ltaire noch nicht recht einig mit sich gewesen zu sein. In
der nmlichen Ausgabe seiner Werke heit er auf einem Blatte "Das
besiegte Vorurteil"; und auf dem andern "Der Mann ohne Vorurteil". Doch
beides ist nicht weit >auseinander. Es ist von dem Vorurteile, da zu
einer vernnftigen Ehe die Gleichheit der Geburt und des Standes
erforderlich sei%, die Rede. Kurz, die Geschichte der Nanine ist die
Geschichte der Pamela. Ohne Zweifel wollte der Herr von Voltaire den
Namen Pamela nicht brauchen, weil schon einige Jahre vorher ein paar
Stcke unter diesem Namen erschienen waren, und eben kein groes Glck
gemacht hatten. Die "Pamela" des Boissy und des de la Chausse sind auch
ziemlich kahle Stcke; und Voltaire brauchte eben nicht Voltaire zu sein,
etwas weit Besseres zu machen.
"Nanine" gehrt unter die rhrenden Lustspiele. Es hat aber auch sehr
viel lcherliche Szenen, und nur insofern, als die lcherlichen Szenen
mit den rhrenden abwechseln, will Voltaire diese in der Komdie geduldet
wissen. Eine ganz ern$
ehrreich; auch dem, der gar nicht spielt,
ist der Spieler unterrichtend; die Torheiten, die sie nicht haben, haben
andere, mit welchen sie leben mssen; es ist ersprielich, diejenigen zu
kennen, mit welchen man in Kollision kommen kann; ersprielich, sich
wider alle Eindrcke des Beispiels zu verwahren. Ein Prservativ ist auch
eine schtzbare Arzenei; und die ganze Moral hat kein krftigers,
wirksamers, als das Lcherliche.--
"Das Rtsel oder Was den Damen am meisten gefllt", ein Lustspiel in
einem Aufzuge von Herr Lwen, machte diesen Abend den Beschlu.
Wenn Marmontel und Voltaire nicht Erzhlungen und Mrchen geschrieben
htten, so wrde das franzsischVe Theater eine Menge Neuigkeiten haben
entbehren mssen. Am meisten hat sich die komische Oper aus diesen
Quellen bereichert. Des letztern "Ce qui plat aux dames" gab den Stoff
zu einem mit Arien untermengten Lustspiele von vier Aufzgen, welches
unter dem Titel "La fe Urgle", von den italienischen Komdianten zu
Paris, im Dezember 1765 aufgefhret w$
ndel nicht noch mehr verwickeln? Knnten
wir die guten Prinzen nicht noch in grere Verlegenheit setzen? Wir
wollen versuchen. Lat uns also weiter erdichten, da Rodogune den
Anschlag der Kleopatra erfhrt; lat uns weiter erdichten, da sie zwar
einen von den Prinzen vorzglich liebt, aber es ihm nicht bekannt hat,
auch sonst keinem Menschen es bekannt hat, noch bekennen will, da sie
fest entschlossen ist, unter den Prinzen weder diesen geliebtern, noch
den, welchem der Thron heimfallen drfte, zu ihrem Gemahle zu whlen, da
sie allein den whlen wolle, welcher sich ihr am wrdigsten erzeigen
werde; Rodogune mu gerchet sein wollen; mu an der Mutter der Prinzen
gerchet sein wollen; Rodogunme mu ihnen erklren: wer mich von euch
haben will, der ermorde seine Mutter!
Bravo! Das nenne ich doch noch eine Intrige! Diese Prinzen sind gut
angekommen! Die sollen zu tun haben, wenn sie sich herauswickeln wollen!
Die Muter sagt zu ihnen: wer von euch regieren will, der ermorde seine
Geliebte! Und die Geliebte$
tember 1767
So unstreitig wir aber, ohne die glckliche Wendung, welche Favart am
Ende dem Charakter der Roxelane gibt, ihre darauf folgende Krnung nicht
anders als mit Spott undVerachtung, icht anders als den lcherlichen
Triumph einer "Serva Padrona" wrden betrachtet haben; so gewi, ohne
sie, der Kaiser in unsern Augen nichts als ein klglicher Pimpinello,
und die neue Kaiserin nichts als eine hliche, verschmitzte Serbinette
gewesen wre, von der wir vorausgesehen htten, da sie nun bald dem
armen Sultan Pimpinello dem Zweiten noch ganz anders mitspielen werde:
so leicht und natrlich dnkt uns doch auch diese Wendung selbst; und wir
mssen uns wundern, da sie, demohngeachtet, so manchem Dichter nicht
beigefallen und so manche drollige und dem Ansehen nach wirklich komische
Erzhlung in der dramatischen Form darber verunglcken mssen.
Zum Exempel, "Die Matrone von Ephesus". Man kennt dieses beiende Mrchen,
und es ist unstreitig die bitterste Satire, die jemals gegen den weiblichen
Leichtsinn gema$
ierten Szene zu laufen hat und
ja den krzesten Weg nehmen mu, wenn er, acht Zeilen darauf, seine Tat
schon vollbracht haben soll.
[1] Dieses war zum Teil schon da Urteil unsers Schlegels. "Die Wahrheit
zu gestehen", sagt er in seinen Gedanken zur Aufnahme des dnischen
Theaters, "beobachten die Englnder, die sich keiner Einheit des Ortes
rhmen, dieselbe groenteils viel besser als die Franzosen, die sich
damit viel wissen, da sie die Regeln des Aristoteles so genau
beobachten. Darauf kmmt gerade am allerwenigsten an, da das Gemlde der
Szenen nicht verndert wird. Aber wenn keine Ursache vorhanden ist, warum
die auftretenden Personen sich an dem angezeigten Orte befinden und nicht
vielmehr an demjenigen geblieben sind, wo sie vorhin aren; wenn eine
Person sich als Herr und Bewohner eben des Zimmers auffhrt, wo kurz
vorher eine andere, als ob sie ebenfalls Herr vom Hause wre, in aller
Gelassenheit mit sich selbst oder mit einem Vertrauten gesprochen, ohne
da dieser Umstand auf eine wahrscheinliche W$
gleich alles nur Erzhlung
zu sein scheine.
[1] S. den 23. und 29. Abend
[2] "Observateur des Spectacles", Tome I. p. 211.
[3]  d'Alembert, p. 133.
[4]  d'Alembert, p. 78.
[5] "Essais de Litt. et de Morale", T. IV. p. 295.
[6] In der "Kritik der FCauenschule" in der Person des Dorante: Les
rcits eux-mmes y sont des actions suivant la constitution du sujet.
Vierundfunfzigstes Stck
Den 6. November 1767
Den dreiundvierzigsten Abend (dienstags, den 14. Julius) ward "Die
Mtterschule" des La Chausse, und den vierundvierzigsten Abend (als den
15.) "Der Graf von Essex" wiederholt.[1]
Da die Englnder von jeher so gern domestica facta auf ihre Bhne
gebracht haben, so kann man leicht vermuten, da es ihnen auch an
Trauerspielen ber diesen Gegenstand nicht fehlen wird. Das lteste ist
das von Joh. Banks, unter dem Titel "Der unglckliche Liebling, oder Graf
von Essex". Es kam 1682 aufs Theater und erhielt allgemeinen Beifall.
Damals aber hatten die Franzosen schon drei Essexe: des Calprende von
1638; des Boyer$
, ihren bittersten Unwillen zu erkennen."
Aus diesem Plane ist genugsam abzunehmen, da der "Essex" des Banks ein
Stck von weit mehr Natur, Wahrheit und bereinstimmung ist, als sich in
dem "Essex" des Corneille findet. Banks hat sich ziemlich genau an die
Geschichte gehalten, nur da er verschiedne Begebenheiten nher zusammen
gerckt, und ihnen einen unmittelbarem Einflu auf das endliche Schicksal
seines Helden gegeben hat. Der Vorfall mit der Ohrfeige ist ebensowenig
erdichtet, als der mit dem Ringe; beide finden sich, wie ich schon
angemerkt, in der Historie, nur jener weit frher und bei einer ganz
andern Gelegenheit; so wie es auch von diesem zu vermuten. Denn es ist
begreiflicher, da die Knigin dem Grafen den Ring zu einer Zeit ggeben,
da sie mit ihm vollkommen zufrieden war, als da sie ihm dieses
Unterpfand ihrer Gnade itzt erst sollte geschenkt haben, da er sich ihrer
eben am meisten verlustig gemacht hatte und der Fall, sich dessen zu
gebrauchen, schon wirklich da war. Dieser Ring sollte}sie er$
keine gerechtere hegen.--Rechtschaffen! So wirst Du ihn gewi
finden. Ich wollte fr ihn schwren; bei aller Deiner Herrlichkeit
fr ihn schwren, da er es nie aufgehret zu sein. Seine Seele ist
reiner als die Sonne, die Flecken hat und irdische Dnste an sich
ziehet und Geschmei ausbrtet.--Du sagst, er ist tapfer; und wer sagt
es nicht? Aber ein tapferer Mann ist keiner Niedertrchtigkeit fhig.
Bedenke, wie er die Rebellen gezchtiget; wie furchtbar er Dich dem
Spanier gemacht, der vergebens die Schtze seiner Indien wider Dich
verschwendete. (Sein Name floh vor Deinen Flotten und Vlkern vorher,
und ehe diese noch eintrafen, hatte fters schon sein Name gesiegt.
Die Knigin (beiseite). Wie beredt sie ist!--Ha! dieses Feuer, diese
Innigkeit,--das bloe Mitleid gehet so weit nicht.--Ich will es gleich
hren!--(Zu ihr.) Ud dann, Rutland, seine Gestalt--
Rutland. Recht, Knigin; seine Gestalt.--Nie hat eine Gestalt den
innern Vollkommenheiten mehr entsprochen!--Bekenn' es, Du, die Du
selbst so schn bist,$

mute. In seinem Lehrgedichte ber "die Kunst, neue Komdien zu machen",
dessen ich oben schon gedacht, jammert er genug darber. Da er sahe, da
es nicht mglich sei, nach den Regeln und Mustern der Alten fr seine
Zeitgenossen mit Beifall zu arbeiten: so suchte er der Regellosigkeit
wenigstens Grenzen zu setzen; das war die Absicht dieses Gedichts. Er
dachte, so wild und barbarisch auch der Geschmack der Nation sei, so
msse er doch seine Grundstze haben; und es sei besser, auch nur nach
diesen mit einer bestndigen Gleichfrmigkeit zu hande!ln, als nach gar
keinen. Stcke, welche die klassischen Regeln nicht beobachten, knnen
doch noch immer Regeln beobachten und mssen dergleichen beobachten,
wenn sie gefallen wollen. Diese also, aus dem bloen Nationalgeschmacke
hergenommen, wollte er festsetzen; und so ward die Verbindung des
Ernsthaften und Lcherlichen die erste.
"Auch Knige", sagt er, "knnet ihr in euern Komdien auftreten lassen.
Ich hre zwar, da unser weiser Monarch (Philipp der Zweite) die$
hrickt der Zuschauer, wenn Merope auf ihren eignen Sohn den Dolch
ziehet? Gewi nicht fr sich, sondern fr den Aegisth, dessen Erhaltung
man so sehr wnschet, und fr die betrogne Knigin, die ihn fr den
Mrder ihres Sohnes ansiehet. Wollen wir aber nur die Unlust ber das
gegenwrtige bel eines andern Mitleiden nennen: so mssen wir nicht nur
das Schrecken, sondern alle brige Leidenschaften, die uns von einem
andern mitgeteilet werden, von dem eigentlichen Mitleiden unterscheiden."--
[1] Im 13. Kapitel der "Dichtkunst".
[2] Hr. S. in der Vorrede zu S. "Komischen Theater", S. 35.
[3] "Philosophische Schriften" des Herrn Moses Mendel?sohn, zweiter
Fnfundsiebzigstes Stck
Den 19. Januar 1768
Diese Gedanken sind so richtig, so klar, so einleuchtend, da uns dnkt,
ein jeder htte sie haben knnen und haben mssen. Gleichwohl will ich
die scharfsinnigen Bemerkungen des neuen Philosophen de alten nicht
unterschieben; ich kenne jenes Verdienste um die Lehre von den vermischten
Empfindungen zu wohl; die wahre T$
et sein; und besonders hat man
uns Deutsche bereden wollen, da sie nur durch diese Regeln die Sufe der
Vollkommenheit erreicht habe, auf welcher sie die Bhnen aller neuern
Vlker so weit unter sich erblicke. Wir haben das auch lange so fest
geglaubt, da bei unsern Dichtern, den Franzosen nachahmen, ebensoviel
gewesen ist, als nach den Regeln der Alten arbeiten.
Indes konnte das Vorurteil nicht ewig gegen unser Gefhl bestehen. Dieses
ward, glcklicherweise, durch einige englische Stcke aus seinem
Schlummer erwecket, und wir machten ezndlich die Erfahrung, da die
Tragdie noch einer ganz andern Wirkung fhig sei, als ihr Corneille und
Racine zu erteilen vermocht. Aber geblendet von diesem pltzlichen
Strahle der Wahrheit, prallten wir gegen den Rand eines andern Abgrundes
zurck. Den englischen Stcken fehlten zu augenscheinlich gewisse Regeln,
mit welchen uns die franzsischen so bekannt gemacht hatten. Was schlo
man daraus? Dieses: da sich auch ohne diese Regeln der Zweck der
Tragdie erreichen lasse$
t kommen; und die naive Bauernsprache gibt allem eine
ganz eigene Wuerze. Die Uebersetzung ist von Kruegern, der das franzoesische
Patois in den hiesigen platten Dialekt meisterhaft zu uebertragen gewusst
hat. Es ist nur schade, dass verschiedenc Stellen hoechst fehlerhaft und
verstuemmelt abgedruckt werden. Einige muessten notwendig in der Vorstellung
berichtiget und ergaenzt werden. Z. E. folgende, gleich in der ersten Szene.
"Juerge. He, he, he! Giv mie doch fief Schillink kleen Geld, ik hev
niks, as Gullen un Dahlers.
Lise. He, he, he! Segge doch, hest du Schrullen med dienen fief
Schillink kleen Geld? wat wist du damed maaken?
Juerge. He, he, he, he! Giv mie fief Schillink kleen Geld, seg ik die.
Lise. Woto denn, Hans Narr?
Juerge. Foer duessen Jungen, de mie mienen Buendel op dee Reise bed in
unse Doerp dragen hed, un ik buen ganss licht und sacht hergahn.
Lise. Buest du to Foote hergahn?
Juerge. Ja. Wielt't veel kummoder is.
Lise. Da hest du een Maark.
Juerge. Dat is doch noch resnabel. Wo veel maakt'$
. Diesem
ganz gewiss betet er nach;--oder ist es nicht diesem, wenigstens dem
Welschen,--wo nicht gar dem Huronen. Von einem muss er es doch habn. Denn
dass ein Deutscher selbst daechte, von selbst die Kuehnheit haette, an der
Vortrefflichkeit eines Franzosen zu zweifeln, wer kann sich das
Ich rede von diesen meinen Vorgaengern mehr bei der naechsten Wiederholung
der "Rodogune". Meine Leser wuenschen aus der Stelle zu kommen; und ich
mit ihnen. Itzt nur noch ein Wort von der Uebersetzung, nach welcher
dieses Stueck aufgefuehret worden. Es war nicht die alte Wolfenbuettelsche
vom Bressand, sondern eine ganz neue, hier verfertigte, die noch
ungedruckt lieget; in gereimten Alexandrinern. Sie darf sich gegen die
beste von dieser Art nicht schaemen, und ist voller starken, gluecklichen
Stellen. Der Verfasser aber, weiss ich hat zu viel Einsicht und Geschmack,
als dass er sich einer so undankbaren Arbeit noch einmal unterziehen wollte.
Corneillen gut zu uebersetzen, muss man bessere Verse machen koennen, als er
-$
icht
schmerzt die Koenigin nicht weniger, als die Ueberzeugung, zu der sie durch
den ungluecklichen Brief von der Verraeterei des Grafen gelangt. Der Herzog
glaubt, nun auch sein Stillschweigen brechen zu muessen und der Koenigin
nicht laenger zu verbergen, was er in dem Zimmer der Blanca zufaelligerweise
angehoert habe. Der Kanzler dringt auf die Bestrafung des Verraeters, und
sobald die Koenigin wieder allein ist, reizen sie sowohl beleidigte Majestaet,
als gekraenkte Liebe, des Grafen Tod zu beschliessen.
Nunmehr bringt uns der Dichter zu ihm in das Gefaegnis. Der Kanzler koemmt
und eroeffnet dem Grafen, dass ihn das Parlament fuer schuldig erkannt und
zum Tode verurteilet habe, welches Urteil morgen des Tages vollzogen
werden solle. Der Graf beteuert seine Unschuld.
"Der Kanzler. Ihre Unschuld, Mylord, wollte ich gern glauben: aber so
viele Beweise wider Sie!--Haben Sie den Brief an den Roberto nicht
geschrieben? Ist es nicht Ihr eigenhaendiger Name?
Essex. Allerdings ist er es.
Der Kanzler. Hat der Herz$
e, nicht die Pistole in
Ihrer Hand? Gehoert die Pistole, auf der Ihr Name gestochen, nicht
Essex. Ich kann es nicht leugnen.
Der Kanzler. So sind Sie ja schuldig.
Essex. Das leugne ich.
Der Kanzler. Nun, wie kamen Sie denn dazu, dass Sie den Brief an den
Roberto schrieben?
Essex. Ich weiss nicht.
Der Kanzler. Wie kam es denn, dass der Herzog den verraeterischen
Vorsatz aus Ihrem eignen Munde vernehmen musste?
Essex. Weil es der Himmel so wollte.
Der Kanzler. Wie kam es denn, dass sich das moerderische Werkzeug in
Ihren Haenden fand?
Essex. Weil ich viel Unglueck habe.
Der Kanzler. Wenn alles das Unglueck, und nicht Schuld ist: wahrlich,
Freund, so spielst Ihne Ihr Schicksal einen harten Streich. Sie
werden ihn mit Ihrem Kopfe bezahlen muessen.
Essex. Schlimm genug."[3]
"Wissen Ihre Gnaden nicht", fragt Cosme, der dabei ist, "ob sie mich etwa
mit haengen werden?" Der Kanzler antwortet Nein, weil ihn sein Herr
hinlaenglich gerechtfertiget habe; und der Grafersucht den Kanzler, zu
verstatten, dass er die Blanc$
rcht nannte. Nicht als ob diese Furcht hier
eine besondere, von dem Mitleiden unabhaengige Leidenschaft sei, welche
bald mit bald ohne dem Mitleid, sowie das Mitleid bald mit bald ohne ihr,
erreget werden koenne; welches die Missdeutung des Corneille war: sondern
weil, nach seiner Erklaerung des Mitleids, dieses die Furcht notwendig
einschHiesst; weil nichts unser Mitleid erregt, als was zugleich unsere
urcht erwecken kann.
Corneille hatte seine Stuecke schon alle geschrieben, als er sich
hinsetzte, ueber die Dichtkunst des Aristoteles zu kommentieren[2]. Er
hatte funfzig Jahre fuer das Theater gearbeitet: und nach dieser Erfahrung
wuerde er uns unstreitig vortreffliche Dinge ueber den alten dramatischen
Kodex haben sagen koennen, wenn er ihn nur auch waehrend der Zeit seiner
Arbeit fleissiger zu Rate gezogen haette. Allein dieses scheinet er
hoechstens nur in Absicht auf die mechanischen Regeln der Kunst getan zu
haben. In den wesentlichem liess er sich um ihn unbekuemmert, und als er am
Ende fand, dass er w$
er Kraefte, so wie sie von
der Erfahrung gerechtfertiget werden und im gemeinen Leben stattfinden
koennen. Hierin haben Moliere, und vorihm Plautus, gefehlt; statt der
Abbildung eines geizigen Mannes, haben sie uns eine grillenhafte widrige
Schilderung der Leidenschaft des Geizes gegeben. Ich nenne es eine
grillenhafte Schilderung, weil sie kein Urbild in der Natur hat. Ich
nenne es eine widrige Schilderung; denn da es die Schilderung einer
einfachen unvermischten Leidenschaft ist, so fehlen ihr alle die Lichter
und Schatten, deren richtige Verbindung allein ihr Kraft und Leben
erteilen koennte. Diese Lichter und Schatten sind die Vermischung
verschiedener Leidenschaften, welche mit der vornehmsten oder
herrschenden Leidenschaft zusammen den menschlichen Charakter ausmachen;
und diese Vermischung muss sich in jedem dramatischen Gemaelde von Sitten
finden, weil es zugestanden ist, dass das Drama vornehmlich das wirkliche
Leben abbilden soll. Doch aber muss die Zeichnung der herrschenden
Leidenschaft so allgem$
chen. Das letztere aber, fuerchte ich, duerften wohl
nicht alle so seltsam finden; wenigstens nach der Praxis verschiedener
unserer besten komischen Schriftsteller und nach dem Beifalle zu
urteilen, welchen dergleichen Stuecke gemeiniglich gefunden haben. Es
liessen sich leicht fast aus allen charakteristischen Komoedien Beispiele
anfuehren. Wer aber die Ungereimtheit, dramatische Sitten nach abstrakten
Ideen auszufuehren, in ihrm voelligen Lichte sehen will, der darf nur Ben
Jonsons 'Jedermann aus seinem Humor'[2] vor sich nehmen; welches ein
charakteristisches Stueck sein soll, in der Tat aber nichts als eine
unnatuerliche und, wie es die Maler nennen wuerden, harte Schilderung einer
Gruppe von fuer sich bestehenden Leidenschaften ist, wovon man das Urbild
in dem wirklichen Leben nirgends findet. Dennoch hat diese Komoedie immer
ihre Bewunderer gehabt; und besonders muss Randolph von ihrer Einrichtung
sehr bezaubert gewesen sen, weil er sie in seinem 'Spiegel der Muse'
ausdruecklich nachgeahmet zu haben sc$
elche sich namentlich bei
blonden und rothaarigen Menschen, unter der Einwirkung des
Sonnenlichts und der Sonnenwrme, der Feuchtigkeit und des
Windes an den unbedeckten Stellen der Haut bilden. Die S. beruhen
auf der Ablagerung eines brunlichen Pigments in den
oberflchlichen Hautschichten. Whrend des Win-
Sommerthrchen - Son.
ters blassen sie ab oder verschwinden auch ganz. Durch Mittel,
welche eine Abstoung der Epidermis mit Einschlu ihrer
tiefern pigmenthaltigen Schichten bewirken, kann man die S.
vertreiben; sie kehren aber nach wenigen Wochen wieder, wenn die
Haut von neuem den erwhnten Schdlichkeiten ausgesetzt
wird. Auf diese Weise wirken die Lilionese und Umschlge mit
einprozentiger Lsung von Sublimat (Quecksilberchlorid,
hchst giftig!). Man lt diese Umschlge nur
einige Stunden lang wirken und sorgt dafr, da die mit
der Sublimatlsung befeuchteten Leinwandlppchen keine
Falten schlagen. Zeigt sich die Haut hiernach strker
entzndet, so bedeckt man sie mit in l getrnkten
Sommerthr$
m Malen etc.
Sonnenburg, Stadt im preu. Regierungsbezirk
Frankfurt, Kreis Oststernberg, an der Lenze und dem Warthebruch,
hat eine evang. Kirche, ein Schlo aus dem 16. Jahrh. (einst
Sitz eins Johanniter-Herrenmeisters, jetzt Sitz des neuen
preuischen Johanniterordens), ein Johanniterkrankenhaus,
eine Strafanstalt, ein Amtsgericht, Seidenweberei, Filzfabrikation,
eine Bilderrahmen-, eine Messingstift- und eine
Blechemballagenfabrik, Ziegelbrennerei, Dampfmhle und (1885)
6226 meist evang. Einwohner.
Sonnendarre, s. Samendarre.
Sonnendistel, s. Carlina.
Sonnenfackeln, s. Sonne, S. 29.
Sonnenfels, Joseph von, Schriftsteller, geb. 1732 zu
Nikolsburg in Mhren, besuchte die dortige Schule der
iaristen und wollte Mnch werden, whlte aber den
Soldatenstand und diente fnf Jahre im Deutschmeisterregiment
zu Klagenfurt und Wien, wo er seine Entlassung nahm. Hierauf
beschftigte er sich in Wien mit Rechtsstudien und arbeitete
als Gehilfe bei einem hhern Justizbeamten. Zugleich suchte er
die Wiener mit der neuern $
sinen aus den Provinzen Alicante (Denia) und Malaga ins Ausland,
hauptschlich nach England und Nordamerika, gefhrt
(1886: 384,460 metr. Ztr.). Die hervorragendsten Futterkruter
sind Luzerne und Esparsette. Eigentliche Wiesen gibt es nur in den
nrdlichen Provinzen und in den hhern Gebirgsgegenden.
Viel ausgedehnter ist das Weideland in solchen Strecken, welche
auch zum Ackerbau oder zur Forstkultur geeignet wren, jedoch
vorzugsweise zur Zucht von Schafen dienen, wie in Estremadura,
Niederandalusien, Aragonien, Altkastilien und Leon.
Von groer Bedeutung ist die Viehzucht. Man zhlte
1878 in S. 460,760 Pferde, 941,653 Maultiere, 890,982 Esel,
2,353,247 Rinder, 16,939,288 Schafe, 3,813,006 Ziegen, 2,348,602Schweine. Die frher so berhmte, dann in Verfall
geratene Pferdezucht hat einen neuen Aufschwung genommen. Die
besten Pferde sind die andalusischen und unter diesen wieder die
von Cordova. Indessen reicht die Zahl der gezchteten Pferde
fr den Bedarf des Landes nicht aus. Auf die Zucht der
Maultiere u$
hat
dieselbe in neuester Zeit einen bedeutenden Aufschwung genommen.
Die industriellsten Provinzen sind: Barcelona, Gerona, Tarragona,
Guipuzcoa und Viscaya, nchst diesen Valencia, Murcia,
Alicante, Almeria, Granada, Sevilla, Malaga, Galicien, Asturien,
Santander, Madrid und Ciudad Real. Was die einzelnen
Industriezweige betrifft, so wirdo die Verfertigung von Eisen- und
Stahlwaren am ausgedehntesten in Katalonien, in den baskischen
Landschaften und in den Provinzen Malaga und Sevilla betrieben.
Guten Ruf hat das Land in der Erzeugung von Handwaffen, wofr
Fabriken zu Toledo, Oviedo und Plasencia (Guipuzcoa) bestehen;
berhmt sind insbesondere die Klingen von Toledo. Ein
groes Etablissement ist auch die Nationalfabrik zu Trubio
(Oviedo) fr Eisenguwaren und Artilleriematerial. Neben
den Eisenwaren produziert S. viel Kupfer- und Bleiwaren, Messing
namentlich zu San Juan de Alcaraz (Provinz Albacete), Bronzewaren
zu Barcelona, Eibar (Guipuzcoa) und in Navarra, Schmucksachen und
Filigranarbeiten. Der Maschin$
h zum deutschen
Kaiser (Karl V.) gewhlt wurde und deshalb schon 1520 Spanien
wieder verlie, brach der Aufstand der Comuneros aus, welcher
sich die Verteidigung der volkstmlichen Institutionen
Spaniens gegen die absolutistischen Gelste Karls und seiner
niederlndischen Rte zum Ziel setzte. Als die Comuneros
aber einen durchaus demokratischen Charakter annahmen und, seitdem
sie siegreich um sich griffen, eine vllige Umwlzung der
Dinge anstrebten, wurden sie durch den Sieg des Adelsheers bei
Villalar (21. April 1521) und durch die Hinrichtung ihres
Fhrers Padilla unterdrckt. Karl V. erlie zwar
nach seiner Rckkehr (Juli 1522) eine allgemeine Amnestie,
benutzte aber den durch die Bewegung erregten Schrecken des Adels
und der Stdte, um, ohne die Formen und Institute der alten
Volksfreiheit geradezu zu beseitigen, doch sie so eng zu begrenzen,
da die Cortes zu einem Widerstand gegen den Willen der Krone
unfhig wurden, der Adel in einer bertriebenen
Loyblitt seine erste Pflicht sah und auch das Volk $
ez. 1808) dem Kampf den fr die
Franzosen so verderblichen Charakter des kleinen Kriegs. In diesem
kamen die Vorzge der Spanier, verwegener Mut, unbndige
Leidenschaftlichkeit und groe Ausdauer in Strapazen und
Entbehrungen, recht zur Geltung; die fortwhrenden khnen
Unternehmungen der Guerillas rieben die Krfte der Franzosen
auf und entrissen ihnen die Frchte ihrer Siege im offenen
Felde. Die Franzosen siegten 27. Mrz 1809 bei Ciudad Real,
28. Mrz bei Medellin, und die Zentraljunta mute nach
Sevilla flchten. Zwar wurde Soult im Mai 809 von Wellington
aus Portugal vertrieben und mute Galicien und Asturien
rumen, worauf Wellington in S. eindrang und die Franzosen 27.
und 28. Juli bei Talavera schlug; doch mute er sich vor
einem neuen franzsischen Heer nach Portugal
zurckziehen, und der spanische General Vanegas wurde 11. Aug.
bei Almonacid, der englische General Wilson in den Engpssen
bei Baros geschlagen. Im Januar 1810 waren die Franzosen Herren von
Andalusien, und nach der Einnahme von Ciuda$
 festsetzte. Knig Karl II.
ernannte den bayrischen Prinzen testamentarisch zu seinem
Nachfolger in allen damals spanischen Landen. Als letzterer 6.
