaten gehn.  Alle
Maschinen sind gerichtet.  Ich kann die Stadt von Land und Wasser
bestuermen.  Rom, Frankreich und Parma bedecken mich.  Der Adel ist
schwierig.  Des Poebels Herzen sind mein.  Die Tyrannen hab' ich in
Schlummer gesungen.  Die Republik ist zu einem Umgusse zeitig.  Mit
dem Glueck sind wir fertig.  Nichts fehlt--Aber Verrina ist
nachdenkend?
Bourgognino.  Geduld.  Ich hab' ein Woertchen, das ihn rascher
aufschrecken soll, als des juengsten Tages Posaunenruf.$
 sie auch geliebt!  (Er zwingt ihn
an den Leichnam und drueckt ihm den Kopf dagegen.) Verzweifle!  Sie
ist todt!  (Den stieren Blick in einen Winkel geheftet.) Ah, dass ich
stuende am Thor der Verdammniss, hinunterschauen duerfte mein Aug auf
die mancherlei Folterschrauben der sinnreichen Hoelle, saugen mein Ohr
zerknirschter Suender Gewinsel--Koennt' ich sie sehen, meine Qual, wer
weiss, ich truege sie vielleicht?  (Mit Schauern zur Leiche gehend.)
Mein Weib liegt hier ermordet--Nein, das will wenig sagen
(Nachdruecklicher.) Ich, der Bube, habe mein Weib ermordet--O pfui, so
etwas kann die Hoelle kaum kitzeln--Erst wirbelt sie mich kuenstlich
auf der Freude letztes glaettestes Schwindeldach, schwaetzt mich bis an
die Schwelle des Himmels--und dann hinunter--dann--o koennte mein Odem
die Pest unter Seelen blasen--dann--dann ermord' ich mein Weib--Nein,
ihr Witz ist noch feiner--dann uebereilen sich (veraechtlich) zwei
Augen, und (mir schrecklichem Nachdruck) ich--ermorde--mein Weib!
(Beissend laechelnd.) Das $
 mit einiger Ruecksicht und Schweigsamkeit behandelt
werden; trotzdem will ich nicht gaenzlich unterdruecken, wie
unangenehm es mir jetzt erscheint, wie fremd es jetzt nach sechzehn
Jahren vor mir steht, - vor einem aelteren, hundert Mal verwoehnteren,
aber keineswegs kaelter gewordenen Auge, das auch jener Aufgabe selbst
nicht fremder wurde, an welche sich jenes verwegene Buch zum ersten
Male herangewagt hat, - die Wissenschaft unter der Optik des
Kuenstlers zu sehn, die Kunst aber unter der des Lebens....
Nochmals gesagt, heute ist es mir ein unmoegliches Buch, - ich heisse
es schlecht geschrieben, schwerfaellig, peinlich, bilderwuethig
und bilderwirrig, gefuehlsam, hier und da verzuckert bis zum
Femininischen, ungleich im Tempo, ohne Willen zur logischen
Sauberkeit, sehr ueberzeugt und deshalb des Beweisens sich
ueberhebend, misstrauisch selbst gegen die Schicklichkeit des
Beweisens, als Buch fuer Eingeweihte, als "Musik" fuer Solche, die auf
Musik getauft, die auf gemeinsame und seltene Kunst-Erfahrungen $
 Feuer sei, dass wir also den Zustand der
Individuation als den Quell und Urgrund alles Leidens, als etwas an
sich Verwerfliches, zu betrachten haetten. Aus dem Laecheln dieses
Dionysus sind die olympischen Goetter, aus seinen Thraenen die
Menschen entstanden. In jener Existenz als zerstueckelter Gott hat
Dionysus die Doppelnatur eines grausamen verwilderten Daemons und
eines milden sanftmuethigen Herrschers. Die Hoffnung der Epopten ging
aber auf eine Wiedergeburt des Dionysus, die wir jetzt als das Ende
der Individuation ahnungsvoll zu begreifen haben: diesem kommenden
dritten Dionysus erscholl der brausende Jubelgesang der Epopten.
Und nur in dieser Hoffnung giebt es einen Strahl von Freude auf dem
Antlitze der zerrissenen, in Individuen zertruemmerten Welt: wie es
der Mythus durch die in ewige Trauer versenkte Demeter verbildlicht,
welche zum ersten Male wieder sich freut, als man ihr sagt, sie koenne
den Dionysus nocheinmal gebaeren. In den angefuehrten Anschauungen
haben wir bereits alle Bestandtheile e$
ns und diesem "Jubel an sich" der jauchzende Kurwenal, dem
Schiffe, das Isolden traegt, zugewandt. So gewaltig auch das Mitleiden
in uns hineingreift, in einem gewissen Sinne rettet uns doch das
Mitleiden vor dem Urleiden der Welt, wie das Gleichnissbild des Mythus
uns vor dem unmittelbaren Anschauen der hoechsten Weltidee, wie der
Gedanke und das Wort uns vor dem ungedaemmten Ergusse des unbewussten
Willens rettet. Durch jene herrliche apollinische Taeuschung duenkt
es uns, als ob uns selbst das Tonreich wie eine plastische Welt
gegenueber traete, als ob auch in ihr nur Tristan's und Isoldens
Schicksal, wie in einem allerzartesten und ausdrucksfaehigsten Stoffe,
geformt und bildnerisch ausgepraegt worden sei.
So entreisst uns das Apollinische der dionysischen Allgemeinheit
und entzueckt uns fuer die Individuen; an diese fesselt es unsre
Mitleidserregung, durch diese befriedigt es den nach grossen und
erhabenen Formen lechzenden Schoenheitssinn; es fuehrt an uns
Lebensbilder vorbei und reizt uns zu gedankenha$
e unser Glueck wuenschen."
"Nun wissen wir Alles," sprach Gackeleia, "so recht, wie man sagt,
bis auf den Fingernagel; wir wissen, warum die drei Lilien und die
drei weissen Klosterfrauen bei der lieben Ahnfrau unter der
Hennenlinde stehen; und warum dort bei den acht Pflanzen die acht
Ordensgespielen des armen Kindes von Hennegau festlich geschmueckt
erscheinen und Huehner in Koerbchen unter dem Arm tragen.  Sie kommen
zur Leichen-Uebertragung des aeltesten armen Kindes von Hennegau und
zum Brautzug des juengsten, und das bin ich!--Sie wollen ihre
Pflichthuehner abliefern.--Geschwind, geschwind, lasst uns sie
empfangen, ich sehe, sie schwanken schon ein wenig ungeduldig
durcheinander.  Wohlan, ich rufe sie auf--"Im Namen Ihrer
Kindlichkeit der Graefin Amey von Hennegau, ersten Lehnshuldin von
Vadutz und ersten armen Kindes von Hennegau mahne ich, Gackeleia
Koenigin von Gelnhausen, Graefin in Hennegau und von Gockelsruh,
juengste Lehnshuldin von Vadutz und juengstes armes Kind von Hennegau,
--Euch, acht erste$
n sie getan!
Gleichwohl haben sie alles Gute getan, was noch in der Welt werden
wird--merke wohl, in der Welt.
O geh!  Du hast mich zum besten.
Wahrlich nicht--Aber sieh!  dort fliegt ein Schmetterling, den ich
haben muss.  Es ist der von der Wolfmichsraupe.--Geschwind sage ich
dir nur noch: die wahren Taten der Freimaeurer zielen dahin, um
groesstenteils alles, was man gemeinlich gute Taten zu nennen pflegt,
entbehrlich zu machen.
Und sind doch auch gute Taten?
Es kann keine bessere geben.--Denke einen Augenblick darueber nach.
Ich bin gleich wieder bei dir.
Gute Taten, welche darauf zielen, gute taten entbehrlich zu machen?--
Das ist ein Raetsel.  Und ueber ein Raetsel denke ich nicht nach.--Lieber
lege ich mich indes unter den Baum und sehe den Ameisen zu.
ZWEITES GESPRAECH
Er lockte mich von Strauch bis an den Bach.--Auf einmal war er herueber.
Ja, ja.  Es gibt solche Locker!
Hast du nachgedacht?
Ueber was?  Ueber deine Raetsel?--Ich werde ihn auch nicht fangen, den
schoenen Schmetterling!  Darum soll er $
nter die Ohren).
Metzler.  Schlag den Hund tot!
(Sie fallen uebereinander her.)
Zweiter Reiter.  Komm her, wenn du 's Herz hast.
Wirt (reisst sie voneinander).  Wollt ihr Ruh haben!  Tausend
Schwerenot!  Schert euch 'naus, wenn ihr was auszumachen habt.  In
meiner Stub soll's ehrlich und ordentlich zugehen.  (Schiebt die
Reiter zur Tuer hinaus.) Und ihr Esel, was fanget ihr an?
Metzler.  Nur nit viel geschimpft, Haensel, sonst kommen wir dir ueber
die Glatze.  Komm, Kamerad, wollen die draussen bleuen.
(Zwei Berlichingsche Reiter kommen.)
Erster Reiter.  Was gibt's da?.
Sievers.  Ei guten Tag, Peter!  Veit, guten Tag!  Woher?
Zweiter Reiter.  Dass du dich nit unterstehst zu verraten, wem wir
Sievers (leise).  Da ist euer Herr Goetz wohl auch nit weit?
Erster Reiter.  Halt dein Maul!  Habt ihr Haendel?
Sievers.  Ihr seid den Kerls begegnet draussen, sind Bamberger.
Erster Reiter.  Was tun die hier?
Metzler.  Der Weislingen ist droben auf'm Schloss, beim gnaedigen Herrn,
den haben sie geleit.
Erster Reiter.  De$
 unsern
zerstreuten Knechten findt, bringt sie zurueck oder stecht sie nieder.
Wir muessen diese Scharten auswetzen, und wenn die Klingen drueber
zugrunde gehen sollten.
Goetz.  Lerse.  Georg.
Goetz.  Wir duerfen keinen Augenblick saeumen!  Arme Jungen, ich darf
euch keine Rast goennen.  Jagt geschwind herum und sucht noch Reiter
aufzutreiben.  Bestellt sie alle nach Weilern, da sind sie am
sichersten.  Wenn wir zoegern, so ziehen sie mir vors Schloss.  (Die
zwei ab.) Ich muss einen auf Kundschaft ausjagen.  Es faengt an heiss zu
werden.  Und wenn es nur noch brave Kerls waeren!  Aber so ist's die
Menge.  (Ab.)
(Sickingen.  Maria.)
Maria.  Ich bitte Euch, lieber Sickingen, geht nicht von meinem Bruder!
Seine Reiter, Selbitzens, Eure sind zerstreut; er ist allein,
Selbitz ist verwundet auf sein Schloss gebracht, und ich fuerchte alles.
Sickingen.  Seid ruhig, ich gehe nicht weg.
(Goetz kommt.)
Goetz.  Kommt in die Kirch, der Pater wartet.  Ihr sollt mir in einer
Viertelstund ein Paar sein.
Sickingen.  Lasst mi$
tum.  Ein jeder moecht' der
groessere sein, und jeder narrt sich selbst.  O eitle
Narretei, o naerr'sche Eitelkeit!  Ich wollt', ich haett'
brav Geld, dann mach' ein Narr'n, wer will!  (Ab.)
hermione (allein).  Gemeiner Neid, der selbst den Weisen
schaendet oft.  O Amphio, wie wird man dich beneiden,
wenn dich die Myrte und der Lorbeer schmueckt.
vorige.  amphio verstoert und bleich
amphio.  O Hermione, find' ich dich!  Wenn du mich je
geliebt, so blick' mich guetig an!
hermione.  Was quaelt dich, Amphio?  Was fuehrt dich jetzt
amphio (starr).  Lass mich in deine Augen schau'n, ich bitte
dich, so lang, bis sich mein Geist an ihrem Strahl
hermione (sieht ihn verwundert an).
amphio.  Ich danke dir.  (Er macht das Spiel, als wollte er sich
durch ihren Anblick zum Dichten begeistern, und vermag es
nicht; er geht daher hoffnungsvoll einen Schritt von ihr und sagt,
nachdenkend gegen Himmel schauend.)  So--so--nun wird
es gehen.  (Immer unruhiger.)  Flamm' auf, Gemuet,
flamm' auf!  (Verzweifelnd.)  Es ist umsonst, s$
. In the fall of the year Goethe met
Friederike Brion in the parsonage at Sesenheim, a village near
Strassburg. Now Herder's teaching bore fruit in an outburst of real song
(1, 2 and 4). The influence of the _Volkslied_ is clearly discernible in
the unaffected naturalness, spontaneity, and simplicity of these lyrics.
Thus _das Heidenroeslein_, which symbolizes the tragic close of the sweet
idyll of Sesenheim, is to all intents and purposes a _Volkslied_.
The following years, spent for the most part in Frankfurt, were the
period of _Sturm und Drang_ (Storm and Stress) in the poet's life and
work. His love for Lili Schoenemann, a rich banker's daughter and society
belle of Frankfurt, only heightened this unrest (3). In the fall of 1775
the young duke Karl August called Goethe to Weimar. Under the influence
of Frau von Stein, a woman of rare culture, Goethe developed to calm
maturity. Compare the first _Wanderers Nachtlied_ (written February
1776), a passionate prayer for peace, and the; second (written Septembe$
en."
Diese erste Sitzung genuegte, um den ehrenwerten Kuenstler mit der
Familie Vervelle schon recht befreundet werden zu lassen. In zwei Tagen
sollten die Vervelles wiederkommen. Vater und Mutter liessen Virginie
auf dem Heimweg ein wenig vorausgehen, aber trotz der Entfernung
erlauschte sie folgende Worte, die ihre Neugier erweckten: "Ein
dekorierter Mann ... siebenunddreissig Jahre ... ein Kuenstler mit
Auftraegen, dessen Geld von unserm Notar verwaltet wird ... wie waere es,
wenn wir Cardot zu Rate zoegen? Ha! Madame de Fougeres waere nicht
uebel!... Er sieht nicht aus wie ein uebler Mensch.... Du meinst, besser
ein Grosshaendler? Aber bei einem Kaufmann kannst Du, wenn er sich nicht
bereits vom Geschaeft zurueckgezogen hat, nie wissen, wie es Deiner
Tochter ergehen wird. Ein sparsamer Kuenstler dagegen ... ausserdem
lieben wir die Kunst ... kurz und gut...."
Waehrend die Familie Vervelle ihre Eindruecke ueber den Maler austauschte,
bildete sich auch Fougeres seinerseits sein Urteil ueber die drei. Aber
d$
inie eine seiner
Skizzen und der Mutter eine Studie. "Umsonst?" fragten sie. Pierre
Grassou musste lachen. "Sie duerfen Ihre Bilder nicht so wegschenken,"
sagte Vervelle, "das ist doch so gut wie bares Geld."--
Bei der dritten Sitzung erzaehlte Papa Vervelle von einer schoenen
Gemaeldegalerie, die er sich in seinem Landhaus in Ville d'Avray
zugelegt habe. Sie enthalte Werke von Rubens, Gerard Dou, Mieris,
Terborch, Rembrandt, Paul Potter, einen Tizian und anderes. "Herr
Vervelle hat sich eine Torheit geleistet," sagte Frau Vervelle sehr
wichtig, "er besitzt fuer hunderttausend Francs Bilder."--"Ich bin eben
Kunstliebhaber," sagte der ehemalige Flaschenhaendler.
Als der Maler das Portraet der Frau Vervelle begann, nachdem das ihres
Gatten nahezu vollendet war, fand die Bewunderung der Familie kein
Ende. Der Notar hatte von dem Maler eine geradezu glaenzende Schilderung
gegeben: Pierre Grassou war in seinen Augen der ehrenwerteste Mann der
Welt, einer der bestsituierten Kuenstler, der sich bis jetzt
sechsunddre$
g
"So schweig doch!"
"Ach so! Ja!"
Familie Vervelle fuehlte sich durch das ungewoehnliche Auftreten dieses
Menschen im tiefsten verletzt. Ihre natuerliche Roete steigerte sich ins
Kirschfarbene und endlich zu flammendem Purpur.
"Allerdings, so etwas bringt was ein!" begann Bridau wieder. "Hast Du
"Brauchst Du viel?"
"Fuenfhundert.... Ich bin einem Bluthund von Wucherer in die Finger
gefallen. Wenn so eine Bestie einmal zugepackt hat, so laesst sie nicht
locker, bis sie den Bissen geschluckt hat. Welche Rasse!"
"Ich werde Dir ein paar Zeilen an meinen Notar mitgeben...."
"Was, Du hast einen Notar?"
"Nun, dann weiss ich doch wenigstens, warum Du die Wangen mit Rosentoenen
malst, die einen Parfuemeur begeistern wuerden."
Grassou konnte es nicht verhindern, dass er erroetete. Virginie verzog
das Gesicht.
"Warum haeltst Du Dich nicht an die Natur?" fuhr der grosse Maler fort.
"Das Fraeulein ist rot--nun also, ist denn das so schlimm? In der Kunst
ist alles schoen. Tu Zinnober auf Deine Palette und belebe die Wange$
 Wenn der Tanz noch nicht in Schwung kommen wollte, so
ruehrte das daher, weil man auf den Kaiser wartete; denn dieser hatte
versprochen, dass er erscheinen werde, und haette gewiss sein Wort
gehalten, waere nicht an demselben Abende zwischen ihm und Josephine ein
Auf tritt vorgefallen, der die Scheidung des gekroenten Gattenpaares
voraussehen liess. Die Nachricht von jenem unangenehmen Auftritt war
noch nicht bis zu den Ohren der Hofleute gelangt, und auf die
Heiterkeit des Festes, das der Graf von Gondreville gab, hatte daher
nur der eine Umstand Einfluss, dass Napoleon nicht erschien. Die
schoensten Frauen von Paris hatten sich in den geschmueckten Salons
eingefunden, um durch die Ueppigkeit ihres Schmuckes und ihrer Schoenheit
vor den Augen des Kaisers zu glaenzen.
