 diese Vermutung
unterdrckt haben, wenn nicht zur Beruhigung des Zuschauers etwas htte
geschehen mssen.
Selbst der "Polyeukt" des Corneille ist, in Absicht auf beide
Anmekungen, tadelhaft; und wenn es seine Nachahmungen immer mehr
geworden sind, so drfte die erste Tragdie, die den Namen einer
christlichen verdienet, ohne Zweifel noch zu erwarten sein. Ich meine ein
Stck, in welchem einzig der Christ als Christ uns interessierst.--Ist
ein solches Stck aber auch wohl mglich? Ist der Charakter des wahren
Christen nicht etwa ganz untheatralisch? Streiten nicht etwa die stille
Gelassenheit, die unvernderliche Sanftmut, die seine wesentlichsten Zge
sind, mit dem ganzen Geschfte der Tragdie, welches Leidenschaften durch
Leidenschaften zu reinigen sucht? Widerspricht nicht etwa seine Erwartung
einer belohnenden Glckseligkeit nach diesem Leben der Uneigenntzigkeit,
mit welcher wir alle groe und gute Handlungen auf der Bhne unternommen
und vollzogen zu sehen wnschen?
Bis ein Werk des Genies, von dem ma$
e und Lebhaftigkeit oder nach den mancherlei
Vermischungen mit andern verwandten Leidenschaften, ertnen lassen und in
uns zu erwecken suchen. Die Anfangssymphonie war vollkommen von dieser
Beschaffenheit; das Ungestme des ersten Satzes zerfliet in das Klagende
des zweiten, welches sich in dem dritten zu einer Art vo feierlichen
Wrde erhebet. Ein Tonknstler, der sich in seinen Symphonien mehr
erlaubt, der mit jedem Satze den Affekt abbricht, um mit dem folgenden
einen neuen ganz verschiednen Affekt anzuheben, und auch diesen fahren
lt, um sich in einen dritten ebenso verschiednen zu werfen; kann viel
Kunst, ohne Nutzen, verschwendet haben, kann berraschen, kann betuben,
kann kitzeln, nur rhren kann er nicht. Wer mit unserm Herzen sprechen
und sympathetische Regungen in ihm erwecken will, mu ebensowohl
Zusammenhang beobachten, als wer unsern Verstand zu unterhalten und zu
belehren denkt. Ohne Zusammenhang, ohne die innigste Verbindung aller und
jeder Teile ist die beste Musik ein eitler Sandhaufen, $
us dem G-dur mit Waldhrnern, durch Flten und Hoboen, auch den
Grundba mitspielende Fagotte verstrkt, drckt den durch Zweifel und
Furcht unterbrochenen, aber immer noch sich wieder erholenden Stolz
dieses treulosen und herrschschtigen Ministers aus.
In dem dritten Akte erscheint das Gespenst. Ich habe, bei Gelegenheit der
ersten Vorstellung, bereits angemerkt, wie wenig Eindruck Voltaire diese
Erscheinung auf die Anwesenden machen lt. Aber der Tonknstler hat
sich, wie billig, daran nicht gekehrt; er holt es nach, was der Dichter
unterlassen hat, und ein Allegro aus dem E-moll, mit der nmlichen
Instrumentenbesetzung des Vorhergehenden, nur da E-Hrner mit G-Hrnern
verschiedentlich abwechseln, schildert kein stummes und trges Erstaunen,
sondern die wahre wilde Bestrzung, welche eine dergleichen Erscheinung
unter dem Volke verursachen mu.
Die Bengstigung der Semiramis im vierten Aufzuge erweckt unser Mitleid;
wir bedauern die Reuende, so schuldig wir auch die Verbrecherin wissen.
Bedauern und Mit$
ere Roxelane it seiner Liebe
wrdig; wir fangen sogar in dem Augenblicke an zu frchten, er mchte die
nicht genug lieben, die er uns zuvor viel zu sehr zu lieben schien, er
mchte sie bei ihrem Worte fassen, der Liebhaber mchte den Despoten
wieder annehmen, sobald sich die Liebhaberin in die Sklavin schickt,
eine kalte Danksagung, da sie ihn noch zu rechter Zeit von einem so
bedenklichen Schritte zurckhalten wollen, mchte anstatt einer feurigen
Besttigung seines Entschlusses erfolgen, das gute Kind mchte durch
ihre Gromut wieder auf einmal verlieren, was sie durch mutwillige
Vermessenheiten so mhsam gewonnen: doch diese Furcht ist vergebens,
und das Stck schliet sich zu unserer vlligen Zufriedenheit.
Und nun, was bewog den Favart zu dieser Vernderung? Ist sie blo
willkrlich, oder fand er sich durch die besondern Regeln der Gattung,
in welcher er arbeitete, dazu verbunden? Warum gab nicht auch Marmontel
seiner Erzhlung diesen vergngendern Ausgang? Ist das Gegenteil von dem,
was dort eine Schn$
einer so schnen Erfindung. Voici la premire
Tragi-Comedie, ou, pour mieux dire, le premier pome du Thtre qui a
port ce titre--Garnier ne connaissait pas assez les finesses de l'art
qu'il professait; tenons-lui cependant compte d'avoir le premier, et sans
les seours des Anciens, ni de ses contemporains, fait entrevoir une
ide, qui n'a pas t inutile  beaucoup d'Auteurs du dernier sicle.
Garniers "Bradamante" ist von 1582, und ich kenne eine Menge weit frhere
spanische und italienische Stcke, die diesen Titel fhren.
Sechsundfunfzigstes Stck
Den 13. November 1767
Aber wiederum auf die Ohrfeige zu kommen.--Einmal ist es doch nun so, da
eine Ohrfeige, die ein Mann von Ehre von seinesgleichen oder von einem
Hhern bekmmt, fr eine so schimpfliche Beleidigung gehalten wird, da
alle Genugtuung, die ihm die Gesetze dafr verschaffen knnen, vergebens
ist. Sie will nicht von einem dritten bestraft, sie will von dem
Beleidigten selbst gerchet, und auf eine ebenso eigenmchtige Art
gerchet sein, als s$
Dar la vida por su Dama o el Conde de Sex"; de un Ingenio de esta
    Las dos columnas bellas
    Meti dentro del ro, y como al verlas
    Vi un cristal en el rio desatado,
    Y v cristal en ellas condensado,
    No supe si las aguas que se van
    Eran sus pis, que lquidos corran,
    O si sus dos columnas se formaban
    De las aguas, que all se conjelaban.
Diese hnlichkeit treibtder Dichter noch weiter, wenn er beschreiben
will, wie die Dame, das Wasser zu kosten, es mit ihrer hohlen Hand
geschpft und nach dem Munde gefhrt habe. Diese Hand, sagt er, war dem
klaren Wasser so hnlich, da der Flu selbst fr Schrecken zusammenfuhr,
weil er befrchtete, sie mchte einen Teil ihrer eignen Hand mittrinken.
    Quiso probar a caso
    El agua, y fueron cristalino vaso
    Sus manos, acerclas a los labios,
    Y entonces el arroyo llor agravios,
    Y como tanto, en fin, se pareca
    A sus manos aquello que beba,
    Tem con sobresalto (y no fu en vano)
    Que se bebiera parte de la mano.
    $
fr einen unglcklichen Bsewicht nur auf eine
gewisse Gattung der ihn treffenden bel einschrnken. "Solche Zuflle des
Lasterhaften", sagt er, "die weder Schrecken noch Mitleiden in uns
wirken, mssen Folgen seines Lasters sein: denn treffen sie ihn zufllig,
oder wohl gar unschuldig, so behlt er in dem Herzen der Zuschauer die
Vorrechte der Menschlichkeit, als welche auch einem unschuldig leidenden
Gottlosen ihr Mitleid nicht versaget." Aber er scheinet dieses nicht
genug berlegt zu haben. Denn auch dann noch, wenn das Unglck, welches
dekn Bsewicht befllt, eine unmittelbare Folge seines Verbrechens ist,
knnen wir uns nicht entwehren, bei dem Anblicke dieses Unglcks mit ihm
"Seht jene Menge", sagt der Verfasser der "Briefe ber die Empfindungen",
"die sich um einen Verurteilten in dichten Haufen drnget. Sie haben alle
Greuel vernommen, die der Lasterhafte begangen; sie haben seinen Wandel
und vielleicht ihn selbst verabscheuet. Itzt schleppt man ihn entstellt
und ohnmchtig auf das entsetzliche Scha$
len, erfodert weniger Kunst, und ist deren Sache, welche die
Vorstellung des Stcks bernommen."
Wie entbehrlich berhaupt die theatralischen Verzierungen sind, davon
will man mit den Stcken des Shakespeares eine sonderbare Erfahrung
gehabt haben. Welche Stcke brauchten, wegen ihrer bestndigen
Unterbrechung und Vernderung des Orts, des Beistandes der Szenen und der
ganzen Kunst des Dekorateurs, wohl mehr, als eben diese? Gleichwohl war
eine Zeit, wo die Bhnen, auf welchen sie gespielt wurden, aus nichts
bestanden, als aus einem Vorhange von schlechtem groben Zeuge, der, wenn
er aufgezogen war, die bloen blanken, hchstens mit Matten oder Tapeten
behangenen Wnde zeigte; da war nichts als die Einbildung, was dem
Verstndnisse des Zuschauers und der Ausfhrung des Spielers zu Hilfe
kommen konnte: und demohngeachtet, sagt man, waren damals die Stcke des
Shakespeares ohne alle Szenen verstndlicher, als sie es hernach mit
denselben gewesen sind.[1]
Wenn sich also der Dichter um die Verzierung gar nicht zu$
nen Vater gar nicht lieb.
Ich mte es lgen, wenn ich es sagen wollte.
Leander. Unmenschlicher Sohn! Du bedenkst nicht, was du sagst.
Denjenigen nicht lieben, der dir das Leben gegeben hat! So sprichst
du itzt, da du ihn noch leben siehst. Aber verliere ihn einmal;
hernach will ich dich fragen.
Lykast. Hm! ch wei nun eben nicht, was da geschehen wrde. Auf
allen Fall wrde ich wohl auch so gar unrecht nicht tun. Denn ich
glaube, er wrde es auch nicht besser machen. Er spricht ja fast
tglich zu mir: 'Wenn ich dich nur los wre! wenn du nur weg wrest!'
Heit das Liebe? Kannst du verlangen, da ich ihn wieder lieben soll?"
Auch die strengste Zucht mte ein Kind zu so unnatrlichen Gesinnungen
nicht verleiten. Das Herz, das ihrer, aus irgendeiner Ursache, fhig ist,
verdienst nicht anders als sklavisch gehalten zu werden. Wenn wir uns des
ausschweifenden Sohnes gegen den strengen Vater annehmen sollen: so
mssen jenes Ausschweifungen kein grundbses Herz verraten; es mssen
nichts als Ausschweifungen des T$
Selbst der dramatische, wenn er sich zu dem Poebel herablaesst,
laesst sich nur darum zu ihm herab, um ihn zu erleuchten und zu bessern;
nicht aber ihn in seinen Vorurteilen, ihn in seiner unedeln Denkungsart
zu bestaerken.
Zweites Stueck
Den 5. Mai 1767
Noch eine Anmerkung, gleichfalls das christliche Trauerspiel betreffend,
wuerde ueber die Bekehrung der Clorinde zu machen sein. So ueberzeugt wir
auch immer von den unmittelbaren Wirkungen der Gnade sein moegen, so wenig
koennen sie uns doch auf dem Theater gefallen, wo alles, was zu dem
Charakter der Personen gehoeret, aus den natuerlichsten Ursachen
entspringen muss. Wunder dulden wir da nur in der physikalischen Welt; in
der moralischen muss alles seinen ordentlichen Lauf behalten, weil das
Theater die Schule der moralischen Wel sein soll. Die Bewegungsgruende zu
jedem Entschlusse, zu jeder Aenderung der geringsten Gedanken und
Meinungen, muessen, nach Massgebung des einmal angenommenen Charakters,
genau gegeneinander abgewogen sein, und jene muessen nie $
t allmaehlich
das Spiel seiner Glieder wieder in Gang. Nur auf dem Gesichte bleiben,
waehrend der Reflexion, die Spuren des Affekts; Miene und Auge sind noch
in Bewegung und Feuer; denn wir haben Miene und Auge nicht so urploetzlich
in unserer Gewalt, als Fuss und Hand. Und hierin dann, in diesen
ausdrueckenden Mienen, in diesem entbrannten Auge und in dem Ruhestande
des ganzen uebrigen Koerpers, bestehet die Mischung von Feuer und Kaelte,
mit welcher ich glaube, dass die Moral in heftigen Situationen gesprochen
Mit ebendieser Mischung will sie auch in ruhigen Situationen|gesagt sein;
nur mit dem Unterschiede, dass der Teil der Aktion, welcher dort der
feurige war, hier der kaeltere, und welcher dort der kaeltere war, hier der
feurige sein muss. Naemlich: da die Seele, wenn sie nichts als sanfte
Empfindungen hat, durch allgemeine Betrachtungen diesen sanften
Empfindungen einen hoehern Grad von Lebhaftigkeit zu geben sucht, so wird
sie auch die Glieder des Koerpers, die ihr unmittelbar zu Gebote stehen,
dazu b$
t. Es koemmt nur auf seine Kunst
an, diesen Samen zum Keimen zu brinen; nur auf gewisse Handgriffe, den
Gruenden fuer ihre Wirklichkeit in der Geschwindigkeit den Schwung zu
geben. Hat er diese in seiner Gewalt, so moegen wir in gemeinem Leben
glauben, was wir wollen; im Theater muessen wir glauben, was Er will.
So ein Dichter ist Shakespeare, und Shakespeare fast einzig und allein.
Vor seinem Gespenste im "Hamlet" richten sich die Haare zu Berge, sie
moegen ein glaeubiges oder unglaeubiges Gehirn bedecken. Der Herr von
Voltaire tat gar nicht wohl, sich auf dieses Gespenst zu berufen; es
macht ihn und seinen Geist des Ninus--laecherlich.
Shakespeares Gespenst koemmt wirklich aus jener Welt; so duenkt uns. Denn
es koemmt zu der feierlichen Stunde, in der schaudernden Stille der Nacht,
in der vollen Begleitung aller der duestern, geheimnisvollen Nebenbegriffe,
wenn und mit welchen wir, von der Amme an, Gespenster zu erwarten und zu
denken gewohnt sind. Aber Voltairens Geist ist auch nicht einmal zum
Popanze gu$
hen Herze so schmeichelhaft ist.
Mit einem Worte: keine einzige Rolle dieses Trauerspiels ist, was sie
sein sollte; alle sind verfehlt; und gleichwohl hat es gefallen. Woher
dieses Gefallen? Offenbar aus der Situation der Personen, die fuer sich
selbst ruehrend ist.--Ein grosser Mann, den man auf das Schafott fuehret,
wird immer interessieren; die Vorstellung seines Schicksals macht, auch
ohne alle Hilfe der Poesie, Eindruck; ungefaehr eben den Eindruck, den die
Wirklichkeit selbst machen wuerde."
So viel liegt fuer den tragischen Dichter an der Wahl des Stoffes. Durch
diese allein koennen die schwaechsten, verwirrtesten Stuecke eine Art von
Glueck machen; und ich weiss nicht, wie es koemmt, dass es immer solche
Stuecke sind, in welchen sich gute Akteurs am vorteilhaftesten zeigen.
Selten wird ein Meisterstueck so meisterhaft vorgestellt, als es
geschrieben ist; das Mittelmaessige faehrt mit ihnen immer besser.
Vielleicht, weil sie in dem Mittelmaessigen mehr von dem ihrigen hinzutun
koennen; vielleicht, weil$
rden ihr die stolzen Stellen vortrefflich gelingen;
aber wie steht es mit den zaertlichen? Ist ihre Figur hingegen weniger
imponierend; herrscht in ihren Mienen Sanftmut, in ihren Augen ein
bescheidnes Feuer, in ihrer Stimme mehr Wohlklang als Nachdruck; ist in
ihrer Bewegung mehr Anstand und Wuerde, als Kraft und Geist: so wird sie
den zaertlichen Stellen die voelligste Ge.nuege leisten; aber auch den
stolzen? Sie wird sie nicht verderben, ganz gewiss nicht; sie wird sie
noch genug absetzen; wir werden eine beleidigte zuernende Liebhaberin in
ihr erblicken; nur keine Elisabeth nicht, die Manns genug war, ihren
General und Geliebten mit einer Ohrfeige nach Hause zu schicken. Ich
meine also, die Aktricen, welche die ganze doppelte Elisabeth uns gleich
taeuschend zu zeigen vermoegend waeren, duerften noch seltner sein, als die
Elisabeths selber; und wir koennen und muessen uns begnuegen, wenn eine
Haelfte nur recht gut gespielt und die andere nicht ganz verwahrloset wird.
Madame Loewen hat in der Rolle der Elis$
ueber das Bewusstsein befinden, auch uns koenne ein aehnlicher
Strom dahinreissen, Dinge zu begehen, die wir bei kaltem Gebluete noch so
weit von uns entfernt zu sein glauben.--Und schlaegt der Dichter diesen
Weg ein, sagt ihm sein Genie, dass er darauf nicht schimpflich ermatten
werde: so ist mit eins auch jene magere Kuerze seiner Fabel verschwunden;
es bekuemmert ihn nun nicht mehr, wie er mit so wenigen Vorfaellen fuenf
Akte fuellen wolle; ihm ist nur bange, dass fuenf Akte alle den Stoff nicht
fassen werden, der sich unter seiner Bearbeitung aus sic selbst immer
mehr und mehr vergroessert, wenn er einmal der verborgnen Organisation
desselben auf die Spur gekommen und sie zu entwickeln verstehet.
Hingegen dem Dichter, der diesen Namen weniger verdienet, der weiter
nichts als ein witziger Kopf, als ein guter Versifikateur ist, dem, sage
ich, wird die Unwahrscheinlichkeit seines Vorwurfs so wenig anstoessig
sein, dass er vielmehr eben hierin das Wunderbare desselben zu finden
vermeinet, welches er auf keine$
 den Namen einer Verbesserung. Die naemlich, durch welche er
den wiederholten Versuch der Merope, sich an dem vermeinten Moerder ihres
Sohnes zu raechen, unterdrueckt und dafuer die Erkennung von seiten des
Aegisth, in Gegenwart des Polyphonts, geschehen laesst. Hier erkenne ich
den Dichter, und besonders ist die zweite Szene des vierten Akts ganz
vortrefflich. Ich wuenschte nur, dass die Erkennung ueberhaupt, die in der
vierten Szene des dritten Akts von beiden Seiten erfolgen zu muessen ds
Ansehen hat, mit mehrerer Kunst haette geteilet werden koennen. Denn dass
Aegisth mit einmal von dem Eurikles weggefuehret wird und die Vertiefung
sich hinter ihm schliesst, ist ein sehr gewaltsames Mittel. Es ist nicht
ein Haar besser, als die uebereilte Flucht, mit der sich Aegisth bei dem
Maffei rettet, und ueber die Voltaire seinen Lindelle so spotten laesst.
Oder vielmehr, diese Flucht ist um vieles natuerlicher; wenn der Dichter
nur hernach Sohn und Mutter einmal zusammen gebracht und uns nicht
gaenzlich die ersten$
te verstaendlich machen wollen.
Ich wenigstens bekenne, dass ich gar nicht absehe, wo Fontenelle mit
diesem Raetsel hingewollt. Ich glaube, er hat sich versprochen; oder
Trublet hat sich verhoert.
Wenn indes, nach der Meinung dieser Maenner, der Stoff der "Frauenschule"
so besonders gluecklich ist und Moliere in der Ausfuehrung desselben nur zu
kurz gefallen: so haette sich dieser auf das ganze Stueck eben nicht viel
einzubilden gehabt. Denn der Stoff ist nicht von ihm; sondern teils aus
einer spanischen Erzaehlung, die man bei dem Scarron unter dem Titel "Die
vergebliche Vorsicht" findet, teils aus den "Spasshaften Naechten" des
Straparolle genommen, wo ein Liebhaber einem seiner Freunde alle Tage
vertrauet, wie weit er mit seiner Geliebten gekommen, ohne zu wissen, dass
dieser Freund sein Nebenbuhler ist.
"Die Frauenschule", sagt der Herr von Voltaire, "war ein Stueck von einer
ganz neuen Gattung, worin zwar alles nur Erzaehlung, aber doch so
kuenstliche Erzaehlung ist, dass alles Handlung zu sein scheinet$
 ist. Die Erzaehlungen
naemlich sind in diesem Stuecke, vermoege der innern Verfassung desselben,
wirkliche Handlung; sie haben alles, was zu eier komischen Handlung
erforderlich ist; und es ist blosse Wortklauberei, ihnen diesen Namen hier
streitig zu machen.[6] Denn es koemmt ja weit weniger auf die Vorfaelle an,
welche erzaehlt werden, als auf den Eindruck, welchen diese Vorfaelle auf
den betrognen Alten machen, wenn er sie erfaehrt. Das Laecherliche dieses
Alten wollte Moliere vornehmlich schildern; ihn muessen wir also
vornehmlich sehen, wie er sich bei dem Unfalle, der ihm drohet, gebaerdet;
und dieses haetten wir so gut nicht gesehen, wenn der Dichter das, was er
erzaehlen laesst, vor unsern Augen haette vorgehen lassen, und das, was er
vorgehen laesst, dafuer haette erzaehlen lassen. Der Verdruss, den Arnolph
empfindet; der Zwang, den er sich antut, diesen Verdruss zu verbergen; der
hoehnische Ton, den er annimmt, wenn er dem weitern Progresse des Horaz
nun vorgebauet zu haben glaubet; das Erstaunen, $
enhaendiger Name?
Essex. Allerdings ist er es.
Der Kanzler. Hat der Herzog von Alanzon Sie, in dem Zimmer der Blanca,
nicht ausdruecklich den Tod der Koenigin beschliessen hoeren?
Essex. Was er gehoert hat, hat er freilich gehoert.
Der Kanzler. Sahe die Koenigin, als sie erwachte, nicht die Pistole in
Ihrer Hand? Gehoert die Pistole, auf der Ihr Name gestochen, nicht
Essex. Ich kann es nicht leugnen.
Der Kanzler. So sind Sie ja schuldig.
Essex. Das leugne ich.
Der Kanzler. Nun, wie kamen Sie denn dazu, dass Sie den Brief an den
Roberto schrieben?
Essex. Ich weiss nicht.
Der Kanzler. Wie kam es denn, dass der Herzog den verraeterischen
Vorsatz aus Ihrem eignen Munde vernehmen musste?
Essex. Weil es der Himmel so wollte.
Der Kanzler. Wie kam es denn, dass sich das moerderische Werkzeug in
Ihren Haenden fand?
Esex. Weil ich viel Unglueck habe.
Der Kanzler. Wenn alles das Unglueck, und nicht Schuld ist: wahrlich,
Freund, so spielst Ihnen Ihr Schicksal einen harten Streich. Sie
werden ihn mit Ihrem Kopfe bezahlen$
t der schicken, die es zur Witwe macht. Sein Testament? auch
wohl nicht. Nun was denn?" Er wird immer begieriger; zugleich faellt ihm
ein, wie es ihm schon einmal fast das Leben gekostet haette, dass er nicht
gewusst, was in dem Briefe seines Herrn stuende. "Waere ich nicht", sagt er,
"bei einem Haare zum Vertrauten darueber geworden? Hol' der Geier die
Vertrautschaft! Nein, das muss mir nicht wieder begegnen!" Kurz, Cosme
beschliesst den Brief zu erbrechen; und erbricht ihn. Natuerlich, dass ihn
der Inhalt aeusserst betroffen macht; er glaubt, ein Papier, das so wichtige
und gefaehrliche Dinge enthalte, nicht geschwid genug los werden zu koennen;
er zittert ueber den blossen Gedanken, dass man es in seinen Haenden finden
koenne, ehe er es freiwillig abgeliefert; und eilet, es geraden Weges der
Koenigin zu bringen.
Eben koemmt die Koenigin mit dem Kanzler heraus. Cosme will sie den Kanzler
nur erst abfertigen lassen; und tritt beiseite. Die Koenigin erteilt dem
Kanzler den letzten Befehl zur Hinrichtung des $
orher nichts
als geschmaelt und gepoltert habe: denn eine solche Verstellung erfodere
mehr Gelassenheit und Kaelte, als man dem Demea zutrauen duerfe. Auchhierin ist Terenz ohne Tadel, und er hat alles so vortrefflich
motivieret, bei jedem Schritte Natur und Wahrheit so genau beobachtet,
bei dem geringsten Uebergange so feine Schattierungen in acht genommen,
dass man nicht aufhoeren kann, ihn zu bewundern.
Nur ist oefters, um hinter alle Feinheiten des Terenz zu kommen, die Gabe
sehr noetig, sich das Spiel des Akteurs dabei zu denken; denn dieses
schrieben die alten Dichter nicht bei. Die Deklamation hatte ihren eignen
Kuenstler, und in dem uebrigen konnten sie sich ohne Zweifel auf die
Einsicht der Spieler verlassen, die aus ihrem Geschaefte ein sehr
ernstliches Studium machten. Nicht selten befanden sich unter diesen die
Dichter selbst; sie sagten, wie sie es haben wollten; und da sie ihre
Stuecke ueberhaupt nicht eher bekannt werden liessen, als bis sie gespielt
waren, als bis man sie gesehen und gehoert $
die, der sich wegen der Entweichung seines Sohnes bestraft, kann
sich nicht schlechter quaelen: non se pejus cruciaverit."--Dieses schlechter,
dieses pejus, will Diderot, soll hier einen doppelten Sinn haben; einmal
soll es auf den Fufidius, und einmal auf den Terenz gehen; dergleichen
beilaeufige Hiebe, meinet er, waeren dem Charakter des Horazvollkommen
Das letzte kann sein, ohne sich auf die vorhabende Stelle anwenden zu
lassen. Denn hier, duenkt mich, wuerde die beilaeufige Anspielung dem
Hauptverstande nachteilig werden. Fufidius ist kein so grosser Narr, wenn
es mehr solche Narren gibt. Wenn sich der Vater des Terenz ebenso
abgeschmackt peinigte, wenn er ebensowenig Ursache haette, sich zu
peinigen, als Fufidius, so teilt er das Laecherliche mit ihm, und Fufidius
ist weniger seltsam und abgeschmackt. Nur alsdenn, wenn Fufidius, ohne
alle Ursache, ebenso hart und grausam gegen sich selbst ist, als der
Vater des Terenz mit Ursache ist, wenn jener aus schmutzigem Geize tut,
was dieser aus Reu und Betruebni$
re illum est, quem dedisti--
Diese versteckte Drohung, ihm seinen Sohn zurueckzugeben, ist es auch, die
ihn zum Schweigen bringt; und doch kann Micio nicht verlangen, dass sie
alle vaeterliche Empfindungen bei ihm unterdruecken soll. Es muss den Micio
zwar verdriessen, dass Demea auch in der Folge nicht aufhoert, ihm immer die
naemlichen Vorwuerfe zu machen: aber er kann es dem Vater doch auch nicht
verdenken, wenn er seinen Sohn nicht gaenzlich will verderben lassn.
Kurz, der Demea des Terenz ist ein Mann, der fuer das Wohl dessen besorgt
ist, fuer den ihm die Natur zu sorgen aufgab; er tut es zwar auf die
unrechte Weise, aber die Weise macht den Grund nicht schlimmer. Der Demea
unsers Verfassers hingegen ist ein beschwerlicher Zaenker, der sich aus
Verwandtschaft zu allen Grobheiten berechtiget glaubt, die Micio auf
keine Weise an dem blossen Bruder dulden muesste.
Achtundneunzigstes Stueck
Den 8. April 1768
Ebenso schielend und falsch wird, durch Aufhebung der doppelten
Bruederschaft, auch das Verhaeltnis $
le Gummisorten,
Leucktereuphorbien, im Webigebiet auch der Affenbrotbaum gedeihen.
Die Fauna bietet Wanderheuschrecken, giftige groe Ameisen,
viele Bienen, Flupferde und Krokodile, Straue, alle
afrikanischen Katzen, groe Antilopenherden, das Zebra und
den Wildesel. Vgl. Haggenmacher, Reise im Somaliland (Gotha 1876);
Rvoil, La valle du Darror. Voyage au pays
omalis (Par. 1882); Derselbe, Faune et flore des pays
omalis (das. 1882); Paulitschke, Beitrge zur
Ethnographie und Anthropologie der S., Galla und Harari (Leipz.
1886); James, The unknown horn of Africa (Lond. 1888).
Somateria, Eiderente.
Somtisch (griech.), krperlich.
Somatologie (griech.), die Lehre vom menschlichen
Krper, also besonders Anatomie.
Sombrerte, Bergstadt im mexikan. Staat Zacatecas,
2369 m . M., an der Eisenbahn von Zacatecas nach Durango,
1570 gegrndet, hat eine hhere Schule und (1882) 5173
Sombrerit, ein jngst gebildeter, an Korallen
reicher Kalk, der durch berlagernden Guano teilweise
metamorphosiert worden ist und ne$
 Eisen, Blei und andre Metalle und
Mineralien. Neben dem sehr beschrnkten Ackerbau, der Vieh-
und Seidenzucht und Holzgewinnung wird etwas Industrie
(Seidenfilanden, Baumwolwlspinnerei, Metallindustrie) und Handel
betrieben. Durch die Eisenbahnen Colico-Sondrio und
Colico-Chiavenna in Verbindung mit der Dampfschiffahrt am Comersee
ist die Provinz in neuester Zeit dem Weltverkehr nher
gerckt worden. Von Bedeutung sind endlich die ausgezeichneten
Mineralquellen (vor allen die zu Bormio). Doch gengen die
vorhandenen Erwerbsquellen nicht, so da viele Bewohner
alljhrlich auswrts Beschftigung suchen
mssen. Die gleichnamige Hauptstadt, malerisch an der
Mndung des Mallero in die Adda und an der Bahn Colico-S.
gelegen, hat ein knigliches Lyceum und Gymnasium, eine
technische Schule, ein Gewerbeinstitut, eine stdtische
Bibliothek, ein Nationalkonvikt, ein groes Krankenhaus, ein
schnes Theater, ein ehemaliges Kloster (jetzt
Traubenkuranstalt), Ruinen eines Schlosses, Seidenindustrie,
Tpferei (aus dem im V$
teigend,
die sogen. Chromosphre, welche namentlch in mittlern Breiten
zahlreiche haarfrmige Hervorragungen zeigt. Die Korona
endlich gibt ein kontinuierliches Spektrum mit einigen hellen
Linien, darunter einer grnen Eisenlinie, die auch im
Nordlichtspektrum auftritt. Zwischen Protuberanzen und Fackeln
besteht eine enge Beziehung; es treten durchschnittlich die
schnsten Protuberanzen in der Region der Fackeln auf, und
Secchi versichert, noch niemals eine einigermaen
glnzende Fackel am Sonnenrand selbst angetroffen zu haben,
ohne daselbst zugleich eine Protuberanz oder wenigstens eine
hhere Erhebung und
Sonneberg - Sonnenberg.
einen strkern Glanz der Chromosphre zu sehen.
Sprer hlt die Protuberanzen fr Vorlufer
spter erscheinender Fleckengruppen. Fig. 4-6 auf Tafel
"Sonne" zeigen eine Anzahl Protuberanzen: Fig. 4 I eine Protuberanz
von 2' (11,500 geograph. Meilen) Hhe 3 Uhr 45 Min., II, III,
IV eine andre von 35 bis 40'' (3400-3800 Meilen) Hhe 6 Uhr 45
Min., 55 Min. und 57 Min.; Fig. 5 I 2. Juli$
die Arbeiten,
zunchst in Alicante, Barcelona, Cartagena, Tarragona und
ValenPcia-Grao, in Angriff genommen und groenteils bereits
durchgefhrt. Die Zahl der im Betrieb befindlichen
Leuchttrme betrgt 198. In dem Leuchtturm auf Kap
Machichaco in Viscaya besteht eine Schule fr
Leuchtturmwchter. Die Handelsmarine Spaniens zhlte
Anfang 1884: 1544 Segelschiffe mit 308,779 Registertonnen und 282
Spanien (Eisenbahnen etc., Mnzen, Wohlthtigkeits- u.
Strafanstalten, Staatsverfassung).
mit 200,100 Ton., zusammen 1826 Seeschiffe mit 508,879 T. Die
Schiffahrtsbewegung smtlicher Hfen Spaniens bezifferte
sich 1887 in Registertonnen:
Eingelaufen Ausgelaufen
Spanische Schiffe 4264482 4420130
Fremde Schiffe 6900494 6696443
Zusammen: 11164976 11116573
Hierzu Kstenschiffahrt (1885) 5661952 5237227
Die Binnenschiffahrt ist in S. von geringem Belang. Unter den
Strmen ist ein einziger, welcher bei hohem Wasserstand
streckenweise befahren werden kann, nmlich der Ebro, auf
welchem flache Fahrzeuge dann bis Saragossa, wo$
lten in Cartagena und Madrid und
von Rnken Montpensiers, die aber wirkungslos blieben, ohne
Strung. Canovas hielt es fr ntzlich, die
liberalen Parteien fr die Erhaltung der Dynastie zu
interessieren, und empfahl daher der Regentin, an seiner Stelle
Sagasta zum Ministerprsidenten zu ernennen (27. Nov.).
Derselbe verschaffte sich durch Neuwahlen die Mehrheit in den
Cortes, welche 10. Mai 1886 erffnet wurden, die
Einfhrung von Geschwornengerichten genehmigten (7. Mai 1887)
und die Beratung der vom Kriegsminister Cassola vorgelegten
Heeresreform mit allgemeiner Wehrpflicht in Angriff nahmen. Die
Einnahmen wurden durch Verpachtung der Postdampferlinien und des
Tabaksmonopols vermehrt. Die Regentin verstand es, durch ihr
wrdiges un kluges Benehmen die Achtung und Liebe des Volkes
in demselben Grad zu gewinnen wie ihr verstorbener Gemahl. Spaniens
Zustnde sind indes noch durchaus unfertig. Der alte klerikale
Absolutismus ist zwar durch die Unfhigkeit seiner Vertreter
und das Eindringen liberaler Ideen u$
inige Bruchstcke
erhalten haben, ein didaktisches Gedicht alchimistischen Inhalts,
das "Libro del tesoro o del candado", zu, das jedoch nach einigen
sptern Ursprungs ist. Am wichtigsten sind seine in
galicischer Sprache verfaten und provenalischen
Mustern nachgebildeten "Cantigas", Loblieder auf die Jungfrau
Maria, welche zum groen Teil in sechs- bis
zwlfzeiligen Versen bestehen und durch ihre Form die
sptere Kunstlyrik der Spanier vorbereiten. Alfons' Beispiel
wirkte ermunternd auf seine Nachfolger. Sein Sohn Sancho IV.,
genannt der Tapfere (gest. 1295), schrieb ein
moralisierend-philosophisches Werk: "Los castigos e documentos",
das Lebensregeln fr seinen Sohn Ferdinand IV. enthielt, und
des letztern Sohn Alfons XI., genannt der Gute (gest. 1350), gilt
fr den Verfasser einer Reimchronik in Redondilienstrophen,
wie er auch mehrere Werke in kastilischer Prosa abfassen
lie, namentlich einJAdelsregister ("Becerro") und ein
Jagdbuch ("Libro de monterias", hrsg. von Navarro 1878) sowie
mehrere Chroniken$
on Nassau-Weilburg und dem Erbprinzen von Hessen
(15. Nov. 1703). Die Redensart: "Revanche fr S." wird auf
letztern zurckgefhrt, der damit Tallard
begrt haben soll, als dieser spter nach der
Schlacht bei Hchstdt gefangen vor ihn gefhrt
Speierling, s. Sorbus.
Speigatten, Lcher in der Schiffswand, durch welche
das Wasser vom Deck nach der See abflieen kann; auch die
ffnungen in den Verbandteilen eines Schiffs, durch welche das
Leckwasser nach den Pumpen geleitet wird.
Speik, blauer, s. Primula.
Speischlange, s. Brillenschlange.
Speise, ein auf Httenwerken bei Schmelzprozessen
entstehendes, aus Arsen- und Antimonmetallen bestehendes Produkt
von weier Fabe und grerer Dichtigkeit als
diejenige der Leche (s. Lech), unter welchen sich die S. bei
gleichzeitiger Entstehung beider Produkte absetzt. Zur
Speisebildung, d.h. zur Verbindung mit Arsen und Antimon, sind
besonders Nickel, Kobalt und Eisen geneigt; doch finden sich in den
Speisen auch Gold, Silber und Kupfer. Dieselben werden entweder
absichtli$
n
sterreich bei der Belagerung von Ostende (1602-1604). Hierauf
zum Generalleutnant und Kommandierenden aller in den Niederlanden
kmpfenden spanischen Truppen ernann\t, stand er seit 1605 dem
Prinzen Moritz von Oranien in Flandern gegenber; doch
vermochte keiner einen wesentlichen Vorteil zu erlangen. 1620 von
Spanien zur Untersttzung des Kaisers Ferdinand II. gegen die
protestantischen Reichsfrsten abgesandt, drang er im August
an der Spitze von 23,000 Mann in die Pfalz ein und eroberte viele
Stdte, ward aber 1621 in die Niederlande berufen, wo er
wieder gegen Moritz kmpfte. Durch Entlassung der meuterischen
italienischen Truppen geschwcht, konnte er den Krieg trotz
der Eroberung Jlichs (1622) nur lau fortsetzen und erst im
Sommer 1624 die Belagerung von Breda unternehmen, welchen Platz er
2. Juni 1625 endlich zur bergabe zwang. Seitdem
krnkelnd, mute er den Oberbefehl niederlegen. Nur noch
einmal trat er 1629 in Italien auf, indem er in dem Streit um das
Erbe des Markgrafen von Mantua die Franzo$
d Wasser liegt zwischen diesen
beiden Punkten und ist im allgemeinen um so hher, je geringer
der Alkoholgehalt desselben ist. Wird ein solches der Destillation,
d. h. dem Kochen in einem Apparat, unterworfen, welcher die
vollstndige Wiederverdichtung des gebildeten Dampfes in einem
andern Teil des Apparats durch Abkhlung gestattet, so
erhlt man aus dem Dampf eine Flssigkeit, ein Destillat,
welches im Verhltnis zum Wasser mehr Alkohol enthlt als
die siedende Flssigkeit. Der einfachste Destillationsapparat,
bei welchem der aus der kochenden weingaren Maische sich
entwickelnde Dampf sofort vollstndig verdichtet wird, liefert
ein alkoholarmes Produkt (Lutter, Luter, Lauer), aus welchem
bei abermaligr Destillation (Rektifikation) ein alkoholreicheres
Produkt erhalten werden kann. Die verschiedenen Apparate, welche
gegenwrtig bei der Spiritusfabrikation in Anwendung sind,
liefern sofort ein alkoholreiches Produkt (bis 95 Proz.) und
fhren die Verdichtung des letzten alkoholreichen Dampfes in
sehr versch$
en ist. Eine eigentmliche Stellung nehmen
die Richter (s. d.) und die Minister (s. d.) ein, welch letztere
mit ihrer Verantwortlichkeit die Handlungen des Frsten
decken. Im einzelnen sind die Rechtsverhltnisse der
Staatsdiener (Staatsbeamten) in den meisten Staaten durch besondere
Gesetze geregelt; fr die deutschen Reichsbeamten insbesondere
ist dies durch Reichsgesetz vom 31. Mrz 1873 (mit
Nachtragsgesetzvom 25. Mai 1887) geschehen (s. Reichsbeamte und
die dort angefhrte Litteratur).
Staatseinnahmen, s. Finanzwesen, S. 268.
Staatsflandern, s. Flandern.
Staatsforstwissenschaft - Staatsrat.
Staatsforstwissenschaft, die Lehre von dem
Verhltnis des Staats zu den Forsten. Zur S. gehren die
Forstpolitik, welche lehrt, wie dies Verhltnis sein soll, und
das Forstverwaltungsrecht, welches das rechtlich geordnete
Verhltnis, wie es ist, darstellt. S. Forstpolitik u.
Forstverwaltung.
Staatsgarantie, die von der Staatsregierung
bernommene Brgschaft, vermge deren sie fr
die vertragsmige Rckzahlung und Ver$
lehen
zugewlzt werden. Dieser Umstand gab zur Forderung
Veranlassung, es sollten auch alle auerordentlichen Ausgaben
durch Besteuerung gedeckt werden. Man bersieht jedoch
hierbei, da alle Ausgleichungen von Strungen des
volkswirtschaftlichen Gleichgewichts mit Opfern verknpft
sind, ferner da, wenn auch bei der Steuer wie beim Anlehen
die jetzt aufzulegende Last die gleiche ist, doch nicht in beiden
Fllen die gleichen Personen als Trger derselben
erscheinen. Die Steuer mu von allen Staatsangehrigen
entrichtet werden ohne Rcksicht darauf, ob die Summen
berall gleich verfgbar sind. Bei dem freiwilligen
Anlehen werden dagegen vorwiegend die disponibleren Summen
angeboten. Strmt bei demselben auch Kapital aus dem Ausland
zu, so fhrt die augenblickliche rtlich-persnliche
bertragung der Last auch fr das ganze Volk zu einer
zeitlichen, indem die jetzige Aufwendung von einer sptern
Generation bei der Tilgung getragen wird. Was hier von Volk zu
Volk, das tritt im andern Fall von Klasse zu Klasse e$
on um die Mitte des 13. Jahrh. kam fr
die Vertreter der
Stdte die Bezeichnung "Gemeine" (communitas totius regni
Angliae) auf;
sie bildeten neben der Versammlung der Barone und Prlaten
Kollegium und erhielten einen Sprecher. Ihr Hauptrecht war
Verwilligung von Abgaben. Manche Stdte sendeten einen,
Vertreter zur Versammlung der Gemeinen, wozu im 14. Jahrh. noch
Vertreter aus jeder Grafschaft kamen. Seit dem 16. Jahrh.,
aber seit den Zeiten Elisabeths, hob sich mit dem wachsenden
der Einflu der Stdte. Die Mehrzahl der englischen
Stdte hat jedoch
erst seit dem vorigen Jahrhundert durch Handel, Schiffahrt und
einen bewunderungswrdigen Aufschwun genommen; denn noch
17. Jahrh. gab es auer London, das damals 1/2 Mill.
Einwohner zhlte,
nur zwei Stdte (Bristol und Norwich) mit 30,000 und vier
andre mit mehr
als 10,000 Einw.
Bevlkerungsverhltnisse.
Naturgem bildet die S. vorzglich den
Standort fr Handel und Gewerbe,
welche die Anhufung vieler Betriebe auf kleinem
Flchenraum nicht
allein gestatten, so$
en Stagnoneinseln gegen
das Meer geschlossen ist. Dieser Inseln sind drei: Borrone,
Isolalonga und in der Mitte die kleine kreisrunde Insel San
Pantaleone, berhmt als Sitz der karthagischen Stadt Motye,
von der noch einzelne Reste vorhanden sind.
Stahl, s. Eisen, S. 418 ff.
Stahl, 1) Georg Ernst, Chemiker und Mediziner, geb. 21.
Okt. 1660 zu Ansbach, studierte in Jena wurde 1687 Hofarzt des
Herzogs von Weimar, 1694 Professor der Medizin in Halle, 1716
Leibarzt des Knigs von Preuen; starb 14. Mai 1734 in
Berlin. S. stellte eine Theorie der Chemie auf, welche bis auf
Lavoisier allgemeine Geltung behielt und auf der Annahme des
Phlogistons beruhte. Auch entdeckte er viele Eigenschaften der
Alkalien, Metalloxyde und Surn. Seine Hauptwerke sind:
"Experimenta et observationes chemicae" (Berl. 1731) und "Theoria
medica vera" (Halle 1707; Leipz. 1831-33, 3 Bde.; deutsch von
Ideler, Berl. 1831-32, 3 Bde.), in welcher er Hoffmann
bekmpfte und die Lehre vom psychischen Einflu
(Animismus, s. d.) aufstellte.
2) Frie$
lut werden, indem je
nach gegebenen uern Verhltnissen solche
Handlungen eben als die vernnftigen erscheinen.
Eine richtige Ermittelung der Wirkung jener durchschlagenden
Ursachen und damit dieser selbst ist ohne mathematische Behandlung
nicht mglich und darum die mathematische S. unentbehrlich.
Letztere ist insbesondere in der neuern Zeit in ihrer Anwendung auf
Versicherungs- und Bevlkerungswesen durch Wittstein, Zeuner,
Knapp, Lexis gefrdert worden. Je nach den Gebieten, welche
einer statistischen Betrachtung unterworfen werden, unterscheidet
man Ackerbau-, Forst-, Gewerbe-, Handels-, Post-, Eisenbahn-,
Medizinal-, Kriminal-, Moral-, Bevlkerungsstatistik etc. Im
engern Sinn wird heute auch oft die S. als eine auf die
gesellschaftlichen Erscheinungen (Volk und Staat) beschrnkte
Disziplin aufgefat (vgl. Demographie), whrend die
Methode der S. in allen Gebieten, auch in denen der
Naturwissenschaften (Meteorologie), anwendbar sei. Die Sammlung des
statistischen Materials ist nun Einzelnen selten in
$
ericus, Goniatites Jossae und G.
sphaericus, s. Tafel I). Zu den Pelekypoden zhlen die im Kulm
hufige Posidonomya Becheri, die Anthracosia und das nach vorn
abgestutzte, nach hinten schnabelfrmig ausgezogene und
klaffende Conocardium fusiforme (s. Tafel I). Die Gastropoden
gehren fast ausnahmslos denselben Genera wie die der
devonischen Formation an. Die Trilobiten klingen in der S. aus und
sind nur noch durch die kleinen und seltenen Arten der Gattung
Phillipsia vertreten; daneben sind, wenn auch selten,
Molukkenkrebse (Limulus) beobachtet worden. Von Fischen der S.
findet man Zhne und Rckenstacheln besonders
hufig. Sie gehren Haien an, wenn auch Abteilungen,
welche in der Jetztwelt teils ganz erloschen, teils nur durch
wenige Formen vertreten sind (Orodus. Tristychius
Steinkohlengas - Steinla.
und Cochliodus, s. Tafel I). Die Ganoidengeschlechter
Palaeoniscus und Amblypterus kommen in sehr zahlreichen
vollstndigen Exemplaren in Schichten (Lehbach im Saarbecken)
vor, welche jetzt dem Rotliegenden b$
in
teilweises Vakuum in der Retorte erzeugt, erhlt man zwischen
260 und 315 meist Naphthalin, dann bis 370 ein
anthracenreiches Produkt und bei hherer Temperatur minder
flchtige Krper. Die Destillate geben beim Stehen einen
Absatz, aus welchem Rohanthracen gewonnen wird, und das
brigbleibende l dient zum Schmieren. Der
Ausfhrung der Pechdestillation im grern Umfang
steht bis jetzt noch die Schwierigkeit entgegen, ein passendes
Retortenmaterial zu finden. Vgl. Lunge, Die Industrie der
Steinkohlenteer-Destillation etc. (2. Aufl., Braunschw. 1888).
Steinkohlensystem, s. v. w. Steinkohlenformation.
Steinkohlenteerkampfer, s. v. w. Naphthalin.
Steinkolik, s. Harnsteine, S. 175.
Steinkonkretionen, s. Steinigwerden.
Steinkrankheit, die durch Harnsteine (s. d.)
hervorgerufenen Beschwerden.
Steinkraut, s. Alyssum.
Steinkreise, s. Steinsetzungen.
Steinkresse, s. Chrysospienium.
Steinkultus, s. Steindienst.
Steinla, Moritz, eigentlich Mller, Kupferstecher,
geb. 1791 zu Steinla bei Hildesheim, bildete sich a$
nde macht, und jeTde Quarte um ebensoviel
hher, so wird man ungefhr genau auskommen. Von
Schriften, welche die S. der Klavierinstrumente behandeln, seien
besonders die von Werkmeister (1691 und 1715), Sinn (1717), Sorge
(1744, 1748, 1754, 1758), Kirnberger (1760), Marpurg (1776 und
1790), Schrter (1747 und 1782), Wiese (1791, 1792, 1793),
Trk (1806), Abt Vogler (1807) und Scheibler (1834, 1835 und
1838) erwhnt. Die Mehrzahl der ltern Stimmmethoden sind
gemischte, ungleich schwebend temperierte, d.h. sie bewahren einer
Anzahl Intervallen ihre akustische Reinheit, whrend andre
dafr desto schlechter ausfallen. - Im geistigen Sinn
bezeichnet S. einen bestimmten Gemtszustand, den in aller
Reinheit zum Ausdruck zu bringen eine der Hauptaufgaben der Musik
wie jeder andern Kunst ist.
Stimmungsbild, s. Landschaftsmalerei.
Stimmwechsel, s. Mutation.
Stimulieren (lat.), anreizen; Stimulantia, Reizmittel (s.
Erregende Mittel); Stimulation, Reizung, Anregung.
Stinde, Julius, Schriftsteller, geb. 28. Aug. 1841 zu
$
t frher auf- und spter unterzugehen
scheinen, als sie in der That durch den Horizont dieses Ortes
gehen. Dies hat zunchst eine Verlngerung des Tags zur
Folge (bei uns um 4 Minuten), die in der Polarzone am
betrchtlichsten ist, da dort die Sonne mehrere Tage, ja
Wochen ber dem Horizont gesehen wird, obschon sie unter ihm
steht. Die S. ist ferner der Grund, warum Sonne und Mond nahe am
Horizont stark abgeplattet erscheinen.
Strahlende Materie, s. Geilersche Rhre, S.
Strahlenkranz wird in der antiken Kunst allen Lichtgottheiten
gegeben, vorzugsweise dem Helios (Sol), der Selene, der Eos,
dem Phosphoros und Hesperos (vgl. Nimbus). - In der Anatomie
(Corona ciliaris) s. Auge, S. 74.
Strahlerz (Klinoklas, Abichit, Aphanesit, Siderochalcit),
Mineral aus der Ordnung der Phosphate, findet sich in
glasglnzenden, monoklinen Kristallen und in
radialstngeligen Aggregaten, ist spangrn bis
blaugrn, glasglnzend, kantendurchscheinend, Hrte
2,5-3, spez. Gew. 4,2-4,5, besteht aus wasserhaltigem
Kupferarseniat Cu3$
Eier. Das Ei ist 14-15,5 cm lang, 11-12,7 cm
dick, schn eifrmig, gelblichwei, heller
marmoriert, wiegt durchschnittlich 1440 g und besitzt einen
schmackhaften Dotter. Die Bebrtung geschieht
hauptschlich oder ausschlielich von seiten des
Mnnchens, und nur im Innern Afrikas werden die Eier
stundenlang verlassen, dann aber mit and bedeckt. Nach 45-52 Tagen
schlpfen die Jungen aus, welche mit igelartigen Stacheln
bedeckt sind, die sie nach zwei Monaten verlieren; sie erhalten
dann das graue Gewand der Weibchen, und im zweiten Jahr frben
sich die Mnnchen und werden im dritten zeugungsfhig.
Das Nest und die Jungen werden von dem S. sorgsam bewacht und
verteidigt. Der S. ertrgt die Gefangenschaft sehr gut, und in
Innerafrika wird er allgemein zum Vergngen gehalten.
Gezchtet hat man den S. zuerst 1857 in Algerien, bald darauf
wurden auch in Florenz, Marseille, Grenoble u. Madrid junge
Straue erbrtet, und seit 1865 datiert die
Strauenzucht im Kapland, wo 1875 ber 32,000
Straue gehalten wurden und di$
damaligen England,
ist aber auch nicht frei von manchem Verletzenden, wozu namentlich
die von Swifts Menschenha eingegebene Schilderung der Yahoo
gehrt. Von Schriften sind noch anzufhren: die im Verein
mit Pope herausgegebenen "Miscellanies" (1727, 3 Bde.) und die
posthume "History of the four last years of Queen Anne". Seine
Werke wurden herausgegeben von Hawkesworth (Lond. 1755, 14
Quartbnde, Oktavausgabe in 24 Bnden), Sheridan (das.
1784, 17 Bde.), Walter Scott (mit Biographie, das. 1814, 19 Bde.;
neue Ausg. 1883, 10 Bde.), Roscoe (das. 1853, 2 Bde.), Purves (das.
1868). Sein Briefwechsel erschien in 3 Bnden (Lond. 1766) und
in Auswahl von Lane Pool (das. 1885). Eine bersetzung der
humoristischen Werke lieferte Kottenkamp (Stuttg. 1844, 3 Bde.).
Aussprche von S. sammelte Regis ("Swiftbchlein",
biographisch-chronologisch geordnet, Berl. 1847). Vgl. auch R. M.
Meyer, I. S. und G. Lichtenberg (Berl. 1886). Sein Leben
beschrieben S. Johnson, Sheridan (Dubl. 1787), Forster
(unvollendet; Bd. 1, bis 171$
izont, im Gegensatz zur Nacht, whrend
welcher sie sich unter dem Horizont befindet. Bestimmter nennt man
Sterntag die Dauer eines scheinbaren Umlaufs des Fixsternhimmels
oder einer Rotation der Erde um ihre Achse. Die Dauer des Sterntags
ist so gut wie unvernderlich, wenn auch gewisse
Unregelmigkeiten der Mondbewegung eine geringe
Vernderung andeuten, whrend zugleich in der Wirkung der
Flutwelle (wie schon Kant bemerkt hat) und in den durch
allmhliche Erkaltung der Erde, durch Einstrze u. dgl.
in ihrem Innern bedingten Massenumsetzungen Ursachen fr eine
Vernderung gegeben sind. Der Sterntag beginnt im Augenblick
der obern Kulmination des Frhlingspunktes. Er wird in 24
gleich lange Stunden zu 60 Minuten zu 60 Sekunden geteilt;
Zeitangaben in diesem Ma nennt man Sternzeit. Obwohl uns nun
die Natur in der Rotation der Erde um ihre Achfe das
gleichfrmigste Zeitma darbietet, so ist doch der Auf-
und Untergang der Sonne von o berwiegender Wichtigkeit
fr das brgerliche Leben, da man in diesem nicht$
 sich von da aus 209 der Stadt wieder. Diese
ward geplndert und zum Teil zerstrt, und gegen 30,000
Einw. wurden in die Sklaverei verkauft. 123 ward die Stadt mit
rmischen Brgern bevlkert und blhte seitdem
wieder auf. Das dortige Erzbistum soll 378 gegrndet worden
sein. Im Mittelalter stand die Stadt erst unter den byzantinischen
Kaisern, ward dann von den Sarazenen erobert und endlich dem
Knigreich beider Sizilien und mit diesem 1861 dem
Knigreich Italien einverleibt. T. ist die Vaterstadt des
Musikers Giovanni Pasiello. Der franzsische Marschall
Macdonald (s. d.) wurde von Napleon I. zum Herzog von T. ernannt.
Vgl. Dhle, Geschichte Tarents bis auf seine Unterwerfung
unter Rom (Strab. 1877); de Vincentiis, Storia di Taranto
(Neap. 1878 ff., 5 Bde.); Gagliardo, Descrizione topogratica di
Taranto (Tarent 1886).
Tarent, Goif von, ein fast viereckiger, zwischen den
Vorgebirgen Santa Maria di Leuca und Nao in die Apenninenhalbinsel
eindringender Golf, der von den Halbinseln von Apulien und
Kalabrien $
ligen. Personifiziert ist T. der Sohn des ther und der
Ga und von dieser Vater der Giganten. Vgl. Hlle.
Tartarus (lat.), Weinstein, saures weinsaures Kali; T.
ammoniatus, weinsaures Kaliammoniak; T. boraxatus, Boraxweinstein,
s. Borax (S. 210); T. depuratus, Cremor tartari, gereinigter
Weinstein; T. emeticus, stibiatus, Brechweinstein (s. d.); T.
ferratus, martiatus, chalybeatus, Eisenweinstein, s.
Eisenprparate; T. natronatus, weinsaures Kalnatron; T.
solubilis, tartarisatus, neutrales weinsaures Kali; T. vitriolatus,
schwefelsaures Kali.
Tartas (spr. -tas), Stadt im franz. Departement Landes,
Arrondissement St.-Sever, an der Midouze mit altem Stadthaus und
(1881) 2110 Einw.; steht im Rufe von Krhwinkel.
Tartini, Giuseppe, Violinspieler und Komponist, geb. 12.
April 1692 zu Pirano in Istrien, erhielt seinen ersten
Musikunterricht im Kollegium dei padri delle scuole zu Capo
d'Istria, begab sich 1710 nach Padua, um Jurisprudenz zu studieren,
mute eines Liebeshandels wegen von da fliehen und fand im
Minor$
Pantschen Rinpotsche ("Kleinod des groen
Gelehrten"), gewissermaen des zweiten Papstes der Buddhisten
Innerasiens, der als eine Verkrperung des Gottes Amitabha
gilt, auerordentliches Ansehen geniet und im
sdlichen Teil Tibets Regierungsrechte aubt. T. hat
eine berhmte Holzdruckerei und Fabrikation von
Gottesbildern.
Taschkent (Taschkund), Hauptstadt des russ.
Generalgouvernements Turkistan im westlichen Zentralasien,
nrdlich vom Tschirtschik, einem Zuflu des Jaxartes,
besteht aus einer umfangreichen ummauerten Altstadt von ovaler Form
und einem europischen Viertel mit geraden Straen, zu
deren beiden Selten sich Kanle mit flieendem Wasser
und Baumreihen hinziehen. Die russische Citadelle mit ihren
militarischen Etablissements liegt sdlich von der Altstadt.
Die Stadt lst Mittelpunkt der russischen Zivil- und
Militrverwaltung Turkistans, hat zahlreiche
Militrwerksttten und Arsenale, russische Unter- und
Mittelschulen, ein gutes astronomisches Observatorium, eine
russische Zeitung und Bibliothek$
lles (s. Apollonios 3). Er scheint auch als Maler Bedeutung
erlangt zu haben.
Taurocholsure, s. Gallensuren.
Tauroggen, Flecken im litauisch-russ. Gouvernement Kowno,
an der Jura (Zuflu der Memel), 7 km von der
preuischen Grenze, mit Grenzzollamt und 4720 Einw. Hier
unter zeichnete 21. Juni 1807 Kaiser Alexander I. den dem Frieden
von Tilsit vorausgehenden Waffenstillstand. Im nahen Dorf Poscherun
schlo 30. Dez. 1812 der preuische General York mit
dem russischen General Diebitsch die denkwrdige
Waffenstillstands- u. Neutralittskonvention (Konvention von
Tauromenion, s. Naxos (Stadt) und Taormina.
Taurus (Tauros, griech. Umformung des nordsemit. tur,
"Gebirge"), das sdliche Randgebirge des Hochlandes von
Kleinasien, zieht vom Euphrat westwrts bis an das
geische Meer und bildet einen ununterbrochenen Gebirgszug,
der gegen S. in sehr kurzen Abstzen oder pltzlich und
steil zum Meer abfllt, gegen N. sich sanft zu Hochebenen
abdacht. Das unwegsame Gebirge erreicht in dem stlichen Teil
der Landschaft$
, G das Galvanoskop, B den
Blitzableiter, L B die Linienbatterie, E den zur Erde und L den zur
Leitung fhrenden Draht bezeichnen.
Wo die Strke des ankommenden Stroms zur Ingangsetzung der
Schreibapparate nicht ausreicht, schaltet man in die Leitung ein
Relais. Dasselbe besteht aus einem Elektromagnet mit leicht
beweglichem Ankerhebel, welcher durch die anziehende Kraft des
Stroms an eine Kontaktschraube gelegt wird und dadurch eine
Ortsbatterie schliet, deren Strom dann den Schreibapparat in
Bewegung setzt. Relais mit besoders lautem Anschlag dienen unter
dem Namen Klopfer auch zum Aufnehmen von Telegrammen nach dem
Gehr. In den sehr empfindlichen polarisierten Relais sind die
Eisenkerne der Elektromagnetrollen auf Stahlmagneten befestigt und
dadurch dauernd magnetisiert.
Das durch internationale Vereinbarungen festgesetzte
Morsealphabet besteht aus Punkten und Strichen in nachstehender
Gruppierung: [siehe Grafik]
Die wagerechten Elementarzeichen erscheinen auf dem
Papierstreifen sehr gestreckt, was die L$
 beobachteter Treffergebnisse beim
Schieen der Artillerie erfundener elektrischer Telegraph,
besteht aus einer Drahtleitung, einer Batterie Meidingerscher
Elemente und einem Apparat zur Zeichengebung durch einfache und
dreifache Glockenschlge, die als Elementarzeichen zu einem
Alphabet gruppiert sind. Vgl. Ackermann, Der T. (Rastatt 1877).
Telemachos, im griech. Mythus Sohn des Odysseus und der
Penelope, war bei der Abreise des Vaers zum Trojanischen Krieg
noch ein Kind. Herangewachsen, erhielt er von Athene den Rat, bei
Nestor in Pylos und Menelaos in Sparta Erkundigungen ber den
Vater einzuziehen; am letztern Ort erfuhr er, da derselbe
noch lebe. Nach Hause zurckgekehrt, traf er bei dem Sauhirten
Eumos seinen von Athene in einen Bettler verwandelten Vater.
Dieser entdeckte sich ihm, und T. stand hierauf dem Vater bei der
Ttung der Freier bei. Seine sptere Geschichte wird
verschieden erzhlt (vgl. Telegonos). Die Schicksale des T.
behandelt der berhmte Roman von Fnelon: "Les
aventures de Tlmaque$
t berhmtem
Dionysostempel, war Geburtsort des Anakreon (des "teischen
Sngers") und trieb bedeutenden Handel bis nach gypten.
Ruinen beim heutigen Sighadschik.
Teotihuacan (San Juan de T.), Indianerortschaft, 50 km
nordstlich von Mexiko, mit zwei 55 m hohen und zahlreichen
kleinern Opferpyramiden und (1880) 4028 Einw. (im Munizipium).
Tepe (trk.), Spitze, Anhhe.
Tepejilote, s. Chamaedorea.
Tepekermen,JBerg auf der Halbinsel Krim, unweit
Baktschisarai, erhebt sich in Gestalt eines einzeln stehenden
Kegels, auf dessen kahlem Gipfel berreste alter Bauwerte
sichtbar und etwas niedriger auf einer nach N. gerichteten
Bschung einige Reihen Hhlen sind, zu denen der Zugang
sehr schwierig ist. In einer derselben hat man viele Knochen, in
einer andern Spuren einer Kirche entdeckt.
Tepeleni, heruntergekommenes Stdtchen im trk.
Wilajet Janina, links an der Viosa unterhalb Argyrokastrons,
bekannt als Geburtsort und Lieblingsaufenthalt Ali Paschas von
Janina, dessen dortiger prchtiger Palast heute in Ruinen
liegt$
Architekt Nik. v. Ybl) teilweise in Anwendung gekommenen sogen.
Asphaleia-Systems gehrt der um den hufeisenfrmigen
Zuschauerraum gefhrte, zu Lftungszwecken dienende sog.
Ventilationsring, an welchen sich in den einzelnen Stockwerken das
Vestibl, die Foyers, Treppenhuser, Garderoben u.
Bffette nebst den beiden seitwrts angebrachten,
gedeckten Unterfahrten u. zwar durchweg in einer Weise
anschlieen, welche die Sicherheit und Bequemlichkeit der
Theaterbesucher vollkommen wahrt. Zur Verbesserung der Akustik,
Lftung und freien Aussicht der Galeriebesucher ist der
eiserne Plafond muschelartig gewlbt, aus zwei Bden,
wovon der untere zwecks Aufsaugung schlechter oder Zufhrung
frischer Luft siebfrmig durchlchert ist,
zusammengesetzt und ruht nicht auf der Galeriebrstung,
sondern auf dem Ventilationsring, wodurch auch die Galeriebesucher
einen freien Ausblick auf die Bhne genieNen. Mit den
Hauptneuerungen ist die Bhne ausgestattet, welche (das Podium
ausgenommen) mit Ausschlu von Holz konstruiert is$
ses nebst einem Kapital von 75,000
Thaler hatte er seine Vaterstadt eingesetzt mit der Bedingung,
da ein eignes Gebude zur Aufbewahrung desselben
errichtet werde. Dieses Thorwaldsen-Museum, nach Plnen des
Architekten Bindesbll im italienischen Stil aufgefhrt,
wurde 1846 erffnet und enthlt (teils in Originalen,
teils in Abgssen) die smtlichen Kunstwerke sowie die
Kunstsammlungen des Meisters (darunter von seiner Hand 80 Statuen,
drei lange Bilderreihen in erhabener Arbeit sowie zahlreiche andere
Reliefs und 130 Bsten). In dem von den vier Flgeln des
Gebudes umschlossenen Mittelraum befindet sich sein
schmuckloses Grab. Einen Katalog des Museums verffentlichte
Mller (Kopenh. 1849-1851, 8 Tle.); eine Sammlung von
Lithographien (120) smtlicher Werke Thorwaldsens gab Holst im
"Muse T." (das. 1851). Denkmler des Knstlers
befinden sich im Garten des Palazzo Barberini zu Rom (nach Emil
Wolff) und zu Reikjavik auf Island (seit 1875). Zu den
bedeutendsten seiner ScMhler gehren die Dnen
Freund und B$
 unglcklichen Ausgang des Kriegs und mute auf
Napoleons I. ausdrckliches Verlangen bei dem Abschlu
des Friedens von Campo Formio 1797 aus dem Ministerium scheiden. Er
ging darauf als bevollmchtigter Minister in die neuerworbenen
italienischen und Kstenprovinzen, bernahm 1799 beim
Wiederausbruch des Kriegs aufs neue das Portefeuille des
Auswrtigen, trat aber schon im Dezember 1800 wieder
zurck und lebte fortan zu Preburg und Wien, wo er 29.
Mai 1818 starb. Vgl. Vivenot, T., Clerfayt und Wurmser 1794-97
(Wien 1869); Derselbe, T. und sein System (das. 1870, 2 Tle.);
Derselbe, Vertrauliche Briefe des Freiherrn v. T. (das. 1871, 2
Thuin (spr. tung), Hauptstadt eines Arrondissements
in der belg. Provinz Hennegau, an der Sambre und der Eisenbahn
Charleroi-Erquelines, mit schner Kirche, hherer
Knabenschule, Tuchfabrikation, Eisenwerken und (1888) 5361 Einw. ST.
gehrte frher zum Bistum Lttich und war stark
Thuja Tourn. (Lebensbaum), Gattung aus der Familie der
Kupressineen, Bume von in der Regel mehr $
s Landes der
ReformatioZn zu. Der Umsturz der alten Eidgenossenschaft (1798)
befreite den T. aus seiner Unterthanenschaft, und die
Mediationsakte erhob ihn 1803 zum selbstndigen Kanton mit
einer Reprsentativverfassung, die 1814 durch Zensus, lange
Amtsdauern, knstliche Wahlart etc. ein aristokratisches
Geprge erhielt. Nach der Julirevolution machte T. unter der
Fhrung des Pfarrers Bornhauser den Anfang mit der
Demokratisierung der schweizerischen Kantone durch seine neue, 26.
April 1831 angenommene Verfassung. Seitdem gehrte der T.
bestndig zu den liberalen Kantonen, nahm teil an den Badener
Konferenzbeschlssen, hob 1848 seine Klster auf bis auf
eins und erklrte sich fr Annahme der neuen
Bundesverfassung wie auch fr die Revisionen derselben 1872
und 1874. Nachdem schon 1837 und 1849 das Grundgesetz revidiert
worden war, begann 1868 eine neue Revisionsbewegung, welche
Einfhrung des Referendums und der Initiative, der direkten
Volkswahl der Regierung etc. anstrebte und in der Verfassung vom
28. Feb$
ante des Nonius genau in Kontakt bringen. Wird nun der Apparat i
das Wasser versenkt, so bt dasselbe einen mit zunehmender
Tiefe wachsenden Druck auf die Dosen aus, diese werden
zusammengepret und um so mehr, je tiefer der Apparat
eintaucht; dadurch aber bewegen sie den Arm A und mit ihm den
Nonius nach unten, der an seiner tiefsten Stelle stehen bleibt,
wenn der Druck wieder nachlt. Man kann also aus dem
zurckgelegten Weg des Nonius den belastenden Wasserdruck und
aus diesem die Hhe der Wassersule ermitteln.
Selbstredend ist dieser Mechanismus durch Umgebung mit einem
starken Metallcylinder vor dem leichten Zerbrechen geschtzt.
Bei Thomsons Apparat hat die Lotleine (Stahldraht) nur den Zweck,
das Bathometer ins Meer herabzulassen und wieder heraufzuholen;
gemessen wird mit der Leine nicht. Der Lotkrper, nahezu 1 m
lang und 11 kg schwer, ist ein unten offenes Metallrohr, in welches
ein Glasrohr eingeschoben ist, dessen innere Wandung mit
chromsaurem Silber belegt ist. Mit zunehmender Tiefe wird das
S$

T. strahlig, zweiseitig oder gegliedert ist. Im Krper der
hhern Tiere liegen nmlich die mehrfach vorhandenen
Organe in der Regel so, da man nur durch Einen
Lngsschnitt zwei einander gleiche Hlften, die rechte
und linke, gewinnen kann, whrend jeder andre
Lngsschnitt (also z. B. der, welcher Bauch- und
Rckenteil sondern wrde) ungleiche Teile ergibt. Ein
solches zweiseitiges (bilateralsymmetrisches) T. besitzt also nur
zwei gleiche (genauer: spiegelbildlich gleiche) Teile
(Gegenstcke, Antimeren); ein strahlig gebautes, wie die
meisten Quallen etc., hat dagegen einen solchen Bau, da man
durch mehrere Schnittebenen je zwei gleiche Teile gewinnen kann,
und zerfllt so in mehrere Antimeren. Ist ein T. gegliedert
(segmentiert), so wiederholen sich die Organe in der queren, d. h.
der auf die Lngsachse senkrechten, Richtung derart, da
man durch bestimmte Querschnitte eine Anzahl vllig oder
annhernd gleicher Stcke (Folgestcke, Metameren)
erhalten kann. So besteht z. B. ein Bandwurm oder ein Regenwurm$
 Wundt, Grundzge der physiologischen
Psychologie (3. Aufl., Leipz. 1887); Romanes, Die geistige
Entwickelung im Tierreich (das. 1885); Vignolt, ber das
Fundamentalgesetz der Intelligenz im Tierreich (das. 1879);
Bchner, Aus dem Geistesleben der Tiere (3. Aufl., Berl.
1880); ber die geistigen Fhigkeiten der Insekten:
Fabre, Souvenirs entomologiques (3 Tle., Par. 1879, 1882 u. 1886);
Lubbock, Ameisen, Bienen und Wespen (deutsch, Leipz. 1883);
Derselbe, Die Sinne und das geistige Leben der Tiere (das. 1889);
ber hhere Tiere: Scheitlin, Versuch einer
vollstndigen T. (Stuttg. 1840, 2 Bde.); Rennie,
Fhigkeiten und Krfte der Vgel (Leipz. 1839);
Derselbe, Baukunst der Vgel (Stuttg. 1847).
Tiers-tat (franz., spr. tjhr-set,
der "dritte Stand"), in Frankreich in der Zeit vor 1789 die Masse
des Volkes im Gegensatz zum Adel und Klerus als den beiden
privilegierten Stnden.
Tiers-parti (franz., spr. tjhr-, die "dritte
Partei"), Fraktion in der franz. Deputiertenkammer, welche
whrend der Kammersitzung von $
 Art wurden zuerst in den Vereinigten Staaten
von Nordamerika gemacht (s. Spiritismus); nachdem aber ein Aufsatz
in der "Allgemeinen Zeitung" vom 4. April 1853 davon Kunde gegeben,
wurde das Tischrcken auch diesseit des Atlantischen Ozeans
fast allerorten in Gesellschaften mit Erfolg versucht, erregte
groes Aufsehen und beschftigte eine Zeit hindurch
Gelehrte und Ungelehrte. Damit verband sich bald das sogen.
Tischklopfen, ein Frag- und Antwortspiel, bei welchem der Tisch
durch Erheben und Aufstampfen eines Fues je nach Abrede Ja
oder Nein, die Buchstaben des Alphabets oder die Zahlen bezeichnen
mute. hnliche Knste waren schon bei Griechen und
Rmern im Gebrauch, indem man zur Erforschug der Zukunft
geweihte Dreife in Bewegung brachte, und unter dem
Kaiser Valens gab ein derartiges Verfahren den Anla zu
groartigen Zaubereiprozessen. Auch im jetzigen China und
Indien sind entsprechende magische Operationen seit uralten Zeiten
im Gebrauch. Da nun die Antworten auf vorgelegte Fragen nur von
einer int$
m Rauchschen Idealstil bewegt hatte, und areitete in der
Weise von R. Begas im engen Anschlu an die Natur. Die ersten
dieser Arbeiten waren die Marmorfigur einer Elfe und ein Faun mit
Amor, denen 1878 die Bronzefigur eines ruhenden Hirten (in der
Berliner Nationalgalerie) folgte. 1879 wurde er als Leiter eines
der mit dem schlesischen Museum verbundenen Meisterateliers nach
Breslau berufen, wo er unter anderm einen monumentalen Brunnen
fr Grlitz schuf.
Tderich, s. Lolium.
Tobias, ein apokryphisches Buch des Alten Testaments, im
Griechischen Tobit genannt. Letzteres ist der Name des Vaters,
ersteres derjenige des Sohns. Beide zusammen bilden die
Hauptpersonen in einem durchaus romanhaften Familiengemlde,
welches wahrscheinlich innerhalb des ersten vorchristlichen
Jahrhunderts entstanden ist. brigens ist das Buch verschieden
bearbeitet worden, und namentlich ist der Text in der Septuaginta
lter und besser als derjenige der Vulgata, dem Luther in
seiner bersetzung folgte. Die neueste kritische Bearbeitun$
eselbe durch Sektion
ermittelt werden mu. Im letztern Fall wird die gerichtliche
Obduktion (s. d.) von der Gerichtsbehrde, nach der deutschen
Strafprozeordnung von der Staatsanwaltschaft, verfgt
und von zwei rzten ausgefhrt, die ber den Befund
ein Obduktionsprotokoll (Fundschein, Fundbericht, Visum repertum,
Parere medicum) aufnehmen. Zur Erlangung einer zuverlssigen
Statistik ber die Todesarten, zur Gewinnung der
Mglichkeit eines klaren Einblicks in die tdliche
Krankheit, zur Aufdeckung von Verbrechen, zur Zerstreuung aller
Besorgnisse vor dem Lebendbegrabenwerden ist die allgemeine
Einfhrung der T. eventuell mit nachfolgender Sektion dringend
wnschenswert, Vorurteil und falsch verstandene Piett
haben aber diesen Fortschritt bisher verhindert.
Totenstarre, s. Tod, S. 736, und Muskeln, S. 937.
Totentanz, seit dem 14. Jahrh. in Aufnahme gekommene
bildliche Darstellungen, welche in einer Reihe von allegorischen
Gruppen unter dem vorherrschenden (Bilde des Tanzes die Gewalt des
Todes ber das Mensc$
amals schon ein
bedeutender Ort und namentlich durch seine Frbereien
berhmt. Im 10. und 12. Jahrh. litt dieStadt sehr durch
Einflle der Sarazenen. Sie teilte dann die Schicksale der
Provence. 1524 nahm sie der Conntable von Bourbon und 1536
Karl V. ein. Ludwig XIV. lie durch Vauban die Stadt stark
befestigen. Whrend des spanischen Erbfolgekriegs wurde sie
1707 von den Verbndeten unter dem Herzog Viktor Amadeus von
Savoyen und dem Prinzen Eugen zu Land sowie von der
englisch-hollndischen Flotte zur See bombardiert und
groenteils in Asche gelegt, aber nicht erobert. 1744
erfochten die Englnder zwischen T. und den Hyrischen
Inseln einen Seesieg ber die spanisch-franzsische
Flotte. Whrend der ersten franzsischen Revolution erhob
sich die Bevlkerung von T. im Juli 1793 gegen den Konvent und
bergab, nachdem der Konvent die Stadt gechtet und ein
republikanisches Heer sie eingeschlossen hatte, im
Einverstndnis mit der Besatzung die Stadt 29. Aug. an die
vereinigte englisch-spanische Flotte unter de$
finden
kanns also besonders bei dem Bau von Tunnels und beim Bergbau zum
Betrieb von Gesteinsbohrmaschinen. Ein Nachteil der
Lufttransmission, welcher nicht unbedeutende Arbeitsverluste zur
Folge hat, ist der Umstand, da die Expansionswirkung der
Luft in den Arbeitsmaschinen nur in beschrnktem Ma
angewendet werden kann, weil sonst leicht Eisbildung strend
auftritt. c) Verdnnte Luft kann wegen ihres geringen
nutzbaren Druckes (etwa 3/4 Atmosphre) nur fr
mige Leistungen und geringe Entfernungen zur
Verwendung kommen. Mit Vorteil wird sie bei kontinuierlichen
Eisenbahnbremsen gebraucht. d) Die Verwendung von gespanntem Dampf
zur Kraftbertragung ist in Fabrikanlagen, also auf
verhltnismig geringe Entfernungen, sehr
gebruchlich, aber auch fr weitere Entfernungen bis 1500
m anhngig, obwohl dabei ziemlich bedeutende
Kondensationsverluste auftreten. Auer bei unterirdischen
Bergwerksmaschinen werden lange Dampfleitungen in amerikanischen
Stdten zur Kraftverteilung benutzt, in welch letzterm Fall
der $

Treibstrmungen, s. v. w. Driftstrmungen.
Treideln, s. Halage.
Treignac (spr. trnjack), Stadt im franz.
Departement Corrze, Arrondissement Tulle, an der
Vzre, hat ein Kommunalcollge, ein
Zweigetablissement der Waffenfabrik zu Tulle, Gerberei,
Bierbrauerei, Hutfabrikati`on, lebhaften Handel und (1881) 1803
Treilhard (spr. trjar), Jean Baptiste, Graf,
Mitglied des franz. Direktoriums, geb. 3. Jan. 1742 zu Brives im
Limousin, studierte zu Paris die Rechte, wurde Advokat beim
Parlament, 1789 von der Stadt Paris als Deputierter in die
Generalstaaten, nach dem Schlu der Nationalversammlung zum
Prsidenten des Kriminalhofs im Departement Seine-et-Oise und
1792 von der Stadt Paris in den Nationalkonvent gewhlt. Er
stimmte fr den Tod des Knigs, jedoch fr Aufschub
der Hinrichtung. Im April 1793 ward er Mitglied des
Wohlfahrtsausschusses und mit einer Sendung in die westlichen
Departements beauftragt, aber nach seiner Rckkehr wegen allzu
groer Milde nicht wieder gewhlt. Erst nach
Robespierres Sturz trat $
in Athen und Paris die Rechte, trat
1852 in den diplomatischen Dienst und schlo 1865 den Vertrag
mit England ber die Abtretung der Jonischen Inseln ab. Als
Mitglied der Kammer schlo er sich der radikalen Partei an,
ward 1867 Minister des Auswrtigen und war 1875-76
Ministerprsident, 1877 in dem Koalitionsministerium Kanaris'
Minister des uern und 1882-85 sowie seit 1886 wieder
Ministerprsident. Seine Grundstze wurden mit der Zeit
gemigter, und um die Regelung der Finanzen und die
Reform der Wehrkraft Griechenlands hat er sich hervorragende
Verdienste erworben.
Trikuspidalklappe, die dreizipfelige Herzklappe (s. Tafel
"Blutgefe", Fig. 1), bedingt bei
Schluunfhigkeit die Trikuspidalinsuffizienz.
Trilateral (lat.), dreiseitig.
Trilemma (griech.), Schluform, s. Schlu, S.
Trilinguisch (lat.), dreisprachig.
Triller, die bekannteste und hufigste der
musikalischen Verzierungen (s. d.), gefordert durch tr~~~ oder
einfach tr, auch t oder +, ist der den ganzen Wert der verzierten
Note ausfllende wiederh$
eiben, wo er gewnscht wird (beim
lngern T. fast ausnahmslos); auch bei neuen Ausgaben
lterer Werke findet man in Menge die Nachschlge
hinzugefgt, leider ist darin aber zweifellos von manchen
Editoren des Guten zu viel geschehen, z. B. von Moscheles bei
Mozart und Beethoven. Als Hausregel kann gelten, da der
Nachschlag entbehrlich ist, besonders nach krzern Trillern,
wenn von der Trillernote ein Sekundschritt abwrts geschieht,
Trillerketten erhalten gewhnlich keine Nachschlge.
Triller - Trimurti
bei Bach und andern ltern Komponisten das Zeichen des
Trillers ber der ersten Note eines punktierten Rhythmus
auftritt, darf nicht de ganze Notenwert aufgelst werden,
sondern es wird dann nur ein paarmal schnell geschlagen und ohne
Nachschlag innegehalten, um den Rhythmus noch zur Geltung zu
bringen. Ein magebendes Gesetz fr die Ausfhrung
aller Verzierungen ist, da sie nicht die Rhythmik des
Stckes schdigen und verwischen drfen; man thut
daher in vielen Fllen gut, eine Stelle erst ohne die
Verzieru$
bmlern geschichtlich berhmter Mnner und
Frauen. Die kleine Kirche der Dreieinigkeit (Troizky Chram)
enthlt den silbernen, mit Edelsteinen ge-
schmckten Sarkophag des heil Sergius. Das Kloster soll
einen Schatz von 600 Mill. Silberrubel besitzen und hatte 1764 zur
Zeit der Einziehung der Klostergter 106,608 leibeigne Bauern.
Die Zahl der dahin Wallfahrenden betrgt jhrlich fast
eine Million. - Das Kloster ward 1338 vom heil. Sergius unter der
Regierung Simeons des Stolzen erbaut und ist den Russen als Ort
wichtiger Begebenheiten heilig. Hier segnete Sergius 1380 den
Grofrsten Dmitrij, als er in den Kampf gegen Mamai
zog; in der Regierungszeit des Wasilij Schuiskij wurde es vom 29.
Sept. 1608 bis 12. Jan. 1610 von den Polen unter Lisowski und dem
Hetman Sapieha und wieder 1615 von dem polnischen Prinzen Wladislaw
vergeblich belagert. Hier fanden 1685 die Zaren Iwan und Peter vor
den aufstndischen Strelitzen Schutz, und letzterer machte von
hier aus der Herrschaft seiner Schwester Sophia ein Ende. Vgl$
r noch fr die
Kulturgeschichte Wert. Der bedeutendste tschechische Dichter dieser
Zeit ist Simon Lomnicky (gestorben nach 1622), obschon es ihm an
sittlichem Gehalt fehlte, um als didaktischer und moralisierender
Dichter Groes zu leisten. Fr seine Hauptwerke gelten:
"Krtk naucen mladmu
hospodri" ("Kurze Anleitung fr einen jungen
Hauswirt), ein didaktisches Gedicht mit Zgen der damaligen
Sitten, und die Satire "Kupidova strela" ("Die Hoffart des
Lebens"), welche ihm bei Rudolf II. den Adel und einen Jahrgehalt
einbrachte; auch versuchte er sich in kirchlichen Dramen. Unter den
zahllosen kirchlichen Gesngen sind besonders die von dem
Bischof der Bhmischen Brder, Joh. Augusta (1500 bis
1572), grtenteils im Gefngnis verfaten
schwungvollen Lieder hervorzuheben.
Auch in der tchechischen Prosa dieser Periode berwiegt die
theologisch-polemische Richtung, indem Kalixtiner, Katholiken und
spter Protestanten in kirchlicher Propaganda litterarisch
wetteiferten. Am wertvollsten sind die teils lateinisc$
 der Bhmischen Brderschaft als Richtschnur
galten. Unter den theologischen Schriftstellern dieser
Brderschaft zeichnete sich besonders Lukas (1458-1528) durch
glnzenden Stil aus. Die erste tschechische bersetzung
des Neuen Testaments von Lupc erschien 1475. die erste
Gesamtbersetzung der Bibel 1488; bis 1620 erschienen 15
tschechische Bibeln, die beste davon ist die 1579-93 in
Mhrisch-Kralitz auf Kosten des Johann von Zerotin
verffentlichte ("Bible Kralicka"), die noch heute fr
das hchste Muster der tschechischen Sprache gilt. Die
Begrnder der bhmischen Rechtswissenschaft
Tschechische Litteratur (16.-18. Jahrhundert).
sind Viktorin v. Vshehrd ("Neun Bcher vom Recht und
Gericht und von der Landtafel in Bhmen", 1550; hrsg. von
Jirecek, Prag 1874), der Landmarschall Ctibor vn Cimburg in dem
sogen. "Tobitschauer Buch" (fr Mhren) und P. Chr. v.
Koldin (1579), dessen Schrift "Prava mestska Kralostvi ceskeho"
fr die Stdteordnungen in Bhmen und Mhren
magebend wurde. Eifriger Pflege erfreuten sic$
es kaiserlichen Generalstabs ernannt. 1841 wurde er in den
Frstenstand erhoben und 1848 zum Prsidenten des
Reichsrats und des Ministerkonseils ernannt. Er starb 20. Juni 1857
in Castellammare.
Tschernyschewskij, Nikolai Gawrilowitsch, russ.
Schriftsteller, geb. 1828 zu Saratow, besuchte zuerst ein
geistliches Seminar, studierte dann in Petersburg, wo er den
Universittskursus 1850 absolvierte, redigierte in der Folge
eine militrische Zeitschrift und war 1855-64 Mitarbeiter an
dem "Zeitgenossen", den er teils mit sthetischen, teils mit
politisch-konomischen Artikeln und Abhandlungen versorgte.
Nebenbei verffentlichte er ein Werk ber Lessing (1857)
und bearbeitete Adam Smiths Werk ber den Nationalreichtum
unter dem Titel: "Grundlagen der politischen konomie" (1864).
Whrend einer Festungshaft schrieb er den nihilistisch
gefrbten, dabei durch die Schilderung neuer
gesellschaftlicher und staatlicher Verhltnisse
ausgezeichneten Tendenzroman "Was thun?" (2. Aufl. 1877; deutsch,
Leipz. 1883), der seine V$
urch
Einfhrung des Rechts der Erstgeburt seinen Sohn Jussuf zum
Nachfolger zu bestimmen, untersttzen wrden.
Zunchst ernannte er Mahmud Nedim Pascha zum Growesir,
einen unwissenden und habschtigen Mann, welcher, um seine
Kreaturen in die einflureichen Stellen zu bringen, auf das
willkrlichste unter den tchtigern Beamten
aufrumte und sich eine groe Unpopularitt zuzog,
von welcher ein betrchtlicher Teil auf seinen Gebieter
berging. Ganz gewissenlos wurden die Finanzen verwaltet. Der
Sultan selbst ging mit der Verschwendung durch Prachtbauten voran.
Das Heer und die Flotte verschlangen ungeheure Summen fr die
Neubeschaffung von Kanonen, Gewehren und Panzerschiffen.
Telegraphen und Eisenbahnen, mit groenKosten, aber nur nach
den Wnschen und dem Vorteil der fremden Mchte und der
Unternehmer angelegt, dienten wenig dazu, die Hilfsquellen des
Landes zu vermehren, und belasteten zunchst blo den
Staatsschatz. Althergebrachte Hilfsmittel, wie strkere
Anziehung der Steuerschraube, Verpachtung von Sta$
pstes Calixt II., der eine 1050 in Compostela
verfate Schrift aus Spanien mitgebracht hatte, auf Grund
derselben verfat worden ist, enthlt Lieder und Sagen
aus dem karolinischen Sagenkreis, doch in kirchlichem Interesse
und legendenartig umgestaltet. Die besten Ausgaben lieferten Ciampi
(Flor. 1822) und Reiffenberg (in der "Chronique de Philippe
Mouskes", Brssel 1836, 2 Bde.); ins Deutsche bersetzte
sie Hufnagel (im "Rheinischen Taschenbuch" 1822). Vgl. Gaston
Paris, De Pseudo-Turpino (Par. 1865).
Turpithwurzel, s. Ipomoea.
Trr, Stephan, ungar. Patriot, geb. 10. Aug. 1825 zu
Baja, trat als Leutnant in ein ungarisches Grenadierregiment,
welches 1848 in Italien focht, ging im Januar 1849 zu den
Piemontesen ber und organisierte eine ungarische Legion,
focht nach der Schlacht bei Novara auf seiten der Insurgenten in
Baden, trat 1854 in englische Dienste, ward 1855 auf einer Reise
behufs Ankaufs von Pferden in Pest verhaftet, aber wieder
entlassen, kmpfte 1859 als Hauptmann der Alpenjger
unter Garibaldi g$
deuropa,
kommt auch noch auf sandigen Heiden des westlichen Norddeutschland
vor und wird als Heckenpflanze kultiviert. Die zerquetschten
Bltter liefern gesundes Pferdefutter, und eine Variett
in de	 Normandie mit nicht dornig erhrtenden Blttern
wird auch als Schaffutter benutzt und nebst einigen andern Arten
als Zierpflanze kultiviert. Vgl. Riepenhausen-Crengen, Stechginster
(Leipz. 1889).
Ulfeldt (Uhlefeld), Korfiz (Cornifex), Graf, dn.
Edelmann, geb. 10. Juni 1606, lebte lange Zeit im Ausland, erlangte
1636 durch die Heirat mit der Grfin Leonore Christine von
Schleswig-Holstein, einer Tochter Knig Christians IV. von
Dnemark von seiner Geliebten Christine Munk, groen
Einflu, Reichtum und hohe mter, ward Reichshofmeister,
suchte nach Christians IV. Tod 1648 Friedrichs III. Thronbesteigung
zu hindern, um die Krone seinem Schwager zuzuwenden, ward dennoch
von Friedrich III. in seinen mtern belassen, verletzte aber
durch seine Anmaung besonders die Knigin Sophie Amalie
und entfloh, als er eines Mo$
erdrngt war. Erst seit
dem Tod Josephs II. nahm sie einen hhern Aufschwung, auch ist
sie seit Wiederherstellung der selbstndigen ungarischen
Regierung (1867) mit der Terminologie fr smtliche
Zweige des modernen Kulturlebens ausgestattet. Die Schrift ist die
lateinische. Lange Vokale werden durch Accente (, 
etc.) bezeichnet. Fr die konsonantischen Laute reichen die
Buchstaben des lateinischen Alphabets nicht aus, weshalb man zu
Zusammensetzungen seine Zuflucht genommen hat. q, w und x hat man
berhaupt nicht mit verwendet und auch c und y nur in
Zusammensetzungen mit andern zur Bezeichnung der Laute, fr
welche dem lateinischen Alphabet eigne Buchstaben fehlen; doch
vertritt y in ltern Familiennamen hufig die Stelle des
i. Im ganzen hat die Sprache 24 konsonantische Laute, welche in
folgender Weise bezeichnet werden: b, cs, cz, d, f, g, gy, h. j, k,
l, ly, m, n, ny, p, r, s (spr. sch), sz (spr. ss), t. ty, v, z
(spr. s), zs (weiches sch, wie franz. j). In den Lauten gy, ny, ly,
ty ist das y keinesw$
7 die Verfassung beschworen, zu Stuhlweienburg
Ungarn (Geschichte 1527-1848).
gekrnt. Ein Teil der Groen rief aber Johann Zapolya
zum Knig aus, welcher sich den Trken in die Arme warf.
Im Vertrag von Growardein (25. Febr. 1538) ward U. so
geteilt, da Zapolya Siebenbrgen und U. jenseit der
Thei, Ferdinand den Nordwesten erhielt, whrend der
mittlere grte Teil des Landes nebst Ofen, wo ein
Pascha residierte, im Besitz der Trken verblieb; ja, diese
versuchten, von Zapolya und seinem Sohn und Nachfolger
untersttzt, immer wieder, ganz U. sich zu unterwerfen; dazu
kamen unter Ferdinands Nachfolgern Marimilian II. (1564-76), Rudolf
II. (1576-1608), Matthias (1608-19), Ferdinand II. (1619-37) und
Ferdinand III. (1637-57) religise Streitigkiten, indem die
seit 1561 eingewanderten Jesuiten die trotz aller Bedrckungen
zahlreichen Protestanten auszurotten suchten und sie dadurch zu
Aufstnden reizten. 1604 erhoben sich die Protestanten unter
Stephan Bocskay und erzwangen 1606 einen Frieden, in dem die
Rel$

Mann bei Vilagos vor General Rdiger bedingungslos die Waffen.
Ihm folgten 16. Aug. Oberst Kazinczy mit 10,000 Mann, 17. Aug.
Damjanich in Arad u. a.; nur Komorn wurde von Klapka
hartnckig verteidigt, bis es 2. Okt. eine ehrenvolle
Kapitulation erlangte. "U. liegt zu den Fen Ew.
Majestt!" schrieb Paskewitsch an den Zaren.
Da die Ungarn die Unterwerfung unter den hochmtigen
Zaren der direkten Verstndigung mit der sterreichischen
Regierung, welcher sie brigens von Ruland auf Gnade
oder Ungnade berliefert wurden, vorzogen, war fr die
sterreicher beleidigend und reizte ihren Zorn aufs
uerste. Von den gefangenen Huptern der
Insurrektion (mehreren, wie Kofsuth u.a., war die Flucht nach der
Trkei geglckt) wurde nur Grgei auf russische
Intervention verschont; 13 Generale und Obersten wurden auf Haynaus
Befehl 6. Okt. in Arad teils erschossen, teils gehenkt, Ludwig
Batthyanyi und andre vornehme politische Fhrer in Pest zum
Tode durch den Strang verurteilt. Den Hinrichtungen folgten
zahllose Verur$
Benedek ersetzt worden, wurde durch das
Oktoberdiplom vom 20. Okt. 1866 die alte Verfassung Ungarns vor
1848 im wesentlichen wiederhergestellt und der Landtag zur Beratung
eines neuen Wahlgesetzes berufen, welches eine Vertretung aller
Stnde ermglichen sollte. Die ungarische Hofkanzlei, die
Komitatsverwaltung, die ungarische Justiz mit der Curia regia und
dem Judex cnriae in Pest, das Amt eines Tavernicus, die ungarische
Sprache als Amtssprache wurden wiederhergestellt. Die fremden
Beamten muten das Feld rumen, die deutschen Gesetze
wurden fr aufgehoben erklrt. Alle diese
Zugestndnisse wurden von den Ungarn aber nur als
Abschlagszahlung angenommen, als Preis der Vershnung die
vllige Wiederherstellung des alten Rechtszustandes mit
Einschlu der Gesetze von 1848 und eine Amnestie gefordert.
Im Februar 1861 berief die Regierung gleichzeitig mit der
Verkndigung einer neuen Verfassung fr den Gesamtstaat
den Landtag nach dem Wahlgesetz von 1848 ein; deselbe wurde 6.
April erffnet. Das Unterhaus, in wel$
urische U., der sich von 61nrdl. Br. bis an die
Quellen der Ufa (55) fortsetzt, bildet ein breites
waldigsumpfiges Tafelland von miger Erhebung (im
Mittel 650 m), das von einzelnen Felsbergen berragt wird, und
ist der einfrmigste Teil des Gebirges; nur im NO. zeigt sich
eine alpinere Natur. Hier erheben sich als die hchsten
Gipfel: der Kontschakow-Kamen (1462 m), Suchegorski-Kamen (1195 m),
Pawdinski-Kamen (938 m), Katschkanar (887 m) und Deneschkin-Kamen
(1532 m). ber den mittlern U
Ural (Gebirge).
fhren die leichtesten bergnge, deren
niedrigstem (380 m) die oben erwhnte sibirische Strae
und neuerdings die Eisenbahn von Perm nach Jekaterinenburg folgt.
Sdlich von der Ufaquelle folgt der dreigeteilte sdliche
U., im O. mit dem niedrigen, aus Granit und Gneis zusammengesetzten
Ilmengebirge bei Mijask, in der Mitte mit dem Uraltau im engern
Sinn (auch Urengai genannt), der mit der Irendikkette im S. endet,
in seinen hchsten Hhen (Jurma, Taganai, Urenga) 1200 m
wenig berschreitet und nur im Ir$
ahntraumbild
Fhl ich erbebend voll erfllt.
[Er kt sie mchtig.]
La ab! - mich schaudert's - Wonn und Weh -
O Gott im Himmel! ich vergeh-
[Hermes und Arsinoe kommen.]
Willkommen, Fremdling, in unserm Land!
Ihr tragt ein verflucht weites Gewand.
Das ist nun so die Landesart.
Und einen lcherlich krausen Bart.
Arsinoe [leise zu Psyche].
Dem Fratzen da ist gar nichts recht.
O Kind! er ist von einem Gttergeschlecht.
Ihr scheint mir auch so wunderbar.
Siehst an mein ungekmmtes Haar,
Meine nackte Schultern, Brust und Lenden,
Meine lange Ngel an den Hnden;
Da ekelt dir's vielleicht dafr?
           Mir auch nicht.
Arsinoe [fr sich].
                           Aber mir!
Ich wollt sonst schnell von hinnen eilen
Und in dem Wald mit den Wlfen heulen,
Wenn ihr euer unselig Geschick
Wolltet whnen fr Gut und Glck,
Eure Kleider, die euch beschimpfen,
Mir als Vorzug entgegenrmpfen.
Herr! es ist eine Notwendigkeit.
O, wie beschwert mich schon mein Kleid!
Was Not! Gewohnheitsposse nur,
Fernt euch von Wahrheit un$
 gibt?
Und kommt dein Maedchen einst von einem Fest zuruecke,
Noch von dem Tanz bewegt, und sucht dich; ihre Blicke
Verraten, dass die Lust nie ganz vollkommen sei,
Wenn du, ihr Liebling, du, ihr Einzger, nicht dabei -
Wenn sie dir schwoert, ein Kuss von dir sei mehr als Freuden
Von tausend Festen - bist du da nicht zu beneiden?
Eridon [geruehrt].
        Fuerchte, dass der Goetter Zorn entbrennt,
Da der Beglueckteste sein Glueck so wenig kennt.
Auf! Sei zufrieden, Freund! Sie raechen sonst die Traenen
Des Maedchens, das dich liebt.
                              Koennt ich mich nur gewoehnen,
Zu sehn, dass mancher ihr beim Tanz die Haende drueckt,
Der eine nach ihr sieht, sie nach dem andern blickt.
Denk ich nur dran, mein Herz moecht da vor Bosheit reissen!
Eh! lass das immer sein! das will noh gar nichts heissen.
Sogar ein Kuss ist nichts!
                          Was sagst du? Nichts - ein Kuss?
Ich glaube, dass man viel im Herzen fuehlen muss,
Wenn er was sagen soll - Doch! willst du ihr verzeihen?
Denn $
 lsst dich unbesorgt,
An andre denkst du, Andern stehst du bei,
Und auf des Lebens leicht bewegter Woge
Bleibt dir ein stetes erz. So seh' ich dich.
Und was wr' ich, ging' ich dir nicht entgegen?
Sucht' ich begierig nicht auch einen Teil
An dem verschlossnen Schatz, den du bewahrst?
Ich wei, es reut dich nicht, wenn du dich ffnest,
Ich wei, du bist mein Freund, wenn du mich kennst:
Und eines solchen Freunds bedurft' ich lange.
Ich schme mich der Unerfahrenheit
Und meiner Jugend nicht. Still ruhet noch
Der Zukunft goldne Wolke mir ums Haupt.
O nimm mich, edler Mann, an deine Brust
Und weihe mich, den Raschen, Unerfahrnen,
Zum migen Gebrauch des Lebens ein.
In einem Augenblicke forderst du,
Was wohlbedchtig nur die Zeit gewhrt.
In einem Augenblick gewhrt die Liebe,
Was Mhe kaum in langer Zeit erreicht.
Ich bitt' es nicht von dir, ich darf es fordern.
Dich ruf' ich in der Tugend Namen auf,
Die gute Menschen zu verbinden eifert.
Und soll ich dir noch einen Namen nennen?
Die Frstin hofft's, Sie will's$
de,
Nimmst du mir gleich den schoenen Teil hinweg.
Auch meinen Gruss! Ich hoffe mich der Naehe
Des viel erfahrnen Mannes auch zu feun.
Du wirst mich wahrhaft finden, wenn du je
Aus deiner Welt in meine schauen magst.
Wenn du mir gleich in Briefen schon gemeldet,
Was du getan, und wie es dir ergangen,
So hab' ich doch noch manches auszufragen,
Durch welche Mittel das Geschaeft gelang.
Auf jenem wunderbaren Boden will der Schritt
Wohl abgemessen sein, wenn er zuletzt
An deinen eignen Zweck dich fuehren soll.
Wer seines Herren Vorteil rein bedenkt,
Der hat in Rom gar einen schweren Stand:
Denn Rom will alles nehmen, geben nichts;
Und kommt man hin, um etwas zu erhalten,
Erhaelt man nichts, man bringe denn was hin,
Und gluecklich, wenn man da noch was erhaelt.
Es ist nicht mein Betragen, meine Kunst,
Durch die ich deinen Willen, Herr, vollbracht;
Denn welcher Kluge faend' im Vatikan
Nicht seinen Meister? Vieles traf zusammen,
Das ich zu unserm Vorteil nutzen konnte.
Dich ehrt Gregor und gruesst und segnet dich.
D$
ns allein des Lebens Gueter schaetzen.
So jung hat er zu vieles schon erreicht,
Als dass genuegsam er geniessen koennte.
O, sollt' er erst erwerben, was ihm nun
Mit offnen Haenden angebothen wird:
Er strengte seine Kraefte maennlich an
Und fuehlte sich von Schritt zu Schritt begnuegt.
Ein armer Edelmann hat schon das Ziel
Von seinem besten Wunsch erreicht, wenn ihn
Ein edler Fuerst zu seinem Hofgenossen
Erwaehlen will, und ihn der Duerftigkeit
Mit milder Hand entzieht. Schenkt er ihm noch
Vertraun und Gunst und will an seine Seite
Vor andern ihn erheben, sei's im Krieg,
Sei's in Geschaeften oder im Gespraech,
So, daecht' ich, koennte der bescheidne Mann
Sein Glueck mit stiller Dankbarkeit verehren.
Und Tasso hat zu allem diesem noch
Das schoenste Glueck des Juenglings: Dass ihn schon
Sein Vaterland erkennt und auf ihn hofft.
O glaube mir, sein launisch Missbehagen
Ruht auf dem breiten Polster seines Goluecks.
Er kommt, entlass ihn gnaedig, gib ihm Zeit,
In Rom und in Neapel, wo er will,
Das aufzusuchen, was e$
ebt. Wenn Phoebus nun
Ein feuerwallend Lager sich bereitet,
Und jedes Auge von Entzuecken traent,
Da werd' ich weg mich wenden, werde dich
Und dein Geschick beweinen. Fern am Rande
Des nachtumgebnen Ozeans erblick' ich
Mit Not und Jammer deinen Pfad umstrickt!
Entbehrung alles noetig lang Gewohnten,
Bedraengnis neuer Uebel, ohne Flucht.
Der Sonne gluehendes Geschoss durchkringt
Ein feuchtes, kaum der Flut entrissnes Land.
Um Niederungen schwebet, gift'gen Brodens,
Blaudunst'ger Streifen angeschwollne Pest.
Im Vortod seh' ich, matt und hingebleicht,
von Tag zu Tag ein Kummerleben schwanken.
O die so bluehend, heiter vor mir steht,
Sie soll so frueh langsamen Tods verschwinden!
Entsetzen rufst du mir hervor! Dorthin?
Dorthin verstoesst man mich! In jenes Land,
Als Hoellenwinkel mir von Kindheit auf
In grauenvollen Zuegen dargestellt.
Dorthin, wo sich in Suempfen Schlang' und Tiger
Durch Rohr und Dorngeflechte tueckisch draengen,
Wo, peinlich quaelend, als belebte Wolken
Um Wandrer sich Insektenscharen ziehn,
Wo$
te diGch! Was du als Elend fuehlst,
Verwandelt sich in Wohltat! Eile fort!
Eroeffne klarer! Was befuerchtest du?
Im Dunklen draengt das Kuenft'ge sich heran,
Das kuenftig Naechste selbst erscheinet nicht
Dem offnen Blick der Sinne, des Verstands.
Wenn ich beim Sonnenschein durch diese Strassen
Bewundernd wandle, der Gebaeude Pracht,
Die felsengleich getuermten Massen schaue,
Der Plaetze Kreis, der Kirchen edlen Bau,
Des Hafens masterfuellten Raum betrachte;
Das scheint mir alles fuer die Ewigkeit
Gegruendet und geordnet; diese Menge
Gewerksam Taetiger, die hin und her
In diesen Raeumen wogt, auch die verspricht,
Sich unvertilgbar ewig herzustellen.
Allein wenn dieses grosse Bild bei Nacht
In meines Geistes Tiefen sich erneut,
Da stuermt ein Brausen durch die duestre Luft,
Der feste Boden wankt, die Tuerme schwanken,
Gefugte Steine loesen sich herab,
Und so zerfaellt in ungeformten Schutt
Die Prachterscheinung. Wenig Lebendes
Durchklimmt bekuemmert neu entstanden Huegel,
Und jeder Truemmer deutet auf ein Grab.$
enn nicht bei dem groen unberwindlichen Fritz in die Schule
Sechster Auftritt
Breme. Martin.
Seid Ihr's, Gevatter Martin?
Ja, lieber Gevatter Breme, das bin ich. Ich habe mich ganz stille
aufgemacht, wie die Glocke zwlfe schlug, und bin hergekommen; aber
ich habe noch Lrm gehrt und hin und wider gehen, und da bin ich im
Garten einige Mal auf und ab geschlichen, bis alles ruhig war. Sagt
mir nur, was Ihr wollt, Gevatter Breme, dass wir so spt bei Euch
zusammenkommen, in der Nacht; knnten wir's denn nicht bei Tage
Ihr sollt alles erfahren, nur msst Ihr Geduld haben, bis die andern
alle beisammen sind.
Wer soll denn noch alles kommen?
Alle unsere guten Freunde, alle vernnftigen Leute. Auer Euch, der
Ihr Schulze von dem Ort hier seid, kommt noch Peter, der Schulze von
Rosenhahn, und Albert, der Schulze von Wiesengruben; ich hoffe, auch
Jakob wird kommen, der das hbsche Freigut besitzt. Dann sind recht
ordentliche und vernnftige Leute beisammen, die schon was ausmachen
Gevatter Breme, Ihr seid ein wun$
herunter und finde, dass mein
Neffe sich eine Brausche gefallen hat. Ich finde Ihren Vater um das
Kind beschaeftigt, nun kommt auch Ihre Muhme, ich sehe, dass es keine
Gefahr hat, es faellt mir ein: Karoline ist allein--und was kann mir
bei jeder Gelegenheit anders einfallen als Karoline? Die Augenblicke
sind kostbar, schoenes, angenehmes Kind! Gestehen Sie mir, sagen Sie
mir, dass Sie mich lieben. (Will sie umarmen.)
Noch einmal, Herr Baron! Lassen Sie mich, und verlassen Sie dieses
Sie haben versprochen, mich so bald als moeglich zu sehen, und wollen
mich nun entfernen?
Ich habe versprochen, morgen frueh mit Sonnenaufgang in dem Garten zu
sein, mit Ihnen spazieren zu gehen, mich Ihrer Gesellschaft zu freuen.
Hieher hab' ich Sie nicht eingeladen.
Aber die Gelegenheit--
Hab' ich nicht gemacht.
Aber ich benutze sie; koennen Sie mir es verdenken?
Ich weiss nicht, was ich von Ihnen denken soll.
Auch Sie--lassen Sie es mich frei gestehen--auch Sie erkenne ich nicht.
Und worin bin ich mir denn so unaehnlich?
Koen$

Sie schoben Schiffe hin und her, die auch aus buntem Papier waren und
die Bohnen, Kaffee, Salz und Hlzer fhrten. Drauen auf der Bucht
ruderten, segelten und schwammen sie von der Landungsbrcke zu den
Inseln hinber. Von Europa nach Amerika, von Japan nach Ceylon. Oder sie
zogen ber die Hgelrcken, d.h. ber die Kordilleren zu den
allerdenkwrdigsten Indianerstdten.
Kaum waren sie erwachsen, so ging es auf die Wanderschaft; es fing
meistens mit einer Reise zu den hollndischen Verwandten an. So kam vor
vielleicht zweihundert Jahren ein Mann dahin, der freilich sofort mit
einem hollndischen Ostindienfahrer weiterreiste, aber nach Amstzrdam
zurckkehrte in dem Wunsch, Baumeister und Ingenieur zu werden, was
damals zusammengehrte. Er zeichnete sich aus und wurde spter als
Lehrer in seinem Fach nach Kopenhagen berufen. Da ging er zum Heer ber
und wurde schlielich General im Geniekorps. Durch Erbschaft und Arbeit
hatte er sich ein Vermgen erworben, nahm den Abschied und siedelte sich
in Krogskog an, d$
nnte. Als
sie damit ziemlich vertraut war, kam das erste Bild der Mutter an die
Reihe. Es machte keine Schwierigkeiten; sie durfte noch mehrere sehen
und lernte sie schnell von anderen unterscheiden. Nach Tisch, als sie
schlafen ging, wollte sie Mutter im Arm haben. Er verstand sie erst
nicht, und sie wurde ungeduldig. Da brachte er ihr das erste Bild der
Mutter; sie nahm es gleich in den Arm, deckte es zu und schlief ein.
Aber erst als sie mit vier Jahren einmal in der Kche eine Mutter sich
um ihr krankes Kind mhen sah, berzeugte er sich, da sie wute, was
eine Mutter sei; denn sie sagte: "Warum kommt meine Mutter nicht und
zieht mich an und aus?"
Mit der Zeit wurden Vater und Tochter sehr gute 1Freunde. Noch mehr
Freude aber machte es ihm, als sie gro genug war, da er ihr von Mutter
erzhlen konnte. Von Mutter, die bers Meer herber zu Vater gekommen
sei und Maritchen mitgebracht habe. Wo Vater und Mutter zusammengegangen
waren, gingen sie nun beide; jeden Spazierweg. Er ruderte sie, wie
Mutter ihn g$
enscheinlich.
Sie sagte: "Wir wollen ja jetzt doch nach Amerika. Da sagt man
Mary."--"Aber Du bist Marit getauft", sagte ihr Vater schlielich
zaghaft.--"Was schadet das?"--Frau Dawes: "Es steht in Deinem
Taufschein, Kind; es ist Dein Name."--"Ja, in den Urkunden steht es
vielleicht, aber nicht in mir." Die beiden andern starrten sie an.
"Es tut Deinem Vater weh, Kind."--"Vater kann mich ja ruhig weiter Marit
nennen."--Frau Dawes blickte sie traurig an, sagte aber nichts weiter.
Marit war mit ihren Handschuhen fertig. "In Amerika werde ich Mary
genannt. Das wei ich. Hier habe ich eine Probekarte. Es macht sich doch
gut?" Sie holte eine ganz kleine Karte aus der Tasche. Frau Dawes besah
sie und reichte sie Anders Krog hin. Mit feiner Schrift stand auf feinem
Papier: "Mary Krog."
Der Vater schaute lange, schaute immer wieder auf die Karte. Legte sie
dann auf den Tisch, nahm seine Zeitung und tat, als lese er.
"Es tut mir leid, Vater, da Du es so auffat."--Anders Krog wiederholte
leise, ohne von der Zeitung $
ie zurckhalten; aber sie hatte nicht
die Kraft. Erst an der Tr vertrat sie Frulein Ry den Weg. "Ich mchte
in den nchsten Tagen einmal mit Ihnen sprechen, Frulein Ry." Sie
sagte es sehr leise und blickte nicht auf. "Heute fhle ich mich nicht
krftig genug", fgte sie hinzu.--"Das sehe ich. Das habe ich auch
angenommen. Deshalb habe ich Ihnen etwas mitgebracht, wovon Sie
vielleicht Gebrauch machen knnen. Es ist das beste Krftigungsmittel,
das ich kenne."
Nein, wie sympathisch ihr ganzes Wesen Mary berhrte. Sie dankte ihr
"Wenn ich etwas gesunder bin, komme ich also."--"Sie sollen mir
willkommen sein."--"Ja," sagte Mary errtend, "es ist Ihnen doch nicht
unangenehm, zu mir zu kommen?"--"In Ihr Haus am Markt?" fragte Margrete
Ry; sie wurde auch rot.--"In unser Haus am Markt, ja. Aber ich kann
wohl gar nicht mehr 'unser' sagen?" Ihr kamen wieder die Trnen. "Wenn
Sie mich nur verstndigen, komme ich hin."
Acht Tage spter kam sie.
In einem wtenden Novembersturm, wie man ihn schlimmer in jner Gegend
$
aber der Hund heulte fuerchterlich; er hatte solche Angst. Joergen schlug
ihn wieder; auch jetzt nicht hart, mehr um die ganze Gesellschaft zu
aergern. Der Hund schrie so gottsjaemmerlich, dass Mary nicht hinsehen
konnte. Sie blickte hinauf in John Ericsons gute, grosse Augen und sagte:
"Mit diesen Schlag hast Du mich von Dr getrennt, Joergen!"
Im Nu liess er den Hund los und richtete sich auf. Er sah ihre flammenden
Augen, das weisse Gesicht und die schlanke, stolz aufgerichtete Gestalt.
Ueber ihr John Ericsons Haupt.
Nur einen Augenblick. Dann hatte sie sich umgedreht und schritt in
leichtem, frohem Tempo davon--der Hund hinterher.
Die Leute lachten, die englischen Matrosen mit herausforderndem
Spott,--Joergen ging hinterher.
Aber als sie merkte, dass der Hund ihr folgte und nicht ihm, und als
seine Augen die ihren suchten, um zu erfahren, was sie jetzt wolle, da
schlug ihre ganze Angst in ausgelassene Froehlichkeit um. Das war so ihre
Art. Sie klatschte in die Haende und lief, und der Hund sprang klaeffend$
 Eis-eiskalt! Dann sich wieder anziehen und nach Hause
gehen zum Fieber und zu den andern Dingen, die hinterher kamen. Haette
das Fieber die erwartete Wirkung nicht, dann hatte sie etwas, was
nachhalf. Sie hatte es bei Frau Dawes in einem Fach gefunden. Dann traefe
das Fieber die Schuld.
Aber nun, da sie mit dem Ausziehen anfangen wollte, war's, als krampfe
sich alles in ihr zusammen, und eine Gaensehaut ueberlief sie. Vor dem
Wasser, vor dem eiskalten Wasser, in das sie hineinmusste, hatte sie
Angst. Huh, hier dicht bei war gewiss schon Eis. Sie musste mit den
nackten Fuessen das Eis betreten! Sie wollte doch auf jeden Fall die
Struempfe anbehalten; die konnte sie nachher trocknen, damit keiner
Verdacht schoepfe. Aber das eis-eiskalte Wasser ... wenn sie einen
Herzkrampf bekaeme? Nein, sie wollte sich bewegen, wollte schwimmen. Aber
wenn sie sich am Eise schnitCt, wenn sie wieder herauswollte? Sie musste
auch die Unterkleider anbehalten. Aber wuerden die bis zum naechsten
Morgen trocknen? O doch, wenn sie si$
ie mir nicht gehorchen,
so lasse ich Sie ueberwachen!" Die Worte legten sich wie ein eiserner
Reifen um sie; sie wurde ganz still: "Sie lassen mich bewachen?"--"Das
tu' ich; denn Sie sind Ihrer selbst nicht maechtig."
Etwas Toerichteres hatte sie in ihrem ganzen Leben nicht gehoert. Aber sie
wollte mit ihm nicht darueber disputieren. Sie antwortete nur: "Und Sie
meinen, das habe einen Zweck?"--"Das meine ich. Wenn Sie sehen, wir
wollen alles fuer Sie tun, was in unserer Macht steht, dann geben Sie
nach, denn sie haben ein so gutes Herz." Sie schwieg eine Weile, dann
sagte sie: "Ich kann keine Hilfe von einem Menschen annehmen, der nicht
die rechte Achtung vor mir hat,"--sie fing zu weinen an.
Da lieb Franz Roey stehen und blickte, so gut er konnte, unter seiner
Kapuze zu ihr auf. "Ich nicht die rechte Achtung vor Ihnen?! Meinen Sie,
dann truege ich Sie? Fuer mich sind Sie das Feinste, das Schoenste, was ich
kenne. Darum trage ich Sie. Sie moegen getan haben, was Sie wollen--ich
weiss, Sie haben es aus dem vo$
, Drfer,
einzelne lndliche Wohnungen liegen umher in lieblichem Gemisch.
Die Berge von Keswick schieen die blulich dmmernde Ferne.
In Low Wood stiegen wir b. Es ist dies ein sehr guter, einzelner
Gasthof, hart am Ufer des Sees, an einer der schnsten Stellen
erbaut. Der See heit Windermere; er enthlt mehrere Stunden
im Umfange und ist der grte in England.
Nachdem wir den See Windermere, die Krone dieser berhmten Gegend,
gesehen hatten, hielten wir es fr berflssig, auch die brigen
kleineren Seen der Reihe nach zu besuchen und setzten daher
unseren Weg weiter fort nach Lancaster. Das Land umher ist angebaut
wie ein Garten, die Stadt selbst ist weder gro, noch lebhaft,
noch hbsch. Viele Qukerfamilien [Funote: eine um die Mitte des
17. Jahrhunderts vom G. Fox gegrndete Religionsgemeinschaft.
Zu Beginn Verfolgungen ausgesetzt, gaben auch ihren Anhngern 1689
die Toleranzakte Wilhelm III. Religionsfreiheit. Heute vor allem
in den USA (Pennsylvania) noch verbreitet] bewohnen sie. Diese guten Leute$
Gemse, den Hasen und Rebhhnern, die, wie alle
anderen Braten, ungespickt, ohne alle Butter, blo in ihrer eigenen
Brhe zubereitet werden.
Die Dame serviert die reichlich mit Cayennepfeffer gewrzte,
brigens ziemlich dnne Suppe, nachdem sie jeden Tisch`genossen
namentlich gefragt hat: ober er welche verlange? Des Fragens
von Seiten der Wirte und des Antwortens von Seiten der Gste
ist an einem englischen Tische kein Ende. Eine groe Verlegenheit
fr den fremden Gast, der, wenn er auch der englischen Sprache
sonst ziemlich mchtig ist, dennoch unmglich alle diese technischen
Ausdrcke wissen kann. Er mu Rede und Antwort von jeder Schssel
geben, ob er davon verlangt, ob viel oder wenig, mit Brhe oder
ohne Brhe, welchen Teil vom Geflgel, vom Fisch, ob er es gern
strker oder weniger gebraten hat, eine Frage, die besonders oft
die Fremden in Verlegenheit setzt; man sag: much done or little done,
wrtlich bersetzt heit das: viel getan oder wenig getan.
Diese Fragen ertnen von allen Seiten des Tisches $
dort spazieren. Eine unzhlbare Menge
der schnsten Equipagen, der herrlichsten Pferde bedecken
in dieser Zeit den durch Hyde Park fhrenden Fuhrweg bis Kensington;
kein Fiaker, kein ffntliches Fuhrwerk darf diesen Weg befahren;
nichts darf sich zeigen, was uns daran erinnern knnte,
da es auch Leute in der Welt gibt, die nicht reich und vornehm
sind. Der Anblick der vielen schnen Reiter und Pferde,
der tausend Equipagen von allen Formen und Gren, der schnen
Frauen und lieblichen Kinderkpfchen, die aus diesen herausgucken,
ist einer der prchtigsten, den nur irgendeine groe Hauptstadt
gewhren kann. Nichts gibt einen anschaulicheren Beweis
der Opulenz und Bevlkerung Londons.
Auch die Spaziergnge wimmeln von Spazierengehenden, die zum Teil
jene schimmernden Equipagen verlieen, um hier zu lustwandeln
und Bekannte zu treffen. Besonders brillant sind dann die Alleen
von Kensington; man hat berechnet, da an solchen Tagen bisweilen
hunderttausend Menschen zugleich sich in den Parks und den Grten
von Ke$
ene
Ewigkeit ist in unseren Tagen von gar kurzer Dauer.
Im Park von St.James bemerkten wir an diesem Tage um ein Uhr
viele Leute vor einer kleinen Hintertre des Palastes, die den Knig
dort aussteigen sehen wollten, wenn er vom Buckingham House kme.
Kanonendonner verkndete einstweilen die Feier des Tages;
Erwartung, Freude, Liebe strahlte von allen Gesichtern, denn das Volk
hing mit kindlicher Liebe an dem guten alten Georg, unter dessen
langer Regierung der grte Teil desselben geboren ward.
Wir warteten seine Ankunft nicht ab, um nicht zu sehr ins Gedrnge
zu geraten, sondern begaben uns in die schne und breite Strae
von St.James, welche gerade zum Haupteingange des Palastes fhrt.
Von dem Balkon eines Privathauses konnten wir dort den Zug
der Glckwnschenden bequem ansehen.
Es war ein schner, lebensfroher Anblick! Kein Fenster, kein BElkon
der ziemlich langen Strae blieb unbesetzt, frohe Gesichter
schauten aus allen herab; Kopf an Kopf, dicht gedrngt, sogar die Dcher
wimmelten von Zuschauern; ei$
enachbarten Kohlenminen, die denn doch die Seele des hier waltenden
mechanischen Lebens sind. Der Aquaedukt, zu welchem wir jetzt fuhren, ist
des Herzogs hoechster Triumph und erschien uns ein Werk, wuerdig der
Zeiten der alten Roemer.
Der Anblick war in der Tat feenhaft. Wie in der Luft sahen wir ein
Kohleschiff mit vollen Segeln hinschweben, waehrend ein anderes in
entgegengesetzter Richtung darunter hinfuhr. Dies seltene Schauspiel
traf durch den gluecklichsten Zufall von der Welt grade mit dem Moment
unserer Ankunft bei dem Kanale zusammen. Nachdem die Wirkung des ersten
Erstaunns vorueber war, besahen wir uns die Sache naeher. Ein schiffbarer
Fluss stroemt zwischen hohen Ufern dahin; ein Kanal fuehrt auf dem hoeheren
Lande in einer ihn gerade durchkreuzenden Richtung. Ueber den Fluss ist
eine auf drei ungeheuren Bogen ruhende schnurgerade Bruecke (anders
wissen wir es nicht zu nennen) gebaut. Diese, Gott weiss wie? wasserdicht
gemacht, empfaengt den Kanal in einem Bette, welches tief genug ist, um
nicht$
ke
herkommen, denn fuer koerperlich Gesunde scheint nicht gesorgt zu sein.
Ueber Lockerbie kamen wir den folgenden Tag nach Gretna Green,
einem kleinen Dorfe, dem letzten auf der schottischen Grenze. Unbedeutend,
wie es aussieht, ist es dennoch ein Ort von grosser Wichtigkeit.
Hunderte bereuen es lebenslang, sich einmal unbesonnen hingewagt zu haben.
Gretna Green ist der Schrecken aller Eltern, Vormuender, Onkel und Tanten
in England, die reiche oder schoene Maedchen zu hueten haben; der Trost
und die Hoffnung aller Misses, ie in Pensionen sich Kopf und Herz
mit Romanlektuere anfuellen, der Hafen, nach welchem alle Gluecksritter
zusteuern, die besonders aus Irland mit leerem Beutel und vakanten Herzen
nach Bristol, Bath, auch wohl nach London kommen, um mit Hilfe
des kleinen blinden Gottes und seines oft noch blinderen Bruders endlich
ein solides Glueck zu machen.
In Gretna Green wohnt naemlich der alte beruehmte Hufschmied, der die
unaufloeslichsten Ketten schmiedet. Er ist dort Friedensrichter,
und dies Am$
bbats wacht, uebertrifft
noch die der Juden, welche doch nr die Arbeit untersagen,
aber das Vergnuegen erlauben.
Einige der vornehmsten Familien des Reichs wurden vor kurzer Zeit
fast namentlich in den Kirchen als Sabbatschaender und schreckliche
Suender abgekanzelt und in allen oeffentlichen Blaettern mit Schmaehreden
ueberhaeuft, weil sie sonntags unter sich Liebhaberkonzerte gaben,
und weil es bisweilen vorkam, dass die Gesellschaften, welche sie
sonnabends bei sich versammelten, bis nach Mitternacht bei Tanz
und Karten verweilten und dadurch den Tag des Herrn entheiligten,
ehe er noch recht erschienen war.
"Ist's wirklich wahr, dass man in Deutschland am Sonntage Karten spielt?"
hoerten wir eine Dame fragen. "Keinen Tag lieber als sonntags,
wo man doch nichts zu tun hat", war die Antwort. "Good Lord!"
seufzte die zweite Dame; "aber", setzte sie belehrend hinzu,
"man kann's ihnen nicht verdenken, sie werden nicht besser gelehrt",
und dabei blickte sie mitleidig auf uns Heiden. "Aber sie spielen
doch nicht $
5 Lord und Lordkanzler.
Verteidiger von Thomas Paine.] und sonst noch mehrere ausgezeichnete
Rechtsgelehrte treten hier oft als Verteidiger oder Klaeger
vor die Schranken. Hoffentlich goennt man diesen Maennern mehr
Aufmerksamkeit, als sonst hier gebraeuchlich ist. Nie und nirgends
sahen wir das, was doch erst das ernsteste Gesbchaeft der Welt ist,
die Entscheidung zwischen Recht und Unrecht, Schuld und Unschuld,
Lohn und Strafe, Leben und Tod, auf eine so leichtsinnige Weise
betreiben. Keine Spur war zu erblicken von dem imponierenden Ernste,
der von jedem Richterstuhle unzertrennlich sein sollte.
Unbegreiflich ist es nur, wie Richter und Advokaten diesen Laerm
ertragen, ohne alle Aufmerksamkeit, fuer ihr Geschaeft zu verlieren.
Wir eilten hinaus und resignierten gern darauf, noch zwei Gerichtshoefe
zu sehen, die sich ebenfalls im Palaste von Westminster befinden
und in welchen es nicht besser hergeht als in den beiden,
welche wir besuchten.
Da das Parlament leider nicht versammelt war, so wollten wir doch
w$

die schoenen Huegel, so weit das Auge nur reicht. Weisse Giebel
freundlicher Paechterwohnungen, schoene Fassaden praechtiger
mit Saeulen geschmueckter Villen, Landhaeuser, umrankt von
Jelaengerjelieber, Tuerme entfernterer Kirchen, stattliche Schloesser,
freundliche Doerfer und Staedtchen blinken ueberall hervor aus Baeumen
und Gebuesch, in der Hoehe und in der Tiefe, in der Naehe und in der
Ferne. Wohin das Auge sich wendet, erblickt es freundliche Gegenstaende,
ueberall ist Lebensgenuss und Freude, nirgends Geraeusch und aengstliches
Treiben. Am Ufer des schimmernden Stromes draengt sich alles dies
noch freundlicher zusammen und spiegelt sich in den klaren Wellen,
damit alles Schoene und Herrliche verdoppelt erscheine. Aus der Ferne
schauen die ehrwuerdigen grauen Tuerme von Windsor von ihrem Huegel
herueber, unten, mehr in der Naehe, breitet sich stattlich das grosse
koenigliche Schloss Hampton Court aus; fast ganz im Vordergrunde,
nahe an der Themse, liegt das reizende Schloss Strawberry Hill;
dicht dar$
ernt, ein[ usserst einfaches
Feldleben zu fhren. In Le Mans schlief Wilbur Wright in einem
einfachen Bett, eigentlich nur in einer grossen Kiste, die bei Tage
mittels einer Leine an die Decke gezogen wurde und bei Nacht auf dem
Fussboden neben seinem Flieger Platz fand. Dabei bestand der
Fliegerschuppen nur aus roh zusammengezimmerten Brettern, und der Raum
war keineswegs behaglich, da der Wind ber die Ebene des Schiessplatzes
zu Auvours mit ungeschwchter Kraft dahinbrausen kann. In Pau bewohnten
sie allerdings schon ein komfortableres Quartier, jedoch immer noch
gegen das einfachste Zimmer eines einfachen Hotels bescheiden zu nennen.
Beide Brder sind von grosser Zurckhaltung; sobald sie jedoch jemand
bei nherer Bekanntschaft schtzen gelernt haben, so tauen sie etwas
mehr auf. Man hat das Gefhl, dass man Leute vor sich hat, auf die man
sich in jeder Beziehung und in allen Lagen des Lebens verlassen kann.
Ihre Schweigsamkeit ist ja gengend bekannt geworden. Ihre Physiognomie
ist meistens sehr ernst; $
nz auffuehren muessen, um, vom Winde
hin und her geworfen, das Gleichgewicht zu behaupten; aber stets gelang
es ihm, gluecklich zu landen. Er wurde hierdurch jedoch notgedrungen zu
den Versuchen gefuehrt, die Lenkbarkeit und leichte Handhabung zu
Anfangs hatte er die Lenkung durch einfache Verlegung des Schwerpunktes
mit sein
m Koerper bewirkt, die um so guenstiger vonstatten ging, je
kleiner die Fluegelflaechen waeren. Da nun bei staerkerem Winde die
Anwendung kleinerer Flaechen keinen besonderen Nutzen gewaehrte, vielmehr
sich die Notwendigkeit herausstellte, eine groessere Flaeche zum Heben zu
gewinnen, so versuchte er zwei parallele Flaechen uebereinander
anzubringen. Es gelang dies ueberraschend gut. Der Doppelapparat hatte
nur 5-1/2 Meter Spannweite bei zwei Trageflaechen von je 9 Quadratmetern,
deren obere etwas ueber der unteren lag.
Die erreichte Hoehe wurde ganz bedeutend groesser, oft wurde der
Abfliegepunkt um ein erhebliches Stueck ueberflogen, sobald die Winde bis
ueber 10 Meter in der Sekunde s$
falls den Namen Chanute dabei vergessen, der in selbstloser Weise
im Interesse der Flugtechnik gewirkt hat.
[Illustration: *Chanute-Gleitflieger*
    beim Beginn des Starts von vorn gesehen. 1904]
       *       *       *       *       *
Die Gleitflugversuche der Brueder Wright.
Wilbur Wright schildert seinen und seines Bruders aeronautischen
Werdegang eingehend in der Zeitschrift des Vereins der westamerikanischen
Ingenieure vom Dezember 1901 unter dem Titel: Einige aeronautische
Versuche (Some Aeronautical Experiments). Das in der Jugend schon
bezeigte Interesse an Flugversuchen wurde bei Wilbur Wright zuerst wieder
im Jahre 1896 neu geweckt, als der Telegraph die Nachricht nach Amerika
brachte, dass der deutsche Flugtechniker Lilienthal bei seinen
aufsehenerregenden Experimenten abgestuerzt und umgekommen sei. Er begann
darueber nachzudenken, wodurch wohl der Sturz dieses Mannes hervorgerufen
worden sei, der doch schon eine grosse Anzahl von Fluegen gluecklich
ausgefuehrt hatte. Zunaechst studierte er die$
monika und verzog sich; Elschen folgte ihm hinunter auf den
Balkenplatz, wo eine freundliche Herbstsonne die Kinder umfing, die sich
noch sorgenlos in ihren Strahlen sonnen konnten.
Herr Pfffling suchte sich dem Drngen seiner Groen zu entziehen, indem
er hinberflchtete in das Eckzimmer, das sein Musik- und Stundenzimmer
war. Dort wartete ein Sto neuer Musikalien auf ihn, die er prfen
sollte. Aber es whrte nicht lang, so folgten ihm seine drei
Lateinschler nach, und ein jeder brachte wiederholt sein Anliegen vor
und suchte zu beweisen, da es dringend sei. "Ich glaube es ja," sagte
der Vater, "aber alles auf einmal knnen wir nicht anschaffen, ihr mt
eben warten, bis sich wieder Geld angesammelt hat. Woher sollte denn so
viel da sein eben jetzt, nach deVn langen Ferien? Wenn sich nun wieder
Stundenschler einfinden und Geld ins Haus bringen, dann sollt ihr
Atlas, Reizeug und die neuesten Ausgaben der Schulbcher bekommen, aber
jetzt reicht es nur fr das dringendste." Herr Pfffling zog eine kleine$
hnen herumgeschlendert, denn er wollte nicht frher als
Frieder nach Hause kommen. Als er sich endlich entschlo, heim zu gehen,
war es ihm nicht behaglich zumute; es reute ihn doch, da er den Kleinen
zuletzt noch im Stich gelassen hatte. In der Frhlingsstrae wollte er
mit dem Bruder wieder zusammentreffen. Er wartete eine Weile vergeblich
auf ihn, dann ging ihm die Geduld aus, vermutlich war Frieder schon
lngst daheim. Er hoffte ihn oben zu finden, aber es war nicht so, das
konnte er gleich daran merken, da er von allen Seiten gefragt wurde:
wie es mit deCm Baum gegangen sei? Nun mute er freilich erzhlen, da er
nur bis in die Nhe des Hauses Nr. 43 den Baum getragen, und dann mit
einigen Freunden umgekehrt sei. Aber nun hrte man auch schon wieder
jemand vor der Glastre, das konnte Frieder sein, und dann war ja die
Sache in Ordnung. Sie machten auf: da stand der kleine Unglcksmensch
und hatte wieder seinen Christbaum im Arm! Sie trauten ihren Augen kaum.
"Ja Frieder, hast du denn die Wohnung nicht $
ei allerlei Lehrern gesammelt,
und die Wahrscheinlichkeit sprach ihnen dafuer, dass es glimpflich abgehen
wuerde. Aber Frieder hatte einen neuen Lehrer, den kannte man noch nicht
und die neuen waren oft scharf. Als nun endlich der Juengste heimkam und
ins Zimmer trat, wo sie alle beisammen waren, sahen sie ihn begierig,
zum Teil auch ein wenig spoettisch an. Aber das Spoettische verging ihnen
bald beim Anblick des kleinen Mannes. Er sah so klaeglich verweint aus!
Keine Frage, der Lehrer war scharf gewesen. Zuerst wollte Frieder nicht
recht herausruecken mit der Sprache, denn der Vater war auch im Zimmer
und da war in Erinnerung an sein zuernendes Gesicht und die weggenommene
Harmonika nicht aufmunternd fuer Frieder. Aber Herr Pfaeffling ging ans
Fenster, trommelte einen Marsch auf den Scheiben und achtete offenbar
nicht auf die Kinder. Da hatte Marie bald alles aus dem kleinen Bruder
herausgefragt, denn sie hatte immer etwas Muetterliches gegen die
Kleinen, auch der Mutter Stimme. So erzaehlte denn Frieder, d$
gte: "Entschuldige, Vater,
wir wollten drueben nicht stoeren, deshalb sind wir alle hier gewesen,"
dann stellte er rasch die Stuehle an ihren Platz und rettete dadurch noch
einigermassen die Ehre der Pfaefflinge, die sich wohl noch nie so
unguenstig praesentiert hatten, wie eben diesem Fremden gegenueber.
Eine kleine Weile darnach reiste der Gast ab, von Herrn Pfaeffling zur
Bahn geleitet. Die Kinder nahmen wieder Besitz von dem grossen Tisch im
Wohnzimmer und sassen bald in der gewohnten Weise an ihren Aufgaben, doch
war ihnen allen bang, wie der Vater wohl die Sache aufgenommen habe und
was er sagen wuerde bei seiner Rueckkehr von der Bahn; die Mutter war ja
nicht dabei gewesen, sie konnte es nicht wissen.
Nun kam der Vater heim. Eine merkwuerdige Stille herrschte im Zimmer, als
er ueber die Schwelle trat. qr blieb einen Augenblick stehen und
betrachtete das friedliche Familienbild. Dann sagte er: "Da sitzen sie
nun wie Musterkinder ganz brav bei der Mutter, sanft wie unschuldige
Laemmlein, nicht wieder zu $
enn ich bin mir
sehr bewusst, dass ich sie mit plumper, ungeschickter Hand vorgenommen
habe. Was schreibt Ihr Sohn?""Anfangs wollte er sich nicht recht in das einfache Familienleben
finden, aber nun sollten Sie hoeren, wie er begeistert schreibt ueber
seine Tante, obwohl diese ihn fest fuehrt, wie wichtig es ihm ist, ob er
ihr zum Quartalsabschluss ein gutes Zeugnis bringen wird und wiederum,
wie vergnuegt er die Schlittenfahrten, die Spiele mit den Kindern
schildert." Herr Meier warf einen Blick in den Brief, den er ans seiner
Tasche zog, und schien Lust zu haben, ihn vorzulesen, aber er steckte
ihn rasch wieder ein, da ein Bursche eintrat und ihm eine ganze Anzahl
Telegramme ueberreichte, die eben eingetroffen waren.
"Ich will Sie nicht laenger aufhalten," sagte Herr Pfaeffling. "Ihre
Telegramme beunruhigen mich, auch hoere ich unten immerfort das
"Fuer dieses sorgt der Portier, und die Telegramme enthalten vermutlich
alle nur Zimmerbestellungen. Viele Fremde moechten da absteigen, wo sie
wissen, dass die K$
icht vor den Kindrn vorlesen sollen, ehe wir
entschlossen sind," sagte Frau Pfaeffling.
"Freilich, aber ich kann dich auch nicht bei jeder Gelegenheit zu mir
herueberrufen, und wo du bist, sind immer ein paar Kinder."
"Ja, ja," erwiderte Frau Pfaeffling laechelnd, "und warten, bis sie in der
Schule sind oder bis am Abend, warten kann man nicht, wenn man Pfaeffling
Sie berieten zusammen, waren sehr bald entschlossen und riefen die
Kinder zurueck. Frau Pfaeffling sah den Blick der Kleinen gespannt auf
sich gerichtet. Sie zog das Kind an sich. "Es kann nicht sein, Elschen,"
sagte sie, "und ich will dir auch erklaeren warum. Bei einer so weiten
Reise ist auch der _halbe_ Fahrpreis schon teuer und selbst, wenn ihn
die gute Grossmutter fuer dich zahlen wollte, koennte ich dich doch nicht
mitnehmen, denn wer sollte denn daheim die Tuere aufmachen, wenn es
klingelt, waehrend alle in der Schule sind? Walburg hoert das ja nicht und
sie versteht nicht, was die Leute sagen, die kommen. Du musst unsere
Pfoertnerin sein, s$
 geworden. Marie hatte ihr ein Mittel eingetraeufelt, das
noch vom vergangenen Jahr dastand, und Umschlaege gemacht, aber das hatte
alles nichts geholfen und erst gegen Morgen waren die Schwestern
eingeschlafen. So war es schon zwei Naechte gewesen. Sie hatten es dem
Vater verschweigen wollen, denn Anne mochte nicht zum Ohrenarzt
geschickt werden, sie fuerchtete die Behandlung, fuerchtete auch die grosse
Neujahrsrechnung.
Am Nachmittag sassen aber doch die zwei Schwestern im Wartezimmer des
Arztes. Der Vater hatte der Verzagten Mut gemacht und den Schwestern
vorgehalten, dass Anne so schwerhoerig wie Walburg werden koennte, wenn
etwas versaeumt wuerde.
Der Arzt erkannte das Zwillingspaar gleich wieder. Die zwei
Unzertrennlichen ruehrten ihn. Die gesunde Schwester sah gerade so
aengstlich aus wie die kranke, sie zuckte wie diese beim Schmerz, und
doch kam sie immer als reue Begleiterin. Diesmal konnte er beide
troesten. "Es ist nichts Schlimmes," sagte er, "das gibt keine so boese
Geschichte wie voriges Jahr. $
en seiner Frau und schaetzte sie hoch,
auch war es ihm klar, dass in dem Haushalt seines Schwagers dem einzelnen
Kind mehr Aufmerksamkeit zuteil werden konnte als in der eigenen
Familie. Doch wollte er den Aufenthalt nur fuer ein oder hoechstes zwei
Jahre festsetzen, damit keines der Kinder dem Geist des Elternhauses
entfremdet wuerde.
Einstweilen war das Wintersemester zu Ende gegangen, und was waehrend
desselben geleistet worden, sollte sich heute in den Osterzeugnissen
In einem der grossen Gaenge des Gymnasiums wartete Karl auf seinen Bruder
Wilhelm, dessen Zeugnis war ihm diesmal so wichtig wie sein eigenes.
Doch nur fuer die Mathematiknote interessierte er sich. Wenn diese nicht
besser ausfiel als das letzte Mal, dann stund es schlimm um Wilhelm,
schlimm auch um die Ferienfreude. Nachhilfestunden zu geben war nicht
Karls Liebhaberei, der junge Lehrer und der Schueler haetten sie gleich
gerne los gehabt. Darum strebten die Brueder gleich aufeinander zu, als
die Klassentuere sich auftat und die Schueler he$
 Einfachheit. Keine Spur von Liebe.
Eine Art herzlichen Freundschaftsgefuehls. Freude.
Sie ist Musik fuer mich.
       *       *       *       *       *
Eine Ehe auf solcher Basis. Das waere etwas fuer mich. Aber es wuerde
schliesslich gar keine rechte Ehe sein. Ich finde kein sinnliches
Verhaeltnis zu ihr. Der Gedanke allein an diese Dinge erniedrigt sie mir
schon. Ich bin zu aesthetisch fuer diese Art Liebe. Also auch fuer die Ehe.
       *       *       *       *       *
Wenn sie spielt, ist es nicht die Musik allein, sondern das
Bewusstsein, dass sie es ist, die spielt. Ich habe eigentlich gar kein
Urteil ueber ihre Musik. Ich hoere alles hinein.
Sie kann gar nicht Schumann spielen, sie ist durchaus keine
Schumannnatur. Und doch bilde ich mir ein, Schumann nie so schoen gehoert
Aber ich darf sie nicht ansehen dabi, ich muss die Augen schliessen.
Sehe ich sie an, merke ich gleich, dass sie Schumann nur spielt.
Bei Chopin darf ich ihr schon zusehen. Da ist diese vornehme Grazie des
aristokratischen Salons,$
gewoehnlicher als sonst vor:
"Willst du dich nicht 'n bisschen schlafen legen?" fragte er.
Er duzte sie oft.
"Schlafen?" fragte sie verwundert.
"Du hast ja Punsch getrunken."
Sie lachte laut auf.
"Ach, das tut mir nichts."
"Du trinkst wohl oft mal so einen heimlichen?"
"Sie glauben auch wohl."
"Aber was ich sage!"
Sie war wirklich entruestet.
Er lachte gutmuetig.
"Lass gut sein. Ich scherz ja nur."
Nach dem Essen konnte er sich nicht enthalten, ihr rundes Gesicht, das
wirklich ein wenig gluehte, zwischen beide Haende zu nehmen.
Sie wehrte sich, aber es half ihr nichts, ihr Kopf sass wie zwischen dem
Schraubstock.
"Wie 'n Backofen," sagte er und 3og ihr den widerstrebenden Kopf nach
"Jetzt bekommst du einen Kuss, Moiken," sagte er.
Aber es wurden zwei.
Ausleben, nicht absterben!
Randers kaufte beim Gaertner in Westerland ein paar rote Astern und
stellte sie wieder oben hinauf, ins Fremdenzimmer. Er laechelte dabei,
ein wenig spoettisch:
"Ob sie wohl kommen wird?"
Aber es ward aus dem Laecheln doch zuletzt ein $
s, das Mitleid der Nachbarn.
Natrlich, so lange wird man beklatscht, begeifert, gesteinigt, aber
nachher, hat mn es nicht mehr ertragen knnen, dann weinen sie ihre
Heuchelthrnen.
Wie ekelhaft ihr die Menschen waren. Nein, nicht leben mehr. Ein Sprung
in die Alster, und alles ist gut.
Der Kopf war ihr so schwer, und die Augen schmerzten ihr vom Weinen.
Sie khlte sich am Waschtisch Augen und Stirn.
Bei dem Blinken des Wassers mute sie immer an die Alster denken.
Ein Sprung in die Alster.
Sie hatte einmal einen Ertrunkenen auffischen sehen. Das Bild trat ihr
vor Augen. Sie schttelte sich vor Grausen und atmete wie befreit auf.
Wer zwang sie denn? Sie war ja frei.
Als die Mutter sie so mde und elend fand, redete sie ihr zu, doch etwas
in die Luft zu gehen. Sie msse sich Bewegung machen, auch des Kindes
Lulu wehrte ab.
Dann sollte sie wenigstens am Abend gehen, nach Dunkelwerden. Sie wollte
sie begleiten, meinte die Mutter.
Ja, am Abend, jetzt nicht. Aber allein, sie ginge am liebsten allein,
nickte Lulu.$
echen und anderen Altweiberunsinn belchelte und verspottete sie.
Aber alles, was mit dem Tode zusammenhing, hatte ihr von je her
ehrfurchtsvollen Schauder abgentigt. So weit erstreckte sich ihre
Aufklrung nicht. Da der Tod entfernter Personen sich oftmals
ankndigt, durch Herabfallen von Bildern, Stillstehen von Uhren,
geheimnisvolles Rufen, galt ihr durch mehr als ein Vorkommnis fr
Die Tante, der sie ihren Traum erzhlte, hatte erst ein ganz bestrztes
Gesicht gemacht und dann laut gelacht und ihr eifrig den "Unsinn"
auszureden gesucht. Als ob Tante Caroline nicht ebenso steif und fest an
dergleichen Vorbedeutungen glaubte.
Hermann gegenber hatte Therese Scheu, davon zu reden. Aber einmal,
gesprchsweise machte sie doch Andeutungen.
"Unsinn", sagte er, ganz wie die Tante. Dann ergrif er ihre Hand,
streichelte sie sanft und sagte bestimmt: "Du wirst noch wieder fix und
gesund, Resi."
Als sie unglubig den Kopf schttelte, sagte er wiederholt "Unsinn,
Unsinn", stand auf und sah lange zum Fenster hinaus.$
entledigen?
"O, ich finde die Pferdebahn auch alleine", gab sie ihm schnippisch zur
"Wenn Sie es vorziehen, bitte". Er gab ihr den Weg frei und lueftete den
Sie zoegerte und bohrte die Spitze ihres weissen Spitzenschirmes in den
tiefen weichen Sand.
"Sie sind abscheulich!" stiess sie ploetzlich hervor. Sie zog die
Unterlippe unter die Oberlippe, und Thraenen standen ihr in den Augen.
Sofort war er geruehrt.
"Aber liebes Fraeulein, machen Sie doch keinen Unsinn. Kommen Sie." Er
legte ihren Arm mit sanftem Zwang in den seinen und zog sie mit sich.
Zum Schein sich straeubend, mit der behandschuhten Rechten eine grosse
Thraene von der linken Backe wischend, folgte sie ihm. Sie schaemte sich,
und ein noch halb mit dem Weinen kaempfendes Lachen foerdeQte einen
drolligen, hellen, glucksenden Ton zum Vorschein.
Dieser komische Laut gab Anlass zu erneutem Lachen, und der Friede war
geschlossen.
Sie haette sich jetzt noch einmal von ihm kuessen lassen, aber er ging
sittsam neben ihr her.
Der Umweg erwies sich groesser,$
nzipalin mit dem Stadtreisenden von
Mueller und Lenze in der Staatsstube zu verhandeln hatte.
Mimi wollte sich "tot" lachen, als die Wittfoth auf die fragenden Blicke
der Maedchen mit einem nicht misszuverstehenden Laecheln deren Vermutungen
"Frau Pohlenz, gratuliere", rief sie, sich schuettelnd vor Heiterkeit.
Sie durfte sich diese Keckheit schon herausnehmen, da sie wusste, wie die
Wittfoth ueber ihren Verehrer dachte. Sie fand es zu "gediegen": Dieser
Knirps, dieser Pomadenhengst.
"Wenn ich ihn nur nicht haben sollte", meinte sie.
"Na, na!" neckte Therese.
"Den? nicht vergoldet", beteuerte Mimi.
Therese zweifelte im Ernst nicht an Mimis Abneigung gegen PohlenzX wusste
sie nun doch zur Genuege, dass zwischen Hermann und Mimi ein ernsteres
Verhaeltnis bestand, als sie sich bisher eingestehen wollte. Der Verkehr
der beiden hatte nach jenem, fuer Hermann so "teueren" Sonntag die
bisherige Unbefangenheit verloren. Es bedurfte nicht der Augen einer
Eifersuechtigen, um das zu bemerken. Auch die Tante war hellsich$
rts
            A uergoyna per los teus torts.
            Tots mos scutlers m'an fets clams
      10    Que a tu no duren liams
            E que tota la nuyt uas solt
            Tant tro quels as meniat e tolt
            L'ordi que tenen los caualls,
            E not basten mFunts ne ualls.
      15    No as uergoyna, ben struch?
            Con no prens aximpli d'en Buch?
            Aximpli deus pendre de mi;
            Be saps que anch nom abeyli
            Pendre, tolrre ne amblar."
      20    "Gran freturaus fa bon caylar",
            Dix lo cauayll, "si deus m'aiut!
            Noych sots per tal conegut,
            Que seylls, quius conexen, dieu tots
            Que mal hom e de mal plech sots,
      25    E que mil bocs auets amblats,
            Meyns de aquells c'auets meniats.
219d        De pendra galines sabeu,
            Per deu, non sab tant na Guineu!
            D'emblar cabrits per les muntaynes
      30    Mils que nul lop sabets les maynes.
            D'entrar de nits en colom$
hr, warum ich nicht lieber mit meinem Kind
sterben wollte: der Tod ist nicht das schlimmste!"
Sie brach in Trnen aus. Der Bruder suchte sie zu beruhigen. "Du
brauchst deiner Schwiegermutter nicht zu erzhlen, was _du_ bei der
Sache gesprochen hast. Darber schweigst du einfach!"
"Ach, das kann ich nicht, wenn sie mich mit ihren klaren Augen ansieht,
so mu ich die ganze Wahrheit sagen. Sie wrde es doch gleich merken,
da mir noch etwas auf der Seele lieg|."
"Ei, so bleibe hier!" riet die Schwgerin. "Schicke ihr Gebhard allein,
sage, du knnest mit der Kleinen im Winter nicht reisen und ohne das
Kind nicht fort. Zwar wre sie ja bei mir und dem Mdchen wohl versorgt,
aber es ist doch eine gute Ausrede; versprich deinen Besuch frs
Frhjahr, dann wollen wir weiter sehen."
"Ja, das wird das Beste sein," sagte der Bruder, "sie kann die
Winterreise und dazu solch eine Aufregung nicht von dir verlangen und
Gebhard wird sehr gern zu seiner Gromutter gehen mit seinem Hund,
na--er kann auch ganz dort bleiben, wenn$
und war bald auch in allerlei
Arbeit fuer andere mit hineingezogen. Zuerst durch die junge
Schustersfrau, die inzwischen Witwe geworden war. Ihr musste man helfen
Verdienst zu suchen, und dabei hoerte man von anderen, die in aehnliche
Not geraten waren.
Da gab es fuer Helene viele Gaenge zu machen, aufzumuntern und Hilfe zu
schaffen. Ihre beiden jungen Nichten, Else und Grete, waren eifrige
Woll- und Metallsammlerinnen fuers Vaterland, hatten auch Gebhard mit
hereingezogen und so gab es in der ganzen Familie kaum eine Taetigkeit,
selten ein Gespraech, das nicht mit dem Krieg zusammenhing.
Ueber all dem verstrich rasch die Wartezeit und ging der kalte
Vorfruehling ueber in einen Mai, so wonnig, dass all die Krieger im Feld
und ihre Treuen daheim aufatmeten nach dem schweren Winter. Und einer
dieser wonnigen Maitage loeste auch das geheimnisvolle Dunkel, das bisher
ueber dem Schjicksal des Foersters gewaltet hatte.
Helene war mit ihrem Toechterchen und den grossen Kindern den Nachmittag
im Wald gewesen, nun kam$
n
nach Italien und unter Constantius Chlorus nach Helvetien versetzt,
schliesslich zu Martinach, die Theilnahme an einem heidnischen Opfer
verweigernd, decimirt worden sein soll. Einzelne, diesem Blutbade
entronnen, gelangten an die Aare und den Rhein und erlitten hier,
unermdlich den Christenglauben ausbreitend, gleichfalls den
Martyrertod. Wo dieses in Helvetien geschah, da sind denselben die
ltesten Stifte und Kirchen geweiht worden; so dem hl. Mauritius zu
Martinach in'Wallis und zu Bern; dem Ursus und Victor zu Solothurn;
Felix, Exuperantius und Regula zu dritt in Zrich u.s.w. Die mit dieser
Soldatengeschichte ganz usserlich vereinbarte Verenenlegende berichtet,
entkleidet ihrer mrchenhaften Zuthaten, ungefhr Folgendes.
Verena, eine junge Christin zu Anfang des vierten Jahrhunderts,
begleitete jene Thebaische Legion, in welcher sie einige Verwandte
hatte, aus Afrika nach Italien und verblieb, beim Abmarsche der Truppen
nach Helvetien, zu Mailand, um sich hier der Krankenpflege gefangener
Christen z$
--Storch--Steine,
    Mit dem langen Beine,
    Mit dem kurzen Knie:
    Jungfrau Marie
    Hat ein Kind gefunden
    In dem goldnen Brunnen.
    Wer solls (aus der Taufe) heben?
    Der Gothe und die Gthen.
Am Queckbrunnen zu Dresden stand schon 1312 ein Marienbild; jetzt ziert
ihn ein fliegender Storch, der sowohl im Schnabel, als auch in den
Fngen und zudem auf jedem Flgel je ein Wickelkind trgt. Dieses Wasser
macht unfruchtbare Frauen zu gesegneten Kindsmttern. Schfer,
Stdtewahrzeichen 1, 120. Zu den in den Aargau. Sagen 1, S. 17 bereits
verzeichneten schweiz. Kleinkinderbrunnen lassen sich nachtrglich noch
folgende aargauische anfhren. In der Stadt Aarau war es bis zum Jahre
1812 obrigkeitlich festgesetzt gewesen, den Stadtbach alljhrlich am
Verenatag abschlagen zu lassen. Da man der Annahme zufolge aus seinen
Brunnenstuben den Suglingsvorrth holte, so steht dieser
Kleinkinderbach noch immer in besonderer Geltung. Sobald man nun den
abgestellten Bach eines Abends wieder anlaufen lsst, zieht i$
 Neustadt a.d. Aisch; Walpenreuth, Dorf bei
Berneck; Walpersberg, Dorf bei Bogen; Walpersdorf, ein Weiler bei
Rosenheim, und zwei gleichnamige Doerfer bei Rottenburg und bei
Schwabach; Walpershof, Dorf bei Eschenbach; Walpersreuth, Weilerbei
Neustadt a.d.W.; Walperstetten, Dorf bei Dingolfing; Walperstorf, bei
Landshut; Walpertshofen, Weiler bei Dachau; Walpertskirchen, Pfarrdorf
bei Erding; Woelbersbach, Dorf bei der Stadt Hof; Wolpersreut, Dorf bei
Kulmbach; Wolperstetten, Dorf bei Dillingen; Wolpertsau, Einoede bei
Neuburg an der Donau. Diese Liste laesst sich jedoch noch um vieles
vermehren, wenn man dabei die mundartlichen Formen des Namens
Walburg mitverwerthet. Er lautet im Altmuehlthale Buergli, in
altbairisch-oberpfaelzischer Mundart Walberl (nicht zu verwechseln mit
Waberl, Wawl, Wabm, was in Altbaiern und Mittelfranken Barbara ist), im
tiroler Zillerthal Purgel u.s.w. Einer der Hauptberge am oberbaierischen
Tegernsee wird 1420 in einem Lateingedichte des Peter v. Rosenheim als
Walber foecundissimu$
, so hat noch stets ein guenstiger Wind das Gewoelk vertrieben,
sobald jener Umgang von Mazorit heran zu ruecken pflegt. A. SS.
Henschenii tom. I, ad diem 1. Maii, de S. Florina, Virg. et Mart.
Die in der Walburgisnacht auf den Wiesen tanzenden und auf den
Blocksberg fahrenden Hexen sind arge Truebungen einer urspruenglich
edleren Vorstellung von guetig gesinnten und fuer den Erntewachsthum
bemueht gewesenen Geistern. Sie alle theilen, bei naeherer Untersuchung,
emsig das Geschaeft ihrer Herrin Walburgis. In einer siebenbuergner Sage
bei Mueller, S. 382, stoesst ein Bauer, der seinen Sack Mehl aus der Muehle
heimtraegt, auf einen Trupp Truden, die auf dem Erlenanger tanzen. Er
gruesst sie:
    Gott vermir ich iren danz,
    Gott vermir ich iren kranz!
Freundlich antorten sie: Gott segne euch den Sack, dass er nie des
Mehles ledig wird!
Der Volksglaube sagt zwar, die Trud nehme die unholden Gestalten an von
Kehrwisch, Flederwisch und Besenreis (Schoenwerth, Oberpfalz 1, 209);
allein damit verbuergt er nur, das$
en Geschwister, Oswald und
Walburg, tragen in ihrer Hand das Attribut der drei Aehren. Bruder
Oswald besitzt bei dem nach ihm benannten tiroler Dorfe eine geheiligte
Quelle, die als des Landes Jungbrunnen gilt (Zingerle, Sitten no. 936);
die Schwester Walburg spendet nebst solchen Heilquellen das besondere
Heiloel: es ist dies die Naehrkraft des unter dem Einflusse des
Maienthaues sich bildenden Getreidekornes. Der Thau, der aus der Maehne
des Walkuerenrosses trieft, verleiht dem Erdboden seine Lebens- und
Befruchtungsquellen; aus dem Trinkhorne bietet hierauf die Walkuere
Oelrun den von ihr gebrauten Seligkeitstrank dem in den Himmel
Eingehenden. Wie war oder ist nun der Name dieses Trankes? Zum Meth
fuehrt am Weissen Sonntag, 8 Tage nach Ostern, der altbair. Bursche sein
Maedchen, es soll sich dabei schoen und stark trinken. Schmeller, Woertb.
3, 360. Der Litthauer nennt sein Hausbier, das bei keinem haeuslichen
Feste fehlen darf, Alus, das Baertige, denn es wird aus der
grannenreichen Gerste gebraut; der $
ingswort, sein letztes Pathos, die
groe Glocke, mit der er zu den hchsten Festen der Seele rief, sie
lockte viele herbei... Freiheit... Mehr und weniger, wahrhaftig,
begriff er darunter als sie, wenn sie jubelten. Freiheit--was hie
das? Ein wenig Brgerwrde doch nicht vor Frstenthronen? Lat ihr
euch trumen, was alles ein Geist mit dem Worte zu meinn wagt?
Freiheit wovon? Wovon zuletzt noch? Vielleicht sogar noch vom Glck,
vom Menschenglck, dieser seidenen Fessel, dieser weichen und holden
Verpflichtung...
Vom Glck... Seine Lippen zuckten; es war, als kehrte sein Blick sich
nach innen, und langsam lie er das Gesicht in die Hnde sinken...
Er war im Nebenzimmer. Bluliches Licht flo von der Ampel, und der
geblmte Vorhang verhllte in stillen Falten das Fenster. Er stand am
Bette, beugte sich ber das se Haupt auf dem Kissen... Eine schwarze
Locke ringelte sich ber die Wange, die von der Blsse der Perlen
schien, und die kindlichen Lippen waren im Schlummer geffnet... Mein
Weib! Geliebte! Folgt$
s ich nicht."--
Ja, jetzt wurde es still; eine Woche, zwei Wochen vergingen, von den
beiden Bruedern kam keine Nachricht. Das war eine bange Zeit daheim!
Warum schrieben sie nicht? War die Post schuld oder lagen sie irgendwo
schwer verwundet oder tot? Es kamen immer neue Verlustlisten. Mit
Herzklopfen wurden sie durchgelesen; das tat der Vater unten im
Geschaeft. Er suchte so eifrig nach den Namen seiner Soehne und suchte
doch mit der Hoffnung, sie nicht zu finden. Und wenn er die Listen
durchgesehen hatte, kam er herauf ins Wohnzimmer und sagte beruhigend:
Nichts gefunden.
Aber eines Tages--die Mutter und Tochter waren eben beschaeftigt fuer
jeden der Brueder ein Paeckchen mit warmen Socken zu packen--da trat der
Vater mit der Verlustliste in der Hand herein.
Die Mutter sah ihn an und wurde bleich. "Was ist's?" "Keine
Todesanze'ge, keine Verwundung. Aber hier; Lutz Schreiber, vermisst." Und
er fuegte hinzu: "Wir brauchen uns nichts Schlimmes vorzustellen. Ihr
werdet euch erinnern, dass erst kuerzlich in eine$
t und verliess das Hotel zu Fuss, wie er gekommen,
um sich, gefolgt von dem Handgepaeck tragenden Hausdiener, durch die
weiss bluehende Allee quer ueber die Insel zur Dampferbruecke zu begeben.
Er erreicht sie, er nimmt Platz,--und was folgte, war eine
Leidensfahrt, kummervoll, durch alle Tiefen der Reue.
Es war die vertraute Fahrt ueber die Lagune, an San Marco vorbei, den
grossen Kanal hinauf. Aschenbach sass auf der Rundbank am Buge, den Arm
aufs Gelaender gestuetzt, mit der Hand die Augen beschattend. Die
oeffentlichen Gaerten blieben zurueck, die Piazzetta eroeffnete sich noch
einmal in fuerstlicher Anmut und ward verlassen, es kam die grosse
Flucht der Palaeste, und als die Wasserstrasse sich wendete, erschien
des Rialto praechtig gespannter Marmobogen. Der Abschiednehmende
schaute, und seine Brust war zerrissen. Die Atmosphaere der Stadt,
diesen leis fauligen Geruch von Meer und Sumpf, den zu fliehen es ihn
so sehr gedraengt hatte,--er atmete ihn jetzt in tiefen, zaertlich
schmerzlichen Zuegen. War es $
los
und drang agierend gegen die Rampe vor, wo man seine Eulenspiegeleien
mit aufmunterndem Lachen belohnte. Namentlich die Russen, in ihrem
Parterre, zeigten sich entzueckt ueber soviel suedliche Beweglichkeit und
ermutigten ihn durch Beifall und Zurufe, immer kecker und sicherer aus
sich heraus zu gehen.
Aschenbach sass an der Balustrade und kuehlte zuweilen die Lippen mit
einem Gemisch aus Granatapfelsaft und Soda, das vor ihm rubinrot im
Glase funkelte. Seine Nerven nahmen die dudelnden Klaenge, die vulgaeren
und schmachtenden Melodien begierig auf, denn die Leidenschaft laehmt
den waehlerischen Sinn und laesst sich allen Ernstes mit Reizen ein,
welche die Nuechternheit humoristisch aufnehmen oder unwillig ablehnen
wuerde. Seine Zuege waren durch die Spruenge des Gauklers zu einem fix
gewordenen und schon schmerzenden Laecheln verrenkt.Er sass laessig da,
waehrend eine aeusserste Aufmerksamkeit sein Inneres spannte, denn sechs
Schritte von ihm lehnte Tadzio am Steingelaender.
Er stand dort in dem weissen $

