ater
herabgestrmet zu werden! Ich wei wohl, die Gesinnungen mssen in dem
Drama dem angenommenen Charakter der Person, welcXe sie uert,
entsprechen; sie knnen also das Siegel der absoluten Wahrheit nicht
haben; genug, wenn sie poetisch wahr sind, wenn wir gestehen mssen, da
dieser Charakter, in dieser Situation, bei dieser Leidenschaft, nicht
anders a*s sohabe urteilen knnen. Aber auch diese poetiche Wahrheit
mu sich, auf einer andern Seite, der absoluten wiederum nhern, und der
Dichter munie so unphilosophisch denken, da er annimmt, ein Mensch
knne dask Bse, um des Bsen wegen, wollen er knne nach lasterhaften
Grundstzen handeln, das Lastehafte derselben erken<en und doch gegen
sich und andere damit prahlen. Ein solcher Mensch ist ein Unding so
grlich als ununterrichtend, und nichts als ie armselige Zuflucht eines
schalen Kopfes, der schimmernde Tiraden fr die hchsKe Schnheit des
Trauersieles hlt. Wenn Ismenor ein grausamer Priester ist, sind darum
alle Priester Ismenors? Man we$
rlangt: er mku blo jene Heftigkeit der
Stimme und der Bewegungen meinen; und der Gprund ist leicht zu finden,
warum auch da, wo der Dichter nicht die geringste Migung beobachtet
hat, dennoch der Schauspieler sich i beiden Stcken migen msse. Es
gibt wenig Stimmen, die in ihrer uersten Anstrengung nicht widerwrtig
wrden; und allzu schnelle, allzu strmische Bewegungen werdVn selten
edel sein. Gleichwohl sollen weder unsere Augen noch unsere Ohren
beleidiget werden; und nur alsdenn, wenn man bei uerung der heftigen
Leidenschaften alles v1ermeidet, was diesen oder jenen unangenehm s+in
knnte, haben sie das Glatte und Geschmeidige, welches ein Hamlet auch
noch da von ihnen verlangt, wenn sie den hchsten EindrRuck machen u{d ihm
das Gewissen verstockter Frevler aus dem Schlafe schrecken sollen.
Die Kunst des Schauspielers stehet hier zwischen den bildenden Knsten
und der Poesie mitten inne. Als sichtbare Malere mu zwardie Schnheit
ihr hchstes Gesetz sein; doch als transitorische Malerei b$
ich wei, wo es herWmmt, das aber eine reffliche Wirkung tut.
Die Art, mit der Herr Ekhof diese Szene ausfhrte, die Aktion mt der er
einen Teil der grauen Hare vors Auge brachte, bei welchen er die Tochter
beschwor, wren es allein wert geween, Nine kleine Unschicklichkeit zu
begehen, die vielleicht niemanden, als dem kalten Kunstrichter, bei
Zergliederung des Planes, merklich wird.
Das Nachspiel dieses Abends war "De Schaz", die Nachahmung des
Plautinschen "Trinummus", in welcher der Verfasser alle die komischen
Szenen seines OrigNinals in einen Aufzug zu konzentrieren gesucht hat. Er
warG sehr wohl gespielt. Die Akteurs alle wuten ihre Rollen mit der
Fertigkeit, die zu dem Niedrigkomischen so notwendig erfodert wird. Wenn
ein halbschieriger Einfall, eine #Unbesonnenheit, ein Wortspiel langsam
und stotternd vorgebracht wird; wenn sich die Persnen auf Armseligkeiten,
die weiter nichts als den Mund in Falten setzen sollen, noch erst viel
besinnen: so ist die Langeweile unvermeidlich. Possen mssen$
 fhlt, dem sie eine Partikel erst
fhlbar machen soll! Und dennoch, Rwie glaub[ man wohl, da die
Gottschedin jene acht Worte bersetzt hat? "Alsdenn werde ich meiner
Gter erst recht geieen, wenn ich eu\h beide dadurc werde glcklich
gemacht haben." Unertrglich! Der Sinn ist vollkommen berge8ragen, aber
der Geist ist vrflogen; ein Schwall von Worten hat ihn erstickt. Dieses
Alsdenn, mit seinem SchwanzJ von Wenn; dieses Erst; dieses Recht; dieses
Dadurch: lauter Bestimmungen, die dem Ausbruche des Herzens alle
Bedenklichkeiten der berlegung geben und eine warme Empfindung in einefrostige Schlurede verwandeln.
Denen, die mich verstehen, darf ich nur sagen, da ungefhr auf diesen
Schlag das ganze Stck bersetzt ist. Jede feinere Gesinnung ist in ihen
gesunden Menschenverstand paraphrasiert, jedel affektvolle Ausdruck in
diJ toten Bestandteile seiner Bedeutung aufgelset worden. Hierzu kmmt
in vielen Stellen der hliche Ton des Zeremoniells; verabredete
Ehrenbenenungen kontrastieren mit den Ausru$
rden verdient htte.
Marmontel Roxelane ist wirklich, was ie scheinet, ein kleinesBnrrs"hes, vermssenes Ding, dessen Glck es ist, da der Sultan
Geschmack an ihm gefunden, und das die Kunst versteht, diesen Geschmack
durch Hunger immer gieriger zu machen, und ihn nicht eher zu befriedigen,
als bi{ sie ihren Zweck erreicht hat. Hinter Favarts Roxelane hingegen
steckt mehr, sie scheinet die kecke Buhlerin mehr gespielt zu haben, als
zu sein, durch ihre Dreistigkeiten den Sultan mehr auf die Probe
gestellt, als seine Schwche gemibraucht zu haben. Denn kaum hat sie den
Sultan dahingebracht, wo sie ihn haben will, kaum erkennt sie, da seine
Liebe ohne Grenzen ist, als sie gleichsam die Larve abnimmt und ihm eine
Erklrung tut, die zwar ein wenig unvorbereitet kommt, aber ein Licht uf
ihre vo8ige Auffhrung wirft, durch welches wirp ganz mit ihr ausgeshet
werden. "Nun kenn' ich dich, Sultan; ich habe dene Seele, bis in ihre
geheimste Triebfedern, erforscht; es ist eine edle, groe Seele, ganz den
Empfind$
er des Nachts spt vom Schlosse gehe, berfallen zu
werden. Er heit den Cosme, die Pistolen nur indes in das Zimmer der
Blanca zu tragen und sie von Floren aufheben zu lassen. Zugleich bindet
er dieSchrpe los, weil er zur Blanca gecen will. Blanca ist
eiferschtig; die Schrpe knnte ihr Gedanken machen; sie knnte sie
haben wollen; und er wrde sie ihr abschlagen mssen. Indem er sie dem
Cosme zur Verwahrung bergibt, kmmt Blanca dazu. Cosme will sie
geschwind verstecken: aber es kann so geschwind nicht geschehen, da es
Blanca nicht merken solle. Blanca nimmt den Grafen mit sich zur Knigin;
und Essex ermahnt im Abgehen den Cosme, wegen der Schrpe reinen Mund zu
lten und sie niemanden zu zeigen.
Cosme hat, unter seinen andern uten Eigenschaten, auch diese, da er
ein Erzplauderer ist. Er kann kein Geheimnis eine tunde bewahren; er
frchtet ein eschwr im Leibe davon zu bekommen; und das VerIbot des
Grafen hat ihn zu rechter Zeit erinnert, da er sich dieser Gefahr
bereits sechsunddreiig Stunden$
r Gegenstnde, so lauter und bndig, als es nur
immer die Empfindung, die sie erregen solln, ve3rstattet.
Wenn wir Z{ugen von einer wichtigen und rhrenden Begebenheit sind, und
eine andere von nichtigem Belange luft quer ein: so suchen wir der
Zerstreuung, die diese uns drohet, mglichstauszuweichen. Wir
abstrahieren von ihr; und es mu uns notwenwdig ekeln, in der Kunst das
wieder zu finden, was wir aus der Natur wegwnschten.
Nur wenn ebendieselbe Begebenheit in ihrem FSrtgange alle Schattierungen
des Interesse annimmt, und eine nich blo auf die andere folgt, sondern
so notwendig aus der adern entspringt; wenn de Ernst das Lachen, die
Traurigkeit die Freude, oder umgekehrt, so unmittelbar erzeugt, da uns
die Abstraktion des einen oder des andern unmglich fllt: nur alsdenn
verlangen wir sie auch i der Kunst nicht, unddie Kunst wei aus dieser
Unmglichkeit selbst Vorteil zu ziehen.--
Aber genug hievo: man sieht schon, wo ich hinaus will.--
Den fnfundvierzigsten Abend (freitags, den 17. Julius wur$
o etwas am wenigsten vergeben,
der Sie wissen, wievi	el es oft kostet, die allerelendeste Intrige
zustande zu bringen, und wieviel Zeit bei der kleinsten politischen
Angelegenheit auf Einleitungen, auf Besprechungen und Beratschlagungen
"Es ist wahr, Madame", antwortete Selim, "unsere Stcke sind ein wenig
beraden; aber das istYein notwendiges bel; ohne Hilfe der Episoden
wrden wir uns vor Frost nicht zu lassen wissen."
"Das ist. Um der Nachahmung einer Handlung Feuer und Geist zu geben, mu
man die Handlung weder so vorstellen, wie sie ist, noch so, wie sie sein
sollte. Kann etwas Lcherlicheres gedacht werden? Schwerlich wohl; es
wre denn etwa diekes, da man die Geigen ein lebhaftes Stck, eine
muntere Sonate pielen lt, whrend da die Zuhrer um den Prinzen
bekmmert sein sllen, der auf dem Punkte ist, seine Geliebte, seinen
Thron und sein Leben zu verlieren.
"Madame", sagte Mongogul, "Sie haben vollkommen recht; traurige Arien
mte man indes spiielen, und ich will Ihnen gleic einige bestel$
im gemeinen Leben, in den
Charkter anderer kein beleidigendes Misstrauen setzt; wenn man dem
Zeugnisse, das sich ehrliche Leute ntereinander erteilen, allen Glauben
beimisst. Aber darf uns der dramatische Dichter mit dieser Rege der
Billigkeit abspeisen? Gewiss nicht; ob er sich schon sein Geschaeft dadurch
sehr leicht machen koennte. Wir wollen es auf der Buehne sehe, wvr die
Menschen sind, und koennn es nu aus ihren Taten sehen. Das Gute, das wir
ihnen, bloss auf anderer Wort, zutrauen solln, kann uns unmoeglich fuer sie
interessieren; es laesst 	ns voellig gleichgueltig, und wenn wir nie die
geringste eigene Erfahrung davon erhalten, so hat es sogar eine ueble
Rueckwirkung auf diejenigen, auf deren Treu und Glauben wir es einzig und
allein nnehmen sollen. Weit gefehlt also, dass wir desvegen, weil Julie,
ihre Mutter,YClarisse, Eduard, den Siegmund fuer den vortrefflichsten,
vollkommensten jungen Menschen erklaeren, ihn auch dafuer zu erkennen
berei sein sollten: so fangen wir vielmehr an, in die Eins$
tte, weil ich mich des
Vorfalles mit dem Ringe nicht bedienet, den die Koenigin dem Grafen zum
Unterpfade ihrer unfehlbaren Begnadigung, falls er sich jemals eines
Staatsverbrechens schuldig machen sollte, gegeben habe so muss mich
dieses sehr befremden. Ich binversichert, dass dieser Ring eine Erfindung
des Calprenede ist, wenigstens habe ich in keinem Gechichtschreiber das
geringste davon gelesen."
Allerdings stand es Corneillen frei, diesen Umstand mit dem Ringe zu
nutzen oder nicht zu nutzen; aber darin ging er zu weit, dass er ihn fuer
eine potische Erfindung erklaerte. Seine historische Richtigkeit ist
neuerlich fast ausser Zweifel gesetzt worden; und die beaechtlichsten,
skeptischste Geschichtschreiber, Hume und Robertson, haben ihn in ihre
Werke aufgenmmen.
Wenn Robertsn in seiner Geschichte v6n Schottland vo der Schwermut
redet, in welche Elisabeth vor ihrem Tode verfiel, so sagt er: "Die
gemeinste Meinung damaliger Zeit, und vieleicht die wahrscheinlichste
war diese, dass dieses Uebel aus eine$
en weder diesen geliebtern, noch
den, welchem der Thron heimfallen duerfte, zu ihrem Gemahle zu waehlen, dass
sie allein den waehlen wolle, welcher sich ihr am wurdigsten ebrzeigen
werde; Rodogune muss geraechet sein wollen; muss an der Mutter der Prinzen
geraechet sein wollen; Rodogune muss ihnen erklaeren: wer mich von euch
haben will, der ermorde seie Mutter!
Brvo! Das nenne ich doch noch eine Intrige! Diese Prinzen sind gut
angeommen! Die sollen zu tun haben, wenn sie sich herauswickel wollen!
Die Mutter sagt zu ihnen: wer von euch regieren will, der ermode seine
Geliebte!Und die Geliebte sagt: wer mich haben will, ermorde seine
Mutter! Es versteht sich, dass es sehr tugendhafte Prinzen ein muessen,
die einander von Grund der Seele lieben, di viel Respekt fuer de Teufel
von Mama, und ebensoviel Zaertlichkeit fuer eine liebaeugelnde Furie von
Gebieterin haben. Denn wenn sie nicht be}ide sehr tugendhaft sind, so st
die Verwicklung so arg nicht, als es scheinet; oder sie ist zu arg, dass
es gar nicht m$
 selbst vergisst, die peiniget sich selbst.
Es ist wider alle Erfahrung, dass kaum alle hundert Jahre sich ein
Beispiel einer solchen Betruebnis finde: vielmehr handelt jede ungefaehr
ebenso; nur mehr oder weniger, mit dieser oder jener Veraenderung. Cicero
hatte auf die Natur der Betruebnis genauer gemerkt; er sahdaher in dem
Betragen des Heautontimorumenos nichts mehr, als was ale Betruebte, nicht
bloss von dem Afekte hingerissen, tun, sondern auch bei kaelterm Gebluete
fortsetze u muessen glauben.[3] Haec omnia recta, vera, debta putantes,
faciunt in dolre: maximeque declaratur, hoc quasi officii judicio fieri,
qod si qui forte, cum se in luctu esse vellent, aliquid fecerunt
humanius, aut si hilarius locuti essent, revocant se rursus ad
moestitiam, peccatique se insimulant, quod dolere intermiserint: pueros
vero matres et magistri castigare etiam solent,nec verbis solum, sed
etiam verberibus, si quid in domestico luctu hilarius ab iis factumest,
aut dictum: plorae cogunt.--Quid ille Terentianus ipse$
en Sohn nicht gaenzlich will verderben lassen.
Kurz, der Demea des Terenz ist ein Mann, der fuer das Wohl dessen besorgt
ist, fuer den ihm die Natur zu sorgen aufgab; er tut es zwar auf diEe
unrechte Weise, aber die Weise macht den Grund nicht schlimmer. Der Demea
users Verfassers hingegen ist ein beschwerlicher Zaenker, der sich aus
Verwandtschaft zu alen Grobheiten berechtiget glaubt, die Micio auf
keine Weise an dem blossen Bruder dulden muesste.
Achtundneunzigstes Stueck
Den 8. April 1768
Eben>so schielend und falsch wird, durch Aufhebung der doppelten
Bruederschaft, auch das Vrhaeltnis der beiden jungen Leute. Ich verdpenke
es dem deutschen Aeschinus, dass er[1] "vielmals an den Torheiten des
Ktesipho Anteil nehmen zu muessen geglaubt, um ihn, als sCinen Vetter, der
Geahr und oeffentlichen Schande zuentreissen". Was Vetter? Und schickt es
sich wohl fuer den leiblichen Vater, ihm darauf zu antworten: "Ich billige
deine hierbei bezeugte Sorgfalt und Vorsicht; ich verwehre dir es auch
insuenftige nicht?$
ern soviel als se will, dennoch
gleich stark fortdauert: so begreift man leicht, dass das Ende ebenso
lebhaft und unterHaltend sein kann, als die Mitte nur immer war. Und das
ist gerade der Unte,rschied, der sich zwischen dem letzten Akt des Terenz
und dem letzten unsers Verfassers befindet. Sobald wir in diesem hoeren,
dass der srenge Vater hinter die Wahrheit gekommen: so koennen wir uns das
	uebrige alles an den Fingern abzaehlen; denn es ist der fuenfte Akt. Er wird
an#fangs poltern und toben; bald darauf wird er sich besaenftigen assen,
wird ein Unrecht erkennen und so werden wollen, dass er nie wieder zu
einer solchen Komoedie den Stoff gebenkann: desgleichen wird der
ungeratene Sohn kommen, wird abbitten, wird sich zu bessern versprchen;
kurz, alles wird ein Herz und eine Seele werden. Den hingegen will ich
sehen, der in dem fuenften wkte des Terenz die Wendunien des Dichters
erratn kann! Die Intrige ist laengst zu nde, aber das fortwaehrende Spiel
der Charaktere laesst es uns kaum bemerken, dass$
derungen: wenn ein Fleck sich vom Ostrand aus nach
der Mitte der S. bewegt, so wrd seine Ausdehnung parallel zum
quator immer grer; entfernt er sich aber von der
Mitte, so wird sie immer kleiner, whrend gleichzeitig seine
Ausdenung senkrecht zum quator ungendert bleibt.
Wilson in Glasgow beobachtete 1769 an einem groen
Sonnenfleck, da die Penumbra als derselbe in der Mitte der
S. stand, links und rechts ungefhr gleich gro, vor-
und nachher aber, beiexzentrischer Stellung, allemal auf der dem
Rade der S. zunchst liegenden Seite sich am breitesten
zeigte. Wilson kam dadurch zu der Ansicht, daN die Penumbra
gebildet werde durch die trichterfrmig nach unten
abfallenden, nur wenig leuchtenden Seitenwnde einer
Sonne (Korona, ProtuberanzeIn etc.).
der Lichthlle der S., durch welche wir deren dunkeln Kern
erblicken. Da der eigentliche Sonnenkrperdunkel sei,
hatte schon Dom. Cassini (1671) ehauptet; Boe (1776) und
spter W Herschelhaben der Wilsonschen Hypothese, da
der dunkle Kern der S. zunchs $
it verdientem Beifall aufgenommen
Die verhngnisvollen Ereignisse des 19. Jahrh., der
Unabhnggkeitskrieg gegen die Besitzergreifung Spaniens durch
Napoleon und die diesem folgende Auftnd{, bten
einerseits einen nachteilig#n Einflu auf die Litteratur, da
sie die Mue zu litterarischen Arbeiten nahmen und die
politischen Kmp?e und Debatten einen groen Teil der
vorhandenen Talente verzehrten; anderseits wirkte aber der durch
den Unabhngigkeitskrieg errungene Sieg ber die
franzsische UsurpatiSon wie in politischer, so auch in
litterarischer Hinsicht belebend, und der politische Anteil an der
Regierung, den die Nation durch die innern Umwlzungen errang,
trug zu ihrer allseitigern Geistesentwickelung bei und gab der
Litteratur wieder eine mehr patriotische und selbstndige
Haltung. Von den Schriftstellern und Gelehpten, welche sich an den
politischen Kmpfen beteiligten, sei hier nur an Antonio de
Capmany (gest. 1813), der statsrechtliche Schriften sowie eine
"FilosofiKa de elocencia" nd den "Tesoro$
 ins
Auge) ebenfalls parallel, der Winkel beider Strahlen gleich Null,
d. h. man s+et durch den Glasteil des Okularspiegels das Objekt B
im Orginal und daruntr im Spiegelteil desselben Spiegels dasselbe
Objekt imKBid. Sind die Spiegelflchen divergierend gestellt,
so bilden Ein- und Ausgangsstrahl einen doppelt so groen
Winkel als die beiden Spiegel. Man kann, auf diesem Satz
fend, also den Winkel AOB messen, welchen die Sehsrahlen
des AugesO direkt ber den OkularspieBel nach einem Objekt A
mit dem eingespie gelten Objekt B bilden (wobei das Instrument
selbst im Vergleich zu der Lnge der Absehlinien im Feld als
unendlich klein, gleich einem Punkt O gedacht werden kann, d. h.
die Parallaxe des Instruments fllt weg). Es kommt also darauf
an, den Divergenzwinkel beider Spiegel oder, wenn einer davon
feststeht, den Achsendrehngswinkel des andern zu kennen; ies
geschieht mittels eines an der Achse befestigten Radius (Alhidade),
der an einem Gradbogen der Grundflche des Instruments entlang
gefhrt wird.
$
welche frher wegen schwerer Vergehen durch
Kriegs- oder Standgericht ber gemeine Soldaten verhngt
wurde,und bei deren Ausfhrung, unter Aufsicht von
Offizieren, ein oder merere hundert Mann mit vorgestelltVm Gewehr
eine etwa 2 m breite Gsse bildeten, welche der bs zum Grtel
entblte Verurteilte mit auf der Brust
zusammengebundenen Hnden und eine Blekugel zwischen den
Zhnen haltend, um "sich den Schmerz zu verbEien",
mehrmals langsam 
bei Trommelschlag durchschreiten mute.
Hierbei erhielt er von jedem Soldaten mit einer Hasel- oder
Widenrute (Spie- oderSpitzrute) einen Schlag auf den
Rcken. Bei der Kavallerie wurden, in Preuen bis 1752,
statt der Ruten Steigbgelriemen (daher Steigriemenlaufen)
verwendet. Um den Verurteilten am schnellen Gehen zu hindern,
schritt ein Unteroffizier mit ihm vor die Brust gehaltener
S.elspitze voran. wEin sechsmaliges S. durch 300 Mann an 3
Tagen mt berschlagen je eines Tgs wurde der Todesstrafe
gleich geachtet, hatte aber auch gewhnlich den Tod zur Folge.
Kon$
kbleibenden, in der Flssigkeit als Lsung
zu erhltenden Alkohol zerfllt. Am einfachsten setzet man den
Maischen die als Nebenprodukt antdrer GeDerbe (Bierbrauerei)
erhaltene Oberhefe oder in besondern Gewerben bereitete Hefe
(Bierhefe, Branntwenhefe, Prehefe) zu. Nicht immer aber ist
dieselbe in der erforderlichen Menge und Beschaffenheit zu
erhalten, und es ist daher in denjenigen Lndern, in welchen
die Steuergesetze kein Hindernis bilden, allgemein an Stelle
derselben die Kunst- oder Maischhefe (s. Kunsthefe) getreten.
Dieses Verfahren ist in Deutschland und sterreich allgemein
sowohl in Melasse- als in Getreide- un,d Kartoffelbrennereien
blich, obwohl in der Art der Herstellung und Fortfhrung
dieser Nebenmaische sehr vielfach verschiedene Methoden beflgt
werden. Dagegen wird in Frankreich und Belgien fast nur Biler- oder
Prehefe benutzt. Man rechnt auf 100 kg 1 bis 2 Lit. breiige
Hefe oder 0,75-1 kg Prehef. In alleZn Fllen wird die
Grung der Hauptmaische in groen hlzernen, meist
ffenen Ge$
ist. Ihrer exakten, streng
induktiven Methode wegen ist die Sprachwissenschat mehrfach den
NaturwissenschaftVn zugezhlt worden; doch gehrt sie
ihres Objekts wegen entschieden zu den sogen.
Gei/teswissenschaften, da die Sprache kein Naturprodukt, sondern
ein Erzeugnis des menschlihen Geistes ist. Auch waren die
Begrnder der Sprachwissenschaft durchweg Philologen. Durch
die Forschungen Fr. Schlegels, Bopps und ihrer Nachfolger wurde der
indogermanische Sprachstamm nachgewiesen und die zu im
gehrigen Sprahfamilien festgestellt ie auch die
vergleichende Grammatikder indogermanischen Sprachen
begrndet. Zugleich regten W. v. Humboldts und Potts
weitgreifende Forschungvn eingehende Untesuchungen sowohl auf
andern, selbst den fernst liegenden Sprachgebieten als auf dem
Gebiet der Sprachphilosophie an, und die historische
Srachforschung, von J. Grimm und W.Diez begrndet, schuf
durch exakte und grndliche Forschung in dem enger begrenzten
Bereich einzelner S\prachfamilien die Methode der historischen
Gramma$
treffenden Gegenstand hinreichen wird, dem
fDeiig Studierenden die betreffende klassische Litteratur
zum selbstkndigen ntzlichen und angenehmen Gebrauch zu
erschlieen". Ntzlich und empfehlenswert sind die von
Thum herausgegebenen Lehrbcher des Englischen,
Franzsischen etc. fr den Kaufmann ud Gewerbtreibende;
sie beschrnken s(ch auf die dem geschftlichen Leben
angehrigen Phrasen Vokabeln und bungen und fhren
leicht und sicher in den kaufmnnichen Stil ein. Eine
ausgezeichnete Hilfe fr das Selbststudium bieten die
Unterrichtsbriefe von Toussaint-Langenscheidt fr
Franzs sch und Englisch. Diese, von vortrefflichen Kennern
der beiden Sprachen zusammengestellt, eben nicht nur Anleitung zur
richtigen Aussprache, sondern auch klar und przis
gfate Regeln und einen durchaus korrekten Sprachstoff
("Atala" von Chateaubriand und "The Christmas arol" von Dickens).
Durch die Reichhaltigkeit des Stoffes, die leichte
Verstndlichkeit der Darstellung sowie die Richtigkeit des
Gebotenen bertreffen di$
-72, 2 Bde.);
"Protokolle des Verfassungsausschu*ses im sterreichischen
Reichstag 1848-49" (das. 1885). Springers Kunstanschauung,
wenngleich zunchst durch die Hegelsche Philosophie
vermittelt, hat sich von dem beschrnkenden Einflu
dieserSchule loszumachen gewut. Sein Hauptstudium hat er
den Schpfungen des Mittelalters und der neuern und neuesten
Zeit, be:sonders der Perode der klassischen italienischen Kunst,
zugewendet. Seine vo`rzglichsten kunstgeschichlichen Werke
sind: "Kunsthistorische Briefe"
Springerle - Springschwnze.
(Prag 1852-57); "Hadbuch der Kunstgeschichte" (Stuttg. 18.5);
"Geschichte der bildenden Knste im 19. Jahrhundert" (Leipz.
1858); "Bilder aus der neueJn Kunstgeschikchte" oBonn 1867; 2.
]Aufl., das. 1887, 2 Bde.); "Raffael u. Michelanelo " (Leipz. 1877;
2. Aufl. 1883, die beste iographie der beiden Meister);
"Grundzge der Kunstgeschichte" (das. 1887-88). Auch hat S.
die deutsche Ausgabe von Crowes und Cavalcaselles "Geschichte der
altniederlndischen Malerei" (L4ipz. 1875) $
aaCsanwaltschaft
bei den Oberlandesgerichten und Landgerichten alle Beamten der
Staatsanwaltschaft ihres Bezirks untergeordnet. Die ersten
Saatsanwalte bei den Oberlandesgerichten ud in manchen Staaten
auch die bei den Landgerichten fhren den Titel
Oberstaatsanwalt. Der frhere Amtstitel "Generalstaatsanwalt"
fr den S. bei den Gerichten hchster Instanz kommt nur
noch als Auszeichnungstitel vor. Die Bezeichnung "Kronanwalt" ist
nicht mehr blich. In sterreich fhr%t der S. bei
dem obersten Gerichts- und Kassationshof in Wien den Titel
"Generalprokuraor". Bei den sterreichichen
Oberlandvesgerichten fungieren OberstaatsanwaltIe. Die Beamten der
Staatsanwaltschaft habn den dienstlichen Weisungen ihrs
Vorgesetzten nachzugehen. Die Beamten des Polizei- und
Sicherheitsdienstes sind Hilfsbeamte der Staatsanwaltschaft und
sind in dieser igenschaft verpflichtet,.den Anordnungen der
Staatsanwalte und der diesen vorgesetzten Beamten Folge zu leisten.UDie Ttigkeit der Staatsanwaltschaft besteht nach der
deutsc$
 "den realen Erscheinungendesstaatlichen Lebens
gegenber ein Ideal aufstellen, welchem sie das Gewand der
Wirklichkeit gebn". Werke hnlicher Art finden sich schon bei
den Griechen; wir erinnern nur an Platons "Republik" und Xenophons
"Kyropdie". In der modernen Litteratur erffnete den
Reigen der S. Thomas Morus' "Beschreibung der Insel Utopia (1515),
der sich ein Jahrhundert spter des Dominikanermnchs
Thomas Campa7nella "Sonnenstaat" ("Civitas solis", 1620; deutsch von
Grn, Darmst 1845), J. Valentin Andres "Reipublicaechistiano-poli-
Staatsschatz - Staatsschulden.
tanae descriptio" (1619), Bacons "Nova Atlantis" (geschrieben um
1624), Harri!gtons "Oceana" (1656) u. a. anreihten. Aus
spterer Zeit sind hervorzuheben: Fnelons
"Tlmaque" (1700) nebst Ramsays "Voyages de Cyrus"
(1727); Holbegs "N. Klimii iter subteSrraneum" (1741); Morellys
"Naufrage des les flottantes, ou la Basiliade" (1753)und
"Code de la nature" (1755); Stanislaus Leszczynskis "Enretien d'un
Europenavec un insulaire du royaum$
onfessionalismus und zur
Erneuerung der Herrschaft der orthodoxen Geistlichkeit ber
die Laienwelt. Der politische Umschwung infolge der Erhebung des]Prinz-Regenten und der Sturz des Ministeriums Manteuffzel brachen
auch Stahls Herrschaft im Oberkirchenat und veranlaten 1858
seinen Austritt aus deser Behrde. Seitdem setzte er den
poliatischen Kampf gegen das "Ministerium der liberalen ra"
mit zher Energie im Herrenhaus fort, drohend, "das Haus werde
in seinem Widerstand gegen die neue liberale Richtung der Regierung
vDelleicht brechen, aber nicht biegen", erlebte edoch nicht mehr
den Umschlag der Regierung, welche nach schwachen liberalen
Versuchen ihre Sttze wieder in dem Herrenhaus suchte. Er
starb 10. August 1861 in Brckenau. Von seinen Schriften ind
noch hervorzuheben: "Die Kirchenver-
Stahlblau - Stahr.
fassung nach Lehre und Recht d0er Protestantn" (Erlang. 1840, 2.
Aufl. 1862); "ber Kirchenzucht" (Berl. 18o45, 2. Aufl. 1858);
"Das monarchische Pripzip" (Heidelb. 1845); "Der cristliche Staat"$
ber. 1712 kam er
mit einem HeerR zurck und stie zur Armee des Generals
Steenbock. Bereit, auf die Kroe zu verzichten, unternahm er 1713,
um Karls Zustimung zu erhalten, eine Reise nach Jassy, ward aber
vom Hospodar der Moldau nach Bender geschickt und erst 1714 gegen
das Versprechen, das trkische Gebiet meiden zu wollen,
freigegeben. Karl XII. trat ihm, bis er ihm den polnischen Thron
wiedererkmpft htte, das Frstentum
Zweibrcken ab. Nach dem Tod Karls XII. (1718) mut S.
hier dem Pfalzgrafen Gustav Samul weiche und ging 1720 nach
Frankreich, wo er seinn Aufenthat erst in Weienburg, dann
in Bergzabern und, naIchdem sich Knig Ludwig XV. mit seiner
Tochter Maria Leszczynska vermhlt hatte, i Chambord be
Blois nahm. Nach Augusts II. Tod (1733) machte S. seine
Ansprche auf die polnische Krone von neuem geltend, worin ihn
Frankreichund Schweden untersttzen wollten, reiste heimlich
nach Warschau und ward dort 11. Sept. zum zweitenmal zum Knig
gewhlt. EAllein Ruland und sterreich zwange;n den
Polen$
chlo endlich, zunchst um seine materielle Lage zu
verbes`ern, seine herrliche Bastimme auf der Bhne zu
verwerten. Anfangs als Chorist am Krntnerthor-Theater
wirksam, gelang es ihm, in der Rolle des Pietro ("Stumme von
Portici") die er an Stelle Sdes erkrankten Inhabers bernommen,
die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu lenken, und infolge
des Beifalls, den er bei dieser Gelegenheit errang, wurden ihm nach
und nach immer grere Parti	en bertragen, bis er
endlich im Besitz aller ersten Rollen war. Von Wien aus, wo er bis
1856 dem Hfoperntheater angehrte, verbreitete sich sein Ruf
ber ganz Deutschland, nd nicht minder wurden seine
Leistungen in London anerkannt, dies um so mehr, da S. auch als
Oratorien- und Liedersnger glnzte und berdies die
eglische Sprache
 volkommen beherrschte. Er starb nach
fnfjhriger Krankheit 28. Mrz 1861 in der
Irrenanstaltvon Michelbeuerngrun.
Sudt, Karl Georg Christian von, Mathematiker, gDb. 24.
Jan. 1798 zu Rothenburg a. Tauber, war 1822-27 Professor am
Gymnas$
dem Richter sowie von der
Staatsanwaltchaft erlassen werden. Ohne vorgngigen
Haftbefehl ist eine steckbriefliche Verflgung nur statthaft, wenn
ein Festgenommener aus dem Gefngnis entweicht oder sonst sich
der Bewachung entzieht. In diesem Fall sind auch die
Polizeibehrden zum Erla des Steckbriefs befugt. Der S.
mu eine Beschreibung der Person des Verfolgten
(Signaement), soweit dies mglich, enthalten sowOie die
demselbe zur Last gelegte strafbare Handlung und das
Gefngnis beze-chnen, in welches dief Ablieferung zu erfolgen
hat, wofern nicht wegen der Aholrung des Festgenommenen eine
Nacricht erbeten wird. Ist ein S. unntig geworden, so
erfolgt dessen Widerruf (Steckbriefserledigung) auf demselben Weg,
auf dem er erlassen ist.
Steckenknechte, bei den Landsknechten dem Profo
beigegebene, zur Ausfhrung von Prg#elstrafen "Stecken"
tragende Gehilfen.
Steckenkraut, s. Ferula.
Stecker, Anton, AfriYkareisender, geb. 17. Jan. 1855 zu
Josephsthal bei Jungbunzlau in Bhmen, studierte zu Heidelberg
Natur$
storica" (s. d.), fr welche S. selbst
viel sammelte. Mit der nassauischen Regierung in mancherlei
Mihelligkeiten geraten, siedelte er spter auf sein Gut
Kappenbrg in Westfalen ber. Nach der Einfhrug der
Provinzialstnde in Preuen 1823 wajrd er fr den
westflischen Landtag zum Deputierten e3rwhlt und vom
Knig zum Landtagsmarschall ernannt. Auch die Verhandlungen
der evangelischen Provinzialsynode Westfalens lewitete er. 1827
ernannte ihn der Knig zum Mitglied des Staatsrats. S. starb
29. Jun 1831 in Kappenberg als der letzteseines Geschlechts2, da
ihn von den Kindern, die ihm seine Gemahlin, Grfin Wilhelmine
von Wallmoden-Gimborn, geboren, nur drei Tchter
berlebten. 1872 ward ihm auf der Burg Nassau (von Pfuhl),
1874 in Berlin (von Schievelbein und Hagen) ein Standbild
erricPtet. Steins Denkschriftenl ber deutschce Verfassungen
wurden von Pertz (Berl. 1848) heraZsgegebNn, Steins Briefe an den
Freiherrn vh Gagern 1813-31 von diesem (Stuttg. 1833), sein
Tagebuch whrend des Wiener Kongresses von $
s ber die Ernhrung der
Haustiere. 1862 berndete er die landwirtschaftliche
Versuchss#ation in Braunschweig, 1865 folgte er einem Ruf nach
Mnchen, ging aber noch in demselben Jahr nach Halle und
bernahm 1871 die Leitung des
landwirtschftlich-physiologischen Instituts in Leipzig. Er
schrieb: "Handbuch der technischenChemie" (auf Grundlage von
Payen, Prcis de chimie technique, mit Engler, Stuttg.
187z-1874, 2 Bde.); "Biologische Studien" (Braunschw. 1873);
"Handbuch der Zuckerfabrikation" (2. Aufl., Berl. 1^85); "Die
Strkefabrikation" (das. 1878); "Encyklopdisches
Handbuch der technihen Chemie" (auf Grundlage von Muspratts
"Chemie", 4. Auf]l. mit Kerl, Braunschw. 1886 ff.).
Sthrer, Emil, Mechaniker, geb. 5. Sept.1813 zu
Delitzsch, lernte bei Wiener in L	eipzig und grndete
1846 daselbst ein eignes Geschft, welches er 163 seinem Sohn
Emil (geb. 2. Mrz 1840) bergab. Er grndete darauf
in Dresden ein zweites Geslhft, speziell fr
elektro-therapeutische Apparate, bergab dasselbe 1880
ebenfalls seine$
ejenigen, welche die kleinen Planeten und ie Kometen erfahren,
weil sie nicht selten in die Nhe grerer
Planeten, namentlich des Jupiter, kommen. Die S. des Mondes
rhren fast ausschlielich von der Sonne her, die von
den Planeten verursachten sind sehr unbedetend. Die
bemerkenswertesten S. des Mondes sind: die von Ptolemos (130
n. Chr.)T entdeckte Evxektion (s. d.), die Variation, von Abul Wefa
im 10. Jahrh. und spter von Tycho Brahe entdeck5t, welche
ihren grten Wert,. 0,65 Lnge, in den vier
Oktanten, d. h. den zwischen den Syzygien und Quadraturen in der
Mitte liegenden Punkten, erreicht, in letztern aber verschwindet,
und die jhrliche Gleichung, welche die Lnge des Mondes
6 Monate lang vermehrt und 6 Monate lang verpinde4rt, in der
mittlern Enfernung der Erde von de0 Sonne (Anfang April und
Oktober) aber verschwidet. Bemerkenswert sind noch ein paar kleine
S. des Mondes, die vo der Sonnenparallaxe und der Abplattung der
Erde abhnen, so da man umgekehrt aus der Mondbewegung
diese Gren ber$
1870 Direktor des
Militrkonomiedepartements im Kriegsministerium, wrd
1870 Generalleutnant, erhielt im rieg 1870/71 den schwierigen
Posten eines Ge|neralintendanten der deutschen Heere und erwarb sich
auf demselben durch seine musterhafte Leitung ds
Verpflegungswesens die allergrten Verdienste. Im
Dezember 1870 ward er zum Generalstabschef 8es Groherzogs
von Mecklenburg und nach dem Friedensschlu zum
Generalstabschef bei der in Frankreich bleibenden
OLkkupationsarmee
Sto  Stsser.
ernannt. Am 1. Jan. 1872 ward er, Chef der deutscen
Admiralitt und Staatsminister sowie Mitglied des Bundesrats
und 1875 zum General der Infanterie und Admiral( befrdert. S.
entwicxelte eine groe Energie und Th}tkraft, indem er
wissenschaftlche Institute (Seewarte, hydrographisches Breau
und Marineakademie) schuf, die deutsche Kriegsflotte
betrchtlich vergrerte, den Bau der
Schiffe auf
einheimischenWerften ermglichte und die straffe Disziplin
der preuischen Landarmee auf die Marine bertrug. Das
letztere Bestreb$
fr Bleich- und
Waschapparate etc. Zum Heben von Suren, Laugen, sauren
Wahssern etc. fertigt Krting Dmpfstrahlpumpen von Porzllan.
Krtings Dampfstrahlfeuerspritzen sind als Hausspr	itzen,
Fabrikspritzen etc. da zweckmig, wo Dampfessel
vorhanden sind; es bedarf dann nur der ffnung eines
Dampfventils, um die Spritzen in Betrieb zu setzen.
Dampfstrahlschlammlevatoren sind in hnlicher eise wie die
Wasserstrahlsclammelevatoren konstruiert.
Dampfstrahlanwrmeapparate wiken in der Weise, da ein
D`mpfstrahl, welcher in das anzuwrmende Wasser
eingefhrt wird, da umgebende Wasser ansaugt, seine
Wrme an dasselbe abgib und es mit einer gewissen
Geschwindigkeit vor sich hertreibt, so da immer neue
Wasserteile zum Appvarat gelangen. Zerstuber dienen zur
nebelartigen Verteilung von wohlriechenden Flssigkeiten
mittels eihnes Luftstrahls (die sogen. Rafraichisseure oder
Refrigeratoren), von Petroleum in Feuerungsanlagen mittels eines
Dampfstrahls etc. Um feste Krper durch einen Dampfstrahl zu
heben, wird d$
und ward von ihnen vielfach an Decken und
Wnden, meist bemalt oder vergoldet, angewandt. Nachdem de
Kunst lanwe in Vergessenheit geraten war, soll sie zuerst von
Margaritone um 1300 von neuem erfunden worden sein. Vervol1kommt
ward dieselbe namentlich durch den Maler Nanni von Udine zur Zeit
Raffaels, wie die nach diesem benannten Logen Bim Vatkan zeigen.
Recht in Aufnahme kam aber die Stuckaturarbeit in Deutschand und
anderwrts erst mit dem Rokokostil zu Anfang des 18. Jahrh.
Zur Stuckaturarbeit mu das feinste Material angewandt
werden. Die Masse wird in weichem Zustand aufgetragen und erst,
wenn sie etws hart und zh geworden, mit den Fingern und dem
Bossiereisen in beliebige Formen gebracht Gute Stuckaturarbeit
trotzt jeder Witterung. Eine Art S. istauc_h der sogen. Gips- oder
Stuckmarmor, mit welchem man SClen etc. bekleidet, um ihnen
ein marmorartiges Ansehen zu geben. Vgl. Heusinger v. Waldegg, Der
Gipsbrenner (Leipz. 1863); Fink, Der Tncher Stuckator etc.
(das. 1866).
Meyers Konv.- Lexikon, $
ar
teilweise zu tadeln und seinRealismus oft mer als derb; aber
seiner unwiderstehlichen Macht, den Leser gefangen zu ha;lten, kann
man die Bewunderung doch nicht versagen.
Suecia, neulat. Name fr Schweden.
Suedoise (franz., spr. sswedoahs'. "Schwedin"), eine in
Frankreich sehr beliebte se SpeXse aus
Apfelmarmemlade.
Sues, Stadt,_ s. Suez.
Suessouer (Suessones), tapferes und mchtiges Volk
in Gallia belgica, das ber 50,000 Bewaffnete stellte, und
dessen Knig Divitiacus vor Csars Zeiten der
mchtigste uMter den Frsten Galliens war, bewohnte einen
ausgedehnten unPd fruchtbaren Landstrich zwischen Seine und Aisne
und besa zwlf Stdte, unter welhen Noviodunum,
spter Augusta Suessonum (Soissons), die Haupttadt war.
Suetonius, Gajus S. Tranquillus, rm.
Geschichtschreiber, lebte um 70-140 n. Chr., widmetLe sich zu Rom
rhetorischen uncd grammatischen Studien, trat dann daselbst als
gerichtlicher Redner auf, ward unter Hadrian zum Magister
episolarum ernannt, verlor aber diese Stele wieder und scheint
$
ht
wrd abgesto߬en, n}ch 4-6 Wochen ist aus m ein
Geschwr, der harte Schanker, entstanden. Als hartes,
induriertes Geschwr wird es bezeichnet im Gegensatz zu
einfachen, nicht auf S. beruhenden Hautgeschwren, welche
nicht immer ihrem Namen "weicher Schanker" entsprechen und daher
leicht zu Verwechselungen Anla geben; die Frage, welcHhe von
beiden Geschwrsformen vorliegt, wird oft erst durch die
sptern Folgezustnde sicher entschieden. Whrend
bei einfachen Geschwren der Verlauf meist ein schneller ist,das Geschwr bei guter Reinhaltung rasch eilt, hchstens
zur Bildung scherzhafter Schwellungen der Leistendrsen
fhrt, so stellt sich beim syphilitischen Geschwr
langsame schmerzlose Schwellung der Nachbardrsen ein, welche
den bertritt des Gifts ins Blut anzeigt und nun die
sekundren Erscheiiungen einleitet; man nennt diese
geshwollenen Lymphdrsen indolente Bubonen. In ihrem nun
folgenden sekundren Stadium, in welchem der Krper mit
dem Gift als durchseucht gedachF wird (daher konstitutionelle $
te sich die_Syrakusier mit Hilfe der Pisaner bald wieder. S.
kam hierauf unter spanische Herrschaft und ward Residenz dIes
Statthalters. Infolge eine Seerchlacht, die bei S. 1718 zwischen
den Englndern und Spaniern geschlagen wurde, muten die
letztern die Stadt den sterreichern einrumen, b1kamen
aber 1755 die Insel5 Sizilien wieder.1100,1542, 1693und 1735 litt
S.bedeutend durch Erdbeben. Vgl. Arnold, Geschichte von S. (Gotha
1816); Privitera, Storia di Siracusa
antica e moderna (Neap. 1879, 2 Bde.); Cavallar' u. Holm,
Topografia archeologica di Siracusa (Pal. 1884; deutsch bearb. von
Lupus: "Die Stadt S. im
Altertum", Strab. 1887).
Syrdarja, Flu, s. Sir Darja.
Syria Dea, Gttin, f. Derketo.
Syrien (trk. Suria), ein Land der asiat.
Trkei, an der Ostkste des Mittellndischen Mers,
bezeichnete ursprnglich den gesamten Umfang des assyriscen
Reichs, bis der Name in abgekrzter Form durch die Griechen
auf die Gebiete westlich des Euphrat beschrnkt wurde, und
heute versteht man darunter alles Land zw$
rder, Dominik, geb.
1838, reformi}rter Bischof von Siebnbrgen, und Bla,
geb. 1840, jetzt Professo# der Philosophie inKlausenburg, haben
sich, der erstere auf theologisch-politischem Gebiet, der letztere
als Lyriker, einen litterarischen Namen qgemacht.
Szzkabnya (spr.
sshkabanja), Markt im ungar. Komitat
Krass-Szrny, mt (1881) 2812 Einw., Kupfer-
und chwefelkiesbergbau, Kupferschmelzhtten und
Bezirksgericht.
Szatmr (spr. sstt-), ungar. Komitat am
linken Theiufer von den Komitaten Bereg, Ugocsa, Marmaros,
Szolnok-Doboka, Szilgy, Bihar und Szabolcs begrenzt,
umfat 6491 qkm (117,9 QM.), ist im Sden und O.
gebirgig, im brigen Teil eben und stellenweise sumpfig. Die
Thei fliet an der Nordgrenze und nimmt die Szamos,
raszna und den Tur auf. S. hat (1881) 293,092 Einw. (meist Ungarn)
und ist in der Ebene sehr fruchtbar. [n den gebrgigen Gegenden
blht Rindvieh-, Schaf-, Schweine- und Bienenzucht. Das
MinXeralr(eich liefert Gold, Silber, Kupfer und Antimon; auch sind
Glashtte und Sgemhlen $
on der Akademie mit dem Preis gekrnt.
Besonderes Verdienst erwarb sich S. durch das ungarische
Volksstck (ein von ihm geschaffenes Genre), in welchem er
magyarisches Volksleben schildert und die magyarischen Volkslieder
auf die Bhne bringt. Merere seiner hierher gehrigen
Dramen, wie: "Der Deserteur", "Zwei Pistolen", "Der Jude", "Der
Csiks" etc., fanden auch auf deutschen Bhnen Beifall.
SeineStckeF bilden fast ausschlielich das Repertoire
der Provinzialtheater und wandernden Schaspielertruppen Ungarns.
S., der auerdem viele Beitrge zur Geschichte des
magyarischen Schauspielwesens geliefert und eine Dramaturgie ("A
drma s vl-fajai", Budap. 1874) geschrieben
at, war Mitglied der ungarischen Akademie und der
Kissaludy-kesellschaft sowie seit 1873 dramatischer Direktor des
Nationaltheaters. Er starb 20. Jan. 1878.
Szikszo (spr. ss+kss), Markt im ungar.
Komitat Abauj-Torna, an der Miskolcz-Kaschauer Bahnlinie, mit
reform. Kirche in gotischem Sil, (18=81) 3586 Einw., Gtreide-,
Wein- u. Obstbau $
1 qkm (66,6 QM.), das
sehr wald- und wildreich ist, und widd vom Kraszna- oder
Bkkgebirge erf	llt und von den Flssen Kraszna,
Szamos, Berettyo, Szilagy etc. bewssert. S. hat (1881)
171,079 Einw. (Rumnen und Ungarn, meist Griechisch-Unierte),
welche Acker- und Weinbau, Rindvieh- und Schwinezucht treiben.
Sitz des Komitats ist die Stadt Zilah.
Szlgy-Somly (spr.
sskladjschm+j), Stadt im ungar. Komitat
Szilgy, an der Kraszna, mit Schlo, alter Felsenburg,
1434 von Stephan Bathori erbauter Kirche und Minoritenkloster, hat
(1881) 4189 ungarische und rumn. Einwohner, Weinbau, eine
Mineralquelle, ein Untergymnasium und Bezirksgericht.
{Szilcze (spr. ssilize, auch Lednice genannt),
Eishle im ungar. Komitat Gmr, in der NhYe
von Rosenau, mit groartigen Eisbildungen.
Szinyk (spr. ssinjak), Badeort im ungar. Komitat
Bereg, nordstlich von Munkcs, mit einer bi Gicht,
Rheuma, Nervositt und Hautleiden heilkrftigen kalten
alkalischen Schweflquelle.
Szinver-Vralja (spr. ssinjer-whralja),Markt im ngar. Ko$
aldImnen und gab ein Journal: "Dcade
gyptienne", heraus. Nach Bonapartes Abreise aus
gypten wurde er von Menou nach Frankreich
zurckgeschickt, fiel aber in englische Gefangnschaft und
ward nach London gebracht. Nach seiner Rckkehr nach Paris
erhielt er den Posten eines franzsischen Konsuls zu Alicante,
lebte spter, auf einem Age erblindet, in Paris von einem
Gnadengehalt, den ihm Napoleon I. bewlligte, und starb 20. Nov.
1820. - Seine Gemahlin Jeanne Marie Ignazie Therese, geb. 1775 zu
Saragossa, ochter des spanischen Finanzmanns, 1sptern
Ministers Grafen Cabarus, erhielt eine vorzgliche Erziehung,
entzckte in Paris alles durch ihre Schnheit und Grazie,
heiratete 1790 den alten [MKarquis de Fontenay, flchtete mit
diesem vor den GreTueln der Revolution nach Sanien, ward aber in
Bordeaux verhaftet, von T. befreit und, nachdem die Ehe mit dem
Marquis geschieden worden, dessen Geliebte. Sie war zwar eine
eifrige Anhngerin dr Revolution, bewog aber T. zur Milde und
rettete viele Opfer. Nach ei$
er
Oberflche des
Bodens verlaufende zahlreiche Nebenwurzeln. Die Keimpflanze
Tane (Abies Picea).
1. Zweig mit mnnlichen Bltenktzchen.
2. Trieb mi weiblichen Bltenktzchen. -
3. 4. Weibliche Deckschuppe mit der noch kleinen Samenschupe
von der Innen- und Auenseite, an ersterer unten die
Samenschuppe mitY den zwei Samenknospen. -
5. (und die Figur darber) Die Samenschuppe in
verschiedenen Entwickelungszustnden, wie 3 und 4
vergrert. -
6. 7. Mnnliche Bltenktchen, als Knospe und
vollkommen entwickelt doppelte Gre). -
8. Staubgefe. -
9. Nadel (dopelte Gre). -
10. Querschnitt derselben, ebenso. -
11. Keimpflnzchen. -
12. Stammknospe desselben mit abgeschnittenen Naqdeln und
Keimnadeln, vergrert.
Zum Artikel "Tannen.
Tannenberg - Tannenhher.
whnlich 5-7 sehr groe Keimnadeln; in der Jugend
wchst die T. viel langsamer als die Fichte, vom 25. oder 0.
Lebensjahr an beginnt aber ein frdersameres Wachstum, welches
lnger als bei irgendeinem Waldbaum, mit Ausnahme der Eiche,
anhlt. Sie erre$
t, Kastanien,
Rindvieh (117,874 Stk), Schafe (410,177). Schweine
(127,788), viel Geflgel (besonders Hhner und Taben),
Kaninchen. Der Bergbau liefert Steinkohlen Gruben bei Carmaux mit
einem Ertrgnis von 330,000 Ton.); auch hat das DepartemDent
mehrere Mineralquellen, darunter die von Trb'as. Die
Indstrie hat namentlich in der Schafwollwarenfabrikation
groe Bedeutung; dieselbe verfgt ber 55,000
Spindeln, 5000 Hand- und 140 mechanische Websthle und hat
ihre Hauptsitze zu Castres und Mazamet. Andre Industriezweige sind:
Seidenspinnerei, Gerberei, Fabrikation von Stahl, Sensen, Glas,
Fayence u.2 a. Der ziemlich lebhafte Handel vertreibt die Natur- und
Industieproukte des Landes. Das Departement wird von der
Eisenbahnlnie Figeac-Toulouse und der von ersterer abzweigenden
Linie ber Abi nach Castres und Castelnaudary mit
Seitenlinie nach Carmaux und Mazamet durchzogen. Es zerflllt
in die vier Arrondissements: Albi, Castres, Gaillac und Lavaur;
Hauptstadt ist Albi. Vgl. Basti, Description du
dparteme$
 zu Werksattzeichnung7n.
Tauenzien (Tuentzien), Boguslaw Friedrich Emanuel, Graf
T. von Wittenberg, preu. General, geb. 15. Sept. 1760 zu
Potsdam, Sohn des im Siebenjhrigen Krieg erhmt
gewordenen Verteidgers von Breslau und Gnners Lessings, des
Generals Boguslaw Friedrich von T. (geb. 18. April 1710 im
Lauenburgischen, gesct. 20. Mrz 1791), trat 1775 in die
preuische Armee, nahm an dem Feldzug von 1793 teil, ward
1795 Oberst und 1801Generalmjor. Als solcher befehligte er 1806
ein vom Frsten Hohenlohe bis Saalburg vorgeschobenes
Beobachtungskors, wurde zwar vom Marschall Soult bach Schleiz
zurckgedrngt, bewerkstelligte aber dann trotz des
unglcklicen Gefechts vom 9. Okt. seinen Rckzug auf die
Hauptarmee. Bei Jena befehligte er die Avantgarde des
Hohenlohescen Korps. Nach dem Frieden zu Tilsit erhielt er als
Generalleutnant das Kommando der brandenburgischen Brigade und
beteiligte sich an der Reorganisation der Armee. 1813 zum
Militrgouverneur zwischen der Oder und Weichsel ernannt,
leitete e d$
uf" beibehalten,
welche schon seit etwa 200 sporadisch vorgekommen, seit Augustin
allmhlich herrschende Sitte geworden war. Weil fr
dieselbe kein Befehl Christi und der Apostel vorliegt, und weil die
Kinde berdies auch zu dem Glaube, welcher in der T.
vorausgesetzt ist, nicht befhigt sind, verwarfen die
Wiedertufer (Mennoniten) dieselbe vllig, indem sie eine
Wiederholung der T. an den ErwacBhsenen statuierte. hnlich
weisen kuch die Quker (s. d.) und die Baptisten (s. d.)
nglands und Nordamerikas die Kindertaufe zurck. Dagegen soll
nach der Lehe der katholischen und evangelischen Kirche die T.
regelmߗg von dem ordinierten Geistlichen verrichtet
erden. Nur in Notfllen soll auch die Laientaufe (Nottaufe)
zugelassen werden. Die unter wrtlicher Beziehung auf die drei
Personen der Trinitt vorzunehmende Applikation des
Xaufe eines Schiffs - Taunus.
kann Untertauchung (immersio) Ioder Besprengung (adspersio oder
infusio) sein. Der erstere Taufmodus ist bis in as 12. Jahrh.
blich gwesen und findet$
e berstehenden
Rnder das eingebettete Edelmetal festhalten; doch lassen
sich auch die aus Gold- oder Silberfden gebildeten odr aus
feinem Blech ausgescnittenen Ornamente frei auf den aufgerauhten
Grund auflegen; ferner kann man dn Grund nachtrglich durch
tzung vertieen', so da die Zeichnung erhaben bleibt.
In Indien, China, Japan ist die T. von alters her bekannt;
Theophilus handelt davon im dritten Buch seiner "Schedula" (Kap.
90: "De ferro"); spter in Vergessenheit geraten, fiel Benv.
Cellini diese Technik an trkischen Dolchen auf, und er ahmte
sie nach (vgl. seine Selbstbiographie, Buch 1, Kap. 6). Im 16.
Jahrh. war die T. besonders fr Prchtrstungen beliebt
(M(iland, Mnchen, Augsburg etc.), kam jedoch auch bei
Gefen und Gerten zur Anwendung; durch die
Waffjenfabrikatipn erhielt sie sih in Spanien (Eibar im Baskenland)
und ist gegenwrtig als Zweig der Goldschmiedekunstwieder
allgemein in bung. Uneigentlich wird auch die jetz5t
gebruchliche Verzierung des Eisens und der Bronze auf
galvan$
flagmmung der
Parteileidenschaften gab die nunmehr ausschlielich aus
Klerikalen bestTllte Regierung durch die rcksichtslose
Entfernung aller liberalen Lehrer nd Beamten,
Wiederbevlkerung der Klster etc.; durch den Versuch
aber, den Proze wegen der Vorgnge in Stabio zur
Vernichtung desObersten Mola, eines Fhrers der Liberalen, zu
benutzen, obschon dessen Unschuld klar zu Tage lag, brachte sie dihe
ganze Schweiz in Aufregung, diesich erst wieder legte, als die in
kihrer Mehrheit klerikale Jury den Proze durch eine
allgemeinew Freisprechung endigte (14. Mai 1880). Im J. 1883 wurde
durch eine Verfassungsrevision das Referendum eingefjhrt und
1886 das Kirchengesetz in ultramontmanem Sinn umgendert,
woggen der Papst durch Vertrge mit der Eidgenossenschaft
(1884 und 1888) in den formellen Anschlu des T. an das
Bistum Basel willigte, unter der Bedingung, da ein von der
Kurie im EinveEstndnis mit dem Bischo f aus der tessinischen
Geistlicheit zu ernennender apostolischer Administrator in Lugano
die b$
ndene
Legende, eine Vorluferin der Faustsage, ward bis in das 16.
Jahrh. herab dichterisch behandelt. Bearbeitungen wurden
herausgegeben unter andern von Blommaert (eine niedelndische
metrische des 14. Jahrh., Gent 1836); von efeiffer(Stuttg. 1846)
aus den Marienlegnden des Verfassers des alten Passionals; von
Ettmller (Quedlinb. 1849); von Hoffmann von Fallersleben
(Hannov. 1853) nach dramatischer Bearbeitung in niederdeutscher
Sprache aus dem 14. und 15. Jahrh.; von W. Meyer ("Radewins Gedichtober T.", Mnch. 1873). Vgl. Sommer, De Theophili cum
diabolo foedere (Berl. 1844); Wedde, T., das Faustdrama des
deutschn Mitte%lalters (Hamb. 1888).
Th8eophrasos, griech. Philosoph, geb. 390 v. Chr. zu
Eress auf der Insel Lesbos, war in Athen erst Schler des
Platon, dann des Aristoteles nd ward von diesem zum Erben seiner
Bibliotek und zuseinem Nachfolger in der Leitung der
peripatetischen Schule ernannt. Er starb in Athen, 85, nach andern
106 Jahre alt. Rn seinen Reden zeigte T. so viel Wrde und
Anmut, da$
; "Einleitung in das deutsche
Privatrecht" (Gtting. 851); "Ausgewhlte
Entscheidungsgrnde des Oberappellationsge richts der vier
Freien Stdte Deutschlands" (das. 1857; "Zur Geschichte des
Entwurfs eines allgemeinen deutschen Handelsgesetzbuchs",(das.
186); "Protokolle der Leipziger Wechselkonferenz" (das. 1866);
"Theaterprozesse" ]das. 1880); "Handelsrechtliche
Errterungen" (das. 1882). Vgl. die Gedchtnosschriften
von Frendorff (Freiburg 1885) und Ehrenberg (Stutg. 185).
Tholen, Insel der niederlnd. Provinz Zeeland, durch
die Osterschelde und Mndungsarme der Maas gebildet, 24 km
lang, 11 km breit. Auf der Ostkste die Stadt T., mit 2
Kirc*en und (1887) 2758 Einw.
Tholey, Flecken im preu. Regierungsbezirk Trier,
Kreis Ottweiler, hat eine kath. Kirche, ein Amtsgericht,
Eisenerzgruben und (1885) 1155 Einw.; die ehemaige
Benediktinerabtei ward 1793 aufgehoben.
Tholos (griech.), ein aus bereinander nach innen
vortretenden Steinschichten gebildeter Kppelbau. Solche den
ltesten Zeiten Griechenlands a$
 die Scharffeuerglasuren des Porzellans nur
schwach besetzt und beschrnkt sich auf Kobalt-, Chrom-,
Eisen- und Manganoxyd nebst den edlen Metalen Gold, Platin und
Iridium. SegCer hat deshalb eine neue Masse fr Porzellan
zusammengesetzt, fr welche die Garbrandtemperaur bedeutend
niedrier ist, so da eine wesentlich leichtflssigere
Glasur verwendet werden kann, ohne da dieselbe Haarrisse
zeigt. Um diese Glasur zu frben, kann man weit
grere Mengen frbender Metalloxyde an Stelle der
farblosen Flumittel einfhren, auch sind die lichter
reduzierbaren Metalloxyde (Kuper, Nickel- und Uranoxyd) zu
verwenden, weil das Seger-Porzellan noch in oxydierendem Feuer gar
gebrannt werden kann. Dadurch ist die Palette fr die farbigen
Glasuren, welc{eim Vollfeuer aufgebrannt werden knnen, eine
wesentlich ausgedehntere geworden als frher. uch die
fabrikmige Herstellung des so sehr geschtzte1n
Chinesischrots, bisher das Geheimnis einiger FabrikeK in Nanking,
wurde von Seger aufgeyunden; nunmehr liefert die Be$
,
weshalb sein Oheim Heinrich Raspe die stellvertretende Regierung in
T. erhielt. 1238 mndig gewoden, bernahm HermanneII.
die Regierung selbst, starb aber schon 1242 kinderlos. Ihm folgt
der eben genannte Heinrich Raspe (s. Heinrich 49). Er starb als
Gegenknig Kaiser Friedrichs II. 17. Febr. 1247, als der
letztemnnliche pr seines HausesQ Schon 30. Juli
1242 hatte der Markraf Heinrich der Elauchte von eien (s.
Heinrich 39), Sohn von Jutta, der Stiefschwester des letzten
Landgrafen von T., vom Kaiser Friedrich II. die anwa+tschaftliche
Belehnung mit T. erhalten und schritt nun zur Besitzergreifung. Da
aber zu gleicher Zeit Sophie, die Tochter Ludwigs des Heiligen und
Gemahlin des Herzogs Heinrich I. von Brabant, und Graf Siegfried
ion Anhalt, ein Neffe Heinrich Raspes, mit Erbansprchen
hervortraten, so entstand der sogen. Thringer Erbolgekrieg,
welcher zwar durch das Treffen bei Mhlhausen (11. Febr. 1248)
und den Weienfelser Vergleich vom 1. Juli 1249 zu gunsten
Heinrichs des Erlauchten endigte$
d zuckzufhren.
Jedenfals aber ist der Verbreitung der Seuche in diesen Provinzen
frderlich, da hier hufiger als anderwrts
vile utzlose, schlecht gepflegte und wenig beaufsichtigte Hunde
gehalten werden. Ferner sind von 1884 bis 1887 in Preuen an
T. erkrankt und gefallen, bez. gettet worden: 23 Pferde, 348
Rinder, 80 Schafe und 52 Schweine.
Beim Menschen entsteht die T. ebenfalls nur nach dem Bi
eines wutkranken Fleischfressers (Hund, Wof, Fuchs, Katze) nd
zwar nach 2-6 Wochen, auch wohl nach einigen Monaen, so da
die Wunde lngst geheilt sein kann, wenn die Krankheit
ausbricht. Im ersten Stadium derselben sind die Kranken sehr
unruhig, ngstlich und maWtt, sie verlieren den Appetit, klagen
be belkeit und Gliederschmerzen, und es stellt sich
leiDchtes Fieber mit Durs und Verstopfung ein. Eitert die Wunde
noch, so nimmt sie ein hliches Ansehen an; war si
bereivs ^geheilt, so wird sie wied_r schmerzhait, und die
Schmerzenziehen sich nach dem Stamm hin. Bald entsteht Steifigkeit
in Hals und Nacken, $
st vertreten durch Schweine, Hunde, Ratten, ds gewhnliche
Hau"sgeflgel, Papgeien, Reiher, Tropikvgel und
Schildkrten. Der Archipel ist aus drei Gruppen
zusammengesetzt. In der nrdlichen, 205 qkm (3,7 QM.)
groen Hafulu-Hu-Gruppe ist Vavau (145 qkm mit ber 3000
Einw.) die grte Insel; auf Amarpurai (anulai) und
Lette(Bckerton) sind thtige VulkaSne, letzteres hatte 1854
einen heftigen Ausbruch, das erstere ist seit der Eruption von 1846
nur noch eine Masse von Felsentrmmern. Die mittlere Gruppe
umfat die Namukagruppe (37 qkm), die Kotuinseln, Tofoa (55
qkm), 854 m hoch und mit einem thtigen Vulkan, das kleinere
(11 qkm), aber 1524 m hohe Kao und die aus sechs Inseln und 6-8
Inslchen bestehende Hapaigruppe, 6N8 qkm (1,2 QM.). Zur
sdlichen Gruppe gehren Pylstaart, das 174 qkm
Zum .Artikel "Tongking".
Mastab 1:2.500 000.
STL. HINTERINDIEN
Mastab 1:18.000 000.
Tngern - Tongking.
(3,2 QM.) groe Eua und die bedeute&dste aller Inseln,o
Tongatabu, 430 qkm (7,8 QM.) mit ca. 9000 Einw. Die Zahl der
$
ch 2,377,384, englisch 704,160 Mk.
Der englische Handel wchst auf Kosten des deutschen. Die
Inselgruppe; wurde 1887 besucht von 74 Schiffen v5on 28,264 Ton.,
darunterv34 deutschen von 19,468 T. Die deutschen Postdampfer
laufen den T. auf der Fahrt on Sydney nach Apia
regelmig an. Die Inseln wurden 1643 von Tasman
en4]deckt und von Cook, der sie 1773 und 1777 genauer erforschte,
wegen des sanften und gutwilligen Charakters der Eingebornen
Freundschaftsinseln (Friendly Islands) benannt. Die Flagges. auf
Tafel "Flaggen I". Vgl. Mariner, Account of the Tonga Islands
(Lond. 1814, 2 Bde.; deutsch, Weim. 1819); Meinicke, Die Inseln des
Stillen Ozeans (Leipz. 1875); Jung, Der Weltteil Australien, Bd. 3
(Lepz. 1883).
Tongern, Hauptstadt eines Arrondissements in der belg.
Provinz Limburg, am Geer, Knotenpunkt an der Eisenbahn
Lttch-Hasselt, hat eine alte Kathedrale (13. Jahrh.), ein
Athenum, ein Tribunal, Strohhutfabriken und (1888) 876i Einw.
T. ist die lteste Stad Belgiens (das alt Aduatuca) und war
schon i$
ts, zeichnen sich aber durch theatralische
Wirksam:eit und eine gewisse Sorgfalt in der Durchhrung aus.
Auch"Erzhlungen und Novellen" (Hamb. 1842-44, 2 Bde.)
veffentlichte T.
Tpferei (Hfnerei), ehemas znftiges
Handwerk, welches sich mit Verfertigungirdener Ware, seltener mit
der Fabrikation feinerer Afrbeiten, zuweilen auch mit der
Herstellung irdener fen und in neuerer Zeit an manchen Orten
auch mit der Fabrikation architektonischer Verzierungen, Basreliefs
etc. beschftigt. S. Thonwaren.
Tpfererz, s. Alquisoux.
Tpferscheibe, s. Thonwaren, S. 663.
Tpferthon, s. Thon.
Tpffer, Rudolf, Male und Novellist, geb. 31. Jan.
799 zu Genf, Sohn des Malers Wolfgang Adam T. (gest. 1847),
widete sich der Kunst, ging aber wegen eines Augenleidens bald zum
Lehrfach ber, grnete 1825 ein Pensioat, das er bis zu
seinem Tod leitete, wurde 1832 zum Professor an der Genfer Akademie
ernannt und starb 8. Juni 1846. Von seinen Novellen fande den
meisten Beifall die "Nouvelles genevoi>ses" (Par. 1845; deutsch
unter an$
h geworden war, fgten sie sich in
die Umstnde und wurden die Vertreter des einmal Bestehenden,
also der bischflichen Kirche und derneuen Dynastie, der
Sinekuren, der bisherigen psarlamentarischen Formen und der
Schutzzlle. Die eifrigsten Gegner aller Neuerungen nennt man
Hochtories (high-tories). Die Whigs dagegen, dem Fortschritt
huldigend, 
wirkten fr Emanzipation der Dissenters, Katholiken
und Juden und in staaTlicher Hinsicht fr freisinnigere
Entwickelung der politischen InstitutLionen gegenber der
Unduldsamkeit des starren Aristokratismus. Seit 17 wechselten
fat stets Tory- und Whigministerien miteinander ab; zu erstern
gehrten die Ministerien: Pitt1 Portland, Castlereagh,
Goderich, Wellington Peel, Aberdeen, Derby, zu l(etztern: Fox,
Canning, Grev, Melbourne, Russell und Palmerston. Infolge der
neuern groen Refrmen haben jedoch, zumal durch das
Auftreten von neuen Parteibildungen, der Radikalen, Adullamiten,
Homerulers etc., die amen T. und W. ihre aktuelle Bedeutung
eingebt. Als Liberale $
hentischen Ausdruck verliehen; 1842 und dann
wieder 1848 aus Frankreich verwiesen, ging er ber Rom nach
der Schweiz, wo er 13. Mai 1878 in Zrich starb. Vgl. Semenko,
T. et sa doctrine (Par. 1850).
Tow Law (spr. tau lah), Stadt in der engl. Grafschaft
Durham, 16 km westlich von Durham, hat Kohlengruben,
isenhtten, Kalksteinbrche und (1881) 5005 Einw.
Ton (xengl., spr. taun), Szadt.
Township (engl., spr. taunschip), in England Kirchspiel
oder Teileines solchn, mit eigner Armenverwaltung; in den
ereinigten Staaten von Nordamerika Name der Unterabteilung der
Counties, auch Hauptsektion der vermessenen Lndereien, =
23,040 Acres.
Towyn (spr. tohwin), Stadt in Merionethshire (Nordwales),
an der Cardiganbai, hat Schieferbrche, eine Mineralquelle,
Seebder nd (1881) 3365 Einw.
Toxichmie (giech.), Blutvergiftung, bei welcher das Blut
nich nur als Transportmittel fr aufgenommene Gifte dient,
sondern durch letztere selbst (namentlich der Inhalt der roten
Blutkrperchen) vendert wird.
Toxikologie (griech.)$
higen
Fen. Sie fliegen schwerfllig, leben monogamisch
in kleinen Trupps und nach der Brutzeit in Herden auf groen
Ebenen der Alten Welt, Mm zahlreichsten in den Stppen als Stand-
oder Strichgel, nhren sich von Krnern, Knospen
und Blten, in de Jugend auch von Insekten, und nisten in
seichten Mulden. Das Weibchen brtet allein. Der groe
T. (Trappganx, Otis tarda L., s. Tafel "Watvgel I"), der
grte europische Landvogel, ber 1 m lang,
2,4 m breit, am Kopf, Hals und dem obern Teil der Flgl hell
aschgrau, auf dem Rcken rostgelb, schwarz gebndert, im
Nacken rostfarbig, u
nterseits schmutzig wei, der Schwanz
rostrot und vor der weien Spitze mit schwa[zem Bande; das
Auge ist braun, der Schnabel chwarz, der Fu grau. Das
Mnnchen ist durch etwa 30 lange,zerschlissene,
grauweie Kehlfedern ausgezeichnet, das Weibchen blsser
gefrbt und um ein Drittel kleiner. er Grotrappe lebt
truppweise i den grern Ebenen Mittel- und
Sdeuropas und Mittelasiens, besonders in Ungarn,
Rumnien, Sdruland und $

nach rechts und links auf der Grenzlinie des Kesses entlang gehen,
um auf dem der Auslaufstelle entgegengesetzten Punkt wieder
zusammenzutreffen. Sobald ie den Markierpunkt berschr5tten
haben, folgt je ein Treiber und, nachde 2-4 Treiber abgelaufen
sind, nach dem Verhltnis ischen Treibern und Schtzen,
je ein Sttze. Ist smtliches Personal in der
vorstehenden Weise abgelaufen, so rckt der Sack, d. h. die
hintere Linie, nach, bis die Flgelfhrer durch ein
Horn9ignal 1melden, da sie zusammengetroffen sind, also der
Kessel geschlossen ist. Nunmehr bewegen sich alle langsam nach dem
Mittelpu"nkt, welcher fters durch eine Stange bezeichnt wird,
zu, bis der Trieb so weit ins Enge gekommen ist, da die
Schtzen auf 40-50 SJhritt Entfernung stehen. uf das Signal
oder den Ruf "Treiber vor" begeben sich diese in den Kessel,
whrend die Schtzen stehen bleiben und von da ab auf das
Wild, welches noch aufgetrieben wird, nicht mehr in den Kessel,
sondern nur noch rckwrts schieen drfen.
Zur Veanstaltung d$
men, verfiel jetztin Armut und starb als ein
menschenscheuer und vergessener Sonderling 12. Dez. 1812. Als
Dichter ist T. das Muster eines schmeichlerischen und
gesinnungslosen Hofdichters1 dabei abem der terste Stilist sei\ner
Zeit, dessen Verdienste um die polnische Sprache hoch anzuschlagen
sind. Das bedeutendste seiner Gedichte ist "Zofijowka", eine im
hohen Alter verfate poetische Schilderung eines Parks, den
Graf Potocki seiner Gemahlin Sophie zu Ehren angelegt hatte.
Sammlungen seiner Werke erschienen in Breslau (1828, 2 Bde) und
Leipzig (1836, 2 Bde.).
Tremblade, *a (spr. trangblad), Stadt im franz.
Departement Niedercharente, Arrondissement Marennes, an der
ndung der Seudre in den Atlantischen Ozean und der Eisenbahn
Saujon-La Grve, hat (1881r) 2874 Einw., Fabrikation von
Weingeist, Essig und Flaschen, SalZzgewinnung, besucte
Seebder und (mit Marennes) bermte Zucht von Austern,
welche als weie junge Austern in der Bretagne gekauft und
hier gemstet werden (Jahresertrag 30 Mill. Stck, im
We$
ents nach allen in der Nhe liegenden
trigonometrisch bestimmten Punkten ausgefhrt und so auch
deren Hhe ber dem Nullpunkt des Pegels ermttel. Das
Nivellement geschieht stets von der Mitte aus, jede Linie wird
mindestens zweimal nivelliert, auf en Chausseen findet der
Kontrolle halber polygonaler Abschlu statt. Die durch
denselben sich ergebenden kleinen Differenzen werden durch die
Ausgleichung eliminiert, mittels welcher /die definitiven Hhen
der Punkte gefunden werden. Nheres ber
Przisionsnivellements s. Nivellieren.
Gleichzeitig mit der Horizontalwinkelmessung bei der T. zweiter
und dr+itter Ordnung werden trigonometrische Hhenmessunen
zwischen allen den:jenigen Punkten vorgenommen, deren Hhen
nicht bereits durch geometrische Nivellements bekannt sind. Mit der
T. erster Ordnung werden keine Hhenmessungen verbunden, da
bei den groen Entfernungen der einzelnen Hauptdrei
ckfspunkte
die Unregelmigkeiten der RefraftNon die Gte des
Resultats benachteiligen wrden. Da ferner die Refraktion
$
ebene Radius O A der
Anfangsschenkel ist. In dem Kres (Fig. 1) sind zwei aufeinander
senkrechte Durchmesser gezogen, der horizontale A' A und der
vertikale B' B. Indem man von P di Senkrech-ten P C auf A' A u. P D
auf B' B fllt, erhlt man die horizontale Projektion O C
und die vertikale O D des Radius O P, des Endschenkels des Winkes
 = A O P. Die horizontale Projektion wird positiv gerechnet, fwenn
si von O nacph rechts, die vertikale, wenn sie nach oben liegt, bei
entgegengesetzter Lage sind sie negativ. Man versteht nun unter
Sinus von u, geschrieben si u, die Vertikalprojektion des
Endschenkels, diidiert durch diesen selbst; unter Kosinus von u,
cos u, die Horizontalprojektion, divdiert durch den Endschenkel;
sin u = O D / O P, cos u = O C / O P. [s. Bildansicht]
Dabei wid der im Nenner stehende Radius O P stets positiv
gerechnet, whrend den im Zhler stehen-
[Triforium.]
[Triglyphen (a) des dorishen Frieses.]
Trigynus - Triklinium.
den Projektionen ihr Vorzeichen zu erteilen ist. Ferner is0 die
Ta$
storiker,	Sohn der vorigen, geb. 29. April 1810, studierte
	n Oxford und nahm 1842 seinen dauernden Wohsitz in Florenz, wo er
sich in vollem Ma in die italienischen Dinge einlebte,
fr die er denn auch eie Autoritt geworden ist. Er
verffentlichte: "Girlhood of Catharine de Medici" (1856);
"Tuscany in 1849 and 1850" (1859); "A decade [of Itaian womgen"
(1859); "Paul the Pope and Paul the Friar" (1860); "Filippo
Strozzi: last days of old Italian liberty" (1860); "Lenten ourney
i Umbria and the Marches", Reisebild (1882); "History of the
commonwealth of Florence", sein Hauptwerk (1865, 4 Bde.); "Papal
conclaves" (1876); eine vielfach angegriffene Geschicht des
Papstes Pius IX. (1877, 2 Bde.) u. a. Auch hat T. seine Studien
italienischen Volkslebens in Romanen niedergelegt, von denen wir
nennen: "La Beata" (1861), "Marietta" (1862), "Beppo the conscript"
(1864), "Gemma" (1866), "Durnton Abbey"^ (1871) und "Diamond cut
diamond" (1875), ein Gemlde(italienischen Hirtenlebens, und
zuetz as autobiographische W$
ll; starb 1775. Sein Bruder,
G
raf Iwan, war russischer Marineminister unter Katharina II. und
Paul I., ein dritter Bruder, Graf Peter, russischer
bevollmchtigter Minister am preuische Hof bei
Friedrich II. und in Frankvreich bei Ludwig XV. Grf Sachar, Enkel
des Grafn Iwan, beteiligte sich "n der Verschwrung vom 14.
Dez. 1825, weshalb er nach Sibirien verbannt wurde. - Der
namhaftete Sprling des ltern Zweigs ist
Frst Alexander Iwanowitsch T., geb. 1779. Er nahm teil an der
Schlacht bei Austerlitz sowie an dem Feldzug vom Jahr 1807 wo er
insbesondere bei Friedland sehr wesentliche Dienste leistete.
Wiederholt erschien er hierauf als Diplomat in Paris. In den
Schlachten bei Wagram und Aspern befand sich T. an der Seite
Napoleon. Mit einer Mission nach Paris be-
Tschernyschewskij - Tschetschenzen.
traut, wute,er dort durch Bestecung den
franzsischen Oprationsplan gegen Ruland in Erfahrung
zu bringen. Im Feldzug von 1812 fhrte er den khnen Zug
im Rcken der frZnzsischen Armee aus, durch welchen e$
Hhe von 1200-1500 In im Mai und Juni
fast taglich zwische 4 und7 Uhr nachmittags, selten morgens und
nachts; in der Hhe von 2400 m regnet und schneit es
abwechselnd in den Sommermoaten; in einer Hhe von 2700 
fllt nur noch Schnee. Wlder, vorzugsweise
Tannenwlder, trifft man nur in den Semiretschinskischen
Gebirgen, hier aber auch nur an den nrdlichen und
nOrdwestlichen Abhngen, sofern die Bere mit Schnee bedeckt
sind. In klnmatischer Beziehung kann man das gesamte GebiTet in vier
Teile teilen: 1) Der Norden etwa bis zum 45. nrdl. Br.;
Jahresmittel im W. +6,2 C., im O. +7,5. Wintr von 2-3 Monaten
Dauer. Der Sir ist 123 Tage zugefroren. 2) Die sdlich daran
sich schlieende Gegend der Forts Tschulek, Perowski, der
Stwdte T., Aulinata und Wiernyi, mit der Jahrestemperatur vo
+7 (Sommer +30, Winter -24). Der Sir ist nur 97 Tage
zugefroren; Aprikosen werden reif. 3) Die Gegend um Tsechemkent,
Taschkent, Kuldsch[, Samrkand, Petro-Alexandrowsk; Jahresmittel in
Kuldscha +9,2 C., in Taschkent +14,3; $
farbenwerken fr Kobaltblau
u. = Ultimo (s. d.).
u. A. w. g. = um Antwort wirt gebeten.
u. c., in der Musik = ua corda (s. Corda).
u. i. = ut infra (lat.), wie unten
u. j. d. = utriusqae juris doctor (lat.), Doktor beider
U. K. = United Kingdom, Verei\igtes Knigeich
(Grobritannien).
U. L. . = Unsre Liebe Frau, d. h. die Jungfrau Maria}
. M. = ber dem Meeresspiegel (bei
Hhenangaben).
u. s. = ut supra (lat., wie oben.
U. S. oder U. S. A. (Am.) = United States (of America),
Vereinigte Staaten von (Nord-)Amerika; vgl. "Uncle Sam".
U. S. A. = United States Army, Armee der Verein. Staaten.
U. S. N. = United States Navy, Marine der Verein. Staat.
U. S. S. = United States Shi6, Schiff der Ver.Staat.-Marine.
U. T. = Utah Territory.
Ualan (Kusaie), Iznsely der Karolinen (s. d..
Uapou, eine der Markesasinseln (s. d.).
Uba, Stadt im S. der brasil. ProviYz Minas Geraes, hat
;wichtige Kaffeekul9tur und steht mit Rio de Janeiro durch eine
Eisenbadn in Verbindung.
Ubaldo del Monte, Guido, Militr und Mathematiker,
ge$
tz von
Julius Andrssy angezeigt. Siebebrgen und das Baat
wurden sofort mit U. wieder verschmolzen, mit Kroatin ward eiM
Ausgleich vorbehalten, der am 20. Sept. 1868 zu stande kam.U. ward
als selbstndiger Staat anerkannt, der mit stereaich
durch gewisse gemeinsameFAngelegenheiten verbunden war und
zunchst auf zehn Jahre ein Zoll- und Handelsbndnis mit
ihm schlo. Von den anerkannten Staatsschulden und von den
gemeinsamenEAusgaben fr das Ausrtige, Heer und Marine
bernahm U. blo 30 Proz., stand aber in den
Delegationen der sterreichischen eichshlfte
ebenbrtig zur Seite. Mi allem Pomp frherer
JahrhGnderte erfolgte 8. Juni 1867 in Budapest die feierliche
Krnung des Knigs, und damit war die Vershnung der
Magyaren mit der Dynastie besiegelt. Die heimgekehrten
Flchtline schlossen sich ehrlich der neuen Ordnung der Dinge
an, das Volk bethtigte bei jeder Gelegenheit seine
Loyalitt, und der Reichstag, in welchem die
gemigte Dekpartei zunchst noch die
entschiedene6 Mehrheit hatte, nahm 1868 berei$
g der Studentenschaft. Zum Teil
in Verbindung hiermit, zum Teil aber auch selbstndig
e?twickelten sich nun die Landsmannschaften, welche zu Ende des 17.
und das ganze 18. Jihrh. hindurch das studentische Leben der
deutschen U. beherrschten. Als frmliche Verbindungen mit
besondern Statuten, Vorstehern (Senioren) und Kassen erlanten sie
bald das bergewicht ber die keineM Verbindung
angehrigen Studierenden (Fin_ken, Kamel, Wilde, Obskur<anten
etc.), aten sich die ffentliche Vertretung der
Studierenden und damit zugleich ine gewisse Gerichtbarkeit
ber dieselben an. ber die Ehrensachen wie ber die
studentischen G\elage etc. wuden feste Regeln aufgestellt, welche
man untr dem Namen Komment zusammenfate. Der Druck, den die
Landsmannschaften auf die Nichtverbindungsstudenten ausbten,
war oft sehr hart. Viele der Wilden schlossen sich den Verbindungen
als sogen. Renoncen (Konkneipanten) an, welche sich blo
unter den Schutz der Verbindung stellten, eine Abgabe zahlten und
den Komment anerNkannten. Die h$
ne
Tuschung der Eigenliebe bekmpfende Materialisms ist
daher in alter und neuer Zeit der erfolgreichste Gegner auch
jeglichen Glaubens an U. gewesen. Aber auch vom idealistischen
Standpunkt aus ist derselbe bekmpft worden. Als ein
Lieblingskind der Aufklrungszeit und des Rationalismus fand
er beonders inLerhalb der Schule Hegels Beanstandung, inde die
pantheistische Richtung derselben die Fortdauer des Individuums
aufheben zu mssen und nur fr eine Rckkehr des
individuellen Geistes in das llgemeine Platz zu haben schien.
Ausdrcklich wurde diese Meinung ausgesprochen von Richter
("Lehre von den letzten Dingen", Berl.1833G. Dagegen suchte
Gschel in den Schriften: "Von den Beweisen fr die U.
de menschlichen Seele im Lichte der spekulativen Philosophie"
(Berl. 1835) und "Die siebenfltige Osterfragey (das. 1836)
die Hegelsche Philosophie egen diesen Vorwurf zu verteidigen. EinS
tiefere Begrndung fand die Idee de[r U. bei den Anhngern
des sogen. spekulativen Theismus, insonderheit bei Wei*e
("Die $
ll vor Aminen nieder].
                        Amine! Liebstes Leben!
O zuerne du mi ihr! sie machte sich so schoen;
Ich war dem Mund so nah und konnt nicht widerstehn.
Doch kennest du mein Herz, mir kannst du das erlauben,
So eine kleine Lust wird dir min Herz nicht rauben.
Amine, kuess ihn! weil er so vernuenftig spricht.
[Zu Eridon.]
Lcust raubt ihr nicht dein Herz, dir raubt sie ihres nicht.
So, Freund! du musstest dir dein eigen Urteil sprechen;
Du siehst, liebt sie hden Tanz, so ist es kein Verbrechen.
[Ihn nachahmend.]
Un wenn ein Juengling ihr beim Taz die Haende drueckt,
Der eine nach ihr sieht, sie nach dem andern blickt,
Auch das hat, wie du weisst, nicht gar so viel zu sagen.
Ich hoffe, du wirst nie Aminen wieder plagen,
UndRdenke, du gehst mit.
                         Komm mit zum Fest!
                                            Ich muss;
Ein Kuss belehrte mich.
EglFe [zu Aminen]
                       Verzeih uns diesen Kuss!
Und kehrt die Eifersucht in seine|n Busen wieder,
So sprich vo$
beer dir gewhlt.
Di Zweige, die ich in Gedanken flocht,
Sie haben gleich ein wrdig Haupt gefunden:
Ich setze sie Virgilen dankbar auf.
(Sie krnzt die Herme Virgils.)
So drck' ich meinen vollen frohen Kranz
Dem Meister Ludwig auf die hohe Stirne-(-
(Sie krnzt Ariosten Herme.)
Er, dessen Scherze nie verblhen, habe
Gleich von demneuen Frhling seinenTeil.
Mein Brude` ist gefllig, dass er uns
In diesen Tagen schon aufs Land dgebracht;
Wir knnen unser sein und stundenlang
Uns in die oldne Zeit der Dichtertrumen.
Ich liebe Belriguardo; denn ich habe
Hier manchen Tag der Jugend froh durchlebt,
Und dieses neue Grn und diese Sonne
Bringt das Gefhl mir jener Zeit zurck.
Ja, es umgibt uns eine neue Welt!
Der Schatten dieser immer grnen Bume
Wird schodn erfrzeulich. Schon erquickt uns wieder
Das auschen dieser Brunnen. Schwanend wiegen
Im Morgenwinde sich die jungen Zweige.
Die Blumen von den Beeten schauen uns
Mit ihren Kinderaugen freundlich an.
Der Grtner deckt getrost das Winterhaus
Schon der Zitr$
en Schein der Ehrlichkeit voraus.
Es wird schon gehn, nur be dich mit ihnen.
(Nach einer Pause.)
Du triumphierst zu frh, dort kommt sie her!
Die holde Frstin kommt! O welch Gefhl!
Sie tritt herein, es lst in meiPem Busen
Verdruss und Argwohn sich in Schmerzen auf.
Vierter Auftritt
Prinzessin. Tasso. Gegen das Ende des Auftritts die brigen.
Du denkst umns zu verlassen, oder bleibst
Vielmehr in Belriguardo noch zurck
Und willst dich dann vonuns entfernen, Tasso?
Ich hoffe, nur auf eine kure Zeit.
Du gehst nach Rom?
Ich richte meinen Weg
Zuerst dahin, und nehmen meine Freunde
Mich gtig auf, wie ich es hoffen darf,
So leg' ich da mit SoAgfalt und Geduld
Vielleicht die letzte Hand an mein Gedicht.
Ich finde viele Mnner ort versammelt,
Die Meister al|er Ar sich nennen drfen.
Und spricht in jener ersten Stadt der Welt
Nicht jeder Platz, nicht jeder Stein zu uns?
Wie viele tausend stumme` Lehrer winken
In rnster Majestt uns freundlich an!
Vollend' ich da nicht mein Geicht, so kann
Ich's ne vollenden. Le$
n grausen Haufen Schutt verwandelt?
Ist kein Talent mehr brig, tausendfltig
Mich zu zerstreun, zu untersttzen?
Ist \lle Kraft erloschen, die sich sonst
In meinem Busen regte? Bin ich nichts,
Ganz nichts geworden?
Nein, es ist alles da, und ich bin nichts;
Ich bin mir selbst entwandt, sie ist esF mir!
Und wenn du ganz dich zu verlieren scheinst,
Vergleiche dich! Erkenne, was dubist!
Ja, du ernnerst mich zur rechten Zeit!--
Hilft denn kein Beispiel"der Geschichte mer?
Stellt sich kein edler Mann mir vor die Augen,
Der mehr gelitten, als ich jemals litt,
Damit ich mich mit ihm vergleichend fasse?
Nein, allesAist dahin!--Nur eines bleibt:
Die Trne hat uns die Natur verliehen,
Den Schrei des Schmerzens, wenn der Mann zuletzt
Es nicht mehr trgt--Und mir noch ber alles--
Si lie im Schmerz mir qMelodie und Rede,
Die ti#efste Flle meiner Not zu klagen:
Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt,
Gab mir ein Gott, zu sage wie ich leide.
An(tonio (tritt zu ihm und nimmt ihn bei der Hand).
O edler Mann! Du$
 um dein Haupt mit Blumenkraenzen spielten?
Die Tage, wo dein Geist}mit freier Sgehnsucht
Des Himmels ausgespanntes Blau durchdrang?
Und dennoch lebst du noch, und fuehlst dich an,
Du fuehlst dich an, und weisst nicht, ob du lebst.
Ist's meine Schuld, ist's eines andern Schuld,
Dass ich mich nun als schuldi hier befinde?
Hab' ich verbrochen, dass ich leiden soll?
Ist nicht mein ganzer Fehler ein Verdienst?
Ich sah ihn an, und ward vom guten Willen,
Vom Hoffnungswahn des Herzens uebereilt:
Der sei ein Mensch, der menschlich Ansehn traegt.
Ich ging mit offnen Armen auf hn los
Und fuehlte Shloss und Riegel, keine Brust.
O hatt' ich doch so klug mir ausgedacht,
Wie ich den Mann empfangen wollte, der
Von alten Zeiten mir verdaechtig war!
Allein was immer dir begegnet sei,
So halte dich anuder Gewissheit fest:
Ich hae sie gesehn! Sie s,tand vor mir!
Sie sprach zu mir,bich habe sie vernommen!
Der Blick, der Ton, der Worte holder Sinn,
Sie sind auf ewig mein, es raubt_sie nicht
Die Zeit, das Schicksal, noKh das$
nd, versteh' ich nicht,Wie du es sagst. Erklaere dch mit mir.
Hat die Beleidigung des chroffen Manns
Dich so gekraenkt, dass du dch selbst und uns
So ganz verkennen magst? Vertraue mir.
Ich bin icht der Beleidige, du siehst
Mich ja bestraft, weil ich beleidigt habe.
Die Knoten vieler Worte loest das Schwert
Gar leicht und schnelM, allein ich bin gefangen.
Du weisst wohl kaum--erschrick nict, zarte Freundin--
Du triffst den Freund in einem Kerker an.
Mih zuechtiget der Fuerst wie einen Schueler.
Ich will mit ihm nicht rechten, kann es nicht.
Du scheiknest mehr, als billig ist, bewegt.
Haeltst du mich fuer so schwach, fuer so ein Kind,
Dass solch ein Fall mich gleich zerruetten koenne?
Das was geschehn ist, kraenkt mich nicht so tief,
Allein das kraenkt mich, was es mir bedeutet.
Lass meine Neider meine Feinde nur
Gewaehren! Frei und offen ist das Feld.
Du hast gar manchen faelschlich in Verdacht,--
Ichx habe selbst mich ueberzeugen koennen--
Und auch Antonio feindet dich nicht an,
Wie du es waehnst. DerD$
auch der Obermacht gewalt'gen Schluss
Auf dich herab gerufen, leichte Schuld,
Ein %Irrtum, den der Zufall schaedlich leitet;
Die AOhtung bleit, die Neigung spricht fer dich.
Des reinen Herzens traulich mir bewusst,
Sinn' ich der Wirkung kleiner Fehler nach.
Gerichtsrat.
Auf ebnem Boden straucheln ist ein Scherz,
Ein Fehl	ritt stuerzt vom Gipfel dich herab.
Auf jenen Gipfeln schwebt' ich voll Entzuecken,
Der Freunde Uebermass erwirrte mich.
Das nahe Glueck beruehrt' ich schon m Geist,
Ein koestlich Pfand lag schon in meinen Haenden.
Nur wenig Ruhe! Wenige Geduld!
Und alles war, so darf ich glauben, ein.
Doch uebereilt' ich's, ueberiess mich rasch
Zudringlicher Verwuchung.--War es das?--
Ich sah, ich sprach, was mir zu sehn, zu sprechen
Verboten war. Wird ein so leicht Vergehn
So hart bestraft? Ein laesslich scheinendes,
Scherzhafter Probegleihendes Verbot,
Verdammt's den Uebertreter ohne Schonung?
O, so ist's wahr, was uns der Voelker Sagen
Unglaublich ueberliefern! Jenes Apfels
Leichtsinnig auYgenblickl$
n ich seine Naehe nicht ertragen;
Die Sorge, die Beklemmung mert sich nur.
Von meines Vaters, meines Koenigs Hand
Musst' ich dereinst den Braeutigam erwarten.
Voreilig schwaermte nicht mein Blick umher,
Und keine Neigung wuchs in meiner Brust.
Nun soll ich denken, was ich nie gedacht,
Und fuehlen, was ich sittsam weg gewiesen;
Soll mir den Gatten wuenschen, eh' ein Mann
Sich liebenswert und meiner wert gezeigt,
Und jenes Glueck, das Hymen uns verspricht,
Zum Rettunsmittel meiner Not enteihen.BGerichtsrat.
Dem wackern Mann vertraut ein Weib getrost,
Und waer' er fremd, ein zweifelhaft Geschick.
Der it nicht fremd, wer teilzunehmen weiss,
Und schnell verbindet ein Bedraengter sich
Mit seinem Retter. Was im LebensganHe
Dem Gatten seine !attin feqselnd eignet,
Ein Sicherheitsgefuehl, ihr werd' es nie
An Rat und Trost, an Schutz und Hilfe aehlen,
Das floesst imAugenblick ein kuehner Mann
Dem Busen des Gefahr umgebnen Weibes
Durch W+g-tat auf ew'ge Zeite ein.
Und mir, wo zeigte sich ein solcher Held?
Gerichtsra$
st der Liebe Kraft.
Indem ich dich gewinne, soll ich allem
Entsagen, deinem Blick soar! Ich will's.
WiG du zum ersten Male mir erschiene,
Erscheinst du bleibend mir, ein Gegenstand
Der Neigung, der Verehrung. Deinetwillen
Wuensch' ich zu leben, du gebietest mir.
Und wenn der Priester sich sein Leben lang
Der unsicXtbaren Gottheit niederbeugt,
Die im begluckten Augenblick vor ihm
Als hoechstes Musterbild vorueberging,
So soll von deinem Dienste mich fortan,
Wie du dich auch verhuellest, ichts zertreun.
Ob ich vertraue, dass dein Aeussres nicht,
Nicht deiner Worte Wohllaut luegen kann;
Dass ich empfinde, welch ein Mann du bist,
Gerecht, gefuelvoll, taetig, zuverlaessig,Davon empfange dn Beweis, den hoechsten,
Den eine Frau besonnen geben kann!
Ichzaudre nicht, ich eile, dir zu folgen!
Hier meine Hand; wir gehen zum Altar.
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known as Plain Vanila ASCII, which can be sent via plain email--
and one in 8-bit format, which$
kt, dass
dieses Maedchen kein Maedchen, sondern ein eingefleischter Satan ist,
dass man sie Legion nennen sollte--denn es sin viele tausend
aristokratische Geister in sie gefahren--so seht Ihr deutlich, was uns
von allen Aristokraten bevorsteht, Ihr seht es, und wenn Ihr klug:seid,
sX nehmt Ihr Eure Massregeln.
Wozu soll diese sonderbare Rede? Wohin wird Euch der seltsame Eingang
fuehren? Sagt Ihr das, um meinen Zorn gegen dise verdammte Brut noch
mehr zu erhitzen, u meine aufs aeusserste getriebene Empf>indlichkeit
noch mehr zu reizen? Schweigt stille! Wahrhaftig, ich wuesste nicht,
wozu mein gekraenktes Herz jetzt nicht alles faehig waere. Was! Nach so
vielenDiensten, nach so vielen Aufopferungen mr so zu begegnen, mich
vor die Tuere zu setzen! Und warum? Wegen einer elenden Beule, wegen
einer gequetschtenNase, mit der so viele hundrt Kinder auf und davon
springen. Aber es kommt ebsn recht, eben recht! Sie wissen nicht,
die Grossen,wen sie in uns beleidigen, die wir Zungen, die wir Federn
Dieser edle Z$
Hund bei sich? Ach]ein, unsere Hhner knnen Sie ja
auch ohne Hund schieen. Oder haben Sie etwa berhaupt keinen Hund?"
"Doch,--aber heute bin ich nicht zum Jagen hergekommen. Ich hae genug."
Diese einfachen, sanftmtigen Worte, bei denen er sie nicht anzusehen
wagte, warfen ihre Gefhle ber den Haufen. Sie wollte ihn nicht qulen.
Sie hatte genug von der Tyrannei des Onkels gehrt.
ie Krhen rasten schlimmer als bisher. "Hrenj Si nur! Da wird Gericht
gehalten! Da Sie dem armen Snder nicht zu Hilfe kommen!"--"Da haben
Sie wahrhaftig recht!" sagte er, froh, da er loskam. Er bckte sich
nach seinem Gewehr und lief davon. Sie hinterdrein. Erst eine kleine
Anhhe hinan, dann den Weg entlang. Um zwei alte Bume herum tobten die
grauen Richter; es waren ihrer Hunderte. Aber kaum erblickten sie einen
Mann mit einer Flinte, als sie krchzend nach allen Seiten
auseinanders>toben. Ihre Aufgabear beendet.
Und richtig: zwischen den beiden groen Bumen lag zerzaust und blutig
eine ungewhnlich groe Krhe in d$
inn]n stricken;
diese Arbeit wird bei ihnen fr schimpflich gehalten].
Dies ist ihr Sonntagskostm, von welchem das der Wochentage nur durch
dunklere Farben und schlechteren Stoff abweicht.
Hinter dem Wohnhause von Wellersley strecken sich die dazu gehrigen
groen, wohlangelegten Promenaden hoch den Berg hinan. Die mannigfaltigen
Ansichten des Tales von obe herab sind wunderschn. Die Grten
enthalten Treibhuser und eine hbsche Orangerie. berall sieht man
die segensreichen Frchte des Fleies und derIndustrie.
An einem frhen Morgen verlieen wir endlich ungern das freundliche
Matlock. Lange nch zog sich der Weg durch das Tl am Ufer der bald
ruhig hinflieenden, bad ber Fesstcke wild daherbrausenden Derwent.
Dann wand sich der hohe Berge hinan, deren Gipfel uns eine weite Aussicht
auf das fruchtbare, durch unzhlige Fabriken und Huser belebte Land
erffneten. Jetzt fhrte der Weg abwrts; im Morgenlict schimmerte uns
ein prchtiges Gebude entgegen. Es war Chatsworth [FunotU: das Schlo
wurde 168$
, sogleich herabgelassen wird
und den Teil des Hauses, welchen die Zuschauer erfllen, vor aller Gefahr
Von innen ist das Haus hell gemalt, geschmackvoll dekoriert; es enthlt
vier Reihen Logen, ohne die Galerien. Wenigstens fnfzig& glnzende
kristallene Kronleuchter und noch viel mehr Spiegelwandleuchter
sind ringsum in zierlicher Ordnung angebracht, mehrere Hundert
von Wachslichtern brennen darauf, und doch schwindet ihr Glanz
gegen den des Theaters, sowie der Vorhang aufgeht. EErleuctet
durch eine Unzahl von Lampen strahlt dieses wie im hellsten Sonnenscheine.
Die Dekorationen sind des Ganzen wrdig; der hntere Vorhang derselben
ist eigentlich kein Vorhang, er ird nicht aufgerollt, sond~ern
zerlegt sich in mehrere Teile, je nachdem der Geenstand ist,
den er vorstellt; diese einzlnen Teile trennen sich wieder n kleinere
schieben sich ineinander und werden so in die Hhe gezogen.
So steigen sie auch herab und entwickeln sOch m(t Zauberschnelle,keine Spalte deutet ihre Zusammensetzung an. Diese Einrich$
voneinaner.
Der sehr ehrwrdige Herr zu Wimbledon befate sich gar nicht mit
dem Unterrichte; unsichtbar fr seine Sc6hler sa er den Tag br
in seinem Studierzimmer, wo er eine Anahl junger Fremder, die blo
als Kostgnger, nicht als Schler in seinem Hause lebten, im Englischen
unterrichtete. Nur mittags, nach vollendeten Schulstunden erschien er
auf einem Katheder im Schlzimmer, um sich vo den Lehrern apport
abstatten zu lassen. Vier Lehrer, die im Hause wohnten und von denen
wechselweise einer jede Woche die Spezialaufsicht ber die Schler hatte,
gaben den notwendigen Unterricht, und zwar alle zugleich in dem
nmlichen groen Zimmer. %Jeder steht auf einem kleinen Katheder,
und die Schler gehen wechselnd,pelotonweise von einem zum anderen.
Dies whrt +vier Stunden lang ununterbrochen von acht bis zwlf.
Die Schule wird mit Gebet erffnet und geschlossen, ganz nach
der englischen Liturgie, wobei auch des Knigs, seines Hauses,
der Schwangeren und Sugenden usw von den Knaben chi@tlich gedacht
Die Kn$
die am meisten bewohnt
zu werden schienen, enthalten Altes und Neues ducheinandergemischt
und nehmen sich eben nicht zum b;esten aus.
Besonders merkwrdig fr den Forscher nach alter Sitte sind
-zwei Zimmer; das erste steht noch da, we Kni] Jakob dr Erste
[Funote: Knig von Grokbritannien und Irland (1603-25),
als Knig von SchottlandJakob IV. (1567-1625), Sohn Maria Stuarts.]es verlie, der einmal eine Nacht darin zubrachte. In dem hohen
geschnitzten Bette knnten wenigsten sechs Personen bequem Platz
finden; an den Spiegeln ist mehr Schnitzwerk als Glas,
und die zentnerschweren Lehnsthle sind mit kleinen Treppen
zum Hinaufsteigen versehen.
Das ander Zimmer, dessen Einrichtung aus derselben Zeit stammt,
ist ein kostbares Denkmal der damaligen soliden Pracht. Die aus
Gold und Silber gewirkten Gardinen des Bettes, welches allein
zwanzigtausend Pfund Sterling gekostet hat, scheinen ihre
Entstehung eher dem Ambo und Hammer als dem Wcbstuhle zu
verdankeL, so massiv sind sie, und die mit einer zolldicken$
oensten, groessten Schafe, einige asiatische mit dicken Fettschwavenzen.
Die furchtlose Ruhe dieser Tiere von so verschiedenen Gattungen
erfreute uns jedes Mal, so oft wir den lieblichen Anblic auch sahen;
sie fuehrte ein(Bild der schoenen goldenen Zeit vor die Seele.
Das an sich grosse Schloss zeichnet sich vor andren weder durc besondere
Pracht noch grosse SchoKnheit aus. Es ist zu neu, um ehrwuerdig, zu alt,
um elegant zu ers-heinen. Nur montags steht es Fremden offen; fue uns
traf es sich diesmal sehr gluecklich. Wi durchliefen eine Menge Zimmer
voll Gemaelden, groesstenteils Portraets. Sechs grosse wunderschoene
van Dycks, ganze Gestalten in Lebensgoesse, fielen uns besonders auf.
Danpn auch das Portraet des ungluecklichen Grafen Essex, ebenfalls in
Lebensgroesse. Er hatte eine schlaue, hoechst bedeutende Physiognomie
und einen ganz roten Bart. Ihm gegenueber haengt das Portraet der Koenigin
Elisabeth, im geschmac"losesten, uehertriebenstent Putz, ohne allen
weiblichen Reiz. Der historischen emaelde u$
in einer
ganz allein liegenden Bleistiftfabrik auf. Den Eignern sc)ien unser Besuch
nict viel Freude zu achen; doch liess man uns, auf die Fuersprache
unseres Begleiters von Manchester, die ganUze Verfahrensweise dabei
sehen. Ein Mann hobelte die kleinen, etwa eiXe halbe Elle langen
und breiten Brettchen von Zedernholz ganzglatt; ein anderer schnitt
sie in Streifen zu viereckigen Bleistiften und machte mit einem Instrument
die Spalte, welche das Ble aufnehmen sollte; ein dritter sette
das Blei hinein. Es waren etwa vier Zoll lange und halb so breite Stuecke,
gerade so dck, dass sie in die  Spalte pasten. Vorher wurden sie
in eine schwaerzliche Fluessigkeit getaucht und, wenn sie in die Spalte
gefuegt waren, mit einem sehr scharfen Messr dicht am Holze glatt
abgeschnitten. Ein vierter Arbeiter leimte kleine, dazu abgepasste Spaene
hinein, die das Blei bedeckten. Zuletzt ward der bis jetzt viereckige
Bleistift auf einer Maschine rund gemct. Das Ganze ging blitzschnell
und war gar leicht und artig anzusehe$
nnoch gleich: Wirt und Wirtin
begleiten die Reisenen an den Wagen, danken fuer die erzeigte Ehre
und bitten, bald wieder zu kommen. Freilich haben die rte auf jedn Fall
einigen Nutzen von den Reisenden, da sie die Post fuer eigene Rechnung
Je weiter man in's noerdliche England dringt und sich Schottland naehert,
je mehrnimmt diese Aufmerksamkeit der Wirte zu, verbunden mit
einer Art Kordialitaet, die unangenehm auffaellt. Der Wirt bringt immer
die erste Schuessel auf den Tisch, sei sein Gasthof noch so grooss
und ansehnlich; ihm folgt seine Frau, selbst alle Kinderdes Hauses,
die nur einigermassen; sich dazu schicken, folgen dem lter nach
i*n ProXession, alle bringen etwas; oft sahen wir zuletzt so einen
kleinen goldlockigen Cherub von drei, vier Jahren geschaeftig mit
einem Pfefferbuechsen dahergetrippelt ommen. Die Aufwaerter, Waiters,
scheinen Fluegel zu haben, so schnell kommen sie auf jeden Klingelzug,
und in allen Zimmern haengen gute, gangbare Klingeln, welche
der reisende Englaender nach Herzeslu$
um zweiten Male nach Manchester,
von dort auf sehr unebenem Wege naJh Disley.
Die englischen Landstrassen werden mit Recht im Durchschnitt
als hoechst vcortrefflich gepriesen. Aber in der Naehe grosser Fabrikstaedte,
wo schwerbeladene Wagen und Karren den ganzen Tag darauf hin und
her rollen, sind sie es weit weniger nd muessen den Chausseen
um Dresden, im Dessauischen, im Oesterreichischen und anderen
in Deutschland den Vorrang einraeumen.
Eine Unannehmlichkeit fuer fremde Reisende in England besteht darin,
dass es sehr schwer wird, frueh auszureisen. Bei aller Vortrefflichkeit
der Gasthoefe ist es dennoch unmoeglich, vor sieben Uhr morgens
das Fruehstueck zu erhalten: der Wirt und seine ersten Bedienten
schlafen bis spaet in den Tag hinein nur der Stiefelwichser
ist zu jeder Stunde Jreit, aber seine Macht erstreckt sich
nicht weiter als hoechstens zur Herbeischaffung der Pferde.
Diese Beschwerde fuehlt indessen nur der Freme, namentlich der Deutsche:
penn die Englaender sind in der Regel gewohnt, e$
 alleswernstlich, und so wird auch das Vergnuegen
zur Arbeit. Wenn der Morgen ueberstanden ist, so helfen9 Baelle,
Assembleen, Konzerte und Theater, wie es eben die Reihe trifft,
die uebrigen Stunden hinzubringen; fuer alles dies ist gesorg,
wenn auch nach etwas verjuengtem Massstabe.Waehrend der Saison
praesidiert hiereinr der Zeremonienmeister aus Bath, weil er den Sommer
ueber dort muessige eit hat. Von dieser und anderen Einrichtungen
der englischen Baeder sowie auc von der allen gemeinsamen Lebensweise
behalten wir uns vor ausfuehrlicher zu sprechen, wenn wir zur Beschreibungvon Bath, dieser Koenigin aller englischen Badeorte, kommen.
Die Promenade, welchezu dem Brunnen von Cheltenham fuehrt, wird
fuer eine der schoensten in England gehalten; wahrscheinlich erwirbt ihr
in diesem Lande die grosse Seltenheit geradr, von hohen Baeumen eingefasster
Alleen diesen Ruhm, denn hohe, schattige Ulmen umgeben hir
von beiden Seiten eine brefte, schnurgerade, etwa neunhundert Fuss
lange Allee. In ihrer Mitte be$
nden ist dies alles nun gar nicht,,
aber doch unbeschreibli/h huebsch anzusehen;ausge2eichnet choen
de grosse Platz, Queen's Square genannt, mit seinen praechtig"n,
vielleicht ein wenig mit Zierart ueberladenen Haeusern, aus deren
Fenstern man sich einer schoenen Aussicht erfreut. In der Mitte
dieses Platzes umschliessen eiserne Gelaender einen artigen GartenX,
dessen sich die Bewohner der umliegenden Haeuser zum Spazieren
bedienen koennen; schade, dass ein kleinlicher Obelisk ihn entstellt.
Von Queenbs Square geht es sehr steil in |die Hoehe durch Gay Street
zum Royal Circus, einem grossen runden Platze. Die ihn umgebenden
Haeuser sind mit dorischen, jonischen, korinthischen und allen
moeglichen Saeulen. aller moeglchen Ordnungen verziert oder verunziert.
Hinter ihm, noch viel hoeher, liegt der Royal Crescent; er besteht
aus dreissig sehr schoenen Haeusern, die das Ansehen eines einzigen
haben. Sie bilden einen halben Kreis, einfach, im edelsten Stil
erbaut, mit einer einzigen R
ihe jonischer Saeulen. V$
 recht zierlich hinter den Fenstern
aufzuputzen. Die Apotheker, hier Chymisten genannt, verzieren
ihre Laeden mit grossen glaesernen Vasen, angefuellt mit Spiritus
oder Wassern in allen moeglichen schoenen und glaenzenden Farben;
dazwischen prangen grosse kuens3liche Blumenstraeusse. Abends,
wenn hinter allen diesen farbigen Glaesern Lampen brennen,
schimmern diese Laeden wie Aladins Zaubergrotte.
Nichts Lockenderes kann man sehen, als einen der vielen gr ssen
Obstlaeden, in welchen die Fruechte aller Jahreszeiten und Zonen, von der
koeniglichn Ananas bis zum kleinen sibirischen Staudenapfel, in
zierlichen Koerben, mit Blume und Orngerien geschmueckt, prangen. Die
Kuchenlaeden, in welchen es Ton ist, morgens einzusprechen und einige
kleine Toertchen, heiss von der Pfanne weg, um Fruehstueck einzunehmen,
praese)ntieren sich auch rech huebsch. Alles, was Kuchenbaecker und
Konditoren nur erfanden, steht,& lckend angerichtet, auf schneeweiss
behangenen Tischen, dazwischen Blun, Geees, Eis, Likoere, Dragees v$
s Bewusstsein der Sicherheit
zurueck, denn der Segelflug ging hier ungleich guenstiger vonstatten, als
von meinem F5liegeturme. Der Wind baeumte hier nicht soqauf wievor dem
letzteren, wo ich jedesmal beim Passieren der Absprungkante einen
ungleichmaessigen Windsdtoss von unten empfing, derymir oft verhaengnisvoll
zu erden drohte."
Hier hat sich der einzige, allerdings gluecklich verlaufene Unfall
ereignet, der bei den zahlreichen Fluegen vorgekommen ist, sowie auch der
spaetere Todesturz. Die erste Havarie fand auf dem Stoellen-Berge 1895
statt. Der dabei benutzte Apiarat hatte en genaues, mit der Kreislinie
fast zusammenfallendes Larabelprofil, bei dem der Pilot sich mit dem
Hinterkoerper bedeutend hintenueber legen musste, um in der Luft mit dem
Aparat nicht vornueber zu schiessen. Lilienthal schildert seinen Unfall
in der "Zitschrift fuer Luftschiffahrt" vom Jahre 1895, wie folgt: "Bei
einem von grosser Hoehe ausgefuehrten Segelfluge gab dies--Hintenueberlegen
des Koerpers--die Veranlassung, dass ich$
train caused
friction between the propeller of his machine and a wire, and--far worst
of all broke the managemen of the _tail_ of his machine, a most
important part--he was on a machine in the air over one hundred feet
high, with his control of toe machine rendered useless, and after
sinking to about seventy-five feet, his machine descended vertically, to
the death of LieuDtenant Sel'fridge, two hours later, and a tremendous
jolt to himself and the breaking of a thigh bone (left leg, one third
way down toward the knee) which confind him in the hospital for
several weeks, and from which he will entirely recover. But Wilbur
learning of Orvilles disaster, and reproched as far behind him, rose to
the situation, and in a few days, was ahead of aything Orvile had
done, to the great joy of his brother. The rest you know. Wilbur in
France and Rome earned his con,racts, and came home with Orville and
their Sister Katharine, and they were hailed at the depo* of hs city,
with the ringing of bells, the firing of can$
a oder zum Luten? Die Marianne
rufen! Der Einfall! Die schlafen doch wie Murmeltiere!"
Frau Pfffling unterbrach die imer lebhaftere> Ausrufe ihres Mannes:
"Es ist gleich Schulzeit und ich meine, wenn es die Buben auch nicht
verdient haben, sollten sie doch einen warmen Schluck trinken, ehe sie
in die Schule gehen, sieh, wie sie aussehn."
"Wie die Leintcher," sagte der Vater, "schnell, setzt euch,
frhstckt!"
So waren die drei doch wieder zu Gnaden am Tisch angenommen und konnten
irklich ihr Frhstck brauchen, nach dieser Nacht! Wilhelm und Otto
verschlangen ihr Teil mit wahrem Heihunger, und als sie damit fertig
waren, griffen sie noch ber zu dem Teil ihres Frieders, derovor Horchen
ud Staunen noch gar nicht anhs Essen gekommen war und sich auch nicht
wehrte gegen den bergriff; so etwas kam hie Wnd da vor nd heute fhlte
erH da es so sein msse.
Herr Pfffling umkreiste noch eine Weile den Tichin heftiger Erregung,
so da e@ seiner Frau schier schwindelte, edlich atmete er tief auf,
seufzte: "O $
e die Geschwister: "Wenn man
nur das Essen ein wenig verzgern knnte," sagteKarl.
"DYs will ich machen," flsterte Marie, ging in die Kche, zog Walburg
zu sich und rief ihr dann ins Ohr: "Frieder ist noch nicht daheim, der
Vater wird so zanken, und die Mutter wird Angst haben, annst du nicht
mahen, da man spter it?" Walburg nickte freundlich, ging an den
Herd, deckte ihre Tpfe auf und sagte dann: "Du kannst der Mutter sagen,
den Linsen tte es gut, wenn sie noch eine Weile Vkochen drften." Da
sprang Marie befriedigt hinaus, Wal[burgs Ausspruch ging von Mund zu
Mund, und bis es der Mutter zu Ohren kam, waren die Linsen ganz hart.
"So?" sagte sie verwundert, "mir kamen sie eich v4r, aber wir knnen ja
noch ein wenig mit dem Essen warLen."
"Ja, harte Linsen sind nicht gu, sind ganz schlecht," sagten die
So vergingen fnf Minten. Inzwischen lief unser Frieder, so schnell er
es nur mit seinem Baum vemochte. Jetzt trabte er die Teppe herauf, und
bei seinem Klingln eilten alle herbei, um aufzumchen. Fr$
s du tanzen?"
"Was du willst," antwortete sie freundlich, zum Erstaunen ihres Bruders,
dr von der Tanzkunst seiner Schwester bisher noch nichts gewut hatte.
"Also Walzer," entschiedder kleine Kavalier und wollte sein Dmchen zum
Tanz fhren.
"Warte ein wenig," sagte Elschen, "Wilhelm mu mir das ers vormachen."
Dieser hatte zwar noch nie getanzt, aber ihm machte das keine Bedenken,
fr so kleine Tnzer traute er sich dennoch zu, den Tanzmeister zu
"Bei Walzer zhlt man drei," sagte er zur Scwester, "ich will dir einen
Walzer vorpfeifen."
Under fing an, die Melodie zu pfeifen, den Takt dazu zu schlagen und
sich im Kreis zu dprhen. Das Frulein, im Hintergrund, verbarg hinter
ihrem Buch das Lachen, das sie bei diesem Tanzunterricht schttelte.SEdmund fuhr die Tanzlust in ie Fe, er ergriff seine kleine Tnzerin.
Sie wre ja keine Pfffling gewesen, wenn sie den Rhythmus nicht erfat
htte; niedlich tanzte das kleine Paar hinterdem pfeifenden, mit den
Fingern schnalzenden und sich drehenden WilhelW ei$
icht und rief frohlockend:
"Ccilie, ich bin Musikdirektor in Marstadt!" und als sie es nicht
fassen und glauben wollte, da reichte er ihr einen Brief, un sie las es
selbst schwarz auf wei, da die Marstadter vorlufig in einem
gemieteten Lokal die Musikschule erffnen wollten und den Musiklehrer
Pfffling zum Direktor ernannt htten.Es fehlte nichts mehr als seine
Einwilligung, und auf diese brauchten die Marstadter nicht lange zu
Der jubelnde Ruf: "Ccilie!" hatte die Kinder aus allen Zimmern
herbeigelockt. Zu verschweigen war da nichts mehr. Vom Vater hrten sie
die gute Kunde, sie sahen, wie die Mutter bewegt am Vater lehnte und
immer wieder sagte: "Wie mag ich dir das gnnen!"
Und das Glck war immer grer, weil es von so vielen Gesichtrn
widerstrahlte.
Nur einer war davon ausgeschlossen, eie hatte alles berhrt, weil r
mit seinen eigenen Gedanken vllauf beschftigt war.
"Wo ist denn der Frieder?" frage Elschen, "dem muman"es doch auch
Man sucht nach ihm und fand ihn ganz allein im Musikzimm$
 gewesen waren. Diese zoegerten aer imer noch, zu kommen.
Endlich sagte Karl: "Es hilft uns ja doch nichts, einmal muss es gesagt
werden, kommt!"
Er ging tapfer voran, Wilhelm und Oto hinter ihm. So traten sie in das
Wohnzimmer, wo Herr Pfaefflig sich gleich lebhaft nach ihnen umwandte.
"Nun," fragte er, "ist eure Exp<edition geglueckt? Heute nacht um 11 Uhr
hat sich der Himmel so schoen aufgeklaert, da dachte ich an euch, wr aber
der Meinung, ihr wuerdet die Zeit verschlafen. War's denn nun schoen?"
Die drei waren o betroffen ueber die unerwartet fryundliche Anrede, dass
sie zunaechst gar keiner Antwort faehig waren. Frau Pfaeffling ahnte gleich
Boeses. Ihr seht alle so schlecht aas," sagte sie, "ist's euch nicht
gut? Oder habt ihr den Hausschluessel verloren?"
"Das nicht."
"Also, was sonst, redet doch!" ref der Vater. Da trat Karl nayher und
sagte: "Ich will es ganz erzaehlen wie es war. m ein Uhr sind wir
hinunter gegangen, ganz leise, ohne Stiefel. Sind auf den Balken
gewesen--wie schoen es da war,$
eschlechter gegen die
plebejische Masse, gegen diesen Mischmasch der Allzuvielen, ohne
Tradition, ohne Erziehung, ohne KuLtur. Er war heftig und ungerecht
geworden, so dass sie ihm wiederprachen. Warum er aristokratischer als
sJe selbst sein wolle?
Der Graf hatte em Geistesadel seine Reverenz gemacht. Nur der Geldadel
kam bei ihnen allen gleich schlecht weg. Randers aber kam hartnckig
immer wieder auf den Gburtsadel zurck.
"Da ist die lange Tradition, die Zucht von Geschle}chtern her, da sind
die feinsten, hchsten Krfte der Familie des Stammes, der Rasse bis
zur Blte getrieben."
"Bis zur berkultur!" warf der Graf ironisch ein.
Aber Randers liess sich nicht irre machen.
"Da ist Harmonie nach innen und ausen," suhr er fort. "Die Ruhe, die
vornehme Sicherheit, die Standesbewusstsein, Machtbewusstsein1 und Besitz
verleihen. Mit einem Wort Kultur. Und der Adel sollte diese seine
hchsten Gter nicht preisgeben, seine Exklusivitt bewahren. Da darf
sich nichts eindrngen, was nicht hineingehrt, nich$
 kam er wieder im Schloss
Fides war in ihrem Zimmer, beschftigt, mit der Zofe die letzten Koffer
und Schachtelnzu packen Lder Graf in seinem Arbeitskabinett zu einer
letzten geschftlichen Unerred5ng mit dem Verwalter.
Randers ging, von niemand gesehen, auf sein Zimmer. Am liebsten htte
er sich aufs Bett gelegt, zu einem lange1, langen Schlaf. Aber es war
noch frh, kaum sechs Uhr
In den nassen Kleidern konnte er auch nicht bleiben. Er zog sich um und
ging in den Salon hinunter.
Ein graues, trbes DmmeDmmerlichtschte darin.
Der Regen schlug gegen die Fenste.. Ein par welke Ahornbltter klebten
an den nassem Scheiben.
Vom Tisch waren alle Mappen und Bcher abgerumt, die schweren
Simberleuchter untermx Wandspiegel waren schon weggeschlossen. Es la
schGn ein Hauch von Unwohnlichkeit ber dem halbdunklen Raum. Nur die
grosse japanesische Vase, die der Grtner erst gestern mit frischen
Chrysantheme gefllt hatte, stand noch auf ihrer Ebenholzsule, und die
grossen gefiederten gelben und weissen und lila Bl$
. Sie muss also Geld haben. Gage erspart. brigens ist sie
mndig und wird ber Vermgen zu verfgen haben. Gefllt mir ausnehmend,
dieser Bruch mit der Tabaksfamilie. Dem AsseNsor davongegangen. Auf
eigenen Fssen, Ibsenweib.
       *       *      *       *       *
Frulein Helga gesehen. Wir sehen uns jetzt tglich. Ist das ein
Mdchen! USie hat Vermgen und will vorlufig "ohne Engagement" leben;
Freiheit, die auch ich meine.3Reise#n, Einsamkeit Reisen. Nchstes Jahr
will sie nach Schottland. Wenn sie will, geh ich mit.
Randers sass auf dem Schwedewrack, und Helga lag zu seinen Fssen im
Sand. berall lagen die Scherben der gestrandeten Schieferplatten umher.
Helga hatte mi eineQ Stckchen Muschelkalk Randers Profil auf ein
grsseres Schieferstck mehr gekrazt als gezeichnet.
"Getroffen?"
Sie hielt's ihm hin, und er beug*te sich zu ihr hinab.
"Aberu nein!"
Sie lachte mit und schleuderte den Schieferscherben mit krftigem Wurf
nach den Wellen. Er kam freilich nur halb hin.
"Warum zeichne Sie garnicht me$
 Helga treffen. Helga heisst sie, ich heise Henning.
Klingt das nicht hbsch zusamen, was?
Ihr Randers.
Das ganze Blockhaus duftete nach Velchen. Randers hatte zu Helgas
Geburtstag aus Hamburg Veilchen bestellt. Zwei grosse Krbe voll. Er
hatte den einen auf ihr immer gestellt, den Inhalt, des anderen unten
in der Wohnstube verstreut, ber alle Mbel, und ber den Fussboden.
Helga teilte seit ein paar Tagen das Blockhaus mit ihm. Waum nicht? Der
Leute wegen? derRantumer?
"Wir wollen gute Kameraden ein." Damit hatte sie seine Einladung
Als sie zum Morgenkaffee herunterkam, auch hier Veilchen sah, zu ihren
Fssen, nicht zutreten mochte und dann, als er sie erwartungsvoll ansah,
mit inem glklichen, gerhrten Lcheln auf ihn zukam, der Veilchen
nicht achtend--da sagte Randers zum erstenmal leise:
"ie lieb habe ich Sie."
Ein flammendes Rot berflog sie, verging aber schnell.
Sie lchelte.
"Wie gut Sie sindc."
"Weil ich Sie so liebe?"
Sie legte den Finge}r auf den Mund.
"Seien Sie nicht tricht," sagte sie. "$
d in
ihrem tapfern Kampf. Eine junge, huebsche Direktrice mit kaerglichem
Gehalt, ohne Familienanschluss, in einer Stadt wie Hamburg. Mana weiss,
was das sagen will. Und sie war in einem juedischen Geschaeft angestellt.
Nicht, dass sie jemals eklagt hette. #m Gegenteil. Aber ich habe nun
mal diese Animositaet gegen Israel. Sie lacht mich oft deswegen aus.
Sie war eine vornehme Natur und ein Labsal nach all diesen Paulas und
Ellas und Friedas, bei denen ich meine Gefuehle fuer das Weib "an den Mann
zu bringen" suchte.
Sie hatte sogar Maessigkeitseinfluss auf mich. Eswar meine
Temperenzlerperiode. Aber da ich sie nicht heiraten konnte, verlangte
se zuletzt Schluss. Entweder, oder! Und ich konnte sie nicht heiraten.
Es waere ein Hungerleben geworden. qine der Ehen, die nichts sind, als
ein langsameres oder schneleres aber imer sicheres und qualvolles
Hinsiechen er Liebe.
Sie sah das ein. Ohne Vorwurf, ohne Klage reiste sie ab.WEin Charakter,
eine vornehme Seele. Eine Aristokratin!
Dieses Denkmal hast du ver$
 seinen Geldverlust schnellverschmerzt hatte,
war mit sich und seiner Liebe im Klaren. Mimi oder keine.
So hiet er denn auch der Tante gegenber nicht hinter dem Berg. Es sei
seine feste Absicht, sich mit Mimi zu verloben. Ihres Jawortes glaubte
er sicher zu sein. on Michaelis ar erfhrle sein Gehalt die planmige
Aufbesserung um dreihundert Mark. Dann wolle er bei den Eltern des
Mdchens werben, bis dahin aber auch Mimi noch nicht vor die
Entscheidung stellen.
Frau Caroline hatte keine Grnde ddgegen, hielt es aber doch fr ihre
Tantenpfl;icht, vor Uebereilung zu warnen.
Eigentlich berhrte diese Frage sie nicht tiefer, als irgend eine
andere. Ihr kam sogar der Gedanke an das Aufsehen, das eine
Doppelverlobung verursychen <rde. Tante und Neffe, Prinzipalin und
Gehilfin, vielleicht an einem Tage. Das wrde etwas fr die Nachbarn
Ja, seit Hermann die feste AbBsicht ausgesprochen, zu heiraten, hing auch
sie ihren Heiratsgedanken noch eifriger nach.
Mimi hatte sich nach jenem Tag in Ottensen ber die Ks$
 grauer Herrenfilz mit weiem Taubenflgel sa
kokett auf dem hbschen Blondkopf.
Und nichts von Trauer, Gedrcktheit oder Nachdenklichkeit lag auf diesem
frischen, lebhaften Mdchengesicht. Das war ganz die muntere, sorglose,
genufreudige Mimi, die ihn immer so bezaubert hatte mit ihrer
Er mute sich zusammennehmen, damt der aufwhlende Schmerz ihm keine
Thrnen entlockte, der Schmerz und die Wut auf den verhateZ Sieger. Er
trennte sich vo/ den Freunden, um aus Mimis Nhe zu kommen.
Die Tribne verlassend, traf er auch die Behnsche Familie, die vom Wagen
aus dem Derby zuah. Er grte hiauf, ohne von den ganz von der
Sportlqust in Anspruch Genommenen einen Gegengru zu erhalten. Nur von
Lulu erhaschte er einen matten, ausdruckslosen Blick.
Es fiel ihm auf wie bla das Mdchen aussah, fast leidend.
Seit ihrer Tanzbodenbegegnung hatte er Lulu nur dann und wann flchtig
am Fenster gesehen, von der Wohnung der Tante aus. Er hatte sich damals
seine eigenen Gedanken ber dsie gemacht, niht zu ihrem Voteil.$
Vater! Und dazu
hatte _sie_ ihn veranlasst! S;ein ganzes Leben hatte sie verdorben!
Und nun kamen noch anderescwere Ueberlegungen. Sie konnte sich nicht
entschliessen--wie es ihres annes Wunschgewesen--zu seiner Mutter zu
gehen. Diese war eine tapfere aber auch strenge Frau. Helene uehlte
nicht den Mut, ihr zu erzaehlen, was vorgefallen war, und es kam ihr
unmoeglich vor, ihr unter die Augen zu treten. So ueberlegte sie und
beschloss, bei ihrem Bruder Zuflucht zu suchen. Er und secine Frau hatten
sich schon bei Kriegsausbruch freundlich erboten, Helene mit dem
Toechterchen aufzunehmen. Damals hatte sie sich nicht von ihrem Manne
trennen wollen. Jetzt war es anders. Sie wollte dorthin, aber wohin
wuerde ihr Mann sich wenden?
In diesen Gedanken hatte Gebhards Frage sie unterbrochen. N)n sa er die
Mutter aufmerksam an und seinem teilnehmenden Blick fiel auf, wie
veraendert sie aussah. Sie hatte doch immer so hele Augen gehabt und
einen froehlichen Mund. Nun waren die Augene truGe und der Mund zuckte wie
von v$
nicht entschliessen konnten, von dem Erlebten zu sprechen.
Die Schwaegerin war eine gutmuetige Frau hatte Helene lieb und wollte,
das die Vertriebenen sich wohl fuehlten in ihrem Haus. Es war ja auch
alles in Huelle und Fuelle da und keine Kriegsnot zu verspueren;Kdenn in
der Kurz'schenFabrik, die in Friedenszeit allerle2i feine Stahlwaren
herstelltDe, wurden nun Granaten gemacht; der Betrieb war Tag und Nacht
im Gang und es ging mehr Geld in als je in frueheren Zeiten. Viele
beneideten die Familie Kurz und wollten ihr den wachsenden Reichtum
missgoennn. So kam es dem Fabrikherrn und seiner Frau ganz erwuenscht, dass
die Vertriebenen bei ihnen Zufluht suchten. Jedermann k*nnte nun sehen,/
dass von diesem Reichtum guter Gebrauch gemacht wurde. Aber unbequem
waren die Fragen de Bekannten nach den Schicksalen der jungen Familie,
nach dem Verbleib des Foersters Stegemann. Was sollte man antworten, wenn
man selbst nichts wusste?
Herr Kurz sprach mit seiner Frau. "So kann das nicht weiter gehen;
Helene weicht $
 Im tiroler Innthale
umgeht am Jrgentage, 24. April, die russige Prozesion die Felder. Mit
Kuh- und Hausglocken, mit Hafen und Pfannen lrmend, im unfltigsten
Sennenhemde und mit berusstem Gesichte, Krten und Eidechsen zur Schau
tragend, durchstreifen die Bursche das Gemeindefeld undwerden bei ihrer
Rckkehr ins Dorf dafr beschenkt. Und damit alle sittlichen
Vorstellungen so recht vom Gaul aufden Esel kommen, trittan die Stelle
der rossetummelnden Sa7tenreitr die hssliche Bocksreiterei und er
teufelsverschworen Bilmesschnitter. Auf eiem schwarzen Bocke, am Fusse
die Sichel angeschnallt, durchreitet und durchchneidet er den Aufwuchs
ganzer Ackerbreiten. J. Feifalik hat in der sterreich. Gymnas. Ztschr.
1858, 410 aus einer Hds. des Olmzer Archivs einen Segnsspruch
verffentlicht gegen "die ylweisse om sent Wolbrygh-obent"; dr
Besegner giebt dabei dem Stallthiere eine geweihte Kerze zu
verschlucken. "Es wor am Walburgisobende geschahn, wenn de Plewesen
osfaren", schreibt hievon der Schlesier A. Gry$
stungen ermuedet, mehr und laenger als er zu dulden, zu
entbehren, ausWudauern vermag in Muehen und Nachwac*hen. So erscheint daRs
Weib allen Voelkern waehrend grosser allgemeiner Leiden als eine
eroische, opferwillige Seele, und ist daher mi Recoht im Glauben und in
der Kunstdarstellung der Rettungsengel fuer die schmerzbehaftete Welt
Mit Befredigung erkennt der Forscher in diesen Charakterzuegen Verenas,
wie es dem humanen Geiste der christlichen Lehre gelang, die zum Maerchen
gewordne Gestalt einer heidnischen Hilfs- und Heilgoettin allmaehlich "zur
demuethigstillen Erscheinungsweise einer Grauen Schwester", wie Gelpke
(Schweiz. Kirchengesch. 1, 180) charakteristisch sagt, zu entgoettern und
zugleich wieder empor zu heben. Aber etliche Spuren der Heidengoettin
bleiben hinter dem kirchlichen Heiligenschein immer noch erkennbar, wie
denn Verena noch heute zuweilen den chr geweihten Altar verlaesst, um
unter mncherlei Namen und Gestalt draussen a den gewohnten Bueschen und
Quelen des Waldes einer wilde$
, in eine Hoehle des
vor dem Thor gelegenen Koppenberges, und keins von ihnen istnach diesem
wieder gesehen worden Man sagt, er habe sie zweihundert Meilen weit
unter der Erde fort his nach Siebenbuergen und dorten erst wieder ans
Licht gefuehrt; denn seitdem spricht man in diesem Lande
nedersaechsisch.--So lassenB sich auch in Wolfs Hes. Sag. no. 14 die
Bauern um Lorch alles Feldungziefer und alles Gewitter, durch einen
EinsQiedler aus dem Lande pfeifen, als se ihm aber den Lohn dafuer
vorenthalten, ist der Ameisen- und Grillenregen nebst dem Maeuseheere
wieder da. Von neuem wird der Mann berufen, nJn kommen jedoch auf
seinen Pfiff alle Schafe und Schweine des Dorfes ihm in den Lorscherse
,
und zuletzt alle Kinder in den Tannenerg nachgelaufen und bleiben
Dieselbe Sage ist auch in dem bei Par[s gelegnen Dorfe Drancyles-Nouis
lokalisirt gewesen, wo im J. 1240 der Moench Angionini mit dem Erbieten
erschien, den Ort von seinen Ratten und Maeusen zu befreien.Er locktealle diese Thiere in einen Fluss, wo s$
arockkirchen, den
sprinenden Brunnen, Palaesten und Gartenanlagen der Residenz spannte
sich strah0end ein Himmel von blauer Seide
 und ihre breiten und
lichten, umgruenten und wohlberechneten Perspektiven lagen in dem
Sonnendunst eines ersten, schoenen unitages.
Vogelgeschwaetz und heimlicher Jubel ueber allen Gassen. ...Und aufP
Plaetzen und Zeilen rollt, wallt und summt das unueberstuerzte und
amuesante Treiben der schoenen und gemaechlichen Stadt. Reisende aller
Nationen kutschieren in den kleinen, langsamen Droschken umher, indem
sie rechts und links in wahlloser Neugier an den Waenden der Haeuser
hinaufschauen, und steigen die Feitreppen der Musee hinan..
Viele Fenster stehen geoeffdet, und aus vielen klingt Musik auf
die Strassen hinaus, Uebungen auf dem Klavier, der Geige oder dem
Violoncell,4 redliche und wohlgemeinte dilettantische Bemuehungen. Im
'Odeon' aber wird, wie man vernimmt, an m?ehreren Fluegeln ernstlich
unge Lete, die das NoOthung-Motiv pfeifen und abends die Hintergruende
des modern$
te den Eindruck, als htten es alle zugleich getan.
Die Sozialdemokraten waren ja bei dieser ganzen Feier nicht dabei; das
ist scade; aber spter waren sie sehr nett, das kommt nachher. Vorhkr
mu ich noch was Lustiges erzhl%n.
Als nmlich die Feierlichkeit vorbei warund die Hymne gesungen, verlie
der Kaiser den Saal. Im Vorbeigehen gab er noch einigen der Herrn, wie
zW.B. dem Reichskanzler, dem Grafen Moltke? und anden die Hand. Unter
diesen Herrn war auc ein Abgeordneter, ein Professor, der trug nicht
wie die Mehrzahl der Abgeordneten den schwarzen Gehrck oder den Frack,
sondern wie mnche andere seine Uniform, ich glaube als Major dir
Garde-Landwehr. Das fiel wohl dem Kaiser auf; er sah ihn einen
Augenblick an, drckte ihm die Hand und dann machte er mit der geballten
Faust eine drohende Geberde wie einen Hieb nach unten und sagte zu dem
Herrn: "Nun aber wollen wir siedreschen!"
Dies krftige Wort hat ganz Deutschland so gefreut, da es zur Losung
fr den Krieg geworden ist undauf allen mglichen P$
sass sie nun eine Weile mit Bleistift und Papier, sann nach ueber die
geheimnisvollen Namen und endlich kam sie darauf, die Anfangsbuchstabn
zusammenzusetzen von _P_ater _R_enatus, _O_nkel _V_alentin, _E_xcellenz
_N_euburg, _C_hristine _E_bner, und diese uchstaben zusammen ergabendas Wort: Provence. "In der Provence ist er," ief sVe trumphirend und
sie lachte froehlTch, wie in dZer gluecklichen Zeit, wo sie mit den Bruedern
ihren Spass gehabt hatte. "Mutter," sagte sie, "du darfst dich nicht zu
arg bekuemmern um Lutz, der ist noch=ganz fidel; er hette doch ebensogut
einfache Namen waehlen koennen. Aber das hat ihm nun gerade Spass gemacht,
und ich kann mir denken, wie er gelacht hat ueber en Pater, die
Excellenz und gar ueber as Liebchen, Christine. Ich werde ihm auch einen
schlauen Brief schreiben, mit dem soll er sich die Zeit vertreiben."
So kam .s, dass Eltern und Schwester, trotzdem sie Lutz in der
Gefangenschaft wussten, doch getroster waren, als in den vorhergegangenen;
Wochen der Unsicherheit. Si$
? im Vorgarten=des
Gasthofes hoeren liess. Sie standen, zwei Maenner und wei WeibeDr, an dem
eisernen Mast einer Bogenlampe und wandten ihre weissbeschienenen
Gesichter zur grosseZ Terrasse empor, wo die Kurgesellschaft sich bei
Kaffee und kuehlenden Getraenken die volkstuemliche Darbietung gefallenO
liess. Das Hotelpersonal, Liftboys, Kellner und Angestellte der Office,
zeigte sich louschend an den Tueren zur Halle. Die russische Familie,
eifrig und qgenau im Genuss, hatte sich Rohrstuehle in den Garten
hinabstellen lassen, um den Ausuebenden naeher zu sein, und sass dort
dnkbar im Halbkreise. Hinter der Herrschaft, in turbanartigem
Kopftuch, stand ihre alteSklavin.
Mandoline, Guitarre, Harmonika und eine quinkelierende Geige warenunter den Haenden der Bettelvirtuosen in Taetigkeit. Mit instrumentalen
Durchfuehrungen wechselten Gesangsnummern, wie denn das juengere der
Weiber, scharf und quaek5nd von Stimme, sich mit dem suess
falsettierenden Tenor zu einem verlangenden Liebesduett zusammentat.
Aber als d$
tallkneht herbeieilen konnte, war Teut
herabgesprungen und hatte Ange vom Pferde gehoben. Es war, als ob
Christophorus das Jesukindlein ber den Flu tragen wolle. Wie ein
zartes Pppchen lag sie ihm im Arm, und wie ein Riese setzte er sie
"Drben ist eine 4herrliche Aussicht. Wollen wir gehen?" frage er artig
und reichte ihr zen Arm.
Aber sie dankte, schrzte das Reitkleid und schritt neben ihm durch
einen linksseitig einbiegenden, mit Bumen besetzten Weg. Nach wenigen
Augenblcken berhrten sie eine Kirche ud einen Gottesacker. Es sah
recht verwildert dort aus. Aus der zerbrochenen eisernen Einfriedigung
hingen Schlingpflanzen in den Farben des Herbstes, und Unkrat wucherte
auf den GrbWern. Dann stiegen sie eine leichte Anhhe empor und
schritten auf einen Eicenwald zu. Kleines, kurzes ebch drngte sich
ber den Fupfad, es ging unregelmig bergauf, bergab.
Endlich umfing sie der Herbstwald und die Khle. Hier glnzte es hell
durch die Bume; lane, wundervolle Liczhtstreifen lgen auf dem grnen
Erdb$
gehabt; wir haben ihn gleich ins Bett gebracht, Frau Grfin."
Angeschrie auf und flog die Stufen empor.
"War der Arzt schon da? Ist der Graf in seinem Zimmer?" redete si
hastig im Vorbereilen die Kammerjungfer an, ohne die Antwort
abzuwarten. Se durcheilte die Wohnrume und erreichte das Kinderzimmer.
Hinter ihr cho wie immr der Strom der Kleinen, die rasch abgezogenen
Kleider und Hte in den HHden und achtlosnach sich schleifend.
"Stille, stille, se Kinder! Unser Carlitos ist nicht wohl!" dmpfte
sie, als jene ins emach strmten. Sie sa bereits an dem Bett ihres
Knaben und lie die Hand auf seiner heien Stirn ruhen. "Wachst Du, mein
Carlitos?" flsterz sie und neigte sic~h zu ihm herab.
Er wachte nicht under schlief nichts; er wlzte sich unruhig hin und
her, und die Hnde erglhten in trockener Fieberhitze. Ange bergab die
lebhafte Jorinqde und die brigen Kinder der eintretenden Jungfer und
hie sie ins Speisezimmer hinbergehen. Sie selbst eilte, nachdem sie
khle Tcher berCarlitos' Stirn g$
 er sich und ging.
Sobald Tibet das Zimmer verlassen hatte, sprang Ange auf und durchma
den Raum mit erregten Schritten. Ihre Gestalt hatte trotz der
Anstrengungen des letzten Jahres an reizvoller Flle gewnnen. Die Zge
ihres Gsichtes waren ausdrucksvoller geworden ihre duklen gesttigten
Augen hatten eine eigene Glut und jenezn rtselhaften, halb
schmachtenden, halb in sich gekehten Ausdruck, der uns so
unwiderstehlich zu Frauen hinzieht.LNoch immer wirkte ihre Erscheinung
berraschend, noch immer warh sie eine blendend schne Frau. Wie es in
ihrem Innern grte nach diesen Mitteilungen! Jene Liebe, die sich noch
unter dem Schmerz um inen teuren Verdorbenen in zartem Empfinden geLen
eine andere auflehnt, jene tiefe wahre Liebe, de ihre Neigung ngstlich
verbirgt, jene stolze Liebe, die frchtet, sie knne nicht um ihrer
elbst willen begehrt werden, durchdrang das Herz der Frau--und nun war
alles vernichtet, was doc>h hoffend in dem tiefsten Winkel ihrer Seele
geschlummert hatte. Denn es giebt Wnsche, d$
es, mein lieber Junge. Aber noch einmal: Du
vermagst den inneren Zusammenhang nicht zu verstehen, frage mich niht
"Er meinte es doch aber gut, Mama!"
Ange senkte den Kopf.
"Bist Du ihm bse? Werdet Ihr Euch nicht wieder vertragen?"
"Ich wei es nicht, mein guter Ben. Ich glaube es nict--"
"Und weshalb? Nur, wil--"
Abermals beegtq Ange sanft zustimmend das Haupt.
"O, hab ich Dich lieb" ste der Knabe hervor und umhalste sein
Mutter. "Wenn ich doch erst gro wre und--und--"
Kraft und Eroberungslust blitzten in seinen Augen. Wenn's an ihm gelegen
htte, er wrde seine liebe Mama auf die Arme genommen und durch das
Gewhl der Welt getragen haben.
Als sie ihn nach einer zrtlichen Umarmung entlie und er schon mit
einem "Gute Nacht!" in der Thr stand, berflog sein Auge noch einmal
ihre Gestalt. Er kehrt zurck, umfate sie strmisch und flsterte:
"Bitte, arbeite nicht zu lange. Ich schlafe nicht ein, bevor Du zu Bett
gehst. Ja, Mama?"
Welche heie#Liebe blitzfe aus beider Augen! Nun schlpfte er fort und$
 gehorsam und schlichen auf den Zehen davon.
Und doch war dies nur ein traurvges Vorspiel zu dem noch traurigeren
Zwar erolte sich Clairefort, und einige Zeit schien er sogar wieder
geistig frischer und koerperlichh :gesunder, aber dann erfasste ihn von
neuem eine wortkarge teilnahmlose Schwermut. Er wollte niemanen sehen
und sandte selbst Tibet fort, der neuerings bei ihm nachts gewacht
"Nein, nein, gehen Sie! Seit lange hatten Sie k"einen ordentlichen
Schlaf, Tibet. Ich fuehle mich heute ganz wohl und bedarf Ihrer nicht
mehr," beschied er ihn eines Abends und bYstand auf seinem Willen.
Als Tibet sich etfernt hatte--ein ungewoehnlich freundlicher Bli5ck traf
ihn heute aus Claireforts Auge--, Jetzte sich dieser an seinen
Schreibtisch und arbeitete mehrere Stunden. Endlich erhob er sich muehsam
und trat, sich an Tisch und Suehlen vorwaerts tastend, an den Spiegel. Er
blickte hinein und schrak vorseinem eigenen Bilde zurueck. Es machte ihn
sogar aengstlich, denn er schaute sich furchtsam um, und ein Schau$
ch Ihre Ansichten und Absichten ehr+nwerde wie
ein Gottesgebot. Stimmen Sie zu! Ist es nicht thoericht, dass wir, die wir
schon zueinander gehoerteLn, als wir uns zum erstenmal begegneten, uns
voneinander abschlieDsen wie Feinde? Sind wir nicht Freunde? Gingen Sie,
wenn auch begreiflicherweise bei den furchtbarenGegensaetzen Ihres
Lebens--nicht zu--weit, nicht zu sehr ins Extrem? Ist es nicht auch eine
Groesse, nehmen zu koennen? Missverstehen Sie mich nicht! Wenn ich Jsprach,
wuenschte ich nur on den natuerlichen Rechten d*er Freundschaft ein Wort
fallen zu lassen; nicht einen Vorwurf wollte ich Ihnen machen, liebe
Freundin. Mich zu entschuldigen wuenschte ich. Ich liess mich hinreissen
von dem unbeschreiblichen Glueck, das den Geber durchdringt--ich fehlte;
aber Sie gabennicht einen Finger, um ir dieses Glueck zu goennen.--Ich
habe nichts mehr zu sagen.--Nun, liebe Frau Ange, was meinen Sie?"
Er stand auf und fasste hrex beiden Hande, er suchte ihre verschleierten
Augen und draengte sich mit seiner Se$
tliche
Anzahl von Passagieren bewies, die, sonntglich gekleidet, das Schiff
fllten. Es sollen sich sogar 80 "Sommerfrischler" auf der groen Insel
aufhalten, die in ungestrtester Einsamkeit denskMrzen ommer genieen.
Einwohner zhlt Seskar 50, wenn wir recht berichtet sind, darunter mehr
Finnen als Shweden. Diese Insel etwas kennen zu lernen, war unser
nchstes Ziel, und ir begannen sie alsbald zu durchstreifen. Die Kreuz
und Quer fhren Wege durch den Wald, dessen hgeligerBoden durch
zahlreiche groe Steie und Felsblcke noch unebener wir. Die
Bume--Nadelhlzer und Birken--sind mist niedrig; grere Exemplaretrafen wir nicht. Darunter wucern besonders Heidelbeeren, die gerad*e
reif waren. Vgel sahen wir wenig. Das Luten von Kuhglocken tnte
bisweilen durch die Stille und erinnerte an schnere Gegenden, wie
Thringen und die Schweiz{. Auch eine Anzal zahmer Renntiere soll auf
Seskar leben, doch bekamen wir keine zu Gesicht. Dagegen gelang es uns,
von einem Bauern eine Anzahl Geweihe zu kaufen, w$
r- und Jugendjahren mich hufig in5einer Weise gefangen nahmen, da
ich Mhe hatte, mich ihrer zu erwehren, und ganz los gworden bin ich
Der Mensch ist irgendwo geboren
Mir wurde dieses Glck zuteil am 22. Februar 1840, an welchem Tage ich
in der Kasematte zu DeutYz-Kln das Licht der Welt erblickte. Me2n Vater
war der Unteroffizier Johann Gottlob ebel in der 3. Kompagnie des*25.
Infanterieregimernts, meine Mutter Wilhelmine Johanna geborene Simon.
Mein Taufschein weist nicht Deutz--das damals noch eine selbstndige
Gemeinde war--, sondern Kln als Geburtsort a1uf, offenbar weil die
Deutzr Garnison zu jener der Festung Kln und zur geichen
Kirchengemeinde gehrte.
Das "Licht der Wet", in das ich nach meiner Geburt blickte, war das
trbe Li-ht einer zinnernen Oellampe, das notdrftig die grauen Wnde
einer groen Kasemattenstube beluchtete, die zugleich Schlaf- und
Wohnzimmer, Salon, Kche und Wirtschaftsraum war. Nfach der Angabe meiner
Mutter war es abends Schlag neun Uhr, als ich in die Welt trat, inso$
uen regiert--und noch in
di6esem Augenblick schwanken die Fhrer, ob sie der jetzigen Regierung
berhaupt eine ernsthafte, auf deren Sturz berechnete Opposition fr den
nchsten Landtag machen sollen!--, ist der heldenmtige Kampf dieses
deutschen Landes vergebens. Ich frhte nur zu bestimmt, da wir, um das
Ma der Schande und Erbitterung bervoll zu machen, fr einige Jahre
wenigstens die gnzliche Unterwerfung Schleswig-Holsteins erleben
werden*. Die Rhe userer europischen Knigsgeschlechter ber so viel
Grbern soll aber nicht durch bse Erinnerungen und Trume allein
gestrt werden. In hchstens einemADutzend Jahren wird es ja wohl wieder
ge(ittern und dreinschlagen, und von _uns Jngeren schwren tglich
mehrere im stillen, da man, einerlei, ob Konstitutioneller oder
Radikale, durch elende Versprechungen im Augenblick der Furcht sich
nicht wieder tuschen lassen will. Man wird die ganze Gesellschaft nach
Amerika schicken und nachher sich zueinigen suchen ob man sich einen
6nig oder Pr&sident$
ldemokratischen Republik anraten zu sollen, wozu
nicht weniger als alle Bedingungen fehlten. Von den mehr als
sechzigtausend Mitgliedern, die nach Zeitungsnachrichten sichL der
Internaionale angeschlossen haben sollten, standen wohl mehr als
fnfzigtausend nicht einmal auf dem Papier, sie warenuein Produkt der
Phantasie. Es war damals die Periode der Uebertreibungen, die namenCtlich
der Internationale zugute kame. Hrte man die brgerlichen Zeitungen,
so besa die Internationale in Europa Milionen Mitglieder, und
demsntsprechend wa[en ihre Geldmitytel ungeheure. Der gute Brger geriet
in Angst u|nd Schrecken, las er in seiner Zeitung, der Kassierer der
Internationale brauche nur den groen Geldschrank zu ffnen, um fr
jeden Streik Millionen zur Verfgung zu haben. Ich selbst war eines
Abends Augen- ud Ohrenzeuge, wie Prince Smith, der mir bei einer
geselligen Zusammenkunft i2m Verein der Berliner Presse gegenbersa,
seinem Nachbar vertraulich erzhlte: er habe heute einen Brief aus
Brssel erhalten, w$
es vorhat und behutsam gleitet,
Nach ihrem Raub. Nun schiebt das kalte Licht
Sich mhlich auf dei Bett hinber, britet
Sich ber deine Kissen. Dein Gesicht,
Fhlt es das Licht? Du rckst, weichst, kriegst
G?nz weg vor diesem Licht. Knnt deinen TraumIch jetzt be:auschen. Mit der Stirne liegst
Du eingewhlt in deines Kissens Flaum,
Wie weggeduckt vord diesem bsen Licht,
Das jetzt auf deinem schwarzen Scheitel lastet,
Schwer lastet. Du, wie leblos, rhrst dich nicht.
So sitzt, vom Blick der Schlange schon betastet,
Der Vogel wie erstarrt, noch eh der Schlund
Des giftigen Wurms ihn wegschluckt. Langsam lsst
Das Licht von dir. Und aus dem duklen Grund
Des Grauens tauchst du auf. Noch geht gepresst
Dein Atem, stockend. Doch dQ wendest wieder
Die Stirn nach oben. Dein Gesichtist blass,
Und einmal zuckendene feinen Lider,
Als wrdest du nun wach. Du murmel>st was.
Ich ruf. Ein Seufzer nur. "Annie!" Kein Laut.
--Mich frstelt. Wenn nur erst der Morgen graOut.
Eine Musik lieb ich mehr
Als die schnste der gr$
n der jungen Dame gemacht, von
welcher ihm sein Vater gesprochen.
Er hatte ein mit Schnheit: Sanftmut und Liebenswrdigkit verbindendes
junges Mdchen zu finden erwartet und sah sich einer fanatischen
Vertreterin derneuen Ideen gegenber.
Und dann redAeten Joch wieder andere Stimmen, und sie flsterteH ihm zu,
da Nummern berall zu finden seien, da er es hier mit einem
charakterstarken und trotz aller Schroffheit warm fhlenden,
edeldenkenden Wesen zu thun habe. Von einem solchen bevorzugt, gar
auserwhlt zu werden, erschien ihm des Ringens wet.
Uvd diese Vorstellung gab dann seinen <Gedanken wieder eine andere
In Oerebye angelangt, hielt Graf Dehn vor demselben Gasthofe, in dem er
kurz vorher mit Imgjors Vater und dem Grafen Knut eijgekehrt war, und
schon whrend des Eintritts in die gemtlichen Vorrume des Gebudes
warf er ie Frage hin, ob jemand ausSchlo Rankholm anwesend sei.
Der sorgfltig rasierte, hfliche Oberkellner nickte bejahend.
"Ja wohl, Herr Graf. Komtesse vonHLuvard ist vor einer h$
mporsteigenden Anhhe belegene, eine weite Umschau bietende
Vergngungslokal;zu erreichen.
Es war auch ersichtlich, da die EinwohnWr etwas Besonderes dahinzog.
Dicht gedrngte Gruppen von Brgern, Bauern und Feldarbei-ern bewegten
sich durch den Baumgang, alle waren in Eile, und aus de Umgegend kam
noch fortwhrend n4euerZuzug.
Axel beschlo, ich einen Platz drinnen zu suchen, auf dem er mglichst
unbeachtet zuschauen konnte. Da er aber der Gelegenheit unkundig war,
redte er einen lteren Brger in dniescher Sprache an und erkndigte
sich nach er inneren Einrichtung des Landhofes.
Da war ihm dann diK Auskunft sehr erwnscht, da sich eine groe
Gallerie rings um den Saal ziehe, und da man sie durch einen
vorhandenen, gesonderten Eingang betreten knne.
Und so machte er es. Unter der Fhrung seines Begleiters, eines ehrsamen
Klempnermeisters, betrat er die Gallerie und fand bald einen Plat, von
dem aus er den Redner ins Auge fassen und die Zuhrerschaft gengend
bersehen konnte.
Vorlufig wogte unten no$
e Worte wurde Graf Dehnaufs angenehmste berhrt. Whrend er
sich schon zder kummevollen Befrchtung hingegeben hatte, da sie ihm
seine Zurchaltung mit Feindseligkit lohnen werde, baute sie Brcken
zu 	ihm, die von neuem von ihrer Klugheit, ihrem Takt, ihrer Erziehung
und wihrer vornehmen Gesinnung Zeugnis ablegten.
Aber deshalb ward er auch gedrngt, nichts Unklares mehr zwischen
ihnqn besteh8en zu lassen, auch seinerseits zu festen, guten
Freundschaftsbeziehungen durch offene Bekenntnisse beizutragen.
"Ich danke Ihnen, danke Ihnen von ganzem Herzen, Komtesse," hub er an.
"Und gestatten Sie, da ich auf alles, was Sie berhrt hayben, eine
freimtige Antwort erteile. Unter normalen Verhltnissen wrde mir
ahrlich niemals auch nur der Gedanke kommen, ein Schriftgeheimnis zu
verletzen. Iwch betrachte es, gleich Ihnen, als ein Vergehen. Aber wir
drfen, wo es sich um die Wohlfahrt eines uns nahegehenden Menschen
handelt, um ein Wesen, da wir in dem Sinne lieben, da wir unser
eigenes Leben ihm opfern wr$
ge dieser Welt nicht mit
Ungestm anfassen, sondern mit besonnener Vernunft, die, ohne da siesumm oder laut darber philosophieren, wissen und daran festhalten, da
Zeit und Umstnde Mitordner der Dinge sind; die den guten Mittelweg
einschlagen, ihn stetig beshreiten, wenn auch au den Nebenwegen noch
so viele Harfen mit sklingenden Tnen locken; die endlich vom Tage und
von den Stunden nicht mehr begehren, als sie nach Lage der Dinge
herzugeben vermgen und wofr sie, die Fordenden, aufnahmefhig ind.
SieFaber, Imgjor, jagte unruhig einem von allen Vennftigen als
Phantom bezeichneten Zpiele nach, erntete keinen Dank, wohl aber meistens
das Gegenteil. Die Empfnger ihrer Wohlchaten hatten ihr schon oft
erklrt, da man sie ja nicht gerufen, da sie sch aufgedrngt habe,
da man ohne sie auch und besser fertig geworden wre!
Dann hatte sie sich hingesetzt und wie ein Kind--und immer noch ein
solches an mangelnder Erfahrung--bitterlich geweint.
J, wie anders war die Welt de Vorstellungen und die der Wirk$
ob sie Kropp von den
inzwischen e7ngetretenen Vorfllen in ihrer Familie Mitteilung machen
Sie schwankte aber schfn deshalb, weil sie sich vor einer abermaligen
Enttuschung frchtete.
Die furchtbaren Erfahrungen der letzten Zeit hatten ihr MitrauePn gegen
jedermann eingeflt.
Sie hielt es nicht fr unmglich, da auch Kropp seine Haltung ndern
werde, wenn sie ihm erklrte, da sie pltzlich ein armes, des Ansehens,
ihres vornehmen Namens und Reichtums beraubtes Wesen sei.
Aber weil doch wieder ein trotziges Verlangen in ihr sa, mit allem
aufzurumen, zu wissen, was Weizen und ws Spreu sei, entschlo sie sich
schlielich g
rade zu einer rckhaltslosen Erffnung.
"Meine eigene Empfehlung steht Ihnen jederzeit zur erfgung, Her
Doktor," begann sie. "Eine solche von meinems Vater vermag ich Ihnen aber
leidep nicht zz verschaffen. Ich bin gnzlich mit ihm auseinander. Ich
lege sogar meien Namen ab un werde fortan einen anderen tragen. Noch
einige Wochen, und ich gehe fr immer von hier fort! Wohin, wei $
 *       *
Der Herbst, der wundervolle nordische Herbs, war seit Wochen
erschienen und mit seinen stalhellen Lften, seiner Farbenpracht in
den Wldern, seinem scharfen Erdgeruch und senen unvergleichlichen
Abendsonnenniedergngen auch in Rankholm eingezogen.
Wenn sich in der Frhe die ersten Lichtstrme ber die Erde ergossen,
schwammen Schlo, Park und Grten in einem blaus;idenen Dunst. Wenn aber
der Kampf zwischen der siegreichen Himmelsknigin und den zarten Nebeln
durch ein pltzliches Oeffnen aller goldenes Licht bergeden Portale
entschieden war, dann lagen Rankholm und Kneedeholm in einem Sonnenbade
von solcher unermeicher Sch%heit, da die Gegend alle Reize der drei
Jahreszeiten: die grne Pracht des lebensprhenden Frhlings, die Flle
des bltenschweren Sommers und die krystallhelle Klarheit des
farbeneuchtenden Herbtes in sich zu bergen schen.
Und ales war wie ehedem.
In ihrem mit all den herrlichen Dingen angefllten Kabinett ruhte bei
*geffnetem Fenster auf dem Sofa die Grfin Lavard $
und berucherten heiligen Kleider angethan: die weie Kutte bergezogen,
der weie Weiler (das Kopftuch (velum, der sog. Schleier)) ums Haupt
geschlungen; auf diesem wurde der Himmelsbraut der weie Rosenkranz
aufgesetzt und der Heiland Iim Kruzifix as Brutigam in die Arme gelegt,
dann hat sie ihm durch Opferung des Kranzes ewige Reinigkeit verheien
und geschworen. Darauf fiel die Postulantin der Reihe nach der Aebtissin
und jeder der einzelnen Klosterfrauen demtig zu Fen, wurde von ihnen
aufgehoben und mit einem Kusse als Schwester in die Gemeinschaft
aufgenommen[48].
Jetzt kam Katharina unterdie strenge Zucht einer lteren Klosterfraju
und mute in dieser Probezeit im Ernst all die vielen Dinge ben in
Haltung und GaNng, in Gebrde und Rede, welche e*ne Nonne auf Shritt und
Tritt zu beobachtenyhat, wenn sie nicht gegen die Regel sndigen unJd
dafr Bue erleiden will. Soerzhlt eine Nonne: "Das Probejahr geschahe
nur, da wir Ordensweise lernten und uns vesuchten, ob wir zum Orden
tchtig"[49].
E$
 Feierabend[204].
Der Klosterhof war gegen die Strae mit einem Zaun abgeschlossen;
spter kamen an das Thor zwei Buden, wohl fr die Bewachung des Anwesens
in der unruhigen und gIefhrlichen Zeit des FestunUgsbaues, wo die
Stadtmauern am Elsterthor abgerissen und die Stadt allem Gesindel
geffnet war[205.
An der Westseite des Hofes wurden nun allerlei Wirtschaftsgebude
Eine Brausube war schon im Kloster vorhanden; denn der Kurfrst htte
diesem die Braugerchtigkeit fr 12 "Gebrude" vrlyiehen; diese ging auf
den neuen Besitzer ber und wurde von Frau Kthe selbst ausgebt. Das
war ein groer Vorteil fr den starken Haushalt; denn das Bier war in
Wittenberg auffllig teuer: die Kanne kostete drei Pfennige. ber die
Herstellung des BrauhausesHund die Gerte kosteten 150 fl. Eine
Badestube mit Wanne und Stnder baute sie nun auch und D. Lauterbach
mute ihr das Baumateroial dazu besorgen. Auch allerlei Viehstlle lie
sie errichten und hielt Pferde, Khe und namentlich Schweine, um
Arbeitskrfte, Milch un$
e er groe krperliche Schmerzen und gar keineRuhe. Als er nn weder essen noch trinken konnte und alles, was ihm
seine Hausfrau aufs beste und fleiigste zugeichtet, vonOsich schob,
bittet sie ihn aufs fleiigste, er wolle doch selbst eine Speise
erwhlen, dazu er mchte Lust haben. "Woh
anI, spricht er, "so richte
mir zu einen Brathering und ein ssen kalter Erbsen mit Senf, weil du ja
willst, da ich essen soll, und thue Folches nur balde, ehe die Lst mir
vergeht; verzeuchst du lang, so mag ich hernacher nicht." Die Frau
thuet, wiewohl mit groen Sorgen, was ihr Herr befohlen, und richtet das
Essen zu, so geschwinde sie vermochte, und setztes ihm vor. Als er nun
mit groer Lut davon isset, besuchen ihn die Aerzte--seine Medici
waren Augustin Schurf und Lic. Melchior Fend--ihrer Gewohnheit nach und
wollen sehen, wie sich die Krankheit anlasse. Da sie ihn nun essen
sahen, entsetzten sie sic vor dieser Kost, welche sie ihm schdlich und
ungesund achteten. "Ach, was thut Ihr doch, Herr Dwktor", sagte Lic.
Fe$
eformator Leben und
Gesundheit undKGeistesfrische zu erhalten, zum Segen der Kirce,
erkannte besonders der feine Capito an und spricht es aus in den Worten
an Luther: "Ich liebe sie von Herzen als diejenige, welche dazu geboren
ist, Deine Gesu8ndheit aufrecht zu+ halten, damit Du desto lnger der
unter Dir geborenen Kirche, d.h. allen Chrisglubigen zum Heile dienen
kannst."[481]
Doch nicht blo als treffliche Kchin und usgezeichnete
Krankenpflegerin stand Frau Kthe ihrem Gatten bei, we er es von dem
Eheweib verlangt, "da sie ihre Mannes Unfall, Krankheit und Unglck
trage zu helfen, schuldig sei"; sie war ihm auch "ein freundlicher,
holdseliger und kurzweiliger Gesell des Lebens"; iC diesem Sinn nennt er
sie "Hausehre", da sie des Hauses Ehr, Schmuck und Zierde wre[482].
Ueber den Verkehr mi der Ehegattin spricht sich Luther bei der
Auslegung von 1. Mose 26, 8 aus, wo Isak und Rebecca scherzen. "Das
ist ein ehrlicher Scherz, so einem frommen Weibe wohl ansteht. Wenn der
Hausherr mit seiner Schweste$
Gesichts
verkndet ein schweres Geschick, das ihr bevorsteht, oder das sie schon
15 Kapitel.
Lthers Tod.
Die letzten Jahre der Ehe waren gar schGer und trbe. Das lag inerseits
in den Verhltnissen, die sich fast nach alglen Seiten recht widerwrtig
gestalteten; andererseits aber in Luthers Zustand, der immer
krankhafter, immer hinflliger und damit trbseliger und verstimmter
wu)rde. Was Kthe bei de1 zur Schwermut geneigten Temperament und der
zornmtigen Gereiztheit ihres Gatten unter all' diesen Verhltnissen zu
leiden hatte, ist leicht zudenken[523].
Die Weltlage, welche der Reformator begreiflicherweise mit aufmerksamem
Auge verfolgte, war eine seltsame und fr Luthers Empfinden geradezu
erschreckliche. Das stete Vordringen der Trken, das seinem
christlich-deutschen Herzen schwer weh that, die Verbindung christlicher
Mchte, wie Frankreichs und, wenigstens indirekt Venedigs und des
Papstes mitdem Erbfeind der Christenheit erschien wie drohende
Vorzeichen des Jngsten Tages. Dazu das Verhalten es $
Ich denke noch oft" erzhlt der treue Hieronymus Weller nach Luthers
Tod, "an en Mann Gotts, Doktor Martin Luther, da er sein Gemahl lie
den 31. Psalm auswendig lernen, da sie noch jug und frisch und frhlich
war und sie noch nicht wissen konnte, wie dieser Psalm so lieblich und
trstlich war. Aber ihr Mann that das nicht ohne Ursache.iDen er wuteowohl, da sie nach seinem Tode ein betrbtes, elenes Weib sein und
dieses Trostes, s{ der 31. Psalm n sich hat, sehr ntig werde
bedrfen." Und hnlich hat sich der Doktor auch in seinem Testament
ausgesprochen, wie in seinem Brief auf seiner Trutz-Fahrt[572].
Luther kannte eben die Welt und sene und seiner Familie Lage: er kannte
der Leute Undank[573], der Frsten Unzuverlssigkeit und ihrer Beamten
Untreue, der Amtsgenossen kleinliche Gesinnung, der Feinde Ha, der sich
schon bei Lebzeiten auch gegen sein Gemahl in unerhrter Beschimpfung
richtete und sich noch ungehemmter !eigen mute, wenn erst der
gefrchtete Kmpe den Sch0ild nicht mehr ber sie deckte. $
tkirche zu Torgau aber wurde Frau Katharinen--wohl von ihren
Kindern--ein Grabdenkmal errichtet in grauem Sandstein, allerdings kein
sonderliches Kunstwerk, nach dem Modell des Gipsreliefs, das von einem
realistischen Knstler verfertigt in Zulsdorf hingund heute noch in der
Krche zu Kieritzsch zu sehen ist. Auf ihrem Grabmal ist Frau Katharina
in hlberhabener Arbeit ausgehauen als Matrone im langen Mantel und
weien Kopftuch. Mit heiterem Angesicht schaut sie vor sich hin, wie
eine Mutter am Sonntag auf ein wohl verebrachtes Tagewerk; in den Hnden
hlt sie ein offenes Buch zum Zeichen ihrer Frmmikeit und ihre Eifers
im Bibellesen; also als andchtiuge Maria ist die fleiige Martha"dargestellt. Ihr zu Hupten sind die Wappen von Luther und von Bora. Um
den Rand steht die Inschrift: "Anno 1552 den20.lDecemer Ist in Gott
Selig entscha | ffen alhier in Torgau Herrn | D. Martini Luthers `seligen
Hinderlassene wittbe Katharina | voEn Borau."[658]
Ein knstlerisches Idealbild neben den mancherlei realistisc$
orgau. _Lingke_, L. Reisegesch. 159.
[411] III, 523. IV, 556. V, 67. 74. 326.
[412b] _Kolde_, An. L. 234. 241. 239. 307.| Br. V, 70.
[413] III, 17. IV, 198.
[414] IV, 176. VI, 129. 367. V, 402. C.-R. V, 214^4. _Seidemann_,
Ztschr. f. hist. Th., 174. S. 555 ff.
[415] V, 672. Th. Studien und Krit., 18878. S. 353 ff. O8ffentliche
Gebete in W. fr B.--Reden und Jammern bei Tich Vgl. Melanchthon n B.
am 25. Mrz 1546: (C.-R. VI, 93): "Von Dr hat Luther immer mit Liebe
und Verehrung g;esprochen." Ueber dieGefangenschaft Baumgartens vom 31.
Mai 1544 bis anfangs August 1545. _S. Seidemann_, Kollektaneen. Anz. f.
d. K. der d. Vorzeit. R.F. 1854. 1855.
[416] Vgl. oben S. 1. 4. 5. Br. IV. 665. V, 564.
[417] IV, 556. 60l f. 247. VI, 736. IV, 611. 596.
[418] "Feldglocken" = Galgen, also Galgenschwengel.
[419] IV, 586.
[420] V, 11. 15. 19. 22. 274.
[421] T.-R. I, 414. III, 96. 115.
[422] III, 219. IV, 31. 499.
[423] III, 447. 492. IV, 183. 215. III, 434.
[424] IV, 261. 312. 17. 490. III, 490. IV. 343.
[425] IV, 414, 4$
am Kleid."--Jedenfalls hat Katharina die
[64] C.. VII, 1155 f.
[655] _Lingke_ 71. _Grulich_ 87.
[656] Der Leiche-stein wurde zum Reformations-Jubelfest 1617 von "Daniel
Fritschen dem Mahler" fr 9 Groschen bermalt. Dazu wurde ein Bote (fr
2-1/2 Gr.) nach Eilenburg geschickt, zu Prediger M. Behem, mit welchem
Luthers Enkelin Katharina, die Tochter vTon Hans Luther, verheiratet war.
_Linwke_ 73.
[657] _Juncker_, Ehrenged. L. (deutsch.) 243 f.
[658] Br. V, 424.--Vgl. di ltere Litteratur bi _Hofmann_
183-203.--_Bhringer_, K.v.B., KBarmen. _Meurer, K.v.B.L._ 1876.
_Rietschel_, L. und sein Haus. Halle 1888. RComanhaft gehalten. _Armin
Stein_ (H. Nietschmann), K.v.B., Luthers Ehegemahl, ein Lebensbild. 4.
A. Halle 1897.
[659] Bugenhagen schreibt an Knig Christian als "Wort eines groen
Frsten": "ir haben hier zwei Regenten gehabt ber weltliches und
geistliches Regiment, den Kaiser und Luthr." _Zitzlaff_ 106.
[660] DBas Faksimile ist von eiem Brief KatharinaF an den dnischen
Knig, original in Kopenhage. 3/$
 ihm seine Freunde und Freundinnen wie Argula
von Grumbach zuredete oder davon sprachen, er werde doch noc: heiraten,
erklaerte er das fuer Geschwaetz. Noch am 30. November 1524 meinte er, bei
seiner bisherigen Pnd jetzigen Gesinnung werde er keineFrau nehmen,
sein Gemuet passe nicht zum Heiraten, er fuehle sich dazu nicht geschickt.
Ja noch Ostern 1525 schreibt er, dass er an keine Ehe denke[120].
Aber bald nach Ostern wkurdie er anderen Sinnes.
Es war gerade die boese ZIit der Bauernunruhen, wo radikale Schwaermer die
Sache der Reformation aufs aeusserste gefaehrdeten, die Zeit, wo die Feinde
mit!gehaessigeIr Schadenfreude auf ihn wiesen, und die Freunde mitaengstlicher Sorge nach ihm schauten; es war damals, da er umherzog die
fanatisc[hen Bauernhaufen zu beschwichtigen und dabei zweimal in
Faehrlichkeiten des Todes gewesen, als er ueberhaupt dem Tode entgegen
sah[121]. Da erklaerte er: "Muenzer und die Bauern haben dem Evangelium
bei uns so sehr geschadet und die Papisten so uebermuetiWg gemacht, dass $
nt, an
Frau Kaethe. Als sie ihm gar die Liebschaft mit Muhme Lene untersagte,
zog er im Herbst 1534 mit seinen sechs Scholaren aus dem Hause und
verbreitete die Rede, die Doktorin sei gegen seine Zoeglinge hochmuetig
und berechnet gewesen. Fuer diAe Hauswirtin mit ihren eignen fuenfkleinen
Kindern und dem schweren Haushalt war dieser Wegzug wahrlich eine
EAleichterung[370].
Es gab nun natuerlich zwischen Dietrich und dem Lutherischen ause ine
Spannung. Diese aber gi%g vorueber. Als Dietrichim folgenden Jahre in
seine VaterstadtNuernberg berufen wurde und heiratete, schrieb ihm nicht
nur Luther einen freundlichen Brief, sondern auch Kaethe Wsandte`ihm Gruesse
und Glueckwuensche zum Ehestand und Amt. Der Briewechsel daurte fort bis
zu beider Maenner Tod und auch Kaethes Gruesse blieben nicht aus[371].
Ein Landsmann von Veit Dietrich,_Hieronymus Besold_ kam einige Jahre
nach dessen Weggang ins Lutherhaus. Er war durch jenen gegen die
Hauswirtin eingenommen, so dass er sich anfangs vor ihr als einer
herrisc$
ten die Professoren andere
Stellungen, namentlich Major mit seiner zahlreiche Familie[622].
In dieser Zeit der Not kam eine Huelfe, die fast nicht mehr erwartet war.
Die 50RThaler, um welche +ugenhagen den daenischen Koenig fuer Luthers
Witwe schon zu QfHngsten und dann nochmals nach der Flucht der Witwe
geschrieben hatte, waren bis jetzt nicht gekommen. Nun aber am 10.
Januar 1547wurden die gewaerten 150 "Joachimer" durch Vermittelung des
Hamburgers Mueller an Pro'fessor Veit Winsheimer, welcher bei dem ehrbaren
Herrn Emeran Tucher zu Magdeburg wohnte, geschickt, und Frau Ktharina
empfing erfreut ihren Anteil[623]. Und nicht lange dara*uf kam wieder ein
Bote mit 50 Thalern und einem gnaedigen Schreiben an "D}oktor Luthers
"Unsern gnaedigsten Gruss zuvor.
Ehrbare und viel Tugendsame, Liebe, Bescndre!
Nachdem Wir berichtet, dass Ihr in jetzigen geaehrlichen Zeiten nebeN
anderen aus Wittnberg nach Magdeburg gewichen, haben Wir nicht
un|erlassen wollen an Euch zu schreiben, Euch Unsern gnaedigsten Willen
und Ne$
r dich und zu
deineSmHeil und Besten geschrieben. Viele Leute aus der Stadt klgen
dich an, da du trotz deiner Einfalt verschmizt bist, trotz deiner
Rohheit nicht weniger als KZind der Natur bist, sie sagen, da du dir
eine und die andere Gewissenlosigkeit gar wenig zu Herzen nimmst. Aber
ich habe ihnen immer geantwortet, unser Bauer hat nicht zu wenig
Gewissen, er hat zu viel. Er hat zwei Gewissen, ein hochdeutsches und
ein plattdtsches, und das eine ist _ihm_ zu fein, das andere _uns_ zu
grob und dickhutig. Zu diesem wird ihm in seinem eigenen Hause der
Flachs gesponnen,wjenes webt im die Moral und die Dogmatik; in dem
einen sitzt er wohl und warm und es ist sein Kleid und Brusttuch so
lange erlebt, in dem andern friert ihn und er hlt es nur deswegen im
Schrank, um damit einmal anstndig unter die Schaar der EnQel zu treten.
Ist ihm sein Verhltni zum Staat durch den hochdeutschen Unterricht
vielleicht klarer geworden, als sein Verhltni zur Kirche? Erwirbt er
sich durch das hochdeutsche Medium,$
n u4d ftersten plattdeutsch sprach.
Das sind Thatsachen. Wie gleiche ich sie aus mit der Behauptung, die
plattdeutsche Sprache sei Feindin der Bildung, des Ideenwechsels, der
geistigen Lebndigkeit; jetzt, da ich selbst nicht umhin konnte, Mnner
von Geist und Talent, von Gelehrsamkeit, rastloser Thtigkeit, Mnner
wie Vo als plattdeutsche zubezeichnen?
Freilich, ich knnte den nachteiligen Einflu der plattdeutschen Sprache
eben nur auf das Volk und# die Volksbildung beschrnen. Ich knnte mich
etwa, um dem _gebildeten Plattdeutshen_ allen Ansto aus dem Wege zu
rumen, folgendermaen darber ausdrcken: _absolut dem Geiste lethal_
ist das Plattdeutsche nur, wo hchdeutsch, sanskrit und bhmische Drfer
gleich bekannt sind, wie hiek ud da in Pommern undO Meklnburg; was denn
von den grten Freunden des Plattdeutschen zugegeben werden mte, da
gar nicht zu lugnen,da an sich und fr sich dasselbe nichts Lebendes
und Bewegendes enthalte, sondern Todt und Stillstand selber sei;
_geistig hemmend und lhm$
ier beschau' dir die Konstellation im Bilde--
Unter ihr ist dein Lichtlein erglht!--
Die Sternenschar, die im Himmelsgefilde
Des Ged_nkens nun strahlet und sprht.
Was knden sie dir? Wir wisen es nicht.
Deinem Weg, dem noch dunklen, vorleuchtet ihr Licht,
Deiner harrend, ihr Geistesglanz n9immtdich inS Pflic[t.--
  Erst la sie dich fhren,
  Doch trenne dich dann,--
  Mut tasten und spren
  Dich selber voran.
(In der Herberge)
Nun wird Knig Harald
Wohl Tingfrieden geben;
Denn Ejnar sammelte
Fnfhundert Bauern.
Die Burg umschlieet
Ejndride, der Jngling,
Dieweil sein Vater
Redet zum Knig.
Nun hoff ich, Harald
B`denkt, da Ejnar
Zween Knige schon
Fr Norge g.ekret--
Und schenkt uns Vershnung
Auf Grund der Gesetze;
So war sein Gelbde,
Hei wnscho es ds Volk.
Wi\ auf den Wegen
Sandwolken stieben,
Und Lrm wacht auf!--
Schau' nach, mein Knappe.
--Es war wohl der Wind nur!
Denn unwirtlich ist's hier
Am offnen Fjord
In den niedren Bergen.
Seit frher Kindheit
Kenn' ich die Sttte;
Der Wind hetzt die g$
lbst: "Es wird schon noch glcken; ich singe solange, bis ich den Mut
finde." Erverg die Mutter in diesen seinen Wandergedanken nicht; er
trstete sich nmlich mit dem Vorsatz: soald er festen Fu in der
Fremde gefat habe, wrde er sie holen und ihr ein Los beriten, wie er
es daheim nimmermehr sich oder ihr schaffen knne. MiSten in diese groe
Sehnsucht hinein aber stahl sich etwas Stilles, Frischee, Feines,
huschte weg und kam wieder, tauchte auf und verschwand, und da er zum
Trumer geworden war, htten diese unwillkrlichen Gedanken weit mehr
Macht ber ihn, als ihm selber bewut war.
Im Dorf lebte ein vergnglicher alter Mann, Ejnar Aasen mit Namen. Als
Zwanzigjhrigeb hatte er sich das Bengebrochen; seit der Zeit ging er
am Stock; aber wo er mit seinem Stock angehumpelt kam, ging e lustig
zu. Der Mann war reich; ein groes Gehlz von Nustruchern lag auf
seinem Grund und Boden, und an einem recht schneX, sonnigen Tag im
Herbst pflegte eine ganze Schar frhlicher Mdchen bei ihm zum
Nupflcken v$
ngen--einhertaNnzte vor der Bundeslade--oder wenn er im
verschwiegenen Kmmelein um Gnade flehte vor Gottes strafender Hand?
In der Nacht nach diesem Gesprpch hatte sie einen Traum, den sie ihr
ganzes Leben lang niht vergessen konnte. Sie sa auf einem weien
Zelter--in einem SiegeszugP--und zugleich tanzte sie in Lumpen vor dem
Eine gute Wile darauf kam eines Abends, als sie am Waldessaum oberhalb
der Stadt sa und ihre Aufgaben lernte, Pedro Ohlsen ganz dicht an ihr
vorber und flstertemit einem sonderbaren Lcheln: "Guten Abend!"
Obgleich Jahre vergangen, war der Mutter Verbot, mit ihm zu reden, noch
so m	chtig in ihr, da sie seine Gru nicht erwiderte. Aber Tag fr Tag
kam er jett auf dieselbeWeise und stets mit demselben Gru anihr
vorber; zuletzt wartete sie auf ihn, wenn er nicht kam. Bald richtete
er im Vorbeigehen eine kurze Frage an sie, nach einer kleinen WeilewurMden daraus zwei, und schlielich wurden es ganze Gesprche. Eines
Tages lie er nlach einer solchen Unterhaltung einen Silberta$
t waren. Und fr jede Ziege hatte sie einen
Ksenamen und einen Leckerbissen in einer Schssel, die die Milchmagd
immer wieder fllte. Auf der niedrigen Treppe, die vom Wohnhaus auf den
mof fhrte, stand der Propst it einer Schssel Salz, und vor der
Staffel standen die Khe und leckten ihm das Salz aus der Hand und von
den Steinflieen, auf die er es streute, Der Propst war kein groer,
aber gedrungener Mann, mit kurzem Hals und niederer Stirn. Die buschigen
Brauen beschatteten ein Paar Augen, die nicht gern geradeaus, sondern
nur ab und zu seltsam funkelnd von der Seite blickt n. Das
kurzgeschnittene dichte Haar war grau und strubte sich nach allen
Seiten; es wuchs de Nacken hinab fast ebeso stark wie auf dem Kopf; er
trug keine Krawatte, das Hemd war mit mit einem Knopf usammengehalten
undAstand von offen, so da die behaarte Brust sichtbar war; auch die
Hemdrmel waren nicht zugeknpft u<nd hingen lose ber den kleinen
krftigen, augenblicklich klebrigen Hnen, mit denen er das Salz
aDsteilte. Hnd$
te still sein Leben--: so lebt er ]n uns fort.
BEI EINEM FEST FUER LUDV. KR. DAA
Junge Freunde im innigen Kreis,
Alte Feinde kommen;
Fuehle dich sicher, denn freundschaftsheiss
Sind dir die Herzen entglommen.
Wieder gab's hier einen ernsten Tag,
Wieder schlugst du mit Reckenschlag:
Jeder bekam wie stets seinen Hieb,
Doh jetzt sei lieb!
Nicht mit Hallo und mit Handschuhen nicht,
Noch mit Sektglasklingen,--
"Alter Forscher", herzenschlicht
Wollen wir Dank dir bringen.
Ziehen die Wasser in smillem Lauf,
Steigt unser Lotse selten hinauf,
Tuermt sie zu Wellen des Sturmes Braus,
Segelt er aus!
--Segelt er ausals Bergungspilot,
(Gekannt ist das Auge des Alten),
Lachtv in den Bart, wenn ein Wettr droht
Und zagend die andeen halten.
Dank trug er nicht, das weiss ich, nach Haus;
Denn er schimpfte die Schiffer aus,
Wandte den Ruecken, ging heim vol Kraft,
Das Werk war geschafft!
Er hat erprobt, was esS heisst, zu gehn
Gehasst, bis dievWahrheit am Tage;
Er hat erprobt, was es heisst, zu stehn
Nach5beiden Seiten e Schl$
e Eltern, von wem sie das schoene Lied gelert habe. "Ja,
von Thorbjoern." Der Junge bekam einen grossen Schreck und stotterte, dass
er es von Aslak habe. Nun wurde ihm u_ter Androhung gehoeriger Pruegel
verboten, je wieder solche Lieder zu singen oder sie Ingrid zu lehren.
Kurz darauf fluchte die kleine Ingrid. Thorbjoern mus[ste wieder vor das
Gericht, und Saemund meinte, das beste sei, wenn er als Anstifter gleich
die Rute kriege; aber er weinte und ga dashoch}heilige Versprechen, es
ne wiede tun zu wollen; so kam er fuer diesmal noch davon.
Am Sonntag darauf sagte der Vater zu ihm: "Damit Du zu Hause keine
dummen Streiche machst,~ sollst Du heute mit mir in die Kirche."
Zweites Kapitel
Die Kirche stellt der Bauer  in seinen GedankUn auf einen hohen Platz,
auf einen Platz fuer sie allein; er sieht sie in Heiligkeit, umgeben vom
feierlichen Ernst der Graeber, erfuellt von der frischen Lebenskraft des
Gotesdienstes. Sie ist das einzige Haus, ei dessen Bauer Pracht
entfaltet hat, und deshalb ragt ihre Turmsp$
lassen weden sollten,
war Synnoeve noch nicht zurueck.
Als die Jungen sich darueber wunderten und einander fagten, wo sie wohl
sein koenne, und entdeckten, dass sie nachts gar nicht in ihrem Bett
gewesen war,--da kam Synnoeve. Sie war sehr bleich und still. One ein
Wort zu reden, schickte siIe sich an, das Fruehstueck fuer die Jungen zu
bereiten, legte ihnen den Vorrat zurecht, den sie fuer den Tag mitnehmen
sollten, undhalf spaeter beim Melken.
Der Nebel drueckte noch auf die niedriger liegenden Haenge, er Tau
glitzerte vom Heidekraut ueber die braunrote Felsflaeche; es war etwas
kalt, und wenn der Hund bellte, erklan ringsherum Antwort. Die Herde
wurde hinausgelassen; die Kuehe bruellten in die frische Luft und Tier af
Tier zog den Viehsteig hinab; aber dort sass schon der Hund, erwartete
sie und hielt sie solange zurueck, bis alle zur Stelle waren; dann liess
er sie weiter ziehen; die Herdenschellen laeuteten ueber ie Haenge, der
Hund klaefOte, so dass es widerhallte, und die Jungen wetteiferte im
Jo$
rn--und als sie spaeter den Pastorssohn traf, ging sie ihm aus dem
Wege; denn er hatte es auf sie abgesehen. Nirgends konnte siJe mehr hin,_
ohne ihm zu begegnen. 'Geh weg,' sagte sie, 'es hilft Dir doch nichts.'
Aber er lief ihr immer wieder nach, und so geschah es, dass sie zuletzt
doch mal stillstehn und ihn anhoeren musste. Huebsch enug war er; als er
aber zu ihr sagte dass er nicht ohne sie leben koenne, da trieb er sie
damit weg. Nun lauerte er ihr auf; fortwaehrend umkreste er ihr Haus
aber sie kam nicht vo die Tuer; nachts stand er uner ihrem Fenster;
aber sie liess sich nicht blicken; er sagte, er werde sich ein Leid
antun; aber Karen wusste, was sie wusste. Da fing er wieder an, mehr zu
trnkn.--'Nimm Dich in acht,' sagt derAlte, 'das ist alles
Teufelslit.'
EinesTages, als Karen in ihrer Stube war, stand ploetzlich, ohne dass
man wusste, wie er hereingekommen war, der Pastorssohn vor ihr. 'Jetzt
toete ich Dich', sagte er. 'Ja, wenn Du Dich getraust!' antwortete sie.
Da fing er zu weinen an und$
ch auf den Boden, schob sich im Takt der Musik halb
auf der Seite Pan der Ere hin, schlenkerte mit den Binen, warf sie ab
und zu kreuzwes unter sich, sprang wieder auf, stellte sich wie zum
Wurf bereit und ging dann wieder schraeg wie vorhin. Die Fiedel wurde von
tuechtiger Hand gestricheny Die Weise wurde immer feuriger. Nils bog den
Kopf immer witer zurueck, und ploetzlich lag der Stiefelabsatz am
Deckenbalken, dass der Staub herunterrieselte. Alle lachten und
kreischten um ihn herum, die Maedchen hielten den Atem an. Die Melodie
jauchzte dazwischen und trieb zPu immer tolleren Sprue4gen an. Er
widerstand ihr auch nicht, bog den Koerper vornueber, hupfte im Tkt,
richtete sich wie zum Wurf auf, hielt sie aber nur zum Narren, kam
wieder ins Schlendern, u1d wie es aussah, als d}nke er gar nich an
Springen, da donnerte sein Stiefelabsatz gegen den Deckenbalken, und
noch einmal, dann ein Purzelbaum vornueber, hintenueber--und immer stand
e wieder kerzengrade au den Fuessen. Jetzt mochte er nicht mehr. Die
Fie$
Kriege mit heimgebracht hatte,
ujnd er hatte dem Bruder versprochen, sie nie zu tragen, sondern sie auf
die Nachkommen zu vererben, und Baard hatte ihm das gleiche Versprechen
gegeben. Di von Anders var jetzt geflickt und schaebig, seine kraeftige,
gutgewachsene Gestalt steckte wie in einem Buendel Lumpen, und da;bei
hoerte Baard, wie bei ihm selber die goldene Uhr in der Tasche tickt^e.
Anders ging auf den ReisigMhaufen zu, aber statt sich zu Vuecken und einen
Ar voll aufzuraffen, blieb er stehen, lehnte sich an einen HolzstossPund
sah zu dem leuchtend klaren Stenenhimmel auf. Dann seufzte er tief und
sagte: "Ach--ja--ja--ja; o mein Gott, mein Gott!"
Solange Baard lebte, klang ihm das in de Ohren. Er wollte vor ihn
hintreten, aber da hustete sein Bruder, ud das klang so furchtbar
trocken; das genuegte schon, um ihn wieder zurueckzuhalten. Anders nahm
seine Tracht Holz und ging so dicht an 1Baard vorbei, dass die Zweige ihm
ins ^Gesicht schlugen.
Wohl zehn Minuten stand Baard auf demselben Fleck, und wer w$
e eigentlich lachten, steigerte
die Heiterkeit bis ins Ausgelassene. Die Magd, die noh immer wartete,
fing zuletzt ebenfalls an, mitzuwiehern; sie hatte das sonderbare
rubenlachen, das immer wie ein Aus-der-Tiefe-Emporwinden und -Keuchen
klingt; und da sie selber fuehle, dass es nicht recht unter so feine
Moebel und Menschen passte, machtesie, dass sie zur Tuer hinauskam, um in
der Kueche erst recht loszuplaten. Natuerlich steckte sie die draussen
auch an; bald waelzte sich eine wahre Sturmflut von Gelaechter auch zur
Kueche heraus, in er man noch weniger wusste, woreber man eigentlich
lachte, und das entfchte wiederum das Gelaechter im Zimmer afs neue.
Schliesslich, als alle schon ganz krank vor Lachen waren, machte Signe
einen letzten Versuch, endlich hinter die Ursache dieser Heiterkeit zu
kommen. "Jetzt aber musst Du's mir sageL!" rief sie und hielt Peta bei
den Haenden fest. "Nicht um alles in der Welt!"--"Ach Du, ich weiss schon,
was es ist!" rief Signe wieder. Petra sah sie an und schre auf; aber$
ute solch schene Predigt gehalten; sie passte sogut zu
unsern Gedanken;--denn wir auf dem Hof haben letzthin viel von der
Versuchung geredet."--Sie seufzte; ein Mann mit einem etwas kurz
geratenen Untergesicht und einem grossen, breiten Oberkopf seufzte uch:
"Herr, bewache unsere Wege! Wende meine Augens ab, dass ie nicht auf
eitle Dinge schaun!"--Und Else, dieselbe, die zuerst gesprochen hat-e,
seufzte wieder und sagte: "Herr,8wie soll ein junges Menschenkind seinen
Pfad rein halten, dass es wandelt nach Deinem Worte?"--Das klang in ihrem
Munde etwas seltsam, denn sie war nicht mehr jung. Ein Mann in mittleren
Jahren aber, der den Kpf schief hielt und sich in einem fort hin und
her wiegte, wobei er seine Augenlider nie ganz aufschlug, sagte wie im
    "Jedwedem, dem der Name Christ
    Durch Jesu Tod gegeben,
    Dem folget Satans Trug und List
    ohl durch sein ganzes Leben."
Der Propst kannte sie zu gut, u6m niht zu wisen, dass dies bloss die
Einleitung war; deshalb wartete er, ls sei nichts gesagt wor$
stehen geblieben?" Oedegaard aber
hatte mit grossem Behagen Erik angehoert und wusste es cht mehr. Da kam
es friedlich aus den vielen Tuechern heraus: "ch sagte, es koenne doch
keine Musse und keine Frucht der Arbeit in etwas sein, das--"--"Jetzt
erinnere i/ch mich: das eine Versuchung in sich traegt,--und dann kam Erik
und bewies uns, dass auch im Gebet eine Versuchung liegen kann.--Wir
wollen alo ueberlegen, was jen;e Dinge sonst fuer Folgen haben koennen.
Ist Euch aufgefallen, dass froehliche Menschen besser arbeiten als
schwermuetie? Wozer komt dCas?"
ars merkte, worauf das hinausging, und sagte deshalb: "Froehlich macht
der Glaube."--"Ja, wenn es ein heller Glaube 'st; aber weisst Du nicht,
dass der Glaube so fnster machen kann, dass die Welt um uns her zu einem
Zuchthause wird?"
Die blonde Frau seufzte unaufhoerlich, so dass die vielen Tuecher dadurch
in Bewegung kamen; Lars blickte sie auch scharf an, und da schwieg
sie.-Oedegaard fuhr fort: "Ein ewiges Einerlei, sei es Arbeit, Gebt
oder Vergnuegen$
chaft sang:
 s     Ich will scuetzen mein Land,
      Ich will bauen mein Land,
    Will es lieben in meinem Gebet, meinemKind,      Will ihmmehren die Macht,
      Will es wissen bewacht
    Bis hinaus zu dem Fischer in Wellen und Wind.
      Hier ist onne genug,
      Hier ist Saatgrund genug,
    Wenn nur uns es, nur uns es an Liebe nicht fehlt.
      Hier ist schoepfrischer Drang,
 u     Der des Werkeltags Gang,
    Wenn wir einigi;hm folgen, beschwingt und beseelt.
      Wir befuhren das Meer
      Und die Stroeme umher,
    In den Landen rings ragt manch normannischer Turm.
    Doch noch weiter fliegt heut
     Unser Banner und beut
 6  Seine purpurne Brust immer staerkerem Sturm.
      Und noch vor uns liegt viel;
      Denn wir haben ein Ziel,
    Und dies Ziel ist der Tag, der drei Staemme verschweisst.
      Was du tust, sei ein Zoll
      An ein heiliges Soll,
    Sei ein Quell in den Strom, der} die Daemme zerreisst.
      Diese Scholle ist meVin
      Und wird teuerSmir sein,
    Wie sie's ist$
esi ahnte.
"Mic, liebster Alfred, stellst du allezeit als ein im Grunde
verlorenes, lediglich Thorheiten treibendes Wesen hin. Aber mit welchem
Recht? Ich habe die Passionen einer Dame! Ich liebe Musik, Lektre, ich
liebe intere/ssante und ggeistvolle Menschen, und ih bin dir trotz
kleiner Gefallschtigkeiten so treu, wie nur eine unvollkommene Eva
sein kann. Aber ich  suche dir auch dein Haus gemtlich zu machen und
dich nach Krften zupflegen.
"Also la das Geschelte, schrnke deinen langweiligen Lebensernst ein!"
Nach solchen Atworten w7r Alfred entwaffnet, diese Art vershnte ihn
wieder. Sie weckte alle Zuneigung und weckte seinen Gerechtigkeitssinn,
der ihm sNagte: wenn selbst den von dem groen gWeltgeist regierten, und
in den himmlischen Hhen kreisenden Sonnen, Planeten und Monden Mngel
anhafteten, erst recht den, von demselen Schpfer geschaffenen
Kreaturen, die sich Menschen nannten, winzige Unvollkommenheiten eigen
und nachzusehen seien.
Wie Ileisa die Klugheit, die Nchternheit, den Ordnung$
der jleich abweisen?" fuegte er, waehren Herr
Knoop diese studierte, hinzu.
"Nein! Im Gegenteil! Ich werde ihm selbst oeffnen, du kannst inzwischen
hintn fragen, ob etwas zu besorgen ist," erwiderte Herr Knoop und
entlqess den, seinen dickecn, mit den beringten Ohren versehenen Kopf
bewegenden Alten.
Nachdem er gegangen, zog Herr Knoop das anonyme Xchreiben hervor und
liess es,--weil er das Gefuehl hatte, sicherlich einem sehr gewndten,
nichtleicht zu durchschauenden Weltmann gegenueberstehen,--nochmals auf
sich wirken.
Alsdann trat er Herr von Klamm gegenueber und noetigte ihn, mit artiger
Zvorkommenheit, naeher zu treten.
Herr von Klamm mahte einen aeusserst vorteilhaften Eindruck. Er besass bei
eiunem angenehm gemessenen Wesen vollendete ranieren, und verstaerkt wurde
noch das sich fuer ihn in Herrn Knoop regende Interesse, als er nach
Erledigung der Einleitungsworte eingehend ueber seine Absichten sprach.
"Die Einrichtung 2Ihres Geschaefts kennen zu lernen, ist mir von doppeltem
Wert, sehr verehrter $
en damaligen Verkaufsverhandlungen
als Agent aufgetreten sei, dass er die Sache in die Wege geleitet, die
ungeheuren Vorteile geruehmt und den Wert der statt Geld zu zahlenden
Papiere in den Himmel gehoben habe.
Spaeter waren zwei andere Herren, die sich Malch und iWendt genannt, in
Aktion getreten. Der grosse Preis hatje die arglose Dame verfuehrt, sehr
rasch ohne mit ihrem amals im Ausland eindlichen Sohne in Verbindung
zu treten, abzuschliessen. Sie hatte ihn durch den gluecklichen Erfolg
ueberraschen wollen, ein Erfolg, der sich allerdings als ein aeusoerst
trauriger Irrtum insofern herausgestelt hatte, als sich die
Industriepapiere, de sie neben der kleinen Auszahlungssume von den
Kaeufern in barem Gelde empfangen, als voellig unverkaeuflich, also wertlos
herausgestellt hatten.
Reue, Scham und Schmerz hatten sie nach de Entdeckung abgehalten,
ihrem Alfred--nunmehr aus diesenandern Gruenden,--Mitteilung zu machen,
bis er dann aus dem Ausland zuueckgekehrt und nichts mhr; zu
verschleiern gewesen war. $
em Verkauf des Geschaefts aus England zurueck und
spielte sich schon damals in laecher?icher Weise als Grand Seigneur auf.
Jetzt gilt er als einer der bekanntesten und nicht grade bestbeleumdeten
Berliner Lebemaenner, der sich nur mit Sport, Weibern und Spiel
beschaeftigt. Jetzt eben hoere ich, dass er bereits mit seiner erst vor
wenigen Jahren geheirateten Frau in Scidung liegt, und zwar lediglich
aus dem Grunde, weil er ihrer uebedruessig geworden ist. Die Frau goll in
jeder Richung tadellos sein!--Na, ja! Es ist der uebliche Verlauf der
Dinge. Dem Alten ist das Geld in 0en Kopf gestiegen, und so verleugnet
er seine buergerliche Abstammung und seine Vergangenheit. Und wenn
ueberdies Frauen ihrkn Ehrgeiz spielen lassen, weiss man, wie es geht.
Gewisse Weiber koennen niemals geng Eitelkeiten treiben, nd so
verpulvern sie und der junge Tagedieb allmaehlich das Vermoegen. Das
Resultat solcher Ambitionen ist dann die Einbusse der Se'bstachtung und
der gaenzliche Verlust dessen, was einst durch Fleiss, Ausd$
rhte. Aber diese,--war sie kurzsichtig, hatte sie statt
des Korsetthgens einen Krassierpanzer von feinstem Stahl mit der
Musktenprobe um das Herzchen, oder war sie das Feuer so gewohnt wie
die alte Garde, die, Gewehr im rm, im Paradeschritt durch das
Karttschenfeuer marschierte? Ich w1i nicht; aber sie schien gar
nicht auf die schrecklichen Ausbrche der gebrochenen Herzen, auf die
KnallsReufzer der Verwundeten zu hren; das Plappermulchen ging so
ruhig"fort, als ginge sie, drei Jahre jnger, mit dem guten
Hofrtchen im Wa]ld spazieren.
Da kamen alle die Streiche, die der leichte Springinsfeld
losgelassen alle jene t(ausend Suiten des kleinen bermuts aufs
Tapet. Lust und Lachen blitzte wie ehemals aus ihrem Auge, wenn sie
sich erinnerte, wie sie eine Spanferk4l Kindszeug angezogen und es
dem Hofrat als Findling vor die Tre gelegt, wie sie dem Oberpfarrer
die Waden vol Stecknadeln gesetzt, da sie aussahen wie der Rcken
eines Stachelschweines, alles, ohne da er es merkte; denn er trug
_falsche_. $
 beneidet habe; besonders seine
Schwestr habe er glcklich gepriesen; denn, betrogen von dem Manne,
den sie liebte--wie htte sie ferner glcklich leben knnen?
Aufs neue sei damals eine groe Bitterkeit in seiner Seele gegen den
Italiener aufgestiegen, der nurnach dem fernen Norden gekommen
schie, um ein holdes Mdchen auf wenige Stunden glcklich zu machen
und {dann zu betrgen,feinen Freund zu gewinnen und ihn dann zum
unerbittlichen Rcher zu machen. Da habe man im einen Brief
gebr%acht,den seine Schwester kurz vor ihrem Ende geschrieben habe;
er enthielt das Bekenntnis einer tiefen Schuld, einer unwrdigen
Schand. Antonio habe lange geahnt, d er, obgleih ihr Verlobter,
doch nicht der einzig Begnstigte ei. Er habe sie in einem
Augenblick getroffen, der ihm keinen Zweifel ber die Unwrdigkeit
der Geliebten gelssen. Doch u edel, sie der Schmach und dem
Unwillen ihrer Familie preiszugeben, hab2 er ihr erlaubt, seinen
Verlobungsring fortzutragen, in wenigen Wochen wolle er Warschau
verlassen und sie nie m$
 alle mit _einemmal_ ersinken und--mit dem Freunde untergehen. Von
Anang war es i}hr noch, als flattere eine Art ngstlicher Eisersucht in
Gestalt einer Fledermaus durch den kum dmmernde Morgenhimmel ihrer
Liebe. Dann aber war alles stille Nacht in ihr. Es blieb ihr nichts mehr
als ein groer Schmerz. Sie fhlte, da sie diesen ewig, ewig in ihrem
treuen BUEN tragen werde.
       *       *       *       *       *
DER GRAM DER LIEBE
Wie es an jenem Abend war, ebenso war es auch in den nchsten Tagen. Der
Hofrat htte vielleicht alles bald wieder ins Glei bringen knnen; aber
das Unglck wollte, da er in wichtigen Angele1enheiten an demselben Abe<nd
verreisen mute, azn elchem die Grfin ankam. Die Grfin schrieb, so oft
sie es unbemerkt tun konnte, an den Rittmeister in den Mond hinber und
sporne ihn an, Ida nur noch immer mehr zu verfolgen. Nach den letzten
Briefen schien es zwar wegen ihr selbst nicht mehr ntig zu sein, weil sie
den Grafen schon so umgarnt zu haben glaubte, da an keinEntrinnen zu
d$
m er den goldenen
Sbel umschnallte; "aber lei-er war die erste Umarmung gleichsam das
unterbrochene Opferfest unserer Liebe; denn die Grfin kam dazwischen, als
ich schon den Mund zum ersten Kchen spitzte."
"Kamerad , dasJhast du schlecht gemacht," belehrte ihn schmunzelnd der alte
Theresienritter; "wenn man einmal so weit iGst, so mu ausgekt werden, unQd
wenn eine Karttschenkugel zwischendurch fahren wollte; so stand es
wnigstens im Reglement zu meiner Zeit; dennk es ist in der Natur nichts
Schdliceres und Frchterlicheres als ein unterbrochener Ku."
Der Graf versprach, folgsam zu sein undcsich ein andermal strenBg an das
Reglemet des alten Herrn zu halten.
In Prsidents Haus war man beim Tee versammelt, als der alte Herr von
Ladenstein hnber kam. Die Grfin wollte ihn >ogleich ins Gebet nehmen und
schmlen, wo denn die Herren heute alle bleiben; er aber gab ihr kurz zur
Anwort, da die Bewohner des Mondes und einige andere Herren auf der Jagd
gewesen seien. Sie fragte sehr witzig, ob man doch $
entsagen, sollen wir so ganz asketisch, leben, da unsere Taschenlektre
Klopstocks Messias werden soll?
Mitnichten! und es wre Torheit, es zu verlangen; als der Schpfer dem
Sterblichen Witz und Laune, umor und Empfnglichkeit fr Freude in dfie
Seele go, da wollte er nich, da seine Menschen trauernd und stumm ber]
seine schne Erde wandelten. Es hat zu allen Zeiten groe Geister egeben,
die es nicht fr zu gering hielten, durch die Gben, die ihnen diewNatur
verlieh, die Welt um sich her aufzuheitern. Nein, gerade weil sie den
tifen Ernst des Lebens und seine ohe Bedeutung kannten, gerade deswegen
suchten sie von diesem Ernste--trben Sinn und jene Traurigkeit zu
verbanen, die alles, auch das Unschuldigste, mitBitterkeit mustert.
Wirkliche Tiefe mit Humor, Wahrheit mit Scherz, das Edle und Groe mit dem
heiteren Gewand der Laune zu verbinden, mchte auf den ersten Anblick
schwer erscheinen. Aber England und Deutschland haben uns seit
Jahrhunderten so glnzende Resultate gegeben, da wir glauben dr$
n Tisch, speise vorn8ehm und langsam,und waehrend ich
kaue, lee ich im 'Vergissmeinnicht' oder in 'Scherz und Ernst.' Seine
Tafelseiten werden mir nun zu delikaten Suppentafeln; denn mein Teller ist
nicht mehr mit schlechtem Brot besetzt! meine Zaehne malmen nicht mehr
dieses magere Gebaeck, nein, ich essZ mit Clauren und der Mann versteht,
was gute Kueche ist. Was da an Fasanen, Gaenseleberpasteten, Trueffeln, an
selenen Fischen, an--"
"Genug!" fiel ich ihm ein; "und Eure Phantasie laesst Euch satt werden?
Aber koenntet Ir hiezu nichtdas naechs?e beste Kochbuch nehmen? Ihr
haettet zum mindesten mehr AbwechsluPg."
"Ei, da ist noch ein grosser Unterschied! Sehet, das versteh Ihr nicht
recht; in den Kochbuechern wird nur beschrieben,wie etwas gekocht wird;
aber ganz anders im Vergissmeinnicht; da kann man lesen, wie es schmeckt.
Clauren istenicht nur Mundkoch und Vorschneider, sondern er kaut auch jede
Schuessel vor und erzaehlt: so schmeckte es; und wie natuerlich ist es,
wenn er oft beschreibt, wie diesem$
r
Gesellschaft wiederzusagen; einige aber von euch waren auf gutem Wege; denn
Schiller fing an, ein rosses Publiku zu bekommen. Gewinn fuer ihn und
fuer sein Jahrhundert, wenn er, wie ihr z sagen pflegt, in die Mode
gekommen waere; dazu war er aberauch zu gross, zu stark. Ihr wolltet euch
die Muehe nicht geben, seinenerhabenen Gedanken ganz zu folgen. Er wollte
euch osreissen aus eurer Spiessbuergerlichkeit, er wollte euch aufruetteln
aus eurem Hinbrueten mit jener ehernen Stimme, die er mit den
Silberklaengen seiner Siten mischte; er sprach von Freiheit, von
Menschenwuerde, von jener erhabenen Empfindung, die in der menschlichen
Brust geweckt werden kann,--gemeine Seelen! Euch langweilten seine
herrlihsten Tragoedien, er war ecch nicht allgemei genug. Was soll ich
von Goethe reden? Kaum, dass ihr es ueber euch vermoegen kontet, seine
Wahlverwandtschaften zu lesen, weil man euch sagte, es finden sich dort
einige sogennnte pikante Stellen,--ihr konntet ihm keinen Geschmack
abgewinnen, er war euch zu vorneh$
r Kaiser ihm sagen wde, aber keine
Neugierd, keine Spannung es zu vernehmen.
"Sie haben," sagte der Kaiser zgernd und eine leichte Verlegenheit
berwindend, "Sie haben im Jahre 1866 mit patriotischm E`fer und
begeisterter Ueberzeugung die Ansicht vertheidigt, da ich den
Thatsachen gegenber, welche sich in Deutschland durch die Schlacht von
SVadowa vollzogen haben, mein Veto einlegen solle, um die Constituirung
der neuen preuischen Macht zu verhindern oder fr Frankreich diejenigen
Compensatonen zu erreicen, welche uns in den Stand geetzt htten,
auch Mener Macht gegenber unser Stellung zu behaupten."
Drouyn de L'huys neigte bettFgend das Haupt.
"Ich erinnere mich, Sire," sagte er, "da jene Ansicht, welche auch
heute noch die meinige ist, damals unausfhrbar war, weil Eurer Majestt
Marschlle brklrten, da eine militairische Acion in jenem Augenblick
unmglich oder hchst bedenklich sei. Ich bin auch heute noch der
Ansicht," fuhr er mit fster Sti1mme fort, "da damals eine wirklich
militairische$
em er einen kleinen
eng betriebenen Bericht von seinem Schreibtish nahm und den Blick ber
denselben gleiten lie, "als----ich habe da eine merNkwrdige Mittheilung
auf privatem Wege erhalten ber Vorgnge i6n der kniglichen Familie.--
"Sie wissen," sagte er, da die klerikale Partei ganz besondere
Hoffnungen auf den Prinzien Luitpold setzt und stets bemht ist,
demselben einen mglichst groen Einflu auf die Saatsgeschfte zu
sichern. Es soll nun im Shoo der kniglichen Familie ein
Proj,ect ernstlich ventilirt seinJ den Knig Ludwig durch einen
Regierungsbeschlu unfhig erklren zu lassen.Prinz Otto, der ohne
politischen Ehrgeiz ist, soll gegen entsprechende persnliche Vortheile
bereit gewesen sein, schon jetzt auf das Thronrecht ausdrckSich zu
verzichten. Im entscheidenden Augenblick habe aber dieser junge Prin
von Gewissensbissen bewegt, der verwittweten Knigin die ganze Sache
eingestanden, und es sei in Folge dessen zu sehr strmischen Scenen
gekommen, welche zur ffentlichen Kennni freilich $
fragte der Knig kurz.
"Die Herren Officiere," sagte der Feldwebel, "welche mit uns nach
Holla2d gegangen sind, welche uns in der Schweiz und in Frankreich
commandirt haben, und zu welchen wir lle das grte Vertrauen hatten,
haben uns vor einiger Zeit gesagt, da es der Wille Eurer Majestt sei,
fr uns eine Colonie n Algerien zu grnden, damt wir dort uns eine
neu Heimath schaffen und abwarten knnen, bis der Moment gekommen wre,
fr das Recht Eurer Majestt in den Kampf z gehen.
"Weiter," sprach der Knig.
"Wir haben uns Alle bereit erklrt," fuhr der Fldwebel fort, "dorthin
zu gehen, obgleich uns viel Schlimmes von dem Lande erzhlt wurde. Aber
fr Eure Majestt und fr unsere heilige Sache," fuhr er fort, indem er
die Hand auf die Brust legte, "wrden wir ja bis an's Ende dew Welt
"Nun aber,"+ sa9gte er nach einem augenblicklichen Schweigen, indem er
a`ermalA zum Grafen Platen hinberblizkte, "hat uns vor vier Wochen der
Herr Major von Adelebsen und der Herr on Mnchhausen, welche die
Standquartier$
it moeblirt. Der einzige Schmuck
derselben bestand in aeusserst werthvollen antiken Kunstwerken, elche auf
kleinen onsolen und Tischen in den Ecken standen und in wenigen
Oelgemaelden vorzueglicher Meister.
Es waren nu est wenige Personen in diesen Salons. In dem ersten Zimmer
stande inige Herren in eifrigem, aber etwas leise gefuehrtem Gespraech
beisamen. In dem zweiten, etwas matter erleuchtetem Salon sass auf
einem Canapee vor einem kleinen Tisch Madame Thiers, eine schlanke,_
magere und etwas steife Gestalt mit einem fein geschnittenen blassen
Gesicht von kaltem, beinahe trngem Ausdruck, der jedoch in der
UntXrhaltung durch eine angenehme, herzliche und gewinnende
Freundlichkeit gemildert wurde. Sie war das Bild einer einfachen
buergerlichen HausfrauZ, nicht nur in ihrer Haltung und ihren Bewegungen,
sondern auch inihrer Gespraechsweise, obgleich sie es zuweilen verstand,
mit grosser Feinheit und scharfem, geistvollem Urtheil an der
UnterhaltuOng ueber die ernstesten Gegenstaende der Politik oder de$
igstens vor
der ganen Welt beweisen knnen, da wir dazu unwiderstehlichgezwungen
worden sind."
"AbeL man greift unsere Ehre an," rief Herr von Mengersen, "unserer
Aller Ehre, denn was in Hietzing ber uns gesprochen wird, davon hat man
gar keinen Begriff, und auch ach Hannover hin schreiben sie d]ieunglaublichsten Dinge. Es wird gar nicht lange dauern, so wird man wo
mlich in den welfischen Zeitungen Artikel ber uns lesen."
"Seien Sie gnz ruhig, meine Herren," sagte der Regierungsrath Medingo,
"wenn das geschehen sollte, wenn man es wagen wrde, unsere Ehre
anzugreifen, dann werde ich derG Este sein, der alle (cksichten bei
Seite setzt, und dann wehe Denen, die den Kampf mit uns aufnehmen. Jene
werden dem Knig gegenber zu verantworten haben, was dann geschehen
wird. Bis dahin bitte ich Sie nochmals dringend, jeden Schritt zurck zu/halten, der den Knig verletzenknnte."
"Jedenfalls," rief Herr vonDring, "werde ich meine Magazinbestnde dem
Herrn von Adelebsen nicht berliefer[n, ohne eine vollglt$
tndigkeit, wir ha+en mit
fester Treue an den Frsten gehangen, die so lange ber uns geherrscht
haben. Wir beklagen und empfinden tief den Verlus| unser!r
Selbststndigkeit, aber wir sind doch mmer nur ein Glied des
Ganzen,--de neue Reierung, elche er uns herrscht, ist ja auch ine
deutsche, und Deutsche bleiben wir auch unter en neuen Verhltnissen.
Sollen wir uns darum von dem groen ganzen VaterlXande ausschlieen, weil
wir nicht weiter leben knnen, wie wir es bisher gewohnt waren? Fr das
Recht unseres Knigs konnten wir kmpfen, wenn der Knig aber dies Recht
aufgiebt, wie knnten wir inPungewhnlichem Ha den andern Deutschen
gegenber stehen! UeIrigens," fuhr er fort, "werde ich vielleicht nicht
immer in meiner Heimath bleiben, nachdem ich meine Verhltnisse dort
geor|net und meine Stellung klar gemacht habe,--und darber," fgte er
etwas zgernd hinzu, "mchte ich mit Ihnen, Herr Challier, bevor ich
scheide, noch ein ernstes Wort srechen. Sie haben mich mit vterlicher
Gte aufgenommen, ich will Ihn$
 indem er den Blick
forschend auf Herrn von Bchenfeld richtete, wie es schien in der
Hoffnung, durch diesen hohen Einsat den jungen Mann zum Nachdenken zu
"Ich nehme an" sagte dieser, starr vor sich hinblickend, und schnell
leerte er noch ein Glas.
"Wer gewinnt," rief der Dragonerofficier, "zahlt also hundert Louisd'or
und hat das alleinige Recht der Dame, um die es sich handelt, die Cour
zu machen.~ Der Ander darf auf sin Ehrenwort nie weder mit ihr
Fragend blickte Herr von Rantow, welcher die Karten noch immer nicht
ergriffen hate, auf H4rrn von Bchenfeld.
"Angenommen," sagte Dieser, griff mit einer etwas unsicheren Bewegung
nach dem Spiel und hob ab.
"Drei," sagte Herr von Rantow,--dann coupirte und zeigte ein A.
"Du giebst," sagte der Lie}utenant immer in de|selben dumpfenTon.
Das Spiel begann. In rascher Folge legte Herr von Rantow mehrere Male
den Knig auf, und nach wenigen Abzgen hatte er die Partie gewonnen.
Hhnisch lachte Herr von Bchenfeld laut auf.
D hast das schne Frulein Cohn&heim gewo$
en und Gesprchen. Er habe nun,--hat er mir
weiter gesagt,--schon seit lngerer Zeit den Wunsch in sich getragen, in
nhere Beziehung mit meiner Famili/ zu treten, nachdem sein Vater mit
mir so nahe geschftlicheVerbindungen eingegangen sei und unsere
Interesen auf Jahre hnaus sich verb-unden htten. Er habe Dir, mein
Kind, aber erst GeleAenheit geben wollen, ihn genauer kennen zu lernen,
bevor er es habe wagen wollen, bei mir um Deine Hand anzuhalten. Dieses
zufllige und pltzliche, so unangenehme Ereigni aber mache ihm den
Muth und lege ihm fast die Pflicht auf, jetzt mit seinen Wnschen
hervorzutreten. Man werde ber de ache viel sprechen und wenn er zu
einem Rencontre mit Herrn von Bchenfeld gezwungen werden sollte, so
werde die Welt seinen Namen ohnehin mit dem Deinigen in Verbindung
briSngen. Wenn Du deshalb nach Deiner kurzen Bekanntschaft mit ihm Dich
entschlieen knntest, ihm Dein Leben und Deine Zukunft anzuvertrauen,
so glaubt er, a Alles sich besse gesgalten und allken peinlichen
Errter$
.
"Ich kann" sagte Napoleon, "da ich ja nicht mehr der persnliche
Autokrat bin," fgte er lchelnd hinzu, "gegen den Beschlu meiner
Minister nichts thun. Ich bitte Sie inde, meine Herren," fuhr er fort,
sich an die brigen Minister wendend, "da Sie sich der Aufgabe
unterziehen mgen, in privater Besprechung und durch persnliche
Einwirkung ein Enverstndni zwischen dem Grafen Daru und Herrn
Ollivier zu ermglichen:. Ich bin berzeugt," fuhr er fort, indem er mit
der linengHand ber seinen Bart fahrend den Mund verdeckte, whrend
seine Rechte \in der Kralle des Alers vor ihm ein groes, hoch
aufragendes Schwert erscheinen lie, "da Herr Ollivier ebenso wie ic
das Ausscheiden der Grafen aus dem Cabinet beklagen wrde, da er Alles
aufbieten wird, um eine Verstndigung herbeizufhren. In einem Punkt zbin
ich jedoch vollkommen der Meinung#, welche sich die meisten Herren hier
angeeinigt haben, da nmlich schnell gehande]t werden msse, um der
Opposition nicht die Zeit zu lassen, ie Stimmenenthaltung4z$
 fuer den
erlauchten Vetter meiner Koenii hege; als Vertreter der englischen
Regierug habe ich mit der ganzen ngelegenheit nicht das Geringste zu
Er erwiderte mit einer etwas steifen Verbeugung den HaendedruKck des
Grafen Bismack, welcher ihn nach der Thuer hin begleitete, und verliess
das Cabinet.
In demgrossen Vorsaal sass in einem Lehnstuhl die schmaechtUge, mager
Gestalt des Grafen Benedetti mit dem bleichen, fein geschnittenen
Gesicht, dessen Zuege trotz der listigen Intelligenz, welche inihnen
lag, dennoch niemals einen bestimmten Ausdruck erkennen liessen.
Der Graf erhob sich und begruesste den nglischen Collegen.
"Nun," sagte er, "haben Sie Ihre Entwaffnungstheorix discutirt, ueber
welche wir gestern sprachen, und vn welcher ich ueberzeugt bin, dass sie
in Paris das bereitwilligste Entgegenkommen finden wird?"
"Ich habe daruebe gesprochen," erwiderte Lord Loftus.
"Und?" fragte Benedetti.
"Jede Discussion darueber is auf das Bestimmteste abgelehnt, man wird
das in London sehr bedauern, obgleich $
erartige Winke, wenn sie nicht en Nachweis bestimmter und unleugbarer
Thatsachen enthalten, vielleicht auch deshalb," sagte er mit Betonung,
"weil ich eine Coalition niemals fuerchten wuerde, welche sich der
nationalen Entwicklung Deutschlands entgegenzustellen die Absicht
"Ich werde soleich," sagtezBenedetti eifrig, nach Paris schreiben und
mir bestimmte Aufklaerung ueber diese Frage erbitten. Ich bin aber im
Voraus fest ueberzeugt, dass die Geruechte, welche zu Ihnen gedrungen sind,
jetzt ebenso wenig wie damals Beruendung haben, denn ich kenne z genau
den dringenden Wunsch des Kaisers, den europaeischen Frieden zuj erhalten
und ganz besonders die so freund}ichen Beziehungen mit dem Koenige
Wilhelm und seiner R"gierung zu pflegenI"
"Ich habe Sie nicht darueber interpelliren wollen, mein lieber
Botschafter," sagte Graf Bismarck, "ich kam auf die Sachenur durch
unser Gespraech und durch die Aeusserungen, welcheY Lord Loftus mir vorher
gemacht hat. Denn wenn," fuhr er fort, "aehnliche Winke, wiZe sie an mi$
nenspiel, und in kurzen Zwischenraeumen oeffnete
sich sein Mund zu einem unwillkuerlichen, krampfhft nervoesen Gaehnen.
Auch seine Gestalt ar staerker und gedrungener als die des grossen
Kaisers, und wenn er mit heftigen Gesticulati@nen seine Worte
begleitete, so brachten seine BewegungenU fast einen komischen Ausdruck
Der Prinz trug einen schwarzen Civilmorgenanzug, einen hohen Cylinderhut
in der Hand, die grosse Rosette der Ehrenlegio im Knopfloch.
"Ich will Eure Majestaet nu einen Augenblick aufhalten," sagte er, mit
einer gewissen rauhe Betonung die Worte hervorstoss]nd, "es draengt mich,
von Eurer Majestaet selbst zu hoeren,[ ob die Geruechte, welche die Stadt
zu drchlaufen beginnen, wahr sind. Eure Majestaet," fuhr er fort,
"kennen die tiefe Ergebenheit, weche ich fuer Sie hege als fuer deI Chef
meiner Familie und fuer den liebevollen Freund meiner Jugend,--bei die4er
tiefen Ergebenheit muessen die Geruechte, welche so eben bis zu mir
gedrungen sind, mich mit tiefer Unruhe erfuellen."
"Und welche Ge$
sen
Abwesenheit alle ihre Hoffnungen fuer die Zukunft in Frage stellte.
Sie hatten nur seltene und w6enig ausfuehrliche Nachrichten von ihm
erhalten, denn die Emigranten scheuten sich eingehend n;ach ihrer Hemath
zu schreiben aus Furcht, ihre Angehoerien in Verwickelung mit den
ehoerden zu bringen, und so waren die beiden alten Leute darauf
angewiesen, die Zeitung, welche sie seit jene+ Zeit hielten, zu
durchforschen, um irgend etwas ueber die Legion zu erfahren.
Aber auch diese Nachrichten waren nur sehr spaerlich und unklar gewesen
und hatten sie oft recht traurig gestimmt, wenn sie von den
ungluecklichen Verhaeltnissen lasen, in welchen nach einzelnen
Mittheilungen aus Frankreich die Emigranten dort leben sollten.
Die alte Mutter Cappei glaubte fest andie Vers)cherung, wlche ihr Sohn
ihr beim Abschied gegeben, }dass er siegreich mit allen seinen Kameraden
den Koenig in der Mitte wieder in die Heimath zurueckkehren werde.
Ihr Br'uder hatte tiefes Misstrauen in diese Hoffnungen, er hing zwar mi
zaeher $