Die auf ihre Reichtuemer stolze Finanzwelt ueberstrahlte die glaenzenden
Generaele und hohen Offiziere des Kaiserreichs, die mit Kreuzen der
Ehrenlegion und Titeln ueberhaeuft waren; denn solche Feierlichkeiten
waren stets Gelegenheit, die von $
ns verraten. Die
leichtesten Falten, die die weisse und reine Stirn runzelten, das
unmerkliche Zittern der Zuege, das Spiel der anklaegerischen Augenbrauen,
die fast unsichtbare Bewegung der Lippen, dies alles wusste die alte
Herzogin so gut zu lesen, wie die geschriebenen Worte eines Buches. Die
Kokette ausser Dienst sass in einem Armstuhl, den sie vollkommen
ausfuellte, und plauderte mit einem Diplomaten, der sie aufgesucht
hatte, weil sie in unvergleichlicher Weise Anekdoten vom alten Hofe
erzaehlen konnte, aber sie beobachtete dabei mit ununterbrochener
Aufmerksamkeit die junge Kokette, die ihr wie eine neue Auflage ihres
eigenen Ichs vorkam. Sie fand sie ganz nach ihrem Geschmack, als sie
sah, dass sie so gut ihren Kummer verberge und die Schmerzen ihres
Herzens zu verhehlen wisse.
Frau von Vaudremont fuehlte sich in der Tat ebenso schmerzlich
ergriffen, als sie sich heiter stellte. Sie hatte geglaubt, in Martial
einen Mann von Talent anzutreffen, der ihr Leben durch die Genuesse des
Hofes, nach denen si$
 dem Wind und trotzt der Sonne.
Und huellt die Sonn' in Schatten--weh!  ach weh!
Das zeugt mein Sohn, im Todesschatten jetzt;
Des strahlend lichten Schein dein wolk'ger Grimm
Mit ew'ger Finsternis umzogen hat.
In unsrer Jungen Nest baut eure Brut.
O Gott, der du es siehest, duld es nicht!
Was Blut gewann, sei auch so eingebuesst!
Still, still!  aus Scham, wo nicht aus Christenliebe.
Rueckt Christenliebe nicht, noch Scham mir vor.
Unchristlich seid ihr mit mir umgegangen,
Und schamlos wuergtet ihr mir jede Hoffnung.
Wut ist mein Lieben, Leben meine Schmach;
Stets leb' in meiner Schmach des Leidens Wut.
Hoert auf!  hoert auf!
O  Buckingham, ich kuesse deine Hand
Zum Pfand der Freundschaft und des Bunds mit dir.
Dir geh' es wohl und deinem edlen Haus!
Dein Kleid ist nicht befleckt mit unserm Blut,
Und du nicht im Bezirke meines Fluchs.
Auch keiner sonst; nie ueberschreiten Flueche
Die Lippen des, der in die Luft sie haucht.
Ich glaube doch, sie steigen himmelan
Und wecken Gottes sanft entschlafnen Frieden.
O Buc$
ig werden, und will die Thuer mit Gewalt einstossen, worueber
ein grosser Lerm entsteht.)
Adriana (hinter der Scene.)
Wer ist da vor der Thuer, der einen solchen Lermen macht?
Dromio von Syracus.
Bey meiner Six, es giebt boese Buben in eurer Stadt.
Antipholis von Ephesus.
Seyd ihr da, Frau?Ihr haettet wol baelder kommen koennen.
Eure Frau, Herr Spizbube?Geht, pakt euch von der Thuere fort.
Mein Herr, ich sehe wol, hier ist weder was gutes zu essen, noch
ein freundlicher Willkomm zu haben--wir halten uns vergeblich auf.
Antipholis von Ephesus.
Geh', hole mir was, dass ich die Thuer aufbrechen kan.
Dromio von Syracus.
Versuchts, und brecht hier was, wenn ihr wollt dass ich euch den
Schaedel zerbrechen soll.
Antipholis von Ephesus.
Geh', sag' ich, hole mir ein Stemm-Eisen --
Habt Geduld, mein Herr; ich bitte euch, fangt nichts dergleichen an;
ihr wuerdet einen Anfall auf euren eignen guten Namen thun, und die
nie verlezte Ehre eurer Frauen in Verdacht bringen.  Bedenket nur
das; die lange Erfahrung, die ihr von $
 einen
erschreklichen Blik, aber ein mitleidiges Herz; lasst ihn wieder
herein kommen, damit sein Mitleiden das eurige aufweke.
Komm, Junge, bereite dich.
Ist denn kein Mittel?
Keines, als deine Augen zu verliehren.
O Himmel!  dass doch nur ein Staeubchen, ein Splitterchen, eine Mueke,
ein irrendes Haar in den eurigen waere; wenn ihr fuehltet, was fuer
Ungemach die kleinsten Dinge in diesem kostbaren Sinn anrichten,
euer grausames Vorhaben muesst' euch entsezlich vorkommen.
Ist diss dein Versprechen; komm her, schweig und ruehre dich nicht--
Hubert, du willt mir nicht erlauben, dass ich um meine Augen jammere;
ach, heisse mich nicht schweigen, Hubert, heisse mich's nicht;
oder schneide mir die Zunge aus, wenn du willt, und lass mich nur
meine Augen behalten.  Sieh, bey meiner Treu, das Eisen ist kalt,
und wuerde mir kein Leid thun.
Ich kan es wieder heiss machen, Junge.
Nein, in rechtem Ernst, das Feuer ist vor Schmerz todt, dass es, zum
Trost der Menschen erschaffen, zu einer solchen Grausamkeit
gebraucht we$
ir: es war die Nachtigall.
Die Lerche wars, die Tagverkuenderin,
Nicht Philomele; sieh den neidschen Streif,
Der dort im Ost der Fruehe Wolken saeumt.
Die Nacht hat ihre Kerzen ausgebrannt,
Der muntre Tag erklimmt die dunstgen Hoehn;
Nur Eile rettet mich, Verzug ist Tod.
Trau mir, das Licht ist nicht des Tages Licht,
Die Sonne hauchte dieses Luftbild aus,
Dein Fackeltraeger diese Nacht zu sein,
Dir auf dem Weg nach Mantua zu leuchten.
Drum bleibe noch; zu gehn ist noch nicht not.
Lass sie mich greifen, ja, lass sie mich toeten!
Ich gebe gern mich drein, wenn du es willst.
Nein, jenes Grau ist nicht des Morgens Auge,
Der bleiche Abglanz nur von Cynthias Stirn.
Das ist auch nicht die Lerche, deren Schlag
Hoch ueber uns des Himmels Woelbung trifft.
Ich bleibe gern; zum Gehn bin ich verdrossen.
Willkommen, Tod, hat Julia dich beschlossen!--
Nun, Herz?  Noch tagt es nicht, noch plaudern wir.
Es tagt, es tagt!  Auf, eile, fort von hier!
Es ist die Lerche, die so heiser singt
Und falsche Weisen, rauhen Misston gurge$
eigehn wird ein Christ,
Wert, dass ihn 'ne Juedin kuesst.
Was sagt der Narr von Hagars Stamme?  he?
Sein Wort war: "Fraeulein, lebet wohl"--sonst nichts.
Der Laff ist gut genug, jedoch ein Fresser,
'ne Schnecke zum Gewinn und schlaeft bei Tag
Mehr als das Murmeltier; in meinem Stock
Baun keine Drohnen; drum lass ich ihn gehn
Und lass ihn gehn zu einem, dem er moege
Den aufgeborgten Beutel leeren helfen.
Gut, Jessica, geh nun ins Haus hinein,
Vielleicht komm ich im Augenblicke wieder.
Tu, was ich dir gesagt, schliess hinter dir
Die Tueren; fest gebunden, fest gefunden,
Das denkt ein guter Wirt zu allen Stunden.
Lebt wohl, und denkt das Glueck nach meinem Sinn,
Ist mir ein Vater, Euch ein Kind dahin.
Sechste Szene
Ebendaselbst
(Graziano und Salarino kommen maskiert)
Dies ist das Vordach, unter dem Lorenzo
Uns haltzumachen bat.
Die Stund ist fast vorbei.
Und Wunder ist es, dass er sie versaeumt;
Verliebte laufen stets der Uhr voraus.
O zehnmal schneller fliegen Venus' Tauben,
Den neuen Bund der Liebe zu versiege$
 so recht und trefft so schoen!
   Weil Euch dieses Glueck geschehn,
   Wollet nicht nach anderm gehn.
   Ist Euch dies nach Wunsch getan
   Und findt Ihr Heil auf dieser Bahn,
   Muesst Ihr Eurer Liebsten nahn,
   Und sprecht mit holdem Kuss sie an."
Ein freundlich Blatt--erlaubt, mein holdes Leben,
(er kuesst sie)
Ich komm, auf Schein zu nehmen und zu geben,
Wie, wer um einen Preis mit andern ringt
Und glaubt, dass vor dem Volk sein Tun gelingt;
Er hoert den Beifall, Jubel schallt zum Himmel:
Im Geist benebelt, staunt er--"Dies Getuemmel
Des Preises", fragt er sich, "gilt es denn mir?"
So, dreimal holdes Fraeulein, steh ich hier,
Noch zweifelnd, ob kein Trug mein Auge blend't,
Bis Ihr bestaetigt, zeichnet, anerkennt.
Ihr seht mich, Don Bassanio, wo ich stehe,
So wie ich bin.  Obschon fuer mich allein
Ich nicht ehrgeizig waer in meinem Wunsch,
Viel besser mich zu wuenschen; doch fuer Euch
Wollt ich verdreifacht zwanzigmal ich selbst sein,
Noch tausendmal so schoen, zehntausendmal
Nur um in Eurer Schaetzung h$
ch auf Ehre liebe;
Doch wuenscht ich sie im Himmel, koennte sie
Dort eine Macht erflehn, des huendschen Juden
Gemuet zu aendern.
Gut, dass Ihr's hinter ihrem Ruecken tut,
Sonst stoerte wohl der Wunsch des Hauses Frieden.
Shylock (beiseite).
So sind die Christenmaenner; ich hab 'ne Tochter:
Waer irgendwer vom Stamm des Barrabas
Ihr Mann geworden, lieber als ein Christ!--
Die Zeit geht hin; ich bitt Euch, kommt zum Spruch.
Ein Pfund von dieses Kaufmanns Fleisch ist dein.
Der Hof erkennt es, und das Recht erteilt es.
O hoechst gerechter Richter!--
Ihr muesst das Fleisch ihm schneiden aus der Brust:
Das Recht bewilligt's, und der Hof erkennt es.
O hoechst gelehrter Richter!--Na, ein Spruch!
Kommt, macht Euch fertig.
Wart noch ein wenig: Eins ist noch zu merken!
Der Schein hier gibt dir nicht ein Troepfchen Blut;
Die Worte sind ausdruecklich: ein Pfund Fleisch!
Nimm denn den Schein, und nimm du dein Pfund Fleisch;
Allein vergiessest du, indem du's abschneidst,
Nur einen Tropfen Christenblut, so faellt
Dein Hab und$
kein Pfeil vom Bogen abgedruekt
schneller seinem Ziele zu, als unsre Soldaten vom Felde ihrer
Rettung zu flohen.  In diesem Tumult wurde allzufrueh der edle
Worcester gefangen, und dieser feuerathmende Schotte, dieser
blutige Dowglas, dessen unermuedetes Schwerdt dreymal die vermeynte
Gestalt des Koenigs erschlagen hatte; selbst er begann seinen Muth
zu verhuellen, und verminderte durch seine Flucht die Schmach derer
die den Rueken gewendet hatten, gerieth aber durch einen Fall vom
Pferd in die feindlichen Haende.  Kurz, die Summe von allem ist, dass
der Koenig gewonnen, und bereits ein eilfertiges Heer, unter
Anfuehrung des jungen Lancasters und Westmorlands gegen euch
abgeschickt hat.
Northumberland.
Diese Neuigkeiten zu betrauren, werd' ich immer Zeit genug haben.
Gift kan manchmal zur Arzney werden; und diese Zeitungen, die mich,
waer' ich gesund gewesen, krank gemacht haetten, haben izt, da ich
krank bin, mich in gewisser Maasse gesund gemacht.  Und wie der
Elende, dessen vom Fieber geschwaechte Gelenke,$
es Wort fuer die Abstellung dieser
Beschwerden.
Ich geb' es euch, und will es behaupten; und hiemit trink ich Eu.
Hastings (zu Coleville.)
Geh, Hauptmann, und kuendige der Armee diese Friedens-Zeitung an;
lass sie ihren Sold haben und gehen; ich weiss, es wird ihnen
angenehm seyn.  Beschleunige dich, Hauptmann.
(Coleville geht ab.)
Auf euer Wohlseyn, Milord von Westmorland.
Westmorland.
Ich werde Eu.  Gnaden Bescheid thun, und wenn ihr wisstet, wie viele
Muehe ich angewandt habe, diesen Frieden zu Stande zu bringen, ihr
wuerdet desto muntrer trinken; aber ich werde kuenftig Anlas haben,
euch meine Freundschaft deutlicher zu zeigen.
Ich seze keine Zweifel in sie.
Westmorland.
Es erfreut mich.  Auf eure Gesundheit, Milord und Vetter Mowbray.
Die Gesundheit die ihr mir wuenscht, kaeme sehr gelegen, denn es wird
mir ploezlich etwas uebel.
Vor schlimmen Zufaellen sind die Menschen gemeiniglich munter, und
Bangigkeit ist oft der Vorbote einer glueklichen Begebenheit.
Westmorland.
Seyd also munter, Vetter, weil dies$
toese gemacht werde,
meine werthen Freunde, ausser irgend eine mitleidige, troestende
Hand, wollte Musik meinem schmachtenden Geiste zufluestern.
Ruft Musik in das Nebenzimmer--
Koenig Heinrich.
Sezt mir die Crone auf dieses Kuessen hier.
Clarence (bey Seite.)
Seine Augen sind hohl, und er veraendert sich ungemein.
Nicht so laut, nicht so laut.
Zehnte Scene.
(Der Prinz Heinrich tritt auf.)
Prinz Heinrich.
Wo ist der Herzog von Clarence?
Hier bin ich, Bruder, voller Kummer.
Prinz Heinrich.
Warum das?  Warum habt ihr alle Thraenen in den Augen?  Wie stehts
mit dem Koenig?
Sehr schlecht.
Prinz Heinrich.
Weiss er die guten Zeitungen?  Sagt sie ihm.
Er alterirte sich ungemein, da er sie hoerte.
Prinz Heinrich.
Wenn er vor Freuden krank wurde, so wird er ohne Arzney gesund
Nicht so laut, Milords; liebster Prinz, redet leise; der Koenig,
euer Vater, hat einen Ansaz zum Schlaffen.
Wir wollen in ein andres Zimmer gehen.
Gefaellt es Eu.  Hoheit, mit uns zu kommen?
Prinz Heinrich.
Nein; ich will mich hier sezen, und dem$
 Gemeinde muede gemacht und nicht einmal gerufen: "Geduld,
gute Leute!"
Seht doch, Freunde hinterm Ruecken?--Schaefer, geh ein wenig abseits.
--Geh mit ihm, Bursch.
Kommt, Schaefer, lasst uns einen ehrenvollen Rueckzug machen,
wenngleich nicht mit Sang und Klang, doch mit Sack und Pack.
(Corinnus und Probstein ab.)
Hast du diese Verse gehoert?
O ja, ich hoerte sie alle und noch was drueber; denn einige hatten
mehr Fuesse, als die Verse tragen konnten.
Das tut nichts, die Fuesse konnten die Verse tragen.
Ja, aber die Fuesse waren lahm und konnten sich nicht ausserhalb des
Verses bewegen, und darum standen sie so lahm im Verse.
Aber hast du gehoert, ohne dich zu wundern, dass dein Name an den
Baeumen haengt und eingeschnitten ist?
Ich war schon sieben Tage in der Woche ueber alles Wundern hinaus,
ehe du kamst: denn sieh nur, was ich an einem Palmbaum fand.  Ich
bin nicht so bereimt worden seit Pythagoras' Zeiten, wo ich eine
Ratte war, die sie mit schlechten Versen vergifteten, wessen ich
mich kaum noch erinner$
weykampf zu verbergen.  Tobias
verspricht ihm endlich seine guten Dienste, um wenigstens die
Ursache der grausamen Ungnade zu erkundigen, welche Caesario durch
nichts verdient zu haben sich bewusst ist, und wo moeglich den
wuethenden Sir Andreas in etwas zu besaenftigen.  Tobias stellt sich
als ob er zu diesem Ende abgehe, da indessen Fabian fortfaehrt der
armen Viola Schreken einzujagen, und ihren Gegner als den besten
Fechter und den fatalesten Widerpart den man in ganz Illyrien
finden koenne, abzumahlen.  Sie gehen ab, um dem Sir Tobias Plaz zu
geben, in der folgenden Scene, seinen Freund Andreas in eine eben
so friedliebende Gemueths-Verfassung zu sezen.  Er beschreibt ihm den
Caesario als einen eingefleischten Teufel, der des Sophi Hof-
Fechtmeister gewesen sey, und keinen Stoss zu thun pflege, der nicht
eine toedtliche Wunde mache.  Andreas geraeth darueber in solche Angst,
dass er verspricht er wolle ihm sein bestes Pferd geben, wenn er die
Sache auf sich beruhen lassen wolle.  Indessen kommt Fabian mi$
duenken in Bestrafung der
Schuldigen.  Ich will euch fuer eine Weile verlassen; aber bleibt
ihr so lange zuruek, bis ihr die Bosheit dieser Verlaeumder voellig zu
Schanden gemacht habt.
(Er geht ab.)
Vierte Scene.
Gnaedigster Herr, wir wollen nichts ermangeln lassen.  Herr Lucio,
sagtet ihr nicht, ihr kennet diesen Frater Ludewig fuer einen Mann
von schlechter Auffuehrung?
(Cucullus non facit Monachum;) es ist nichts ehrwuerdig an ihm als
seine Kutte; er hat auf eine hoechst infame Art von der Person des
Herzogs gesprochen.