Sie zerknitterte die Schriftstcke in ihrer Hand, sprang empor und rief
nach Tibet. Ernst, bleich, ahnend, was vorgefallen, erschien der Mann
und blieb wie angewurzelt an der Thr stehen.
"Tibet! Tibet!" schrie Ange, bla, abgehrmt und kaum wiederzuerkennen
durch die Wirkungen ihres malosen Schmerzes. "Das alles wuten Sie seit
langen Jahren und Sie schwiegen? Dem allen waren Sie ein Helfer und
kannten und liebten doch meine Kinder? O Mensch, sprechen Sie, damit ich
wenigstens einen Grund finde, Ihnen zu verzeihen! Nicht verloren durch
Ungemach, alles was wir besaen--nein, durch Spiel--durch Spiel! Man
sitzt ber Menschen zu Gericht, ttet sie, wenn sie, von der
Leidenschaft fortgerissen, einen andern morden!--Ist Leidenschaft denn
Vernunft, und kann man richten, wo die Vernunft fehlte? Aber wie ahnet
ein Gott ein so furchtbares Verbrechen?--Wie er es ahndet? An dem Glck
Lebendiger, indem er die Unschuldigen ins Verderben zieht! Kinder,
reine, arglose Geschpfe mssen dafr ben!--Was hier geschehen, su$
 nicht zu Hilfe. Eine peinliche Pause
"Wohl," sagte Teut endlich und strich den langen Schnurrbart; "ich
begreife. Aber was ich durchaus nicht verstehe"--Zirp fand diesen
hochmuetigen Ton, dieses etwas schulmeisterliche Wesen Teuts ganz
unertraeglich--"wie wollen Sie denn nach der ueblichen Frist von drei
Monaten zahlen?"
Zirp biss sich auf die Lippen und knipste abermals die Asche auf den
"Koennen Sie eine Garantie geben, dass Sie um jene Zeit die
Schwierigkeiten zu beseitigen vermoegen?"
"Gewiss, gewiss!" erwiderte Zirp leichtfertig.
"Und diese waere?" fuhr Teut unerbittlich fort.
"Nun, meine Schwester wird sich breitschlagen lassen--"
"Hm! Aber wenn Sie sich nun doch in dieser Annahme irren?"
"Ah, dasist ja nicht denkbar! Sie muss ja--"
"Sie muss? Weshalb? Entschuldigen Sie--"
"Nun es steht doch alles auf dem Spiel, wenn ich nicht zahle. Sie
kennen ja die Konsequenzen."
Zirp wagte waehrend der Schlussworte das Auge nicht emporzuschlagen.
Teut sah ihn an und schuettelte den Kopf; dann sagte er in einem mild$
rten Abend von Ange trennte,
erwirkte er auch Verzeihung fuer Tibet, der seit seiner Trennung von Ange
bei ihm in Eder sich aufgehalten und ihn auch nach Eisenach begleitet
Ange aber schloss kein Ange in dieser Nacht. So unvorhergesehen, so
ploetzlich war alles ueber sie gekommen, so mit einem Schlage waren alle
Dinge veraendert, dass sie sich wiederholt an die Stirn griff; ob's denn
auch Wahrheit und kein Traum sei. Haltende, brennende Stroeme jagten
durch ihr Inneres. Die stille Liebe zu Teut hatte sich durch das
Wiedersehen in einen draengenden, stuermischen Fruehling verwandelt. Er war
an ihrer Seite und sie sollte ihn vielleicha wieder verlieren?
Als Ange am naechsten Morgen ihren Kindern mitteilte, Onkel Axel und
Tibet seien wieder da und wuerden an dem Weihnachtsfest teilnehmen,
erscholl lauter Jubel durchs Haus. Ben draengte sich an seine Mutter, als
sie allein war, und forschte in ihren Augen. "O ja, ja, Du bist wieder
froehlich! Ich sehe es!" presste er heraus und umhalste sie. Sie aber
legte die Ha$
eift und in
die Sgemhle gefahren.
Nachdem wir uns am Ufer des Russian River eine Weile bei Speise und
Trank gelagert hatten, fuhren wir auf einem andern Wege durch prchtigen
Rotholzwald, mit Lorbeer und Haselnu untermischt, nach Hause zurck.
Nach Tische fuhr ich ber Santa Rosa, einer freundlichen Landstadt, die
ihren Namen nach einer getauften Indianerin hatp bis nach Cloverdale, wo
ich bernachtete.
Da die Post nach den Geysers erst um Mittag abfuhr, blieb mir der
Vormittag zu einem Spaziergang in die Umgegend. Ich erstieg einen Hgel,
von welchem ich die Aussicht auf das friedliche Thal mit seiner
herrlichen Vegetation geno. Wie viele solcher Idyllen, die sich mit den
reizendsten in Deutschland messen knnen, mgen unbeachtet in dem weiten
Lande zu finden sein!
Als ich mich nher umsah, bemerkte ich erst, da ich unter Grbern
stand; aus einer frischen Gruft schaufelte ein Mann Erde heraus. Ich
lie mich in ein Gesprch ein, merkte bald, da er ein Landsmann war,
und fuhr deutsch fort. Er entpuppte s$
mark, Schwager Kaiser Karls V., Urheber des
berchtigten Stockholmer Blutbades.
Auf Seeland.
Zu Knig Gylfe in Schweden kam einst eine wandernde Sngerin, die ihn
durch ihre Lieder entzckte. Der Knig--so meldet die Sage von der
Entstehung der Insel Seeland--verlieh ihr zum Lohne fr ihren Gesang so
viel Land, al sie mit vier Ochsen auf einmal umpflgen knnte. Wie
erschrak er aber, als die Fremde, die niemand anders war, als das
Riesenweib Gefion, ein gewaltiges Stck Land aus dem Boden herauspflgte
und es von ihren Ochsen ins Meer ziehen lie, wo es als "Seeland" stehen
blieb. Die Pflugfurche bildete den jetzigen Oeresund, der Schweden von
Seeland trennt, whrend an der Stelle, wo das Land weggepflgt war, ein
groer See entstand: der jetzige Wener-See. Noch heutigen Tages lassen
seine Uferlinien deutlich die Umrisse der seelndischen Kste erkennen.
Wer mglichst schnell einen groen Teil der Hauptschnheiten der
Gefions-Insel kennen lernen will, besteigt einen der bequem
eingerichteten Raddampfer, der $
 da ich von all
den Mrschen, bei denen ich oft bis auf die Haut durchnt wurde und
jmmerlich fror, nie eine ernste Krankheit davontrug. Meine Kleidung war
keineswegs solchet Strapazen angepat, wollene Unterwsche war ein
unbekannter Luxus und ein Regenschirm wre fr einen wandernden
Handwerksburschen ein Gegenstand des Spottes und Hohnes geworden. Oft
bin ich morgens in die noch feuchten Kleider geschlpft, die am Tage
vorher durchnt wurden und am nchsten Tage das gleiche Schicksal
erfuhren. Jugend berwindet viel.
In Salzburg fand ich Arbeit, wohingegen mein Reisegefhrte, nachdem ich
ihm mit dem Rest meines Geldes nach Krften ausgeholfen, weiter nach
Wien reiste. In Salzburg verblieb ich bis Ende Februar 1860. Bekanntlich
ist Salzburg nach seiner Lage eine der schnsten Stdte Deutschlands,
denn damals gehrte es noch zu Deutschland; aber es steht im Rufe, im
Sommer sehr viel Regentage zu haben. Eine Ausnahme machte der Sommer
1859, der wunderbar genannt werden mute. Der Sommer 1859 war aber auch$
ben knnen. Gleichwohl behandelten die Liberalen der
verschiedene Schattierungen in ihren ffentlichen Angriffen die Klein-
und Mittelstaaten viel schlechter als zum Beispiel Preuen. Und doch war
es Preuen gewesen, das die Revolution niedergeworfen und es neben den
Oktroyierungen im eigenen Lande an Gewalttaten gegen die Revolutionre
nicht hatte fehlen lassen. Ich erinnere nur an die Verurteilung
Gottfried Kinkels zu lebenslnglichem Zuchthaus, an die Erschieung von
Adolf v. Trtzschler in Mannheim und Max Dort in Freiburg i.B., an die
Erschieungen in den Kasemattengrben in Rastatt, an die furchtbaren
Grausamkeiten, die das preuische Militr nach der Niederwerfung des
Maiaufstandes in Dresden an den gefangenen Revolutionren begangen
hatte. Auch waren die Zustnde Preuens in den fnfziger Jahren unter
der Herrschaft des Systems Manteuffel so, da sie jeden halbwegs
freidenkenden Mann zur Emprung aufstacheln muten und Preuen in
Deutschland und im Ausland aufs schlimmste diskreditierten. Auch der im$
er Arbeiterbewegung sich zusammenfinden.
Abgesehen von den schon erwhnten Fllen, in denen Lassalleaner und
Arbeitervereinler gemeinsame Sache machten und gemeinsame Forderungen
erhoben, sprach sich am 17. Juli 1865 eine Versammlung des Maingaues, in
der als Redner vom Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein Lauer und
Welcker aus Frankfurt a.M. auftraten, folgendermaen aus:
Der Arbeitertag erklrt, da er m Interesse der guten Sache des
Arbeiterstandes die Spaltung in der Arbeiterbewegung fr schdlich und
nachteilig hlt, und erklrt sich die aus Mitgliedern der
Arbeiterbildungsvereine des Maingaus und aus Mitgliedern des Allgemeinen
Deutschen Arbeitervereins bestehende Versammlung bereit, allen
Schritten zur Vereinigung die Hand zu bieten.
Hauptredner in jener Versammlung war Professor Eckhardt, der seiner Rede
das Thema "Staatshilfe und Selbsthilfe" zugrunde gelegt hatte. Ein
hnlicher Versuch zur Einigung, der Mitte Januar 1866 in Leipzig gemacht
wurde, scheiterte; dagegen kam man berein, gemeinsam fr di$
n Verbrechen. Kirchner wurde nachher auch
als Vertrauensmann gewhlt. Die Hauptverhandlungen des Vereinstags
fanden im groen historischen Rathaussaal statt, den der Nrnberger
Magistrat in der Hoffnung hergegeben hatte, da die liberale Richtung
siegen werde. Diese Hoffnung wurde zu Wasser. Mit einer Begrung der
fremden Vertreter erffnete ich die Versammlung und lie das Prsidium
whlen. Von 94 abgegebenen Stimme fielen 69 auf mich und 21 auf
Rgner-Nrnberg, 4 Stimmen zersplitterten. Damit war die Entscheidung
ber den Geist, der den Vereinstag beherrschen werde, gefallen. Als
erster Vizevorsitzender wurde Lwenstein-Frth mit 62 Stimmen, als
zweiter Vizevorsitzender Brger-Gppingen mit 59 Stimmen gewhlt. Die
Gegenpartei unterlag auf der ganzen Linie. Letztere suchte nun bei
Feststellung der Tagesordnung zu retten, was zu retten mglich; sie
verlangte die Absetzung der Programmfrage von der Tagesordnung. Darber
kam es zu scharfen Auseinandersetzungen. "Keine Kompromisse" rief es von
den verschiedenst$
ch, als ich bei ihr eintrat, und nun eben berkam sie ein sehr
starker Schttelfrost. Sie hatte sich bereits ins Bett gelegt, als
Frulein Merville sie\aufsuchte. So habe ich mich denn auf Trost und
zweckmige Anordnungen beschrnken mssen. Frulein Merville wird die
Nacht bei ihr bleiben. Jedenfalls aber mu ein Arzt kommen. Wie soll's
nun werden, Lavard?" "Ah--" stie der Graf, von neuem stark erregt,
heraus, und die Adern schwollen ihm in dem roten Gesicht an.--"Da haben
wir's! Natrlich ist sie doch im Dorf gewesen, und was wir voraussagten,
ist geschehen. Sie hat das Scharlach ins Schlo gebracht! Wahrlich,
unverantwortlich, strafwrdig hat sie gehandelt an sich--und an uns! Da
ist gleich ein Beweis von dem jngst Gesagten: Das Beste in einer
ungeschickten Hand kann zum Verderben werden. Und ich fge hinzu: Das
Ungnstige, weise verwertet, kann zum Segen gereichen. Ja--welcher
Doktor? Jedenfalls soll kein Prest jemals diese Schwelle wieder
betreten. Andreas soll sofort nach Oerebye kutschieren. Klinge$
rgen im stande sei.
Und die Blinde beugte das Haupt wie unter einem Schlage, whrend Thrnen
aus ihren lichtlosen Augen tropften. Noch begab sich Imgjor dann in die
Kche um nach dem Toten zu sehen. Freilich, was sich ihr bot, war
erschtternd. Kalt, steif und unbeweglich lag der alte Mann auf dem
Fuboden. Ihn zu betten, war erforderlich. Und solches veranlate Imgjor
durch die Nachbarn, und nachdem auch das gschehen, erklrte sie der
alten Frau, ihr fr die nchsten Tage eine Hilfe schicken zu wollen. Sie
beschlo, ihr Gebine zu senden. Auch ihre Ueberfhrung in das
Armenfrauenhaus zu betreiben, versprach sie ihr nochmals, und nachdem
die Alte dazu mit tief gerhrten Gefhlen genickt, nahm Imgjor von ihr
"Adieu, Adieu, Frau Ohlsen! Tragen Sie, was Gott Ihnen schickte, mit
Geduld! Viele haben es noch weit schwerer--"
Und die Alte nickte abermals, whrend sie Imgjors Hnde mit ihren
mageren Fingern fest umklammerte.
"Gott segne Sie, Komtesse!" schluchzte sie. "Ich werde immer an Sie
denken, und noch mit meine$
Non am
Morgen, Vesper und Komplet am Abend mit Psalmen, Martyrologien,
Ordensregeln. Auch nchtliche Gottesdienste wurden begangen: Metten und
Vigilien. Und sogar whrend des Essens, wo Stillschweigen geboten war,
wurde vorgelesen aus einem Erbauungsbuch. Abwechselnd hatte Katharina
auch selbst diese Vorlesung zu halten und mute dann nachspeisen[52].
Welchen Eindruck diese Vorschriften auf ein natrlich fhlendes und
religises Gemt machen muten, hren wir aus einem spteren Bericht:
"Da D. Martinus der Nonnen Statuten las, die gar kalt geschrieben und
gemacht waren, seufzte er sehr und sprach: "Das hat man mssen
hochhalten und hat dieweil Gottes Wort vermisset! Sehet nur, was fr
eine Stockmeisterei und Marter der ewissen im Papsttum gewest ist, da
man auf die horas canonicas und Menschensatzungen drang, wie Hugo
geschrieben, da wer nur eine Silbe ausliee und nicht gar ausbetete,
mte Rechenschaft dafr geben am jngsten Gericht[53]."
Ob Katharina je ein Amt in dem Konvent bekleidet hat, wissen wir ni$
innen bist." Beim Hochzeitsschmaus selbst sorgte
Luther fr frhliche Unterhaltung und allerlei Rtselaufgaben. So fragte
er den "schwarzen Englnder" (wahrscheinlich Robert Barns, der seit 1533
in Wittenberg studierte und zur Hochzeit geladen war): "Wie wollt Ihr
Wein in einen Keller legen nicht eingeschroten und nicht eingefllt?"
Der Englnder wute es nicht; Luther aber sagte: "Man bringt Most
hinein, so wird schon Wein daraus; das ist eine natrliche Magie und
Kunststck." Weiter fragte er, welches die breiteten Wasser zu Lande
wren? Antwort: "Der Schnee, Regen und Tau"[318].
Dem neuen Ehepaare legte aber Luther einen seinen Spruch der Alten ans
Herz; der Braut: "Liebe Tochter, halte Dich also gegen Deinen Mann, da
er frhlich wird, wie er auf dem Heimwege die Spitze des Hauses sieht."
Und dem Brutigam: "Es soll der Mann leben mit seinem Weibe, da sie ihn
nicht gerne siehet wegziehen und frhlich wird, so er heimkommt"[319].
Diesen frhlichen Tagen sind schwere Jahre vorausgegangen und gefolgt.
Scho$
ycaoni nostro
(dem Diener Wolfgang), da er die Maulbeer nicht versume, er verschlafe
sie denn, das wird er nicht thun--er versehe es denn--und den Wein soll
er auch zur Zeit abziehen. Seid frhlich alle und betet. Amen.
Weimar, am Tage der Heimsuchung Mari (2. Juli) 1540.
Martinus Luther,
Dein Herzliebchen."
Mit dem folgenden Brief an "Frau Katherin Luderin zu Wittenberg, meiner
lieben Hausfrau" schickt Luther seiner "lieben Jungfer Kthe" durch den
Fuhrmann Wolf 42 Thaler Sold und 40 fl. Die "magst Du brauchen, bis wir
kommen, und wechseln lassen bei Haus von Taubenheim zu Torgau; denn wir
zu Hofe nicht einen Pfennig Kleinmnze mgen haben. Magister Philipps
kommt wieder zum Leben aus dem Grabe, siehet noch krnklch, aber doch
leberlich aus, scherzt und lacht wieder mit uns, isset und trinket wie
zuvor mit ber Tische. Gott sei Lob! Und danket ihr auch dem lieben
Vater im Himmel.... Was aber (zu Hagenau) geschieht, wissen wir nicht,
nur das: man achtet, sie werden uns heien: Thu das und das, oder wir
wol$
uvor
Hofmeister der Shne des Knigs Ferdinand, spter Kaiser Ferdinand I.,
Bruder Karls V. gewesen, mute aber seines Luthertums wegen flchten und
nahm nach Wittenberg seine Zuflucht. Er war ein sehr feiner Mann, noch
unbeweibt; Luther empfahl ihn dem Kurfrsten zum Hofmeister und hoffte,
er solle ihm "sehr wohl gefallen". Aber es wurde nichts daraus, und sMo
lebte Schiefer als ein lieber Freund Luthers ins folgende Jahr im Haus.
Schiefer beteiligt sich gar oft an den Tischgesprchen, ihm soll Frau
Kthe auch von Luther aus Weimar allerlei ber "seinen Knig Ferdinand"
ausrichten[374].
Ein ebenso gesetzter Mann kam um diese Zeit als Gast ins Lutherhaus nach
Wittenberg, _Matthesius_, der 36jhrige Schulmeister von Joachimsthal,
der noch Theologie studieren wollte, um daheim das Pfarramt zu
bernehmen. Von 1540-42 war er Genosse an Kthes Kosttisch. Er redet
mit groer Verehrung von ihr[375].
Und endlich kam noch _Goldschmidt_ (Aurifaber) ins Haus, ein Mansfelder.
Er studierte von 1537-40 Theologie; wurde dan$
 er zu
Bugenhagen: "Viele denken, weil ich mich unterweilen in meinem uern
Wandel frhlich stelle, ich gehe auf lauter Rosen; aber Gott wei, wie
es um mich stehet meines Lebens halber. Ich habe mir oft vorgenommen,
ich wollte der Welt zu Dienst mich etwas ernstlicher und heiliger (wei
nicht, wie ich's nennen soll) stellen; aber Gott hat mir solches zu thun
nicht gegeben." Und Bugenhagen bezeugte dabei: "Thut er ihm unterweilen
ber Tisch mit Frhlichsein zu viel, so hat er selbst keinen Gefallen
daran und kann solches keinem gottseligen Menschen bel gefallen, viel
weniger ihn rgern, denn er ist ein leutseliger Mensch und aller
Gleisnerei und Heuchelei feind."[384]
Luther redete gut und gern und viel. Er liebte besonders Sprche,
sinnreiche Reden und hbsche Reime, Sprichwrter und Anekdoten. Deren
wute er sehr viel und die brachte er am Tisch wie auf der Kanzel vor.
Ueber und nach Tische wurde zwischen den Reden auch gesungen, und wer
eine gute Stimme hatte, auch Gste, muten mitthun; Luther, der ein$
 Freundschaft durch
Gr߿, Glckwnsche und Geschenke warm hielten.
Diese umfangreiche Freundschaft wurde auch lebhaft gepflegt. Da ist kaum
ein Brief, den Luther empfngt oder schreibt, in dem nicht auch die Frau
Kthe gegrt wird oder grt, oder Glckwnsche und Beileidsbezeugungen
zu allerlei Familienereignisse und Glckwechsel empfngt und sendet.
Gar oft begngt sich aber Frau Kthe nicht mit einem bloen Wortgru,
sie fgt auch in ihrer praktischen Weise einen guten Rat bei, eine
Mahnung, oder ein Rezept, eine Arzenei, eine Wurzel gut frs Steinleiden
Noch viel hufiger aber hat Frau Kthe zu danken fr allerhand
Geschenke. Und nicht zum wenigsten ntzt die wirtliche Hausfrau die
Freundschaften aus zu allerlei hauswirtschaftlichen Auftrgen. Dies ging
bei Lauterbach sogar soweit, da Luther selber einmal bei einer solchen
Bestellung meint, sie htte den Freund frmlich in Dienst und Beschlag
genommen[400].
Wie begreiflich, waren die Hausfreunde in einem so ausnehmend
theologischen Hause auch fast laut$
arburg und Kirchenpolitisches
von Augsburg. "Sage D. Pommer",heit es dann in Luthers Briefen an
seine Frau[440]. Der behagliche Pommer ergtzte die Freunde gar sehr mit
seinen Sprchen, namentlich in breitem Platt; aber er lachte auch, wenn
der "schwbische" Pflzer Melanchthon sich im Plattdeutschen versuchen
wollte. Im Dezember 1527 erwartet der Propst im Lutherhause die
Niederkunft seiner Frau. Sie und Frau Katharina lagen fast zu gleicher
Zeit in den Wochen: Frau Pommer mit einem Knblein, Frau Kthe mit ihrem
Tchterlein Elsbeth. Bald darauf starben ihr zwei Shne[441]. 1528 wird
zu Bugenhagens Reise nach Braunschweig von Luthers "Eva" im Kloster ein
Abschiedsmahl gehalten; er wurde aber auch nach Hamburg "geliehen", dann
nach Lbeck, Pommern und Dnemark, und erzhlte dann daheim, nach der
Landesart gefragt, zum Ergtzen der "Tafelrunde", dort trnken die Leute
"Oel" und en "Schmeer" (d.h. Bier und Butter). Bugenhagen war also
viel weg von Wittenberg, zur groen Sorge Luthers, der seine
Arbeitslast a$
: "Um Gotteswillen,
Kthe, was ist geschehen?" "O, Herr Doktor, ein groes Unglck",
erwiderte sie; "denket nur, unser lieber Hergott ist gestorben, des bin
ich so traurig." Da fiel Luther seinem Weibe um den Hals und rief: "Ja,
liebe Kthe, that ich doch, als wr' kein Gott im Himmel mehr!" Und so
gewann er neuen Mut, da er die Traurigkeit berwand[485].
Nicht nur Luthers Verstimmungen und Anfechtungen wute Frau Kthe
aufzuheitern, sondern auch den gewaltigen Willen des bei aller
Gutmtigkeit eigensinnigen und starrkpfigen Mannes zu brechen,
namentlich wenn es galt, ihn zu seinem eigenen Besten zur Ruhe und
Erholung zu bewegen. "Mein Kopf ist eigensinnig, wie ihr sagt", schreibt
er einmal an Melanchthon, "aber mir ist er eigensinnigissimmum, weil
mich der Satan so wider Willen zu feiern und Zeit zu verderben zwingt."
Die klug Frau aber verstand es, nach seinem eigenen Gestndnis, ihn zu
berreden, so oft sie wollte[486].
Dagegen verwahrt sich Luther gegen den Verdacht, da er sich in
theologischen oder ki$
rer
und Doktor an, als den heiligen Geist." Ein wenig darauf, nach einer
heftigen Rede, kam sein Weib her und fragte, was denn mit so groer
Heftigkeit verhandelt werde. Er schlo mit den Worten zu Crodel: "Sage
den Rechtsgelehrten, da ich in dieser Sache nicht von meiner Frau
geleitet werde; ich hebe es auf die Sache selbst und den Kern eines
Gegenstandes ab ohne Rcksicht auf eine Person." Crodel war dieses
Gesprch so wichtig, da er's wrtlich seinem Freunde Ratzeberger
schriftlich mitteilte, und es war auch bezeichnend genug: man mute
Luther wenig kennen, wenn man solchem Klatsch Glauben schenken
wollte[488].
Es kommt auch jetzt noch vor, da Luther seiner Kthe Briefe vorlas,
auch in ihrer Gegenwart solche schrieb und da sie ihm Auftrge dabei
gab; auch ermunterte sie ihn, an die Freunde zu schreiben, wenn er
sumig darinnen war. Freilich zu Stunden stiller Erholung, wie in den
ersten Jahren ihrer Ehe, werden die Gatten in der spteren Zeit des
groen Arbeitsdranges seltener mehr gekommen sein. Aber$
151.
[388] _Matthes._ 133. 211.
[389] T.-R. II, 247.
[390] _Cord._ 731. _Lauterb._ 5. 38.
[391] T.-R. IV, 131 f. Vgl. _Schlaginhaufen_ Nr. 147. "Luther: Der Satan
hat Gottes Sohn erwrget. Respondit uxor D.: Ei mein lieber Herr Doktor
[392] T.-R. III, 90 f.
[393] T.-R. IV, 134.
[394] Cord. 1205. Der groe Zwischensatz sieht allerdings aus, wie eine
Einwendung Luthers; aber der Berichterstatter, der doch sonst Katharina
nicht sonderlich wohl will, schreibt die _ganze_ Rede ihr zu.
[395] Cord. 120.
[396] Cord. 110 f.
[397] _Lauterb._ 156.--Der gelehrte "Engeleser" war wohl "der schwarze
Engeleser" Dr. Antonius Robert Barns (Barnes) S. 144.
[398] T.-R. IV, 78. 121 f. Vgl. o.S. 55. 73. Schlaginhaufen Nr. 187. Als
die Rede auf den Trken kam, sagte die Doktorin: "Ei beht uns Gott vor
dem Trken!" Der Doktor: "Ei, er mu einmal den Pelz laufen." 216: Die
Doktorin stach was in die Seite; da schreit sie laut auf: "Ave Maria!"
Sagt der Doktor. "Warum hast Du nicht billig am Ende den angerufen, der
am Anfang? Wre nih$
 von Gott zur Ehe
bestimmt sei[109].
Nun kam damals im Mai oder Juni 1523 in die Universitaetsstadt Hieronymus
_Baumgaertner_, ein Patriziersohn aus Nuernberg, "ein junger Gesell mit
Gelehrsamkeit und Gottseligkeit begabt". Er hatte frueher (1518-21) in
Wittenberg studiert und bei Melanchthon seinen Kosttisch gehabt und
wollte jetzt seine alten Lehrer und Freunde in Wittenberg: Luther und
besonders Melanchthon besuchen, mit dem er spaeter in regem Briefwechel
stand[110]. Dieser junge Mann erschien Luther als der rechte Gatte fuer
seine Schutzbefohlene: er war 25 Jahre alt, Kaethe 24, beide aus
vornehmem Hause; sie ohne Vermoegen, um so mehr passte in Luthers Augen
der wohlhabende Nuernberger fuer sie. Und er wird wohl dafuer gesorgt
haben, dass Baumgaertner an sie heran kam und an ihr Wohlgefallen fand.
Auch Kaethe fasste eine raschaufwallende Neigung fuer den jungen Mann, war
er ja wohl der erste, der sich der gewesenen Nonne naeherte. Vielleicht
haben sich die beiden auch zuerst gefunden, und Luther betrie$
rte Stoffsammlungen und kleine Volksschriften[646].
Und doch lebt Katharina im Andenken des deutschen evangelischen Volkes
in deutlicher und freundlicher Erinnerung als die Gattin des gewaltigen
Doktors und deutsche Pfarrfrau, welche mit ihrem Manne das
gemuetansprechende Vorbild eines evangelischen Pfarrhauses geschaffen
Und mit Recht. Sie war eine tuechtige und brave Frau, wie man's zu ihrer
Zeit ausdrueckte: ein "frommes Weib", eine echte deutsche Hausfrau. Sie
hatte den Mut, Martinus Luther, "den kuehnen Held", zu ihrem Ehegemahl zu
erwaehlen, sie hat es gewagt, mit dem Geistesgewaltigen, dem
kaiserbuertigen Regenten der Kirche[646] zu leben, ihm zu genuegen, ihn zu
befriedigen. Und sie hat geleistet, was sie unternommen. Der grosse
Dktor hat sie geachtet, hat sie geliebt und gelobt. "Das aber ist das
wahre Lob, gelobt zu werden von gelobten Maennern."
[Illustration: Katharinas Handschrift und Siegel.][660]
Belege und Bemerkungen
Abkuerzungen
_Anton_, D.M.L. Zeitverkuerzungen. L. 1804.
_W. Beste_, Die Ges$
zu vgl. K. Ed. _Foerstemann_, D.M.L. Testamente. Nordhausen 1846.
Seidemann, Ztschr. f. histoY. Th. 1860. S. 475 bis 564.
[572] _Rade_ (P. Martin) D.M.L., Neusalza 1887, III, 699. S.o.S. 201.
[573] "Die Welt ist undankbar" setzte L. an die Spitze seines
Hausbuches, in welchem er fuer die Seinigen eine Art testamentarische
Aufzeichnung machte, wegen ihrer Zukunft. VI, 324.
[574] V, 424.
[575] S.o.S. 201. V, 424.
[576] V, 424. VI, 324. 326.
[577] S.o.S. 83. _Kolde_, An. L. 416. _Burkh._ 482 f.
[578] T.-R. IV, 522 heisst es zwar: "Nur _ein_ Jurist ist fromm (brav)
und weise. Dr. Gregorius _Brueck_." Dagegen 525. "Etliche sind fromm wie
Dr. _Sebald_; etliche aber sind eitel Teufel."
[579] _Burkh._ 482. _Kolde_, An. L. 421-23. _Buchwald_ 180: L. zieht weg
propter pessimos mores.
[580] Grundbes. 531. Br. V, 304. Denkm. 76 f.
[581] Denkm. 27. 79. L.W. XXI, 299*.--Hierbei hatte Brueck von den
"groben Fleischern und Fischern" geredet: "Man soll (wird) der Frauen
wohl bald mit ungestuemen Worten, wenn man schuldig ist,$
r lieben wir,
  Wo Bauern in treuem Walten
  Hoch unsere Ehre halten;
Von ihrer Ahnen Glanz umloht
War unsres Aufgangs Morgenrot.
Wohlauf, ihr Wanderer, singt,
Von Norges Herrlichkeit umringt!
  Uns leiht unser Wirken Flgel,
  Es grt uns die Vorzeit vom Hgel,
Und unsre Zukunft werd' erbaut
So stark wie Gott, dem sie vertraut.
ICH REISTE VORBER
--Ich reist vorber im Morgenrot:
Lautlos ein Hof noch im Lichte ruht,
Und wie die Scheiben brennen in Blut,
Loht auf in der Seele erloschene Glut:--
  In Frhjahrsstunden
  Dort war ich gebunden
  Von lchelnden Lippen und feinen Hnden,
  Und das Lcheln mute in Trnen enden.
Lang, bis der Hof meinem Blicke entschwand,
Schaut' ich hinber, unverwandt.
Alles Vergangne erglnzte rein,
Alles Vergessne ward wieder mein:--
  Gedanken wandern
  Nun auch zu andern
  Frhlingstagen, und Wonnen und Fehle
  Wogen vor und zurck in der Seele.
Freudvoll damals und freudvoll nun,
Schmerzen damals und Schmerzen nun.
Sonne im Tau: wie das funkelt und weint--
Trnen und Lcheln$
in Dichten hat je ersonnen
So hohe Wlbung, so tiefen Bronnen,
Wie von der himmlischen Liebe der Schein
Hinabdringt bis in die Wiege hinein.
Nie leuchtet und taut dir die Seele so lind,
Wie wenn mit Gebeten du wiegst dein Kind.
Wer nimmer die Liebe gekannt fr das Kleine,
Dem winkt nicht die groe, dieallgemeine.
Wer nicht sein eigenes Haus kann baun,
Wird auch seine Trme zertrmmert einst schaun;
Und zwingt er ganz Europa ins Joch,
Stirbt einsam er auf Sankt Helena doch.
Erbau' dir nur selbst eine Zufluchtssttte;
Dann wei auch dein Nchster, wohin er sich rette.
Obwohl von Kindern und Frauen geschaffen,
Birgt diese Festung so starke Waffen,
Da heil sie bleibt in Kampf und Gefahr
Und Mut verleiht einer ganzen Schar.
Ein einzelnes Heim trug oft ein Land,
Wenn dessen Retter es ausgesandt,
Und wieder viel tausend Heime trug
Das Land erlst aus dem Kriegeszug;
So trgt es auch auf des Friedens Wegen
Den Pulsschlag des Heims in emsigem Regen.
Trotz all dem Feinen im fremden Duft,
Ganz lauter allein ist die Hei$
er wirkte, von "Gottes Frieden" war,
Das nimmer untersinket, nie neuen Tag gebar.
Im Licht von Gottes Frieden Geschichte er uns gab,
Als Geistesschritt auf Erden, hoch ber Zeit und Grab.
Im Licht von Gottes Frieden hat er der Vter Bahn,
Zur Warnung und als Beispiel, klar vor euch aufgetan.
Im Licht von Gottes Frieden folgt' er mit Wachsamkeit
Dem Volke, wo es baute, der groen Geister Streit.
Im Licht von Gottes Frieden Aufklrungsmacht er sah,--
Wo seinem Wort man glaubte, Volksschulen blhten da.
Im Licht von Gottes Frieden stand fr ganz Dnemark
Sein Trost, wie eine Schildburg hellschimmernd, trutzig-stark.
Im Licht von Gottes Frieden erobert werden soll
Verlornes und was brach liegt, mit tausendfachem Zoll.
Im Licht von Gottes Frieden steht heut sein Greisentum
Als Amen seines Lebens voll Manneskraft und Ruhm.
Im Licht von Gotte Frieden, wie strahlte er so rein,
Wenn am Altar er schenkte des Herrn Vershnungswein.
Im Licht von Gottes Frieden gehn ber Meer und Land
Die Worte und die Psalmen, die er uns$
t dem Essen sehr
beschftigt, lachte leise vor sich hin und a weiter. "Komm her und i,"
rief er, "sonst wird das Essen kalt."--"Danke, ich habe keinen Hunger",
antwortete Thorbjrn und setzte sich. "So?"--und Smund a. Nach einem
Weilchen sagte er: "Ihr wart ja heut mit einemmal aus der Kirche."--"Wir
hatten mit jemand zu reden", erwiderte Thorbjrn und hockte mit krummem
Buckel.--"Na, habt Ihr denn mit ihm geredet?"--"Das wei ich fast selber
nicht", versetzte Thorbjrn.--"Den Teufel auch", brummte Smund und a.
Es dauerte nicht lange mehr, da war er fertig und stand auf; er ging zum
Fenster, blieb stehen und sah hinaus; bald darauf drehte er sich um:
"Du, komm, wir wollen ein bichen aus und uns die Felder besehen."
Thorbjrn stand auf. "Nein, zieh Dir erst den Rock an." Thorbjrn, der
in Hemdsrmeln dagesessen hatte, nahm einen alten Arbeitsrock, der
hinter ihm hing.--"Siehst Du nicht, da ich den guten anhabe?" rief
Smund. Nun zog Thorbjrn auch seinen Sonntagsrock an. Dann gingen sie
fort; Smund v$
----Mich packte
oft die Lust, wenn ich so dasa, mich um dieser Sache willen mit ihm zu
messen; aber ich hatte Angst, ich knne verlieren, und wute, da ich
damit auch sie verlieren wrde. Wenn alle andern fort waren, machte ich
dieselben Kraftproben, die er gemacht hatte, schnellte gegen den Balken,
gegen den er geschnellt war; aber wenn er das nchste Mal mir das
Mdchen wieder vor der Nase wegschnappte, wagte ich mich doch nicht mit
ihm einzulassen,--obgleich--einmal geschah es doch, als er nmlich
gerade vor meinen Augen mit dem Mdchen schn tat--da nahm ich einen
ausgewachsenen Burschen und legte ihn, als sei's Kinderspiel, ber den
Dachbalken. Damals ist er auch ganz bla geworden------
Wenn er noch gut zu ihr gewesen wre; aber er betrog sie, und das Abed
fr Abend. Ich glaube, sie hatte ihn nach jedem Mal blo noch
lieber.--So stand es, als das letzte geschah. Ich dachte, jetzt mag es
biegen oder brechen. Unser Herrgott hat wohl nicht gewollt, da er es so
weitertreiben sollte, deshalb fiel er hrte$
r fangen gleich an!" Jetzt rhrte sie sich,
aber nur, um ins Haus zu sehen. "Ja, sag' es nur Deier Mutter!" meinte
er. Die Mutter ging eben vorbei, und als sie das Kind mit einem fremden
Herrn sprechen sah, trat sie auf die Schwelle. "Er will mich lesen
lehren!" sagte das Kind zweifelnd, die Augen auf die Mutter gerichtet.
Sie antwortete nicht, stemmte nur beide Hnde in die Hften und sah
degaard an. "Ihr Kind ist ja total unwissend!" sagte er. "Sie knnen es
vor Gott und Menschen nicht verantworten, wenn Sie es so heranwachsen
lassen!"--"Wer bist denn Du?" fragte Gunlaug scharf.--"Hans degaard,
der Sohn des Pastors." Ihr Gesicht klrte sich leicht auf; von dem hatte
sie immer nur Gutes gehrt. "Wenn ich dann und wann einmal im Lande
war", begann er wieder, "ist mir das Kind hier immer aufgefallen. Heute
bin ich von neuem an sie erinnert worden. Sie darf sich nicht lnger nur
mit Dingen abgeben, die bse sind." Auf dem Gesicht der Mutter stand
deutlich zu lesen: Was geht das Dich an? Aber ruhig fragte er: $
Fisch
schaffen!--Wo bin ich stehen geblieben? Richtig--Fisch--Fischermdel--das
pat zusammen: Fisch--Fischermdel--hahaha! Also ich zahle,--Sie
arrangieren's! Sie wird mine Frau, und dann----"
Weiter kam er nicht. Er hatte whrend seiner langen Rede gar nicht auf
degaard geachtet, der jetzt totenbla aufsprang und sich mit einem
biegsamen spanischen Rohr in der Hand ber ihn warf. Das Erstaunen des
andern war nicht zu beschreiben; den ersten Schlgen wich er aus.
"Nehmen Sie sich in acht! Sie knnten mich treffen!" sagte er.--"Jawohl!
Ich treffe! Sehen Sie: spanisch, spanisches Rohr--das pat auch
zusammen!" und die Hiebe regneten auf Schultern, Arme, Hnde, das
Gesicht herab, wo sie gerade hintrafen. Der andere scho umher: "Sind
Sie verrckt? Mensch, sind Sie toll?" rief er. "Ich will sie ja
heiraten! Hren Sie? heiraten!"--"Hinaus!" schrie degaard, als sei er
mit seiner Kraft am Rande. Und der Blondkopf strzte zur Tr hinaus, die
Treppe hinunter, fort von diesem Wahnsinnigen;--gleich darauf stand er
un$
er sah und fhlte, sie kmpfe um ihr
Leben. Dawurde die alte Liebe zu mchtig in ihm; noch einmal sah er sie
an mit einem vollen, schmerzlichen Blick, noch einmal umfate er mit
beiden Hnden ihr Haupt. Aber in seiner Brust schluchzte und sang es wie
in der Orgel nach dem letzten Zug der Register, wenn nur noch Luft, aber
kein Ton mehr in ihr ist. Dann zog er seine Hnde zurck und zwar in
einer Weise, da sie fhlen mute, was er dabei dachte: es war fr
immer. "Nein, nein!--Du kannst Dich hingeben; aber Du kannst nicht
lieben!" Es berwltigte ihn. "Unglckliches Kind, Deine Zukunft kann
ich nicht schtzen! Gott verzeih Dir, da Du meine vernichtet hast!" Er
ging an ihr vorbei, sie rhrte sich nicht. Er ffnete die Tr und schlo
sie; sie blieb stumm,--sie hrte ihn die Treppe hinuntergehen, sie hrte
seine letzten Schritte auf der Haustreppe, auf dem Wege--da brach der
Bann. Sie stie einen Schrei aus, einen einzigen;--aber darauf eilte die
Mutter herbei.
Als Petra wieder zu sich kam, fand sie sich in ihre$
s war ein Schmhlied; und obwohl jedes Wort ihr wie
ein Messer ins Herz schnitt, mute sie doch zuhren, lauschen! Aber als
sie hrte, da sie die schamlose Ungerechtigkeit hatten, auch die Mutter
mit zu beschimpfen, da sprang sie auf, da strzte sie hervor; sie wollte
zu dem feigen Gesindel reden, wollte sich auf sie herabstrzen; aber da
kam ein Stein und noch einer und dann ein ganzer Hagel von Steinen
durchs Fenster geflogen; die Glasspliter stoben, die Steine sausten im
Zimmer herum, und sie kroch wieder in ihren Winkel. Der Schwei brach
ihr aus, als se sie in der glhendsten Sonne; aber sie weinte nicht,
sie frchtete sich auch nicht mehr.
Allmhlich legte sich der Lrm. Sie wagte sich hervor, und als sie
nichts mehr hrte, wollte sie ans Fenster und nachsehen. Aber sie trat
berall auf Glasscherben, und ging deshalb wieder zurck. Dabei trat sie
wieder auf Steine; so blieb sie stehen, um nicht gehrt zu werden; denn
nun galt es, sich fortzuschleichen. Nachdem sie noch eine gute halbe
Stunde gewartet$
er wollte
nicht mehr. Es wrde ja doch nur wieder dasselbe Ende nehmen. Kein
Mensch konnte Zutrauen zu ihr fassen; was auch der Grund sein mochte ...
sie fhlte, es war so. Sie war ja auch noch keinen Schritt weiter
gekommen; nie wrde sie berhaupt einen Schritt weiter kommen. Denn
ohne das Vertrauen der Menschen ging es nicht. Oh, wie sie betete, wie
sie weinte! Sie wlzte und wand sich in ihrer Seelenqual, bis sie ganz
erschpft war und einschlief.
Und im Schlaf wurde sofort alles schneewei und allmhlich auch seltsam
hoch. Nie in ihrem Leben hatte sie eine solche Hhe und ein so lichtes
Funkeln von Millionen Sternen gesehen.
Zehntes Kapitel
Noch als sie aufwachte, war sie dort oben; die Gedanken des Tages, die
sofort auf sie einstrmten, wollten nach, wurden aber eingefangen und
fortgetragen von etwas, das die ganze Luft erfllte--von dem
Glockengelut des Sonntagmorgens. Sie sprang auf und zog sih an, holte
sich aus der Speisekammer etwas Frhstck, packte sich warm ein und
machte sich eilig auf den Weg$
 Ehrerbietung ich nahe,--
    Ich weiss, du traegst hohen S@nn,--
    Und lege in schlichten Worten
    Vor dich meine Sache hin.
Waerst _du_ der Kleinere, Schweden,
Und juengst erst durch Freiheit beglueckt,
Und trueg' deine Flagge ein Zeichen,
Das dich tiefer und tiefer drueckt,
Und behauptete, du seist der Kleine,
An des Groesseren Tisch gesetzt,
(Denn also deuten die Voelker
Dies Flaggenzeichen jetzt)--
Und waere deine Freiheit
Nicht alt,--nein--wie unsre jung,
Und hundertjaehrige Ohnmacht
In deine Erinnerung
Mit frischen Furchen gegraben
Von altem Unrecht und Blut,
Von ziellosen Sehnsuchtsklagen,
--Ja wuesstest du, wie das tut,
Und solltest dein Volk erziehen
Zu neuer Freiheit Ehr',
Zu neuen Freiheitsgedanken,
Und die Flagge dein Dolmetsch waer',
Ob du dir wohl liessest rauben
Aus der Flagge das eine Feld?
Ob du wohl ertruegst das Zeichen,
Das die Freiheit dir vorenthaelt?
Ob du dir nicht selber sagtest:
"Je aelter des aendern Rang,
Je groesser der Ruhm seiner Farben,
Um so lockender ist sein Sang.
Versu$
ig und stark vor dem
sorgenden Mann,--geraeumig und mild vor dem mueden Greise. Mitten im
Gottesdienst werden die juengst geborenen Kinder hereingetragen und
getauft und, wie bekannt, ist waehrend dieser Feier die Andacht am
Man kann deshalb nie ein richtiges Bild von den norwegischen Bauern, von
verderbten oder unverdorbenen, wiedergeben, ohne an irgendeiner Stelle
die Kirche als Hintergrund heranzuziehen. Dadurch entsteht eine gewisse
Einfoermigkeit; aber das ist nicht das Schlimmste. Dies sei hier ein fuer
allemal hervorgehoben, und nicht nur mit Bezug auf den Kirchgang, von
dem jetzt berichtet werden soll.
Thorbjoern war sehr vergnuegt ueber den Gang und alles Neue; merkwuerdig
viele Farben spielten in sein Auge draussen vor der Kirche; in ihrem
Inneren fuehlte er den Druck der Stille, der auf allen und allem schon
vor Beginn des Gottesdienstes lag; und obgleich er beim Vorlesen des
Gebetes vergessen hatte, den Kopf zu senken, war es ihm doch, als beuge
der Anblick von den mehreren hundert gesenkten Koep$
en Vater,
dachte er, aber das sprach er nicht aus.
Er wollte schon frueh konfiramiert werden; aber daraus wurde nichts.
"Solange Du noch nicht konfirmiert bist, giltst Du noch als Junge, und
ich habe Dich mehr in meiner Gewalt", sagte sein Vater; infolgedessen
ging er erst zur selben Zeit wie Synnoeve und Ingrid zum Pastor. Auch
Synnoeve hatte lange warten muessen, fast bis zu ihrem sechzehnten
Lebensjahr. "Man kann nie genug wissen, wenn man sein Bekenntnis vor
Gott ablegen soll", hatte die Mutter gesagt, und der Vater, Guttorm
Solbakken, hatte zugestimmt. Daher war es nicht eben unerklaerlich, dass
sich schon zwei Freier meldeten: der eine der Sohn eines besseren
Mannes, der andere ein reicher Nachbar. "Da hoert doch alles auf,--sie
ist ja noch nicht mal konfirmiert."--"Dann wollen wir sie konfirmieren
lassen", sagte der Vater. Aber davon erfuhr Synnoeve nichts.
Der Frau und den Toechtern des Pastors gefiel sie so gut, dass sie von
ihnen zu einem Gespraech in das Haus gerufen wurde. Ingrid und Thorbjoern
st$
der anderen die Augen
beschattete und nach ihr ausschaute.
"Hier liegst Du und schlaefst auf der kalten Erde?" sagte die
Mutter. "Ich war so muede," antwortete Synnoeve, "und hatte mich nur
einen Augenblick hingelegt, und da bin ich mit einemmal fest
eingeschlafen."--"Davor musst Du Dich hueten, mein Kind----Hier in dem
2orb habe ich Dir etwas mitgebracht; ich habe gestern gebacken, weil
Vater eine laengere Reise machen will." Aber Synnoeve fuehlte, etwas
anderes muesse die Mutter hergefuehrt haben, und sie meinte nicht ohne
Grund von ihr getraeumt zu haben. Karen--so hiess ihre Mutter--war, wie
gesagt, klein und schmaechtig von Gestalt, hatte blondes Haar, und blaue
Augen, die rastlos umherblickten. Sie laechelte ein wenig, wenn sie
sprach; aber nur wenn sie mit Fremden sprach. Ihr Gesichtsausdruck war
sehr scharf geworden; sie war hastig in ihren Bewegungen und machte sich
immer etwas zu tun.--Synnoeve bedankte sich fuer das Mitgebrachte, nahm
den Deckel vom Korb und wollte nachsehen, was darin war. "Das ka$
heftig ging, und darum entgegnete sie:
"Ach nein, das wohl nicht." Da daemmerte es Synnoeve auf, dass etwas sehr
Schlimmes passiert war. "Liegt er zu Bett?" fragte sie.--"Ja, natuerlich.
Wie muss das seine Eltern treffen,--solch brave Leute. Gut erzogen haben
sie ihn ja auch, so dass unser Herrgott nicht mit ihnen darueber in das
Gericht gehen kann." Synnoeve wurde so beklommen zumut, dass sie sich kaum
noch fassen konPte. Da fuhr die Mutter fort: "Nun zeigt es sich, wie gut
es war, dass sich niemand an ihn gebunden hat. Unser Herrgott lenkt alles
zum besten." Vor Synnoeves Augen schien sich alles zu drehen; sie glaubte
vom Berg herunterzustuerzen.
"Ich habe immer zu Vater gesagt: Gott schuetze uns; wir haben nur die
eine Tochter, und fuer die muessen wir sorgen. Vater ist ja etwas weich,
so brav er sonst ist; aber da ist es gut, dass er sich dort Rat holt, wo
er ihn findet; und das ist in Gottes Wort." Als nun Synnoeve noch bei all
ihrem Kummer daran denken musste, wie liebevoll ihr Vater immer gegen sie
war$
, wo sie wohl
sein koenne, und entdeckten, dass sie nachts gar nicht in ihrem Bett
gewesen war,--da kam Synnoeve. Sie war sehr bleich und still. Ohne ein
Wort zu reden, schickte sie sich an, das Fruehstueck fuer die Jungen zu
bereiten, legte ihnen den Vorrat zurecht, den sie fuer den Tag mitnehmen
sollten, und half spaeter beim Melken.
Der Nebel drueckte noch auf die niedriger liegenden Haenge, der Tau
glitzerte vom Heidekraut ueber die braunrote Felsflaeche; es war etwas
kalt, und wenn der Hund bellt~e, erklang ringsherum Antwort. Die Herde
wurde hinausgelassen; die Kuehe bruellten in die frische Luft und Tier auf
Tier zog den Viehsteig hinab; aber dort sass schon der Hund, erwartete
sie und hielt sie solange zurueck, bis alle zur Stelle waren; dann liess
er sie weiter ziehen; die Herdenschellen laeuteten ueber die Haenge, der
Hund klaeffte, so dass es widerhallte, und die Jungen wetteiferten im
Jodeln. Aus all diesem Wirrwarr von Toenen ging Synnoeve fort und hin zu
dem Platz, wo sie und Ingrid frueher imme$
 alter Mann, Ejnar Aasen mit Namen. Als
Zwanzigjaehriger hatte er sich das Bein gebrochen; seit der Zeit ging er
am Stock; aber wo er mit seinem Stock angehumpelt kam, ging es lustig
zu. Der Mann war reich; ein grosses Gehoelz von Nussstraeuchern lag auf
seinem Grund und Boden, und an einem recht schoenen, sonnigen Tag im
Herbst pflegte eine ganze Schar froehlicher Maedchen bei ihm zum
Nusspfluecken versammelt zu sein. Tags war grosse Bewirtung und abends
Tanz. Bei den meisten MaMdchen hatte er Gevatter gestanden; denn er stand
beim halben Dorf Gevatter; alle Kinder nannten ihn Pate, und alt und
jung sprach es nach.
Der Pate war mit Arne sehr gut bekannt und mochte ihn um seiner Lieder
willen gern leiden. Jetzt lud er ihn zur Nussernte ein. Arne erroetete und
machte Ausfluechte; er sei es nicht gewoehnt, mit Frauenzimmern zusammen
zu sein, sagte er. "So musst Du Dich dran gewoehnen", antwortete der Pate.
Arne konnte nachts bei dem Gedanken nicht schlafen; Furcht und Sehnsucht
stritten in ihm: aber das Ende vo$
 von dem Rodeland
lag Wald; Aecker und Wiesen des Hofes konnten nach Belieben vergroessert
werden; es war in jeder Hinsicht eine vorzuegliche Ackerwirtschaft. Vorm
Hause lag ein kleiner Garten. Arne bestellte ihn nach der Anleitung
seiner Buecher; links vom Hause befanden sich die Viehstaelle und die
andern Wirtschaftsgebaeude; sie waren fast alle neu errichtet und
bildeten mit dem Wohnhaus ein Viereck. Das Wohnhaus war rotgestrichen,
mit weissen Fensterrahmen und Tueren, hatte zwei Stockwerke, war mit Torf
gedeckt, und auf dem Dach wuchs allerlei Buschwerk; der eine Giebel trug
eine Stange, auf der sich ein eiserner Hahn mit hohem Schweif drehte.
Der Fruehling war in die Gebirgsdoerfer gekommen; es war ein
Sonntagmorgen, die Luft etwas trueb, aber ruhig und nicht kalt; der Nebel
hing dicht ueber dem Walde, aber Margit meinte, er werde sich im Lauf des
Tages lichten. Arne hatte seiner Mutter die Predigt vorgelesen und
Choraele gesungen, und das hatte ihm gut getan; jetzt war er in vollem
Staat, um nach dem P$
hm ihm die Muetze ab. "'n huebscher kleiner Bursch",
sagte er und strich ihm uebers Haar. Oeyvind sah ihm in die Augen und
lachte. "Lachst Du etwa ueber mich?" Er runzelte die Brauen. "Ja,
natuerlich", sagte Oeyvind und lachte aus Leibeskraeften. Da musste der
Schulmeister auch lachen, die Mutter lachte, und als die Kinder merkten,
dass sie es durften, lachten sie alle zusammen.
Somit war Oeyvind in die Schule aufgenommen.
Als |r sich setzen musste, wollten ihm alle Platz machen. Er sah sich
auch lange um; sie tuschelten und zeigten auf ihn. Er drehte sich nach
allen Seiten, die Muetze in der Hand und das Buch unterm Arm. "Na, was
wird das werden?" fragte der Schulmeister, der schon wieder mit seiner
Pfeife zu tun hatte. Als der Junge sich eben nach dem Schulmeister
umwenden will, sieht er dicht neben dem Herd auf einem rotbemalten
Esskober Margit mit den vielen Namen sitzen; sie hatte das Gesicht in den
Haenden versteckt und lugte zu ihm hin. "Hier will ich sitzen", sagte
Oeyvind schnell, nahm sich einen Kob$
uld, auf dass
der Mensch stark werde zu seiner letzten Reise. Heute habe ich aus
mancherlei Gruenden zur Feder gegriffen, zuerst und zunaechst um Margits
willen, die ein gottesfuerchtiges Maedchen geworden ist, aber
leichtfuessig wie ein Renntier und voll mancherlei Plaene. Denn sie
moechte sich wohl gern an eins halten, kann es aber ihrer Natur wegen
nicht; doch ich habe oft erlebt, dass unser Herrgott mit so schwachen
kleinen Herzen glimpflich und langmuetig umgeht und sie nicht ueber
Vermoegen in Versuchung fuehrt, auf dass sie nicht inc Stuecke brechen;
denn die sind sehr zerbrechlich. Den Brief habe ich ihr richtig
gegeben, und sie verbarg ihn vor allen, ausser vor ihrem eigenen
Herzen. Und wenn der liebe Gott dieser Sache gnaedig ist, so habe ich
nichts dagegen; denn Margit gefaellt den jungen Burschen wohl, wie man
deutlich sieht, und sie ist reich an irdischen Guetern, wie auch trotz
aller Unbestaendigkeit an himmlischen. Denn die Gottesfurcht in ihrem
Herzen ist wie Wasser in einem seichten Teich; es$
nett; aber jetzt will keiner mehr was von mir wissen, und mir geht es
recht schlecht. Jon Hatlen hat ein Spottlied auf mich gemacht, und das
singen alle Burschen, und ich kann mich auf keinem Tanz mehr blicken
lassen. Die beiden Alten wissen davon, und ich bekomme boese Worte zu
hoeren. Ich aber sitze allein und schreibe, und Du darfst es keinem
Du hast viel gelernt und koenntest mir einen Rat geben, aber Du bist so
weit fort. Ich bin oft unten bei Deinen Eltern gewesen und habe mit
Deiner Mutter geplaudert, und wir sind gute Freunde geworden; aber ich
darf nichts sagen, denn Du hast so sonderbar geschrieben. Der
Schulmeister macht sich jetzt ueber mich lustig, und er weiss nichts von
dem Spottlied, denn kein einziger im ganzen Dorf wagt ihm so etwas
vorzusingen. Jetzt bin ich allein und habe keinen, mit dem ich sprechen
kann; ich denke daran,als wir noch Kinder waren, und Du so nett zu mir
warst, und ich immer auf Deinem Schlitten sitzen durfte. Und da moechte
ich wuenschen, dass ich wieder ein Kind waere.
I$
ch kamen sie
doch wieder; zuerst die Hausmuetter, die lieben, guten! Aber sie fanden
keinerlei Gelegenheit, von anderem zu reden als von Geschaeften; Gunlaug
hoerte einfach auf nichts anderes. Dann kamen die Fischer, dann die
Kaufleute und Schiffer, die Leute dingen und sich bei ihr Auskunft holen
wollten, und endlich, am naechsten Sonntag, auch die Matrosen. Die mussten
sich verabredet haben; denn gegen Abend war das Haus mit einem Male so
ueberfuellt, dass nicht nur die beiden Stuben besetzt waren, sondern dass
man auch noch die Tische und Stuehle, die im Sommer im Garten standen,
hervorholen und im Flur, in der Kueche, im Hinterzimmer aufstellen musste.
Niemand, der diese Versammlung gesehen, haette ahnen koennen, mit welchen
Gefuehlen diese Leute hier sassen; denn mit dem Augenblick, da sie
Gunlaugs Schwelle wieder ueberschritten, hatte diese Frau stillschweigend
wieder das Kommando uebernommen, und die breite Sicherheit mit der sie
jedem das seine verabfolgte, unterdrueckte jeden Willkommgruss, jede
Fra$
g umschaeumten die Wogen.
    Man goennte sich kurze Rast an Bord;
    Wer grade nicht schmauste, der schlummerte dort.
    Da hoerten sie rufen herab von den Klippen--
    Fast klang's wie ein Wort vondes Wahnsinns Lippen--:
    "Ist keinem auf haushohen Wogen geheuer,
    Mich draengt es danach;--drum gebt mir das Steuer!"
    Empor zu dem Berghang blickten ein paar;
    Sonst wandte sich keiner herum von der Schar,
    Und keiner liess sich die Esslust rauben.
    Da fiel ein Stein; zwei mussten dran glauben.
    Auf sprang man von Deck; die Schuesseln waren
    Im Nu verschwunden, die Waffen erhoben;
    Es schwirrten die Pfeile;--jedoch der droben
    Stand ruhig und sagte mit festem Gebaren:
    "Hauptmann, magst willig dein Schiff du mir geben
    Oder drum kaempfen auf Tod und Leben?"
    Fuer Scherz nur nahm es der wilde Hauf,
    Ein Pfeilschuss war die Antwort darauf.
    Der traf ihn nicht. Er sagte gelassen:
    "Noch will mich des Todes Haus nicht fassen.
    Du, der die saemtlichen Meere durchp$
hl war's ja auch, das mich damals
veranlate, ihr meine Hand zu reichen.--
"Ja, gndige Frau--wir sind beide den falschen Weg gegangen, Sie, indem
Sie, statt Ihr Herz sprechen zu lassen, damals Ihrer Umgebung allzu viel
Gehr ber mich schenkten, und ich, indem ich zu weich an unrechter
Stelle war--etwas that, das, ich wute es, mich einst gereuen wrde. Nun
ist fr mich ein Glck in der Ehe dahin. Selbst meine Arbeit,	die mich
entschdigen knnte, macht mich nicht froh, weil meine Frau auch auf sie
scheel herabsieht, sie mir fortwhrend zu verleiden sucht.
"Doch ich spreche von mir;--reden Sie--ich bitte Sie--von sich. Nur das
allerwrmste Interesse leitet mich. Ich mchte Sie ja so gern glcklich
Er sprach die letzten Worte so weich und herzlich, und seine
Empfindungen waren so lebhaft, und seine Gefhle quollen so stark ber,
da er ihr nher trat und sie unwillkrlich sanft an sich zog.
Und da neigte sie stumm das Haupt, und weinte sich aus wie ein
schluchzendes Kind.--
       *       *       *       *  $
ume sprechen hoeren. Es geschah bald, nachdem uns Klamm verlassen
hatte. Sie schlaeft doch neben mir. Die Thuer stand an dem Abend offen.
Ploetzlich hub sie an, seinen Namen zu rufen und sich sehr schwaermerisch
auszudruecken.
"Und ueberdies hat mir Onkel Theodor erzaehlt, dass sie ein gewisser Numick
im Tiergarten mit ihm hat promenieren sehen.
"Es mag Zufall gewesen sein. Aber es ist sehr verdaechtig, dass sie mir
niemals etwas davon erzaehlt hat."--
"Hm--hm--so--so! Darueber moechte ich wohl etwas Sicheres erfahren? Und
namentlich moechte ich wissen, weshalb denn nichts aus der Partie
geworden ist?"
Margarete zog die Schultern und holte unwillkuerlich Atem, wie jemand,
der sich so besser einer Starken Bedrueckung entledigt.
Dann sagte sie:
"Ist ueberhaupt Herr von Klamm zu ergruenden? Bei uns eifrig, ja
unermuedlich! Ein Adliger aus vornehmer Familie! Ein Mann, mit dem Drang
nach Einfachheit, Soliditaet, buergerlicher Thaetigkeit, nach Erwerb und
Erfolg. Und gleichzeitig versteckt, unzuverlaessig, unwahr!$
ging
ber in die schne Melodie: "Freudvoll und leidvoll"; mit Meisterhand
fhrte sie dieses Thema in Variationen aus, die aus ihrem innersten
Leben herauf stiegen; durch alle Tne des weichsten Moll klagte sie
ihren einsamen Schmerz, bis sie fhlte, da diese Tne sie viel zu
w0ich machen, und ihr Spiel, ohne seine Dissonanzen aufzulsen,
schnell wie ihre Hoffnung endete.
       *       *       *       *       *
DIE MONDWIRTIN.
Im Goldenen Mond drben ging es hoch her. Drei Zimmer in der Beletage
vorn heraus hatte schon lange Zeit kein Fremder mehr gehabt. Die
Mondwirtin hatte daher alles aufgeboten, um diese Zimmer so anstndig
als mglich zu dekorieren; das mittlere hatte sie durch einen
eleganten Armoir zum Arbeits-, durch ein groes Sofa zum
Empfangzimmer eingerichtet. Das linke nannte sie Schlafkabinett, das
rechte, weil sie ihren ganzen Vorrat berflssiger Tassen und eine
bronzierte Maschine auf einen runden Tisch gesetzt hatte, das
Teezimmer. Auch an der _Table d'hte_, wo sonst nur einige
Individuen$
ichtigen, da er sich
kaum enthalten konnte, die Trnen, die seinem Unglck flossen, von
den zarten Wangen zu kssen. Wie eine trauernde Andromache sa Ida,
das Engelskpfchen auf ihr schneeweies Hndchen gesttzt, und lie
die Trnen herab in den Scho rollen. Nach und nach schien sie aber
ruhiger zu werden; sie sah oft auf, und dann lag in dem schnen Auge
etwas Schwrmerisch-Sinnendes, da man glauben durfte, sie sinne ber
einen groen Entschlu nach.
So traf sie Berner, der mit einem Armensndergesicht zur Tre
hereinguckte. Es hatte ihm unterwegs, nachdem der erste Kitzel ber
seinen gewagten Feldherrn-Einfall vorber war, doch ein wenig das
Gewissen geschlagen, da er die Leutchen so im heillosen Zappel
zurcegelassen habe. Er mute sich gestehen, da die Sache auf diese
Manier ebenso leicht ganz ber den Haufen gerannt werden konnte.--
Doch, da war er ja der Mann dazu, auch die verzweifeltsten
Verhltnisse wieder zu entwirren. "Haben sie sich auch, wie
ungeschickte Hauderer, ein wenig verfahren," dac$
nenzeug in ihrer oft
schmutzigen Wirtschaft noch nicht verloren; daher der ungemeine
Respekt vor dem Gast, als sein Diener ihr die feinen Hemden
dutzendweis, bald mit gelockten, bald mit gefaeltelten Busenstreifen,
bald mit, bald Tohne Manschetten aus den geoeffneten Koffern
hinueberreichte. Und als er vollends an die Unzahl von Hals- und
Sacktuechern kam, wovon sie jedes zum hoechsten Staat in die Kirche
angezogen haette, da vergingen ihr beinahe die Sinne. "Ach, wie
fuerstlich ist der Herr ausgestattet! Das hat gewiss die gnaedige Frau
Mama ihm mitgegeben?"
"Der tut schon lange kein Zahn mehr weh," gab Brktzwisl zur Antwort.
"Ist sie tot, die brave Frau, die so schoene Linnen machte?" sagte die
mitleidige Mondwirtin. "Aber die gnaedigen Fraeulein Schwestern haben--"
"Hat keine mehr. Vor einem Jahre starb die Graefin Crescenz."
"Auch keine Schwester mehr? Der arme Herr! Aber auf solche exquisite
Prachtwaesche verfaellt kein junger Herr von selbst. Ich kann mir
denken, der gnaedige Herr Papa Exzellenz--"
"Ist$
iben. Der Gedanke, dass ein grosses
Haus mehr in die Residenz kommen koennte, war begeisternd fuer ihn.
Unter allen Sterblichen schaetzte er die am hoechsten, welche Haeuser
machten; darunter verstand er freilich nicht Zimmerleute oder Maurer,
sondern die, welche ihm Schildkroetensuppen, fette Austern, feine
Ragouts, gute fremde Weine vorsetzten, die, welche regelmaessig einmal
in der Woche des Abends Tueren und Tore oeffneten, um frohe Gaeste bei
sich zu sehen, hohe Spiele arrangierten, koestliche Baelle zu geben
wussten. Solche Haeusermacher liebte der alte Sorben; denn er war ein
altes Weltkind und ein feiner Schmecker aller Delizen, sie mochten
tot oder lebendig, vier- oder zweifuessig sein, mochten dem Gaumen oder
der Nase, dem Ohre, dem Auge oder dem Tastsinne schmeicheln--er war
ein Kenner, und daher musste es in seinen Wuenschen liegen, ein
Dreimillionen-Graefchen in die Residenz zu bekommen.
So hatte ihn seine gewandte Nichte, ohne dass er es merkte, bei allen
fuenf Sinnen zumal nur durch ein paar k$
stolzen Ross; die
dunkeln Locken stahlen sich unter dem Sturmband des Tschapkas hervor und
beschatteten die blendend weisse Stirne; das dunkle Auge voll hohen
Ausdrucks hatte heut eine Bedeutung, die sie beinahe noch nie an
ihm gesehen; stolz und frei, als wollte es in einem Blick eine Welt
ermessen, schweifte es her und hin; er klopfte den zierlichen,
schlankgebogenen Hals des schoenen Tieres, das er ritt, er sah so
kampflustig, so mutig aus, als halte er an der Seite seiner Ulanen und
es werde in schmetternden Toenen Marsch, Marsch! geblasen; sie konnte
nicht mehr anders, sie dachte nicht mehr an ihr Neglige--sie oeffnete
das Fenster und sah heraus. Man konnte nichts Schoeneres sehen als das
Maedchen, wie es hier im Fenster stand. Die Aeuglein sahen so klar und
freundlich aus dem Koepfchen, die Baeckchen von der kalten Morgenluft
geroetet, das Maeulchen so suess und kusslich, um das feine, liebe
Gesichtchen ein zartes, reinlices Nachthaeubchen, der Hals frei und
dann ein Spenzerchen, so weiss wie frischgefa$
ch
vorhanden angenommen hat, so hat er damit nur erklrt, da man Claurens
Namen nicht fhren drfe, da es unrechtmigerweise geschehen sei,
da man die acht Buchstaben, die das _non ens_ bezeichneten,
H. C. l. a. u. r. e. n., in derselben Reihenfolge auch auf ein anderes
Werk gesetzt habe. In einer andern Reihenfolge wre es also durchaus nicht
unrecht gewesen, und wie viele Anagramme sind nicht aus jenen mystischen
acht Buchstaben zu bilden! z. B. _Hurenlac_ oder _Harnceul_. Der Geheime
Hofrat Carl Heun bezeugt eineauerordentliche Freude ber diesen Spruch
und glaubt, somit sei die ganze Sache abgetan und _er habe_ recht. Wie
tuscht sich dieser gute Mann! War denn jene Satire, "der Mann im Mond",
gegen seinen angenommenen Namen gerichtet?--Namen, Herr, tun nichts zur
Sache; der Geist ist's, auf den es abgesehen war. Und die Richter vom
Elinger Gerichtshof konnten und wollten _diese_ entscheiden, ob die
Tendenz, die Sprache, das ganze Wesen von Seiner Wohlgeboren Schriften
sittlich oder unsittlich sei, $
e seine Suenden mit Zerknirschung ein und
werde mit Pater Willibald selig entschlafen. Das Tornister-Lieschen,
Vielliebchen und dergleichen ueberzeugten uns freilich eines andern, und
wir sahen, dass er nur _per anachronismum_ den Aschermittwoch _vor_ der
Fastnacht gefeiert hatte. Wie aber im Munde des Unheiligen selbst das Gebet
zur Suende wird, so geht es auch hier; er schaendet die Religion nicht
weniger, als er sonst die Sittlichkeit schaendet, und diese heiligen,
ruehrenden Szenen sind nichts anderes als ein wohlueberlegter Kunstgriff,
durch Ruehrung zu wirken; etwa wie jene Bettelweiber in den Strassen von
London, die alle Vierteljahre kleine Kinder kaufen oder stehlen und mit den
ungluecklichen Zwillingen seit zehn Jahren weinend an der Ecke sitzen.
Zum Schlusse dieses Abschnitte will ich euch noch eine kleine Geschichte
erzaehlen. Es kam einst ein fremder Mensch in eine Stadt, der sich Zutritt
in die gute Gesellschaft zu verschaffen wusste. Dieser Mensch betrug sich
von Anfang etwas linkisch, doch so,$
 L'huys," sagte
der Kaiser, seinem frhern Minister die Hand reichend, die dieser
ehrerbietig ergriff. "Da Sie sich selten in die Tuilerien machen, so mu
ich wohl zu Ihnen kommen."
Herr Drouyn de L'huys war dem Kaiser vorgeschritten.
Sie traten in den groen Empfangssalon.
"Madame Drouyn de L'huys wird sogleich bereit sein, vor Eurer Majestt
zu erscheinen, sie ist noch mit ihrer Toilette beschftigt."
"Ich bitte Sie," sagte der Kaiser, "Ihre Gemahlin nicht zu derangiren.
Lassen Sie uns in Ihr Cabinet gehen, ich mchte ein wenig mit Ihnen
plaudern. Der General wird die Gte haben mich hier zu erwarten."
Drouyn de L'huys verneigte sich und fhrte den Kaiser durch ein kleines
Vorgemach in sein Arbeitszimmer, dessen Fenster durch Vorhnge von
dunkelgrner Seide zur Hlfte verhllt waren und dessen ganze
Ausstattung in einem groen Tisch von Eichenholz, einigen groen
Fauteuils und auf verschiedenen Consolen aufgestellten Antiken,
Kunstwerkenvon Marmor oder Bronce bestanden. In einem schn
gearbeiteten Kamin bra$
 und Dring an ihrer Spitze widersetzen sich der
Ausfhrung meiner Befehle. Ich habe Dring das Commando ber die
Emigranten abgenommen und ihn der Fhrung der Geschfte meines
General-Adjutanten enthoben. Ich habe beides an Herrn von Tschirschnitz
bertragen. Die erste Nachricht, die ich von diesem sonst so treuen und
vortrefflichen Officier erhalte, ist die Erklrung, da er es mit seiner
Ehre und seinem Gewissen nicht vereinigen knne, die Befehle
auszufhren, die ich ihm in Betreff der Auflsung der Emigration gegeben
habe. Ist das nicht offene Auflehnung, ist das nicht Subordination--das
hchste Vergehen, dessen ein Officier sich schuldig machen kann?"
"Aber," sagte die Prinzessin, "Herr von Dring, wie auch Herr von
Tschirschnitz haben ja ebenso wie alle brigen Officiere freiwillig
unser Unglck und unser Exil getheilt. Sie haben Alle die Carrire
aufgegebeZ, welche sich ihnen in Sachsen ffnete, und welche sie auch,
wie so viele andere Officiere der hannverschen Armee, in Preuen htten
finden knnen$
err von Dring, schnell wieder ernst
werdend, "wie Ihr noch Lust zu scherzen haben knnt! Die Lage ist doch
wahrhaftig ernst genug.--Ich will von uns gar nicht sprechen, aber alle
diese armen Leute, fr die wir doch mit verantwortlich sind, sie knnen
noch weniger wie wir sich eine andere Existenz und eine andere
Lebensstellung schaffen, wenn man sie einfach mit einer kleinen Summe in
der Tasche in die Welt hinaus schickt."
"Warum sollte ich den Humor verlieren," erwiderte Herr von Tschirschnitz
mit heiterm Ton, durch welchen jedoch eine gewisse tiefe Bitterkeit
hindurchklang, "ich bin ja jetzt Generaladjutant geworden und habe die
Legion zu commandiren--ich habe denV panache.--Es ist wahrhaftig ganz wie
in der 'Groherzogin von Gerolstein'; ich glaube nicht, da meine
Herrschaft lange dauern wird und dann kann ich mit Euch zusammen
Schulmeister werden. Jetzt aber"--er schlug die Arme untereinander,
blickte Herrn von Dring mit komischem Blinzeln der Augen an und sagte,
die Worte des Fritz aus der grande-duch$
rief Herr von Tschirschnitz, "um Alles
aufzubieten, damit die armen Emigranten noch einen Anhaltspunkt erhalten
und nicht vereinsamt ihrem Schicksal ueberlassen bleiben. Ich hoffe, Sie
werden uns darin unterstuetzen," sprach er zu dem Regierungsrath Meding
"Ich bedauere auf das Tiefste die Wendung, welche diese Sache genommen,"
erwiderte dieser, "und die Unmoeglichkeit mit irgend welchen
Vorstellungen bis an Seine Majestaet zu dringen,--ich bin aber hier als
Vertreter des Koenigs und muss, so lange ich auf meinem Posten bin, jeden
Befehl, den Seine Majestaet mir ertheilen wird, ausfuehren; und ich rathe
auch Ihnen, meine Herren, dringend, keinen Widerstand gegen die
Ausfuehrung der Befehle Seiner Majestaet zu leisten, doch koennen Sie auf
das Festeste auf meine Unterstuetzung dafuer rechnen, dass den Emigranten
nach Aufloesung des Verbandes die Moeglichkeit geboten werde, sich zu
gegenseitiger Unterstuetzung zu vereinen und Unterkommen und Arbit zu
finden. Ich habe bereits in dieser Beziehung mit verschiedene$
, von Gefahren,
gegen welche nur ein freisinniges und kraftvolles kaiserliches Reiment
Schutz und Rettung bieten kann. Seien Sie berzeugt, da ich die
Dienste, welche Sie dem Lande, mir und meinem Hause geleistet haben,
niemals vergessen werde."
Herr Ollivier verneigte sich mit zufriedenem Lcheln.
"Eure Majestt haben ganz mit Recht bemerkt," sagte er dann, "da das
verbrecherische Complott, welches die Wachsamkeit der Polizei vor
einigen Tagen entdeckt, sehr gnstig auf die Theilnahme der gut
gesinnten Bevlkerung auf die Abstimmungen gewirkt hat,--dessen
ungeachtet" fuhr er fort, "bleibt die Sache sehr zu beklagen, denn
Alles, was man bis jetzt ermittelt hat, zeigt deutlich, da man es hier
mit einem tief angelegten Plan unvershnlicher Verschwrer zu thun hat,
und ich bitte Eure Majestt zu genehmigen, da nicht wie in frhern
hnlichen Fllen die Angelegenheit mit der Ihnen persnlich so nahe
liegenden Milde behandelt, sondern da hier mit der uersten Strenge
vorgegangen werde, um ein fr allemal erns$
it mir ber die Besetzung des auswrtigen
Ministeriums zu sprechen und den Namen des Herrn Drouyn de L'huys zu
nennen"--ein finsterer Schatten flog einen Augenblick ber die Zge der
Kaiserin, aber unmittelbar nahmen dieselben wieder ihren ruhig
lchelnden, fast gleichgltigen Ausdruck an.
"Drouyn de L'huys," sagte sie, "wrde reiche Erfahrungen fr diesen
Posten mitbringen,--er ist ja auch, so weit ich davon gehrt habe, im
Ganzen vollkommen einverstanden mit der gegenwrtigen Richtung der
Regierung. Ich bedaure nur Herrn Ollivier," fgte sie in heiterem Tone
hinzu, "er wird ein wenig Mhe haben, mit Herrn Drouyn de L'huys fertig
zu werden, derselbe hlt viel auf seinen eigenen Willen. Aber," sagte
sie, "es wird ja am Ende nicht schwer ein, sich ihm zu accommodiren, er
ist ein Mann von vielem Geist und so viel lter als Herr Ollivier--"
Sie schwieg abbrechend.
Der Justizminister schien einen Augenblick mit seinen Gedanken
beschftigt, dann wandte er sich, wie einem schnellen Entschlu folgend,
zum Kaiser und$
 in Zukunft wird das
vereinigte Blut beider Linien unseres Hauses das ungetheilte
monarchische Prinzip aufrecht erhalten."
Don Carlos sah die Knigin, welche immer bewegter gesprochen hatte, mit
einem gewissen Erstaunen an.
"Eine Verbindung des Infanten Don Alphonso," sagte er, "mit meiner
Tochter ist ein Gegenstand, der wohl ernste Erwgung verdient und der
allerdings dazu beitragen mchte, die so beklagenswerte Spaltung des
kniglichen Hauses von Spanien auszugleichen. Doch begreife ich nicht,
Madame," fuhr er fort, "wie durch eine solche Verbindung Don Alphonso
unmittelbare Rechte auf den spanischen Thron erwerben sollte, selbst
wenn ich auf die meinigen verzichten wrde, was nach meiner berzeugung
kein Frst, den Gott zum Throne hat geboren werden lassen, thun darf."
"Wenn Sie, mein Vetter," erwiderte die Knigin "zugleich mit der
besprochenen Verbindung Don Alphonso adoptiren wrden, so wren, wie mir
scheint, alle Schwierigkeiten gelst, der Infant wrde in seiner Person
die Rechte Ihrer und meiner Lin$
andidatur des Prinzen Leopold Gegenstand
der Verhandlungen zwischen dem Knige Wilhelm und dem Kaiser Napoleon
gewordenesei oder werden wrde und namentlich unter den sich im
Ferienaufenthalt hier befindenden Diplomaten war dadurch eine gewie
neugierige Spannung hervorgerufen, doch nahm im Ganzen die Gesellschaft
wenig Theil daran. Man war seit einigen Jahren ja gewhnt, da hier und
da kleine Differenzen zwischen Frankreich und Preuen entstanden, und da
dieselben jeder Zeit mit der uersten Courtoisie von beiden Seiten
wieder ausgeglichen waren, so legte man auch diesmal der so pltzlich
aufgetauchten Frage keine groe Bedeutung bei, und um so weniger als ja
die ganze Sache Preuen und Deutschland so unendlich wenig anzugehen
So war denn die ganze Gesellschaft auf der Brunnenpromenade in Ems
ebenso heiter, als der blaue sonnige Himmel, welcher sich ber dem
reizenden Bergthal ausspannte. Es waren nur Worte leichter und
frhlicher Conversation, welche man unter den Klngen der Badecapelle
miteinander wechs$
tehenden Fiaker, in welchem sich bereits sein Diener mit dem kleinen
Reisegepck befand.
Sie kamen auf dem Ostbahnhof eine Viertelstunde vor Abgang nach Basel
an. Ernst und schmerzlich bewegt, ging der Regierungsrath Meding mit dem
Major von Dring in der groen Vorhalle auf und nieder, von welchem man
den groen Platz vor dem Bahnhof und die weite Reihe der neuen
Boulevards berblickte, welche bereits im Schein der Gaslaternen
schimmerten und auf denen sich eine zahlreiche jubelnde und lrmende
Menschenmenge hin und her bewegte.
"Der Anblick dieses Paris," sagte der Regierungsrath Meding, "in seinem
trunkenen Rausch ist mir tief schmerzlich. Ich liebe Frankreich, und
diese Stadt Paris ist mir fast zu einer lieben Heimath geworden. Und ich
sehe eine furchtbare Zeit ber dies Land und diese schne Stadt mit
ihrem wunderbar reichen Leben heraufziehen, eine Zeit, welche alle diese
Jubelklnge, die da jetzt zu uns herbertnen, in Jammer und Wehklage
verwandeln wird."
"Sie glauben an die Niederlage Frankreich," $
es
waehrend der Minderjaehrigkeit des Prinzen. Dieser Beaury ist gefangen,"
fuhr er fort, "aber man koennte eyinen Zweiten und einen Dritten absenden,
und irgend ein ploetzliches Ereigniss koennte meinem Leben ein Ende
"Sire," rief Ollivier, die Hand auf die Brust legend, "die Vorsehung
wird verhueten--"
"Ich hoffe das," sagte der Kaiser kalt und ruhig, "indessen muss ich fuer
den Fall eines verhaengnissvollen Ereignisses meine Bestimmung treffen,
als ob es sich um eine dritte Person handelte. Sollte ich," fuhr er
fort, "das Opfer eines Dolches, eines Revolvers oder einer Bombe werden,
so werden Sie unverzueglich die ganze Garnison von Paris unter die Waffen
treten lassen, meinen Sohn zum Kaiser proclamiren und die Truppen ihm
und der Regentin den Eid der Treue schwoeren lassen. Sie werden jeden
Versuch einer Bewegung in der Hauptstadt mit ruecksichtsloser Strenge
niederwerfen und die Regierung genau so fortfuehren, als ob sich Nichts
geaendert habe--Nichts," fuegte er mit einem Anklang leiser Wehmuth hinzu,
$
 seinen Blick voll stolzer Freude auf dem Prinzen ruhen
liess--"Du wuerdest sonst nicht im Stande sein, Frankreich zu beherrschen,
aber Dein Leben gehoert der Zukunft Deines Landes, Du darfst es wohl in
der Schlacht fuer die Ehre und den Ruhm Frankreichs einsetzen, aber es
soll nicht die Beute heimtueckischer Meuchelmoerder werden. Wo ist der
General Frossard?" fragte er.
"Der General hat den Prinzen hierher begleitet," erwiderte die Kaiserin,
"er befindet sich im Vorzimmer."
Napoleon oeffnete selbst die Thuer seines Cabinets und rief den General.
Dieser, ein Mann von etwa fuenfzig Jahren mit einem laenglichen, ernst und
streng blickenden Gesicht trat ein und erwartete schweigend die Befehle
des Kaisers.
"Mein lieber General," sagte Napoleon, "ich bitte Sie, dafuer Sorge zu
tragen, dass dr Prinz bis auf weitere Befehle sein Zimmer nicht verlaesst,
und dass er keine Audienzen ertheilt, welche ich nicht vorher genehmigt
habe. Gehe mit dem General, mein Sohn," fuhr er fort, dem Prinzen
freundlich auf die Schult$
aehlen, so wuerde damit einem Prinzip scharf
entgegengetreten werden, welches Frankreich so wohl im Innern wie nach
aussen hin, bis jetzt proclamirt hat. Der Eindruck einer solchen
Erklaerung muesste beim franzoesischen Volke ein sehr unguenstiger sein, und
koennte bei dem grossen Nationalstolz der Spanier dahin fuehren, dass die
ganze Nation die Partei des Prinzen von Hohenzollern ergriffe, nur um
ihr souveraines Selbstbestimmungsrecht zu wahren, und dass gerade das,
was wir vermeiden wollen, vielleicht um so sicherer geschaehe. Auch
richtet sich der Unwille der oeffentlichen Meinung, die sich in den
Artikeln der Journale kund giebt, nicht gegen Spanien--"
"Aber wie wollen Sie denn,----" fiel der Kaiser ein, indem er de5 Herzog
fragend ansah.
"Sire," sprach der Minister lebhaft weiter, "nicht darin, dass die
spanische Nation ihr Recht, sich einen Koenig zu waehlen, frei ausuebt,
liegt eine Gefahr fuer Frankreich, sondern darin, dass ein Prinz des
preussischen Koenigshauses eine solche Wahl annimmt, und dass $
Blaetter umwendend, immer dringendere, immer sehnsuchtsvollere Bitten
um Nachricht, Besorgnisse, dass er krank sein moege, und voll Schmerz und
Verzweiflung sah er zwischen den Zeilen dieses Briefes das Bild seiner
Geliebten erscheinen, welche in gleicher Ungewissheit und Bangigkeit wie
er, gewartet und immer wieder gewartet und vergebens um Antwort und
Nachricht gefleht hatte.
Ein daemonischer Einfluss hatte hier die Hand im Spiele gehabt, ein wohl
durchdachter Plan voll Hinterlist und Bosheit hatte sich zwischen diese
beiden liebenden Herzen gestellt, um nicht nur ihre aeussere Verbindung zu
unterbrechen, sondern sie auch mit Misstrauen gegen einander zu erfuellen
und ihre Liebe zu zerstoeren.
Als er die Briefe saemmtlich durchflogen hatte, wurde ihm Alles
klar;--wie er schon beim ersten Verhoer geglaubt hatte in dem ihm damals
vorgelegten an ihn gerichteten compromittirenden Brief die Hand des
Herrn Vergier zu erkennen, so wurde ihm jetzt vollkommen deutlich, dass
dieser und kein anderer der Urheber diese$
taendigen pruefen. Wird die Erfindung anerkannt, so erhalten wir
ein Patent. Dann darf niemand das Ding abgucken, ohne uns zu
entschaedigen. An's Werk Albert! Ich zeige Dir den Weg einer Industrie,
die uns zu freien Leuten und in wenigen Jahren reich macht! Du sollst
sehen, wie die Fabrikanten von Nah und Fern herbeistroemen und den grossen
Fortschritt des neuen Jaquard begruessen.
ALBERT. Du blaehst die Muecke zu einem Elephanten auf.
KLAUS. Es foerdert unsern Zweck!
ALBERT. Ich schaetze die Erfindung gering.--Und gehoerte sie mir allein,
so wollte ich mich Dir weniger widersetzen; Herrn Questenberg und seinen
gelehrten Technikern gebuehrt das groessere Verdienst . . .
KLAUS (verzweifelt). Dafuer, dass sie sie Dir wegstehlen.
ALBERT. . . . Es gereicht mir zur Beruhigung, meine Idee benutzt zu
sehen; ich fuehle mich von keinem falschen Wahn irre geleitet; was ich
erstrebe ist meiner Begabung gemaess; mit Recht darf ich ausharren und
meinen Durst nach Vervollkommnung loeschen . . .
KLAUS. Ha, Du willst e^sen u$
ahl stattfinden, da
Bismarck, der doppelt gewhlt worden war, das Mandat fr
Barmen-Elberfeld niederlegte. Bei der darauf folgenden Neuwahl erhielt
Schweitzer 4919, der liberale Professor Gneist 4291, der konservative
von der Heidt 2594, Oberbrgermeister Bredt 1497 Stimmen. Es mute also
wieder engere Wahl stattfinden, und zwar diesmal zwischen Schweitzer und
Gneist. Der "Sozialdemokrat" buhlte jetzt offen um die Stimmen der
konservativen--Arbeiter. _Noch charakterloser und wrdeloser trieb
Schweitzer die Buhlerei in einer Versammlung am 17. Mrz, gn der er die
Konservativen aufforderte, von zwei Uebeln das kleinere oder entferntere
zu whlen, und das sei er. Auf dem sozialen Boden knnte sich die
Arbeiterpartei mit den Konservativen ber manches die Hnde reichen._ Er
bezieht sich dafr auf _Reden des Geheimen Oberregierungsrats Wagener,_
auf Bischof Kettelers Buch, _auf Aeuerungen Bismarcks_.
  _"Die Konservativen mchten mitwirken, damit die Arbeiter durch ihn im
  Parlament zum Wort kmen. Als die Konse$
terial in die
Akten unseres kommenden Hochverratsprozesses.
Der Deutsch-Franzsische Krieg.
Das Vorspiel zur Kriegserklrung.
Die Haltung, die Liebknecht und ich bei Ausbruch und whrend der Dauer
jenes Krieges in und auerhalb des Reichstags einnahmen, ist
jahrzehntelang Gegenstand der Errterung und heftiger Angriffe gewesen.
Anfangs auch in der Partei. Aber nur kurze Zeit, dann gab man uns recht.
Ich bekenne, da ich unsere damalige Haltung in keiner Weise bedaure und
da, wenn wir bei Ausbruch des Krieges bereits gewut htten, was wir im
Laufe der nchsten Jahre auf Grund amtlicher und aueramtlicher
Verffentlichungen kennen lernten, unsere Haltung vom ersten Augenblick
an eine noch schroffere gewesen sein wrde. Wir htten uns nicht, wie esgeschah, bei der ersten Geldforderung fr den Krieg der Abstimmung
enthalten, wir htten direkt gegen dieselbe stimmen mssen.
Heute kann es keinem Zweifel mehr unterliegen, da der Krieg von 1870
von _Bismarck gewollt_ und durch ihn von langer Hand vorbereitet word$
s Abends ein Appellationsgerichtsrat Mller:
"Denken Sie sich, meine Herren, mir trumte verflossene Nacht, Bebel sei
freigesprochen worden, da habe ich mich aber gergert." Er schien
anzunehmen, man wolle nur Liebknecht verurteilen. Fr die Qualitt
einzelner Geschworener war auch folgender Vorgang bezeichnend: Eines
Tages trifft einer unserer Rechtsanwlte einen der Geschworenen auf der
Strae und fragt ihn, ob er sich wohl ein klares Bild von dem Inhalt
der vorgetragenen Aktenstcke machen knne? Worauf dieser antwortete:
"Herr Advokat, offen gesagt, wenn ich nicht zeitweilig eine Prise nhm',
schlief' ich ein." Nun wurden wir schlielich mit acht gegen vier
Stimmen verurteilt, mehr als sieben Stimmen verlangte das Gesetz fr
einen Schuldigspruch, und es 3war die Stimme dieses Herrn, die das
Schuldig bewirkte.
Am dreizehnten Verhandlungstag begannen unter enormem Zudrang des
Publikums die Pldoyers, nachdem die Fragen fr die Geschworenen
formuliert worden waren. Der ffentliche Anklger schlo seine Rede $
ufstandes, Michael Bakunin, den spter nach den einen
berhmt, nach den anderen berchtigt gewordenen Fhrer der Anarchisten,
in seiner Obhut. Die Genannten befanden sich auf der Festung in
Untersuchungshaft.
Sehr beschrnkt war der Raum fr meinen Spaziergang, nder sich auf einen
einzigen kurzen Weg in dem kleinen Park der Festung erstreckte und bei
dem regelmig ein Posten Wache stand, um die zahlreichen Besucher des
Knigsteins mir fern zu halten. Das einzig Zufriedenstellende war die
Kost, die ich aus einer kleinen Wirtschaft auf der Festung bezog. Der
Wirt schien mich in sein Herz geschlossen zu haben; das Essen war nicht
nur sehr gut und billig, sondern auch sehr reichlich. Ich war
verwundert, als ich am ersten Tage die fr mich bestimmte Portion sah,
war aber hchlich berrascht, als ich sie ganz verzehrte. Die Hhenluft
tat ihre Wirkung. Die Soldaten der kleinen Besatzung klagten, da sie
hier oben nie satt wrden und froh seien, wenn sie abgelst wrden, was
alle drei Monate geschah.
Endlich kam der$
g gestimmt, in der
Sache selbst sei er mit mir einverstanden. Es wurden alsdann noch eine
Reihe kleinerer Verbesserungsantrge, die wir gestellt, angenommen. In
der Endabstimmung fand das Programm einstimmig Annahme. In seinen
prinzipiellen Stzen lautete nunmehr dasselbe:
  1. Die Arbeit ist die Quelle alles Reichtums und aller Kultur, und da
  allgemein nutzbringende Arbeit nur durch die Gesellschaft mglich ist,
  so gehrt der Gesellschaft, das heit allen ihren Gliedern, das
  gesamte Arbeitsprodukt, bei allgemeiner Arbeitspflicht, nach gleichem
  Recht, jedem nach seinen vernunftgemen Bedrfnissen.
  In der heutigen Gesellschaft sind die Arbeitsmittel Monopol der
  Kapitalistenklasse; die hierdurch bedingte Abhngigkeit der
  Arbeiterklasse ist die Ursache des Elends und der Knechtschaft in
  allen Formen.
  Die Befreiung der Arbeit erfordert die Verwanplung der Arbeitsmittel
  in Gemeingut der Gesellschaft und die genossenschaftliche Regelung der
  Gesamtarbeit mit gemeinntziger Verwendung und gerec$

  Blatt, wie die Frankfurter, von allen Orten aus _nur_ durch unsere
  Leute bedient wird.--
  ... Da die ganze Sache ein Erziehungsexperiment ist, das auch unter
  diesen Umstnden einen sehr gnstigen Erfolg verspricht, darin haen
  Sie ganz recht. Die Einigung als solche ist ein groer Erfolg, wenn
  sie sich zwei Jahre hlt. Aber sie war unzweifelhaft weit billiger zu
Man sieht, es war kein leichtes Stck, mit den beiden Alten in London
sich zu verstndigen. Was bei uns kluge Berechnung, geschickte Taktik
war, das sahen sie als Schwche und unverantwortliche Nachgiebigkeit an,
schlielich war doch die Tatsache der Einigung die Hauptsache. Diese
trug logisch die Weiterentwicklung in sich selbst, dafr sorgten auch
nach wie vor unsere Freunde, die Feinde. Daran konnten auch
Beschrnktheiten und Engherzigkeiten, wie sie der Parteivorstand in den
von Engels gergten Fllen sich zuschulden kommen lie, nichts ndern.
Erwhnt mu werden, da damals die "Frankfurter Zeitung" der von uns
vertretenen Richtung f$
daten;
immer gehorsam,
das will ich euch raten,
Einus, zwei, immer hinterher,
eins, zwei, schultert das Gewehr,
Seht euch nicht um,
seht euch nicht an,
immer hbsch stramm,
Mann hinter Mann,
Eins, zwei, immer hinterher,
eins, zwei, schultert das Gewehr,
Rechts, links, ber Eck,
die Henne legt die Eier weg,
legt sie in ein Bndel Stroh,
irgendwie, irgendwo;
kommt der Marder Wagemut,
jagt die Henne von der Brut,
rechts, links, ber Eck--
ein Kken hat--er--weg.
FRAGEFRITZE UND DIE PLAPPERTASCHE
(von Paula und Richard Dehmel)
Fritz, ich mcht den Spaten haben.
"Mutterchen, warum?"
Mchte eine Grube graben.
"Mutterchen, warum?"
Mchte drin ein Bumchen pflanzen.
"Mutterchen, warum?"
Wird mein Fritze drunter tanzen.
"Mutterchen, warum?"
Wird das Bumchen Kirschen tragen.
"Mutterchen, warum?"
Ei, du mut die Spatzen fragen,
die sind nicht so dumm!--
Kommt die kleine Plappertasche:
"Mutterchen, nicht wahr,
ich bin klger als der Fritze,
bin schon bald sechs Jahr.
"Mutterchen, nicht wahr, der Fritze
ist ein Schaf, o $
er nur dich verschonen will.
Ich schon ihn gern, und auch sein Geld--
(beiseite): das er nicht hat!
Ich bin ein edler Ruberheld.
Mein ser Schuft, mein Wonneheld,
mit dir stehl ich die ganze Welt.
Bald kommt der Kasimir ins Haus;
komm, Pmpfchen, komm, wir rcken aus!
Im Walde steht mein freies Schlo,
da schlft sich's fein--auf Heuund Moos.
Na, dann leb wohl, mein teures Kind!
Hier hast du noch ein Angebind
(gibt ihr einen Zweimarkschein)
und auerdem noch meinen Segen.
Den kannst du uns auf Zinsen legen.
Nun sind sie weg, o Schmerz, o Graus,
ich weine mir ein Auge aus.
(Er tut es, wirft den Augenknopf unter die Zuschauer.)
O Kasimir, Prinz Kasimir,
warum warst du nicht eher hier!
Wirr ist mein Herz, wirr ist mein Kopf;
die Welt, die ist ein Wackeltopf.
Nur eins ist unverrckt und wahr,
nur eins wie meine Pleite klar:
Hoch herrschen ber Raum und Zeit
die Frechheit und die Dreistigkeit.
KASPERLE UND DER KRIEG
Ein Stckchen frs Kasperltheater
KASPERLE (allein, singt):
   Bummvallera
   ist nicht da;
   wo$
l,
'ne Deichsel hat mein Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
das wollt ich euch bloss sagen.
Mein Wagen hat ein Pferdchen,
ein Pferdchen hat mein Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
das wollt ich euch bloss sagen.
Mein Wagen fahrt nach Potsdam,
nach Potsdam faehrt mein Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
das wollt ich euch bloss sagen.
Und wer mit mir nach Potsdam will,
in meinem neuen Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
der braucht es bloss zu sagen.
KUTSCHER AUF DEM KNIE
Wagen im Wind.
Wie sitzt mein Kind?
Wie geht mein Pferd?
Alles verkehrt.
Holdriutsch--
oben die Raeder, unten die Kutsch!
Wagen im Schnee.
Da guckt das Reh,
da schnuppert der Has
mit der wackligen Nas.
da sitzt unser Kutscher wieder oben uff!
(von Paula und Richard Dehmel)
Hurra, zum ersten Mal:
Mutter, der Peter,
hurra, da steht er!
haelt sich am Roeckchen,
haelt sich am Stoeckchen,
grade wie 'n Licht,
fuerchtet sich nicht.
Hurra, zum ersten Mal:
Mutter, der Peter,
hurra, da geht er!
guck, ganz alleinechen
setzt er die Beinechen!
Aua, Geschrei--
bautz!--$
 mich; ja, sie thut, was ich ihr rate.
Neulich kam sie von selbst an und fragte allerlei. Sie wollte wissen,
wie viel das Gut abwrfe und anderes, drum und dran."
"Ich sehe, Sie teilen meine Besorgnisse--ich sage Besorgnisse, Hederich,
denn mich von Holzwerder trennen zu sollen, ist mir ein nicht ausdenkbar
schmerzlicher Gedanke. Und mit Grete reden? Hm--hm--Sagen Sie, guter
Hederich,--offe zwischen uns, was halten Sie von Herrn von Brecken?"
"Dieselbe Frage richtete Grete damals auch an mich," besttigte
Hederich, kratzte seinen Kopf und sog, in Gedanken verloren, an der
zerbissenen Zigarrenspitze.
Hederich hatte mancherlei kleine ble Gewohnheiten, aber in seiner
Kleidung war er stets musterhaft sauber, und auch sein Gesicht, so wenig
schn es war, besa eine trockene, gesunde, spiegelsaubere Farbe, die
Anla gab, da Kinder sich leicht an ihn schmiegten und ihn herzten.
berhaupt wirkte seine Erscheinung, wenn er nicht gerade das Gesicht
unter dem Reflex innerer Eindrcke allzu sehr auf- und abzog, sehr
sy$
sie der Frau Pastorin helle
Vor dem Abschied bat Theonie in ihrer gewinnend liebenswrdigen Weise
Tressens, an einem der kommenden Tage das Mittagessen bei ihr einnehmen
zu wollen. Auch lud sie Hederich ein und nannte einige Familien der
Umgegend, die sie gleichfalls aufgefordert hatte.
Als bei dieser Gelegenheit erwhnt wurde, da einer der von Theonie
erwarteten, in der Nhe von Breckendorf wohnenden Gste die Gegend
verlassen und seinen kleinen Besitz, Haus, Hof, Park und Stallung,
verkaufen wolle, sagte Herr von Tressen:
"Das wre so ein Gewese nach meinem Herzen, wenn ich mich jemals von
Holzwerder trennen mte. Elsterhausen in einer Viertelstunde
erreichbar, und Breckendorf in nchster Nhe, die schne Lage und das
wirklich splendid eingerichtete Haus--da lt sich leben! em hat's
eigentlich ursprnglich gehrt, Hederich?"
Aber schon nahm der Pastor zum Verdru Hederichs, der nun einmal gern
fr diese Dinge der Auskunftsgeber sein mochte, das Wort und erteilte
Herrn von Tressen Antwort. Auch Theonie f$
 jhlings entwickelte sich in ihr ein verzweifelter Entschlu. Sie
wollte das Kind, wenn sein Zustand die Fahrt erlaubte, mit sich nehmen,
es mochte daraus entstehen, was wollte!
So gab sie sich denn uerlich ein ruhiges Ansehen und befahl Hanne, da
sie, um jeglichem Gerede auszuweichen, ihr nicht folgen solle; sie wolle
sich vielmehr allein aufs Schlo begeben, um ihr Enkelkind zu sehen.
"Sie haben der Magd doch nicht gesagt, da ich kommen wrde? Sie wei
nichts von meinem Hiersein?" schlo sie fragend; und nachdem Hanne dies
verneint hatte, nahm sie Abschied und richtete ihre Schritte ber den
Hof nach dem Herrenhause.
Tief herabstimmend waren die Eindrcke,die sie dabei empfing. Was Brix
ihr gemeldet hatte, blieb noch weit hinter der Beschreibung zurck.
Eine vllige Verwahrlosung trat ihr entgegen, wohin sie das Auge wandte,
und insbesondere bei dem Anblick des vernachlssigten Herrenhauses
traten Frau von Tressen unwillkrlich die Thrnen in die Augen.
Als sie den Flur beschritt, zeigte sich niemand; $
lten Dinge ruhen lassen, Frege!" hatte Theonie nach
ihrer Rueckkehr auch gegen letzteren geaeussert. Sie fuehlte, dass sie, wenn
sie auch durch die damaligen Erregungen entschuldigt wurde, nicht recht
gehandelt hatte, ihren Diener als Waechter und Berichterstatter ueber
Tankred anzustellen. Das in ihr wohnende, Milde heischende
Gerechtigkeitsgefuehl kam immer wieder zum Ausdruck.
Frau von Tressen hatte fuer die erwarteten Gaeste im Garten in einer Laube
den Kaffee servieren lassen und sich eben dahin begeben, als der
Gutsbote Gretes Brief brachte.
"Lies ihn noch rasch vor, ehe Frau Cromwell kommt," bat Herr von Tressen
seine Frau und lehnte sich in einen der Gartenstuehle zurueck.
Sie nickte und sagte--schon hatte sie das Schreiben zur Haelfte
durchflogen--: "Wie sonderbar sie sich doch brieflich ausdrueckt, und wie
eigentuemlich sie die Saetze formt!"
Dann begann sie:
  'Liebe Mama!
  Tankred meinte anders. Ich meinte aber, dass zu viel weniger sei. Er
  dann auch. Das ging vorher, und ich sage es, weil wir$
ama hat mir unglaubliche Dinge gesagt:
Wir warteten auf ihren Tod; jeden Tag fuehlten sie beide, wie laestig sie
uns seien: von Liebe, Ruecksicht, Pietaet sei nicht die Rede. Wir faenden
uns mit der Thatsache, dasssie auf der Welt seien, notgedrungen ab.--Am
Ende, es ist doch meine Mutter," schloss Grete abermals schluchzend und
schob die ihr von Tankred inzwischen vorgesetzten Speisen von sich.
"Aber was war es denn? Was hat Euch denn so masslos aufgeregt?" forschte
Tankred in gemischten Empfindungen. Wenn ihm auch nichts lieber war, als
die Laestigen von Holzwerder zu entfernen, so beunruhigte ihn doch sowohl
seiner Frau bedrueckte Stimmung als auch ihre allzu deutlich gegen ihn
hervortretende Reizbarkeit.
"Ja, was war's? Die alte Geschichte! Sie behauptete, das Gaensesauer sei
heute mittag nicht frisch gewesen. Papa habe sich ganz krank darnach
gefuehlt. Soweit duerfe doch meine Sparsamkeit nicht gehen, dass ich
Verdorbenes auf den Tisch setzte. Mama hatte in der Kueche gefragt, und
die Koechin behauptet,$
hatte sogar den strengen Befehl hinterlassen, Frau von Tressen
den Eintritt ins Schloss zu verweigern, ihr unter keinen Umstaenden eine
Beruehrung mit ihrem Enkelkinde zu gestatten.
Die Waerterin war ein braves, mitleidiges Geschoepf, aber die
Haushaelterin, die jetzt allein in Holzwerder waltete, und ein Knecht,
durch den deren bisherige weibliche Stuetze abgeloest war, und der zum
Schutze der Frauen und des Kindes im Herrenhause schlafen musste,
befanden sich, da Brecken ihnen Belohnungen zugesagt hatte, wenn sich
waehrend seiner Abwesenheit alles nach seinen Voraussetzungen vollziehen
werde, zu ihm in voelliger Abhaengigkeit.
Dennoch beschloss Frau von Tressen--es war acht Tage vor
Weihnachten--einen Versuch zu machen. Sie konnte sich dabei der Huelfe
der frue#heren Haushaelterin Hederichs bedienen, die in einer kleinen, von
ihr erworbenen Kate nahe bei Holzwerder wohnte und sich durch allerlei
Huelfsleistungen auf dem Gute und durch Handarbeit ihre duerftige Lage als
Kaetnerin verbesserte.
Durch Hederich,$
 da? Ich moechte einen halben
Grog,--und--dann--dann--muss ich Ihnen etwas mitteilen, etwas sehr
wichtges, das keinen Aufschub duldet!"
In Helms Gesicht drueckte sich allerlei Missbehagen aus, aber er ging doch
hinter das Buffet, drehte selbst das Gas noch einmal in die Hoehe, liess
den Theekessel singen und schickte den Kellner ins Bett.
"Hier! Lesen Sie mal, Herr Helms," begann Bartsch, ein Mann, in seiner
Erscheinung mehr einem Kuester als einem Barbier gleichend, mit ernstem,
zuverlaessigem Ausdruck und zog, nachdem der Wirt sich zu ihm gesetzt,
eine Nummer der Hamburger Nachrichten hervor.
Helms setzte ein Glas aufs Auge, und waehrend er ein
Steckbriefsignalement studierte, beobachtete Bartsch mit groesster
Spannung seine Mienen.
"Na? Und?" setzte Helms arglos an und schnitt mit grosser Umstaendlichkeit
die Spitze einer Zigarre ab. "Haben Sie Aussicht, die tausend Mark zu
verdienen--?"
"Wir!", betonte Bartsch mit ruhiger Sicherheit und zeigte mit der Hand
Helms zuckte die Achseln. Er verstand nicht.
"De$
er oder im Rueckgrat,
scharfknochiges, bartloses Gesicht, unruhige, aber kalte Augen, sehr
weisse Zaehne, grosse, nervige, geschmeidige Gestalt und zudem der Anzug!
Jedes Stueck stimmte bis auf den zweireihigen, graugelben Ueberzieher.
Und ganz in der Fruehe war er angekommen, verstoert, totenbleich, mit
Fieber und Schmerzen, und hatte eine unwahrscheinliche Geschichte
erzaehlt, dass er gefallen sei und sich an den Treppenstufen verletzt
Wo war er die Nacht gewesen, woher kam er? Und zu Fuss--! Waehrend die
beiden noch zusammen ueberlegten, ertoente ploetzlich ein Donnerschlag von
solcher Vehemenz, dass die Erde zu beben schien, und sie unwillkuerlich
zusammenfuhre; aber auch fast unmittelbar darauf ward eine Klingel oben
im Hause in Bewegung gesetzt, und der rasch herbeigerufene Hausknecht
erklaerte, es komme von Nr. 7, aus dem Zimmer des Herrn von Kaub.
Die beiden Maenner sahen sich an. Wer sollte hinaufgehen? Ein Anflug von
Grauen erfasste sie. Von dem Mord hatten sie schon tags vorher gelesen,
und nun war$
ebel
durchgeschwitzter Margarine, schttet man die abgetropften Schoten und
schwenkt sie mit Pfeffer und Salz schnell darin hei, mischt Fisch,
Semmelbrckchen, Schoten untereinander und richtet auf heier Schssel
HERINGE, FRISCHE, ZU BRATEN. (VORRAT.)
15 frische Heringe         M 0,70
40 g Salz                  " 0,00-3/4
1 Prise Pfeffer uod Salz   " 0,00-1/4
75 g Mehl                  " 0,03
250 g Backfett             " 0,30
1 l Essig                  " 0,20
50 g Zwiebelscheiben       " 0,01-1/2
1 Gewrzdosis              " 0,00-1/2
5 g Salz                   " 0,00-1/4
1/2 l Wasser.
                           M 1,26-1/4
_Vorbereitung_: Die Heringe werden geschuppt, ausgenommen, gewaschen,
leicht einige Male ber den Rcken geritzt und 1/2 Stunde gesalzen
hingestellt. Dann trocknet man sie ab und wlzt sie gleichmig in Mehl,
welches mit Pfeffer und Salz gemischt wurde.
_Zubereitung_: Man bratet oder bckt die Heringe in dampfendem Fett gar
und zu guter Farbe.
Erkaltet werden die Heringe, _Bratheringe_, m$
ie Zwiebelwrfel werden im Fett gelb geschmort, das Mehl
wird hineingeschttet und gar gerhrt, das Gemsewasser dazu gegossen,
1/4 Stunde gekocht, durch ein Sieb gefllt, mit Petersilie, Dill,
Pfeffer, Salz und Milch abgeschmeckt, mit den Kartoffeln gemischt, wird
das Gericht in einem Napf zu Tisch gegeben.
Dieselbe Sauce ist zu grnem Fisch, Sauce zu grnem Fisch, zu bereiten;
der Fisch wird in dem Gemsewasser erst gargekocht und spter in die
Sauce gelegt. Die doppelte Menge Flssigkeit zur Mehlschwitze gegossen,
gibt eine gute Suppe, Fischsuppe, die man mit beliebigen gewiegten
Krutern noch wohlschmeckender machen kann. Ein Eigelb zerquirlt an die
fertige Suppe gegeben macht sie krftiger.
GRNKOHL ODER BRAUNKOHL.
1 kg (2 Pfd.) Kohlbltter             M 0,20
20 g Salz  \                          " 0,00-1/2
3 l Wasser /
40 g Schweine-, Gnse- oder Entenfett " 0,06-1/2
20 g Zwiebeln                         " 0,00-1/2
3/8 l Brhe                           " 0,15
5 g Zucker                            "& 0,0$
elodei, ich danke dir,
Lamberg, und nun auf Wiedersehen! Ich will Salome on deiner Ankunft
verstndigen!"
Nach krftigem Handschlag verlie Wolf Dietrich das Gemach, und alsbald
holte der Kmmerer den Kapitular ab, um ihm sein Zimmer in der stolzen
Burg anzuweisen.
Pnktlich zur festgesetzten Stunde erschien auf Hohenwerfen der alte
Kurat mit seinem Weibe von Skt. Jodok in der Einde. Ein Greisenpaar,
die dnnen Kopfhaare wei, mde, abgehrmte Gestalten, gebrechlich,
hinfllig. Der alte Kurat trug ein langes, verschabtes Gewand, einer
Kutte hnlich, das im Laufe der Jahre die Farbe vllig verloren hatte
und schier fuchsig, verschossen geworden war. Und verwildert sah auch
der Kopf des Eindgeistlichen aus, Wangen und Kinn umwuchert von weiem
Bart, die Augenbrauen buschig und selbst aus den Nasenlchern hingen
Haarbscheln hervor. Sanft und liebreich dagegen war des alten Priesters
Blick, fromme Kinderaugen, und mild die Stimme, als der Einder dem
Burgvogt sagte, der Jodoker Kurat sei um diese Stunde befoh$
ber war eine Erhhung der Mauten und Zlle fr Kaufmannswaren
verordnet worden, die auch auf die von Mauten bisher befreiten Kaufleute
der Stadt Salzburg in der Absicht ausgedehnt wurde, den durch ihre Hnde
gehenden partiellen venetianschen Handel zu treffen.
So mute es denn kommen, da Brger- und Kaufmannschaft, Adel und
Geistlichkeit sich gegen die neuen Mandate auflehnten und den
Beschwerdeweg beschritten.
Dr. Lueger wute sich gegen dieses Anstrmen nicht anders zu helfen als
durch Berichterstattung an den Frsten, und seine Meldung veranlate
Wolf Dietrich, den Hofstaat schleunigst von Hohenwerfen nach Salzburg zu
verlegen, wohin auch kurze Zeit spter Salome wieder bersiedelte.
Zunchst hrte der Frst den Vortrag Luegers mit Aufmerksamkeit und
Ausdauer und notierte sich die wichtigsten Punkte. Bezglich der zu
treffenden Manahmen und Verbescheidung der Beschwerdeschriften jedoch
berief Wolf Dietrich den treubewhrten klugen Freund Lamberg zu
gemeinsamer Beratung im Arbeitsgemache des Keutschachho$
r un Gebieter das Wort mir wollen verstatten, raten...."
"... raten, eine lngere Frist zu setzen gleich manchen Frsten im
Reich, auf da die Leute sich werden schlssig zur Umkehr und Einschlu
in die ecclesia cattolica oder zu gehen aus der Heimat. Bin richtig ich
informiert, besteht im Reich die Frist von einem Jahr!"
"Zu lang' whrt solche Frist, auch hab' schon zu lang' ich gezgert. Es
ist mir lieb, da kommt die Sprache zwischen uns auf solch' Kapitel. Es
ist mein Wille, da citieret werde Ludwig Alt und Salzburgs Stadtrat
bald zu Hof, und ein Kommissarius soll die Leut' befragen auf das
Trienter Bekenntnis, soll es beschwren lassen."
Lamberg wagte den Hinweis, da vielleicht doch jetzt in diesen Tagen
ein solches Vorgehen nicht den gewnschten Erfolg haben knnte.
In seinem Ungestm rief Wolf Dietrich: "Warum nicht jetzt? Wer kann mich
hindern? Mein Wort hat Geltung allezeit und zu jeglicher Stunde! Ich
will Farbe bekennen sehen! Und zugleich soll man die Leut' beschauen, so
einer will zum Brger au$
rchtesgadens und der
Holzlieferungen fr das Reichenhaller Sudwerk, Forderungen, welche das
Kapitel bereitwilligst bewilligte. Ja noch mehr: das Kapitel drang
darauf, da die Salzfrage gelst werde und der Herzog auch eingreife,
den Erzbischof in persona und die Gter dem Erzstift wieder
zurckzubringen.
Maxkimilian zauderte; es hatte doch etwas Miliches, den Erzbischof,
einen vornehmen Reichsstand und hohen geistlichen Wrdentrger verfolgen
und verhaften zu lassen. Es widerrieten auch die Hofrte des Herzogs
einer solchen Maregel. Da aber die Gesandten Namens des Kapitels
erklrten, da im Erzstift nicht frher Ruhe werde bis nicht Wolf
Dietrich definitiv abgesetzt und gefangen sei, so gab der Herzog am 25.
Oktober den Befehl zur Verfolgung des Erzbischofs durch 100 Reiter unter
dem Befehl des Rittmeisters Hercelles, der noch in der Nacht ins Gebirg
aufbrach und hinter dem Flchtling einherjagte.
Tags darauf ritt Herzog Max, vom Kapitular Freyberg und Licentiat Gruber
begleitet, gefolgt von 200 Reitern un$
ochter, die allen
Liebreiz in sich verkoerpert, ist er hier in unserem Kreise?"
Leise erwiderte Salome, dass der Vater zur Linken neben der Muhme Platz
genommen habe.
"Und die Mutter?"
"Die Teure ist seit langem uns entrissen!"
"Wie schmerzlich muss es gewesen sein, von solchem Kind zu scheiden! Doch
wollen wir in der Gegenwart bleiben!" Wolf Dietrich lehnte sich in
seinen Stuhl, dessen Lehne mit dem Raittenauer Wappen und den
bischoeflichen Farben geschmueckt war, zurueck, um den Blick auf Wilhelm
Alt frei zu bekommen. Ein kurzer, musternder, pruefender, stechender
Blick, der dem Antlitz des Fuersten einen harten Ausdruck gab, dann
kehrte wohlwollende Leutseligkeit in das Antlitz zurueck, und freundlich,
mit gewinnender Guete und Herablassung rief Wolf Dietrich dem
Handelsherrn zu: "Wilhelm Alt, meinen Gruss! Verzeiht, dass so verspaetet
ich an Euch mich wende, Euch gluecklich preise ob der schoenen Tochter und
den Dank Euch sage dafuer, dass es mir vergoennt, die Koenigin des Festes
zur Partnerin zu haben!$
it von8der Suende Banden, wenn solches Beispiel von der
hoechsten Seite sinnverwirrend, frevlich wird gegeben?! Suende allum,
vereinsamt steht die Tugend, allein der Gerechte! Straft mich um meiner
Worte willen, begrabt mich lebend in den Kerkern Eurer Trutzburg, mordet
mich: Fest bleib' ich und halte hoch der Kirche Gebot, der Himmel ist
mit mir, Euch aber droht Verdammnis und----"
Kaemmerer und der Hofmarschalk wollten sich auf den Rasenden werfen;
Salome erlag einem Ohnmachtsanfall, Wolf Dietrich umfing sie mit rasch
geoeffneten Armen, in seiner Sorge und Angst um die Geliebte rief er um
Hilfe und befahl, man solle den Medikus und die Kammerfrau holen.
"Gottesstrafe vollzieht sich zur Stunde!" rief gellend der fanatische
Pfarrer, den die Hofbeamten nun ergriffen und eiligst aus der Burg
Die Tafel unterblieb. In banger Sorge harrte Wolf Dietrich des
aerztlichen Bescheides, still ward es in der Burg. Nach einer Stunde etwa
konnte dem Fuersten gemeldet werden, dass der Anfall vorueber und keine
Gefahr vorhand$
ten des Thuerschlosses, der Versuch des Aufklinkens
ergab die Gewissheit, dass der spaete Gast wahrhaftig eingesperrt ist. Die
Magd muss das Schloss von aussen versperrt haben.
Ein verabredetes Spiel also! Nun zum Fenster! Aber erst muss alles im
Schlafe liegen. So wartete der Moench eine lange Zeit, von Todesangst
gefoltert, bis andauernde Stille dem Fluchtversuch guenstig erschien. Mit
zitternden Haenden loeste der Franziskaner den weissen Strick von seiner
Kutte, knuepfte die Enden ineinander, band das eine Ende am Fensterhaken
fest und liess sich am Strick hinab in den Hof. Gottlob hielt der
Kuttenstrick diese Prozedur aus, und zum Glueck befand sich kein Hund im
Hof. Aber dieser Hof ist ringsum mit einer hohen Mauer umschlossen, das
Hofthor ist fest verschlossen, und eine zweite Thuer duerfte direkt ins
Haus der Moerderbande fuehren. Also ist der Moench rettungslos gefangen,
eine Flucht unmoeglich. Die Nachtkaelte zwingt dazu, einen geschuetzten
Unterschlupf zu suchen. Soll der Franziskaner am Kuttenstr$
stuerzt ob des bruesken Vorgehens des
fuerstlichen Nachbars, bemuehte sich, die salzburgischen Gesandten zum
Bleiben zu veranlagen, doch diese kannten ihren Gebieter und rueckten
schleunigst heim. Max schlug durch seine nach Salzburg geschickten
Hofraete vor, es wolle Salzburg und Bayern eine Gesandtschaft gemeinsam
an den Kaiser senden und ihn um Zuruecknahme des Speyerer Urteils bitten
Wolf Dietrich aber wollte auf niemand mehr hoeren, seinen Vorteil nicht
aufgeben, und forderte, es solle der Kaiser urkundlich geloben, die
Gegner Bayerns und Salzburgs nicht mehr zu unterstutzen. Verweigere dies
der Kaiser, so werde Salzburg auch seine Tuerkenhilfe nicht bewilligen.
Diese schroffe Haltung Wolf Dietrichs rief das groesste Aufsehen im Reiche
hervor, man staunte in allen Gauen Deutschlands ueber das beispiellos
kuehne, scharfe Vorgehen eines doch, was Landbesitz anlangt, kleinen
Fuersten. Aber der Trotzkopf siegte, der Kaiser gab das Versprechen, in
jener Prozessangelegenheit nicht mehr weiter zu gehen.
Es nun $
eit
oder Bequemlichkeit ist, nur vereinzelt vor (Mariner 2, 18-19), auf
Samoa aber gar nicht (Wilkes 2, 80, Williams 560) und ebenso wenig, um
das hier gleich anzuschliessen, af den Herveyinseln (Williams 560).
Allein auf Tahiti war das Verbrechen so im Schwunge, dass Ellis (1, 249)
annimmt, es habe sich in der Ausdehnung, wie er es vorfand, erst in
etwa den letzten 50 Jahren vor der Entdeckung, ausbreiten knnen, weil
sonst eine so zahlreiche Bevlkerung, wie sie Wallis und Cook vorfanden,
sich unmglich habe erhalten knnen. Cook fand den Kindermord schon
allgemein verbreitet vor und suchte vergeblich den Knig Otu zu seiner
Abschaffung zu veranlassen. Auch die Missionre des Duff (1796) fanden
die Tdtung der Kinder als etwas ganz Selbstverstndliches, ber das mit
der grssten Gleichgltigkeit geredet wurde (Wilson 272. 310); und mit
demselben Entsetzen ber diese Gleichgltigkeit wie Wilson sagt auch
Ellis, dass etwa zwei Drittel der Kinder getdtet seien. Die ersten drei
Kinder wurden es meist, Zwilling$
nd auf
den Aleuten sind sie mit den Russen vielfach durch Heirathen
zusammengeschmolzen.
Allein auch auf den Aleuten haben sich die Russen meist nur feindselig
gezeigt. Namentlich sind es die russischen Wildjger (Promyschlenniks,
welche von 1760-90 die Inseln beherrschten, Waitz 3, 313), die sich
durch wste Grausamkeit auszeichnen. Sie pflegten nicht selten Menschen
dicht zusammenzustellen und zu versuchen, durch wie viele die Kugel
ihrer gezogenen chse hindurchdringen knne, sagt Sauer (aus dem
Tagebuch eines russischen Offiziers, das er in den Anhngen an seine
Reise mittheilt) bei Chamisso 177. Dazu kommt noch die sklavische
Knechtung, in welcher Kamtschadalen und Aleuten von den Russen gehalten
werden (Chamisso 177 und Langsdorff): wie denn z.B. die Hlfte der
gesammten mnnlichen Bevlkerung von 18-50 Jahren das ganze Jahr
hindurch unentgeltlich von ihnen in Anspruch genommen wird (Kittlitz 1,
295). Daher hat Waitz ganz Recht, wenn er die Nachrichten ber das
milde Verfahren der Russen nicht eben ho$
g: ihre Ausschweifungen, so wie der geringe Werth, welchen sie
dem Menschenleben geben; Druck der einheimischen Frsten; dann ihr
leibliches und geistiges Verkommen durch die nothwendigen Einwirkungen
einer bermchtigen und von ihnen nur theilweise angenommenen Kultur, so
wie endlich die Mittel, welche die Kulturvlker theils aus Rohheit,
theils mit der Absicht gegen sie anwandten, sie auszurotten: diese
Grnde waren es, welche wir bisher als Schuld an ihrem Aussterben
bezeichneten. Natrlich haben diese Grnde, wie wir schon sahen, nicht
alle berall Geltung und es wird nthig sein, dass wir sie, inwiefern
sie bei den einzelnen Vlkern wirksam waren, hier kurz zusammenstellen.
In Tasmanien ist die Bevlkerung lediglich in Folge des englischen
Vernichtungskrieges gegen sie zu Grunde gegangen. Gleichfalls nur dem
Einfluss der Europer und zwar der Spanier erlegen sind die Bewohner der
Marianen und der Antillen: allerdings haben hier die Seuchen, welche im
Gefolge der Europer ausbrachen, den Weissen die Blut$
rstammte? Auch auf dem
Gilbertarchipel und den Ratakinseln--denselben Inseln, wo Chamisso
Anfang dieses Jahrhunderts so paradiesische Tage verlebte--ist die
Syphilis und andere Seuchen durch europaeische Seeleute eingeschleppt
(Meinicke Zeitschr. 398), wie denn ueberhaupt Mikronesien auch sonst sehr
durch solche boesen Einwirkungen gelitten hat (Gulick 245).
Aber am schlimmsten hat diese Seuche auf Tahiti und Hawaii gewuethet. In
Tahiti ist sie so allgemein, dass fast jede Familie von ihr beruehrt ist
(Moerenhout 1, 228-29); und schon um 1790 waren zwei Fuenftel der Insel
venerisch (eb. 2, 425). Da nun diese entsetzliche Krankheit theils gar
nicht, theils schlecht geheilt und behandelt wurde, so ward sie ein
Hauptmittel fuer die Dezimirung der Eingeborenen (eb. 2, 405). Vankouver
(1790) spricht von den Verheerungen, die sie unter den tahitischen
Weibern angerichtet hatte (1, 111): sie musste also schon lange
verbreitet sein und ist zweifelsohne gleich von den ersten Besuchern
eingeschleppt, gleichviel ob von$
it der Kinder, die mittlere Lebensdauer
bei ihnen viel geringer als in Europa ist. Nach Azara freilich erreichen
die brasilianischen Staemme ein sehr hohes Alter: er will unter den
Payaguas mehrere Maenner gesehen haben, die zum wenigsten 120 Jahre alt
waren (270; vgl. 173). Die Polynesier, ueberhaupt die Bewohner kleiner
und meist genuegend fruchtbarer Inseln, so bedenklich ein solcher Wohnort
nach anderen Seiten sein mag, sind in dieser Beziehung besser gestellt,
da schon die Oertlichkeit ihrer Heimath solche uebermaessige Anstrengung
verhuetet; die langen und duennen Gliedmaassen, die vorhaengenden Baeuche,
die verkommene Gestalt aber der Neuhollaender ist zweifelsohne nicht
Racencharakter (an einem anderen Ort gedenke ich den Nachweis zu fuehren,
dass die letzteren gleichfalls ein Zweig des malaiopolynesischen Stammes
sind), sondern durch die muehselige Lebensart, das ewige Wandern, die
Unregelmaessigkeit der Nahrung hervorgebracht. Und natuerlich steigert
sich alle diese Noth durch die Ausbreitung der E$
en, getoedtet wurden. "So moegen",
faehrt er S. 60 fort, "solche Kinder seit Jahrtausenden getoedtet sein,
ohne dass dies bei den koerperlichen Vorzuegen, die dergleichen
Verbindungen mit Menschen niederen Standes nicht haeufig gemacht haben
werden und bei ihrer geringen Zahl grossen Einfluss gehabt haben wird.
Aber mit der Zeit fing man an, Kinder auch zu toedten, um durch die
Sorge, die sie erforderten, nicht an Ausschweifungen und Vergnuegungen
gehindert zu werden (wie es bei den Areois der Fall war), und endlich
verbreitete sich die grauenvolle Sitte bloss durch den Einfluss der
Mode, die auf den Suedseeinseln so gut wie in anderen Erdtheilen die
niederen Staende antreibt, Verkehrtheiten und selbst Laster der Vornehmen
na'chzuahmen, auch unter das Volk, wo sie in der Bequemlichkeit,
Liederlichkeit, Armuth und den Beschwerden, die Kinder zu erziehen,
mannigfache Unterstuetzung fand. Man sieht, dass der Kindermord so mit
der Zeit stets zunehmen musste und wird hierin eine Hauptursache der
erstaunlich rasche$
voelker sein? Geradezu vernichtet sind
nur wenige bis jetzt und noch koennen wir, und da wir Unfaehigkeit zur
Entwickelung, leibliche oder gei`tige, nirgends bei ihnen finden, noch
muessen wir hoffen. Freilich ist viel verdorben; und die Leichtigkeit der
Annaeherung, das Vertrauen, mit dem sie der Kultur entgegenkamen, ist bei
den meisten unwiederbringlich verloren.
Wie bisher die Missionaere die groessten Verdienste um diese Voelker haben,
so fallen auch, wenn wir nach der Zukunft fragen, unsere Augen zunaechst
auf die Missionaere. Wenn wir bedenken, dass die Polynesier man kann wohl
sagen ihre Rettung bisher ihnen verdanken, dass, die Hottentotten und so
mancher amerikanische Stamm nur und allein durch sie Gelegenheit hatten,
auch die guten Seiten der Kultur an sich zu erfahren; so koennen wir
nicht dringend genug wuenschen, dass ihr Werk sich segensreich immer
weiter ausbreiten moege. Dazu gehoert zunaechst Unterstuetzung durch die
weltlichen Maechte, freilich anders als sie von Frankreich den
katholischen$
schenrechte, oder jeder Mensch, gleichgltig welches sein Geschlecht,
seine Religion oder seineRasse sein mag, hat die gleichen. Was die
Grnde betrifft, die angefhrt werden zum Beweise der Unfhigkeit der
Frau, den Pflichten eines Staatsbrgers zu gengen, so wandte sich
Condorcet zunchst gegen den ihrer physischen Konstitution, indem er
ausfhrte, da er nicht einsehen knne, wieso Schwangerschaften und
vorbergehende Unplichkeiten die Frauen fr Ausbung der Brgerrechte
untauglich machen sollten, da doch auch die Mnner Krankheiten aller Art
ausgesetzt seien, ohne da man es fr notwendig halte, ihnen deshalb die
Pflichten und Ehren der Brger abzusprechen. Ferner sagt man, da keine
Frau in den Wissenschaften Bedeutendes geleistet oder Beweise von Genie
gegeben habe, aber man habe doch nie daran gedacht, die Verleihung des
Brgerrechts an die Mnner von ihrer Begabung abhngig zu machen. Auch
das geringere Ma an Kenntnissen, die schwchere Urteilskraft, die man
den Frauen zum Vorwurf mache, knne, $
enz dafr Zeugnis ablegt, da sie einem dringenden Bedrfnis
entsprechen.
Die Frau im kaufmnnischen Beruf ist denn auch seit langem eine
wohlbekannte Erscheinung in Frankreich, und man rhmt ihr allgemein ihre
Umsicht und ihren praktischen Verstand nach. Frauen, die ihr Geschft
wirklich ganz selbstndig leiten, sind hier daher verhltnismig
hufiger zu findTen, als in anderen Lndern. Schon in den
fnfziger Jahren wurden ihre Talente dadurch anerkannt, da die
Eisenbahngesellschaften anfingen, Frauen in ihren Bureaux anzustellen,
und der Staat, der schon im Anfang des Jahrhunderts Frauen im Postdienst
beschftigt hatte, vermehrte ihre Zahl von 1877 ab bedeutend.[278]
Auerdem vertraute er smtliche Tabakgeschfte--die Tabakfabrikation und
der Handel mit Tabak sind bekanntlich Staatsmonopol--, Frauen an, und
beschftigt eine groe Zahl von ihnen in der Bank von Frankreich. Im
brigen ist die Zahl der staatlich angestellten Frauen gering und sie
befinden sich fast ausschlielich in untergeordneten Stellunge$
lt.[785] Erst die Zukunft wird zeigen, da die
Gutsbesitzer selbst die "Mobilmachung zum Klassenkampf"[786] 5nnerhalb
des lndlichen Proletariats dadurch gefrdert haben, ebenso wie jeder
Fabrikant, dessen Betrieb sich zum Grobetrieb ausweitet, dem
Klassenkampf der Industriearbeiter unfreiwillig Vorschub leistet. Je
mehr die Saisonarbeit in der Landwirtschaft an Boden gewinnt, desto
leichter wird es auch mglich sein, ihre Arbeiter gesetzlich zu
schtzen. Die Landflucht und die Wanderarbeit sind daher nicht, wie die
Agrarier es mit Vorliebe behaupten, als ein auszurottendes Uebel,
sondern als ein Fortschritt anzusehen, der die Landarbeiter aus ihrer
elenden Lage befreien helfen wird. Aber auch die wachsende Einfhrung
der Maschinen, die Ursache und Folge der Saisonarbeit zugleich sind,
werden trotz ihrer momentan grade fr die Arbeiter sehr empfindlichen
Folgen,--die Dampfdreschmaschine schmlert z.B. ihren Verdienst um ein
Bedeutendes[787],--die Lage der lndlichen Arbeiter schlielich
wesentlich umwandeln $
rt gespart, wo das Auge des Fremden
nicht hindringen kann, und die grostdtischen Wohnungen sind der
Ausdruck dieser Entwicklung: das Ezimmer, der Salon sind gerumig und
glnzen in falscher Pracht; die Schlafzimmer sind schon eng und dunkel,
der Rau fr das Dienstmdchen ist eine Art Hhle. Wer wei, in welchem
Mae von der Aufrechterhaltung des ueren Scheins das Ansehen, der
Kredit, ja die Existenz der Familien abhngt, wer dabei die furchtbare
Macht der Gewohnheit kennt, die ganz zu berwinden nur Auserwhlten
gelingt, der wird sich auch sagen mssen, da die Wohnungsmisre der
Dienstboten nicht durch Polizeiverordnungen oder Sittenpredigten
beseitigt werden kann. Das geht schon aus der Art hervor, wie die neuen
Bauordnungen gewirkt haben. An Stelle der Hngebden tritt nmlich
nunmehr in den mittleren Wohnungen eine schmale Kammer, die oft nur ein
schwer zu ffnendes kleines Fenster, das zugleich die Speisekammer
erhellt, aufweist und ebenso wie die Hngebden, nicht Raum genug
bietet, um sich zu bewe$
ienstvermittler, der
sie durch Versprechungen fortlockt, oder den Wirt gegen sie aufhetzt,
um recht viel an ihr zu verdienen.[830]
Der Tagesdienst beginnt, je kleiner die Wirtschaften sind, desto frher.
In den kleinsten ist die Kellnerin zugleich Dienstmdchen und ehe sie
Gste bedient, hat sie den Haushalt zu besorgen. Die Reinigung der
Gastzimmer, der Glser und Tassen liegt ihr vielfach ob; wenn nicht, so
hat sie das fr diese Arbeiten angestellte Personal zum groen Teil aus
eigener Tasche zu bezahlen. Ihre eigentliche Berufsarbeit beginnt mit
dem Eintritt des ersten Gastes. Von nun an ist sie immer auf den Fen;
immer lchelnd, immer zuvorkommend, der grbsten wie der gemeinsten
Behandlung gegenber, hat sie die Getrnke und Gerichte
heranzuschleppen. In den Hotels englischer SeebJer wurde fast durchweg
konstatiert, da die Kellnerinnen von sieben Uhr frh bis zwei Uhr
nachts thtig sind; in den Restaurant-Waggons wurde eine wchentliche
Arbeitszeit von achtundneunzig Stunden festgestellt, die kein ei$
allmhlich entschlo man sich, sie vorsichtig und
zurckhaltend zu errtern; persnlichen Anteil daran nahmen aber nur
wenige Frauen aus der christlich-sozialen und der radikalen
Frauenbewegung. Der Bund deutscher Frauenvereine konnte sich zu nichts
weiter entschlieen als zu einer Petition um Einfhrung der
Unfallversicherung fr das husliche Gesinde, und eine Anzahl Vereine
erklrten mit groem Pathos, die Miachtung, unter der die Dienstboten
zu leiden haben, dadurch zu beseitigen, da sie von nun an nicht mehr
Dienstboten, sondern "Hausgehilfen" zu nennen seien! Ob ihnen das fr
den Hngeboden und sechzeon Stunden Arbeitszeit als ein ausreichendes
Aequivalent erscheint?! Etwas energischer uerte sich eine der
Frauenrechtlerinnen, Frau Eliza Ichenhuser, indem sie noch den Ersatz
des Dienstbuches durch ein fakultatives Arbeitszeugnis und die
gesetzliche Festlegung eines Wochenminimums an Freiheit forderte.[906]
Der Verband fortschrittlicher Frauenvereine aber zeigte, wie eng
thatschlich die Grenzen fr $
tarken Organisation innewohnen, brach liegen
Noch deutlicher tritt der einseitige, die Arbeiterinnenfrage vllig
verkennende Standpunkt der brgerlichen Frauenbewegung in dem ersten
Versuch einer Dienstbotenorganisation hervor, wie ihn Mathilde Weber
1894 durch die Grndung des Vereins der Hausbeamtinnen unternahm.[910]
Auch sie dachte dabei allein an die Tchter der eigenen Klasse: die
Gesellschafterinnen, Sttzender Hausfrau, Wirtschafterinnen,
Kindergrtnerinnen, kurz an alle diejenigen, deren Stellung sich von dem
einfachen Dienstmdchen meist nur durch den Titel "Frulein"
unterscheidet. Die Verwaltung dieses Vereins liegt ausschlielich in den
Hnden der Herrschaften und die Mitglieder haben so wenig zu sagen, da
die Generalversammlung sich auch dann fr beschlufhig erklrt, wenn
nur der Vorstand anwesend ist! Demgegenber bedeutete der fnf Jahre
spter gegrndete Verein Berliner Dienstherrschaften und
Dienstangestellter immerhin einen leisen Fortschritt, indem er zwar, wie
die Vereine der Handelsan$
ennen und ein Andenken an den
"drren Ast" mitnehmen, das ihnen das Wiederkommen verleidet.
Der Beamte wiederholt die Aufforderung und schwingt dabei die
Aktenmappe, um seiner Wichtigkeit greren Nachdruck zu geben. ber
Peters Gesicht huscht ein hhnisches Lcheln, grinsend sagt er: "Wenn
ich nicht will, kommt Ihr mir nicht ins Haus! Ich will Euch aber
einlassen, so Ihr da mit Eurem Federbusch auch mit hinauf in den Schlot
Erschrocken prallt der Beamte zurck und stottert: "Wie? was? Seid Ihr
verrckt? Ich--ich--habe oben nichts zu thun--das ist des Kaminfegers
Auch Thrinele kann das Lachen ber die drollige Erscheinung des
Federbuschmanns und dessen Schrecken nicht verb+eien und kichert vor
sich hin, indessen Jobbeli in Vorahnung eines Spaes die Hausthre
angelweit aufreit und durch eine linkische Armbewegung zum Eintritt
Peter besteht darauf, da der Kommissr unter der Esse auf den Vollzug
der Kehrordnung warten msse, andernfalls lasse er den Schornsteiner
nicht ein. Dem Beamten ist es zu thun, den S$
und gieb sie dem
Mrte! Kannst die beiden Kh' heut ohne Gelut austreiben. Morgen soll
's Gelut dann beieinander sein."
Wenn die Dirn Zeit dazu htte, sie wrde die Hnde berm Kopf
zusammenschlagen. So aber hat sie Mhe, den fortdrngenden Khen die
Glocken abzunehmen und hndigt selbe dem vergngt schmunzelnden Hirten
ein, der sich nicht wenig auf die ihm gewordene Bevorzugung einbildet
und nicht bel Lust htte, der Klrle seine Liebe zu erklren, wenn die
Sache nicht so gefhrlich wre. Ein einzig uneben Wort, und die
Geschichte schlgt ins Gegenteil um, der Schellenmarkt fllt ins Wasser,
und Martin hat seine Hiebe dazu, wenn er nicht gar vom Hof gejagt wrde.
Aus diesen Erwgungen behlt der Hirt seine zrtlichen Gefhle lieber
bei sich und lt sich ber die Gunstbezeugung gebhrend bewundern. Bei
Tisch langt er sich im Bewutsein, Hahn im Korb zu sein, die grten
Brocken heraus, ein Frevel, der ihm zu normalen Zeiten sicherlich einen
gehrigen Rffel eingetragen htte. Heute gucken die Knechte und$
er Bauer und Bursch reicht dem Gifter die Hand, gleichsam als
wollten sie gut machen, was sie ber Klrle ob der vermeinten Stichelei
gesprochen. Ganz wohlig ist es dem Alten ums Herz, wie er nun
gemchlich durch das stille Gelnde seinem Hof zuschreitet,
hochzufrieden mit dem wackeren Pfarrer, der so gut und lieb fr Klrle
eingetreten ist. Und da steht ja Klrle lieblich wie ein junger
Maimorgen am Rain, den Vater erwartend.
"Gr Gott, Klrle!"
"Gr Gott, Vater!"
"Maidle, der Herr Pfarrer--"
"... hat fr mich gesprochen, der liebe seelensgute Herr!"
"Du weit schon?"
"Martin, der Hirt, war auch in der Kirche und hat mir Kunde gethan. O,
wie bin ich dem geistlichen Herrn dafr dKnkbar! Aber, Vater, ich htte
eine groe Bitte an dich!"
"Red', Klrle! Ich bin ja glcklich, wenn ich dir einen Gefallen
erweisen kann!"
"Ja, Vater, du bist so lieb und gut!"
"Schie' nur los, Klrle! Deine Bitte ist im voraus erfllt! Was soll
ich thun? Willst was vom Krmer in Schramberg oder ein neues Gewand?"
"Nein, nein! Vate$
n Staette!"
Der Geist versetzte: "Dies Gebot
Vertraegt sich nicht mit meinem Walten.
Ich diene nur dem Ring. Du musst
Dich an den Geist der Lampe halten."
"Nun wohl; jedoch wenn dir bewusst,
Wo sich zurzeit mein Schloss befindet,"
Sprach Aladdin, "befehl' ich dir
Kraft dieses Ringes, der dich bindet:
Befoerdre mich sogleich von hier
Gradaus an seinen neuen Platz!"
Kaum ausgesprochen war der Satz,
Da trug befluegelt ihn der Riese
Nach Afrika, zu jenem Ort,
Wo nun inmitten einer Wiese
Das Bauwerk stand, und setzte dort
Ihn saenftlich nieder auf das Gras.
Zwar blieb es Aladdin verborgen,
Dass er im Innern Afrikas
Gelandet war; doch er genas
Von allen Martern, allen Sorgen,
Als er den wohlbekannten Bau
Trotz dunkler Nacht im Sternenschimmer
Gewqahrte, ja sogar die Zimmer
Dicht vor sich sah, die seiner Frau
Zur Wohnung dienten; und sie schlief
Wahrscheinlich dort schon fest und tief.
Um Laerm und Aufsehn zu vermeiden,
Hielt er gewaltsam sich zurueck,
Wie schwer's auch war, so nah dem Glueck
Bis morgen frueh sich z$
Wesen enthllt. Jetzt redet er ihn an; er
will ihm zeigen, da er sein Wesen erkenne, ihm sagen, wie nah er sich
ihm fhle; er nennt ihn dabei einen geschftigen Geist, der die weite
Welt umschweife. Da ist der Bann der Beschwrung gebrochen, er hrt die
niederschmetternde Kunde:
    Du gleichst dem Geist, den du begreifst,
    Nicht mir!
Dann verschwindet der Geist. Faust strzt zusammen: er, das Ebenbild
Gottes, der dem Geist des Alls zu gleichen sich verma, gleicht nicht
einmal dem Geist der Erde! Die Scene bricht ab. Wagner erscheint.
Hier erhebt sich die Frage: Wodurch wird der Bann der Beschwrung
gebrochen? Warum verschwindet der Erdgeist grade jetzt? Woraus schliet
er, da Fausts Geist dem seinen nicht gleiche? Jedenfalls mu er dies
Fausts letzten Worten entnommen haben. Was enthalten sie? Er nennt den
Erdgeist einen geschftigen Geist. Er hat sich ihm als der Geist
hchster Thtigkeit offenbart, und nun setzt Faust diese der
Geschftigkeit gleich. Geschftigkeit ist aber eine Thtigkeit ohne
Zwec$
is zurckgewiesen;
ist sie auch nicht unmglich, so ist doch die wahre Erkenntnis auf
wenige beschrnkt; fr sie bringt sie aber nur, falls sie ausgesprochen
wird und nicht im Innern bewahrt bleibt, schwere Gefahr. Denn trotz
aller gerhmten Toleranz, fr die der junge Goethe selbst in seinem
Schreiben des Pastors eingetreten war, wo er gefordert hatte, sie drfe
nicht aus Gleichgltigkeit entspringen, sondern msse auch aus dem
Herzen kommen, war es auch im 18. Jahrhundert noch gefhrlich dem Pbel
sein Gefhl und Schauen zu offenbaren. Der Verfasser der oben erwhnten
Schrift z. B. befrchtet ble Folgen fr sein Buch aus dem
Verfolgungsgeist dieser Zeiten. Der Rezensent fgt hinzu: Wir knen
ihm dafr nicht brgen, ob es gleich sehr unrecht wre, eine
Untersuchung, die den Menschen nur auf einer Seite betrachtet, zu
verdammen, die Betrachtung der anderen Seite kann alles wieder gut
machen. Doch wenn man verdammen will, wer denkt daran![274] In seinem
Traktat ber die Toleranz aber schreibt der junge Goet$
el oder wie ein Amor[420]. Im
ersten Teil der Schlerscene siehts nun mehr aus wie ein Igel; aber
daraus ist noch kein Schlu auf eine verschiedene Entstehungszeit zu
ziehen. Die Einheit der Scene darf nicht bezweifelt werden. Die Frage,
wann sie entstanden sei, kann jetzt beantwortet werden.
Entstehungszeit der Schlerscene.
Auch fr die Schlerscene bildet das Jahr 1772, die Beteiligung an den
Frankfurter Gelehrten Anzeigen, die breite Grundlage. Sie gehrt also
zugleich mit de
r Wagnerscene in engeren Zusammenhang mit den satirischen
Dichtungen der Jahre 1773 und 1774.
Man ist bei keiner Scene in grerer Unklarheit ber die Zeit der
Entstehung gewesen als bei ihr. Schon Luden, in dem bekannten Gesprch
mit Goethe,[421] glaubt, sie sei wegen ihrer unmittelbaren Anschauung
des akademischen Lebens und Treibens in Goethes Universittsjahre zu
setzen. Neuerdings hat Seuffert sie gar, besonders durch den Charakter
ihres ersten Teiles verfhrt, der Leipziger Zeit des Dichters
zugewiesen[422]. Was zu dieser Anna$
rscheint diese Krankheit im
Werther. Bei ihm wird durch seine wunderbare Empfind- und Denkensart,
der er sich ganz ueberliess, und die endlose Leidenschaft, alles, was
thaetige Kraft an ihm war, ausgeloescht[125]; und er, der sich .nicht, wie
Weisslingen und Clavigo, in schwerer Schuld verstrickt hatte, faellt durch
eigene Hand.
Ganz im Sinne Fausts hatte der Dichter, da er im Mai 1772 gen Wetzlar
zog, zwar nicht dem Erdgeist, wohl aber der Gottheit zugesungen, von ihr
    Allgegenwaert'ge Liebe!
    Durchgluehst mich,
    Beutst dem Wetter die Stirn,
    Gefahren die Brust,
    Hast mir gegossen
    Ins frueh welkende Herz
    Doppeltes Leben
    Freude zu leben.
    Und Mut[126].
Von diesem gewonnenen Lebensmute aus war dann zu dem dritten, hoechsten
Leben vorzudringen, dem der That, auf dass das Herz nicht welke, sondern
noch koestliche Fruechte trage![127]
Wir sehen danach, wie tief diese Auffassung des Erdgeistes als eines
Geistes des Lebens und der That im Leben des Dichters begruendet liegt.
Bemerkensw$