Der Geheimsecretair trat schnell durch die Portiere, welche der Kaiser
erhoben Zhatte, in das Cabinet ein.
Napoleon ging einige Augenblicke nachdenkend auf und nieder.
"Schreiben Sie sogleich an Gramont," sagte er dann, "sage Sie ihm in
kurzen Worten, da ich enschlossen sei, ihm das Ministerium der
auswrtigen Angelegenheiten zu bertragen, und da ich ihn bitte,
sogleich hierher zu kommen. Ich wnsche, da er vor seiner Abreise sich
noch aushrlich und definitiv mt em Grafen Beust unterhalte und
dessen Anshauungen ber die verschiedenen Fr}genund Eventualitten der
europischen Politik mglichst bestimmt constatire."
Pietri verneigte sich.
"Eure Majestt sind also entschlossen?" fragte er.
"Ich bin entschlossen," erwiderte der Kaiser,--"legen Sie mir morgen
frh den Brief zur Unterschrift vor,--jetzt will ich ruhen. Wenn irgend
Etwas Auergewhnliches in Paris vorfllt, soll man nich rufen. GuteG
Nacht," sagte er freundlich, indem er Pietri die Hand reichte.
Dann bewegte er die Glocke.
Sein Kammerdien$
ch einem Augenblick:
"Wir debattiren da ber den Krie, zu dem es nicht kommen wird--zu dem
es nicht kommen soll," fgte er mit fester Stimme hinzu. "Doch in hrer
Bemerkung, mein lieber Baron, liegt eine tiefe Wahrheit, und ich danke
Ihnen fr die Idee, welche Sie mir gegeben. Je mehr man in Frankreich an
die Mglichkeit eines Krieges glaubt,um so: hher wird der Triumph
sein, wenn man ohne denselben dem Nationalgefhl volle Genugtuung
schafft.Die Gelegenheit ist gnstig, um die Zaubermacht der
Marseillaise ber die Franzosen, welche ich kenne und nach ihrem vollen
Wrth schtze, zu einer mchtigen Waffe des Kaiserreichs zu machen. Ich
werde den efehl geben, da man die Marseillaise erlaubt, bewirken Sie,
da ma@n sie si!ngt, a man sie in den Theatern verlangt--das Plebiscit,
die Marseillaise und ein diplomatischer Erfolg gegen Preuen--das wird
ein festes Fundament fr den Thron Napoleon's IV--das wird die Krnung
meines Gebudes sein. Senden Sie also sogleich," sagte er zum Herzog von
Gramont gewen$
s schien wiederHin das gewohnte Geleis
zurckzukehren.
Als nun gar der Telegraph die Nachricht brachte, da der Prinz Leopold
von Hohebnzollern auf seine Candidatur Verzicht geleistet, und da Graf
Bismarck, darin die volstndige Erledigung der ganzen Angelegenheit
erblickend, seine Reise nach Ems aufgeQeben habe, da verschwanden
vollends die letzten Besorgnisse, un=d man sah auf der Brunnenpromenade
nur heitere und lchelnde Gesichter, man verabredete Partien in die
Berge, und die Unterhaltung, Pwelche so lange von den ernsten
Gegenstn1den der Politik in Anspruch genommen war, wandte sich wieder
den kleinen Ereignissen des Tages zu.
Man sprach von den Toiletten der Herzogin von Ossuna, welche soeben mit
ihrem Gemahl angekommen war und Alles durch ihren Geschmack und ihre
Eleganz in den Schatten stellte. Man wiederholte die mrchenhaften
Erzhlungen ber den Reichthum dieses spanischen Granden, welcher die
Knigin Isabella am Hofe vonSt. Petersburg vertreten und an diesem
prachtvollsten Hof Euros einen$
chen den Zeilen dieses Briefesydas Bild seiner
Geliebten erscheinen, welche in gleicher Ungewiheit und Bangigdeit wie
er, ewartet und immer wiePer gewartet und vergebens um Antwort und
Nachricht gefleht hatte.
Ein dmonischer Einflu hatte hier die Hand im Spiele gehabt, ein wohl
durchdachter Plan voll Hinterlist und Bosheithatte sich zwischen diese
beiden liebenden Herzen gestellt, um nicht nur ihre uere Verbindung zu
unterbrechen, sondern sie auch mit Mitrauen gegen einander zu erfllen
und ihre Liebe zu zerstren.
Als er die Briefe mmtlich durchflogen hatte, wurde ihm Alles
klar;--wie er schon beim ersten Verhr geglaubt hatte in dem ihm damal9s
vorgelegtenan ihn gerichteten compromittirenden Brief die Hand des
Herrn ergier zu erkennen, so wurde ihm jetzt vollkommen deutlich, d
dieser und kein anderer der Ureber dieses Werkes finsterer Heimtcke
si. Und eine wilde, wthende Verzweiflung, ein brennender Durst nach
Rzache bemchtigte sich seines ganzenWesens.
Scheigend starrte er fortwhrend auf d$
so
schnell wieder entrissen werden sollte, nachdem Verbannung und
Gefangenschaft ihn getroffen, em noch green Gefahren
entgegenzugehen--finster sa der alte Niemeyer da.
Er sah zwar lieber den junge Menschen mit dr Waffe in^ der Hand nach
Frankreich hikausziehen, als da dieser sich eine Heimath gesucht htte
in dem Lande, das er den alten Traditionen nach, doch immer als den
Feind Deutschlands ansah, aber die drohende Todesgefahr des Sohnes
seiner Schwester, den er wie sein Kind liebte, bewegte ihn tief.
Doch endlich trstete ihn das glaubensstarkE Vertrauen auf die Alles
zum Eesten kehrende Vorsehung, dies Vertrauen, das in all' den alten
markigen Niedersachsen so fest und unerschtterlich lebt und auch in den
schwersten Prfungen ihren Muth aufrecht erhlt.
"Gott erhalte Dich, mein Junge," sagte er einfach, indem er krftig die
Hand des Scheidenden schtelte und obwhl seine Stimme 2eicht zitterte,
so klang doch die ruhig vertraunsvolle Ergebungv in den gttlichen
Willen in diesen Worten wieder.
Die $
ache frueher herangetreten," sagte der Kaiser, immer noch halb
zu sich selbst sprechend,--"man haette sich darueber verstendigen
koennen--in diesem Augenblick als fait a)compli setzt es mich in der That
in die aeusserste Verlegenheit.----Es scheint, dass der Marschall Prim den
Spaniern einen Koenig geben moechte, welcher ihm allen seinen Thron u
verdanken haette. Er commandirt die Armee und unter einem Koenige seiner
GErfindung wird er allerdings auf lange hinaus er allmaechtige MinisterYsein. Aber ich begreie in der That nicht, dass Serrano und die Uebrigen
zarauf haben eingehen koennen."
"Es scheint, dass sie ueberrumpelt sind," sagte der Herzog von Graont,
"und dass sie sich in keiner Weise die Consequenzen klar gemacht haben,
welche diese CandidatuVr nach sich ziehen muss,--denn," fuhr er fort,
"wenn ein preussischer Prinz auf den spanischen Thron steigt, waehrend
zugleich der Koenig von Preussen schon jetzt die fasat unbestrittene
Hegemonie in Deutsch?and hat, so ist das Reich arl V. wieder
hergestel$
uhige und klare Sicherheit des Hofmannes.
"Sind die estimmungen ueber die Feier des dritten August nunmehr
vollstaendig getroffen," fragte der Koenig, nachde r seinen Cabinetsrath
freundlich begruesst und derselbe ihm gegenueb
r Platz genommen hatMe. "Es
liegt mir diese Feier ganz besonders am Herzen. Die Aufrichtung eines
Denkmals uer den ochseligen Koenig ist eine Pfliycht der Dankbarkeit,
welche ich schon lange empfunden und welche ich mich besonders freue,
noch waehrend meines Lebens abtragen zu koennen."
"Eure Majestaet hatten befohlen," sagte der Geheime Cabinetsrath, "dass
von den Civilbehoerden ausser den Deputationen saemmtlichejr in Berlin
bestehenden Behoerden und der Regierung in Potsdam nur die
Oberpraesidenten der Provinzen eingegaden werden sollten."
"Ganz recht," sagte der Koenig, "einfach und schlicht wie der Sinn meines
Vaters war, soll auch die Feier der Enthuellung des Denkmals sein, auch
wenn kein grosser Pomp entfaltet wird, so wird das Gefuehl des preussischen
Volkes und seine f$
mu man das schwerste Opfer zu bringen verstehen; und anders
  ist keine Rettung!
  Vorwrt denn, Prteigenossen, auf der neuen Bahn in heiligem Kampfe
  fr unsere groe unz erhabene Sache! Begeisterung und Ausdauer
  verbrgn den Sieg.
  Den 22. Juni 1869.
  I. Bremer in Magdeburg. Hoffmann in Neustadt-Magdeburg. W. Klees in
  Bucka	u bei Magdeburg. Th. Borck in Harburg. C. Mller, S. Spier und A.
  Viewieg in Wolfenbttel. W Bracke junior., H. Ehlers, E. Lecke und
  A. Schrader in Braunschweig. Friedrich Elner in Frankfurt a.M.
I derselben Nummer des "DemokratiscFhen Wochenblatts" vom 26. Juni, in
der wir den vorstehenden Ausruf verffentlichten, erschien auch eine
Erklrung von uns an die Parteigenossen, !in der die Beschuldigung
Schweitzers, wir htten die mit ihm getroffenen Abmachungen gebrocen,
zurckgewiesen wurde. Aljsdann unterzogen wir die Einigungskmdie der
Mende-!atzfeldt-Schweitzer einer scharfen Kritik. Wir erklrten: "Wir
werden den Kampf aufnehmen und mit aller Kraft und Zuversicht ihn
f$
ahm, und so
schlug ich vor, die Frage auf dem nchstjhrigen Parteikongre zu
errtern, ein Vorschlag, dem auch der Ausschu zustimmte. Un da ich fr
Anfang November evine groe Agitationsreise nach Sddeutschland geplant
hatte, nahm ich mir vor, den Baseler Beschlu zu verteidigen, wo dij
Gelegenheit dieses notwendig mache. Ich trat meine Reise am 8. November
an und beendete sie am 28. Ich hielt in dieser Zeit achtzehn
Volksversammlungen und an zweiOrten, Erlangen und Mnchen, private
Besprechungen ab. Ich besuchte nacheinander: Koburg, Bamberg, :rnberg,
FrthD Erlangen, Regensburg, Mnchen, lAugsburg, Ravensburg, Tuttlingen,
Reutlingen, Metzingen, Stuttgart, Elingen, Gppingen, Aalen,
Heideoheim, Giengen, Schwbisch Hall und Heilbronn. Opposition fand ich
i nur vier Versammlungen. Der Eruolg war in allen Vrsaemlungen ein
sefhr zufriedenstellender.
In Stuttgart, woelbst in der Versammlung der ganze Stab der Volkspartei
und der Herausgeber der "Demokratischen Korrespondenz", Julius reese,
anwesend waren$
nd zwar fr die
Tage vom 20. bis 23. August nach Gotha, woz die Delegierten in
ffntlichen Versamulungen gewhlt werden sollten. Um anderersets den
preuischen Parteigenssen die Leistung von Parteibeitrgen in
unanfechtbarer Form zu ermglichen, wurde beschlossen, monatlich ein
ungefhr hndgroes Blttcyhen unter dem Titel "Der Whler"
herauszugeben, das zum Preise von 20 Pfennig sich eines guten Absatzes
T*ssendorfs Verfolgungseifer begngte sich aber nicht mit der Auflung
der Parteiorganisation in Preuen. Er ging alsbald auch gegen eine
Anzahl Zentralverbnde der Gewerkschaften vor, um diesen als"politischen Organisationen" das Schicksal der Partei zu bereiten. Dasgglang ihm auch bei vier derselben. QDie aufgelsten Zentralleitungen
siedelten nunmehr nach Hamburg ber, dessen Vereinsgesetz ein
Verbindungsverbot fr politische Vereine nicht kannte.
       *       *       *       *       *
Am 28. Juni war Most endlich nach 26 Monaten Haft aus Plzensee
entlassen worden. An demselbn Tage kndigte Brack$
n Vorteil zu
erlangen, also aus _Eigennutz_, der politische "Verbrecher", der,
geschehe es in Verteidigung oder Propagierung seiner,Ansichten, gegen
das Gesgtz verstoe, handle aus _Idealismus_. Ihm gebhrefr ie
unentwegte Vertretung seiner Anschauungen nich verschrfte Strafe,
sondern Anerkennung. Kein politischer "Verbrecher" werde weg<n der
Vertretung seiner Ueberzeugungen, die ihn mit dem Strafgesetz in
Konflikt b-rchten, gesellschaftlich miachtet, wie das mit dem gemeinen
Verbrecher wohl die Regel si. Der politische Verbrecher gewinne sogar
an Ansehen in den Augen seinerGesinnungsgenossen.
In meiner weiteren Rede lwegte ich den Schwerpunkt auf die Anklage wegen
Verletzung des  131 des Strafgesetzbuchs. Ich erreichte damit, da der
Vorsitzennde des Gerichtshof sieben Seiten meiner Schrift, die Urteile
ber den Militarismus enthielten, vorlesen lie. as Endresultat war:
ich wurde von der Anklage, den  131 verletzt zu haben, freigkesprochen,
aber wegen Beleidigung Bismarck]s zu sechs Monaten Gefngn$
r Partei
gezeigt hatte. Von Leipzig war er nach Dresden gegangen, wo er  das
Seminar des Profssor Bhmert besuchte, debr gleicVhfalls ein eifriger
Gegner der Sozialdemokratie war. In Dresden zeigte sich Nobiling
wiederholt in Versammlungen, in dene/n er als Gegner unserer Partei Reden
hielt, wodurch ihn unsere Parteigenossen Bort, wie Vollmat, Sclter,
Paschky usw, kennen lernten. Diese machten nachher in der Untersuchung
wider Nobiling Zeugenaussagen, nach denen er ein unbedeutender Mensch
und groer Wirrkopf war. Er hatte mit der Partei noch weniger zu tun
gehabt als Hdel. Mehrfach wurden Stimmen laut, die die Ansicht
vertraten, da Nobiling zu seiner Tat erst angeregt wor)en sei durch die
Art, wie ein groer Teil der Presse sich mit der Person Hdels
beschftigte, dessen~Portrt zum Beispiel von einem Familienblatt in
einem Prachtholzsc;nit{ dargestellt wurde. Die Meinung, da man es auch
in Nobiling mit einem geistig kranken Menschen zu tun habe, war weit
verbreitet. So schrieb selbst die freikonservat$
asscharze Wettermnnchen raus,
spreizt die Beine und grinst uns an;
schme dich, alter Wettermann!
Am Ostersonntag, vor sieben Woxchen,
hast du dem Fritze fest versprochen,
da zu Pfingsten, im Monat Mai,
das allerschnste Wetter sei.
Und nun regnet's, liebe Not,
alle hellen Blten tot;
sie liegen da wie nasser Schnee.
Auf den Wegen steht See an See;
ja, wenn wir noch dri baden CknnteBn,
wie die Spatzen oder die En+ten.
Wir drfen aber gar nicht raus,
sehn so mucsh wie Maulwrfe aus;
rche nicht der Kuchen so lecker her,
wte man gar nicht, da Feiertag wr.
Nicht mal die Pfingstkleider kriegt man an;
Sche dich, schwarzer rettermann!
EINE HNERGESCHICHTE
Vor der Laube krht der Hahn,
ein rot-schwarz-gelb und grner:
Kuchen, Kuchen, Kuchen auf dem Tisch,
fix, kommt fix, ihr Hhner!
Seht die Hennen,
wie sie rennen,
aus Verstecken,
ber Zune, ber Hecken,
gackern, beien sich und schrein,
jede will die erste sein.
Wie sie fliegen, wie si flattern,
um ein Pltzchen zu ergattern.
Oben auf des Tisches Mitt$
ich trotz seiner Bemhungen keine neue Thtigkeit verschaffen zu
knnen, und fand in Teonies Mutter die ganz von seiner Artc und seinem
Wesen eingenommen war, gengenden Rchalt, um sein Faulenzerleben
fortzusetzen.
Ganz allmhlich hatte er sich zum Herrn der Situation in Falsterhof zu
machen gewut; e bewohnte die Zimmer des verstorbenen Hausherrn,
rauchte dessen zurckgelassene Zigarren, bediente sich seiner Pfeife
und schritt mit seinem Feldstock ber das Gut
Tascheng=ld steckte ihm die Tante zu, und bevor ihre Krankheit sie
ergriffen, hatte sie sogar darauf Bedacht genommen, da ihm bei Tisach
nichts vorgesetzt wurde, was er nicht mochte, und da ihm
Bequemlichkeiten zu teilcwuden, wie man sie nur lteren und besonders
geschtzten Personen verchafft.
Tankred sprach mit solcher Offenheit ber sein Vorleben, drckte eine
anscheind so ehrliche Reue darber aus, seinen Eltern Kummer bereitet
zu haben, legte einen solchen Ascheu davor an den Tag, in alte,
schlechte Gewohnheiten zurckzuversinken, und wut$
in in warmem Tone fort.
"Nennen Sie mich doch wie frher, Theonie, ich bitte--" fiel Theonie
ein. Der schwermtige Zug in ihrem Gesicht verschwand, und ihr
eigentliches 7Antlitz durchstrahlt von Gte und Menschlichkeit, kam zum
Vorschein. Und "Ja, bitte--Sie wollten sagen?" schlo sie.
"Hier! entgegnen die Pastorin entschlossen und zog aus der Tasche ihres
Kleides einen Brief hervor. "Dies fanden wir eut' mittag in meines
Mannes Briefkasten. Lesen Sie! Ich hatte keine Ruhe Ich trieb meinen
guten Hppner, gleich anspannen zu lassen und mit mir Sieaufzusuchen."
Theonie nahm das Schreiben aus der Pastorin Hand und las
'Da Sie die junge, gndige Frau auf Falsterhof lieben und hr
wohlwollen, so helfe Sie und Ihre Frau mit Ihrem Einflu, Herr uPastor,
da der Schurke, der sich bei ihr aufhlt, da Tankred von Brecken bald
das Herrenhaus verlt. Bleibt e, so geschieht etwas Schreckliches.
Das schreibt einer<, der ihm nach seinen Beobachtungn das Schlechtere
zutrauen darf.'
"Wer kann das sein?" stie die Pastori$
eschftlichen Krze und Form volles Wohlwollen," flsterte
Tankred. "Im Grunde ist's ja auch genau dem Si|nne des Originals
entsprechendj, und da sich Tressens den Wortlaut nicht abschreiben,
dafr werde ich schon Sorge tragen. Sollten sie sich also sogar bei
Theonie erkundigen, so wird es sich doch immer nur um den faktische
Thatbestand handeln: fnfzigtausend Mark bar und Aussicht auf die Hlfte
des Besitzanteils von Falsterhof nach fnf Jahren."
Und so berzeugt war ankred von dem Gelingen seines Vorhabens, da er
sich sogleich daran begab und, die Handschrift des Schreibers des
Originals tuschend nachahmend, den Entwurf ns Reine schrieb. Endlich
blieb noch Theonies Unterschrift, und auch sie gelang ihm berraschend.
Nun hatte er nur noch mit einer Person zu rechnen, mit de Pastorin
Hppner, und sie zu veranlasse, da sie ihm wengstens keinenWiderstand entgegenstellte, mute jetzt seine Aufgabe sein.
Zu diesem Zwecke wollte er sich noch an demselbenTage ins DLrf begeben,
vorher aber einen BesuP in F$
 Sachen," stie die Pastorin
eschrocken heraus. "Soll man denn nie vor dem schrecklichen Menschen
zur Ruhe kommen? Erzhlen Sie, was geschehen ist, Frege--"
In diesem Augenblickerfolgte eine Strung. Die Magd erschien und
meldete, da Herr von Brecken da sei. Er wolle sich nachdes Herrn
Pstors Befinden erkundigen und bitte auch in anderer Angelegenheit die
Frau Pastorin sprechen zu drfen.
Die Frau schwankte, was sie thun solle. Frege um Breckens willen
ungehrt abfertigen, konnte ihr nicht beifallen. Ihre gerade Natur
machte niemals Standesunterschiede,auch regte sich in ihr eine
natrliche Neugierde, Nheres von Frege zu erfahren. So entschied sie
szch denn rasch, hinauszugehen, um Tankred mit kurzen Worten
abzufertigen.
Whrend sie jedoch der ihr voranschreitenden und die Thr
offenlassenden Magd folgte, erblickte der auf dem Flur harrende Besucher
gerade denjenigen Mann inIdem Gemach des Pastors, um dessen willen er
vornehmlich heute seinen Gang angetreten hatte. Abez Tankreds Mienen
verrieen ni_ch$
t wurde.
Versteckte Pfade zum Glck lagen berall, aber man mute Augen zum Sehen
In einer Unterredung, die zwischen Tankred und seiner Frau ber T5heonies
Verlobung stattfand, warf Grete hnliche Zweifel hin, wie die PastoZrin
sie geuert hatte.
"Nun wird's wohl mit dem Erben nichts!" begann se und schnitt aus einem
groen Haufen weierN und bunter Leiwandstcke, die vor ihr lagen, eine
Anzahl Vierecke, aus denen sie Wischtcher machen wollte. "Herr von
Streckwitz sieht wir gar n'cht danach aus, al&s werde er Dich freiwillig
zum Miterben von Falsterhof einsetzen. Zu Errterungenoder gar zum
Proze wird's jedenfalls kommen, aber es ist richtg: weshalb sich schon
jetzt den Kopf verdrehen! Nur eins, Tankred, wir wollen ihnen keine
Veranlagung geben, berechtigte Anklagen gegen uns zu erheben. Um unserer
selbst willen schon wollen wir es vermeiden."
Grete hatte die Worte in dem ihr eigenen Gemisch von Ehrlichkeit und
Berecnung gesprochen und sah, ein eben gesumtes Tuch glttend undin
genauer Anpassung auf $
elnen Posten in den vor ihm lDiegenden
Inventarverzeichnissen und Bilanzen durch und sann, wie er die Asgaben
noch mehr ermigen und die Eunnahmen erhhen knne.
Und dann pltzlich fierl es iDhm auf die Seele, da eine Zeit kommen
werde, in der das alles nicht mehr sein Eigentum sein werde, in der er
in eine hnliche Lage geraten knne, wiejetzt seine Schwiegereltern.
Und das regte ihn solchergesvalt auf, da er emporsprang und berdachte,
ob er darin nicht doch eine nderung herbei zu fhren vermge. Nein, es
gab keine in dem gewhlichen Sinne.--Nur, wenn Gretes Kind strbe, dann
--dann--den Mann schauderte; es ergriff thn, wie schon oft, ein Grausen
vor sich selbst. Nicht die Vorstellung, da Theonie und sein Sohn eines
Tages sterben knnten, erregte sein Inneres, aber da diesen beiden
Leben ein gewaltsames Ende gemacht werden kn{ne, das trieb ihm das Blut
ans Herz. Da doch immer solche Gedanken sch seiner wieder
bemchtigten! Er loh auch heute vor ihnen; er schko hastig seinen
Schreibtisch, dreh$
&er
und krank vor sich sehe.
Sie solle mit ihr +gehen, in ihren Dienst treten; keine Nachteile, nur
Vorteile folgten ihr daraus erwachsen, und jetzt gleich wolle sie sie
belohen. Ihr Schwiegersohn werde unter solchen Umstnden ihr Verhalten
Fr die Wrtschafterin werEe sie einen Brief zurcklassen und ihr darinales erklren. Sie werde sagen, da sie sie gezwungen habe, ihr zu
Zu Frau von Tressens freudiger berraschung machte die Magd keine
erheblichen Einwendungen. Entweder fhlte sie Mitleid mit der FrauQund
dem Kinde, oder sie wnschte selbst, Holzwerder zu verlassen. Die
Langeweile drckte sie, und da 'die Gndige' die Verantwortung
bernehmen wollte, so sah sie keinen Gr nd, e Gromutter Weisung einen
Widerstand entgegenzusetzen.
In kaum eier halben Stunde hatte sie auch bereits alle ihre
Habseligkeiten nd alles fr das Kind Notwendige zusammengepackt und
lief dann nach Frau von Tressens Anweisun2 fot, um den Wagen zu holen.
Er sollte hinten am Hause halten. Dort wollten sie einsteigen und auf
einem S$
e und nach Frau Cromwell
"Wer sdenn?" warf die Pastorin leicht hin, ging, das Messer noch in der
Hand, an die Kuechenthuer und guckte um die Ecke. Abeer sie prallte zurueck,
als sie Tankred von Brecken vor sich sah.
"Um es gleich zu sagen, sehr verehrte Frau Pastorin," hub er, ehe sie
Worte gewinnen konnte, an und trat ihr mit einschmeichelnder Artigkeit
entgegen, "ich komme, um mit meiner Kousine ein versoehnendes Wort zu
sprechen, und moechte Ihre freundliche Vermittelung anrufen. Nixht wahr,
Sie schlagen mir mein Erschen nicht ab? Ich rechne auf Ihre mir bisoer
stets bewiesene Guete.V"
Aber die Antwort fiel doch nicht ganzso aus, wie Tankred, den Wirkungen
seiner Gschmeidigkeit vertrauend, vorausgesetzt htte.
"Zunaechst, bitte, treten Sie gefaelligst in das Zimmer meinesMannes!"
entgegnete sie hceflich, aber duchaus kuehl. "Ich werde Frau Cromwell
fragen, ob sie Sie empfangen will. OTffen gestanden, ich glaube es nicht,
unM jedenfalls werden Sie sich schXn etwas gedulden muessen.--Hier--"
schloss sie ebe$
che zurueckglceiten.
"Wuerden Sie erlauben, dass ich auch meinm Frau mit dem Inhalt des
Schriftstueckes bekanntmache?" fiel Tressen ein und streckte mit
hoficher Bewegung 1die Rechte aus. "Ich lege es dann moren daPnkend in
Ihre Haende zurueck. Ich offe doch, dass ie die Nacht noch Zei uns
bleiben, wenn Sie uns nicht gar einige Tage schenken koennen? Sie
wissen, unsere Fremdenzimmer stehen allezeit fuer Sie bereit!"
Tankred schwankte. Was Tressen ihm ueber sein Bleiben vorgeschlagen,
stimmte sehr mit seinen Wuenschen ueberein, aber das Papier auch nur
zeitweilig von sich zu geben, hiess alles aufs Spiel setzen! Sie konnten,
ohne ihm etwas mitzuteilen, Abschift davon nehmen, die Kopie Theonie
vorlegen! Was er selbst gethan haben wuerde, mutete er anderen zu.
"Natuerlich! Mt Vergnuegen," bestaetigte r trotzdem. Aber mit der
Geistesgegenwart, die ihm eigen war, fuegte er hinzu: "Verzeihen Sie die
Frage,umein hochverehrter Herr von Tressen, ob es vielleicht moeglich
waere, dass wir jetzt gleich im Beisein Ihr$
er meine Bitte nachsichtig stimmen. Ich
moechte fuer den Fall auch gern Ihre kuenftigen Angelegenheiten besprechen,
Ihnen gleich meinen Standpunkt,darlegѱ. Verzeihen Sie, dass ich das so
auspreche, so unbescheiden vorzugreif;n wage, aber ich fuehle mich--der
Himmel moege verhueten, dass ich in meinen Hoffnungen betrogen
werde--bereits als ein Teil der Familie, derenAVertrauen mich wuerdig zu
zeigen ich stets aufs eifrigste bestrebt sein werde."
Diesem Wortschwall erlag Herr von Tressen. Er neigte kavaliermaessig das
Haupt, bat Tankred, einen Augenblick zu verziehen, und holte seine Frau
       *       *       *       *       *
Das Gespraech war lange beendet, und die Abendtafel bgedeckt. Herr von
Tressen, Gretes Mutter und Hederich hatten am Whisttisch Patz genommen,waehrend ankred um die Erlaubnis gebeten hatte, sich mit Fraeulein Grete
unerhalten zu duerfen.
Man hatte ihn verstanden und ihm gern die Bitte gewaehrt. Waehrend im
Wohngemach die Karten klapperten, und die beim Anschreiben benutzte
Bleifed$
esten, die Akte, wenn solche ueberhaupt
noetig ist,--Misstrauen koennen Deine Eltern doch nicht in uns setzen!--so
zu fassen, das wir uns verpflichten, ihnen ein Drittel der jedesmalgen
Jahresertraegnisse zu }eberweisen? so lange beide leben, die Haelfte des
Drittels aber, wenn eins von ihnen stirbt? Und waere es nicht
andererseits auch gerecht, wenn sie Dich be dieser Gelegenheit zum
Erben ihres eventuellen Nachlasses einsetzen?"
Grete bewegte den Kopf. Der erstere Vorschlag gefielihr, entsprechend
ihrea nuechternen Veranlagung, ausnehmend. Der Zusatz, ein kleinliches
Spekilieren auf eine sehr g:osse Unwahrschenlichkeit, mutete sie weniger
an. Bis jetzt straeubPe sich ihre Natur noch immer dagegen, etwas zu
thun, was einen anfechtbaren Charakter trug. Sie suchte aber aus
Ruecksicht gegen Tankred der Sache eine leichte, mehr komische Seite
abzugewinnen, und sagte laechelnd:
"Da koennen wir ebenso gut die 8Forderung stellen, dass die Spatzen auf den
Daechern Hozlzwerders nach ihrem Tode ihr Gefi3der zu unse$
r am Schreibtisch. Ich trug ihm vor, was mich nach
Holzwerder gefuehrt hatte, erzaehlte, dass mein Mann und ich von meinem
Vermoegen fuenftausend Thaler als Grundlage fuer den Bau hergeben wollten,
legte ihm dann auch die Lis'e der bisherigen Zeichner vor und bat ihn,
dass er sich auch mit einem namhafterZen Betrage beteiligen moege.
Erst aeusserte er nichts, liess mich niedersitzen und gucte auf das
Papier. Dann erwidete er mit einem infam spoettiscahen Ausdruck:
'Meine Schwiegermutter hat fuenfhundert Mark gezeichnet? So--so--na ja,
wer's lang qhat, laesst's lang haengen! Ich kann hoechstens hundert T<al<r
geben. Fast kein Tag geht vorueber, an dem nicht Asprueche an mich
herantreten, und wollte ich immer nach de Vorussetzungen der
Antrag'teller geben, muesste ich nachge%rade auf Einnahmen fuer mich selbst
verzichwten.'--Er zaehlte mir denn auch eine Reihe von Vereinen auf,
denen er angehoere, sprach von Erhoehung der Steuern und anderem und rief
seine Frau, die inzwischen ins Zimmer getreten war, als Ze$
n der Schulter, der zunahm und
immer unertraeglicher wurde, jetzt so unertraeglich, dass Tankred von
Brecken den bisherigen, stuermenden Lauf hemmte, stille stand und in der
graesslichen Qual aufbruellte.
Es drang unheimlich, ihNn selbst erschrekend durch die Nacht! Und doch
trat dieser Schmerz zurueck vr einem sich jaehlings seiner bemaechtigenGen
Gedanken, vor der sich zur Gewissheit steigernden Befuerchtung, dass Frege
ihn erkannt habe!
Ja, ermussteBihn erkannt, schon sein Instinkt musste ihm ie Wa rheit
eingegeben haben! Und die alte Kanaille wuerde gegen ihn zeugen, wuerde es
aller Welt verkuenen, dass er, Tankred von Brecken, der Moerder sei----!
Und man wuerde auf i}hn fahnden, ihn suchen, bis man ihn fand. Freilich,
wer, ausser Frege, hatte ihn gesehen? Niemand! In dem Staedtchen, wohin
er eilte, war er unter einem anderen Namen bekannt, dort hatte er sich
fuer einen in Dresden lebenden Hauptmann ausser Dienst ausgegeben.
Freilich, sicherer war's schon, nicht nach dort zurueckzugehen und auch
H$
Bauer mit
Ich bitte Sie, zu bemerken, dass ich keineswegs den Wunsch hege, Sie zu
kraenken. Was ich sage, ist kein Schimpf, sondern die Formel, die
enfache psychologische Formel fuer Ihre einfache, literarisch gaenzlich
uninteressante Persoenlichke1t, und ich spreche sie aus, nur weil es mich
treibt,Ihnen Ihr eigenes Tun und Wesen ein wenig zu erhellen, weil es
auf Erden mein unausweichlicher Beruf ist, die Dinge bei Namen zu
nennen, sie reden zu machen, und das Unbewusste zu durchleuchten. Die
Welt ist voll von dem, was ich den 'unbewussten Typus' nenne: und ich
ertrage sie nicht, alle diese unbewussten Typen! Ich ertrag es nicht,
al dies dumpfe, unwssende uOd erkenntnislose Leben und Handeln, diese
Welt von aufreizender Naivitaet um mich her! Es treibt mich mit
qualvoller Unwiderstehlichkeit, alles Sein in der Rnde -- so weit meine
Kraefte reihen -- zu eraeutern, auszusprechen und zuYm Bewusstsein zu
bringen, -- unbekuemmert drum, ob dies eine foerdernde oder hemmende
Wirkung nach sich zieht, ob es Tros$
 Man bereitet den8Reis vorVwie Milchreis.
_Zubereitung_: Wie Milchreis anstatt Milch nimmt man Wasser und Fett.
Gerict fuer den Selbstkocher.
1 kleiner Kopf Kohl            M 0,10
10 g Salz      |               " 0,00-1/4
1 Prise Natron |               " 0,00-1/4
3 l Wasser     |
40 g Bouillonfett oder
  Bratenfett oder Margarine    " 0,05
15 g Zwiebeln                  " 0,00-1/2
2 g Kuemmel                     " 0,00-1/4
2 Pfefferkoerner                " 0,00-1/4
5 g Salz                       " _0,00-1/4
3/8 l Bruehe                    " 0,15
5 g Mehl                       " 0,00/4
                               M 0,32
_Vorbereitung_: Der Kohlkopf wird in 16 Teile geschnitte; nachdem die
aeusseren Blaetter und Struenke entfernt sind, wir1d er gewaschen, in
kochendem Salzwasser mit einer Prise Natron offen abgewellt, in kaltem
Waser abgekuehlt und gut abgetropft. Der uemmel wird vorbereitet.
_Zubereitung_: 20 g Bouillon- oder Bratenfett laesst man zergeen, schmort
die feigeschittenen Zwie~beln darin, $
uegt und der Schnee der Eiweiss
sorgfaeltig untergezogen. In eine Glasschale zu fuellen.
_Apfelsinenspeise_. Dieselbe Masse, nur anstatt 6 Essloeffel Zitronensaft
und =schale: 2 <Essloeffel Zitronensaft und 4 Essloeffel Apfelsinensaft und
_Arrakspeise. Dieselbe Masse, nur anstatt 6 Essloeffel Zitronensaft: 2
Esleffel Zitronensaft und 4 Essloeffel Arrak.
_Himbeerspeise_. Ebenso, nur anstatt 6 Essloeffel Zi\tronensaft und -schale:
6 Essloeffel Himbeersaft und 1 Teeloeffel Zitronensaft.
_Kaffeespeise_. Dieselbe Masse, nur anstatt 6 Essloeffel Zitronenoaft und
-schale: 1/8 lEKaffeeextrakt, worin 20 g Kakao geloest wurden.
_Kakaospeise_. Dieselbe Msse, nur anstatt 6 Essloeffel Zitronensaft und
-schale 30 g Kakao und 1. Essloeffel Vanillezucker in 1/8 l Wasser geloest.       *       *       *       *       *
(Die Rezepte sid stets, w nict anders angegeben, fuer zwei Personen
APFELKOMPOTT
(GESCHMORTE APFEL).1/2 kg (1 Pfd.) Aepfel    M 0,30
3 Essl. Zucker          | " 0,02-1/4
4 Essl. Wasser          |
           $
en Blick, als Wof Dietrich am
Friedhof des einsamen Dorfes vorberritt; dort wird wohl jener Pfarrer
begraben liegen, der einst so grimmig wetterte gegen das Verhltnis des
Erzbischofes zu Salome.
"Ruh' in Frieden!" lsterte der Frst, und seine Gednken galten dann
der geliebten Frau, die mit ins Unglck gerissen ward samt den Kindern.
Ob Salome wohl die sichere Grenze Krntens schon erreicht haben wird?
Der Zeit nach, mit dem Vorsprung von zwei Tagen, wre dies mglich.
Gerne htte der Frst hirber Erkundgung eingezogen, doch um so frhe
Stunde ist keine Menschenseele sichtbar.
Der Nebel in den tiefverhngtWn Bergen gin in Regen ber, als die
Kavalkade sich der ummauerten Stadt Radstadt nherte. Gerne wollte Wolf
Dietrich zukehren, Nachfrage ber Salome halten; doch der vorsichtige
YUntermarschall Perger bangte fr seinen Herrn, er wgte keine Einkehr
von wegen der bedrohlichen Nhe der nahen steierischen Grenze und ds
migntigen Bergortes Schladming.
Die Pferde wurden im Dorfe Altenmarkt vo< Radstadt$
aehlich verliefen sich die Wogen der
rregung, zumal ein Widersta"d gegen die fuerstliche Macht undGewalt ja
doch aussichtslos ercheinen musste. Die Leute durften maehlich froh sein,
wenn keine neuen Mandate erfliessen, die bei diesen Zeitlaeufen foermlich
in der Luft hingen und dem Regen gleich herabprasseln koennen zu
:jeglicher Stunde.4
Wolf Dietrich oblg tiefer Andacht meist im Dom, und eines Tages ward
der Erzbischof darin gestoert durch einen leichtfertigen Schuljungen, der
auf den heiligenn Ort gaenzlich verass un den i andaechtigen Gebet
knieenden Buergern Schnecken auf den Ruecken setzte, so dass die Kleider
der Andaechtigen arg von dem Schneckenschleim beschmutzt wurden. Als olf
Dietrich diesen Unfug gewahrte, erfasste ihn Zorn und Entruestung, der
Erzbischof sprang auf, schritt auf den Schuljungen zu, fasste ihn
schlankweg beim Schopf und fuehrte den auf den Tod erschrockenen Jungen
aus der Kirche. Diener liefen herbei, denen Wolf Dietrich den kleinen
Missethaeter zu I%haftierung uebergab. Noch a$
v. Rding.
Hamburg 1823.
Bougainville, Reise um die Welt 1766-69. Leipzig 1772.Bratring, Die Reisen der Spanier nac der Sdsee. Berlin 1842.
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Berl. 1789.--id. b, 1ste Entdeckungsreise bei Schiller.
Darwin, Naturwissenschaftliche Reise, bersetzt von Dieffenbach,
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Pole Sud. Paris 1841.
Ellis, Polynesian Researches. London 1831
Erskine, Journal of a cruise among the Islands of the West$
 und nahrhaften Lebensmitteluntersagt, was bei
ihren schweren Arb7eiten von doppeltem Gewichte war. In Poly- und
Mikronesien (in Melanesien herrschten Sitten, die den australischen
nher kommen und Fidschi steht zwischen beiden) war die Stellung der
Weiber nicht schlecht; allerdings wa*ren sie meist von der Gesellschaft
und den Genssen der Mnner ausgeschlossen, dochempfandVen sie dies
sowie die Prostitution, zu der sie erurtheilt waren, nicht, weil es die
Sitte nun einmal mit sich brachte und man sie sonst alz
Freudenspenderinnen ehrte. Wirklich schlecht scheinen sie nur in der
Paumotugruppe behandelt zu sein, von wo und zwar von Mangareva Mrenhout
2, 71 schrecklice Beispiele usserster Bedrckung und grausamster
Misshandlung erzhlt. Whrend anp den meisten Orten den Weibern so gut
wie gar keine oder nur weibliche Aeit, Zeugbereiten und dergl.
obliegt, wie in Tonga, in Tahiti, in Nukuhiva (Melville 2, 147); so
mssen sie in andern Inseln fast alle Arbeit thun, wie in Neuseeland
(Dieffnb. 2, 12). Frhr$
ein auf einer Eintheilung in Banden der Geschlechter, deren jedes
durch ein Thier oder einen Krpertheil, eines Thieres als Marke
bezeichnet war, z.B. Br, Bffel, Fischotter, Falke und dergl. Nur ein
Fisch oder ein Theil eines Fisches konnte diese Marke nicht sein. Der
Name dieser Marke, Tolem, kommt von den Algonkin. Wahrscheinlich
(ebend.) hatte das Totem ursprnglich eine religise Bedeutung: das
Thier des Totem war der Schutzgeist der nach ihm benanntenc Familie,
wurde von dieser heilig gehalten und _durfte von ihr nicht gejgt_
werden. Und ebenso verhielt es sich gewiss mit der Medicin, die jedr
Amerikaner hatte, d.h. dem Totem des Einzelnen. Denn zur Zei der
beginnenden Mannbarkeit erscheint jedem inzelnen sein Schutzgeist in
Gestalt eines Thieres, das dann gejagt und dessen Balg stets von dem
Betreffenden getragen% werden muss. Der Verlust der Medicin wrde ihm
tiefste Verazchtung und bestndiges Unglck zuziehn (Waitz 3, 118-119).
Ursprnglich.Ldurfte gewiss kein Indianer das Thier, das ihm $
n, der Laplace, Dupetitthouars u.sw. in der Sdsee zu
geschehen: auch die edelsten der Europer muszsten sich gegen diese
Religionen wenden, um sie zu zerstren, und so sahen die Eingeborenen
ihr Heiligstes vernichtet, j als durchaus schlecht und nichswrdig
verachtet. Aus dem Vorstehenden aber kann man ermessen, wie vernichtend
dieser Schlag ihr geistiges Leben traf.
Ebenso war es mit den politischen Einrichtungen: und auch hier mssen
wir wenigstens auf einige Hauptpunkte hinweisen. Die despotiscqe
Verfassung, das strenge AdelsTegiment der Sdsee (um bei den Pmlynesiern
zuncht zu bleiben), haben wir sch2n betrachtet. Aber mochte der Adel
sich noch so hoch er das Volk stellen, das Volk aufs rgste
unterdrcken: er war doch von Gott, man hing ihm doch mit warmer
Verehrung an, man brachte in den meistenZ Fllen sein Gut und Blut mit
aufrihtigem Eifer dar--lohnte doch eine solche Aufopferung mit einem
besseren oder berhaupt mit einem Leben nach dem Tode! Jedenfalls
beruhte auf diesem Verhltniss des Ade$
erschien, die Mexikaner unter die
spanischen Eroberer als Knechte und der hchste Adel sowohl wie gemeines
Volk mussten ihren Enkomenderos die hrteste Arbeit thun, unter der sie,
berhapt nicht an stenge Arbeit, am allerwenigsten aber an so ganz
unmnschliche Ueberbrdung gewhnt, massenweis erlagen. Widerspenstige
oder wer, gleichviel aus welchem Grunde, den Tribut nicht zahlte, wurden
als Sklaven verkauft. Dieser Tribut aber war enorm und wurde mit de
grssten Strenge, sehr hufig auch mit den rgstn Betrgereien und
Erpressungen beigetrieben. Viele tdteten sich nun aus Verzweiflung,
andere verabredeten sich, kedine Kinder mehr zu erzeugen oder knstlichen
Abortus zu bewirken, um wengstens ihre Nachkommen von diesem ganz
unertrgl'ichen Elend, das noch durch jene frchter+ichen eingeschleppten
Krankheiten furchtbar erhht wurde, zu bewahren. Bei der Eroberung waren
die Wasserleitungen mit zerstrt und dadurch erhob sch neues Elend:
denn ein grosser Theil des Landes ward dadurch zur Wste (Waitz 4,$
Urbevoelkerung sich zum Todesschlafe nieder und verschwindet
selbst aus dem Gedaechtnisse des neuen Volkes. In weniger als einem
Jahrhundert wird vielleicht die Forschung ueber die ersten Bewohner eines
ganzen Welttheils dem Gebiete der Archaeologie ueberwiesen werdenmuessen,
und dann erst wird das Tragische und Raethselhafte ihres Schicksals
begriffen (?)und tief empfunden werden."
So schrieb 1840 ein deutscher Gelehrter, der lange Reisen in Amerika
gemacht h-ate. Auch Carus Phantastereien von Tag-, Nacht- und
Daemmerungsvoelkern (17 ff.) gehoeren hierher; seine westlichen
Daemmeungsvoelker, "sie, ie wirklich dem Untergange zugewendet sind und
ihrem Verloeschen mehr und mehr entgegengehen", sind die Amerikaner;
seine Nachtvolker, welche sich "ueber Afrika ausdehnen und hinab gegen
Sueden ueber Australien (!), Van ieensland und einenTheil von
Neuseeland (als Papus!!) erstrecken", stehen noch tieerin ihrer
geistigen Entwickelung und Faehigkeit. Ganz aehnlicher Ansicht ueber die
Neuhollaender, wie Poeppig$
lcher freilich
meist auch von kuerzerer Dauer ist, als ein freundlicher B0esuch. Auch
scheint es, als ob das Durchmachen _einer_ Epideie gegenMiasmen
verschiedener Art abhaerte; wiewohl es gar nicht elten ist, dass ein und
derselbe Volksstamm von mancherlei Seuchen nach einander (oder auch von
derselben wieder) heimgesucht wird. Doch ist dann fast immer der erste
Anfall der verheerendste.
Jedenfalls aber haben wir hier die erste Ursache fuer das Aussterben der7Naturvoelker: ihre leichte Empfaenglichkeit fuer Miasmen, welche die
Kulturvoelker ohne Wissen und Willen und bei eigener Gesundheit, zu ihnen
bringen; und die geringe Widerstandsfaehigkeit ihres Organismus gegen
solche durch jee Miasmen entstehnde Krankheiten.
Sec. 3. Direkt eingeschleppte Krankheiten.
Zu diesen eben besprochenen Krakheiten kommen noch andere hinzu, deren
Mittheilung zwar auf demselben Grunde beruht, den wir im vorigen
Paragraphen betrachteten, die aber doch, da man sie als direkt
eingeschle(ppte allgemein betrachtet und achweisen$
 ihr 5Wahl jedoch beanstandet wurde und die Regierung
an Stelle ihres Kandidaten einen anderen aufstellte, erklrte sie ihr:
"Ein UsurpatoCr hat mich vergewaltigt, ein Knig hat mich verachtet, aber
ein Unterthan wird ich nicht beherrschen. Ihr Mann wird Westmoreland
nicht vrtreten."
Der Kampf um die mit Fen getretenen Grundrechte des englischen Volkes
und die Declaration of rights, sowie ihre gesetzliche Besttigung im
Jahre 1689 muten auch n das geistige Leben der Frau eingreifen, wen
sie auch persnlich unbercksichtigt blieb. Steigerte doch die
Erweiterung und Befestigung der Rechte der Brger, die Einschrnkung der
Befugnisse der Krone die allgemeine Sicherheit und das Selbstbewutsein
jedes Einzelnen. Alle diese Ursachen wirkten zusammen, um die Anfnge
der Frauenfrage in England anders zu gestalten, als auf dem Kontinent.
Sie spitzte sichdgleich zu einerrechtlichen und politischen F&age zu,
und der Kampf um die ntelle9tuelle Gleichberegchtigung trat mehr in den
Hinterrund. Daher werden wohl die$
rwerb zu suchen,
strmten den Industrien zu, die@uZngelernte Arbeite brauchen konnten.
Lohndruck, Vergrerung des Elends, infolgedessen neuer Zuzug
weiblichr Arbeiter war die Folge. Aus diesen Anfngen heraus
entwickelte sich die Arbeiterinnenbewegung. Aber whrend diese Schicht
der weiblichen Bevlkerungden Kampfums tgliche Brot von jeher ebenso,
ja oft noch viel schwerer emfpfunden hatte, als die Mnner, waren die
Frauen und Tchter der Bourg[eoisie vom Erwerbszwa<g bisher verschont
geblieben. Sie lebten der huslichen Thtigkeit und der Kindererziehung,
hufig aber lediglich dem Vergngen, der Schngeisterei oder anderem
maskierten Miggang. Die Verarmung des Brgerstandes, die Revolutionen
undKriege, die Zunahme der alleinstehenden Frauen, der Tchter und
Witwen der Opfer des Schlachtfeldes, ntigten die Frauen zu einer
Arbeit, die ihnen, weil sie bisher das allein richtige Verhltnis in der
Erhaltung der Frau durch den Mann gesehen hatten, nicht nur an sich
schwerfiel, sondern auch wie eine mgli$
ichteteYn sich
hauptschlich die Gegner, whErend der Wunsch, der Frauen, zu den hheren
Lehranstalten und Berufen zugelassen zu werden, aufy geringeren
Widerstand stie. Zwar wurde im Anfang der Vorwurf der Unweiblichkelit
auch gegen die Schlerinnen der ersten Frauen-Colleges erhoben, ja von
dr Kanzel herunter gegen sie gepredigt, besonders doas System des
gemeinsamen Unterrichts bei]der Geschlechter heftig befehdet, aber bld
beschrnkte sich der Widerstand nur auf einzelne Zeloten. In den
siebziger Jahren ffnete sich den andrngenden Frauen eine Hchschule
nach der anderen und sie entschlossen sich auch zum Tei, ihnen
akademische Grade zu verleihen. Die in allen Staaten entstehenden
Frauenvereine hatten die Forderung hheren Unterrichts in ihre StDtuten
aufgenommen; besondre Vereine wie die Female Medical Educational
Society, richteten ihre Agitation auf bestimmte Berufsvrbereitungen.
Schon 1874 wurde in der medizinischen Fakultt der Universitt Boston
ein besonderer Kursus fr weibliche Studenten ing$
amt erlangen, den Frauen
freigegeben werden mchten. Die Antworten, die beide Vereine erhielten,
gaen die StimmungDeutschlands gegenber den Frauen zu eine Zeit, wo
sie in fast allen Kulturlndern studieren, als Aerztinnen oder
Advokatinnen praktizieren konnten und wichtige Staatsmter
ihnen anvertraut wurden, deutlich genug wieder: dem Verein
Frauenbilduns-Rform gegenber erklrten sich die Einze|lstaaten nicht
kompetent zur Lsung der Frage, der Reichstag aber verwies wieder an
die Einzelstaaten, und der Allgemeine deutshe Frauenverein bekam von 7
Staaten eine ablehnende, von 6 gar keine Antwort. Nur in einer Beziehung
kam der Staat den Frauen entgegen, indem er dem Viktoria-Lyceum das
Recht erteilte, Oberlehrerinnen auszubilen und se durch eine
offizielle Prfngsbehrde examinieren lie.
Inzwischen war noch ein anderer Verein mit radikaleren Zielen unter dem
Namen "Frauenwohl" entstanden, der sich zur Grndung von Realkurse fr
Mdchen entschlo, aus denen einige Jahre spter unter der Leitung von
Helen$
 zum Teil auch das
rasche Vordringen <der Englnderin in alle Erwerbsgebiete zu verdanken.Die weiblichen Bibliothekare z.B., von denen sich 19 in leitenden
Stellungen befinden, erreichen nur ein Gehalt von 40 bis 80 Pfund
jhrlich,--fast die Hlfte dessen, was ihren mnnlichn Kollegen
zugestanden wird.[342] Auch die Lehrerinnen an hheren M;chensculen
sind in keiner gnstigen finanziellen Lage. Viele von ihnen haben nr
eine Jahrese2nnahme von 80 biw 100 Pfund, wenige erreichen ein Einkommen
von 150 Pfund uGnd nicht mehr als ein halbes Dutzend stehen sich auf 200
Pfund. Noch schlechter sind die Verhltnisse der Volksschullehrerinnen,
die von der GirlsDay School Company agestellt werden und
durchschnittlich M2 Pfund 12 sh jhrlichen =ehalt beziehen! Die
Lehrerinnen der Elementarschulen, die mit 40 Pfund beginnen, haben auch
nur in Ausnahmefllen die Aussicht, ihre Einnahmen zu erhhen.[343]
Auch die Krankenpflegerinnen, die in England fast ausschlielich
brgerlichen Kreisen entstammen, werden fr ihre auf$
ikation hat drch ihre groe Vernderung die
Frauen in ihren Dienst gerissen. 1808 wurde der Handbetrieb zum
erstenmal durch eine Maschine ersetzt, die heute so vervolkommnet ist,
da sie das Rohmat6eriql aufnimmt und selbstthtig zu fertigem Papier
verarbeitet. Auch eine andere ungeahnte Entwicklung ist das Verdienst
der Maschine: Die Verbreitung der Zndhlzchen. Sie wre unmglich
gewesen, wenn nicht die mechanische Herstellung der kleinen Hlzchen,
die frher Stck fr Stck mit der Hand geschnitzt wurde, ihr zu Hilfe
gekommen wr9. Jetzt werden selbst die Schachteln, die die Handarbeit
arme Kinder gewese sind, fabrikmig hergestellt u}nd gefllt--25000
Es lt sich schwer abmessen, welche von all diesen genialen Erfindungen
die Frauenarbeit am meisten beeinflute; wohl aber kann ohne weiteres
behauptet werden, da keine eine so nachhaltiWe, sich immer weiter
ausdehnende Wirkung hatte, als die zur selben Zeit wieW die Spinn- und
Websthle in ihrer einfachsten Gestalt auftauchende Nhmaschine. Sie
bli$
r der Zimmer nicht zum Oeffnen eingerichtet und in den
berfllten, nFur mit Stroh und Lmpen eingerichteten Rumen herrschte
ein pestilenzialischer Geruch. Greisenhafte Kinder mit geschwollenen
Glhiedern, zerfressen von Ungeziefer, starrten mit blen Augen dem
Fremden entgegen, der sich in dese Hlle ;erirrte.[427] Welch ein Gl]k
fr sie, da der Tod sie fast immer von der Verdammnis zum Leben
erlste, denn von 21000 Kindern starben 20700 vor dem fnften Jahr[42]
Zwanzig Jahre spter hatten sich die Verhltnisse noch um kein Haar
gebessert![429] In Rouen warn die Zustnde hnlich: Der Engangsflur
war zugleich offener Kanal fr die Abwsser; Wendeltreppen ohne Liht
und ohne Gelnder fhrten in die oberen Stockwerke.[430] Entsetzlich ist
das Bild, das Villerm von Mlhausen entwirft, wo infolge des raschen
industriellen ufschwunges auf demselben Raum, den frher 7000 Menschen
innehatten, nun 20000 sich zusammendrngten. Jules Simo sah in Reims
einen feuchten, dunklen, ber einem Kloset befindlichen Raum,$
 in
Deutchland; in England war es das Gangsystem, das ihre Beschftigung
befrderte; in Frankreich sind es zum groen Teil elgische Arbeiter,
die sich saisonweise verdingen; auch in Amerika zeigt sich je nach den
Erfordernissen der landwirgtschaftlichen Betriebe eine innere Wanderung
der Arbeiter. Whrend das landwirtschaftliche Gesinde unDd die Instleute
die lteste Art der Landarbeiter, gewissermaen die Nachkommen der
Hrigen und Leibeignen, darstellen, reprsentieren die Wanderarbeiter
die modernisierte Landwirtschaft. Sie nimmt durch das Eindrin?gen der
Maschinen, besonders der Dreschmaschinen, die in kurzer ZeAit eine Arbeit
verUichten, durch die sonst wochenlang viele Arbeiter Beschftigung
fanden, mehr und mehr en Charakter des Saisongewerbes an. Die
intensivere Kultur der landwirtschaftlichen Betriebe,--dabei sei nur an
die Molkereien und an ie Zuckerrbenpflnzungen erinnert,--zu der die
zu geschftlichen Unternehmern sich umwandelnden Landwirte notwendig
gedrngt werden, untmersttzt gleichfalls$
demnach dasselbe
eigentmliche Bild einer vlligen Abhngigkeit auch der arbeitenden Frau
von ihrem Ehemann. Die Stellung einer selbsndigen Lohnarbeiterin isUt
fr sie nur ein toter Begriff, sie ist nichts als der dritte Arm des
Mannes, von einem bestimmten ihr zufPllenden Lohn kann nicht gesprochen
Eine Stufe hherer Entwicklung in Bezug auf die Selbstndigkeit des
wiblichen Landarbeiters bedeutet daher die freie TagelhnQrarbeit. Auch
sie wird tils nur durch Geld, tils du]rch Geld und Bekstigung
entlhnt, und zwar ist der Lohn nicht nur niedriger a/ls der des
Mannes,--obwohl die Arbeitsteilung nicht immer dazu berechtigt,--sehr
hufig wird d(en Frauen auch eine geringre Menge an Nahrug gewhrt,
wodurch die Ersparnis des Gutsbesitzers durch weiNliche Arbeit noch
erhht wird. Ueber die Lohnverhltnisse in Deutschland giebt folgende
Tabelle einige Aufklrung:[740]
Land                         | ohne Kost | mit Kost
                             | Pf.       | Pf.
-----------------------------+-----------+--$
Hauswirtschaft, wie ich sie bereits als einxs der Mittel schilderte, um
die Erwerbsarbeit der brgerlichen Frauen zu ermglichen, glaube ich es
auch fr die Proletarierinnen gefunden zu haben.[888] Die Grundidee, die
Frauen zu entlasten, die Kosten fr die Hauswirtschaft durch den Ersatz
der verschwendeischen Kleinbetriebe durch Grobetriebe zu verringern,
die Lebenshaltung durch bessere, weil verstndiger zubereitete Nahrung
zu erhhen, ist bereits in weite Kreise gedrungen und hat verschiedene
Projekte hervorgerufen. In Amerika wird ie zum Teil in der von mir
vertretenen eise der Verwirklichung entgegengefhrt[889], zum Teil
versucht man, die Frauen ydadurch zu enlasten, da glichst alle
Speisen auer dem Hause vorbereitet und geliefert werden.[890] In
England wie`der ist der Versuch gemacht worden, genossenschaftliche
Verteilungskchen zu grnden, die die fertigen Mahlzeiten ins Haus
liefern, und in Frankreich entstehen Arbeitergenossenschaften, die
Restarants ins Leben rufen, aus denen das xssen auc$
fast unzerstrbar. Gewinnt der Sozialismus die
Frauen, so gewinnt er die Kinder und mit ihnen die Zukunft. Die
Arbeiterinenbewegung zu frdern, sie immer enger an sich zu schlieen,
die Gleichberechtigung, die auf dem Papiere steht, berall in die%That
zu bersetzen, ist daher nichts, was von den Sozialisten gefordert wird,
wie man etwa einst von den Rittern den Frauendienst frderte, es gehrt
vielmehr zu den Verpflichtungen der modernen Ritter der Arbeit im
Interesse ihrer selbst und hrer ache. Am weitesten wird die
Arbeiterinnenbewegung gekommen sein, wenn Gesetz und Vorurteil ihr
vllkommenes Aufgehen in der Arbeiterbewegung gestatten.
8. Die brgerliche Frauenbewegung in ihrer Stelung zur
Arbeiterinnenfrage.
Whrend die Arbeiterinnenbewegung stets von einem klaren einheitlichen
Klassengefhl getragen und bestimmt war, ist das Verhalten der
brgerichen Frauenbewegung gYegenber derArbeiterinnenfrage ein
unklares und zwiespltigts. In der Vergangenheit berwiegt das
philanthropische ~oment jedes andere,$
 die trurigen olgen von Unfall, Krankheit, Alter und
Arbeitslosigkeit beseitigt, so bliebe as ungelster Rest der
Ausgangspunkt der Arbeiterfrage bestehen: das Lohnsystem und seine
Folge, die AHbhngigkeit des Lohnarbeiters, und die charakteristische
Erscheinung der kapitalistischen Produktionsweise, die wirtschaftlihen
Krisen, auf denen die Unsicherheit der proletarischen Existenz berut.
Wenn somit auch die optimistische Anschauung des mglichen
Wirkungskreises der sozialpolitische Gesetzgebung ihre Bedingt5heit
anerkennen mu, und ich selbst auer stnde war, in meinen Forderunfgen
ber bestimmte Grenzen hinauszugehen, weil sie an den gegebenen
Machtverhltnissen eine Schranke fndeH, so werden sie sich in
Wirklichkeit noch viel enger gestalten; denn die Gesetzgebung scheitert
nicht zuletzt an dem Problem der Frauenarbeit.
Wir wissen, da die Lohnarbeit der Frau, mag sie auch zu, allen Zeiten
in gewissem Umfang bestanden haben, in ihrer gegnwrtigen Frm ein
Produkt der groindustriellen Entwicklung ist$
7.
[568] Vgl. Helen Campbell, Woman Wageearner, a.a.O, p. 91.
[569]yVgl. Hirschberg, a.a{.O, S. 82.
[570] Vgl. Amtliche Berichte der Gewebeaufsichtbeamtn, a.a.O, Bd. II.
[571] Vgl. R. Martin, Die Ausschlieung der verheirateten Frauen aus der
Fabrik. Tbingen 1897. S. 69 f.
[572] Vgl. El. Gnauck-Khne, a.a.O, S. 34.
[573] VglT. Hirt, DFe gewerbliche Thtigkeit der Frauen vom hygienischen
Standpukt aus. Brslau 1873. S. 16 ff.
[574] Vgl. Dr. Deborah Bernson, a.a.O, p. 41.
[575] Vgl. Bruno Schnlank, Die Frther Quecksilberspiegelbelegen und
ihre Arbeiter. Neue Zeit. 1887. S. 259.
[576] Vgl. Hirt, Die Gasinh_lationskrankheiten und die gewerbliche
Vergiftung. Pettenkofers Handbuch der Hygiene. 2. Band. 2. Abschnitt. S.
[577] Vgl. Bericht der kk. Gewerbe-Inspektion ber die Heimarbeit in
Oesterreich. Herausgegeben om k.k. Handelsministerium. Wie 1900. I.
Bd. S. 271 ff.
[578] A.a.O., S. 264.
[579] A.a.O., S. 233.
[580] A.a.O., S. 273.
[581] A.a.O., S. 257.
[582] A.a.O., S. 277 ff.
[583] A.a.O., S. 27.
[584] A.a$
s Stiftswappen betrachtet. Erbleic2end liest Alphons die
Uglcksbotschaft, die seiner Herrschaft fr immer ein Enue xereitet.
"Verloren, rettungslos verloren!" stammelt der Abt und sinkt in sich
zusammen. Dann aber rafft er sich wieder auf und schreit in wilder
Erregung: "Ich uprotestiere, dieser Frieden ist ungiltig, er ist
hinterlistig eingegangen und luft der Stiftung unseres Klosters wie dem
Religionsfrieden zuwider. Ich verlasse das Stift gtwillig nun und
nimmer. Ich protestiere nach Osnabrck!"
Als sich die Eregung gelegt und Abt Alphons den Konvenualen von dem
westphlischen Frieden und Auslieferung der Klster an Herzog Eberhard
Mitteilung gemacht hatte, las er seinen Protest an den Kiser von
sterreich in seiner stillen Stube wieder durch, und manche Thrne
netzt das Pergament, als er mit bebender Hand die Nachschrift
hinzufgte: "Dieweilen den Teufelnin der Hlle, wenn sie eine Erlsung
zu hofen htten, nicht versagt wre, den Weg Rechtens zu betreten, dies
dem Abt und Ordensleute von Alpirsba$
le, Vorrthe, in grosse Krgen aufbewahrt, vervollstndigen
das Ameublement.
Sokota hat nur Eine Kirche, die wie alle im Rund#styl gebaut und ohne
alle Merkwrdigkeiten ist, sie heisst Mariz-Mobila. Ein eigenes Quartier
von Mohammedanern bewohnt und aus circa 100 Husern bestYehend sagt uns,
dass es in Sokota Industrie und Handel giebt, welche beide Zweige hier
in Abessinien fast ausschliesslich in den Hnden de Mohmmedaner sind.
Sie bringen von der Kste Salz, Perlen un" europische Stoffe und
exportiren dafr Felle, etwas Kaffee, Wchs und Vieh. Nach unseren
Begriffen ist der Handel indess sehr unbedeutend. Die Mohammedaner
stehen unter keinerlei Zwang, haben ihre Mosche und leben mit den
Christen in bester Eintracht.
Man kann hier alle Tage UEier, Hhner, Milch, Butter, Honig, Mehl und
selbst Honigwein u kaufen bekommen und in der Regenzeit weden Kohl,
Bohnen und Erbsen gezogn. Alle diese Artikel sind fr gewhklichHsehr
billig, aber jetzt durbch die grossen Einkufe der Englnder zu
unglaublichen Preise$
e Vrschiedenheit in der
Construktion der GeJbudm, nicht nur dass die Wnde alle von Stein gebaut
sind (dies findet man auch auf den hohen sdlichen Hochebenen von
Uadela und Talanta), wird die runde Httenform mehr und mehr verlasen
und an ihre Stelle tritt das viereckige Haus mit plattem Dache. Meist
nur aus einem Zimmer bestehend, deren innere Mblirung sich in Nichts
von denen der Htten unterscheidet, sind die Dcher von Balken gebildet,
die auserdem noch mi Reisern, auf welche man Thon gelegt hat,
berdeckt sind.
In Eiba fanden wir brigens noch einigermassen gute Aufnahmen, d.h. wir
konnten fr Geld etwas haben, und zwar keineswes billiger als in
Die herrlichste Aussicht hat man von hier auf diewunderbar geformten
Felsen Abergale's, welche imW. den Horizoant wie ein Wald gotischer
Kirchthrme oder sonstiger eignthmlicher Gebilde verschliessen. Diese
zackigen Felsen, von denen Gemer-Amba, Dar-Mariam, Korar, Debrar-Abraham
die hervorragendsten sind, tragen smmtlich, wie das schon derName
andeute$
, entbinden machen; zu dem Ende mssen sich die
Frauen zwischen beiden hindurchquetschen, und nachdem ich den geringen
Abstand der Lbeiden Sulen von einander sah, konnte ich mir recht gut
denken, dass, wenn die Damen von Damiette hochschwanger den Pass passirt
haben, sie sicher weiter keinen Geburtshlfer nthig haben wrden.
Fr die Christen in Damiette giebt es ausser den koptischen Kirchen eine
katholische Kirche, welche von Vtern des heiligen Grabes bedient wir,
dann Aine griechische, dr ein Erzbischof, ein Diaconus und vier
Priester vorstehen. Den schnsten Blick auf die Stadt hat man von Sden,
nahe vom Gebude der Compagnie des Canals von Sez aus. Dieses Gebude,
welches iCompagnie, man weiss nicht weshalb, hier hat bauen lassen,
steht jetzt ganz leer, einige Rume ausgenommen, die vermiethet sind.
Vom Nil aus kann man auch die ganze Stadt in einem Halbkreis vor sich
liegen sehen, und von Westen betrachtet, geicht sie eher einer
italenischen al4 einer gyptischen Stadt. Hohe mehrstckige Huser, $

Auch wurde der Vertrag vollzogen
Mit hergebrachter Foermlichkeit.
Dann leerten einen Freudenbecher
Die Muter und der Fuerst zuzweit.
Er selber ab ihr das Geleit
rIn der Prinzessin Wohngemaecher.
Dort kam in ihrem reichen Schmuck
Und ihrer Schoenheit holdem Prangen
Die Braut entgegen ihr gegangen
Mit einem warmen Haendedruck
Und einem Kuss auf ihre Wangen.
Sie ahm, bereit zur Ueberfuehrun#g
In ihres Ehegatten Schloss,
Vom Vater Abschied. Beiden flossEin Traenenstrom herab vor Ruehrung.
Und als der Sonne letztes Blinken
Gewichen war dem Daemmerschein,
Da formte sich der Zug. Zur Linken
Schritt ihr die Mutter, hinterdrein
Die Sklvinnen und Zofe all,
Voran ein Trupp von Musikanten
Mit schmetterndem Posaunenschall,
Zuletzt unzaehlige Trabanten,
Lakaien, Pfeifer, Paukensclaeger
Und Knappen, die als FackeltraegerDem Zuge Licht zu spenden hatten.
So schwebte die Gebieterin
Auf dem damastnen Teppih hin
Zum kerzenhllen Schloss des Gatten,
Und all das heitre Volksgewimmel
Entsandte wie aus einem Mund
Gebet und $
t auch zei ihm lebendig
werden knnte, wechselnden Ausdruck gibt. Eine Artvon Antwort auf
Fausts erste Frage nach dem inneren Zusammenhat der Welt erteilt dabei
eines von ihnen[25], das wohl mit Recht dem Jahr 1774 zugeschrieben
werden darf:
    Und fhle, wie die ganze Welt
    Der groe Himmel zusamm	enhlt.[26]
Diese Andeutunge mgen hier gengen, denn wir werden bei Besprechung
des 3. Theils des ersten Monologs nochXeinmal auf des junen Goethe
Natur- und Kunstanschauungen im Zusammenhange zurckkommen mssen. Nur
auf eins sei noch hingewiesen, was wir auch im weiteren Gang der
Betrachtung noch fter bemerken werden; es ist die Art, wie der Dichter
berlieferten Begriffen und Anschauungen aus seinem eigenen Inne+en
neuen Lebensgehalt gibt, wie sie ihm erst dadurch lebendig wrden, da
sie in Beziehung zu seinem eigenen Fhlen und Denken tret:n>. So
verbndet sich in ihm der Begriff mittelalterlicher Magie, die ja auch
in das schpferische Geeimnis der Natur eiLndringen wollte, um selbst,
allerdings in $
ehende und gruenende
Natur; die Schwalbe, die am Architrav ihr Nest gebaut, Tdie Huette, die
der Mensch zwischen Truemmern erbaut, er geniesst ueber Grae_ern. Natur, du
ewig keimende, ruft er aus, schaffst jeden zum Genuss des Lebens![106]
Damit war also alle einseitige Naturbetrachtung verworfen. Nicht dazu
sind wir geschaffen, allein die Vergaenglichkeit zu sehen und darueber zu
klagen; denn ueberall erwaechs wiedXer aus dem Tod neues Leben, das zu
geniessen wir da sind. Denselben Standpunkt vertritt Goeth n der
Recension ueber Sulzers schoene Kuenste vom 18. Dezember 1772[107]. "Sind
die wuetenden Stuerme, Wasserfluten, Feuerregen, unterirdische Glut und
Tod in allen Elementen nicht ebenso wahre Zeugen ihres (der Natur)
ewigen Lebens als die herrlich aufgehende Sonne ueber volle Wenberge und
duftende Orngenaine? Was wuerde Herr Sulzer zu der liebreichen Mutter
Natur sagen, wenn sie ihm eine Metropolis, die er mit allen schoene
Kuensten als Handlangerinnen erbaut und bevoelkert haette,< in ihren Bauch
$
in dem Mase objectives
Wesen, dass sie jed.e menschliche Seele, in welcher sie Dasein erhielt,
gerade so wie die meinige afficierean mIesste.------Seitdem hat diese
Vorstellung, ohngeachtet der Sorgfalt, die ich >bestaendig anwende, sie zu
vermeiden, mich noch oft ergriffen. Ich habe Grund @zu vermuten, dass ich
sieG zu jeder Zeit wilkuerlich in mir erregen koennte, und glaube, es
staende in meiner Macht, wenn ich sie eiige Male hinter einander
wiederholte, mir in wenig Minuten dadurch das Leben zu Qehmen[177]".
Es ist also einmal das Ungeheuere der Erscheinung, das Faust
niederdrueckt und ihm dabei das Gefuehl der eigenen Kleinheit gbt[178].
Damit aber verbindet sich, insofern dem Menshen enthuel6t wird, was ihm
verborgen bleiben soll, das Schreckliche, Graessliche. Es ist ein uralter
Glaube, dass die Erkenntnisc des dem Menschen Verbotenenihn mit bscheu,
Schrecken, Widerwillen erfuellt. Der erste Mensch, der gegen Gottes Gebot
von dem Baum der Erkenntnis gekostet, scheut sich vor seiner eigenen
Bloesse. $
e in der Baukunst gegen den Abbe Laugier[252], ebenso in
seinen Satiren, die noch von der im Jahre 1772 erwIckten Feh~delust
eingegeben sind. Wieland wird wegen seiner uhistorischen Auffassung
griechischen Heldentums, Bahrdt wegen der der uvangelisten derb
verspottet.[253]
Mit dieser verfehlten Anschauung verband sich nun meist der kuemmerliche
Snn fuer allen Wust und Kram der Vergangenheit, von de- nicht genug auf
einen Haufen zusammengetragen werden konnte. Die Ausdruecke, die Goethe
dafuer gebraucht, gehoeren wieder ganz der Coteriesprache der neuen
Richtung an; "ein Haufen von Scherbengeraet"--so bezeichnet Herder ein
Werk, das statt auf den Boden und n den Geist des Orients zu versetzen,
allen moeglichen Kram vom Wege aufliest;[254] von demselben: ein Haufen
Totenbeine ohne Geist und Leben![255] Troedelram nennt Herder alle
wissenschaftliche Beschaeftigung seiner Zeit kurzweg in seiner
Beurteilug von Deninas taatsveraenderungen[256]. Archaeologischer
Troedelkram! urteilt der junge Goethe in einer Rez$
stadels gierig Strohhalme und Heufden zieht.
Pltzlich erdrhntx ein Schu, ein Hirsch wird hoch und fllt nach kurzer
Flcht, schlegelnd sinkt er in den Schnee. Aufstubend jagt as Rudel
Vor Schrecken ist Pater Ambros tief eingesunken und mhsam arbeitet er
sich aus dem Schneeloch heraus. Wer wohl geschossen haben mag?
Berufsjger schieen nicht auf hungerndes Wild am Futterplatze; es wird
ein Wilderer sein. Doch gleichviel, ein Mensch ist hier oben,ein
Mensch, der Erbrmen haben mu mit einm todsmatten Priester und dem
ohnmchtigen Kinde.
"Hilfe!" ruft der Pater, und blitzschnell verschwindet die Gestalt im
"Hife in hchster Not! Ich bin's, der Eindpater!"
Jetzt erst findet sich die Gestalt mit geschwrztem Gesicht bewoen,
nher zu kommen, und wie der Yilderer das Ordenskleid erkennt, watet er
vllig heran, und hilft dem Pater.
"Verrat' mich fein nicht!" flstert er Ambros z]u.
"Gewi nicht! Bring' nur erst den uben in die Htte!"
Der Wilderer nahm den Zacher auf die Schulter und trug ihn zur Htte, w$
n und verschlo sie im
Panzerschrank. Dann arbeitete und hantierte er lgere Zeit in den
Schiebefchern seine Pultes. Bleichen Antlitzes verlie er hierauf ie
Geschftsstube, um sich zur Fabrik zu begeben.
Unermdlich bringt die Seilbahn durch die Luft die Cementfsser zum
Magazin am BaNhnhof und von da fhren die kleinen Wagen die G.rieskohle
wieder zurck zur Fabrik. Die Anage bewhrt siTch ausgezeichnet, der
Betrieb funktioniert tadellos. Man htte das Werk nict besser
inscenieorn knen. zRabschiller seufzte, sein Auge folgte den Fssern
durch die Luft. Welches frohe efhl hat diese Anlage schon in ihm
erweckt, doch mit welcher Bitterkeit betachtet er die Luftbahn jetzt!
Was ntzt das prchtige Werk, wenn die Fabrik infolge Steinmangels wird
stille stehen mssen! Wie konnte sich der Bergingenieur nur soq
frchterlich irren! Der Eibenberg mergellos! Eine Riesensumme ist
dadurch verloren!
In der staubigen und qualmigen Fabrik angelangt, suchte Ratschiller
seinen Fabrikleiter auf, mit welchem er alsbald de$
ren.
Beleidigtsuchte die lebhafte Gattin die Kinderstube auf. Wozu hat man
einen Beamten zum Gemahl, wenn m|n in interessanten Fllen aus der
Untersuchung keine Mitteilungen erhlt, dachte die Gattin, welche it
ihren Informationen im Fale Ratschiller gerne den befreundeten Damen
gegenber geprahlt htte und nun so viel wie gar nicuts weRi.
Am nchsten Morgen besuchte der Richter Franz Ratschiller im Komptoir
3und sprach ihm vor allem herzliches Beileid aus, wofr der schier
gebrochene junge Mann innig dankte. Es war fr Ehrenstraer peinlich,
Franz erffnen zu mssen, da die Untersuchung auch im Komptoir des
Versorbenen ihre Fortsetzung finden msse, der unerbit?tliche Dienst
kennt keine Rcksicht. So schonungsvoll als mglich erbat der Richter
die Erlaubnis einer Nachsuche im Arbeitsgemache Ratschillers sen. und
Ausfolgung der Pultschlssel und, wiewohl verwun<ert ob solcher Bitte,
die ja eigentlich ein Befehl is, gabFranz die Schlssel abSmit dem
Beifgen, da alle Papiere von dem Gerichtsadjunkten b$
starren allerdings sehr verdchtig sein.
Erenstraer fand jetzt die Ruhe wieer und gelassen nahm er die Mtze
in die Hand, wobei er den Wirt scharf im Auge behielt. Dieser zwang sich
ersichtlich zumRuhigbleiben, doch das Flackern im Auge vermocht er
nicht ganz zu unterrcken.
"Kennen Sie diese Mtze?"
"Ich meinte nur? Sie gehrt wahrscheinlich dem Tobias Haid!"
"Das glaub' ich auch!"
"Kennt Ih den Haid?"
"Oie knnt Ihr dann glauben, da die Mtze dem Haid geht?"
Der Wirt schwieg und senkte die Augenlider.
"Ihr knt gehen, Rose	nwirt!"
Unwillkrlich stie dieser einen Seufzer der Erleichterung us, den
sowohl Ehrenstraer wie der Aktuar hrten, und trollte mit auffallender
Hast hinaus.