Wir ersuchen euch, hier zu bleiben, bis er kommt, und ihn dessen zu
ueberweisen; es wird sich finden, dass dieser Moench ein schlimmer
Als irgend einer in Wien, auf mein Wort.
Ruft diese Isabella wieder hieher; ich moechte mit ihr reden; ich
bitte euch, Gnaediger Herr, erlaubet mir, sie abzuhoeren; ihr sollt
sehen wie ich sie behandeln werde.
Lucio (vor sich.)
Ich denke nicht besser als er, nach ihrer eignen Aussage.
Wie beliebt?
Mein Seel, ich denke mein Herr, wenn ihr sie ohne Zeugen beh$
stehen?
Nicht als liebt' ich euch nicht.
Sondern nur dass ihr mich nicht liebet.  Ich bitte euch, macht mir
das ein wenig deutlicher und sagt mir, ob ich euch diese Nacht
nicht sehen soll?
Wenigstens will ich euch sehen, sobald ich kan.
Nun wohl dann, ich muss es also drauf ankommen lassen.
(Sie gehen ab.)
Vierter Aufzug.
Erste Scene.
 (Eine Strasse vor dem Pallast.)
 (Othello und Jago treten auf.)
Denkt ihr das?
Ob ich's denke, Jago?
Wie, einander heimlich kuessen?
Unauthorisierte Kuesse?
Oder auch nakend bey ihrem Freund im Bette zu ligen, eine, zwo und
mehr Stunden, ohne was boeses dabey zu meynen?  Das sollte nicht
moeglich seyn?
{ed. * Eine Anspielung auf die beruechtigte Keuschheits-Probe des
heiligen Robert von Arbrissel, der mitten zwischen zwoen schoenen
jungen Nonnen eine Probe machte, die mit einer Haesslichen gefaehrlich
Nakend im Bette, Jago, und nichts boeses dabey meynen?  Das heisst,
den Teufel zum Narren machen wollen: Leute, die mit tugendhaften
Absichten so etwas thun, die versucht der Teuf$
 mein guter Sir.
Ich danke dir.
Edgar (vor sich.)
Warum treibe ich dieses Spiel mit seiner Verzweiflung?  Meine
Absicht ist, sie zu heilen.
O! ihr maechtigen Goetter, dieser Welt entsag' ich hiemit, und
schuettle vor euern Augen mein schweres Leiden geduldig ab.  Koennte
ich es laenger tragen, ohne ueber euere grossen unwidersezlichen
Schluesse zu murren, so wollt' ich, bis der schwache Docht meines
grauenvollen Lebens sich vollends ausgebrannt haette--Wenn Edgar
lebet, o so segnet ihn!--Nun, Camerade, lebe wohl!
(Er thut einen Sprung, und faellt der Laenge nach vor sich hin.)
Edgar (in einiger Entfernung, und vor sich.)
Guter Alter, lebe wohl!  Waere er da gewesen, wo er zu seyn gedachte,
so haette er izt aufgehoert zu denken.
(Er naehert sich dem Gloster, und veraendert seine Stimme.)
Lebendig oder todt?  He, hoert ihr, guter Freund!  Sir!  Sir!
Redet!--So koennt' er sterben, in der That--Doch er lebt wieder auf.
Wer seyd ihr, Sir?
Hinweg, und lass mich sterben.
Waerst du gleich nichts anders gewesen als Sp$
 sie dem duestern Pluto
Vorschub gethan haben, meine Tochter zu entfuehren, hab' ich ihre
und ihres blinden Buben aergerliche Gesellschaft verschworen.
Fuerchte dich nicht vor ihrer Gesellschaft.  Ich begegnete ihrer
Deitaet, wie sie die Wolken gegen Paphos zu durchschnitt, sie und
ihr Sohn, von Dauben mit ihr gezogen; sie bildeten sich ein, durch
irgend ein leichtfertiges Zauberwerk diesen Juengling und diss
Maedchen zu bethoeren, die das Geluebde gethan haben, sich der Rechte
des Ehebettes zu enthalten, bis Hymens Fakel ihnen angezuendet wird;
aber die heisse Buhlerin des Kriegs-Gottes ist unverrichter Dingen
zuruek gekommen, und ihr wespen-maessiger Sohn hat seinen Bogen
zerbrochen, und schwoert, er wolle keinen Pfeil mehr anruehren,
sondern mit Spazen spielen und geradezu ein kleiner Junge seyn.
Die hohe Koenigin des Goetter-Staats, die grosse Juno kommt; ich
erkenne sie an ihrem Gang.
(Juno steigt von ihrem Wagen und tritt auf.)
Wie befindet sich meine mildreiche Schwester?  Komm mit mir, dieses
Paar zu $
och braucht und auszunuetzen weiss, was
der heilige Aberwitz des Priesters, der kranken Vernunft im Priester
verwirft, fuer jene Oekonomie im Gesetz des Lebens, die selbst aus
der widerlichen species des Muckers, des Priesters, des Tugendhaften
ihren Vortheil zieht, - welchen Vortheil? - Aber wir selbst, wir
Immoralisten sind hier die Antwort... -
Die vier grossen Irrthuemer.
Irrthum der Verwechslung von Ursache und Folge. - Es giebt keinen
gefaehrlicheren Irrthum als die Folge mit der Ursache zu verwechseln:
ich heisse ihn die eigentliche Verderbniss der Vernunft. Trotzdem
gehoert dieser Irrthum zu den aeltesten und juengsten Gewohnheiten der
Menschheit: er ist selbst unter uns geheiligt, er traegt den Namen
"Religion", "Moral". Jeder Satz, den die Religion und die Moral
formulirt, enthaelt ihn; Priester und Moral-Gesetzgeber sind die
Urheber jener Verderbniss der Vernunft. - Ich nehme ein Beispiel:
Jedermann kennt das Buch des beruehmten Cornaro, in dem er seine
schmale Diaet als Recept zu einem langen und $
r Modernen mit unsrer dick wattirten Humanitaet, die durchaus
an keinen Stein sich stossen Will, den Zeitgenossen Cesare Borgia's
eine Komoedie zum Todtlachen abgeben wuerden. In der That, wir
sind ueber die Maassen unfreiwillig spasshaft, mit unsren modernen
"Tugenden"... Die Abnahme der feindseligen und misstrauenweckenden
Instinkte - und das waere ja unser "Fortschritt" - stellt nur eine
der Folgen in der allgemeinen Abnahme der Vitalitaet dar: es kostet
hundert Mal mehr Muehe, mehr Vorsicht, ein so bedingtes, so spaetes
Dasein durchzusetzen. Da hilft man sich gegenseitig, da ist Jeder bis
zu einem gewissen Grade Kranker und Jeder Krankenwaerter. Das heisst
dann "Tugend" -: unter Menschen, die das Leben noch anders kannten,
voller, verschwenderischer, ueberstroemender, haette man's
anders genannt, "Feigheit" vielleicht, "Erbaermlichkeit",
"Altweiber-Moral"... Unsre Milderung der Sitten - das ist mein
Satz, das ist, wenn man will, meine Neuerung - ist eine Folge des
Niedergangs; die Haerte und Schrecklichke$
l--du Hoamlicher--is does die Rechte amal?  Hehe!
Wastl.  A wohl--doe war's schon!  (Stossen an.)
Liesel (singt).
Warum soll i noet lustig sein? Gott is a guter Mon, Mir gfallt es Lebn, mir
schmeckt der Wein, Und neamad geht's was an! (Jodler.)
Grillhofer (klopft dem Dusterer auf den Ruecken).  No, brumm a mit, alts
Eisen!  (Alle singen mit.)
Liesel (singt).
Hon i doch all doe Lebtag mein Koan Schlechtigkeit net ton, Und will i amal
lustig sein, Wem gang denn does was an?! (Setzt zu dem Jodler ein.)
Dusterer (stoesst sein Glas hart auf den Tisch).  Do singst noet mit,
Schwager!  Moecht wissen, wie d' da mitsingst, ohne dass dir der Stimmstock
umfallt!  Sing mit, wann d' kannst!  Hast all dein Lebtag koan
Schlechtigkeit noet tan?  Hast noet?  Han?
Grillhofer (der schon beim Jodler der ersten Strophe mit aufgestanden war,
sinkt jetzt zurueck auf die Bank; finster).  I sing eh net mit!
Dusterer (leise und angelegentlich).  Und lass der sagen: So is die Weis
net, wie mer d' armen Seeln derloest, und so verstirbt $
en auf dem
Gestell ein altes Gebetbuch, da sind schoene Lieder drin, die habe
ich so lange nicht mehr gehoert, und im Gedaechtnis habe ich sie auch
nicht mehr; da habe ich gehofft, wenn der Peterli nun lesen lerne,
so koenne er mir etwa ein gutes Lied lesen; aber er kann es nicht
lernen, es ist ihm zu schwer."
"Ich denke, ich muss Licht machen, es wird ja schon ganz dunkel",
sagte jetzt Peters Mutter, die immer emsig am Wams fortgeflickt
hatte; "der Nachmittag ist mir auch vergangen, ohne dass ich's
Nun sprang Heidi von seinem Stuehlchen auf, streckte eilig seine
Hand aus und sagte: "Gut Nacht, Grossmutter, ich muss auf der Stelle
heim, wenn es dunkel wird", und hintereinander bot es dem Peter und
seiner Mutter die Hand und ging der Tuer zu.  Aber die Grossmutter
rief besorgt: "Wart, wart, Heidi; so allein musst du nicht fort,
der Peter muss mit dir, hoerst du?  Und gib Acht auf das Kind,
Peterli, dass es nicht umfaellt, und steh nicht still mit ihm, dass
es nicht friert, hoerst du?  Hat es auch ein dickes Ha$
nach seinem Revolver.
"Du fuerchtest dich doch nicht?", sagte der Doktor und stand auf.
"Behutsam ist besser", fluesterte Herr Sesemann, erfasste mit der
Linken den Armleuchter mit drei Kerzen, mit der Rechten den
Revolver und folgte dem Doktor, der, gleichermassen mit Leuchter und
Schiessgewehr bewaffnet, voranging.  Sie traten auf den Korridor
Durch die weit geoeffnete Tuer floss ein bleicher Mondschein herein
und beleuchtete eine weisse Gestalt, die regungslos auf der Schwelle
"Wer da?", donnerte jetzt der Doktor heraus, dass es durch den
ganzen Korridor hallte, und beide Herren traten nun mit Lichtern
und Waffen an die Gestalt heran.  Sie kehrte sich um und tat einen
leisen Schrei.  Mit blossen Fuessen im weissen Nachtkleidchen stand
Heidi da, schaute mit verwirrten Blicken in die hellen Flammen und
auf die Waffen und zitterte und bebte wie ein Blaettlein im Winde
von oben bis unten.  Die Herren schauten einander in grossem
Erstaunen an.
"Ich glaube wahrhaftig, Sesemann, es ist deine kleine
Wassertraegeri$
chauen und ganz laut dem lieben Gott danken, dass er
es wieder heimgebracht hatte und dass alles, alles noch so schoen
sei und noch viel schoener, als es gewusst hatte, und dass alles
wieder ihm gehoere; und Heidi war so gluecklich und so reich in all
der grossen Herrlichkeit, dass es gar nicht Worte fand, dem lieben
Gott genug zu danken.  Erst als das Licht ringsum vergluehte, konnte
Heidi wieder von der Stelle weg; nun rannte es aber so den Berg
hinan, dass es gar nicht lange dauerte, so erblickte es oben die
Tannenwipfel ueber dem Dache und jetzt das Dach und die ganze Huette,
und auf der Bank an der Huette sass der Grossvater und rauchte sein
Pfeifchen, und ueber die Huette her wogten die alten Tannenwipfel und
raschelten im Abendwind.  Jetzt rannte das Heidi noch mehr, und
bevor der Alm-Oehi nur recht sehen konnte, was da herankam, stuerzte
das Kind schon auf ihn hin, warf seinen Korb auf den Boden und
umklammerte den Alten, und vor Aufregung des Wiedersehens konnte es
nichts sagen, als nur immer ausrufe$
nd wie dieses? Und vielleicht
kann sich der Herr Pfarrer auch noch der Mutter erinnern, der
Adelheid; sie war mondsuechtig und hatte Zufaelle, soll das Kind auch
so etwas holen mit der Anstrengung? Es soll mir einer kommen und mich
zwingen wollen! Ich gehe vor alle Gerichte mit ihm, und dann wollen
wir sehen, wer mich zwingt!"
"Ihr habt ganz Recht, Nachbar", sagte der Herr Pfarrer mit
Freundlichkeit; "es waere nicht moeglich, das Kind von hier aus zur
Schule zu schicken. Aber ich kann sehen, das Kind ist Euch lieb; tut
um seinetwillen etwas, das Ihr schon lange haettet tun sollen, kommt
wieder ins Doerfli herunter und lebt wieder mit den Menschen. Was ist
das fuer ein Leben hier oben, allein und verbittert gegen Gott und
Menschen! Wenn Euch einmal etwas zustossen wuerde hier oben, wer
wuerde Euch beistehen? Ich kann auch gar nicht begreifen, dass Ihr den
Winter durch nicht halb erfriert in Eurer Huette, und wie das zarte
Kind es nur aushalten kann!"
"Das Kind hat junges Blut und eine gute Decke, das moechte i$
uf der einen Seite in
einer Art von gesellschaftlicher Unerfahrenheit, welche mit dem mehr
oder weniger unkultivierten Leben, in welchem das junge Maedchen bis
zu dem Augenblick seiner Versetzung nach Frankfurt sich bewegte,
welche Versetzung allerdings in die Entwicklung dieses, ich moechte
sagen noch voellig, wenigstens teilweise unentwickelten, aber
anderseits mit nicht zu verachtenden Anlagen begabten und wenn
allseitig umsichtig geleitet -"
"Entschuldigen Sie, Herr Kandidat, bitte, lassen Sie sich nicht
stoeren, ich werde - ich muss schnell einmal nach meiner Tochter
sehen." Damit lief Herr Sesemann zur Tuer hinaus und kam nicht wieder.
Drueben im Studierzimmer setzte er sich zu seinem Toechterchen hin;
Heidi war aufgestanden. Herr Sesemann wandte sich nach dem Kinde um:
"Hoer mal, Kleine, hol mir doch schnell - wart einmal - hol mir mal" -
(Herr Sesemann wusste nicht recht, was er bedurfte, Heidi sollte aber
ein wenig ausgeschickt werden) - "hol mir doch mal ein Glas Wasser."
"Frisches?", fragte Heidi.
$
le Morgen mit der
Sonne draussen war. Der Grossvater aber sagte: "Das Kind muss seinen
Schlaf haben", und dabei blieb er. So rief er durch die offene Tuer
der Grossmutter nur eine gute Nacht zu und nahm das heranspringende
Heidi bei der Hand, und unter dem flimmernden Sternenhimmel hin
wanderten die beiden ihrer friedlichen Huette zu.
Eine Vergeltung
Am anderen Morgen in der Fruehe stieg der Herr Doktor vom Doerfli
den Berg hinan in der Gesellschaft des Peter und seiner Geissen.
Der freundliche Herr versuchte ein paarmal mit dem Geissbuben ein
Gespraech anzuknuepfen, aber es gelang ihm nicht, kaum dass er als
Antwort auf einleitende Fragen unbestimmte, einsilbige Worte zu hoeren
bekam. Der Peter liess sich nicht so leicht in ein Gespraech ein. So
wanderte die ganze schweigende Gesellschaft bis hinauf zur Almhuette,
wo schon erwartend das Heidi stand mit seinen beiden Geissen, alle
drei munter und froehlich wie der fruehe Sonnenschein auf allen
"Kommst mit?" fragte der Peter, denn als Frage oder als Aufforderu$
ter?"
"Aus dem Brotsack."
Das war richtig. Gestern abend hatte der Postbeamte im Doerfli ihm den
Brief an das Heidi mitgegeben. Den hatte der Peter in den leeren Sack
gelegt. Am Morgen hatte er seinen Kaese und sein Stueck Brot darauf
gepackt und war ausgezogen. Den Oehi und das Heidi hatte er wohl
gesehen, als er ihre Geissen abholte, aber erst als er um Mittag mit
Brot und Kaese zu Ende war und noch die Krumen herausholen wollte, war
der Brief wieder in seine Hand gekommen.
Das Heidi las aufmerksam seine Adresse ab, dann sprang es zum
Grossvater in den Schopf zurueck und streckte ihm in hoher Freude den
Brief entgegen: "Von Frankfurt! Von der Klara! Willst du ihn gleich
hoeren, Grossvater?"
Das wollte dieser schon gern, und auch der Peter, der dem Heidi
gefolgt war, schickte sich zum Zuhoeren an. Er stemmte sich mit dem
Ruecken gegen den Tuerpfosten an, um einen festen Halt zu haben, denn
so war es leichter, dem Heidi nachzukommen, wie es nun seinen Brief
herunterlas:
Liebes Heidi!
Wir haben schon alles ver$
es Abend
wird? Es heisst dich doch niemand fortgehen. Ich meine, du koenntest
immer bei uns bleiben. Das waere so schoen!
_Sonne_: Nein, mein Kind, das kann nicht sein! Wenn es Nacht
wird, schlafen die Leute, und du schlaefst auch. Beim Schlafen braucht
man mich aber nicht. Ich reise dann weit, weit fort in ein fernes
Land. Dort wohnen auch Menschen: Vaeter, Muetter und viele brave
Kinder. Wenn ich zu diesen komme, haben sie ausgeschlafen. Vater und
Mutter stehen dann auf und arbeiten, und die groesseren Kinder gehen in
die Schule, um zu lernen.
_Kind_: Ei, ei! Und wenn du bei diesen Menschen gewesen bist,
wohin gehst du hernach?
_Sonne_: Wenn ich dort gewesen bin, komme ich wieder zu dir, wie
an jedem Morgen. So reise ich zu allen Menschen auf der ganzen Erde.
36. SONNE UND REGEN.
  Die Sonne sprach: "Ich will scheinen
  So fort und immerfort!"
  Der Regen sprach: "Ich will fallen
  Ohn' Ende an jedem Ort!"