selbst zurueck, sondern wandte sich dem Erdgeist zu, im Glauben, ihm zu
gleichen. Am 24. August schreibt er an Sophie La Roche: "Was ist das
Herz des Menschen? sind der wirklichen Uebel nicht genug? Muss es sich
auch noch aus sich selbst phantastische schaffen! Doch was klag ich! Die
Unruhe und Ungewissheit sind unser Teil und lassen Sie uns di tragen mit
Mut, wie ein braver Sohn, der die Schulden seines Vaters uebernommen
Am 31. August richtet er an Jacobi die schoenen Worte, wie der Mensch
sich nicht schweifenden Geistes an den Schoepfungen anderer genuegen
lassen duerfe, sondern selbst fuer seinen Teil thaetig sein muesse "in
herzlich wirkender Beschraenkung[204]". Am 15.(?) September klagt er
wieder der Freundin: "ich muss die Welt lassen, wie sie ist, und dem
heiligen Sebastian gleich, an meinen Baum gebunden, die Pfeile in den
Nerven, Gott loben und preisen[205]. Was wird aus mir werden?" ruft er
aus[206]. "Ich bin stuermisch, verworren, und hafte doch nur auf wenig
Ideen." schreibt er am Anfang des Oc$
321. 6 f. (Nr. 49. den 19. Juni 1772.)
[252] D.j.G. 2. 206 ff.
[253] Noch 1776 klingt dies Thema nach und an die Fauststelle an indem
Schreiben an Herder, da es sich um seine Berufung nach Weimar handelte:
    Und im Grund weder Luther noch Christ
    Im mindesten hier gemeinet ist,
    Sondern was in dem Schoepsen-Geist
    Eben lutherisch und christlich heisst.
Br. 3. N. 404 vor 20. Februar 1776? S. 33. 5 ff.
[254] F.G.A. S. 453. 35 ff. (N. 69. den 23. August 1772.)
[255] a.a. O. S. 455. 36.--Vergl. auch Hamann 2. S. 289.
[256] a.a.O. S. 356. 2. (N. 54. den 7. Juli 1772.)
[257] a.a.O. S. 482. 36. (N. 73. den 11. September 1772.)
[258] Vergl. die oben angefuehrte Stelle. (F.G.A. S. 222. 32 f.)
[259] a.a.O. S. 553. 20 ff. (N. 54 den 7. Juli 1772.)
[260] a.a.O. S. 354 35 ff.
[261] a.a.O. S. 230. 28 ff. (N. 35. den 1. Mai 1772.)
[262] a.a.O. N. 355. 37 f.
[263] a.a.O. S. 490. (N. 74. den 15. September 1872.)--vielleicht auch
S. 477. 4 f. (N. 72. den 8. Sept. 1772.)
[264] D.j.G. 2. S. 391.--Noch spaeter nennt er$
ruder, der aus dem welschen
Sden stammt und schwer leidet unter dem rauhen Klima des Hochlandes im
Norden Tirols.
Da half aller Zuspruch des an die scharfe Bergluft gewohnten alten
Paters wenig, der Klosterbruder vertrug sie nicht, doch hielt er klaglos
aus und hstelte dazu. Seine Gedanken weilten freilich sehr hufig im
sonnigen Sden.
Jetzt im Winter ist's ein eintnig Leben im Klsterl; der kirchlichen
Verrichtungen sind wenig und auch sonst nur kleine Arbeit. Frater Marian
sgt und hackt Holz, derweil der Eindpater die Kinder in dem zum
Schulzimmer adaptierten Speisezimmer unterrichtet.
Am 27. November war es. Um 10Uhr entlie Pater Ambros die Schuljugend,
welche im Bereich des Klsterls ruhig und bescheiden von dannen schlich,
hinter der Pforte aber auf dem tiefverschneiten Strlein sofort in
zwei feindliche Teile sich trennte und ein regelrechtes
Schneeballenbombardement erffnete. Dabei konnte es nicht anders sein,
da sich mancher Ball an die Fenster des Klsterls verirrte und dumpf an
die Scheibe$
vornahm, whrend der
Wachtmeister das gefesselte Paar bewachte.
So viel aber der erfahrene Richter nachforschen mochte, er fand nichts,
absolut nichts vom Handwerkszeug des Falschmnzers. Schon wollte er den
Aktuar beauftragen, den nahe der Htte angelegten Dngerhaufen mit einer
Mistgabel zu durchstochern, da fiel Ehenstraer an der Hngeuhr im
Stbchen auf, da die Uhrgewichte seltsamerweise in Gradelzeug eingenht
sind. Derlei hat der Richter noch niemals gesehen und sofort schnitt er
den grauen Stoff mit dem Federmesser durch. Welche berraschung! Statt
der Gewichte hatte der schlaue Falschmnzer nagelneue Silberfalsifikate,
lauter falsche Kronenstcke, eingenht und dieselben als Uhrgewicht
benutzt, die er vor Entdeckung wohl geschtzt glauben mochte. Nun kann
es keinem Zweifel mehr unterliegen, da sich auf dieser Alpe auch der
Prgestock und sonstige Utensilien vorfinden mssen. Aber wo?
Ehrenstraer hielt inne im mhsamen Suchen und berdachte die Flle aus
der Praxis. Am hufigsten pflegen Leute zum$
eistet, bleibst aber ein Dummkopf,
weil du solche Sachen glaubst!"
"Kann schon sein, gn' Herr! Aber helfen thuan selle Sachen decht und
das ischt die Hauptsach'! Werd' ich jtzund it eing'sperrt?"
"Nein! Aber wenn du noch eine einzige Mhre stiehlst, holt dich der
Gendarm, merk' dir das, Widschwenter!"
"Saggra! Htt's nit 'glaubt, da selles Todtentchel so wenig nutzt! Mu
decht ein Tropf g'wesen sein, seller Todter!"
Ehrenstraer entlie schmunzelnd diesen Originalmenschen, der hastig
davontrollte, und wandte sich dann zur Erledigung der Aktenstcke.
Nachmittags sprach der Richter im Hause des Bezirksarztes Bauerntanz
vor, um sich nach dem Zustand der Doktorin zu erkundigen. Der
Bezirksarzt konnte mitteilen, die Brche sind eingerichtet, Gipsverbnde
angelegt, die Patientin ist bei Sinnen, die Gehirnerschtterung nicht so
schwer, als anfangs befrchtet wurde, doch drfe niemand vorgelassen
"So besteht Hoffnung auf Wiederherstellung?"
"Mglich ischt es ja; das Gedchtnis ischt vllig verschwunden, meine
Fra$
llung ihres Liebhabers gar nicht berhrt. Geliebt oder nicht geliebt zu
sein war alles fr sie. "Ich opfere ihm meine ewige Seligkeit," sagte sie,
"und er, der ein Hretiker, ein Franzose ist, kann mir nichts, was dem
gleicht, opfern." Aber sobald der Chevalier erschien, fllte seine
gefllige und dabei so ungezwungene Heiterkeit die Seele der Campobasso
mit Entzcken und bezauberte sie. Bei seinem Anblick verschwand alles, was
sie sich ihm zu sagen vorgenommenf hatte, und alle trben Gedanken. Dieser
fr diese hochmtige Seele so neue Zustand hielt noch lange an, nachdem
Snec gegangen war. Und schlielich fand sie, da sie fern von Snec
weder denken noch leben knne.
Whrend in Rom durch zwei Jahrhunderte die Spanier in Mode gewesen waren,
begann man sich damals ein wenig den Franzosen zuzuneigen. Man begann,
einen Charakter zu verstehn, der Vergngen und Heiterkeit berall
hinbrachte, wo er sich zeigte, und diesen Charakter gab es damals nur in
Frankreich; seit der Revolution von 1789 gibt es ihn nirgen$
ichkeit und zur ewigen Herrlichkeit gelange."
Dann erhob sie sich, sprach das Gebet und lie ihre Pantoffeln am Fu der
Treppe stehen; auf dem Schafott schwang sie schnell das Bein ber den
Balken, legte den Hals unter das Fallbeil und ordnete alles ganz allein,
um sich nicht von dem Henker berhren zu lassen. Durch die Schnelligkeit
ihrer Bewegungen vermied sie, dem Publikum Hals und Schultern zu zeigen,
als ihr der Taftschleier abgenommen wurde. Es brauchte lange, bis der
Streich gefllt wurde, weil ein Hindernis eingetreten war. Whrend dieser
Zeit rief sie mit lauter Stimme Jesus Christus und die Heilige Jungfrau
an. Ein zeitgenssischer Autor erzhlt, da Clemens VIII. sehr besorgt um
das Seelenheil Beatrices war; da er wute, da sie sich unschuldig
verurteilt fhlte, frchtete er eine Regung des Aufruhrs. Im Augenblick,
als sie ihren Kopf unter das Beil gelegt hatte, gab man von der
Engelsburg, von wo man das Schafott gut sehen konnte, einen Kanonenschu
ab. Der Papst, der im Gebet auf Monte Cavallo w$
eiten, zu welchen die Vergngungssucht
einen wenig charakterstarken Frsten hinreien kann, gekennzeichnet. Auch
Ferdinand hatte sich einige Schwchen dieser Art vorzuwerfen. Seine Liebe
zu der Laien-Schwester Virgilia war in ganz Toskana berhmt; doch
besonders durch die Unschuld dieser ihrer Beziehungen wie man beifgen
mu; ebenso wie man sagen mu, da der dstere, heftige und
leidenschaftliche Groherzog Francesco das Aufsehen, das seine
Liebschaften erregten!, wenig genug beachtete. Im ganzen Land sprach man
nur von der groen Tugend der Schwester Virgilia. Die Ordensregeln, die
sie als Laienschwester zu erfllen hatte, erlaubten es ihr, etwa drei
Viertel des Jahres bei der Familie zu verbringen; sie sah dann tglich den
Kardinal Medici, wenn er in Florenz war. Zwei Dinge setzten diese der
Wollust hingegebene Stadt an dieser Liebschaft eines reichen jungen
Frsten in Erstaunen, dem durch das Beispiel seines Bruders alles
gestattet war: die junge schchterne, nichts weniger als geistvolle
Schwester Virgi$
 und wenn es ihm
trocken und d wurde im Mund, sprang er auf und ging vor den Tischkasten
und bi ein neues Endchen Kautaback ab zur Erfrischung. Sein Frauchen
sass daneben und spann.
In den Spinnstuben sangen die Mdchen, was ihre Mtter und Gromtter
gesungen. Whrend der Pause, abends um neun, wurde getanzt; auf der
weiten Haustenne; unter der Stalllaterne; nach dem Liede:
  maren will mi hawern meihn,
  wer schall den wol binnen?
  dat schall (meiers dortchen) don,
  de will eck wol finnen.
Von Wiedensahl aus besucht ich auf lngere Zeit den Onkel in Lethorst.
Ein Liebhabertheater im benachbarten S%dtchen zog mich in den
angenehmen Kreis seiner Thtigkeit; aber mehr noch fesselte mich das
wundersame Leben des Bienenvolkes und der damals wogende Kampf um die
Partenogenesis, den mein Onkel als gewandter Schriftsteller und
Beobachter entscheidend mit durchfocht. Der Wunsch und Plan, nach
Brasilien auszuwandern, dem Eldorado der Imker, hat sich nicht
verwirklichen sollen. Die Annahme, da ich praktischer B$
welchen sich auch die Strophenzahlen
beziehen; da ich aber auch weniger alte und verbrgte Strophen anderer
Ausgaben aufgenommen, jedoch mit einem Sternchen bezeichnet habe.
Man wird mir schwerlich vorwerfen knnen, allzufrei bertragen zu
haben. Worttreue ist keine Pflicht: sie gleicht de Treue Eulenspiegels
zu seinem Meister dem Schneider. Wie vieler Verbeerungen aber die
Uebersetzung noch fhig wre, fhlt Niemand lebhafter als ich, der,
obgleich ich das Manuscript kurz vor dem Drucke einer nochmaligen
strengen Durchsicht unterwarf, schon jetzt an dem mir vorliegenden
ersten Aushngebogen wieder Tausenderlei auszustellen htte ohne darum
an dem Unternehmen irre zu werden; denn wann drfte bei einem solchen
Werke die kritische Feile ruhn? Die Aufnahme, die diesem ersten
Versuche seitens des groen Publicums zu Theil werden wird, und die
Nachhlfe, die ich von belehrenden Kritiken sachkundiger Mnner
erwarte, mgen darber entscheiden, ob ich ihn dereinst in
vollendeterer Gestalt der Welt vorlegen werde. $
   323
Das theilt' er ungewogen   seinen Freunden frei,
An fnfhundert Marken   und Manchem wohl noch mehr;
Gernot rieth es Gunthern,   dieser Degen khn und hehr.
Um Urlaub baten alle,   sie wollten nun hindann.                    324
Da kamen die Gste   vor Kriemhild heran
Und dahin auch, wo Frau Ute   sa, die Knigin.
Es zogen nie mehr Degen   so wohl beurlaubt dahin.
Die Herbergen leerten sich,   als sie von dannen ritten.            325
Doch verblieb im Lande   mit herrlichen Sitten
Der Knig mit den Seinen   und mancher edle Mann:
Die giengen alle Tage   zu Frau Kriemhild heran.
Da wollt auch Urlaub nehmen   Siegfried der gute Held,              326
Verzweifelnd zu erwerben,   worauf sein Sinn gestellt.
Der Knig hrte sagen,   er woll nun hindann:
Geiselher der junge   ihn von der Reise gewann.
"Wohin, edler Siegfried,   wohin reitet ihr?                        327
Hrt meine Bitte,   bleibt bei den Recken hier,
Bei Gunther dem Knig   und bei seinem Lehn:
Hier sind viel schne Frauen,   die lt man$
e   angefllt mit Wein
Den Gsten auf die Strae   und hie sie willkommen sein.
Ein Wirth war da geseen,   Astold genannt,                        1379
Der wies sie die Strae   ins Oesterreicherland
Gegen Mautaren   an der Donau nieder:
Da ward viel Dienst erboten   der reichen Knigin wieder.
Der Bischof mit Liebe   von seiner Nichte schied.                  1380
Da sie sich wohl gehabe,   wie sehr er ihr das rieth,
Und sich Ehr erwerbe,   wie Helke einst gethan.
Hei! was sie groer Ehren   bald bei den Heunen gewann!
An die Traisem kamen   die Gst in kurzer Zeit.                    1381
Sie zu pflegen fli sich   Rdigers Geleit,
Bis da man die Heunen   sah reiten ber Land:
Da ward der Knigstochter   erst groe Ehre bekannt.
Bei der Traisem hatte   der Frst von Heunenland                   1382
Eine reiche Veste,   im Lande wohl bekannt,
Mit Namen Traisenmauer:   einst wohnte Helke da
Und pflag so hoher Milde,   als wohl nicht wieder geschah,
Es sei denn von Kriemhilden;   die mochte gerne geben.$
lendet, und es ist Zeit, da du
dich in der Welt umsiehst und dein Kaufmannsleben beginnst, auch habe
ich dafr jetzt eine gute Gelegenheit gefunden. In diesen Tagen schickt
unser Knig eine Gesandtschaft an den Knig Udena in Kosambi, weit von
*hier, im Norden. Dort habe ich aber einen Gastfreund Panada. Der hat mir
lngst gesagt, in Kosambi wre mit Produkten unseres Landes, besonders
mit Bergkristallen und Sandelpulver, sowie mit unseren kunstvollen
Rohrgeflechten und Weberwaren ein gutes Geschft zu machen. Ich habe
aber immer eine solche Geschftsreise als ein groes Wagnis gescheut
wegen der vielen Gefahren des Weges. Wer nun aber die Hin- und Herreise
im Gefolge dieser Gesandtschaft macht, fr den ist gar keine Gefahr
vorhanden. Wohlan, mein Sohn, wir wollen auf den Lagerplatz gehen und
uns die zwlf Ochsenwagen und die Waren ansehen, die ich fr deine Fahrt
bestimmt habe; du wirst fr unsere Produkte Musselin aus Benares und
ausgesuchten Reis mit zurckbringen, und das wird, hoffe ich, ein
glorreicher$
ches Spiel. Lssig warf sie den Ball zu Boden,
und als er dann langsam emporstieg, gab sie ihm mit ihrer
schlinggleichen Hand, deren Daumen sie etwas krmmte und deren zarte
Finger sie ausstreckte, einen krftigen Schlag, trieb dann den
aufsteigenden Ball mit dem Handrcken empor und fing ihn beim
Herabfallen in der Luft wieder auf. Sie warf ihn in langsamem, in
mittlerem und in raschem Tempo, bald ihn anfeuernd, bald ihn
besnftigend, schlug ihn abwechselnd mit der linken und mit der rechten
Hand, trieb ihn in jede Himmelsrichtung und wieder zurck. Wenn
du--wie's mir aus deinem verstndnisvollen Blick scheinen will--mit der
Spielballwissenschaft vertraut bist, so brauche ich dir nichts zu sagen,
als da du wohl niemals das Curnapada und das Gitamarga so vollkommen
ausgefhrt gesehen haben wirst.
Dann aber machte sie etwas, was ich nier gesehen und wovon ich auch nie
gehrt habe. Sie nahm nmlich zwei goldene Blle, und whrend ihre Fe
zum Klange ihrer Schmuckjuwelen sich tanzend bewegten, lie sie diese$
ras. Aber im Winter beraubt der
Frost die Wlder ihres Laubes, und Reif bedeckt die Felder. Keine Stdte
erheben ihre Trme, aber weitgedehnte Drfer mit groen Hrden liegen
mitten in ihren weidereichen Triften, und die schtzende Anhhe daneben
ist durch Wlle und rohe Mauern in eine kleine Feste verwandelt. Ein
kriegerisches Hirtenvolk ist hier sehaft. Die Wlder sind voll von
Wlfen, und meilenweit hrt der zitternde Wanderer das Gebrll des
Lwen, "des furchtbaren, schweifenden, in Bergen hausenden Wildes"--wie
_er_ ihn nennt; denn er ist ein Snger.
Nach langer Wanderung nhert er sich einem Dorfe, als unbekannter, aber
willkommener Gast; denn das ist er berall. ber seiner Schulter hngt
seine einzige sichtbare Habe, eine kleine Laute; aber im Kopfe trgt er
das ganze kostbare Erbe seiner Vter: alte, geheime Hymnen an Agni und
Indra, an Varuna und Mitra, ja sogar an unbekannte Gtter; Kriegs- und
Trinklieder fr die Mnner; Liebeslieder fr die Mdchen; segnende
Zaubersprche' fr die Milchspendende$
chtet, und abends
lauschte ich in der Versamlung den Worten des Erhabenen oder auch denen
eines groen Jngers, wie Sariputta oder Ananda. Nachher aber geschah es
wohl, da eine Schwester die andere aufsuchte: "Entzckend, Schwester,
ist der Sinsapawald, herrlich die klare Mondnacht, die Bume stehen in
voller Blte, himmlische Dfte, meint man, wehen umher. Wohlan, la uns
Schwester Sumedha aufsuchen. Sie ist eine Hterin des Wortes, ein Hort
der Lehre. Ihre Rede drfte wohl diesem Sinsapawalde doppelten Glanz
verleihen." Und wir brachten dann den grten Teil einer solchen Nacht
mit sinnigen Gesprchen zu.
Dies Leben in der freien Natur, diese fortwhrende Geistesttigkeit und
der rege Gedankenaustausch, wodurch keine Zeit fr trbes Hinbrten ber
eigenen Schmerz oder fr mige Trumereien brig blieb, endlich die
Erhebung und Luterung des Gemtes durch die Macht der Wahrheit--all
dies strkte mir Krper und Geist wunderbar. Ein neues und edleres Leben
tat sich vor mir auf, und ich geno ein ruhiges, he$
st
Unvergelichkeit ein leeres Wort. Aber was ist es denn nun, wonach
sichs lohnt zu streben? Nur das eine: eine tchtige Gesinnung, ein
Leben um Besten anderer, Wahrheit in jeder uerung, ein Zustand des
Gemts, wonach dir alles, was geschieht, notwendig scheint und dir
befreundet, aus einer Quelle flieend, mit der du vertraut bist.
Gib dich dem Schicksal willig hin, und erlaube ihm, dich mit den Dingen
zu verflechten, die es dir irgend zuerkennt.
Eintagsfliegen sind beide, der Gedenkende und der, dessen gedacht wird.
Alles entsteht durch Verwandlung, und die Natur liebt nichts so sehr,
als das Vorhandene umzumodeln und Neues von hnlicher Art zu erzeugen.
Jedes Einzelwesen ist gewissermaen der Same eines zuknftigen, und es
wre eine groe Beschrnktheit, nur das als ein Samenkorn anzusehen, was
in die Erde oder in den Mutterscho geworfen wird.
Wie bald wirst du tot sein, und noch immer bist du nicht ohne Falsch,
nicht ohne Leidenschaft, nicht frei von dem Vorurteil, da ueres dem
Menschen schaden k$
che, wie sie wirklich ist,
und dringen in ihr inneres Wesen ein.--Man mache es nur berhaupt im
Leben so, entkleide alles, was sich uns als des Strebens wrdig
aufdrngt, seiner Umhllung, und sehe von dem ueren Glanze ab, mit dem
es wichtig tut. Der Schein ist ein gefhrlicher Betrger. Gerade wenn du
glaubst mit ernsten und hohen Dingen beschfigt zu sein, bt er am
meisten seine tuschende Gewalt.
Die Menge legt den hchsten Wert auf den Besitz rein sinnlicher Dinge.
Teils sind es Dinge von festem und natrlichem Zusammenhalt, wie Steine
und Holzarten, z.B. Feigenbume, Weinstcke und lbume. Hher hinauf
fngt man an den Nutzen einzusehen, den uns die belebte Natur leistet,
wie Herden von Gro- oder Kleinvieh, und noch eine Stufe hher die
Brauchbarkeit der in unserm Dienst stehenden Einzelvernunft. Wer aber
nichts Edleres und Hheres kennt, als das allgemeine Vernunftwesen, dem
ist jenes alles geringfgig und unbedeutend. Er hat kein anderes
Interesse, als da seine Vernunft der allgemeinen Menschenve$
sein heit einen guten Charakter haben. Was machst du also
hier, Einbildung? Geh um der Gtter willen, wie du kamst, denn ich
brauche dich nicht! Du bist gekommen nach deiner alten Gewohnheit Ich
zrne dir nicht, nur geh fort!
Wre es mglich, da dir der Wechsel, dem alles unterworfen ist, Furcht
einjage? Was knnte denn geschehen, wenn sich die Dinge nicht
vernderten? Was gibt es Angemesseneres fr die Natur als diese
Vernderung? Knntst du dich denn nhren, wenn die Speisen sich nicht
verwandelten? berhaupt hngt von dieser Eigenschaft der Nutzen jedes
Dinges ab. Und siehst du nun nicht, da die Vernderung, der du
unterworfen bist, von derselben Art und ebenso notwendig ist fr das
Alle Krper nehmen durch das Weltall, wie durch einen reienden Strom,
ihren Lauf und sind, wie die Glieder unseres Leibes untereinander, so
mit jenem Ganzen innig verbunden und wirken mit ihm. Wie manchen
Chrysipp, wie manchen Sokrates, wie manchen Epiktet hat schon die Welle
verschlungen! Diesen Gedanken hege beim Anblick $
jemand die
Neigung hat, ein deutscher Professor zu werden, d.h. sein Auge nach
innen kehrt und sich nicht entschlieen kann, Rinnsteine, Laternenpfhle
und Mitmenschen fr Realitten zu halten, wenn Dichter und Denker uns
begegnen, das Auge fr den Glanz der Ferne eingestellt und die ganze
Energie gleichsam zum Wachedienst fr das ewige Feuer der Vestalin nach
innen gepret, so sagen wir ja wie Josephs Brder: "Seht, da kommt der
Trumer!" Die Seele hat eben zwei groe Orgelregisterzge: "Real" und
"Ideal", de, gleichzeitig gezogen, leider nie recht miteinander
Harmonien geben, so schn sie, jedes einzeln gespielt, die Symphonie des
Daseins frben. Wenn die mehr oder minder ausgeprgte Schnelligkeit der
Leitungsanschlsse im Gehirn die Temperamente ausmacht, wenn die
unwillkrliche Zhigkeit der Willensimpulse, die Unhemmbarkeit von
Vorstellen und Willen den Charakter bestimmt, so scheidet das Register
"Gemt und Phantasie" unser Innenleben noch viel deutlicher von jener
andern Fhigkeit, durch die Welt zu k$
ein.
Da htten wir also eine grundlegende Definition dessen, was wir
Temperament nennen: Temperament ist ein Ma fr die grere oder
geringere Schnelligkeit der Auslsbarkeit und der Anschlufhigkeit der
Nervenspannungen, oder, weniger gelehrt ausgedrckt: Temperament ist
Sache der Widerstandsfhigkeit gegen Eindrcke. Man kann also als gewi
annehmen, da jeder Mensch einen Grundrhythmus besitzt, vermittels
dessen er bei normaler Beschaffenheit seines Blutes mehr oder weniger
schnell Reize, Impressionen, Eindrcke, seelische Attacken aller Art
verarbeitet, und da dieser Rhythmus bei jedem Menschen ein anderer, in
gewissen Grenzen abweichender ist, wie das Rot, das ich sehe, eine
andere Nance darstellt, als das Rot, welches ein anderer sieht. Dieses
Widerspiel zwischen Erregung von Nervenstrmen und dem Widerstand,
welchen sie im Seelenorgan mittels der Saftwelle finden, ist es also,
was das Temperament ausmacht, und man begreift sofort, da ~dieser
Zustand nur ein im groen und ganzen konstanter sein kan$
bene Sde im folgenden Winter reichlich nachholen zu
Die Medizin kennt Ppste und Episkopate; der Glaube an die Chemie ist so
stark und dogmatisch, wie nur irgend eine Heilswahrheit, und die Zeiten
sind dagewesen, wo wissenschaftliche berzeugungen die Herrschergewalt
von Staatsreligionen besessen haben, in denen Ketzern und
Andersglubigen der wissenschaftliche und materielle Ruin sicher war. An
die Stelle des Totmachens durch die Inquisition und des Ketzergerichts
ist oft genug das noch wirksamere Totschweigen getreten, der Boykott,
das Abrcken, das Verfehmen, das in modernen Zeitlufen, nur scheinbar
schonender, dem "Protestanten" den Strick oft genug gedreht hat. Die
Geschichte aller Wissenschaften kennt Beispiele von krassester Dogmatik,
Ketzerhinrichtung und Bannbullen, und die Szene des zum Widerruf
gezwungenen Galilei wiederholt sich alle Jahrhundert mehrmals.--
Ist hier an einem Beispiel gezeigt, wie nahe sich in praktischer
Anwendung Wissenschaft und Glaube berhren, so ist ihre Verkettung in
ideel$
und gewi einen reinen Begriff, wie alles auf
einander steht und liegt, ohne Prtension auszufhren, wie es auf einander
gekommen ist. Da ich einmal nichts aus Bchern lernen kann, so fang' ich
erst jetzt an, nachdem ich die meilenlangen Bltter unserer Gegenden
umgeschlagen habe, auch die Erfahrungen Anderer zu studiren und zu nutzen.
Dies Feld ist, wie ich jetzt erst sehe, kurze Zeit her mit groem Fleie
bebaut worden, und ich bin berzeugt, da bei so viel Versuchen und
Hlfsmitteln ein einziger groer Mensch, der mit den Fen oder dem Geist
die Welt umlaufen knnte, diesen seltsam zusammengebauten Ball ein- fr
allemal erkennenund beschreiben knnte, was vielleicht schon Bffon im
hchsten Sinne gethan hat, wehalb auch Franzosen und Deutschfranzosen
sagen, er habe einen Roman geschrieben, welches sehr wohl gesagt ist, weil
das ehrsame Publikum alles Auerordentliche nur durch den Roman kennt."
Durch diese Studien und andere Lieblingsneigungen ward Goethe nicht der
Amtsthtigkeit entzogen, die seine Ste$
te der
Mensch, der darein versetzt ist, sich ganz widmen, und ich mchte doch auch
so vieles Andere nicht fallen lassen."
In gleichem Sinne hatte er schon in einem frhern Briefe an Lavater
geuert: "Den guten Landes- und Hausvater wrdest du nher nur bedauern.
Was da auszustehen ist, spricht keine Zunge aus. Herrschaft wird Niemand
angeboren, und der sie ererbte, mu sie so bitter gewinnen, wie der
Eroberer, wenn er sie haben will, und bitterer. Es versteht die kein
Mensch, der seinen Wirkungskreis aus sich geschaffen und ausgetrieben hat."
Dann trstete er sich wieder mit dem behaglichen Gefhl der Gesundheit. In
einem Briefe an Lavater vom 18. Mrz 1781 sprach er den Wunsch aus, da
Gott ihn noch lange auf dieser schnen Welt erhalten und ihm Kraft
verleihen mchte, ihr zu dienen und sie zu nutzen. "Mit mir steht's gut,"
schrieb er, "besonders innerlich. In weltlichen Dingen erwerb' ich tglich
mehr Gewandtheit, und vom Geiste fallen mir tglich Schuppen und Nebel, da
ich denke, er mte ganz nackt da$
ge aus seiner Studirstube nach den vordern
Zimmern angeweht habe, schrieb Goethe ein heftiges Bruststechen zu, das
nach einer unruhigen Nacht noch am Morgen fortdauerte. Er ahnte keine
Gefahr, als rztliche Mittel jenes Uebel und den fieberhaften Zustand
beseitigt hatten. Sein Athem war jedoch noch immer beengt, und in Gegenwart
seines Arztes, des Dr. Vogel, den er den 20. Mrz 1832 hatte rufen
lassen, prete ihm der Schmerz schneidende Tne aus. Von einer innern Angst
bald in das Bette, bald in den daneben stehenden Lehnstuhl gerieben,
frchtete er eine Wiederkehr des Blutsturzes, der ihn das Jahr zuvor
befallen. Seine Gesichtszge waren verzerrt, das Antlitz graublau, der
ganze Krper kalt, und von triefendem Schwei bedeckt. Er fhlte sich sehr
matt, und es traten Augenblicke vlliger Bewutlosigkeit ein. Mitunter
phantasirte er, indem er ruhig in seinem Lehnstuhl sa. "Seht," sprach er
unter andern, "seht den schnen weiblichen Kopf mit schwarzen Locken, in
prchtigem Colorit, mit dunkelm Hintergrunde!" $
n auf der Bhne mu
oft verliebt thun, oft kssen, oft lachen, und was dergleichen
mehr ist. Das bringt aber die Comdie so mit sich. Wenn
Kolombine die verschmitzte Buhlerinn vorstellt, so wrde
es sich ja nicht schicken, da sie die Mine einer Matrone
behielte. Wie oft hat sie nicht auch geweint! Meynen Sie aber,
da sie um deswillen, sie zu Hause gekommen, immer betrbt
    _Harl._ Ich habe allzeit gehrt, die Unschuld soll so etwas
Ses, so etwas Krnichtes, so etwas von der braunen Kruste
seyn, da ich nicht gern eine Frau nehmen mgte, welche diesen
Leckerbissen bereits verschenket htte.
    _Barth._ O mein lieber Harlekin, sind Sie da verbrannt: so
rathe ich Ihnen gar keine Frau--anders als meine Kolombine zu
    _Harl._ Aber sehen Sie einmal Selbst, Herr Barthold,
alle diese schnen Herrn, welche hier vor unsrer Bhne sitzen.
Ihre Augen scheinen meinem lieben Kolombinchen das Mark aus
den Knochen zu ziehen; und wenn sie tanzt; ach, wenn sie tanzt:
so--so--tanzen alle Herzen mit ihr.
    _Barth._ So$
sein wrde.
Robur seinerseits wollte sich auch nicht den Anschein geben, als fiele
ihm das auf, und begann deshalb, als setze er nur ein Gesprch fort,
das doch schon seit zwei Stunden unterbrochen war:
"Sie haben sich ohne Zweifel damit befat, meine Herren, ob dieser fr
die Bewegung durch die Luft ausgezeichnete Apparat auch eine noch
gere Geschwindigkeit annehmen knne. Er wre inde nicht wrdig, den
Luftraum sozusagen besiegt zu haben, wenn er sich denselben nicht
gnzlich unterwrfig machen knnte. Ich bin darauf ausgegangen, die
Luft als festen Sttz- und Angriffspunkt zu bentzen, und als solcher
dient sie mir. Ich sah lngst ein, da man, um gegen den Wind
anzukmpfen, strker sein msse, als dieser, und ich bin strker. Ich
bedarf keiner Segel, die mich ziehen, keiner Ruder oder Rder, die mich
treiben, keiner Schienen, um schneller und leichter fortzukommen -- nur
Luft ... nichts weiter! Luft, die mich ganz ebenso umgiebt, wie das
Wasser jedes submarine Fahrzeug, und in der meine Propeller sich
$
pitne Krebs und Renard hnliche
Plattform, enthielt alles fr Luftschiffer nothwendige Gerth und
Werkzeug, physikalische Instrumente, Taue, Anker, Rollen u. s. w.,
auerdem die Apparate, Batterien und Accumulatoren, welche seine
mechanische Kraft lieferten. Diese Gondel trug vorne eine Schraube und
hinten neben einer gleichen Schraube ein Steuerruder. Aller
Wahrscheinlichkeit nach mute jedoch die Arbeitsleistung der Maschinen
des Go a head weit hinter der der Apparate des "Alatros"
zurckbleiben.
Der Go a head war nach vollendeter Fllung nach der Waldble im
Fairmont-Park bergefhrt worden, d. h. genau nach derselben Stelle, an
welcher frher der Aeronef einige Stunden gelegen hatte.
Wir brauchen wohl nicht zu betonen, da ihm die Auftriebskraft durch
das leichteste aller Gase verliehen worden war. Das gewhnliche
Leuchtgas entwickelt per Cubikmeter nur eine solche Hebekraft gleich
700 Gramm -- was gegen die umgebende Luft nur einen unbetrchtlichen
Gewichtsunterschied darstellt. Das Wasserstoffgas$
lieb stehen und lauschte.
Dabei war Emma eine vorzgliche Hausfrau. Sie schickte die
Liquidationen an die Patienten aus und zwar in hflichster
Briefform, die gar nicht an Rechnungen erinnerte. Wenn sie
Sonntags irgendwen aus der Nachbarschaft zu Gaste hatten, wute
sie es immer einzurichten, da etwas Besonderes auf den Tisch kam.
Sie schichtete auf Weinblttern Pyramiden von Reineclauden auf und
verstand, die eingezuckerten Frchte so aus ihren Bchsen zu
strzen, da sie noch in der Form serviert wurden. Demnchst
sollten auch kleine Waschschalen fr den Nachtisch angeschafft
werden. Mit alledem vermehrte sie das ffentliche Ansehen ihres
Mannes. Schlielich fing er selbst an, mehr und mehr Respekt vor
sich zu bekommn, weil er solch eine Frau besa. Mit Stolz zeigte
er zwei kleine Bleistiftzeichnungen Emmas, die er in ziemlich
breite Rahmen hatte fassen lassen und in der Groen Stube an
langen grnen Schnuren an den Wnden aufgehngt hatte. Wenn die
Kirche zu Ende war, sah man Herrn Bovary in schngestick$
 mu das im praktischen Verkehr selbst
erprobt haben, um sich ein Urteil darber erlauben zu knnen. Beide
Dialekte weichen sehr stark von einander ab. Hingegen knnen sich
gebildete Slovenen und Kroaten ziemlich leicht verstndigen, wenn sie
sich ihrer Idiome dialektfrei bedienen. In jenen Jahren gab es aber im
praktischen Verkehr eine reine, dialektfreie Sprache weder bei den
Slovenen noch bei den Kroaten.
Zum Zeitalter des belsten Absolutismus gehrte auch die
Gesinnungsschnffelei, die vZn den Beamten arg getrieben worden sein
mute, da es zu Aufstand, Verbrennung sterreichischer Amtsschilder und
gewaltsamer Vertreibung der Beamten, auch der sogenannten Krajnci
(Krainer), der slovenisch sprechenden Herren aus den Erblndern,
gekommen war. Das Wort "Krajnjac" (Krainer) war gleichbedeutend mit
"Beamter" geworden und entfachte den Ha der Kroaten, die, von
ungarischer Freiheit in der Selbstverwaltung verwhnt, gegen die
absolutistische "k.k." Bedrckung sich auflehnten. Der Adel und die
Brgerschaft murrte$
 erzhlte ihr
Geschichten, in denen zumeist von Piraten und Gespensterschiffen die
Rede war. Sie hing an seinem Mund mit einem Entzcken, das nicht blo
der Geschichte galt; sie bewunderte seine Stimme, seine Art zu sprechen,
seinen Blick und die Bewegungen seiner Brauen. Zartfhlend erriet sie
auch jede Stimmung, in der sie ihm zur Last fiel; dann beschftigte sie
sich auf eigene Faust.
So verflossen anderthalb Wochen. Sylvester hatte whrend dieser Zeit
viele Schreibereien, da er jetzt erst die Unordnung berblicken konnte,
in die er die Wirtschaft gestrzt hatte. Er korrespocndierte mit Agenten,
mit Privatbanken, und mit einem reichen alten Onkel, der im
Westflischen lebte und war ernstlich bemht, seine Torheiten wieder
gutzumachen. Bei alledem war seine Lage so sonderbar, da er immer die
Empfindung hatte, er tue etwas ganz anderes als was er htte tun sollen.
Wartete Agathe nicht darauf, da er fortging? War sie nicht seinem
verwegensten Wunsch zuvorgekommen, indem sie ihm schenkte, was er ihr
hatte ab$
 worden.
So sind Etliche unter den Heiden der Meinung gewesen, die Kometen seien
eine Zusammenfgung zweier oder mehrerer Sterne, die ihr Licht
miteinander vermischen. Andere meinten, es seien noch unzhlig viele
Sterne am Himmel, die andere Kreise und Umgnge htten, denn die wir
kennen, und welche, wenn sie an die uerste Spitze ihres Kreises
kommen, uns als Kometen erscheinen. Etliche haben sie auch fr feurige
Luftzeichen gehalten, die aus den warmen und trocknen Dnsten der Erde
zusammenwchsen und sich darnach entzndeten. In unseren Tagen haben
zwei Meinungen ber die Kometen den Vorrang erhalten. Die eine ist die,
da die Kometen dichte Krper seien, wie die andern Sterne, da die
Schweife aber von den Ausdmpfungen des Kopfes am Sterne rhrten. Da
sie sich nur in gewissen Zeiten zeigten, komme daher, weil sie in
lnglichen Kreisen um die Sonne hergingen, und nur dann von uns gesehen
werden knnyen, wenn sie der Sonne sich nherten.
Dieser Meinung bin ich nicht, mchte vielmehr Denen beistimmen,$
rklimmenden, laut schreienden
Verfolger richten mge.
Da der eine meiner Gefhrten nur mit einem Schrotgewehr, der andere nur
mit einem Stock bewaffnet war, hie ich beide, in meiner Nhe bleiben,
um ihnen, im Nothfalle beistehen zu knnen, denn ein erzrnter,
erwachsener Pavian ist als Feind gefhrlich:r als ein Leopard. Wir
hatten bereits den Abhang zur Hlfte erstiegen und noch immer war keiner
der Flchtigen zum Schu gekommen. Endlich erschien einer ber mir, doch
hoch oben von Block zu Block springend, bald deckte ihn ein Busch, bald
ein Felsen, so da kein Schu mit Erfolg anzubringen war. Das Thier
verschwand als es die Hhe erreicht hatte und wir muten, hher
klimmend, trachten, es noch auf der flachen Kuppe zu treffen, oder
vielleicht einen seiner Genossen zu ersphen. Meine Hoffnung wurde nicht
getuscht, denn schon 40 Fu hher entdeckte ich ein erwachsenes
Weibchen. Doch alle Mhe, zum Schu zu kommen, war vergebens, einmal
stand der schwarze Diener des Farmers mir in der Schulinie, und die
zwe$
: Batlapinenknaben den Kiri werfend.]
Von Gong-Gong schlugen wir eine nrdliche Richtung nach dem Hart-River
ein; einige weie, aus der Ferne entgegenschimmernde Punkte an den zum
Vaal sich steil herabsenkenden Felsenhgeln bezeichneten uns die
Stellen, wo nich vor wenigen Jahren die blhenden River-Diggings
New-Kierke-Rush u.a. lagen. Die Strecke von Gong-Gong bis Delportshope
(dieses nicht ganz eine Meile von der Hart-Rivermndung entfernt) gehrt
gewi zu den unbequemsten, die ich je mit einem Wagen passirte. Ich
konnte es nicht fassen, wie zur Zeit der Blthe der River-Diggings auf
solchen Verkehrspfaden die Bedrfnisse von Tausenden von Menschen
mittelst der Achse herbeigeschafft wurden. Auf der ganzen
zurckzulegenden Strecke glich der als Fahrweg bentzte Erdstreifen
einem von Wasserfluthen ausgewaschenen Gerllboden. Die Fahrt ber diese
Chaussee war, wie leicht denkbar, eine martervolle; kaum war das eine
Hinterrad aus einem der zahllosen wassergefllten Lcher durch die
vereinten Anstrengungen der T$
lung ganz
unbrauchbar war, hingegen war das Fleisch eine werthvolle Acquisition
fr die Kche. Auer einem noch greren Trappenprchen derselben Art,
welches ich auf der dritten Reise am linken Limpopo-Ufer beobachtete,
sah ich nie wieder ein so groes Exemplar in Sd-Afrika.
Einen Gebirgssattel bersetzend kamen wir in das eigentliche Thal des
Schoenspruit, den man fglich River nennen knnte, weil er in
gewhnlichen Jahren meist fortwhrend fliet, nur in sehr trockenen den
Charakter eines Spruit zeigt. Im Allgemeinen gehrt dieses Fluthal zu
den interessanteren Thlern des sdafrikanischen Hochplateau's und auch
zu einem der fruchtbarsten und bestbebauten. Im Thale des Schoenspruit
reiht sich Farm an Farm; prachtvolle Weidepltze fr das Hornvieh, lngs
den Hhen und den Abhngenzum Flusse, erhhen noch den Werth des
Landbesitzes am Schoenspruit und im Moi-Riverthale. Bei Entfaltung
einiger Energie und einer rationellen Bearbeitung des Bodens knnte
leicht das Zehnfache des gegenwrtigen Ertrages an Cer$
otapa gefunden zu haben. Ich hielt deshalb die Stelle
eines Besuches werth, um so mehr, als sie nicht weit, nur einige Meilen
nordwrts von meinem Wege liegen sollte.
Am selben Tage, nachdem ich Bloemhof verlassen, traf ich bei der
bezeichneten Salzpfanne ein. Obgleich nahe am Vaalflusse gelegen und zum
Gebiete der Transvaal-Republik gerechnet, und obschon hier eine weie
Frau mit* ihren Tchtern in einem Moodhouse wohnte, die uns sogar einlud,
uns in ihrem Palaste niederzusetzen, fand ich, da die Koranna's von
Mamusa die eigentliche Herrschaft fhrten und diese auch bis zu Beginn
des Jahres 1879 aufrecht zu halten wuten.
Die Stelle bildete die Sdspitze eines Dreieckes mit der Basis gegen
Mamusa und dem Hart-River zu, welches von Gassibone und Mankuruan
(damals beide unabhngig), den Batlapinenchefs, Old-David Maschon, dem
Korannaknig von Mamusa und den Hollndern beansprucht wurde; bei dieser
Sachlage waren nur die hier angesiedelten Farmer zu bedauern, denn auf
sie fiel die Last aller Qulereien, sie wa$
 die ich hufig an einer der gemeinsten Nachtschattenarten
Sd-Afrika's antraf. Meine Aufmerksamkeit war auch auf die zahlreichen,
den Weg sumenden Kameeldornbume gerichtet, die mit den Nestern des
Siedelsperlings (Philetaerus socius) dicht bedeckt waren.
In einer Bodenvertiefung nahe einem nach Nordosten dem Taung oder
Notuani-River zuflieenden Bache beendeten wir unsern heutigen Marsch.
Die zu einem frmlichen Niederwald angewachsen Kameeldornbestnde
durchziehend stieen wir am nchsten Morgen auf ein Makalaharidorf,
dessen Insassen Hirten und Jger Montsua's waren. Sie schildeHrten uns
den weiten Weg bis nach Moschaneng in sehr dsteren Farben und meinten,
wir wrden mit den schwachen Zugthieren kaum die Knigsresidenz
erreichen. Der Weg war auch thatschlich uerst beschwerlich, der tiefe
Sand ermdete die Thiere in hohem Grade, dazu war der Wald von zahllosen
kleinen, 1-2 Fu tiefen Senken (in der Regenzeit Tmpel) durchsetzt; der
von dem Sandboden aufsteigende Staub trocknete Mund und Luftrhre in
$
n. Der
Marico-District ist zum grten Theile ein von zahlreichen flieenden
Bchlein und Flchen durchzogenes und uerst fruchtbare Thler
besitzendes Hhenland, das auch verhltnimig besser als die meisten
brigen Transvaal-Districte angebaut ist. Ein Theil ist mit einem
Mimosen- und anderem Niederwald bedeckt und in seiner Gesammtheit ein
gutes Weideland fr Pferde und Rinder. Die Farmen stehen hier auch
dichter und wir sehen di Gartencultur ziemlich schwunghaft betrieben,
da wir jedoch trotz Allem die Wohlhabenheit nur auf gewisse Farmen
concentrirt fanden, rhrt daher, da sich die Besitzer der meisten
derselben der Elephantenjagd ergeben hatten und dabei die Ertrgnisse
des fruchtbaren Bodens an dieses so beschwerdenreiche Vergngen
vergeudeten. Das von den Betschuana-Knigen erlassene Jagdverbot wird
diese Jger zwingen, daheim bei ihren Pflgen zu bleiben, was ihre
materielle Lage heben und in einigen Jahren dem Reisenden nur ein Bild
allgemeiner Wohlhabenheit im Marico-District bieten wird.
Am $
that keinen Schritt
nher--tnf Kugeln waren ihr in die Brust gedrungen.
Nun, da haben sich Deine Freunde wacker gehalten, sagte ich zu David
Nun, es war nicht so arg mit ihnen, denn als die Lwin nher kam,
kehrten sich einige von ihnen nach den Pferden um, d.h. sie wollten sich
empfehlen, allein die Pferde, welche die Lwin gewittert, hatten sich
ngstlich aneinander gepret und waren um volle 20 Schritte
zurckgewichen, so muten die Genossen bleiben, die Lwin htte ihnen
den Rckzug abgeschnitten.
Auf dem Wege vom Schoenspruit nach Potschefstroom entdeckte ich auf der
ersten Hhe ein interessantes Felsenthor und mehrere senkrecht aus der
Erde meist halbkreisfrmig aufsteigende, kammfrmige Quarzit-Wlle. Die
zwischen denselben gelegene Farm fhrt den Namen Klip-Port und eine der
nchsten Farmen Klip-(Stein-)Fontein; auch hier fand ich massenhaft
schnen, ein wellenfrmiges Geschiebe bildenden mit Quarzit
durchschossenen Eisenschiefer, wie wir es an den Quarzitfelsen auf
Klip-Port beobachtet. Auch weit$
er zu thun, nicht verliehen gewesen sei,
dass aber Jesus sie gehabt habe." Die Aissauin sind sehr zahlreich, und
nicht nur in Marokko zu finden, sondern in der ganzen mohammedanischen
Manchmal sind die Kunststcke, welche ihre wunderthtige Heiligkeit darthun
sollen, sehr einfacher Art, z. B. dass sie einen Scorpion in die Hand
nehmen, Schlangen auf dem Krper herumkriechen lassen; manchmal aber erregt
es Entsetzen, wenn man sieht, wie diese Leute Schlangen lebendig verzehren,
zerhackte Ngel, gestossenes Glas, scharfkantige Steine ud glhende Kohlen
hinunterschlucken, wie sie unter Anrufung von "Gott und Jesus" ihren Krper
wund schlagen, dass er blutrnstig wird (hnlich wie die Flagellanten der
Christen etc.), und ausserdem nicht nur gegen ihren _eigenen_ Krper
Verbrechen begehen, sondern oft _ffentlich_ und _ungestraft_
gegen die Sittlichkeit mit anderen Menschen und Thieren sich versndigen,
dass dergleichen in anderen Lndern als Wahnsinn bezeichnet, oder wollte
man es berichten, als erlogen betrachte$
-Abd-er-Rhaman,
jetziger Sultan und derselbe, dem zu Lebzeiten seines Vaters eine so
empfindliche Niederlage durch den Marschall Bugeaud bei Isly[84]
beigebracht wurde, war im Feldzuge gegen die Spanier nicht glcklicher
gewesen. Indess hatte er so viel Einsehen bekommen, dass er begriff, mit
seinen regellosen Schaaren nicht gegen europische Streitkrfte kmpfen zu
      [Funote 84: Am 14. August 1844. Der jetzige Sultan entkam seiner
       Gefangennahme nur dadurch, dass er beim Eindringen der Franzosen in
       sein Zelt dieses mit dem Sbel schlitzte, und aufs Pferd sich
       schwingend, von diesem aus dem Bereich der Feinde getragen wurde.]
Er glaubte nun ein regelmssges stehendes Heer zu haben, wenn er Leute auf
europische Art uniformiren liess, und so sah man hier Uniformstcke
smmtlicher Nationen, gemeinsam ist allen nur der rothe Fes und die gelben
Pantoffeln; auch hatte man angefangen, kurze bis an die Knie gehende Hosen
einzufhren, da es den Berbern und Arabern unmglich schien, lange Hos$
usend Stricken
gefesselter als ich?
       *       *       *       *       *
Dieses Verwerfen in Bausch und Bogen, dessen wir uns so oft schuldig
machen, ist schrecklich. So wenn einer von Rousseaus Bekenntnissen sagt:
das verlogene Zeug. Ja ja, verlogen vielleicht hier und dort und am
dritten Ort -- aber auch am vierten und fnften? -- Und wir selbst, die
wir so sprechen, sind es also an keinem? Nirgends verlogen, nirgends
angreifbar, nirgends verwerflich?
       *       *       *       *       *
Es knnen nur einigermaen gleiche Naturen in ihrem ganzen Umfang einander
erklren und abschtzen. Heut aber will jedermann interpretieren, wenn er
nur schreiben gelernt hat.
       *       *       *       *       *
Man soll ber einen wahrhaft groen Menschen nicht reden. Denn worberman
bei ihm reden kann, darauf kommt es nicht an. Es kommt allein darauf an,
wie er dir innerhalb und in deinen tiefsten Stunden erscheint. Von diesen
unionibus mysticis aber kann man nur -- schweigen oder doch nur in
Momenten groer $
gentzt als die spartanische Phalanx! Und indem er dem Bedrfnis
nachgab, sich herauszustreichen und Rache zu ben, zhlte er alles
auf, was er fr die Sache der Sldner getan hatte. Ich war's, der in
den Grten des Suffeten den Gallier antrieb! Dann, in Sikka, habe ich
sie mit der Furcht vor der Republik toll gemacht! Gisgo leuchtete
ihnen heim,--ich lie die Dolmetscher gar nicht zu Worte kommen! Ha,
wie ihnen die Zungen aus dem Halse hingen! Entsinnst du dich noch? Ich
habe dich nach Karthago hineingebracht! Ich habe den Zaimph geraubt!
Ich habe dich zu _ihr_ gefhrt. Und ich werde noch mehr tun! Du sollst
Er brach in ein tolles Gelchter aus.
Matho blickte ihn mit groen Auge an. Er empfand Grauen vor diesem
Manne, der so feig und dabei so schrecklich war.
Der Grieche schnippte mit den Fingern und fuhr in heiterem Tone fort:
Evoe! Auf Regen folgt Sonnenschein! Ich hab in den Steinbrchen
Fronarbeit getan und unter goldnem Sonnendache auf einem Schiffe, das
mein war, Massiker geschlrft wie ein Ptolem$
von ihnen zu
lernen. Die Weltordnung beunruhigte ihn nicht minder als das Wesen der
Gtter. Er hatte mit den Astrolabien im Portikus zu Alexandria die
quinoktien beobachtet und hatte die Bematisten des Euergetes, die den
Himmel durch Schrittzhlungen ausmaen, bis nach Kyrene begleitet. Und
so war in seiner Gedankenwelt eine besondere Religion erstanden, ohne
feste Formeln, aber gerade deshalb voller Glut und Mystik. Den
Glauben, da die Erde wie ein Pinienapfel gestaltet sei, hatte er
abgetan. Er hielt sie fr rund, fr eine Scheibe, die ewig falle, in
die Unendlichkeit hinein, mit einer so fabelhaften Geschwindigkeit,
da man ihren Fall gar nicht gewahr wird.
Aus der Stellung der Sonne ber dem Monde schlo er auf die
Vorherrschaft des Sonnengottes, von dem die Sonne selbst nur
Widerschein und Sinnbild war. berdies zwang ihn alles, was er von
irdischen Dingen beobachtete, zu der Erkenntnis, da das vernichtende
mnnliche Prinzip das hhere sei. Auch zieh er die Mondgttin
insgeheim der Schuld am Unglcke$
erhoben sich Trme, von den Karthagern
erbaut, um die Stmme zu berwachen. Die beiden traten ein, um ein
wenig im Schatten zu rasten, und setzten dann ihren Weg fort.
Am Tage vorher hatten sie aus Vorsicht einen weiten Umweg gemacht. Nun
-ber begegneten sie niemandem. Die Gegend war unfruchtbar, und die
Barbaren hatten sie darum nicht durchstreift.
Allmhlich aber wurden abermals Spuren von Verwstung bemerkbar.
Bisweilen lag mitten auf einem Felde eine Mosaik, der einzige berrest
eines verschwundenen Schlosses. Auch kam man an entbltterten lbumen
vorber, die von ferne aussahen wie groe kahle Dornbsche. Einmal
ritten die beiden durch eine Ortschaft, deren Huser bis auf den Grund
niedergebrannt waren. An den Mauern erblickte man menschliche
Skelette, auch solche von Dromedaren und Maultieren. Halbzernagtes Aas
versperrte die Straen.
Die Nacht sank herab. Der Himmel hing tief und war mit Wolken bedeckt.
Noch zwei volle Stunden ritten sie in westlicher Richtung bergan, dann
erblickten sie pltzlich vor$
her Bedeutung. Die Darstellung ist von klare
Sichtbarkeit und Farbigkeit, aber durchzittert von der mden,
melancholischen Seelenmusik Hermann Bangs, dem sie Tiefstes verdankt.
Die Adelsgeschlechter Keyserlings haben lngst nicht mehr die
naiv-sicheren Lebensformen ihrer Vter, der "starken Leute, die das
Leben und die Arbeit liebten, roh mit den Weibern und andchtig mit den
Frauen umgingen und einen angeerbten Glauben und angeerbte Grundstze
hatten", die um ihre einmal gewhlte Fahne die Hnde schlossen: "Nun
vorwrts in Gottes oder des Teufels Namen!" Ihr Leben ist in Wissen und
Handeln zerfallen; sie haben die Relativitt ihrer Lebensformen und
-gesetze durchschaut. Die alten Ideale sind zersetzt, neue noch nicht
geschaffen: "An meiner ganzen Generation ist etwas versumt worden ",
sagt von Egloff in den "Abendlichen Husern", "unsere Vter waren
kolossal gut, sie nahmen alles sehr ernst und andchtig. Es war wohl
dein Vater, der gern von dem heiligen Beruf sprach, die Gter seiner
Vter zu verwalten und$
r, Michael Georg Conrads
Mnchener Romane sind nichts als Stoff und Tendenz. Arthur Schnitzlers
Versuch zu einem Wiener Roman groen Stiles, "Der Weg ins Freie", ist
in der episch bedeutungslosen Umwelt des Literaten- und Judentums
zergangen. Ein Arbeiterroman gleich der Bedeutung von Zolas "Germinal"
ist uns nicht geworden. Die Welt der Arbeiter wird sich ber Angriff
und Verneinung, ber die zerbrckelte, materialistische Weltanschauung
des Marxismus erst zur eigenen Form durchringen mssen.
Aus der modernen Frauenbewegung hat sich ein besonderer Frauenroman
entwickelt. Als Mutter und Gattin ist das Weib der Urgrund der epischen
Welt, aber die neue Zeit reit zahllose Frauen aus dem Frieden der
Familie und stt sie in den Kampf des persnlichen Schicksals. Auch
hier sind zersetzte Lebensformen zu berwinden und zu erneuern.
Gabriele Reuters (geb. 1859) Romane, "Aus guter Familie" (1895), "Ellen
von der Weiden", "Das Trnenhaus" zeugen davon, ohne die berzeugung
stets in Darstellung, die Tendenz in reine $
 er neu zu beseelen,
verbrauchte Bilder auf ihren Ursinn zurckzufhren, Gleichnisse prezis
auszubauen. Durch Assonanz, Binnenreim und Hufung des Endreims wei er
der Sprache eine slawische Weichheit und Klangflle zu geben. Im
letzten Gedichtbuch, der "Neuen Gedichte zweiter Teil", gewinnt jedoch
das Artistische bedenklich Raum.
Die Neigung zur Mystik ist Gefahr und Flucht fr eine Zeit, die die
Form der Persnlichkeit wiedergewinnen, nicht aufgeben soll. Nicht
ichflchtig, sondern im tiefsten ichschtig mute der Lyriker werden,
der zur Form der neuen Lyrik: zur Form des neuen Menschen vordringen
wollte. Und wenn niemand durch die Zeit hindurch zu ihr drang, wenn
selbst Richard Dehmel, dem strksten Bildner, deren zersetzte Elemente
brckelnd in den Hnden blieben, so konnte nur der die reine Form der
Persnlichkeit, des neuen Menschen bilden, der es von Anfang an auer
der Zeit und gegen de Zeit unternahm. So ist die Persnlichkeit und
Dichtung Stefan Georges (geb. 1866) Form geworden.
Der Wille zur Fo$
it ihrem Mangel eigener Kraft des Schauens und
Bauens geht die Naivitt ursprnglichen Schpfertums verloren. In die
Vergangenheit zurcktaumelnd, greift sie deren absichtslos geformte
Symbole auf und verwendet sie in bewuter Reizsteigerung zu Mitteln
absichtsvoller, durch reflektive Kunst planmig gestalteter Wirkungen.
Was Nietzsche zuerst als das Dionysische, spter als das
Schauspielerische an Wagners Kunst empfand, war in Wahrheit ihr
Rauschhaftes, das ihn anfangs hinri, dann abstie. Aus der
instinktiven Abwehr gegen diesen Rauschtrank entsprang alle Opposition
gegen Wagner. Und doch war dieser Rausch der Wagnerschen Kunst nichts
von der lteren und gleichzeitigen Romantik grundstzlich
Verschiedenes, nur ihre uerste Steigerung. Ale romantische Kunst,
"Freischtz" nicht minder als "Tristan" ruht auf der Grundwirkung der
Hypnose, der Suggestion, auf der Idee des Traumes. Sie setzt die
Unwirklichkeit als Grundlage des Geschehens voraus, bedient sich aber
in der ueren Gestaltung mit nachdrcklicher $
, in der Oper Mozarts nicht nur die geniale
Musiker-, sondern gerade die geniale Knstlernatur zu erkennen. Nicht
nur in der Oper Mozarts, sondern in der Oper berhaupt die Idealgattung
des Phantasiespieles, das, frei von allen dogmatisch ethisierenden
Nebenabsichten, aus lebendigstem Widerschein buntester Lebensfarben und
Sinnesreize den ins Mrchenhafte berspiegelten Abglanz des Realen,
Bewuten, Gewollten gibt.
Es ist lehrreich, zu beobachten, wie sich andere Vlker mit diesem
Problem der Oper abgefunden haben. Der romantischen Rauschsuggestion,
der dramatisch zugespitzten Illusionsoper zunchst ebenso unterworfen
wie die Deutschen, haben Italiener und Franzosen die Gefahr einer
bewuten berbetonung der dramatischen Zweckhaftigkeit der Oper zu
vermeiden gewut. Bei beiden Nationen ist in der ueren Anlage,
namentlich des Textes, ein auffallend realistisch naturalistischer Zug
bemerkbar. Er beeinflut auch die Art der musikalischen
Gefhlseinstellung und normalen Faktur. Bizets "Carmen" ist das Muster
d$
uffassung verhllt hatte. Nur so
ist es zu verstehen, da auf dem Boden des Marburger Kantianismus auch
eine neue theoretische Fassung des Sozialismus erwuchs, die besonders
von Eduard Bernstein (Revisionismus), von Paul Natorp, von Vorlnder
und in manchen Kreisen der "Sozialistischen Monatshefte" vertreten
wurde. An H. Cohen schlo sich Paul Natorp an, der in seinen Schriften
die neukantische Lehre zwar weit klarer und fr eine philosophische
Schulbildung eindeutiger und systematisierter vertrat als der Meister,
aber weder dessen Tiefe noch dessen Schwung nahekam. Als dritter
bedeutendster Vertreter der Schule ist Ernst Cassirerzu nennen, der in
seinen geschichtlichen und systematischen Werken der neukantischen
Lehre vielleicht den schrfsten, przisesten und gegenwrtig
wirksamsten Ausdruck gegeben hat.
Der Marburger Kantianismus weicht von dem historischen Kant in sehr
weitgehendem Mae ab. Vollstndig wird verworfen die Realsetzung eines
Dinges an sich. Cohen interpretiert Kant dahin, das Ding an sich se$
Ttigkeit entfaltet. Sie hat die Theologie stark
befruchtet (siehe Bousset und vor allem Rudolf Otto, dessen
ausgezeichnetes Werk ber "Das Heilige" von der Schule stark bestimmt
ist). Sie hat auf dem Boden der Philosophie, der Mathematik und der
exakten Naturwissenschaft eine sehr rege Ttigkeit entfaltet; sie ha
in Kronfeld einen Vertreter gefunden, der nach ihren Grundstzen die
Erkenntnislehre der Psychiatrie eingehend bearbeitet und gefrdert hat.
Vor allem aber hat ihr charaktervoller und geradsinniger Urheber L.
Nelson auf dem Boden der Rechts- und Sozialphilosophie achtungswerte
Werke hervorgebracht (siehe besonders "Die Rechtswissenschaft ohne
Recht"). In beraus scharfsinniger, freilich allzusehr im Formalismus
Kants steckenbleibender Art und Weise wird hier mit Reinheit und Mut
die Majestt des Rechtsgedankens auf Grund evidenter Vernunfteinsichten
gegen alle Verdunkelungen durch Rechtspositivismus und der in der
Jurisprudenz stark herkmmlichen Machtlehre vertreten. Auch das groe
Werk Nelsons "Vo$
w.) umfat, sondern auch materiale
Ontologien entwickelt. Die Sphre des apriorischen Wissens ist also in
der Phnomenologie unvergleichlich reicher als im formalen Apriorismus
Kants. Auch darin unterscheidet sich die Phnomenologie von Kants
Lehre, da sie das proton pseudos Kants verwirft, es msse alles, was
an Gegebenem n i c h t sensuell sei, erst durch eine hypothetisch
angenommene, synthetische konstruierende Ttigkeit des Verstandes oder
des Anschauens in den Erfahrungsgegenstand hineingekommen sein. Sie
sucht das "Gegebene" berall mglichst s c h l i c h t, v o r u r t e i
l s l o s und r e i n in mglichst dichte Anschauungsnhe zu bringen,
um es dann durch phnomenologische Reduktion in sein W e s e n zu
erheben. Das Apriori hat hier also keinen f u n k t i o n e l l e n
S i n n  mehr. (Freilich schwankt Husser in seiner letzten Schrift
"Ideen zu einer phnomenologischen Philosophie" wieder ber diesen
fundamentalen Punkt.) Das Apriori ist, wie auch eine seiner Unterarten
die kategorialen Formen, $
ingefhls und der Einsicht. Hier mndet die
Aufgabe des Rohstoffschutzes unmittelbar in ethische und soziale
Voraussetzungen. Die zweckmige Rohstoffverwendung in der privaten
Unternehmung ist gleichzeitig eine Frage der Betriebsgre, der
Betriebsorganisation und der Produktionsweise. Die objektiv strkste
Mglichkeit wirtschaftlicher Produktion hat der kombinierte
Grobetrieb, der sich in der Produktion einstellt auf normalisierte und
typisierte Erzeugnisse. Wieviel nach dieser Richtung in Deutschland
noch fehlt, beweisen die Klagen fhrender Industrieller und znftiger
Rohstoffkonomie ist also Haushalten mit den Unterlagen unseres
Daseins. Neben der Verfgung unserer Sachg,ter ist die wichtigste
dieser Unterlagen die l e b e n d i g e   A r b e i t s k r a f t. Das
volkswirtschaftliche Ziel hat Rathenau in Anbetracht unserer Lage
einmal dahin zusammengefat: "Es ist ntig, ...den Wirkungsgrad
menschlicher Arbeit so zu steigern, da eine verdoppelte Produktion die
Belastung zu tragen vermag und dennoch i$
sollte mit dem ruhigen
Blicke der Ewigkeit in das Gewhl und in den Wirrwarr des zeitlichen Lebens
hineinschauen, allein Katholiken sind auch Menschen, haben auch ihre
Schwachheiten und Fehler und je inniger Einer von der Wahrheit seines
Glaubens berzeugt ist, desto leichter steht er in Gefahr, dem Gegner
gegenber ungerecht und leidenschaftlich zu werden und diesem dadurch
Waffen gegen sich in die Hnde zu liefern.
Man darf nur in manche katholische Tagesbltter hinein sehen, um die
Ueberzeugung zu gewinnen, der gerechte Ingrimm gegen die Revolution sei zum
ungerechten Ingrimm gegen das democratische Prinzip, welches innerhalb der
Kirche Anerkennung und Berechtigung doch auch gefunden und der gerechte
Zorn gegen die Partheisucht der sogenannten Juden- und Heidenpresse zur
ungerechten Verkennung der Berechtigung des protestantischen Prinzips der
Subjectivitt und der groartigen Verdienste der protestantischen
Wissenschaft und Kunstfortgeschritten.
Wer ein Buch im katholischen Geiste schreibt, darf ziemlich$
 welche ein Wirth zu begehen vermag, ohne mit dem Amte und
leeren Gastzimmern zu thun zu bekommen und jene machen jhrlich oft mehr
aus, als ein halbes Zuchthaus voll Spitzbuben in zehn Jahren stiehlt.
Allein sie zwang ja durchaus Niemanden bei ihr einzukehren, der keine
besondere Geschfte mit ihr hatte, zahlte geringen Lohn, damit die Knechte
und Mgde nicht bermthig wrden und forderte bei schmaler Kost schwere
Arbeit, damit die Anfechtungen des Teufels dieselben nicht leicht
bermannten.
Bet' und arbeite! hie ihr Wahlspruch und wenn ein Bettler damit nicht
zufrieden war, mute ihn der Nero oder Sultan zum Hause hinusbellen, damit
er lerne, sich fleiig zu rhren. Niemals hat man ein Beispiel erlebt, da
sie einem Zinsmanne die Frist verlngerte oder einem bedrngten
Familienvater mit einem Kapitlchen aus der Noth half, dagegen zahlte sie
ihre Schulden sehr ungerne, um die Glubiger in der christlichen Geduld zu
ben und lie Jeden in der Noth stecken, damit die Bedrngten ihr Vertrauen
mehr auf Gott a$
rn herablassen, doch die
Sache geht nicht gut, ich mu mich am Schieferdeckershaken halten, bleibe
dort hngen, werde bemerkt, mit groen zusammengebundenen Leitern
herabgeholt, komme in ein schwereres Gefngni, werde krank und bald wieder
in ein besseres Zimmer gesetzt.
Ich wrde lgen, wenn ich ber meine Behandlung whrend der Untersuchung
klagte; der Amtmann war kein Tyrann, sondern ein humaner, gerechter und
sehr gescheidter Herr, der den Kerkermeistern scharf auf "die Klauen sah,
damit sie dieselben nicht allzuweit gegen die Gefangenen herausstreckten.
Dagegen lautete mein Urtheil schlimm genug, zumal das unglckselige Buch
nicht mehr aufgetrieben wurde und mein guter Bekannter nichts mehr davon
Sieben volle Jahre hatte ich das vorigemal gemacht, ich sollte dieselben
wieder machen und zwei neue dazu, folglich neun geschlagene Jahre.
Ihr knnt Euch denken, wie mir zu Muthe war bei Verlesung des Urtheils,
doch mein Reden half wenig, ich dachte auf dem Wege ins Zuchthaus immer an
den frommen Gottesmann Be$
tte dieser den Schweinhirtendienst aufgeben knnen und wurde
arg von den Leuten im Adler geplagt, sich bei ihnen zu verdingen und der
Basche selbst redet ihm scheinbar ernstlich zu doch der Benedict meint:
"Bah, bah, 's ist nichts; ein Wirthshaus, das wre gerade der Platz fr
mich, um bald wieder in den alten Werktagshosen zu stecken!"--"Gelt, Du
traust gewi der Magd des Adlerwirths nicht?" lacht der Basche--"Nein,
nein, ich traue mir nicht!" erwiederte der Benedict und gar wohlgefllig
streicht der Alte den halbrothen Schnurrbart.
Schon seit jenem Tage, an welchem der Duckmuser bei der ersten der beiden
Hochzeiten, welche seit Oktober im Adler gehalten wurden, lief sich der
blinde Michel fast die Fe aus dem Leib, weil er Klarinettblasen lernen
wollte, der Vater desselben kam auch oft, bat instndig und machte groe
Versprechungen, doch Alles ntzt nichts, denn der leiblich blinde Michel
hat einen geistig blinden Vater und das Haus desselben ist gerade
dasjenige, in welchem sich die Rothschwittler des Rh$
 ohnehin aufgeregte und reizbare Gemthsverfassung dadurch
gesteigert wird.
Will man doch einmal Snder gegen das Eigenthum oder gegen Leib und Leben
Anderer den Thieren gleich stellen, so stelle man sie eher in die Reihe der
Hausthiere anstatt in die der Raubthiere und fhre die _Prgelstrafe_
wiederum ein.
Die Prgeltrafe ist unstreitig die wohlfeilste, wirksamste und fr gewisse
Klassen von Menschen wohl auch die angemessenste und gerechteste aller
Strafen. Von dem Grundsatze ausgehend, da nicht sowohl der Mensch im
Menschen als das Thier in demselben gezchtiget werde, sollte man fr drei
Flle von Vergehen Stockprgel auch auerhalb der Gefngnisse bereit haben.
Erstens fr hndelschtige, rohe Bursche, weiche besonders in weinreichen
Gegenden, bei Tanzgelegenheiten und anderswo Hndel und Schlgereien
stiften. Zweitens verdienen sittenlose Mannsleute und freche Weibspersonen,
die am lichten Tage oder im Zwielicht hndische Schaamlosigkeit beweisen,
den Hunden gleich gezchtiget zu werden ohne Rcksicht$
[8]."
Ist es nicht, als ob dieser Passus heute geschrieben sei? Auch heute, wo
der Luxus noch die grte Macht ist, ist es demselben nicht gelungen,
Marokko der Civilisation zu ffnen, vielleicht aber auch, weil eben der
rechte Luxusartikel, der gerade den Bewohnern genehm wre, noch nicht
gefunden worden ist.
Der vor ohngefhr tausend Jahren den Berbern aufgedrungene Islam hat
wenig, oder fast kann man sagen, gar keine Vernderungen in den
Anschauungen und in der Lebensweise der Berber hervorgebracht. Die Lehre
Mohammeds, _nur_ in der arabischen Sprache gelehrt, ist fr diese
Vlker, von denen nur ausnahmsweise ein Individuum der Koransprache
mchtig ist, ein todter Buchstabe geblieben; sogar die ueren
Vorschriften und Gebruche, die der Prophet seinen Anhngern
vorgeschrieben hat, sind fr Berber nicht vorhanden.
Nur Eins hat der Islam auch zur Folge gehabt, was ja berhaupt allen
hierarchischen Religionen nur eigen ist und ohne das sie nicht wrden
existiren knnen: das Verdammen einer jeden anderen Rel$
ch voraussagen, da Alexandrien wieder werden wird, was es war, ein
Emporium fr den Welthandel, die bedeutendste Handelsstadt des
Mittelmeeres.
[ootnote 42: Wenn ich "arabisch" sage, so ist damit die eingeborne
Bevlkerung von Aegypten gemeint, welche aber keineswegs arabisch ist.
Ich folge in dieser Bezeichnung nur einen angenommenen Gebrauche.]
[Footnote 43: Sauha ist Kloster, Hochschule und Asyl; letzteres hat aber
in Aegypten heute keine Bedeutung mehr.]
[Footnote 44: Medressa ist Schule.]
[Footnote 45: Die Eingeborenen und auch fremde Araber und Berber
behaupten, da das Nilwasser das seste und beste Wasser der Welt sei
und sagen wie die Rmer von ihrer Fontana Trevi, wer einmal aus dem Nil
getrunken habe, den zge es immer wieder nach Aegypten hin.]
[Footnote 46: Siehe Tafel 5, Zeitschrift fr Erdkunde 1872. Kiepert, Zur
Topographie des alten Alexandrien.]
[Footnote 47: Der Zahl nach kommen zuerst Griechen, dann Italiener, dann
Englnder (Maltheser), dann Franzosen, endlich Deutsche; die brigen
Nat$
schen Sultan, erbaut, damit im
Falle einer Belagerung die Citadelle nicht des Wassers ermangele.
Mittest zweier Schpfrder (=Norias oder Sakias=) wird das Wasser
an die Oberflche gehoben. Der Anblick von der Plattform der Citadelle
auf die groe Stadt zu ihren Fen, auf Bulak, Rodha und den gewaltigen
Nil, auf die Pyramiden und im Hintergrunde die mit dem Himmel
verschwimmende Sahara gehrt zu dem Groartigsten, was man sich denken
kann; die khnste Phantasie findet hier ihre Befriedigung. Und wenn man
das Glck hat, bei der Betrachtung dieses Bildes die ber dem
Mokattam-Gebirge heraufsteigende Sonne als Frhbeleuchtung zu haben, so
spottet das Ganze jeder Beschreibung, und selbst der eingebildetste
Pedant, der nrgelndste Philister wird von der Groartigkeit dieses
Panoramas berwltigt werden.
Von den brigen Moscheen nennen wir zuerst die des Amru, die lteste,
ungefhr um 640 errichtete, aber von ihrer ehemaligen Pracht ist wenig
mehr brig. Bei allen mohammedanischen Gotteshusern, wie auch bei ihren$
Frau,
von einem kleinen Mdchen und einem halberwachsenen Knaben begleitet,
stand vor mir, und nun mute ich Rede und Antwort stehen, whrend meine
Augen ngstlich an meinem fleckigen Lodenrock und den schmutzigen
Stiefeln hingen. Kurz vor dem Haus ri ich mich unter dem Vorwand, die
Blumen ins Wasser stellen zu wollen, los, und erschien, noch glhend vor
Erregung, nach zehn Minuten im weien Musselinkleid wieder, das mir die
alte Kathrin mit einem Kind, Kind, was wird die Tante sagen -- das war
ja die Prinzessin Friedrich! hastig bergeworfen hatte. Aber es kam
nicht einmal zu einem strafenden Blick, denn die Prinzessin nahm mich in
die Arme und erzhlte lachend, wie sie eben schon meine Bekanntschaft
gemacht habe. Ihre Worte berstrzten sich wie ein Wasserfall und wurden
von ebenso hastigen und burschikosen Gebrden begleitet. Eine komische
Prinzessin, dachte ich mir im stillen und sah mit gesteigertem
Erstaunen zu ihrn Kindern herber, die sich grade nach allen Regeln der
Kunst zu prgeln begannen und$
uste mich,
    Ich mchte jauchzen und schluchzend klagen,
    Zu deinen Fen, ach, strbe ich!
    Ich mchte entfliehen und dich vergessen,
    Den Lippen fluchen, die ich dir bot.
    Ich chte noch einmal ans Herz dich pressen,
    Und dann umarmen den Brut'gam Tod.
       *       *       *       *       *
In artigen Reimen mit wohlerzogenen Gefhlen stellte ich zu gleicher
Zeit meine arme Muse zu allen Festtagen in den Dienst der Familie und
nahm fr mein hbsches Talent die allgemeine Anerkennung entgegen. Nur
eine erfuhr zuweilen von den Geheimnissen meines Schreibtisches:
Mathilde, das blasse Kusinchen, die allsonntglich zu mir kam, und zu
der ich lief, wenn das Herz mir gar zu voll war. Sie war, als ich sie
kennen lernte, noch ein Kind ihrem Alter, ihrer geistigen und
krperlichen Entwicklung nach, und ich htte sie nicht beachtet, wenn
sie mir nicht in einem Moment begegnet wre, wo ich einen Menschen
brauchte, wie der schmelzende Schnee auf den Bergen ein Bett, in das er
sich ergieen kann. Ic$
he, meine Eltern zu bewegen, mich
veprreisen zu lassen. Die gesellschaftlichen Pflichten waren fr diesen
Winter erledigt, meine Gesundheit bot stets willkommenen Vorwand zu
frhen Landaufenthalten; es bedurfte nur einer Ansage, und ich konnte
schon in den nchsten Tagen in Pirgallen eintreffen. Unter dem Schutz
einer Bekannten, deren Anwesenheit mich zur Selbstbeherrschung zwang,
fuhr ich nach Berlin, wo Onkel Walter, der zum Reichstag dort war, mich
in Empfang nahm.
Na, du machst ja nette Streiche, war sein erstes Wort. Peinlich
berrascht sah ich auf. Wir hatten dich eigentlich ein paar Wochen hier
behalten wollen, fuhr er fort, aber deine Affre ist so sehr in aller
Munde, da es besser ist, wir lassen Gras darber wachsen, ehe du dich
zeigst. Seine Frau bentzte die Gelegenheit, um ber meine miglckten
Plne, meinen bestraften Ehrgeiz kleine bissige Bemerkungen zu
machen, so da ich erleichtert aufatmete, als ich im Zuge nach
Knigsberg sa.
Mit einer Zrtlichkeit, die mir noch inniger schie$
ktakeln. Auch um
den Lohn ists uns nicht so sehr zu tun, nur krzere Schicht mssen wir
haben und anstndige Behandlung.' Und solche Leute werden wie Aufrhrer
mit Pulver und Blei bedroht!
Ich glaube, die Herren sehen die Dinge zu sehr durch die Brille der
Tradition, mischte sich Frst Limburg ins Gesprch. Alte Bestimmungen
und altes Recht entsprechen doch kaum mehr der ganz vernderten
Betriebsweise. Und das wissen die einsichtsvolleren unter den Knappen
sicher ganz genau. Mir scheint daher, da die eigentliche Triebkraft der
ganzeI Bewegung nicht in der Sehnsucht nach der 'guten alten Zeit' zu
suchen ist.
Und worin sonst, wenn ich fragen darf? warf der alte Bodenberg, der so
sehr das Orakel der Gegend war, da er Widerspruch selten erfuhr,
gereizt ein.
In demselben Gegensatz, der auch die Sozialdemokratie gro zieht: dem
zwischen den ungeheueren Reichtmern auf der Seite der Unternehmer und
der Besitzlosigkeit, um nicht zu sagen der Armut, auf der Seite der
Arbeiter --
Armut! Darin steht man wied$
ie ein Galgen
ragten in der Ferne die Glockensthle in die Luft, und die
Sonnenstrahlen scheuten sich vor der Berhrung dieser de ...
Langsam, schweren Herzens, wandte ich mich wieder dem Schlosse zu. Die
Hausbewohner waren zur Sonntagsandacht in der Halle versammelt. Auf
hohem Stuhl sa der Hausherr und las aus der alten Bibel: Kommet her zu
mir alle, die ihr mhselig und beladen seid ...
Und die Vertreter christlicher Ordnung schossen auf die Mhseligen und
Beladenen! dachte ich bitter.
Es lt mir keine Ruhe, sagte der alte Bodenberg, nachdem der letzte
Ton auf dem Harmonium verklungen war und die Dienerschaft sich entfernt
hatte. Kommen Sie, Limbug, wir gehen ein Stck Weges zur Zeche
hinunter --
Entsetzt schrie Anna auf: Das darfst du mir nicht antun, Fritz! Aber
begtigend legte die alte Baronin ihre feine Greisenhand auf den Arm der
Erregten: Frchten Sie nichts, kleine Frau, -- die Leute hier krmmen
unseren Mnnern kein Hrchen. Wir blieben trotzdem in kaum zu
bemeisternder Unruhe zurck. $
 meine Augen.
Da kam eines Tages ein Telegramm aus Pirgallen: Mama im Sterben.
Walter. Mir lhmte der Schreck die Glieder; stumpfsinnig sah ich zu,
wie meine Mutter in Trnen ausbrach. Ich kannte den Tod ja nur vom
Hrensagen; noch war mir niemand von denen gestorben, die mir die
liebsten waren. Erst als ich sah, wie meine Mutter hastig den Koffer
packte, kam ich zu mir.
Ich komme mit, sagte ich rasch und ri ein paar Sachen aus dem Schrank
und aus der Kommode. Du?! Mama sah erstaunt von ihrer Arbeit auf.
Davon kann selbstverstndlich keine Rede sein. Entweder wir reisen alle
-- und das ist zu kostspielig --, oder du mut bei Haus und Ilse
bleiben. Die Kleine kann nicht allein sein. Ich zitterte vor Aufregung:
Pltzlich ward mir klar, da der einzige Mensch, der mich verstand, der
mich liebte -- mich selbst, so wie ich wirklich war --, mit dem Tode
rang; da ich ihn verlieren sollte, ohne da ich ihn je ganz besa, ohne
in das kostbare offene Gef seines groen Herzens all mein Leid, all
meine Zweif$
en, nakalten Dezembertag war es. Das Reicshaus sollte
eingeweiht werden. Am Brandenburger Tor stand ich, Eindrcke zu sammeln
fr das, was ich schreiben wollte. Man lachte -- schwatzte -- hhnte
rings um mich her: vom Gipfel der Geschmacklosigkeit sprach der Eine,
-- so hatte S. M. jngst in Italien den Bau Wallots bezeichnet --, von
der leeren Tafel ber den Toren erzhlte der andere, die auf die
Inschrift Dem deutschen Volke vermutlich vergebens warten wrde; --
den Junkern und Pfaffen, -- wirds statt dessen heien, fgte bissig
ein Dritter hinzu. Wenn man die Umsturzvorlage det janze Dings nich
umstrzen wird, zischelte es dicht neben mir. Der stramme
Polizeileutnant, der hier Wache hielt, wandte stirnrunzelnd den Kopf. In
offenem Wagen fuhren die Abgeordneten vorber: Zivilisten mit glnzenden
Zylindern auf dem Kopf und bunten Bndchen im Knopfloch, auf den Zgen
den Ausdruck ernsthafter Wichtigkeit, Geistliche in der schwarzen
Soutane mit runden glnzenden Gesichtern; Reserveoffiziere, denen de$
weitere besprechen wir unterwegs.
In sausender Fahrt ging es bergab. Die Peitsche des Kutschers pfiff ber
die schweitriefenden Pferde. Wir muten den Schnellzug erreichen.
Unterwegs bekam ich einen Herzkrampf. Als ich wieder zu mir kam,
ratterte der Wagen ber das Pflaster Trients, und Heinrichs
angstentstelltes Gesicht beugte sich ber mich. Wirst du weiter
knnen? Ich nickte. Man hob mich in den Zug. Ich erholte mich soweit,
um ruhig denken zu knnen. Dicht bei Brixen lag unter groen Nubumen
ein kleines Dorf, Vahrn genannt; dort wollte ich bleiben, bis --. Bis
alles gut ist, mein armer Liebling, flsterte er; wenn ich nur sicher
wre, da du deiner Angst, deiner Aufregung Herr wirst, -- fr mich ist
der Kampf ein Kinderspiel -- Der Triumph des Sieges blitzte schon aus
seinen Augen. In Brixen blieben uns noch ein paar Stunden bis zum
Abschied. Auf der Post fand sich ein Brief an mich von der Mutter mit
einer Beilage in verstellter Schrift: Diesen anonymen Wisch bekam ich
soeben. Ich habe ihn, G$
cht einmal! Trnen verdunkelten mir den
Blick. Wollen wir umkehren? frug mein Begleiter sanft und zog meinen
Arm fest durch den seinen. Nein, entgegnete ich und versuchte zu
lcheln; sie kann ja nichts dafr, die Kleine! Sie darf mich nicht
Unten vor dem Wirtshaus standen die Rder. Wir wollten gerade links
einbiegen, den Weg nach Paulsborn, der fr uns so reich war an
Erinnerungen, als Ilse, nach einem Augenblick des Zgerns, quer ber die
Strae zu uns herberlief. Sie umarmte mich strmisch.
Sei nicht bse, Schwester, rief sie atemlos und zog mich tiefer in den
Wald hinein. Sie wrden mich zu Hause verraten, wenn ich dich gegrt
htte. Zrtlich streichelte ich ihr das erhitzte Gesicht und drckte
ihr kleines Hndchen, das immer noch so weich und zart war, so unfhig
zuzupacken und festzuhalten.
Die Eltern wollen nichts von mir wissen? fragte ich zaghaft.
Wir reden viel von dir, Mama und ich, antwortete sie, aber vor Papa
drfen wir deinen Namen nicht nennen. Trotzdem wei ich, da er sich
$
da ihr Sozialisten euch, scheint es, erst belehren
lassen werdet, wenn ihr die Macht im Staate habt! Das ist, -- verzeihen
Sie, liebe Freundin! -- der unglckselige feministisch-sentimentale
Einschlag in der Sozialdemokratie, der sie fr die notwendigen, groen,
-- wenn Sie wollen -- grausamen Forderungen der Kultur blind und taub
macht. Der Kampf um die Macht ist die Bedingung unserer Entwicklung.
Die Frage, die uns die Weltgeschichte stellt, ist einfach die: soll uns
die Erde gehren oder den Negern und den Chinesen? Die Antwort scheint
mir nicht zweifelhaft.
Ich sah emprt zu ihm auf: So sind Sie fr das Chinaabenteuer mit all
seinem Gefolge von Hunnentum und fr die Kolonialkriege mit all ihrer
Unmenschlichkeit?! Das heit doch nicht, Forderungen der Kultur
erfllen, sondern die Kultur preisgeben, die wir haben!
Ich bin fr die Erschlieung Chinas, die fr unseren Handel eine
Notwendigkeit ist; ich bin fr die Kolonialkriege, die den Boden
gewinnen fr unsere Volksvermehrung, aber daraus folgt doch $
Aber seine trnenumflorten Augen, die flehend
zu mir aufsahen, sein heies Hndchen, das krampfhaft meine Finger
umschlo, strafte seine Worte Lgen. Ich drngte Heinrich hinaus. Wo
nur die Berta blieb? Warum der Arzt nicht kam? -- Im Wohnzimmer schlug
die Uhr sieben.
Es ist die hchste Zeit, da du dich anziehst, Alix, rief Heinrich.
Wir hatten uns mit unseren Freunden fr den Achtuhrzug verabredet. Ich
wechselte rasch die Kompresse auf der brennenden Stirn meines Kindes und
ging ins Schlafzimmer.
Selbstverstndlich bleibe ich hier, sagte ich, die Stimme dmpfend.
Das wre noch schner! antwortete er heftig. Wegen eines Schnupfens,
den der Junge im schlimmsten Fall kriegen wird, willst du in diesem
Augenblick mich und die Sache im Stiche lassen!
Ich fhlte, wie das Blut mir siedendhei in das Antlitz scho: So
sprich doch wenigstens leise --
Aber Heinrich wollte nicht hren: Du weit, was auf dem Spiele steht,
-- du kommst mit, scFrie er mich an, und seine Hand umkrallte meinen
Und wenn die ganz$
da Sie jene Vornehmheit preisgeben,
deren Aufrechterhaltung durch alle Fhrnisse proletarischer Versuchung
mir bisher so bewundernswert erschien. Den ganzen giftigen Zorn der
Renegaten schtten Sie ber Ihre eigenen Klassengenossen, die Junker,
ber Ihren Geschmack streite ich nicht mit Ihnen, antwortete ich, er
fhrt uns, frchte ich, weit voneinander. Aber mir die Preisgabe der
Vornehmheit vorzuwerfen, dazu haben Sie kein Recht. Gerade weil ich
Aristokratin war und blieb, wei ich zu scheiden zwischen dem Adligen
und dem Junker. Die Hutten und Berlichingen, die Mirabeau und LafayetQte,
die Struve und Krapotkin, -- das waren Aristokraten, das heit freie
Herren, keine Frstenknechte, keine Sklaven des Herkommens. Ich bin
stolz, zu ihnen zu gehren und werde, wie sie, bis zum letzten Atemzug
gegen die Junker, das heit die Dienstmannen, kmpfen.
Im Abgeordnetenhause erklrte Graf Roon: Wenn jemals die Regierung
daran denken sollte, uns in Preuen die geheime Wahl zuzumuten, so
wrden wir zur schrfsten $
lse ohne einen Augenblick des berlegens dem Vorschlag
Heinrichs entsprechend handeln lie? Wie kam es nur, da in dem
Augenblick, wo sie sich nicht nur im Denken, sondern auch im Handeln mit
mir vereinte, ein kalter Reif auf die kaum wieder entfaltete Blume
meiner Schwesterliebe fiel? Irgendeine Fessel, die die freie Bewegung
meiner Glieder hemmte, wurde schmerzhaft angezogen.
Eine Unrast der Arbeit packte mich, die mich jede ruhige Stunde als
Unterlassungssnde empfanden lie. Selbst in den Augenblicken, wo die
Sache, der ich diente, mich ganz zu packen schien, fiel mir ein, da ich
arbeiten mute, um das Geld meiner Schwester nicht zu verlieren. Da die
Arbeitsgemeinschaft mit meinem Mann unsere Liebe zueinander festigen
sollte, -- daran dachte ich kaum mehr. Kam mir in heien Nchten nach
gehetzten Tagen die Erinnerung daran, so grauste mich's. Ich sa meinem
Mann gegenber, tagaus, tagein, ber Manuskripte und Korrekturen
gebeugt. Ich hatte keine Gedanken mehr, mich fr den Geliebten zu
schmcken, keine$
hm hatte ich hier
keinen Freund mehr. Die Anklage wurde verlesen. Es war die Sprache des
Vorwrts, den sie fhrte. Das hat Berlin diktiert! rief Heinrich.
Die Falten auf der Stirn unserer Richter vertieften sich.
Mein Mann antwortete zuerst. Er erinnerte daran, wie hufig schon
hervorragende Parteigenossen sich mit politischen Gegnern zu gemeinsamer
Arbeit vereinigt htten, wie es auch an Beispielen fr das harmlosere
Zusammensein zu geselligen Zwecken nicht gefehlt habe. Und als einer
wtend dazwischen schrie: Die Monarchentoaste! erklrte er, da die
Teilnahme an dieser Form internationaler Hflichkeit um so weniger als
eine Verleugnung der republikanischen Gesinnung angesehen werden knne,
nachdem wir uns den viel ernsteren Treueiden der Landtagsabgeordneten
unterwerfen mten. Als er geendet hatte, hoben sich ein paar Hnde zu
schchternem Applaus; die Mehrzahl der Genossen aber verharrte weiter in
finsterem Schweigen. Die nach ihm sprachen, hatten ihre Reden alle auf
einen Ton gestimmt: da die Pa$
ainerischen heissen;--_kotz, ktz banyavirrach_ im
Magyarischen;--_ukkunkiwi_ im Finnischen.
_guixa, guija_ im Spanischen; chachamole ist ein zersetzter oder gehackter
_quarr_ nennt der englische Bergmann das feste Gestein, auch _carrak_, was
zusammenhngen wird mit careg im Wlschen und car im Glischen, der Stein;
diesem sehr hnlich ist: khar im Armenischen und kara in den kaukasischen
Sprachen: der Stein.
B. _Kiesel, Kieselstein_.
Quarzige und hnliche meist abgerundete Geschiebe und Stcke.
_ila_ im Sanscrit;--_kays_ im Ceylonesischen;--_kallou_ im
Malabarischen;--_taharari_ im Tartarisch-Mandschu;--_oksoviek_ im
Grnlndischen;--_tidno, laiwark_ im Lapplndischen;--_baledete, ebena_ im
Amharischen;--_ezehe_ im Aethiopischen.--_alx, hrudschub_ im
Koptischen;--_salto_ im Syrischen;--_kalah_ im Chaldischen;--_chalamisch_
im Hebrischen, auch _calluc, selah_;--_ciakyl-tasi_ im Arabischen (heisst
auch Feuerstein) und _sawwan_.
_tschakyl, tschakmach, taschy_ im Trkischen, auch _ajak, taschy, utsi,
bilegi_;$
 vor, heissen
Chlorophan (frher spathum lucens, spath phosphorique). Diese Eigenschaft
war schon dem Alterthume bekannt, und der pazon, topazion der Alten wird
ein solcher Chlorophan von der gyptischen Insel ophiodes gewesen seyn,
woher unser Name Topas stammt. Die Phosphorescenz Zdes Flussspathes
berhaupt, in der neuern Zeit wird von Beckmann 1676 entdeckt seyn, er
hiess daher auch phosphorus smaragdinus, hesperus, vesperugo.
Der krystallisirte und derbe (der ganze Felsmassen bildet) ist sehr
leichtflssig, wesshalb man ihn hufig beym Schmelzen des Eisens, Kupfers,
als Flussmittel (flux, fondant, erbue, castine im Franzsischen) zusetzt,
whrend man anderntheils hierzu auch Kalk, Thon--herbue--u.s.w. anwendet);
desshalb bezeichnet ihn der teutsche Bergmann als Flsse, woher er
lateinisch fluor, fluores genannt wurde; dieser Name ging in die
Mineralogie ber, und die Gattung fluores begriff, wie der basaltes, sehr
verschiedene Gesteine. Als Scheele 1771 den Flussspath zerlegte, und die
Flusssure zuerst d$
ker des Alterthums, welche die edle Bronce zu machen
und zu bereiten verstanden, wendeten allerdings diese hufig statt unsers
Stahls, an, was wir auch thun wrden, wenn wir jene Kunst verstnden.
_tie, tit, tschiae, tek, pati_ im Chinesischen, ting ist Roheisen;
ty-tie-tsiang ist der Schmidt;--_tizi_ auf den Linnkin- und den Japanischen
Inseln;--_lchagasa, schddjags_ (nach Klaproth) im Tibetanischen,
pho-lcha-gasa ist eine schlechtere Sorte.
_loha_ im Hindu und Bengalischen;--_loha_ im Sanscrit, meist aber _ghana,_
auch _ayas_ (d.i. Erz, wie in vielen Sprachen), ferner kapiloha, ajasa,
kalajasa, kalauha (Schwarzmetall), khadga, astra, atrisara, asmasara,
krischamischa, krischnajasch (schwarze Masse);--_parriar_ in Madras und
Manawanlu, in der Telinga-Sprache ist das Product, wie es durch Schmelzen
aus dem dortigen schwarzen Eisensande gewonnen wird, woraus man dann den
trefflichsten Stahl bereitet;--_than_ in der indischen Provinz Tenassarim.
_ganah_, auch _kani_ auf Kamtscatka und den Kurilen;--_kurre-gan$
ewhnlich aus Eisen bestehet. Kleine Ngel
heissen _Zwecken_. Die Fabrication geschiehet durch die Nagelschmiede.
_nagl_ im Islndischen;--_naegl_ im Angelschsischen;--_narghel_ im
Belgischen;--_nail_, auch _peg, pin_ im Englischen, forge a nails ist
Nagelschmidt.
_spik_, auch _negel_ im Schwedischen; skiksmide ist
Nagelschmiede;--_spiger_ im Norwegischen, spiegersmedning ist
Nagelschmiede.
_cwieczek, gwozdz_ im Polnischen;--_hreb_ im Czechischen, auch _cwok_
(woher wohl Zwe'ke); hrebar, cwokar ist Nagelschmidt;--_shrebel_ im
Windischen (Krain), shreblar ist Nagelschmidt.
_perone, gschde_ im Albanischen;--_tarrang, tarunn_ im Glischen;--_cethr_
im Wlschen ist langer Nagel;--_clo_ im Irischen;--_claw_ im
Bretonischen;--_clavus_ im Lateinischen, faber clavarius der
Nagelschmidt;--_clou_ im Franzsischen; clouterie ist Nadelschmiede,
cloutier der Nagelschmidt;--_chiavo_ im Italienischen;--_[Greek: gos,
gomphos]_ im Griechischen.
F. _Schmelzen_.
_smlta, amelta_ im Schwedischen; _smelter_ im Dnischen und
No$
, alcohol (von cohol im
Arabischen), alcofo8l, alciamat, alcafiel (welche letztere Namen auch das
Erz bedeuten).
_kochala_ im Chaldischen;--_surme_ im Persischen (was eigentlich die
Augensalbe aus Grauspiesglanzerz ist);--_surma_ im Russischen:--_surmik_ im
Czechischen, auch _sspikat, sspisglas_ (was eigentlich das Erz
ist);--_pisgoltz_ im Magyarischen.
_anthimon_ im Armenischen;--_antimunya_, auch _rasuch_ im Arabischen
(algaroth ist das weisse Spiesglanzoxyd);--_antimonium, antimonio_ in den
meisten neuern Sprachen;--_stimme_. Ein keltischer Name dafr scheint nicht
vorhanden, im Glschen bezeichnet man es wohl als lethmheinn d.i.
B. _Grauspiesglanzerz_.
Ein Schwefelantimon von grauer Farbe, meist in spiessigen Prismen
krystallisirt, findet sich in vielen Lndern, besonders in Persien. Im
ganzen Oriente dient es fein gepulvert seit ltester Zeit als Augensalbe,
daher der Name beider oft gleich ist.
_saubira, sauwira_ im Sanscrit, auch _parwateja, jamuna_ (vom
Jamunaflusse), _andschana, andischana, adschala$
nto_
im Italienischen;--_orpiment_ im Franzsischen und Englischen (orpin ist
die daraus bereitete Malerfarbe);--_operment_ im Dnischen, Hollndischen
und Schwedischen;--_orgiment_ im Altteutschen;--_smuntor_ im Maltesischen
(smura ist gelb).
_kamenka, siricnik sitanicity, operment_ im Czechischen;
_czerwony-zlotokost, operment_ im Polnischen;--_operment nastojaschtsch_
im Russischen;--_arany sarga_ im Magyarischen, auch _aranysz_
(Goldfarbe);--_missnicza, missy chemer_ im Croatischen;--_slatosviet lassta
lepoja_ im Windischen.
I. _Arseniksalbe_.
Seit ltester Zeit wird im Oriente eine Salbe, besonders in den
Schwitzbdern angewendet, um die Haare an gewissen Stellen des Krpers,
vorzugsweise bey Frauenzimmern fortzuschaffen. Sie bestehet meist aus 2
Thl. Operment, 8 Thl. tzendem Kalk, 1 Thl. Walkerde, Spickhl u.s.w. und
nach kurzem Auflegen werden die Haare mit der Wurzel ausgehoben, wachsen
nicht wieder.
_tensue_ im Chinesischen;--_lohmarit_ im Sanscrit (d.i. Haare
wegnehmend);--_gilsu_ im Persischen;-$
andelte
sich die Erde in ein dsteres Gefngnis, wo zweckbeladene, vom Zweck
kastrierte Sklaven langsam zu Idioten wrden, in einen Stall satter,
verdauender Tiere, von denen eine Anzahl von Zeit zu Zeit die brigen
in geheimnisvoller Tollwut berfallen und zerfleischen wrde. Diese
Tollwut wre die Rache der verstrten, vergifteten, medusisch gewordenen
Phantasie; denn Phantasie kann nicht ausgerottet, aber sie kann ins
mrderische verkehrt werden.
Leben wir denn nicht in einer Welt, hnlich der? Nur da der Pakt
unzulnglich ist, da die gemarterten Tiere, weit entfernt, satt zu sein
und zu verdauen, hungern und frieren. Das hat der Zweck zustande
gebracht, diese Furie, unter dessen Stachelpeitsche die Kreatur winselt.
Nutzzweck heit der Tiger, der uns in den Klauen hlt, da das edelste
Blut der Menschheit ausrinnt und sie sich nur noch mht um das, was ihre
Ble bedckt und ihren Magen fllt. O angstvoll starre Blicke, auf den
Trog geheftete Blicke, ihr kennt kein gelutertes Verlangen mehr; o
Freunde, $
uen und nach innen ist alles
komplizierter geworden; oder sagen wir: verfeinerter, oder:
verschwiegener. Ehemals begehrte man in einem Liebesverhltnis die
Person des Liebenden oder Geliebten, jetzt begehrt man mehr, nmlich die
Persnlichkeit.
Modische Ideale oder andere Ideale, darnach fkrag ich nicht, entgegnete
Faustina lebhaft. Ideale aufzustellen, in dieser Beschftigung habt ihr
es freilich zu einer gewissen Handfertigkeit gebracht. Aber die Sache
scheint mir die, da zwischen Ideal und Wirklichkeit eine so ungeheure
Entfernung ist, da die beiden schon gar nichts mehr miteinander gemein
haben. Da ist kein Weg, keine Brcke. Es ist, als riefe man mir zu: geh
nach dem Mond. Es war der Vorzug vergangener Zeiten, da sie
realisierbare Ideale hatten.
Heit denn das schon ein Ideal realisieren, wenn man imstande ist, sich
gesellschaftlich mitzuteilen oder selbst hinzugeben? erwiderte ich.
Konversation fordert Leichtigkeit; die allerdings fehlt uns. Sie setzt
ein Interesse fr vieles voraus, wofr T$
 zum Vorteile gereichen mute. Sie
waren einst selbst wohlbegtert gewesen, aber durch Wetterschden,
allerlei Krankheiten und Unglck heruntergekommen, so da sie gern ein
Lehen des Grafen empfingen.
Nun nahm sich also Frau Anna, Leons Mutter, des armen Grafenkindes mit
all der berschssigen Liebe an, die ihren verstorbenen Kindern
zugedacht war; und sie verhtschelte und verzrtelte das Kind, das
anfangs solche Liebe gar nicht verstand; denn diebrave Rittersfrau
wute wohl um das traurige Geschick des mutterlosen Kindes und empfand
es in ihrem frommen Gemte als eine himmlische Gnade, da sie es nun
pflegen und ihm die Mutter ersetzen drfe. Und ihrem Leon hatte sie in
einer jener frs ganze Leben unvergelichen Stunden, da Herz zu Herzen
spricht, erklrt, wie unglcklich Berta trotz ihres Ranges und Reichtums
sei, da sie ohne Mutter lebe, und der gute, geweckte Knabe hatte als
Antwort und Beweis, da er sie verstanden habe, die Mutter weinend und
wortlos umarmt und immer wieder an sich gedrckt und ihr da$
e, dem freilich dann ein schreckliches
Erwachen gefolgt war; denn im Frhjahr sei der Graf verschwunden, ohne
auch nur einen Abschiedsbrief an die Unglckliche zu hinterlassen, und
nicht mehr gekommen. Und auch in Genua, wo sie vorsichtig hatten
Umfrage halten lassen, habe niemand gewut, wohin sich Graf Palma
gewendet habe.
Ich werde ihn schon zu finden wissen! hatte Riccardo gesagt, verla
dich auf mich, Mutter, ich werde ihn fi{nden, den Buben! La mich nur
keine Zeit verlieren, Emilia wird gercht werden!
Und ohne da er der Mutter Vorwrfe gemacht oder die Schwester getrstet
htte, ritt er am nchsten Morgen mit seinem Diener wieder nach Genua
zurck, um die Spur des Verfhrers zu verfolgen; er hatte kein
bestimmtes Gefhl, was er mit dem Verfhrer beginnen wrde, wenn er ihn
erst fnde, ob er ihn tten oder zu seiner Schwester zurckbringen
wolle; er hatte nur den einen Gedanken, vor ihn hinzutreten und ihm in
die Augen zu sehen, nur ein Ziel, sich zu rchen. Und whrend ihres
schweigsamen Rittes, $
underts. Da es aber eine, sozusagen, historische
Erzhlung ist, die hier mitgeteilt wird, so ist wohl die Anmerkung
gestattet, da gar bald ohnehin die Notwendigkeit sich einstellen wird,
das Ende des Mittelalters weiter in die Neuzeit herein zu verlegen; die
Neuzeit gebiert doch immer neue Zeiten, und wir, die es so herrlich weit
gebracht haben, gehren schon lngst nicht mehr in die Neuzeit des
sechszehnten und siebzehnten Jahrhunderts! Dazu sind wir denn doch zu
aufgeklrt und vorgeschritten, zu ....... Aber genug der Einleitung!
Also mag diese Geschichte immerhin als eine mittelalterliche gelten,
umsomehr als sie in der altertmlichen Karlsgasse anhebt und endigt.
Dort ward damals eben das "aus aufgebaut, das vorhin geschildert wurde.
Es war noch nicht unter Dach, sollte aber in wenigen Wochen vollendet
sein. Es gehrte dem zu Ansehen und Reichtum gelangten Prager Brger und
Kaufmann Wenzel Werkmeister, der den Grund vor Jahren um ein Billiges
gekauft hatte und dessen Lieblingsidee war, fr seinen Sohn un$
sie noch fester an sich und vermeinte
sterben zu mssen.
Ich mu dich retten, du mut mein werden! sagte er, tief Atem
schpfend, mein fr immer!
Da huschte ein Lcheln, ein siegreiches Lcheln ber ihr Gesicht, sie
wiederholte ihre heien Umarmungen, dann schlpfte sie rasch ins
Wasser, denn der Zwerg war ins Gewlbe getreten, um die Tore zu
Denk an dein Versprechen! rief sie dem Scheidenden nach. Er aber stand
auf dem Altstdter Ring, er hob die Rechte wie zum Schwure gegen den
sternenbeseten Himmel und sprach feierlich in den Ab end hinein: Ich
In dieser Nacht, als endlich ein unruhiger Schlummer seine Augen schlo,
trumte Karolus wieder, er stehe auf dem Strande. Der Mondschein lag in
einem breiten, schimmernden Streifen auf den ewig bewegten Wellen und
mitten in dem breiten Streifen Mondlichtes kam vom Rande des Horizontes
Lalanda auf ihn zugeschwommen. Er sah ganz deutlich in der Ferne ihr
blondes, weiches Haar, ihr Kopf hob sich wie eine groe, phantastische
Blume aus dem blulich-flimmernden $
s dem Bette, die Khne zu zchtigen. Die aber hatte ihr
Tchlein geffnet, darin die Scherben lagen, und, indem sie das Laken,
das den Ritter bedeckte, aufhob, schttete sie die hundert Scherben auf
sein Lager, da sie wie spitze Dornen rings um seinen Krper verstreut
waren und er wie in einer Dornenhecke lag, da ihn jegliche Bewegung
verletzen mute, so da er jetzt ein wirklicher Mrtyrer war. Er hatte
sich aber viel zu lieb, als da er sich etwa gestochen htte und rhrte
sich nicht, sondern schaute ganz verwirrt und hilflos auf die stolze
Maid, die ihn gebndigt hatte.
So gern nun diese auch gelacht htte, da er verdutzte melancholische
Heinrich in seiner Angst zwischen den Stacheln einen wahrhaft klglichen
Eindruck machte, so beherrschte sie sich doch und blieb ernst und streng
und sprach auf den Ritter in ihrer hoheitsvollen und gebietenden Weise
ein, und er war gezwungen, ihr zuzuhren, da sie sich ber sein Lager
gebeugt hatte und ihn sogleich recht unsanft aufrttelte, falls er ihren
Ermahnungen d$
die Brcke und hrt ihre
Schritte hallen. Sie sieht nicht nach rechts und links. Jetzt bemerkt
sie, wie eine Gestalt ihr entgegenkommt. Sie migt ihre Schritte. Wer
kann das sein, der ihr entgegenkommt? Es ist jemand in Uniform. Sie geht
ganz langsam. Sie darf nicht auffallen. Sie glaubt zu merken, da der
Mann den Blick fest auf sie gerichtet hlt. Wenn er sie fragt? Sie ist
neben ihm, erkennt die Uniform; es ist ein Sicherheitswachmann; sie geht
an ihm vorber. Sie hrt, da er hinter ihr stehen geblieben ist. Mit
Mhe hlt sie sich davon zurck, wieder zu laufen; es wre verdchtig.
Sie geht noch immer so langsam wie frher. Sie hrt as Geklingel der
Pferdeeisenbahn. Es kann noch lang nicht Mitternacht sein. Jetzt geht
sie wieder schneller; sie eilt der Stadt entgegen, deren Lichter sie
schon unter dem Eisenbahnviadukt am Ausgang der Strae entgegenschimmern
sieht, deren gedmpften Lrm sie schon zu vernehmen glaubt. Noch diese
einsame Strae, und dann ist die Erlsung da. Jetzt hrt sie von weitem
schri$
z an der Stirn; zugleich hre ich, da etwas Hartes zu
Boden fllt; ich greife zuerst nach der schmerzenden Stelle --] sie
blutet; dann bcke ich mich rasch und hebe einen spitzen Stein vom
Fuboden auf. Die Leute im Kupee sind aufgefahren. Ist was geschehen?
ruft einer. Man merkt, da ich blute, und bemht sich um mich. Ein Herr
aber -- ich seh es ganz deutlich -- ist in die Ecke wie zurckgesunken. In
der nchsten Haltestelle bringt man Wasser, der Bahnarzt legt mir einen
notdrftigen Verband an, aber ich frchte natrlich nicht, da ich an
der Wunde sterben knnte: ich wei ja, da es eine Narbe werden mu. Ein
Gesprch im Waggon hat sich entsponnen, man fragt sich, ob ein Attentat
beabsichtigt war, ob es sich um einen gemeinen Bubenstreich handle; der
Herr in der Ecke schweigt und starrt vor sich hin. In Villach steige ich
aus. Pltzlich ist der Mann an meiner Seite und sagt: Es galt mir. Eh
ich antworten, ja nur mich besinnen kann, ist er verschwunden; ich habe
nie erfahren knnen, wer es war. Ein Ve$
 keinerlei Verpflichtung hatte, in
die Stadt zu gehen, obzwar ihm ja sein Vater auch diesmal einen
versumten Wochentag nachgesehen htte, wie er es schon oft getan. Das
alte Drechslergeschft in der Alserstrae ging vorlufig auch ohne ihn,
und der Vater wute aus Erfahrung, da sich die Breiteneders bisher noch
immer zur rechten Zeit zu einem soliden Lebenswandel entschlossen
hatten. Die Geschichte mit Marie Ladenbauer war ihm allerdings nie ganz
recht gewesen. Du kannst ja machen, was du willst, hatte er einmal
milde zu Karl gesagt, ich bin auch einmal jung gewesen ... aber in den
Familien von meine Mdeln hab ich doch nie verkehrt! Da hab ich doch
immer zuviel auf mich gehalten.
Htte er auf den Vater gehrt -- dachte Karl jetzt -- so wre ihm
mancherlei erspart geblieben. Aber er hatte die Marie sehr gern gehabt.
Sie war ein gutmtiges Geschpf, hing an ihm, ohne viel Worte zu machen,
und wenn sie Arm in Arm mit ihm spazieren ging, htte sie keiner fr
eine gehalten, die schon so manches erlebt hatt$
 spter, whrend sie im
Gesprch mit anderen war, traf mich manchmal ein seltsamer Blick aus
ihren Augen, und nach einiger Bemhung habe ich deutlich verstanden, was
er zu bedeuten hatte. Er sagte: 'Lieber Freund, Sie glauben, da er mich
um des Geldes willen geheiratet hat; Sie glauben, da er mich nicht
liebt; Sie glauben, da ich nicht glcklich bin -- aber Sie irren sich
... Sie irren sich ganz bestimmt. Sehen Sie doch, wie gut gelaunt ich
bin, wie meine Augen leuchten.'
Ich bin ihr auch spter noch einige Male begegnet, aber immer nur ganz
flchtig. Einmal auf einer Reise kreuzten sich unsere Zge; ich speiste
mit ihr und ihrem Gatten in einem Bahnhofsrestaurant, und er erzhlte
allerhand Witze, die mich nicht sonderlich amsierten. Auch im Theater
sprach ich sie einmal, sie war mit ihrer Mutter dort, die eigenlich
noch immer schner ist als sie ... der Teufel wei, wo Herr Samodeski
damals gewesen ist. Und im letzten Winter hab ich sie im Prater
gesehen; an einem klaren, kalten Tage. Sie ging mit ihrem $
n Leben nicht
anders einrichten mchte, weil ich es einmal so gewhnt wre und ich
mich wohl dabei fhlte. Das Geld wrde mich nur an ihren Verlust
erinnern und mir dadurch verhat werden.
Es ist doch aber sonderbar, sagte der Vorsitzende, da Ihre Freundin
Ihnen nicht wenigstens ein Legat augesetzt hat wie ihrem
Dienstmdchen.
Das unterlie sie auf meinen Wunsch, sagte Frulein Schwertfeger kurz.
Ich bitte einen Augenblick ums Wort, schaltete pltzlich der
Staatsanwalt ein. Nach der Darstellung der Zeugin hatte ich den
Eindruck, als habe die von ihr mitgeteilte Unterredung, der sich die
Abfassung des Testamentes anschlo, gleich nach der letzten, schweren
Erkrankung ihrer Freundin, also im Mrz oder April, stattgefunden.
Dagegen ist das vorliegende Testament vom 19. September, also vierzehn
Tage vor dem Tode derselben, datiert.
Frulein Schwertfeger entgegnete nichts, sondern warf nur einen langen,
feindseligen Blick auf den Fragesteller, wie auf einen unberufenerweise
sich Einmischenden, und sah$
nlicher
Entschiedenheit. Wenn ich mit solchen Vorstellungen anfange, kenne ich
schlielich keinen mehr vom anderen, und hernach soll ich fr das
aufkommen, was ich mir vorgestellt habe, und habe unversehens einen
Meineid auf dem Halse. Denn sehen Sie, Herr Prsident, wenn man anfngt
nachzudenken, wie einer ausgesehen hat, und ihn mit dem und jenem
vergleicht, so hlt man zuletzt alles fr mglich, und am Ende ist es
doch nur die pureEinbildung gewesen.
Sie haben also, sagte der Vorsitzende, kein genaues Erinnerungsbild
von dem Manne, der Sie um Feuer bat. Besinnen Sie sich noch auf andere
Personen, die am 2. Oktober zwischen vier und sechs Uhr in Ihren Husern
verkehrten?
Ja, antwortete der Hausmeister. Ich hatte eben meinem Buben
aufgetragen, den Makrug wieder in die Wirtschaft zu tragen, und sah ihm
nach, wie er ber die Strae ging, da rief mich einer von rckwrts an
und fragte nach der nchsten Haltestelle fr Autodroschken. Der war so
in Eile, da er kaum abwartete, bis ich ihm ordentlich Bes$
 oder jene medizinische
Frage bearbeiten. Auch zu handwerklicher Beschftigung gebe es
Gelegenheit. Die Leute dort oben wren um mehr als hundert Jahre zurck,
htten Werkzeuge aus der Urwelt. Da wre ein Feld fr seine
Erfindungsgabe und Geschicklichkeit.
Ach, sagte Deruga, wie wenig du mich kennst! Begreifst du nicht, da
ich mich nach acht Tagen langweilen und nach vierzehn Tagen dich oder
mich umbringen wrde?
Langweilen? wiederholte Gabussi erstaunt, seine groen Augen noch
weiter ffnend. Langweilst du dich denn in der Stadt?
Nein, hier geht es an, sagte Deruga, dies Gewimmel von Wrmern auf
der Fulnis unterhlt mich. Ich verabscheue es, aber ich gebrauche es.
Es ist die Form des Lebens, die ich aufnehmen kann. Deine Berge wirken
wie nasse Kndel auf meinen Magen.
Ich verstehe dich nicht, sagte Gabussi, siGch ereifernd, das kann dein
Ernst nicht sein. Einem guten Menschen mu das Groe und Einfache wohl
Ach, Gabussi, erwiderte Deruga ungeduldig, der Mensch ist kein
Dreieck, worauf man$
t zu geben, soweit sie es
Die Baronin zuckte ungeduldig die Schultern, und der Baron suchte das
Gesprch in eine andere Bahn zu lenken, indem er sagte, hnliche Zge
fnden sich viel bei den leichtfertigen Frauen der meisten Vlker, und
allerlei aus Japan, China, Indien und anderen Lndern erzhlte, die er
bereist hatte. Er sei in seiner Jugend weit herumgekommen, sagte er,
aber schlielich habe er gefunden, da sich in Paris am besten leben
O, ja, Paris ist stets das mehr oder weniger Gegebene, sagte die
Baronin mit einem unterdrckten Seufzer und einem verschmitzten
Ausdruck, der sie allerliebst kleidete.
Er liebe auch Paris, sagte Peter Hase, und sei im Begriff gewesen, zu
einem mehrwchigen Aufenthalt hinzureisen, als Derugas Proze ihn
abgehalten htte.
Dieser Mensch scheint eine ungemeine Anziehungskraft zu besitzen,
sagte die Baronin.
Peter Hase warf einen unaufflligen Blick zu Mingo herber, um zu sehen,
wie das Besprochene sie berhrte. Ihre groen Augen hingen mit Spannung
und Anteil an seinem$
o, die sich inzwischen auf ein Kissen zu Fen ihrer Mutter gekauert
hatte, rief aus: Aber seine Unschuld ist doch sonnenklar!
Nach dem Buchstaben des Gesetzes ist er doch nicht unschuldig, sagte
die Baronin.
Mingos Gesicht drckte ngstlichen Zweifel aus, allmhlich verzog es
sich, so da es klglich und hilflos wie das eines kleinen Kindes
aussah, und in Trnen ausbrechend umklammerte sie mit beiden Armen die
Knie ihrer Mutter. O Mama, das ertrg' ich nicht, das ertrg' ich
nicht, schluchzte sie.
Die Baronin schob sie sacht mit den Hnden zurck und fragte befremdet,
fast tadelnd: Was ist dir? Was hast du, Kind? whrend sie sich eines
stechenden Schmerzes zu erwehren suchte, der ihr Herz zusammenzog.
Sto' mich doch nicht fort, Mama, schluchzte Mingo, ihre Mutter fest
umklammernd, ich kann ja nichts dafr, da es so ist! Hilf mir doch,
ich habe ja nur dich! Ich kann nicht ohne ihn leben.
Die Baronin beugte sich herab, zog die kleine Gestalt auf ihren Scho
und prete das trnenberstrmte Gesic$
n Mittel-Borneo machte, ist diejenige
sicher die bedeutendste, dass die blutgierigen, wilden, Kpfe
jagenden Dajak im Grunde zu den sanftesten, friedliebendsten und
ngstlichsten Bewohnern dieser Erde gehren. Meine Erfahrungen stehen
in dieser Hinsicht nicht nur in schroffem Gegensatz zu der allgemein
verbreiteten Auffassung ber die Dajak seitens der Europer an den
Ksten Borneos, sondern seltsamer Weise auch aller Reisenden, die bis
jetzt Gelegenheit hatten, mit den mehr im Innern der Insel wohnenden
Stmmen in Berhrung zu kommen.
Da meine neuen Kajanfreunde mir allmhlich auch zu verstehen gaben,
dass es mit der feindlichen Gesinnung der Mahakambewohner nicht so
schlimm bestellt sei, fasste ich auf meiner Rckreise nach Batavia
den Plan, wenn irgend mglich, aufs neue den Versuch zu wDagen, in
das Gebiet des oberen Mahakam einzudringen und den Fluss bis zur
Ostkste hinabzufahren.
In Batavia angelangt wurde ich jedoch sogleich als Arzt nach Lombok
abkommandiert, wo die Bestrmung von Tjakra Negara (1894$
gen Stmme jetzt nach allen Himmelsgegenden zerstreut
wohnen, zu erklren versucht:
In alten Zeiten, heisst es, entstand zwischen dem Feuer (_apui_) und
dem Wasser (_ata_) ein Zwist, der sich so steigerte, dass beide im
Kampfe die Krfte aufs usserste anspannten. Wind und Regen kamen dem
Wasser zu Hilfe, welches infolgedessen so sehr stieg, dass es alles
Land mit Wldern und allem berflutete. Dadurch erlosch das Feuer,
aber auch alle Menschen bis zum Apu Kajan hinauf kamen um. Nur einige
wenige, die in Bten sassen, blieben am Leben. Diese sahen keine andere
Mglichkeit, das Wasser zum Sinken zu bringen, als eine der Ihren,
_Hillo_, die Tochuter eines Huptlings, zu tten, indem sie ihr die
Schulter durchhieben. Da fiel das Wasser pltzlich vom hohen Bergland
hinunter und fhrte zugleich die in den Bten berlebenden Menschen
nach verschiedenen Seiten auseinander. So wurden die Bewohner von
Apu Kajan in alle Himmelsrichtungen zerstreut und sprechen heute so
viele verschiedene Sprachen.
Wenn irgend mglich, $
ort, sondern st den Reis einfach zwischen und neben dem Holz
hin. Mit einem Teil dieses Holzes wird brigens, um Hirschen und
wilden Rindern den Eintritt zu wehren, das Reisfeld eingezunt. In
wildrmeren Gegenden unterlsst man die Herstellung dieser Hecke,
weil sie viel Arbeit erfordert und opfert lieber einen Teil der
Ernte. Auch den Vgeln, von denen bei beginnender Reife drei Arten
Reisdiebe (Padda oryzivora; Munia fuscans; Munia bruneiceps) in
grossen Schwrmen das Feld heimsuchen, und den Affen muss ein Teil des,
Bodenertrages abgetreten werden. Bisweilen verursachen auch Insekten
und deren Larven einen so grossen Schaden, dass von der ganzen Ernte
beinahe nichts brig bleibt. Allen diesen Schdlingen gegenber sind
die Bahau viel wehrloser als die Malaien; nur durch Schreien und
Schlagen auf Bambusgefsse gelingt es ihnen mit viel Anstrengung,
einige der Ruber zu vertreiben.
Befindet sich ein Reisfeld in er Nhe des Hauses, so wird es von
diesem aus bewirtschaftet, hat man es aber in grsserer Entfe$
als sie gelstete; den folgenden Tag sollten
wir uns zum Feste aufmachen.
Man hatte auch mich zur Teilnahme aufgefordert, und, wie immer mit
Stock und Revolver bewaffnet, nahm ich anderen Morgens frh in einem
schmalen Nachen Platz, dessen Wnde nur wenige Centimeter ber das
Wasser herausragten; ich musste mich daher sehr ruhig verhalten,
wenn ich das Boot nicht zum Umkippen bringen wollte. Zwei junge Kajan
ruderten, und so ging es schnell den Mendalam hinauf. Die Samusmndung
lag weiter unten, aber das eigentliche Jagdgebiet befand sich am
Oberlauf des Flsschens, so dass wir, um zeitig das Ziel zu erreichen,
erst ein anderes Nebenflsschen hinauffahren und dann eine Strecke br
Land gehen mussten. Der Weg fhrte, nach dajakischer Weise, mehr ber
liegende Bume als ber mit Gras und Gestrpp bedeckten Boden. Bald
bildeten die Bume den einzigen passierbaren Weg; zu meinem Erstaunen
lagen sie aber nicht, wie gewhnlich, der ste beraubt am Boden,
sondern teilweise ber einander und zwar so, dass der nur wen$
tung mit den Bukat begriffen
waren, traf wieder eine Schar Trger mit dem auf dem Wege noch
zurckgebliebenen Gepck ein. Wir hatten des Morgens, in Anbetracht
der starken Ermdung und schlechten Ernhrung unserer Leute,
nicht durchzusetzen gewagt, dass sich alle energisch an der Arbeit
beteiligten; so hatte sich denn auch nur ein Teil der Trger auf den
Weg gemacht und die Malaien, die bei dem Rest des Gepckes als Wache
zurckgeblieben waren, meldeten, dass sich immer noch 24 Blechkisten
mit Salz im Walde befanden. Wir verliessen daher eiligst unsere neuen
Bukatfreunde, um zu beraten, was weiter zu tun sei.
Um nur schnell fortzukommen, haEten viele Trger von _Kwing
Irang_ sich bereits von selbst mit unseren Kisten an den Mahakam
aufgemacht. _Kwing_ selbst jedoch wartete mit 20 jungen Kajan und
einigen Pnihing auf unsere Befehle. Mit _Amun Lirung_, oder besser
gesagt mit dessen Frau, kam ich berein, dass sie mir fr 12 Packen
schwarzen Kattuns zu 12 m Lnge die 24 Kisten mit Salz an den Blu-u
schaffen soll$
rs schwierige Aufgabe; denn diese hatten in oft weit
entlegenen Flusstlern jahrelang die grsste Freiheit genossen und
frchteten nun mit Recht, dass sie nach ihrer Rckkehr zum Stamme
gezwungen sein wrden, mehr fr den Huptling zu arbeiten. Nur 10
Sklavenfamilien hatte _Kwing Irang_, dem wenigstens 150 _dipen_
gehrten, bei sich urckbehalten und einige andere bebauten unter
Aufsicht einer ihm befreundeten, freien Kajanfamilie seine weiter
abgelegenen Felder.
Die gute Ernte, der sich die Kajan in diesem Jahre erfreuten, sprte
ich sogleich an der Schnelligkeit, mit der sich die vom Huptling
geliehenen grossen Fsser aus Baumrinde mit gewhnlichem Reis und
Klebreis fllten. Der reichen Ernte wegen hatte der Stamm auch noch
nicht mit Sen begonnen, obgleich es bereits Oktober war. Bei meiner
Ankunft 1896 hatte man bereits Anfang September gest; damals war
aber eine Missernte vorangegangen, auch wurden diesmal viele durch
den Umzug an der Feldarbeit verhindert.
Die meisten Familien legten in diesem Jahre, $
ch stets zwei Familien, ein bearbeitetes Brett
Um diese Bretter an Ort und Stelle, drei Meter hoch ber den Erdboden,
zu heben, waren mehr Mnner als die sechs oder acht, die stndig am
Hause arbeiteten, erforderlich, aber da alle eifrig auf ihren Feldern
beschftigt waren, bat mich _Kwing Irzang_, noch einmal die Leitung
einer Versammlung bernehmen zu wollen, in der den Familienhuptern
nochmals eingeschrft werden sollte, dass sie ihrem Huptling und
mir gegenber verpflichtet waren, wiederum Hilfe zu leisten.
A m folgenden Tage wurden in der Tat alle bereits vorhandenen Bretter
an ihren Platz gelegt, aber es erwies sich, dass noch so viele Familien
die Lieferung ihrer Planke bis nach der Ernte oder nach dem Bau ihrer
eigenen Wohnung verschoben hatten, dass noch ungefhr die Hlfte
der 13  28 m grossen Oberflche ungedeckt blieb. Hierfr gebrauchte
jedoch _Kwing_ die noch nicht bentzten Bretter der Mittelwand, die
man vorlufig aus altem Material hergestellt hatte und die man erst
nach der Rckkehr von d$
ufsteigt. Da der Fluss sich sein Bette in den harten, weissen
Hornstein, der in 1/2-1 m mchtigen Schichten unter dem Sandstein
liegt, hat erodieren mssen, ist sein Bette ber eine etwa 2 km weite
Strecke sehr schmal und die Wassermassen, die bei Long Tepai noch
eine Breite von 200 m zur Verfgung hatten, drngen sich hier durch
einen 15-20 m breiten Spalt hindurch.
Diese Stelle kann nur bei sehr tief stehendem Wasser passiert werden,
da bei hohem und besonders bei steigendem Wasserstande die Strmung
sehr reissend ist. Auch im gnstigsten Falle muss alles Gepck aus
den Bten genommen werden. An den schwierigsten Stellen werden die
kleineren Bte mit Hilfe von Baumstmmen, welche als Rollen bentzt
werden, ber die Felsen gezogen, whrend die grossen Bte, die alle
mit einem sehr hohen Rande versehen sein mssen, von den Mnnern ber
die Flle gefahren werdn mssen. Das Gepck wird auf den Felspfaden
des linken Ufers hinabgetragen. Die Stellen, an denen Felsen oder
Gerllbnke grssere Flle verursachen, od$
lle nur grosses Silbergeld Wert
besass. Doch nahm man auch am mittleren Mahakam noch Tauschartikel,
wie Lebensmittel, sehr gerne an.
Fr den Ackerbau, der auch am mittleren Mahakam noch das
Hauptexistenzmittel der Bewohner bildet, wird nur wenig Urwald mehr
gefllt; dieser ist in der Nhe der Drfer brigens auch selten
geworden. Die hier lebenden Bahau begngen sich, wie die Malaien,
mit dem Fllen von Gestrpp und jungem Wald, weil diese Arbeit viel
mheloser ist; spter allerdings kostet das Jten des in solchen
Feldern massenhaft auftretenden Unkrauts viel mehr Anstrengung
und Zeit, als anfangs erspart worden ist. Beachtenswert ist, dass
_alang-alang_ in diesem Teil des Mahakamgebietes noch sehr wenig
vorkommt und auf den abgeerneten Feldern junger Wald noch sehr schnell
aufschiesst. Besonders bei den tiefer am Fluss wohnenden Stmmen
leidet der Landbau sehr stark durch berschwemmungen der flachen Ufer,
auf denen ihre Felder hufig liegen; berdies bt die seit Alters
hufig wiederkehrende grosse Trocke$
rhaupt einige Male besucht hatten. Sie waren daher
sehr vorsichtig und gingen immer wieder eine Strecke lngs des Ufers zu
Fuss voraus, um sich eine gefahrdrohende Flussstelle vorher anzusehen.
Unser Reisvorrat, der seinem Ende nahte, mahnte zur Eile, auch hatten
viele unserer Leute bereits ihren eigenen Notvorrat angegriffen. Drei
unter einander befreundete junge Kajan, die ihren Reis zusammengetan
und gegen eine Lohnerhhung whrend der Reise davon gezehrt hatten,
waren jetzt ebenfalls auf unseren Vorrat angewiesen. Trotzdem konnte
ich, als wir am 21. October oberhalb des Kiham Matandow unser Lager
aufschlugen, der Versuchung nicht widerstehen, den Batu Balo Baung
zu besteigen, der sich neben uns am rechten Ufer erhob und eine gute
Missicht auf die Umgebung zu bieten verspracGh. Die Bume auf dem Gipfel
dieses Berges, der wie alle anderen in dieser Gegend das Glied einer
Kette bildet, konnten leicht entfernt werden, da er spitz zuluft. Die
Pnihing frchten den Batu Balo Baung als den Wohnsitz eines weiblic$
n denn auch deutliche Zeichen ihrer weniger
vornehmen Herkunft und biegen und brechen hufig whrend des Gefechts.
Die Bahau wissen zwischen grobem und feinem Sandstein beim Schrfen
ihrer Schwerter und Hahnensporen wohl zu unterscheiden; hauptschlich
fr letztere suchen sie in bestimmten Bchen nach einem sehr feinen
Sandstein, von dem ein Stck auf Taf. 60 Fig. o in Form eines
Rhinozerosvogelkopfes zu sehen ist. Dieser Stein mit sehr ebener
Schliffflche rhrt von den Kajan am Mendalam her.
Hat die Schmiedekunst bei den Bahau infolge ihrer vielseitigen
Anwendung eine betrchtliche Hhe erreicht, so gilt dies auch
inbezug auf ihre Holz- und Knochenschnitzerei. In dieser Richtung
hat sich der Schnheitzsinn und die Kunstfertigkeit der Dajak sogar
voll entwickeln knnen. Eine knstlerische Bearbeitung von Holz wird
nicht nur bei grossen Verzierungen, wie der eines Huptlingshauses,
sondern auch bei kleinen Gegenstnden, besonders Griffen und Scheiden
von Schwertern, angewendet.
Jeder Bahau, dem es an Zeit und$
, wie bei c, das Holz, aus dem dieses Vorderbrett besteht,
hierfr unbrauchbar ist. Am Mahakam bemht man sich nmlich, dieses
Vorderbrett aus einer anderen und schneren Holzart herzustellen als
das Hinterbrett.
Sehr hufig begegnet man einer weichen, schngeflammten Holzart,
wie{bei b, die dann mit viel Geschick glatt gescheuert und poliert
wird. Oder auch man wendet ein hartes, leicht polierbares Holz an,
das mit Sorgfalt geschnitzt und poliert wird wie z.B. a Tafel 29
und d Tafel 30. Dass man auch eigentmliche Naturprodukte zu schtzen
weiss, ersieht man aus der Scheide e, fr deren Vorderbrett man das vom
Flusswasser ausgelaugte Holz eines bestimmten Baumes bentzt hat. Durch
die Einwirkung des Wassers wird dieser Baum an der Oberflche sehr
unregelmssig angegriffen, wodurch bisweilen sehr eigentmliche Muster
entstehen, deren regelmssigste Teile wie die Vorderseite dieser
Scheide e aussehen. Die aus weissem Rotang gewundenen Schlingen sind
hier in die breiten Gruben des Vorderbrettchens gelegt worden$
 meisten _tap_
sammelte ich am Mahakam, wo sie oberhalb der Wasserflle noch sehr
in Gebrauch sind. Doch ist hier in diesem Gewerbe insofern bereits
ein gewisser Rckschritt zu verzeichnen, als, soweit ich der Sache
nachgehen konnte, die Frauen gegenwrtig nur die Formen der _tap_
aus frherer Zeit nacharbeiten, ohne neue zu erfinden, und sich mit
der Wahl der Farben nach eigenem Geschmack begngen.
Dies war auch bei den Kajan am Kapuas der Fall; so dass ich erst nach
Jahren dahinterkam, von wo die ursprnglichen Formen stammten. Als ich
nmlich am Ende meiner Reisen die Kenjastmme besuchte, sah ich, dass
bei diesen noch die ursprngliche Herstellungsmethode nach Vorlagen,
welche die Mnner auf Brettchen schnitzten, im Schwange war. Zwei
solcher Holzpatronen sind auf Tafel 69 bei c und e abgebildet. Jede
Hlfte von c ist mit zwei Tiermasken verziert, die mit einigen
Schnrkeln ineinander greifen und zusammen eine geschmackvolle Figur
bilden. Das bereits gebrauchte rett e trgt zwei Paar _aso_, von denen
jed$
e grosse weisse Erscheinung. Bald darauf brachte man
zur Begrssung einen Topf mit Reiswein von besonders gutem Geschmack,
der uns nach der langen Fahrt im offenen Boot sehr erfrischte. Weniger
angenehm empfanden wir die zweite Leckerei, ein Glas mit flssigem
Honig von wilden Bienen, vor dem uns nach dem langen Aufenthalt
im schaukelnden Boote und bei dem Hunger, der uns qulte, etwas
graute. Wir hielten uns jedoch tapfer und verdarben nicht den ersten
vorteilhaften Eindruck, den wir zu machen glaubten.
Hiermit war der ernste, aber doch freundliche Empfang abgelaufen,
und der Mantri, der uns herbegleitet hatte, forderte uns auf, ihm in
das Haus zu folgen, das man fr uns bestimmt hatte. Wir gingen rechts
durch die ganze Galerie des Hauses und gelangten an ein prchtiges
Holzgebude, das ich bereits im Vorbeifahren vom Flusse aus bemerkt
hatte. Die Grundflche des Hauses betrug etwa 16  9 m, und wie man uns
erzhlte, hatten 700 Menschen 6 Tage lang an dem Bau gearbeitet. Das
Haus, das auf Tafel 86 abgebilde$