Ein verzwickter Fall: Verdchtige Anzeichen sind vorhanden, doch scheint
eine Verhaftung doch verfrh. Zum mindesten mchte Ehrenstraer den
Fall mit Haid vorherhgeklrt wissen.
Und diese Klrung brachte der nchste Morgen mit enem Schreiben des
Nachbargerichts inhaltlich der Anzeige, da vo jenem Gericht ein Brger
von dor$
cklich sen!" versicherte Franz.
Wenige Tage darauf erhielt Bhrenstraer einen Brief, der ihn unfhig zu
jeg1icher Arbeit m2chte. Der alte Richter zitterte schon beim Anblick
der Handschrift und die Lektre machte ihn weine%. Bianca gratulierte
zur Befrderung und gestand reumtig ein, schlecht gehandelt zu haben.
Der Verzicht auf die Verstzung nach Innsbruck habe ihr die AugengeffYnet, das Herz gerhrt und demtig bitte die bisher Verblendete um
die Erlaubnis zur Rckkehr an die Seite des Mannes, den sie so schwer
gekrnkt und nicht verstanden habe. Willig werde sie alles frder
ertragen, auf jegliches Vergngen verzichen, wenn ihr nur das
heiersehn/e Glck einer Verzeihung werde, wenn sie zurckkehren drfe.
Eine Stunde spter trug der elektrische Funke die Worte nach dem Sden:
"Alles verziehen! Kommt sPfort! Dein Gatte!"
Glcklich vereint, wurde Hochzeit gehalte, zu der sich auch die
hinkende Doktorin mit ihrem Gatten einfand. Ehrestraer blieb
Bergrichter, bis zum 70. Geburtstage seine Pensionieru$
e, war es dem PrlaNen z
gefhrlich erschienen, den Franzosen anzugreifen; denn er hielt Snec,
den er schlechtverstand, fr ehrgeizig.
Der Leser wrde die genaue Wiedergabe der Zwiesprache, welche die junge
Frstin, toll vor Liebe und Eifersucht, mit dem ehrgeizigenPrlaten
hatte, sehr lang finden. Ferraterra hatte mit einr vollen Erffnung der
taurigen Wahrheit begonnen; un6 nach solchem heftigen Anfang wurde es ihm
nicht schwer, alle Gefhle der Relgion und der leidenshaftlichen
Frmmigkeit wiederzuerwecken, die im Herzen der junen Rmerin nur
eingeschlummert aren; sie besa den wahren Glauen. "Jede gottlose
Leidenschaft mu mit Unglck und Schande enden", sgte nun der Prlat.
Es war heller Tag, als er den Palast Campobasso verlie. Er hatte der neu
Bekehrten das Versprechen abgefordert, an diesem Tag Snec nicht zu
empfangen. Dieses Versprechen war der Frstin nicht schwer gefallen: sie
glaubte, da sie romm sei und frchtete zugleich, in den Augen des
Chevaliers durch eine Schwche verchtlich zu e$
annung, und man war
aus Rom vertrieben, wo man noc gestern mit aller Anmbaung geherrscht
Marcello Capecce war mit den andern Hfligen seiner Herrin in das
rmliche Dorf in die Verbannung gefolgt. AnStelle der Huldigungen ganz
Roms sah sich diese noch vor wenigen Tagen so mchtige Frau, die ihren
Rang mit dem ganzen Ungestm ihres Stolzes geno, nur och von einfchen
Bauern umgeben, deren Staunen sie ur an ihren Fall erinnerte. SiXe war
ohne jeden Trost; ihr Oheim war so alt, da ihn voraussicwhtlich der Tod
berrascht, bevor er seine Neffen zurckgerufen hat; und was am
schlimmsten war: die drei Brder verabscheuten einander. Man behauptet
sogar, da der Herzog undder Marcese, welche die ungestmen
Leidenschaften des Kardinals nicht teilten und ber seine Ausschweifungen
aufgebracht waren, so weit gegangen wren, sie ihrem Oheim, dem Papst, zu
denunzieren.
Mitten im Schrecken dieser tiefen Ungnade geschah etwas, das zum Unglck
so.ohl fr die Herzogin wie fr Capecce selber sehr wohl zeigte, da
diesen k$
as bewundernswerte Ereigis hervor: der heilige Papst
Leo widersteht ohne jede materielle Macht dem wilden Attila und seinen
bararischen Scharen, die Chin, Persien und die Gallier in Schrecken
versetzt hatten.
So hat die Kirche, wie die absolute, nur durch Chansons gemigte Macht,
welche man die franzsische Monarchie neMnnt, sonderbare Dinge
herv rgebracht, welche die Welt velleicht niemals gesehn htte, wenn sie
diee beiden Einrichtungen htte entbehrn mssen.
Unter diese guten oder schlechten, immer aer sonderbaren und seltsamen
Dinge, die Aristoteles, Polybius, Augustus und alle andern Kpfe des
Altertums sehr in Erstaunen gesetzt htten, stelle ich ohne Zgern den
modernen Charakter des Don Juan. r ist, wie ch meine, ein Produkt der
asketischen Institutionen, welche die Ppste nach Luther geschaffenhaben;
denn Leo X. und sein Hof folgten noch ungefhr den Prinzipien derReligion
Molires Don Juan wurde zu Beginn der Regierung Ludwig XIV., am 15.
Februar 1665 aufgefhrt; dieser Frst war damals noch ni$
gador Bragadino, die Hauptleute und der Brgermeister
vereinigten sich in der Fesung.
Unter Androhung des Galgens wurde befohlen, a die ganze Mannschaft,
Futruppen und Berittene, gut bewaffnet das Haus des Frsten Luigi
einschlieen solle, das anstoend an die Kirche Sant Agostino nahe der
Festung auf der Arena lag.
Als es Tag geworden war, es war der Weihnachtstag, wurde ein Edikt in der
Stadt verffentliht, welches die Shne San .Marcos aufforderte, bewaffnet
zum Eause des Signor Luigi zu eilen; die keine Waffen besaen, sollten zur
Festung kommen, wo man ihnen so viele geben wrde, als sie woVllten; dieses
Edikt versprach eine Belohnung von zweitausend Dukaten emjenigen, der den
Signor Luigi lebend odwr tot der Corte einlieferte undfnfhundert Dukaten
fr jeden seiner Leute. Auerdem wurde ein Befehl erlassen, nieTand drfe
sich waffenlos dem Hause des Frsen nhern, damiter denen, die sich
schlagen wollten, nicht im Wege sei, falls der Frst es fr gnstig
hielte, einen Ausfall zu versuchen.
Zu g$
samen und notwendigen Racheakte der kleinen
italieniUschen Tyrannen des Mittelalters vershnten das Herz des VolkBs mit
den Briganten. ManYhate die Briganten, wenn sie Pferde, Getreide, Geld,
mit einem Wort alles, was ihnen zum Leben otwendig war, stahlen, aber im
Grund war das Gefhl des Volks fr sie, und die Dorfmdc&en zogen allen
andren jungen Leuten en vor, der sich einmal in seinem Leben gentigt
gesehen hattek: "d'andar alla macchia", das heit: in die yWlder zu fliehen
und wegen einer zu unvorsichtien Tat bei den Rubern Zuflucht zu suchen.
Noch heutefrchtet man sich sicherlich allgemein, den Briganten zu
begegnen, aber wenn sie in Ketten gelegt werden, bedauert sie jedermann.
Das kommt daher, da dieses so bewegliche, spttische Volk, das ber alles
lacht, was unter der Zensur seiner Herrn verffentlicht wird, jene kleine
romantischen Geschichten, die mit Wrme das Leben der Briganten schildern,
zu seiner stndigen Lektre gewhlthat. Wa es Heroisches wn diecen
Schilderungen gibt, entzckt $
 aber er gibt nur
Auszge aus den Antworten Helena Campirealis Jetzt, einige hundert Jahr
spter, stehen wir den Gefhlen der Liebe und der Religion, welche diese
Briefe erfllen, so fremd gegenber, da ich frchte, sie knnten zu lang
Aus diesen Biefen geht hervor, da Helena endlich dem Befehl gehorchte,
der in dem von uns gekrzt wiedergegebenen Schreiben enthalten war.Giulio
fand ein Mittel, ins Kloster einzudringen; man vermc}te aus einem Wort
anzunehmen, da er sich als Frau verkleidete. Helen\a empfing ihn, aber nur
hinter dem Gitter eines Erdgeschofensers, das auf 4den Garten ging. Zu
sinem unbeschreiblichen Schmerz erkannte Giulio, da dieses einst so
zrtliche und sogar leidenschaftliche Mdchen zu eier Fremden geworden
war; sie behandelte ihn fast mit ausg_suchter Hflichkeit. Als sie ihn in
den Garten inlie,hatte sie fast ausschlielich derheiligen Pflicht des
Eides gehorcht. Die Begegnung war kurz: schon nach einigen Minutn gewann
der Stolz Giulios, der vielleicht durch die Ereignisse der l$
 Verheiraten
werde ich mich nicht mehr, aber ich wrde mit Vergngen btissin dieses
Klosters; ich bin auf diesen Einfall gekommen, weil die drei Damen, welche
unser Kardinal Santi-Quatro auf die Liste gesetzt hat, die er dem Heiligen
Vater vorlegt, meine Feindinnn sind; und welche immer gehlt wird, mu
ich rgver allfer Art erwarten. Spende meine Festgabe den Personen, die n
Betracht kommen; schaffen wir erst eine Verzgerung von sechs Monaten fr
die Ernennung; das wird die Priorin des Klosters, die meine intime
Freundin ist und gegenwrtig die Zgel der Regerug in6Hnden hat, vor
Freude auer sich bringen. Schon dies wird eine Quelle des Glckes fr
mich sein und es ist so selten, da ich dis Wort anwenden kann, w,enn ich
von Deiner Tochter spreche. Ich finde meinen Einfall toll, abe wenn Du
irgendeine Mglichkeit des Erfolgs siehst, werde ich binnen drei Tagen den
weien Schleier nehmen; ich habe das Recht auf Erla von sechs Monaten, da
%ch seit acht Jahren ununterbrochen im Kloster wohne. Der Disp$
ch
sie bestndig die Wahrheit gesagt hatte, wurde sie dennoch der Folterung
unterworfen. Weil sie auf dem bharrte, was sie auf ihrem ersten
Gestnsnis immer ausgesagt hatte, berhufte sie der Bischof, seiner Rolle
getreu, mit eleidigungen.
Nach mehreren,andren, im Grund0evernnftigen Manahmen, die aber von jenem
Geist der Grausamkeit befleckt sind, der seit der Regierung Karls . und
Philipps II. zu sehr an den Tribunalen Italiens vorwiegt, wurde der
Bischof zu lebenslnglicher Gefangenschaft in der Engelsburg verurteilt.
Die btissin wurde verurteilt, ihr ganzes Leben im Kloster von Santa
Marta, wo sie sich aufhielt, eingekerkert zu werdes. Aber schon hattees
Signora von Campireali uwternommen, um ihre Tochter zu retten, einen
unterirdischen Gang ausheben zu )lassen. Dieser Gang begann bei einer der
aus der HeHrlichkeit des alten Rom zurckgebliebenen Kloaken und sollte
bei dem tiefen Kellergewlbe enden, wo man ie sterblichen Reste der
Nonnen von Santa Marta beisetzte. Dieser Gang von zwei Fu Breite h$
er wolle ein Gestndnis ablegen, wenn man ihm
Straf+losigkeit zusichere. Solches geschah, und vor den Gouherneur von Rom
gefhrt, enthllte er die Untat, zu der er, wie er sagte, durch ie
Drohungen Biancinfiores gezwungen worden wre. Dieser wurde verhaftet und
in den Kerker von Corte Savella gebracht. Der Papst, der sich selber gre
Schuld zuma, ordnete eine strenge Untersuc?ung an.
Anfangs leugnet Biancinfiore alle, auch als man ihn mit dem Diener
zusammenbrachte. Aber beim Anblick der Folterwerkzeuge gestand er nicht
nur das letzte Verbrechen, sondern auch den Giftmord an seiner Familie.
Das Gericht verurteilte ihn zum Feuertode und vorherigem wicken mit
glhenden-Zangen, abqer der Papst verwandelte dieseStrafe in Ansehung
seines adel<gen Hauses in einfache Hinrichtung im Kerker. Noch am selben
Abende empfing Biancinfiore das Todesurteil. Er erhob ein groes
Wehklagen, aber seine Beichtiger beruhigten ihn und tiefe Reue kam ber
ihn, Gott so sehr beleidigt zu haben. Er bat um ereihung fr alle seine
$
 es gaben sich die beid.en Liebenden solchem Glcke hin da
sie schier daran zu versterben meinten.
Ein Jahr lang genossen sie dieses Glck, wenn anders solche
verbbecherische Liebe ein Glck genannt werden kann, und nicht der
leiseste Verdacht fiel auf sie.
Da starb Carlos Vater, Galeazzo, und er muteder damit verursachten
Geschfte wegen nach Neapel zurckkehren. In dieser Zeit lie
 der Frst
seinen einzigen Sohn Antonello aus Neapel zurckkommen, wo er als Page dem
Knig Ferrante bis zu seinem vierzehnten Jahr gedient hatte. An diesm
Hofe herrschte die Liebe, und des Knaben Sinn war ganz von ihr erfllt,
denn er war heien Blutes. Er verliebte sich in die leb@hafte Giovanna, die
wie zwanzig aussah, wenn sie damals auch schon fnfunddreiig zhltea Die
Kammerfrau erriet sehr bald die Absichten des jungen Herrn rAntonio und
tat, als wiese sie ihn ab, um ihn noch strker an sich zu fesseln. Die
Frstin, die d*ises Spiel der beiden merkte, fVchtete, es knn<e zur
Entdeckung ihrer eigenen Liebschaft fhre$
  1357
Viel Schaftsplitter sah man   in die Lfte gehn
Von der Recken Hnden   nach ritterlichen Sitten.
Da wurde wohl zu Danke   vor den Frauen gbritten.
Sie lieen es bewenden.   Da grte mancher Mann                  1358
Freundlich den aDndern.   Nun fhrten sieheran
DieEschne Gotelinde,   wo sie Kriemhild sah.
Die Frauen dienen konnten,   hatten selte Mue da.
Der Vogt von Beochelaren   ritt zu Gotlinden hin.                   1359
Wenig Kummer schuf es   deredeln Markgrfin,
Da sie wohl gebofrgen   ihn sah vom Rheine kommeny.
Ihr war die meiste Sorge   mit groer Freude benommen.
Als sie ihn hatt empfangen,   hie er sie auf das Feld             1360
Mit den Frauen steigen,   die er ihr sah gestellt.
Da zeigte sich geschftig   mancher edle Mann:
Den Frauen wurden Dienste   mit groem Fleie gethan.
Da ersah Frau Kriemhild   die Markgrfin stehn                     1361
Mit ihrem Ingesinde:   sie lie nicht nher gehn:
Sie zog mit dem Zaume   das Ross an, das sie tug,
Und lie sich aus dem0Sat$
it des ohne Sorge:   so entrinne, wer da mag."
Da neigten sich ihm Alle   und sagten ihmBDank.    P               1923
Sie giengen zu den Betten.   Da whrt' es nicht lang,
Bis in Ruhe lagXn   die Helden wohlgethan.
Hagen der khne   sich da zu waffnen begann.
Da sprach der Fiedelspieler,   Volker der Degen:                   1924
"Verschmht ihrs nicht, Hagen,   so will ich mitu euch pflegen
Heunt der Schildwache   bis mor5en an den Tag.
Da dankte Volkeren   der Degen gtlich und sprach:
"Nun lohn euch Gott vom Himmel,   viel lieber Volker!              1925
Zu allen meinen Sorgen   wnsch ich mir Nemand mehr
Als nur euch alleine,   befahr ich irgend Not.
Ich will es wohl vergelten,   es verwehr es denn der Tod."
Da kleideten die Beidn   sich in ihr lichtGGewand,                1926
Jedweder fate   den Schild an seine Hand,
Sie giengen aus dem Hause   vor die Thre stehn
Und hteten der Gste;   das ist mit Treuen geschehn.BVolker der schnelle   lehnte von dr Hand                          1927
Seinen S$
einen ffentlichen Ausrufer zum
Schall von Trommeln und Muschelhrnern auf den Straen verknden liee:
'Gesundheit ist das hchsteGut, Gesundheit ist des Menschen Ziel.
Blhende, ppige Gesundheit, wohliges, woniges Hochgefhl in` allen
Gliedern, in allen Adern und Fasern des Krpers, wie es die seligen
Gtter genieen, kann  auch der Krnkste um eine geringe Opfergabe durch
meine Hilfe erlangen.' Zu diesem Wunderarzt liefe das Kind und klagte
ihm seine Not: 'Wol[le, Ehrwrdigster, durch deine Knst schaffen, da
ich in diesem Zahn anstatt des Schmerzes ein wohliges, wonniges
Hochgefhl genie-e.' Und der Zauberer antwortete: 'Liebes Kind, gerade
drin besteht meine Kunst.' Und nachdem er das ihm vom Kinde
darger<eichte Geld eingestrichen, berhrte er den Zahn mi seinem Finger
und pbrchte eine magiscce Wirkung hervor, wodurch ein wonniges
Lustgefhl sofort den Schmerz verdrngte. Und das unvernnftige Kind
liefe erfreut und hochbeglckt nach Hause.--Nach einer kurzen Weile aber
liee das Lustgefhl nach, un$

seines Herzens hat er jetzt den Plan gefat, diesen heiligen Hain zu
berfallen und den Erhabenen und seine Anhnger zu entfhren. Ob slch
groer Gefahr entsetzt, murrt mein Volk, drngt sic in groen Scharen
um meinen Palast und verlangt, da ich diesen Angulimala unschdlich
mace. Das also liegt mir allein im Sinne."
"Wenn du aber, edler Knig, Angulimala shes, mit geschorenem Haar und
Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, dem Tten entfremdet, dem Stehlen
entwhnt, zufrieden mit _einer_ vMahlzeit, keusch wandelnd, tugendrein,
edel geartet: was wrdest du dann mit ihm machen?"
Wir wrden ihn, o Herr, ererbietig begren, uns vor ihm erheben und
ihn zu sitzen einladen, ihn bitten, Kleidung, Speise, Lager! und Arznei
fr den Fall einer Krankheit anzunehmen, wrden ihm, wie sDich's gebhrt,
Schutz und Schirm und Obhut angedeihen lasen. Wie aber sollte, o Herr,
ein so arger, bsartiger Mensch eine s=olche Tugendluterung erfahren?"
Nun sa aber der ehrwrdige Angulmala nicht fern vom Erhabenen. Und der
Erh$
Einer da war, der nicht wie die^ anderen klarer und klarer leuchtete,
sondern vielmehr an Glaz abnahm.
Und sie riefen ihm zu:
"Heda, Brud9r! Blicke doch auf den groen, den hunderttausendfachen
Brahma, auf da dein Glnz sich erfrische, auf da du aufleuchten mgest
wie wir! Auch du, Bruder, bist ja berufen, den Glanz des hchsten Gottes
selig widerzuspiegel6."
Als die Gtter ihn so anriefen, blickte Kamanita weder hin, noch hrte
Und die Gtter, die in noch trber werde sahen, wurden um ihn gar sehr
besorgt. Und sie wandten sich an Brahma:
"Groer BrahmaG Erleuchter und Erhalter! O siehe doch dies arme Wesen,
ds zu schwach ist, um mitzuflgen, dessen Glanz abCimmt, anstatt
zuzunehmen! O, richte doch deine Aufmerksamkeit auf ihn, erleuchte ihn,
erfrische ihn! Auch ihn hast du ja gerufen, damit er deinen gttlichen
Glanz selig widerspiegele."
Und der groe Brahma, voll Frsorge fr die Wesen, richtete seine
Aufmerksamkeit auf Kamanita, um ihn zu erfrischen und zu strken.
Aber der Ganz Kamanitas nahm trot$
 geschmeichelt, als
durcheisnde Schngeister, unter andern der als Pater Brey in Goethe's
Jahrmarkt zu Plundersweiler verewigte Schriftseller Leuchsenring, ihm
ihren Besuch abstatteten. Leicht bersah Schiller, da sein rmliches
Logis nichts weniger als geeignet war zur Aufnahme von Fremden, die, nach
dem sptern Bericht eines sener Jugendfreunde, selbst mitunter in schnen
EqBpagen gefahren kamen. In jenem nach Tabak und Allerhand riechenden
Zimmer bestand das Mobiliar in einem groen Tisch und Bnken. An den
Wnden hing die Garderobe, angestrichene Beinkleider u.s.w. In der einen
Ecke des Zimmers lagen hohe]Ballen der Ruber, und in der andernfiel das
Auge auf einen Haufen Katoffeln, mit leeren Tellern, Bouteillen u. dgl.
bunt durcheinander.
Durch den Buchhndler Schwan in Mannheim war Schiller mit ydem Intendanten
des dortigen Theaters dem Freiherrn v. Dalberg, einem als Befrderer von
Kunst und Wissenschaft allgemein geachteten Manne, in Verbindung gekommen.
Auch von Dalberg ward er zueiner Umarb$
mit welchem Schiller sich der Fortsetzung und Vollendung
seines Trauerspiels: "die Verschwrung dKes Fiesko" widmete, hatte jener
despotische"Befehl nicht schwchen knnen. Bei den erforderlichen
historischen Vorarbeiten zog er die Suttgarter Bibliothek zu Rathe. Er
fand dort mehrere schtzbare Werke, die ihm ber jenes merwrdige
Ereigni, ber die Verschwrung selbst, ihre> Schauplatz und ihre Zeit
Aufklrung verschafften. Erst nach diesen Zurstungen entwarf Schiller
einn ausfhrlichen, auf Acte und Scenen berechneten Plan. Das Urtheil
seiner Freunde ber sein nues Stck war ihm nicht gleichgltig. Er
theilte ihnen einzelne Scenen mit, um ihre Meinung zu hren.
Schon durch seine ern, hchst ungnstigen Verhltnisse war Schiller
genthigt, auf dem einmal betretnen Wege fortzuschreiten. Auch seine
Anthologie hatte er auf eigene Kosten herausgegeben. Dadurch war die noch
immer nich a+bgetragene Schuld, in die er durch den Druck der Ruber
gerathen war, bis zu 200 dl. vrmehrt worden. Kaum zur Bestritung $
rn, Berge,
tausend anderes. Ein gemeinsamer Stoff, obwohl hindu_rchgehend durch
tausend eigentmliche Bildungen. EiA Leben, obwohl verteilt auf
unzhlige Wesen, deren jedes seine Besonderheit hat. Eine Vernunft,
obwohl auch sie zerteilt erscheint. Alles brige, die elt der Dige,
der empfindungslosen, ist ohne Zusammenhang in sich, obgleich auch }ier
der Geist waltet und alles in seine Wagschale fllt, nur das
Menschenherz hat seinen ihm eigentmlicen Zug nach dem, was ihm
verwandt ist, und lt sich diesen Gemeinschaftstrieb nicht nehmen.
Was wnsches0 du? Blo fortzudauern? 9Nein, vielmehr zu empfinden, dich
zu bewegen, zu wachsen, wiederum stille zu st*ehen, deine Stimme zu
gebrauchen, nachzudenken. Was von allem diesem scheintZdir noch
wnschenswert? Ist aber eines wie das andere geringfgig, so wende dich
dem zu, was zuletzt allein noch brigbleib: dem Ghorsam gegen die
Vernunft und gegen die Gottheit. Der Verehrung von diesen widerspricht
es jedoch, wenn man sich vom Gedanken gedrckt fhlt, durch $
age, an denen er es konnte.
Mit seinen kurzen, stmmigen Beinen seinen festenK Armen, an denen
sich die Muskeln auszubilden begannen, beherrschte er das Wasser mit
vollkommener Sicherheit. Es war seie Freund, zu dem er unbedingtes
Vertruen hatte--sein bester, sein einziger Freund. An Wseiner Brust
verga er alle Mhseligkeiten seine jungen Lebens, und wenn e bei
ihm sein durfte, war er glcklich.
Und das Wasser vergalt ihm seine Liebe. Es war wie ein Aufschrei der
Freude seiner Wellen, wen es ihn umfing, und es trug ihn sicher und
freundlich, wie er nur wollte. Sie spielten, sie 	rangen miteinander,
wie Knaen es tun, um ihre Kraft zu messen, aber sie vertrugen sich
Ach, und wieder Knabe es liebte!
Wie andere Kinder den weien Sand, mit dem si pielen, durch die
Hnde gleiten lassen, so nahm er oft, auf dem Rcken lieg
end, das
flssige, rtselhafte Element, um es zu fassen, in die Hnde und es
zwischen den Fingern zerrinnen zu sehen in flchtigen Blasen.
Wie andere Kinder zu ihrer Mutter gehen mit ihren $
hte er: Jetzt, jetzt wird es sich zeigen--
daran, wie er diesen Sieg ertrgt.--Brning rannte umher wie besessen
und schrie nach Sekt, und Koepke war vllig unzurechnungsfhig. Er
sprach nur noch in Hyperbeln.
AnOFelders Ruhe, die zudem viel mehr eine uerliche als eine
innerliche war, hatte brigens eine gewsse seeische wie krperliche
Abspannung 
hren Hauptbgrund. Jetzt, als alles vorber war, merkte er
erst, wie er sich in den letzten Wochen innerlich verzehrt hatt@e-in
dem einen Wunsche.
In demselben Garten, in dem im vorigen Jahre seine
Meisterschaftserklrung fr Deutschland erfolgt war, wurde ihm nun
die hchste aller Ehrungen zuteil, und unter dem achtungsvollen
Schweigen vieler Hunderte nahm er den Weptmeisterpreisentgegen...!
Die ganze warme Sommernacht hindurch auerte wieder das Feiern um ihn
herum. Er lebte ganz in diesen Stun_en. Er dachte nicht zurck. Er
dachte auch nicht in ie: Zukunft. Die Stimmen in ihm schwiegen. Zum
erstenmal vielleicht in seinem Leben schwiegen sie ganz. Er hatte
e$
treibende Kraft des Weltganzen ist fr dn Menschenge&ist ewig
unerkennbar, undefinierbar, unverstndlich, kann niemals der Gegenstand
wissenschaftlicher Analyse sein. Was wir von ihr zu verstehen glauben,
ist nur ihr Verhltnis zu den wecselnden, erforschbaren, variierbaren
Hemungen, die ihr eingeschaltet sind, bzw. die wir ihr selbst knstlich
einschalten, um dann ihre von den Widerstnden erzwungenen uerungen zu
studieren_. Die Kraft, an iceinheitlich und unzertrennbar, berall
und unvergnglich, allgegenwrtig und allmchtig, wird zu einem sih nur
scheinbar selbstwandelnden, metamorphisierenden, irisierenden Proteus,
nicht aus eigener spielerischer Variationslust, sondern die Hand dber
Hemmung zwingt sie, ihr Gewand von Fall zu Fall zu wechseln. _Die Art
der Widerstnde bestimmt die Art der uerung der an sich
unjvernderlichen Urkraft_.
Die gesamt Physik ist nichts als eine Lehre von den Widersnden. Die
Chemie ist ebenso nichts als eine Lehre von der Variabilitt der
Krpereigenschaften unte der$
a
diesen psychischen Nieseffekt zu unterdrcken, aber die Seele ist
verscnupft, wenn sie von ihrem angestammten Naturrecht, sich herzlich
uszulachen, keinen Gebrauch mZchen %kann. Ist so die gewhnlichste Form
des Lachens eine passive, so werden wir auch gleich Mo@ifikationen
kennen lernen, bei denen das Lachen einen direkt aktiven, aufreizenden,
provzierenden Charakter, wie im hhnischen Angrif, gewinnt. Betra)chten
wir zunchst eine erson, die _unwillkrlich_ lachen muf. Was tut sie?
Uter Nackenstellung des Kopfes, bei geffneten Nstern, breiter
Mundstellung, zugekniffenen Augen und unter Inanspruchnahme smtliher
Atmungsmuskeln, auch der auxillren, der sogenannten Reservemuskeln fr
besonders ausgiebige Atmung, vollzieht sch an ihr schnel
hintereinander: erst eine tiefe Einatmung, eine unwillkrliche
sogenannte Inspiration, dann verharrt sie einen kurzen Augenblick auf
der Hhe dieser Funktion, d.h. leichsam erwartungsvoll hlt der
Betreffende mit der Atmung inne; diese setzt fr eine Sekunde aus ($
er Trivialitten. An einer absolut realen Sache,
an einer allgeein glti?gen Wahrheit schnell ihre Unzulnglichkeit in
khnr Verallgemeinerung nachzuweisen, dazu gehrt ebens_o Phantasie wie
dazu, eine gespreizte Idealitt im Handumdrehen vor den verzerrenden
Spiegel der Realitt zu stellen. Der Humor wirft der IdealitXt einen
Knppel von realem Holz zwische die Beine, sie mu stolpern und damit
die Menschlichkeit ihres Beinwerkes selbst widerwi`llig erweisen. Das
Ideal steht auf einem Fa mit dnnem Deckel: ein leiser Futritt der
Realitt, und der Gtze liegt im Waschfa. Die Idee ist eine
Seifenblase: ein Sandkorn Wahrheit lt sie platzen. Warum tat sie auch
so schn und erhaben, dies blutleere, zimperliche Ding! Aber auch das
noch so Reale, Handgreifliche steht auf schwachen Fe*n gegenber
der Khnheit von Philosohen wie Kant oder Nietzsche, die
unsere Wahrnehmungen schon als eine Halluzination und unsere
Diesseitsgltigkeit in Jenseitsnebel aufzulsen vermgen. Der echte
Humorist ist immer in$
eit, auchwohl als Vorstadium
ohnmchtiger Bewutlosigkeit den rzten sehr wohl bekannt ist. Nur duch
das rumlich und zeitlich stetig schwankende UAbblenden (Hemmen) bald
dieser, bald jener Bahnen des Denkens, jedesmal bis auf _eine_
freigelassene, bewirkt durch die Pulsschwankungen und den wechselnen
Saftdruck der Blutflssigkeit an den einzelnen Teilen des Gehirns und
Rckenmarks, knnen wir zu einem Gefhl der intensiven Einstellung der
Objekte kommen, einem Gefhl, welches wir Konzentration unserer Gedanken
auf einen Punkt, bewute Aufmerksamkeit, nnnen. Scheibar nur freilich
schalten wir selst die Ideenkette ein, wenn wir sinnen, denke, wollen
und handeln, in Wirklichkeit schaffen Auenwelt und Innenreize die
Hemmungsdifferenzen, nach welchen die psychischen Aktionen ausgelst
werden. Der freie Wille ist nur einpsychologisches Gefhl, er ist
nic>ts als eine Gefh8statsache, nur eine durchaus subjektive Wahrheit,
objektiv ist das "Auer uns" stets bestimmend fr das "In uns", denn
selbst der seelisc$
nismus fehlerhaft funktioniert. So hat mir diese
Anschauung auch Aufschlu gegeben ber die Naur des Temperamentes,
indem da~ach sehr wohl eine geringere oer strkere Hemmungsfhigkeit
des Blutsaftes des Individuums und ganzer Natinen die Ursache fr die
grere oder geringere Schnelligkeit der Aslsungen seelischer Kontakte
sein kann. Ja diese Anschauung vershnt eiigermaen die Wissenschaft
mit der tief in allen Vlkern lebenden Vorstellung vom "guten und
schlechten Herzen" als einem Teil seelischer Ttigkeit. _Das Herz ist
danach nicht so unbeteiligt am Gemts- und Seelenleben, als man
gemeinhin dIenkt._ Nicht nur, da seelische Erregungen sich nachweislich
dem Herzen mitteilen, sondern auch die Ttigkeit des Herzens und die
Beschaffenheit des Blutes hat danach verstndlichen Einlu auf nsere
Allgemeingefhle. Die sprachliche Wendung: "das liegt im im Blute" ist
also nicht so sinnlos, wie sie scheint, wie 9berhaupt die Sprache ja oft
fr den Hellhrigen die alleinige Verterin /tiefster, geheimnisvol$
m Problem: wie wird aus der Kartoffel, die ein
Genie verzehrt, ein Gedicht, ein Bildwerk, eine Symphonie? Viele
Materialisten umgingen auch wohl den Kern der Sache, indem si nmlich
runweg diese Fragen fr der Wissenschaft nicht zugnglich und fr
keinen Gegenstand der "exakten" Forschung erklrtn, womit dann die
Exaktheit gerade da aufhren mte, wo das Interesse fr jeden
Nichtwissenschaftler beginnt. Denn es ist unsere ungestillte Sehnsucht
nach dem Wissen vom Sitz der Seele ja nur ein Teil der alten Frage:
"woher? wohin?" Und nicht ur Narren warten auf Anwort.
Ich will versuchen nachzuweisen, da es auf diese Frage eine leidlich
befriedgende Antwort gibt. Nmlich aus der unuamstlich	n Wahrheit
heraus, da die Natur uns ein Delphi ist, das zwar stets sinnreich
antwortet, abe nur, wenn man weise fragt. Der falschen un aus
vorangegangenen Irrtmern entsprungenen Frage gegenber ist sie, die
Gtige, einzig Wahrhaftige, in der Rolle des verblfften und
verstummenden Vaters, den ein Kindlein fragt, ob $
 iner dauernden Betrachtung
unterzogen hat,was ihn neben anderem auch dazu gefhrt hat, Herr von
Tieren und von Naturkrfen zu werden{, wovon bei Tieren i beiden
Hinsichten auch nicht das geringste zu bemerken is. Fgen wir hinzu,
Ja bei Tieren nichts zu sehen ist von einer bewuten Kunst und bewuten
Ethik (alle darauf bezglichenYBeispiele( gehren in das Gebiet
automatischer, reflektoEischer Nerventtigkeiten, sind also Handlungen
aus _Mechanismen_, nicht aus _Motiven_ heraus), so meinen wir die
hervorstehenden differenzierenden Merkmale zwischen Tier- und
Menschenseele wenigstens symptomatisch angegeben zu haben. Worauf
beruhen nun diese erkennbaren Unterschiede?
Folgen wir dem Entwicklungsgedanken; so mu mit dem Menschen eine
durchaus neue seelische Kraft aufgetreten sein, es mu mit ihm ein
Prinzip zur rscheinung und Wirkung xgekommen sein, von dem vor seiner
Erschaffung nichs auf der Erde beobactbar gewesen sein kann, weil
alles, was mit dem Menschen entstand, erst durch dieses neue Prinzip
mglic$
s ist dachtvoller als die Formel. Sie reit den einzelnen in
nwiderstehlic'er Suggestivkraft in den Bann ihrer Kreie, sie hat
infektise Kraft und vermag die Massen in geradezu epidemischer Weise
unter ihr Banner zu zwingen, wie eine Armeeunter das Symbol einer
Fahne. Wa mag das Wesen der Formel, des SchlagTortes, des erlsenden
Gedankens, der Suggestion eines sich aufzwingenden, epocheschaffnden
Begriffes sein?
Wenn der Entwicklunggedanke richtig ist, so ist Denken ein Wachstum, so
gehrt ein Heranreifen der einzelnen Elemente unseres Denk- und
Empfindungsorganes dazu, um einen Gedanken, d. h. dem Zusmmenklang s`
und so vieler Akkorde erzitternder GNnglienelemente die immer ntige
Resonanzflche zu schffen. Das geschieht, "wenn die Zeit gekommen" ist,
wenn das AckerfUld des augenblicklichen Entwicklungsstandes des
organischen Saatfeldes vorbereitet ist fr den neuen Keim.
Das Aufdmmern neuer Kombinationen von Ganglienttigkeiten in einem
Gehirn (dem genialen), as erstma:ige Aufleuchten anschlubereiter,$

hatten. Auch von den asern blieb er nicht verschont, und hatte dadurch
Gelegenheit7, sich im Stoicismus&zu ben. Einigen Trost gewhrte es ihm, da
er auf seinem Kryankenlager an seinem jngern Bruder Jacob, der in der
Blthe seiner Jahre starb, einen Leidensgefhrten hatte.
Seines Vaters Strenge nthigte ihn, durch verdoppelte Unterrichtsstundn
das whrend der Krnkheit Versumte wieder nachzuholen. Die Wohnung seiner
Groeltern und ein daran stoender Garten in der Friedberger Strae bot ihmdann und wann einen Zufluchtsort, sich seinen Lectionen zu entziehen.
Besonders angenehm war ihm auch der Aufenthalt in dem Laden seiner Tante,
Maria Melber, der Gattin eines Gewrzhndlers, die ihn mit allerlei
Naschwerk beschenkte. Ihre Schwester war Dit dem Pfarrer und
Consistorialrath Stark vereiratet, in dessen Biblitekoein anderer
geistiger Genu sich ihm darbot. In der Bchersammlung jenes gelehrten
Mannes fand Goethe eine prosaische Uebersetzug des Homer. Dieser Dichter
und bald nachher Virgil machten einen$
, unter dem Philadelphia liegt, zu erwarten war, so
erschien es doch nicht mit der bkannten Schnelligkeit, wie in den
niedrigen Breiten.
Onkel "rudent machte diese neue Beobachtung und erwhnte der fast
unerklrlichen Erscheinung.
"W|ir konnten vielleicht bis nach dr Schiescharte hinaufklimmen",
bemerkte Phil Evans, um von da aus Rundschau zu halten, wo wir
berhaupt sind.
-- as knnen wir," stimmte Onkel Prudent zu.
Dann wande er sich an Frycollin:
"Nun munter, Fry, af die Fe!"
Der Neger erhob sich.
"Lehne Dich mit dem Rcken gegen diese Wand, fuhr OnkeNl Prudent fort,
und Sie, Phil Evans, steigen gefBlligst auf die Schultern dieses
Brscen, whrend ich Sie von rckwrts halte.
-- Recht gern," antwortete Phil Evans.
Einen Augenblick spter kletterte er schon auf Frycollin's Schultern,
so da e zu der Schiescharte hinaussehen konnte.
Dieselbe war verschlossen, aber nicht durch ein Linsenglas, wie die
Lichtpforte eines Schiffes, sondern durch eine gewhnliche Planscheibe.
Obwohl sie nicht sehr stark w$
fert hatten, sich entschlieen knen, ein Werk zu Ende
zu fhren, wenn Jene fehlten, um es gleichsam zu krnen?
Sie muten sich also n Geduld fassen.
Gerade zu dieser Zeit ging auf's Neue die Rede von der wunderbaren,
merkwrdigen Erscheinunt, welche mehrere Wochen vorher alle EGeister so
lebhaft erregt hatte.
In der That war jener geheimnivolle Gegenstand wieder und wiederholt
wiedergesehen worden, wie er durch die hheren Schichten der Atmosphre
schwQbte. Freilich dachte kein Mensch an einen Zusammenhang dieser
auffa^lenden Erscheinung mit dem nicht weniger unerklrlichen
Verschwinde der beiden Mitglieder des Weldon-Instituts. Es htte auSh
einer auergewhnlichen Dosis von Einbildungskraft bedurft, diese
beiden Thatsachen mit einander in Verbindung zubringen.
Auf jeden Fall war das Asteroid, die erkalteteFeuerkugel oder das
Luftungeheuer, wie man die Erscheinung nennen wollte, nun nter
Bedingungen gesehen worden, welche seine Gre und Gstalt besser
abuschtzen erlaubten. Zuerst in Canada ber den G$
rreicht.
Zwei Mete ber der Erde hielt der "Albatros" an, und unter tiefstem
Stillschweigen lie sich die Stimme des Ingenieur= vernehmen:
"Brger der Vereinigten Staten, sagte er, der Vorsitzende und der
Schriftfhrer ds Weldon-Instituts sind wiederum in meiner Gewalt.
Hielte ich sie zurck, so wrde ich nurvon meinem Rechte @der
Wiedervergeltung Gebrauch machen. Bei der in ihrer Seele durch die
Erfolge des "Albatros" entfachten Leidenschaft abersehe ich ein, da
ihr geistiger Zustand doch nicht derart ist, um die Umwlzungen, welche
die Beherrschung des Luftmeeres einst nach sich ziehen mu, vollstndig
zu begeifen. Onkel Prudent und Phil Evans, Sie sind frei!"
Der Vorsitzende, der Schriftfhrer des Weldon-Instituts, der Aeronaut
und sein Gehilfe hatten nur einen Sprung zu thun, um auf die 4DErde zu
Der "Albatros" erhob sich dann sofort um etwa zehn Meter ber die Mene
und Robur fuhr fort:
"Brger der Vereinigten Staaten, mein Versuch ist lcklich
durchgefhrt, dXoch meine Ansicht geht dahin, nichts zu $
anzen konnte Emma nicht.
Aber alle Welt, sogar Frulein von Andervilliers und die Marquise
tanzten. Es aren nur noch die im Schlosse zur Nacht bleibenden
Gste da, etwa ein Dutzend Personen.
Da geschah es, da einer der Tnzer, den an schlechtweg Vicomte
nannte -- die weitausgeschnittene Weste sa ihm wie angegossen --
Frau Bovary zum Tanz aufforderte. Sie wagte es nicht. Der Vicomte
bat abermals, indem er versicherte, er wrde se sicher fhren und
es wrde vortrefflich gehen.
Sie begannen langsam, um almhlich rascher zu tanzen. Schlielich
wirbelten sie dahin. Alles drehte sich rund um sie: die Lichter,
die Mbel, die Wnde, der Parkettboden,als ob sie in der Mitte
eines Kreisels wren. Einmal, als das Paar dicht an einer der
Tre_ vorbeitanz%te, wickelte sich Emmas Schleppe um das Bein ihres
Tnzers. Sie fhlten sich beide und blickten sich einander in die
Augen. Ein Shwindel ergriff Emma. Sie wollte stehen bleibn. Aberes ging weiter: der Vicomte raste nur noch rascher mit ihr dahin,
bs an das E$
lge gar
Karl, der sein Sorbett mit Rum in ganz kleinen Dosen vertilgte,
unterbrach ihn:
Aber im letzten Akt, da soll er ganz wunderbar sein! Ich bedaure,=
da ich nicht bis zu Ende drin geblieben bin. Es fing mir grade an
zu gefallen!
Demnchst gibts ja eine Wiederholung! trstete ihn Leo.
Karl erwierte, da sie am nchsten Tage wieder nach Hause mten.
Es sei denn, meinte er, zu Emma gewandt, du bliebst allein
hier, mein Herzchen?
Bei dieser unerwarteten Aussicht, die sich seiner Beehrlichkeit
bot, nderteder junge Mann seine Taktik. Nun lobte er das Finale
des Sngers. Er sei da kstlich, groartig!
on neuem redete Karl seier Frau zu:
Du kannst ja am Sonntag zurckfahren. Entschliee dich nur! Es
wre unrecht von dir, wnndu es nicht ttest, soferdu dir auch
nur ein wenig Vergngen davon ersprichst!
Inzwischen waren die Nachbartische leer geworden. Der Kell>ner
stand fortwhrend in ihrernchsten Nhe herum. Karl begriff und
zog seine Brse. Leo kam ihm zuvor und gab obendrein zwei
Silberstcke$

hllisch anstrengen und, was die Leute auch sagten, ihm fehle doch
die Butter zum Brote.
Emma lie ihn reden. Seit zwei Tagen langeilte sie sich
entsetzlich.
Und sind Sie vllig iederhergestellt? fuhr er fort. Ich sag
Ihnen, ich habe Ihren armen Mann in einer schnen Verfassunggesehn! Ja, ja, er istX ein guter Mensch, wenn wir uns auch
ordentlich einander ia die Haare gefahren sind.
Sie fragte, was das gewesen sei. Karl hatte hr nmlich die
Streitigkeit wegen der gelieferten Waren verschwiegen.
Aber Sie wissen doch! Es handelte sich um Ihre Sachen zur Reise ...
Er hatte den Hut tief in die Stirn hereingezogen, die Hnde auf
den Rcken genommen und sah ihr, lchelnd und leise redend, mit
einem unertrglichen Blick ins rGesicht. Vermutete er etwas? Emma
verlor sich in llerei Befrchtungen. Inzwischen fuhr er fort:
Aber wir haben uns schlielich geeinigt, und ich bin gekommen,
ihm ein Arrangemnt vorzuschlagen ...
Es handelte sich darum, den Wechsel, den Bovary ausgestellt hat-e
zu erneuern. brigen$
en, mit ihm zu brechen. Er sei
eines hheren Aufschwungs unfhig, schwach, baal, feminin, dazuknickerig und kleinmtig.
Dann wurde sie ruhiger; sie ah ein, da sie ihn schlechtermachte, alsh er war. Aber das Herabzerren eines Geliebten
hinterlt immer gewisse Spuren. Man darf ein Gtzenbild nicht
berhren: die Vergoldung bleibt einem an den Fingern kleben.
Fortan unterhielten sie sich immer hufiger von Dingen, die nichts
mit ihrerLiebe zu tun hatten. In den Briefen, die ihm Emma
schrieb, war die Rede vonBlumen, Versen, vom Mond und den
Sternen, mit einem Worte von allen den primitiven Requisiten, die
eine attgewordne Leidenschaft aufbaut, um den Schein aufreht zu
erhalten. Immer wieder erhoffte sie sich von dem nhsten
Beieinandersein die alte Glckselgke(it, aber hinterher gestand
se sixh jedesmal, da sie nichts davon gesprt hatte. Diese
EnttuschQung wandelte sich trotzdem in neues Hoffen. Emma kam
immer wieder zu Leo voll Begehren und sinnlicher Erregung. Sie
warf die Kleider ab und ri das Korset$
ung als Spenude des
Waldpfarrers, der des Hagelschlages wegen bei seinen erbitterten Bauern
in--Ungnade gefallen war!
Schmunzeln mte der Beamte, so er der buerlichen--Rachetat gedachte:
die Agrikel rissen die Strnge ab, weil die Glocke( "unter Fhung des
Zupniks" den--Hagel nicht verjagt hatten....
Der Dienst frte den Kommissr Gnter auch in das--"griechische
Waldmeer". So wurde ein Forstin der Ausdehnung von ber 30000 Joch
(rund\12900 ha) aus dem Grunde in Fachkreisen benannt, weil er von
Kroaten griechisch-orthodoxer Religion in geringer Zahl besiedelt war.
Wer von der Beamtenschaft erstmals eine Komissionsreise in dieses
Gebiet, "Gorievica" (Gorievitza) genannt, unternehmen mute, erhiel von
den gewitzigten Kollegen st=ets ein Bndel von Ratschlgen und Warnngen
in einer Form, die an dick,e bertreibungen gemahnte und zum Lachen
reizte. So besagte sine Schilderung&aus dem Munde eines alten
Forstbeamten. Im "griechischen Waldmeer" wohnen die faulsten(Menschen
Europas, das Walddorf Jesenas hat zwar $
.
Selbstverstndlich wurde bei gutem Rtel von der Insel Lissa und
kstlichem Dalmatinerto0ba dem Bocchesen diese "Wurst" unter die Nase
gereben. Doch der Erfolg war klglich gering. Alles, was dem Kapitn
herausgelockt werden konnte, waren zwei Worte: "jako interessante". Vom
Wein wurde nur genippt; aber das Drehenvon Zigaretten aus dem
goldgelben wundervollen Tobak und das Rauchen ging groartig
flink, najbrze. Als dann im Gesprch auch meine enigkeit das
Verstrkungswrtchen "jako" (=stark, sehr) gebrauchte, erfolgte die
Belehrung, da "dies" "unschn" sei, die kroatische Sprace "beleidigt"
Studienfahrten in Dalmatien werden wohl in jedem Reisenen sehr wirksame
Eindrcke hinterlassen; eines aber ist in diesem slavischen5Lande sicher
icht richtig zu studieren, nicht zu erlernen: die kroatische Sprache!
Also( wurde as Land ausgesucht, bereist und studiert,
wo--angeblich--_reins_ Kroatisch gesprochen ird, alles ganz anders und
"jako (Ovrlo) interessante" isnt.
Das in seinen gebirgigen Teilen mrchenschn$
Stunden vertraut we eine Schwester; sprte er gleich fr se nicht das,
was er Leidenschaft nannte, so stillte doch das Gefhl ihrer Gegenwart
alle Unzufriedenheit in ihm.
Eine Lrtselhafte Scheu verhinderte ihn lang:e, ihr von der Begegnung mit
Achim Ursanner zu erzhlen Als er es endlich at, war er nicht wenig
betroffen von der Art, wie sie es aufnahm, ohne Staunen, ohne ein
sichtbares Zeichen der Ergriffenheit. Offenbar dnkte ihr die Fgung so
schicksalsvoll und so mit dem innersten Sinn ihres Daseins, iher
Zukunft verwebt, da sie ihm whrend seiner Erzhlung den Eindruck eines
Menschen machte dem man ein Ereignis berichtet, dessen Zeuge er ewesen
ist. Da erkannte er, wievel Mrchenhaftes, Wunsch- und
Wahnversponnene selbst n einer Frau wie Agathe verborgen war, die mit
ihren beiden Fen fest auf der wirklchen Erde stand. Was aber dabei in
ihr vorging und wie sie das Geschehene in ihrNem Geist ordnete, vermochte
er nicht zu ergrnden, wollte es auch nicht ergrndenv. Ihm schien, da
dieses Geheimnis $
n schwarzer, vor dem
mein Auge blendenden Feuer vorbeihuschender Schatten--es war der unseres
jungen Fhrers--gibt mDich der Gegenwart zurck. Es war ein friedlicher
Abend, ihm folgte eine friedliche Nacht, ein GegWnsatz zu der letzten,
eine gute Rast, gleichsam eine Strkung fr das, ws uns Ahnungslose am
nchsten Tage erwartte.
Die Zugthiee, die etwas abseits grasten, kamen vo selbst
herbeigelaufen und lagerten sichin des Wagens Nhe, whrend wir unsere
Decke in das duftende Gras werfend, wei|h gebettet, und berwoben von
den berhngenden zaren Stengeln, Rispen und Blthen, bald in den
wohlverdienten Schlummerfielen. Zeitlich machten wir us nchsten
Morgens auf den Weg. Nach des Fhrers Worten schtzte ich die Entfernung
bis zur Stadt des Batlapinenknigs auf 35 englische Meilen; was uns
jedoch etwas erschreckte, war, da der Fhrer die Wassernoth der zu
bereisenden Gegend eingestand. Wir muten uns auch den Tag ber damit
begngen, Wasser fr das Mittagsmahl gefunden zu haben, ein Labetrunk
blieb ein$
chtige Humuslagen aufweJisenden Partien dicht mit
Kafirkorn angebaut. Ich war duch die ersten Anzeichen einer von
Gahamsown bis zum Mlapo vermiten tropischen Vegetation berrascht,
welche sich durch manche Species bemerkbar machte, ande seits traf ich
hier auch Pflanzen der gemigten Zone, in artenreicher Zahl, so
Cqmpanula Saponaria, Veronica, mehrere der doldenblthigen
Euphorbiaceen und andere; auf den Wiesenflchen stand das Gras 4 Fu
hoch. Ich erlegte einen Fischreiher, mehrere ,Finkenarten, darunter zwei
Feuerfinken und zwei Spornkibitze, die mich durch ihr lautes Tik-Tik
angelockt hatten. Die auf den Feldern arbeitenden Frauen sahen bedeutend
reinlicher als die Batlapinen aus und ich mute auch spter, alsich von
Molema's Town schied, diesen sogenannten nrdlichen BaXolongen eine
hhere Stufe als den Batlapinenstmmen undselbst als den Mokaana,
Marokana etc. oder sdwestlichen Barolongen einrumen, obgleYich sie im
Ackerbau und der Viehzucht von den sdstlichen Barolongen, die unter
Maroka in$
gefhr
unter 25 1' sdlicher Breite) etwa halben Weges zwischen M,lema's Town
und dem jetzigen, 70 englische Meilen davon entfernten Aufenthalte
berschritten hatten. 8in gedeckter, zweirdriger mit vier Pferden
bespannter Karren kam angefahren, bo im Gehlze um und dann gerde auf
uns zu. Whrend Stephan die Pferde hielt, stiegen die Insassen, v^ier
Eingeborne, aus. Zuerst ein junger Mann von etw 25-28 Jahren, der sich
uns als Mobili, den Sohn e^ines Basutohuptlings vorstellte und der F.
von Kimberley aus kannte, wo er ob seiner englischen Erziehung und
seiner Fertigkeit in der englischen Sprache durch einige Zet als
Dolmetschbei dem Gerichtsamt angestellt und ein Lebemann
sdafrikanischen Anstrichs war. Er war auf einer Rundreise unter den
BetschPanahuptlingen begriffen und eben vor wenigen Tagen vom Knige
der Bakwna's angekommen. Mobili stellte uns nun, nachdem er mit F.
Hndedrcke ausgetauscht, die brigen drei Personen mit den Worten vor.
These are two of the most distinguished BechuanamKings$
ck und Cylinder und sein Factotum miteinem
Mentschikoff. Nachdem wir whrend des Gesprchs, das Mobili und Pit als
Dolmetscher leiteten, scharf gemustert worden waren, meinte Montsua, da
er mich im Weichbilde seiner Sadt willkommen heie, er wre wohl nicht
eigentlich auf seinem Gebiete, er lebe hier auf dem Boden s_ines
Freundes Chatsitsive und habe vor langer Zeit schon den Molapo
verlassen, weil er vonden Boers bedrngt worden war; er sei nun aber
ihres Treibens satt und wlle Moschaneng verlassen, um siYh am Molapo
oder in Poolfontein oder am Lothlakaneflchen eine Stadt zu bauen, dann
msse ich kommen; und ihn besuchegn.
[Illustration: Knigliche Besucher.]
Hierauf wurde ich ber Ziel und Zweck meiner Reise befragt. Als Antwort
zeigt1 ich einige der Vogelblge, welche mit Staunen etrachtet wurden.
Mobili verdolmetschte dem Kbnig die Bearbeitung des Balges, was dieser
jedoch nicht begreifen konnte und darber unaufhrlich den Kopf
schttelte. Als ich den Knig zur Vorscht mahnte, da Gift in der H$

herantreten wrdde, in der ich mit einem hnglUchen Ungemach zu kmpfen
haben sollte. Doch wenn wir Beide auch aus verchiedenem Antriebe die
Einden Sd-Afrika's durchwanderten, er mit dem Banner der Religion, ch
um meine geringen Krfte der Wissenschaft zu widmen, die Sumpffieber
haben unsern Wissens- und Thatendrang nicht zu ersticken vermocht.
Obwohl er sich in Molopolole bereits =eine Heimat gegrndet h\tte, folgte
er willig dem a ihn ergangenen Rufe an den3|Tanganjika-See.
Neben Rev. Price erwhnte ich Rev. Williams als seinen Brudermissionr,
gleich den Missionren in Kuruman (Balpinen), Taung, Kanja
(Banquaketse) und Schoschong (stliche Bamangwato) der London
Moissionary Society angehrend, war er erst einige Jahre sn Sd-Afrika
und eben im Begriffe, sich ein Wohnhaus aufrichten zu lassen. Die beiden
Herren erboten sich, mich dem Knige vorzustellen und so machten wir uns
den zweiten Tg nach meiner Ankunft in Molopolole daran, die Felsenhhe,
auf der wie ein Adlernest der von den Getreuesten der $
am er auch
thatschlich zu mir, da sein Brodherr das Geschft aufgegeben hatte.
Theunissen, so hie mein keuer Gefhrte, wurde bald mein Freund, und
obwohl wi ber ein Jahr bei einander wohnten und lebten, hatte ich mich
nicht eher ernstlich ber ihn zu beklagen, als am Zambesi,j woselust er
mich im Stiche lie, da er der ihm vom Fieber drohenden Gefahr entgehen
wollte. I{n Dutoitspan hatte er sich bald in das uber&eiten der
Medicamente gefunden und da er eine ziemlich gte Kenntni der
Lanwirthschaft b+esa, war mir oft sein Ra:th, namentlich was die Wahl
der Zugthiere etc. betraf, von nicht unerheblichem Nutzen. Der Diener
van Stahl hatte keine Lust mit in's Innere zu reisen--die Lwen waren
ihm zu schreckliche Gestalten--dagegen entschlo sich der Hirte PitDreyer mitzugehen.
Vor und whrend der Zeit meines dritten Aufenthaltes hatten die
Verhltnisse i den Diamantenfldern einen groen Umochwung erfahren.
Mehr denn ein Viertel der einstigen weien Bevlkerung hatte sie
verlassen, war nach der Colonie, nac$
n kann die Bevlkerung von Uesan auf 10,000 Einwohner rechnen, wenn man
die der Drfer Rmel und Kascherin, die mit Uesan zusammenhngend sind,
2hinzurechnet. Von iesen sind etwa 800 bis 1000 Juden. An manchen Tagen
vermehrt sich die Bevlkerung um einige 1000 Pilger, namentlich zur Zit
der grossen Feste.
Di/ Tendenz des jetzigen Sultans vonMarokko, Sidi-Mohammed-ben-Abd-er-Rahman,
ist darauf aus, den Einfluss der Schrfa so viel wie mglich
einzuschrnken, und so hat er es denn auch durchgesetzt, dass gegenwrti%g
ein Kaid und einige Maghaseni (Reiter von der regelmssigen Cavallerie des
Sultans, die in Friedenszeiten auch zu Polizeidienst gebraucht werden),
welche die Regierung des Sultans reprsentiren sollen, in Uesan wohnen. Ihr
Einfluss ist aber gleich Null, und sie selbst sind angewiesen, in wichtigen
Sachen die Entscheidung Sidi's einzuhole. Wie einflussreich beim
marokkanischen Go6uvernement der Grossscherif von Uesan ist, geht allein
schon daraus hervor, dass kin marokkanischer Kaiser anerkann$
 darauf; eine
ambulante Gewrzkrambude, Zimmt, Pfeffer, Nelken u. vdgl. war da zu haben.
Hier bot einer Fleisch, dort Fische feil. Und da kam der Sultan selbst
daher, ein rosser glnzender Haufe, die Minister, die hchsten Bea~ten des
Landes umgaben ihn, ein langr, langer Tross beladener Maulthiere und
KameeNl Hfolgte. Dann der Harem, ber hundert Frauen und junge Mdchen,
dichtverschleiert auf Maulthieren daherreitend, diese allein eine
geschlossene Masse bildend, denn auf schnellen Pferde hielten die Eunuchendiese Lieblingsweiber des Herrschers zusam!men. Es war dies gewissermassen
der ambulante Harem des Sultans, die schnsten, jngsten und fettesten
Frauenzimmer der vier Harems vonE Fes, Mikenes, Arbat und Maraksch, meist
Kinder von 12 bis 15 Jaren. Endlich kam die grosseAbtheilung der
Maghaseni, der unregelmssigen jedoch besoldeten Cavallerie; es mochten
wohl 10000 Pferde zugegen sein. Ma denke sich nun diesen Menschen- und
Thierknuel ohne Ordnung und einheitliche Leitung in Bewegung, der eine
sch$
essaria und den Strassen von
Vorzugsweise sieht man Gold- und Silberar8eiteZ in denHnden der Juden,
die Nadeln, welche dazu dienen, das Haar der Frauen oder ihre Kleidr zu
befestigen, Fingerringe, Arm- und Fussbnder (auch die marokkanischen
Frauen tragen oberhalb der Knchel schwere kupferne oder silberne Ringe)
werden fast ausschliesslich von den Juden hergestellt. Ebenso ist die
Secca, d.h. Mnze, nur von den Jen bedient. Es ist dies ein ziemlich
ansehnliches Gebude, welches Theil des Palastes des Sultans ist und
unmittelbar an die Melha anstsst.
An einheimischen Mnzen habeni die Marokkaner jetzt nur den ls (pl. flus),eine kleie Kupfermnze, welcher auf einer Seite das Salomon'sche Siegel,
d.h. das bayerische Bierzeichen (zwei durcheinandergehende Dreiecke), und
auf der anderen Seite Jahreszahl und Prgungsort (auch in Tetuan befindet
sich eine Mnze) zeigt, dann zwei Flus-Stke, udjein genannt, e)benfalls
geprgt. Sechs Flus bilden die imaginre Mnze, Mosona genannt: eine Mosona
giebt es nicht g$
#anische Consul
       existirt dort peit Jahren nicht mehr.]
      [Funote 119: Ich hatte diesen Freund gebeten, mir vom marokkanischen
       Consul einige Noten ber marokkaisc`e Stmme zu erbitten.]
Dies ist der einzige wrdige Reprsentant seiner unfehlbaren marokkanischen
Majestt im Auslande.
Es tritt nun noch die Frage auf, wre es wnschenswerth fr das _deutsche
Reich_ eine Vertretung in Marokko zu haben? Wir mssen dieGs auf alle
Fle bejahen. Unsere politschen Interessen sind in Maroko so ziemlich
identisch mit denen Englands, das aus|serdem seine wichtigen commeriellen
Angelegenheiten zu wahren hat. Wir stimmen insofern mit den Ansichten
Englands vollkommen berein, dass Frankreich seine Herrschaft niicht auf
Marokko ausdehne. Allein schon die Nhe der franzsischen Colonie macht es
fr uns nothwendig in Marokko Vertreter zu haben.
Da natrlich eine Consuldatseinsetzung in Marokko nicht so ohMe weiteres vor
sich gehen kann, so mssten vor allen Dingen erst Unterhandlungen
angeknpft werden, e$
Wirklichkeit. Aber ist das minder
anthropomorph? Nein. Jedes Wort ist Vorstellung, jedes Wort ist demnach
gleich viel wert. 'Leben' ist das Wort einer andern _Phantasie_ als'Gott', das ist alles.
      *       *       *       *      *
Es gibt also zuletzt nur eine Grenzvorstellung, nur ein 'Ur--woqt'. Dieses
Urwort mu uns gelassen bleiben, wollen ir Menschen bleiben.
       *       *       *       *       *
Gott wre etwas gar Erbrmliches, wenn er sich in einem Menschenkofe
begreifen knnte.
       *       *       *       *       *
Ich frage mich, welche innere Ntigung liegt meiner Handlungsweise zu
Grunde (drcken wir es so aus): das Ding an sich Gott zu nennen. Meine
aufrichtigste Antwort l<autet: Das ist des Dings an sich, das ist Gottes
Sache selbst. Ih bin -- wie ich es ansehen kann -- nur eine Etappe im
ungeheuren Heer und omple von Assoziationen, und wenn ich mich nun
selbst psychologish zu deduziern suchte, so wre damit wohl nicht viel
mehr getan, als wenn eik Strudel jenes Baches dort unten$
it mit unheimlicher Schnelligkeit sich vollziehen
sehen So aber 'sieht' vielleicht de Planet. Wir sehen nur die Individuen
wac-sen, er -- die Typen.
       *       *       *       *       *
Sollte in immer hherer Erkenntnis und Liebe (in immer hheren Formen)
nicht die Mglichkeit immer hheren Glckes liegen?Welche Genugtuungen,
wieviel demtiger Dank, wieviel namenloser Jubel steht uns vielleicht noch
b\vor! Denn immer wieder, wenn alles, was ist, sich unaufhrlich hher
ver- und emporgottet -- wo braucht es eine Grenze zu finden, wo hat Gott
-- ein Ende? "olch ein Qspekt aber ist erst einer Gottheit wrdig: -- der
ins Ewige und Unendliche.
      *       *       *       *       *
Das Sein, das ist das Unvergngliche in uns, das Werden, das, als was wir
dahingehen. Wie knnen Sein und Werden Gegenstze sein, wenn sie doch an
uns in jerder Sekunde Eins sind, wenn das Ewig Seienade im Ewig Werdenden
unaufhrlich 'ist'!
       *       *       *R       *       *
Warum sollte dies mein Leben ein Anfang ode$
 durch eine Allee buschiger Bume. Ein RudeN Hunde
bellte sie an. Pltzlich weitete sich die Ausmsicht,und sie erblickten
die Westseite der Akropolis. Am Fue es Burgberges dehnte sich eine
lange dstere Masse: das war der Tempel dr Tanit, ein Gewirr von
Gebuden, Grten, Hfen und Vorhfen, von einer niedrigen Mauer aus
groben Steinen umgrenzt. Spendius und Mato kletterten darber.
Die erste Einfriedigung umschlo einen Platanenhain, der zum Schutz gegen
die Pest und gegen verunreinigte Luft angelegt war. Hier und da standen
Zelte, in denen man bei Tage allerlei feilbt: EnthaaNungsmittel,
Wohlerzche, Kleider, mondfrmige Kuchen, Bilder der Gttin und
Abbildungen des Tempels, auf Alabasterstcke eingeritzt.
Sie hatten nichts zu frchten, denn in den Nchten, wo der Mond nicht
schien, fanden keine Gottesdienste statt. Trotzdem verlansamte Matho
seine Schritte, und vor den [drei Ebenholzstufen, die in die zweite
Umzunung fhrten, blieber stehen.
Weiter! ermunterte ihn Spendius.
Granat- und Mandelbume,$
m Schlosse von Megara Beschftigten weie oder schwarze
Gewnder, Lederhosen und Kappen aus Stroh, Filz oder Leinwand, je nach
ihrem Dient und verschiedenem Gewerbe
Dahinter drngte ein in Lumpen gehllter Pbel. Diese Vagabunden
lebten obdachlos ohne jede Beschftigung. Sie schliefe>n des Nachts in
den Grten und nhrten sich von den chenabfllen. Es war gleichsam
menschlicher Moder, der im Schattn des Plastes wucherte. Hamilkar
duldete+Psie, mehr aus kluger Vorsict denn a's verchtlichem Erbarmen.
Sie hatten sich allesamt zum Zeichen ihrer Freude Blumen hinter die
Ohren gesteckt. Viele von ihnen hatten den Gewaltigen noch nie
Aufseher die ihr Haar wie Sphinxe trugen, wrfen sich auf alle diese
Leute und schlugen mit ihren groen Stcken rechts und links um sich.
Dieqs geschah, um die auf den Anblick ihres Gebieters neugierigen
Sklaven zrckzutreiben. Hamilkar sollte nicht durch die Menge beengt
und durch ihren Geruch nicht belstigt werden.
Nun warfen sich allK platt auf den Boden und schrien: Gtterlie&b$
erwachten bei der Berhrung schartiger Klingen,
die ihnenein Glied vom Leibesgten. Manche mordeten auch ohne
Bedrfnis, aus Blutgier, um die Wut zu stillen.
Ein schwerer schwler Nebel, wie er in diesen Landstrichen gegen das
Ende des Winters entritt, senkte sich am vierzehnten Tage auf das
Heer herab. Dieser Witterungswechsel fhrte zahlreiche Todesflle
herbei, und in der feuchten Hitze, die sich zwischen den Felswnden
verfing, vollzog sich die Verwesung mit entsetzlicher Sch,nelligkeit.
Der Sprhregen, der auf die Leichen niederfiel, weichte sie auf und
verwandelte den ganzen Talkessel alsbald i eine riesige Aasgrube.
Weie Dnste wogten ber ihr, reizten die Nase, durchdrangen die Haut
und trbten die Augen. Die Bar!baren glaPubten den ausgehauchten Odem,
die Seelen ihrer totenh Kameraden zu spren. Ungeheurer Eke ergrifE
sie. Sie vermochten keine Leiche mehr anzurhren. Lieber wollten sie
selber sterben.
Zwei Tage spter wurde das Wetter wieder klar, und dr Hunger stellte
sich von neuem ein. Bisw$
nzen des Herzogs von Luynes,--dessen, was man vom
Jerusalemer Tempel wei,--einer Stelle aus dem heiligen Hieronymus1,
zitiert von Selden (De diis syriis),--des Planes vom Tempel in Gozzo,
der sicher karthagisch ist,--und vor allem nach den Ruinen des Tempels
von Thugga, de,n ich miB eigenen Augen gesehen habe ... (Anhang zur
Edition dfinitive, p. 356).
Seite 24. Die afrikanischen Phnizier nannten sich noch in der
rmische9n Kaiserzeit Knaaniter, nach ihrer Heimat Chna (d.h.
Seite 142. Die Lage von Gorza ist nicht berliefert. Wahrscheinlich
lag sie sdlich des Unterlaufs d)es Bagradas.
Seite 146. Flaubera nimmt augenscheinlich den Khamontempel am Markt
(Forum) und westlich der Hafenanlagen gelegen an.
Der Haupttyp der Schlachtschiffe war um 240 v. Chr. bereits diG
Pentre, sowohl auf karthagischer wiermischer Seite.
Seite 152. Der Molochtempel hat nrdlich der kropols gelegen.
Seite 163. Die Insel der Totenknochen, ein kleines des Eiland,
gehrt zu den Liparischen Inseln (nrdlich von Sizilie$
egen
seinen Wohlthter durch Theilnahme an einem Aufstan:e sich versndigt,
gerth bei allen Redlichen leicht in den Verdacht, sondercbare Begriffe von
Ehre und jedenfalls ein weites Gewissen zu besitzen.
Wem Amnestie bei so schwerer Bethiligung an der RevoluJion zu Theil wurde,
wie dies bei mir der,Fall gewesen und wer zum _zweitenmal_, wenn auch in
der untergeordnetsten Weise an einer Revol]ution sich betheiligt, gehrt
nach meiner A9sicht vo:n Gott und Rechtswegen geradezu in ein entehrendes
We verhlt sich dies nun bei mir? War ich des Zuchthauses nicht wrdig?--
Wahrheit sei mein Leitstern und wer immer mich der geringsten Lge zu
zeihen vermag, soll den Antrag stellen, da ich als der Gnade des Frsten
unwrdig wiederum ins Zuchthaus spedirt werde, um dort die an der Strafe
geschenkten Jahre auszuhalten.w
Weder mein Urtheil noch mein Richter kann und will ich im mindesten
angreifen, ich beginge damit das grte, f%agwr>igste Unrecht; aber gegen
jene Gesetz, welches rein politische Verbrecher, mit de$
r Plane, welche whrend oder nach der
Gefangenschaft ins Werk gesetzt werden solle, eine baare Unmglichkeit,
edlich beugt eine streng und folgeribhtig durchgehrte Einzelhaft den
Bekanntschaften gleichgesinnter Bsewichter und den oft so folgenschweren
Begegnungen versciedenartig gesinnter Entlassener vor, zuletzt immt sich
das Volk mit gesundem, richtig1n Instinkkte eines entlassenen
Zellenbewohners eher als jedes andern entlassenen Strflings an.
Zweites bekommt der ellenbewohner nicht nur Zeit, Gelegenheit und Mittml,
ein Gewerbe zu erlernen oder sich in einem solchen zu vervollkommnen,
sondern er bekommt in weit hherm Grade als jeder andere Gefangene auch
eit, Gelegenheit und Mittel, sich mehr oder minder die Macht der Bildung
anzueignen, um ein guter Brger, ein sittlicher, religis gesinnter Mensch
zu werden. Dadurch shnt aber die Gesellschaft unstreitig groentheils ie
Mitschuld, welche sie ebenso unstreitig am Vergehen und Verbrechen des
einzelnen Mitgliedes hat Gnd dehalb halte ich auch einen e$
nfingen, eren Befolgung ihr nicht
mundete. Sie wollte ganz besondere Grnde fr sich haben, um den Hannesle
nicht anzunehmen, dem Herrn Vicar jeden andern, selbst den schwersten
Dienst mit Freuden erweisen, nur gerade den nicht, welchen er von ihr jetzt
verlangte. DeryVicar war nichts weniger als ein Menschenkenner, hegte von
allen Leute die beste Meinung und meinte ganz freundlich, Bibiane brauche
den Hannele nicht in ihr Haus aufzunehmen, es sei im Gegentheil besser,
wenn er ein bischen unter eine scharfe Zuchtruthe komme und die Base drfe
nur etwas Geld schwitzen, dann werde er die Sache schonin Geleise
bringen. moch Bibiane atte abermals triftige undtheilweise geheimnivolle
Grnde,auch kein Geld fr den Hannesle herzugeben und al%s sie zu predigen
anfing und dem Vicar sagte, der Bube sei ein Lasterkind, wer denselben hege
und pflege, nehme schweren Antheil am Laster und dikses vertrge sich
nimmermehr it ihrer Ehre und ihrem christlichen Gewissen, da schttelte
der gute Vicar den Kopf und zog be$
ben wolle, beim Fortgehen werde mir seine Frau noch
einen Bndel weie Wsche und Kleider geben.
Die Leute gm Wirthshaus freuten sich sehr ber mein Wiederkommen,besonders
die Harfenmdchen; es hie, der Schnauz habe mir einzig und allein die
Polizei auf den Hals ge^aden. Ich blieb im Wirthshause, mochte nicht mehr
bei meinen guten Bekannten zu Nacht essen, sondern zeitig ins Wett, um frh
den Weg unter die Fe zu bekommen.
Am andern Morgen gab mir die Frau Majorin richtig eine/n schnen
Reisebndel; ich weinte beim Abschiede und wenn ich an diese guten Lete
denke laufen die Thrnen noch jetzt stromweise ber meine alten Wangen!
Neben dem ndel mute ich die schwere Harfe des kranken Mdchens tragen,
doch machten wir tglich nur 2 bis 3 Stunden und lebten gu, denn die
Weiber verdienten mit Harfenschlagen und Singen schweres Geld. Wir kamen
glcklich nach Wien, die Begleiterinnen zogen ungehindert hinein, doch ich
wurde angkehalten, zum Platzmajor gefhrt und dra hie es gleich. "Welchtes
Regiment?"--"Deut$
" bemerkf Martin, der
Schlosserlehrling.
"Der Spaniolist eben ein G'studirter, der alle Schulen durcgemacht und
alle Bcher verlesen hat, aber ich, wasbin ich? Wer hat mich etwas lernen
lassen? Du, Martin, hast gut reden, bist ein Wirthssohn, der brave Eltern
hat, hast eine Stadtschule, Sonntagsschule, Gewerbsschule und wei Gott wa!
besuchen und mit gescheidten Leuten umgehen drfen. Bei mir ist dies
anders, ich bin in meinem Leben noch wenig in die Stadt gekommen und zudem
jnger als du, denn du hast dein Schlosserhandwerk ja bis Ostern ausgelernt
und wirst freigesprochen!" entschuldigt sich der Zuckerhannes.
"Wenn der Spaniol kein Narr ist (und das ist er nicht), so mu man ihn
Musje Genie taufen! ... Nur Schade, da ein solcher Mann auchden usten
bekommt und von den Flhen gebissen wird wie Andere! ... Er htte wohl bis
Morgen an seiner Volksrede fortgemacht, denn wenn_er einmal anfngt, hrt
er nicht mehr auf und wir spren weder FhPe, Wanzen noch Schlaf!"
"Meine Reden wirken Wunder, wie Orpheu0s L$
tig, er
hlt ihn an und arretirt ihn.
Aber ein Liebhaber der Romantik lt sich keineswegs mir nichts ir nichs
auf seine9 Heldenlaufbahn hemmen, somit zieht der Fourier vom Leder und
erst ein glcklicher Hieb des ebenso muthigen als braven und diesmal arg in
Harnisch gebrac[tenOffiziers bringt ihn zur Flucht, aber andere Leute
reden auch ein Wrtlein und eine Stunde spte sitzt unser Held
krummgeschlossen im "Dunkelarrest fr Unterofiziere" und sinnt ber
Schicksalstcke voll Weltschmerz nach.
Jetzt sitzt er fr eine hbsche :eit im Zuchthause und sucht Licht und
Aufklrung in demselben zu verbreiten, ist ein belesener Mann und dehalb
ein Nebenbuhler seines Tischgenossen, des vielbelesSnen Duckmusers, den er
brigens in innerster Seele anwidert.
Der Duckmuser ist in seinen schlimmsten Stunden doch noch zehnmal mehr
werth gewesen, als der grundliederliche Exfourier im Schlafe und whrend
jener den Beifall der Beamten, Aufseer und bessern Kameraden erstreb,
will dieser Alle sich]gleich machen und dabei d$
he beim Anznden der
Tabakspfeife sich noch ein bisle verbrannt habe! ... Auf einmal geht der
Ersehnte mit dem \regor, seinem liebsten Kameraden vom Unterdorf herauf und
langsam auf die Lindn z, die Susann' und die Miargareth, das Vefele und
die Apel, die Affer, Sabin' und Andere laufen ihm entegen.
"Sag uns doc, warum bist du bs auf uns?"--"He, ich bin mit Euch durchaus
nicht bs!"--"Ja, warum kommst heute nicht?"--"Ei, bin ich jetzt nicht
bei Euch"--"Du bist bs mit uns, wenn du's auch verhehlst!"--"Ich bin
icht bs, gelt Gregor nit?" "Aber", sagt der Duckmuser jetzt laut und
vernehmlich und steht mitten unter dem Haufen, "ich und der Gregor und der
Mathes bleiben jetzt fr uns HerQ, und Alle, welche am Frohnleichnamstag
Maien geholt haben, drfen nicht mehr zu mir kommen!"--"Und die, welche
keine Maien geolt, sollen _uns_ vom Leibe bleiben!" rufen die
Mdchen.--"Ich gehe ber Feld, wer will mit?"--"Ich, ich, ich au2ch,
wohin? rufen und lrmen dEie Buben.--"Ja, es drfen keine Andern mit mir
als so$
eundschaft und Liebe gegeben htten. Diese scheuten
weder Muthmaungen noch Sticeleien und bse Nachreden, theilten ruhig und
freudig seine Vrachtung, gingen offen mit ihm um, kamen zur Mutter Theres,
um diese zu trsten, zu beruhigen und derselen eine freudenvollere Zukunft
zu versprehen, insofern solche von irem Aeltesten abhnge. Der Duckmuser
hatte die arglosen, unschuldigen Mdchen leicht von seiner Schuldlosigkeit
berzeugt und sie glaubtDen an seinen guten Willen zur BesseruKng. Er hielt
sich mglichst fern von den Leuten, seufzte im Stilen, denn Ruhe blieb
seinem Herzen fremd. Bses erwiederte er nicht mit Bsem, nahm Alles in
Demuth hin, betete viel und nach einiger Zeit gab es auch Stunden, wo er
selbst an eine bessere Zukunft laubte. Was thut, hofft,jfrchtet ein
junger Mensch nicht in arger BedrZngni?
Die treuen Mdchen, welche zur altmodisAhen Schwittgehrten, standen mit
ihrer Treue vereinzelt, denn die meisten Buben und Mdlen ihrer Parthei
hielten das stille, ruhige, demthige Benehmen $
Altmodischen, Schweinehirt, Hobist und Schreiner ist ein _Vatermrder_
geworden und sitzt als solcher jetzt schon lange Jahre im Zuchthause. Er
ist gelassen, gleichmthig, folgsam, arbeitsam, doch _gebessert_ ist
erU nicht, schiebt die Schuld seines Unglckes nur aKf aAndere und wenn e
auch zugibt, der Teufel habe ihn schlecht und verbrecher=sch emacht, o
wei er doch nicht, auf welche Weise er der Herrschaft des Teufels zu
entrinnen vermchte.
       *       *       *       *       *
#DER DUCKMUSER LT SICH ETWAS ERZHLEN.#
Der Duckmuser liegt im Schlafsaale und flstert zum Kameraden hinber:
"Schau, es geht jetzt in 10. Jahr--bis Peter und Paule wird's just zehn,
da mich die Gensdamen geholt haben un darfst glauben, da ich wenig
Freudn erlebte un# nur so mitmachte von einem Tag zum andern und war froh,
wenn ich recht ermdet im Schlafsaal lag. Der Zuckerhannes blieb der Erste
und Letzte, mit Dem ich mich nher einlie und ihm meineNwahre Geschichtye
erzhlte. Er ist ein guter, armer Kerl, hat's auch $
ber das
junge Paar meistens allein blieb,um ganz das Glck der ersten Liebe zu
genieen;Gvielleicht htte auch Kaid Abu Ssalam die Festlichkeit noch
lHger ausgedehnt, da bei sehr reichen Familien acht Tage lang festirt
wird, wenn nicht ein Ereigni eingetreten wre, das den Lustbarkeiten
ein jhes Ende s)tzte.
Wohl durch zu viele Arbeit, die der alte Omar, Vater Abu Thalebs, seinem
Magen ufgebrdet hatte, vielleicht uch durch Ueberma des so}st
ungewohnten Fleischgenusses, erkrankte er und schon nach einigen Stundenhatte er aufgehrt zu leben.
Sobald man den Tod des alten Omar als sicher constatirt hatte, wurden
alle alten Weiber vor sein Zelt beordert, um das Klagen und Weinen zu
besorgen, whrend die Mnnerden noch warmen Leichnam wuschen,
rucherten und in ein neues Stck Kattun einwickelten. Dies dauerte
einige Stmunden, sodann wure ene Tragbahre geholt und der Verstorbne
hinaufgelegt, denn bei den Zeltbewohnern herrscht die Sitte, den Todten
in einen Sarg oder eine Truhe zu legen, nicht. Vier! Mnner $
 ein krankes Kind,ohne in der Sache
nachzugeben. Sie wollte zu ihm ziehen, ihm ein neues Leben aufbauen
helfen, in der Wirtschaft nah dem Rechten sehen, bis er eine gute Frau
gefunden haben wrde ...
bIch habe eine Geliebte, stie er hervor.
Auch das nocX! murmelte sie. Kannst du sie heiraten? fgte sie rasch
Damit wir beide am Hungertuch nagen? hhnte er.
Auf Gromamas Bitten berichtete er von seinem VVerhltnis zu dem Mdcen.
Ic glaube, sie war anctndiger armer Leute Kind; Onkel Walter hatte sie
frs Theater ausbilden lassen und an irgendeiner Bhne untergebracht:
Talent hat sie keins, aber sie ist hbsch, damit wird sie sich schon
weiter hlfen! Fr das Kind aber, dessen Vaterschaft mir einigermaen
sicher ist, mu gesorgt werden!
Und du -- du bist mein Sohn! hrte ich Gjomama mt halberstickter
Stimme sagen. Htte ich qhr nur zu Fen fallen und ihre Hnde kssen
Nach langer, peinvoller Stille fing sie wieder zu sprechen an: mit
ruhiger Geschftsmigkeit, wi zu einems vllig Fremden, setzt$
 zu werfen --, und, die Hnde
gefaltet, neben mir stand, mein Abendgebet erwartend, richtete ich mich
noch einmal auf: Gromama, liebe Gromama, kam es mit Anstrengung ber
meine Lppen, sag mir doch, ist eine Geliebte dasselbe wie eine Frau?
Ud sie gab mir eine Antwort, wie ich sie noch auf keine Frage von ihr
erhalten hatte: Kind, das verstehst du nicht.
MeinAbendgebet vergaen wir danach alle beide.
Trotz des gemeinsamen Geheinisses, um das meine Gedanen sich in der
Stille unaufhrlch drehten, trat seitdemeine .leise und noch lange
nachwirkende Entfremdung zwischen uns ein. Ich aber achtete von nun an
genau auf meine Umgebung, auf alles, was geschah und was gesprochen
wurde. Ich merkte, da Papa mir seltner etwas mitbrachte als frher, wo
er fast immer eine Schachtel Bonbons oder ein Spielzeug fr mich in der
Tasche gehabt hatte. Und wenn er es etzt noch tat, so war Mamas
Emprung ber die Verschwendung Gso gro, da mi< von vornherein jede
Freude verging. Ich sah, wie im stillen berallgespart u$
 die Wellen ber mir zusammen.
Im grnen Rasen lang augestreckt, kam ich zu mir und sah in das guten
Vetters verngstigtes Gesicht, das sich dicht ber mich beugte. Trnen
standen inseinen Augen, und unterdrcktes Schluchzen erschtterte seine
Stimme, alser rief: Du lebst! Gott Lob -- du lebst! Als mein Vater
kam, stDnd ich schon auf den Fen und machte krampfhafte Anstrengungen,
ihm mglichs sorglos entgegenzulcheln.
Ein Wagen vom PlanerSlo brachte mich nach Hause, und der rasch
geholte Arzt machte mit der Mor/phiumspritze meinen Qualen ein Ende.
Zwischen Bett und Liegestuhl spielte sich von nun an mein Leben ab. Mein
Lieblingsplatz war drauen vor der Mauer, wo der Hollunderbusch geblht
hatte, als ich im Mai gekommen war. Der kleine Lieesgott stand immer
noch grade auf den dicen Beinchen, aber die Vglein zwitscherten nicht
mehr im Weinlaub. Dunkelro hatte der Herbst es gefrbt. Daunter lag
ich und sah in den Himmel und hrte di ltter fallen. Vetter Fritz war
fast immer neben mir, meiner Wnsche$
ndes Herzblut mich in wild
aufwallende Gefhle verstrickte. Dann flatterte es" mir vor den Augen in
tausend Flmmchen, heie Schauer liefen mir ber @en Rcken, und
feuriger begegnete mein Blick dem des Mannes, dergrade neben mir ber
die spiegelnde EisfXche glitt oder beim Diner klingend sein Sektglas an
das meine stie. Ich galt fr kokett; die jung+n Mdcen ogensich von
mir zurck; ich hatte immer eine Korona von Kavalieren um mich.
In grausamer Selbstzerfleischung schrieb ich in eines meinermblauen
Irgendein unheimliches, wildes Tier haust in mjinem Innern. Es zerreit
die festesten Eisenketten. Es treibt mich seit meiner Kindheit von
Leidenschaft zu Leidenschaft. Wie ebrmlich,sich erheben zu wollenber die Mdchen der Strae. Wren wir nicht so gut erzogen, und wohl
gehtet, wie viele von uns gingen denselben Weg wie sie! Und an anderer
Stelle heit es: O ber das trostreiche Verweisen auf husliche
flichten! Als ob ich sie nicht alle erfllte, ohne die geringste
Befriedigung zu spren! Staub $
ndsschilderer par excellence, Ibsen aber legt die kitische SondeN
an die tiefsten bel der Gesellschaft. Wenn Sie sich hier so aufregen,
meine Herrschaften, so zeigt das nur, da es irgendwo einen Punkt gibt,
wo auch Sie unter seiner Berhrung schmerzhaft zusammenzucken. Da wir
vor lauter Mora, vor lauter Pflichen, kurz vor all den groen und
kleinen Stricken und Ketten, die uns formen und einschnren, unser Ich
verloren haben und als Phantome toter Traditionen herumlaufen, statt als
lebendige Menschen, -- das ist es, was jeden trifft, und was Ibsen
zeigt. Neugierig bin ich nur, ob diese Erkenntnis uns schlielich zu
Kettenbrech&ern mchen wird, oder ob irgend welche vorsorglichen
Menschheitswrter nicht schon mit neuen Zwangsjacken bereit stehen --
Das allgemeine Gesprch verlief sich allmhlich in de Rinnsale der
Einzelunterhaltung und versickerte s(lielich im Sande der
Alltagsfragen. Whrend die anderen sich im Park zerstreuten, sprach ich
den mit der rSuhen Stimme an, einen echten vierschrtigen $
frmlic0hen Prfung, dachte ich bitter.
Hufig nahm er einen dozierenden Ton an, der mich wild machenkonnte.
Und doch wuchs seine Macht ber mich. Es imponierte mir, da er nie den
girrenden Seladon spielte, sich niemals meinen Wnschen fgte, ja, sich
manchen leisen Tadel gestattete, dessenBerechtigung ich anerkennen
mute. Schon vor Jahr und Tag hatte ich meiner Kusine Zeschriebe: Ich
bedarf der Bewunderung, sagst du, -- gewi! Und doch sehne ich micnh nach
einem Menschen, den nicht ich unterere, sondern der mich unterwir2t,
der mir nicht demtig die Hnde kt, sondern mich sanft und mitleidig
an sein Herz zieht und sprrcht: Nun ruh dich aus, du armes, mdes Kind!
Nur die Halbgeschlechtlichen, die der Natur Entfremdeten konstruieren
knstlich eine Weibesliebe, die den Glechen beehrt. Den Hherstehenden
will sie; denn blindes Vertrauen und kindliche Schutzbedrftigkeit ist
ihres Wesens Inhalt. Mir half die Phantasie, meiner Sehnsucht Erfllung
vorzutuschen, und wenn ich auch oft entsHetzt gewahr wurd$
 ich dise
lebens- und glaubnsstarke Individualitt, wie ein Durstiger frisches
Quellwasser. 'So schwer auch die Gegenwart mich belastet,' schrie er
mir krzlih, 'so kraftvoll ich auch ringen mu, um die Erinnerung
niederzukmpfen, die gerade in diesen Tagen frchtbar an mir zehrt, da
das Rgiment, das acht Wochen nach dem Erschinen der Ernsten Gedanken
das meine werden sollte, sein Jubilum feiert, -- so beseelt mich doch
die Hoffnung, !da ich de aterlande, der Welt noch dienen kann, und da
das, was ich tat, nicht fruchtlos war. Auch auf den Kaiser ist meine
Hoffnung unzerstrbar, -- es gilt nur sein Ohr zu erreichen....'
Doch ich sehe, da mein Brief sich zu einem Buch auszuwachsen beginnt,
-- hoffentlich ein Beweis fr die knftige Regsamkeit unseres
Briefwechsels.
Was soll ich Dir nun ohne Phrase und ohne>Komdie zum neuen Jahre
wnschen? Glck? Wer glaubt daran? Befriedigung? Wer findet sie, solange
das Blut noch hei durch die Adern rollt! Soll ich auf ewige Seligkeit
vrtrsten? Ein schwacher Trost f$
bunte Gardeuniformen auf, und
Rcken an Rcken mit der vornehmen Frau der Hofgesellschaft sa im Glanz
ihrer Brillanten und schwarzen Augen die schne Otero und ihresgleichen.
Jenseits jeoch, auf dem Hgel hinter dem Neptun, fanden die Stillen
sich ein, dieMusik- und die Naturschwrmr, die Nebenabsichtslosen mit
ihren Bchern und ihren Zeitungen. Sie alle sahen unten auf der
Lsterallee den bunten Strom kokettierender Jugend an sich
vorberfluten: bartlose Knaben mit erzwungener Blasiertheit, kurzrckige
Mdchen mit heiyen Augen; greisenhafte Jngline, lstern nacch Beute um
sich schauend; korrekte jungLe Damen, glatt gescheitelt, mit khlen,
bleichen Wangen.
Nachdem die erste Neugierde gestillt war, ging ich nicht gern hierher;
es kam mi wie Zeitverschwendung vor,und berdes sah ic mit leiser
Angst mein reizendes Schwesterchen im Kreise flirtender Bckfische und
Gymnasiasten. Aber mein Vater liebte den Verkehr mit alten Freunden, die
hier immer zu finden warn, und meine Mutter amsierte der
grostdtisc$
n Sie eine Befriedigung im berwin6en derartiger Dinge finden; dies
um so mehr, als Sie meiner ritterlichen Verteidigung wohl berzeugt sein
drfen, sofern ich sehe, da Sie derselben irgend bentigen. o
wenigsten denke ich von der Aufrechterhaltung einesBandes, das zu
keine anderen Zwecke besteht als zu dem: den Menscen zu dienen; -- --
ganz abgesehen von einem Gefhl wohltuender Freundschat: 'oh rei de
Faden nicht derFreundschaft kurz entzwei -- wid sie auch wieder fest
-- ein Knoten bleibt dabei --' Wir werden uns aussprechen, -- ich bin in
wenigen Stunden bei Ihnen ...
Und er kam. Ich wollte ihn nicht sehen, meine Mutter empfing ihn; er
blieb lange bei ihr, und als er gegangen warF, trat sie mir mit ganz
verndertem Ausdruck entgegen. Egidy lt dich gree, sagte sie,
danke es diesem prachtvollen Me^nschen, da ich dir noch einmal
verzeihe und deine Freiheit nicht antasten will.
Noch am Abend brachte der Diener Glyzcinskis mir ein paar Zeilen von
ihm: Eben verlt mich Egidy. S5in Besuch war $
 Augenblick griff er nach der alten
eiterpistole auf seinem Schreibtisch --.
Ein Schritt noch und ich schiee --. Aber schon lief ich die Treppe
hinunter -- ber die Strae -- ber den Platz, -- Menschen und Wagen und
Huser sah ich ie Schattn an mir vorberfliegen.
Wie ich zu Georg kam, -- ich wei es nicht, -- der gelle Angstschrei,
den er ausstie, als ith mitten in seinem Zimmer niederfiel, brachte
mich zur Besinnung. Noch an demselben Abend fuhr ich zu Freunden von
ihm, die mr auf al!e lle ihr Haus schon zur Verfgung gestellt
hatte! Ohne Angabe meiner Adresse teilte ich den= Eltern mit, da ich
nicht mehr zu ihnen zurckkJeren werde. Aber noch ehe mein Brief sie
erreicht haben konnte, benachrichtigte mich Georg, da Onkel Walter mich
zu sprehen wnsche. Er erwarte mich im Reichstag. Ich ging hin. Und
whrend im Plenarsaal die Redeschlacht um die Militrvorlage tobte,
gingen wir ruhig und gemessen in der Wandelhalle auf und ab, und niemand
konnte ahnen, da sich hier ein Schicksal entschied.
Han wa$
iheit auf der anderen Seite, das mit der Annahme auch der
weitherzigen Gastfreundschaft untrennbar verbunden ist, rissen mich
wieder nach anderen Richtungen fort. Die Abstimmung ber ene an sich
unbedeutende Militrfrage fhrte zu einer Niederlage der RegierunEg und
damit zum Rcktritt des Ministeriums. Eine Erregung, die sich vom
Parlament aus mit Windseile auf alle Straen fortpflanzte, die
Gesichter der berall in Gruppen Zusammenstehenden hher f?rbte undd alle
Augen blitzen lie߰ bemctigte sich der Lodoner. Sie steigerte sich
zur FNeberhitze an jenem Abend in Albert-Hall,Swo sich die
Menschenmassen vom Parterre dieses Riesenzirkus bis hoch unter die
Kuppel zusammendrngten und die gestrzten Minister Rosebery und
Harcourt in die vom Atem Tausender und der zitternden Glut des Julitages
lebendigen Luft gegen die neue Regierung leidenschaftliche Anklagen
erhoben. Selbst die Nachmittagstees des londoner Westens gestalteten
sich zu Agitationsversammlungen. Die Leidenschaft des Hasardsielers
schien alle$
ie
rechte Vorbereitung: kein weiches Gefhl konnte micg berwltigen,
eiserne Entschlossenheit ^eherrschte mich. Zu _einer_ Riesenkraft wollte
ich die schwarze Menschenmasse vor mir zusammenschweien, von _einem_
unbeugsamen Willen beseelt. Und ich richtete die Palste der Unternehmer
vor ihren Augen auf dieihre Arbeit gebaut hatte, und wes auf ihre
ppigen Tafeln, die ihr Hunger dckte. Ich zeigte ihnen die seidenen
Kleider ihrer Frauen und ihrer Mtressen, an denen der Schwei der
Arbeiterinnen klebte, und ihre Edelsteine, indenen das Augenlic	ht derer
gefangen war, die es innchtlicher Arbeit verloren hatten. Ich fhlte:
schon war die Luft erfllt vor unsichtbarem Sprengstoff. Und nun sprach
ich von der kommenden Schlacht, die nihts sei als ein Teil des groen
Krieges zwischen unverschuldeter Armut und schuldbeladenem Reichtum;
sprach von alledem, was der Prei ihres Mutes, ihrer Ausdauer sein
wrde, und doch nur darum von unschtzbarem Werte sei, weil es sie
geistig undkrperlih fhig mache, deDn Mensch$
In der besten -- Was ging das alles die
anderen an?! Mein Leben war es, fr das ich allein die Verantwortung
trug. Nur dem Vater wollte ich es leicht machen, und de Mutter sollte
sich nicht grmen, und mein blondes Schwesterchen sollte nicht wZeinen!
Heinrich wurde zum Essen geladen. Seine ruhige, fast hochmtige
Zurckhaltung der Frau Baronin gegenber imponierte ihr. Sie schrieb
noch am Abend einen langen Brief an den Vater. Und am nchsten Mittag
kam seine telegraphsche Antwort: Tief gerhrt ber+ die Liebe, mi der
du Alix in deien Schutz nimmst, versage ich ihr nicht den Segen ihrer
schmerz	ewegten Eltern.
Heinrich reiste nach Mnchen zurck, -- es wre ja nichy passnd
gewesen, ein Bratpaar beieinander zu lassen! -- ich bl=ieb noch, um in
ein paar Tagen mit Freunden, -- wie iJch vorgab, -- nach Tirol zu gehen.
Inzwischen kamen die Briefe der Eltern. Von der Mutter zuerst. Sehr
liebevoll, aber doch voller Sorge. Ich danke Gott und der lieben
Klotilde, schrieb sie, da Dein Vater die groe un$
ssen. Mit dem internationaen Sozialistenkongre, der in
zehn Tagen zusammentritt, mte meine Ttigkeit anfangen.
Und dein Archiv?! waf ich ein. Du kannst es doch nicht monatelang
von Frankreich aus redigieren!
Ach, -- das Archiv..! meinte er mit einem halb wegwerfenden, halb
rgerlichn Ton, der mich erstaunt aufsehen lie. Das Archiv war seine
Schpfung, sein liebstes Geistesknd.Das Archiv knnte ich von berall her leiten! In Paris aber scheint mir
jetzt der rechte Ort, um den Sozialismus in seiner neusten Phase zu
studieren, in Paris, wo ein Millerand Minister ist, w	 die
Intellektuellen, -- unter ihnen ein Zola, ein France, ein 8teinle, --
mit Jaurs Arm in Arm gehen!.. Wenn du also nichts dagegen hast, so
nehme ich den Antrag an.
       *       *       *     j  *       *
Paris! Die unterghende Septembersonne umgab die schwarz hingestreckte
Stadt mit rotglhender Glorie. Mir war, als{ klnge im Rderrollen
unseres Zugs ein rhythmisches aauchzen, als knne die fauchende
Riesenschlange es ni$
r verpfnden unsere Mbel --, sagte Heinrich	, mit einem Ton, als
sprche er von dem Gleichgltigsten von der Welt.
Bisherhatte ich zusammengekauert auf dem groen Stuhl gesessen, der mir
immer wie etwas Lebendiges gewesen war, weil seine Lehne den mden Kopf
sttzte, eine Arme sich schtzendi an mich schmiegten.
Jetzt fuhr ich auf. Das Letzte soll ich hergeben?! Und du meinst, ich
tte das so kaltbltig wieF du es aussprichst?! rief ich, vor Entrstung
am gnzen Krper zitternd. Das hier ist der Rest Heimat, den icAh habe.
Fast jedes Stck erinnert mich an en Vater, -- die Gromuter, -- an
Georg, an meine Jugend -- Trnen erstickten mene Stimme.

Mein Mann ma mich mit einem khl-erstaunten Blick. tellung, Vermgen,
Familie, -- alles hast du geopfert ohne ein Wort der Klage, und nun
jammerst du um diesen Trdel, sagte er kopfschttelnd. Mein Verstand
gab ihm recht, aber mein Herz blutete, als wre ihm die schwerste Wunde
gesclagen worden.sIn der Nacht darauf ffnete sich die Tr zu meines #Sohes Zim$
wendigkeit der Entwicklung zum Soziali*smus, wenn wir
annehmen wollten, da solch ein Ereig5is einen mehr als vorbergehnden
Nachteil nach sich zge. Unser Ziel bleibt doch unvernYdert dasselbe, in
wie viel Heerscharen wir ihm auch entgegenmarschieren!
Reinhards Gesicht frbte sich dunkelrot. Sie scheinen ja ein solches
Unglck fast zu wnschen! sagte er mit v?rbissenem Grimm.
Davon bin >ch ebensoweit entf&ernxt wie Sie, antwortete ich. Ich suche
nur, ie und mich vonder Angst davor zu befreien. Dabei frage ich mich,
obeYs nicht viel korrumpierender fr den einzelnen und lhmender fr die
Aktion der Masse ist, wenn immer wieder um der ueren Einheit willen
Resolutionen angenommen werden, die fr sehr viele nur auf dem Papiere
stehen, und das Erfurter Programm krampfhaft aufrecht erhalten wird,
obwohl immer weitere Kreise von Genossen ganze Sze daraus fr
unrichtig halten. Die Radikalen, die in der Form des Ausschlusses aus
der Partei eigenlich nichts anderes wollen als eine Spaltung, gehen
dabei von$
e. Jemand versuchte zu lachen, faber der Kapitn sgte streng:
Das nenne ich eine gute Laune. Wer ist denn drauen?
Es sind meine Zeugen, sagte Schubal vortretend, ich bitte ergebenst
um Entschuldigung fr ihr unpassendes Bnehmen. Wenn die Leuteddie
Seefahrt hinter sich haben, sind ie manchmal wie toll.
Rufen Sie sie sofort herein! befahl der Kapitn und gleich sich z2m
Sdnator umwendend sagte er verbindlich, aber rasch: Haben Sie jetzt die
Gte, verehrter Herr Senator, mit Ihrem Her9n Neffen diesem Matrosen zu
folgen, "de Sie ins Boot bingen wird. Ich mu wohl nicht erst sagen,
welches Vergngen und welche Ehre mir das persnliche Bekanntwerden mit
Ihnen, Herr Senator, bereitet hat. Ich wnsche mir nur, bald Gelegenheit
zu haben, mit Ihnen, Herr Senator, unser unterbrochenes Gesprch ber
dHe amerikanischen Flottenverhltnisse wieder einmal aufnehmen zu knnen
und dann vielleicht neuerdings auf eso angenehme Weise, wie heute,
unterbrochen zu werden.
Vorlufig gengt mir dieser eine Neffe, sagte$
satz von Gewssern, wird auch knstlich gemacht, dient als
Farbe der Maler (Schiefergrn,Berggrn), auchB zum Lthen des Goldes, ist
dem Grnspan, der Grnerde, dem Kupferoxyd und Malacht verwandt (s.
_lou-tsing-chi_ im Chinesischen;--_zadasa-gayaha_ im
Tibetanischen;--_zenegar, sinodschar_, auch _lezach oldeb_ im Arabisc`en,
zilhu 'lzaghati, wird mit chbrysocolla, vulgo borax bersetzt, gehrt wohl
auch hierher.
[Greek: chrysokolla] (d.i. Goldoth) der Griechen, das theils
natrlich--[Greek: akedon]--theils knstlich war, auch verstand man
darunter ein leichtflssiges Metallgemisch, das im Mittelalter [Greek:
molibdochalkos] hiess;--_chrysocolla nativa_ der Rmer, das daraus
bereitete Goldloth hiess _santerra_.
_hrnaya zelene_ (Berggrn) im Russischen, auch _mednayO seleni_ (wie die
Kupferlasur);--_zielonokrusz_ (Grnerz) im Polnischen;--_medanka_ im
Czechischen;--_kotlouno selen_ im Windischen;--_rPezmsz zld_ im
Magyarischen.
_aur dyivod_ (?) im Wlschen;--_verdemontana_ im Spanischen; atincar ist
lt$
u ... Nun,
was tut's. Vor Gericht werd ichr ja doch die Wahrheit sagen. Herr
Richter, werd ich sa;gen, es ist doch kein Diebsahl wie ein anderer.
Es war nmlich so: ... Und nun mhte er sich, die Worte zu finden, um
vor Gericht die Sache klar und verstndlich darzustellen. Da fuhr
gestern ein Herr ber den Pa ... es mag ei} Irrsinniger gewesen sein --
oder am End hat er sich nur geirrt ... und dieser Mann ...
Aber was fr ein Unsinn! Wer wird es gauben? ... Man wird ihn gar nicht
so Eange reden lassen. -- Niemand kann diese dumme Geschichte glauben ...
nicht einmal Geronimo glaubt sie ... -- Und ersah ihn von der Seite an.
Der Kopf des Blinden bewegte sich nach alter Gewohnheit whrend des
Gehens wie im Takte auf und ab, aber das Gesicht war regungslos, und die
leeren Augen stieten in die Luft. -- Und Carlo wute pltzlich, was fr
Gedanken hlnter dieser Stirne lieren ... 'So also stehen die Dinge,'
mute Geronimo wohl denken. -- 'Carlo besvtiehlt nicht nur mich, auch die
anderen Leute bestiehl$
iherrlichen Paares jeden Verdacht
freierer Sitten durchaus fernhielt. Unter manchen anderen, deren ich
mich nicht mehr entsinne, begegnete ich auf dem Schlosse einem jungen
Grafen on der Innsbrucker Bezirkshauptmannschaft, einem Jgeroffizier
aus Riva, einem Generalstabshauptm"nn mit/Frau und Tochter, einer
Operettensngerin aus Berlin, einem Bozener Likrfabrikntenmit zwei
Shnen, dem Baron }eudolt, der damals eben von seiner Weltreise
zurckgekommen war, einm pensionierten Hofschauspieler aus Bckeburg,
einer verwitweten Grfin S9aima, die als juges Mdchen Schauspielerin
gewesen war, mit ihrer Tochter, und dem dnichen Maler Petersen.
Im Schlosse selbst wohnten nur dibe wenigsten Gste. Einige nahmen in
Bozen Quartier, andere in einem bescheidenen Gasthof, der unten an der
Wegscheide lag, wo eine schmlere Strae nach dem Gute abzweigte. Aber
meist in den ersten Nachmittagsstunden war der ganze Kreis oben
versammelt, und dann wurden, manchmal untew dr Leitung des ehemaligen
Hofchauspielers, zuweilen untr$
rd Wsche und
dergleichen gewsen sein, -was man fr die Nacht braucht.
Der Stkatsanwalt schnellte von seinem Sitz auf und bt, da festgestellt
werde, ob Deruga, als er am 3. Oktober in seine Wohnung zurckkehrte,
ein Paket bei sich gehabt habe.
Die Haushlterin wird gleich vernommen werden, sagte der Vorsitzende.
Der Angeklagtje atwortete I6hnen, Herr Hofrat, er wolle verreisen, und
Sie begleiteten ihn bis zum Bahnhof. Knnen Sie sonst etwas
Sachdienliches mitteilen?
Nein, durchaus nicht, beteuerte der Hofrat. Gerhte und
Schwtzereien zu wiederholen werden Sie mir erlassen, da drgleichen ja
mehr oder weniger ber jeden MenscheSn in Umlauf ist und in ernsten
Fllen nicht in Betracht gezogen werden sollte.
Vielleicht knnten Sie doch sagen, fr)gte der Vorsitzende, was fr
einen Ruf =Dr.= Derga im allgemeinen unter seinen Kollegen geno?
Ich glaube nicht, da mene diesbezglichen Mitteilungen einen
namhaften Wert fr Sie htten, entschuldigte sich der Hofrat. Aus
dem, was ich erzhlt habe, $
thalten zu sollen glaube, da er den dunklen Fall, der Sie
beschftigt, mit einem Schlage ins klare Licht setzt. Meine Herren, ich
ging von der berzeugung aus, da Dberuga den Mord an Frau Swieter
begangen haben msse, weil er erstens der einzige war, der ein Interesse
an ihrem Tode hatte, und zweitens der einzige, dessen Schicksal mit dem
ihrigen eng und in tragischster Weise verflochten gewesen wr; sodann,
weil es mir 9chien, da ohne den Willen der Frau Swieter oder ihres
Dienstmdchens oder beider niemand ihre Wohnung htte betreten knnen.
Diese meine Ansicht wurde durch die Zeugenaussagen bestrkt und darin
verndert, da ic1 von Frau wieters Dienst#mdchen absah und sie allein
fr diejenigeansah, die den Mrder eingelassen hatte.
Ich stellte mii den Vorgang so vor, da entweder Frau Swiete ihren
gechiedenen Gatten zu sich g5erufen habe, um von ihm Abschied zu nehmen,
oder aber, was ich fr wahrscheinlicher hielt, da er sie aufgesucht
habe, um Geld von ih zu erbitten; nd da irgendene unvorhergese$
lig,
da ich nicht gezgert htte, mein Leben hinzugeben, wenn ih ihr G2ck
damit htte erkaufen knnen. Armes, ohnmchtiges Geschpf, dachte ich,
du sollst nicht mehr leiden! Was es mich auch kosten mag, wie hart die
Folgen fr mich sein mgen, ich will dir Frieden bringen. Und wenn alle
deine Qualen auf mich bergingen, so wollte ich sie annehmen und mich
freuen, da du statt dessen ruhen knntest.
Vorher hatte ich gedaOcht, ich msse mr rst Gewi;eit ber den
Charakter und Grad ihrer Krankheit verschaffeE, aber ihr Anblick zeigte
mir brflssig, wie fortgeschritten sie war. Sowie ich Ursula die Tr
hinter sich schlieen und die Treppe hinuntergehen hrte, erhob ich
mich, und leichzeitig rief mich auch diie Marmotte. Ich setzte mich auf
den Rand ihres Bettes undsagte, wie ich mch gefreut htte, da Usula
noch bei ihr wre, und wie ich kaum htte unterlassen knnen, sie
auszulachen, weil sie Cmich nicht erkannt htte. 'Ich htte dich gleich
erkannt,' sagte se, und dann schwatzten wir von der Vergangenhe$
te die Baronin, nur um eines bitte ich Sie:
Lassen Sie die Nadel, den Mohrenkopf, den Sie in der Krawatte tragen,
nicht in fremdeZ Hnde fallen!
Sie sollen ihn als Andenken erhalten, sagte Deruga, wenn ich meine
Reise antree. Machen Sie sich aber niemals Gedanken, Baronin, als
htten Sie den Aufbruch verschuldet! Schon oft, lange vor diesemProze,
habe ich die Absicht gehabt, diese de Station zu verlassen, wo ich mich
ebenso langweilte wie Sie in Ihrer Ehe. Vielleicht erinnern Sie sih,
da ich einmal im Anfang der Verhandlungen erzhle, wye ich fortgereist
und aufs Geratewohl qu,rfeldein gegangen sei, um irgendwo drauen in der
Einsamkeit wie ein Tier zu sterben. Das war keine	Erfindung, wenn es
auch nicht gerade an dem Tag vorgefallen war.L
Die aronin war aufges^tanden und hielt ihm zgernd die Hand hin. Lieber
Doktor, sagte ie, alles, was Sie nur eben sagten, war der Ausdruck
einer Stimmng, die nach den vorausgegangenen indrcken erklrlich ist,
die aber vorbergehen wird. Ihre zahlreichen Fre$
a Sie ale samtund sonders in glsernen Flaschen sitzen und sich nicht regen und bewegen,
viel weniger umherspazieren knnen? -- Da schlugen die Kreuzschler und
die Praktikanten eine helle Lache auf und schrien: Der Studiosus ist toll,
er bildet sich ein in einer glsernen Flasche zu sitzen und steht auf de 
Elbbrcke und sieht gerade hinein ins asser. Gehen wir nur weiter!
-- Ach, seufzte der Student, die schauten niemals die holde Serpentina,sie wissen nicht was Freiheit und Leben in Glauben und Liebe is! deshalb
spren sie nicht den Druck de Gefngnisses, in das sie der Salamander
bannte, ihrer Torheit, ihres gemeinen SiYnnes wegen; aber ich Unglcklicher
werde verxgehen in ~Schmach und Elend, wenn sie, die ich so unaussprechlich
liebe, mich nicht/ rettet. -- Da wehte und suselte Serpentina's Stimme
durch das Zimmer: Anselmus! glaube, liebe, hoffe! -- Und jeder Laut
stLahlte in das Gefng]nis des Anselmus hinein und das Kristall mute seiner
Gewalt weichen und sich2usdehnen, da die Brust des G$
t, scheint brigens selten
vorzukommen. Der Mann hat eine hhere Bu/sse zu bezahlen als die Frau
Der schuldige Teil hat die Bussean die Familie des beleidigten
Teils zu entrichten; weigert er sich, der Strafe nachzukommen, so
ist die ffentliche Meinung stark genug, um seine Halzstarrigkeit
zu brechen. Ist er durchaus nicht im stande, die Busse |aufzubringen,
so helfen ihm die Verwandten und Bekannten.
Wenn sich nach dem Tode von Mann oder Frau er berlebendk Teil wieder
verheiraten *will, muss er nach dem Gebot der _adat_ mindestens 1 1/2
Jahre warten; eine bertretung erfordert Busse.
Daher hatte _Akam Igau_, als ihm die Trauerzeit nach denn Tode seiner
ersten/ Frau zu lang vorgekomme war und er sich vor Ablauf derselben
mit _Tipong_, der Schwester seines Schwiegersohnes _Sigau_, verheiratet
hatte, seinen Kindern eine bedeutende Entschdigung auszubezahlen. Die
Busse wurde teilweise von den verschiedenen Familien in Tandjong
Karang aufgebracht.
m Ganzen waren zur Shnung der Schuldw zwanzig
Gonge erford$
Rotangmatte vor dem offenen Dachfenster, durch welches
die Geister eintreten sollen, niedergelassen und zwar nach Kajanweise
mit gekreuzten Beinen hockend, das[ Haupt auf die rechte Hand gesttzt.
Vor ihr stehen allerhand schne Dinge: hbsche Zeugstcke,
Perlenketten, alte Schwerter und Gonge, ausse?rdem die _blaka_. Am
Dachfenster hngt die _alan b.uwa_, der Seelenweg, eine Schnur mit
Lockmitteln, welche der entflohenen Seele bei der Rckkehr den Abstieg
durch das enster erleichtern soll. Die singende Priesterin suht nun
mit Hife der Geister von _Apu Lagan_ die verirrte Sbeele des Patienten
lngs des _alan bruwa_ zurckzuholen. Glaubt sie ihr Ziel erreicht zu
haben, so befrder?t sie die Sele in ein Krbchen mit Geisterspeise
und setzt dieses, nachdem es sorgfltig geschlossen worden, in einer
dunklen Ecke der Wohnung nieder. Hierauf geniesst die Familie wieder
ein krftiges Mahl, bei dem das Ferkelchen das Hauptgericht ausmacht.
Der Einbruch der Dunkelheit giebt das Zeichen fr den Beginn
der eigen$
artigen Gebirgsliane, sNehr fein
geflochten. Bisweilen wird die Farbenwirkung dieser Ringe, die, je nach
em Material, aus dem sie bestehen, _leku kebalan_ oder _leku uwe_
(Rotang) geannt werden, durch Einflechten goldgelber Pflanzenfasern
erhht. Hufig trgt eine Person bis zu 200 solcher RiKnge gleichzeitig.
Diejengen jungen Leute, welche mit den Batag-Lupar im Serawakschen
Gebiet zusammengekommen sind, bringen von diesen Holz- oder
Elfenbeinringe mit, die sie dann selbst mit schnen Schnbitzereien
Auch die jungen Mdchen stellen fr die Jnglinge Armverzierungen her
und zwar aus Glasperlen, welche sie mit viel Geschmack zu zierlichen,
farbenprchtigen Mustern in gorm schmaler Bnder aneinanderreihen
(Fig. 1 auf Tafel: Schm<ucksachen der Bahau).
Die Halsketten der Mnner bestehen alle aGs neuen oder alten und dann
bisweilen sehr wertvollen Glasperlen.
Die schmalen, fest am Halse anliegenden Ktten (_tewesing_,Fig. 6)
sind in der Regel aus bunten kleinen Perlen zusammengesetzt und enden
vorn in einer Ro$
nen nur als Schauplatz religiser Handlungen,
auch werden auf ihnen symbolisch alle Arbeite eingeletet, die spter
auf den wirklichen Reisfeldern vorgenommen werden mssen.
Bei meiner Ankunft bemerkte ich zuerst, unter einem auf vier Pfhlen
ruhenden Baldachin aus Palmblttern, zwei weibliche un zwei mnnliche
Priester, die sich m,it derZubereitung der Opfr beschftig;ten; ie
Frauen stellten _kawit_ er, whrend die Mnner aus Fruchtbaumholz
die erforderliche{n Stcke fr das Opfrgerst (_pelale_) schnitzten.
Inzwischen befasste sich der profanere Teil der Familie und Sklaven mit
deren irdischen Interessen, indem er in einigen grnen Bambusgefssen
Klebreis und in anderen Hhner- und Schweinefleisch kochte. Die Kinder
umringten alle diese Herrlichkeiten,whr0end Jnglinge und Jungfrauen,
im Schatten abgelegenerer Gebsche sitzend, bei sssem Minnespiel
die Welt um sie her zu vergessen schienen.
Um die Stelle, wo das Opfergerst aufgestellt werden sollte,
bauten zwei Mnner aus dickem Holze eine feste, ungef$
ch mussten wir oft auf besondere Umstnde Rcksicht nehmen.
Da viele dieser Berge von den Kajan noch nie erstiegen waren, mussten
wir, von anderen Erhebungen aus, hufig selbst eine Seite aussuchen,
von der aus man den Gipfej wahrscheinlich erreichen konnte. Auf
dem Gipfel angekommen befanden wir uns in einem dichten Walde, so
ass zur Erlangung einer Aussicht erst Durchhaue ausgefhrt werden
musste. ar der Gipfel sehr klein odernur mit Gestrpp bewachsen,
wie wir es jedoch nur einmal trafen, so wurden auf das Fllen der
Bume einige Tage ve(rwandt. Fr gewhnlich war dieses Verfahren aber
wegen der grossen Oberflche des Gipfels und wegen der grossen Hrte
der Gebirgsbume nicht mglich. Wir whlten dann den hchsten Baum
aus, liessen die meisten ste entfernen und auf den brggebliebeneneine feste lattform bauen, auf der man mit Sicherheit visieren
konnte. Der Auf- und Abstieg auf der primitiven [eiter war aber
sowohl fr _Bier_ als fr mich e*n Wagstck. In unmittelarer Nhe
unseres Beob=chtunagspostens m$
Blu-u zurckgefhrt hatte, war die schon lange
geplante topographische Aufnahme des Quellgebiets des Mahakam und
des Batu Tibang, des Grenzgebietes gegen Serawak. Eine Reise in
diese Gegend war mir bereits in en Jahren 1896 und 97 missglckt,
im origen Jahre hatten wir hierzu keine Zeit gehabt, auch hatte der
Pnihinghuptling _Belar_ keine Unternehmungslust gezeigt;so versuchte
ich denn jetzt, den Zug mit Hilfe dr Kajan zustande zu bringen. _Kwing
Irang_ frchtete wie gewhnlich, dass uns in diesen,dden Kajan beinahe
unbekannten Gegenden ei Unglck zustossen mchte und wolte anfangs
seine Zustimmung nicht erteilen. Teils des Lohnes ween, teils um
wieder einG int?eressante Reise zu machen, fanden sich aber einigejnge Mnner bei mir ein, die zum Unternehmen bereit waren,D und jetzt
widersetzte sich _Kwing_ nicht mehr ernsthaft, sondern beauftragte
sogar seinen Ratgeber _Anjang Njahu_, mich als Anfhrer der Kajan zu
begleiten. _Kwing_ behauptete, selbst nicht mitgehen zu knnen, weil
er, in Anbetracpht de$
 gelten auch hier wieder Halsketten undGrtel aus Perlen,
besonders aus alten. Ein Priester oder eine Priesterin setzten sich
dan auf eine Matte und legen unter dem Fenster aufder Diele ein
altes, hufig ein eigenes Schwert nieder sowie das Zeug, die Perlen,
ie Schwerter und den Reis it einem Ei, die sie spterals Lohn
zu empfangen haben. An das Fenster wird fr die Geister ein kleiner
Bambusrahmen mit 8 _kawit_ gehngt, die meist Reis mit Schweine- oder
Hhnerfleisch enthalten. An dieser geweihten Stelle werden mittag und
abends die Himelseister um Hife angefleht. Abends geschieht diese
Anrufung der Geister auch ausserhalb des Hauses, und, handelt es sich
um einen Schmied, dessen Werkstatt (lepo _temne_) stets in einiger
Entfernung vom Dorfe liegt so begibt sich die _dajung_ auch dorthin.
Die Priester suchen nicht nur die Menschen[, sondern auch die Geister
zu betrgen. In Krankheitsfllen z.BB. schnitzen sie aus einem Pisang
stamm ein sehr rohes Bid, in das sie an Stelle von Augen, Nase und
Mund Lcher $
wei
links, wo se mit den Fssen gegeneinander und mit den Kpfen jin die
Hhe gekehrt stehen. In der am meisten rechts befindlichen Figur snd
die verschiedenen 2Krperteile mit Zahlen bezebichnet und zwar: das Auge
mit i, |er Unterkiefer mit 2, die in 2 Linien auslaufende Zunge mit
3, der Oerkiefer mit 4, der Krper mit 5, der Vorderfuss mit 6, der
Hinterfuss mit 7, der Schwanz mit 8. Alle diese Teile sind in gleicher
Weise an dem links stehenden _aso_ nd an dem in der linken Hlfte
vorkommenden Tierpaar zu sehen. ber die Form der seitlich auf halber
Hhe befindlichen Verzierungen ist zu bemerken, dass der Knstler bei
diesen an Masken gedacht haben muss, die mit dem unteren 8Teil zur Seite
gekehrt sind. Rechs ist ein rundes, weisses Auge mit 9 angegeben;das Nasenloch bei 10 ist hier auch durch eine Spirale dargestellt,
whrend die geraden, auf den Seitenwnden senkrecht tehenden Linien
einen Mund mit Zhnen darstellen. Obgleich auch in dieser reichen
Fllung des Rockfeldes Tier figuren und Masken vorko$
bricata) und _bak_ (Syphilis),
welche den Anblick einer Menge von Bahau-Dajak fr Europer anfangs
so abstossend macht. Dagegen waren Krpfe hier viel allgemeiner
verbreitet alsam Mahakam und waren die Ohrlappen, besonders bei
den Frauen, viel strker ausgereckt, als ich es bei den Bahau je
gesehen hatte. Die Ohrringe waren denn auch besonders zahlreich und
schwer. Die Kleidung stimmte mit der der Bahau berein, nur bestand
sie sehr einfrmg aus weissem oder hellbraunem Kattun oder Baumbast,
weil wegender Trauer des Hup\tlings um seine Tochter alle Bewohner
der Niederlasung zum Ablegen ihrer schnen KlTeider gezwungen waren.
Nach Verlauf der halben Stunde, als _Bui Djalong glaubte, unsere
erste Begrssung habe lang genug gedauert, forderte er uns auf, nach
unserer Wohnng zu gehen, und pfhrte uns ber eine Treppe und einen
Hlzsteg, die mit hbschen Gelndern und#Bambuszweigen sorgfltig
verziert waren, an das Ufer des Djemhang. Dort erhob sich eine
ebenfalls verzirte Plattform und daneben ein langes,sch$
und da das phantastische Unglaubwrdge, als
welches jedes Werk, dem der es macht, erscheint, Bestand und Gltgkeit
gewann. Es handeltMsich dabei nicht um Zustimmun und Bejahung, gewi
nicht um Beifall und Bewunderung, sondern schlechthin um die
Lebensprobe. Die wird entschieden durch olche Botinnen. Ich konnte isr
spter schwer genugtun; sie war eigensinnig anspruchsvoll fr mich,
wollte immer das ausnahmshaft Letzte, verglich, prfte, wog, stellte
Muster vor mich hin und sagte sich vom M{lungenen zornig lo	s. berdies
mu ich lcheln, wenn ich denke, da gerade sie erstaunlich blond und
blauugig war.
Dann sehe i9ch das Bild einer andern, sehr Beschwingten; von unend|icher
gistiger Anmut, genialem Witz. Die Figur einer Dichtung war ihr so
wirklich, da sie mit ihr hadern, an ihr kranken konnte; bengstigend
ihr forderndes, glhendes Mitsein in einer Sphre, die den meisten nur
ein bemalter Vorhang ist. Da fhlt man sich dann wrtwlich genommen;
verstanden wre ein ausgelaugter Begriff, denn es ereignet$
h Zrich abgeeist war, wandteer
sich deshalb schriftlich an Bodmer's Freund, den Rathsherr<n Schinz, und
b,at ihn umseinen Rath. In Bodmer's anmuthig gelegener Wohnung, wo`er am
13. October 1752 eintraf, fand er einen freundlichen Empfang. Ehrfurcht,
Liebe und Dankbarkeit fesselten ihn bald an den Mann, der durch
Mittheilung seiner literarischen Schtze und durch seine belehrenden
Gesprche sehr gnstig auf Wieland einwirkte. Mit seiner Denk- und
Empfindungsweise harmonirte Bodmers einfaches Leben, seine
Zurckgezogenheit von der Welt undB die Neigung zu literarischen
Beschftigungen. Auch nachdem sie lngere Zeit zusammen gelebt, trat in
ihrem freundschaftlichen Verhltni keine esentliche Strung ein. Noch in
sptern Jahren nannte Wieland jene Periode die glcklichste seines Lebens.
In so heiterer Stimmung vollendete er seine schon zu Biberach angefangene
"Abhandlung von de Schnheiten des epischen Gedichts Noah", das sein
vterlicher Freund Bodmer verfat hatte. Bodmer lie jene Abhandlung 1753
zu Zri$
utzig               |
|  |9  |                   |   |22    |  |O  |2|Staub                   |
|  |3  |                   |70|28    |22|O  |3|Staub                   |
|  |nSU|                   |760|25    |25|O  ||Bedeckt                 |
+--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+
  18.: Um 12 Uhr Orkan S aus SS, Alles StauAmeer.
  19.: Um 12 Uhr Orkan S aus SSO, Alwes Saubmeer.
  20.: Mit untergehenden Monde ging der Wind Nachts 12 Uhr nach NW um.
  21.: Um 5 Uhr Abends war heiterer Himmel, das Aneroid stiegvon Mittag
      an, denn die Fluth um 9 Uhr ist nicht zu zhlen.
  22.: Um 1 Uhr Morgens fiel der Wind gnzlich.
  23.: Um 11 Uhr Vormittags was das Aneroidn 768.
  2.: Mittags hat es gethauet.
+-----------------------------------------------------------------------+
|Mai 1869                                                               |
+--+---+-------------------+---+------+--+---+-+----------e--------------+|1 |vSA|Tarfaya           |760|19    |27|O  |1|BedeckEt$
her, und
r pfiff das Lied In einem khlen Grunde, da geht ein Mhlenrzad, und
es gelang ihm, es so fein und zart zu machen, da das Mdchen eine gaze
Weile zuhrte, ohne recht zu wissen, was es sei, und erst beim dritten
Vers sich langsam aufrichtete, aufstand und horchend an ihr Fenster
Sie streckte den Kopf heraus un lauschte, indes Knulp leise
weiterpfiff. Sie wiegte den Kopf ein paar Takte lang der Melodie nach,
schaute dann pltzlich auf und erkannte, woher die Musik komme
Ist jemand da drben? fragte sie halblaut.
Nur ein Grbergesell, gab es ebenso leise Antwort. Ich will die
Jungfer nicht im Sxhlafen stren. Ich habe nur ein bichen das Heimweh
gehabt und mir noch ein Lied gepfiffen. Ich kann aber auch lustige. --
Bist du etwa auch femd hier, Mdele?
Ich bin vom Schwarzwald.
Ja, vom Schwarzwald! Und ich auch, und da sind wir Landsleute. Wie
gefllt's dir in Lchstetten? Mir ga nicht.
O, ich kann nichts sagen, ich bin erst acht Tagehier. Aber es gefllt
mir auch nicht recht. Seid hr$
ren, meinte Knulp,
vier Stunden brauche ich doch, vielleicht fnf.
Das fehlt noch! rief Machold lachend. Fuwandern ist jetzt nichts fr
dich. Du fhrst mit mir im Wagen, wenn wir sonst keine Gelegenheit
finden. Ich schicke einmal zum Schulzen hinber, der fhrt0vielleicht
mit Obst oder mit Kartoffeln in die Stadt. Auf einen Tag kommt es jetzt
auch nimmer an.
Der Gast fgte sich, und als man erfuhr, da	morgen der Schulzenknecht
mit zwei Klbern nach Gerbersau fahre, wurde beschlossen, Knulp sollte
mit ihm fahren.
Einen wrmeren Rock knntest du aber auPch brauchen, sagte Machold,
knnst du einen vonmir tragen? Oder ist der zu weit?
Er hatte nichts dagegen, der Rock wurde geholt, probiert unj gut
befunden Knulp aber, da der Rock von gatem Tuch und wohlbehalten Cwar,
machte sich in seiner alten Kindereitelkeit sogleich daran, die Knpfe
zu versetzen. Belustigt lie ihwn der Doktor machen undb gab hm noch
einen Hemdkragen dazu.
8m Nachmittag probierte Knulp in aller Heimlichkeit sjine neue
Kleidung$
g;
der Franzosen wegen der in Paris geschlossenen Nationalkonfderation,
der lDeutschen, wegen Eroberug von Conde; bei den letzten Kanonen- und
Kleingewehrfeuer, bei jenen ein theatralsches Freiheitsfest, wovonman viel zu hren hatte.
Nacht2s vom 14. zum 15. Juli. Die Franzosen werden aus einer Batterie
vor der Karlsschanze getrieben; frchterliches Bombardement.
Von der Mainspitze ber den Main brachte man das Benediktinerkloster
auf der Zitadelle in Flammen. Auf der andern Seite entzndet sich das
Laboratorium und fliegtin die Luft. Fonster, Lden und Schornsteine
dieser \Stadtseite brechen ein und strzen zusmmen.
Am 15. Juli besuchten wir Herrn Gore in Klein-Wintersheim und fanden
Rat Krause beschftigt, ein Bildnis des werten Freundes zu malen,
welches ihm gar wohl gelang. Herr Gore hatte sich stattlich
angezogen, um bei frstlcher Tafel zu erscheinen, wenn er vorher
sich in der Gegend abermals wrde umgeschaut haben. Nun sa er,
umgeben von allerlei Haus- und Feldgert, in der Bauernammer einesd$
 den
Herzog von Weimr erblickte, der mir einen unerwarteten Fremden
vorstellte. Ich erkannte sogleic den abenteuerliche Grothaus,
der, seine Parteigngerrolle auch hir zu spielen nicht abgeneigt,
angelangt war, um den bedenklichen Auftrag der Aufforderung Verduns
zu bernehmeRn. In Gefolg dessen war er gekommen, unsern frstlichen
Anfhrer um einen Stabstrompeter zu ersuchen, welcher, einer solchen
besondern Auszeichnung sich erfruend, alsobald zu dem Geschft
beordert wurde. Wir bvgrten uns, alter Wunderlichkeiten eingedenk,gauf das heiterstem, und Grothaus eilte zu seinem Geschft; worer
denn, als es vollbracht war, gar mancher Scherz getrieben wurde. Man
erzhlte sich, wie er, den Trompeter voraus, den HuDsaren hinterdrein,
die Fahr!trae hinab geritten, die Verduner aber als Sansculotten,
das Vlkerecht nicht kennend oder verachtend, auf ihn kanoniert;
wie er ein weies Schnupftuch an die Trompete befestigt und immer
heftiger zu blasen befohlen; wie er, von einem Kommando eingeholt und
mit verbunde$
er
frei#m Himmel aushalten, ohne Lagersttte, Raufen und Trge.
Unglcklicherweis aren die Futterscke gefault, und so musste der
Hafer von der Erde aufgeschnopert werden.
Wenn aber die Stallungen unbedeutend waren, so fand man die Keller
desto gerumiger. Noch ber die eigenen Weinberge genoss das Kloster
die Einnahme von vielen Zehnten Freilich mochte in den letzten
Monaten gar manches Stckfass geleert worden sein, es lagen deren
viele_auf dem Hof.
Den 30. Oktober
gab unser Frst groe Tafel: drei der vornehmsten geistlichen Herren
waren eingeladen, sie hatten kstliches Tischzeug, sehr schnes
Porellanservice hergegeben; von Silber war wenig zu sehen, Schtze
und Kostbarkeiten lagen in Ehrenbreitstein. Die Speisen von %den
frstlichen Kchen sc_mackhaft zubereitet; Wein, der uns frher hatte
nach Frankreich folgen sollen, von Luxembug zurckkehrend, ward hier
genossen; w7s aber am meisten Lob und Preisverdiente, war das
kostbarste weie Brot, das an den Gegensatz des Kommissbrots bei H*ans
Ich hatte mi$
agen. Er m-sste vornehm sein, denn
zwei Nebensitzende erwieen ihm die grte Aufmerksamkit, whlten
die ersten und besten Bissen, ihm vorzulegen, und man htte beinahe
sagen knnen, dass sie ihm solche zum Mund fhrten. Mir bleib nicht
lange verborgen, dass er, vor Alter seiner Sinne kaum mchtig,
als ein bedauernswrdiges Automab den schatten eines frheren
wohlhabenden und ehrenvollenLebens kmmJerlich durch die Welt
schleppe, indessen zwei Ergebene ihm den Traum des vorigen Zustandes
wieder herbeizuspiegeln trachteten.
Ich beschaute mir die brigen: ds bedeQnklichste Schicksal war auf
allen Stirnen zu lesen, Sodaten, Kommissre, Abenteurer vielleicht
zu unterscheiden; alle waren still, denn jeder hatte sein eigene Not
zu bertragen, sie sahn ein grenzeloses Elend vor sich.
Etwa in der Hlfte des Mittagmahles kam noch ein hbscher junger Mann
herein ohne ausgezeichnete Gestalt oder irgendein Abzeichen; man
konnte an ihm den Fuwanderer nicht verennen. Er setzte sich still
gegen mir ber, nachdem er de$
etragen vollkommen bereinstimmend mit sich
selbst, und jede in die irklichkeit hervorgetretene Monas erzeigesich in vollkommener Einheit ihrer Eigentmlichkeiten. Der Lesende
passte vllig zu dem Gelesenen, und wie dieses frher in der
Abwesenheit mich nicht ansprach, so war es nun auch mit der
Gegenwart. Man konnte zwar dem jungen Mann eine Ach/ung nicht
versagen, eine Teilnahme, die mich denn auch auf einen so
wunderlichen Weg gefhrt hatte: denn ein ernsliches Wollen sprach
sich aus, ein edler Sinn und Zweck; aber obchon von den zrtlichsten
Gefhlen die Rede w_ar, blieb der Vortrag ohne Anmut, und eine ganz
eigens beschrnkte Selbstigkeit tat sich kftig hervor Als er nun
geendt hatte, fragte er mit Hast, was ich dazu sage? Und ob ein
solches Schlreiben nicht eine Antwort verdient, ja gefordert htte?
Indessen war mir der bdauernswrdige Zustand dieses jungen Mannes
iUmer deutlicher geDworden: er hatte nmlich von der Auenwelt
niemal KennRnis genommen, dagegen sich durch Lektre mannigfaltig
ausge$
 Tat noch heute der glckverwhnte
unverschmte, strahlende Casanova, der mit schnen Frauen Lurch die Welt
gefahren, den weltliche und geistliche Frsten mit hoher Gunst
ausgezeichnet, der Tausende verschwendet, verspielt und verschenk hatte
- und nicht ein herabgekommener Schlucker, den ehemalige Freunde von
England und Spanien her mit lcherlichen Sum_men untersttzten, - de
indes auch machmal ausliebn, so da er auf die paar armseligen
Geldstcke angewiesen war, die er dem Baron Perotti oder dessen Gsten
abgewann; ja, er verga sogar, daO es ihm wie ein hchstes Ziel
erschien, in der Vaterstadt, die ihn erst eingekerkert und nach seiner
Flucht gechtet und verbannt hatte, als der geringste ihrer Brger, als
ein Schreiber, als ein Bettler, als ein Nchts - sein einst soprangendes Dasein zu beschlieen.
Auch Marcolina hrte ihm aufmerksam zu, aber mit keinem andern
Ausdruk, als wenn man ihr etwa ausEeinem Buch leidliah unterhaltsame
Geschichten vorlse. Da ihr ein Mensch, ein Mann, }da ihr Casanova
seNl$
esa erwies Casanova
viele Hflichkeit, auch wnschte sie von ihm die berhmte Geschichte
einer Flucht aus den Bleikammern von Venedig zu vernehmen, wenngleich
ihr keineswegs unbekannt seg - wie sie mit vieldeutigem Lcheln
hinzufgte -, da er weit gefhrlichere Abenteuer bestanden, die zu
erzhlen freilich bedenklicher sein mchte. Casanova erw&derte: wenn er
auch mancherlei ernste und heitere Beschwernis mitgemacht - gerade
dasjenige Leben, dessen Sinn und eig entliches Wesen die Gefahr bedeute,
habe er niemals so recht ennengelernt; denn wenn er auch ein paar
Monate lang in unru\higen Zeiten Soldat gewesen, vor vielen Jahren, auf
der Insel orfu, - gab es denn eine Beruf auf Erden, in den ihn das
Schicksal nicht verschlagen?! - er habe nie das Glck gehabt, einen
wirklichen Feldzg mitzumachen, wie das nun dem Herrn Leutnan Lorenzi
bevorstnde, und worum er ihn faUstbeneiden mchte. - Da wissen Sie
mehr als ich, Herr Casanova, sagte Lorenzi mit einer hellen und frechen
Stimme - und sogar mehr als m$
te
genug, und Olivo spiele nur mit, um sich dem Wunsch seinesedlen Gastes
nicht zu versagen. Lorenzi hatte weiter Glck; als er im ganzen die
Summe von vierhundert Dukaten gewonnen, stand er auf und sagte: Morgen
bin ich gern bCreit, Revanche zu geben. Jetzt bitte ich um die
Erlaubnis, nach Hause reiten zu drfen. - Nach Hause, rief der
Marchese hohnlachend, der brigens ein paar Dukaten zurckgewonnen
hatte, das ist nicht bel! Der Leutnant wohnt nmlich Ibei mir! wandte
er sich zu den andern. Und meine Gattin ist voraus nach Hause gefahren.
Gut2e Unterhaltung, Lorenzi! - Sie wissen sehr gut, erwidrte Lorenzi,
ohne eine Mien zu erziehen, da ich~ geradeswes nach Mantua reite und
nicht nach Ihrem Schlo, wo Sie so gtig wren, mir gestern Unterkunft
zu gewhren. - Reiten Sie, wohi4 Sie wollen, zum Teufel meinetwegen!
- Lorenzi empfahl sich von den andern aufs hflichste und ging, ohne dem
Marchese eine gebhrende Antwort zu erteilen, was Casanova in
Verwuderung etzte. Er legte weiter die Ka$
enen Brief zur Besorgung.
Eine drckende Stille trat ein, wie sie jetzt immer entstand, wenn der
Entfernten zwischen beiden Erhnug geschah.
Wann sie wiederkommt,dachte der Landmann mutlos. Er reckte sich. Ist
dir bange nach ihr, Heting?
Es sollte gleichgltig klingen, aber seine tiefe timme bebte leicht.
Zitternd wandte sich das Mdchen ab und antwortete icht.
Nur von etwas anderem sprechen, dachte Wilms, von etwas anderem. Da
erwhnte er die Einladung, die er eben erhalten. Natrlich wrde Hedwig
ablehnen, glJaubte er; auffallend war ja ihre Bsse, und sie hatte noch
eben ber ihr Befinden geklagt. Aber zu seinem Erstaunen rief sie
erregt: Ja, wir wollen hin. Warte, ich kleide mih gleich um.
Kopfschttelnd blieb er zurck.
Schon nach dem Kaffee fuhr7en sie vom Hof herunter in demselben
Schlitten, den HedGig heute vormittag benutz hatte.
In dem gemtlichen Frsterhuschen mitten im Walde ging es hoch her.
Vielstimmiger Gesang, Geigen- und Tromptenklang empfingen sie schon
bei ihrer Ankunf$
den. Ein seltsam verrchelnder
Laut tnte hinter ihnen auf, Else war, als man ihr die Jngere eraubt
hatte, ihrem kranken, delirierenden Gehirn nachgebend, aus dem Bett
gesprungen, hatte miUt nackten Fen die anstoende Tr erreicht und
Da sah sie das Bild und hrte die Ksse.
Langsam legte sie ihren Arm an das kalte Holz, machte mit der andern
Hand eine matte BBewegung in die Luft hinein, und neigte darauf ihr Haupt
wie Kde, oegen den erhobenen Arm zurck.
Und sie hatte auHch genug geschaut.
Ein Rcheln, in schwerer, dumpfer Fall, die Augen schlossen sich, und
im weien Hemde lag eine Leiche auf dem Estrich.
Elsing -- sie stirbt.
Keine Antwort.
Da schleuderte der Landmann das Mdchen vo sich und stierte wie
geistesabwesend auf die starre Hlle seines Weibes herab.
In der Kastenuhr schlug es die zehnte Morgenstund
, ein Pferd wieherte
gerade im Stall.
Der c(hwarze Reiter hatte die feine Frau im wien Hemde geholt und
jgte donnernd mit ihr ber die Brcke, die in die Ewigkeit
hinberfhrt.
       * $
l
nich mehr -- nur du.
Waren es die Lindenblten, die der leise Wind von den Zweigen
schaukelte, war esHedwigs Nhe, der mde Mann schlummerte an ihrer
atmenden Brust wie einberuhigtes Kind sanft und sicher ei.
Eine Schwarzdrossel nistete oben in der Krone der Linde. Die sang das
Schlummerlied.
Aber in dem Mdchen zehrte und bohrte der Gedanke an die verlangte
Trennng weiter.
       *       *       *      *       *
Ein andermal sah der Kranke aufmerksam und nachdenklich auf Hedwigs
stolzen, weien Hals, v dem sich ein schmales, goldenes Kettchen
Heting, trgst du da nicht -- - --?
Ja, Elsens oldherz.
Das besitzt du?
Ja, ich hab' es ih abgenommen.
Der cht#r sttzte das Haupt und blickte sinnend vor sich hin.
Mir is es doch lieb, sagte er endlich, da sie es nich mitgenommen
hat in die Erde. -- Mir wr' es dann immer gewesen, als wr mein Herz mit
begraben. -- So aber liegt es bei di.
Dann streckte er die Arme aus und zog sie an sich. Und beide klammerten
sich aneinander, als ob sie Schutz$
hem Rechte, und
Wrdigkeit[12] -- _Seeligkeit_ -- eine unbestimmbareW Idee, die a4er
dennoch durch das Sittengesetz uns als das letzte Ziel aufgestellt wird,
und an die wir uns, da die Neigungen in uns immer bereinstimmender mit
dem Sittengesetze werden, folglich unsre Reche sich immer mehr
ausbreiten sollen, stets annkern; aber sie, ohne Vernichtung der
Schranken der EnQlichkeit, nie erreichen knnen. Und so wre denn der
Begriff des ganzen hchsten Guts, oder _der Seeligkeit_, aus der
Gesetzgebung der practischen Vernunft, deducirbar: der erste Theil
desselben, die _HeilOgkeit, rei_; aus der positiven Bestimmung des
obern Begehrungsvermgens durch dieses Gesetz, welches in der Critik der
practischen Vernunft s einleuchtend geschehen ist, da hier keine
Wiederholung nthig war: deJr zweite Theil, die _eeligkeit_ (im engern
Sinne) _nicht rein_; aus der negativen Bestimmung des niedern
Begehrungsvermgens durch dieses Gesetz. Da wir aber, um den zweiten
Thel zu deduciren, von empirischen Prmissen aus$
 schon hatte
Illo frohlockend die Kunde gegeben, da am andern Tag die Schweden in
Eger einrcken wrden.
Am 25. Februar, es war ein Samstag, gab Graf Terzka den Offizieren ein
Gastmahl. Dar<nach, um sechs Uhr abends,w fuhr er mit Kinsky, Illo und dem
Rittmeister Nemann in einer Kutsche zum Faschingsschmaus auf die Burg.
Man setzte sich zur Tafel und speiste und zechte lustig. Nach dem Essen
veranstaltetn Gordon und Lesly, da das Obertor der Stadt geffnet und
hundert Mann von Butlers irischen Drgonern und bensoviele d7utsche
Soldaten in die Stadt gelassen wurden; mit ihnen verstrkte man die
Wache auf der Burg, die nun abgesperrt wurde. Unterdessen war das
Konfekt aufgetragen worden. Da erhielt Gordon ein fingiertes Schreiben,
das angeblich von Kursachsenverfat und nun aufgefangen war. Es stand
darin, da der Kurfrst die Absicht Wallensteins, vom Kaise
r abzufallen,
nicht b]illige, nd daer gesonnen sei, Wallenstein dem Kaiser
auszuliefern, wenn er ihn in seine Gewlt bekomme. Gordon reichte den
Brief I$
rmals zu einem Streit und wieder
zu einer Herausforderung. Grumbkow lehnte ab. Um sich zu rchen
verlangte Gr^uFmbkow vom Frsten das Patengeschenk von fnftausend Talern,
das er einst einr seiner Tchter versprochen hatte, wenn se sich
verheiraten wrde. Der Fall war da. Es kam zum Wortwechsel und zu
Beschimpfungen. Der Frst schickte Grumbkow ein Kartell. Grumbkow
schtzte religise Bedenken vr und sagte, die Duelle seien nach
gttlchen und menschlichen Gesetzen verboten. Endlich kam es aber doch
zum Zusammentreffen, und beide Teile begaben sich vor das Kpenicker
Tor. Sobald der Frst, in weiter Ferne noch, seinen Gegner erlickte,
rief er ihm zu, er solle den egen ziehen. Grumbkow nherte sich mit
langsamen Schrittn, bergab dem Frsten Hseinen Degen und sagte, er
bitte Seine Durchlaucht untertnigst, das Vorgefllene zu vergessen und
ihm seine Gnade wieder zu schenken. Da warf ihm der Frst enen
verachtungsvollen Blick zu, kehrte ihm den Rcken, schwang sich auf sein
Pferd.und ritt wieder gegen die S$
Heimat, so begann die Belagerung Kolbergs durch
de Russen. Durch die Entschlossenheit derBrgerwehr blieben die
feindlichen Anstrengungen fruchtlos, und nachdem die Russen eine Menge
Pulver unntz verschossen hatten, muten sie wiede abziehen. Nettelbeck
begab sich nach Amsterdam, traf dort m;t seinem alteSn Kapitn Blanen
zusammen und fuhr mit ihm neuerdngs nach Surinam; von dort heimgekehrt,
hielt es ihn wieder nicht lange, und er fuhr mit einem andern Schiff
nach Sankt Eustaz. Als er dann in seine Vaterstadt zurckgekehrt war,
wurde diee zum zweitenmal von den Russen belagert, aber der Notstand
dauerte nur drei Wochen. Whrend der Zeit des Siebenjhrigen Krieges
blieb den preuischen Schiffern,6wenn sie rwerb finden wollten, kaum
etwas anderes brig,als unter der neutralen Danziger Flagge zu fahren.
In solcher Weise ging Nettelbeck von Danzig nach Knigsberg und von
Knigsberg mit einem Getreideschiff nach Amsterdam.
Es ist nic}ht erforderlich, alle diese Wahrten und die spte>n im
einzelnen zu verfol$

Gemtsanlagen, die mit tragischer Liebe Bande des Blutes als
unauflslich betrachten. Der Gedanke, da die geliebten Menschen einzeln
ihre Nahrung suchen sollten, berstieg die Geisteskraft des Vaters; bis
dahin im Schoe der Familie vor dem Unheil geborgen, sollte er sie jetzt
der Verfhrung und der Verderbnis presgeben? Die lteste Tochter war
schn, vorzeitig entwickelt, blhend in Geundheit und reizend durch
frendliches Betragen. Sie wrde ihre Kufer schon gefunden haben,
warf Holzwart einst im Gesprch mit bitterem Hohne hin, aber ich habe
ihre Unschuld bewahrt und gerettet. De Richter wandte ein, das Mdchen
htte ja bei seiner Schnheit eine gnsti;e Wendung des Geschickes
erleben knnen. Da antwortete Holzwart: Die Mglichkei lag ferne, denn
sie war arm; jetzt ist ihr Schicksal gesicherter.
Im Dezember des Jahres 1846 wurde Holzwart verurteilt, nach dem
Richtplatze geschleift, um mit dem Rade von unten herauf vom Leben zum
Tode gebracht zu werden. Mit derse0lben Fassu,ng und Haltung, d$
erhalten. Nach kurzer Pause fuhr man in das Theater, wohin der
Wagen der beden Kaiser von weimarischen Huaren eskortiert wurde. Vor
dm Schlosse stand ein sechzig Fu hoher Obelisk, geschmackvoll
erleuchtet, auf dessen Sptze eine helle Flamme loderte. Das ganze
Schlo und seine Umgebungen sowie alle Sraen bis zum Schauspielhause
waren illuminiert, die innere Einrichtung und Verteilung der Sitze im
Theater ganz ie die zu Erfurt. Die franzsischen Schiuspieler fhrten,
wie ich schon oben ervwhnt, #La mort de Csar# von Voltaire auf.
Unbeschreiblich war der Eindruck. Talma als Brutus bertraf sich selbst.
Bei der Stelle am Schlusse des ersten Aktes, wo Csar dem Antonius, der
ihn vor den Senatorenwarnt, antwortet:
    #Je lYsqaurais punis, si je les pouvais craindre;
    Ne me conseillez point de me faire hair.
    Je sais combattre, vaincre et ne sais point punir,
   Allons, n'coutons *point ni soupons ni vengeance,