  Die Sonne: "Du machst ja alles
  Auf der Erde gang nass!"
  Der Regen: "Du machst zu trocken,
  Wenn$
die Schwester nicht
anhoeren. Sie fing an zu weinen. Da warnte der Bruder: "Nicht weinen,
sonst fallen deine Traenen auf den Boden!" "Nein," sagte die
Schwester, "ich hab' sie mit der Hand aufgefangen. Aber ich muss
weinen." Nun wurde auch der Bruder ganz traurig. Auch er weinte
einige Traenen. Doch die Traenen fielen in das Bett. Die Schwester
fragte: "Wie lange willst du noch Koenig bleiben? Ich will nicht mehr
Prinzessin sein. Ich will heim!" Der Bruder sagte: "Ja, zu Hause bei
Vater und Mutter ist es doch schoener!" Da liessen sie beide grosse
Traenen auf den Boden fallen. Es donnerte, und die Kinder fielen aus
Nun kamen die kleinen Maenner wieder. Sie waren sehr traurig und
brachten die Geschwister zurueck zu der grossen Tanne im Wald. Da
schliefen Bruder und Schwester bald ein. Als sie die Augen oeffneten,
war es heller Tag, aber der rote Mantel und das himmelblaue Kleid
Waren verschwunden.
Da kamen auch schon die Eltern. Die freuten sich sehr, ihre Kinder
wieder zu haben. Die Geschwister waren ebenso f$

Wenn eine Ruth mich auch nicht fassen mag,
Wie haette sie's gelernt beim aehrenlesen,
Die Makkabaeerin wird mich verstehn!
Du konntest mich in Jericho nicht kuessen,
Du wirst es koennen in Jerusalem!
        (Er kuesst sie.)
Und wenn der Kuss dich doch gereuen sollte,
So hoere, was dich mir versoehnen wird:
Ich habe ihn zum Abschied mir genommen,
Und dieser Abschied kann fuer ewig sein!
         Ja! Antonius laesst mich rufen,
Doch, ob auch wiederkehren, weiss ich nicht!
Du weisst es nicht?
Weil ich nicht weiss, wie hart
Mich meine--deine Mutter bei ihm verklagte!
(Mariamne will reden.)
Gleichviel! Ich werd's erfahren. Eins nur muss ich
Aus deinem Munde wissen, wissen muss ich,
Ob ich und wie ich mich verteid'gen soll.
       O Mariamne, frage nicht!
Du kennst den Zauber, der mich an dich knuepft,
Du weisst, dass jeder Tag ihn noch verstaerkte,
Du musst es ja empfinden, dass ich jetzt
Nicht fuer mich kaempfen kann, wenn du mir nicht
Versicherst, dass dein Herz noch fuer mich schlaegt!
Oh, sag mir, wie, ob fe$
i!
Nach Alexandria--ins Grab--Gleichviel!
Doch eins zuvor! Eins! Erd' und Himmel, hoert's!
Mir schwurst du nichts, dir will ich etwas schwoeren:
Ich stell dich unters Schwert. Antonius,
Wenn er mich deinetwegen fallen laesst,
Und deiner Mutter wegen tut er's nicht!
Soll sich betruegen, sei's auch zweifelhaft,
Ob mir das Kleid, das mich im Sterben deckt,
Mit in die Grube folgt, weil mir ein Dieb
Es ja noch stehlen kann, du sollst mir folgen!
Das steht nun fest! Wenn ich nicht wiederkehre,
So stirbst du! Den Befehl lass ich zurueck!
Befehl! Da stoesst ein boeser Punkt mir auf:
Was sichert mich, dass man mir noch gehorcht,
Wenn man mich nicht mehr fuerchtet? Oh, es wird
Sich einer finden, denk ich, der vor ihr
Zu zittern hat!
Fuenfte Szene
              Dein Schwaeher!
                            Ist willkommen!
Das ist mein Mann! Dem reiche ich mein Schwert
Und hetz ihn dann durch Feigheit in den Mut
So tief hinein, bis er es braucht, wie ich!
Joseph (tritt ein).
Ich hoere, dass du gleich nach Alexandrien
Zu ge$
d vermaledeit!...
Tauch unter, Schwan, und aus der Welle Schoss
Erstehe doppelt blank und makellos!...
Du laechelst Deinem Knecht belohnend zu,
In goldne Himmelsglorie schwindest Du..."
XLI Fiebernacht
Der Morgen graut--des Pilgers Staette leer?
Beim Hahnenruf verschwand gespenstisch er!
Was ich geschaut, ist's Wahrheit? War es Traum?
Schlief mit dem Teufel ich im gleichen Raum?
Es war ein Spuk! Es war ein Fieberwahn!
Die welsche Fratze hat mir's angetan!
Nein, Wahrheit war's! Kein Morgenwind verweht
Das andachtsvoll irrsinnige Gebet!...
Was quael' ich mich? Unfaehig ist der Tat
Ein Froemmler! Doch ein Spanier? Ein Soldat?
Kein Moenchlein ist's, in Muessiggang erschlafft,
Er hat des Kriegers Zucht und Willenskraft.
Er ist ein Schwaermer! Voller Selbstbetrug!
Daneben ist er wie die Hoelle klug!
Ein Weib vergoettern--Aberwitz und Schmach--
Von Even stammend, die den Apfel brach!
Dem Weibe schmeicheln ist der Schlange List!
Ich Hutten weiss, was an den Weibern ist!
Der Wahrheit Trotz und Zorn und Fehdelust
Hat k$
llen fuer die Tat nimmt, so
verdiente sie, wegen der vorzueglichen Wichtigkeit ihres Gegenstandes,
allerdings diesen Ehrennamen. Jetzt bringt es der Modeton des
Zeitalters so mit sich, ihre alle Verachtung zu beweisen und die
Matrone klagt, verstossen und verlassen, wie Hecuba: modo maxima
rerum, tot generis natisque potens - nunc trahor exul, inops - Ovid.
Anfaenglich war ihre Herrschaft unter der Verwaltung der Dogmatiker,
despotisch. Allein, weil die Gesetzgebung noch die Spur der alten
Barbarei an sich hatte, so artete sie durch innere Kriege nach und
nach in voellige Anarchie aus und die Skeptiker, eine Art Nomaden, die
allen bestaendigen Anbau des Bodens verabscheuen, zertrennten von Zeit
zu Zeit die buergerliche Vereinigung. Da ihrer aber zum Glueck nur
wenige waren, so konnten sie nicht hindern, dass jene sie nicht immer
aufs neue, obgleich nach keinem unter sich einstimmigen Plane, wieder
anzubauen versuchten. In neueren Zeiten schien es zwar einmal, als
sollte allen diesen Streitigkeiten durch eine $
ltigen der Anschauung verstehen, d.i. ein
Objekt derselben denken kann. Diese Einteilung ist systematisch aus
einem gemeinschaftlichen Prinzip, naemlich dem Vermoegen zu urteilen,
(welches ebensoviel ist, als das Vermoegen zu denken,) erzeugt,
und nicht rhapsodistisch, aus einer auf gut Glueck unternommenen
Aufsuchung reiner Begriffe entstanden, deren Vollzaehligkeit man
niemals gewiss sein kann, da sie nur durch Induktion geschlossen wird,
ohne zu gedenken, dass man noch auf die letztere Art niemals einsieht,
warum denn gerade diese und nicht andere Begriffe dem reinen Verstande
beiwohnen. Es war ein eines scharfsinnigen Mannes wuerdiger Anschlag
des Aristoteles, diese Grundbegriffe aufzusuchen. Da er aber kein
Prinzipium hatte, so raffte er sie auf, wie sie ihm aufstiessen, und
trieb deren zuerst zehn auf, die er Kategorien (Praedikamente) nannte.
In der Folge glaubte er noch ihrer fuenfe aufgefunden zu haben, die er
unter dem Namen der Postpraedikamente hinzufuegte. Allein seine Tafel
blieb noch immer mang$
Objekt ganz von vorne anfangen, ohne dass die vorige damit im
geringsten zusammenhaenge, oder im Zeitverhaeltnisse stehen koennte.
Den leeren Raum will ich hierdurch gar nicht widerlegen; denn der mag
immer sein, wohin Wahrnehmungen gar nicht reichen, und also keine
empirische Erkenntnis des Zugleichseins stattfindet; er ist aber
alsdann fuer alle unsere moegliche Erfahrung gar kein Objekt.
Zur Erlaeuterung kann folgendes dienen. In unserem Gemuete muessen
alle Erscheinungen, als in einer moeglichen Erfahrung enthalten,
in Gemeinschaft (communio) der Apperzeption stehen, und sofern die
Gegenstaende als zugleich existierend verknuepft vorgestellt werden
sollen, so muessen sie ihre Stelle in einer Zeit wechselseitig
bestimmen, und dadurch ein Ganzes ausmachen. Soll diese subjektive
Gemeinschaft auf einem objektiven Grunde beruhen, oder auf
Erscheinungen als Substanzen bezogen werden, so muss die Wahrnehmung
der einen, als Grund, die Wahrnehmung der anderen, und so umgekehrt,
moeglich machen, damit die Sukzessio$
hin an,
obgleich der Zeit nach diese Begebenheit nur die Fortsetzung einer
vorhergehenden Reihe ist. Denn diese Entschliessung und Tat liegt gar
nicht in der Abfolge blosser Naturwirkungen, und ist nicht eine blosse
Fortsetzung derselben, sondern die bestimmenden Naturursachen hoeren
oberhalb derselben, in Ansehung dieser Ereignis, ganz auf, die zwar
auf jene folgt, aber daraus nicht erfolgt, und daher zwar nicht der
Zeit nach, aber doch in Ansehung der Kausalitaet, ein schlechthin
erster Anfang einer Reihe von Erscheinungen genannt werden muss.
Die Bestaetigung von der Beduerfnis der Vernunft, in der Reihe der
Naturursachen sich auf einen ersten Anfang aus Freiheit zu berufen,
leuchtet daran sehr klar in die Augen: dass (die epikurische Schule
ausgenommen) alle Philosophen des Altertums sich gedrungen sahen, zur
Erklaerung der Weltbewegungen einen ersten Beweger anzunehmen, d.i.
eine freihandelnde Ursache, welche diese Reihe von Zustaenden zuerst
und von selbst anfing. Denn aus blosser Natur unterfangen sie $
o weit ich
auch zurueckgegangen bin, niemals ein empirischer Grund angetroffen
werde, die Reihe irgendwo fuer begrenzt zu halten, so dass ich
berechtigt und zugleich verbunden bin, zu jedem der Urvaeter
noch fernerhin seinen Vorfahren aufzusuchen, obgleich eben nicht
vorauszusetzen.
Ich sage demnach: wenn das Ganze in der empirischen Anschauung gegeben
worden, so geht der Regressus in der Reihe seiner inneren Bedingungen
ins Unendliche. Ist aber nur ein Glied der Reihe gegeben, von welchem
der Regressus zur absoluten Totalitaet allererst fortgehen soll: so
findet nur ein Rueckgang in unbestimmte Weise (in indefinitum) statt.
So muss von der Teilung einer zwischen ihren Grenzen gegebenen Materie
(eines Koerpers) gesagt werden: sie gehe ins Unendliche. Denn diese
Materie ist ganz, folglich mit allen ihren moeglichen Teilen, in der
empirischen Anschauung gegeben. Da nun die Bedingung dieses Ganzen
sein Teil, und die Bedingung dieses Teils der Teil vom Teile usw. ist,
und in diesem Regressus der Dekomposition nie$
t, und dann muesst ihr euren Regressus nicht fuer vollendet
halten, oder habt eine solche eure Reihe begrenzende Wahrnehmung, so
kann diese nicht ein Teil eurer zurueckgelegten Reihe sein, (weil das,
was begrenzt, von dem, was dadurch begrenzt wird, unterschieden sein
muss,) und ihr muesst also euren Regressus auch zu dieser Bedingung
weiter fortsetzen, und so fortan.
Der folgende Abschnitt wird diese Bemerkungen durch ihre Anwendung in
ihr gehoeriges Licht setzen.
Der Antinomie der reinen Vernunft
Neunter Abschnitt
Von dem empirischen Gebrauche des regulativen Prinzips der Vernunft,
in Ansehung aller kosmologischen Ideen
Da es, wie wir mehrmalen gezeigt haben, keinen transzendentalen
Gebrauch so wenig von reinen Verstandes- als Vernunftbegriffen
gibt, da die absolute Totalitaet der Reihen der Bedingungen in
der Sinnenwelt sich lediglich auf einen transzendentalen Gebrauch
der Vernunft fusst, welche diese unbedingte Vollstaendigkeit von
demjenigen fordert, was sie als Ding an sich selbst voraussetzt; da
die S$
risch, mithin auch in
Ansehung der Welt, als eines Gegenstandes der Sinne, schlechterdings
unmoeglich. Ich werde auch nicht sagen: der Regressus von einer
gegebenen Wahrnehmung an, zu allen dem, was diese im Raume sowohl, als
der vergangenen Zeit, in einer Reihe begrenzt, geht ins Unendliche;
denn dieses setzt die unendliche Weltgroesse voraus; auch nicht:
sie ist endlich; denn die absolute Grenze ist gleichfalls empirisch
unmoeglich. Demnach werde ich nichts von dem ganzen Gegenstande der
Erfahrung (der Sinnenwelt), sondern nur von der Regel, nach welcher
Erfahrung ihrem Gegenstande angemessen, angestellt und fortgesetzt
werden soll, sagen koennen.
Auf die kosmologische Frage also, wegen der Weltgroesse, ist die erste
und negative Antwort: die Welt hat keinen ersten Anfang der Zeit und
keine aeusserste Grenze dem Raume nach.
Denn im entgegengesetzten Falle wuerde sie durch die leere Zeit
einer-, und durch den leeren Raum andererseits begrenzt sein. Da sie
nun, als Erscheinung, keines von beiden an sich selbs$
 war, dass nicht in unserer
Willkuer eine Kausalitaet liege, unabhaengig von jenen Naturursachen
und selbst wider ihre Gewalt und Einfluss etwas hervorzubringen, was
in der Zeitordnung nach empirischen Gesetzen bestimmt ist, mithin eine
Reihe von Begebenheiten ganz von selbst anzufangen.
Es geschieht also hier, was ueberhaupt indem Widerstreit einer sich
ueber die Grenzen moeglicher Erfahrung hinauswagenden Vernunft
angetroffen wird, dass die Aufgabe eigentlich nicht physiologisch,
sondern transzendental ist. Daher die Frage von der Moeglichkeit der
Freiheit die Psychologie zwar anficht, aber, da sie auf dialektischen
Argumenten der bloss reinen Vernunft beruht, samt ihrer Aufloesung
lediglich die Transzendentalphilosophie beschaeftigen muss. Um nun
diese, welche eine befriedigende Antwort hierueber nicht ablehnen
kann, dazu in Stand zu setzen, muss ich zuvoerderst ihr Verfahren bei
dieser Aufgabe durch eine Bemerkung naeher zu bestimmen suchen.
Wenn Erscheinungen Dinge an sich selbst waeren, mithin Raum und
$
erlichen
Schlussart, welche nicht allein fuer den gemeinen, sondern auch den
spekulativen Verstand die meiste Ueberredung bei sich fuehrt; wie sie
denn auch sichtbarlich zu allen Beweisen der natuerlichen Theologie
die ersten Grundlinien zieht, denen man jederzeit nachgegangen ist und
ferner nachgehen wird, man mag sie nun durch noch so viel Laubwerk
und Schnoerkel verzieren und verstecken, als man immer will. Diesen
Beweis, den Leibniz auch den a contingentia mundi nannte, wollen wir
jetzt vor Augen stellen und der Pruefung unterwerfen.
Er lautet also: Wenn etwas existiert, so muss auch ein schlechterdings
notwendiges Wesen existieren. Nun existiere, zum mindesten, ich
selbst: also existiert ein absolut notwendiges Wesen. Der Untersatz
enthaelt eine Erfahrung, der Obersatz die Schlussfolge aus einer
Erfahrung ueberhaupt auf das Dasein des Notwendigen.* Also hebt der
Beweis eigentlich von der Erfahrung an, mithin ist er nicht gaenzlich
a priori gefuehrt, oder ontologisch, und weil der Gegenstand aller
moeglic$
 gar nicht
denken koennen), sondern auf die Sinnenwelt, aber als einen Gegenstand
der reinen Vernunft in ihrem praktischen Gebrauche, und ein corpus
mysticum der vernuenftigen Wesen in ihr, sofern deren freie Willkuer
unter moralischen Gesetzen sowohl mit sich selbst, als mit jedes
anderen Freiheit durchgaengige systematische Einheit an sich hat.
Das war die Beantwortung der ersten von den zwei Fragen der reinen
Vernunft, die das praktische Interesse betrafen: Tue das, wodurch du
wuerdig wirst, gluecklich zu sein. Die zweite fraegt nun: wie, wenn
ich mich nun so verhalte, dass ich der Glueckseligkeit nicht unwuerdig
sei, darf ich auch hoffen, ihrer dadurch teilhaftig werden zu koennen?
Es kommt bei der Beantwortung derselben darauf an, ob die Prinzipien
der reinen Vernunft, welche a priori das Gesetz vorschreiben, auch
diese Hoffnung notwendigerweise damit verknuepfen.
Ich sage demnach: dass ebensowohl, als die moralischen Prinzipien nach
der Vernunft in ihrem praktischen Gebrauche notwendig sind, ebenso
notw$
dermann notwendig
gueltiges Urteil aussprechen, als was Ueberzeugung wirkt. Ueberredung
kann ich fuer mich behalten, wenn ich mich dabei wohlbefinde, kann sie
aber und soll sie ausser mir nicht geltend machen wollen.
Das Fuerwahrhalten, oder die subjektive Gueltigkeit des Urteils, in
Beziehung auf die Ueberzeugung (welche zugleich objektiv gilt), hat
folgende drei Stufen: Meinen, Glauben und Wissen. Meinen ist ein
mit Bewusstsein sowohl subjektiv, als objektiv unzureichendes
Fuerwahrhalten. Ist das letztere nur subjektiv zureichend und wird
zugleich fuer objektiv unzureichend gehalten, so heisst es Glauben.