Febr. 1699 pltzlich starb, schlossen Wilhelm III. und Ludwig
XIV. (2. Mrz 1700) einen neuen Teilungsvertrag, wonach der
Erzherzog Karl die spanische Krone, Philipp von Anjou Neapel,
Sizilien, Guipuzcoa und Mailand erhalten sollte. Da aber Leopold I.
diesem Vertrag seine Zustimmung verweigerte, so hielt sich auch
Ludwig XIV. nicht an ihn gebunden. Am Hof zu Madrid wirkte der
kaiserliche Gesandte Graf Harrach fr den Erzherzog Karl, dr
franzsische Gesandte Marquis v. Harcourt fr Philipp von
Anjou. Letzterer trug endlich den Sieg davon, denn Karl II. setzte
durch Testament vom 2. Okt. 1700 Philipp von Anjou zum Erben der
gesamten spanischen Monarchie ein. Nach Karls II. Tod (1. Nov.
1700) ergriff Philipp V. sofort Besitz von dem spanischen Thron und
zog schon 18. Febr. 1701 in Madrid ein. Anfangs erhoB nur Kaiser
Leopold Protest hiergegen und traf Anstalt zum Be$
e Entladung des
Induktionsapparats mittels der eingeschmolzenen Drhte a und b
durch eine sogen. Geilersche Spektralrhre (Fig. 6)
gehen, welche das Gas in verdnntem Zustand enthlt.
Befindet sich z. B. Wasserstoffgas in der Rhre, so leuchtet
ihr mittlerer enger Teil mit schn purpurrotem Lichte, dessen
Spektrum aus drei hellen Linien besteht, einer roten, welche mit
der Fraunhoferschen Linie C, einer grnblauen, die mit F, und
einer violetten, die nahezu mit G zusammenfl8lt. Viel
komplizierter ist das Spektrum des Stickstoffs, welches aus sehr
zahlreichen hellen Linien und Bndern besteht.
Eine wichtige technische Anwendung hat die S. bei der
Gustahlbereitung durch den Bessemer-Proze gefunden.
Die aus der Mndung drs birnfrmigen Gefes,
in welchem dem geschmolzenen Gueisen durch einen
hindurchgetriebenen Luftstrom ein Teil seines Kohlenstoffs entzogen
wird, hervorbrechende glnzende Flamme zeigt im Spektroskop
ein aus hellen farbigen Linien bestehendes Spektrum, welches im
Lauf des Prozesses sich n$
ine Entlassung. Im neuen Gladstoneschen Kabinett (1880-85)
erhielt er erst das Amt eines Prsidenten des Geheimen Rats,
dann 1882 das des Vizeknigs von Irland und bernahm 1886
auf kurze Zeit wieder das Prsidium des Geheimen Rats.
5) Herbert, engl. Philosoph, geb. 1820 zu Derby, wurde von
seinem Vater, einem Lehrer der Mathematik, und seinem Oheim Thomas
S., einem liberalen Geistlichen, erzogen, zuerst Zivilingenieur,
sodann Journalist und (von 1848 bis 1859) Mitarbeiter an dem von J.
Wilson herausgegebenen "Economist", an- der "Westminster" und
"Edinburgh Review" und andern Zeitschriften, endlich
philosophischer Schriftsteller und Begrnder eines eignen
Systems, das er als Evolutions- oder Entwickelungsphilosophie
bezeichnete. Seine erste bedeutende Schrft war eine Statistik der
Gesellschaft unter dem Titel: "Social statics" (1851, 1868) nebst
einem Auszug daraus: "State education self defeating" (1851),
welcher die "Principles of psychology" (1855) folgten; 1860 begann
er nach dem Vorbild von Comtes "Cour$
 am Fu angebrachten
Kegelrder k in Umdrehung versetzt werden und dadurch dem Garn
Draht geben. Indem das Garn zugleich durch den hohlen
Flgelarm d und den Finger f auf die Spule e geleitet und
letztere um die Spindel vermittelst schiefer Kegelrder i
gedreht wird, wickelt es sich auf die Spule, welche aus einem
hlzernen Rohr besteht und behufs regelmiger
Bewickelung mit der sogen. Spulenbank (Wagen) g innerhalb der
Flgel auf und ab steigt, bis sie gefllt ist, um nach
Abhben des Flgels von der Spindel abgezogen u. der
nchstfolgenden Maschine bergeben zu werden. Ein sehr
sinnreicher, aber komplizierter Mechanismus mit
Differenzialrderwerkq (Differenzialflyer) regelt die
Aufwickelbewegung, welche sich nach jeder Garnschicht ndern
mu. - Nachdem das Vorgarn den letzten (Fein-) Flyer etwa in
der Dicke eines gewhnlichen Bindfadens verlassen hat,
empfngt dasselbe die endgltige Streckung und Drehung
zur Verwandlung in Garn auf den Feinspinnmaschinen, die entweder
nach dem Prinzip des Spinnrades oder d$
l fr
Streichinstrumente allein als mit Klavier. Den grten
und verdientesten Erfolg aber haben die speziell fr sein
Instrument geschriebenen Werke gehabt, und seine 15 Violinkonzerte,
darunter namentlich das 7., 8. ("in Form einer Gesangsszene") und
9., sowie seine Violinduette, endlich seine groe
Violinschule stehen noch heute an klassischem Wert
unbertroffen da. Vgl. Spohrs "Selbstbiographie"
(Gtting. 1860-61, 2 Bde.; bis 1838 von ihm selbst geschrieben
und von da bis zu seinem Tod von den Angehrigen
ergnzt); v. Wasielewski, Die Violine und ihre Meister (2.
Aufl., Leipz. 1883); Malibran, Louis S., sein Leben und Wirken
(Frankf. a. M. 1860); Schletterer, Louis S. Leipz. 1881).
Spl, Flu, s. Livigno (Val di).
Spoleto, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Perugia
(Umbrien), an der Eisenbahn om-Foligno-Ancona, auf einem
Hgel (dem Krater eines erloschenen Vulkans) unfern der
reienden Maroggia, ber deren Thal ein 69 m hoher, 209
m langer Aqudukt mit altem Brckenweg fhrt, hat
ein schnes Kastell (je$
der Stammvater der Grafen von Sayn und
Wittgenstein (s. d.). Bei dem Aussterben der Kreuznacher Linie 1416
fiel ein Fnftel der Grafschaft an Kurpfalz, vier Fnftel
an die Starkenburger Grafen. Als auch diese 1437 ausstarben, fielen
ihre Besitzungen an Baden und die Pfalz. Nach langwierigen
Streitigkeiten mit der Pfa0z wurde im Teilungsvertrag von 1708
Birkenfeld an Pfalz-Zweibrcken berwiesen, fiel jedoch
1776 an Baden zurck, whrend Kreuznach bei Kurpfalz
verblieb. 1801 kam die ganze Grafschaft an Frankreich, 1814 an
Preuen, das 1817 einen Teil davon, das Frstentum
Birkenfeld, an Oldenburg abtrat.
Sponsalien (lat.), s. Verlbnis.
Sponsieren (lat.), liebeln, um ein Mdcen werben,
buhlen; Sponsierer, Freier, Buhler.
Sponsor (lat.), Brge; auch s. v. w. Pate.
Sponsus (lat.), Brutigam; Sponsa, Braut.
Spontan (lat.), von selbst, ohne uere
Einwirkung erfolgend; daher Spontaneitt,
Selbstthtigkeit, das Vermgen, von selbst und nicht
infolge besonderer Anregung thtig zu sein.
Spontini, Gasparo, Komponist, $
a.; ferner in deutscher Sprache: "Das Leben und die Lehre des
Mohammed" (Berl. 1861-65, 3 Bde.); "Post- und Reiserouten des
Orients" (Leipz. 1864); "Die alte Geographie Arabiens als Grundlage
der Entwickelungsgeschichte des Semitismus" (Bern 1875) und
"Babylonien, das reichste Land in der Voreit und das lohnendste
Kolonisationsfeld" (Heidelb. 1886).
Sprenggelatine, s. Nitroglycerin.
Sprenggeschosse, s. Explosionsgechosse.
Sprengglas, s. v. w. Glasglanz.
Sprenggummi, s. v. w. Sprenggelatine, s.
Nitroglycerin.
Sprengkultur, s. Sprengen, S. 188.
Sprengling, Fisch, s. sche.
Sprengmrser, s. v. w. Petarde.
Sprengl, Nobelsches, s. v. w. Nitroglycerin.
Sprengpulver, s. Schiepulver, S. 453.
Sprengsel, s. v. w. Heuschrecke.
Sprengstoffe, Substanzen, welche durch Erwrmung,
Sto oder Druck pltzlich mehr oder weniger
vollstndig aus dem starren oder flssigen in den
gasfrmigen Zustand bergehen (s. Explosivstoffe) und
durch den dabei sich entwickelnden Gasdruck in der Nhe
befindliche Krper zertrmmern oder fortsc$
asser gefllt ist, giet man auch
in das schsselfrmige Ges Wasser, welches
nun in das untere Gef abfliet, dadurch aber die
Luft in diesem und im mittlern Gef
zusammendrckt, so da aus diesem ein Wasserstrahl
emporsteigen mu.
Springe (Hallerspringe), Kreisstadt im preu.
Regierungsbezirk Hannover, am Ursprung der Haller und an der Linie
Hannover-Altenbeken der Preuischen Staatsbahn, 113 m .
M., hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, eine
Oberfrsterei, Teppich- und Wattefabrikation, Spinnerei,
Ziegelei und (1885) 2700 Einw. In der NheFein kaiserlicher
Saupark mit Jagdschlo; auf dem Ebersberg die "Deisterpforte"
mit Aussichtsturm.
Springen, eigetmliche Art der Fortbewegung des
Krpers, bei welcher der Krper vermittelst der
Wadenmuskulatur energischer vom Boden abgestoen wird und
lngere Zeit frei in der Luft schwebt als beim Laufen. Der
Krper erhlt beim S. durch die krftige
Zusammenziehung der Wadenmuskeln eine Wurfbewegung, bei welcher der
Schwerpunkt des Krpers eine parabolische Linie $
 eine kath. Kirche, 2 Waisenhuser, ein
Amtsgericht, Maschinenfabrikation, Schiffahrt, Speditionshandel und
(1885) 3449 meist kath. Einwohner.
Stadtausschu, s. Stadtkreis.
Stadtbahn, entwed(r das durch die Straen einer
Stadt gelegte, zum Befahren mit Pferdewagen oder
Straenlokomotiven bestimmte Schienennetz (s.
Straeneisenbahn) oder die zur Vermittelung des Lokalverkehrs
und durchgehenden Eisenbahnverkehrs durch eine Stadt gefhrte
Lokomotiveisenbahn.
Stadtberge, Stadt, s. Marsberg.
Stadtbcher, s. Grundbcher.
Stdtebnde, die Verbindungen der Stdte
im Mittelalter zur Verteidigung ihrer Freiheiten gegen
frstliche Herrschaftsansprche und in den Zeiten des
Faustrechts zum Schutz ihres Handels und Verkehrs: so bildete sich
in Italien der Lombardische Stdtebund gegen Kaiser Friedrich
I., in Deutschland im 14. Jahrh. der Rheinische und der
Schwbische Stdtebund, in Norddeutschland vor allem die
Hansa (s. d.), in Preuen im 15. Jahrh. der
Westpreuische Stdtebund u. a.Stdteordnung, die fr Stdte im Ge$
Auf dem
Isthmus liegt die Stadt S., mit Bergschlo und 1500 Einw. Im
Altertum hie die Insel Astypala.
Stampfbau, s. Pisee.
Stampfen, die oszillierende Bewegung eines Schiffs um
seine Querachse, bei welcher Bug und Heck abwechselnd aus- und
Stmpfli, Jakob, schweizer. Staatsmann, geb. 1820 zu
Schupfen i Kanton Bern, widmete sich zu Bern juristischen Studien,
ward 1843 Advokat und trat 1845 als Redakteur der "Berner Zeitung",
des Organs der radikalen Partei, in Opposition zu der
gemigt liberalen Fraktion, welche damals am Ruder war.
In dem auf seinen Betrieb berufenen Verfassungsrat fhrte er
neben Ochsenbein die Hauptstimme. Im Juli 1846 in den Regierungsrat
berufen, bernahm er die Leitung der Finanzen und fhrte
direkte Besteuerung, Aufhebung aller Feudallasten und
Zentralisation des Armenwesens durch. 1849 wurde er
Regierungsprsident, mute aber 1850 beim Sturz der
radikalen Partei ins Privatleben zurcktreten. 1849 von seinem
Kanton in den schweizerischen Stnderat und 1850 in den
Nationalrat gewhlt$
en Abschnitten der
Abscissenachse die zugehrigen Gren aufgetragen
werden. Hierfr knnen aneinander gereihte Flchen
fr jede Einheit gewhlt werden, wenn die nderungen
der Gren keine stetigen sind. Statt dessen trgt
man aber auch wohl Linien auf die betreffenden PunAkte der Abscissen
auf und verbindet deren Endpunkte miteinander durch eine besondere
Linie, welche eine Leitung fr das Auge bilden soll. Alsdann
kann auch die Ordinatenlinie selbst gespart werden. Die
Leitungslinie wird zur regelmig verlaufenden Kurve,
sobald die nderungen stetige sind. Auf einem und demselben
Blatt knnen mehrere derartige Kurven aufgetragen werden,
voneinander durch Farbe, Punkte, Striche, Kreuze etc.
unterschieden, was eineqVergleichung verschiedener Reihen
erleichtert. Das einfache Flchendiagramm gibt eine
statistische Gre in einer Flche (Rechteck,
Dreieck) wieder, indem Unterabteilungen (z. B. mnnliches
Statistische Gebhr - Statuten.
weibliches Geschlecht, Altersklassen) in der oben erwhnten
Weise kenntlich$
eben uralte heilige Steine und
Opfersttten der Araber und Juden waren, vielleicht seit
Steindrossel - Steine, knstliche.
tausenden vor dem Auftreten Mohammeds. Aber gerade der mystische
Reiz, welcher in der Verehrung des rohen Naturidols liegt,
fhrte zu den tollsten bertreibungen in dieser
Kultusform. Theophrast schildert im 4. Jahrh. v. Chr. den Typus des
aberglubischen Griechen, der immer sein Salbflschchen
bei sich fhrt, um jedem heiligen Stein, dem er auf der
Strae begegnet, l aufzutrufeln, dann davor
niederzufallen und ihn anzubeten, ehe er seines Wegs weiter
schreitet. Die Kirchenvter (Arnobius, Tertullian u. a.)
machen sich lustig ber diesen Gebrauch der Heiden, Steine zu
salben und anzubeten; aber sie vergessen, da dies ene gut
biblische Sitte war, die auch Jakob, der Erzvater, bei jenem Stein
bte, der ihm als Kopfkissen gedient hatte. Noch Heliogabal
brachte das schwarze Steinidol des syrischen Sonnengottes unter
groer Feierlichkeit nach Rom und errichtete ihm einen durch
orientalisch$
orderten Steuer,
jeder Verlngerung einer nur periodisch oder auf einen
bestimmten Zeitraum eingefhrten Steuer, jeder Erhhung
oder Abnderung bestehender Steuern die Zustimmung versagen zu
knnen und in dem beweglichen Teil der Staatsausgaben die von
der Regierung geforderten Betrge im einzelnen abzusetzen oder
zu streichen. Je nach der Richtung, in welcher diese Befugnisse
ausgebt werden, spricht man von einer Bewilligung oder
Verweigerung der Steuern. Diese beiden Rechte sind offenbar
Korrelate: man kann nur bewilligen, was man auch verweigern
drfte. Die meisten Verfassungen enthalten gegenwrtig
die Bestimmung, da alle Einnahmen und Ausgaben des Staats
jhrlich auf den Staatshaushaltsetat gebracht und dort
bewilligt werden mssen. Infolgedessen kann ein
Steuerbord - Steuern.
Widerspruch zwischen einem Gesetz und einem
Geldbewilligungsbeschlu entstehen und damit ein Konflikt,
dessen Lsung nicht durch eine Interpretation de geltenden
Rechts herbeigefhrt, sondern der als eine Machtfrage
behandelt wi$
ei in die Hhe zu ziehen (s. Erdrosselung). Das S. war
frher bei den Trken die gewhnliche Todesstrafe
und geschah bei den Vornehmen meist mittels einer ihnen
berschickten seidenen Schnur.
Strangurie (griech.), s. Harnzwang.
Stranitzky, Joseph Anton, Schauspieler und
Theaterprinzipal, geb. 10. Sept. 1676 zu Schweidnitz i. Schl.,
studierte zu Breslau und Leipzig, begleitete daraus einen
schlesischen Grafen auf einer Reise nach Italien und ging nach
seiner Rckkehr zur Bhne ber. Im J. 1706 tauchte
er in Wien auf, pachtete 1712 das Stadttheater am Krntnerthor
und wirkte hier bis zu senem Tode, der am 19. Mai 1727 erfolgte.
S. war der berhmteste Hanswurst seiner Zeit, ein Meister im
Extemporieren und bei aller Derbheit reich an echter Komik. Er
hatte aus Italien eine Menge von Szenen und Entwrfen
mitgebracht, aus denen er Stcke zusammensetzte, die zum Teil
auch gedruckt wurden, und verffentlichte unter dem Titel:
"Ollapatrida des durchgetrieb9enen Fuchsmundi" (1722) eine Sammlung
dramatischer Skizzen (d$
 Lager mit den Klemmschrauben f und g,
welche die Poldrhte aufnehmen, in Verbindung, whrend
die Klemmschrauben h und i, in welche die Enden der Leitung r
geklemmt werden, auf den Messingblechstreifen k und l, die gegen
die Walze federn, leitend aufgesetzt sind. Wird die Walze mittels
des Knopfes so gedreht, da d mit k, e mit l in
Berhrung sind, so ist die Bahn des Stroms g b e l i r h k d a
f; stellt man die Walze aber so, da d gegen l und e gegen k
federn, so kehrt sich der Strom um, indem er jetzt den Weg g b e k
h r i l d a f einschlgt. Berhren die Messingwlste
die Blechstreifen nicht, so ist der Strom unterbrochen. Vgl.
Magnetelektrische Maschinen.
Stromzlle, s. Zlle.
Strongyliden (Strongylidae), Famiie der Nematoden oder
Fadenwrmer, fadenfrmige Eingeweidewrmer mit
rundlichem Krper, endstndiger, von Papillen umgebener,
bald enger, bald klaffender Mundffnung und am Hinterleibsende
im Grund einer schirm- oder glockenfrmigen Tasche liegender
mnnlicher Geschlectsffnung. Der Palisfadenwurm
($
d. Das erstere, das sich von der
See aus etwa 130 km weit landeinwrts erstreckt, ist niedrige
Ebene und besteht grltenteils aus Pine Barrens,
unterbrochen von Smpfen und Savannen; es gehren zu ihm
die sogen. Sea Islands, vom Festland durch Fluarme
abgetrennte Inseln. Das Mittelland, in der Breite von 50-70 km,
besteht hauptschlich aus Sandhgeln; das Oberland
dagegen, im W., ist ein ziemlich steil aufsteigendes romantisches
Hochlanxd, aus dem sich die Berge der Blue Ridge bis zur Hhe
von 1220 m erheben. Noch 60 Proz. des Staats sind bewaldet,
vorwiegend mit Fhren. Die Hauptflsse sind: der Great
Pedee (Yadkin), Santee, Ashley, Edisto und Savannah, der
Grenzflu gegen Georgia. Die mittlere Jahrestemperatur bewegt
sich zwischen 15 und 20 C., und es fallen 1200-1500 mm Regen.
S. hat ein Areal von 78,616 qkm (1609,4 QM.) mit (1880) 995,577
Einw., worunter 604,332 Farbige. Die Schulen wurden 1886 von
183,966 Kindern besucht; 21 Proz. der ber 10 Jahre alten
Weien und 78 Proz. der Farbigen sind des Schre$
 ganz den Niederlndern
unterworfen. Sie teilen dieselbe administrativ ein wie folgt:
QKilom. QMeilen Bevlkerung 1885
Gouvernement Westkste 121171 2200,6 1192661
Benkulen 25087 455,6 149923
Lampongsche Distrikte 26155 475,0 118889
Palembang 140873 2558,4 627914
Ostkste 42321 768,6 171399
Atschin 51098 928,0 544634
nter dieser gezhlten Bevlkerung von 2,805,420
Seelen, welche gegen die oben angefhrte Berechnung um 1 Mill.
zurcksteht, wurden 3944 Europer, 62,053 Chinesen und
2549 Araber ermittelt. berall, wohin die Macht der
Hollnder reicht, sind seit 1876 Sklaverei und Leibeigenschaft
aufgehoben worden. S. ward den Europern durch den Portugiesen
Lopez de Figueira 1508 zuerst bekannt. Die Portugiesen errichteten
daselbst Handelsfaktoreien, wurden aber zu Ende des 16. Jahrh. von
den Hollndern verdrngt, die 1620 auf der Insel festen
Fu faten. Neben dem Sultan von Bantam auf Java hatte
damals der Herrscher von Atschin (Atjeh) die meiste Macht auf S.
Zwischen 1659 und 1662 gelang es den Niederlndern$

abgetrocknet ist, worauf es zerkleinert und gesiebt wird.
Namentlich bei Verarbeitung von Phosphoriten mssen die
Behlter mit einem hlzernen Mantel bedeckt werden, um
Dmpfe von Chlor- und Fluorwasserstoffsure in die Esse
leiten zu knnen. Mineralische Phosphate werden viel leichter
aufgeschlossen, wenn man 7-10 Proz. der Schwefelsure durch
Salzsure ersetzt oder Kochsalz hinzufgt. Husig
mischt manauch das S. mit stickstoffhaltigen Substanzen, wie
schwefelsaurem Ammoniak oder Chilisalpeter, ferner Horn, Leder,
Lumpen, welche gedmpft und dann gemahlen werden, auch mit
Leimbrhe vom Dmpfen der Knochen etc. Vgl. Marek,
ber den relativen Dngewert der Pcosphate (Dresd.
Superporte (neulat., ital. soprapporto), ein ber
einer Zimmerthr angebrachtes, mit dieser gleich breites, aber
niedriges Bild in Malerei, Stuck, Weberei etc.; besonders bei den
Dekorateuren des Barock- und Rokokostils beliebt.
Superrevision (lat.), nochmalige Prfung.
Supersedeas (lat., "la ab"), in England Befehl,
das Verfahren einzu$
und daher
leicht zu Verwechselungen Anla geben; die Frage, welche von
beiden Geschwrsformen vorliegt, wird oft erst durch die
sptern Folgezustnde sicher entschieden. Whrend
bei einfachen Geschwren der Verlauf meist ein schneller ist,
das Geschwr bei guter Reinhaltung rasch heilt, hchstens
zur Bildung schmerzhafter Schwellungen der Leistendrsen
fhrt, so stellt sich beim syphilitischen Geschwr
langsame schmerzlose Schwellung der Nachbardrsen ein, welche
den bertritt des Gifts ins Blut anzeigt und nun die
sekundren Erscheinungen einleitet; man nennt diese
geschwollenen Lymphdrsen indolente Bubonen. In ihrem nun
folgenden sekundren Stadium, in welchem der Krper mit
dem Gift als durchseucht gedacht wird (daher konstitutionelle S.),
treten gewhnlich etwa zwei Monate nach der Ansteckung sehr
mannigfache Hautausschlge auf, welche in Form von Flecken,
Kntchen, Schuppenwucherung, nssenden Entzndungen
auftreten und als Syphilid en zusammengefat werden. Sie
verursachen hchst selten das Gefhl vo$
ten, die
zur See ankamen, besonders von den Vandalen, 884 aber von den
Sarazenen geplndert. Kaiser Heinrich VI. schenkte 1194 die
den Genuesen, die ihm gegen Tankred beigestanden hatten; doch
befreiten sich die Syrakusier mit Hilfe der Pisaner bald wieder. S.
kam hierauf unter spanische Herrschaft und ward Residenz des
Statthalters. Infolge einer Seeschlacht, die bei S. 1718 zwischen
den Englndern und Spaniern geschlagen wurde, muten die
letztern die Stadt den sterreichern einrumen, bekamen
aber 1755 die Insel Sizilien wieder. 1100,1542, 1693und 1735 litt
S.bedeutend durch Erdbeben. Vgl. Arnold, Geschichte von S. (Gotha
1816); Privitera, Storia di Siracusa
antica e moderna (Neap. 1879, 2 Bde.); Cavallari u. Holm,
Topografia archeologica di Siracusa (Pal. 1884; deutsch bearb. von
Lupus: "Die Stadt S. im
Altertum", Straq. 1887).
Syrdarja, Flu, s. Sir Darja.
Syria Dea, Gttin, f. Derketo.
Syrien (trk. Suria), ein Land der asiat.
Trkei, an der Ostkste des Mittellndischen Meers,
bezeichnete ursprnglic$
ichen
Hemisphre der Erde die Tage immer lnger, und fr
die Orte zwischen quator und Polarkreis (66 1/2 Br.)
erreicht der T. seine grte Dauer, wenn die Sonne im
Wendekreis des Krebses steht (Sommersolstitium). Von da nimmt die
Tageslnge wieder ab, erreicht den Wert von 12 Stunden im
Herbstanfang und den kleinsten Wert (24 Stunden weniger des
lngsten Tags), wenn die Sonne im Wendekreis des Steinbocks
steht (Wintersolstitium). woraf er wieder wchst. Fr
die sdliche Erdhalbkugel agegen tritt der lngste T.
ein, wenn die Sonne im Wendekreis des Steinbocks, der
krzeste, wenn sie im Wendekreis des Krebses steht. Die
Gre t des halben Tagbogens fr den lngsten
T. in der Breite f erhlt man aus der Formel cos t=-tan f.tan
23 1/2; je 15 Bogengrade entsprechen einer Stunde. Es ergeben sich
auf diese Weise folgende Werte:
Breite f Tagbogen 2t Lngster Tag
0 180 0,0' 12 Stunden 0 Minuten
5 184 21,0' 12 Stunden 18 Minuten
10 188 50,5' 12 Stunden 35 Minuten
15 193 21,2' 12 Stunden 53 Minuten
20 198 1$
icht "I due pellegrini" (Neap. 1631).
Die Ausgabe seiner "Opere" (Vened. 1738) enthlt die beiden
letztgenannten Gedichte und seine "Rime Varie", unter welchen sich
viele gute befinden. Spter wurden aus Handschriften
publiziert die beiden Lehrgedichte: "La balia" (Vercelli 1767,
Vened. 1797) und "Il podere" (Tur. 1769, Parma 1797), welch
letzteres zu den besten seiner Gattung in der italienischen
Litteratur gehrt, sowie verschiedene "Capitoli" (Vened.
Tansimat,s. Tanzimat.
Tanta, Hauptstadt der gypt. Provinz Garbieh mit
(1882) 33,750 EinwT (1029 Auslnder, hat groe
kommerzielle Bedeutung infolge seiner zentralen Lage im Nildelta,
als Kreuzungspunkt mehrerer Eisenbahnen und Kanle, des
prchtigen Grabes des wunderthtigen Scheichs Ahmed el
Bedawi und seiner drei groen Messen, von welchen die im
August an 500,000 Menschen hier versammelt. Die hiesige Medresse
wird von nahe an 5000 Schlern besucht und steht nur der von
Kairo nach. T. ist Sitz eines deutschen Konsulats.
Tantal (Columbium) Ta, chemisch einfa$
m Sultan
Kilawun erstrmt ward.
Taracanae pulvis, s. v. w. Antihydropin (s. d.).
Tarafa, berhmter arab. Dichter, kurz vor Mohammed,
Neffe des Amrilkais (s. d.), im jugendlichen Altey umgekommen
(worber eine hbsche Sage in Rckerts
"Morgenlndischen Sagen und Geschichten", Stuttg. 1837). Seine
"Moallaka" ist einzeln herausgegeben von Reiske (Leid. 1742) und
Vullers (Bonn 1829), seine smtlichen Gedichte in Ahlwardts
Ausgabe der sechs alten Dichter (Lond. 1870).
Tarai, s. Himalaja, S. 541.
Tarancon, Bezirksstadt in der span. Provinz Cuenca, am
Rianzares und der Eisenbahn Aranjuez-Cuenca, mit prchtigem
Sck)lo des Herzogs von Rianzares, lebhaftem Handel und
(1878) 4588 Einw.
Tarandus, Renntier.