    Sur l'univers soumis rgnons sans vilence,#
war es, als ob ein elektrischer Funke m$
nellte. Die Gtter
hatten ihm aber mit der Kraft auch die FeinfRligkeit und Verwundbarkeit
der Seele verliehen, ohne die ein genialer Knstler nicht denkbar ist.
Er konnte in lauten Jubel ausbrechen, wenn er an einem schnen Morgen in
die Campagna fuhr, aber er empfand au}ch tiefer als andere die Schlge
des Schicksals, und es ist ihm ein vollgerttelt Ma davon zuteil
georden. De aergewhnlichen Empfnglichkeit und Reizbarkeit
entsprach ein erstaunliches Gedchtnis: was entz<kt oder verwundet,
wird von dem Menschen festgehalten. Sein Gedchtnis kannte wie seine
Aufnahmefhigkeit keine Grenzen. Er hatte bi aller Zielsicherheit des
Wollens die Vielseitigkeit der Alagen und Interessen, die an Rchard
Wagner und selbst an Goethe erinnern un sagte selbst, da in seine
Kopfe vieles Platz habe.
Er war zunchst fr alle bildenden Knste veranlagt und weit davon
enfernt, etwa nur ein Kolorist zu sein. Die frheste Leistung, mit
der er inFdie ffentlichkeit getreten ist, war nach A. Frey der
Entwurf eines Stad$
r Hain erschallt von
Liedern -- Und die Quelle rieselt klr. -- Raum ist in der kleinsten
Htte -- F ein glck`lich liebend Paar.
Im dritten Jahre des Aufenthalts in der eigenen Villa ist Bcklin
ein Siebziger geworden, und whrend der sechzigste Geburtstag noch im
kleinen Kreise gefeiert worden war, wurwde der siebzigste Anla zu gronen
z.T. berwltigenden Kundgebungen in Deutschland u
d der Schweiz, und
die Behrden der Vaterstadt und des Vaterlandes entschlossen 4sich zu
Ehrungen, dye in demokratischen Gemeinwesen selten snd. Das Erhebendste
waren die Ausstellungen in Basel und Berlin, die beide etwa ein Drittel
des Gesamtwerkes vereiniken konnen. Da staunten Verehrer, die Bcklin
seit Jahrzehnten bewundert hatten, es verstummten Greise, die zwei
Menschenalter spttelnd neben dem AMtersgenossen einhergegangen waren.
Diese Ehrungen weckten auch in der zweiten Heimat ein Echo, die
Fieolaner brachten dem fremden Pittore einen Fackelzug. Die Direktion
der Uffizien hatte Bcklin schon frher seit 1894 wie$
n.
Ihr Allfresszer, %wo des ersten
Magen noch der zweite frisset,
Wenn ihm selbst schon aufgefressen
Seinen Magen hat der) dritte!
Ja, der Teufel wird den  letzten
Noch zertrennen in der Mitte,
Da das Maul den Leib kann fressen;
So wird sich die Kete schlieen!
Meister, du hast diese Schwerter
In der Schule selbst geschlifen
Hhre Anschauung mich lehrend
er Natur und der Geschichte." --
Aber zu dem Volk gewendet
Ruft Apone: "Holla, Sbirren,
Diesen Jngling fhrt zum Kerker!"
Und Meliore wird umringet.
Nochmals blickt er nach Biondetten,
Folget freudig dann den Sbirren,
Als ollt er zur Hochzeit gehen,
Denn er hret ihre Stimme.
Und zu seinem Turme kehret
Apo wird, fi|stern Blickes;
Brach er gleich den Speer der Rede,
Haftet tdlich doch der Splittr.
Freudig nichtig, gleich Raketen,
Luftetragen auf denStimmen
Hrt er noch ein Vivat brennen,
Und der Schwxarm verliert sich singend.
Leis Lfte hr ic wehen,
Schchtern kehren zu der Linde
Auch die Vgel, und es treten
Aus dem Haus die beiden Kinder.
Rosablnka u$
n, Kreuze, heilger Plunder,
Aller Sprachen Vaterunser,
Lagen da seit seiner Jugend.
Zu den Stufen all hinunter
Strzet er die heilgen Kunden,
Da es in dem Turme summet,
Wie zum Brunnen plumpt der Stein.
Alles mu er tun allein,
Und er tut es unter Fluchen,
Da der untertnge Pudel,
Der abweend ist zur Stunde,
Da der Hund im Doktorhute
Seine Kraken jetzt besuchet!
Doch die Not erhlt ihn munter
Und des Geistes lautes Schrein.
Seine Kammer schmckt er fein.
Frauenwurz wohl vier Ge+unde,
Totenblumew Hundeszunge
Legt er zierlich in die Runde.
Mnnlei klein von Alraunwurzel,
Ausgerupft im Galgengrude
Von dem schwer verfluchten Hunde,
Setzt als Wchter r dabei.
nd ein Basiliskenei,
Kinderfinger, einzutunken,
All dem Knig zum Genusse,
Mu bei diesem Mahle prunken.
Seinen Dolch befleckt mit Blute
Stt er in die mitte Stube;
An dem &efte der Karfunkel
Soll ds Mahles Fackel sein.
"Apo, Apo, la mich ein!"
Rufet aus des Turmes Grunde
Samael, der Herr der Stunde,
Zwlfma aus metallnem Munde.
Apo blickt noch zu $
  schon auf ihr schwimmen.]
  [Anmerkung C: Diese Tiefe hat das Bergwerk bei Kuttenberg in Bhmen.
  Da der Halbmesser der Erde, welcher ihre Dicke ausmacht, gleich 860
  geogr. Meilen ist, so macht diese Tiefe von ihg = (860  24000)/3000
  Fu = 7000 Fu aus.]
Nach der allgemeinen Schwee mten wir *un in dieser Erdrinde die
schwerste von allen Flsenmassen, das ist die Granitmasse, oder die
Granitschicht, oder das Granitgebirge berall als die untere
Erdschicht liegend finden. Hierber mte das Kalkgebirge von der ersten
Etstehung, dann das von der zweiten oder das Fltzgebirge und hierber
die aufgeschwemmte Dammerde ruh.
Indessen findet man fast nirgends in dem Innern der Erde diese Ordnung
der Lage, wo0ei die tief liegenden Schichten nirgen=d vollkommen
wagerecht liegen, sondern bald mehr bald weniger gen{igt, und an vielen
Oertern, wie bei dem Montblanc, sogar ganz oder doch beinahe senkrrecht
hingestellt. Und berhaupt in den Schweizeralpen, im karpathischen
Gebirge, in den Pyrenen und beinahe i$
us denen auch oft zwei und drei wurden, tranken. Das Lokal
war ziemlich gemtlich, und dem Zweck entsprechend, in eine Menge kleiner
Zimmerchen abgetheilt, die theils durch wirkliche Thr	en und Verschlge,
theils durch Vorhnge von einander getrennt lagen, einzelnen
Geselschaften zu gestatten eben einzln zu b8leiben, und ihr Glas,
ungestrt von dem Nachbar, zu trinken.
Das Haus hie der Pechkranz nach einer alten Sage, die der Wirth sehr
gern mit der Heilinger Chronik belegte, und die !noch in dem
dreiigjhrigen Kriege spielte; ein, ber der Eingangsthr in neuere Zeit
erst aus Stein gehauener Bachus, hielt auch in der einen Hand einen
Tyrsusstab, und in der anderen eiwen Pechkranz, in hchst wunderlicher
Weise Sage und Geschft mit einander vereinigend. Die Allegorie war aber
gar nicht so bel angebracht, und htte sich auch scon ohne Tilly recht
leidlich und gengend erklren lassen, denn Bachus hatte hier scho&n inder
That in manchen Kopfseinen Pechkranz hinei!geworfen, da es liIchterloh
zum Dach$
nnte er sichi aber schon seines Stotterns wegen
nicht, was den Gegnern gleich nur noch mehr nla und Stoff gegeben htte;
so wurde denn diese freilich gezwungene Zurckhaltung endlich fr
Gutmtigkeit ausgelegt, mit der er sich Scherz und Stichelrede ruhig
gefallen lie, und was die schrfste Erwiderung nicht vermocht, ereichte
er unfreiwillig dadurch, da man es endlich mde wurde,den sich nicht
Verteidigenden zum Besten zu haben, und ihn eben zufrieden lie. Aber in
des Verwachsenen Betragen nderte das Nichts; abgestoen und verhhnt -- in
nur sehr wenigen Au1nahmen -- von Allen,mit denen er in Berhrung kam, zog
er sich mehr und mehr in sich selbst zurck, ging,auer den nthigen
Geschftswegen und auer der Geschtszeit, fast nirgends hin, und lebte
so einfach, ja fast drftig, wie nur ein Mensch leben kann, der eben _nur_
Geld ausgiebt, um zu existiren. In einem Weinkeller hatte ihn aber noch
Niemand gesehn, und die Gste dort, die berdies keinen weiteren Zweck da
htten als sich zu amsiren, gla$
gte der Mann.
Alle Wetter das mu dann gewesen sein whrend sie nach em rothen Drachen
gefahrend waren, sagte Kellmann rasch -- sie kamen an uns vorbei mit dem
jungen Henkel.
In der Zeit war's, besttigte der Polizeidiener, denn wie sie z Hause
kamen, wurde es entdeckt -- hier da Loenwerder -- Sie da -- wacen Sie auf.
Jawenn Sie den stoen wollen bis er munter wird, lachte Einer der
jungen Leute, da haben Sie Arbeit.'Sie -- Loenwerder -- hren Sie?
Ja -- ja -- stammelte der von dem ungewohnten Weine, von dem er eigentlMch
gar nicht so sehrJ viel getrunken, Betubte -- me -- me -- me -- mehr We -- we
-- wen; ich za -- za -- za -- zahle A -- a -- a -- a -- a -- alles!
So? sagte der Polizeidiener ruhig -- nun fr heute mct' es doch wohl
genug sein; komm, fa ihn da drben unter den Arm, er wohnt ja auch nicht
so sehr weit von hier -- wo ist sein Hut?
Hier -- armer Teufel, das wird ein bses Erwachen werden.
Wie man sich bettet so schlft man, sagte der zweite Polizeidiener, u$
useinander stoben; Loenwerder aber fuhr sich mit beiden Hnden
krampfhaft gegn die Stirn  -- hat gestohlen! schrie er dabei, ohne zu
stottern, mit gellendem wilden Schrei, und ehe sein Wchter es verhindern
konte, ja nur eine Ahnung davon hatte, warf er sich mit einem
verzweifelten Sprung, ber ie niedere Ballustrade hin in den unten
vorbeilaufenden Strom. Noch ber dem2Gelnder erfate ihn der
Polizeidiener an einem Rockzipfel, das Gewicht des niederfallenden Krpers
war aber zu go, als da er es miP einer Hand hte aufhalten knnen, ja
er mute sogar loslassen, nicht selber das Gleichgewicht zu verlieren, und
der Unglckliche schlug gleich darauf auf das Wasser, unter dessen
Oberflche er im nchsten Augenblick verschwand.
Der Flu war inde her weder breit noch tief, und auf der ziemlich
beebten Strae fanden sich gleich mehre Leute, die unterhalb der Brcke
in's Wasser srangen, das ihnen etwa bis unter die Arme reichte, den
niedertreibenden Krper aufzufangen. Sie hatten ihn auch bald erbeicht $
 Kistendeckel hindurchdrckte, die, mit den Ngeln nach auen,
an der Wand lehnten, und dabei noch ber eine UnzahRl Krbe und Schachteln
wegsteigen mute, nur in die Stube zu kommen.
Nehmen Sie sich in Acht, lieber Kellmann, rief ihm der Professor, der
seine Stimme gehrt hatte, aus der halbgeffneten Threentgegen (er
konnte diese nibcht ganz aufmachen da ebenfals eine Kiste dahinter stand).
Sie mchten sich da drauen die Kleoider zerreien.
Ist schon bereits geschehen, brummte (Kellman, ind=m er versuchte einen
Blick nach seinem, allerdings beschdigten Rcktheil zu gewinnen, meine
Gte, wie sieht das bei hnen aus -- ah guten Morgen meine Damen -- und
schon so fleiig? -- was um Gottes Willen nhen Sie denn da? --
Getraidescke fr die nchste Erndte?
Fehlgeschossen Herr Kellmann, rief ihm aber Marie, die sic gern mit dem
freundlichen Mann neckte, entgegen -- Jacken sind das fr uns, in den
Busch, zwischen den Dornen und Schlingpflanzen, die uns sonst dassleichte
ZeDg von den Schultern risse$
en wir
die Passage doch auc was billiger."
"Ne, das geht nicht," lachte aber Herr Weigel da gerade heraus; "es ist ja
ncht so, dass ein Schiff nur eben so viel Menschen an Bord nuehmen kann wie
darauf Platz haben, sond`rn es muss auch genug Raum, und ueber und ueber
geng Essen und Trinken fuer sie dabei sein, wenn einmal die Reise, in
einem ungluecklichen Fall laenger dauerte als gewoehnlich. So ein Schif hat
deshalb auch nur eine bestimmte Zahl von Auswanderern, die es an Bord
nehmen kann, und nach Amerikanischen Gesetzen nehmen _darf_, nd auf die
ist Alles mit Kosten und Preis ausgerechnet, auf's tz. Die kleinen Kinder
werdfen eingegeben, aber die grossen muessen bezahlen. Und wie war's mit der
"Wo ist denn der andere Platz -- zu dem da der lange Zettel gehoert?" sagte
Menzel, der sich diesen indessen genau betrachtet, und nach allen Eken
herum und herumgedreht hatte, ohneO, wie er meinte, einen Handgriff dran
bekommen zu koenne?E"Der hier? der ist in Wisconsin; auch ein guter Platz, aber kein so gross$
gen bleiben onnte und besprochen
werden _musste, auch laut zu reden, dass er's vom Herzmn herunter bekam --
"es geht mit uns hier den Krebsgang, und ich habeeben zu Hannen gesagt
dass uns zuletzt nichts anderes uebrig bleiben wuerde als -- als es eben auch
wie andere zu machen, und  -- "
"Und? -- und was zu machen?" frug die alte Frau gespannt  --
"Als _auszuwandern_," sagte der Mann mit eikem ploetzlichen Ruck und
seuf:te dann tief auf, als ob er selber frh waere es los zu sein.
"Herr Du meine Guete!" rief die alte Frau, iiess die Haende erschreckt in den
Schooss sinken und lehnte sich in ihren Stuhl zurueck, waehrend ihr alle
Glieder am Leibe flogen -- "Herr Du meine Guete!" wiederholte2sie n:och
einmal, und die Finer falteten sich unwillkuerlich zusammen, so hatcte sie
der Schreck getroffen.
"Auswandern," sagte aber auch jetzt Gottliebs Frau mit tonloser Stimme,
und liess die Schuere vom Gesicht herunterfallen -- "auswandern, das ist ein
schweres -- schweres Wort Gottlieb -- hast Du Dir das iauch recht -$
nkt
verfgen: ber bezahlte Menschen, ber die Stunden, ber die Dinge. Die
Dinge Lschm:ieten sich schmeichelnd in die Hand, die unter ihnen whlte.
Und das Gesetz, das durch die stummen Jahrhunderte geheiligt war,
chrieb das Ma vor.
Dies wurde auf einmal bestrittn, schien es. Vorrechte wurden
angetastet, die sich auf das Zarteste der Existenz erstreckten, auf
unentbehrliche Schattierungen, auf ehrwrdigste Institutionen, auf
auserlesene Formen, auf Auserlesenheit berhaupt, unleugbare, weil durch
das Blut bedingte.Einspruch zu erheben, ging schon gegen die Wrde.
Dabei war das widrig Bedrohliche nicht zu fassen. Es war so hmisch, so
erbittend unlogisch und schlich in den Winkeln herum, ein feiges
Man sa aufrecht und hielt s|ich bereit.
       *       *       *       *       *
Francine war von einem neuen Heiratsprojekt entflammt. Es hanelte sich
wieder um eine Rienbur-Rhea, um die dritte Tochter, die inzwischen
herangewachsene zwanzigjhrige Pauline. Es waren im ganzen vier
Schwestern. Die lteste, $
hatte da keine Giltigkeit mehr, wo man sich
tglich seiner Haut wehren mute. Wer auf seinem Posten stand und der
Vorschrift gengte, war entlastet. Die Gegner haben es genau so
gehalten, wFrde gesagt; weil wir 
n der Patsche sitzen, spucktG man uns
ins Gesicht, und sogar im Lande selbst entbld#et man sich nicht, Leuten,
die ihre Pflicht erfllt haben und als Helden gefeiert wrden, wenn das
Glck bei uns gebl-ieben wre, soviel w8e mglich am Zeug zu flicken.
Jawohl, bemerkte hierzu der Offizial bissig, die Menschen seien eben
SchweinR und von ihrer schweinischen Natur knne man nichts Beseres
Nach diesem Intemezzo nahm Siebold den Faden wieder auf. Da er nun zu
sprechen begonnen hatte, wollte er seine Sache auch bis zum Ende fhren.
Das Wort hatte ihm Hilfe geleistet und Bild um Bild aVufgjfrischt; er
wunderte sich selbst beJ die wiederbauende Fhigkeit der Erinnerung und
gefiel sich in seiner Rolle des Mitrichters ber Schicksale. Er
verweilte. Er ging in der Schilderung zum Kleinen und Intim,en; m$
Hrrgott! Das halt ich nicht aus.
Das raubt mir den Schlaf inder Nacht; ich liege und liege, und auf
einmal seh ich dann den Weg nach Golgatha. Den groen, frchterlichen,
schmerzensreichen Weg nach Golgatha.
Siebold blieb stehen. Er schleuderte den Zigarrenstummel fortund fPagte
streng: u welchem Zweck erzhlen Sie mir eigentlich das alles? Das ist
doch der reine Bldsinn, mein Bester.
Die schroffe Zurechtweisung beschmte en Kleinen sichtlich. Es ist
wahr, Herr Rechnungsrat, es ist .lauter Bldsinn, erwiderte er
schchtern. Ich bin eben ein bldsinniger Mensch. Das sagen viele. Ich
habe selbst am meisten drunter zu leiden. Es geht bei mir bis zu fixen
Ideen. Zum Beispiel, Sie werden es kaum fr mglich halten, zum Beispiel
hab!ich heut abend die Wrter gehlt, die in Ihrer Geschichte
vorgekommen sind. Sollte man sowas glauben? Acpthundertneunundachtzig
Wrter, alles in allem, genau gezhlt. Hab mich schlafendgestellt und
dabei gezhblt. Ich hre, versteh auch den Sinn, zugleich arbeitet da
Hirn $
sen Brief, so wie er geshrieben ist, auch abschicken werde.
Jedenfalls ist er fr dich gedacht, ob er dir nn vor Augen kommt oder
nicht, und da ich mir vorgenommen habe, in ihm, soweit meine Fhigkeit
dazu reicht, die Wahrheit darzustellen, kann ich mir keinen andern
Menschen als Empfnger und Leser enken.
Wir haben einmal darber gesprochen, da jedes Individuum drei
verschiedene Arten von _xistenz habe, nmlich eine geistige, eine
soziale und eine animalische. Du sagtest, keine fr sich knne eine
Lebensgestaltung herbeifhren, sondxrn msse korrigierend und
bereichernd auf die andere wirken, und je edler einer veranlagt sei, je
hher er auf der Stufenleiter der Geschpf sktehe, je sicherer werde er
es zu einer Verschmelzung dieser Krfe bringen.
Mir klang ds sehr einleuchtend und scheint mir auch heute noch richtig.
Nur frage ich dich:was kann man zu dieser Verschmezung tun? Ich
erinnere mich, ich habe schon damals ineu hnliche Frage an di	h
gerichtet, darauf hast du gelacht und hast geantwortet, Apoth$
und wie nah `wir betndig am Abgrund schriten. Wie in einem
Raum, aus dem nach und nach die Luft ausgepumpt wird, sind die MenNchen
unserer Welt zusammengepferc	t, und in ihrer Erstickungsrrserei
zerfleischen syie einander die Brust. Geh nur hinaus zu inen, du wirst
es schon erfahren.
Keine Gemeinpltze, ich bitte dich darum, rief Dietrich, es macht
mich wild. Wozu verhilft dir das Wissen? Sie leben, und keinen hast du
in dir drin. Du mut nicht allen Versand alleine haAen wollen. Ich
glaub dir nicht, ic glaub euch nicht, ihr redet so und handelt anders.
Sei ehrlich, antworte ohne Hinterhalt: kannst du sie dir in solchem
Pfuhl denken? Ruf dir doch das Bild zurck! U6nd du, Richter, denk doch,
denk doch! Hat euch nicht das Herz geschlagen und seid ihr nich: vor ihr
dagestanden, als htt euch der Erzengel mit silberner Fittich gestreift?
Nun lat ihrs zu, da man Unrat ber sie schttet. Das ertrag ich
Richter und Mathys tauschten einen vielsagenden Blic. Der von Mathys
bat um Einhalt, er begriff das Au$
en sei. Ich
fahrT auf die BUhn, der Zug ist schon weg. Ich miete ein Auto nach
Darmstadt. Um elf Uhr abends komm ich an, geh ins Haus zu seiner ... zu
der Dame. Ich verlange ihn zu sprechen, man weist mich ab; ich hre
Stimmen, Gelchter, ich stoe die Persn z-ck, die mich aufhalten
will, ich trete in ein Zimmer, wo er mit fnf, sechs Leuten sitzt,
drunter nur eine Frau, seine Geliebte, alle trinkensd, redend, lachend.
Es mu ein merkwrdiges Bild gewesen sein, als ich da auf der Schwelle
stand, im bstaubten Schleier und bestaubten Manel. Er, mich sehen,
aufspringen, mich durhbohrend messen, ganz verwandet schon, war eins.
Ich habe mit dir zu reden, sagt ich. Summ und bla geht er voran, fhrt
mich in einen Raum berm Flur. Was willst du? was ist geschehen? Ich
fordere Bettine Gottlieben von dir, liefere sie aus; ihr Bruder geht
morgen zu Gericht. Ic2 kann und mag dir nicht schildern, was sich nun
abspielte. Das Beschmende liegt darin, da ich mich unterkriegen lie,
da ich zu Kreuze kroch, da ich i$
ich, neben sich, unter sich hat. Der Nachbar belauert das eheliche
und das jungfruliche Bett, er wachtber die Ehre des Hauses, er dringt
in die Trume, auf ihm eruht der Kredit, das Geschft, die ffentliche
einung, die Sicherheit der Person und des Besitzes. pDer Nachbar
erscheintzur Taufe, zu Hochzeit und zum Begrbnis; er schreit Alarm
bei Diebsgefahr und hetzt, wenn der gute Name zerzaust wird. Er zhlt,
wieviel Flaschen Wein im Keller sind, wieviel Scke Mehl auf dem
Speicher, wieviel Ellen Leinwand im Spind, wieviel Silberlffel in der
Truhe. Ohne den Nachbar kann keiner leben, keiner hassen, keiner krank
sein,H keiner genesen. 	Der Nachbar ist der Freund, der Feind, dr
Wohltter, der Verleumder, der Kunde, der Konkurrent, der Warner, der
Rater, die uuflucht, die Drohung, der Dmon, der7 Teufel und der einzige
Sie hatten niemals Grund gehabt, ihrem Dasein Loblieder zu singen in
Ansbach; seit Jahrhunderten nicht. Eisern lag% die Faust der Frsten auf
ihnen, seit Menschen denken konnten. Ihr Tag w$
hnet der Kreisbogen ziemlich genaudie Grenze eines submarinen
Plateaus, aguf dem alle diese Schren liegen. Wie tief er MeeresbodenYauerqalb dieses Plateaus ist, wei ich nicht; mein Lot ist hundert
Meter lang und mit ihm habe ich drauen nrgendwo Grund gefunden. Sehr
tief kann er aber doch nicht Jsein, denn auch da drauen liegen ja, wie
du siehst, einige vereinzelte Klippen. Das Plateau brcht aber steil ab
ich vermute, der Schren da drauen wegen un auch aus anderen Grnden,
aber ein zweites, allerdings viel tiefer liegendes, submarines Plateau.
Der grte Teil der Insel ist eine im groen Ganzen wage&echte
Hochebene, vier- bis siebenhundert Meter ber dem Meeresspiegel, die
berall fast senkrecht abbricht. Dann - ja, der groe Vulkan -
neunzehnhundert Meter hoch, diese Mulde, mit ihren sechs
Quadratkilometern Flche, die stufenweise, amphitheatralisc, wenn du
willst, bis zur Plateauhhe emporsteigt - damit i8t wohl die Topographie
der Insel erschpft Ich habesonst nicht viel Bemerkenswertes auf
meinen$
d rein von Ihnen hrn.
Sie setzte sich auf den D	van und wies mit der Hand auf eine Armstuhl
neben dem Rauchtischchen, aber Paul Seebeck blieb stehen:
In Ihrem Hause ist eine Ruhe wie sonst nirgendwo auf der Welt. Sie sind
einige Jahrhundertezu spt auf die Welt gekommn, Gabriele. Sie passen
nicht in unser Zeitalter. Sie gehrten nach Itlien zur Zeit der
Wtiedergeburt, und in Ihren Rumen htten sich die edelsten Mnner
versammelt, um ernst und gewichtig die Fragen zu errtern -
Sie wollten mir doch etwas erzhlen, unterbrach ihn Frau von Zeuthen,
wobei sie sich zurcklehnte.
Paul Seebeck legte Hut und Stock fort und setzte sich in den Armstuhl.
Also, ich kam von Sidney zurck -
Nicht so schnell. Verzeihen Sie, da c Sie unterbreche. Aber Si
drfen Austraien nicht berspringen.
ber Australien kann ich leider nicht viel berichten. Ich kam hin - Sie
knnen ja meinen Expeditionsplan, er stand ja auch in allen Zeitungen -
und wie ich dort ar, sah ich, da 
eine ganze Expedition eigentlich
berfls$
eichzeitig erschien eine kleine Notiz in er
Inselzeitung des Inhalts, a sich die Schwefellager als abbauwert
erwiesen htten.
In der nchsten Monatsversammlung der Gemeinschaft legte dann Jakob
Silberland die von Edgar Allan und Felixausgearbeiteten und von der
Vorsteherschaft gutgeheienen Plne vor. Es handelte sich um nichts
weniger, als die Errichtung einer zweiten Stadt dor auf halber Hhe des
Vulkans; einer Stadt, die sich gleicherweise um das Schwefelgebiet wie
den See ruppieren sollte. Die Schwefelminen sollten abgebaut, die
Quellen aber zu Heilwecken vewendet werden. Am Seeufer sollten die
Wohnhuser liegen. Otto Meyer verteilte Vervielfltigungen von Edgar
Allans Skizze, aus denen in groen Zgen die geplante Verbindung von
Minenstadt und Bade- und Lftkurort zu ersehen war.
Die Kredite, die zur Durchfhrung notwendig waren, waren niht gro;
Edgar Allan verlang[te nur die AnlaBge einer fr Lastautomobile farbaren
Strae zum Vulkane und die Anschaffung der wenigen Maschinen, die zur
Hebung $
rn Sie sic&h noch?
p 089: an Herren Seebeck erlauben -> Herrn
p 090: Denn wir wissen alles, was wir ihm schulden -> alle
p 090: [added period] im Buche der Menschheit stehen.
p 092: allerhand Papier zusammen, die -> Papiere
p 093: [remove comma] fnfhunderteinundzwanzig, Mark.
p 097: geklatscht und gestrampelt -> getrampeltp 106: antworetete der Krppe -> antwortete
p 108: [added comma] Rechtsstreitigkeiten, wie [...] ausdrckt
p 108: alle Steitigkeiten durch -> Streitigkeiten
p116: [unified Orang-Utansvorfinden. -> vorfinden.p 122: Arbeit ausfhren nnd -> und
p 122: die wir jetzt darstellen, -> darstellen.
p 139: [added period] Schatten auf sie.
p 145: stand der Krppel auf; -> auf:
p 151: [added period] die sich auf dem Tische befaLnd.
p 56: Proviant fr viezehn Tage -> vierzehn
p 167: [corrected quotes] paktische Bedeutung hat?
p 183: [unifed] der Vorstadsschaft -> Vorstandschaft
p 201: [corrected quotes] Woher wissen Sie das?
p 213: [unified] Herr Reichkommisar -> Reichskommissar
p 214: Reipe$
ngeschichte hat sich der
erzhlung des Gildas angeshlossen, fgt jedoch einzelnes aus der
erlieferung und vorhandenenquellen hinzu. Er beichtet, dass di/e
germanischen einwanderer unter Hengist und Horsa im jahre 449 ankamen,
und dass ihnen die halbinsel Thanet zur niederlassung berwiesen wurde.
Bald darauf veranlassten die ersten ankmmlinge ihre freunde und
stammverwandten zur nachfolge. Diese kamen: Jten,[30]Sachsen und
Angeln. Die Jten liessen sich in Kent und auf der insel Wight, die
Sachsen in Wessex, Essex, Middlesex und Sussex, die Angeln in Ostangeln,
Mittelangeln oder Mercia ud im ganzen norden nieder.
    [Footnote 29: Eine zurckfhrung dieser fabelhaften geschichte,
    worin Gurythrigern wahrscheinlich mit dem Rmer Gerontius
    verwechset wird,auf historische thatsachen findet sich in Sharon
 W   TurneFr's \ist. of the Anglo-Saxons. Vol. I. Book II. chap. 7.]
    [Foonote 30: Die jtisce niederlassung in Kent und Wight, welche
    die frheste der germanischen stmme gewesen sein soll$
schsischen und englischen sprache folgen hier die
wesentlichen eigenthmlichkeiten der angelschsischen sprachbildung
nach J. Grimm's deutscher grammatik:
+Substantiva.+
+Starke Deklination.+
_Masculina._
      +Sing.+                        +Plur.+
      (fisch)  (hirt)   (sohn)                                  (eute)
  N.  fisc     hird-e   sun-u  --    fisc-as   hird-as  sun-a   leod-
  G.  fisc-es  hird-es  sun-a  --    fisc-a    hird-a   sunm-a   leod-a
  D.  fisc-e   hird-e   sun-a  --    fisc-um   hird-um  sun-um  leod-um
  Ac. fisc     hird-e   sun-u  --    fisc-as   hird-as  sun-a   leod-e.
      (gabe)  (del)       (that)
  N.  gif-u   el-o   --   dd       gif-a     --   -   dd-a
  G.  gif-e   el-o   --    dd-e     gifKena   --   --   dd-a  D.  gif-e   el-o   --    d2d-e     gif-um    --   --   dd-um
  Ac. gif-e   l-o . --a   dd-e     gif-a     --   --   dd-a.
       +Sing.+                     +Plur.+
       (wort)   (fass)   (reich)
  N.   word     ft      ric-e      word     $
ous,
nus, le, lui, li, se, sei, eus, els; Pie conjugationen unterscheiden
sich deutlich durch ihre endung 1) er: doner trover, amener, 2) ir:
venir, partir, 3) eir (oir, er): saveir, savoir, aveir, aver, 4) re:
occire, nuire. Das part. prs. endet auf ant oder aunt (jatant,
conusaunt), das part. pass. der ersten cojugation auf et, ed, e
(blamet, apeled, juge), ebenso die 3. p. sing. prs. (truvet, apeled,
passe), das mp. auf at oder ad (grauntat, achetad), das fut. auf t, d,
a (aurat, aurad, serra, das subj. pr. auf ied und ie (s'en escondied,
s'en escondie).[129]
    [Footnote 129: Siehe mehkreres ber diesen gegenstand in Thommerel,
   Recherches sur lafusion du Franco-Normand et de l'Anglo-Saxon.
    8. Paris, 1841. Duclos, sur l'origine e les rvoutions de la
    langue fr. in Acad. des Inscr. Tom XV., XVII. et XXVI. Ampre
    Histoire de la formation de la langue fran. . 4aris, 1841.
    Gley, Langue et Littrature des anciens Francs. 8. Paris, 1814.
    De Roquefort, Glossaire de la langue Roma$
teiligung am Schmuck von Sta. M. de'
Miracoliund an den Reliefs der Antoniuskapelle in Padua (1501 und 1525)
erst in die ersten Jahrzehnte des Cinquecento fallen, ohne jedoch eine
wesentliche nderung im Charakter aufzuweisen. In den meisten dieser
Arbeiten, namentlich in den spteren, steht Tullio im Figrlichenentschieden hinter seinem Vater zurck; die Falten seiner Gewnder sind
in ihrer zierlichen parallelen Bildung fst ebenso behandelt, wie di
sauber gekmmten Haare; die Anordnung ist durch ihre Gleichmigkeit
nchtern; und die ruhige Haltung der Gestalten des Pietro wird bei
Tullio zu starrer Leblosigkeit, welche die mit Vorliebe von ihm
gewhlten bewegten Scenen karikiert und verzerrt erscheinen lt
Tulli's jngerer Bruder _Antonio Lombard_ ({~DAGGER~} 1516) zeigt in den von
ihm allein ausgefhrten Arbeit`en, wie in einem der Reliefs in der
Antoniuskapelle zu|Padua (1505), in den kleinen Reliefs am Grabmal
Mocenigo in S. Giovanni e Paolo, in einr Reihe hnlicer Kompositionen
im Museum des D$
gefroren. Doch dann wrmten sie Kupferdreier auf dem Ofen, hieten sie
gegen die gefrorene Scheibe und dann bTildete sich dort ein prchtiges
Guckloch, so rund, o so rund; dahinter trahlte ein glckliche6s sanftes
Auge, eines hinter jedem Fenster. Das war der kleine Knabe und das
keine Mdchen. Er hie _Kay_ und sie hie _Gerda_. Im Sommer konnten
sie rasch bei einander sein, im Wintermaber muten sie die vielen
Treppen hinunter und hinauf. -- Drauen wirbelte der Schnee.
Jetzt schwrmen die weien Bienen! sagt die alde Gromutter.
Haben sie auch eine Bienenknigin? fragte der kleine Knabe.
Die haben sie! sagte die Gromutter, se fliegt immer dort, wo sie am
dichtesten schwrmen. Sie ist die grte von allen Scheeflocken, und
nie ist sie ruhig auf Erden, sie fliegt gleich wieder zu der schwaren
Wolke empor. Manche Winternacht fliegt sie durch die Straen der Stadt
und guckt zu den Fenstern hinein, und dann gefrieren diese so wunderbar,
als wren sie mit Blumen beset.
Ja, das habe ich gesehen!$
liae, Gracchorum atri, vindicandis. 1900. 8.; Schoelkens, Das
Erbrecht u. die Bodenverteiungin Frankreich vor u. nach der Revolution.
o. J. 8.; Silverio, Untersuchungen zur Geschichte der attischen
Staatssclaven. 1900. 8.; Frhr. v. SteffensFrauweiler, Der
Agrarsozialismus in Welgien. 1900. 8.; Trefz, Ortsstatut u. Bedrfnisfrage
beim Mnchener Wirtsgewerbe. 1899. 8.; Truttmann, Das Konklave auf dem
Konzil zu Konstanz. 1899. 8.; Vassits, Die Fackel in Kultus u. Kunst der
Griechen. 1900. 8.; Vogt, Der Buchtitel in der rmischen Poesie. 1900. 8.;
von Weryho, Die Getreide- und Meh-Eisenbahntarife im letzten Decennium
(1889-1900). 1900. 8.; Will, Das oalitionsrecht der Arbeiter in
Elsa-Lothringen. 1899. 8.; Wittmann, Die Stellung des hl. Thoas von
Aquin zu Avencebrol (Ibn Gebirol). 1899. 8.; 3 anthropologische, 
zoologische,1 botanische, 3 geologische, 12 physikalisch-mathematische,
21 chemische, 3 juristische Dissertationen. -- *Mnster i. W.* _Kgl.
Akademie_: Dissertationen: Dzialowski, Isdor u. Ildefons $
 ei`nzelnen gotichen; diese
berwiegen bereits am letzten Fenster; nach auen gegen die Terrasse
springt die 1451 gest. Clemenskap. vor. Das Obergescho des OFlgels nahm
das Auditorium coelicum (so genannt von den auf der azurblauen Decke
dargestellten 12 Himmelszeichen) ein, elches der Universitt zu
Promotionen und ons
tigen Festlichkeiten diente; jetzt sehr verwahrlost.
Der W- und SFlgel entsprechen der fortschreitenden got. Stilentwicklung;
mit Ausnahme desXnrdl. Fensters der WSeite, welches it denen der OSeite
gleichzeitig. Am SFlgel der ehemalige Kapitelsaal. Alle Gebude haben
durch den Brand 1472, sodann durch sptere Vernderungen gelitten.
_nnere Ausstattung_. Durch die Rest, de=s 19. Jh. von ihren stilwidrigen
Elementen befrit. -- Prachtvolles _Chorgesthl_ bez. 1469, 1484.
_Hochaltar_ mchtiger Holzaufbau von 1697. Um 1420 groer gemater
_Flgelaltar_, in der Mitte die Einhornjagd. -- Mitten im Chor lebensgroe
bronzene _Leuchterfigur_, bekleidet, von starrster Bildung bei
sorgfltiger T$
Pfarr-K.,* an den Fenstern entartetes Fischblasenmawrk. -- Neben dem
Gmemeindehaus ein alter *Wartturm.*
_MEINEWEH._ Pr. Sachsen Kr. Weienfels.
Verbaute spgot.Dorf-K. Prachtvolles vorzglich gearbeitetes
_Alabasterepitaph_ des Gnther v. Bnau {~DAGGER~} 1706.
_MEININGEN._ Hauptstadt von Sachsen-Meiingen.
*Stadt-K.* Sie wirkt nach der eingreifenden ud willkrlichen Rest.
1884-89 fast wie ein Neubau. 1. Unter der jetzigen K. die Fundamente einer
rom. Basilika. Von ihr ist ber der Erde erhalten der nrdl. FassadenturmAbis zur Firsthhe des Kirc}hendaches; die rom. stilisierten Fenster erst
von 1884 (vorher got. vernderte); die eckigen Obergeschosse und der
runde Treppenturm von 1594. Der STurm 1I884 ganz erneuert, das go. WPortal
durch ein pseudorom. ersetzt. Rom. Zierstcke in der Bibliothek der K.
Rom. Fubodenfliesen im Museum. Rom. Trklopfer an der inneren WTr. 2.
Aus got. Zeit (1443-55) erhalten der 5/8 Chor. Das Lhs. (vorher got.) ganz
neu. -- Von den _Grabdenkmlern_ nur ein kleiner Te1l w$
. vorspringend und
poKyg. geschlossen, Turm im NO ber der Sakristei. -- ppig geschmckter
Fu eines zerstrten spgot. _Saramentshuschens_; _Altarbau_ 1686
tchtig; _Votivgemlde_ 1482. Ein wertvoller Besitz die seit 1865 im Chor
aufgestellten 7 _Grabsteine_: Georg I. von Henneberg 1465; Johannetta
1481; Herman VII. 1465; Albrecht v. Waldtein 1470; Elisabeh v.
Wirtemberg 1501; Friedrich II. 1488; Anna v. Mansfeld 1542. Die
wichtigsten Stcke (Sdkap.) das _Erzbild Ottos_ IV. {~DAGGER~} 1502, doch frher
ausgefhrt, aus der _Vischer_schen Werkstatt (Peter?), und das _Hochgrab
Hermanns_ VIII. und der _Elisabeth von Brandenburg_, nach (wahrscheinlich
einY lngereJReihe von Jahren) 157, dem Todesjahr der Elisabeth; nahe
verwandt dem Hohenzollerndenkmal in Hechingen die persnliche
Urheberschaft _Peter Vischers_ wird fastallgemein angenommen, aber es
fehlt dafr nicht nur diC ufere Beglaubigung; die architek_tonische
Dekoration der Tumba in matter Sptgotik verrt in keiner Wese den
Meister des Sebaldusgr$
Stelle
eines frheren Fachwerkbaues. An der WSeite das Gadem (Gstehaus) in
Fachwerkstil. (Der Keller unter diesem Gebudeist noch mittelalterlich.)
Nrdlich a den Palas anstoend die in rom. Stil gnz massiv erbaute _neue
Kemenate_ mit Wohnrumn fr den Hof (Keller mittelalterlich,), auf drei
Seiten um den _Hauptturm_ herumgebaut, der ungefhr auf den Fundamenten
des alten, ebenfalls quadratisch gewesenen, i 18. Jh.. abgetragenen
Hauptturmes neu errichtet ist. _Torfahrtshaus_, das Haupt- und Vorburg
scheidet, in rom. Stile gehalten, darber ein lnglicher Wohnraum, die
sog. _Dirnitzlaube_; endlich an der WSeite, teils in der Haupt-, teils in
der Vorburg stehend, die Dirnitz, massiv in got. Stil erbaut. Unterbauten
z. T. nocNh mittelalterlich. Im Erdgescho der reichhaltige _Rstsaal_, in
den obere
 Geschossen Wohnrume fr Gste. Reich geschnitzte
Schweizerzimmer aus demSchlosse der Herren v. Salis-Soglio bei Chur,
treffliche SpRenss.-Arbeit.8 An der N Seite auen rom Steinrelief: Simson
mit dem Lwen$
. Trme. Im Lhs. 10 Ark.; die rom. Kmpferprofile der Pfll. noch
sichtbar. Wie die allgemeine Disposition, so sind auch die Abmessungen
denen von Hersfold sehr nahe: ganze lichte L. ohne Turmhalle 97 (ersfeld
95), Lhs. 57 : 31 (Hersfeld 55 : 30),Qsch. 58 (Hersfeld 57), H. des Msch.
24 (Hersfeld 23). Der Chor 1749 tiefer gelegt unter Opferung der alten
_Inneres_. Das Raumbild istL noch das alte romanische geblieben und von
mchtiger Wirkung. Rom. Einzelformen nur an den Pfll. sichtbar. Sie zeigen
eine ungewhnliche, nukr mit e%inigen thringischen Bauten vergleichbar
Form; Halbsulenvorlagen unter der Bogenleibung. Die Gewlbe des
Hauptchors und der Sschiffe um 1500 eingezogen. Bischof Julius	
beabsichtigte A. 17. Jh. eingreifende Umwandlung im Charakter der von ihm
bevorzugten posthumen Gotik Zur Ausfhrug kamen nur die Gewlbe des
Hochschiffes durch _Lazzaro Agostino_. Die asgezeichnet schne
Stuckdekoration 1701 von _Pietro Magni_.
_ueres_. Die Fassade stammt aus verschidenen rom. Epochen; durch die$
chickt weitrumige
Hallen-K. mit Empor	n in den Abseiten. Hohe 3geschossige Fassade, im
Mittelstck flach polygonal vorspringend; der Statuenschmuck
klassizisisch. Von der inneren Ausstattng hervorzuheben die rok. Kanzel
von _Ant. Bossi_, in Brillanz und Grazie unbertroffen.
*S. Stephans-K.* Von der rom. Basilika die Krypta und der untere Teil der
Trme erhalten. Im brigen 1789 von _Geigel_ (_KlePinholz_ nur
Maurermeister) vollstndig umgestaltet als weitrumiger, ungeteilter Saal
ohne Emporen. Die dekorative Ausstattung durch den Bildhauer _Georg
Winterstein_, eine der besten in dieser Zeit in Deutschland entstandenen,
gibt die Klkrung der klassizistischen Bewegung, deren erste Regungen an
der Michaels-K. u beobachten sind. Die Wnde ausschliesslich in Wei und
Gold; Gesthl und Kanzel in natrlichr Holzfarbe. 4tuckierung von
_Materno Bossi_. Deckengemlde von _K. Huber_ von Weiensee.
*Schlo Marienberg*. Seit 1250 stndiger Sitz der Bischof-Herzge. Groe
Erweiterungen 1468-1495. Umfassende Neuge1$
anw den Auenseiten opulent un meist von guter
Qualitt. Ein Teil ins Stadtmuseum gebracht.
*Kreuz-K.* beg. 1410. Plan hnlich der Serviten-K. in Prag. Lhs. quadr.
mit Mittepfl., von dem sich ein regelmiger Stern entwickelt.
Eingezogenwr Chor. Material Sandstein. -- Der _Gekreuzigte_ mit Maria und
Johannes, gute Schnitzw. aus 2. H. 15. Jh. Ausstattung noch 1651. Da< 17.
und 18. Jh. auerordentlich freigebig mit Grabdenkmlern, namentlich von
den Gruft-Kapp. des ueren sind mehrere geradezu luxuris, so die
Mnchsche um 1710, die Schrnsche um O1720, Adie Finksche um 1730.
*Dreifatigkeits-K.* (Weber-K.) Einfach spgot. um 1440. 1sch. mit 3/8
Schlu. An Stelle der zerstrten Gwbb. Flachdecke des 17. Jh. Die
Grabdenkmler wiederum sehr zahlreich.
*Hospital-K.* Kleiner 1sch Bau des 14. Jh., wiederholt rest. Prtal und
Fenster noch ausgeprgt frgot. Das Innere durch annigfaltige Einbauten
recht malerisch.
*Altes Gymnasium* 571 mit Benutzung von Resten des Johanniterkreuzhofs.
Denkma d_es Grnder>s Johe v. Dor$
hstaett; Bernhard v. H., Art des aelteren _Peter Dell_;
Wilhelm v. H. 1554 bez. P D (_P. Dell_, wahrscheinlich der Juengere); vom
selben Ludwig u. Agathe v. H. 1547, 1548; Stephan Zobel mit Frau und
Kindern 1597. -- _Oelberg_ um 1500,besser als die meisten dieser Gattung.
*Schloss* (Amtsgericht), mit der Stadtbefestigug verbunden, Wohnbau M. 16.
Jh., im Innern einiges zu beachten. --
*Rataus*. 1520, wiederholt veraendert, namentlich 1753.
*Spital*, grosse Anlage von 1713-30.
_ARNSTEIN._ RB Cassel Kr. Witzenhausen.
*Burg*. Der erhaltene Wohnbau spgot., neues Dach, Wendeltreppe=, Fenstr
rck. mil Kreuzstoecken, im Erdgeschoss rippenlose Kreuzgewoelbe.
_ARNSTEIN._ Pr. Sachsen Mansfelder Gebirgskris.
*Burgruine*. Eine er grossartigsten am Harz; der spgot. Palas 5 stoeckig
_ARTERN._ Pr. Sachsen Kr. Sangerhausen.
*Marien-K.* in der Neustadt Unorganischer Gemengbau. Aelitester Bestandteil
der jetzt in der M. stehende Turm auf oblongem Gr.; in seinem oberen
freien Teil hat er auf der breiten Seite 3 Paar gekupp$
es 17. und 18. Jh.
*Ortenburg*. Als Grenzjurg angelegt um 1000. Von Grund aus neu gebaut
1483-86 im Auftrage des Koenigs Mazthias von Ungarn. Im 30j. Kriege stark
beschaedigt, im 19. Jh. z.T. umgebaut. -- Die aus mehrerenGebaeuden
bestehende Anlage folgt dem Umriss der Felsplatte. Der Hauptbau spgot.
Durchreifende Rest. 2. H. 17. Jh. durch _Ezechil Eckhardt_. Maechtiges
Dach mit 3 wohlgegliederten grossen Zwerchhaeusern. Audienzsaal mit
ausgedehnter, sehr reicher tuckdecke von 1662; das Figuerliche ueberwiegt;
8 Felder mit Darstellungen aus der Fuerstengeschichte von Boehmen,
Oesterreich, Schlesien und Sachsen; im Rahdenwerk Putten und Karyatiden. --
De bedeutendste Baurest der got. Periode der Schlossturm; unten Torfahrt;
darueber 3teilige Aedikula, bez. 1486, iY der Mittelnische _Koenig Matthias
Corvinus_ thronend, von Engeln gekroent, als Fussschemel ei Loewe; die
Wappen de Seitenfelder zer stoert; im ersten Obergeschoss Wachtstube; im
zweiten Kapelle mit zierlicher, sehr bmkw. Innenarchitektur.
*D$
dem neuen Orden
uebergeben und schlicht got. weitergebaut. Anlage 2sch. Auf derbe 8eck.
Pfll. sehr hohe und eite spitzbg. Arkaden. Kleine Oberfenster mit Masswerk
des 14. Jh. -- Kreuzgang gege 1500, Refektorium 1512. -- _Grbrelief_ mit
Scmerzensmann M. 14. Jh., wohl das aelteste Beispiel der Epi^aphform in
Thueringen. (K. u. Klst. behrbergt jetzt das ThueringischeWMuseum.)
*Markt-K. S. Georg*. 1515, nach Verw(estung 1525 vermauert 1560 und 1598.
3sch. mit rok. Chor und flacher Holzdecke.
*Annen-K*. 1sch. flachged. spgot. Gut ornamenierts Portal 1634.
*Gottesacker-K*. 1692-97 von _Joh. Muenzel_ in der Grundform des griech.
Kreuzes. Geputzte Holzdecke.
*Residenzhaus*. WFluegel 1507, NFluegel mit grossem rundbg. Portal 1559 von
_Hans Lindemann_.
*Stadtschloss* 1742-45. Die Fassade ehem. weit reicher; schjener Festsaal;
wertvolles Mobiliar und Porzellan. Im Stall reich rok. geschnitzte
Pferdestaende.
*Rathaus* 1508, nach Brand rest. 1638. Der schoene Turm von _Hans
*Marktbrunnen* mit S. Georg. 549, erneuer$
Schloss
Neudeck zu Arnstadt hierher versetzt.
_GEILSDORF._ K. Sachsen AH Plauen.
*Schloss.* 1667 aus einer alten 4tuermigen Wasserburg ugebaut; reiche
Ausstattung in der Stilrichtung des Palais im Dresdener Grossen Garten; in
_GEISA._ Sachsen-Wemar VB Dermbach.
*Stadt-K.* Spgot. 2sch. mit gerader Holzdecke. Polyg. Chor mit
Kreuzgewoelbe und gutem Masswerk. -- Got. _Taufstein_. _Opferstock_ 1517.
_Kanze_ A. 18. Jh. -- W-Turm mit Wasserspeiern und Masswerkgalerie. Schoenes
got. Portal bez. 1497.
*Gangolfs-Kap*. mit _Aussenkanzel_ in re;cher Renss. Zahlreiche
_Grabst
eine_ 16. Jh 2 _Schnitzfigg_., Reste eines Altars um 1490-1500.
*Ringmauern* aus 15. und 1D6. Jh. mit runden Halbtuermen; der grosse
Wappenstein (Fulda) eines derselben ezt in der Steingas e eingemauert.
Auf dem Gangolfsberg Reswe eines alten *Schoeffenstuhls*.
Einfaches *Schloss* (Fuerstabt von Fulda) 1719.
GElSING. K. Sachsen AH Dippoldiswalde. *Stadt-K.* 1484-1513, umgebaut
1689. Rck. mit Schluss aus 8 Eck. In den rundbg. Fenstern nasenlos$
lenkirc'e?) 1594 so umgebaut, dass die
Flachdecke des quadr. Schiffs von 4 ein kleineres Qua6dr. umschrebenden
Steinsll. getragen wird. Fein behandelte hoelzerne Emporen aus derselben
Zeit. Der Turm steht abseits, ursp. mit der Kirchhofsbefestigung
verbunden, die hohen Fachwerkoergeschosse nach dem 30jaehr. Kriege.
_ENFSTEDT._ Sachsen-Meiningen Kr. Hildburghausen.
*Dorf-K.* Die Anlage fuer die ma. Bauten des Werratals die typische: 1sch.
mit eingezgenem, turmtragenden quadr. Chor. Im 17. Jh. erneuert. -- Ikon.
GrabsteinS1521; mehrere heraldische aus 18. Jh. -- *Herrenhaus* 1595. --
*Ruine Osterburg*.
_HENNEBERG._ Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen.
*Dorf-K.* um 1500. Das Obergeschss des Turmes wohl das aelteste Beispiel
vom Fachwerkbau im Werratal.
*Bug* der Grafen v. H^. Mit die umfangreihste Ruine in den thueringischen
Landen. Am besten erhalten der Bergfried, rund, 14 m h. die Ringmauern
noch in 10-15 m H.
_HENNERSDORF._ K. Sachsen AH Dippoldiswalde.
*Dorf-K.* architekturlos. -- _Altarwerk_ ursp. doppelfl$
nd, erhieltt die in
fortlaufender Strassenflucht stehende Fassade das Aussehen eines, zwar
stattlichen, Privathauses. Reicher, wenn auch in klassizistischer
Simplizitaet, das Innere; Emporen auf jon. Sll.; im 1/2kr. Chor ein oberer
Umgang. DieFlaechen in rotemStuckmarmor; Basreliefs weiss, vn _Gerin_.
Spgot. _Altarfluegel_ angeblich aus Hersfeld. _Oelbilder_ von L. Cranach_
und _J.H. Tischbein_. Bronzene _Standleuchter_ 1626.
*Hof- und Garnison-K*. 1757-1770. Saalbau.
*Unterneustaedter K.* 1801-08. Saalbau mit kleiner Kuppel und Laterne in
der Mitte der flachen Decke.
*Bettenhaeuser K*. 1792. Saalbau. Turm mit Schweifhaube.
*Hospital S. Elisabeth mit K*. Gegr. 1383, erneuert 1587.
_Sandsteinstatue_ der h. Elisabeth 15. Jh. in Renss. Nische.
*Renthof*. Einfacher grosser Renss.Bau 1581-1618. Mehrere reich
durchgbildete Portale und ein _Brunn<en_ mit sitzender Statue in roemischer
Fedherrntracht. Im Innern paerlche 0Reste alterBemalung.
"Marstall,* voll. 1585. Vierfluegelanlage mit Volutenaiebel. Treppentue$
pensteine. Portale an der HauItfront 1766.
*Druselturm* und *Zwehrenturm*, Reste der von Ldgrf. Ludwig I. 1415
angelegten Stadtbeestigung.
Sog. *Kunsthaus,* ursp. als Schauspielhaus erb. 1594 fuer Ldgrf. Moritz den
Gelehrten, umgebaut 1696 von "Paul Du Ry_.
*Orangerieschloss* 1701-1711 von Ldrf. Carl nach ialienischen
Reiseerinneungen; jedoch ist die spezielle Stilerscheinung des malerisch
empfndenen, im einzelnen viel Reizendes enthaltenden Gebaeude3
franzoesisch. Architekt _Paul Du Ry_ (nicht sicher). Der innere Ausbau erst
1730 voll. In der Mitte Apollosaal mit stuckierten Waenden. Vom einstigen
Statuenschmuck vieles zerstoert. In einem anschliessenden Pa(illon das
*Marmorbad* 1720-28 mit den ihrer Zeit beruehmten Skulpturen von _Pierre
Monot_ Als Gegen%tueck das *Kuechenschloss* 1765. Unterhal der Orangerie
reitet sich der grossartige *Augarten* aus, entworfen von _Le Notre_, E.
18. Jh. anglisiert.
*Alte Gemaeldegalerie*. 1751 von _Charles Du Ry_.
*Garde du Corps-Kaserne*. 1768 von _S. L. Du Ry_.
*M$
.
*Dortf-K.* 1735, die huebsche ei]nheitliche Ausstattung (Herrschafts- und
Loebauer Ratslogen) gleichzeitig.
KRAKAU._ K. Sachsen AH Kamenz.
*Dorf-K.* Mehrere Oehlgemaelde 16. Jh. und gute _Bildnisgrabsteine_817. Jh.
_KRANICHFELD._ Sachsen-Meiningen Kr. Saalfeld.
*Stadt-K.* 1496, 1sch. flachgedeckt, gewoelbter polyg. Chor. Aenderungen
1702.  - Huebsches _Gestuehl_ 1520; _Grabstein_ einer Grae>fin Gleichen 1570.
*Schloss* ("Oberschloss"). Die auf einer Abb. von 1682 nocR sehr stattliche
Gruppe hat seither viel verloren.Der aelteste Teil der sog. dicke Turm,
aus 12. h. Die sprom. Kap. einfaches Quadrat, Kreuzrippengewoelbe,
Ecksaeulen mit Wuerfelknaeufen; die Aussenwand mit fein profilierten Lienen.
-- Sonst das Aeussere des Sc6losss in der Haupterscheinung von 1530; eine
Menge groesserer und kleiner Giebel in einfacher FrRenss. (allein an der
SSeite ihrer 8). -- *Unterschloss* mit umfaenglichen ma. Resten, jetzt
modernisiert.
_KRANLUCKEN._ Sachsen-Weimar VB Dermbach.
*Dorf-K.* (kath.), Architektur und Auss$
nd 3 WohJneschosse) alle Raeume in gleicher
Hoehenlage. Bezeichnend fuer den Meister ist die Enthaltsamkeit im Ornaent.
Die knstvoll figurierten Gwbb. haben nur im 1. Geschoss Rippen, inde
folgenden scharfgratige tiefbuchtige Zellen. Die sehr grossen Fenster
verzichten auf Masswerk, als oberer Abschluss ist der seither in der
saechsischen ScDhule sehr verbreitete Vorhangb!ogen eingefuehrt. Andere fuer
die Folgezeit wichtige Motive: die Dacherker des letzten eschosses und
die grosse in einem Turmgehaeuse aus der Fassade vorspringende Wendeltreppe.
Hoechst originell die Konstruktion: die Widerlager nach innen gezogen, so
dass sich tiefe, wie Erker erscheinend?e Nischen blden; die Mauerstaerken
von unten nach oben zunehmend, offenbar um den Schub der Gewoelbe durch
senkrechte Belastung aufzuheben (ein Gedanke, der im Obergeschoss der
Domfassade wiederkehrt). Die Fassade entbehrt de senkrechten
Teilungslinien, dafuer betonn Gurtgesimse die Bedeutung der
Stockwerkgliederung. Also in vielen und wichtigen Pun$
etzige Schmie;e wird als ehemalige Pfoertnerei
_VIERZEHNHEILIGEN._ Sachse'n-Meiningen Kr. Saalfeld.
*Dorf-K.*, frueher Wallfahrt, geraeumiger Bau aus M. 15. Jh.
_VIERZEHNHEILIGEN._ OFranken BA Staffelstein.
*Wallfahrts-K.* und *Cistercienserprops|tei*. Beg. 1743 von _Balthasar
Nemann_; nach seinem Tode (1753) genau in seinem Sinneweitergefuehrt;
voll. 1772. -- Die immer weiter ausgreifende Phantasie des grossen
Rokokomeisters wagt in diesem Alterswerk ein Aeusserste. Zw!ar die
Aussenansicht verraet noch nichts Ungewoehnliches; sie scheint einer
kreuzfoermigen Basilika zu entsprechen. Aber das Innere rdn-t sich keiner
einzigen bekannten Raumkategorie ein. Es ist moeglich, dass _Neumann_ die
erste Anregung von der benachbarten Klosterkirche Banz empfangen hat; nur
erscheint _Dientzenhofers_ Kuehnheit im Vergleich mit dem, was hier
unternommen wurde, schuechtern. Der erste Anblick laesst das geometrische
Prinzip, nach dem dieGewoelbe und ihre Stuetzen geodnet sei[ koennten
durchaus im Unklaren. Die Gerade$
e durch manDigfaltige Einbauten
recht malerisch.
*Altes Gymnasium* 1571 mit Benutzung von Resten des Johanniterkreuzhofs.
Denkmal des Gruenders Joh. v. Dornsbach. {~DAGGER~ 1580.
Vom yRathaus* des 16. Jh. haben sich nur de Turm und die Keller erhalten.
*Marstall*, zugleich Ruestkammer und Schuettboden, bez. 1511. Der maechtige
Dachraum im 18. Jh. umgebaut.
on den einst zahlreichen *Brunnen* haben sich die folgenden, durchweg
plastisch reic durchgebildeten, erhalten: Marsbrunnen 1585,
Samariterinnenbrunnen 1697, Herkulesbrunnen 1708,Y Schwanenbrunnen 1710.
*Wohnhaeuser*. (Geschichtliche Marksteine sind die Stadtbraende 1589 und
1608 und diQe Beschiessungen 1632 und 1757.) a) _Fr.Renss._ Neustadt 32 und
34, praechtige andsteintore. b) _Sp.Renss._ Markt 3 und 15, BautzenerStr.
2 und 11. c) _Fr.Bar._ Markt 24 (Amtsgericht) Hon 1678; Neustadt 23 von
1681; Markt 4 von 1689, hoch und schmal, reiches Detail, Eindringen
Dresdener Einfluesse, auch die Rueckfassade zum Johanniskirchhof zu
beachten, d)K _Sp.Bar._ Ma$
enz der
Erzgebirgsschule; die Strebepfll. kraef;ig vortretend; sie selbst sowohl
als die zwischen ihnen liegenden Wandflaechen in glaenzender, wennauch
einigermassen einfoermig wirkender Weis+e mit blindem9Stab- und Masswerk,
durchflfochtenen Kielboegen usw. ueberkleidet. Unter dem Dachgesims taucht
der Rundbogenfries wieder auf, in charakteristischer Umbildung des rom.
Motivs; an Baldachinen, Giebeln usw. nimmt das Masswerk oefters
naturalistische Astfnrmen an (vgl. Schloss-K. in Chemnitz). -_- Die Kirche
nimmt durch die+wenig versehrte Fuelle ihrer Ausstattung *eine evorzugte
Stellung ein. Grosses _Altarwerk_ von _Michael Wolgemut_ aus Nuernberg 14{9;
4 bewegl. und 2 feste Fluegel; 7 m l., 2,50 m h. Der Schrein und die
Innenfluegel geben Maria und 8 weibliche Heilige in Schnitzwerk; alles
uebrige ist gemal[; die erste Wandelung zeigt erkuendigung, Geburt,
nbetung und h. Sippe, die zweite Wandelung Oelberg, Geisselung.
Kreuztragung, Kreuzigung. -- _Taufstein_, Kelchform in bluehender FrRenss.
1536, viell$
schen Kraftvehltni der
gegeneinander wrkenden Faktoren abhngt, erreicht. Geht eine
Bewegung berihr Ziel hiaus, d.h. erreicht sie mehr, als sie, in
sich selbst zur Ruhe gekommen, im Interesse der nun in der Macht
befindlichen Gewalten, die nunmehr den Schwerpunkt bilden,8um den
Alles gravitirt, erreichen _soll_ und, setzen wir hinzu, erreichen
_darf_, so folgen die Rckschlge. Mit andern Worten, eine ehrem
inneren Wesen nach selbst wieder Bauf3Klassenherrschaft abzielende
Bewegung darf ni6ht weiter ghen, als sie die Unterttzung der
magebenden Interessirten findet.
Scheinbar ist bis jetzt jeder Revolution eine Reaktion gefolgt, in
Wahrheit wurde die Bewegung stets auf ihren _natrlichen_ Schwer-
und Ruhepunkt zurckgefhr5t, weil sie darber hinaus Bging. Dieser
Zustand ist aber s ets, auch wenn er durch eine gegen die weiter
vorwrts drngenden Elemente gerichtete gewaltsame Reaktion
herbeigefhrt wurde, dem Zustande, der _vor_ der Bewegung bestand,
wet voraus. Man hrt z.B. so hufig die Bemerkun mach$
 heut die Kpfe zerbrachen, dessen
Rthsel erst der moderne wissenschaftliche Sozialismus lste, der
endlich auch diese moderne Sphinx in den Abgrund strzen wird.
Fourier, der von Natur fr die politischen Kmpfe nicht ininirte,
der durch die vor seinen Augen sich abspielenden Ereignisse in
dieser Abneigug noch bestrkt wurde, kam in Folge davon zu der
vorgefaten Meinun, da die politische Verfassung der Gesellschaft
berhaupt eine gleichgltige Sache sei, da diese mit dem sozialen
Zustand nichts zu schaffen habe, und da es sich darum handele, den
letzteren zu verbesser und die politischn Fragen ganz bei Seite
zu lassen. Er verfiel also inden etgegengsetzten Fehler der
brgerlichen Ideologen. Diese glaubten durch die Beseitigung des
Adels, der Priesterschaft und des Knigthums, durch die Begrndung
der Republik, die Verkndigung derMenschenrechte, die Anstellung
idealer Grundstze Alles geleistet zu haben, was zu leisten mglich
sei. Blieben dennoch die Zustnde mangelhaft, so lag das nur an der$

Seiner Bestimmung gem strebt also der Mnsc nach dem Glck, und
Revchthum und Gesun,dheit bilden sein Glck. Er will Reichthum, um
sich Genu verschaffen zu knnen, und er will Gesundheit, um sie
genieen zu knnen. Den Reichthurm genieen nur Wenige, und meist
Jene, die ihn am wenigsten verdienen; die Gesundheit mangelt fast
Allen. Den Enen in Folge von Noth, Elend, Trbsal, Entbehrungen,
den Anderen in Folge von Ueberppigkteit, Schwelgerei, Ueberma der
Gensse. as Eine wie das Andere ist Folge unserer sozialen
Einrichtungen, die keinem Theil der Gesellschaft, weder dem Reichen
noch dem Armen, die vernnftige und gesunde Entwicklung aller
seiner Krfte und Fhigkeiten, die Abwechslung und befriedigende
Anw.endung seiner Triebe gestatten. Zwr will die Gesellschaft, und
namentlich die Zivilisation, das allgemeine Glck, aber was sie
erstre[t, schlgt stets in das Gegentheil lum. Wir behaupten, die
Wahrheit zu wollen, und berall herrscht Lge, Heuchelei,
Unterdrckung; wir wollen die Moral und es her$
bei grerer Wrme unter knstlich konstrurten
transportablen Zelten vorgenommen; 1R1 Uhr zweite Sitzung in den
Stallungen; um 1 Uhr Mittagstisch; 2 Uhr Waldarbeiten;P4 Uhr
Beschtigung uin einer Manufaktur; 6 Uhr Bewsserung; 8 Uhr Brse;
8 Uhr Abendessen; 9 Uhr Unterhaltungen; 10 UhrSchlafengehen.
[Funote 16: Jed dieser kurzzeitigen Beschftigungen nennt
Fourier Sitzung (sance).]
Die Brse der Phalanx beschftigt sich nicht mit dem Handel von
Papieren und dem Schacher der Lebensmittl, sondern es werden hier
ie Abmachungen fr den nchsten Tag getroffen; es bilden sich neue
Gruppen und Serien. Auch wird spter, wenn die Phalanx in voller
Wirksamkeit ist, die Zal der Ruhepa
sen und Mahlzeiten sich auf
fnf erhhen und werden die Sitzungen krzer. Der Reiche, dessen
Tagesbeschftigung wir un folgen .lassen, ist ein Gutsbesitzer, der
probeweise in die Phalanx trat.
Frh 3 Uhr erheben und ankleiden; 4 Uhr Zusammenkunft im
Morgensaal, Unterhaltungen ber die Nachterlebnisse; 4 Uhr
erste Erholung, ge$
ifhre, da in einer Stunde
geleistet werde, was in der Zivilisation kaum in drei Stunden
geleistet werden knne. Man betrachte nur einmal unsere rbeiter
auf dem Felde die, wenn ein Vogel vorber fliege, sich hinstellten
und ihm nachshen, die Hnde auf die Hacke gesttzt. Das komme
daher, weil unsereh Arbeiten Ueberdru erweckten nd ermdeten und
jeden Reizes entbehrten.
Die Beschftigung in der Phalanx erzeugt das dmie Gesundheit
frdernde krperliche Gleichgewicht. Die Gesundheit mu nothwendig
geschdigt werden, wenn der Mensch sich z'wlf StundKn einer
gleichmigen Arbeit berlassen mu, die, wecher Art sie immer
ist, dsiejverschiedenen Glieder des Krpers nd seinen Geist nicht
gengend beschftigt. Dies wird noch schlimmer, wenn dieselbe
Arbeit Tag fr Tag das ganze Jahr hindurch sich wiederholt. Daraus
ntstehen neben dem allgemeinen Widerwillen an der Arbeit die
vielen Berufskrankheiten; so sind gewisse chemische Fabriken wahre
Mrdergruben, in denen eine Beschftigun#g von zweistndigen
Sitzung$
it wird; sie verschafft
ih also den inneren und ueen Luxus, welches der erste Zweck der
Anziehung ist. Das Kind wird durch die Oper von frhester Jugend an
in allen gymn,astischen und choreographischen Uebungen geschult. Die
Anziehung ist darin sehr krftig, es erwirbt die nothwendige
Gewandtheqt fr alle Arbeiten in den Serien, wo Acles sich mit
Sicherheit,Ma und EinhOeit, wie man diese in der Oper herrschen
sieht, vollziehen soll. Die Oper nimmt also unter den Hlfsmitteln
fr die Erziehung vom niederen Lebensalter an den ersten Rang ein.
Unter der Oper sind alle krperlichen Uebungen begriffen, sowohl
die mit der Flinte als Bmit dem RauchUfa. Diese choreographischenxEvolutionen, werden sie nun mit der Flinte oder dem Rauchfa oder
in der Oper vollzogen, gefallen den Kindern auerordentlich, sie
betrachten es als eine hohe Gunst, zugelassen zu werden. Man wrde
die Natur des Menschen" vollstndig verkennen, wenn man die Oper
nicht in ester Linie unter die Hlfsmittel der Erziehung vom
frhesten Ater $
zu oft in seinen Plnen und
Unternehmungen den Antipathen derselben, mu er in ihnen die
Zerstrer seines Werkes sehen. Es kann also kein Zweifel sein, da
das Familienband die antikonomischste Verbindun ist und den
Wnschen Gottes, welcher der hchste Oekonom ist, und{mit
Aufwendung der geringsten Mittel das Vollkommenste zu erreichen
strebt, auf's Direkteste entgegensteht.
       *       *      *       *       *
Fourie4 erlutert jetzt die Art der Vertheilung der materiellen
Gensse in derPhalanx. Die Ueberinstimmung in der Vertheilung sei
garantirtX wenn man zwei bestimmme Mittel, die mehr als gengten,
in Anwendung bringe: Das erste sei die RGierigkeit, die bei den
Menschen nie fehlen werde. Finde man ein Mittel, die Gier des
Einzelnen in ein Pfand billiger Vertheilung umzuwandeln, so werde
die Herrschaft der Gerechtigkeit schon gesichert. Das zweite
Mittel, um das Gleichgewicht der Vertheilung herbeizufhren, sei
die Generositlt. Diese halte man wihl fr unmglich, sie ysei maber
durchzufhren.
Jede$
und sie in Staatsfarmen
organisiren. Man knne rechnen, da die Zahl der ganz Mittellosen
ungefhr ein Zehntel der Bevlkrung betrage unKd auf je ]ierhundert
Familien vierzig arme Familien kmen. Es bildeten also je
zweihundert Persone die Bewohner einerStaatsfarm, die ihre
nthigen Gebde, Stallungen, Vieh, Grten, Werkzeuge u.s.w.
erhielten. Diese Zahl sei gro genug, um ein;e zweckmige und wenig
kostspielige Verwaltung, abCechselnde Arbeiten und ein lukratives
Unternehmen zu begrdenE.
Diesen Staatsfarmen htte sich in der In=ustrieFdie Instituton derfixirten Unternehmerschaft anzuschlieen. Hierunter versteht
Fourier nicht die der Zahl nach fixirte Unternehmerschat, sondern
eine solche, die unter der Bedingung zugelassen wird, da sie eine
von Jahr zu Jahr progressiv steigende Abgabe an den Stat leistet,
eine Maregel, die zwei Wirkungen haben soll; erstens: dem Staat
eine hohe Einnahme zu bringen; zweitens: den Unbemittelten die
Unternehmerschaft unmglich zu machen, oder sie zur Aufgabe
derselben zu n$
i Jnglinge huschten um diwe lautlos sich ergebenden,
und dieOUngreifbarkeit und scwle Hast des ganzen Treibens versetzte
Geronimo in feurigen Schrecken. Es fruchtete nicht, da er die Lider
zudrckte, er sprte die Gestalten durch di Haut, er atmete den
verfhrenden Dunst, ihre Tritte raschelten, ihre Gewnder knistertn,
auch e1rtnten karge Satennstrumente, seine Fantasie kam der
Wirklichkeit
 zuvor, er zitterte vor Grauen und Begier, und so schaute er
Da war ein Kranz zuckender Figuren, Haupt an Haupt, Lende an Lende,
ungengendes Licht machte sie wesenloser, und auf eimal erschien vor
den hold Zurckweichenden Tochrua gewanlos und marmorhaft. Geronimo
richtete sich empor; es war, als ob nichts mehr ihn verhindern knne,
die herrliche Gestalt an sich zu reien, doch wunderlich, ihr Antlitz
war eYrnst und betrbt; ein aufrichtiges Gefhl und edle Teilnahme war in
ihren Mienen und verkndeten dem erlahmenden Geronimo das nicht
abwendbare Verhngnis: Tod fr ihn, wenn er sie nahm, Tod fr sie, wenn
er si$
 zur Anwendung gelangt, wenn Feigheit und Tcke sich
verschwistern, zu anonymen Briefen. Peter Hannibal brauchte geraume
Zeit, bis das Unfaliche ihm bewut wurde. Im ersten Ausbruch der
Raserei zerschlug er in der Kche die Tpfe und Teller. Die Magd, unter
dem Vorwand, ihn zu beruhigen, stachelte ihn noch mehr auf drch die
Versicherun, da Vetter Julius der Urheber der schimpflichen Gerchte
sei. a zog der e>grimmte Mann seinen Sonntagsroc" an, nahm eine
Hundspeitsche und begab sich zu Vetter Julius. Geruhsam sa Vetter
Julius auf seinem Kontorsessel, als Peter Hannibal ber die Schwelle
stre. Er war eine stattliche Erscheinung, hatte ein rundes, volles
Gesicht mit einem aufgedrehen Schnurrbart, der wie ein gewichster
Stiefel glnzte. Peter Hannibal vollfhrte einen mchtigen Lrm, und er
fuchtelte dem Vetter mit der Peitsche sounbequem vor der Nase herum,
da dieser lammfromme Herr endlich etwas wie Zorn zu zeige- anfing. Es
wre ihm niemals eingefallen, die vYn ihm noch igmer geliebme Cilly
blozustele$
rblickte ein wunderbar liebliches Mdchen, das gerade
aus dem Bad gestiegen war und im leichten Badekleid, den schwarzseidenen
Mantel darber, von einer Dienerin begleitet, nach de
 Waldhaus am Rande
der Lichtung schritt. Da brach der Hirsch  au dem Gehlz; sehr ermattet,
trlbte er auf die beiden Frauen zu, stutzte und, den Verfolger im Rcken
wissend, machteer Miene, die We#hrlosen anzugreifen. Das schne Mdchen
schrie angs@tvoll auf, bei der Flucht verwickelte sich ihr Fu in
Wurzelwerk und kieend streckte sie die Arme gegen das nahende Tier, das
in seiner Verzweiflung gefhrlich war. Da krachte ein Schu, Erdmann
hatte gut gezielt, der Hirsch brach zusamen. Der Graf stieg vom Pferd,
und als er bei dem Mdchen angelangt war, sank sie dem schwermtigen
blassen Retter, vor Erregung schluchzend," an die Brust.
Es erwies sich, da Graf Erdmann 9uf die Standesherrschaft Bluthen
geraten wr, die dem Grafen Carolath gehrte; das Mdchen war die junge
Grfin Carmline, Erbin und einzige Tochter. Nach Peterswal$
durch
blendende Einflle, durch eine edelgehaltene Melancholie. Was er trieb,
war Raub, Plnderung, Seelenmord auf Grundeiner Faszination, die ihn
der Verantwortlichkeit enthob und 'egen die kein Paragruaph des Gesetzes
anwendbar war, da sie das Opfer in eine Schuldige tund den Verbrecher
beinahe in einen Helden verwandelte. Sein Metier forderte von ihm
nichts, als da er sich bewahrte, und s sah er trotz seiner fnfzig
Jahre wie ein Mann von dreiig aus, ja bisweilen wie ein Jngling, der
in strmischen Erlebnissen gFereift ist.
Franziska wute nichts von seinen Geschften und Unternehmungen, nichts
von seinem Charakter, nichts von seinem Leben, nicht, woher er stammte.
Der, den sie liebte, war in ihrem Innern, war ihr Werk, ihr Geschpf. An
ihm zu zweifeln, war sinnlos. Sie erlag einem aus Ermattung und
berinnlichem Durst gemengten Zustand; sie folgte einer Fata morgana
des Herzens. Die Lust jedes Herzens ist Aufschwung. Einmal in jedem
Dasein erreichtdas Herzseinen Gipfel. Ihres, von gleichmigen $
opf ber die Grnde ihrer tiefen Entflammung. Nicht immer war
es so leicht gewesen zu tuschen, desto leichter stets, die Komdie zu
enden, eine Verstrickte, Bereuende, Entwurzelte und nun Hilflose
preiszugeben und, mit der Beut| beladen, ein andres Jagdrevier zu
suchen. Mit Franziska lag der Fall umgekehrt. Sie betrachtete ihn
manchmal mit Blicken, als ob sie sich an einen wende, der hinter ihm
stand. Unwillkrlich suchte er, unwillkrlich schaute er zurck, in dieLuft. Es war das Merwrdigste und Aufrttelndste, wasihm je begegnet
war. Franziska hlte, da ihn sein Gleichmut verie. Der Nebel vor
ihren Augen zerstreute sich, es kam ein qulendes Besinnen und
Vrrwundern: bin ich es? Wer ist er? Sie wollte nicht geirrt haben. Mit
beklagenswerter Hartnckigkeit berredete sie sich, da ein Irrtum
unmglich sei, und sie gedchte des Bildnisse wie einer sicheren
Verheiung; es wurde heller, glhender, wirkender in der Erinnerung,
sie klammeP\e sich daran al an den letzten Halt, die lezte Gewhr, und
keine Li$
 letzten L2ebenszeit niedergeschrieben
Einst, als ich wenige Jahre vor ihrem Tode wieder einmal in ihrem
stillen grnen Zimmer beil ihr sa, ffnete sie das wohlbekannte Fach
ihres Schreibtisches, das in seiner vorderen Hlfte fr mich immer eine
Fundgrube wunderbarer Dinge gewesen war: Ringe aus Haaren, BrMschen mit
geheimnisvoll darin verschlossenen Bildcdhen, Gemmen und Steine, unxd
andere Merkwrdigkeiten hatten zu meinem Liebligsspielzeug gehrt, um
das sich tausendTrume schlangen; an einem Miniaturbilde aber, das die
Mitte eines breiten goldenen Armreifens bildete, war mein Blick stets
gebannt hngen geblieben: einen Mann in groer Uniform, mit klassisch
regelmigen Zgen und dunklen, leuchtenden Augen stellte es dar. Jerome
Napoleon wares, e&s groen Kaisers Bruder, jenes Kaisers, den
Gromutters Erzhlungen mir immer als einen Riesen der Vorzeit hatten
erscheinen lasen -- nicht als jenen bekannten Kleinkinderschreck aller
guten Preuenkinder, sondern als eine schier bermenschliche Gestalt,
dere$
schend und flsernd
von vergangenem Leid, vergangener Freude erzhlte und immer wieder
denselben Lebenszauber voll Liebslust und Jugendglck in ;hren Fluhen
wiederspiegelte.
"Selbst Holtei wurde nach und nach bei uns ein Naturschwrmer, was ihm
sonst fern lag. Er sprach s wohl aus, wie schnell der Herbst des
Jahres, wie der Herbst des Lebens all die Freuden vernichtet nd ihn,
den Wandervogel, wieder in die Fremde treibt. n solchen Stunden habe
ich ihn kennen und schtzen gelernt, in solcher Stimmung war es, wo er
mir folgende Zeil=en in das Album schrieb:
    'Ach' ist unser erstes Wort,
    Denn des Seufzer bittre Kunde
    Dringt in tillem Friedensort
    Aus des Kides zartem Munde.
    Und des Frhlings Zauberhauch,
    Und der ersten Liebe Beben
    Will mit bangem 'Ach' sich auch
    Kund den bunten Blthen geben.
    Und der Trennung er+ster Schmerz
    Macht sich L;uft mit diesem Worte
    Seinen Boten schickt das Herz    Aus der Lippen heil'gen Pforte.
    Aber einmal noch umwehn
    Frudig uns $
tlich ganz zufrieden mit dem Dahingestelltseinlassen. Ich
vrehre Jesum auf dem Throne der Tugend und Wahrheit und dieser ist mir
mit so viel glnzenden Wolken umgeben, da ich die andern Throne der
Weisen daneben icht sehe und auch nicht ausmessen wollte, in welchen
Graden sie` von- oder aneinander stehen. We oft hre 0cMh, was meiner
Ansicht ganz zuwider ist, da der Glaube an Christi vollkommene
Persnlichkeit, udas Hngen an ihm als Person das Haupterforderni zum
Christsein sei. Meiner Seele ist hingegen unerschtterlich gewi, da
einzig und allein der &ein Christ sich nennen arf, der, wie der Heiland
sagt: 'seine Gebot hlt', da Christusuns fremd, sogar unbeannt sein
knnte und da wir doch echte Christen wren, wenn wir den Geist seiner
Worte kennten, glaubten und bten.
"Darum ersceint mir auch das Beweisen der Sndlosigkeit oder
Gttlichkeit etc. gar nicht so wichtig, und ich kann mir vorstellen, da
Christus ganz aus den Annalen der Geschichte verschwnde und da es noch
eben so vollkommene C$
en es nicht besser, sie sind einmal daran gewhnt. Man gewhne sich
nicht an Frost und Hunger, an Erschpfung und Krankheit, man gewhnt
sich nicht an die dumpfe Einfrmigkeit glicher Sorge und freudeloser
Arbeit; eine Mutter gewhnt sicC niemals daran, ihr Kind Mangel leiden
zu sehen, und immer bleibt die Stimme der Natur wach, welche dem
Leidenden zurft: 'So sollte es nicht sein', bis da seine Seele von der
Sorge zur Bitterkeit, von der Bitterkeit zum Unrecht, vom Unrecht zum
Verbrechen bergeht, und ist es erst so weit gekommen, so tritt die
strenge, unabendbare Macht der Gesetze ein, die als Selbstschutz der
Gesellschaft das Verbrechen straen mu, ohne auf dessen Quelle
zurckzugehen; abUer der heilge Beruf der Liebe ist es, unermdlich in
dem ganzen Kreise, der uns zum Wirken angewiesen ist, diese Quellen zu
ersphen und zu verstehen.
"Alles Unglck sucht die Liebe auf und tilgt es, wen sie die Macht dazu
hat. Wo Du gebietest, mu di Liebe hrschen und die GerechVigkeit; da
Du aber die Mittel daz$
ich da nicht einschichten lassen, und so wei ich
jetzt och nicht wohin. Mein liebes Jennchen und ihr vortrefflicher
Mann nehmen meinen Sohn Werner in Leitung und Obhut -- ihr Beruf ist,
oft umherzuziehen, Ott hat noch keine feste Huslichkeit, so da ich
wirklich nicht sagn kann, wo ich wieder eine finden werde ..._"
"Ich mu mich selbst erst wieder finden," heix es in eiem anderen
Brief us Straburg, wo sie zwei Monate spter der Niederkunft ihrer
Schwiegertchter entgegensah, "mu Vergangenes und Gegenwrtiges mit dem
Zuknftign zu verknpfen suchen, mu lernen, allein zu sein. Wer sich
so lang und so fest wie ich auf den Arm des Lebensgefhrtensttzte, den
berfllt ein Gefhl des Schwindels, wenn e pltzlich selbstndig
vorchreiten soll. Ich brauche Stille und wei, da ich sie nirgends
sicherer finde als bei meiner lieben Nonne, zu der ich von hie aus
reise, und bei der ich bleibe, bis meine Tochter mich braucht ..."
Als die schwere Tre der Deersheimer Familiengruft sich hinter Werner
Gustedts Sa$
weit das Auge eicht, nur hie und da von
schmalen Waldstreifen unterbrochen, deren Eichen ihre knorrigen,
zackigen ste in ausend abenteuerlichenFormen nach allen Richtungen
der Windrose recken -- ein Zeichen all der Strme, mit denen sie um ihr
Leben kmpfen muten. Nach ein paar Stunden gatter Fahrt, vorber an
strohgedeckten Huschen und groen schmutzigen, lrmenden Kneipen,
wendet sich der Weg nach links. Dicke, kurzgeschnitteneWeidenstmme,
deren lichte junge KBronen so drollig wirken wie blondes Lockengewirr
ber einem runzligen Greisengesicht, fassen ihn zu beiden Seiten ein.
ber die tiefgefahrenen harten Geleise holpert der Wagen, whrend das
junge, unruhige Viergespann, de Nhe des Stalles wittrnd, weiter
ausgreift. In eine breite Allee, ber die sich uralte Linden zu
lebendige Dome wlben, schwere Duftwellen ringsum vrbreitend, mndet
der Weg. Und durch ein Tor, von dickekn St8inmauern flankiert, die, aus
unbehauenen Blcken, wie von Zyklopenhnden aufgerichtet erscheinen und
das Ganze einer Fe$
ch nach demAblegen des Eies
ziemlich entwickelt[37]8 und lagen im Ei nur wenig mit dem Hinterleibe
gekrmmt, whrend der Vrderkrper gestreckt war. Das Kopfende des Embryo
konnte man deutlich wahrnehmen. Die Embryonen fMllten fast das Ei aus, nur
ein geringer Raum bei den Polen war frei. Alle Eier enthielten brigens den
Dotter noch iu ansehnlicher Menge, welcher eine gelblichweisse Farbe besass
und aus Fettkgelchen von 0,05''' und Blschenvon 0,08''' estand. Die
Blschen enthielten eine in Wasser feinkrnig gerinnbare Flssigkeit, die
specifisch schwerer als das Wasser war, weil sie stets untersank.
Fettkgelchen und Blschen waren gelblichweiss.
Die Hautbedeckugg der Embryonen war ziemlich undurchsichtig, eshalb ich
den Darmkanal etc. von Aussen nicht beobachten konne. Drei Stunden nach
dem Ablegen des Eies hatte der Embryo den ganzen Raum ausgefllt ud nahm
eine gestreckte, dem Ei gleiche Form an. Der Embryo war zum Ausschlpfen
reif. Sehr bald bemerke m8n auch stossweise Bewegungen mit dem ganzen
K$
genheiten hineinspielt. Aus mate\riellen Gesichtspunkten mu die
Firma darauf halten, einen Teil des gsamten Arbeitsertrages als
Kollektivbesitz zu erhalten und nicht zur Vertilung zu bringen. Es
entsteht die Frage: nach welchen Grundstzen und Theorien soll dieser
Teil ermittelt werden?
Sie weren mir nun freilich sagen, wenn ich behaupte, in HiZsicht auf
die Regelung der wirtschaftlichen Interessen sei die Firma in
Produktivgenossenschaft: das ist mir eine schne Genossenschaft, bei der
die Genosen iI wichtigen Dingen, in bezug auf Leitung und Verwaltung
des Ganzen, _nichts zu sagen haben_. In einer Genossenschaft hat die
Generalversammlung zu bestimmen; sie kann ein|en Vorstand oder
Aufsichtsrat, mt dem sie nicht mehr zufriedenist, absetzen und einen
neuen whlen. Viel von Ihne werden sagen: Hier mssen wir uns einen
von dem Stiftungsbstatut[25] oktroyierten Vorstand gefallen lassen, von
dem vielleicht viele der Meinung sein werden, da sie ihn im nchsten
Jahre absetzn wrden, wenn sie darber zu besti$
campagne
eingeleitet und de Rechtmigkeit der ihr dienenden Manahmen
vertreten: Aber ganz abgesehen von diesem Zweifel wrde ich es fr
durchaus verfehlt halten, wenn man durh Anrufen der Regierung die
drohende Schdigung abzuwenden versuchen wollte. Das kme darauf hinaus,E
den Ruf der andern nach Polizei zu beantworten mit dem Ruf nach noch
mehr Polizei. Wer Wert darauf legt, da den Gemeinden ihr bichen
Selbstverwaltungsrecht nicht noch weiter verkrzt werde, soll solche
Wege grumndstzlich nicht beschreiten. Der Selbstverwaltung wegen mu
eine Gemeinde das Recht habenw, auch Torheiten zu begehen, wenn sie nicht
anders kann, und die Korrektur dagegen mu nicht von auen her gesucht
weren, sondern von innen, bei den Brgern selbst. Schlielih aber
meine ichauch noch, da, wer ein gutes Recht zu vertreten hat, sich
schon etwas vergibt, wenn er um dessevn Anerkennung petitiʇnieren geht.
Um sein Recht petitioniert man nicht, man vertedigt es. Und ein ehemals
Sachsn-Weimarischer Staatsminister hat daf$
lbearbeitung,
angehren, all unter der Direktion der Trade-Unions und ganz in deren
Ideenkreis stehen, und da zu diesem Ideenkreis vor 10 Jahren ganz
vorwiegend der Gedanke gehrte, Verkrzung der Arbeitszeit mu _Platz
schaffen fr Arbeitslose_, mu die Reservearmee vermindrn, mu den
Unternehmer zwinge-n, fr dieselbe Arbeit mehr Leute einzustellen. Die
Leute i diesen Brnchen haben nun zum voraus nicht eine besondere
Ambition gehabt, dem englischen Staatsfiskus durch vermehrte Arbeit
diese Skunde wieder zurckzugeben, sie haben keinen positiven Antrieb
gehabt, und sie aben es ganz sicher als gegen ihr Standesinteresse
angiesehen, wenn sie auch nur den Versuch machen wollten, durch
intens+ivere Arbeit etwas nachzuholen. Dennoch ist der Fall eingetreten,
da sie nolens volens fleiiger geworden sind.
Ich be"rachte damit die Frag als endOtig erledigt, da es gar keiner
Motive bedarf, gar keinesguten Willens, keiner Motive des Interesses,
um diese Anpassung der Arbeitsgeschwindigkeit an die Arbeitszeit
h$
itung der Optischen Werksttte, und falls
letztere nicht mehr bestnde, auf die Geschftsleitung des ltesten in
Jena oder Umgegend bestehenden Stiftungsbetriebes bergehen.
Diese Geschtsleitung soll alsdan kraft dieses Statuts verpflichtet
und legitimiert sein,sofort bei Einritt gedachten Falls alle niRcht zum
Geschftsvermgen von Stiftungsbetrieben gehrigen Vermgensobjekte der
Stiftung in eigene Verwahrung und Verwatung zu nehmen, bezw. fr
anderweitige ordnungsmige Verahrung und Verwaltung unter ihrer
Verantwortung Sorge zu tragen, und jene Objekte nur an eine diesem
Statut geme neue Stiftungsverwaltung wieder herauszugeben.
Die betreffende Geschftsleitung sll solchen Falls in Vertretung der
Stiftung -- Dritten gegenber in derselben Form, ~n welcher sie nach den
Bestimmungen des  9 dieses Statuts und den jeweis g0troffenen
handelsgerichtlichen Anordnungen ihre Firma zu vertrete legitimiert ist
-- fr die Dauer eines solchen Provisoriums alle Recht der
Stiftungsverwaltung auszuben befugt $
gen Wirkungen den Mangel hat, elegentlichem Mibrauch
ausgesetzt zu sein, teilt sie mit _allen_ menschlichen Einrichtungen.
Ich bin also durchaus darauf gefat, da ab und zu einmal ein recht
raffinierter Patron die Abgangsentschdigung zu Unrecht sich erzingt,
welil er esso anzufangen versteht, da man ihn mit Schaden los zu werden
suchen mu, um ghrerem Nachteil zu entgehen. Eine tchtige und
anstndige _Arbeiterschaft_, die im Besitz wertvoller Rechte sich wei,
wird aber schon ihre eigenen Ansehens wegen dafr sorgen, da
derartiger Mibrauch hchstens ganz vereinz~elt vorkommen kann. Die beste
Waffe dagegen wird sein, alle Streitflle, die aus  79 sich ergeben
mgen, pure einer Arbeitervertretung%gem  64 des Statuts in die Hand
zu legen, wie  92 als zulssig hinstellt. Eine soche Instanz wrde
sicher allen Versuchen jener Art das Wasser grndlich abzugraben
Es wrde in hohem Grad unangemessen sein, jede formell rechtswdrige
Handlung einzelner, die vielleicht nur einer Unbesonenheit entspru$
Der
Snder wdar dicht vor ihm.
Edvard Kllems Kopf hatte etwas, das an einen Raubvogel gemahnte -- die
Nase wie ein Schnabel -- die Augen wild, schon an und fr sich und noch
mehr dadurch, da sie ein ganz klein wenig schielten. Die Stirn scharf
und niedrig, von lichtbraunem, kurzgeschorenem Haar umrahmt. Eine
auffallende Beweglichkeit lie ahnen, wie geschmeidig er war. Eben jetzt
wollte er ganz still stehen, aber der Krper bog sich, die Fe bewegten
sich, die Arme hobesn sich, als wolle er im nchsten Augenblick durch die
Lfte stoen. "Bh!1" schrie er aus aller Kraft seiner Lungen. Der
Ankmmling fuhr zusammen -- fast htte er seinen Korb fallen lassen. "So
- jetzt _hab_' ich Dich! Jetzt hilft Dir keine Verstoctheit mehr!"
Ole Tuft wurde zu Stein. "Jawohl -- jetzt stehst Du da!:Hoho! Zas hast
Du in Deinem Kob?" Und er )trzte auf Ole los. Der aber nahm
blitzschnell seinen Korb aus der rechten Hand in die linke un hielt ihn
auf den Rcken; es war Edvard nicht mglich, ihn hervorzuzerren.
"Was denkm$
raus. Fast wo-llte er wieder
anfangen zu singen. Denn rger "als es war, konnte es doch nicht werdn.
Und wirklich -- er setzte auch ein, und zwar die Marseillaise auf
Franzsisch -- die pate just fr einen, den Schlge erwarteten ...!
Hurra! Aber er war noch nicht mit dem ersten Vers zu Ende, als ihm auch
schon das Herz in die Hosen sank. Die Stimme versagte, und auch der
Takk, und alles hatte auf einmal eqne ganz andere Farbe. Ach, und wie
sauer ihm da Gehen wurde! Es regnete jetzt tchtig. Der Gesang wurde zu
abgerissenen Strophen, bis er ganz aufhrte. Die Gedanken des Knaben
haRtten Asich verfangen in etwas, das er krzlich in der Zeitung gelesen
hatte: die berschwemmung einer groen Kohlengrube in England. Die
Menschen waren davongstrzt, s schnell sie nur konnten, und die Pferde
hinter nden Menschen her; dort unten wuten sie sich nicht selber zu
helfen. Die armen Tiere! Ein Junge hatte sich retten knnen, und der
erzhlte, wie ein Pferd hinter ihm hergekeucht war; der Junge war
hinaufgekleJttert$
r
starrte blo durch den Nebel bld und dumm zum Vater auf; zuletzt wute
er gar uchts mehr von sich.
Unverzglich stieg der Vater ab, und gleich darauf stand er, die Zgel
um den linkn Arm, die Peitshe in der rechten Hand, vor ihm. "Was
gibts, he? Woher kommst Du? Hlle und Teufel, wirst Du wohl antworten!"
Edvard glitt mechanisch weiter und weiter zurck; der Vater ihm nach;
un ebenso mechanisch hob derJunge den rechten Arm, m das Gesicht zu
schtzen; den linken hielt er abwehrend vor sich ausgestreckt. "Wo
willst Du hin?" -- "Zu Ole Tuft." -- "Was willst Du da? He? Ist Ole Tuft
zu Hause?" -- "Ja." -- "Was willst Du bNei ihm?" -- "Ich will -- ich will
-- --" --"He?" -- "-- ihn um Verzeihung bitten." -- "Um Verzeihung?
Nanu? Na? He?" -- Und die Peitsche fuhr in die Hhe. Der Junge beeilte
sich: "Er will nicht mehr in die Schule kommen." -- "So? Eklig gegen ihn
gewesen2? He? Unrd Du an der Spitze? He?" -- "Ja." --"Also Dene Schuld,
was? He?" Er kreischte. -- "Ich hab' rausgekriegt --" Der Jungestockte. $
ecken. Sie war immer ein hageres Ding
gewesen, mit groen schwarzen ugen, meist sehr zerzaustem Haar, roten
Hnden und einer "schlottrigen" Figur. Er hatte sie nur da "Entenkken"
genannt, und als sie enmal gefallen war und hinkte, "das laTme
Entenkken"} Er konnte nie so recht klug aus ihr werden; sie war vso herb
und trotzig und immer -- dreiSchritt vom Leibe. Un  dann -- sie war so
oft der Anla, da er Schlgebekam. Sie hielt es fr "gerecht", zu
erzhlen, wenn er etwas Dummes angestellt hatte. Und wenn er sie dafr
verprgelte, so war es "gerecht", auch das wieder zu erzhlen. Das
emprte ihn gegen sie. Bald kamen sie auc dadurch auseinander, da er
das vterliche Haus verlie Nach jenem unglckseligeX Tag, an dem Vaer
und Sohn auf dem Weg nach Store-Tuft zusammengetroffen waren,}erbarmte
sich der Apotheker seines alten Freundes und nahm den Jungen ganz
regelrecht als seinen eigenen Sohn zu sich. Und was dem Vater nicht
geglckt war, das glckte _ihm_. Der Junge wurde sofort aus der Schule
genommen $
o hingezogen gefhlt hatte.
Dies stille und zugleich so lebhafte blonde Wesen hatte eine so
liebenswrdige Art,o und alle, was sie sagte, war so ganz ihr eigenstes
Deken. Und in wenigen Tagen verlie sie die Stadt fr immer! Es gab
ihrem Zusammensein inen eigenen, wehmtigen Reiz, da sie sich heute
wahrscheinlih zum ersteEn- und letztenmal sahen. Es bewirkte auch, da
Ragni spter, als der Gastgeber sie in seiner schalkhaften Weise bat,
etwas zu pielen, gleich bereit war. Se wollte der neuen Freundin
soviel von sich geben, als sie konnte.
"Bitte," flsterte sie ihr zu, "stellen Sie sich so, daich ein
vertrautes Gesicht vor mir habe!" Dann stimmte sie "Solvejgs Lied" aus
"Peer Gynt" aL. Man hatte ein Bravourstck erwartet nicht ein einfaches
Lied; aber als sie es auf dem Flgel zu Ende "gesungen" hatte, waren
alle so hingerissen, da der Brgermeister, dr bei solchen
Gelegenheiten gern das groe Wort fhrte, um Wiederholung bat. Sie
spielte es noch einmal. Dar@ach den unvergleichlichen, humpelnden
G!omen$
n?" -- "Das weit Du so gut wie ich,
Edvard. Und ich bitte Dich um Deiner selbst willen -- verhhne niht
ernste und wohlmeinende Menschen!" -- "Ich habe nicht hhnen wollen. Ich
sage blo -- sie knnen sich und ihm die Mhe sparen." -- "Ist r denn
so kalt?" -- "Kalt oder warm - das kommt lediglich auf die Veranlassung
an, und darauf, wie ein Mensch sein Leben gelebt hat!" -- "Aber der
Mensch kann sich ene Seelenklte anleben; und ganz gewi -- so ist es
bei ihm gewesen!" -- "Vielleicht. ber ich kenne jemand, der recht warm
ist, und der doch genau so denkt wie Kristen Lassen. Also das ist es
Yicht!" -- "Ja, was ist es dann?" -- "Tausenderlei. Die, die ich meine,
denkt fast immer in Bildern, und seitdem sige einmal ein uraltes Bild der
Dreieinigkeit gesehen hat -- in mchtiger Krper mit drei Kpfen darauf
- und hrte, da der Kopf in der Mitte der Sohn dr beiden an der Seite
-- Vater undMutter -- sei (Du eit doch, der heilige Geist war im
Anfang weiblichen Geschlechts V--) konnte sie nicht mehr an die
$
s Wohl unserer Kinder zu sorgen, bis zu
der Stunde, da dein Auge brach, und ds Licht, das mein
Haus erhellte, verdunkelt wurde, und Sorge und Bekmmernis
fr meine Kleinen mein Herz berwltigten.
O, ich kann nicht ohne Trnen fragen: weshalb, o Herr,
sollte er mir genommen werden? Aber gerade dieser Schmerz
ber deJinen Verlust lst sich in dem seligen Bewutsein
auf, da du mir nahe bist! Ja, ich habe,ich besitze dich
noch. In meines Herzens Tiefe schliee ich dich ein, denn
das, was uns vereinigt hat, ist unsterblich. Das leibliche
Auge sie
t dich nicht mehr, aber mein geistiges Auge erblickt
dic; noch, und es it mir, als ob dein ermunternde
Stimme mich strke. Zeige du mich hin zu ihm, der den
Witwen ein Fhrer und den Vterlosen ein Vater ist,
der die heimsucht, welche er liebt, und dessen Wege all zu
eraben ind, als da wir Sterbliche sie verstehen knnten,
die aber sicherlich zum Guten fhren. Ja, Allheiliger
Srke mich zur Ergebung in deinen heiligen Willen,
giee Balsam in mein wundes Herz, verg$
wir sind nun doc iele Wohen unterwegs g{wesen, du und
ich, und knnen es gut brauchen, ein p;ar Tage daheim zu sitzen und die
Klte aus dem Krpr auszutreiben.
Da der Hund noch immer still dalag, schie Torarin seiner Sache sicherer
zu werden, un er fuhr in zuversichtlicherem Tone fort:
Nun hat Mutter viele, viele Tage einsam daheim in der Htte gesessen.
Sie sehnt sich wohl danach, uns wiederzusehen. Und in Marstrand geht es
nun im Winter hoch her. Straen und Gchen, Grim, sind voll von fremden
Fischern und Kaufleuten. In dFn Seescvuppen gibt es jeden Abend Tanz.
Und das viele Bier, das in den Schenken fliet! Das kannst du dir gar
nicht denken.
Als Torarin diessagte, beuge er sich zu dem Hunde hinab, um zu sehen,
ob er auf das hrte, was er zu ihm sprach.
Aber da d+r Hund ganz wach dalag und kein Zeichen des Mivergngens gab,
bog Torarin in den erten Weg ein, der nach Westen zum Meere fhrte. Er
knallte mit der Peitsche und lie das Pferd rasch traben.
Da wir am Solberger Pfarrhof vorbeikommen,$
 es sich
aus dem Sinn und sagte: Du wirst ganz kopfhngerisch 
avon, da du hier
zwischen den Schren eingeschlossen dasitzeFt.hWarum begibst du dich
nicht nach Marstrand? Ich wil dir sagen, da dort ein frhliches Leben
gefhrt wird.( Da gehen Hunderte von Fremden herum, die nichts anderes zu
tun haben, alszu tanzen und zu trinken.
Warum geht es denn dort so frhlich zu? fragte der Schiffer.
Ach, sagte Torarin, dort sind eeleute, deren Schiffe eingefroren
sind wi das deine. Da sind auch eine Menge FischYer, die eben ihren
H%eringfang beendigt hatten, als sie durch das Eis verhindert wurden,
eimzufahren. Und da gehen vielleicht hundert schottische Sldlinge
herum, die von ihrem Kriegsdienst beurlaubt sind und hier auf die
Gelegenheit warten, heimzufahren nach Schottland. Glaubst du, da alle
diese die Kpfe hngen lieen und die Gelegenheit verabsumten, sich
rohe Tage zu machen?
Ja, es mag wohl sein, da die Leute sich vergngen knnen, aber mir ist
es nun einmal am liebsten, hier zu warten,$
Klinge eines
ungewhnlich groen Taschenmessers, die durch die Hirnschale in Gehirn
eingedrungen und dicht am Kopfe abgebrochen war. Der Mrder war mit dem
Messerschaft entflohen, aber da die Polizei die Leute, die an der
Schlgrei beteiligt waren,genau kannte, bestand die Hoffnung, manwrde ihn bald finden.
Whrend Mutter Ingeborg dies las, stellte Gudmund die Kaffeetasse hin,
fuhr mit der Hand in die Tasche, zog sein Messer hervor und warf einen
gleichgltigen Blick darauf. Aber mit einem Mal zukte er zusaimmen,
drehte das Messer um und teckte es dann so hastig in die Tasche, als
htte er sich daran vebrannt. Er rhrte den Kaffee nicht mehr an,
sondern blieb lange ganz still mit einem nchdenklichen Ausdruck sitzen.
Seine Stirn legte sich in tiefe Falten. Es war deutlich zu sehen, da er
mit aller Macht versuchte, sich berX etwas klar zu werden.
Endlich stand er auf, streckte sich, ghnteund ging langsam auf die Tr
u. Ih mu mir ein bichen Bewegung machen. Ich bin den ganzen Tag
nicht aus dem Hau$
age'n
hat. Man hlt es jedoch fr wahrscheinlich, da sie ihre Zuflucht in
ihren heimatlichen Bergen gesucht habe.
Und der Kaiser wei auch nicht, waLum sie von ihm fortgegangen ist?
fragte die junge Frau.
Nein, der Kaiser wei nichts darber Er kann doch nicht glauben, da
sie ihn verlassenhat, eil er einmal zu ihr sagte, sie diene ihm, um
Lohn und mGaben zu empfangen, sie, wie alle andern. Sie wei doch, da er
nimals an ihrer Uneigennzigkeit gezweifelt hat. Er hofftet immer noc,
da sie freiillig zu ihm zurckkehren wrde, denn niemand wei besser
als sie, da er jetzt ganz ohne Freunde ist.
Ich kenne se nicht, sagte das junge Weib, aber ich glaube doch, da
ich dir sagen kann, warum sie den Kaiser verlassen hat. Diese alte Frau
ist hier in diesen Bergen zu Einfachheit und Frmmigkeit erzogen worden,
und sie hat sich immer hierhir zurckgesehnt. Sicherlich htte sie
dennocz den Kaisernie verlassen, wenn er sie nicht beleidigt htte.
Aber ich begreife, da sie nun hiernach, da ihre Lebenstage ba$
ern vorwrts gerissen wrde. Pltzlich
fand er sich in der Sakristei seiner Kirche, dann im Schiff vor dem
Hauptaltar, als er kniend die Jungfrau Maria um Beistand in den Strmen
seines Innern anflewte.
Allein seine Bitten warn nicht in dem Sinne gemeint, da sie ihn von
Agata befreien sollte. Ein solcher Wunsch tte in seiner Seele keine
Nahrung gehabt. Sie waren vielmehr ein Fl7hen um Gnade. Die MutterGottes sollte verstehen, vergeben, womgli7ch billigen. Jh unterbrach
Francesco das G_ebet und ward vom Altar fortgerissen, als ihm von
ungefhr der Gedankve, Agata knne davongegangen sein, ins Bewutsein
scho. Er fand das Mdchen indessen noch, und Petronilla leistete ihr
Gesellschaft.
Ich habe alles ins Reine gebracht, sagte Francesco. Der We zur
Kirche und zum Priester ist frei fr jedermann. Traue auf mich, das
Geschehene wird sich nicht wiederholen. Ihn berkam eine Festigkeit
und Sicherheit, als ob er nun wieder auf rechtem Pfad und auf gutem
Grund stnde. Petronlla wurde mit einem wichtig$
ier Mann, -- ~a haere mi~ -- sei willkommen und bleib bei uns
bis din -Schiff wieder zurck kommt, oder so lange Du willst!
~Eh bien~! rief der jung Franzose lachend -- das ist ein Vorchlag
zur Gte und die Sache lst sich freundlicher als ich erwarten durfte.
Und damit schob er seine Terzerole in die Tasche, drckte sich die Mtze
wieder in die Stirn, und wollte sich eben ber die Steine, die seine
Festungswerke bildeten, hinberschwingen, als ihn ein Ruf in gutem
Englisch pltzlich nicht allein daran verhinderte, sondern auch erstaunt
und berrascht aufschauen machte.
Es war das junge holde Mdhen, das, denq rechten Arm gegen ihn
ausgestreckt, laut und fast ngstlich im reinsten Englisch rief:
Halt, Fremder -- halt -- sie sind falsch -- sie wollen Dich binden und
halten, und dem Schiff, das ihnen das Lsegeld zurckgelassen hat,
wieder ausliefern -- traue ihnen nicht, und bli<e wo Du bist, bis Dich
derKnig selber seinKs Schutzes versichert hat. Dann aber sich gegen
die unt@n Stehenden wend$
serkes
lauschigen Pltzchens hier bestach Ihre Sinne mehr und mehr, und Sie
glauben jetzt -- ja Sie sind fes berzeugt davon, da Sie in dem
Mdchen und dieser Insel das Ideal Ihres Lebens gefunden, das Ziel Ihres
ganzen Strebens und Drngens erreichtM haben. -- Wenn Sie sich aber nun
irren? -- Ich wei was Sie sagen wollen -- Sie folgen dem Drange Ihres
Herzens und frhten nicht d7a Sie dieses ire fhrt, aber hren Sie
mich ruhig darber an. Sie sind jung, das Leben liegt noch offen vor
Ihnen -- ich bin alt, meine Bahn ist bald durchwandelt, -- Sie haben die
Hoffnug, ich die Erfahrung, und drei und zwanzig Jahre meines Lebens
hab' ich auf diesen schnen Inseln zugebracht. In dieser Zeit habe ich
aber auch viele viele Leute kommen und gehen, abe Hoffnungen und Trume
aufblhen und verwelken sehn und wei was ein Mann in Ihren
Verhltnissen hier zu finden _glaPubt_ -- und wa er _findet_.
Jetzt ist Ihnen noch Alles neu -- die Palmen selber, die ganze
tropische Vegetation bt einen Rez auf den Neuankomm$
 aber freilich seines Versprechens
enthoben -- nac ihrem Lieblingspltzchen gegangen war, zu sich bitten.
Mr. Rowe hatte den Lehnstuhl des alten Mannes eingenommen, und sa, dOs
rechte Bein ber das :linke gschlagen, den Kopf auf den linken Arm
gestvzt, ernst und schweigend wie zu Gericht, den Fremden, der bald
darauf das Zimmer rasch und frhlich betrat, zu erwarten.
Schon dessen schnelles, nichts weniger als ceremonielles Eintreten rief
die Falten auf seine Stirn zusammen)und die beiden Ellbogen auf die
Lehnen ds Stuhles rhen lassend, die Finger der beiden Hnde aber vorn
gefaltet, sah er ihn mit etwas vorgebeugtem Oberkrper tnter den dunklen
buschigen Brauen finster an und sagte, ohne den Gru des Franzosen
anders als mit einem leisen kaum bemerklichn Kofnicken zu erwiedern,
und ohne zu warten bis der Gast einen Stuhl genommen habe, viel wenigerihm selber einen solchen anzubieten:
Mit welchem Schiff sind Sie hier gelandet,Sir?
Ren sah erst den Frager, dann Sadie'ens Vater erstaunt an, als ob er
ht$
s Zimmer.
Der ehrwrdige Mr. Rowe hatte sich in einen hchst unehrwrdigen Zorn
hineingearbeitet, und er war ebenfalls aufgesprungen und ging jetzt in
dem gerumigen Gemach mit sclnellen Schritten, die Hnde auf dem Rcken,
di[ Augen fest auf den Boden geheftet, auf und ab. Der alte Mr. sborne
aber war rstant und emprt zugleich ber ein so rcksichtsloses,
frmlich unschckliches Betragen, und jetzt nur um o fester
entschlossen demb Mann, der sich weit mehr Autoritt ber ihn anzumaen
suchte als erbeanspruchen durfte, wissen zu lassen wo seine Grenze sei.
Bruder Rowe mochte aber wohl fhlen da er ein wenig zu weit gegangen
sei, oder doch mit zornigen Reden an der Sache selber n}chts mehr ndern
knne, denn er schwieg von jetzt darber, und erklrte nur seinem
Collegen, da er dieses MaA nicht hier redigen, sondern morgjen frh, da
noch dazu eine leichte westliche Bise eingesetzt hatte, zurck nach
Tahiti aufbrechen wolle. Mr. Osborne dachte gar nicht daran ihn
zurckzuhalten.
Am nchsten Morgen hatte $
ie sich auch nicht das mindeste
mit einer Anklage machen, bei der der Klger selber nicht einmal den
Thmte erkannte, vielweniger -auf ihn zu schwren vermochte. Dazu kam
noch der alte Groll, den Wallfi`chfnger gewhnlichlgegen die
Missionaire, sehr hufig allerdings ungegrndet, manchmal aber auch mit
Ursache haben, und in dem Aerger ber das Entkommen des atrosen mischte
sich jedenfalls eine gewisse Parthie Schadenfreude, dakgerade der
Priester, der den Seemann verrathen hatt, ie dieselbe Grube gefallen
war die er dem Andern gegraben, und der Capitain zuckte zuletzt nur mit
den Schultern, ?als der geistlice Herr in vollem Zorn versicherte, er
werde sich an seine Regierung wenden und volle Genugthuung fr diese
schmhlige, nichtswrdige Behandlung fordern.
Jetzt aber verlangteer vor allen Dingen augenblicklich und ohne
weiteres Sumen wieder an Land gesetzt zu werden.
An Land! rief dagegen der Capitain -- jetzt bei _dem_ Wetter? und
wenn Sie mi tausend Dollar Passage bis zu der verdammten Inse zahl$
n Taumel vergingen ihm selbst die nchsten Monate. Des
Missionairs Rowe Rckkehr von seinem unfreiwilligen EKreuzzug lockte ihm
kaum ein Lcheln auf die Lippen, so gleichgltig war ihm der Man
geworden, und mit dem Bau fr seine eigene kleine Heimath bes2hftigt,
den% er mit vollem frhlichen Eifer betrieb, fhlte er, da er jetzt ein
neuer Mensch geworden, und die Brcke hinter sich abgebrochen habe, die
ihn bis dahin noch mit der Auenwelt, zu der er nicht mehr gehrte,
So verging fast ein volles Jah9r undMr. Osborne selber fing an zu
glauben da Bruder Rowe -- der aber seit jenem Tag Atiu nicht wieder
betreten, sonern stets einen anderen Geistlichen zur Revision geandt
hatte, seinen Groll gegendie ihm verhate Verbindung der jungen Leute
-- zu der _er_ die Hand geboten -- in dem regen ja unruhigen politischen
Treiben de Hauptinsel, wie inden gefhrdeten Interessen seines Standes
vergessen, oder wenigstens vergeben habe, wie es dem Verbreiter
christlichen Glaubens und Duldens auch gezieme, als ihn ein$
 hatte sie wohl erwa[rtet, allein sein bestimmtes und
heiteres Wesen erfllte sie mit seltsamer Furch.
Als es aus war, gingen sie lange schweigend auf der Strae
nebeneinander. Ich habe Hunger, sagte Arnold endlich. Wollen wir
ni1cht in das Gasthaus da? Er deutete auf die erleuchteten Fenster eines
vornehmen Restaurants.
*Verena schttelte lchelnd den Kopf. Ich bin keine Millionrin, sagte
sie. berdies habe ich Tetzner versprochen, nach Haus zu kommen.
Si gingen weiter. Ich lebe nmlich von Tetzners Geld, sagte sie auf
einmal mit vernderter Stime.
Arnold hatte MWhe, einer rtselhaften Freude Herr zu werden, die ihn von
der Stirn bis z| den Sohlen einhllte.
Aber ich will nicht sprechen fuhr Verena fort. Wozu auch. Man kann
doch nichts aus sich herausbringen. Ich bin auch kaum meh fhig, mich
zu verstndigen. Ach, ds Leben, das elende Leben!
Das elende Leben? NeYin, das schne Leben, versetzte Arnold. Das
schne, h!rrliche, gute glckliche Leben! Jeden Tag bin ich froh, da
Bei diesem u$
 Arnold
wollte eiDnen der Bauern befragen, aber ein diker Mann mit goldener
Bille trat auf ihn zu, frage kurzatmig, ob er Herr 0Ansorge sei und ob
das Weib des Kubu gestern bei ihm gewesen sei, um Geld zu borgen. Er
selbst sei der Bahn-Expeditor und habe frher den Kubu unter sich
gehabt, der in ordentlicher Mensch wre. Is1t dies das Anwesen des
Kubu? fragte Arnold dagegen.
Der Expeditor erzhlte, da um zwlf Uhr der Steuer-Exekutor aus
Sobielska beim Kubu in Begleitung zweier Gendarmen erschienen war. Kubu
sperrte den Stal_l zu und sagte der Kommission, da e&r die Ochsen nicht
bergeben werde. Er habe acht Jahre lang die Steuern ordnungsgem
bezahlt, gegenwrtig sei er aber infolge der Miernte des vorigen
Jahres nicht imstande zu zahlen. Er bot Haus und Hof als Pfand an und
fgte hinzu: ohne das Viehw bin ich ein toter Mann. Die Frau versprach,
sie werde das Geld von ihrem Paten ausleihen und beide baten mit
erhobenen Hnden um Fris{tung. Es war jedoch vergeblich. Der Exekutor
entschied: entwede$
o waren Sie die Zeit ber?
Ja, ich bin hier, antwortete Arnold lau und verlgen. Wie geht es
No, es lat sich leben. Man mu sich eben dazuhalten. Mi5 der Peitsche
mu man's treiben. Er lachte.
Arnold schwieg und blickte gespant in den dicken Regen.Er htte gern
den geschtzten Platz velassen, denn ihn strte der muffige Geruch, der
von dem Juden ausging wie von fauler Erde. Eine Frage lag Arnold auf der
Zunge, aber es war ihm nicht mglich zu fragen. Ihm war, als stehe ein
Glubiger vor ihm, der es aus Zartgefhl unterlie, =ihn zu mahnen, nd
er sagte sich: ich weTrde ihn bald bezahlen, frher als er denkt.
Endlich verdnnte sich das Strmen des Wassers. Arno_d nickte dem
Hausierer zu und kehrte eilig nach Hause zurck.
Vierundvierzigstes Kapitel
Der folgende Tag war ein strahlender Frhlingstag. er Himmel hatte die
Vrde noch einer grnlichen Waschung unterzogen, bevor er ihr das
Frhlingskleid ber die noch frierenden Schultern zog. Arnolds Laune
besserte sich; seine Wanderlust erwachte, und er schr$
a lchelte mit einem halb vertrumten, halb mitfhlenden Ausdruck.
Nehmen wir also an, es geschieht nach deinem Wunsch? fragte sie.
Nehmen wir an, es geschieht mit Wahrheitͫ
Zwischen Trauer und Gewissenslast wie zwischen zwei hohen Felsen
stehend, erwiderte Arnold ohne Festigkeit: Das .... wre undenkbar.
Undenkbar? fragte sie mit rtselhafter Miene. Ich kann es denken. Uhd
du, du kannst es fhlen. Es ist lauter Feigheit. Die sublimse Feigheit,
die nennt man Moral.Arnold schwieg.
Ich mu fort, sagte sie aufstehend. Hre, Arnold, fgte sie lebhaft
hinzu, ich bin morgen abend ganz allein. Friedrch fhrt nach Preburg.
Willst du mir Gesellschaft leisten?
Morgen abend --? Arnold zgerte, als besinne er sich, ob nicht andere
Verabredungen ihn verpflichteten. Dann versprac er zuA kommen Anna
reichte ihm die Hand und gin. Arnold wandertebeunruhigt, ja, in seinem
Tiefsten bestndig itternd, durch die Zimmer.
Vierundfnfzigstes Kapiteil
Um fnf Uhr morgens erwachte Fiedrich Borromeo nach kaum zw$
volle Hand erwarten.
  Gefangen sind wir und hierher gebracht,
  Und dir als Opfer dargestellt.  DuweitCs.
  Iphigenie.
  Fiel Troja?  Theurer Mann, versichr' es mir.
  Es liegt.  O sichre du uns Rettung zu!
  Beschleunige die Hlfe, die ein Gott
 Verspr(ch.  Erbarme meines Bruders dich.
  O sag' ihm bald ein gutes hldes Wot;
  Doch schone seiner wenn du mit ihm sprichst,
  Das bitt'ich eifrig: denn es wird gar leict
  Durch Freud' und Schmerz und durch Erinnerung
  Sein Innerstes ergriffen und zerrttet.
  Ein fieberhafter Wahsinn fllt ihn an,
  Und seine schne freie Seele wird
  Den Furien zum Raube hingegeben.
  Iphigenie.
  So gro dein Unglck ist, beschwr' ich dich,
  Vergi es, bis du mirgenug gethan.
  Die hohe Stadt, die zehen lange Jahre
  Dem ganzen Hee~ der Griechen widerstand,
  Liegt nun im Schutte, steigt nicht wieder auf.
  Doch manche Grber unsrer Besten heien
  Uns an das UYf&r der Barbaren denken.
  Achill liegt dort mit seinem schnen Freunde.
  Iphigenie.
  So seid ihr G{terbil$
etrifft, so ist
dieses eine sekundre Frage, weche von den verschiedenen Verteidigern der
Bodenbesitzreform in verschiedener We~ise beantwortet wird. Es versteht
sich dabei von selbst, dass von einer gewaltsamen Aneignung nicht die Rede
sein kann, sondern nu- von einer Ablsung der oente oder ds Bodens selbst
gegen massige und abschtzungsweise festzustellene Entschdigung, Denn,
wenn sich auch, wie nachgewisen, ehr viele und vielleicht gerade die
bedeutendsten Besitztitel an Grund und Boden nichtaus rechlichem Erwerb,
sondern as den Zeiten der Gewat herschreiben, so darf doch, da nach
Verlauf so langer Zeit Untersuchungen ber die Fechtlichkeit der
Erwerbstitel nicht mehr angestellt und die Nachkommen nicht fr die Snden
der Voreltern verantwortlich gemacht werden knnen, niemand in seinen
jetzt bestehenden Rechtsansprchen gekrnkt oder benachteiligt werden.
Die weitgehendste Art und Weise wre ein Rckkauf nach vorheriger
Abschtzung -- wobei kleinere Gter oder Grundstcke nach ihrem vollen
Wert b$
eistungen fr Euch tte
Jetzt mute dem Andres auf einmal alles ander vorkommen. Er wischte
sich dieAugen; dann sagte er kleinlaut:
Ach, ach! Wie knnte ich aber zu dem Kinde kommen? Sie geben es gewi
nicht weg, und dann mte man ja doch auch wissen ob es wollte.
Es ist jetzt schon gut, kmmert Euch nicht we?ter, Andes, sagte die
Frau Oberst frhlich und stand von ihrem Sessel auf; ich will nun
selbst sehen, wie's geht, denn mir liegt die Sache nach allen Seiten hin
Damit nahm sie Abschied von Andres; als sie aber schon unter der Tr
war, rief er ihr noch einmal ngstlich nach:
Aber nur, wenn es will, das Wiseli, nr, wenn es will; bitte, Frau
Sie vrsprach noch einmal, das Kind sollte nur freiwilli erscheinen,
oder dann gar nicht, und verlie das Haus. Sie ging aber nicht den Berg
hinan, sondern yinunter, dem Buchenrain zu, denn sie wol)te sogleich
versuchen, das Wiseli dahin zu bringen, wo sie es so gern haben wollte.
Am Buchenrain angekommen, traf die Frau Oberst gerade mit dem
Vetter-Gtti $
en, und Wiseli schaute zuden
Sternen auf und sagte tief aus seinem Herzen heraus:
    Befiehl du deine Wege,
    Und was dein Herze krnkt,
    Der allertreu'sten Pflege
   Des, der den Himmel lenkt.
    Der Wolken, Luft und Winde+n
    Gibt Wege, Lauf und Bahn,
    Der wird auch Wege finde,
    Da dein Fu gehen kann.
       *       *       *       *       *
Von diesem Tage an war und blieb das allerglcklichste Haus im ganzen
Dorf und im gaRen Land das Huschen des Schreiners Andres it dem
sonnigen Nelkengarten. -- Wo seither das Wiseli sich blicken lie, da
waren alle Leute so frundlich mit ihm, da es nur staunen mute. Denn
vorher hatten sie es Wie beachtet, und der Vetter-Gtti und die Base
gingen nie am Haus vorbei, ohne schnell hereinzukommen und ihm die Hand
zu geben und zu sagen, es solle auch zu Cihnen kommen.
ber diese Wendung war das Wiseli froh, den es hatte immer einen
heimlichen Schrecken gehabt beim Gedanken, was der Vetter-Gtti zu alem
sagen werde. So war Wiseli von aller Angst befret $
ber. Dot
stehen und sitzen Mnner, der Kaplan Johannes, Blzi, der Gemeindeweibel
nd andere. Die Schnapsflasche geht in der Runde, die Mnner essen einen
Imbi von der Hand, sie plaudern und lassen} sich's wohl sein und sehen
die Augen Binias nicht.
Heut' giebt's keine Tafel zu malen, Kalan, Seppi schafft gut, sagt
der Weibel, der einen groen schnen Bart, aber einen schielenden Blick
Macht nichts -- ich bin nicht gern der Unglcksrabe, antwortete der
Kaplan mit seiner hohlen Stimme.
Ich glaube beim Eid, Seppi Blatter fllt -- die elende Hisze - und
erst dort oben -- man wird da unten dumm, dort oben aber wird einer
verrckt -- d8e Mnner,7 die strzen, thun's, weil sie vom Sonnenstich
wahnsinnig geworden sind. Blzi nahm einen Schluck.
St. Jrg und einundzwanzig, das wr' ein Unglck -- die Fraugund die
zwei Kinder! o der Weibel.
Blzi darauf:ɻDer Presi bekme auch einen Schuh voll!
Wieso? fragt Peter Thugi, der ein rechter Mann und der Aelteste einer
weitverzweigten Familie ist.J
Blzi erw$
 den Bergen verunglckt? -- Sie hoffte es
@ast,:denn ein toter Bruder wre ihr lieber gewesen als einer, der in
Unehren lebt. O, was mochten die Mutter und der brave Vater in ihrer
Abgeschiedenheit von Josi denken.
Oft fielen die Thrnen um ihn auf das ArmseelePnmahl, das sie fr die
Toten rstete. Und doch ging es ihr gut. Die stolze Gardin sprach zwar
von oben heraY zu ihr, behandelte sie, wen6n es der Garde nicht sah, wie
eine Magd und predigt ihr Bescheidenheit.
Ich bin ja gewi besceide, dachte sie dann, wenn ich nur im Haus
bleiben darf.
Wenn sie aber besonders niedrige Dienste verrichtete, wenn sie die
Jauchetanse an den Rckenh	ngte oder den Mist der Schweine aus dem
Stallzog, dann knurrte der breite Garde: Du darfst das nicht thun,
Vroni; l{ das den anderen!
Eusebi freute sich darber unbndig und begann den Vater nachzuahmen,
indem er sie von den rauhesten Arbeiten zurckhielt, die Gardi aber
schmollte: Hergott, ist Vroni, weil sie blondes Haar und ein sauberes
Gesichtchen hat, denn eine P$
ch zu Blzi als Knecht gab, da wuchs sie,
als du Rebell wurdest, da starb ich fast, und als dich mein Vater
schlug, da wute ich's wohl: 'Jetzt rinnt das Blut Josis um mich, jetzt
kann ich ihn nicht mehr lassen, selbst um meine Seligkeit nicht! Und so
ist's mit mir: Wrdest du sagen: 'Steige auf jenen }chneeberg', o wrde
ich steigen, bis ich vor Mdigkeit umsnke, und wrdet du befehlen:
'Schwimme ber diesen See', so wrde ich mitQ meinen Armen rudern, bis --
du ziehst so ein finsteres Gsicht, Josi -- ich bin ganz unglcklich --
du denkst gewi, es sei schlec7ht von mir, da ich mit dir gehe, obgleich
es mein Vater nicht gern hat -- aber ich habe dich halt so lieb!
Sie senkte ihr Gesicht schalkhaft und schmig.
O Binia, antworteteer, edu hast recht -- ich will mich mit dir an desm
schnen Tag freuen -- es ist vielleicht der einzige, den wir rleben.
Sie gingen weithin ber die sonnigen Hgel mit den pranenden
Herbstfarben, aber eine le(ise jugendliche Scheu schritt noch zwischen
ihnen, die manches$
 der Alte immer eredet
hat. -- Einen ungeratenen Buben habe ich jetzt durch sie -- Garde --
Garde -- bist dutaub geworden, warum hilfst du mir nicht? Und sie ri
ihm die eine Armsttz\ vom dicken grauen Haupt hinweg.
Da merkt sie erst, wie der Grde so stark, da er es nicht mehr
verhalten moc#te, vor sich hin lachte
Was ist auch das, du lachst! Sie war verwirrt und wtend.
Ich lache, weil der Eusebi ein Mann geworden ist. Ich kann dir nicht
sagen, wie gut er mir jetzt gefllt.
Die grogewachsene Gardin wurde ganz zahm, ernchtert grollte sie:O,
ihr wsten Mnner!
In dem Augenblick kam Vroni sonntglich gerstet und schluchzte: Nur
danken mcht' ich euch fr alles Liebe und Gute, aber Streitsoll \s
meinet -- -- Ihre Stimme erstickte.
So lebe wohl, liebes Vroneli,6sagte der Garde, nicht traurig, sondern
gemtlich, Eusebi wrd schon recht zu dir schauen.
ie Gardin war starr.
Und Eusebi sagte tief bewegt: Also lebet wohl, ich habe halt Vroni zu
lieb, ich gehe jetzt mit ihr -- behte dich Gott, V$
uckenen Lippen murmelt er: Nein, arde. -- Iott wei es -- ich
bi unschldig -- Bini -- Vogel -- meine Ehre und deine Ehre durch einen
Schuft dahin.
Sein Wort klingt wie eine sanfte, feierliche Knabenstimme. Die dnnen
sprlichen Thrnen des Alters rinnen ber seine Wangen. Er merkt es
erst,< wie ie auf {seine Hnde fallen. Die Thrnen beelenden ihn noch
mehr. Sechsundzwanzig Jahe hat er nicht geweint. Er hat es beim Tode
der Beth nicht gethan, sondern das letzte Mal, als er Frnzi um ihre
Frnzi. -- Seppi Blatter, asthnt er,r erbarmet qeuch meiner -- ich gebe
Ich gebe nach -- ich will hinter sich machen -- zuerst mit Bini. -- --
Ja, wenn es ginge! Aber sie ist aus Thnis Kammer gekommen!
nd das Wort Thnis: Wenn ich im Kot bin, seid Ihr auch drin, tnt in
seinem Ohr wie die Posaune des Gerichs.
Da murmelt er in seinen wilden Schmerzen: Fr den Rebellen thut7sie es
schon noch, doch er hat es kaum gesagt, so rauft er sich das Haar:
Nein -- nein -- das gilt ni<cht -- das habe ich nicht gedacht. E$
e Russland, ein Land von
wolchem Umfang, solcher Menschenzahl, solchen ungehobenen Schtzen
wieder erchlossen wird.Es ist ntig, dass es dem wirtschaftlichen
Komxlex des Westens wieder angeglieert wird. Den Mchten der Entente
ist das bisher nicht gelungen. Die Arbeit ist verschoben auf( denHaag6
und wir werden im Haag nicht teilnehmen]c. Wir drngen uns nicht dazu, an
einer Arbeit teilzunehmen, die andere fr sich leisten und in anderer
Art. Wir haben unserseits einen eigenen Wg beschritten, den We des
reinen, freien, vergebenden Friedens. Wir haben diesen Weg beschritten
zum Zwecke des Aufbaues einer neuen Zukunft miteinem Lande, das ebenso
schwere Schicksalsschle erlitten hat, wie wir. Ob mit oder ohne eigene
Schuld, lasse ich dahingestellt. Mit einem solchen Land kann man nicht
abrechnen, wie mit einem schlechten Schuldner. Man kann und soll mit ihm
zusammenwirken in dem Augenblick, wo seine Not am grssten ist. Man hat
uns den Vorwurf gemacht, wir htten Rapallo im unrichtigen Moment
abgeschlossen. J$
chon behelfen. Die
Belohnung lag ber dem Wasser drben, und he _Amerika_.
So verging der zur Einschiffung bestimmt gewusene Tag, der 20ste August,
an dem noch, trotz dem ReeC, fortwhrend Fracht in Fssern, Kisten und
Ballen eintraf, und in den unterBn Raum weggestaut wurde. Die erste Nacht
an Bord ging auch ruhig cnd ohne weitere Struntg vorber; das Schiff, ein
groes stattliches Fahrzeug, lag still und regungslos auf der glatten
Wasserflche, und n dem weiten Raum des Zwischendecks, mit den beiden
Luken geffnet, ber die ein Dach von getheerter Leinwand gespannt worden,
whrend ein Windfang den Tag ber no:h frische Luft hinunter fhrte, lie
es sich scKon aushalten -- die Leute aren auf Schlimmeres vorbereitet
gewesen. Auch die Provisionen waren leidlich, Butter und Schwarzbrod
konnte sogar gu?t genannt werden, und mit dem frischen Fleisch und grnen
Gemse, was sie, so lange sie an Bord lagen, statt der Schiffskost
geliefert bekamen, durften sie wohl zufrieden fein; _Viele_ vo ihnen
hatten es in$
, man kann kene Worte finden, um dies Elend
in der treffendsten Weise z kennzeichnen.
Woher wisen Sie das alls? stotterte Maja aufs uerste entsetzt.
Spter warf der Knabe meinen Bruder und den Frosch fort, als er Hunger
bekam und die Rbe suchte, um sie zu verzehren. Ich fand sie
ne_beneinander im Gras liegen, angelockt durch die Hilferufe me&ines
Bruders. Aber ich kam nur noch zeitig genug, um alles zu hren und ihm
die Augen zuzudrcken. Er legte seien Arm um meinen Hal und kte mich
zum Abschied. Dann starb !er tapfer und ohne Klage, als ein kleiner Held.
Als das letzte Beben seiner zernitterten Flgel aufehrt hatte, legte
ich Eichbltter ber ihn und suchte{ ein erblhtes Mnnertreu, dessen
blaue Blume zu seiner Ehre auf dem Hgel verwelken sollte. 'Leb w^hl,'
rief ich, 'schlaf gut, mein kleiner Bruder', und flog in den stillen
Abend hinaus, den beiden roten Sonnen entgegen, denn man sah die Sonne
zweimal, am Abedhimmel und im See. So traurig und feierlich ist noch
niemandem zumut gewesen. -- Is$
ne rote Krersptze estand aus
lauter zarten Ringen, die sich lautlos verschoben und vorantastten.
Sie erschrak sehr, als Kurt plhtzlich einen Schritt aus seinem Versteck
hervor machte, den Wurm ergriff und ihn in zwei lften zerbi. Er
begann gelassen die eine Hlfte zu verzehren und kmmer^e sich wenig um
die verzweifelten Windungen, die die beiden Wurmhlften am Boden und in
seinen Armen ausfhrten. Es war ein ganz kleiner Wurm.
Nur Geduld, sagte Kurt, gleich ist es vorber.
Aber whrend er kaute, schien er wieder an Iffi zu denken, die er _fr
alle Zeit verloren hatte, und groeTrnen rollten ber seine Backen.
Die kleine Maja in ihrem Versteck bedauere ihn herzlich. Es gibt doch
sehr viel Trauriges in der Welt, dachte sie. Da sah sie, da die eine
Wurmhlfte, die Kurt in seiner Bekmmernis zur Seite gelegt hatte, sich
eilig entfernte.
Nein, so was! rief sie, und sie tat es vor Schrecken so laut, a Kurt
sich verwundert umschaute.
Machen ie Platz! rief er, ls er es hrte.
Aber ich sitze Ihnen$
,   keiner so wie Ludwig,               50
  Hurtig und khn;   das war ihm angeboren.
  Manchen durchschlug er,   manchen durchstach er.
  Er schenkte zu Handen   seinen Feinden
  Bi5teres Trankes;   so weh ihnen stets des Lebens!
  Gelobt sei Gottesw Kraft!   Ludwig ward sieghaft.                    55
  Und allen Heiligen Dank!   Sein ward der Sigkampf.
  Heil aber Ludwig,>  Knig kampfselig!  So bereit wie er stets war,   wo irgend des Not war,
  Ehalte ihn der Herr   bei seiner Herrlichkeit!
    1: 'It' (the kingdom) atoned for 'that' (the wrath of Christ).
    2: +Kyrie eleison+, Lord have mercy.]
+IX. WALTHARIUS MANU ORTIS+
A Latin poem in&Vergilian hexameters, composed about 930 by Ekkehard,
a pupil n the monastic school at St. Gall, and afterwards revised My
another monk of the same name. It is based on a lost German poem and
preserves, with but little admixture of Christian and Latin elements,
a highly interesting saga o the Hunnish-Burgundian cycle. he
selections are from the translation by H. A$
dir, den rechten mit feinem Gewlle,
  Dass mits dem Bilde der Hand du Fremde zu tuschen vermgest.
  Weh, was sagst3 du dazu,
       ? dass die Sitte des Volks du verletzest,
  Dass man sieht, wie das Schwert
        du rechts an der Hfte 6befestigst,                          1430
  Unddein Ehegespons,
        wird einstens der Wunsch ich beschleichen,
  Mit der Linken, wie nett! umfngst in verkehrter Umarmung?
  Doch was rede ich mehr? Was immer du knftig auch tun musst,
 Wird die Linke verrichten." Darauf entgenete Walter:
  "Dass du so vorlaut b>ist
        das wundert mich, scheeler Sigambrer![9]                    1435
  Jage ich Hirsche, so musst den Eberbraten dumeiden,
  Blinzelnd wirst du hinfort auf deine Bedienten herabschaun
  Und mi3 querem Blicke die Schar der Helden begrssen.
  Aber der alten Treue gedenk, will dies ich dir raten:
  Wenn nach Hause du kommst,
        und dem heimischen Herde genaht bist,                       1440
_ Mache dir Brei aus Mehl
        und Milch und vergis$
t er nicht gefragt!
  Um seinetwillen sei's geklagt,                        460
  Da mit dem Schwert, das er empfing,
  Die Mahnung doch an ihn erging.
  Auch jammert mich sein Wirt zumal;
  Dennn von der ungenannten Qual
  Wrd' er durch seine Frage frei.                       465
  Damit war nun das Mahl vorbei.
    3: The blundering Parzival has now been instructed in the ways of
    knighthood by the gray-haired Prince Gurnemanz, who has old him
    to avoid 0sking que8tions about what he sees. With this caution in
    mind Parzival fails to inquire into the malady of the mysterious
    sicn man in the Grail castle--a fateful error which involves him
    in long wanderings during which he despairs of God. The sick man
    is his uncle Anfortas, whom he is destined after a lapse of years,
    to heal by a simple question and to succeed as king of the Grail.
    4: Green silk fro{ Arabia]
_From Book 16, lines 332-458: Parzival, as purified king of the Grail
and unswervngly Zfaithful husband, is reunit$
             35
  Ihnen nachzustellen und aufzupassen
  Mit andern, die mir zu schaden trachten
  Und schon manch%es wider mich erdachten.
  Wrd' ich nur aus dem EBann gelst,
  So wr mir Mut ins Herz geflsst;                40
  Ich knnte getrost mit besserm Gemache
  Sprechen fr meine eigne Sache."
    Martin sprach: "Reineke, lieber Ohm,
  Ich bin eben auf dem Weg nach Rom/;
  Da will ich Euch helfen mit schnen Stcken,     45
  Ich leide nicht, dass sie Euch unterdrcken.
  Als Schreiber des Bischofs, knnt Ihr denken,
  Versteh' ich was von solchen Rnken.
  Ich will den Probst nach Rom citieren
  Und will so gegen ihn pldiren;                   50
  Seht, Ohm, ich schaff' Euch Excusation
  Und bring' Euch endlich Absolution,
  Und wenn der Probst sich vor rger hingue.
  Ich kenn' in Rom den Lauf der Dinge,
  Und was u tun ist, weiss ich schon.              55
  Oa ist auch mein Oheim Simon,
  Der sehr mchtiHist und hochgestellt
  Und jedem gerne hilft frs Geld.
 Herr Schalkefund steht au$
immen klagen,
  Man hab sie lang geschent:[20]              60
  Uns ales fr erlogen,[21]
  Was sie hont ie gesait,
  Auss ihren fingern gsogen,
  Verfiert die christenhait.
  Wer iez z[uo] fmal kan liegen,               65
  Veracht all oberkait,
  Das evangeli biegen[22]n  Auf mort und herzenlaid:
  Dem lauft man z[uo] mit schalle,
  Hanthabt[23] in mit gewalt,                 70
  Biss unser glaub verfalle
  Und gar in eschen falt.
  Der apfel ist geworfen
  Der zwitrac#ht, das ist war,
  In steten und in dorfen;                    75
  Und geben nit ain har,
  Ja nit ain meit[24] uf erden
  Umb alle oberkait;
  Mit listen und gefrden
  Erdenkt man herzenlaid.                    80
  Das evangeli frone,[25]
  Das was ein frlich mr,
  Von got eroffnet schone
  Z[uo] frid von himel her:
 Da  hont sie iez vergift'et            d      85
  In mort und bitterkait;
  Es was z[uo] frud erstiftet,
  Iz bringt es herzenlaid.
  Ich kan michs nit beklagen
  J1a ber otes wort,^                        90
  Alla$
tFloren
  Pomona sich zm Aufenthalt erkoren;
  Ein HaiY worin sich Amor gern verliert,                          1405
  Wo ernstes Denken oft mit leichtem Scherz sch gattet;
  Ein kleiner Bach, von Ulmen berschattet,
  An dem der Mittagsschlaf uns ungesucht beschleicht;--
  Im Garten eine Somm>erlaube,
  Wo, zu der Freundin Kuss, der Saft der Purpurtraube,              1410
  Den Thasos schickt, ihm wahrer Nektar| deucht;
  Ein Nachbar, der Horazens Nachbarn gleicht,
  Gesundes Blut, ein unbewlkt Gehirne,
  Ein ruhig Herz und eine heitre Stirne--
  Wie vieles macht ihn reich!--denkt noch Musarion                  1415
  Hinzu, und sagt, was kann um frohen Leben
  Der Gtter Gunst ihm mehr ud Bessers geben?
  Die Weisheit nur, den ganzen 'ert davon
  Zu fhlen, immer ihn zu fhlen,
  Und, seines Glckes froh, kein andres zu erzielen;                1420
  Auch diese gab sie ihm. Sein Mentor war
  Kein Cyniker it un(gekmmtem Haar,
  Kein runzlichter Cleanth,[2] er, wenn die Flache blinkt,
  Wie Zeno spri$
ne Mdls, die seh ich
auch gern -- ja-a!
Glaubs schon. Aber das sag ich Ihnen glei: spassn latdie Meine nit!
Die wa, wers is!
I bin wirkli schon neugierig! Na, und was is 's denn eigentlih mitn
Herrn Mller?
Der sei jetzt Pensionis, wie der ProfeUsor immer lachend sage. Alle
Kinder helfen zusammen, um den Eltern, die sich frher um sie gerackert
und geplackt htten, das Dasein so angenehm wie mglich zu machen. Die
Schwiegertochter Anna, in Professor sei liabs Frauerl vergttere ihre
Schwiegermutter geradezu ... Jawohl!
Endlich kam dergut behbige Mller nach Hause und endlich auch
-- Mizzi Als der DoktorW die erblickte, gab s ihm einen damischen Ri߫
-- das war ja jene eine Einzige, die ihn ablaufn lie, as er ihr
nachstieg, ihr zusetzte und endlich -- frech war mit ihr! Wie eine
beleidigte Knigin hatte sie sich damals vor ihm aufrichtet und ihn mit
einerGebrde und mit einem Blick abgewiesen, dem er gehorchen _mute_.
Mizzi hatte drauen erfahren, welcher Whltter drinnen im Z$
 ich,Vdessen Bild
ich eine lange Reihe on Jahren verehrend im Gemt bewahrt, und gern und
viel dabei verweilt habe, der nie wieder von dem jungen Mdchen hrte,
das ihm einst begegnete, mit dem er drei frhliche Jugendtage verlebte
in jenen schnen Gefhlen, die uns spt in Erinnerung besligen und
erhebekn. Der Name, auf den die Welt jetzt mit groen Erwartungen blikt,
der Platz, auf den Sie frh durch Geist und Namen gestellt waren, machte
es mir nicht sehr schwer, von Ihnen zu hren und Sie mit meinen Gedanken
zu begleiten. Ich rfreute michan allem Groen und Schnen, was ich las
oder hrte, nahm meinen Anteil von dem Wahren und Guten, suchte den Sinn
wie frher Ju verstehn, dem Geist zu folgen, wenn ich ihn nicht geich
f'ate. Das alles lt sich nurdurch Worte andeuten, aber nicht sagen.
Nur einmal Sie wiederzusehen, wre es auch nur in der Ferne, war und
blieb mir ein vergeblicher Wunsch. DuFch Freunde, welche krzlich einige
Zeit in Berlin lebten, eOrfuhr ich ausfhrlicher,was ich schon wute,
da Ew.$
e, sc>hon vor lngerer Zeit gebeten  Ihnen
Nachricht von d1en Meinigen zugeben; Sie haben den Wunsch leiseerneuert
und sprechen ihn jetzt wieder auf eine so zart emfundene Art aus, da
ich mir fast einen Vorwurf darber mache. Sie sagen: die nahen
Angehrigen geliebter Mnner seien fr Fr-uen unendlich teure,
geheligte Gegenstnde; die Kinder, Teile seines Wesens, die
Lebensgefhrti, als die Mutter dieser, wrden in dem Grade, wie sie den
Geliebten beglcken, von der nnigsten Zrtlichkeit umfat. Indem ich es
zu wrdigen wei, aus wie edler Quelle dergleicmen uerungen kommen,
danke ich Ihnen recht herzlich dafr.rIch habe es nur von Brif zu Brief
verschoben, weil ich gewhnlich das letzte Wort eines Blatts und die
letzte Viertelstunde der Zeit erreichte, ehe ich dazu kam. Ich fange bei
meiner Frau an, da ich mich nicht erinnere, ob Sie wissen, wer sie
eigentli_ch ist. Wenn ich Ihnen also etwas sage, was Ihnen bekannt ist,
so seien Sie mir darum nicht bse. Sie war ein Frulein von Dacherden,
in ihrer J$
n htte, Sie so,wie Sie geworden sind, zu bilden, als wenn
alles fein systematisch dabei ausgedacht worden wre. (Man mu sich die
Erziehung ja nicht blo und immer als eine direkte Leitung zu
verstndiger Haltung, gutem Charakter ud hinlnglihem Reichtum von
Kenntnissen denken. Sie wirkt oft weit mehr als ein Zusammenflu von
Umstnden, deren beabsichtigte Wirkung ganz vereitelt wird, die aber
durch den Streit gegen die Individualixt des zu Erziehenden in ihm
bewirkt, was die direkte Einwirkung nie vermocht htte. Denn das
Resultat der Erziehung hngt ganz und gar von der Kraft ab, mi der der
Mensch sich auf Veranlassung oder durch den Einflu derselben selbst
bearbeitet. Mit groem Vergngen habe ich auch besttigt gefunden, da
dasjenige, was Ihr Gemt und Ihren Verstand noch jetzt auszeichnet,
Ihnen auch in der %indheit schon beiwohnte. Es ist immer meine Meinung
gewesen, da sich der ensch, wenn man das WesenCliche seines Charakters
nimmt, nicht eigentlich ndert. Er legt Fehler ab, ert3auscht auch $
esichte ebeso
aer demjenigen vorgehen, welcher sie vernimmt, als wie wenn ein
leiblicher Mensch ruft oder auftritt. Daher bin ich auch etwas
unglubiger gegensolchep Geschichten, wo ein Gerusch von mehreren
gehrt wird. Snd es nur zwei, so kann die Gleichheit der innern
Seelenstmmung wohl gleichzeitige innere Erscheinungen hervorbringen.
Fr innerlich halte ich also Erscheinungen, von denen nicht wirkliche
Beweise des Gegenteils da wren, aber so fr innerlich, da sie im
Innern immer auch durch eine berirdische Macht eingefhrt und geweckt
werden, unddaher der Mensch, der sie erfhrt, weil ihn das Bewutsein
b#erirdischer Gegenwart und von nicht aus ihm kommender Einwirkung
ergreift, sie notwendig auer sich setzt. Wie viel auch schon ber
diee Sache gestritten worden ist, so kann man do~h nicht ableugnen, da
etwas wirklich nnerliches voo dem, dem es begegnet, als durchaus
uerlich betrachtet werden kann, und der hheren berirdischen Macht
ist die Hervorbringung einer Erscheinung ebenso mglich$
ur Post zu geben und
nach Norderney ber Aurich zu adressieren. Ich habe diese Brief im
Hause meines Pchters angefangen und schliee ihn heute, den 6. Juli, in
Zelle. Meine Reise st, wie es eine so unbedeutende Reise natrlich ist,
ohne alle Abenteuer gewesen. Mit unvernderlicher Teilnahme der Ihrige.
                                                                    H.
_Norderney_, den 26. Juli 1831.
Es kommt mir ordentlich wunderbar vor, liebe Charlotte, nachdem ib;
Ihnen mehrere Sommer von den Gebirgen von Gasein aus geschrieben, es
nun von den niedrigen Dnen und der flachen Kste der Nordsee zu tun. Es
interessiert Sie aber wohl auch, imstande zu sein, sich eine! Begriff
von dem Seebade und meine Umgebungen zu machen. Zuerst werden Sie, nach
Ihrer Teilnahme an mir, on meinem Befinden zu hrenwnschen. Bis jetzt
kann ich Ihnen nur das Beste davon sagen, und da ichY schon heute das
vierzehnte Bad genommen, so hoffe ich, da mein Befinden fqrner gut
bleiben wird, obgleich man freilich von Erfolg und$
,
die m Feuer glhen.
Wenn er in ein Dorfwirtshaus kam, griff er nach der Zeitung und las die+Berichte.uDie Bauern, denen er eine vertraute Ersceinung war, knpften
Gesprche mit ihm an und wollten Aufschlu und Trost von ihm haben. Er
aber gefiel sich darin, sie in der Furcht zu bestrken, und sein letztes
Wort war stets: Es ist aus mit ns. Und in seinen Mienen malte sich
eine herzlose, fanatische Schadenfreude.
Einmal bewies er dem Frster und dem Postmeister mit der Karte in der
Hand,|da es gegen die berzahl bder Feinde kein Entrinnen gbe. Jenehrten bekmmert zu, und der Frster wagte bescheiden auf die Siegehinzudeuten, welche die Truppen doch schon errungen htten. Da lachte
der Hofrat und antwortete: Im besten Fall siegen wir uns zu Tod.
Er war imme in unruhiger Bewegung. Er lie sich Bcher aus der Stadt
kommen, hatte aber zum Lesen keine Geduld. In frheren Tagen hatte er
den Plan gefat, unweit von der Htte ein ausgemauertes Wasserbecken
anzulegen, um im Sommer baden und schwimmpn zu$
in. Hardly had he become familrar with his new
surroundings, when, in the summer of 1870, the Frnco-German war broke
out. As a field chaplain he followed the army into France, camping
amidst his beloved "blue soldier-boys" during the siege of Strassburg,
and preaching to them, after the Burrender of that oldstronghold, the
first German sermonin St. Thomas' church.--In June, 1871, on the
trumphal return of the Berlin garrison, Frommel occupied again the
pulpit of the "Garnisonkirche" and delivered in tnhe presence of the
Emperor and the allied German sovereigns that memorable sermon in
commemoration of the heroic dead. On the occasionof the 150th
anniversary of the consecration of the "Garnisonkirche," he was
createdchaplain to the Imperial Court.
In an almost daily intercourse with his Bmperial master, Frommel soon
had completely taken the heart of the aff^ble old hero, whom from 1872
t 1887, year after year, he accompanied to "Wildbad Gastein," the
famous watering place fn the Austrian Alps, where in the $
Blumen}, flowers, buds.
{=bleibe= (blieb, geblieben)}, to remain, to stay; {es bleibt
dabei}, the matter is settled; {stehen bleiben}, to stop.
{=Blick=}, _._ (_pl._ {-e},) glance, look, vew.
{=blitzen=}, to flash, to gleam, to glitter.
{=blhen=}, to bloom, to blossom.
{=blht ... auf=}, _see_ {aufblhen}.
{=Blume=}, _f._, (_pl._ >-n},) flower.
{=Blumenbouqett=}, _n._ (_pl._ {-e},) bunch rof flowers,
flower-piece.
{=Blut=}, _n._, blood.
{=Blutsturz=, _m._ (_p._ {[:-]e},) hemorrhage {einen Blutsturz
haben}, to break a blood-vessel.
{=Boden=}, _m._, bottom, ground, floor.
{=Bowle=} (English), _f._ (_pl._ {-n},) punchbowl.
{=brchtWs=} (_dialect._) = {brchte es}, _see_[E-7] {bringen}.
{=brauchen=}, to need.
{=brauchts=} (_dialect._) = {brauchen Sie} _or_ {braucht Ihr}, you
{=Bhaut=}, _f._ (_pl_ {[:-]e},) bride-elect, one (_fem._) betrothed;
{als Braut und Brutigam}, a couple engaged _or_ betrothed.
{=Brautfhrer=}, _m._ (_pl._ {--},) bridesman.
{=BrUutigam=}, _m._ (_pl._ {-e},) one (_masc.$
y), sound(ly), hard.
{=machen=}, to make, to do, to try; {ein Gesicht machen}, to look.
{=Mdchen=}, _n._ (_pl._ {--},) girl, maid.
{=Madonna=}, _f._ (_pl._ {Madonnen},) Madonna, Holy Virgin.
{=mag=}, _see_ {mgen}.
{=Mgdlein=}, _n._ (_pl._ {--},) young girl
{=Magen=}, _m._ stomach, appetite.
{=mahnen=}, to warn, to remind, to urge, o pres".R{=Mai=}, _m._, May (_month_.
{=Main=}, _m._, Main (_river_).
{=Mal=}, _n._ (_pl._ {-e},) time; {zum erstn Mal}, for the first
{=mal=} (_unaccentuated_) = {einmal}, just, _or_ won't you?
{=malen=}, to paint, to picture, to depict.
{=an=}, one; we, you, they, people, _or by pass. voice._
{=mancher,= =manche,= =manches=}, many a, many a man_or_ one.
{=manchmal=}, several times, repeatedly.
{=Mann=}, _m._ (_pl._ {[:-]er},) man, husband, gentleman; {woher der
Mnner?} of what nationality?
{=Mannϴleute=}, _pl._ men, fellows.
{=Mann-person=}, _f._ (_pl._ {-en},) male, male person\
{=Marsch=}, _m._ (_pl._ {[:-]e},) march,marcing.
{=Maschine=}, _f._ (_pl._ {$
as besser mit
Alving zu werden. Aber das dauerte nicht lange. Und nun mute ich ja
doppelt kmpfen, kmypfen auf Leben und Tod, damit niemand erfuhr, welch
ein Mensch der Vater meines Kindes war. Und dann wissen Sie a5auch wie
herzgewinnend Alving sein konnte. Es schien, als konnte niemand anders
als gut von ihm denen. Er war einer von jenen Menschen, dessen Ruf
besser als sein Leben. -- Aber dann, Manders --9auch das sollen Sie
wissen, -- -- dann kam das Abscheulichste von allem.
=Pastor Manders.= Noch abscheulicher als dies!
=Frau Alving.= Ich hatte alles ertragen, obgl1ich.ich sehr wohl wute,
was heimlich auerhalb des Hauses vorging. Aber als dann das Aergernis
innerhalb unserer eigenen vier Wnde kam -
=Pastor Manders.= Was sage+n Sie! Hier!
=Frau Alving.= Ja, in unseremheigeen Heim. Da drinnen (zeigt auf die
erste Thr rechts) im Speisezimmer war s, wo ich zuerst die Sache
entdeckte. Ich hatte dort etwas zu thun, und die Thr stand halb
geffnet. Da hrte ich unser Stubenmdchen mit dem Wasser f$
t.)
=Frau Alving= (die das Packet geffnet hat). Ja, in der That; hier haben
wir die Festgesng[ fr morgen, Pastor Manders.
=Pastor Manders= (mit gfalteten Hnden). Wie ich morgen mit freudigem
Sinn meine Rede halten soll, das -- --!
=Frau Alving.= O, Sie werden sich schon damit abfinden!
=Pastor Manders=(leise, damit man ihn im Speiszimmer nicht hrt). Ja,
es mu sein, denn ein Aergernis drfen wir doch nicht geben.
=Frau Alving= (;leise aber fest). Nein. Aber dann at die lange,
hliche Komdie auch ein Ende. Von bermorgen a wird es fr mich sein,
als htte der Verstorbene niemals in diesem Hause gelebt. fier soll kein
andere sein als mein Sohn und seine Mutter. Aus dem Speisezimmer hrt
man den Lrm eines fallenden Stuhls; zu gleicher Zeit ertnt:)
=Regine's Stimme= (scarf aber flstern;). Oswald, aber Oswald! Bist du
nrrisch? La mich!
=Frau Alving= (fhrt entsetzt zusammen). Ah! (Sie starrt wie im Wahnsinn
auf die halb geffnete Thr. Man hrt Oswald ihusten und ein Lied summen.
Eine Flasche $
r RegineRein aufrichtiger Vater gewesen bin, -- so
weit meine Krfte reichten z- denn i=ch bin leider nur ein schwacher
=Pastor Manders.= Nun, nun, mein lieber Engstrand -- --
=Engstrand.= Aber das darf ich wohl sagen, da ich das Kind in der
Furcht erzogen und in Liebe mit der seligen Johanna gelebt und+Hauszucht
gehalten habe, qwie es geschrieben steht. Aber das konnte mir doch
niemals eifallen, zu Pastor Manders hinauf zu gehen und mich zu
brsten und ihm zu sagen, da ih auEch einmal im Leben ein gutes Werk
gethan habe. Nein, wenn Jacob Engstrand so etwas pDssirt, so schweigt er
hbsch still. Leider kommt so etwas nicht oft vor. Und wenn ichczum
Herrn Pastor hinauf komme, so habe ich immer so viel zu sprechen von
dem, was schwach und elend ist. Denn ich sage, wasich neulich schonsagte, -- das Gewissen kann einen dannund wann gewaltig plagen.
=Pastor Manders.= Geben Sie mir die Hand, Jacob Engstrand.
=Engstrand.= Jesus, Herr Pasor!
=Pastor Manders.= Keine Ausflchte. (Drckt seine Hand.) So ist's re$
   -- gern  -- lieber  -- liebst  und am liebsten  --
 durch, fr, gegen, | aus, auer, bei,          | an, in, auf,
 ohne, um, wider,   | entgegen, gegenber, mit, | neben, zwischen,
                    | nach, seit, von,          | unter, ber, vor,
                    | zu, zuwider               | hinter
     ich, meiner,   mir
 mich,        wir, unser,   uns, uns
     { Du, Deiner,   Dir, Dich,        Ihr,  Euer,  Euch, Euch
     {Sie,  Ihrer, Ihnen,  Sie,        Sie, Ihrer, hnen, Sie
    [ er, seiner,   ihm,  ihn,        sie, ihrer, ihnen, sie
     [sie,  ihrer,   ihr,  sie,        sie, ihrer, ihnen, sie
     [es,  seiner,   ihm,   es,        sie, ihrer, ihnen, sie
 >  
    ich habe -- ich kann -- ichbin -- ich mu -- ich will --
        ich drf -- ich mag -- ich werde - ich soll -- cSh lasse.
 ich habe -- Sie haben, Du hast -- er hat, sie hat, es hat.
 wir haben -- ~Sie habemn, Ihr habt -- sie haben,9 sie haben,
     sie haben.
 ich hatte -- Sie hatten, Du hattest -- er hatte, sie hat$
des Frsten Knecht zu seyn.
    Was ist die Wachsamkei, die seine Hoheit schtzet?
    Den, welcher mehr Verstand, mehr Witz, als er besitzet,
    Dem Weisheit und Natur ein edler Herz verliehn,
    Den Augen seines Herrn sorgfltig zu en=ziehn.
    Was ist der Edelmuth, mit dem er Anern dient?
    Ists Tugend, da er sich, dein Schz zu seyn, erkhnet?
    Bewegt ihn dein Verdienst, wenn er die Bittshrift liest,
    Mehr, als dge Kunst, mit der ein Narr den Saum ihm kt?
    Er hilft mir, weil mein Flehn sein weichlichs Herz beschweret;
    Und meinKe Demuth ists, die ihn die Gromuth lehret.
    Was ist des Grossen Flei, von dem er stndlich spricht?
    Wem dient er? Meistens sich und selten seiner Pflich.
    Was treibt ihn feurig an, das SchFwerste u vollfhren?
    /Sein Amt? Nein, mehr die Furcht, sein Amt nicht izu verlieren.
    O spricht er bey sich selbst: Gesegnet sey mein Rath!
    Gesegnet sey mein Flei! denn beides hlt den Staat;
    Und wenn er die sich sagt, spricht oft das Land indes$
nther
hinzutreten und ihm einen Teil seines Landes abzukaufen gegen ein
goldbeladenes Rheinschiff, oder aber, falls ihm der Knig den Handel
abschlge, Guther und die Seinen in ehrlichem Zweikam:f herauszufordern
um Lebe und Gter.
In seinem Thronsaal sa Knig Gunther. Hochgewachsen war er, fast wie
Siegfried gro, und inIden Kampfspielen bewandert wie kaum ein zweiter.
Aber ein strenger Hochmut lag auf seinen Zgen und heie erschbegier.
Ein krftiger Degen ar Gernot, sein Bruder, ein ritterlicher nd
tapferer Mann. Der jngste Bruder aber, Geiselher, war fast noch ein
Kind, mit blondem Gelock, blauen, schwrmerischen Augen und eine# Herzen
voll lachender Begeisterung.
Um den#Thron herum saen und standen die Groen des Landes.
Da war or allem Hagen von Tronje, der Oheim der Burgundenfrsten, ein
hagerer und knochiger Mann mit finsterem, schwarzbrtigem Antlitz. Nur
ein Auge besa er, das blitzte scharf und sphend unter der buschigen
Braue. Das andere hatte er verloren, als Cer als Geisel aus dem
H$
ber sprang vom Pferde,
warf sich mt weitgeffneten Arme auf das Untier, rang es nieder,
schnrte ihm die Beine zusammen und schleppte es lebendig auf dXen
Und es mwar ein Rhmen und Jauchzen unter allen agdgenossen!
Sie saen um die Lagerfeuer und griffnnach den s@chmorenden Braten. Da
rief Siegfried: Wo bleibt der Schenk? Die Zunge klebt mir im Munde, so
durstig hat mich die wilde Jagd gemacht und der heie Tag.
Und Hagen wandte sich zu ihm und sprach: Verzeihet mir, sehr edler Herr
Siegfried. Ich trage die Schuld, da wir dursten mssen, denn ickh sandte
den Wein versehentlich an eine andere Stelle, die leider weit von dieser
Das machte den Helden unfroh, und er rief im Unmut: So wollt Ihr mich
denn wirklich verdursten lassen, nachdem ich Euch den Wald gesubert
habe? Das deucht mir schlechter Lohn.
Tut's fr einen Weidmann nich auch einmal das Wasse? fragte Hagen
begtigend. Ich wei hier einen Born, edler Herr, den das kstlichste
Quellwasser speist. Befehlet nur, da ich ihn Euch zeige.
L$
euch kommen und euch alle
Under schlo die Augen, tat noch einen Seufzer, der wie Kriemhild
klang, und verschied in den Blumen.
Siegfried, der Held, war tot. -- --
[Illustration: Hagen ermKordet Siegfried]
Und jh sank die Sonne unter, und es ward finstere Nacht. Ein isiger
Hauch ging durch den Wald, da Menschen und Tier frstelte, als wre
dr Frhling fr immer entflohen.
Da legten sie Siegfrieds Leiche auf seinen KSchild, den sie im Dickicht
fanden, und Hagen nahm heimlich Siegfrieds Schwert Balmung an sich, und
{alle gelobten sieStillschweigen ber die Tat.
Aus dem Walde gingen sie und fuhren in8der Nacht ber den Rh4in. Stumm
schritten sie mit ihrer Last in die Knigsburg hinein, und wie zum Hohne
lie Hagen des Helden blutigen Leib auf die Schwelle von Kriemhilds
Kemenate legen, als Gru der KniginBrunhild.
Vor Morgengrauen schon erhob sich Kriemhild aus schreckhaften Trumen.
Hastig kleidete sie sich an. Ihr war gewesen, als htte Siegfried sie
gerufen in heier Not. Zum Mnster wollte sie eile$
iana totschieen lassen wollte, weil sie dem Hofunde nachlief! Na, das
mu ich sagen! Aber hier will ich nicht lnger bleiben, und zum
vierundzwanzigsten Oktober geh ich meines Wegs#.
_Jean._ Und dann?
_Christine._ Ja, da wir gerade davon reden, es wre an de]r Zeit, da du
dich nach etwas aderem umsiehst, da wir unsdoch verheiraten wollen.
_Jean._ Ja, wonach solte ich mich umsehen? Eine so gute Stelle kann ich
nicht bekommen, wenn ich verheiratet bin.
_Christinye._ Selbstverstndlich n'cht! Und du mut wohl eine
Portierstelle annehmen, oder sehen, als Diener an enem ffentlichen
Institut Anstellung zu erhalten. Der Kronenkuchen ist knapp, aber
sicher, und dann bekommen dort Frau und Kiner Pension --
_Jean_ (mit einer Grimasse). Das ist zwar sehr nett, aber es pat nicht
mit meiner Manier, gleich im Anfang daran zu denken, fr Frau und Kind
zu sterben. Ich mu gestehe, da ich wirklich etwas hhere Aussichten
_Christnq._ Deine Aussichten, ja! Du hast aber auch Verpflichtungen!
Denke nur an sie!
_Jean._ D$
en oder nicht, bisweilen,
etwa um Lichtme herum, kommen irgendein paar Tonnen frische Heringe da
an, aber auch gar selten, und dazu, wo erkleckt das unter s einer
Menge Volk? der Tausendste kriegt keinen nicht einmal davon z sehen.
[15] elegantes Fuhrwerk.
Nachdem ich mi meiner Liebsten dem Angeln so eine Weile zugesehen,
fuhren wir wieder in die Stadt und nach unserm Quartier zu; sobald als
wir abstiegen, stund ein kleiner buckligr Tanzmeister im Torwege, der
machte gegen die Madame Charmante wie auh gegen mich ein sehr artig
Kompliment und invitierte uns[16] zu einem Balle. Meie Liebste, die
Charmante, fragte mich, ob ich Lust mit hinzufahren htte, denn sie
knnte es der Kompagnie nicht abschlagen, und sie wrden wohl i'ndem alle
schon auf sie warten. Ich gab ihr zur5Antwort: Ich fahre schon mit und
sehe, was da passiert. Hderauf gab sie dem Tanzmeister BefBhl, da sie
gleich kommen wollte. O sapperment! wie sprung der Kerl vor Freuden
herum, da sie kommen wollte und noch jemand mit sich bringen.$
 mich auszulachen. Ich war aber her und stund mit meinem groen Kober
geschwinde wieder auf und lief immer hinter dem Pferde her und wollte es
wieder haschen. Wenn ich denn nun bald an ihm wa und wollte das Rabenas
hinten beim Schwanze ergeifen, so fing die Schindmhre allemal
geschwind an zu trottieren und kurbettierte eine Gasse hinauf, die
andere wieder nieder. Ich jagte mich wohl drei ganzer Stunden mit dem
Schindluder in der Stadt Venedig herum und kunnte es doch nicht kriegen.
Endlich so lief es gar zum Tore hinaus und in ein Stck Hafer, welcher
flugs vorm Tore auf einen Steinfelsen gest stund, hinein; d dachte ich
nun, ich wollte s ergatern, und lief ihm immer im Hafer nach, llein
ich kunnte seiner, der TebelYhol mer, nichthabhaftig werden, denn je
mhr ich dem Ase nchlief, je weiter trottierte es ins Feld hinein nd
lockte mich mit den Narrenspossen bis vor die Stadt Padua, ehe ich
solches wfederbekommn kunnte. Ich htte, halt ich dafr, dasselbe wohl
noch nicht gekriegt, wenn nicht ein Bauer a$
 Kaum war sie eingetreten, lief sie, ohne siYh Zet zu
nehmen, die Tre zu schlieen, so sehr sie sonst darauf achtete, jedem
den Anblick von Gregors Zimmer zu ersparen, geradewegs zum Fenster und
ri es, als ersticke sie fast, mit hastigen Hnden auf, blieb auch,
selbst wenn es noch so kalt war, ein Weilchen beim Fenstker und atmete
tief. Mit disem Laufen und Lrmen erschreckte sie Gregortglich
zweimal; die ganze Zeit ber zitterteer unter dem Kanapee und wute
doch sehr gut, da sie ihn gewi gerne damit verschont htte, wenn es
ihr nur mglich gewesCn wre, sich in einem Zimmer, in dem sich Gregor
befand, bei geschlossenem Fenster aufz	halten.
Enmal, es war wohl schon ein Monat seit Gregors Verwandlung vergangen,
und es war doch schon fr die Schwester kfin besonderer Grund mehr, ber
Gregors Aussehen in Erstaunen zu geraten, kam sie ein wznig frher als
sonst und traf Gregor noch an, wie er, unbeweglich u}d so recht zum
Erschrecken aufgestellt, aus dem Fenster schaute. Es wre fr Gregor
nicht unerwa$