Endlich heisst das sowohl subjektiv als objektiv zureichende
Fuerwahrhalten das Wissen. Die subjektive Zulaenglichkeit heisst
Ueberzeugung (fuer mich selbst), die objektive, Gewissheit (fuer
jedermann). Ich werde mich bei der Erlaeuterung so fasslicher Begriffe
nicht aufhalten.
Ich darf mich niemals unterwinden, zu meinen, ohne wenigstens etwas
zu wissen, vermittelst dessen das an sich bloss problematische$
ische Behandlung der Begriffe in der Philosophie
ueberhaupt. Wir werden also die reinen Begriffe bis zu ihren ersten
Keimen und Anlagen im menschlichen Verstande verfolgen, in denen sie
vorbereitet liegen, bis sie endlich bei Gelegenheit der Erfahrung
entwickelt und durch ebendenselben Verstand, von den ihnen
anhaengenden empirischen Bedingungen befreit, in ihrer Lauterkeit
dargestellt werden.
Der Analytik der Begriffe
Erstes Hauptstueck
Von dem Leitfaden der Entdeckung aller reinen Verstandesbegriffe
Wenn man ein Erkenntnisvermoegen ins Spiel setzt, so tun sich, nach
den mancherlei Anlaessen, verschiedene Begriffe hervor, die dieses
Vermoegen kennbar machen und sich in einem mehr oder weniger
ausfuehrlichen Aufsatz sammeln lassen, nachdem die Beobachtung
derselben laengere Zeit, oder mit groesserer Scharfsinnigkeit
angestellt worden. Wo diese Untersuchung werde vollendet sein, laesst
sich, nach diesem gleichsam mechanischen Verfahren, niemals mit
Sicherheit bestimmen. Auch entdecken sich die Begriffe, die ma$
. Ich werde daher jene die
mathematischen, diese die dynamischen Grundsaetze nennen*. Man wird
aber wohl bemerken: dass ich hier ebensowenig die Grundsaetze der
Mathematik in Einem Falle, als die Grundsaetze der allgemeinen
(physischen) Dynamik im anderen, sondern nur die des reinen Verstandes
im Verhaeltnis auf den inneren Sinn (ohne Unterschied der darin
gegebenen Vorstellungen) vor Augen habe, dadurch denn jene insgesamt
ihre Moeglichkeit bekommen. Ich benenne sie also mehr in Betracht der
Anwendung, als um ihres Inhalts willen, und gehe nun zur Erwaegung
derselben in der naemlichen Ordnung, wie sie in der Tafel vorgestellt
* Alle Verbindung (conjunctio) ist entweder Zusammensetzung
  (compositio) oder Verknuepfung (nexus). Die erstere ist die
  Synthesis des Mannigfaltigen, was nicht notwendig zueinander
  gehoert, wie z.B. die zwei Triangel, darin ein Quadrat durch die
  Diagonale geteilt wird, fuer sich nicht notwendig zueinander
  gehoeren, und dergleichen ist die Synthesis des Gleichartigen in
  allem$
ne
besondere gegeben sein mag,) a priori erkennen laesst; so wuerde
dieses im ausnehmenden Verstande Antizipation genannt zu werden
verdienen, weil es befremdlich scheint, der Erfahrung in demjenigen
vorzugreifen, was gerade die Materie derselben angeht, die man nur aus
ihr schoepfen kann. Und so verhaelt es sich hier wirklich.
Die Apprehension, bloss vermittelst der Empfindung, erfuellt nur
einen Augenblick, (wenn ich naemlich nicht die Sukzession vieler
Empfindungen in Betracht ziehe). Als etwas in der Erscheinung, dessen
Apprehension keine sukzessive Synthesis ist, die von Teilen zur ganzen
Vorstellung fortgeht, hat sie also keine extensive Groesse; der
Mangel der Empfindung in demselben Augenblicke wuerde diesen als leer
vorstellen, mithin = O. Was nun in der empirischen Anschauung der
Empfindung korrespondiert, ist Realitaet (realitas phaenomenon); was
dem Mangel derselben entspricht, Negation = O. Nun ist aber jede
Empfindung einer Verringerung faehig, so dass sie abnehmen, und so
allmaehlich verschwind$
orm eines Begriffs (des
Denkens) ueberhaupt, und dann zweitens auch die Moeglichkeit, ihm
einen Gegenstand zu geben, darauf er sich beziehe, erfordert. Ohne
diesen letzteren hat er keinen Sinn, und ist voellig leer an Inhalt,
ob er gleich noch immer die logische Funktion enthalten mag, aus
etwaigen datis einen Begriff zu machen. Nun kann der Gegenstand einem
Begriffe nicht anders gegeben werden, als in der Anschauung, und, wenn
eine reine Anschauung noch vor dem Gegenstande a priori moeglich ist,
so kann doch auch diese selbst ihren Gegenstand, mithin die objektive
Gueltigkeit, nur durch die empirische Anschauung bekommen, wovon sie
die blosse Form ist. Also beziehen sich alle Begriffe und mit ihnen
alle Grundsaetze, so sehr sie auch a priori moeglich sein moegen,
dennoch auf empirische Anschauungen, d.i. auf data zur moeglichen
Erfahrung. Ohne dieses haben sie gar keine objektive Gueltigkeit,
sondern sind ein blosses Spiel, es sei der Einbildungskraft, oder des
Verstandes, respektive mit ihren Vorstellungen.$
 aller
aeusseren Wahrnehmung sein koenne. Durch blosse Begriffe kann ich
freilich ohne etwas Innerem nichts Aeusseres denken, eben darum, weil
Verhaeltnisbegriffe doch schlechthin gegebene Dinge voraussetzen,
und ohne diese nicht moeglich sind. Aber, da in der Anschauung etwas
enthalten ist, was im blossen Begriffe von einem Dinge ueberhaupt gar
nicht liegt, und dieses das Substratum, welches durch blosse Begriffe
gar nicht erkannt werden wuerde, an die Hand gibt, naemlich, ein Raum,
der, mit allem, was er enthaelt, aus lauter formalen, oder auch realen
Verhaeltnissen besteht, so kann ich nicht sagen: weil, ohne ein
Schlechthininneres, kein Ding durch blosse Begriffe vorgestellt werden
kann, so sei auch in den Dingen selbst, die unter diesen Begriffen
enthalten sind, und ihrer Anschauung nichts Aeusseres, dem nicht etwas
Schlechthininnerliches zum Grunde laege. Denn, wenn wir von allen
Bedingungen der Anschauung abstrahiert haben, so bleibt uns freilich
im blossen Begriffe nichts uebrig, als das Innere ueberh$
 mit blossen Begriffen anfaengt, wohl nicht
anders denken, als dass eines die Ursache von Bestimmungen in dem
anderen sei; denn das ist unser Verstandesbegriff von Verhaeltnissen
selbst. Allein, da wir alsdann von aller Anschauung abstrahieren,
so faellt eine ganze Art, wie das Mannigfaltige einander seinen Ort
bestimmen kann, naemlich die Form der Sinnlichkeit (der Raum), weg,
der doch vor aller empirischen Kausalitaet vorhergeht.
* Wollte man sich hier der gewoehnlichen Ausflucht bedienen: dass
  wenigstens realitates Noumena einander nicht entgegenwirken
  koennen, so muesste man doch ein Beispiel von dergleichen reiner
  und sinnenfreier Realitaet anfuehren, damit man verstaende, ob eine
  solche ueberhaupt etwas oder gar nichts vorstelle. Aber es kann kein
  Beispiel woher anders, als aus der Erfahrung genommen werden, die
  niemals mehr als Phaenomena darbietet, und so bedeutet dieser Satz
  nichts weiter, als dass der Begriff, der lauter Bejahungen enthaelt,
  nichts Verneinendes enthalte; ein Satz, an$
 Spiel der Erscheinungen,
welches nach der blossen Natur regelmaessig und gleichfoermig sein
wuerde, dadurch verwirrt und unzusammenhaengend gemacht wird.
Der Antinomie der reinen Vernunft
Vierter Widerstreit der transzendentalen Ideen
        Thesis
Zu der Welt gehoert etwas, das, entweder als ihr Teil, oder ihre
Ursache, ein schlechthin notwendiges Wesen ist.
        Beweis
Die Sinnenwelt, als das Ganze aller Erscheinungen, enthaelt zugleich
eine Reihe von Veraenderungen. Denn, ohne diese, wuerde selbst die
Vorstellung der Zeitreihe, als einer Bedingung der Moeglichkeit der
Sinnenwelt, uns nicht gegeben sein*. Eine jede Veraenderung aber steht
unter ihrer Bedingung, die der Zeit nach vorhergeht, und unter welcher
sie notwendig ist. Nun setzt ein jedes Bedingte, das gegeben ist, in
Ansehung seiner Existenz, eine vollstaendige Reihe von Bedingungen bis
zum Schlechthinunbedingten voraus, welches allein absolutnotwendig
ist. Also muss etwas Absolutnotwendiges existieren, wenn eine
Veraenderung als seine Folge e$

auftreten lassen, weil das eigentliche spekulative Wissen ueberall
keinen anderen Gegenstand, als den der Erfahrung treffen kann, und,
wenn man ihre Grenze ueberschreitet, die Synthesis, welche neue und
von jener unabhaengige Erkenntnisse versucht, kein Substratum der
Anschauung hat, an welchem sie ausgeuebt werden koennte.
So aber, wenn der Empirismus in Ansehung der Ideen (wie es mehrenteils
geschieht) selbst dogmatisch wird und dasjenige dreist verneint, was
ueber der Sphaere seiner anschauenden Erkenntnisse ist, so faellt
er selbst in den Fehler der Unbescheidenheit, der hier um desto
tadelbarer ist, weil dadurch dem praktischen Interesse der Vernunft
ein unersetzlicher Nachteil verursacht wird.
Dies ist der Gegensatz des Epikureisms* gegen den Platonisms.
* Es ist indessen noch die Frage, ob Epikur diese Grundsaetze als
  objektive Behauptungen jemals vorgetragen habe. Wenn sie etwa weiter
  nichts als Maximen des spekulativen Gebrauchs der Vernunft waren,
  so zeigte er daran einen echteren philosophis$
cht die
Grundfeste der Religion sein kann, so muesse sie doch jederzeit als
die Schutzwehr derselben stehenbleiben, und dass die menschliche
Vernunft, welche schon durch die Richtung ihrer Natur dialektisch
ist, einer solchen Wissenschaft niemals entbehren koennte, die sie
zuegelt, und, durch ein szientifisches und voellig einleuchtendes
Selbsterkenntnis, die Verwuestungen abhaelt, welche eine gesetzlose
spekulative Vernunft sonst ganz unfehlbar, in Moral sowohl als
Religion, anrichten wuerde. Man kann also sicher sein, so sproede,
oder geringschaetzend auch diejenigen tun, die eine Wissenschaft nicht
nach ihrer Natur, sondern allein aus ihren zufaelligen Wirkungen zu
beurteilen wissen, man werde jederzeit zu ihr, wie zu einer mit uns
entzweiten Geliebten zurueckkehren, weil die Vernunft, da es hier
wesentliche Zwecke betrifft, rastlos, entweder auf gruendliche
Einsicht oder Zerstoerung schon vorhandener guter Einsichten arbeiten
Metaphysik also, sowohl der Natur, als der Sitten, vornehmlich die
Kritik der si$
mkeit, zwei Antonine
gefielen mir und so noch einiges.  Im ganzen stehen die Sachen auch
nicht gluecklich, ob man gleich mit ihnen hat aufputzen wollen, und der
Saal oder vielmehr das Gewoelbe ein gutes Ansehn haette, wenn es nur
reinlicher und besser unterhalten waere.  Im Naturalienkabinett fand
ich schoene Sachen aus Tirol, die ich in kleinen Musterstuecken schon
kenne, ja besitze.
Es begegnete mir eine Frau mit Feigen, welche als die ersten
vortrefflich schmeckten.  Aber das Obst ueberhaupt ist doch fuer den
achtundvierzigsten Grad nicht besonders gut.  Man klagt hier durchaus
ueber Kaelte und Naesse.  Ein Nebel, der fuer einen Regen gelten konnte,
empfing mich heute frueh vor Muenchen.  Den ganzen Tag blies der Wind
sehr kalt vom Tiroler Gebirg.  Als ich vom Turm dahin sah, fand ich es
bedeckt und den ganzen Himmel ueberzogen.  Nun scheint die Sonne im
Untergehen noch an den alten Turm, der mir vor dem Fenster steht.
Verzeihung, dass ich so sehr auf Wind und Wetter achthabe: der Reisende
zu Lande, fast s$
ken--und
Schellengelaeute der Heuschrecken ist allerliebst, durchdringend und
nicht unangenehm.  Lustig klingt es, wenn mutwillige Buben mit einem
Feld solcher Saengerinnen um die Wette pfeifen; man bildet sich ein,
dass sie einander wirklich steigern.  Auch der Abend ist vollkommen
milde wie der Tag.
Wenn mein Entzuecken hierueber jemand vernaehme, der in Sueden wohnte, von
Sueden herkaeme, er wuerde mich fuer sehr kindisch halten.  Ach, was ich
hier ausdruecke, habe ich lange gewusst, so lange, als ich unter einem
boesen Himmel dulde, und jetzt mag ich gern diese Freude als Ausnahme
fuehlen, die wir als eine ewige Naturnotwendigkeit immerfort geniessen
Trient, den 10. September, abends.
Ich bin in der Stadt herumgegangen, die uralt ist und in einigen
Strassen neue wohlgebaute Haeuser hat.  In der Kirche haengt ein Bild, wo
das versammelte Konzilium einer Predigt des Jesuitengenerals zuhoert.
Ich moechte wohl wissen, was er ihnen aufgebunden hat.  Die Kirche
dieser Vaeter bezeichnet sich gleich von aussen du$
 Stadt satt gesehen habe.  Die Einsamkeit, nach der ich oft so
sehnsuchtsvoll geseufzt, kann ich nun recht geniessen; denn nirgends
fuehlt man sich einsamer als im Gewimmel, wo man sich allen ganz
unbekannt durchdraengt.  In Venedig kennt mich vielleicht nur ein
Mensch, und der wird mir nicht gleich begegnen.
Venedig, den 28. September 1786.
Wie es mir von Padua hierher gegangen, nur mit wenig Worten: Die Fahrt
auf der Brenta, mit dem oeffentlichen Schiffe in gesitteter
Gesellschaft, da die Italiener sich vor einander in acht nehmen, ist
anstaendig und angenehm.  Die Ufer sind mit Gaerten und Lusthaeusern
geschmueckt, kleine Ortschaften treten bis ans Wasser, teilweise geht
die belebte Landstrasse daran hin.  Da man schleusenweis den Fluss
hinabsteigt, gibt es oefters einen kleinen Aufhalt, den man benutzen
kann, sich auf dem Lande umzusehen und die reichlich angebotenen
Fruechte zu geniessen.  Nun steigt man wieder ein und bewegt sich durch
eine bewegte Welt voll Fruchtbarkeit und Leben.
Zu so viel abwechsel$
, was man klassischen Boden nennt, hat es eine andere
Bewandtnis.  Wenn man hier nicht phantastisch verfaehrt, sondern die
Gegend real nimmt, wie sie daliegt, so ist sie doch immer der
entscheidende Schauplatz, der die groessten Taten bedingt, und so habe
ich immer bisher den geologischen und landschaftlichen Blick benutzt,
um Einbildungskraft und Empfindung zu unterdruecken und mir ein freies,
klares Anschauen der Lokalitaet zu erhalten.  Da schliesst sich denn auf
eine wundersame Weise die Geschichte lebendig an, und man begreift
nicht, wie einem geschieht, und ich fuehle die groesste Sehnsucht, den
Tacitus in Rom zu lesen.
Das Wetter darf ich auch nicht ganz hintansetzen.  Da ich von Bologna
die Apenninen heraufkam, zogen die Wolken noch immer nach Norden,
spaeterhin veraenderten sie ihre Richtung und zogen nach dem
trasimenischen See.  Hier blieben sie hangen, zogen auch wohl gegen
Mittag.  Statt also dass die grosse Plaine des Po den Sommer ueber alle
Wolken nach dem Tiroler Gebirg schickt, sendet sie je$
nen, ja es waere ein eignes Museum entstanden, wenn die Regierung,
die doch erst die Erlaubnis geben muss, wenn ein Altertum ausgefuehrt
werden soll, fest darauf bestanden haette, dass jedesmal ein Abguss
geliefert werden muesse.  Haette aber auch ein Papst solch einen
Gedanken gehabt, alles haette sich widersetzt, denn man waere in wenigen
Jahren erschrocken ueber Wert und Wuerde solcher ausgefuehrten Dinge,
wozu man die Erlaubnis in einzelnen Faellen heimlich und durch allerlei
Mittel zu erlangen weiss.
Den 22. Januar.
Schon frueher, aber besonders bei der Auffuehrung des "Aristodem",
erwachte der Patriotismus unserer deutschen Kuenstler.  Sie unterliessen
nicht, Gutes von meiner "Iphigenia" zu reden, einzelne Stellen wurden
wieder verlangt, und ich fand mich zuletzt zu einer Wiederholung des
Ganzen genoetigt.  Auch da entdeckte ich manche Stelle, die mir
gelenker aus dem Munde ging, als sie auf dem Papier stand.  Freilich
ist die Poesie nicht fuers Auge gemacht.
Dieser gute Ruf erscholl nun bis zu Reiffens$
 will man sich's aber
zueignen, so schwindet's gleichsam unter den Haenden, und wir greifen
nicht nach dem Rechten, sondern nach dem, was wir zu fassen gewohnt
sind.  Nur durch geregelte uebung koennte man vorwaerts kommen, wo aber
sollte ich Zeit und Sammlung finden!  Indessen fuehle ich mich denn
doch durch das leidenschaftliche, vierzehntaegige Streben um vieles
Die Kuenstler belehren mich gerne, denn ich fasse geschwind.  Nun ist
aber das Gefasste nicht gleich geleistet; etwas schnell zu begreifen,
ist ja ohnehin die Eigenschaft des Geistes, aber etwas recht zu tun,
dazu gehoert die uebung des ganzen Lebens.