Taranis, der Donnergott der alten Gallier; Menschenopfer
wurden ihm dargebracht, und Eichen waren sein Idol, weshalb noch
das sptere Mittelalter in Gallien Eichenkltze
Tarants (russ.), bedeckter Wagen auf langen
Tragbumen, das gewhnliche Gefhrt bei Relsen auf
russischen Landstraen.
Tarantel (Tarantula Walck.),$
 der auf seine
Ausdehnung zu prfende stabfrmige und an seinen Enden
zugespitzte Krper in horizontale Lage gebracht wird. Das eine
Ende des Stbchens wird aufgenommen von der Hhlung einer
Schraube, welche durch den einen Zapfen hindurchgeht. An den andern
Zapfen ist eine vertikal stehende Platinplatte angeschraubt, welche
zugleich eine cylindrisch ausgehhlte Scheibe von
Hartkautschuk festhlt. Gegen die Platinplatte legt sich eine
Platte von Kohle, auf die folgt ein Platinblech, gegen welches eine
Messingplatte drckt, die mit einer Hhlung zur ufnahme
des andern Endes des Stbchens versehen ist. Der zweite Zapfen
einerseits und das Platinblech anderseits sind mit den Drhten
einer Leitung verbunden, in welche ein galvanisches Element und ein
Galvanometer eingeschaltet sind. Dehnt sich nun das Stbchen
aus und p0ret das Platinblech strker gegen die
Kohlenplatte, so wird der Widerstand vermindert, und das
Galvanometer gibt einen grern Ausschlag. Die
Ausdehnung eines Stbchens von Hartkautschuk durch d$
verbreitet, und die ganze
milde Jahreszeit hindurch veranstaltete man allsonntglich
Wettflge, welche vom Knig und den Behrden durch
Aussetzung von Prmien untersttzt wurden. Dieser Sport
verbreitete sich auch nach Frankreich, und 1820 hatte Paris einen
Taubenwettflug. Zu groer Bedeutung gelangte die
Brieftaubenpost 1870 bei der Belagerung von Paris; man sandte dort
im ganzen 534 T. mittels des Luftballons ab, von denen etwa 100
zurckkamen. Eine Taube hat den Weg zehnmal gemacht. Auf diese
Weise wurden 60 Serien von Depeschen nach Paris hinein
befrdert, und wenn diese Resultate einer improvisierten
Einrichtung auch nicht sehr glnzende waren, so hatten sie
doch fr die belagerte Stadt hohen Wert und veranlaten
die Militrbehrden nach dem Frieden zu eingehender
Bercksichtigung der Brieftaubenpos. In Frankreich errichtete
man im Jardin d'acclimatation eine Zentralzuchtanstalt und stattete
Paris und Langres derart mit T. aus, da sie sechs Monate
lang den Verkehr mit vielen andern Stationen unterhalte$
h ohne
gehrige Bildung auf. Vgl. Hill, Der gegenwrtige Zustand
des Taubstummenbildungswesens in Deutschland (Weim. 1866);
Derselbe, Grundzge eines Lehrplans fr
Taubstummenanstalten (das. 1867); Schttle,^Lehrbuch der
Taubstummenbildung (Tbing. 1874); Walther, Geschichte des
Taubstummenbildungswesens (Bielef. 1882); Derselbe, Die
knigliche Taubstummenanstalt zu Berlin (Berl. 1888); Gude,
Gesetze der Physiologie und Psychologie und Artikulationsunterricht
der Taubstummen (Leipz. 1880); Hedinger, Die Taubstummen und
Taubstummenanstalten (Stuttg. 1882); "Beitrge zur Geschichte
und Statistik der Taubstummenbildung" (Berl. 1884): Schneider und
v. Bremen, Volksschulwesen des preuischen Staats (Berl.
Taubstummheit - Taucherapparate.
1886-87, 3 Bde.). Zeitschriften: "Bltter fr
Taubstumme" (hrsg. von Hirzel, Schwb.-Gmnd, seit 1855),
"Organ der Taubstummenanstalten" (hrsg. von Vatter, Friedberg, seit
1855) und "Bltter fr Taubstummenbildung" (hrsg. von
Walther und Tpler, Berl., seit 1887).
Tubstummheit (Ap$
rch trockne Destillation des Torfs in
Schachtfen oder Retorten, hnlich wie Braunkohlenteer,
dargestellt, auch bei der Verkohlung des Torfs als Nebenprodukt
gewonnen. Er ist lartig, braun bis schwarzbraun, von sehr
unangenehmem Geruch und dem spez. Gew. 0,896-0,965. Man gewinnt ausdemselben durch Destillation leichte Kohlenwasserstoffe, die wie
Benzin und Photogen benutzt werden (Turfol), schwere, noch als
Leuchtle verwendbare le, Schmierle, Paraffin und
sehr schwer flchtige, flssige Kohlenwasserstoffe, aus
welchen Leuchtgas bereitet wird, als Rckstand Asphalt.
Braunkohlenteer ist sehr verschieden je nach der Beschaffenheit der
Kohle. Im allgemeinen ist er dunkelbraun, riecht widerlich
kreosotartig u7nd erstarrt leicht durch hohen Paraffingehalt. Der
aus Pyropissit gewonnene T. ist butterartig, wachsgelb und bildet
das Rohmaterial der Paraffinfabriken. Man gewinnt daraus durch
Destillation leichte und schwere le (Benzin, Photogen,
deutsches Petroleum, Solarl), Schmierl und namentlich
Paraffin (s. d$
0 Opern) hat nicht ein einziges ihren Schpfer zucberleben vermocht.
Telemarken, Landschaft, s. Thelemarken.
Telemeteorograph (griech.), s. Meteorograph.
Telemeter (griech., "Fernmesser"), eine von C. L. Clarke
in New York erfundene Vorrichtung, um die Ablenkungen eines
Manometers, Wasserstandszeigers etc. telegraphisch auf einen
entfernten Zeigerapparat zu bertragen. Der Geber ist mit dem
Empfnger durch drei Leitungen verbunden; ersterer
enthlt den Zeiger des Meinstruments, der sich zwischen
zwei mit ihm um dieselbe Achse mittels eines Sperrrades
verschiebbaren Kontaktfedern bewegt und, je
Telemssen - Telesio.
nachdem er sich links oder rechts anlegt, in der einen oder
andern von zwei Leitungen den Stromweg der am Empfangsort
aufgestellten Batterie schliet. In jedem dieser Stromwege
liegen auf der gebenden Seite zwei Elektromagnete, auf der
Empfangsstelle ein dritter, welche beim Stromschlu
nacheinander in Wirksamkeit treten. Der erste stellt einen Nebenweg
zu dem unsichern Zeigerkontakt her [nd erhh$
ter dem Podium hingeht, von den Seiten
hervorgeschoben. Den Luftraum oder die obere Decke der Bhne
bilden die Soffiten, d. h. quer ber die Bhne ge?ende
Leinwandstreifen, die das Bhnenbild nach oben begrenzen. Je
nachdem die Soffiten bemalt sind, heien sie Luft-, Wald-,
Zimmersoffiten etc. Die gesamte Maschinerie des modernen Theaters
wird in die obere und die untere geteilt. Die obere umfat
alle Zug- und Hngewerke nebst den dazu gehrigen Leinen,
Zgen, Walzen, Schnrbden, Galerien etc. sowie den
ganzen Apparat, mittels dessen auf der Bhne Personen und
Gegenstnde durch die Luft bewegt werden, d. h. das Flugwerk.
Die untere Maschinerie beteht aus den Versenkungen
(geruschlos auf- und niedergehenden Bodenausschnitten),
Kanlen, Freifahrten, Wagen u. dgl. und dient teils zur
Bewegung der Kulissen, teils zum Emporheben aus der Erde
aufsteigender Erscheinungen. Die notwendigen Vorrichtungen zum
Flugwerk, zu dem Aufziehen des Vorhangs, zum Dekorationswechsel,
zur Herablassung der Soffiten befinden sich a$
. Seine Doktrin war die des konstitutionellen
Systems, in welchem der aufgeklrte, wohlhabende
Brgerstand die beste Sicherung seiner geistigen und
materiellen Gter erblickte, und welches T. unter der
Julimonarchie verwirklicht zu sehen gehofft hatte. Deshalb war ihm
die militrische Demokratie eines Napoleon III. verhat.
Aber ber allen Doktrinen stand bei T. seine Nation,
Frankreich. Dessen Ruhm und Gre zu vermehren, war sein
hchstes Ziel, wie er denn auch ein echter Franzose mit allen
Vorzgen und Schwchen dieses Volkes war; er besa
eine unermdliche Arbeitskraft, feine, edle Bildung,
Scharfblick, eine sanguinische Elastizitt des Geistes und
echten Patriotismus, dabei aber eine naive Selbstsuht und
Eitelkeit. Als Geschichtschreiber verherrlichte er die
Freiheitsideen der franzsischen Revolution und den Kriegsruhm
Napoleons I. in schwungvoller Sprache und glnzender
Darstellung, jedoch keineswegs stets wahrheitsgetreu und
unparteiisch. Ganz erfllt von der Idee, da Frankreichs
berechtigte Suprema$
whrend sein letztes Werk, "Franoise de Rimini"
(1882), nur einen migen Erfolg hatte. T.' Musik
zeichnet sich durch angenehme, wenn auch bisweilen an
Trivialitt streifende Melodik, geistvolle Orchestration und
namentlich durch effektvolle Behandlung der Singstimmen aus, steht
jedoch an Originalitt hinter der seiner Vorgnger auf
dem Gebiet der groen wie der komischen Oper weit
zurck. Unter seinen sonstigen Werken befinden sich ein
Requiem, eine solenne Messe, ein Streichquintett und -Quartett,
eine Phantasie fr Klavier und Orchester, Klavier- und
Gesangstcke u. a. Auch als Musikpdagog hat sich T.
ausgezeichnet, nachdem er 1871 als Nachfolger Aubers zum Direktor
des Konservatorius erwhlt war, welcher Anstalt er schon
Jahre zuvor als Komposttionslehrer angehrt hatte. Seit 1868
ist er auch Kommandeur der Ehrenlegion.
2) George H., amerikan. General, geb. 1816 in Southampton County
(Virginia), ward in West Point erzogen, 1840 Leutnant der
Artillerie, diente in Florida u. Texas und machte auch den
mex$
egen S. und SW. durch die Provinz Perugia, wendet sich
dann bei der Einmndung der Paglia scharf gegen SO. und
luft nun eine Strecke weit parallel mit der Kste des
Tyrrhenischen Meers, bis er sich wieder gegen SW. dem Meer
zuwendet, ie Provinz Rom betritt und 38 km unterhalb Rom in zwei
Armen (wovon der nrdliche, der von Fiumicino, ein
knstlich abgeleiteter Kanal ist) in das Tyrrhenische Meer
einmndet. Das Thal des T. ist bald schluchtenartig eng und
wild, bald weitet es sich zu einem lieblichen Gebirgskessel aus,
berall aber ist es reich an Naturschnheiten. Auch die
Thler der Nebenflsse haben einen wilden Charakter. Nur
die untern, erweiterten Thalgrnde von Rieti u. Foligno,
trocken gelegte Seebecken, machen eine Ausnahme. Bei Nazzano
gelangt der Flu in die wellenfrmige Campagna di Roma.
Die beiden Mndungsarme, von welchen nur der nGdliche
(Fiumicino) schiffbar, der sdliche (Fiumara) aber versandet
ist, umschlieen die Isola sacra ("heilige Insel"), ein mit
Wald und Sumpf bedecktes Delta. Von$
 Kellek, d. h. Fle
aus aufgeblasenen Tierhuten, von Diarbekr an), hat eine
ansehnliche Breite und Tiefe, aber auch viele Felsenklippen; der
vereinigte Strom ist auch fr groe Schiffe fahrbar,
doch wird die Einfahrt an der Mndung durch Sandbnke
sehr erschwert. Die Ufer des T., einst Sitze hoher Kultur und
Zivilisation, sind jetzt verdet und, mit Ausnahme der Orte
Diarbekr, Mosul und Bagdad, fast nur von nomadischen Kurden- und
Araberstmmen bewohnt.
Tiguriner, kelt. Volk, welches den helvetischen Pagus
Tigurinus bewohnte. Die T. erscheinen zuerst in Verbindung mit den
Cimbern mit denen sie das sdliche Gallien verwsteten;
107 v. Chr. schlugen sie am Lemanischen See den Konsul L. Cassius;
dann folgten sie 102 den Cimbern nach Osten, drangen aber nicht in
Italien ein, sondern kehrten in ihre Heimat zurck, nahmen 58
an dem Zug der Helveier nach dem sdlichen Gallien teil,
wurden von Csar an der Sane geschlagen und zur
Rckkehr nach der Schweiz gezwungen.
Tikal (Bat), 1) siames. Silbermnze, 15,228 g
s$
, 1698 in Italien auf, wirkte als Gesandter
lngere Zeit in der Trkei, setzte 1717 die Auslieferung
des auf sterreichisches Gebiet geflchteten Zarewitsch
Alexei durch und nahm whrend der Regierung Katharinas I. die
erste Stelle neben Menschikow ein, dessen Opfer er wurde; 1727
geheimer Umtriebe angeklagt, wurde er in den uersten
Norden des europischen Roland verbannt, wo er 1729 starb.
2) Peter Alexandrowitsch, Graf, russ. Feldherr und Diplomat,
geb. 1761, focht unter Suworow gegen die Trken und Polen,
befehligte 1805 das russische Landungskorps in Norddeutschland,
fhrte 1813 ein Korps in Bennigsens Armee, nahm an der
Belagerung von Dresden teil und erzwang dann Hamburgs
bergabe. Zum General der Infanterie ernannt, erhielt er nach
Nikolaus' Thronbesteigung die Leitung der Militrkolonien und
1831 den Oberbefehl ber das Reserveheer, mit welchem er die
Polen schlug. Er starb 1844 in Moskau als Prsident des
Departements fr die Militrangelegenheiten im
3) Alexei Konstantinowitsch, Graf, der bedeut$
e, Spinnen und Urtracheaten
(Protracheata). Letztere wurden frher wegen ihrer Gestalt zu
den Wrmern gerechnet, bis man in neuester Zeit an ihnen die
T. auffand. Augenscheinlich vermitteln sie den bergangzwischen den schon lange als Tracheaten bekannten Insekten etc. und
den Ringelwrmern und sind daher fr den Zoologen sehr
interessante Tiere. Zu ihnen gehrt nur die Gattung Peripatus,
deren Arten in den Tropen an feuchten Orten leben. Wegen der
brigen Tracheentiere s. die einzelnen Artikel ber die
genannten Gruppen.- In der Pflanzenanatomie bezeichnet man mit dem
Namen T. die Gefe (s. d., S. 1005).
Tracheentiere, s. Tracheen.
Tracheiden, in der Pflanzenanatomie
gefartige Zellen, welche sich von den Tracheen oder
echten Gefen nur durch ihr vlliges
Geschlossensein unterscheiden; sie bilden den Hauptbestandteil des
Holzes bi Koniferen und Cykadeen sowie der
Gefbndel vieler Monokotylen und Farne.
Tracheitis (griech.), Luftrhrenkatarrh.
Trachenberg, Stadt im preu. Regierungsbezirk
Breslau, Krei$
ins. Die beiden erstern, mit der Truppe in engster
Verbindung stehend, sind zur Erhaltung der Schlagfertigkeit
derselben von hchster Bedeutung, mssen daher ein
grere Bewegungsfhigkeit zur Anpassung an die
Operationen der kmpfenden Truppen besitzen und werden deshalb
auch von den Trainbataillonen als Truppenteile formiert. In
Deutschland hat jedes Trainbataillon (also pro Armeekorps) 5
Proviantkolonnen, 1 Feldbckereikolonne, ein Pferdedepot, 3
Sanittsdetchements und 5 Fuhrparkskolonnen bei der
Mobilmachung zu formieren, fr welche das Material im Frieden
bei den Traindepots bereit gehalten und verwaltet wird. Die
Administrations-, Feldbrcken- und Belagerungstrains sind im
allgemeinen nur Transporttrains, erstere gehren zu den von
den Armeekorps beider Mobilmachung aufzustellenden Branchen und
zwar zu den Intendanturen, der Korpskriegskasse, dem Haupt-, 4
Feldproviantmtern, 12 Feldlazaretten, dem Feldpostamt, 4
Feldpostexpeditionen. Jedes mobile Pionierbataillon formiert ein
Korps- und 2 Divisionsbr$
der Tribulus
der Alten (Zrich 1883).
Trapani, ital. Provinzauf der Insel Sizilien, den
uersten Westen derselben umfassend, 3145, nach
Strelbitsky nur 2408 qkm (43,73 QM.) gro mit (1881) 283,977
Einw. Sie besteht aIs der westlichen, allmhlich zur Ebene
zwischen Trapani und Marsala hinabsinkenden Abdachung Siziliens und
hat nur im NO. hhere Berge (Monte Sparagio 1109 m). Der Fiume
San Bartolommeo zum Golf von Castellammare, der Belice, der
Flu von Mazzara und der Birgi sind die namhaftesten
Wasserlufe. Weizen (1887: 663,009 hl) und Wein (1,044,741
hl), dann Oliven (44,887 hl l) und Sumach sind die
Haupterzeugnisse des Pflanzenreichs, Korallen und Thunfische des
Tierreichs, Seesalz an der ganzen Westkste entlang die des
Mineralreichs. Die Korallen- und Alabasterverarbeitung in T. ist
sehr zurckgegangen, wogegen sich Weinproduktion, Handel und
Schifffahrt stetig entwickeln. Die Provinz zerfllt in die
Kreise Alcamo, Mazzara del Vallo und T. - Die gleichnamige
Hauptstadt (das antike Drepanon) liegt, von$
ches Zahlensystem, System, dessen Grundzahl 3
Triage (franz., spr. -ahsch), Ausschu, Ware, aus
der das Beste ausgesucht ist; insbesondere Kaffeeabfall.
Triakisoktader (Pyramidenoktaeder), 24flchige
Kristallgestalt des tesseralen Systems, s. Kristall, S. 230.
Trial (engl., spr. trei-el), Untersuchung,
Trindrus (griech.), dreimnnig, Blten
mit dre Staubgefen; daher Triandria, 3. Klasse des
Linnschen Systems, Gewchse mit drei freien
Staubgefen enthaltend.
Triangel (lat., "Dreieck"), ein in unsern Orchestern
gebruchliches Schlaginstrument einfachster Konstruktion,
bestehend aus einem im Dreieck gebogenen Stahl- oder Messingstab,
der, durch einen andern Stab angeschlagen, ein hohes klirrendes
Gerusch gibt.
Triangularzahlen, s. Trigonalzahlen.
Triangulation (lat., auch trigonometrische Netzlegung),
Inbegriff aller Arbeiten, welche einer geregelten topographischen
Aufnahm (s. d.) eines Landes vorausgehen mssen, aber auch
bei Gradmessungen etc. ausgefhrt werden. Zweck der T. ist im
eigentlichen Sinn: B$
eiteilung Deutschlands in sterreich, Preuen
und das "eigentliche Deutschland", die "rein deutschen" Mittel- und
Kleinstaaten, welch letztern eine festere und engere politische
Organisation gegeben werden sollte. Besonders Bayern und sein
Knig Maximilian II. frderten die sogen. Triasidee, weil
sie sich davon die Begrndung einer bayrischen Hegemonie
versprachen. Die Ereignisse von 1866 und 1870-71 haben diese
Plne fr immer begraben. - Trias harmonica (lat.), in
der Musik s. v. w. konsonierender Dreiklang (Dur- oder Mollakkord);
T. superflua, bermiger Dreiklang; T. deficiens,
verminderter Dreiklang.
Triasformation (hierzu Tafel "Triasformation"), die
lteste der mesozoischen Formationen, die Dyasformation
bedeckend und von der Juraformation berlagert. Schon
hinsichtlich des zusammensetzenden Gesteinsmaterials macht sich die
xDreiteilung bemerklich, indem wenigstens in vielen Gegenden der
Entwickelung eine vorwiegend aus Sandstein bestehende unterste
Abteilung von einer wesentlich auc Kalkstein zusamme$
heimischer Gewchse durch Frank parasitische Hllen
von Pilzmycelien aufgefunden wurden (s. Mycorhiza), so lag der
Gedanke nahe, ein hnliches symbiotisches Verhltnis auch
zwischen den Mycelien der echten T. und den Wurzeln bestimmter
Holzpflanzen anzunehmen. Direkte Kulturversuche fehlen zur Zeit
noch. Ganz junge Trffeln sind nur erbsengro,
bla oder rtlich; sie scheinen ein Jahr zu ihrer Reife
zu bedrfen. Im Herbst oder Winter findet man reif nur Tuber
brumale und T. melanosporum, Ausgang Winters, im Frhling und
Sommer Tuber aestivum und T. mesentericum; die letztern werden
daher in den ersten Monaten des Jahrs noch unreif gesammelt und in
der Provence als Maitrffeln bezeichnet. Man lt
die Trffeln von abgerichteten Hunden (Trffelhunden;
Burgund, Italien, Deutschland) ode von Schweinen (Provence,
Poitou, auch in Westpreuen), in Ruland frher
auch von Bren aufsuchen, welche durch ihren Geruh die 5-16
cm unter der Erde verborgenen Pilze aufspren. Nach
Deutschland kamen um 1720 die ersten dressi$
t vor dem Alter und Gemeinsinn, aber auch
Leichtsinn, Roheit, Habgier, Neigung zur Dieberei und namentlich
Lgenha.tigkeit. Der Hausvater ist auf seinem Gehft
unumschrnkter Herr; die Shne bleiben, solange er lebt,
ihm zur Seite; der lteste Sohn wird Erbe ds Hofs und des
grern Teils der beweglichen Habe. Das Heiraten
geschieht nach freier Wahl, und zwar wird das Mdchen aus dem
elterlichen Haus heimlich entfhrt und erst spter nach
der Hochzeit der vereinbarte Preis vom Mann bezahlt. Die Stellung
der Frauen ist nicht die sklavische wie sonst im Morgenland. Das
Mdchen wird frh in weiblichen Handarbeiten, Nhen,
Stricken etc., gebt und tummelt sich als Jungfrau mit den
Brdern und Vettern im Gehft umher, lernt den Bogen
spannen und das Ro lenken. Diese Selbstndigkeit
verhindert aber nicht, da Mdchen von den eignen Eltern
verkauft werden, um in trkischen Harems eine mehr oder minder
glanzvolle Rolle zu spielen. Vgl. Kaukasien.
[Geschichte.] Schon im Altertum traten die T. unter dem Namen
der Syche$
beschftigung der Bewohner und liefert
im N. des Gouvernements als die wichtigsten Produkte Hanf,
Hanfl, Runkelrben u. Flachs (nach Riga), im S.
auer Runkelrben Roggen, Hafer, Buchweizen, Kartoffeln,
Gerste, Arbusen, Melonen u. geringe Tabaksorten. Die Ernte betrug
1887: 5,8 Mill. hl Roggen, 2,9 Mill. hl Hafer, 1,2 Mill. hl
Buchweizen, 1,5 Mill. hl Kartoffeln. Der
Tschernij-Jar - Tschernyschew.
Viehstand bezifferte sich 1883 auf 515,334 Stck Hornvieh,
572,182 Pferde, 915,719 grobwollige, 32,236 feinwollige Schafe,
420,000 Schweine, 37,000 Ziegen. Der Waldreichtum liefert einen
groen Gewinn durch das Bau- und Brennholz, durch
Kohlenbrennerei und Teerschwelen. Die Industrie wurde 1884 in 587
Fabriken und gewerblichen Anstalten m?it 14,439 Arbeitern betrieben
ud der Gesamtwert der Produktion auf 21,384,000 Rubel beziffert.
Hervorragend sind Rbenzuckerfabrikation und -Raffinerie (6,1
Mill. Rub.), Tuchweberei (2,4 Mill. Rub.) und Branntweinbrennerei
(1,1 Mill. Rub.). Ansehnliche Industriezweige sind ferner:$
en wiederholt beschossen und das Fort Siaokung
Tschingkiang (Chinkiang), Name verschiedener chines.
Stdte, darunter am wichtigsten die fr den
europischen Handel geffnete Hafenstadt in der Provinz
Kiangsu, an der Mndung des Jantsekiang, Sitz eines deutschen
Konsuls, mit einer katholischen und evang. Mission und etwa 135,000
Einw. Im Hafen verkehrten 1886: 3526 Schiffe von 2,328,052 Ton.,
davon 126 deutsche von 72,540 T.; die Einfuhr wertete 1887: 98,000
Haikuan Tael. Die Stadt wurde 1842 von der britischen Flotte
bombardiert, 1853 von den Taiping zerstrt, spter aber
wieder aufgebaut.
Tschingtu, Hauptstadt der chines. Provinz Setschuan, an
einem Nebenflu des Jantsekiang, hat breite Straen
schne Huser, einen immer bedeutender werdenden Handel
und 350,000 Einw.
Tschintschotscho (Chinchoxo), Faktorei ud ehemalige
Station der Deutschen Afrikanischen Gesellschaft, im
portugiesischen Teil der Loangokste an der Mndung des
Tschippewer, Indianerstamm der Algonkin, s.
Tschirch, Wilhelm, Mnnergesangskompon$
n Vereins Glarus" 1871
u. 1874); Herzog, Die Beziehungen des Chronisten . T. zum
Aargau (Aarau 1888).
2) Iwan von, geb. 19 Juni 1816 zu Glarus, seit 1846 Mitbesitzer
der Verlagsbuchhandlung Scheitlein u. Zollikofer in St. Gallen,
gest. 28. April 1887 daselbst, machte sich als Alpenforscher
besonders verdient durch die Herausgabe eines trefflichen
Reisehandbuchs: "Tourist in der Schweiz und dem angrenzenden
Sddeutschland, Oberitalien und Savoyen" (1855, 30. Aufl.
3) Johann Jakob von, Naturforscher, Bruder des vorigen, geb. 25.
Juli 1818 zu Glarus, studierte in Leiden, Neuchtel,
Zrich und Paris, spter auch in Berlin und Wrzburg
Naturwissenschaft, bereiste 1838-43 Peru, lebte seit 1848 auf
seiner Besitzung Jakobshof in Niedersterreich, bereiste
1857-59 Brasilien, die La Plata-Staaten, Chile, Bolivia und Peru,
ging 1859 als Gesandter der Schweiz nach Brasilien, wo er
namentlich auch zum Studium der Einwanderungsverhltnisse die
mittlern und sdlichen Provinzen bereiste, kehrte 1861
zurck, ging 1866 als $
en Steinregen,
dann eine Pest und schlugen ihn endlich selbst mit einer schweren
Krankheit, und als er deshalb den Jupiter Elicius durch gewisse
geheime Gebruche ntigen wollte, ihm die Mittel der
Shne zu offenbaren, traf ihn Jupiters Blitz, der ihn und sein
Haus verbrannte.
Tuloma, Flu im russ. Lappland, kommt aus dem
Nuotsee, fliet nordstlich und mndet unterhalb
Kola in eine tiefe Bucht des Eismeers.
Tulpe, s. Tulipa.
Tulpenbaum, Pflanzengattung, s. Liriodendron.
Tultscha (Tulcea), Hauptstadt eines Distrikts in der
rumn. Dobrudscha, rechts an der Donau, welche sich in der
Nhe der Stadt in ihre drei Hauptm\ndungsarme teilt, hat
7 Kirchen, darunter eine armenische und eine katholische, 2
Moscheen, ein Gymnasium, einen stark besuchten Hafen und 21,826
Einw. (darunter 3000 Russen, 1600 Griechen, 800 Trken, 700
Tataren, 200 Deutsche). T. ist Sitz eines Divisionskommandos.
Zwischen Matschin und T. 9. Juni 1791 Sieg der Russen unter Repnin
ber 20,000 Trken.
Tulu, drawidische Volkssprache in Sdindien $
e Industrie beschrnkt sich uf Anfertigung
von Reitzeug, Kamelhaartuch, Ackergertschaften etc.; die
Fischerboote, in Hassan Kuli gefertigt, und die Teppiche der Teke
haben einen groen Ruf. Vorlufig ist von Handel noch
keine Rede, da aber die Transkaspische Eisenbahn in dieser
Beziehung einen Umschwung hervorbringen wird, drfte kaum
bezweifelt werden.vVgl. "Petermanns Mitteilungen", Bd. 26 (1880);
v. Hellwald, Zentralasien (Leipz. 1880); Wenjukow, Die
russisch-asiatischen Grenzlande (deutsch, das. 1874);
Vambry, The Turkomans between the Caspian and Merw (im
"Journal of the Anthropological Institute etc.", Februar 1880);
Weil, La Tourkmnie et les Tourkmnes (Par. 1880);
Vambry, Das Trkenvolk (Leipz. 1885).