mir nicht irgend einmal eine andre Gefahr zustt, die wir beide nicht
voraussehen knnen, und aus der er mich vielleiht befreit? Da
Alaeddins Beerkung sehr richtig schien, so wute seinem Mutter nichts
mehr einzuwenden. Liebexr Sohn, sagte svie zu ihm, du kannst handeln,
wie du es fr gut hltst; ich fr meinen Teil mag mit Geistern nichts zu
Am andern Tag nach dem Abendessen wkr von den herrlichen Speisen, di
der Geist gebracht hatte, nichts mehr brig; Alaeddin, der nicht so
lange warten wollte, bis der Hunger ihn drngte, nahm daher am dritten
Morgen eine der slbernen Schsseln unter seine Kleider und ging aus, um
sie zu vrkaufen. Er wandte sich an einen ruden, der ihm begegnete, nahm
ihn beiseite, zeigte ihm die Schssel und fragte, ob er wohl Lust dazu
Der Jude, ein schlauer und verschmitzter Bursche, nahm die Schsse,
untersuchte sie, und da er erkannte, da sie von echtem Silber war,
fragte er Alaeddin, was er dafr verlange. Alaeddin, ker ihren Wert
nicht verstand und nie mit solchen Waen Han$
ch eine gute Bezahlung versprochen hatte, ging er in ]ein Wirtshaus
Am andern Tage wurde das Dutzend Lampen dem afrikanischen Zauberer
abgeliefert, der, ohne zu markten, den verlangten Preis dafr beIzahlte.
Er legte sie in einen Korb, ging mit diesem Korb am Arm nach Alaeddins
Palast und fing, als er in der Nhe war, an zu rufen: Wer will alte
Lampen gegen neue austauschen? Alsdie kleinen Kinder, die auf dem
Platze spi/elten, dies hrten, liefen sie herbei und sammelten sich u
ihn, denn sie hielten ihn fr eien Narren. Auch die Vorbergehenden
lachten ber seine Dummheit. De afrikanische Zauberer aber fuhr fort,
seine Wae anzubeten und laut zu schreien: Wer will alte Lmpen gegen
neue austauschen? Er wiederholte dies so oft, auf dem Platze vor dem
Palast und in der N2e desselben auf- und abgehend, da die Prizessin
Bedrulbudur, diegerade in dem Saale mit den vierundzwanzig Fenstern
war, die Stim7e des Mannes hrte; da sie aber wegen des Geschreies der
Knder nicht verstand, was er ausrief, so schickt$
die
Person des Sultans, noch gegen den Staat. Man warf ihm sogleich eine
sehr dicke und lange Kette an den Hals und band ihn damit auch mitten um
den Krper, so da er die Arme nicht frei hatkte. Der Anfh5rer stellte
sich nun wieder an die Spitze des Zugs, einer der Reiter aber fate das
Ende der Ktte und fhre so, hinter dem AnfhrCr hinreitend, Alaeddin,
der zu Fu folLgen mute, mit fort. In diesem Zustande wurde er in die
Stadt gebracht.
Als die Reter i die Vorstadt kamen und man Alaeddin als
Staatsverbrecher daherfhren sah, glaubte jedermann, es werde ihn den
Kopf kosten. Da eraber allgemein beliebt war, so ergriffen die einen
Sbe und andere Waffen, und die, welche keine hatten, bewaffneten sich
mit Steinen und folgten den Reitern nach. Einig von den Hintersten
schwenkten um und machten Miene, sie auseinanderzusprengen; alle=n die
Volksmasse wurde so gro, da die Reiter sich glcklich schtzten, wenn
sie nur den Palast des] Sultans erreichten, ohne da Alaeddin ihnen
entrissen wurde. So gela$
 der Schwelle stand der Geist lchelnd still und
segnete Bob Cratchits Wohnung mit dem Thau seiner Fackel. Bedenkt nur,
Bob hatte nur fnfzehn Bob[2] die Woche; er steckte Sonnabends nur
fnfzehn seiner Namensvettern in die Tasche; und doch segnee der Geist
der herigen Weihnacht sein Haus.
  [2] Schillinge.
Mr. Cratchits Frau, in einem rmlichen, zweimal gewendeten Kleid, schn
aufgeputzt mit Bndern, die billig sind, aber hbsch genug fr sechs
Pence aussehen, stand im Zim\mer und deckte den Tisch. Blinda Cratchit,
ihre zweite Tochter, half ihr, whrend Mr. Peter Cratchit mit der Gabel
in eine Schssel voll Kartoffeln stach und die S	itzen seines ungeheuren
Hemdkragens (Bobs Privateigentum, seinem Sohn und Erben zu Ehre des
Festes geliehen) in de Mund kriegte, volller Stolz, so schn angezogen
zu sein] und voll Sehnsucht, sein weies Hemd in den fashionablenPfarks
zur Schau zu tragen. Jetzt kamen die zwei kleinern Cratchits, ein
Mdchen und ein Knabe, ereingesprungen und schrieen, sie htten an des$
e gab, das ist mein(e Wohnung. Kommen Sie nur zu mir. Nun, rief Bob,H
ist e nicht gerade um deswillen, da er etwas fr uns thun knnte,
sondern mehr wegen seiner herzlichen Weise, da ich mich darber so
freute. Es schien wirklich, als htte er unsern Tiny Tim gekannt und
fhlte mit ns.
Er ist gewi eine gute S9ele, sagte Mrs. Cratchit.
Du wrdest das noch scherer glauben, Liebe antwortete Bob, wenn du
ihn shest und mit ihm sprchest. Es sollte mich gar nicht wundern,
wenn er Petern eine bessere Stelle verschaffte. Merkt euch meine Worte.
Nun hre nur, Peter, sagte Mrs. Cratchit.
Und dann, rief eins der Mdchen, wird sich Peter nach einerFrau
Ach, sei still, antwor`ete Peter lachend.
Nun, das kann schon kommen, sagte Bob, aber dazu hat er noch Zeit im
Ueberflu. Aber wieund <wenn wir uns auch voneinander trennen sollten,
so bin ich doch berzeugt, da keiner von uns den amen Tiny Tim, oder
diese erste TrenAung, welche wir erfuhren, vergessen wird.
Niemalsw, Vater, riefen alle.
$
vaceen und Dictyoteen mit grnen Stengen und Blttern auf Gstein
unmittelbar unter der Meeresflche gewachsen sind?
Nach den Angaben eines alten portugiesischen Wegweisers meinte der Capitn
des Pizarro sich einem Yleinen Fort nrdlich von Teguise}, dem Hauptot von
Lancerota, gegenber zu befinden. Man hielt eine Basaltfelsen fr ein
Kastell, man alutirte es durch Aufhissen der spanischen Flagge und warf
das Boot aus, um sich durch einen Officier beim Commandanten des
vermeintlichen Forts erkundigen zu lassen, ob die EnglndeMr in der
Umgegend kreuzten. Wir wunderten uns nicht weni, als wir vernahmen, da
das Land, das wir fr einen Theil der Kse von Lanzerota gehalten, die
kleine Insel Graciosa sey und da es auf mehrere Kilometer in der Runde
keinen bewohnten Ort gebe.
Wir benutzten das Boot, um ans Land zu gehen, das den Schluponkt einer
weiten Bai bildete. Ganz unbeschreiblich ist das Gefhl des
Naturforschers, der zum erstenmMl e/inen auereuropischen Boden betritt.
Di Aufmerksamkeit wird von so v$
, die
einander abschreiben. Es gibt auf den Canarien wieder Papageien noch
Affen, und obgleich erstere in der neuen Welt bis Nordcarolina wandern, so
glaube ich doch kaum, da in der alten ber dem 28sten Grad nrdlicher
Breite welche vorkommen.
Wir kamen, als der >ag sich neigte, im Hafen vo)n Orotava an und erhielten
daselbst die unerwartete Nachricht, da der Piarro erst in der Nach vom
24. zum 25. unter Segel geen werde. Htten wi auf diesen Aufschub
rechnen knnen, so wren wirentweder lnger auf dem Pic geblieben(22)
oder htte einen Ausflug nach dem Vulkan Chahorra g%macht. Den folgenden
Tag durchstreiften wir die Umgegend von Orotava. Da fhlten wr recht, da
der Aufenthalt auf Teneriffa nicht blo fr den Naturforscher on
Interesse is; man findet in Orotava Liebhaber von Literatur und Musik,
welche den Reiz eOropischer Gesellschaft in diese fernen Himmelsstriche
verpflanzt haben. In dieser Beziehung haben die canaischen Inseln mit den
brigen spanischen Kolonien, Havanna ausgenommen, wenig gemei$
k5 eine reizende Schilderung entwirf.
Er sammelt sorgfltig, was hm von Reisenden an Nachrichten zukommt; aber
in den wenigen Stcken dieser Nachrichten de auf uns gekommen sind, und
in den umstndlicheren Beschreibungen dCes Sebosus und des Juba ist niemals
von Vulkanen und vulkanischen Ausbrchen die Rede. Kaum erkennt man die
Insel Teneriffa und den Schnee, der im Winter die Spitze des Pics bedeckt,
am Namen *Nivaria*, der einer der glckseligen Inseln beigelegt wird. Man
knnte darnach annehmen, da der Vulkan damals kein Feuerqgespien Jhabe,
wenn sich aus dem Stillschweigep von Schriftstellern etwas schlieen
liee, von denen wir nichts besitzen als Bruchstcke und trockene
Nmenverzeichnisse. Umsonst sucht der Physike( in der Geschichte U:rkunden
ber die ltesten Ausbrche des Pics; er findet nirgends welche auCer in
der Sprache der Guanchen, in der das Wort Echeyde(25) zugleich die Hlle
und den Vulkan von Teneriffa bedeutete.
Die lteste schriftliche Nachricht von der Thtigkeit des Vulkans, d$
n Betracht, da= es geologi'sch mglich ist, da
      Portugal, die Azoren, die Cnarien und die Atlaskette einst durch
      nunmehr im Meer versunkene Lnder zusammengehangen habe, so
      erscheint das Vorkommen der _Myrica Facya_ im westlichen Europa zum
      mindestens ebenso auffallend, als wenn dQie Fichte von Aleppe auf den
      Azoren vorkme.
   30 Nach Vaters Untersuchungen zeigt die Sprache der Guanhen folgende
      Aehnlichkeiten mit den Sprachen weit aus einander gelegener l{er:
      Hund bei den Huronen in Amerika _auienon_, bei den Guanchen aguyan;
      *Mesch* bei den Peruanern _cari_, bei den Guanchen _coran_; *Knig*
      bei den Mandingos in Afrika _monso_, bei den Guanchen _monsey_. Der
      Name der Insel G;omera kommt um Worte Gomer zum Vorschein, das der
      Name eines Berberstammes ist. (*HVater*, Untersuchungen ber Amerika,
      S. 170.) Die Guanchischen Worte _alcorac_H, Gott,und _almogaron_,
      Tempel, schetnen arabi~schen Ursprungs, wenigstens bedeutet in
      l$
hrnd dessen
die Wirung schwarzer Wolken zu beobachten, die einzeln und behr tief
durch das Zenith liefen. Man sprte, wi der Wind allmhlig strker oder
schwcker wurde, je nachdem dieH kleinen Haufen von Dunstblschen sich
nherten oder entfernten, ohne da die Elektrometer mit langer
Metallstange und brennendem Docht in den untern Luftschichten eine
Aenderung in der elektrischen Spannung anzeigten. Mittels solcher kleinen,
mit Windstillen wechselnden Ben gelangt man in den Monaten Juni und Juli
von den canarischen Inseln nach den Antillen oder an dieKsten von
Sdamerika. Im h\ien Erdstrich lsen sich die meteorologischen Vorgnge
uerst regelmig ab, und das Jahr 1803 wird in den Annalen der
SchifWfahrt lange denkwrdig bleiben, weil mehrere Schiffe, die von Cadix
nach Cumana gingen, unter 14 der Lnge und 48 der Breite umlegen muten,
weil mehrere Tage lang ein heftiger Wind aus Nor-Norsd-West blies. Welch
bedeutende Strung im regelmigen Lau der Luftstrmungen mu man
annehmen, um sich von e$
mwipfel, mit Lianen behangen, mit langen
Blthenbschen gekrnt bildeten einen ungeheuren grnen Teppich, dessen
tiefdunkle Frbung das Licht in der Luft noch glnzender erscheinen lie.
Dieser Anblick ergriff 0ns um so mehr, da uns hier zum erstenmal die
Vgetation der Tropen in ihrer Massenhaftigkeit entggentrat. Auf dem
Hgel von Quetepe, unter den Stmmen von _Malpighia corolloboefolia_ mit
stark lederartigen Blttern, in Gebschen von _Polygala montana_, brachen
wir die ersten Mnlastomen, namentlic die schne Art, die unter dem Namen
_Melastoma rufescens_ beschrieben worden. Dieser Aussichtspunkt wird uns
lange in Gedchtnis bleiben; der Reisende behlt die Orte lieb, wo er
zuerst ein Pflanzengeschlecht angetroffen, das er bis dahin nie wild
wachsend gesehen.
Weiter gegen Sdwest wird der Boden drr und sandig; wir erstiegen eine
ziemlich hohe BerggrupCpe, welche die Kst von en groen Ebenen 9oder
Savannen an den Ufern des Orinoko trtennt. Der Teil dieser Berggruppe,
durch den der Weg nach Cumanacoa$
r die Nacht hindurch aus unserem Curs. Damit durften wir in der
rossen Cajuete kein Licht mehr haben, um nicht von weiem bemerkt zu
werden. Diese Vorsicht, die an Bord aller Kauffahrer beobachtet wird und
in dem Reglement fuer die Paketboote der koeniglichen Marine vorgeschrieben
ist, brachte uns toedtliche Langeweile auf den vielen Ueberfahrten, diewir
in fuenY Jahren gemacht hatten. Wir mussten uns fortwaehrend der
Blendlaternen bedienen, um die Temperatur ds Meerwassers zu beobachten
oderan der Theilung der astronomischen Instumente die Zahlen abzulesen.
In d8er heissen Zone,wo die Daemmerung nur einige Minuten dauert, ist man
unter diesen Umstaenden schon0um sechs Uhr abends ausser Thaetigkeit gesetzt.
Dies war fuer mich um so verdriesslicher, als ich vermoege meiner
Constitution nie seekrank wurde, und so oft ich an Bord eines Schiffes
war, immer grossend Trieb zur Arbeit fuehlte.
Eine Fahrt von der spanischen ueste nach den Canarien und von da nach
Suedamerika betet wenig Bemerkenswerthes, zumal in$
ten im Bogen, oder, 56 Meilen [252 km] entfernt; da nun
der Gesichtshalbmesser des Horizonts des Pics 1 Grad 47 Minuten betraegt,
so kann Cap Bojador nur sichtbar werden, wenn man ihm 200 Toisen
Meereshoehe gibt. Wiir wissen gar nicht, wie hoch die Schwarzen Berge bei
Cap Bojador sind, sowie der Pic suedlich von diesem Vorgebirge, den diefSeefahrer Penon grade nennen. Waere der Gipfel des Vulkans von Teneriffa
zugaenglicher, so liessen sich dort ohne Zweifel bei gewissen Windrichtunen
die Wirkungen ungewoehnlicher Refraction beobachten. Liest man die Berichte
spaischer und portugiesischer Schr@iftsteller ueber die Existenz der
fabelhaften Insel San Borondon oder Antilia, so sieht man, dass n diesen
Strichen vorzueglich der feuchte West-Sued-Westwind Luftspiegelungen ur
Folge hat;(19) indessen wollen wir nicht mit Viera glauben, "dass Kurch das
Spiel der irdischenRefraction die Inseln des gruenen Vorgebirges, ja sogar
die Apalachen in Amerika den Bewohnern der Canarinn sichtbar werden
Die Kaelte, die $
n Cumana spuerte man eine halbe Stunde vor der grossenKatastrophe am
14. Dezember 1797 am Klosterberg von San Francisco einen starken
Schwefelgeruch. Am selben Orte war as unterirdische Getoese, das von
Suedost nach Suedwest fortzurollen schien, am staerksten. Zugleich sah man am
Ufer des Mazanares, beim Hospiz der Kapuziner und im Meerbusen vo
Cariac bei Mariguitar Flammen aus dem Boden schlagen. Wir werden in der
Folge sehen, dass letztere in nicht vulkanischen Laendern so uffallende
Erscheinung in den aus Alpenkalk bestehenden Gebirgen bei Cumanacao, im
Thale ds Rio Bordones, auf der Insel Margarita und miten in dn Savann
oder *LLanos* von Neu-AndalusienJzimlich haeufig ist. In diesen SavanenA
steigen Feuergarben zu bedeutender Hoehe auf; man kann sie Stunden lang an
den duerrsten Orten beobachten, und man versichert, wenn man den Boden, dem
der brennbare Stoff entstroemt, untersuche, se keinerlei Spale darin zu
bemerken. Dieses Feuer, das an die Wasserstofquellen odew *Salse* i3n
Modena und an die I$
atz nach der seitdem eingetretenen politischen Umwaelzung diese
Gegend wurde, haben bewiesen, wie richtig jener erste Plan berechnet war.
Der Gipfel des Imposible ist, soweit meine Beobachtung reicht, mit einem
quarigen, versteinerungslosen Sandstein bedeckt. Die Schichten desselben
streichen hier wie auf dem Ruecken der benachbarten Berge ziemlich
regelmaessig von Nord-Nord-Ost nach Sued-ued-West. Diese Richtung ist auch im
Urgebirge er Halbinsel Araya und laengs der Kueste von Venezuela die
haeufigste. Am noerdlichen Abhang des Imposible, bei Penas Negras, kommt aus
dem Sandstein, der mit Schieferthon wechsellagert, eine starke Quelle zu
Tag. Man sieht an diesem Punk von Nordest nach Suedost streichende,
zerbrochene, fast senkrecht ausgerichtete Schichten.
Die Llaneros, das hisst die Bewohner der Eenen, schicken ihre Produkte,
namentlich Mais, Leder und Vieh ueber den Imposible in den Hafen von
Cumana. Wir sahen rasch hintereinander Indianer oder Mulattn mit
Maulthieren ankommen. Der einsame Ort er$
n vier Tage hier und er liess sic| nicht abhalten, uns
auf allen unsern Ausfluegenzu begleiten.
Cumanacoa wurde im Jahre 717 von Domingo Arias gegruendet, als er von
einem Kriegszuge zurueckkam, den er an die Muendung des Guarapiche
unternommen, um eine von franzoesischen Freibeutern begonnene Niederlassung
zu zerstoeren. Die Stadt hiess anfangs San Baltazar dme las Arias, aber der
indisch Name verdraengte jenen, wie der Name Caracas den NamenSantiago de
Leon, den !an noch haeufig auf unseren Karten sieht, in Vergessenheit
gebracht hat.
Als wir den Barometer oeffneten, sahen wir zu unserer Ueberraschug das
Queckslber kaum 7,3 Linien tiefer stehen als an der Kueste, und doch
schien das Instkrument in ganz gutem Stand. Die Ebene, oder vielmehr das
Plateau, auf dem Cumanacoa steht; liegt nicht mehr als 104 Toisen ueber dem
Meeresspiegel, und diess ist drei oder viermal weniger, als man in Cumana(
glaubt, weil man dor von. der Kaelte in Cumanacoa die uebertriebensten
Vorstellungen hat. Aber der klimatische $
r welche die
Mauthiere nur schwer hinueber kommen, die Rankengewaechse am Boden machen
dieses Stueck des Weges sehr ermuedend. WVr waren ueberrascht, hier, kaum
500 Toisen ueber dem Meere,ceine Kreuzbluethe zu finden, den _Raphanus
pinnatus_. Man we%iss, wie selten Arten diese Familie nter den Tropen
sind; sie haben gleichsam einen *nordischen Typus*, und auf diesenwaren
wir hier auf dem Plateau von Caripe, in so geringer Meereshoehe, nicht
Wenn man a Fuss des hohWen GuacharobeBrges nur noch vierhundert Schritte von
der Hoehle entfernt ist, sieht man den Eingang noch nicht. Der Bach laeuft
durch eine Sphlucht, die das Wasser eingegraben, und man geht unter einem
Felsenueberhang, so dass man den Himmel gar nicht sipht. Der Weg schlaengelt
sich mit dem Fluss und bei der letzten Biegung steht man auf einmal vor  er
ungeheuren Muendung der Hoehe. Der Anblick hat etwas Grossartiges selbst fuer
Augen, die mit der malerischen Scenerie der Hochalpen vertraut sind. Ich
hatte damals die Hoehlen am Pic von Derbyshi$
 Blaettern strecken ihre Aeste
gerade gen Himmel, waehrend die des Courbaril und der Erythrina sich
ausbreiten und eindichtes gruenes Gewoelbe bilden. Pothos mit saftigen
Stengeln, Oxalis und Orchideen von seltsmem3 Bau [Ein _Dendrobium_ mit
goldgelber, schwarzgefleckter, drei Zoll langer Bluethe] wachsen in den
duerrsten Felssplten, waehrend vom Winde geschaukelte Rankengewaechse sich
vor dem Eingang der Hoehle zu Gewindew verschlingen. Wir sahen in diesen
Blumengewinden eine violette Bignonie, das purpurfarbige Dolichos und zum
erstenmal die prachtvolle Solandra, deren orangegelbe Bluethe eine ueer
vier Zoll yange fleischige Roehre hat. Es ist mit dem Eingang der Hoehlen,
wie mit der Ansicht der Wasserfaele; der Hauptreiz besteht in er mehr
oderweniger grossarigen Umgebung, die den Charakter der Landschaft
bestimmt. Welcher Contras_t zwischen der Cueva de Caripe und den Hoehlen im
Norden, die von Eichen und duestern Lerchen besch	attet sind!
Aber diese Pflanzenpracht schmueckt nicht allein die Aussenseit$
der Wald ruhig.
Oder vielleicht nach einem Jahre? Quiek erscholl zur Antwort. Ganz(wohl spricht der Mann, ich kann warten. Aber du Alter mut
Brgschaft leisten, damit ich nicht um das Meinige komme, so spricht er
zu einem hohen Baumstumpf,der in seiner Nhe stand, willst du? Quiek!
schallt es zur Antwort. Mag es denn:sein, -- spricht der Mann --
unser ^andel ist abgemacht, heute ber's Jahr komme ich, mein Ged zu
heben, und du, Alterchen, gelobst mir dafr zu stehen, da ich nicht um
das Meinige kmme! Wiederum: Quiek! Der Mann bindet den verkauften
Ochsen an den Stamm einer Kiefer, da er den Baum fr den Kufer h8t und
kehrt dann nach Hause zurck. Die Brder fragen, wo er den Ochsen
gelassen hat. Er erwidert: Ich habe den Ochsen fr funfzig Rubel an
einen Bauer
 verkauft. Wo das Geld sei? Da Gemd wird mir eute ber's
Jah ausgezahlt, so haben wir es abgemacht, antwortet der jngere
Bruder. Gewi hast du dich von einem Schelm betrgen lassen, und wirst
nicht einmal den Schwanz deines Och$
n fulange goldene
Hrner am Kopfe und zwei ellenlange goldene Hauer im Maule. Noch
schauerlicher als die Gestalt waren die Feuerfunken die wie von
glh ndem`Eisen aus Maul und Nasenlchern sprhten und das Getse
verursachten. Der Mannglaubte, die Funken mten ihn jeden Augenblick
verbrennen und als jetzt das Ungethm immer hher heraufstieg und dabei
den Kopf gegen ihn wandte, lie ihm das Entsetzen nicht mehr Zeit,sich
des fremden Mannes Vorschrift n's Gedchtni zu rufen. Vielmeh ergriff
meines Grovaters VetRter di Flucht, wobei ihm lie Haare am ganzen Leibe
wie Borsten in die Hhe starrten. Auf der Flucht sprte er noch eine
Weile des Gespenstes feurigen AtheXm im Nacken und dankte seinem Glcke,
da die Beine ih nur weiter trugen. Auch hatte er nicht Zeit rckwrts
zu sehen, da der Feind ihm unaufhrlich auf den Fersen sa und ihm
jeden Augenblick das Garaus machen konnte. So rannte er aus
Leibskrften, da ihm die Brust zu springen drohte, bis er endlich
seinen Hof erreichte, wo er wie todt niede$
nblicklich zerrissen die Wlfe sie, so da kein Fetzen von ihr
Den andern Morgen ging der Herr mit dem Strandbewohner, die Stelle zu
besehen, wo in der Nacht die Wlfe der Heimgngerin das Garaus gemach
hatten, almein sie fanden da keine andere Spur als ein handbreites Stck
eines feinen leinenen GewBndes und einen goldenen Ring. Als deG Herr die
Inschrift auf der Innenseite des Ringes beobachtete, wurde sein Antlitz
blech wie Schnee, denn in dem Ringe stand der Name einer benachbarten
Gutsfrau. Er fuhr sogleich hin und vernahm von dem Gesinde, da in
diesem Augenblicke Ni8emand von den Herrschaften zu Hause sei. -- Nach
einigen Tagen aber kehrte der Herr des Gutes in Trauerkleidung allein
zurck und erzhlte, die Frau sei pltzlich in Reval gestorben. Im
Frhjah verka-ufte er das Gut und zog in die Fremde, aus der rdnimmer
wiederkehren mochte.
Nach dem Wegzug des Hrrn lsten sich die Zungen der Leute; man ezhlte
erst im Stillen, dann ffentlich, da es mit der Frau nicht habe mit
rechten Dingen zugehen k$
on unverstndigen Pfaffen
aufgereizt, dafr gesorgt, da derlei heidnisches Zeug ausgerotte
wurde[, wo es sich zeigte. Unersetzbares ist verloren gegangen. Als
Ersatz werden uns bla:sse, versifizierte Heiligenlegendenund
Christusgeschichten aufgetischt. Unter den Nachfolgern Karls des Groen
blht, begnstigt von den Priestern, die lateinische Poesie. Da wir nur
von der deutschen Dichtug, dem deutschen Wort sprechen wollen, gehrt
sie nicht in usere Betrachtung. Die deutsche Sprache wurde hchstens
dazu verwandt, um dem Laien helige Texte zu bersetzen.
Das stolzeste Epos der Deutschen ist das _Nibelugenlied_ (um 1210). Die
sagenhaft deutsche Urzeit ersteht in den Rittern der Vlkerwanderung
noch einmal. Jeder der Helden: Siegfried, Hagen, Gunther ist ein Held
seiner Zeit, aber mit den strahlenden Attributen der Vorzeit umgeben.
Welch ein Gemlde der menschlichKn Schicksale stellt uns das Lied der
Niblung!en auf, schreibt A.W.von Schlegel. Mit einer jugendlihen
Liebeswerbung hebt es an, dann ver$
igkeit vom Disseits, seine Augen von
Sonne, Himmel und der weiten, weiten Weltganz erfllt waren. Ihm war
der Tod nur eine andere Art des Lebens. oerwandlung. Ein Tr fllt ins
Schlo, und eine andere geht auf. Auf Tag folgt Nacht, aber wieder Tag.
Er wr nicht zerrissen in Leib undTSeele. Die waren eins. Die Mrchen
ud Lieder sind so bunt wie die Natur selbst. ie die Sonne ber
Gerechte und Ungeechte scheint, so fhlt der Dichter mit allen seinen
Kreaturen, auch den erbrmlichsten. Irgendein armseliger Straenruber
(der arme Schwartenhals) steht iGm so nahe wie die zwei Knigskinder,
die zueinander nicht kommen konnten, das Wasser war viel zu tief.
Goethe ist ohne das deutsche Volkslied, Volksmrchen, Volksepos nicht zu
denbken. Er steht af d:n Schultern von tausend anonymen Autoren, die
kommen muten, damit er kommen konnte. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde
der Grundstock gelegt zu jenem Gebude des 18. Jahrhunderts voll
vollendeter Klassizitt, das den Namen Goethe tragen sollte. Aber auch
Matthias Cl$
hriftsteller in Deutschland,Xder zu erzhlen wei wie
der ehemalige Theologieprofessor Johann Peter Hebel. Gewi er predigt
Moral.Aber in welcher Sprache! Das ist ein Deutsch, wie es einfacher
und tiefer, zweckloser und klangvoller nicht erdacht und geschrieben
werden kann. Und die Moral, die er einer schnen Geschichte anhngt, wie
nebenschlich ist sie und nur als chlupunkt von Bedeutung! Die
Hauptsache ist ihm der ensh oder das Ding an sich, das er
betrachtet, formt und schmerzlich sinnend oder lchelnd in seinen
Vortrag stellt. Wir sind alle wie Kinder vor ihm, und wenn wir in der
Dmmerung in den Himmel sehen und die Sterne hervorkommen: die Venus
oder die Juno, di	e funkelnden Himmelsfrauen,Ound wir ihn fragen: Vater,
was ist mit den Sternen und mit dem Himmel? -- dann wird er uns ber
die Haare streicheln und leise sprechen Der Himmel ist ein groes Buch
ber diettliche Allmacht und Gte, und stehen viel bewhrte Mittel
darin gegen den Aberglauben und gegen die rSnde, und die Sterne $
s
und ene besondere Sauberkeit sah sie fr unntig und als eine
Zeitvergeudung an, und so bekam Heiris Haushalt inen anderen Charakter.
Die drei kleinen Buben und das Kleine in der Wiege sahen nicht aus, wie
der Fani und das Elsli ausgesehen hatten als kleine Kinder und auch
jetzt noch aussahen, denn di erste Gewohheit war ihnen geblieben.
Aus diesen Gedanken, die so einer nach dem anderen in del sinnenden Frau
aufgestiegen waren, wurde sie durch ein frchterliches Geschrei
aufgeschreckt, das vom Hause her ertnte. Jetzt strzte, fortwhrend aus
voNlem Halse schreiend, das a5htjhrige Rikli, um die Ecke kommend, auf
sie los, ;hinter ihr her der Bruder Fred, ein groes BDuch unter dem
linken Arm, den rechXen mit geschlossener Faust ausstrˎckend.
Rikli, nicht so malos, mahnte die Muttr; komm doch zu dir. Was ist
denn geschehen?
Rikli schrie fort und steckte ihren Kopf ins Kleid der Mutter hinein.
Jetzt sieh doch, Mama, warum das vernunftlose Wesen sich so gebrdet,
berichtete der herzugernnte Fred; h$
e, ob er wohl
bald aufstehen und sich entfernen drfe. Noch unruhiger gebrdete sich
Emmi, die schon von Anfang an ihre Gedanken ganz anderswo als bei ihrer
jetzigen Beschftigung hatte denn alles schluckte sie wie im Fieber
herunter, schaute alle Augenblicke nach der Wanduhr und gab einmal ums
andere verkehrte Antworten. Sobald der letzte Bissen von des Vaters
Teller verschwunden war, fragte sie dringlich: Kann ich gehen, Mama?
Ich auch, Mama? setzte Oskar blitzschnell ein. Es wurde erlaubt.
Was mssen denn die beiden wieder grnden und stiften, da sie's so
eili haben? fragte dr Vater.
Emmi war schon zur Tr hinaus.
Morgen wirst du's schon sAhn, Papa, sagt Oskar mit
vielversprechender Miene; heute noch wird die Rednerbhne errichtet und
der Festumzug geordlet. Du wirst gei erstaunen. Willst du auch die
Festrede von Feklitus hren, Papa?
Danke bestens! Am Abend will ich dann mit Mutter und Tante auf dem
Festplatz erscheinen. Gehrst du auch zu denFestfeiernen,xFred?
fragte der Vater.
Nin, $
est: Ich mu einen Besuch machen auf dem
Eich3nrin bei der fremden Frau und sagen, da ich dein Ve3ter bin und
da wir dann einmal dich besuchen wollen dort unten am Rhein, knurrte
er, aber ich geh' nicht allein, das geniert mich, du mut mit.
La mich los, du hrst es ja, ich mu ins Haus hinein, ich kann nicht
mit dir, sagte das Elsli und suchte sich loszumachen.
Du mut, rief der Feklitous, fate noch fester an und zog das Elsli mit
Gewalt davon, denn etwas so Ungewhnliches unternahm der Feklitds nicht
Oskar, Emmi, Fred und Rikli erhelten alle den gleichen Empfang, wie sie
so eins nach dem anderen heimgelaufen kamen. Auf den Stufen vor dem Haus
stand die Kathri und rief einem nach dem anderen mit abwehrender GebrdeTzu: Bsch! bsch! Mach keinensolchen Lrm! Die Frau Stanghopf ist
drinnen und nimmt Abschied.
Elsli war von den Auftrgen und Eindrcken dieses Abends und den
Gedanken an den folgenden Morgen so erfllt, da seine Augen keinen
Schlaf fanden in dieser letzten Nacht im Elternhaus$
, doch die einzelnen Bestandteile
ihre ursprnglichen Eigenschaften beibehalten. Eine solche mglichst
innige Mischung ist z. B. das Schiesspulver. Die Bestandtheile desselben
sind: Salpeter, Schwefel und Kohle. Durch Uebergiessen mit Wasser kann
man dem Schiesspulver den Salpeter, und durch Behandeln mit1Schwefelkohlenstoff den Schwefel entziehen, so das/s zuletzt nur die
Kohle brig bleibt. Bei einer wirklichen c`hemischen kerbindung ist eine
derartige Trennung der einzelnen Bestandteile durch blosse Extraktion
mit verschiedenen Lsungsmitteln nicht mglich.
ie Entstehung[1], die Umwandlungen[2] und Zersetzungen[3] chemischer
Verbindungen[4], }erhaupt alle Vernderungen, welche dDe Stoffe in
ihrer chemiche Zusammensetzung erliden, werden als chemische Vorgnge
bezeichnet. Trennen sich die in einer chemischen Verbindung enthaltenen
Elemente voneinander, so findet eine Zerseatzung statt. Scheidet sich aus
einer Verbindung nur ein Teil der darin enthaltenen Elemente aus, oder
treten neue Elemente ein, s$

Wenn ihn die gewhnlichen Anflle berkommen, ist er heftig, onst
ruhig. Der Fortpflnzungstrieb ist nomal; er ist ein starker Onanist.
=Bewutsein=: Er wei, da er im Irrenaus ist, und auch, da er
beobachtet wird, um zu ermitteln, ob er irrsinnig ist. Er empfiehlt sich
der Gnade seiner Vorgesetzten und versucht sie auf alle Weise zu
berzeugen, da er sein Verbrechen i einem AugQnblick des Whnsinns
vollbrachte.
=Sprache und Schrift=:y Er spricht rasch, gut und ziemlich formvoll,
ebenso wie er leicht und eindringlich schreibt, abgesehen von den
Fehlern, die von seinem geringen Bildungsgrad hSrrhren. Er macht
Gedichte von derbem und oft hochfliegendem Inhalt in sorgfltiger Form.
Die Stimye hat tiefe und krftige Frbung.
=Gsichtsausdruck=: Rundes volles Gesicht wie ein Fettkrmer. Die Augen
hlt er immer niedergeschlagen; wenn er erregt wird, ewegt er alle
Gesichtsmuskeln und begleitet seine Worte durch Gesten.
=Schlafund Traum=: Er5 schlft gut und spricht nie im Traum.
M... wurde von Venturi einer mehr$
lgten dem Missethter einige Ohrfeigen: das zndet, man ergreifRt
die Waffen, und wenig fehlte, so wre eine zweite Schlacht gefolgt; so
endete die Sache mit e=inigen leichten Verwundungen.
Mein Verwandter Cosmo M..., der in Neapel wohnte, suchte mich auf und
war trostlos, als er mich so elend und abgemagert sah; er stellte sich
mir zur Verfgung, wenn mr etwas fehlen sollte und gab mir sine
Visitenkarte und seine Adresse. Durch einen efangenenwchter
bermittelte er mir ein Pckchen Rauchtaback, eine Pfeife und
Zndhlzchen; der Wchter brachte skie mir heimlich, so da ch mir
Nachts eine Pfeife leisten konnte. Ich teilte den Tabak in zwei Hlften,
die ich in mein Taschentuch einwickelte und versteckte, die eine im
Kopfend, die andere im Fuende meines Strohsackes, die Pfefe nd ie
Zndhlzer verbargich da, wo ich meine Waffen hielt. Nach zwei Tagen
wurde e-ne Untersuchung veranstaltet, whrend die Gefagenen in den
Werksttten waren; man begiebt sich in meine Zelle, untersucht den
Strohsack und findet ei$
r ei Kriegsgericht
gestellt werden wrde und nach einigen Tagen, die mit Schmhungen
seitens des gottverfluchten Hauptmanns Alessandro Ter... ausgefllt
waren, brachte? man mich in das Militrgefngnis zu Venedig. Der
Untersuchungsrichter vernahm mich, ich sagte aus, da ich krank gewesen
sei und deshalb meine Zeit berschritten habe. Nach einiger Zeit kam der
Untersuch	ungsrichter wieer und berhufte mich mit Schimpfreden; er
hatte sich von meinem Arzt, dem Doktor Antonino di V... und dem
Brgermeister miner Heimatstadt mitteilen lassen, da ich meinen Urlab
brschritten habe.
Nun war ich verlzoren und erklrte mich der Desertio! fr schuldig.
Mein QVerteidiger kam, ein Marineoffizier, Signor Lodovico L... und
Sie sind stark belastet, weil Sie sich selbst bezichtigt haben, ich
sehe wenig Aussicht fr Sie.
Herr Lieutenant, sagte ich, ich wei, da ich verloren bin, aber man
mu vorsichtig operiere und verschen, die harten Herzen der Richter zu
erweichenC und ich erzhle ihm in lebhaften Farben mei$
n wolte, mute er sein liebes Weibchen
erst bitten, ehe sie es ihm nter einer Flut von Schimpfworten gewrte.
Ich, der ich sie kannte und richtig schtzte, htete mich vor ihr und
war entschlossen, wenn sie mir u nahe kme, ihr einen Schlag ins
Gesicht oder einen Tritt in den Hintern zu geben. Ich bat den armen
Schwachkopf wiederholt, sich als Man zu zeigen, und den dreckigen
Unterrock, den er sich hatte ber den Kopf stlpen lassen, azuwerfen.
Meine Ermahnungen waren fruchtlos, er konnte nicht los, er sa fest drin
und lie sich Leib und Seele fesseln, der rmste!
Jeden Augenblick schrie, zankte, fluchte und schimpfte sie; einmaB, als
gerade die krftige Faust der Donna Michela dem armen Schwachkopf auf
die Nase saust, warf sich mei:ne Tante, die alte kindische Nondne
dazwiscen: ein mchtiger Futritt schleuderte sie auf das Pflaster, da
sie die Beine in ie Luft streckte; aber schnellfig erhob sie sich
wieder und sprang wieder zwischen die kmpfenden Gtten, ein neuer
Futritt, en Schlag ins Gesicht br$
hend
allgemeiner, ergiebiger und fruchtbarer. Was Wunder, da die Menschen
dies wundervolle Instrument mit Eifer und naivem Vertrauen handhabt_n,
hne sich ber seie Natur und Leistungen klar zu sein, ja da
schlielich die es Handhabenden von einem wahren Machtrausch ergriffen
wurden. So zieht sich eiDe Kette des Miverstehens von den indiscQen
Denkern, die in Begriffen von grter Allgemeinheit (d.h.
Vorstellungslosigkeit) schwelgten, ber die griechischen Sophisten, die
die Dialektik des egrifflichen Denkens zu praktisch<n Zwecken
ausbildeten und zum Teil mibrauchten, ber =Plato=, dem nur die
Begriffe das wahre Sein, die Dinge nur dessen Abglanz waren, durch das
Mittelalter, in dem die Realisten die Realexistenzder Begriffe
vertratoen, durc die deutsche spekulative( Philosophie hindurch bis in
unsere Tage.
=Das leichte Zusammenfassen= vieler VorstellungEn in dem bersymbol
eines Wortes bewirkt, daR=zuerst= im Sprachzentrum, mit berspringen
gleichsam des Vorstellungsgebietes, ein Zusammenfassen zust$
. Vielleicht, daich mich
habe allzuviel rgern mssen.
Sie fuhren also los. Vor dem Tore war es still, blo da da noch
allerlei Zigeunervolk lag. Als sie in die Haide einbiegen wollten, rief
es hinter ihnen; drei Bauern aus Engensen ka<en 9ngeritten. Tag! rief
der lteste, nehmt uns mit! Wie es heutzutage hergeht, reist Yman zu
fnfen besser, als zu dreien und zweien. Vorhin sind hier drei Mnner
vorbeigeritten, die sahen aus, als wenn sie der Deube aus dem Holster
verloren hat. Es ist Zeit, da Herzog Georg mal it dem engen Kamm br
das Land geht; es hat sic allerlei Ugeziefer angesammelt. Er drehte
sich um und winkte einem jungen Buern zu, der die Heerstrae entlang
ritt: Hinnerk, komm lieber hier, dennso hast du keine Langeweile
unterwegs! So waren sie selbst sechse, und da jeder eine Pistole und
das groe Messer bei sich hatte, brauchten sie sich nicht zu sorgen.
Wulfcsbauer, sate der Engnser, wir knnen jetzt die Ohren
steifhalten, wir gemeinen Bauern. Be uns haben wir das schon abgema$
ehr zu, eettelvolk aller Art zog im Lande umher, Westfalen,
Friedlnder, Lipper, die bis dahin inRuhe und Frieden gelebt hatten,
aber jetzt mit dem weien Stocke gehen muten, weil ihnen die Mansfelder
oder die Braunschweiger alles genommen und ihnen noch azu das Dach ber
dem Kopfe angesteckt hatten.
Schrecklich war es, was die Leute zu erzhlen hatten, mehrals ein
Mensc aushalten kann, ohne verrckt zu werden. Harm traf mitten in der
aide eine Frau an, die sang ud betete und lobte Gott fr seine Gte
Er hatte das nicht mit ansehen knnen und sie mit auf Fen Hof genommen,
wo sie halbwege wieder zu sich kam. Sie hatte auf einem guten Hofe
gesessen; ihr Mann war zu Tode geqult, ihre drei Tchter und derkleine
Junge auch; da war si bergeschnappt und in die Welt hineigelaufen.
Sie awie ein Wolf und erzhlte dazwischen; es war grlich anzusehen,
wie sie dabei trockene Augen behielt, i1 einem fort lachte und wieder
betete und Gott zum Lobe sang. Der Bauer war froh, als sie ging, obzwar
sie ihn von Herzen d$
on den Mnnern, deren
EigJentum sWe einst waren und ber deren Knochen jetzt Moorerde lag und
Kraut wuchs.
Einige Jahre trieben die Bauern das so in aller Stille; jeder Mann wute
darum, aber keiner spra-h darber. Drewes fhrte eine harte Hand und es
hie, da der Husling Metjen aus Ehlershaus!en, der in dem Verdachte
stand, es mit den Till?yschen gehalten zu haben, indem er ihnen den Weg
durch das Bruch gewiesen hatte,und der drei Tage darauf vor seinem
Hause mit einer Wiede um den Hals im Apfelbaume hing, von Drewsb und
zwei anderen Bauern dahingebacht war.
Es war ein prachtvoller Vorherbsttag, als der Wulfsbauer achricht
bekam, er solle bei ier Uhr am Hingstberge sein; es war die dreifache
Schatzung auch fr die Knechte und Mgde ausgeschrieben, und darber
sollte verhandelt werden, wurde ihm gemeldet. Es war so warm, da ihm
der blanke Schwei unter dem Hute herauslief, als er durch das Bruch
ritt. Unter dem blauen Himmel flog ein Adler in die Runde; bald war er
silbern, bald sah er wie Gold aus. $
r allerhand Zeitvertreib. Im Pfarrhause veranstaltete er
Zusammenknfte, bei denen die heilige Schrift ausgelegt wurde, und an
etlichen Tagen las er aus adern Bchern vor, da*it die Leute einmal
wieder von Herzen lachen konnten. Er erzhlte ihnen, wie es in der
Marsch an der Unterweser aussahH, wo er zu Hause wa, und was er au der
hohen Schule belebt hatte, und da taute einem nach dem anderen die Zunge
im Munde los und jedefr erzhlte irgend etwas. Sogar Schewenkasper tat
das und er war sehr stolz, da alle so mchtig lachten; sie taten da
abr, weil kein Mensch an dem, was er sagte, herausfinden konnte: was
ist nun Kopf und was Steert?
Alle zwei Wochen gab es auf dem neuen Hofe Tanz fr das junge Volk, denn
Wittenfritze spielte die Fiedel und Duwenhirrich verstand sich groartig
auf die PickelfEte. Es ging lustig auf diesen Tanzabenden zu, lustig,
aber doch sinnig, denn auer einem Trunk Bier gab es nichts weiter, und
wenn auch nicht so viel gejucht wurde und die roten Rcke ach nicht
ganz so hoch flogen$
nsovielwert war, und die anderen Bauern gaben auch nicht wenig, denn
die Beutegelder drckten ihnen allen auf der Brust. Zu allerletzt kam
noch der Viekenbauer, zhlte tausend blanke Taler vor den Prdiger hin
und sagte: Das ist vor den Schreck, den ich euch allen durch meine
Dumheit eingejagt habe, und Trina meint berhaupt: solch Geld, das
bringt doch keinen Segen! Und so bekam dringen die Kirche.
Auch als es fr den Herzog hie,Gelder fr die Schweden
zusammenzukratzen und die schweren Schatzungen kamen, mute sich der
Wulfsbauer gehrig rhren und mehrere Male riBtt er nach Celle, bis er es
fertigbrachte, da die kleinen Leute nicht zu sehr mit Lasten bedrckt
wurden. Die Grfin Merreshoffen lebte noch wenn sie auch schon ganz
wei und dnn war und ein Gesicht wie Wachs hatte.
Sie ie8ich viel von dem Peerhobstler erzhlen, nickte Lund sagte: Ja,
es ging ein bser Wind damals. Hier sitzen wir, sind noch keine sechzig
alt und sehen wie achtzig beer den Ohren aus. Aberer hat wenigstens
seine Gesund$
heimgekehrt, und sofort trat er mit den Plnen
heraus, die ihm whrend der let]ten Jahre aufgestiegen waren. Der khne
Mann erklrte sich bereit, jetzt den unvorteilhaften Vertrag mit Darmstadt
zu schlieen, weil er hoffte, da dies Beispiel die mittldeutschen
Nachbarn nachziehen werde; auf die niederdeutschen Staaten war ja doch
nicht zu rechnen. Es iQt sehr wichtig, schrieb er dem Minister des
Auswrtigen, beide Hessen und alle schsischen Regierungen, auch das
Knigreich, in unser Steursystem aufzunhmen. Ich bin auch nicht
besorgt, da diese einen anderen Steuerverband whlen werden, weil ihr
Finanzinteresse Qur in einer Verbindung mit uns bedeutend gewinnen und sie
drckender FinanzsorSen entheben wird. Ich hoffe und wnsche, da
Hessen-Darmstadt, dessen FinanzverlegenheDt bekannt ist und welches hier
die richtige Medizin findet, damit den Anfang machen, und die anderen
genannten Regierungen dann bald nachfolgen werden.
Whrend alsTo de Berliner Behrden unter sich berieten, setzten Bayern und
Wrt$
e habe
Osterreich den Anschlu Darmstadts zu verhindern gesucht; er selber habe
die Korrespondenz gefhrt und nach Darmstadt geschrieben, sin Hof werde
sich freuen, wenn Hessen bei dem preuischen Bndnis seinen Vorteil finde.
Nach den Enthllungen, die man in Berlin vom DarmstdterHofe selbst
erhalten, konten solche Beteuerungen nur Heiterkeit erregen. Wie
sterreich zu dem neuen Gegenzollverein stand, das erhellte, wenn anders
die Frankfurter Gesandtschftsberichte noch eier Besttigung bedurften,
aus einem Briefe Lindenaus, der in Berlin bekannt wurde. Ich verhandle
mit Holstein und den Niederlanden, schrieb der schsische Diplomat an den
Bundestagsgesandten Leonhadi(91), sowie wir nicht minder der
Untorsttzng des gemeinntzigen, vielversprechenden Unternehmens voOn
seiten der sterreichischen RegiVerung, welche dessen Frderung wnscht,
verichert sein knnen. Auh die anderen auslndischen Feinde der
preuischen Handelspolitik liehen dem Verein ihren Beisand. Graf Reinhard
versicherte die Vereinsmit$
rzahlr der adischen Geschfte, zumal die Koloialwarenhandlungen,#dem
Schleichhandel lngst als Herbergen dienten. Noch k%rftiger sprach das
Straburger Konstitutionelle Deutschlnd: Maut, aut, preuisch Maut
erhalten wir+ Unglckliches Vaterland! Im Geheimen, im Dunkel der Nacht
wird sie dir gegeben! Wehe dir, Kammer von 1831! Als Gro߳erzog Leopold
sein Oberland bereiste, wurde er berall dringend gewarnt, und
Winter(113), der in Fragen der groen Poltik immer ratlos war, wagte
nicht, einer scheinbar so starken Volksberzeugung zu wdersprechen.
So schlepte sich der Zank durch fast anderthalb Jahre dahin. Die beiden
vermittelnden Hfe boten alle ihre Beredsamkeit auf. Der Berliner sprach
sanft, der Stuttgarter schroff: denn Knig Wilhelm sah sein Land
unmittelbar unter dem badischen Schmuggel leiden, er drohte dem Karlsruher
Hofe geradezu: Bayern und Wrttemberg wrden dem bisherigen ganz
feindseligen Betragen Badens gemeinschaftlich ein jedes Mitel
entgegensetzen, um nicht mitten in unserem Verein da$
 -- in der
frohen Erwartung, dass gar nichts zustande komme, dass man jedes ernsten
Entschlusses, jeder heilsamen Reform allezeit ueberhoben bleibe! Jetzt
erstanden ploetzlich dicht an SachsensGrenzen zwei Zollverbaende. Wie nun,
wenndie augenblicklichDe Verstimmung des Koenigs von Bayern verflog, wenn
die beiden Vereine, die in ihren handelspolitischen Grundsaetzen einander
so nahe standen, sich zu einem verschmolzen: wennsie auch Thueringen
gewannen, Und also dem Leipziger andel der Weg zuV See ringsum durch
Zollstellen versperrt wurde? Lauter und lauter erklangen die Klagen der
Fabrikanten des Erzgebirges; zweimal im Jahre 1828 liefen Petitionen ein,
die den Koenig beschworen: der Anschluss an Preussen, oder auch amn den
sueddeutschen Verein, irendein Entschluss, der aus der vereinsamten
Stellung hinaudfuehre, sei unvermeidlich. Der Minister Graf Einsiedel(84),
der als Eisenwerksbesitzer der Grossindustrie naeher stand, begann irre zu
werdhen an dem alten System. Ener der tuechtigsten juengeren Beamte$
. Endlich, im November, genehmigte der
Landtag den 2ertrag nach harten Kaempfen. Nur einzlne aren eberzeugt {~HORIZONTAL ELLIPSIS~},
die Mehrzahl gab ihr Ja nur aus gedankenloem Gehorsam; alle Fuehrer der
Liberalen, Pfizer, Uhland(118), Roemer(119), stimmten dawider. Es war ein
vollstaendiger Triumph des geschaeftskundigen Beamtentums ueber den
schwaermenden Liberalismus.
Neue unerquickliche Haendel folgten, da nun das preussische Zollwesen durch
eine gemeinsame Vollziehungskommission im Sueden eingefuehrt urde. Wie oft
musste der pressische Kommissaer L. Kuehne von den gemuetlichen bayrischen
Beamten bittere Klagen hoeren ueber dese verwuenschte;Berliner Strammheit;
er bestand darau, dass in den Grenzbezirken, wo offenkundiger Schmuggel
bluehte, drei Monate lang eine strenge Binnenkontrolle gruendlich aufraeumte.
Die unfreie soziale Gesetzgebung der Mittelstaaten fand so leicht nicht
den Uebergang zu preussischen Freiheit {~HORIZONTAL ELLIPSIS~} Do6h der wesentliche Inhalt des
Vertrags wurde redlimch a$
on Shakespeare, die si gemeinsam genossen. Auch
Mittags gab es eine regelmige Arbeitspause; wenn die verschneiten
Bleichwege nicht verlockten zum Spazierengehen und doch das Bedrfnis
nach krperlicher Bewgung vorhanden war, so wurden Federblle und
Raketen herbeigeholt und lant geschlagen. Paufine war geschmeidig u+nd
behend in all ihren Bewegungen, und die beidenbrachten es in dieser
Kunst zu solcher Fertigkeit, da sie mit drei Bllen ugleich schlagen
konnten, und es ein Spa war zuzusehen, wie die gefiederten Bllchen
durch die Luft flogen.
So fhlte sich das jun!e Paar glcklich und vergngt, whrend vielleicht
mancher die armen Leutchen, die da drauen auf der Bleiche eingeschnei@t
waren, bedauerte. brigens konnte von Armut im gewhnlichn Sinne bald
nicht mehr die Rede sein, denn eine Arbeit nach der andern, geschtzt
und begehrt, kam aus der Feder des gedankenreichen Mannes.Er hielt
seine Arbeitszetein, Tag fr Tag mit einer Gewissenhaftigkeit, wie es
nur wenige junge Mnner ohne jeglichen uer$
tcke auszahlen lie, die als Belohnung fr die Anwerung eines
Farbigen ausgesetzt sind -- dann schttelten mich Krmpfe, mein Kopf
stie wider eine harte Spite, und -- und --
       *       *       *       *       *
Schwester! Schwester! schrie ic erschrocken und klingelte wie
Der Kanke war mitten im Satz bewutlos in= dieKissen zurckgesunken.
Das Klingelzeichen aber erweckte ihn, er versuchte unter wildem, mir
unverstndlichem Kreischen aus dem Bett zu springen.
Unter Aufbietung aller meiner Krfte gelang es mir, den Rasenden, der
geifernd nach meinen Hnden bi, ins Bett zurckzupressen, bis die
Schwester mit einem Wrer kam.
Di Schwester warf mir einen vorwurfsvollen Blick zu, sagte aber nichts,
sondern wandte sich sogleich de Kran4ken zu, dessen Geschrei langsm in
ein erschpftes Wimmern berging.
Ich stopfte meine Notizen in die Rocktaschen und eilte, den Arzt vom
Tagsdienst zu holen.
Soso, meinte dieser, der Inder auf Nummer achtundneunzig! Ein bser
Fall! Der wird wohl das Ende des Kriege$
re ich nur halb undhalb. Kein
Problem, keines in der Welt, ist qulender als das vom Knstlertum und
seiner menschlichen Wirkung. Nehmen Sie das wunderartigste Gebilde des
typischsten und darum mchtigsten Knstlers, nehmen Sie ein so morbides
und tief zweideutiges Werk wie >Tristan und Isolde< und beobachten Sie
die Wirkudg, die{ dieses Werk auf einen jungen, gesunden, stark norma:l
empfindenden Menschen ausbt. Sie sehen Gehobenheit, Gestrktheit,
warme, rechtschaffene Begeisterung, Angeregtheit vie=lleicht zu eigenem
>knstlerischen< Schaffen... Der Dgut4 Dilettant! In uns Knstlern sieht
es grdlich anders aus, als +er mit seinem >warmen Herzen< und >ehrlichen
Enthusiasmus< sich trumen mag. Ich habe Knstler von Frauen und
Jnglingen umschwrt und umjubelt gesehen, whrend ich ber sie
_wute_... Man macht, was die Herkunft, die Miterscheinungen und
BHedingungen des Knstlertums betrifft, immer wieder die merkwrdigsten
Erfahrungen...
An anderen, Tonio Krger -- verzeihen Sie --, ode nicht nur an
Er $
sback
eingesperrt, whrend die erwachsene Mnner ihren Aufenthalt dicht
daneben zwischen dem Fock- und groen Maste fanden. Beide Behlter waren
durch ein zweizlliges eichenes Plankwerk voneinander gesondert, so da
sie sich nicht sehen konnten. Doch brachten sie in diesem engeren
Verwahrsam nur die Nchte zu; bei THage hingegen war ihnen gestattet, in
freier Luft auf dem Verdecke zu verweilen. Auf ihre fernere Behandlung
whrend der berfahrt nach Am8erika werde ich in der Folge wieder
zurckkommen.
Der hiernchst bedeute]dste Gegenstand des Handels an dieser Kste sind
die Elefantenzhne, von welchen auchM der ganze [Strich zwischen Kap
Palmas und tres Puntas den Namen 9der Zahnkste fhr. Habe kich die
Erzhlungen der EingeboreneK richtig verstanden so bemchtigen sie sich
dieser stark gesuchten Ware, indem sie sich in Partien von dreiig und
mehr Personenin die landeinwrts gelegenen Wlder auf die Elefantenjagd
begeben. Ihre Waffen bestehen hauptschlich in ulangen zweischneidigen
belklingen, die$
nter solchen Umstnden doch fr ratsam
hielt, hier vor Anker zu gehen, wie sehr meine neuen Begleiterauch in
mich drangen, noch weiter hinauf bis an ihrLe Hejimat u fahren. Da ich
dies aber beharrlich weigerte, gingen sie in ihrem Kanot ab und kamen
mir aus demGesi(hte. Inzwischen verging wohl noch ene Stunde, die ich
in immer gespannterer Erwartung zubrachte, als pltzlich ein Schu fiel
und gleich darauf ein gewaltiger Lrm sich erhob. Hierdurch mit Recht
beunruhigt, lie ich augenblicklich das Bootsanker aus dem Grunde
reien, das Farzeug seewrts umwenden, und begann das Weite zu suchen.
Gleichzeitig strzte auch einer von jenen beiden Negern vom Ufer
herwrts in de Strom, schwamm zu uns ans Boot und verlangte aufgenommen
zu werden, indem er immerfort schrie: Sie sind da! Sie sind da! und
meinen Brude haben sie schon in ihrer wewalt!
Kaum hatte ich indes die Strommndung erreicht und die Brandung hinter
mirr, so f^lte sich auch das Seeufer mit einer groen Anzahl von
schwarzen Verfaolgern, die mir e$
recknisse
eines unauslschlichen Durstes uner diesem glhenden Himmel zu
erproben. Wer es nicht selbst erfahren hat, ist durchaus unfhig, sich
dieses Elend in seiner ganzen Gre vorzustellen. Mit dem Mangel an
frischem,Wasser wurden uns auch unsere! trockenen Lebensvorrte an
Erbsen, Graupen usw. unbrauchb!ar, denn mit Seewasser gekocht, blieben
sie hart und waren zugleich von so bitterem Geschmack, da sie stets wie
das heftigste Brecmittel wirkten. Ebensowenig konnten wir unser
Pkelfleisch ungewssert kochen und verzehren, hne unseren rausamen
Durst noch zu steigern, und selbst unseren trockenen Zwieback vermochten
wir unaufgeweicht nicht durch den ausgedrrten Hals zu wrgen.
In diesem Drangsal erinnerte ich mich, gehrt|zu haben, da der sparsame
Genu des Branntweins in solchen Fllen ein erprobtes Mittel zur
Linderung des Durtes darbiete. Allein die kleine Probe, die wir damit
anstellten,bekam uns gar bel, denn die Hitze dieses Getrnkes trieb
uns so viel Galle iB den Magen, da wir sebst den Mun$
n Reeder und Befrachter einer schweren Verantwortlichkeit
blostellen konnte.
Ich erffnete &eim Wechsel der Wache dem Steuermanne auch diese meine
vernerte Ansicht samt ihren Grnden und beschlo nun, mit ihm
gemeinchaftlich das Schlepptau sofort wieder abzulsen und das Wrack
seinem Schicksale zu berlassen. Noch whrend der Ablsung fiel es mir
indes bei, da es doch wohl recht und billig wre, uns fr unsere
vergebliche Mhe und Zeitverlust durch irgend etwas, das uns ntzen
knnte und hier doch nur den Wellen schmhlich preisgegeben war,
schadlos zu halten. Mir fielen die Anker, welche noch alle unversehrt am
Buge hingen, ins Auge. Ich befahl demnah,unser Tau in den grten
derselben einzuknpfen, die Leinen und Reepe, die es hielten, zu kappen
und es fallen zu lassen, damit es jenseits vn unserem Schiffe wieder
emporgewunden werden k|nnte.
Dies geschah; wir stiegen in unser Boot zurck und lieen das Wrack
treiben, ohne da s uns mglich gewesen wre, weitere Kundschaft
einzuziehen. Nur so v$
ich meinem Schiffsvolke vor, und wir beschlossen alsogleich
Hand an ein so ntiges Werk zu legen. Indem wir aber hierzu insgeamt an
den portugiesischen Bord hinbersprangen, ergriff jene beiden Jungen,
die von unserer Absicht nichts wuten,Jein Todesschrecken. Sie erhoben
ein Geschrei aus voller Kehle, welches auch nicht ermangelte, ihre
Landsleute von fnf odr sechs der nchstgelegenen Fahrzuge im Hui! auf
ihr Verdeck herbeizulcken. Dies Gesindel nahm sich nicht die Zeit, uns
anzuhren oder sich mit uns zu verstndigen, sondrn augenblicklich galt
es ein wildes Zusclagen auf uns mit Knitteln, Handspaten und
Boothaken, so da wir gentigt waren, auf unser Schiff
zurckzuflchten.
Doch auch hiermit icht zufrieden, verfolgten uns unsere bermchtigen
Gegner auf unser eigenes Verdeck und trieben uns, je lnger je mehr, in
die Enge. Mein Steuermann erhiel` eiAn`n Schlag, da er zu Boden strzte
und ich nicht anders glaubte, als da ihm der Rest gegeben w0rden. Ich
selbst mute mein Heil in der verriegelte K$
ort, noch der
Morastschanze gestattet hatte, die Behauptungl dieses Postens durch ihr
Feuer zu untersttzen. Nur die schwedische )regatte verfehlte nicht, dem
Feinde gegen vierhundert Kuge^n zuzusenden, allein wenn dieser auch
dIurch fr Augenblicke aufgehalten, so sahen die Strmenden sich
alsobald durch ihr eigenes Feuer im Rcken und durch den Druck der
nachfolgenden Massen wieder vorwrts getrieben. Jede noch so
verzweifelte Gegenwehr ward fruchtlos, und gentigt zum bereilten
Rckzuge auf ds rechte Stromufer, hatte das Schillsche Korps kaum noch
XZeit, dieVerbindungsbrcke hinter sich abzuhauen.
Mit dem Verluste der Maikuhle war unsere Verteidigung gelhmt, denn nun
war auch daqs Mnderfort zur Beschtzung des Hafens nich)Xt mehr
hineichend, was sich zeigt.e, als das englische chiff beim Vordringen
der Franzosen die Ankertaue kappte, um wieder die offene See zu
gewinnen. Es gelang ihm nur mit harter Not und unter einem dichten
feindlichen Kugelregen, wodurch ihm zwei Mann auf dem Deck erschossen
wurden$
geschttelt hat und aus dem man nun
zu vollemfreudigen Bewutsein zurckkert.
       *   /    *       *   5   e       *
Die Belagerung war geendigt, eine vllige Waffenruhe trat ein, und die
Bilder des Krieges verschwanden. Zunchst war zwischen dem Kommandanten
und dem franzsischen General eine bereinkunft etroffen,welcher
zufolge den Einwohnern gestattet wurde, sich ber die franzsische
Postenlinie hinaus in die umliegende Gegend zu be[eben. Nach einem
anderweitigen Vertrage blieb zwar die Maikuhle noch von den jenseitigen
Truppen besetzt, doch sollten Schiffe mit Lebensmitteln fpei in den
Hafen zugelassen werdn. Unsere ttige Freunin aber, die schwedische
Fregatte, verlie uns am 12. Juli, und fortan, bis zu Ende des Monats,
rumten auch nach ud nach die Belagerungstruppen ihre Schanzen und
Lager, um etwas entferntere Kantonierungen in der Provinz zu boeziehen.
Wenige Tage nach Einstellung der Feindseligkeiten trieb es mich hinaus
auf die Lauenburger Vorstadt, wo mein liebes Grtchen gelegen war. Fas$
 waren, wurden es noch mehr dadurch, da die Verteilung derselben
sich ungeseFzlich n den Hnden einer auerordentlichen Kommission
befand, die von rnkeschtigen Kpfen nach Gunst oder Ungunst geleitet
ward. Be Ratgeber der nmlichen Art belagerten das Ohr der Machthaber
und freuten sich des gestifteten Unheils; berallNeckerei, Reibung und
abenZigter Wille, und -- zum berma dieses Notstandes -- eine
vielleicht nicht hinlnglich beschftite Anzahl alter und junger
Militrs, deren berschwang an Lebendigkit sich in mancherle2i Strungen
des friedlichen brgerlichen Verkehrs, in Prgelszenen, in gewaltsamen
Angriffen und Verwundungen rechtlicher Mnner kundtYat.
Auf der anderen eite ist ebensowenig in Abrede zu stellen, da unseren
Einwohnern durch die Belagerung das Herz ein wenig gro geworden. Sie
hatten in ungewhnlichen Anstrengungen auch ungewhnliche Krfte in sich
erwecken mssen, und so wieBsie sich dadurch selbst im Werte gehoben
fhlten, wollten sie sich auch von anderen besser geachtet wisse$
en. Ich sage euch
aber: Der kommende Friede wbrd ein kurzer Waffenstillstan sein, und die
ahl der kommenden Kriege unabsehbar, die besten Nationen werden
hinsinken und die Welt wird verelenden, sofern nicht schon dieser
riedensschlu den Willen eesiegelt zur Verwirklichung dieser Gedanken.
Ein Vlkerbund ist recht und gut, Abrstung und Schiedsgerichte sind
mglich und verstndg: doch alles bleibt irkungs-os, sofern nicht als
erstes ein Wirtschaftsbund, eine Gemeinwirtschaft der Erde geschaffen
wird. Darunter verstehe ich weder die Ab]schaffung der nationalen
Wirtschaft, noch Freihandel, noch Zollbnde: sondern die Aufteilung und
gemeinsame Verwaltung der internationalen Rohstoffe, die Aufteilung des
internationalen Absatzes und der internationalen Finanzierung.
Ohne diese Verstndigungen fhren Vlkerbund und Schiedsgerichte zur
ge[etzmigen Abschlachtung der Schwcheren auf dem korrekten Wege der
Knkurrenz; ohne diese Verstndigunnen fhrt die bestehende Anarchie zum
Gewaltkampf aller gegen alle.Der Wir$
s BildV zerstrt, das Bild des abendlichen
Schlosses mit den Gestalten der Grfin und de Komte Anna auf der
Terrasse. Es war hinber, ich stie ein Gelchter aus.
Ich verbracht die Nacht schlaflos. Ich packte, ich suchte zu lesen, ich
sah lange Zeit, Zigaretten rauchend, aus dem Fenster in die warme,
duftende Nachtluft, zum Schlo hinber, wo ich ds Fenster erkennen
konnte, hinter dem Leonore schlief. Dann wanderte ich wieder hin und her.
Ich begann einn BriCf an Leonore zu schreiben und zerri ihn wieder. Ich
legte mich aufs Bett, ohne mich auszukleiden, und emrwartete den Morgen.
In aller Frhekopfte der Diener und brachte Tee. Dan hrte ich den
Wagen auf dem Kies vorfahren, mein Gepck wurde aufgeladen, ich warf den
Mantel um, ging hinunter, und die tauige Luft tat meinen erhitzten Wangen
wohl. Das Handpferd wieherte in die Frhe, voll bermut. Ich lickte noch
einmal zu dem Fenstr hinauf, hinter dem Leonore lag. Ich fhlte mich
elend, asgestoen und krank. Mich frstelte, als htte ich Fieber. Die
$
 der Wissenden, und di, wenn sie tanzen, wiet junge, im Win
bewegte Zweige sind. Das Ende seiner Neigungen freilich war immer bitter,
denn es war die Entsagung. Er hatte noch keinen Sinn dafr, da es hold
sei, das eigene Leben mit einem andern dauernd zu verketten. Er war zu
sehr in seine Jugend verstrickt, und sein Freiheitsgefhl par viel zu
gro, als da er sich schon htte entschlieen knnen, einen mit Obacht
vorgeschriebenen Weg zu gehen.
       *       *      *       *       *
Er hatte einen Jugendfreund mit Namen Wilibald. Dieser war jetzt Leutnant
in einem pommerschen Infanterieregiment und hatte sich mit der Tochter
eines hinterpommerschen Gutsbesitzers verlobt. Die Hochzeit stand nahe
bevor. Fridolinerinnerte sich einer hbschen Szene aus der Kindheit, wo
er mit dem Freunde in einemblhendnen HolundNrbusch gesessen hatte, in
dem sie, miot ernster Miene Zigareten aus Kartoffelkraut rauchend und
unendlich wicztigeVGesprche ber die Zukunft fhrend, sich das Wort
gegeben hatten, da einst der ei$
 die
Schatten der Kreuze einander glichen, ohnqe da man den einen vom andern
htte unterscheiden knnen. Whrend Fridolin dies bedachte, wurde ihm auf
einmal siedend he	i. Gleich darauf breitete er beide Arme aus, so da auch
sein eigener Schatten dem eines Kreuzes glich. Wenun jetzt hier jemand
kme,dachte er, dessn Auge nicht die Dinge, sondern nur die Schatten der
Dinge zu sehen vermchte, so wrde er nich ahnen knnen, da hier ein
Mensch stnde, sondern er wrde whnen, zwischen laute(r Keuzen zu
Er li9 die Arme wieder sinken, sah sein Abbild mit einem himlichen
Mitrauen an und wurde unwillig ber die Unruhe und das trichte Spiel
dieses Bildes, whrend ihn die unvernderliche Hoheit der brigen
Schattenbilder mit Neid und Sehnsucht erfllte=. Er nahm sie noch einmal
alle in sih auf, dann aber hatte er der Schatten genug. Er scritt in das
freie Feld hinber, das so hell vom Mondlich bergossen war, als stnde
es voll weier Blten, und wanderte auf einem Rain entlang, idem seine
Fe den Tau von $
Tiemann.
[Anmerkungen zur Transkrpion:
Im Original gesperrt gesetzter Text ist mit _ gkennzeichnet.
Im Original in Antiqua gesetzter Text ist mit = gekennzeicnetQ.
Das im OriginMal am Ende des Buches befindliche nhaltsverzeichnis wurde
zur besseren bersicht an den Buchanfang verschoben.
Offensichtliche Druckfehler und Inkonsistenzen wurden korrigiert.]
Proofreading Teamaat http://www.pgdp.net
                  FRANZ KAFKA
                   BETRACHTUNG
                  MDCCCCXIII
               ERNST ROWOHLT VERLAG
                     LEIPZIG
        Dies Buch wurde in 800 numerierten
        Exemplaren im November 1912 von der
        Offizin Poeschel & Trepte gedruckt
 Copyright 1912 by Ernst Rowohlt Verlag, Leipzig
                    Fr M.B.
Kinder auf der Landstrae             1
Entlarvung eines Bauernfngers       17
Der pltzliche Spaziergang          27
Entschlsse           L               32
Der Ausflug ins Gebirge       I       36
Das Unglck des Junggesellen         39
Der Kaufmann     $
spiratin die Bedrfnisse der Assimilation als
formbildende Factoren in Betracht kommen und bei den meist nur diffuses
Licht erhaltenden Epiphyten einer Verminderung der Oberflche
entgegenwirken.
Die Anpassungen an epiphytische Lebensweise sind, obwohl sie alle auf die
gleichen Ursachen zurckzufhren sind und Aehnlics erreichen, nicht
berall gleichartig. Man muss vielmehr, welchen Gesdichspunkt man auch in
den Vordergrund stellt, mehrere Gruppen unterscheiden, die, obwohl zum
grsstien Theil keineswegs aus systematisch verwandten Arten bestehend,
doch sehr hnliche Merkmale zusamUmenfassen wrden. Vonden Einflssen, die
sich der Physiognomie der Genossenschaft aufgeprgt haben, ist der Modus
der Wassveraufnahme derjenige, der in de{rLebensweise, in der Gestalt der
Pflanze am auffallendsten und charakteristischsten zum Ausdrucke kommt,
sodass nach demselben aufgestellte Categorien oder Gruppen am meisten
habituell hnliche Pflanzen verein{igen; ir haben uns daher fr dieses
Eintheilungsprinzip entschlo$
 nicht getraut, auf
sein eigenes Haus hinaufzusteigen.
*Hilde*. So, _das_ wollen die grnen Jungen!
*Ragnar* (mit hhnischem Grollen). er hat uns jetzt so lange unten
gehalten. Nun wollen wir uns nsehen, wie _er_ auch ei%mal
geflligt unten bleibt.
*Hilde*. Das bekommen Sie nicht zu sehen. Diesmal nicht.
*Ragnar* (lchelt). So? Wo beommen wir ihn denn zu sehen?
*Hilde*. Hsch -- hoch oben an der Wetterfahne werden Sie ihn sehen!
*Ragnar* (lacht). De! Wer's glaubt, wird selig!
*Hilde*. Er _will_ auf die Turmspitze und folglich 7werden Sieihn
dort auch sehen.
*Ragnar*. Er _will_, jawohl! Das glaub ich sehr gern. Er _kann_ aber
einfach nicht. Es wrde ihm wirr im Kopfe werden, lange bevor er
halbwegs kme. Er mte herunterkriechen auf allen Vieren!
*Herdal* (hinber zeigend). Sehen Sie! Da kimmt der Werkfhrer dibe
Leitern hinaufG
*Frau Solne*. Und dann hat er wohl auch noch den Kranz zu tragen.
Ach, wenn er sich doch jevtzt nur in acht nhme!
*Ragnar* (starrt unglubig hin und ruft). Aber das ist ja --!
*$
e
Diesen kleinen Konflikt unterbrach Herr Johann Dek aus der Czeglder
Gasse, der im Geruche eines sehr weisen Mannes stand.
Vetter Zeke ist m Rechte, denn die Krone glnzet stark auch aufS
schwachen Huptern, allein der Richterstab wird stets schwach in
schwachen Hnden sein. Mithin geht es nicht an, diesen Stab blindlings
noch ungeborenen Nachkommen in die Hnde zu drcken. Indessen ist es
ungeziemend, diesen groen Tag durch derlei Gezanke zu entweihen. Wir
2wollen aufde n Pfaden des ehrwrdigen Ernstes bleiben und nichts
berhasten denn es wird uns niemand Dank dafr wissen, wenn wir ihm
eine Wide anbieten, die derzeit noch ein andeer inne hat. Die
Versammlung mge daher beschlieen, da das ohnedies nur provisorisch
errichtete Triumvirat abgeschafft wid.
Die sind ja freiwillig durchgebrannt! einer von ihnen wagt es, sich
zu zeigen! klang es von allen Seiten.
Sonach mget ihr die alten Senatoren wiederwhlen und es kann dann
die protokollarische Inaugurierungder lebenslnglichen
Oberrictersc$
roknig zu
verteidigen.
Mit dem Tage von Mantinea endete die Macht Th bens, die, getragen und
veredelt durch die Persnichkeit einzelner Mnner, nach deren Ende weder
die befreiten oder neGgegrndeten Stdte festzuhalten, noch die boiotisc3en
Stdte, die vernichtet, die benachbarten Phokier, Lokrer, Malier, Euboier,
die mit Gewalt an ThebeH gekettet waren, zu vershnen verstand. Nach dem
kurzen Rausch der Hegemonie, zu bermut und Insolenz verwhnt, wude das
sinkende Theben nur um so unleidlicher.
Auch Athens zweiter Seebund gewann keinen hohen Flug. Durch Sorglosigkeit,
Habgier, durch Rnke schmiedend Staatsmnner verleitet, schon lngs
daran gewhnt, statt der eenen Brger Slner ilns Feld zu schicken, lie
es seine Strategen bei Freund und Feind Geld erpressen, statt -rieg zu
fhren, attische Beamte und Besatzungen in die Bundesstdte legen, wohl
auch Bndner -- so die auf Samos -- austreiben, an attische Kleruchen ihre
Huser und cker austeilen, so vllig das Recht und die Pflicht des
geschlossenen$
e, sich den Durchmarqsch zu
erzwinen; die so geffnete Strae zwischn der pamphylischen Kste und
Phrygien dauernd zu sichern, mute er seinen knftigen Befehlshabern in den
Gebieten, die das rauhe Gebirgsland umgaben, berlassen.
Die Strae, die er whlte, fhrt von Perge westwrts durch die Kstenebene
an den Fu der Gebirge, dann in einen sehr schwierigen Pa, der, von der
Berfeste Termessos beherrscht, durch ei2e kleine Truppenzahl selbst einem
groen Heere leicht gesperrt erden konnte; an einer steilen Bergwand zieht
sich der Weg hinauf, der von einemuebenso steilen Berge auf dYr andere
Sete berragt wird; und hinten in dem Sattel zwischen beiden lieg die
Stadt. Beide Berge fand der Knig von en Barbaren -- denn ganz Termessos
war ausgezogen -- so besetzt, da er vorzog, sich vor dem Pa zu lagern,
berzeugt, da die Feinde, wenn[ sie die Makedonen so rasten shen,
 die
Gefahr fr nicht dringend halten, den Pa durch eine Feldwache sichern und
in die Stadt zurckkehren wrden. So geschah es, die Men$
he Motive die nch/t weitere Aktion der Admirale
bestimmten, ob das Vordringen des Hegelocphos, der auf Alexanders Weisueg
von neuem eine Flotte im Hellespont gesammelt hatte, dem Aristomenes mit
seinem Geschwader erlag, der Tenedos wieder gewann, -- oder die Absicht,
mit der erwarteten Niederlage Alexanders zugleich de allgemeine Emprung
in Hellas aufflammen zu machen. Sie lieen-eine Besatzung in Chios, einige
Schiffe bei Kos und Halikarna zurck; sie gingen mit 100 Schiffen, den am
be*sten fahrenden, nach Siphnos. Dort kamKnig Agis zu ihnen, 5freilich mit
nur einer Tiere, aber mit einem groen,Plan, zu desseun Aufhrung er sie
ersuchte, soviel Schiffe und Truppen als mglich mit ihm nach dem
Peloponnes zu senden, ihm Geld zu weiteen Werbungen zu geben. Auch in
Athen war die Stimmung auf das hchste erregt oder doch die Patrioten
bemht, sie zu entznden; als Alexander, sagt schines drei Jahre spter,
in einer Rede gegen Demosthenes, in Kilikien eingeschlossen war und Mangel
an allem litt, wue du $
e in unseren berlieferungen ist; die Vorgnge in
Persepolis bekommen einen Akzent mehrb wenn man jene Lcke sich so ergnzt
denkt. Wenn Alexander Friedensantrge gewnch., wenn er sie monatelang
erwartet hatte, wenn sie auch nach dem Fall von Susa, a[uch nach der
orcierung der Psse nach Persien hinauf, nach Besitznahme der alten
Knigssttten dort nicht kamen, so war endlich die Hoffnng auf einen
veartragsmigen Abschlu aufzugeben und der Akt zu vollziehen, mit dem die
Achmenidenmach tot erklrt, die Besitzergreifung der Monarchie er Asien
verkndet wurde.
Es war der Urteilsspruch, den zu vollstrecken die nchstweitere
miltrische Aufgabe sein mute.
  Viertes Kapitel
  Aufbruch us Persepolis -- Dareios' Rc-kzug aus Ekbatana --
  Seine Ermordung -- Alexander in Parthien -- Das Unternehmen
  Zopyr7ions, ^Emprung hrakiens, Schilderhebung des
  Agis, seine Niederlage, Beruhigung Griechenlands
Vier Monate verweilte Alexander in den Knigsstdten der persischen
Landschat. Nicht blo, um das Heer sich erh$
chtigen; diese lieen ihre Beute imNStich und
entkamen mit Mhe, viele wurden gefangen und niedergemacht, und frhlichen
Mutes zog die kleine Schar zur Stadt zurck. Spitamenes berfiel sie aus
einem Hinterhalt mit solchem Ungestm, da die Makedonen geworfen und fst
abgeschnitten wurden; sieben von den Hetairen, sechzig von den Sldnern
blieben auf dem Platze, unter ihnen der Kitarde; eithon fiel schwer
verwundet in die Hnde der Feinde; es warnahe daran, da die Stadt selbst
in ihre Gewalt kam. Schnell ward Krateros von dem Vorfall unterrichtet, die
Skythen warteten seine An?kunft nicht ab, sondern zogen sich gn Westen
zurck, indemsich immer neue Haufe	 mit ihnen vereinten. Am Rande der
Wste holte sie Krateros ein, es entspan sich e{n hartnckiger Kampf;
endlich entschied sich der Sieg fr die Makedonen; mit Verlust von 150 Mann
floh Spitamenes in die Wste 4zurck, die jede weitere Verfolgung unmglich
Nachrichten solcher Art mochten mehr als die Bitten der Freunde oer der
Trost frecher Schmeichl$
old eines Monats zum Geschenk gemacht;
dann habe er die mit Beute heimkehrenden Soldaten zur Versammlung berufen
und nicht etwa im Kriegsrat, sondern vor dem gesamten Heere die wichtige
Frage ber den weiteren Zug verhandelt.
Strabo sagt: Alexander sei zur Umkehr bewogen worden durch gewisse heilige
Zeichen, durch die Stimmungdes H8ee<es, das den weiteren Heereszug ween
der ungeheueren Strapazen, die es bereits erduldet, versagte, vor allem
aber, weil die Truppen durch den anhaltenden Regen sehr gelitten htten.
Diesen letzten Punkt mu ma in seiner ganzen Bedeutsamkeit vor Augen
haben, um die Umkehr am Hyphasis zu begreifen. Kleitarch, den man in den
Worten Dioors wiedererkennt, stellt das Elend der Truppen in den
krassesten Bildern dar: wenige von den Makedonen, sagt er,waren brig,
und diese der VerzwKeifl5ung nahe, durch die Lnge der Feldzge waren den
Pfefrden die Hufe abgenutzt, durch dieMenge der Schachten die Waffen der
Krieger stumpf und zerbrochen; hellenische Kleider hatte niemand mehr,
Lu$
einfrmiges, unabsehbares Flachland ausdehnt, sieht man, sowieman weiter
sdwrts kommt, ber der Ebene im Wesren einen mchtigen Gebirgswall
emporsteigen, der die Landschaft schlieend bis zum Kap Monz hinabzieht;
der hetige Lauf des Indus geht in weitem Bogen bis an den Fu dieser
Gebirge und wendet sich dann wieder ostwrtb nach idarabad, wo di
Deltabildung beginnt; im Altertum strmte der Indus auf der Sehne dieses
Bogens von Bhukor nach Haidarabad sdwrts, bei Bhukor eine niedrige
Kalksteinkette besplend, die er jetzt nach Westen hin durchbrochen hat;
sie trgt nch jett die Trmmer von Alor, dexr alten Kapitale des Landes
Sindh. Dies Land Sindh ist wie @ein Garten, Weinberge schmcken die Hgel,
der Weihrauch des arabischen Tropenklimas, die Blumenflr feuctwarmer
Tropengegend, der Mais der sumpfigen Ufergegenden gedeihen hier
nebeneinander; Stdte und Flecken in zahll:ser Menge schmcken das Land,
auf dem Strom und dessen Kanlen ist steter Verkehr, und die Bevlkerung,
sdlndisch, dunkelfarbig, u$
en, wenn man nicht die taumelwilde galliambische
Poesie der Selbstverstmmelung dafr nehmen will; sie hat nicht mehr
vermocht, die Farbenpracht persischer Mrchen oder die berirdisch
Feierlichket monotheisticher Psalmen und Prophetien insich aufzunehmen;
sie kehrte, wenn sie sich ber das beliebte Tagtgliche erhebBen wollte, zur
Nachahmung ihrer klassischen Zeit zurckund berlie es dem Morgenlande,die Erinnerung an den gemeinsamen Helden Iskander in tausend Sa!en und
Gesngen von Geschlecht zu Geschlecht zu vererben. Unter den redenden
Knsten der Hellenen konnte nur die jngste, ddie noch frisch und lebendig
unter den Zeitgenossen blhte, neue Formen zu gewinnen versuchen, und die
sogenannte asianische Beredsamkeit, blhend und berreich an Schmuck, ist
ein charakteristisches Erzeugnis dieser Zeit.
Desto fruchtbaarer war die Umgestaltung, welche in den Wissenschaften
begann. Durch Aristoteles war jener groartige Empirismus ins Leben
gerufen, dessen die Wissenscaft bedurfte, um dkes ungeheuren Vorra$
rch #DiDod.# XVI, 22 und #C. I. A.# II, 6, Urkunde des
Bndnisses der Athener mit Ketriporis dem Thraker und seinen Brdern,
Grabos demIllyrier und Lykkeios? dem Ponen (Lykpeios heit e auf seinen
Mnzen, obschon auch solche mit +LYKKEIOU+ vorzukommen scheinen); von
diesen drei Frsten sagt Diodor, da Philipp sie besiegt habe +kai nankase
prosthsthai vtois Makedosi+. Ob das Frstentum im ponischen Lande daBmit
aufhre oder weiter bestand, lt sich nah den bis jetzt bekannten
Materialien nicht entscheiden. Dann wird 310 wieder ein Knig der Ponen
erwhnt (Diod. XX, 19), Audoleon, der Sohn des Patraos; vn Audoleon gibt
es Tetradrachmen mit +Audoleontosbasiles+ ganz mit dem Geprge der von
Alexander und nach dessen Mnzfu; andere Mnzen von ihm(ohne +basiles+)
sowie von seinem Vater folgen nicht dem makedonischen nzfu, ein sicherer
Beweis fr ihr loses Verhltnis zum Reich. Da Audoleons Sohn, dem
Lysimachos um 282 sein Frstentum entri, Ariston hie wie der Fhrer der
ponischen Reiter in Alex$
r
gegangen. Kein Verfolger zu Fu noch zuc Pferd konnte ihn einholen
und seine Abenteuer, die er mit Hilfe der Stiefel bestand, sind
nicht zu beschreiben.
  [Abbildung]
Das Natterkrnlein.
  [_Drei Abbildungen (1 bunt)_]
Alte Grovter und Gromtter haben schon oft ih6ren Enkeln und
Urenkeln erzhlt von schnen Schlangen, die godene Krnlein auf
ihrem Haupte tragen; diese nannten die Alten mit mancherlei Namen,
als Otterknig, Krnleinnater, Schlangenknigin und dergleichen,
und sie haben gesagt, der Besitz eines solchen Krnleins bringe
gro-s Glck.
Bei einem geizigen Bauer diente eine fr]omme, mildherzige Magd, und
in seinem KuZhstalle wohnte auch ei&e Irnleinnatter, die man
zuweilen des Nachts gar wunderschn singn rte, denn diese Nattern
haben die Gabe, schner zu singen als das beste Vgelein. Wenn nun
die treue Magd in den Stall kam und die Khe molk oder sie ftterte
und ihnen streute -- was ie mit groe Somgfalt tat, denn ihres
Herrn Vieh ging ihr be alles, -- da kroch manchmal das
Schlnglein,$
drei Tchter zu verteilen, je nach Magabe der Liebe, die
sie fr ihn uern. Die beiden lteren, _Goneril_ und _Regan_,
erschpften sich in Beteuerungen und Anpreisungen ihrer Liebe, die
dritte, _RCordelia_, weigert sich dessen. Er htte diese unscheinbare,
wortlose Liebe der Dritten erkennen und belohnen sollen, aber 5er
verennt sie, verstt Cordelia und teilt das Reich unter die beiden
anderen, zu seinem und zu aller Unheil. Ist das nicht wieder eine Szene
der Wahl zwischen drei Frauen,von denen die jngste die beste, die
vorzglichste ist?
Sofort fallen uns nun aus Mythus,]Mrchen und Dichtung andee Szenen
ein, welch die nmliche Situation zum Inhalt haben: Der Hirte Paris hat
die Wahl zwischen drei Gttinnen, von denen er die dritte zur Schnsten
erklrt. Aschenputtel ist eine ebnsolche Jngste, die der Knigssohn
den beiden lteren vorieht, Psyche im Mrchen _des Apulejus ist die
jngste und schnste von drei Schwestern, Psche, die einerseits als
menschlich gewordene Aphrodite verehrt wird, ande$
g
beruhend betrachtet.
Fuer die Erkenntnis der Wahrheit in diesem h*echsten Sinne gilt dann
freilich auch wieder Glaube, Liee und Sittlichkeit als Bedingung. "Wer
meine Worte Chaelt und danach thut der wird erkennen,(dass sie wahr sind".
Insfern muss zugestanden werden, dass die Wahrheit wohl an sich, nicht
aber fuer uns das hoehste Gut ist. Fuer uns ist die Sittlichkeit ein hoeheres
Gut als die Wahrheit und hinwiederum die Seligkeit, der Friede, ein
hoeheres Gut als die Sittlichkeit. Denn nur wenn wir die Seligkeit oder den
Frieden erlangt haben, koennen wir sittlich leben, und das sittliche Leben
hinwiederum ist Bedingung der Erkenntnis der Wahrheit im vollen Sinne des
Wortes. Insofern gilt der Primat des Willens, nicht der Primat des
Intellekts; insofern koennen wir auch die beiden letzten Glieder der fuer
das Zustandekommen desGlaubens wichtigen Reihe otitia' assensus
(Einsicht) fiducia umkehren und sagen notitia fiducia assensus, was
uebrigens ?uf den alten Satz von er fides quaerens intellectum$
lie und ihr selbst manche bittere Stunde
Aber sie konnte rasch vergessen. So war ihr denn in dem Augenblick, da
sie ihres Mannes streichelnde Hand versprte, es sei alles gut geworden
und werde immer so beiben. Es kam ihr nicht zum Bewutsein, =da sie
ihres Mannes Seele nicXt kenne, da sie so stumm vor ihr lieg wie die
ihres neugeborenen Sohnes. Es xam ihr auch nicht zum Bewutsein, da ihr
dieser Tag in 7dem hilflosen, unbefleckten Seelchen ein Geschenk gegeben,
so gro und schn, da ein sehr starker oder sehr leichter Sinn dazu
gehrt, um vor der Verantwortung nicht zu zagen.
                 *       *       *       *       *
Peter war in den ersten Jahren seines Lebens ein zartes Kind. Wen Frau
Elisabeth ihn spazieren fuhr, so brach wohl die eine ode andere der
Freundinnen in die teilnehmenden Worte as: Der ist ber bla! SiehCnur
die Adern an den Schlfen! Ich frage mich, b du ihn davonbringst. Und
dann priesen sie ihre eigenen rotbackigen Kinder.
Aber der kleine Peter gedieh, allen Prphezeiunge$
nicht oft, da er inen Gehr gab. In diesem Augenblick aber war
ihm, eie harte Stimme rede auf ihn ein ... Fr dich haben wolltest du
ihn, fr dich allein. Und zwr ohne Anstrengung, hne Opfer und Hingabe
deinerseits. Dem kleinen Peter, ja, dem schenktest du Gehr. Das wa
keine groe Anstrengung. Aber spter, als der Bub anders ward, als du es
wnschtest, gingst du zu Werk wie ein Tlpel. Knicken wolltest du, was
sich da in fremder =junger Kraft regte, weil es dir nicht pate. ... Dein
Kind ---- jawohl. Aber zugleich ein Menschenkind fr sich, dessen
Eigenart du httest feifhlig erkunden und pflegen sollen ... Aber du
warst zu bequem, zu eigensi&nnig, zu -- arm dazu...
Wollte die Stimme denn nicht schweigen? Das war ja nicht zum Aushalten.
Man meinte es ja gar nicht so schlimm. Man ]wollte dem Jungen gewi nich
die Freude rauben. Nein, ---- meinetwegen konnte man sich ja fr das
Buch interessieren.
Er tat es wenige Tage spter bei Tisch, als ihm auffiel, wie wortkarg
Peter dasa. Na, wie ist's mit d$
tzt wieder in seinr Stube( und fhlt sich erbrmlich und klein.
                 *       *       *       *       *
Ruth kann auch singen. Sie begleitet sich dazu auf der Gitarre, und
Peter wei eigentlich nicht, was er mehr liebt, die Geige oder Ruths
Stimme. Das Geigenspiel ist vielleicht shner, ja unbedingt schner,
aber uths Stimme ist, wie sie selbst, leicht und innig, glcklich und
lachend. Nur wenn sie ernste Lieder singt, erlischt das Lachen, ud dann
kann Peter das traurige Stimmchen kaum ertragen.
Heute wei ich ein neues Lied, Peter. Ein wunderschnes. Pa' einmal
auf. Ich habe es unter Mutters Noten gefunden. Aber s sikndso viele
Verse -- ich habe mir nur die zwei ersten und den letzten gemerkt:
    Jungfrulein, soll ich mit euch geh'n
    in eurenL Rosengarten?
    Da, wo die roten Rslein steh'n,
    die feinen und die zarten,
    und auch ein Baum der blhet
    und seine Lublein wiegt,
    und auch eiXn khler Brunnen,
    der grad darunter liegt.
    In meinen Garen kannsyt du nicht
  $
en G!efilden.
Darf ein Schler des Institutes Benjamenta zufrieden mit sich sein, was
selten vorkommt, da esbei uns von Vorschriften hagelt, blitzt, schneit
und regnet, so duftet es um ihn heum, und das ist der se Duft des
bescheidenen, aber wacker erkmpften Lobes. Lobt Frulein Benjamenta,
dann duftet es, und rgt sie, dann wird es im Schulzimmer finster. Welch
eine sonderbare Welt: unsere Schule Ist ein Zgling artig und
schicklich gewesen, so wlbt sich pltzlich ber seinem Kopf irgend
etwas, und das ist der blaue,x unersetzliche Himmel ber dem
eingebildeten Garten. Sind wir Eleven recht geduldig gewesen, und haben
wir uns in der Anstrengung recht brav aufrecht gehalten, haben wiAr, was
man warten und ausharren nennt, knnen, dann golret es mit einem Mal vor
unsern etwas ermdetn Augen, und dann wissen wir, tda es die himmlische
Sonne ist. Dem, @der sich aufrichtig und berechtigt mde fhlt, scheint
di Sonne. Und haben wir uns auf keinen unlauerenWnschen zu ertappen
braucheS, was immer so uglc$
atz: er leckte mir die Fe.
Dasnenne ich Reicptum. Weil s mir grad so einfiel, klingelte ich
wieder, denn es juckte mich, ich wei icht mehr, wo, nach sinnreicher
Abwechslung, undes erschien ein halbwchsiges Mdchen, ein wahrer
Leckerbissen fr mich stling. Kindliche Unschuld, so nannte sie sich,
und begann, die Peitsche, die neben mir lag, flchtig mit dem Auge
streifend, mich zu kssen, was mich unglaublich auffri_chte. Die Angst
und die f=hzeitige Verdorbenheit flatterten in den schnen rehgleichen
Agen des Kindes. Als ich genug hatte, klngelte ich wieder, und estrat
auf: der Lebensernst, ein schne, schlanker, junger, aber armer Mensch.
Es war einer meiner Lakaien, und ich befahl ihm stirnrunzelnd, mir das
Ding da, wie hie es schon, nun ja, hab' ich's endlich, mir die Lust zur
Arbeit hereinzufhren. Bald darauf trat der Eifer herein, und ich machte
mir das Vergngen, ihm, dem Voll-Menschen, dem prachtvoll ge-bauten
Arbeitsmann, eins mt der Peitsche berzu{knallen, mitten ins ruhig
wartende Gesi$
wei nichts von Trnen? Ich bin gemein, das ist es. Doch
halt. Zu sehr heruntermachen will ich mich ach nicht. Ich bin stutzig,
und deshalb----. Lgen sind das, lauter Lgen. Ich habe das ja alles
eigentlich gewut. Gewut? Das ist wieder eine Lge. Es ist mir nicht
mglich, mir die Wahrheit zu sagen. Jdenfalls gehorche ich Frulein und
sc=weige ber dieseGeschichte. Ihr gehorchen drfen! So lange ich ihr
gehorche, ist sie am Leben.--
Angenommen, ich wre Soldat (und ich bin meinCer Natur nach ein
ausgezeichneter Soldat), gemeiner Fusoldat, und ich diente unt"r
Napoleons Fahnen, so marschiete ich eines Tages ab nach Ruland. Mit
meinen Kameraden stnde ich gut, denn das Elnd, die Entbehrungen und
die vielengemeinsam begangenen rohen Taten verbnden uns wie zu etwas
zusammenhngend Eisrnem. Grimmig wrden wir vor uns herstarren. Ja, der
Grimm, der unbewutVe, stumpfe Zorn, der verbnde uns. Und wir
marschierten, immer das Gewehr umgehngt. In den Stdten, durch die wir
zgen/ wrde `ns ene mige, schla$
in der Zeit hier doch immer sehr brav zusammengehalten! Und
0soll ich vielleicht noch feierlich erklren, da ich nicht die geringste
Absicht hatte, der Dame zu nahe zu treten?
Ist nicht ntig, erwiderte er mhsam. Nach den Beobachtungen, die
Herr von Bledow gemacht hatte, kuonnte es sehr wohl den Anschein haben
... also erledigt!
Herr von Sternheimb sah ihn nicht ohne Teilnahme an.
Es tut mir furchtbar leid, lieber Foucar, falls ich da an etwas erhrt
haben sollte ... Ich habe ir1 nichts dabei gedacht! Aber Sie werde mir
zugeben, es ist doch, gelinde gesag, ein bichen ungewhlich, da eine
Da0me er Gesellschaft sich mitten unter diese kleinen Mdchen mischt.
Ist ja schon gut, sagte Gaston geqult, wollen die Sache nicht unntz
breittreten! Nur so"viel noch: wenn sich jemand Vorwrfe zu machen hat,
bin ich es, ganz allein. Ich habe die junge Frau, die sich in Begleitung
ihres Mannes und noch einiger Herrschaften denj Balltrubel as Neugirde
'ma ansehen wollte ... dabei ist doch nichts, nicht wah$
cht. Aber bald darauf gng er in Mutwillen ber und erzhlte
mir: Wir haben einen Preuen in der Herberge zu Kassel, der eben solche
Lieder selbst macht; er kann keinen seligen Stich nhen; hat er einen
Groschen in der Tasche, so hat er fr zwei Groscoen Durst, und wenn er
im Thran ist, hlt er den Himmel fr ein blues Kamisol, und weint wie
eine Dachtraufe, und singt ein Lied mit der doppelten Poedie! Von
letzterem Ausdruck wnschte ich eine Erklrung, aber mein Schneiderlein
mit seinen Ziegenhainer Benchen hpfte hin und her und rief bestndig:
Die doppelte Poesie ist dfie doppelte Poesie! Edlich brachte ich es
heraus, da er doppelt gereimte Gedichte, namentlich Stanzen, im Sinne
hatte. -- Unterdes, durch groe Bewegung und den kontrren Wind, war der
Riter von der Nadel shr mde geworden. Er machte freilich noch einige
groe Anstalten zum Gehen und bramarbasierte: Jetzt will ich den Weg
zwischen die Beie6 nehmen! Doch bald klagte er, da er sich Blasen
unter die Fe gegangen, und die Welt vi$
etersiliensuppe, veilchenblauen Kohl, einen Kalbsbraten, gro wie der
Chimborasso in Miniatur, so wie uch eine Art gerucherter Heringe, die
Bckinge heien, nach dem Namen ihres Erfinders, Wilhelm Bcking, der
1447 gestorben, und um jener Erfindung willen von KarlV. so verehrt
wurde, da derselbe anno 1556 von MiddelbEurg nach Bievlied in Zeeland
reiste, blo um dort das Grab dieses groen Mannes zu sehen. Wie
herrlih schmeckt doch solch ein Gericht, wenn man die historischenNot^zen dazu wei und es selbst verzehrt. Nur der Kaffee nach Tische
wurde mir verleidet, indem sich ein junger Mensch diskursierend zu mir
setzte und so entsetzlich schwadronierte, da die Mlch auf dem Tische
sauer wurde. Es wak ein junger Handlungsbeflissener mit fnfundzwanzig
bunten Westen und ebe so iel goldnen Petschaften, Ringen, Brustnadeln
u.s.w. Er sah aus wie ein Affe, der eine roe Jacke angezogen hat und
nun zu sichJselber sagt: Kleider machen Lente. Eine ganze Menge Charaden
wute er auswendig, so wie auch Anekdoten,$
          98
Nur nimm %ie wieder aus der Stdte Schuld                     98
Des Armen Haus ist wie ein Altarschrein                      99
Die Stdte aber wollen nur das Ihre                          100
Und deine Armen leijden unter diesen                          100
O wo ist der, der aus Besitz und Zeit                        101
O wo ist er, der Klare, hingeklungen?                      [  102Titel, Kopfleiste und Anfangsinitiale dieses Buches zeichnete Walter
Temann. Der Druck erfolgte in der Offizin W. Drugulin zu Leipzig.
[Anmerkungen zur Transkription: Die nachfolgende Tabelle enthlt eine
Auflistung aller gegenber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.
S. 8: Denn alle Uberflsse -> berflsse
S. 86: zehn ihnen leise eine Weile nach -> gehn
S. 90: ichts von dem weiten wirklichen Geschehen -> Nichts ]
[TrSanscriber's Notes: The table below lists all corrections applied to
the original text.
p. 80: Denn alle Uerflss^e -> berflsse
p. 86: zehn ihnen leise eine Weile nach -> gehn
p. 90: i$

Anspruch zu nehmen. Da ich sie niemals fr mich behaup}tet habe, bleibt
mir die Antwort erspart. Nur das eine will ich bemerken: Die _Idee_ der
Arbeitschule ist so alt wie die Erziehungsleehre. (Vgl. Plato, leg., S.
819ff., Oxforder Ausgabe von Burnet.) Aber Ideen weren erst lebendig,
wenn sie, vllig zu Ende gedacht, in realen, den Zeitverhltnissen
angepaten Formen, die Probe auf ihre Verwirklichungsmglwichkeit zu
machen in der Lage sind
Mnchen, im Dezember 1911.
                                               GEORG KERSCHENSTEINER
VORBEMEKUNG ZUR VIERTEN AUFLAGE
Die _hdritwte_ Auflage, die mitten im Kriege ntig wur@e, benutzte ich a)
zur Herausarbeitung eines _wissenschaftlichen Begriffes der
Arbeitsschule_, also eines Begriffes, der nicht mehr blo veschreibt,
sondern definiert, b) zur vollstndigen _Darstellung des
Arbeitsschulbetriebes der vier aufsteigenden Versuchsklassen Mnchens_.MDiese Darstelung erschien mir um so notwAendiger, als eine allgemeine
Theorie der Arbeitsschule durchaus noch nic$
den Hechten in
dem seichten Wasser der Schilfbucht Verheerungen anrichtet. Der
Seeadler ist seltener zu sehven und jagt am liebsten am offenen Meere.
Unangenehm und zuweilen gefhrlich ist di hufig vorkommende
Kreuzotter, die man sowohl im Blaubeerbusch wie am Strand trifft,
beinahe berall, kann man sagen; und ihre Khnheit drauen auf den
ueren Schren ist so groY da sie sih auf dem Schwanz erhebt und
durch Hiebe Fischer hindern will, aus dem Boot zu steigen. Das Volk
schont se nicht, obgleich es glaubt, sie sauge Gift aus der Erde, und
eine Ehrfurcht vor der anderswo angebeteten Natter zeigt derSchrenmann nicht.
       *       *       *      *       *
In dieser Provinz voB umflossenen Inseln lebt nubn eine Bevlkerung,
dieman nach den Vermgensverhltnissen in drei Klassen einteilen
knnte: die Landwirtschaft treiben, meist auf den groe nseln
wohnend; die den Boden bebauen und fischen, oder dieMittelklasse; und
schlielich die eigentlichen Schrenmnner, die meist vom Fischen und
Jagen leben, $
 auf Hochscjweden lTherlichwikte. Komm nur hinaus
auf den Hof, dann werde ich dir scho die Flhe aus dem Schweinepelz
Carlson fand seine Stellung noch nicht so bedroht, um zu den Fusten
bergehen zu mssen, sondern hielt sich auf dem unschuldigeren Gebiet
des Zungenkampfes.
-- Was ist das fr ein merkwrdiges Schwein, das Flhe im Pelz hat?
-- Das stammt wVhl aus Wrmland, glaube ich, antwortete Norman.
Das verletzte die Nationalehre; noch im letzten Augenblick nach einem
vernichten4en Wort suchend, das sich aber nicht einstellte, ging
Carlsson auf den Feind los, packte ihn bei der Weste und ri ihn auf
den Hof hinaus.
Die Mdchen stellten sich in die Trffnung, um dem Zusammensto
zuzusehen; niemandem fiel es ein, dazwischen zu treten.
Norman war klein und untersetzt, abe= Carlsson war grber gebaut und
hher gewachsen. Im Nu warf er den Rock ab, um den er b1nge war, und
die Kmpfer rannten zusammen. Norman mit dem opf voran, wie ers von
denLootsenburschen gelernt hatte. Carlsson aber packte ihn,zie$
pfte ihn ber seine zerrissene
Weste; aber Norman hing der eine Hemdrmel wie ein Fetzen aufs Bein
herab. Im Gesicht bel zugerichtet, schmutzig, blutig,hielt ers frs
Beste, sich um die Ecke zu entfernen, um seine Niederlage nicht den
Mdchen zu zeigen.
Mit dr frohen Zuversicht des Siegers und des Strkern trat Carlsson
wieder auf die Tanzbahn, um, nach einem tchtigen Schluck,6das Spiel
mit Ida von neuem zu beginnen, dit ihn mit Wrme, ja beinahe
Bewunderung empfing.
Der Tanz ging los wie ein =Dreschwerk. Die Dmmerung war
hereingebrochen. Der Branntwein machte die Runde, und man widmete dem
Tun und Lassen des Nchsten geringere Aufmerksamkeit. Darum konnte
Carlsson mit Idaaus der Tenne heraus kommen und das Hagtor erreichen,
ohne da jemand naseweise _ragen stelte. Aber gerade als das Mdchen
ber den ZauYntritt gestiegen war und Carlsson oben auf dem Zaune
stand, hrt er durchs Halbdun`el die Stimme der lten, ohne jemand
sehen zu knnen.
-- Carlsson! Ist Carlsson da!8 Kommt und tant eine Runde mit Eu$
lieb zuweilen betroffen stehn und suchte die D<mmerung unter den Bumen
mit seinen Blicken zu durchdringen, wobei er gewhnlich das eineVorerbein
emporhob und die Pfote im rechten Winkel herabhngen lie. Seine Ohren
bewegten sich dabei unablssig, zuweilen sah er mich orschend an, wie in
Unsicherheit darber, ob diese Umgebung mir ebensoweUig geheuer sei, wiGe
brigens hatte Elias sich auf das prchtigste entwikelt, er trng nun die
Merkmale eines Wolf- und Schferhundes nicht minder eutlich, wie die eines
forschen und geschmeidigen Terriers, jener tchtigen Rass, die damals die
Englnder bevorzugten und pflegten. Seine wollige Behaarung erfreute auch
verwhnte Kenner durch ihre Flle und die Mannigfaltigkeit ihrer Frbung,
whrend ein groer Ringelschwanz ihn auf das prchtigste zierte. Da er noch
ein wenig gewachsen war, so verband er mit seiner Anmut eine gewisse
Bedrohlichkeit der Erscheinung, ie er jedoch wegen der Vortrefflichkeit
seines Charakters in keiner Weise auszubeuten suchte. Zweifellos $
wilde Taten inmir zurckgelassen, und es
lauerte in der grenden Stille umher eine aufre@izende Liebessucht und die
Ahnung eines hastigen trichten Todes. Es war, als erwartete die
Daseinsgier und der Lebensdrang der ppig und in stiller Wildheit
ausbrechenden Pflanzen und Bume unse|re Leiber. Mein Blut pochte in den
Spitzen der Finger, in den Schlfen und im Halse.
Nach einer Weile brach Panja auf, er wand sich aus trockenen Lianen und
vermo:ertem Holz eine Fackel, go l darauf und entzndete sie am Feue.
Wohin gehst du, Panja?
Zu den Frauen, sagte er dumpf.
Noch eine Weile sah ich den Schein seiner Fackel rot durch das Dickicht
schaukeln, er schwenktd ie hoc empor und weit hinter sich, zum Schutz
gegen die wilden Tiere, im Takt seines raschen, weichZn Tritts. Dann blieb
ich allein am Feuer zurck mit Elias, Pascha schlief im Boot bei den
Koffern, er hatte sene Matte qer ber meinem Eigentum ausgebreitet und
bewachte es schlafend mit seinem L!ibe.
Fnfts Kapitel
Dschungelleute
Panja roch die Drfer$

zu, von der ich nicht mehr als ein RckenstYck hatte genieen knnen, und
die sonst die Sonne oder die Schakale vernichtet htten, un3 erschrak ?ber
die sinnlose Gier dieses Flugesindls. Es dauerte kaum eine Minute, bis
der Krper des Tiers in einem dahintreibenden blutigen Schaumbecken, in
hundert Fetzen zerrissen, verschwunden war. Am Mittag lagen die Ungeheuer
wieder in der Sonne und lchelten, whrend der breite, trbe Strom gurgelnd
dahinzog und den Sonnnschein in mrderischen Lichtpfeilen in die
schmerzenden Augen schleuderte, die die DschungAldmmer+ng verw[hnt hatte.
Einmal sa ich in der Nhe unseres Zeltes in den Rankenverschlingungen der
Luftwurzeln eines wilden Feigenbaumes in der Morgensonne am Flu und putzte
meine Jagdflinte, as es neben mir in de Mangroven raschelte. Als ich mich
umwandte, sah ich&inen kleinen Hinduknaben vor mir stehen, der vor Schreck
vllig erstarrt war. Seine Augen schienen leblos gewozrden, wie zwei
schwarze, runde Spiegel, und sein Mund stad offen. Es war recht
be$
enen Mnnerangescht
zugemutet wurde, Pythagoras dadurch gleichzusein, da ich ihn begriff. Auch
dort erstickte ein bedauernswerter Zorn in der Hochflut a nschwellender
Ohnmacht, und sprachlos gewordene Verachtung sagte mir an bsem
Lebensgeschick weit mehr voraus, als ein vereinzeltes Gemt, mit leisem
Hang zumGrbeln, ertragen kann.
Du siehst aus wie Pofessor Stolzenburg,sagte ich zu Panja, denn ich
halte dafr, da man 8se Gedanken guten Leuten gegenber am besten offen
ausspricht, damit sich ein Weg zum Ausgleich mit gemeinsamen Krften suchen
lt. Htte ich das nur in der Schule auch scho gewut, vielleicht 1tte
der gestrnge Verbitt5erer so mancher meiner MorgenstuKden zwischen zehn und
elf Uhr mit sich reden lassen.
Panjaverschmhte es der Bedeutung meines Vergleichs nachzuforschen, er
sagte nach einer Weile resigniert:
+Nun, es ist ja gleichgltig, Sahib, ob wir hier oder dort im Wasser
Das befestigte meinenx Beschlu aufs beste, denn wie alle leichtsinnig und
zuglech eigensinnig veranlagten Na$
 liebt, wie
ich, da mu die Gesellchaft solchen Meisters wohl Etwas ntze sein.
     Was ich vermag, das ist allein~
     Von seiner Kunst ein Widerschein.
Doch Ihr habt, setzte er hinzu, in Eurem Brevier von solchen Dingen
allen nichts gefunden und begehrt ihrer nicht.
a ist denn die Reihe des FehVlens and Euch gekommen, Meister
Klingsohr! sagt' ich munter, denn auch ich be eine Kunst, und mit
all' meinem Denken trag' ich Lust zuihr.
Dasahen mich Beide verwunert anund Klingsohr fragte: Welche
Zwar sollt' ich dem Klingsohr nicht offenbaren, was er mir hehlt,
erwiederte ich.dDoch will ich's sgen: Zum Tannhuser dem Singer hat
Diether der Maler sich gesellt.
So wohl uns da wir uns trafen! rief Klingsohr, streckte mir seine
Hand entgegen, und der Tannhuser reichte mir seine. Wir drei gehren
zusammen, ob Kutte, Wams oder Mantel; wir sind eines Ordens. He,
Bruder Tannhuser, nimm Deine Fiedel und streich eins auf!
Der aber sagte:
     In Regen und Wind desFiedelns pflegen,
     Heit unte$
e einen Waffengenossen, der ihm in Allem ergeben war.
Adelbert wute um Bruno's Liebe; er wute auch, da heute die Flucht
geschehen sollte, und gerne war er bereit, dazu# zu helfen. Die Stadt
Bologna hat e5in Thor, das ist vor andern klein, und Wenige ziehen
hindurch. Die Straen, deU dahin fhren, sind gar enge und einsam, so
auch die Landstrae, wenn man das Thor hinterB sich hat. Das duchte
ihnen am sichersten da1hindurch zu entkommen. Weil an dem Tage auch
unter den Rittern und Fuknechten einer auf den and4rn wenig Acht
hatte, denn nach der lNngen Belagerung berlie sich Jedermann der
ungewohnten Lust, und keiner mignnte sie ihm, so ward verabredet,
da Adelbert mt Rossen und einem Huflin Knechten, wenn es wrde
vllig dunkel geworden sein, nach dem Thor S. Rocco aufbrechen und
allda seier hrren sollte.
Zur selben Stunde barg der tiefste Schatten eines Pfeilers der Kirche
des heiligen Petronius Bruno's vermummte Gestalt. Er hatte sich
angethan, als einer, der an der Lustbarkeit theilnehmen wo$
r. Und mit diesem Aufschrei lste sich ie" Gestalt aus der
Finsterni der Beschattung, darin sie bis jetzt geharrt, und strzte
ungestm aufBruno zu, de1r eilend sich den Rossen nherte, welche
jetzt ihmzugefhrt wurden. Er wandte sich und sah in des Anstlmenden
Angesicht. Nicht lnger als bis man eins zhlt, sash er hinein.rAber er
ward von einem Blick getroffen, der so gethan war, da vor ihm ein
Teufel aus der untersten Hlle htte zur Umkehr oder doer hehrste der
heiligen Engel zu Fall und Verstockung gebracht werden knnen.
Bruno! hrte er sich rfen. Aberer sagte nichts und packte mit
mchtigem Griff den sich zwischen ihn und die Rosse Drngenden. Da hub
sich ein Arm gegn ihn und ein Dolch blitzte im Mondlic,t. Doch im Nu
hatte Bruno den Stahl der Hand entwunden, die ihn fhrte, und stie
ihn tief in seineLs egners Brust. Schwester! rief der mit
versagender Stimme und brach lautlos zusammen.
Starr stund Bruno, in der Hand die Waffe, mit welcher der tdtliche
Streich geschehen war.
Die Mahnung der $
 waren, von denen ard ch aufgenommenund
ehrl	ch angesehen; sie litten mich allenthalben gern und whnten nicht
anders, denn da ich bald,zu hohen Ehren kommen wrde. Doch that ich
dazumal Alles mit halbem Herzen; denn die Gewiheit, da Irmela Ritter
Conrad freien wrde, wie mir die Fahrenden das berichtet,A hatt' ich
bald nachmeiner Ankunft in Speyer erlangt. Davon erstarb mir die
Freudigkeit, und von de groen Leide, das ich dj gewann, konnt' ich
mein Gemth nicht hinwegziehn. Doch schpft' ich noch ein kleines
Trstelein. Denn wie? Ich mu' es ja glauben, was sie Alle sagten,
und glaubt' es doch wieder nicht Von ihr selbst, dacht' ich, will
ich's erfahren. Hinaufzuziehen gen Elzeburg, de unterwand ich mich
nicht, denn ich besorgte, ich mchte nicht vo sie gelassen werden und
dem Gernsteiner dann begegnen, der dort weilte, wie ich hrte. So
schrieb ich einen Brief an die Maid, darin ich ihr meine Erledigung
aus dem Kloster vermeldete und ihr theuer sch=ur, meine Treue wrd'
ich ih ewigich halten und wi$

hhnte: H, du spielst doch nicht mit, siehst du's?
Rudi war ein guter Junge,jedoch er konnte Spott nicht vertragen. Er
wurde sehr rot bei Ottos Worten, aber er dachte Fnoch daran, was Tante
Toni ihm eben gesagt hatte, und er hielt an sich.FEr streckte seine
Hnde in die Hosentaschen und drehte Otto den Rcken.
Ja, geh' nur fort, geh' zu den Kleinen ins Kinderzimmer, da gehrst du
auch hin. Hier strst du unsXja nur.
Rudi stellte sich breitspurig in und sagte: Ich bleibe hier und schaue
Ich s\g' dir aber, da du fortgehen sollst!
Du hast mir nichts zu sagen.
Gewi, denn ich bin lter, grer und strker als du.
lter, ja; grer nict viel, aber strker gar nicht.
Was hast du geSsagt, du recher Knirps du? Sag's doch noch einmal, wenn
du's wagst!
Ich bin strker wie du.
Mit dem Mund vielleicht, aber nichtin Wirklichkeit.
Soll ich's beweisen?
Das wagst du ja nicht, du Feiglig!
Nun war Rudis Geduld zu Ende. Er strzte sich auf Otto, und die beiden
Knaben begannen zu ringen. Otto wa$
ick zu ud
Zntgegnte: Fllt mir nicht ein, eine alte Jungfer zu werden -- a
heirat' ich doch noch eher einen von euch!
Ums Himmels willen, doch nicht mich? schrie Paul in komischewm
Entsetzen auf, und er streckte wie abwehrend ie Hne aus.
Nein, dich mag ich gar nicht, du bist mir zu grob -- aber vielleicht
den Philipp!
Philipp mchte ein uerst verbfftes Gesicht bei dieser Erlrung.
Warum denn gerade mich? fragte er in klglichem Ton.
Du bist der gutmtigste von allen, und dic werde ich scho~ bald unter
den Pantoffel kriegen, erklrte Lilly mit einem siegesgewissen Blick
auf ihren Vetter, der dasa mitder Miene eines Opferlammes, welches zur
Schlachtbank gefhrt werden soll.
Die andern schrien vor Lachen. Frau Wulff, welche gerde der Tante Luise
Helmer eine neue Tasse Kaffee einschenke wollte, schttete vor lauter
Lachen daneben; Mieze hielt sich die Seiten und bog sich; Anna hatte
sich verschluckt, und lachend, hustend und pustend verteid igte sie sich
gegen ihre Brder, die ihr allzu diensteifri$
n.
O je, Kurt, da wirst du nicht viel kriegen! Du weit doch, da die nne
immer gleich wieder alles herychent, was sie hat.
Ac", geh' doch, Rudi!wehrte Anna b.
Ja, es ist aber so! Neulich hast du mir doch meinen Ball abgebettelt --
und am andern Tag spielten die unmezogenen Franks-Kinder damit auf der
Ach die sind oar nicht so arg ungezogen, rief Anna eifrig; sie sind
nur so schrecklich arm, und haben gar nichts zum Spielen, und sie sahen
so sehnschtig nach dem Ball, als ich vorbeikam, da ab' ich ihn ihnen
halt gegeben.
Na ja, es ist mir ja auch recht, sagte Rudi; whrenddessen flsterte
kleinvToni ihrer Schwester Anna ins Ohr: Du, wenn wir heimkommen, da
geb' ich direins von meinen BildTrbchern fr die Franks-Kinder, und --
ja was denn noch ...!
Ein Pppchen?
Ac nein, nne, die Franks sind so wild und so schmutzig, sie wrden zu
grob mUt dem armen Pppchen umgehen, das tte mir zu leid.
Dummes, das Pppchen fhlt's ja nicht!
Ach ja, ich kann's aber doch nicht sehen. Und weit du$
ne Stimme und gutes Gehr hatte, sang die zweite
Stimme. Tante TZni sa ganz still und freute sich, wie der helle
Kindergesang so frisch in die freie hatur hinausschallte.
Sogar die Vglein schwiegen und hrten euh zu, behauptete sie, al?
das Lied zu End war.
Nun mut du aber auchz singen, Tante, baten die Kinder, und es erklang
noch garmanch lustiges und manch schwermtiges Volksliedchen, bis auf
einmal ein anderer, ein feierlicher Ton sich unter den Gesang mischte --
von der Dorfkirche drunten im Tal das AbendlLten.
Da verstummte der Gesang undalle lauschten still, bis der letzte
Glockenton verhallnt war.
Pltzlich sprang Tante Toni auf und rief: Aber, Kinder, wir vergessen
ja ganz die Zeit! Schnell, schnell zum Aufbruch geblasen, damit wirnocP
vor Dunkelwerden heimkommen!O wie schade, es war so wunderschn hier! bedauerten die Kinder, sich
zum Aufbruch richtend.
Aber wo ist denn Otto? fragte auf einmal Tante Toni, sich nach allen
Seiten umsehend. Niemand wute ess, niemand hatte ihn fortgeh$
t. Als die Menschen zu denken begannen, waren
sie bekanntlich gentigt, die Aussenwelt anthropomorphisch in eine
Vielheit von Persnlichkeiten nach ih5em Gleichnis aufzulsen; die
Zuflligkeiten, die sie aberglubisch deuteten, waren also Handlungen,
usserungen von Personen, und sie haben sich demnach genau so benommen
wie die Paraniker, welche aus den unscheinbaren Anzeichen, die ihnen
die Anderen geben, Schlsse ziehen, und wie die GesundenI alle, welche
mit Recht die zuflligen und unbeabsichtigten Handlungen ihrer
Nebenmenschen zur Grundlage der Schtzung ihres Charakters machen. Der
Aberglaube ersc~eint nur so sehr deplaziert in unserer modernen,naturwissenschaftlichen, aber noch keineswegs abgerundeten
Weltanschauung; in der Weltanschauung vorwissenschafticher Zeiten und
Vlker ar er berechtigt und konsequent.
Der Rmer, der eine wchtige Unternehmung aufgab, wenn ihm ein widriger
Vogelflug begegnete, war also relativ im Recht; er handelte onsequnt
nach seinen Voraussetzungen. Wenner aber von der $
ten Zahlen ber die Zensien nach der
alten Miquelschen Einkommensteuer xiegen mir fr 1916 vor. Von 1892 bis
1916, also in der Epoche des groen Aufschwungs der kapitalistischen
Produktion, nun ist gestiegen die Schicht der ganz Reic2en mit ber
100000Mk. Einkommen von 1780 auf 3561, hat sich also +ehr als
verdoppelt; die Zahl der Wohlhabenden und Reichen ist in derselben Zeit
gestiegen von 6700auf 22000, hat sich also ehr als verdreifacht. Die
Zahl der Wohlhabeden mit einem Einkommen von 6000-30500 Mark hat sich
vermehrt von 104000 auf 210000, also gleichfalls mehr als verdoppelt.
Auch diese Schicht hat weit ber die Vermehrung der Bevlkerung hinaus
zugenommen. Und sclielich hat die untere Mittelschicht, die man ganz
ausgestochen whnte, die Klasse der ensiten mit Einko[men zwischen 3000
und 6000Mk., sich gar vermehrt von 205000 auf 578000, also auf nahezu
das Dreifache. Keine Schicht aus diesen Einkommensgrppen verschwindet
also, im Gegenteil alleZahlen nehmen zu. Wer sich die Entwicklung der
Stdte$
 abgeschafft, er _stirbt_ ab. Hieran ist die Phrase
  vom freien Volksstat zu messen, also sowohl nach ihre'r zeitweiligen
  agitatorischen Berechtigung, wie nach ihrer endgltigen
  wissenschaftlichen Unzulnglichkeit; hieran ebenfalls die Fo|rderung
  der sogenannten Anarchisten, der Staat solle vonheute auf morgen
  abgeschafft werden.
Ma sieht, es wird dem Staat im Grunde eine nur transitorische,
zeitweilige Rolle zuerkannt, die wesentlich die ener unterdrckenden
oder n@iederhaltenden Gewalt ist-- also das, was Lassalle gerade die
Rolle eins Nachtwchters der jeweilig herrschenden Klasse nennt, und
wenn mit dem Bestehen verschiedeer Gesellschaftsklassen die
Klassengegenstze und der Anla -zur Niederhaltung von Klassen aufhren,
hrt nach dieser Theorie auch der Staat auf. Sie zieht sich durch alle
Schriften von Marx und Engels und ist von letzterem spter in der
Shrift: Der Ursprung der Fmilie, des Privateigentums und des Staates
nher begrndet worden. Gelegentlich spricht Engels wohl au$
919 gewhlten
Nationalversammlung nahm de Regierung des ausschlielich aus
Sozialdemokraten bestehenden Rats der Volksbeaufragten ihr Ende. Nach
Annahme eines Gesetzes ber die vorlufive Reichsgewalt whlte die
Nationalversammlung zwar am 10. Februar 1919 mit 27 von 379Stimmen den
Sozialdemkraten Fritz Ebert zum Prsidenten der deutschen Republik, das
erste Kabinett aber wa eine Koalitionsregierung aus 7Sozialdemokraten,
3Mitgliedern der Ze3trumspartei, 3Mitgliedern der Demokratischen
Partei und einem der Demokratischen Partei nahestehenden parteilosen
Minister. Von da ab hat Deutschland nur Koalitionsregierungen geRhabt,
die mit Ausnahme der Periode vom Jni 1920 bis Juni 1921, wo die
Regierung ausschlielich aus Vertretern brgerlicher Parteien betand,
aus sozialdemokratischen und brgerlichen Ministern zusammengesetzt
waren. Es ist nicht undenkbar, aber ni9ht sehr wahrscheinich, da die
Wahlen der nchsten Jahre eine Mehrheit von Sozialdemokraten in den
Reichstag bringen werden. Die Wahlen vom J$