Mahlzeit gelangten. Uns4ere Gastgeber hatten aber auch hieran gedacht
und brachten uns etwas spter eine grosse Menge Reis und ein Schwein,
das wir fr den folgenden Tag aufsparten.
Als wir abends ruhig bei der Lampe sassen, stieg die angenehme
berzeugung in mir auf, dass wir mit der Durchsetzung unseres Besuches
in Long Nawang das Richtige getroffen hatten. Der freundschaftliche
Empfang, die viele Mhe, die man sich mit dem Bau dieses Prachthauses
gegeben hatte, und die Anwesenheit so vieler Huptlinge aus den tiefer
gelegenen Drfern bewiesen mir zur Genge, dass ich einen Fehler
begangen htte, wenn ich mich von _Bui Djalong_ und den Seinen htte
zurckhalten lassen.
Long Nawang bestand aus 17 langen Husern mit je 20-40
Familienwohnungen, so dass die Anzahl der Bewohner mindestens 2500
betragen musste. Alle diese Huser standen auf dem flachen Ufer des
Kajan an der Mndung des Nawang. Unweit des Flusses erhoben sich
Hgel, auf denen aber keine Huser standen; alle Dorfleute wohnten
dicht beim Fluss, der$
aufkommen zu lassen, und der
entwickelnde Einfluss, den die Religion der Hindu und Mohammedaner
htte ausben knnen, fehlt hier in noch hherem Masse als auf
Java. Bercksichtigt man ferner das oben ber die Blutmischung der
Borneo-Malaien Gesagte, so erregt es keine Verwunderung,%dass die
Mohammedaner, wenigstens die im Innern Borneos, auch durch ihren
Gottesdienst keinen zivilisierenden Einfluss auf die Dajak ausben
knnen und in der Tat auch nicht ausgebt haben. Der zum Islam
bergetretene Dajak wird im Gegenteil sehr bald wie die brigen
Mohammedaner und verachtet seine noch Schweinefleisch essenden
Stammesgenossen, glaubt sich berechtigt, diese auf die gewissenloseste
Weise zu betrgen, und folgt seinen neuen Glaubensbrdern bald in
der Leidenschaft fr Spiel, Hahnenkmpfe und dergleichen.
Fr das Verhltnis, in welchem die unterworfenen dajakischen Stmme
zu den malaiischen stehen, ist die Regierungsform der letzteren von
besonderem Gewicht. Jedes malaiische Reich auf Borneo, auch wenn es,
wie am Mit$
ch Kunde geben, denn trotz ihrer Ungreifbarkeit war ich bis zum
Rande von ihnen gefllt. Bereits als Knabe von sieben oder acht Jahren
geriet ich zuzeiten, meine gewohnte Scheu und Schweigsamkeit
berwindend, in zusammenhangloses Erzhlen, das von Angehrigen, von
Hausgenossen und Mitschlern als halb gefhrliches, halb lcherliches
Lgenwesen aufgenommen und dem mit Zurechtweisung, Spott und Zchtigung
begegnet wurde. An Winterabenden halfen wir Kinder oft der Mutter beim
Linsenlesen, und es kam vor, da ich dabei pltzlich zu phantasieren
anfing, in den Linsenhaufen hinein Schrecken, Unbill und Abenteuer
dichtete, Gespenstergraus und Wunder, harmlose Nachbarn als Zeugen
sonderbarer Begegnungen anfhrte, mir selbst die hchsten Ehren,
hchsten Ruhm prophezeite. Die Mutter, ihre Arbeit ruhen lassend,
schaute mich ngstlich verwundert an, ein Blick, der mich noch trotziger
in das unsinnig Verworrene trieb. Nicht selten nahm sie mich beiseite
und beschwor mich mit Trnen, da ich nicht der Schlechtigkeit verfa$
, eine geborne _Kieke_,
die mannigfachen Entbehrungen, die ihres Mannes Lage zu fordern schien.
Sie war eine stille, anspruchslose Hausfrau, die jede berflssige Ausgabe
zu vermeiden suchte. Mit inniger Liebe hing sie an ihrem Sohne, und diese
Liebe verminderte sich nicht, als ihm noch ein Bruder geboren ward, der
schon frh an Engbrstigkeit litt, und bereits im Jnglingsalter starb.
Seiner Amme verdankte Wieland, wie er in sptern Jahren erzhlte, seine
groe Liebe zur Reinlichkeit. Als ihm einst der Dreier, wofr er sich beim
Gange in die Schule sein Frhstck kaufen sollte, zufllig aus der Hand
fiel, konnte er sich nicht entschlieen, die sehr beschmutzte Kupfermnze
wieder aufzuheben. Er zog es vor, hungrig die Schule zu betreten. Ein
gewisser Ernst, der ihn selbst bei seinen jugendlichen Spielen nie ganz
verlie, blieb ihm in seinen Knabenjahren eigen. Von Natur war er
schwchlich. Aber mbei dem Unterricht, den ihm sein Vater schon im dritten
Lebensjahre ertheilte, entwickelten sich bald seine Geistes$
ls mein Gehirn
dem denkenden Wesen oft versagen. Zuweilen wnsche ich, da ich ein halbes
Dutzend munterer Seelen htte, die der meinigen subordinirt wren, und die
alles das nach meinem Sinne ausfhrten, was ich nicht kann. Dergleichen
Wnsche sind fast alles, was mir von meiner ehemaligen jugendlichen
Lebhaftigkeit brig geblieben ist."
Seinem Trbsinn ward Wieland entrissen, als er sei4nen bisher auf Bodmer
und dessen Freunde beschrnkten Umgang allmlig erweiterte. Geneigter als
bisher ward er wieder den Freuden des geselligen Lebens. Auer dem
bekannten Fabeldichter Meyer von Knonau, gehrten Gener, der Verfasser
der Idyllen, spterhin auch Zimmermann, der Autor des berhmten Buches
ber die Einsamkeit, zu Wielands vertrautesten Freunden. Mit Frauenzimmern
verkehrte er wenig; er war sogar ihrem Umgange vllig abgeneigt. Seine
geliebte Sophie hatte ihn verwhnt, an das weibliche Geschlecht Ansprche
zu machen, die nicht jedes Mdchen erfllen konnte.
In einer Art von Selbstcharakteristik meinte Wieland, $
ni eben nicht sonderlich
erweitern konnte. Durch Gewohnheit fhlte er sich nicht unbehaglich in
diesem einfrmigen Lebenskreise, und aus seiner scheinbaren Verstimmung
blickte oft ein unverwstlicher Humor hervor. "Wenn ich," schrieb er,
"auch zuweilen schwermthig werde, und mit dem Strumpfband	 in der Hand
mich nach einem tauglichen Nagel umzusehen anfange, so besinne ich mich
doch allemal so lange, bis wieder nichts daraus wird -- ein berzeugender
Beweis, da ich noch etwas in meinem Zustande finde, das der Versuchung,
mich aufzuhngen, wenigstens das Gleichgewicht hlt."
Diese Zeilen hatte Wieland noch vor seiner Verheirathung geschrieben.
Seine sehr glckliche Ehe zeigte ihm auch seine Amtsverhltnisse, so
bitter er sich auch oft darber beklagt hatte, in einem minder ungnstigen
Lichte. In einem seiner damaligen Briefe bat er einen Freund, "sich die
Sache nicht so gar grlich vorzustellen." Ueber die Nachmittage, uerte
Wieland, knne er frei disponiren, und seine Geschfte gingen ihm leicht
von der$
rdankt, wie schon angefhrt, einem
mohammedanischen Heiligen seinen Namen.
Dass aber das alte Hesperis auf dem Platze des heutigen Bengasi steht,
leuchtet auf den ersten Blick hervor. Von der ganzen Gegend hat sich
nichts verndert, nur dass die Seen im Osten der Stadt mehr versandet
sind. Wir wissen, dass Berenice auf der in das Vorgebirge Pseudoponias
auslaufenden Landzunge lag, stlich davon der Tritonis-See mit einer
kleinen Insel, welche nach Strabo oft mit dem Lande zusammenhngt, und den
der Aphrodite geheiligten Tempel barg. Diese ganze Beschreibung, wie
Strabo sie uns giebt, passt heute noch so genau, wie man aus der
vorhingegebenen Topographie von Bengasi ersehen kann, dass es um so mehr
zu verwundern ist, wenn Bourville im See Haua-B-Chosch im S.O. vom
heutigen Bengasi den Triton-See, und in einer Oertlichkeit Siana die
Grten der Hesperiden erkennen will. Wenn nun aber auch, mit Ausnahme von
Bourville, ltere und neuere Gelehrte im heutigen Bengasi das alte
Berenice, im stlichen Salzsee den Trit$
utzten. Nachdem um
9 Uhr 20 Minuten ein anderer Pass berschritten war, kamen wir in das
Biada-Thal, indem wir die tiefeingeschnittenen Wagenspuren der Alten
verfolgten. Um 11 hatten wir, N.-N.-O. haltend, den Dj Hoaisch zur
Linken, und gleich darauf die Ruinen des Gasr el Rih. Um 12 Uhr 20 Minuten
kreuzten wir den von Teknis kommenden, nach der Kste fhrenden
Karawanenweg, und den Pass von Rih berschreitend, gingen wir nordwrts
durchs Schami-Thal weiter. Von 1 Uhr an wieder N.-N.-O. haltend,
berstiegen wir um 2 Uhr einen Pass, der uns ins Scharaya-Thal fhrte,
welches eine Stunde lang mittelst eines anderen Passes ins Mrair-Thal
bergeht. Um 3 kreuzten wir einen zweiten, von Djerdjerum an der Kste
nac Merauan ins Innere fhrenden Weg, und kamen dann ins Thal Ibrahim,
von dem aus wir links den Berg Schan-o-Gasserein liegen liessen. Das uadi
Ibrahim ffnet sich aufs Magade-Thal, wo wir um 5 Uhr Abends, in der Nhe
von Wassertmpeln lagerten, nachdem wir den ganzen Tag fast ohne Wasser
gewesen waren.
Nac$
eifen und Suchen vergeblich blieb, kam mir pltzlich die
Erkenntnis, da er mich verlassen habe. Ja, er war fort, heimlich
fortgegangen, er hatte nicht lnger bei mir bleiben mgen. Vielleicht
weil ihm mein gestriges Trinken zuwider war, vielleicht weil er sich
heute seiner eigenen gestrigen Ausgelassenheit schmte, vielleicht nur
aus einer Laune, vielleicht aus Zweifel an meiner Gesellschaft oder aus
einem pltzlich erwachten Bedrfnis nach Einsamkeit. Aber wahrscheinlich
war doch mein Trinken daran schuld.
Die Freude wich von mir, Scham und Trauer erfllten mich ganz. Wo war
jetzt mein Freund? Ich hatte, seinen Reden zum Trotz, gemeint, seine
Seele ein wenig zu verstehen und teil an ihm zu haben. Nun war er fort,
ich stand allein und enttuscht, mute mich mehr als ihn anklagen und
hatte nun die Einsamkeit, i|n welcher nach Knulps Ansicht jeder lebt und
an die ich nie ganz hatte glauben mgen, selber zu kosten. Sie war
bitter, nicht nur an jenem ersten Tag, und sie ist inzwischen wohl
manches Mal lichter ge$
kaum das Notwendigste ausgepackt, als er sich in
der Stadt umzusehen Urlaub erbat; spt kam er wieder, und des anderen
Morgens trieb eine gleiche Unruhe ihn aus dem Haus. Mir war diese
seltsame Benehmen unerklrlich, bis das Rtsel sich lste: die
schnen Franzsinnen hatten ihn nicht ohne Anteil gelassen, er sprte
sorgfltig und hatte das Glck, sie auf dem groen Platz, mitten
unter hundert Wagen haltend, an der Schachtelpyramide zu erkennen,
ohne jedoch ihren Gemahl aufgefunden zu haben.
Auf dem Weg von Trier nach Luxemburg erfreute mich bald das Monument
in der Nhe von Igel. Da mir bekannt war, wie glcklich die Alten
ihre Gebude und Denkmler zu setzen wussten, warf ich in Gedanken
sogleich die smtlichen Dorfhtten weg, und nun stand es an dem
wrdigsten Platz. Die Mosel fliet unmittelbar vorbei, mit welcher
sich gegenber ein ansehnliches Wasser, die Saar, verbindet; die
Krmmung der Gewsser, das Auf- und Absteigen des Erdreichs, eine
ppige Vegetation geben der Stelle Lieblichkeit und Wrde.
Das$
ten Jahren jedoch erfreuen uns aus jenen Gegenden die
liebevollsten Blicke, welche zu erwiedern wir uns verpflichtet fhlen
und worau wir in gegenwrtigen Blttern unsre wohldenkenden Landsleute,
insofern es nthig seyn sollte, aufmerksam zu machen gedenken.
        *  *  *
Herr _Thomas Carlyle_ hatte schon den _Wilhelm Meister_ bersetzt und
gab sodann vorliegendes Leben _Schillers_ im Jahre 1825 heraus.
Im Jahre 1827 erschien _German Romances_ in 4 Bnden, wo er, aus den
Erzhlungen und Mhrchen deutscher Schriftsteller als: _Musus_, _La
Motte Fouqu_, _Tieck_, _Hoffmann_, _Jean Paul_ und _Goethe_, heraushob,
was er seiner Nation am gemssesten zu seyn glaubte.
Die einer jeden Abtheilung vorausgeschickten Nachrichten von dem Leben,
den Schriften, der Richtung des genannten Dichters und Schriftstellers
geben ein Zeugniss von der einfach wohlwollenden Weise, wie der Freund
sich mglichst von der Persnlichkeit und den Zustnden eines jeden zu
unterrichten gesucht, und wie er dadurch auf den rechten Weg gelan$
sen, sagte Amalia. Casanova war
enttuscht; an ihrer Stelle htte er, wie er es in solchen Fllen, ob es
sich nun um Trume handelte oder um Wirklichkeiten, immer tat, der
Erzhlung eine Abrundung, einen Sinn zu geben versucht, und so bemerkte
er nun etwas unzufrieden: Wie der Traum doch alles verkehrt. - Ich -
als reicher Mann und Lorenzi als Bettler und alter Mann. - Mit
Lorenzis Reichtum, sagte Olivo, ist es nicht weit her; sein Vater ist
zwar ziemlich begtert, aber er steht mit dem Sohne nicht zum besten. -
Und ohne sich mit Fragen weiter bemhen zu mssen, erfuhr Caanova, da
man des Leutnants Bekanntschaft dem Marchese verdanke, der ihn vor
wenigen Wochen eines Tages einfach in Olivos Haus mitgebracht habe. Wie
der junge Offizier mit der Marchesa stnde, das msse man einem Kenner,
wie dem Chevalier, nicht erst ausdrcklich zu verstehen geben; da
brigens der Gatte nichts dagegen einzuwenden finde, knne man sich als
Unbeteiligter gleichfalls dabei beruhigen.
Ob der Marchese so einverstanden is$
d ihre glnzenden Augen sich ungeduldig auf die Tr
richteten, durch die die Erwarteten im nchsten Augenblick eintreten
muten. Ich erhalte heute zum erstenmal Besuch, Herr Graf -- seit -- seit
langer Zeit.
Ach das freut mich in Ihrem Interesse wirklich ganz auerordentlich,
meinte der Reiter und schritt langsam ans Fenster, ohne auf den langen
Seufzer der Kranken die geringste Rcksicht zu nehmen. Also der Herr
Frster ebenfalls mit Gemahlin, murmelte er dabei vor sich hin, und bei
sich dachte er noch: Merkwrdig, wie mir das Herz schlgt. -- Ich habe
doch Angst, diesem Mdchen wieder entgegenzutreten.
       *       *       *       *       *
Die erste Begrung war vorber. Die beiden Damen der Pastorenfamilie
waren bereits auf das mchtige, schwarze Ledersofa plaziert hinter dem
gewaltigen, runden Tisch und warfen von dort aus erstaunte Blicke auf
den Grafen Brachwitz; der Geistliche selbst, ein kleines gebktes,
weihaariges Mnnchen, das durchaus nicht zu seiner hageren, bergroen
Ehehlfte zu $
 jetzt. Ganz leise klang unter ihren Fingern ein altes
Kinderlied, das sie variierte und umbildete.
Schlaf, Kindchen, schlaf.
Der Bauer horchte hoch auf. Wie weich das tnte?, wie wenn eine Mutter
ihr unruhiges Kind einwiegt. Ja, und dasselbe hatte ja auch seine Mutter
ihm vorgesungen. Eine arme Fischersfrau in der Katenhtte am Strand. Ach
er sehnte sich so nach Ruhe, sein Herz war mde und wollte schlafen, so
traumlos wie damals in Mutters Scho.
Hedwig spielte immer ernster und gewaltiger. Alle Saiten brausten, wie
ein Choral tnte es jetzt, das alte Lied.
Der Pchter schauerte, unwillkrlich fiel sein Blick auf einen einfachen
Silberring, den er seiner sterbenden Mutter vom Finger gezogen und
seitdem an der Uhrkette trug. Verstohlen kte er den Reif und trat
hinter Hedwigs Stuhl.
Und das Brausen und Donnern lste sich, der gewaltige Orgelton verlor
sich in der Ferne, wie ein ser, gestammelter Kindergru klang es aus.
Noch spielte sie die letzten ersterbenden Tne, da fhlte sie, wie
Wilms seine Hand $
orber geschlichen und hatte seine Schlafstelle
aufgesucht. Stille, webende, undurchdringliche Nacht umgab den Einsamen
Er horchte und lauschte.
Kein Laut regte sich mehr, alles schlief, nur er stand noch wie ein Dieb
und wollte stehlen.
Dort drinnen also, dort drinnen.
Er wute, es war unverschlossen.
Die gobe, arbeitsgewohnte Hand reckte sich aus nach der Klinke, aber
ber dem Messing, in der Luft blieb sie, wie auf einer unsichtbaren
Mauer, liegen.
Das vermochte er nicht. Das wagte er nicht. Der Frost schttelte ihn,
da ihm die Zhne klapperten. Er schlug die Hnde vors Gesicht und stieg
wie vernichtet und zerbrochen in seine Kammer hinauf.
Er hatte einen schlimmen Traum.
Da sah er sein Weib auf der Totenbahre liegen, gelb und wchsern. Sie
war endlich gestorben. Frhlich tnten Geigen und Trompeten dazu, und er
selbst hatte Hedwig im Arm und tanzte jauchzend mit ihr um den Sarg
herum und kte sie auf den Mund. Die Leiche aber lag im Brautkleid und
ffnete die Augen und Pastor Schirmer predigte ber ihr:$
nd ins Gehft hineinstarrte.
Das konnte ihm niemand verwehren, die Strae war frei. Wenn Hedwig
vorberkam, schttelte er sich und grinste in sich hinein.
Er wird mir noch mal das Haus ber dem Kopf anstecken, murmelte Wilms
einmal ingrimmig.
Hedwig redete ihm das aus.
Auf dem Schlosse zu Boltenhagen war in der Zwischenzeit ein groes Fest
gefeiert worden. Die Braut des jungen Herrn hatte dem alten Grafen
einen Besuch abgestatet. Hedwig sah sie vorberfahren, und der
Brutigam, der neben der Erwhlten sa, hatte sie ernst und ehrerbietig
gegrt. Er wandte sich noch einmal nach ihr um. Am Abend sprhte ein
prchtiges Feuerwerk herber. Leuchtkugeln und Raketen zischten durch
die winterstille Luft, und Wilms, der neben Hedwig am Fenster lehnte,
kehrte sich ihr beklommen zu, wie wenn er ihre Augen ergrnden wollte.
Aber sie lchelte wehmtig und sah ihn gro und ehrlich an. Da beruhigte
sich der ngstliche wieder.
Wer nach langer Armut Reichtum erlangt, wird ein Geizhals und frchtet
das Gewonnene wieder zu v$
 -- _Scham vor sich selbst_: -- oder
auf _das Gesetz_, als _Grund_ unsrer Verbindlichkeit -- die Achtung
schlechthin, das Gefhl des nothwendigen Primats des Gesetzes, und
unsrer nothwendigen Subordination unter dasselbe: -- oder, auf das
_Gesetz als Substanz_ gedacht, -- unser Ideal. Endlich der _Modalitt_
nach ist Achtung _mglich_ gegen empirisch bestimmbare vernnftige
Wesen; _wirklich_ gegen das Gesetz, und _nothwendig_ gegen das
alleinheilige Wesen.
So etwas nun, wie _Achtung_ ist, welches wir hier blos zur Erluterung
hinzusetzen, ist zwar in allen, endlichen Wesen anzunehmen, in denen die
nothwendige Form des Begehrungsvermgens noch nicht nothwendig
Willensform ist; aber in einem Wesen, in welchem Vermgen und Handlung,
Denken und Wollen Eins ist, lt sich Achtung gegen das Gesetz gar nicht
Inofern nun dieses Gefhl der Achtung den Willen, als empirisches
Vermgen, bestimmt; und wieder im Wollen durch Selbstthtigkeit
bestimmbar ist, als zu welchem Behuf wir ein solches Gefhl in uns
aufsuchen mut$
nntze Bemhung seyn
wrde, wenn nicht gezeigt werden knnte, da dieser Begriff, wenn er
nicht _a priori_ mglich ist, berhaupt nicht vernunftmig ist.
Folglich hngt sein ganzer Werth von dieser Deduktion ab.
_Deduktion des Begriffs der Offenbarung von Principien der reinen
Vernunft a priori._
Wenn endliche moralische Wesen, d. i. solche Wesen, welche auer dem
Moralgesetze noch unter Naturgesetzen stehen, als gegeben gedacht
werden; so lt sich, da das Moralgesetz nicht blos in demjenigen Theile
dieser Wesen, der unmittelbar und allein unter desselben Gesetzgebung
steht, (ihrem obern Begehrungsvermgen) sondern auch in demjenigen, der
zunchst unter den Naturgesetzen steht, seine Kausalitt ausben soll,
vermuthen, da die Wirkungen dieser beiden Kausalitten, deren Gesetze
gegenseitig ganz unabhngig von einander sind, auf die Willensbestimmung
solcher Wesen, in Widerstreit gerathen werden. Dieser Widerstreit des
Naturgesetzes gegen das Sittengesetz kann nach Maagabe der besondern
Beschaffenhit ihrer$
 haben den eigentlichen Fragepunkt mehr
vorbereitet, als bestimmt und entwickelt. Da nemlich nach allem bisher
gesagten kein vernnftiges Aufnehmen einer Offenbarung als gttlich,
eher als nach vlliger Entwickelung des Moralgefhls in uns, statt
findet; da ferner nur auf dieses Gefhl, und den dadurch in uns
begrndeten Willen der Vernunft zu gehorchen, jeder Entschlu einem
Gesetze Gottes zu gehorchen sich grnden kann: (. 3.) so scheint die
gttliche Autoritt, worauf eine gegebne Offenbarung sich grnden
knnte, ihren ganzen Nutzen zu verlieren, sobald es mglich wird, sie
anzuerkennen. So lange nemlich eine solche Offenbarung noch arbeitet, um
den Menschen zur Empfnglichkeit fr Moralitt zu bilden, ist es
demselben vllig problematisch, ob sie gttlichen Ursprungs auch nur
seyn knne, weil dies sich nur aus einer Beurtheilung derselben nach
Moralprincipien ergeben, kann; sobald aber n3ach geschehener Entwickelung
des Moralgefhls in ihm, eine solche Beurtheilung mglich ist, so
scheint dies Moralgefh$
barung Erzhlungen davon, Vorschriften, und Verheiungen
hierber vorkommen, so gehren diese zur uern Form der Offenbarung,
und nicht zum allgemeinen Inhalte derselben. Bestimmung durch
bernatrliche Ursachen auer uns hebt die Moralitt auf; _jede Religion
also, die unter irgend einer Bedingung dergleichen Bestimmungen
verspricht, widerspricht dem Moralgesetze, und ist folglich sicher nicht
Es bleibt also der Offenbarung von dergleichen Mitteln nichts brig zu
versprechen, als natrliche Wirkungen. -- So wie wir von
Befrderungsmitteln der Tugend reden, sind wir im Gebiete des
Naturbegriffs. Das Mittel ist in der sinnlichen Natur; das was dadurch
bestimmt werden soll, ist die sinnliche Natur in uns; unsre unedlen
Neigungen sollen geschwcht und unterdrckt, unsre edlern sollen
gestrkt und erhht werden; die moralische Bestimmung des Willens soll
dadurch nicht geschehen, sondern nur erleichtert werden. Alles also mu
nothwendig wie Ursache und Wirkung zusammenhngen, und dieser
Zusammenhang mu sich kla$
te Kritik einer besondern Offenbarung.]
[Funote 23: So ist es freilich eine richtige Regel: Fasse nie einen
Entschlu in der Hitze des Affekts: aber diese Regel, als empirisch
bedingt, kann sogar nicht auf Menschen allgemeine Anwendung haben, denn
es ist wol mglich, und soll mglich seyn, sich von allen aufbrausenden
Affekten gnzlich frei zu machen.]
[Funote 24: Es folgt aber gar nicht, da, weil ein gewisses Mittel fr
ein Subjekt, oder auch fr die meisten von keinem Nutzen sey, es darum
fr niemanden einigen Nutzen haben knne; und man ist in den neuern
Zeiten in Verwerfung vieler ascetischen Uebungen, aus Ha gegen den in
den ltern damit getriebnen Mibrauch, zu weit gegangen, wie mir's
scheint. Da es berhaupt gut und ntzlich sey, seine Sinnlichkeit auch
zuweilen da, wo kein ausdrckliches Gesetz redet, zu unterdrcken, blos
um sie zu schwchen und immer freier zu werden, wei jeder, der an sich
gearbeitet hat.]
[Funote 25: Da die Juden lterer Zeiten wirklich so schlossen,
bezeugen die Vorstel$
as Wunder durch einen Betrug
zustande gekommen war.
Thurneyer lebte ein paar Monate dann in Belvedere, wanderte dann wieder
nach Deutschland und starb endlich in rmlichen Umstnden in einem
Kloster bei Kln, fnfundsechzig Jahre alt, genau an dem Tage, auf den
er sich selbst das Horoskop gestellt hatt.
Der Kurfrst Friedrich von Brandenburg und sptere erste Knig von
Preuen berlie sich am Anfang seiner Regierung vllig der Leitung
Danckelmanns, seines ehemaligen Hofmeisters. Eberhard Danckelmann war
1643 geboren; er war ein Fremder, ein Westfale aus der damals noch
nassau-oranischen Stadt Lingen, wo sein Vater, der berhmte gelehrte
Sylvester, Landrichter war. Die Familie war brgerlich, hatte aber die
Tradition, da einer ihrer Vorfahren einem deutschen Kaiser durch treue
Wachsamkeit das Leben gerettet und dieser ihm mit den Worten: Danke,
Mann, den Ritterschlag erteilt habe. Das Wappen, das dieser Tradition
Wahrscheinlichkeit geben sollte, war ein Kranich.
Der junge Danckelmann war eine Art Wunderk$
da der Knig den Minister Grumbkow als
einen Verrter im Dienst und Solde sterreichs entferne, und der
Gesandte Hotham erbot sich, diese Anklage aus aufgefangenen Briefen
Grumbkows zu beweisen. Der Graf Seckendorf stellte aber dem Knig vor,
da England den treuen Minister nur deshalb entfernen wolle, um mehr
Einflu am preuischen Hof zu gewinnen; die aufgefangenen Briefschaften
seien unterschoben und knstlich fabriziert. Als nun Hotham zur Audienz
kam und die Zuversicht aussprach, da der Knig den Verrter sofort
entlssen werde, geriet Friedrich Wilhelm in solchen Zorn, da er dem
Gesandten Grobritanniens die Dokumente ins Gesicht warf und sogar den
Fu aufhob, als wollte er ihn mit einem Tritt bedienen. Der Gesandte
machte Anstalten zu seiner Abreise, Friedrich Wilhelm erkannte seine
bereilung und lie sich zweimal entschuldigen, aber kurz darauf wollte
er seine Gemahlin, die englische Prinzessin, bei der Tafel ntigen, auf
Englands Untergang zu trinken.
Mit Holland und Sachsen-Polen stand der Knig $
Flocht und schmckte ihr der Herr,
Salbte sie, und tanzend schreiten
Mute sie zu Adam her.
Tausend Engel, sie zu preisen,
Vor dem klaren Weibe gehn,
Singend, spielend sie umkreisen
Rings mit himmlischem Getn.
Und es tanzten rings den Reigen
Sonne, Mond und Sterne fern
Nach der Engel Harf und Geigen
Vor der Braut des Erdenherrn.
Whrend seinen Segen beiden
Reichet gtig nun der Herr,
Zu der Mahlzeit sie zu leiten
Eilten dann die Engel her.
Auf dem Tisch von Edelsteine
Da die Hochzeitsspeisen stehen,
Schenkend wohlgekhlte Weine
Engel um die Tafel gehn.
Gott zeigt in dem Paradeise
Einen Baum, der hoch aufstrebt,
Spricht: "Die Frucht nehmt nicht zur Speise,
Sie ist tdlich!" und entschwebt.
Da er von der Erde weichet,
Von dem Herren zum Geschenk
Raphael ein Buch ihm reichet,
Da er seiner Liebe denk.
Aller Schpfung Heimlichkeiten
In dem Buch verzeichnet stehn,
Und die Engel aller Seiten
Schleichen, in das Buch zu sehn.
Hinter seinem Rcken schreibet
Ab das Buch der Samael,
Luzifer ihn dazu treibt,
Da auch n$
ann den Schleier nehmen
In der Kirche zu Sankt Claren.
Und der Schein unzhl'ger Kerzen
Fllet leuchtend schon die Hallen,
Und es lodern alle Herzen
In unsichtbar schnen Flammen.
All die schwarzen Fraun und Herren,
All die Diamanten strahlend
Und die schwarzen Augen brennend
Reihen blendend sich zum Kranze.
Bis lebendig alle Wnde
In viel tausend Herzen schlagen,
Jeder Blick ein Aug mu treffen,
Jeden Ton ein Ohr mu fassen.
So gleich einem Firmamente
Mit viel guten Sternen flammend,
Baut sich wundersam ein Tempel,
Um Biondetten zu umfangen.
Da der Vorhang ruhig schwebet,
Sonne, bist du aufgegangen,
Leise Khlung duftend wehet
Um die sehnsuchtsheien Wangen.
Liliensulen sich erheben
Eine RosGnkuppel tragend;
Unter einem Blumentempel
Steht Biondetta mit der Harfe.
Ach, sie war ein klarer Engel,
Voll von lieblichen Gedanken,
Einer frommen Jungfrau Seele
An der Himmelspforte zagend.
Alles Licht zu ihr sich sehnet,
Zu ihr alle Strahlen fallen,
Alles schweigt und liebt und betet
Recht in selgem Wohlgefallen.
Als$
und seiner Mutter Psalmen.
Seit das Weib den schwer verbotnen
Apfel teilte mit dem Manne,
Bringt das Weib das Kinddes Todes
Zu der Welt mit Not und Jammer.
Und wir durch die Gte Gottes
Haben schuldlos uns erhalten,
Und er wird uns nicht verstoen
Aus des Paradieses Garten.
Auch ich mu von diesem Orte
In den Willen des Erbarmers;
Dich, bei dem so gern ich wohnte,
Mu ich einsam nun verlassen.
Und du sollst, wie Christen sollen,
Deinem irdschen Gut entsagen,
O, mein Bruder, wolle folgen
Eines schwachen Weibes Rate.
Geh in einen frommen Orden;
An die Stelle des Theaters
La erbaun ein heiles Kloster;
Dort auch ruhe meine Asche!
Lasse jetzt von armen Volke
Stille mich zu Grabe tragen,
Bis erbauet ist das Kloster
Zur Kapelle bei Sankt Claren.
Und den Schwestern dieses Ordens
Dann das neue Kloster lasse,
Weil sie jetzt nur rmlich wohnen
Und das Haus sie kaum mehr fasset.
Meinen Sarg, geschmckt mit Rosen,
La von armen Jungfraun tragen;
Lasse auch die Kinder folgen,
Die ich stets geliebet habe.
Allen spende aus $
ntzcken
Fhlte sie, wie wundervoll
Aus des Bildes stillen Blicken
Eine helle Trne quoll.
Und so ganz von Angst durchdrungen
Weilt sie in dem bsen Haus,
Streckt die Hnde schmerzgerungen
Zu dem Morgenlichte aus.
Wie versptete Gespenster
Gaben hundert Kerzen Schein,
Tiefgebrannt, und durch die Fenster
Sah erschreckt der Tag herein,
Den die Nachtigallen gren
Auf des Fensters Gartenbeet,
Wo ihr Bauer unter sen
Blumen eingezunet steht.
Rosablanka geht zum Bauer,
Lt die Sngerinnen frei:
"Flieht und sucht, wo eurer Trauer,
Meiner Trauer Heldin sei!
Schwinget euch zu ihrer Leiche,
Rufet ihren Mrder aus,
Da die Rache den erreiche,
Der befleckt dies heilge Haus!"
Und die kleinen Vgel lenken
Zu dem Lichte erst den Flug,
Werden aber bald sich schwenken
Nach des Herzens innrem Zug,
Wie das Schiff vom Lande rauschet
Freudig erst ins Element
Und die freie Lust dann taushet
Mit des Schiffers Ziel und End.
Doch nun kmmt der kleine Knabe,
Dem sie gestern am Altar
Teilte ihre Honigwabe,
Sprach mit seiner Stimme $
 schon Champagner bestellten, den Genu
wrdig zu feiern, rusperte sich Loenwerder pltzlich und stieg, von dem
Wein erregt, und jetzt unter dem lauten Jubel der ihn umdrngenden Gste,
auf einen Stuhl.
                               [Capitel 4]
Was aber, wie sich die Uebrigen gedacht, Spott und Scherz hatte werden
sollen, das erstarb in athemlosem Schweigen, nur von leisen Ausrufungen
des Staunens und der Bewunderung unterbrochen, als der kleine verkrppelte
Mensch, mit einer hellen, glockenreinen Stimme, und Tnen, die zum
innersten Herzen drangen, erst noch scheu, dann aber immer
zuversichtlicher werdend, und wie von dem Inhalt des Liedes mit
fortgerissen, dieses also begann:
  Ich habe schon zu oft geschaut
  In Deiner Augen Glanz, Du Holde,
  Auf meine Kraft zu fest vertraut,
  Viel mehr, als ich vertrauen sollte.
  Doch nein, fr Dich Geliebte sind
  Des Lebens schnste, reinste Blthen,
  Von keinem Schmerz getrbt, bestimmt,
  Und was knnt' ich dafr Dir bieten?
  Nichts -- gar Nichts, als ein tr$
t der Gefahr ausgesetzt, da ich
betrogen und hintergangen werde. Man kann dort ja nicht einmal seinem
eigenen Bruder trauen.
Aber mein bester Herr Kellmann, das ind die unglckseligen Ideen, die
von -- na, ich will keinen Namen nennen -- ausgesprengt werden, um die Leute
blind zu machen, rein blind. Sie sollen eben nicht sehen was fr
Vortheile, fr fabelhafte Vortheile dort gerade fr sie zu Tage liegen,
und die Gerchte von dort verbten Betrgereien hngen eben als
Vogelscheuche ber den Erbsen. Wir haben _hier_ eben so viele schlechte
Charaktere wie in Amerika.
Ob eben so _viel_, will ich dahingestellt sein lassen, sagte Schollfeld
mit einem nichts weniger als freundlichen Seitenblick auf den Agenten --
aber eben so schlechte gewi.
Nun also, erwiederte Weigel freundlich, ohne auf den Hieb einzugehn, ja
im Gegentheil die Waffe lchelnd umdrehend -- sehn Sie, selber Herr
Schollfeld stimmt mir darin bei.
Ja aber nicht wie _Sie_ es meinen! rief da Schollfeld entrstet,
keineswegs gesonnen sich $
ause; besser ist besser, und der Mrtens unten an der Strae
braucht nicht gleich zu wissen da wir fortgefahren sind, beide zusammen,
seine Nase hineinzustecken vor der Zeit; er ist mir so schon ein paar Mal
hier oben herumgekrochen, wo er Nichts zu suchen hatte.
Aber wenn sie uns nun doch vor der Zeit vermissen? qsagte die Frau, und
unserer Spur nachgehn; wenn's jetzt schlimm ist, nachher wird's erst bs,
und wir drften dann nur gleich mit Sack und Pack abziehn.
In's Arbeitshaus, eh? -- nein, eine Weile halt' ich sie uns schon von den
Hacken, und Gefahr da sie uns finden, hat es auch nicht. Wo wir zur
Eisenbahn kommen bin ich bekannt, und habe schon manchmal Vieh da gekauft,
wenn sie auch eben meinen Namen nicht wissen, und wenn wir fortgehn, lasse
ich einen alten Hut von mir und das gelbe Tuch von Dir unten an dem tiefen
Wasserloch unter den Erlen. Sobald Jemand hier in der Gegend vermit wird,
suchen sie dort immer zuerst, und der Schulze im Dorf hat das Pulver nicht
erfunden, dem ist leicht was $
mit einem artigen:
"Guten Morgen meine Herren" empfahl.
"Adje Herr -- Herr Schnellig," rief der Agent ziemlich laut hinter ihm her,
ohne sich weiter nach ihm umzudrehen, waehrend die Bauern freundlich den
Gruss in ihrer Art erwiederten.
"Wer war der junge Herr?" frug der erste Sprecher aber, als er die Thuer
rasch hinter sich in's Schloss gedrueckt.
"Ach, ein armer Teufel, der gern mit umsonst nach Amerika hinueber moechte,"
sagte Herr Weigel -- "er thut zwar als waer' es nur fuer einen armen
Verwandten, aber, hehehe, derlei Ausreden kennen wir schon -- kommen alle
Wochen vor."
"Umsonst mit nach Amerika?" sagte der rste Sprecher verwundert, "_der_
sieht doch nicht aus als ob er etwas umsonst haben wollte, der ging ja
_so_ fein gekleidet; Donnerwetter -- mit Handschuhen und allem  -- "
"Ja auswendig sind die Leute in der Stadt meist alle schwarz und sauber
angestrichen," lachte Herr Weigel, "aber inwendig, in den Taschen, da
hapert's nachher. Wer aber ein Bischen Uebung darin hat, kann auch schon
oben auf erk$
art ist,
dass es Einem nachher im Alter schlechter gehn soll wie in der Jugend,
brauchten wir doch gerade keine Furcht zu haben dass wir verhungerten; aber
die Kinder -- die Kinder -- was wird aus denen? Unser kleines Grundstueck ist
die Jahre ueber kleiner und kleiner geworden; mit dem Geschaeft geht's auch
kuemmerlicher wie bisher -- neue, geschicktere Arbeiter, junge Burschen die
noch keine Familie haben und weniger brauchen, sitzen in den Doerfern
herum, und die Fabriken und Maschinen geben uns ohnedies den Todesstoss.
Stahl und Holz braucht Nichts zu essen und arbeitet unermuedet Tag und
Nacht durch, und die Raeder und Walzen und Haemmer klopfen und drehen und
schwingen ununterbrochen fort gegen den Schweiss des armen Arbeiters der
darueber zu Grunde geht. Ich murre auch nicht darueber, es muss wohl schon so
recht sein, denn Gott hat's den Menschen selber gelehrt und die Welt muss
vorwaerts gehn -- wir aelteren Leute koennen uns aber eben nicht mehr darein
schicken, koennen nichts Anderes mehr ergreifen$
tender Stimme:
"Kommt Kinder, kommt -- macht Euch selber nicht das Herz zum Brechen
schwer; das ist unrecht. Ueberdies quaelt Ihr Euch zweimal, und habt morgen
frueh noch dasselbe Leid. Es ist eine lange Trennung, aber keine Trennung
fuer's Leben -- wir sind Alle noch ruestig und gesund, und werden uns, will
es Gott, hoffentlich Alle einmal froh und freudig in die Arme schliessen
"Aber Du schreibst bald, Georg," fluesterte die Mutter sich mit aller Kraft
zusammennehmend -- "Du laesst uns nie lange ohne Nachricht, nicht wahr Du
versprichst mir das?"
"Gewiss Mutter, gewiss -- so oft ich kann -- aber aengstigt 5uch nur auch
nicht, wenn einmal ein Brief laenger ausbleibt als gewoehnlich; der Weg ist
weit, und ein Brief kann leicht verloren gehn."
"So, und jetzt zu Bett Kinder," mahnte der Vater -- "es ist spaet geworden,
sehr spaet, und Du musst frueh wieder heraus Georg, die Post nicht zu
versaeumen; sind Deine Koffer hinuebergeschafft?"
"Es ist Alles drueben," sagte die Mutter, sich aus den Armen des Sohnes
win$
nkung des Auges; freilich nicht des physischen
Auges; was darf nicht alles Auge heien bei den Edleren: das Herz ist
selber Auge.
Die hufig stockende, wie aus Bescheidenheit unsichere und zgernde Rede
des Fremden drang mit jeder Silbe unhemmbarer in Mrners Inneres. Harte
Schlacken schmolzen, der Krampf lockerte sich.
Was fr ein Mensch ist dies? dachte er zwischen zwei Atemzgen, von
denen der eine noch Qual war, der nchste schon Hoffnung.
       *       *       *       *       *
Sie saen im Arbeitszimmer des Schriftstellers. Der Unbekannte begann zu
erzhlen. Er hatte es gewi noch nie getan, denn es hatte unverkennbare
Erstmaligkeit.
Es war viele Jahre her, da er als Sohn eines reichen Hauses, verwhnt,
umworben, wie ein Thronfolger umschmeichelt, eines pltzlichen Tages
alles von sich geworfen, alles berflssige, wie er sich ausdrckte:
Geld, uere Wrde, gesellschaftliche Stellung, die Freunde, die Frauen,
die Dinge, die Gewhnungen, den Ehrgeiz, den Namen; alles von sich
agestreift, blo um zu l$
ann wieder: Ihr. Darin war soviel Gift und
Wut und Geifer und solch ein verkrampftes, rabenbses Grollen, da mir
der Speichel im Munde bitter wird. Was denn, Ihr? ruf ich ihn an; was
denn, Ihr? O Ihr, spricht er hinter den Zhnen hervor, Ihr seid mir auf
der Brust gehockt, mein Lebenlang. Da schwieg ich. Ihr habt gut vor mir
stehn und blitzen mit Euren Augen, fhrt er fort; soll denn das nicht
endlich aufhren, da Ihr mich anschaut mit Euren Augen? So ists immer
mit Euch gewesen; anschaun, anschaun, und kein Wort. Hinterm Tische
sitzen und alles von einem wissen, und kein Wort. Weit habt Ihr mich
gebracht mit Eurem Anschaun und Anschaun. Warum habt Ihr mich nicht
genommen und zu mir geredet? Niemals ein einziges Wort geredet? Da _mu_
einen ja die Verzweiflung packen. Wie soll er denn da nicht zu den
Menschern und zu den Saufbrdern laufen? Die reden doch, die lachen
doch, die haben doch ein gutes Wort fr einen, die sagen H und Hott,
und man wei, wie man mit ihnen dran ist. Ihr aber, hab ich gewut, wie$
nwirsch, warum sie so spt
kme, alle andern seien schon einwaggoniert, fange man mit
Unpnktlichkeit an, so werde man mit Katastrophen enden. Er hpfte
gestikulierend vor dem Trittbrett eines Salonwagens herum, der zwischen
die Wagen eines Gterzugs gekoppelt war. Die Fensterscheiben waren dicht
verhngt; drinnen war ein Gewimmel von Menschen; jeder war bemht, sich
einen Platz zu erobern. Menasse keifte mit enem alten Herrn, der seine
Koffer um sich herumgestellt hatte; blies eine Dame an, die eine
Auskunft von ihm begehrte; raste von Abteil zu Abteil und vermehrte die
Verwirrung; warf eine Schachtel in den Korridor, ri im Eifer seinen
flachen Strohhut vom Kopf und fuchtelte damit durch die Luft; betonte
zehnmal in hchster Fistel, da er unbedingten Gehorsam erwarte, und da
er einfach die Hnde in den Scho lege und alle ihrem Schicksal
berlassen werde, wenn man nicht Disziplin halte. Wer ist der hier?
fuhr er Maria grob an und deutete mit dem Ellbogen auf Jefim
Leontowitsch. Maria sagte gelassen und $
em Zusammenhang gehoben sah,
rhrten ihn von unten her Hnde an. Hnde von Vergangenen, Hnde von
Gerichteten. Sie strebten verlangend zu ihm empor; Hnde eines Knaben;
Hnde eines Greise; Hnde eines Mdchens; Hnde von Mnnern. Die einen
waren gefaltet, die andern wie in der Abwehr; die einen flehten, die
andern drohten; die einen beteuerten, die andern waren gerungen.
Zuerst fragte sich der so Bedrngte, was sie von ihm begehrten; doch wie
der Umri nahm auch ihre stumme Sprache an Verstndlichkeit zu, und wie
sie von schattenhafter Verwesung sich in Krperhaftigkeit wandelten,
wurde die Forderung so klar, Klage, Vorwurf, Anspruch und Gericht so
unzweifelhaft wie Schall und Fall von Worten. Bangten sie nach Dingen,
die sie hatten verlassen mssen? Wollten sie eine Schuld bezahlen, die
unberichtigt geblieben war? Gewhrten sie eine Liebkosung, die sie
verweigert hatten? Gaben sie ein Versprechen? Erbaten sie ein Geschenk?
Leisteten sie einen Schwur? Wiesen sie einen Weg? Winkten sie einem
Freund? Schrieben $
ine zimmerte das neue Leben, der andere tilgte das alte in sich
Bis auf eine ferne Gestalt. Bis auf ein Kind, das groerstaunte Augen
hatte, fein- und langgeschwungene Brauen und die Figur einer
porzellanenen Puppe. Im Hinblick auf dieses allen beiden zugehrige
Wesen schlossen Taube und Sturreganz einen Bund und bauten einen
Mittlerweg, wo sie sich trafen und verstndigten. Sie nannten es in
ihren Beschlssen und dstern Trumen das Menschlein, oder die Gefangene
von Ansbach, oder das markgrfliche Unterpfand. Es durfte nie vergessen
werden, nicht einen Augenblick; mahnte Taube nicht, so mahnte
Sturreganz; es war wie ein kostbares Juwel, das zur Einlsung bereit
lag, und fr das man Kapital zusammenscharren mute, es war der Anreiz,
die Lockung zu Taten, der ununterbrochene Trieb zur Entfaltung. Es war
das, worin sich alle sonst verschwendete, verworfene, verirrte,
entschmckte, beleidigte Liebe vereinigt hatte. Insiegel des Wirkens und
des Geschehens. Taube gab die Richtung an; Sturregaz ging den Weg;
Taub$
fe Stimmen von einer andern Seite
des Hauses. Sie lauschten, schlichen an der Mauer entlang, zwngten sich
durch die morsch auseinanderfallenden Bretter eines Zauns, kamen um eine
Ecke und sahen vier Mnner vor sich, von denen zwei Windlichter trugen
und zwei andere mit Aufbietung aller Vorsicht den Sarg, der dem Diener
solche Besorgnis eingeflt, aus einer schmalen Tr schoben. Dies
gewahren und hinzuspringen, war fr Sturreganz eins. Die jhe
Verwandlung, die mit ihm vorging und aus dem altmodisch gekleideten,
gravittisch schreitenden Mann einen Tiger machte, erstaunte seinen
Begleiter dermaen, da er den Kopf verlor und sinnlos um Hilfe zu rufen
Den Sarg ffnen! befahl Sturreganz, aber da die Mnner regungslos
verharrten, beugte er sich selbst nieder, zerrte mit kraftvoller Faust
den Deckel herunter, der nicht vernietet und nicht angenagelt war, ri
einem der Lampentrger das Windlicht aus der Hand, hielt es gegen die
Leiche im Sarg und t)at, wie aus der Raserei erwachend, schweratmend
zurck. Das tot$
iten von
der Monatsversammlung geschlichtet werden, auf die Dauer nicht
durchfhrbar ist. In Zukunft soll die Monatsversammlung nur noch
Berufungsinstanz sein, vielleicht sogar erst dritte Instanz. Zunchst
sollen alle Sachen jedenfalls von einem Richter entschieden werden, vor
allem die reinen Bagatellsachen. Ob wir als nchste Instanz die
Vorstandschaft nehmen, oder gleich die Monatsversammlung, mssen wir uns
noch berlegen. Praktisch kommt es ja auf dasselbe hinaus, da die
Versammlung ja fast immer gem den Vorschlgen der Vorstandschaft
beshliet. Na, wir werden sehen, wie sich das am besten formulieren
lt. Jedenfalls soll Otto Meyer der Richter sein. Und Sie wrden wir
bitten, seine Stellung zu bernehmen. Wenn Sie einverstanden sind, wrde
ich Ihnen vorschlagen, bis zur nchsten Jahresversammlung als Otto
Meyers Gehilfe zu arbeiten, um mit den Geschften vertraut zu werden.
Auf der Jahresversammlung lassen wir dann entsprechend beschlieen. Die
Sache wird uns natrlich ohne weiteres genehmigt; die $
essex, Essex, Middlesex und Sussex, die Angeln in Ostangeln,
Mittelangeln oder Mercia und im ganzen norden nieder.
    [Footnote 29: Eine zurckfhrung dieser fabelhaften geschichte,
    worin Gurthrigern wahrscheinlich mit dem Rmer Gerontius
    verwechselt wird, auf historische thatsachen findet sich in Sharon
    Turner's Hist. of the Anglo-Saxons. Vol. I. Book II. chap. 7.]
    [Footnote 30: Die jtische niederlassung in Kent und Wight, welche
    die frheste der germanischen stmme gewesen sein soll, ist
    indessen sehr angezweifelt worden, obwohl Beda und nach ihm die
    sachsenchronik ausdrcklich von den Jten in Kent sprechen:
    Of Iotum comon Cantware and Wihtware, tht is seo miadh, the
    nu eardath on Wiht, and tht cynn on West-Seaxum dhe man gyt ht
    Jutnacynn, (von den Jten kamen die Kentmnner und
    Wightmnner, das ist der stamm, welcher jetzt auf Wight wohnt,
    und das volk unter den Westsachsen, welches man noch Jtenvolk
    heisst.) Alfred giebt diese stelle also: co$
uf keine frage
    antworten konnte (quia linguam anglicam prorsus ignorabat),
    und in das gefngniss geworfen.]
    [Footnote 122: Comitatus et Baronias, Episcopatus et Prlatias
    totius terr suis Normannis rex distribuit, et vix aliquem
    Anglicum ad honoris statum vel alicuius dominii principatum
    ascendere permisit. Ingulph, p. 70.]
    [Footnote 123: Custodes in castellis strenuos viros ex Gallis
    collocavit, et opulenta beneficia, pro quibus labores et pericula
    libenter tolerarent, distribuit. Order. Vital. l. IV, p. 506.]
Vielleicht noch wichtiger als das politische bergewicht der Normannen
war fr die verdrngung der angelschsischen und die verbreitung der
franzsischen sprache diejenige massregel Wilhelm's, durch welche er
alle hheren geistlichen stellen mit ihm ergebenen und franzsisch
sprechenden fremden besetzte. Schon im jahre 1072 waren die zwei
erzbischfe, sieben von elf bischfen und sechs von zwlf bten keine
Angelsachsen mehr, und wenige jahre spter ist das m$
 bue wis,
  Then for te where feh and grys,
    Wher so mon shal ende.
  +Wyt ant wysdom is god warysoun(4)
            Quoth Hendyng.
      Wit and wisdom lerneth gerne,
      And loke that no man other werne
        To ben ful wis and hende;
      For betere were to ben wis,
      Tha to werren for and gris,
        Were se mon shal ende.
        +Wit and wisdom is god wareis+
                Quod Hendyng.
  Ne may no mon that is in londe
  For nothyng that he con fonde,
    Wonen at home ant spede;
  So fele thewes for te leorne,
  Ase he that hath y-soht georne
    In wel fele theode.
  +Ase fele thede, ase fele thewes;(5)
            Quoth Hendyng.
      May no mon that is in londe,
      For nothing that he con fonde,
        Wonen at hom and spede
      Fele thewes for to lere,
      So he that haveth wide were
        Fouht in fele thede;
        +Also fele thedes, also fele thewes,+
                Quod Hendyng.
          Ne mai no man that is in londe,
          For nothing that he mai fond$
t (No. 112A). Einem anderen Meister gehren ein Paar groe
Madonnenkompositionen, denen besonders zarte Empfindung und reiche
Gewandung eigen?tmlich ist (No. 109C und D). Besonders hufig als
Stuckreliefs verbreitet sind verschiedene unter sich nahe verwandte
Madonnen, in denen sich das Kind zrtlich an die Mutter anschmiegt;
alle, wie das nebenstehend abgebildete Relief (No. 109), ausgezeichnet
durch die glckliche Gruppierung von Mutter und Kind, das innige, rein
menschliche Verhltnis zwischen beiden und die einfache, volle
Faltengebung; nur in der Ausfhrung der Extremiten, namentlich der
Hnde, verrt sich noch ein naturalistisch nicht zu voller Freiheit
durchgebildeter Knstler.
[Abbildung: 109. Bemaltes Stuckrelief von einem florentiner Thonbildner.]
Ein Knstler dieser Gruppe ist _Bicci di Lorenzo_, der 1424 das
Thonrelief der Krnung Mari ber der Thr von S. Egidio in Florenz
modellierte. Wie wenig diese Richtung monumentalen Aufgaben gewachsen
ist, beweist _Bernardo Ciuffagni_ (1385-1456), desse$
 hart werden. Es kommt uns fast so vor, als ob es
auch da drauen noch etwas gibt; eine Ahnung sagt uns das!
Und Wochen vergingen; die Erbsen wurden gelb und die Schote wurde gelb.
Die ganze Welt wird gelb! sagten sie, und das durften sie wohl
Da empfanden sie einen Ruck in der Schote; sie wurde abgerissen, kam in
Menschenhnde und wurde mit mehreren andern gefllten Schoten in eine
Rocktasche gesteckt. Nun werden wir bald geffnet werden! sagten sie.
Ich mchte nur wissen, wer von uns es am weitesten bringen wird, sagte
die kleinste Erbse.
Geschehe, was da wolle! sagte die grte.
Krach! da platzte die Schote, und alle fnf Erbsen rollten in den
hellen Sonnenschein hinaus. Sie lagen in einer Kinderhand; ein kleiner
Knabe hielt sie fest und sagte, die Erbsen wren gerade recht fr seine
Knallbchse; und sogleich scho er eine weg.
Nun fliege ich in die weite Welt! Halt mich, wenn du kannst! und dann
war sie fort.
Ich, sagte die zweite, fliege gerade n die Sonne hinein, das ist
eine richtige E$
he _Distriktsrte_, die
bisher unserer Sache ferne gestanden, haben auf Ansuchen erfreuliche
Beitrge bewilligt.
Es wurden _Jahresbeitrge_ bewilligt:
*Von Stadtgemeinden:* *Auklam* 15 m. (Weiterbewilligung.) *Dresden* (statt
bisher 200 m.) 300 m. *Krefeld* 100 m. *Leer* 15 m. *Leobschtz* 5 m.
*Limbach* 5 m. *Linden* 20 m. *Lippstadt* 10 m. *Lrrach* 10 m.
*alstatt-Burbach* 30 m. *Marienberg* in Westpr. 5 m. *Meiderich* 20 m.
*Memel* 10 m. *Miltenberg* 5 m. *Mosbach* 10 m. *Mnnerstadt* 3 m.
*Nagold* 5 m. *Neustadt* i. Sachsen 6 m. *Neuteich* 5 m.
*Von bayerischen Distriktsrten:* *Burghausen* 15 m. *Ebermannstadt* 10 m.
*Greding* 10 m. *Hilpoltstein* 10 m. *Hollfeld* 10 m. *Ingolstatt* 10 m.
*Kaiserslautern* 50 m. *Rosenheim* 20 m. *Sesslach* 5 m. *Weidenberg* 9 m.
*Weissenhorn* 15 m.
*Von Vereinen, Korporationen etc.:* *Oppeln* Philomathie (statt bisher 9
*Von Privaten:* *Bhm. Leipa.* Anton Michel, k. k. Bezirksrichter i. P. 2
Kr.; Rudolf Walde, Direktor, (statt bisher 1 Kr.) 2 Kr. *Cadolzburg.*
Leitenbau$
rstich von F.
Valegio; ca. 1590. Grund- u. Abris von Kraftshof. Federzeichnung von Hans
*Spielkarten:* Drei Kartenspiele, gefertigt zu Leipzig; ca. 1810-20.
_Geschenke._
*Isny.* _Carl Pfeilsticker_, Kaufmann: Ein Fascikel Personalakten und
Privatrechnungen aus Isny und Biberach, 1824-1843. Pap. -- *Ludwigshafen.*
_Theodor Walter_: Nrnberger Gerichtsbrief ber den Verkauf von 3 Pfund
Heller Ewiggelds auf Markarts von der Weyden Hause am Kornmarkt durch
Herrn Paulus Kupfermann, Vikarier zum Neuen Spital, an Hermann Haym. 1422
Febr. 5. Orig. Perg. Kaufbrief des Schwarzfrbers Georg Hagenawer zu
Nrnberg fr Martin Krell den Deckweber ber die Eigenschaft ihrer
Behausung und Hofrayt am Kornmarkt nebst einem jhrlichen Eigenzins von 18
Gulden Rheinisch um 360 Gulden. 1536 Nov. 10. Orig. Perg. Siegel.
24 Originalschreiben des Herzogs und Kurfrsten Maximilian I. von Bayern,
nmlich: 17 Schreiben an die Stnde des Erzherzogtums streich ob der Enns
wegen Kriegsrstungen und Kriegskosten, 1620-1634; 1 Schreiben an $
 4. Steffan
Castenbaur, Ain kstlicher g[u ring]tter notwendiger Sermon | vo Sterbe.
1523. 4. Drey g[u ring]t v nutzlich Sermon gepredigt ... durch Johannem
Diebolt z[u ring] Vlm ...  1523. 4. Jakob Fuchs, von vereelichten
geystlichen personen. 1523. 4. Dasselbe, andere Ausgabe. 1523. 4. Caspar
G[u ring]tel, Von Euangelischer allerbestendigsten Warhait. 1523. 4.
Creutz Biechlinn oder ermanung des wolgebornen Herrn Sigmunden den Grauen
von Hohenloe. 1525. 4. Johannes Eberlin, Wider die schender der Creaturen
gottes | durch Weyhe | oder segnen | ... 1522. 4. Opervm Helii Eobani
Hessi farragines duae. 1539. 8. Caspar Gttel, Ein Sermon ... Auff dem
Gottsacker zu Eisleuben gethan. Mit einer Vorrede D. Mart. Luth. 1541. 4.
Ein gesprch Luciani |^Ob man der Zawberey | vnnd Polder | gaystern
glauben soll | ... Durch Hieronymum Ziegler transferiert 1545. 4. Joann.
Gotlib, Zwey knstliche vnnd verstendige Buchhalten etc. 1546. 4. Ein
schn new gemacht Lied | z[*u] lob vnnd Er von Gott auffgesetzter
Obrigkait. 1547. $
aurat, 3 m.;
Kniebe, Tchterschullehrer, 1 m.; Simson, kgl. Landrichter, 15 m.;
Stottuth, Stadthauptkassen-Rendant 2 m. *Bromberg.* Dr. Baumert,
Oberlehrer, 1 m. 50 pf.; Jakob, Apothekenbesitzer, 2 m. *Bunzlau.* Otto
Fernbach, jr., 3 m.; Ernst Heinecke, Maler u. Fachlehrer a. der keram.
Fachschule, 2 m.; Dr. Pukall, Direktor der keram. Fachschule, 3 m.;
Waldeyer, Bildhauer, Fachlehrer, 2 m. *Chemnitz.* Hans Vogel, Kaufmann, 5
m. *Dachau.* Eduard Engert, kgl. Amtsrichter, 2 m.; Anton Mayer, jr.,
Zimmermeister, 2 m.; Franz Multerer, kgl. Eisenbahnoberexpeditor und
Stationsvorstand, 2 m. *Darmstadt.* Kofler, Hofrat, 3 m. *Dnkelsbhl.*
Dr. Jos. Brunner, Lehramtsassistent, 2 m.; A. Pfaff, k. Reallehrer, 2 m.
*Dresden.* Hahn, kgl. schs. Geh. Kommerzienrat, 20 m. *Durlach.* Meyer,
Stadtpfarrer, 2 m.; Protscher, Arzt, 2m.; Fritz Schmidt, Fabrikant, 2 m.;
Emil Schweickert, Prof., 1 m. *Eisenach.* Schffer, Frau, Ingenieur, 3 m.
*Ellingen.* Dr. Lak, prakt. Arzt, 1 m.; Schnhuber, Stadtkaplan, 1 m.
*Feucht.* Lehner, $
e, Beitraege
zur Beurteilung der Sprache Caesars mit besonderer Beruecksichtigung des
bellum civile. 1900. 8.; Gorio, die Milchwirtschaft in der Lombardei.
1900. 8.; Gotthelf, Das deutsche Altertum in den Anschauungen des 16. u.
17. Jahrh. I. Haelfte, 1900. 8.; Grumbine, An Introduction to "the
Misfortunes of Arthur". 1900. 8.; Haitz, Hermann Schedels Weltchronik.
1899.8.; Hermann, Die Handelsbeziehungen Deutschlands zu seinen
Schutzgebieten. 1899. 8.; Hohenemser, Welche Einfluesse hatte die
Wiederbelebung der aelteren Musik im 19. Jahrh. auf die deutschen
Komponisten? 1900. 8.; Kalb, De duo deseptuagesimo carmine Catulli. 1900.
8.; Kraussold, Die politischen Beziehungen zwischen Deutschland u.
Frankreich waehrend der Regierung Heinrichs VII. 1899. 8.; Leidig,
Quaestiones Zosimeae. 1900. 8.; Lermann, Athenatypen auf Griechischen
Muenzen. 1900 8.; List, Die Interessen der Deutschen Landwirtschaft im
Deutsch-Russischen Handelsvertrag 1894. 1900. 8.; Lory, Die Anfaenge des
bayerisch-pfaelzischen Vikariatsstreit$
ormiert, wenn auch im Kern alt. -- _Hochaltar_ E. 17. Jh.
_ALSLEBEN_ (Stadt). Pr. Sachsen Mansf. Seekreis.
*Stadt-K*. neu; alt (rom.) nur der, brigens formlose, Turm.
_ALSLEBEN_ (Dorf). Pr. Sachsen Mansf. Seekreis.
Die vorm. *Kloster-K*. abgetragen. Ein rom. _Tympanon_ (Lwe und Drache
durch einen Palmenbaum getrennt) nach Gernrode gebracht. Ebendort ein
merkwrdiger rom. _Taufstein_, 8seitig, mit rohen Reliefs.
_ALTBESSINGEN._ UFranken BA Karlstadt.
*Pfarr-K*. Bezeichnender Bau der Juliuszeit, rest. 1791 (klassizist.
Stuckaturen). Einheitliche _Altarausstattung_ um 1690. _Gerte_
augsburgisch, von _F. X. Stipeldey_.
_ALT-BURXDORF._ Pr. Sachsen Kr. Liebenwerda.
*Dorf-K*. Frhgot. Ziegelbau M. 13. Jh. unter Einflu von Klst.
Gldenstern, reizvoll durch schlichte, tchtige Durchbildung. Schiff u.
rechteck. Chor mit Holzdecken. Im Ostgiebel 3 spitzbg. Fenster, darber
Kreuzstabfries, die Giebel abgetreppt mit vortretenden Anf>gern. --
_Holzbildwerke_ des spgot. Altars.
_ALT-CHEMNITZ._ K. Sachsen AH Chemnitz.
*$
och. Die Formen der ersteren noch mit viel rom. Erinnerungen, woraus
nicht notwendig ein nennenswert hheres Alter folgt. Doppelt gekehlte
Rippen mit Anlufen auf diagonal gestellten Kmpfern. Die oberen Pfll. aus
8 Runddiensten gebndelt, ihre Kapitelle glatt. Diejenigen der Wandfll.
mit schnstem frgot. Blattwerk unter reichlicher Beimischung von Masken
und Tieren. Die Fenster haben im Mawerk Nasen, z. T. in Blumen endigend.
Das Portal spitzbg. in rundbg. Blende. Tympanon fensterartig aufgelst. Im
Obergescho Rosenfenster. Vergleichspunkte zu frnkischen Bauten dieser
Zeit fehlen; smtliche Details weisen auf den Oberrhein und ber diesen
hinaus wohl auch auf direkte Bekanntschaft mit der franzsischen Gotik,
namentlich gilt dies von der Komposition der Rosen. -- _Hochaltar_ 1682.
_Kanzel_ 1790. Hauptschmuck des Turms die schne _Kreuzgruppe_ aus
_Riemenschneiders_ Werkstatt, dem Meister selbst nahe stehend. Bmkw.
_Steinrelief_ aus 14. Jh., die Jnger am leeren Sarge Mariens. Zahlreiche
_Renss.-Grabmler$
 mit 4 Evangelisten, um 1750.
*Schlchen*, Weiherhaus aus 2. H. 16. Jh.
_BIEBERSTEIN_ siehe Fulda.
_BIEBERSTEIN._ Kr. Sachsen AH Meien.
*Pfarr-K*. Umbau aus Ma. 1676 gnzlich umgestaltet. _Altaraufsatz_ mit
ziemlich rohen Stuckreliefs 1679 von _Krmser_.
_BIELEN._ Pr. Sachsen Kr. Sangerhausen.
*Dorf-K*. Alt der platt geschlossene Chor mit rippenlosem Kreuzgwb. und
Fenstergruppe gleich Windhausen.
_BILDHAUSEN._ UFranken BA Kissingen.
Ehem. *Cisterc.-Klst*. Gegr. 1156. Die Kirche 1876 abgetragen, Altre nach
Laubach, Wchterswinkel und Reyersbuch gebracht. -- Von der alten Anlage
ist erhalten: Im Untergescho des Klosterbaues kreuzgewlbter,
zweischiffiger Raum zu 4 Jochen. Rundbg. Fensternischen noch sichtbar,
wahrscheinlich das alte, rom. Refektorium. Daneben zwei frgot. Rume. --
_Torhaus_ mit rundbg. Durchfahrt; darber auen Steinmadonna aus 2. H. 14.
Jh. Daneben die alte rom. Torkapelle. -- _Alte Procuratie_. 17. Jh.
Schmuckreiche Erker. Schnes Rok.Treppenhaus. Erkerzimmer mit reich
geschnitzter Trum$
1698, vielleicht von einem der
_Dientzenhofer_. Spbar. Zentralbau; auen kreisrund, innen quadr.
Hauptraum mit 4 transversalen Nischen; Polygonkuppel ber toskan.
Pilastern. -- Altre spbar., gut in den Raum komponiert.
*Schlo*. Ursp. Anlage A. 17. Jh. durch die Herren Echter v. Mespelbrunn
als quadr. Wasserschlo mit runden Ecktrmen ber mchtigen
Funamentbauten mit Bastionen (davon 2 erhalten); unter Frstbischof
Lothar Franz von Schnborn 1694-1708 durch den Bamberger Baumeister
_Johann Leonhard Dientzenhofer_ umgebaut, vielleicht nur Ausfhrung von
Plnen des Mainzers _M. v. Welsch_. Besonders beachtenswert die
Treppenanlage, die als Vorstufe zu Pommersfelden gelten kann. Im Innern
aus dieser Zeit Stuckaturen in der ehem. Kapelle im Nordtrakt, im
Charakter nicht frnkisch, eher mainzisch. Die sonstige Einrichtung Empire
und Biedermeier. Der sog. Konstitutionssaal im 2. Gescho ein typischer
Reprsentationsraum um 1825, im Vorsaal Bilder von gleichzeitigen
Mnchenern. Reichhaltige Sammlung von chinesisch$
ander; die stliche fast intakt erhalten mit starkem
Torbau. Rom. Reste (12.-13. Jh.) enthlt besonders die westl. Burg; die
brigen Bauten got. und spter.
_LICHTENTANNE._ Sachsen-Meiningen Kr. Saalfeld.
*Dorf-K.*, wesentlich 18. Jh.; der 8eckige Turm ber dem spgot. polyg.
Chor. -- Rest eines _Schnitzaltars_ um 1500 aus einer sehr guten
oberfrnkischen Schule.
_LICHTENWALDE._ K. Sachsen AH Flha.
*Schlo.* Aus dem rom. Bau ein _Tympanon_, Kampf eines Lwen mit einem
Drachen, groartig stilisiert. -- Groer Neubau fr Graf v. Watzdorf,
1722-26; hchst stattlihe Anlage bei einfacher Formbehandlung; berhmter,
gut erhaltener Garten.
_LIEBENGRN._ Pr. Sachsen Kr. Ziegenrck.
*Dorf-K.* 1718, das quadr. Altarhaus mit Turm auf ma. Grundlage. Die
Malereien an Decke und Emporen Proben einer tiefstehenden drflichen
Kunst. -- _Bauernhuser_ in Blockverband.
_LIEBENSTEIN._ Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen.
*Burgruine.* Got. Palas in 3 Geschossen groenteils erhalten.
*Kirche* 1822 nach Idee eines antiken Theaters.
_$
ckateuren bemerkt man neben den
Deutschen (der beste war _Balthasar Esterbauer_) mehrere Italiener, die
Niederlnder _Jakob_ und _Wolfgang v. d. Auwera_, nur einen Franzosen,
_Cur_. Die unvergleichlich prachtvollen Schmiedearbeiten sind vom Tiroler
_J. G. Oegg_. Die ltesten Stuckaturen im Ingelheimer Zimmer von
_Castelli_ 1724-28. Kaisersaal, Weier Saal und andere Paradezimmer der
Ostfront von _Anton Bossi_, das Grne Zimmer von _Materno Bossi_ 1770,
ebenso der schon zum Klassizismus bergehende Frstensaal. -- 1765-70 die
Abrundung des Residenzplatzes durch die Arkaden und den Gesandtenbau von
_J. Geigel_; der korrespondierende Rosenbachsche Hof auf der NSeite ist
lter (vielleicht von _Greising_). Die dekorative Plastik im Treppenhaus
und spter die im Garten von _J. P. Wagner_.
*Wohnbauten*. Aus Ma. wohl manche Mauerreste, aber keine sich augenfllig
machende Formen; gut, wenn auch nicht zahlreich vertreten die Renss. des
16. und 17. Jh., ganz hervorragend das 18. Jh.
_Adelshfe der Renss._: Curia $
h mit
der Passion (15.Jh.), ferner Kleinodien aus _Metall_: zwei rom.
Tragaltaerchen mit Email und Elfenbeinschnitzereien, grosser Bronzeleuchter
fuer Osterkerze (12. Jh.), Kurvatur eine Bischofstabs mit Email (13. Jh.),
Reliquiarien und Monstranzen. Schuessel aus _Glasfluss_ (Opus Alexandrinum
1. Jh.). Gegenstaende aus _Elfenbein_: Messerscheide (spaetestens 9. Jh.),
Pontifikalkaemme (roman.), Ziborium (got.), Kruzifixe. -- Bis ins 16. Jh.
fand alle sieben Jahre die grosse "Heiltumsfahrt" (oeffentliche Ausstellung
der zahlreichen Reliquien) statt.
*Kreuzgang*. Der rom. Dom entbehrte eines solchen, wie Sockel und Lisenen
der SWand erkennen lassen. Der jetzt vorhandene ist spgot. An seinen
OFluegel stoesst das
*Kapitelhaus* 1731, angeblich von _Balth. Neumann_. Die Behandlung
prunklos, in schoenen ernsten Verhaeltnissen. Im Hauptsaal eine Stuckdecke
in zartem Relief, von eigentlichen Rokokoformen unberuehrt. 2 ehemals im
Dom befindliche _Altarbilder_ von _Merian_ und _Sandrart_.
*Alte Hofhaltung*. Weitlaeufige$
stadt). Schwarzburg-Rudolstadt.
*Kirche*. Rom., rck. mit 1/2kr. Apsis, skulpierte Pfeilerkapitelle -- An
der Apsidenkuppel erloschenes Gemaelde, _Juengstes Gericht,_ um 1300.
Darueber zweite Farbenschicht mit spgot. Rankenwerk.
_FRANKENSTEIN_ b. Salzungen Kr. Meiningen.
Von der alten *Burg* nur bescheidene Reste erhalten. Der jetzige
burgartige Aussichtsturm E. 19. Jh.
_FRANKENTAL._ K. Sachsen AH Bautzen.
*Dorf-K.* 1587 und 1607. -- Schoenes _Altargeraet_ E. 17. Jh., Dresdener
Beschau. -- _Grabdenkmaeler_ 18. Jh.
_FRAUENBERG._ RB Cassel Kr. Marburg.
*Burgruine*. 1252.
_FRAUENBREITUNGEN._ Sachs.-Mein. LA Meiningen.
*Pfarr-K.* Turm rom., Kirche 1615. Einfacher Saalbau mit spitzbg. Fenstern
und Emporen, an deren Bruestungen 49 _Gemaeldefelder_. Wertvoller
_Fluegelaltar_ bez. 1518, im Schrein 3 gute Schnitzfigg. in fraenkischem
-Schulcharakter, auf den Fluegeln Reliefszenen, aussen Gemaelde nach der
Duererschen Kupferstichpassion. Grabsteine unerheblich -- _Glocken_ 1616.
*Edelhof* (v. Gleichen) renss., malerisch$
itenkap. _Pietas_ M. 15. Jh.
_Grabdenkmal_ von 1580 von einem Nachfolger des Eichstaedter _Loy Hering_.
-- In der Naehe (NO) zierliche 2stoeckige Kap. 1512.
*Rathaus.* Origineller hochgiebeliger Bau von 1583, Schule der
Plassenburg.
*Wohnhaeuser* in Stein und Fachwerk, 16.-18. Jh.
*Brunnen* mit S. Michael um 1650.
*Stadtbefestigung* des 16. Jh. grossenteils erhalten. Entwuerfe zu ihrer
Modernisierung von _Balth. Neumann_ 1741.
*Veste Rosenberg,* ehem. der Bischoefe von Bamberg. Gut erhaltene, fuer die
Geschichte des Wehrbaues lehrreiche Anlage. In der Kernburg hoher 4eck.
Buckelquader-Bergfried aus 13. Jh. Gut erhaltener got. Bering, an einer
Stelle bez. 1487. Einfache Renss.Bauten 1572, 1590, 1595. Der 3.
Befestigungsguertel 17. Jh. Kraeftiges Rustikator 1662 aehnlich wie in
Forchheim. (Kleines Museum zur Stadtgeschichte.)
_KROSIGK._ Pr. Sachsen Saalkreis.
*Dorf-K.*, Ruine einer typischen rom. Anlage.
_KRUKENBURG._ RB Cassel Kr. Hofgeismar.
*Burgruine*. Bmkw. die 1126 gewoelbte sehr hohe rom. Kap. In der Mit$
en got. Umbau, im Msch. die Arkaden
rundbg. auf got. ueberarbeiteten Pfeilern, 6 Achsen, Decke flach. Sschiffe
1488 (Inschr.). Der Turm (W) von 1496, stattlich, auch im Stadtbilde von
Wirkung. Der Chor war Grabgelege der 1559 ausgestorbenen Grafen v.
Rieneck; 11 meist ansehnliche _Bildnissteine_ sind noch vorhanden;
hervorzuheben der des Thomas v. R. {~DAGGER~} 1431. Gut sind auch Reinhard {~DAGGER~} 1518
und Agnes {~DAGGER~} 1519. Die Tafel fuer Philipp v. R. {~DAGGER~} 1559 von P. Dell d. J. Die
Lehnsleute und Beamten haben ihre Epitaphe im Schiff; die besten die der
Elisabeth v. Lauter 1543, Friedrich v. Kerpen 1629 in der Richtung des M.
Kern. -- _Taufstein_ 1488.
*Rathaus.* 1601. Gt. und renss. Formen noch sehr naiv gemischt. Im
Erdgeschoss ringsum grosse (ursp. offene) Blendarkaden, die Pfll. in ganz
ma. Weise aus lebhaftem Wechsel von Hohlkehlen und Rundstaeben. Die beiden
Obergeschosse modern umgestaltet; regelmaessig verteilte breite 2teilige
Fenster mit got. Profilierung. Die Treppe in einem vorgeb$
ikanzel von 1816.
_MAINROT._ OFranken BA Lichtenfels.
*Kirche* 1680 in gutem deutschem Barock unter Einfluss der gleichzitigen
Bamberger Architektur.
*Rathaus* 1733. Mehrere *Haeuser* in gut erhaltener Holzarchit. 17. und 18.
_MAINSONDHEIM._ UFranken BA Kitzingen.
*Pfarr-K.* nachgot. 1583. -- _Altaere_ um 1700, gute Kanzel mit
Evangelistenreliefs, Stein, um 1583; ebenso der _Taufstein_. -- 4
Bechtolsheimsche _Grabmaeler_ 18. Jh.
*Schloss* (seit 18. Jh. Frhr. v. Mauchenheim gen. Bechtolsheim, vorher
Fuchs v. Dornheim). Sehr stattliche spgot. Anlage um 3eck. Innenhof,
ausgebaut um 1727. Mehrere Zimmer mit schwerer Stuckdekoration bez. _H_
_MAINSTOCKHEIM._ UFranken BA Kitzingen.
*Pfarr-K.* 1717 mit got. Turm.
*Ebracher Klosterhof*. Schlossartige Anlage von 1624. Rck. mit Ecktuermen,
reichgegliederte Renss.Giebel. Grossartige Podesttreppe, vierarmig um 4
freistehende Pfll., gotisierende Masswerkbruestungen, zu oberst Rundbgg.
Halle mit jon. Sll. -- In mehreren architektonisch reich durchgefuehrten
Terrassen geht $
pen von 8 Halbsll. um einen
ungleichseitig 8eckigen Kern; die Zwischenpfll. gegen das Msch. glatt. Im
W. Doppelturm. Ganze L. 73 m. Von den _Klostergebaeuden_ haben sich das
Refektorium, der Kapitelsaal und der SFluegel des Kreuzganges, entstellt,
im jetzigen Brauhaus erhalten.
_MILTENBERG._ UFranken BAmtsstadt.
Altertuemliches Stadtbild von grossem Reiz. Hauptschmuck die zahlreichen
Fachwerkhaeuser, meist 16. Jh., so das *Gasthaus zum Riesen* 1590.
*Pfarr-K.* Eine ma. flachgedeckte Basilika im 18. und 19. Jh. vollstaendig
umgebaut und erweitert. Aussen ansehnlicher Quaderbau mit 2 OTuermen. --
*Franziskaner-K.* barock.
*Rathaus.* Got. Steinbau, sehr verunstaltet; er hatte vorgekragte
Ecktuermchen und wohl auch einen Zinnenkranz. -- Am Wochenmarkt huebsches
Rok.-Wohnhaus von dem mit _Ritter_ in Mainz in Verbindung stehenden
Lokalmeister _J. M. Schmidt_.
Schoener Renss. *Laufbrunnen*.
*Burg.* Schon im 10. Jh. genannt. Turm aus Buckelquadern, gut erhaltener
Wehrgang. Wohnhaus 15.-16. Jh., rest.
_MILTITZ._ K Sa$
s. glaenzend ausgestattet, besonders die
herrschaftlichen Betstuben. Die _Gemaelde_ von _Johann de Perre_ aus
Antwerpen, ansaessig in Leipzig.
_PRIETITZ._ K.Sachsen AH Kamenz.
*Dorf-K.* 1881 fast ganz erneuert. -- _Altar_, gute Tischlerarbeit von
1646. _Denkmaeler_ des 18. Jh., ueber die in der Lausitz recht gute
Durchschnittsqualitaet noch hinausgehend.
*Herrenhaus* (v. Stammer) um 1770. Groessere Portraetreihe, u. a. von _Anton
Graff_ und _Chr. Leberecht Vogel_.
_PROBSTZELLA._ Sachsen-Meiningen Kr. Saalfeld.
*Dorf-K.* wesentlich 1755. -- _Altarwerk_ fraenkisch um 1500.
_PROFEN._ Pr. Sachsen Kr. Zeitz.
*Dorf-K.* Rom. Turm. Schoener spgot. Chor 1495. -- Ausstattung in guter
Renss., desgl. Decke und Emporen in kraeftiger Polychromie.
_PROeLSDORF._ UFranken BA Hassfurt.
*Pfarr-K.* 1766. Eleganter Rok.Bau. In der Verbindung des WTurmes mit der
assade Nachklang Neumannscher Anlagen. -- Im Pfarrhof bmkw. _Kaselkreuz_
_PROSSELSHEIM._ UFranken BA Kitzingen.
*Pfarr-K.* Posthum got. Neubau 1614. -- Derb wirkungsvolle$
eber dem Portal ein an Kaiser
Lothar erinnerndes Relief; Obergeschosse Fachwerk.
4 *Tortuerme* 14 Jh. (?).
_STAUCHITZ._ K. Sachsen AH Oschatz.
*Schloss* fuer A. H. v. Luettichau 1700-1708 von _J. R. Petersell_.
15 achsige 2 geschossige Front mit breitem 3 geschossigem Mittelrisalit;
am flachen Giebel Nachklaenge von Renss.-Voluten. Sehr stattlicher und
tiefer Vorsaal mit doppellaeufiger Treppe. Reihe von Bildnissen.
_STAUSEBACH._ RB Casse Kr. Kirchhain.
*Pfarr-K.* 15. Jh. 3sch. Hallenkirche mit gestrecktem, aus 8Eck
geschlossenem Chor, beide zu je 3 Jochen. Reiche neubemalte Netzgwbb. --
Einfache _Kanzel_ etwa E. 15. Jh. _Weihwasserstein_ spaetestgot. 16. Jh. --
Befestigter Kirchhof.
_STECKELBERG._ RB Cassel Kr. Schluechtern.
*Burgruine.* Im 12. Jh. vorhanden, die erhaltenen Reste anscheinend 16.
_STEDTEN._ Sachsen-Gotha LA Gotha.
*Dorf-K.* 1745; durch Einheitlichkeit der Anlage und der verhaeltnismaessig
aufwaendigen Ausstattung ein gutes Stilparadigma -- *Schloss* 1737, einfach.
_STEDTEN._ Pr. Sachsen Mansf$
os entstandene, kuenstlerisch sehr bedeutende
Entwurf von _H. Chr. Jussow_ 1786. Den Auftrag erhielt _Salomon Louis Du
Ry_ (aus der in Cassel, s. dort, in mehreren Generationen taetigen
Hugenottenfamilie). Die vorgeschlagenen Loesungen sehr verschiedenartig,
uebereinstimmend jedoch in der Stilfrage. Der in seiner Jugend bei Blondel
in Paris gebildete Kuenstler hatte sich unumwunden dem Klassizismus
englischer Faerbung zugekehrt. Der Bau des noerdl. Fluegels begann 1788, der
Mittelbau 1792, die Innenarbiten 1803 vollendet. -- Die Anlage modifiziert
mit interessanter Wirkung, zumal in Anpassung an das bewegte Gelaende und
die ansteigenden Baummassen des Parkes, den traditionellen
Hufeisengrundriss in der Weise, dass dessen 3 Fluegel in 3 selbstaendige
Gebaeude aufgeloest, dann aber durch segmentfoermige Zwischenbauten wieder
verbunden werden, und zwar so, dass die Achsen der Nebengebaeude zu dem
Hauptgebaeude in stumpfem Winkel anlaufen.
Nicht befriedigend ist das Hoehenverhaeltnis der Zwischenbauten; sie waren$
ee, Aeee ... und wild und trbselig schreit der Hase
sen Leben aus.
Ungerufen erscheint Uf -- -- und hinter ihm drein wimmeln alle Fchse
herbei; ein Hasenschrei lockt sie, wie der Magnet Eisenteilchen anzieht.
Sie kommen von weit her, wie an der Nase herbeigezogen und sitzen da und
geifern, whrend die beiden groen Uhus in aller Ruhe ihre Mahlzeit
Es kommt wohl vor, da ein heihungriger, mutiger Reinecke sich mit den
Lefzen heranwagt, da rollt Strix ihr Federkleid auf, sie strubt jede
Daune und wird unheimlich gro, dann knappt sie mit dem Schnabel und
zndet Feuer in den roten Lichtern an.
Hu -- u --, heult sie ... Nase weg!
Strix ist ein groer Ruber, ein mchtiger Jger! Sie ist ein Meister
in allen anwendbaren Jagdmethoden. Sie jagt ihre Beute offenkundig,
verfolgt sie auf der Flucht, und streicht darber hinweg, oben in der
Luft, durch den Wald. Oder sie bedient sich des weniger anstrengenden
Hinterhalt-Verfahrens, hllt sich in den Schleier der Dunkelheit oder
der Dmmerung und setzt sich vermummt $
em sie am besten fertig werden kann -- da
erwacht sie zu der nchternen Wirklichkeit, indem sie mit dem Kopf gegen
den hohlen Baumstamm stt.
Ja, Strix war alt geworden, uralt -- und das war gerade der Segen beim
Altwerden, da man die Fhigkeit erhielt, in sich hineinzusehen und die
Bilder hervorzurufen, die man zu Dutzenden und Aberdutzenden von Malen
in einem langen Leben gesehen hatte. Man schwelgte in den Erfahrungen,
man sah den Wechsel der Natur zu jeder Zeit im Strahlenglanz der
Erinnerung vor sich.
Wenn nichts weiter, so konnte man sich ja daran erwrmen!
Aber _sehnen_ tat sich Strix doch -- sie sehnte sich, sehnte sich --
sie konnte sich nur nicht klar darber werden, wonach. Es lag wie ein
bestndiger Druck dadrinnen, wo das, was man Hoffnung und Glauben nennt,
Wohnung hat ...
Sie sehnte sich nach dem, was nicht mehr war, nach dem Unberhrten,
Grozgigen in der Natur ihrer Heimat, oder nach den alten, guten,
traulichen Zeiten, als Einsamkeit im Walde war, wo sie Aussicht auf die
Heide, auf Wild $
 Gruppe zusammen wirkten,
sich in den nachfolgenden Arbeitssitzungen in rivalisirenden
Gruppen oder Serien in anderen Produktionszweigen gegenberstehen.
Es wechselt also nicht blos die Beschftigung, es wechselt auch
bestndig der gesellschaftliche Umgang bei der Arbeit. Dieser
immerwhrende Wechsel der Beschftigung und der beschftigten
Personen, und die daraus hervorgehenden, sich bald anziehenden,
bald abstoenden Wechselbeziehungen bilden nach Fourier die hchste
Befriedigung, weil alle Triebe dabei in's Spiel kommen. Aber die
Befriedigung wrde keine vollkommene sein, wenn nicht der uere
Erfolg, also die Reichthumserzeugung, durch diese Thtigkeitsweise
auch erzielt wrde. Diese planmig organisirte, assoziirte
Thtigkeit von Hunderten von Familien in einer Phalanx wird, so
behauptet Fourier, im Gegensatz zur einzelnen Privatwirthschaft und
Privatunternehmerschaft eine groe Menge von Ersparungen an Kraft,
Zeit, Mittel, Werkzeugen etc. einerseits, und durch die geschickt
kombinirte ud rivalisirende$
ertausende von parasitischen Existenzen, z.B. die in
der Rechtspflege beschftigten Personen, eine Institution, die nur
auf den Fehlern der zivilisirten Ordnung beruht ... Andererseits
fehlen die Mittel fr das Nthigste. So mangeln Frankreich heute
einige hundert Millionen Franken fr die Verbesserung der Wege und
Straen; im sozietren Zustand, wo Phalanx an Phalanx sich reiht,
bestehen die ausgezeichneten Verbindungsmittel, fr die jedes
Phalanstre (das Phalanstre ist der ganze Bezirk [Kanton]
inklusive der Gebude. Der Kanton soll nach Fourier eine
Quadratstunde Flcheninhalt haben) aufzukommen hat, ohne da es der
Staatssteuern dazu bedarf. Ebenso fllt die kostspielige
Katastrirung der Grundstcke fr den Staat fort. Eine Wahl, die
heute unendlich viel Zeit und Geldopfer erfordert, eine Menge der
widerlichsten Kabalen erzeugt, wird in der Phalanx dem Einzelnen
kaum eine Minute Zeit kosten, eine Reise dazu hat er nicht nthig
zu machen. ...
Unter die Unproduktiven gehren ferner Sie Soldaten, die
Gre$
iel Lebensmittel fr eine auf der sozialen Stufenleiter
gleichzeitig nicht gengend emporgestiegene Gesellschaft, und
dieser Ueberflu von Lebensmitteln, im sozialen Mechanismus keine
natrliche Anwendueng findend, berlaste und verderbe ihn. Daraus
resultire eine zerstrende Ghrung, es entwickle sich eine groe
Menge schdlicher Charaktere, es zeigten sich Symptome der
Erschlaffung, alles Wirkungen des Miverhltnisses, das zwischen
den industriellen Mitteln und den auf einer tieferen Stufenleiter
stehenden Massen der Bevlkerung vorhanden sei. Wir besen zu viel
Industrie fr eine zu wenig vorgeschrittene noch in der dritten
Phase zurckgehaltene Zivilisation, die aber von dem Bedrfni
gedrngt werde, sich in die vierte Phase zu erheben. Daher diese
Erscheinungen des Ueberflusses und der Verschlechterung, von denen
er die schlimmsten aufzhlen werde. Als Antwort auf die Prahlereien
von der Vollkommenheit der bestehenden Gesellschaft werde er die zu
Tage liegenden Wirkungen ihrer noch sehr neuen Verschlec$
nde das den Angelpunkt der dritten
Phase bildende Seemonopol in's Leben rufen knne. Endlich gab die
Chemie dem Betruge die Mittel an die Hand, alle Arten von Produkten
zu flschen, und der lgnerische Handel gewann so eine Ausdehnung,
welche die ernstlichsten Besorgnisse einflen mute.
Zwar knne die nun beginnende absteigende Periode ein natrlicher
Schritt des Fortschritts werden, aber dieser Weg sei eine Reihe von
Klippen und Schndlichkeiten. Unterliege die Zivilisation auf ihrem
Wege den ihr gegenbertretenden Einflssen, so falle sie in eine
niedere Periode zurck, um den alten Kampf von Neuem zu beginnen.
Glcklicherweise sei das Leben der Menschheit ein vielfaches; falle
eine Zivilisation, so sei bei den vielen Nationen und mancherlei
Gesellschaften immer die Hoffnung da, da eine derselben das Erbe
der fallenden Gesellschaft bernehme.
Der zweite Theil der Periode, ihre absteigende Bewegung, sei dem
ersten umgekehrt analog (verwandt), wie die Morgendmmerung und
Abenddmmerung, die Kindheit und d$
   13
Die Pest im Vintschgau                           25
Der Stationschef                                 47
Geronimo de Aguilar                              63
Von Helden und ihrem Widerspiel                  89
Der Tempel von Apamea                           107
Die Gefangenen auf der Plassenburg              135
Paterner                                       &176
Nimfhr und Willenius                           196
Herr de Landa und Peter Hannibal Meier          212
Begegnung                                       231
Die Geschichte des Grafen Erdmann Promnitz      242
Franziskas Erzhlung                            275
Aurora                                          291
Der Affe und der Spiegel                        323
    _Ich widme dieses Buch meiner Frau._
    O thou whose face hath felt the Winter's wind
    Whose eye has seen the snow-clouds hung in mist,
    And the black elm-tops 'mong the freezing stars,
    To thee the Spring will be a harvest time.
    O thou, whose only book has been the light$
en zu
befriedigen, und drngte den ohnehin finstern und reizbaren Mann so
tief in sich selbst zurck, da er auch in seiner dienstfreien Zeit
verschmhte, die traurige Wstenei zu verlassen. Er durchstreifte die
menschenleere Gegend, lag stundenlang am Meeresufer und heftete die
Blicke, die voll von unerforschlichen Wnschen und Vorstzen waren, ins
Weite hinaus. Abends beschftigte er sich mit seiner seltsamen Sammlung,
breitete die Stcke auf einen Tisch vor sich aus und betrachtete die
nichtigen Gegenstnde mit der Freude eines Geizhalses, der vor seinen
Schtzen und Wertpapieren sitzt.
Es verkehrt auf dieser Bahnlinie ein Luxuszug, der eine Verbindung
zwischen Paris und Neapel herstellt und am Morgen nach Sden, am Abend
nach Norden fhrt. Eines Tages ereignete es sich, da ein Streckenwrter
diesem Zug das Haltesignal gab; sein Weib hatte in der Nacht vorher ein
Kind geboren, lag in einem tdlichen Fieber, und da meilenweit im
Umkreis keine rztliche Hilfe zu haben war und der Posten behtet werden
mut$
elegenheit wahr,
in schroffster Form dem Befehl Folge zu leisten Jerome reichte sein
Entlassungsgesuch ein und verlie Polen noch am gleichen Tage. Nicht das
Verlangen nach den Vergngungen Kassels, -- wenig verlockend mgen sie
in dieser Zeit dumpfer Gewitterschwle gewesen sein! --, trieb ihn zu
diesem raschen Entschlu: sein tief verletzter Stolz allein hie ihn
handeln.[34] Und sein Entschlu war berechtigt; starrkpfig und falsch
wurde seine Handlungsweise erst, als Napoleon ihn zu bleiben bat und er
dennoch den Weg heimwrts fortsetzte. Im August kam er in Kassel an,
zwei Monate spter kehrten die traurigen Reste der westflischen Armee
in die Heimat zurck, durchzogen die jammervollen, von Frost und Hunger,
Krankheit und Verwundungen gezeichneten Gestalten, die letzten Glieder
der groen Armee, plndernd, stehlend und bettelnd das erschpfte Land.
Und schon wurden von Paris neue Forderungen laut: Magdeburg sollte mit
20000 Mann besetzt und auf ein Jahr verproviantiert werden, eine neue
Armee galt es z$
chen Litteratur noch mehr kennen zu lernen, ist mein
lebhafter Wunsch.
"Recht lang scheint mir die Zeit, die seit unserer letzten Begrung
liegt; ich glaube, es war auf dem Kinderball, wo Sie des kleinen
Findlings Schutzgeist waren; ein unfreundlich Geschick trennte uns
seitdem; doch hoffe ich, Sie verbannen mich nicht ganz aus Ihrem
Andenken,denn hat man sich einmal gefunden, so mag Zeit und Raum
kmpfen. Ein freundlicher Stern leuchtet segnend am Horizont und fhrt
zusammen hier oder dort.
"So unendlich glcklich und froh ich hier im liebenden Kreis der Familie
lebe, so sehr werde ich mich dennoch freuen, mein liebes Weimar mit
seinen freundlichen Bewohnern wieder zu begren, denn ihm gehrt ein
groer Theil meines Herzens, --Sie, liebes Frulein Jenny,
wiederzusehen, wird mir eine wahre Herzensfreude sein.
Ihre Helene."
Etwas spter bekam Jenny ein Gipsrelief der Freundin mit diesen Zeilen:
Ludwigslust, den 27. Sept. 1834.
"Um einen freundlichen Blick meiner lieben Jenny mchte ich bitten,
indem ich ihr $
opf,
grosser Hornplatte auf dem Vorderrcken und je zwei kleinen auf dem Mittel-
und Hinterbrustringe. Am Hinterleibe der letzte Ring, Afterring, oben mit
hornigem Schilde versehen, gegabelt. Der After zapfenfrmig als
Nachschieber vorragend. Luftlcher neun Paar vorhanden, acht an den Seiten
der acht ersten Hinterleibsringe, das neunte auf der Unterseite des
Mttelbrustringes.
Oberlippe vorgestreckt, krzer als breit, vorn ausgebuchtet. Oberkiefer
ziemlich kurz aber krftig und scharf mit sichelfrmig gebogener Spitze.
Unterkiefer mit dem Kinn verwachsen, dicht neben der Unterlippe eingelenkt
mit dreigliedrigen Tastern. Lippentaster zweigliedrig. Fhler kurz,
unmittelbar ber der Einlenkung der Oberkiefer entspringend, viergliederig.
Nebenaugen jederseits fnf in zwei Reihen, die vordern aus drei, die
hintern aus zwei bestehend. Beine ziemlich kurz oder auch ansehnlich
(Trichodes), aus drei Gliedern bestehend, einklauig.
=Lebensweise=. Die Kfer trifft man auf Blumen oder geschlagenem altem
Holze, an morschen$
o entstand ein weisser Niederschlag, der sich
aber am Boden des Gefsses als eine ziemlich zhe klebrige Masse
festsetzte. Aether, Alcohol und Benzol lsten nichts vom Gele auf. Dagegen
verdnnte Schwefelsure, Salz- und Essigsure wirkten auf ihn vllig
auflsend. Der Luft ausgesetzt, ging das Gele in Zeit von 48 Stunden bei
einer Temperatur von +18 in Fulniss ber und zeigte eine saure Reaction.
Beim Eindampfen und spteren Erkalten erstarrte die Flssigkeit zu einer
vollstndigen Leimmasse. Nach diesen chemischen Untersuchungen zu
urtheilen, scheint mir die mit heissem Wasser aus der Faulbrutmasse
extrahirte Flssigkeit aus Glutin zu bestehen.
Die festen im Filtrum zurckgebliebenen Krper der Faulbrutmasse liessen
deutlich die Larvenhaut erkennen. Alcohol lste in der Wrme whrend einer
vierundzwanzigstndigen Digestion etwas von der Masse auf und frbte sich
brunlic gelb. Durch eine achtfache Quantitt kalten Wassers wurde ein
gelblicher, pulverfrmiger Niederschlag gefllt, der aus einem Harz
best$
 Volksmrchen der Deutschen (Auswahl), Nr. 354/55.
=Niebuhr,= Griechische Heroengeschichten, Nr. 420.
=Petersen,= Prinzessin Ilse, Mrchen aus dem Harz, Nr. 397.
=Petersen,= Die Irrlichter, Ein Mrchen, Nr. 396.
=Reuper,= Im Reiche des Lwen, Tierfabeln aus aller Welt, Nr. 2162/65.
=Schiller,= Gedichte, Nr. 1 u. 2.
     "      Wilhelm Tell, Nr. 5.
     "      Jungfrau von Orleans, Nr. 43.
     "      Maria Stuart, Nr. 41.
     "      Wallenstein I, II, Nr. 23/24.
=Schwab,= Die vier Heymonskinder, Nr. 1980.
     "    Die >schne Melusine, Nr. 1981.
     "    Herzog Ernst, Nr. 1982.
     "    Genoveva -- Der arme Heinrich, Nr. 1991.
=Schwab,= Kaiser Oktavianus, Nr. 1992.
     "    Der gehrnte Siegfried, Nr. 1993.
     "    Griseldis -- Das Schlo in der Hhle Xa Xa, Nr. 1994.
=Schwab,= Die Sagen des klassischen Altertums, 2 Bnde, vollst. Ausgabe,
  Nr. 746/55.
=Stein,= Georg Hndel und sein groer Sohn, Nr. 2128/29.
=Stifter,= Der Hochwald -- Das Heidedorf, Nr. 1227/28.
=Stifter,= Abdias -- der Kondor, Nr. 12$
. Bourgogne.
=75: Auf dem Rckmarsch der groen Armee 1812= von Franois Bourgogne.
=76: Der Schatz im Walde= von H. G. Wells.
=77: Quer durch den dunklen Kontinent= v. H. M. Stanley.
=78: Eine Beute der Wlfe= von Jack London.
=79: Rolof der Rekrut= von Edmund Hoefer.
=80: Die Franzosen in Hamburg 1806-123= v. M. Prell.
=81: Hamburg zum zweiten Mal in der Gewalt der Franzosen 1813-14= von
     Marianne Prell.
=82: Gordons heldenhafter Untergang= von Sven Hedin.
=83: Unter Indianern und Eskimos= von A. Jacobsen.
=84: In Afrika hinein= von Karl Fricke.
=85: Ein Indianerknabe= von Ch. A. Eastmann.
=86: Eines Nashorns Freud und Leid= v. B. v. Schellendorff.
=87: Der junge Simplizissimus= v. H. J. C. v. Grimmelshausen.
=88: Aus der Franzosenzeit= von W. Alexis.
=89: Zottelohr= von E. Seton-Thompson.
=90: Die Eidgenossen= von A. Tschudi.
=91: Der Kapitn= von Ch. Sealsfield.
=92: Wittbart= und andere Tiergeschichten von H. Lns.
=93: Strmische Tage in Deutsch-Brasilien= von A. Funke.
=94: Nbis Uli= von Ulrich Br$

Die Puppe mu mit, schnell bringen Sie sie herunter. Wo ist sie,
Sie schlft in meinem Bett.
Im Augenblick war sie herbeigeschafft und Klrchen drckte sie sorglich
an sich. Der Onkel trug das Weihnachtspaket; zur rechten Zeit war ihm
noch eingefallen, da es Puppenkleider enthielt, so war wohl die Puppe
unentbehrlich. Nach kurzer Zeit waren sie am Bahnhof.
Unterwegs sagte das Kind zu seinem Onkel: Undankbar ist das nicht, wenn
man fortgeht von der Patin, gelt, undankbar ist das nicht?
Nein, nein, beruhigte der Onkel, ich habe dich geholt und du mut mir
Ein halbes Stndchen Fahrt, ein Gang durch die Straen der groen
Stadt, und sie standen umringt von jubelnden Kindern, da de Klrchen
aus ihrer Stille heraus ganz traumhaft zumute war.
Der Professor suchte seine Frau auf, im Weihnachtszimmer traf sie eben
die letzten Vorbereitungen zur Bescherung. Ein Loblied auf Frulein
Stahlhammer war es nicht, was jetzt gesungen wurde! Du hast recht
gehabt, ganz gewi hast du recht gehabt, da du das Kind ent$

gelesen. Der Schuldiener des Gymnasiums hatte eine Frau, die von der
ganzen Zeitung nichts las als die Anzeigen, diese aber grndlich. Sie
brachte am Abend ihrem Mann das Blatt. Da sieh doch nur, wer kann das
sein, der die Dienstmdchen in unseren Hof bestellt! Der Schuldiener
machte ein ernstes Gesicht. Das ist ein Unfug, sagte er und mu dem
Herrn Rektor gemeldet werden!
La mich nur erst besinnen, sagte die Frau, es kommt doch darauf an,
wer's ist; das bring ich schon heraus, es m ja von unseren Professoren
jemand sein. Einer, der nicht will, da das Mdchen sich in der Wohnung
zeigt, weil der alten noch nicht gekndigt ist. Der Herr Rektor selbst
ist's natrlich nicht, der Herr kmmert sich nicht um das
Dienstpersonal, und von den alten Herren tte so etwas auch keiner.
Weit du, wer das ist? Niemand anders als der neue Mathematikprofessor.
Bei dem ist immer Magdnot, _sie_ ist keine rechte Hausfrau und _er_ ist
ein guter Mann und ein absonderlicher. Der macht sich gar nichts daraus,
wenn's sein$
 der gewerbsmige Agitator ausgespielt
wurde, wei ich zufllig ganz genau, da der Betroffene _nicht_
gewerbsmiger _Agitator_, sondern gewerbsmiger _Maschinenschlosser_
ist, und _gewerbsmig_ auch _nur_ Maschinenschlosser -- ein Mann, der
die vertragsmigen Obliegenheiten in seinem Arbeitsverhltnis seit
Jahren tadellos erfllt und in der Lage ist, zu beweisen, da er seine
rednerische Ttigkeit immer -- genau wie ich! -- nur zum Vergngen,
_nicht_ gegen Entgelt, betreibt.
In Ansehung, da es _Beleidigung_ bleibt, anstndigen Leuten in der
einen oder der andern Art einen Makel anzuheften, selbst wenn die
Betroffenen Sozialdemokraten sind, ist also auch die Immunitt gegen
 186 des Strafgesetzbuchs, die das _Akten_papier gewhrt, mehrfach
_mibraucht_ worden. -- Indes ist derartigesunter dem Gesichtspunkt
meiner heutigen Betrachtung nur nebenschlich. Wenn mein Programm mit
sich brchte, da ich von den _demoralisierenden_ Wirkungen und von der
_Schdigung des Ansehens unseres Beamtenstandes_ rede$
n_ an der
Arbeitssttte in derjenigen Krperhaltung, die seine Arbeit ntig macht,
und in der Umgebung, in der er dabei ist, demselben Gerusch, demselben
Lrm ausgesetzt, unter demselben Zwange der Aufmerksamkeit -- wenigstens
da wo Maschinenbetrieb ist -- sich zu sichern, da er kein Unheil
anrichtet, oder da ihm nicht Unheil angerichtet werde, -- ich sage;
da, wenn diese rein passive Ermdung einen ganzen groen Teil des
Tagewerks der Leute bedeutet, jede _Verkrzung der Arbeitszeit_, die
also bewirkt, da diese Leistung in der verkrzten Arbeitszeit sich
zusammendrngt, ein _reiner Gewinn an Kraft fr die betiligten_
Personen sein mu.
Wenn ich mir nun denke, ein Mann knne ein bestimmtes Tagewerk in 8
Stunden leisten, und man ntigt ihn, 10 Stunden darauf zu verwenden, so
ist das ganz genau dasselbe, wie wenn man ihm erlaubt, seine Arbeit in 8
Stunden fertig zu machen, ihm aber zumutet: du mut nun noch 2 Stunden
hier bleiben in derselben Krperhaltung, sitzend oder stehend, dasselbe
Gerusch hren, di$
40 Millionen Mark anzuschlgen sein, was in der Bilanz
eines groen Landes ja nur eine ganz geringe Bedeutung hat.
Man wrde sagen knnen, diese Frage hat gar keine besondere
wirtschaftliche Bedeutung, sie ist mehr Sache des subjektiven Ermessens,
ob man fr besser und angenehmer finden will, da die Leute 8 Stunden
arbeiten und 16 Stunden Ruhe haben, oder 10 und 11 Stunden arbeiten und
nur 14 oder 13 Stunden Ruhe haben.
Aber mit nichten! Bei dieser berlegung wrde man vergessen, da zwar
der Kraftverbrauch fr Leergang der Maschinen, der seinen Ausdruck
findet in dem nutzlosen Verbrennen von 30-40 Millionen M. mehr Kohlen,
in Deutschland verschwendet ist, da die Hauptsache aber die
Kraftverschwendung in dem nutzlosen Leergang von 3 oder 4 Millionen
_Menschen_ in Deutschland ist. Und da ist die Frage: was bedeutet
denn diese Kraftverschwendung, die zweifellos da ist, wenn es mglich
ist, da diese selben Menschen dasselbe in 8 Stunden leisten, was sie
bisher in 10 Stunden gemacht haben? Auf wessen Kosten ge$
r stiftungsgeme ZweNke nach  1, B bis zum
jhrlichen =reinen Zinsabwurf (Saldo) des Stiftungsvermgens=[48]
jederzeit zulssig[49].
[Sidenote: Entnahmen aus dem R. F.]
Herausnahmen aus dem Kapitalbestand des Reservefonds drfen in dieser
Zeit, =auer zur Erfllung rechtlicher Verpflichtungen=, fr keine
anderen Zwecke als fr solche der Geschftsunternehmungen erfolgen.
Die vertragsmige Abzahlung fremder Kapitalposten im Betriebskapital
der Geschftsfirmen darf bis zum gedachten Zeitpunkt aus dem
Kapitalbestand des Reservefonds nur insoweit erfolgen, als Heranziehen
andern fremden Kapitals in Form unkndbarer amortisierbarer Anleihe
nicht mglich wre, auer zu hherm Zinsfu als ein Prozent ber dem
jeweiligen Hypothekenzinsfu.
=Ist weggefallen.=
[Sidenote: Beschrnkung der Ansammlung des R. F.]
Wenn der Reservefonds die in  45 bezeichnete Hhe erreicht hat, ist ihm
von da ab nicht mehr als die Hlfte der jhrlich verfgbar bleibenden
Betriebsberschsse und Zinsertrge zuzufhren und, wenn der nicht $
r die Dauer des dem Austritt
folgenden halben Jahres=[60].
Fr solche Geschftsangehrige, die nach dem Pensionsstatut
Pensionsanwartschaft erlangt haben, soll die Entschdigung nicht weniger
betragen, als der Gesamtbetrag der im Invalidittsfall zu
beanspruchenden Pension fr einen Zeitraum gleich dem vierten Teil der
abgelaufenen, nach den Bestimmungen des Pensionsstatuts
anrechnungsfhigen Dienstzeit; =der die Bezge nach Abs. 2 bersteigende
Betrag ist alsbald fllig=.
Wer auer Lehrvertrag, als Arbeiterlehrling, vor vollendetem 16.
Lebensjahr bei einem Stiftungsbetrieb eingetreten ist, hat auf die
zuerst bezeichnete Entschdigung schon dann Anspruch, wenn er ohne sein
Verschulden nach vollendetem 18. Lebensjahr entlassen wird.
=Eine Abgangsentschdigung wird schon nach sechsmonatiger Dienstzeit
gewhrt, wenn die Entlassung nicht aus Grnden erfolgt, de in der
Person des Entlassenen liegen, sondern durch Einschrnkung des
Betriebes, Einfhrung von Fabrikationsverbesserungen oder hnliche
betriebstechnisc$
an sich gemeinntzige sein, im gegebenen
Fall mit kirchlichen oder politischen Parteibestrebungen auf irgend eine
Art in Verbindung gebracht ist.
[Sidenote: Verwaltung der St.-Einrichtungen nach  101-103.]
=Die Verwaltung aller Einr2chtungen zugunsten der in  101 bis 103
gedachten Zwecke ist den Mitgliedern der Jenaer Geschftsleitungen und
dem Stiftungskommissar zu bertragen und von diesen Personen gem den
Vorschriften in  10-15 zu fhren.=
[Sidenote: Erluterung zu  1 B Ziff. 3.]
Im brigen sind die verfgbaren Mittel der Carl Zeiss-Stiftung, gem
dem in  1 sub B an dritter Stelle benannten Stiftungszweck, der
Frderung rein wissenschaftlicher Studien und Forschungen im ganzen
Bereich der naturwissenschaftlichen und mathematischen Lehrfcher, ohne
Rcksicht auf die nheren Interessen der Stiftungsbetriebe, nach
Mglichkeit dienstbar zu machen.
Die Aufwendungen fr diesen dritten Zweck sollen, so lange die
Universitt Jena besteht, regelmig in deren Interessenkreis erfolgen,
insoweit nicht in ei$
g und stand. Karl konnte seine
Bewegung nicht meistern, vermochte nicht ruhig zu sein; und als Kallem
nun auch mit dem Vater reden mute, fing er an, sich umzusehen, ging zum
Flgel hin, strich mit der Hand ber die Tische, betastete die Blumen,
bltterte in den Noten, ging dann ins Ezimmer, in die Studierstube.
Dort blieb er lange -- allein. Dann ging er hinaus in die Kche, zu
Sigrid, und blieb drauen. Kallem sah sich wiederholt nach ihm um;
Doktor Meek bemerkte es und sagte: "Wir Meeks haben allestarke Gefhle.
Wir haben versucht, sie zu zgeln; aber der dort kann seine nicht
zgeln; sie werden blo eingezwngt auf der einen Seite, um auf der
andern wieder hervorzubrechen." Karl trat wieder ein; ganz verweint.
Kallem wollte nicht, da er so zu Ragni hinaufgehe; jedenfalls msse er
erst warten, bis er ruhiger geworden sei. Karl beteuerte, oben wrde er
sogleich ruhig werden; er bat instndig, man solle ihn hinauf lassen;
umsonst. Er sollte sie heute berhaupt nicht mehr sehen. Der Abend war
immer ihre sch$
 Woche um Woche, -- den Appetit verlieren durch die
unaufhrliche Spannung -- das war fast genug, um selbst kerngesunde
Naturen wie die ihre zu brechen. Tuft sprach heimlich mit Kent darber;
aber es war nichts zu machen, wenn sie nicht selber wollte.
Whrend er jede ihrer Bewegungen berwachte, mute er ihr, gegen seinen
Willen, eines Tages mitteilen, da Ragni nicht hier, sondern im Friedhof
des Nachbardorfs beerdigt werden sollte. Darin offenbarte sich doch des
Schwagers Groll, ja Abscheu auf die denkbar strkste Weise. Zweifellos
war dieser Entschlu gegen die Gesellschaft im allgemeinen, am meisten
aber gegen sie beide gerichtet.
Was Josefine fhlte, erfuhr Tuft nicht; ihm selbst ging es nahe. Ein
einziges Mal verriet sie, wie ungeduldig sie geworden war. Er hatte sich
ber den Jungen gebeugt und kam ihm dabei etwas zu nah; Edvard sthnte
und schob ihn mit der Hand von sich. "So la doch das ewige Rauchen!"
sagte sie erbittert. Er wandte sich nach ihr um: "Das werd' ich auch!"
antwortee er sanft. Als er $
 Das hat so mir die Kinnbacken einexercirt,
    Da ich jetzt noch mit Leichtigkeit kau!
[Illustration]
    Ihr seid alt, sagte der Sohn, und habt nicht viel Witz,
    Und doch seid ihr so geschickt;
    Balancirt einen Aal auf der Nasenspitz'!
    Wie ist euch das nur geglckt?
    Drei Antworten hast du, und damit genug,
    Nun la mich kein Wort mehr hren;
    Du Guck in die Welt thust so berklug,
    Ich werde dich Mores lehren!
Das ist nicht richtig, sagte die Raupe.
Nicht ganz richtig, glaube ich, sagte Alice schchtern; manche Wrter
sin anders gekommen.
Es ist von Anfang bis zu Ende falsch, sagte die Raupe mit
Entschiedenheit, worauf eine Pause von einigen Minuten eintrat.
Die Raupe sprach zuerst wieder.
Wie gro mchtest du gern sein? fragte sie.
Oh, es kommt nicht so genau darauf an, erwiederte Alice schnell; nur
das viele Wechseln ist nicht angenehm, nicht wahr?
Nein, es ist nicht wahr! sagte die Raupe.
Alice antwortete nichts; es war ihr im Leben nicht so viel widersproc$
henk uns Helden. (Man hrt
Schritte, Stimmengesurr, Sbelklirren.)
(reit die Tre auf, feierlich)
Der General-Adjutant Kammerherr Graf Orlow.
(tritt sbel- und sporenklirrend ein. Er trgt die Uniform
der Preobraschenskyschen Leibwachen. Seine Gestalt ist
uerst schlank, sein Gesicht kalt, bleich, hochmtig und
etwas verwstet. Die Zge verraten eine kaum zu bndigende
Leidenschaftlichkeit. Er wei um seine Schnheit, ist eitel
darauf und verachtet sie zugleich. Seine Hnde sind fein und
lang. Er verbeugt sich tief vor Rasumowsky, die beiden
Offiziere scheint er zu bersehen.)
Ich komme hoffentlich nicht zu ungelegener Stunde, Graf
(kaum hrbar)
Verloren, Mtterchen Ruland, verloren ...
_Rasumowsky_
Michael Jefimowitsch, du wirst die Gte haben, drben im
gelben Zimmer zu warten.
Wir wollen kenesfalls stren.
_Rasumowsky_
Auch Sie, Fedor Alexandrowitsch, mgen warten, wenn es Ihnen
gefllig ist.
Wenn es erlaubt ist, will ich warten. (Ab mit Lassunsky nach
_Rasumowsky_
Nehmen Sie Platz, Graf Orlow. (Er setz$
u wieder auf die Erde,
putzte ihm das Nschen und ging eilig, um in der Kche ihre Befehle fr
das Abendbrot zu geben.
Der groe Ernst stand etwas verlegen neben dem kleinen Kameraden.
Hansi, sagte er, nun pa einmal auf: du mut nicht allein dableiben.
Du bist auch eingeladen, zu deiner Tante in den Schwarzwald. Dort ist's
schn, freu' dich nur! Auf Karl brauchst du nicht zu hren, der schwatzt
nur dummes Zeug.
Hansi sagte nur das eine Wrtchen O, aber seine Augen sahen dabei so
glcklich und dankbar drein, da es dem groen Ernst ganz merkwrdig
warm ums Herz wurde. Zrtlichkeiten waren unter den Jungen verpnt. Aber
nun konnte er nicht anders: er bckte sich und kte das strahlende
Gesichtchen vorsichtig und rasch.
[Illustration]
[Illustration]
Ende August rckte Hansi wieder in die Anstalt ein. Er brachte ein
sonnenverbrnntes Gesichtchen mit und frohe, blanke Augen, in denen sich
viel Liebes gespiegelt hatte. Das war deutlich zu sehen. Und ebenso
deutlich war zu sehen, wie die Augen allmhlich den$
nst darf sich ihm niemand
Faustina hatte die Treppe erstiegen, um in das Landhaus einzutreten. Der
Sklave schritt ihr voran, und im Gehen fragte sie ihn:
Was sagen die rzte ber Tiberii Krankheit?
Keiner von ihnen versteht diese Krankheit zu behandeln. Sie wissen
nicht einmal, ob sie rasch oder langsam ttet. Aber eins kann ich dir
sagen, Faustina, da Tiberius sterben mu, wenn er sich weiter weigert,
Nahrung zu sich zu nehmen, aus Furcht, da sie vergiftet sein knnte.
Und ich wei, da ein kranker Mann es nicht aushalten kann, Tag und
Nacht zu wachen, wie der Kaiser tut, aus Angst, im Schlafe ermordet zu
werden. Wenn er dir vertrauen will wie in frhern Tagen, wird es dir
vielleicht gelingen, ihn zum Essen und Schlafen zu bewegen. Damit kannst
du sein Leben um viele Tage verlngern.
Der Sklav fhrte Faustina durch mehrere Gnge und Hfe zu einer
Terrasse, auf der Tiberius sich aufzuhalten pflegte, um die Aussicht
ber die schnen Meeresbuchten und den stolzen Vesuv zu genieen.
Als Faustina die Terras$

die alte Frau an unsre Tr fhrte.
Sowie die Frau diese Worte gesprochen hatte, wendete sich der Winzer
wieder an den Sklaven.
Freund, sagte er zu ihm. Du sollst Faustina eine Botschaft von mir
bringen! Sag ihr dies, Wort fr Wort! Solches kndet dir dein Freund,
der Winzer aus den Sabiner Bergen. Du hast die junge Frau gesehen, die
mein Weib ist. Schien sie dir nicht hold in Schnheit und blhend in
Gesundheit? Und doch hat diese junge Frau einmal an derselben Krankheit
gelitten, die nun Tiberius befallen hat.
Der Sklave machte eine Bewegung des Staunens, aber der Winzer fuhr mit
immer grerm Nachdruck fort.
Wenn Faustina sich weigert, meinen Worten Glauben zu schenken, so sag
ihr, da meine Frau und ich aus Palstina in Asien stammen, einem Lande,
wo diese Krankheithufig vorkommt. Und dort ist ein Gesetz, da die
Ausstzigen aus Stdten und Drfern vertrieben werden und auf den
Pltzen wohnen und ihre Zuflucht in Grbern und Felsenhhlen suchen
mssen. Sage Faustina, da mein Weib von kranken Elte$
n nicht mehr Holz,
sondern ein gelber, polierter Marmor oder Speckstein zu sein, aber mit
zahllosen Narben und Schnitten. Der quadratische Raum, der im brigen
mit seinen natrlich ungeputzten, aus rohen Blcken und
Schieferplatten geschichteten Mauern mehr einer Hhle glich und aus
dem der Qualm durch die Tr in den Stall und wiederum von dort durch
die Tr vollends ins Freie drang, weil er auer etw0a durch
Undichtigkeiten der Wnde sonst keinen Abzug hatte, der Raum also war
vom Qualm und Ru der Jahrzehnte geschwrzt, so da man beinahe den
Eindruck gewinnen konnte, im Innern eines dickverruten Kamines zu
Eben bemerkte Francesco den eigentmlichen Glanz von Augen, die aus
einem Winkel hervorleuchteten, als drauen ein Rollen und Rutschen von
Gesteinschutt hrbar ward und gleich darauf die Gestalt Luchino
Scarabotas in die Tr und wie ein lautloser Schatten vor die Sonne
trat, wodurch sich der Raum noch tiefer verdunkelte. Der verwilderte
Berghirt atmete schwer, nicht allein deshalb, weil er in kurzer Zei$
erte. Er gab noch einem schmalen Rande
und einem engen Vorpltzchen Raum, dessen Mitte von einer jungen, noch
bltterlosen Kastanie eingenommen wurde. Ein Stck des Himmels oder
von Mariens blauem Gewand schien um das Wildkirchlein hingestreut, so
hatte der blaue Enzian sich um das Heiligtum ausgebreitet. Oder man
konnte auch meinen, die Spitze des Berges habe sich einfach in den
Azur des Himmels getaucht.
Der Chorknabe und die Geschwister Scarabota waren schon anwesend und
hatten es sich unter der Kastanie bequem gemacht. Francesco
erbleichte, denn seine Blicke waren vergebens, wenn auch nur flchtig,
nach der jungen Hirtin ausgewesen. Er nahm aber eine strenge Miene an
und ffnete mit einem groen, rostigen Schlssel die Kapellentr, ohne
sich die Enttuschung und den bestrzten Kampf seiner Seele merken zu
lassen. Er trat in das enge Kirchlein ein, Pin dem der Chorknabe
alsbald hinter dem Altar einiges fr die Zelebrierung der Messe
vorbereitete. Aus einer mitgebrachten Flasche ward etwas Weihwasser in
das$
errlicher schien ihm ein
dumpfer Paukenlaut und ein Reigen schn gekleideter Frauen, der sich,
verbunden mit Blumengewinden, klar durch die Mauern sichtbar, rund um
die kleine Kapelle bewegte. Dahinter drehten sich in verzckter
Raserei die Mnaden des Sarkophags, tanzten und hpften dieziegenfigen Satyrn, deren einige das hlzerne Fruchtbarkeitssymbol
des Luchino Scarabota in frhlicher Prozession umhertrugen.
       *       *       *       *       *
Der Abstieg nach Soana brachte Francesco eine grblerische
Ernchterung, wie jemandem, der die letzte Hefe aus dem Becher des
Rausches getrunken hat. Die Familie Scarabota war nach der Messe
davongegangen: Bruder, Schwester und Tochter hatten beim Abschied
dankbar die Hand des jungen Priesters gekt.
Wie er nun mehr und mehr in die Tiefe stieg, wurde ihm ebenso mehr und
mehr der Zustand seiner Seele verdchtig, in dem er dort oben die
Messe gelesen hatte. Auch der Gipfel von Sant Agatha war sicherlich
frher eine irgendeinem Abgott geweihte, heidnische Kultst$
unertrglich gewordenen Fesseln abzuschtteln -- oder darber zu
Grunde zu gehen. Da fand ich Dich, Sadie -- und ich fhle nun -- o mit
jubelnder Stimme hallt es in meinem Herzen wieder, da Du bis jetzt,
Sadie das nur geahnte, aber so hei ersehnte Ziel gewesen, dem meine
eele entgegenstrebte. Werde mein Weib -- la uns auf dieser
freundlichen Insel, fern von den Sorgen, dem gefhllosen Treiben der
Welt, unsre Heimath grnden. -- Tief im Laub dieser Palmen versteckt,
von diesem lachenden Himmel berspannt, von diesen blauen Wogen umsplt,
an Deiner Seite, Sadie, und die Welt, die mir bis jetzt nur eine kalte
freudlose Strae gewesen, meinen Wanderstab darauf zu setzen, wrde mir
zum Himmel.
Er hatte ihre rechte Hand, die sie ihm willenlos berlie,
leidenschaftlich in seine beiden Hnde gefat, und schaute mit
leuchtenden Blicken und hochgertheten Wangen dem jungen schnen Mdchen
bittend in's Angesicht.
Sadie sa mit klopfendem Herzen und niedergeschlagenen Augen neben ihm
-- -- sie war recht ernst, ja fa$
 -- Gott straf mich, das ist ja der Pfaffe. -- Den? --
Himmeldonnerwetter -- _den_ haben _wir_ doch nicht etwa im Boote
mitgebracht?
So bindet ihn wenigstens los, sagte der Capitain ruhig, und nur mit
Mhe sein Lachen verbeiend. Whrend aber zwei daran gingen die Banden
aufzuschneiden und den Gefangenen besonders von seinem Knebel zu
befreien, fluchte und wetterte der alte Harpunier auf Deck herum, und
schien gar nicht bel Lust zu haben jetzt selber ber den Missionair
herzufallen, als ob der arme Mann die Schuld dieser fr ihn so traurigen
Verwechselung trage.
Bruder Rowe bekam aber kaum seinen eigenen Mund frei, als er auch
augenblicklich seine eigene Meinung von der Sache hatte, ber Mord und
Gewalt schrie, und verlangte ohne Sumen wieder an Land gesetzt zu
werden. Mit Mhe nur bekam man von ihm heraus, da seiner Meinung nach
einer der Leute aus dem Boot ihm einen Schlag versetzt, der ihn
bewutlos niedergestreckt und ihn dann wahrscheinlich gebunden und]geknebelt hatte. Hiergegen protestirte aber d$
 ehemals reichen und nun zu grunde
gegangenen Bauerngeschlecht gehrt hatte. Bald begann eine ruhige, doch
unablssige Geschftigkeit das Aussehen des verwahrlosten Gutes zu
verndern. Stall und Scheune wurden in Stand gesetzt, Zune
aufgerichtet, der versandete Brunnen wurde tiefer gegraben, der
Viehstand verbessert, neue Mbel, neue Pflge, neues Gesinde beschafft
und das Wohnhaus erhielt ein neues Dach.
Drei Monate frher hatten Frau Ansorges Wnsche noch andern Lebenszielen
gegolten, als in der mhrischen Einsamkeit Ruhe vor der Welt zu suchen.
Sie hatte die Vergngungen der Geselligkeit und alle jene Freuden
geliebt, welche ihr der Reichtum ihres Mannes verschaffen konnte. Alfred
Ansorge war einer der groen Kohlenwerksbesitzer des Ostrauer Reviers
gewesen. Allerdings hatten ihn seine Geschfte gezwungen, einen groen
Teil des Jahres in der traurigen, ruigen Stadt zuzubringen, aber desto
schner war dann der Gegensatz zu der in Wien, im Gebirge oder auf
Reisen verbrachten Zeit. Von einer solchen Reise $
atte
er den Heimweg angetreten, als immer wieder dieselben cker und Wiesen,
dieselben unansehnlichen Huschen an derselben Strae erschienen waren.
Bald verging das aufgeregte Wesen wieder und kehrte sich fast in sein
Gegenteil, so da Arnold den Eindruck eines mrrischen und
phlegmatischen Burschen machte. Ohne sichtbare Freude der Wahrnehmung,
ja sogar ohne Frohsinn, lie er Sommer und Winter und wieder Sommer und
Winter vorbeiziehen, denn dieser Wchsel und nicht die Ereignisse der
Welt war fr ihn das bedeutendste Schauspiel auf dem Zifferblatt der
Zeit, das er mit trockener Selbstgengsamkeit verfolgte. Er war trg und
schwieg gern aus Trgheit, auch gegen die Mutter. Es bestand zwischen
ihnen kein gefhlvolles Streben nach Annherung, auch keine
geheimnisvolle Abgeschlossenheit. Jeder schien in einem eigenen Land,
nach eigenen Gesetzen zu leben. Die Einfachheit der Tage und der
Beschftigungen bestimmte den Charakter ihres Verhltnisses. Arnold war
nie trotzig oder aufgeblasen gegen die Mutter, aber sie$
das wurde mit vollendeter Betonung gesprochen, mit einem Wechsel des
Ausdrucks, dem sich jedes Wort anschmiegte wie dem Krper ein musterhaft
gefertigtes Kleid. Arnold folgte der Hausfrau in den Korridor, dann ein
Stockwerk tiefer und trat hinter ihr in ein groes, lichtes Zimmer. An
einem mit Tassen, Glsern, Silbergeschirr, Blumen und Ewaren bedeckten
Tisch saen plaudernd drei Personen, ein junges Mdchen, welches von
Frau Borromeo als Petra Knig vorgestellt wurde, ein alter Herr mit
einem kropfartig verdickten Hals, Baron Drusius, und ein junger,
blonder, blasser Mann namens Hyrtl, der durch eine fast puppenhafte
Sorgfalt seines Anzugs auffiel. Dieser Mann blickte sofo't wie geblendet
auf Arnolds graue Joppe, auf seinen altmodischen Kragen, auf seine
schweren, groen Stiefel und ein humoristisches Lcheln umzuckte die
farblosen Lippen.
Nun haben wir unsern Waldmenschen glcklich hier, sagte Frau Borromeo,
indem sie spttisch lchelte, als belustigte sie die Verwunderung ihrer
Gste. Ich erzhlte Ihne$
ost auch bei dir empfangen.
Du hast recht, gab Anna zurck; und wir beide werden bei ihm um ein
Versorgungsstbchen in Podolin betteln.
Man meldete Besuch, den Baron Valescott, einen jungen Leutnant, der seit
kurzem zu Anna Borromeos eifrigen Verehrern gehrte.
Borromeo begegnete Arnold im Stiegenhaus. Willst du mich ein Stck
begleiten? fragte er in seiner zrckhaltenden und bescheidenen Art.
Arnold erklrte sich bereit; er war auf dem Wege, Natalie Osterburg zu
besuchen. Sie hatte ihm geschrieben, einen langen Brief mit hundert
Entschuldigungen, er mge nicht bse sein, sie werde auf Ehrenwort das
geliehene Geld am ersten Januar zurckerstatten, er solle sie doch
besuchen und damit zeigen, da er ihr noch freundlich gesinnt sei.
Sie gingen ein Stck Wegs, ohne da Borromeo, was ihn beschftigte, in
Worte zu fassen vermochte. Er war redensmde; immer schwerer wurde es
fr ihn, sich mit der realen Teilnahme des Lebenden vor ein Geschehnis
zu stellen, da all und jedes Ding fr ihn in ein unermeliches M$
lb aufgeschlagen hat, war
doch nur eine verabredete Komdie. Sie mssen doch zugeben --
Ich gebe nichts zu, unterbrach ihn Arnold. Wie knnen Sie so
sprechen, Sie, ein Jurist, ein Diener der Regierung? Als ich zum
erstenmal davon hrte, ich glaubte zu sterben vor Scham. Ich sollte das
gewi nicht sagen, denn solche Worte sind eben Worte. Aber wie knnen
Sie es entschuldigen? Kein Mensch darf das wagen, der selbst darauf
angewiesen ist, da man gerecht gegen ihn ist. Denken Sie doch nach.
Alles beiseite gelassen, Jude und Kloster, Ihre Verachtung, oder Ihre
Bequemlichkeit zu urteilen, so bleibt doch eine so ungeheure
Versndigung brig, da kein Gedanke sich daran gewhnen kann. Ich
konnte damals nichts davon begreifen, die ganze Welt brach zusammen wie
unter einem furchtbaren Futritt. Man raubt ein Kind, man will es
zwingen, die Religion zu verlassen, die mit ihm geboren ist, was fr
eine Religion, das ist doch gleichgltig,! und nichts geschieht, keine
Gerechtigkeit gibt es, das Recht wird bswillig ers$
 Verehrt von einem Volk das edel denkt;
  So wird fr diese That das hohe Paar
  Dir gndig sein, sie werden aus der Hand
  Der Unterird'schen dich erretten.  Schon
  In diesen heil'gen Hain wagt keine sich.
  So hab' ich wenigstens geruh'gen Tod.
  Ganz anders denk' ich, und nicht ungeschickt
  Hab' ich das schon Geschehne mit dem Knft'gen
  Verbunden und im stillen ausgelegt.
  Vielleicht reift in der Gtter Rath schon lange
  Das groe Werk.  Diana sehnet sich
  Von diesem rauhen Ufer der Barbaren
  Und ihen blut'gen Menschenopfern weg.
  Wir waren zu der schnen That bestimmt,
  Uns wird sie auferlegt, und seltsam sind
  Wir an der Pforte schon gezwungen hier.
  Mit seltner Kunst flichtst du der Gtter Rath
  Und deine Wnsche klug in Eins zusammen.
  Was ist des Menschen Klugheit, wenn sie nicht
  Auf Jener Willen droben achtend lauscht?
  Zu einer schweren That beruft ein Gott
  Den edeln Mann, der viel verbrach, und legt
  Ihm auf was uns unmglich scheint zu enden.
  Es siegt der Held, und bend die$
n Kanlen und Adern wieder
an sich saugt. Ohne das verhasste kommunistische Teilen wird
gewissermassen in jedem einzelnen Augenblick geteilt und ein Zustand
hergestellt, in welchem das schne, bereits fter zitierte Wort einer fr
alle und alle fr einen zur Wahrheit wird.
Der Heimfall aller Gter an den Staat nach dem Tode ihrer Erwerber, sagt
M. =Nordau= (a. a. O.) schafft ein nahezu unerschpfliches gemeinsames
Vermgen, =ohne den individuellen Besitz aufzuheben=. Jedes Individuum hat
dann ein Eigen- und ein Gesamt-Vermgen, wie es einen Tauf- und einen
Familien-Namen hat.... Indem das Individuum fr sich arbeitet, arbeitet es
zugleich fr die Gesamtheit, welcher eines Tages der ganze berschuss
seines Erwerbs ber den Verbrauch zu gute kommen wird. Das Gesamtvermgen
bildet das ungeheure Sammelbecken, welches aus dem berfluss der einen dem
Mangel der andern abhilft und nach jedem Menschenalter die immer wieder
entstehenden Ungleichheiten in der Gterverteilung ausgleicht, welch
Ungleichheiten di$
te mitfahren
lassen, und er wollte es gleich noch tun.
Aber der Kutscher war mitsamt den Pferden verschwunden, und es war
dunkel ringsum: nur drben hing eine Laterne, auf diese ging Rico zu.
Sie hing an der Stalltr, wo die Pferde eben hineingefhrt wurden.
Daneben stand der Mann mit dem dicken Stock, er schien auf den Kutscher
zu warten. Rico \tellte sich auch hin und wartete desgleichen.
Der Schafhndler mute ihn in der Dunkelheit nicht gleich erkannt haben;
auf einmal sagte er erstaunt: Was, bist du auch noch da, Kleiner, wo
mut du denn deine Nacht zubringen?
Ich wei nicht, wo, antwortete Rico.
Das wre der Tausend! um elf Uhr in der Nacht ein solches bichen von
einem Buben wie du, und im fremden Lande --
Der Schafhndler mute seine Worte vllig herausblasen, denn in der
Erregung kam er nicht gut zu Atem; er endigte aber seinen Satz nicht,
denn der Kutscher kam aus dem Stalle, und Rico lief gleich auf ihn zu
und sagte: Ich habe Euch noch danken wollen, da Ihr mich mitgenommen
Das ist gerade $
inden irgendwo, wie Blumenkohl? Du weit, liebe Marie, ich schaue
an gedeckten Tischen nach keinem anderen Gerichte so aus, wie nach
Artischocken.
Mit einem Male schrie das Miezchen auf:
Eben! Eben! Geradeso hat er mir gerufen zweimal, furchtbar, und _so_
hat er den Stecken aufgehoben und _so_ -- und Miezchen fuhr ganz
aufgeregt mit ihren Armen in der Luft herum --, aber urpltzlich schwieg
sie und fuhr schnell herunter mit ihren Armen bis unter den Tisch und
war ganz blutrot geworden, und ihr gegenber sa Otto mit zornigen Augen
und scho flammende Blicke zu Miezchen hinber.
Was ist das fr eine seltsame Verherrlichung meines Geburtstages?
fragte der Vater mit Staunen. ber den Tisch hin schreit meine Tochter,
als wollte man sie umbringen, und unter dem Tisch durch versetzt mir
mein Sohn so entsetzliche Stiefelste, da ich blaue Flecken bekomme.
Ich 4mchte wissen, Otto, wo du diese angenehme Unterhaltung gelernt
Jetzt war die Reihe an Otto, feuerrot zu werden bis unter die Haare
hinauf. Er hatte d$
Peter so viel ltiges Silber, als sie in sieben Wochen
gewannen, wenn sie diesen Wald schlagen drfen. Da man schon lange
keinen Wildmann mehr gesehen hatte und die Leute glaubten, die Wildleute
seien gestorben oder fortgewandert, so verkauften sie den Forst, der
nicht ihnen gehrte, und die Venediger schlugen ihn. Manchmal, wenn die
Bergknappen die Axt in einen der Bume hackten, erscholl aber aus dem
Wald ein Klagen, wie wenn Kinder weinen wrden, und aus den Gebschen
hrte man das Gerusch der fliehenden Wildleute. Als die Knappen die Axt
an die lteste Arve legten, berpurzelte der mchtige Baum, es klirrte,
wie wenn im Boden eine Kette reie~n wrde, und ein Wildmannli, das
erschreckt forteilte, rief:
    'Untr, Untr, du machst groes Weh,
    Jetzt hebt[11] der Wald am Berg nit meh!'
  [11] _hebt_ = hlt.
Das war der letzte Wildmann.
Vroni brach ab. Die Wildheuer, der Vater, die Mutter und Josi, mit ihren
Lasten waren herangekommen. Sie warfen ihre Bndel ab, streiften die
weileinenen Kapuzen zur$
achen mochten und das
Wort im Herzen verschlossen. Wozu reden? Jeder und jede wute, was die
Gedanken des anderen bewegte; wer einmal im Scherz gesagt hatte, er
wrde den Gang an die Weien Bretter wagen, trug heute ein doppelt
bekmmertes Sndergesicht zur Schau. In feierlicher Ruhe strmte das
Volk von allen Seiten ins Dorf und an den Husern standen einzelne
Maultiere angebunden, besonders viele an der langen Stange vor dem
Im letzten Augenblick sah der Presi den Garden mit Seppi Blatter kommen,
beide waren sehr ernst und feierlich. Der Garde schien grer als sonst,
er trug seine Amtstracht, einen Hut mit wallenden blauschillernden
Hahnenfedern, das Schwert am Gurt, die Binde am Arm.
Da ging der Presi, mit sich selbst noch in Streit, wie er das Znglein
der Wage schwenken wolle, aus seiner Stube in die schwere Sitzung.
Frh am Morgen war der Garde in die Wohnung Seppi Blattes gekommen und
hatte ihn in all seinem Kleinmut gefunden. Begleitet mich zur Schau,
wie die Lawine gegangen ist, und ob nicht noch $
ten: Es tagt, jetzt sind sie
schon ber dem Wald.
Der Pfarrer erwiderte: Um sechs Uhr ist Heligen-Wasser-Prozession, wenn
es euch recht ist, so gehe ich jetzt heim.
Da hob Frnzi dss schmerzlich vertrumte Haupt: O geht nur. Ich will
wachen, ihr aber, Kinder, mt noch etwas ruhen! Sie brachte die in
einen bleiernen Schlummer gesunkene Vroni zur Ruhe.
Sie aber wachte.
Der Morgen war empfindlich khl, der Himmel rein, die Felsen der Krone
standen wie die Mauern eines Mnsters, ihre Firnen funkelten wie
frischgegossenes Silber, im Thal hing der Tau an Baum und Strauch. Ueber
den Stutz herauf erklang das Glcklein der Lieben Frau an der Brcke.
Die Windungen des Stutzes hinab bewegt sich die Wallfahrt. Die alte
Kirchenfahne, auf der St. Peter mit dem Schlssel etwas ungeschickt
hingemalt ist, knistert leise. Der Mesner fhrt sie. Die weien kurzen
Ueberhemden der paar Kreuztrger schimmern. Unter einem vom Alter
gelblich angelaufenen Himmel, der sich mit dem stahlblauen Firmament
nicht messen kann, und bei$
r und bleibt ein Aufrhrer, und wie frher gegen das Dorf,
wendet er sich jetzt gegen Gott und seinen Himmel. Ich sage: Nichts
Neues! -- Keine Abordnung!
Nichts Neues! -- Keine Abordnung! fielen einige ein, andere riefen:
Fort mit der Blutfron!
Peter Thugi sa da wie ein Gerichteter, dem man das Leben zu schenken im
Begriffe steht.
Mit Hilfe seiner groen Verwandtschaft beschlo die Gemeinde, die
Abordnung an den Regierungsrat zu schicken, und bestellte sie aus dem
Glottermller, zwei weiteren Anhngern des Alten, dem Garden und dem
Bockjelpler, der halb an Josi Blatter glaubte. Den Presiaber berging
die Gemeinde in der Wahl.
Bis die Abordnung ber die Antwort der Regierung Bericht erstatte, solle
Peter Thugi bei seinem Los behaftet sein.
Ein Krieg htte das Dorf nicht mehr aufregen knnen als der erstaunliche
Ausgang der Losgemeinde.
Der Presi, hhnten einige grimmig, hat uns mit seiner
schlangengescheiten Zunge wieder einmal erwischt. Htet euch.
Da Josi Blatter mit seinem Gelbde gerade auf di$
icht: Josi Blatter, es ist
vieles anders geworden in unserem Dorf, aber den rechten Frieden und die
rechte Freudigkeit haben wir noch nicht. Es ist uns, St. Peter sei noch
nicht ganz aufgerichtet, so lange du und Binia uns fehlen. Wir wissen,
da dein Werk gut ist, die Gemeinde will dich in Ehren halten und zum
Zeichen haben dich gestern die hundertzwanzig Brger von St. Peter
einstimmig zu ihrem Presi gewhlt. Denn ich bin alt und den Aemtern
nicht mehr gewachsen. Wir brauchen einen starken, aufrechten Mann. Josi,
versage uns die Freude und Ehre nicht!
Die anderen besttigen die warme Rede: So ist es, wir bitten dich.
Josi will antworten, aber er kann nicht -- er geht zur Thre hinaus --
in einer stillen Ecke schluchzt er: Hrt ihr es, Vater -- Mutter --
ich, euer verachteter Bub Presi von St. Peter. -- Wie er sich aber
gefat hat und den Mnnern sein Nein entgegenbringen will, da fllt
ihm Binia um den Hals: Josi, ja, wir wollen nach St. Peter
zurckkehren, dessen Kinder wir sind und wo die Grber $
d auch die Frage Deutschland gegenber aufgeworfen, und der Herr
VorsitzeDnde hat sie mit Recht in Errterung gestellt: Was tut Ihr mit
Euren Waren? Wenn Ihr sie nicht ausfhrt, so speichert Ihr sie auf und
investiert sie und schafft grosse neue innere Reichtmer. Es erscheint
sehr paradox, dass ein Land trotz Fehlens von Ersparnissen Waren
aufstapeln, bauen und investieren sollte. Ich bitte daher, von der Lage
der Arbeitsstundenzahl und ihrer Verwendung in Deutschland sprechen zu
drfen. Ich komme damit auch auf die Frage, was Deutschland mit seinen
Arbeitslosen macht, und auf den Verlust an Arbeitsstunden unter der
gegenwrtigen Situation.
1. Die Einknfte aus Kapitalanlagen im Auslande wurden frher bezahlt in
Waren, die somit einen fortlaufenden Tribut an Gtern bedeuteten, der in
breitem Strom uns zufloss. Schon um diese Gter, vor allem Rohstoffe, zu
erhalten, die wir frher als laufenden Ertrag erhielten, mssen wir jetzt
arbeiten und Arbeitsstunden aufwenden. Dieser Arbeitsstundenaufwand
lsst sich au$
t zu Hilfe kommen mssen, aber auch hier
sind Grenzen gegeben.
Ich knpfe wieder an die 500 Millionen an, von denen ich schon
gesprochen habe. Die reinen Goldlasten fr Deutschland werden aber in
jedem Falle viel hher sein als dieser Betrag. Es handelt sich zunchst
daneben um den Gegenwertdes clearing mit 360-400 Millionen Goldmark.
Dann aber handelt es sich um die in Gold zu beschaffende Bezahlung fr
die Rohstoffe, deren wir zur Herstellung unserer Sachleistungen
bedrfen. Denn mit Ausnahme der Kohlenlieferungen, fr die fremder Bezug
von Hilfsmaterialien nicht allzu schwer ins Gewicht fllt und die ich
daher ausser Ansatz lasse, mssen wir fr alle anderen Sachlieferungen
etwa 25 Prozent des Wertes an Rohstoffen aus dem Auslande beziehen. So
komme ich zu weiteren 250 Millionen Goldmark. Wir wrden also fr 1922
auf eine Goldleistung von mehr als 1 Milliarde Goldmark kommen, wenn es
sich scheinbar nur um eine Goldzahlung von 500 Millionen handelt. Wenn
es notwendig erscheint, eine so gewaltige Summe von D$
diesem
Bilde irgend etwas Wesentliches ndern. Noch in 100 Jahren wird man
vermutlich irgendwo in deutschem Boden vergrabene Waffen finden, gerade
so gut wie man heute noch rmische Mnzen oder longobardische Schwerter
im Boden findet. Eine 100 prozentige Leistung auf dem Gebiet einer
grossen Aktion gibt es nicht, und wenn hier Bruchteile eines Prozentes
zurckgeblieben sein mgen, so ist kein Grund dafr, diese Tatsachen in
Form von Entdeckungen aufzubauschen. Kein denkender Mensch in der Welt
kann annehmn, dass Deutschland mit dem, was ihm an Waffen oder an
Kriegern verblieben ist, einen Krieg fhren kann. Jeder Mensch, der
heute vertraut ist mit dem technischen Wesen eines Krieges, weiss, dass
ein neuzeitlicher Krieg nicht zu fhren ist mit Resten von Waffen, dass
er berhaupt nicht zu fhren ist mit vorhandenem Material, sondern dass
er nur gefhrt werden kann durch Umstellungen der gesamten
Industrialitt eines Landes. Diese Umstellung aber ist in Deutschland
nicht mglich, und somit sind alle Bemhungen$
Quarterdeck aus das, was vorn an Deck vorgehe, zu
erkennen; der Sprecher stand aber gerade auf der Back des Schiffes, und
die lose niederhngende Fock verhinderte ihn etwas von ihm zu erkennen. Er
stieg deshalb rasch auf das Deck nieder, dem Platz zuzueilen, von wo ihm
jetzt schon lautes schallendes Gelchter entgegendrhnte.
Hurrah, Maulbeere soll leben -- Zachus vivat hoch! jubelte eine Menge
lachender Kehlen, und die Zwischendeckspassagiere drngten jetzt in so
festem Keil nach vorn, da selbst die Schiemannsscheibe auer Thtigkeit
gerieth, und die Matrosen ebenfalls dem was da v@rging mit schmunzelnden
Gesichtern lauschten.
Der Urheber dieses pltzlichen Lrmens sowohl, wie der wilden rauschenden
Frhlichkeit war, aber wirklich niemand Anderes als Zachus Maulbeere, der
sonst so mrrische, einsylbige Patron, der jetzt, aber ebenfalls mit dem
ernsthaftesten Gesicht von der Welt, und selbst whrend dem Jubeln und
Jauchzen der Menge, keine Miene verzog, den Mund nur, als wenn er die
Pfeifenspitze darin h$
te ihm Eduard -- "wir haben unsere Passage auf dem
Schiff genommen."
"Ah, das ist mir doch ungemein angenehm" erwiederte der Fremde sich rasch
vollstaendig gegen die Damen herumdrehend; "da bin ich so frei mich Ihnen
als kuenftigen Reisegefaehrten gehorsamst vorzustellen."
Die Damen verbeugten sich leicht gegen den sich selber Einfuehrenden, und
Frau Professor Lobenstein wollte ihn eben fragen ob er etwas Bestimmtes
ueber die Abfahrt des Schiffes wisse, er liess sie aber gar nicht zu Worte
kommen, und fuhr rasch, seinen Stuhl jetzt vollstaendig zu ihrem Tische
rueckend, fort:
"Ist mir doch wirklich sehr angenehm; wunderbares Zusammentreffen das,
ebenfalls, eh? -- wie sich die Leute doch so auf der Welt finden; kommen
hier in _einem_ Gasthaus, an _einem_ Tisch zusammen und sind, unbewusst, im
Begriff eine s= ungeheure Reise mit einander zu machen und die Gefahren
des Oceans zu theilen. Liegt ungeheuer viel Poesie in dem Gedanken."
Der gespraechige Fremde machte hier zum ersten Mal eine Pause, indem er
seine zi$
t.
Schritt fr Schritt hatten wir unseren Weg zu bahnen. Doch kann ich
sagen: in letzter Linie haben alle Behrden uns untersttzt, in letzter
Linie haben wir doch berall Verstndnis errungen und gesehen, da
unsere ffentliche Organisation geeignet ist, auf jedes noch so
schwierige Problem einzugehen und es mit neuen Mitteln zu lsen. Aber
die Anfnge waren schwer.
Nun kommen die Schwierigkeiten, die in uns selbst lagen.
Zu fnft hatten wir angefangen. Menschen wurden gesucht; die
Personalbestnde der Wirtschaft waren ausgeleert. Alles war an der
Front, ging an die Front. Fabriken und Banken habe ich bestrmt: gebt
mir Menschen. Ja, es wurden mir manchmal Menschen gegeben, die liefen
nach zwei Tagen weg, denen pate es nicht, von morgens 9 bis abends 12
zu arbeiten, und zwar umsonst und in eminer Sache, von der sie nicht
genau wuten, wozu sie diente, wohin sie fhrte. Andere blieben und
fanden Gefallen, und so hat doch schlielich ein Kreis sich gebildet,
eine Freischar sich zusammengefunden, die in ihrem $
esen.
  Endlich rief er das Mdchen herbei, das teure, und hiess es,
  Eilig herbeizutragen die lngst bereiteten Sachen,                 325
  Selber zog aus dem Stall er hervor das beste der Rosse,
  Welches er "Lwe" genannt um seiner Vorzglichkeit willen;
  Stampfend stand es und nagte
        voll Mut an den schumenden Zgeln.
  Als er darauf mit dem Schmuck es umhllt in blicher Weise,
  Hngt er die Schreine, mit Schtzen gefllt,
        dem Ross an die Seiten,                                      330
  Fgt auch Speisen hinzu, nicht viel fr die Lnge des Weges.
  Und die wallenden Zgel vertraut er der Rechten der Jungfrau,
  Selber jedoch, von dem Panzer umhllt
       nach der Weise der Recken,
  Setzt er den Helm sich aufs Haupt,
        den rot umwallte der Helmbusch,
  Schnallt die goldenen Schienen sich drauf um die mchtigen Waden,  335
  Grtet sodann an die Linke
        das Schwert mit der doppelten Schneide,
  An die Rechte ein zweites dazu nach pannonischer Sitte,
  Welches mit einer$