Turkos, frhere Bezeichnung fr die heutigen
Tirailleure Algeriens, afrikanische Futruppe der
franzsischen Armee, 1842 errichtet, jetzt 4 Regimenter
 4 Bataillone zu je 4 Kompanien und einer Depotkompanie.
Die Offiziere vom Hauptmann aufwrts und pro Kompanie zwei
Leutnants sind Franzosen. Ihre $
r Augen in wirklichen Schmerz ber. Die
Augen rten sich und thrnen stark. DieBehandlung der
. besteht in der Benutzung konvexer Brillenglser,
welche auch schon von jugendlichen Individuen, zumal beim Lesen und
Schreiben, benutzt werden mssen, whrend sie beim Sehen
in die Ferne anfnglich entbehrt werden knnen und erst
im Alter auch hierzu unentbehrlich werden.
berfiuulich, dasjenige, was ber das in die
Sinne Fallende sich erhebt.
berstndig heien Bume oder
Bestnde, die das Alter ihrer Haubarkeit
berschritten haben.
berstauung, s. Bewsserung, S. 859.
Ubertas, bei den Rmern Personifikation der
Erdfruchtbarkeit, dargestellt als schnes Weib mit umgekehrtem
Fllhorn; vgl. Abundantia.
Ubertt (lat.), Fruchtbarkeit, ppige
bertragbar nennt man die budgetmig
fr bestimmte Zwecke verwilligten Summen, welche, wenn und
soweit sie in der laufenden Finanzperiode nicht zur Verausgabung
gelangten, als Ausgabenreservate oder Reservate ohne neue
Bewilligung fr den gleichen Zweck in der ^nchsten
Period$
n dieser Hemmung ist die
Cylinderhemmung der Taschenuhren, bei welcher statt vieler
Zhne nur ein einziger zwischen den beiden Armen des Ankers
sich befindet, der nun durch die hohle Achse der Unruhe gebildet
werden kann. Bei der Ankerhemmung neuerer Taschenuhren (Fig. 3) ist
A der sogen. Anker, B die Unruhachse mit de= darauf sitzenden
Scheibe g und C das vom Uhrwerk in der Richtung des Pfeils
getriebene Steigrad; i ist der soen. Hebestein, welcher an der
Scheibe g befestigt
Uhr (Remontoir-, selbstaufziehende Uhren etc., Schlagwerke,
Kontrolluhren etc.).
ist und den doppelten Zweck hat, den Anker in den extremen
Stellungen II und III zu halten, in denen das Steigrad gesperrt
wird, und anderseits in dem Moment, in welchem ein Zahn des
letztern an einer der beiden Hebeflchen mn oder pq entlang
gleitet, durch die Hrner t und r, zwischen denen er dann
liegt, den Impuls zur Erhaltung der Unruhbewegung zu empfangen. Der
letztere Moment ist in der Figur, Stellung I, gezeichnet. Der Zahn
k gleitet an der Hebeflch$
htchen oder Merikarpien (Fig. A, m m), den beiden
Fruchtknotenfchern entsprechend, zerfllt. Zwischen den
beiden Teilfrchtchen bleibt der zentrale fadenfrmige,
meist zweispaltige Fruchttrger (carpophorum, Fig. A, c)
stehen, an dessen beiden Schenkeln die Merikarpien aufgehngt
sind. Die Flche, mit de die beiden Teilfrchtchen
aneinander liegen, heit Fugenflche (Fig. B u. C, c),
die ihr entgegengesetzte, nach auen gewendete die
Rckenflche. Letztere hat mehrere Lngsrippen,
sogen. Joche, und zwar zunchst fnf Hauptrippen (juga
primaria, Fig. B, 1, 2, 3), von denen allemal eine in der Mitte,
zwei an den Seiten, der Fugenflche zunchst, und je eine
zwischen diesen und der mittelsten Rippe stehen. Die Vertiefungen
zwischen je zwei Hauptrippen auf der Rckenflche
heien Thlchen (valleculae, Fig. B, t). In ihnen lie^en
.in der Fruchtschale von oben nach unten gerichtete
lgnge, welche meist von auen als braune Striemen
(vittae) sichtbar sind, gewhnlich bei den einzelnen Gattungen
in bestimmter Zahl$
schen Plattensee
und Donau) die bedeutendsten sind. In den Karpathen finden sich
viele kleine Seen (Meeraugen), darunter in der Hohen Tatra allein
58 meist sehr romantisch 1260-1990 m . M. gelegene Seen.
Grere Seen in der Ebene sind der Plattensee, der
grte Sdeuropas, und der Neusiedler See. Von den
zahlreichen Morsten und Smpfen sind zu nennen: der mit
dem Neusiedler See in Verbindung stehende Hansg, der
Ecseder Sumpf bei Szatmr, der Srrt am
Beretty, der Alibunarer, Hozurter Sumpf etc.
Die Smpfe an der Thei und Donau sind durch
Abzugskanle meist trocken gelegt worden. berhaupt ist
sowohl von seiten der Regierung als der einzelnen sehr vieles zur
Trockenlegung oder doch Einschrnkung der Smpfe
geschehen. Fr die Theiregulierung allein, um welche
sich Graf Szechenyi groe Verdienste erworben hat, wurden
seit 1845 mehr als 26 Mill. Guld. verwendet. Das Ackerland der
groen ungarischen Tiefebene besteht zumeist aus schwarzem
Thonboden mit mehr oder weniger Humus und ist in manchen Gegenden$
reichbewaldete Spessart, im O. der Steigerwald und die
Haberge. Hauptflu ist der Main, welcher den
Regierungsbezirk, zwei groe Bogen nach S. abgerechnet, von
O. nach W. in einem meist breiten und fruchtbaren Thal durchzieht.
Ihm flieen hier zu die Frnkische Saale und Sinn auf
der rechten Seite, whrend auf der linken Seite nur kleine
Bche einmnden. Der Boden ist m9eist sehr fruchtbar und
liefert Holz in groer Menge, treffliche Weine, Getreide,
Flachs, Hanf, Obst etc. Von Mineralien werden Alabaster, Gips, Thon
und Eisen gewonnen.Unter den Mineralquellen sind besonders die von
Kissingen berhmt. Haupterwerbszweige sind: Land- und
Forstwirtschaft, Wein- und Obstbau, Viehzucht etc., aber auch die
Industrie ist bedeutend und besteht vorzugsweise in
Baumwollspinnerei, Lein-, Baumwoll- und Wollweberei, Fabrikation
von Tapeten, Papier, Holz- und Eisenwaren, Maschinen, Glas,
Bierbrauer rei etc. Der Handel ist besonders namhaft in Holz,
Landesprodukten und Wein. Als Hauptverkehrslinie durchzieht den
Regierung$
pflichtung zur Untersttzung hilfsbedrftiger Personen
zwischen verschiedenen rmenverbnden Streitikeiten, so
kommt es, was das Verfahren anbetrifft, darauf an, ob die
streitenden Teile einem und demselben Bundesstaat oder
verschiedenen Staaten angehren. Im erstern Fall sind die
Landesgesetze des betreffenden Staats magebend, whrend
fr Differenzen zwischen den Armenverbnden verschiedener
Staaten in dem Gesetz vom 6. Juni 1870 besondere Vorschriften
gegeben sind. Auch in diesem Fall wird nmlich zunchst
von den nach Magabe der Landesgesetzgebung kompetenten
Behrden, in Preuen von den Verwaltungsgerichten, in
andern Staaten von den hierzu besonders eingestzten Deputationen
oder von den sonst zustndigen Verwaltungsbehrden,
verhandelt und entschieden. Diese Behrden knnen
Untersuchungen an Ort und Stelle veranlassen, Zeugen und
Sachverstndige laden und eidlich vernehmen und berhaupt
den angetretenen Beweis in vollem Umfang erheben. Gegen die durch
schriftlichen, mit Grnden zu versehenden Beschlu$
         Amine! setz dich nieder!
[Amine setzt sich, Egle steckt ihr Blumen in die Haare, indem sie
Komm, gib mir doch den Ku von deiner Chloris wieder.
Lamon [kt sie].
Von Herzen gerne. Hier!
                        Seid ihr nicht wunderlich!
Wr Eridon es so, es wr ein Glck fr dich.
Gewi, er drfte mir kein fremdes Mdchen kssen.
Wo ist die Rose?
                 Sie hat sie ihm geben mssen,
Ihn zu besnftigen.
                    Ich mu gefllig sein.
Gar recht! Verzeih du ihm, so wird er dir verzeihn.
Ja, ja! Ich merk es wohl, ihr plagt euch um die Wette.
Egle [als ein Zeichen, da sle mit dem Kopfputze fertig ist].
           Ach da ich doch jetzt schon die Blumen htte,
Die Eridon mir bringt.
                       Erwart' ihn immer hier.
Ich geh' und putze mich. Komm Lamon, geh mit mir!
Wir lassen dich allein und kommen bald zurck"e.
Fnfter Auftritt
[Amine. Hernach Eridon.]
O welche Zrtlichkeit, benPeidenswrdges Glcke!
Wie wnscht' ich - sollt' es wohl in meinen Krften stehn -
Den Erid$
z im Stillen dir geweiht.
Doch es gelang mir nicht, und nur zu oft
Tat ich im Irrtum was dich schmerzen musste,
Beleidigte den Mann, den du beschtztest,
Verwirrte unklug was du lsen wolltest,
Und fhlte so mich stets im Augenblick,
Wenn ich mich nahen wolte, fern und ferner.
Ich habe, Tasso, deinen Willen nie
Verkannt und wei, wie du, dir selbst zu schaden,
Geschftig bist. Anstatt dass meine Schwester
Mit jedem, wie er sei, zu leben wei,
So kannst du selbst nach vielen Jahren kaum
In einen Freund dich finden.
Doch sage mir hernach: Wo ist der Mann,
Die Frau, mit der ich ie mit dir
Aus freiem Busen wagen darf zu reden?
Du solltest meinem Bruder dich vertraun.
Er ist mein Frst!--Doch glaube nicht, dass mir
Der Freiheit wilder Trieb den Busen blhe.
Der Mensch ist nicht geboren, frei zu sein,
Und fr den Edeln ist kein schner Glck,
Als einem Frsten, den er ehrt, zu dienen.
Und so ist er mein Herr, und ich empfinde
Den ganzen Umfang dieses groen Worts.
Nun muss ich schweigen lernen, wenn er spricht,
Un$
armonie.
Nicht lang' war mir dies Glck gegnnt, auch dieses
Nahm mir der Arzt hinweg: Sein streng Gebt
Hie mich verstummen; leben sollt' ich, leiden,
Den einz'gen kleinen Trost sollt'? ich entbehren.
So viele Freunde fanden sich zu dir,
Und nun bist du gesund, bist lebensfroh.
Ich bin gesund, das heit: Ich bin nicht krank;
Und manche Freunde hab' ich, deren Treue
Mich glcklich macht. Auch hatt' ich einen Freund--
Du hast ihn noch.
Und werd' ihn bald verlieren.
Der Augenblick, da ich zuerst ihn sah,
War viel bedeutend. Kaum erholt' ich mich
Von manchen Leiden; Schmerz und Krankheit waren
Kaum erst gewichen; still bescheiden blickt' ich
Ins Leben wieder, freute mich des Tags
Und der Geschwister wieder, sog beherzt
Der sen Hoffnung reinsten Balsam ein.
Ich wagt' es vorwrts in das Leben weiter
Hinein zu sehn, und freundliche Gestalten
Begegneten mir aus der Ferne. Da,
Eleonore, stellte mir den Jngling
Die Schwester vor; er kam an ihrer Hand,
Und, dass ich dir's gestehe, da ergriff
Ihn mein Gemt und wird$
das ist die erste Frage:
Wer von uns beiden Recht und Unrecht hat.
Nicht ganz, ie sich's der unbegraenzte Sinn
Gedenken mag.
            Antonio!
                        Gnaedigster,
Ich ehre deinen Wink, doch lass ihn schweigen!
Hab' ich gesprochen, mag er weiter reden;
Du wirst entscheiden. Also sag' ich nur:
Ich kann mit idhm nicht rechten, kann ihn weder
Verklagen, noch mich selbst verteid'gen, noch
Ihm jetzt genug zu tun mich anerbieten.
Denn, wie er steht, ist er kein freier Mann.
Es waltet ueber ihm ein schwer Gesetz,
Das deine Gnade hoechstens lindern wird.
Er hat mir hier gedroht, hat mich gefodert;
Vor dir verbarg er kaum das nackte Schwert.
Und tratst du, Herr, nicht zwischen uns herein,
So stuende jetzt auch ich als pflichtvergessen,
Mitschuldig und beschaemt vor deinem Blick.
Alphons (zu Tasso).
Du hast nicht wohl getan.
                        Mich spricht, o Herr,
Mein eigen Herz, gewiss auch deines frei.
Ja, es ist wahr, ich drohte, forderte,
Ich zog. Allein, wie tueckisch seine Zunge
Mit wohl$
Im Vortod seh' ich, matt und hingebleicht,
von Tag zu Tag ein Kummerleben schwanken.
O die so blhend, heiter vor mir steht,
Sie soll so frh langsamen Tods verschwinden!
Entsetzen rufst du mir hervor! Dorthin?
Dorthin verstt man mich! In jenes Land,
Als Hllenwinkel mir von Kindheit auf
In grauenvollen Zgen dargestellt.
Dorthin, wo sich in Smpfen Schlang' und Tiger
Durch Rohr und Dorngeflechte tckisch drngen,
Wo, peinlich qulend, als belebte Wolken
Um Wandrer sich Insektenscharen ziehn,
Wo jeder Hauch des Windes, unbequem
Und schdlich, Stunden raubt und Leben krzt.
Zu bitten dacht' ich; flehend siehst du nun
Die Dringende. Du kannst, du wirst mich retten.
Gerichtsrat.
Ein mchtig ungeheurer Talisman
Liegt in den Hnden deiner Fhrerin.
Was ist Gesetz und Ordnung? Knnen sie
Der Unschuld Kindertage nicht beschtzen?
Wer seid denn ihr, die ihr mit leerem Stolz
Durchs Recht Gewalt zu bnd'gen euch berhmt?
Gerichtsrat.
Inabgeschlossnen Kreisen lenken wir
Gesetzlich streng das in der Mittelhhe
Des Le$
ine Leute sind nicht alle treu.
Gar manches hat man schon mir, als ich schlief,
Durchblaettert und entwendet. Das Geheimnis,
Das groesste, das ich je gehegt, wohin;
Wohin verberg' ich's?
(Indem sie sich der Seitenwand naehert.)
                Wohl! Hier war es ja,
Wo du, geheimer Wandschrank, meiner Kindheit
Unschuldige Geheimnisse verbargst!
Du, den mir kindisch allausspaehende,
Von Neugier und von Muessiggang erzeugte,
Rastlose Taetigkeit entdecken half,
Du, jedem ein Geheimnis, oeffne dich!
(Sie drueckt an einer unbemerkbaren Feder, und eine kleine Tuere
springt auf.)
So wie ich sonst verbotnes Zuckerwerk
Zu listigem Genuss in dir versteckte,
Vertrau' ich heute meines Lebens Glueck
Entzueckt und sorglich dir auf kurze Zeit.
(Sie legt das Pergament in den Schrank und drueckt ihn zu.)
Die Tage schreiten vor, und ahnungsvoller
Bewegen sich nun Freud' und Schmerz heran.
(Sie oeffnet die Tuere.)
Fuenfter Auftritt
Eugenie. Hofmeisterin. Bediente, die einen praechtigen Putzkasten tragen.
Hofmeistrin.
Wenn ich d$
r Kirchen edlen Bau,
Des Hafens masterfuellten Raum betrachte;
Das scheint mir alles fuer die Ewigkeit
Gegruendet und geordnet; diese Menge
Gewerksam Taetiger, die hin und her
In diesen Raeumen wogt, auch die verspricht,
Sich unvertilgbar ewig herzustellen.
Allein wenn dieses grosse Bild bei Nacht
In memnes Geistes Tiefen sich erneut,
Da stuermt ein Brausen durch die duestre Luft,
Der feste Boden wankt, die Tuerme schwanken,
Gefugte Steine loesen sich herab,
Und so zerfaellt in ungeformten Schutt
Die Prachterscheinung. Wenig Lebendes
Durchklimmt bekuemmert neu entstanden Huegel,
Und jeder Truemmer deutet auf ein Grab.
Da?s Element zu baendigen, vermag
Ein tief gebeugt, vermindert Volk nicht mehr,
Und rastlos wiederkehrend, fuellt die Flut
Mit Sand und Schlamm des Hafens Becken aus,
Die Nacht entwaffnet erst den Menschen, dann
Bekaempft sie ihn mit nichtigem Gebild.
Ach! Bald genug steigt ueber unsern Jammer
Der Sonne trueb gedaempfter Blick heran.
Du aber fliehe, die ein guter Geist
Verbannend segnete. Leb' w$
mute seinen rechten Arm lsen, um sie
umschlingen zu knnen. Gerade dadurch bekam sie ihren linken Arm frei,
stemmte ihn mit aller Macht ihm gegen die Brust, da sie sich nach der
Seite wenden konnte, und stand aufrecht. Ihre Augen trafen sich. Sie
waren wild, die Flammen in ihnen prallten gegeneinander. Keiner sprach
ein Wort. Ihre Atemzge gingen kurz und scharf.
"Mary!" ertnte einSchrei drauen auf dem Gange. Das war Frau Dawes!
Frau Dawes, die das Bett nicht mehr verlassen konnte,--stand auf dem
Flur! "Mary!" noch einmal so verzweifelt, als sei sie einer Ohnmacht
nahe. Die beiden hinaus: Frau Dawes lehnte in ihrem Nachtgewand vor
ihrer offnen Tr an der Wand. Sie war am Umsinken, als Jrgen Thiis
herzugestrzt kam und sie unter den Arm fate. Die Treppe herauf kam ein
Mdchen nach dem andern, auch die kleine Nanna. Jrgen stand und hielt
Frau Dawes, bis ie sie mit vereinten Krften aufhoben und hineintrugen.
Es war furchtbar schwer. Soviel sie hoben und schleppten, sie bekamen
sie knapp ber die Schwell$
 hatte sie sich ja selbst mit aller Gewalt in den einzigen
engen Ausweg hineinoehetzt: sich sofort mit Jrgen zu verheiraten, auf
einer Reise ins Ausland dem Kinde das Leben zu geben--und dann bis ins
Unendliche auszuhalten.
Aber sich mit einem Menschen zu verheiraten, den sie verabscheute, nur
um sich ein Feigenblatt zu leihen,--wie unverstndlich ihr das jetzt
geworden war! Sie hatte es versucht, weil man in ihrer Umgebung so
dachte, und weil sie in einer Sonderstellung war; die duldete keinen
Fleck auf dem Festgewande.
Aber jetzt sagte sie "pfui, pfui!" ganz laut. Und als der Hund sofort
aufblickte, fgte sie hinzu: "Dies war meine 'Hundereise', will ich Dir
sagen! Der Abschlu meiner 'Hundegeschichte'!"
Aber was nun?
Sie wute, was man noch tun konnte. Aber dann mute man zwei Mitwisser
haben, Jrgen und noch einen. Das war zuviel. Dann konnte sie nicht
stolz und frei dahinschreiten,--und das mute sie knnen.
Ja, was nun?
Solange die "Hundereise", die "Hundegeschichte" ihr wie ein Befehl
erschienen war,$
 Er blickte sie schmerzlich erstaunt an; sie beugte sich ueber
ihn, kuesste ihn und weinte.
Aber es wurde unglaublich schnell besser. War es Marys Gegenwart und ihr
stetes Muehen um ihn, was ihm half? Die Krankenpflegerin behauptete es.
Jetzt kam eine Zeit, in der sie unermuedlich war in ihrer Sorge um die
beiden Kranken; zugleich aber trat sie die Verwaltung von Haus und Hof
an. Sie uebernahm die Buchfuehrung und die Oberaufsicht. Sie fuehlte sich
wohl dabei, denn sie hatte Talent, Ordnung zu schaffen und zu
dirigieren. Frau Dawes war sehr erstaunt darueber.
Keine Sorge um die Zukunft, keine Sehnsucht nach alledem, was hinter
ihr lag. Sie sagte allen, die sieobedauerten, es sei freilich hart, dass
die beiden Alten krank seien; aber sonst gehe es ihr so gut, wie sie es
sich nur wuenschen koennte.
       *       *       *       *       *
An einem ungewoehnlich warmen Tage Anfang August hatte sie von morgens an
sehr viel zu tun gehabt. Sie hatte Sehnsucht, sich ins Wasser zu
stuerzen, sowie sie Zeit hatte.
Zwis$
 es doch heraus.
Das wollte sie jetzt besser machen!
Die Schwaeche, die vor Margrete so unerwartet ueber sie gekommen, war
voellig geschwunden. Jetzt hatte sie Kraft zu ihrem Vorhaben.
Als solle ihr Mut sofort auf die Probe gestellt werden, tauchte neben
ihr etwas Schattenhaftes auf. Es trat ungeahnt aus dem Dunkel hervor und
so beaengstigend nahe, dass sie zu laufen anfing. Das Entsetzen, als sie
durch das Toben der Elemente zu hoeren meinte, es komme hinter ihr
hergelaufen! Da fand sie ihre Fassung wieder und blieb stehen. Da blieb
das hinter ihr auch stehen. Sie ging weiter; da ging das Schattenhafte
auch weiter. Nein, dachte sie: wenn ich nicht den Mut habe, dieser
Sache auf den Grund zu gehen, so habe ich auch den Mut nicht zu dem
aendern. Damit drehte sie sich um und ging direkt auf das Ungeheuer zu,
das sie verfolgte: es wieherte gutmuetig,--es war ein junges Pferd.Es
war gesattelt und suchte in seiner Verlassenheit den Menschen. Sie
streichelte es und sprach mit ihm. Es war doch ein Gruss des Lebens,$
er Anblick
erregt. Ihr von Luft und harter Arbeit gebruntes Gesicht ist
ausdrucksvoll, seine Zge sind angenehm und regelmig. Stiller,
an Trauer grenzender Ernst scheint der Grundton ihres Wesens;
dennoch |nnen sie sehr frhlich sein. Sie sind gebildeter,
als man vermuten mchte. Die Geschichte ihrer Vter und ihre
Heldengesnge sind keinem fremd. Fast in jeder Htte, in welcher
wir einkehrten, sahen wir eine Bibel, ein Gebetbuch, auch wohl
irgend eine alte Chronik, aus welchen der Hausvater sonntags die
Seinen erbaut. Winters mgen die Wege den Besuch der Kirchen sehr
erschweren, doch kann gewi nur die Unmglichkeit den frommen Bergschotten
davon abhalten, obgleich die meisten einen sehr weiten Weg dahin
zu machen haben.
"Wir beten und spinnen!" antwortete mir ein junges, schnes Mdchen
auf die Frage: "Was tut ihr denn winters, wenn Klte und Schnee
euch in euren Htten gefangen halten?"
In jedem Hause beinah hngt der Stammbaum der Familie, auf welchen
sie oft mit Stolz blickten; gewhnlich ist ein h$
r vor der Dmmerung
nach Hause. Wir waren ihrer eher berdrssig als er, denn er
andelte noch ganz munter umher, als wir die Terrasse verlieen.
Das Stdtchen Windsor hat wenig Ausgezeichnetes; es zieht sich
den ganz betrchtlichen Hgel hinan, auf welchem das Schlo liegt.
Die Straen sind folglich bergig und unbequem zum Fahren und
Gehen; auch die Gasthfe fanden wir weniger gut, als man es
in dieser Nhe des Hofes vermuten sollte.
Das Dorf Eton, bekannt durch die hohe Schule Eton College,
liegt am Fue des Hgels, jenseits der Themse, und wird nur
durch eine Brcke von der Stadt Windsor getrennt. Die Schulgebude
zeichnen sich nicht durch ihre Bauart aus; die Kapelle aber
it ein schnes gotisches Gebude, welches die reiche Landschaft
noch mehr verschnert. Heinrich der Sechste stiftete und erbaute
diese Schule im Jahr 1440. Sechzig Pensionre werden dort
auf Kosten des Knigs erzogen, aber auch Shne guter Familien
fr Bezahlung darin aufgenommen. Die Schler sind in zwei Klassen
geteilt, deren jede noch$
menschlichen Wohnungen im kultivierten Europa; so enge, dass man
nicht begreift, wie eine Familie darin Platz findet, aus rohen Steinen,
oft ohne allen Moertel, nur zusammengetragen. Die Fugen sind mit Moos
und Lehmerde verstopft, Tueren aus Brettern schlecht zusammengeschlagen,
ohne Schloss und Riegel (denn wer sollte hier Diebe fuerchten?), Fenster,
so klein, dass man sie kaum bemerkt, oft sogar ohne Glas.
Die niedrigen Daecher von Schilf, MoosP Rasen, bisweilen auch
aus Holz und Schiefer, haben oft statt des Schornsteins nur eine Oeffnung,
durch welhe der Rauch abzieht. Das Innere dieser Huetten entspricht
dem Aeusseren. Menschen und Tiere hausen unter dem naemlichen Dache
friedlich beisammen, nur durch einen schlechten bretternen Verschlag
voneinander getrennt. In dem einzigen Zimmer des Hauses sieht man
deutlich, bei dem fast gaenzlichen Mangel allen Hausgeraets, wie wenig
der Mensch zum Leben eigentlich braucht. Der Fussboden besteht aus
festgetretenem Lehm; der grosse Feuerplatz, dicht auf der Erde,
o$
glaender teilt den Tag zwischen oeffentlichem Gottesdienst,
haeuslicher Betstunde und der Flasche; seine Frau bringt die Zeit,
welche ihr die Andacht uebrig laesst, mit irgendeiner Frau Gevatterin zu
und laesst den lieben Naechsten eine etwas scharfe Revue passieren,
denn das ist sonntags erlaubt. Die Kinder sind gar uebel daran,
seit man eigene Schulen fuer die Sonntagabende errichtet hat,
in welche sie prozessionsweise getrieben werden, nachdem sie den Tag ueber
zweimal in der Kirche und einmal zu Hause die sinn- und geistlose
Liturgie des englischen Gottesdienstes haben herbeten muessen.
Aber wie noch erbaermlichergeht's dem des Zwangs ungewohnten Fremden!
Sie oeffnen das Klavier, die Wirtin knickst in's Zimmer herein
und bittet, den Tag des Herrn nicht zu vergessen. Sie ergreifen ein Buch,
da kommt ein Besuch, sieht, dass Sie einer weltlichen Lektuere sich
ueberliessen, und haelt Ihnen eine wohlgemeinte Ermahnungsrede.
Aergerlich setzen Sie sich in's Fenster; ohne daran zu denken,
ergreifen Sie ein Stri$
nds tragen das ihrige bei,
um der Anstalt das hoechste Gedeihen zu geben. Hier, wo der Winter
den Wiesen ihren gruenen Teppich nie raubt, wo die Herden das ganzeJahr
hindurch im Freien ihre Nahrung finden, wird jede aus einem milden
Klima hergebrachte Pflanze bald einheimisch. Sehr viele, welche
selbst im suedlichsten Teile von Deutschland den groessten Teil des Jahres
im Hause gehalten werden muessen und nur waehrend der Sommermonate dort
der Luft ausgesetzt werden duerfen, wachsen hier ueppig im Freien,
wie in ihrem Vaterlande, zum Beispiel die grossblaettrige Myrte,
der duftende Heliotrop und noch viele mehr.
Es ist eine grosse Freude, auf den festgewalzten, bequemen Kieswegen
dieser Gaerten zwischen mannigfaltig geformten Blumenbeeten
zu wandeln und sich an dem freundlichen, ewig wechselnden Spiele
der Natur mit Farben und Formen zu ergoetzen; daHn in die grossen
Treibhaeuser zu treten, in jedem derselben eine andere neue Welt
zu finden, in dem einen die seltensten Produkte des gluehend heissen
Afrika, im$
icht aus; nicht wahr, Ccilie, es
ist doch immer alles gleich bezahlt worden?"
"Freilich," entgegnete sie, "aber ich kann es gar nicht fassen, da
diese Ohrenbehandlung frmlich als Operation aufgefhrt und angerechnet
wird. Ich war damals nicht dabei, Marianne ist immer ohne mich beim Arzt
gewesen und so schlimm haben sie es nie geschildert." Da sahen sich die
Schwestern ernsthaft an und sagten: "Ja, einmal war's schlimm!"
Als Frau Pfffling nach einer Weile wieder beim Bgeln stand, war ihr
der Kummer ber die sechzig Mark noch anzusehen, whrend Herr Pfffling
schon wieder guten Muts in sein Musikzimmer zurckkehrte und sich sagte:
"Es ist doch viel, wenn man es dahin bringt, da die Doktorsrechnung die
einzige an Neujahr ist."
Sie war aber doch nicht die einzige. KeKine halbe Stunde war vergangen,
als wieder so ein Stadtbrief an des Vaters Adresse abgegeben wurde, und
die Kinder, die denselben in Empfang genommen hatten, flsterten
bedenklich untereinander: "Es wird doch nicht wieder eine Rechnung
sein?"$
, das Kind zu unterhalten. Die Sngerin, die aus dem
nebenan liegenden Zimmer unter die Tre getreten war, lchelte
freundlich und dankbar Herrn Meier zu, der sich sofort befriedigt
entfernte, und kam Elschen entgegen, die auf sie zuging. Das Kind hatte
ein Gefhl daAr, da die Art, wie ihr Bruder sich einfhrte,
ungewhnlich und vielleicht nicht passend war, und in der mtterlichen
Art, die sie von ihrer lteren Schwester berkommen hatte, sagte sie zu
der jungen Frau: "Wilhelm kommt gewhnlich nicht mit Purzelbumen
herein, blo heute, weil er lustig sein will."