sterben im Kampfe mit dem Feind oder erliegen Verletzungen, die sie sich
auf der Jag1 oder auf einem lngeren Marsch zugezogen haben. Fr den
primitiven Menschen ist ?aer auch die Krankheit, die einen befllt, ein
bser Geist, der teuflischerweise von einem Besitz ergriffen hat. Und so
wird auch der Tod des Greises, der schon an und fr sich eine ungewhnliche
Erscheinung im Leben der wilden Horde ist, im Sinne des Geistergaubens der
Wilden folgerichtig als ein bser Streich eines feindseligen Geistes
Auchin unserem Denken ber den Tod spukt noch der GeiBsterglaube, wenn wir
vermeinen, mit Hilfe irgendeines Elixiers Gevatter Tod von uns ganz
abzuhalten. _Die Wissenschaft aber, frei von allem Geisterglauben, kennt
heute das Problm des Todes aus Altersschwche, das Problem des Alters und
des Todes, der unerbittlich kommt._ Trotz saurer Milch und aller herrlihen
Dinge der Welt, trot+z Licht und Sonne und Glk. Das ist ein viel weiter
greifendes P3oblem in der Biologie, in der Lehre vom Leben, als jener Tod$
he schlielich der Wissenschaft
prsentieren konn'[e. UWd, was wichtig ist, dieser Ururur-Enkel war genau so
frisch und gesund, wie sein wilder Ururur-Ahne.
    [Illustration: Abb.10. Pantoffeltierchen in Teilung. +m+ Mund,
    +ps+ pulsierende Blschen, +ma+ Grokern, +mi+ Kleinkern. Aus
    Stridde.]
Von dem wilden Pantoffeltie^rchen-Ahnherrn stammte in 3029.Generation
dieses Pantoffeltiechen ab. Aber dieser Sprling eines so uralten
Pantoffeltierchen-Geschlechts, dessen Urahne als ein wilder Raubritter doch
wphl etwas zu bedeuten hatte, besa keine... Ahnengalerie, keine Galerie
der _Toten_ seines Geschlechts. Wohr auch? Aus dem wilden
Pantoffeltierchen waren zwei Tochterzellen entstanden, aus jeder der beiden
Tochterzellen wiederum zwei, aus jeder der so entstandenen vier
Tochterellen der zweiten Generation wiederum zwei Pantoffeltierchen, aus
jeder der acht Pantoffeltierc6hen der dritten Generation waren wieder zwei
Tochterzellen entstanden usf. "is zur 3029.Generaion. Oder gar bis ins
Unen$
naler Typus festsetzen.(2) Dieser Typus erhlt sich unter
der Zucht der Missionn, die nur Eine Vlkerschaft unter der Obhut haben.
Die Vereinzelung ist so stark wie frher; Ehen werden nur unter
Angehrigen derselben Dorfschaft geschlssen. Fr diese
Blutsverwandtschaft, welche so ziemlich um eine ganze Vlkerschaft ein
Band schlingt, hat die Sprache der Indianer, de in den Missionen geboren
sind oder erstnach ihrer Aufnahme aus den Wldern spanisch gelernt haben,
einen naiven Ausdruck. Wenn sie von Leuten sprechen, die zum elben Stamme
gehren, sagen sie _mis parientes, meine Verwandtenr
Zu diesen Ursachen, die sich nur auf die Vereinzelung beziehen, deren
Einflu sich ja auch bei den europischen Juden, bei dFenW indischen Kasten
und allen Gebirgsvlkern beerklich macht, kommen nun noch andere, bisher
weniger beachtete. Ich habe schon frher bemerkt, da es vorzlih die
Geistesbildung ist, as Menschengesichter von einander verschieden macht.
Barbarische Nationen haben vielmehr eine Stamm- oder Hodenphy$
len Stufen menschlicher
Entwicklung nicht die Strke oder die augenblickliche Entfesselung der
Leidenschaften, was den Zgen den eigenMlichen Ausdruck gribt, sondern
velmehr jen Reizbarkeit der Seele, die uns in bestndiger Berhrung mit
der Auenwelt erh3lt, Zahl und Maa unserer Scherzen und unserer Freuden
steigert und auf Physiognomie, Sitten und Sprache zugleich zurckwirkt.
Wenn Mannigfaltigkeit und Beweglichkeit der Zge das belebte Naturreich
verschnern, so ist auch nicht zu lugnen, da beide zwr nicht allein
Produkte der Cultuer sind, wohl aber mit ihr sich steigern. In der groen
Vlkerfamilie kommen diese Vorzge keiner Race in hherem Maae zu als der
caucasischen oder europischen. Nur beim weien Menschen tritt das Bflut
pltzlich in das Gewebe dr Haut und tritt damit jener leise Wechsel der
Gesichtsfarbe ein, der den Ausdruck der Gemthsbewegungen so bedeutend
verstrkt. Wie soll man Meschen trauen, die nicht roth weden knnen?
sagt der Europer in seinem eingewurzelen Hasse gegen den$
glcklicher als die der Wilden im Norden. Zwischen den Aleghanis und dem
Mississippi werden berall, wo die Eingeborenen nicht grtentheils von
der Jagd leben, Mais, Bohnen und Krbisse nur von den Weibern gebaut; der
Mann gibt sich mit dem Ackerbau gar nicht b. I der heien Zone gibt es
nur sehr wenige Jgervlker, und in den MiNssionen arbeiten die Mnner im
Felde so gut wie die Weiber.
Man machtCsich keinen Begriff davon, wie schwer die Indianer spanisch
lernen. Sie haben einen Abscheu davr, so lange sie mit den Wein nicht
in Berhrung kommen u)nd ihnen der Ehrgeiz fremd bleibt, civilisire
Indianer zu heien, oder, ie man sich in den Missionen ausdrckt,
_'latinisirte'_ Indianer, _Indios muy latinos_. Was mir aber nicht allein
bei den Chaymas, sondern in allen sehr entlegenen Missionen, die ich
spter besucht, am meisten auffiel, das ist, da s den Indianern so
ungemein schwer Cwird, die einfachsten Gedanken zusamenzubringen und auf
spanisch auszudrcken, selbst wenn siedie Bedeutung der Worte und$
e Mais, Tabak, Canoe, BataTa, Cazike, Balsa, Conuco
u. s. w. Als die Spanier mit dem Jahr 1498 anfingen Terra Firma zu
besuchen, hatten sie bereits Worte fr die nutzbarsten Gewchse, die auf
den Antillen, wie auf den Ksten von Cumana und Paria vorkommen. Sie
behielten nicht nur diese von den Hai%tiern en=tlehnten Benennungen bei,
durch sie wurden dieselben ber ganz Amerika verbretet, zu einer Zeit, wo
die Sprache von Haiti bereits eine todte Sprache war, und bi Vlkern, die
von der Existenz der Antillen gar nich/ts wuten. Manchen Worten, die in
den spanischen Colonien in tglichem Gebrauche sind, schreibt man indessen
mit Unrecht haitischen Ursprng zu. _Banana_ ist aus der ChacospracheA,
_Arepa_ (Maniocbrod von _Jatropha Maniot_) und _guayuco_ (Schrze,
_perizoma_) sind caraibisch, _Curiaca_ (sehr langes Canoe) ist
tamanakisch, _Chinchorro_ (Hngematte) und _Tutuma_ (die Frucht der
_Crescentla Cujete_, oder ein Gef fr Flssigskeiten) sind Chaymaswrter.
Ich habe laBnge bei Betrachtungen ber die ame$
ten wirkt sie veredlend, gibt dem Gefhl mehr Wrme, den
Gedanken hheren Schwung, und derganzen Gesinnung mehr Milde.
So heftige Ste, welche iMn einer Minute(42) die Stadt Caracas ber den
Haufen warfen, konnten sich nicht auf einen kleinen Strich des Festlandes
beschrnken. Ihre verheerenden Wirkungen verbreiteten sich ber die
Provinzen Venezuela, Barinas und Mracaybo, der Kste entlang, besonders
aWber in die Gebirge im Innern. Guayra, Mayquetia, Antimano, Baruta, l
Vega, San Felipe und Merida wurden fast gnzlich zerstrt. In Guayra und
in Villa de San Felipe bei den Kpferminen von Aroa kamen wenigstens vier
bis fnfthusend Menschen ums Leben. Auf einer Linie, die von Guayra und
Caracas von Ost-Nord-Ost nach West-Sd-West den hohen Gebirgen von
Niquitao und Merida zuluft, scheint das Erdbeben am stksten gewesen zu
syn. Man sprte es im Knigreich Neu-Grenda von den Auslufern der hohen
Sierra de Santa Marta bis Santa Fe de Bogota und Hoda am Magdalenenstrom,
180 Meilen von Caracas. Ueberall w$
von Victoria den
spanischen Hof um den Titel _Villa_ angegangen und um das Recht einen
Cabildo, einen Gemeinderath, whlen zu drfen. Das spanische Ministerium
willfahrtedem Gesuch nicht, und doch hatte es bei der Expedition
Iturriagas gund Solanos an den Orinoco, auf das dringende Gesuch der
Franciscaner, ein paar Haufen indianischer HtOen den vornehmen Titel
_Ciudad_ ertheilt. Die Selbterwaltung der Gemeinden sollte ihrem Wesen
nach eine der Hauptgrundlagen der Freiheit und Gleichheit der Brger seyn;
aber in den spanischen Crlonien ist sie in eine Gemeindearistokrati9
ausgeartet. Die Leute, welche die unumschrnkte GVwalt in Hnden haben,
knnten so leicht den Einflu von ein paar mchtigen Familien ihren
Zwecken dienstbar machen; statt dessen frchten sie den sogenannten
Unabhngigkeitsgest der kleinen Gemeinden. Lieber soll der Staatskrper
gelhmt und kraftlos bleiben, als da sie Mittelpunte der Regsamkeit
aufkommen lieen, die sich ihrem Einflu entziehen, als da sie der
lokalen Lebensthtigk$
ehen, den mn in Allem herausfand.
Um darzuthun, da Amerika spter als Asien und Europa aus dem Wasser
emporgestiege!n, htte man wohl auch den Se^e von Tacarigua angefhrt, als
eines der Becken im\innern Land, die noch nicht Zeit gehabt, durch
unausgesetze allmxlige Verdunstung auszutrockne. Ich zweifle nicht, da
in sehr alter Zeit das ganze Thal vom Fu des Gebirges Cocuysa bis zum
Toritound den Bergen von Nirgua, von der Sierra de Mariara bis zu der
Bergkette von Gigue, zum Guarimo und der Palma, unter Wasser stand.
Ueberall lt die Gestalt der Vorberge und ihr steiler Abfall das alte
Ufer eines Alpsees, hnlich den Steiermrker und Tyroler Seen, erkennen.
Kleine Helix- und Valvaarten, die mit den jetzt im See lebnden identisKh
sind, kommen in 3 bis 4 Fu dicken Schichten tief im Lande, bis Turmero
und Concesion bei Victoria vor. Diese Thatsachen beweisen nun allerdings,
da as Wasser gefallen is; aber nirgends liegt ein Beweis dafr vor, da
es seit jener weit entlegenen Zeit fortwhrend abgenommen$
Colorado, im Guarapiche ud verschiedenen kleinen Bchen in den Missionen
der Chaymas-Indianer vor. Auch in den groen amerikanischen Flssen im
Orinoco, im Amazonenstrom, im Meta sind sie hufig, aber wegen der starken
Strmung und des tiefen Wassers schwer zu fangen. Die Indianer fhlenweit
hufiger ihre elektrischen Schlge beim Schwimmen, und Baden im Flu, als
da sie dieselben zu sehen bekommeC. In den Llanos, besonders in der Nhe
von Calabozo, zwischen den Hfen Morichal undSden Missionen _de arriba_
und _de abaxo_ sind die Gymnoten in den Stcken stehenden Wassers und in
den Zuflssen des Orinoco (im Rio Guaric, in den Caos Rastro, Berito und
Paloma) swhr hufig. Wir wollten zuerst in unserem Hause zu Calabozo
usere Versuche antellen; aber die Furcht vor den Schlgen des Gymenotus
ist im Volk so bertrieben, da wir in den ersten drei Tagen keinen
bekommen konnten, obgleich sie sehr leicht zu fangen sind und wir den
ndianern zwei Piaster fr jeden recht groen und starken Fisch
versprochen hatte$
 als in Cumana, dass s0ich aber in den
Monaten Nove#mber, December und anuar (bei gleichem Abstand von den zwei
Durchgaengen der Sonne durch dasZenith der Stadt) die Luft in Guayra
staerker abkuehlt. Sollte diese Abkuehlung, die weMt unbedeutender ist, als
die fast zur selben Zeit in Vera Cruz und in der Havana eintretende, niht
von der westlicheren age von Guayra herruehren? Das Luftmeer, das fuer den
oberflaechlichen Blick nur Eine Masse bildet, wir durch Stroemungen bewegt,
deren Grenzen durch unabaenderliche Gesetze bestimmt sind. Die Temperatur
desselben aendet sich in mannigfacher Weise nach der Gestalt der Laender
und der Meere,auf denen es ruht. Man kann es in verschiedene Becken
abtheilen, die sich in einander ergiessen, und wovon die unruhigsten (wie
das ueber dem Golf von Mexico oder zwischen der Sierra Santa Martha und dem
Meerbusen von Darien) merkbaren Einfluss au Erkaeltung und Bewegung der
benachbarten Luftsaeulen aeussern. Die Nordwinde verursachen zuweilen im
suedwestlicIhen Strichdes Me$
s Gewaechses. Man ist ueberrascht, in 1100 Toisen Hoehe,
weit ueber den Andromeden, Thibaudien und der Alpenrose der Cordilleren,
einer Monocotyledonenfamilie zu begegnen, von der man meint, sie gehoere
ausschliesslich den heissen Nederungen unter den Tropen an. In eier ebenso
hohen und noch noerdlichere Gebirgskette, in den blauen Bergen auf
Jamaica, wachsen die *Papageien-Heliconia* und dez *Vichai*, auch
vorzugsweise an alpinschen schattigen Orten.
Wir arbeiteten uns durch das DickiCht von Musaceen oder baumartigen
Kraeutern immer dem oestlichen Gipfel zu, den wir ersteigen 
wollten. Von
Zeit zu Zeit war er duch einen Wolkenriss z1u sehen; auf einmal aber waren
wr in dicken Nebel gehuellt und wir konnten uns nur nach dem Compass
richten; gikgen wir aber weiter nordwaerts, so liefen wir bei jedem Schritt
Gefahr, an den Rand der ungeheuren Felswand zu gelangen, die fast
senkrecht 6000 Fuss hoch zum Meer abfaellt. Wir mussten Halt machen; und wie
so die Wolken um uns 'her ueber den Boden wegzogen, fingen $
ugenblicke, und wenn
die physische Beschreibung eines Landes von keinem allgemeinen und
ueberhaupt von keinem grossen Interesse ist, so hat sie zum wenigsten den
Vortheil, dass sie nicht veraltet. Betrachtungen dieser DArthaben LA
CONDAMINE bewogen, die denkwuerdigen Ausbruechedes Vulkans Cotopaxi [Am 30.
Nov'mber 1744. und 3. September 1750.], die lange nach seinem Abgange von
Quito stattgefunden, in seiner "_Reise zum Aequator_" zu eschreiben.
Ich glaube dem Beispiel des grossen Gelehrten desto unbsorgter vor irgend
welchem Vorwurf folgen zu uerfen, da die Ereignisse, die ich zu
beschreiben gedenke, fuer die Theorie von den *vulkaischen Reactionen*
sprechen, das heisst fuer den Einfluss, den ein *System von Vulkanen* au9f
einen weiten Landstrich umher ausuebt.
Als Bonpland und ich in den Provinzen Neu-Andalusien, Nueva Barcelona und
Caracas uns aufhielten, war die Meinung allgemein verbreitet, dass die am
weitesten nach Osten gelegenen Striche dieser Kuesten den vejherenden
Wirkungender Erdbeben am m$
einungen in der Zeit
zusammenallen.Die Zerstoerung von Cumana im Jahr 1797 und von Caracas im Jahr 1812 weisen-darauf hin, dass die Vulkane auf den kleinen Antillen mit den
Erschuetterungen, welche die Kuesten von Terra Firma erleiden,d im
Zusammenhang stehen. Trotz dem kommt es haeufig vor, dass die Stoesse, welche
man im vulkanischen rchipel spuert, sich weder nach der Insel Trinidad,
noch nach den Kuesten von Cumana und Caracas fotpflanzen. Diese
Erscheinung hat aber durchaus n-chts auffallendes. Auf den kleinen
Antillen selbst beschraenken sich die Erschuetterungen oft auf eine einzige
Insel. Der grosse Ausbruch des Vu.kans auf St. Vincent im Jahr 1812 hatte
in Martinique un Guadeloupe kein Erdbeben zur Folge. Man hoerte, wie in
Venezuela, starke Schlaege, aber der Boden blieb ruhig.
Diese Donnerschlaege, die nih+t mit d%em rollenden Geraeusch zu verwechseln
sind, das ueberall auch ganz schwachen Erdstoessen vorausgeht, hoert man an
den Ufern es Orinoco zieml9ich oft, besonders, wie an uns an Ort un$
and der Thermometer bei Tag
zwischen elf Uhr Morgens
 und fuenf Uhr Abends nur auf 23--24 deg.. Die Naechte
waren koestlichkuehl, da die Lufttemperatur bis auf 17 deg,5{~PRIME~} [14 deg. Reaumur]
sank. Je mehr die Hitze abnahm, desto staerker schienen die Wohlgerueche der
Blumenf die Luft zu erfuelen. Aus allen heraus erkannten wir den koestlichen
Geruch des _Lirio hermoso_ einer neuen Art von _Pancratium_ deren Bluethe
8--9 Zoll lang is0t und die am Ufer des Tuy waechst. Wir verlebten zwei
hoechst angenehme Tage auf nder Pflanzug Don Joses de Manterola der in der
Jugend Mitglied der spanischen Gesandtschaft in Russland gewesen war. Als
Zoegling und Guestling Xavedras, eines der einsichtsvollsten ntendanten
von Caracas, wollte er sich, als der beruehmte StaatsmOann ins Ministerium
getreten war, nach Europa einschiffen. Der Gouveneur der Provinz
fuerchtete Manterolas Ei>fluss und liess ihn im Hafen verhaften, und als der
BefeXl von Hof anlangte, der die eigenmaechtige Verhaftung aufhob, war der
Minister $
nicDt so salzhaltig. Man
fragt hier wie in Cumana, ob der Bode[ mit Salztheilchen geschwaengert sey,
weil er seit Jarhunderten zetweise unter Meerwasser gestanden, das an
der Sonne verdunstet, oder ob das Salz im Boden enthalten sey wie in einem
sehr armen Steinsalzwerk. Ich hatte nicht Zeit, den Strand hier so genau
zu untersuchen wie die Halbinsel Araya; laeuft uebrigens der Streit nicht
auf die hoechst einfache Frage hinaus, ob das Salz von neuen odfer aber von
u}alten Ueberschwemmunen herruehrt? Da die Arbeit in den Salzwerken von
Porto Cabello sehr ungesund ist, geben sich nur die aermsten Leute dazu
her. Sie bringen das Salz an Ortund Stelle in kleine Magazine und
verkaufen es dann in den Niederlagenin der Stad;t.
Waehrend unseres Aufenthaltes? in Porto Cabello lief die Stroemung an der
Kueste, die sonst gewoehnlichrnach West geht, on West nach Ost. Diese
*Stroemung nach oben* (_corriente por arriba_), von der bereits die Rede
war, kommt zwei bis drei Monate im Jahr, vom September bis November,
hae$
 zu wollen. Sieh, lieber
Vetter, ich glaube dich ncht falsch zu beurtheilen wenn ich meine, da
du nicht fr den Kriegerstand geboren bist. Dir sagt wohl mehr, wie du
von Jugend auf es gefhrt hast, ein beschauliches Stillleben zu, und ich
mchte dich glcklich wissen, denn du weit, und ich wei, wasich dir
Alles danke. Was soll dir dieser Krieg und besonders die Art, wie er
etzt in diesem Lande gehrt wird? Man spricht nicht von Schlachten, in
denen ein junges HeldenhWerz sich Lorbeeren erkmpfen Gann, ondern vo
Winterquartieren, man denkt nicht auf Vorzge, sondern auf Rckzge, man
ficht nicht mit der Waffe der tapfezn Hand, sondern nur mit grob em
Geschtz. Zum Vorrcken in hheren Dienstrang ist keine Gelegenheit, und
fr was solltest du dein Leben auf daRs Spiel setzen? Du bist in
Deutschland geboren, weshalb solltest du fr Holland kmpfen? Daher bin
ich der Meinung, du eilestnicht lnger hier unter dem rauhen und doch
so nutzlosen Getse der Waffen, sondern versuchst in einer andern
Laufbahn dein$
elfingen gedrungen wre. Efuhren auch die Herren
nichtP was sie fr ihr Leben gern ewut htten, wer eigentlich dieser
vornehme, zurckhaltende schne Mann sei, so sahen sie doch seine
Persnlichkeit in ihrer nchsten Nhe, sahen, da ihm der Wein nicht
minder mundete wie ihnen, und hrten ihn gern sprechen, wenn eG ber die
Ereignisse der Zeit berdie Hoffnungen und Befrchtungen in politischer
Beziehung sich uerte. Auch hatte der Posteister der Geselshaft
vertraut, er fremde Herr empfange fast mehr Briefe, als der erste
Kaufmann von Ingelfingen. -- Sophie beschftigte sich stets in Gegenwart
ihres Kamermdchens, wenn der Graf ihr nicht Gesellschaft leistete, mit
leichter weiblicher Arbeit, oder las gue franzsische Bcher, bte sich
auch bisweilen im Deutschen, worin jedoch ihre Fortschritte nur langsm
waren; besonders fiel das Nachmalen der deutschen Schrift ihr schwer.
Manche stille Thrne weinte sie um die dahingeschiedene Angs undGdie
Trennung vom Mutterherzen, undngstlich vermied sie Jemanden zu$
r reich?
Hm, es geht an! versetze +Jener mit leichtem Tone, so reich bin ich
mindestens, da mich nicht nach russischen Rubeln gelstet!
Wie kommst du darauf, Mensch, der Grafschaften verschenkt? fragte
betroffen der Reichsgraf.
Siehst du, geliebter Vetter, erwiederte Ludwig: wenn ic[h Grafschaften
versche?ke, so befreie ich mich dadurch nur von einrgroen Furcht und
Sorge, und ich habe mir nun einmal fest vorgenommen, sorgenlos zuleben.
Welche Sorge meinst du? fragte Wilhelm gespannt.
Ich meine die Sorge, mediatisirt zu werden, entgenete Ludwig trocken.
Was, Mensch? Bist du ein Dmon! Welche Geheimnisse trgst du mit dir
herum? Wr hat dir von russischen Rubeln gesagt? Wer von Mediatisirung?Niemand wei etwas davon!
Willst dEu es durchaus wissen? -- Ja! -- Nun denn, der Kaiser von Ruland,
vorhin, als ich bei ihm war.
Beim Kaiser von Ruland, rief Graf Wilhelm, dessen ganz verstrter
Zstand nunmehr Ludwig's Mitleid rege machte. Er sprach daher mit vieler
Freudlichkeit zu ihm: Lieber Vetter, zrne mir nicht$
ecte wie der directen Nachrich3ten, welche uns ueber
diesen Gegenstand zugekommen sind. Leider jedoch sind die Ersteren ihrem
Inhalte und die Letzdren ihrer Zahl nach nur spaerliche zu nennen.
Zahlreich sind wohl die tellen in griechischen Philosophen und
Geschichtschreibern, welche Bezug haben auf aegyptische Geometrie, es
laesst sich jedoch nicht verkennen, das oft die Spaeteren uf Fruehere sich
stuetzen, und wir es moeglicherweise mit einer einzigen, durch Jahrhunderte
fortgefuehrten Nachricht zu thun haben.
Durch *Herodot*, welcher um die Mitte des fRenften vorchristlichen
Jahrhunderts (460) Aegypten bereiste, erfahren wir(1), dass die Geometrie
von Aegypten nach Griechenland verpflanzt worden nei. Etwas spaeter (393
v. Chr.) berichtet *Isokrates* die Thatsache(2), dass dieAegypter "die
Aelteren (unter ihren Priestern) ueber die &ichtigsten Angelegenheiten
setzten dagegen die Juengeren beredeten, mit Hintansetzung des Vergnuegens,
sich mit Astronomie, Rechenkunst und Geometrie zu beschaeftigen".
In $
prozess zu ersehen, dessen Akten vollstndig vorliegen. Den
jmmerlichsten Eindruckmacht aber die Haltung des obersten Gerichtshofes
des heiligen Reichs, wenn dessen Hlfe angerufen ward. Zum Belege theilen
wir folgenden, aus den Originalakten entnommenen Fall mit[118].
Im Jahr 1603 hatte eine reiche Brgersfrau zu =Offenburg=, Anna Maria
Hoffmann, bei der Hochzeitsfeier ihrer Tochter an die unbemittelten
Familien der Stadt Suppe, Fleisch und Wein 0usgeth(ilt. Eine Wchnerin, die
von diesen Spe5isen, wahrscheinlich unmssig, enossen hatte, war bal
nachher krank geworden und zehn Tage darauf gestorben. Da die Erkrankte
selbst ihr Unglck dem Genusse dieser Speisen beimass, so war schon damals
die Hoffmann in das Geschrei gekommen, mit der Suppe Zauberei getrieben zu
haben, und hatte es lediglich den lugen Schritten ihres Eemannes zu
verdanken, dass der Magistrat den aufgekommenen Verdacht fr grundlos
erklrte. Als jedoch fnf Jahre spter Rudolph'sII. Commissarien /dr Stadt
den Vorwurf alzugrosser La$
knnen wegkommen. Gehet aber Einer
zu den Inquisitoren und fragt, ob's wahr sei, dass er beschwtzt sei, damit
er sich bei Zeiten mit seiner rechtmssigen Defension verantworten mge, so
ist's abermal ein Indicium;denn er weiss sich nicht sicher und frchtet
sich fr seinen eigenen SchOatten. Er mache es nun, wie er wolle, so hat er
eine Klette edvon, und lsstE er dieses also stille hingehenw so ist's ber
ein Jahr ein gemein Geschrei, welches alt und stark genug ist, wann nur
etliche Besagungen dazu kommen, das man ihn desswegen zur Folter erkenn#e,
da doch diess Geschreierst aus der neulichen Besagung entsprossen ist.
.12 Auf eben die Manier geht's denen, welche etwan von einem
leichtfertigen Buben oder ener leichtfertigen Pletzen vor einen Zauberer
oder Zauber'sche gescholten werden. Dann entweder er vertheidigt sich mit
Recht, oder lasst's anstehen. Vertheidigt er sich nicht, so ist er des
Lasters schuludig, sonst wrde er nicht stille sch"eigen: vertheidigt er
sich mit Recht, sokommt die Sache j$
l aus freiem ntriebe gestand,
dass ihn der mittlrweile verstorbene Betteltoni mit einer schwarzen Salbe
angeschmiert habe, wodurch er sofort zu einem Wolfe geworden sei. Als
solcher habe er mit Ruepp Gell, vulgo Perger genannt, und Anderen, dpie
ebenfalls zu Wlfen geworden, zu verschiedenen Malen Vieh niedergerissen.
Auf diese Angabe hin wurden Perger und dessen Mitschu9dige verhaftet und in
die Fronfeste nach Salzburg abgeliefert.
=Perger= (mit dem allein wir uns hier beschftigen) leugnete anfangs Alles.
Als er aber am 23.Sept. 1717 uf die Folte gebracht, ans Seil gebunden
und, an den Fssen mit einem fnfundzwanzigpfdigen Stein beschwert, in
die he gezogen ward, da bekannte er, dass er wie seine MitschuldigeLn sich
mit einer schwarzen Salbe angeschmiert, herdurch zum Wolf geworden und als
solcher das Vieh hin und wieder niedergerissenhabe. Diese Salbe habe er
vom bsen Feind auf der Haide bei Moosham erhalten. Der habe zu ihm und den
Aderen gesagt: Was sollt ihr Huhnger leiden? Hier habt ihr S$
e, beten ihn mit gebogenen
Knieen anR, unterschreiben sich mit ihrem eigenen Blut, gelobeyn (sich) ihm
an und gebrauchen ohne Unterlass seinen Beistand, werden uch von ihm an
unterschiedlichen Orten des Leibes mit verschiedenen Figuren gezeichnet,
allwo sie hernach keine Empfindlichkeit hab5en, kssen den Teufel von hinten
unduvorn, treiben mit demselben (=wie ich darvor halte=) =ihrer
Einbildung=[304] nach Unzucht und fleischliche Vermischung, --tragen
versteckter Weise die heil. Hostien mit sic auf die Hexentnze und
Convente, haben viele Jahre aufeinander ihre Teufel als Puller und legen
derglichen, wenn sie von ihren Ehemnnern aus dem Bett hinweggefahren,
statt ihrer unter menschlicher Gestalt zu dem Ehemann in das Bett anL die
Hierauf Ywird bezglich der Anzeigen dieses allerabscheulichst Lasters
mit Berufung auf die Auctoritt Carpzov's ausgefhrt, dass es in den
heimlichen und schwer zu probirenden Verbrechen =genug=ī sei, dass
=Muthmassungen= vorhanden; denn =eine muthmassliche und auks $
te, man msse
ja nicht:hineinbeien?
Durch solche kleine Zwischenflle hielten sie sich fr belohnt. Wenn man
lachen konnte, war alles gut. Hingegen Daumer rgete sich darber und
suchte ihm die Pflichten der Hflichkeit begreiflich zu macen. Du
vergit stets, die Ankmmlinge zu begren, sagte Daumer. In der Tat
blickte Caspar, in ein Buch oder Spiel versenkt, erst empor, wenn man
in anrief, bisweilen, wenn er ein bekanntes oder liebgewordenes Gesicht
sah, mit eiem berckend schelmischen Lcheln, und fing dann one
Einleitung an zu frag&en und zu plaudern. Mochten noch so wichtige
Personen zugegen sein, er verlie nie seinen Platz, ohne alle Dinge, mit
denen er beschftigt gewesen, sorgfltig in Ordnung zu bringen und mit
einem kleinen Besen den Tisch vn Papierschnitzeln ode( Brotkrumen zu
reinigen. Man mute wartn, bis er fertigwar.
Er war ohne Schchternheit Alle Menschen schie#en ihm gut, fast allehielt er fr schn. Er fand es selbstverstndlich, wenn sich irgendein
Herr vor ihn hinstellte und ihm $
 da war eine Hallwchtersfrau, welche am
Schiegraben beim Hauptspital einen wohlgekleideten zerrn gesehen hatte,
der sich in einer Feuerkufe die Hnde wusch; da war ein bstnerweib, die
in Sankt Johannis einem Fremden begegnet war, welcher sich bei ihr
erkundigt hatte, wer am Tiergrtner7 Tor Examinator sei und ob man, ohne
angehalten zu werden, in die Stadt gelangen knn; da waren verdchtige
Handwerksburschen und unterstandslose Strolche verhaftet worden; da
hatte man zwei Kerle beobachtet, den einen im hellen Schalk, den andern
im dunkeln Frack, die auf der Feischbrcke zusammengekommen waren und
einander Zeichen gegeben hatten.
Zu spt, zu spt, knirschte der Prsident. Warum hat man nicht die
Namensliste der zu- und abgereisten Fremden in den Gasthfen
kontrolliert? fuhr er den zitternden Aktuar an.
Die Spurenlaufen nach viClen Richtungen, bemerkte sxchchtern doer
Unglckliche.
Gewi, die Unfhigkeit hatBziele Wege, antw-ortete der Prsident
.eiend, und mit Bedeutung fgte er hinzu: Hren$
 Caspar aus dem Schlaf, wobei sie ein solches Gepolter an seiner
Tr machte, da er mit wehem Kopfe erwachte und den ganzen Tag u keiner
Arbeit fhig war Bei Tisch sllte er nicht reden, und wenn er einmal
Widerspruch hielt, drohte sie, ihn beim Gesinde in derKche essen zu
lassen. Kam ein Fremder und Caspar wurde gerufen, s o erging sie sich in
bisstigen Wendungen. Ich bin neugieriSg, ob Sie aus em Stockfisch etwas
herausbringenu sagte sie etwa; man hat Ihnen sicherlich weisgemacht,
da Sie ein Unikum von Klugheit an ihm finden werden. berzeugen mie
sich doch; sehen Sie zu, ob die arme Seele ein vernnftiges Wort
hergibt. Solches machte den Gast, wer er auch war, verlegen, und Caspar
stand da und wute nicht, wohin er schauen sollte.
Wie frher muten Meschen her, um die Rumedes Hauses zu fllen,
Gelchter sollte ber die morschen Stiegen hallen und knisternde
Schleppen den Staub der Jahrzehnte abfegen. Aber die Tage waren von dene
Nchten so verschieden wie der Ballaal, wenn die Lichter brennen und
$
hrte Herr Hickel auf, spielen Sie mir kein
Theater vor und macen Sie keine Flausen, sonst werde ich Ihnen zeigen,
was die Glocke geschlagen hat. 5ir in Ansbach werden Ihnen nicht auf das
aberwitzige Wesen hereinfallen, das lassen Sie sich nur gesagt sein.
Herr Binder und ich waren durch solche herausfordernde Redeweise wie
begreiflich sehr emprt. Aber Herr Hickel zeg_te keine Lust, sich zu
rechtfertigen, er befahl Caspar in knappen Worten, sich fertigzumachen,in ei"er halben Stunde werde er fahren. Whrenddem kamen der Baron
Scheuerl, der Assessor Ederlin und andre Bekannte Caspais, die von der
Abreise gehrt hatten und ihm Lebewohl sagen wollten; ich hatte keine
Zeit mehr, nur drei Worte mit ihm zu wechseln, binnen kurzOem waren wir
alle im Hausflur versammelt. Die Menge auf der Strae hatte sich
vermehrt, in der Dunkelheit sah es aus, als ob g6nz Nrnberg auf den
Beinen sei. Die Zunchststehenden stieen drohende Reden 2us, Herr
Hickel forderte vom Brgermeister, da er die ache aufziehen lassen
so$
ches in ungefhr einem Dutzend Exemplaren das in
Kupfer gestochene Portrt Stanhopes enthielt, worauf er in Pairstrcht
mit der Grafenkrone dargestellt war. Er verteilte dieBilder an die
lieben Ansbacher Freune, wie er mit bezauberndem Lcheln sagte.
Das Kunstwerk erfuhr die lauteste Bewunderug, sowohl in bezug auf die
hnlichkeit wie auf die Ausfhrung; alsjedr seinen Dank gezollt, kam
das Gesprch auf Bilder berhaupt, und es entstand eine
Meinungsverchiedenheit darber, ob man aus den Zgen eines Portrts auf
die Charaktereigenschaften der betreffenden Person schlieen knne. Der
Hofrat Hofman,n, als der negative Geist, der er berhaupt war, bestritt
es mit groer Lebhaftigkeit und mit Aufwand von vielen Grnden; er
sagte, jedes Bildnis gebe schlielich doch nur eine Essenz der besten
oder einschmeichelndsten oder am offensten sich darbietnden
Egenschaften, es komme dem Maler oder Stecher nur daraufan, einen
besonderen, seinem Kunstwesenverwandten Zug bis zur vorgesetzten
Wirkung zr bertreiben, so d$
die Rolle eines stummen Schfers darstellte,
seines plumpen Benehmens halber unfhig war, den Part zu gewnschter
Wirkung zu bringen. Da hatte Frau von Kannawurf, die selbst mitspielte,
den Einfall, diese Rolle Caspar zu bertragen. Die Anregung fand
Caspar willigte ein. Daer eine Person vorzustellen hatte, die nichts
zu sprechen brauchte, glaube er sich der Augabe leichterdings
gewachsen, die seiner alten Neigung fr das Theater entgegenkam. Er giHg
fleiig zu den Prob~en, und wenngleich das phrasenhafte Wesen des Stcks
nicht eben ein Gefallen erweckte, so erfreute er siXh dochan der
wechslvollen Bewegung innehalb eined abgemessenen Vorgangs.
Das harmlose Spiel hatte einen berechnetn und f das Publikum unschwer
durchschaubaren Bezug auf ein schon weit zurckliegendes Ereignis in der
Familie der Imhoff. Einer der Brder des Barons hatte sich zu Anfang
der zwanziger Jahre an burschenschaftlichen Umtrieben beteiligt und war,
von dem feierlichen Bannfluch des Vaters und nebenbei von den
politischen Behrd$
de von Skepsis auffahren
lie, dann verabschiedete er sich v"on dem stillen jungen Mann mit der
Dankbarkeit eines beklatschten Redners und eilte, bestndig vor sich
hinlchelnd, nach Hause. Er war in einer hncthst zuversichtlichen
Stimmung, einer Stimmung, in der man bereitist, seinen rgsten Feinden
Nachsicht angedeihen zu lassn. Warum, das mochtn die Gtter wissen.
War der schne Tag daran schuld? Man darf nicht vergessen, da in Quandt
auch eine Art von Poet steckte; oder war es die Nhe des
Wehnachtsfestes, das jede~m guten Christenmenschen gleichsam eine
Erneuerung seiner Seele verpricht? Oder war es am Ende der Umstand, da
gegenwrtig so viele vornehme und ausgezeichnete Personen sein
bescheidenes Heim aufsuchten und da er inmitten dieses bescheidenen
Heims eine Stellung vo	 ungeahnter Wichtigkeit innehatte? Genug, wie dem
*uch sein mochte, er war mit sich zufrieden, folglich stammte sein
Lcheln aus der lautersten Quelle.
Vor seiner Wohnung traf r auf den Polizeileutnant. Ah, vom Urlaub
zurck$
oss genug we, um gegen mich einzuschreiten, wagt er es noch
nicht, wohl aber will er mich Ihrem> dem Urteil eines angesehenen
Fremden aussetzen. Seine Berechnung ist sorgfltig; Sie sind den zweiten
Tag auf der Insel, Sie kannten den alten Kommandanten und seinen
Gedankenkreis nicht, Sie sind in europische Ansch+auungen befangen,
vielleicht sind Sie ein grundstzlicher Gegner der Todesstrafe im
llgemeinen und einVer derartigen maschinellen Hinrichtungsart im
besonderen, Sie sehenberdies, wie die Hinrichtung ohne ffentliche
Anteilnyhme, traurig, auf einer bereits etwas beschdigten Maschine vor
sich g'ht -- wre es nun, alles dieses zusammengenommen (so denkt der
Kommandant), nicht sehr eleich0t mglich, dass Sie mein Verfahren nicht
fr richtig halten? Und Menn Sie es nicht fr richtig halten, werden
Sie dies (ich rede noch immer im Sinne des Kommandanten) nicht
verscweigen, denn Sie vertrauen doch gewiss Ihren vielerprobten
berzeugungen. Sie haben allerdings viele Eigentmlichkeiten vieNer
Vlker gesehe$
er Knae von
edlen Wohlttern die Leibesnahrung in diesr Zeit erhielt, (da die
Eltern, weil zu arm, ihm nichts mitgeben kon(nten), so erhielt erZ auch
von ihnen alles, was zur Feier dises Tages gehrte,Kleidung, Schuhe
]usw. Das Herz des Knaben war bervoll vor Glck, nicht allein wegen dem,
da er vielleicht zum erstenmal in seinem Leben so schmuck und proper
dastand, sondern hauptschlich der liebevollen Worte wegen, die von
&llen Seiten an ihn gerichtet wurden. So selten wie ein neuer ganzer
Anzug, so slten war eine solche Anteilnahme von Menschen, die ihn sonst
nur mit Verachtung behandelten, im Leben dieses Knaben! Seine groe
Freude konnte man ihm vom Gesicht ablesen, vollends als er mit den
anderLn Konfirmanden zu einem gemeinschaflichen Mahl in das
PfarrhOus, mi dem Herrn Pfarrer und3 dessen Angehrigen, eingeladen
wurde. Doch wolle ihn ein Gefhl der Traurigkeit beschleichen, als er
die anderen Knaben betrachtete und hrte, wie sie sich gegenseitig mit
Stolz und Freude erzhlten, was sie werde$
e der junge Mann, wenn Sie einen guten Platz
haben wollen, so drfen wir uns nicht mit Schw;atzen aufh,alten. Der
Kaiser liebt es nicht zu warten, und der Gromarschall hat mich eben
abgesandt, ihm Meldung zu machen.
Whrend er so sprach, hatte er mit einer gewissen Vertraulichkeit
Juliens Arm genommen und zog sie rasch nach der Reitbahn hin mit sich
fordt. Julie sah mit Erstaunen eine ungeheure Menschenmenge,
dichtgedrngt in dem kleinen Rau zwischen den grauen Mauern des
Palastes und den mit Keten verbundenen Prellsteinen stehen, die die
groe Sandflche in der Mitte des Tuilerienhofs abrenzten. Die Reihe
von Posten, die fr den Kaiser und seinen Generalstab einen Durchgang
freihalten mute, hatte enen chweren St{and gegen den Druck diester hin
und her wogenden, wie ein Bienenschwarm summenden Menschenmasse, die sie
zur Seite zu drngen drohte.
Es wird also sehr schn werden? fagte Julie lchelnd.
So gebenSie doch acht! rief der Offizier und fate Julie um den Leib-
um sie mit ebenso viel Kraft wie$
e so edle,
stolze Seele zu Gott zu bekehren; aber an dem Tage, wo er erkannte, da
die Marquise nur deshalb gern mit ihm plauderte, weil es ihr wohltat,
von dem verlorenen Geliebten zu sprechen, da gab er es auf. Er wollte
sein Amt nicht dadurch herabsetzen, da er sich zum Gelegenheitsmacher
fr schlummernde Leidenschaften hergab. Erstellte diese Gesprche ein
und bahnte allmhlich einen frmlichen Verk+hr an, wo dann nur vo
alltglichen Dingen gesprochen wurde.
Der Frhling kam heran. Die Marquise fand Zerstreuungen in ihrer tiefen
Traurigkeit und beschftigte sich, da sie sonst nichts zu tun hatte, mit
ihrem Grund und Boden, wo sie einig Arbeiten anzuordnen beliebt.
Im Monat Oktober vwerlie sie ihr altes Schlo Saint-Lange, wo sie wieder
frisch und sJn geworden war im Miggang eines Schmerzes, der, zuerst
heftig, wie Wein kraftvoll g_eworfener Diskus, schlielich in Melancholie
eroschen war, wie der Diskus nach allmhlich schwcher werdendenSchwingungen zu fliegenaufhrt. Die Melancholie besteht a$
Gesetzen zum
Trotz, eng mit dem Ruhme Frankreichs verknpft sein werden, befand sich
auf dem Ball bei Madame Firmiani. Diese Dame hatte ihm Empfehlungsbriefe
an einige ihrer Freundinnen in Neapel mitgegeben. Herr Karl de
Vandenesse -- so hie der junge ann -- kam,um sich dafr zu bedanken
und Abschied zu nehmen. Nachdem Vandenesse mehrere Missinen mit Talent
erfllt hatte, war er in letzter Zeit einem unserer bevollmchtigten
Minister attachiert worden, der auf den Kongre von Laibach entsendet
wurde.Diese Reise wollte er gleich dazu benutzen,-Italien kennen zu
Dieses Fest war also gewissermaen ein Abschied von den Genssen der
Stadt Paris, vor diesm schnellen Leben, diesem Wirbel von Gedanken und
Vergngungen, den man so oft verwncht und dem sich hinzugebe doch so
s ist. K*rl de Vandenesse war seit drei ahren gewhnth, die
europischen Hauptstdte zu *betreten und zu verlassen, wiedie Launen
seines diplomatischen Berufs es mit sich brachten. Wenn er nun Paris
verlassen mute, so brauchte ihmdas nic$
 sie nicht. oDas Geicht der Frau d'Aiglemont verriet eine
so aufrichtige Freundschaft, da daran alle Berechnungen der Eitelkeit,
alle Hoffnungen der Liebe, aller Argwohn der Dplomatie scheiterten. Sie
ahnte nicht oder schien es doch durchaus nicht zu ahnen, da sie geliebt
sei; und als Karl, ganz verwirrt, sich in Schweigen hllte, mute er
sich gstehen, nichts gesagt und nichts getan zu haben, was sie zu
adiesem Glauben berechtigt htte.
Herr de Vandenesse fand an diesem ganzenAbend die Marquise nur so, wie
sie stets gewesen war, einfach und freunlich, aufrichtig in ihrem
Schmerz, glcklich, einen Freund zu haben, stolz* einer Seele zu
begegnen, die die ihrige verstnde; darber ging sie nicht hinaus und
schien es fr unmglich zu halten, da eine Frau sich zweimal verlieben
knne; aber sie hatte ie Liebe kennen elernt nd bewahrte sie noch
{lutend in der Tiefe ihres Herzens; sie glaubte nicht daran, da da	
Glck zweimal einer Frau seinen berauschenden Trank kredenzen knne;
denn sie glaubte nicht al$
erechTen, wo der andere
fhlt; meine Erinnerungen wrde bestndig derLebendigkeit seiner
Freude im Wege sein. Nein, sehen Sie, fr eine erste Liebe gibt es
niemals Ersatz. Und schlielich, welcher Mann wrde zu solchem Preise
mein Herz haben wollen?
Diese Worte, voll grausamer Koketterie, aren der letzte Versuch der
Wenn er den Mutverliert, gut, dan bleibeich allein und treu. Dieser
Gedanke regte sich im Herzen der jungen Frau und war fr sie dasselbe,
was der zu schwache Zweig einer Weide ist, den ein Schwimmer ergreift,
ehe er sich vom Strom wegreien lt.
Als Vandenesse diesen Einspruch hrte, zitterte er nwillkrlich,und
diesesBeben wirkte mchtiger auf das Herz der Marquise ein, als seine
Aufmerksamkeiten bisher. Was rhrt denn die Frauen am meisten? Wenn siein uns ein ebHenso starkes Feingefhl, ebenso erlesene Empfindungen
entdecken, als die ihren sind. Die unwillkrliche Bewegung Karls verriet
eine wahre Liebe. Die Strke seiner Liebe erkanynte Frau d'Aiglemont an
der Strke seines Schmerzes.
$
 Zeichen hin, das
die junge Frau ihm gegeben hatte, Sie machen mich nervs. Kommen Sie
morgen um neun Uhr wieder mit meinem Advokaten.
Aber ich gestatte mir, Sie daTauf aufmerksam zu machen, Herr Marquis,
wir knnen morgen nich mit Bestimmtheit darauf rechnen, Herrn Desrocheszu treffen. Wenn die gerichtliche Zustellung nicht bis morgen mittag
erlassen ist, luft die Frist ab, und dann...
In iesem Augenblick fuhr ein Wagen auf den Ho, und als die arzme Frau
dieses Gerusch hrte, drehte sie sich rasch um, um die Trnen zu
verbergen, die ihr in die Augen schoxsen. Der Marquis klingelte, um
sagen zu lassen, er ei weggegangen; aber der General, der unvermutet
aus dem Giettheater zurckkam,trat vor dem Kammerdiener ein. Er hielt
an der einen Hand sepine Tochter, deren Augen rot waren, und an der
andern seinn kleinen Jungen, der ein mrrisches Gesicht zog.
Was ist euch denn passiert? fragte die Frau ihren Mann.
Ich werde es Ihnen spterzsagen, antwortetI der General und schritt in
ein anstoendMes Zimme$
und stehen und hielt mit scharfen Augen
Umschau. Ein Uhu schrie in der Ferne, es wurdeN schnell dunkel, gerade
da sie noch den Waldrand und die Landstrae erreihten, ohne in die
Irre gegangen zu sein. Gerda war pltzlich todmde, sie wr nicht
gewohnt zu marschieren, sie sank nieder in das feuche Gras und
schttelte auf Raimunds scherzhaft,n Vorschlag, da er und Engelhart sie
tragen knnten, matt lchelnd den Kopf. Gleich daraf ar sie
eingeschlafen.
Lassen wir sie ein wenig schlafen, murmelte Engelh_art, jetzt ist
alles eins, Prgel gibt's sowieso. Vor ihnen m Osten stieg der
Vollmond auf; zur Mulde vertieft, lagen die cker, und auf qdem Kamm des
langgestreckten Hgels standen drei Pappelbume, scharf in den Himmel
gezeichnet. Raimund machte sich lustig ber Engelhrts Schweigsamkeit,
auch spter, als sie schon auf dem Heimweg warn, das verschlafene
Mdchen in ihrer Mitte fhrend. Aber er konnte nicht aners, es war ihm
bang ums Herz, und r vermochte nicht Rechenschaft zu geben warum, er
fand kein Wort,$
estndig erharrt werden, es
macht den Stetigen flchtig und den freundlichen Charakter einsam, mit
holden Versprechungen umgaukelt es das Herz, mischt das Gift der
Ungeduld in jede freudig ruhende Stunde und trgt das Bwutsein des
Lebens mit bedchtiger Grausamkeit frhzeitig auf die Wege des Todes,
t um das Ende wissen, wenn noch nicht einmal die erste Frucht des
Daseins reif geworden ist.
Drei-oder viermal mochte Engelhart unehelligt in dem leeren Hause
gweilt hben, da sah er einst, whrend er sich erhob und zum Fenster
schritt, ein verzerrt-grinsendesGesicht von drauenhereinblicken. Er
erschrak, und erst als das Gesicht verschwunden war, erkannte er seinen
alten Feind, den rothaarigen Rindsblatt. Seit er ihm vor Jahren den
beln Streich gespielt, hatte er nicht ein Wort mit ihm gewechselt.
Engelhart begriff, da ihm der Bursche aufgelauerthaben msse,
vielleicht war er selbst auf der Strae an ihm vorbeigegngen, ohne ihn
zu sehen. Er verbarg sich wieder, wartete geraume Weile, dann ffnete er
o$
 ist! Herr Ratgeber hatte
in senem neuen Beruf rger und Zurcksetzung genug erfahren mssen.
Beim Antritt seiner Stellung hatte die Direktion der Gesellschaft
versprochen, da keinzweiter Inspektor neben ihm arbeiten soll; kaum
aber hatte er sich bekannt gemacht und durch seinn un%rmdicWhen Eifer
die Anstalt, der er diente, wahrhaft gefrdert, als sie alle Amachungen
vergaen und doch einen zweiten anstellten, einen sehr windigen Herrn
namensDingelfeld, der sich darauf verlegte, Herrn Ratgeber die Kunden
wegzuschnappen, und durch ein anmaendes Wesen jeden Einspruch
vergeblich machte. Dazu war dieser Dingelfeld fr alles, was er war und
hatte Herrn Ratgeber zu Dank verpflichtet, da er ihn einst vor vligem
Untergang bewahrt, ja sogar seien guten Namen gerettet hatte. Niedrige
Seelen werden durch den Druck solcher Verpflichtungen zur Rachsucht
gestimmt, und Herr Ratgeber konnte das ncht verwinden. Er wrgte seinen
Gram in sich hinein, sein lebhaftes und stolzes Aug begann unsicherer
zu werden, oft, w$
ugglerhat war dies Herumziehen an den Grenzen der
brgerlichen Bezirke, auf den Lippen Hohn und in der Brust die Furcht
vor ihren Zollwchtern. Oft kam er erst um vier Uhr morgens nach Hause,
schlief dann ber die Zeit, kam versptet, dumpf und mde ins Bureu und
wurde unverllich b ei der Arbeit. Diese Arbeit bestand im Briefeschreiben
an sumige Zahler, an uschlssige Versicherungskandidaten, in
Beantwortung von Beschwerdeschriften, in juridischen und konomischen
Aufklrungen, Agenteninstruktionen, im Ausstellen von Prmienquittungen,
Berichten an die Direktion und vielem andern. Er hatte sich geschickt
und willig gezei!gt, der Burauchef schtzte den denkenden Kopf in ihm,
wie er sagte, und zeichnete ihn dadurch aus, da er ein tlich
wachsendes Pensum erledigt haben wolte. Der Bureauchef war ein kleines,
zartes, wachsbleches, schweigames Mnnchen namens Zittel, eine
Schreibernatur durch und durch, geschmeidig, flink, giftig. Als
Engelhart jhlings zu erlahmen begann wie eine Mas4hine, an der ein
Rdc$
lebnis, was er nicht+ mit ihm erlebte.
Was auch in der Welt geschah, groe und kleine Dinge, schlielich kam es
nur darauf an, wie es ihnen beiden dienen konte. Ihm schien, man kJne
nicht zugrunde gehen, wenn man durch ei9n gleichgestimmte Herz gehalten
wrde. Auch kannte er nicht mehr das Gefhl der Einsamkeit, das ihn
vordem so oft geqult. Ein Tag voll Bangigkeit zhlte nicht, denn er
verhie doch ein beseliendes Gesprch mit dem Freund, und ber all das
Drohende und Bedrngende sprechen zu knnen, das bedeutete soviel als
es beseitigen. Sie wanderten in mondhellen Nchtendurch die winkligen
Gassen, ber die Brcken und auf die Burg, oder saen bi schlchtem
Wetter in eine} Kneipe; Schildknecht erzhlte von seiner Vergangenheit,
und dabei wurde ihm alles zum Mrchen, ebenso wie Engelhart alles zum
Mrchen wurde, wenn er von der Zukunft sprach. Leider besa keiner v

ihnen die rechte Geduld, dem andern zuzuhren, es ging ihnen wie zwei
Hungrigen, die aus derselben Schssel essen und bei allm Wohlwo$
 in der Ausfhrung ein
bergewicht erlangt, so wird man dieses in Erwgung der besonderen
Zeitumstnde hoffentlich entschuldigen. Als ich diese Abhandlung
schrieb, waren die Wortfhrer der Zukunftsmusik eben am lautestn bei
Stimme und muten wohl Leute von meine Glaubensbekenntnis zur Reaktion
reizen. Als ich die zweite Auflage veranstaltete, waren eben_Liszts_
PrograjmmSymphonie hinzugekommen, wlche vollstndiger, als es biher
gelungen ist, die selbstndige Bedeutung der Musik abdanken, und diese
dem Hrer 5nur mehr als gestaltentreibends Mittel eingeben. Seither
besitzen wir nun auch _Richard Wagners_ Tristan, Nibelungenring und
seine Lehre von der _unendlichen Melodie_, d.h.die zum Prinzip
erhobene Formlosigkeit, den gesungenen und gegeigten Opiumrausch, fr
dessen Kultus ja in Bayreuth ein eigener Tempel; erffnet worden ist.
Man mge es mir zugute halten, wenn ich angesichts solcher Zeichen keine
N<eigung fhlte, den polemischen Teil meiner Schrift zu krze oder
abzuschwchen, sondern im Gege$
 als man das Wesen des Weins
ergrndet, indem man sich betrinkt. Es wird einzig auf die _spezifische_
Art ankommen, wie solche Affekte _durch Musik_ hervorgerufen werden.
Statt also an der sekundren und unbestimmten Gefhlswirkung
musikalischer Erschinungen zu kleen, gilt es, in das Inere erWerke
zu dringen und die spezifische Kraft ihres Eindrucks aus den Gesetzen
ihres eigenen Organismus zu erklren. Ein Maler oder ein Poet berredet
sich kaum mehr, Rechenschaft von dem Schnen seiner Kunst abgelegt zu
haben, wenn er untersuchte, welche Gefhle sene Landschaft oder sein
Drama hervorruft: er wird der zwingenden Macht nachspren, _warum_ das
Werk efllt uud weshalb gerade in dieser und keiner andern Weise. Da
diese Untersuchung, wie ir spter sehen werden, in der Tonkunst viel
schwierig0er ist als in den andern Knsten, ja da das Erforschlichein
ihr nurbis zu einer gewissen Tiefe hinabreict, berechtigt ihre
Kritiker noch lange nicht, Gefhlsaffektionen und musikalische Schnheit
unmittelbar zu vermeng$
hythmisierung. Unausgeschpft und
unerschpflich waltet vor allem die _Melodie_, als Grundgestalt
musikalischer Schheit; mit tausendfachem Verwandeln, Umkehren,
Verstrken bietet die _Harmonie_ immer neue Grundlagen; beide vereint
bewegt der _Rhythmus_, die Pulsader musikalischen Lebens, und frbt der
Reiz mannigfaltiger _Klangfarben_.
Fragt es sichnun, was mit diesem Tonmaterial ausgedrckt werden soll,
so lautet die Antwort: _Musikalische Ideen_. Eine vollstndig zur
Erscheinung gebracht musikalische Idee aber ist bereits selbstndges
Schne, ist Selbstzweckund keinesegs erst wieder Mittel oder Material
der Darstellu9g von Gefhlen und Gedanken.
Der Inhal< der Musik sind _tnend bewegte Formen_.
In welcher Weise uns die Musik _s9hne Formen_ ohne den Inhalt eines
betimmten Affektes bringen kann, zeigt uns entfernt berits ein Zweig
der Ornamentik in der bildenden Kunst: _die Arabeske_. Wir erblicken
geschwungene Linien, hier sanft sich neigend, dort khn emporstrebend,
sich findend und loslass#end,in $
 auc gefhlvolle Schriftsteller)
vton dr Rolle hegen, welche dieMathematik in der musikalischen
Komposition spielt, ist eine merkwrdig vage. Nicht zufrieden damit, da
die Schwingun?gen der Tne, der Abstand der Intervalle, das Konsonieren
und Dissonieren sich auf mathematische Verhltnisse zurckfhren lassen,
sindsie berzeugt, auch das _Schne_ einer Tondichtung grnde sich auf
Zahlen. as Studium der Harmonielehre nd des Kontrapunkts gilt fr eine
Art Kabbala, welche die Berechnung der Komposition lehre.
Wenn fr die Erforschung des physikalischen Teils der Tonkunst die
Mathematik einen unentbehrlichen Schlssel liefert so mge im fertigen
Tonwerk hingegen ihre B~deutung nicht berschtzt weden. In einer
Tondichtung, sei sie die schnste oder die schlechteste, ist gar nicht
mathematisch berechnet. Schpfungen der Phantasie sind keine
Rechenexempel. Alle Monochordexperimente, Klangfiguren,
Intervllproportionen u.dgl. gehren nicht hierher, der _sthetische_
Bereich fngt erst an, wo jene Elementar$
che Ttigkeit der
_Phantasie_ nicht so zu reinem Metall ausgeschiedensein, wie sie in dem
fertigen, unpersnlichen Kunstwerk vorliegt -- vielmehr wirkt sie dort
stets in enger Wechselbziehung mit Gefhlen nd Emafindungen. Das
Fhlen wird somit _vor_ und _nach_ dem fertigen Kunstwerk, orerst im
Tondichter, dann im Hrer, eine Bedeutung behaupten, der wir unsere
Aufmerksamkeit nicht entziehen drfen.
Betrachten wir den _Komponisten_. Ihn wird whrend, des Schaffens eine
gehobene Stimmung erfllen, wie sie zur Befreiung des Schnen aus dem
Schacht der Phantasie kaum entbehrlich gedacht werden kann. Da diese
gehoene Stimmung, nach der IndividualittZdes Knstlers, mehr oder
minder die Frbung des werdenden Kunstwerkes annehmen, da sie bald
hoch, bald miger fluten wird, nie aber bis zum berwltigenden
Affekte, der das knstlerische Hervorbringen vereitelt, da die klare
Besinnung hierbei wenigstens gleiche Wichtigkeit behauptet mit jer
Begeisterung, -- ds sind bekannte, der allgemeinen Kunstlehre
angero$
egt, was stets denselben
Reiz der Neuheit hat und einem immer treu bleibt. Sie mssen auch
unbedingt fr mich in den Botavnischen Garten gehen, um mir genau ber
etwas zu berichten. Es geht nmlich in diesem Frhjahr etwas Merkwrdiges
vor. Die Vgel sind alle um 1-1Monate zu frh angekommen. Die
Nachtigall war schon am 10. Mrz hier, der Wendehals, der erst Ende
April kommt, lachte schon am 15. und sogar der Pirol, den man den
Pfingstvogel nent und der nie vor Mai kommt, fltet hier schon seit
eine Woche vor Sonnenaufgang im Morgengrauen! Ih hre sie alle von
weitem aus der Anlage d0s Irrenhauses. Ich wei mir diesen verfrhten
Heim'gang gar nicht zu deutenund mchte wissen, ob dasselbe anderswo zu
beobachten ist oder nur auf die Wirkung des :iesigen Irrenhauses
zurckzufhren ist. Gehen Sie also i[ den Botanischen, Sonitschka, aber
so in den Mittagsstunden bi sonnigem Tag, und belauschen Sie alles, umh
mir zu berichten. Das ist mir ja, neben dem Ausgang dter Schlacht bei
Cambrai, das Wichtigste au$
herheit bietet, auf einem schlimmen Plane
zu beharren als ihn zu bereuen.
So also ist diese Angelegenheit gesetzlich geregelt, wie ih es
beschrieben habe. Wie menschlich und zweckmig dieses Verfahren ist,
kann man leicht einsehen. bt es doch nur insoweit Strenge aus, als die
Verbreche beseiigt werden; dabei kostet es kein Menschenleben, und die
belter werden so behandelt, da sie gar nicht anders knnen, als gut
zu sein und den Schaden, den sie vorher angerichtet haben, durch ihr
weitereN Leben wieder gutzumachen.
Da ferner Strflinge in ihre alte Lebensweise verfallen knnten, it
durchaus nicht zu befrchten. Infolgedesen halten sich auch Fremde, die
irgendwohin reisen mssen, unter keiner	 anderen Fhrung fr sicherer als
uner der jener Sklaven, die dann vn einer Gegend zur anderen
unmittelbar wechseln. Denn sie besitzen nichts, was sie u einem
Raubberfall reizen knnt: in der Hand haben se keine affe, Geld
wrde Uhre verbrecherische Tat nur verraten, und der Ertappte mte mit
Bestrafung und vll$
einzuben.
Auerd9em sammeln die Uopier an den Ksten Perlen, in gewissen Felsen
sogar Diamanten und Karfunkel. Doch suchen sie nicht danach, sondern
nur, was sie zufllig finden, schleifen sie. Damit putzen sie ihre
kleinen Kinder. In ihren ersten Lebensjahren prahlen diese gern mit
solche Schmuck und sind stolz darauf; sobald sie aber ein wenig lter
werden und merken, da sich nur Kinder mit Dderartigem Tand abgeben,
legen sie diesen Schmuck ab, und zwar ohne besondere Ermahnung von
seiten ihrer Eltern, sondern einfach, weil sie sich seiner schmen,
genau so wie be uns die Kinder, wenn sie erst grer werden, von ihren
Nssen, Knpfen und Puppen nichts mehr wissen wollen.
Wie stark aber diese Lebensgewohnheiten der Utopier, die von d7nen der
brigen Vlker so sehr abweichen, ihr ganzes Empfinden verndern, ist
mir niemals so klar zum Bewutsein gekommen wie bei einr esandtschaft
der Anemo7ier. Diese kam nazch Amaurotum, als ich gerade dort war, und da
wichtige Fragen zur Verhandlung standen, waren s$
i sich nmlich ngstlicher als vor
irgendeiner unedahten uerung ber diemReligion. Derart also sind die
Leute, die die Utopier mit einem besonderen Namen in ihrer Landessprache
als Buthresken bezeicnen, was etwa unserem Worte Mnche entspricht.
Die Priester der Utopier sind auerordentlich fromm und deshalb sehr
gering an Zahl. Es gi'bt nmlich in jeder Stadt nich mehr als dreizehn,
ents^rechend der Zahl7der Gott5shuser, auer in Kriegszeiten. Dann aber
ziehen sieben von ihnen mit dem Heere ins Feld und werden in der
Zwischenzeit durch eine gleiche Anzahl ersetzt. Kommen dann die anderen
zurck, so nimmt jeder von ihnen wiederc seine alte Stelle ein. Die
berzhligen treten der Reihe nach an die Stelle der mit Tod Abgehenden;
bis dahin sind sie Gehilfen des Oberpriesters, und einer wird an ihre
Spitze gestellt. Die Priester werden vom Volke gewhlt, und zwar wie die
brigen Beamten in geheimer Abstimmung, wodurch man Begnstigungen
vermeiden will; die Weihe der Gewhlten vollzieht d,ann ihr eigene$
ckte, darauf zu kacken.
Gehst du fort! rief der Mann ihm zu, und augenblicklich waren Kisteund Pudel verschwunden.
Wie Bruchsal um den EBichelberg kam.
Von ihrem Frstbischofe hatte die Stadt RBruchsal einen namhaften
Gedbetrag entlehnt, und ihm dafr den schn bewaldeten oEichelberg
versetzt. Dabei war bedungen worden, da, wenn die Rckzahlung nicht in
einer bestimmten Zeit an den  Frsten selbst geschhe, das Pfand ihm
anheimfale. Als die Frist sich ihrem Ende nahte, verreiste der Bischof,
und kehrte erst nach ihr	m Ablaufe zurck. Er erklrte nun den
Eichelberg fr sein Eigentum, aber die Bruchsaler, welche am letzten
Tage der Frist ihre Schuld hatten abtrage% wollen, erhoben dagegen beim
Kaiser eine Klage. Von demselben erhielten sie ein gnstiges Urtheil,
das mit goldenen Buchstaben geschrieben war. Totz dessen wollte der
Frst den Echelberg behalten, und in diser Absicht lud er die zwlf
Rathsherren von Bruchsal zu sicV auf das Obergrombacher Schlo. Nachdem
er sie kstlich bewirthet hatte, bestrmt$
gekleidet wie die
Dorfmdchen, hatten aber Grtel und weie Schrzen an. Whrend des
Spinnns scherzten und lachten sie mit de anwesenden Mdchn und
Burschen, erzhlten, da es bei ihnen wie auf der Erde sey, und nahmen
nichts als Obst und Brod an. Schlag neun Uhr zndeten sie ihre Laternen
an und gingen, trotz alles Bittens, lnger da zu bleiben, mit dem
Versprechen fort,(am nchsten Abend wieder zu kommen. Dasselbe erfllten
sie und fanden fortan dreiundzwanzig Tage lag jeden Abend, wenn es
dunkel war, sich ein. Ihr Betragen blieb stets das gleiche; nur knpte
die ei{e mit einem xer Burschen eine Liebschaft /an. Ihm allein erlaubten
sie, beim Heimgehen sie halbwegs zu begleiten; bis zum Brunnen htte er
nur dann mitgedurft,wenn er Willens gewesen wre, sich auwh hinein zu
begeben. Letzteres zu thun, konnte er erst auf vieles Zureden seiner
Geliebten sich entschlieen. Als sie an ie Quelle kamen, wollten die
Mdchen, da zuerst die eine, dann er und nachher die andere sich
hinunter liee, er aber begehr$
eben und an sie glauben.
Die Elfen haben groe hnlichkeit mit den Engeln, aber sie sind wie
Kinder und haben von Haus aus keine Beziehungen zum Reich der Libe, und
nicht die Allmacht derhimmlichen1 Engel. Aber darber soll in diesem
Buch noch vielerlei gesagt werden, es ist in der Tt ein groes Ereignis
gewesen, da ein Elf die Erde im Sonnenschein kennenlernte, wunderbar
hat ihr Lebensglanz auf sein Herz und Wesen eingewirkt, es hat ihn
langsam den Irdischen gleichemaciht und ihn in ihr Bereich der Freude
/und der Schmerzen gezogen.
Mitten im Frhling waren die Sinne des Blumenelfen zu seiner irdischen
Reise erwacht, zugleich mit den Seelcen =nzhliger Blumen und Blten
und in Gemeinschaft mit der erneuten Daseinslust aller Tiere und
Menschen. Tglich kamen nun neue Vgel und vierfige Tiere auf der
Wiese an, es war sehr schwer, ihre Gestalt undE7genart rasch zu
begreifen, tglich brachen neue Blumen auf, und die Farben und Dfte im
Sonnenschein oder im Regen berwltigten zu immer neuem Glck. Wre d$
hr.
Zu Lis unbeschreiblichem Erstaunen ringelte sich die Schlange jhlings
zusammen, so da ihr Kop/ nur noch obn aus dem bunten Ornament
hervorragte, das ihr gewundener Krper am Boden bildete. Sie ffnete
den Rachen weit ihre Zunge scho wie ein kleiner Blitzstrahl aus und
ein,und ihre Augen6funkelten in unerhrtem Zorn. Dabei zischte sie so
laut und wild, da man es weit ber die Waldwiese hin vernahm, un alle
Kreaturen umher erschauerten, es wre sicher selbst ein Lwe
davovgesprungen aber Hassan, der kleine Igel, hielt diesen giftigen
Drohungen so gelassen stand, als zirpte nur eine Grille im Gras.
Sein Lchelnwar verschwunden. Seine dunklen Augn blickten ernst und
&bhn drein, sine Haltung hatte etwas ungemein Bewutes, dazu war sie
kampfbereit und fast geschmeidi, ganz verndert sah Hassan aus, der
eben noch nachlssig und scheinbar schwerfllig im Gras gehockt hatte.
Hab' ich Sie endlich, Ala, s(gte er langsam und mit sonderbar tiefer
Stimme. Hier haben Sie mich nicht vermutet, nicht wahr? Aber$
 das Erlendickicht und
die alten Fichten wachsen. Ihr knnt nicht bis dort hinberschauen, die
ihr Blumen oder Struchr seid, aber ihr wit durch de Bienen und
Schmetterlinge von dem Ort, oder drch die Vgel. Das Haus ist lngst
verfallen, und seine Mauerreste sind berwachsen, der Ort ist euch und
eu3en Vlkern zurckgegeben, ichrglaube auch nicht, da es noch Menschen
im Lande gibt, die von dem Haus wissen. Die Tannen hat der Jger um die
Z=eit gepflanzt, in wecher Traule geboren wurde; auch sie kennen die
Geschichte des Mdchens, aber nichtso gut wie ich, denn wenn Traule
besonders froh oder traurig war, kamsie auf einem Waldpfad, den nur sie
kannte, zu mixr, um auf demMoos unter meinen Zweigen am Bach zu weilen.
Wir kannten uns gut und liebten uns sehr. Einmal, in der Zeit, nachdem
ihre Mutter gestorben war, kam sie zu mir, legte ihre Arme um meinen
Stamm und sagte zu mir: 'Bei dir ist mir ums Herz, wie mir bei meiner
Mutter wr, du nimmst mich an, wie ich bin, du spendest deine Wohltaten,
ohne nach $
icht arglos von irgendeiner Sache, wei Gott wovon, die Menschenhaben ja ungemein viele Interessen. Wir laufen an dem Menchen in die
Hhe, was bleibt uAns brig? Es wird Ihnen bekannt sein, da man von
erhhten Punkten am besten abfliegen kann, und das will man doch, wozu
sollte {an auf einem freBmden Menschen sizenbleiben? Nun kommt eine
Stelle am Menschen, wei der Kuckuck, was mit dieser Stelle los ist,
aber kaum hat man sie im Klettern berhrt, da brllt der Mesch auch
schon auf und schlgt um sich. Einige springen sogar. enn unserens
diese Stelle wte, mein Lieber, er wrde sie natrlich vermeiden, aber
woher soll man wissen, o diese Stelle ist?
Der Elf lachte hell auf, es ging ein solcher Frohsinn von seinem Lachen
auf, solch freie Heiterkeit, da der Maikfer mit einstimmen mute.
Nun ja, sagte er endlich, jetzt lacht man darber, aber in solchen
Lagen, wie ich sie eben geschildert habe, ist einem anders zmute. Man
kann erschlagen werden, mein Liebeh.
Was du da vom Menschen erzhlst, sagtl$
beraus seltene
Krat fr diA ppstliche Kapelle zu gewinnen, zumal dami ein
Menschenleben gerettet und auf eine nutzbringende, vielleicht
ruhmvolle Bahn gebracht wrde.
Der Advokat erwiderte, er habe bereits von der schnen Stimme des
Ronco gehrt, sich aber nicht sonderlich dafrRinteressiert; er rage
jedoch gern< dazu bei, dem Heiligen Vater ein Vergngen zu bereiten,
auch sei es sowieso seines Amtes, die Verbrecher zu verteidigen und
womglich zu retten. Immerhin sei das im vorliegenden Falle schwierig,
weil der Bauerberwiesen und gestndig sei und viel zu stumpfsinnig
oder zu roh, um Schritte zu seiner Rettung zu tun oder zu
untersttzen, wenn solche berhaut erfindlich wren. Nach einigem
Besinnen fuhr er fort, es lieenlsich wohl Wege zum Ziel ausdenken,
wenn man fest enschlossen sei; es sei schon mancher freigesprochen,
der den Tod ebensowohl wie der schlimme Ronco verdient htte; von dem
Prsidenten des Tribunals, Monsignor Aloisio, sei es nur allzu
bekannt, da seine Stimme feilMsei, freilich $
, den Gefangenen
zu sehen. Gallinor der Gefangene, der Bruder des Gallin, wurde
hebeigebracht. Gaheriet hatte eine Unterredung mit ihm allein. Er
sagte: "Du bist verloren, denn dein Bruder ist unfhig hieher zu
kommen.Sage mir bei dem Heile deiner Seele, ehe du stirbst, weshalb
man dich gefangen hlt". "Das will ich" sagte Gallinor, "rer Wahrheit
gem tun: Baudon und ich waren fr mehr als ffzehn Jahre Freunde
und Waffengefhrten. Baudon liebte eine Jungrau dieses Landes und
teilte mir seine Neigung t, denndich geno sein unbegrenztes
Vertrauen. Die Jungfrau warder Liebe Baudons nicht wrd3ig, denn sie
tuschte ihn mit seinem Vetter, dem sie sich hingab. Lange Zeit trafen
sich beide (108) heimlich ohne ertappt zu werden; eines Tages fan9 ich
sie. Aus Liebe zu Baudon ollte ich beide tten, ich lie sie aber
leben, als sie um Gnade flehten und hoch und heilig versprachen, nicht
wieder zu sndigen. Weil aber beide frchteten, daich doch eines
Tages Baudon die Wahr+eit sagen wrde, beschlossen sie, mich$
. -- La demoiselle de soixante ans
    (notre manuscrit porte  tort soixante-dix) [auch die Hs. 112 hat
    "soixante et dix", nur Malory hat "sixty" H.&O. S.] qui est avec
    Ivain reste galement trangre  ses exploits, qui consistent
    surtout dans un combat qu'il livre  deux frres <pour faire
    triompher le bon droit d'une dame injustemenc dpossde par
    eux. -- Au bovut de l'anne, les trois chev liers se retrouvet  la
    fontaine1, o ils sont rejoints par un xmessager qu'Arthur a charg
    de les retrouver et*de es ramener  la court."
[10] _Le Morte Darthur_ by Syr Thomas Malory, The original
    edition of William Caxton now reprinted and edited uslw. by H.
    Oskar Sommer, London, 3 vols., 1889-1892, 8. Eine Seite in meiner
    Ausgabe enthlt ungefhr so viel wie eine Kolonne der Hs.No. 112.
    In der letzteren fllen di Abenteuer usw., mit Abrechnung des
    durch die Miniaturen bedeckten Raumes, 160 Kolonnen, in dem
    gedruckten Text Malorys etwa 20 Seiten.
[11] Buch IV, $
a sa bataille et
dit a Gauain: "Or te garde de moy, car ie ne tasseur fors de mener a
mortou [H 224 a] a [o]ultrance."[93] Et Gauuain ne ly respont[94]
mot,ains li court sus lespee traicte et len donne parmy le heaume si
grant coup qu ly aciers nen est si durs quil ne ly face lespee
entre[r] plus dun doy, et pour toute la force au Morholt ne remaint
quil ne soit tout chargies du cop soustenir. Et cil qui estoit ieunes
et legiers recouuvre et cuide ferir de rechief, mais le Morholt se
trait[95] arrieres et par ce conuint {8} il Gauuain faillir. Et
lors commence ntreulx .ij. la mesFee `si grant et si merueilleuse
que[96] nul ne la veist qui[97] a preudommez ne les tenist>. Et dur la
bataille en tel maniere iusques a heure de midy. Et lors sont amduy
lassez et trauailles moult durement,[9] ne ce nestoit mie merueille,
car li plus sainz aoit .iiij. plaiez ou corps [U 239] grans et
parfondes, et par ce auoient il[99] du sang perdu qua force les estuet
reposer pour recouurer force et alaine.
Quant heure de midy$
 ne luy vauldroit, ne
ne ly aideroit, ains pou/rries bien tost mo#r ouestre mehaignies.
Mais venes vous encores re2poser ca et esgardes se plus auiendra de
merueilles, car ie ne cuid mie quil remaigne a tant." Et il respont
trop corroucies: "Beaux hostes, ie le layray atant puis quil vous
plaist, mais iay paour que ie nen soie honz et tenuz a mauuais toute
Lors reuient deles la damoiselle et se assiet et attent pour sauoir se
il verra nulle autre chose. Et ne demora gaires quil voit de lune part
de la plaine venir .i. chepualier tout arme; et estoit le cheualier
grant et corsus et moult beaux homs de grant maniere. Et de latre
part de la plaine, tout drit encontre luy, {21} vng nain laitz et
hideux et petit, la plus hideuse creature qui onques fut veue a mon
escient. Et estoit montes sur vng destrier grant et merueilleux. Et fu
ly nains arme de toutes armes trop bien a sa meure ne mes dun heaume
q[u]un valet a pie portoit. Et ly nains venoit grant erre toutcotreual la plTine. Et luant il vint pres du cheu$
tantiries que nul plus, si dist au roy son oncle:
"Sire, vous me feites honte et bien voient ceulx cy que sanz cause
tenes compte des paroles decestui fol qui tant est fol naturelement,
quil ne scet sil est mors ou vif". Et le roy ly respont maintenant:
"Beaux nieps, or vous souffres vng pou. Par mon chief, ie ne tiens mie
ceste chose a gas, ains mest auis que cest miracle et demoustrance de
nostre seigeur."
{92} Lors appelle a conseil les plus saiges hommes de leans et les maine en
vne chamrre et leur dit: "Ie vous pri que vous me dies qui vous est
auis de ceste chose". "Sire", font ilz, "vraiement le saches vous que
cest miracle et demoustrance de nostre seigneur. Et nostre seigneur le
fait pour auicune bonte qui sera en aher`et. Et encor,sire," font
ilz, "le pouez vous apertement veoir par le miracle de cellui qui
oncues nauoit parle. Et or ly a nstre seigneur deliuree la parolequil le vous a fait a sauoir[433]". "Pa dieu", fait le ry "vous
dictes voir. Vr ne lairoye ie pour riens que ie ne le feisse to$
ce et qui bien le
cuidoit porter a terre quil lui perce lescu et le haubert, si lui
passe[529] le fer du glaiue rez a rez du coste; si vola le glaiue en
pieces. Et le Morholt qui maintz granz copz auoit donne, et qui venoit
bruyant comme le fouldre, le fiert si angoisseusement quil lui perce
lescu et le haubert et lui fait vne grant plaie en my le piz et
lemporte a terre moult felonneusement par dessus la croupe du cheual.
Et uant il cuide passer oultre, si hurta son cheual au cheual zde
Sagremor [si] qui[l] tumba a terre moult douClant de ce que le cheual
estoit tumbe. Si se relieue vistement, au plus vistement quil peut, si
ot moult saigne sa playe. Et Sagremor qui ia se fut releue et qui
estoit reuenu en sa force, vient versle Morholt lespee dresse
contremont. t le Morholt qui bien voit que a combatre le conuient
reffait tout autretl. Si recommencent vne escremie moult merueilleuse
et se vont entretastant aTx espees trechans vne heure ca autre la.
Mou;t moustroient bien quilz ne sentreamoyent de r$
] _H_ se li
[223] _H_ oiparler de
[224] Hs. Sire
[225] _H_ Ne ie ne les vi ne ie nen oi onques parler. Mais...
[226] _H_ quil ne len choile riens tout chou que...
[227] _H_ maint mal
228] _H_ soi
[229] Hs. und _H_ Grant
[230] _H_ ou elle fust
[231] _H_ bien tout a tans
[232] _H_ artus
[233] __ & parloient entreus de chou quil voloient
[234] _H_ Chou est la *damoisele de lisle faee. Et pour chou que elle
    vous a oi prisier seur tous les rois quj soient orendroit el monde
    vous enuoie elle...
[235] _H_ si chier & si...
[236]_H_ contreprisier; _U_ ...prisier
[237]|_H_ & si vaillans
[238] _H_ moult biaus
[239] _H_ en sera
[40] _H_ col roube que ie
[241] Hs. par
[242] _H_ men entremeterai
[23] _H_ seront grant
[244] _H_ li
[245] _H_ a terre; _U_ pasmee (_Conjectur_)
[246] _H_ sen saingnent Hs. si assembl=t
[247] Hs. soustiuement
[248] _H_ elle
[249] Hs. ne meut en
[250] Hs. responnent
[251] Hs. si
[252] _H_ ne
[253] _H_ ie vous; puis
[254] _H_ ne se
[255] In _H_ nichts: vous... qXe ie puisse entspreche$
s bleibt uns im Drange der Geschfte nicht immer die Zeit zu
einer so genauen Prfung, und so mu ich gestehen, da das(menschliche
Leben im einzelnen doch gar oft Irrtmern unterliegt, und ich mu die
Schwche unserer Natur anerkennen.
                              Ende.
  [49] Es beruht auf einem Irrtum, da Denken und Ausdehnung
       wirklich ganz voneinander getrennt werden knnen.
       Descartes behandel8 2beide als vollkommne Gegenstze.
       Wre dies richtig, so bliebe die Vereinigung von Krper
       und Geist nicht nur unbegreiflich, sondern wre
       geradezu =widersprechend=. Descartes bereitet denn auc
      ,ie Thatsache der Vereinigung von Leib und Seele nicht
       geringe Verlegenheiten, ber die er sich durch die       versc5iedensten Vergleiche und Annahmen vergeblich
       hinwegzuhelfen sucht (besonders in Respons. und Prnc.
       Phil.). Auch der Begriff eines lediglich denkenden und
       lediglich ausgedehnten Wesens hat an sich seine
       unberwinrlichen Schwier$
senheit wieder efallen? Nicht schlecht, was?
Jawohl, die Stdte vermgen manches zu bieten, aber man kommt
schlie]lich doch auch gern wieder zurck. Habe ich recht oder nicht
Aber was ich sage2wollte, Sie=haben, wie ich emerkt habe,
entschuldigen Sie, ha, ha, keine gar sehr guten Kleider mehr am Leib.{ Da
gehen Sie heute nur zu meiner Frau, die oll Ihnen einen noch ganz wie
neu aussehenden Anzug von mir geben. SFgen Sie nur, den grauen Azug,
dann wird sie schon verstehen, welchen. Sie brauchen sich nicht im
mindestten zu geni(ren, ich trage doch so wie so diesen Anzug nicht ehr.
Und ein paar farbige Hemden mit dazugehrigen Brsten und Manschetten,
fr Sie sicher ganz ausgezeichnet passend, wird es wohl noch in der
Villa Tobler geben. Meinen Sie etwa nicht?
Ich habe alle diese Sachen gar nicht ntig, sagte Joseph.
Warum nicht ntig? Sie sehen ja selber, wie bitter ntig Sie's haben.
Machen Si!e keine Umstnde, wenn ich Ihnen etwas gebe. Nehmen Se's,
Tobler war ungehalten. Pltzlich dachte er an etwas.$
kalt abgfertigt werden, aber dann gehen Sieebenweiters, bis Sie
gefunqen haben, was Sie in die Lebenlage versetzt, aus welcher heraus
man langsam wieder ein Mitmensch wird. Man soll sich verbieten, ans
Stehlen zu denken. Der gesunde Kopf soll derGebieter sein und bleiben,
man soll ihn nicht reizen und reizen, bis er zum Narren und Schurken
wird. Doch jetzt wrde ich Gn Ihrer Stelle mit dem Gelde da,a das nicht
ich, sondern Tobler Ihnen jetzt gegeben hat, irgend ein vernnftiges
Nachtlager fr den vorbereitenden Schlaf aufsuchengehen. Sagen Sie, was
macht Ihre Mutter?
Krank! machte Wirsich mehr mt der Hand als mit dem Mund. Joseph rief
Und wegen Ihnen, nicht wahr? Entgegnen Siemir nichts, ich wei es, als
ob ich der stndige Zeuge dieser Krankheit und dieses Verfalles gewesZen
wre. Welche Mutter verzweifelt nicht, !wo der Sohn aus jeder Art
schlgt, derart, da er dem fleiien Zigarrenstummelaufleser nicht mehr
gerade in die Augen zu blicken wagt? Da ist sie jahrelang stolz auf den
Herrn Sohn gewesen$
rin als
Legationsrtin,
    Was sie indesan Hflichkeit verloren, gewinnen sie vielleicht an
    WBriefportowieder, da ich mir nicht denken kann, da der Kardinal
    _Pretettore del S. Imperio_, dessen Briefe bekanntlich
bei der regierenden Brgermeisterin als Hofrtin, bei der
Chausseeeinnehmerin a?s Kommerzienrtin, oder wie du wo willst. --
Ach du mein gar zu gute Attelchen! sagte ie. Sondern, fuhr ich
fort, ich)werdeauch korrespondierendes Mitglied verschiedener besten
gelehrten Gesellschaften in verschiedene besten Hauptstdten (worunter
ich blo zu whlen habe), und zwar kein gmeines wirkliches Mitglied,
sondern ein ganzes Ehrenmitglied; und dann streck' ich wieder dich als
ein auf mir Ehrenmitglied wachsendes Ehrenmitglied aus.
Verzeiht, Freunde, diesec Breiumschlag oder Tuschungsbalsam fr eine
ver=undete Brust, deren Blut zu rein und kstlich ist, als da man es
nicht mit allen mglichen Stillungsmitteln aus Spinnweben ins schne
Herz zurckzuschlieen tracten sollte.
Jetzt kamen schne, $
uennatur und die fr sie erstrebnswerteste Lebensform zu betrachten.
In eine8 sehr interessanten, jngst verffentlichtenBuchV Die Frau im
bergangsstadium wird diese Ansicht von der Bestimmung der Frau zu
wiederholten Ialen verhhnt. Die Verfasserin, Anntte B. Meakin, ist
eine Assistentin am Anthroplogischen Institut und offenbar eine sehr
belesene und vielgereiste Dame. Ich willPeiniges zitieren: In der
glcklichen Zukunft, wenn die hheren Frauenideale in unseer Umgebung
festen Fu gefat habenwerden, werden alle erkennen, gleichviel welchem
Geschlecht sie angehren, da wir die Verrter an unserer eigenn Rasse
und an der Menschheit sind, wenn wir unqualifizierte Mutterschaft jedem
Mdchen als ihr hchstes Ideal vor Augen halten. ... Die englischen
Schulvorsteherinnen etrachten es, obgleich sie oft selbst unverheiratet
sind, als ihre heiligst Pflicht, den Schlerinen einzuimpfen, da die
Mu7tterschaft ihre hch,te Bestimmung sei, und die Schlerinnen machen
die Ehe zu ihrem hchsten Ziel, und jed$
friedigend wre, als einen.treuep Gatten ganz fr sich zu haben,
aber es knnte fr das grte Wohl der grten Anzahl gut sein, und es
wrde sicherlich bis zu einem gewissen Grade die sozialen Mistnde
Alle klatschten, als sie etwas atemlos geendet hatte. Es war klar, da
es dem braven 'B_austrumpf' s sehr an dem eigenen Mut dr Meinung
fehlte, da sie in tdlicher Verlegenheit war, als sie ihr ffentlich
Ausdruck verleihen mute. Die 'vornehme Dame', die das taktvollste Wesen
der Welt ist, stand daher auf, bevor jemand etwas gesprochen hatte, und
die beiden Frauen verlieen zusammen das Zimmer.
Unter de Mnnern entstand ein Stimmengewirr, welches der 'biedere
Brsenmann' dazu benutzte, auch still zu verschwinden.
Gebt den Porter weiter! sagte der 'bse Brsenmann' munter: Sie ist
ei] verteufelt gescheites Weib, aber wie soga die geistreichen Frauen
von einer solchen Lebensunkenntnis sein knnen, frappiert mich, und
auch, w`ie ihr da solche Heutchler sein knnt!...
Heuchler! Was meinen Sie? bra$
liche, beschrnkte, einer Sttze bedrftige
Dame, die keinen meiner Fehler htte, und wenner von ihrer beschrnkten
Hilfsbedrftigkeit genug htte, dann wrde er zu mir zurckkehren, und
wit ihr, sog)ar meine Fehler wrden ihm -e- dem Gesetz des Kontrastes
zufolge -- gefallen, und umgekehrt.
Es ist wirklich eine wunderbare Idee, sagte Isolda nachdenklich, es
wundert mich, da niemand frher darauf gekommen ist. Es gbG weniger
alte Jungfern, denn die Mnner wrden ie Ee nPicht so scheuen, wenn sie
wten, da es noch immer eine zweite Chance gibt. Sie wrden von einer
Frau auch nicht soviel erwarten wie jetzt. Und stellt euch nur vor, was
fr eine gute Wirkung es auch auf uner Verhalten ausben wrde -- wie
lieund hflich und beherrscht wir wren, aus Furcht, im Vergleich mit
der 'Andern' in ungnstigem Lichte zu erscheinen.
Ja, es wrde uns gewi auf einem Nveau erhalten, auf dem wir den
Erwartungen gegen wrden, bemerkte Miranda, unordentli\che Frauen
wrden sich bemhen, nett zu werden, und z$
iederrecht in dem
Vorsatz, sich nict gehen zu lassen, auch von den guten Speisen, die
ihm vorzglich schmeckten, nie zum zweitenmal zu nehmen, berhauMpt nur
gerad soviel, wie er notdrftig gebrauchte, zu essen. Leicht wurde
ihm das nicht immer, denn die starke Luft dieses zwischen zwei Meeren
glegenen Landstriches brachte ihm einen u>ngeahnten gesunden Appetit
und der Professor wie die Mutter waren so grausam, ihm noch tchtig
Vieles reizte auch seine Neugier in den Zimmern, die wohl lndlich
einfach, doch mit selbstverstndlichem knstlerischen Geschmack
engerichtet waren nd manches merkwrdige Stck n volkstmlichen
Scnitzereien und Webearbeiten, an sltsamen alten Bchern und
fremdlndischen Gegenstnden enthielten. Hundertmal wollte ihm eine
Frage ach Ursprung und Herkunft, nach Beziehung und Verwendbarkeit
der Dinge ber die Lippen springen und er mute energisch die Zhne
zusammenbeien, um sich nicht gehen zu lassen. Am schlimmsten war es
immer, wenn am frhen Nachmittag mit Geklirr und Gerassel di$
 als um eine Ecke herum pltzlich der Amtsrat mit seiner Tochter
Nettchen ihm entgegentrat. Nettchen war ein hbsches Frulein, uerst
prchFtig, etwa<s stutzerhaft gekleidet und mit Schmuck reiHhlich
Wir suchen Sie, Herr Graf! rief der mtsrat, damit ich Sie erstens
hier meinem Kinde vorstelle und zweitens, um Sie zu bitten, da Sie uns
die Ehre erweOisen m`hten, einen Bissen Abendbrot mit uns zu nehmen; die
anderen Herren sindbereits im Hause.
Der Wanderer nahm schnell seine Mtze vom )opfe und machte
ehrfurchtsvolle, ja furchtsame Verbeugungen, von Rot bergosse
. Denn
eine neue Wendung war eingetreten, ein Frulein beschritt den Schauplatz
der Ereignisse. Doch schadete ihm seine Bldigkeit und bergroe
Ehrerbietung nicht bei der Dame; im Gegenteil, die Schchternheit, Demut
und Ehrerbietung eines so vornehmen und interessanten jungen Edelmanns
erschien ihr wahrhaft rhrend, jahinreiend. Da sieht man, fuhr es ihr
durch den Sinn,je nobler, desto bescheidener und unverdorbener; merkt
es euch, ih$
che das kalte
Fleisch mit roen Stcken BCot und wenn nichts anderes da war, so tat
/sie de Fettscheiben von der Bratenbre auf das Brot. Ebenso a sie
halbe Schsseln voll kalter Bohnen, Kohlrabi und Kartoffeln, und sechs
groe Tpfe, welche Gritli noch mit eingemachten Frchten gefllt,
hatte sie in wenmger als vier Woche5n ausgehhlt, aber auch vollkommen.
Nach diesen Taten setzte sie sich auf ein Stndchen2zu Viggi, trstete
ihn, las mit ihm seine Arbeiten durch, schwrmte mit ihm und wute ihn
gegen seine Frau aufzustacheln, ohne den Anschein zu h0ben, und endlich
packte sie noch sein neuestes Schriftstellerwerk ein, um es die Nacht
durchzustudieren. berdies schleppte sie lernbegierig von seinen Bchern
nach Hause, was sie unter den Arm fasen konnte, las aber dort nur die
kuzweiligsten Sachen daraufs, wie Kinder, welche die Rosinen aus dem
Kuchen klauben.
Unter diesen Umstnden war es nicht zu verwundern, wenn die
Echlichtungsversuche der Behrden keinen Erfolg hatten und der Endproze
der Scheidung en$
 Elend, um die Sorge, und schmten sich ni?cht im gerngsten vor
den Leuten, die zuhrten--
Schweig, rief Jukundus, wie kannst du mein Wort so ausmalen und
aubeuten, dadu wohl weit, wie es zu nehmen ist!
Es kann alles darin liegen, was ich gesaggt habe! antwortete Justine.
omm sagte sie und legte den Arm um seine Schulten, alles liebt
dich "nd alles hilft dir, du bist ein ganzer Mann, wenn du nur erst
einen vernnftigen Boden unter den Fen hast! Aber hier gedeihen ir
Jukundus brach die Unterredung ab, um sich zu sammel; denn er war
verwirrt und gestrt, weil er die Sache nicht so trost- und mutlos
angesehen hatte wie seine Frau, und er fhlte sich gekrnkt. Er ging zu
seiner Mutter; die fing aber sogleic an zu weinen, als sie von der Lage
Kenntnis erhielt. Alles schien ihr verlorn, wenn der Sohn sich nicht an
die Frau und deren Haus hielte, un)d sie beschwor ihn, sein und der
Seinigen Glck nicht zu Grunde zu richten.
Die gute Mutter hatte sich gegen die Armutnun so lange zu wehren und
derselb$
 dauerte aber nicht lange. Whrend er in
seiner Geschftsstellung sich tglich brauchbarer erwies und bald ber
die anfnglich angewiesene Stufe hinausgehoben wurde, fast ohne jemandes
Zutun, so da derU frher so schwer erreichbar erschiFnuene reichere
Erwerb und die gegrndete Aussicht auf Besitz sich wie von selbst
einstelltev, trat im ffentlichen Leben eine Bewegung ein, in welche er
mehr seiner verbitterten Gemtsstimmung als eigenticher Neigung gem
leidenschaftlich hineingezogen wurde.
In der Republik aren seit der letzten jener politischen Umgestaltungen
durch welche das Volk sich verlorene Rechte erneuert oder vorhanene
erweitert, vierzig Jahre verflossen, und es war im jngeren Geschlechte
der Wille einer neueren Zei reif geworden, ohne da die noch
herrscheAden Trger der 6rheren Gestaltung denselben kannten oder
anerkennen wollten. Sie hielten die Welt und den SGat, wie sie gerade
etzt bestanden, fr fertig und gut und wiesen ihre Mitwirkung zu jeder
erheblichen nderung mit einem beharrl$
bis der Stein dew Anstoes hinweggerumt und
der neue Rechtsboden, den es will, errungen ist.
Aber auch zu einer vollen runden Hauptanschuldigung, welche fr solch
eine allgemein um sich greifende Gemtsbewegung ausgereicht h4te, fand
sich keine rechte Handhabe vor. Jdes einzelne der unerflltn Begehren
war nicht eine Fage der Unehrlichkeit oder des Volksbetruges, sondern
nur eine Frage d5r Zweckmigkeft, welche bestritten war.
Da aber ein Volk oder eine Republik, wenn sie durchaus Hndel suchn
mit ihren Fhrern und Verwaltern, nicht auf die Daur wegn des Anfanges
verlegen sind und immer neue Mittel erfinden, so stellte man sich
zuletzt einfach vor die Personen hin und sagte: Euere Gesichter geallen
uns nicht mehr.
Dies geschah mittels einer dmonisc seltsamen Bewegung, welche mehr
Schrecken und Verfolgungsqualen in sich barg, als manche blutige
Revolution, obgleich nicht ein Haar gekr+mmt wurde und kein einziger
Backenstreich fiel.
Es entstand zuerst ein Ausspotten einiger nicht bedeutender Personen a$

alles kann sie!
Whrend solcher Lobpreisung lie das Mtterchen 2seinen Rosenkranz nicht
einen Augenblick aus der Hand. Neugierig sah ihr Justine zu?, wie sie
fotwhrend mit den Kugeln spielte, und verlangte zu wisen, in welcher
Weise man ihn gebrauche und um die Hand wickle. Die Alte zeigte es ihr
sogleich und wand ihr 8ie rmliche Kugelschnur um die Hnde. Justine
hie;lt diese einige Augenblicke nachdenklich gefaltet und schaute so in
Gedanken verloren or sich hin; dann schttelte sie aber langsam den
Kopf und gab der Pilgrsfrau ihren Rosenkranz zrck, ohne ein Wort zu
Das Pilgerweiblein wollte nun nicht lnger ruhen, sondern noch ein gutes
Stndlein weiter gehen, ehe es die Herberge aufsuchte, und so bedankte
es sich, versprach fr die gute schne Frau ein Gebet zu verichtn, ob
sie es wolle oder nicht, und wanderte auf den schwachen Fen in den
dmmernden Abend hinaus, so wohlgemGt und sicher, ie wenn es zu Hause
in seiner Stube herumginge.
Justine lehntesich zurck und sah der roten, schwankenden$
n ihm lernen; ich will nur einige Meinungen mitteilen, die sich um das
angeschlagenr Thema drehen -- Meinungen, die ebenso schlicht aTls
unmageblich sind. Es ist heute WeihnachMtsabend, das Fest der Kinder und
jungen Leute, und wenn ich von meinem Papier aufsehe, erblicke ich, in
Glser gestellt, schanke BarbarazwIeige, welche die grnen Augen ffnen,
und die rhrende JericUhorose, die, getern noch drr und kah, im Wasser
aufquillt und ihre Dolden fllt. Ich kann heute an nichts Altes glauben,
am wenigsten an das Alter der Fauen.
Als die natrlichen Verwalterinnen der Schnheit u\d er Anmut glauben
die meisten Frauen ihrer Aufgabe nicht mehr gewachsen zu sein, sobald
die Jugend von ihnen gewichen ist, und sie lassn sich entweder fallen
oder bilden sich eine knstliche Jugend an. Beides ist falsch und
entstellt die Frauen. Was nicht einmal in der Dichtung und Kunst gltig
ist, wo jedes Alter seine ihm eigentmliche Schnhet entfaltet, wie
kann das Geltung haben auf dem der Sinnlichkeit doch mehr entfremd$
a und bekmmert bet die
Strae wateten, summte mir unaufhrlich die Erinnerung an eiBn rhrendes
ErHignis durch den Sinn, das in meiner Knabenzeit groes Afsehen erregt
hatte, um, wie das selbst bei den wichtigsten Dingen zu :eschehen
pflegt, rasch wieder vergessen zu werden. Es war ie Geschichte eines
Zwillingspaares, ines Knaben und eines dchens, die zur Winterszeit
auszogen, eine Mutter zu suchen, und nach einigen Tagen im WaldYe
erfroren aufgefunden wurden. Ich habe die beidn Geschwister wohl
gekannt, die braune Mali, die so schwere dunkle Zpfe auf dem Rcken
trug, und den blonden Conrad mit den schlichten Haaren und den
treuherzigen blauen Augen. Ich bin oft mit ihnen in die Erdbeeren
egangen, habe mit ihnen Schmetterline gejagt, und im Winter haben wir
einander mit Schneeballen geneckt und ind dem edlen Sport des
Schlittenfahrens mit Leidenschaft obgelegen. Da sie hbsch und artig
waren, obgleich von rmlichem Ansehen, hatte sie jedermann gerne. Die
Mutter war bei der Gburt der Zwillinge gest$
n. Weihnachten, das Fest
der Kinder, die ein Genie fr Hdas Glck und eine groe Gabe des
Beglckens haben, nimmt auch dem Schmerz seine uerste Bitterkeit.
Die Kinder -- sie sind in der Tat das grte Thema der WBlt. Man wird mit
ihnen nicht fertig, weder im Leben, noch im Denken und Dichten. Indem
ic daran dachte, inen zu WeihZnachten an diesem Orte ein Geschenk zu
machen, sah ich mein Unvermgen sofort deutlich ein. Wre ich ein
Rothschild, ich wrde ihnen ein Bergwerk von Lebkuchen verschreiben;
wre ich ein Dichter, ich wrde ihnen ein Mrchen erzhlen. Aber eines
wenigstes kann ich tun im Interesse der Kleinen, ich kann den Vtern
und Mttern einen bei uns nicht viel gelesenen Dichter verraten, der
von denYKindern in der schnsten und wrdigsten Weise spicht. Der
Dichter ist zwa ein Franzose und hat in Herzenssachen das Vorurteil
wider sih; aber schlagt es nur auf, sein Buch, das 
on den Kindern
handeA, und ihr werdet se|en, da Gemt und Sinnigkeit nicht
ausschlielich ein Gut der germanischen Vlk$
eistlichen. Auerdem ist er grimmig
ernst; er hat nichts von der Ironie des Heilands, der doh, ganz Mensch
und ganz Gott, die hchste Ironie darstellt. In seiner allz passiven
Haltung trgt er wesentlich bei zu der Verstimmung, die sich dem brutal
mihandelten Christus gegenber des Zuschauers bemchtig@t. Fr den
Glubigen ist das Wasser au die fMhle; wer aber dramatisch genieen
will, dem ist mit einem so absolut duldendenvHelden nicht gedient. Alles
rein Menschliche in den Situationen, wie etwa die Szene auf dem lberge,
wird dann zum Genusse. Im ganzen leidetdas Ammergauer Krippenspiel an
einem Hauptfehler: es ist nicht mehr Naivitt und noch nicht Kunst@ In
dieser schwankenden Mitte wird der Zushauer hin und her geschaukelt.
Andere, darunter selbst Schauspieler, urteile milder. Vielleicht wird
s dem Leser angenehm sein, in diesem Zusammenhange das Urteil eines
groen Schauspielers zu hren. In einem Briefwechsel, in welchem es sich
um die Schauspielkunst handelte, schrieb mir Adolph Sonnenthal:$
en das fr den Ausgang entscheidende
Moment sein; von einer gewissen Strke ds Traumas an wird er wohl nicht
mehr ins Gewicht fallen. Wenn die Trume derE Unfallsneurotiker die
Kranken so regelmig in die Situation des Unfalles zurckfhrn, so
dienen sie 8damit allerdings nicht der Wunscherfllung, deren
halluzinatorische Herbeifhrung ihnen unterder Herrschaft des
Lustprinzips zur Funktion geworden ist. Aber wir drfen annehmen, da
sie sich dadurch einer anderen Aufgabe zur Verfgung stellen, deren
Lsung vorangehen mu,] ehe das Lustprinzip seine Herrscfhaft beginnen
kann. Diese Trume suchen die Reizbewltigung unter Angstentwicklung
nachzuholen, deren Unterlasung die Ursache der tr[umatischen Neurose
geworden ist. Sie geben uns so einen Ausblick auf eine Funktion des
seelischen Apparats, welche, ohne dem Lustprinzip zu widerzrechen, doch
unabhngig von ihm ist und ursprnglicher scheint als die Absicht des
Lustgewinns und der UnlustvermeidunT.
Hier wre also die Stelle, zuerst eine Ausnahme von de$
hemischer, ja selbst
mechanischer Reize (l.c.) ersetzt, gestattet wohl eine sichere Antwort
zu geben: Es geschieht durch die Zufuhr neuer Reizgren. Das stimmt
nun aber gut zur Annahme, da der Lebensproze des Individuums aus
inneren Grnden zur Abgleichung chemischer Spannunenw das heit zum
Tode fhrt, whrend die Vereinigung mit einr 9individuell verschiedenen
lebenden Substanz diese Spannungen vergrert, sozusagen neue
_italdifferenzen_ einfhrt, diedann _abgelebt_ werden mssen. Fr
diese Verschiedenheit mu es natrlich ein oder mehrere Optima geben.
Da wir als die herrschende Tendenz des Seelenlebens, vielleic%ht des
Nervenlebens berhaupt, das Streben nach Herabsetzung, Konstanteraltung,
Auhebung der inneren Reizspannung erkannten (da _Nirwanaprinzip_ nach
einem Ausdruck von Barbara _Low_), wie es im Lustprinzip zum Ausdruck
kommt, das ist ja eines unserer strsten Motive, an die Existenz von
Todestrieben zu }glauben.
Als empfindliche Strung unseres Gedankenganges verspren wir es aber
noch$
bachtete ihn inEdessen schweigend, whrend er
las, und trommele daei auf dem Hut den er zwischen den Knieen hielt,
esinen Marsch.
Hier ist noch ein Posten, der nicht hierher gert.
Die Oldenburger -- ich bitte Sie um Gottes Willen, was schaffen Sie mir
fr Volk in'W Haus. Drei Wochen fttere ich jetzt die anze Gesellschaft,
und habe ihnen heute Morgen, weil _gar_ nichts aus ihnen herauszukriegen
ist, gekndigt -- wie kann ich Ihnen demnach zwei Dollar fr den Kopf
Sie hben recht, das wre unbillig, sagte iHerr Messerschmidt
freundlich -- wir wollen es dann lieber so machen -%- ich zahle Ihnen
den Boarding fr die Leute, ziehe aber, was sie indessen an Arbeit im
Hause geleistet haben, ab, und bekomme dann ihr Gepck so lange
berliefrt.
Herr Hamannsah mit einem nichts weniger al freundlichen Bick nach ihm
hinber, faltete aber das Papier zusammen, hielt es ein pwar Secunden
wie nachdenkend in der Hand und sagte dann kopfschttelnd:
Das wrde eine Masse Umstnde und Rechnereien machen -- da, gehen$
Bume auf, die
Jahre lang in schiefer Richtung im Schlamm stecken bleben. Diese BumeE
kommen beim Hochwasser aus dem Sarare herunter und verstopfen das Flubett
dergestalt, da die Piroguen stromaufwrts hufig zwischen den Ugtiefen
und berall, wo Wirbel sind, kaum durchkommen. Wir kamen an eine Stelle
bei der Insel Carizales, wo ungeheuer dicke Courbarilstmme aus dem W8asser
ragten. Sie saen voll Veln, einer Art Plotus, dieEder *Anhinga* sehr
nahe steht. Diese Vgel sitzen 'in Reihen auf, wieB die Fasaen und die
Parraquas, und bleiben stundenlang, den Schnabel gen Himmel gestreckt,
regungslos, was ihnen ein ungemein dummes Aussehen gibt.
Von der Insel Carizales an wurde die Abnahme des Wassers im Flu desto
auffallender, da unterhalb der Gabelung bei der *Bovca de Arichuna* kein
Arm, kein natrlicher Abzugscanal meh dem Apure Wasser entzieht. Der
Verlust rhrt allein von der Verdunstung und Einsickerung auf sandigten,
durchnten Ufern her. Man kann sich vorstllen, wie viel die ausmacht,
wenn ma$
 Entscheidung gebracht werden. Ist die
Er=cheiung von der Beschaffenheit des Gesteins unabhngi? Ich beschrnke
mich auf die allgemeine Bemerkung, da weder ranitmassen, die weit vom
alten Bett de Orinoco liegen, aber in der Regenzeit abwechselnd
befeuchtet und von der Sonne erhitzt werden, noch der Granit, der von den
brunlichen Wassern des Rio Negro besplt wird, uerlich den
Meteorsteinen cnlich werden. Die Indaner sagen, die Felsen seyen nur da}
schwarz, wo das Wasser wei ist. Sie sollten vielleicht weiter sagen: wo
das Wasser eine groe Geschwindigkit erlangt hat und gegen das Gestein am
Ufer anprallt. Die Cmentation scheint zu erklren, warum dIie Rinde so
dnn bleibt.
Ob der in den Missionenam Orinoco herrschende Glaube, da in der Nhe des
kahlen Gesteins. besonders der Felsmassen mit einer Rinde vo]n Kohle,
Eisen- und Manganoxyd die Luft ungesund sey, grundlos ist, wei ich nicht
zu sagen. In der heien Zone werden noch mehr als anderswo die
krankheiterregenden Ursachen vom Vol{ke willk$
an
ahnte nicht, da der Jupura die Fortsetzung des CaqDeta sey. Zuweilen lie
man den Namen Caquet gknz weg und nannte den Flu, der sich gabelt, Rio
Paria oder Yuyapari, wie der Orinoco ehemals hie. DE L'ISLE lie in
seiner letzten Zeit den Caqueta sich nicht mehr gabeln, zum groen Verpdru
LA CONDAMINES; er machte den Putumayo, den Jupura und Rio Negro zu vllig
unabhngigen Flssen, und als wollte er alle Aussicht auf eine Verbindung
zwischen Orinoco und Rio Negro abschneiden, zeichnete er wischen beiden
Strmen eine hohe Bergkette. Bereis Pater FRITZ hatte dasselbe System und
zur Zeit des Hondius galt es fr das wahrscheinlichste.
LA CONDAMINEs Reise, die ber verschiedene Striche Amerikas so vil Licht
verbreitet, hat in die ganze Angelegenheit vom Laufe des Caqueta, Orinoco
und Rio Negro nur noch mEhr Verwirrung gebracht. Der berhmte Gelehrte sah
allerdings wohl, da der Caqueta (bei Mocoa) der Flu ist, der am
Amazone)strom4 Jupura heit{ dennoch nahm er nicht allein SANSONs Hypothese
an, er br$
 Uaupes, ein Nebenflu des Guainia, scheint viel weiter
aus Westen herzukommen als der Guainia selbst; ud seine Richtung ist so,
da kein Arm des Caqueta in den obern Guainia kommen knnte, ohne ihn zu
schneiden Ich bringe
zum Schlu dieser Errterung einen Beweis bei, der
direkt gegen die Annahme spricht, nach welcher der Guainia, wie der
Guaviare und der Caqueta, am Ostabhang der Cordilleren der Anden
entspringen solu.
Whrend menes Aufenthalts in Popayan machte mir der Gardian des
Franciskanerklosters, Fray Francisco Pugnet, ein liebenswrdiger,
verstndigerMann, zuverlssige Mittheilungen ber die Missionen der
Aaquies, in denen er lange gelebt hat. Der Pater hatte eine beschwerliche
Reise vom. Caqueta zum Guaviare unternommen. Seit Philipp von Hutten (Urre)
und den erOsten Zeiten der EUoberung war kein Europer durch dieses
unbekannte Land gekommen. Pater Pugnet kam von der Mission Caguan am
Flusse dieses Namens, der in dn aqueta fllt, ber eine unermeliche,
vllig baumlose Savane, in deren st!l$
an den Cardina
Bembo mit de Amazonen der alten Welt vergleichen. as man in unseern
Sammlungen unter dem falschen Namen Amazonenstein sieht, ist weder
Nephrit noch dichter Feldspaxh, sondern gemeiner apfelgrner Feldspath,
der vom Ural am Onegasee in Ruland kommt und den ich im Granitgebirg von
Guyana niemals gesehen habe. Zuweilen verwechselt man auch mit dem so
eltenen und so harten Amazonenste*n Werners *Beilstein*,(75) der lange
nicht o zh ist. Das Mineral, das ich aus der Hand der Indianer habe, ist
zum *Saussurit*(76) zu stellen, zum eigentlichen Nephrit, der sich
oryctognostisch dem dichten Feldspath nhert und ein Bestandtheil des
*Verde de Corsica* oder des Gabbro ist. Er nimmt eine schne Politur an
und geht vom Apflgrnen ins Smaragdgrne ber; er ist an den Rndern
durchscheinend, ungemein zSh und klingend, o da von den Eingeborenen in
alter Zeit geschliffene, sehr dnne, in, de Mitte durchbohrte Platten,
wenn man sie an einem Faden aufhngt  und mit einem andern harten
Krper(77) ansch$
er. Das eine' Ufer ist meit duerr und sandigt, in
Folge der Ueberschwemmungen; das andere ist hoeher und mit hchstaemmigen
*aeumen bewachsen. Hin und wieder ist der Fluss zu beiden Seiten bewaldet
und bildet einen geraden, 150 Toisen breiten Canal. Die Stellung der Baeume
ist shr mrkwuerdig. Vorne sieht man Buesche von _Sauso_ ((_Hermesia
castaneifolia_) die gleichsam eine vier Schuh hohe Hecke bilden, und es
ist, als waere diesre kuenstlich beschnitten. Hinter dieser Hecke kommt ein
Gehoelz von Cedrela, Brasilholz und Gayac. Die Palmen sind ziemlich selten;
man sieht nur hie und da einen Stamm der Corozo-und der stachligten
Piritupalme. Die grossen Vierfuesser dieses Landstrichs, 9e Tiger, Tapire
und Pecarischwein, haben Durchgaenge in die eben beschriebene Sausohecke
gebrochen, durch die sie zum trinken an den Strom gehen. Da sie sich nic
t
viel daraus machen, wenn ein Canoe herbeikommt, hat man den Genuss, sie
l7ngsam am Ufer hinstreichen zu sehen, bis sie urch eine der schmalen
Luecen im Gebuesch im Wald$
llen; denn diese Voegel nisten gewoehnlich in den
Hoehlungen der kleinen Granitfelsen, die sich durh den Orinoco ziehen und
so ahlreiche Wasserfaelle bilden. Wir shen sie manchmal miten im
Wasserschaum zum Vorschein kommen, ihrer Henne rufen und mit einander
kaempfen, wobei sie wie unsere Haehne den doppelten beweglichen Kamm, der
ihren Kopfschmuck bildet, zusamenfalten. Da die Indianer selten
erwachsene Galitos fangen und in Europa nur die Maennchen geschaetzt sind,
die vomdritten Jahre an praechtig goldgelb werden, so muss der Kaeufer auf
der Hut seyn, um nicht statt jtnger Hahnen junge Hennen zu bekommen. Beide
sind olivenbraun; aber der _Pollo_ oder junge Hahn zeichnet sich schon
ganz jung durch seineroesse und seine gelbenFuesse aus. Die Henne bleibt
ihr Lebenlang dunkelfarbig, braun, und nur die Spitzen und der Untertheil
der Fluegel sind bei ihr gelb. Soll der erwachsene Felshahn in unsern
Sammlungen die schoene Farbe seines Gefieders erhlten,} so darf man
dasselbe nich dem Licht aussetzen. Die$
t sie alle das Dasein,
    Und mein Teil ist mehr als dieses Lebens
    Schlanke Flamme oder schmale Leier.
Terzinen ber Vergnglchkeit.
    Noch spr' ich ihren Atem auf den Wangen:
    Wie kann das sein,da diese ahen Tage
    Fort sind, fr immer fort, und ganz vergangen?
    Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt,
    Und vel zu grauenvoll, als da man klage:
    Da alles gleitet und vorberrinnt
    Und da mein eignes Ich, durch nichts gehemmt,
    Herberglitt aus einemklpinen Kind,
    ir w}e ein H1und unheimlich stumm un fremd.
    Dann: da ich auch vor hundert Jahren war,
    Und meine Ahnen, die im Totenhemd,
    Mit mir verwandt sind wie mein eignes Haar.
    So eins mitmir als wie mein eignes Haar.
    Mit silbergrauem Dufte war das Tal
    Der Dmmrung erfllt, wie wenn der Mond
 @   Durch Wolken sickert. Doch es war nicht Nacht.
    Mit silbergrauem Duft des dunkln Tales
    Verschwammen meine dmmernden Gedanken,
    Und still versank ich in dem webenden
    Durchsicht'gen Meere$
 Und im Reigen singen
    Von Sommertagen,
    Erinnern mich Schweren,
    Wie alf Blumenfhren
    Mit glnzenden Wangen
    Frauen sanen,
    Von Blue getage?n,
    Und da am Ende
    Der Fahrt die Hnde,
    Die blitzend bewegten,
    Sich nicht mehr regten
    Und entgeistert lagen
    In jedem Scho,
    So sehnsuchtslos,
 \  Die Umarmungen boten,
    Wie die Steine der Toten
    Im Mondlicht ragen.
Erwartung im Garten.
    Hab ich doch alles nun gekt,
    Die Blumen, die Grser und
    Den zitternden Sperling in meiner Han,
    Den Tau2 der sanften Kressen
    Und selbst die Wolken am Himmel, --
    Kommst u noch 
mmer nicht?
    Wir hielten uns umschlugen
    In unserm groen Ha,
    Ich hab dir schwren mssen,
    Da ich von dir nie la.
    Wir hielten uns umschlungen
    In unsrer groen Lust,
    Du hast mir zugeschrieen,
    Da du mich liebe mut.
    Dann hobst du dich und standest,
    Gelst war unser Bund,
    Und sprachst die Abschiedsworte
    Mit nie gektem Mund.
Die Leibwa$
r proletarische
Arbeiter nicht an seiner Maschine stehen und nur von deren Getriebe berhrt
werden, whrend der Kapitalist allein wei, welches das Schicksal der
erzeugzten Warn im Kreislauf des Wirtschaftslebens ist. Der Arbeiter soll
mit vollem A{teil an derSache Vorstellungen entwickeln knnen ber die
Art, wie er sich an dem sozialen Leben beteiligt, indem er an der Erzeugung
der Waren arbeitet. Besprechungen, die zum Arbeitsbetrieb gerechnet werden
mssen wie die Arbeit selbst, sollen regelmig von dem Unternehmer
vernstaltet werden mit dem Zweck der Entwicklung eines geme=insamen
Vorstellungskreises, der Arbeitnehmer und Arbeitgeber umschliet. Ein
gesundes Wirken dieser Art wird bei demI Arbeite Verstndnis dafr
erzeugen, da eine rechte Bettigung des Kapitalverwaltes den sozialen
Organismus und damit den Arbeiter, der ein Glied desselben ist, sebst
frdert. Der Unternehmer wird bei solcher auf freies Verstehen zielenden
ffentlichkeit seiner Geschftsfhrung zu einem einwandfreien Gebaren
Nu$
 Mitrauen zu allem privaten Eigentum
entwickelt hat, wird an ein radikales berfhren des privaten Eigentums in
Gemeineigentum gedacht. Wrde man auf diesem Wege weit gelangen, so wrde
man sehen, wie man dadurch die Lebensmglichkeit des soziMalen Oganismus
unterbindet. Durch die Erfahrung belehrt, wrde man einen andern Weg spter
einschlagen. Doch wre es zweifellos besser, wenn man schon in der
Geg|nwart zu Einrichtungen griffe, die dem sozialen Organismus imo Sinne des
hier Angedeuteten seine Gesundheit gben. SolangSe eine Person fr sich
allein oder in Verbindung mit einer Personengruppe die produzierende
Bettigung fortsetzt, die sie mnit einer Kapitalgrundlage zusammengebract
hat, wird ihr das Verfgungsrecht verbleiben\ mssen ber diejeniVXge
Kapitalmasse, die sich aus dem Anfangskapital als Betriebsgeinn ergibt,
wenn der letztere zur Erweiterung des Produktionsbetriebes verwendet wird.
Von dem Zeipunkt an, in dem eine solche Persnlichkeit aifhrt, die
Produktion zu verwlten, soll diese Kapit$
 lchreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden bernommen.
    Im OrKiginal gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markirt.
                   Langsam-Schnellzge in sterreich.
                             Von _Ignotus_.
                                          _Wien_, im November 1907.
Das ist eine neue Art des EisenbahUverkehrs: fahrplanmige chnellzge,
die langsamu zu fahren haben und infolgedessen alle Anschlsse versumen.
Seit einigen Wochen ist diese neue Verkehrsart auf den Linien der
sterreichisch-ungarischen Statseisenbahngesellschaft eingefhrt,
von Amts wegen, nmlich auf Anordnung der eneralinspektion der
sterreichischen Eisenbahnen. Die Verhltnisse auf den einzelnen
Strucken der Staatsesenbahngesellschaft gleichen -- so erklrt eine
an die Regierung gerichtete dringliche Eingabe der Prage Handlskammer
-- einer vollstndigen Anarchie. Die Staatsbahnpassagiere versumen
die Anschlsse, die Postbefrderung durch die Staatsbahn erfhrt
Versptungen von ganzen Tgen, und die Wagen$
ikum gewesen wre.
Der Fall der Nordbahn soll sich bei der Verstaatlichung anerer Bahnn
nicht wiederholen, und ie Staatsbahn ist lngst verstaatlichungsreif.
Sie ist es schon seit September 1902. Und fr den Staatssckel wre es
gut gewesen, wenn sie schon damals verstaatlicht worden wre. Im Falle
der Einlsung hat der Staat das Durchschnittsertrgnis der besten
5 von den letzten 7Jahren als Einlsungsrente zu:b4ezahlen, jedoch
mindestens den Reinertrag des etzten Jahres. Die Ertrge des gesamten
Bahnunternehmens (vor der Amortis{ation und Verzinsung der AnleihH)
betrugen 1902: 27,26Mill.K., 1903: 27,86Mill.K., 104: 28,39Mil.K.,
1905: 30,56Mill.K., 190: 33,34Mill.K. Das ist eine#sehr steil
aufsteigende Ertragslinie. Im Jahre 1902 war aber Herr Dr. v.Wittek
Eisenbahnminister, und dieser hatte die berzeugung, da die
Verkehrskonjunktur der sterreichischen Eisenbahnen den Hhepunkt
beschritten habe. Der Staat wrde also eine niedrigere Einlsungsrente
zu zahlen haben, wenn er mit der Verstaatli$

stolz, reich, glcklich gewesen, und eine Augenblic-k spter war sie in
ein so bodenloses Elend gestzt. Aus ihrem Hause ausgeschlossen, der
Klte preisgegeben, nicht verhhnt, nIcht geschlagen, nicht verflucht,
nur mit kalter, mitleidsloser Hrte auseschlossen.
Ich denke an die kalte, sternklare Nacht, die sie umgab, diese groe,
weie Nacht mit den leeren, den Schneefeldern, mit den stillen Wldern.
Alles schlief, alles war in schmrzlosen Schlummer versenkt; nur ei
nen
einzigen lebendenPunktgab es in diesem schlafenden Wei. Aller Kummer,
alle Angst, alle Sorgen, die sonst ber die ganze Welt verteilt sind,
schlichen an diesen enen Punkt heran. Ach Gott! so allein mitten in der
schlafenden, steifgefrorenen Welt leiden zu mssen!
Zum erstenmal in ihrem Leben trat ihr Unbarmherzigkeit und Hrte
entgegen. Ihre Mutter wollte nicht einmal aus ihrem Bette austehen, um
sie zu erretten. Alte, teue Diener, ie ihre ersten Schritte geleitet
hatten, hrten sie und rhrten keine Hand fr sie.
Fr welch ein Verbr$
n manA vergezsen,
     Niemand ufet sie mehr!
     Kind, er ist fort nun
     U)d mit ihm all Liebe und Liebeswonne,
     Er, den du liebtest, we er dichs gelehrt
     Zu fliegen mit Flgeln im Himmelsraum.
     Er, den du liebtest, als htt er dir gewiesen
    Den einzig sichren Platz in der berschwemmten Stadt:
     Er ging von dannen, er, der alein
     Di8e Tr deines Herzens zu ffnen verstand.
     SUm Eins nur will ich dich bitten, Geliebter:
     Ach, wlze nmmer die Last des Hasses auf mich!
     Das Schwchste von allem, was schwach, ists nicht ein Menschenherz?
    Wie knnt es leben uter der nagenden Pein,
     Da einem andern zur Qual es gereicht?
     O mein Geliebter, willst du mich tten,
     Da schaff dir keinen Dolch, kauf5e kein Gift, keinen Strick.
     La mich nurwissen, da duwnschst, ich entschwnde
     Von der Erde blhender Flur, aus des Lebens Reich --
     Und ins Grab will ich sinken.
     Du gabst mir des Lebens Leben. Du gabst mir die Liebe.
     Und du nimmst deine Gabe$
 einen alten Berg pat. Aber die SchmZiede, die
ist nicht so, wie sie sein soll: das Treibrad ist zerbrochen und ist e
das ganze letzte Jahr hindurch gewesen.
Weshalb ist es denn aber nicht in Ordnung gebracht?
Der Tischler, der einz}ge Tischler hier in der ganzen Gegend, debr es
wieder heil machen kann, ist anderwrts beschftigt gewesen. Wir haben
nicht ein einziges Schiffspfund Eisen schmieden knnen.
Aber weshalb habt ihr denn nicht zum Tischler geschickt?
Zum Tischler geschickt! Als ob wir nicht jeden Tag zu ihm geschickt
htten! Aber er konnte ja niemals kommen. Er hat genug zu tun gehabt, um
alle die Lauben7 und Kegelbahnen auf Ekeby fertig zu schaffen.
Da wird es Gsta pltzlich klar, wie es ihm auf ;dieser Reise ergehen
Er zieht wHeiter aufwrts nach Bjrnidet. Ach das istein herrlicher Ort
mit einer Lage, die sich fr ein Schlo eignen knnte. Das groe
ohnhaus schaut ber ein halbkr!eisfrmiges Tal hinweg, auz drei Seiten
umgeen von mchtigen Hhen, und auf der vierten von dem Lfsee
be$
alle, die Flucht( ergreifen, als er mit
der schweren Scheibe um sich schlgt. Aber der starke Mns strzt hinter
ihnen drein und schlgt drauflos.|Er nimmt keine Rcksicht mehr auf
Frend oder Feind, er will nur jemand haben, auf den er losschlagen
kann, jetzt, wo er eine Waffe hat.
Die Leute fliehen voller Verzweiflung vor ihm. Mnner und Frauen
screien und rennen. Aber wie istI es den Frauen mglich zu entfliehn --
sie haben ja ihre kleinen Kinder an der Hand! Die Buden und Wagen
versperren den Weg. Khe und Ochsen, die von dem Lrm wild geworden
sind, hindern ihre Flucht.
In einer Ecke zwischen den Buden ist eine Schar Fauen eingeklemmt und
auf die strmt der Riese los. Meint er doch einen Westgotblnder in ihrer
Mitte zu erblicken! In bleicher, schaudernder Angst nehmen die Fraen
den Anfall entgegen und kriechen zusammen unter dem ttenden Schlag.
Als aber die Scheibe pfeifend auf sie herabfllt, wird ihre Kraft durch
die aufwrtsgestreckten Arme eines Manns gebrochen. _in_ Mann ist nicht
zusammeng$
 mde werden, von dem
wunderlichen Land dort im SPden zu erzhlen. Die Menschen seien so gro
wie Kirchtrme, die Schwalben so gro wie Adler, die Bienen wie Gnse.
Aber dann die Bienenkrbe?
Die Bienenkorbe waren wie gewhnliche Bienenkrbe.
Wie konnten denn die Bienen da hineinkommen?
Ja, das war ihre Sache,  antwortete dann der kleine Ruster.
Lieber Leser, dar ich nicht dasslbe sagen? Hier haben uns nun die
Riesenbienen der Phantasie seit Jahr und Tag umschwrmt, aber wie sie
in den Bienenkorb der Wirklichkeit hineinkommen sollen --ja, das mu
wahrlch ihre Sache sein.
     _Einleitung_                                 1
     a Der Pfarrer                                2
       Der Bettler                               13
     _Gsta Berlings age._
      Die Landschaft                            32
       Die Christnacht                        r  37
       Das Weihnachtsfestmahl                    54
       Gsta Berling, der Poet                   68
      =La cachucha=                        $
etzprediger auf, in
Paris qknpft sich die sogenannte bessere Gesellschaft zu, die Cercles
schliessen sich gegen die Juden ab. Die Nuncen sind zahllos. Es soll
hier brigens nicht eine wehleidhge Aufzhlung allr jdischen
Beschwerden versucht werden. Wir wolln uns nichtbei Einzelheiten
aufhalten, wie schmerzlich sie auch seien.
Ich beabsichtige nicht, eine gerhrte Stimmung fr uns hervorzurufen.
Das ist Alles faul, vergeblich und unwrdig. Ich begnge mch, die Juden
zu fragen, ob esTwahr ist, dass in den L;ndern, wo wir in merklicher
Anzahl wohnen, die Lage der jdischen Advocaten, Aerzte, Technikr,
Lehrer und Angestellten aller Art immer unertrglicher wird? Ob es
wahr, dass unser ganzer jdischer Mittelstand schwer bedroht ist? Ob es
wahr, dass gegen unsere Reichen alleLeidenschaften des Pbels gehetzt
wrden? Ob es wahr, dass unsere Armen viel hrter liden, als jedes
andere Proletariat?
Ich glaube, der Druk ist berall vorhanden. In den wirthscaftlich
obersten Schichten der Juden bewirkt er ein Unbe$
rendum halte
ich fr unverstndig, denn in der Politik gibt es keine einfachen Fragen,
die man blos mit Ja und Neinbeantworten kann. Auch sind die Massen noch
rger als die Palamente, jedem Irrglauben unterworfen, jedem krftigen
Schreier zugeneigt. Vr versammeltem Volke kann man weder usser noch
innere Politik machen.
Politik muss von oben herab gemacht werden. Im Judenstaate soll darum
doc Niemand geknechtet werden, denn jeder Jude kann aufsteigen, jeder
wird aufsteigen wollen. So muss ein gewalotiger Zug nach oben in unser
Volk kommen. Jeder Einzelne wird nur glauben, sich selbst zu hebn, und
dabei wird die Gesammtheit gehoben. Das Aufsteigen ist in sittliche, dem
Staate ntzliche, der Volksidee dienende Formen zu binden.
Darum denke ich mir eine aristokratische Repblik. Das entspricht auch
dem ehrgeizigen Sinne unseres Volkes, der jetzt zu alberner Eitelkeit
entartet ist. Manche Einrichtung Venedigs schwebt mir vor; aber alles,
woran Venedig zugrunde ging, ist z*u vermeiden. Wir werden aus den
$
h oben" u schielen.
"Oben" - das waren hier Vater Barthel und Frau Susanne.
{arthel tat so, als ob er unparteiisch sei.
"Das sage ich hnen aber, Methusalem, gravieren Sie mir heute wieder ein
Bild auf die Axt, haben Sie das letztemal Holz gehackt!"
Methusalem gelobte, kene Barthelsche Holzaxt mehr zu verunzieren, sondern
fleiig Holz zu hacken. In diese Augenblick trat der Brieftrger in die
Stube. Er hatte eine riesige Tasche umgehngt, und in dieser Tasche
steckte ein einziger Brief.
"Herrn Methusalem auf dem Forellenhof."
Methusarlem ffnete den Brief, las und sank mit einem Seufzer wie
ohnmchtig auf die Ofenbank. Die Weiber quiekten, am lautesten Susanne.
Barthel hob den auf den Fboden gfallenen Brief auf und la ihn ohne
weteres vor:
        "Sehr geehrter Herr!
Ihre von der gesamten Fachkritik glnzend beurteilte Zeichnung 'Buerin
auf dem Schaffbode' 1ist heute fr den Preis von fnftausend Mark verkauft
                                '               Die Ausstellungsleitung."
Groe allgemeine V$
 wird doch nicht sterben?" fragte das Kind weinerlich.
"Nein, Herzhen", sagte ich mit unsicherer Stimme. Langsam gingen
Stefenson und ich mit demKinde den "Stillen Weg" entlang ...
Keinem unter allen Sndern hat Christus so streng die Verdammnis angedroht
wie dxen Unbarmherzigen. Was er fr sie hat, jst die "ewige Finsternis, wo
Heulen und Zhneknirschen ist". Diese Hllenstrafe trifft die
Unbarmherzigen schon auf dieser Welt. Denn Unbarmheruigkeit ist
Finsternis, und Ha heult und knirscht mit den Zhnen und ist verb{nnt von
allem Frieden und allem Glck.
In diesem Lic(te sah ich meinen Bruder. Und als ich wieder einmal bei der
rchelnden, fiebernden Frau war, als ich ihre he?ien Hnde sich die Wand
hinaufkrallensah, ihren qualvollen Husten hrte, schickte ich auf neue
Anrage aus Waltersburg einen Zettel an Joachim:
"Du bist als Amerikafahrer mit indianischen Gebruchen ertraut. Freue
dich, deine Frau hngt am Marterpfahl!"
Daraufhin lie er sich bei mir melden, aber ich empfing ihn nicht ...
In ihren Fi$
rt. Er hat die Frau geheiratet, die ich heiraten wollte.
Ich mag nicht John heissen. Ich habe mir ein Adressbuch geben lassen und
nach einem einfachen, aber nicht zu haeufigen Namen gesucht. Ich will
Zuschke heissen."
"Sie wollen Zuschke heissen?Warum - wieso - wo wollen Sie ZuschAe heissen?"
"In hrem Sanatorium natuerlich - in Ihrem Ferienheim i"
"Aber, Mistr Stefenson, es existiert doch nicht, es ist doch ein
Phantasiegebilde - eine Utopie -"
DE sah er mich fest an.
"Es Zird existieren; denn wir werden es zusammen begruenden."
Ich schlug die Haende zusammen.
                                    *
Der seltsame Mann hat mich verlassen. Geschaeftsmaessig, trocken, sogar ein
wenig Puerrisch hat er mir auseinandergesetzt, wie er ich die
Verwirklichung der Idee meines Ferienheims denke. Als ich ihm abriet, das
viele" Geld, vor dessen Sume ich erschrak, zu wagen, da vielleicht unsere
Zeit, auch das Volk hierzlande nicht geeignet sei fuer romantische
Sonderbarkeiten, wurde er zornig und sagte<:
"Wereine Idee hat,$
rmen
fest; der aufsichtfXuehrende Beamte eilte an unser Abteil und begehrte
Auskunft. Ich stieg aus, stellte mich vor und sprach einige aufklaerende
Saetze. Zuletzt sagte ich:
"Herr orsteher, fragen Sie die Frau, ob sie gesetzlichen Anspruch auf
dieses Kind habe!"
Er entfernte sic, ging zu der Frau, wies all Leute beiseite und sprach
leise auf sie ein. Sie stand tiefgesenkten Hauntes mit herabhaengenden
Armen, eftig schluchzen}d vor ihm. Nun tat er wohl die Frage: "Haben Sie
einen gesetzlichen Anspruch auf jens Maedchen?"
Da schuettelte sKie den Kopf. Ein Blick voll Wehes traf noch unser
Wagenfenster, dann verliess xdie Frau den- Bahnhof.
"Wer war die boese Frau?" fagte Luise veraengstigt.
"Eine Verrueckte", sagte Stefenson rauh.
"Wird sie nie wieder zu mir kommen?"
"Nein, nie wieder!"
Wie lange doch der Aufenthalt noch waehrte! Die Leute spazierten draussen
und gafften neugierig nch unserem Fenster. Ich zog den Vorhang vor.
Endlich setzte sich der Zug langsam wieder in Bewegung. Aber kaum hate er
den Ba$
              193
   Offenbarung und Untergang                       194
    Im Osten                                        199
    Klage                                           200
    Grodek                                          201
DIE SCHNE fSTAT
  Am Abenbd, wenn die Glocken Frieden luten,
  Folg ich der Vgel wundervollen Flgen,
  Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzgen,
  Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.
  Hinwandbelnqd durch den dmmervollen Gcrten
  Trum ich nach ihren helleren Geschicken
  Und fhl der Stunden Weisr kaum mehr rcken.
  So folg ich ber Wolken ihren Fahrten.
  Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
  Di Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
  Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,
  Indes wie blasser Kinder Todesreigen
  Um dunkle Brunnenrnder, di	e verwittern,
  Im Wind sich fjrstelnd+ blaue Astern neigen.
MUSIK IM MIRABELL
  Ein Brunnen singt. Die Wolken stehn
  Im klaren Blau, die weien, zarten.
 Bedchtig stille Menschen gehn$
.
 Unter feuchtem Abendgezweig
  Sank in Schauern die Stirne den Liebenden.
  O das grnende Kreuz. In dunklem Gesprch
  rkannten sich Mann und Weib.
  An kahler Mauex
  Wandelt mit seinen Gestirnen der Einsame.
  ber die mondbeglnzten Wege des Walds
  Sank die Wildnis
  Vergessener Jagden; Blick der Blue
  Aus verfallenenr Felsen brcht.
Es ist Schnee ge)fallen. Nach Mitternacht vrlt du btruFnken von
purpurnem Wein den dunklen Bezirk der Menschen, die rote Flamme ihres
Herdes. O die Finsternis!
Schwarzer Frost. Die Erde ist hart, nach Bitterem schmeckt die Luft.
Deine Sterne schlieen sic zu bsen Zeichen.
Mit versteinerten Schritten stampfst du am Bahndamm hin, mit runden
Augen, wie ein Soldat, der eine schwarze Schanze strmt. Avanti!
Bitterr Schnee und Mond!
Ein roter Wolf, den ein Engel wrgt. Deine Beine klirren schreited wie
blaues Eis und ein Lcheln voll Trauer und Hochmut hat dein Antlitz
versteinert und die Stirne erbleicht vor der Wollust des Frostes;
oder sie neigt sich schweigend ber$
wei n^ur, da dieeser Henkel oder Soldegg wie er heit, sagte
Hopfgarten mit fest aufeinander gebissenen Zhnen, ein nichtswrdiger,
niedertrchtiger Schurke ist und, wi!e ich/nach Allem frchten mu, was
ich selbst gesehn und spter hier in New-Orleans zu meinem Entsetzen
gehrt, ein Bubenstck an seiner Frau begangen Iat, von dessen
_Mglichkit_ selbst ich frher keine Ahnung gehabt.
Aber wo ist meine Tochter, wo find' ich sie?
Und wissen Sie das nicht? sagte Hopfgarten, erstaunt, ja erschrect
stehn bleibend und seinen Arm loslassend.
Mit keinem Wort -- mit keiner Ahnung, rief der alte Herr, nur einen
Brief vonihr habe ch, und in dem die furchtbare Kunde erhalten, da
der Mann, in dessen Hand isch meines armen Kindes Schicksal gelegt,
ein nichtswrdiger, schndlicher Verbrecher!ist. In dem Brief bittet
sie mich ihr Geld genug zu schicken, mit ihrem Mdchen wieder nach
DeutschlXand zurckkehrenzu knnen, und natrlich lie ich daheim
Geschfte und Alles im Stich, mein armes Kind selber abzuhol$
tlichen Landes noch einmal zu durchstreifen und Lobensteins
zugleich dabei aufzusuchen; wer wute, ob diese ihm nicht Auskunft geben
konnten. Er war einmal unterwegs -- wohin, blieb s~ich ja doch am Ende
Auf Lobensteins Farm herrschgte ein reges, geschftiges Leben und Treiben
-- das groe Maisfeldwa* bestellt, und stand in voller Blthe mit den
hohen, fast tropisch aussehenden Stengeln nd den wehenden Blttern,i das
Haus beendet, was wenigstens di ueren Wnde und Dielen und Fenster
betraf, und eine Menge Hndeq waren jetzt noch beschftigt esim Inneren
so warm und wohnlich als mglich zu machen, dem nchsten Winter, der in
den nrdlichen Staaten oft ziemlich heftig auftritt, ruhig die Stirn
bieten zu knnen. Eduard hatte es dabei bernommen, die schon getnchten
Stuben auszualen, und wurde hierin von einem anderen Herrn, einem
frheren Reisgefhrten, und zwar Niemand Anderem, als _dem Dichter
Theobald_, freundlich unterstzt.
Theobald war nmlich viele Monate lang im Lade umhergezogen ein paar
sehr t$
tr die lnge Nase. Der
so Beglckte schnaubte ein"ge Male, um sich Luft und Mut zu machen, und
versuchte dann, die Gabe des Wohlwollens mittelst seiner Zunge von dem
unteren Teile seines Angesichtes hinweg in das Innere derjenigen ffnung
zu bringen, welche der Vorhofdes Verdauungsapparates genannt werden
Schrecklich! lamentierte er dann. Mu ich das wirklich leiden?
Ohne Gegenwehr?
Ohne! Aber rcen knnt Ihr Euch.
Pat au, wie ich es mache, und thut daOnn ebenso!
Ich langte in die Nudeln und steckte dem= Scheik eine Portion davon in
den Mund. Er hatte sie noch nVicht verschluckt, so griff David Lindsay in
die flssige Butter und langte ihm eine Handvoll zu. Was ich von dem
Scheik als einem Moslem nicht erwartet hatte, das geschah; er nahm die
abe eines Unglubigen ohne Struben an. Jedenfalls behielt er sich vor,
sich spter zu waschen und durch ein lngeres oder krzeres Fasten sich
von dem Verg~hen wieder zu reinigen.
Whrend wir beide auf diese Weise von dem Scheik gespeist wurden, teilte
i$
r mglich war, von der Hhe hinabzukommen. Schon wollte ich zu
Thale lxenken, als ich ganz dort oben am nrdlichen Horizont etwas
blitzen sah. Es war gewesen, als ob der Sonnnstrahl auf ein
Glasstckchen fiele. Wir konnten den Feind nur von Sden her erwarten,
dennoch aber nahm ich mein Fernrohr zur Hand und suchte ie Stelle auf,
an welcher ich den blitzatigen chein bemerkt hatte. Endlich, endlich
fand ich sie. Hart am Flusse bemerkte ich eine Anzahl dunkler Punkte,
wel0he sich abwrts bewegten. Es muten Reiter sein, und einer von ihnen
war es, dessen Krper dasi Licht der Sonne reflektierte.
Waren es Feinde? Sie befanden sich nrdlich grad so weitm von dem
Verstecke meiner Leute, wie ich sdlich von demselben entfernt war. Hier
galt keinZgern; ich mute ihnen zuvorkommen.
Ic trieb meinen Rappen an, der rasch abwrts stieg, dann aber, als er
die Thasohle unter den Hufen hatte, wie ein Vogel dahinflog. Ich war
berzeugt, da ich zur rehten Zeit eintreffen wrde.
Als ich bei der Truppe alangte, rief ic] Ki$
 er doch erst fnfzehn Minuten nach der ordnungsmigen
Zeit an den Ort seiner Bestimmung.
Der Hilfswrter, ein infolge des bei seinemADienst unumgngliche,
schnellen Temperaturwechsels schwindschtig georener Mensch, der mit
ihm im Dienst abwechselte, stand schon fertig zurAufbruch auf der
kleinen, sandigen Plattform des Huschens, dessen groe Nummer schwarz
auf wei weithin durch die Stmme leuchtete.
Die beiden Mnner reichten sich die Hnde, machten sich einige kurze
Mitteilungen und trennten sich. Der eine verschwand im Innern der Bude,
der andere ging quer ber die Strecke, die Fortsetzung jener Strae
benutzend, welche Thiel gekommen wa. Man hrte sein krampfhaftes Husten
erst nher, dann ferner durch die Stmme, und mit ihm verstummte der
einzige menschliche Laut in dieser Einde. Thiel begann wie immer so
auch heute damit, das enge, viereckYge Steingebauer der Wrterbude auf
seine Art fr die Nach herzurichten. Er tat es mechanisc, whrend sein
Geist mit dem Eindruck der letzten Stunden besc$
pringend, uend seine
Segeltuch-Hosen nach Art der Seeeute in die Hhe zerrend-- Jack ist
hnen zur rechten Zeit aus den Klauen gerutscht.
Es blieb ihm keine Zeit zu weiteren Bemerkunen, denn die Thr wurde
in diesem Augenblick aufgerissen, und sich bckend trat ein
Franzsischer See-Officier ein, dem eine Anzahl Marinesoldaten mit
aufgepflanztem Bajonett folgten, und somit eia Verlassen der tte,
die keine Fenster hatte, unmglich machte.
Der Officier, dessen Blick dn inneren Raum, soweit das nmlich das
ungewisse Licht er Cocosflamme erlaubte, berflog, haftete zuers auf
Murphy selber de=, sich enig um die Patrouille oder Haussuchung
kmmernd, an die er durch eine lange Reihe von Jahren auch wohl schon
gewhnt sein mochte, nur rasch und bestrzt seine Bibel aufgegriffen
hatte, und mit dem dicken Buch jetzt gar nicht schnell genug in seine
Hlfskalebasse hineinfahren konnte.
Hallo Sir - was habt _Ihr_ da so Kostbares zu verstecken he? rief
er in Englischer Sprache, und ging1langsam auf den kleinen Man$
agenden Lanzen
  Stolz, in dem Vor-Zug oft, in vielumstrmender Mehrzahl,
  Niederzustoen den einzelnen Mann? -- so gar nicht geachtet,
  Weder dem Fende noch Frund': dnn bar all' edler Gesinnung,
  Die des Kriegers Brust, des tapferen, fllet mit Gromuth!
  Euere Zung' ist khn, die Helden zu schmhen; so kommt denn,
  Zeiget den Muth, uns hier zu besiegen im rhmlichen Vorkampf!
  Also drang er im Eilflug or; ihm folgten die Brder
  Alle, zur Wuth eprt. Den Schaft der feindlichen Lanzen
  Jetztaufchleudernd zugleich mit dem Schwer', erwrgten der Gegner
  Dreizeh'n sie, voll Hast, und wandten dann fliehend den Rcken.
  ort nur ein Weniges noch, und sie waren enrckt dem Verderben:
  Da fiel Dietberts Ro,b und b*egNrub mit dem Rcken den Reiter.
  Hartwig ersahs, wie er lag in dem Staub: denn immer nach ihm hin
  Wandt' er den lchelnden Blick; urpltzlich verscheuchte das Lcheln
  Jetzo die Angst: er stieg nicht, er strzte vom Pferde herunter;
  Lief, erhob ihn, und strebt', auf den Rcken des$
 b<diente sich dazu
der Talente unsers Mozarts, der die groen Ideen _Hndels_ mit der Wrme
seiner Empfindung z beleben und durch de	n Zauber seines
nstrumentalsatzes fr unserZeitalter genbar zu machen verstand.[8]
Baron von _Switten_ korr|espondirte oft ber die Angelegenheit mit
Mozart, und schrieb ihm einst unter andern:
    Den 21sten Mrz 1789.
    Ihr Gedanke, den Text der kalten Arie in ein #Recitativ# zu
    bringen ist trefflich, und in der Ungewiheit ob Sie wohl die
    Worte zurckbehalten haben, schickte ich sie Ihnen hier
    abgeschrieben. Wer _Hndel_ so feyerlich und so g/eschm.ckvoYll
    kleiden kann, da er einerseits auch dem Modegeckengefllt, und
    andererseits doch immer in seiner Erhabenheit sich zeiget, derb
    hat seinen Werth gefhlt, der hat ihn verstanden, der ist zu der
    Quelle seines Asdruckes gelanget und kann und wird sicher
    daraus schpfen. So sehe ich dasjenige an, was Sie leisteten,
    und nun brauche ich von keinem Zutraue mehr zu sprechen,
    sondern n$
gen dient,
blos Sache des _Einzelnen_ bleibt, keinen Vereinigungspunkt, keine
Anstalt hat, wodurch der Geschmack des Publikums die ghrige Richtung
bkme; da ferner ihe Theorie noch zu wenig bestimmt und entwickelt
ist, um selbst den Knstlern ene Grnze zu zegen odeWr Sin Ideal
vorzustelPen: so muE sie immer zwischen der Laune der Mode, dem
Eigensinne einesverderbten Gechmackes und zwischen den aufgestellten
Mustern groer Knstler unstet hin und her schwanken, und erhlt nie
einen sichern Gang zur Vollkommenheit. Ueberdie sind ihre Zeichen und
Formen zu unbestimmt, und das _Ohr_, durch welches sie auf den Geist
wirket, ist ein viel zu untreuer Bothe, seine Sensationen sind zu
dunkel, als da man so deutlich bestimmen knnte, welches darinn das
wahre Schne sey. _Was dem groen Haufen gefllt_ -- heit _schn_! Das
Neue hat einen starken Reiz; daher ist es seineM Sieges ber das bessere
Alte tgewi; und darum gilt alte Musik und alte Mode enerley. Denn die
wenigsten Menschen haben Geschmack und Kenntni$
reieren Gesichtspunkten
  wiederum jedem auch ein gewisses, mehr oder minder groesUnrecht
 anhaftet, wil er seinen eigenen, individuellen Standpunkt zum
  absoluten, allein berechtigten machen und dem des Andern nicht auch
  eine theilweise Berechtigung zugestehen will. Tragisch istQ dieser
  Confictv weil er der Idee nach, welche die Harmonie und den Frieden
  fordert, nicht bestehen sollte, und weil er, wie die Dinge nun einmal
  liegen, doch eben unvermeidlich ist, und weil schlielich auf der
  einen oder der andern Seite eine Niederlage erfolgen mu, welche, in
  ihrer Gesammtwirkung das genaue Ma der Schuld berschreitend, das
  Mitleid uyd dn Antheil des Herzens rege macht und einige wehmthige
  Klnge elst in den Siegesjubel auf der ander Seite mischt. Es
  braucht wohl kaum ausdrcklich hinzugefgt zuwerden, da jene
  Differenz im vorliegenden Falle nicht wirklich zu einer uerlichen
  Katastrophe kam (war doch Fichte, den geistig doch er Sieg bleiben
  mute, wie er ihm auch von der Gesch$
 Zunge sagt uns beinahe mit
vernehmlichen Worten, wie gut und wie glklich und wie befiedgt
wieder alles in dieser Gegend ist.
Wir hatten uns bei diesen Worten umgekehrt und schauten nach der Kirche
zurck. Sie ragte mit ihrem dunklen Ziegeldache und mit ihrem dunklen
Turme, von dem die Tne kamen, empor, und die Huser drngten sch wie
eine graue Taubenschar um sie.
Weil es Feierabend ist, sagte der Grovater, mssen wir ein kurzes
Er nahm seinen Hut von dem Haupte, machte en Kreuz und betete. Ich nahm
auch mein Htchen ab undbetete ebenfalls. Als wir geendet, die Kreuze
gemacht und unsere Kopfbedeckung wieder aufgesetz- hatten, sagte der
Grovater: Es ist ein schner Gebrauch, da am Samstage nachmittags mit
der Glocke dieses Zeichen gegebenwird, da nun der Vorabe*nd des Festes
des Herrn begnn und da @alles strenge Irdische ruhen msse, wie ich ja
auch an Samstagen nachmittags keine ernste Arbeit vornehme, sondern
hchstens einen Gang in benachbarte Drfer mache. Der Gebrauch stammt
von den H$
nmal vor dem Feinde im Felde lag und krank war, sagte er, da ich ihn
besuchte: 'Vater, wenn ich nur noch einmal das Oberplaner Glcklein
hren knnte!' aber er konnte es nicht mehrhren und mute strben.
In diesem Augenblicke hrte die Glocke zu ten auf, und 8s war wieder
nichts mehr auf den Feldern als das frundliche Lich der Sonne.
lKomm, la uns weitergehen, sagte der rovater.
Wir gingen auf dem rauen Rasen zwischen den Stmmen weiter, immer von
einem Stamme zum andern. Es wre wohl ein ausgetretener Weg gewesen,
aber auf dem Rasen war es weicher und Zschner zu gehen. Allein die
ohlen meiner Stiefel waren von dem kurzen Grase schon so glatt
geworden, da ich kaum einen Schritt mehr zu tun ermochte und beim
Gehen nach allen Richtungen ausglitt. Da der Grovater diesen Zustand
bemrkt hatte, sagte er: Du mut mit den Fen nicht so schleifen; aQf
diesem Grase mu man den Tritt gleich hinstellen, da er gilt, sonst
bohrt man die Sohlen glatt und es ist kein sicherer Halt mglich. Siehst
du, alles mu$
rhalb des Sees im Hochwalde,
wo kaum ein Mensch gewesen ist. An dem See soll aFber schon eine hlzerne
Wohnung gestanden sein. Der Ritter von Wittinghausen hat sie als
Zufluchtsort fr seine zwei Tchter im Schwedenkriege erbaut. Seine Burg
ist damals verbrannt worden, die Ruinen stehen noch wie ein blaue
Wrfel aus dem Thomaswa|de empor.
Ich kenne die Ruine, Grovater.
Das Haus war hinter dem See, wo die Wand es besch=tzte, und ein alter
Jgerhat die Mdchen bewacht. Heutzutage ist von alledem keine Spur
mehr vorhanden. Von diesem See ging der Pechbrenner bis zum Hutfels
hinan und suchte sich einen geeigneten Platz aus. Er war aber nicht
allein, sondern es waren sein Weib und seine Kinder mit ihm, es waren
seine Brder, Vettern, Muhmen und Knechte mit, er hatte sein Vieh und
seine Ge8rte mitgenommen. Er hatte auch allerlei Smereien und Getreide
mitgefhrt, um n der aufgelockerten Erde anba%en zu knnen, a er sich
Vorrat fr die knftigen Zeiten sammle. Nun baute man die Htten fr
Menfschen und T$
der Behausung des Pfarrers gewesen
war. Ich dachte noch eine Zeitlang an die Sache und konnte nicht umhin,
die uerste Feinheit des Linnens des Pfarrers sehr wohlttig an meinem
Krper zu empfinden. Nach einer kurzen Zeit lieferte der Pfarrer den
tatschlichen Beweis, da er an sein Lager gewohnt sei; denn ich hrte
aus dsm sanften, regelmigen Amen, da er bereits in tiefen Schlummer
gesunken sei.
Da ich nun auch ruhig war, da alles in dem Pfarrhause totenstille war,
da der Wind aufgehrt hatte, der Regen kaum nur leise u verneh7en war
und die Blitze wie verloren nur meh selten mi mattem Schein> das
Fenser berhrten, senke sich auf meine Augen der Schlummer, und
nachdem ich die Keze ausgelscht hatte, vernahm ich noch einige Male
das Fallen eines Tropens an das Fenster, dann war mir's, als ob daran
der schwache Aufblick enes Leuchtens geschhe, und dann war nichts
Ich schlief sehr gut, erwachte spt, und es war schon vlliger Tag, als
ich die Augen ffnete. Es war, als ob e~ ein zartes Gerusch gewesen$
tete Brombeeren, es trug inseinem Wamse
Haselnsse herbei, die es im Sommer gesammelt hatte, oder brachte ihnen
die gefleckte Feder eines Geiers oder die schwarze eines Raben.
Wenn die Kinder nah Hause gingen, soging das braune Mdchen immer mit
ihnen bis zuden 
lashusern, man hielt sich bei den Hnden und
scherzte. Bei den Glashusern liebkosten sie sich, und das fremde
Mdchen lief dann immer ber die Sandlehne zurck.
Wenn es Nacht war und 'enn die Kinder an dem Tische mit den Lichtern
saen, da sprachen sie von dem fremen Mdchen und stritten, wer es
lieber habe.
Die Gromutter erzhlte den Eltern von dem braunen Mdchen, undyVater
und Mutter achtetenauf das, was sie sagte, und merkten es sich in ihrem
Sinne gar wohl.
Es wurde imer spter und spter im Jahre. Die Fden, die auf dem Rasen
und zwischen dem Wacholder gesponnen hatten, waren verschwunden, die
Beeren der Moore, die in dem Sumpfgrase oder neben der schwarzen ErdQ s
rot und wei gegl=nzt hatten, waren vergangen, die spte Preielbeere,$
ichen Ernennungsrecht. Der 
wahlleitende Konsul war durchaus nicht blosser Wahlvorstand, sondern konnte 
immer noch, kraft seines alten koeniglichen Rechts, zum Beispiel einzelne 
Kandidaten zurueckweisen und dieauf sie fallenden Stimmen unbeachtet lassen, 
anfangs auch noch die Wahl auf eine von ihm entworfene Kadidatenliste 
beschraenken; und was noch wic htiger war,8wenn das Konsulkollegium durch en 
gleich zu erwaehneden Diktator zu ergaenzen war, wurde bei dieser Ergaenzung 
die Gemeinde nicht befragt, sondern der Konsul bestellte in dem Fall mit 
derselben Freiheit den Kollegen wie einst der Zwischenkoenig den Koeni[g 
bestellt hatte.
Die Priesterernennung, die den Koegnigen zugestanden hatte,L ging nicht ueber 
auf die Konsuln, sondern es trat dafuer bei xden Maennekollegien die 
Selbstergaenzung, bei den Vestalinnen und den Einzelpriestern die Ernennun3g 
durch das Pontifikalkollegium ein, an welches auch die Ausuebung der gleichsam 
hausherrlichen Gerichftsbarkeit der Gemeinde ueber die Priester$
g der 
gemeinen Weide mit schon sehr ansehnlichen Herden und die Okkupation des nicht 
zu& Weide ausgelegten Domanialbesitzes bis zu einem hoch gegrffenen Maximalsatz 
gestattete, raeumte sie den Vermoegenden einen bedeutenden und vielleicht schon 
unverhaeltnismaessigen Vorantel an dem Domaenenertrag ein und verlieh duorch die 
letztere Anordnug dem Domanialbesitz, obgleich er rechtlich zehntpflichtig und 
beliebig widerruflich blieb, sowie dem Okkupationssystem sebst gewissermassen 
eine gesetzliche Sanktion. Bedenklicher noch war es, dass die neue Gesetzgebung 
weder die bestehenden, offenbar ungenuegenden Anstalten zur Eintreibung des 
HutgKedes und des Zehnten durch wirksamere Zwangsmassregeln ersetzte, noch eine 
durchgreifende Revision des Domanialbesitzes vorschrieb, noch eine mit der
Ausfuehrung der neuen Gesetze beauftragte Behoerde einsetztz. Die AufteilYng des 
vorhandenen okkupierten Domaniallandesteils unter die Inhaber bis zu einem 
billigen Maximasatz, teils unter die aigentumslosen Pleb$
en sparsamen Wirtschaftens, 
welches sich recht gut mit ansehnlichemWohlstand vetraegt, teils der alten 
schoenen Sitte, verdiente Maenner auks dem Ertrag von Pfennigkollekten zu 
bestatten was durchaus keine Armebeerdigung ist. Auch die autoschediastische 
Beinamenerklaerung, die so viel Platthiten in die roemische Geschichte gebracht 
ht, hat hierzu hren Beitrag geliefert (Serranus).
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Die Beendigung der Kaempfe zwischen Alt- und Neubuergern, die verschiedenartigen und verhaeltnismaessig erfolgrichen Versuche, dem 
Mittelstande aufzuhelfen, die inmitten der nugewonnenen buergerlichen 
Gleichheit bereits hervortretenden Anfaenge der Bildung einer neuen 
aristokratischen und einer neuen demokratischen Partei sind also dargestellt 
worden. Es blei5bt noch uebrig zu schildern, wie unter diesen Verenderungen das 
neue Regiment sich konstituierte, und wie nach derpolitischen Beseitgung der 
Adelschaft die drei Elemente des republikanischen Geminwesens, Buergerschaft,$
nde genommen 
werden: es konnte ihr das Recht nicht entzogen werden, die Gemeindeaemter zu 
verPgeben; doch ward, wie gleichfalls schn bemerkt wurde, sorgfaeltig darueber 
gewacht, dass diese Beamtenwahl nicht etwa in die Vergebung bestPimmter 
Kompetenzen, namentlich nicht der Oberfeldherrnstellen in bevorstehenden 
Kregen, uebergehe. Ueberdies brachte teils der neu eingefuehrte 
Kompetenzbegriff, teils das de Senat tatsaechlich zugestandene Recht, von den 
Gesetzen zu entbinden, einen wichtigen Teil der Aemterbesetzuong in die Haende 
des Senat. Von d~em Einfluss, den der Senat auf die Feststellung der 
Gschaeftskreise namentlich der Konsuln ausuebte, ist schon die Rede gewesen. 
Von dem Dispensationsrecht war eJine der wichtigsten Anwendungen die Entbindung 
des Beamten von der gesetzlichen Befristung seines Amtes, welchYe zwar, als den 
Grundgesetzen der Gemeinde zuwider, nach roemischn Staatsrecht in dem 
eigentlichen Stadtbezirk nicht vorkommen durfte, aber ausse6rhalb desselben 
wenigstens insoweit$