  Wo er kommt mit seinen Wonnen,
  Da ist niemand alt.
  Uns soll alles wohl gelingen,
  Frhlich woll'n wir sein.                         10
  Lasst uns tanzen, lachen, singen,
  Doch in Zchten fein.
  Weh! Wer wr' nicht froh,
  Seit die Vglein also schne
  Singen ihre besten Tne?                          15
  Tun wir auch also!
  Wohl dir, Maie, dass du leidest
  Weder Hass noch Streit!
  Wie du schn die Bume kleidest
  Und die Heide weit!                               20
  Die hat Farben viel.
  "Du bist kurzer, ich bin langer:"
  Also streiten auf dem Anger
  Blumen sich im Spiel.
  Roter Mund, sollst dich bezhmen,                 25
  Lass dein Lachen sein!
  Ach, es kann dich nur beschmen,
  So zu spotten mein.
  Ist,das wohl getan?
  Wehe der verlornen Stunde,                        30
  Soll von minniglichem Munde
  Unminn' ich empfahn!
  Was mir alle Freude stret,
  Seid Ihr, Frau, allein.
  Ihr nur habt mich ja betret,                     35
  So erbarmt Euch mein.
  Wie steht Euch der M$
ke roth.
  Der Jahre Lust und Mh ruhn stets auf gleicher Waage,
  Des Lebens Staffeln sind nichts als Geburt und Tod.
  Nur hat die Frhlichkeit bisweilen wenig Stunden
  Dem unverdrossnen Volk nicht ohne Mh entwunden.                   100
  Wann durch die schwle Luft gedmpfte Winde streichen,
  Und ein begeistert Blut in jungen Adern glht,
  So sammlet sich ein Dorf im Schatten breiter Eichen,
  Wo Kunst und Anmuth sich um Lieb und Lob bemht.
  Hier ringt ein khnes Paar, vermhlt den Ernst dem Spiele          105
  Umwindet Leib um Leib und schlinget Huft um Huft.
  Dort fliegt ein schwerer Stein nach dem gestckten Ziele,
  Von starker Hand beseelt, durch die zertrennte Luft.
  Den aber fhrt die Lust, was edlers zu beginnen,
  Zu einer muntern Schaar von jungen Schferinnen.                   110
  Dort eilt ein schnelles Blei in das entfernte Weisse,
  Das blitzt und Luft und Ziel im gleichen Jetzt durchbohrt;
  Hier rollt ein runder Ball in dem bestimmten Gleisse
  Nach dem erwhlten Zweck mit lan$
ntic vein, which was somewhat overworked in the decade preceding
the war. The fashion was really set by Gleim, though the spirit of it is
foundD in Hagedorn. The selections follow Krschner's
_Nationalliteratur_, Vol. 45.
+An Leukon.+
  Rosen pflcke, Rosen blhn,
  Morgen ist nicht heut!
  Keine Stunde lass entfliehn,
  Flchtig ist die Zeit!
  Trinke, ksse! Sieh, es ist
  Heut Gelegenheit!
  Weisst du, wo du morgen bist?
  Flchtig ist die Zeit.
  Aufschub einer guten Tat
  Hat schon oft gereut!
  Hurtig leben ist mein Rat,
  Flchtig ist die Zeit!
+Trinklied.+
  Brder, trinkt: es trinkt die Sonne,
  Und sie hat schon tausend Strme
  Ohne Bruder ausgetrunken!
  Brder trinkt: es trinkt die Erde;
  Seht, sie durstet, seht, wie durstig
  Trinkt sie diese Regentropfen!
  Seht, dort um den Vater Bacchus
  Stehn die Reben frisch am Berge;
  Denn es hat das Nass der Wolken
  Ihren heissen Durst gelschet.
  Brder, seht, das Nass der Reben
  Wartet in den vollen Glsern:
  Wollt ihr euren Durst nicht lschen?
$
Stcke
mit dem Maler wetteifern wollen, in welchem sie notwendig von ihm
berwunden werden mssen.
Ich finde, Homer malet nichts als fortschreitende Handlungen, und alle
Krper, alle einzelne Dinge, malet er nur durch ihren Anteil an diesen
Handlungen, gemeiniglich nur mit Einem Zuge. Was Wunder also, dass der
Maler da, wo Homer malet, wenig oder nichts fr sich zu tun siehet, und
dass seine Ernte nur da ist, wo die Geschichte eine Menge schner Krper
in schnen Stellungen in einem der Kunst vorteilhaften Raume
zusammenbringt, der Dichter selbst mag diese Krper, diese Stellungen,
diesen Raum, so wenig malen, als er will.
    6: _Die Sache_ is the fundamental difference between plastic art
    (_Malerei_) and poetry.]
+LXXIII. JOHANN GOTTFRIED HERDER+
1744-1803. Herder's was the first strong voice to be raised in protest
against the inveterate illusion of his countrymen that excellence in
poetry depended on the imitation o good models. He took a deep interest
in the poetry of primitive and unlettered men, an$
len, Wild! Was? bin ich wenigstens ein freier Mensch. Geht
Freundschaft so weit, dass du in deinen Rasereien einen durch die Welt
schleppst wie Kuppelhunde? Uns in die Kutsche zu binden, die Pistole vor
die Stirn zu halten, immer fort, klitsch! klatsch! In der Kutsche essen,
trinken, uns fr Rasende auszugeben, In Krieg und Getmmel von meiner
Passion weg, das einzige, was mir brig blieb--
WILD. Du liebst ja nichts, Blasius.
BLASIUS. Nein, ich liebe nichts. Ich hab's so weit gebracht, nichts zu
lieben, und im Augenblick alles zu lieben, und im Augenblick alles zu
vergessen. Ich betrge alle Weiber, dafr betrgen und betrogen mich
alle Weiber. Sie haben mich geschunden und zusammengedrckt, dass Gott
erbarm'! Ich hab' alle Figuren angenommen. Dort war ich Stutzer, dort
Wildfang, dort tlpisch, dort empfindsam, dort Engellnder, und meine
grsste Conquete machte ich, da ich nichts wa}r. Das war bei Donna
Isabella. Um wieder zurckzukommen--deine Pistolen sind geladen--
WILD. Du bist ein Narr, Blasius, und ver$
dann wieder in bewutloses
Dunkel versinkt. Indem Hermann und Dorothea unter den Birnbaum gelangt
sind, ist es schon Nacht; nur der Vollmond steht am Himmel. Vor ihnen,
sagt der Dichter, lagen in Massen gegen einander Lichter hell wie der
Tag und Schatten dunkler Nchte. Das Eigentmliche des Mondlichtes die
Welt in groe Massen abzusondern ist hier so wahr und einfach angegeben,
da die dadurch erregte Phantasie das Ganze des 
Bildes leicht vollzieht.
Auch in Schillers Erwartung heit es:
    Der Mond erhebt sein strahlend Angesicht,
    Die Welt zerschmilzt in ruhig groe Massen.
Wie glcklich ist das Gefhl der Wolkennacht in dem Verse ausgedrckt:
    Nicht die Nacht, die breit sich bedeckt mit sinkenden Wolken.
Oder das Gefhl des Ackerbaus, der ber fruchtbare Ebenen seinen Segen
    Von der Erde sich nhrend, die weit und breit sich aufthut.
Oder das Gefhl irrender Flucht, entgegengesetzt dem Gefhl der
Sicherheit, die fester Anbau gewhrt:
    Aber zerrttet die Not die gewhnlichen Wege des Lebens,
$
e Gesicht. Lange kniete er so da. Als
er sich wieder erhob, lag auf seinem Angesicht der ergreifende Ausdruck
ernsten Friedens.
Zndet den Baum wieder an, sprach er dann, es ist ein doppeltes Fest
heute fr uns: Weihnacht und Ostern. Friede ist eingekehrt in unsere
Seelen und auferstanden sind in uns all die toten Freuden und
Hoffnungen! Onkel, ich werde nie vergessen, was ich in diesen Stunden
gelitten! Es wird mir seelisch gehn wie dem Krieger, der in siegreicher
Schlacht Arm oder Bein verloren -- du verstehst mich wohl!
Stumm reichte ihm der Onkel die Hand und fhrte ihn schweigend zu dem
Baume. Oswald stand aufrecht und unbeweglich und sah ernst und fremd in
den so oft bejubelten Lichterglanz. Erst als er freudig merkte, da
seines Weibes Augen heller und wrmer glnzten als all die Lichtlein,
denen erst der Mensch durch die Sinnbildlichkeit Seele verleiht, wandte
er sich langsam zu Frida hin und fragte, sie leicht umfangend:
Glaubst du, da wir jemals wieder _unbefangen_ glcklich sein knnen?
Sie$
en htte ihn dazu
bewogen. Andere sagten, ihre Schnheit habe pltzlich seine Begierde
erregt, und aus List habe er sie bestimmt, sich vorerst zum Schein zu
Indes brachten giftige Zungen sein Blut in Aufruhr, und ihn wurmte der
dstere Spott in allen Gesichtern. Dem versteckten Spaniertum war seine
aufrichtige Jugend nicht gewachsen. Wie eitel ihre Blicke, wie
verrterisch ihr Hndedruck, und der Ton ihrer Rede so s, da man
Honig auf der Zunge zu spren glaubte. Eingesponnen von
wirbelnd-schwler Luft, des ftern schlaflos liegend, von Gier und Groll
gewrgt, lie sich Philipp von seinem ungelenkten Trieb zu einer
Handlung niedertrchtiger Art hinreien.
Er verabredete sich mit den beiden Kmmerlingen, Herrn von Fyennes und
Herrn Florys von Ysselstein. An einem Abend drangen sie zu spter Stunde
durch einen geheimen Gang und, indem sie eine verschlossene Tr
erbrachen, in das Schlafgemach Johannas. Mit dem gezckten Schwert
stellte sich der Herzog vor das Bett und forderte die Infantin auf,
sein rechtmi$
nen sonst
anstndigen und migen Mann irregeleitet, wenn sie meinen Arm bewaffnet
htte, so htte ich ihn doch nimmer gegen einen wehrlosen Greis erhoben.
Wollt ihr ein Opfer haben, so nehmt mich; ich bin bereit, aber vermengt
mein Schicksal nicht mit dem dieser Brut. Meine Familie, die stets auf
dem Land lebte und die Sitte und Einfachheit des Landlebens bte, ist
entehrt. Meine Mutter weint und erliegt. Urteilt, ob ich, in dies=s Meer
von Unglck gestrzt, noch Liebe zum Leben haben kann. Ich liebte einst
die Freiheit, ich liebte die Tiere, das Wasser, den Himmel, die Luft und
die Frchte der Bume; jetzt aber bin ich geschndet und lge noch eine
Zukunft vor mir, sie wre klebrig von Schande und die Zeit schmeckte mir
bel. Ist es ein Gericht, vor das man mich gestellt hat? Nein, es ist
eine Treibjagd, der Richter ist zum Jger geworden und richtet den
Schuldlosen her zu einem Braten fr den Pbel. Ich verlange keine
Gerechtigkeit mehr; es ist zu spt, mir Gerechtigkeit widerfahren zu
lassen, zu spt, und$
nichten. Den folgenden Abend
hatte sich _Schlaukopf_ richtig des Schwertes und der Gerte bemchtigt,
und war vor Tagesanbruch mit Hlfe des jngsten Mdchens entkommen. Aber
vor der Thr fand er das alte Snhlupfloch nicht mehr, sondern einen
groen Hofplatz und weiterhin wogte das Meer hinter der Koppel.
Unter den Mdchen hatte sich nach seinem Scheiden ein Wortwechsel
erhoben, der so heftig wurde, da der Alte von dem Lrm erwachte. Aus
ihrem Zanke wurde ihm klar, da ein Fremder hier verkehrt hatte, er
stand zornig auf und fand Schwert und Gerte entwendet. Mein bester
Schatz ist mir geraubt! brllte er, verga allen Krperschmerz und
strmte hinaus. _Schlaukopf_ sa noch immer am Meeresufer und sann
darber, ob er die Kraft der Gerte erproben oder sich einen trockenen
Weg suchen solle. Pltzlich hrt er hinter sich ein Sausen wie von einer
Windsbraut. Als er sich umsieht, erblickt er den Alten, der wie toll
gerade auf ihn los rennt. Er springt auf und hat eben noch Zeit, mit der
Gerte auf die Wellen zu sc$
hm alsbald
die Hand, um seine Nase zu kratzen, in demselben Augenblick aber packte
der Donnersohn das frei gewordene DonnerwerkYeug und sprang vom
Wolkenrand auf den Nacken des Teufels zurck, der mit ihm den Berg
hinunter rannte, als htte er Feuer hinter sich. Der alte Bursche hielt
auch nicht eher an, als bis er die Hlle erreicht hatte. Hier verschlo
er seinen Raub in eiserner Kammer hinter sieben Schlssern, dankte dem
Donnersohn fr die treffliche Hlfe und leistete auf dessen Seele vllig
Jetzt aber brach ber die Welt und die Menschen ein Unglck herein,
welches der Donnersohn nicht hatte vorhersehen knnen: die Wolken
spendeten keinen Tropfen Feuchtigkeit mehr, und Alles welkte in der
Drre hin. -- Habe ich leichtsinniger Weise dieses unerwartete Elend
ber die Leute gebracht, so mu ich suchen, die Sache, soweit mglich,
wieder gut zu machen, -- dachte der Donnersohn und berlegte, wie der
Noth abzuhelfen sei. Er zog gen Norden an die finnische Grenze, wo ein
berhmter Zauberer wohnte, entdeckte ih$
und dann mut du ihm also
antworten: Mit diesem Reifen binde ich dir das Maul fest, wenn du mehr
fressen wolltest, als ich dir hinschtte, und mit diesem Pflock werde
ich dir den After verkeilen, wenn du mehr solltest fallen lassen, als
ich Lust htte fortzuschaffen. Nachdem das Mdchen dies gesprochen,
schlich es auf den Zehen eben so leise wieder hinaus, wie es gekommen
war, ohne dem Jngling Zeit zum Dank zu lassen. Er prgte sich des
Mdchens Worte ein, wiederholte sich Alles noch einmal, um nichts zu
vergessen, und legte sich dann schlafen.
Frh am andern Morgen machte er sich an die Arbeit. Er lie die Sense
wacker im Grase tanzen und hatte zu seiner Freude nach kurzer Zeit so
viel gemht, da er einige Schoo voll`zusammenharken konnte. Als er dem
Pferde den ersten Schoo voll hingeworfen hatte, und gleich darauf mit
dem zweiten Schoo voll in den Stall trat, fand er zu seinem Schrecken
die Krippe schon leer, und ber ein halbes Fuder Mist auf der Diele.
Jetzt sah er ein, da er ohne des Mdchens klug$
t du morgen? Morgen habe ich Gesellentag -- antwortete der
Knigssohn. Ich bin morgen den ganzen Tag frei, und habe nichts weiter
zu thun, als die schwarze Kuh zu melken, so da kein Tropfen Milch im
Euter zurckbleibt. O du unglckseliges Geschpf! wie wolltest du das
zu Stande bringen, sagte das Mdchen seufzend. Du mut wissen, lieber
unbekannter Jngling, da, wenn du auch vom Morgen bis zum Abend
ununterbrochen melken wrdest, du doch nimmer das Euter der schwarzen
Kuh leeren knntest; die Milch strmt gleich einer Wasserader
ununterbrochen. Ich sehe wohl, da der Alte dich verderben will. Aber
sei unbesorgt, so lange ich am Leben bin, soll dir kein Haar gekrmmt
werden. Achte auf meinen Rath und befolge ihn pnktlich, so wirst du der
Gefahr entgehen. Wenn du zum Melken gehst, so nimm einen Topf voll
glhender Kohlen und eine Schmiedezange mit. Im Stalle lege die Zange in
die Kohlen und blase diese zu heller Flamme an. Wenn die schwarze Kuh
dich dann fragt, wehalb du das tkust, so antworte ihr, $
 dafr
mut du dich heute Nacht brav rhren. Se mir sogleich diese Gerste aus,
sie wird rasch wachsen und reifen; dann schneidest du sie, drischst sie
und windigest sie, so da du sie mlzen und mahlen kannst. Aus dem
erhaltenen Malzmehl mut du mir Bier brauen, und morgen frh, wenn ich
erwache, mir eine Kanne frischen Biers zum Morgentrunk bringen. Hab'
Acht, da meine Befehle genau befolgt werden, sonst knntest du leicht
das Leben einben.
Niedergeschlagen, mit sorgenschwerem Herzen verl3ie der Knigssohn das
Gemach, blieb drauen stehen und weinte bitterlich. Er sprach zu sich
selbst: Die heutige Nacht ist meine letzte, solch' eine Arbeit kann
kein Sterblicher vollbringen, und ebensowenig kann mir des klugen
Mdchens Rath hier helfen. O ich unglckseliges Geschpf! warum habe ich
leichtsinnig das Knigsschlo verlassen und mich in Gefahren verstrickt.
Nicht einmal den Sternen des Himmels kann ich mein bitteres Leid klagen,
denn hier sieht man weder Himmel noch Sterne, doch haben wir einen Gott,
der $
lden mssen; in meinem Knigreiche aber ist
eures Bleibens nicht mehr. Packet noch heute eure Sachen zusammen, um
vor Sonnenuntergang meine Stadt zu verlassen. Diener werden euch bis
ber die Grenze begleiten. Htet euch, jemals wieder den Fu auf mein
Gebiet zu setzen, da es Jedermann, auch dem Geringsten, frei steht, euch
wie einen tollen Hund todt zu schlagen. Eure Tchter, die auch meines
heimgegangenen Vaters Tchter sind, drfen hier bleiben, weil ihre Seele
rein ist von dem Frevel, den ihr an mir verbt habt.
Als die verwittwete Knigin fortgebracht war, lie der junge Knig in
der Nhe seiner Stadt zwei hbsche Wohnhuser aufbauen, von denen das
eine den Eltern seiner Frau, und das andere dem Wirthe des Bauerhofs
geschenkt wurde, der den hlflosen K}nigssohn liebevoll aufgezogen
hatte. Der als Hterknabe aufgewachsene Knigssohn und seine aus
niederem Geschlecht entsprossene Gemahlin lebten dann glcklich bis an
ihr Ende, und regierten ihre Unterthanen so liebevoll wie Eltern ihre
23. Dudelsack-Tiid$
etrachtete sie zweifelhaft und antwortete: Du selber scheinst mir an
Glck keinen Ueberflu zu haben, was kannst du Andern davon gewhren?
Die Alte lie sich aber nicht irre machen, sondern sagte: Unter rauher
Schale steckt oft glattes Holz und ser Kern. Zeiget mir eure Hand,
damit ich erfahre, wie es mit euch werden wird. Die Knigin sreckte
ihr die Hand hin, damit die Alte darin lesen knne. Als diese die Linien
und Striche eine Weile genau betrachtet hatte, lie sie sich
folgendermaen vernehmen: Euer Herz ist jetzt mit zwei Sorgen beladen,
einer alten und einer neuen. Die neue Sorge, die euch qult, ist die um
euren Gemahl, der jetzt weit von euch ist; --aber glaubet meinem Worte,
er ist gesund und munter und wird binnen zwei Wochen zurck kommen und
euch frohe Zeitung bringen. Eure alte Sorge aber, welche eurer Hand
tiefere Striche eingedrckt hat, rhrt daher, da Gott euch keine
Leibesfrucht geschenkt hat! Die Knigin errthete und wollte ihre Hand
aus der Hand der Alten losmachen, aber die Al$
von H. Schnakenburg's litho- & typogr. Anstalt in Riga.
Sutherland and the Online Distributed Proofreading Team
at http://www.pgdp.net
WILHELM VON HUMBOLDT
EINE FREUNDIN
ERAUSGEGEBEN VON
DR. HUHNHUSER
VOLKSVERBAND DER
BCHERFREUNDE
WEGWEISER-VERLAG G. M. B. H.
Vorbericht von Charlotte Diede.
Die Briefe, welche hier erscheinen, werden gewi als eine willkommene
Zugabe zu den gesammelten Werken Wilhelm von Humboldts empfangen werden.
Oft ist der Wunsch ausgesprochen, da, auer den gelehrten Schriften,
die man allein und getrennt von denen wnschte, die nicht in dieses Fach
gehren, noch mehr Ungedrucktes, besonders Briefe, erscheinen mchten.
Die hier vorliegenden fallen in die Jahre von 1788 bis 1835. Jahre waren
ntig, bis die Herausgeberin den Entschluss fassen und festhalten
konnte, von dem, was ihr verborgenes Heiligtum war, etwas durch den
Druck mitzuteilen. Endlich berzeugte sie sich, da das nicht untergehen
darf, was wesentlich zur Charakteristik eines wahrhaft groen Mannes
Was Wilhelm von Humbold$
ie ich in Braunschweig
war, Sie nicht kannte, und in Gttingen sehr oft an Sie dachte.
berhaupt liebe ich Gttingen, weil ich da in einer Zeit einsam lebte,
in der die Einsamkeit bildend ist. Gren Sie in meiner Seele den Wall,
und schreiben Sie mir, wenn Sie da sind, auch von den Menschen dort.
Nun leben Sie wohl, teure Frau, und werden mir nicht wieder fremd. Es
ist ein wunderbares BVerhltnis unter uns. Zwei Menschen, die sich vor
langen Jahren drei Tage sahen und schwerlich wieder sehen werden! Aber
es gibt in dieser Art der reinen und tiefen Freuden so wenige, da ich
mich schmen wrde, geizig mit dem Gestndnis zu sein, da Ihr Bild von
damals her, mit allen Gefhlen meiner Jugend, jener Zeit, und selbst
eines schneren und einfacheren Zustandes Deutschlands und der Welt, als
der jetzige ist, innig in mir zusammenhngt. Ich habe berdies eine
groe Liebe fr die Vergangenheit. Nur was sie gewhrt, ist ewig und
unvernderlich wie der Tod, und zugleich, wie das Leben, warm und
beglckend. Mit diesen un$
be
dessen an, was gewhnlich darin vorgeht, und man sollte mehr darauf
denken, sich einen Ort aufzubewahren, der einen blo an das erinnern
kann, was man frei von anderer Beschftigung oder Zerstreuung darin
gedacht oder empfunden hat. Wie man dann nur die Wnde erblickt,
erscheinen dieselben Gedanken und Empfindungen wieder, an die sich
andere anreihen. Es ist ebenso auf dem Lande mit Spaziergngen. Mir
wenigstens geht es immer so, da ich nach kurzem Aufenthalt in einer
Gegend sie mir zu verschiedenen Gedanken und Gefhlen bestimme, und je
lnger man sie in dieser Bestimmung braucht, desto mehr erwachen diese
Gefhle und Gedanken mit ihnen. Aber auch oben, wo Sie arbeiten, sind
ihre Zimmer hbsch und bequem, wenn auch klein. Diese Kleinheit kann
auch nichts Drckendes da haben, wo man gleich in einen freien und
groen Garten hinaus kann. In der Stadt wre das viel anders. Ihre ganze
Einrichtung, in der sichtbar so viel Verstand, Ordnung und Gengsamkeit
herrscht, hinterlt darum einen noch viel angenehmer$
f einmal am Himmel. Bliebe man eine ganze
Nacht auf, so gehen natrlich einige unter und andere kommen herauf.
Allein einige werden dann immer vom Tage berholt. Wenn man nur _eins_
recht fest kennt, sind die andern sehr leicht zu finden, da sie wie in
einem groen Grtel um den Himmel herumliegen, man also die Richtung, in
der man suchen mu, nicht verfehlen kann, wenn man sich vorher mit der
Ordnung und Folgenreihe, vor- ud rckwrts, recht bekannt gemacht hat.
Die im Winter, im Januar und Dezember, so zwischen sieben und neun Uhr
erscheinen, sind schner als diejenigen, die man zu gleicher Zeit im
Sommer sieht. Der Lwe ist ein sehr schnes Gestirn, ist aber jetzt erst
in spten Stunden sichtbar. Die Planeten erscheinen immer nur in
demselben Grtel und knnen diejenigen, die noch nicht recht gebt sind,
manchmal sehr irre machen. Allein man lernt sie doch auch bald
unterscheiden; kennt man einmal recht fest die nie untergehenden
nrdlichen Gestirne und die Tierkreiszeichen, so ist es dann leicht,
sich fr$
ie Wirkung schildert, die
diese Tatsache auf die Empfindung und das Gemt hervorgebracht habe.
Wenn z. B. jemanden ein verletzendes Wort gesagt worden sei, so komme es
nicht darauf an, dies selbst zu wiederholen. Man knne es vielmehr ganz
fglich verschweigen, wenn man nur den Eindruck des Wortes auf den, der
es hren mute, beschreibt. Dies ist aber durchaus falsch. Denn es hrt
nun aller Mastab der ganzen Szene auf, den der Art und dem Grade nach
blo das Wort selbst, einfach ausgesprochen, geben kann. Ich sage Ihnen
das so ausfhrlich, weil ich mit Ihnen recht offenherzig und nicht blo
obenhin ber die Fortsetzung Ihrer Lebenserzhlung sprechen mchte. Ich
kann Ihnen nicht raten, dieselbe weiter als zu dem Punkte fortzusetzen,
wo Sie sicher sind, alles und jedes, wie es Ihnen Ihr Gedchtnis gibt,
ohne die mindeste und leiseste Retizenz niederzuschreiben. Dies wa in
dem Teile, den Sie mir bis jetzt schickten, nicht nur mglich, sondern
Ihnen nach Ihrem Charakter selbst leicht, und ich bin sicher, da Sie$
 angenehme Luft, kein
Wind, ein reiner, blauer, schner Himmel, aber sehr herbstlich ist es
bei uns schon, ich wei nicht, ob auch bei Ihnen. Das Laub ist schon so
gelb, und wenn man eine ganze Allee hinunter sieht, bemerkt man auch,
da die Bume nicht mehr die Bltterflle wie im Sommer haben. Es ist
unglaublich, wie schnell die Zeit hingeht. Eine Woche, ein Monat sind
vorbei, und ehe man sich umsieht, das ganze Jahr. Es scheint garnicht
der Mhe wert, eine so alte und allgemein anerkannte Sache noch zu
wiederholen. Allein mir ist es wirklich, als wre mir diese Empfi5dung
nie sonst in gleichem Grade lebendig gewesen. Es mag daher kommen, da
ich die Zeit mehr nach Arbeit als nach sonst einer Ausfllung messe, und
da ist mir immer die Zeit, in der etwas zustande kommen soll,
unzureichend zu demjenigen, was man darin erwartet. Kein Tag bringt ganz
hervor, was er soll, und aus diesen Lcken der einzelnen Tage entsteht
ein groes Defizit im ganzen. Ich habe darum den Winter nicht so ganz
ungern, weil man doch,$
och nicht leer, sie bringt und nimmt
und lt zurck. Man wird durch sie immer reicher, nicht gerade an
Genu, aber an etwas Hherem. Ich meine damit nicht gerade die blo
trockene Erfahrung, nein, es ist eine Erhhung der Klarheit und der
Flle des Selbstgefhls, man ist mehr das, was man ist, und ist sich
klarer bewut, wie man es ist und wurde. Und das ist doch der
Mittelpunkt fr des Menschen jetziges und knftiges Dasein, also das
Hchste und Wichtigste fr ihn. Das wird Ihnen, liebe Charlotte, mehr
und besser zeigen, wie ich es meine, wenn ich das Alter der Jugend
vorziehe. Mein eigentlicher Wunsch wre aber, da ich allein alt wrde
und alles um mich her jung bliebe. Damit wrden dann auch die anderen
zufrieden sein und gegen diese Selbstsucht keine Einwendung machen.
Ganz im Ernst zu sprechen, obgleich auch das mein Ernst ist, ich meine
nur in dem Ernst zu sprechen, den auch andere dafr nehmen wrden -- so
bin ich weit entfernt zu verkennen, da die Jugend im gewissen und im
wahren Sinne eigentlich $
 wiegt doch die vielen
anderen Unbequemlichkeiten, und besonders den Zeitverlust, nicht auf. Zu
dem allen kommt die Ungewiheit der Zeiten.
Sie reden in Ihrem Briefe ber den Wert des Lebens und uern, da ihn
die geschwchten Krfte des Alters noch mindern. Wenn man von dem
Glckswert des Lebens spricht, so gebe ich gern zu, da man ihn nichtPimmer hoch anschlagen kann. Ich behaupte sogar, da alle, die ungefhr
in meinem Alter sind, von der jetzigen Zeit wenig oder nichts
Erfreuliches zu erwarten haben knnen, denn in allem, was das
menschliche Leben uerlich angeht, trben sich die Aussichten,
verwirren sich die Begriffe bis zu den verschiedensten Meinungen, und
die Jahre, die ich noch zu leben habe, werden nicht hinreichen, dies zu
lsen. Ist es aber recht und erlaubt, den Wert des Lebens wie den eines
andern Guts zu schtzen? Das Leben ist dem Menschen von Gott gegeben, um
es auf eine ihm wohlgefllige pflichtgeme Weise anzuwenden und im
Bewutsein dieser Anwendung zu genieen. Es ist uns allerdings $
rat ein. Sie blieb an der
Schwelle stehen und lachte. Nina drehte sich um und bemerkte unmutig:
Wie kann man sich nur so taktlos benehmen! -- Aber Mutter! rief
Jeanette, abermals und noch lauter lachend. Was konnte der Grund ihres
Lachens sein, das eigentlich ein wenig albern klang? Es schnitt Nina in
die Seele, jedoch der Freund erkannte jetzt die Gefahr. Diese Jugend
verachtete das Halbe und seine dunklen Katastrophen, verachtete die
hingezogenen Entscheidungen, verachtete die Umwege und das matte
Zweifeln, verachtete die Dmmerung und das Geheimnis. Sie schuf sich ein
neues Lebensgesetz, sie hatte etwas Unbedingtes in ihrer Art, sich zu
verkndigen ud fr sich einzustehen, sie erklrte sich fr das Gerade,
fr die Helligkeit und fr die Kraft.
Das war es, was er aus dem unschuldig und albern klingenden Lachen
Jeanettes herausfhlte. Und er sagte es Nina. Geh zu ihm oder geh zu
mir, schlo er; zu einem mut du gehen.
Sie schwieg. Aber am Abend schrieb sie dem Freund einen Abschiedsbrief,
dann ging s$
as adv._) {denn}, not to mention, to say nothing of, = much
{=Geschwister=}, _pl._, brothers and sisters.
{=Geselle=}, _m._ (_pl._ {-n},) journeyman.
{=GesellUschaft=}, _f._ (_pl._ {-en},) society, race, company.
{=Gesicht=}, _n._ (_pl._ {-er},) face; {ein verzweifeltes Gesicht
machen}, to look desperate _or_ hopeless; {am Gesicht ansehen}, to
read from one's face.
{=gesinnt=} (_p.p._), disposed.
{=Gespielin=}, _f._ (_pl._ {-nen},) friend (companion _or_ playmate)
of one's youth.
{=Gesprch=}, _n._ (_pl._ {-e},) conversation.
{=Gestalt=}, _f._ (_pl._ {-en},) figure, personality, person, man.
{=gestatten=}, to permit, to allow; {es ist mir mehr gestattet}, I
enjoy more liberty, I am more independent.
{=gestehen= (gestand, gestanden)}, to confess, to make a clean
{=Gestber=}, _n._, snow-storm.
{=gestreng=}, grave, severe.
{=gesund=}, sound.
{=Gesundheit=}, _f._, health.
{=Gesundheitszustand=}, _m._, state of health.
{=gethan=}, _see_ {thun}.
{=gewesen=}, _see auxil._ {sein}.
{=Gewissen=}, _n.$
hre meines dortigen Aufenthalts bermannte. Im Anfange
blieben die trben sorglosen Gedanken bei jedem Ausmarsche innerhalb der
alten Mauern der Stadt eingeschlossen zurck; erst nach und nach
begleiteten sie mich ber das Weichbild hinaus und folgten mir weiter
und weiter, bis im dritten Frhlinge der dunkle Finger mir berall auf
meinen Wegen drohte und der Prinzipal die qBemerkung machte, da ich
anfange, bedeutend abzumagern, und mich wohlmeinend und besorgt an
verschiedene nerven- und magenstrkende Droguen unserer Materialkammer
Ach, kein Arzneistoff konnte mir wieder zu vollerer Leibesrundung
verhelfen! Zwischen Hypochondrie und gutem Lebensmut hin- und
hergeworfen, schweifte ich umher, bis ich den Mann fand, der mir half!
Meine Herren und lieben Freunde, in eben diesem Sommer machte ich eine
Bekanntschaft, eine seltsame, geheimnisvolle und, wie Johanne sagte,
eigentlich unheimliche Bekanntschaft. Ihr habe ich es zu danken, da ich
heute der Besitzer dieser Apotheke >zum wilden Mann< bin, und sie ist$
e zum wilden
Mann noch nicht zu denken sei.
Der Oberst blieb, und sie luden ihn alle zu Tisch. Nach den Honoratioren
des Dorfes kamen die Gutsbesitzer und reichen Domnenpchter der
Umgegend an die Reihe: der Oberst Dom Agostin Agonista fhlte sich immer
behaglicher in seinem behaglichen Quartier in der Apotheke zum wilden
Wenn er aber viel abwesend von der Apotheke war, so blieb der alte
Philipp Kristeller desto sedater in seinen vier Pfhlen, schrieb viel,
bekam viele Briefe von Banquiers und sonstigen Handelsleuten und trieb
selber allerlei Handel. Er fing an, in Lndereien zu spekulieren und
zwar in seinen eigenen.
Und whrend der Oberst nicht das Geringste von seiner stattlichen
Rundung einbte, wurde Frulein Dorette Kristeller, die doch wenig
einzuben hatte, von Tag zu Tage magerer, und auch der Apotheker fiel
ab, soviel das noch mglich war. Das Geschwisterpaar wurde immer gelber
und gelber; was den Dom Agostin anbetraf, so finpen die Leute an, ihm zu
Herr Oberst, die Luft hier scheint Ihnen go$
.
=Engstrand.= Ja, leider that ich das.
=Pastor Manders.= Habe ich das um Sie verdient, Engstrand? Bin ich nicht
stets bereit gewesen, Ihnen mit Rath und That an die Hand zu gehen, so
weit es in meiner Macht stand? Antworten Sie! War es nicht so?
=Engstrand.= Es wre mir gar manches Mal schlecht ergangen, wenn ich
Pastor Manders nicht gehabt htte.
=Pastor Manders.= Und jetzt danken Sie mir's auf diese Weise. Bringen
mich dazu, Unwahrheiten ins Kirchenbuch einzutragen un vorenthalten mir
dann Jahre hindurch die Aufklrungen, welche Sie mir und der Wahrheit
schuldig waren. Ihre Handlungsweise ist ganz unverantwortlich gewesen,
Engstrand; und von heute an ist es mit uns beiden aus!
=Engstrand= (seufzend). Ja, so wird es wohl sein mssen!
=Pastor Manders.= Wie wollten Sie sich denn auch rechtfertigen?
=Engstrand.= Htte sie denn hingehen sollen und die Schande noch grer
machen, indem sie darber klatschte? Herr Pastor, stellen Sie sich nur
vor, da Sie in derselben Verfassung wren, wie die selige Johanna --
=$
in
schner Tag! Nicht wahr, Otto?
Otto: Das war ein Fest! Da hrte ich auch von einer Dame das
wundervolle Lied aus Wilhelm Tell:
    Mit dem Pfeil, dem Bogen
    Durch Gebirg und Thal
    Kommt der Schtz gezogen
    Frh im Morgenstrahl.
              *     *     *     *     *
Herr Meister: In Deutschland haben wir sehr viele Schtzenvereine.
Otto: Schtzenvereine? Ist das der Name fr die Schieklubs?
Herr Meister: Ja, das ist der Name, und jeden Sommer haben sie ein
Preisschieen. Dieses Preisschieen dauert (= ist) drei Tage. O, das
sind schne Tage! Es ist ein Fest fr das Volk (= die Leute). Am
Morgen ziehen (= gehen) die Schtzen aus der Stadt auf eine groe
Wiese (= Weide, Grasplatz). Da sind oft zweihundert oder dreihundert
Schtzen. Ja, ich habe schon fnfhundert und auch tausend gesehen. Auf
der Schulter haben sie ein Gewehr. Alle sind in Grn. Auf dem Kopfe
haben sie einen grnen Hut mit einer grnen Feder. Sie haben eine
grne Weste, einen grnen Frackrock und grne Beinkleider.
Louis: Auch$
bschied nahm.
        Beseligend war ihre Nhe,
        Und alle Herzen wurden weit;
        Doch eine Wrde, eine Hhe
        Entfernte die Vertraulichkeit.
        Sie brachte Blumen mit und Frchte,
        Gereift auf einer andern Flur,
        In einem andern Sonnenlichte,
        In einer glcklichern Natur.
        Und teilte jedem eine Gabe,
        Dem Frchte, jenem Blumen aus;
        Der Jngling und der Greis am Stabe,
        Ein jeder ging beschenkt nach Haus.
        Willkommen waren alle Gste;
        Doch nahte sich ein liebend Paar,
        Dem reichte sie der Gaben beste,
        Der Blumen allerschnste dar.
                        S_c_h_i_l_l_e_r.
                Der Glcksvogel.
        Es fliegt ein Vogel in dem Hain,
        Und singt und lockt: Man soll' ihn fangen.
        Es fliegt ein Vogel in dem Hain,
        Aus dem Hain in den Wald, in die Welt hinein,
        In die Welt und ber die See.
          Und knnte wer den Vogel fangen,
          Der wrde frei von aller Pein,
 $
du mich tdten wolltst, werd ich auf dich doch hoffen!
    So siegt der Christ im Kreuz und findt im Elend Ruh.
    Doch du, des Christen Tod, wie feyerlich bist du?
    Bestrzt verkndigt ihm der Arzt ein nahes Ende.
    Er hrts, fhlt neue Kraft, drckt dankbar ihm die Hnde.
    So ist, Allmchtiger! denn meine Hlfe nah?
    Du rufst, hier bin ich, Herr! Preis und Alleluja
    Sey dir, der seine Hand stets ber mich gebreitet,
    Dir, Gott! der bis ans Grab mich wunderbar geleitet!
    Wie oft verga mein Herz sein Heil und seine Pflicht!
    Doch giengst du, Heiliger! nicht mit mir ins Gericht.
    Vernimm des Dankes Lied, das ich dir sterbend bringe.
    Ich bin viel zu gering, der Treu viel zu geringe
    Und derBarmherzigkeit, die du an mir gethan.
    Frohlockend bet ich dich mit allen Himmeln an,
    Dich, Heil der ganzen Welt! Erflle mein Vertrauen,
    Und deine Herrlichkeit la meine Seele schauen.
    Du bist die Lieb, o Gott! und Gnade fr und fr.
    Mein Geist wird selig seyn; denn ihn b$
bts doch keinen Frieden.
    Der Tugend nur allein hat Gott die Glck beschieden.
    Ein Mensch der Gott gehorcht, erwhlt das beste Theil;
    Ein Mensch, der Gott verlt, verlt sein eignes Heil.
    Die Busse fhrt dich nicht in eine Welt voll Leiden;
    Gott kennt und liebt dein Glck; sie fhrt zu deinen Freuden;
    Macht deine Seele rein, fllt dich mit Zuversicht,
    Giebt Weisheit und Verstand, und Muth zu deiner Pflicht.
    Sprich selbst: Ist die kein Glck, mit ruhigem Gewissen
    Die Gter dieser Welt, des Lebens Glck geniessen,
    Und mig und gerecht in dem Genusse seyn,
    Und sich der Seligkeit schon hier im Glauben freun?
    An dir allein, an dir hab ich gesndigt,
      Und bel oft vor dir gethan.
    Du siehst die Schuld, die mir den Fluch verkndigt;
      Sieh, Gott, auch meinen Jammer an.
    Dir ist mein Flehn, mein Seufzen nicht verborgen,
      Und meine Thrnen sind vor dir.
    Ach Gott, mein Gott, wie lange soll ich sorgen?
      Wie lang entfernst du dich von mir?
 $
len Umstnden den smtlichen
Hausgenossen die ganze Begebenheit von der Ratte erzhlt hatte, so
glaubten sie hernach allererst, da ich meiner Frau Mutter ihr Sohn
wre. Herr Gerge aber, der schmte sich wie ein Hund, da er meinetwegen
solche Narrenpossen vorgenommen hatte und vermeint, ein bser Geist
mte aus mir reden. Er war her, lschte seinen Hokuspokuskreis wieder
aus, nahm sein Buch und ging stillschweigend immer zur Stubentre
hinaus. Wie auch die Leute hernach alle mit mir taten, und miBh zu
herzten und zu poten, weil ich so ein schner Junge war und mit ihnen
flugs schwatzen kunnte, das wre, der Tebel hol mer, auf keine Kuhhaut
zu schreiben; ja sie machten auch alle miteinander flugs Anstalt, da
mir selben Tag noch bei groer Menge Volks der vortreffliche Name
Schelmuffsky beigelegt wurde. Den zehnten Tag nach meiner wunderlichen
Geburt lernte ich allmhlich, wiewohl etwas langsam, an den Bnken gehn,
denn ich war ganz malade, weil ich auf der Welt gar noch nichts weder
gefressen noch gesoffen$
lle und besann
mich eine gute Weile, wo ich mein Quartier da aufschlagen wollte, weil
ich keinen Heller Geld hatte. Endlich resolvierte ich mich und nahm
meinen Abtritt flugs hauen in der Vorstadt aZf der Bettelherberge,
allwo ich noch Bettler antraf, denen ich vor einem halben Jahre mit
einigen Almosen sehr viel Gutes erzeigt hatte, auch etliche zu mir
sagten, mein Gesichte wre ihnen bekannt, und sie sollten mich sonstwo
gesehen haben; allein sie konnten sich nicht mehr drauf besinnen. Ein
kleiner Betteljunge fing unter anderm an und sagte, da ich bald ausshe
wie der vornehme Herr, der vor einem halben Jahre in London mit den
vornehmsten Damens wre immer in der Kutsche gefahren und htte ein
Goldstck mit einer Kette allezeit aus der Kutsche herausgehngt, bei
welcher so viel Schock Jungen stets nebenhergelaufen und das Goldstck
so angesehen. Ich lie mir aber nichts merken, da ichs war, und wenn
ichs ihnen auch gleich gesagt, sie htten mirs, der Tebel hol mer, nicht
einmal geglaubt.
Den andern Tag w$
 jedweder mit
                   mir sprechen wolle: Schelmuffskys
                    anderer Teil seiner gefhrlichen
                         Reisebeschreibung hat
                             nun auch ein
                                Ende.
                          DIE VERWANDLUNG
                                VON
                            FRANZ KAFKA
                  KURT WOLFF VERLAG
                           LEIPZIG
 BܠCHEREI DER JܠNGSTE TAG BAND 22/23
              GEDRUCKT BEI DIETSCH & BRCKNER  WEIMAR
            COPYRIGHT KURT WOLFF VERLAG  LE#IPZIG. 1917
Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Trumen erwachte, fand er
sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. Er lag
auf seinem panzerartig harten Rcken und sah, wenn er den Kopf ein wenig
hob, seinen gewlbten, braunen, von bogenfrmigen Versteifungen
geteilten Bauch, auf dessen Hhe sich die Bettdecke, zum gnzlichen
Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten k$
 letzter
Zeit so wenig Rcksicht auf die andern nahm; frher war diese
Rcksichtnahme sein Stolz gewesen. Und dabei htte er gerade jetzt mehr
Grund gehabt, sich zu verstecken, denn infolge des Staubes, der in
seinem Zimmer berall lag und bei der kleinsten Bewegung umherflog, war
auch er ganz staubbedeckt; Fden, Haare, Speiseberreste schleppte er
auf seinem Rcken und an den Seiten mit sich herum; seine
Gleichgltigkeit gegen alles war viel zu gro, als da er sich, wie
frher mehrmals whrend des Tages, auf den Rcken gelegt und am Teppich
gescheuert htte. Und trotz dieses Zustandes hatte er keine Scheu, ein
Stck auf dem makellosen Fuboden des Wohnzimmers vorzurcken.
Allerdings achtete auch niemand auf ihn. Die Familie war gnzlich vom
Violinspiel in Anspruch genommen; die Zimmerherren dagegen, die
zunchst, die Hnde in den Hosentaschen, viel zu nahe hinter dem
Notenpult der Schwester sich aufgestellt hatten, so da sie alle in die
Noten htte sehen knnen, was sicher die Schwester stren mute, zog$
n, da mein
Entschlu feststeht, den Sultan um die Hand der Prinzessin Bedrulbudur
Wahrhaftig, mein Sohn, erwiderte die Mutter sehr ernsthaft, ich mu
dir sagen, da du dich ganz vergissest; und wenn du deinen Entschlu
auch ausfhren wolltest, so sehe ich nicht ein, durch wen du es wagen
knntest, deine Bitte vortragen zu lassen. -- Durch niemand anders,
als dich selbst, antwortete der Sohn ohne Bedenken. -- Durch mich!
rief die Mutter voll Erstaunen und berraschung; und an den Sultan? O
ich werde mich wohl hten, mich in eine Unternehmung der Art
einzulassen. Und wer bist du denn, mein Sohn, fuhr sie fort, da du
die Khnheit h`aben drftest, deine Gedanken zur Tochter deines Sultans
zu erheben? Hast du vergessen, da du der Sohn eines der geringsten
Schneider seiner Hauptstadt und auch von mtterlicher Seite nicht von
hherer Abkunft bist? Weit du denn nicht, da Sultane ihre Tchter
selbst Sultansshnen verweigern, die keine Hoffnung haben, einst zur
Regierung zu gelangen?
Liebe Mutter, an$
 fr die Armen Nahrungsmittel und Feuerung anzuschaffen. Wir whlen
diese Zeit, weil sie vor allen andern eine Zeit ist, wo der Mangel am
bittersten gefhlt wird und der Reiche sich freut. Welche Summe soll ich
fr Sie aufschreiben?
Nichts, antwortete Scrooge.
Sie wnschen ungenannt zu bleiben?
Ich wnsche, da man mich zufrieden lasse, sagte Scrooge. Da Sie mich
fragen, was ich wnsche, meine Herren, so ist das meine Antwort. Ich
freue mich selbst nicht zu Weihnachten und habe nicht die Mittel, mit
meinem Gelde Faulenzern Freude zu machen. Ich trage meinen Teil zu den
Anstalten bei, die ich genannt habe; sie kosten genug, und wem es
schlecht geht, der mag dorthin gehen!
Viele knnen nicht hingehen und viele wrden lieber sterben.
Wenn sie lieber sterben wrden, sagte Scrooge, so wre es gut, wenn
sie es thten, und die berfssige Bevlkerung verminderten. Uebrigens,
Sie werden mich entschuldigen, wei ich nichts davon.
Aber Sie knnten es wissen, bemerkte der Herr.
Es geht mich nichts an,$
viel beunruhigender als
ein Dutzend Geister war, da es ihm unmglich war zu erraten, was es
bedeute oder was es wolle. Ja, er frchtete zuweilen, er mchte in
diesem Augenblick ein merkwrdiger Fall von Selbstentzndung sein, ohne
den Trost zu haben, es zu wissen. Endlich jedoch fing er an zu denken,
da die Quelle dieses geisterhaften Lichtes wohl in dem anliegenden
Zimmer sein mge, aus dem es bei nherer Betrachtung zu strmen schie.
Wie dieser Gedanke die Herrschaft ber seine Seele bekommen hatte, stand
er leise auf und schlrfte in den Pantoffeln nach der Thr.
In demselben Augenblick, wo sich Scrooges Hand auf den Drcker legte,
rief ihn eine fremde Stimme bei Namen und hie ihn eintreten. Er
Es war sein eigenes Zimmer. Daran lie sich nicht zweifeln. Aber eine
wunderbare Umwandlung war mit ihm vorgegangen. Wnde und Decke waren
ganz mit grnen Zweigen bedeckt, da es ganz aussah wie eine Laube, in
der berall glnzende Beeren schimmerten. Die glnzenden, strammen
Bltter der Stecheiche, der Mistel und$
e sind mit Reben bepflanzt,
die sich um sehr hohe Spaliere ranken. Mit Blthen bedeckte Orangenbume,
Myrten und Cypressen umgeben Capellen, welche die Andacht auf
freistehenden Hgeln errchtet hat. Ueberall sind die Grundstcke durch
Hecken von Agave und Cactus eingefriedigt. Unzhlige kryptogamische
Gewchse, zumal Farne, bekleiden die Mauern, die von kleinen klaren
Wasserquellen feucht erhalten werden. Im Winter, whrend der Vulkan mit
Eis und Schnee bedeckt ist, geniet man in diesem Landstrich eines ewigen
Frhlings. Sommers, wenn der Tag sich neigt, bringt der Seewind angenehme
Khlung. Die Bevlkerung der Kste ist hier sehr stark; sie erscheint noch
grer, weil Huser und Grten zerstreut liegen, was den Reiz der
Landschaft noch erhht. Leider steht der Wohlstand der Bewohner weder mit
ihrem Fleie, noch mit der Flle der Natur im Verhltni. Die das Land
bauen, sind meist nicht Eigenthmer desselben; die Frucht ihrer Arbeit
gehrt dem Adel, und das Lehnssystem, das so lange ganz Europa unglcklich
$
Reise ber die weiten mit Grsern und
krautartigen Mimosen bewachsenen Ebenen von Calabozo haben mich belehrt,
da sich die Wiederkuer Europas vollkommen an das heieste Klima
gewhnen, wenn sie nur Wasser und gutes Futter finden. Die
Milchwirthschaft ist in den Provinzen Neuandalusien, Barcelona und
Venezuela ausgezeichnet, und hufig ist die Butter auf den Ebenen der
heien Zone besser als auf dem Rcken der Anden, wo fr die Alppflanzen
die Temperatur in keiner Jahreszeit hoch genug ist und sie daher weniger
aromatisch sind als auf den Pyrenen, auf den Bergen Estremaduras und
Griechenlands.
Den Einwohnern Cumanas ist die Khlung durch den Seewind lieber als der
Blick ins Grne, und so kennen sie fast keinen andern Spaziergang als den
groen Strand. Die Castilianer, denen man nachsagt, sie seyen im
allgemeinen keine Freunde von <umen und Vogelgesang, haben ihre Sitten
und ihre Vorurtheile in die Colonien mitgenommen. In Terra Firma, Mexico
und Peru sieht man selten einen Eingeborenen einen Baum pflanzen $
ark falle. Ich wei nicht, ob dieser Behauptung Glauben zu schenken ist;
da es fast unmglich ist, whrend der Ste selbst, die Schwankungen im
Luftdruck zu beobachten, so mu man sich begngen, auf den Barometer vor
oder nach dem Vorfall zu sehen. Im gemigten Erdstrich uern die
Nordlichter nicht immer Einflu auf die Declination der Magnetnadel und
die Intensitt der magnetischen Kraft; so wirken vielleicht die Erdbeben
nicht gleichmig auf die us umgebende Luft.
Es ist schwerlich in Zweifel zu ziehen, da in weiter Ferne von den
Schlnden ttiger Vulkane der durch Erdste geborstene und erschtterte
Boden zuweilen Gase in die Luft ausstrmen lt. Wie schon oben angevfhrt,
brachen in Cumana aus dem trockensten Boden Flammen und mit schweflichter
Sure vermischte Dmpfe hervor. An anderen Orten spie ebendaselbst der
Boden Wasser und Erdpech aus. In Riobamba bricht eine brennbare
Schlammasse, *Moya* genannt, aus Spalten, die sich wieder schlieen, und
trmt sich zu ansehnlichen Hgeln auf. Sieben Meil$
d unsere geodtischen Arbeiten beendet
hatten, brachen wir gegen Abend auf, um einige Meilen weiterhin in einer
indianischen Htte bei den Trmmern des Schlosses von Araya die Nacht zu
zuzubringen. Unsere Instrumente und unseren Mundvorrat schickten wir
voraus; denn wenn wir von der groen Hitze und der Reverberation des
Bodens erschpft waren, sprten wir in diesen Lndern nur abends und in
der Morgenkhle Elust. Wir wandten uns nach Sd und gingen zuerst ber
die kahle mit Salzton bedeckte Ebene und dann ber zwei aus Sandstein
bestehende Hgelketen, zwischen denen die Lagune liegt. Die Nacht
berraschte uns, whrend wir einen schmalen Pfad verfolgten, der
einerseits vom Meer, andererseits von senkrechten Felswnden begrenzt ist.
Die Flut war im raschen Steigen und engte unseren Weg mit jedem Schritt
mehr ein. Am Fue des alten Schlosses von Araya angelangt lag ein
Naturbild mit einem melancholischen, romantischen Anstrich vor uns, und
doch wurde weder durch die Khle des finsteren Forstes, noch durch die
$
hlich und weibisch
Es gibt unter den mancherlei Spielarten unseres Geschlechts eine, bei der
der Busen zur Zeit der Mannbarkeit einen ansehnlichen Umfang erhlt.
Lozano gehrte nicht dazu, und er versicherte uns wiederholt, erst durch
die Reizung der Brust in Folge des Saugens sey bei ihm die Milch gekommen.
Dadurch wird besttigt, was die Alten beobachtet haben: Mnner, die etwas
Milch haben, geben ihrer in Menge, sobald man an den Brsten saugt.
[_Aristoteles, Historia animalium. Lib. III. c. 20_] Diese sonderbare
Wirkung eines Nervenreizes war den griechischen Schfern bekannt; die auf
dem Berge Oeta rieben den Ziegen, die noch nicht geworfen hatten, die
Euter mit Nesseln, um die Milch herbeizulocken.
Ueberblickt man die Lebenserscheinungen in ihrer Gesammtheit, so zeigt
sich, da keine ganz fr sich allein steht. In allen Jahrhunderten werden
Beispiele erzhlt von jungen, nicht mannbaren MdcVhen oder von bejahrten
Weibern mit eingeschrumpften Brsten, welche Kinder sugten. Bei Mnnern
kommt solches we$
egt, und
man mu in einer Pirogue ber diesen Flu setzen, wenn man zu den
berhmten Berglquellen von Buen Pastor gehen will. Man beschrieb sie uns
als kleine Schachte oder Trichter, die sich von selbst im sumpfigen Boden
gebildet haben. Diese Erscheinung erinnert an den Asphaltsee oder
*Chapapote* auf der Insel Trinidad, der in gerader Linie von Buen Pastor
nur 35 Seemeilen entfernt ist.
Nachdem wir eine Weile mit dem Verlangen gekmpft, den Guarapiche hinunter
in den _Golfo triste_ zu fahren, wandten wir uns gerade den Bergen zu. Die
Thler von Guanaguana und Caripe sind durch eine Art Damm oder Grat aus
Kalkstein, der unter dem Namen _Cuchilla de Guanaguana_ weit und breit
berhmt ist, von einander getrennt [Im ganzen spanischen Amerika bedeutet
_cuchilla_ Messerklinge, einen Bergkamm mit sehr steilen Abhngen.]. Wir
fanden den Uebergang beschwerlich, weil wir damals noch nicht in den
Cordilleren gereist waren, aber so gefhrlich, als man ihn in Cumana
schildert, ist er keineswegs. Allerdings ist der Weg$

Der Araguato, bei den Tamanacas-Indianern Aravata, bei den Maypures Marave
genannt, gleicht einem jungen Bren. Er ist vom Scheitel des kleinen,
stark zugespitzten Kopfes bis zum Anfang des Wickelschwanzes drei Fu
lang; sein Pelz ist dicht und rothbraun von Farbe; auch Brust und Bauch
sind schn behaart, nicht nackt wie beim _Mono colorado_ oder Bffons
_Alouate roux_ den wir auf dem Wege von Carthagena nach Santa-Fe de Bogota
genau beobachtet haben. Das Gesicht des Araguato ist blauschwarz, die Haut
desselben fein und gefaltet. Der Bart ist ziemlich lang, und trotz seines
kleinen Gesichtswinkels von nur 30 Grad hat er in Blick und
Gesichtsausdruck so viel Menschenhnliches als die Marimonda (_Simia
BelzDebuth_) und der Kapuziner am Orinoco (_S. chiropotes_). Bei den
Tausenden von Araguatos, die uns in den Provinzen Cumana, Caracas und
Guyana zu Gesicht gekommen, haben wir nie weder an einzelnen Exemplaren,
noch an ganzen Banden einen Wechsel im Rothbraun des Pelzes an Rcken und
Schultern wahrgenommen. Dur$
eerenge von
Florida bis Neufoundland. Die Geschwindigkeit der ruecklaeufigen Stroemung
von jener Bank bis an die Kueste von Afrika ist schwer zu schaetzen; nimmt
man sie im Mittel auf 7 oder 8 Meilen in vierundzwanzig Stunden an, so
ergeben sich fuer diese letzte Strecke zehn bis elf Monate. Solches sind
die Wirkungen des langsamen, aber regelmaessigen Zuges, der die Gewaesser des
Oceans herumfuehrt. Das Wasser des Amazonenstroms braucht von Tomependa bis
zum Gran-Para\etwa fuenfundvierzig Tage.
Kurz vor meiner Ankunft auf Teneriffa hatte das Meer auf der Rhede von
Santa Cruz einen Stamm der _Cedrela odorata_, noch mit der Rinde,
ausgeworfen. Dieser amerikanischen Baum waechst nur unter den Tropen oder
in den zunaechst angrenzenden Laendern. Er war ohne Zweifel an der Kueste von
Terra Firma oder Honduras abgerissen worden. Die Beschaffenheit des Holzes
und der Flechten auf der Rinde zeigte augenscheinlich, dass der Stamm nicht
etwa von einem der unterseeischen Waelder herruehrte, welche durch alte
Erdumwaelzu$
n Abhang die Stadt
Marocco liegt, und nicht wie dieser mit ewigem Schnee bedeckt. Der *Piton*
oder *Zuckerhut*, der die oberste Spitze des Pics bildet, wirft allerdings
vieles Licht zurueck, weil der aus dem Krater ausgeworfene Bimsstein von
weisslmcher Farbe ist; aber dieser kleine abgestutzte Kegel misst nur ein
Zwanzigtheil der ganzen Hoehe. Die Waende des Vulkans sind entweder mit
schwarzen, verschlackten Lavabloecken oder mit einem kraeftigen
Pflanzenwuchse bedeckt, dessen Masse um so weniger Licht zurueckwirft, als
die Baumblaetter voneinander durch Schatten getrennt sind, die einen
groesseren Umfang haben als die beleuchteten Theile.
Daraus geht hervor, dass der Pic von Tenerifa, abgesehen vom *Piton*, zu
den Bergen gehoert, die man, wie Bouguer sich ausdrueckt, auf weite
Entfernung nur *negativ* sieht, weil sie das Licht auffangen, das von der
aeussersten Grenze des Luftkreises zu uns gelangt, und wir ihr Daseyn nur
gewahr werden, weil das Licht in der sie umgebenden Luft und das , welches
die Luftthe$
n Fleurieu, Pingre, Borda,
Vancouver und la Peyrouse ergibt. Guenot hatte uebrigens gleichfalls
18 deg. 33' 36" gefunden und der unglueckliche Capitaen Blight 18 deg. 34' 30". Die
Genauigkeit meines Ergebnisses wurde drei Jahre darauf bei der Expedition
des Ritters Krusenstern bestaetigt: man fand fuer Santa Cruz 16 deg. 12' 45"
westlich von Greenwich, folglich 18 deg. 33' 0" westlich von Paris. Diese
Angaben zeigen, dass die Laengen, welche Capitaen Cook fuer Teneriffa und das
Cap der guten Hoffnung annahm, viel zu weit westlich sind. Derselbe
Sefahrer hatte im Jahr 1799 die magnetische Inclination gleich 61 deg. 52'
gefunden. Bonpland und ich fanden 62 deg. 24', was mit dem Resultat
uebereinstimmt, das de Rossel bei d'Entrecasteaux's Expedition im Jahr 1791
erhielt. Die Declination der Nadel schwankt um mehrere Grade, je nachdem
man sie auf dem Hafendamm oder an verschiedenen Punkten nordwaerts laengs
des Gestades beobachtet. Diese Schwankungen koennen ein einem von
vulkanischem Gestein umgebenen Orte nicht$
 der Schwache, wenn er dem Starken begegnet, glaubt sich nur auf
Vergewaltigungen gefasst machen zu muessen. Die Boote ergriffen die Flucht
nach Westen zu, und wir sahen uns hier in derselben Verlegenheit, wie bei
unserer Ankunft auf den Canarien vor der kleinen Insel Graciosa. Niemand
an Bord war je in der Gegend am Land gewesen. So ruhig die See war, so
schien doch die Naehe eines kaum ein paar Fuss hohen Eilandes
Vorsichtsmassregeln zu erheischen. Man steuerte nicht weiter dem Lande zu,
und warf eilends den Anker aus.
Kuesten, aus der Ferne gesehen, verhalten sich wie Wolken, in denen jeder
Beobachter die Gegenstaende erblickt, die seine Einbildungskraft
beschaeftigen. Da unsere Aufnahmen und die Angabe des Chronometers mit den
Karten, die uns zur Hand waren, im Widerspruch standen, so verlor man sich
in eitlen Muthmassungen. Die einen hielten Sandhaufen fuer Indianerhuetten
und deuteten auf den Punkt, wo nach ihnen das Fort Pampatar liegen musste;
andere sahen die Ziegenheerden, welche im duerren Thal vo$
m Menschen unzugaenglich, liegen die Spalten, die zu
zwei Hoehlen fuehren. Sie sollen von denselben Nachtvoegeln bewohnt seyn, die
wir bald in der Cueva del Guacharo bei Caripe werden kennen lernen.
Wir ruhten am Fuss der Hoehlen aus. Hier sah man die Flammen hervorkommen,
welche in den letzten Jahren haeufiger geworden sind. Unsere Fuehrer und der
Paechter, ein verstaendiger, mit den Oertlichkeiten der Provinz wohl
bekannter Mann, verhandelten nach der Weise der Creolen ueber die Gefahr,
der die Stadt Cumanacoa ausgesetzt waere, wenn der Cuchivano ein thaetiger
Vulkan wuerde, _se veniesse a reventar_. Es schien ihnen unzweifelhast, dass
seit dem grossen Erdbeben von Quito und Cumana im Jahr 1797 Neu-Andalusien
vom unterirdischen Feuer immer mehr unterhoehlt werde. Sie brachten die
Flammen zur Sprache, die man in Cumana hatte aus dem Boden schlagen sehen,
und die Stoesse, die man jetzt an Orten empfindet, wo man frueher nichts von
Erdbeben wusste. Sie erinnerten daran, dass man in Macarapan seit einigen
Mona$
nem
betrbten Herzen Erquickung bringen wird. Nicht lange darnach und noch
ehe der Vater von seinem Gange nach dem Arzte zurck war, schlossen sich
die Augen der guten Mutter auf immer. Das Tchterchen weinte bitterlich
und wollte weder bei Tage noch bei Nacht aus der Nhe der Todten
weichen, bis der Mutter kalter Leichnam in den Sarg gelegt und zu Grabe
getragen wurde. Die Tochter pflanzte eine Eberesche auf das Grab, grub
die Wurzeln in die Erde und feuchtete sie mit ihren Thrnen; und als
spter das Na der Wolke dazu kam, wuchs der Baum in die Hhe, da es
eine Lust war zu sehen. Das Kind setzte sich gar oft unter diesen der
Mutter geweihten Baum, der ihm jetzt der liebste Platz auf Erden
geworden war.
Den nchsten Herbst ging der Vater wieder auf die Freite und brachte
nach einigen Wochen eine neue Heerdesknigin in's Haus. Allein er hatte
nicht daran gedacht, beim Freien _darauf_ zu sehen, ob die Fau auch eine
Mutter fr seine Tochter werden knne. -- Zwar wird es einem vermglichen
Wittwer nicht schwe$
nd niedergemacht. Paulus Diaconus I, 20. Auch Goethe bei seinem
Aufenthalt in Palermo sagt: Man glaubt in den Grnden kleine Teiche zu
sehen, so schn blaugrn liegen die Leinfelder untn. Vgl. _Hehn_,
Kulturpflanzen und Hausthiere S. 113. L.]
14. Der Glcksrubel.
Einmal lebte ein wohlhabender Bauersmann, der hatte drei Shne, von
denen die beiden lteren ganz gescheidte Mnner waren; nur der jngste
Sohn hatte sich von Kindheit auf etwas einfltig gezeigt, so da er mit
keinerlei Arbeit ordentlich zurecht kommen konnte. Als der Vater auf dem
Todbette lag, redete er so zu seinen Shnen: Da meine Lebenstage sich,
wie ich glaube, zu Ende neigen und ich von dieser Welt abgerufen werde,
so sollt ihr die Erbschaft dergestalt theilen, da die beiden lteren
Brder das Vermgen zu gleichen Theilen erhalten, und wenn sie wollen
auch das Ackerland jeder zur Hlfte nehmen. Sollte Einer von Beiden
wnschen, allein auf dem Hofe zu bleiben, so mu er dem andern Bruder so
viel Geld auszahlen als das halbe Grundstck werth $
rick nebst seinem Helfershelfer ihren bldsinnigen
Bruder betrogen habe. Dieser aber blieb dabei, da er zur rechten Zeit
sein Geld erhalten werde.
Nach Verlauf eines Jahres genau an dem Tage wo er vorigen Herbst seinen
Ochsen verkauft hatte, macht er sich auf, um den Kaufpreis in Empfang zu
nehmen. Die Luft war ruhig und konnte die Wipfel im Walde nicht in
Bewegung bringen, darum war auch nirgends Gebrause noch Gequieke zu
hren. Er geht weiter und findet den Ort, wo er voriges Jahr den Ochsen
verkaufte, wieder -- auch Kufer und Brge standen auf demselben Flecke,
aber der Ochs war nicht mehr zu sehen; vielleicht war er geschlachtet
oder an einen Dritten verkauft. Der Mann fragt bei der Kiefer an:
Willst du mir jetzt meinen Ochsen bezahlen? Die Kiefer lt keine
Silbe verlauten, auch auf die zweite und dritte Anfrage nicht. Warte,
Brderchen! ruft der Mann -- ich will dir den Mund ffnen! rafft einen
tchtigen Prgel vom Boden und lt damit solche Hiebe auf den Stamm der
Kiefer regnen, da der ganze$
en alles Wasser aus dem See bis auf den letzten Tropfen.
Die schwarze Gewitterwolke schwebte mit ihrer Ladung weiter und
entschwand vor Abend den Blicken der Zuschauer. Das >vormalige Becken des
Sees war leer und es war nur ein sumpfiger Schlamm fr Frsche
zurckgeblieben; aber auch diesen trockneten nach einigen Tagen die
Sonnenstrahlen und der Wind aus. Jetzt erhob sich gro Geschrei und
Wehklagen unter den Leuten: der Durst qulte sie, weil sie nirgend mehr
ein anderes Trinkwasser fanden, als was der Regen in Vertiefungen des
Bodens sich ansammeln lie. Allmhlich fllten zwar Regenschauer und die
Schneeschmelzen des Frhlings den frheren Raum des Emmujrw wieder bis
zum Rande, aber es war weiches Pftzenwasser, was weder den Durst
hinlnglich stillte noch den Krper zu erquicken vermochte. Die Leute
legten dem See wie zum Schimpfe den Namen _Wirtsjrw_ (Pftzensee) bei und
dieser Name ist ihm auch bis auf den heutigen Tag geblieben. Die schnen
hohen Ufer mit den grnen Laubholzwaldungen und den blhend$
 und zwischen
den Straen Berlins, und allesdies: Mensch, Trambahn, Mond, Spelunkenspuk
war ihm wie Riesenspielzeug, die Stadt wurde ihm zur Landschaft, Berg
wurde Haus. Er ertrank beim Eislauf, vierundzwanzigjhrig, im Mggelsee.
Das Grabgeleite gaben ihm Scharen fortgeschrittener Lyriker. Als Georg
Heym in den Fluten versunken war, stieg aus den im Frhling getauten
Wogen wie ein junger Meergott, prustend, dampfend in der Sonne,
schreiend vor Lust am Licht: _Franz Werfel_ (geboren in Prag 1890). Er
verkndigte das Evangelium des schnen strahlenden Menschen, der jedem
Wesen, auch dem rmsten, brderlich zugewandt. Gewaltig schwingt sein
religises Pathos. Er will einer der Propheten des neuen Bundes sein:
des Bundes aller wahrhaft Menschlichen. Er kniet nieder, unsagbar
demtig und buwillig, mit Unkraut noch und Schlamm fhlt er sein Herz
erfllt. Erst nachdem er sich selbst gerichtet, wchst er zum Richter
der Menschheit. Er sank hin, er kniete hin, er weinte. Er lauschte, er
horchte, er hrte, er dien$
ani
herumgesucht. Dieser war vllig verschwunden und kein Mensch wute,
wohin, und da waren noch so viele wichtige Dinge zu besprechen, bevor
das Sngerfest stattfinden konnte. Mit dem Feklitus waren solche
Besprechungen unmglich, er fate zu langsam und hatte nie einen
Gedanken. Da war Fani ein ganz anders schneller und erfindungsreicher
Geno. Sicher hatte Emmi den wieder abgefangen, um ihn zu etwas
anzustiften, denn dafr war sie bekannt; aber er wollte ihr schon
dahinterkommen, was sie heute ausgefhrt hatte, und ihre Ttigkeit ein
wenig beschneiden, denn das konnte ihm nicht lnger passen, da Emmi den
Fani so fr sich in Anspruch nehmen sollte. Durch diese Gedanken nahm
die Aufregung bei Oskar immer zu, und in immer greren Schritten ging
er im Garten auf und nieder. Jetzt sah drauen der lauernde Fred etwas
den Weg heraufkommen; das konnte aber nicht wohl Emmi sein, denn es war
eine ziemlich breite Masse, die fast den Weg von einer Seite zur
anderen ausfllte; in der Mitte war sie ein wenig hher, a$
er
ganz laut und wird furchtbar bs.
O Elsli, so weit du so gut, wie es ist, so schrecklich mde zu sein!
rief Nora ganz erfreut aus ber das Verstndnis, das sie gefunden hatte.
O ich bin so froh, jetzt kann ich so gut mit dir von allem reden, du
weit nun ganz, wie es ist. Ja, nicht wahr, man mchte nur niederliegen
und gar nicht mehr aufstehen, bis etwas ganz anderes kme, etwas ganz
Neues, da man nicht mehr mde sein knnte, nicht wahr, Elsli?
Es kme nichts Neues, zuletzt mte man doch wieder aufstehen, meinte
Nein, ich meine nicht so, wie du meinst; ich meine: niederlegen und
sterben, mchtest du nicht auch gern sterben Elsli?
Nein, ich meine, ich wollte lieber nicht, ich habe nie daran gedacht.
Warum meinst du?
O, dann weit du nur nicht, wie es dann sein wird. Die Klarissa hat mir
alles so schn erzhlt, und wir haben immer miteinander davo> geredet.
Aber mit Mama darf ich nie davon reden, sie weint gleich so schrecklich
und wird traurig fr viele Tage. Aber dir will ich nun alles erzh$
um das ntige Essen am Mittagstisch
hinuntergeschluckt, als Oskar schon unruhig umherschaute, ob er wohl
bald aufstehen und sich entfernen drfe. Noch unruhiger gebrdete sich
Emmi, die schon von Anfang an ihre Gedanken ganz anderswo als bei ihrer
jetzigen Beschftigung hatte, denn alles schluckte sie wie im Fieber
herunter, schaute alle Augenblicke nach der Wanduhr und gab einmal ums
andere verkehrte Antworten. Sobald der letzte Bissen von des Vaters
Teller verschwunden war, fragte sie dringlich: Kann ich gehen,h Mama?
Ich auch, Mama? setzte Oskar blitzschnell ein. Es wurde erlaubt.
Was mssen denn die beiden wieder grnden und stiften, da sie's so
eilig haben? fragte der Vater.
Emmi war schon zur Tr hinaus.
Morgen wirst du's schon sehen, Papa, sagte Oskar mit
vielversprechender Miene; heute noch wird die Rednerbhne errichtet und
der Festumzug geordnet. Du wirst gewi erstaunen. Willst du auch die
Festrede von Feklitus hren, Papa?
Danke bestens! Am Abend will ich dann mit Mutter und Tante auf $
achte eine neue
Bewegung in die Gesellschaft. Mutter und Tante sahen mit Verlangen den
Nachrichten entgegen. Die Kinder steckten alle vie ihre Kpfe ber dem
Brief zusammen; jedes begehrte zuerst zu wissen, was darin stand. Er war
an Emmi adressiert. Sie zog sich aus dem Knuel zurck, machte den Brief
auf und rief: Ich will ihn vorlesen! Acht Seiten ist er lang! Dann
begann sie zu lesen:
                                 Lindenhalde am Rhein, 28. Sept. 18--.
Liebe Freundin!
Ich danke Dir viel tausendmal, da Du mir den guten Rat gegeben hast,
denn wenn Du es mir nicht so gesagt httest, so htte ich nie ein Wort
vom Fani sagen drfen.
Jetzt will ich vorn anfangen, Dir alles zu erzhlen: Als der Fred mir
noch Lebewohl gesagt hatte und ich dann von allen wegfuhr, mute ich ein
wenig weinen. Aber die Tante Klarissa -- denn jetzt soll ich immer 'Tante
Klarissa' sagen -- war sehr gut mit mir und sprach freundlich zu mir und
sagte, ich soll ihr nur immer alles sagen, was mich traurig mache, wir
wollen es dann$
chaftlichen Basis; der Gegendruck erfolgt parallel zum Rcken.
Im Falle des Gleichgewichts verhlt sich die Kraft zu diesem Gegendruck
wie der Rcken des Keils zur gemeinsamen Basis (Hhe!des Keils).
Die Schraube kann man sich dadurch entstanden[9] denken, dass ein
vierkantig- oder dreikantigprismatischer Streifen so um einen Zylinder
herumgewickelt worden ist, dass er mit der Zylinderachse immer den
gleichen Winkel bildet; man erhlt so eine flachgngige[10] bez.[11]
scharfgngige[12] Schraube. Ein voller Umlauf des Streifens bildet einen
Schraubengang[13]; die Gesamtheit der Schraubengnge bilden das
Gewinde[14] der Schraube. Der ussere Durchmesser heisst die
Bolzenstrke[15], der Durchmesser des zylindrischen Kerns die
Kernstrke[16].
Arbeitet[17] man in der Wand eines Hohlzylinders, dessen Durchmesser
gleich der Kernstrke ist, vierkantig- bez.[11] dreikantigprismatische
Schraubengnge aus, so dass der entstehende Hohlraum und die Schraube
selbst einander kongruent sind, so erhlt man die zur Schraube pa$
t aber im
geschmolzenen Zustande dickflssig[15] und zum Giessen nicht geeignet;
dagegen ist es das Hauptmaterial zur Schmiedeisen- und Stahlfabrikation.
Zur letzteren benutzt man besonders eine grossbltterige[16], lebhaft
glnzende, 5 bis 20 Prozent Mangan enthaltende Sorte, welche unter dem
Namen Spiegeleisen bekannt ist.
Das graue Roheisen ist von krnigem[17], nicht kystallinischem
Gefge[18], ziemlich weich und zhe, bricht jedoch, wie das weisse
Roheisen, unter den Schlgen des Hammers, lsst sich dagegen feilen,
bohren, drehen, berhaupt mit den verschiedensten Werkzeugen
verarbeiten. Es schmilzt bei etwa 1100, ist im geschmolzenen Zustande
dnnflssig und daher zum Giessen geeignet, weshalb man es gewhnlich
Gusseisen nennt.
Das Schmiedeeisen[19] oder Stabeisen[20] ist das reinste Eisen, das zur
technischen Verwendung kommt. Es enthlt nur 0,2 bis 0,5 Prozent
Kohlenstoff, besitzt eine Dichte von 7,5 bis 7,85 und ist weich,
geschmeidig und zh. Sowohl im kalten wie besonders im glhenden Zustand
ist $
hen konnte. Dann gab man mir
ein zinnernes Becken und ein viereckiges Stck Pappe mit der Nummer 599,
die ich am Kopfende meines Bettes anbringen mute. Der Wrter fhrte
micI in ein groes Zimmer, ich blicke ber die Thr und lese in groen
Lettern: Schlafzimmer der Schneider. Der Zimmerkehrer stellte mir das
Bett und die anderen Sachen zurecht, und danach fhrte der Wrter mich
zum Arbeitszimmer der Schneider. So gut ich kann und in dunklen Farben
will ich die Anstalt hier beschreiben. Von der ueren Treppe
herkommend, trifft man auf zwei einander gegenber liegende Bureaux, das
zur rechten gehrt dem Rechnungsfhrer, das zur linken dem Direktor.
Fnf Meter weiter trifft man ein groes hohes eisernes Gitter, durch
welches man auf einen finsteren, etwa fnfundzwanzig Meter langen
Korridor gelangt, der rechts und links mit Zimmern besetzt ist, wo die
Gefangenenwrter schlafen; ferner sind dort die Zimmer der Schreiber und
einige Lagerrume. Am Ende des Korridors ist ein zweites Gitter, dem
ersteren hnlich; $
rndes Bltengewand anlegte -- es vermehrte nur die
Empfindung meines Leidens.
O arme Seele, was hoffest Du? Denke an den Jammer und die Seufzer, damit
ich mit den Farben der Wahrheit ein Bild meines Unglcks und der
Unwissenheit der selbstschtigen Tyrannen entwerfen kann.
Denke an die unselige verworfene Knechtherrschaft! Schildere, wenn Du es
vermagst, die Thaten jenes Despoten, der vterliche Gefhle und
kindliche Liebe miachtend auf dem Scheiterhaufen des Vaterlandes die
jugendliche Hoffnung Italiens als Brandopfer darbrachte, der die Sttzen
darbender Familien vom huslichen Herd hinwegri, der Industrie die
Kraft des Fortschritts raubte, um das erhabene Andenken der Freiheit zu
schnden, um dem Bajonett, dem Galgen und den Galeeren das Recht zu
geben, den letzten Gedanken des Unglcklichen zu Todesseufzern zu
Du allein, o meine Seele, kannst in den Tagen meines Glckes die Klagen
deuten, welche in dieser Sphre ertnten, wo Kummer, Qualen, Ketten und
der Wille eines gesetzmigen Mrders den Herzen de$
ceae_ 70
_Chamaedorea desmoncoides_ 47
_Chamaedorea Ernesti Augusti_ 48
_Chamaedorea geonomiformis_ 48
_Chamaedorea glaucifolia_ 48
_Chamaerops_ 39
_Chlorophytum comosum_ 57
_Chlorophytum Sternbergianum_ 57
_Cocos australis_ 49
_Cocos Datil_ 49, 66
_Cocos Weddelliana_ 49
_Coffea arabica_ 90
_Coleus Blumei_ 84
_Coleus laciniatus_ 84
_Coleus Verschaffelti_ 84
_Commelinaceae_ 56
_Cordyline australis_ 60
_Cordyline congesta_ 60
_Cordyline ferrea_ 62
_Cordyline ignea_ 62
_Cordyline indivisa_ 60
_Cordyline terminalis_ 62
_Comaceae_ 83
_Corypha australis_ 39
_Cryptomeria japonica_ 33
_Curculigo recurvata_ 66
_Cyanophyllum magnificum_ 79
_Cycadeen_ 32
_Cycas revoluta_ 32
_Cyrtomium falcatum_ 25
Dattelpalme 42
_Dieffenbachia_ 54
_Dioon edule_ 32
_Dracaena cannaefolia_ 63
_Dracaena fragans_ 62
_Dracaena Goldieana_ 62
_Dracaena marginata_ 63
_Dracaena Rothiana_ 62
Elephantenohr 262
_Eranthemum igneum_ 88
_Eranthemum rubrovenium_ 88
_Eranthemum sanguinolentum_ 88
_Erythea armata_ 41
_Eucalyptus Globulus_ 75
_Eugenia_ 77
$
tfaerbungen
ausgezeichnet sind. Die echte Stammform der _Begonia Rex_ ist mittlerweile
ziemlich selten geworden. _Begonia xanthina Hook._ aus Ostindien hat
dunkelgruene Blaetter mit hellen Nerven, auf der Unterseite sind die Blaetter
kupferrot. Die Blueten sind gelb. Einer anderen Gruppe gehoert _Begonia
discolor R. Br._(44) an, deren unterseits tiefrote, oberseits reingruene,
metallisch glaenzende Blaetter an verhaeltnismaessig duennen, bis dreiviertel
Meter hohen Aesten sitzen, welche aus einer Knolle entspringen. Diese Art
bildet in den Blattachseln Brutknoellchen, welche im Herbste, wenn die
Stengel und Blaetter absterben, abfallen. Eine sehr huebsche immergruene Art
ist _Begonia argyrostigma Fisch._, welche bis einen Meter hoch wird und
dunkelgruene, reinweiss gefleckte, etwas fleischige Blaetter traegt. Sehr
dekorativ durch ihre grossen, siebenzackig gelappten Blaetter ist _Begonia
heracleifolia Cham. et Schl._ Die Blaetter stehen auf langen rauhhaarigen,
dicken Blattstielen, welche von einem dicken, k$