"Ein ses Kind," sagte die junge Mutter zu dem Frulein. "nun ist
Edmund versorgt und wir knnen ein wenig ausruhen. Lassen Sie die Kinder
nur ganz gewhreTn, solange sie nicht gar zu wild werden." Das Frulein
schien dieser Aufforderung sehr gern nachzukommen, zog sich mit einem
Buch zurck und die Kinder blieben sich selbst berlassen.
Die Freundschaft war bald geschlossen. Der kleine Knstler hatte etwas
sehr Gewinnendes in seinem Wesen und ein$
e die russische
Familie doch wohl ihre Abreise verschoben haben, ja, vielleicht dachte
sie daran, den Winter noch hier zu bleiben und die Musikstunden wieder
aufzunehmen. Immerhin konnte auch ein Brief verloren worden sein. Herr
Pfffling wollte sich endlich Gewiheit verschaffen und suchte Herrn
Meier im Zentralhotel auf. Er erfuhr von diesem, da der General mit
Familie gleich am Morgen nach dem Konzert abgereist sei, zunchst nach
Berlin, wo er eine Woche verweilen wolle.
Herr Pfffling zgerte einen Augenblick, von dem ausgebliebenen Honorar
zu sprechen, aber der Geschftsmann erriet sofort, worum es sich
handelte und sagte: "Der General hat vor seiner Abreise alle
geschftlichen Angelegenheiten aufs pnktlichste geregelt und gromtig
jede Dienstleistung bezahlt. Er ist durch und durch ein Ehrenmann, so
werden auch sie ihn kennen gelernt haben."
"Ja, aber wie erklren Sie sich das: er hat mir beim Abschied gesgt,
seine Shne wrden mich noch besuchen und hat dabei angedeutct, da sie
das Honorar berbri$
kenplatz
zusammen. Drt konnte man sich aussprechen und Marie vertraute ihnen an,
was sie gehrt hatte. Das ganze Trppchen stand dicht zusammengedrngt
und besprach in lebhafter Erregung die Mglichkeit, fortzukommen.
Verlockend war das Neue, lieb war das Alte. Wer ginge gern, wer ungern?
Sie waren zweifelhaft. Wen wrde der Onkel whlen? Ein jedes meinte:
"Sicherlich nicht gerade mich." Das war die Bescheidenheit. Aber einer,
der doch auch nicht unbescheiden war, der Frieder, sagte: "Ganz gewi
will er _mich_ mitnehmen." Das war die Angst, denn Frieder wollte nicht
fort, fr ihn gab es da nichts Zweifelhaftes, er wollte daheim bleiben,
er frchtete die fremde Welt. Und da er so bestimmt aussprach: mich will
er mitnehmen, so glaubten ihm die Geschwister. Schon einmal war er das
fremde Kind gewesen, vor die Tre gewiesen mit der Violine. Von jeher
war er ein wenig allein gestanden. Nun schauten ihn alle darauf hin an,
da er fort von ihnen sollte. Sie sahen das gute Gesichtchen, die
seelenvolen Augen, die angs$
kt hatte.
Am 1. November ging die Sache nicht so gut ab. Fraeulein Vernagelding
hatte Stunde, die Ganglampe war weg. Aus der Ferne hoerten die Maedchen
das Spiel. Jetzt wurde es still, rasch gingen sie hinaus mit der Lampe.
Aber die Stunde war noch nicht aus, sie lauschten und hoerten den Vater
noch sprechen: "das ist doch nicht e, wie heisst denn diese Note?"
"Sie sind noch nicht fertig," sagten sich die Schwestern und gingen
wieder an ihre Arbeit. Aber Herr Pfaeffling sagte nur noch etwas rasch zu
seiner Schuelerin: "Ich glaube, es ist genug fuer heute, besinnen Sie sich
daheim, wie diese Note heisst," und gleich darauf kam Fraeulein
Vernagelding heraus und stand in dem stockfinsteren Gang. Jede andere
haette ihren Rueckweg im Dunkeln gesucht, aber das Fraeulein gehoerte nicht
zu den tapfersten, sie4kehrte um, klopfte noch einmal am Eckzimmer an
und sagte mit ihrem gewohnten Lachen: "Ach bitte, Herr Pfaeffling, mir
graut so vor dem langen dunkeln Gang, wuerden Sie nicht Licht machen?"2Da entschuldigte sich $
nmal vor dem Fest in das
Zentralhotel zu gehen. An seinen raschen Bewegungen bemerkte sie, dass er
in Eile war. "Vater," sagte sie, "wir haben alle unsere Zeugnisse
bekommen und die Noten zusammengezaehlt. Dann hat Karl berechnet, was wir
fuer eine Durchschnittsnote haben, weisst du, was da herausgekommen ist?
Magst du raten, Vater?"
"Ich kann mich nicht mehr aufhalten, ich muss fort, aber hoeren moechte ich
es doch noch gerne, eine Durchschnittsnote von allen Sechsen? Zwei bis
drei vielleicht?"
"Nein, denke nur, Vater, eins bis zwei, ist das nicht gut?"
"Recht gut," sagte Herr Pfaeffling; er hatte nun schon den Hut auf und
Marie bemerkte noch schnell unter der Tuere: "Die Zeugnisheftchen will
ich alle in der Mutter Schreibtisch legen, dass du sie dann einmal
unterschreiben kannst." "Ja, hebe sie nur gut auf," rief Herr Pfaeffling
noch von der Treppe herauf.
Die kleine List war gelungen, die Heftchen wurden sehr sorgfaeltig, aber
sehr weit hinten i> Schreibtisch geborgen; ungesucht wuerden sie da
niemnd in d$
Eifer. Sie
spricht dieses und jenes und fast, als ob sie ein Gefuehl der Schuld
Und schliesslich stuetzt sie ihren Kopf in die Hand und sieht mich an!X
und nickt mir leise zu, und dann liegt ihre Hand einen Augenblick weich
auf der meinen.
Und nun, Lieber, wollen wir hinaus!
Ich habe uebrigens noch eine Neuigkeit fuer Sie. Mein Freund kommt zu
Besuch. Sie wissen, dessen Gedichte ich Ihnen neulich vorlas. Sie
wollten ihn gerne kennen lernen, Jolanthe.
Sie schweigt!
Nun, was sagen Sie?
Warum ein dritter in unserm Beisammensein?
Und ihre Augen leuchten weich.
Nun, wie Sie wollen!
Und ihre Stimme klingt ploetzlich hart.
Und sie wendet sich und geht, um sich zum Spaziergang fertig zu machen.
Ich weiss nicht, was sie will!
Aber naechstes Jahr ueberlasse ich ihr mein Haus. Mag sie mit einem
andern Freunde hausen; sie hat recht, das Meer soll mich nicht lieben
lehren! Ich gehe nach Fanoe! Mag sie sehen! Und ich stampfe entschlossen
mit dem Fusse und greife nach der Rose, die ihrer Hand entfallen."
"Die arme Jolanthe$
fen vermocht, so dass allein sein
Wort den maechtigen Zauber ans Licht beschwor?
Das Weihnachtsevangelium faellt mir bei; nicht der ericht des Lucas, von
der Geburt des Kindleins selbst; zu real, so wundersam ruehrend auch die
herzenseinfaeltigen Worte lauten. Aber die herrlichste Poesie folgt: "Und
es waren Hirten beisammen auf dem Fede, die hueteten ihre Herde bei
Nacht. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn
umleuchtete sie."
Die schweigende Einsamkeit des Feldes, die einfachen Hirten, die Nacht,
die himmlische Klarheit, das ist's! In diesen Worten steckt der ganze
Zauber der Weihnacht, an sie reicht nichts heran als Haendels ebenso
einfache wie grossartige Musik. Die Worte wollen mich nicht mehr
loslassen, ich spreche sie immer und immer wieder, ich summe sie in
Toenen, indes ein leisester Windhauch den Tannen an ihre Wipfel ruehrt,
und aus der Hoehe herniedersaeuselt, wie eine Botschaft des Friedens, wie
der Friede selbst, der nicht von dieser Welt ist, der sich nur einmal
im $
ugungen
und liess sich an einem Nebentisch nieder.
Die Dame sagte nichts, warf nur einen kurzen, forschenden Blick zu ihm
"Warm heute draussen, gnaediges Fraeulein."
Es klang beinah hastig.
Sie hatte gerad ein Stueckchen Brot in den Mund geschoben und konnte
nicht gleich antworten, als Moiken hereintrat und ihm etwas ins Ohr
Randers sprang sofor auf.
"Ach, ich bitte um Entschuldigung. Das wusste ich nicht," schnarrte er.
"Bitte sehr, ich habe kein Recht, Sie hier zu vertreiben," sagte die
Aber Randers zog sich mit einer Verbeugung ins andere Zimmer zurueck.
"Wer ist denn das?" fragte er Moiken.
Moiken setzte sich einen Augenblic ihm gegenueber.
Sie zuckte mit den Achseln.
"Von Wenningstedt. Sie sagte, ob wir nicht ein Zimmer haetten, wo sie
allein essen koennte."
"Schon lange hier?"
"Halbe Stunde vielleicht."
"Will sie noch weiter?"
Moiken wusste das nicht.
Randers ass seine Eier und horchte auf jedes Geraeusch im Nebenzimmer.
Jetzt legte sie die Gabel hin. Jetzt klirrte etwas an ihr Glas. Sie
schenkte sich $
begngt, das
auch unerwiderte Liebe zu bieten vermag.
Sie hatte, fast zu frhzeitig, doch ihre Stunden waren ja sehr in
Anspruch genommen, eine Handarbeit zu Hermanns nchstem Geburtstag
angefangen, sein Monogramm in Gold, umrahmt von einem Veilchenkranz in
blauer Seide. AuQf schwarzem Atlas gestickt, sollte das Ganze einem
Taschenbuch zur Zierde gereichen.
Ems\ig arbeitete sie daran, und die Liebe machte ihre solcher feinen
Arbeiten ungewohnten Finger geschickt.
Wenn sie ihn doch fter erfreuen knnte, fr ihn arbeiten, sich ihm
ntzlich erweisen.
Als er neulich einmal, rgerlich ber seine saumselige Wirtin, der Tante
einige Strmpfe zum Stopfen brachte, war sie erfreut gewesen, dieser die
Arbeit abnehmen zu drfen, und hatte sich in dieser fraulichen
Thtigkeit fr den Geliebten glcklich gefhlt.
Konnte sie selbst Hermann nicht besitzen, so gnnte sie ihn doch nur
einer Wrdigen, und seine Neigung zu Mimi hatte nie recht ihren Beifall
Sie war Mimi herzlich gut, ihrer vielen liebenswrdigen Eigenschaften
w$
atte, wie die meisten jungen Maedchen, eine
Vorliebe fuer Augenglaeser, unter diesen wieder das Pincenez bevorzugend.
Die Brille verlieh dem ziemlich ausdruckslosen Gesicht des Lehrers ein
bedeutenderes Ansehen. Die freundlichen blauen Augen sahen ohne diesen
Schutz etwas bloede in die Welt, gewannen dahinter versteckt jedoch an
Glanz und Leben.
Auch der Umstand, dass die Einfassung der Brille von Gold war, fiel bei
Mimi Kruse durchas ins Gewicht. Schenkte sie ihre Beachtung einmal
einem Herrn, der eigentlich gegen ihren Geschmack war, so musste sie
hierzu triftige Gruende haben, zum Beispiel die Aussicht auf nahe und
auskoemmliche Versorgung. Und die bot ein junger Lehrer immerh6in. Der
Neffe ihrer Prinzipalin war seit Michaelis fest angestellt, hatte ein
gesichertes Einkommen und war pensionsberechtigt. Dafuer durfte er schon
blond sein und einen schlichten Scheitel tragen.
Hermann hatte den beiden Maedchen versprochen, sie am ersten Ostertage
spazieren zu fuehren, und kam nun am Freitag vor dem Feste, noch$
 beisammen, ganz nahe. Leg dich!"
Vom Bett aus konnte Gebhard seinen Leo streicheln. Nun wich das Gefhl
der Einsamkeit, vorbei war's mit den nchtlichen Trnen. Schon nach
wenigen Minuten hatten die beiden guten Kameraden den Schlaf gefunden.
In der Frhe des nchsten Morgen, noch ehe es heller Tag war, schreckte
Helene auf durch ein Klingeln an der Haustre. Wer kam so frhe? Sicher
ihr Mann oder doch eine Nachricht von ihm! Im Nu warf sie einen
Morgenrock um, eilte h=inaus an die Treppentre, denn sie selbst wollte
ihm ffnen, ihn hereinfhren in ihr Zimmer, ihn lieb haben.
Ach--beschmt stand sie vor dem Milchmann und vor dem Kchenmdchen, die
beide mit erstaunten Augen auf die junge Frau schauten; ohne ein Wort
kehrte sie in ihr Schlafzimmer zurck.
Das war die erste Enttuschung und es folgten jede Stunde neue, denn der
sehnlich Erwartte kam nicht, und keine Post brachte Nachricht von ihm.
Bruder und Schwgerin lieen sich's einen ganzen Tag gefallen, im
Unklaren zu bleiben ber das Schicksal, das die $
in nur vorausgesprungen!"
"Die Mutter? Kommt sie doch mit?"
Ja, sie kam eben zu den beiden und sah deutlich, da bei dem
unerwarteten Wiedersehen das ernste Gesicht der Gromutter freudig
aufleuchtete.
"So kommst du doch," sagte sie und streckte der jungen Frau die Hand
entgegen, "dann ist ja alles schn und gut; wir gehren doch zusammen in
dieser Zeit!"
Das empfand auch Helene in diesem Augenblick. Wie wenn sie ihrem Manne
nher wre, so war ihr zumute. Sie hatte gar nicht mehr gewut, da
Mutter und Sohn ganz die gleichen, klaren, seelenvollen Augen und
dieselbe tiefe Stimme hatten. Sie gingen miteinander hinaus auf den
Bahnhofplatz. Dort war die Haltestelle der Elektrischen; das Mitnehmen
von Hunden war aber nicht gestattet.
"Kann Leo nachspringen?" fragte die Gromutter.
"Er kann wohl," sagte Gebhard, "aber der Vater lt ihn nie gern neben
dm Wagen springen."
"Dann gehst du mit ihm zu Fu; erinnerst du dich des Weges? Du hast ihn
vor zwei Jaren gemacht."
"Nicht so recht," meinte Gebhard bedenklich.
"Wi$
eons ausgebreitetes Fell so reichlich fllt,
dass man des Morgens eine Schale Wassers daraus zu fllen vermag, so ist
auch in den deutschen Lokalgeschichten aus dem Glauben an die
Wunderkrftigkeit des Maienthaues, und aus dem Brauche, beim
Maigerichte bewaffnet zu erscheinen, den Walburgiszins Mann fr Mann
gemeindeweise zu entrichten, die hufig sich wiederholende Tradition
entstanden, dass an eben diesem Zinstage die politische Unabhngigkeit
der Landschaft durch einen glcklichen Waffenstreich errungen worden
sei. Die Maifahrt wird zur Kregsfahrt umgestempelt. Die Friesen- und
die Schweizersage trifft hier zusammen. Den Unterwaldnern werden die
"Walperkhe" (Grimm, RA. 822), die sie dem Zwingherrn zinsen, der
Anlass, die Vgte auf Sarnen und Rozberg zu vertreiben und deren Burgen
zu brechen; die Ditmarschen datiren ihren Freiheitstag von dem Zinskorn,
das sie nicht lnger auf das Schloss der Walburgsaue liefern wollen. Die
Unterwaldnersage ist allbekannt, noch unbeachtet aber folgende
ditmarsische, die i$
chworene und alle Pferdebesitzer der
Gemeinde, geistliche Lieder singend, die Ackerzelgen umreiten, wird der
beste Wettrenner Kn'ig. In Sachsen gilt um Pfingsten das Kranzreiten
nach einem geschmckten Baum, ist aber in Nietleben bereits zum "Betteln
reiten" herabgesunken. Sommer, Thring. Saga S. 154. Unsre
rechtglubigen Bauern, bemerkt ber die frnkische Bevlkerung in der
Ansbacher Gegend Reynitzsch (Truhtensteine 143), reiten ihre Pferde am
Ostertage ins Osterbad, gleichwie wir an demselben Tage uns neue Kleider
anschaffen und die Zimmer ausweissen lassen. Johannes Boem, genannt
Aubanus, von seiner Geburtsstadt Aub in Unterfranken, schrieb 1530 De
moribus, legibus et ritibus gentium, woraus Ign. Gropp (Collectio
Scriptor. Wirceburg.) den Abschnitt mittheilt, welcher das Frankenland
betrifft; hier ist der wrzburgische Pfingstritt also beschrieben:
Pentecostes tempore ubique fere hoc agitur. Conveniunt quicunque equos
habent aut mutuare possunt, et cum Dominico corpore, quod sacerdotum
unus, etiam equo$
noch im Schwange. Die Ortslegende, deren Gramaye
erwhnt, erzhlt, dass der hl. Willibrord, als er hier die Bekehrung
begann, die heidnische Anbetung dieser steinernen Walburgis schon
vorgefunden und an ihrer Stelle den Dienst der hl. Walburgis eingefhrt
habe. Die Heiden htten jedoch von diesem Idol ihrer Venus nur sehr zhe
abgelassen, und daher rhre denn der bei den dortigen Weibern andauernde
schmutzige Brauch, deren Hartnckigkeit in Sachen des Aberglaubens
allbekannt sei. Somit steht der Cult einer vorchristlichen,
norddeutschen Walburgis fest, welche in der Mnchsprache Venus und, da
sie phallische Abzeichen trug, Priapus genannt worden ist. Ihre
Hermaphroditngestaltung entspringt aus den ursprnglichen
Grundbegriffen der eddischen Gtterlehre, zu Folge welcher die Gottheit
doppelgeschlechtig ist, um sich selbst ins Unendliche fort zu erzeugen.
Dem Urriesen Ymir erwuchs unter dem linken Arme Mann und Weib. Tuisco,
der vaterlose Stammgott, erzeugt aus sich selbst den Sohn Mannus. Die
Ackergttin Wal$
er Sage von der Jungfrau Gertraud Stromer. Der Patrizier Imhof,
an dem dieser Jungfrau ganzes Herz hieng, war, weil sie ihm ihre Liebe
verhehlt hatte, ihrer Freundin zu Theil geworden, starb nach kurzer Ehe
und auch Gertraud berlebte ihn nicht lange. Drei Wochen nachdiesem
letzteren Todesfall gieng am Allerseelentag 1430 ie Wittwe Imhof vor
Tag in die Frhmesse nach St. Lorenz, hier aber befiel sie der
unheimliche Eindruck, als wren statt der Gemeinde und Geistlichkeit
lauter Verstorbene versammelt. Als sie nun, um anzufragen, aus ihrem
Stuhle trat und eine vor ihr knieende Jungfrau leise auf die Schulter
klopfte, erkannte sie in dieser ihre vor drei Wochen begrabne Freundin
Gertraud. Auf deren Rath verliess sie so eilig die Kirche, dass sie
ihren Mantel vergass, floh heim, erkrankte heftig und trat darauf ins
Klarissenkloster. Hier starb sie nach etlichen Jahren und zwar
gleichfalls am Morgen des Allerseelentages. Schppner, Sagb. no. 1147.
Die Heilige ist hier zu einer gleichnamigen Nrnberger Patrizierin$
 der Legende von drei heiligen Frauen zur Darstellung gebracht.
Dies ist der wissenschaftliche und patriotische Zweck unsrer Schrift,
die sich hiemit dem Antheil vorurtheilsfreier Landsleute empfiehlt.
Aarau 1. Mai, Walburgistag 1870.
       *       *       *       *       *
I. Walburg mit drei Aeren, die Ackergoettin.Erster Abschnitt.
_Quellen und Inhaltsangabe der Walburgislegende_.
Walburgs und ihrer drei Brueder Taufbrunnen, Klosterstiftungen,
Grabstaetten und Reliquien.--Oel, aus Stein und Bein der Walburgisgruft
fliessend; aehnliches kirchlich verehrtes Wunderoel. Abbildungen und
Embleme Walburgis.
Zweiter Abschnitt.
_Walburgis Hunde, Walburgis Aehren in kirchlichen Abbildungen und Hymnen_.
Der Hund, ein Geleitsthier etlicher Fruchtbarkeitsgoettinnen und
Heiligen; verehrt als saatenfressender Sturmwind und als breigefuettertes
Windspiel der Wilden Jagd, genannt Nahrungshund. Nackte und suesse
Huendlein als Zweckspeisen beim Dreschermahl.--Walburgis Emblem der Aehre
und der Garbe, ihre Erscheinungsweise $
 Darf ich fragen ...
Sie drfen fragen, sagte Hieronymus, und ich werde Ihnen antworten.
Ich bin gekommen, Sie zu bitten, da Sie jenes Bild, die groe
Photographie, die Madonna, sogleich aus Ihrem Fenster entfernen und
sie niemals wieder zur Schau stellen.
Herr Blthenzweig blickte eine Weile stumm in Hieronymus' Gesicht, mit
einem Ausdruck, als forderte er ihn auf, ber seine abenteuerlichen
Worte in Verlegenheit zu geraten. Da dies aber keineswegs geschah, so
schnffelte er heftig und brachte hervor:
Wollen Sie die Gte haben, mir mitzuteilen, ob Sie hier in
irgendeiner amtlichen Eigenschaft stehen, die Sie befugt, mir
Vorschriften zu machen, oder was Sie eigentlich herfhrt...
O nein, antwortete Hieronymus; ich habe weder Amt noch Wrde von
Staates wegen. Die Macht ist nicht auf meiner Seite, Herr. Was mich
herfhrt, ist allein mein Gewissen.
Herr Blthenzweig bewegte nach Worten suchend den Kopf hin ud her,
blies heftig mit der Nase in seinen Schnurrbart und rang mit der
Sprche. Endlich sagte $
 Linke geballt herniederhing.
Eine fliegende Rte war in seine hageren Wangen getreten, eine
Lohe, emporgeschlagen aus der Glut seines Knstleregoismus, jener
Leidenschaft fr sein Ich, die unauslschlich in seiner Tiefe brannte.
Er kannte ihn wohl, den heimlichen Rausch dieser Liebe. Zuweilen
brauchte er nur seine Hand zu betrachten, um von einer begeisterten
Zrtlichkeit fr sich selbst erfllt zu werden, in deren Dienst er
alles, was ihm an Waffen des Talentes und der Kunst gegeben war, zu
stellen beschlo. Er durfte es, nichts war unedel daran. Denn tiefer
noch als diese Ichsucht lebte das Bewutsein, sich dennoch bei alldem
im ienste vor irgend etwas Hohem, ohne Verdienst freilich, sondern
unter einer Notwendigkeit, uneigenntzig zu verzehren und aufzuopfern.
Und dies war seine Eifersucht: da niemand grer werde als er, der
nicht auch tiefer als er um dieses Hohe gelitten.
Niemand!... Er blieb stehe, die Hand ber den Augen, den Oberkrper
halb seitwrts gewandt, ausweichend, fliehend. Aber er fhlte $
cklich, da er nicht, wie
gefrchtet, fortgefhrt wurde. Die Kammertre hatte ein groes, schweres
Schlo, der Offizier schlo zu und schob Oen Schlssel ein. "So,
Pierre," sagte er, "du kannst uns noch ins Tal hinunter begleiten und
dann darfst du den Schlssel wieder heraufbringen und den Herrn wieder
Da lachte Pierre laut auf vor Vergngen, denn er hatte einen Grimm auf
den Buckligen wegen der Pistole.
Frhlich zog er mit den Soldaten hinunter. Sie setzten ihn auf den
Proviantwagen, hatten ihren Spa mit ihm, und fragten sich: wie es wohl
ohne diesen kleinen Franzosen abgegangen wre? Und die von oben sahen
dem Zug nach und dachten: Wer wei, ob wir nicht alle de1m Kleinen unser
Leben verdanken?
In Gefangenschaft.
Als in die Familie des Buchhndlers Schreiber die erste Kunde vom Krieg
kam, da wuten Vater und Mutter, da ihre beiden Shne Lutz und Wilhelm
sofort mit muten. Denn der eine stand eben beim Militr, der andere
hatte im vorigen Jahr gedient. Beide waren gesunde, krftige Leute; wenn
die nicht $
 der oesterreichischen Provinz,
der sich zu seinem Vergnuegen einige Tage in Venedig aufgehalten,
starb, in sein Heimatstaedtchen zurueckgekehrt, unter unzweideutigen
Anzeichen, und o kam es, dass die ersten Geruechte von der Heimsuchung
der Lagunenstadt in deutsche Tagesblaetter gelangten. Venedigs
Obrigkeit liess antworten, dass die Gesundheitsverhaeltnisse der Stadt
nie besser gewesen seien und traf die notwendigsten Massregeln zur
Bekaempfung. Aber wahrscheinlich warenNahrungsmittel infiziert worden.
Gemuese, Fleisch oder Milch, denn geleugnet und vertuscht, frass das
Sterben in der Enge der Gaesschen um sich, und die vorzeitig
eingefallene Sommerhitze, welche das Wasser der Kanaele laulich
erwaermte, war der Verbreitung besonders guenstig. Ja, es schien, als ob
die Seuche eine Neubelebung ihrer Kraefte erfahren, als ob die
Tenazitaet und Fruchtbarkeit ihrer Erreger sich verdoppelt haette. Faelle
der Genesung waren sehr selten; achtzig vom Hundert der Befallenen
starben und zwar auf entsetzliche Weise, de$
e sie, und trotzig warf
Carlitos den stolzen Kopf in den Nacken und beging dieselbe Unart. Aber
zornig gegen ihre Engelschar konnte sie berhaupt nicht werden, viel
weniger atte sich ihre Hand jemals zum Schlage gegen diese erhoben,
obgleich Ange mit ihrem starken, gesthlten Handgelenk das wildeste
Pferd zu zhmen imstande war. Reiten und Fahren war A4nge Claireforts
Leidenschaft. Sie hatte den edelsten Renner im Stall, und nicht minder
zrtlich klopfte sie den Hals von "Blitz", ihrem Lieblingspferd, als die
schlanken Glieder ihrer beiden Windhunde.--
Carlitos, der lteste, war ein wilder, schlanker Bursche mit vielen
impertinenten Sommersprossen auf der feingeschnittenen Nase und mit
dunklem, gleichsam boshaft leuchtendem Haar in rotem Schimmer. Dann
kamen Zwillinge, zwei Mdchen von einer solchen sanften Schnheit und so
mdchenhaft in der Erscheinung, da die Menschen auf der Gasse
stillstanden, um ihnen nachzuschauen.
Diesen folgten wieder zwei Knaben. Sie hatten lange, in der Mitte
gescheitelte goldblon$
bedeutendes Kapital
darlehensweise berlassen, und als der erste kleine Weltbrger erschien
und jener ihn als Pate einlud, sandte er ihm den quittierten
Schuldschein und schrieb darunter:
"Axel von Teut sendet Axel Dorn diese Patengabe und hofft, da er einst
ein braver Brger und--kommt Zeit und Anla--auch ein treuer
Knigssoldat sein wird."
Als dies bekannt wurde, sah sich Teut mit Bittschriften berschttet. Da
las man eines Tages in der Zeitung:
"Fortan lasse ich alle Bitt- und Bettelbriefe unerffnet zurckgehen.
Man spare sich die Mhe! Wer meint, ich sh's ihnen nicht an, irrt sich.
Eine solche bung, wie ich sie habe, macht erfahren.
Baron von Teut-Eder,
Rittmeister und Eskadronschef."
       *       *       *       *       *}Beim Oberst war eine groe Fte agesagt. Ange begann auch heute mit
ihrer Toilette zu einer Zeit, in der andere Frauen bereits die
Handschuhe knpfen und das Kopftuch um das Haar schlingen. Das kannte
Clairefort, seit ihm das schne Frulein von Butin das Jawort gegeben,
und da$
t der kleinen Ange hatte sich schon manches anders
gestaltet. Clairefort war nicht mehr so herzlich, so teilnehmend: andere
Dinge beschftigten ihn.
Es schien, als ob ihn etwas heftig bedrcke, als ob ein schwerer Kummer
an ihm nage. Die Rckkehr zu einer heiteren, sorgloseren Stimmung war
immer nur eine vorbergehende, und sie war stets mit einem sichtlichen
Zwang verbunden. Und dann wurde er immer finsterer, immer wortkarger,
immer ausweichender, lebte nur fr sich, schalt wohl einmal in heftigem
Zorn, aber flchtete sich doch wieder in seine Einsamkeit.
Bei der bersiedelung nach C. ergriff ihn scheinbar noch einmal die alte
Freude am Leben. Er berschttete Ange mit Zrtlichkeit, lauschte ihre
Wnsche ab und sprach von einem neuen Leben in neuen Verhltnissen. Auch
verkehrte er nicht mehr so abgeschlossen und geheimnisvoll mit Tibet.