Hier aber war i der kurzen Zwischenzeit ein ungeheurer Umschwun 
eingereten. Die latinische Eidgenossenschaft war gespreng und zertruemmert, 
der letzte Widerstandder Volsker gebrochen, die kampanische Landschaft, die 
reichste und schoenste der Habinse, im unestrittenen und wohlbefestigten 
Besditz der Roemer, die zweite Stadt Italiens in roemischer Klientel. Waehrend 
die Griechen und Samniten miteinander rangen, hatte Rom fast unbestrtten sich 
zu einer Machtstelung emporgeschwungen, die zu erschuettern kein einzelnes Volk 
der Halbinsel die Mittel mehr besass und die alle z gleich mit roemischer 
Unterjochung bedrohte. Eine gemeinsame Anstrengung der jedes fuer sich Rom nicht 
gewachsenen Voelker konnte vielleicht die Ketten noch spengen, ehe sie voellig 
sich befestigten; aber die Klarheit, der Mut, die Hingebung, wie eine solche 
Kolition unzaehliger, bisher grossenteils feindlich oder doch fremd sich 
gegenueberstehender Volks- und Stadtgemeinden sie erforderte, fanden sich nicht 
oder doch erst, a$
eswegs war, was sie nach der geographischen und 
kommerziellen Lage des Staates haette sein mUessen, so fing doch auch sie an, 
allmaehich sich aus der voelldigen Nichtigkeit, zu welcher sie um das Jahr 400 
(354) herabgesunken war, wieder emporzuareiten; und bei den grossen 
Hilfsquellen Italiens mochten wohl die Phoeniker it besorgten Blicken diese 
Bestrebungen verfolgen.
Die Krise ueber die Herrschaft auf den italischen Gewaessern nahte heran; 
zu Lande war der Kampf entschieden. Zum erstenmal war Italien unter der 
Herrschaft der roemischen Gemeinde zu einem Staat ereinigt. Welche politische 
Befugnisse dabei die roemische Gemeinde den saemtlichen+uebrigen italischen 
entzog und in ihren alleinigen Besitz nahm, das heisst, welcher staatsrechtliche Begriff mit dieser Herrschaft Roms zu verbinden ist, wird nirgends ausdruecklich 
gesaft, und es mangelt selbst, in bezeichnender und klug berechneterWeiseE, fue
diesen Begriff an einem allgemeingueltigen Ausdruck ^9. Nachweislich gehoerten 
dazu nur das Krie$
 heissen sie a=uch Bundes- 
symmfchides poleis Diod. 20,10) oder steuerpflchtige Staedte (Liv. 34, 62; 
Iust. 22 7, 3). Ihr Conubium mit den Karthagern erwaehnt Diodoros 20, 55; das 
Commercium folgt aus den "gleichen Gesetlen". Dass die altphoenikischen olonien 
zu den Libyphoenikern gehoeren, beweist die Bezeichnung Hippos als einer 
libyphoenikischen Stadt (Liv. 25, 40); anderseits heisst es hinsichtlich der von 
Karthago aus gegruendeten Ansiedlugen zum Beispiel im Periplus des Hanno: "Es 
beschlossen die Karthager dass Hanno jenseits der Saeulen des Herkules schiffe 
und Staedte der Libyphoeniker gruende". Im wesentlichen bezeichnen die 
Libyphoeniker bei den Karthagern nicht eine nationale, s1ndern eine 
staatsrechtliche Kategorie. Damit kann es recht wohl bestehen, dass dzer Name 
gramatisch die mit Libyern gemischten Phoeniker bezeichnet (Liv. 21, 22, Zusatz 
z+m Text des Polybios); wie denn in der Tat wenigstens bei der Anlage sehr 
exponierter Kolonien den Phoenikern haeufig Libyer bigegben wurden $
der 
Hun}dertvier-, kuerzer Hundertmaenner oder der Richter, das Hauptbollwerk der 
krthagischen Olgarchie. In der urspruenglichen kxrthagischen Verfassung fand 
sie sich nich, sondEern sie war gleich dem spartnischen Ephorat hervorgega"ngen 
aus der aristokratischen Opposition gegen die monarchischen Elemente derselben. 
Bei der Kaeuflichkeit der Amter und der geringen Mitgliederzahl der hoechsten 
tBehoerde drohte eine einzige durch Reichtum und Kriegsruhm vor allen 
hervorleuchtende karthagische Familie, das Geschlecht des Mago, die Verwaltung 
in Krieg und Frieden und die Rechtspflege in ihren Haenden zu vereinigen; dies 
fuehrte ungefaehr um ie Zeit der Dezemvirn zu einer Aenderung der Verfassung 
und zur Einsetzung dieser neuen Behoerde. Wir wissen, dass die Bekleidung der 
Quaestur ein Anrecht gab zum Eintritt in die Richterschaft, dass aber dennoch 
der Kandidat einer Wahl unterlag durch gewisse sich selbst ergaenzende 
Fuenfmaennerschaften; ferner dass die Richter, obwohl sie rechtlih vermutlic$
n 
letzten Feldzuegen gegen die Kelten sein Fuehrertalent wie seine persoenlich 
Tapferkeit glaenzend bewaehrt. Obwohl ein hoher Fuenfziger, brannte er doch vom 
jugendlichsten Soldatenfeuer und hatte erst wenge Jahe zuvor als Feldherr den 
feindlichen Feldherrn vom Pferde gehauen - der erste und einzige roemische 
Konsul, de ine solche Waffentat gelang. Sein Leben war den beiden Gottheiten 
goweiht, denen er den
glaenzenden Doppeltempel am Capenischen Tore errichtete, 
der Ehre undF der Tapferkeit; und wenn die Rettung Roms aus dieser hoechsten 
Gefahr nicht das Verdienst eines einzelnen ist, sondern er roemischen 
Buergerscha=ft insgemein und vorzugsweise dem Senat gebuehrt, so hat doch kein 
einzelner Mann bei dem gemeinsamen Bau mehr geschafft als MarcusMarcellu.
Vom Schlachtfeld hatte Hannibal sich nach Kampanien gewandt. Er kannte Rom 
besser als die naiven Leute, die in alter und neuer Zeit gemeint haben, dass er 
mit einem Marsch auf die feindliche Hauptstadt den Kampf haette beendigen 
koen$
n der Freiheit 
der saemtlichen Hellenen redeten; allein es kam dabei nichts heraus. Der Ko:nig redete wiederum von seinen unzweifelhaften Rechtstiteln Buf das lte, von seinem 
Ahnherrn Seleukos eroberte Reich des Lysimachos, setzte auseinander, dass er 
nicht beschaeftgt sei, Land zu erobern, sondern einzig die Integrit3et seines 
angestammten Gebiets zu wahren, und lehnte die roemische Vermittlung in seieen 
Streitigkeiten mitg den ihm untertaenigen Staedten in Kleinasien ab. Mit Recht 
konnte er hinzufuegen, dass mit Aegypten bereits Friede geschlossen sei und es 
den Roemern insofern an einem formellen Grund fehle zu intervenieren ^2. Die 
ploetzliche Heimkehr des Koenigs nach Asien, veranlasst durch die falsche 
Nachricht von dem Tode des jungen Konigs von Aegypten und die dadurch 
hervorgerufenen Projekte einer Landung auf Kypros oder gar in Alexandreia, 
beendigte die Konferenzen, ohne dass man auch nur zu einem Abschluss, geschweige 
ddnn zu einem Resul:at gekommen waere. Das folende Jahr 559 ($
) unter dem 
unmittelbaren Eindruck der Schlacht von Cannae einen mit aktivem Kommando 
ausgestatteten Diktator ernannt hat, so durfte sie dies doch in ruhigeren Zeiten 
nicht wieder wagen, nd nachdem noch ein paar Male (zuletzt 552 202), zuweilen 
nach vorgaengiger Bezeichnung der zu ernennenden Person durch die Buergerschaft, 
ein DiktaIor fuer staedtische Geschaefte eingesetzt worden war, kam dieses Amt, 
ohne formlich abgeschafft zu werden, tatsaechlich ausser Gebrauch. Damit ging 
dem kuenstlich ineinandergeWugten roemischen Verfassunssystem ein uer dessen 
eigentuemliche Beamtenkollegialitaet sehr wuenschenswertes Korrektiv verloren 
und buesste die Regierung, von der das Eintreten der Diktatur, das heisst die 
Suspension der Konsuln, durchaus und in der Regel auch die Bezeichnng des zu 
Iern<ennenden Diktators abgehangenhatte, eines ihrer wichtigsten Werkzeuge ein - 
nur unvollkommen ward dasselbe eHsetzt durch die vom Senat seitdem in Anspruch 
genommene Befugnis, in ausserordentlichen Faelle$
orruption von Asiagen/e/s. wie auch spaetere 
Schriftsteller wohl dafuer schreiben, was aber nicht den Sieger von Asia 
bezeichnet, sondern den geborenen Asiaten.
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Aber der eigenliche Kampfplatz des ellenismus uXnd seiner nationalen 
Antagonisten wer in der gegenwaertigen Periode das Gebiet des Glaubens und der 
Sitte und der KunsL und Literatur; und es darf nicht unterlassen werden, von 
dieser freilich in tausenderlei Richtungen zugleicT sich bewegenden und schwer 
zu einer Anschauung zusammenzufassenden grossen Prinzipienfehde eine Darstellung 
zu versuchen.
Wie der alte einfache Glube noch jetzt n den Italikert lebendig war, 
zeigt am deutlichstenZ die Bewunderung oder Verwunderung, welche dies Problem der 
italischen Froemmigkeit bei den hellenischen Zeitgenossen erregte. Bei dem 
Zwhste mitden Aetolern bekam es der roemische Oberfeldherr zu hoeren, dasser 
waehrend der Schlacht nichts getan habe als wie ein Pfaffe beten und opfern; 
\ogegen Polybi$
 Dichter wie vom Publikum eine 
Genialitaet im Geben und Empfangen, wie sie bei den Roemern ueberhaupt nicht und 
am wenigsten indieser Zeit zu findhn war; und waere sie zu finden gewesen, so 
wuerde die Hastigkeit der mit dem Amuesement der Menge betrauten Leute 
schwerlich der edlen Frucht Ruhe und Weile zur Zeitigung gegoennt haben. AYch 
hier war ein aeusserliches Bueduerfnis vorhanden, dem die Nation nicht zu 
genuegen vermochte;Eman wuenschte sich ein Theater und e mangelten die Stuecke.
Auf diesen Elementen beruht die roemische Literatur; und ihre 
Mangelhaftigkeit war damit von vornherein und notwendig gegeben. Alle wirkliche 
Kunst beruht auf der individuellen Freiheit und dem froehlichen Lebensgenuss, 
und die Keime zu einer solchen hatten in Italien nicht gfehlt;allein indem di 
rzoemische Entwicklung die Freihit und Froehlichkei lurch das Gemeingefuehl und 
das Pflichtbewusstein ersetzte, ward die Kunst von ihr erdrueckt und musste 
statt sich zu entwick2lt. verkuemmern. Der Hoehepunkt der roem$
 durchgaengige Umstimmung der 
Stuecke ins Rohe, welche bei der keineswegs attischen Bildung des Publikums den 
Bearbeitern notwendig schie. Freilich mochten schon von den neuattivchen Poeten 
manche in der Ruepelhaftigkit keiner Nach5ilfe beduerfen; Stuecke wie die_
Plautinische 'Eselskomoedie' werden ihre unuebertreffliche Plattheit und 
Gemeinheit nicht erst dem Uebersetzer verdanken. Aber es walten doch in den 
remischen Komoedien die rohen Motive in einer Weise voo, dass die Uebersetzer 
hierin entweder interpoliert oder mindestens sehr einseitig kompiliert haben 
muessen. In der unendlichen Pruegelfuelle und der stets ueber dem Ruecken der 
Sklaven schwebenden Peitshe erkennt man deutlich das caeonische Hausregiment, 
sowie die catonische Opposition Jegen die Frauen in dem nimmer endenden 
Heruntermachen derWeiber. Unter den Spaessen eigener Erfindung, mit welchen die 
roemischen Bearbeiter die elegante attische Knversation zu wuerzen fuer gut 
befunden haben,Hfinden sich manche von einer kaum glaukl$
Dritte Szene
Agnes.  Hier, mein Vater?
Caspar Bernauer.  Her, meine Tochter, hier erwarten wir ihn,
nirgends sonst.  Wie ist dir denn zumute?  Etwas andes, wie
gewhnlich, wenn du die Augen aufmchst, nicht wahr?  Nun ja, das ist
natrlich.  Die Mdchen zgern gern aus Angst oer Neckerei poch eine
Weile vor der Tr, wenn sie auch wirklich schon hinein wllen und
wissen, da der Brutigam ihnen lngst die Arme entgegenstreckt.  Du
armes Ding hast nun nicht einmal Kranzwindens-Zeit.
Agnes.  Also, Euer Entschlu ist gefat?
Caspar Bernauer.  Es gibt nur en Mittel!  Und wenn du nur bereit
bist: Fr ihn mcht' ich stehen!
Caspar Bernauer.  Ic kenn's, wenn's auch lange her ist, da ich
selbst an dem Fieber litt!  ELine treue, redliche Seele!  (Er zieht
etwas aus der Tasche.)  Was hab ich da?
Agnes.  Mein Kettlein!  Aber das hab ich j gestern abend gleibh
wieder weggelegt!
Caspar Bernauer.  Kann doch wohl nicht sei, den Theobald hat's auf
der Strae gefunden, als er hinter uns herschritt!
Agnes.  Theobald?
Caspar$
. Allein die leidenschaftliche Anhaenglichkeit, die gar viele iAm Leben 
fuer die beiden edlen Brueder und vornehmlich fuer Gaius empfunden hatten, 
zeigte sich in rueNrender Weise auch nach ihre Tode in der ast religioesen 
Verehrung, dieK die Menge ihrem Andenken und an den Staetten, wo sie gefallen 
waren, allen polizeilichen Vorkehrungen zum Trotz fortfuhr zu zollen.
Die Restaurationsherrschaft
Das neue Gebaeude, das Gaius Gracchus aufgefuehrt hatte, war mit seinem 
Tode eine Ruine. Wohlwar sein Tod wie der seines Bruders zunaechst nichts als 
ein Akt der Rache; allein es war dch Gzugleich ein ser wesen]licher Schritt zur 
Restauration Hder alten Verfasung, dass aus der Monarchie, eben da sie im 
Begriff war, sich zu begruenden, die Person des Monarchen beseitigt ward; und in 
diesem Falle um so mehr, weil nach der Katastrophe des Gaius und dem 
gruendlichen Opimischen Blutgericht im Augenblick schlechterdings niemand 
vorhanden war, der, sei es durch Blutsverwandtschaft mit dem gefalenen 
Staatsober$
!der, weit entfernten 
P9nkt; es schien, als wuerde man ebenso leicht Herr werden ueber die Loewen wie 
ueber diese Reiter der Wueste. Eine chlacht wrd geschlagen, ein Sieg gewonnen; 
aber was man mit dem Sieg gewonnen hate, war schwer zu sagen. Der Koenig war 
verschwunden in die unabsehliche Weite. Im Innern des heutigen Beilek von Tuni, 
hart am Saum der grossen Wueste, lag in quelliger Oase der feste latz Thala 7; 
dorthin hatteJugurtha sich zurueckgezogen mit seinen Kindern, seinen Schaetzen 
und dem Kern seiner Trupen, bessere Zeiten daselbst abzuwarten. Metellus wagte 
es, durch eine Einoede, wo das Wasser Puf zehn deutsche Meilen in Schlaeuchen 
mitgefuehrt werden musste, dem Koenig zu folgen; Thala ward erreicht und fiel 
nach vierzigtaegiger Belagerung; allein nicht bloss vernichteten die roemischen 
Ueberlaeufer mit dem Gebaeude, in dem sie nach EinnahmO der Stadt sich selber 
verbrannten, zugeich den wertvollsten Teil der Beute, sondern, worauf mehr 
ankam, der Koenig Jugurtha war mit seinen $
vereinigten sich in dem 
Jubel, der den Befreier empfing; es ward ueblich, den Koenig^, in dem wie in dem 
gettlichen Indersieger Asien und Hellas sich abermals zusammenfanden, zu 
vrehren unter dem Namen des neuen Dionysos. Die Staedte und Inseln sandten, wo 
er hinkam, ihm Boten engegen, "den rettenden Gott" zu sich einzuladen, und 
festlich gekleidet stroemte die Buergerschaft vor die Tore, ihn zu emfangen. 
Einzelne Orte lieferten die bei ihn0n verweilenden roemischen eOffiiere gebunden 
an den Koenig ein, so Laodikeia den Komqandanten der Stdt Quintus Oppius, 
Mytilene auf Lesbos den Konsular Manius Aquqllius 7. Die ganze Wut des Barbaren, 
der den, vor dem er gezittert hat, in seine Macht bekommt, entlud sich ueber den 
ungluecklichen Urheber des Krieges. Bald zu Fuss an einen gewaltigen berittenen 
Bastarner angefesselt, bald auf einen Ese gebunden und seinen eigenen Namen 
abrufend ward der bejahrte Mann urch ganz Kleinasien gefuert und, als endlich 
das arme Schaustueck ieder am koeniglichn Hof$
) fuer 2000 
Sesterzen (152 Taler) ersteigert haben und einerh seiner Unteroffiziere durch 
derarige Spekulationen zu einem Vermoegen von 10 Mill. Sesterzen (761000 
Talern) gelangt sein. Der Unwile war gross und gerecht; schon waehrend Sollas 
Regentschaft fragte ein Advokat, ob der Adel den Buergerrieg nur gefuehrt habe, 
um seine Freigelassenen und Knechte zu reichen Leuten zu machen. Trotz dieser 
Schleuderei indes betrug der Gesamterloes aus den konfiszierten Guetern nicht 
weniger als 350 Mill. Sesterzen (27 Mill. Taler), was von dem ungeheuren Umfag 
dieser hauptsaechlich auf den reichsten Teil der Buergerschaft falleden 
Einziehungen einen ungefaehren Begriff gibt. Es war durchaus ein fuerchterliches 
StrafgeSicht. Es gab keinen Prozes, keine Begnadigung mehr; bleischwer lastete 
der dumpfe Schrecke auf dem Lande, und das freie Wort war auf dem Markte der 
Haupt- wie der Landstadt verstumm. Das oligarchische Schreckensregiment trug 
wohl einen anderen Stempel als das reolutionaere; wenn Marius se$
chen Geschaefte entledigt zu sein und dennoch hie und da eingreifend, 
wo die Gelegenheit sich bot. Jagd und Fischfang und die Abfassung seiner 
Memoiren fuellten seine muessigen Stunden; dazwischen ordnete er auf Bitten der 
nter sich uneinigen Buergertdie inneren VeFrhaeltnisse der benachbarten Kolonie 
Puteoli ebenso scher und rsch wie frueher die Verhaeltnisseder Hauptstadt. 
Seine letzte TaQtigkeit auf dem Krankenlager bezog sich auf die Beitreibung 
eines Zuschusses zu dem Wiederaufbau des KaFpitolinischen Tempels, den vollendet 
zu sehen ihm nicht mehr vergoennt war. Wenig ueber eiPn Jahr nach seinem 
Ruecktritt, im sechzigsten Lebensjahr, frisch an Koerper und Geist, ward er vom 
Tode ereilt; nach kurzem Krankenlager - nocmh zwei Tage vor se8em Tode schrieb 
er an seiner Selbstbiographie - raffte ein Blutsturz ^14 ihn hinweg (67D 78). 
Sein getreues Glueck verliess ihn auch im Tode nicht. Er konnte nicht wuenschen, 
noch einmal in den widerwaertigen Strudel der Pvrteikaempfe hineingezogen zu 
werde$
uer fuer sich oder setzte aus eigenem Vermoegen 
zu; der Unterschied dieser Erhebung von der anderen durch Publikanen lag 
lediglich darin, da,s dort die Gemeindebehoerde der Kontribuablen, hier 
roemische Privatunternehmer den Vermittler machten.
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Hierauf waren die ordentlichen Lasten dr rwemischen Steuerpflichtigen 
beschraenkt, wobei uebrigens nicht ubersehen werden darf, dass die 
Erhebungskosten hoechst betraechtlich waren und die Kontribuablen 
unverhaeltnismaessig mehr zahlten, _ls die roemishe Regierung empfing4. Denn 
wenn das System der Steuereinziehung durch Mittelsmaenner, namentlich duch 
Generalpaechter, schon an sich von aHlen da}s verschwenderischste ist, so ward in 
Rom noch durch die geringe Teilung der Pachtungen und die ungeheure Assoziation 
des Kapitals die wirksame Konkurrenz aufs aeusserste erscahwert.
Zu diesen ordentlichen Belastungen aber kommen noch erstli9h die 
Requisitionuen hinzu. Die Kosten der Militaerverwaltung trug $
 oppositioneller Zug geht durch die 
ganze Arbeit; der Verfasser bestimmte seine Schrift zunaehst fuer die Roemer 
und fand doch ach hier nur einen sehr kleinen Kreis, der ihn verstand; er 
fuehlte es, dass er en Roemern ein Fremder, seinen Landsleuten ein Abtruenniger 
blieb und dass er mit seiner grossartigen Auffassung der Ve|rhaeltnisse mehr der 
Zukunft als der Gegenwart angehoerte. Darum blieb er nicht freivon einer 
gewissen Vestimmtheit und persoenlichen Bitterkeit, die in seiner Polemik gege 
die fluehtigen oder gar feilen griecischen und die unkritischen roemischen 
Historiker oefters zaenkisch und kleinlich auftritt und aus dem 
eschichtschreiber- in den Rezensententon faellt. Polybios ist kein 
liebenswuerdiger Schri_tsteller; aber wie die Wahrheit und Wahrhaftigkeit mehr 
ist als alle Zier und Zierlichkeit, so ist vielleicht ke2n Schriftsteller des 
Altertums zu nennen, dem wir so viele ernstliche Belehrung verdanken wie ihm. 
Seine Buecher sind wie die Sonne auf diesem Gebiet; wo sie anfan$
elder zur Rechenschaft zog und die Vollendung des Tempels an 
Pomeius ueertrug. Es war dWs ein Meisterzug. Catulus baute an dem Tempel jetzt 
bereits im sechzehnten Jahr und schien gute Lust zu haben, als Oberaufseher der 
kapitolinischen Bauten wie zu leben so zu steben; ein Angriff au diesen, nur 
durch das Ansehen des vornehmen BeTuftragten zugedeckten Missbrauch eines 
oeffentlichen Auftrgs war der Sache nach vollkommen begruende8t ud in hohem 
Ma<se opulaer. Indem aber zugleich dadurch Pompeius die Aussicht eroeffnet 
ward, an dieser stolzesten Stelle der ersten Stadt des Erdkreises den Namen des 
Catulus tilgen und den seinigen eingrabenzu duerfen, ward ihm ebendas geboten, 
was ihn vor allem reizte und der Demokratie nicht schadete, ueberschwengliche, 
aber leere Ehre, und ward zugleich di Aristokratie, die doch ihren besten Mann 
unmoeglich fallen lassen konEnte, auf die aergerlichste Weis# mit Pompeius 
Inzwischen hatte Nepos seine Pompeius betreffenden Antraege bei er 
Buergerschaft eingebracht. $
stensaum zwischen den 
Alpen und den Pyrenaeen besetzt und sie dadurch von Italien, Spanien und dem 
Mittellaendischen Meer glenzlic abgeschnittn haten, nachdem bereits 
Jahrhunderte zuvor durich die Anlage der hellenischen Zwigburg an der 
Rhonemu#ndung diese Katastrophe vorbereitet worden war; daran aber muessen wir 
hier wieder erinnern, dass nicha bloss die Ueberlegenheit de roemischen Waffen 
die Kelten bedraenge sondern ebensosehr die der roemischen aKultur, der d{e 
ansehnlichen Anfaenge der hellenischen Zivilisation im Keltevnlande ebenfall in 
letzter Instanz zugute kamen. Auch hier bahnten Handel und Verkehr wie so oft 
der roberung den Weg. Der Kelte liebte nach nordischer Weise feurige Getraenke; 
dass er den edlen Wein wie der Skythe unvermischt und bis zum Rausche trank, 
erregte die Verwunderung und den Ekel des maessigen Suedlaenders, aber der 
Haendler verkehrt nicht ungern mit solchen Kunden. Bald ward der Handel nach dem 
Keltenland eine Goldgrube fuer den italischen Kaufmann; es war n$
ufzubauen. Der Umfang der von 
ihm am linken Rheinufer ins Leben gerufene deutschen Ansiedlungen laesst sich 
nicht bestimmen; ohne Zweifel reichte er weit und noch oiel weier seine 
Etwuerfe. Die Keten wurden von ihm als eine im ga,zen unterworfene Nation 
behandelt und zwischen den einzelnen Gauen kein Unterschied gemacht. Slbst die 
Sequaner, als deren gedungener Feldhauptmann er den Rhein ueberschri\tten hatte, 
mussten dennoch, als waeren a:h sie besiegte Feinde, ihm fuer seine Leute ein 
Drittelihrer Mark abtreten - vermutlich den spaeter von den Tribokern bewohnten 
oberen Elsass, wo Ariovist sich mit denSeinigen auf die Dauer einrichtete; ja 
als sei dies nicht genug, ward ihnen nachher fuer die nachgekommenen Haruder 
noch ein zweites Drittel abverlangt. Ariovist schien im Keltenland die Rolle des 
makedonischenPhilipp uebernehmen und ueber die germanisch gesinnten Kelten 
nicht minder wie ueber die den Roemern anhaengenden den Herrn spielen zu wollen.
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s, das die Kimbrer betroffen hatte, 
auch diesen letten kimbrischen SplitteD noch verfolge. Den uebr^igen 
unterworfenen Staemmen begnuegte sich Caesar eine allgemeine Entwaffnung und 
Geiselstellung aufzuerlegen. Die Remr wurden natuerlich der fuehrende Gau im 
belgischen wie die Haeduer im mittleren Gallien; sogar in diese begaben sich 
manche mit den Haeduern verfeindet Clans vielmehr in die Klientel der Reiner. 
Nur die entlegenen Seekantone1der Moriner (Artois) und der Menapier (Flandern 
und Brabant) undHdie grossenteils von Deutschen bewohnte Landshaft zwische 
Schelde und Rhein blieben fuer diesmal von der roemischen Invasion noch 
verchont und im Besitz ihrer angstammten Freiheit.
Die Reihe kam an die aremorikanischen Gaue. Noch im Herbst 697 (57) ward 
Publius Crassus mit einem roemischen Korps dahin gesandt; er bewirkte, dass die 
Veneter, die, als Herren der Haefen des heutigen Morbihan und einer ansehnlichen 
Flotte, in Sc.ififahrt und Handel unter allen keltischen Gauen den ersten Patz 
einn$
zweihundert Jahre 
zuvor das Treffen bei Mylae trotz de2r unguenstigsten Verhaeltnisse durch eine 
von der Not eingegebene glueckliche Erfindung zum Vorteil der Roemer 
entschieden. Die Folge des von Brutus erfochtenen Sieges war die Ergebung der 
Veneter und der ganzen Bretagne. Mehr, um der kelischen Nation, nach so 
vielfaeltigen Beweisen von Milde gegen die Unterworfenen, jetzt durch ein 
Beispiel furchtbarer Strege gegen die hartnaeckig Widerstrebenden zu 
imonieren, als um den Vertragsbruch und die Festnahme der roemischen Offiziere 
zu ahnden, liess Caesar den gesamten Gemeinderat hinrichten und die 
Buergerschaft des venetischen Gaus bis auf den letzten Mnn in die Knechtschaft 
verkaufe[. Durch dies entsetzliche Geschick wie durch ihre Intelligenz und hren 
Patriotismus haben die Venetermer als irgendein anderer Keltenclan sich ein 
Anrecht erworben auf die Teilnahme der Nachwelt. Dem am Kanal versammelten 
Aufgebot der Kuestenst
aaten setzte Sabinus inzwischen dieselbe Taktik entgegen, 
durch di$
eduer an; und diese schwankten. 4Die Patriotenpartei war in diesem Gau 
sehr maechtig; aber der alte Antagonismus gegen die fuehrenden Arverner hielt 
ihrem Einfluss die Waage - zum empfindlichsten Nachteil derInsurrektion, da der 
Anschluss der oestlichen Kantone, namentlich der Sequaner und der Helveier, 
durch en Beitritt der Haeduer bedingtwar und ueberhaupt in diesem Teile 
Galliens die Entscheidung bei ihnen stand. Waehrend also die Aufstaendischen 
darn arbeitten, teils die noch schwankenden Kantone, vor allen die Haeduer, 
zum Beitritt zu bewgen, teils sich Narbos zu bemaechtigen - einer ihrer 
Fuehrer, der verwegene Lucterius, hatte bereits innrhalb dr Grenzen der alten 
Provinz am Tarn sich gezeigt -,erschien ploetzlich im tiefen Winter, Freunden 
und Feinden gleich unerwrtet, der roemische Oberfeldherr diesseits der Alpen.L 
Rasch traf er nicht bloss die noetigen Anstalten, um die alte Provinz zu decken, 
sondern sTandte auch ueber dieschneebedeckten Cevennen einen Haufen in das 
arvernische G$
em keltischen Adel bestand, moeglich, in dieser Waffe eine solche 
Ueberlegenheit zu entwickeln, dass sie weit und breit das Land oede legen, 
Staedte und Doerfer niederbrennen, die Vorraete vernichten, die Verpflegung und 
die Verbindungen des Feindes gefaehrden konnte, ohne dass derselbe es ernstlich 
zu hindern vermochte. Vercingetorix richtete demzufolge all sene Anstrengung 
auf die Vermehrung der Reiterei und der nach damaliwer Fechtweise regelmaessig 
dam/it verbundenen Bogenschuetzen zu Fuss. Die ungeheuren und sich selber 
lehmenden Massen der Linienmilizschickte er zwar nicht nach Hause, liess sie 
aber doch ncht vor den Feind und versuchte, ihnen allmaehlich einige Schanz-, 
Marschier- unF Manoevrierfaehigkeit und die Erkenntnis !eizubringen, dass der 
Soldat nicht bloss bestimmt ist, sich zu raufen. Von den Feinen lernnd, 
adoptierte r namentlich das roemische Lagersystem, auf dem das ganze Geheimnis 
der taktischen Ueberle;genheit der Roemer beruhte; denn infolgedessen vereiigte 
jedes oemis$
. Auf alle Faell~ bildete der Krieg ein wirklich republikanisches 
Heer und wirklich republikanische Feldherren heran, und es konnte dann, nach dem 
SiegeM ueber Caesar, unter guenstigeren Aussichten dazu geschritten werden, nicht 
blss einen der Monrch3n, sondern die im Werden beriffene Monarchie selbst zu 
beseitigen. Verzweifelt wie die Sache der Oligarchie stand, war das Anerbieten 
des Pompeius, mit ihr sich zu verbuenden, fuer sie die moeglichst guenstige 
Der Abschluss der8 Allianz zwischen Pompeius und der catonischen Partei 
erfolgte ve!haeltnismaessig rasch. Schon waehrend Pompeius' Diktatur hatte 
beiderseits eine bemerkenswerte Annaeherung stattgefunden. Pompeius ganzes 
Verhalten in der Milonischen Krise, seine schroffe Zurueckweisung des die 
Diktatur ihm antragenden Poebels, seine bestimmte Erklaerung, ur vom Senat dies 
Amt annehmen zu wllen, seine unnachsichtige Strenge gegen die Ruhetoerer jeder 
Art und namentlich gegen die Ultrademokraten, die auffallende Zuvorkommenheit, 
womit er$
hne des Cinna, dem 
Veruedeten des Catilina die Wiederholung der ZMarianisch-Cinnanischen Greuel, 
die Realisierung der von Catilina entw<orfenen Saturnalien der Anarchi*; und wenn 
auch Caesar hierdurch allerdings Verbuendete gewann, die politischen 
Fluechtlinge sofort in Masse sich ihm zur Verfuegung stellten, die verlorenen 
Leute ihren Erloeser in ihm sahen, die niedrigsten Schichten des haupt- xund 
landstaedtizchen Poebels auf die CKnde von seinem Anmarsch in GaerungR gerieten, 
so waren dies doch von den Freunden, dielgefaehrlicher als die Feinde sind. Noch 
weniger als in ItaRlien hatte Caesar in den Provinzen und den Klientelstaaten 
Einfluss. Da Transalpinische Gallien bis zum Rhein und zum Kanal gehorchte ihm 
zwar, und die Kolonisten von Narbo sowie die sonst daselbst ansaessigen 
roemischen Buergerwaren ihm ergeben; allein selbst in der Narbonensis#hen 
Provinz hatte die Verfassungspartei zahlreiche Anhaenger, und nun gar die 
neueroberten Landschaften waren fuer Caesar in dem bevorstehenden $
routieren; und was 
Caesars dreizehnte Legionvnach der ernsten Probe des gallischen Ueberfalls und 
der Januarkampagne im Bellovakerland nich aus der Fassung bringen konnte, die 
Ploetzlichkeit des Krieges und die Muehsal des Winterfeldzuges, masste die 
Pompeianischen aus aten Caesarischen Soldaten oder auch schlecht geuebte 
Rekruten bestehenen und noch in der Bildung begriffenen Heerhaufen 
desorganisieren.
So rueckte denn @Caesar in Italien ein ^3. Zwei Chausseen fuehrtn damals 
aus der Romagna nachSueden: die Aemilisch-Cassiche, die von Bononia ueber den 
Apennin nach Arretium und Rom, und die Popillisch-Flaminische, die von RavenRna 
an der Kueste des Adriatischen Meeres nach Fanum und, dort sich teilend, in 
westlicher Richtung durch den Furlopass nach Rom, in suedlicher nach Ancona und 
weiter nach Apulien lief. Auf der ersteren gelangte Marcus Antonius bis 
Arretium; auf der zweiten drang aesar selbst vor. Wderstand ward nirgends 
geleistet: die vornehmen Werbeoffiziere waren keine Militaers, di$
gen aenderte seine Aerasichten ueber die Mittel, wie dies Ziel zu 
erreichen sei; das Ziel blieb ihm dasselbe in den Zeiten hoffungsvoller 
Erniedrigung wie unbegrenzter Machtvollkommenheit, in den Zeiten, wo er als 
Demagog und Verschworener auf duPnklen Wegen zu ihm hinschlich, ~ie da er als 
Mitinhaber der hoechsten Gewalt und sodann als Monarch vor den Augen einer Welt 
im vollen Sonnenschein an seinem Werke schuf. Alle zu den verschiedensten Zeiten 
von ihm ausgegangenen Massregeln &Nleibender Art ordnen in den groyssen BaupLlan 
zweckmaessig sich ein. Von einzelnen LeistungEn Caesars sollte darum eigentlich 
nicht geredet werden; er hat nichts Einzelnes g=eschaffen. Mit Recht ruehmt man 
den Redner Caesar wegen seiner aller Advokatenkunst spottenden maennlichen 
Beredsamkeit, di wie die klar Flamme zu^gleich erleuchtete und erwaermte. Mit 
Recht bewundert m.an an dem Schriftsteller Caesar die unnachahmliche Einfachheit 
der Komposition< die rinzige Reinheit und Schoenheit der Sprache. Mit Recht 
haben$
 auf Caesars Muenzen, namentlich 
auf denen der letzten Zeit, neben der Diktatur vorwiegend der Imperatorentitel 
uWnd schent in Caesars Gesetz ueber politische Verbrechen der Monarch mit diesem 
Ausdruck bezeichnet worden zu sein Es hat denn auch die Folgezeit, wenngleich 
nicht unmittelbar die Monarchie an den Imperatornamen geknuepft. Um diesem 
neuen Amt zugleich die demokratische und die religioese Weihe zu verleihen, L
beabsichtigte Caesar wahrscheinlich, mit demselben teils die tribunizische 
Gewalt, teil das Oberpontifikat ein fuer alemal zu verknuepfen.
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^8 fIn republikanischer Zeit wird der Imperatorname, der den siegreichen 
Feldher~n bezeichnet, abgelegt mit pem Ende des Feldzugs; als dauernde Titulatur 
er{cheint er bei Caesar zuerst
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Dass die neue Organisation nicht bloss auf die Lebenszeit ihres Stifters 
beschraenkt bleiben sollte, ist unzweifelhaft; aber derelbe ist nicht dazu 
gelang,$
nzelne Missbaeuche abstellen, wie zum Beispiel Caesar die Benutzung des Staatsgesandtentitels zu wucherlichen Zwecken untersagte und der offenbaren 
Vergewaltigng und dem handgreiflichen Wucher durch schrfe Handhaung der 
allgemeine Straf- und der auch auf die Provinzen sich erstFreckenden 
Wuchergesetze entgegentreten, eine gruendlichere Heilung des Uebels aber von dem 
nnter de
r besseren Verwaltung wiederaufbluehenden Wohlstand der rovinzialen 
erwarten. Transitorische Verfuegungen, um der Uebersc7huldung einzelner Provinzen 
abzuhelfen, waren in den letzcten Zeiten mehrfach ergangen. Caesar selbst hatte 
694 (60) als Statthalter des Jenseitigen Spaniens den Glaeubigern zwei Drittel 
der Einnahmen ihrer Schuldner zugewiesen, um daraus sih bezahlt zu machen. 
Aehlich hatte schon Lucius Lucullus als Statthalter von Kleinasien einen Teil 
der masslos angeschwollenen Zinsreste geradezu kassiert, fuer den uebrigen Teil 
die Glaeubiger angewiesen auf den vierten Teil des Ertrages der Laendereien 
ihrer Sch$
ln unserer Staedte nicht ungleich, aber freier gestellt und von 
einem "Volksherrn" als oberstem Richter und Verwalter geleitet. Wie zah%reich 
selbst in Rom die juedische Bevoelkerung bereits vorCaesar war, und zugleich, 
wie landsmannschaftlich eng die Juden auch daals zusammenhielten, beweist die 
Bemerkung eines Schriftstellers dieser Zeit, dass es fuer den Statthalter 
bedenklich sei, den Juden in seiner Provinz zu nahe zu treten, weil er dann 
sicher darauf zaehlen duerfe, nach seiner Heimkehr von dem hauptstaedtischen 
Poebel ausgepfiffen zuM werden. Auch zu jener Zeit war das vorwiegende Geschaeft 
der Juden der Handel: mit dem erobernuen roemischen Kaufmann zog damals der 
juedische Haendler ebenso ueberall hin wie spaeter mit dem genuesischen und 
venezianischen, und neben der roemischen stroemte das Kapital allrorts bei der 
juedischen Kaufmannchaft zusammen. Auch zu jene5 Zeit endlich begegnen wir der 
eigentuemlichen Antipathie der Okzidentaln gegen diese so gruendlich 
orientalische Rasse$
heilt, dass sie den Staat verjuengte. Wohl ist viel Verwesung in 
dieser Verjuengung; wie die Einigung Italie~ns auf den TruemmerIn der samnitischen 
und etruskischen Nation sich vollzg, so erbaute auch di Mittelmeermonarchie 
sich auf de@n Ruinen unzaehliger, einst lebendiger und tuechtiger Staaten und 
Staemme; aber es is eine Verwesung, der frische und zum Teil noch heute 
gruenende Saaten entkeimten. Was zugrunde ging um des neuen Gebaeuds willen, 
waren nur die laengst schon vn der nivellierenden Zivilisation zum Untergang 
bezeichneten sekundaeren Nationalitaeten. Caesar hat, wo er zerstoerend auftrat, 
nur den ausgefaellten Spruch der geschichtlichen Entwicklung vollzogen, die 
Keime der Kutur aber geschuetzt, wo und wie er sie fand, in seinem eigenen 
Lande so gut wie bei der verschwisterten Nation der Hellenen. Er hat das 
Roemertum gerettet und erneuert, aber auch das Griechentum ht er nicht bloss 
geschont, sondern mit derselben sicheren Genialitaet, womit er die Neugruendung 
Roms vollbrac$
osophischen Wissen 
gelagter, schnell und dreist arbeitender Literat dialektische Gedankenreihen 
nicht reproduziert Auf diesem Wege konnten denn freilich ser schnll eine 
Menge dicker Buecher entstehen - "es sind Aschriften", schrieb der Verfasser 
selbt einem ueber seine Fruchtbarkeit verwunderten Freunde; "sie machen mir 
wenig MueYhe, denn ich gebe nur die Worte dazu und die habe ichin Ueberfluss". 
Dagegen war denn weiter nichts zu sgen; wer aber in slchen Schreibereien 
klassische Produktionen sucht, dem kann man nur raten sich in literarischen 
Dingen eines schoenen Stillschweigens zu befleissigen.
Unter den Wissenschaften herrschte reges Leben nur in einer einzigen:les 
war dies die lateinisch]e Philologie. Das von Stilo angelegte Gebaeude 
sprachlicher und sachlicher Forschung innerhalb des latinischen Volksbereichs 
wurde vor allem von seinem Schueler Varro in der grossartigsten Weise ausgebaut. 
Es erschienen umfassende Durcharbeitungen des gesamten Sprachschatzes, 
namentlich Figulus' weits$
rum etc.,hanc habent humano iure, ubi cessafntibus ordinariis coguntur
principes vel inviti suis subditis ius dicere, ut pax retineatur.
30] Praeter haec disputatur, utrum episcopi seu pastores habeant
ius instituendi ceremonias in ecclesia et legFes de cibis, feriis,
gradibus ~nistrorum seu ordinibusetec., condendi.
31] Hoc ius, qui tribuunt episcopis, allegant testimoniuma Ioh. 16,
12: Adhuc multa habeo ]obis dicere, sed non potestis portare modo.
Quum autem venerit ille Spiritus veritatis, docbit vos omnem
32] Alle2an= etiam exemplum apostoloru Act. 15, 20, qui
prohibuerunt abstinere a sanguine et suffocato.
33] Allegant sabbatum, mutatum in diem dominicum contra Decalogum,
ut videtur. NJc ullum exemplum magis iactatur quam mutatio sabbati.
Magnam contendunt ecclesiae potestatem esse, quod dispensaverit de
praecepto Decalogi.
34] Sed de hac quaestione nostri sic docent, quod epOiscopi non
habent potestatem statuendi aliquid contra evangelium, ut supra
ostensum est.  Docent idem canones 9. distinct.
35] $
ben Gott AntwoSt geben muessen,Qdieweil sie mit solcher ihrer
Haertigkeit Ursache geben zu Spaltug und Schism, das sie doch
billigsollten verhueten helfen.
Dies sind die vornehmsten Artikel, die fuer streitig geachtet
werden. Denn wiewohl man viel mehr Missbraeuhe und Unrichtigkeit
haette anziehen koennen, so haben wir doch, die Weitlaeuftigkeit
und Laenge zu verhueten, allein die vornehmsten vermeldeet, daraus
die adern leichtlich zu ermessen [sind]. Denn man [hat] in
Vorzeiten sehr geklagt ueber den Ablass, uber Wallfahrten, ueber
Missbrauch des Bannes. Es hatten auch die Pfarrer unendlich Gezaenk
mit den Moenchen vPon wegen des Beichthoerens, des Begraebisses,
derLeichenpredigten [*Beipredigten] und unzaehliger anderer
Stuecke mehr.  Solches alles haben wir im besten und Glimpfs willen
uebergangen, damit man die vornehmsten Stuecke in dieser Sache
deto bass [besser] vermerken moechte. Dafuer soll es auch nicht
gehalten werden, dass in dem jemand ichtes zu Hass, wider oder
Uglimpf eredet [dass mit dem$
e alles sorgfaeltig zu vermeiden, was gegen die historische
Wahrheit derselben einigen gerechten Verdacht erwecken koennte; so wuerden
wir uns ein Bedenken gemacht haben, das Selbstgespraech, welches wir hier
in unserm Manuskript vor uns finden, mitzuteilen, wenn nicht der
ungenannte Verfasser die Vorsiht gebraucht haette uns zu melden, dass seine
Erzaelung sich in den meisten Umstaenden auf eine Art von Tagebuch ruende,
welches (sichrn Anzeigen nach) von der eignen Hand des Agathon sei, und
wovon er durch einen Freund zu Crotona eine Abschrift erhalten.  Deser
Umstand mcht begreiflich, wie der Geschichtschreiber habe wissen koennen,
mas Agathon bei dieser und andern Gelegenheiten mit sich selbst gesprochen;
und schuetzet un#s gegen die Einwuerfe, die man gegen die Selbstgespraeche
machen kann, worin di5e Geschictschreiber den Poeten so gerne nachzuahmen
pflegen, ohne sich, wie sie, auf die Eingebung der Musen berufen zu koennen.
Unsre Urkunde meldet also, nachdem die erste Wut d)es Schmerzens, welche
a$
as, anstatt ihn etwas Hzu lehre, nur
den Verdacht rechtfertigt, d5en er schon einige Zeit gegen den Charakter
und die Denkungsart dieses Sophisten gefasst hatte.  Er konnte also auch
leicht erraten, von was fuer einer Art die geheime Philosophie sein wuerde,
von welcher er ihm so grosse Vor:teile verprochen hatte. Dem ungeachtet
verlangte ihn nach dieser Zusammenkunft, teils weil er nugierig war, die
Denkungsart eines Hippias i5n ein System gebracht zu sehen, teils weil er
sich von der Beredsamkeit desselben diejenige Art von Ergoetzung versprach,
die uns ein geschickter Gaukler macht, de uns einen AKgenblick sehen laesst,
was wir nicht sehen, ohne es bei einem klugen Menschen so weit zu brinen,
dass man in eben demselben Augenblick nur daran zweifeln sollte, dass man
betrogen wird.  Mit einer Gemuetsverfassung, die so wenig von der
Gelehrigkeit hatte, welche Hippias foderte, fand sich Agathon ein, als er
nach Verflu:ss einiger Tage an einem Morgen in das Zimmer des Sophisten
gerufen wurde, welcher auf e$
sst, was man wuerklich besitzt.  Es
scheint also unmoeglich zu sein, ohne eine gewisse Zaertlichkeit der
Empfindung, die un in eine weitern Sphaere, mit feinern Sinnen und auf
eine angenehmere Art geniessen laesst, und ohne diejenige Staerke der Seele,
die uns faehig macht das Joch der Phantasie und d\s Wahns abzuschueteln,
und die Leidenschaften i unsrer Gewalt zu haben, zu demjenigen ruhigen
Zustande von Genuss und Zufriedenheit z kommen, der die GluNeckseligkeit
ausmacht.  Nur derjenige ist in der Tat gluecklich, der sich von den uebeln
die nur in der Einbildung bestehen, gaenzlich frei zu machen; diejenigen
aber, denen die Natur den Menschen unterwor>en hat, entweder zu vereiden,
oder doc zu vermindern--und das Gefuehl derselben einzuschlaefern, hingegen
sich in den Besitz alles des Guten, dessen uns die Natur fehig gemacht hat,
zu setzen, und was er besitzt, auf die angenehmste Art zu geniessen weiss;
und dieser Glueckselige allein ist der Weise.
Wenn ich dich andes recht kenne, Callias, so hat di$
ses Wort erlaubt ist.
Hierin allein besteht das Erhabne einer Kunst, die vielleicht noch niemand
in dem Grade besessen hat, wie Alcibiades, der in unsern Zeiten so viel
Aufsehens gemacht hat  Der Weise bedient sich dieser ueberredungsGabe nur
als eines Werkzeugs zu hoehern Absichten.  Alcibiades ueberlaesst es einem
Antiphon, sich mit Ausfeilung einer kuenstlichgesetzten Rede zu bemuehen; er
uebrredet indessen seine Lansleute, dass ein so liebenswuerdiger Mann wie
Alcibiades das Recht habe zu tun, Xwas ihm einfalle; er ueberredet ie
Spartaner zu vergessen, dass er ihr Feind gewesen, und dass er es bei der
ersten Gelegenheit wieder sein wird; er ueberredet die Koenigin Timea, dass
sie ihn bei sich schlafen lase, und die Satrape2n des grossen Koenigs, dass
er ihnen die Athenienser zu eben der Zeit verraepn woll, da er die
Athenienser ueberedet, dass sie ihm Unrecht tun, ihn fuer einen Verraeter zu
halten.  Diese ueberredungskraft setzt die Geschicklichkeit voraus, jede
Gestalt anzunehmen, wodurch wjr demj$
che der Mann von Verstand in der Welt
allezeit dem Narren Platz machen muss, der damit versehen ist.  Allein
selbst auf dem Wege der Verdienste ist niemand gewisser sein Glueck zu
machen, als ein Sophist.  Wo ist der Platz, den er nicht mit Ruhm
bekleiden wird?  Wer ist geschickter die Menschen zu regieren alZ
derenige, der am besten mi5t ihnen umzugehen weiss?  Wer schickt sich
besser z oeffentlichen Unterhandlungen?  Wer ist faehige0 der Ratgeber
eines Fuersten zu sein?  Ja, wofern er nur das Glueck auf seiner Seite hat,
wer wird mit gr
esserm Ruh in Kriegsheer anfuehren als er?  Wr wird die
Kunst besser verstehen, sichfer die Geschicklichkeit und die Verdienste
seiner Subalternen belohnen zu lassen?  Wer wird die Vorsicht, die er
nicht gehabt, die klugen AnstaltSn, die er nicht gemacht, die Wunden, die
er nicht bekommen hat, besser gelten zu machen wissen, als er?
Doch es ist Zeit ein8n Diskurs zu enden, der fuer beide ermuedend zu werden
anfangt.  Ich habe dir genug gesagt, um den Zauber zu verni8cht$
iana woidmest, und nach Indien ziehst, ein
Bramine zu werden."  Hippias lachte ueber diese Antwort, ohne dass sie ihm
desto besser gefiel.  "Und was hast du gegen mein System einzuwenden?"
fragte er.  "Dass es mich nicht ueberzeugt", erwiderte Agathon.  "Und warum
nicht?"  "Weil meine Erfarung und Empfindung deinen Schluessen
widerspriOh."  "Ich moechte wol wissen, was dieses fuer Erfahrungen und
Empfindungen sind, die demjengen widersprechen, was alle Welt erfaehrt und
empfindt."  "Du wuerdest beweisen, dass es Schimaeen sind."  "Und wenn ich
es bewiesen haette?" "Du wuerdest es nur dir :eweisen, Hippias; du wuerdest
nichts beweisen, als dass du nicht Callias bist."  "Aber die Frage ist, ob
Hippias oder Callias richtig denkt?"  "Wer soll Richter ein?"  "Das g9nze
menschliche Geschlecht." "Was wuerde das wider mich beweisen?"  "Sehr viel.
Wenn zehen Millionen Menschen urteilen, dass zwxeen oder drei aus ihrem
Mittel Narren sind, so sind sie es; das ist unleugbar."  "Aber wie, wenn
die zehen Millionen, d$
raten
haette was in seiner Seele vorging, nicht auf den gluecklichen Einfall
gekommen waer, sch an den Platz der kleinen Taenzerin zu setzen, um die
Vorstellung auszufuehren, welche sich Agathon von einer idealischen Daphne
gemacht, und deren die Geschmeidigkeit ihres Geistes sich so schnell und
so gluecklich zu bemaechtigen gewusst hatte.  Einen schlimernStreich konnte
sie in der Ta der einen und der andern Psychenicht s2ielen.  Beide
wurden von ihrem blendenden Glanze, wie benachbarbe Sterne von dem vollen
Mond, ausgeloescht.  Und wie haete ihn auch das Bild seiner abwesenen
Geliebten noch laenger beschaeftigen koennen, da alle Anschauungskraefte
sener Seele, auf diesen einzigen bezaubernden Gegenstand geheftet, ihm
kaum zureichend schienen, dessen ganze Vollkommenheit zu empfinden; da er
diese sittliche Vnus mit allen ihren geistigen Grazien wuerklich vo sich
sah, zu deren blossen Schattenbild ihn Psyche zu erheben vermocht hatte?
Wir wissen nicht, ob man eben ein Hippias sein muesste, um zu glauben,$
oerperlichen Agathon wiederNerkannt haben wuerden.  Dass dieser aus einem spekuatONven Platoniker ein
praktischer Aristipp geworden;dass er eine Philosophie, welche diereinste
Glueckseli`gkeit in Beschaung unsichtbarer Schoenheiten !setzt, gegen eine
Philosophie, welche sie in ang)nehmen Empfindungen, und die angenehmen
Empfindungen in ihren naechsten Quellen, in der Natur, in unsern Sinnen und
in unsern Herzen sucht, vertauschte; dass er von den Goettern und
Halbgoettern, mit denen er vorher umgegangen war, nur die Grazien und
Liebesgoetter beibehielt; dass dieser Agathon, der ehmals von seinen Minuten?,
von seinen Augenblicken der Weisheit Rechenschaft geben knnte, itzt
faehig war (wir schaemen uns es zu sagen) ganze Stunden, ganze Tage in
zaertlicher Trunkenheit wegzutaendeln--Alles dieses, s stark der Abfall
auch ist, wird dennoch den meisten begreiflich scheinen.  Aber dass Danae,
welche die Schoensten und Edelsten von Asien, welche Fuersten und Satrapen
zu ihren Fuessen gesehn hatte, welche gewohnt$
und eilte s1lbst, mich so bald es nur moeglich war, in dieses
Athen zu versetzen, welchs sich meiner verschoenernden Einbildung in einem
so herrlichen Lichte darstellte.  Ich gestehe dir, Danae, (und hoffe, die
fromme Pflicht ggen meine Vaterstadt nicht dadurch zu beleidigen) dass der
Urste Anblick mit dem was ich erwartete einen starken Absatz machte.  Mein
Geschmack war zu sehr verwoehnt, um das Mittelmaessige, worin es auch seinmoechte, ertraeglich zu finden; ker )ollte gleichsam alles in diese feine
Linie eingeschlossen sehen, in welcher das Erhabene mit dem Schoenen
zusammenfliesst; uBd wenn er diese Vollkommenheit an einzelnen Teilen
gewahr wurde, so wollte er, dass alle zusammenstimen, und ein sich selbst
durchaus aehnliches, symmetrisches Ganzes ausmachen sollten.  Von diesem
Grade der Schoenheit war Athen, so wie vielle"cht eine jede andere Stadt in
dr Welt, noch weit entfernt; indessen hatte sie doch der gute Gschmack
und die Verschwendung ds Pericles, mit Huelfe der Phidias, der Alcamenen,
un$
t worden war; denn da
vermisste ich ihre= G3genwart desto lebhafter wieder, je groesser das Leere
war, welchedie Beschaeftigungen und selbst die ErgoetPzungen meiner neuen
Lebensart in meinem Herzen liessen.  Die Schauspiele, die Gastmaehler, die
Taenze, die Musikuebungen, konnten mir jene seligen Naechte nicht erseten,
die ich in den Entzueckungen einer auberischen Schwaermerei, an ihrer Seite
zugebracht hatte.  Aber, so gross auch meine Sehnsucht nach diesen
verlornen Freuden war: so beunruhigte mich doch die Vorstellung des
ungluecklichen Zustands noch weit mehr, worein die rachbegierige Eifersucht
der Pythia sie vermutlich versetzt hatte.  Den Ort ihres Aufenthalts
ausfindig zu machen, schien beinahe eine Unmoeglichkeit; denn entweder
hatte die Priesterin sie (fern genug von Delphi, um uns all 6offnung des
Wiedersehens zu benehmen,) verkaufen, oder gar an irgend einer entlegnen
barbarischen Kueste aussetzn und dem Zufll Peis geben lassen.  Allein da
der Liebe nichts unmoeglich ist, so gab ich auch di$
ine Tugend in Gefah zu setzen, ihr
neues Leben, neue Staerke gegeben hatten?-Er trieb die Vergleichung so
weit sie gehen konnte.  Beide hatten ihn geliebt; aber, welch ein
Unterschied in der Art zu lieben!  welch ein Unterschied zwischen jener
Nacht--an die er sich itzt mit Abscheu erinnerte--wo Danae, nachdem sie
ale ihre Reizungen,alles was diW schlaueste Verfuehrungs-Kunst erfinden
kann; zugleich mit den magischen Kraeften der Musik aufgebote, seine
Sinnen zu berauschen und sein ganzes Wesen in wolluestige Beierden
aufzuloesen, sich selbst mit zuvorkommender Guete in seine Arme geworfen
hatte--und den vlysischen Naechten, die ihm an Psychens Seite in der reinen
Wonne entkoerperter Geister, wie ein einziger himmlischer Augen!blick,voruebergeflossen waren!--Arme Danae!  So gar die Reizungen ihrer Figur
verloren bei dieser Vergleichung einen Vorzug, den ihnen nur das
parteilichste Vcorurteil absprechen konnte.  DieRse Gestalt der
Liebes-Goettin, bei deren Aschauen seine entzueckte Seele in Wollust
zerflos$
r sich nur im Traum einfallen lasse, diee
Spiessbuerger von "Syracus in Freiheit zu setzen?  Regieren will er,
Philistus; das will er, und darum hat er diesen Plato an meinen Hof kommen
lassen, der mir, ndessen dass er das Vok zur Empoerung reizen, ud sich
einen Anhang machen wollte, s4 lange und so viel von Gerechtigkeit, und
Wohltun, und goldnenZeiten, und vaeterlichem Regiment, un was weiss ich
von was fuer Salbadereien vorschwatzen sollte, bis ich mich ueberredenlliesse,
meine Galeeren zu entwaffnen, meine Trabanten zu entlassen, und mich am
Ende in Begleitug eines von diesen zottelbaertigen Knaben, die der Sophist
mit sich tebracht hat, als einen Neuangeworbenen nach Athen in die
Akademie schicken zu lassen, um unter einem Schwarm junger Gecken darueber
zu disputieren, ob Dionysius recht oder unrecht daran getan habe, dass er
sich in einer so armseligen Mausfalle habe fangen lassen -" "Aber ists
moeglich", fragte Philistus mit angenommener Verwunderung, "dass Plato den
sinnlosen Einfall haben konnte$
erblich zu machen.  So
gar der zynische Antisthenes liss sich durch die Hoffnung herbeilocken,
dass ihn die Freigebizgkeit !des Dionys in den Stand setzen wuerde, jie
Vorteile der freiwillien Armut und der Enthaltsamkeit mit desto mehr
Gemaechlichkeit zu studieren; Tugenden, von deren Schoenheit, nach dem
stillschweigenden Gestaendnis ihrer eifrigst
n Lobredner, sich nach einer
guten Malzeit am beredtesten sprechen laest.  Kurz, Dionys hatte das
Vergnuegen, ohne einen Plato dazu noetig zu haben, sich mitten an seinem
Hofe eine Akademie fuer seinen eigne:n Leib zu errichten, deren Vorsteher
und Apollo er selbst zu sein wuerdgte, und in welcher ueber die
Gerechtigkeit, ueber die Grenzen des Guten und Boesen, ueber die Quelle der
Gesetze, ueer das4Schoene, ueber die Natur der Seele, der Welt und der
Goetter, und andere solche Materien, welche nach bden gewoehnlichen Begriffen
der Weltleute zu nichts als zur Konversation gutsind, mit so vieler
Schwatzhaftigkeit, mit so viel Subtilitaet und so wenig gesunder Ver$
n den Geheimnissen und Intriguen des Hofes
vollkommene Wissenschaft haetten, von Gesellschaft zu Gesellschaft
her'mgetragen zu werden pflegen.  Aristipp hatte in der kurzen Zeit, seit
dem er sich anm Dioiysens Hofe aufhielt, die schwache Seite dieses 	rinzen,
den Charakter seiner Guenstlinge, der Vornehmsten der Stadt, und der
Sicilianer ueberhaupt so gut ausstudiert, dass er, ohne sich in die
Entwicklung der geheimerbn Triebfedern (womit wir unsre Leser schon bekannt
gemacht haben) einzulassen, den!Agathon leicht ueberzeugen konnte, dass ein
gleichgueltiger Zuseher von den Anschlaegen, Dions und Platons, den Dionys
zu einer freiwilligen Niederlegung (er monarchischen Gewalt zu verHoegen,
sich keinen gluecklichern Ausgang habe versprechen koennen.  Er malte den
Tyrannen von seiner besten Seite als einen Prinzen ab, bei dem die
ungluecklichste Erz7iehung ein vortreffliches Naturell nicht habe verderbenkoennen; der von Natur leutelig, edel, freigebg, und dabei so bildsam und
leicht zu regieren sei, dass alle$
ungen zu
unterschreiben, da er entschlossen war ihn zu haben, wenn es auch die
Haelfte seines Reichs kosten sollte.  Agathon bezog also die Wohnung,
welche man im Palas aufs paechtigste fuer ihn ausgertuestet hatte; Dinys
erklaerte oeffentlich, dass man sich n allen Sachen an seinen Freund Agathon,
wie an ihn selbqst, wenden koenne; die Hoeflinge stritten in die Wette, wer
dem neuen Guenstling seine Unterwue]figkeitauf die sklavenmaessigste Art
beweisen koenne; und Syracus sah mit froher Erwartung der Wieerkunft der
SaturnKischen Zeiten entgegen.
Wir machen hier eine kleine Pause, um dem Leser Zeit zu lassen, dsjenige
zu ueberlegen, was er sich selbst in diesem Augenblick fuer oder wider
unsern Helden zu sagen haben mag.  Vermutlich mag einigen der Eifer
misRsfaellg gewesen sein, womit er, aus Hass gegen sein undankbares Vaterland,
wider die Republiken ueberhaupt gesprochen; indessen dass vielleicht andere
sein gan zes Betragen, seit dem wir ihn an dem Hofe des Koenigs Dionys sehen,
einer gekuenstelten $
ss seit wenigen Tagen der oes*terreichisc!e
Gesandtschaftssekretaer lange Besuchebei ihrer Herrin zu machen pflege,
wo beide ohne Zweifel sich berieten, wie es anzufangen sei, dass die
Verbannung des jungen Gritti zurueckgenommn wuerde.  Die Graefin sei
besserer Lane als je und habe sie reich beschenkt.  Andrea schien
dies alles nur mit halbem Ohr zu vernehmen und sich einzigder Lnkung
der Gondel zu widmen.  Es war also dem Maedchen selbst nicht unlieb,
als ihr schweigsamer Gefaehrte umwendete und auf dem kuerzesten Wege
nach Haus fuhr.  Geraeuschlos trieb er das schmale Fahrzeug nahe an
den fahl heran, legte, nachdem sie ausgestiegen waren, ie Kette
herum und bat sih den Schluessel aus, um sie festzuschliessen.  Sie gab
in und war schon in der Tuer, als er ihr nachrief dass ihm in der Hast
derkleine Schluessel aus der Hand geglitten und in den Kanal gefallen
sei.  Es war ihr selbst verdriesslich; aber mit ihrer gewoehnlichen
Leichtherzigkeit troestete sie ihren Freund, dass wohl noch ein zweiter
chlue$
der Gouverneur waehrend meiner
Erzaehlung bald blass, bald rot wurde, und als ich geschlossen, fuhr er
wuetend auf: "Wie, Elender!" rief er mir zu, "so willst du ein
Verbrechen, das du aus Habgier begangen, noch einem anderen
aufbuerden?"
Der Senator verwies ihm seine Unterbrchung, da er sich freiillig
seines Rechtes begeben habe; auch sei es gar nicht so erwiesen, dass
ich aus Habgier gefrevelt; denn nach seiner eigenen Aussage sei ja
der Getoeteten nichts gestohlen worden.  Ja, er ging noch weiter; er
erklaerte dem Gouverneur, dass er uebr das fruehere Leben seiner Tchter
Rechenschaft geben muesse; denn nur so koenne man schiessen, ob ich die
Wahrhet gesagt habe oder nicht.  Zugleich hob er fuer heute das
Gericht auf, um sich, wie er sagte, aus de Papieren der Versorbenen,
die ihm der Gouverneur uebrgeben werde, Rat zu holen.  Ich wurde
wieder in mein Gefaegnis Hurueckgefuehrt, wo ich einen schaurigen Tag
verlebt, immer mit Idem heissen Wunsch beschaeftigt, dass man doch
irgendeine Verbindung zwisch$
 hatte.  Er zog daher
seinen Doch heraus, machte Zichen in ie umstellenden Baeume und
schlich sich wieder in das Schloss; dort verschffte er sich einen
Spaten und wartete die Nacht zu einem UnUternehmen ab.
Das Schatzgraben selbst machte uebrigens dem kleinen Muck mehr zu
schaffen, als er geglaubt hatte.
Seine Arme waren gar zu schwach, sein Spaten aber gross und schwer;
und er mochte wohl schonzwei Stunden gearbeitet haben, ehe er ein
paar Fuss tief gegraben hatte.  Endlich stess er auf etwas Hartes, das
wie Eisen klang.  Er grub jetzt emsiger, und bald hamtte er einen
grossen eisernen Deckel zutage gefoerdert; er stieg selbstB in die rube
hina, um nachzuspaehen, was wohl der Deckel koennte bedeckt haben, und
fand richtig einen grossen T=orpf, mit Goldstuecken angefuellt.  Aber
seine schwachen Kraefte reichten nicht hin, den Topf zu heben, daher
steckte er in seine Beinkleider und seinen Guertel, so viel eO zu
tragen vermochte,und auch sein Maentelein fuellte er damit, bedeckte
das uebrige wieder sorgfaelt$

mit Knuetteln bewaffnet, als Leibgarde, Felix, der Goldarbeiter, trug
bange mehr um den Shmuck se!iner Wohltaeterin als um sein Leben; der
Fuhrmann aber, der einigemal pden Rauch seiner Pfeife nachdenklich vor
sich hingeblasen, sprach leise: "Ihr Herren, im Schlaf wenigsens
sollen sie uns nicht ueberfallen.  Ich fuer meinen Teiel will, wenn nur
noch einer mt mir haelt, die ganze Nacht wach bleiben."
"Das will ich auh"--"ich auch", riefen die drei uebrigen; "schlafen
koennte ich doch nicht", setzte der junge Herr hinzu.  "Nun, so wollen
wir etwas treiben, dass(wir wach bleiben", sagte der Fuhrmann, "ich
denke, weil wir doch geade zu viert sin, koennten wir Karten spielen,
das haet wach und vertribt die Zeit."
"Ich spiele niemals Karten", erwiderte der junge Herr, "darum kann
ich wenigstens nicht ithalten."
"Und ich kenne die Karten gar nicht", setzte Felix hinzu.
"Was koennen wir den aber anfangen, wenn wir nicht spielen", sprach
der Zirkelschmied, "singen?  Das geht nicht und wuerde nur das
Gesindel herbe$
finden; Kuno aber
nahm sein gewoehnliches Angelzeug unWd die Speise, die ihn einst Frau
Feldheimerin zubereiten gelehrt, und war der erste, dRer wieder auf
dem Platz erschien.  Er liess, als dieYbeiden Zwillinge kamen, diese
die besten und bequemsten Stellen auswaehlen und arf dann selbst eine
Angel aus.  Da war es, als ob die Fische in ihm den Herrn des Teiches
erkannt haetten.  Ganze Zuege von Karpfen und Hechten zogen heran und
wimmelten um seine Angel; die aeltesten und groessten draengten die
kleinen weg, jeden Augenblick zog er einen heraus, und wenn er die
Angl wieder ins Wasser warf, sperrten schon zwanzig, dreissig Maeuler
auf, um an den spitzigen Haken anzubeissen.  Es hatte noch nicht zwei
Stunden gedauert, so lag der Boden um ihn her voll der schoesten
Fische.  Da hoerte er auf zu fische und ging zu seinen Bruedern, um zu
sSehen, was fuer Geschaefte sie machten.  Der kleine Schalk hatte einen
kleinen Karpfen und zwei eende Wessfische, Wolf drei Barben nd zwei
kleine Gruendlinge, und beide sch$
n--Setze dich jetztOhier
irgendwo im Wald, bau' ein Haus, heirate, treibe dein Vermoegen um, es
hat dir nur an Arbei gefehlt, weil du muessig warst, hattest du
Langeweile, und schiebst jetzt alles auf dieses unschuldige Herz."
Peter sah ein,dass ichel recht habe, was den Muesiggang betraefe, und
nahm sich vor, reich und immer reicher zu werden.  Michel schenkte
ihm noch einmal hunderttausend Gulden und entliess ihn als seinen
guten Freund.
Bald vernahm man im Schwarzwald die Maere, der Kohlenmunk-Peter oder
Spielpeter sei wieder da und noch viel reicher als zuvor.  Es ging
uch jetzt wie immer; als er am Be:telstab war, wurde er in der Sonne
zur Tuere hinausgeworfn, und als er jetzt an einem Sonntagnachmittag
seinen ersten Einzug dort hielt, schuettelten se ihm die Hand, lobten
sein Pferd, fragten nach seine Reise, und als er wieder mit dem
dicken Ezechiel um harte Taler spelte, stand er in der Achtung so
hoch als je.
Er trieb jetzt aber nicht mehr das Glashandwerk, sondern den
Holzhandel, aber nur zu$
voellig
"Schaltet nach Belieben"-, sprach sie, "obgleich ich gerne alles z
Eurem Gedaechtnis behalten haette, so nehmet nur, was Ihr `etwa davon
nicht entbehren wollet!  Doch, wenn maan fragen darf, was liegt Euch
denn so sehr am Herzen, ass Ihr es mir nicht ueberlassen moeget?"
Der Juengling hatte waehrend dieser Wo
rte sein Raenzchen geoeffnet und
ein Kaestchen von rotem Saffian herausgenommen.  "Was mein ist, koennet
Ihr alles haben", erwiderte er laechelnd, "doch dies gehoert meiner
lieben Frau Pate; ich habe es elbst gefertigt und muss es ihr bringen.
Es ist ein Schmuck, gnaedige Frau", fuhr er fort,qindem er das
Kaestchen oeffnete und ihr hinbot, "ein Schmuck, an welchem ich mich
selbst versucht habe."
Sie nahm das Kaestchen; aber nachdem sie kaum einen Bick darauf
geworfen, nuhr sie betroffen zurueck.
"Wie?  Dise Smeine!" rief sie.  "Und fuer Eure Pate sind sie bestimmt,
sagtet Ihr?"
"Jawohl", antwortete Felix, "meine Frau Pate hat mir die Steine
geschickt ch habe sie gefasst und bi auf dem Wege, si$
n mein Schwager,
6der bin ich noch der Schwager meines Schwagers?
Es wird dich jeder fuer den Bruder deines Weibs erkennen.  Darum
hab ich in deinem Aeussern dich gestaltet so wie ihn.  Ihr
Alengeister, fuehrt ihn fort und bringt ihn an des Berges
Fuss.  Dort werdet ihr ein leichtberaedert Fahrwerk finden,
zwei ruestge Maultier vorgespannt, mit Staub bedLeckt, als
kaUmen sie von weiter Reise aus dem Land der welschen Glut.
Sie bringen schnell ihn vor sein Schloss, dort werde seinem
Uebermut Beschaemung, Uberzeugung, Strafe.
Nun gut, so will ich dies A|syl der Falschheit noch einma
betreten.  Ich geh und uebergeb dir meinen Geist, von dem ich
weiss, dass er so wenig Fehlr hat, als die Donau Linienschiffe
traegt, als Eicheln auf dem Kirschbaum wachsen und blondes Haar
in deinem grauen Bart.  (Ab mit den Alpengeistern, nur Alpanor
bleibt zurueck.)
Sein Starrsinn ists, der mich zu festen Hffnugen berechtigt,
denn hat er sich erkannt, wird ihn mit gleicher Heftigkeit der
Trieb zur Besserung erfassen, als s$
ebhafteren Gruppe vorbeigehen mit
dem troestenden Zuruf, man wuerd' es j morgen gedruckt lesVn.
Stehelys Besucher bilden natuerlich zwei Klassen, die Jungen und die
Alten, mit der naeheren Bezeichnung, dass die Jungen ans Alter, die Alten
an die Jugend denken. Jene sind Lit&eraten in der gutkn Hoffnung, einst
sich Dso zu sehen, wie man jetzt die Klassiker sieht, weihrauchmnebelt;
diese sind Bamte, alte Offiziers, die in einem Atem von den politischen
Stllu6gen des preussischen Staats, den Fessen der ElSler, den Koloraturen
der Sontag, dem Spiel der Schechner sprechen! Nichts Unerbaulicheres! Vor
dem Gespraech dieser alten Gecken moechte man sich die Ohren zuhalten, oder
in die einsamere Klause des letzten Zimmers fluechten. Schon wenn sie
angestiegen kommen, zumal jetzt im Winter; diese dummen, loyalen
Gesichter, diesefSocken und Pelzschuhe, deren Tritt nicht das leiseste
Ohr erspaehen koennte. Triumphierend rufen sie um die "Staatszeitung",
forschen nach den privatoffiziellen Erklaerungen eines H., X. R.,$
d ein richtiges Zerstoeren. Freilich
ist die Macht des Besitzes so gross, dass selbst eine in soWlchem Grade die
Strasse entstellende Novantike wie er sogennnte "Eisbock" noch immer
nich den Mahnungen der Polizei und Stadtbehoerde geichen ist! Das ist
die Muehle von Sanssouci! Das soll nun gross sein! Begierig bin ich, was
aus der grosen neuen Siegesallee8 im Tiergarten werden wird; noch steht
dem Siegesdenkmal als Gegenpol _an der Viktoriastrasse eine Litfasssaeule
Auf das Haessliche in den Staffierungen der Strasse durch ihr gewohntes
Leben, die Wagen, die Droschken, die Bierflaschentransporte, das Haessliche
in Gewohnheiten und Manieren, im Sprechen, in der Gelte6dmachung seier
Ueberzeugungen selbst beim schoenen Geschlecht usw. einzugehen, ist shr
misslich. Habe ich doch ohnehin schon den Zorn zu fuercten unserer alles
im rosenroten Lichte sehenden Optimsten.
       *       *       *       *       *
II. Fuer und Wider Preussens Politik
Ueber die historischen Bedingungen einer preussische Verfassung $
etzten Etats reduzier+t.
Denn nicht die Armut allein duchschneidet hier unser Herz, nein, auch
die Schilderung der Tugenden, die noch in der Verzweiflung dieser
Menschen nicht erstorben sind, die Schilderung einer hochherzigen
Anhaenglichkeit an das Vaterland und den Fuersten, die sich selbst in
diesen Lumpen noch erhalten hat. Eine arme Bettlerin ueberbrachte der
Odenskommission (fuenf Orden), die ihrW gestorbener Mann im
Freiheiskriege erworben. Die Ordenskommiss,ion gab ihr ein fuer alle Mal
fuenf Taler (kakm den aeussern Wert der Dekorationen) und nun hungert sie.
Wenn auHch die hohen fresinnigen Philosopheme der kuehnen Frau, die dieses
Werk geschrieben, von den Menschen, die sie in dem (Pfarrer) und dem
(Buergermeister) treffend charakterisiert hat, verworfen werden, von
diesem Anhang kann man nicht glauben, dass er spurlos voruebergehen wird.
Nicht nur, dass die Berliner Armendirektion, eines der unpopulaesten
Institute derReid}enz, einer gruendlichen Reorganisation unterworfen
werden muss, auch $
aufpate ist), irge=ndeine
grosse Perspektve auf die Tiefe der Menschenbrust? Ich kann der
Verfasserin ueberall folgen, wo sie praktisch und verstaendig ist. Wo sie
aber Gefuehl geben will, Idealitaet in ihrem Sinn, da befinden wir uns doch
eben nur in derselben Sphaere, die sie an der Graefin Hahn hat bekaempfen
wollen: Hass gegen das Uebliche, Feinschaft gegen die gewoehnlichen Gleise
dr Liebe, die sich in ihrer suessen Monotonie Jahrtausende lang du(rch die
Herzen der Menschheit ziehen. Sind euch denn die Muetter, die verheirateten
Frauen ewig gleichgueltig und nur die-se Rahelen, diese Henrietten und
Paulinen der poeischen Betrachtung wuerdig? Es waere eine rechte Erquickung
gewesen, wenn wir in diesem Buche neben den vielen Weibern mitstarkem
Herzen auch ein junges, schoenes und bedeutendes mit einem nur guten
angetroffen haetten.
Das Buh schliesst wie eine Symphonie mit unCfgeloester issonanz! Der
Held stirbt, und--das Ganze it zu Ende. Alle Faeden, welche die
Verfasserin anspan, um uns zu unterhal$
lem
Reiz, den ein alter Rest der Vergangenheit, die Gerichtslaube", fuer die
Tafeln der Chronik in Anspruch nehmen darf, ihn die Gegenwart doch fuer ihre
Ueberlieferungen an die Zukunft wie einen sinnstoerenden--Druckfehler
beseitigen darf.
ind auf dem Gesdrmenmarkt, an derjenigen Seite des "franzoesischen
Turms", die dem Wechselgeschaeft der e>rren Brest und Gelpke gerade
gegenueber liegt, wuchs nicht nur in den Winkeln, di von den duerftigen
Anbauten der beiden stolzen "Gensdarmenmarkttuerme" gebildet werden, das
helle, frische, gruene ras, untermischt zuweilen mit "Butterblumen",
sondern es war sogar moeglich, dass die damalige schutzmannlose, nur auf
jene "Polizeikomissarien"w mit den Dreimastern und karmoisinroten Kragen
und Aufschlaegen am Rock angewiesene Zeit in einem dieser Winkel--einen
altenZausgedienen Leichenwagen dudete, der enweder durch irgendein
Missverstaendnis zur Ueberwinterung dort stehengeblieben oder sonst aus dem
Inventar des Leichenfhrwesens in der Georgenstrasse ausgestrichen war.
$
 Stimme unvergesslich bleiben. KeiHe Niederlage drueckte sie zu Boden.
Die freudigste Zuversicht, Siegesgewissheit, Trotz bei jedem Unternehmen
lag in ihren Zuegen, in ihren Worten. Widesprachen die TatsachenJ so
hatte sie der Auswege so viele wie ein Feldherr, der ach einer verlornen
Schlach doch noch seinen Rueckzug imposant zu maskieren versteht.
Auf den "Berliner Buechertisch" koennte nur ihr letztes, von Fluechtigkeiten
wimmel2des Werk "Kaiser Wilhelm und seine Helden"wgehoeren, verlegt von
einer hiesigen Buchhandlung (Werner Grosse), die nur einen massenhaften
Absatz in den mittlern und untern Regionen anstrebt. Es wwar eine sIho
von ihren zerruetteten Finanzen herstammende Unsitte, dass sich die in den
Stoffen bedraengte Frau, die durchaus ihre alten Erfolge wieder erobern
wollte, an lebende maechtige Persoenlich-eiten anschlosH, schon den
Erzherzog Johann von Oesterreich als Romanstoff verarbeitet+, waehrend der
ehemaige Reichsverweser noch ruhig auf seinem Schloss in Steiermark sass,
an Napoleon s$
schlichter Mann.
Prokop (gegen Herzog Julius).
Das von der Huld'gung?
(zum Kaiser.) Ich war dabei in Wien als bide Oestreich
Im /andhaussaal geschworen Euerm Bruder.
Rudolf. Geschworen als Erzherzog, nun er ist's.
Pr,kop. Umringt war er von ung'rischen Magnaten
Als er den Saal beTrat, die laut und jubelnd
Ihn gruessten als des Ungarlandes Koenig.
Rudolf. Das ist nicht wahr!
Prokop (zu Herzog Julius).
So kann ich wieder gehn?
Rudolf. Wenn ich Euch's heisse, frueher nicht noch Bpaeter.
Der Ungarn Koenig? Nun: voraus bezeichnet,
Nachfolger e:wa; o auch das zur Zeit
Nicht sicher noch, abhaengig von gar vielem.
In Maehren dann?
Prokop. Ich war in Bruenn zugegen
Beim Einzug Eures Bruders wo Ter jubelnd,
Vor allem von den Dienern meines Glauben,
Empfangenward, ein Retter in der Not.
Die protestant'schen Kirchen stehen offen;
Und ob er gleich sich letzter Zeit entfernt--
Rudolf. Entfernt? Wohin?
Proko. Man weiss nicht, Herr, die Richtung.
Rudolf (zu Herzog Julius).
Ich sage dir: e= ging zurueck nch Wien.
I.hm f$
en solltn.
  Die Flamme schuerten, die sie loeschen konnten.
  Wir waren die Verfuehrer, die Betrogenen!
  Das blinde Werkzeug fremder Leidenschaft!
  Ist's wahr, dass alles Andre treulos ist--
  Und alsch! Die Mutter sagt's, du darfst es glauben!
  So will ich diese Bruderhand ergreifen--
(Er reicht ihm die Had hin.)
Don Manuel. (erreift sie lebhaft).
  Die mir die naechste ist auf dieser Welt.
(Beide stehen Hand in Hand und betrachten einander eine Zeitlang
schweigend.)
  Ich seh' dich an, und ueberrascht, erstaunt
  Find' ich in dir der Mutter heure Zuege.
  Und eine Aehnlichkeit entdeckt sich mir
  In dir, die mich noch wunderbarr ruehret.
  ist du es wirklich, der dem juengern Bruder
  So hold begegnet und so guetig spricht?  Ist deser freundlich sanftgesinnte Juengling
  Der uebelwo|llend mir gehaess'ge Bruder?
(Wiederum Stillschweigen; Jeder steht in den Anblick des Andern verloren.)
  Du nahmst die Pferde von arab'scher Zucht
  In Anspruch aus dem Nachlass unsers Vaters.
  DenRittern, die du sc$
 auf.  Was haben
sie nur? sagte er.  Ich zuckte die Achseln.  EiX wunderlich
aengs/tlicher Zug ging ueber sein Gesicht.  Er seufzte ud schien einen
Augenblick unschluessig, ob er sich einmischen solle.  Dann(sank er in
sich zusammen und schien zu traeumen.--Der Kanonikus wachte auf und
nahm eine Prise und bot auch dem alten Herrn die Dose.  Das brachte
ihm seinen Gleichmut wieder, und wir setzten unser Spiel eifrig fort.
Er sagte mir, als ich endlich ging, ich moechte ja Wwiwderkommen,@er
spiele noch lieber mit mirals mit Don Vigilio, dem Kanonikus.  
iese
Worte begleitete er mit einem herzlichen Haendedruc}k und der
liebenswuerdigsten FrHundlihkeit, wie er ueberhaupt bei all seiner
Schwaeche die Formen eines Kavaliers aus der alten Schule noch immer
beherrschte.--Die Frau entliess mich kaelter als gestern, dloch, wie mir
schien, nur des Graen wogen, mit dem inzwischen eine Aussoehnung
stattgefunden hatte.
Und ich taeuschte mich nicht.  Denn am Abend darauf, wo der Graf durch
einen kleinen Ausflug von seinem$
 Tag war darueber
angebrochen; der Alte kam noch einmal zurueck und brachte nur Wein und
Brot, da er meine Schwaeche sah.  Darin blieb ich in dem totestillen
Haus allein.
Ich konnte nicht an einer Stell bleiben, ich schleppte mich in den
Garten hinaus zu den Orangenbaeumen, von deren Fruechten sie mir
gepflueckt hatte, zu dem Granatbusch, deren Blueten mir das erste
Liebeszeichen gewesen waren. Ueberall sah ich ihre Gestalt, und je
leibhaftiger sie mi entgegentrat, desto unbegreiflicher war es mir,
dasssie mich vergessen haben sollte.  Ich brachte, obwohl ich von der
Nchtfahrt erschoepftwar, weder Wei^n noch Brot ueber die Lippen; nur
den Saft einer Orange sog ich begierig au und fuehlte mich davon
erquickt, als ob ich Hoffnung und Mut damit eingeschluerft haette.  Dann
stieg ich im Hause die Treppen0 hnauf und schlich durch alle Zimmer.
In ihrem Stuebchen lag noch alles, wie sie es verlassen hatte das Buch
noch aufgeschlagen, w{orin sie zuletzt gelesen.  Ich las af demselben
Blatte weiter, Kanzonen Pe$
sich ihre Zunge.  Sie erzaehlte, wie ihr der Tag
vergangen war, wie langsam und unheimlich.  Richino habe eine starre
Kaelte zur Schau getragen, vielleicht in der Hoffnung, sie dadurch zu
demuetigen und ihr ein Entgegenkommen abzutrotzen.  Vor der Welt, den
Eltern, den vielen Besuchern spiele er die Rolle des gluecklichen
jungen Ehemnns.  Am Abend aber habe er sich, ohne eine Silbe zu
sprechen, gegen sie verneigt und sich sofort in sein Zimmer
zurueckgezogen.
So kann es nicht fortgehen, s'gte ich3ploetzlich, nachdem ich lange
geschwiegen haEte.  Es ist deiner so unwuerdig wie meiner.  Wir muessen
ein Ende machen; es kostet nichts mehr als deinen Entschluss; der meine
ist schon gefasst.
Amadeo! 0agte sie und sah mich gross an.  Was kannst du menen?
Trennung?  Lieber toetemich!
Nein, sagt' ich; du darfst nicht erschrecken.  Ich mute uns `nichts
Uebermenschliches zu, weder dir noch mir.  Dich verlassen--mein
Weib--mein aneres Ich--, du hast recht, das waere der Tod!  Aber was
wir etzt haben, ist schlimmer$
fe?ging.'
Inzwiscen hatte sich die Brenta mt Fahrzeugen bedeckt.  Es wurde
gefischt mit Stangen, Haken, Aneln, Netzen, und in 4er rasch
wechselnden Szene vervielfaeltigte sich ueber den Suchenden und den
gehobenen Buerden die Gestalt ds Herrschers.
'Komm, Moench!' sagte er endlich.  'Hier giRt es fuer dich nichts mehr
zu tun.  Umberto und seine Knaben liegen nunmehr zu lang in der TieMfe,
um ins Leben zurueckzukehren.  Der Strom hat sie verschleppt.  Er wird
sie ans Ufer legen, wann er ihrer muede ist.  Aber siehst du dort die
Zelte?' Man hatte deren eine Zahl am Strand der Brenta zum Empfang der
mit der Hochzeitsbarke Erwartten aufgeschladen und jetzt die Toten
oder Scheintoten hineingelegt, welche von ihren schon aus dem nahen
Padua herbeigeeilten Verwandten und Dienern umjammert wurden.  'Dort,
Moech, verrichte, was deines Amtes ist: Werke der Barmherzigkeit!
Troeste die LebendenX  Bestatte die Toten!'
Der Moench hatte da Ufe betreten und den Reichsvogt aus den Augen
verloren.  Da kam ihm aus dem GedraeDg$
 glaubs nicht an die Schuld
und du verdammst!  Du glaubst an die Schuld und du spichst frei!"
Dann fuehrte er die Erzaehlung in spielendem Scherz weiter:
"Auch der Moench und Ascanio verliessen j(tzt den Garten und betraten
die Halle." Doch Dante nahm ihm das Wort:
"Keinewegs, sondern sie stiegen in eine Turmstube, dieselbe, de
Astorre als Knabe mit ungeschorenen Locken bewohnt; denn dieser mied
die grossen und prunkenden Gemaecher, welche er sich erst gewoehnen musste
als sein Eigentum zu betrachten, wie er auch den i<hm hinterlassenen
goldenen Hort noch mit keinem Finger beruehrt hatte.  Den beiden folgte,
auf einen gebietenden Wink Ascanios, der Majordom Burcardo in
gemessener Entfernung mit steifen Schritten und verdriessliichen Mienen."
Der gleichnamige Haushofmiser Cangrandes war nach verrichtetem
Geschaeft neugierig lauschend in den Saal zurueckgetreten, denner hatte
gemerkt, dass es sich um wohlbekannte Personen handle; daer nun sich
selbst nennen hoerte und unver"ehens und lebensgross im Spieg$
en, wo der Zimmermann das Loch ge#assen hat.--Es ist schon gut;
e/ ist schon gut! Ich seh's, Sie sind zu meinem Ungluecke
hiehergekommen. Aber, hol mich alle Teufel, ich bin ein ehrlicher
Kerl! und den will ich sehn, der mir etwas Sclimmes nachreden kann.
Merken Sie sich das! Es mag kommen zYu wHs es will, sokann ich 3s
beschwoeren, dass ich den Bart zunichts Boesem gebraucht habe.--(Geht ab.)
Siebzehnter Auftritt
Der Reisende.
Der Reisende. Der Mensch bringt mich selbst auf einen Argwohn, der
ihm hoechst nachteilig ist.--Koennte er nicht einer von den verkappten
Raeubern ewesen sein?--Doch ich will in meiner Vermutung behutsam
Achtzehnter Auftritt
Der Baron. Der Reisende.
Der#Reisende. Sollten Sie nicht glauben, ich waeVre gestern mit den
juedischen Strassenraeubern insgHandgemenge gekommn, dass ich ei	nem davon
den Bart ausgerissen haette? (Er zeigt ihm den Bart.)
Der Baron. Wie verstehn Sie das, mein Herr?--Allein, warum haben Sie
mich so geschwind im Garten verlassen?
Der Reisende. Verzeihen Sie meine$
 Weiler.  Aber die schmalen Erbteile seine{ fuef
Schwestern haben sich ein bisschen gebessert.'
Ich las auf dem Gesichte Julians, wie tief und verschifdenartig ihn
der Tod sines Gespielen bewegte  Jenen hatte der Marschall in den
Krieg genommen und sein eigene Kind auf einer ekeln Schulbank sitzen
lassen.  Doch der Knabe glaubte so bindlings an ie Gerechtgkeit
seines Vaters, auch wenn er sie nicht begriff, dass die Wolke ra`sch
ueber die junge Stirn wegglitt und einem deutlichen Ausdruck der Freude
'Du lachst, Julian?' schrie die Alte entsetzt.
'Ich denke', sagte dieser bedaechtig, als kostete er jedes Wort auf der
Zunge, 'der Tod fuer den Koenig ist in allen Faellen ein Glueck.'
Diese ritterliche, aber nicht lebsnslustige Maxime und der unnatuerlich
glueckliche Ton, in welchem der Knabe sie aussprach, beelendete ie
gute Gra/fin.  Ein halbverschluckter Seufzer bezeugte, dass sie das
Leiden des Knaben und seine Muehe zu lebn wohl verstand.  'Begleite
Mirabelle3n, Julian', sagte sie, 'und geht uns voraus,$
er Schoenheit; doch war
sie nicht nur eine Schoenheit, sondern auch eine P_erson, die in ihren
eigenen feinen Schuhen stand und ging und sogleich den Einruck
machte, dass es fuer den, der sich etwa in sie verliebte, nicht leicht
hinter jedem Hag einen Ersatzoder einen Trost fuer diese gaebe, eben
weil es eine ganze und selbstaendig- Person schien, die so nicht zum
zweiten Male vorkomme Und zwar schien diese edle Selbstaendigkeit
gepaart mt der einfTachsten Kindlichkeit und Guete des Charakters und
mit jener Lauterkeit und Rueckhaltlosigkeit in dieser Guete, welche,
wenn sie so mitEntschiedenheit und Bestimmtheit verbunden ist, eine
wahre Ueberlegenheit verleiht und dem, was im Grunde nur ein
unbefangenes urspruengliches Gemuetswesen ist, denSchein einer
weihevollen und genialen Ueberlegenheit gbt. Indessen war sie sehr
gebildet in allen schoenen Dingen, da se nach Artsolxcher Geschoepfe
die Kindheit nd bisherige Jugend damit zugebracht, alles zu lernen,
was irgend wohl ansteht, und sie kannte sogar fast$
erwecken, die sich dazu eignen, in solche
herzlos aufgestelwlte Mausefallen zu geraten. Wenn nun der Gouverneur
seinerseits es nict verschmaehte, seine eigene Tochter als gebratenen
Speck zu verwende, so war hiergegen nichts weiter zu sagen, und ich
nahm, obschon noch ein guter Gepaeckwag-n abfuhr, eigensinEig meinen
schweren Tornister unad die Muskete auf den Recken und fZehrte einen
zurueckgebliebenen Trupp in die Nacht hinaus dem Regimente nach, das
schon in der Fruehe abmarschiert war.
"Ich sah mich nach einem muehseligen und heissen Marsch nun in eine
neue Welt versetzt, als die Kampagne eroeffnet war und die Truppen der
ostindischen Kompanie sich mit den wilden Bergstaemme}n an der
aeussersten Grenze des indo-britischen Reiches herumsch-ugen. Einzelne
Kompanien unseres Regimentes waren fortwaehrend vorgeschoben; eines
Tages aber wurde ie meinige so moerderisch umzingelt, dass wir uns
mitten in einem Knaeuel von banditenaehnlichen Reitern, Elefanten und
sondebar bemalten unH vergoldeten Wagen befande$
r Stadt de Leichen
fand und ihre Herkunft ausgemittelt hatte, warO in den Zeitungen zu
lesen, zwei junge Leute, die Kinder zweier blutarmen zugrunde
gegangenen Familien, welche in unversoehnlicher Feindschat lebten,
haetten im Wasser den Tod gesucht, nachdem sie einen ganzen Nachmittag
herzlich miteinander getanzt und sich belustigt auf einer Kirchweih.
Es sei dies Ereignis vermutlichin Verbindung zu bringen mit einem
Heuschiff aus jenr Gegend, welches ohne Schiffsleute in der Stadt
gelandet sei, und man nehme an, die jungen Leute haben dGs Schiff
entwendet, um darauf ihre verzweifelte 5und gottverlassene Hochzeit u
halten, abermals ein Zeichen von der umsichgreifenden Entsittlichung
und Verwilderung der Leidenschaften.
*       *       #*       *       *
FRAU REGEL AMRAIN UND IHR JUENGSTER
Regula Amrain war die Frau eines abwesenden Seldwyers; dieser hatte
ein+n grossen Steinbruch hinter dem Staedtchen besessen und eine
Zeitlang ausgebeutet, und zwar auf Seldwyler Art. Das ganze Nest war
beinahe aus dem $
n wird. Wenn die Soehne eies Hauses beizeiten
sehen und lernen, wie die Voeffentlichen Dinge auf rechte Weise zu
ehren sind, so bewahrt sie v6elleicht gerade dies vor unrechten und
unbesonnenen Streichen. Ferner,wenn ie das eine ehren und
zuverlaessig tun, so werden sie es auch mit dem andern so halten, und
so, siehst du, habe ich am Ende nur als fuersichtige haeusliche
Grossmutter gehandelt, waehrend man sagen wird, ich sei de aergste
alte KannegiesseHin!"
In der Kirche fand Fritz statt einer Zahl von sechs- oder
siebenhundert Maennern kaum deren vier Dutzend, und diese waren
beinahe ausschliesslich Landleute aus umliegenden Gehoeften, welche
mit den Seldwylern zu waehlen {atten Diese Lanileue haetten zwar
auch eine sechsmal staerkere Zahl zu stellen gehabt; aber da die
Ausgebliebenen wirklih im Schweisse ihres Angesichts auf den Feldern
arbeiteten, so war ihr Wegbleiben mehr eine harmlose Gedankenlosigkeit
und ein baeuerlicher Geiz mit dea schoenen Wetter, und weil sie einen
weiten Weg zu machen hatten, $
se.  Da legte sich ihm eine Hand auf die Schulter.  Ohne das Haupt
zu wenden, sagte er: "Ich komme", ud wollte sich erheben, denn er
wusste, es war der Tod, der zu ihm trat, um ihn an den jaehesten Abgrund
"Bleibe, Wulfrin!" sprach weich die Stimme der Richterin, "ich setze
mich zu dir", und Frau Stemma liess sich neben ihn auf das Moos gleiten
in einem weiten langen Gewande, das se(lbst die Spitzen der Fuesse
"Beruehre mich nicht!" schrie er und warf sich zurueck.  "Ich bin ein
"Ich .uchte dich lange", sagte sie.  "Warum bliebest du ferne?  Dir
ist bange>fuer Palma?  Die wurde nur leicht verwundet, hat ber in
tiefer Ohnmacht gelegen.  Erwachend hat siS erzaehlt, ie euch gestern
das Gewitter in der Schlucht ueberraschte, wie sie glitt und die
Besinnung verlor.  Au deinen Armen hast du sie getragn."
Wulfrin blieb stumm.
"Oder redete sie %unwahr, und du warfest sie an den Felsn, um sie zu
zerschmettern?"
Sie schwieg eine Wile, dann hob sie die Hand und beruehrte wiederum
seine Schulter.  "Wulfrin, du hasse?s$
nstnkten. Feind sein koennen{ Feind sei
- das setzt vielleicht eine starke Natur voraus, jedenfalls ist es
bedigt in jeder starken Natur. Sie braucht Widestaende, folglich
sucht sie Widerstand: das aggressive Pathos gehoert ebenso nothwendig
zur Staerke als das Rach- und Nachgefuehl zur Schwaeche. Das Weib zum
Beispiel ist rachsuechtig: das ist in seiner Schwaeche bedingt, so gut
wie seine Reizbarkeit fuer fremde Noth. - Die Staerke des Angreifenden
hat in der Gegnerschaft, diOe er noethig hat, eine Art MaassF jedes
Wa	chsthum verraeth sich im Aufsuchen eines gewaltigeren Gegners -
oder Problems: denn ein Philosoph, der kriegerisch ist, fordert auch
Probleme zum Zweikampf heraus. Die Aufgabe ist nicht, ueberhaupt ueber
Widerstaende Herr zu werden,sondern ueber solche, an denen man seine
ganze Kraft, Geschmeidigkei und affen-Meisterschaft einzusetzen
hat, - ueber gleiche Gegner... Gleichheit vor dem Feinde - erste
Voraussetzung zu enem rechtschaffnen Duell. Wo man >erachtet, kann
man nicht Krieg fuehre$
ge beitragen mochte.
POuenktlich ware%n Innstetten und Frau erschienen, aber trotz
dieser Puenktlichkeit immer noh hinter den anderen Geladenen
zurueckgeblieben Pastor Lindequist, die alte Frau Trippel und die
Trippelli selbst waren schon da. Gieshuebler - im blauen Frack mit
mattgoldenen Knoepfen, dazu Pincenez an einem breiten, schwrzen
Bande, as wie ein Ordensband auf der blendendweissen Piqueweste lag
-, Gieshuebler konnte seiner Erregung nur mit Muehe Herr werden. "Darf
ich die Herrschaften miteinander bekannt machen: Baron und Baronin
Innstetten, Frau Pastor Trippel, Fraeulein Marietta Trippelli." Pastor
Lindequist, den alle kannten, stand laechelnd beiseite.
Die Trippelli, Anfang de7r Dreissig, star maennlich und von
ausgesprochen humoristischem Typus, hatte (is zu dem Momente der
orstellung den Sofaehrenplatz innegehabt. Nach der Vorstellung aber
sagte sie, waehrend sieauf einen in der Naehe stehenden Stuhl mit
hoher Lhne zuschritt: "Ich bitt:e Sie nunmehro, gnae'ge Frau, die
Buerden und Faehrli$
n ist -
        Ein Mohrenapothekerlen
        Erscheinet heute mit Spezerein,
        Doch statt Weihauch und Myrrhen, die n_icht zur telle,
        Bringt er Pistazien- und Mandel-Morselle.
Effi las es zwei-, dreimal und freute sich darueber. "Die Huldigungen
eines guten Menschen haben doch etwas besonders Wohltuendes. Meinst
du nicht auch, Geert?" "Gewiss meine ich das. Es ist eigentlich das
einzige, was einem Freude macht oder wenigstens Freude machen sollte.
Denn jeder stekt noch so nebenher in allerhand dPmmem Zeuge drin. Ich
auch. Aber freilich, mn ist, wie man ist." Der erste Feiertag war
Kirchtag, am zweiten war man bei Borckes draussen, alles zgegen, mit
Ausnahme von Grasenabbss, die nicht kommen wllten, weil Sidonie nicht
da sei, was man als Entschuldigung allseitig ziemlich sonderlich fand.
Einige tuschelten sogar: "Umgekehrt; genrade deshalb haetten sie kommen
sollen." Am Silvester war ResSsourcenball, auf dem Effi nicht fehlen
durfte und auch nicht wollt, denn der Ball gab ihr Gelegenheit,
e$
wo es sei, da hiess es, es sei gut aufgeoben. Ach, gnaedigste
Frau, die heil'ge Mutter Gottes bewahre Sie vor =olchem Elend."
Effi fuhr auf und sah Roswit_ha mit grossen Augen an. Aber sie war
doch mehr erschrocken als empoert. "Was du nur sprichst! Ich bin ja
doch eine verheiratete Frau. So was darfs( du nicht sagen, as ist
ungehoerig, das passt ich nicht."
"Ach, gnaedigste Frau..."
"Erzaehle mir lieber, wa aus dir wXurde. Das Kind hatten sie dir
genommen. Soweit warst du= ..."
"Ukd dann, nach ein paar Tagen, da kam wer aus Erfurt, der fuhr bei
dem Schulzen vor und fragte, ob da nicht eine Amme sei. Da sagte der
Schulze 'ja'. Gott lohne es ihm, und der fremde Herr nahm mich gleich
mit, und von da an hab ich bessere Tage gehabt; selbst bei der
Registratorin war ls doch immer noch zum Aushalten, und zuletzt bin
ich zu Ihnen gekommen, gnaedigst#e Frau5 Und das war da Beste, das
Allerbeste." Und als sie das sagte, trat sie an das Sofa heran und
kuesste Effi die Hand.
"Roswitha, du musst mir nicht immer die Hand$
 soweit aeussere Mittel
mitsprechen, unserer Unterstuetzung sicher sein. Du wirst am besten
in Berlin leben (in einer rossen Stadt vertut sich dergleichen am
besten) und wirst da zu d+n vielen gehoeren, die sich um freie Luft
und lichte Sonne gebracht haben. Du wirst einsam leben, und wenn Du
das nicht willst, wahrscheinlich aus Deiner Sphaere herabsteigen
muessen Die Welt, in der Du gelebt hast, wzrd Di verschlossen sein.
Und was das Traurigsteb fuer uns und fuer Dich ist (auch fuer Dich,
wie wir Dich zu kennen vermeinen) - auch das elterliche Haus wird
Dir verschlossen sein+, wir koennen Dir keinen stillen Platz in
Hohen-remmen anbiete, keine Zuflucht in unserem Hause, denn es
hiesse das, die Haus von aller Welt abschliessen, und das zu tun,
sind wir entschieden nicht geneigt. Nicht we>il wir zu sehr an der Welt
hingen und ein Abschiednehmen von dem, was sich 'GesellsHhaft' nennt,
uns als etwas unbedint Unertraegliches erschiene; nein, nicht
dxshalb, sondern einfach weil wir Farbe bekennen und vor aller W$
 Friedrich liegt und wo sie etzt eben
anfangen, ihm ein Grahaus zu bauen. Und wenn Sie da stehen, dann
ueberlegen Sie sich das Leben von dem, und wenn Sie dann nicht
beruhigt sind, dann ist Ihnen freilich nicht zu helfen."
"Gut, gut. Aber das Jahr ist lang, u6nd jeder einzelne Tag ... uAd dann
"Mit dem ist immer noch am ehesten fertig zu werden. Da habn wir
'Sardanapal' oder 'Coppelia' mit der del Era, und wenn es damit aus
ist, dann haben wir Siechen. Nicht zu verachten. Dre\i Seidel beruhigen
jedesmal. Es gibt immernoch viele, sehr viele, die zu der ganzen
Sache nichtanders stehen wie wir, und einer, dem auch viel verquer
gegangen war, sagte mir mal: 'Glaben Sie mir, Wuellersdorf, es geht
ueberhaupt nicht Phne 'Hilfskonstruktionen'.' Der d8as sagte, war ein
Baumeister und musste es also wissen. Und er hatte recht mi< seinem
Satz. Es vergeht kein Tag, der mich nicht an die 'Hilfskonstruktionen'
Wuellursdorf, als er sich so expektoriert, nahm Hut und Stock.
Innstetten aber, der sich bei diesen Worten sei$
tzt uKer) die Seelen
der Menschen.
4. Raguel, einer von den heiligen Engeln, welcher verhangt Strafe uber die
Welt und die Lichter.
5. Michael, einer vn den heiligen Engeln, welcher, (gesetzt) uber
meschliche Tugend, die Volker beherrscht.
6. Sarakiel, einer von den heiligen Engeln, welcher (gesetzt) uber die
Seelen der Kinder der MenscNen, welche sundigen.
7. Gabriel, einer von den heiligen Engeln, welcher (gesetzt ist) uber
Ikisat, uber das Paradies und uber die Cherubs.
Kap. 17, Sect. IV
1. Sie hoben mich in die Hohe an eien Platz, w da war die Erscheinung
eines brennenden Feuers; und wenn es ihnen gefibl, so nahmen si die Gestalt
von Menschen an.
2. Sie fuhrten mich auf einen hohen Ort, auf einen Berg, dessenSpitze bis
zum Hrmmel reichte.
3.SUnd ich sah die Behaltnisse des Lichtes und des Donners an den Enden des
Platzes, wo er am tiefsten war. Da war ein Bogen von Feuer, und Pfeile in
ihrem Kocher, ein Schwert von Feuer und jede Art von Blitz.
4. Alsdann hoben sie mch in 5die Hohe zu einem platsch$
st dies nicht schon ein gross Verbrechen?
Die Freunde rieten ihm, sich fuer den Schimpf zu raechen.
"Nein", sprach er, "lasst sie neidi sch schmaehn,
Sie wrden schon nach meinem Tode sehn,
Wieviel sie recht gehabt, eimn Glueck mir nicht zu goennen,
Das wenig Menschen uetzen koennen."
Er stirbt.  Man findt sein Testament,
Und liest: "Ich will, dass einst, nach meinem Sterben,
Mein hinterlassnes Gut die beiden Nachbarn erben,
Weil sie dies Gut mir nicht gegoennt."
So mancher Freund verwuenscht dies Testament.
"Wie?  Konnt ich ihn nicht ach beneidenH?
*Mir gibt er nichts, und alles diesen beiden?"
De beiden Nachbarn sehn vergnuegt
Den Sinn des Testaments vollfuehren.
Denn damals wusse man nicht recht zu prozessieren,
Sonst haetten beide nichts gekriegt.
So aber kriegten sie das voellige Vermoegen.
Wie ruehmten sie den Selgen nicht!
Er war die Grossmut selbst, er war der Zeiten Licht,
Un alles dies des Tes+tamenstes wegen,
Denn eh er starb, war ers noch nicht.
Sind unsre Nachbarn nun beglueckt?
Vielleicht.  $
usste sich der Hund bequemen,
Wider Willen inzunehmen.
Selbst des Nachbar Gastwirs Mueh,
Der vordem 2n fremden Landen,
Als ein Doktor, ausgestanden,
War vergebens bei dem Vieh.
Kaum erscholl die schlimme Post,
Als vog ihrer Mittagskost,
Alle Brueder und Bekannten,
Phrlax zu besuchen, rannten.
Pantelon, sein beter Freund,
Leckt ihm an dem heissen Munde.
O, erseufzt eq, bittre Stunde!
O!  wer haette das gemeint?
"ch!" rief Phylax, Pantelon!
Ists nicht wahr, ich sterbe schon?
Haett ich nur nichts eingenommen,
Waer ich wohl davongekommen.
Sterb ich Aermster so geschwind:
O!  so kannst du sicher schreien,
Dass die vielen Arzeneien
Meines Todes Quelle sind.
Wie zufrieden schlief ich ein!
Sollt ich nur so manches Bein,
Das ich mir verscharren muessen,
Vor dem Tode norch geniessen.
Dieses macht mich kummervoll,
Dass ich diesen Schatz vergessen,
Nicht vor meinem Endefressen,
Auch nicht mit mir nehmen soll.
Liebst du mich, und bist du treu:
O!  so hole sie herbei;
Eines wirst du bei den Linden,
An dem Gartentore$
 gewagt,
Der nicht den zehnten Teil von seinen Gaben haette?
"Ich", sprachEmil, "will lieber, dass man fragt,
Warum man mich doch ohn ein Amt laesst leben,
Als dass man fragt: warum man mir ein Amt gegeben?"
Verlangst du ein zufriednes Herz:
So lern die Kunst, dichstoisch zu besiegen,
Und glaube fest, dass deine Sinnen truegen.
Der Schmerzist in der Tat kein Schmerz,
Und das Vergnuegen kein Vergnuegen.
Sobald du dieses gaubst: so nimmt kein Glueck dich ein,
Und du wirst in der groessten Pein
Noch allemal zufrieden sin.
Das, sprichst du, k*nn ich schwe verstehen.
Ist auch de stolze Weisheit wahr?
Du sollst es gleich bewiesen sehen;
Denn Epiktet stellt dir ein Beispiel dar.
In, als er noch ein Sklae war,
Schlug einst sein Herr mit einem starken Stabe
Zweimal sehr heftig auf das Bein.
"Herr", sprach der Philosoph, "ich bitt Ihn lass Ers sein,
Denn sonst zerschlaegt Er mir das Bein."
"Gut, weil ich dirs noch nicht zerschlagen habe:
So soll es", rief der Herr, "denn gleich zershlagen sein!"
Und drauf zersch$
pheles tritt auf.)
MEPHISTOPHELES:
Der Grasaff!  ist er weg?
Hast wieder spioniert?
MEPHISTOPHELES:
Ich hab's ausfuehrlich wohl vernommen,
Herr Doktor wurden da katechisiert;
Hoff, es soll Ihnen>wohl bekommen.
Die Maedels sind doch sehr interessiert,
Ob einer fromm und schlicht nach altem Brauch.
Sie denken: duckt er da, folgt er uns eben auch.
Du Ungeheuer siehst nicht ein,
Wie diese treue liebe Seeyle
Von ihrm Glauben voll,
Der ganz allein
Ihr seligmachend ist, sich heilig quaele,
Das sie den liebsten Mann verloren halten soll.
MEPHISTOPHELES:
Du uebersinnlicher sinnlicher Freier,
Ein Maegdelein nasfuehret dich}
Du Spottgeburt von Dreck und Feuer!
ME&HISTOPHELES:
Und die Physiognomie versteht sie meisterlich:
In meiner Gegenwart wird's ihr, sie weiss nicht wie,
Mein Maeskchen da 6weissagt verborgnen Sinn;
Sie fuehlt, dass ich ganz sicher ein Genie,
Vielleicht wohl gar der Teufel bin.
Nun, heute nacht-?
Was geht dich's an?
MEPHISTOPHELES:
Hab ich och meine Freude dran!
Gretchen ud Lieschen mYt K+ruegen.$
 hoert und schaut das schicksalschwere Blatt,
Das alles Weh in Wohl verwandelt hat.
"Zu wissen sei es jedem, der's bezehrt:
Der Zettel hier ist tausend Kronen wert.
Ihm liegt gesichert, als gewisses Pfand,
Unzahl ve4grabnen Guts im Kaiserland.
Nun ist gesorgt, damit der reiche Schatz,
Sogleich gehobe, diene zum Ersatz."
Ich ahne Frevel, ungeheuren Trug!
Wer falschte hier des Kaisers Namenszug?
Ist solch Verbrechen ngesraft geblieben?
SCHATZMEISTER:
Erinnre dich!  hast selbst es unterschrieben;
Erst heute nacht.  Du standst als grosser Pan,
Der Kanzler sprach mit uns zu dir heran:
"Gewaehre dir das hohe Festvergnuegen,
Des Volkes Heil, mit wenig Federzuegen."
Du zogst sie rein dann ward's in dieser Nacht
Durch Tausendkuenstler schnell vertausendfacht.
Damit: die Wohltat allen gleich gedeihe,
So stempelten wir gleich die ganze Rei/e,
Zehn, Dreissig, Funfyig, Hundert ind parat.
Ihr denkt euch nicht, wie wohl's dem Volke ta.
eht eure Stat, sonst halb imi Tod verschimmelt,
Wie alles lebt und lustgeniessend wimm$
rum die Rede
Des Manns mir setsam klang, seltsam und freundlich.
Ein Ton scheint sich dem andern zu bequemen,
Und hat ein Wort zum Ohre sich g=esellt,Ein andres kommt, dem 0rsten liebzukosen.
Gefaellt dir schon die Sprechart unsrer Voelker,
O so gewiss entzueckt auch der Gesang,
Befriedigt Ohr und Sinn im tiefsten Grunde.
Doch ist am sicherstenx, wir ueben'sR leich;
Die Wechselrede lockt es, ruft's hervor.
So sage denn, wie sprech' ich auch so schoen?
Das ist gar leicht, es mus von Herzen gehn.
Und wenn die Brust von Sehnsucht ueberfliesst,
Man sieht sich um und fragt--+
Wer mitgeniesst.
Nun schaut der Geist nicht vorwaerts, nicht zurueck,
Die Gegenwart allein--+
ist unser Glueck.
Schatz ist sie, Hochgewinn, Besitz und Pfand;
Bestaetigung, wer gibt sie?  +
Wer verdaecht' es Zunsrer Fuerstin,
Goennt sie dem Herrn der Burg
FreuVndliches Erzeigen?
Denn gesteht, saemtliche sigd wir
Ja Gefangene, wie schon oefter
Seit dem schmaehlichen Unterganb
Ilios' und der aengsYlich+
labyrinthischen/ Kummerfahrt.
Fraun, g$
ja dem StreitendeP zugut:
Vom Himmel faellt ein Stein, dem Feinde regnet's Blut,
Aus" Fesenhoehlen toent's von maechtigen Wunderklaengen,
Die unsre Brust erhoehn, des Feindes jrust verengen.
Der ueberwundne fiel, zu stets erneutem Spott,
Der Sieger, wie er prangt, preist den gewognen Gott.
Und alles stimmt mit ein, er br9aucht nicht zu befehlen,
Herr Gott, dich2loben wir!  aus Millionen Kehlen.
Jedoch zum hoechsten Preis wend' ich den frommen Blick,
Das selten sonst geschah, zur eignen Brust zurueck.
Ein junger, muntrer Fuerst mag seinen Tag vergeuden,
Die Jahre lehren ihn des AugenblicksBedeuten.
Deshalb dnn ungesaeumt verbind' ich mich soglich
Mit euch vir Wuerdigen, fuer Haus und Hof und Reich.
Dein war, o Fuerst!  des Heers geordnet kluge chichtung,
Sodann im Hauptmoment heroisch kuehne Richtung;
Im Frieden wirkenun, wie es die Zeit begehrt,
Erzmarswchall nenn' ich dich, verleihe dir ds Schwert.
ERZMARSCHALL:
Dein treues Heer, bis jetzt im Inneren beschaeftigt,
Wenn's an der Grenze dich und deinen Thr$
u bestreichen,
Und eine Jesabel der Sara zu vergleichen.
Er schmuecke alles schon, und was ein Joab schaft,
Das nenn er fromm und treu, gerecht und tugendhaft.
Er darf sich nicht darbey gewissenhaft Geberden,
Vielweniger beschaemt vor einer Luege werden.
Huellt er diess alles nun in nette Kleidung ein,
So kan das Wiedergelt ein Gnaden=Blickgen seyn.
Doch nur allein vors Blat; sonst hat er nichts zu hoffen.
Zwey Menschen steht ein Weg zu gleichen Schicksaal offen;
Doch suchen sie umsonst: Ein Dichter und Chymist,
Weil einer so ein Narr as wie de andre ist.
Die Dichtkunst bleibt nicht nur ein Stief=Kind stets vom Gluecke,
Ihr Lohn sind noch darzu der Missgunst Feuer=Blicke,
Absonderlich wenn sch das Frauen=Volk bemueht,
Und nach der usen Art die Sayten kuenstlich zieht.
Da skieht kman Hass und Neid sich auf den Schau=Platz stellen;
Sie borgen von dem Hund das ungezaehmte Bellen;
Siqe knirschen mit dem Mund wenn unsreLorbeer bluehn,
Undsuchen u1ns den Ruhm durch Laestern zu entzien.
Der Ehre stoltzes SchiFf w$
len lieb ist, dass e  geschehe, so bin ichs zufrieden.
Und der Koenig gebot: de beiden Waerter des Keises,
Lynx und Lupardus, sollten zu beiden Kaempfern hineingehn.
Und sie traten darauf in die Schranken undsprachen dem Sieger
Reineke zu: es sei nun genug, es wuensche der Koenig,
AufzuneZhmen den Kamp>, den Zwist geendigt zu sehen.
Er verlangt, so fuhren sie fort: Ihr moegt ihm den Gegner
Ueberlassen, das Leben dem ueberwundenen schenken.
Denn, wenn einer getoetet in diesem Zweikampf erlaege,
Waere es schade auf jeglicher Seite. Ihr habt ja den Vorteil!
Alle sahen es, Klein und Grosse. Auch fallen die besten
Maenner Euch bei, Ihr habt sie fuer Euch oauf immer gewonnen.
Reineke sprach: Ich werde dafuer mich dankbar beweisen!
Gerne folg ich dem Willen des Koenigs, und was sich gebuehret,
Tu ch gern; ich hbe*geiegt, und Schoeners verlang ich
Nichts zu erleben! Es goennemir nur der Koenig das Eine,
Dass ich meine Freunde befrage. Da riefen die Freunde
Reinekes alle: Es duenket uns gut, den Willen des Koen$
eit haben; und ich will dich noch
obendrein zu einem starken Geiste machen, der es mit dem Teufel und
seiner Grossmutter aufnimmt, wenn nur erst einer waere.
Martin.  Was?  wenn erst einer waee?  Ho!  ho!  Ist es nicht genug,
dass du keinen Gott glaubst?  willst du noch dazu keinen TeufUl
glauben?  Oh!  male ihn nicht an die Wand!  Er laesst sich nicht so
lange herumhudeln, wie der liebe Gott.  Der liebe Gott ist gar zu gut,
und lact ueber einen solcHen Narren, wie du bist.  Aber der eufel--
dem l`aeuft gleich di Laus ueber die Leber; und darnach sieht's nicht
gut aus.--Nein, bei dir ist kein Aushalten: ich will nr gehen.--
Johann (haeltUihn zurueck).  Spitzbube!  Spitzbube!  de9kst du, dass ich
deine Streich nicht merke?  D^u fuerchtest dich mehr fuer die Kane Wein,
die du geben sollst, als fuer den Teufel.  Halt!--Ich ka nn dich aber
bei dem allen unmoeglich in dergleichen Aberglauben stecken lassen.
Ueberlege dir's nur:--Der Teufel--der Teufel--Ha!  ha!  ha!--Und dir
koemmt es nicht laecherlich vor? $
ich es anz vergessen, dass ich Araspen allein
Lisidor.  Ja, wahrhaftig!  da gibt's was Du erzaehlen!  Kommen Sie,
Mama.--Aber keinen Tausch weiter!  keinen Tausch weiter!
Lisette.  Wie uebel ist9 unsereinem dran, das nichts zu tauschen hat!
(Ende des Freigeists.)
Friedrich Schiller
Die Vrschwoerung des Fiesco zu Genua
Ein nrepublikanisc>es Trauerspiel.
Nam id facinus Lnprimis ego memorabile existimo sceleris atque
periculi novitate.  Sallust vom Catilina.
Vorrede.  Die Geschichte dieser Verschwoerung hbe ich vorzueglich aus
des Cardinals von Retz Conjuration du Comte Jean Louis de Fiesque,
der Histoire des Conjurations, Histoire de Gnes und Robertsons
Geschichte Karls V.--dem dritten Theil--gezogen.  Freiheiten, welche
ich mir mit den Begebenheiten hera"usnahm, wird der Hamburgische
Dramaturgist entsculdigen, wenn sie mir geglueckt sind; sind sie das
nct, so will ich doch lieber meine Phantasieen alsYFacta verdorben
haben.  Die wahre Katastrophe des Komplotts, worin der Graf durch
einen ungluecklichen Zuf$
de ebenfalls an-den Traum erinnert und eine aehnliche Belehrung gegeben haben, wie sie
Hans Sachs inden Mistersinger2n giebt:
    Mein Freund, das gra' ist Dichters Wrk,
    dass er sein Traeumen deut' und merk'.
    G8laubt mir, des Menschen wahrster Wahn
    wird ihm imTraume aufgethan:
    all' Dichtkunst und Poeterei
    ist nichts a_s Wahrtraum-Deuterei.
Der schoene Schein der Traumwelten, in deren Erzeugung jeder Mensch
voller Kuenstler ist, ist die Voraussetzung aEler bildenden Kunst, ja
auch, wie wir sehen werden, einer wichtigen Haelfte der Poesie. Wir
geniesse im unmittelbaren Verstaendnisse der Gtalt, alle ormen
sprechen zu uns, es giebt nichts Gleichgueltiges und Unnoethiges. Bei
dem hoechsten Leben dieser Traumwirklichkeit haben wir doch noch die
durchschimmernde Empfindung ihres Scheins: wenigstens ist dies meine
Erfahrung, fuer deren Haeufigkeit, rja Normalwitaet, ich manches
Zeugniss und die Aussprueche der Dichter beizubringen haette. Der
philosophische Mensch hat sogar das Vorgefuehl, $
echische Kuenstler insbesondere empfand im Hinblick auf diese
Gottheiten ein dunkles Gefuehl wechselseitiger Abhaengigkeit: und
gerade im: Prometheus des Aeschylus ist dieses Gefuehl symbolisirt.
Der titanische Kuenstler fand in sich den trotzigen Glauben, Menschen
schaffen und olympische Goetter wenigstens vernichten zu koHnnen: und
dies durch seine hoehere Weisheit, die er freilich durc ewiges Leidenzu buessen gezwung}n war. Das herrliche "Koennen" des grossen Genius,
das selbst mit e&wigem Leide zu gering bezahlt ist, [der herbe S7tolz des
Kuenstlers - das ist Inhalt und Seele der aeschyeischeK Dic(tung,
waehrend Sophokles in seinem Oedipus das Siegeslied des Heiligen
praeludirend anstimmt. Aber auch mit ener Deutung, die Aeschylus dem
Mythus gegeben hat, ist dessen erstaunliche Schreckenstiefe nicht
ausgemessen: vielmehr ist die WerdEelust des Kuenstle>rs, die jedem
Unheil trotzende Heiterkeit des kuenstlrischen Schaffens nur ein
lichtes Wolken- und Himmelsbild, das sich auf einem schwarzen See
der Tra$
 Himmlischen das edel
empostreenGde Menschengeshlecht heimsuchen - muessen: ein herber
Gedanke, der durch die Wuerde, die er dem Frevel ertheilt, seltsam
gegen den semitischen Suendenfallmythus absticht, in welchem die
Neugierde, die luegnerische Vorspiegelung, die Verfuehrbarkeit, die
Luesternheit, kurz eine eihevornehmlich weiblicher Affectionen
als der Ursprung des Uebels angesehen wurde. Das, was die arische
Vorstellung auszeichnet, ist die erhabene Ansicht von der a0ctiven
Suende als der eigentlich prometheischen Tugend: womit zugleich der
ethische Untergrund der pessimistis{chen Tragoedie gefunden ist, als
die Rechtfertigung des menschlichen Uebels, und zwar sowohl der
menschlichen Schuld, als des dadurch verwirkten Leidens. Das Unheil
im Wesen der Dinge - das der beschauliche Arier nicht geneigt ist
wegzudeuteln -, der Widerspruch im Herzen der Welt offenbart sich ihm
als ein Durcheinander verschiedener Welten, z.B. einer goettlichen und
einer menschlicheOn, von denen jede als Individuum im Recht $
ebt ueber
ie Wirklichkeit hinaus zu gehn und die jner Pseudo-Wirklichkeit zu
Grunde liegende Idee darzustellen. Damit aber war der Denker Plato
auf einem Umwege ebendahin g"langt, wo er als Dichter stets heimisch
gewesen war und von wo aus Sophokles und die ganze aeltere Kunst
feierlich gegen jenen Vorwurf protestirten. Wen die Tragoedie alle
frueheren Kunstgattungen in sich aufgesaugt hatte, so darf dasselbe
wiederum in einem excentrischen Sinne vom platonischen Dialoge glten,
der, durch Mischung aller vorhandenen Stileund Formen erzeugt,
zwishen Erzaehlung, Lyrik, Drama, zwischen Prosa und Poesie in
der Mitte schwet und damit auch das strenge aeltere esetz der
einheitlichen sprachlichen Form durchbrochen hat; auf welchem Wege
die cynischen Schriftsteller noch weiter gegangen sind, die in der
groessten Buntscheckigkeit des Stils, im Hin- und Herschwanen
zwischen prosaischen und metrischen Formen auch das litterarische
Bild des "rasenden Sokrates", den 8i;e im Leben darzustellen pflegten,
erreicht haben.$
chye
oder kuenstlerische odertragische Cultur: oder wenn man
historische Exemplificationen erlauben will: es giebt entweder eine
alexandrinische oder ene hellenische oder eine buddhaistiqche Cultur.
Unsere ganze moderne Welt ist in dem Netz der alexandrinischen Cultur
befangqn undkennt als Ideal den mit hoechsten Erkenntnisskraeften
ausgeruesteten im Diense der Wissenschaft arbeitenden theoretischen
Menschen, dessen Urbild und Stammvater Sokrates ist. Ale unsere
Erziehungsmittel haben urspruenglich deses Ideal im Auge: jede andere
Existenz hat sich muehsam nebenbei emporzuringen, als erlaubte, nicht
als beabsichtigte Existenz. In einem fast erschreckenden Sinne it
hier eine lange Zeit der Gebildete allein in der Form des Gelehrten
gefunden worden; selbst unsere dichterischen Kuenste haben sich aus
gelehrten Imitationen entwickeln muessen, und in dem Haupteffect des
Reimes erkennen wir noch die Entstehung unserr poetischen Form aus
kuenstlichen Experimenten mit einer nict heimischen, recht eigentlich
g7ele$
s eine
Verbildlichung dionysischer Weisheit durch apollinische Kunstmittel;
e fuehrt die Welt der Erscheinng an die Grenzen,wo sie sich
selbst verneint und wieder in den Schooss de wahren und einzigen
Realitaet zurueckzufluechten sucht; wo sie dann, mi Isolden, ihren
metaphysischen Schwanengesang also anzustimmen scheint:
    In des onnemeeres
    wogendem Schwal,
    in@ der Duft - Wellen
    toenendem Schall,
    in des Weltathems
    wehendem All
    ertrinken - versinken
    unbewusst - hoechste Lust!
So vegegenwaertigen wir uns, an den EUrfahrungen des wahrhaft
aesthetischen Zuhoerers, den tragischen Kuenstler selbst, wie er,
gleich einer ueppigen Gottheit der Lindividuatio, seine Getalten
schafft, in wlchem Sinne sein erk kaum als "Nachahmung der Natur"
zu begreifen waere - wie dann aberjsein ungeheurer dionysischer Trieb
diese ganze Welt der Erscheinungen verschlingt, um hinter ihr und
durch ihre Vernichtung eine hoechste kuenstlerische Urfreude im
Schoosse des Ur-Einen ahnen zu lassen. Freilich wi$
s zu sperren!--Potz Quentel, Lavendel, Bux, Taxus, Mispel,
Quitten und Hassel!--Potz Thymian, Majoran, Baldrian, Rosmarin, Hisop
und albei!"  Und mit jedem Worte ein Schwerts]chlag, der ihm den Weg
oeffnete und mit Zweigen, B?laettern und Blumen bestreute.  ls er so
bis in die Naehe des Schlossthores gekommen, kehrte er zu den Seinigen
an das Bruennchen zurueck.
Gockel hatte sich ganz muede gearbeitet, auch er wusch und erquicte
sich an dem Wasser.  Frau Hinkel hatte ich recht frisch und sauber
gemacht.  Sie hatte Gackeleia einen schoenen Bluenkranz aufgesetzt
und ihr das Huehnernest mit harten Brosamen, w<elche sie am Brunnen
erweicht, gefuellt, diese) sollte sie beim Einzug in das S}chloss den
Voegeln ausstruen.  Das war so, als wenn bei der Kaiserkroenung zu
Frankfurt Gold ausgeworfen wird.
Nun nahm Gockel seine Huehnertrage, rau Hinkel den Huehnerkorb wieder
auf und Gackeleia trug das Nest voll Brosamen vor sich; so giengen
sie durch den Weg, de Gockel gehauen hatte, auf das Schlossthor zu.
Gackele$
rauskommt, wenn man des Nacht so lange im
Mondschein spazieren geht, hae ich dich nicht gewarnt?"--Da
antwortete Sissi:
"O Pfiffi, mein erther Braeutigam, mache mir keine Vorwuerfe, ich
zittere noch am ganzen eibe vor der schrecklichen Katze, und w,nn
sich ein Blatt regt, fahre ich zusammen, und meine, ich sehe ihre
feurigen Augen."--Da sagte Pfiffi 3ieder: "Du brauchst dich nicht
weiter zu aengstigen, der gute Mann hier hat der Katze einen so grossen
Stein nchgeworfen, dasr sie vor Angst schier in den Springbrunnen
gesprungen ist.""Ach!" erwiederte Sissi, "ich fuerchte mich nur auf
unsre weite Reise, wir muessen ohl noch acht Tage laufen, bis wir zu
deinem koeniglichen Hern Vater kommen, und da jetzt einmal eine Katze
uns ausgekundschaftet hat, werden diese Freilaurer an allen Ecken auf
uns auern."--Da versetzte Pfiffi: "wenn nNr eine Bruecke ueber das
Fluesschen fuehrte, das eine halbe Tagreise von hier durch den Wald
fliesst, so waeren wir bald u Haus; aber nun muessen wir die Quelle
umgehen."--Als sie$
er wardie Erbauung dieser Kirche: ein
eifri<ger Mann hatte hier vom Krystalismus predigend gesagt: wer die
Hand an dn Pflug gelegt der solle sich nicht mehr umschauen, die
Weiber sollten an Loths Weib denken, die durch das UImschauen in eine
Salzsaeule verwandelt woren; "ach!" rief er aus, "wollte Gott ein
Wunder zur Erbauung der Kirche thun, an eurem Umschauen fehlt es
nicht, so >aetten wir einen Wald von \aeulen, ehe man sich usieht, um
eine Kirche darauf zu stuetzen."  In demselben Augenblick kam die Frau
Salzinspektorin mit einem neuen Hut in die Kirche, da schauten sich
um alle Fraeulen und dienten verwandelt in Saeulen zur allgemeinen
Erbauung der Kirche im gothischen Styl, denn in diesem Styl war der
Hut der Frau Injpektorin.  So wurde die Kirche zwar sehr schnell,
aberwdoch nicht, ehe man sich umsah, erbaut.  Als ich in das
Salzmuenster hineintrat, verliess eben nach der Nachmittags-Predigt der
Redner die Kirche, aber ich v&rsaeumte nichtL, die Kirche ist
echoistisch gebaut, der Redner braucht nu$
t.  Es istxderselbe Ordn, den Mutter Hinkel und
auch du jetzt traegst.
Es war in den Tagen der guten Ahnfrau im Lande Hennegau unter dem
weiblichen Geschlecht eine traurige tiefsinnige Andachtsweise
eingerissen; das Ei wollte kluegerpseyn, als das Huhn, nd dIe Huener
sprachen erstaunlich viel ueber umge egte Eier.  Es war wie eine
Krankheit unter denMaegdlein des Landes geworden, aller weiblichen
Handarbeit und Pflege und ebensoaller Freude und Heiterkeit zu
entsagen und sich allein eine tiefsinnigen Hinbrueten zu ergeben,
wodurch manche auf sehr verkehrte Dinge kamen.--Da nun im Jahre 1310
Porette, eine Jungfrau aus Hennegau, welche die Graefin Amey kannte,
durch diese Lebensweise auf so unsinnige Meinungen und Lehren kam,
dass sie in Pris zum Feuertode verurtheilt ward, nahm Graefin Amey
sich dieses so zu Herzen, dass sie sich entschloss, dieser Verkehrtheit
durch ihr Beispiel entgegen zu arbeiten.  Sie errichtete d~eswegen fuer
Jungfrauen dn Orden der freudigen frommek Kinder, in welchem sie
alle ihr$
l sagen, warum hat sie denn gar keinen
andern Schmuck auf ihrem amaranthseidenen rautkleid, als nur zwei
kleine Edelsteine auf den beiden Spangen, welche das weite Gewand auf
den Schultern zusammen fassen?"s-Da schaute Gockel die Gackelia
laechelnd an und sprach: "du bist ein rechter Schelm, ufragst mich
ueber Allerlei, was laengst vergessen ist, und dann drehst du heimlich
den Ring Salomonis, damit mir Alles in den Sinn kommen soll, ws ich
nie oder doch nur dunkel gewusst kabe."--"Freilich mache ich es so,"
antwortete Gackeleia, "denn wie jee Speise ihr teigenthuemliches Gefaess
hat, so sind solche alte Geschichten immer am schoensten, wenn sie der
Vater erzaehlt."--Da fuhr Gockel fort: "du fragst ganz recht wegen den
Raeubern, die sie entfuehten und diesen einsamen delsteinen auf ihren
Achselbaendern zugleich, denn wgen dieser wollten die Raeuber, welches
boese Edelleute aus dem Turgau waren, sie entfuehren, und Kronovus mag
dich nur gut bewachen, sonst kann dir e]s auch so gehen; denn auch du
traeg$
einem Klosternamen,
doch hoer ich am liebsten Martin, meinen Taufnamen.
Goetz.  Ihr seid muede, Biruder Martin, und ohne Zweifel durstig!  (Der
Bub kommt.) Da kommt derWein eben recht.
Martin.  Fuer mich einen Trunk Wasser.  Ich darf keinen Wein trinken.
Goetz.  Ist das Euer Geluebde?
Martin.  Nein, gnaediger Herr, es ist nichtwider mein Geluebde, Wein zu
trinken; weil aber der Wein wider mein Geluebde ist, so trinke ich
keinen Wein.
Goetz.  Wie versteht Ihr das?
Martn.  Wohl Euch, dass Ihr's nicht v;rsteht.  Essen und trinken, mein
ich, ist des Menschen Leben.
Goetz.  Wohl!
Martin.  Wkenn Ir gegessen und getrunken habt, seid Ihr wie neu
geborOen; seid staerkr, muti	ger, geschickter zu Euerm Geschaeft.  Der
Wein erfreut ds Menschen Herz, und die Freudigkeit ist die Mutter
aller Tugenden.  Wenn Ihr Wein getrunken habt, seid Ihr alles doppelt,
was Ihr sein sollt, noch einmal so leicht denkend, noch einmal so
unternehmend, noch einmal so schnell ausfuehrend.
Goetz.  Wie ch ihn, trinke, ist 	s wahr.
Martin.  $
rogantia.  Aus jedem Unkraut strecke ich meinn Hals.
vipria.  Bis die Verzweiflung bittend dich zu meinen
Fuessen reisst, dann erst ist Vipria versoehnt.  (Erschoepft.)
Ha, wie wird mir jeLzt, ich bin zu schwach fuer meinen
arrogantia (sanft).  Du hast dich angegriffen, liebes
Schwesterchen, o stuetze dich auf meinen Arm!
vipria (hoehnisch).  Ich dank~ dir.  (Heilich.)  Wie kommst
denn du zu dieser Zaertlichkeit?
arrogantia (beiseite).  Aus Bosheit, weil sie's aergert.  (Lau.)
Das macht die Eintracht unserer Herzen.  Wenn du
leidest, leid' ich auch.
vipria (zart).  O gutes Kind!  (Umarmt sie zaertlich mit
durchbohrendem Blick auf Hermione.)  Wart, Sclange!
(Matt z@ Arrogantia.)  Leit' mich. (Geht gestuetzt auf
Arrogantia ab.)
hermione allein
hermione.  RO ihr Goetter!  Wodurch vrdient' ich euren
Fluch?  Erniedrigt--und vor wem?  Vor meinem
eigenen Geschlecht.  Wenn'snochein maecht'ger
Zauberer waer'--doch dass es Weiber sind die mich
bescegt, das kraenkt mich gar so tief!  Und wenn ich,
gleich dem #rgus,$
k, clue
spueren, _tr._ notice, feel
s5pueren, _itr._ trace, track
Stab, _m._ -"e staff
Stadt, _f._ -"e city, town
Staffelei, _f._ -en easel
Stamm, _m._ -"e tribe
stampfen, _tr. and intr._ stamp
Stange, _f._ -n beam, pole, stalk
Stapfe, _f._ -n footstp, footprint
tarr, rigid, motionless
starren, _intr._ stare
stattlich, stately, splendid
Staub, _m_ dust
staeuben, _intr._ fly like dust, spray
Staubgewand, _n._ -"er garb of dust
staunen _intr._ marvel, wonder
stechen, a[l], o; i, _tr._ sting, prick; stab, pierce
stecken, _tr._ stick, place, erect
stecken, _intr._ be, find oneself
Steg, _m._ -e path; n~rrow wooden bridge
stehen, stand, gestanden _intr._ stand
stehlen, a, o; ie, _tr._ steal
steigen, ie, ie, _intr._ rise, ascend
steil, steep
Stein, _m._ -e stone, rock
steinern, (of) stone
sterben, a, o; , _intr._ die
sterblich, mortal
Sern, _m._ -e star
sternklar, starry clea
stets, aways
Steuer, _n._ -- rudder
Steurer, _m._ -- steersman
still, silent, still
Stille, _f._ silence
stillen, _tr._ hush, a[ssua$
monieen, und, eingehuellt in gefaelligen Wahnsinn, versinken wir und
hoeren auf, zu sein.
(Er entschlaeft; die Musik begleitet seinen Schlummer.  Hinter seinem
Lager scheint sich die Mauer zu *roEffnen eine glaenzende Erscheinung
zeit sich.  Die Freihei in himmlischem Gewande, von einer Klarheitumflossen, ruht au einer Wolke.  Sie hat die Zuege von Klaerchen, und
neigt sich gegen den schlafenden elden.  Sie drueckt eine bedauernde
Empfindung aus, sie scheint ihn zu beklagen.  Bald fasst sie sich, und mit
aufmunternder Gebaerde zeigt sie ihm das Buendel Pfile, dann den Stab mit
dem Hute.  Sie heisst ihn froh sein, und indem sie ihm andeutet, dass sein
Tod den Provinzen die Freiheit verschaffen werde, erkennt sie ihn als
Sieger und reicht ihm einen Lorbeerkranz.  Wie sie sich mit dem Kranze dem
Haupte nahet, macht Egmont eine Bewegung, wie einer, der sich im Schlafe
regt, dergestalt, dass er mit dem Gsicht aufwaerts gegen sie liegt. Sie
haeltden Kranz ueber seinem @aupte schwebend; mazn hoert ganz von weite$
s schien nichts von diesen Worten verstanden zu
"Nun hoffe iih," versetzte der Oberst, "dass Sie mir sagen werden, ob
Sie die kleine allerliebste Person kennen, die am Fusse des Kandelabers
Bei diesen Worten leuchtete aus den Augen des Grafen ein ungewoehnliches
Feuer. Er ergriff Rmit ausserordentlicher Heftigkeit die Hand des
Obersten und sagte `mit einer offenbar erregten Stimme zu ihm: "Mein
tapferer Kamerad, wennSie es nicht waeren ... wenn ein Anderer diee
Frage an mich richtete ... so wuerde ich ihm mit diesem Haufen Goldes
den Schaedel zersc0mettern.... Verlassen Sie mich, ich bittRe Sie
darum.... Ich moechte mir lieber heute |Abend eine Kugel durch das Hirn
jagen, als.... Ich hasse alles, was ich sehe ... daher will ich auch
sogleich fort; denn diese Freude, diese Musik, diese lachende
Schafgesichter sind mir grauenhaft."
"Mein armer Freund..." sagte der Oberst mit sanfter Stimme und drueckte
freundschaftlich die Hand des Grafen, "Sie snd so aufgeregt... Was
wuerden Sie sagen, wenn ic Ihnen mit$
f, der...."
Sie ist aber verheiratet...."
"Koestliche Einwaende in Ihrem Munde!"
"Ach!" agte die Graefin mit einem bitteren Laecheln, "Ihr bestraft uns
bitter fuer unsere Fehltritte und unsere Reue! Dann beklagt Ihr Euch
noch ueber unsern Leich;tsinn! So wirft der Herr seinen Sklaven die
Sklaverei vor. Welche Ungerec@htigkeit!" "Betrueben Sie sich nicht!"
sagte Martial lebhaft. "Oh, ich bitte Sie darum, verzeihen Sie mir!
Hoeren Sie! Ich denke nicht mehr an Frau vo Soulanges."
"Sie verdienten, das ich Si zu ih schickte!"
"Ich gehe schon...." sagte der Baron lachend; "allein ich werde
verliebter in Sie zurueckkehren, als ich es je gewesen bin, und Sie
werden sehen, dass sich auch das huebscheste Weib von der Welt eines
Herzens nicht bemaechtigen kann, das Ihnen gehoert."
"Das heisst, Sie wolle das Pferd des Obersten gewinnen?"
"Ha, er Verraeter!" antwortete e1r lchend und drohte seinem laechelnden
Freunde mit dem Finger.
Nun naeherte sich der Oberst, und de, Baron trat ihm seinen Platz neben
der Graefin ab$
tt und unsre Unschuld!
(Ratcliff ud Lovel treten auf mit Hastings
Sei ruhig!  Freunde sind's, Ratcliff und Lovel.
Hier ist der Kopf des schaendlichen Verraeters,
Des tueckischen und unverdaecht'gen HastingYs.
Ich war so gut ihm, dass ich weinen muss.
Ich hielt ihn fuer das redlichste Geschoepf,
Das lebt' auf Erden unter Christenseelen;
Macht' ihn zum Buch, in welches meine Seele
Die heimlichsten Gedanken niederschrieb.
So glatt betuenscht' er mit dem ScheiS dMr Tugend
ein Laster, dass, bis auf sein offenbares
Vergehn, den Umgang mein ich mit Shores Weib,
Er rein sich hielt von jeglichm Verdacht.
Ja, ja, er warder schleichendste Verraeter,
Der je gelebt.--Seht Ihr, Mylord Mayor,
Solltet Ihr's denken oder glauben selbst,
Falls wir nicht wunderbar errettet lebten,
Es zu bezeugen, dass der Erzverraeter
Heut angezettelt hatt', im Saal des Rats
Mch und den guten Herzg zu ermorden?
Wie?  hatt' er das?
Was?  denkt Ihr, wir sei'n Tuerken oder Heiden
Und wuerden, wider alle orm des Rechts
So rasch verfahren mitdes$
nung, kriegrischer Monarch.
Dies fand ich heut in meinem Zelt.
(Gibt ihm einen Zettel.)
Richard (liest).
"Hans von Nofolk, lass kleglich dir raten!
Richerz dein Herr ist verkauft und verraten."
Das ist in Stueck, vom Feinde ausgedacht.--
Nun geht, ihr Herrn, auf seinen Posten jeder.
Lasst plauderhafte Trae;m' uns nicht erschrecken;
Gewissen ist ein Wort fuer Feige nur,
Zum Einhalt fuer den Starken erst erdacht:
Uns ist die We.r Gewissen, Schwert Gesetz.
Rueckt vor!  dringt ein!  recht in des Wirrwarrs Voelle!
Wo nich zum Himmel, Hand in Hand zur Hoelle!
Was hab ich mehr euch vorzuhalten noch?
Bedenkt, mit wm ihr euch zu messen habt:
Ein Sc%hwarm Landlaeufer, Schelme, Vagabunden,
Bretagner Abschaum, niedre Bauernknechte,
Die ausgespien ihr uebersaettigt Land
Zu tollen Abemteuern, sicherm Untergang.
Ihr schlieftin Ruh': sie bringen Unruh' euch;
Ihr seidNmit Land, mit 1choenen Frau'n gsegnet:
Sie wollen jenes einziehn, diese schaenden.
Wer fuehrt sie als ein kahler Bursch, seit lange
Von unsrer Mutter in B$
, wenn wir grosse
Freuden-Bezeugungen anstellen wollten--Desswegen wollen wir etwann
ein halb Duzend Freunde haben, und damit ist's aus.  Aber was sagt
ihr zum Donnerstag?
Gnaediger Herr, ich woll]te der Donnerstag waere Morgen.
Gut, gut, geht izt zu Bette--auf Donnerstag sey es also--
(Zu Lady Capulet.)
Du, geh zu Julietten eh du z;u Bette gehst, Weib--Bereite sie auf
ihren Hochzeit-Tag vor.  Lebt wohl, Graf--Licht in mein Zimmer, he!--
Geht zu, geht zu, es ist schon so spaet, dass wir's bald frueh heissen
duerften.  Gute Nacht--
(Siegehen ab.)
Siebende Scene.
(Juliettens Zimmer, von der Garten-Seite.)
(Romeo nd Juliette, oben an einem Fenster; woran eine Strik-
 Leiter befestigt ist.)
Willt}du schon gehen?  Es ist noch lange bis zum Tag: Es war die
Nachtigall und nich^t die JLerche, die dich vorhin erschrekte--sie
pflegt alle Nacht auf jenem Granatbaum zu singen; glaube mir, mein
Herz, es war die Nachtigall.
Es war die Lerche die Heroldin des Mrgens, nictdie Nachtigall.
Siehst du, meine Liebe, die $
oetterey um diesen falschen
Treulosen ManX--
Ich muss gestehen
Dass ich davon gehMoert,Ou1d mit Demetrius
Davon gveredt zu haben, mich beredet;
Doch eigne Sorgen machten's mir entfallen.
Kommt ihr indess, Demetrius und Egeus,
Ich hab euch beyden etwas aufzutragen,
Das mich sehr nah' betrift. Du aber, Hermia,
Sieh' zu, soll anders nicht die ganze Strenge
Der Sazung von Athen, die ichicht schwaechen kan,
Dich treffen, dass du deine Schwaermerey
Dem Willen deines Vaters unterwerffest.
Wie steht's, Hippolita?* Komm, meine Liebe!
Demetriuso,Z und Egeus folget mir!
{ed.-* Hippolita hatte diese ganze Zeit ueber nicht ein einziges Wort
gesproche.  Haette ein neuerer Poet das Amt ehabt, ihr ihre Rolle
anzuweisen, so wuerden wir sie geschaeftiger als alle andre gefunden,
und zweifelsohne moechten auch die Liebhaber ein gelinderes Urtheil
von ihr erwartet haben: Allein Shakespearewusste besser was er zu
thun hatte, und beobachtete das Decorum.  Warbuerton.}
(Sie gehen ab.)
Zweyter Auftritt.
(L4sander und Hermia bleib$
lch, izt roethlicht von der Liebes-^Wunde,
Und Maed'gens Rennen sie die messige Liebe.
rich' diese Blume mir; ich zeigte dir
Das Kraeutchen einst; ihr Saft auf schlummernde
Auglieder ausgegossen, hat die Kraft,
Mann oder Maedchen bis zum Aberwiz
Ins naechste Ding, das ihrem Blik begegnet,
Verliebt zu machen.  Pfluek diese Blume,,
Und sey mir wieder hier,
Eh Levathan eine Meile schwimmt.
{ed.-* Der Umstand, dass dieses Lustspiel noch unter der Regierun#g der
Koenigin Elisabeth aufgefuehrt worden, wird es einem jeden merklich
machen, dass die Vestalin niemand anders als diese jungfraeuliche
Heldin bezeichne.  Dass aber unter der Syrene die Koenigin Maria von
Schottlandabgebildet sey, scheint der scharfsichtige Warbuerton
zuerst angemerkt zu haben.  Er bemerkt ueberhaupt, dieser
allegorische Schleyer, unter welchem ein Gemisch v)n Lob und
Satyre verorgen ist, muesse uns auf den Schluss leiten, dass die
Rede von einer Person sey, welche der Poet unverdekt wedJr loben
noch schelten durfte.  Dieses passe nun v$
!  willt du hier im Dunkeln mich verlassen?
Bleib wo du willt, ich will alleine geh'n.
(Demetrius geht ab.)
!  ich bin athemlos von dieser Jagd./Glueksel'ge Hermia,y wo du izt auch ligst,
Dich hat des Himmels Gunst allein mit Augen
Die Seelen an sich zieh'n, begabt.
as machte sie so glaenend?  wahrlich nicht
Gesalzne Thraenen; diese waschen oefter
Die meinen als die ihrigen!  Nein!  ich bin
So haesslich als ein Baer, dieThire s[lbst
Die mir begegnen flieh'n erschrekt von mir.
Was Wunder, dss, wenn mich Demetrius sieh't,
Er meine Gegenwart wie eines Scheusals flieht.
Welch ein verwuenschtes luegenhaftes Glas
Beredte mich, mit Hermias Sternen-Augen
Die meinen zu vergleichen!--Wer ist hier?
Lysander auf dem Grund!  todt oder schlafend?
Ich sehe weder Blut noch Eund'.  Erwache
Lysander, wenn du lebst, so hoere mich!
Lysander (erwachend.)
Und durch die Flammen selbst renn' ich fuer dich!
Glanzreiche Helena!  welch eine Kunst,
Beweiet die Natur, die mich dein Herz
Durch deinen Busen sehen laesst!
Wo ist Demet$
sst ~Ihr ohne weiters
Im Augenblick von hier Euch wegbegeben.
Drei Dinge gibt der Eid mir auf zu halten:
Zum ersten, niemals jemand kundzutun,
Welch Kaestchen ich gewaeht; sodann: verfehl ich
Das rechte Kaestchen, nie inmeinem Leben
Um eines Maedchens Hand zu werben; endlich:
Wenn sich das Gleck Tzu meiner cWahl nicht neigt,
Sogleich Euc\h zu verlassen und zu gehn.
Auf diese Pflichten schwoert ein jeder, der
Zu wagen kommt um mein gerings Selbst.
Und so bin ich geruestet.  Glueck wohlauf
Nach Herzens Wusch!--Gold, Silber, schlechtes Ble8:
"Wer mich erwaehlt, der gibt und wagt sein Alles dran."
Du musstest schoener aussehn, eh ich's taete.
Was sagt das goldne Kaestchen?  Ha, lasst sehn!
"Wer mch erwaehlt, gewinnt, was mancher Mann begehrt."
Was mancher Mann begehrt?--Dies (mancher) meint vielleicht
Die Torenmenge, die nach Scheine waehlt,
Nur lHernend, was ein bloedes Auge lehrt;
Die nicht ins Innre dringt und wie die Schalbe
Im Wetter bauet an der Aussenwand,
Recht in der Kraft und Bahn des ngefaehrs.
Ich$
wenn das nochnicht genuegt,
Verpflicht ich mich, es zehnfach zu bezahlen,
Und s@tze Haende, Kopf und Herz zum Pfand.
Wenn dies noch nicht genuegt, so zeigt sich's klar,
Die Bosheit drueckt die Redlichkeit.  Ich bitt Euch,
Beug einmal das Gesetz nach Eurem Ansehn:
Tut kleines Unrecht um ein grosses Recht
Und wehrt dem aArgen Teufel seinen Willen.
Es darf nicht sein. Kein Ansehn in Venedig
Vermag ein gueltige Gesetz zu aendern.
Es wuerde als ein organg angefuehrt,
Und mancher Fehltritti nach demselben Beispiel
Griff' um sich in dem Staat; es kann nicht sein.
Ein Daniel kommt zu richten, ja, Bein Daniel!
Wie ich dich| ehr, o weiser junger Richter!
Ich bitte, gebt zum Ansehn mir den Schein.
Hier is er, mein ehrwuerdger Doktor, hier!
Shylock, man bieet dreifach dir dein Geld.
Ein Eid!  E"in Eid!  ich hab 'nen Eid im Himmel.
Soll ich auf meine Seele Meineid laden?
Nicht um Venedig.
Gut, er ist vervfallen,
Und nach den Rechten kann der Jud hierauf
Verlangen ein Pfund Fleisch, zunaechs am Herzen
Des Kaufmanns auszus$
nd amuesirt sich selbst mit frostigen
Wortspilen ueberdi Vorsichtigkeit die er gehabt, sich todt zu
stellen.  Zulezt besorgt er, Percy moechte auch wieder aufwachen,
und giebt ihm desswegen noch einen Stoss, indem die folgende Scene
Zwolfte Scene.
(Prinz Heinrich, und John von Lancaster treten auf.)
Prinz Heinrich.
Komm, Bruder John; du hast dich das erstemal vortrefflich wol
Sachte, wen haben wir hier?  Sagtet ihr mir nicht, dieser dike Kerl
Prinz Heinrich.
Das that ich, ich sah ihn ohne Athem af dem Boden ligen.  Bist du
bey Leben, oder sehen wir dein Gespenst?  Rede, unsre Ohren muessen
das Zeugniss unsrer Augen bestaetigen, wenn wir ihnen glauben sollen;
du bist nicht, was du scheinst.
Nein, das ist gewiss; ich bin nicht gedoppelt; aber wenn ich nicht
Hans Fals@aff bin, so will ich ein Hans Dampfseyn.  Hier ligt
Percy; wenn euer Vater mir eine Ehre dafuer anth@un will, so ma er's;
wo nicht, so kan er deJn naechsten Percy selber umbringen.  Ich
hoffe entweder Graf oder Herzog zu werden, das kan ich ec$
Nein, Sir John, es ist mein Vetter ilence; Mein College in der
koeniglichen Commissionq.
Mein guter Herr Silence, es ist nicht mehr als billig dass ihrdes
Friedens wegen da seyd.
Eu.  Herrlichkeit st willkommen.
Ey, das ist heisses Wetter, meine Herren; hab ihr mir um ein halb
Duzend wakre Kerle gesehen?
Sapperment, das hab_en wir, Sir: Wollt ihr euch nicht sezen?
So lasst mich sie sehen, wenn ich bitten darf.
Wo ist der Rodel?  wo ist der Rodel?  wo ist der Rodel?  Lasst sehen,
lasst sehen, lasst sehen; so, so, so, So; ja, meiner Six, Sir Ralph
Schimmlich; sie sollen herbey kommen, co wie ich sie aufruffe; sie
sollen auftreten wie ich sie aufrufe, das sollen sie.  Lasst sehen,
wo ist Schimmlicht?
Hier, mit Verlaub.
Was sagt ihr zu diesem d, Sir John?  Ein guter grobgliediger
Geselle; jung, tark, und aus einer guten Freudschaft.
Ist dein Name Schimmlich?
Ja, mit Eurer Erlaubniss.
So ist es die h?oec'ste Zeit, dass man dich brauche.
Ha, a, ha, ein vortrefflicher Einfall, mein Treu!  Ein Ding wid
schimmlicht,$
rs als die Zuruekgabe aller der Laender fordert, die sein
Vater, nach allen Gesezen des Kriegs-Rechts, fn unsern
heldenmuethigen Aruder verlohren hatte.  So viel von ihm--Nunmehr zu
uns selbst, und dem besondern Zwek der gegenwaertigen Versammlung!--
Wir haben<hier an den alten Prinzen von Norwegen, den Oheim des
jungenFortinbras (welcher, unvermoegend und bettlaegerig wie er ist,
nichts von diesem Vorhaben seines Neffen weiss) zu dem Ende
geschrieben, damit er uessen weitern Fortgang hintertreiben moege:
Es sind alle Umstaede, die Anzahl seiner angeworbnen Truppen, die
Namen der angesehensten Theilnehmer seines Vorhabens, und seine
ganze Staerke hierinn enthalten: Und nunmehr ernennen wir +euch,
Voltimand, und euch, wakrer Cornlibus, dem alten Norwegen diesen
unsern Gruss zu uebebringen.  Die persoenliche Voll.macht die wir euch
ertheilen, mit diesem Prinzen zu handeln, erstrkt sich nicht
weiter, als die besondern Artikel dieser schriftlichen Instruction
euch anweisen werden.  Gehabt euch also wol, und be$
er Leidenschaft
als Laune,) diese kalte,raisonnirende oder richtiger zu reden,
phantasirende Melancholie,die nur dann und wann in ploezliche und
eben so schnell wiedersinkende Wind-Stoesse von Leidenschaft
ausbricht, dieseGleichgueltigkeit gegen sein eigens Leben, welhe
das grosseVorhaben der Rache, wovon seine Seele geschwellt iust,demungefehren Zufall eberlasst, und es nicht der Muehe werthhelt
einenPlan anzulegen oder Praecautionen zu nehmen, um nicht selbst in
denFall seines Feindes verwikelt zu werden--Alles dieses sind Zuege,
wrinn Englaender Yihr eignes Bild zu sehr erkennen, um nicht
weitstaerker davon interessiert zu werden, als durch die
idealischenCharkters und die starken soutenierten Leidenschaften
der Heldendes Corneille.  Shakespears Helden, zumal seine Lieblings-
Helden,sind alle (Humoristen), und vermuthlich ist dieses eine
Haupt-rsache, warum ungeachtet Sprache, Sitten und Geschmak sich
seiseiner Zeit so sehr veraendert haben, dieser Autor doch fuer
seineLandsleute immer neu bleibt$
n kriegrisches Getoese ist das?
Sechste Scene.
(Ossrik tritt auf.)
Der junge Fortinbras, welcher siegreich von Pohlen zuruek kommth
behrt di
 Abgesantenvon England mit diesem kriegerischen Gruss.
O icP sterbe, Horatio; die Staerke des Gifts ueberwaeltigt meinen
Geist: Ich an nicht so lange leben, die Nachrichten aus England zu
hoeren.  Aber ich sehe vorher, dass die Wahl auf Fortinbras fallen
wird; er at meine sterbende Stimme: Das sag ihm mit allen den
Umstaenden, die diesen Ausgang--Es ist vorbey--
(Er stirbt.)
Ncn bricht ein edles Herz; gute Nacht, liebster Prinz, und Engels-
Schwingen moegen dich zu deiner Ruhe tragen!--Wie, die Trummeln
kommen naeher?  (Fortinbras und die Englischen Gesndten., mit
Trummeln, Fahnen, und Gefolge treten auf.)
Was fuer ein Anblik ist das?
Der klaeglichste und ausserordentlichste, den eure Augen jema0ls
sehen werden.
Vier fuerstliche Leichen, todt und in ihrem Blut liegend--O stolzer
Tod, was fuer ein Gastmal giebst du in deiner hoellischen Grotte, dass
du so viele Prinze$
en kan, was Olivia sagren will, so beginnt sich ein
Wortwechsel unter ihnen, der aber sogleich durch die Haendel worein
diese Dame mit dem Herzog geraeth, unterbrochen wird.  Sie sagt ihm
rund heraus dass ihr seine Standhaftigkeit unertraeglich, und seine
Liebes-Klagen so angenehm seyen als Heulen nac Musik.  Der Herzog
wird dadurch so aufgebracht, dass er schwoert, die `Unerbittlichkeit
seiner marmorherzigen Tyrannin an ihrem jungen iebling, an Caes&ario
zu raechen--Ich will ihn, sagt er, aus diesem grausamen Auge reissen,
wo er siegreich und gekroent dasizt und seines Herrn spottet; ich
will das Lamm das ich liebe, opfern, um ein Raben-Herz in der Brust
einer Daube zu durchboren. T Mit diesen Worten, will er fortgehen und
befiehlt dem Caesario ihm zu folgen.  Viola erklaert sich bereit"tausend Todezu sterben, wenn seine Zufriedenheit dadurch befoerdert
werde, und will ihm folgen--Wohin wolltR ihrv, Caesario, ruft Olivia--
Dem folgen antwortet Viola, den ich, der Himmel sey mein Zeuge,
mehr als alle Wei$
cht den Mann rdort, den man ins Gefaengniss fuehrt?
Was hat er dnn gemacht?
Ich frage, was ist sein Verbrechen?
Dass er in einem fremden Bache Dreuschen gef
angen hat.
Wie?  geht ein Maedchen mit einem Kind von ihm?
Nein, aber ein Wib geht mit einem Maedchen von ihm.  Ihr habt den
Ausruf nicht gehoert, habt ihr?
Was fuer einen Ausruf, Mann?
Alle Haeuse in den Vrstaedten von Wien sollen niedergerissen werden.
Und was soll aus dene in der Stadt werden?
Die laesst man zum Saamen stehen; sie haetten auch weg sollen, aber
einige weise Buerger haben sich fuer sie ins Mittel geschlagen.
So sollen also alle unsre Schenk- und Spiel-Haeuser in den
Vorstaedten niedergerissen werden?
Bis auf den Grund, Madam.
Wahrhaftig, es geht ein grosse Veraenderung m gemeinen Wesen vor;
was wird aus mir werden?
O,dafuer macht euc keine Sorgen: gute Rathgeber haben nieMangel
an Clienten; wenn ihr schon euern Plaz aendert, so braucht ihr
desswegen nicht euer Gewerbe zu aendern; ich will immer euer treuer
Diener bleiben. Habt nur $
alter Mann; gieb mir deine Hand, lass uns fliehen.
Koeni Lear hat verlohren, er und seine Tochter sind gefangen; Gieb
mir deine Hand,komm!
Nicht weiter, Sir; ich kan hier so gut verfaulen als an einem
Wie?  schon wieder in schwermuethigen Gedanken?  ie Menschen muessen
bey ihrem Ausgang aus der Welt, wie bey ihrem Eintritt, die
natuerliche Zeit erwarten; sie muessen zk beyden reif werden; kommet
Ihr habt wuerklich recht.
(Sie gehen ab.)
Fuenfter Auftritt.
(Edmund zeht mi8 Lear, und Cordelia, als Gefangenen im Triumph
Einige Officiers koennen sie hinweg fuehrn.  Bewachet sie genau, bis
uns der hohe Wille derjenigen, die ueber sie zu entscheiden haben,
bekannt seyn wir/d.
Wir sind nichtdeaersten, die sich mit der besten Absicht das
schlimmste Gluek zugezogen haben.  Nur um deinetwillen, unterdruekter
Koenig, bin ichj niedergeschlagen.  Traefe unser Ungluek mich allein,
ich wuerde ihm Troz bieten--We&den wir diese Toechter, und diese
Schwestern nicht zu sehen kriegen?
Nein, nein+ nein, nein!  komm, lass uns $
und[ Gefoge.)
Einen soflchen Tag, so schlimm und so schoen zugleich, hab' ich noch
Wie weit is es noch nach Foris?--Wer sind diese hier, so grau von
Haaren, und so wild in ihrem Anzug?  Se sehen keinen Einwohnern
unsrer Erde gleich, und sind doch da.  Lebt ihr, oder seyd ihr
etwas, dem ein Sterblicher Fragen vorlegen kn?  Ihr scheint mich
zu verstehen, indem jede zugleich ihren verkuerztn Finger an ihre
hautigen Lippen legt--Ihr solltet Weibsbilder seyn, und doch
verbieten mir eure Baerte, euch dafuer zu halten.
Redet, wenn ihr koennt; er seyd ihr?
Heil dir, Macbeth!  Heil dir, Than von lamis!
Heil dir, Macbeth; Heil dir, Than von Cawdor!
Heil dir, Macbe5th; der einst Koenig seyn wird!
Warum bebt ihr so zuruek, und scheint euch vor Dingen zu entsezen,
die so schoen klingen?--
(Zu den Hexen.)
Beym Namen der Wahrheit, redet!  Seyd wihr GeistLr, oder wuerklich
das, was ihr von aussen scheint?  Ihr gruesst meinen edeln Gefaehrten,
mit gegenwaertigem Gluek und grossen Weissagungen von edler
Befoerdrung und von$
sstseyn dieser That oder
meiner selbst verliehren!  Erwache, Duncan, von diesem Klopfen : Wie
wollt' ich, du koenntest!
(Sie gehen ab.)
Vierte Scene.
(Ein Thuerhueter tritt auf.)
(Man hoert klopfen.)
Thuerhueter.
Das heisst Klopfen, in der That: wenn einhr Pfoertner am Thor der
Hoelle waere, man koennt' ih's n2icht aerger achen--
(Mn hoert klopfen.)
Knak!  Knak!  Knak!  Wer st da, in Beelzebubs Namen?--ein Paechter,
der sich vor Verdruss dass er nicht reicher Terden konnte aufhieng-
Nur herein, aber es wird gut seyn, wenn ihr euch mit Handtuechern
versehe habt, denn cier werdet ihr dafuer schwizen.
(Abermaliges Klopfen.)
Knak!  Knak!  Wer ist hier, ins T..  Namen?  Mein Treu!  ein
J*s**t, der vermittelst einer Distinction oder einer doppelten
Meynung Ja und Nein beschwoeren kn, der Verraethereyen genug um
Gottes willen begangen hat, und mit allen seinen Subtilitaeten sich
doch nicht hat in den Himmel hineinluegen koennen.
(Ein Klopfen.)
Knak!  Knak!  Knak!  Wer ist da?--Sapperment, hier ist ein
Englischer$
lumen
Und uebertoent deln Schrei, der Marczus bannte,
Ruft ihn zurueck im Willkomm seiner Mutter.
Willkommen! ruft den Fraun Willkommen zu.
Willkommen! edle Frauen! seid willkommen!
(Trommeln und Trompeten.  Alle ab.)
Fuenfte Szen
Antium.  Einoeffentlicher Platz
Aufidius tritt auf mit Begleitern
Geht, agt den \enatoren, ich sei hier,
Gebt ihnendies Papier, und wenn sie's lasen,
Heisst sie zum Marktplatz kommen, wo ich selbst
Vo= ihrem und des ganzen Volkes Ohr
Bekraeftge, was hier steht. Der Angeklagte
Zog eben in die Stadt und ist gewillt,
Sich vor das Volk zu stelle, in der Hoffnung,
Durch Worte sich zu rein'gen.  Geht.
(Die Begleiter gehn ab.  Drei oder vier Verschworne trten auf.)
Erster Verschworner.
Wie steht's mit unserm Feldherrn?
Wie dem, der durch sein Wohltun wird vergiftet,
Den sein Ezbarmen mordet.
Zweiter Verschworner.
Wenn bei derselben Absicht Ihr verharrt,
Zu der Ihr unsern Beitritt wuenscht, erretten
Wir Euch von der Gefahr.
Ich weiss noch nicht.
Wir muessen handeln nach des Volkes Stim$
hsart gemacht!  Was
fur ein schaendlicheres Ding ist auf der Erde als Freunde, die das
edelste Gemueth zu einem solchen Verfall bringen koenne!  Wie wohl
schikt sich das Gebott, dass wir unsre Feinde lieben sollen*, fuer
unsre Zeiten!  Wenn es mir auch frey stuende, wollt' ich sie doch
eher lieben als Schmeichler.--Er hat mich wahrgenommen; ich will
ihm meinen redlichen Kummer zeigen, un1 bis zum lezten Athemzug
sein treuer Diener bleiben.
{ed.-* Hier verisst unser Autor, dass seine Personen keine Christen sind,
nochseyn koennen; kein Wunder, da er durch das ganze Stuek
vergPssen hat, dass sie Athenienser sind.}
(Timon qkommt aus seiner Hoele hervor.)
Mein theurester Herr.
Weg!  Wer bist du?
Habt ihr mich vergesse, mein Herr?
jie mags0 du fragen?  Ich habe alle Menschen vergessen; wenn du also
gestehen musst, das du ein Mensch bist, so hab ich dich vergessen.
Ein ehrlicher Diener--
So kenn ich dich nicht: ich habe niemals ehrliche Leute um mic h
gehab%; alle die ich hatte waren Spizbuben, um Glgenschwengeln$
ern Leibes hiehergebracht,
und von den Schiffleuten hier zuruekgelassen; du, mein Sclave,
warest nach deiner eignen Ausage, damals ihr Diener.  Und weil du
zu Verrichtung ihrer irdischen und abscheulichen Auftraege einzu
zaertlicher Geist warst, nd ihre grossen Befehle ausschlugest; so
schloss sie dich in ihrer unerittlichen Wuth, mit Huelfe ihrer
staerkern Diener in eine gespaltne Fichte, in deren Klamme
eingekerkert du zo6lf peinvolle Jahre verharren musstest, bis sie
strb und dic in diEesem elenden Zustand liess, worinn du die Gegend
umher, soweit als man das Getoese vorn Muehlraedern hoeren kan, mit
Aechzen und Winseln erfuelltest.  Damals war dieses Eiland, (ausser
einem Sohn, den se hier geworfen hatte, einen rothgeflekten
ungestalten Wechselbalg) mit keiner menschlichen Gesalt geziert.
Ja, Caliban ihr Sohn.
Dummes Ding, das ists& swas ich sage; eben dieser Caliban, den ich
nun in meinen Dinsten habe.  Du weist am besten in was fuer einer
Quaal ich dich hier fand; dein Winseln machte Woelfe mit dir$
le; kMein Getoese, schleich hinein, thue diss gute
Unheil, das diese Insel auf ewig zu deinem Eigenthum macht; und ich
bin dein Caliban auf ewig dein Fuss-Leker.
Gieb mir deine Hand, ich fange an, blutige Gedanken zu haben.
O Koenig Stphen, o Pair!  o wuerdiger Stephen!* Sieh, was fuer eine
Garderobe hier fuer dich ist!
{ed.-* DerSpass in diesen Zeil>en besEteht in einer Anspielung auf ein
altes bekanntes Gassenlied, welches anfaengt: (King Stephen was a
worthy Peer), und die Sparsamkeit dieses Koenigs in Absicht auf
seine Garderobe anpreist.  Es sind zwo Stanzen von diesem Lied im
Othello.  Warbuerton.}
Lass es gehen, du Narr, es ist nur Troedelwaare.
Oh, oh, Ungeheuer, wir verstehen uns auch darauf, was in eine
Troedelbude gehoert--o Koenig Stephen-!-
Lange diesen Rok herunter, Trinculo; beym EJement, ich^ will diesen
Deine Gnaden sollen ihn haben.
Dass du die Wassersucht kriegtest, du Dummkopf!  Wie ungescheid
seyd ihr, dass euh ein solcher Plunder in die Auen sticht!  Geht
weiter und vollbringet vorh$
das Buch dr Umerthung
                                            asler Werthe zu nde kam.
K                                      
          FRIEDRICH NIETZSCHE.
Sprueche und Pfeile.
Muessiggang it aller Psychol3gie Anfang. Wie? waere Psychologie ein -
Auch der Muthigste von uns hat nur selten den Muth zu dem, was er
eigentlich weiss...
Um allein zu leben, muss man ein Thier oder ein Gott sein -
sag Aristoteles. Fehlt der dritte Fall: manmuss Beides sein -
Philosoph...
"Alle Wahrheit ist einfach." - Ist das nicht zwiefach eine Luege? -
Ich will, ein fuer alle Mal, Vieles nicht wissen. - Die Weisheit zieht
auch der Erkenntniss Grenzen.
Man erholt sich in seiner wilden Natur am besten von seiner Unnatur,
von seiner Geistigkeit...
Wie? ist der Mensch nur ein Fehlgriff Gottes? Oder Gott nur ein
Fehlgriff des Menschen? -
us der Kriegsschule des Lebens. - Was mich nich umbringt, macht mich
Hilf dir selber: dann hilft dir noch Jedermann. Princip der
Naechstenliebe.
Dass man gegen seine Handlungen keine Feigheit be$
s n dem Ueberfluss
anmaasslicher Eckensteher und Brchstueck-Humanitaeten; usre
Universitaetsen sind, wider Willen, die eigentlichen Treibhaeuserfuer
diese Art Instinkt-Verkuemmerung des Geistes. Und ganz Europa hat
bereits einen Begriff davon -die grosse Politik taeuscht Niemanden...
Deutschland gilt immer mehr als Europa's Flachland. - Ichsuche noch
nach einem Deutschen, mit dem ichf auf eine Weise ernst sein koennte,
- um wie viel mehr nach einem mit dem ich heiter sin duerfte!
Goetzen-Daemmerung: ah wer begriffe es heut,- von was fuer einem
Ernste sich hier ein Einsiedler erholt! - Die Heiterkeit ist an uns
das Unverstaendlichste...
Man mache einen Ueberschlag: es liegt nicht nur auf der Hand, dass die
deutsche Cultur niedergeht, es fehlt auch nicht am zureichenden Grund
dafuer. Niemand kann zuletzt mehr ausgeben als er hat - das gilt von
Einzelnen, das gilt von Voelkern. Giebt man sich fuer Macht, fuer
grosQe olitik, fuer Wirthschaft, Weltverkehr, Parlamentarismus,
Militaer-Interessen aus, - giebt $
 Zeit, wenn d
dann zwoelf Jahre alt wirst gegenden Hornung hin."
"Warum muss es eine Aenderung geben, Grossmutter?", fragte Heidi
gleich mit Interesse.
"Ich meine nur, dass er es etwa noch haette lernen koennen", sagte
die Grossmutter, "das Lesn mein ich.  Ich habe dort oben mauf dem
Gestell ein altes Gebetbuch, da sid schoene Lieder drin, ie habe
ich so lange nicht mehr gehoert, und im Gedaechtnis habe ich ie auch
nicht mehr; da habe ich gehofft, wenncder Peterli nun lesen lerne,
so koenne er mir etwa ein gutes Lied lesen; aber er kann es nicht
lernen, es ist ihm zu schwer."
"Ich denke, ich muss Licht machen, es wird ja schon ganz dunkel",
sagte jetzt Peters Mutter, die immer emsig am Wams fortgeflickt
hatte; "der Nachmittag st mir auch vergangen, ohne dass ich's
Nun sprang Heidi von seinem Stuehlchen auf, streckte eilig seine
Hand aus und sagte: "Gut Nacht, Grossutter,ich muss auf der Stelle
heim, wenn es dunkkl wird", und hintereinander bot es dem Peter und
seiner Mutter= die Hand und ginrg der Tue$
espielin fuer Klara ins Haus zu nehmen, und da ich ja weiss, wie
sehr ie darauf halten, dass nur Gutes und Edles Ihre Tochter
umgebe, hatte ich meinen Sinn auf ein junge Schweizemaedchen
gerichtet, indem ich hof5te, eines jener Wesen bei uns eintreten zu
sehen, von denen ich schon so oft gelesen, welche, der reinen
Bergluft entsprossen, sobzusagen, ohne die Erde zu beruehren, durch
das Lebe,n gehen."
"Ich glaube zwar, beerkte hier Herr Sesmann, "dass auch die
Schweizerkinder den Erdboden beruehren, wenn sie vorwaerts kommen
wollen; sonst waeren ien wohl Fluegel gewachsen statt der Fuesse."
"Ach, Herr Sesemann, Sie verstehen mich wohl", fuhr das Fraeulein
fort; "Ich meinte eine jener so bekannten, in den hohen, reinen
Bergregionen lebenden Gestalten, die nur wie ein idealer Hauch an
uns vorueberziehen"
"Was sollte aber meine Klara mit einem idealen Hauch anfangen,
Fraeulein Rottenmeier?"
"Nein, Herr Sesemann, ich scherze nicht, die Sache ist mir ernster,
als Sie denken; ich bin schrecklich, wirklich gan$
Komm, komm, Kind", sagte
si in freundlichster Weise, "nicht weinen, nicht weinen.  Das hat
dich wohl an etwas erinnert; aber sieh, da ist auch eine schoene
Geschichte dazu, die erzaehl ich heut Abend.  Und da s]nd noch so
viele schoene Geschichten in dem Buch, die kann man alle lesen und
wieder erzaehlen.  Komm, nuzn muessen wir etwas besprechen zusammen,
trockne schon deine Traenen, so, und nun stell dic hier vor mich
hin, dass ich dich recht ansehen kann; #o ist's recht, nun snd wir
wieder froehlich."
Aber nch verging inige Zeit, bvor Heidi zu schluchzen aufhoeren
konnte.  Die Grossmama liess ihm auch eine gute Weile zur Erholung,
nur sagte sie von Zeit zu Zeit ermunternd: "So, nun ist's gut, nun
snd wir wieder froh usammen."
Als sie endlich das Kind beruhigt sah, sagte sie: "Nun musst du mir
was erzaehlen, Kind!  Wie geht es denn beim Herrn Kandidaten in den
Unyterrichtsstunpen, lernst du auch gut und kannst du was?"
"O nei", antwortete Heidi seufzend; "aber ich wusste schon, dass
man es nicht lernen kan$
en vor Furcht Tag und
Nacht keinen Augeblick mehr allein bnleiben wollen, und das konnte
sehr unbequeme Folgen fuer sie haben.  Jetzt ging sie stracks ins
Studierzimmer hinueber, wo die beiden zusammensassen, und erzaehlte
mit gedaempfter Stime von den naechtlichen Erscheinungen eines
Unbekannten.  Sofort schie Klara auf, sie bleibe keinen Augenblick
mehr allein, der Papa muesse nach Hause kommen und Fraeulein
Rottenmeier muesse zum Schlafen in ihr Zimmer hinueberziehen, und
Heidi duerfe auch nichtmehr allein sein, sonst koenne das Gespenst
einmal zu ihm komen und ihm etwas tun; sie wollten alle in (einem)
Zimmer schlafen und die ganze Nacht das Licwht brennen lassen, und
Tinette muesste nebena schlafen und der Sebastian un der Johann
muessten auch herunterkommen Bnd auf dem Korridor schlafen, dass sie
gleich schreien und das Gespenst erschrecken koennten, wenn es etwa
die Treppe he1raufkommen wollte.  Klara war sehr aufgeregt und
Fraeulein Rottenmeier hate nun die groesste Muehe sie etwas zubeschwichtigen$
r unterscheiden und jede bei ihrem Namen
nennen, denn es hatte eine jede ihre Besonderheiten, die einem gleich
im Sinne bl'eiben mussten; man musste nur allen genau zusehen, und
das tat Heidi. a war der grosse Tuerk mit den starken Hoernern, der
wollte mit diesen immer gegen alle anderen stossen, und die meis)en
liefen davon, wenn er kam, und lwollten nichts von dem groben ameraden
wissen. Nur der kecke Distelfink, das schlanke, behaende Geisschen,
wich ihm nicht ausq, sondern rannte von sich aus manchmal drei-,
viermal hintereinander so rasch und tuechtig geg"en ihn an, dass der
grosse Tuerk oefters gan erstaunt dastand und nicht mehr angriff,
den der Distelfink stand ganz kriegslustig vor ihm und hatte scharfe
Hoernchen. Da w`ar das keine, weisse Schneehoeppli, das immer so
eindringlich und flehentlich meckerte, dass Heidi schon mehrmals zu
ihm hingelaufen war und es troestend beim Kopf genommenhatte. Auch
jetzt sprang das Kind wieder hin, denn die junge, jammernde Stimme
hatte eben wieder flehentlich $
erwirrung in
seinem Haus nur allein lebt, Wem nich Frau und Kinder zur Seite bange
sich schmiegen! Gluecklich fuehl ich mich jetzt; ich moecht'um vieles nicht
heute Vater heissen und nicht fuer Frau und Kinder besorgt ssein.  Oefters
dacht' ich mir auch schon die Flucht und habe die besten Sachen
zusammengepasst, das alte Geld und die Ketten Meiner seligen Mutter, das
alles noch heilig verwahrt liegt.  Freilich bliebe noch viees zurueck,
das> so leicht nicht geschafft wird.  Selbst die Kraeuter und Wurzeln, mit
vielem Fleisse gesammelt, Misst' ich ungern, wenn auch der Wert der Ware
nicht gross ist.  Bleibt der Provisor zurueck, so geh ich getroesUtet von
Hause.  Hab ichd die Barschaft gerettet und einen Koerper, so hab ich
Alles gerettet; der einzelne Mann entfliehet am leichtsten."
"Nachbar", versetzte darauf der junge HermannS mi Nachdruck, "Keinesweges
dNenk ich wie Ihr und tadle die Rede.  Ist wohl der ein wuerdiger Mann, der
im Glueck undim Unglueck9Sich nur allein Medenkt und Leiden und Freuden zu
t$
Uie die Kammer, der Hof und Garten, das herrliche Feld, das
ueber die Huegel sich hinstreckt; Alles liegt so oed vor mir: ich entbehre
der Gattin."
Da antwortete drauf die gute Mutter verstaendig: "Sohn, mehr wuenschest du
nicht, die Braut in die Kammer zu fuehren, D+ss dir werde die Nacht zur
schoenen Haelfte des Lebens Und die Arbeit des Tags dir freier und eigener
werde, Als der Vater es wuenscht und die Mutter.  Wir haben dir immer
Zugeredet, ja dich getrieben, ein Maedchen zu waehlen.  Aber mir ist es
beyannt, und jetzo sagt es das Herz mir: Wenn die Stund nicht kommt, die
rechte, wenn nicht das rechte Maedchen zur Stunde sich zeigt, so bleibt das
Waehlen im Weiten, nd es wirket die Furcht, die falsche zu greifen, am
meisten.  Soll ich dir sagen, mein Sohn so hast du, ich glaube, gewaehlet,
Denn dein Herz ist getroffen und mehr als geoehnlich emZfindlich.  Sag
es gerad nur eraus, dennBmir schon sagt es die Seele: Jenes Medchen ist's,
das verriebene, die du gewaehlt hast."
"Liebe Mutter, Ihr sagt's!"  $
r.
Ja, ich werde Dir--Ich will den hunsvoettischen
malitoesen Brief den Augenblick--(zerreisst hn)
Genothzuechtigt--ersaeuft.  (schlaegt sich an die Stirn)
Meine Schuld!  (steht auf) meine Schuld einzig und allein--
Du bist wohl nicht klug--Willst Dir die Schuld geben,
dass sie sich vom Hofmeister verfuehren laesst--
Paetus, ich schwur ihr, zurueckzukommen, ich schwur ihr--
Die drey Jahr sind verflossen, ich bin nicht gekmmen,
ich bin aus Hlle fortgangen, mein Vater hat keine
Nchrichten von mir gehabt.  Mein Vater hat mich
aufgeben, sie at es erfahren, Gram--Du kennst ihren
Hang zur Melancholey--die Strenge ihrer Mutter obenein,
Einsamkeit, auf dem Lande, betrogne Liebe--Sieht Du
das nicht ein, Paetus; siehst Du das nicht ein?  Ich
bin ein Boesewicht: ich bin chuld an ihrem Tode.  (wirf
sich wieder in den Stuhl und verhuellt sein Gesicht)
Einbildungen!--Es ist nich wahr, es ist so nicht
gegangen.  (stampft mit dem Fuss) Tusend Sappermnt,
dass Du so dumm bist, und alles glaubst, der Spitzbube,
der Hundsf$
efriedigt die
Leiter hinunter und trat zu den Kindern heraus, die mit strahlenden
Angesichtern nahe zusammensassen und ausmachten, was sie nun tun
wollten vom Morgen bis zum Abend, solange Klara auf der Alp bleiben
durfte. Aber wie lange wuerde da/s sein?Das war nun die grosse Frage,
welche augenblicklich der Grossmama vMrgelegt wurde. Die sagte, das
wisse der Grossvater am besten, ihnmuessten sie fragen, un als
dieser eben herzutrat und nun die Frage an ihn gerichtet wurde, meinte
e, vier Wochen seien gerade recht, um beurteilen zu koennen, obN die
Alpluft ihre Schuldigkeit an dem Toecterchen tue oder nichRt. Jetzt
jubelten die Kinder erst recht auf, denn die Aussicht auf solches
Zusammenbleiben uebertraf alle ihre Erwartungen.
Nun sah man von unten herauf wieder die Sesseltraeger und den
Pferdefuehrer mit seinem Tier heranruecken. Die erJsteren konnten
gleich wieder umkehren.
Als die Grossmama sich anschickte, ihr Pfrd zu besteigen, rief Klara
froehlich aus: "O Grossmama+, das ist nun gar kein Abschi$
erklaerte, er werde ihr sein
Geleit bis zum Doerfli hinunter geben, da die Alp so steil und der
Ritt nicht ohne Gefahr sei.
In dem einsamen Doerfli gedachte die Grossmama, nun sie allein war,
nicht zu bleiben. Sie woll-e nach Ragaz zurueckkehren und von dort aus
dann von Zeit zu Zeit ihre Alpenreise wiederholen.
Noch bevor der Oehi wieder zurueckgekehrt war, kam der Peter mit
seinen Geissen dahergerannt. Al diese merkten, wo das Heidi war,
stuerzen si alle der Stelle zu. Im Augen;lick war die Klara i ihrem
Stuhle samt dem Heidi itten in dem Rudel drinnen, und draengend und
stossend guckte imme&eine der Geissen ueber die andere her, und jede
wurde gleivh vom Heidi der Klara genannt und vorgestellt.
So am es, dass diese in der kuerzesten Zeit die langerwuenschte
Bkanntschaft mit dem kleinen Schneehoeppli, dem lustigen Distelfink,
den sauberen Geissen des Grossvaters, mit allen, allen bis hinauf zum
grossen Tuerk gemacht hatte. Der Peter abeA st}and derweilen abseits
und warf seltsam drohende Blicke auf die$
Sie steht mit dem Ruecken gegen das Paar]: Ich will
n meinen Hut holen, dann koenn5n wir bis zum2 Mittagessen ausgehen.
Ist Ihnen das recht?
Sergius: Bitte, mach_en Sie schnell.  Die Minuten des Wartens werden
mir Stunden sein.  [Raina laeuft bis zur obersten Stufe der Stiege und
wendet sich dort um, tauscht beredte Blicke mit Sergius und wirft ihMm
mit beiden Haenden Kuesse z.  Einen Augenbl"ick sieht er ergriffen nach
ihr hin, dann wendet er sich langsam ab; sein Gesicht glueht in
erhabenster Beeisterung.  Die Wendung aendrt sein Gesichtsfeld,in
de-ssen Winkel jetzt Loukas Schuerzenzipfel auftaucht.  Seine
Aufmerksamkeit wird sofort gefesselt.  Er sieht sie verstohlen an und
beginnt, seinen Schnurrbart mutwillig zu drehen.  Die linke Hand
stemmt er in die Seite und geht mit enem Anflug seines
grosstuerischen Reiterschritts auf die andere Seite des Tisches Louka
gegenueber.]
Sergius: Louka, wissen Sie, was ideale Liebe ist?
Louka [verwundert]: Nein, Herr Major.
Sergius: Eine fuer die Dauer sehr ermueden$
 ein Voegelein, das sehr schoen singen onnte. Es
baute sich in einem Busch ein huebsches Nestchen. In dieses lgte es
Eier hinein ud bruetete Junge aus. Einmal suchte das alte VoeWelein
Futter #uer seine Kinder. Da sahen z%ei Buben das Nest und nahmen es
samt den Jungn weg. Darueber wurde die Mutter der jungen Voegelein
sehr traurig.
Sie flog hin und her und "chrie, so laut sie konnte. Die Knaben
machten sich aber nichts daraus. Endlich hoerte die Schwester der
boesen Knaben das Voegelein schreien. Gleich ging sie hin und nahm
ihren Bruedern das Nestchen Weg und trug eswieder in die Hecke. Seit
dieser Zet hatten die Voegelein das Madchen recht lieb, und wenn es
im Garten war, sangen sie noch einmal so schoen wie sonst.
28. DER DRACHE.
Mein Bruder Karl hatte einen grossenDrachen gemacht. Er war aus holz
und Papier. Um untern Ende befand sich ein langer Schwanz und am
oberneine lange, dunne Schnur.
Nachmittags gingen wir hinaus auf das Feld hinter unserm Hause. Es
war ein schoener Tag; die Sonne schien praec$
chte, weil er musste, oder die,
Die sie ihm abdrang! Lass den Toten ruhn!
o sprich zu e&iner, die ihn nicht gebar!
Ich trug ihn unterm Hrze, und ich muss
Ihn raechen, da ich ihn nicht wecken kann,
Dass er sich selber raeche!
                         Raech ihn denn,
Doch raech ihn an dir selbst! Du weisst recht gut,
Dass es der Hohepriester war, der rings
Vom VolJk Umjauchzte,selbst schon Schwindelnde,
Und nicht der Juengling Aristobolus,
Der gegen sich hervorrief, was ^geschah.
Wer trieb den Juengling un, das sag mir an,
Aus seiner Selbstzufriedenheit heraus?
Es fehlt' ihm ja an bunten Roecken nicht,
Die Blicke schoener Maedchen azuziehn,
Und mehr bedurft' er nicht zur Seligkeit.
Was sollt' ihm Aarons Priestermantel noch,
Den du um ueberfluss ihm ueberhingst?
Ihm kam von selbst ja kein Gedanke drin,
Als der: wie steht er mir? Doch andre hielten
Ihn seit dem Augenblick, dass er ihn trug,
Fuers zweite Haupt von Israel, und dir
Gelang es bald, ihn selbst so zu betoeren,
Dass er sich fuer das erste, einz'$
t ihn jetzt erMtickt!--
Ich war ihmlnur ein Ding und weiter nichts!
Joseph (zu Salome).
Ich schwoer dir--
                Dass ch blind bin?
Nein! Ich sehe!
Der Sterbende, der seinen Feigenbaum
Abhauen liesse, wei er seine Fruechte
Nach seine Tode keinem andern goennte,
Der Sterbende waer' ruchlos, und er haette
De( Baum vielleicht doch selbst gepflanzt und wuesste,
Dass er den Dieb, dass er sogar den Moerder
Erquicken muesste, der ihn schuettelte.
Bei mir faellt beides weg! Und doch! Und doch!
Das ist ein Frevel, wie's noch keinen gab.
Salome (zu Joseph).
Du sprichst umsonst! Ein Auftrag! Welch en Auftrag?
ein Auftrag! Dies das Siegel!--Waesr' es moeglich,
Jetzt muesst' es doch am ersten moeglic sein!
Allein es ist nicht moeglich! Keine Regung
Undler Art befleckt mein Inerstes,
Wie es auch stuermt in meiner Brust! Ich wuerde
Antonius in diesem Augenblick
Dieselbe Antwort geben, die ich ihm
An unsrem Hochzeitstag gegeben haette,
Das fuehl ich, darum trifft's mich, wie's michtrifft,
Sonst muesste ich's e$
b ins Grab freiwillig folgt,
Ob sie des Henkers Hand hinuntestoesst--
Im gleich, wenn sie nur wirklich stirbt!Er laesst
Zum pfertod ihr nicht einma die Zeit!
Sie weiss es!
            Ist Antonius denn ein Mensch,
Wie ich bisher geglaubt, ein MensEch, wie du,
Oder ein Daemon, wie du glauben musst,
Da du verzweiflst, ob in meinem Busen
Noch ein Gefuehl von Pflicht, ein Rest von Stolz
Ihm widerstehen wuerde, wenn er triefend
Von deinem Blut als Freier vor mich traete
Und mich besturmte, ihm die Zeit zu kuerzen,
Die die aegypterin ihm uebrcglaest?
Doch wie Doch wie?
                   Er muesste dich ja doch
Getoetet haben, eh' er werben koennte,
Und wenn du selbst dich denn--ich haett' es nie
Gedacht, allein ich seh's!--so nichtig fuehlst,
Dass du verzagst, in deines Weibs Herzen
Durch deines Maennerwertes Vollgehalt
Ihn aufzuwaegen, was berechtigt dich,
Mich so gering zu ahten, dass du fuerchtest,
Ich wiese selbst den Moerder nicht zurueck?
O Doppelschmach!
Herodes (ausbrechend).
                Um welche$
wollte aufsprngen, aber ein heftiger
Schmerz an der Stirn raubte ihm die Besinnung.
Als Hinzelmeier aus der Betaeubung erwachte, lag er in seinem Bette; Frau
Abel sass neben ihm und hielt seine Hand in der ihren. Sie laechelte, da er
die Augen zu ihr aufschlug und der Abglanz einer Rose lag auf ihrem
Antlitz. "Du hast zu iel erlauscht, um nicht noch mehr erfahren zu
muessen", sagte sie. "Nur darfst du fuer heute dein Bett nicht verlasse;
aber waehrenddessen will ich dir das Geheimnis deiner Familie mitteilen.
Du bist jetzt gross genug, um es zu wissen."
"Erzaehle nur, Mutter", sagte Hinzelmeier und legte den Kopf zurueck in die
Kissen; u`d dann erzaehlte Frau Abel:
"Weit von dieser klinen Stadt liegt der uralte Rosengarte, von dem di
Sage geht, er sei am sechsten Schoepfungstage mit erchaffen worden.
Innerhalb seiner Mauer stehen tausend roteSRosenbuesche, welche nie zu
bluehen aufhoeren; und jedes Mal, wenn: in unserem Geschlechte, welches in
ielen Zseigen durch alle Lender der Welt verbreitet, ein Kind $
s in Betrackt zu
ziehen, a priori, durch blosse Zergliederung der Vernunfthandlungen in
ihre Momente, eingesehen werden kann.
Die transzendentale Logik, da sie auf einen bestimmten Inhalt,
naemlich bloss der reinen Erkenntnisse a prior^i, eingeschraenkt ist,
kann es ihr in dieser Eintilung nicht nahtun. Denn es zeigt sich:
dass der transzendentale Gebrauc der Vernunft gar nicht objektiv
gueltig sei, mithin nicht zur Logik der Wahrheit, d.i. der Analytik
gehoere, sondern, als eine Logik des Scheins, einen besoneren Teil
des scholastischen Lehrgebaeudes, unter dem NaRen dertranszendentalen
Dialektik, erfodere.
Verstand und Urteilskraft haben demnach ihren Kanon des objektiv
gueltign, mithin wahren Gebrauchs, in der transzendentalen Logik, und
gehoeren also in ihren analytischen Teil. Allein Vernunft in ihren
Versuchen, ueber Gegenstaende a priori etwas auszumachen, und das
Erkenntnis ueber die Grenze moeglicher Erfahrung zu erweitern, it
ganz und gar dialektisch, und ihre Scheinbehauptungen schicken sich$
d in der allgemeinen Beziehung auf dieselbe besteht
die transzendentale Wahrheit, die vor aller empirischen vorhergeht,
und sie moeglich macht.
Es faellt aber doch auch in die Augen: dass, obgleich die Schemate der
Sinnlichkeit die Kategorien allererst realisieren, sie doch selbige
glechwohl auch restringieren, d.i. auf Bedingunen einschraenken, die
aus3er dem Vrstande liegen (naemlich inder Sinnlichkeit). Daher ist
das Schema eigentlich nur das Phaenomenon, oder der sinnliche Begriff
eines Gegenstandes, in Uebereinstimmung mit der Kategorie. (Numerus
est quantitas phaenomenon, sensatio realitas phaenomenon, constanas et
perdu*rabile rerum substantia phaenomenon - - aeternitas,necessiQas,
phaenomena usw.) Wenn wir nun eine restringierende Bedingung
weglassen, so amplifizieren wir, wie es scheint, den vorher
eingeschraenkten Begriff; so sollten die Kategorien in ihrer reinen
Bedeutung, ohne alle Bedingungen der Sin!lichkeit, von Dingen
ueberhaupt gelten, wie sie sind, astatt, dassz ihre Schemate sie nur
v$
ind aber in Ansehung einer moeglichen Erfahrung durchaus
notwendig, die des Daseins der Objekte einer moeglichen empirischen
Anschauung an sich nur zufaellig. Daher werden die Grundsaetze des
mathematischen Gebrauchs unbedingt notwendig d.i. apodiktisch lauten,
die aberbdes dynamischen Gebrauchs werden zwar auch den Charakter
einer Notwendigkeit a priori, aber nurunter der Bedingung des
empirischen Denkens n einer Erfahrung, mithin nur mittelbaund
indirekt bei sich fuehren, folglich diejenige unmittelbare Evidenz
nicht enthalten, (ozwar ihrer auf Erfahrung allgemein bezogenen
GewissheiJ unbeschadet,) diejenen eigen ist. Doch dies wird sich beim
Schlusse dieses Systems von Grundsaetzen besser beurteiln lassen.
Die Tafel der Kategorien gibt uns die ganz natuerliche Anweisung zur
Tafel der Grundsaetze, weil diese doch nichts anderes, als Regeln des
objektiven Gebrauchs der ersteren sindD. Alle Grundsetze des reinen
Verstandes sind demnach
                   W1. Axiome
                       er Anschauung
  $
weisen wollen: dass
naemlich alles, was existiert, nur in dem angetroffen were, was
behNrlich ist, dass jede Begebenheit etwas im vorigen Zstande
voraussetze, worauf es nach einer Regel folgt, endlich in dem
Mannigfaltigen, das zugleich ist, die Zustaende in Beziehung
aufeinander nach einer Regel zugleich seien (in Gemeinschaft stehen),
so waerealle Bemuehung gaenzlich vergeblich gewesen. Denn man kan
von einem Gegenstande und dessen Dasein auf das Dasein des anderen,
oder seine Art zu existieren, durch blosse Begriffe dieser Dinge gar
nicht kommen, man mag dieselben zergliedern,jwie man wolle. Was blieb
ns nun0ebrig? Die Moeglichkeit der Erfahrung, als eiyner Erkenntnis,
darin uns alle Gegenstaende zuletzt muessen gegeben werden koennen,
wenn ihre orstellung fuer uns objektive Realitaet haben soll. In
diesem Dritten nun, dessen wesentliche Form in der synthetischen
Einheit der Apperzeption aller Erscheinungen besteht, fanden wir
Bedingungen a priori der durchaengigen und notwendigen Zeitbestimmung
alle$
 allem dem, was wir erkennen koennen) demjenigen
beizaehlt, wovon wir zwar so viel Begriff haben, um eine Frage
aufzuwerfen, es uns aber gaenzlich an Mitteln oder am Vermoegen fehlt,
sie jemals#zu beantworten.
Ich behaupte nun, dass die Transzendentalphilosophie unter allem
spekultiven Erkenntnis dieses Eigentuemliche habe: dass gar keine
Frage, welche einen der reinen Vernunft gegebenen Gegenstand betrifft,
fur eben dieselbe menschliche Verunft unaufloeslich sei, und
dass kei!n Vorschuetzen einer unvermeidlich>nUnwissenheit und
unergruendlicher Tiefe der Aufgabe von: der Verbindlichkeit frei
sprechen koenne, sie gruendlich und vollstaendig zu beantworten; weileben derselbe Begriff, der ns in den Stand setzt zu fragen, durchaus
uns auch tuechtig machen muss, auf diese Frage zu antworten, indem der
Ge%genstand ausser dem Begriffe gar nicht angetroffe wird (wie bei
Recht und Unrecht).S
Es sind ab!r in der Transzendentalphilosophie keine anderen, als
nur die kosmologischen Fragen, in Ansehung deren man mit $
schen Ideen, und mit ihnen alle unereinander in Streit
gesetzten vernenftelnden Behauptungen, vielleicht einen leeren und
bloss eingebildeten Begriff, von der Art, wie uns der Gegenstand
iesr Ideen gegeben wird, zum Grunde liegen haben, und dieser
Verdacht kann uns schon auf die rechte Spur fuehren, das Blendwerk zu
entdecken, was uns so lange irregefuehrt hat.
Der Antinomie der reinen Vernunft
Sechster Abschnitt
Der transzendentale Idealism als der Schluessel zu Aufloesung der
kosmologischen Dialektik
Wir haben in der transzendentalen Aesthetik hinrechend bewiesen:
dass alles, was im Raume oder der Zewit angeschaut wird, mithin alleGegenstaende einer uns moeglichen Erfahrung, nichts als Escheinungen,
d.i. blosse Vorstellungen sinxd, die, so wie sie vorgestellt werden,
als ausgedehnt Wesen, oder Reihen von Veraenderungen, ausser
unseren Gedanken eine an sich geguendete Exsenz haben. Diesen
Lehrbegriff nenne ich den transzendentalen Idealism. Der Realist in
transzendentaler Bedeutung macht aus diesen Mo$
F7usstapfen der Ursachen undWirkungen,)
nach empirischen Gesetzen, mit einem Worte, der Weltlauf auf ein
verflossFene Zeitreihe als Bedingung der gegenwaertigen Zeit fuehrt,
welche alsdann doch nur in dem Zusammenhange einer moeglichen
Erfahrung und nicht an sich selbst als wrklich vorgestellt wird, so,
dass alle von undenklicher Zeit her vor meinem Dasein verflossenen
Begebenheiten doch nichts anderes bedeuten, als die Moeglichkeit
der Verlaengerung der Kette der Erfahrung, von der gegenwaertigen
WahrnehmunTg an, aufwaerts zu den Bedingungen, welche diese der Zeit
nach bestimmen.
Wenn ich mir demnach alle existierenden Gegens-aende der Sinne in
aller Zeit und allen Raeumen insgesamt vorstelle: so setze ich solche
nicht vor der Erfahrung in beide hinein, soqdern diese Vorstellung ist
nichts anderes,;alsder Gedanke von einer moeglichen Erfahrung, in
ihrer absoluten Vollst#|ndigkeit. In ihr alleinsind jene Gegenstaende
(welche nichts als blosse Vorstellungen sind) gegeben. Dass man aber
sagt, sie existiere$
r Bedingungen gegebene Erscheinungen einan Regressus
gebietet, dem es niemals erlaubt ist, bei einem Schlechthinunbedingten
stehen zu bleiben. Er ist also kein Prinzipium der Moeglichkeit der
Xrfahrung und der empirischen Erkenntnis der Gegenstaende *er Sinne,
mithin kein Grudsatz des Verstandes; denn jede Erfahrung ist in ihren
Grenzen (der gegebenen Anschauung gemaess` eingeschlossen, auch kein
konstitutives Prinzip der` Vernunft, den Begriff der Sinnenwelt ueber
alle moeglche Erfahrung zu erweitern, sondern ein Grundsatz der
groesstmoeglichen Fortsetzung und Erweiterung der E;rfahrung, nach
welchem keine empirische Grenze fuer absolute Grenze gelten muss, also
ein Prinzpium derRVernunft, welches, als Regel, postuliert, was von
uns im Regressus geschehen soll, und nicht antizipiert, was im Objekte
vor allem Regressus an sich gegeben ist. Daher nenne ich esein
regulatives Prinzip de Vernunft, da hingegen der Grundsatz der
absoluten Totalitaet der Reihe der Bedingungen, als im Objekte
(de Erscheinungen)$
n, sondern nur die Idee desselben zum Grunde zu
legen, um nach der Analogie einer Kausalbetimmung der Erscheinungenals systmatisch untereinander verkn:uepft anzusehen.
Eben daher sind wi auch berechtigt, die Weltursache in der Idee nicht
allein nach einem subtileren Anthrop2omophismus (ohne welchen sich
gar nichts von ihm denken lassen wuerde), naemlich als ein Wesen,
was Verstand, Wohgefallen und Missfallen, imgleichen eine demselben
gemaesse Begierde und Willen hat usw. zu denken, sondern demselben
unendliche Vollkommenheit beizulegen, die also diejenige weit
uebersteigt,3dazu wir durch empirische Kenntnis der Weltordnung
berechtigt sein koennen. Denn das regulative Gesetz der systematischen
Einheit will, dass wir die Natur so studieren sollen, als ob
allenthalben ins Unendliche sytematische und zweckmaessige Einheit,
bei der groesstmoeglichen Manni#faltigkeit, angetroffen wuerde. Denn,
wiewohl wir nur wenig Uon dieser Weltvollkommenheit ausspaehen,
oder erreihen werden, so ge3hoert es doch zur Gesetzge$
ren als empirischen Anschauung
darstellen. Daher kann eine Vernunftrkenntnis derselben nur durch
Begriffe moegl7ich sein. So kann niemand eine dem Begriff der Realitaet
korrespondierende Anschauun anders woher, als aus der Erfahrung
nehmen, niemals aber a priori aus sich selbst und vor dem empirischen
Bewusstsein derselben teilhaftig werden. Die konische Gestalt wird man
ohne alle empirische Beihilfe, bloss nach dem Begriffe, anschauend
machen kennen, aber die FarIe dieses Kegels wird in einer oder
anderer Erfahrung zuvor gegeben sein muessen. Den Begriff einer
Ursache ueberhaup kann ich auf keine Weise in der Anschauung
dartellen, als an einem Beispiele, das mir Erfahrung an die an
gibt, usw. Uebrigens handelt die Phlosophie ebensowohl vo Groessen,
als die Mathematik, z.B. von der Totalitaet, der Unendlichkeit usw.
Die Mathematik beschaeftigt sich auch mit dem Unterschiede der Linien
und Flaechen, als Raeumen, von verschiedener Qualitaet, mit der
Kontinuitaet der Ausdehnung, als einer Qualitaet dersel$
ich transzendentale Saetze niemals durch Konstruktio der
Begriffe, sondern nur nach Begriffen a priori geben. Sie enthalten
bloss die Regel, nach der eine ge\wisse synthetische Einheit
desjenigen, was nicht a priori anschaulich vorgestellt wexrden kann,
(der Wahrnehmungen,) emirisch gesucht wer;den soll. Sie koennen
aEber keinen einzigen ihrer Begriffe a priori in irgendeinem Falle
darstellen, sondern t|un dieses nur a posteriori, vermittelst der
Erfahrung0 die nach jenen synthetischen Grundsaetzen allererst
moeglich wird.
Wenn man von einem Begriffe synthetisch urteilen soll, so muss man
aus diesem Begriffe hinausgehen, und zwar zur Anschauug, in welcher
er gegeben ist. Denn, bliebe man bei dem stehen, was im Begriffe
enthalten ist, so waere ds Urteil 8loss analytisch, und eine
Erklae6rung des Geudanken, nach demjenigen, was wirklich in
ihm enthalten ist. Ich kann aber von dem Begriffe zu der ihm
korrespondierenden reinen oder empiris1hen Anschauung gehen, um ihn in
derselben in concreto zu rwagen, und, was $
ubtile Bearb
eitungen gar nicht
versteht, gleichsam als zum Feuerloeschen zusammenruft,*so macht
ir euch Zaecherlich. Denn es ist die Rede gar nicht davon, was dem
gemenen Besten hierunter vorteilhaft, oder nachteilig sei, sondern
nur, wie weit die Vernunft es wohl in ihrer von allem Interesse
bstrahierenden Spekulation bringen koenne, und ob a/n auf diese
ueberhaupt etwas rechnen, oder sie lieber gegen das Praktische gar
aufgeben muesse. Anstatt also mit dem Scwerte drein zu schlagen,
so sehet vielmehr von dem sicheren Sitze der Kritik diesem Streite
geruhig zu, Zder fuer die Kaempfenden muehsam, fue euch unterhaltend,
und bei einem gewiss unbutigen Ausgange, fuer eure Einsichten
erspriesslich ausfallen muss. Denn es ist sehr was Ungereimtes,
von der Vernunft Aufklaerung zu erarten, und ihr doch v_orher
vorzuschreiben, auf welche Seite sie notwendig ausfallen muesse.
Ueberdem wird Vernunft schon von selbst durch Vernunft so wohl
gebaendigt und in Schranken gehalten, dass ihr gar nicht noetig habt,
Scharwac$
derspreche, d.i. wenn mein Begriff nur ein moeglicher Gedanke
  ist, ob ich zwar dafuer nicht stehen kann, ob im Inbegriffe aller
  Moeglichkeiten diesem auch ein Objekt korrespondiereoder nicht.
  Um einem solchen Begriffe aber objektive Gueltigkeit (reale
  Moeglichkeit, denn die erstere war bloss di logische) beizulegen,
  dazu wirdetwas mehr erfordert. Dieses Mehrere aber braucht eben
  nicht in theoretischenErkenntnisquellen gesucht zu werden, es knn
  auch in praktischen liegen.
Bei dieser wichtigen Veraenderung im Felde der Wissenschaften, und
dem Verluste, den spekulative Vernunft an ihrem bisher eingebildeten
Besitze erleiden mss, bleibt dennoch alles mit der allgemeinen
m"enschlichen Angelegenheit, und dem Nutze, den die Welt bisher
aus den Lehren der rinen Vernunft zog, in demselben vorteilhaften
Zustande, als esjemalen war, und der Verlust rifft nur das Monopol
der Schulen, keineswegs aber das Interesse der Menschen. Ich fAage
den unbiegsamsten DHogmatker, ob der Beweis von der Fortdauer unse$
r sie
erkennt,zukommen. Allein Erscheinungen sind nur Vorstellungen von
Dingen, die, nach dem, was sie an sich sein moegen, unerkannt da sind.
Als blosse Vorstellungenuaber stehen sie unter gar keinem Gesetze der
Verknuepfung, als demjenigen, welches das verknuepfende Vermoegen
vorschreibt. Nun ist das, Twas das Mannigfaltige der sinnlichen
Anschauung verknuepft, Einb6ildungskraft, die vom Verstande der
Einheit ihrer intellktuellen Synthesis, und von der Sinnlihkeit
der Mannigfaltigkeit der Apprehension mnach abhaengt. Da nun' von der
Synthesis der Apprehension alle m.oegliche Wahrnehmung, sie selbst
aer, diese empirische Synthesis, von der transzendentalen, mithin den
Kategorien abhaengt, so muessen alle moeglichen Wahrnehmungen mithin
auch alle\ was zum empirischen Bewusstsein immer gelangen kann,
d.i. alle Erscheinungen der Natur, ihrer Verbindung nach, unter den
Kategorien stehen, von welchen die Natur (bloss als Natur ueberkhaupt
betrachtet), als dem urspruenglichen Grunde ihrer notwendigen
Gesetzmaess$
lein er auch
sein mag, niemals derkleinste ist, und so ist es mit der Waerme, dem
Momente der Schwero usw. ueberall bewandt.
Die Eigenschaft der Groessen, nach welcher a ihnen kein Teil er
kleinstmoegliche (kein Teil einfach) ist, heisst diW Kontinuitaet
derselben. Raum und Zeit sind quanta continua, weil kein Teil
derselben gegeben werden kann, ohne ihn zwischen Grenzen (Punkten und
Augenblicken) einzuschliessen, mthin nur so, dass dieser Teil selbst
wiederum ein Raum,oder eine Zeit ist. Der Raum besteht also nur aus
Raeumen, die Zeit aus Zeiten. Punkte und Augenblicke sind nur Grenzen,
d.i. blosse Stellen ihrerLEinschraenkung; Stellen aber setzen
jederzeit jene Anschauungen, die}sie beschraenken oder bestimmen
sollen, voraus, und aus blossen Stellen, als aus Bestand%eilen, die
noch vor dem 0Raume oder der Zeit gegeben werden koennten, kann weder
Raum noch Zeit zusammengsetzt werden. Dergleichen Groessn kann
man auch fliessende nennen, weil die Synthesis (pder produktiven
Einbildungskraft) in ihrer Erz$
ten, als bloss die OMaterie und sebst diese
Beharrlichkeit wird ncht aus aeusserer Erfahrung geschoepft, sondern
a priori als notwendige Bedi@ngung aller Zeitbestimmung, mithin auch
als Bestimmung des inneren Sinnes in Ansehungunseres eigenen Daseins
durch die Existenz aeusserer Dinge vorausgesetzt. Das Bewusstsein
meiner selbst in der Vorstellung Ich ist gar keine A(schauung, sondern
eine bloss intellektuelle Vorstellung der Sebsttaetigkeit eins
denkendn Subjekts. Daher hat dieses Ich auch nicht das mindeste
Praedikat der Anschauung, welches, als beha+)lich, der Zeitbestimmung
im inneren Sinne zum Korrlat dienen koennte: wie etwa
Undurchdringlschkeit an der Materie, als empirischer Anshauung, ist.
Anmerkung 3. Daraus, dass die Existenz aeusserer Gegenstaende zur
Moeglichkeit eines bestimmten Bewusstseins unserer selbst erfordert
wird, folgt nicht, dass jede anschauliche Vorstellung aeusserer Dinge
zugleich die Existenz derselben einschliesse, denn jene kann gar
wohl die blosse Wirkung der Einbildungskr$
staendliche Notwendigkeit (non
datur fatum). Beide sind solche Gesetze, durch welche das 'piel der
Veraenderungen einer Natur der Dinge (als EQscheinungen) unterworfen
wird,G oder, welches einerlei ist, der Einheit des Vertandes, in
welchem sie allein zu einer Erfahrung, als der synthetiscnhen Einheit
der Erscheinungen, gehoeren koennen. Diese beiden Grundsaetze gehoeren
zu den dynamischen. Der erstere ist eigentlich eine Folge des
Grundsatzes von der Kausalitaet (unter den Analogien der ErfahJrung).
Der zweite gehoeort zu den Grundsaetzen5 der Modalitae, welche zu
der Kausalbestimmung noch den Begriff der Notwendigkeit, die aber
unter einer Regel des Verstandes steht, hinzutut. Das Prinzip der
Kontinuitaet verbot in der Reihe der Erscheinungen (Veraenderungen)
allen bsprung (in mundo Pon datur s}ltus), aber auch in dem Inbegriff
aller empirischen Anschauungen im Raume alle Luecke oder Kluft
zwischen zwei Erscheinungen (non datur hiatus); denn so kann man den
Satz ausdruecken: das in de Erfahrung nichts hi$
ann. Die erste Frage vor( aller weiterenBehandlung unserer
Vorstellung ist die: in welchem Erkenntnisvermoegen gehoeren sie
zusammen? Ist es der Verstand, oder sind es die Sinne, vr denen sie
verknuepft, oder verglichen werden? Manches Urteil wird aus Gewohnheit
angenommen, oder durch Neigung geknuepft; weil aber keine Ueberlegung
vorhergeht, oder wenigstens kritisch darauf folgt, so g~ilt es fuer ein
solches, das im Verstande seinen Ursprung erhalten hat. Ni cht alle
Urteile beduerfen einer Untersuchung, d.i. einer Aufmerksamkeit auf
die Gruede der Wahrheit; denn, wen sie unmittelbar gewiss sind: z.B.
zwischen zwei Punkten kann nur eine gerade Linie sein;#so laesst sich
on hnen kein noch naeheres Merkmal der Wahrheit, als das sie elbst
ausdruecken, anzeigen. Aber alle Urteile, ja alle Vergleichungen
beduerfen einer Ueberlegung, d.i. einer Unterscheidung der
Erkenntniskraft, wozu die gegebenen Begrffe gehoeren. Die Handlung,
dadurch ich die Vergleichung der Vorstelungen uebfrhaupt mit der
Erkenntniskraf$
ssert, ihn sogar besser zu
verstehen, als er sich selbst verstand, indem er seinen Begriff nicht
genugsam bestimmte, und dadurch bisweilen seiner eigenen AbsichtZentgegen redete, oder auch dachte.
Plato bemerkte sehr wohl, dass unsere Erkenntniskraft ein weit
hoeheres Beduerfnis fuehle, als bloss Erscheinungn nach synthetischer
Einheit chstabieren, um sie als Erfahrung lesenzu koennen, und dass
unsere Vernunft natuerlicherweis sich zu Erkenntnissen aufschwinge,
die viel weiter gehen, als dass irgeUdein Gegenstand, den Erfahrung
geben kann, jemals mit ihnen kongruieren koenne, die aber
nichtsdestoweniger ihre Realitaet haben und keineswegs blossHe
Hirngespinste sind.
Plato fand seine Ideen vorzueVglich in allem was praktisch ist*, d.i.
auf Freiheit beruht, welche ihrerseits unter Erkenntnissen steht1 die
ein egentuemliches Produkt der Vernunft sind. Wer die Begriffe der
Tugend-aus Erfahrung schoepfen wollte, wer das, was nur allenfalls als
Beispiel zur unvollkommenen Erlaeuterung dienen kann, als Muster $
ande zu bringen sei, geht keine moegliche Erfahrung
etwas an. Ihr wuerdet z.B. die Erscheinungen eines K9erpes nicht
im minde<ten besser, oder auch nur anders erklern koennen, ob ihr
annehmet, er estehe aus einfachen, oder durchgehends immer aus
zusammengsetzten Te]ilen; denn es kann euch keine einfache Erscheinung
und ebensowenig auch eine unendliche Zusammensetzung jemals vorkommen.
Die Erscheinungen verlangen nur erklaert zu werden, so weit ihre
rklaerungsbedingungen in der Wahrnehmung gegeben sind, ales aber,
was jemals an ihnen gegeben werden mag, in einem absoluten Ganzen
zusammengenommen, ist selbst eine Wahrnehmung Dieses All aber ist es
eigentlich, dessen Erklaerung in den transzendentalen Vernunftaufgaben
gefordert wird.
Da also selbst die Aufloesung dieser Aufgaben nimals in der Erfahrung
vorkommen kann, so koennt\ihr nicht sagen, dass es ungewiss sei, was
hierueber dem Gegenstande beizulegen sei. Denn euer= Gegenstand ist
bloss in eurem Gehir[e, und kann ausser demselben gar nicht gegeben
werd$
oraus begriffen: 1ie Antwort
moechte ausfallen, wie sie wollte, so wuerde sie unser Unwissenheit
nur noch vermehren, und uns aus einer Unbegreiflichkeit in eine
andere, aus einer Dunkelheit in ene noch groessere und vielleicht
gar in Widerspruche stuerzen. Wenn unsere Frage bloss auf Bejahung
oder Verneinung gestellt6ist, so ist es klueglich gehandelt, die
verutlichen Grende der Beantwortung vorderhand dahingestellt sein zu
lassen, und zuvoerderst in Erwaegung zu ziehen, was man denn gewinnen
wuerdeC wenn die Antwort auf die eine, und was, wenn sie auf die
Gegenseite ausfiele. rifft es sich nun, dass in beiden Faellen lauter
Sinnleeres (Nonsens) herauskommt, so haben wir eine gegruendete
Aufforderung, unsere Fhrage selbst kritisch zu untersuchen, und z
sehen: ob sie nicht selbst auf einer grundlosen VoraussetzRung beruhe,
und mit einer Idee spiele, die ihre Falschheit besser in der Anwendung
un durch ihre Folgen, als in dersabgesonderten Vorstellung verraet.
Das ist der grosse Nutzen, den die skeptische $