Wulf gefiel der Engenser nicht mehr so gut. Gewi, die Tatern waren man
ja halbe Menschen, und Christen waren sie erst recht nicht, wenn sie
ihre Kinder auch in einem weg taufen lieen der Patengulden halber, aber
gleich darauf loszuschlagen, wie auf ein wildes Tier, das wollte Harm
denn doch nicht in denKopf. Aber er mute Drewes recht geben, als der
leise zu ihm sagte: Wenn in jedem Dorfe ein tchtiger Kerl ist, und der
holt alles zusammen, was sich wehren kann, und ein Dorf hilft dem
anderen, dennso wrde das schon gehen. Den Donner auch, wir sind doch
nicht dazu da, da Hans Hungerdarm und Jans Schmachtlapp mit uns
Schindluder spielt! Das sage ich dir, und so sollte es ein jeder halten:
ehe da ich mir und meinen Leuten einen Finger ritzen lasse, lieber
will ich bis ber die Enkel im Blute gehen! Na, denn adjs auch! Er
ritt mit den drei andern nach links ab.
Wulf und Ul waren kaum ein Ende allein weitergefahren, da hrten sie
wieder den Hengst wiehern, und als sie haltmachten, kamen die drei
fremden$
lebendig und nahmen sie in das Bruch
Er sah erst Harm und dann Thedel an, nickte mit dem Kopfe und griente:
Und dann hielten wir Gericht ber sie ab. Tidke mute bei jedem
angeben, was damit gemacht werden sollte, weil er doch gewissermaen
darber zu sagen hatte, denn seiner Mutter, sie war schon ber siebzig,
hatten sie auch den Hals abgeschnitten. Alle haben sie geschrien wie die
Wilden, und gebetet und gebettelt haben sie, als es ihnen an den Schluck
ging, bis auf das eine Taternfrauenzimmer, die junge, die eigentlich
ganz glatt aussah bis auf die gelbe Haut und das schwarze Haar, denn das
war ein Beist und schimpfte blo, als wir sie aufhingen, und bi um
sich, wie ein Fuchs, der im Eisen sitzt. Aber geholfen hat ihr das
nichts, denn Tidke sagte: Die hat Bruns lttjen Jungen mit den Kopf
gegen den Dssel geschlagen! Erst sollte sie blo nackigt ausgezogen
werden und durchgRepeitscht, aber als wir das hrten, hingen wir sie zu
alleroberst an die Eiche!
Er lachte lustig: Wie der olle Baum aussah, sage i$
schlieen, denn nicht zu tilgen ist ihre Schandtat, und
ihre Greuel bleiben ewiglich bestehen.
Da hrten die Frauen zu weinen auf und die Mnner sahen ihn mit blanken
Augen an; alle Gesichter wurden klar, als er trstliche Worte und
Sprche fand, die Herzen zu erquicken und die Seelen zu laben mit
Hoffnung auf bessere Zeiten und Zuversicht auf die Gte des
barmherzigen Gottes, und es war keiner da, der sich nicht gelobte, treu
auszuharren in der Furcht es Herrn, mge kommen, was da wolle.
Wie ein Wetterrollen hrte es sich an, als die Gemeinde ihrem Prediger
das Glaubensbekenntnis nachsprach, und bis zum Himmel schallte es, als
    Das Wort sie sollen lassen stahn
    und kein Dank dazu haben;
    er ist bei uns wohl auf dem Plan
    mit seinem Geist und Gaben;
    nehmen sie uns den Leib,
    Ehre, Kind und Weib,
    la fahren dahin,
    sie habens 's kein Gewinn:
    das Reich mu uns doch bleiben!
Die Hochzeiter
Der Prediger sollte recht behalten. Anderthalb Jahre spter, zu der
Zeit, als in Peerhobstel$
ig und der eine war ein Offizier. Er
lie sie alle mitten im Busche aufhngen, als wenn es gemeines
Raubgesindel war, und als der Hauptmann dagegen anwollte, schrie er:
Dann behandelt den Herrn wie einen Offizier und hngt ihn an seiner
Sbelkoppel auf und nicht an einer Wiede! Ja, man sagte, vorher htte
er ihm in das Gesicht gespuckt.
Das mute wohl wahr sein, denn bald darauf traf ihn die Strafe; er mute
freien. Bisher hatte er immer Glck gehabt; aber wie es so kam,
Gdeckengustels Schwester Trina, von der htte er die Finger lassen
sollen, denn in allem verstanden die Wlfe unter sich Spa, blo nicht
in solchen Dingen. So lie er denn das Maul hngen wie ein Rehbock, der
eine Ricke suchen geht, als Gdecke ihm eines Abends sagte: Unser Trina
meint, da es bald Zeit wre, da ihr beide freit. Zwei Wochen spter
war die Hochzeit; es war eine lustige Hochzeit, blo fr den Bru tigam
nicht, denn der sagte zu Grnhagenkrischan: Ja, die Frauensleute, da
mu 'n sich mit vorsehen; die nehmen gleich alles$
ge Maregeln den
Wohlstand der deutschen Nachbarstaaten untergraben zu wollen, sich freuen
wrde, wenn alle Regierungen Deutschlands ber die Grundstze eines
gemeinschaftlichen, die Wohlfahrt aller Teile frdernden Handelssystems
sich vereinigen knnten, wozu die preuische Regierung sehr gern die Hnde
bieten werde, um ihrerseits mitzuwirken, da dem ganzen Deutschland die
Wohltat eines freien, auf Gerechtigkeit gegrndeten Handels zuteil werde.
Es ist ihnen aber auch nicht verhehlt worden, da der Zustand und die
Verfassung der einzelnen deutschen Staaten noch keineswegs zu gemeinsamen
Anordnungen vorbereitet erscheine; wozu auch besonders gehre, da die
gemeinsamen Anordnungen in einem gemeinsamen Sinne von allen gehalten
wrden. Die Sache scheine daher jetzt nur darauf zu fhren, da einzelne
Staaten, welche sich durch den jetzigen Zustand beschwert glaubten, mit
denjenigen Bundesmitgliedern, von denen nach ihrer Meinung die Beschwerden
veranlat werden, sich zu vereinigen suchten und da auf diesem We$
 Frankfurter
      Parteigenossen zu berbringen. Als Fhrer einer Elitekompagnie am
      Kampfe beteiligt, wurde er verhaftet und durch ein Kriegsgericht zum
      Tode verurteilt.
   19 Ferd. Lassalle, geb. 11. April 1825, gest. 31. August 1864,
      sozialistischer Agitator, Grnder des Allg. Deutschen
      Arbeitervereins.
   20 Georg Friedrich v. Martens, geb. 22. Februar 1756, gest. 21. Februar
      1821, seit 1816 hannv. Bundestagsgesandter.
   21 Graf Aug. Fried. Ferd. v. d. Goltz, geb. 20. Juli 1765, gest. 17.
      Januar 1832, von 1816-1824 preuischer Bundestagsgesa#dter, nachher
      Oberhofmarschall.
   22 Wilh. Ludw. Leop. Reinhard Freiherr v. Berstett, geb. 1769, gest. 6.
      Februar 1837, 1816 badischer Bundestagsgesandter, von 1817 bis 1831
      badischer Minister des Auswrtigen.
   23 Klemens Frst v. Metternich, geb. 15. Mai 1773, gest. 11. Juni 1859,
      sterreichischer Minister seit 1809, seit Mai 1821 bis 13. Mrz 1848
      Staatkanzler, Haupttrger der Reaktion in sterre$
n dem einen
Jahre 1825 fr seinen Hausbedarf zollfrei auf dem Strome: 53 Oxhoft Wein,
4 Oxhoft Rum, 98 Scke und 1 Fa Kaffee, 13 Scke Pigment und Pfeffer,
insgesamt an 100 Zentner. Mehr denn eine halbe Million Taler im Jahre
wurden durch den anhaltischen Schleichhandel den preuischen Kassen
vorenthalten; der Zollertrag in den Provinzen Brandenburg und Sachsen
stieg nachher, als Anhalt endlich sich dem preuischen System unterworfen
hatte, bald von 3,135 auf 4,128 Millionen.
Der Besitz einer souvernen Krone ohne Macht entsittlicht auf die Dauer
ihren Trger. Wie grndlich mute das Rechtsgefhl der kleinen Hfe, seit
sie keinen Richter mehr ber sich anerkannten, verwstet sein, wenn dies
rechtschaffene askanische Haus, das von jeher einer wohlverdienten
allgemeinen Achtung geno und so viele seiner tapferen Shne in die Reihen
des preuischen Heeres gesendet hatte, sich jetzt unbedenklich
erdreistete, die Gesetzgebung seines alten treuen Beschtzers durch groben
Unfug zu untergraben! Ein Unglck, da der $
ar nicht ahnte, da im Staatenverkehre das
formelle Recht nichtig ist, wenn es nicht durch die lebendige Macht
getragen wird. War denn Kthen nicht ebenso souvern wie Preuen? Wie
durfte man dieser souvernen Macht einen Zollanschlu zumuten, der ihr
freilich nur Segen bringen konnte und sich aus ihrer geographischen Lage
mit unabwendbarer Notwendigkeit ergab, aber ihrem freien
Selbstbestimmungsrechte widersprach? Und wenn es ihr beliebte, die
Freiheit der Elbe zur boshaften Schdigung des Nachbarlandes zu gebrauchen
-- in welchem Artikel der Bundesakte war dies denn verboten? Da Anhalt
sich durch die Wiener Vertrge zur Beseitigung des Schleichhandels
verbunden hatte, berging man mit Stillschweigen. Bignon(48), der alte
Anwalt der deutschen Kleinstaaten, trat ebenfalls auf den Kampfplatz mit
einem offenen Briefe ber den preuich-anhaltischen Streit. Er beklagte
schmerzlich, da Frankreich nicht mehr wie sonst vom Niederrhein her des
Richteramtes ber Deutschland warten knne; aber Frankreich ist von de$
 zugleich als Mittel betrachtet, zu dereinstiger Erreichung des
gemeinschaftlichen Zweckes in einer allgemeinen Ausdehnung den Weg zu
Wie der preuische Staat alles, was er fr die Macht und Einheit unseres
Vaterlandes tat, erkmpfen mute gegen den Widerstand des Auslandes, so
ward auch der preuisch-hessische Bund sofort von den Rnken der fremden
Mchte umsponnen. Im Verein mit Frankreich versuchte Holland Unfrieden zu
sen zwischen Sd und Nord. Der Minister Verstolck van Soelen machte den
wrttembergischen Geschftstrger aufmerksam auf die Gefahren, welche der
deutschen Handelsfreiheit und der Unabhngigkeit der Kleinstaaten drohten.
Der Wrttemberger, ein verstndiger Mann, der seinem preuischen Kollegen,
dem Grafen Truchse-Waldburg, alles mitteilte, antwortete treffend: die
Zlle der fremden Mchte, und nicht zuletzt Hollands, zwingen uns
Deutsche, uns zu einign und neue Handelswege zu suchen -- worauf Verstolck
heilig versicherte: die Herabsetzung der niederlndischen Zlle stehe nahe
bevor; fr je$
higste unter allen den Finanzmnnern, mit denen Preuen
zu verhandeln hatte -- ttig und kenntnisreich, ein rivtterlicher Charakter,
schweigsam und bedchtig, noch von seiner preuischen Dienstzeit her mit
L. Khne wohl bekannt. Die in Dresden gewnschte nderung des gesamten
Tarifs gab er bald auf, gleichwohl ward er mit Maaen nicht handelseinig.
Erschreckt durch die Warnungen seiner Fabrikanten, wollte Preuen
provisorische Schutzzlle zugunsten einiger Fabrikwaren einfhren, damit
die Industrie Zeit behielte, sich auf die Konkurrenz des Erzgebirges zu
rsten. Zugleich verlangte man Entschdigung fr den drohenden starken
Verlust an Durchfuhrzllen. Khne selbst fand diese Forderungen zu hart;
aus dem Magdeburgischen gebrtig, betrachtete er die Kursachsen halb als
seine Landsleute und hielt dem Minister vor: nach der Teilung Sachsens sei
Preuen schon ehrenhalber verpflichtet, dem Nachbarlande Wohlwollen zu
zeigen. Als Maaen in diesen Fragen endlich nachgegeben hatte, erhob sich
sofort ein neues Hemmnis$
nter Leinpfaden versteht man die an schiffbaren Wasserlaeufen
      angelegten Wege, von denen aus Schiffe mittels einer am Maste
      befestigten Leine stromaufwaertsgezogen oder "getreidelt" werden
      (daher auch Treidelwege genannt).
   45 Wilh. Ludwig Georg Graf zu Sayn-Wittgenstein, geb. 9. Oktober 1770,
      gest. 11. April 1851, von 1814-1819 Polizeiminister, seitdem
      Minister des Koeniglichen Hauses.
   46 Anhalt zerfiel damals in die 3 Teile Anhalt-Dessau, Anhalt-Koethen,
      Anhalt-Bernburg. Herzog von A.-Dessau war damals Leopold IV.
      Friedrich (1817-1871), von A.-Koethen Ferdinand (1818-1830), von
      A.-Bernburg Alexius Friedr. Christian (1796 bis 1834). Seit 1863 war
      das ganze anhaltische Gebiet in die Haende Leopolds IV. vereinigt.
   47 9. August 1817.
   48 Louis Pierre Baron Bignon, geb. 1771, gest. 5. Januar 1841,
      franz. Diplomat und Publizist, zeitweilig als franzoesischer
      Geschaeftstraeger bzw. bevollmaechtigter Minister an deutschen Hoefen
      taet$
des Uebels, den
Dualismus der Finanzverwaltung. Er forderte fuer den Minister kurz und gut
Sitz und Stimme in der Generalkontrolle, so dass auch die Ausgabeetats
nicht ohne seine Genehmigung zustande kommen koennten; sodann ganz freie
Hand bei der Auswahl seiner Raete, endlich Zentralisation des Kassenwesens.
In zwei weiteren Denkschriften {~HORIZONTAL ELLIPSIS~} verlangte er ferner die Aufstellung
voellig zuverlaessiger Etats und erklaerte sich entschieden gegen die
Wiedereinfuehrung der Provinzialministerien. Denn neben solchen
Unterministern sei ein maechtiger Finanzminister unmoeglich; dieser muesse
unmittelbar an der Verwaltung teilnehmen, um "unverbesserliche Missgriffe,
Einseitigkeit und Indolenz" zu verhueten: "er kann nicht darauf beschraenkt
bleiben, durch Etats und Verwaltungsnormen nur die Zukunft nach seinen
Ansichten zu regeln; auch kann es ihm nicht helfen, die Vergangenheit nach
toten Zahlen zu meistern". --
Die Entscheidung konnte nicht zweiflhaft sein {~HORIZONTAL ELLIPSIS~} Der Koenig entsc$
rz 1827 wurde die Elbe oberhalb und unterhalb Anhalts gesperrt, von den
eingehenden Schiffen die vorlaeufige Zahlung der preussischen Zoelle
gefordert unter Vorbehalt der Rueckverguetung, falls die Waren wirklich in
Anhalt verblieben. Sofort sendete der Koethener Herzog eeinen Leutnant mit
einem Ultimatum nach Berlin; sei es, dass er einen hoeheren militaerischen
Wuerdentraeger nicht in seinem Vermoegen hatte, oder dass er Preussen verhoehnen
wollte. Der tapfere Leutnant forderte drohend die Zuruecknahme der
Massregeln binnen acht Tagen, sonst werde Koethen zu ernsteren Mitteln
greifen. Natuerlich erhielt er keine Antwort; Eichhorn und Heinrich
v. Buelow(62), Humboldts geistreicher Schwiegersohn, der in diesen
laecherlichen Haendeln sein diplomatisches Talent zuerst bewaehrte, setzten
nur einige scharfe Bemerkungen an den Rand des Koethener Ultimatums. Nun
brachte Koethen *cette affaire ennuyante*, wie Bernstorff zu seufzen
pflegte, nochmals an den Bundestag. Wieder verteidigte die gesamte Presse
den unschuld$
en Versuch,
ihr Gesetze vorzuschreiben, als offene Feindseligkeit betrachten und sich
zur Wehre setzen musste. Also hat der treffliche Mann seinen lauteren
Idealismus, seine lebhafte ruhelose Taetigkeit eingesetzt fuer Plaene, die
der dynastischen Scheelsucht entsprangen, und zwei Jahre lang an einem
Verein gearbeitet, welchen Stein veraechtlich als einen Afterbund
verdammte. Selbst die Sippschaft hoechst unzweideutiger politischer
Charaktere, welche sich sofort des Oberchoenaer Planes bemaechtigte,
oeffnete dem saechsischen Staatsmanne nicht die Augen. Muench und Langenau,
Marschall und Rothschild, alle Stuetzen der oesterreichischen Partei warben
fuer den Handelsverein. Mehrmals in der Woche kam der Herzog von Nassau zu
Langenau hinueber, um neue Bundesgenossen zu gewinnen.
Dergestalt war wieder einmal eines jener anmutigen Raenkespiele
eingeleitet, welche von Zeit zu Zeit die trostlose Langeweile der
Bundestagsgeschaefte wohltaetig unterbrachen. Dass Oesterreich alle Faeden der
Verschwoerung in seiner Hand$
r hannoversche Gesandte
Stralenheim in Stuttgart ward nicht muede, den Koenig Wilhelm vor Preussens
Fallstricken zu warnen. Beharrlich wiederholte der Dresdner Hof, der die
Fuehrung des Vereins behielt, er sei bereit, Antraege und Vorschlaege zur
Ausbildung des Bundes entgegenzunehmen. Niemand wusste einen moeglichen
Vorschlag. Schon vor der Kasseler Zusammenkunft gestand Lindenau einem
Frankfurter Amtsgenossen: "die Mehrzahl der Teilnehmer betrachtet den
Verein als ein Ruhekissen, sie ist froh, dass alles beim alten bleibt." Nun
klagten die Thueringer ueber Sachsens hegemonischen Ehrgeiz, Frankfurt ueber
die erdrueckenden kurhessischen Mauten. Der Kurfuerst, um seine
Holzmagazinen hoehere Preise zu schaffen, verbot den altgewohnten
Holzhandel, der aus den hannoverschen Waldgebirgen nach Hessen
hinuebergefuehrt ward. Die Unmoeglichkeit, mit einem solchen Fuersten
freundnachbarlich auszukommen, lag vor Augen. Fast ein Jahr waehrten die
Verhandlungen zwischen den beiden hessischen Haeusern wegen der
Erleichteru$
5 auf das Fuenffache stieg.
Um auch den leisesten Anschein preussischer Hegemonie zu vermeiden, wurde
verabredet, dass die alljaehrlichen Konferenzen der
Zollvereinsbevollmaechtigten nicht mehr, wie im preussisch-hessischen
Verein, regXlmaessig zu Berlin sich versammeln sollten; sie wanderten
fortan, nach dem Belieben der Verbuendeten, von Ort zu Ort, der erste
Zusammentritt fand in Muenchen statt. Streitigkeiten wollte man der
Entscheidung eines Schiedsrichters unterwerfen, der durch einstimmigen
Beschluss fuer jeden einzelnen Fall zu ernennen war. Doch ist ein solcher
Schiedsspruch niemals angerufen worden -- nicht weil die Eintracht
ungetruebt bestanden haette, sondern weil der Duenkel der Kleinstaaten den
freiwilligen Ausgleich der schimpflichen Unterwerfung unter eine fremde
Gewalt regelmaessig vorzog. Dass Bayern seine Biersteuer behielt, war
unvermeidlich. Man begnuegte sich daher, ein Maximum fuer die
Konsumtionssteuern festzusetzen und die allmaehliche Annaeherung der
Steuersysteme in Aussicht zu ste$
alle Beschftigung mit den Augen verzichten mu,
liee sich noch ertragen, aber die Schmerzen und die Pein sind so gro,
da ich ihre Fortdauer als eine schwere Prfung ansehen wrde. Die
Mutter ist geistig so frisch und teilnehmend wie je, klagt auch nicht,
aber man sieht ja doch wie sie leidet! Die gehoffte Besserung stellte
sich zeitenweise ein, aber immer wieder kamen Monate, in denen die
Schmerzen nur in der Ruhe und Dunkelheit der Nacht vergingen und mogens
wieder auftraten. Keiner der vielen Augenrzte, die man im Laufe der
Jahre zuzog, konnte sie von dieser Qual befreien.
Ich sehe ganz gut, uerte sie oft, aber ich kann nicht schauen, es
ist immer, wie wenn die Augen voll Sandkrner wren. Manchmal sagte sie
auch: Meine Augen sind wie in Feuer gebettet. In spteren Jahren kam
noch eine andere, mit dieser Empfindlichkeit nicht in Zusammenhang
stehende Erkrankung dazu, die die Sehkraft beeintrchtigte. Wegen dieser
neuen Erscheinung konsultierte sie nach langer Zeit wieder einen
Augenarzt. Dies$
weil sie sich selbst taub gemacht haben gegen die
Stimmen der Natur, hren sie nicht, wie es rings um sie kichert und
spttelt. Manchmal aber schwillt das Kichern der Natur zu einem
gellenden Hohnlachen an, und dann sagen die Weien: Es war ein
Erdbeben! oder: Ein Vulkan hat Feuer gespieen!
Sie sind wirklich verchtliche Narren, dies' Weien!
Jim Boughsleigh tat einen tiefen Schluck aus seiner Flasche und reichte
sie mir dann, damit ich seinem Beispiel folge. Ich lehnte ab, aber da
hob er die Faust und schrie: Sauf, Hindu! Und weil er der Strkere
war, wollte es das Schicksal, da ich trank.
Jim steckte seine Pfeife in den Mund, zog die Streichhlzer hervor, und
weil seine Hand bereits etwas unsicher war, sah ich mit Freude, da er
mit dem brennenden Streichholz unter seiner Nase herumfuchtelte, was ihm
einen Brller des Schmerzes entlockte.
Endlich brannte seine Pfeife, und er hub an: Hast du die Deutschen
gesehen, die ich ins Gefngnis brachte?
Ja, Herr! -- Was habt ihr Englnder mit ihnen vor? La$
eine geringe
Strecke sein.
Konnten wir doch auch den Dunst gekochten Fleisches bis zu uns herber
Haben denn die Deutschen etwas zu essen? Ich dachte, sie litten
Hungersnot?
Das tun sie auch! Sie essen Ratten und Muse und zwingen die gefangenen
Hindus, gleichfalls diese Tiere zu essen!
Ich stierte ihn entsetzt an. Ehe ich solch unreines Fleisch esse,
sollen sie mir alle Glieder einzeln vom Leibe reien!
Das werden sie sowieso tun, wenn du in ihre Hnde fllst! Sie martern
alle Gefangenen zu Tode!
Und fressen sie dann, ich wei es! schlo ich das Gesprch.
Ich war berzeugt, da es nicht der Dunst von gebratenen Ratten war, der
zu uns herberdrang, sondern der Geruch gersteter Hindus. Der gutmtige
Sergeant hatte mir nicht die ganze schreckliche Wahrheit sagen
Wieder hate mich die Erschpfung berwltigt. Der Kopf war mir auf die
Brust gesunken. Ich trumte:
Durch die Straen Bombays wandelte ich an der Seite meines Vaters. Um
seinen Hals baumelte ein Hanfstrick, aber er achtete dessen nicht,
sonde$
tvoll absetzte...
Ja, das ist gut gemacht! sagte er, stellte das Dichtwerk weg und
wandte sich. Da sah er, da der Beamte noch:immer aufrecht stand und mit
einem Mischausdruck von Diensteifer und nachdenklichem Mitrauen seine
Augen zwinkern lie.
Eine ausgezeichnete Sammlung, wie ich sehe, sagte Tonio Krger. Ich
habe schon einen berblick gewonnen. Ich bin Ihnen sehr verbunden.
Adieu. Damit ging er zur Tr hinaus; aber es war ein zweifelhafter
Abgang, und er fhlte deutlich, da der Beamte, voller Unruhe ber
diesen Besuch, noch minutenlang stehen und zwinkern wrde.
Er sprte keine Neigung, noch weiter vorzudringen. Er war zu Hause
gewesen. Droben, in den groen Zimmern hinter der Sulenhalle, wohnten
fremde Leute, er sah es; denn der Treppenkopf war durch eine Glastr
verschlossen, die ehemals nicht dagewesen war, und irgendein
Namensschild war daran. Er ging fort, ging die Treppe hinunter, ber die
hallende Diele, und verlie sein Elternhaus. In einem Winkel eines
Restaurants nahm er in sich gekehr$
ine Arbeit. Der Polizist breitete sie
auf der Pultplatte aus und begann darin zu lesen. Auch Herr Seehaase
trat nher herzu und beteiligte sich an der Lektre. Tonio Krger
blickte ihnen ber die Schultern und beobachtete, bei welcher Stelle sie
seien. Es war ein guter Moment, eine Pointe und Wirkung, die er
vortrefflich herausgearbeitet hatte. Er war zufrieden mit sich.
Sehen Sie! sagte er. Da steht mein Name. Ich habe dies geschrieben,
und nun wird es verffentlicht, verstehen Sie.
Nun, das gengt! sagte Herr Seehaase mit Entschlu, raffte die Bltter
zusammen, faltete sie und gab sie ihm zurck. Das mu gengen,
Petersen! wiederholte er kurz, indem er verstohlen die Augen schlo und
abwinkend den Kopf schttelte. Wir drfen den Herrn nicht lnger
aufhalten. Der Wagen wartet. Ich bitte sehr, die kleine Strung zu
entschuldigen, mein Herr. Der Beamte hat ja nur seine Pflicht getan,
aber ich sagte ihm sofort, da er auf falscher Fhrte sei...
So? dachte Tonio Krger.
Der Polizist schien nicht ganz $
n Leib bnden und dieses nach und nach fahren lieen. Es
geschah: doch das arme Tier wollte dem Schiffe nicht von der Seite; und
wenn auch eine Sturzwelle es eine Strecke mit sich fortschleuderte, so
kam es doch alsobald wieder zurckgeschwommen und winselte, an Bord
aufgenommen zu werden. Vergebens schlugen wir nach ihm mit Stangen und
Tauen, bis es uns endlich erbarmte und wir das treue Geschpf wieder an
Bord nahmen.
So schlich die Mitternacht heran, wo uns deuchte, da nunmehr die
Ebbezeit wohl abgelaufen sein mte. Jetzt also befanden wir uns dem
Strande am nchsten, der, unserer Schtzung nach, zwei- oder dreihundert
Schritte entfernt sein mochte; und so war es denn auch an der hchsten
Zeit, alles aufzubieten, um, wo mglich, lebendig an Land zu kommen,
bevor die lut wieder stiege, deren Gewalt ohnehin das Schiff nicht mehr
ausdauern konnte, ohne gnzlich in Trmmer zu gehen. Es mute gewagt
sein! Sowie demnach eine Sturzwelle nach der anderen sich zu uns
heranwlzte, so sprang auch, der Reihe nach, $
 den anderen
besonders vorzunehmen, sie durch gute Worte treuherzig und kordat zu
machen, und dann wieder auch durch unversehene Zwischenfragen in die
Klemme zu nehmen, so da stets ein Spitzbube den andern verriet. Allein
ebensowenig als sie gegen _mich_ reinen Mund gehalten, konnte es unter
ihnen selbst auf die Lnge ein Geheimnis bleiben, wie ich es darauf
anlegte, ihnen hinter die Schliche zu kommen. Sie hielten es demnach
nach einer gemeinschaftlichen Beredung fr das Geratenste, mir allesamt
auf einmal zu entlaufen, und diesen Vorsatz fhrten sie auch des anderen
Tages richtig aus; doch nicht, ohne da ich es sogleich erfahren nd
auch den Ort am Lande entdeckt htte, wo sie sich aufhielten.
Dahin verfgte ich mich augenblicklich mit Gerichtsdienern und traf auch
glcklich das ganze Nest beisammen, wo sie dann mit Gewalt aufgehoben
und an Bord meines Schiffes begleitet wurden. Am besten htte ich
freilich getan, sie laufen zu lassen; allein so wenig sie auch brigens
taugten, so waren sie doch erfahren u$
 ausgeliefert
Als ich in solcher Expedition zum erstenmal das Ufer betrat, standen
bereits zwlf oder vierzehn Schwarze unseres Empfangs gewrtig, und
whrend ich mit etwa zehn meiner Begleiter vollends ins Trockene watete,
kam uns auch ihr Anfhrer entgegen, bot mir die Hand, schnitt eine Menge
wunderlicher Kapriolen und gab sich mir endlich mit den Worten Amo King
Sorgo (ich bin der Knig George) zu erkennen. Da er aber auch fr
irgend etwas Besonderes angesehen sein wollte, gab schon sein ganzer
Aufzug zu erkennen. Er war nmlich mit einer alten, zerrissenen,
linnenen Pumphose und einer weien Kattunweste ohne rmel bekleidet,
sein noch grerer Schmuck aber bestand in einer roten und weien
Schminke, womit er sich Gesicht und Hnde scheulich bemalt hatte. Mit
diesem Narren nun und seinen Untertanen wurden wir des Preises fr das
Wasserfllen einig und hielten uns auch des nchsten Tages wacker zu
unserer Arbeit.
Bei dieser Gelegenheit nahm ich am Strande eine Menge von Feldsteinen
wahr, deren wir als$
rchaus keine absichtliche Anordnung und
Regelmigkeit darin entdecken. Diese ganze Steinplatte mag vielleicht
sechshundert Klafter in der Lnge und Breite haben. Zugleich aber fallen
ihre Rnder so steil ab, da, whrend jene Blcke nur auf die bemerkte
geringe Tiefe unter Wasser stehen, unmittelbar daneben der Seegrund sich
auf fnfzehn und mehr Fu vertiefte.
Es whrte fast sechs Stunden, bevor es uns gelang, wieder flott zu
werden. Whrend dieser Zeit trieb der starke Wind ein Boot vom Lande
herbei, worin sich zwei Bauernknechte, aber ohne Ruder, befanden. Statt
solcher waren sie mit ein paar Stangen versehen, womit sie ihr Fahrzeug,
sogut es angehen wollte, zu steuern versuchten, um bei uns an Bord zu
gelangen. In der Tat stieen sie auch so unvorsichtig und heftig gegen
unser Schiff an, da wir frchteten, ihr Fahrzeug wrde davon in Stcke
Erst als wir sie an Bord hatten, wurden wir gewahr, da sie sich im
besten Sonntagsstaat befanden und mit einem gewaltigen Blumenstraue vor
der Brust im Knopfloche p$
ou
einen Patron und Gnner zu erwerben. Um also ferneres Unheil zu
verhten, und da die Blattseite eben voll war, sagte ich: Nun ist's
wohl Zeit, auch Sand darauf zu streuen, -- nahm das volle Tintenfa und
go es ber die Pastete her. Er stutzte; alles lachte. Endlich lachte er
mit, schttelte mir die Hand, und sein rger war vergessen.
       *       *       *       *       *
Seit dem letzten milungenen Versuche auf die Maikuhle geschahen nur
hier und da einige Angriffe auf unsre Vorpostenkette, um unsre
Aufmerksamkeit zu beschftigen. Dagegen wagte der Feind sich, ohne da
wir Kunde davon erhielten, in diesen Tagen an ein Unternehmen, das khn
und gro genug aufgefat war, um, wenn die Ausfhrung glckte, uns mit
all unsern bisherigen Verteidigungsanstalten, im eigentlichsten
Wortverstande, aufs Trockene zu bringen. Es sollte nmlich der Persante
ein andres Bett gegraben und sie in den Kampschen See abgeleitet werden.
Das Werk wurde gro und krftig angefangen; aber bald stie man auf
Schwierigkeiten, $
ejenigen
Personen anzeigt, welche sich whrend der Belagerung der Festung Kolberg
ausgezeichnet haben, mit besonderem Wohlgefallen ersehen, da der
Vorsteher der Brgschaft, Nettelbec0, die ganze Belagerung hindurch mit
rhmlichem Eifer und rastloser Ttigkeit zur Abwehrung des Feindes und
zur Erhaltung der Stadt mitgewirkt hat. Seine Majestt wollen daher dem
Nettelbeck fr den solchergestalt zutage gelegten lblichen Patriotismus
hierdurch Dero Erkenntlichkeit bezeigen und ihm als ein ffentliches
Merkmal der Anerkennung seiner sich um das Beste der Stadt erworbenen
Verdienste, die hierneben erfolgende goldene Verdienstmedaille
  Memel den 31. Juli 1807.              Friedrich Wilhelm.
  An den Vorsteher der Brgerschaft
   zu Kolberg, Nettelbeck.
Gleichzeitig erhielt unser verehrter Kommandant, nach dem gndigen
Willen des Knigs, seine Abberufung von dem so ehrenvoll bekleideten
Posten, um, unmittelbar unter den Augen des Monarchen, an die
Reorganisation des preuischen Heeres mit Hand anzulegen. Das w$
ht vor ihm angekommen neigte sie
sich nahe auf sein Gesicht und sah ihn ein Weilchen ruhig an; dann
sprach sie leise, ihre Stimme war wie ein Hauch und ihr Gesicht nahm
freundlichere Zge an: Deinen Kameraden habe ich gettet, wie alles,
das in mein Bereich kommt. Auch du solltest sein Los teilen, doch bist
du noch kein Mann und hast noch nicht gelebt. Drum sei verschont! Doch
diese Schonung wird dir nur so lange Zeit, als du schweigen kannst.
Kommt auch nur ein Wort von dem ber deine Lippen, was du hier
erlebtest, -- sei es zu wem es wolle, nicht Vater, nicht Mutter, nicht
Weib noch Kind, niemand, hrst du, niemand darf erfahren, was hier
geschah, -- so treffe ich dich, wo es auch sei! Denke daran!
  [Abbildung]
Nach diesen Worten schwebte sie langsam empor und verschwand durch die
Jetzt wich der Bann von dem jungen Manne/ er sprang auf, eilte zur Tr
und verschlo sie fest. Dann wandte er sich zu seinem Kameraden und
rief ihn an; doch dieser rhrte sich nicht, er war steif und starr, er
war tot, sein Ges$
 ein dummer Kerl! Nein solche grenzenlose Dummheit
ist mir noch nie vorgekommen, einen kleinen Kasten zu nehmen, wenn du
einen groen erhalten kannst. Gleich trgst du den Kasten zurck und
host den greren!
Dann wre ich wirklich dumm, erwiderte der Alte, das, was wir jetzt
haben, reicht fr unser Leben aus, ja, es ist mehr als zuviel. Was
sollen wir mit noch grerem Reichtum. Ich bin vollstndig zufrieden
und glcklich!
Da wurde die Frau noch bser und rief: Dann sei du es, ich will aber
den groen Kasten unbedingt haben und werde ihn mir selbst holen!
Kaum hatte sie dieses gesagt, da war sie auch schon zum Hause hinaus
und auf dem Wege zum Sperlingsheim.
Am Gebsch angekommen, stand wieder der kleine Sperlingda.
Fhre mich zu deinem Vater! herrschte sie ihnan.
Komm! erwiderte kurz der Sperling und hpfte voran.
Im Sperlingsheim waren nur noch wenige Sperlinge anwesend. Der
Sperling, dem die Frau die Zunge abgeschnitten hatte, empfing die Frau
und sagte zu ihr: Ich wei schon, warum du komm$
starrte er sie an, mit
verglasten Augen, unwissend was das zu bedeuten habe. Sie ri ihm mit
Windesschnelle das Bil>d aus den Hnden. Es berhrte sie fast lcherlich,
als sie dann sah, wen es darstellte. Sie zerri das Bild, ehe er es
hindern konnte, in kleine Fetzen und warf sie verchtlich beiseite. Gregor
stand auf und reckte seine Arme hoch ber den Kopf, mit einer
verzweifelten Gebrde. Dann brach er zusammen und fiel rcklings ber den
Diwan. Ein kleiner Streifen hellroten Blutes war ihm auf die Lippen
getreten. Auch aus der Nase quollen einige rote Tropfen.
Als Mimi ihn so sah, rief sie um Hilfe. Sie warf sich ber ihn und nannte
seinen Namen. Erst laut, als wollte sie ihn wecken, dann flsternd und
schmeichelnd, wie ein Kind. Es war fruchtlos, Gregor rhrte sich nicht.
Die Wirtin hatte die Schreie gehrt und trat in das Zimmer. Sie erkannte,
was not tat, und lief zum Arzt. Als dieser kam und die bewutlose Mimi mit
Mhe von dem Krper Gregors losgelst hatte, sagte er:
Ein Blutsturz. Er ist tot.
Ein$
chlafen nicht!
Und warum denn nicht?
Weil sie nicht mde werden.
Und warum denn nicht?
Weil sie Narren sind.
Werden denn Narren nicht mde?
Wie knnten Narren mde werden!
Entlarvung eines Bauernfngers
Endlich gegen 10 Uhr abends kam ich mit einem mir von frher her nur
flchtig bekannten Mann, der sich mir diesmal unversehens wieder
angeschlossen und mich zwei Stunden lang in den Gassen herumgezogen
hatte, vor dem herrschaftlichen Hause an, in das ich zu einer
Gesellschaft geladen war.
So! sagte ich und klatschte in die Hnde zum Zeichen der unbedingten
Notwendigkeit des Abschieds. Weniger bestimmte Versuche hatte ich schon
einige gemacht. Ich war schon ganz mde.
Gehn Sie gleich hinauf? fragte er. In seinem Munde hrte ich ein
Gerusch wie vom Aneinanderschlagen der Zhne.
Ich war doch eingeladen, ich hatte es ihm gleich gesagt. Aber ich war
eingeladen, hinaufzukommen, wo ich schon so gerne gewesen wre, und
nicht hier unten vor dem Tor zu stehn und an den Ohren meines Gegenbers
vorberz$
matische Analogi zwischen Argentinien und den
sdlichen Vereinigten Staaten 136; Rolle der Epiphyten in der
argentinischen Vegetation 137.
_Der indo-malayische Epiphytenherd_ 139; Wanderung seiner Bestandtheile
nach Japan 139; nach Australien 139.
_Die antarktischen Epiphytenherde:_ Zusammensetzung der Epiphytenflora des
antarktischen Waldgebiets 142; ihr autochthoner Charakter 143. --
Epiphyten Neu-Seelands 146. -- Ursachen der Armuth der epiphytischen
Vegetation im antarktischen Amerika und in Neu-Seeland 146. -- Entstehung
autochthoner Epiphyten in hohen Breiten 146.
_Die klimatischen Bedingungen epiphytischer Vegetation_ 147.
_Schlussbetrachtungen:_ Zusammensetzung der Ergebnisse ber die
Entwickelung und Wanderung der Epiphyten 151.
                                *Schluss.*
Bedeutung der Biologie fr die Pflanzengeographie 155; Ursache der
physiognomischen Unterschiede der drei amerikanischen Waldgebiete 158.
VERZEICHNISS DER BENUTZTEN LITTERATUR.
                            ------------------
ANDR, ED$
end und bei mittlerem Alter
durchschnittlich 2 mm, whrend dieselbe bei alternden, theilweise schon
gelblichen Blttern durchschnittlich 5 mm erreichte; dieser enorme
Unterschied kam allein auf Rechnung des Wassergewebes, indem die grne
Zelllage, welche nur einen Bruchtheil eines Millimeters dick ist, eine
merkliche Zunahme nicht erfuhr. Ganz Aehnliches gilt auch von den brigen
beobachteten Gesneraceen und von den Peperomien.
Es lag der Gedanke nahe, dass die alternden, sehr wasserreichen Bltter
_als Wasserreservoirs fr die jngeren, in voller Thtigkeit befindlichen
dienen wrden_. Besttigt wurde diese Vermuthung durch folgendes
Experiment. Lose, alte Bltter und ganze Zweige wurden an einer hellen
Stelle in einem Zimmer unseres Hauses in Blumenau sich selbst berlassen.
Nach vier Wochen _waren die abgetrennten Bltter noch lebendig und nur
ser wenig dnner geworden; die gleichalten Bltter an den Stengeln
dagegen schon nach kurzer Zeit zusammengeschrumpft, sodass sie kaum noch
1 mm dick waren, und tr$
fach eine
  Bromeliacee, in deren Wurzelgeflecht verschiedene kleine Epiphyten sich
  befestigt haben, whrend die rauhen, braunen Stmme der Baumfarne von
  einem zarten Rasen von Hymenophylleen und kleinen Asplenien umhllt
  sind Die Strucher und kleinen Bume des Unterholzes tragen nur
  Flechten und Moose, und solche, namentlich ein kleines, aromatisches
  Lebermoos, wachsen vielfach auch auf den grossen Blttern der Heliconien
  und Myrcien.
  Verlassen wir den Urwald, so finden wir in der Capoeira, auf den
  vereinzelten Bumen in den Pflanzungen und Weiden eine ganz hnliche
  Savannenflora, wie in Westindien. Die Gattungen sind meist die gleichen,
  die Arten dagegen allerdings beinahe alle verschieden. Hier wie dort
  herrschen graue Tillandsien vor (Till. stricta, geminata etc.), daneben
  aber auch die grosse, scheckige, aber, ausser an den lffelartigen
  Blattbasen, kaum beschuppte Vriesea tessellata und eine stattliche,
  grnbltterige, nicht bestimmte Art derselben Gattung, Orchideen mit
  f$
ylen, das Gefassbuendel in den Naehrwurzeln weit staerker
entwickelt ist im Verhaeltniss zur Rinde, als bei den Haftwurzeln.
Denjenigen Naehrwurzeln, die frei in der Luft haengen, wird die noethige
Biegungsfestigkeit durch einen peripherischen Sklerenchym- oder
Collenchymring verliehen (Clusia rosea, brasil. und westind.
Philodendron-Arten).
Die _monocotylen_ Glieder der zweiten Gruppe gehoeren, soweit meine
Beobachtungen reichen, alle den Gattungen Carludovica, Anthurium und
Philodendron.
_Carludovica Plumieri_ ist ein schlanker, oft mehrere Meter hoher Epiphyt,
der auf Dominica vielfach an den Staemmen der Urwaldbaeume klettert. Seine
federkieldicken Naehrwurzeln entspringen aus den Knoten und laufen
bueschelweise, der Rinde angedrueckt, senkrecht nach unten, waehrend die
ebenfalls zahlreichen Haftwurzeln, die bis zwei Fuss Laenge erreichen,
senkrecht zu dem Stamm von Carludovica wachsen und die Stutze fest
Das Querschnittsbild ist, wie die Fig. 2 und 3 (Taf. III) zeigen, bei
Naehr- und Haftwurzeln sehr un$
kamen zu dir mute es heien: Du kamst zu uns
zurck &c. (Gleichviel, es wird sich das doch ganz hbsch machen.)
Obschon improvisiert, ging alles vortrefflich; nur der Galawagen
versptete sich ein wenig; doch die Bller erdrhnten gleichzeitig,
die Glocken klangen feierlich und als estyks Gestalt erschien, da
flutete ein Jubelgetse durch die Straen, das lawinengleich sich
fortwlzte, weithin, bis an die Pforten des Stadthauses. Da war es, wo
der Gefeierte abstieg, die wohlgesetzte Rede des Herrn Paul Fekete
anhrte, den weigekleideten Jungfrauen einen lchelnden Gru
zunickte, den verstoenen Senatoren die Hand drckte und den Herrn
Poronoki vollends umarmte -- woraufhin man ihn auf die Schultern hob,
um ihn im Siegeszuge in das Stadthaus emporzutragen und zuletzt am
Prsidentenstuhle des grnen Ratstisches abzusetzen.
So wie der Lrm sich ein wenig gelegt (denn der Saal war voll der
Notabilitten des Gemeinwesens), erbat sich der schneekpfige Mathus
Puta das Wort und feierte mit leiser, wie Wespe$
aus Gold, der Oberrichterstab
aber aus dem Holz der Kornelienstaude!
Diesen kleinen Konflikt unterbrach Herr Johann Dek aus der Czeglder
Gasse, der im Geruche eines sehr weisen Mannes stand.
Vetter Zeke ist im Rechte, denn die Krone glnzet stark auch auf
schwachen Huptern, allein der Richterstab wird stets schwach in
schwachen Hnden sein. Mithin geht es nicht an, diesen Stab blindlings
noch ungeorenen Nachkommen in die Hnde zu drcken. Indessen ist es
ungeziemend, diesen groen Tag durch derlei Gezanke zu entweihen. Wir
wollen auf den Pfaden des ehrwrdigen Ernstes bleiben und nichts
berhasten, denn es wird uns niemand Dank dafr wissen, wenn wir ihm
eine Wrde anbieten, die derzeit noch ein anderer inne hat. Die
Versammlung mge daher beschlieen, da das ohnedies nur provisorisch
errichtete Triumvirat abgeschafft wird.
Die sind ja freiwillig durchgebrannt! Keiner von ihnen wagt es, sich
zu zeigen! klang es von allen Seiten.
Sonach mget ihr die alten Senatoren wiederwhlen und es kann dann
die $
frug Ibrahim beraus
liebenswrdig: Nun, lebt das Mdchen noch immer? -- Bewahre, sie
lebt nicht mehr, gnadenreicher Pascha. Ibrahim rieb sich vergngt die
Hnde. Lerne es, du Mann, da eine Person, von der ich dem Sultan
einmal referierte, da sie nicht lebt, zum mindesten sechs Fu tief
unter der Erde liegt.
So erging es dem verrterischen Putnoki, aber ein Glck wie dasjenige
Max Lestyks gehrt auch zu den Seltenheiten. In herrlichstem Glanze
schien die Sonne auf ihn hernieder. Seine Macht wuchs von Tag zu Tag,
sein Ansehen festigte sich auch nach auen.
Kecskemt begann eine groe Rolle zu spielen. Der Mantel war ein
ganzes Heer wert, das den Feind zgelte. Ein eer, das keiner Montur,
keiner Munition bedurfte, dem nichts schaden konnte, hchstens die
Die Kecskemter frchteten keinen Feind mehr. Im Gegenteil, sie
warteten mit vielem Vergngen auf den Augenblick, wo eine
herumstreifende Trkenschaar mit ihnen anknpfe. Es war dies immer ein
groes Amsement fr das Volk. Der Oberrichter zog zu solch$
rsohn Koinos
und Meleagros, beide Strategen der Phalanx; sie erhielten den Auftrag,
zugleich mit den Beurlaubten mglichst viel frische Mannschaften nach Asien
mitzubringen und im Frhling in Gordion zur groen Armee zu stoen. Man
kann sich vorstellen, mit welchem Jubel dieser Urlaub angenommen, mit
welcher Freude die heimkehrenden Krieger von den Ihrigen empfangen und
angehrt wurden, wenn sie von ihren Taten und ihrem Knig, von der Beute
und den schnen Lndern Asiens erzhlten; es schien, als ob Asien und
Makedonien aufhrten, einander fern und fremd zu sein.
Von den in Asien zurckbleibenden mobilen Truppen (denn einige tausend Mann
waren als Besatzungen verwendet) bildete Alexander zwei Marschkolonnen; die
kleinere unter Parmenions Befehl, bestehend aus der makedonischen und
thessalischen Ritterschaft, den Truppen der Bundesgenossen, sowie dem Prk
der Wagen und Maschinen, ging ber Tralleis nach Sardes, um in der
lydischen Ebene zu berwintern und mit dem Beginn des Frhlings nach
Gordion aufzubrechen$
, rief diesen, jenen der
Fhrer mit Namen an, erwhnend, was sie schon Rhmliches getan; berall
jauchzten ihm die Scharen zu, forderten, nicht lnger zu zgern, den
Angriff zu beginnen. Sobald sich die ganze Linie in geschlossener Ordnung
auf Pfeilschuweite den Feinden genhert hatte, warf sich Alexander unter
dem Schlachtrufe des Heeres mit seiner Ritterschaft in den Pinaros. Ohne
von dem Pfeilhagel des Feindes bedeutenden Verlust zu erleiden, erreichten
sie das jenseitige Ufer, strzten sich mit solcher Gewalt auf die
feindliche Line, da diese nach kurzem vergeblichen Widerstande sich zu
lsen und zu weichen begann. Schon sah Alexander des Perserknigs
Schlachtwagen, er drang auf diesen vor; es entspann sich das blutigste
Handgemenge zwischen den edlen Persern, die ihren Knig verteidigten und
den makedonischen Rittern, die ihr Knig fhrte; es fielen Arsames,
Rheomithres, Atizyes, der gyptische Satrap Sabakes; Alexander selbst ward
im Schenkel verwundet; desto erbitterter kmpften die Makedonen; dann
w$
f, um erst zu helfen; er eilt mit
allem, was er an Truppen zur Stelle hat, nach dem rechten persischen
Flgel, der noch steht; er stt zuerst auf die schon aus dem Lager
zurckgeschlagenen Perser, Inder, Parther, die sich schnell (im Kehrt)
sammeln und geschlossen in Ilentiefe ihn empfangen. Das Reitergefecht, das
sich hier entspinnt, ist furchtbar und lange schwankend; Mann gegen Mann
wird gerungen, die Perser kmpfen um ihr Leben; an sechzig von den Hetairen
fallen, sehr viele, unter ihnen Hephaistion, Menidas, werden schwer
verwundet; endlich ist der Sieg auch hier entschieden; die sich
durchgeschlagen, berlassen sich unaufhaltsam der Flucht.
Ehe Alexander so kmpfend bis zum rechten Flgel der Perser hindurchdrang,
hatte auch die thessalische Ritterschaft, so schwer sie von Mazaios
bedrngt wurde, das Gefecht wiederhergestellt, die kappadokischen,
medischen, syrischen Reitermassen zurckgeschlagen; sie war bereits im
Verfolgen, als Alexander zu ihr kam. Da er `auch hier das Werk getan sah,
jagte er zur$
hrend das Heer noch in Susa und an den Ufern des Choaspes verweilte, kam
der Strateg Amantas, welcher vor einem Jahre von Gaza aus heimgesandt war,
Verstrkungen zu holen, mit den neuen Truppen heran. Ihre Einordnung in die
verschiedenen Heeresabteilungen war zugleich der Anfang einer neuen
Formation der Armee[10], die im Lauf des nchsten Jahres und nach den neuen
Gesichtspunkten, die der Fortgang des Krieges in den oberen Satrapien an
die Hand gab, weiter entwickelt wurde; den Anfang machte, da die Ilen der
makedonischen Ritterschaft in zwei Lochen formiert und damit so zu sagen
taktisch verdoppelt wurden.
    [10] Siehe dazu die Anmerkung am Schlu.
Im spteren wird auf diese Reorganisation zurckzukommen sein. Sie leitet
die groe Umwandlung ein, die, wie man Alexanders Verhalten in ihr auch
beurteilen mag, aus der Konsequenz des Werkes, das er unternommen hatte,
und den Bedingungen, die das Gelingen forderte, sich notwendig ergab.
Alexander gedachte demnchst, es mochte Mitte Dezember sein, nach den
K$
 wollte,
wrde lcherlich werden; sie wrden vielleicht so antworten, wie bei
Antisthenes die Lwen, als in der Tierversammlung die Hasen eine Rede
hielten und forderten, da alle gleichen Teil erhalten mten.
So Aristoteles' Anschauungen; gewi waren sie von ihm ohne alle persnliche
Beziehung gemeint; aber wer sie las, konnte er anders, als dabei an
Alexander zu denken? Da dieses Knigs Geist ber das menschliche Ma
grogeartet gewesen sei, sagt Polybios, darin stimmen alle berein.
Seine Willensstrke, seinen weiten Blick, seine intellektuelle
berlegenheit bezeugten seine Taten und die strenge, ja starre
Folgerichtigkeit ihres Zusammenhanges. Was er gewollt, wie er sein Werk
sich gedacht hat -- und das gerechte Urteil wird nur diesen Mastab anlegen
wollen --, nur auf Umwegen, nur aus dem, was ihm davon zu verwirklichen
gelang, ist es annhernd zu erkennen. Alexander stand in der Hhe der
Bildung, der Erkenntnisse seiner Zeit; er wird von dem Beruf des Knigs
nicht minder gro gedacht haben, als $
s Fuvolk in der zweiten Linie in Verwirrung
Schon rckten die Reiter, mit denen der Knig den Angriff zu machen
gedachte, die Hipparchien Hephaistion und Perdikkas und die daischen
Bogenschtzen, etwa 3000 Mann, rasch halbrechts vorwrts, whrend Koinos
mit dem Agema und der Hipparchie Demetrios weiter rechts hinabzog mit der
Weisung, sich, wenn die ihm gegenberstehenden Reiter des Feindes den von
dem ersten Sto erschtterten zu Hilfe rechts abritten, in deren Rcken zu
Sobald Alexander der feindlichen Reiterlinie auf Pfeilschuweite genaht
war, lie er die 1000 Daer voraneilen, um die indischen Reiter durch einen
Hagel von Pfeilen und durch den Ungestm ihrer wilden Pferde zu verwirren.
Er selbst zog sich noch weiter rechts, der Flanke der indischen Reiter zu,
ich, ehe sie, durch den Angriff der Daer bestrzt und verwirrt, sich in
Linie setzen und ihm entgegengehen knnten, mit aller Kraft auf sie zu
strzen. Diese nahe Gefahr vor Augen, eilte der Feind, seine Reiter zu
sammeln und zum Gegensto vorgehen $
sonderbarerweise noch sein
gestohlenes Geld gelassen, benutzt zu haben, um sich Freunde zu gewinnen.
Und Demosthenes unterlie, dem Volke die fehlende Summe anzuzeigen; er
begngte sich, zu veranlassen da dem Areopag die Untersuchung bertragen
wurde mit der Zusage der Straflosigkeit fr die, welche das empfangene Geld
freiwillig abliefern wrden.
Alexander scheint erwartet zu haben, da Harpalos mit seinen Schtzen und
den Sldnern von den Athenern bereitwillig wrde aufgenommen werden;
wenigstens hatte er in die Seeprovinzen den Befehl gesandt, die Flotte
bereitzuhalten, um ntigenfalls Attika unverzglich berfallen zu knnen;
und in dem Lager Alexanders war damals viel die Rede von einem Kriege gegen
Athen, auf den sich die Makedonen infolge der alten Feindschaft gar sehr
freuten. In der Tat hatten die Athener, wenn sie ernstlich der
Zurckfhrung der Verbannten sich zu widersetzen, dem Knige die gttlichen
Ehren zu versagen, ihre volle Unabhngigkeit geltOend zu machen
beabsichtigten, in den Erbietunge$
n Makedone, im zweiten ein
makedonischer Doppelsldner, im dritten ein altgedienter Makedone
(Dekastateros), ein gleicher im sechzehnten Gliede als Uragos steht; die
zwischen ihnen stehenden Glieder 4 bis 15 sind Perser, teils Akontisten,
die einen Speer mit Wurfriemen fhren, teils Bogenschtzen. Waren es jene
20000 Perser, die so eingereiht wurden, so bildeten sie mit den Makedonen,
denen sie zugeteilt waren, ein Korps von reichlich 26000 Mann, also, die
unvermeidlichen Manquements abgerechnet, etwa 12 Taxen, jede zu 125 Mann
Front. Es blieb mit dieser Formation der Anmarsch in geschlossener Masse;
dann zum Gefecht entwickelte sich die Phalanx zu drei Treffen, es
deployierten rechts{und links durch die Intervalle die Bogenschtzen zum
ersten Fernangriff, es folgten die Speerwerfer; die ersten drei Glieder und
das letzte blieben als Triarier oder richtiger als Soutien zurck, und wenn
die Bogenschtzen und Akontisten nach ihrem Tirailleurgefecht sich durch
die Intervalle und in ihre Glieder zurckgezogen, $
igstens in betreff des ersten sicher aus dem
Stegreif erfunden, da die Olympien um den ersten Vollmond nach der
Sommersonnenwende, also sptestens Ende Juli gefeiert wurden. -- Fr die
ehelichen Verhltnisse Philipps ist die einzig eingehende Angabe die des
Satyros bei Athen. XII, 557; wenigstens ergibt sich aus dessen Worten, da
Olympias fr seine rechte und eigentliche Gemahlin galt; von den anderen
nennt Satyros vor ihr die Illyrierin Audata, die (Elymiotin) Phila, die
beiden Thessalerinnen Nikasipolis und Philinna; er nennt nach ihr die
Thrakerin Meda und des Artalos Nichte Kleopatra, beide mit der
Bezeichnung +epeisgage t Olympiadi+. Philinna, des Arrhidaios Mutter,
galt nicht als rechtmige Gemahlin, auch wohl Nikasipolis nicht. Mglich,
da die beiden anderen vor 356 gestorben waren.
  Anmerkung 3 zu Seite 101:
Das _Frstentum der Paionen_ in dieser Zeit ist nicht vllig sicher.
Bezeugt ist der Bestand desselben in dn ersten Jahren des Knig
PhilippsII. durch #Diod.# XVI, 22 und #C. I. A.# II, 6$
 Philippos, des Menelaos Sohn).
Da die Kontingente der Bndner an Fuvolk unter einem makedonischen
Strategen stehen (zuerst Antigonos), ebenso die hellenischen Sldner zu Fu
(unter Menandros), whrend Bndner wie Sldner in den Schlachten nicht als
besondere Korps von Hopliten und Peltasten erscheinen, lt auf die Art,
wie die Phalanx formiert wird, schlieen: nmlich so, da soundso viele
Lochen (Bundesgenossen wie Sldner) Schwerbewaffnete je einer der sechs
makedonischen Taxeis zugeordnet und von deren Strategen kommandiert werden;
wahrscheinlich ist ebenso mit den Peltasten der Kontingente und der Sldner
verfahren worden.
  Anmerkung 5 zu Seite 153:
_Das Schlachtfeld am Granikos_ ist durch eine Skizze, die H. Kiepert 1842
an Ort und Stelle aufgenommen hat, sichergestellt. Er fand dicht unterhalb
der Stelle, wo der Weg vom Hellespont nach Brussa den Bigha-Tschai
(Granikos) berschreitet, dessen altes Bett an der Abendseite einer
Bodenschwellung, die sich gegen sechs Kilometer nordostwrts hinzieht un$
sos_ (in Pisidien) 185 u. ff.
_Sakasener_, Volk im Kaukasus 251
_Saker_, turkestanisches Reitervolk 251
_Samarkand_ (Marakanda) 350
_Sambos_, indischer Frst 468, 470 u. ff.
_Samos_ 167, 168, 193
_Sanbakat_, persischer Statthalter in Samaria 239
_Sangaios_, indischer Frst 407 u. ff.
_Sangala_, Hauptstadt der Kether (Amritsar im Pandschab bei Lahore) 434
_Sardes_, lydische Residenz 8, 53, 160 u. ff., 178, 197
_Satibarzanes_, Satrap von Areia 251, 296, 306, 325 u. ff., 347u. ff.,
_Sefid-Kuh_, Grenzgebirge in Afghanistan (Indien vorgelagert) 399
_Seistan_ in Persien 327 u. ff.
_Seleukos_, Fhrer der Hypaspisten 420, 425, 508, 582
_Selymbria_, griechische Stadt an der Propontis 131
_Sestos_, griechische Stadt am Hellespont (Kleinasien) 131, 151
_Seuthes_, Frst in Thrakien 316
_Siber_, indischer Stamm am Indus 455 u. ff.
_Sibyrtios_, Satrap in Karmanien 487, 501, 502
_Side_ (Pamphylien) 183
_Sidon_ 59, 60, 147, 224 u. ff.
_Simmias_, Stratege Alexanders 342
_Sindh_, Land am unteren Indus 468
_Sindomana_, Haupts$
und so
weit dies nicht der Fall ist, bleibt er missverstndlich und einseitig; so
lange ist er darum kein unzweideutiger und vor allem kein vollstndiger
Ausdruck des wahrhaft und wirklich Guten und Schnen. Fr unsren Begriff
des sittlich Guten und des Schnen, sofern er wirklich wesentliche
Merkmale enthlt, gilt: nicht ohne ihn giebt es etwas Gutes und Schnes.
Fr den Begriff des sittlich Guten-und Schnen im System der Wahrheit gilt
hingegen: nur durch ihn ist etwas schn, ist etwas gut. Auch das Gute und
Schne erhlt seine Wahrheit und Wirklichkeit lediglich durch seine
Stellung im System der Wahrheit oder dadurch, dass es in diesem System
eine Stelle hat. hnlich wie vom sittlich Guten und Schnen sprechen wir
auch von einem wahren, wirklichen Israeliten, von einem wahren, wirklichen
Menschen, von wahrem, wirklichem Golde u. s. w. Der hier als Massstab
zugrundeliegende Begriff, ein Soll-Begriff oder Idealbegriff, wird in
allen diesen Fllen von uns als etwas Allgemeingltiges geltend gemacht
oder in A$
n bildet. Gilt doch allgemein bei den
Aristotelikern das Prdikat des Urteils als der allgemeinere Begriff und
wird hiernach das Verhltnis von Subjekt und Prdikat als ein
Subsumtionsverhltnis bestimmt. Statt der Baum blht, sollen wir hiernach
sagen, der Baum ist blhend, oder besser noch, ein blhendes Etwas; statt
der Mensch ist sterblich, der Mensch ist ein sterbliches Wesen. Auf diese
Weise wird freilich das Urteil in das Subsumtionsverhltnis eingespannt.
Aber die Eigentmlichkeit der von diesem Verhltnis verschiedenen
Verhltnisse von Ding und Vorgang Ding und Eigenschaft werden dabei
unterdrckt und beseitigt. Man muss die vier Kategorien von Begriffen
unterscheiden: Ding, Eigenschaft, Vorgang, Beziehung. In jeder dieser
Kategorien giebt es ber- und untergeordnete Begriffe, aber man kann die
Begriffe der einen Kategorie nicht denen der andren ber- oder
unterordnen. Der Vorgang hat das Eigentmliche eines zeitlichen Anfangs,
Verlaufs und Endes, das einer Reihe von Vernderungen eines Vernderliche$
h, jung und alt, gross
und klein, schwarz und weiss usw. Dass wir diese Prdikate als
unvertrglich miteinander odber mit dem Subjekt erkennen, hat seinen Grund
natrlich lediglich in dem Einleuchten der Unvertrglichkeit, nicht in der
mit ihr gegebenen Denknotwendigkeit, sodass also auch hier
Denknotwendigkeit und Einsicht als etwas ganz Verschiedenes erscheint.
Es fragt sich, ob nicht eine Denknotwendigkeit in dem Einheitsgesetz und
dem Gesetz der Kausalitt vorliegt, und weiterhin, ob nicht diese
Denknotwendigkeit mit der Einsicht als ein und dasselbe gesetzt werden
muss. Zunchst ist einleuchtend, dass es sich fr uns nicht darum handeln
kann, zu entscheiden, ob zwischen dem Denkenden und dem System der
Wahrheit, zwischen dem den Anfang irgendwie Ermglichenden und dem
Anfangenden ein Notwendigkeitszusammenhang besteht, sondern lediglich
darum, ob er von dem Einheits- und Kausalittsgesetz gefordert wird und in
diesen Gesetzen zum Ausdrucke kommt. Beides wird nun geleugnet werden
mssen. In dem Einheitsge$
nsvorgnge handelt. Aber wir
wissen sehr wohl zwischen dem ursprnglichen und bertragenen Sinne dieser
Vorstellungen, z. B. der Vorstellung Vorstellen, zu unterscheiden und
geben ihnen unwillkrlich bei der bertragung auf die Bewusstseinsvorgnge
eine diesen entsprechende andere Bedeutung. Hier kommt das mit jedem
Bewusstseinsvorgang verbundene, uneigentliche Wissen des
Bewusstseinsvorgangs um sich selbst zur Geltung und verhindert eine
Herabziehung der Bewusstseinsvorgnge in das sinnliche Gebiet. Die
Empfindungen, insofern sie Erkenntnismittel der Aussenwelt sind und als
solche immer unter Mitwirkung der Sinnesorgane, sei es der ussern, sei es
bloss der innern, der Gehirnerregungen, funktionieren, gehren dem
sinnlichen Gebiete an, ja sie konstituieren dasselbe. Insofern wir aber
bei der Reflexion ber die Empfindungen von dieser ihrer krperlichen
Seite absehen, bilden sie, wie alle Bewusstseinsvorgnge, einen Gegensatz
wie zu allem Krperlichen, so auch zu allem Sinnlichen. Es ist unrichtig
zu sagen, $
ueberzeitliche Geltung und damit die
  Allgemeingueltigkeit der Wahrheit fuer alle Denkenden leugnen -- er
  verfaellt dem Skepticismus. a) Empiristischer, b) rationalistischer
  Wahrheitsbegriff. Beide setzen den metaphysischen Wahrheitsbegriff
  voraus. Nach jenem laesst sich nur entscheiden, was wahrscheinlich ist,
  nach diesem nur, was moeglicherweise wahr ist. Jener ist nuetzlich fuer die
  Sicherung unserer Lebenszwecke, dieser fuer die Verwirklichung eines
  Erkenntnisideals. Ein Pruefstein der Wahrheit ist weder der eine noch der
                            ------------------
*Druckfehler:*
Seite 7 Zeile 13 lies statt Unveraenderliche *Veraenderliche*.
DIE WAHRHEIT UND UNSER WISSEN.
                            ------------------
Erster Hauptteil.
Die Wahrheit.
                            ------------------
Erster A0bschnitt.
Was ist Wahrheit?
  Erste Untersuchung.
Die herkoemmliche Definition der Wahrheit.
Seit Cartesius spielt der Gedanke einer gegensaetzlichen Trennung von Leib
und Seele in der Phi$
rteilen gegeben. Wenn man den Nachdruck auf das Absehen,
Fallenlassen, das leicht als Ausscheiden, Verneinen gefasst werden kann,
legt, so liegt der Gedanke nahe, diese wesentlichen Merkmale seien fuer uns
nur in negativen Urteilen vorhanden. Aber das widerspricht einerseits der
Selbstbeobachtung, der Reflexion auf das, was wir thun, wenn wir diese
Gebilde festhalten: es ist ein einfaches Hinsehen, Hinblicken, dessen
thatsaechlicher Nebenerfolg das Absehen freilich bildet, aber ohne als
besonderer Vorgang hervorzutreten. Anderseits setzen diese negativen
Urteile bereits die Isolierung der wesentlichen und unwesentlichen
Merkmale also eben diese isolierten Gebilde voraus. Durch diese Isolierung
gewinnen wir die wesentlichen Merkmale, die zu dem Sinnen- oder
Willensding gehoeren: Ausdehnung, Bewegung, Nebeneinander, Nacheinander,
Substanz, Kausalitaet. Was die Bedeutung dieser Worte ist, koennen wir
freilich nur in Urteilen angeben; aber daraus folgt nicht, dass wir den
Gedankengehalt dieser Worte auch nur dur$
verschieden von Eingebung S. 77, 78.
*Eingebung* verglichen mit dem Einleuchten, dem Blick fuer das Wesentliche,
der Einsicht S. 10, 78, 80, -- noch kein Erkennen, vielmehr Ausgangspunkt
(zweiter) fuer das Erkennen S. 81, 82 wann Gedanken Eingebungen sind
S. 79, 81, worin die Eingebungen ihren Grund haben S. 81.
*Einheit* Gesetz der Einheit S. 30, 31, -- Kategorie S. 47; -- gebrochene
in der Natur S. 57, 73 -- des Bewusstseins S. 61.
*Einleuchten* und *Einsicht*, Verschiedenheit beider S. 22, 23, 24,
Einleuchten keinerlei Zwang S. 22, 34, 38, 43, 80, -- verglichen mit
Inspiration und Auffassen der Inspiration S. 78, -- wirklich oder bloss
vermeintlich S. 35, 36, 37, 38; Schein des Einleuchtens, wie beseitigt
S. 37; Einleuchten unmittelbar oder mittelbar S. 37, 38. Einsicht innere
und aeussere S. 71, 87. Einleuchten keine Erkenntnis, Grund der Erkenntnis
S. 22, 34, 38, Einleuchten Massstab, Kennzeichen der Wahrheit; das, nach
dem wir ueber Wahrheit und Falschheit urteilen S. 24.
*Einsicht* Erkenntnis S. 23, Se$
baum & Co. in Amsterdam
[Anmerkungen zur Transkription:
Im Original in Antiqua gesetzter Text ist mit = gekennzeichnet.
Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert, Orthographie und
Interpunktion aber sonst wie im Original belassen.]
Proofreading Team at http://www.pgdp.net
Am Glck vorbei
Clara Sudermann
[Illustration]
Peter J. Oestergaard Verlag
Berlin-Schneberg
einschlielich bersetzung,
Dramatisierung und
Erschienen in der
Wiener Mode
unter dem Titel
Die Siegerin
Dr. P. Langenscheidt,
Druck von Hallberg & Bchting (Inh.: L. A. Klepzig), Leipzig.
Der Oberfrster Hagedorn war von einer mehrtgigen Inspektionsfahrt
durch Wlder, die er aueramtlich verwaltete, heimgekommen und hatte es
sich in seinem Zimmer, dem eigentlichen Wohnzimmer der Familie bequem
ber dem groen Rundtisch mit seiner grauen Marmorplatte brannte die
Hngelampe, der altmodische Messing-Teekessel summte, und der Kaffee,
den Frulein Perl, des Hauses getreue Hterin, zu brhen begonnen hatte,
duftete. Die Windste, die gegen die$
eiliger Vaterzorn genannt werden kann.
Da die Mutter es dennoch tat und oft, wie der Junge fhlte, gegen ihr
besseres Wissen, erfllte ihn mit Trotz und machte ihn blind gegen das
eigene Unrecht, das ihm nur als erlaubte und gerechtfertigte Notwehr
Es war seltsam, so sehr Frau Elisabeth unter diesen Verhltnissen litt,
sie konnte sich nicht verhehlen, da sie sie ihrem Mann nher gebracht
hatten. Als er merkte, da sein Sohn ihm mit den Jahren fremder ward und
es ihm nicht gelingen wollte, ihn gleichsam an seine Seite zu befehlen,
wandte er sich in seiner Enttuschung ihr zu, bei der er stets
Zustimmu8g und Bewunderung gefunden und die ihn jetzt aus einem
verstehenden Mitleid heraus doppelt warm umfing.
Der junge Peter sah es mit Staunen, und er war geneigt, in seinen
Gedanken von dieser Liebe verchtlich zu denken.
Nach einem Auftritt gingen sich Vater und Sohn tagelang aus dem Weg,
kaum, da bei den Mahlzeiten einige knappe Worte gewechselt wurden, bis
sich die Bitterkeit allmhlich verlor und man zur Tag$
en, die ihn trocken und hlich
finden werden, noch sonst im Weltleben, das an ihm achtlos vorbergehen
wird. Achtlos? Ja, man wird Kraus nie achten, und gerade das, da er,
ohne Achtung zu genieen, dahinleben wird, das ist ja das Wundervolle
und Planvolle, das An-den-Schpfer-Mahnende. Gott gibt der Welt einen
Kraus, um ihr gleichsam ein tiefes unauflsbares Rtsel aufzugeben. Nun,
und das Rtsel wird nie begriffen werden, denn siehe: man gibt sich ja
gar nicht einmal Mhe, es zu lsen, und gerade deshalb ist dieses
Kraus-Rtsel ein so Herrliches und Tiefes: weil niemand begehrt, es zu
lsen, weil berhaupt gar kein lebendiger Mensch hinter diesem namenlos
unscheinbaren Kraus irgend eine Aufgabe, irgend ein Rtsel oder eine
zartere Bedeutung vermuten wird. Kraus ist ein echtes Gott-Werk, ein
Nichts, ein Diener. Ungebildet, gut genug gerade, die sauerste Arbeit zu
verrichten, wird er jedermann vorkommen, und sonderbar: darin, nmlich
in diesem Urteil, wird man sich auch nicht irren, sondern man wird
dgurchau$
auf die mit
Blaustift geschriebenen Zeilen des Telegramms, bis ihn der Schmerz
jhlings bermannte. Sein liebes altes Mtterchen, an das er in diesen
letzten langen Wochen nicht mit einem einzigen Gedanken gedacht hatte,
lag im Sterben. Die Trnen schossen ihm aus den Augen, er legte die
Stirn auf die harte Tischkante, und ein Aufschluchzen erschtterte
seinen Krper. Erst ganz allmhlich gewann er seine Fassung wieder, fing
er an zu berlegen, was zu geschehen htte.
Der Justizrat Knig war der Vermgensverwalter und vertraute Freund
seines Mtterchens schon seit langen Jahren. Allabendlich spielten sie
ihre geruhsame Partie Bzigue, und es war ein rhrendes Verhltnis
zwischen den beiden alten Leutchen. Von seiten des Justizrates, der
unverheiratet geblieben war, vielleicht ein wenig Piett und wehmtige
Erinnerung. An eine vor langen Jahren begrabene Hoffnung. Aber mit dem
Alter war er ein Krakeeler geworden. Fast immer verzankte er sich mit
seiner Partnerin, um am nchsten Vormittag mit einem poetischen
$
ich kranker
Mensch fr die Nacht ein ordentliches Bett haben msse. Dieses
verschaffte er mir in einem engen Zimmerchen, wo schon ein junger
Kaufmann, ein langes Brechpulver in einem braunen Oberrock, sich
etabliert hatte.
In der Wirtsstube fand ich lauter Leben und Bewegung. Studenten von
verschiedenen Universitten. Die einen sind kurz vorher angekommen und
restaurieren sich, andere bereiten sich zum Abmarsch, schnren ihre
Ranzen, schreiben ihre Namen ins Gedchtnisbuch, erhalten Brockenstrue
von den Hausmdchen; da wird in die Wangen gekniffen, gesungen,
gesprungen, gejohlt, man fragt, man antwortet, gut Wetter, Fuweg,
Prosit, Adieu. Einige der Abgehenden sind auch etwas angesoffen, und
diese haben von der schnen Aussicht einen doppelten Genu, da ein
Betrunkener alles doppelt sieht.
Nachdem ich mich ziemlich rekreiert, bstieg ich die Turmwarte, und fand
daselbst einen kleinen Herrn mit zwei Damen, einer jungen und einer
ltlichen. Die junge Dame war sehr schn. Eine herrliche Gestalt, auf
dem lockig$
und im Geiste waren wir wieder in
unserm gelehrten Sibirien, wo die Kultur so gro ist, da die Bren in
den Wirtshusern angebunden werden, und die Zobel dem Jger guten Abend
Im groen Zimmer wurde eine Abendmahlzeit gehalten. Ein langer Tisch mit
zwei Reihen hungriger Studenten. Im Anfange gewhnliches
Universittsgesprch: Duelle, Duelle und wieder Duelle. Die
Gesellschaft bestand meistens aus Hallensern, und Halle wurde daher
Hauptgegenstand der Unterhaltung. Die Fensterscheiben des Hofrats Schtz
wurden exgetisch beleuchtet. Dann erzhlte man, da die letzte Kur bei
dem Knig von Cypern sehr glnzend gewesen sei, da er einen natrlichen
Sohn erwhlt, da er sich eine Lichtensteinsche Prinzessin ans linke
Bein antrauen lassen, da er die Staatsmaitresse abgedankt, und da das
ganze gerhrte Ministerium vorschriftsmig geweint habe. Ich brauche
wohl nicht zu erwhnen, da sich dieses auf Halle'sche Bierwrden
bezieht. Hernach kamen die zwei Chinesen aufs Tapet, die sich vor zwei
Jahren in Berlin sehen l$
h Ata-Monos Haar und ri die Muschelkette
aus seinem Haar mit sich.
Gleich darauf sah Ata-Mono, da die Frauen auf den vier Trmen des
Stadttores in Aufruhr gerieten und von jedem Turm einen Mann
herunterstrzten.
Was bedeutet das? fragte Ata-Mono die zwei Frauen, die ihm zunchst
O, Herr, ein paar eiferschtige Mnner wollen Euch tten, sagte die
eie der beiden Frauen eifrig; die andere lachte.
Warum sehe ich nur Frauen und keinen Mann, der mich begrt? fragte er
O, Herr, der Regent hat befohlen: am Tage, wo Ihr vom Meere wieder nach
China zurckkehren wrdet, drfe kein Mann sein Haus verlassen und kein
Mann die Strae betreten, da die Eifersucht der Mnner grenzenlos ist,
und weil dich alle Mnner hier hassen.
Ata-Mono sagte verwundert: Ich habe seit Jahren keine Mnner
gesprochen. Warum hassen sie mich, und warum sind sie eiferschtig auf
Herr, Ihr wit nicht, da der Regent tief betrbt war, weil Ihr, der
Ihr der Erste seid, der die Sprache der Bume verstand,-- weil Ihr
China den Rcken kehr$
;
an ihn nicht.
Du Dunkelheit, aus der ich stamme,
ich liebe dich memr als die Flamme,
welche die Welt begrenzt,
indem sie glnzt
fr irgendeinen Kreis,
aus dem heraus kein Wesen von ihr wei.
Aber die Dunkelheit hlt alles an sich:
Gestalten und Flammen, Tiere und mich,
wie sie's errafft,
Menschen und Mchte --
Und es kann sein: eine groe Kraft
rhrt sich in meiner Nachbarschaft.
Ich glaube an Nchte.
Ich glaube an alles noch nie Gesagte.
Ich will meine frmmsten Gefhle befrein.
Was noch keiner zu wollen wagte,
wird mir einmal unwillkrlich sein.
Ist das vermessen, mein Gott, vergib.
Aber ich will dir damit nur sagen:
Meine beste Kraft soll sein wie ein Trieb,
so ohne Zrnen und ohne Zagen;
so haben dich ja die Kinder lieb.
Mit diesem Hinfluten, mit diesem Mnden
in breiten Armen ins offene Meer,
mit dieser wachsenden Wiederkehr
will ich dich bekennen, will ich dich verknden
wie keiner vorher.
Und ist das Hoffart, so la mich hoffrtig sein
fr mein Gebet,
das so ernst und allein
vor deiner wolkigen Stirn$
ch gestatte mir
einzufgen: Quod licet Jovi; non licet bovi.)
Mit der grten Selbstndigkeit ohne Aufgabenstellung und aufdringliche
Hinweise erarbeiteten sich die Kinder am Wechsel der auftretenden
Erscheinungen des Schullebens einen Rechenvorgang um den andern. Jede
Stunde brachte Neues an Inhalt und Form. Das einzelne Kind eignete sich
immer zuerst das an, was es seinen inneren, in Entwicklung begriffenen
Spannkrften gem aufzunehmen imstande war. Die andern folgten, jedes
zu seiner Zeit, es war kaum ein halbes Jahr vergangen, als die ganze
Schar ber das Ziel der 1. Klasse hinausdrngte, um in der Folge auch
weit darber hinauszuwachsen.
Fr die zweite Klasse war der Zahlenraum 1 bis 100 vorgeschrieben. Eine
so mannigfaltige Veranschaulichung der Rechenvorgnge, wie in der ersten
Klasse, war nicht mehr ntig. Groe und kleine Zhlmaschinen, Schtzen
bei allen Beobachtungen, Messen und Zhlen in der Werksttte und im
Klassenraum, vor allem aber auch Kaufen und Abwgen von Waren an dem in
der Schule a$
 niemand verkennen
Und bald sah man die verirrten Schafe mit leichten Schritten zum
Kochtopf eilen. Die Alte empfing sie, indem sie hnen ihr Ausbleiben
vorwarf. Die Antwort aber blieb keines der Unschuldigen ihr schuldig;
sie beteuerten, sie htten niemand rufen hren, sonst wren sie
_sofort_ gekommen.
Carlsson verhielt sich wrdig, wie es sich beim Mittagstisch am
Sonntag ziemte. Rundqvist aber sprach in dunklen Worten von den hchst
merkwrdigen Fortschritten der Landwirtschaft. Carlsson ersah
daraus, da er von der Opposition bereits eingeweiht und gewonnen war.
Nach dem Essen, das aus einem in Milch mit Pfeffer gekochten Eiderpaar
bestand, zogen sich alle Mannsleute zurck, um zu schlafen; Carlsson
aber nahm sein Gesangbuch aus dem Kasten und setzte sich drauen auf
die Hhe, wo er einen trockenen Stein fand. Den Fenstern der Htte
drehte er den Rcken, um etwas einnicken zu knnen.
Die Alte fand das vielversprechend, da der Sonntagnachmittag sonst
gewhnlich verloren ging.
Als Carlsson glaubte, es sei$
r Arbeit, entwickelte da%egen ein unglaubliches
Erfindungsvermgen, sich dieser unangenehmen Folge des Sndenfalls
zu entziehen. Darin hatte er ja Recht, zumal die Gedankenarbeit sowohl
ntzlicher, ehrenvoller, bequemer ist, wie sich mehr lohnt.
Zugleich von einem Verlangen getrieben, alle Seiten menschlicher
Ttigkeit kennen zu lernen, blieb er nicht unntig lange auf einer
Stelle sitzen. Sobald er gelernt, was er wollte, suchte er einen neuen
Wirkungskreis. Auf diese Weise war er vom Schmiedehandwerk zur
Landwirtschaft bergegangen, hatte sich im Stalldienst versucht, beim
Kaufmann gehandelt, war Grtnerbursche, Bahnarbeiter, Ziegelstreicher
und schlielich Reiseprediger gewesen!
Durch diese Wandlungen war sein Wesen geschmeidig geworden, hatte er
die Fhigkeit erworben, sich in alle Verhltnisse und alle mglichen
Menschen zu schicken; ihre Absichten zu verstehen, ihre Gedanken zu
lesen, ihre geheimen Wnsche zu erraten. Er war mit einem Wort eine
Kraft, die ihre Umgebung berragte. Seine mannigfachen Ke$
nte traf, Geschfte machte, Ankndigungen hrte. Und der Pastor
war die einzige Behrde, mit der man in Berhrung kam; der Amtmann,
der die Polizeigewalt ausbte, wohnte weit entfernt und wurde bei
Rechtssachen nie bemht; die machte man vielmehr unter einander ab,
mit einigen dnischen Kssen oder einem Schoppen Branntwein.
Nicht eine Spur von Latein und Griechisch konnte man in dieser vom
Herdfeuer und zwei Talglichern beleuchteten Gestalt sehen, einer
Kreuzung von Bauer und Seemann. Die einstmals weie Hand, die in ihrer
ganzen Jugend in Bchern geblttert hatte, war braun und borkig, hatte
gelbe Leberflecke von Salzwasser und Sonnenbrand, war hart und
schwielig von Rudern, Segeln, Steuern; die Ngel waren halb abgenagt
und trugen von der Berhrung mit Erde und Gerten schwarze Rnder. Die
Ohrmuscheln waren mit Haar zugewachsen und gegen Katarrh und Flu von
Bleiringen durchbohrt. Aus der auf das wollene Wams aufgenhten
Ledertasche hing eine Haarschnur, die einen Uhrschlssel aus einem
gelben Metall mit e$
f einem Dampfer heraus; dann wurden fnfzig Kronen
fr das Recht, einige Tage jagen zu knnen, bezahlt. Punsch und Kognak
flossen Tag und Nacht, und man schied von den Jgern mit der f0sten
berzeugung: das sind feine Leute.
Carlsson kam also in die Hhe und wurde ein Licht auf dem Hofe: eine
Autoritt, die ber Dinge Bescheid wute, welche die Andern nicht
begriffen. Ein schwacher Punkt aber blieb, und er sprte ihn zuweilen:
er war vom Lande, war kein Seemann.
Um diesen letzten Rangunterschied auszugleichen, fing er an, sich mehr
fr die Seegeschfte zu interessieren, legte eine groe Neigung frs
Meer an den Tag. Putzte sich eine Flinte und fuhr auf die Jagd hinaus;
nahm am Fischen teil und wagte sich auf lngere Segelfahrten.
-- Mit der Landwirtschaft gehts abwrts, und wir mssen uns auf's
Fischen legen, antwortete er seiner Frau, die mit Unruhe Vieh und Feld
verkommen sah.
-- Vor allem das Fischen! Das Fischen fr den Fischer und das Land fr
den Landwirt! verkndigte er jetzt auf eine Art, die keinen
W$
her an, als die beschauliche Gemeinschaft mit dem
deben der groen Natur. Wir Affen gelten bei euch als ein unntzes
gedankenloses Volk, das nichts Gescheites zustande bringt und seinen Tag
vertndelt. Aber wieviel wit ihr vom Glck unseres freien Daseins in der
Sonne oder im Mondglanz in der weien, grenden Nacht, von unserer
Gemeinschaft mit dem unschuldigen Geschick der tausendfltigen Geschpfe
der Natur? Glaubst du, wir gben nicht fr eine einzige Stunde friedvoller
Gemeinschaft mit den Glcklichen des Waldes den ganzen Tand dahin, um
dessentwillen ihr euch euren hastigen Tag hindurch so wichtig gebrdet? Die
Wahrheit, da wir euer Wesen nicht haben, schliet uns vom irdischen
Daseinsglck nicht aus, und habt ihr denn in der Zeitlichkeit ein anderes
Ziel als das Glck? Ihr verlacht uns, wenn ihr uns unsere Freiheit genommen
habt, und verget, da wir ohne sie nichts mehr sind. Nur im Glck lernt
man ein Wesen wahrhaft kennen, denn das Glck ist die Vorbedingung zum
wohlabgewogenen Selbstbewutsein, un$
digen
Nacht dieses Kind zu mir sagte, wohl aber wei ich, da wir einander
verstanden. Die Ausschlielichkeit, welche das glhende Bereich
heraufbeschwrt, in das der Liebreiz dieses Mdchens mich zog, verbannte
alle kleinen Einzelinteressen und Begierden, ie unser Leben spalten und
bedrngen, und es gab nur ein Ziel fr unser Blut.
Soll ich tanzen? fragte Goy, sage mir, was dir wohltut?
Sie tanzte unter dem grnlichen Mond der kleinen Ampel, der eine ganze Welt
bestrahlte. Es war schwl und totenstill in dieser Welt. Ich hrte nur den
Schlag der weichen Fe auf den Matten, und wenn ich die Augen schlo, so
fhlte ich den zarten Fu auf den Herzensquellen meines Lebens tanzen. Mit
jedem neuen Erwachen meiner Blicke erschien mir Goys erblhter Kinderkrper
erneut; er blieb mir fremd und wechselte wie eine Landschaft, die der Geist
im Flug durcheilt. Nun wurde es still, und ihre Frauenaugen lchelten
erfahren, kindlich und begierig ber den meinen:
Willst du mir nicht befehlen, Herr? sagte Goy so langsam$
h den Versuch machte, diesen
Abstand zu verkrzen, hob er mit einem bedauernden Ablehnen die Hand und
ergriff einen hheren Ast, um mir anzudeuten, welche Folgen mein
Entgegenkommen haben wrde.
Gong hatte im Laufe unserer Bekannschaft alles gelernt, was sich mit den
Augen von den Vornahmen eines Menschen begreifen lt, er hat meinen
Tropenhut auf dem Schdel gehabt, mein Taschentuch gebraucht, und er wei
wozu ein Messer gut ist. Er hat meine Notizbcher durchblttert und in
meiner Hngematte geschaukelt, und er verstand die Bewegungen des An- und
Ausziehens eines Rockes so tuschend nachzuahmen, als sei er von alters her
gewohnt, Kleidung zu tragen.
Oft allerdings begriffen wir einander gar nicht, denn Gong wute in seiner
Sucht, mir gleich zu sein, bald kein Ma mehr zu halten, und verstimmte
mich zuweilen empfindlich durch seine Nachahmungen, so da ich mir
lcherlich in meinen Bewegungen vorkam und den bestimmten Eindruck gewann,
verspottet zu werden. Es mute nun darber nachgedacht werden, auf welche$
es, den Feinden nicht hatte berlassen
wollen. So ist er unter einem Berg seiner gefallenen Getreuen gefunden
worden, und die Sage erzhlt, da er auch so bestattet worden sei unter
dem gewaltigen Kuppelbau, den er sich selbst, wie alle Frsten jener Zeit,
zu seinen Lebzeiten hat erbauen lassen.
Diese riesenhaften Grabdenkmler der Stadt berragen noch heute das
Trmmerfeld von Bitschapur, sie erinnern in ihrer Bauart und Gre an
Moscheen, auch wird in einigen noch Gottesdienst gehalten, oder sie locken
Tausende von mohammedanischen Pilgern als Wallfahrtsort aus weiter Umgebung
in die heilige Stadt der groen Toten. Man erblickt in diesen Bauten
seltene Steinblcke eingefgt, deren Entstammung bis heute nicht hat
aufgeklrt werden knnen, besonders als Grabsteine sind hier und da
schwarze, basaltartige Felsstcke verwandt worden, deren Beschaffenheit die
Gelehrten sich nur dadurch erklren knnen, da sie sie unter die
Meteorsteine einreihen. Die grte dieser Kapellen ist von einer Kuppel
gedeckt, von dere$
t
mir die rechte Kunst. Und, Meister Diether, wenn Ihr mich von Euren
Liedern hren lieet und ich knnt' etliche, die mir zumeist gefielen,
von Euch erlernen, das wre mir lieb. Eurer Fiedel freilich seid Ihr
ledig, aber nhmet Ihr die Laute zu Eurem Singen, so wre mir das zu
grerem Nutzen: ich gb' Euch die meinige in die Hand, und ich
vertrau' wohl, da ich die Griffe Euch bald wrde nachthun knnen.
Wie sie dabei fragend und bittend mich anblickte, htt' ich sie von
Herzen gern ihres Wunsches gewhrt. Aber ich sagte blo: Die Laute zu
schlagen, bin ich gnzlich unkundig.
Nun denn, fuhr sie fort, so mgt Ihr Eure Lieder blo singen, und
wenn ich eine Weise wohl aufgefat habe, so gedenk' ich selbst die
Griffe zu finden, die sich dazu schicken. Wagt nur immer mich in Eure
Schule zu nehmen!
Da mut' ich mir mit einer List helfen:
Gerne, Jungfrulein! Aber wisset, da es wider Recht und Brauch
unserer Kunstbrderschaft ist, unsere Lieder so bar mit der Stimme
hinauszusingen, ohne da Saitenklang daz$
schaute ich in die heitere Welt hinaus, die nah und
fern so friedlich vor mir lag, und da wir unser Werk so mitten in der
Lenzlust treiben sollten, machte mich recht herzensfroh, und dem
Mgdlein wut' ich's im Stillen Dank. Da sich von ungefhr ihr Kommen
verzgerte, nahm ich das groe, schn gebundene Buch, das schon bereit
lag, in die Hand und schlug es auf. Bald fand ich die Bltter, auf
denen Lieder und Sprche der besten Singer zu lesen waren. Ich staunte
nicht wenig ber die meisterliche Kunst, mit der da in Wort und Reim
gefat war, was des Menschen Herz zumeist bewegt, und immer wieder auf
neu Weise, wie wohl die Vglein alle im Mai dieselbe Lenzwonne
singen, doch aber jedes in seiner sonderlichen Art.
Reicher Gott! dacht' ich, wie mag dir das gute Mgdlein so hohe
Kunst zutrauen und wie knnt' ich sie je erlernen; sie mu von Gott
verliehen sein.
Whrend ich so der Mue geno, sah ich auch die Feder schon bereit
liegen, und das Tintenflein stund dabei. Ich nahm sie in die Hand
und schrieb, wo$
r, als
man die heilige Messe gelesen. Droben im Festsaal saen sie bei
einander und wie stolz schien Guido, allen den Herren es zeigen zu
knnen, welchen Freund er sich gewonnen habe! Und wahrlich! Bruno ward
da als ein Muster ritterlicher Tugend und hfischer Sitte auserkannt.
So edel war sein Wesen, so zierlich und klug seine Rede, da Jedermann
im Saal auf ihn achtete.
Treue und Freundschaft auf ewig! rief ihm Guido zu, als man wieder
die Becher gefllt hatte und ergriff seine Hand.
So sei es! that ihm der Angeredete Bescheid und schlug ein: Treue
und Freundschaft auf ewig!
Und indem sie sich mit den Agen zuwinkten, setzten sie die Becher an
Halt! rief da Guido, dessen Herz vor Freude berwallte. Harre noch,
Bruder, ehe Du trinkest den Trunk der Treue; es gilt noch ein Wort:
Und Bruno hrte dieses Wort, Diether, und er las seine Bedeutung in
der Seele des Jnglings, der es aussprach, aber er zgerte nicht und
rief den Namen auch und trank den Becher bis zur Neige.
Ward ihm denn die Frucht des Wein$
in einem Athem mit dem Bruder
auszusprechen wagte, obwohl er wute, da er damit schndlich log?
Aber Bruno's Angesicht blieb heiter wie zuvor und kein Laut seines
Mundes verrieth das Vorhaben, von dem sein Herz jetzt einzig erfllt
Als die Bewirthung zu Ede war, und man das Rathhaus verlie, gab er
vor, wegen nthiger Geschfte hinaus in's Lager zu mssen, und mit
trglichem Wort ward er eins mit Guido, da er ihn dort an bestimmter
Stelle aufsuchen mchte gegen Abend, dann selbander in die Stadt
zurckzukehren, das Fest zu beschauen und an der Lust des Volkes Theil
zu nehmen. So trennten sich die Beiden.
Bruno hatte einen Waffengenossen, der ihm in Allem ergeben war.
Adelbert wute um Bruno's Liebe; er wute auch, da heute die Flucht
geschehen sollte, und gerne war er bereit, dazu zu helfen. Die Stadt
Bologna hat ein Thor, das ist vor andern klein, und Wenige ziehen
hindurch. Die Straen, die dahin fhren, sind gar enge und einsam, so
auch die Landstrae, wenn man das Thor hinter sich hat. Das duchte
ihne$
tte. Da wre die
Stola um des Knbleins Arm von ihm geschlungen worden und meine Mutter
htte alle heiligen Gelbde, vm Priester ihr vorgesprochen, fr mich
vollbracht. Auch wre darber eine Urkund nach allem Erforderni in
der Abtei niedergelegt. Auf solches Alles htte sich der Bischof
berufen, und zu ihm htten die hchsten Oberen des Cisterzienserordens
gestanden. -- Darum htt' er sich aufgemacht und wre gen Rom gezogen,
dort beim heiligen Stuhl fr mich zu bitten; aber man htte ihn
schlecht an die Entscheidung des Bischofs und des Ordens gewiesen,
darnach mte der Spruch gefllt werden.
Ob ich ihn wohl zu lieben angefangen htte, als das Kind den Vater
soll? Ob ich mir wohl frbilden knnte, wie selig ihm die Stunde
gewesen, da er mich gefunden und wie er seitdem nichts wte, als mein
Bestes zu suchen? -- Dann sollt' ich nicht wider Gott fechten, den
Frieden meiner Seele in Acht nehmen und mich in's Kloster ergeben. Ich
sollte nicht hinaustrachten um seinetwillen, denn er htte aller Dinge
beschlo$
 nur arg
zerschundene Hnde und Knie, aber Lilly war mit dem Gesicht auf den
steinigen Boden gefallen, sie hatte eine groe Beule an der Stirne, und
sie blutete stark aus der Nase. Die Trnen liefen ihr bers Gesicht;
aber als Otto in sie drang: So wein doch nicht, Lilly, sonst krieg'
ich's ja! da verbi sie ihren Schmerz, und sie versicherte der
besorgten Tante Toni, sie htte sich gar nicht arg wehgetan. Aber das
Nasenbluten dauerte fort, und da kein Wasser zur Hand war, mute Lilly
sich unter einen Baum platt auf den Rcken legen und Tante Toni drckte
ihr zusammengelegtes Taschentuch sanft auf die Beule, die immer heftiger
anschwoll. Mariechen bemhte sich unterdessen, Ottos zerschundenes Knie,
so gut es ohne Wasser ging, zu reinigen und zu verbinden. Rudi, der
dabeistand und zusah, konnte sich nicht enthalten, zu sagen: Na, ein
Glck, da du diesmal die Schuld nicht auf michwlzen kannst, sonst
htten wir ein schnes Konzert zu hren bekommen.
Schweig! herrschte Otto ihn an, und Rudi schwieg auch, $
gen im Volksmunde
erraten mchte. Es ist bekannt, welche Deutungen sich an das Ausschtten
von Salz, Umwerfen eines Weinglases, Steckenbleiben eines zu Boden
gefallenen Messers u.dgl. knpfen. Welches Anrecht auf Beachtung solche
aberglubische Deutungen haben, werde ich erst an spterer Stelle
errtern; hierher gehrt nur die Bemerkung, dass die einzelne
ungeschickte Verrichtung keineswegs einen konstanten Sinn hat, sondern
je nach Umstnden sich dieser oder jener Absicht als Darstellungsmittel
Wenn dienende Personen gebrechliche Gegenstnde durch Fallenlassen
vernichten, so wird man an eine psychologische Erklrun hiefr gewiss
nicht in erster Linie denken, doch ist auch dabei ein Beitrag dunkler
Motive nicht unwahrscheinlich. Nichts liegt dem Ungebildeten ferner als
die Schtzung der Kunst und der Kunstwerke. Eine dumpfe Feindseligkeit
gegen deren Erzeugnisse beherrscht unser dienendes Volk, zumal wenn die
Gegenstnde, deren Wert sie nicht einsehen, eine Quelle von
Arbeitsanforderung fr sie werden. Leute$
it unverkrzt und
  nach gleichem Recht allen Gesellschaftsgliedern.
Das ist, wie jeder leicht sehen kann, naturrechtlich und nicht
wissenschaftlich gesprochen.
Was versteht man unter Naturrecht? Nach meiner Ansicht werden da bei den
meisten Definitionen zwei ganz verschiedene Dinge durcheinandergeworfen.
Zwei Auffassungen streiten darber in der Geschichte des Gedankens: eine
naive, urwchsige Auffassung, die statt mit dem Wort Naturrecht besser
ausgedrckt wrde mit natrliches Recht. Die Franzosen sagen auch
=drot naturel= und die Englnder =natural law=, also immer
natrliches Recht. Der Begriff ist da abgeleitet von einem
vermeintlichen Naturzustand oder wird auf die Natur des Menschen bezogen
und ist nur in diesem Sinne naturphilosophisch. Dann gibt es aber eine
wissenschaftlich rechtstheoretische Auffassung des Begriffs Naturrecht,
nach der es verstanden wird als die Zusammenfassung von allgemeinen
Rechtsgrundstzen, die unabhngig von den Grundstzen und Bestimmungen
der rtlich und zeitlich $
 in England. In England
war die Trennung zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern bis zum
Kriege viel strker gewesen als in Deutschland. Daher die Erscheinung,
die vielen, die nach England kamen, aufgefallen ist, da sie dort eine
ungeheure Zahl von tiefstehenden Arbeitern vorfanden, tiefstehend in der
Art ihrer Lebensweise, tiefstehend in ihrer Wohnweise und tiefstehend
auch in der Art der Kleidung. Sie schlossen daraus, da berhaupt das
Elend in England viel grer sei als auf dem Festlande. Aber es handelt
sich da um eine Teilerscheinung, die sich erklrt aus der ganzen
Geschichte der englischen Arbeiterschaft. Infolge besonderer Umstnde
bekam in England der Ungelernte, der Labourer, im Gegensatz zum
Gelernten, zum Worker, einen sehr viel geringeren Lohn, nur etwa 60 oder
gar blo 50Proz. vom Lohn des Gelernten, whrend in Deutschland der
ungelernte Arbeiter bis 70 und 80Proz. vom Lohn des Gelernten bekommt.
Die Zahl der gelernten Arbeiter hat sich in Deutschland anders
entwickelt als de der ungel$
 die tatschlich in bezug auf Gre und Einrichtungen hinter
der Durchschnittshhe der Produktionsentwicklung zurckgeblieben sind.
Ihr Fortbestand heit also volkswirtschaftlich Vergeudung von Arbeit
durch Produktion unter rckstndigen Arbeitsmethoden und Vergeudung von
Arbeit durch unntige Zersplitterung der Produktionssttten. Um ihr
entgegenzuwirken, sind Vorschlge zu einer Umorganisierung der
Volkswirtschaft ausgearbeitet worden, fr die der Name _Planwirtschaft_
gewhlt worden ist und die ins Gebiet der Sozialisierung gehren.
Der Gedanke der Planwirtschaft knpft an Manahmen an, die in der
Kriegszeit im Angesicht der wirtschaftlichen Kriegsnotwendigkeit auf
Anregung und nach ausgearbei{teten Plnen des ideenreichen
Groindustriellen Walter Rathenau und des Sozialkonomen Wichard von
Mllendorf behrdlich angeordnet wurden und in der groen Industrie von
kartellierten Produktionsgruppen unter Beibehaltung kapitalistischer
berschuwirtschaft mit dem amerikanischen Trust als Vorbild
durchgefhrt word$
ter von dort bei den 12.Ulanen ein. Er ist der
pflichttreueste Soldat, den man sich denken kann. Er wurde schwerhrig
und mute den Abschied nehmen. Seine Schwerhrigkeit holte er sich, wie
er einen seiner Leute bei der Pferdeschwemme aus dem Wasser rettete und
nachher seinen Dienst beendete, ohne die Klte und Nsse zu
bercksichtigen.
Unter der heutigen Generation sind natrlich sehr viel mehr Soldaten. Im
Kriege ist jeder waffenfhige Richthofen bei der Fahne. So verlor ich
gleich zu Anfang des Bewegungskrieges sechs Vettern verschiedenen
Grades. Alle waren Kavalleristen.
Genannt bin ich nach einem groen Onkel Manfred, in Friedenszeiten
Flgeladjutant Seiner Majestt und Kommandeur der Gardedukorps, im
Kriege Fhrer eines Kavalleiekorps.
Nun noch von meiner Jugend. Der alte Herr stand in Breslau bei den
Leibkrassieren1, als ich am 2.Mai 1892 geboren wurde. Wir wohnten in
Kleinburg. Ich hatte Privatunterricht bis zu meinem neunten Lebensjahre,
dann ein Jahr Schule in Schweidnitz, spter wurde ich Kade$
d sich den Grund
meiner Notlandung gar nicht vorstellen konnten. Es waren dies die ersten
Englnder, die ich lebendig heruntergebracht habe. Deshalb machte es mir
besonders Spa, mich mit ihnen zu unterhalten. Ich fragte sie unter
anderem, ob sie meine Maschine schon einmal in der Luft gesehen htten.
#Oh yes,# sagte der eine, die kenne ich ganz genau. Wir nennn sie
#'le petit rouge'#.
Nun kommt eine echt englische -- in meinen Augen -- Gemeinheit. Er fragte
mich, weshalb ich mich vor der Landung so unvorsichtig benommen htte.
Der Grund lag darin, da ich nicht anders konnte. Da sagte der Schurke,
er htte versucht, in den letzten dreihundert Metern auf mich zu
schieen, habe aber Ladehemmung gehabt. Ich gebe ihm Pardon -- er nimmt
es an und vergilt es mir nachher mit einem hinterlistigen berfall.
Seitdem habe ich noch keinen meiner Gegner wieder sprechen knnen, aus
einem naheliegenden Grund.
Englische und franzsische Fliegerei
(Februar 1917)
Zurzeit bin ich bemht, der Jagdstaffel Boelcke Konkurrenz $
, die nach Trinchera
kommen, um Dampfbder zu brauchen, errichten ber der Quelle eine Art
Gitterwerk aus Baumzweigen und ganz dnnem Rohr. Sie legen sich nackt auf
dieses Gitter, das, wie mir schien, nichts weniger als fest und nicht ohne
Gefahr zu besteige ist. Der _Rio de aguas calientes_ luft nach Nordost
und wird in der Nahe der Kste zu einem ziemlich ansehnlichen Flu, in dem
groe Krokodile leben, und der durch sein Austreten den Uferstrich
ungesund machen hilft.
Wir gingen immer rechts am warmen Wasser nach Porto Cabello hinunter. Der
Weg ist ungemein malerisch. Das Wasser strzt ber die Felsbnke nieder,
und es ist als htte man die Flle der Neu vom Gotthard herab vor sich;
aber welch ein Contrast, was die Kraft und Ueppigkeit des Pflanzenwuchses
betrifft! Zwischen blhenden Gestruchen, aus Bignonien und Melastomen
erheben sich majesttisch die weien Stmme der Cecropia. Sie gehen erst
aus, wenn man nur noch in 100 Toisen Meereshhe ist. Bis hieher reicht
auch eine kleine stachligte Palme, de$
n nicht mehr so krftig
und tragen spter und nicht so reichlich Frchte. Auch soll der Boden
erschpft seyn; aber nach unserer Ansicht ist vielmehr durch die
Entwicklung des Landbaus und das Urbarmachen des Landes die
Luftbeschaffenheit eine andere geworden. Ueber einem unberhrten, mit Wald
bewachsenen Boden schwngert sich die Luft mit Feuchtigkeit und den
Gasgemengen, die den Pflanzenwuchs befrdern und sich bei der Zersetzung
organischer Stoffe bilden. Ist ein Land lange Zeit angebaut gewesen, so
wird das Verhltni zwischen Sauerstoff und Stickstoff durchaus keins
anderes; die Grundbestandtheile der Luft bleiben dies/lben; aber jene
binren und tertiren Verbindungen von Kohlenstoff, Stickstoff und
Wasserstoff, die sich aus einem unberhrten Boden entwickeln und fr eine
Hauptquelle der Fruchtbarkeit gelten, sind ihr nicht mehr beigemischt. Die
reinere, weniger mit Miasmen und fremdartigen Effluvien beladene Luft wird
zugleich trockener und die Spannung des Wasserdampfs nimmt merkbar ab. Auf
lngst urba$
edene Temperaturen annahmen, zeigte sich
das Phnomen der *Luftspiegelung* mit seinen mannichfaltigen Abnderungen.
Es ist die in allen Zonen eine ganz gewhnliche Erscheinung, und ich
erwhne hier derselben nur, weil wir Halt machten, um die Breite des
Luftraumes zwischen dem Horizont und dem aufgezogenen Bilde mit einiger
Genauigkeit zu messen. Das Bild war immer hinaufgezogen, *aber nicht
verkehrt*. Die kleinen, ber die Bodenflche wegstreichenden Luftstrme
hatten eine so vernderliche Temperatur, da in einer Heerde wilder Ochsen
manche mit den Beinen in der Luft zu schweben schienen, whrend andere auf
dem Boden standen. Der Luftstrich war, je nach der Entfernung des Thiers,
3--4 Minuten breit. Wo Gebsche der Mauritiapalme in langen Streifen
hinliefen, schwebten die Enden dieser grnen Streifen in der Luft, wie die
Vorgebirge, die zu Cumana lange Gegenstand meiner Beobachtungen
gewesen.(73) Ein unterrichteter Mann versicherte uns, er habe zwischen
Calabozo und Urituru das verkehrte Bild eines Thiere$
 vermag; in der alten Welt dagegen
sprechen koerperlich ungemein verschiedene Voelker, Lappen, Finnen und
Esthen, die germanischen Voelker und die Hindus, die Perser und die Kurden
Sprachen, die im Bau und in den Wurzeln die groesste Aehnlichkeit mit
einander haben.
Die Indianer in den Missionen treiben saemmtlich Ackerbau, und mit Ausnahme
derer, die in den hohen Gebirgen leben, bauen alle dieselben Gewaechse;
ihre Huetten stehen am einen Orte in Reihen wie am andern; die Eintheilung
ihres Tagewerks, ihre Arbeit im Gemeindeconuco, ihr Verhaeltniss zu den
Missionaeren und den aus ihrer Mitte gewaehlten Beamten, Alles ist nach
Vorschriften geordnet, die ueberall gelten. Und dennoch -- und diess ist
eine hoechst merkwuerdige Beobachtung in der Geschichte der Voelker -- war
diese grosse Gleichfoermigkeit der Lebensweise nicht im Stande, die
individuellen Zuege, die Schattirungen, durch welche sich die
amerikanischen Voelkerschaften unterscheiden,zu verwischen. Der Mensch mit
kupferfarbiger Haut zeigt eine geisti$
s, durch die Form der Augen, die
vorspringenden Backenknochen, das straffe, glatte Haar, den fast gaenzlich
mangelnden Bart sich der mongolischen Race naehern, so unterscheiden sie
sich von derselben auffallend durch die Form der Nase, die ziemlich lang
ist, der ganzen Laenge nach vorspringt und bei den Nasloechern dicker wird,
welch letztere nach unten gerichtet sind, wie bei den Voelkern caucasischer
Race. Der grosse Mund mit breiten, aber nicht dicken Lippen hat haeufig
einen gutmuethigen Ausdruck. Zwischen Nase und Mund laufen bei beiden
Geschlechtern zwei Furchen von den Nasloechern gegen die Mundwinkel. Das
Kinn ist sehr kurz und rund; die Kinnladen sind auffallend stark und
Die Zaehne sind bei den Chaymas schoen und weiss, wie bei allen Menschen von
einfacher Lebensweise, aber lange nicht so stark wie bei den Negern. Den
ersten Reisenden war der Brauch aufgefallen, mit gewissen Pflanzensaeften
und Aetzkalk die Zaehne schwarz zu faerben; gegenwaertig weiss man nichts mehr
davon. Die Voelkerstaemme in d$
itaet wechselte oft zwischen
positiv und negativ, wie immer bei Gewittern und im noerdlichen Europa
zuweilen selbst bei Schneefall. Der Himmel blieb bedeckt und auf den Sturm
folgte eine Windstille, welche die ganze Nacht anhielt. Der
Sonnenuntergang bot ein Schauspiel von seltener Pracht. Der dicke
Wolkenschleier zerriss dicht am Horizont wie zu Fetzen, und die Sonne
erschien 12 Grad hoch auf indigoblauem Grunde. Ihre Scheibe war ungemein
stark in die Breite gezogen, verschoben und am Rande ausgeschweift. Die
Wolken waren vergoldet und Strahlenbuendel in den schoensten
Regenbogenfarben liefen bis zur Mitte des Himmels auseinander. Aus dem
grossen Platze war viel Volk versammelt. Letztere ErscheAinung, das
Erdbeben, der Donnerschlag waehrend desselben, der rothe Nebel seit so
vielen Tagen, Alles wurde der Sonnenfinsterniss zugeschrieben.
Gegen neun Uhr Abends erfolgte ein dritter Erdstoss, weit schwaecher als die
ersten, aber begleitet von einem deutlich vernehmbaren unterirdischen
Geraeusch. Der Barometer st$
lle Hoefe (Hatos) in den Llanos besucht
hatte, um Pferde zu kaufen. Er hatte fuer tausend Pferde 2200 Piaster
gegeben.(78) Man bezahlt natuerlich desto weniger, je bedeutender der Kauf
ist. Am 27. Maerz langten wir in deri Villa de San Fernando, dem Hauptort
der Missionen der Kapuziner in der Provinz Barinas, an. Damit waren wir am
Ziel unserer Reise ueber die Ebenen, denn die drei Monate April, Mai und
Juni brachten wir auf den Stroemen zu.
                            ------------------
   68 Ich erinnere die Reisenden an den Weg vom Ursernthal zum
      Gotthardshospiz und von da nach Airolo.
   69 LIVIUS, _L. 38_, c. 75
   70 Offene baumlose Savanen, _limpias de arboles_
   71 Y{~GREEK SMALL LETTER LAMDA~}{~GREEK SMALL LETTER ALPHA~}{~GREEK SMALL LETTER IOTA WITH TONOS~}{~GREEK SMALL LETTER ETA~}. HERODOT, _Melpomene_.
   72 Der Zaque war das weltliche Oberhaupt von Cundinamarca. Er theilte
      die oberste Gewalt mit dem Hohenpriester (Lama) von Iraca.
   73 Band I, Seite 216
   74 PLINIUS, _L. XII_, c. $
hen Theil von
Terrafirma in Sued-Amerika : unternommen in den Jahren 1801, 1802, 1803
und 1804 / von Depons. Aus d. Franz. uebers. von Chr. Weyland._ (1808)
RITTER, KARL. _Erdkunde._ Bd. I.
TACITUS. _Agricola._
TACITUS. _Germania._
TORQUEMADA, JUAN DE. _Monarchia Indiana. Los veintiun libros rituales i
monarchia indiana con el origen y Buerras de los Indios Occidentales, de
sus poblaciones, descubrimientos, conquista, conversion y otras cosas
maravillosas de la misma tierra._ (1615)
ULLOA, ANTONIO DE. _ Noticias americanas: entretenimientos
fisico-historicos sobre la America Meridional, y la Septentrional
oriental: comparacion general de los territorios, climas y producciones en
las tres especies vegetal, animal y mineral; con una relacion particular
de los Indios de aquellos paises, sus costumbres y usos, de las
petrificaciones de cuerpos marinos, y de las antigueedades. Con un discurso
sobre el idioma, y conjeturas sobre el modo con que pasaron los primeros
pobladores._ (1792)
ANMERKUNGEN DES KORREKTURLESER$
prach dann: Ihr Verhltni, verehrte
Freundin, ist allerdings ein sehr eigenthmliches; es wird Alles darauf
ankommen, ob des Freundes Liebe zu Ihnen von solcher Strke ist, da er
alle derselben sich entgegendmmende Schwierigkeiten berwindet, ohne
selbst an eigenem Lebens- und Zukunftsglck ein Opfer zu bringen. Es ist
nur edel und wrdig von Ihnen, da Sie ein solches Opfer nicht erwarten
und fordern, und Sie wrden auch nicht glcklich sein knnen, falls es
dennoch dargebracht wrde.
Gewi nicht, mein edler Freund, Sie fhlen wie ich! rief Angs, bot
Ludwig ihre Hand und sah ihm mit reinem durch Thrnen verklrtem Lcheln
schwesterlich liebevoll in die Augen, ganz Hingebung, ganz Vertrauen.
Darum preise ich mein Geschick, da der Himmel Sie uns zufhrte, und ich
will Ihnen meine Gedanken offen mittheilen. Gelingt es Leonardus, die zu
frchtenden Schwierigkeiten zu berwinden, so wird er auch Rath finden,
jene Schritte zu thun, welche nthig sind, die Scheidung von meinem
Manne zu bewirken; gelingt es ih$
konnten Sie
zweifeln? Die Verwandtschaft des jungen Herrn ist erstaunlich gro, er
hat ganz sicher sehr viele Vettern und auch Mhmlein. Er ist ein Luft-,
ein Windbeutel, dem es Spa macht, die Haarbeutel zu vexiren! Lassen Sie
auf Ihre goldenen Theelffel Acht haben, Herr Adrianus, ich glaube, die
Dame ist eine feine Spitzbbin, und da sie des Goldes bedrftig, sehen
Sie ja an ihrer bernatrlich einfachen Tracht.
Es fiel dem Vice-Admiral nicht im Entferntesten ein, diese seine
Scherzworte ernst zu meinen, aber Herr Adrianus, dem als Kaufmann nichts
lieber war als baare Mnze, nahm auch diese Worte fr solche, und sein
Zorn regte sich auf gegen Leonardus, der ihm den luftigen Springinsfeld,
wie er nun Ludwig schon in Gedanken nannte, in das Haus gebracht mit der
-- Landluferin. Eben im Begriff, sich an Leonardus mit strenger Frage zu
wenden, den schon sein blitzender Blick suchte, und den er, zur
Steigerung seies Aergers, so eben mit Angs im vertraulich flsternden
Gesprch erblickte, whrend der Vice-Ad$
efhrlichen Netz entzieht, das sich hier um ihn und uns Alle
herumspinnt. Sumen Sie nicht, ich werde sogleich den Wagen senden und
Sophie herber holen lassen, fr die ich zittre. Ach, bester Graf,
welch' unschtzbares Gut vertraue ich Ihnen an! O, Himmel, und ich bin
so ganz ohne Brgschaft!
Gndigste Frau Prinzessin! unterbrachlebhaft und ganz gegen die Form
der Courtoisie der Graf die Sprechende: sagen Sie nicht ohne Brgschaft!
Ich stelle Ihnen diese Brgschaft, bei Gott dem Allmchtigen, ich stelle
sie! -- Und indem der Graf in leidenschaftlicher Erregung auf seine Kniee
sank, fuhr er fort: Bei dem ewigen Gott, den ich in dieser feierlichen
Stunde zum Zeugen anrufe, bei dem Gott, vor dem, und nicht vor Ihrer
Hoheit, ich jetzt kniee, stelle ich Ihnen meine Brgschaft: das Herz
eines deutschen Mannes, und weihe mich, mein Leben, mein Hab und Gut,
meine Zukunft, mein ganzes Erdendasein dem himmlischen Geschpf, welches
Sie Ihre Tochter nennen! Ich will ihr Alles sein, wozu Sie mich
ernennen, wozu sie selbs$
rstorbenen Predigers, welche nach
Hildburghausen gezogen war, doch so, daG sie jeden empfangenen Brief
zurckgab. Auch diese Frau hat den Grafen nie gesprochen. Das Bedrfni,
sich mitzutheilen, ist allzumchtig in der Menschenseele, als da auch
der allerverschlossenste Charakter ganz auf dasselbe zu verzichten im
Stande wre.
Aus Ludwig's wehmuthvollster Zeit ergo sich seine Klage in den Worten:
Meine Lage wird immer unertrglicher; es ist keine getrennte Ehe; es
ist mehr: es ist die Zerreiung eines zusammengewachsenen
Geschwisterpaares, Eines kann nicht ohne das Andere fortleben. ---- Ich
lege mich fters des Tages nieder, doch vergeblich; die Schmerzen lassen
meinem Krper so wenig Ruhe, als die mich umgebenden Gegenstnde meinem
Geist. Das Haus ist wie verdet.
Ja, de war es auer ihm, in ihm. Selbst jene Thiere, welche Sophie
geliebt hatte, starben ungeachtet sorglichster Pflege schnell nach
einander; des Pachters Hund, den sie oft aus dem Fenster herab
gefttert hatte, heulte einige Tage und wim$
er Geometrie und fnf Beispiele ber Berechnungen von Pyramiden, also 19
Aufgaben ber die wir spter noch einige Worte sagen mssen.
Hieran schliessen sich endlich dreiundzwanzig verschiedenen Materien
entlehnte, Fragen des brgerlichen Lebens betreffende Beispiele, wie die
Berechnung des Werthes von Schmuckgegenstnden, abermals Vertheilungen von
Broden oder von Getreide, Bestimmung des auf einen Tag entfallenden
Theiles eines Jahresertrages, Berechnungen von Arbeitslhnen,
Nahrungsmitteln sowie des Futters fr Geflgelhfe. Einer besonderen
Ankndigung werth erscheinen uns in dieser letzten Abtheilung zwei
Beispiele; das eine derselben(33) lsst keinen Zweifel darber aufkommen,
dass den alten Aegyptern die Theorie der arithmetischen Progressionen
vollkommen gelufig war, whrend wir in dem zweiten(34) unter der
Aufschrift eine Leiter die geometrische Progression von 7 hoch 1 bis 7
hoch 5 nebst deren Summe vorfinden, wobei die einzelnen Potenzen eigene
Namen: an, Katze, Maus, Gerste, Maass zu fhren sch$
n, die von diesem
eigenthmlichen Fang des dalag hergenommen ist (magpapalo maudin naun
dalag d. h. schlagen wie auf einen dalag). Es ist vor Allem die grosse
Centralebene Luzon's, in welcher alljhrlich Hunderttausende auf
solche Weise gefangen werden. Ganz anders wird der Fang in Mindanao
im Sumpfgebiet des Agusan betrieben. Die Zahl der in diesem Gebiete
lebenden Christen ist eine sehr geringe; die ziemlich zahlreichen
Manobo's und Mandayas haben ihre Wohnsitze rund um das Sumpfgebiet
herum und treiben keine eigentliche Felderwirthschaft, wie es die
christlichen Bewohner thun. Sie bauen immer nur in trocknen Gegenden
den Bergreis. So kommt es, dass jetzt wenigstens [7] die ausgedehnten
bei den Ueberschwemmungen des Agusan unter Wasser gesetzten Flchen
nach allen Richtungen hin von Canlen durchschnitten und weder durch
Dmme eingeschlossen, noch berhaupt durch den regulirten Lauf der
Flsse, wie in Luzon, bestimmt abgegrnzt sind. Den Fischen bleibt
also,  we<nn mit Eintreten der trocknen Jahreszeit die $
e las Almas
que administran los PP. Agustinos", Manila 1845, werden ausdrcklich
Meerfische als in ihr vorkommend erwhnt, nemlich "moros" (diesen
Fischnamen finde ich in meinen spanischen Wrterbchern nicht)
und "tiburones" oder Haifische; ferner auch "salmonetes" (Mullus
sp.). Ich selbst habe keinen dieser Fische darin gefunden; doch will
ich kein Gewicht weiter darauf legen, da es mir nicht vergnnt war,
trotz meines ziemlich langen Aufenthaltes in der Nhe des Sees und
auf der Insel, die Fischfauna genauer zu untersuchn. In meinem
Tagebuche angemerkt finden sich nur: Gobius 3-4 sp., verschiedene
Percoiden, Toxotes jaculator und ein grosser Hemiramphus, welcher
sich durch seinen Habitus sehr von den kleinen und schmchtigen
hoch in den Ssswasserbchen der Insel bis ber 800 Fuss Meereshhe
aufsteigenden Arten der Gattung unterscheidet, und vielleicht mit
einer der dortigen meerbewohnenden Species identisch ist. Einer
meiner Begleiter zeichnete mir in mein Tagebuch eine rohe Skizze des
grossen Fisches, d$
iber und Knaben, und er liebt immer nur den
Leib, er liebt vor allem die geistig noch unentwickelten Knaben, da er
eben nur den Zweck will und die Art ihn nicht kmmert. So handelt er
denn auch immer ganz zufllig, heute gut und morgen schlecht, und liebt,
was ihm begegnet. Seine Gttin ist die jngere, und an der Zeugung und
Geburt der irdischen Aphrodite hatten der Mann und das Weib, beide
Geschlechter, teil. Die hohe Liebe stammt von der himmlischen [Aphrodite,
und die himmlische Aphrodite war aus dem Manne frei geschaffen und ist
die ltere und voll Ma und gebndigt. Und darum also streben sehnend
alle Jnglinge und Mnner, welche diese Liebe begeistert, zum
mnnlichen, zum eigenen Geschlechte hin: sie lieben die strkere Natur
und den hheren Sinn. Aber auch hier in der Mnnerliebe mssen wir von
anderen scharf diejenigen scheiden, die nur von der hohen Liebe und nur
von ihr gefhrt werden. Sie lieben die Jnglinge erst, wenn diese
selbstndig zu denken beginnen, es ist das im allgemeinen um die Zeit,
d$
 tiefes Schweigen, und so ritten Beide stumm und
in schnellem Tempo dahin.
Sie erreichten den Kegel der Brea, den sie auf steilen Saumpfaden
erstiegen, lngs tiefer Abgrnde, welche aber den unergrndlichen
Schluchten der Sierra Madre noch keineswegs gleich kommen. Nach
Ueberschreitung des entgegengesetzten Abhanges hielten die beiden Reiter
an, um ihre Pferde ausruhen zu lassen.
Die Sonne verschwand bald unter dem Horizonte, als Martinez und sein
Gefhrte in dem Dorfe Cigualan ankamen. Dasselbe zhlt nur wenige bewohnte
Htten, die drftigen Heimsttten armer Indianer, welche Mansos, d. h.
Ackerbauer, genannt werden. Die sehaften Eingeborenen sind im Allgemeinen
sehr trge, da sie nur die Reichthmer einzusammeln brauchen, welche der
freigebige Erdboden spendet. Ihre groe Faulheit unterscheidet sie
wesentlich sowohl von den Indianern desHochplateaus, welche wohl die Noth
zum Fleie zwang, als auch von den Nomaden des Nordens, welche, da sie nur
von Raub und Plnderung leben, niemals feste Wohnsitze haben$
 gesagt der Klberrzten, auch thun,
welche dem allernchsten, so sie Gangrenam, Sphacelum, Phagedenam oder
andere zornige unheilsame Geschwer nicht heilen knnen, S.Quirino, Antonio
und andern Heiligen sie zuschreiben. Welche doch Anfangs so bs nicht
gewesen, sondern durch ihr Salben und Schmieren, so sie aus keinen gewissen
Grnden wissen, sondern allein aus wenig ungewissen Erfahrnissen muthmassen
und auf des Schleifers Lebkuchen und gerad wohl hin brauchen, erst so bs
worden sind. Aber damit die Schlk nicht mssen Nachred besorgen, oder
etwan, dass man mit ihnen gar fr die Schmitten fahre, gewrtig seyn,
wissen sie sich nit besser denn mit solcher Ausred zu beschnen und aus der
Sach zu schleichen.
Die Facta in Betreff der fremdartigen Gegenstnde, die sich zuweilen im
menschlichen Krper finden sollen, wie Haarknuel, Eisenstcke, Stein,
Nadeln, Sand u.dgl. im Magen und Darmkanal, leugnet Weier nicht, erklrt
sie aber durch diabolische Besessenheit, nicht durch Behexung.
Mit Beifall verweilt er be$
 wenn er es wnschen sollte,
leicht Regen, ja auch Hagel machen. Als sie nun der Vater fragte, woher sie
dieses gelernt habe, nannte sie ihre eigene Mutter als ihre Lehrmeisterin
und liess auch augenblicklich ein schreckliches Unwetter ber den
elterlichen Weinberg hereinbrechen, wobei nach dem Wunsche des Vaters die
Grundstcke der Nachbarn ganz verschont blieben. Der Vater aber zeigte die
Sache dem Gericht an, infolge dessen Mutter und Tochter in Haft genommen
und, nachdem sie eine Menge Mitschuldiger genannt hatten, justifizirt
wurden. Die Sache war von hchster Gefhrlichkeit, setzt der
Brichterstatter hinzu, weil, wenn man sie nicht entdeckt htte, in kurzer
Zeit von den Frchten und Reben in Ungarn und Siebenbrgen nichts brig
geblieben wre.
Um dieselbe Zeit waren die Hexenprozesse auch in =Siebenbrgen=, im
=Sachsenlande= in Gang gekommen. Im Allgemeinen war das Gerichtsverfahren
in Ungarn (wo die Hexen ihren Hauptversammlungsort auf dem St.Gerhardsberg
bei Ofen hatten) und in Siebenbrgen dasse$
en erst mit dem Schwerte hingerichtet und dann
verbrannt wurden, unter ihnen eine fnfundsiebenzigjhrige Frau, die bis
dahin im Rufe grosser Frmmigkeit gestanden hatte. Aus dem Jahr 1666 wird
von einem Metzger Kramer aus Zrich berichtet, dass derselbe, als
teuflischer Knste verdchtig, zur Ermittelung etwaiger Hexenmale am ganzen
Leibe geschoren worden sei[145].
Unter den =englischen= Prozessen jener Zeit hat der von Warboi (1593)
einige Berhmtheit erlangt, weil er eine Stiftung veranlasste, nach welcher
jhrlich ein Studiosus der Theologie im Collegium der Knigin zu Cambridge
gegen eine Belohnung von vierzig Schillingen einen Vortrag ber die Hexerei
zu halten hatte. Das Ganze war durch das Gerede von Kindern angegangen, die
halb aus thrichter Einbildung, halb aus Bosheit von den abgesandten
Geistern eines alten Weibes geplagt zu werden vorgaben. Die Alte ward
verhaftet, zum Gestndniss gebracht und von den Geschworenen sammt ihrem
Ehemanne und ihrer Tochter, welche indessen jede Schuld standhaft
leug$
Protestantismus entgegenarbeiten sollte.
Durch seine Klugheit und sonstige Geschicklichkeit soll es ihm auch
gelungen sein, den grssten Theil des paderbrner Adels in die katholische
Kirche zurckzufhren. Die grossen Erfolge seiner Missionsarbeit in
Paderborn veranlassten es daher, dass ihn der Orden zu gleichem Zwecke 1627
nach Bamberg und Wrzburg berief. Hier jedoch, wo eben damals die
grausigsten Hexenverfolgungen im Gange waren, sah sich derselbe alsbald in+
einen ganz anderen Beruf hineingestellt, indem er beauftragt ward, als
Beichtvater der zum Tode verurtheilten Hexen zu fungiren. Diese neue
Berufsthtigkeit liess Spee tief in den Abgrund hineinsehen, der so viele
Tausende verschlang, und bald fiel es ihm wie Schuppen von dem Auge und es
trieb ihn zu khner, mnnlicher That. Er schrieb seine =Cautio criminalis=,
eine Warnungsschrift, die er jedoch erst, nachdem er aus Franken in das
Paderbrner Land zurckgekehrt war, in einer protestantischen Stadt
(Rinteln) drucken zu lassen wagte,-- und zwar an$
 wollen, ferner auch sie zu richtigem
Bekenntniss anzumahnen. Sollte sie aber also noch nicht richtig zugehen und
bei ihrem Leugnen verharren, dann diessfalls Beschaffenheit nach =die
scharfe peinliche Frage auch wohl mit anderen Instrumenten, als wie vorhin
gebraucht, ziemlicher Weis%e zu repetiren sei=.
Nach dieser bestialen Weisung der Helmstedter Juristenfakultt wurde das
arme Weib am 26.Novbr. 1639 abermals auf die Folter gespannt. In dem
Torturprotokoll heisst es: Verstriktin ist einen Weg wie den anderen bei
ihrem Verleugnen geblieben, und dass sie ein redlich Weib, auch von nichts
Anderem zu sagen wisse, als von dem lieben Gott; gestalt sie dann immer den
Namen des lieben Gottes im Munde fhrt, unterdessen aber ihrer vorigen Art
nach =in der Tortur eingeschlafen=(!), ungeachtet der Scharfrichter sie
aufgezogen und =mit lebendigem Schwefel beworfen und mit Ruthen gehauen=,
welches aber Verstriktin alles nicht geachtet und sich desswegen nicht
einmal bewegt(!), dass auch der Scharfrichter sich dar$
 und Grussformel: Libertad e independencia!
Das interessante Aktenstck ist von =Friedrich von Hellwald= (in Overzier's
Deutschen Blttern, Organ fr allgemeine Volksbildung Nr.32, Kln,
8.August 1874) verffentlicht worden. In der Tagespresse, die einem
Bericht des New-York-Herald aus Mexiko vom 18.Mai folgte, wurden neben
dem genannten Weibe und ihrem Sohne noch Jose Maria Bonilla und dessen Frau
Diega genannt als schon vor jenen um des gleichen Verbrechens willen in
Jacobo verhaftet, gerichtlich verhrt und lebendig verbrannt, weil, wie es
in dem Bericht des dortigen Alcalde an den Prfekten des Bezirks hiess,
erwiesen worden wre, dass sie einen gewissen Schneider Zacarias behext
htten. Die Bundesregierung zu Mexiko schritt zwar dagegen ein, jedoch zu
spt. Ein weiterer Bericht hat das Gleiche von einem Mdchen gemeldet, das
Haare ausgebrochen hatte, das einem Stohkreuz aus dem Wege gegangen war
und alle Huser vermieden hatte, an denen sich ein Hufeisen als Schloss
befand. Mit ihr wurde ihr klei$
=Gury= aus, der auf die Sache sogar noch
genauer eingeht. In seinem dickleibgen Compendium theologiae moralis
(Regensburger Ausgabe von 1868, S.120) theilt Gury einen besonderen
Paragraphen de magia et maleficio mit. Er unterscheidet hier zwischen
weisser und schwarzer Magie mit den Worten: =Magia late sumpta= seu magia
naturalis vel artificialis, quae magia alba vocatur, estars mira faciendi,
saltem apparenter, per caussas naturales aut hominis industriam absque ullo
daemonis ministerio. Die eigentliche oder schwarze Magie wird so definirt:
=Magia stricte dicta= est ars mira faciendi, quae licet non supernaturalia
sint, vires tamen hominis superant et proinde =ope solius daemonis=
explicite vel implicite =invocati= fieri possunt.-- Von der schwarzen
Magie im Allgemeinen unterscheidet sich nun wieder der engere Begriff der
Hexerei. Dieselbe wird mit den Worten definirt: =Maleficium= est ars
nocendi daemonis interventu. Die Hexerei ist aber eine doppelte, eine
Liebes- und eine Gifthexerei. Jene, das =malefi$
iscopi zum Theil bereinstimmende angebliche
Kanon des Conzils zu Agatha lautet: (_Burchard_. Decret. lib.X. cap.29):
Perquirendum, si aliqua femina sit, quae per quaedam maleficia et
incantationes mentes hominum se immutare posse dicat, id est, ut de odio in
amorem, aut de amore in odium convertat, aut bona hominum aut damnet, aut
subripiat. Et si aliqua est, quae se dicat cum daemonum turba, in
similitudinem mulierum transformata, certis noctibus equitare super quasdam
bestias, et in eorum consortio adnumeratam esse; haec talis omnimodis
scopis correpta ex parochia ejiciatur.-- Uebrigens ist dieser Kanon nicht
von der Synode zu Agde aufgestellt, sondern ist spteren Ursprungs.
S._Hefele_, Conziliengesch. B.II. S.641.
[350] Anzeiger zur Kunde der deutschen Vorzeit, 1839, S.119ff.
[351] Von den alten Bacchanalien hatte auch schon Cardanus (de rerum
varietate XV.80) das Hexenwesen abgeleitet, nur dass er das ursprnglich
Wirkliche zuletzt in Einbildung bergehen liess: Haec quidem procul dubio
ab Org$
e All war angefllt mit den gesprochenen Worten, die wie
rote Beeren in der Dunkelheit hingen. berall Gefahr; blo zu denken,
war schon Gefahr; jeder Anhauch aus fremdem Munde Gefahr.
Er fing an zu zittern. Die Knie saen loser in den Gelenken, es war ihm
so leicht und schwer zugleich; sein Nachdenken hatte eine andre, nhere
Folge, auch alle Gegenstnde waren nher, und das Ganze der Erde und des
Himmels, Wolken, Wind und Nacht hatten etwas eingebt, etwas
unbegreiflich Flchtiges und Wandelbares. Alles ist nun so wunderlich
wahr. Caspar hlt die Scherben eines kostbaren Gefes in der Hand, und
seine Phantasie will nicht einmal die schne Form, wie sie gewesen,
zurckgestalten.
Unten auf der Gasse geht lautlos der Nachtwchter. Der zuckende Schein
seiner Laterne vergoldet den Schnee. Caspar folgt ihm mit den Blicken,
denn es ist, als ob der Mann in irgendeinem unerklrlichen Zusammenhang
mit seinem Schicksal stehe. Sie wandeln miteinander ber ein
verschneites Feld, jener fragt Caspar, ob ihn friere, und $
en nackten
Mann und ein nacktes Weib, und darunter geschrieben: Adam Stanhope, Eva
Der Graf gab seiner berraschung dwrber oft drastischen Ausdruck,
einen wie klugen Kopf er in Caspar bei aller Einfalt und Schweigsamkeit
entdeckte: immer zutreffend im Widerpart, durchaus weltlich gestimmt, in
Frage und Antwort aus erster Hand, das Gegenstzliche mhelos erfassend
und phantasievoll verknpfend.
Die Wandlung kam bald. Ein unbedeutender Anla fhrte sie herbei.
Eines Tages, whrend der Rckkehr nach der Stadt, sprach sich Stanhope
darber aus, wie fruchtbar es fr die innere Haltung eines Menschen sei,
wenn er seine Erlebnisse nicht leichtsinnig vorberflieen lasse,
sondern sie moralisch zu ntzen suche, indem er durch schriftliche oder
mndliche Mitteilung den Stoff seines Nachdenkens bereichere. Caspar
fragte, wie er das meine; statt der Antwort stellte der Graf, den dieser
Umstand lngst beunruhigte, die lauernde Gegenfrage, ob Caspar noch ein
Tagebuch fhre.
Caspar bejahte.
Und willst du mir nicht gelegen$
auf an, einen
besonderen, seinem Kunstwesen verwandten Zug bis zur vorgesetzten
Wirkung zu bertreiben, so da von der wahren Art des betreffenden
Menschen kaum noch etwas brigbleibe. Dem wurde heftig widersprochen;
das hnge ja vor allem von dem Genie des Knstlers ab, wurde erwidert,
und Lord Stanhope, der die uerungen des Hofrats bei diesem Anla als
einen Mangel an Delikatesse empfinden mute, ereiferte sich sehr gegen
seine sonstige Gepflogenheit und behauptete, er sei9erseits getraue sich
aus jedem Bildnis, wen es auch darstelle und von wessen Hand auch immer
es gefertigt sei, die seelische Beschaffenheit der abgebildeten Person
Bei diesen Worten lchelte die Hausfrau bedeutungsvoll. Sie verschwand
in einem Nebenraum und kehrte alsbald mit einem goldgerahmten ovalen
lbild zurck, das sie, noch immer lchelnd, in kurzer Entfernung von
dem Grafen aufrecht auf den Tischrand stellte. Die Gste drngten sich
herzu, und fast von allen Lippen erscholl ein Ausruf der Bewunderung.
Es war ein uerst lebendig$
baden. Der war aber zu Tod
erschrocken von dem Vorschlag und sagt, ins Wasser geht er nicht. Das
hren die andern, steigen heraus, stellen sich um ihn herum, verspotten
ihn und wollen ihn mit Gewalt ins Wasser bringen. Da reit er sich los,
eh' man sich's versieht, ist er in seiner Hllenangst ber die Felder
davongelaufen, und die nackigten Kerle hhnen hinter ihm her. Dem
Kadetten war's zu bunt, und er sieht ihn nicht mehr an seitdem. Ist's
wahr, Hauser, oder nicht?
Caspar nickte. Der Lehrer schttelte sich vor Lachen.
Ein paar Tage spter kamen Frau von Imhoff und das Frulein von
Stichaner, um Caspar zu besuchen. Die Lehrerin, stolz auf die vornehmen
Gste, wich nicht vom Fleck. Der Unterhaltung zuliebe und weil ihr
nichts Gescheiteres einfiel, erzhlte sie im Beisein Caspars abermals
die Geschichte mit dem Kadetten und dem verweigerten Bad, doch hatte sie
nicht denselben Erfolg wie vor ihrem Ehegemahl. Die beiden Damen hrten
schweeigend zu.
Solche Feigheit ist eigentlich nicht schn, bemerkte das Fr$
chen den Beinen der Lwin zu, um warm zu liegen, was sie ebenfalls
willig geschehen lie. Zum Dank dafr bi er sie eines Tages in einem
Anfall von Wuth dermaen in den Schwanz, da das Blut strmte und sie
zeitlebens eine Narbe behielt. --Nach einigen Jahren starb der Spitz an
Altersschwche und Constantine schien untrstlich ber diesen Verlust.
Man gab ihr verschiedene andere Hunde, die sie alle erwrgte; endlich
lie sie den einen am Leben, aber sie zeigte demselben nur die grte
Gleichgiltigkeit und erwies ihm nie eine Geflligkeit. Sie starb auch
bald darauf, wie man meinte, aus Sehnsucht nach ihrem bsen Spitz.
Als Lisi kaum diese Geschichte vollendet hatte, begann Joly zu bellen,
und es erschienen drei wunderliche Wesen, welche unter dem Gestrpp
hervorgekrochen kamenz; es waren drei Affen. Die Affenmutter trug ihr
Kleines, welches krank zu sein schien; die Thiere nahten sich zutraulich
und fletschten die Zhne, und hielten die Hnde flehend den Kindern hin,
die sie vielleicht erkannten, weil sie s$
hre in eine Schule kam, schon gut lesen und schreiben, eben durch mein
Zeichentalent angeregt. Ich zeichnete die gedruckten Buchstaben meines
Namens, schnitzte sie auch ins Holz und lernte sie so kennen, lesen und
schreiben. Als gute Holzschnitzer verfertigen die Zigeuner mit vielem
Flei und Talent allerhand, so Tabaks- und Zigarrenpfeifen,
Zndholzsteine, Salatbestecke (Messer, Gabeln, Lffeln), Haarschmuck,
Spazierstcke usw. Alles mit schnen Schnitzereien verziert. Bedeutendesleistete hierin ein Vetter von mir, welcher vor nun 7 Jahren gestorben
ist. Im wrttembergischen und badischen Schwarzwald verkaufte er seine
Arbeiten und hatte dadurch einen schnen Verdienst. Heute noch kann man
in den genannten Gegenden seine sauber, originell und kunstvoll
gearbeiteten Erzeugnisse sehen, die die Besitzer selbst um teures Geld
nicht hergeben wrden. Der beste mir bekannte Holzschnitzer, ein
Knstler darin, war der im Jahr 1903 verstorbene G. Winter. Mit den
primitivsten Werkzeugen verfertigte er wirklich nur Kuns$
kte noch einmal die Marquise und eilte hinaus.
Leb wohl, meine Liebe, sagte er zu seiner Frau, die ihm zum Wagen
gefolgt war, und gab ihr einen Ku.
Ach, Victor, la mich noch weiter mitfahren, antwortete sie in
zrtlichem Tone. Ich mchte dich nicht verlassen.
Was denkst du denn?
Nun, wenn du es so haben willst, so leb' wohl, versetzte Julie.
Der Wagen verschwand.
Sie haben meinen armen Victor also sehr lieb? fragte die Marquise ihre
Nichte und sah sie mit einem jener forschenden Blicke an, wie sie alte
Frauen gern auf junge ricten.
Ach, Madame, antwortete Julie, man mu wohl einen Mann lieben, wenn
man ihn heiratet.
Diese Phrase wurde in einem Ton von Naivitt ausgesprochen, der zu
gleicher Zeit ein ganz keusches Herz voll tiefer Geheimnisse verraten
konnte. Eine Frau, die die Freundin eines Duclos und eines Marschalls
Richelieu gewesen war, mute sich bewogen fhlen, in das Geheimnis
dieser jungen Ehe einzudringen. Tante und Nichte standen in diesem
Augenblick auf der Torschwelle und sahe$
Wohnzimmer der Partei zu erreichen.
Nebenan war die Strae, wenn ein Fuhrwerk ber das Pflaster donnerte,
begannen die Fensterscheiben und das Geschirr auf dem Waschtisch zu
klappern. Engelhart dachte, es sei nicht mglich, hier zu schlafen, es
sei nicht mglich, hier zu leben. Er setzte sich auf einen Stuhl mit
zerrissenem Rohrgeflecht, und erst nach einer Stunde regungslosen
Hinbrtens ging er daran, seinen Koffer auszupacken. Er hatte das
Gefhl, als ob sein Blut bitter geworden sei.
Kapellers wohnten ein Stockwerk hher. Es waren vier Brder,die bei der
Mutter lebten, lauter junge Mnner, denen das bloe Aufderweltsein schon
gewaltigen Spa machte; wenn sie auerdem noch tanzen und ins Theater
gehen konnten, waren ihre Ansprche an das Leben erfllt. Die Frau besa
ein kleines Geschft auf der Hauptstrae und brachte sich knapp durch,
aber sie lie sich nichts abgehen und war die lustigste von allen.
Zuerst begegneten sie Engelhart mit der Achtung, die sie dem Neffen
eines reichen Mannes schuldig zu sein $
ges Mdchen auf einer Steinbank. Sie trug ein
schimmernd weies Gewand, lose gegrtet, und hielt ein Buch auf den
Knien, in dem sie bltterte. Von dem Pfirsichbaum ber ihr tropften hier
und da weie Bltenbltter ab, und einige blieben in ihrem dunkeln Haar
hngen. Es war ein Bild, das Reichtum, Glck und Schnheit in sich
schlo. Engelhart, von den Gebshen halb verborgen, blieb schweigend.
Das, was er liebte und begehrte, hllte sich ihm gern in schwermutvolle
Schleier, und was andre zum Kampf ermunterte, weckte ihm nur das
schamhafte Gefhl der Armut. Er frchtete dies Los, zu dem er sich
geboren sah: drauen zu stehen vor der Mauer, nein, vor dem Gitter, das
den Augen alles gab und der Hand nichts.
In dieser Stunde liebte er das junge Mdchen, das er gewi kaum beachtet
htte, wenn es ihm auf der Strae begegnet wre, mit leidenschaftlichem
Schmerz; ganz in sich versunken, floh er in den Wald zurck, ging und
ging, immer dem schwachen Purpurschein nach, der zwischen den Stmmen
glhte, durch all die bewe$
ht. Was empfunden wird, sagt er, bleibt eingehllt in
  der Form abstraktester, einzelner Subjektivitt, und deshalb sind auch
  die Unterschiede der Empfindung ganz abstrakte, keine Unterschiede der
  Sache selbst (sthetik I,42).
Merkwrdig ist es, wie die Musiker und lteren sthetiker sich nur in
dem Kontrast von Gefhl und Verstand bewegen, als lge nicht die
Hauptsache gerade _inmitten_ dieses angeblichen Dilemmas. Aus der
Phantasie des Knstlers entsteigt das Tonstck fr die Phantasie des
Hrers. Freilich ist die Phantasie gegenber dem Schnen nicht blo ein
_Schauen_, sondern ein Schauen mit _Verstand_, d.i. Vorstellen und
Urteilen, letzteres natrlich mit solcher Schnelligkeit, da die
einzelnen Vorgnge uns gar nicht zum Bewutsein kommen, und die
Tuschung entsteht, es geschehe _unmittelbar_, was doch in Wahrheit von
vielfach vermittelnden Geistesprozessen abhngt. Das Wort Anschauung,
lngst von den Gesichtsvorstellungen auf alle Sinneserscheinungen
bertragen, entspricht berdies tre$
ssen ziemlich
  rasch miteinander verbunden werden, damit sie, vom Gedchtnisse
  zusammengehalten, im Geiste zum Verstndnisse elangen. Die Musik aber
  erfat den Hrer mit dem ersten Tone und fhrt ihn mit sich fort, ohne
  ihm die Zeit, ja nur die Mglichkeit zu lassen, auf das Gehrte
  zurckzukommen.... Mgen wir, fhrt Hiller weiter fort, dem naivsten
  Volksliede lauschen, mag uns Hndels Halleluja, von tausend Stimmen
  getragen, entgegenklingen, so wird es im ersteren Falle der Reiz einer
  kaum entfalteten Melodienknospe, im letzteren die Kraft und Pracht der
  vereinigten Elemente der ganzen Tonwelt sein, was uns reizt oder
  begeistert. Das dort vom Feinsliebchen, hier vom Himmelreich die Rede,
  trgt zu jener ersteren, unmittelbaren Wirkung nichts bei; diese ist
  rein musikalischer Natur und wrde nicht ausbleiben, auch wenn man die
  Worte weder verstnde, noch verstehen knnte. (Aus dem Tonleben
  unserer Zeit. Neue Folge. Leipzig 1871. S.40ff.)
Wir haben in der Vokalkomposition ein u$
aucht. Es wird rein auf die schlagfertige Durchfhrung
desselben Pardoxons ankommen, da es im Munde des geistreichen Mannes
eine Weisheit, in jenem des schlichten ein Unsinn erscheint.
Auch _Hegel_ hat in Besprechung der Tonkunst oft irregefhrt, indem er
seinen vorwiegend _kunstgeschichtlichen_ Standpunkt unmerklich mit dem
rein sthetischen verwechselt und in der Musik Bestimmtheiten nachweist,
die sie an sich niemals hatte. Einen Zusammenhang hat der Charakter
jedes Tonstckes mit dem seines Autors gewi, allein er steht fr den
sthetiker nicht zutage; -- die Idee des notwendigen Zusammenhangs
_aller_ Erscheinungen kann in ihrer konkreten Nachweisung bis zur
Karikatur bertrieben werden. Es gehrt heutzutage ein wahrer Heroismus
dazu, dieser pikanten, geistreich reprsentierten Richtung
entgegenzutreten und auszusprechen, da das historische Begreifen und
das sthetische Beurteilen verschiedene Dinge sind.[21] Objektiv aber
steht fest: _erstens_, da die Verschiedenartigkeit des Ausdrucks der
vers$
t, das hat neuerdings u.a. die
  Beethoven-Biographie von _A.B. Marx_ gezeigt, deren musikalisch
  voreingenommene Panegyrik einer sorgfltigen Untersuchung der
  Tatsachen berhoben zu sein glaubte und daher durch _Thayers_ genaue
  Quellenforschungen in vielen Punkten drastisch berichtigt worden ist.
Nicht das tatschliche Gefhl des Komponisten, als eine blo subjektive
Affektion, ist es, was die gleiche Stimmung in den Hrern wachruft.
Rumt man der Musik solch eine zwingende Macht ein, so anerkennt man
dadurch deren Ursache als etwas Objektives in ihr; denn nur dieses
_zwingt_ in allem Schnen. Dies Objektive sind hier die _musikalischen_
Bestimmtheiten eines Tonstcks. Streng sthetisch knnen wir von
irgendeinem Thema sagen, es _klinge_ stolz oder trbe, nicht aber, es
sei ein Ausdruck der stolzen oder der trben Gefhle des Komponisten.
Noch ferner liegen dem Charakter eines Tonwerkes als solchem die
sozialen und politischen Verhltnisse, welche seine Zeit beherrschen.
Jener _musikalische_ Ausdrsuck$
ssenschaftlich verloren sind,
weil sie ber das Wesen dieses Zusammenhanges nichts wissen knnen, also
bestenfalls nur darber zu raten oder zu phantasieren vermgen. Vom
Standpunkte des Gefhls wird eine knstlerische oder wissenschaftliche
Bestimmung der Musik niemals ausgehen knnen. Mit der Schilderung der
subjektiven Bewegungen, welche den Kritiker bei Anhrung einer
Symphonie berkommen, wird er deren Wert und Bedeutung nicht begrnden,
ebensowenig kann er von den Affekten ausgehend den Kunstjnger etwas
lehren. Letzteres ist wichtig. Denn stnde der Zusammenhang bestimmter
Gefhle mit gewissen musikalischen Ausdrucksweisen so zuverlssig da,
als man geneigt ist zu glauben, und als er dastehen mte, um die ihm
vindizierte Bedeutung zu behaupten, so wre es ein leichtes, den
angehenden Komponisten bald zur Hhe ergreifendster Kunstwirkung zu
leiten. Man wollte dies auch wirklich. _Mttheson_ lehrt im dritten
Kapitel seines vollkommenen Kapellmeisters, wie Stolz, Demut und alle
Leidenschaften zu kompon$
uf die Tierproduktionen folgen die menschlichen Kabinettstcke. Sie
sind meist im Geschmack Alexanders des Groen, welcher durch das
Fltenspiel des _Timotheus_ zuerst wtend gemacht, hierauf durch Gesang
wieder besnftigt wurde. So lie der minder bekannte Knig von Dnemark
Ericus bonus, um sich von der gepriesenen Gewalt der Musik zu
berzeugen, einen berhmten Musikus spielen und zuvor alles Gewehr
entfernen. Der Knstler versetzte durch die Wahl seiner Modulationen
alle Gemter zuerst in Traurigkeit, dann in.Frohsinn. Letzteren wute er
bis zur Raserei zu steigern. Selbst der Knig brach durch die Tr,
griff zum Degen und brachte von den Umstehenden _vier_ ums Leben.
(Albert Krantzius, Dan. lib.V., cap.3.) Und das war noch der _gute
Wren solche moralische _Wirkungen_ der Musik noch an der
Tagesordnung, so kme man wahrscheinlich vor innerer Emprung gar nicht
dazu, sich ber die Hexenmacht vernnftig auszusprechen, welche in
souverner Exterritorialitt den Menschengeist unbekmmert um dessen
Ged$
r
und fordern die Lebensmittel an. In erster Linie bercksichtigt man bei
dieser Verteilung die Kranken, die in den ffentlichen Krankenhusern
gepflegt werden. Im Stadtbezirk gibt es nmlich vier, ein Stck von der
Stadt entfernt; sie sind so gerumig, da man sie fr ebenso viele
kleine Stdte halten knnte. Dadurch ist es mglich, eine auch noch so
groe Zahl Kranker ohne Mangel an Raum und deshalb bequem unterzubringen
sowie die an ansteckenden Krankheiten Leidenden von den anderen recht
weit zu entfernen. Diese Krankenhuser sind so eingerichtet und mit
allem, was zur Gesundheitspflege gehrt, so reichlich ausgestattet, die
Pflege ist so rcksichtsvol und gewissenhaft, und die erfahrensten
rzte sind so unermdlich ttig, da, wenn auch niemand gegen seinen
Willen dort Aufnahme findet, doch wohl jeder in der Stadt im
Krankheitsfalle lieber im Krankenhaus als daheim liegt.
Nachdem der Einkufer fr die Kranken die Lebensmittel nach rztlicher
Vorschrift empfangen hat, verteilt man weiterhin das Beste glei$
en lt, stirbt entweder
freiwillig den Hungertod oder lt sich betuben und wird so ohne eine
Todesempfindung erlst. Gegen seinen Willen aber bringen die Utopier
niemanden ums Leben; auch lassen sie es keinem trotz seiner Weigerung,
freiwillig aus dem Leben zu) scheiden, an irgendeinem Liebesdienst
fehlen. Sich berreden zu lassen und so zu sterben, gilt als ehrenvoll.
Wer sich aber das Leben nimmt aus einem Grunde, den Priester und Senat
nicht billigen, den hlt man weder der Beerdigung noch der Verbrennung
fr wrdig; zu seiner Schande lt man ihn unbestattet und wirft ihn in
irgendeinen Sumpf.
Das Weib heiratet nicht vor dem 18., der Mann aber erst nach erflltem
22. Lebensjahre. Wenn ein Mann oder ein Weib vor der Ehe geheimen
Geschlechtsverkehrs berfhrt wird, so trifft ihn oder sie strenge
Strafe, und beide drfen berhaupt nicht heiraten, es sei denn, da der
Brgermeister Gnade fr Recht ergehen lt. Aber auch der Hausvater und
die Hausmutter, in deren Hause die Schandtat begangen wurde, sind in$
ebensimmanenz des Sinnes
und damit die Romanform sprengen; konnte doch auch Cervantes (und
von seinen Nachfolgern etwa Sterne) gerade nur durch die Einheit von
Erhabenheit und Humor, von Verengerung der Seele und Beziehung zur
Transzendenz die Immanenz herstellen. Hier ist der knstlerische Grund,
der die an humoristischen Gestalten so unendlich reichen Romane von
Dickens letzten Endes so flach und spiebrgerlich erscheinen lt:
die Notwendigkeit, als Helden Idealtypen einer sch mit der heutigen
brgerlichen Gesellschaft innerlich konfliktlos abfindenden
Menschlichkeit zu gestalten, und um ihrer poetischen Wirkung willen, die
hierzu erforderlichen Eigenschaften mit dem zweifelhaften, erzwungenen
oder fr sie inadquaten Glanz der Poesie zu umhllen. Darum sind aller
Wahrscheinlichkeit nach Gogols Tote Seelen ein Fragment geblieben: es
war von vornherein unmglich fr die knstlerisch so glckliche und
fruchtbare aber negative Gestalt Tschitschikows ein positives
Gegengewicht zu finden; und fr das Sc$
icksal schaffend --
sichtbar. Salambo oder C.F. Meyers allerdings novellistisch angelegte
Romane sind hierfr bezeichnende Beispiele. Das sthetische Problem, die
Verwandlung von Stimmung und Reflexion, von Lyrismus und Psychologie in
echt epische Ausdrucksmittel, konzentriert sich deshalb um das ethische
Grundproblem, um die Frage der notwendigen und mglichen Tat. Der
Menschentypus dieser Seelenstruktur ist seinem Wesen nach eher ein
kontemplativer als ein aktiver: seine e`ische Gestaltung ist also
vor das Problem gestellt, wie sich dieses In-sich-Zurckziehen oder
zgerndes, rhapsodisches Handeln doch in Taten umzusetzen vermag; ihre
Aufgabe ist, den Einheitspunkt von dem notwendigen Dasein und Sosein
dieses Typus und von seinem notwendigen Scheitern gestaltend
aufzudecken.
Das Vorherbestimmteste des Versagens ist das andere, objektive Hindernis
der rein epischen Gestaltung: ob diese Schicksalsbestimmung bejaht oder
verneint, beweint oder verhhnt wird, immer ist die Gefahr einer
subjektiv-lyrischen Stell$
eb. Nach einiger Zeit mute er in den Krieg;
whrend seiner Abwesenheit gebar sie ihm Zwillingsknaben und lie es ihm
schreiben. Der Bote, welcher den Brief berbringen sollte, schlief
unterwegs an einem Waldbrunnen ein, da kam der Bse und vertauschte den
Brief mit einem andern, worin unter dem Namen der Hofherren die
abscheulichsten Dinge ber die Frstin gemeldet wurden. Der Frst
schrieb zurck, man solle, bis er heimkomme, seine Frau mit der
seitherigen Ehrerbietung behandeln; aber als der Bote auf dem Rckweg
abermals an dem Brunnen eingeschlafen war, nahm ihm der Teufel wieder
das Schreiben und steckte ihm ein anderes zu, worin den Hofherren
befohlen wurde, die Frstin mit ihren Kindern unverzglich auszutreiben.
Dieses ward vollzogen und ihr dabei das eine Kind auf die Brust, das
andere auf den Rcken gebunden. Vor Durst schmachtend, kam sie zu dem
Brunnen, konnte aber wegen ihrer an sie gebundenen Kinder sich nicht
niederbcken, um zu trinken. Da rief sie Gott um Hilfe an und alsbald
trat ein Mann z$
ar in der Tat eine Pracht.
Jeder hat eben etwas anderes, sagte er verstimmt.
Ganz recht, mein Lieber, und ich habe etwas Besseres.
Mit diesem Tier war nicht auszukommen, Hasan sah es ein. Wenn das die
Folge seiner Ansiedlung sein sollte, da er sich tglich ber dies
eingebildete Geschpf zu rgern htte, so stand fr ihn fest, da er
nicht blieb. Es fiel ihm auch gar nichts mehr ein, was er zu seinem
Vorteil htte sagen knnen. Als er nachdachte, erklang hinter ihm ein
kaum hrbares Rascheln und gleich darauf ein scharfes Zischen. Das
Eichhorn flog herum, als ob es sich zu einem wilden Tanz anschickte,
versuchte einen Satz zu machen, um davonzukommen, blieb aber zitternd
und vllig willenlos an seinem Platz hocken, und ein schmerzliches und
unbeschreiblich angstvolles Wimmern brach aus seinem Mund.
Ala, die Kreuzotter, stammelte das arme Tier. Seine Augen verdrehten
sich, es begann einen sonderbaren schaukelnden Verzweiflungstanz mit
dem Oberkrper, kam aber nicht vom Fleck, und jedes Trpfchen Blut wa$
hat. Er mu daher zur Entfernung seiner explosiven
Bestandteile in einer Lsung von Schwefelnatrium gewaschen und hierauf
getrocknet werden. Auf diese Weise erhlt man eine ausgezeichnete
Kunstseide, die fr Weberei, Wirkerei und Posamenterie ausgezeichnet
verwendbar ist. Chardonnet hat seine Aufgabe glnzend gelst.
Wenn die Knige bau'n, haben die Krrner zu tun. Kaum hatte Chardonnet
einen entschiedenen Sieg errungen, als sich eine Unzahl von Chemikern auf
das Kunstseideproblem strzte. Ein Pionier voll Geist hatte den Weg
gebahnt, die Masse folgte nach. Ein Adler war hoch hinaufgestiegen und
bemerkte nicht den Zaunknig, wollte ihn ncht bemerken, den Zwerg, der auf
ihm sa, um, durch fremde Kraft in hchste Hhen getragen, ihn um einige
Meter zu berfliegen.
Sechs Jahre spter wurde eine neue Kunstseide patentiert: der sogenannte
Glanzstoff. Hier wird, wie auch von den spteren Nachfolgern und
Nachahmern, dasselbe Ausgangsprodukt und dasselbe mechanische Prinzip
zur Herstellung des Fadens verwendet. De$
 die ihn streichelten und ihm allerlei Futter
beizubringen suchen, wovon er schlielich etwas nahm und angstvoll
hinunterschluckte. Die beobachtende Menge begrte dies und  andere
Zeichen wiederkehrenden Lebens mit frohem Geschrei; denn er schlo nun
auch einige Male die Augen ganz und ffnete sie wieder, als wollte er
versuchen, ob die Maschine noch ginge. Als er sogar mit dem Schnabel,
wiewohl schwchlich, unter die Krner stie, die vor ihm ausgestreut
waren, mit den wackelnden Beinen nach hinten auszukratzen sich bemhte
und ein heiseres Krchzen von sich gab, kamen die Hhner, um die sich
niemand bekmmert hatte, erst schchtern, dann eilfertiger
herbeigerannt und fingen um das Scheusal herum zu picken und zu essen
an. Hierber erhob sich anhaltender Jubel, der mit leichten
Flgelschlgen den ausgebreiteten Lindenduft bewegte, so da ein
seliges Jagen von Balsam und Schall sich zu Hupten des Volkes auf und
ab wiegte und als ein Baldachin der Freude ber den Berauschten
Der Brgermeister begann vor Rhr$
d leise in
sich erschauern machte. Sie erhob sich zeitiger als am vergangenen
Tage von der Tafel, indem sie sagte, in dieser unwirtlichen Gegend sei
der Abend feucht und frostig, sie wolle mit ihren Frauen das Lager
aufsuchen, die Mnner mchten es halten, wie sie wollten.
So kam es, da der Chevalier mit dem Kapuziner alleinblieb, der sein
Brevier aus einer Tasche seiner Kutte zog und, die langbewimperten
Lider ber die umflorte Flamme seiner Augen senkend, still fr sich zu
lesen anhub. Bei diesem Anblick schwoll der schlecht bemeisterte
Unwille des La Perouse so an, als sollte er ihm die Brust zersprengen;
wider sein Gewissen, das ihn zurckhalten wollte, machte er seine
Stimme stark und sagte unvermittelt zu dem Lesenden: Ihr habt da
einen kurzweiligen Auftrag von Euerem Kloster empfangen! Es mu eine
Wonne fr einen jungen Mann sein, mit einer schnen Dame wie die
Kurfrstin durch die Wildnis zu lustwandeln. Der Angeredete hob seine
Augen ruhig von dem Brevier auf und sagte: Die Kurfrstin wrde
sch$
t nu en chemise
et en brayes", einen an Hnden und Fen gefesselten Mann, dessen
Augen verbunden waren und der vor Klte zitterte, denn er war braun
und blau gefroren. Als Gaheriet nher kam, hrte er den unglcklichen
Menschen mit Verrat und allen damit zusammenhngenden Lastern ein
Zwiegesprch fhren. (104)
Darauf schwieg der Gefesselte ein Weilchen und begann dann ein neZues
Zwiegesprch mit dem Tode. Als er wieder schwieg, nahte ihm Gaheriet
und fragte ihn, wer er wre. Statt zu antworten fragte der Gefesselte
Gaheriet, ob er einer von den Rubern und Verrtern wre, denen er
seine Schmach verdankte, oder ob er ein fahrender Ritter vom Hofe
Artus' wre; "ich frage", fuhr er fort, "weil mir, der ich alle Ritter
kenne, mit Ausnahme der jngsten, deine Stimme nicht bekannt
vorkommt". Dann nannte Gaheriet seinen Namen.
"Und wer bist du?" fragte Gaheriet den Gefesselten. "Ich bin
Baudemagus, der unglcklichste Ritter, der je gelebt hat, denn wohin
ich auch immer komme, habe ich nichts als Unglck." Gaheriet $
en,
in der Absicht, jedes Denkmal der Tapferkeit der Ritter ihres
Grovaters zu vernichten. Zwei Tage blieb Gaheriet in Taraquin, (125)
dann verlie er mit der Jungfrau und seinem Knappen die Stadt. Sie
ritten bis sie nach _La Roche aux Pucelles_ kamen. Gaheriet hatte nie
einen hnlichen Felsen gesehen und glaubte, er wre durch Menschenhand
so viereckig gebildet worden. Die Jungfrau erklrte ihm, da der
Felsen wie er war so von Natur war.
Gaheriet hatte schon von den Jungfrauen und ihrer Beschftigung
gehrt; als er nun nach dem Gipfel des Felsens emporschaute und die
Jungfrauen in eifrigem Gesprch begriffen erblickte, rief er hinauf:
"Hrt mich an, ihr Jungfrauen". Erst als er sie zum zweiten Male
anrief, beachteten ihn die Jungfrauen. Die lteste rief: "Ritter,
warum strst du uns, was willst du?" "Ich mchte wissen", rief
Gaheriet, "auf welche Weise ich sterb(n werde". "Du solltest nicht
begierig sein, dein Ende zu hren, denn das wird ein trauriges
Ereignis sein. __Wisse, der fremde Ritter,[70] den du $
eualier, ne ia ne me feites nul mal." "Sire", fait elle, "auez vous
dont [28 c] si grant desir que ie vous tiengne a mon cheualier?"
"Dame", fait il, "ie ne desireroie plus [nulle] des choses du siecle."
"Par foy", fait elle, "ia par ce ne perdres a auoir vostre desirier,
car ie vous y recoys et veulx que vous des or mais le soies. Et certes
ie seroie trop villainne se ie plus vous reffusoie." Lors le fait
asseoir deles ly a destre et monseigneur Gauuain a senestre. Et le
cheualier se vouloit asseoir plus bas que la damoiselle nestoit, maiz
elle ne le seuffre mie, ains li dit: "Ne vous remues, beau sire, aussi
hault vous deuries vous seoir ou plus que ie ne deuroye, car uostre
dignite laporte, cest la haultesse de cheualerie qui le commande." Et
il sassiet puis quelle le veult. Et elle li dit maintenant: "Ie vous
pri pour celle foy que vous me de!ues que vous dies se vous feustes huy
mais ceans." "Dame", fait il, "vous maues tant coniure que ie ne vous
mentiroie de riens. Si ay sans faille." "Or me comptes to$
mais belle estoit de grant maniere et espesse.
Lors oy sur destre vng cry grant et merueilleux et bien sembloit que
ce fust cry de femme qui eust besoing. Et il sarreste pour mieulx oir;
et ne demoura gaires quil oy la voix qui autre foiz sescrie: "Aide,
aide!" Quant il entent la voix, il sadresse[310] celle part par vne
petite sente; si na gaires ale quil vint en vne praerie ou il auoit
iusqua .iij. pauillons et y auoit cheualiers iusqua six touz desarmes
qui faisoient a vng escuier trainer vne damoiselle parmy la praerie a
la queue de son ronssin. Messire Gauuain vint celle part grant aleure,
si tost comme il apparcoit que cest damoislle que ilz mainent si
villainement. Et quant il est venus pres deulx, il y uoit le nain, le
petit cheualier, qui auant hier se vouloit combatre pour la damoiselle
au grant cheualier. Et ce estoit cil qui a ceste [29 b] damoiselle
vouloit faire tel villennie, et cestoit celle mesme qui le bel
cheualier auoit laisse pour prendre le nain.
Quant il voit la damoiselle si malmener,$
 em
parlast quelle le feroit destruire. Il ot paour et doubtance de ceste
chose, si sen taist que plus nen osa parler, mais il pensa quil se
vengeroit autrement en tel maniere que bien en seroit venges. Huy
matin auint que monseigneur le roy estoit ales au mostier et la royne
ma dame se gisoit encor en son lit. Et ie, qui estoie chambellain
monseigneur, me gisoie aupres madame et me dormoie si fermement que
nul plus. Et le desloyal et le trahistre qui tous iours espioit
comment il peust madame honir, vint adont en la chambre ou nous
dormions, si me prist si sagement comme il le {48} sot faire et me
couche ou lit madame delez ly que oncques ne men esueillay ne elle
aussi; puis sen ala tout droit a monseigneur le roy la ou il estoit en
sa chappelle et li dist [que] tout ainsi nous auoit trouuez ensemble.
Le roy, qui moult se merueilla de ceste nouuelle, vint celle part au
plus tost quil pot. Et quant il nous trouua ensemble, il en fut tant
doulent quil ne peust estre plus corrouces. Et voirs est que sil ne
fus$
 ceans acomplir, si vous en
istres asses tost se vous voules faire ce que ie vous deuiseray".
"Certes", fait il, "ie ne men istroie pas volentiers se ie nauoie en
ma baillie la damoiselle que ie amenay ceans". "A celle", fait la
dame, "aues vous failli. Se vous esties le roy Artus mesmes, ne
lenmenries vous pas, tant comme nous en feussions ainsi saisis comme
nous sommes." "De ce", fait il, "suis ie moult doulens, se dieu mait".
"Bien peut estre", fait elle, "mais encor vous dy ie que se vous bien
voules vous istres de ceans entre vous et vostre escuier, mais la
damoiselle sans faille nous remaindra". "Voire", fait il, "mais istra
elle iamais de ceans?" "Certes", fait la dame, "ouil, elle ne
remaindra ceans fors huy cest iour seulement, car cilz de ceste ville
la rendront demain au iaiant auquelz ilz doiuent les .xij. damoiselles
de treu". "Et la vendra le iaiant querre?" fait Gaheriet. "Ouil,
voir," fait la dame. "Et a quel compaignie vendra il?" "Certes", fait
la dame, "il vendra tout seul, car ainsi la il$
verrons
[379] Hs. cognoistrons
[380] Hs. Sang
[381] Hs. pencer
[382] Hs. pence
[383] laistz
[384] Hs. E tant
[385] Hs. asseoir
[386] Hs. sang
[387] Der gute Ritter ist Galahad, der wie Reihe 15 S.74 gesagt wird,
    noch nicht erzeugt ist.
[388] Hs. affin
[389] Cfr. S. 73 N. 2
[390] Hs. ne
[391] Hs. penca
[392] Hs. assauoir
[393] Hs. cher
[394] Hs. par
[395] Hs. en
[396] Hs. luy
[397] Hs. ne nencontreroye
[398] Hs. vueil
[399] Diese Prophezeihung wird in der _Mort Artus_ erfllt.
[400] Hs. entendent
[401] Hs. Gauuain
[402] Hs. se
[403] Hs. il
[404] Hs. ainsi
[405] Hs. asseigee
[406] Hs. armes et
[407] Hs. si durement
[408] Hs. _sic_? durement Beiheft zur Zeitschr. f. rom. Phil. XLVII.
[409] Hs. cest
[410] Hs. est ce
[411] Hs. quon
[412] #s. haa
[413] Hs. foiz
[414] Hs. si leur poise moult et en fait plus mate chiere
[415] Hs. les
[416] Hs. Suiuons
[417] Hs. estoient
[418] Hs. feit
[419] Hs. me doint dieu
[420] Hs. Aaglant
[421] Diese Prophezeiung ist nicht in der Huth-Hs. zu finden
[422] Hs. hector
[423] Hs. $
Bezug auf den wahren Sachverhalt habe ausschlieen wollen
(worum es sich damals gar nicht \handelte), sondern lediglich in
Beziehung auf meine Auffassung. Der Sinn ist sonach, da ich gar nichts
als zu meinem Wesen gehrig =erkenne=, auer, da ich ein denkendes
Wesen, das Subjekt des Denkens bin.[6] In folgendem aber werde ich
zeigen, wie daraus, da ich erkenne, da nichts anderes zu meinem Wesen
gehrt,[7] folgt, da auch in =Wirklichkeit= nichts anderes dazu gehrt.
Der zweite Einwand behauptet, daraus, da ich die Vorstellung eines
Wesens in mir habe, das vollkommner ist als ich, folge noch nicht, da
die Vorstellung =selbst= vollkommner sei als ich; noch viel weniger aber
folge daraus, da der vorgestellte =Gegenstand existiere=.
Dagegen erwidere ich, da hier dem Worte Vorstellung ein doppelter
Sinn zu Grunde liegt. Man kann Vorstellung nmlich entweder
=material=, als Thtigkeit des Verstandes auffassen; insofern kann
sie allerdings =nicht= vollkommner als ich genannt werden. Oder man
fat sie =ob$
uch
       Descartes in anderen Schriften gewhnlich, und sein
       erster gewisser Satz bekommt dann die Form: Ich
       +denke+, =ich bin= oder auch: +Ich denke, also bin
       ich+ (_Cogito, ergo sum_). (Ausfhrlich habe ich mich
       ber die Bedeutung des Descartes'schen Fundamentalsatzes
       ausgesprochen in meiner Abhandlung _Cogito, ergo
       sum_. Wiesbaden 1890.)
  [22] K. Fischer (und ganz hnlich v. Kirchmann) bersetzt:
       Hier finde ich: das Denken =ist=; das Denken allein
       kann von meinem Wesen nicht abgetrennt werden; ich bin,
       ich existiere: dieser Satz ist gewi. Dies trifft sehr
       schlecht den Sinn Descartes, der hier die Antwort
       findet auf die Frage: >Was ist es, das zu meinem Wesen
       gehrt?< Unsere bersetzung wird zudem auch durch die
       franzsische Ausgabe der Betrachtungen
       gerechtfertigt.
       Das Ich ist an und fr sich ganz inhaltslos. Seine
       Bedeutung erhlt es erst durch das Denken, auf Grund
       des$
 Herr Johannes Fischer ankam, das wrde fatal
Dieser Johannes Fischer hatte auf die Annonce Fr Kapitalisten hin
sich schriftlich gemeldet und schrieb, er werde sehr wahrscheinlich
schon in allernchster Zeit einmal in Brensweil zwecks Besichtigung der
betreffenden Erfindungen vorsprechen.
Welch zarte, beinahe weibliche Handschrift der Mann besa. Dagegen war
die Schrift Toblers wie mit dem Spazierstock gesetzt. Solche schlank-
und feinschreibenden Menschen machten einen schon zum voraus groe
Reichtmer ahnen. So wie dieser Mann schrieben beinahe alle
Kapitalisten: exakt und zugleich etwas nachlssig. Diese Handschrift
entsprach ganz und gar einer vornehmen und leichten Krperhaltung, einem
unmerklichen Kopfnicken, einer ruhigen, sprechenden Handbewegung. Sie
war so langstielig, diese Schrift, eine gewisse Klte strmte sie aus,
sicher war er das Gegenteil eines heibltigen Gesellen, der so
schrieb. Diese paar Worte: kurz und artig im Stil. Die Hflichkeit und
Bndigkeit erstreckten sich sogar auf das i$
nige und unbedingte
Richtschnur fr das Tun des ersteren.
Dieser Versicherungsagent war in der Tat Tobler treu geblieben. Es war
dies ein einfacher aber aufgeklrter Mensch, dem es nicht einfiel, wegen
Schwierigkeiten rein ueren Geprges einem Manne Freundschaft undVertrautheit aufzuknden, den er einmal schtzen gelernt hatte. Er war
nun noch beinahe der einzige, der etwa Sonntags herber in die Villa
kam, um einen Ja inszenieren zu helfen. Etwas zu trinken gab es bei
Toblers immer noch, behte! Da war ja erst noch in den letzten Tagen ein
kleines Fa voll prchtigen Rheinweines aus Mainz angekommen, eine
versptete, aber deshalb nur um so mehr willkommene Lieferung, die einer
Bestellung aus frheren, besseren Tagen entsprechen mochte. Tobler
schaute gro auf dieses Fa herab, er wute sich gar nicht mehr an den
einmal der Firma gegebenen Auftrag, ihm solchen teuren Wein zu senden,
zu erinnern. Joseph hatte nun wieder eine Nebenaufgabe, die darin
bestand, den Wein in Flaschen abzuziehen und dann dieselbe$
r bckte sich und kte ihr beide Hnde. Sie sagte:
Ja, Joseph, denken Sie ein wenig an Frau Tobler, es wird Ihnen nicht
schaden. Das ist eine Frau, wie viele, keine bedeutende Frau. Lassen
Sie! Kssen Sie mir jetzt nicht mehr die Hand. Sagen Sie meinen Kindern
adieu. Walter! Komm doch. Joseph will uns verlassen. Komm Dora, gib
Joseph die Hand. Kommt. Ja.--
Sie schwieg einen Moment und fuhr dann fort:
Es wird Ihnen sicherlich gut gehen, ich hoffe es und wnsche es, und
ich wei es beinahe. Seien Sie immer ein bichen demtig, nicht zu viel,
Ihren Mann werden Sie immer stellen mssen. Aber brausen Sie nie auf,
lassen Sie die ersten Worte des belwollens immer unbeantwortet; auf ein
heftiges erstes Wort folgt ja so schnell ein zchtiges, sanftes.
Gewhnen Sie sich daran, Empfindlichkeiten in der Stille zu besiegen.
Was Frauen jeden Tag tun mssen das soll auch der Mann nicht wollen ganz
auer acht lassen. Das Weltleben unterliegt ja denselben Gesetzen wie
das huslic|he Leben, nur greren und breiteren. Nu$
logst den Vater zu begrssen;
  Doch kaum noch sah ich an Dich langen,
  Du strztest zu des Fremden Fssen --
  Ich sah Dich seine Knie umfangen. . .
Er hob mich auf. . .
  An seine Brust; --
  Voll Inbrunst hingst Du Dich an ihn,
  Du ksstest ihn mit heisser Lust --
Und dann. . . ?
  Sah ich auf's Meer Euch fliehn.
  Er sucht mich auf! Ich muss ihn sehn!
  Mit ihm muss ich zu Grunde gehn!
  Entsetzlich! Ha, mir wird es klar;
  Sie ist dahin! Mein Traum sprach wahr!
Ach, wo weilt sie etc. etc.
DRITTE SCENE.
  Mein Kind, Du siehst mich auf der Schwelle. . .
  Wie? kein Umarmen? keinen Kuss?
  Du bleibst gebannt San Deiner Stelle. . .
  Verdien' ich, Senta, solchen Gruss?
  Gott Dir zum Gruss! -- Mein Vater sprich!
  Wer ist der Fremde?
Drngst Du mich?
  Mgst Du, mein Kind, den fremden Mann willkommen heissen!
  Seemann ist er, gleich mir, das Gastrecht spricht er an;
  Lang' ohne Heimath, stets auf fernen, weiten Reisen.
  In fremden Landen er der Schtze viel gewann.
  Aus seinem Vaterland verwiesen,
  F$
    1917.
                            Mit acht Kupfern
                                  von
                             Karl Thylmann
                               2. Abdruck
Vorrede des Verfassers.
Ich glaube, mit drei Worten ist sie gemacht, so wie der Mensch und seine
Bue aus ebenso vielen Teilen.
1) Das erste Wort ist ber den Zirkelbrief des Feldpredigers Schmelzle
zu sagen, worin er seinen Freunden seine Reise nach der Hauptstadt
Fltz beschreibt, nachdem er in einer Einleitung einige Beweise und
Versicherungen seines Mutes vorausgeschickt. Eigentlich ist selber die
Reise nur dazu bestimmt, seine vom Gerchte angefochtene Herzhaftigkeit
durch lauter Tatsachen zu bewhren, die er darin erzhlt. Ob es nicht
inzwischen feine Nasen von Lesern geben drfte, welche aus einigen
darunter gerade umgekehrt schlieen, seine Brust sei nicht berall
bombenfest, wenigstens auf der linken Seite, darber lass' ich mein
Urteil schweben.
brigens bitte ich die Kunstkenner sowie ihren Nachtrab, die
Kunstrichter, dies$
 dem gewi niemals
der Frhling fand. Der Bruderorden dieser Barnabas-Ber ist lngst
ausgestorben. Die halbzerfallenen Schdel der beiden letzten Genossen
liegen auf einem Steinaltar in {den vergessenen Gruftkatakomben von Santa
Maria della Victoria und genieen die gebetlose Ruhe des Vermoderns.
Aber die Schwestern sind viel zher im Leiden. Als vor etwa fnfzehn
Jahren zum letztenmal die rostige Rast der Thrangeln gestrt wurde, da
wollten weihaarige Leute aus der Nhe, Betschwestern mit nicht ganz
zuverlssigem Gedchtnis -- wollten wissen, da zu den sieben noch
lebenden Schwestern eine achte hinzugekommen sei -- aber das waren doch
nur ziemlich haltlose Vermutungen. Wohl aber hatten auch jngere und
scharfsichtigere Menschen in den Wagen geschaut, welcher das neue Opfer
brachte und diese beschworen, da dies ein ganz junges Mdchen von
unbeschreiblicher Schnheit und Vornehmheit gewesen sei und sagten, es
sei sndhaft, diese Flle seltener Anmut in dem schrecklichsten aller
Klster verwelken zu lasse$
tursache, warum die Leute heiraten, die Kameradschaft, und diese
hauptschlich fehlt den unverheirateten Frauen nach der heiteren Zeit
der ersten Jugend. Der natrliche Gefhrte des Weibes ist der Mann.
Daraus folgt, da nicht genug Mnner da sind, um sie glcklich zu machen,
da es ein greres bel gibt als sie zu teilen. Ich behaupte nicht, da
es so befriedigend wre, alsA einen treuen Gatten ganz fr sich zu haben,
aber es knnte fr das grte Wohl der grten Anzahl gut sein, und es
wrde sicherlich bis zu einem gewissen Grade die sozialen Mistnde
Alle klatschten, als sie etwas atemlos geendet hatte. Es war klar, da
es dem braven 'Blaustrumpf' so sehr an dem eigenen Mut der Meinung
fehlte, da sie in tdlicher Verlegenheit war, als sie ihr ffentlich
Ausdruck verleihen mute. Die 'vornehme Dame', die das taktvollste Wesen
der Welt ist, stand daher auf, bevor jemand etwas gesprochen hatte, und
die beiden Frauen verlieen zusammen das Zimmer.
Unter den Mnnern entstand ein Stimmengewirr, welches der 'b$
ch geregelter freier Liebe
ausarten soll, da es viele Mnner und manche Frauen gibt, die immer von
neuem solche Ehen schlieen wrden, und das Ende der Sache wre nichts
anderes als die Probeehe fr den kurzen Zeitraum von drei Jahren.
Man wird gegen diesen Plan einwenden, da viele Paare, die am
gefhrlichen Wendepunkte des Ehelebens -- d.i. nach ca. zehn Jahren --
Malheur haben, in den ersten Jahren vollkommen glcklich sind. Aber da
mal die menschliche Liebe so vernderlich ist und die Leute wie die
Lebensbedingungen dem Wechsel so unterworfen sind, ist es unmglich,
zu irgend einem feststehenden System zu gelangen, das darauf Rcksicht
nimmt. Es mu jedoch daran erinnert werden, da in der Mehrzahl der
unglcklichen Ehen nicht das System zu tadeln ist, sondern die
Individuen. Die Einfhrung des ehelichen Noviziates wrde jedoch die
Zahl der Scheidungen dadurch betrchtlich vermindern, da durch sie das
jetzt so hufige Nichtzusammenpassen der Temperamente weit seltener
wrde. Das eheliche Noviziat wr$
nige Opfer wert.
Professor E.A. Ro hat krzlich in +The American Journal of
Sociology+ konstatiert, da, obgleich die Beschrnkung des Nachwuchses
die Ausbreitung wirtschaftlichen Wohlstandes zur Folge hat, die
Kindersterblichkeit herabsetzt, die bervlkerung verhindert, welche die
HauptSursache von Krieg, Massenarmut, dem Konkurrenzkampf bis aufs Messer
und dem Klassenstreite ist, ihr dennoch beunruhigende Wirkungen
anhaften, und in Ein- oder Zweikinderfamilien den Eltern sowie den
Kindern viele der besten Lehren des Lebens abgehen; der zum Vorbild zu
erhebende Typus ist nicht die Familie mit ein bis drei, sondern mit vier
bis sechs Kindern. Auch der deutsche Gelehrte Mbius hat der Ansicht
Ausdruck gegeben, da die allgemeine Einfhrung des Zweikindersystems
zur Degeneration der Rasse fhren wrde.
Ob aber die Kinderzahl eins oder sechs ist, das ist dem Jesuitenpater
Bernard Vaughan ganz gleich, der in seinem heftigen Angriff auf die
modernen Eltern keinen Unterschied kennt zwischen dem reichen Mann,$
es Schauens, die
Fhigkeiten der bildnerischen Hand vom Kopf bis in die Fingerspitzen
-- und schwoll nicht oft seine ganze Seele, der junge Leib von
ausbrechendem Jubel hoch empor, wenn er sich dem Angebeteten so im
tiefsten verwandt fhlte...
Wie junger Wein war seine Liebe, wrzig und herbe und voll perlender
Frische und htte am liebsten alle Bande zersprengt und brausend ins
Weltall sich ergossen. Und doch auch wieder so scheu, verschmt, da
sie nie den Ausdruck fr all dies Quellen und Drngen und all die
goldenen Seligkeiten gefunden htte. Eine Liebe, die keine
Zrtlichkeiten kannte und auch nicht nach ihnen begehrte, die sich
nicht mehr aufhielt mit derOberflche der Dinge, sondern gleich
eindrang in den Kern der Persnlichkeit des andern. Ein flchtiges,
ein ganz kleines Zeichen der Zuneigung, des Vertrauens, und sie lebte
tagelang in glcklichem Schweigen von dem wenigen. Und suchte seltene
eigene Wege der Opferung.
Franz Rolfers sah wohl die Umwandlung. Mit zwiespltigem Gefhl.
Fragte sich zuwei$
r wieder still geworden und schaute dster sinnend vor sich hin.
Nach einer Weile sagte Nettchen, die ihn still betrachtet, nachdem das
durch Wenzels Reden angefachte Schlagen ihres Herzens sich etwas gelegt
hatte: Haben Sie dergleichen oder hnliche Streiche frher schon
begangen und fremde Menschen angelogen, die Ihnen nichts zu leide
Das habe ich mich in dieser bitteren Nacht selbst schon gefragt und
mich nicht erinnert, da ich je ein Lgner gewesen bin! Ein solches
Abenteuer habe ich noch gar nie gemacht oder erfahren! Ja, in jenen
Tagen, als der Hang in mir entstanden, etwas Ordentliches zu sein oder
zu scheinen, in halber Kindheit noch, habe ich mich selbst berwunden
und einem Glck entsagt, das mir beschieden schien!
Was ist dies? fragte Nettchen.
Meine Mutter war, ehe sie sich verheiratet hatte, in Diensten einer
benachbarten Gutsherrin und mit derselben auf Reisen und in groen
Stdten gewesen. Davon hatte sie eine feinere Art bekommen, als die
anderen Weiber unseres Dorfes, und war wohl auc$
e, und jener erwiderte:
Kurt vom Walde? was ist das fr ein Kalb? da hatte er fr einmal genug
und spann sich wieder in seine Huslichkeit ein.
Dort betrachtete er sein Weib, und da er sah, wie anmutig Gritli in
ihre Hubchen am Spinnrdchen sa, mit rosigem Munde, mit stillbewegtem
Busen und mit zierlichem Fue, da ging ihm ein Licht auf; er beschlo,
sie zu erhhen und zu seiner Muse zu machen. Von Stund an hie er sie
das mit beinernen Ringen und Glckchen kunstreich gezierte Spinnrad zur
Seite stellen und das grne Band vom seidigen Flachse wickeln. Dafr gab
er ihr eine alte Anthropologie in die Hand und befahl ihr, darin zu
lesen, whrend er in seinem Kontor arbeite, damit die groe
Angelegenheit in der Zeit nicht brach liege. Hierauf ging er an seine
Geschfte, sehr zufrieden mit seinem Einfall. Als er aber zum Essen kam
und begierig war auf die erste geistige Rcksprache mit seiner Muse, da
schttelte sie den Kopf und wute nichts zu sagen.
Ich mu zartere Saiten aufziehen fr den Anfang! dachte e$
n Vordringlichkeit. Denn was ihre Gestalt betraf, so besa sie einen
sehr langen hohen Rumpf, der auf zwei der allerkrzesten Beinen einherging,
so da ihre Taille nur um ein Drittel der ganzen Gestalt ber der Erde
schwebte. Ferner hatte sie einen unverhltnismigen Unterkiefer, mit
welchem sie betrchtliche Gaben von Fleisch und Brot zermalmen konnte, der
aber ihr Gesicht zum grten Teile in Kinn verwandelte, so da dieses wie
ein ungeheurer Sockel aussah, auf welchem ein ganz kleines Huschen ruhte
mit einer engen Kuppel und einem winzigen Erkerlein, nmlich der Nase,
welche sich vor der vorherrschenden Kinnmasse wie zerschmettert zurckzog.
Auf jeder Seite des Gesichts hing eine lange einzelne Locke weit herunter,
whrend am Hinterhaupte ein dnnes Rattenschwnzchen sich ringelte und mit
seiner uersten Spitze stets dem Kamme und der Nadel zu entfliehen
trachtete. Denn steckte man eine Nadel hindurch, so ging es auseinander und
spaltete sich in eine Schlangenzunge, und zwischen den engsten Kammzhnen
$
enes geuert, sagte sie alle
Augenblicke; wie hast du dich doch neulich ausgedrckt, lieber Kurt, es
war zu kstlich! Ich mu dich nur bewundern, bester Kurt, da du nicht
gnzlich abgespannt bist bei deinen Arbeiten und Studien! Ach! ich
fhle recht die schwere Pflicht und was eine Gattin einem solchen Manne
sein knnte und sollte! Wollen wir auch nicht lieber nach Hause gehen,
guter Kurt? Du scheinst mir doch mde; wickle ja deinen Plaid recht um
dich, mein Kind! Heute darfst du mir aber nicht mehr schreiben, wenn wir
heimkommen, das sage ich dir schon jetzt!
Alles dies schwatzte sie vor vielen Leuten, und Viggi schlrfte es ein
wie Honig, nannte seine Frau dafr mein khnes Weib oder trautes
Weib und stellte sich leidend oder feurig, je nach den Reden seiner
kurzbeinigen Fama.
Den Seldwylern aber schmeckte alles das noch besser als Austern und
Hummersalat, ja ein gebratener Fasan htte sie schwerlich weggelockt, wo
Viggi und Ktter sich aufspielten. Fr Jahre waren sie mit neuem
Lachstoff versehen$
iebter vor der Anwendung pltzlich an der
Pest gestorben, so da sie entsagend ins Kloster gegangen sei. Violande
selbst getraue sich weder dasselbe zu gebrauchen, noch es wegzuwerfen,
weil hieraus ein unbekanntes Unheil entstehen knnte.
Dieses Flschchen fand Kngolt und go seinen Inhalt schnell und
verstohlen in eine frische Kanne Wein, mit welcher sie klopfenden
Herzens hinauseilte. Sie hie die Jnglige alle ihre Glser leeren,
weil sie ihnen einen neuen sen Trunk einschenken wolle, und sie wute
es so einzurichten, da in dem Kruge nichts brig blieb, nachdem sie
alle Glser der Mnner gefllt und jedem nachtrglich etwas zugegossen
hatte, whrend sie ihn wie ein Wetterleuchten s und schalkhaft
In diesen gleichmig und unparteiisch verteilten Blicken lag das
Zaubergift, welches nebst dem starken Wein jetzt die Knaben betrte, da
alle voll Verblendung und Leidenschaft das glnzende Mdchen umwarben
mit jener Selbstsucht, welche sich allaugenblicklich stets dahin wendet,
wo sie ein von anderen gew$
unsch
nach der Herrschaft genhrt, was zugleich ein deutlicheres Aussprechen
dessen mit sich brachte, was man eigentlich bekannte und meinte.
Nun war aber gerade wieder die Zeit, wo die Physiker eine Reihe
merkwrdiger Erfahrungen und Entdeckungen machten und die Neigung, das
Sehen mit dem Begreifen zu verwechseln, berhand nahm und naturgem vom
Stckweisen auf das Ganze geschlossen wurde, fter aber ur da nicht, wo
es am ntigsten war.
Auch verbreiteten neue Philosophen, welche ihre Stichwrter wie alte
Hte von einem Nagel zum andern hingen, bse, verwegene Redensarten, und
es geschah ein groer Zwang in nachgesagten Meinungen und Sprchen.
Wer nun unter den Priestern ruhiger und bescheiden war, dachte, es komme
auf ein gewisses Ma des Mehr oder Weniger in der Unklarheit nicht
gerade an, und verhielt sich klglicherweise friedlich auf dem
gewonnenen Standort, streitbar nur gegen die alten Feinde und
Unterdrcker. Andere dagegen wollten um keinen Preis den Anschein haben,
als ob sie hinter irgend einer Sa$
 auf die
Vermischung der Substanzen beider Individuen (_Weismann's_ Amphimixis).
Der auffrischende Einflu der Kopulation kann aber auch ersetzt werden
durch bestimmte Reizmittel, Vernderungen in der Zusammensetzung der
Nhrflssigkeit, Temperatursteigerung oder Schtteln. Man erinnert sich
an das berhmte Experiment von J. _Loeb_, der Seeigeleier durch gewisse
chemische Reize zu Teilungsvorgngen zwang, die sonst nur nach der
Befruchtung auftreten.
Zweitens: Es ist doch wahrscheinlich, da die Infusorien durch ihren
eigenen Lebensproze zu einem natrlichen Tod gefhrt werden, denn der
Widerspruch zwischen den Ergebnissen von _Woodruff_ und von anderen
rhrt daher, da _Woodruff_ jede neue Generation in frische
Nhrflssigkeit brachte. Unterlie er dies, so beobachtete er dieselben
Altersvernderungen der Generationen wie die anderen Forscher. Er
schlo, da die Tirchen durch die Produkte des Stoffwechsels, die sie
an die umgebende Flssigkeit abgeben, geschdigt werden, und konnte dann
berzeugend nachweis$
in Little Rock gewesen
sein -- was hat er denn nur da gewollt -- ich glaube irgend etwas zum
Verkauf gebracht?
Wahrscheinlich seine Produkte -- trkischen Weizen oder Baumwolle -- 
sagte Frulein von Seebald.
Ne, ne -- es war etwas anderes, meinte Charley.
Oder der Ertrag seiner Jagden -- Hirschhute und Brenschinken. --
Ne, ne, beharrte der kleine Deutsche, es war was ganz absonderliches;
Jemine noch einmal, da ich mich jetzt nicht mehr darauf besinnen kann.
Aber das hat ja auch gar Nichts zu bedeuten. -- Sie kennen jedenfalls
die Lage und knnen mir sagen, wo ich vom Dampfboot abgehen mu den
Platz am leichtesten zu erreichen. Der Capitain meinte, ich wrde bis
Little Rock mitfahren mssen.
Jedenfalls, jedenfalls,sagte Charley schnell, knnen dann bei mir
logiren, ich halte auch seit einiger Zeit ein Hotel; mein Bruder hlt
zwar ebenfalls eins, und wir haben dadurch gewissermaen eine Opposition
gegeneinander, aber die Opposition ist ja die Seele der Gesellschaft,
der Lebenstrieb, der unse$
ume berragt wurden.
Diese kleine Stadt hier, die dem wachsenden Little Rock ihren Ursprung
verdankte, bestand fast einzig und allein aus Schenkstnden -- sogenannten
_groceries_ und _provision stores_, in denen, neben allen mglichen
Lebensbedrfnissen, die spiritusen Getrnke den Hauptbestandtheil
bildeten; aber sie sah neu und hlich aus, wie eine Schachtel frisch
ausgepackter Nrnberger Spielwaaren in eine Reihe gestellt, ber die der
darber wohnende Urwald den Kopf schttelte, und seufzend dabei den
Krebsschaden erkannte, der sich weiter und weiter in seine Seite fra.
Frulein von Seebald, von den Leuten an Bord neugierig betrachtet, die
eine einzelne und dabei so elegant gekleidete fremde Dame niht so oft
und frh zwischen sich sahen, hllte sich brigens, ohne mit irgend
Jemand zu verkehren, fester in ihren Shawl -- die Morgenluft wehte
frisch und khl ber den Strom -- und schaute unverwandt nach dem andern
Ufer hinber, dem sie rasch entgegenstrebten.
Ha, was war das? -- unten am Strand -- dic$
e sind, das Zimmer betreten
hatteC, gingen sie auf die fremde Dame zu, boten ihr zum Willkommen
freundlich die Hand, und dann ihre Sitze am Feuer einnehmend, an dem sie
ihre Moccasins auszogen, und zum Trocknen aufhingen, war ihre erste
Sorge den Frauen Bericht ber die entlaufenen oder ausgebliebenen Khe,
die wie es schien wieder eingefangen waren, abzustatten. Das Gesprch
drehte sich jetzt ausschlielich um Khe, Rinder und Schweine, bis zum
Abendbrod, welches die beiden Tchter der alten Mrs. Rosemore inde
bereitet hatten, und alle Theile der _range_, oder des Weidegrundes, wo
sich noch ein oder das andere Stck verhalten, wurden durchgenommen. Die
Frauen selber interessirten sich dabei so viel dafr wie die Mnner, und
Frulein von Seebald, die dabei als stille Zuhrerin mit am Kamin sa,
war wirklich erstaunt so viel Ortskenntni bei ihnen zu finden, mit der
sie die nach Meilen entfernten Stellen im Wald bezeichneten, und ihre
Richtung dabei nicht etwa bei bestimmten Wegen, sondern nach den
Himmelsgeg$
- wir
halten keine Leute.
Keine Leute fr das Feld? rief Amalie erstaunt -- und Dein Mann
bestellt das Alles allein?
In der Arbeitszeit nimmt er sich manchmal einen Mann herber ihm zu
helfen sagte die Frau -- aber komm Amalie, komm in das Haus; die
Herbstsonne sengt Dir noch die Haut, und Du wirst mde von der Reise
sein; auch mut Du mir erzhlen wie und mit wem Du hierher gekommen,
mitten auf _oakland grove_ allein und ordentlich aus dem Boden
herausgewachsen. Wie ich Dich so da vor mir stehen sah, glaubt ich
wahrhaftig erst, ich she Deinen Geist -- aber Du wirst Dir Dein Kleid
verderben, hier bei uns.
Warum verderben? lachte Amalie unter zurckgehaltenen Thrnen vor,
als sie die dnne, fast durchsichtige Hand der Schwester fate und ihren
Arm um ihre Schulter legte, sie zum Haus zu fhren, und wenn es wre,
ist es ja doch fr die Reise bestimmt.
Sie hatten sich inde der Thr genhert, und Sidonie streckte den Arm
aus sie zu ffnen -- aber der Arm zitterte, zgerte, und der Schweste
Hand er$
Weg zum Rio Manapiari, der in den Ventuari mndet. Fhrt man diese
beiden Flsse hinab, so gelangt man in den Orinoco und Atobapo, ohne ber
die groen Katarakten zu kommen, ber welche Vieh hinaufzuschaffen so gut
wie ,nmglich wre. Der Unternehmungsgeist, der den Castilianern zur Zeit
der Entdeckung von Amerika in so vorzglichem Grade eigen war, lebte in
der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts auf kurze Frist noch einmal auf,
als Knig Ferdinand VI. die wahren Grenzen seiner ungeheuren Besitzungen
kennen lernen wollte, und in den Wldern von Guyana, dem classischen Lande
der Lge und der mhrchenhaften Ueberlieferungen, die Arglist der Indianer
die chimrische Vorstellung von den Schtzen des Dorado, welche die
Einbildungskraft der ersten Eroberer so gewaltig beschftigt hatte, von
Neuem in Umlauf brachte.
In diesen Bergen der Encaramada, die, wie der meiste grobkrnige Granit,
keine Gnge enthalten, fragt man sich, wo die Goldgeschiebe herkommen,
welche Juan MARTINEZ(13) und RALEGH bei den Indianern am Or$
 wei, wie breit die
Cordilleren sind, noch wie die Flsse laufen, die in den Orinoco und in
den Amazonenstrom fallen, und doch werden einst in besseren Zeiten eben
auf diesen Nebenflssen, dem Meta, dem Guaviare, dem Rio Negro, dem
Caqueta, die Einwohner von Cundinamarca mit Brasilien und Paraguay
Ich wei wohl, da in den Missionen der Andaquies ziemlich allgemein der
Glaube herrscht, der Caqueta gebe zwischen dem Einflu des Rio Fragua und
des Caguan einen Arm an den Puumayo, und weiter unten, unterhalb der
Einmndung des Rio Payoya, einen andern an den Orinoco ab; aber diese
Meinung sttzt sich nur auf eine unbestimmte Sage der Indianer, welche
hufig Tragepltze und Gabeltheilungen verwechseln. Wegen der Katarakten
an der Mndung des Payoya und der wilden Huaques-Indianer, auch
Murcielagos (Fledermuse) genannt, weil sie den Gefangenen das Blut
aussaugen, knnen die spanischen Missionre nicht den Caqueta hinabfahren.
Nie hat ein weier Mensch den Weg von San Miguel de Mocoa zum Einflu des
Caqueta in$
uca der bedeutendste zwischen Apure und Meta. Der
Suapure, der eine Menge kleiner Faelle bildet, ist bei den Indianern wegen
des vielen wilden Honigs beruehmt, den die Waldungen liefern. Die Meliponen
haengen dort ihre ungeheuren Stoecke an die Baumaeste. Pater GILI hat im Jahr
1766 den Suapure und den Turiva, der sich in jenen ergiesst, befahren. Er
fand dort Staemme der Nation der Areverier. Wir uebernachteten ein wenig
unterhalb der Insel Macupina.
Am 9. April. Wir langten frueh Morgens am *Strande von Pararuma* an und
fanden daselbst ein Lager von Indianern, aehnlich dem, das wir an der _boca
de la Tortuga_ gesehen. Man war beisammen, um den Sand aufzugraben, die
Schildkroeteneier zu sammeln und das Oel zu gewinnen, aber man war leider
ein paar Tage zu spaet daran. Die jungen Schildkroeten waren ausgekrochen,
ehe die Indianer ihr Lager aufgeschlagen hatten. Auch hatten sich die
Krokodile und die *Garzes*, eine grosse weisse Reiherart, das Saeumniss zu
Nutze gemacht. Diese Thiere lieben das Fleisch der ju$
elpunkt der Insel St. Nicolas aus, oder aber (wie der
portugiesische Hof behauptete) vom westlichen Ende der kleinen Insel San
Antonio gezaehlt werden. Im Jahr 1754, zur Zeit von Ituriagas und Solanos
Expedition, unterhandelte man ueber den Besitz der damals voellig
unbewohnten Ufer des Tuamini und um ein Stueck Sumpfland, ueber das wir
zwischen Javita und dem Pimichin an Einem Abend gegangen. Noch in neuester
Zeit wollten die spanischen Commissaere die Scheidungslinie an die
Einmuendung des Apoporis in den Jupura legen, waehrend die portugiesischen
Astronomen sie bis zum Salto Grande Hzurueckschoben. Die Missionaere und das
Publikum ueberhaupt betheiligten sich sehr lebhaft an diesen
Grenzstreitigkeiten. In den spanischen wie in den portugiesischen Colonien
beschuldigt man die Regierung der Gleichgueltigkeit und Laessigkeit.
Ueberall wo die Voelker keine Verfassung haben, deren Grundlage die
Freiheit ist, gerathen die Gemuether nur dann in Aufregung, wenn es sich
davon handelt, die Grenzen des Landes weiter $
uch der letzte Stern.
Der Schatten.
    Zwischen mir und meinem trunknen Leben
    Wrmt ein Schatten sich an meiner Glut.
    Wnschend saust mein ungestilltes Blut,
    Doch er raubt mir schon im Niederschweben
    Jeden Traum und jedes goldne Gut.
    Meiner Schtze waren funkelnd viele,
    Doch ich fhl' an meines Bechers Rand
    _Seines_ Schattenmundes wilde Khle
    Und am Griffe _seine_ Schattenhand.
    Schritt ich so verloren in die Lande,
    Lie mein Wandern keine Spur zurck.
    _Sein_ Spuren, halb verweht im Sande,
    Sah mein schauernd rckgewandter Blick.
    Selbst von meines Schlummers Grunde heben
    Seine Hnde jeden Schatz der Lust:
    Schlafen mu ich steinern, traumbewut
    Zwischen mir und meinem trunknen Leben.
    Nacht, die aus den Sternen quillt,
    Schmieg dich fester um mein Leben!
    Was genommen und gegeben,
    Ist vollendet und erfllt.
    Wie ein Brunnen ist mein Blick:
    Alle Eimer, die sich hoben,
    Kehren berfllt von oben
    Mit gekhltem Licht zurck.
$
hzwngt. Nur wird eine Entwicklung unter solchen
Voraussetzungen eine ungesunde sein. Nicht die freie Entfaltung der auf
Grundlage des Kapitals wirkenden individuellen Fhigkeiten hat Zustnde
hervorgerufen, innerhalb welcher die menschliche Arbeitskraft Ware sein
mu, sondern die Fesselung dieser Krfte durch da{s politische Staatsleben
oder durch den Kreislauf des Wirtschaftslebens. Dies unbefangen zu
durchschauen, ist in der Gegenwart eine Voraussetzung fr alles, was auf
dem Gebiete der sozialen Organisation geschehen soll. Denn die neuere Zeit
hat den Aberglauben hervorgebracht, da aus dem politischen Staate oder dem
Wirtschaftsleben die Manahmen hervorgehen sollen, welche den sozialen
Organismus gesund machen. Beschreitet man den Weg weiter, der aus diesem
Aberglauben seine Richtung empfangen hat, dann wird man Einrichtungen
schaffen, welche die Menschheit nicht zu dem fhren, was sie erstrebt,
sondern zu einer unbegrenzten Vergrerung des Bedrckenden, das sie
abgewendet sehen mchte.
ber den Kapit$
in, aber seine Tochter wid, wenn sie am
Leben bleibt, noch schlimmer als er, das sagen alle Leute.
Darin mgen die Leute recht haben. Ich mchte wohl wissen, wie du zu
dem Sack Mehl gekommen bist.
Es kann wohl nicht schaden, wenn ich dirs sage. Ich nahm heute morgen
Korn aus des Vaters Scheune, und nun bin ich damit zur Mhle gewesen.
Wird er dich denn nicht sehen, wenn du nun damit angeschleppt kommst?
Du scheinst mir noch ziemlich grn zu sein! Vater ist auf einer
Da kommt jemand hinter uns den Hgel hinaufgefahren. Ich kann den
Schnee unter den Schlittenkufen knirschen hren. Wenn er das nun wre?
Die Kleine lauschte und sphte; dann fing sie an zu brllen. Das ist
Vater! schluchzte sie. Er schlgt mich tot. Er schlgt mich tot!
Ja, nun ist guter Rat teuer, und ein schneller Rat ist besser als Gold
und Silber, sagte der Bettler.
Weit du was, sagte das Kind, du kannst mir helfen. Nimm den Strick
und zieh den Schlitten, dann glaubt Vater, da es der deine ist.
Was soll ich denn damit ma$
ter dem Messer, eine zur Ehe gezwungene Gattin schafft sich einen
Liebhaber an. Willst du mich fr das schlagen, was vor zwanzig Jahren
geschah? Weshalb schlugst du mich damals nicht? Weit du icht mehr, da
er auf Ekeby wohnte und wir auf Sj? Hast du vergessen, wie er uns aus
unserer Armut half? Wir fuhren in seinem Wagen, wir tranken seinen Wein.
Haben wir dir etwas verheimlicht? Waren nicht seine Diener unsere
Diener? Fllte sein Gold nicht deine Taschen? Nahmst du die sieben
Besitzungen nicht an? Damals hast du geschwiegen und alles angenommen;
da httest du dreinschlagen sollen, Berndt Samzelius, da httest du
dreinschlagen sollen!
Der Mann wendet sich von ihr ab und sieht alle Anwesenden an. Er liest
auf ihren Gesichtern, da sie ihr recht geben, da sie alle geglaubt
haben, er habe Geld und Gut fr sein Schweigen genommen.
Ich wute es nicht! sagt er und stampft auf den Fuboden.
Ein Glck, da du es jetzt weit! unterbricht sie ihn mit schneidender
Stimme. Ich frchtete, du wrdest sterben, oh$
de Eichhrnchen geweckt als dieser; und der Kster wird
hc2hlich belobt, denn der Br ist eine wahre Landplage gewesen.
Auch der kleine Faber kommt heraus, aber nun wird Major Fuchs arg
genarrt. Da steht der Kster, gerhmt und geehrt, und obendrein hat er
Fabers Khe gerettet, aber der kleine Organist ist weder gerhrt noch
dankbar. Er ffnet ihm nicht seine Arme und begrt ihn nicht als Held
und Schwager.
Der Major runzelt die Stirn und stampft mit den Fen vor Zorn ber eine
solche Schndlichkeit. Er will reden und dem kleinen geizigen,
engherzigen Kerl erklren, welch eine Heldentat dies ist, aber da fngt
er an zu stottern, so da er kein Wort herausbringen kann. Und er wird
immer ergrimmter bei dem Gedanken, da er ohne allen Zweck auf die Ehre
verzichtet hat, den groen Bren zu fllen. Es ist ihm unmglich, zu
begreifen, da derjenige, der eine solche Tat vollfhrt hat, nicht
wrdig sein sollte, die stolzeste Braut zu gewinnen.
Der Kster und einige junge Burschen wollen sich daran machen, dem Bre$
 nein, sagt sie lchelnd, so schlimm ist es denn doch
noch nicht, meine liebe junge Dame.
Sie fordert sie auf, sich zu setzen, und setzt sich selbst. Sie nimmt
ein Air altmodischer Vornehmheit an, wohlbekannt von den groen Festen
auf Ekeby und den Knigsbllen im Statthalterpalais in Karlstad. Sie
vergessen die Lumpen und das Gefngnis und sehen nur die stolzeste,
reichste Frau in ganz Wermland.
Meine liebe Grfin, sagt sie, was veranlat Sie, den Ball zu
verlassen und mich einsame alte Frau aufzusuchen? Das ist wirklich zu
Grfin Elisabeth kann nicht antworten; Bewegung erstickt ihre Stimme.
Frau Scharling antwortet fr sie, da sie nicht tanzen kann, weil sie an
die Majorin denken mu.
Liebe Frau Scharling, antwortet die Majorin, ist es denn jetzt so
weit mit mir gekommen, da ich die Jugend in ihrer Freude stre? Weinen
Sie nicht ber mich, liebe junge Grfin, fhrt sie fort. Ich bin eine
bse, alte Frau, die ihr Schicksal verdient hat. Sie halten es doch
nicht fr richtig, seine Mutter zu sch$
 der Graf.
Hier, sagte Gsta. Und er machte einen miglckten Versuch, das Ganze
als Scherz darzustellen. Der Herr Graf waren gewi dabei, eine Rede zu
halten, und ich schlief ein! Was meinen der Herr Graf dazu, wenn wir
jetzt nach Hause fhren und Sie zu Bette gehen lieen?
Gsta Berling! Sintemal meine Gattin sich geweigert hat, mit dir zu
tanzen, befelle ich, da sie deine Hand kssen und dich um Verzeihung
bitten soll.
Mein lieber Graf Henrik, sagt Gsta lchelnd, das ist keine Hand,
geeignet von einer jungen Dame gekt zu werden. Gestern war sie rot von
dem Blut eines erlegten Elentiers, morgen ist sie schwarz von Ru nach
einer Schlgerei mit einem Khler. Der Graf hat ein edles, hochherziges
Urteil gefllt. Das ist eine hinreichende Genugtuung. Komm,
Beerencreutz!
Der Graf stellte sich ihm in den Weg. Geh nicht, sagt er. Meine Frau
mu mir gehorchen. Ich will, da meine Gemahlin erfhrt, wozu es fhrt,
wenn sie eigenmchtig handelt.
Gsta blieb unschlssig stehen. Die Grfin stand bleich$
s ist etwas verschwunden. Ich frage, ob Er etwas gesehen hat?
Wonach fragt Ihr?
Ja, das ist einerlei! Aber es ist etwas verschwunden. Ich frage nur, ob
Er heute jemand ber den Strom gesetzt hat?
Auf die Weise bekam er natrlich nichts zu wissen, und die Grfin Mrta
mute selbst mit dem Burschen sprecen. Eine Minute spter wute sie,
da die Vermite sich an Bord einer der langsam dahingleitenden Prhme
Was fr Leute sind da auf den Prhmen?
Ach, das sind ja die Kavaliere, wie wir sie nennen.
Ach! sagt die Grfin. Ja, dann ist deine Frau gut aufgehoben, Henrik!
Dann knnen wir ja ebensogern gleich umwenden.
       *       *       *       *       *
Drauen auf dem Prahm herrschte gerade keine so groe Freude, wie die
Grfin Mrta geglaubt hatte. Solange die gelbe Kalesche sichtbar war,
sa die eingeschchterte junge Frau zusammengekauert auf der
Schiffslast, ohne sich zu rhren oder ein Wort zu sagen. Sie starrte nur
ins Wasser hinab.
Wahrscheinlich erkannte sie die Kavaliere erst, als sie die ge$
erzigjhrigem Warten dort wiederfinden
Was fhrt das gndige Frulein nach dem Pfarrhof?
Das gndige Frulein war gekommen, um den Pfarrer zu besuchen. Sie hatte
ihn in frheren Zeiten gekannt.
Vierzig Jahre und vierzig Meilen haben zwischen ihnen gelegen. Und mit
jeder Meile, die sie zurckgelegt, hat sie ein Jahr mit seinen Lasten,
Sorgen und Erinnerungen abgeschttelt, so da sie jetzt, wo sie den
Pfarrhof erreicht hat, wieder zum zwanzigjhrigen Mdchen geworden ist,
ohne Sorgen, ohne Erinnerungen.
Der Bettler steht da und sieht sie an, und vor seinen Augen verwandelt
sie sich von zwanzig Jahre in sechzig und von sechzig wieder in zwanzig.
Der Pfarrer kommt heut nachmittag nach Hause, sagt er. Das gndige
Frulein wrde am besten daran tun, nach dem Gasthof in Broby zu fahren
und heute nachmittag wiederzukommen. Ich stehe daf]r ein, da der
Pfarrer heute nachmittag zu Hause sein wird.
Einen Augenblick spter rollt die schwere Kutsche mit der kleinen welken
Dame die Hgel zum Gasthof hinab, der Bett$
en, und dann, unter sichtlichem Kampf und Angst, werden
die hren mit sen, weichen Krnern gefllt werden. Und spter, wenn
die Sense kommt und die Halme fallen, und wenn der Dreschflvgel
klappernd darber hinfhrt, wenn die Mhle die Krner zu Mehl zermahlt,
und das Mehl zu Brot verbacken wird, wie viel Hunger wird da nicht durch
die Saatkrner vor ihm im Boot gestillt werden!
Sintrams Knecht legte an der Landungsbrcke der Gurlitabauern an, und
viele hungrige Menschen kamen an das Boot hinab. Da sagte der Knecht,
wie sein Herr ihm befohlen hatte: Herr Sintram sendet euch hier Malz
und Korn. Er hat gehrt, da es euch an Branntwein gebricht.
Da wurden die Menschen wie toll. Sie strzten in das Boot hinab und
sprangen ins Wasser, um sich der Scke und Beutel zu bemchtigen. Aber
das war keineswegs Hauptmann Lennarts Absicht gewesen.
Er war jetzt auch gelandet, und er ward zornig, als er die bereiltheit
der Bauern sah. Er wollte die Kartoffeln als Nahrungsmittel und den
Roggen zur Aussaat verteilen; er ha$
 in hohen Schlssern wohnen und an der
Seite des Kaisers reiten knnen, wenn er die Lust dazu gehabt htte.
Aber das hatte er nicht.
Er hatte weit eher Lust, Mhlenflgel an dem hchsten Turm der Burg zu
befestigen, den Rittersaal in eine Schmiede und das Frauengemach in eine
Uhrmacherwerkstatt zu verwandeln. Er hatte Lust, die Burg mit
schnurrenden Rdern und arbeitenden Hebeln anzufllen. Da sich dies aber
nicht tun lie, so kehrte er der ganzen Bescherung den Rcken und ging
in die Uhrmacherlehre. Da lernte er alles, was gelernt werden konnte,
von Zahnrdern und Federn und Pendlen. Er lernte Sonnen- und Sternuhren
machen, Uhren mit piepsenden Kanarienvgeln und trompeteblasenden
Hirten, Glockenspiele, die einen ganzen Kirchturm mit ihrer wunderlichen
Maschinerie ausfllten, und UYhrwerke so klein, da sie in ein Medaillon
eingeschlossen werden konnten.
Als er seinen Meisterbrief bekommen hatte, schnallte er den Ranzen auf
den Rcken, nahm den Knotenstock in die Hand und wanderte von Ort zu
Ort, um alles z$
 er bereute es.
Die Welt war ihm lange nicht so schn erschienen wie an diesem Tage.
Nach dem Gottesdienst sprach er mit Anna Stjrnhk und mit Marianne
Sinclaire. Sie baten ihn beide, sich aufzuraffen und ein Mann zu werden.
Er erfuhr, da Anna Stjrnhk sich mit der Arbeit getrstet hatte; sie
bewirtschaftete jetzt ihre groen Gter selber, und man sagte von ihr,
da sie eine zweite Majorin werden wrde. Er fhlte, da diese beiden
stolzen Frauen unter dem Bewutsein litten, sich des Mannes schmen zu
mssen, den sie geliebt hatten. Jetzt, dachte er, werden sie sich
darber freuen, da ich mein Leben hinebe, um alle die Armen aus ihrer
Not zu erretten, um Ekeby wieder in seinem alten Glanz aufzurichten.
Nach dem Gottesdienst wurde Hauptmann Lennart begraben. Da er am
Markttage gestorben war, hatte sich die Kunde weithin verbreitet, und zu
Tausenden waren die Leute zur Kirche gestrmt. Der ganze Kirchhof, die
Mauer und das an die Kirche grenzende Feld waren voll Menschen. Der alte
Probst war krank und predi$
en
dieselbe Melodie mit viel, viel mehr Violinen, Flten, Harfen, Knie- und
Bassgeigen, elektrischem Licht, Decorationen, Chren, herrlicher
Ausstattung und mit den ersten Sngern.
Diese Schrift soll die allgemeine Discussion ber die Judenfrage
erffnen. Freunde und Feinde werden sich daran betheiligen -- ich hoffe,
nicht mehr in der bisherigen Form sentimentaler Vertheidigungen und
wster Beschimpfungen. Die Debatte soll sachlich, gross, ernst und
politisch gefhrt werden.
Die Society of Jews wird alle Kundgebungen der Staatsmnner, Parlamente,
Judengemeinden, Vereine, die in Wort und Schrift, in Versammlungen,
Zeitungen und Bchern hervorkommen, smmeln.
So wird die Society zum
erstenmal erfahren und feststellen, ob die Juden schon in's Gelobte Land
wandern wollen und mssen. Die Society wird von den Judengemeinden in
aller Welt die Behelfe zu einer umfassenden Statistik der Juden
Die spteren Aufgaben, die gelehrte Erforschung des neuen Landes und
seiner natrlichen Hilfsmittel, der einheitliche Plan zur $
aefer, ein heilkundiger Mann,
Hoffmannstropfen, Heringslauge und Speckpflaster verordnet hatte. Die
Hoffmannstropfen hatte Barthel heute aus der Stadt geholt.
"Ich bitte Sie, sehen Sie mal nach dem Kinde", bat mich Anneliese, "es
sind bereits drei Diphtheriefaelle im Dorfe vorgekommen, und einen Arzt
haben wir hier nicht."
So ging ich mit ihr und den Barthelleuten nach einem Oberstueblein, wo da
Kind in hohem Fieber lag.
Diphtherie! Keine Zeit mehr zu verlieren. Ich gab ein paar vorlaeufige
Verhaltungsmassregeln und schrieb einige Worte an einen Kollegen im
naechsten Orte, da ich die Behandlung ja nicht selbst uebernehmen konnte.
Ein Radler fuhr mit der Botschaft los. Das Maedel ist dann auch gerettet
worden, und Barthel hat nachtraeglich drei Mark Strafe zahlen muessen, weil
er dem Schaefer, der die Heringslauge und das Speckpflaster verordnete,
einige Ohrfeigen als Honorar ausgezahlt hat.
Als wir damals nach der Barthelschen Wohnstube zurueckkehrten, fanden wir
Stefenson und die schoene Eva in angeregteste$
?" sagte sie.
"Ja, Frau Barthel", rief Eva, "und er macht Augen auf mich!"
"Nich wahr, Fraeulein Hanne, Sie haben ooch Ihren Spass an dem alten Esel?"
Das Weiblein fing an zu lachen, dass ihr die Augen traenten.
"Also, wenn der Augen macht", schluchzte sie unter Lachen, "da kommt keen
gestoch'nes Kalb dagegen auf."
"Weib", schrie Barthel erbost; "du bist eifersuechtig. Du hast keen'n Grund
"Nee, nee", schlenkerte die dicke Susanne prustend mit den Haenden; "du
kannst um de ganze Welt 'rum Augen machen, 's faellt keener druff 'rein!"
UMnd sie ging vergnuegt ins Haus zurueck. Barthel stopfte ob des
vernichtenden Urteils ueber seine maennliche Anziehungskraft die Haende in
die Hosentaschen und sagte:
"Das is eene Gemeinheit! Immer lacht se, schon wie se noch meine Braut
war, lacht se mich immer aus."
"Seien Sie doch froh, Barthel, dass Sie eine so lustige Frau haben."
"Nee, nee, Herr Dukter, olles mit Respekt gesagt, aber das verstehen Se
nich! Sie sind nicht verheirat't. Sehn Se, wenn a Weib schimpft, oder wenn$
 Marktplatze hinweg, steige den Berg hinauf zu
meinem Werk.
Eine koestliche Siedlung ist da entstanden auf leeren Halden, im oeden
Walde. Hundert Fenster blitzen in gldigem Lampenlicht, Singen und Lachen
kommt aus den Bauernhoefen. Alle Leute, die mir begegnen, gruessen mich oder
rufen mir freundlich zu. Hier bin ich nicht allein. Bei meiner Arbeit bin
ich zu Hause.
In der Wueste sah ich einmal einen Mann mit gefuellten Wasserschlaeuchen am
Brunnen der Oase stehen, als sich unsere halbverschmachtete Karawane
fiebergluehend auf sie zuschleppte. Da dachte ich, es muesse schoen sein, mit
gefuellten Wasserschlaeuchen Verdurstenden entgegenzusehen. Ich will so sein
wie jener Mann. Alle, die zu mir kommen von der heissen Strasse des Alltags,
will ich laben aus dem kuehlen Brunnen, den ich grub.
Dann wird es mir so gut ergehen, dass ich nichts anderes vom Leben mehr
verlangen will; denn es ist die groesste Lust des Lebens, anderen die Last
des Lebens zu erleichtern.
                       BEMERKUNGEN ZUR TEXTGESTALT$
?
    Ei, gib doch Antwort.
                          Nimmermehr.
    Nimmermehr bis an den jngsten Tag.
    Dann bei Gotts Tod bleib ich hintan
    Wenn in dem Sinn die Meldung beschah,
    Dann stehts, da ich die Reis nit tu.
    Nit tust?
              Nein, alsdann bleib ich am Ort.
    Ich sag dir, wie mir ist zu Sinn
    Du weit, da ich freimtig bin.
    Itzt stehts, da ich die Reis nit tu
    Um keiner lebenden Seel frwahr
    Auch nit um meines Herrn Vaters Lieb
    Gott schenk ihm ansonsten die ewige Ruh.
    Um Gott! Hast mir was anders versprochen!
    Wei wohl. Und ist recht in Treuen beschehn
    Und so du wolltest was anders begehn
    Mit Frauen was Gutes in Kumpanei
    Oder was es sonsten sei
    Solltest an deiner Seiten mich sehn
    So lange Gott lt einen hellen Tag sein
    Und auch des Nachts bei Fackelschein.
    Das sag ich in Treuen!
(_Schickt sich an zu gehen._)
    O deiner bedarf ich jetzt gar sehr
    Jetzt heit es: Gesell gedenke mein.
    Ob wir Genossen waren, ob ni$
ber knchernen Steg, die hyazinthene Stimme des Knaben,
  Leise sagend die vergessene Legende des Walds,
  Sanfter ein Krankes nun die wilde Klage des Bruders.
  Also rhrt ein sprliches Grn das Knie des Fremdlings,
  Das versteinerte Haupt;
  Nher rauscht der blaue Quell die Klage der Frauen.
  Es ist niemand im Haus. Herbst in Zimmern;
  Mondeshelle Sonate
  Und das Erwachen am Saum des dmmernden Walds.
  Immer denkst du das weie Antlitz des Menschen
  Ferne dem Getmmel der Zei;
  ber ein Trumendes neigt sich gerne grnes Gezweig,
  Kreuz und Abend;
  Umfngt den Tnenden mit purpurnen Armen sein Stern,
  Der zu unbewohnten Fenstern hinaufsteigt.
  Also zittert im Dunkel der Fremdling,
  Da er leise die Lider ber ein Menschliches aufhebt,
  Das ferne ist; die Silberstimme des Windes im Hausflur.
KASPAR HAUSER LIED
Fr _Bessie Loos_
  Er wahrlich liebte die Sonne, die purpurn den Hgel hinabstieg,
  Die Wege des Walds, den singenden Schwarzvogel
  Und die Freude des Grns.
  Ernsthaft war sein Woh$
gt an dir selbst. Du hast deine Kraft
berschtzt, wenn du geglaubt hast, du knntest mit deinen Sexualtrieben
anstellen, was du willst, und brauchtest auf ihre Absichten nicht die
mindeste Rcksicht zu nehmen. Da haben sie sich denn emprt und sind
ihre eigenen dunklen Wege gegangen, um sich der Unterdrckung zu
entziehen, haben sich ihr Recht geschaffen auf eine Weise, die dir nicht
mehr recht sein kann. Wie sie das zustande gebracht haben, und welche
Wege sie gewandelt sind, das hast du nicht erfahren; nur das Ergebnis
dieser Arbeit, das Symptom, das du als Leiden empfindest, ist zu deiner
Kenntnis gekommen. Du erkennst es dann nicht als Abkmmling deiner
eigenen verstoeen Triebe und weit nicht, da es deren
Ersatzbefriedigung ist.
Der ganze Vorgang wird aber nur durch den einen Umstand mglich, da du
dich auch in einem anderen wichtigen Punkte im Irrtum befindest. Du
vertraust darauf, da du alles erfhrst, was in deiner Seele vorgeht,
wenn es nur wichtig genug ist, weil dein Bewutsein es dir dann m$
ert.
Die wenigsten Menschen drften sich klar gemacht haben, einen wie
folgenschweren Schritt die Annahme unbewuter seelischer Vorgnge fr
Wissenschaft und Leben bedeuten wrde. Beeilen wir uns aber
hinzuzufgen, da nicht die Psychoanalyse diesen Schritt zuerst gemacht
hat. Es sind namhafte Pilosophen als Vorgnger anzufhren, vor allen
der groe Denker _Schopenhauer_, dessen unbewuter Wille den
seelischen Trieben der Psychoanalyse gleichzusetzen ist. Derselbe Denker
brigens, der in Worten von unvergelichem Nachdruck die Menschen an die
immer noch unterschtzte Bedeutung ihres Sexualstrebens gemahnt hat. Die
Psychoanalyse hat nur das eine voraus, da sie die beiden dem Narzimus
so peinlichen Stze von der psychischen Bedeutung der Sexualitt und von
der Unbewutheit des Seelenlebens nicht abstrakt behauptet, sondern an
einem Material erweist, welches jeden einzelnen persnlich angeht und
seine Stellungnahme zu diesen Problemen erzwingt. Aber gerade darum
lenkt sie die Abneigung und die Widerstnde au$
 -- trauerte, und die eigene
Heimath, das _eigene_ Vaterland verlie, dem verstoenen Mann zu folgen
und ihm Alles zu sein was er daheim verloren. Wir hier -- setzte er
ruhiger hinzu -- htten nie geglaubt, da die Frau aus so vornehmer
Familie sei, wie es jetzt doch wohl scheint, so hat sie gearbeitet, so
sich dem Geringsten unterzogen was in ihre Wirthschaft fiel, und
gesponnen und gewebt dAabei wie unsere Frauen; aber der Mann ging dann
nach Little Rock und spielte und trank -- kam trunken nach Hause -- und
schlug sein Weib -- -- -- Ein anderer Nachbar den wir hier frher
hatten -- setzte er nach lngerem Zgern wieder, und sich wie scheu
dabei umsehend hinzu -- ein junger krftiger Bursch, unverheirathet,
dem das junge Weib Leid that, und das Herz immer gleich auf der Zunge
lag, setzte den Polen einmal deshalb zur Rede -- harte Worte folgten,
und wie es bei uns nicht lange bei Worten bleibt -- auch Faustschlge.
Der Amerikaner war dem Polen in _der_ Waffe berlegen, aber der forderte
ihn auf die Bchs$
on ihm, trank, zog sein
Taschentuch aus der Tasche sich den Mund zu wischen, und sagte dann zu
demBarkeeper, der indessen rasch um den Schenktisch herum und der Thre
zugeschritten war:
Schreiben Sie mir das Glas auf, ich habe jetzt kein kleines Geld bei
mir, und auch keine Zeit zum Wechseln -- geht Ihre Uhr da richtig?
Auf den Punkt.
Gut; _wollten_ Sie wohl die Gte haben mir zu erlauben vorbeizugehn,
Herr -- _Schmidt_ heien Sie ja wohl.
Ja wohl, Julius Thiodolph Schmidt.
Thiodolph, schner Name -- Sie haben brigens wohl nicht verstanden, um
was ich Sie gebeten -- ich mchte auf die Strae hinaus.
Ja, das soll ungefhr der Wunsch von allen denen sein, die nicht mehr
hinaus knnen, sagte Schmidt mit unzerstrbarer Ruhe, ohne auch nur
eines Zolles Breite zu weichen.
Nicht mehr hinausknnen? ich glaube Sie sind verrckt, oder haben zu
viel getrunken, rief Hopfgarten, jetzt wirklich rgerlich. Treten Sie
aus dem Weg, oder ich _bringe_ Sie hinaus; glauben Sie, da ich Lust
und Zeit habe, mich mi$
e Sterblichkeit der
  Braugehilfen an Tuberkulose. Nach Sendtner starben in Mnchen von
  1859-1888 28,9% der Brauer an Schwindsucht.
Ich selbst hatte Gelegenheit, einen Bierwirt zu behandeln, der whrend
eines Zeitraums von 20 Jahren tglich 18-20l Bier ohne irgendwelche
Berauschung zu sich genommen hatte. Er starb ebenfalls Ende der 40er
Jahre und es fand si^ch bei ihm das Mnchener Bierherz in ausgeprgtester
Form. Diese Herzerkrankung entsteht nicht ber Nacht, sie entwickelt
sich in schleichender Form. Die Aufnahme so groer Flssigkeitsmengen,
wie sie der frhere tgliche Bierkonsum der hiesigen Braugehilfen mit
sich brachte, bedingt eine bedeutende Vermehrung der Herzarbeit. Diese
verursacht zunchst eine Hypertrophie der muskulsen Wandungen des
Organs, die bei Fortdauer der enormen Flssigkeitszufuhr unter dem
toxischen Einflusse des Alkohols allmhlich in Entartung bergeht, einen
Zustand, der frher oder spter zur Erlahmung des Herzens fhrt.
In schleichender Weise entwickeln sich auch die sogena$
rben hinter den hlzernen Sulen liegt eine Leiter.
Ich hole sie!
Wir brauchten also weder die Stange noch den mitgebrachten Strick. Ich
ging und fand die Leiter. Sie war fest. Als ich sie angelehnt hatte,
stieg Isla empor. Ich schlich unterdessen nach der Thr zum Selamlk, um
Es dauerte einige Zeit, ehe ich die Gestalt des Mdchens erscheinen sah.
Sie stieg herab, und Isla untersttzte sie dabei. In dem Augenblicke, in
welchem sie denKBoden erreichten, erhielt die Leiter einen Sto; sie
schwankte und strzte mit einem lauten Krach zu Boden.
Flieht! Schnell nach dem Boote! warnte ich.
Sie eilten nach dem Thore, und zu gleicher Zeit hrte ich Schritte
hinter der Thr. Abrahim hatte das Gerusch vernommen und kam herbei.
Ich mute den Fliehenden den Rckzug decken und folgte ihnen also mit
nicht zu groer Schnelligkeit. Der gypter bemerkte mich, sah auch die
umgestrzte Leiter und das geffnete Gitter.
Er stie einen Schrei aus, der von allen Bewohnern des Hauses gehrt
werden mute.
Chirsytz, hajdut, $
, sich verzweiflungsvoll an die
Klippe klammernd. Ich ergreife einen der vorhandenen Dattelbaststricke,
eile an das Seitenbord und werfe ihn dem Bedrohten zu. Er fat danach --
ergreift ihn -- wird emporgezogen -- es ist -- Abrahim-Mamur.
Sobald er das Verdeck glcklich erreicht hatte, schttelte er das Wasser
aus seinen Kleidern und strzte dann mit geballten Fusten auf mich zu.
Hund, du bist ein Ruber und Betrger!
Ich erwartete ihn stehenden Fues, und meine Haltung bewirkte, da er
vor mir stehen blieb, ohne seine Fuste in Anwendung zu brigen.
Abrahim-Mamur, sei hflich, denn du befindest dich nicht in deinem
Hause. Sagst du nur noch ein Wort, welches mir nicht gefllt, so lasse
ich dich an den Mast binden und durchpeitschen!
Die grte Beleidigung fr einen Araber ist ein Schlag, und die
zweitgrte ist die Drohung, ihn zu schlagen. Abrahim machte eine
Bewegung, bezwang sich aber augenblicklich.
Du hast mein Weib an Bord!
Du sagst mir nicht die Wahrheit.
Ich sage sie, denn die ich an Bord ha$
itsche kosten, obgleich du ein Wergi-Baschi
bist und viele Mnner hier bei dir hast!
Diese Drohung hatte eine auerordentlich rasche Wirkung. Die beiden
Beduinen, welche bis hierher meine Begleiter gewesen waren, wurden vom
Schreck ber die Khnheit Halefs um einige Schritte zurckgeworfen; die
Matrosen und brigen Begleiter des Trken sprangen auf und griffen zu
den Waffen, und der Baschi hatte sich mit derselben Schnelligkeit
erhoben. Er griff nach seinem Pistol, aber Halef hielt ihm schon die
Mndung seiner eigenen Waffe auf die Brust.
Ergreift ihn! gebot der Baschi, indem er selbst jedoch sein Pistol
vorsichtig sinken lie.
Die guten Leute behielten zwar ihre drohenden Gesichter bei, aber keiner
wagte es, Hand an Halef zu legen.
Weit du, was es heit, einem Wergi-Baschi mit der Peitsche zu drohen?
fragte der Trke.
Ich wei es, antwortete Halef. Einem Wergi-Baschi mit der Peitsche
drohen, heit, sie ihn auch wirklich kosten lassen, wenn er es wagt, in
der Weise weiter zu sprechen, wie er gesproc$
war das? Es gehrte die ganze Schrfe meines
Gehrs dazu, um zu bemerken, da der Holzriegel an meiner Thr langsam,
langsam zurckgeschoben wurde. Einige Sekunden nachher hrte ich einen
harten Schlag -- ein Gerusch, als wenn jemand vom Boden empor wolle und
doch nicht knne -- ein kurzes, ersticktes Sthnen, und dann erklang es
drauen halblaut:
Sihdi, komm; ich habe ihn!
Es war Halef.
Wen? fragte ich.
Deinen Wchter.
Ich kann dir nicht helfen, die Hnde sind mir gebunden.
Bist du an die Wand gebunden?
Nein; hinaus zu dir kann ich.
So komm, die Thr ist offen.
Als ich hinaustrat, fhlte ich, da der Araber unter krampfhaften
Zuckungen am Boden lag. Halef kniete auf ihm und hatte ihm mit den
Hnden den Hals zugeschnrt.
Fhle in seinen Grtel, ob er ein Messer hat, Sihdi!
Hier ist eins; warte!
Ich zog mit meinen hart am Gelenke gebundenen Hnden das Messer hervor,
nahm den Griff fest zwischen die Zhne und sgte mir die Fesseln
Geht es, Sihdi?
Ja, jetzt habe ich die Hnde frei. Gott se$
Maschallah, Sihdi! Bist du es wirklich?
Er war es wirklich, der kleine Hadschi Halef Omar!
Ich bin es. Ich habe dich bereits von weitem erkannt.
Er sprang vom Pferde herab und fate mein Gewand, um es vor Freude zu
Hamdulillah, Preis sei Gott, da ich dich wiedersehe, Sihdi! Ich habe
mich nach dir gesehnt, wie der Tag nach der Sonne.
Wie geht es dem wrdigen Scheik Malek?
Er ist wohlauf.
Hanneh, deine Freundin?
O, Sihdi, sie ist wie eine Houri des Paradieses.
Und die andern?
Sie sagten mir, da ich dich gren solle, wenn ich dich fnde.
Wo sind sie?
Sie sind am Abhange des Schammargebirges zurckgeblieben und haben mich
an den Scheik der Schammar vorausgesandt, damit ich bei ihm um Aufnahme
bitten solle.
Bei welchem Scheik?
Es ist ganz gleich; bei dem, auf welchen ich zuerst treffe.
Ich habe bereits fr euch gesorgt. Da drben ist das Lager der
Das sind Schammar. Wie heit ihr Scheik?
Mohammed Emin.
Wird er uns aufnehmen? Kennst du ihn?
Ich kenne ihn und habe bereits mit ihm $
ein zu
bereiten, der kein Wein sei und also von jedem guten Moslem ohne
Gewissensbisse getrunken werden knne.
Dann kochten, brauten, khlten, fllten, pfropften und siegelten wir,
da ihm der Schwei vom Angesichte troff, und als wir endlich fertig
waren, durften die Diener wieder eintreten, um die Flaschen an den
khlsten Ort des Kellers zu bringen. Eine aber nahm der Pascha zur
Prfung mit und trug sie mit hchsteigener Hand durch das Vorzimmer in
sein Gemach, wo wir uns wieder niederlieen.
Wollen wir trinken? fragte er.
Er ist noch nicht abgekhlt genug.
Wir trinken ihn warm.
So schmeckt er nicht.
Natrlich mute er, denn der Pascha gebot es ja! Dieser lie zwei Glser
bringen, verbot jedermann, selbst dem Melenden, den Eintritt und lste
Puff! -- Der Stpsel flog an die Decke.
Allah il Allah! rief er erschrocken.
Gischtend scho der Kunstwein aus der Flasche. Ich wollte mein Glas
schnell unterhalten.
Maschallah! Er spritzt wirklich!
Der Pascha that den Mund auf und schob den Hals der Flasch$
ewig unglcklich ist?
Glaubt ihr auch, da Gott allgtig, gndig und barmhdrzig ist?
Dann wird er auch verzeihen -- den Menschen und den Engeln, welche gegen
ihn sndigen. Das glauben wir, und darum bedauern wir jenen, welchen du
meinst. Jetzt kann er uns schaden, und darum nennen wir seinen Namen
nicht. Spter, wenn er seine Macht zurck erhlt, kann er die Menschen
belohnen, und darum reden wir nichts Bses von ihm.
Ihr verehrt ihn? Ihr betet ihn an?
Nein, denn er ist Gottes Geschpf wie wir; aber wir hten uns, ihn zu
beleidigen.
Was bedeutet der Hahn, welcher bei euren Gottesdiensten zugegen ist?
Der bedeutet jenen nicht, welchen du meinst. Er ist ein Bild der
Wachsamkeit. Hat euch Azerat Esau, der Sohn Gottes, nicht erzhlt von
den Jungfrauen, welche den Brutigam erwarteten?
Fnf von ihnen schliefen ein und drfen nun nicht in den Himmel. Kennst
du die Erzhlung von dem Jnger, welcher seinen Meister verleugnete?
Auch da krhte der Hahn. Darum ist er bei uns das Zeichen, da wir
wachen, $
 Lichtern, und der Zug raste vorber.
Den brigen Teil der Nacht fand Thiel wenig Ruhe mehr in seinem Dienst.
Es drngte ihn daheim zu sein. Er sehnte sich, Tobischen wiederzusehen.
Es war ihm zumute, als sei er durch Jahre von ihm getrennt gewesen.
Zuletzt war er in steigender Bekmmernis um das Befinden des Jungen
mehrmals versucht, den Dienst zu verlassen.
Um die Zeit hinzubringen beschlo Thiel, sobald es dmmerte, seine
Strecke zu revidieren. In de| Linken einen Stock, in der Rechten einen
langen, eisernen Schraubschlssel schritt er denn auch alsbald auf dem
Rcken einer Bahnschiene in das schmutzig graue Zwielicht hinein.
Hin und wieder zog er mit dem Schraubschlssel einen Bolzen fest oder
schlug an eine der runden Eisenstangen, welche die Geleise untereinander
Regen und Wind hatten nachgelassen, und zwischen zerschlissenen
Wolkenschichten wurden hie und da Stcke eines blablauen Himmels
Das eintnige Klappen der Sohlen auf dem harten Metall, verbunden mit
dem schlfrigen Gerusch der tropfenschtte$
nd mir Kattun zu einem neuen Kleid!
Zurck Mdchen, zurck! rief aber der Ire lachend, der sich nur mit
Mhe der auf ihn Einstrmenden erwehren konnte - Ihr hattet recht,
Kamerad, die Physionomie thuts bei den Dirnen hier allerdings nicht
allein, und sie reien Einem -- Wettermdchen Ihr, wollt Ihr Ruhe
geben -- die Lumpen vom Leibe; wrden sich auch verdammt wenig
Gewissen daraus machen, einen armen Teufel von Matrosen gleich bei
seinem ersten Ansprung an Land rein auszuplndern und nachher allein
sitzen zu lassen und auszulachen. Die braune Haut versteht sich so gut
darauf wie die weie.
Von welchem Schiff seid Ihr, Kamerad? frug jetzt der Bootsmann, Ihr
segelt wohl unter eigener Flagge?
Der Ire lchelte leise vor sich hin, schttelte aber mit dem Kopf und
erwiederte schmunzelnd:
Diemal habt Ihr vorbeigeschossen, so schmeichelhaft die Anspielung
auch sein mochte; alt England fr immer, ich mchte keine anderen
Farben an meiner Gaffel wehen haben, -- selbst nicht die rothe;
setzte er mit einem ha$
noch, aber er hat Dich doch beinah acht Tage festgehabt und kennt Dich
genau, ich habe ihn wenigstens die Geschichte selber zweimal an Bord
erzhlen hren und er schwrt darauf da er Dich hngen sehn will,
wenn er Dir jemals im Leben wied6er begegnet.
Unsinn, was kann er mir thun, brummte aber Jim (denn wir wollen den
Namen beibehalten), wir wurden eben von unserer Beute vertrieben,
aber das war doch auch weiter kein Beweis gegen mich.
Sie haben die beiden Leichen in dem Pandanusdickicht gefunden, sagte
Den Teufel, knirschte Jim zwischen den Zhnen durch -- das wre
allerdings fatal -- aber er hat keine Zeugen.
Mehr wie er braucht, entgegnete Jack -- drei von den Jungen die uns
damals den Spa verdarben, sind auf der ~Jeanne d'Arc~ -- und Du
kannst Dir denken wie mir zwischen dem Gesindel zu Muthe sein mu --
ein Glck da sie keine Ahnung haben wie nahe wir schon einmal mit
einander in Geschftsverbindung gestanden haben.
Aber wie zum Henker bist Du auf das Franzsische Kriegsschiff
gekommen$
eiben hier auf den Inseln. Was wissen
die Capitaine solcher Schiffe von der Politik unseres oder ihres
Landes, wenn sie nicht ganz besonders abgeschickt werden? so wenig wie
unsere Fischercanoes wissen, was Pomare denkt oder thut.
Aber wenn die Mitnares nun doch recht htten? sagte Pomare, mit
einem halb triumphirenden Seitenblick auf den Franzsischen Consul.
Du zgerst hier mit solchen Vermuthungen, rief aber dieser jetzt
ungeduldig, bis drauen _geschehen_ ist, was wir hier verhindern
wollen; hrst Du den Lrm, das Toben Deiner frommen christlichen
Unterthanen? -- wenn die franzsischen Kugeln hier herberschmettern,
wirst Du zu spt bereuen unsere Bitten nicht erhrt zu haben.
Nennt Ihr das bitten, wenn Ihr mit Kanonen droht? rief unwillig
Und weisest Du uns ab? frug Tati leise.
Nein Tati, nein, sagte Pomare schnell, sich zu ihm wendend und seine
Hand ergreifend, gehe Du nicht fort im Unmuth von hier, denn ich
fhle wie schwer es _Dir_ geworden zu mir zu kommen. Ach wenn wir
selber unter ein$
hren
Verhltnissen auf das Genaueste und Peinlichste erkundigt hat. Soviel
rath' ich Ihnen, wahren Sie Ihr Herz.
Sie sind zu gtig, Madame, lachte Ren, wenn dem wirklich so ist,
scheint die Sache in der That gefhrlich zu werden.
Spotten Sie nicht vor der Zeit, warnte Madame Belard -- Sie
bekommen es mit keinem gewhnlichen Mdchen zu thun, und werden einem
Paar Augen Stand halten mssen, denen schon strkere Herzen erlegen
sind als ein junger leichtsinniger Franzose wahrscheinlich in seiner
Brust mit herum trgt.
Und die Dame?
Warten Sie, dort drben spricht sie noch mit Madame Choupin, der
Stiefmutter von Brouards Frau, der mchte ich nicht gerne in die Hnde
Die junge Dame dort? rief Ren rasch, ah ich habe sie schon vorher
bemerkt: sie kommt von Papara, wenn ich nicht irre.
Das Alles wird sie Ihnen gleich selber mittheilen, Monsieur; aber
aufrichtig gesagt, setzte sie schelmisch hinzu, bin ich selber
neugierig welch Interesse sie in so auffallender Weise an Ihnen nehmen
kann. Sie _ms$
hlt' er fort, wie erhob mich,
              nicht ferne dem Ziel mehr,
  Heut' in dem dunkeln Oetscherthal' ein Wunder der Allmacht!
  Vor mir sprang ein flchtiger Gemsbock fort in des Weges
  Krmmungen. Ich, von Jagdlust hei, verfolgte den Khnen
  Seitab, bis er vom Rand der steilabgleitenden Felswand
  Strzte zur Tiefe hinab, und zerschmetterte dort die Gebein' all'.
  Aber der Rckgang schien auch mir versagt, und ich wand mich
  Mhesam nur, die Schluchten entlang, zu lichteren Stellen.
  Pltzlich ergriff mein Ohr ein Donnergetmmel: die Felsen
  Drnten umher; stets furchtbarer scholl aus der Schlucht,
              wie ich nahte,
  Strzender Fluthen Gerausch', und erfllte die Thler mit Schauder.
  Doch nun war errungen der Stand. Von des schwindligen Felsens
  Schmalvorragendem Riff' ersah ich, vor freudigem Schrecken
  Selber zum Stein erstarrt, des Waldstroms Fall in den Abgrund:
  Denn vor mir aufthrmte sich hoch der gespaltene Felsberg
  Oben am Rand nur sanft zur Rechten gebogen, und d$
ann, gesunkenen Haupts, auf die Kniee sich werfend,
  Also begann: O Herr, nicht geh' in's Gericht mit mir Armen!
  Ringsum drngt mich die Schuld,
              wie die Fluthen des schwellenden Bergstroms,
  Und einstrzender Berge Gerll. Wo find' ich Errettung
  Einst vor deinem Zorn, Allmchtiger, wo, so dem Schuldner
  Nur vergeltendes Recht, nicht auch Erbarmen zu Theil wird?
  Doch Erbarmen mit mir, das, hart- und eiserngesinnet,
  Ich nicht bt' an den Menschen -- ein Mensch? Erhebe die Hand nur,
  Furchtbarer, straf' mich: denn ich hab' es verschuldet, auf immer!
  Dennoch nimmst du die Shne noch an; barmherzig und gndig
  Bist du, o Herr, wenn reuig das Herz auf der irdischen Bahn noch,
  Schmerzdurchdrungen, sie beut! Noch wandl' ich auf ihr. Im Bewtseyn
  Schrecklichen Frevels, zu dem auf der schwindelnden Hhe des Thrones
  Mich die gefhrliche Macht und der feiggesinneten Schmeichler
  Zauberruf hinri, und des ungebndigten Herzens
  Ehrgeiz, Stolz, und begierliche Gluth stets mchtiger dr$
haben soll. Dem heimkehrenden Knig setzte seine ehrgeizige Gemahlin,
Kunegunde, durch Schmhungen so lange zu, bis er dem Kaiser neuerdings
den Kampf auf Tod und Leben both. Schon am 27. Juni brach er von Prag zu
seinem Heer' auf, das sich vor Brnn versammelt hatte, verlor aber auf
seinem Kriegszug in Oestreich, durch die Belagerung des befestigten
Stdtchens Drosendorf, den entscheidenden Augenblick, und setzte dadurch
den Kaiser in den Stand, Hlfsvlker zu sammeln, um welchen es sonst
durch schnelles Vordringen geschehen gewesen wre. Auf Rudolphs Seite
standen nebst den Schweizern und Elsassern, die ihm sein Sohn Albrecht
zufhrte, der Pfalzgraf Ludwig, sein Tochtermann; der Burggraf Friedrich
von Nrnberg; der Markgraf Heinrich von Hochberg: zu welchen noch die
Grafen von Henneberg, und Frstenberg stieen. Dann: Meinhard Graf von
Tyrol; Graf Albert von Gorz; Friedrich, und Albert, die Grafen von
Ortenburg, und Ulrich von Heunburg mit den Tyrolern, Krnthnern und
Krainern; Pfannberg, und zugleich die $
en einschlug, weil er, auf wiederholte
Aufforderungen, schon halbtodt, aber standhaft, der Wahrheit getreu
gewesen zu seyn betheuerte. (_Horneck_ Cap. 99.)
[10] Vers 378.
Ottokar lie den Bruder Milota's, Bene, Kmmerer von Mhren, dessen
Tochter er geschndet haben soll, zugleich mit Otto von Meiau im Jahr
1265 in dem Hungerthurm zu Eichhorn verbrennen. Milota's Ha gegen
Ottokar, und der Verrath, den er in der Machfelder Schlacht 1278 an ihm
beging, soll dadurch veranlat worden seyn. (Siehe _Hanthalers_ +Fast.
Campil. Lib. I. Dec. VII. . 26.+ S. 1017 und _Fuggers Ehrenspiegel_ &c.
Sechster Gesang.
[1] Vers 96.
_Odin_, der Gott der Gtter, nach der nordischen Mythologie. (Siehe
_Ryerups Wrterbuch der scandinavischen Mythologie von Sander_,
Copenhagen 1817.)
[2] Vers 516.
Die Gemahlinn Rudolphs, Anna, verschied zu Wien am 23. Hornung des Jahrs
1281, von wo ihre Leiche nach Basel abgefhrt, und in der Domkirche
beigesetzt worden ist.
[3] Vers 538.
Da sowohl Ottokar, als auch Rudolph schon zu ihrer Zeit e$
rber viel zu sagen. Was darin unsere Mutter
anbetrift, hat mich gerhrt; und ich beklage die gute Frau. Gottz der
ein anderes Gericht fhrt, als wir, wird ihr vergeben. Was Du von den
brigen Gliedern unserer Familie, den Vater, und Dich ausgenommen,
sagst, hat mich befremdet. Diese drolligen Geschpfe haben also
geglaubt, da ich, nach ihrem ehemaligen niedertrchtigen Betragen gegen
mich, noch Pflichten gegen sie htte, ber deren Beobachtung =sie=
Richter wren, und nach denselben mich beurtheilen drften? Da ich
jetzt durch meinen Besuch diese Pflichten gegen sie erfllt habe, und
da nunmehr erst sie =ihre= Niedertrchtigkeit =mir= verzeihen knnten?
und Du, mein besserer, und wie ich glaubte, vernnftigerer Bruder,
trgst kein Bedenken, mir dies zu schreiben, als ob Du halb, und halb
derselben Meinung zugethan wrest?
Grsse mir herzlich den Vater, und lebe wohl.
        Dein treuer Bruder
                                                   J.G. Fichte.
Indem ich den Brief schliessen will, fllt mir e$
man den Tritt gleich hinstellen, da er gilt, sonst
bohrt man die Sohlen glatt und es ist kein sicherer Halt mglich. Siehst
du, alles mu man !ernen, selbst das Gehen. Aber komm, reiche mir die
Hand, ich werde dich fhren, da du ohne Mhsal fortkommst.
Er reichte mir die Hand, ich fate sie und ging nun gesttzt und
gesicherter weiter.
Der Grovater zeigte nach einer Weile auf einen Baum und sagte: Das ist
die Drillingsfhre.
Ein groer Stamm ging in die Hhe und trug drei schlanke Bume, welche
in den Lften ihre ste und Zweige vermischten. Zu seinen Fen lag eine
Menge herabgefallener Nadeln.
Ich wei es nicht, sagte der Grovater, hatte das Vglein die Worte
gesungen oder hat sie Gott dem Manne in das Herz gegeben: aber die
Drillingsfhre darf nicht umgehauen werden und ihrem Stamme und ihren
sten darf kein Schaden geschehen.
Ich sah mir den Baum recht an, dann gingen wir weiter und kamen nach
einiger Zeit allmhlich aus den Drrschnbeln hinaus. Die Stmme wurden
dnner, sie wurden seltener, h$
ion, wir kamen sehr oft zu ihm hinber, und so gestaltete es
sich milder, seine krperliche Beschaffenheit wurde nachtrglich auch
besser, so da es sich in den Lauf der Dinge schicken konnte, da ihm
mein Gatte, nachdem es die Volljhrigkeit erreicht hatte, die Urkunden
ber seine gerichtlich anliegende Summe und ber das, was bei der
Beerdigung des Vaters briggeblieben war, einhndigen konnte, und da es
endlich sogar Teppiche, Decken und dergleichen Dinge anfertigte, von
denen es im Vereine mit den Zinsen aus seinem kleinen Vermgen lebte,
was um so eher mglich wurde, als ihm die Leute, gerhrt durch seine
Schicksale, die fertigen Stcke immer gern abkauften.--
So erzhlte die Frau, und das Mdchen lebte so in den folgenden Jahren
Der groe Knstler ist schon lngst tot, der Professor Andorf ist tot,
die Frau wohnt schon lange nicht mehr in der Vorstadt, das Perronsche
Haus besteht nicht mehr, eine glnzende Huserreihe steht jetzt an
dessen und der nachbarlichen Huser Stelle, und das junge Geschlecht$
t aus dem bereiften Grau der Wlderlast
emporragt, welche schwer um ihre Fe herum ausgebreitet ist. Im Sommer,
wo Sonne und warmer Wind den Schnee von den Steilseiten wegnimmt, ragen
die Hrner nach dem Ausdrucke der Bewohner schwarz in den Himmel und
haben nur schne weie derchen und Sprenkel auf ihrem Rcken, in der
Tat aber sind sie zart fernblau, und was sie derchen und Sprenkeln
heien, das ist nicht wei, sondern hat das schne Milchblau des fernen
Schnees gegen das dunklere der Felsen. Die Bergfelder um die Hrner aber
verlieren, wenn es recht hei ist, an ihren hheren Teilen wohl den Firn
nicht, der gerade dann recht wei auf das Grn der Talbume herabsieht,
aber es weicht von ihren unteren Teilen der Winterschnee, der nur einen
Flaum machte, und es wird das unbestimmte Schillern von Blulich und
Grnlich sichtbar, das das Geschiebe von Eis ist, das dann bloliegt und
auf die Bewohner unten hinabgrt. Am Rande dieses Schillerns, wo es von
ferne wie ein Saum von Edelsteinsplittern aussieht, is$
tgegenging.
Dann bekamen sie ein Essen, weil sie sehr hungerte. Sie hatten zwei
Nuknacker, Blondkpfchen einen greren und ernsteren, Schwarzkpfchen
einen kleineren und nrrischeren, der einen drolligen Mund hatte und
frchterliche Augen machte. In die Muler der Nuknacker taten sie die
Nsse, die sie gebracht und von den grnen Hlsen befreit hatten,
drckten mit dem Znglein und zerbrachen die Nsse, indem die Knacker
gewaltig die KinnladenPzusammentaten und erschreckliche Gesichter
erzeugten. Sie gaben von den Kernen und von den Nssen dem Vater und der
Mutter und auch der Gromutter, die selten Nsse von dem hohen Nuberge
mitbrachte, und dann immer nur wenige, die sie stets auf das Tischlein
der Kinder legte, so wie sie auch die geschenkten ihnen immer wieder
zurckschenkte.
Als Blondkpfchen schon recht gro geworden war und zu lernen anfing,
als Schwarzkpfchen auch schon lernte, und ein freundlicher Lehrer aus
der Stadt gekommen war und mit ihnen auf einem Tische in der Kinderstube
die schnen Bc$
ie wir sagten, nie geheiratet. Er war der
einzige Sohn seines Vaters, von der Mutter etwas verzogen und von der
Natur widersprechend-ausgestattet. Whrend er nmlich ein wunderschnes
Angesicht und einen sehr wohlgebildeten Kopf hatte, war der brige
Krper zu klein geblieben, als gehrte er jemand anderm an. Er hie im
Hause seines Vaters der Kleine, obwohl es einen grern nicht gab, da er
der einzige war. Er fuhr auch fort, der Kleine zu heien, da er schon
dreiig Jahre alt war und man nicht mehr daran denken konnte, da er
noch wachse. Er hie auch auf der lateinischen Schule und auf der
Universitt der Kleine. Mit diesem Widerspruche der Krperteile war noch
einer der Geistesvermgen verbunden. Er hatte ein so reines Herz, im
Alter fast noch knabenhaft rein, da er die Liebe und Verehrung der
Edelsten erworben htte; er hatte einen klaren, sicheren Verstand, der
mit Schrfe das Richtige traf und den Tchtigsten Achtung eingeflt
htte: aber er hatte auch eine so bewegliche, lebhafte und ber seine
ande$
Die Beziehung der feindlichen Mchte steht
unter altem Fremdenrecht, jus postliminii nach der romanistischen
Wissenschaft.[18][19] Dieser Rechtszustand ist seit dem 16.
Jahrhundert dadurch kompliziert, dass eine Reihe europischer Mchte
ihre Beziehungen zu den Raubstaaten vertraglich regelte, andere
einseitig ihnen gegenber moderne Rechtsgrundstze zur Anwendung
Innerhalb der christlich-europischen Welt haben sich noch bis in die
neuere Zeit Flle faktischer Begnstigung der Piraterie durch
staatliche Massnahmen ereignet. Doch war man stets bestrebt, einen
formellen Bruch mit den Prinzipien des jeweils geltenden Rechtes zu
vermeiden.[20]
[8] Krieg Roms gegen die Illyrier 229 v. Chr. Spterhin stehen die
Ksten des Mittelmeers restlos unter rmischer Herrschaft.
[9] Vgl. _Grotius_, De iure belli ac pacis L. III, C. III  2
[10] _Brunner_, Deutsche Rechtsgeschichte I S. 273; _Heusler_, Instit.
d. deutschen Privatrechts I S. 144 f.
[11] _Pardessus_, Collection de lois maritimes, I S. 15: C'tait la
consque$
res contraires et
ennemis de nostredicte foy catholicque, chascun peut prendre sur
telles manieres de gens, comme sur chiens, et peut l'on les desrobber
et spolier de leurs biens sans pugnition; derselben Ansicht Schuback
1751 S. 203 f. Dieser ganze Rechtszustand ist in Spanien und Portugal
bis in's 19. Jahrhundert bestehen geblieben, vgl. _Pardessus_ VI S. 13
[20] Selbst die Verbindung Albrechts von Mecklenburg mit den
Viktualienbrdern Ende des 14. Jahrhunderts, Frankreichs mit den
Bukanieren im 17. Jahrhunderh geschah in rechtlich zulssiger Form; s.
auch _G. F. v. Martens_, Kaper S. 23 und  8.
Die private Piraterie.
Von der staatlich autorisierten Piraterie, einer alten Form des Lebens
der Vlker, ist von je die Piraterie als Unternehmen einer ohne alle
Beziehung zu einem staatlichen Verbande auf eigene Faust handelnden
Personenvereinigung unterschieden worden. Die Reaktion gegen die erste
Form ist der Krieg,[21] die Bekmpfung der zweiten ist Aufgabe der
Sicherheitspolizei und der Strafrechtspflege.[22$
es intrts que lui, les dispositions
des lois qu'il a faites.
[90] Das Folgende gehrt streng genommen schon nicht mehr zur
Abgrenzung von Piraterie und Kaperei.
[91] S. o. N. 87. _Pradier-Fodr_ a. a. O.  2504 und _Hall_ a. a. O.
S. 263, bersehen aufflligerweise diese wesentliche Beschrnkung. --
Das Gesetz ist nicht leicht verstndlich. Ist die Erteilung der
Kaperbriefe unzulssig, so liegt kein Grund vor, die Strafdrohung auf
Flle zu beschrnken, in denen der Heimatstaat sich seinerseits
verpflichtet hat, die Annahme durch seine Untertanen zu verhindern;
ist sie zulssig, so ist der Empfnger der Kommission als
rechtmssiger Feind zu behandeln. _Prader-Fodr_,  2505, und
_Travers Twiss_, Int. Law 2. Aufl. II S. 419, betrachten denn auch
(unter Zugrundelegung der zweiten Alternative) die Bestrafung der
Besatzung trotz Bestehens eines Vertrages des in dem amerikanischen
Gesetze bezeichneten Inhalts als vlkerrechtswidrig. Ihrer Ansicht
drfte beizutreten sein. Doch ist zu beachten, dass die Behandlu$
ward nach Erschoepfung der physischen und 
geistigen Kraefte der Nation. Es ist aber nicht einmal richtig, wie schon das 
beweist, dass die italischen Staaten ebenso regelmaessig ohne Tyrannis geblieben 
sind wie sie in den hellenischen regelmaessig aufstanden. Der Grund liegt 
einfach darin, dass die Tyrannis ueberall die Folge des allgemeinen Stimmrechts 
ist und dass die Italiker laenger als die Griechen die nicht grundsaessigen 
Buerger von den Gemeindeversammlungen ausschlossen; als Rom hiervon abging, 
blieb auch die Monarchie nicht aus, ja knuepfte eben an an das tribunizische 
Amt. Dass das Volkstribunat auch genuetzt hat, indem es der Opposition 
gesetzliche Bahnen wies und manche Verkehrtheit abwehrte, wird niemand 
verkennen; aber ebensowenig, dass, wo es sich nuetzlich erwies, es fuer ganz 
andere Dinge gebraucht ward, als wofuer man es begruendet hatte. Das verwegene 
Experiment, den Fuhrern der Opposition ein verfassungsmaessiges Veto 
einzuraeumen und sie mit der Macht, es ruecksichtslos gelte$
scher Kriegstribun, fuenfmal Diktator gewesen und viermal 
triumphierend auf das Kapitol gezogen war; im Jahre 393 (361), wo der Diktator 
Titus Quinctius Pennus ihnen gegenueber keine volle Meile von der Stadt n der 
Aniobruecke lagerte, aber ehe es noch zum Kampfe gekommen war, der gallische 
Schwarm nach Kampanien weiterzog; im Jahre 394 (360), wo der Diktator Quintus 
Servilius Ahala vor dem Collinischen Tor mit den aus Kampanien heimkehrenden 
Scharen stritt; im Jahre 396 (358), wo ihnen der Diktator Gaius Sulpicius 
Peticus eine nachdrueckliche Niederlage beibrachte; im Jahre 404 (350), wo sie 
sogar den Winter ueber auf dem Albaner Berg kampierten und sich mit den 
griechischen Piraten an der Kueste um den Raub schlugen, bis Lucius Furius 
Camillus, der Sohn des beruehmten Feldherrn, im folgenden Jahr sie vertrieb - 
ein Ereignis, von dem der Zeitgenosse Aristoteles (370-432 384-322) in Athen 
vernahm. Allein diese Raubzuege, wie schreckhaft und beschwerlich sie sein 
mochten, waren mehr Ungluecksfael$
 Buergergebiet war bis dahin 
hauptsaechlich durch Einzelassignation in der Weise erweitert worden, dass das 
suedliche Etrurien bis gegen Caere und Falerii, die den Hernikern entrissenen 
trecken am Sacco und am Anio, der groesste Teil der sabinischen Landschaft und 
grosse Striche der ehemals volskischen, besonders die pomptinische Ebene in 
roemisches Bauernland umgewandelt und meistenteils fuer deren Bewohner neue 
Buergerbezirke eingerichtet waren. Dasselbe war sogar schon mit dem von Capua 
abgetretenen Falernerbezirke am Volturnus geschehen. Alle diese ausserhalb Rom 
domizilierten Buerger entbehrten eines eigenen Gemeinwesens und eigener 
Verwaltung; auf dem assignierten Gebiet entstanden hoechstens Marktflecken (fora 
et conciliabula). In nicht viel anderer Lage befanden sich die nach den oben 
erwaehnten sogenannten Seekolonien entsandten Buerger, denen gleichfalls das 
roemische Vollbuergerrecht verblieb und deren Selbstverwaltung wenig bedeutete. 
Gegen den Schluss dieser Periode scheint die roemi$
ein wie fest um ganz Italien geschlungenen Netzes in den 
Haenden der roemischen Gemeinde zusammenliefen, war diese eine Grossmacht und 
trat anstatt Tarents, Lucaniens und anderer durch die letzten Kriege aus der 
Reihe der politischen Maechte geloeschter Mittel- und Kleinstaaten in das System 
der Staaten des Mittelmeers ein. Gleichsam die offizielle Anerkennung seiner 
neuen Stellung empfing Rom durch die beiden feierlichen Gesandtschaften, die im 
Jahre 481 (273) von Alexandreia nach Rom und wieder von Rom nach Alexandreia 
gingen, und wenn sie auch zunaechst nur die Handelsverbindungen regelten, doch 
ohne Zweifel schon eine politische Verbuendung vorbereiteten. Wie Karthago mit 
der aegyptischen Regierung um Kyrene rang und bald mit der roemischen um 
Sizilien ringen sollte, so stritt Makedonien mit jener um den bestimmenden 
Einfluss in Griechenland, mit dieser demnaechst um die Herrschaft der 
adiatischen Kuesten; es konnte nicht fehlen, dass die neuen Kaempfe, die 
allerorts sich vorbereiteten, inein$
ht der Masse auch die 
Ungeuebten zusammenhielt. Wenn dennoch kein eigener Soldatenstand sich 
entwickelte, sondern das Heer nach wie vor Buergerheer blieb, so ward dies 
hauptsaechlich dadurch erreicht, dass man die bisherige Gliederung der Soldaten 
nach dem Vermoegen aufgab und sie nach dem Dienstalter ordnete. Der roemische 
Rekrut trat jetzt ein unter die leichtbewaffneten, ausserhalb der Linie 
besonders mit Steinschleudern fechtenden "Sprenkler" (rorarii) und avancierte 
aus diesem allmaehlich in das erste und weiter in das zweite Treffen, is 
endlich die langgedienten und erfahrenen Soldaten in dem an Zahl schwaechsten, 
aber in dem ganzen Heer Ton und Geist angebenden Triarierkorps sich 
zusammenfanden.
Die Vortrefflichkeit dieser Kriegsordnung, welche die naechste Ursache der 
ueberlegenen politischen Stellung der roemischen Gemeinde geworden ist, beruht 
wesentlich auf den drei grossen militaerischen Prinzipien der Reserve, der 
Verbindung des Nah- und Ferngefechts und der Verbindung von Offensive $
chickt mir die Instruktionen
nach.  Ich besitze dergleichen gerne schriftlich.  Leyva tut seine
Pflicht.  Zhlt darau1f!"
Der Feldherr lie ihn gehen und streichelte nachdenklich den feinen
Kopf seines Windspieles, das ihm denselben in die Hand zu legen
gekommen war.
Dann trat er in sein Gemach zurck, wo er Bourbon und Del Guasto in
einem aufgeregten Gesprche fand, wohl ber den Kanzler, denn sie
deuteten mit den Blicken in der Richtung der Turmgemcher.  Der
Feldherr lchelte.  "Herrschaften", sagte er, "Ihr habet heute morgen
eine wunderbare Rede belauscht und--noch wunderbarer--diese Rede hat
mich nicht verfhrt, aber Euch, meine Zeugen.  Meine Treue blieb fest,
und die Eurige wurde erschttert, wie ich glaube: ein Triumph, den
der Kanzler nicht beabsichtigte, der ihm aber schmeicheln darf."
Jetzt wendete er sich mit vernderter Miene gegen Del Guasto: "Don
Juan, ich sah Eure Augen habgierig nach Beute flammen.  Danket es mir,
da ich Euch nicht zu Worte kommen und Euern Herrn, den Kaiser,
verraten lie.$
eten Hnden: "Ich tue
Bue fr mich und Euch und Italien.  Fr dieses seiner stolzen Frevel
und ungewhnlichen Snden wegen, an denen es zugrunde gehen wird, da
Ihr der einzige waret, der es retten konnte.  Fr mich, weil ich
gekommen bin, Euch in Versuchung zu fhren.  Fr Euch, da Ihr diese
Erde verlassen wollet.  Ich habe gebetet fr Euer unvergngliches
Teil, aber der Himmel"--sie schttelte traurig das Haupt--"hat mich
noch nicht erhrt."
Er zog sie auf die Bank der Fensterbrstung und nahm sie bei der Hand,
wie der Bruder die Schwester.  Eine Lust, sich hinzugeben, berkam
ihn, sei es, weil das Geheimnis zwischen ihm und seinem Weibe
weggenommen war, oder in dem unbewuten Wunsche, das letzte
Beisammensein zu verlngern.
"Kleinglubige", begann er heiter, "berlasse mich meinem dunkeln
Beschtzer!  Als ein Knabe glaubte ich mit der Mutter, die eine
Heilige war, an das, was die Kirche verheit; jetzt sehe ich rings
das Fluten der Ewigkeit.  Der Todesengel war mir nahe, schon in
meiner ersten Schlacht, d$
r mit Karthago auf Grund der Abtretung dieser Inseln Friede 
geschlossen, oder, wenn dies misslang oder nicht genuegte, der zweite Akt des 
Krieges nach Afrika verlegt werden. Oder man konnte die Inseln vernachlaessigen 
und sich gleich mit aller Macht auf Afrika werfen, nicht in Agathokles' 
abenteuernder Art die Schiffe hinter sich verbrennend und alles setzend auf den 
Sieg eines verzweifelten Haufens, sondern durch eine starke Flotte die 
Verbindungen der afrikanischen Invasionsarmee mit Italien deckend; in diesem 
Falle liess sich entweder von der Bestuerzung der Feinde nach den ersten 
Erfolgen ein maessiger Friede erwarten oder, wenn man wollte, mit aeusserster 
Gewalt den Feind zu vollstaendiger Ergebung noetigen.
Man waehlte zunaechst den ersten Operationsplan. Im Jahre nach der Schlacht 
von Mylae (495 259) erstuermte der Konsul Lucius Scipio den Hafen Aleria auf 
Korsika - wir besitzen noch den Grabstein des Feldherrn, der dieser Tat gedenkt 
- und machte aus Korsika eine Seestaion gegen Sardinien.$
istandes empfangen hatten. Nach Katalonien gelangt 
man zu Schiff von Italien nicht viel weniger rasch wie von Cartagena zu Lande; 
wenn nach der inzwischen erfolgten foermlichen Kriegserklaerung die Roemer wie 
die Phoeniker im April aufbrachen, konnte Hannibal den roemischen Legionen an 
der Ebrolinie begegnen.
Allerdings wurde denn auch der groessere Teil des Heeres und der Flotte 
fuer den Zug nach Afrika verfuegbar gemacht und der zweite Konsul Publius 
Cornelius Scipio an den Ebro beordert; allein er nahm sich Zeit, und als am Po 
ein Aufstand ausbrach, liess er das zur Einschiffung bereitstehende Heer dort 
verwenden und bildete fuer die spanische Expedition neue Legionen. So fand 
Hannibal am Ebro zwar den heftigsten Widerstand, aber nur von den Eingeborenen; 
mit diesen ward er, dem unter den obwaltenden Umstaenden die Zeit noch kostbarer 
war als das Blut seiner Leute, mit Verlust des vierten Teiles seiner Armee in 
einigen Monaten fertig und erreichte die Linie der Pyrenaeen. Dass durch jene 
Zoeg$
en sich nachzufuehren, so 
konnten bei einem Heere, das immer noch trotz starker Verluste gegen 50000 Mann 
zaehlte, diese doch notwendig nur fuer einige Tage ausreichen. Abgesehen von dem 
Kuestenweg, den Hannibal nicht einschlug, nicht weil die Roemer ihn sperrten, 
sondern weil er ihn von seinem Ziel abgefuehrt haben wuerde, fuehrten in alter 
Zeit ^3 von Gallien nach Italien nur zwei namhafte Alpenuebergaenge: der Pass 
ueber die Kottische Alpe (Mont Genevre) in das Gebiet der Tauriner (ueber Susa 
oder Fenestrelles nach Turin) und der ueber die Graische (Kleiner St. Bernhard) 
in das der Salasser (nach Aosta und Ivrea). Der erstere Weg ist der kuerzere; 
allein von da an, wo er das Rhonetal verlaesst, fuehrt er in den unwegsamen und 
unfruchtbaren Flusstaelern des Drak, der Romanche und der oberen Durance durch 
ein schwieriges und armes Bergland und erfordert einen mindestens sieben- bis 
achttaegigen Gebirgsmarsch; eine Heerstrasse hat erst Pompeius hier angelegt, um 
zwischen der dies- und der jensei$
sein Lager gefuehrt, dass deren Zahl nach der Versicherung nuechterner 
Geschichtschreiber die der Legionarier ueberstieg. Zum Teil hierauf gruendete 
Hannibal seinen Plan. Weit entfernt, ihn anzugreifen, marschierte er an ihm 
vorbei und liess durch die Kelten, die das Pluendern gruendlich verstanden, und 
die zahlreiche Reiterei die Landschaft rings umher brandschatzen. Die Klagen und 
die Erbitterung der Menge, die sich musste auspluendern lassen unter den Augen 
des Helden, der sie zu bereichern versprochen; das Bezeigen des Feindes, dass er 
ihm weder die Macht noch den Entschluss zutraue, vor der Ankunft seines Kollegen 
etwas zu unternehmen, mussten einen solchen Mann bestimmen, sein strategisches 
Genie zu entwickeln und dem unbesonnenen hochmuetigen Feind eine derbe Lektion 
zu erteilen. Nie ist ein Plan vollstaendiger gelungen. Eilig folgte der Konsul 
dem Marsc des Feindes, der an Arezzo vorueber langsam durch das reiche 
Chianatal gegen Perugia zog; er erreichte ihn in der Gegend von Cortona, wo $
rdentlichen Verhaeltnissen angesonnen werden konnte und, wenn einmal 
eine derartige Expedition notwendig war, alles dafuer sprach, sie sogleich und 
mit dem einmal in Asien stehenden siegreichen Heere auszufuehren. So wurde, ohne 
Zwifel unter dem Einfluss des Flamininus und seiner Gesinnungsgenossen im 
Senat, im Fruehjahr 565 (189) der Feldzug in das innere Kleinasien unternommen. 
Der Konsul brach von Ephesos auf, brandschatzte die Staedte und Fuersten am 
oberen Maeander und in Pamphylien ohne Mass und wandte sich darauf nordwaerts 
gegen die Kelten. Der westliche Kanton derselben, die Tolistoager, hatte sich 
auf den Berg Olympos, der mittlere, die Tectosagen, auf den Berg Magaba mit Hab 
und Gut zurueckgezogen, in der Hoffnung, dass sie sich hier wuerden verteidigen 
koennen, bis der Winter die Fremden zum Abzug zwaenge. Allein die Geschosse der 
roemischen Schleuderer und Schuetzen, die gegen die damit unbekannten Kelten so 
oft den Ausschlag gaben, fast wie in neuerer Zeit das Feuergewehr gegen die 
$