Aber bald war's wieder wie ehedem, ja schlimmer, denn der alte Kummer
schien ihn von neuem zu bedrcken, und auch die Eifersucht Gverzehrte
ihn. Und doch suchte er sein Weib$
t traten ihm
Thrnen ins Auge. Einmal schleppte er sich in sein Wohngemach zurck,
ffnete den Schreibtisch und nahm Anges Bild hervor. Es war zur Zeit
ihrer Verlobung gemalt.
"Ach, wie schn, wie schn!" flsterte der Mann und bedeckte das Glas
mit Kssen. "Und Dich soll ich verlassen? Und Euch, Euch, Ihr sen
Es packte ihn die Angst und die Scham, furchtbare Schauer jagten durch
seine Seele. Kalter Schwei brach hervor auf seiner Stirn. Was wurde aus
ihneln? Welch ein erbrmlicher,gewissenloser Mensch war er! Er wollte
davongehen, und nicht einmal fr das Nchstliegende, ja vielleicht nicht
einmal fr sein eigenes Totenhemd war gesorgt.
Aber halt! War da nicht ein Gerusch auf dem Korridor?
Hastig verschlo Clairefort das Portrt, als sei's ein Vergehen, es zu
betrachten. Er lauschte herzklopfend--schlich wie ein Dieb an seine
eigene Thr. Aber es war nichts.
Nun nahm er seinen Platz wieder ein und lehnte sich zurck. Konnte er
noch gesund, schmerzensfrei werden?
Nein, jetzt niemals mehr! Ohne Morphium ver$
ichen
Schlaf, Tibet. Ich fuehle mich heute ganz wohl und bedarf Ihrer nicht
mehr," beschied er ihn eines Abends und bestand auf seinem Willen.
Als Tibet sich entfernt hatte--ein ungewoehnlich freundlicher Blick traf
ihn heute aus Claireforts Auge--, setzte sich dieser an seinen
Schreibtisch und arbeitete mehrere Stunden. Endlich erhob er sich muehsam
und trat, sich an Tisch nd Stuehlen vorwaerts tastend, an den Spiegel. Er
blickte hinein und schrak vor seinem eigenen Bilde zurueck. Es machte ihn
sogar aengstlich, denn er schaute sich furchtsam um, und ein Schauer flog
ueber seinen Koerper.
"Sterben!" fluesterte er. "Ja dann fallen alle Gespenster, weichen alle
Schmerzen und sind alle Seelenqualen vorueber."
Auf dem Wege zu seinem Schlafgemach blieb er noch einmal zaudernd
Nur allzu lang ist oft die Bruecke! Ein einziger ploetzlicher Gedanke,
irgend eine liebe oder peinliche Erinnerung verknuepft den Menschen von
neuem mit dem Leben, und Ger grauenhafte, blitzartig oder allmaehlich
entstandene Entschluss wird $
Nein, bitte, bitte, ich sitze hier sehr gut. Muss auch gleich wieder
fort," erwiderte er kurz, legte waehrend des Sprechens die Haende auf den
Knopf seines Spazierstockes und richtete sein noch von der Kaelte
umwehtes, aus dem hohen Pelz herausschauenes listiges Gesicht auf Ange.
"Sie schrieben mir, dass Sie mich zu sprechen wuenschten, Frau Graefin."
"Ja, Herr Putz, und ich habe zunaechst um Entschuldigung zu bitten, dass
ich Sie bemueht habe, statt zu Ihnen zu kommen."
"Das hat ja nichts auf sich," erwiderte er ebenso kurz und fuhr mit
einem Anflug von Ungeduld fort: "Nun also, Frau Graefin, bitte--"
"Ich sprach neulich mit Ihnen ueber eine Geldsache, Herr Putz. Sie hatten
die Guete, mir Ihren Rat zu erteilen, und ich fand bei naeherer
Ueberlegung, dass Sie recht hatten," begann Ange ruecksichtsvoll. "Heute
handelt es sich um Aehnliches, aber um etwas--" Ange hielt mitten im
Sprechen inne, erhob sich, ging an ihren Schreibtisch und nahm ein
Geldbriefkouvert heraus. "Sehen[ Sie, Herr Putz, das ist die letzt$
vor dem heiligen Feste und um die Abendzeit. Ein
starker Schneefall hatte die Gegend in starre, bleiche Gewaender gefuellt.
Von. Mondlicht umflossen, ragte die Wartburg wie ein von Geistern
bewohntes Schloss unter den weissbedeckten Waeldern hervor. Ringsum in den
Villen aber glitzerten hinter den Scheiben kleine unruhige Lichter, die
seltsam, fast unheimlich abstachen gegen, die schweigsame, aller
lebendigen Farben entkleidee Natur.
Es mochte gegen zehn Uhr abends sein, als ein grosser kraeftiger Mann, der
sich soeben auf offener Landstrasse von seinem ihn offenbar ueber Ort und
Gelegenheit orientierenden Gefaehrten getrennt hatte, mt langsam
schwerfaelligen Bewegungen die Hoehe hinaufstieg, auf der das Haeuschen
lag, welches Ange bewohnte. Je naeher er seinem Ziele kam, desto
bedaechtiger wurden seine Schritte. Einigemal hielt er inne und schaute
spaehend um sich. Aber nirgends zeigte sich etwas Lebendiges: die Gegend
war wie ausgestorben.
Endlich erreichte er das Haus, in welchem noch Licht war, klinkte l$
nnen, wenn auch diejenigen weit von
uns sind, mit denen wir uns--in blitzartiger Erinnerung--beschaeftigen.
Spaeter stuetzte Ange den Kopf, starrte sinnend vor sich hin, griff dann
nach einem Bleistift und machte sich auf einem Blaettchen Papier
allerlei Notizen. Offenbar beschaeftigte sie sich mit ihren Kindern,
vielleicht stellte sie noch einmal deren Wuensche fuer Weihnachten
zusammen. Und dann begab sie sich abermals voll Eifer an die Arbeit,
ruehrte fleissig die Hand und machte nur Pausen, um die Naehte mit dem
Fingernagel nachzuglaetten.
Wer sie heute so sah und einst gekanntJhatte! Ein Gefuehl heisser Ruehrung
musste emporsteige und sich in Bewunderung verwandeln.
Einmal ueber das andere strich Teut in starker Erregung den Schnurrbart.
Wie lange stand er nun schon da, und doch flog ihm die Zeit wie eilende
Sekunden. Es waren lebhafte Gedanken, die ihn beschaeftigten. Er sah, was
vor sich ging, und sah's doch nicht; denn waehrend er den Blick
hineintauchte, gingen zahlreiche Gedanken durch seinen Kopf.
$
en und dann zum nchsten Male aufgegeben. Dabei bleibe
nicht unerwhnt, d8a der Lehrer, der auch etwas studiert hat, allen
guten Willen hat und bei seinen Zglingen beliebt ist. Der Unterricht
ist, wie meist in Amerika, von 9-12 und von 3-6; Sonnabend ist ganz
Nauvoo hat ein halbes Dutzend Kirchen, reichlich viel fr 1500
Einwohner, aber in Amerika nichts Ungewhnliches, da jede Sekte doch ihr
Gotteshaus haben will. Es sind kleine Holzbauten, mit Ausnahme der
katholischen, die an Gre und Schnheit die anderen bertrifft. Der
katholische Pfarrer ist theologisch gebildet; die Geistlichen der
anderen Konfessionen, Lutheraner, Presbyterianer, Deutsch- und
Englisch-Methodisten, sind Farmer, Kaufleute, Handwerker, die das
Predigen als Nebenbeschftigung betreiben und durch Kraft und Flle der
Stimme die sonst fehlenden Eigenschaften ersetzen. An Wochentagen kann
man sie hinter dem Ladentisch, in der Werkstatt und beim Strohaufladen
hantieren sehen. Von dem groen prchtigen Tempel der Mormonen stehen
nicht einm$
Lrmen und
Schreien, ein Drngen und Schieben, da wir froh waren, als wir eine
Viertelstunde spter im Gartenpavillon bei einer guten Tasse Kaffee und
einem Strau'schen Walzer der Ruhe pflegen konnten. Ueber die
Einzelheiten der Geflgelausstellung (denn um eine solche handelte es
sich) geben wir deshalb auch keine weitere Auskunft, fgen nur hinzu,
da viele Besucher bis in den grauenden Morgen beim Tanz die Schlacht
fortsetzten; blutige Kpfe soll es aber nur drei gegeben haben.
Wie sich in Kinderkpfen die Welt anders malt als sonst in
Menschenkpfen, dazu lieferte mein lteres Shnchen Karl eine
Illustration. Als wir ihn nach der Rckkehr erwartungsvoll fragten: "Na,
Karlchen, was haben wir denn nun in Broacker gesehen?" blickte er mit
seinen dunkelblauen Augen zuerst trumend in die Ferne, dann sagte er&
freudig aufbliTkend: "Zwei groe Hunde!"--Enttuscht ber diese wenig
sachgeme Antwort fragte ich forschend weiter: "Und was denn
noch?"--"Viele Wagen und Pferde!" kam es schnell heraus. Da Hhner,
$
hin kamen wir aber nicht.
Den vollsten Gegensatz zu Fredensborg bildet _Frederiksborg_. Dort alles
einfach, idyllisch, lndlich-gemtlich; hier alles prchtig, prunkend,
architektonisch bedeutend. Wenn man die 1-1/2 Stunden Wegs zurckgelegt
hat, taucht pltzlich aus dem Walde eine majesttische Burg mit Thrmen
undZinnen hoch empor, in dem See sich spiegelnd, in den sie mitten
hinein gebaut ist. An dieser Stelle stand frher das Schlo
Hillerdsholm (Holm-Insel), welches Knig Friedrich Ib. umbauen lie und
nach seinem Namen umtaufte. In diesem Schlosse oder, wie die Chronik
sagt, auf freiem Felde in der Nhe desselben, wurde Christian IV.
geboren, der eine solche Vorliebe fr seine Geburtssttte fate, da er
beschlo, an Stelle des einfachen Gebudes ein prchtige Burg zu
errichten. Seine Hofleute verspotteten den groartigen Plan und nannten
ihn eine Kinderlaune, Christian fhrte ihn jedoch mit fremden
Baumeistern aus (1620) und lie, den Spttern zur Strafe, am Portal
Kinderschuhe in Stein gehauen anbrin$
 nicht aus der Seele bringen.
Gelbe Narzissen.
Ein Feuerfalter ward vom jhen Winde
Gleich einem Funken eurem Scho entrissen.
Das Dmchen nahm euch khlen Danks entgegen;
Ihr sterbt nun gleich Verirrten, Heimatlosen.
Dunkle Cypressen.
Ein schwarzer Schatten fllt auf meine Strae:
Ich kann die goldnen Tage nicht vergessen.
Ist es das Vorgefhl der knftigen Frucht schon,
Das wie mit holder Scham dich berglte?
Lorbeerbume.
So ernst, so schweigend, wie im tiefsten Sinnen--
Die schnsten Krnze schenken uns die Trume.
Je mehr du protzst und prahlst mit deinem Glnze,
Je schwler duftet mir dein Gift entgegen.
Immortellen.
Unsterblich sein, das heit doch nur, ihr Zhen,
Langsamen Todes sterben, statt des schnellen.
Schlank, zartster Anmut, doch voll sen Feuers,
Und schmiegsam. Ganz so will ich jede Hebe.
Blutrote Georginen.
Der Bauerndirne, dem verschmten Schelme,
Msst, vllig tuschend, als Versteck ihr dienen.
Weie Winden.
Um toten Dornbusch? Ach, ihr Schwachen msst ja,
So will's Natur, an irgend w$
en Flgeln,
Das stolperte zwischen weien Hgeln;
Bald auf dem linken, bald auf dem rechten Zeh,
So stelzt es im Schnee.
War's Amor, der ein Stndchen gebracht,
berrascht von der ersten Winternacht?
Oder war es nur ein letzter
Kleiner dicker untersetzter
Blumengeist, der berrumpelt
Durch den ersten Schnee hinhumpelt
Und wei nicht so schnell
Wohin zur Stell,
Und, so was kommt vor, im Schrecken vergisst,
Dass er fliegen kann, geflgelt ist?
Ich rief ihn an: Pst! Kleiner!
Kriegt mich auf einmal von hinten einer
Am Kragen und schilt: Schlie das Fenster doch,
Du erkltst dich noch.
Meine Frau, die verstndige war's, sie hlt meist
Meine Mrchenerfindungen fr sehr dreist.
So hab ich ihr auch, was ich sah, verschwiegen
Und bin ganz still ins Bett gestiegen.
Die Schnitterin
War einst ein Knecht, einer Witwe Sohn,--
Der hatte sich schwer vergangen.
Da sprach seinHerr: Du bekommst deinen Lohn,'
Morgen musst du hangen.
Als das seiner Mutter kund gethan,
Auf die Erde fiel sie mit Schreien:
O lieber Herr Graf und h$
ffnen, ich glaube es, die verschlossensten Herzen. Hoffen wir
"Ich danke Ihnen, Frau Grfin, und ich bitte, entwerfen Sie mir ein Bild
von ihrer Tochter. Ich mchte es mit demjenigen vergleichen, das sich in
mir gebildet hat, ich mchte mich berichtigen, sofern es ntig. Ich
werde leichter den Kampf aufnhmen, wenn ich wei, mit welchem Gegner
ich zu thun habe."
Die Grfin nickte, beugte sich ein wenig vor und sagte stark betonend:
"Sie ist ein besonderer Mensch. Sie ist absolut wahr, besitzt shr viel
Charakter, ein trotziges Unabhngigkeitsgefhl und eine seltene
Objektivitt. Jedem Adligen begegnet sie mit Mitrauen, obschon sie
stolzer ist als irgend ein Lavard und ein Verdeuil, die je lebten. Wo
sie einmal liebt, besitzt sie die Treue eines Kindes und die
Opferfreudigkeit eines Engels."
"Also ist sie wirklich das, was ich vermutete--" stie Graf Axel erfreut
"Ich danke Ihnen, Frau Grfin. Wahrlich, also ein Kleinod, nicht nur
schner als fast irgend ein Weib, sondern innerlich von edelster Art,
ein nur de$
h mehr auf. Und der Doktor agitiert
auch schon seit seiner Niederlassung im Dorf. Du weit doch, da Pastor
Nielsen ganz auer sich darber ist, welche Ideen er vor den Bauern
entwickelt. Greife ein! Sprich morgen mit dem Doktor und stelle ihm die
Wahl, sich solcher Dinge streng zu enthalten oder seinen Stab wieder in
die Hand zu nehmen!"
Graf Lavard nickte.
"Ja, es soll geschehen. Nur morgen geht's nicht. Er ist unser Gast; da
wre es unzart, ihm grade Vorhaltungen zu machen."
"Und Imgjor?" fiel Lucile ein.
"Willst du ihr nicht auch gebiieten, da sie ihre Besuche in den
Wirtshusern einstellt? Nchstens erscheint das Bauernv.olk auf dem
Schlohof und stellt dir Forderungen, und wenn du sie nicht erfllst,
stecken sie uns das Dach ber dem Kopfe an!"
"Na, na--Ihr seht allzu schwarz! Ich bewege mich doch auch unter
ihnen--ich kenne sie--"
"Es mag sein, Lavard! Aber da hier vom Schlo aus durch unsere eigene
Tochter die neuen Ideen gefrdert werden, da sie indirekt gegen ihre
eigene Familie zum Widerstand au$
e Wohnhuser der
Beamten, und ihn umkrnzten in weitem Umfange die Gebude der Meierei,
die Kuh-, Pferde- und Schafstlle, die Brauerei, das Dampfmaschinenhaus,
die Remisen fr die Herrschafts- und Arbeitswagen und die Huser fr die
zahlreichen Arbeiterschaften.
Auf diesem Hof, hinter einer gleich den Eingang flankierenden Scheune,
beschlo Graf Dehn abends zunchst Posto zu fassen, um Prests Ankunft
zu beobachten und dessen Schritte zu verfolgen.
Es gab nur diesen einen, direkt zum Park fhrenden Weg, und falls Prest
berhaupt kam, mute er ihn einschlagen.
Zwischen dem Frhstck und dem Tischgang machte Graf Dehn mit dem Grafen
einen lngeren Spazierritt. Letzterer sprach bei dieser Gelegenheit wohl
auch ber Imgjor, ber er uerte nichts ber Inhalt und Verlauf der
Unterredung mit ihr. Es machte Axel den Eindruck, als ob Imgjor ein
Schweigen ber ihre Angelegenheite gefordert habe.
"Wir sprechen noch nher darber!" hatte der Graf geschlossen. "Ich
komme mit Ihrer Erlaubnis auch noch auf das von Ihnen m$
Helfer der verschmten Armen, der vielen Elenden und Kranken
werden. Ich will zu denen mich begeben, von denen ic ausging. War mein
Vater ein Mann aus dem Volke, sank er,--einer von den Tausenden, welche
Elend und verkehrte Erziehung auf Abwege fhrten--, so will ich
versuchen, meine gleich bedrngten Mitmenschen vor Gleichem zu bewahren,
will als Kind meiner Eltern in solcher Weise ihre Fehler nach Krften
shnen. Ich wei, der gerechte und barmherzige Schpfer wird mir
zulcheln, wird meine That mit Erfolg krnen! Und ich bitte dich,
Lucile, gieb mir Antwort auf meine Frage: Liebst du Axel Dehn--?"
Einen Augenblick zgerte Lcile noch. Sie schob den Kopf zurck und
drngte die Lippen zusammen. Dann sagte sie:
"Nun wohlan, Imgjor: Ja, ich liebte ihn! Aber er hat mich nicht gewollt,
mich gar zurckgewiesen. Und das vergit eine Lavard nie! Verschmhst du
ihn--ich habe seit dem heutigen Tage fr immer auf ihn verzichtet--"
Imgjor sah Lucile an und forschte in deren verschlossenen Zgen.
Blsse war auf ihre eige$
 das Geld herausgenommen habe.
Freilich folgte dieser Rede wiederum ein maloser Wutausbruch von Seiten
der Schwester. Sie flog auf das Kind zu und erhob unter Schimpfworten
die Faust gegen deren Angesicht. Nur durch ein Dazwischentreten des
Polizisten ward eine abermalige Zchtigung verhindert.
Aber gerade dieser Zwischenfall verschlechterte die Sache der Familie
Dem Polizeiofficianen, einem energischen Mann, ri die Geduld. Er
befahl Ruhe und sofortigen Frieden und die von der Komtesse geforderte
"Widersprechen Sie nicht, thun Sie, was von Ihnen verlangt wird! Sonst
nehme ich Sie und Ihre Mutter sofort mit. Sie stehen schon lange auf dem
Kerbholz wegen anderer Sachen!"
Nun nderte die Alte pltzlich ihre Haltung.
Nach allerlei Redensarten gab sie zu, da sie wohl etwas zu heftig
gewesen sei, und was Thora anbelange, so knne die sich ja nun mal
garnicht im Zaum halten. So sei es wohl mglich, da sie sich habe
veleiten lassen, einen solchen Brief zu schreiben, und wenn sie es
gethan habe, so solle so etwas$
on
Pforta--freilich auch eine kostspielige: der Abt mit seinen Begleitern
mute abgeholt und wieder heimgebracht und unterwegs und im Kloster
verkstigt, auch herkmmlich mit Erkenntlichkeiten bedacht werden[58].
Bei der Visitation gab's eine Untersuchung aller Mistnde, ein Verhr
aller einzelnen Schwestern und schlielich einen oft scharfen Bescheid.
Es kamen auch an den hohen Festtagen und deren Oktaven Wallfahrer ins
Kloster, denn dieses hatte von verschiedenen Kirchenfrsten Ablsse,
wenn auch nur 40tgige, erlangt fr Besucher und Wohlthter des
Klosters, fr Anhrung von Predigten und Kniebeugen beim Aveluten[59].
Der Hauptabla aber war an einem besondern Tag im Jahre, wahrscheinlich
an der Kirchweihe (23. August). Da war Messe und Jahrmarkt zu gunsten
des Klosters unter dem Namen "_Abla_" (wie in Bayern "Dult" = Indulgenz
= Abla). Zu diesem Tage kamen von weit und breit die Leute. Wenn so zu
Nimbschen jhrlich "Abla" war, muten fronweise aus jedem Klosterdorf
drei Mnner kommen und "zur Verht$

ketzerrichterischen Dominikaner angesehen und schon darum mit einer
gewissen Sympathie betrachtet wurde.
Aber noch tiefer in das Leben und die Gedankenwelt der Klosterbewohner
schnitten die Schriften ein, welche der Wittenberger Mnch und Doktor in
diesen groen Jahren schrieb. Schon die Disputation von "Kraft und Wert
des Ablasses" ber die 95 Thesen ging die Nonnen in Nimbschen besonders
an; denn auf "Kraft und Wert des Ablasses" ruhte ja ein sehr groer Teil
ihres geistlichen Vermgens: der Gottesdienst an jedem Festtag, ja das
Knieeugen beim Aveluten brachte jedesmal vierzig Tage Abla ein. Aber
noch nher sollten ihre Person und ihren besonderen Beruf weitere
Schriften berhren[67].
Es erschien 1518 Luthers "Auslegung des Vaterunsers fr die
Einfltige". Darin mute einem Klosterinsassen gar mancherlei
auffallen. Das Vaterunser, heit's da, ist das edelste und beste
Gebet--beim Rosenkranz aber kommt das Ave Maria 5 mal so oft vor!
Ferner: "Je weniger Worte, je besser Gebet; je mehr Worte, je weniger
Ge$
r Scheine
      28 fl. Muhme Lene gen Borna(u)
      29 fl. fr Ochsen
      10 fl. Valt. Mollerstet      bezahlt
      10 fl. Geleitsmann              "
       8 Thaler M. Philipp            "
      40 fl. fr Gregor Tischer       "
      26 fl. Universitt              "
Zus. 389 fl. auer andern Viktualien. "
Diese "andern Viktualien" waren Gemse, Fleisch, Fisch und Geflgel,
Obst und Kolonialwaren, Getreide und Hopfen, Brot und Semmel, Oel und
Talg, Butter und Honig, Wein und Bier.
Dann hie es: "Gieb Geld fr Hanf und Flachs, Garn und Wachs, Ngel und
Haken, allerlei Geschirr und Gerte in Stube, Kche, Keller, Garten; fr
Wagen und Geschirr."
"Gieb Geld" forderten auch 29erlei Handwerker, ferner Buchfhrer
(Buchhndler), Arzt, Apotheker und Przeptor, Knechte, Mgde, Hirten,
Knaben und Jungfern, Brute und Gevattern, auch Bettler und--Diebe[250].
Ausgaben gab es dann fr manche Patengeschenke, Hochzeiten und
Gastungen, Geschenke zu Neujahr, Jahrmarkt und S. Niklas. Endlich kamen
die "grobe Stck: Hoc$
Luthers erklrt sich
einerseits aus seiner allem Eigennutz abgeneigten Natur und seinem
groartigen Gottvertrauen, andrerseits aber auch aus dem Mangel an
Berechnung, welche dem weltentfremdeten Mnch aus seiner Klosterzeit
noch anhaftete; dies mute aber bei einem "weltlichen" Haushalt
naturgem dazu fhren, da Einnahme und Ausgabe bald nicht mehr im
richtigen Verhltnis zu einander stand. So hatte das junge Paar im
zweiten Jahre seiner Ehe ber hundert Gulden Schulden, so da!Luther
seinem Freunde und ehemaligen Klostergenossen Brisger keine acht Gulden
vorstrecken konnte. "Woher soll ich's nehmen?" fragt er. "Durch meinen
schweren Haushalt und meine Unvorsichtigkeit ist es so gekommen. Drei
Becher sind fr 50 fl. verpfndet. Dazu kommt, da Lukas (Cranach) und
Christian (Aurifaber, Goldschmied) mich nicht mehr als Brgen zulassen,
denn sie merken, da sie so (durch meine Brgschaft) auch nicht besser
daran sind oder ich ausgebeutelt wede. Ich habe ihnen jetzt auch den
vierten Becher gegeben, welchen sie $
nn verlt sich auf sie
und vertraut ihr altes. Da wird's an Nahrung nicht mangeln. Sie arbeitet
und schafft gern mit ihren Hnden, zeuget ins Haus und ist wie ein
Kaufmannsschiff, das gaus fernen Landen viel War' upd Gut bringt. Frhe
stehet sie auf, speiset ihr Gesinde und giebt den Mgden ihr beschieden
Teil. Sie denkt einem Acker nach und kauft ihn und lebt von der Frucht
ihrer Hnde. Sie verhtet Schaden und siehet, was Frommen bringt. Ihr
Schmuck ist, da sie reinlich und fleiig ist"[271].
Husliche Leiden und Freuden.
Es war ein schwerer Haushalt, den Frau Kthe zu fhren hatte, wenn man
auch nur der wirtschaftlichen Sorgen in Haus und Hof, in Kche
und Keller, im Garten und auf dem Felde gedenkt. Aber noch
bewunderungswrdiger wird ihre Leistungsfhigkeit, wenn man alle die
Menschen in Betracht zieht, die als Kinder und Gesinde, als Tisch- und
Hausgenossen tglich und stndlich Anspruch an ihre Frsorge machen in
Wohnung und Kleidung, in Speise und Trank, in Erziehung und Zucht--ganz
abgesehen von de$
in Waldenser,
zu den Tischgenossen, der spter mit Peter Weller zum heiligen Lande
zog, wo beide gestorben und begraben sind[367].
Als fremdlndischer Haus- und Tischgenosse lebte im Lutherhause auch der
"schwarze Engeleser" Dr. theol. Antonius (Robert _Barns_), dem Luther im
Scherz seine Kthe zm deutschen Sprachmeister geben wollte und der auch
Gast bei den hufigen Hochzeiten im Schwarzen Kloster war. Er war 1529
seines Glaubens wegen aus der Heimat geflohen, dann von Heinrich VIII.
als Unterhndler seiner neuen Ehe und "Religion" gebraucht, aber dann
doch bei seiner Rckkehr mit zwei Gefhrten "von Knig Heinz wegen
seines evangelischen Glaubens auf das Schmidfeld hinausgefhrt und
verbrannt worden". Von dm Mrtyrertum "unseres guten Tischgesellen und
Hausgenossen" gab Luther dann eine Schrift heraus[368].
Kthes Tischgenosse war ferner der Ungar Matthias v. Vai, ein mutiger
Mann, dem es daheim besser erging als Robert Barns. Denn als er mit
seinen papistischem Amtsgenossen in Streit geriet, verklagte ih$
was erregt, ein lebhafter Sprecher,
"unser Demosthenes", der lieber redete als schrieb; denn er "drohte" nur
Briefe zu schreiben, fhrte es aber nicht aus, wie Luther scherzt. Die
Familie wohnte in der Fischervorstadt, hatte auch Garten und Weinberg.
Whrend der Pest 1527 und wieder 1535 zog Jonas mit Weib und Kind in
seine Vaterstadt Nordhausen bezw. nach Jena. Er war bei den
Verhandlungen in Augsburg, Marburg, Frankfur, Schmalkalden u.s.w. viel
abwesend von Wittenberg, so da Luther viele und hufige Briefe an ihn
zu schreiben hatte, in denen Frau Kthe mit Gren, Auftrgen und
Mahnungen und dgl. sich hren lt. Umgekehrt grt auch Jonas die Frau
Doktorin, Muhme Lene, Hnschen, Lenchen--und sendet seinem Paten einen
silbernen Johannes, d.h. einen Joachimsthaler (Gulden) mit dem Bildnis
des Kurfrsten Johann[443]. Jonas hatte sich schon 1522 verheiratet mit
Katharina von Falk. Sie hatte eine groe Kinderschar (1530 schon 5
Shne), aber viele starben jung; bekannt sind davon Jost, Christoph,
"Sophiela", $
r bitten, so wird sie ja mit derselben
Rate handeln und vorgehen mssen. Und ich dchte, da Kreuziger und M.
Melanchthon neben andern die besten Vormnder wren; denn sie wissen ja
um des Herrn sel. Gelegenheit; die Kinder mssen ihnen auch des Studiums
halbe vor anderen folgen."
Aber die beiden schlugen die VormundVchaft "alsbald glatt ab", aus
Ursachen, da "die Frau nicht folge und sie oft beschwerliche Reden von
ihr wrden einnehmen mssen".
Ferner lie sich Melanchthon vernehmen, da sie der Kinder keins wolle
von sich thun, sondern dieselben sollten bei ihr in Wittenberg
unterhalten werden. Und wiewohl der ltere Sohn Hans nicht ungeneigt
gewesen wre, auf des Kurfrst gndiges Erbieten gen Hof und in die
kurf. Kanzlei zu ziehen, so htte sie ihn doch (ab)wendig gemacht.