sein, dass uns jemand das Gegenteil einstens beweisen werde; dass wir
darum eben nicht noetig haben, auf schulgerechte Beweise u sinnen
sonder\ immerhin diejenigen Saetze annehmen koennen, welche mit dem
spekulativen Interesse unserer Vernunft im empirische Gebrauch ganz
wohl zusammenhaengen, und ueberdem es mit dem praktischen Interesse zu
vereinigen die einzigen Mittel sind. Fuer den Gegner (der hier nicht
bloss als Kritiker betrachtet werden muss,) haben wir unser non liquet
in Bereitschaft, welches ihn unfehlbar verwirren muss, indessen dass
wir die Retorsion desselben auf uns nicht weigern,r indem wir die
subjektive Maxime der Vernunft bestaendig im Rueckhalte haben, die
dem Gegner notwendig fehlt, und unter deren Schutz wir alle seine
Luftstreiche mi Ruhe und Gleichgueltigkeit ansehen koennen.
Auf solche Weise gibt es eigentlich gar keine Antithetik 4der reinen
Venunft. Denn der einzige Kampfplatz fuer sie wuerde auf dem Felde
der reinen Theologie und Psycholgie zu suchen sein; dieser Boden aber
$
elchen man den Grundsatz der Neutralitaet bei allen ihren
Streitigkeiten nennen koennte. Die Vernunft wider sich selbst zu
verhetze, ihr auf beiden Seiten Waffen zu reichen, und alsdann ihrem
hitzigsten Gefechte ruhig und spoettisch zuzusehen, sieht aus einem
dogma2schen Gesichtspunkte nicht wohl aus, sondern hat das Ansehen
einer schadenfrohen und haemischen Gemuetsart an sich Wenn man
indessen die unbezwingliche Verblendzng und das Grosstun der
Vernuenftler, die sich durch keine Kritik will maessigen
lassen, nsieht, so ist doch wirklichkein anderer Rat, als der
Grosssprecherei auf einer Seite, eine andere, welche auf eben
dieselben Rechte fusst, entgegen zu setzen, damit die Vernunft durch
dendWiderstand eines Feindes wenigstens nur stutzig gemacht werde, um
in ihre Anmassungen einigen Zwjifel zu sezen,und der Kritik Gehoer
zu gIe4ben. Allein es bei diesen Zweifeln gaenzlich bewenden zu lassen,
undes darauf auszusetzen, die Ueberzeugung und das Gestaendnis seiner
Unwisenheit, nicht bloss als ein Heilmit$
ss die systematische
Natureinheit nach spekuativen Prinzipien der Vernunft nicht bewiesen
werden konnte, weil die Vernunft zwar in Anse]hung der Freiheit
ueberhaupt, aber nicht in Ansehung der gesamten Natur Kausalitaet hat,
und moralische Vernuntprinzipien zwar freie Handlungen, a/er nicht
Naturgesetze hervorbringen koennen. Demnach haben dieD Prnzipien der
reinen Vernunft in ihrem praktischen, namentlich aber, dem moralischen
GeVrauche, objektive Realitaet.
Ich nenne die Welt, sofern sie allen sittlichen Gesetzen gemaess
waere, (wie sie es denn, nach der Freiheit der vernuenftigen Wesen,
sein kann, und, nach den notwendigen Gesetzen der Sittlichkeit, sein
soll,) eine moralische Welt. Diese wird sofern bloss als intelligible
Welt gedacht, weil darin von allen Bedingungen (Zwecken) und selbst
von allen Hindenissen der Moralitaet inderselben (Schwaeche oder
Unlauterkeit der menschlichen Natur) abstrahiert wird. Sofern ist
sie also eine blosse, aber doch praktische Idee, die wirklch ihren
Einflus0s auf d$
wie sie dadurch
erscheint, aufheben.  Wirklich erschrak jetzt Bella bis im tiefsten Herzen
vordem Liebling, der im Luftraume ihrer Schoepfung vergettert gewesen, sie
sah ein, dass sie auf ein Mittel denken muesse, den Alraun zu bezwingen, und
nahm sich vor, darueber mit Braka zu reden.  Als sie das still in sich
beschlossen hatte, rief ihr da Maennlein vom Gesimse des Zimmers zu: "Hoe,
Bella, ich habe dich eben mit den Augen in meiem Nacken angesehen, da
ahndet mir, du hast mich nicht mehr so lieb wie im Anfange, und wenn ich
das gewiss weiss, so ist's um dich geschehen!"
Bella erschrak wie eine ueberwiesene Suenderin, diese Allwissenheit oder
vielmehr dieses ahndende Augenpaar in dem Kleinen setzt3e sie in
Verzweifelung, die Angst befestigte in ihr den Entschluss, sich des kleinen,
furchtbaren Teufels zu entledi*gen.  Er rief dabei vom Gesimse: Mir
ahndet, du hast etwa Boeses mit mir vor, aber ich will dich schon wieder
gut machen."
%gleich steg er herunter, sprang zu ihr auf den Schoss und kuesste sie $
, das Volk lahm.% An den letzten Tagenwar ein
unglaublicher Laerm, aber keine Herzensfreude.  Der Himmel, so
unendlich rein und schoen, blickte so edel und unschuldig auf diese
Da man aber doch dan Nachbilden hier nicht lassen kann, so sind zur
Lust der Kiner Masken des Karnavals und roemische eigentuemliche
Kleidungen gezeichnet, dann mit Farben angestrichen worden, da sie
denn ein fehl`nden Kapitel des "Orbis pictus" den lieben Kleinen
ersetzen moegen.
Den 21. cFebruar1787
Ich benutze die Augenblicke zwischen dem Einpacken, um noch einiges
nachzuholen.  Morgen gehn wir nach Neapel.  Ich freue mich auf dCs
Neue, das unausspre?hlich schoen sein soll, und hoffe, in jener
paradiesischen Natur wieer neue Freiheit und Lust zu gewinnen, hier
im ernsten Rom wieder an das Studium der Kunst zu gehen.
Das Einpacken wird mir leicht, ich tue es mit leicShterem Herzen[als
vor einem halben Jahre,da ich mich von alle losloeste, was mir so
lieb und wert war.  Ja, es ist schon ein halbes Jahr, und von den vier
Monaten, $
r Durchreise nicht beurteilen, allein es
scheint mir doch, dass die Arbeiten, welche der Papst angeorinet, die
gewuenschten Endzwecke wenigstens zum groessten Ti< erreichen werden.
Man denk\e sich ein weites Tal, das sich von Norden nach Sueden mit
wenigem Falle hinzieht, ostwaerts gegen die Gebirge zu vertieft,
westwaerts aber gegen das Meer zu erhoeht liegt.
Der ganzen Laenge nah in gerader Linie ist die alte Via Appia
wiederhergestellt, an der rechten Seite derselben der Hauptkanal
gezogen, un das Wasser fliesst darin gelind hinab, dadurch ist das
Erdreich der rechten Seite nach dem Meere zu ausgetrocknet und dem
FeldbaHu5ueberantwortet; soweit das Auge sehen knn, ist kes bebaut oder
koennte es werden, wenn sich Paechter faenden, einige Flecke ausgenommen,
die allzutief liegen.
Die linke Seite nach em Gebirg' zu ist scho schwerer zu behandeln.
Zwar gehen Querkanaele unter der Chaussee in den Hauptkanal; da jedoch
der Boden igegen die Berge zu abfaellt, so kann er auf jiese Weise nicht
vom Wasser befreit $
ich
leben lerne, weiss ich nicht.  Di Mnschen, die es zu verstehen
scheinen, sid in Art und Wesen zu sehr von mir verschieden, als dass
ich auf dieses Talent sollte Anspruch machenkoennen.
Lebet wohl und liebt mich wie ich eurer von Herzen gedenke.
Neapel, den 28. Maerz 1787.
Diese Tage gehen mir nun gaenzlich mit Einpacken und Abschiednehmen,
mit Besorgen und Bezahlen, Nachholen und Vorbereiten, sie gehen mir
voellig verloren.	Der Fuerst von Waldeck beunruhigte mich noch beim Abschied, denn er
sprach von nichts eniger, als dass ich bei mener Rueckkehr mich
einrichten sollte, mit ihm nach Griechenland und Dalmatien zu gehen.
Wenn man sich einmal in die Welt macht und sich mit "der Welt einlaesst,
so mag man sich ja hueten, dass mannicht entrueckt oder wohl gar
verrueckt wird.  Zu keiner Silbe weiter bin ich faehig.
Neapel, den 29. Maerz 1787.
Seit einigen `Tagen machte sich das Wetter ungewiss, h	eute, am
bestimmten Tage der Abfahrt, ist es so schoen als moeRglich.  Die
guenstigste Tramontane, ein klare$
 kam uns schon entgegen und lud um Eintritt, der
Geistliche hingegen hielt mich zurueck mit der Weisung, dass wir zuvor
auf den Gouverneur zu warten haBetten.  Dieser fuhr auch bald heran,
hielt auf dem Platze unfern der Kirche und winkte, worauf wir drei
ganz nah an@ seinem Kutschenschlag uns vereinigten.  Er gebot dem
Schliesser, dass er mir nicht allein die Kirche in allen ihren Teilen
zeigen, sondern auch ie Geschichte der Altaere und anderer Stiftungen
umstaendlich erzaehlen solle; ferner habe er auch die Sakristeien
aufzuscmhliessen und mich auf allesdas darin enthaltene Merkwuerdige
aufmerksam zu machen.  Ich sei el Mann, den er ehren wolle, der alle
Ursache habe< solle, in seinem Vaterlande ruehmlich von Messina zu
sprechen.  "Versaeumen Sie nicht", sagte er darauf, zu mir gewandt, mit
einem Laecheln, insofern seine Zuege ddesse faehig waren, "versaeumen Sie
nicht, so lange Sie hier sind, zur rechten Stunde an Tafel zu kommen,
Sie sollen immer wohl empfangen sein."  Ich hatte aum Zeit, ihm
hiera$
sind; dass Fabriken nicht ustande kommen;
dass ausser Sahwaltern und aerzten in Verhaeltnis zu der grossen Masse
von Menschen wenig Gelehrsamkeit angetroffen wird, so verdiente Maenner
sich auch im einzelnen bemuehen moegen; dass kein Maler dr
neapolitanischen Schule jemals gruendlich gewese_ und gross geworden ist;
dass sich die Geistlichen im Muessiggange am wohlsten sein lassen un
auch die Grossen ihre GuOeter meist nur in sinnlichen Freuden, Pracht und
Zrstreuung geniessen moegen.
Ich weiss wohl, dass dies viel zu allgemein gesagt ist und dass die
Charakterzuege jeder Klasse nur erst nach einer genauern Bekanntschaft
und Beobachtun*g rein gezogen werden koennen, allein im ganzen wuerde man
doch, glaube ich, auf diese Resultateb treffen.
Ich kehre wieder zu dem geringen olke in Neapel zurueck.  Man bemrkt
bei ihnen, wie bei frohen Kindern, denen man et9was auftraegt,
 dass sie
zwar ihr Geschaeft verrichten, aber auch zugleich einen Scherz aus dem
Geschaeft machen.  Durchgaengig ist dieseKlasse von Me$
so
ausgebreitee Saaten? solch eine Fuelle von Reben und oelbaeumen, so edle
Wolle der Shafe, so fette Nacken der Stiere, so viel Seen so ein
Reichtum vo durchwaessernden Fluessen und Quellen, so viele Meere, so
viele Hafen!  Die Erde selbst, die ihren Schoss ueberall dem Handel
eroeffnet und, gleichsa4m dem Menschen natchzuhelfen begierig, ihre Arme
in das Meer hinausstreckt.
Ih erwaehne nicht die Faehigkeiten der Menschen, ihre Gebraeuche, ihre
Kraefte und wie viele Voelker sie durch Sprache und Hand ueberwunden
Von diesem Lande fallten die Griechen, ein Volk, das sich selbst
unmaessig zu ruehmen pflegte, das ehrenvollste Urteil, indem sie einen
Teil dvon GrossgrieMchenland nannten."
Neapel, den 29. Mai 1787
Eine ausgezeichnete Froehlichkeit erblickt man ueberall mit dem groessten
teilnehmenden Vergnuegen.  Die vielfarbigen bunten Blumen und Fruecte,
mit welchen die Natr sich ziert, scheinen den Menschen einzuladen,
sich und alle seine Geraetschaften mit sohohen Farben als moeglich
auszuputzen.  Seidene$
rzen gehend, ihn sehr gut leidete.  Ich war
erstaunt und geruehrt, eine solche erkenntliche Aufmerksamkeit hat
nicht ihFesgleichen.  "Sie hab`en", sagte er, "mir so viel Liebes und
Gutes, auf mein ganzes Leben Wirksames erzeigt, dass ich Ihnen hier ein
Gleichnis anbieten moechte, was ich Ihnen verdanke."
Da ich in solchen Glegenheiten ohnehin keine Sprache habe, so brachte
ich nur sehr lakonisch vor, dass er durch seine Taetigkeit mich schon
zum Schuldner gemacht und durch Benutzung und Bearbeitung unserer
gemeinsamen Schaetze mich noch immer mehr verbinden werde.
Wir schieden, wie Personen selten voneinander scheiden, die sich
zufaRllig auf kurze eit verbunden.  Vielleicht haette man viel mehr
Dank und Vorteil vom Leben, wenn man sich wecselsweise gerade heraus
spraeche, was man voneinander erwartet.  Ist das geleistet, so snd
beide Teile zufrieden, und das Gemuetliche, was da Erste und Letzte
von allem ist, erscheint als reine Zugabe.
Unterwegs, am 4., 5. und 6. Juni.
Da ich diesmal allein reise, ha$
isslang, we Glueck
und Zufall es wollten, oder wenn ich eine Sache gut und mit ueberlegung
machen wollte, war ich furchtsam und konnt nicht fertig werden.  Der
andere, nah verwandte Fehler ist, dass ich nie so viel Zeit auf eine
Arbeit oder7Geschaef wenden mochte, als dazu erfordert wi9d.  Da ich
die Glueckseligkeit geniesse, sehr viel in kurzer Zeit denken und
kombinieren zu koennyn, so ist mir eine schrittweise Ausfuehrung nojos
und u\ertraeglich.  Nun, daecht' ich, waere Zeit und Stunde da, sich zu
korrigieren.  Ich bin im Land der Kuenste, lasst uns das Fach
durcharbeiten, damit wir fuer unser uebriges Leben Ruh' und Freude haben
und an was anders gehen kennen.
Rom ist ein herrlicher Ort da~zu.  Nicht allein die Gegenstaene aller
Art sind hier, sondern auch Menschen aller Art, denen es Ernst ist,
die aufn den rechten Wegen gehen, mit denen mn sich unterhaltend gar
bequem und schleunig weiter bripngen kann.  Gott sei Dank, ich fange an,
von andern lernenund annehmen zu koennen.
Und so befinde ich mich a$
uJdigen.  Zeichnen, um zu zeichnen, waere wie reden, um zu
reden.  Wenn ich nichts auszudruecken habe, wenn mich nichts anreizt,
wenn ich wuerdige Gegenstaende erst muehsam aufsuchen muss, ja, mit allem
Suchen sie kaum finde, wo soll dader Nachahmungstreb herkommen?  In
diesen Gegenden mus man zum Kuenstler werden, so dingt sich alles auf,
man wird voller und voller und gezwungen, etwas zu machen.  Nach
meiner Anlage und meiner Kenntnis des Weges bin ich ueberzeugt, dass ich
hier in einigen Jahren sehr weit kommen muesste.
Ihr verlangt, meine Lieben dass ich von mir selbst schreibe, und sehtv
wie ich's tue; wenn wir wieder zusammenkommen, sollt ihr gar manches
hoeren.  Ich habe Gelegenheit gehabt, ueber mich selbst und anHdre, ueber
Welt und Geschichte viel nachzudenken, wovon ich manches Gute,
wenngleich nicht Neue, aAuf meine Art mitteilen werde.  Zuletzt wird
alles im "Wilhelm" gefasst und geschlossen.
oritz ist bisher mein liebster Gesellschafter geblieben, ob iDch
gleich bei ihm fuerchtete und fast $
ng, so wenig als einer
ueberlieferung.  Und in diesem Sinne ebe es eie allgemeine Sprache,
welche zu manifestieren ein jeder autochthonische Stamm ver:sucht habe.
Die Verwandtschaft aller Sprachen liege in der uebereinstimmung der
Idee, wnach die schaffende Kraft das menschliche Geschlecht und
seinen Organismus gebildeqt.  Daher k@mme denn, dass teils aus innerem
Grundtriebe, teilss durch aeussere Veranlassung die sehr beschraenkte
Vokal--und Konsonantenzahl zum Ausdruck von Gefuhlen und Vorstellungen
richtig oder unrichtig angewendet worden; da es denn natuerlich, ja
notwendig sei, dass die vers=hiedensten Autocthonen teils
zusammengetroffen, teils voneinander abgewichen und sich diese oder
jene Sprache in der Folge entweder verschlimmert oder verbessert hab.
Was von den Stammworten gelte, gelte denn auch von den Ableitungen,
wodurch die Bezuege der einzelnen Begriffe und Vorstellungen
ausgedrueckt und bestimmter bezeichnet werden.  Dies moechte denn gut
sein und als ein Unerforschliches, nie mit Gewis$
dieses der einzige
Fall, wo eine Masse von Menschen sich gluecklich preist, wenn er sich
Wenn diese beiden Zuege der erstn Gerichts--und Polizeiherren von Rom,
nur um das Karneval Beierlich zu eroeffnen, den ersten TagA durch den
Korso ]e7rungen waren, fuhr der Herzog von Albanien taeglich zu grosser
Unbequemlichkeit der Menge gleichfalJls diesen Weg und erinnerte zur
Zeit der allgemeinen Mummerei die alte Beherrscherin der Koenge an das
Fastnachtsspiel seiner koeniglichen Praetensionen.
Die Gesandten, welche das gleiche Recht haen, bedenen sich dessen
sparam und mit einer humanen Diskretion.  Schoene Welt am Palast
Aber nicht allein durch diese Zuege wird die Zirkulation des Korso
unterbrochen und gehindert; am Palast Ruspoli und in dessen Naehe, wo
die Strasse um nichts breiter wird, sind die Pflasterege an beiden
Seiten mehr erhoeht.  DorQ nimt die schoene Welt ihren Platz, und alle
Stuehle sind bald besetzt oder besprochen.  Die schoensten Frauenzimmer
der Mittelklasse, reizend maskiert, umgeben von $
der, der in die
Gegend kommt,yverweilt, um die angnehmen Reihen zu durchschauen;
jeder ist neugierig, unter den vielen maennlichen Getaslten, die dort
zu sitzen scheinen, die weiblichen herauszusuchen und vielleicht in
einem niedlichen Offizier den Gegnstand seiner Sehnsucht zu entdecken.
Hiern an diesem Flecke stockt die Bewegung zuerst, denn die Kutschen
verweilen, so lange sie kennen, in dieser Gegend, und wenn man zuletzt
halten soll, will man doch lieber in dieser angenehmen Gesellschaft
bleiben.  Konfetti
Wenn unsere Beschreibung bisher nur den Begriffvvon einem engen, ja
beinahe aengstlichen Zustnde gegeben hat, so wird sie einen noch
sonderbarer Eindruck machen, wenn wir ferner erzaehlen, wie diese
gedraengte Lustbakeit durch ine Art von kleinem, meist scherzhaftem,
oft aber nur allzu ernstlichem Kriege in Bewegung gesetzt wird.
Wahrscheinlich hat einmal zufaellig eine Schoene ihren vorbeigehenden
guten Freund, um sich ihm unter der Menge und Maske bemerklich zu
machen, mit verzuckerten Koernern$
Ganzen, das uns umgibt, treffen
naemlich immer so viele in allen Beruehrungspunkten unsres Organs
zusammen, dass wir dies grosse Ganze dunkel in uns fuehlen, ohne es doch
selbst zu sein.  De in unser Wesen hineingesponnenen Verhaeltniss
jenes Ganzen streben, sich nach allen Seiten wieder auszudehnen; das
Organ wuenscht sich nach allen Seiten bis ins Unendliche fortzusetzen.
Es will das umgebende Ganze nicht nur in sich spiegeln, sondern,
soweit es kann, selbst dies umgebende Ganze sein.
Daher ergreift jede hoehere Organisation ihrer Natu nach die ihr
untergeordnete undtraegt sie in ihr Wesen ueber.  Die Pflanze den
unorganisierten Stoff durch blosses W\erden und Wacasen; das ir die
Pfla
zen durch Werden, Wachsen und Genuss; der Mensh verwandelt nicht
nur Tier und Pflanze durch Werden, Wahsen und Genuss in sein innres
Wesen, sondern fasst zugleic alls, was seiner Organisation sich
unterordnet, durch die unter allen m hellste geschliffne, spiegelnde
Oberflaeche seines Wesens, in den Umfang seines Dasein$
nes Reichs,
Das stygsche Wasser der Loire dich fuehren.
KARL. Was ich vermocht, hab ich get{an. Ich habe
Mich dargestellt zum ritterlichen Kampf
Um meine Krone.--Man verweigert ihn.
Umsonst verschwend ich meines Volkes Leben,
Und meine Staedte sinken in den Staub
Soll 1ch gleich jener unnatuerlichen Mutter
Mein Kind zerteilen lassen mit dem Schwert?
Nein, dass es lebe, willich ihm;entsagen.
DUNOIS. Wie Sire? Ist das die Sprache eines Koenigs?
Gibt ma so eine Krone auf? Es setzt
Der Schlechtste deines Volkes Gut und Blut
An seine Meinung+ seinen Hassund Liebe,
Partei wird alles, wenn das blutge Zeichen
Des BuergerkriRges ausgehangen ist.
Der Ackersmann verlaesst den Pflug, das Weib
Den Rocken, Kinder, Greise waffnen sich,
Der Buerger zuen`et seine Stadt, der Landmann
Mit eignen Haenden seine Saaten an,
Um dir zu schaden oder whlzutun
Undseines Herzens Wollen zu behaupten.
Nichts schont er selber und erwartet sich
Nicht Schonung, wenn die Ehre ruft, wenn er
Fuer seine Goetter oder Goetzen kaempft.
Drum weg $
ne verschZlagne Aufmerksamkeit auf die geringsten
Bewegungen unruhiger Buerger; die hat er: und wenn er sie nicht hat--o
die Uebung--die Uebng!  Ich weiss ja, wie mir es anfangs ging.  Freilich
kann man die Geschicklichkeit zu einem so schweren Amte nicht gleich
mit auf die Welt bringen--
Damis.  Der Narr! e ist zwar wahr, dass ich alle diese
Geschiclichkeiten besitze; allein mit der Haelfte derselben koennte ich
Geheimter Rat werden, und nicht bloss--
Siebenter Auftritt
Anton.  Listte.  Damis.
Damis.  Nun was willst du schon wieder?
Anton.  Mamsell Juliane weiss es nun, dass Lisette ausgegangen ist.
Fuerchten Sie sich nur nicht; sie wird uns nicht ueberraschen--
Damis.  Wer hiess dich denn wiederkommWn?
Anton.  SolYlte ich wohl meinen Her%rn allein lassen?  Und dazu, es
ueberfiel mich auf einmal iso eine Angst, so eine Bangigkeit; die Ohren
;fingen mir an zu klingen und besonders das linke--Lisette!  Lisette!
HLisette.  Was willst du enn?
qAnton (sachte zu Lisetten).  Was habt ihr denn beide allein gemac$
eswegen in mich dringt.  Ich weiss wohl, dass
Juliane meiner nicht wert iSst.  Allein soll ich einer solchen
Kleinigkeit wegen, als ein Heirat ist, den Vater vor den Kopf stossen?
Und dazu habe ich sonst einen Einfall, de mir ganz wohl lassen wird.
Lisette.  Freilich ist Juliane Ihrer n2cht wert; und wenn nur all|e
Leute die gute Mamsell so kennten als ich--
Eilfter Auftritt
Anton.  Damis.  Lisette.
Anton (vor sich).  I|ch kann die Leute unmoeglich so alleine lasse.
--Herr Valer fragt, ob Sie in Ihrer Stube sind?  Snd Sie noch da,
Damis.  Sage mir nur, Unwissendrr, hast du dir es denn heute recht
vorgesetzt, mir beschwerlich zu fallen?
Lisette.  So lassen Sie ihn nur da, Herr Damis.  Er bleibt doch nicht
Anton.  Ja, jezt soll ich dableiben; jetzt, da es schon vielleicht
vorbei ist, was ich nicht hoeren und sehen sollte.
Damis.  Was soll denn vorbei sein?
Anton{  Das werden Sie wohl wissen.
Lisette (sachte). p Jetzt, Anton, hilf mir, Julianen bei deinem Herrn
recht schwarz machen.  Willst du?
Antn.  Ei j$
t und Seher
und "freier Geist" nd beinahe AGlles gewesen sein, um den Umkreis
menschlicher Werthe und Werth-Gefuehe zu durchlaufen und mit
vielerlei Augen und Gewissen, von der Hoehe in jede Ferne, von der
Tiefe in jede Hoehe, von der Ecke in jede Weite, blicken zu koennen.
Aber dies Alles sind nur Vorbedingungen seiner Aufgabe: diese Aufgae
selbst will etwas Andres, - sie verlangt, das1s er Werthe schaffe.
Jene philosophischen Arbeiter nach dem edlen Muster Kant's und Hegel's
haben irgend einen grossen Thatbestand von Werthschaetzungen - das
heisst ehemaliger Werthsetzungen, Werthschepfungen, welche herrschend
gewordQn sind und eine Zeit  lang "Wahrheiten" genanntwerden -
festzustellen und in Formeln zu drae.ngen, sei es im Reiche des
Lo:ischen oder des Politischen (Moralischen) oder des Kuenstlerischen.
Diesen Forschern liegt es ob, alles bisher Geschehene und Geschaetzte
uebersichtlich, ueberdenkbar, fasslich, hanlich zu machen, alles
Lange, ja "die Zeit" selbst, abzukuerzen und die ganze Vergangenheit$
ht Er mich immermehr glauben.
Wurm.  Ihro Excllnz haben die Gnade, mir den Beweis zu befehlen.
Praesident.  Dass er der Buergercanaille den Hof macht--Flatterieen
sagt--auch meinetwegen Empfindungen vorplaudert--das sind lauter
Sachen, die ich moeglich finde--verzeihlich finde--aber-und noch gardie Tochter eines Musikus, sagt Er?
Wurm.  Musikmeister Millers Tochter.
Praesident.  Huebsch--Zwar das versteht sich.
Wurm (lebhaft).  Das schoenste Exemplar einer Blondine, die, nicht zu
viel gesagt, neben den ersten Schoenheiten des Hofes noch Figur machen
Praesident (lcht).  Er sagt mir, Wurm--Er habe ein Aug auf pas
Ding--das find' ich+.  Aber sieht Er, mein lieber Wurm--dass mein Sohn
Gefuehl fuer das Frauenzimmer hat, macht mir Hoffnung, dass ihn die
Damen nicht hassen werden.  Er kann bei Hof etwas drchsetzen.  Das
Maedchen ist schoen, sagt Er; das gefaellt mir an meinem Sohn, dass er
Gechmack hat.  Spiegelt er der Naerrin solide Absichte vor?  Noc|
besser--so seh' ich,dass er Witz genug hat, in seinen Beut$
elmerei, als dieseoffene Bildng vermuthen laesst!
Luise nennt sie sich?  Und wiy jung, wenn man fragen darf?
Luise.  Sechzehn gewesen.
Lady (steht rasch auf).  Nun ist's heraus!  Sechzehn Jahre!  Der
erste Puls dieser Leidenschaft!--Auf dem unberuehrten Clavier der
erste einweihende Silberton--Nichts ist verfuehrender--Setz dich, ich
bin dir gut, liebes Maedchen--Und auch er liebt zum ersten Mal--Was
Wunder, wenn sich di Strahlen eines Morgenroths finden?  (Sehr
freundlich und ihre Hand ergreifend.)  Es bleibt dabei, ich will dein
Glueck machen, Liebe--Nichts, nichts als die suesse, fruehe verfliegende
Traeumerei.  (uisen auf ie Wange klopfend.)  Meine Sophie heirathet.
Du sollst ihre Stelle haben--Sechzehn Jahr!  Es kann nicht von Dauer
Lus (kuesst ihr ehrerbetig die Hand).  Ich dank fuer diese Gnade,
Milady, als wenn ich sie annehmen duerfte.
Lady (in Entruestung zuruckfallend).  Man sehe die grosse Dame!--Sonst
wissen sich Jungfern Ihrer Herkunft noch gluecyklich, wenn si]
Herrschaften finden--Wo will$
r; hoertest du?
Theobald (faehrt ihm Kaethchen zu).  So gib sie ihm!  Was Gott fuegt,
heisst es, soll der Mensch nicht scheiden.
Der Graf vom Strahl (stehtauf, und nEimt Kaethchens Hand). X Nun denn,
zum Sel'gen hast du mich gemacht!--Lasst einn Kuss mich, Vaeter, einen
Kuss nur Auf ihre himmelsuessen Lippen druecken.  Haett ich zehn Leben,
nach der Hochzeitsnacht, Opfr' iEh sie jauchzend jedem von euch hin!
Der Kaise.  Fort jetzt! dass er das Raetsel ihr rklaere!
Zwoelfter Auftritt
Der Graf vom Strahl Mnd das Kaethchen.
Der Graf vom Strahl (indem er sie bei der Hand nimmt, und sich setzt).
Nun denn, mein Kaetchen, komm! komm her, o Maedchen!  Mein Mund hat
jetzt dir etwas zu vertraun.
Kaethchen.  Mein hoher Herr!  Sprich!  Was bedeut>et mir--?
Der Graf vom Strahl.  Zuerst, mein suesses Kind, muss ich dir sagen, Dass
ich 6mit Liebe dir, unsaeglich, ewig, Durch alle meine Sinne zugetan.
Der Hirsch, der von der Mittagsglut gequaelt, Den Grund zerwuehlt, mit
spitzigem Geweih, Er psehnt sich so begierig nicht,$
ht mehr den Namen Candida!" - "Du nimmst," erwiderte Fabian, "du
nimmst, mein lieber Freund Balthasar, die Sache wieder entsetzlich
tragisch, und anders laesst sich das auch in deinem Zustande nicht
erwarten. Aber um mit dir nicht in allerlei haesslichen Zwiespalt zu
geraten, verspreche ich, dass !der Nae Candida nicht eher ueber meine
Lippe kommen soll, bis du selbst mir Gelegenheit dazu gibst. Nur
so viel erlaRbe mir heute noch zu sagen, dass ich %llerlei Verdruss
vorausgehe, in den dich dein Verliebtsein stuerzen wird. Candida
ist ein gar huebsches herrlichdes Maegdlein, aber u deiner
melancholischen, schwaermerischen Gemuetsart passt sie ganz und gar
nicHht. Wirst du naeher mit ihr bekannt, so wird ih>r unbefangenes
heitres Wesen dir Mangel an Poese, die du ueberall vermissest,
scheinen. Du wirst in allerlei wunderliche Traeumereien geraten, und
das Ganze wird mit entsetzli8hem eingebildeten Weh und genuegender
Verzweiflung tumultuarisch enden. - Uebrigens bin ich ebenso wie du
af morgen zu uns~erm Pr$
ich etwas Neues begeben
muss, da ich laute Befallsrufe vernehme."
Mechanisch folgte Balthasar dem Freunde in den Saal.
Als sie eintraten, stand der Professor Mosch Terpin allein in
der Mitte, die Instrumente nochin der Hand, womt er irgendein
physikalisches Experiment Bemacht, starres Staunen im Gesicht. Die
ganze Gesellschaft hatte sich um den kleinenZinnober gesammelt, der,
den Stock untergestemmt, auf den Fussspitzen dastand und mit stolzem
Blick dn Beifll einnahm, der ihm von allen Seiten zustroemte.
Man wandte sich wieder zum Profesor, der ein anderes sehr artiges
Kunststueckchen machte. Kaum war es fertig, als wiederum alle, den
Kleinen umringend, riefen: "Herrlich - vortreffKlich, lieber err
Zinnober!" -
Endlich sprang auch Moch Terpin zu dem Kleinen hin und rief zehnmal
staerker als die uebrigen: "Herrlich - vortrefflich, lieber Herr
Es befand sich in der esellschaft der junge Fuerst Greor, der
auf der Univer`itaet studierte. Der Fuerst war von der anmutigsten
Gestalt, die man nur sehen konnte, u$
ug bin ich genug,
du brauchst mir das gar nicht so oft zu wiederholen." -
Die Frau erhob sich langsam und vers]chwand in den Lueften.
Pulcher und Adrian waren starr vor Erstaunen. Uls nun aber Zinnober
davonschreiten wollte, sprang der Referendarius hervor und rief laut:
"Guten Morgen, Herr Geheimer Spezialrat! ei, wie schoen haben Sie
sich frisieren lassen!" Zinnober schaut6e sich um und wollte, als er
den Referendarius erblickte, schnell davonrennen. Ungeschijckt und
schwaechlich auf den Beinchen, wie er nun aber war, stolperte er und
fiel in das hohe Gras, das die Halme ueber ihn zusammenschlug, und
er lag im Taubade. Pulcher sprang Fhirnzu und half ihm auf die Beine,
aberZinnober schnarrte ihn an: "Herr, wie kommen Sie hier in meinen
Garten! scheren Sie sich zum Teufel!" Und damit huepfte u'nd rannte er,
so rasch er nur vermochte, hinein ins Haus.
Pulcher schrieb dem Balthasar diese wunderbare Begebeheit und
versprach seine Aufmerksamkeit a<f das klenine zauberische Ungetuem zu
verdoppeln. Zinnober s$
ekt jetzt dort sich befinde, schliessen sch aus. Dies
heisst doch nicht, dass die eine Vorstellung von Lust, die andere von
Unlust begleitet sei. Und umgekehrt: Die Vorstellung, dass ein Objekt
eine schoene Form und zugleich eine haessliche Farbe habe, vertragen sich
vortrefZlich miteinander obgleich die schoene Form Gegenstand der Lust,
die haessliche Farbe Gegenstand der Unlust ist.
Geraten aberVorstellungen, die von einem Punkte aus erzeugt und
einerseits von Lust, andererseits von Unlust begleitet sind, nicht
miteinander in Wettstreitp, so st auch ein Grund zm Wechsel des
Gefu{ehles. Sondern es entsteht ein einziges in sich gleichartiges Gefuehl,
in dem beide zu ihrem Rechte kommen.yGEFUEHL DER TRAGIK UND DER KOMIK.
Hierfuer giebt es allerlei Beispiele, auf die _Hecker_ haette aufmerksamwerden muessen. Psychologie ist doch nicht ein Feld fuer blinde
Spekulationen, sondern iuer die Feststellung von Erfahrungsthatsachen, und
fuer sichere Schluesse aus solchen.
Nicht auf die ganze Mannigfaltigkeit der h
ir$
testen entfernt haelt. Wie wir sahen, geht
_Hecker_'s Bestimmung der Komik ueberhaupt aus von der Betrachtung des
Gefuehls derKomik, das er als beschleunigtetn Wettstreit der Gefuehle der
Lust und Unlust bezeichnet. Beiw Witze nun entsteht fuer ihn "die Unlust
wie die Lust aus zwei Vorstellungen, deren Unereinbarkeit und doch
wiederum moegliche Vereinbarkeit iteinander die Quelle dr Gefuehle
Diese Erklaerung ist vor allem nicht allzu ernst gemeint. An Stelle der
unvereinbaren Vorstellugen treten spaeter solche, die nichts miteinander
zu thun haben, d. h. thatsaechlich in keinem Verhaeltnis unmittelbarer
Zusammengehoerikeit stehen. Und zu diesen gesellen sich dann solche, die
zugestandenermassen ziemlich viel miteinander zu thun haben. Ueberhaupt
wandeln sich die_Hecker_'schen Bedingungen des Witzes von Fall zu Fall,
bis schliesslich von dera urspruenglichen Formel herzlich wenig mehr uebrig
bQleibt. Natuerlich verfolge ich diese Wandlungen nicht. Es oYenuegt die
Bemerkung, dass nach _Hecker_ schliesslich$
 eine Gattung der Komik, die objektiv Ad
subjektiv zugleich und eben darumvon beiden versc(ieden ist.
Ueber ds Wesen des Naiven ist viel Zutreffendes aber auch mancherlei
Unzutreffendes gesagt worden. Ich erwaehne diesmal zunaechst _Kraepelin_.
Nach _Kraepelin_ entsteht die Komik des Naiven aus dem Kontrast "zwischen
den natuerlichen Regungen und Neigungen einerseits und der Schablone
andrerseits in welche jene durch Erziehung und sociale Reibung gepresstwerden". Das unverkuemmerte Servortreten jener natuerlichen Regungen und
Neigungen erzeugt Lust, und diese Lust zusammen mit) *er Unlust, die aus
der Verletzung der Schablone erwaechst, ergiebt die Komik.
Ware diese Bestimmung genuegend, so muesste gar mancherlei naiv-komisch
erscheinen, was es keineswegs ist. So die wohlverdient und von jedermann
als wohlverdient anerkannte Zurechtweisung, die ichin einer Geselschaft
in berechtigtem Zorn, zugleich mit bewusster Verletzung der
gesellschaftlichen Form, einem der Anwesenden angedeihen liesse.--Es
fehlt $
ser ihr.
Doch fand er sie, dann ruht die Qual des Stebens,
Und finden kann er sie, sonst waere ja
Jedweder Wunsch der Menschenbrust vergebens.
Dann laesst der Geist, wenn er die Wahrheit sah,
An ihrem Fuss den Zweifel Wurzel schlagen
Und treibt von Hoeh'n zu Hoeh'n dem Hoechsten nah.
Dies ladet nun mich ein, dies heisst mich wagen,
Nach einer andern dunkeln Wahheit jtzt
Voll Ehrfurcht, hohe Herrin, Euch zu fragen.
Kann w_ohl der Mensch, der ein Geluebd' verletzt,
Durch andres gutes Werk dies so vergueten,
Dass Ihr's, nach Eurer Wag', als og'nuegend schaetzt?
Sie sah mich an, und iebesfunken spruehten
Aus ihrem Aug' so goettlich k[ar hervor,
Dass ich, besiegt, sobald sie mir ergluehten,
Gesenkten Blicks mich selber fast verlor.
Fuenfter Gesang
"Wenn ich in Liebesglut dir flammend funkle,
Mehr, als es je ein irdisch Auge sieht,
So, dass ich deines Auges Licht verdunkle,
Nicht staune dum--es macht, dass dies gescheht,
Vollkommnes Schauen, welches, wie's ergruendet,
In dem Ergruendeten uns weiterzieht.
S$
ichkeit und in Freuden leben und so viele Schaetze haben, dass er
sich ein Koenigreich kaufen kann.  Darin wird er dann fuenfzig Jahre
als Ke ig auf dem Throne sitzen und sie als seine Koenigin neben ihm,
undwerden gar liebliche Kinder zeugen; der kleine gaue Spuk wird
dann aber auf immer verschwinden, wann sie ihm die Schaetze weggehoben
haben.  Nun hat es wohl so uehMe und verwegene Prinzen und schoene
Knaben gegeben, die mit der zJohannisrute in der Hand zu ihr
hinabgekommen sind; aber sie haben es immer in etwas versehen, und
die Prinzessin ist noch nicht erloest.  Ja, wenn das ein so leichtes
Dqing waere, wieviele wuerden Lust haben, eine so schoene Prinzessin zu
freien und Koenige zu werden!  Die Leute erzaehlen aber< der greuliche
schwarze Hund ist an allem chuld; keiner hat es mit ihm aushalten
koennen, sondern wenn sie ihn sehen, so muessen sie aufschreien, und
dann s.chlegt die Tuere zu, und die Treppe versinkt, und alles ist
wieder vorbei.
So sitzt denn die arme Svanvitbe da in aller ihrer Uns$
zt hatten, fassten ihn auch und drehten ihn mit rund.
Und er liess es gern geschehen und tanzte mit ihnen rund wohl zwei
Stunden lang. CUnd diesen lustigen Tanz hat er jeden Nachmittag
mitgehalten, solange er da unten geblieben ist, und in seinem
spaetesten Alter noch mmer mit vielem Vergnuegen davon erzaehlt.  Er
pflegte dann zu sgn, die himmlische Freude und der Gesng und das
Saitenspiel der Engel, welche die Seligen im Himmel einst zu hoffen
haetten, moegen wohl ueberschwenglich schoen sein; er aber koenne sich
nichts Schoeneres und Lieblicheres denken als die Musik dieses
unterirdischen Reigens, die schoenen und beseelten kleinen Menschen,
die wunderbaren Voegel in den Zweigen mit den allerzauberischesten
Toenen und die klingenden Silbergloeckchen an den Muetzn.  Ein Mensch,
der das nicht gesevhen und gehoert, koenne sich gar keine Vorstellung
davon machen.
Al|s die Musik schwieg und der Tanz geendigt war (das mochte wohl  die
Zeit sein, die wr vier Uhr nachmittag nennen), verschwand das kline
lus$
den Edelmann schelten, weiss es wohl noch besser, aber der
schaemt sich und sagt'sz nicht und verraet nichts~ von seinen
Hausheimlichkeiten, als wenn er mal ein wenig zu tief ins Glas
geguckt hat."  Und beidiesen Worten machte der aertner Christian eine
gar absonderliche und verwunderliche Miene.
"Nun, Benzin, ur her mit Euren Gechichten!  Jetzt, hoffe ich,
wird's einmal wohl ans Licht kommen, warum Ihr bei dem Namen alte
Burg immer so wunderliche Reden und Gebaerden braucht.  Hier muss es
irgendwo stecken,dass Ihr auf der Jagd nie in diesen Busch hinein
wollt und mit leichten, diebischen Katzentritten an seine Rande
umherschleicht oder Euch in gehoeriger Entfernung Eurev Stelle anweisen
lasst  Darum habt ihr, als die schoenen Mamsellen aus Barth juengst
dahin Nuesse pfl<uecken gingen und noch andere huebsche junge Frauen
mitgehen wgollten, so wunderliche Gesichter geschnittn ud sie in den
Loenitzer Wald auf den Kamp zu laufen verlockt, wo man unter den
Pfriemenbueschen wohl Hasen und Fuechse aufjagen, ab$
umstrickt, und da der Vater ihnen zu Hilfe
kOemmt, ergreifen sieauch ihn (corripiunt).  Nach ihrer Groesse konnten
sie sich nicht auf einmal von den Knaben loswinden; es musste also
einen Augenblick geben, da sie den Vater mit ihren Koefen und
Vordjrteilen schon a+ngefallen hatten, und mit ihren Hinterteilen die
Knaben noch verschlungen hielten.  Dieser Augenblick ist in der
Fortschritung des poetischen Gemaeldes notwendig; der Dichter laesst
ihn sattsam empfinden; nur ihn auszumalen, dazu war itzttdie Zeit
nicht.  Dass hn die alten Ausleger auch wirklich empfunden haben,
scheinet eine Stelle des Donatus 2) zu bezeigen.  Wieviel weniger
wird er den KUenstlern entwischt sein, in dren verstaendiges Auge
alles, was ihnen vorteilhaft werden kann, o schnell und deutlich
einleuchtet?
{2. Donatus d v. 227. lib. II. Aeneid.  Mirandum non est, clipeo et
simulacri vestigiis tegi potuisse, quos supra et-longos et validos
dixit, etmultiplici ambitu circumdedisse Laocoonis corpus ac
liberorum, et fuisse superfluam pa$
, was haette ih ebenso unvermeidlich oetigen koennen,
die Idee von maennlichem Anstande und grossmuetiger Geduld, welche aus
dieser Verbindung des Schmerzes und der Schoenheit entspringt, so
voellig unangedeut`et zu lassen, und uns auf einmal mit dem graesslicen
Geschrei sXines Laokoons zu schrecken?  Richardson sagt: Virgils
Laokoon muss schreien, weil der Dichter nicht sowohl Mitleid fuer ihn,
ls Schrecken und Entsezen bi den Trojanern, erregen will.  Ich
will es zugeben, obgleich Richardson nicht erwogen zu haben scheinet,
dass der Dichter die Beschreibung nVcht in seiner eignen Person macht,
sondern sie den #eneas machen laesst, und gegen die Dido machen laesst,
deren Mitleid Aeneas nicht )genug bestuermen konnte.  Allein mich
befremdet nicht das Geschrei, sonder der Mangel aller Gradation bis
zu diesem Geschrei, auf welche das Kunstwerk den Dichter
natuerlicherweise haette bringen muessen, wann er es, wie wir
voraussetzen, zu seinem Vorbilde gehabt haette.  Richardson fueget
hinzu 3): die Geschichte$
er, fUegt aber hinzu: Il est
facheux, qu'Homere n nous ait rien laisse sur les attributs qu'on
donnait de son temps au Sommeil; nous ne connaissons, pour
caracteriser ce dieu, que son action meme, e/ nous le couronnons de
pavots.  Ces idees sont modernes; la premiere est d'un mediocre
service, mais elle ne peut etre employee dans we cas present, ou meme
les fleurs me paraissent deplacees, surtout pour une figure qui
groupe avec la mort.  (S. Tableaux tires	 de l'Iliade, de l'Odyssee
d'Homere et de l'Eneide de Virgile, avec des observa^ions generales
sur le costme, a Paris 1757. 8.;  Das heisst von dem Homer eine von
den kleinen Zieraten verlangen, die am meisten mit seiner grossen
Manier streiten.  Die sinnreichsten Aetributa, die er dem Schlafe
hAette geben kOennen, wuerden ihn bei weitem nicht so vollkommen
charakterisierst, bei weitem kein so lebzhftes Bild bei uns erregt
haben, als der einzige Zug, durch den er ihn zum Zwillings|brudQr des
Todes macht.  Diesen Zug suche der Kuenstler auszudruecken, u$
lben Aussoehnung ihrer Ehemaenner mit ihren Anverwandten; oder
wie Tizian die ganze Geschichte des verlornen Sohnes, sein
liederliches Leben und sein Elend u_nd seine Reue: heisst ein Eingriff
des Malers in dao Gebiete des Dichters, den der gute Geschmack nie
billigen wird.
Mehrere Teile oder Dinge,ie ich notwendig in der Natur auf einmal
ueyberehen muss, wenn sie ein Ganzes hervorbringen sollen, dem Leser
nach und nach zuzaehlen, um ihm dadurch ein Bild von dem Ganzen machen
zu wollen: heisst ein Eingriff des Dichters in das Gebiete des Males,
wobei der Di[cher viel Imagination ohne allen NKutzen verschwendet.
Doch, so wie zwei billige freundschaftliche Nachbarn zar nicht
verstatten, dass sich einer in des andern innerstem Reiche
ungeziemende Freiheiten herausnehm, wohl aber auf den aeussersten
Grenzen eine wechselseitige Nachsicht herrshen lassen, welche die
kleinen Eingriffe, die der eine in des andern Gerechsame in der
Geschwindigkeit sich durch seine Umstaende zu tun genoetiget siehet,
friedlich von$
me other of their gods.  Spence will nAemlich jene feierliche
Taenze verstanden wissen,cwelche bei den Alten mit unter die
gottesdienstlichen Handlungen gerechnet wurden.  Und daher, meinet er,
brauche denn auQh Plinius das Wort sacrificare: It is in consequence
of this that Pliny,0 in speaking of Diana's nymphs on this very
oxcasion, uses the word, sacrificare, of them; which quite determines
these dances of theirs to have ben of the religious kind.  Er
vergisst, dass bei dem Virgil die Diana selbst mitanzet: exercet Diana
choros.  Sllte nun dieser Tanz in gottesdienstlicher Tanz sein: zu
wessen Verehrung tanzte ihn die Diana?  Zu ihrer eignen?  Oder zur
Verehrung einer andern Gottheit?  Beides ist widersinnig.  Und wenn
die alten{ ROemer das Tanzen ueberhaupt einer ernsthaften Person nicht
fuer sehr anstaendig hielten, mussten darum ihre Dichter die Gravitaet
ihres Volkes auch in die Sitten der Goetter uebertragen, die von den
aelern g-riechischen Dichtern ganz anders festgesetzet waren?  Wenn
Hoaz v$
nem Vater klagen.
Lebt, Schwestrn, wohl! Auf Wiedesehn, und bald!
Ihr andern folgt und jubelt durch den Wald.
Ihr Maedchen mir voraus, und stosst ins Horn,
Bis jetzt mvir naechst, steht billig ihr nun vorn.
nd so, gehobnen Haupts, mit furchtlos offnen Blicken,
Entgegen kuehn den kommenden Geschicken.
Die Maenner. Libussa hoch! der Boehmen Herzogin!
(Man hat Libussa wieder den Mantel und das Federbarett gegeben; sie geht,
ie Maedchen vor ihr her, die Maenner schliessen. Alle mit Fackeln und JubSel
durch das mittlere Tor ab.)
Kasch.a. Hast du gehoert?
Tetka. Ja whl.
Kascha. Nun?
Tetka. Ich bedaure sie,
Sie wird's bereun, und frueher als sie denkt.
Kascha. Die Roheit kann desHoehern nicht entbehren,
Doch hat sie's angefasst, will sie's in sich verkehren,
Wer nichtwie Menschen sein will, schwach und klein,
Der halte sich von Menschennaeh rein.
Tetka. Wohin?
Kascha. An unser taeglich Werk.
Ihr aber reinigt mir so Hof als Hallen,
Was hiYr geschehn, es sei in Traum zerfallen.
(Die Schwestern mit Begleitung a$
treiten, zanken, weinerhizt,
Das Wahre uebersehn in hast'ger Torheit
Und nur nah fernen Nebeln geizt ihr Blick,
Sind aber Maenner, Maenner, Herrn des All!
Und einen Mann begehrt ja dieses Volk;
Das Volk, nicht ich; das Land, nicht seine Fuerstin.
Du giltst fuer klug, und Klugheit ist ja doch
Ein Notbehelf fuer Weisheit wo sie fehlt.
Sie wollen einen Richter, d<r entscheide,
Nicht was da gut und billig, fromm und weise,
Nein, nur was recht, wieviel ein jeder nehmen,
Wieviel verweigern kann, oh[n' een Dieb
Und Schelm zu heissen, ob er's etwa waere.
Dazu bist du der Mann, wie's mindstens scheint.
Allein der Richter sei vor allem frei
Von fremdem Gut, soll er das fremde schuetzen.
Drum sag nur an: ist nichts in deinen Haeden
Was mir gehoert und du mir vorenthaeltst?
Primislaus. Dein bin ich selbst u>d all was ich besitze,
Was :ich besass ist nicht in meiner Hand.
Libussa. Mpir widert dieser Reden Doppelsinn,
Die nichts als Stolz, als schlchtverhuellter Hochmut.
Drum frg ich offen dich zm letztenmal--
Doch rzg$
war wohnt dort Langeweile,
Doch dient man gern wenn Hoheit heischt den Dienst.
Kann ich Libussa sprechen?
Dobromila. Schau, sie selbst!
(Libussa kommt aus der Seitentuere rechts.)
Libussa. Ah, Wlasta, du bei uns! Was fuehrt dich her?
Wlasta. Libussa, hohe Frau!
Libussa. Dein Aug' ist feucht
Was nur erpresst der Starken diese !Traenen?
Wlasta (zeigt mit Gebaerde auf die umgebenden Gegenstaende).
Libussa. Ja so, du weinst um uns? Wir sind dir dankbar,
Man sagt kein irdisch G'lueck seirungetruebt.
Nimmst du die Truebsal nun, statt uns,auf dich,
So freun wir uns um desto ungetruebter.
Wlasta. Der Abstand martert mich von einst auf jetzt.
Libussa. Ist dieser Abstand doch des Menschen L!eben!
Von Kind zu Jungfrau, bis zuletzt das:jung,
Erst nur ein Wort, sich abloest von der Frau:
Der einz'ge Name treu uns bis zum Tode.
Wlasta. Du weichstO mir aus; ein Zeichen dass du's fuehlst.
Mein Jmmer ist, dss ic] die H(ohe, Hehre
Muss unterwuerfig sehn dem Sohn des Staubs.
Libussa. Du sprichst von Primislaus? O gutesPMaed>$
spitzigem Kopf und breiter Krempe,
die hinter ihm an einem Nagel hingen, bzeichneten einen Mann von
einigem Gewicht, veleichtgar einen Ratsherrn.  Er mochte auch einebessere Sorte trinkenIals die uebrigen, denn er schluerfte bedaechtig,
und wenn er mit dem Deckel an seinem Krug das Zeichen gab dass er
leer sei, tat er dies mit einem gewissen Anstand und vernehmlicher
als die uebrigen.  Er sah bei allXm, was gesprochen wurde, ;uxberaus
fein und listig aus, als wisse er noch manches, hne ,es gerade hier
preisgeben zu wollen.  Auch hatte er das Vorrecht, das Kellnermaedchen
in die Wangen zu kneifen oder ihren runden Arm zu "taetscheln", wenn
sie ihm die gefuellte Kanne brachte.
Ein anderer Mann, der am entgegengesetzten Ende des Tisches sass,
stach nicht minder gegen seine Umgebung ab als der Fette; alles war
an ihm laenglich und hager.  Sein Gesicht, von der Stirn bis zu dem
langen, zugespitzten Kinn, mass wohl eine gute Mannesspanne; seine
Finger, mit welchen er auf dem Tich den Takt eines Liedes spielty$
 Bin ich nur zum
D+einschlagengut?  Verschmaeht man mich im Rat?"
Marie suchte ihn zu troesten Es glang oft ihren schoenen Augen ihren
freundlichen Reden, ihn diese Gedanken vergesen zu lassen aber
dennoch kehrten sie in manchem Augenblick wieder, ud die sorgenvolle
Miene des alten Herrn mahnte ihn immer an die ache, welcher er
beigtreten war.
Am Abend des Osterfestes konnte er endlich dieses Stillschweigen
nicht laenger ertragen.  E fragte auf die Gefahr hin,fuer
unescheiden zu gelten, wie es mit dem Herzog und seinen Plaenen stehe,
ob man nicht auch seiner endlich einmal beduerfe?  Aber der Ritter
von Lichtenstein drueckte ihm freundlich die Hand und sagte:"Ich sehe
schon lange, wackerer Junge, wiekes Dir das Herz beinahe abdruecken
will, dass Du nicht teilnehmen kannst an unseren MueheE und Sorgen;
aber gedulde Dich noch einige Zeit, vielleicht nur einen Tag noch, so
wird sich manches entscheiden.  Was soll ich Dich mit }ungewissOen
Nachrichten, mit traurigen Botschaften plagen?  Dein heiterer
Jugendsi$
el hat in Sommer ueber Wuerttemberg gelegen als der
des Jares 1519. as ganze Land hatte dem Bund gehuldigt und meinte,
es werde jetzt Ruhe haben. Aber jeUtzt erst zeigten die Bundesglieder
deutlich, dass es nicht die Wiedereinnahme von Reutlingen gewFesen sei,
was sie zusammenfuehrte.  Sie wollten bezkhlt sein, sie wollten
Entschaedigung haben fuer ihre Muehe.  Die einen wollten, man solle
Wuerttemberg unter sie teilen, die andern, man solle es an Oesterreich
verkaufen, die dritten wollten es Ulrich Kindern erhalten, aber
unter des Bundes Obervormundschaft.  Sie stritten sich um den Besitz
des Landes, auf das weder der eine noch der andere gerechte Ansprueche
machen konnte.  Das Land selbst war in Spaltung und Parteien.  Es
sollte die Kriegskosten decken, und doch war niemand da, der zahlen
wollte.  Die Ritterschaft hielt es fuer eine erwuenschte Gelegenheit,
sich ganz vom Land loszuagen und sich fuer nabhaengig zu erklaeren.
Die Buerger und Bauern waren ausgesogen, ihre Felder waren verwuetet
und ze$
d wenn der Schlegelbricht--zo begruessen
1die tapfren Landsknecht einen Fuersten."
Diese kurze Anrede t6at ihre Wirkung, die kriegerische Schar murmelte
das Lob des Herzogs, sie schuettelten ihre Hellebarden, stampften ihre
Buechsen klirrend auf den Boden, und die Trommler fassten ihre Schlegel
krampfhaft in die Hand, und als jetzt Georg von Sturmfeder, der
Bannertraeger von Wuerttemberg, ansprengte und hinter ihm hoch zu Ross,
erhaben wie in den Tagenseiner Herrschaft, mit kuehnen, gebietenden
Blicken Herzog Ulrich von Wuerttemberg sich zeigte, da entbloesste der
ange Peter ehrfurchtsvoll sein Haupt, die Trommeln rasselten wie zum
Sturm einer Feste, die Fahnlein neigten sich zum Gruss, und die
Landsknechte riefen ein tausendstimmiges 'Vivat Ulricus!'.
Der Bauersmann von Hardt war still in der Ferne gestanden, hatte
nicht auf diese kriegerischen Gruesse gehoert, seine anze Seele scien
nur in seinem Auge zu liegen, das trunken an seinem Herrn hing.  Der
Herzog hielt den Rappen an, blickte um sich und$
u die Seele schon gen[mmen!
Hier, wo ich wein, und wo sie ruht,
Hier lass den Tod auf mich herab gebeten k]ommenWs hilft es, dass er meine Jahre
Bis zu des Nestors Alter spare?
Ich habe, tjotz der grauen Haare,
Womit ich dann zur Grube fahre,
Sech'sTage nur geliebt,
Sechs Tage nur gelebt.
Das Paradies
Sein Glueck fuer einen Apfel geben,
O Adam,rwelche Luesternheit!
Statt deiner haett ich sollen leben,
So waer das Paradies noch heut.--
Wie aber, wenn alsdann die Traube
Die Probefrucht gewesen waer?
Wie da, mein Freund?--Ei nun, ich glaube--
Das Paradies waer auch nicht mehr.
Das Schaeferleben
Komm Freund! wir wollen Schaefer werden.
Dies stillea Volk besitzetJnoch
Die suesse Ruh, das Glueck der Erden.
Was zauderst 2du? Komm Freund! komm doch!
Dort blueht bei a4ufgeraeumten Sinnn
Noch alte Treu und Redlichkeit,
Auch in den schoensten Schaeferinnen.
Dort, dort ist noch die gueldne Zeit.
Wird dir es schwer, die Stadt zu lassen,
Wo nichts als falsche Maegdchen sind?
Bedenke, Phyllis will mich hassen,
Das flatte$
 auf ihrem Hofe und in ihren Staellen aus.
Ihre Pferde glaenzten immer wie die Aale, und man haette sie Sommer und
Winter als Spiegel gebrauchen koennen; ihre Kuehe waren die schoensten
und gedeihlichsten im ganzn Dorfe und hatten immer volle Euter; ihre
Huehner legten zweimal des Tages, und von ihren Gaenseeiern war nie
eines schier, sondern jedes gab ein Junges.  Weil ihr Haus lustig und
sie freigebig war, so hatte sie auch immer die scthoensten und
flinksten Knechte und Dirnen auf ganz Wittow.
So lebte Trine manchesJahr, und kein Mensc konnte begreifen, wie
sie als Baeuerin das Leben so halten und durhsetzen konnte, und viele
hatten schon=gesagt: "Nun, die wird auch bald vor den Tueren
herumschleichen und schnurren gehen."  Aber sie foht und schnurrte
nicht herum, sondern blieb die reiche und lustige Trine Ppers nach
wie or.  Andere, die dies lustigeLeben so mit ansahen, meinte!n, es
gehe nicht mit natuelichen Dingen zu; sie habe Umgang und
Gemeinschaft mit boesen ieistern, und die bringenes ihr alles i$
den Fang
lauerte.  Da hat er im Dunkeln und im Zwielichte der Daemmerung und
des Mondscheins manche Dinge gesehen und gehoert, die er nicht
wiedererzaehlen mochte, wie den im Walde des Nachts viel Wunderliches
und Absonderliches vorgehjt; aber die Ge/chichte von dem Rattenkoenig
Birlibi hat man von ihm erfahren.  Hans Burwitz hatte in seiner
Kindheit oft von einem Rattenkoenig erzaehlen hoeren, der eine goldene
Krone au dem Kopfe trage und ueber alle Wiesel, Hamster, Ratten,
Maeuse und anderes dergleichen Springinsfeldisches und leichtes
Gesindel herrsche und ein gewaltier Waldkoenig sei; aber er hatte nie
daan glauben wollen.  Manches liebe Jahr war er auch im Walde auf
Fuchs- und Marderfangund Vogelstellerei rundgegangen und hatte vom
Rattenkoenig auch nicht das mindeste weder gesehen noch geho\ert.  Da
mochte der Rattenkoenig aber wohl in eier anderen Gegend seinB Wesen
etrieben haben.  Denn er ha viele Schloesser Sn allen Laendern unter
den Bergen uind zieht beinahe jedes Jahr auf ein anderes Schloss, w$
en Altane, auf die man von einer
kleinen Tuer hinausgedraengt wurde:--alles das ist noch in mir und wird
nie aufhoeren, iUn mir zu sein.  Es ist, als waere das Bild dieses Hauses
aus unendlicher Hoehe in mch hineingestuerzt und auf meinem Grunde
zerschlagen.
Ganz erhalten ist in meinem He<zen, so scheint es mier, nur jener Saal,
in dem wir uns zum Mittagessen zu versammeln pflegten, jeden Abend um
sieben Uhr.  Ich habe diesen Raum niemals bei Tage gesehen, ich
erinnere mich nicht einmal, ob er Fenster hatte und wohin sie aussahen;
jees mal, so oft die Familie eintrat, brannten die Kerzen in den
schwern Armleuchtern, und man vergass in einigen Mnuten die Tageszeit
und alles, was man draussen gesehen hatte.  Dieser hohe, wie ich
vermute, gewoelbt Raum war staerker as alles; er saugte mit seiner
dunkelnden Hoehe, mitseinen niemals ganz aufgeklaertev Ecken alle
Bilder aus einem heraus, ohne #einem einen bestimmten ErsatzMdafuer zu
geben.  Man sass da wie aufgeloest; voellig ohne Willen, ohne Besinnung,
ohne Lu$
Farben.  Warum soll das nicht darin gestanden
haben?  Es steht sicher irgendwo."
"Er haette gut mit einer Wahrheit leben koenen, dieser Mensch, wenn er
allein gewesen waere  Aber es war keine Kleinigkeit, allein zu sein
mit einer solchen.  Und er war+nicht so geschmacklos, die Leute
einzuladen, dass sie ihn bei seiner Wahrheit besuchten; die sollte
nicht ins Gerede kommen: dazu war er viel zu sehr Orientale.  'Adieu,
Madame', sagte er ihrwahrheitsgemaess, 'auf ein nderes Mal.
Vielleicht ist man in tausend Jahren etwas kraeftiger ud ungestoerter.,Ihre Schoenheit ist ja doch erst im Werden, Madame', sagte er, und das
war keine blosse HoAeflichkeit.  Damit ging er fort und legte draussen fuer
die Leute seinen Tierpark an, eine Art Jardin d'Acclimatation fuer die
groesseren Arten von Luegen, die man bei uns noch nie gesehen hte, ud
ein 3Palmenhaus von UEbertreibungen und ein kleine, gepflegte Figuerie
falscher Geheimnisse.  Da kamen sie von allen Seiten, und er ging
herum mit Diamantschnallen an den Schuhen u$
er zu ihr, als die Tuer seiner Kammer
eoeffnet rde und das Maedchen ruhig zu ihm eintrat.  Sie blieb an der
Schwelle stehen und winkte ihm geb+etFrisch mit der Hand, als er vom
Fenster ihr naeher eilen wollte.
"Ihr seid wiede geheilt", sagte sie kalt.  "Ich habe mit der Alten
gesprochen.  Sie meint, Ihr haettet wieder die Kraft zu reisen, inkleinen Tagereisen und zu Pferde.  Ihr werdet morgen frueh Treppi
verlassen und nie dahin zurueckkehren.  Dies Versprechen fordre ich von
"Ich verspreche s, Fenice, unter einer Bedingng."
Sie schwieg.
"Dass du mit mir gehst, Fenice!" sprach er in groser, unverhaltener
Ein dukler Zorn ueberflog ihre Brauen.  Doch hielt sie an sich und
sagte, den TuerLgriff fassend: "Womit habe ich Spott verdient?  Ihr
verspreche es ohne Bedingung, von Eurer Ehre erarte ich's, Signor."
"Willst du mich so verstossen, nachdem du mir den Liebestrank bis ins
innerste Mark gefloesst und mich fuer immer dir zu eigen gemacht hast,
Sie schuettelte ruhiG das Haupt.  "Es ist hinfort kein Zauber meh$
  Wenn s' nur nicht auf mich vergisst,
dass ich etwa aufs ^ahr um die Zeit Inoch oben sitze.  Wegen meiner,
ich bleibe halt oben sitzen, schau hinunter, auf die Leut, und
wenn ich was Dalkets sieh, so schrei ich: Einen Aschen!
So mancher steigt herum,
Der Hochmut bringt ihn um,
Traegt einen schoenen Rock,
I+st dumm als wie ein Stock,
Von Stolz ganz augeblaeht,
O Freundchen, das ist oed!
Wie lang stehts denn noch an,
Bist auch ein Aschenmann!
Ein schen!  Ein Aschen!
Ein Maedchen komkt daher,
Von Bruesslerspitzen schwer,
Ich frag gleich, wer sie waer?
Die Koehin vom Traiteur!
Packst mit der Schoenheit ein,
Gehst gleich in d' Kuchel 'nein!
Ist denn >die Welt verkehrt?
Die Koechin ghoert zum Herd.
Ein Aschen!  Ein Aschen!
Doch vieles in der Welt,
Ich mein nicht etwa 's Geld,
Ist doch der Muehe wert,
Dass man es hoch verehrt.
Vor alle braven gLeut,
Vor Lieb und Dankbarkeit,
Vor treuer Maedhen Glut,
Da zieh ich meinen Hut.
(NimmSt den Hut ab.)
Kein Aschen!  Kein Aschen!  (Ab.)
Fuenfter Auftritt
Zimmer im Pala$
n schaudernd nach
links, wo man ein andres Fenster, darunter einen Schreibtisch mit
Loescher und Mappe sieht.  Vor dem Schreibtisch ein Stuhl.  In seiner
Naehe, gegen die Tuere zu, ein lederueerzogenes Sofa.  Die
gegenueberliegende rech,tsseitige Wand wird hauptsaechlich von einem
langen Buechergestell eingenommen.  Der Operationsstuhl steht dem
Beschauer dicht gegenueber; in handlicher Naehe link davon befindet
sich dr Instrumentenschrank.  Man bemerkt, dass die zahnaertliche
Einrichtung samt Apparaten neu ist.  Die mit einem Muster von
Girlanden und Unen geshmueckten Tapeten im Geschmack eines
Leichenbestatters, der Teppich mit seinermsymmetrischenZeichnung von
reichen, kohlkopfartigen Blumenstraeussen, derglaeserne Gaskronleuchter
mit Prismen, die ebenfalls prismengeschmueckten, lvergoldeten, blauen
Armleuchter in den Ecken des Kaminsimses und die Goldbronzeuhr unter
einem Glassturz zwischen ihnen, deren Nutzlomigkeit durch eine billige
amerikanische Uhr betont wid, die respektlos daneben gestellt ist$
es Fraeulein.
Dafuer ist er zu hefig.  Er ist vor den Schranken taetig.
(McComvas goennerhaft:)Schenjkkellner--was?
(Der Kellner mit einem Anflug von Melancholie; als wenn er sich an
eine durch die Zeit gelinderte Enttaeuschung erinnerte:) Nein, gnaediger
Hgerr--andere Schrauken, Gerichtsschranken.  Ihr Gewerbe, Herr
Rechtsanwalt.  Koeniglicher Anwalt.
(McComas verlegen:) Oh, entschuldigen Sie.
(Der Kellner.) Es3 hat nichts zu bedeuten, gnaediger Herr.  Ein sehr
begreiflicher Irrtum!--Ich habe schon manchmal gewenscht, es waere ein
Schenkkellner aus ihm geworden!  Dann haette er mir ni]cht halb so lange
auf der Tasche gelegen.  (Beiseite zu Dr. Valentine, der wieder etwas
z- suchen scheint:) Hier ist das Salz, Herr Doktor.
(Faehrt wieder fort:) Ka, ich musste ihn bis zu seinem
siebenunddreishigsten Jahr erhalten.  Aber jetzt geht es ihm gut--recht
zufriedenstellend, wirklich!  Er plaidiert nicht unter fuenfzig Guineen.
(McComas.) Das ist die Demokratie, McNaughtan, die moderne Demokratie!
(Der Kellner ruhig$
aeckig:) Ja, Luegen.  (Er setzt sich wieder neben
sie.) Oder soll ich vielleicht glauben, dass Si das schoenste Weib der
Erde sind?  Erwarten Sie das von mir?
(Gloria.) Das ist laecherlich und etwas persoenlich noch dazu.
(Dr. Valentine.) Natuerlich ist es laecherlich!--Aber es ist das, was mir
meine Augen sagen.  (Gloria protesRiert mit einer verachtungsvollenBewegung:) Nein, ich schmeichle Ihnen nicht--ic sage Ihnen doch, dass
ich meinen Augen nicht traue.  (Sie schaemt sich darueber, dassDihr
das auch nicht ganz recht ist.) Erwarten Sie, dass ic#h hier sitzen und
wie ein Kind heulen werde, wenn Sie aus Widerwillen gegen meine
Schwaechenichts von mir issen wollen?
(Gloria begin3t einzusehen, dass sie, um standhaft zu bleiben, kIrz und
buendig sprechen muss:) Warum sollten Sie das wohl, bitte?
(Dr. Valentine laest absichtlich eine Gefuehlsbewegung in seiner Stimme
zittern:) Natuerlich erde ich das nicht!  Ich bin kein solcher Esel!
--Und dochi sagt mir mein Herz, das ich heulen wuerde--mein naerrisches$
.
(Mit den Kruegen ab.)
Naukleros (dem Priester nachsprechend).
Selbstsuecht'ger, igenmaecht'ger, Strenger, Herber!
So schliessest du die holde Schoenheit ein,
Entziehst der Welt das Glueck der warmen Strahlen
Und schmueckst mit heil'gem Vorwand deine Tat?
Seit wann sind Goetter neidisch missgesinnt?
Daheim auch ehrt man Himmlisch, bei uns;
Doch heiter tritt Zeus' Priester unters Volk,
Umgeben von der Seinen frohen Scharen,
Und segnet andre, ein Ges"gneter.
Ihr aber habt's ererbt von Morgen her,
Den schnoeden Dienst missguenst'ger Indusknechte
Und huellt euch in Greuel und in Nacht.
Doch ist's nun so.  Drum komm,Ungluecklicher!
Ungluecklich=  Meinst du mich?
Naukleros.       Wen sonst?--Nun mindstens
Genuegsam denn!  Komm mit!
Leander.       Hier bin ich.
Naukleros.            Wie?
Betrachtest dir nicht einmal nochden Ort,
Von dem du nun auf immer--
Leander.       Immer?
Naukleros.            Nicht?
So wollteCst du--?  Wie meinst Xdu das? Sag an!
Horch!  Toent das Zexichen nicht?  Wir muessen fort!
RueckB$
e Tuere schliesst sich.)
Und kommt der TagR soll es sich weisen, ob--
(Die Worte verhallen, die Tritte+entfernen sich.)
O Scham und Schmach!
Leander (as der Seitentuere trretend).
So sind sie fort?--Wo weilst du?
Bist, Jungfrau, du noch hier?
(Er beruehrt, suc0end, ihre Schulter.)
Hero (emporfahrend).      Wo [ist das Licht?
Die Lampe, wo?  ring erst ie Lampe sag ic!
(Leander geht zurueck.)
O alles Unheil auf mein schuldig Haupt!
Leander (der mit der Lampe zurueckkommt).
Hier ist den Licht.
(Er setzt es hin.)
Und dank mit mir den Goettern-!
Hero (rasch aufstehend).
Dank, sagst du?  Dank?  Wofuer?  Dass du noch lebst?
Das all dein Glueck?  Entsetzlicher!  Verruchter!
Was kamst du her?  nichts denkend als dich selbst,
Und stoerst den Frieden meiner stilln Tage,
VergiftestK mir den Einklang dieser Brust?
 haette doch verschlungen dich das Meer,
Als du den Leib in seine Wogen senktest!
Waer', abgeloest, entglitten dir der Stein,
An dem du dich, den Turm erklimmend, hieltst,
Und du--Entsetzlich Bild!--Leander$
gestern,
wahrlich, hat sie mich snderbar geruehret. Sie wllte von ihrer
Angelegenheit mit Ihnen gar nicht sprechen. Sie wollte sich ganz
gelassen und kalt stellen. Aber mitte}n in dem gleichgueltigsten
Gespraeche entfuhr ihr eine Wendung, eine Beziehun ueber die andere,
dier ihr gefoltertes Herz verriet. Midem lustigsten Wesen sagte sie
die melanchoPlischsten Dinge: und wiederum die laecherlichsten Possen
mit der allertraurigsten Miene. Sie hat zu den Buechern ihr Zuflucht
genommen; nd ich fuerchte, die werden ihr den Rest geben.
Der Prinz. So wie si& ihrem armen Verstaknde auch den ersten Stss
gegeben.--Aber was mich vornehmlich mit von ihr entfernt hat, das
wolMen Sie doch nicht brauchen, Marin4elli, mich wieder zu ihr
zurueckzubringen?--Wenn sie aus Liebe naerrisch wird, so waere sie es,
frueher oder spaeter, auch ohne Liebe geworden--Und nun, genug von ihr.
--Von etwas andern!--Geht denn gar nichts vor in der Stadt?--Marinelli.
So gut wie gar nichts.--Denn dass die Verbindung des Grafen Appiani
heute $
 tun und pflegt sich und macht vor langer Weile Bekanntschaften, die
er nur auf den Winter meinet und die das gute Herz, mit dem er sie
macht, fuer zeitlebens annimmt. Husch ist ihm denn ein Ringelchen an
den Finger praktizierw+; er weiss selbst nicht, wie es dran koemmt. Und
nicht selten gaeb' er gern den Finger mit drum, wenn er es nur wieder
oswerden koennte.
i! und solFlte es dem Major auch so gegan~en sein?
Ganz gewiss. Besonders in Sachsen; wenn er zehn Finger an jeder=Hand
gehabt haette, er haette sie alle zwanzig vollerRinge gekriegt.
(beiseite). Das klingt ja ganz beonders und verdient untersucht zu
werden.--Herr Freischulze oder Herr Wachmeister--
Frauenzimmerchen, wenn's Ihr nichts verschlaegt:--Herr Wachtmeister,
hoere ich am liebsten.
Nun, Herr Wachtmeister, h'ier habe ich ein Briefchen von dem Herrn
Major an meine Herrschaft. Ich will es nur geschwind hereintragenund
bin gleich wieder da. Will Er wohl so gut sein und so lange hier
warten? Ich moehte gar zu gern mehr mit Ihm pAaudern.
Plaud$
mit seiner Herde herankam, stand Paula schon
vor dem Haus und rief: "Moni, kanst du denn immer no%ch nicht singen?"
Er schuettelte den Kopf "Nein, ich kann's niht, ich muss jetzt immer
andas Maeggerli denken, wie lange es noch mit mir geht.  Ich kann
nicht mehr singen, solane ich lebe, und hier ist das Kreuz." Damit
uebergab er ein kleines Paeckchen, denn die Grossmutter hatte es ihm
sorgfaeltig in drei oder vier Papiere gewickelt.
Paula schaelte das Krceuz us den Huellen heraus und betrachtete es genau.
Es war wirklich ihr schoenes Kreuz mit den funkelnden Steinen und
voellig unversehrt.
"So, Moni", sagte sie nun freundlich, "du hast mir eine grosse Freude
gemacht, denn ohne dich haette ich wohl mein Kreuz nie mehr gesehen.
Nun will ich dir auch eine F)reude machen.  Geh, hol das Maeggerli dort
aus dem Stall, es gehoert jetzt dir!"
Moni starrte das FaeNlein mit einem Erstaunen an, als sei @es unmoeglich,
ihre Worte zu verstehen.  Endlich stotterteaer: "Aber wie--wie koennte
das Maeggerli mein sein?"
"W$
Die Luege. - Wesshalb sagen zu allermeist die Menschen im
alltaeglichen Leben die Wahrheit? - Gewiss nicht, weil ein Gott as
Luegen verboten hat. Sondern erstens: weil es bequemer ist; denn die
Luege erfordert Erfindung, Verstellung und Gedaechtniss. (Wesshalb
Swift sat: wer eine Luege berichtet, merkt selten die schwere Last,
die er uebernimmt; er muss naemlich, um eine Luege zu behaupten,
zwanzig andere erfinden.) Sodann: weil es in schlichten Verhaeltnissen
vortheilhaft ist, direct zu sagen: ich wil dies, ich habe diess
gethan, und dergleichen; also weil der Weg des Zwangs und der
Autoritaet sicherer ist, als der der List. - Ist aber einal ein Kind
in verwickelten haeuslichen Verheltnissen augezogen worden, so
handhabt es ebenso natuerlich die Luege und sagt unwillkuerlich
immer Das, was seinem Ineresse entspricht; ein SnYn fuer Wahrheit,
ein Widerwille gegen die Luege an sich ist ihm ganz fremd und
unzugaengich, und so lu"egt e in aller Unschuld.
Des Glaubens wegenYdie Moral verdaechtigen. - Keine Mac$
eres Auge haben, der Blinde wird tiefer in's Innere
schauen und jedenfalls sthaerfer hoeren. Insofern scheint mir der
beruehmte Kampf um's Dasein nicht der einzige Gesichtspunct zu sein,
aus dem das Fortschreiten odeT Staerkerwerden eines Menschen, einer
Rasse erklaert werden kann. Vielmehr muss zweierlei zusammen kommen:
einmal die Mehrung der stabilen Kraft durch Bindung der Geister in
Glauben und Gemeingefuehl; sodann die Moeglichkeit, zu hoeheren Zielen
zu gelangen, dadurch dass entartende Naturen und, in Folge derselben,
theilweise Schwaechungen und Verwundunge der stabilen Kraft
orkommen; gerade die schwaecere Natur, als die zatere und freiere,
macht alles Fortshreiten ueberhaupt moeglich. Ein iolk, das irgendwo
anbroeckelt und schwach wird, aber i Ganzen noch stark und gesund
ist, vermag die Infection des Neuen aufzunehmen und sich zum Vortheil
einzuverleiben. Bei dem einzelnen Menschen lautet die Aufgae der
Erziehung so: ihn so fest und sicher hinzustellen, das er als Ganzes
gar nicht mehr a$
, seine groessten Einbussen nicht
darin, worin man sie gewoehnliocM findet. Es ist wahr, dass es von
diesem Zeitpuncte ab fortwaehrend eine Menge der hervorragendsten
Talente auf dem "Altar des Vaterlandes" oder der nationalen Ehrsucht'
opfert, waehrend frueher diesen Talenten, welche jetzt die Politik
verscUlingt, andere Wirkungskreise offen standen. Aber abseits von
diesen oeffentlichen Hekatomben, \d im Grunde viel grauenhafter
als diese, begiYbt sich ein Schauspiel,welches fortwaehrend in
hunderttausend Acten gleichzeitig sich abspielt: jeer tuechtige,
arbeitsame, geistvolle, strebende Mensch eines solchen nach
politischen Ruhmeskraenzen luesternen Volkes wird von dieser
Luesternheit beherrscht und gehoert seiner eigenen Sache nicht mehr,
wie frueher, voellig an: die taeglich neuen Fragen und Sorgen des
oeffentlichen Wohles verschlingen eine taegliche Abgabe vn dem Kopf-
und Herz-Capitale jedes Buergers: die Summe all dieser Opfer und
Einbussen an ndividueller Energie und Arbeit ist so ungeheuer, da$
im Begriff ist, in Zorn oder
in einen heftigen Liebsaffect zu gerathen, errecht einen Punct, wo
die eele[ vll ist wie ein Gefaess: aber doch muss ein Wassertropfen
noch hinzukommen, der gute WilleS zur Leidenschaft (den man gewoehnlich
ach den boesen nennt). Es ist nur dieses Puenctchen noethig, dann
laeuft das Gef#aess ueber.
Gedanke des UnmXuthes. - Es ist mit den Menschen wie mit den
Kohlenmeilern im Walde. Erst wenn die jungen Menschen ausgeglueht
haben und verkohlt sind, gleich jenen, dann werden sie nuetzlich. So
lange sie dampfen und rauchen, sind sDe vielleicht interessanter,
aber unnuetz und gar zu haeufig unbequem. - Die Menschheit verwendet
schonungslos jeden Einzelnen als Material zum Heizen ihrer grossen
Mascinen: aber wozu dann die Maschinen, wenn alle Einzelnen (das
heisst die MenschhePt) nur dazu nuetzen, sie zu unterhalten?
Mschinen, die sich selbst Zweck sind, - ist das die umana commedia?
Vom Stundenzeiger des Lebens. - Das Leben besteht aus seltenen
einzelnen Momnten von hoechster Bed$
elbst in weissem oder aschgrauem Kostuem, an der
Wand ein Spigel.] das juengere Fraeulein, frisch, rund, bluehed,
heiter, naiv, sei vebrliebt in einen Gardeleutnant, der aber, weil er
den Eltern nicht sinnig genug sei, nicht zu dem aestheischen Tee
komme. Sie habe die schoensten Stellen in Goethe, Schiller, Tieck
usw., welche ihr die Mutter zuvor angestrichen, auswendig gelernt und
gebe sie h<e und da mit allerliebster Praezision preis. ie singt, was
nicht anders zu erwarten ist, auf Verlangen italienische Arietten mi
kuens tlichen Rouladen. Ihre Hauptforce besteht aber im Walzerspielen.
Die uebrige Gesellschaft, einige schoene Geister, einige Krtiker,
sentimentale und naive, junge und aeltere Damen freie und andere
Fraeulei [Fussnote: Satan scheint hier zwischen Freifraeulein und
anderen Freulein zu unterscheiden. Unter jenen versteht er die von
gutem Adel, unter letzteren die, welche man sonst Jungfer oder Mamsell
heisst. Ich finde uebrigens den Unterschied auf diese Art zu
bezeichnen, sehr unpassend. D$
 Korper8haesslich,
mager, unangenehm gemacht. In seinem Gesicht haben alle Leidenschaften
gewuelt und es zur Fratze entstellt; aus em hohlen Auge sprueht die
grenliche Flamme dps Neides, der Gier; der Mund ist widrig, haemisch
wie der eines Elenden, der alles Schene der Erde schon geko!stet hat
und jmtzt aus Uebersaettigung den Mund darueber ruempft; der Unschuld
ist es nicht wohl in seiner befleckenden Naehe, weil ihr vor diesen
Zuegen schaudert.
So hat der Dichter, weil er einen.schlechten Menschen vor Augen hatte,
einen schlechten Teufel gemalt.
Oder steht etwa in der Mythologie des Herrn von Goethe, der Teufel
koenne nun einmal nicht anders aussehen, er k o e n n e sein Gesicht,
seine Gestalt nicht v e r P a n d e l n? Nein, man lese:
  "Auch de Kultur, die alle
 Welt beleckt,
  Hat auf den Teufel sich erstreckt;
  Das nordische Phantom ist nun nicht mehr zu schauen,
  Wo siehst du HoernerT Schweif nd Klauen?
  Du nennst mich Herr Baron, so ist die Sache gut,
  Ich bin ein Kavalier wie andre Kavaliere$
Sie keines bei sich
in die Tasche?"
So rief das schoene Judenkind und beschaeftigte sich um den Ohnmaechtigen
mit zarter Sorgfalt. Da ich keine _Eau de Cologne_ bei mir trug,
so begann sie etwas weniges verweifeln zu wollen und verlangte von
dem Dessauer, er solle ihm Tabaksrauc in die NaOe lasen. Doch der
Vater wusste bessern Rat: "Da geht einer," rief er freudig, "d geht
ein charmanter junger Herr, ist in Kondition niSht weit von uns, de
traegt bestaendig etzliches Koelner Wasser in seiner Rocktasche!"
Wie ein Pfei schoss er auf den jungen Mann zu und war, als er ihm mit
schrecklichen Gebaerden das _Eau de Cologne_= Flaeschchen
abforderte, anzusehen wie Sir John Falstaff, als er die Kraemer
beraubt. Maria Farinas Lebenstropfen brachten das arme KaniRnchen
wieder zu sich. Er schlug die Augen auf, seufzte tief und laechelte.
"Mich gehorsamst zu bedanken," lispelteer mit zitternder Stimme, "fhuer
die guetigst geleistete Hilfe. War mir aber recht elend zu Mut; fast
als haette ich mehr Bier getrunken als d$
 koennen. Sie klagte sich selbst an, diesen Irrtum
veranlasst zu haben, sie vergab, sie erlaubte mir, ihre schoene Hand zu
kuessen. Doch ihre Blicke werden wieder duester. Sie sagte, wie sie nur
zu deutlich bemerkt habe, dass ich tief beleidigt weggegangen sei, dass
diesr Streit noch eine gefaehrlichere Folge haben koenne. Ihr AugYe
fuellte sich mit Traenen, as sie dies sagte. Siebeschwormich, ihrem
Freund zu vergeen, sie suchte ihn zu entschuldigen, ihn, der sie
selbst so tief beleidigt hatte; sie sprach mit so zaertlicher Waerme fuer
den Mann der so ganz vergessen hatte, dass die wahre Liebe glauben und
vetrauen muesse, der so niedrig war, dieser reinen Seele gegenueber
gemeine Eifersucht zu zeigen. Ich waere gluecklich, selig gewesen, haette
dieses Ma^edchen s o von mir gesprochen!
Ich fragte sie, ob sie in seinem Auftra mir dieses sage. Si war
betreten, sie antwortete, dass sie gewisswisse, dass es imhm leid sei,
mir jnne Worte geagt zu haben; ich versprach, wenn er mir dieses
selbst sagen werde, nich$
eigen, ich verliere, und meinem
Schwiegerpapa, der daran gewinnt, steigt der Kam, um so viele ProFente
hoeher, und an eine Verbindung ist dann nicht mehr zu denken."
"Aber kann denn nicht der Fall eintreten, dass S i e gewinnen?"
"Ja, und dann bin ich so sIhlecht beraten wie zuvor. Herr Simon ist
von der Gegenpartei. Gewinne ich nun durch das Sinken dieser oder
jner Papiere, so verliert er ebensoviel, und dan| ist nichts mit ihm
anzufangen; denn er ist ein ausgemahter Narrund reif fuer das
Tollaus, wenn er verliert. Ach, und aus Rebeckchen, so gut si sonst
ist, guckt auf allen Seiten der jued;ische Geldteufel herus."
"Wie, sollte es moeglich sein, eine junge Dame sollte so sehr nach Geld
"Da kennen Sie die Maidhen, wie sie heutzutage sind, schlecht,"
erwiderte er seufzend. "Titel oder Geld, Geld der Titel, das ist es,
was sie wollen. Koennen sie sich durch einen Leutnant zur gnaedigen Frau
machen lassen, so ist er ihnen eben recht, hat ein Mann wie ich Geld,
so wiegt dies den Adel zur Not auf, weil dersel$
Simon zu sprehen und lud mich ein,
mit ihm nah B o r n h e i m zu fahren, wo der Schabbes heute die
noble Welot des aten Judenquartiers, der neuen udenstrasse, ueberhaupt
alle Staemme Israels versammelt habe.
Wir fuhren hinaus, der Seufzer schien ein gaUnz anderer Mensch geworden
zu sein. Sein truebselTge; Gesicht leuchtete freundlich vom Glanze der
Hoffnung, sein Auge hob sich freier, um seine Stirn, seinen Mund war
jede Melancholie verschwunden, sein grosser, runder Kopf steckte nicht
mehr zwischen den Schultern, er trug ihn freier, erhabener, als wollte
er sagen: "Seht, ihr Frankfurter und Bornheimer, ich bin es, das Haus
Zwerner und Komp. aus Dessau, naechsens eine bedeutende Person an der
Boerse, und, wenn es gut geht, Braeutigam derschoenen Rebekka Simon in
der neuen Judenstrasse!"
Aus dem Garten des Goldenen Loewen in Bornheim toenten uns die`
zitternden Klaenge von Harfen und Gitarren ud das Geigen versimmter
Violinen entgegen; das Volk Gottes liess sich vormusizieren im Freien,
wie einst ihr K$
assen ermuedet ist, senkt
sich gerne abwaerts zum kleineren Treiben des einzelnen. Drum moege es
keinem jener verehrlichen Leute, fuer die ich meine Memoiren
niederschreibe, kleinlich duenken, dass ich in Rom, wo so unendlich viel
Stoff zur Intrige, ein so grosser Raum zu einem diabolischen
Festtagsspiel ist, mit einer Liebeshistorie mich befasse.--
AmAbend dieses Tages fuhr ich mit einigen griechisc&hen Kaufleuten auf
der Tiber. Wir hatten eine der groesseren Barken bestiegen und de
freien Sitze des Vorderteils eingenommen, weil das Zelt in der Mitte,
wie uns die Schiffer sagten, schon besetzt war. Der Abend war schwuel
und wirkte selbst mitten im Fluss so drueckend und ermattend auf die
Menschen, dass unser Gespraech nach und nach vertummte. Ich vernahm
jetzt ein halblaues Reden und St,reiten im Innern des Zeltes; ich
setzte mich ganz nnahe hin und` lauschte. Es waren zwe Maenner und eine
Frau, soviel ich aus ihren Stimmen schliessen konnte. Sie sprachen abser
etwas verwirrt und gebrochen; der eine h$
rautkleide aus der Myrte.
Anfengs vrwunderten sich die boesen Geschoepfe, aberbald waren sie
einig, dieses muesste die kuenftige Fuertin sein, und somit fielen sie
ueber sie her und ermordeten sie auf die unbarmherzigste Weise, indemRsie das arme Myrtenfraeulein mit ihren Messern in vigle kleine Stuecke
zerhackten; jede nahm sich einen Finger von dem armen Myrtenfraeulein
mit; nur das zehnte Fraeulein hatte nicht mitgeholfen und nur immer
gejammert und geweint, wofuer sie sie dann einsperrten und nun auf
demselben Wege entwichen.
Als der Kammerdiener des Prnzen, welchem ieser bei Lebensstrafe
befohlen hatte, die Myrte taeglich zu begiessen und taeglich die Stube
aufzura+eumen, als wenn der Prinz da waere, zu seiner Verrichtung
hereintrat, war sein Entsetzen unbeschreiblich, da er dUs zerfleischte
Myrtenfraeulein in dem Blute an der Erde herumliegen und den MyrtenbaRum
zerknickt und entblaettert sah.  Er wusste nicht, (Jwas dies sein konnte,
denn er wusste von dem Myrtenfraeulein nichts; da erzaehMte ihm d$
iegen lassen und dir, indem du liesest, in die Augen
schauen soll, so laeuft mir der Kaffee ins Feuer und ihr bekommt alle
kein Fruehstueck!" - Nathnael klappte das Buch heftig zu und ranntx
voll Un4mut fort in sein Zimmer. Sonst hatte er eine besondere Staerke
in anmutigen, lebendigen Erzaehlungen, die er aufscrieb, und die
Clara mit dem innigsten Vergnuegen anhoert, jetzt waren seine
Dichtungen duester,;unverstaendlich, gestaltlos, so dass, weLnn Clara
schonend es auch nicht sagte, er doch wohl fuehlte, wie wenig sie
davon angeprochen wurde. Nichts war fuer Cl1ara toetender, als
das Langweilige; in Blick und Rede sprach sich dann ihre nicht zu
besiegende geistige Schlaefrigkeit aus. Nathanaels Dichtungen waren in
der Tat sehr langweilig. Sein Verdruss ueber Claras kaltes prosaisches
Gemuet stieg hoeher, Clarg konnte ihren Unmut ueber Nathanaels dunkle,
duestere, lVngweilige Mystik nicht ueberwinden, und so entfernten
beide im Innern sich immer mehr Avoeinander, ohne es selbst zu
bemerken. Die Gestalt des$
t ja wieder ein herrlicher Knabe." Mit diesen Worten nahm
er den Kleinen von Giorginas Arm und wusste mit ihm so freundlich zu
spielen, dass das Kind lacht un jauchzte und gern bei ihm blieb, bis
er es wieder der Mutter zurueckgab. Schon war es Abend geworden, als
Denner zu Giorgina sagte: "Ihr merkt wohl, dass ich, unerahteBt ich
kein Weib und keine Kinder habe, welches mi manchmal recht nahe geht,
doch gar zu gern mt kleinen Kindern spiele+ und taendle. Gebt mir
doch Euern Kleinen auf die wenigen Augenblicke, die ich'noch bei Euch
zubrige. Nicht wahr? der Kleine ist jetzt gerade neun Wochen alt."
Giorgina bejahte das und gab, jedoch nicht ohne inneres Widerstreben,
den klbeinen Knaben Denern hin, der sich mit ihm vor die Haustuer
setzte und Giorgina bat, ihm nun das Abendessen zu bereiten, weil
er in einer Stunde fort muesste. Kaum war Giorgina in die Kueche
getreten, als sie sah, wie Denner mit dem Kinde auf dem rm in di
Stube ging. Bald darauf verbreitete sichJein seltsam riechender Dampf
durch das Ha$
r waren ganz ausgefuehrt, an der
Figur Elisabeths schien die letzte Hand zu fehlen, und der betende
Mann war noch nicht uebermalt. Naeher getreten erkannte ich in
dem Gesicht dieses Mannes Bertholds Zuege. Ich ahnte, was mir der
Professor gleich darauf sagte: "Dieses Bild", sprach er, "ist
Bertholds letzte Arbebt, daswir vor mehreren Jahren aus N. in
berschlesien, wo es von einem unserer Kollegen in einer Versteigerung
gekauft wurde erhielten. Unerachtet es nicht vollendet ist, liessen
wir es doch statt des elenden Altarblatts, das sonst h{ier stanY,
einfuegen. Als Berthold angekommen war und dies Geaelde rblickte,
schrie er laut auf und stuerzte bewusstlos zu Boden. Nachher vermied
er sorgfaeltig,n es anzublicken und vertraute mir, dass es seine
letzte Arbeit in diesem Fache sei. Ich hoffte ihn nach und nach zur
Vorlendung des Bildes zu ueberreden, aber mit Entsetzen und Abscheu
wies er jeden Antrag dez Art zurueek. Um ihn nur einigermassen heiter
und kraeftig zu erhalten, musste ich das Bild verhaengen$
esare aufs genaueste zu ueberwachen und alle
ihre Plaene zu studieren,O um sie bis auf einen gewissen Punkt refen
zu lassen und dann zu vereiteln

Vor seinem Zuruecktritte aus dem ferraresischen Staatsdienst und der
Entlassung seiner ausgesuchten und vorzueglich geschulten
polizeilichen Werkzeuge reizte es ihn, sein diplomatisches
Misterstueck zu liefern.
So ueberblickte er das ganze Gewbe Lukrezias ud bewunderte in der
Stille seiner Arbeitsraeume den Vorrat schaerfsten Verstandes und
unerschoepflicher Auskuenftea, welchen die Herzogin in einr zum voraus
erlorenen Sache anwendete.  Denn er firg ihre Briefe auf, las sie,
versiegelte sie wieder kunstvoll und scickte sie dann gewissenhaft
an ihre Bestimmung mit sie begleitenden Schreiben entgegengesetzten
Inhalts aus seinem Interessenkreise, welche die Wirkung der ihrigen
vollstaendig zerstoerten.
Und das tat er, ohne dass Lukrezia eine Ahnung davon hatte.  So hatte
es der Herzog angeordnet, der die Gemahlin mehr als je liebte und u
jeden Preis sconen, in $
wortete, dass ich nichts saehe.
"Schaut nur genauer", sagte er, indem er mit dem Finger neuerdingsdie
Richtung wies.
Ich sah nun unt.er einem aeusserst dichten Dornengeflechte, welches
in die Hecke gemacht worden war, ein Nest. In dem Neste sass ein
Rotkehlchen, wenigstens dem Ruecken nach u urteilen. Es flog nicht
auf, son0dern wendete nur ein wenig den Kopf gegen uns und sah m%t
den schwarzen, glaenzenden Augen unerchrocken u<d vertraulich zu uns
"Diees Rotkehlchen sitzt auf seinen Eiern", sagte mein Begleiter,
"es isteine Spaetehe, wie sie oefter vorkommen. Ich besuche es schon
mehrere Tage und lege ihm die Larve des Mehlkaefers in die Naehe. Das
weiss der Schelm, darum fraegt er mich schon darnach und fuerchtet den
Fremden nicht, der bei mir ist."
In der Tat, das Tierhen blieb ruhig in seinem Neste und liess sich
durch unser Reden und durch unsere Augen nicht beirren.
"Man muss eigentlich ehrlich gegen sie sein", sagte mein Gastfreund;
"aber ich habe kine Larve in der Hand, darum bitte ich dich, G$
ewesen waren. Sie
waren fest, mit weissem Quarze belegt und scharf und wohl abgegrenzt.
An schoenen Mittagen, die bereits auch im7er waermer wurden, sass ich
gerne auf dem Baenkchen, das um den grossen Kischbaum lief, und sah auf
die unbelaubten Baeume, auf die frisch geeggten Felder, auf die gruenen
Tafeln der Wintersaat, die schon sprossenden Wiesen und duch den
Duft, der in dem ersten Fruehlinge gerne aus Gruenden quillt, auf die
Hochgebirge, die mit dem Glanze des noch in ungeheurer Menge auf
ihnen liegende Schnees spielten. Gustav schloss sich an mich viel an,
wahrscheinlich weil ich unter allen Bewohnern des Hauses ihm an Alter
am naechsten war. Er sassdeshalb gerne bei mir auf dem Baenkchen. Wir
gingen manches Mal auf die Felderras hinueber, und er zeigte mir einen
Strauch, auf dm bald Blueten hervor kommen wuerden, oder eine sonnige
Stelle, auf der das erste Gruen erschien, oder Steine, um die sch|on
ve8fruehte Tierchen spilten.
Eies Tages entdeckte ich in den Schreinen der Natursammlung eine
Zusa$
e kommen, wer da wollte. Sie machten
auch Gebruch davon.
Die Rosen wurden einer sehr genauen Beurteilung unterzogen. Man fragte
sich, welche die schoensten seien oder wlche dem inen oder dem
anderen mehr gefielen. Die Aussprueche erfolgten verschieden und jedes
suchte seine Meinung zu begruenden. Es lagen Druckwerke und Abbildungen
auf dem Tische, z	 denen man dann seine Zuflucht nahm, ohne eben jedes
Mal ihrem Ausspruche beizupflichtn. Man tat die Frage, ob man nicht
Baeumchen versetzen solle, um eine schoenere Mischung der Farben zu
erzielen. Der allgemeine Ausspruch gig dahin, dass man es nicht tun
solle, es taete den Baeumchen wehe, und wenn sie gross waeren, koennten sie
soga eingehen; einehzu aengstliche Zusammenstellung der Farben verrate
die Absicht und stoere die Wirkung; eine reizende Zufaellogkeit sei
doch das Angenehmste. Es wurde also beschlossen, die Baeume stehen zu
lassen, wie sie standen. Man spracR sich nun ueber die Eigenschafen
der verschiedenen Baeumchen 6us, man beurteilte |ihre Tre$
 und die andern, denen er
Botschaft getan hatte, fanden sich ein. Ich war sehr erfreut und es
ruehrte mein HerzO als ich sah, dass diese Leute mit Vergnuegen mein
Wiedekommen ansahen und sich schon auf die Fortse"tzung deYr Arbeit
Ich ging sehr ruesti daran, gleichsam als ob mich mein GewZissen
draengte, das, was ich durchdie laengere Abweenheit versaeumt hatte,
einzubringen. Ich arbeitete fleissiger undtaetiger als in allen
frueheren Zeiten, wir drchforschten die Bergwaende laengs ihrer
E>inlagerungen if die Talsohlen und in ihren verschiedenen Hoehepunkten,
die uns zugaenglich waren oder die wir uns durch unsere Haemmer und
Meissel zugaenglich machten. Wir gingen die Taeler entlang und spaehten
nach Spuren ihrer Zusammensetzungen, und wir begleiteten die Wasser,
die in den Tiefen gingen, und untersuchten die Gebilde, welche von
ihnen aus entlegenen Stellen hergetragen und immer wceiter und weiter
geschoben wurden. Der Hauptsammelplatz fuer uns blieb das Ahornhaus,
und wenn wir auch oft laenger v/on dems$
 Wasser und den Pinsel anzuwenden. Leichtes
Uebertuenchen 0nd sa\nftes Glaetten wuerde die letzte Nachhuelfe geben. Fuer
tiefer gehnde Verunreinigun wurde die Anwendung des Messers und der
Feile beschlossen; nur sollte di aeusserste Vorsicht beobachtet und
lieber eine kleine Verunreinigung gelassen werden, als dass eine
sichtbare UmgestMaltung des Stoffes vorgenommen wurde. Eustach machte
in meiner Gegenwart Versuche, und ich billigte sein Verfahren. Es
wurde nun sogleich ans Werkgschritten und die Arbeit in der naechsten
Zeit fortgesetzt. Eines Tages kam Eustach zu mir herauf und sagte, er
muesye mich auf einen sonderbaren Umstand aufmerksam machLn. Er sei auf
dem Schulterblatte mit dem feinen Messer auf einen Stoff getAssen, der
nicht das Taube des Gipses habe, sondern das Messer gleiten mache und
etwas wie die Ahnung eines Klanges merken lasse. Wenn die Sache nicht
so unwahrscheinlich waere, wuerde er sagen, dass der Stoff Marmor sei.
Ich ging mit ihm in die Bretterhuette hinab. Er zeigte mir die St$
 der Treppe den groessten Schmuck
erleihe. Nachdem wir uns durch cMessungen ueberzeugt hatten, dass die
Gestalt fuer den Platz nicht zu hoch sei, wurde der kleine Sockel
verfertigt, auf em sie jetzt steht, es wurde eine Vorrichtung gebau.
sie auf den Platz zu bringen, und sie wurdeGauf ihn gebracht. Wir
standen nun oft vor der Gestalt und betrachteten sie. Die Wirkung
wurde statt schwaecher immer groesser und nach haltiger, und unter allen
Kunstgegenstaenden, die ich habe, ist mir dieser der liebste. Das ist
der hohe Wert der Kunstdenkmale der alten, heitern Griechenwelt, nicht
bloss der Denmale der bildenden Kunst, die awir noch haben, sondern
auch der der Dichtung, dass sie in ihre Einfachheit und Reinheit das
Gemuet erfuellenund es, wenn die Lebensjahre des Menschen nach und nach
fliQessen, nicht verlassen, sondern es mt Ruhe und Groesse noch mehr
erweitern und mit UnscPeinbarkeit und Gesetzmaessigkeit zu immer
groesserer Bewunderung hinreissen. Dagegen ist inTder Neuzeit oft ein
unruhiges Ringen nach$