Und doch soll der Liebhaber, so schwach er auch nachstrebt, sich nicht
abschrecken lassen.  Die wenigen Linien, die ich aufs Papier ziehe,
oft uebereilt, selten richtig, erleichtern mir jede Vorstellung von
sinnlichen Dingen, denn man erhebt sich ja eher zum Allgemeinen, wenn
man die Gegenstaende genauer und schaerfer betrachtet.
Mit dem Kuenstler nur muss man sich nicht vergleichen, sondern nach
sein$
ichen Landungsplatz,
wo kleinere Schiffe anlegen, bis zu dem eigentlichen Hafen an den Molo,
die Station groesserer Schiffe.  Da erhebt sich nun, saemtliche
Fahrzeuge zu schuetzen, in Westen der Monte Pellegrino in seinen
schoenen Formen, nachdem er ein liebliches, fruchtbares Tal, das sich
bis zum jenseitigen Meer erstreckt, zwischen sich und dem eigentlichen
festen Land gelassen.
Die Bucht von Palermo.  Zeichnung von Goethe
Kniep zeichnete, ich schematisierte, beide mit grossem Genuss, und nun,
da wir froehlich nach Hause kommen, fuehlen wir beide weder Kraefte noch
Mut, zu wiederholen und auszufuehren.  Unsere Entwuerfe muessen also fuer
kuenftige Zeiten liegenbleiben, und dieses Blatt gibt euch bloss ein
Zeugnis unseres Unvermoegens, diese Gegenstaende genugsam zu fassen,
oder vielmehr unserer Anmassung, sie in so kurzer Zeit erobern und
beherrschen zu wollen.
Palermo, Mittwoch, den 4. April 1787.
Nachmittags besuchten wir das fruchtreiche und angenehme Tal, welches
die suedlichen Berge herab an Palermo v$
 vorher mit Verwunderung von mir gehoert hatten.
Meine Absicht hatte ich erreicht, und es blieb mir nur noch uebrig,
dieses Abenteuer auf eine schickliche Weise zu endigen.  Ich begab
mich daher des andern Tags gleich nach Tische allein in ihre Wohnung.
Sie verwunderten sich, da ich hineintrat.  Der Brief sei noch nicht
fertig, sagten sie, und einige ihrer Verwandten wuenschten mich auch
kennen zu lernen, welche sich gegen Abend einfinden wuerden.
Ich versetzte, dass ich morgen frueh schon abreisen muesse, dass ich noch
Visiten zu machen, auch einzupacken habe und also lieber frueher als
gar nicht haette kommen wollen.
Indessen trat der Sohn herein, den ich des Tags vorher nicht gesehen
hatte.  Er glich seiner Schwester an Wuchs und Bildung.  Er brachte
den Brief, den man mir mitgeben wollte, den er, wie es in jenen
Gegenden gewoehnlich ist, ausser dem Hause bei einem der oeffentlich
sitzenden Notarien hatte schreiben lassen.  Der junge Mensch hatte ein
stilles, trauriges und bescheidenes Wesen, erkundigte si$
1781
hat dem Gebaeude sehr wohl getan.  Der Steinschnitt, der die Teile
zusammenfuegt, ist einfach, aber schoen.  Die grossen besonderen Steine,
deren Riedesel erwaehnt, konnt' ich nicht finden, sie sind vielleicht
zu Restauration der Saeulen verbraucht worden.
Die Lage des Tempels ist sonderbar: am hoechsten Ende eines weiten,
langen Tales, auf einem isolierten Huegel, aber doch noch von Klippen
umgeben, sieht er ueber viel Land in eine weite Ferne, aber nur ein
Eckchen Meer.  Die Gegend ruht in trauriger Fruchtbarkeit, alles
bebaut und fast nirgends eine Wohnung.  Auf bluehenden Disteln
schwaermten unzaehlige Schmetterlinge.  Wilder Fenchel stand acht bis
neun Fuss hoch verdorret von vorigem Jahr her so reichlich und in
scheinbarer Ordnung, dass man es fuer die Anlage einer Baumschule haette
halten koennen.  Der Wind sauste in den Saeulen wie in einem Walde, und
Raubvoegel schwebten schreiend ueber dem Gebaelke.
Die Muehseligkeit, in den unscheinbaren Truemmern eines Theaters
herumzusteigen, benahm uns die $
ick gewaehrte.
Der Tempel der Konkordia hat so vielen Jahrhunderten widerstanden;
seine schlanke Baukunst naehert ihn schon unserm Massstabe des Schoenen
und Gefaelligen, er verhaelt sich zu denen von Paestum wie Goettergestalt
zum Riesenbilde.  Ich will mich nicht beklagen, dass der neuere
loebliche Vorsatz, diese Monumente zu erhalten, geschmacklos ausgefuehrt
worden, indem man die Luecken mit blendend weissem Gips ausbesserte;
dadurch steht dieses Monument auch auf gewisse Weise zertruemmert vor
dem Auge; wie leicht waere es gewesen, dem Gips die Farbe des
verwitterten Steins zu geben!  Sieht man freilich den so leicht sich
broeckelnden Muschelkalk der Saeulen und Mauern, so wundert man sich dass
er noch so lange gehalten.  Aber die Erbauer, hoffend auf eine
aehnliche Nachkommenschaft, hatten deshalb Vorkehrung getroffen: man
findet noch ueberreste eines feinen Tuenchs an den Saeulen, der zugleich
dem Auge schmeicheln und die Dauer verbergen sollte.
Gebaelkfragment vom Zeustempel in Agrigent (Girgenti).  G$
 wenn man sich wechselsweise gerade heraus
spraeche, was man voneinander erwartet.  Ist das geleistet, so sind
beide Teile zufrieden, und das Gemuetliche, was das Erste und Letzte
von allem ist, erscheint als reine Zugabe.
Unterwegs, am 4., 5. und 6. Juni.
Da ich diesmal allein reise, habe ich Zeit genug, die Eindruecke der
vergangenen Monate wieder hervorzurufen; es geschieht mit vielem
Behagen.  Und doch tritt gar oft das Lueckenhafte der Bemerkungen
hervor, und wenn die Reise dem, der sie vollbracht hat, in einem
Flusse vorueberzuziehen scheint und in der Einbildungskraft als eine
stetige Folge hervortritt, so fuehlt man doch, dass eine eigentliche
Mitteilung unmoeglich sei.  Der Erzaehlende muss alles einzeln hinstellen:
wie soll daraus in der Seele des Dritten ein Ganzes gebildet werden?
Deshalb konnte mir nichts Troestlicheres und Erfreulicheres begegnen
als die Versicherungen eurer letzten Briefe, dass ihr euch fleissig mit
Italien und Sizilien beschaeftigt, Reisebeschreibungen leset und
Kupferwerke be$
ch bin alt genug, und wenn ich noch etwas machen will,
darf ich mich nicht saeumen.  Wie du dir leicht denken kannst, hab' ich
hundert neue Dinge im Kopfe, und es kommt nicht aufs Denken, es kommt
aufs Machen an; das ist ein verwuenschtes Ding, die Gegenstaende
hinzusetzen, dass sie nun einmal so und nicht anders dastehen.  Ich
moechte nun recht viel von der Kunst sprechen, doch ohne die Kunstwerke
was will man sagen?  Ich hoffe, ueber manche Kleinheit wegzuruecken,
drum goennt mit meine Zeit, die ich hier so wunderbar und sonderbar
zubringe, goennt mir sie durch den Beifall eurer Liebe.
Ich muss diesmal schliessen und wider Willen eine leere Seite schicken.
Die Hitze des Tages war gross, und gegen Abend bin ich eingeschlafen.
Rom, den 9. Juli.
Ich will kuenftig einiges die Woche ueber schreiben, dass nicht die Hitze
des Posttags oder ein andrer Zufall mich hindre, euch ein vernuenftiges
Wort zu sagen.  Gestern hab' ich vieles gesehen und wieder gesehen,
ich bin vielleicht in zwoelf Kirchen gewesen, wo die sc$
dass es nur Phrasen waren, die man,
ohne eigentliches Interesse an dem Gegenstande zu finden, aussprach
und behauptete.
Viel schlimmer aber war es, wenn Dante zur Sprache kam.  Ein junger
Mann von Stande und Geist und wirklichem Anteil an jenem
ausserordentlichen Manne nahm meinen Beifall und Billigung nicht zum
besten auf, indem er ganz unbewunden versicherte, jeder Auslaender
muesse Verzicht tun auf das Verstaendnis eines so ausserordentlichen
Geistes, dem ja selbst die Italiener nicht in allem folgen koennten.
Nach einigen Hin--und Widerreden verdross es mich denn doch zuletzt,
und ich sagte, ich muesse bekennen, dass ich geneigt sei, seinen
aeusserungen Beifall zu geben; denn ich habe nie begreifen koennen, wie
man sich mit diesen Gedichten beschaeftigen moege.  Mir komme die
"Hoelle" ganz abscheulich vor, das "Fegefeuer" zweideutig und das
"Paradies" langweilig; womit er sehr zufrieden war, indem er daraus
ein Argument fuer seine Behauptung zog: dies eben beweise, dass ich
nicht die Tiefe und Hoehe diese$
 und der Sophienmoschee.  Auf der reizendsten Spitze von Europa
ist der Wohnort des Grossherrn so lustig angebaut, als man es nur
denken kann.  Hohe und immer respektierte Baeume stehen in grossen,
meist verbundenen Gruppen hintereinander, darunter sieht man nicht
etwa grosse Mauern und Palaeste, sondern Haeuschen, Gitterwerke, Gaenge,
Kiosken, ausgespannte Teppiche, so haeuslich, klein und freundlich
durcheinander gemischt, dass es eine Lust ist.  Da die Zeichnung mit
Farben ausgefuehrt ist, macht es einen gar freundlichen Effekt.  Eine
schoene Strecke Meer bespuelt die so bebaute Kueste.  Gegenueber liegt
Asien, und man sieht in die Meerenge, die nach den Dardanellen fuehrt.
Die Zeichnung ist bei sieben Fuss lang und drei bis vier hoch.
2. Generalaussicht der Ruinen von Palmyra, in derselben Groesse.
Er zeigte uns vorher einen Grundriss der Stadt, wie er ihn aus den
Truemmern herausgesucht.
Eine Kolonnade, auf eine italienische Meile lang, ging vorn Tore durch
die Stadt bis zum Sonnentempel, nicht in ganz g$
h nachzuahmen, und seine
Leichtfertigkeit erregt mehr Lust als Unwillen.  Hier kommt ein
anderer seinesgleichen, der, bescheidner und zufriedner, seine schoene
Haelfte mit sich bringt.
Roemische Masken.  Radierung von Schuetz
Da die Frauen ebensoviel Lust haben, sich in Mannskleidern zu zeigen,
als die Maenner, sich in Frauenskleidern sehen zu lassen, so haben sie
die beliebte Tracht des Pulcinells sich anzupassen nicht verfehlt, und
man muss bekennen, dass es ihnen gelingt, in dieser Zwittergestalt oft
hoechst reizend zu sein.
Mit schnellen Schritten, deklamierend, wie vor Gericht, draengt sich
ein Advokat durch die Menge; er schreit an die Fenster hinauf, packt
maskierte und unmaskierte Spaziergaenger an, droht einem jeden mit
einem Prozess, macht bald jenem eine lange Geschichtserzaehlung von
laecherlichen Verbrechen, die er begangen haben soll, bald diesem eine
genaue Spezifikation seiner Schulden.  Die Frauen schilt er wegen
ihrer Cicisbeen, die Maedchen wegen ihrer Liebhaber; er beruft sich auf
ein Buch$
schieht, obgleich hier
die Menge und andere Umstaende einen grossen Unterschied machen, so will
sich doch niemand sein Recht nehmen lassen, mit einbrechender Nacht
aus der Ordnung zu lenken.
Wenn wir nun auf das ungeheure Gedraenge in dem Korso zurueckblicken und
die fuer einen Augenblick nur gereinigte Rennbahn gleich wieder mit
Volk ueberschwemmt sehen, so scheinet uns Vernunft und Billigkeit das
Gesetz einzugeben, dass eine jede Equipage nur suchen solle, in ihrer
Ordnung das naechste ihr bequeme Gaesschen zu erreichen und so nach Hause
Allein es lenken gleich nach abgeschossenen Signalen einige Wagen in
die Mitte hinein, hemmen und verwirren das Fussvolk, und weil in dem
engen Mittelraume es einem einfaellt, hinunter-, dem andern,
hinaufzufahren, so koennen beide nicht von der Stelle und hindern oft
die Vernuenftigern, die in der Reihe geblieben sind, auch vom Platze zu
Wenn nun gar ein zurueckkehrendes Pferd auf einen solchen Knoten trifft,
so vermehrt sich Gefahr, Unheil und Verdruss von allen Seiten.
U$
te
Helden in der Gelehrsamkeit.
Anton.  Nu, nu, bei allen trifft das wohl nicht ein.  Der Magister in
meinem Dorfe wenigstens gehoert unter die Ausnahme.  Versichert! der
Schulmeister selber hat mir es mehr als einmal gesagt, dass er ein sehr
gelehrter Mann waere.  Und dem Schulmeister muss ich das glauben; denn
wie mir der Herr Pfarr oft gesagt hat, so ist er keiner von den
schlechten Schulmeistern; er versteht ein Wort Latein und kann davon
Damis.  Das ist lustig!  Der Schulmeister also lobt den Pfarr, und der
Pfarr, nicht unerkenntlich zu sein, lobt den Schulmeister.  Wenn mein
Vater zugegen waere, so wuerde er gewiss sagen: Manus manum lavat.  Hast
du ihm die alberne Gewohnheit nicht angemerkt, dass er bei aller
Gelegenheit ein lateinisches Spruechelchen mit einflickt?  Der alte
Idiote denkt, weil er so einen gelehrten Sohn hat, muesse er doch auch
zeigen, dass er einmal durch die Schule gelaufen sei.
Anton.  Hab ich's doch gedacht, dass es etwas Albernes sein muesse; denn
manchmal mitten in der Rede murm$
ch den Narren nicht kommen
heissen.--Ich werde gleich wieder da sein, mein Sohn.
Lisette (beiseite).  Ich muss doch sehen, ob ich aus dem wunderlichen
Einfall meiner Jungfer etwas machen kann.
Vierter Auftritt
Lisette.  Damis.
Damis.  Nun? geht Lisette nicht mit?
Lisette.  Ich bin Ihre gehorsamste Dienerin.  Wenn Sie befehlen, so
werde ich gehorchen.  Aber nur eines moechte ich erst wissen.  Sagen
Sie mir, um des Himmels willen, wie koennen Sie bestaendig so allein
sein?  Was machen Sie denn den ganzen Tag auf Ihrer Studierstube?
Werden Ihnen denn nicht alle Augenblicke zu Stunden?
Damis.  Ach, was nutzen die Fragen?  Fort! fort!
Lisette.  Ueber den Buechern koennen Sie doch unmoeglich die ganze Zeit
liegen.  Die Buecher, die toten Gesellschafter!  Nein, ich lobe mir das
Lebendige; und das ist auch Mamsell Julianens Geschmack.  Zwar dann
und wann lesen wir auch; einen irrenden Ritter, eine Banise, und so
etwas Gutes; aber laenger als eine Stunde halten wir es hintereinander
nicht aus.  Ganze Tage damit zuzubr$
als wenn du schliefest!--
Damis.  Ja, ja, Herr Vater.  Nur eins ist noch dabei zu erwaegen.--
Chrysander.  Du hast recht; freilich ist noch eins dabei zu erwaegen:
ob du dich naemlich geschickt befindest, bald ein oeffentliches Amt
anzunehmen, weil doch--
Damis.  Wie? geschickt? geschickt?  Sie zweifeln also an meiner
Geschicklichkeit?--Wie ungluecklich bin ich, dass ich Ihnen nicht
sogleich die unwidersprechlichsten Beweise geben kann!  Doch es soll
noch diesen Abend geschehen.  Glauben Sie mir, noch diesen Abend.--Die
verdammte Post!  Ich weiss auch nicht, wo sie bleibt.
Chrysander.  Beruhige dich nur, mein Sohn.  Die Frage geschahe eben
aus keinem Misstrauen, sondern bloss weil ich glaube, es schicke sich
nicht, eher zu heiraten, als bis man ein Amt hat; so wie es sich,
sollte ich meinen, auch nicht wohl schickt, eher ein Amt anzunehmen,
als bis man weiss, woher man die Frau bekommen will.
Damis.  Ach, was heiraten? was Frau?  Erlauben Sie mir, dass ich Sie
allein lasse.  Ich muss ihn gleich wieder auf die$
r
einer nachreden, der so dumm ist als du, mein Sohn.  Nimm mir es nicht
uebel, dass ich mit der Sprache herausruecke.  Du bist so ein
eingemachter Narre, so ein Stockfisch--nimm mir's nicht uebel, mein
Sohn--so ein ueberstudierter Pickelhering--aber nimm mir's nicht uebel--
Damis (beiseite).  Bald sollte ich glauben, dass sein erster Handel mit
eingesalznen Fischen gewesen sei.--Schon gut, Herr Vater; von
Julianens Tugend will ich nichts sagen; die Tugend ist oft eine Art
von Dummheit.  Aber was ihren Verstand anbelangt, von dem werden Sie
mir erlauben, dass ich ihn noch immer in Zweifel ziehe.  Ich bin nun
schon eine ziemliche Zeit wieder hier; ich habe mir auch manchmal die
Muehe genommen, ein paar Worte mit ihr zu sprechen: hat sie aber wohl
jemals an meine Gelehrsamkeit gedacht?  Ich mag nicht gelobt sein; so
eitel bin ich nicht; nur muss man den Leuten ihr Recht widerfahren
Fuenfter Auftritt
Chrysander.  Damis.  Valer.