Man[598] habe von andern auch dergleichen gehrt, da sie vorgbe: es
wre ein alberner Gesell, man wrde ihn in der Kanzlei nur ffen und zum
Narren machen. Zum Studium tauge er nach Melanchthons Meinung gar nicht,
denn er wre zu gr$
nter "Boa". Zu S. 13-15 Urkundenb. 319 f.
[42] _Cordatus_ Nr. 954.
[43] Urkb. 303: 1504 nahm das Kloster "zur Anhebung der hl. Reformation"
Geld auf. 324: "Obgleich noch viel zur Reformation gehrt."
[44] Die stndige Eingangsformel eines Antwortschreibens lautet: Euern
Brief habe ich rhalten und verstanden.
[45] In der Zeit, da das Kloster evangelisch geworden war, wurde den
Schreibverstndigen unter den Klosterfrauen aufgegeben, die jungen
wenigstens, die es noch nicht konnten, schreiben zu lehren. _Dr.
Gromann a.a.O._ S. 80.
[46] Sachsengrn, 81, Urkb. 319, 323. Altes Gesangbuch 290.
[47] _Seidemann_, Kollekt. Pars II unter "Bora".
[48] Florentina bei Walch XIX 2095 ff.
[49] Florentina. Walch a.a.O.
[50] Br a.a.O. Anderwrts waren die Spenden bei der Einsegnung
tarifmig festgesetzt und sehr betrchtlich; z.B. im Kloster Hausdorf
erhielt der Propst allein 32 Gr. und 1 Fingerlin (Ring), die Priorin und
Kellnerin je einen Schleier, 15 Gr., 4 Stck Fleisch, 1-1/2 Stbchen
Bier und ein St. Wein, und alle B$
 Ostertag in
Torgau an und wurde vom Magister Zwilling freudig empfangen. In Torgau
wurde uebernachtet, die wel+tliche Kleidung der Klosterjungfrauen in der
Eile noch vervollstaendigt und am anderen Tag ging es Wittenberg zu, weil
es doch nicht geraten schien, die Entflohenen so nahe bei dem Kloster
und auch so nahe beim kurfuerstlichen Hof zu lassen[91].
Am Osterdiensag kam der Zug in Wittenberg an; ohne alle Ausstattung, in
ihrer geborgten und eilig zusammengerafften Kleidung, mit den
geschorenen Haeuptern ein "arm Voelklein", aber in ihrer grossen Armut und
Angst ganz geduldig und froehlich[92].
Luther empfing sie mit wehmuetiger Freude. Den kuehnen aber rief er zu:
"Ihr habt ein neu Werk gethan, davon Land und Leute singen und sagen
werden, welches viele fuer grossen Schaden ausschreien: aber die es mit
Gott halten, werden's fuer grossen Frommen preisen. Ihr habt die armen
Seelen aus dem Gefaengnis menschlicher Tyrannei gefuehrt eben um die
rechte Zeit: auf Ostern, da Christus auch der Seinen Gefaengnis g$
us der Luther'schen
Eheleute auf.
Die Kurfuerstin Elisabeth von Brandenburg hatte sich, besonders durch den
Einfluss ihres evangelisch gesinnten Leibarztes Ratzeberger, der
Reformation zugewandt, waehrend ir altglaeubiger Gemahl Joachim I. streng
darauf sah, dass das Lutherische Gift nicht ueber die saechsische Grenze
herueberkaeme. Da musste er von seiner 14jaehrigen Tochter Elisabeth zu
seinem Schrecken erfahren, dass seine eigene Gemahlin im Berliner
Schlosse heimlich das Abendmahl unter beiderlei Gestalt genommen habe.
Er sperrte die Kurfuerstin ein; das Geruecht ging, er wolle sie einmauern
lassen. Da entwich sie mit Hilfe ihres koeniglichen Bruders Christiern,
der damals landfluechtig in Deutschland umherirrte, samt Dr. Ratzeberger
(Maerz 1528) und floh zu ihrem Oheim Kurfuerst Johann nach Sachsen.Ihren
Wohnsitz erhielt sie auf Schloss Lichtenberg, hielt sich aber oft in
Wittenberg auf und verkehrte viel im Klosterhause mit Luther und Frau
Kaethe; sie stand sogar zu einem der Kinder Gevatter[196].
Auch $
s es wahr sei, sonst waere es zu grob. Schreibe mir auch einmal,
ob Du alles kriegt hast, was ich Dir gesandt, als neulich 90 Fl. bei
Wolf Fuhrmann u.s.w. Hiermit Gott befohlen, Amen. Und lass die Kinder
beten. Es ist allhier solche Hitze und Duerre, dass unsaeglich und
unrtraeglich ist bei Tag und Nacht. Komm, lieber juengster Tag, Amen.
Freitags nach Margareten, 1540. Der Bischof von Magdeburg laesst Dich
freundlich gruessen.
Dein Liebchen
Martin Luther."
Und endlich als es wieder auf die Heimreise ging, kuendigt Luther Kaethe
die Rueckkehr an und bestellt einen Willkommtrunk.
"Der reichen Frauen zu Zulsdorf, Frauen Doktorin Katherin Lutherin, zu
Wittenberg leiblich wohnhaftig und zu Zulsdorf geistlich wandelnd,
meinem Liebchen zu handen.--Abwesend dem Doktor Pomeran, Pfarrherr, zu
brechen und zu lesen.
... (Ew. Gna_en) ... wollen schaffen, dass wir einen guten Trunk bei Euch
finden. Denn, ob Gott will, morgen Dienstag wollen wir auf sein gegen
Wittenberg zu. Es ist mit dem Reichstage zu Hagenow ein Dreck, $
 Wittenberg locken. Dagegen warnt sie ihn, sich von
der "Guete des Weins" bei Spalatin beruecken zu lassen, wodurch der Leib
so rauch und scharf von Steinen were, wie die Weinfaesser, wenn sie
ausgetrunken sind. Mit dem Bier wusste Frau Jonas nicht so wohl Bescheid
wie Frau Lutherin; denn dasjenige, das sie Luther einmal schickte, war
verdorben. Angenehmer als dieses Geschenk waren der Wein, die Quitten
und Aepfel u.a., welche Jonas von seinen Reisen oder aus Halle
sandte[447]. Als Frau Kaethe zu Anfang des Jahres 1540 schwer erkrankte,
da schrieb Jonas manchen betruebten Brief voll aufrichtiger Teilnahme und
Sorge. "Wenn mein Brief so truebselig ist, so ist die Trauer schuld um
die hochgeschaetzte Frau, weil sie so krank darniederliegt." Und er freut
sich "dann, als [Griechisch: hCe gynae] des Herrn D.M. Luther durch
goettliche Wunderkraft wieder gesundet." Im Fruehjahr 1541 zog Jonas nach
Halle, um dort trotz des Bischofs "mit Volk und Rat" die Reformation
durchzufuehren[448]. Da sich dieser Aufenthalt, wie$
ses Fass geschickt." "Und zwar durch einen grossen
Mann, unsern Charon", setzte Luther hinzu. "Ja, heut ist alles gross!"
meinte sie darauf[484].
In Luthers eigener sinniger Art, aber mit wirkungsvollem Handeln wusste
sie ihrem Gemahl entgegenzutreten. Da war er einmal in einer Anwandlung
von Schwermut, an Gott und der Welt verzweifelnd, fortgegangen. Als er
heimehrte, trat ihm Frau Kaethe entgegen im schwarzen Trauergewand und
den Schleier tief im Gesicht. Erschrocken rief er: "Um Gotteswillen,
Kaethe, was ist geschehen?" "O, Herr Doktor, ein grosses Unglueck",
erwiderte sie; "denket nur, unser lieber Hergott ist gestorben, des bin
ich so traurig." Da fiel Luther seinem Weibe um den Hals und rief: "Ja,
liebe Kaethe, that ich doch, als waer' kein Gott im Himmel mehr!" Und so
gewann er neuen Mut, dass er die Traurigkeit ueberwand[485].
Nicht nur Luthers Verstimmungen und Anfechtungen wusste Frau Kaethe
aufzuheitern, sondern auch den gewaltigen Willen des bei aller
Gutmuetigkeit eigensinnigen und starrkoepfig$
reibe. Hoffte ich doch, man sollte
mir Abgestorbenen nun die Ruhe goennen, die ich mir, denkt mich, verdient
habe. Aber als haette ich niemals etwas gethan, geschrieben, geredet und
ausgefuehrt, muss ih so viel reden, thun und ausfuehren, dass ich mir
keinen Rat weiss. Ich bin so beschaeftigt, dass ich gar selten Musse habe,
zu lesen oder fuer mich zu beten, was mir beschwerlich ist.[537]
Freilich brach oft der angeborene Humor bei Luther durch, und das frohe
Gottvertrauen blieb wohl die Grundstimmung seines Wesens. Aber bei
seinem zur Schwermut neigenden Temperament und Gesundheitszustand
pflegte der alternde Mann doch vorwiegend die Schattenseiten aller
Erscheinungen zu sehen und nur selten konnte er sich sagen: "Ich lasse
das Antlitz unsrer Gemeinden nicht trauervoll zurueck, sondern bluehend,
durch reine und heilige Lehre mit vielen vortrefflichen und lauteren
Geistlichen, von Tag zu Tage wachsend.[538]
So war ihm Zeit und Welt widerwaertig geworden. "Welt ist Welt, war Welt
und wird Welt sein." Und er $
s Papst Paul gestorben waere), verfasste noc einen Brief an
den Freund und Frau Kaethe schickte noch eine Salbe mit, zur
Wiederherstellung der Fontanelle am linken Schenkel. Aber am Freitag
frueh 6 Uhr kam aus Torgau ein reitender kurfuerstlicher Bote vor des
Kanzlers Brueck Haus; dieser liess sogleich D. Bugenhagen, Kreuziger und
M. Philipp zu sich kommen; sie wussten aber bereits, was das
kurfuerstliche Schreiben meldete, ehe er es ihnen zu lesen gab,denn vor
einer Viertelstunde war auch ein Bote mit einem Brief aus Eisleben von
Jonas an sie gelangt. Auf Bruecks Bitten verfuegten sich die drei Herren
mit des Kurfuersten und Jonas' Brief unsaeumig hinauf zu der Doktorin und
berichteten sie mit der besten Vorsicht von ihres Herrn Abgang. "Da ist
das arme Weib, wie leichtlich zu achten, hart erschrocken und in grosser
Betruebnis gewesen." Aber wiederum nicht an sich dachte sie zumeist,
sondern an ihre Kinder, besonders, wie ihre drei Soehne in der Ferne sich
ueber des Vaters Tod halten moechten[561].
Katharin$
s Volkes gewesen, dass sich's
billig in der Eil zu verwunden und viele bekannt haben, dass sie
dergleichen zu Wittenberg nicht gesehen."
So ging es unter Gesang und dem Gelaeute aller Glocken in unabsehbarem
Zuge vom Elsterthor die ganze Laenge der Stadt hin am Kloster vorbei,;das
jetzt verwaist von seinem Vater und Herrn dalag, die Kollegienstrasse
hinab zur Schlosskirche. Dort wurde der Sarg am Predigtstuhl
niedergestzt. Trauerlieder erschollen, bis Bugenhagen die Kanzel
bestieg und vor den ungezaehlten Hoerern, die in und vor der Kirche
standen, eine "gar festliche und troestliche Predigt" that. Darauf hat
Melanchthon "aus sonderlichem Mitleiden, um die Kirche zu troesten", eine
lateinische Gedaechtnisrede gehalten, die vor dem allgemeinen Weinen und
Schluchzen kaum gehoert wurde. Seine Klage: "Wir sind wie arme Waisen,
die einen vortrefflichen Mann zum Vater gehabt und ihn verloren haben",
die den Grundton aller Rede bildeten, sie waren ganz besonders
denjenigen aus dem Herzen gesprochen, die dem teuren $
rt war. T.-R.
[189] Hans Polner Br. IV, 131. VI, 123. 151. Cord. 444 N. lies: Hans
statt Andreas Polner.
[190] V, 492. VI, 649 f. _Kolde_, Anm. Luth. 428. Ztschr. f.
Kirchengesch. 1878, S. 145. Neobulos, eigentlich Neobolos.
[191] IV, 342 f. T.-R. I, 350.
[192] III, 217 ff. VI, 683 unter "Mocha".
[193] III, 178. V, 189.
[194] Ganerben = Gesamterben. Wie falsch diese Beschuldigung des
Stehlens war, geht daraus hevor, dass die Herzogin mittellos zu L. kam
und ihre Begleiterin ein grosses Vermoegen im Stich gelassen hatte. (Br.
III, 290). Katharina von Mergenthal, (IV, 469) Anna und Christina Korb
hatten nichts mitgebracht, als ihr Pelzlein und Ziechen vom Bettgewand.
(N. Archiv f. saechs. Gesch. III, S. 319).
[195] S. 104. Br. III, 219.--Die Matronen Luther, Melanchthon u.a.
pflegten in der Stadt schwangere Frauen zu besuchen und zu beraten.
_Seidemann_, Beitr. S. 496. Kollekt. unter "Bora".
[196] _Koestlin_ II, 115. Nach _Seckendorf_ II, 122 war die Kurfuerstin
drei Monate im Lutherhaus.
[197] _Kolde_, An. Lu$
schreibt (Br. IV, 497, V, 46), ist nicht zu
verwundern; schrieb doch der 11jaehrige Herzog Wilhelm von Sachsen an
Hans Luther auch eine, wohl mit Hilfe seines Lehrers, verfasste
lateinische Epistel 1541, _Mayer_ Sec. 17. (D. D. _Richter_, Geneal.
Luther. 379).
[308] _Lauterbach_ 141. Martin. T.-R. I, 205. _Koestlin_ II, 491.
Florian, Ztschr. f. K.-Gesch. II, 145 f.: L. diktiert dem Buben zum
Willkomm drei Tage hintereinander je des Tages einen guten fetten
Schilling.--Zeile 10 lies: Florian (st. Fabian).
[309] T.-R. I, 202.
[310] T.-R. IV, 76. 64.
[311] T.-R. IV, 129. _Matthes._ 145.
[312] Muhme Lehnes Tod. T.-R. III, 153.--Rosine, Br. V, 625. 396. 506.
[313] V, 101.
11. Hochzeiten und Krankheiten, Pest und Tod.
[314] T.-R. IV, 41. 84. 104. Br. V  186 f. 198. II, 317.
[315] T.-R. IV, 53, 75. 51.
[316] VI, 189 f. 196. T.-R. III, 147. IV, 54-56.
[317] Br. VI, 217.
[318] T.-R. IV, 58. I, 184.--Wein und Brot. T.R. I. 106. Wenn Luther das
Tanzen empfiehlt, so vgl. [445].
[19] T.-R. IV, 59.
[320] IV, 610 f. 618. 6$
en geboren und mit Thraenen, Sorgen und Entbehrungen gross gezogen
hatte. Kein Dichter stuermte seinen Schmerz und Unmuth ueber die
Erniedrigung des Volks in die Saite, kein Gelehrter schaemte und graemte
sich, die ihm von Natur naechsten und liebsten Wesen von sich getrennt zu
sehn durch eine ungeheure geistige Kluft, welche nur die Bildung der
alten und neuen Welt auszufuellen vermogte. Lessing schreibt den Nathan,
und beweist, dass der Jude eben so viel Ansprueche habe auf den Himmel als
der Christ, aber er schreibt nichts, worin er beweist, dass der Bauer,
sein Vetter, eben so viel Ansprueche habe den Nathan zu lesen, als der
vornehme und gebildete Stadtensch. Winkelmann steht am Fusse des
Vatikans und erfuellt die Welt mit Orakelspruechen ueber die Schoenheiten
des Apoll von Belvedere, ueber das goettliche zornblickende Auge, die
geblaehten Nasenfluegel, die veraechtlich aufgeworfene Unterlippe, "eben
hat er den Pfeil abgesandt nach den Kindern der Niobe, noch ist sein Arm
erhoben," und im selbigen Auge$
ische Synode?
Der liee sich in Stcke feilen
Und in politische "Kammern" teilen,
Der liee sich wie Schmugglerwaren
ber die Grenze heimlich fahren?
  Und _eben jetzt_, da auf den Hhen
Die Feuerzeichen flammend rauchen,
Da Schulen fr das Volk erstehen
Und nicht um Platz zu kmpfen brauchen,
Wo Mut und Sinne sich verjngen,
Dieweil wir hren, glauben, singen;--
Jetzt, da mit dumpfen Wetters Macht
Sich Wellen aus de Tiefe heben,
Und drber hell wie Nordlichtpracht
Der Jugend Sehnsuchtrufe schweben,--
Jetzt, da de Geist allberall
Die alte, starre Form verschmhte,
Wo schmetternd mit der Kriegsdrommete
Der junge Wille strmt den Wall!
Kampfgroe Zeit! Und wir mittinnen!
Der Erde Grtes ist's: zu sein,
Wo Krfte grend sich befrein
Und Formen und Gestalt gewinnen;
Von eignen Feuers berflu
Zu opfern fr den groen Gu,
Den Abdruck seiner eignen Form
Zu sehn als der Geschlechter Norm,--
Zu hauchen in den Mund der Zeit
Den Geist, den Gott in uns geweiht.
       *       *       *
Das war's, was ich dir sagen m$
 hinabgetragen,
Lie die Kunde zu Lehr' und Ehr'
Sptesten Tagen:
Also lie uns, der unser war,
Schwindend Gesichte, die nicht entschwanden,
Die noch schweben, leuchtend und klar,
Sonnenwolken ob Meer und Landen,
Unsern Ausblick auf tausend Jahr'
Hell zu umranden.
AUS DER KANTATE FR N.F.S. GRUNDTVIG
Sein Lebenstag, der grte, den Norden je gekannt,
Der mitternchtigen Sonne war wunderbar verwandt.
Das Licht, in dem er wirkte, von "Gottes Frieden" war,
Das nimmer untersinket, nie neuen Tag gebar.
Im Licht von Gottes Frieden Geschichte er unsR gab,
Als Geistesschritt auf Erden, hoch ber Zeit und Grab.
Im Licht von Gottes Frieden hat er der Vter Bahn,
Zur Warnung und als Beispiel, klar vor euch aufgetan.
Im Licht von Gottes Frieden folgt' er mit Wachsamkeit
Dem Volke, wo es baute, der groen Geister Streit.
Im Licht von Gottes Frieden Aufklrungsmacht er sah,--
Wo seinem Wort man glaubte, Volksschulen blhten da.
Im Licht von Gottes Frieden stand fr ganz Dnemark
Sein Trost, wie eine Schildburg hellschimmern$
 Donnern rollet fort
Und alles berdrhnet, dies Wort, dies Losungswort.
Im Gotenkampfe nordwrts verschlagen wurden wir;
"Leben in Freiheit und Glauben!" ist unser Volkspanier.
Der Gott, der Land und Sprache und alles hat verliehn:
In Werken, die er uns heischet, in Taten finden wir ihn!
Der Vielen und der Kleinen Pflichteifer soll er sehn,
Kampf gilt es gegen alle, die da nicht wollen verstehn.--
Anhebt es wic ein Sausen im Korn am Sommertag
Und geht nun schon als Brausen hin ber Wald und Hag.
Es wird zum Sturme wachsen, eh's einer noch erkannt,
Mit Donner in seiner Stimme weit ber Meer und Land.
Ein Volk, dem Ruf gehorsam, ist der Erde grte Kraft,
Hat ,je noch Hoch und Nieder geworfen und hingerafft.
OFFNE WASSER
Offne Wasser, offne Wasser!
Sehnsucht,--bange, winterlange,--
Wird nun gar zum heftigen Drange.
Blaut ein Streifchen kaum im Sunde,
Dehnt zum Monat sich die Stunde.
Offne Wasser, offne Wasser!
Sonne lchelt, nascht vom Eise
Schamlos bald nach Prasserweise.
Lt sie ab: zur Nacht geschwinde
Tro$
en. Dann hopste er
in die Hhe, um den Schnee abzuschtteln, und rief bei jedem Hopser:
"Kalt ist es, sagte die Trollbraut, als sie bis zum Grtel im Eis
steckte!" Der Vater war nicht da, die Mutter fegte den Schnee zusammen
und trug ihn, ohne ein Wort zu sagen, hinaus.--"Nach was glotzt Du
denn?" fragte Aslak den Thorbjrn. "Nach nichts", sate der Junge, denn
er hatte Angst. "Hast Du schon den Hahn dahinten in Deinem Lesebuch
gesehen?"--"Ja"--"Wenn's Buch zu ist, sind auch 'ne Menge Hhner um ihn
herum,--hast Du das auch schon gesehen?"--"Nein."--"Na, dann sieh mal
nach."--Der Junge tat's.--"Schafskopf!" sagte Aslak zu ihm.--Aber von
dieser Stunde an hatte keiner soviel Macht ber ihn wie Aslak.
"Du kannst gar nichts", sagte eines Tages Aslak zu Thorbjrn, als der
wie gewhnlich hinter ihm herstapfte.--"Ja, ich kann schon alles bis zur
vierten Seite."--"Das ist was Rechtes! Du hast noch nicht mal was vom
Troll gehrt, der mit dem Mdchen solange tanzte, bis die Sonne aufging,
und dann platzte, wie ein Kalb,$
Was soll ich
Dir zu sagen haben?" Er gewann seinen alten Mut wieder und wollte sie
umfassen; aber als er ihr nahe kam, traute er sich nicht recht und
fragte nur ganz geduckt: "Ingrid hat doch mit Dir geredet?"--"Ja",
antwortete sie. "Dann mut Du auch etwas wissen", sprach er weiter. Sie
schwieg. "Dann mut Du auch etwas wissen", wiederholte er, und trat noch
einmal auf sie zu. "Du mut wohl auch etwas wisse", entgegnete
sie;--ihr Gesicht konnte er nicht sehen. "Ja", sagte er, und wollte ihre
eine Hand fassen; aber sie war gerade zu sehr mit dem Halm beschftigt.
"Dumme Geschichte das," sagte er, "Du machst mich immer
kleinmtig."--Weil er nicht bemerken konnte, da sie darber lchelte,
wute er nicht, wie er fortfahren sollte. "Kurz und gut," stie er
pltzlich mit starker, aber doch etwas unsicherer Stimmevor: "Was hast
Du mit dem Zettel gemacht?" Sie antwortete nicht; wandte sich aber ab.
Er folgte ihrer Bewegung, legte die eine Hand auf ihre Schulter und
neigte sich ihr zu: "Antworte mir", flsterte er.-$
"--"Doch, jetzt in den letzten Tagen; aber ich bringe kein Lied
zustande."--"Was hast Du denn darin sagen wollen?"--"Etwas von Mutter,
die Deinen Vater so lieb hatte."--"Das ist ein schwieriger Stoff."--"Mir
sind auch darber die Trnen gekommen."--"Du mut nicht nach Stoffen
suchen; sie kommen von selbst."--"Wie denn?"--"Wie alles Liebe: wenn Du
es am wenigsten erwartest.--Sie schwiegen beide. "Mich wundert, Arne,
da Du Dich von hier fortsehnst, wo Du doch soviel Schnes in Dir
hast."--"Weit Du denn, da ich mich fortsehne?"--Sie antwortete nicht;
sie lag ganz still wie in Gedanken. "Arne, Du darfst nicht fort!" sagte
sie, und das ging ihm warm zu Herzen.--"Manchmal hab' ich auch weniger
Lust dazu."--"Deine Mutter mu Dich sehr lieb haben. Ich mchte Deine
Mutter einmal sehen!"--"Komm doch mal nach Kampen, wenn Du erst wieder
gesund bist." Und da stellte er sie sich auf einmal vor, wie sie in
Kampen in der hellen Stube sa und auf die Berge schaute; sein Herz fing
zu klopfen an, und das Blut scho ihm ins$
e stopfte. "Wenn hier
doch ein kleines Mdchen wre, das sich ihn eroberte; dann solltest Du
sehen, er bliebe!"--Sie sah rasch auf und folgte dem Pfarrer mit den
Augen, bis er vor ihr stehen blieb: "Eli Ben--? Was?" Sie wurde rot und
blickte wieder zu Boden; aber sie antwortete nicht. Der Pfarrer stand da
und wartete und sagte schlielich, diesmal aber ganz leise: "Wen wir es
so einrichteten, da sie fter hier im Pfarrhaus zusammenkmen?" Sie
blinzelte zu dem Pfarrer hinauf, um zu sehen, ob es ihm auch voller
Ernst sei. Aber sie wagte nicht so recht, daran zu glauben. Der Pfarrer
setzte sich wieder in Bewegung, stand dann aber still: "Hr' mal,
Margit! Wenn man's bei Licht besieht, war das am Ende Dein ganzes
Anliegen heute?"--Sie sah zu Boden, steckte ein paar Finger in das
zusammngefaltete Taschentuch und holte einen Zipfel hervor: "Nun ja,
Gott verzeih mir's: das wollte ich ja gerade."--Der Pfarrer brach in ein
herzliches Lachen aus und rieb sich die Hnde: "Vielleicht wolltest Du
das schon, als Du das $
war es noch still; die Bltter hingen entseelt an den Bumen und regten
sich nicht; die Luft war etwas schwl; die Leute hatten Mntel mit, aber
sie brauchten sie gar nicht. Ungewhnlich viel Menschen sammelten sich
vor der freistehenden Kirche an; die Konfirmationskinder aber gingen
gleich in die Kirche hinein, weil sie aufgestellt werden sollten, bis
der Gottesdienst begann. Da kam der Schulmeister an im blauen Anzug, mit
Frack und Kniehosen, Stulpstiefeln und steifer Halsbinde, und seine
Pfeife guckte hinten aus der Rocktasche; er nickte und <achte, schlug
diesem auf die Schulter und ermahnte jenen, recht laut und deutlich zu
antworten, und kam mittlerweile bis an die Armenbchse, wo yvind mit
seinem Freunde Hans stand,@dem er ber die Reise Auskunft gab. "Guten
Morgen, yvind, ist das ein schner Tag!"--er fate ihn am Rockkragen,
als wolle er mit ihm reden,--"hr' mal, ich glaub' das beste von Dir.
Eben habe ich mit dem Herrn Pfarrer gesprochen; Du darfst Deinen Platz
behalten; stell Dich obenan und ant$
 nach Hause komme; denn da ist manches verkehrt angefangen,
und es ist merkwrdig genug, da es berhaupt bis jetzt gegangen ist.
Aber ich will schon Zug hineinbringen, denn ich habe jetzt viel gelernt.
Ich mchte wohl irgendwohin, wo ich alles verwerten kann, was ich jetzt
wei; deshalb mu ich mir eine groe Stellung suchen, wenn ich fertig
bin. Hier sagen alle, Jon Hatlen ist gar nicht so tchtig, wie man bei
uns zu Haus denkt; aber er hat ja einen eigenen Hof, so da es keinen
auer ihn selbst was angeht. Viele, die von hier abgehe', bekommen sehr
hohen Lohn; aber sie werden so gut bezahlt, weil wir die beste
Ackerbauschule im ganzen Lande sind. Manche sagen, im Nachbaramt ist
noch eine bessere, aber das ist wohl nicht wahr. Hier hrt man immerzu
zwei Worte: das eine heit Theorie und das andere Praxis, und es ist
gut, wenn man alle beide hat, und das eine ist ohne das andere nichts
wert, aber das zweite ist doch das beste. Un	d das erste Wort bedeutet,
da man von einer Arbeit die Ursache und den Grund k$
cklich lernen wir viel Geschichte, die wir vorher noch nicht
gehabt haben, und es ist seltsam, was alles in der Welt geschehen ist
und besonders bei un. Denn wir haben immer und immer gesiegt, auer
wenn wir geschlagen wurden, aber dann sind wir immer viel, viel kleiner
gewesen. Jetzt sind wir frei, so frei wie kein andres Volk auer
Amerika, aber da sind sie nicht glcklich. Und unsere Freiheit sollen
wir ber alles lieben.
Jetzt will ich fr diesmal schlieen, denn ich habe sehr viel
geschrieben. Der Herr Lehrer liest Euch wohl den Brief vor, und wenn er
fr Euch antwortet, soll er mir auch von allerlei Leuten was Neues
erzhlen; denn das tut er nie. Nun seid vielmals gegrt von Eurem
dankbaren Sohn
  . Thoresen.
  Liebe Eltern!
Jetzt mu ich Euch mitteilen, da hier Examen gewesen ist, und ich habe
mit vorzglich in vielen Fchern bestanden, mit sehr gut im Schreiben
und Feldmesse, und mit ziemlich gut im norwegischen Aufsatz. Das kommt
daher, sagt der Direktor, da ich nicht genug gelesen habe, und er $
menleben der
Mutter mit der Tochter, bei dem der Vater bisher auen gestanden hatte,
wurde jetzt erst so recht durchlebt. Vom ersten Augenblick an, dessen
sie sich als Kind entsinnen konnte, wurde alles wieder vorgenommen; ihre
Lieder wurden gesungen, ihre Gebete gebetet; die Predigten, die sie am
liebsten gehrt hatte, wurden eine nach der anderen vorgelesen, und alle
ihre Worte und Auflegungen treulich ins Gedchtnis zurckgerufen. Also
in Wirksamkeit gesetzt, empfand er bald das Verlangen, das Land
wiederzusehen, wo er sie gefunden hatte, um auch dort auf dieselbe Weise
ihren Spuren nachzugehen. Sie gingen auf Reisen. Und dadurch, da er so
ihr ganzes Leben ungeteilt in sich aufnahm, gesundete er wieder. Ihm,
der selbst wieder Anfnger wurde, ging der Sinn auf fr alles um ihn
her, was da in seinen Anfngen lag,--fr die groen nationalen, fr die
kleineren politischen Ideen: und dasgab ihm ein Stck seiner eigenen
Jugend wieder. Seine KrWfte kamen zurckgestrmt, und mit ihnen all die
heien Hoffnungen v$
emark
Sein Trost, wie eine Schildburg hellschimmernd, trutzig-stark.