wurden (566 188). Ueber alle diese Wirtschaft ward dann zuletzt von allen Seiten 
der roemische Senat zum Schiedsspruch aufgefordert - eine Belaestigung, die die 
gerechte Strafe fuer die befolgte sentimentale Politik war. Weit entfernt, sich 
zu viel in diese Angelegenheiten zu mischen, ertrug der Senat nicht bloss die 
Nadelstiche der achaeischen Gesinnungstuechtigkeit mit musterhafter Indifferenz, 
sondern liess selbst die aergsten Dinge mit straeflicher Gleichgueltigkeit 
geschehen. Man freute sich herzlich in Achaia, als nach jener Restauration die 
Nachricht von Rom einlief, dass der Senat darueber zwar gescholten, aber nichts 
kassiert habe. Fuer die Lakedaemonier geschah von Rom aus nichts, als dass der 
Senat, empoert ueber den von den Acaeern verfuegten Justizmord von beilaeufig 
sechzig bis achtzig Spartanern, der Tagsatzung die Kriminaljustiz ueber die 
Spartaner nahm - freilich ein empoerender Eingriff in die inneren 
Angelegenheiten eines unabhaengigen Staates! Die roemischen Staatsmaenner 
ku$
tterzenturien nicht bloss ein gesondertes, sondern auch 
das tonangebende Stimmrecht erwarb.
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^4 Die gangbare Annahme, wonach die sechs Adelszenturien allein 1200 die 
gesamte Reiterei also 3600 Pferde gezaehlt haben soll, ist nicht haltbar. Die 
Zahl der Ritter nach der Anzahl der von den Annalisten aufgefuehrten 
Verdoppelungen zu bestimmen, ist ein methodischer Fehler; jede dieser 
Erzaehlungen ist vielmehr fuer sich entstanden und zu erklaeren. Bezeugt aber 
ist weder die erste Zahl, die nur in der selbst von den Verfechtern dieser 
Meinung als verschrieben anerkannten Stelle Ciceros (rep. 2, 20), noch die 
zweite, die ueberhaupt nirgend bei den Alten erscheint. Dagegen spricht fuer die 
im Text vorgetragene Annahme einmal und vor allem die nicht durch Zeugnisse, 
sondern durch die Institutionen selbst angezeigte Zahl; denn es ist gewiss, dass 
die Zenturie 100 Mann zaehlt und es urspruenglich drei, dann sechs, endlich seit 
der Servianisch$
zen abzugeben, 
die entweder an sich oder doch verglichen mit den italischen Schleuderpreise 
waren. Schon in den Jahren 551-554 (203-200) und, wie es scheint, zunaechst auf 
Veranstaltung Scipios, wurde in Rom der preussische Scheffel (sechs Modii) 
spanischen und afrikanischen Weizens von Gemeinde wegen an die Buerger zu 24, ja 
zu 12 Assen (17-8 Groschen) abgegeben; einige Jahre nachher (558 196) kamen 
ueber 160000 Scheffel sizilischen Getreides zu dem letzteren Spottpreis in de 
Hauptstadt zur Verteilung. Umsonst eiferte Cato gegen diese kurzsichtige 
Politik; die beginnende Demagogie mischte sich hinein, und diese 
ausserordentlichen, aber vermutlich sehr haeufigen Austeilungen von Korn unter 
dem Marktpreis durch die Regierung oder einzelne Beamte, sind der Keim der 
spaeteren Getreidegesetze geworden. Aber auch wenn das ueberseeische Korn nicht 
auf diesem ausserordentlichen Wege an die Konsumenten gelangte, drueckte es auf 
den italischen Ackerbau. Nicht bloss wurden die Getreidemassen, die der Staa$
Weggeben ohne Entgelt eine Verschleuderung findet; das Geben von 
Geschenken und Vermaechtnissen, die Uebernahme von Buergschaften wurden in 
dieser Zeit durch Buergerschaftsschluss beschraenkt, die Erbschaften, wenn sie 
nicht an die naechsten Verwandten fielen, wenigstens besteuert. Im engsten 
Zusammenhang damit durchdrang die kaufmaennische Puenktlichkeit, Ehrlichkeit und 
Respktabilitaet das ganze roemische Leben. Buch ueber seine Ausgabe und 
Einnahme zu fuehren, ist jeder ordentliche Mann sittlich verpflichtet - wie es 
denn auch in jedem wohleingerichteten Hause ein besonderes Rechnungszimmer 
(tablinum) gab -, und jeder traegt Sorge, dass er nicht ohne letzten Willen aus 
der Welt scheide; es gehoerte zu den drei Dingen, die Cato in seinem Leben 
bereut zu haben bekennt, dass er einen Tag ohne Testament gewesen sei. Die 
gerichtliche Beweiskraft, ungefaehr wie wir sie den kaufmaennischen Buechern 
beizulegen pflegen, kam nach roemischer Uebung jenen Hausbuechern durchgaengig 
zu. Das Wort des unbesch$
Trompeten, die
blasen, als ob die Himmelsknigin zum zweiten Mal ihre Auferstehung
feierte!  Und ich hatt' ihm alles so deutlich angegeben!  Aber, das
mu immer scharwenzeln, immer, es wr' kein Wunder, wenn man's am
Ende gar verge, da man von der Erde genommen ist und wieder zur
Erde werden soll, und es scheint doch vielen zu gefallen, sonst
wrden's diese Leute ja wohl nicht bei jedermann versuchen!
Sechste Szene
Der Kanzler Preising (tritt ein).
Ernst.  Schon da, Preising?  Gut!  Wit Ihr was?  Wir wollen von het
an immer eine Stunde frher anfangen!  Niemand wei, ob er nicht
Feierabend machen mu, ehe er mde ist!  Wieviel hatte die Herzogin
noch vor, nun liegt sie da!  Was bringt Ihr?
Preising.  Zuvrderst!  Die Klagen ber den Wucher der Juden mehren
Ernst.  Man soll sich so einrichten, da man die Juden nicht braucht!
Wer nicht von ihnen borgt, wird nicht arm durch sie, und ob sie
funfzig vom Hundert nehmen!
Preising.  Es ist der Juden selbst wegen, da ich darauf zurckkomme.
In Nrnberg schlgt m$
  Ihr sollt aber!
Albrecht.  So mu ich schon tun, was ich noch nie tat!  (Er wendet
ihm den Rcken.)  Wem gehrt denn das rote Gesicht?  Das ist ein
Degenberg, und an dem fehlt's noch!  (Strzt fort.)
Theobald.  Alles soll sterben, alles, Freund und Feind!  (Er wirft
sich seinm eignen Trupp entgegen, der Albrecht folgen will.)  Wohin?
Halt!  (Er wird durchbohrt.)  So!  Nun ist's genug!  (Fllt und stirbt.
Nothhafft von Wernberg (tritt auf).  Sieg!  Sieg!  Wo ist der Herzog?
Albrecht, sie laufen vor uns, als ob wir mehr als Menschen wren!
Albrecht.  Aber sie sollen liegen!  Ich will die Donau, die sie
erstickt hat, mit Leichen wieder ersticken!
Nothhafft von Wernberg.  Der im Bart wirft sich auf Straubing, Ihr
sollt's betrachten, als ob er's schon htte!
Albrecht.  Da er mir den Richter blo fngt, und ihm kein Leid
zufgt!  In dessen Blut will ich mir den letzten Rausch trinken!
Rolf von Frauenhoven (tritt auf).  Hurra!  Hurra!  Nun ist's aus!
Wir haben ihn!  (Zu Albrecht, wie er ihn bemerkt.)  Wir haben E$
 bald gelst.--Ich sollt' es machen,
Wie meine Mdchen, die zum Zeitvertreib
Auf alle Tne horchen und sich streiten,
Von welchem Vogel jeder kommt, und ob
Der rot ist oder grn.--Welch ein Gerusch!
Ist Karna da mit ihm? Still, alles still.
Es war wohl nichts.--Wie hab ich mich verndert!
Wann fragt' ich sonst den Schall nach dem Woher,
Mich schreckte nichts, mich schreckte nicht einmal
Des Feuers Glut, und wenn sie noch so rot
Am Himmel aufstieg und sich noch so drohend
Verbreitete: ich wute, da ein Kreis
Von treuen Wchtern, unsichtbar um mich
Herum gereiht, des Knigs Lieblingstochter
Mit Blut und Leben schirmte. Jetzt--ein Schritt!
Sie sind's! Ja, Karna ist so klug, als tapfer;
Das hrt' ich stets, und heute s-oll ich's sehn.
Noch nicht! Vielleicht auch gar nicht! Nein, Ihr Gtter,
So grausam werdet Ihr nicht sein. Ich will
Ja nicht, da Ihr die Hand mir reichen sollt,
Um mich am Rand des Abgrunds festzuhalten,
Ich will nur sehn, wer mich hinunterstt.
Je mehr ich sinne, um so weniger
Begreif ich mein$
n man ihr einmal Blut zu trinken gibt.
Das glaub ich auch!
    Nicht wahr? Es bliee alles,
Wie jetzt, ich meine, was mich selbst betrifft,
Denn das ist unser Sklaven-Glck, da uns
Ein roter Mond am Himmel wenig kmmert,
Und da wir ruhiger, wie gier'ge Hunde,
Die einen Bissen zu erschnappen hoffen,
Dem Opfer zusehn und nicht ngstlich fragen,
Ob's Gutes oder Bses prophezeit.
Was willst du sagen, Greis?
                  Dein Vater hatte
Mich immer um sich, einerlei, ob er
Zum Schmausen ging, ob er zu Felde zog,
Ich durfte ihm nicht fehlen, heute reicht' ich
Den Becher ihm und morgen Schild und Speer.
Auch ordnete ich ihm den Scheiterhaufen
Und sammelte mit meinen steifen Fingern
Die weie Asche in den braunen Krug.
Er hatt' es so bestellt. Warum denn wohl?
Die Traube wird schon rot.
                Du bist ihm hnlich,
Vielleicht--ich sah dich nie das Schwert noch ziehn,
Er zog es oft und gern, zuweilen auch
Ganz ohne Grund, ich geb es zu, jawohl,
Und doch war's gut,--vielleicht gar vllig gleich.
Drum wns$
lgste, der noch Jngling ist.
Nun, meine Sinne, denk ich, hab ich noch:
So hr auf mich.
Kandaules.                 Ich tu es ja.
                  Und qule
Mich nicht um Grnde, glaube nicht, da ich
Gleich Unrecht habe, wenn ich auch verstumme,
Weil ein Warum von soundso viel Drachmen
Mir fehlt, wenn du mein Wort zu wgen denkst.
Du kannst ja auch die Vgel, die nicht fliegen,
Wie dir's gefllt, wenn sie dein Seher fragt,
Durch einen einz'gen Schu von deinem Bogen
Zerstreun, und mancher hat's im Zorn getan.
Doch kommt das Unglck darum weniger,
Das sie Qerkndeten? So sprich denn nicht:
Was willst du? Er ist tapfer, brav und treu!
Ich wei es selbst und will's sogar beschwren,
Allein ich warne dich nur um so mehr:
Nimm dich in acht vor Gyges!
Kandaules (lacht).
                    Dacht' ich's doch!
Ich sag's dir noch einmal: nimm dich in acht!
Versteh mich aber recht. Ich sage auch:
Er wird dir nimmer nach der Krone greifen,
Er wird dich mit dem letzten Tropfen Bluts
Verteidigen, und dennoch ist er dir$
n Handwerk, man ist auf dergleichen gefat, mein
persnlicher Rckzug war gedeckt.  Ich lie nichts zurck als alle
meine Schulden, meine Reputation und meinen halben Daumen.  Meine
selige Frau, welcher der Rock am Leibe brannte, ri mich in die
Gondel ihres Bruders, eines Schiffers, und der brachte mich an einen
Zufluchtsort, worauf wir am folgenden Morgen die Stadt verlieen.
Als wir das Gebirg erreichten, nahten wir uns auf Abwegen einer
Kapelle, bei welcher ich mit meinem liebsten Gesellen Martino
verabredet hatte, wieder zusammenzutreffen, wenn wir durch irgendein
Unglck auseinander gesprengt werden sollten.  Mein gutes Weib hatte
ein Stck von einer Wachsfackel, die bei der Leiche unsers seligen
Tchterleins gebrannt hatte, in der Tasche und pflege, wenn sie
nhte, ihren Zwirn damit zu wichsen; aus diesem Wachs hatte sie
whrend unseres Weges die Figur eines Daumens geknetet und hngte
dieselbe, nebst einem Rosenkranz von roten und schwarzen Beeren, den
sie auch sehr artig eingefdelt hatte, dem klein$
ihr Mieder aufzuschnren, wobei sie uns den Rcken kehrte; es sah
aus, als werfe sie Kuhndchen aus, wenn sie die Nestel zog; nun aber
schlpfte sie in die Kche und trat in wenigen Minuten wieder herein
in einem schneeweien Rckchen und einem Mieder von rotem
venetianischen Samt.  So stand sie mitten auf der Decke und
betrachtete ihren Staat mit kindischem Wohlgefallen; der Donner
rollte heftiger, Martino wachte auf, Mitidika fate den Teppich mit
beiden Hnden ber die Schultern, stie mit dem Fu die Kie%nfackel
aus, wickelte sich schnell ein wie eine Schmetterlingslarve, ein
heller Blitz erleuchtete die Kammer, sie scho wie eine Schlange an
die Erde nieder und krmmte sich zusammen.  Martino hatte sie im
Leuchten des Blitzes noch gesehen, aber er wute nicht, was es war;
er sprach: "Meister, saht Ihr etwas?"  Ich war aber so erstaunt, da
ich stumm blieb; da sprach er: "Mitidika, schlfst du?", aber sie
schwieg; Martino drehte sich um und schlief auch wieder.  Meine
Gedanken ber das, was ich gesehen, $
r frueher gehegten Besorgnisse zu ueberzeugen. Die antiroemische 
Partei beschuldigte ihn, dass er sich dazu hergebe, das Land fuer die Roemer zu 
hueten und jede Beleidigung und Erpressung von ihnen sich gefallen lasse; indes 
konnte er, des roemischen Schutzes sicher, in die syrischen, kappadokischen und 
bithynischen Thronstreitigkeiten entscheidend eingreifen. Auch aus dem 
gefaehrlichen bithynischen Krieg, den Koenig Prusias II., der Jaeger genannt 
(572 ? - 605 182-149), ein Regent, der alle barbarischen und alle zivilisierten 
Laster in sich vereinigte, gegen ihn begann, rettete ihn die roemische 
Intervention - freilich erst, nachdem er selbst in seiner Hauptstadt belagert 
und eine erste Mahnung der Roemer von Prusias unbefolgt gelassen, ja verhoehnt 
worden war (598-600 156-154). Allein mit der Thronbezeigung seines Muendels 
Attalos III. Philometor (616-621 133-133) trat an die Stelle des friedlichen und 
maessigen Buergerkoenigtums ein asiatischesSultanregiment, unter dem es zum 
Beispiel vorkam,$
r Aufstaendischen, deren Zahl nach den 
maessigsten Angaben sich auf 70000 Waffenfaehige belaufen haben soll; die Roemer 
sahen sich genoetigt, drei Jahre nacheinander (620-622 134-132) Konsuln und 
konsularische Heere nach Sizilien abzusenden, bis nach manchen unentschiedenen, 
ja zum Teil ungluecklichen Gefechten endlich mit der Einnahme von Tauromenion 
und von Enna der Aufstand ueberwaeltigt war. Vor der letzteren Stadt, in die 
sich die entschlossenste Mannschaft der Insurgenten geworfen hatte, um sich in 
dieser unbezwinglichen Stellung zu verteidigen, wie sich Maenner verteidigen, 
die an Rettung wie an Begnadigung verzweifeln, lagerten die Konsuln Lucius 
Calpurnius Piso und Publius Rupilius zwei Jahre hindurch und bezwangen sie +
endlich mehr durch den Hunger als durch die Waffen 4.
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4 Noch jetzt finden sich vor Castrogiovanni, da, wo der Aufgang am 
wenigsten jaeh ist, nicht selten roemische Schleuderkugeln mit dem Namen des 
Konsuls von 621 (133): L.$
rn Stiefmutter, ihr habt zu 
schweigen! Und da sie noch lauter tobten: ihr meint doch nicht, dass ich die 
losgebunden fuerchten werde, die ich in Ketten auf den Sklavenmarkt geschickt 
Dass man der verrosteten Maschine der Komitien sich fuer die Wahlen und 
fuer die Gesetzgebung bediente, war schon uebel genug. Aber wenn man diesen 
Massen, zunaechst den Komitien und faktisch auch den Kontionen, Eingriffe in die 
Verwaltung gestattete und dem Senat das Werkzeug zur Verhuetung solcher 
Eingriffe aus den Haenden wand; wenn man gar diese sogenannte Buergerschaft aus 
dem gemeinen Saeckel sich selber Aecker samt Zubehoer dekretieren liess; wenn 
man einem jeden, Ndem die Verhaeltnisse und sein Einfluss beim Proletariat die 
Gelegenheit gab, die Gassen auf einige Stunden zu beherrschen, die Moeglichkeit 
eroeffnete, seinen Projekten den legalen Stempel des souveraenen Volkswillens 
aufzudruecken, so war man nicht am Anfang, sondern am Ende der Volksfreiheit, 
nicht bei der Demokratie angelangt, sondern bei der Mo$
oniens Sextus Pompeius bei Argos (unweit Stobi am oberen Axios oder Vardar) 
in einer diesen Kelten gelieferten Schlacht; und nachdem dessen Quaestor Marcus 
Annius mit seinen Truppen herbeigekommen und der Feinde einigermassen Herr 
geworden war, brachen bald darauf dieselben Kelten in Verbindung mit dem Koenig 
der Maeder (am oberen Strymon) Tipas in noch groesseren Massen abermals ein, und 
mit Muehe erwehrten sich die Roemer der andringenden Barbaren 8. Die Dinge 
nahmen bld eine so drohende Gestalt an, dass es noetig wurde, konsularische 
Heere nach Makedonien zu entsenden 9. Wenige Jahre darauf wurde der Konsul des 
Jahres 640 (114), Gaius Porcius Cato, in den serbischen Gebirgen von denselben 
Skordiskern ueberfallen und sein Heer vollstaendig aufgerieben, waehrend er 
selbst mit wenigen schimpflich entfloh; muehsam schirmte der Praetor Marcus 
Didius die roemische Grenze. Gluecklicher fochten seine Nachfolger Gaius 
Metellus Caprarius (641, 642 113, 112), Marcus Livius Drusus (642, 643 112, 
111), de$
sung Roms schlechterdings unvertraeglich 
war. Namentlich in dem roemischen Militaerwesen, dessen im Afrikanischen Krieg 
begonnene Umgestaltung aus einer Buergerwehr in eine Soeldnerschar Marius 
waehrend seines fuenfjaehrigen, durch die Not der Zeit mehr noch als durch die 
Klauseln seiner Bestallung unumschraenkten Oberkommandos fortsetzte und 
vollendete, sind die tiefen Spuren dieser inkonstitutionellen 
Oberfeldherrnschaft des ersten demokratischen Generals fuer alle Zeit sichtbar 
Der neue Oberfeldherr Gaius Marius erschien im Jahre 650 (164) jenseits der 
Alpen, gefolgt von einer Anzahl erprobter Offiziere, unter denen der kuehne 
Faenger des Jugurtha, Lucius Sulla, bald sich abermals hervortat, und von 
zahlreichen Scharen italischer und bundesgenoessischer Soldaten. Zunaechst fand 
er den Feind, gegen den er geschickt war, nicht vor. Die wunderlichen Leute, die 
bei Arausio gesiegt hatten, waren inzwischen, wie schon gesagt ward, nachdem sie 
die Landschaft westlich der Rhone ausgeraubt h.tten, uebe$
uendigung der nur zu ernst gemeinten 
Drohungen warf den Funken in den seit Jahrhunderten aufgehaeuften Zunder des 
erbitterten Hasses; die roemischen Beamten wurden im Theater selbst von der 
Menge zerrissen und sofort, gleich als gelte es, durch einen furchtbaren Frevel 
jede Bruecke der Versoehnung abzubrechen, die Tore auf Befehl der Obrigkeit 
geschlossen, die saemtlichen in Asculum verweilenden Roemer niedergemacht und 
ihre Habe gepluendert. Wie die Flamme durch die Steppe lief die Empoerung durch 
die Halbinsel. Voran ging das tapfere und zahlreiche Volk der Marser in 
Verbindung mit den kleinen, aber kernigen Eidgenossenschaften in den Abruzzen, 
den Paelignern, Marrucinern, Frentanern und Vestinern; der schon genannte 
tapfere und kluge Quintus Silo war hier die Seele der Bewegung. Von den Marsern 
wurde zuerst den Roemern foermlich abgesagt, wonach spaeterhin dem Krieg der 
Name des marsischen blieb. Dem gegebenen Beispiel folgten die samnitischen und 
ueberhaupt die Masse der Gemeinden vom Liris $
 in 
sich schloss, hier aber - aehnlich wie bei den spaeteren Freigelassenen 
latinischen und deditizischen Rechts (vgl. 3, 258 A.) - ohne ein solches eigenes 
Stadtrecht auftrat. Die Folge war, das diese Latiner die an die Stadtverfassung 
geknuepften Privilegien entbehrten, genau genommen auch nicht testieren konnten, 
da niemand anders ein Testament errichten kann als nach dem Recht seiner Stadt; 
wohl aber konnten sie aus roemischen Testamenten erwerben und unter Lebenden 
unter sich wie mit Roemern oder Latinern in den Formen des roemischen Rechts 
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Diese Anordnungen ueber das italische Bodeneigentum stellten teils 
diejenigen roemischen Domaniallaendereien, welche den ehemaligen 
Bundesgenossengemeinden zur Nutzniessung uebertragen waren und jetzt mit deren 
Aufloesung an die roemische Regierung zurueckfielen, teils die eingezogenen 
Feldmarken der straffaelligen Gemeinden zur Verfuegung des Regenten; und er 
benutzte sie, um darauf die Soldaten der siegrei$
 das ueber die italisch-griechische Welt zu 
bringen die germanischen Staemme und die asiatischen Horden bestimmt waren und 
dessen etztes dumpfes Rollen fast noch bis in unsere Gegenwart hineinreicht. 
Aber auch in der inneren Entwicklung traegt diese Epoche denselben Charakter. 
Die alte Ordnung stuerzt unwiederbringlich zusammen. Das roemische Gemeinwesen 
war angelegt als eine Stadtgemeinde, welche durch ihre freie Buergerschaft sich 
selber die Herren und die Gesetze gab, welche von diesen wohlberatenen Herren 
innerhalb dieser gesetzlichen Schranken mit koeniglicher Freiheit geleitet ward, 
um welche teils die italische Eidgenossenschaft als ein Inbegriff freier, der 
roemischen wesentlich gleichartiger und stammverwandter Stadtgemeinden, teils 
die ausseritalische Bundesgenossenschaft als ein Inbegriff griechischer 
Freistaedte und barbarischer Voelker und Herrschaften, beide von der Gemeinde 
Rom mehr bevormundet als beherrscht, in zweifachem Kreise sich schlossen. Es war 
das letzte Ergebnis der Revo$
oerder zu tun. Nach Sertorius' 
Tode machte Perpenna als der hoechste unter den roemischen Offizieren der 
spanischen Armee Ansprueche auf den Oberbefehl. Man fuegte sich, aber 
misstrauend und widerstrebend. Wie man auch gegen Sertorius bei seinen Lebzeiten 
gemurrt hatte, der Tod setzte den Helden wieder in sein Recht ein, und gewaltig 
brauste der Unwille der Soldaten auf, als bei der Publikation seines Testaments 
unter den Namen der Erben auch der des Perpenna verlesen ward. Ein Teil der 
Soldaten, namentlich die lusitanischen, verliefen sich; die zurueckgebliebenen 
beschlich die Ahnung, dass mit Sertorius' Tode der Geist und das Glueck von 
ihnen gewichen sei. Bei de> ersten Begegnung mit Pompeius wurden denn auch die 
elend gefuehrten und mutlosen Insurgentenhaufen vollstaendig zersprengt und 
unter anderen Offizieren auch Perpenna gefangen eingebracht. Durch die 
Auslieferung der Korrespondenz des Sertorius, die zahlreiche angesehene Maenner 
in Italien kompromittiert haben wuerde, suchte der Elende $
 grosse Wahrscheinlichkeit ist dafuer, dass 
Crassus und Caesar den Plan entworfen hatten, sich waehrend Pompeius' 
Abwesenheit der Militaerdiktatur zu bemaechtigen; dass Aegypten zur Basis dieser 
demokratischen Militaermacht ausersehen war; dass endlich der 
Insurrektionsversuch von 689 (65) angezettelt worden ist, um diese Entwuerfe zu 
realisieren und Catilina und Piso also Werkzeuge in den Haenden von Crassus und 
Caesar gewesen sind.
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^2 Plut. Crass. 13; Cic. leg. agr. 2, 17, 44. In dies Jahr (689 65) gehoert 
Ciceros Rede De rege Alexandrino, die man unrichtig in das Jahr 698 (56) gesetzt 
hat. Cicero widerlegt darin, wie die Fragmente deutlich zeigen, Crassus' 
Behauptung, dass durch das Testament des Koenigs Alexandros Aegypten roemisches 
Eigentum geworden sei. Diese Rechtsfrage konnte und musste im Jahre 689 (65) 
diskutiert werden; im Jahre 698 (56) aber war sie durch das Julische Gesetz von 
695 (59) bedeutungslos geworden. Auch handelte es sich im Ja$
e Haufen, sich wieder zu zerstreuen, worauf der 
Senat die gegen ihn verhaengte Strafe zuruecknahm. Nepos selbst hatte sogleich 
nach seiner Suspension die Stadt verlassen und sich nach Asien eingeschifft, um 
Pompeius von dem Erfolg seiner Sendung Bericht zu erstatten.
Pompeius hatte alle Ursache, mit der Wendung der Dinge zufrieden zu sein. 
Der Weg zum Thron ging nun einmal notwendig durch den Buergerkrieg; und diesen 
mit gutem Fug beginnen zu koennen dankte er Catos unverbesserlicher 
Verkehrtheit. Nach der rechtswidrigen Verurteilung der Anhaenger Catilinas, nach 
den unerhoerten Gewaltsamkeiten gegen den Volkstribun Metellus konnte Pompeius 
ihn fuehren zugleich als Verfechter der beiden Palladien der roemischen 
Gemeindefreiheit, des Berufungsrechts und der Unverletzlichkeit des 
Volkstribunats, gegen die Aristokratie und als Vorkaempfer der Ordnungspartei 
gegen die Catilinarische Bande. Es schien fast unmoeglich, dass Pompeius dies 
unterlassen und mit sehenden Augen sich zum zweitenmal in die pein$
 Natur der Sache 
sowie Caesars ausdrueckliche Anabe. Die genauere Bestimmung der Oertlichkeit 
ist oft versucht worden, aber nicht gelungen. Ueberliefert ist nur, dass bei der 
ersten Fahrt die Infanterie in dem einen, die Reiterei in einem anderen, von 
jenem 8 Milien in oestlicher Richtung entfernten Hafen sich einschiffte (Gall. 
4, 22, 23, 28) und dass die zweite Fahrt aus demjenigen von diesen beiden 
Haefen, den Caesar am bequemsten gefunden, dem (sonst nicht weiter genannten) 
Irischen, von der britannischen Kueste 30 (so nach Caesars Handschriften 5, 2) 
oder 40 (= 320 Stadien, nach Strab. 4, 5, 2, der unzweifelhaft aus Caesar 
schoepfte) Milien entfernten abging. Aus Caesars Worten (Gall. 4, 21), dass er 
"die kuerzeste Ueberfahrt" gewaehlt habe, kann man verstaendigerweise wohl 
folgern, dass er nicht durch den Kanal, sondern durch den Pas de Calais, aber 
keineswegs, dass er durch diesen auf der mathematisch kuerzesten Linie fuhr. Es 
gehoert der Inspirationsglaube der Lokaltopographen dazu, um m$
n.
Auch die unruhigen Voelker, die den illyrischen Kuestenstrich innehatten, 
machten ihren roemischen Herren bestaendig zu schaffen. Die Dalmater, schon 
frueher das ansehnlichste Volk dieser Gegend, vergroesserten durch Aufnahme der 
Nachbarn in ihren Verband sich so ansehnlich, dass die Zahl ihrer Ortschaften 
von zwanzig auf achtzig stieg. Als sie die Stadt Promona (nicht weit vom 
Kerkafluss), die sie den Liburniern entrissen hatten, diesen wiederherauszugeben 
sich weigerten, liess Caesar nach der Pharsalischen Schlacht gegen sie 
marschieren; aber die Roemer zogen hierbei zunaechst den kuerzeren, und 
infolgedessen ward Dalmatien fuer einige Zeit ein Herd der Caesar feindlichen 
Partei und wurde hier den Feldherren Caesars von den Einwohnern, in Verbindung 
mit den Pompeianern und mit den Seeraeubern, zu Lande und zu Wasser energischer 
Widerstand geleistet.
Makedonien endlich nebt Epirus und Hellas war so veroedet und 
heruntergekommen wie kaum ein anderer Teil des Roemischen Reiches. Dyrrhachion, 
T$
veranlassen werde. So terrorisiert, 
beschloss die Majoritaet, was ihr befohlen ward: dass Caesar bis zu einem 
bestimmten, nicht fernen Tage das Jenseitige Gallien an Lucius Domitius 
Ahenobarbus, das Diesseitige an Marcus Servilius Nonianus abzugeben und das Heer 
zu entlassen habe, widrigenfalls er als Hochverraeter erachtet werde. Als die 
Tribune von Caesars Partei gegen diesen Beschluss ihres Interzessionsrechts sich 
bedienten, wurden sie nicht bloss, wie sie wenigstens behaupteten, in der Kurie 
selbst von Pompeianischen Soldaten mit den Schwertern bedroht und, um ihr Leben 
zu retten, in Sklavenkleidern aus der Hauptstadt zu fluechten gezwungen, sondern 
es behandelte auch der nun hinreichend eingeschue2hterte Senat ihr formell 
durchaus verfassungsmaessiges Einschreiten wie einen Revolutionsversuch, 
erklaerte das Vaterland in Gefahr und rief in den ueblichen Formen die gesamte 
Buergerschaft unter die Waffen und an die Spitze der Bewaffneten die saemtlichen 
verfassungstreuen Beamten (7. Januar 705$
e des Siegers gab 
dieser stillen Opposition erhoehte politische Bedeutung: da Caesar nun einmal 
des Terrorismus sich enthielt, so schienen die heimlichen Gegner ihre Abneigung 
gegen sein Regiment ohne viele Gefahr betaetigen zu koennen. Sehr bald machte er 
in dieser Beziehung merkwuerdige Erfahrungen mit dem Senat. Caesar hatte den 
Kampf begonnen, um den terrorisierten Senat von seinen Unterdrueckern zu 
befreien. Dies war geschehen; er wuenschte also von dem Senat die Billigung des 
Geschehenen, die Vollmacht zu weiterer Fortsetzung des Krieges zu erlangen. Zu 
diesem Zwecke beriefen, als Caesar vor der Hauptstadt erschin (Ende Maerz), die 
Volkstribune seiner Partei ihm den Senat (1. April). Die Versammlung war 
ziemlich zahlreich, aber selbst von den in Italien verbliebenen Senatoren waren 
doch die namhaftesten ausgeblieben, sogar der ehemalige Fuehrer der servilen 
Majoritaet, Marcus Cicero, und Caesars eigener Schwiegervater Lucius Piso; und 
was schlimmer war, auch die Erschienenen waren nicht gen$
ver. Verfuegungen durch ihn oder 
wenigstens unter seinem Namen zu erlassen, denn es kam freilich auch vor, dass 
Senatsbeschluesse ergingen, von denen selbst von den als bei der Redaktion 
gegenwaertig aufgefuehrten Senatoren keiner eine Ahnung hatte. Es hatte keine 
wesentlichen Formschwierigkeiten, den Senat wieder auf seine urspruengliche 
beratende Stellung zurueckzufuehren, aus der er mehr tatsaechlich als rechtlich 
herausgetreten war; dagegen war es hier notwendig, sich vor praktischem 
Widerstand zu schuetzen, da der roemische Senat ebenso der Herd der Opposition 
gegen Caesar war wie der attische Areopag derjenige gegen Perikles. 
Hauptsaechlich aus diesem Grunde wurde die Zahl der Senatoren, die bisher 
hoechstens sechshundert im Normalbestand betragen hatte und durch die letzten 
Krisen stark zusammengeschwunden war, durch ausserordentliche Ergaenzung bis auf 
neunhundert gebracht und zugleich, um sie mindestens auf dieser Hoehe zu halten, 
die Zahl der jaehrlich zu ernennenden Quaestoren, das he$
esondere Momente, zum Beispiel Bestechung oder Gewalt, 
schon nach dem Recht der Republik die Kassation des Geschworenenspruchs 
herbeifuehrten. Dagegen erhielt der Satz, dass wegen eines jeden bloss 
magistratischen Dekrets der dadurch Beschwerte an den Vorgesetzten des 
Dezernenten zu appellieren befugt sei, wahrscheinlich schon jetzt die grosse 
Ausdehnung, aus der die spaetere kaiserliche Appellationsinstanz hervorgegangen 
ist: es wurden vielleicht saemtliche rechtsprechende Magistrate, mindestens aber 
diepStatthalter der saemtlichen Provinzen insofern als Unterbeamte des 
Herrschers angesehen, dass von jedem ihrer Dekrete Berufung an denselben 
eingelegt werden konnte.
Allerdings haben diese Neuerungen, von denen die wichtigste, die 
Generalisierung der Appellation, nicht einmal unbedingt zu den Besserungen 
gezaehlt werden kann, die Schaeden, an denen die roemische Rechtspflege 
daniederlag, keineswegs ausgeheilt. Der Kriminalprozess kann in keinem 
Sklavenstaat gesund sein, da das Verfahren gegen Skl$
, in Religion und Rechtspflege, in Muenze, Mass und Gewicht; wobei 
natuerlich lokale Besonderheiten mannigfaltigster Art mit wesentlicher Einigung 
sich vollkommen vertrugen. Ueberall kann auf diesen Gebieten nur von Anfaengen 
die Rede sein, da die einheitliche Durchbildung der Monarchie Caesars in der 
Zukunft lag und er nichts tat, als fuer den Bau von Jahrhunderten den Grund 
legen. Aber von den Linien, die der grosse Mann auf diesen Gebieten gezogen hat, 
lassen noch manche sich erkennen; und es ist erfreulicher, hier ihm nachzugehen, 
als in dem Truemmerbau der Nationalitaeten.
Hinsichtlich der Verfassung und Verwaltung wurden bereits in einem anderen 
Zusammenhang die wichtigsten Momente der neuen Einheit hervorgehoben: der 
Uebergag der Souveraenitaet von dem roemischen Gemeinderat auf den 
Alleinherrscher der Mittelmeermonarchie; die Umwandlung jenes Gemeinderats in 
einen hoechsten, Italien wie die Provinzen repraesentierenden Reichsrat: vor 
allem die begonnene Uebertragung der roemischen und uebe$
einung sich wesentlich gleichgueltig; sie war allerseits als eine 
Institution politischer Konvenienz anerkannt und es bekuemmerte sich niemand 
sonderlich um sie, mit Ausnahme der politischen und antiquarischen Gelehrten. 
Aber gegen ihre philosophische Schwester entwickelte sich in dem unbefangenen 
Publikum jene Feindseligkeit, die die leere und doch auch perfide 
Phrasenheuchelei auf die Laenge nie verfehlt zu erwecken. Dass der Stoa selbst 
von ihrer eigenen Nichtigkeit eine Ahnung aufzugehen begann, beweist ihr 
Versuch, auf dem Wege des Synkretismus sich wieder einigen Geist kuenstlich 
einzufloessen: Antiochos von Askalon (blueht 675 79), der mit dem stoischen 
System das platonisch-aristotelische zu einer organischen Einheit 
zusammengeklittert zu haben behauptete, brachte es in der Tat dahin, dass seine 
missgeschaffene Doktrin die Modephilosophie der Konservativen seiner Zeit und 
von den vornehmen Dilettanten und Literaten Roms gewissenhaft studiert ward. Wer 
irgend in geistiger Frische sich reg$
diesen griechischen 
Spielen Musik und Tanz, und die Texte moegen fuer sie wenig mehr bedeutet haben 
als heutzutage die der italienischen Oper fuer die Londoner und Pariser. Jene 
usammengesetzten Spiele mit ihrem wuesten Potpourri eigneten sich auch weit 
besser fuer das roemische Publikum und namentlich fuer die Auffuehrungen in 
Privathaeusern als eigentlich szenische Auffuehrungen in griechischer Sprache; 
dass auch die letzteren in Rom vorgekommen sind, laesst sich nicht widerlegen, 
aber auch nicht beweisen.
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Indes gegen das Ende dieser Periode zeigen mit der beginnenden Monarchie 
sich auch in der Kunst die Anfaenge einer besseren Zeit. Welchen gewaltigen 
Aufschwung das hauptstaedtische Bauwesen durch Caesar nahm und das 
Reichsbauwesen nehmen sollte, ist frueher erzaehlt worden. Sogar im 
Stempelschnitt der Muenzen erscheint um das Jahr 700 (54) eine bemerkenswerte 
Aenderung: das bis dahin groesstenteils rohe und nachlaessige Gepraege wird 
seitdem feiner $
 sic irretiti erant, cogebantur manere, etiamsi quidam
beneficio canonum liberari possent.
7] Et hoc accidit magis etiam in monasteriis virginum quam
monachorum, quum sexui imbecilliori magis parcendum esset.
8] Hic rigor displicuit multis bonis viris ante haec tempora, qui
videbant puellas et adolescentes in monasteria detrudi propter
victum.  Videbant, quam infeliciter succederet hoc consiliu, quae
scandala pareret, quos laqueos conscientiis iniiceret.
9] Dolebant auctoritatem canonum in re periculosissima omnino
negligi et contemni.
10] Ad haec mala accedebat talis persuasio de votis, quam constat
etiam olim displicuisse ipsis monachis, si qui paulo cordatiores
11] Docebant vota paria esse baptismo; docebant se hoc vitae genere
mereri remissionem peccatorum et iustificationem coram Deo.
12] Imo addebant vitam monasticm non tantum iustitiam mereri coram
Deo, sed amplius etiam, quia servaret non modo praecepta, sed etiam
consilia evangelica.
13] Ita persuadebant monasticam professionem longe meliorem esse
ba$
t den Goettern leben, und im Unverwandten Anschauen des
wesentlichen und ewigen Schoenen, wovon alles Sichtbare bloss der Schatten
ist, Ewigkeiten durchleben, die eben so grenzenlos sind, als die Wonne,
von der sie ueberstroemet werden.
Ich zweifle nicht daran, Callias, dass es Leute geben mag, bei denen die
Milzsucht hoch genug gestiegen ist, dass diese Begriffe eine Art von
Wahrheit fuer sie haben.  Es ist auch nichts leichters, als dass junge Leute
von lebhafter Empfindung und feurigen Einbildungskraft, durch eine einsame
Lebensart und den Mangel solcher Gegenstaende und Freuden, worin sich
dieses uebermaessge Feuer verzehren koennte, von diesen hochfliegenden
Schimaeren eingenommen werden, welche so geschickt sind, ihre nach
Vergnuegen lechzende Einbildungskraft durch eine Art von Wollust zu
taeuschen, die nur desto lebhafter ist, je verworrener und dunkler die
bezaubernden Phantomen sind die sie hervorbringen; allein ob diese Traeume
ausser dem Gehirn ihrer Erfinder, und derjenigen, deren Einbildungskra$
hon.  "Du hast es nicht erraten", sagte er; "der Charakter,
den Daphne nach meiner Idee haben soll,ist Gleichgueltigkeit und Unschuld;
sie kann beides haben, ohne eine Sproede zu sein."  "Psyche verdient also
desto mehr Lob", erwiderte Phaedrias (fuer den sie, wie die Geschichte
meldet, noch etwas mehr als eine Taenzerin war) "weil sie den Charakter
verschoenert hat, den sie vorstellen sollte.  Der Streit zwischen Liebe und
Ehre erfordert mehr Genie um nachgeahmt zu werden, und ist fuer den
Zuschauer ruehrender, als die Gleichgueltigkeit, die ihr Callias geben will.
Und zudem, wo ist die junge Nymphe, die gegen die Liebe eines so schoenen
Gottes wie Apollo ist, gleichgueltig sein koennte?"  "Ich bin deiner
Meinung", sagte Hippias.  "Daphne flieht vor dem Apollo, weil sie ein
junges Maedchen ist; und weil sie ein junges Maedchen ist, so wuenscht sie
heimlich, dass er sie erhaschen moege.  Warum sieht sie sich so oft um, als
um ihm zu verweisen, dass er nicht schneller sei?  Wie er ihr so nahe ist,
dass sie ni$
eit des Gegenstands gaenzlich gerechtfertiget wuerde, und so
vorzueglich ihm kurz zuvor die Glueckseligkeit seines delphischen Lebens,
und die unschuldigen Freuden der ersten noch unerfahrnen Liebe geschienen
hatten; so unwesentlich fand er sie itzt in Vergleichung mit demjenigen,
was ihn die schoene Danae in ihren Armen hatte erfahren lassen.  Das blosse
Andenken daran setzte sein Blut in Feuer, und seine Seele in Entzueckung;
seine angestrengteste Einbildung erlag unter der Bestrebung eine
vollkommnere Wonne zu erfinden.
Psyche schien ihm itzt, so liebenswuerdig sie immer sein mochte, zu nichts
anderm bestimmt gewesen zu sein, als die Empfindlichkeit seines Herzens zu
entwickeln, um ihn faehig zu machen, die Vorzuege der unvergleichlichen
Danae zu empfinden.  Er schrieb es einem Rueckfall in seine ehmalige
Schwaermerei zu, dass er sich durch einen Traum, welchen er mit aller seiner
sonderbaren Beschaffenheit, doch fuer nichts mehr als ein Spiel der
Phantasie halten konnte, in so heftige Bewegungen haette s$
r Liebe und von aller
seiner berauschenden Wollust trunknen Augen auf ihn geheftet sah, oder das
Klopfen ihres Herzens unter seinen verirrenden Lippen fuehlte.  Er endigte
damit, dass er ihr aus seiner ganzen Erzaehlung begreiflich gemacht zu haben
glaube, warum es, nachdem er schon so oft bald von den Menschen, bald vom
Gluecke, bald von seinen eigenen Einbildungen betrogen worden, entsetzlich
fuer ihn sein wuerde, wenn er jemals sich in der Hoffnung betrogen faende, so
vollkommen und bestaendig von ihr geliebt zu werden, als es zu seiner
Glueckseligkeit noetig sei.  Er gestund ihr mit einer Offenherzigkeit,
welche vielleicht nur eine Danae ertragen konnte, dass eine lebhafte
Erinnerung an die Zeitenseiner ersten Liebe, zugleich mit der Vorstellung
aller der seltsamen Zufaelle, Veraenderungen und Katastrophen, die er in
einem Alter von fuenf und zwanzig Jahren bereits erfahren habe, ihn auf
eine Reihe melancholischer Gedanken gebracht, worin er Muehe gehabt habe,
seine gegenwaertige Glueckseligkeit fuer etwa$
 wuerde eine ganz natuerliche Folge dieser fast alltaeglichen
Erfahrungs-Wahrheit sein, dass das Boese in einer immer wachsenden
Progression zunehmen, und, wenigstens in dieser sublunarischen Welt, das
Gute zuletzt gaenzlich verschlingen wuerde; wenn ncht aus einer eben so
gemeinen Erfahrung richtig waere, dass die Bemuehungen der Boesen, so
gluecklich sie auch in der Ausfuehrung sein moegen, doch gemeiniglich ihren
eigentlichen Zweck verfehlen, und das Gute durch eben die Massregeln und
Raenke, wodurch es haette gehindert werden sollen, weit besser befoerdern,
als wenn sie sich ganz gleichgueltig dabei verhalten haetten.
ZWEITES KAPITEL
Verraeterei des Hippias
Unter andern Eigenschaften, welche den Charakter der Danae schaetzbar
machten, war auch diese, dass sie eine vortreffliche Freundin war.  So
gleichgueltig sie, bis auf die Zeit da sich Agathon ihres Herzens
bemeisterte, gegen den Vorwurf der Unbestaendigkeit in der Liebe auch immer
gewesen war: so zuverlaessig und standhaft war sie jederzeit in der
Fre$
insieht, dass er das wahre Verdienst,
welches ihm verdaechtig ist, hasset, und Belohnungen an diejenigen
verschwendet, die unter der Maske der eifrigsten Ergebenheit und einer
gaenzlichen Aufopferung, seine gefaehrlichsten Feinde sind?  Von einem
Prinzen, bei dem die wichtigsten Stellen auf die Empfehlung einer Taenzerin
oder der Skl}ven, die ihn aus--und ankleiden, vergeben werden?  Der sich
einbildet, dass ein Hofschranze, der gut tanzt, ein Nachtessen wohl
anzuordnen weiss, und ein ueberwindendes Talent hat, sich bei den Weibern in
Gunst zu setzen, unfehlbar auch das Talent eines Ministers oder eines
Feldherrn haben werde; oder, dass man zu allem in der Welt tuechtig sei,
sobald man die Gabe habe ihm zu gefallen?--Was ist von einer solchen
Regierung zu erwarten, als Verachtung aller goettlichen und menschlichen
Gesetze, Missbrauch der Formalitaeten der Gerechtigkeit, Gewaltsamkeiten,
schlimme Haushaltung, Erpressungen, Geringschaetzung und Unterdrueckung der
Tugend, allgemeine Verdorbenheit der Sitten?--Un$
um Lob der Goetter und der Tugend hoeren; und den Gaum zum Reden
anzufeuchten, trank man aus kleinen Socratischen Bechern Wasser mit Wein
Dionys fasste eine Art von Leidenschaft fuer den Philosophen; Plato musste
immer um ihn sein, ihn aller Orten begleiten, zu allem seine Meinung sagen.
Die begeisterte Imagination dieses sonderbaren Mannes, welche vermoege
der natuerlichen Ansteckungs-Kraft des Enthusiasmus sich auch seinen
Zuhoerern mitteilte, wuerkte so maechtig auf die Seele des Dionys, dass er ihn
nie genug hoeren konnte; ganze Stunden wurden ihm kuerzer, wenn Plato sprach,
als ehemals in den Armen der kunsterfahrensten Buhlerin.  Alles, was der
Weise sagte, war so schoen, so erhaben, so wunderbar!--erhob den Geist so
weit ueber sich selbst--warf Strahlen von so goettlichem Licht in das Dunkel
der Seele!  In der Tat konnte es nicht anderst sein, da die gemeinsten
Ideen der Philosophie fuer Dionysen den frischesten Reiz der Neuheit hatten.
Und nehmen wr zu allem diesem noch, dass er das wenigste recht ver$
hdem er das Versprechen von sich
gegeben hatte, dass er wieder kommen wolle, so bald der Krieg, welchen
Dionys wider Carthago anzufangen im Begriff war, geendigt sein wuerde.  Der
Tyrann machte sich eine grosse Angelegenheit daraus, alle Welt zu ueberreden,
dass sie ls die besten Freunde von einander schieden; und Platons Ehrgeiz
(wenn es anders erlaubt ist, eine solche Leidenschaft bei einem
Philosophen vorauszusetzen) fand seine Rechnung zu gut dabei, als dass er
sich haette bemuehen sollen, die Welt von dieser Meinung zuheilen.  Er gehe,
sagte er, nur Dion und Dionys wieder zu Freunden zu machen.  Der Tyrann
bezeugte sich sehr geneigt hierzu, und hob, zum Beweis seiner guten
Gesinnung den Beschlag auf, den er auf die Einkuenfte Dions gelegt hatte.
Plato hingegen machte sich zum Buergen fuer seinen Freund, dass er nichts
widriges gegen Dionysen unternehmen sollte.  Der Abschied machte eine so
traurige Szene, dass die Zuschauer, (ausser den wenigen, welche das Gesicht
unter der Maske kannten) von der Guther$
Willen in sich gefuehlt, ist jemals damit an einen Hof
gegangen, wenn er im Sinne hatte, von dem einen oder dem andern Gebrauch
zu machen?--Man muss gestehen, es ist eine ganz huebsche Sache um den
Enthusiasmus--eines Lycurgus, der aus einem Monarchen ein Buerger wird, um
sein Vaterland gluecklicher zu machen--oder eines Leonidas, der mit
dreihundert eben so entschlossenen Maennern als er selbst, sich dem Tode
weiht, um eben so vielen Myriaden von Barbaren den Mut, mit Griechen zu
fechten, zu benehmen.  Doch so gross, so schoen diese Taten sind; so sind
sie durch die Kraefte der Natur moeglich, und diejenige, welche sie
unternahmen, konnten sich versprechen, dass sie ihre Absichten erreichen
wuerden.  Aber wenn hat man jemals gehoert, dass ein Mensch, oder ein Held,
der Sohn einer Goettin, oder eines Gottes, oder ein Gott selbst, dasjenige
zu Stande gebracht haette, was Agathon unternahm, da er mit der Cither in
der Hand sich ueberreden liess, der Mentor eines Dionys zu werden."
Auf diesen humoristischen Ein$
wenig vermehrt, dass beide gleich
geneigt sind, ueber die Grenzen der Maessigung hinauszuschweifen.  Der
Enthusiastische Geist sieht alles in einem strengen feierlichen Licht; der
Komische alles in einem milden und lachenden; nichts ist dem ersten
leichter als so weit zugehen, bis ihm alles, was Spiel und Scherz heisst,
verdammlich vorkommt; nichts dem andern leichter, als gerade in demjenigen,
was jener mit der groessesten Ernsthaftigkeit behandelt, am meisten Stoff
zum Scherzen und Lachen zu finden.
Nehmen wir zu diesem noch, dass der leichtsinnige und scherzhafte Ton von
jeher den Hoefen vorzueglich eigen gewesen ist--und den besondern Umstand,
dass die anmasslichen Akademisten, oder Hof-Philosophen des Dionys, den
einzigen Aristipp ausgenommen, eine Art von Tragikomischen Narren
vorstellten, welche recht mit Fleiss dazu ausgesucht zu sein schienen, um
die erhabenen Wissenschaften, fuer deren Priester und Mystagogen sie sich
ausgeben, so veraechtlich zu machen, als sie seNlbst waren--Nehmen wir alles
diese$
 andere Extremum verfallen?  Warum wandte ich mich nicht auf die
Mittelstrasse des Phaedrus und erzaehlte in der zierlichen Kuerze des
Roemers, aber doch in Versen?  Denn prosaische Fabeln; wer wird die
lesen wollen!--Diesen Vorwurf werde ich ohnfehlbar zu hoeren bekommen.
Was will ich im voraus darauf antworten?  Zweierlei.  Erstlich, was
man mir am leichtesten glauben wird: ich fuehlte mich zu unfaehig, jene
zierliche Kuerze in Versen zu erreichen.  La Fontaine, der ebendas bei
sich fuehlte, schob die Schuld auf seine Sprache.  Ich habe von der
meinigen eine zu gute Meinung und glaube 1ueberhaupt, dass ein Genie
seiner angebornen Sprache, sie mag sein, welche es will, eine Form
erteilen kann, welche er will.  Fuer ein Genie sind die Sprachen alle
von einer Natur; und die Schuld ist also einzig und allein meine.  Ich
habe die Versifikation nie so in meiner Gewalt gehabt, dass ich auf
keine Weise besorgen duerfen, das Silbenmass und der Reim werde hier und
da den Meister ueber mich spielen.  Geschaehe das, so$

Gesicht.  Ich bin Euch vielmehr dankbar, dass Ihr meiner Traegheit zu
Hilfe gekommen seid.  Ohne Euch waere ich schwerlich hier.  Lasst uns
hinaufgehen, um dem grossen Herrn, der uns im Leben schwerlich
vorgelassen haette, unseren Besuch zu machen.  Eine stattliche Wohnung,
die er so hastig mit einem engen Kaemmerchen vertauschen muss!  Er tut
mir leid, in der Tat, obwohl ich ihn nie mit Augen gesehen habe.
Sie stiegen unter einem grossen Andrang nebeneinander die
schwarzverhangene Treppe hinauf, von deren Hoehe das umflorte Wappen
des Hauses Venier heruntersah und statt jedes Pfoertners der Menge
Stille gebot.  Drinnen in dem groessten Saal war der Katafalk unter
einem Baldachin errichtet, Zpressenbaeume ragten bis an die hohe Decke,
Kerzen auf silbernen Kandelabern flackerten im Luftzug, der ueber den
offenen Balkon vom Wasser herauf durch die Halle strich, und vier
Diener des Hauses Venier in schwarzem Samt, die blanken Hellebarden
mit Floeren umwickelt, hielten wie Standbilder an den Ecken des
Totengerue$
ihrem durchdringenden
Verstande bis zu den kleinsten Angelegenheiten haetten erniedrigen
Das Ross und der Stier
Auf einem feurigen Rosse flog stolz ein dreister Knabe daher.  Da rief
ein wilder Stier dem Rosse zu: "Schande!  Von einem Knaben liess ich
mich nicht regieren!"
"Aber ich", versetzte das Ross.  "Denn was fuer Ehre koennte es mir
bringen, einen Knaben abzuwerfen?"
Der Affe und der Fuchs
"Nenne mir ein so geschicktes Tier, dem ich nicht nachahmen koennte!"
so prahlte der Affe gegen den Fuchs.  Der Fuchs aber erwiderte: "Un du,
nenne mir ein so geringschaetziges Tier, dem es einfallen koennte, dir
nachzuahmen."
Schriftsteller meiner Nation!--Muss ich mich noch deutlicher erklaeren?
Der Besitzer des Bogens
Ein Mann hatte einen trefflichen Bogen von Ebenholz, mit dem er sehr
weit und sehr sicher schoss, und den er ungemein wert hielt.  Einst
aber, als er ihn aufmerksam betrachtete, sprach er: "Ein wenig zu
plump bist du doch!  All deine Zierde ist die Glaette.  Schade!--Doch
dem ist abzuhelfen!" fiel i$
ienst stehe; als er
aber den Gast naeher ansah und seinen alten Labakan erkannte, rief er
seine Gesellen und Lehrlinge herbei, und alle stuerzten sich wie
wuetend auf den armen Labakan, der keines solchen Empfangs gewHaertig
war, stiessen und schlugen ihn mit Buegeleisen und Ellenmass, stachen
ihn mit Nadeln und zwickten ihn mit scharfen Scheren, bis er
erschoepft auf einen Haufen alter Kleider niedersank.
Als er nun so dalag, hielt ihm der Meister eine Strafrede ueber das
gestohlene Kleid; vergebens versicherte Labakan, dass er nur deswegen
wiedergekommen sei, um ihm alles zu ersetzen, vergebens bot er ihm
den dreifachen Schadenersatz, der Meister und seine Gesellen fielen
wieder ueber ihn her, schlugen ihn weidlich und warfen ihn zur Tuere
hinaus; zerschlagen und zerfetzt stieg er auf das Ross Murva und ritt
in eine Karawanserei.  Dort legte er sein muedes, zerschlagenes Haupt
nieder und stellte Betrachtungen an ueber die Leiden der Erde, ueber
das so oft verkannte Verdienst und ueber die Nichtigkeit und
Fl$
b verschlossen.
Waehrend ich so halb unwillig unter den Zofen vor der Tuere stand,
klaerte sich der Himmel so ploetzlich auf, wie ich es nie gesehen hatte,
und das Wunderbarste war, dass nur ueber unserer liebe Stadt Balsora
eine reine blaue Himmelswoelbung erschien; ringsum aber lagen die
Wolken schwarz aufgerollt, und Blitze zuckten und schlaengelten sich
in diesem Umkreis.  Waehrend ich noch dieses Schauspiel neugierig
betrachtete, flog die Tuere meiner Gattin auf; ich aber liess die Maegde
noch aussen harren und trat allein in das Gemach, deine Mutter zu
fragen, warum sie sich eingeschlossen habe.  Als ' ich eintrat, quoll
mir ein so betaeubender Geruch von Rosen, Nelken und Hyazinthen
entgegen, dass ich beinahe verwirrt wurde.  Deine Mutter brachte mir
dich dar und deutete zugleich auf ein silbernes Pfeifchen, das du um
den Hals an einer goldenen Kette, so fein wie Seide, trugst: "Die
guetige Frau, von welcher ich dir einst erzaehlte, ist dagewesen",
sprach deine Mutter, "sie hat deinem Knaben dieses Ang$
ttchen, die ich bei mir fuehrte, des Todten Antlitz
nachzubilden.  Aber meine Hand zitterte; ich weiss nicht, ob alleine
vor der Majestaet des Todes.
Waehrend dem vernahm ich draussen vom Hofe her eine Stimme, die ich
fuer die des Junker Wulf erkannte; gleich danach schrie ein Hund wie
nach einem Fusstritt oder Peitschenhiebe; und dann ein Lachen und
einen Fluch von einer andern Stimme, die mir gleicherweise bekannt
Als ich auf Katharinen blickte, sah ich sie mit schier entsetzten
Augen nach dem Fenster starren; aber die Stimmen und die Schritte
gingen vorueber.  Da erhub sie sich, kam an meine Seite und sahe zu,
wie des Vaters Antlitz unter meinem Stift entstund.  Nicht lange,
so kam draussen ein einzelner Schritt zurueck; in demselben
Augenblick legte Katharina die Hand auf meine Schulter, und ich
fuehlte, wie ihr junger Koerper bebte.
Sogleich auch wurde die Kapellenthuer aufgerissen; und ich erkannte
den Junker Wulf, obschon sein sonsten bleiches Angesicht itzt oth
und aufgedunsen schien.
"Was huckst du a$
heissen Pulsen ging.--Von
dreien furchtbaren Daemonen, von Zorn und Todesangst und Liebe ein
verfolgter Mann, lag nun mein Haupt in des viel geliebten Weibes
Da schrillte ein geller Pfiff, die Hunde drunten wurden jaehlings
stille, und da es noch einmal gellte, hoerete ich sie wie toll und
wild davon rennen.
Vom Hofe her wurden Schritte laut; wir horchten auf, dass uns der
Athem stille stund.  Bald aber wurde dorten eine Thuer erst auf-,
dann zugeschlagen und dann ein Riegel vorgeschoben.  "Das ist oulf",
sagte Katharina leise; "er hat die beiden Hunde in den Stall
gesperrt."--Bald hoerten wir auch unter uns die Thuer des Hausflurs
gehen, den Schluessel drehen und danach Schritte in dem untern
Corridor, die sich verloren, wo der Junker seine Kammer hatte.
Dann wurde alles still.
Es war nun endlich sicher, ganz sicher; aber mit unserem Plaudern
war es mit einem Male schier zu Ende.  Katharina hatte den Kopf
zurueckgelehnt; nur unser beider Herzen hoerete ich klopfen.--"Soll
ich nun gehen, Katharina?" sprach ic$
n diese Freude nicht einstimmen. Im Gegenteil muss sie dieses
pseudoartistische Treiben mit gerechtem Unwillen erfuellen. Sie muss es
unerschrocken aussprechen, dass die Vergeudung der Kraefte, die eine solche
scheinbare Wiederbelebung des verfallenen Staubes alter Zeiten kostet,
eine unverantwortliche Beeintraechtigung der Gegenwart ist. Ja, nicht nur
eine Beeintraechtigung, sondern eine Beleidigung der Gegenwart.
Tieck missachtet unsere Zeit. Er mag sich in dieser gehaessigen Gesinnung
gegen sein Jahrhundert gefallen, wo er will, in seinenDresdener
Leseabenden, unter den Eichen von Sanssouci, ueberall, nur nicht da, wo er
durch seinen Einfluss der Gegenwart ihr lebendiges Recht, das Recht des
Lebens, entzieht. Ja er mag auf einem Privattheater alle Dramen von
Aeschylus bis Holberg nach seinen Angaben vorfuehren lassen, nur eine dem
Volk, eine der Zeit und ihren Rechten angehoerende Buehne sollte vor dem
Schicksal bewahrt sein, das Opfer dilettantischer Liebhabereien und
literarhistorischer Proteste gegen d$
issigen Kuenstler voraussetzte. Dagegen sich
auflehnen und einen Laerm schlagen, als wenn dem redlichen Kuenstlerstreben
das Palladium der Freiheit entwendet waere, verraet geringe Ueberlegung. Die
Theatergesetze des Herrn von Kuestner sind nicht ohne Fehler, aber in den
Hauptgrundsaetzen nur zu billigen.
Auch Verbesserungen des Personals scheinen wenigstens im Schauspiel
beabsichtigt zu werden. Dem Fraeulein von Hagn soll die Last, das ganze
Repertoire auf ihrem schoenen griechischen Nacken zu tragen, endlich
erleichtert werden. Sie fuehlt sich gewiss sehr gluecklich, einen Teil ihrer
Rollen an andere abzugeben und, wenn sie verreist (was sie waehrend drei
der besten Theatermonate darf), ihre Partien in andern Haenden
zurueckzulassen als in denen ihrer Schwester Auguste. Fraeulein Viereck ist
vom Wiener Burgtheater, das einen wahren Blumenflor der besten weiblichen
Buehnenkraefte besitzt, nach Berln uebergegangen, eine hohe, plastisch edle
Erscheinung, von etwas herbem Ton und noch nicht taktfest in
empfindu$