Chrysander.  Gut, gut, Herr Valer, Sie kommen gleich zur rechten
Damis.  Was will der$
e Ursache, die ihn bewogen
hat, mag sein, welche es will; ich weiss doch gewiss, dass es eine Fuegung
des Himmels ist.
Juliane.  Des Himmels oder Lisettens.  Auf einmal faellt mir ein, was
Sie mir von einem Briefe gesagt haben.  Sollte wohl Lisettens allzu
grosse Dienstfertigkeit--
Valer.  Welche Einbildung, liebste Juliane!  Sie weiss es ja, dass Ihre
Tugend in diesen kleinen Betrug nicht willigen wollen.
Juliane.  Gleichwohl, je mehr ich nachdenke--
Valer.  Wenn es nun auch waere, wollten Sie denn deswegen--
Juliane.  Wann es nun auch waere? wie?
Zehnter Auftritt
Lisette.  Valer.  Juliane.
Juliane.  Du koemmst als gerufen, Lisette.
Lisette.  Nun, gehen meine Sachen nicht vortrefflich?  Wollen Sie es
nicht unten mit anhoeren, wie sich Damis und Chrysander zanken?  "Du
sollst sie nicht bekommen; ich muss sie bekommen: ich bin Vater; Sie
haben mir sie versprochen: ich habe mich anders besonnen; ich aber
nicht: so muss es noch geschehen; das ist unmoeglich: unmoeglich oder
nicht; kurz, ich geh nicht ab, ich wil$
el an Fingern und
Handhaben fuer seine Noth. Das gewohnte Entgegenkommen gegen jedes
Ding und Erlebniss, die sonnige und unbefangene Gastfreundschaft,
mit der er Alles annimmt, was auf ihn stoesst, seine Art von
ruecksichtslosem Wohlwollen, von gefaehrlicher Unbekuemmertheit um
Ja und Nein: ach, es giebt genug Faelle, wo er diese seine Tugenden
buessen muss! - und als Mensch ueberhaupt wird er gar zu leicht das
caput mortuum dieser Tugenden. Will man Liebe und Hass von ihm, ich
meine Liebe und Hass, wie Gott, Weib und Thier sie verstehn -: er wird
thun, was er kann, und geben, was er kann. Aber man soll sich nicht
wundern, wenn es nicht viel ist, - wenn er da gerade sich unaecht,
zerbrechlich, fragwuerdig und morsch zeigt. Seine Liebe ist gewollt,
sein Hass kuenstlich und mehr un tour de force, eine kleine Eitelkeit
und Uebertreibung. Er ist eben nur aecht, so weit er objektiv sein
darf: allein in seinem heitern Totalismus ist er noch "Natur" und
"natuerlich". Seine spiegelnde und ewig sich glaettende Seele w$
ather und Moralist und Seher
und "freier Geist" und beinahe Alles gewesen sein, um den Umkreis
menschlicher Werthe und Werth-Gefuehle zu durchlaufen und mit
vielerlei Augen und Gewissen, von der Hoehe in jede Ferne, von der
Tiefe in jede Hoehe, von der Ecke in jede Weite, blicken zu koennen.
Aber dies Alles sind nur Vorbedingungen seiner Aufgabe: diese Aufgabe
selbst will etwas Anderes, - sie verlangt, dass er Werthe schaffe.
Jene philosophischen Arbeiter nach dem edlen Muster Kant's und Hegel's
haben irgend einen grossen Thatbestand von Werthschaetzungen - das
heisst ehemaliger Werthsetzungen, Werthschoepfungen, welche herrschend
geworden sind und eine Zeit lang "Wahrheiten" genannt werden -
festzustellen und in Formeln zu draengen, sei es im Reiche des
Logischen oder des Politischen (Moralischen) oder des Kuenstlerischen.
Diesen Forschern liegt es ob, alles bisher Geschehene und Geschaetzte
uebersichtlich, ueberdenkbar, fasslich, handlich zu machen, alles
Lange, ja "die Zeit" selbst, abzukuerzen und die gan$
befinden, wie ihr es versteht - das ist ja kein Ziel,
das scheint uns ein Ende! Ein Zustand, welcher den Menschen alsbald
laecherlich und veraechtlich macht, - der seinen Untergang wuenschen
macht! Die Zucht des Leidens, des grossen Leidens - wisst ihr nicht,
dass nur diese Zucht alle Erhoehungen des Menschen bisher geschaffen
hat? Jene Spannung der Seele im Unglueck, welche ihr die Staerke
anzuechtet, ihre Schauer im Anblick des grossen Zugrundegehens,
ihre Erfindsamkeit und Tapferkeit im Tragen, Ausharren, Ausdeuten,
Ausnuetzen des Ungluecks, und was ihr nur je von Tiefe, Geheimniss,
Maske, Geist, List, Groesse geschenkt worden ist: - ist es nicht ihr
unter Leiden, unter der Zucht des grossen Leidens geschenkt worden? Im
Menschen ist Geschoepf und Schoepfer vereint: im Menschen ist Stoff,
Bruchstueck, Ueberfluss, Lehm, Koth, Unsinn, Chaos; aber im Menschen
ist auch Schoepfer, Bildner, Hammer-Haerte, Zuschauer-Goettlichkeit
und siebenter Tag: - versteht ihr diesen Gegensatz? Und dass euer
Mitleid dem "Gescho$
der und -Goldstaub der unbewussten
menschlichen Eitelkeit gehoert, und dass auch unter solcher
schmeichlerischen Farbe und Uebermalung der schreckliche Grundtext
homo natura wieder heraus erkannt werden muss. Den Menschen naemlich
zurueckuebersetzen in die Natur; ueber die vielen eitlen und
schwaermerischen Deutungen und Nebensinne Herr werden, welche bisher
ueber jenen ewigen Grundtext homo natura gekritzelt und gemalt wurden;
machen, dass der Mensch fuerderhin vor dem Menschen steht, wie er
heute schon, hart geworden in der Zucht der Wissenschaft, vor der
anderen Natur steht, mit unerschrocknen Oedipus-Augen und verklebten
Odysseus-Ohren, taub gegen die Lockweisen alter metaphysischer
Vogelfaenger, welche ihm allzulange zugefloetet haben: "du bist mehr!
du bist hoeher! du bist anderer Herkunft!" - das mag eine seltsame und
tolle Aufgabe sein, aber es ist eine Aufgabe - wer wollte das leugnen!
Warum wir sie waehlten, diese tolle Aufgabe? Oder anders gefragt:
"warum ueberhaupt Erkenntniss?" - Jedermann wird u$
ch's gemacht?
Hat man's nur erst so weit im Reinen, dass die Gemuether topp machen,
wutsch! nehmen die Koerper ein Exempel; das Gesind macht's der
Herrschaft nach, und der silberne Mond ist am End nur der Kuppler
Frau.  Sieh doch nur erst die praechtigen Buecher an, die der Herr
Major ins Haus geschafft haben.  Deine Tochter betet auch immer draus.
Miller (pfeift).  Hui da!  Betet!  Du hast den Witz davon.  Die rohen
Kraftbruehen der Natur sind Ihro Gnaden zartem Makronenmagen noch zu
hart.--Er muss sie erst in der hoellischen Pestilenzkueche der
Belletristen kuenstlich aufkochen lassen.  Ins Feuer mit dem Quark.
Da saugt mir das Maedel--weiss Gott, was als fuer?--ueberhimmlische
Alfanzereien ein, das laeuft dann wie spanische Mucken ins Blut und
wirft mir die Handvoll Christenthum noch gar auseinander, die der
Vater mit knapper Noth soso noch zusammenhielt.  Ins Feuer, sag' ich.
Das Maedel setzt sich alles Teufelsgezeug in den Kopf; ueber all dem
Herumschwaenzen in der Schlaraffenwelt findet's zuletzt seine $
it, den Major zu besitzen--endlich die Betaeubung ihres
Kopfs, die ich auf mich nehme--es kann nicht fehlen--sie muss in die
Praesident.  Aber mein Sohn?  Wird er nicht auf der Stelle Wind davon
Wurm.  Das lassen Sie meine Sorge sein, gnaediger Herr--Vater und
Mutter werden nicht eher freigelassen, bis die ganze Familie einen
koerperlichen Eid darauf abgelegt, den ganzen Vorgang geheim zu halten
und den Betrug zu bestaetigen.
Praesident.  Einen Eid?  Was wird ein Eid fruchten, Dummkopf?
Wurm.  Nichts bei uns, gnaediger Herr!  Bei dieser Menschenart
Alles--Und sehen Sie nun, wie schoen wir Beide auf diese Manier zum
Ziele kommen werden--Das Maedchen verliert die Liebe des Majors und
den Ruf ihrer Tugend.  Vater und Mutter ziehen gelindere Saiten auf,
und durch und durch weich gemacht von Schicksalen dieser Art,
erkennen sie's noch zuletzt fuer Erbarmung, wenn ich der Tochter durch
meine Hand ihre Reputation wieder gebe.
Praesident (lacht unter Kopfschuetteln).  Ja, ich gebe mich dir
ueberwunden, Schurke!  Das $
n Sie?
Ferdinand.  Fass dieses End' an, sag' ich! sonst wirst du ja fehl
schiessen, Memme!--Wie sie zittert, die Memme!  Du solltest Gott
danken, Memme, dass du zum ersten Mal etwas in deinen Hirnkasten
kriegst.  (Hofmarschall macht sich auf die Beine.)  Sachte! dafuer wird
gebeten sein.  (Er ueberholt ihn und riegelt die Thuer.)
Hofmarschall.  Auf dem Zimmer, Baron?
Ferdinand.  Als ob sich mit dir ein Gang vor den Wall
verlohnte?--Schatz, so knallt's desto lauter, und das ist ja doch
wohl das erste Geraeusch, das du in der Welt machst--Schlag an!
Hofmarschall (wischt sich die Stirn).  Und Sie wollen Ihr kostbares
Leben so aussetzen, junger, hoffnungsvoller Mann?
Ferdinand.  Schlag an, sag' ich.  Ich habe nichts mehr in dieser Welt
Hofmarschall.  Aber ich desto mehr, mein Allervortrefflichster.
Ferdinand.  Du, Bursche?  Was, du?--Der Nothnagel zu sein, wo die
Menschen sich rar machen?  In einem Augenblick siebenmal kurz und
siebenmal lang zu werden, wie der Schmetterling an der Nadel?  Ein
Register zu fuehren$
Brust zu loesen.
(Sie wendet sich zum Grafen.)  Wie stehts mit Eurer linken Hand, Graf
Der Graf vom Strahl.  Mit meiner Hand? mein Fraeulein!  Diese Frage,
Ist mir empfindlicher als ihre Wunde!  Der Sattel wars, sonst nichts,
an dem ich mich Unachtsam stiess, Euch hier vom Pferde hebend.
Graefin.  Ward sie verwundet?--Davon weiss ich nichts.
Kunigunde.  Es fand sich, als wir dieses Schloss erreichten, Dass ihr,
in hellen Tropfen, Blut entfloss.
Der Graf vom Strahl.  Die Hand selbst, seht Ihr, hat es schon
vergessen.  Wenns Freiburg war, dem ich im Kampf um Euch, Dies Blut
gezahlt, so kann ich wirklich sagen: Schlecht war der Preis, um den
er Euch verkauft.
Kunigunde.  Ihr denkt von seinem Werte so--nicht ich.
(Indem sie sich zur Mutter wendet.)  - Doch wie?  Wollt Ihr Euch,
Gnaedigste, nicht setzen?
(Sie holt einen Stuhl, der Graf bringt die andern.  Sie lassen sich
saemtlich nieder.)
Graefin.  Wie denkt Ihr, ueber Eure Zukunft, Fraeulein?  Habt Ihr die
Lag, in die das Schicksal Euch Versetzt, bereits erwogen$
seinen Reisen entdeckte. - Die
    Universitaet Kerepes. - Wie dem Studenten Fabian ein Paar
    Reitstiefel um den Kopf flogen und der Professor Mosch Terpin den
    Studenten Balthasar zum Tee einlud.
Drittes Kapitel: Wie Fabian nicht wusste, was er sagen sollte. -
    Candida und Jungfrauen, die nicht Fische essen duerfen. - Mosch
    Terpins literarischer Tee. - Der junge Prinz.
Viertes Kapitel: Wie der italienische Geiger Sbiocca den Herrn
    Zinnober in den Kontrabass zu werfen drohte, und der Referendarius
    Pulcher nicht zu auswaertigen Angelegenheiten gelangen konnte. -
    Von Maut-Offizianten und zurueckbehaltenen Wundern fuers Haus. -
    Balthasars Bezauberung durch einen Stockknopf.
Fuenftes Kapitel: Wie Fuerst Barsanuph Leipziger Lerchen und Danziger
    Goldwasser fruehstueckte, einen Butterfleck auf die Kasimirhose
    bekam und den Geheimen Sekretaer Zinnober zum Geheimen Spezialrat
    erhob. - Die Bilderbuecher des Doktors Prosper Alpanus. - Wie
    ein Portier den Studenten Fabian in d$
Anspruch nimmt, oder gar Vorstellungen sich mir
aufdraengen, deren Inhalt dem Inhalt jener Wahrnehmung widerspricht. So
bin ich nicht vorbereitet einen Glockenschlag zu hoeren, wenn Gedanken,
die mit dem Glockenschlage in keiner Beziehung stehen, mich ganz und gar
beschaeftigen. Ich bin in noch minderem Grade vorbereitet, jemand eine
bedeutende Leistung vollbringen zu sehen, wenn seine ganze Persoenlichkeit
vielmehr den Eindruck der Unfaehigkeit zu jeder bedeutenden Leistung
Dagegen kann ich mich schon in gewisser Weise auf den Schall vorbereitet
nennen, wenn mich in dem Augenblicke, wo er eintritt, nichts besonders in
Anspruch nimmt, wenn also die Schallwahrnehmung relativ ungehindert in
mir zu stande kommen kann. Ich bin ebenso in gewisser Weise vorbereitet,
die Leistung sich vollziehen zu sehen, wenn ich hinsichtlich der
Leistungsfaehigkeit der Person kein guenstiges, aber auch kein unguenstiges
Vorurteil hege.
Doch ist in diesen Faellen die Bereitschaft noch eine lediglich negative.
Sie kann dann aber in $
f weder ein rein objektiver noch ein
ausschliesslich subjektiver--im oben ausgefuehrten Sinne--sein. Dies kann
er aber nur sein, wenn er _zugleich_ ein objektiver und ein subjektiver
ist. Dieser Art ist der Gegensatz der _Standpunkte_, den ich schon vorhin
bei Besprechung der _Hecker_'schen Aufstellungen als fuer die Komik des
Naiven wesentlich bezeichnete.
Ich stelle jetzt in einem Beispiele alle drei Moeglichkeiten der Komik
einander gegenueber. Muenchhausen erzaehle die bekannte Geschichte, wie er
sich selbst am Schopfe aus dem Sumpf gezogen habe. Ein Erwachsener glaube
die Geschichte. Ein Kind frage, ob die Geschichte denn wahr sei. Hier ist
die Glaeubigkeit des Erwachsenen objektiv komisch. Als Erwachsener erhebt
er den Anspruch genuegend urteilsfaehig zu sein, um die Luege zu
durchschauen. An die Stelle der vorausgesetzten Urteilsfaehigkeit tritt
die thatsaechliche Unfaehigkeit. Dagegen ist die Erzaehlung selbst ein Witz.
Sie besitzt fuer uns im ersten Momente einen Schein der Wahrheit oder
Wahrscheinli$
ntspringt,
Des Wellen fort durch einen Graben glitten.
Mehr trueb' als schwarz ist seine Flut und bringt,
Wenn man ihr folgt, hinab zu rauhen Wegen,
Durch die man mit Beschwerde niederdringt.
Dann qualmt ein Sumpf, mit Namen Styx, entgegen
Dort, wo der traur'ge Fluss vom Laufe ruht,
Am Fuss des greulichen Gestad's gelegen.
Dort stand ich nun und sah nach jener Flut,
Und jaeh im Sumpfe Leute, kot'ge, nackte,
Zugleich des Jammers Bilder und der Wut.
Man schlug sich nicht mit Faeusten nur, man hackte
Mit Haupt und Brust und Fuessen auf sich ein,
Indem man wild sich mit den Zaehnen packte.
Mein Meister sprach: "Sohn, sieh in dieser Pein
Die Seelen derer, so der Zorn bezwungen.
Auch unterm Wasser muessen viele sein;
Und wenn ein Seufzer ihnen sich entrungen.
Dann steigen Blasen auf von ihrer Not,
Drum sieh von Kreisen diese Flut durchschwungen.
Und immer rufen sie, versenkt im Kot:
Wir waren elend einst im Sonnenschimmer
Und hegten Groll und Tuecke bis zum Tod,
Und elend sind wir nun im Schlamm noch immer.
Dies Li$
 ich dich!"
Kein schoener Gruss ward zwischen uns verschwiegen.
Und er: "Wann bist du aus dem weiten Meer
Am Fusse dieses Berges ausgestiegen?"
"Heut morgen kam ich aus der Hoelle her",
Entgegnet' ich, "und bin im ersten Leben,
Doch suche hier des kuenftigen Gewaehr."
Und wie ich ihnen den Bescheid gegeben,
Da fuhr Sordell und er zurueck, verstoert,
Als halt' ein Wunder ploetzlich sich begeben,
Der dem Virgil, der einem zugekehrt,
Der dorten sass, am gruenen Talgestade:
"Auf, Konrad, sieh, was uns der Herr beschert."
Und drauf zu mir: "Erwies besondre Gnade
Dir der, des erster Grund verborgen ruht,
Wohin kein Geist je findet Furt und Pfade,
So sag' einst jenseits dieser weiten Flut
Meiner Johanna, dass sie fuer mich flehe,
Zu ihm, der nach dem Fleh'n der Unschuld tut.
Nicht liebt die Mutter wohl mich noch wie ehe,
Da sie den Witwenschleier abgelegt,
Nach dem sie bald sich sehnt in ihrem Wehe.