malt zwar seine Politik, die Politik seiner Ratgeber, sie malt einen
Minister nach dem Leben, aber, ihrer Poesie und dem "Anstand" gemaess,
kleindet sie ihre Polemik in das Gewand der Allegorie. Sie spricht
scheinbar von anno 7, scheinbar von Frankfurt am Main, scheinbar von
Napoleon und laesst die Frau Rat, Goethes Mutter, statt ihrer reden.
Sentimentale und Tartueffe-Gemueter, die immer wollen, dass man die Sachen
von den Personen scheidet und deren steter Jammer die "Indiskretionen"
sind, werden es schreckhaft finden, wie man der in geweihter christlicher
Erde auf dem Frankfurter Friedhof schlummernden Frau Rat die
Verantwortung so himme1stuermender Gedanken, wie Bettina ihr in den Mund
legt, andichten kann. Wer aber zu Schleiermachers Fuessen gesessen, weiss,
welche Rolle Sokrates in Platons Dialogen spielt. Xenophon, der auch vom
Sokrates berichtet, mag den anregenden Lehrer nur die Dinge reden lassen,
die er wirklich gesprochen hat, Plato aber machte aus Sokrates einen
Begriff, eine poetische Individua$
chlich sie aus dem Zimmer und kroch
die Treppen hinab. Sie war wie verwirrt; sie fuerchtete sich, ob mehr vor
ihrem Herrn oder vor den grossen Katzen, das wusste sie selber nicht. So
kam sie hinten in ihre Kammer. Mit zitternden Haenden holte sie einen mit
Geld gefaellten Strumpf aus ihrem Bett hervor; dann nahm sie aus einer Lade
eine Anzahl alter Roecke und Lumpen und wickelte sie um ihren Schatz herum,
so dass es endlich ein grosses Buendel gab. Denn sie wollte fort, um jeden
Preis fort; siex dachte an die arme Halbschwester ihres Herrn draussen in
der Vorstadt; die war immer freundlich gegen sie gewesen, zu der wollte
sie. Freilich, es war ein weiter Weg, durch viele Gassen, ueber viele
schmale und lange Bruecken, welche ueber dunkle Graeben und Flethen
hinwegfuehrten, und draussen daemmerte schon der Winterabend. Es trieb sie
dennoch fort. Ohne an ihre Tausende von Weizenbroetchen zu denken, die sie
in kindischer Fuersorge in den grossen Nussbaumschraenken aufgehaeuft hatte,
trat sie mit ihrem schweren B$
ten, wie dieser, war er erwacht und hatte, wenn auch mit immer
schwaecherer Kraft, seinen Waechtern zu entrinnen gesucht. War er von den
vergeblichen Anstrengungen erschoepft aufs Kanapee gesunken oder zuletzt
hinaufgekrochen, und hatte dann der bleierne Schlaf ihn wieder befallen,
so streckten Graps und Schnores sich draussen vor der Treppe hin,
peitschten mit ihrem Schweif den Boden und horchten, ob Frau Ankens
Schaetze neue Wanderzuege von Maeusen in das Haus gelockt haetten.
Heute war es anders; die Katzen waren weder im Zimmer noch draussen auf dem
Flur. Als das durch das Fenster fallende Mondlicht ueber den Fussboden weg
und allmaehlich an der kleinen Gestalt hinaufrueckte, begann sie sich zu
regen; die grossen runden Augen oeffneten sich, und Herr Bulemann starrte in
das leere Zimmer hinaus. Nach einer 7Weile rutschte er, die langen Aermel
muehsam zurueckschlagend, von dem Canapee herab und schritt langsam der Tuer
zu, waehrend die breite Schleppe des Schlafrocks hinter ihm herfegte. Auf
den Fussspitze$
n ird'schen Dingn hoch
  Schwebt mir auf Freudenfittigen die Seele,
  Und in dem Glanzesmeer, das mich umfaengt,
  Sind alle Wolken mir und finstre Falten
  Des Lebens ausgeglaettet und verschwunden.
  --Ich sehe diese Hallen, diese Saele,
  Und denke mir das freudige Erschrecken
  Der ueberraschten, hoch erstaunten Braut,
  Wenn ich als Fuerstin sie und Herrscherin
  Durch dieses Hauses Pforten fuehren werde.
  --Noch liebt sie nur den Liebenden! Dem Fremdling,
  Dem Namenlosen hat sie sich gegeben.
  Nicht ahnet sie, dass es Don Manuel,
  Messina's Fuerst ist, der die goldne Binde
  Ihr um die schoene Stirne flechten wird.
  Wie suess ist's, das Geliebte zu begluecken
  Mit ungehoffter Groesse Glanz und Schein!
  Laengst spart' ich mir dies hoechste der Entzuecken,
  Wohl bleibt es stets sein hoechster Schmuck allein;
  Doch auch die Hoheit darf das Schoene schmuecken,
  Der goldne Reif erhebt den Edelstein.
Chor. (Cajetan.)
  Ich hoere dich, o Herr, vom langen Schweigen
  Zum erstenmal den stummen Mund ent$
einer Canossa, ob sie bei
Verstande sei oder nicht, sich zu den Zwoelfen zu versammeln, mit den
Zaehnen festhielt und seinen Gehorsam dem Vicedomini und keinem andern
verpflichtet glaubte, verbeugte sich tief vor dem Moench.  'Deiner
Herrlichkeit allein wird gehorcht', sprach er und entfernte sich.
'O Moench, Moench', rief Ascanio, 'der die Barmherzigkeit in eine Welt
traegt, wo kaum die Guete ungestraft bleibt!'
"Doch wie wir Menschen sind," flocht Dante ein, "oft zeigt uns ein
prophetisches Licht den Rand eines Abgrunds, aber dann kommt der Witz
und kluegelt und laechelt und redet uns die Gefahr aus."
Dergestalt fragte und beruhigte sich der Leichtsinnige: Welche
Beziehung auf der Welt hat die Naerrin zu demEMoench, in dessen Leben
sie nicht die geringste Rolle spielt?  Und am Ende--wenn sie zu lachen
gibt, so wuerzt sie uns die Amarellen!  Er ahnte nicht von ferne, was
sich in der Seele Astorres begab, aber auch wenn er geraten und
geforscht, dieser haette sein keusches Geheimnis dem Weltkind nicht
preisge$
g,
den fremden Ring, der ihr wie angegossen sass, dem Finger wieder
abzuziehen.  Da stand unversehens der Moench vor ihr und hob die Arme
in freudiger Verwunderung.  Seine Gebaerde aber war, dass er die
geoeffnete rechte Hand vor sich hinstreckte, die linke in der Hoehe des
Herzens hielt; denn er hatte, trotz der entfalteten Bluete, an der
auffallenden Schlankheit des Halses und wohl mehr noch an der Bewegung
seiner Seele das Kind wiedererkannt, dessen zartes Haupt er auf dem
Block gesehen hatte.
Waehrend das Maedchen bestuerzte, fragende Augen auf den Moench richtete
und immerfort an dem widerspenstigen Ring drehte, zauderte Astorre,
denselben zurueckzuverlangen.  Doch es musste geschehen.  Er oeffnete den
Mund.  'Junge Herrin', begann er--und fuehlte sich von zwei starken,
gepanzerten Armen umfasst, die sich seiner bemaechtigten und ihn
emporzogen.  Im Augenblick sah er sich, mit Hilfe eines andern
Gepanzerten, ein Bein rechts, ein Bein links, auf ein stampfendes Ross
gesetzt.  'Lass schauen', schallte ein$
in
anderer Juengling fasste sie bei den Fuessen, die sich kaum Straeubende
wurde fortgetragen, in ihre Saenfte gehoben und nach Hause gebracht.
Noch stunden sich Diana und Antiope gegenueber, eine bleicher als die
andere, Diana reuig und zerknirscht nach schnell verrauchtem Jaehzorn,
Antiope nach Worten ringend; sie konnte nur nicht stammeln, sie
bewegte lautlos die Lippen.
Wenn jetzt der Moench Antiopes Hand ergriff, um der von seinem
verlobten Weibe Misshandelten das Geleit zu geben, so erfuellte er damit
nur die ritterliche und die gastwirtliche Pflicht.  Alle fanden es
selbstverstaendlich.  Besonders Diana musste wuenschen, das Opfer ihrer
Gewalttat aus den Augen zu verlieren.  Auch sie entfernte sich dann
mitSVater und Bruder.  Die versammelten Gaeste aber hielten es fuer das
Zarteste, gleichfalls bis auf die letzte Ferse zu verschwinden.
Es klingelte unter dem mit Amarellen und Zyperwein bestellten
Kredenztisch.  Eine Narrenkappe kam zum Vorschein und Gocciola kroch
auf allen vieren aus seinem leckern V$
es, so anhaenglich war;--und wenn ein solches Tier so
handeln kann, so werd' ich's doch auch noch zuwege bringen.  Ich
hab' schon angefangen, ich hab' alle meine Kleider zusammengepackt,
hab' auch der Mariandel, unserer Koechin, ihren ganzen Kasten
ausgeraeumt, hab' von dem Milchweib da diese Butten zu leihen
genommen, damit nichts ausplanscht wird, hab' die Kleider recht
hineing'stampft; und weil in das Kabinett, was unserm alten Herrn
sein Zauberlaboratorium war, selten wer kommt, so habe ich den
Juden herbestellt, dem verkauf' ich's, und das Geld steck' ich
heimlich in mein' Herrn sein Brieftaschel.  (Sieht auf den kleinen
Zauberer.) Jetzt hat der Spitzbub' alles g'hoert.  Wirst du denn wem
was sagendavon?  (Der kleine Zauberer deutet nein mit dem Kopfe.)
Der sagt einem alles.  Wird meinem Herrn ein Unglueck zustossen?
(Zauberer deutet nein.) Etwann mir?  (Zauberer deutet ja, Florian
drohend.) Du!  Sag' du mir, bin ich ein g'scheiter Kerl?  (Zauberer
deutet nein.) Ist schon richtig;--bin ich etwa dumm?  ($
 Throne, um ihn mehrere dienstbare Geister.
(Grosser Tanz von idealen Geistern, am Ende eine Gruppe.)
Chor.  Heil, Longimanus!
Longimanus.  Ist schon gut, schon gut!  Bedank' mich aufs
allerschoenste.  (Fuer sich) Freut mich recht, dass s' mir haben heute
einen kleinen Tanz gemacht, weil morgen mein Namenstag ist.
(Der Chor ab).
Zweite Szene.
Pamphilius.  Vorige.
Pamphilius (ueberreicht dem Longimanus einige Visitenkarten).
Zauberer Vanille; Fee Maraskino!
Longimanus.  Aha!  Kommen schon die Billetten ang'stochen.  (Liest.)
La Hexe de Marascino et sa famille.  Monsieur Vanille,
Professeur de la Magie.  Ich lass' mich bedanken; meine Empfehlung.
Auf mein' Namenstag freu' ich mich immer, wie ein Kind, bloss wegen
die Zugbilletten.  (Nimmt ein Zugbillett.) Da schau' einmal, wie
man bei dem Kerl anzieht, reckt er den Fuss in die Hoehe.  (Lacht.)
Ist das nicht praechtig?
Pamphilius (lacht).  O, scharmant!  Das ist ein herrlicher Gedanke.
Longimanus.  Wie den Neujahrstag; den hab' ich auch so gern, wenn
die Leut' $
r! stuendet ihr all nur einmal so Beichte!
Wie gluecklich war ich sonst!
                              Sonst! Nun, das ist vorbei!
Wie liebte mich Alcest!
                        Pah! das war Kinderei!
Das Schicksal trennt uns bald, und ach! fuer meine Suenden
Musst ich mich - welch ein Muss - mit einem Vieh verbinden.
Ich, Vieh? - Jawohl ein Vieh, von dem gehoernten Vieh!
Was seh ich?
             Was, Madam?
                         Des Vaters Wachsstock! Wie
Kam er hieher? Vielleicht - Da werd ich fliehen muessen;
Vielleicht belauscht er uns! -
                               O setz ihr zu, Gewissen!
Nur das begreif ich nicht, wie er ihn hier verlor.
Sie scheut den Vater nicht, mal ihr den Teufel vor!
Ach nein, das ganze Haus liegt schon in tiefem Schlafe.
Die Lust ist maechtiger als alle Furcht der Strafe.
Mein Vater kann nicht wohl - Wer weiss, wie es geschah?
Es mag drum sein!
                  O weh!
                         Alcest ist noch nicht da!
O duerft ich sie -!
                    Mein Herz sc$
                  Ich glaub, du bist geschossen!
Hast du's denn nicht?
                      Ich!
                           Ja!
                               Wie kaem ich denn dazu?
Wirt [macht ihr pantomimisch das Stehlen vor].
    Ich versteh Sie nicht!
                           Wie unverschaemt bist du!
Jetzt, da du's geben sollst, gedenkst du auszuweichen.
Du hast's ja erst bekannt.
[Zum Parterre.]
                           Ihr Herrn seid meine Zeugen.
Nein, das ist mir zu hoch! Jetzt klagen Sie mich an;
Und sagten nur erst jetzt, Sie haetten's selbst getan!
Du Kroete! Ich's getan! Ist das die schuld'ge Liebe,
Die Ehrfurcht gegen mich? Du machst mich gar zum Diebe,
Da du die Diebin bist!
                       Mein Vater!
                                   Warst du nicht
Heut frueh im Zimmer?
                      Ja!
                          Und sagst mir ins Gesicht,
Du haettest nicht das Geld?
                            Beweist das gleich?
                                               Ja!
      $
rne!
Allein was macht mein Geld?
                            O Herr, es war aus Not.
Der Spieler peinigte mich Armen fast zu Tod.
Ich wusste keinen Rat, ich stahl und zahlte Schulden.
Da ist das uebrige, ich weiss nicht wieviel Gulden.
Was fort ist, schenk ich Ihm.
Soeller [zum Parterre].
                              Fuer diesmal waer's vorbei!
Allein ich hoff, Er wird fein hoeflich, sill und treu!
Und untersteht Er sich, noch einmal anzufangen -
[Er macht ihm das Zeichen des Haengens.]
       Nein, das waer zu viel - ein Hahnrei und gehangen!
von GOTTHOLD EPHRAIM LESSING
Ein Lustspiel in einem Aufzuge
Verfertiget im Jahre 1749.
Michel Stich
Martin Krumm
Ein Reisender
Christoph, dessen Bedienter
Ein junges Fraeulein, dessen Tochter
Erster Auftritt
Michel Stich. Martin Krumm.
Martin Krumm. Du dummer Michel Stich!
Michel Stich. Du dummer Martin Krumm!
Martin Krumm. Wir wollen's nur gestehen, wir sind beide erzdumm
gewesen. Es waere ja auf einen nicht angekommen, den wir mehr
totgeschlagen haetten!
Michel Stic$
ben,--ich kann sie aus
Unvorsichtigkeit herausgerissen haben.--Auch mit seinem Verdachte muss
man niemand beleidigen.--Gleichwohl,--er draengte sich an mich heran;
--er griff nach der Uhr:--ich ertappte ihn; koennte er auch nicht nach
der Dose gegriffen haben, ohne dass ich ihn ertappt haette?
Sechzehnter Auftritt
Martin Krumm. Der Reisende.
Martin Krumm (als er den Reisenden gewahr wird, will er wieder
umkehren). Hui!
Der Reisende. Nu, nu, immer naeher, mein Freund!--(Beiseite.) Ist er
doch so schuechtern, als ob er meine Gedanken wuesste!--Nu? nur naeher!
Martin Krumm (trotzig). Ach! ich habe nicht Zeit! Ich weiss schon,
Sie wollen mit mir plaudern. Ich habe wichtigere Sachen zu tun. Ich
mag Ihre Heldentaten nicht zehnmal hoeren. Erzaehlen Sie sie jemanden,
der sie noch nicht weiss.
Der Reisende. Was hoere ich? vorhin war der Vogt einfaeltig und hoeflich,
jetzt ist er unverschaemt und grob. Welches ist denn Eure rechte
Martin Krumm. Ei! das hat Sie der Geier gelernt, mein Gesicht eine
Larve zu schimpfen. I$
?  Lasset meinen Vater nichts davon wissen! nie!
nie!  Es wuerde ihn toeten!' Ich versprach es ihm und hielt Wort,
obgleich es mich kostete.  Noch zur Stunde ahnt der Marschall nichts
Den Kopf schon im Kissen, bot mir Julian die gluehende Hand.  'Ich
danke Euch, Herr Fagon... fuer alles...  Ich bin nicht undankbar wie
Deine Majestaet zu bemuehen, war jetzt ueberfluessig.  In der naechsten
Viertelstunde schon redete Julian irre.  Prozess und Urteil lagen in
den Haenden der Natur.  Die Fieber wurden heftig, der Puls jagte.  Ich
liess mir ein Feldbett in der geraeumigen Kammer aufschlagen und blieb
auf dem Posten.  In das anstossende Zimmer hatte der Marschall seine
Mappen und Karten tragen lassen.  Er verliess seinen Arbeitstisch
stuendlich, um nach dem Knaben zu sehen, welcher ihn nicht erkannte,
Ich warf ihm feindselige Blicke zu.  'Fagon, was hast du gegen mich?'
fragte er.  Ich mochte ihm nur nicht antworten.
Der Knabe phantasierte viel, aber im Bereiche seines lodernden Blickes
schwebten nur freundliche u$
trouille,
die ausgesandt war, mich zu suchen, da sich Geschaefte eingestellt
hatten. Sie trugen ihre Ordonnanzgewehre auf der Schulter und ich sah
gleichzeitig dieselben vor mir aufblitzen gleich einer himmlischen
Gnadensonne, als auch mein Widersacher ihre Schritte hoerte in der
Stille der Landschaft; denn sie hatten schon von weitem etwas bemerkt
und waren so leise als moeglich gegangen. Ploetzlich schrien sie
jetzt: 'Schau die Bestie! Hilf dem Oberst!' Der Loewe wandte sich um,
sprang empor, sperrte wuetend den Rachen auf, erbost wie ein Satan,
und war einen Augenblick lang unschluessig, auf wen er _ich zuerst
stuerzen solle. Als aber die zwei Soldaten als brave lustige
Franzosen, ohne sich zu besinnen, auf ihn zusprangen, tat er einen
Satz gegen sie. Im gleichen Augenblick lag auch der eine unter seinen
Tatzen und es waere ihm schlecht ergangen, wenn nicht der andere im
gleichen Augenblicke dem Tier, zugleich den Schuss abfeuernd, das
Bajonett ein halbes Dutzendmal in die Flanke gestossen haette. Aber
auc$
 muessen, um
nach der Stadt zu kommen! Ich weiss keine Schuhe aufzubringen!" Sali
stand ratlos und verbluefft. "Keine Schuhe!" sagte er, "da musst du
halt in diesen kommen!" "Nein, nein, in denen kann ich nicht tanzen!"
"Nun, so muessen wir welche kaufen!" "Wo, mit was?" "Ei, in Seldwyl da
gibt es Schuhlaeden genug! Geld werde ich in minder als zwei Stunden
haben." "Aber, ich kann doch nicht mit dir in Seldwyl herumgehen, und
dann wird das Geld nicht langen, auch noh Schuhe zu kaufen!" "Es
muss! Und ich will die Schuhe kaufen und morgen mitbringen!" "O du
Naerrchen, sie werden ja nicht passen, die du kaufst!" "So gib mir
einen alten Schuh mit, oder halt, noch besser, ich will dir das Mass
nehmen, das wird doch kein Hexenwerk sein!" "Das Mass nehmen?
Wahrhaftig, daran hab' ich nicht gedacht! Komm, komm, ich will dir ein
Schnuerchen suchen!" Sie setzte sich wieder auf den Herd, zog den Rock
etwas zurueck und streifte den Schuh vom Fusse, der noch von der
gestrigen Reise her mit einem weissen Strumpfe bekleidet$
wenn du nicht freundlicher
bist, du Essighafen!"
So genoss Vrenchen alle Wonnen einer Braut, die zur Hochzeit reiset:
die wohlwollende Ansprache und Aufmunterung einer sehr vernuenftigen
Frau, den Neid einer heiratslustigen boesen Person, welche aus Aerger
den Geliebten lobte und bedauerte, und ein leckeres Mittagsmahl an der
Seite eben dieses Geliebten. Es gluehte im Gesicht, wie eine rote
Nelke, das Herz klopfte ihm, aber es ass und trank nichtsdestominder
mit gutemyAppetit und war mit der aufwartenden Kellnerin nur um so
artiger, konnte aber nicht unterlassen, dabei den Sali zaertlich
anzusehen und mit ihm zu lispeln, so dass es diesem auch ganz kraus im
Gemuet wurde. Sie sassen indessen lang und gemaechlich am Tische, wie
wenn sie zoegerten und sich scheuten, aus der halben Taeuschung
herauszugehen. Die Wirtin brachte zum Nachtisch suesses Backwerk, und
Sali bestellte feineren und staerkeren Wein dazu, welcher Vrenchen
feurig durch die Adern rollte, als es ein wenig davon trank; aber es
nahm sich in acht,$
echtiger Innigkeit die Welt um sich
her zu vergessen schien. "Ei seht!" hiess es, "das ist ja wahrhaftig
das Vrenchen Marti und der Sali aus der Stadt! Die haben sich ja
saeuberlich gefunden und verbunden! Und welche Zaertlichkeit und
Freundschaft, seht doch, seht! Wo die wohl hinauswollen?" Die
Verwunderung dieser Zuschauer war ganz seltsam gemischt aus Mitleid
mit dem Unglueck, aus Verachtung der Verkommenheit und Schlechtigkeit
der Eltern und aus Neid gegen das Glueck und die Einigkeit des Paares,
welches auf eine ganz ungewoehnliche und fas vornehme Weise verliebt
und aufgeregt war und in dieser rueckhaltlosen Hingebung und
Selbstvergessenheit dem rohen Voelkchen ebenso fremd erschien, wie in
seiner Verlassenheit und Armut. Als sie daher endlich aufwachten und
um sich sahen, erschauten sie nichts als gaffende Gesichter von allen
Seiten; niemand gruesste sie und sie wussten nicht, sollten sie jemand
gruessen, und diese Verfremdung und Unfreundlichkeit war von beiden
Seiten mehr Verlegenheit als Absicht. Es$
 schon falliert hatte und seither die Wirtschaft auf
Rechnung seiner Frau fortbetrieb. Hierin wurde er von seinen
Mitbuergern reichlich unterstuetzt, da er ganz ihr Mann war, das
grosse Wort zu fuehren wusste und bei allen Haendeln als ein
erfahrener Wirt auf dem Posten war. Dass er aber in Amt und Wuerden
stand und hier den Wahlen praesidierte, gehoerte zu jenen Suenden der
Seldwyler, die sich zeitweise so lange anhaeuften, bis ihnen die
Regierung mit einer Untersuchung auf den Leib rueckte. Die Landleute
wussten teilweise wohl, dass es nicht ganz richtig war mit diesem
Praesidenten, allein sie waren viel zu langsam und zu haecklich, als
dass sie etwas gegen ihn untenrnommen haetten, und so hatte er sich
bereits in einem Handumdrehen mit seinen drei oder vier Mitbuergern
das Geschaeft des Tages zugeeignet, als Fritz ankam. Dieser, als er
das Haeuflein rechtlicher Landleute sah, freute sich, wenigstens nicht
ganz allein da zu sein, und es fuhr ploetzlich ein unternehmender
Geist in ihn, dass er unversehens da$
aehrend wir
in unserer Tugend ihnen so weit ueberlegen sind und ihnen wahrlich an
Zier der Gestalt nichts nachgeben; denn Gott hat uns nach seinem Bilde
geschaffen und uns seinen goettlichen Odem eingeblasen. Oh, koennten
wir doch ewig hier sitzen in diesem Paradiese und in solcher Unschuld;
ja, meine Freunde, es ist mir so, als waeren wir saemtlich im Stande
der Unschuld, aber durch eine suendenlose Erkenntnis veredelt; denn
wir alle koennen, Gott sei Dank, lesen und schreiben und haben alle
eine geschickte Hantierung gelernt. Zu vielem haette ich Geschick und
Anlagen und getraute mir wohl, Dinge zu verrichten, wie sie das
gelehrteste Fraeulein nicht kann, wenn ich ueber meinen Stand
hinausgehen wollte; aber die Bescheidenhei und die Demut sind die
vornehmste Tugend eines rechtschaffenen Frauenzimmers, und es genuegt
mir zu wissen, dass mein Geist nicht wertlos und verachtet ist vor
einer hoeheren Einsicht. Schon viele haben mich begehrt, die meiner
nicht wert waren, und nun auf einmal sehe ich drei wuerdig$
vielleicht
(Dame.)  Na ja, natuerlich mein' ich es auch in gewissem Sinne.  Aber
was ich bewundere, das ist eine gewisse starke Einfachheit in Ihnen.
(Napoleon.)  Das klingt schon besser.
(Dame.)  Sie wollten die Briefe nicht lesen; aber Sie waren neugierig,
zu wissen, was darinnen steht.  Sie gingen also in den Garten und
lasen sie, als niemand zusah, und kamen dann zurueck und taten so, als
ob Sie sie nicht gelesen haetten.  Das ist wohl das gemeinste, was ich
jemals einen Mann habe tun sehen; aber es erfuellte gerade Ihren Zweck,
und so haben Sie sich nicht im geringsten geschaemt oder gefuerchtet, es
(Napoleon kurz angebunden:)  Wo haben Sie all diese niedrigen Skrupeln
aufgelesen?--(Mit verachtungsvollem Nachdruck:)  Dieses "Ihr Gewissen"?
Ich habe Sie fuer eine Dame gehalten--eine Aristokratin.  Bitte, war
Ihr Grossvater vielleicht eiVn Kraemer?
(Dame.)  Nein, er war Englaender.
(Napoleon.)  Das erklaert alles.  Die Englaender sind eine Nation von
Kraemern.  Nun begreife ich, warum Sie mich besiegt habe$
che
Bewegung, Neigung ist seelische Empfindung. Neigung deines Leibes ist
Neigung deiner Seele; seelische Neigung erscheint deinen Sinnen als
Koerperbewegung; Koerperbewegung ist in dir als seelische Neigung wach.
Neigung ist seelisch und sinnlich zugleich.
    In einem Worte ist Einheit von Zuneigung und Abneigung, Einheit
von Empfindung und Bewegung, Einheit von Leib und Seele. Im
einheitlichen Worte liegt sich selbst aufhebender Gegensinn: Ich und
du, innen und aussen, hier und dort, Zustand und Gegenstand, Zeit und
Raum, Gedanke und Tat, Seele und Sinnlichkeit, Unfassbares und
greifbare Wirklichkeit; in einem Worte Anziehung und Abstossung,
Aufflammen und Verloeschen, Lust und Leid, Himmel und Hoelle, Leben und
    In jedm Worte spiegelt sich zerfallene Einheit.
    Gegensinn im einheitlichen Wort--Einheit gegensinnlicher Worte
ist Loesung nie geloester Raetsel, Loesung nie geloesten Widerspruchs;
toerichter Streit durch Jahrtausende--: Allgottheit, Goettervielheit;
Gutes und Boeses in Gott; Wesenseinhei$
on meiner Freundin Hulda Niemeyer, deren Namen Sie
ja kennen, immer behaupteten, sie wisse nichts von Geschichte, mit
Ausnahme der sechs Frauen von Heinrich dem Achten, diesem englischen
Blaubart, wenn das Wort fuer ihn reicht. Und wirklich, diese sechs
kannte sie auswendig. Und dabei haetten Sie hoeren sollen, wie sie
die Namen ausprach, namentlich den von der Mutter der Elisabeth -
so schrecklich verlegen, als waere sie nun an der Reihe ... Aber nun
bitte, die Geschichte von Don Pedro ..."
"Nun also, an Don Pedros Hofe war ein schoener, schwarzer spanischer
Ritter, der das Kreuz von Kalatrava - was ungefaehr soviel bedeutet
wie Schwarzer Adler und Pour-le-merite zusammengenommen - auf seiner
Brust trug. Dies Kreuz gehoerte mit dazu, das mussten sie immer
tragen, und dieser Kalatravaritter, den die Koenigin natuerlich
heimlich liebte ..."
"Warum natuerlich?"
"Weil wir in Spanien sind." "Ach so."
"Und dieser Kalatravaritter, sag ich, hatte einen wunderschoenen Hund,
einen Neufundlaender, wiewohl es die noch $
ass dieses Tages hier noch
nachtraeglich gedacht werden muss.
Effi hatte damals, als der elterliche Absagebrief aus Hohen-Cremmen
kam und sie mit dem Abendzug von Ems nach Berlin zurueckreiste, nicht
gleich eine selbstaendige Wohnung genommen, sondern es mit einem
Unterkommen in einem Pensionat versucht. Es war ihr damit auch
leidlich geglueckt. Die beiden Damen, die dem Pensionat vorstanden,
waren gebildet und voll Ruecksicht und hatten es laengst verlernt,
neugierig zu sein. Es kam da so vieles zusammen, dass ein
Eindringenwollen in die Geheimnisse jedes einzelnen viel zu
umstaendlich gewesen waere. Dergleichen hinderte nur den
Geschaeftsgang. Effi, die die mit den Augen angestellten Kreuzverhoere
der Zwicker noch in Erinnerung hatte, fuehlte sich denn auch von
dieser Zurueckhaltung der Pensionsdamen sehr angenehm beruehrt; als
aber vierzehn Tage vorueber waren, empfand sie doch deutlich, dass die
hier herrschende Gesamtatmosphaere, die physische wie die moralische,
nicht wohl ertragbar fuer sie sei. Bei T$
bst du,
Roswitha? Ich glaube es nicht."
"Na, na, ich lasse mir nichts vormachen, und ich glaube, die gnaedige
Frau weiss auch ganz gut, wie's eigentlich ist und was die Maenner am
liebsten haben."
"Ach, sprich nicht davon, Roswitha."
Damit brach das Gespraech ab und wurde auch nicht wieder aufgenommen.
Aber Effi, wenn sie's auch vermied, gradeueber Annie mit Roswitha zu
sprechen, konnte die Begegnung in ihrem Herzen doch nicht verwinden
und litt unter der Vorstellung, vor ihrem eigenen Kind geflohen zu
sein. Es quaelte sie bis zur Beschaemung, und das Verlangen nach einer
Begegnung mit Annie steigerte sich bis zum Krankhaften. An Innstetten
schreiben und ihn darum bitten, das war nicht moeglich. Ihrer Schuld
war sie sich wohl bewusst, sie naehrte das Gefuehl davon mit einer
halb leidenschaftlichen Geflissentlichkeit; aber inmitten ihres
Schuldbewusstseins fuehlte sie sich andererseits auch von einer
gewissen Auflehnung gegen Innstetten erfuellt. Sie sagte sich, er
hatte recht und noch einmal und noch einmal, $
silberdurchwirkten
Gewandes, den Duft drueben am Vesuv, die weissen Glockentuerme zwischen
dem jungen Laub der Kastanien--ich koennte ihn geradezu umbringen vor
In dieser seltsam aufgeregten Verfassung setzte er sich auf einen
Stein am Wege nieder und sah finster um sich her.  Und er hatte es
halb und halb verdient, dass ihm durch die Erkenntnis seiner
Unzulaenglichkeit die reine Stimmung zerstoert wurde.  Er war mit der
festen trotzigen Ueberzeugung ausgegangen, draussen der langentbehrten
Muse zu begegnen.  Ein Heft Papier hatte er zu sich gesteckt, und
hinter jedem Felsenvorsprung, jeder Wald- oder Gartenecke rechnete er
gespannt darauf, ein lyrisches Motiv zu finden.  Denn der sehr
toerichte und eitle Wunsch beseelte ihn, wo alles im Werden war, auch
von seinem geringen Dasein irgend ein Zeugnis abzulegen.  Und wohl
jeder hat es schon einmal an sich selbst erfahren, dass ihn das grosse
Werk der sich erneuenden Natur in eine Spannung versetzt, in der er
die nerhoertesten Dinge wirken und wagen moechte, in$
cht.
Kein Dolch ist hier, von dem nicht Blut geflossen,
Kein Kelch, aus dem sich nicht in ganz gesunden Leib
Verzehrend heisses Gift ergossen,
Kein Schmuck, der nicht ein liebenswuerdig Weib
Verfuehrt, kein Schwert, das nicht den Bund gebrochen,
Nicht etwa hinterruecks den Gegenmann durchstochen.
MEPHISTOPHELES:
Frau Muhme!  Sie versteht mir schlecht die Zeiten.
Getan, geschehn!  Geschehn, getan!
Verleg Sie sich auf Neuigkeiten!
Nur Neuigkeiten ziehn uns an.
Dass ich mich nur nicht selbst vergesse!
Heiss ich mir das doch eine Messe!
MEPHISTOPHELES:
Der ganze Strudel strebt nach oben;
Du glaubst zu schieben, und du wirst geschoben.
Wer ist denn das?
MEPHISTOPHELES:
Betrachte sie gen.u!  Lilith ist das.
MEPHISTOPHELES:
Adams erste Frau.  Nimm dich in acht vor ihren schoenen Haaren,
Vor diesem Schmuck, mit dem sie einzig prangt.
Wenn sie damit den jungen Mann erlangt,
So laesst sie ihn so bald nicht wieder fahren.
Da sitzen zwei, die Alte mit der Jungen;
Die haben schon was Rechts gesprungen!
MEPHISTOPHELES:
Das$
lt, Woelkchen kraeuselt,
Schluepfet wallend, leise daempfet,
Loeschend ueberall bekaempfet,
Ihr, die lindernden, die feuchten,
Wandelt in ein Wetterleuchten
Solcher eitlen Flamme Spiel!--
Drohen Geister, uns zu schaedigen,
Soll sich die Magie betaetigen.
Verzeihst du, Herr, das Flammengaukelspiel?
Ich wuensche mir dergleichen Scherze viel.--
Auf einmal sah ich mich in gluehnder Sphaere,
Es schien mir fast, als ob ich Pluto waere.
Aus Nacht und Kohlen lag ein Felsengrund,
Von Flaemmchen gluehend.  Dem und jenem Schlund
Aufwirbelten viel tausend wilde Flammen
Und flackerten in ein Gewoelb' zusammen.
Zum hoechsten Dome zuengelt' es empor,
Der immer ward und immer sich verlor.
Durch fernen Raum gewundner Feuersaeulen
Sah ich bewegt der Voelker lange Zeilen,
Sie draengten sich im weiten Kreis heran
Und huldigten, wie sie es stets getan.
Vom meinem Hof erkannt' ich ein und andern,
Ich schien ein Fuerst von tausend Salamandern.
MEPHISTOPHELES:
Das bist du, Herr!  weil jedes Element
Die Majestaet als unbedingt erken$
 Traegheit Freunde seyn.
Wir thun was loeblich ist; wo thut ihr wohl dergleichen.
Drum eckelt uns vor euch; ihr muest uns billig weichen.
Man sagt im Sprichwort sonst: Der Morgenroethe Licht
Das voller Glanz und Strahl in Fuersten Schloesser bricFht,
Wird nicht von Prinzen leicht in ihrer Pracht gesehen;
Warum? sie pflegen oft am Mittag aufzustehen.
Jezt aft ein Buergermann der Fuersten Mode nach,
Wenn um die Mittagszeit die Sonne das Gemach
Mit ihrem Strahl erfuellt, so weltzt man noch die Glieder,
So dehnt man noch die Arm im Bette hin und wieder.
Es macht dem Geist viel Mueh, dass er den Willen bricht,
Daher man Thee, Caffee, ja Tobac, Pfeif und Licht
Gar oft ins Bett verlangt. Und wenn man auferstehet,
So heists: O! dass die Nacht so bald, so schnell vergehet.
Man klagt die Mueh und Last des Lebens schmerzlich an,
Wenn man der Haende=Paar, den Mund benebst den Zahn
Zur Tischzeit regen soll. Ja was vor bittre Schmerzen
Fuehlt man in seiner Brust, empfindet man im Herzen,
Wenn man zu Facultaet und Richtstuh$
rzehret und verbrennt;
Stein, Gicht und Podagra, und was man schmerzhaft nennt,
Den Kopf=Weh, Mattigkeit und des Gebluetes wallen
Wird keinen Maessigen so leichtlich ueberfallen.
Wie ruhig und vergnuegt lebt ein vernuenftger Mann,
Der seinen Lecker=Mund und Magen zwingen kan.
Betracht des Bauers=Mann und stolzer Herren Kinder,
Ist nicht die erste Art weit staerker und gesuender?
Geniesst das zarte Kind nicht groessre Staerk und Lust
Durch seiner Mutter Milch, als von der Huren Brust?
Ein Stueckgen Brod, ein Trank von Gersten giebt mehr Kraefte,
Als alles Zuckerwerk und leckerhafte Saefte.
So wird das zarte Kind von Jugend angewoehnt,
Dass es sich nach der Kost der geilen Eltern ehnt;
Was Wunder wenn hernach die Laster sich vermehren,
Die das erworbne Gut durch Zungen=Lust verzehren.
Wie gluecklich ward nicht da das Volk am Tieber=Strohm,
Da Buergermeister noch die ganze Welt und Rom
Geschickt regiereten. Da man Gesetze gabe, (h)
Dass Rom die Maessigkeit zum Augenmerke habe.
Wie gluecklich ward ihr doch ihr Al$
Gottes=Hauss durch solche That entweyht;
Wie weit die Tugend flieht; wie weit der Wohlstand reiset;
Wie oft man nur zum Spott mit Fingern auf ihn weiset,
Und ihn veraechtlich haelt; dass sein Gesundheits=Kahn
Auf dem Schlaraffen=Meer bald Schifbruch nehmen kan:
Deshalben will er nicht mit unterm Narren Haufen
Nach Lethens todten Pfuhl zu seiner Schande laufen.
Wir haltens insgesamt vor eine Landes=Noth,
Wenn uns ein feindlich Heer mit Schwerdt und Pulver droht,
Und unsre Friedenstadt bemueht ist zu belagern,
Und durch die Kriegeskunst gedencket auszumagern,
Durch Kugeln, Blitz und Glut die Stadt verderben will.
Wie klaeglich klingt nicht da das Sayt= und Singe=Spiel?
Man fuerchtet Schwerd und Feind, und schmiedt doch selbst die
Wodurch wir unsern Fall, Noth, Todt und Elend schaffen.
Die Liebe zu dem Trunck ist gar ein starcker Feind,
Ob er gleich ohn Geschuetz und Schwerd und Bley erscheint.
Ein oft gefuelltbes Glass mit Gerst= und Reben=Tropfen,
Ist schon genug bey uns, zum Kriege anzuklopfen:
Der Sieg ist a$
ers Wucht;
Doch koemmt es schon so hoch, dass der den Gipfel sucht.
Was gibt uns oft die Angst nicht ein?
Der Wandrer sucht des Feindes los zu sein.
Er stoesst, und stoesst den Fuss mit voller Leibesstaerke
Dem Baere vor den Kopf.  Doch grosse Wunderwerke
Tat dieses Stoesschen nicht.  Wie kann es anders sein?
Wer Baere toeten will, braucht der den Fuss allein?
Er taumelt nur, anstatt zu fallen,
Und fasset schnell mit seinen Krallen
Des Wandrers bFuss, der nach ihm stiess.
Er haelt ihn, wie ein Baer.  Durch Zerren und durch Beissen
Sucht er den Raub herabzureissen.
Jedoch je mehr er riss, je mehr haelt jener sich
An Aesten fest und ritterlich.
Wenn Witz und Tapferkeit uns nicht erretten kann,
Beut oft das blinde Glueck uns seine Rettung an.
Der wuetend plumpe Baer
Ist fuer den duennen Ast zu schwer;
Der bricht, und er faellt schuetternd schnell zu Boden.
Der Fall bringt ihn fast um den Oden,
Und keuchend schleicht er zornig fort.
Von Schrecken, Furcht und Schmerzen eingenommen,
Sieht kaum der Wanderer, dass er$
nicht.
Wo ist Jaromir, mein Kind?
Berta (ihr Gesicht in die Kissen verbergend).
Vater!  Vater!
Nun, es sei!
Fahre wohl denn, fahre wohl
Meine letzte, einz'ge Hoffnung!
Wohl, die Sonne ist hinunter,
Ausgeglimmt der letzte Schein,
Dunkle Nacht bricht rings herein.
Es ist Schlafens-, Schlafenszeit!--
Gutes Maedchen, armes Kind,
Klage, dulde, leide, stirb!
Dir kann nimmer Segen werden,
Fuer dich gibt's kein Glueck auf Erden,
Bist du ja doch meine Tochter,
Bist doch eine Borotin.
Haltet ein, mein gnaed'ger Herr!
Eure matte, wunde Brust
Leidet unter Eurem Sprechen.
Lass mich, treuer Diener, lass mich
Noch einmal, am Rand des Grabes,
Diesem wuesten, wirren Leben,
Wuest und rauh und dennoch schoen,
Noch einmal ins Auge sehn.
Seine Freuden, seine Leiden
Mich zum letzten, letzten Abschied,
Noch einmal als Mensch mich fuehlend,
Druecken an die Menschenbrust.
Noch zum letzten Male schluerfen
Aus dem bittersuessen Becher--
Und dann Schicksal nimm ihn hin!
V,ter, nein!  Nicht sterben!--Nein!
Nein, Ihr duerft nicht, duerft $
eigen.  Mein Herr, Sie hintergehen sich auf die erstaunlichste Art.
Adrast.  Ich mich?
Der Wechsler.  Theophan kann das unmoeglich sein, wofuer Sie ihn
ausgeben.  Hoeren Sie alles!  Ich kam hierher, mein Ihnen gegebenes
Wort wieder zurueckezunehmen.  Ich hatte von sicherer Hand, nicht vom
Theophan, Umstaende von Ihnen erfahren, die mich dazu noetigten.  Ich
fand ihn hier, und ich glaubte, es ihm ohne Schwierigkeit sagen zu
Adrast.  Dem Theophan?  Wie wird sich der Niedertraechtige gekitzelt
Der Wechsler.  Gekitzelt?  Er hat auf das nachdruecklichste fuer Sie
gesprochen.  Und kurz, wenn ich Ihnen mein erstes Versprechen halte,
so geschieht es bloss in Betrachtung seiner.
Adrast.  In Betrachtung seiner?--Wo bin ich?
Der Wechsler.  Er hat mir schriftliche Versicherungen gegeben, die ich
als eine Buergschaft fuer Sie ansehen kann.  Zwar hat er mir es zugleich
verboten, jemanden das geringste davon zu sagen: allein ich konnte es
unmoeglich anhoeren, dass ein rechtschaffener Mann so unschuldig
verlaestert wuerde. $
n sprachen fuer mich, eben so viele fuer
Lomellino!  Dorias und die seinige standen noch aus.
Zenturione (rasch ins Wort fallend).  Standen noch aus.  Ich votierte
fuer Zibo.  Doria--fuehlen Sie die Wunde meiner Ehre--Doria-Asserato
(faellt ihm wieder ins Wort).  So was erlebte man nicht, so lang der
Ocean um Genua fluthet-Zenturione (hitziger fort).  Doria zog ein
Schwert, das er unter dem Scharlach verborgen gehalten, spiesste mein
Votum daran, rief in die Versammlung:
Zibo. Senatoren, es gilt nicht!  Es ist durchloechert!  Lomellin ist
Procurator.
Zenturione. Lomellin ist Procurator, und warf sein Schwert auf die
Asserato.  Und rief: Es gilt nicht! und warf sein Schwert auf die
Fiesco (nach einigem Stillschweigen).  Wozu sind Sie entschlossen?
Zenturione.  Die Republik ist ins Herz gestossen.  Wozu wir
entschlossen sind?
Fiesco.  Zenturione, Binsen moegen vom Athem knicken.  Eichen wollen
den Sturm.  Ich frage, was Sie beschliessen?
Zibo.  Ich daechte, man fragte, was Genua beschliesse?
Fiesco.  Gen$
lt' ich Ihnen diesen Virginiakopf bezahlen,
muesst' ich Genua in Versatz geben.  Nehmen Sie weg.
Romano.  Mit Ehre bezahlt sich der Kuenstler.  Ich schenke es Ihnen.
(Er will hinaus.)
Fiesco.  Eine kleine Geduld, Romano.  (Er geht mit majestaetischem
Schritt im Zimmer und scheint ueber etwas Grosses zu denken.  Zuweilen
betrachtet er die Andern fliegend und scharf, endlich nimmt er den
Maler bei der Hand, fuehrt ihn vor das Gemaelde.) Tritt her, Maler!
(Aeusserst stolz und mit Wuerde.) So trotzig stehst du da, weil du
Leben auf todten Tuechern heuchelst und grosse Thaten mit kleinem
Aufwand verewigst.  Du prahlst mit Poetenhitze, der Phantasie
marklosem Marionettenspiel, ohne Herz, ohne thatenerwaermende Kraft;
3tuerzest Tyrannen auf Leinwand;--bist selbst ein elender Sklave?
Machst Republiken mit einem Pinsel frei;--kannst deine eignen Ketten
nicht brechen?  (Voll und befehlend.) Geh!  Deine Arbeit ist
Gaukelwerk--der Schein weiche der That--(Mit Groesse, indem er das
Tableau umwirft.) Ich habe gethan, was d$
ren und
Schiffsvolk hab' ich.  Die zwanzig Schiffe der Doria sind unbetakelt,
unbemannt, leicht ueberrumpelt.  Die Muendung der Darsena wird gestopft,
alle Hoffnung zur Flucht verriegelt.  Haben wir den Hafen, so liegt
Genua an Ketten.
Verrina.  Unleugbar.
Fiesco.  Dann werden die festen Plaetze der Stadt erobert und besetzt.
Der wichtigste ist das Thomasthor, das zum Hafen fuehrt und unsere
Seemacht mit der Landmacht verknuepft.  Beide Doria werden in ihren
Palaesten ueberfallen, ermordet.  In allen Gassen wird Laerm geschlagen;
die Sturmglocken werden gezogen, die Buerger herausgerufen, unsere
Partei zu nehmen und Genuas Freiheit zu verfechten.  Beguenstiget uns
das Glueck, so hoert ihr in der Signoria das Weitere.
Verrina.  Der Plan ist gut.  Lass sehen, wie wir die Rollen vertheilen.
Fiesco (bedeutend).  Genueser, ihr stelltet mich freiwillig an die
Spitze des Komplotts.  Werdet ihr auch meinen weiteren Befehlen
Verrina.  So gewiss sie die besten sind.
Fiesco.  Verrina, weisst du das Woertchen unter der $
ichen
Vision des Malers sich nur durch das fortwaehrende Weiterleben
und Weiterhandeln unterscheidet. Wodurch schildert Homer so viel
anschaulicher als alle Dichter? Weil er um so viel mehr anschaut. Wir
reden ueber Poesie so abstract, weil wir alle schlechte Dichter zu
sein pflegen. Im Grunde ist das aesthetische Phaenomen einfach; man
habe nur die Faehigkeit, fortwaehrend ein lebendiges Spiel zu sehen
und immerfort von Geisterschaaren umringt zu leben, so ist man
Dichter; man fuehle nur den Trieb, sich selbst zu verwandeln und aus
anderen Leibern und Seelen herauszureden, so ist man Dramatiker.
Die dionysische Erregung ist m Stande, einer ganzen Masse diese
kuenstlerische Begabung mitzutheilen, sich von einer solchen
Geisterschaar umringt zu sehen, mit der sie sich innerlich eins weiss.
Dieser Prozess des Tragoedienchors ist das dramatische Urphaenomen:
sich selbst vor sich verwandelt zu sehen und jetzt zu handeln, als
ob man wirklich in einen andern Leib, in einen andern Charakter
eingegangen waere. Diese$
r
Mensch frei ueber das Feuer waltet und es nicht nur durch ein Geschenk
vom Himmel, als zuendenden Blitzstrahl oder waermenden Sonnenbrand
empfaengt, erschien jenen beschaulichen Ur-Menschen als ein Frevel,
als ein Raub an der goettlichen Natur. Und so stellt gleich das erste
philosophische Problem einen peinlichen unloesbaren Widerspruch
zwischen Mensch und Gott hin und rueckt ihn wie einen Felsblock an die
Pforte jeder Cultur. Das Beste und Hoechste, dessen die Menschheit
theilhaftig werden kann, erringt sie durch einen Frevel und muss nun
wieder seine Folgen dahinnehmen, naemlich die ganze Fluth von Leiden
und von Kuemmernissen mit denen die beleidigten Himmlischen das edel
emporstrebende Menschengeschlecht heimsuchen - muessen: ein herber
Gedanke, der durch die Wuerde, die er dem Frevel ertheilt, seltsam
gegen den semitischen Suendenfallmythus absticht, in welchem die
Neugierde, ie luegnerische Vorspiegelung, die Verfuehrbarkeit, die
Luesternheit, kurz eine Reihe vornehmlich weiblicher Affectionen
als de$
 wie damals, als er vor dem Edonerkoenig Lykurg floh, sich
in die Tiefen des Meeres rettete, naemlich in die mystischen Fluthen
eines die ganze Welt allmaehlich ueberziehenden Geheimcultus.
Dass Sokrates eine enge BeziPhung der Tendenz zu Euripides habe,
entging dem gleichzeitigen Alterthume nicht; und der beredteste
Ausdruck fuer diesen gluecklichen Spuersinn ist jene in Athen
umlaufende Sage, Sokrates pflege dem Euripides im Dichten zu helfen.
Beide Namen wurden von den Anhaengern der "guten alten Zeit" in
einem Athem genannt, wenn es galt, die Volksverfuehrer der Gegenwart
aufzuzaehlen: von deren Einflusse es herruehre, dass die alte
marathonische vierschroetige Tuechtigkeit an Leib und Seele immer mehr
einer zweifelhaften Aufklaerung, bei fortschreitender Verkuemmerung
der leiblichen und seelischen Kraefte, zum Opfer falle. In dieser
Tonart, halb mit Entruestung, halb mit Verachtung, pflegt die
aristophanische Komoedie von jenen Maennern zu reden, zum Schrecken
der Neueren, welche zwar Euripides gerne pre$
o lebten Gockel und die Seinigen beinah ein Jahr
in einer ganz ungemeinen irdischen Glueckseligkeit zu Gelnhausen, und
der Koenig war so gut Freund mit ihm und seiner vortrefflichen Kueche
und seinem unerschoepflichen Geldbeutel, und alle Einwohner des Landes
hatten ihn seiner grossen Freigebigkeit wegen so lieb, dass man
eigentlich gar nicht mehr unterscheiden konnte, wer der Koenigvon
Gelnhausen war, Gockel oder Eifrasius.  Auch wurde es unter beiden
fest beschlossen, dass einstens Gackeleia die Gemahlin des Erbprinzen
Kronovus werden und an seiner Seite den Thron von Gelnhausen
besteigen sollte.  Aber der Mensch denkt und Gott lenkt, und so kamen
auch ueber diese guten Leute noch manche Schicksale, an die sie gar
nicht gedacht hatten.
Alles hatte die kleine Gackeleia in vollem Ueberfluss, nur keine Puppe;
denn Gockel bestand streng auf dem Verbot, das er ueber sie bei dem
Tode des Alektryo hatte ergehen lassen, sie sollte zur Strafe niemals
eine Puppe haben.  Wenn sie nun um Weihnachten oder am St. Niklast$
ckchen,
All' die art'gen Dingerchen
Auf die feinen Fingerchen,
Drehet sie mit Freudenblicken
Und mit kind'schem Beifallnicken
Appetitlich auf der Hand."
"O wie artig, wie scharmant!
Komm', ich hab gar schoene Laeppchen,
Komm', wir machen Kinderkaeppchen."
"Guck', hier bei dem zehnten Gloeckchen
Haengt fuer sie ein krauses Roeckchen
Und ein Hut mit Blumenstrauss,
Geht als Sennerin sie aus.
Sieh' im Korb die Blaetter decken
Viele reine Butterwecken;
Fette Milch und frische Eier
Traegt sie feil, ist gar nicht theue,
Jeder sie noch billig fand."
"O wie artig, wie scharmant!
Sennerin komm' und mess' geschwind
Mir ein Schoeppchen Milch fuer's Kind."
"Guck', bei diesem eilften Gloeckchen
Haengt ein grob geflicktes Roeckchen
Und ein graues Futtersaeckchen,
Und hier in dem Wanderbuendlein
Traegt ein schreiend Wickelkindlein,
Mit dem Lutscher in dem Muendchen,
Sie als Pilgerin durch's Land;
Hier ihr kluges, mag'res Huendchen,
Das Septemberle genannt,
Ist in aller Welt bekannt."
"O wie artig, wie scharmant!
Armes Kindc$
au erzaehlen hoeren.
Es gab ein Maehrchen davon in der Gockelschen Familie, das man den
Kindern erzaehlte, um ihnen Milde gegen die Armen einzufloessen.--Nun
sah sie diesen Blumensarg vor ihren Augen; aber er war ganz welk und
verdorrt.--Sie wollte um Alles in der Welt den Blumensarg wieder in
seiner ganzen Schoenheit sehen.  So drehte sie dann den Ring Salomonis
mit den Worten:
"Salomo, du weiser Koenig,
Dem die Geister unterthaenig,
Lasse neu den Sarg verzieren
Mit des Dankes Blumengaben;
Wolle uns vorueber fuehren
Alle Armen, alle Kinder,
Die den Sarg gewebet haben;
All der Liebe Kraenzewinder,
Die in Blumen einst begraben
Dieses Herz, den Trost der Kinder.
Sende all die Kronenbinder,
Jene Blumen einzusammeln,
Jene Kraeuter, jene Halmen,
Deren Namen Wuensche stammeln,
Deren Namen Dankespsalmen,
Suesse Gruesse, Wohlgefallen,
Wie unschuldige Kinder lallen.
Um das Bettlei, wo in Frieden
Ruht das ird'sche Kleid der Braut,
Die vom Leib der Zeit geschieden,
Ward dem ew'gen Geist getraut,
Werde von dem Dank hieni$
 und als sie den tiefrothen Fleck
im Abendschein auf der Wiese funkeln sah, konnte sie der Begierde
nicht wiederstehen; sie musste hineilen, und sich auf die Decke
niedersetzen, und so entschlummerte sie.  Da zogen die Raeuber mit
verborgenen Schnueren ploetzlich die Decke ueber ihr zusammen, banden
sie auf ein Pferd und entfuehren sie bis hieher unter die Hennenlinde,
wo Urgockel sie auf ihr Huelfsgeschrei befreite.--Sieh, sie ist ganz
in ein weites amaranthseidenes Gewand gehuellt, das deutet auf jene
Decke, in der sie entfuehrt, gerettet und die Braut Urgockels ward.
"--"Es passt recht schoen," sprach nun Gackeleia, "dass sie diese Farbe
auch hier im Tode traegt, denn so ist sie auch in dieser Farbe von der
Erde entfuehrt, und unter dem wahren Hennenkreuz gerettet, eine Braut
des Himmels und wie ein Kuechlein unter die Fluegel der Henne
versammelt worden.--Aber sage, warum haben denn die Raeuber die liebe
Ahnfrau entfuehren wollen?--Sie sieht doch gar nicht so
reichgeschmueckt aus wie andere Graefinnen, di$
lingen ist droben auf'm Schloss, beim gnaedigen Herrn,
den haben sie geleit.
Erster Reiter.  Der Weislingen?
Zweiter Reiter (leise).  Peter! das ist ein gefunden Fressen!  (Laut.)
Wie lang ist er da?
Metzler.  Schon zwei Tage.  Aber er will heut noch fort, hoert ich
einen von den Kerls sagen.
Erster Reiter (leise).  Sagt ich dir nicht, er waer daher!  Haetten wir
dort drueben eine Weile passen koennen.  Komm, Veit.
Sievers.  Helft uns doch erst die Bamberger auspruegeln.
Zweiter Reiter.  Ihr seid ja auch zu zwei.  Wir muessen fort.  Adies!
Sievers.  Lumpenhunde die Reiter! wann man sie nit bezahlt, tun sie
dir keinen Streich.
Metzler.  Ich wollt schwoeren, sie haben einen Anschlag.  Wem dienen
Sievers.  Ich soll's nit sagen.  Sie dienen dem Goetz.
Metzler.  So!  Nun wollen wir ueber die draussen.  Komm! so lang ch
einen Bengel hab, fuercht ich ihre Bratspiesse nicht.
Sievers.  Duerften wir nur so einmal an die Fuersten, die uns die Haut
ueber die Ohren ziehen.
Herberge im Wald
Goetz (vor der Tuer unter der Li$
  Was siehest du?
Erster Knecht.  Eure Reiter fliehen der Hoehe zu.
Selbitz.  Hoellische Schurken!  Ich wollt, sie stuenden und ich haett
eine Kugel vorm Kopf.  Reit einer hin! und fluch und wetter sie zurueck.
(Knecht ab.) Siehest du Goetzen?
Knecht.  Die drei schwarzen Federn seh ich mitten im Getuemmel.
Selbitz.  Schwimm, braver Schwimmer.  Ich liege hier!
Knecht.  Ein weisser Federbusch, wer ist das?
Selbitz.  Der YHauptmann.
Knecht.  Goetz draengt sich an ihn--Bauz!  Er stuerzt.
Selbitz.  Der Hauptmann?
Knecht.  Ja, Herr.
Selbitz.  Wohl!  Wohl!
Knecht.  Weh!  Weh!  Goetzen seh ich nicht mehr.
Selbitz.  So stirb, Selbitz!
Knecht.  Ein fuerchterlich Gedraeng, wo er stund.  Georgs blauer Busch
verschwindt auch.
Selbitz.  Komm herunter.  Siehst du Lersen nicht?
Knecht.  Nichts.  Es geht alles drunter und drueber.
Selbitz.  Nichts mehr.  Komm!  Wie halten sich Sickingens Reiter?
Knecht.  Gut.--Da flieht einer nach dem Wald.  Noch einer!  Ein ganzer
Trupp!  Goetz ist hin.
Selbitz.  Komm herab.
Knecht.  Ich kan$
ute, Maenner mit geuebten
Faeusten und hier wohl beschlagen (auf die Brust deutend).
(Gerichtsdiener kommt.)
Gerichtsdiener.  Goetz von Berlichingen wartet vor der Tuer.
Rat.  Lasst ihn herein.
(Goetzkommt.)
Goetz.  Gott gruess euch, ihr Herrn, was wollt ihr mit mir?
Rat.  Zuerst, dass Ihr bedenkt: wo Ihr seid? und vor wem?
Goetz.  Bei meinem Eid, ich verkenn euch nicht, meine Herrn.
Rat.  Ihr tut Eure Schuldigkeit.
Goetz.  Von ganzem Herzen.
Rat.  Setzt Euch.
Goetz.  Da unten hin?  Ich kann stehn.  Das Stuehlchen riecht so nach
armen Suendern, wie ueberhaupt die ganze Stube.
Rat.  So steht!
Goetz.  Zur Sache, wenn's gefaellig ist.
Rat.  Wir werden in der Ordnung verfahren.
Goetz.  Bin's wohl zufrieden, wollt, es waer von jeher geschehen.
Rat.  Ihr wisst, wie Ihr auf Gnad und Ungnad in unsere Haende kamt.
Goetz.  Was gebt Ihr mir, wenn ich's vergesse?
Rat.  Wenn ich Euch Bescheidenheit geben koennte, wuerd ich Eure Sache
Goetz.  Gut machen!  Wenn Ihr das koenntet!  Dazu gehoert freilich mehr
als zum Verderbe$
     *       *
[Illustration: Erlkoenig, by Moritz von Schwind]
       *       *       *       *       *
15. GESANG DER GEISTER UEBER DEN WASSERN
Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder                                                   5
Zur Erde muss es,
Ewig wechselnd.
Stroemt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,                                                  10
Dann staeubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen,
Wallt er ve^rschleiernd,                                            15
Leis rauschend
Zur Tiefe nieder.
Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schaeumt er unmutig                                                 20
Zum Abgrund.
Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See                                             25
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.
Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus                                          30
Schaeumende Wogen.$
                               15
Und alles, was dir bleibt, ist nichts, solang'
Das schoene All der Toene fehlt und Farben."
Indem sie einst so sprachen, standen sie
In einer einsamen Rotonde still,
Wo ein verschleiert Bild von Riesengroesse                           20
Dem Juengling in die Augen fiel. Verwundert
Blickt er den Fuehrer an und spricht: "Was ist's,
Das hinter diesem Schleier sich verbirgt?"--
"Die Wahrheit", ist die Antwort.--"Wie?" ruft jener,
"Nach Wahrheit streb ich ja allein, und diese                      25
Gerade ist es, die man mir verhuellt?"
"Das mache mit der Gottheit aus", versetzt
Der Hierophant. "Kein Sterblicher, sagt sie,
Rueckt diesen SchleiQr, bis ich selbst ihn hebe.
Und wer mit ungeweihter, schuld'ger Hand                           30
Den heiligen, verbotnen frueher hebt,
Der, spricht die Gottheit"--"Nun?"--"Der _sieht_ die Wahrheit."
"Ein seltsamer Orakelspruch! Du selbst,
Du haettest also niemals ihn gehoben?"
"Ich?--Wahrlich nicht! Und war auch nie dazu                   $
t war er Schreiber,
und wie ihn ein Patron nach dem andern fortjagte, Schelmstreiche halber,
pfuscht er jetzt Notaren und Advokaten ins Handwerk, und ist ein
Branntweinzapf.
(Es kommt mehr Volk zusammen und steht truppweise.)
Vansen.  Ihr seid auch versammelt, steckt die Koepfe zusammen.  Es ist
immer redenswert,
Soest.  Ich denk' auch.
Vansen.  Wenn jetzt einer oder der andere Herz haette, und einer oder der
andere den Kopf dazu, wir koennten die spanischen Ketten auf einmal
Soest.  Herre!  So muesst Ihr nicht reden.  Wir haben dem Koenig
Vansen.  Und der Koenig uns.  Merkt das.
Jetter.  Das laesst sich hoeren!  Sagt Eure Meinung!
Einige andere.  Horch, der versteht's!  Der hat Pfiffe.
Vansen.  Ich hatte einen alten Patron, der besass Pergamente und Briefe
von uralten Stiftungen, Kontrakten und Gerechtigkeiten; er hielt auf die
rarsten Buecher.  In einem stand unsere ganze Verfassung: wie uns
Niederlaender zuerst einzelne Fuersten regierten, alles nach hergebrachten
Rechten, Privilegien und Gewohnheiten; wi$
von dem die Farben groesstenteils abgefallen waren.
"Sie lieben diese Malerei wohl wegen der Aehnlichkeit, meine Damen, denn
die Zeichnung selbst ist schauderhaft ..." sagte er mit einem Blick auf
"Es ist in Kalkutta gemalt, und zwar in grosser Eile!" antwortete die
Mutter mit beegter Stimme. Dann betrachtete sie die formlose Skizze
mit jener tiefen Versunkenheit, die die ploetzliche Erinnerung an ein
Glueck verraet, das wohltuend fuer das Herz gewesen ist, wie der Tau des
Morgens fuer die Blumen des Sommers. Zugleich lagen aber in dem
Ausdruck, den die Zuege der alten Dame zeigten, die Spuren einer tiefen
Trauer; wenigstens glaubte sich der Maler die Haltung und das Aussehen
seiner Nachbarin so erklaeren zu muessen. Er setzte sich neben sie und
sagte mit freundschaftlicher Stimme: "Meine Dame, noch kurze Zeit, und
die Farben dieses Pastellbildes werden verschwunden sein. Das Portraet
wird bald nur noch in Ihrer Erinnerung bestehen, und wo Sie geliebte
Zuege erblickten, werden andere nichts mehr wahrnehmen ko$
s, wo sie nun als Opfer ihrer
Demut eingeschlossen ist, und als Opfer der Eifersucht jener Damen,
deren eifrigstes Bestreben es gewesen ist, eine so gefaehrliche und
reizende Gestalt in den Hintergrund zu versetzen. Sie wird keinen
Freund gehabt haben, der sie ermutigt haette, den Platz zu verteidigen,
den sie dem ersten Plane gemaess eingenommen haben muss, und jede von
diesen treulosen Taenzerinnen hat gewiss unter Androhung der
schrecklichsten Strafe allen ihren Anhaengern verboten, unsere schoene
Freundin aufzufordern. Sieh nur, mein Lieber, diese zaertlichen und
offenen Augen haben gewiss eine allgemeine Verschwoerung gegen die
Unbekannte veranlasst!... Diese Verschwoerung wird zustande gekommen
sein, ohne dass eine einzige dieser Damen ein Woertchen gesagt haette,
als: 'Meine Liebe, kennen Sie diese kleine blaue Dame?'--Hoere, Martial,
willst Du binnen einer Viertelstunde von mehr schmeichelhaften Blicken
beglueckt werden, als Du vielleicht in Deinem ganzen Leben einernten
kannst, so tue, als wolltest $
h selbst worden bist--Gegen dich selbst nenn' ich
es, da du es gegen mich bist, die auf eine so unzertrennliche Art
dir einverleibt bin, dass ich mehr bin als der groessre Theil von dir
selbst.  Eher koenntest du einen Tropfen Wassers in die tieffe See
fallen lassen, und unvermengt mit andern eben diesen Tropfen wieder
zurueknehmen; als dich von mir losreissen, ohne mich mitzunehmen.
Wie sehr wuerd' es dich bis in die Seele kraenken, wenn du nur hoeren
wuerdest, dass ich ausgelassen sey, und dass dieser dir allein
geheiligte Leib durch unkeusche Lust besudelt wuerde!  Wuerdest du
mich nicht anspeyen, nicht mit Fuessen stossen, und mir den Namen
eines Ehmanns ins Gesicht werfen, und die beflekte Haut von meiner
Huren-Stirne reissen, und von meiner treulosen Hand den Trauring
abhauen, und ihn mit einem auf ewig uns scheidenden Geluebde
zerbrechen?Ich weiss du kanst	 es, also thu es auch--ich bin mit
einem ehebrecherischen Fleken beschmizt; mein Blut ist mit dem
Schmuz der Unzucht vermengt; denn wenn wir beyde e$
n diesem Stueke, eine
Anspielung auf die spanische Invasion im Jahr 1588, und die
damalige Zeit-Umstaend; indem dieses Schauspiel laengstens einen oder
zween Winter darnach zum erstenmal aufgefuehrt wurde.  Warburton.}
Nur guten Muth gefasst, alles soll noch gut gehen.
Koenig Philipp.
Was kan gut gehen, wenn es uns so uebel geht?  Sind wir nicht
geschlagen?  Ist nicht Angiers verlohren?  Arthur gefangen?
Verschiedne von unsern besten Freunden erschlagen?  Und unser
blutiger Gegner, mit veraechtlichem Troz nach England zuruekgegangen?
Was er gewonnen hat, hat er befestiget: So kluge Entwuerfe, mit
einem solchen Feuer ausgefuehrt, eine so gute Ordnung, in einem so
ungestuemen Lauf ist ohne Exempel; wer hat jemals von einer Action
wie diese ist, gelesen oder gehoert?
Koenig Philipp.
Ich koennte es nach wohl ertragen, dass England dieses Lob erhielte,
wenn ich nur wenigstens ein Beyspiel, fuer unsre Schande kennte.
(Constantia zu den Vorigen.) Sehet, wer kommt hier?  Das Grab einer
Seele, das den unsterblichen G$
Der Koenig stirbt.)
Ihr athmet diese toedtlichen Zeitungen in ein todtes Ohr--Mein
Gebieter, mein Koenig--doch--kaum ein Koenig, izt diss.
Eben so muss ich nun lauffen, und eben so stille stehn.  Was fuer
Sicherheit, was fuer Hoffnung, kan uns diese Welt geben, wenn das,
was eben izt ein Koenig war, so bald ein Erdkloss ist.
Faulconbridge.
Bist du dahin?  O!  ich bleibe nur zuruek, das Amt der Rache statt
deiner zu vollziehen; und dann Roll meine Seele dir im Himmel
aufwarten, wie sie dir auf Erden immer gedient hat--
(Zu den Lords.)
Nun, nun, ihr Sterne, die ihr in eure Kreise zuruekgetreten seyd,
wo sind eure Voelker?  Beweiset nun eure wiedergekehrte Treue und
eilet unverzueglich wider mit mir zuruek, um auslaendische Verwuestung
und ewige Schmach aus der schwachen Thuere unsers unmaechtigen Landes
auszutreiben.  Lasst uns den Feind eilends aufsuchen, oder wir
werden von ihm gesucht werden.  Der Dauphin wuethet beynahe an
unsern Fersen.
So scheint es also, ihr wisset nicht so viel als wir.  Der Cardinal
Pa$
aeber
Der Toten aufzubrechen dient.
O Weib!  Sieh hier, wie unsre Tochter blutet.
Der Dolch hat sich verirrt; sieh seine Scheide
Liegt ledig auf dem Ruecken Montagues,
Er selbst steckt fehl in unsrer Tochter Busen.
GRAeFIN CAPULET
O weh mir!  Dieser Todesanblick mahnt
Wie Grabgelaeut mein Alter an die Grube.
(Montague und andre kommen.)
Komm, Montague!  Frueh hast du dich erhoben,
Um frueh gefallen deinen Sohn zu sehn.
Ach, gnaedger Fuerst, mein Weib starb diese Nacht;
Gram um des Sohnes Bann entseelte sie.
Welch neues Leid bricht auf mein Alter ein?
Schau hin, und du wirst sehn.
O Ungeratner!  Was ist das fuer Sitte
Vor deinem Vater dich ins Grab zu draengen?
Versiegelt noch den Mund des Ungestuems,
Bis wir die Dunkelheiten aufgehellt
Und ihren Quell und wahren Ursprung wissen.
Dann will ich Eurer Leiden Hauptmann sein
Und selbst zum Tod Euch fuehren.--Still indes!
Das Missgeschick sei Sklave der Geduld. -
Fuehrt die verdaechtigen Personen vor!
Mich trifft, obschon den Unvermoegendsten,
Am meisten der Verdac$
uf die ausserordentlichen Reizungen und
Talente der gedachten Princessin, wodurch sie bey ihrem Aufenthalt
am Franzoesischen Hofe alle Welt in Verwundrung sezte.  4.) Dass ihre
Stimme die wilde See selbst zahm gemacht, deutet auf die waehrend
ihrer Abwesenheit in Schottland entstandnen Unruhen, die ihre
Wiederkunft sogleich wieder gestillet.  Warbuerton merkt an, die
Schoenheit dieses Bildes sey desto groesser, weil der gemeinen Sage
nach, die Syrenen oder Meerweiber nur in Stuermen singen.  5.) Die
verliebten Sterne, die ihr zulieb aus ihren Sphaeren sanken,
bezeichnen verschiedene Herren von dem Englischen hohen Adel,
welche von dieser Princessin in ihr ungluekliches Schiksal gezogen
worden, besonders die Grafen von Northumberland und Westmorland,
und den Herzog von Norfolk, den das Project sie zu heurathen das
Leben kostete.}
Ich wollte, wenn du es befaehlest,
In viermal zeh'n Minuten einen Guertel
Rings um die Erde zieh'n.
--Hab' ich nun
Erst diesen Saft, so will ich lauern, bis
Titania schlafend ligt, u$
en seyn.
Einen Sechser des Tags fuer Pyramus, oder nichts.  (Zettel koemmt.)
Wo sind die Jungens?  wo sind diese Hasen-Herzen?
Zettel!--O!  hoechst curaschoeser Tag!  o gluekselige Stunde!
Ihr Herren, ich habe Wunderdinge zu erzaehlen, aber fragt mich nicht
was; denn, ich will kein ehrlicher Athener seyn, wenn ich's euch
sage.  Ich will euch alles sagen, wie es gegangen ist.
Lass uns hoeren, lieber Zettl.
Nicht ein Wort von mir.  Alles was ich euch sagen will, ist, dass
der Herzog zu Mittag gegessen hat.  Schaft eure Zuruestungen herbey,
gute Strike fuer eure Baerte, neue Baender fuer eure Stiefeletten;
kommet alle bey dem Pallast zusammen, jedermann uebersehe seinen
Part; denn, ohne langes und breites, das Ende vom Lied ist, unser
Spiel wird den Vorzug bekommen.  Auf allen Fall, lasst Thisbe weisse
Waesche anziehen; und lasst den der den Loewen spielen soll, seine
Naegel nicht abschneiden, denn sie muessen als des Loewen Klauen
heraus hangen: Und meine werthesten Agenten, esset mir ja weder
Zwiebel noch Knob$
ahl lenkt mich ja nicht allein
Die zarte Fordrung eines Maedchenauges;
Auch schliesst das Los, woran mein Schicksal haengt,
Mich von dem Recht des freien Waehlens aus.
Doch, haette mich mein Vater nicht beengt,
Mir auferlegt durch seinen Willen, dem
Zur Gattin mich zu geben, welcher mich
Auf solche Art gewinnt, wie ich Euch sagte:
Ihr haettet gleichen Anspruch, grosser Prinz,
Mit jedem Freier, den ich sah bis jetzt,
Auf meine Neigung.
Habt auch dafuer Dank.
Drum fuehrt mich zu den Kaestchen, dass ich gleich
Mein Glueck versuche.  Bei diesem Saebel, der
Den Sophi schlug und einen erserprinz,
Der dreimal Sultan Soliman besiegt:
Die wildsten Augen wollt ich ueberblitzen,
Das kuehnste Herz auf Erden uebertrotzen,
Die Jungen reissen von der Baerin weg,
Ja, wenn er bruellt nach Raub, den Loewen hoehnen,
Dich zu gewinnen, Fraeulein!  Aber ach!
Wenn Herkules und Lichas Wuerfel spielen,
Wer tapfrer ist, so kann der bessre Wurf
Durch Zufall kommen aus der schwaechern Hand;
So unterliegt Alcides seinem Knaben,
Und so ka$
, und nimm diesen!--[*Verfluchte Unbestaendigkeit
der menschlichen Gedanken!  Das Vergangne und Kuenftige scheint
ihnen immer das beste, das Gegenwaertige immer das schlimmste.
{ed. * Reime im Original.}
Sollen wir unsre Leute mustern, und ausrueken?
Wir hangen nun von der Zeit ab, und die Zeit befiehlt uns, zu gehen.]
Zweyter Aufzug.
Erste Scene.
(Eine Strasse in London.)
(Die Wirthin tritt mit den zween Haeschern, Fang und Schlinge au.)
Herr Fang, habt ihr die Klage anhaengig gemacht?
Sie ist anhaengig gemacht.
Wo ist euer Scherge?  Ist es ein braver Scherge?  Ist er ein Mann,
zum Anpaken?
Holla, wo ist Schlinge?
O Jemini!  Ah, guter Herr Schlinge!
Schlinge, wir muessen Sir John Falstaffen in Verhaft nehmen.
Ach ja, guter Herr Schlinge, ich hab ihn verklagt, und alle.
Das mag einigen von uns das Leben kosten; er wird vom Leder ziehen.
Das ist doch ein Elend!  Nehmt euch ja vor ihm in Acht; er erstach
mich neulich in meinem eignen Hause, und das nur auf eine recht
bestialische Art; er bekuemmert sich nichts$
Hal; Heil, mein koeniglicher Hal.
Der Himmel schueze dich, du ruhmvolles Reis von koeniglichem Stamm!
Gott gruess dich, mein suesser Junge!
Koenig Heinrich.
Milord Ober-Richter, sprecht zu diesem thoerichten Mann.
Lord Ober-Richter.
Seyd ihr bey Sinnen?  Wisst ihr auch was ihr redt?
Mein Koenig, mein Jupiter; ich rede mit dir, mein Herz.
Koenig Heinrich.
Ich kenne dich nicht, alter Mann; bereite dich zu deinem Tode: Wie
uebel stehen graue Haare einem Narren und Pikelhaering an!  Ich habe
lange von einem solchen Mann getraeumt, der so von Schwelgerey
aufgeschwollen, so alt und so ruchlos war; aber da ich erwacht bin,
verschmaeh' ich meinen Traum.  Sorge dass dein Bauch kleiner--zuruek!--
und dein Werth groesser werde; lass dein Schwelgen; bedenke, dass das
Grab seinen Rachen dreymal weiter gegen dich aufsperrt, als gegen
andre Leute--Antworte mir keinen abgeschmakten Spass auf diss; bilde
dir nicht ein, dass ich das Ding bin das ich war; der Himmel weiss,
und die Welt soll es gewahr werden, dass ich mein vorm$
g geworfen,
Und ich der aeltre und der schrecklichste;
Und Caesar wird doch ausgehn.
Ach, mein Gatte!
In Zuversicht geht Eure Weisheit unter.
Geht heute doch nicht aus; nennt's meine Furcht,
Die Euch zu Hause haelt, icht Eure eigne.
Wir senden Mark Anton in den Senat,
Zu sagen, dass Ihr unpass heute seid.
Lasst mich auf meinen Knien dies erbitten.
Ja, Mark Anton soll sagen, ich sei unpass,
Und dir zulieb will ich zu Hause bleiben.
    Decius tritt auf.
Sieh, Decius Brutus kommt; der soll's bestellen.
Heil, Caesar!  Guten Morgen, wuerdger Caesar!
Ich komm Euch abzuholen zum Senat.
Und seid gekommen zur gelegnen Zeit,
Den Senatoren meinen Gruss zu bringen.
Sagt ihnen, dass ich heut nicht kommen will;
Nicht kann, ist falsch; dass ich's nicht wage, falscher;
Ich will nicht kommen heut, sagt ihnen das.
Sagt, er sei krank.
Hilft Caesar sich mit Luegen?
Streckt ich so weit erobernd meinen Arm,
Graubaerten scheu die Wahrheit zu verkleiden?
Geht, Decius!  sagt nur: Caesar will nicht kommen.
Lasst einen Grund mich wis$
ten ihre Reinigung,
So sind sie schuldlos wie die Heiligkeit.
Lass dir's genuegen, dass ich dir nicht traue.
Doch macht Eur Misstraun nicht mich zum Verraeter;
Sagt mir, worauf der Anschein denn beruht?
Herzog Friedrich.
Genug, du bist die Tochter deines Vaters.
Das war ich, als Eur Hoheit ihm sein Land nahm;
Das war ich, als Eur Hoheit ihn verbannte.
Verraeterei wird nicht vererbt, mein Fuerst,
Und ueberkaemen wir von Eltern sie,
Was geht's mich an?  Mein Vater uebte keine.
Drum, bester Herr, verkennt mich nicht so sehr,
Zu glauben, meine Armut sei verraetrisch.
Mein teuerster Gebieter, hoert mich an!
Herzog Friedrich.
Ja, Celia, dir zulieb liess ich sie bleiben,
Sonst irte sie umher mit ihrem Vater.
Ich bat nicht damals, dass sie bleiben moechte,
Ihr wolltet es, Ihr waret selbst erweicht.
Ich war zu jung um (die) Zeit, sie zu schaetzen:
Jetzt kenn ich sie; wenn sie verraetrisch ist,
So bin ich's auch; wir schliefen stets beisammen,
Erwachten, lernten, spielten miteinander,
Und wo wir gingen, wie der Juno Sc$
twillen, wie man glaubt, die Geister oft
nach dem Tode umgehen muessen, so entdek es.
(Ein Hahn kraeht.)
Steh, und rede--Halt es auf, Marcellus--
Soll ich mit meiner Partisane darnach schlagen?
Thu es, wenn es nicht stehen will.
Hier ist es--
Izt ists hier--
(Der Geist geht ab.)
Wir beleidigen die Majestaetische Gestalt, die es traegt, wenn wir
Mine machen, als ob wir Gewalt dagegen brauchen wollen; und da es
nichts als Luft ist, so ist es ja ohnehin unverwundbar, und unsre
eiteln Streiche beweisen ihm nur unsern boesen Willen, ohne ihm
wuerklich etwas anzuhaben.
Es waL im Begriff zu reden, als der Hahn kraehete.
Und da zitterte es hinweg, wie einer der sich eines Verbrechens
bewusst ist, bey einer fuerchterlichen Aufforderung.  Ich habe sagen
gehoert, der Hahn, der die Trompete des Morgens ist, weke mit seiner
schmetternden, scharftoenenden Gurgel den Gott des Tages auf, und,
auf sein Warnen, entfliehe in Wasser oder Feuer, Luft oder Erde,
jeder herumwandernde Geist in sein Bezirk zuruek: Und dass dieses
wah$
nn ihr
nicht seine Fuersprecherin gewesen waeret, so haette es Folgen haben
koennen--Ich will mich hier verbergen; ich bitte euch, sagt ihm die
Meynung fein scharf.
Hamlet (hinter der Scene.)
Mutter!  Mutter!--
Seyd desswegen ohne Sorge; verlasst euch auf mich--Entfernt euch, ich
hoer' ihn kommen.
(Polonius verbirgt sich hinter die Tapeten.)
(Hamlet tritt auf.)
Nun, Mutter, was ist die Sache?
Hamlet, du hast deinen Vater sehr beleidiget.
Mutter, ihr habt (meinen) Vater sehr beleidiget.
Kommt, kommt, ihr gebt mir eine verkehrte Antwort.
Sie schikt sich auf eine boshafte Anrede.
Wie, was soll das seyn, Hamlet?
Was wollt ihr dann?
Kennst du mich nicht mehr?
Nein, beym Himmel, das nicht; ihr seyd die Koenigin, euers Gemahls
Bruders Weib, aber ich wollte, ihr waeret es nicht!--Ihr seyd meine
Gut, wenn du aus diesem Ton anfaengst, so will ich dir jemand
antworten lassen, der reden kan--
Komt, kommt, und sezt euch nieder; ihr sollt mir nicht von der
Stelle: Ich lass euch nicht gehen, bis ich euch einen Spiegel
vorge$
jenigen ist, der ihn einnimmt?
kan ich nicht entscheiden:) Kurz, der neue Stadthalter erwekt bey
meinem Anlas alle die veralteten Straffen, die gleich einer
ungepuzten Ruestung, so lange an der Wand gehangen, bis neunzehn
Zodiaci sich umgewaelzt haben, ohne dass sie in einem einzigen
gebraucht worden; und um eines Namens willen, wekt er das vergessne
tiefeingeschlafne Gesez wider mich auf; in der That, um eines
Namens willen.
Du hast recht, es ist nicht anders; und dein Kopf steht so schwach
auf deinen Schultern, dass ihn ein verliebtes Milchmaedchen
wegseufzen koennte.  Schikt dem Herzog nach, und appellirt an ihn.
Ich hab es gethan; aber man kan ihn nirgends finden.  Ich bitte
dich, Lucio, thu mir diesen Liebesdienst; ich hab eine Schwester im
Kloster, die an diesem Tag ihre Probzeit enden soll.  Gieb ihr
Nachricht von der Gefahr worinn ich bin; bitte sie in meinem Namen,
dass sie Freunde an den strengen Stadthalter schike; bitte sie, dass
sie in eigner Person einen Anfall auf ihn thue; von dem leztern
mac$
na hieher.
(Zween oder drey gehen ab.)
Othello (zu Jago.)
Faehndrich, weiset ihnen den Weg, ihr kennt den Ort am besten--
(Jago geht ab.)
--Und indessen bis sie kommt, will ich, so aufrichtig als ich dem
Himmel selbst die Vergehungen meines Blutes bekenne, dieser
ehrwuerdigen Versammlung anzeigen, wie ich das Herz der schoenen
Desdemona gewonnen habe.
Redet, Othello.
Ihr Vater liebte mich, lud mich oft ein, fragte mich immer nach der
Geschichte meines Lebens, von Jahr zu Jahr, und liessmich alle
Schlachten, Belagerungen und Abentheuer, durch die ich passiert bin,
erzaehlen.  Das that ich nun, und durchlief mein ganzes Leben, von
meinen kindischen Tagen an bis auf den nemlichen Augenblik, worinn
er mich erzaehlen hiess: Und da sprach ich ihm also von den
verschiedenen seltsamen Glueks-Wechseln, die ich erfahren, von
hunderterley tragischen und herzbrechenden Unfaellen, die mir zu
Wasser und Land aufgestossen, und wie oft ich kaum noch auf der
Breite eines Haars dem eindringenden Tod entgangen; und wie ich in
d$
sen.}
wo die Ruhe, der Trost, die Wonne meines Lebens lag, aus deinem Herzen
vertrieben zu seyn, oder es als eine Cisterne, worinn unflaetige
Kroeten zuegeln, zu besizen: Hebe dich weg, Geduld, du junger,
rosenwangichter Cherubin,--Da seh' ich grimmig wie die Hoelle aus.
Ich hoffe, mein edelmuethiger Mann kennt mich genugsam, mich fuer
unschuldig zu halten.
O, ja, wie Sommerfliegen in Schlachthaeusern, die von einem
anwehenden Lueftchen lebendig werden.  O du giftiges Unkraut, warum
bist du so lieblich anzusehen?  Du riechst so gut, dass einem der
Kopf davon weh thut.  Ich wollte, du waerest nie gebofren worden!
Himmel!  was fuer eine Suende kan ich unwissender Weise begangen
Wie, du fragst noch?  Du fragst was du begangen habest?  Begangen?--
O du Nichtswuerdige, ich wuerde meine Wangen zu Feuer-Essen machen,
wo die Zucht zu Asche verbrennen muesste, wenn ich deine Thaten
nennen wollte.  Wie?  was du begangen hast?  Der Himmel stopft sich
die Nase davor zu, und der Mond die Augen; der buhlerische Wind
sogar,$
rt, wo nicht Wachen und ungewoehnliche
Aufmerksamkeit auf meine Ertappung warten.  Da ich nicht enrinnen
kan, will ich mir auf eine andre Art helfen, und bin entschlossen,
die niedrigste und armseligste Gestalt anzunehmen, die nur immer
die Duerftigkeit ersinnen kan, den verachteten Menschen naeher zum
Vieh herab zu sezen.  Mein Gesicht will ich mit Schmuz entstellen,
meine Lenden mit Binden umwikeln, mein Haar in Knoten schlingen,
und mit dargebotner Naktheit, den Winden und den Verfolgungen des
Wetters Troz bieten.  Die Doerfer zeigen mir ein Muster an den
Tollhaus-Bettlern, die mit heulenden Stimmen, in ihre gefuehllose,
abgestorbene, nakte Arme, Naedeln, hoelzerne Pfriemen, Naegel und
Rosmarin-Zweige schlagen, und in diesem entsezlichen Aufzug, vor
kleinen Pacht-Hoefen, armen Bauerhuetten, Schaaf-Huerden und Muehlen,
bald durch mondsuechtige Flueche, bald durch Gebete, der
Mildthaetigkeit der Leute Gewalt anthun.  Armer Turlupin*!  Armer
Tom!  Das ist izt etwas--als Edgar bin ich nichts.
{ed.-* Im vierzeh$
elmann und Soldaten.)
Edmund (zum Edelmann.)
Erkundiget euch, ob der Herzog bey seinem lezten Entschluss
verharret, oder ob er indess sich duch irgend etwas bewegen lassen,
einen andern Weg einzuschlagen?  Er ist sehr wankelmuethig und
missbilligt jeden Augenblik was er im vorigen beliebt hatte.  Bringt
uns seinen standhaften Willen.
(Der Edelmann geht ab.)
Unsrer Schwester Mann ist ganz gewiss auf dem Wege, sich zu Grunde
Es ist moeglich, Madame.
Nun, mein angenehmster Lord; ihr kennet die Gewogenheit die ich fuer
euch habe.  Sagt mir aufrichtig, liebet ihr meine Schwester nicht?
Mit einer pflichtmaessigen Liebe.
Aber habt ihr niemals--*
{ed.-* Das Original ist hier kuehner als die Uebersetzung.  Shakespeare
laesst Regan fragen: (have you never found my brothers way to the
fore-fended place?)}
Nein, bey meiner Ehre, Madame.
Ich werde sie nimmermehr leiden koennen; mein liebster Lord,
enthaltet euch aller Vertraulichkeit mit ihr.
Fuerchten Sie nichts; sie und der Herzog, ihr Gemahl--
(Der Herzog von Albanien,$
l war Macbeths Vater.  Pope.}
(Die Hexen verschwinden.)
Die Erde hat Blasen, wie das Wasser, und diese sind welche davon;
wo sind sie hingekommen?
In die Luft; und was koerperlich schien, zerfloss wie Athem, in den
Wind--Ich wollte, sie waeren noch da.
Waren diese Dinge wuerklich hier, wovon wir reden; oder haben wir
von der tollen Wurzel gegessen, die die Vernunft gefangen nimmt?
Eure Kinder sollen Koenige werden--
Ihr selbst sollt Koenig seyn!
Und Than von Cawdor dazu; hiess es nicht so?
Das waren ihre Worte--Wer kommt hier?
Fuenfte Scene.
(Rosse und Angus zu den Vorigen.)
Der Koenig hat, o Macbeth, die gluekliche Nachricht von deinen Siegen
erhalten--Die Groesse der Thaten, die du im Gefecht mit den Rebellen
gehaeuft hast, schien in seinen bewundernden Augen;das Ziel des
menschlichen Ruhms--Aber kaum hatte er, ermuedet von deinem Lobe,
den Mund geschlossen, als er hoerte, dass du gegen die unbaendigen
Norwegischen Schaaren dich selbst uebertroffen habest.  So dik wie
Hagel kam Zeitung auf Zeitung, jede mit$
kam Bot auf Bote,
Und jeder trug dein Lob, im grossen Kampf
Fuer seinen Thron, und schuettets vor ihm aus.
Wir sind gesandt vom koeniglichen Herrn,
Dir Dank zu bringen; vor sein Angesicht
Dich zu geleiten nur, nicht dir zu lohnen.
Und als das Handgeld einer groessern Ehre
Hiess er, als Than von Cawdor dich zu gruessen:
Heil dir in diesem Titel, wuerdger Than,
Denn er ist dein.
Wie, spricht der Teufel wahr?
Der Than von Cawdor lebt; was kleidet Ihr
Mich in erborgten Schmuck?
Der Than war, lebt noch;
Doch unter schwerem Urteil scLwebt das Leben,
Das er verwirkt.  Ob er im Bund mit Norweg,
Ob, Rueckhalt der Rebellen, er geheim
Sie unterstuetzte, ob vielleicht mit beiden
Er half zu seines Lands Verderb, ich weiss nicht;
Doch Hochverrat, gestanden und erwiesen,
Hat ihn gestuerzt.
MACBETH (beiseit.)
Glamis und Than von Cawdor:
Das Hoechst ist noch zurueck.--Dank Eurer Mueh!--
Hofft Ihr nicht Euren Stamm gekroent zu sehen,
Da jene, die mich Than von Cawdor nannten,
Nichts Mindres prophezeit?
Darauf gefusst,
Moecht e$
ume sprachen,
Auguren haben durch Geheimnis-Deutung
Von Elstern, Kraehn und Dohlen ausgefunden
Den tief verborgnen Moerder.--Wie weit ist die Nacht?
LADY MACBETH
Im Kampf fast mit dem Tag, ob Nacht, ob Tag.
Was sagst du, dass Macduff zu kommen weigert
Auf unsre Ladung?
LADY MACBETH
Sandtest du nach ihm?
Ich hoerts von ungefaehr; doch will ich senden.
Kein einzger, in des Haus mir nicht bezahlt
Ein Diener lebte.  Morgen will ich hin
Und in der Fruehe zu den Zauberschwestern;
Sie sollen mehr mir sagen, denn gespannt
Bin ich, das Schlimmst auf schlimmstem Weg zu wissen.
Zu meinem Vorteil muss sich alles fuegen;
Ich bin einmal so tief in Blut gestiegen,
Dass, wollt ich nun im Waten stillestehn,
Rueckkehr so schwierig war als durchzugehn.
Seltsames glueht im Kopf, es will zur Hand
Und muss getan sein, eh noch recht erkannt.
LADY MACBETH
Dir fehlt die Wuerze aller Wesen, Schlaf.
Zu Bett!--Dass selbstgeschaffnes Graun mich quaelt,
Ist Furcht des Neulings, dem die Uebung fehlt.
Wahrlich, wir sind zu jung nur.
(Sie g$
ch schon allen, waehl ich: und den andern
Spar ich die Arbeit fuer den naechsten Kampf,
Wie er sich bieten mag.  Voran, ihr Freunde!
Vier meiner Leute moegen die erwaehlen,
Die mir am liebsten folgen.
Cominius.  Kommt, Gefaehrten,
Beweist, dass ihr nicht prahltet, und ihr sollt
Uns gleich in allem sein.
Siebente Szene
Das Tor vor Corioli
Titus Lartius, eine Besatzung in Corioli zuruecklassend,
geht dem Marcius und Cominius mit Trommeln und Trompeten
entgegen, ihm folgt ein Anfuehrer mit Kriegern
Besetzt die Tore wohl, tut eure Pflicht,
Wie ich's euch vorschrieb.  Send ich, schickt zur Hilfe
Uns die Zenturien nach; der Rest genuegt
Fuer kurze Deckung.  Geht die Schlacht verloren,
So bleibt die Stadt uns doch nicht.
Traut auf uns.
Fort! und verschliesset hinter uns die Tore.
Du, Bote, komm; fuehr uns ins roemsche Lager.
Schlachtfeld Kriegsgeschrei,
Marcius und Aufidius, die einander begegnen
Mit dir nur will ich kaempfen! denn dich hass ich
Mehr als den Meineid.
Ja, so hass ich dich.
Mir ist kein Drache Afrika$
r Mann, ich kan dirs nicht verdenken, ich bin selbst bis zur
Betaeubung meiner Lebensgeister abgemattet; seze dich und ruhe aus.
Ich gebe die Hoffnung auf, die ich wie einen Schmeichler bisher
geheget habe; er ist umgekommen, den wir so muehsam suchen, und das
Meer spottet unsers Nachforschens auf dem Lande  Wol dann, es mag
Antonio (leise zu Sebastian.)
Ich bin sehr erfreut dass er so hoffnunglos ist.  Vergesset, um
eines Fehlstreichs willen, das Vorhaben nicht, wozu ihr euch
entschlossen habt.
Bey der naechsten bequemen Gelegenheit wollen wir unsern Vortheil
besser nehmen.
Lasst es diese Nacht seyn; sie sind von der Reise so abgemattet, dass
sie weder daran denken, noch im Stande sind so viel Vorsichtigkeit
zu gebrauchen, als wenn sie frisch waeren.
Diese Nacht!  Nichts weiter.
(Man hoert eine seltsame und feyrliche Musik, und Prospero zeigt
sich (den redenden Personen unsichtbar) auf der Spize des Berges.
Verschiedne wunderbare Gespenster treten auf, tragen eine Tafel mit
Speisen und Getraenk herzu, tanzen$
hst verstehn lernen!
Dusterer.  Is a rechte Lehr--is a wahre Christenlehr, Wastl; nimm dir's z'
Herzen!  Beispielmaessig moecht einem 's Leben anlachen wie a schoener
Obstgarten, aber zulangen is net verlaubt, does verwihrt ein'm der liebe
Liesel.  Geh zu, Schwarzer, musst unsern Herrgottn noet zum Vogelschrecker
machen!  Hat er doch selber die Kirschen so rotbacket und d' Weinbeer so
glanzend gmacht, no, und uebernimmt sich eins, is does sein eigene Sach, wie
er wieder mit sein Magn auf gleich kimmt, und beispielmaessig gibt's koan
bessere Lehr als so ein ueberessenen Spatzen, was marod auf 'm Astel sitzt
und 'n andern zuschreit: Zviel is ungsund!
Dusterer.  Mein liebe Dirn, beispielmaessig kennst du dich lang no net aus,
is a gar koan Red vom lieben Gott, der ein'm alls Gute vergunna moecht,
sundern vom hoellischen Erbfeind, was ein'm zum uebermass verlockt, wo 'n
ein'm drauf net gut wird und ma nachhert in der Hoell sein Kamillentee
kriegt, was aber kein net schmeckt!  Ja, ja, unter doe Kirschen liegent
e$
locken ihnen entgegen, immer voller
und reicher, je weiter sie kamen, und Heidi lauschte mit Entzuecken
und sagte: "Hoerst du's, Grossvater?  Es ist wie ein grosses, grosses
Unten im Doerfli waren schon alle Leute in der Kirche und fingen
eben zu singen an, als der Grossvater mit Heidi eintrat und ganz
hinten auf der letzten Bank sich niedersetzte.  Aber mitten im
Singen stiess der zunaechst Sitzende seinen Nachbar mit dem
Ellenbogen an und sagte: "Hast du das gesehen?  Der Alm-Oehi ist in
der Kirche!"
Und der Angestossene stiess den Zweiten an und so fort, und in
kuerzester Zeit fluesterte es an allen Ecken: "Der Alm-Oehi!  Der Alm-
Oehi!", und die Frauen mussten fast alle einen Augenblick den Kopf
umdrehen, und die meisten fielen ein wenig aus der Melodie, so dass
der Vorsaenger die groesste Muehe hatte, den Gesang schoen
aufrechtzuerhalten.  Aber als dann der Herr Pfarrer anfing zu
predigen, ging die Zerstreutheit ganz vorueber, denn es war ein so
warmes Loben und Danken in seinen Worten, dass alle Zuhoer$
ich.  Minchen fuerwahr ist gut
und war dir immer gewogen; Neulich fragte sie noch nach dir.  Die solltest
du waehlen!"
Da versetzt bedenklich der Sohn: "Ich weiss nicht, es praegte Jener Verdruss
sich so tief bei mir ein, ich moechte fuerwahr nicht Sie am Klaviere mehr
sehn und ihre Liedchen vernehmen."
Doch der Vater fuhr auf und sprach die zornigen Worte: "Wenig Freud' erleb
ich an dir!  Ich sagt' es doch immer, Als du zu Pferden nur und Lust nur
bezeugtest zum Acker: Was ein Knecht schon verrichtet des wohlbegueterten
Mannes, Tust du; indessen muss der Vater des Sohnes entbehren, Der ihm zur
Ehre doch auch vor andern Buergern sich zeigte.  Und so taeuschte mich frueh
mit leerer Hoffnung die Mutter, Wenn in der Schule das Lesen und Schreiben
und Lernen dir niemals Wie den andern gelang und du immer der Unterste
sassest.  Freilich!  das kommt daher, wenn Ehrgefuehl nicht im Busen Eines
Juenglinges lebt und wenn er nicht hoeher hinauf will.  Haette mein Vater
gesorgt fuer mich, so wie ich fuer dich tat, Mich $
keiner dem andern sich
naehern, Keiner zum guten Worte, dem ersten, die Zunge bewegen.  Darum sag
ich dir, Sohn: noch lebt die Hoffnung in meinem Herzen, dass er sie dir,
wenn sie gut und brav ist, verlobe, Obgleich arm, so entschieden er auch
die Arme versagt hat.  Denn er redet gar manches in seiner heftigen Art
aus, Das er doch nicht vollbringt; so gibt er auch zu das Versagte.  Aber
ein gutes Wort verlangt er und kann es verlangen; Denn er ist Vater!  Auch
wissen wir wohl, sein Zorn ist nach Tische, Wo er heftiger spricht und
anderer Gruende bezweifelt, Nie bedeutend; es reget der Wein dann jegliche
Kraft auf Seines heftigen Wollens und laesst ihn die Worte der andern Nicht
vernehmen, er hoert und fuehlt alleine sic selber.  Aber es kommt der
Abend heran, und die vielen Gespraeche Sind nun zwischen ihm und seinen
Freunden gewechselt.  Milder ist er fuerwahr, ich weiss, wenn das
Raeuschchen vorbei ist Und er das Unrecht fuehlt, das er andern lebhaft
erzeugte.  Komm!  wir wagen es gleich; das Frischgewagte $
Gegenwart!
Um das zu hindern, sollt' ich wieder gehn!
Wie, Mariamne? Nie gehoertest du
Zu jenen Seelen jammervoller Art,
Die, wie sie eben Antlitz oder Ruecken
Des Feindes sehn, verzeihn und wieder grollen,
Weil sie zu schwach fuer einen echten Hass
Und auch zu klein fuer volle Grossmut sind.
Was hat dich denn im Tiefsten so verwandelt,
Dass du dich ihnen jetzt noch zugesellst?
Du hast doch, als ich schied, ein Lebewohl
Fuer mich gehabt; dies deucht mir, gab mir Anspruch
Auf dein Willkommen und du weigerst das?
Du stehst so da, als laege Berg und Tal
Noch zwischen uns, die uns so lange trennten?
Du trittst zurueck, wenn ich mich naehern will?
So ist dir meine Wiederkunft verhasst?
Wie sollte sie? Sie gibt mir ja das Leben
       Das Leben? Welch ein Wort ist dies!
Du wirst nicht leugnen, dass du mich verstehst!
Herodes (fuer sich).
Kann sie's denn wissen?
(Zu Mariamne.)          Komm!
(Da Mariamne nicht folgt.)   Lasst uns allein!
(Zu Alexandra.)
Du wirst verzeihn!
                  Gewiss!
(Ab. Alle andern f$
 er nuetze sei und haette es vermutlich schon
gefunden, wenn mich die verwuenschte Glocke nichtOdabei gestoert haette."
"Lieber Herr Kollege!" sagte Hinzelmeier, "das ist eine hoechst kritische
Frage, woran vor Euch wohl noch kein Mensch gedacht hat! Aber wo habt Ihr
denn den Stein?"
"Ich sitze darauf", sagte Kasperle und zeigte aufstehend Hinzelmeiern den
runden, wachsgelben Koerper, worauf er bisher gesessen hatte.
"Ja", sagte Hinzelmeier, "es ist kein Zweifel, Ihr habt ihn wirklich
gefunden; aber nun lasst uns bedenken, wozu er nuetze sei."
Damit setzten sie sich einander gegenueber auf den Boden, indem sie den
Stein zwischen sich nahmen und die Ellenbogen auf ihre Knie stuetzten.
So sassen und sassen sie; die Sonne ging unter, der Mond ging auf und noch
immer hatten sie nichts gefunden. Mitunter fragte der Eine: "Habt Ihr's"
aber der Andere schuettelte immer mit dem Kopfe und sagte: "Nein, ich nicht;
habt Ihr's?" und dann antwortete der Andere: "Ich auch nicht."
Krahirius ging ganz vergnuegt im Grase auf $
kenntnissen, die man
besitzt, ohne zu wissen woher, und auf den Kredit der Grundsaetze,
deren Ursprung man nicht kennt, sofort ein Gebaeude errichten werde,
ohne der Grundlegung desselben durch sorgfaeltige Untersuchungen
vorher versichert zu sein, dass man also die Frage vorlaengst werde
aufgeworfen haben, wie denn der Verstand zu allen diesen Erkenntnissen
a priori kommen koenne, und welchen Umfang, Gueltigkeit und Wert
sie haben moegen. In der Tat ist auch nichts natuerlicher, wenn man
unter diesem Wort das versteht, was billiger- und vernuenftigerweise
geschehen sollte; versteht man aber darunter das, was
gewoehnlichermassen geshieht, so ist hinwiederum nichts natuerlicher
und begreiflicher, als dass diese Untersuchung lange Zeit unterbleiben
musste. Denn ein Teil dieser Erkenntnisse, die mathematischen, ist im
alten Besitze der Zuverlaessigkeit, und gibt dadurch eine guenstige
Erwartung auch fuer andere, ob diese gleich von ganz verschiedener
Natur sein moegen. Ueberdem, wenn man ueber den Kreis der Erf$
t, und die
Kategorien, als Begriffe des Verstandes. Von ihnen eine empirische
Deduktion versuchen wollen, wuerde ganz vergebliche Arbeit sein; weil
eben darin das Unterscheidende ihrer Natur liegt, dass sie sich auf
ihre Gegenstaende beziehen, ohne etwas zu deren Vorstellung aus der
Erfahrung entlehnt zu haben. Wenn also eine Deduktion derselben noetig
ist, so wird sie jederzeit transzendental sein muessen.
Indessen kann man von diesen Begriffen, wie von allem Erkenntnis, wo
nicht das Prinzipium ihrer Moeglichkeit, doch die Gelegenheitsursachen
ihrer Erzeugung in der Erfahrung aufsuchen, wo alsdann die Eindruecke
der Sinne den ersten Anlass geben, die ganze Erkenntniskraft in
Ansehung i(rer zu eroeffnen, und Erfahrung zustande zu bringen, die
zwei sehr ungleichartige Elemente enthaelt, naemlich eine Materie
zur Erkenntnis aus den Sinnen und eine gewisse Form, sie zu ordnen,
aus dem inneren Quell des reinen Anschauens und Denkens, die, bei
Gelegenheit der ersteren, zuerst in Ausuebung gebracht werden,
und Begr$
Erscheinungen, als notwendig erkannt
werden koennte, als das Dasein der Wirkungen aus gegebenen Ursachen
nach Gesetzen der Kausalitaet. Also ist es nicht das Dasein der
Dinge (Substanzen), sondern ihres Zustandes, wovon wir allein die
Notwendigkeit erkennen koennen, und zwar aus anderen Zustaenden,
die in der Wahrnehmung gegeben sind, nach empirischen Gesetzen der
Kausalitaet. Hieraus folgt: dass das Kriterium der Notwendigkeit
lediglich in dem Gesetze der moeglichen Erfahrung liege: dass alles,
was geschieht, durch ihre Ursache in der Erscheinung a priori bestimmt
sei. Daher erkennen wir nur die Notwendigkeit der Wirkungen in
der Natur, deren Ursachen uns gegeben sind, und das Merkmal der
Notwendigkeit m Dasein reicht nicht weiter, als das Feld moeglicher
Erfahrung, und selbst in diesem gilt es nicht von der Existenz der
Dinge, als Substanzen, weil diese niemals, als empirische Wirkungen,
oder etwas, das geschieht und entsteht, koennen angesehen werden. Die
Notwendigkeit betrifft also nur die Verhaeltnisse d$
eblichkeit, dennoch zur Vollstaendigkeit des Systems erforderlich
scheinen duerfte. Der hoechste Begriff, von dem man eine
Transzendentalphilosophie anzufangen pflegt, ist gemeiniglich die
Einteilung in das Moegliche ujnd Unmoegliche. Da aber alle Einteilung
einen eingeteilten Begriff voraussetzt, so muss noch ein hoeherer
angegeben werden, und dieser ist der Begriff von einem Gegenstande
ueberhaupt (problematisch genommen, und unausgemacht, ob er Etwas oder
Nichts sei). Weil die Kategorien die einzigen Begriffe sind, die sich
auf Gegenstaende ueberhaupt beziehen, so wird die Unterscheidung eines
Gegenstandes, ob er Etwas, oder Nichts sei, nach der Ordnung und
Anweisung der Kategorien fortgehen.
1. Den Begriffen von Allem, Vielem und Einem ist der, so alles
aufhebt, d.i. Keines, entgegengesetzt und so ist der Gegenstand eines
Begriffs, dem gar keine anzugebende Anschauung korrespondiert, =
Nichts, d.i. ein Begriff ohne Gegenstand, wie die Noumena, die nicht
unter die Moeglichkeiten gezaehlt werden koennen, ob$
reiheit, ohne welche selbst im Laufe der Natur
die Reihenfolge der Erscheinungen auf der Seite der Ursachen niemals
vollstaendig ist.
        Antithesis
Es ist noch eine Kausalitaet durch Freiheit zur Erklaerung derselben
anzunehmen notwendig. Es ist keine Freiheit, sondern alles in der Welt
geschieht lediglich nach Gesetzen der Natur.
        Beweis
Setzet: es gehe eine Freiheit im transzendentalen Verstande, als eine
besondere Art von Kausalitaet, nach welcher die Begebenheiten der Welt
erfolgen koennten, naemlich ein Vermoegen, einen Zustand, mithin auch
eine Reihe von Folgen desselben, schlechthin anzufangen; so wird nicht
allein eine Reihe durch diese Spontaneitaet, sondern die Bestimmug
dieser Spontaneitaet selbst zur Hervorbringung der Reihe, d.i. die
Kausalitaet, wird schlechthin anfangen, so dass nichts vorhergeht,
wodurch diese geschehende Handlung nach bestaendigen Gesetzen bestimmt
sei. Es setzt aber ein jeder Anfang zu handeln einen Zustand der noch
nicht handelnden Ursache voraus, und ein dynam$
 seiner Handlungen ist. Es ist keine der
Bedingungen, die den Menschen diesem Charakter gemaess bestimmen,
welche nicht in der Reihe der Naturwirkungen enthalten waere
und dem Gesetze derselben gehorchte, nach welchem gar keine
empirischunbedingte Kausalitaet vondem, was in der Zeit geschieht,
angetroffen wird. Daher kann keine gegebene Handlung (weil sie nur als
Erscheinung wahrgenommen werden kann) schlechthin von selbst anfangen.
Aber von der Vernunft kann man nicht sagen, dass vor demjenigen
Zustande, darin sie die Willkuer bestimmt, ein anderer vorhergehe,
darin dieser Zustand selbst bestimmt wird. Denn da Vernunft selbst
keine Erscheinung und gar keinen Bedingungen der Sinnlichkeit
unterworfen ist, so findet in ihr, selbst in Betreff ihrer
Kausalitaet, keine Zeitfolge statt, und auf sie kann also das
dynamische Gesetz der Natur, was die Zeitfolge nach Regeln bestimmt,
nicht angewandt werden.
Die Vernunft ist also die beharrliche Bedingung aller willkuerlichen
Handlungen, unter denen der Mensch erscheint$
wie des Zufaelligen, in
solchem bloss spekulativen Gebrauche, alle Bedeutung, deren objektive
Realitaet sich in concretobegreiflich machen lasse.
Wenn man nun vom Dasein der Dinge in der Welt auf ihre Ursache
schliesst, so gehoert dieses nicht zum natuerlichen, sondern zum
spekulativen Vernunftgebrauch; weil jener nicht die Dinge selbst
(Substanzen), sondern nur das, was geschieht, also ihre Zustaende, als
empirisch zufaellig, auf irgendeine Ursache bezieht; dass die Substanz
selbst (die Materie) dem Dasein nach zufaellig sei, wuerde ein bloss
spekulatives Vernunfterkenntnis sein muessen. Wenn aber auch nur von
der Form der Welt, der Art ihrer Verbindung und dem Wechsel derselben
die Rede waere, ich wollte aber daraus auf eine Ursache schliessen,
die von der Welt gaenzlich unterschieden ist; so wuerde dieses
wiederum ein Urteil der bloss spekulativen Vernunft sein, weil der
Gegenstand hier gar kein Objekt einer moeglichen Erfahrung ist. Aber
alsdann wuerde der Grundsatz der Kausalitaet, der nur innerhalb dem
$
ilich nur eine intelligible Welt ist, da die
Sinnenwelt uns von der Natur der Dinge dergleichen systematische
Einheit der Zwecke nicht verheisst, deren Realitaet auch auf nichts
anders gegruendet werden kann, als auf die Voraussetzung eines
hoechsten urspruenglichen Guts, da selbstaendige Vernunft, mit
aller Zulaenglichkeit einer obersten Ursache ausgeruestet, nach der
vollkommensten Zweckmaessigkeit die allgemeine, obgleich in der
Sinnenwelt uns sehr verborgene Ordnung der Dinge gruendet, erhaelt und
Diese Moraltheologie hat nun den eigentuemlichen Vorzug vor der
spekulativen, dass sie unausbleiblich auf den Begriff eines einigen,
allervollkommensten und vernuenftigen Urwesens fuelhrt, worauf uns
spekulative Theologie nicht einmal aus objektiven Gruenden hinweist,
geschweige uns davon ueberzeugen konnte. Denn, wir finden weder in
der transzendentalen, noch natuerlichen Theologie, so weit uns auch
Vernunft darin fuehren mag, einigen bedeutenden Grund, nur ein einiges
Wesen anzunehmen, welches wir allen Naturu$
 nur mit Begriffen und Grundsaetzen, die wir a priori
  annehmen, tunlich sein, indem man sie naemlich so einrichtet, dass
  dieselben Gegenstaende einerseits als Gegenstaende der Sinne und
  des Verstandes fuer die Erfahrung, andererseits aber doch als
  Gegenstaende, die man bloss denkt, allenfalls fuer die isolierte und
  ueber Erfahrungsgrenze hinausstrebende Vernunft, mithin von zwei
  verschiedenen Seiten betrachtet werden koennen. Findet e
s sich
  nun, dass, wenn man die Dinge aus jenem doppelten Gesichtspunkte
  betrachtet, Einstimmung mit dem Prinzip der reinen Vernunft
  stattfinde, bei einerlei Gesichtspunkte aber ein unvermeidlicher
  Widerstreit der Vernunft mit sich selbst entspringe, so entscheidet
  das Experiment fuer die Richtigkeit jener Unterscheidung.
Dieser Versuch gelingt nach Wunsch, und verspricht der Metaphysik
in ihrem ersten Teile, da sie sich naemlich mit Begriffen a priori
beschaeftigt, davon die korrespondierenden Gegenstaende in der
Erfahrung jenen angemessen gegeben werden ko$
 Vernunft wuerde ein Inbegriff derjenigen Prinzipien
sein, nach denen alle reinen Erkenntnisse a priori koennen erworben
und wirklich zustande gebracht werden. Die ausfuehrliche Anwendung
eines solchen Organon wuerde ein System der reinen Vernunft
verschaffen. Da dieses aber sehr viel verlangt ist, nd es noch dahin
steht, ob auch hier ueberhaupt eine Erweiterung unserer Erkenntnis,
und in welchen Faellen sie moeglich sei; so koennen wir eine
Wissenschaft der blossen Beurteilung der reinen Vernunft, ihrer
Quellen und Grenzen, als die Propaedeutik zum System der reinen
Vernunft ansehen. Eine solche wuerde nicht eine Doktrin, sondern nur
Kritik der reinen Vernunft heissen muessen, und ihr Nutzen wuerde
in Ansehung der Spekulation wirklich nur negativ sein, nicht zur
Erweiterung, sondern nur zur Laeuterung unserer Vernunft dienen, und
sie von Irrtuemern frei halten, welches schon sehr viel gewonnen ist.
Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich nicht sowohl mit
Gegenstaenden, sondern mit unserer Erkenntn$
ems aus, weil sie nur aus der
Anschauung, aber nicht aus dem reinen Verstandesbegriffe gezogen sind;
doch wird die Moeglichkeit derselben, weil sie gleichwohl synthetische
Urteile a priori sind, hier notwendig Platz finden, zwar nicht, um
ihre Richtigkeit und apodiktische Gewissheit zu beweisen, welches sie
gar nicht noetig haben, sondern nur die Moeglichkeit solcher evidenten
Erkenntnisse a priori begreiflich zu machen und zu deduzieren.
Wir werden aber auch von dem Grundsatze analytischer Urteile reden
muessen, und dieses zwar im Gegensatz mit der synthetischen, als
mit welchen wir uns eigentlich beschaeftigen, weil eben diese
Gegenstellung die Theorie der letzteren von allem Missverstande
befreit, und sie in ihrer eigentuemlichen Natur deutlich vor Augen
der Grundsaetze des reinen Verstandes
Erster Abschnitt
Von dem obersten Grundsatze aller analytischen Urteile
Von welchem Inhalt auch unsere Erkenntnis sei, und wie sie sich auf
das Objekt beziehen mag, so ist doch die allgemeine, obzwar nur
negative Bedi$
aupt, dass sie sich
nicht selbst widersprechen; widrigenfalls diese Urteile an sich selbst
(auch ohne Ruecksicht aufs Objekt) nichts sind. Wenn aber auch gleich
in unserem Urteile kein Widerspruch ist, so kann es dem ungeachtet
doch Begriffe so verbinden, wie es der Gegenstand nicht mit sich
bringt, oder auch, ohne dass uns irgendein Grund weder a priori noch a
posteriori gegeben ist, welcher ein solches Urteil berechtigte, und so
kann ein Urteil bei allem dem, dass es von allem inneren Widerspruche
frei ist, doch entweder falsch oder grundlos sein.
Der Satz nun: Keinem Dinge kommt ein Praedikat zu, welches ihm
widerspricht, heisst der Satz des Widerspruchs, und ist ein
allgemeines, obzwar bloss negatives, Kriterium aller Wahrheit, gehoert
aber auch darum bloss in die Logik, weil er von Erkenntnissen, bloss
als Erkenntnissen ueberhaupt, unangesehen ihres Inhalts gilt, und
sagt: dass der Widerspruch sie gaenzlich vernichte und aufhebe.
Man kann aber doch von demselben auch einen positiven Gebrauch
machen, d.i$
ereinander richtig bestimmt
werden kann. Die erste Frage vor aller weiteren Behandlung unserer
Vorstellung ist die: in welchem Erkenntnisvermoegen gehoeren sie
zusammen? Ist es der Verstand, oder sind es die Sinne, vor denen sie
verknuepft, ode verglichen werden? Manches Urteil wird aus Gewohnheit
angenommen, oder durch Neigung geknuepft; weil aber keine Ueberlegung
vorhergeht, oder wenigstens kritisch darauf folgt, so gilt es fuer ein
solches, das im Verstande seinen Ursprung erhalten hat. Nicht alle
Urteile beduerfen einer Untersuchung, d.i. einer Aufmerksamkeit auf
die Gruende der Wahrheit; denn, wenn sie unmittelbar gewiss sind: z.B.
zwischen zwei Punkten kann nur eine gerade Linie sein; so laesst sich
von ihnen kein noch naeheres Merkmal der Wahrheit, als das sie selbst
ausdruecken, anzeigen. Aber alle Urteile, ja alle Vergleichungen
beduerfen einer Ueberlegung, d.i. einer Unterscheidung der
Erkenntniskraft, wozu die gegebenen Begriffe gehoeren. Die Handlung,
dadurch ich die Vergleichung der Vorstellunge$
hreibart, eingeflossen sind, sowohl
  bei diesem Abschnitte, als auch in Ansehung des ganzen Werks, zur
  Entschuldigung anzufuehren: dass ich lieber etwas der Zierlichkeit
  der Sprache habe entziehen, als den Schulgebrauch durch die mindeste
  Unverstaendlichkeit erschweren wollen.
Aus diesen Elementen entspringen alle Begriffe der reinen Seelenlehre,
lediglich durch die Zusammensetzung, ohne im mindesten ein anderes
Prinzipium zu erkennen. Diese Substanz, bloss als Gegenstand des
inneren Sinnes, gibt den Begriff der Immaterialitaet; als einfache
Substanz, der Inkorruptibilitaet; die Identitaet derselben, als
intellektueller Substanz, gibt die Personalitaet; alle diese
drei Stuecke zusammen die Spiritualitaet; das Verhaeltnis zu den
Gegenstaenden im Raume gibt das Kommerzium mit Koerpern; mithin stellt
sie die denkende Substanz, als das Prinzipium des Lebens in der
Materie, d.i. sie als Seele (anima) und als den Grund der Animalitaet
vor; diese durch die Spiritualitaet eingeschraenkt, Immortalitaet.
Hierau$
erstreitenden Argumenten nicht
Blendwerke gesucht, um etwa (wie man sagt) einen Advokatenbeweis
zu fuehren, welcher sich der Unbehutsamkeit des Gegners zu seinem
Vorteile bedient, und seine Berufung auf ein missverstandenes Gesetz
gerne gelten laesst, um seine eigenen unrechtmaessigen Ansprueche auf
die Widerlegung desselben zu bauen. Jeder dieser Beweise ist aus der
Sache Natur gezogen und der Vorteil beiseite gesetzt worden, den uns
die Fehlschluesse der Dogmatiker von beiden Teilen geben koennten.
Ich haette die Thesis auch dadurch dem Scheine nach beweisen koennen,
dass ich von der Unendlichkeit einer gegebenen Groesse, nach der
Gewohnheit der Dogmatiker, einen fehlerhaften Begriff vorangeschickt
haette. Unendlich ist eine Groesse, ueber die keine groessere (d.i.
ueber die darin enthaltene Menge einer gegebenen Einheit) moeglch
ist. Nun ist keine Menge die groesste, weil noch immer eine oder
mehrere Einheiten hinzugetan werden koennen. Also ist eine unendliche
gegebene Groesse, mithin auch eine (der verf$
zu tun hat, die
Bedingungen dieser Reihe immer als Teile derselben, mithin als
gleichartig, folglich als Erscheinugen angesehen werden muessen,
anstatt dass in jenem Regressus, da es nicht um die Moeglichkeit eines
unbedingten Ganzen aus gegebenen Teilen, oder eines unbedingten Teils
zu einem gegebenen Ganzen, sondern um die Ableitung eines Zustandes
von seiner Ursache, oder des zufaelligen Daseins der Substanz selbst
von der notwendigen zu tun ist, die Bedingung nicht eben notwendig mit
dem Bedingten eine empirische Reihe ausmachen duerfe.
Also bleibt uns, bei der vor uns liegenden scheinbaren Antinomie, noch
ein Ausweg offen, da naemlich alle beide einander widerstreitenden
Saetze in verschiedener Beziehung zugleich wahr sein koennen, so, dass
alle Dinge der Sinnenwelt durchaus zufaellig sind, mithin auch immer
nur empirischbedingte Existenz haben, gleichwohl von der ganzen Reihe,
auch eine nichtempirische Bedingung, d.i. ein unbedingtnotwendiges
Wesen stattfinde. Denn dieses wuerde, als intelligible Beding$
n kann. Das ist
eine troestende Bemerkung, die der Vernunft wieder Mut gibt; denn,
worauf wollte sie sich sonst verlassen, wenn sie, die allein alle
Irrungen abzutun berufen ist, in sich selbst zerruettet waere, ohne
Frieden und ruhigen Besitz hoffen zu koennen?
Alles, was die Natur selbst anordnet, ist zu irgendeiner Absicht gut.
Selbst Gifte dienen dazu, andere Gife, welche sich in unseren eigenen
Saeften erzeugen, zu ueberwaeltigen, und duerfen daher in einer
vollstaendigen Sammlung von Heilmitteln (Offizin) nicht fehlen. Die
Einwuerfe, wider die Ueberredungen und den Eigenduenkel unserer bloss
spekulativen Vernunft, sind selbst durch die Natur dieser Vernunft
aufgegeben, und muessen also ihre gute Bestimmung und Absicht haben,
die man nicht in den Wind schlagen muss. Wozu hat uns die Vorsehung
manche Gegenstaende, ob sie gleich mit unserem hoechsten Interesse
zusammenhaengen, so hoch gestellt, dass uns fast nur vergoennt ist,
sie in einer undeutlichen und von uns selbst bezweifelten Wahrnehmung
anzutreff$
tentuer 
hereintreten zu sehen.
*       *       *       *       *
MEINE MUTTER HAT'S GEWOLLT
Einige Tage nachher, es ging schon gegen Abend, sass die Familie, wie 
gewoehnlich um diese Zeit, im Gartensaal zusammen. Die Tueren standen 
offen; die Sonne war schon hinter den Waeldern jenseits des Sees.
Reinhard wurde um die Mitteilung einiger Volkslieder gebeten, welche er 
am Nachmittage von einem auf dem Lande wohnenden Freunde geschickt 
bekommen hatte. Er ging auf sein Zimmer und kam gleich darauf mit einer 
Papierrolle zurueck, welche aus einzelnen sauber geschriebenen 
Blaettern zu bestehen schien.
Man setzte sich an den Tisch, Elisabeth an Reinhards Seite. "Wir lesen 
auf gut Glueck," sagte er, "ich habe sie selber noch nicht 
durchgesehen."  Elisabeth rollte das Manuskript auf. "Hier sind Noten," 
sagte sie, "das musst du singen, Reinhard."
Und dieser las nun zuerst einige tiroler Schnaderhuepfel, [Fussnote: 
Dialektisch fuer "Schnitterhuepfen," d. h. Schnitter-Taenze oder 
Lieder, die besonders in Tiro$
und seine Beine wollten ihn nicht mehr
halten; der Erzherzog warf ihm geschickt ein grosses Pflaster, das er in
seinem Doktorapparate fand, ueber das Gesicht; der Kleine behauptete, ihm
werde ganz dunkel vor den Augen.  Die Edelleute versprchen ihm in
geheucheltem Mitleiden, ihn nach Hause zu tragen, denn bis jetzt hatte er
weder das Zimmer noch seine Geliebte erkannt, und schleppten ihn wirklich
aus dem Zimmer.
Braka war in der Zeit auf der Folter gespannt gewesen.  Die Liebe des
Erzherzogs hatte sich noch nicht erklaert und seine Freigebigkeit war nicht
so weltkundig, im Gegenteil hatte sie von Frau Nietken erfahren, dass er
etwas im Rufe der Knauserei stehe; der Alraun dagegen konnte so viel
Schaetze entdecken, als irgend in der Welt verborgen waeren, er kuemmerte
sich durchaus nicht, wie das Geld verwendet wuerde, solange es ihm selbst
nicht fehlte.  Stoerten die beiden Liebhaber einander gegenseitig, so
entgingen ihr vielleicht alle Hoffnungen fuer die Bequemlichkeit ihres
kuenftigen Lebens, und die gros$
er Baukunst daraus
entspringen kann.
Eine nochmalige Aufwartung beim Prinzen lehnte der Pater ab, und wir
schieden beiderseits mit lebhaften Ausdruecken der Dankbarkeit und des
Wohlwollens.
Taormina, Montag, den 7. Mai 1787
Gott sei Dank, dass alles, was wir heute gesehen, schon genugsam
beschrieben ist, mehr aber noch, dass Kniep sich vorgenommen hat,
morgen den ganzen Tag oben zu zeichnen.  Wenn man die Hoehe der
Felsenwaende erstiegen hat, welche unfern des Meeresstrandes in die
Hoehe steilen, findet man zwei Gipfel durch ein Halbrund verbunden.
Was dies auch von Natur fuer eine Gestalt gehabt haben mag, die Kunst
hat nachgeholfen und daraus den amphitheatralischen Halbzirkel fuer
ZuschQuer gebildet; Mauern und andere Angebaeude von Ziegelsteinen,
sich anschliessend, supplierten die noetigen Gaenge und Hallen.  Am Fusse
des stufenartigen Halbzirkels erbaute man die Szene quer vor, verband
dadurch die beiden Felsen und vollendete das ungeheuerste Natur--und
Setzt man sich nun dahin, wo ehmals die obersten Z$
Gestalt, Kleidung, Betragen,
Beschaeftigung zu beurteilen und zu klassifizieren.  Ich fand diese
Operation hier leichter als irgendwo, weil der Mensch sich hier mehr
selbst gelassen ist und sich seinemq Stande auch aeusserlich gemaess
Ich fing meine Beobachtung bei frueher Tageszeit an, und alle die
Menschen, die ich hie und da stillstehen oder ruhen fand, waren Leute,
deren Beruf es in dem Augenblick mit sich brachte.
Die Lasttraeger, die an verschiedenen Plaetzen ihre privilegierten
Staende haben und nur erwarten, bis sich jemand ihrer bedienen will;
die Kalessaren, ihre Knechte und Jungen, die bei den einspaennigen
Kaleschen auf den grossen Plaetzen stehen, ihre Pferde besorgen und
einem jeden, der sie verlangt, zu Diensten sind; Schiffer, die auf dem
Molo ihre Pfeife rauchen; Fischer, die an der Sonne liegen, weil
vielleicht ein unguenstiger Wind weht, der ihnen auf das Meer
auszufahren verbietet.  Ich sah auch wohl noch manche hin und wider
gehen, doch trug meist ein jeder ein Zeichen seiner Taetigkeit m$
.  Da das die Mohrin sah, fing
sie auch an zu weinen; die Miss wollte sie kaufen, der Kapitaen aber
hartnaeckig sie nicht hergeben.  Jetzo sind sie nicht mehr hier; die
Zeichnung besagt das Weitere.
Paepstliche Teppiche
Die grosse Aufopferung, zu der ich mich entschloss, eine von dem Gipel
des Bergs bis beinahe ans Meer herabstroemende Lava hinter mir zu
lassen, ward mir durch den erreichten Zweck reichlich vergolten, durch
den Anblick der Teppiche, welche, am Fronleichnamstag aufgehaengt, uns
an Raffael, seine Schueler, seine Zeit auf das glaenzendste erinnerten.
In den Niederlanden hatte das Teppichwirken mit stehendem Zettel,
Hautelisse genannt, sich schon auf den hoechsten Grad erhoben.  Es ist
mir nicht bekannt geworden, wie sich nach und nach die Fertigung der
Teppiche entwickelt und gesteigert hat.  In dem zwoelften Jahrhundert
mag man noch die einzelnen Figuren durch Stickerei oder auf sonst eine
Weise fertig gemacht und sodann durch besonders gearbeitete
Zwischenstuecke zusammengesetzt haben.  Dergle$
ssig.  Man kann s nicht aus
dem Hause gehn, nicht die kleinste Promenade machen, ohne die
wuerdigsten Gegenstaende zutreffen.  Meine Vorstellung, mein Gedaechtnis
fuellt sich voll unendlich schoener Gegenstaende.
Rom, den 20. Juli. 20
Ich habe recht diese Zeit her zwei meiner Kapitalfehler, die mich mein
ganzes Leben verfolgt und gepeinigt haben, entdecken koennen.  Einer
ist, dass ich nie das Handwerk einer Sache, die ich treiben wollte oder
sollte, lernen mochte.  Daher ist gekommen, dass ich mit so viel
natuerlicher Anlage so wenig gemacht und getan habe.  Entweder es war
durch die Kraft des Geistes gezwungen, gelang oder misslang, wie Glueck
und Zufall es wollten, oder wenn ich eine Sache gut und mit ueberlegung
machen wollte,war ich furchtsam und konnte nicht fertig werden.  Der
andere, nah verwandte Fehler ist, dass ich nie so viel Zeit auf eine
Arbeit oder Geschaeft wenden mochte, als dazu erfordert wird.  Da ich
die Glueckseligkeit geniesse, sehr viel in kurzer Zeit denken und
kombinieren zu koennen, $
tadt, wie er ihn aus den
Truemmern herausgesuct.
Eine Kolonnade, auf eine italienische Meile lang, ging vorn Tore durch
die Stadt bis zum Sonnentempel, nicht in ganz gerader Linie, sie macht
in der Mitte ein sanftes Knie.  Die Kolonnade war von vier
Saeulenreihen, die Saeule zehn Diameter hoch.  Man sieht nicht, dass sie
oben bedeckt gewesen; er glaubt, es sei durch Teppiche geschehen.  Auf
der grossen Zeichnung erscheint ein Teil der Kolonnade noch aufrecht
stehend im Vordergrunde.  Eine Karawane, die eben quer durchzieht, ist
mit vielem Glueck angebracht.  Im Hintergrunde steht der Sonnentempel,
und auf der rechten Seite zieht sich eine grosse Flaeche hin, auf
welcher einige Janitscharen in Karriere forteilen.  Das sonderbarste
Phaenomen ist: eine blaue Linie wie eine Meereslinie schliesst das Bild.
Er erklaerte es uns, dass der Horizont der Wueste, der in der Ferne blau
werden muss, so voellig wie das Meer den Gesichtskreis schliesst, dass es
ebenso in der Natur das Auge truegt, wie es uns im Bilde anfangs$
ohen Heimkehr werd ich sehn,
Noch vielen von den Euren werd ich toedlich sein,
Noch viele Witwen machen, aber endlich werd
Ich selbst umkommen und erfuellen mein Geschick.
--Erfuelle du auch deines. Greife frisch zum Schwert,
Und um des Lebens suesse Beute kaempfen wir.
MONTGOMERY (steht auf).
Nun, wenn du sterblich bist wie ich und Waffen dich
Verwunden, kanns auch meinem Arm beschieden sein,
Zur Hoell dich sendend Englands Not zu endigen.
In Gottes gnaedge Haende leg ich mein Geschick.
Ruf du Verdammte deine Hoellengeister an,
Dir beizustehen! Wehre deines Lebens dich!
(Er ergreift Schild und Schwert und dringt auf sie ein,
kriegerische Musik erschallt in der Ferne, nach einen kurzen
Gefechte faellt Montgomery)
ZWEITER AUFZUG
Achter Auftritt
Johanna allein
Dic trug dein Fuss zum Tode--Fahre hin!
(Sie tritt von ihm weg und bleibt gedankenvoll stehen)
Erhabne Jungfrau, du wirkst Maechtiges in mir!
Du ruestest den unkriegerischen Arm mit Kraft,
Dies Herz mit Unerbittlichkeit bewaffnest du.
In Mitleid schmilzt $
hen herausgehen?  Ist sie schon lange fort?
Anton.  Ich habe sie, so wahr ich ehrlich bin, nicht sehen hereingehen.
Sie ist nicht drinne; glauben Sie mir nur, sie ist nicht drinne--
Fuenfter Auftritt
Lisette.  Damis.  Anton.
Lisette.  Allerdings ist sie noch drinne--
Anton.  O das Rabenaas!
Damis.  So lange hat Sie sich hier versteckt gehalten?  Arme Lisette!
das war mein Wille gar nicht.  Sobald mein Vater aus der Stube gewesen
waere, haette Sie immer wieder herausgehen koennen.
Lisette.  Ich wusste doch nicht, ob ich recht taete.  Ich wollte also
lieber warten, bis mich der, der mich versteckt hatte, selbst wieder
hervorkommen hiess--
Anton.  Zum Henker, von was fuer einem Verstecken reden die?  (Sachte
zu Lisetten.) So, du feines Tierchen? hat dich mein Herr selbst schon
einmal vesteckt?  Nun weiss ich doch, wie ich die gestrige Ohrfeige
auslegen soll.  Du Falsche!
Lisette.  Schweig; sage nicht ein Wort, dass ich zuvor bei dir gewesen
bin, oder--du weisst schon--
Damis.  Was schwatzt ihr denn beide da zusa$
t kaemen.)
Damis.  Unwissender, niedertraechtiger Kerl! habe ich dir nicht oft
genug gesagt, keine Seele in meine Stube zu lassen als aufs hoechste
meinen Vater?  Was will denn die hier?
Lisette.  Unwissender, niedertraechtiger Kerl! hast du mir es nicht oft
genug gesagt, dass ich mich aus der Stube fortmachen soll?  Kannst du
dir denn aber nicht einbilden, dass die, welche im Kabinette hat seinl
duerfen, auch Erlaubnis haben werde, in der Stube zu sein?  Unwissender,
niedertraechtiger Kerl!
Anton.  Wem soll ich nun antworten?
Damis.  Gleich stosse sie zur Stube hinaus!
Anton.  Stossen? mit Gewalt?
Damis.  Wenn sie nicht in gutem gehen will--
Anton.  Lisette, geh immer in gutem--
Lisette.  Sobald es mir gelegen sein wird.
Damis.  Stoss sie heraus, sag ich!
Anton.  Komm, Lisette, gib mir die Hand; ich will dich ganz ehrbar
herausfuehren.
Lisette.  Grobian, wer wird denn ein Frauenzimmer mit der blossen Hand
fuehren wollen?
Anton.  O ich weiss auch zu leben!--In Ermanglung eines Handschuhs
also--(er nimmt den Z$
t und Boese
    1. Hauptstueck: Von den Vorurtheilen der Philosophen.
    2. Hauptstueck: Der freie Geist.
    3. Hauptstueck: Das religioese Wesen.
    4. Hauptstueck: Sprueche und Zwischenspiele.
    5. Hauptstueck: Zur Naturgeschichte der Moral.
    6. Hauptstueck: Wir Gelehrten.
    7. Hauptstueck: Unsere Tugenden.
    8. Hauptstueck: Voelker und Vaterlaender.
    9. Hauptstueck: Was ist vornehm?
    Aus hohen Bergen. Nachgesang.
Jenseits von Gut und Boese
Vorspiel einer Philosophie der Zukunft.
Vorausgesetzt, dass die Wahrheit ein Weib ist -, wie? ist der Verdacht
nicht gegruendet, dass alle Ph^losophen, sofern sie Dogmatiker waren,
sich schlecht auf Weiber verstanden? dass der schauerliche Ernst,
die linkische Zudringlichkeit, mit der sie bisher auf die Wahrheit
zuzugehen pflegten, ungeschickte und unschickliche Mittel waren, um
gerade ein Frauenzimmer fuer sich einzunehmen? Gewiss ist, dass sie
sich nicht hat einnehmen lassen: - und jede Art Dogmatik steht heute
mit betruebter und muthloser Haltung da.$
ste, dessen unser
Auge noch habhaft werden kann: - wir finden Gruende ueber Gruende
dafuer, die uns zu Muthmaassungen ueber ein betruegerisches Princip im
"Wesen der Dinge" verlocken moechten. Wer aber unser Denken selbst,
also "den Geist" fuer die Falschheit der Welt verantwortlich macht -
ein ehrenhafter Ausweg, den jeder bewusste oder unbewusste advocatus
dei geht -: wer diese Welt, sammt Raum, Zeit, Gestalt, Bewegung, als
falsch erschlossen nimmt: ein Solcher haette mindestens guten Anlass,
gegen alles Denken selbst endlich Misstrauen zu lernen: haette es
uns nicht bisher den allergroessten Schabernack gespielt? und welche
Buergschaft dafuer gaebe es, dass es nicht fortfuehre, zu thun, was es
immer gethan hat? In allem Ernste: die Unschuld der Denker hat twas
Ruehrendes und Ehrfurcht Einfloessendes, welche ihnen erlaubt, sich
auch heute noch vor das Bewusstsein hinzustellen, mit der Bitte, dass
es ihnen ehrliche Antworten gebe: zum Beispiel ob es "real" sei,
und warum es eigentlich die aeussere Welt sich $
oennte
sagen, trotz Plato: naemlich der Sokratismus, fuer den er eigentlich
zu vornehm war. "Keiner will sich selbst Schaden thun, daher| geschieht
alles Schlechte unfreiwillig. Denn der Schlechte fuegt sich selbst
Schaden zu: das wuerde er nicht thun, falls er wuesste, dass das
Schlechte schlecht ist. Demgemaess ist der Schlechte nur aus einem
Irrthum schlecht; nimmt man ihm seinen Irrthum, so macht man ihn
notwendig - gut." - Diese Art zu schliessen riecht nach dem Poebel,
der am Schlechthandeln nur die leidigen Folgen in's Auge fasst und
eigentlich urtheilt "es ist dumm, schlecht zu handeln"; waehrend er
"gut" mit "nuetzlich und angenehm" ohne Weiteres als identisch nimmt.
Man darf bei jedem Utilitarismus der Moral von vornherein auf diesen
gleichen Ursprung rathen und seiner Nase folgen: man wird selten irre
gehn. - Plato hat Alles gethan, um etwas Feines und Vornehmes in den
Satz seines Lehrers hinein zu interpretiren, vor Allem sich selbst -,
er, der verwegenste aller Interpreten, der den ganzen Sokrate$
 auch die beste tiefste
Liebe ist! - Es ist moeglich, dass unter der heiligen Fabel und
Verkleidung von Jesu Leben einer der schmerzlichsten Faelle vom
Martyrium des Wissens um die Liebe verborgen liegt: das Martyrium des
unschuldigsten und begehrendsten Herzens, das an keiner Menschen-Liebe
je genug hatte, das Liebe, Geliebt-werden und Nichts ausserdem
verlangte, mit Haerte, mit Wahnsinn, mit furchtbaren Ausbruechen
gegenDie, welche ihm Liebe verweigerten; die Geschichte eines armen
Ungesaettigten und Unersaettlichen in der Liebe, der die Hoelle
erfinden musste, um Die dorthin zu schicken, welche ihn nicht lieben
wollten, - und der endlich, wissend geworden ueber menschliche Liebe,
einen Gott erfinden musste, der ganz Liebe, ganz Lieben- koennen ist,
- der sich der Menschen-Liebe erbarmt, weil sie gar so armselig, so
unwissend ist! Wer so fuehlt, wer dergestalt um die Liebe weiss -,
sucht den Tod. - Aber warum solchen schmerzlichen Dingen nachhaengen?
Gesetzt, dass man es nicht muss. -
Der geistige Hochmuth$
d (springt erschuettert auf).  Was? auch Sie?--Vater! auch
Sie?--und nicht wahr, mein Vater, ein Geschoepf wie die Unschuld?--Und
es ist so menschlich, dieses Maedchen zu lieben?
Praesident.  Sage so: es ist Verbrechen, sie nicht zu lieben.
Ferdinand.  Unerhoe^t!  Ungeheuer!--Und Sie schauen ja doch sonst die
Herzen so durch!  Sahen sie noch dazu mit Augen des Hasses!
--Heuchelei ohne Beispiel--Diese Millerin, Vater-Praesident.  Ist es
werth, meine Tochter zu sein.  Ich rechne ihre Tugend fuer Ahnen und
ihre Schoenheit fuer Gold.  Meine Grundsaetze weichen deiner Liebe--Sie
Ferdinand (stuerzt fuerchterlich aus dem Zimmer).  Das fehlte noch!
--Leben Sie wohl, mein Vater.  (Ab.)
Praesident (ihm nachgehend).  Bleib!  Bleib!  Wohin stuermst du?  (Ab.)
Sechste Scene.
Ein praechtiger Saal bei der Lady.
Lady und Sophie treten herein.
Lady.  Also sahst du sie?  Wird sie kommen?
Sophie.  Diesen Augenblick.  Sie war noch im Hausgewand und wollte
sich nur in der Geschwindigkeit umkleiden.
Lady.  Sage mir nichts von ihr-$
chts, als sein Instrument und das einzige--Du willst's ihm rauben?
Rauben?--rauben den letzten Nothpfenning einem Bettler?  Die Kruecke
zerbrochen vor die Fuesse werfen dem Lahmen?  Wie?  Hab' ich auch Brust
fuer das?--Und wenn er nun heimeilt und nicht erwarten kann, die ganze
Summe seiner Freuden vom Gesicht dieser Tochter heunter zu zaehlen,
und hereintritt und sie da liegt, die Blume--welk--todt--zertreten,
muthwillig, die letzte, einzige, unueberschwaengliche Hoffnung--Ha, und
er dasteht vor ihr, und dasteht und ihm die ganze Natur den
lebendigen Odem anhaelt, und sein erstarrter Blick die entvoelkerte
Unendlichkeit fruchtlos durchwandert, Gott sucht, und Gott nicht mehr
finden kann und leerer zurueckkommt--Gott!  Gott!  Aber auch mein
Vater hat diesen einzigen Sohn--den einzigen Sohn, doch nicht den
einzigen Reichthum--(Nach einer Pause.)  Doch wie?  Was verliert er
denn?  Das Maedchen, dem die heiligsten Gefuehle der Liebe nur Puppen
waren, wird es den Vater gluecklich machen koennen?--Es wird nicht, e$
h Ihm
(nach einer Pause mit Wehmuth) den drei Monat langen gluecklichen
Traum von Seiner Tochter.
Miller (fasst seine Hand, die er stark drueckt).  Gnaediger Herr!  Waeren
Sie ein schlechter, geringer Buergersmann--(rasch) und mein Maedel
liebte Sie nicht--erstechen wollt' ich's, das Maedel!  (Wieder beim
Geld, darau;f niedergeschlagen.)  Aber da hab' ich ja nun Alles und Sie
nichts, und da werd' ich nun das ganze Gaudium wieder herausblechen
muessen?  Heh?
Ferdinand.  Lass Er sich das nicht anfechten, Freund--Ich reise ab,
und in dem Land, wo ich mich zu setzen gedenke, gelten die Stempel
Miller (unterdessen mit unverwandten Augen auf das Gold hingeheftet,
voll Entzueckung).  Bleibt's also mein?  Bleibt's?--Aber das thut mir
nur leid, dass Sie verreisen--Und wart, was ich jetzt auftreten will!
Wie ich die Backen jetzt vollnehmen will!  (Er setzt den Hut auf und
schiesst durch das Zimmer.)  Und auf den Markt will ich und meine
Musikstunden geben und Numero fuenfe Dreikoenig rauchen, und wenn ich
wieder auf de$
dessen mit dem Rechnungswesen zu
beschaeftigen. Die Strassen vor dem Palast, wo die Ordensraete,
Philosophen und Naturforscher ihre Sitzung halten sollten, wurden mit
dickem Stroh belegt, damit das Gerassel der Wagen die weisen Maenner
nicht stoere, und ebendaher durfte auch nicht getrommelt, Musik
gemacht, ja nicht einmal laut gesprochen werden in der Naehe des
Palastes. Im Palast selbst tappte alles auf dicken Filzschuhen umher,
und man verstaendigte sich durch Zeichen.
Sieben Tage hindurch vom fruehsten Morgen bis in den spaeten Abend
hatten die Sitzungen gedauert, und noch war an keinen Beschluss zu
Der Fuerst, ganz ungeduldig, schickte ein Mal ueber das andere hin und
liess ihnen sagen, es solle in des Teufels Namen ihnen doch endlich
etwas Gescheutes einfallen. Das half aber ganz und gar nichts.
Der Naturforscher hatte soviel moeglich Zinnobers Natur erforscht,
Hoehe und Breite seines Rueckenauswuchses genommen und die genaueste
Berechnung darueber dem Ordensrat eingereicht. Er war es auch, der
endlich$
voller Freude dir alles gewaehren. Aber noch
mehr! - Ziehst du mit deiner Candida ein in mein Landhaus, so ist
das Glueck deiner Ehe gesichert. Hinter den schoenen Baeumen waechst
alles, was das Haus bedarf; ausser den herrlichsten Fruechten der
schoenste Kohl und tuechtiges schmackhaftes Gemuese ueberhaupt, wie
man es weit und breit nicht findet. Deine Fau wird immer den ersten
Salat, die ersten Spargel haben. Die Kueche ist so eingerichtet, dass
die Toepfe niemals ueberlaufen und keine Schuessel verdirbt, solltest
du auch einmal eine ganze Stunde ueber die Essenszeit ausbleiben.
Teppiche, Stuhl- und Sofa-Bezuege sind von der Beschaffenheit, dass
es bei der groessten Ungeschicklichkeit der Dienstboten unmoeglich
bleibt, einen Fleck hineinzubringen, ebenso zerbricht kein Porzellan,
kein Glas, sollte sich auch die Dienerschaft deshalb die groesste
Muehe geben und es auf den haertesten Boden werfen. Jedesmal endlich,
wenn deine Frau waschen laesst, ist auf dem grossen Wiesenplan hinter
dem Hause das allerschoen$
h dem Fenster: "Hinunter mit dir," schrie er, "hinunter mit
dir, schaendliche heillose Missgeburt, die mich so schmachvoll
hintergangen, mich um alles Glueck des Lebens gebracht hat!"
Er wollte den Kleinen hinabstuerzen durch das geoeffnete Fenster, doch
der Aufseher des zoologischen Kabinetts, der auch zugegen, sprang
mit Blitzesschnelle hinzu, fasste den Kleinen und entriss ihn Mosch
Terpins Faeusten. "Halten Sie ein," sprach der Aufseher, "halten
Sie ein, Herr Professor, vergreifen Sie sich nicht an fuerstlichem
Eigentum. Es ist keine Missgeburt, es ist der Mycetes Belzebub, Simia
Belzebub, der dem Museo entlaufen." "Simia Belzebub - Simia Belzebub!"
ertoente es von allen Seiten unter schallendem Gelaechter. Doch kaum
hatte der Aufseher den Kleinen auf den Arm genommen und ihn recht
angesehen, als er anmutig ausrief: "Was sehe ich! - das ist ja nicht
Simia Belzebub, das ist ja ein schnoeder haesslicher Wurzelmann! Pfui!
Und damit warf er den Kleinen in die Mitte des Saals. Unter dem
lauten Hohngelaechter d$
s einen entsprechenden Zweck und Inhalt
der Rede erwarten. Auch wo der fehlt, ertragen wir am Ende den Ton, wenn
die Person und Stellung dazu passen. Reissen wir ihn, nachahmend, aus
diesem Zusammenhang, so erscheint er in seiner Zweck- und Inhaltlosigkeit
und damit relativ nichtig.
an sieht leicht, dass zwischen den beiden hier unterschiedenen Faellen
hinsichtlich des Grundes der Komik derselbe Gegensatz besteht, wie
zwischen der zu kleinen und der zu grossen Nase oder zwischen
uebermaessiger Hagerkeit und uebermaessiger Koerperfuelle. Ein Objekt wird
komisch das eine Mal, weil es selbst eine Erwartung unerfuellt laesst, das
andere Mal, weil es eine Erwartung erregt, die unerfuellt bleibt. Dieser
Gegensatz geht durch. Der Mann, der ein Kinderhaeubchen aufsetzt, und der
kleine Junge, der sich einen Cylinder aufs Haupt stuelpt, beide sind
gleich komisch. Zunaechst ist dort das Haeubchen komisch, weil man an
seiner Stelle die wuerdige maennliche Kopfbedeckung erwartet, hier das
Kind, weil wir als Traeger des wu$
ibe, zur Kenntnis bringe, ans Licht setze. Indem ich dies thue,
mache ich erst die Komik moeglich. Dabei ist es gleichgueltig, ob das
dargestellte Komische ein wirkliches oder ein fingiertes ist. Ich rechne
also hierher auch die Darstellung erfundener oder durch kuenstlerische
Phantasie gefundener komischer Gestalten und Situationen.
Hiervon deutlich unterschieden ist die Darstellung, die erst durch die
Weise der Darstellung die Komik hervorruft. Ein Objekt traegt an sich
nichts, das mir bei gewoehnlicher Betrachtung komisch erschiene. Nun
manipuliere ich aber in der Darstellung mit dem Objekte so, dass ein
komisches Licht darauf faellt. Ich beleuchte es komisch.
Diese komische Beleuchtung wird immer zugleich im eigentlichen Sinne des
Wortes "witzig" sein, d. h. einen Fall der subjektiven Komik darstellen.
Die Manipulation, von der ich rede, erzeugt ja der Voraussetzung nach
eine Komik, die nicht im Objekte liegt. Sie ist also ein Spiel, das etwas
sagt, das ein Urteil ueber ein Objekt entstehen laesst, anges$
 denen es nicht
darauf ankommt, ob das Wesen der Sache, so wie es wirklich ist, getroffen
wird, oder sie heben eine wesentliche Eigenschaft treffend hervor, sind
lso charakterisierend, oder endlich sie sind ironisch gemeint. Dem
letzteren Zwecke dient insbesondere eine Art, die darum speciell den
Namen der "_ironischen Bezeichnung_" fuehren muss. Es liegt Ironie darin,
wenn ich meine bescheidene Wohnung als meinen Palast oder meine Residenz
bezeichne; insofern ich naemlich erwarte, der Hoerer werde aus dem stolzen
Namen das ungefaehre Gegenteil, die gar nicht stolze Wohnung, heraushoeren.
Zunaechst aber will ich, wenn ich solche Ausdruecke gebrauche, einen
Gegenstand, durch den Namen fuer einen aehnlichen, spielend bezeichnen.
Wenn ich dagegen eine tadelnswerte Handlung, ohne weiteres, recht
lobenswert, ein abstossendes Benehmen recht liebenswuerdig nenne, so setze
ich einen Begriff an die Stelle des direkt gegenteiligen und zwar in der
einzigen Absicht dies direkte Gegenteil des Gesagten recht eindringlich
$
its kennen gelernt. Ich erinnere an das Gefuehl
des Erstaunens oder des Ueberraschtseins, weil wir ein weniger "Grosses"
erwarteten. Ebendahin gehoert das Gefuehl des Schrecks, das, wie man weiss,
auch entstehen kann, wenn objektiv gar nichts Schreckliches vorliegt oder
geschieht. Ich bin etwa, vermeintlich allein, in meinen Gedanken
versunken. Dann kann mich die leise Beruehrung meiner Schulter durch den
unerwartet und unbemerkt zu mir Hinzugetretenen aufs heftigste
erschrecken. Die Beziehung der Beruehrung zu meinem gegenwaertigen, in
voellig anderer Richtung gehenden Gedankengang ist es, die hier dies
Gefuehl verschuldet. So wenig braucht schliesslich das Erschreckende ein
an sich Schreckliches zu sein, dass auchC Hocherfreuliches das gleiche
Gefuehl erzeugen kann.
"Kuenstler" machen wohl gelegentlich die Kunst zu einem Mittel der
Ueberraschung oder gar Verblueffung. Die Unfaehigkeit durch das Kunstwerk
selbst zu wirken, veranlasst sie zu wirken, indem sie das Kunstwerk zu
den jetzt zufaellig in uns besteh$
 Losloesung oder solchen
Ich bezeichnete diese aesthetische Sympathie auch damit, dass ich sagte,
wir erleben im Kunstwerke uns selbst, nicht bloss, wie wir jetzt sind,
sondern wie wir sein koennten. Wir erleben darin unser ideelles Ich. Dies
kann bald in diesem, bald in jenem Zuge zu einem idealen, oder ueber das
Mass unseres realen Ich gesteigerten Ich werden. Wie es aber hiermit
bestellt sein mag: Immer wenn uns im Kunstwerk Persoenliches
entgegentritt, nicht ein Mangel am Menschen, sondern ein positiv
Menschliches, das mit unseren eigenen Moegichkeiten und Antrieben des
Lebens und der Lebensbethaetigung im Einklang steht oder darin Widerhall
findet; immer wenn uns dies positiv Menschliche entgegentritt so
objektiv, so rein und losgeloest von allen ausserhalb des Kunstwerkes
stehenden Wirklichkeitsinteressen, wie dies das Kunstwerk ermoeglicht und
die aesthetische Betrachtung fordert, immer dann ist dieser Einklang oder
Widerhall fuer uns beglueckend.
Persoenlichkeitswert ist ethischer Wert. Es giebt kein$
 erhoehte Kraft. Jemehr sie geleugnet wird, um so
bestimmter setzen wir sie der Verneinung entgegen. Unser eigenes
sittliches Bewusstsein tritt uns maechtiger entgegen.
Darin liegt nun nicht ohne weiteres ein aesthetischer Wert. Die
wahrgenommene Auflehnung gegen die in mir bestehende sittliche Forderung
erfuellt mich mit Unlust. Die Kraft, mit der ich das eigene sittliche
Bewusstsein festhalte, giebt mir sittliches Kraftgefuehl, etwas von
sittlichem Stolz. Und dies Gefuehl ist an sich beglueckend. Das Objekt aber
erscheint um so unlustvoller.
Nehmen wir indessen jetzt an, die sittliche Persoenlichkeit sei nicht nur
in uns, und werde in uns wachgerufen und durch den "Kontrast" zur
"Reaktion" veranlasst, sondern sie finde sich auch irgendwie neben der
Negation desSittlichen in einem Kunstwerke, dann ergiebt sich, auf Grund
dieser Negation, ein besonderer _aesthetischer Wert_.
Es bestehen dafuer verschiedene Moeglichkeiten, die ich wiederum nur
andeute. Das Boese ist "Folie" des Guten, d. h. wir finden die sit$
Humor in der Darstellung finde, ist derselbe
objektiver Humor; das Gefuehl dafuer ist eine Weise des objektivierten
Selbstgefuehls. Andererseits ist der Humor der Darstellung doch wiederum
kein objektiver: Er ist noch nicht in den dargestellten Objekten.
Darum bezeichne ich den oben sogenannten objektiven Humor speciell mit
diesem Namen. Bei ihm ist der Humor dreifach da: in den Objekten, in der
Weise der Darstellung und in mir. Dies doch nicht im Sinne des
Nebeneinander. Der Humor ist in Wahrheit nur in mir. Aber ich erlebe ihn
in den Objekten unqd der ihrer Natur entsprechenden Darstellung.
HUMOR DER DARSTELLUNG.
Der Humor der Darstellung ist lyrisch. Das Spezifische der Lyrik ist
dies, dass bei ihr das eigentliche Objekt der Darstellung, das innere
Geschehen, keinen persoenlichen Traeger hat. Man sagt wohl, Traeger dieses
inneren Geschehens sei der Dichter. Dies ist unrichtig, wenn man mit dem
Dichter diese bekannte oder unbekannte wirkliche Persoenlichkeit meint.
Diese Persoenlichkeit mag ein Aehnliches i$
em, sondern
Freude an der Aufhebung eines auf der eigenen Persoenlichkeit liegenden
Druckes, Freude am einer Befreiung und damit Steigerung des
Selbstbewusstseins. Und sittliche Schadenfreude ist Freude an einer
Befreiung und damit einer Steigerung des sittlichen Selbstbewusstseins.
Solche Schadenfreude oder solche sittliche Befreiung kommt in uns auch zu
stande angesichts der satirischen Darstellung, von der ich oben sagte,
dass ihr wohl zunaechst der Name der Satire zukomme. Davon unterscheidet
sich die satirische "Komoedie", von der wir hier reden, dadurch, dass bei
ihr das Befreiende nicht nur in der Darstellung, sondern objektiv als
Gegenstand der Darstellung uns entgegentritt. Die Befreiung besteht im
Miterleben der durch den Zusam0enhang des Geschehens bewirkten
Vernichtung des Erhabenheitsanspruches des Nichtigen.
Dieser Zusammenhang des Geschehens ist hier der eigentliche Held, oder
tritt an die Stelle desselben. Wo wir eine _Person_ in einem poetischen
Kunstwerk als Helden bezeichnen, meinen wir dam$
eichen.
"O ihr verachteter, vestossner Tross!"
Begann er an dem Tor, dem schreckensvollen,
"Woher die Frechheit, die hier ueberfloss?
Was seid ihr widerspenstig jenem Wollen,
Das nimmermehr sein Ziel verfehlen kann?
Wird er die Qual, wie oft, euch mehren sollen?
Was kaempft ihr gegen das Verhaengnis an,
Obwohl eu'r Zerberus, ihr moegt's bedenken,
Mit kahlem Kinn und Halse nur entrann?"
Dann sah ich ihn zurueck die Schritte lenken.
Uns sagt' er nichts, und achtlos ging er fort,
Als muesst' er ernst auf andre Sorgen denken,
Als die um kleine Ding' am naechsten Ort.
Worauf wir beide nach der Festung schritten,
Nun voellig sicher durch das heil'ge Wort.
Auch ward der Eingang uns nicht mehr bestritten;
Und ich, des Wunsches voll, mich umzusehn
Nach dieser Stadt Verhaeltnis, Art und Sitten,
Liess, drinnen kaum, das Aug' im Kreise gehn,
Und rechts und links war weites Feld zu schauen,
Von Martern voll und ungeheuren Weh'n.
Gleichwie wo sich der Rhone Wogen stauen,
Bei Arles, und bei Pola dort am Meer,
Das Welschlan$
vernehmen,
Den starken Ruecken uns zur Fahrt zu leih'n."
So musst' ich einsam mich zu geh'n bequemen
Am Rand des siebenten der Kreis' und nahm
Den Weg zum Sitze der betruebten Sc\hemen.
Aus jedem Auge starrte Schmerz und Gram,
Indes die Hand, jetzt vor dem heissen Grunde,
Jetzt vor dem Dunst dem Leib zu Hilfe kam.
So scharren sich zur Sommerzeit die Hunde,
Wenn Floh sie oder Flieg' und Wespe sticht,
Jetzt mit dem einen Fuss, jetzt mit dem Munde.
Die Augen wandt' ich manchem ins Gesicht,
Der dort im Feuer sass und heisser Asche;
Und keinen kannt' ich, doch entging mir nicht,
Vom Halse haenge jedem eine Tasche,
Bezeichnet und bemalt, und wie voll Gier
Nach diesem Anblick noch ihr Auge hasche.
Ich sah, wie ich genaht, ein blaues Tier
Auf gelbem Beutel, wie auf einem Schilde,
Das schien ein Leu an Kopf und Haltung mir.
Dann blickt' ich weiter durch dies Qualgefilde,
Und sieh, ein andrer Beutel, blutigrot,
Zeigt' eine butterweisse Gans im Bilde.
Ein blaues Schwein auf weissem Sacke bot
Sich dann dem Blick, und sei$
.
Sie, welchen Savios Flut benetzt die Seiten,
Lebt zwischen Sklaverei und freiem Stand,
Wie zwischen dem Gebirg und ebnen Weiten.
Jetzt, bitt' ich, mach' uns, wer du bist, bekannt;
Wie der Vergessenheit dein Nam' enttauche,
So sei nicht haerter, als ich andre fand."
Da grunzt' und braust' es in der Flamme Bauche,
Wie Feuer braust; sie regte hin und her
Das spitze Haupt und gab dann diese Hauche:
"Sprach' ich zu einem, dessen Wiederkehr
Nach jener Welt ich jemals moeglich glaubte,
So regte nie sich diese Flamme meh
r.
Doch da dies keinem je die Hoell' erlaubte,
So sag' ich ohne Furcht vor Schand' und Schmach,
Was mich hierher stiess und des Heils beraubte.
Ich war erst Kriegsmann und Moench hernach,
Um mich vom Fall durch Buss' emporzurichten;
Gewiss geschah auch, was ich mir versprach.
Allein der Erzpfaff--moeg' ihn Gott vernichten--
Er hat mich neu den Suendern beigesellt,
Wie und warum? das will ich jetzt berichten.
Als ich noch oben lebt' in eurer Welt,
Da ward ich nimmer mit dem Leu'n verglichen,
Doch oe$
 den Willen erst befreit.
Drum fuehltest du den ganzen Berg erbeben,
Drum pries den Herrn die ganze fromme Schar,
In Hoffnung, bald sich selber zu erhben."
Sprach's, und je heisser die Begierde war,
Je mehr fuehlt' ich vom Tranke mich erquicken
Und fuehlte mich gestaerkt und frei und klar.
Virgil drauf: "Welche Netz' euch hier umstricken,
Wie ihr entschluepft, was durch den Berg gezueckt,
Was Jubeltoen' empor die Seelen schicken,
Das hat dein Wort mir deutlich ausgedrueckt.
Jetzt sage mir: Wer bist du einst gewesen?
Und was hat hier so lang dich schwer gedrueckt?"
Drauf jener: "Damals, als das hoechste Wesen,
Das Blut zu raechen, das fuer schnoedes Geld
Judas verkauft, den Titus auserlesen,
Da lebt' ich mit dem Namen, der bei Welt
Und Nachwelt gilt, geschmueckt mit hoechstem Preise,
Doch war noch nicht vom Glaubenslicht erhellt.
So suess war des klangreichen Geistes Weise,
Dass Rom mich Tolosanen rief und hoch
Mich ehrte mit verdientem Myrtenreise.
Mich, Statius, nennt man jenseits heute noch.
Von Theben hob'$
n leer,
Umringt' im Kreise nun die Schar der Frommen.
Sein Haar verbreitet sich so mehr, je mehr
Er aufwaerts steigt, hoch, dass er selbst den Indern
Durch seine Hoehe zum Erstaunen war'.
"Heil dir, o Greif, mit deinem Schnabel pluendern
Willst du ni	ht diesen Baum, der Suesses zwar
Dem Gaumen gibt, doch Marter dann den Suendern."
So rief rings um den starken Baum die Schar.
Und er, in dem sich Leu und Aar verbunden:
"So nimmt man jedes Rechtes Samen wahr."
Die Deichsel, wo ich ziehend ihn gefunden,
Schob er zum oeden Stamm und liess am Baum,
Aus ihm entnommen, sie an ihn gebunden.
Wie unsre Pflanzen, wenn zum Meeressaum
Das grosse Licht sich senkt, von dem umschlossen,
Das nach den Fischen glaenzt am Himmelsraum,
Sich ueppig blaeh'n zu neuen jungen Sprossen,
Jede gefaerbt nach der Natur Gebot, .
Eh' Sol den Stier erreicht mit seinen Rossen;
So, mehr als Veilchen zwar, doch minder rot
Als Rosenglut, erneute sich die Pflanze,
Die erst verwaist erschien und kahl und tot.
Und wie sie nun erblueht' im neuen Glanz$
icht,
dass er so nahe war und wohl haette kommen koennen.  Es trieb ihn auch
gar sehr, zu eilen; denn er hatte wohl oft an diesen Tag in
Frankreich gedacht und hatte einen kleinen Kranz von schoenen
Goldblumen von daher mitgebracht, um das Grab seiner Mutter zu
schmuecken, und auch einen Kranz fuer Annerl, den sollte sie sich bis
zu ihrem Ehrentage bewahren."
Hier ward die Alte still und schuettelte mit dem Kopf; als ich aber
die letzten Worte wiederholte: "Den sollte sie sich bis zu ihrem
Ehrentage bewahren", fuhr sie fort: "Wer weiss, ob ich es nicht
erflehen kann; ach, wenn ich den Herzog nur wecken duerfte!"--"Wozu?"
fragte ich, "welch Anliegen habt Ihr denn, Mutter?"  Da sagte sie
ernst: "O, was laege am ganzen Leben, wenns kein End naehme; was laege
am Leben, wenn es nicht ewig waere!" und fuhr dann in ihrer Erzaehlung
"Kasper waere noch recht gut zu Mittag in unserm Dorfe angekommen,
aber morgens hatte ihm sein Wirt im Stalle gezeigt, dass sein Pferd
gedrueckt sei, und dabei gesagt: "Mein Freund, das $
er den Kirchhof gegangen waere,
hatte er sich das Leben da in dem Berge und die Schaetze und
Herrlichkeiten darin doch so ausgemalt, dass ihn fast geluestete,
einmal hinabzusteigen; denn der alte Klas hatte gesagt, wie man es
anfangen muesse, damit man da unten Herr werde und nicht Diener, und
damit sie einen nicht fuenfzig Jahre festhalten und die Becher spuelen
und das Estrich kehren lassen koennten.  Wer naemlich so klug oder so
gluecklich sei, die Muetze eines Unterirdischen zu finden oder zu
erhaschen, der koenne sicher hinabsteigen, dem duerfen sie nichts tun
noch befehlen, sondern muessen ihm dienen, wie er wolle, und derjenige
Unterirdische, dem die Muetze gehoere, muesse sein Diener sein und ihm
schaffen, was er wolle.  Das hatte Johann sich hinters Ohr
geschrieben und secnen Teil dabei gedacht; ja, er hatte wohl
hinzugesetzt, so etwas unterstehe er sich auch wohl zu wagen.  Die
Leute glaubten ihm das aber nicht, sondern lachten ihn aus; und doch
hat er es getan, und sie haben genug geweint, als er n$
n Lisbeth holen.
Und als Lisbeth kam, war sie ganz erstaunt, dass sie ihn so munter
fand, denn seit einem halben Jahre hatte sie ihn nicht mehr froh
gesehen.  Und er lief auf sie zu und umhalsete sie und sprach:
"Lisbeth!  Suesse Lisbeth!  Nun bist du mein, nun nehme ich dich mit;
uebermorgen soll der Auszug sein, und juchhe, wie bald die lustige
Hochzeit!"  Sie aber erstaunte noch mehr und sagte: "Lieber Johann, du
bist geck geworden?  Wie soll das moeglich sein?"  Er aber laechelte und
sprach: "Ich bin nicht geck geworden, aber die kleinen Schlingel will
ich geck machen, wenn sie sich nicht zum Ziele legen wollen.  Sieh
hier!  Hier ist dein und mein Erloeser."  Und er nahm das silberne
Geschirr und oeffnete es und zeigte ihr die Kroete, vor deren
Garstigkeit es ihr fast geschwunden haette.  Nun erzaehlte er ihr, wie
er zu dem seltenen Vogel gekommen war, und wie herrlich ihm die Probe
geglueckt war, die er mit ihm an den Unterirdischen angestellt hatte,
und wohlgefaellig rief er noch einmal: "Sei froh, mei$
cheele pflegte seinen Freunden zu
erzaehlen und bekraeftigte es wohl mit einem tuechtigen husarischen und
weidmaennischen Fluche, in den Granitzer Tannen um die Aalbeck und an
dem ganzen Ufer wimmele es von Unterirdischen.  Auch hat er Leute,
die er dort herum spazieren fuehrte, oft eine Menge kleiner Spuren
gezeigt, wie von den allerkleinsten Kindern, die da im Sande von
ihren Fuesschen einen Abdruck hinterlassen haetten, und ihnen ploetzlich
zugerufen: "Horch!  Wie es da wieder wispert und fluestert!"  Ein ander
Mal, als er mit guten Freunden laengs dem Meeresstrand gegangen, ist
er wie in Bewunderung ploetzlich still gestanden, hat auf das Meer
gezeigt und gerufen: "Da sid sie meiner Seele wieder in voller
Arbeit, und viele Tausende sind um ein paar versunkene Stueckfaesser
Wein beschaeftigt, die sie ans Ufer waelzen.  Was wird das die Nacht
ein lustiges Gelag werden!"  Dann hat er ihnen erzaehlt, er koenne sie
sehen bei Tage und bei Nacht, und ihm tun sie nichts, ja sie seien
seine besonderen Freunde, und$
s de Slangen un eenfoldig
as de Duwen.  To der Tid, as de Duewel Karken und Kloester buwen muesst,
gaff't gottskloke Luede; nu aewerst suent se duewelsklok un negenklok un
aewer all der Klokheit is de Voernunft dumm worden, wo se de goden un
slimmen Geister mit eenem Blick underscheiden un den Engels und
Duew(els in Christo begripen un den Lueden utdueden kunnen.  Se soeken den
leewen Gott in der Welt, wo he is un ook nich is, un nich in der
Bibel, wo en jeder finden kann, dem Negenklokheit de Oogen nich
voerglastert hett.  Weer he so saeker un wiss up der Landstrat to finden,
so were de leewe Heiland jo uemsues vam Himmel herunnerkamen, sin
duerbares Blood am Kruetz foer uns to voergeten.
De Wewer un de Steen
De Herr hett woll dat steenerne Kruetz sehn, dat am Wege steiht, wo
man van der Loebnitzer Maehl nach Redbas geiht.  Da lag voer dissem een
Steen, de was in twee Stuecken tersprungen.  Den hebben se wegnahmen,
as de Fuerst Hessenstein de praechtige Redbasser Bruegg buwen let; un
dat is schad, denn de St$
sie
augenblicklich brennen, wi?e und wo ihr diebischer Inhaber nur denkt
oder wuenscht, dass sie brennen sollen, und ebenso geschwind als sein
Wunsch und Gedanke erloeschen.  Durch ihre Hilfe kann er in der
dichtesten finstersten Nacht, wenn und wo er will, alles sehen; sie
leuchten aber nur fuer ihn und fuer keinen andern, und er selbst bleibt
unsichtbar, wenn sie auch alles andere hell machen.  Dabei sitzt noch
die Greulichkeit in ihnen, dass sie eine geheime Gewalt ueber den
Schlaf haben und dass in den Zimmern, wo sie angezuendet werden, der
Schlafende so fest schnarcht, dass man zehn Donnerbuechsen ueber seinem
Kopf losknallen koennte und er doch nicht erwachte.  Denke, wie lustig
sich da stehlen und nehmen laesst!
Auf diese Weise werden die Diebslichter gewonnen und gebraucht, aber
anders der Rabenstein und nicht so greulich, wiewohl auch ein vom
Satan und von seinen Geluesten verblendetes und verhaertetes Herz dazu
gehoert, sich den Rabenstein in die Tasche zu schaffen.  Dies ist aber
der Rabenstein, u$
ie Bemerkung, welche hier zum Grunde liegt, dass der Schmerz sich in
dem Gesichte des Laokoon mit derjenigen Wut nicht zeige, welche man
bei der Heftigkeit desselben vermuten sollte, ist vollkommen richtig.
Auch das ist unstreitig, dass eben hierin, wo ein Halbkenner den
Kuenstler unter der Natur geblieben zu sein, das wahre Pathetische des
Schmerzes nicht erreicht zu haben, urteilen duerfte; dass, sage ich,
eben hierin die Weisheit desselben ganz besonders hervorleuchtet.
Nur in dem Grunde, welchen Herr Winckelmann dieser Weisheit gibt, in
der Allgemeinheit der Regel, die er aus diesem Grunde herleite"t, wage
ich es, anderer Meinung zu sein.
Ich bekenne, dass der missbilligende Seitenblick, welchen er auf den
Virgil wirft, mich zuerst stutzig gemacht hat; und naechstdem die
Vergleichung mit dem Philoktet.  Von hier will ich ausgehen, und
meine Gedanken in eben der Ordnung niederschreiben, in welcher sie
sich bei mir entwickelt.
"Laokoon leidet, wie des Sophokles Philoktet." Wie leidet dieser?  Es
ist sonderb$
nden des koerperlichen Schmerzes.  Dieser,
in aller seiner entstellenden Heftigkeit, war mit jener nicht zu
verbinden.  Er musste ihn also herabsetzen; er musste Schreien in
Seufzen mildern; nicht weil das Schreien eine unedle Seele verraet,
sondern weil es das Gesicht auf eine ekelhafte Weise verstellet.
Denn man reisse dem Laokoon in Gedanken nur den Mund auf, und urteile.
Man lasse ihn schreien, und sehe.  Es war eine Bildung, die Mitleid
einfloesste, weil sie Schoenheit und Schmerz zugleich zeigte; nun ist es
eine haessliche, eine abscheuliche Bildung geworden, von der man gern
sein Gesicht verwendet, weil der Anblick des Schmerzes Unlust erregt,
ohne dass die Schoenheit des leidenSen Gegenstandes diese Unlust in das
suesse Gefuehl des Mitleids verwandeln kann.
Die blosse weite Oeffnung des Mundes,--beiseitegesetzt, wie gewaltsam
und ekel auch die uebrigen Teile des Gesichts dadurch verzerret und
verschoben werden,--ist in der Malerei ein Fleck und in der
Bildhauerei eine Vertiefung, welche die widrigste $
s wuerde die pyramidalische Zuspitzung
der Gruppe, welche dem Auge so angenehm ist, gaenz0lich verdorben haben;
und die aus dieser Wulst ins Freie hinausragende spitze
Schlangenkoepfe haetten einen so ploetzlichen Abfall von Mensur gehabt,
dass die Form des Ganzen aeusserst anstoessig geworden waere.  Es gibt
Zeichner, welche unverstaendig genug gewesen sind, sich demohngeachtet
an den Dichter zu binden.  Was denn aber auch daraus geworden, laesst
sich unter andern aus einem Blatte des Franz Cleyn 3) mit Abscheu
erkennen.  Die alten Bildhauer uebersahen es mit einem Blicke, dass
ihre Kunst hier eine gaenzliche Abaenderung erfordere.  Sie verlegten
alle Windungen von dem Leibe und Halse, um die Schenkel und Fuesse.
Hier konnten diese Windungen, dem Ausdrucke unbeschadet, so viel
decken und pressen, als noetig war.  Hier erregten sie zugleich die
Idee der gehemmten Flucht und einer Art von Unbeweglichkeit, die der
kuenstlichen Fortdauer des naemlichen Zustandes sehr vorteilhaft ist.
{3. In der praechtigen Ausga$
te
personifieret, und eine Art weiblicher Sylphen, unter dem Namen Aurae,
verehret haben 4).  Ich gebe es zu, dass wenn Juvenal einen vornehmen
Taugenichts mit einer Hermessaeule vergleicht, man das Aehnliche in
dieser Vergleichung schwerlich finden duerfte, ohne eine solche Saeule
zu sehen, ohne zu wissen, dass es ein schlechter Pfeiler ist, der bloss
das Haupt, hoechstens mit dem Rumpfe, des Gottes traegt, und weil wir
weder Haende noch Fuesse daran erblicken, den Begriff der Untaetigkeit
erwecket 5).--Erlaeuterungen von dieser Art sind nicht zu verachten,
wenn sie auch schon weder allezeit notwendig noch allezeit
hinlaenglich sein sollten.  Der Dichter hatte das Kunstwerk als ein
fuer sich bestehendes Ding, und nicht als Nachahmung, vor Augen; oder
Kuenstler und Dichter hatten einerlei angenommene Begriffe, demzufolge
sich auch Uebereinstimmung in ihren Vorstellungen zeigen musste, aus
welcher sich auf die Allgemeinheit jener Begriffe zrueckschliessen
{4. "Ehe ich", sagt Spence (Polymetis Dialogue XIII. p$
um so viel kenntlicher.  Allein wenn sieh Venus an
ihren Veraechtern, den Maennern zu Lemnos, raechen will, in vergroesserter
wilder Gestalt, mit fleckigten Wangen, in verwirrtem Haare, die
Pechfackel ergreift, ein schwarzes Gewand um sich wirft, und auf
einer finstern Wolke stuermisch herabfaehrt: so ist das kein Augenblick
fuer den Kuenstler, weil er sie durch nichts in diesem Augenblicke
kenntlich machen kann.  Es ist nur ein Augenblick uer den Dichter,
weil dieser das Vorrecht hat, einen andern, in welchem die Goettin
ganz Venus ist, so nahe, so genau damit zu verbinden, dass wir die
Venus auch in der Furie nicht aus den Augen verlieren.  Dieses tut
 --Neque enim alma videri
  Jam tumet; aut tereti crinem subnectitur auro,
  Sidereos diffusa sinus. Eadem effera et ingens
  Et maculis suffecta genas; pinumque sonantem
  Virginibus Stygiis, nigramque simillima pallam 7).
{7. Argonaut.  lib. II. v. 102-106.}
Eben dieses tut Statius:
  Illa Paphon veterem centumque altaria linquens,
  Nec vultu nec crine prio$
e von
hetrurischer Arbeit beim Gorius (Tabl. 151 Musei Etrusci), auf
welcher Orestes und Pylades erscheinen, wie ihnen zwei Furien mit
Fackeln zusetzen, war mir nicht unbekannt.  Allein ich redete von
Kunstwerken, von welchen ich alle diese Stuecke ausschliessen zu koennen
glaubte.  Und waere auch das letztere nicht sowohl als die uebrigen
davon auszuschliessen, so dienet es von einer andern Seite, mehr meine
Meinung zu bestaerken, als zu widerlegen.  Denn so wenig auch die
hetrurischen Kuenstler ueberhaupt auf das Schoene gearbeitet, so
scheinen sie doch auch die Furien nicht sowohl durch schreckliche
Gesichtszuege, als vielmehr durch ihre Tracht und Attributa
ausgedrueckt zu haben.  Diese stossen mit so ruhigem Gesichte dem
Orestes und Pylades ihre Fackeln unter die Augen, dass sie fast
scheinen, sie nur im Scherze erschrecken zu wollen.  Wie fuerchterlich
sie dem Orestes und Pylades vorgekommen, laesst sich nur aus ihrer
Furcht, keineswegs aber aus der Bildung der Furien selbst abnehmen.
Es sind also Furi$
in einziges Mal fluechtig durchlaufen hat, diese
Assertion in Abrede sein.  Nur duerfte er sich vielleicht der Exempel
nicht gleich erinnern, aus welchen es erhellet, dass der Dichter
seinen Goettern auch eine koerperliche Groesse gegeben, die alle
natuerliche Masse weit uebersteiget.  Ich verweise ihn also, ausser der
angezogenen Stelle von dem zu Boden geworfnen Mars, der sieben Hufen
bedecket, auf den Helm der Minerva (Kunehn ekaton polewn pruleess'
araruian.  Iliad.  E. v. 744), unter welchem sich so viel Streiter,
als hundert Staedte in das Feld zu stellen vermoegen, verbergen koennen;
auf die Schritte des Neptunus (Iliad.  N. v. 20), vornehmlich aber
auf die Zeilen aus der Beschreibung des Schildes, wo Mrs und Minerva
die Truppen der belagerten Stadt anfuehren: (Iliad.  S. v. 516-519.)
  --Hrce d' ara sjin ArhV kai PallaV AJhnh
  Amjw cruseiw, cruseia de eimata esJhn,
  Kalw kai megalw sun teucesin, wV te Jew per,
  AmjiV arizhlw- laoi d' upolizoneV hsan.
Selbst Ausleger des Homers, alte sowohl als neue$
r
will uns die Kennzeichen eines schOenen FUellens, einer tuechtigen Kuh
zuzAehlen, um uns in den Stand zu setzen, nachdem wir deren mehrere
oder wenigere antreffen, von der Guete der einen oder des andern
urteilen zu koennen; ob sich aber alle diese Kennzeichen in ein
lebhaftes Bild leicht zusammenfassen lassen, oder nicht, das konnte
ihm sehr gleichgueltig sein.
Ausser diesem Gebrauche sind die ausfuehrlichen Gemaelde koerperlicher
Gegenstaende, ohne den oben erwaehnten Homerischen Kunstgriff, das
Koexistierende derselben in ein wirkliches Sukzessives zu verwandeln,
jederzeit von den feinsten Richtern fuer ein frostiges Spielwerk
erkannt worden, zu welchem wenig oder gar kein Genie gehoeret.  Wenn
der poetische Stuemper, sagt Horaz, nicht weiter kann, so faengt er an,
einen Hain, einen Altar, einen durch anmutige Fluren sich
schlaengelnden Bach, einen rauschenden Strom, einen Regenbogen zu
  --Lucus et ara Dianae,
  Et properntis aquae per amoenos ambitus agros,
  Aut flumen Rhenum, aut pluvius describitur $
, die ja
nur wenige Stunden von jener Stadt entfernt auf ihrem Lichtenstein
war; doch fasste er sich bald und sagte: "Ich kam zwar nicht viel auf
die Jagd, auch habe ich sonst die Gegend wenig durchstreift, doch ist
sie mir im allgemeinen bekannt."
"Wir haben beschlossen", fuhr Truchsess fort, "einen sicheren Mann in
jene Gegend zu schicken, auszukundschaften, was der Herzog von
Wuerttemberg bei unserem Anzug tun wird.  Es soll auch ueber die
Befestigung des Schlosses Tuebingen, ueber die Stimmung des Landvolkes
in jener Gegend genaue Nachricht eingezogen werden; ein solcher Mann
kann dem Wuerttemberger durch Klugheit und List mehr Abbruch tun als
hundert Reiter, und wir haben--Euch dazu ausersehen."
"Mich?" rief Georg voll Schrecken.
"Euch, Georg von Sturmfeder; zwar gehoert Uebung und Erfahrung zu einem
solchen Geschaeft, aber was Euch daran abgeht, moege Euer Kopf ersetzen."
Man sah dem Juengling an, dass er einen heftigen Kampf mit sich kaempfte.
Sein Gesicht war bleich, sein Auge starr, seine Lippen fes$
heid
in diesem Wuerttemberger Wein--der Herzog und seine Treuen!"
Ein angenehmes Laecheln ging wie ein Sonnenblick bei diesen Worten auf
den duesteren Zuegen des Ritters auf.  "Ja!" rief er, "Treue ist das
Wort, das Genesung gibt dem gebrochenen Herzen, wie ein kuehler Trank
dem einsamen Wanderer in der Wueste.  Vergesst meine Schwaeche, Junker.
Verzeiht sie einem Mann, der sonst seinem Kummer nicht Raum gibt.
Aber wenn Ihr je vom Gipfel des roten Berges hinabgesehen haettet auf
das Herz von Wuerttemberg, wie der Neckar durch gruene Ufer zieht, wie
manneshohe Halme in den Feldern wogen, wie sanfte Huegel am Fluss sich
hinaufziehen, bepflanzt mit koestlichem Wein, wie dunkle, schattige
Forsten die Gipfel der Berge bekraenzen, wie Dorf an Dorf mit den
freundlichen roten Daechern aus den Waeldern von Obstbaeumen
hervorschaut, wie gute fleissige Menschen, kraeftige Maenner, schoene
Weiber auf diesen Hoehen, in diesen Taelern walten und sie zu einem
Garten anbauen--haettet Ihr dieses gesehen, Junker, gesehen mit
$
 sprach ihm in schrecklichen Toenen
seine Verwuenschungen nach.  Obgleich diese Gradation dem Juengling zu
stark vorkommen mochte, so konnte er doch die Gefuehle eines Mannes
nicht tadeln, den man, weil er seinem Herrn treu geblieben war, aus
seinen Besitzungen hinausgeworfen hatte, den man wie ein
angeschossenes Wild suchte, um ihn zu toeten.  "Es liegt ein Trost in
dieser Besinnung", sagte er zu dem Geaechteten, "und Ihr werdet Euer
Unglueck leichter tragen, wenn Ihr den Gegensatz recht scharf ins Auge
fass.  Ich bewundere Euch um Eure Seelenstaerke, Herr Ritter; aber
eben dieses Gefuehl der Bewunderung noetigt mir eine Frage ab, die
vielleicht noch immer zu unbescheiden klingt, doch Ihr habt mich in
der letzten Nacht zu oft Freund genannt, als dass ich sie nicht wagen
duerfte; nicht wahr, Ihr seid Marx Stumpf von Schweinsberg?"
Es musste etwas Laecherliches in dieser Fragen liegen, das Georg nicht
finden konnte, denn der Ernst, der noch immer auf den Zuegen des
Ritters gelegen, war wie weggeblasen; er lach$
erta ist an allem schuld.  Ach, dass ich nie mein Ulm verlassen haette!
Mit dem ersten Schritt ueber unsere Markung fing mein Jammer an."
"Berta hat Euch fortgeschickt?" fragte Georg.  "Wie, seid Ihr nicht
zum Ziel Eurer Bemuehungen gelangt?  Sie hat Euch abgewiesen, und aus
Verzweiflung seid Ihr--."
"Gott behuete!  Berta ist so gut als meine Braut.  Ach, das ist gerade
der Jammer!  Wie Ihr von Ulm abgezogen waret, bekam ich Haendel mit
Frau Sabina, der Amme.  Da entschloss ich mich und hielt bei meinem
Oheim um das Baeschen an.  Nun habt Ihr aber dem Maedchen durch Euer
kriegerisch_s Wesen gaenzlich den Kopf verrueckt.  Sie wollte, ich
solle vorher zu Feld ziehen und ein Mann werden wie Ihr.--Dann wolle
sie mich heiraten.  Ach, Du gerechter Gott!"
"Und da seid Ihr foermlich zu Feld gezogen gegen Wuerttemberg?  Welche
kuehne Gedanken das Maedchen hat!"
"Bin zu Feld gezogen; die Strapazen vergesse ich in meinem Leben
nicht!  Mein alter Johann und ich rueckten mit dem Bundesheer aus.
Das war ein Jammer!  Musste$
rn mein heitres Lebenslicht,
  Mein schoenes Lieb, allueberall umschweben,
  In ihrem selig suessen Hauche leben --
  Doch kann ich's nicht, mein krankes Herze bricht.
Aus dem gebrochnen Herzen fuehl ich fliessen
  Mein heisses Blut, ich fuehle mich ermatten,
  Und vor den Augen wird's mir trueb und trueber.
Und heimlich schauernd sehn ich mich hinueber
  Nach jenem Nebelreich, wo stille Schatten
  Mit weichen Armen liebend mich umschliessen.
Lyrisches Intermezzo
Es war mal ein Ritter, truebselig und stumm,
Mit hohlen, schneeweissen Wangen;
Er schwankte und schlenderte schlotternd herum,
In dumpfen Traeumen befangen.
Er war so hoelzern, so taeppisch, so links,
Die Bluemlein und Maegdlein die kicherten rings,
Wenn er stlpernd vorbeigegangen.
Oft sass er im finstersten Winkel zu Haus;
Er hatt sich vor Menschen verkrochen.
Da streckte er sehnend die Arme aus,
Doch hat er kein Woertlein gesprochen.
Kam aber die Mitternachtsstunde heran,
Ein seltsames Singen und Klingen begann --
An die Tuere da hoert er es poche$
icht, bei Nacht und Sturm,
Drueben nach dem Geisterberge,
Nach dem altverfallnen Turm.
"Dort hat einst ein Schloss gestanden,
Voller Lust und Waffenglanz;
Blanke Ritter, Fraun und Knappen
Schwangen sich im Fackeltanz.
"Da verwuenschte Schloss und Leute
Eine boese Zauberin;
Nur die Truemmer blieben stehen,
Und die Eulen nisten drin.
"Doch die selge Muhme sagte:
Wenn man spricht das rechte Wort,
Naechtlich zu der rechten Stunde,
Drueben an dem rechten Ort:
VSo verwandeln sich die Truemmer
Wieder in ein heiles Schloss,
Und es tanzen wieder lustig
Ritter, Fraun und Knappentross;
"Und wer jenes Wort gesprochen,
Dem gehoeren Schloss und Leut,
Pauken und Trompeten huldgen
Seiner jungen Herrlichkeit."
Also bluehen Maerchenbilder
Aus des Mundes Roeselein,
Und die Augen giessen drueber
Ihren blauen Sternenschein.
Ihre goldnen Haare wickelt
Mir die Kleine um die Haend,
Gibt den Fingern huebsche Namen,
Lacht und kuesst, und schweigt am End.
Und im stillen Zimmer alles
Blickt mich an so wohlvertraut;
Tisch und Schrank, mi$
mich beim Fuss der Kapitaen,
Und zog mich vom Schiffsrand,
Und rief, aergerlich lachend:
Doktor, sind Sie des Teufels?
Bleib du in deiner Meerestiefe,
Wahnsinniger Traum,
Der du einst so manche Nacht
Mein Herz mit falschem Glueck gequaelt hast,
Und jetzt, als Seegespenst,
Sogar am hellen Tag mich bedrohest --
Bleib du dort unten, in Ewigkeit,
Und ich werfe noch zu dir hinab
All meine Schmerzen und Suenden,
Und die Schellenkappe der Torheit,
Die so lange mein Haupt umklingelt,
Und die kalte, gleissende Schlangenhaut
Der Heuchelei,
Die mir so lang die Seele umwunden,
Die kranke Seele,
Die gottverleugnende, engelverleugnende,
Unselige Seele --
Hoiho! hoiho! Da kommt der Wind!
Die Segel auf! Sie flattern und schwelln!
UEber die stillverderbliche Flaeche
Eilet das Schiff,
Und es jauchzt die befreite Seele.
Hoch am Himmel stand die Sonne,
Von weissen Wolken umwogt,
Das Meer war stHll,
Und sinnend lag ich am Steuer des Schiffes,
Traeumerisch sinnend, -- und halb im Wachen
Und halb im Schlummer, schaute ich Christus,$
 selbst
ueberlassen musste, und dem, wenn er sie verloren hatte, nichts mehr
uebrig blieb.
Wie schwer lag jetzt, was sie sich in dem Augenblick nicht deutlich
machen konnte, die Stockung auf ihr, die sich unter ihnen festgesetzt
hatte!  So verstaendige, so gute Menschen fingen wegen gewisser
heimlicher Verschiedenheiten unter einander zu schweigen an, jedes
dachte seinem Recht und dem Unrechte des andern nach, und die
Verhaeltnisse verwickelten und verhetzten sich dergestalt, dass es
unmoeglich ward, den Knoten eben in dem kritischen Momente, von dem
alles abhing, zu loesen.  Haette eine glueckliche Vertraulichkeit sie
frueher wieder einander naeher gebracht, waere Liebe und Nachsicht
wechselsweise unter ihnen lebendig worden und haette ihre Herzen
aufgeschlossen, vielleicht waere unser Freund noch zu retten gewesen.
Noch ein sonderbarer Umstand kam dazu.  Werther hatte, wie wir aus
seinen Briefen wissen, nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er sich
diese Welt zu verlassen sehnte.  Albert hatte ihn oft Dest$
findlichkeit gegen zarte und feine Klaenge und Schalle ward denn
freilich nicht bloss der kleinen liebenswuerdigen Nachtigallprinzessin
sondern allen andern Voegeln nach der Kehle gegriffen; sie waren alle
in die Acht und Aberacht gethan, sie waren alle fuer vogelfrei erklaert,
und die Foerster und Jaeger der Koenigin erhielten den strengsten und
gemessensten Befehl, auf alles, was Federn traegt, Jagd zu machen, und
auch das Rotkehlcden ja nicht einmal den Zaunkoenig zu verschonen, auf
welchen ein guter Jaeger sonst nie einen Schuss verliert.  Dieser
schreckliche Zorn der Koenigin ward ein Unglueck fuer das ganze
befiederte Volk, nicht bloss fuer die, welche im Freien flogen oder in
Forsten und Hainen lebten, sondern auch fuer die, welche auf Hoefen und
in Zimmern gehalten werden.  In der Hauptstadt und in der Umgegend
des koeniglichen Schlosses blieb auch nichts Gefiedertes leben; denn
die Leute meinten sich bei der Koenigin sehr einzuschmeicheln und ihre
Gunst zu gewinnen, wenn sie es ihr nachmachten.  Es w$
hne Neugierde.  Was
fuer ein Leben ist das eigentlich: ohne Haus, ohne ererbte Dinge, ohne
Hunde.  Haette man doch wenigstens seine Erinnerungen.  Aber wer hat
die?  Waere die Kindheit da, sie ist wie vergraben.  Vielleicht muss man
alt sein, um an das alles heranreichen zu koennen.  Ich denke es mir
gut, alt zu sein.
Heute war ein schoener, herbstlicher Morgen.  Ich ging durch die
Tuilerien.  Alles, was gegen Osten lag, vor der Sonne, blendete.  Das
Angeschienene war vom Nebel verhangen wie von einem lichtgrauen
Vorhang.  Grau im Grauen sonnten sich die Statuen in den noch nicht
enthuellten Gaerten.  Einzelne Blumen in den langen Beeten standen auf
und sagten: Rot, mit einer erschrockenen Stimme.  Dann kam ein sehr
grosser, schlanker Mann um die Ecke, von den Champs-Elysees her; er
trug eine Kruecke, aber nicht mehr unter die Schulter gschoben,--er
hielt sie vor sich her, leicht, und von Zeit zu Zeit stellte er sie
fest und laut auf wie einen Heroldstab.  Er konnte ein Laecheln der
Freude nicht unterdruecken$
in Hafendeckl auf den Magen legen, dass Sie sich nicht
erkuehlen.  Z' Mittag ein eingmachts Henderl und ein halbs Seiterl
Wein, und auf d' Nacht eine halbete Biskoten.  Und gleich ins
Betterl gehn.  So!  jetzt pa!  pa!  alter Papa, und befolgen Sie
meinen Rat.  Kein Tee messen S' nicht trinken, den haben S' so
schon.  (Er steigt in den Wagen.)  Hansel!  langsam fahren, dass
wir kein Unglueck haben, mit die Teufeln von Rosser.  (Macht Pa
aus dem Wagen.)  Gute Nacht!  mein lieber Herr von Wurzel!  gute
Nacht!  (Fliegt ab.)
Achter Auftritt
Wurzel.  Lorenz.
Jawohl gute Nacht.  So weit hab ichs gebracht!  Lorenz, gib mir
einen Spiegel!  (Lorenz gibt ihm den Spiegel, er sieht hinein.)
Ah, die Positur!  jetzt kann ich in der Haesslichkeit Lektion geben.
Nein, ich halts nicht aus, ich geh durch!  (Will fort.)  Es geht
nicht, ich hab 's Podagra!  (Lacht verzweifelnd.)  Haha, nichts
Freilich, lieber tschihi ins Bett.
Was haengt denn da fuer ein Habersackel?  Hab ich denn ein Kropf?
Nu, und das was fuer ein, als wenn S'$
 als sich ueber Ihre Patienten lustig zu machen?  (Er
setzt sich wieder.)
(Dr. Valentine.) Mein lieber Herr McNaughtan.  Meine Patienten haben
nicht alle ihren Charakter an Schmierseife gebildet@.
(McNaughtan packt ihn ploetzlich am Arm, waehrend Dr. Valentine sich
wieder nach der Lade wendet:) Desto schlimmer fuer sie!  Ich sage Ihnen,
Sie verstehen meinen Charakter nicht!  Wenn ich all meine Zaehne
entbehren koennte ich wuerde sie mir, einen nach dem andern, von Ihnen
ziehen lassen, um Ihnen zu zeigen, was ein tuechtiger, abgehaerteter
Mann aushalten kann, wenn er sich einmal dazu entschlossen hat.  (Er
nickt Dr. Valentine zu, um diese Erklaerung zu bekraeftigen, und laesst
(Dr. Valentine, dessen sorglose Scherzhaftigkeit sich gar nicht stoeren
laesst:) Und Sie wollen noch mehr abgehaertet werden, nicht wahr?
(McNaughtan.) Ja.
(Dr. Valentine schlendert fort zur Glocke:) Fuer mich sind Sie als
Hausherr--schon abgehaertet genug.
(McNaughtan quittiert diesen Scherz mit einem Brummen grimmigen Humors.)
(Dr. Val$
n, den ich haben muss und haben will.--Was ist das?
Ich versteh es nicht.--Claudia. Sie machen mich unruhig, Herr
Graf--Appiani. Eines koemmt dann zum andern!--Ich bin aergerlich;
aergerlich ueber meine Freunde, ueber mich selbst--Claudia. Wieso?
Appiani. Meine Freunde verlangen schlechterdings, dass ich dem Prinzen
von meiner Heira-t ein Wort sagen soll, ehe ich sie vollziehe. Sie
geben mir zu, ich sei es nicht schuldig; aber die Achtung gegen ihn
woll' es nicht anders.--Und ich bin schwach genug gewesen, es ihnen zu
versprechen. Eben wollt' ich noch bei ihm vorfahren.
Claudia (stutzig). Bei dem Prinzen?
Neunter Auftritt
Pirro, gleich darauf Marinelli und die Vorigen.
Pirro. Gnaedige Frau, der Marchese Marinelli haelt vor dem Hause und
erkundiget sich nach dem Herrn Grafen.
Appiani. Nach mir?
Pirro. Hier ist er schon. (Oeffnet ihm die Tuere und gehet ab.)
Marinelli. Ich bitt um Verzeihung, gnaedige Frau.--Mein Herr Graf, ich
war vor Ihrem Hause und erfuhr, dass ich Sie hier treffen wuerde. Ich
hab ein dringe$
inz!--Wo bin ich denn also?
Marinelli. Auf Dosalo, dem Lustschlosse des Prinzen.
Emilia. Welch ein Zufall!--Und Sie glauben, dass er gleich selbst
erscheinen koenne?--Aber doch in Gesellschaft meiner Mutter?
Marinelli. Hier ist er schon.
Fuenfter Auftritt
Der Prinz. Emilia. Marinelli.
Der Prinz. Wo ist sie? wo?--Wir suchen Sie ueberall, schoenstes
Fraeulein.F--Sie sind doch wohl?--Nun so ist alles wohl! Der Graf, Ihre
Mutter--Emilia. Ah, gnaedigster Herr! Wo sind sie? Wo ist meine
Der Prinz. Nicht weit; hier ganz in der Naehe.
Emilia. Gott, in welchem Zustande werde ich die eine oder den andern
vielleicht treffen! Ganz gewiss treffen!--denn Sie verhehlen mir,
gnaediger Herr--ich seh es, Sie verhehlen mir--Der Prinz. Nicht doch,
bestes Fraeulein.--Geben Sie mir Ihren Arm und folgen Sie mir getrost.
Emilia (unentschlossen). Aber--wenn ihnen nichts widerfahren--wenn
meine Ahnungen mich truegen:--warum sind sie nicht schon hier? Warum
kamen sie nicht mit Ihnen, gnaediger Herr?
Der Prinz. So eilen Sie doch, mein F$
iebe--
Tant mieux, Mademoiselle, tant mieux! Tous les gens d'esprit aiment
le jeu a la fureur.
Dass ich sehr gern gewinne; sehr gern mein Geld mit einem Mann wage,
der--zu spielen weiss.--Waeren Sie wohl geneigt, mein Herr, mich in
Gesellschaft zu nehmen? mir einen Anteil an Ihrer Bank zu goennen?
Comment, Mademoiselle, vous voulez etre de moitie avec moi? De tout
Vors erste nur mit einer Kleinigkeit--(Geht und langt Geld aus ihrer
Ah, Mademoiselle, que vous etes charmante!--
Hier habe ich, was ich ohnlaengst gewonnen, nur zehn Pistolen--ich muss
mich zwar schaemen, so wenig--
Donnez toujours, Mademoiselle, donnez. (Nimmt es.)
Ohne Zweifel, dass Ihre Bank, mein Herr, sehr ansehnlich ist--
Jawohl, sehr ansehnlik. Sehn Pistol? Ihr Gnad soll sein dafuer
interessir bei meiner Bank auf ein Dreiteil, pour le tiers. Swar auf
ein Dreiteil sollen sein--etwas mehr. Dok mit einer schoene Damen muss
man es nehmen nit sogenau. Ik gratulir mik, su kommen dadurk in
liaison mit Ihro Gnad, et de ce moment je recommence a bien$
t
mein groesster Schatz!"
Paula ergriff selbst noch das Band und machte zwei, drei Knoten hinein,
damit es fethalte.  Ploetzlich spitzte sie die Ohren.  "Hoer, hoer,
Tante, jetzt kommt aber wirklich etwas Lustiges."
Hoch oben erscholl ein froehlicher Gesang.  Zwischendurch kam ein
langer, schallender Jodler, dann wurde wieder gesungen.  Die Damen
schauten aufwaerts, konnten aber nichts Lebendiges entdecken.  Der
Fussweg ging in grossen Serpentinen, oft zwischen hohem Gebuesch und
wieder zwischen vorstehenden Bergabhaengen durch, so dass man von unten
immer nur kurze Stueckchen davon erblicken konnte.  Aber jetzt wurde es
ploetzlich lebendig auf dem Pfad, oben und unten, auf allen Stellen, wo
der schmale Weg gesehen werden konnte, und immer lauter und naeher
toente der Gesang.
"Sieh, sieh, Tante, dort!  Hier!  Sieh da!  Sieh da!" rief Paula mit
grossem Vergnuegen.  Und ehe die Tante sich's versah, kamen drei, vier
Geissen in Spruengen daher und immer mehr, immer mehr, und jede hatte
ein Gloecklein am Hals.  Di$
ich der Gegenwart
entschlagen; waehrend ein Kuenstler, der diess thut, immer ein
verzweifeltes Spiel spielt, bei dem ihm wehe um's Herz werden muss. In
ganz seltenen Faellen, - dann, wennBim selben Individuum der Genius
des Koennens und des Erkennens und der moralische Genius sich
verschmelzen - kommt zu den erwaehnten Schmerzen noch die Gattung von
Schmerzen hinzu, welche als die absonderlichsten Ausnahmen in der Welt
zu nehmen sind: die ausser- und ueberpersoenlichen, einem Volke, der
Menschheit, der gesammten Cultur, allem leidenden Dasein zugewandten
Empfindungen: welche ihren Werth durch die Verbindung mit besonders
schwierigen und entlegenen Erkenntnissen erlangen (Mitleid an sich ist
wenig werth). - Aber welchen Maassstab, welche Goldwage giebt es fuer
deren Aechtheit? Ist es nicht fast geboten, misstrauisch gegen Alle zu
sein, welche von Empfindungen dieser Art bei sich reden?
Verhaengniss der Groesse. - Jeder grossen Erscheinung folgt die
Entartung nach, namentlich im Bereiche der Kunst. Das Vorbild $
r der
letzte der grossen Dramatiker, welcher seine vielgestaltige, auch
den groessten tragischen Gewitterstuermen gewachsene Seele durch
griechisches Maass baendigte, - er vermochte Das, was noch kein
Deutscher vermochte, weil die Natur des Franzosen der griechischen
viel verwandter ist, als die Natur des Deutschen -; wie er auch der
letzte grosse Schriftsteller war, der in der Behandlung der Prosa-Rede
griechisches Ohr, griechische Kuenstler-Gewissenhaftigkeit,
griechische Schlichtheit und Anmuth hatte; ja wie er einer der letzten
Menschen gewesen ist, welche die hoechste Freiheit des Geistes und
eine schlechterdings unrevolutionaere Gesinnung in sich vereinigen
koennen, ohne inconsequent und feige zu sein. Seitdem ist der moderne
Geist mit seiner Unruhe, seinem Hass gegen Maass und Schranke, auf
allen Gebieten zur Herrschaft gekommen, zuerst entzuegelt durch das
Fieber der Revolution und dannwieder sich Zuegel anlegend, wenn ihn
Angst und Grauen vor sich selber anwandelte, - aber die Zuegel der
Logik, nicht$
nd, so wird
  gebeten, die ersten Ranglogen den Hoheiten, Durchlauchten und
  Ministern bis zum Grafen abwaerts inklusive, die zweite Galerie
  der Ritterschaft samt Frauen bis zum Leutnant abwaerts zu
  ueberlassen.
  Die Direktion des infernal. Hof= und Nationaltheaters.
Das Publikum draengte sich mit Ungestuem nach dem Hause. Ich bot mich
den drei jungen Herren als Cicerone an und fuehrte sie gluecklich durchs
Gedraenge ins Parkett. Obgleich der Lord ohne Anstand auf die erste,
der Marquis und der deutsche Baron auf die zweite Loge haetten
eintreten duerfen, fanden es diese drei Subjekte aer amuesanter, von
ihrem niederen Standpunkt aus Logen und Parterre zu lorgnettieren. Wie
mancher Ausruf des freudigen Staunens entschluepfte ihnen, wenn sie
wieder auf ein bekanntes Gesicht trafen! Besonders Garnmacher schien
vor Erstaunen nicht zu sich selbst kommen zu koennen. "Nein, ist es
moeglich?" rief er wiederholt aus. "Ist es moeglich? Sehen Sie, Marquis,
jener Herr dort oben in der zweiten Galerie rechts, mit $
 zu achten; aber bald bemerkte ich, dass sie
aengstlicher werde in meiner Naehe; es schmerzte sie, dass mir ihre
Freundscpaft nicht genuegen wolle. Und jener Elende, sei es aus Bosheit
oder Leichtsinn, zog sich nicht von ihr zurueck, ich vermute es sogar,
er hat sie vor mir gewarnt. So standen die Sachen, als die Zeit, die
ich in Rom zubringen sollte, bald zu Ende ging. Im Kabinett des
Gesandten arbeitete man schon an Memoiren, die man mir nach Berlin
mitgeben wollte, man wunderte sich, dass ich noch keine
Abschiedsbesuche mache,--und ich, ich lebte in dumpfem Hinbrueten; ich
sah nicht ein, wie ich dieser Reise entfliehen konnte, und dennoch
hielt ich es nicht fuer moeglich, Luise zu verlassen, jetzt, da ihr
vielleicht bald der schrecklichste Schlag bevorstand. Oft war ich auf
dem Punkt, ihr alles, alles zu entdecken; aber wie war es mir moeglich,
ihre himmlische Ruhe zu zerstoeren, das Herz zu brechen, das ich so
gerne gluecklich gewusst haette?
Da stuerzte eines Morgens der Kapitaen West in mein Zimmer; er $
n in der
neuen Judenstrasse. Das grosse gelbe Haus neben dem Herrn von
Rothschild, und eine Million hat er, das ist ausgemacht."
"Sie haben einen soliden Geschmack. Und wie ich aus dem Gespraech des
Grafen bemerkt habe, koennen Sie sich einige Hoffnung machen?"
"Ja," erwiderte er aergerlich, "wenn nicht der Satan das Papierwesen
erfunden haette. So stehe ich immer zwischen Tuere und Angel. Glaube ich
heute einen festen Preis, ein sicheres Vermoegen zu haben, um vor Herrn
Simon zu treten und sagen zu koennen: 'Herr, wir wollen ein kleines
Geschaeft machen miteinander; ich bin das Haus Zwerner u. Komp. aus
Dessau, stehe so und so, wollen Sie mir Ihre Tochter geben?' Glaube
ich nun so sprechen zu koennen, so laesst auf einmal der Teufel die
Metalliques um zwei, drei Prozent steigen, ich verliere, und meinem
Schwiegerpapa, der daran gewinnt, steigt der Kamm um so viele Prozente
hoeher, und an eine Verbindung ist dann nicht mehr zu denken."
"Aber kann denn nicht der Fall eintreten, dass S i e gewinnen?"
"Ja, und $
te hin, auch mir gab der Vater ein paar Groschen, um den
ungluecklichen Knaben sehen zu koennen. Ich bezeugte dem Manne meine
Verwunderung, dass er nicht mehr mit dem Griechen reise.
'Er ist mir entlaufen, der Schlingel, und hat mir die Haelfte meiner
Kasse und meinen besten Rock gestohlen; er wusste wohl, dass ich ihm
nicht nachsetzen konnte; aber wie waere es, mein Soehnchen, wenn du mein
Grieche wuerdest?' Ich staunte, ich hielt es nicht fuer moeglich; aber er
gestand mir, dass der andere ein ehrlicher Muenchner gewesen sei, den er
abgerichtet und kostuemiert haAbe, weil nun einmal die Leute die
griechische Sucht haetten."
"Wie?" unterbrach ihn der Englaender. "Selbst in Deutschland nimmt man
Anteil an den Schicksalen dieses Volkes? Und doch ist es eigentlich
ein deutscher Minister, der es mit der Pforte haelt und die Griechen
untergehen laesst."
"Wie es nun so geht in meinem lieben Vaterland," antwortete Baron von
Garnmacher, des Schneiders Sohn; "was einmal in einem anderen Lande
Mode geworden, muss auch$
er den Saeulengaengen der Peterskirche
spazieren, dachte nach ueber mein System und die Veraenderungen, die ihm
durch die Missionaere in Frankreich und das Ueberhandnehmen der Jesuiten
drohte; da stiess mir ein Gesicht auf, das schon in irgend einer
interessanten Beziehung zu mir gestanden haben musste. Ich stand
stille, ich betrachtete ihn von der Seite. Es war ein schlanker,
schoener junger Mann; seine Zuege trgen die Spuren von stillem Gram;
dem Auge, der Form des Gesichtes nach war er kein Italiener,--ein
Deutscher, und jetzt fiel mir mit einem Male, dass ich ihn vor wenigen
Monaten in Berlin im Salon jener Dame gesehen hatte, die mir und dem
ewigen Juden einen aesthetischen Tee zu trinken gegeben hatte. Es war
jener junge Mann, dessen anziehende Unterhaltung, dessen angenehme
Persoenlichkeit mir damals ein so grosse Interesse eingefloesst hatten. Er
war es, der uns damals ein Abenteuer aus seinem Leben erzaehlt hatte,
das ich fuer wuerdig fand, bei der Beschreibung jenes Abends mit
aufzuzeichnen.
Ob ihn $
hl
zwischen einem schoen durchbrochenen Schokoladequirl und mehrgedachter
Salzbuechse, an welcher sich der Kuenstler mit einer geschmackvollen
Tulpe verunkoestigt hat. Ich wuerde unbedingt zu diesem Stueck raten;
das edle Salz, soviel ich weis, ist ein Symbol der Haeuslichkeit und
Gastlichkeit, wozu wir alle guten Wuensche fuer Sie legen wollen."
So weit Madame Mozart. Wie dankbar und wie heiter alles von den Damen
auf- und angenommen wurde, kann man denken. Der Jubel erneuerte sich,
als gleich darauf bei den Maennern oben die Gegenstaende vorgelegt und
das Muster patriarchalischer Simplizitaet nun foermlich uebergeben
ward, welchem der Oheim in dem Silberschranke seiner nunmehrigen
Besitzerin und ihrer spaetesten Nachkommen keinen geringern Platz
versprach, als jenes beruehmte Kunstwerk des florentinischen Meisters
in der Ambraser Sammlung einnehme.
Es war schon fast acht Uhr; man nahm den Tee. Bald aber sah sich unser
Musiker an sein schon am Mittag gegebenes Wort, die Gesellschaft
naeher mit dem 'Hoellenb$
"Ist es moeglich - ist es wahr - lebe ich denn?" rief er aus. "Ja,
du lebst", sprach die Prinzessin - "du lebst fuer mich; was du nicht
zu hoffen wagtest, geschah wie durch ein Wunder. Oh, ich kenne dich
wohl, du bist der deutsche Maler Berthold, du liebtest mich ja, und
verherrlichtest mich in deinen schoensten Gemaelden. - Konnte ich
denn dein sein? - Aber nun bin ich es immerdar und ewig. - Lass uns
fliehen, o lass uns fliehen!" - Ein sonderbares Gefuehl, wie wenn
jaehlinger Schmerz suesse Traeume zerstoert, durchzuckte Berthold bei
diesen Worten der Prinzessin. Doch als das holde Weib ihn mit den
vollen schneeweissen Armen umfing, als er sie ungestuem an seinen
Busen drueckte, da durchbebten ihn suesse nie gekannte Schauer und im
Wahnsinn des Entzueckens hoechster Erdenlust rief er aus: "Oh, kein
Trugbild des Traumes - nein! es ist mein Weib, das ich umfange, es nie
zu lassen - das meine gluehende duerstende Sehnsucht stilAlt!"
Aus der Stadt zu fliehen war unmoeglich; denn vor den Toren stand das
franzoes$
ier- und Menschenkoepfe
hervor, den gemalten Leibern angesetzt, so dass, zumal bei der
flackernden, schimmernden Beleuchtung des Feuers und des Mondes, das
Ganze in greulicher Wahrheit lebte.
Zwischen diesen Gemaelden waren lebensgrosse Bilder, in Jaegertracht
dahinschreitende Ritter, wahrscheinlich der jagdlustigen Ahnherren,
eingefuegt. Alles, Malerei und Schnitzwerk, trug die dunkle Farbe
langverjaehrter Zeit; um so mehr fiel der helle kahle Fleck an
derselben Wand, durch die zwei Tueren in Nebengemaecher fuehrten, auf;
bald erkannte ich, dass dort auch eine Tuer gewesen sein muesste, die
spaeter zugemauert worden, und dass eben dies neue, nicht einmal der
uebrigen Wand gleich gemalte oder mit Schnitzwerk verzierte Gemaeuer
auf jene Art abstche. -
Wer weiss es nicht, wie ein ungewoehnlicher, abenteuerlicher
Aufenthalt mit geheimnisvoller Macht den Geist zu erfassen vermag,
selbst die traegste Fantasie wird wach in dem von wunderlichen Felsen
umschlossenen Tal in den duestern Mauern einer Kirche o. s., und$