An ihr sieh, wie ein Weib zu lieben pflegt,
Wenn ihre Liebesglut nicht um die Wette
Jetzt Anschau'n, jetzt Betastung, $
chend die Erinnrung fragen:
Wonach ich gruebelnd je gespaeht?--wie hier.
Nicht fragen duerft' ich, denn er ging von hinnen,
Und nichts erklaeren koennt' ich selber mir;
So ging ich schuechtern fort in tiefem Sinnen.
Einundzwanzigster Gesang
Der Durst, den die Natur gegeben hat,
Den nur das Wasser stillt, um dessen Gnade
Die Samariterin den Heiland bat,
Verzehrte mich, und auf verengtem Pfade
Trieb Eile mich, dem Fuehrer nachzuzieh'n,
Voll Gram, dass Schuld uns so mit Leid belade.
Und sieh, wie Kunde Lukas uns verlieh'n,
Dass Christus zween, die unterweges waren,
Erstanden aus dem Grabgewoelb', erschien;
So uns ein Schatten--hinter uns, die Scharen,
Dort ausgestreckt, betrachtend, ging er fort
Und liess sich sprechend erst von uns gewahren.
"Gott geb' euch Frieden, Brueder!" war sein Wort,
Das ploetzlich hin zu ihm uns beide kehrte;
Und ziemend dankt' ihm mein getreuer Hort
Und sprach: "Zu denen, so der Herr verklaerte,
Versetz' er dich, zu jenem sel'gen Chor,
Des Frieden er auf ewig mir verwehrte."
Und jener $
amm' entgingen.
"Gesegnete des Vaters, kommt!" so sprach
Die Stimm' aus einem Licht, dort aufgegangen,
Bei dessen Anschau'n mir das Auge brach.
"Die Sonne geht, der Abend kommt"--so klangen
Die Toene fort--"nicht weilt, beeilt den Lauf,
Bevor den Westen dunkles Grau umfangen."
G'rad' durch den Felsen ging der Weg hinauf,
Und, ostwaerts steigend, hielt vor meinen Tritten
Ich die schon matten Sonnenstrahlen auf.
Und als wir wenig Stufen aufgeschritten,
Bemerkten wir am Schatten, der verging,
Sol, uns im Ruecken, sei ins Meer geglitten.
Eh gleiches Grau den Horizont umfing
In allen seinen unermessnen Teilen,
Eh Nacht um alles ihren Schleier hing,
Da musst' auf einer Stufe jeder weilen,
Die uns zum Bett ward, denn die Zeit benahm
Die Macht mehr, als die Lust, empor zu eilen.
Gleichwie die Ziegenherde, satt und zahm,
Im Schatten wiederkaeut in stillem Brueten,
Die, hungrig, jaehen Sprungs zur Hoehe kam,
Wenn nun im Mittagsbrand die Luft' entgluehten,
Indes der Hirt den Stab zur Stuetze macht,
Und dorten steht, ges$
r fuer zehen, zu verkuenden;
Nein die, zu kaempfen mit der irren Welt,
Durch jenen Samen, dem die Baeum' entspringen,
Die, zweimal zwoelf, sich um dich her gestellt,
Die Pflichten des Apostels zu vollbringen,
Strebt' auf sein Will' und seine Wissenschaft,
Gleich Stroemen, die aus tiefer Ader Springen.
Und ihre Wellen stuerzten grausenhaft
Auf ketzerisch Gestruepp, es auszubrechen,
Und mit dem Widerstand wuchs ihre Kraft.
Er gab darauf den Ursprung manchen Baechen,
Die hinzieh'n durch der Kirche Gartenland,
Drob ihre Baeume schoenre Frucht versprechen--
Wenn so ein Rad des Kriegeswagens stand,
Auf dem den Kampf die heil'ge Kirche wagte,
Als sie die innern Meut'rer ueberwand,
So muss dir jetzt, wie hoch das andre ragte
An Trefflichkeit, vollkommen deutlich sein,
Und was von ihm dir Thomas Gutes sagte.
Allein das Gleis haelt jetzo niemand ein,
Das in den Grund der Schwung des Rades praegte,
Und Essig wird, was vormals suesser Wein.
Die Schar, die seiner Spur zu folgen pflegte,
Hat jetzt der Fuesse Stellung ganz $
esen,
Und dir geziemt's, von solcher langen Pein
Durch gute Werk' ihn schneller zu erloesen.
Florenz, im alten Umkreis, eng und klein,
Woher man jetzt noch Terzen hoert und Nonen,
War damals friedlich, nuechtern, keusch und rein.
Nicht Kettchen hatt' es damals noch, nicht Kronen,
Nicht reichgeputzte Frau'n--kein Guertelband,
Das sehenswerter war als die Personen.
Bei der Geburt des Toechterleins empfand
Kein Vater Furcht, weil man zur Mitgift immer,
So wie zur Zeit, die rechten Masse fand.
Und oede, leere Haeuser gab's da nimmer;
Nicht zeigte dort noch ein Sardanapal,
Was man vermag in Ueppigkeit der Zimmer.
Nicht uebertroffen ward der Montemal
Von dem Uccellatojo noch im Prangen,
Und wie im Steigen, also einst im Fall.
Ich sah vom schlichten Ledergurt umfangen
Bellincion Berti noch und sah sein Weib
Vom Spiegel gehn mit ungeschminkten Wangen.
Ich sah ein unverbraemtes Wams am Leib
Des Nerli und des Vecchio--und den Frauen
War Spill' und Rocken froher Zeitvertreib.
Gluecksel'ge Fraun! In eurer Heimat Auen
War$
, vom dunklen Umriss nur betoert,
Umsonst sich mueht, die Bilder zu erlangen,
Als ich dies Wort, so wert des Danks, gehoert,
Dass in dem Buch, das den vergangnen Dingen
Gewidmet ist, es keine Zeit zerstoert.
Und moechten mit mir alle Zungen singen,
Die von der hohen Pierinnen Schar
Die reinste Milch zum Labetrunk empfingen,
Doch stellt' ich's nicht zum Tausendteile dar,
Wie hold ihr heil'ges Laecheln, wie entzuendet
In lauterm Glanz ishr heil'ges Wesen war.
Und so, da's Paradieses Lust verkuendet,
Muss jetzo springen mein geweiht Gedicht,
Gleich dem, der seinen Weg durchschnitten findet.
Doch wer bedenkt des Gegenstands Gewicht,
Und dass es schwache Menschenschultern tragen,
Der schilt mich, wenn ich drunter zittre, nicht.
Durch Wogen, die mein kuehnes Fahrzeug schlagen,
Darf sich kein Schiffer, scheu vor Not und Mueh'n,
Darf sich kein kleiner schwanker Nachen wagen.
"Was macht mein Blick dich so in Lieb entglueh'n,
Um nicht zum schoenen Garten hinzusehen,
Wo unter Christi Strahlen Blumen blueh'n.
Die Rose si$
pfung Wo und Wann und Wie
Erkennst du--nun, so dass in dem Gehoerten
Dir schon dreifache Labung angedieh.
Allein bevor man zwanzig zaehlt' empoerten
Die Engel sich zum Teil, so dass sie nun
Im Fall der Elemente traegstes stoerten.
Die Bleibenden begannen drauf das Tun,
Das du erkennst, so selig in Entzuecken,
Dass sie in ihrem Kreislauf nimmer ruh'n.
Grund war des Falls, dass jener sich beruecken
Von frevlem Hochmut liess, der dir erschien,
Dort, wo auf ihn des Weltalls Buerden druecken--
Die du bei Gott hier siehest, sah'n auf ihn
Bescheiden und mit Dank fuer seine Gaben,
Da er nur Kraft zu solchem Schau'n verlieh'n.
Drum wurden sie zum Schauen so erhaben
Durch Gnadenlicht und ihr Verdienst gestellt,
Dass sie vollkommen festen Willen haben.
Und zweifelfrei verkuend' es einst der Welt:
Verdienstlich ist's, die Gnade zu empfangen,
Je wie sich offen ihr die Lieb' erhaelt.
Jetzt, wenn ins Herz dir meine Lehren drangen,
Errennst du ganz den englischen Verein
Und brauchst nicht andre Hilfe zu verlangen.
Doch weil $
chal fliegt wieder fort.
Lulu.  So steig nur heraus, du tapfres Hasenherz, hier sind wir
schon in Sicherheit.
Fanfu.  Nun, Schnecke, streck' den Kopf heraus.
Zitternadel (steckt den Kopf heraus).  Wo sind wir denn?  Ich muss
erst meine Gliedmassen alle zusamm'suchen.  (steigt aus, die Genien
helfen ihm.) So, ich dank' untertaenigst, das sind halt Kinderln,
wie die Tauberln.  Au weh, so ein Erdbeben moecht' ich mir bald
wieder ausbitten.  Ich schau' beim Fenster hinaus in meiner
Schuldlositaet, auf einmal fangt's zum krachen an, als wenn die
ganze Welt ein Schubladkasten waer', der in der Mitte
voneinanderspringt, und ich stuerz' ueber den siebenten Stock
hinunter, die zwei Kinderln fangen mich aber auf und fliegen mit
mir davon.  Kaum sind wir in der Hoeh', macht es einen Plumpser, und
die ganze Stadt rutscht aus und fallt ins Wasser hinein.  Der arme
Dichter hat sich eintunkt mit seiner Weisheit.  O ungluecksel'ger Tag!
 Weil nur ich nicht ins Wasser g'fallen bin, die Schneiderfischeln
haetten's trieben.  Ue$
 Schmerze, sondern von der aeussern Last gewirket worden.
Der ebenso oft umschlungene Hals wuerde die pyramidalische Zuspitzung
der Gruppe, welche dem Auge so angenehm ist, gaenzlich verdorben haben;
und die aus dieser Wulst ins Freie hinausragende spitze
Schlangenkoepfe haetten einen so ploetzlichen Abfall von Mensur gehabt,
dass die Form des Ganzen aeusserst anstoessig geworden waere.  Es gibt
Zeichner, welche unverstaendig genug gewesen sind, sich demohngeachtet
an den Dichter zu binden.  Was denn aber auch daraus geworden, laesst
sich unter andern aus einem Blatte des Franz Cleyn 3) mit Abscheu
erkennen.  Die alten Bildhauer uebersahen es mit einem Blicke, dass
ihre Kunst hier eine gaenzliche Abaenderung erfordere.  Sie verlegten
alle Windungen von dem Leibe und Halse, um die Schenkel und Fuesse.
Hier konnten diese Windungen, dem Ausdrucke unbeschadet, so viel
decken und pressen, als noetig war.  Hier erregten sie zugleich die
Idee der gehemmten Flucht und einer Art von Unbeweglichkeit, die der
kuenstlich$
ines Pferdes und auf
seine Waffen verwandte.  (Sat.  XI. v. 100 bis 107.)
  Tunc rudis et Grajas mirari nescius artes
  Urbibus eversis praedarum in parte reperta
  Magnorum artificum frangebat pocula miles,
  Ut phaleris gauderet equus, caelataque cassis
  Romuleae simulacra ferae mansuescere jussae
  Imperii fato, geminos sub rupe Quirinos,
  Ac nudam effigiem clipeo fulgentis et hasta
  Pendentisque dei perituro ostenderet hosti.
Der Soldat zerbrach die kostbarsten Becher, die MeisterstUecke grosser
Kuenstler, um eine WOelfin, einen kleinen Romulus und Remus daraus
arbeiten zu lassen, womit er seinen Helm ausschmueckte.  Alles ist
verstAendlich, bis auf die letzten zwei Zeilen, in welchen der Dichter
fortfaehrt, noch ein solches getriebenes Bild auf den Helmen der alten
Soldaten zu beschreiben.  So viel sieht man wohl, dass dieses Bild der
Gott Mars sein soll; aber was soll das Beiwort pendentis, welches er
ihm gibt, bedeuten?  Rigaltius fand eine alte Glosse, die es durch
quasi ad ictum se inclinantis erk$
 Dichters selbst gelten.  He uses
PURE equivocally, to signify either chaste or empty; and has given in
this line what he esteemed the true character of descriptive poetry,
as it is called.  A composition, in his opinion, as absurd as a feast
made up of sauces.  The use of a pictoresque imagination is to
brighten and adorn good sense; so that to employ it only in
description, is like children's delighting in a prism for the sake of
its gaudy colours; which when frugally managed, and artifully
disposed, rnight be made to represent and illustrate the noblest
objects in nature.  Sowohl der Dichter als Kommentator scheinen zwar
die Sache mehr auf der moralischen als kunstmaessigen Seite betrachtet
zu haben.  Doch desto besser, dass sie von der einen ebenso nichtig
als von der andern erscheinet.}
{6. Poetique francaise.  T. II. p. 501. J'ecrivais ces reflexions
avant que les essais des Allemands dans ce genre (l'eglogue) fussent
connus parmi nous.  Ils ont execute ce que j'avais concu; et s'ils
parviennent a donne$
 483. Zeile, und gehet bis zur 489.;
das zweite von 490-509; das dritte von 510-540; das vierte von
541-549; das fuenfte von 550-560; das sechste von 561-572; das
siebente von 573-586; das achte von 587-589; das neunte von 590 bis
605; und das zehnte von 606-608. Bloss das dritte Gemaelde hat die
angegebenen Eingangsworte nicht: es ist aber aus den bei dem zweiten,
en de duw poihse poleiV, und aus der Beschaffenheit der Sache selbst,
deutlich genug, dass es ein besonders Gemaelde sein muss.}
Pope liess sich die Einteilung und Zeichnung des Boivin nicht allein
gefallen, sondern glaubte noch etwas ganz Besonders zu tun, wenn er
nunmehr auch zeigte, dass ein jedes dieser so zerstueckten Gemaelde nach
den strengsten Regeln der heutiges Tages ueblichen Malerei angegeben
sei.  Kontrast, Perspektiv, die drei Einheiten; alles fand er darin
auf das beste beobachtet.  Und ob er schon gar wohl wusste, dass
zufolge guter glaubwuerdiger Zeugnisse, die Malerei zu den Zeiten des
Trojanischen Krieges noch in der Wiege gewese$
 der niedlichen Hand.  Aber bei dem Dichter
sehe ich nichts, und empfinde mit Verdruss die Vergeblichkeit meiner
besten Anstrengung, etwas sehen zu wollen.
In diesem Punkte, in welchem Virgil dem Homer durch Nichtstun
nachahmen koennen, ist auch Virgil ziemlich gluecklich gewesen.  Auch
seine Dido ist ihm weiter nichts als pulcherrima Dido.  Wenn er ja
umstAendlicher etwas an ihr beschreibet, so ist es ihr reicher Putz,
ihr praechtiger Aufzug:
  Tandem progreditur--
  Sidoniam picto chlamydem circumdata limbo:
  Cui pharetra ex auro, crines nodantur in aurum,
  Aurea purpuream subnectit fibula vestem 8).
{8. Aeneid. IV. v. 136.}
Wollte man darum auf ihn anwenden, was jener alte KUenstler zu einem
Lehrlinge sagte, der eine sehr geschmueckte Helena gemalt hatte, "da
du sie nicht schOen malen koennen, hast du sie reich gemalt": so wuerde
Virgil antworten, "es liegt nicht an mir, dass ich sie nicht schoen
malen koennen; der Tadel trifft die Schranken meiner Kunst; mein Lob
sei, mich innerhalb diesen Schranken geh$
Es ist
falsch, dass Longin so etwas jemals gesagt hat.  Er sagt etwas
Aehnliches von der Beredsamkeit und Dichtkunst, aber keinesweges von
der Dichtkunst und Malerei.  WV d' eteron ti h rhtorikh jantasia
bouletai, kai eteron h para poihtaiV, ouk an laJoi se, schreibt er an
seinen Terentian 1); oud' oti thV men en poihsei teloV estin ekplhxiV,
thV d' en logoiV enargeia.  Und wiederum: Ou mhn alla ta men para
toiV poihtaiV muJikwteran ecei thn uperekptwsin, kai panth to piston
uperairousan- thV de rhtorikhV jantasiaV, kalliston aei to emprakton
kai enalhJeV. Nur Junius schiebt, anstatt der Beredsamkeit, die
Malerei hier unter; und bei ihm war es, nicht bei dem Longin, wo Herr
Winckelmann gelesen hatte 2): Praesertim cum poeticae phantasiae
finis sit ekplhxiV, pictoriae vero, enargeia.  Kai ta men para toiV
poihtaiV, ut loquitur idem Longinus, usw.  Sehr wohl; Longins Worte,
aber nicht Longins Sinn!
{1. Peri uyouV. tmhma id'.  Edit. T. Fabri. p. 36. 39.}
{2. De pictura vet. lib. I. cap. 4. p. 33.}
Mit folgender $
 am Boden.)
Libussa. Noch einmal nenn ich klug dich und auch edel.
Bleib hier! Es will das Volk bestimmte Sprueche.
Was mir der Geist, in Ahnungen verhuellt
Und in Erinnrung an des Vaters Weisheit'
Mit unbewiesner Sicherheit verkuendet,
Sie wollen's pruefen, wollen es begreifen
Und ihres eignen Richters Richter sein.
Sei du der Uebertrager meiner Worte,
Kleid ihnen ein wie's ihrer Fassung ziemt,
Was ich errate mehr, als fasslich denke,
Und erst als heilsam sich als wahr bewaehrt.
Primislaus. Du bist umworben von des Landes Hoechsten,
Bald steht ein Gatte, Fuerstin, neben dir.
Mein Leben und mein Blut sind dir erboetig;
Doch dien ich keinem Mann.
Libussa. So glaubst du wirklich,
Die Toren traefe jemals meine Wahl?
Primislaus. Doch wenn das Land nun unterstuetzt die Werbung?
Libussa. So wirb auch du, ob hoffnungslos wie sie.
Primislaus. Sie sind, noch einmal, dieses Landes Beste.
Ich bin der Letzten einer, ohne Schutz.
Libussa. Du bist so machtlos nicht als du wohl glaubst.
Weisst du?--Und eben deshalb kam ich $