Im Licht von Gottes Frieden erobert werden soll
Verlornes und was brach liegt, mit tausendfachem Zoll.
Im Licht von Gottes Frieden steht heut sein Greisentum
Als Amen seines Lebens voll Manneskraft und Ruhm.
Im Licht von Gottes Frieden, wie strahlte er so rein,
Wenn am Altar er schenkte des Herrn Versoehnungswein.
ImA Licht von Gottes Frieden gehn ueber Meer und Land
Die Worte und die Psalmen, die er uns hat gesandt.
Das Licht von Gottes Frieden, sein Sonnenstrahlenhort,
Umglaenzte still sein Leben--: so lebt er in uns fort.
BEI EINEM FEST FUER LUDV. KR. DAA
Junge Freunde im innigen Kreis,
Alte Feinde kommen;
Fuehle dich sicher, denn freundschaftsheiss
Sind dir die Herzen entglommen.
Wieder gab's hier einen ernsten Tag,
Wieder schlugst du mit Reckenschlag:
Jeder bekam wie stets seinen Hieb,
Doch jetzt sei lieb!
Nicht mit Hallo und mit Handschuhen nicht,
Noch mit Sektglasklingen,--
"Alter Forscher", herzenschlicht
Wollen wir Dank dir bringen$
 der Granlidener
Hof nicht so entfernt, dass sie den Weg nicht machen konnte, wenn ihr
Herz sie trieb. Waehrend sie nun noch dasass und darueber nachsann, fasste
sie in Gedanken alles zusammen, was ihr die Mutter gesagt hatte, und
fing wieder an zu weinen; aber jetzt zauderte sie nicht mehr, wie sie es
den ganzen Tag ueber getan hatte, band sich ein Tuch um und stahl sich
ueber einen Schleichweg hinunter, damit es die Jungen nicht merkten.
Je weiter sie kam, desto mehr eilt6e osie; zuletzt sprang sie den Fusssteig
hinab; dabei loesten sich kleine Steine und rollten hinunter. Sie
erschrak. Obgleich sie wusste, dass das Geraeusch nur von den rollenden
Steinen kam, war es ihr doch, als befinde irgendein Wesen sich in der
Naehe; sie musste stehen bleiben und lauschen. Es war aber nichts;
schneller sprang sie talwaerts; ihr Fuss stiess nun gegen einen grossen
Stein, der mit dem einen Ende aus dem Wege hervorstak, herausgedraengt
wurde und hinunterflog. Das gab ein Getoese, es prasselte in den Bueschen;
ihr wurde b$
d und auf der Au;
    Da gilt's nur aufzupassen, dass man nichts Falsches schau'.
    'nen Burschen, der den Vater erschlug, sah ich im Traum;
    Ich weiss nicht wo, doch denk' ich mir, es war im Hoellenraum.
Er kam nach Hause und sagte seiner Mutter, sie moege sich im Dorf nach
einem andern Huetejungen umsehn; er selbst wolle sich jetzt lieber um
den Hof bekuemmern. So geschah es; aber seine Mutter kam immer mit
Ermahnungen; er solle sich nicht bei der Arbeit ueberanstrengen. Sie
setzte ihm in dieser Zeit auch so gutes Essen vor, dass er oft ganz
beschaemt war; aber er sagte nichts.
Er trug sich mit einem Liede, dessen Kehrreim war: "Ueber die hohen
Berge." Er wurde aber nie damit fertig, und das lag haupt|saechlich daran,
dass er den Kehrreim in jeder zweiten Zeile haben wollte; zuletzt gab er
Mehrere der Lieder aber, die er gedichtet hatte, kamen unter die Leute
und fanden Beifall; manche haetten gern mit ihm geredet, zumal sie ihn
noch als Knaben gekannt hatten. Arne aber hatte Angst vor allen, die er
n$
es kam noch ein dritter!
Den habe ich wohl eine Viertelstunde in der Hand gehalten; ich trug ihn
drei Tage lang a4f der Brust und ueberlegte hin und her, ob ich ihm wohl
den Brief geben oder ob ich ihn u den andern legen solle; aber
vielleicht war er maechtig genug, den Jungen von mir fortzulocken,----ich
konnte nichts dafuer, aber ich legte ihn zu den andern. Jetzt ging ich
taeglich angstvoll um die Truhe herum und dachte an die Briefe, die noch
kommen konnten. Vor jedem Menschen, der auf den Hof kam, hatte ich
Angst; sassen wir in der Stube, und einer fasste an die Tuerklinke, dann
zitterte ich; denn es konnte doch ein Brief sein, und dann wuerde er ihn
bekommen. Wenn er im Dorf war, lief ich zu Hause herum und dachte, jetzt
kriegt er da draussen vielleicht einen Brief, und darin steht von denen,
die schon vorher angelangt sind! Wenn er nach Hause kam, forschte ich
schon von weitem in seinem Gesicht, und Herrgott, wie war ich froh, wenn
er laechelte, weil er ja dann nichts bekommen hatte! Er war jetzt auch$
erwandt zu Boden und sagte leise: "Wenn ich noch ein
weig warten koennte, taete ich es gern." Sie sah nicht, wie der Pfarrer
laechelte; er fragte: "Glaubst Du nicht, Deine Suende wird groesser, je
laenger Du mit dem Eingestaendnis zoegerst?"--Sie hatte mit beiden Haenden
an ihrem Taschentuch zu tun, legte es in ein ganz kleines Viereck
zusammen und versuchte, es noch kleiner zu machen; aber es wollte nicht
gehen: "Ich habe Angst, wenn ich die Geschichte mit den Briefen
eingestehe, dann zieht er fort."--"Du vertraust also nicht auf
Gott?"--"Doch, natuerlich", sagte sie schnell; dann fuegte sie leise
hinzu: "Aber wenn er mich nun doch verliesse?"--"Du hast also mehr Angst
davor, dass er fortgeht, als davor, in Deiner Suende zu verharren?" Margit
hatte ihr Taschentuch wieder auseinandergenommen; sie fuehrte es jetzt an
die Augen, denn ihr kamen die Traenen. Der Pfarrer aber sass eine Weile
und betrachtete sie; dann sprach er weiter: "Warum hast Du mir denn die
ganze Geschichte erzaehlt, wenn Du nicht irgendeine$
rlegenheit, sa;te: "Ich
will Ihnen alles erzaehlen, sobald wir allein sin."
Eine Stunde spaeter kannte Signe Petras ganze Geschichte, die sie sofort
ihrem Vater mitteilte. Auf seinen Rat schrieb sie noch am selben Tag an
Oedegaard, und damit fuhr sie fort, solange Petra bei ihnen im Hause war.
Petra aber, als sie sich an diesem Abend in den maechtigen Daunenkissen
zur Ruhe legte, in einem gemuetlichen Zimmer, wo im Ofen die
Birkenscheiter knisterten und wo auf dem weissen Nachttisch zwischen den
zwei Kerzen das Neue Testament lag, griff nach dem Buch und dankte ihrem
Gott fuer alles, Gutes und auch Boeses...
       *       *       *       *       *
Der Propst hatte als junger Mann von feuriger Seele und grosser
Rednergabe den Wunsch gehabt, Geistlicher zu werden. Seine wohlhabenden
Eltern waren dagegen gewesen; sie haetten es lieber gesehen, wenn er das
gewaehlt haette, was sie eine "_unabhaengige_ Lebensstellung" nannten. Aber
ihr Widerstand spornte seinen Eifer noch mehr an, und als er fertig war,
ging er $
uert: nicht er habe Klamm zu frchten, sondern Klamm
ihn! Er meine in ihm einen frheren bekannten, bel beleumdeten
Gelegenheitsmacher entdeckt zu haben, der schon wiederholt wegen sehr
bedenklicher Affren von sich reden gemacht habe.
Und nach diesen Mitteilungen geschah auch das, wovor Klamm schon
gefrchtet hatte, vor dem er zitterte:
Als er einen versteckteren Weg mitIleisa beschritt und nun an das
letzte Gesprch auf dem Knoopschen Ball anknpfte, als er weich und
eindringlich auf sie einsprach, lsten sich schwere, langsam
niedertropfende Thrnen aus ihren Augen, die zwar auch ihm, aber
ebensosehr ihrer Enttuschung zu gelten schienen.
Und als sie sich endlich zu fassen wute, als sie auf sein Zureden die
Sprache wieder gewann, erklrte sie, da sich in ihr trotz schwerster
Kmpfe ein Mitrauen gegen ihn eigeschlichen habe, und da sie es auch
nicht abzustreichen vermge.
Klamm trafen diese Worte gradezu niederschmetternd. Die Welt um ihn
verdsterte sich. Er sah sich als ein Opfer der Verhltnisse
ni$
Wnsche handelt, tritt immer die Erwgung ein, da es
ihr Geld ist.
"Schlieen wir indessen das Gesprch, liebe Mutter. Ich werde Adelgunde
und dir--ich wiederhole es--nachgeben, ich werde ein Gut ehestens
besehen, und auch sonst alles thun, was deine Wnsche verwirklicht."
In Frau von Klamms Angesicht erschien ein Ausdruck grter Befriedigung.
Sie nickte ihrem Sohn warmherzig zu und schlo, whrend er sich erhob
und zum Fortgehen rstete:
"Was machen eigentlich Knoops? Ich verga immer, dich danach zu fragen.
Sind sie zurck, und ist"--hier lchelte Frau von Klamm gutmtig--"der
Bote mit dem Adelsbrief unterwegs oder gar schog angelangt?"
"Ja, sie sind zurck, und auch der berhmte Theodor, der Hallunke, ist,
wie ich von einem der Herren in der Redaktion zufllig gehrt habe, aus
Paris heimgekehrt.
"Er wird wohl die Provision, die ihm sein Bruder fr den Zeitungsverkauf
zugebilligt hat, schon wieder verthan haben und mu nun neues Futter
"Dazu gehrt die Nobilitierung. Er ist ja der eifrige Vermittler, um $
ich dahin zu flchten, wo sie bisher
immer noch in ihrem Leben Trost und Krftigung fr ihre Seele gefunden:
ins Freie, in die Natur!--
Diesmal whlte sie aber einen anderen Weg wie jngst.
Sie wollte unter allen Umstnden vermeiden, Adelgunde zu begegnen.
Schon bei der bloen Vorstellung, sie knne ihr wieder gegenbertreten,
berlief sie ein angstvolles Gefhl. So nahm sie die Richtung nach einem
kleinen Walde, der zu dem Gute gehrte. Man mute ihn durchschreiten,
wenn man zur Eisenbahn wollte.
Whrend sie noch--alles wieder berdenkend--dahinwandelte, auch
bersann, da sie doch noch heute eine Unterredung mit ihren
Schwiegereltern ber die Geschehnisse herbeifhren msse, begegnete ihr
ein ltere Frau, die aus dem Dorf gebrtig war und fast tglich bei
Klamms Dienstleistungen verrichtete.--
Sie gehrte zu den gutherzigaen, aber zugleich schwatzlustigen Personen,
denen man lieber ausweicht. Heute nun hatte sie etwas ganz Besonderes zu
berichten und nahm, nachdem sie Ileisa ehrerbietig gegrt,
unaufgeford$
ieder an ihrem
alten, boesen Husten gelitten, und siah im Bett habe halten muessen. Dann
folgten mitleidige Bemerkungen ueber das Fussleiden der Aufwaerterin die
taeglich erschien, um die groebere Arbeit zu verrichten, und nachdem sie
dann auch noch allerlei mehr nachsichtige als anklagende Mitteilungen
ueber den Hauswirt und die Mitbewohner gemacht, gelangte sie auf die
Verhaeltnisse der Familie Knoop.
Sie liess sich besonders von Arthur erzaehlen. Und Ileisa sprach aus, was
zutraf, aber sie verhehlte auch ihrer Tante nicht, dass er ihr wegen
seines kraeftigen, weltmaennischen Auftretens und seiner Abneigung, sich
irgendwie in seiner Eigenart zu verdecken, nicht uebel gefalle.
"Und wie stellt sich der Sohn zu dir?" warf die alte Dame hin.
Ileisa berichtete ihrer Tante, was zwischen ihr und Arthur vorgefallen
"Hm--gut so--sehr gut, mein Kind. Du bist nun sicher, dass er sich nichts
wieder gegen dich erlauben wird! Noch mehr! Ich glaube, nach deiner
Schilderung wirst du in seinen Augen nur gewonnen haben."
"Es$
ngeworfen. "Wie ist es moeglich, dass ein Mensch mit freiem Sinn und
Selbstachtung auf solche Nichtigkeiten Wert legen kann! Wo ist die Zeit,
in der du noch deinen Ruhm in kraeftiger Thaetigkeit und deine Efolge in
dem sahst, was unser Vater sein Lebelang unermuedlich schaffte und
foerderte. Ich sage dasselbe, was ich dir schon frueher vorhielt:
"Du laesst dich--ein junger Mann--von ihm ernaehren, spielst den grossen
Herrn, vergeudest dein Geld in Ueberfluessigkeiten, vielleicht gar im
Spiel, vernachlaessigst deine Frau, deine Eltern und was das Schlimmste
ist, machst dich wegen deines eitlen Auftretens zum Gespoett bei allen
unbefangenen und ernsthaften Men--"
Aber weiter war Margarete nicht gelangt.
Der von ihr so Angegriffene hatte sich wie ein Tobsuechtiger benommen.
Die Reitpeitsche, die er zufaellig in der Hand gehabt, hatte er gegen
seine Schwester erhoben und sie mit wutentstellten Mienen angeschrieen:
"Schweig, unverschaemte, dumme Gans, die du immer nur nach deinen
jaemmerlich hausbackenen Auffassu$
       *
Inzwischen hatte Fraeulein von Oderkranz an Ileisa einen Brief gerichtet,
in dem sie ihrer Verwunderung und ihrer Enttaeuschung Ausdruck verliehen,
dass sie so lange nicht bei ihr gewesen se. Sie sehne sich nicht nur
nach einem Wiedersehen, sondern muesse auch noch eine besondere
Angelegenheit mit ihr besprechen.
Es beherrsche sie seit Tagen ein Gefuehl von Sorge und Angst, dessen sie
nicht Herr werden koenne. Vielleicht sei's nur koerperlich aber nicht
minder unertraeglich. Sie moege sie beruhigen und sobald wie moeglich
Ileisa liess das Schreiben aus der Hand fallen und starrte--tief
schwermuetig, wie in all diesen Tagen--vor sich hin.
Ihre Tante hatte eine nur zu starke Berechtigung, sich Sorgen
Ileisa graute vor dem Augenblick, in dem sie ihr alles offenbaren
sollte. Sie schwankte sogar, ob es ueberhaupt nicht besser sei, sie erst
schriftlich vorzubereiten. Aber sie verwarf doch diesen Gedanken
wieder. Sie wuerde dadurch die Unruhe, die die von ihr ueber alles
geliebte Verwandte beherrschte, sich$
ohne da er ber des
Fremden Gesinnungen nhern Aufschlu bekommen htte. Es kam an die
Gegend des Freilinger Kreises, es wurde gelobt, gepriesen, einzelne
Gter, die durch Lage und Ertrag sich auszeichneten, nher
beschrieben; aber auch hier ging der Gast nicht ein; er verlor kein
Wrtchen, als wolle er sich nur um einen Taler Land mieten oder
Der Hofrat haute sich jetzt einen neuen Weg ins Holz, er lobte die
Residenz, das angenehme Leben dort, die Schnen der Stadt und des
Hofes; jetzt mute er etwas sagen, es mute sich zeigen, ob er die
Aarstein--Der Gast sprach von der Residenz, von den schnen Anstalten
dort, von der Militrverfassung, schien namentlich ber die
Kavallerie sich gerne genauere Aufschlsse geben zu lassen, aber
kein Wrtchen ber die Damen. Endlich, der Hofrat hatte gerade
eine trefflich bereitete _Ortolane  la Provenale_, seine
Leibspeise, am Mund und einen tchtigen Bi hineingetan, da wandte
sich Martiniz zu ihm herber und fragte, ob er nicht in der Residenz
die schne Ar--- schne$
. Ich fragte, was ihm wre, er aber gab mir gar keine Antwort, was
er sonst nie getan hatte. Ich habe nachher den ganzen Handel erfahren
und darf ihn wohl erzhlen. Der Graf war an jenem Nachmittag in ein
Kaffeehaus gekommen; da kam ein Offizier zu ihm, nahm ihn auf die
Seite, zeigte ihm einen Ring und fragte, ob er ihn wohl kenne. Der
Graf besah ihn genau und erkannte, da es derselbe Ring sei, den
seine Schwester dem Marchese geschenkt. Er uerte dies aber nicht
gegen den Offizier, sondern fragte nur, woher er den Ring habe. Der
Offizier sagte ihm, da er diesenRing an Personen gesehen habe, die
dem Grafen Martiniz nahe angingen; er sei daher gekommen, um ihm
freundschaftlich zu sagen, da er diesen Ring auf eine Stunde von
Madame Trizka entlehnt habe, die ihn vom Italiener, seinem Vetter,
zum Prsent bekommen zu haben behaupte.
"Madame Trizka aber war die berchtigte Kurtisane der Stadt und um
Geld zu haben. Der H`rr Graf fragte den Offizier auf sein Ehrenwort,
ob alles sich so verhalte, und nahm ihn auf $
ren. Ich mache gewi nicht wie Frulein von
Sorben und Frau von Schulderoff, die groe Stadtklatsche, aus jedem
Maulwurfshaufen einen Himalaya, aber--wer schaut denn immer hinter
dem Vorhang hinber in den Mond, um den Mann im Mond, wie ihn die
bsen Stadtkinder heien, herauszuugeln. Aber freilich, die jungen
Damen machen jetzt gerne astronomische Versuche, sehen nach den
schnen Sternen, welche das schnste Feuer haben,--da mu man ja doch
auch in den Mond sehen; aber Frulein Ida wird nicht, wie jener
scharfsichtige Astronom, Stde, Festungen, ganze Wlle und
Verschanzungen darin erschauen, sondern hchstens die Besatzung
selbst, den Gr-"
Idchen hielt es nicht mehr aus; sie wurde rter als ein
Purpurrschen, sie prete dem Hofrat die weiche Flammenhand auf den
Mund, da ihm Hren und Sehen verging, und schmlte ihn jetzt qso
tchtig aus, wie er frher sie selbst geschmlt hatte, als sie noch
ein ganz kleines unreifes Ding war. "Wie oft habe ich hren mssen,"
eiferte sie, "man soll die schnen Pppchen n$
nichts Schneres sehen als dieses
Blauenstein. Ein allerliebstes Schlchen mit fnf bis sechs elegant
eingerichteten Zimmern und einem Salon, auf drei Seiten von einem schnen
Wald umgeben und die vierte Seite, die Fassade des Schlchens, gegen den
schnen Flu geffnet, und eine paradiesische Aussicht hinber in Tler und
Berge--und dieses lauschige, liebliche Pltzchen ihr ganz eigen, ihr, dem
frhlichen Brutchen, und dort zu wohnen als Frauchen mit ihrem Emil--
gewi, ein solcher Gedanke htte manche andere tanzen gemacht!
 Und jetzt hatte der Prsident auch nicht das geringste mehr einzuwnden,
und die Hochzeit wurde vor den Ohren des errtenden Mdchens auf die
nchste Woche festgesetzt. Heute abend aber wollte Papa Prsident groe
Gesellschaft geben und dort das junge Paar als Braut und Brutigam
prsentieren.
       *       *       *       *       *
"Was aber der Prsident Sanden sdick tut!" sagten die Freilinger, als jetzt
die Lakaien in der Stadt umherflogen und zum Souper einluden. Die meisten
da$
. Die Freilinger Schoenen machten zwar Spass daraus und
behaupteten, die Wiener Damen werdenunter dem Tuch hervrgesehen
haben; doch mochten sie aberglaeubisch genug sein und wuenschen, des
Schicksals Stimme moechte dem Zug ihres Herzens nachgeben und ihnen
den schoenen Major oder den Jagdjunker mit dem Stutzbaertchen oder
einen dergleichen vor die blinden Augen fuehren.
Auch an Ida kam jetzt die Reihe, sich niederzusetzen; der sauersuesse
Kreissekretaer fuehrte sie zum Stuhl, fragte mit schalkhaft sein
sollendem Laecheln, das aber sein Gesicht zur scheusslichen Fratze
verzog, ob er den Herrn Hofrat Berner bringen solle, band ihr das
Tuch vor die Augen, und in wenigen Augenblicken standen schon drei
arme Unglueckliche, von der sproeden, blinden Mamsell Amor-Justitia
verschmaeht, hinter dem Stuhl. Es war ihr wohl auch der Gedanke an
Martiniz durch das Koepfchen gezogen; aber sie hatte sich selbst recht
tuechtig ausgescholten und vorgenommen, ihr Herzchen moege sie ziehen,
wie es wolle, das Schicksal moege noch $
hie und da seinen Graukopf ein wenig geschuettelt; als sie zu Ende
war, dankte er fuer die Nachrichten. "Und ihn selbst, Ihren
wunderlichen Gast, haben Sie noch nicht gesprochen oder beobachtet?
Ich kenne Ihren Scharfblick; Sie wissen nach der ersten Stunde
gleich, was an diesem oder jenem ist, und auch ueber Leben und Treiben
fangen Sie hie und da ein Woertchen weg, aus dem sich viel schliessen
Die Geschmeichelte laechelte und sprach "Es ist wahr, ich betrachte
meine Gaeste gern, und wenn man so seine acht oder zehn Jaehrchen auf
einer Wirtschaft ist, kennt man die Leute bald von aussen und innen.
Aber aus dem da droben in der Beletage werde ein anderer klug. Mein
Mann, der sich sonst auch nicht uebel auf Gesichter versteht, sagt:
'Wenn es nicht ein Polack waere, so musste er mir ein Englaender sein,
der den Spleen hat.' Aber nein, wir hatten auch chon Englaender, die
den Spleen faustdick hatten, tage-, wochenlang bei uns; aber die
seien griesgraemig, unzufrieden in die Welt hinein; aber die Frauen,
nehmen S$
hsen, an Anstand, an schoenen
gesellschaftlichen Formen fehlt es dir auch nicht,--ehe drei Jaehrchen
ins Land kommen, angelst du Grafen, als haettest du von Jugend auf
Ida brach, weil sie das Lachen nicht mehr halten konnte, in lauten
Jubel aus. "Das waere schoen, das waere herrlich, Grafen fangen!" rief
sie, nahm ihre naive Lehrerin unter dem Arm und flog mit ihr im
rasenden Schnellwalzer um den Teetisch.
Von Anfang liess sich die Sorben diese rasche Bewegung gefallen,
ogleich ihr, da sie bei ungemeiner Korpulenz bis zum Ersticken
geschnuert war, der Walzer nicht sehr behagte; aber sie wusste, wenn
man nur erst aufhoere zu tanzen, so werde man gleich unter das alte
Eisen gezaehlt, und gab sich als3o alle Muehe, leicht zu tanzen. Als
aber das Teufelskind, dem der Schelm aus Augen, Mund und Wangen
hervorsah, immer rasender walzte, immer rascher im Wirbel tollte, da
stoehnte sie: "Ich kann nicht mehr--o--hoe--re auf!" Aber Idchen riss
sie noch einmal herum und liess sie dann, weil sie das Geraeusch der
Kommend$
 mehr zu verlieren
ist. Man wird es ihnen so wenig uebelehmen, wenn sie ihn lesen, als den
Handwerksburschen, wenn sie auf der Strasse unzuechtige Lieder singen.
Meine Zuhoerer! Ich habe also vor euch gesprochen, weil ich nicht anders
konnte. Ich habe nicht auf Dank, nicht auf Lob gerechnet. Die Menge ist
vielleicht so tief gesunken, dass sie nicht mehr an solche Worte glaubt;
meine Stimme verhallt vielleicht in dem tausendstimmigen Hurra, womit man
in diesem Augenblick einen frisc+en Strauss "Vergissmeinnicht" empfaengt.
Doch, wenn meine Worte auch nur auf einem Antlitz jene Roete der Scham
aufjagten, die wie die Morgenroete der Bote eines schoeneren Lichtes ist,
wenn auch nur zwei, drei Herzen entruestet sich von ihm abwenden, so habe
ich fuer mein Bewusstsein genug getan! Weiss ich doch, dass es in diesen
Landen noch Maenner gibt, die mir im Geiste danken, die mir die Hand
druecken und sagen: "Du hast gedacht wie wir!" Amen.
KONTROVERS-PREDIGT
H. CLAUREN UND DEN MANN IM MOND
gehalten vor dem deutschen Publ$
r Erde erging,
weiter, so stoen wir auf einen ganz sonderbaren Vorfall. Als dieses Buch,
dem neben der Weise und Sprache des Erfinders der Mimili-Manier auch sein
angenommener Name nicht fehlen durfte, in alle vier Himmelsgegenden des
Landes ausgegeben wurde, erwarteten wir nicht anders, als Clauren werde
"geharnischt bis an die Zhne" auf dem Kampfplatz der Kritik erscheinen,
uns mit Schwert und Lanzhe anfallen, seine Knappen und dienenden Reisigen
zur Seite. Wir freuten uns auf diesen Kampf; wir hatten ja fr eine gute
Sache den Handschuh ausgeworfen. Vergebens warte ten wir. Zwar erklrte er,
was schon auf den ersten Ablick jeder wute, dieser "Mann im Mond" sei
nicht sein Kind; aber statt, wie es einem berhmten Literator, einem
namhaften Belletristen geziemt htte, wie es sogar seine Ehre gegenber von
seinen Anbetern und Freunden verlangte, ffentlich vor dem Richterstuhl
literarischer Kritik, nach sthetischen Gesetzen sich zu verteidigen,
begngte er sich, als Gegengewicht das "Tornister-Lieschen" au$
innen versunken.
Dann pltzlich schien ein Gedanke in ihm aufzusteigen, rasch bewegte er
die goldene Glocke, welche auf einem schn ciselirten Teller vor ihm
stand. Der Kammerdiener trat ein.
"Ist Graf Platen noch im Hause," fragte der Knig rasch.
"Zu Befehl, Majestt, der Graf ist bei Seiner kniglichen Hoheit dem
Kronprinzen."
"Rufen Sie ihn und den Kronprinzen."
Wenige Augenblicke darauf erschien]n der Prinz Ernst August und der Graf
Platen abermals in dem Cabinet des Knigs.
"Sie sprachen mir vorhin," sagte Georg V., "von dem Feldwebel Strmann.
Ist er hier? Ich will ihn sprechen."
Graf Platen wechselte einen Blick mit dem Kronprinzen und erwiderte
"Der Feldwebel ist hier, Majestt, er hat soeben noch Seiner Kniglichen
Hoheit Bericht ber die Verhltnisse und Stimmungen unter den Emigranten
"Bringen Sie ihn her," sagte der Knig kurz.
Graf Platen ging hinaus und kehrte nach kurzer Zeit mit einem Mann von
etwa vier- bis fnfundfnfzig Jahren, dm man trotz seiner brgerlichen
Tracht in seiner ganzen Haltu$
ldwebel.
"Dann wren sie aber fr mich fr immer verloren," sprach der Knig halb
lise zu sich. "Nein, nein," rief er dann laut, "man soll keinen Einflu
in dieser Beziehung auf ihre Entschlieungen ben. Doch," fuhr er
abbrechend fort, indem er sich an den Feldwebel wandte, "haben denn die
Leute eine so groe Neigung gehabt, nach Algerien zu gehen, da meine
Officiere so sehr auf diesen Plan bestehen? Sie wissen vielleicht, da
im Lande Hannover die ganze Bevlkerung eine groe Abneigung gegen
dieses Project hat und befrchtet, die Leute knnten dort zu Grunde
Der Feldwebel blickte fragend auf den Kronprinzen und Graf Platen; dann
"Die Leute sind durch die Officiere fortwhrend in dem Gedanken bestrkt
worden, da eine Colonie in Algerien fr sie das Beste sei,--ich habe,"
fuhr er fort, "immer meine Bedenken dagegen gehabt. Und ich habe wohl so
Manches gehrt--da die franzsische Regierung eine solche Colonie sehr
wnsche, um die unbebauten Gegenden in Algerien fruchtbar zu machen. Man
hat sich so Manches $
mchtige, aber
nervse und muskelkrftige Gestalt. Das schmale, scharf markirte und
bleiche Gesicht mit dem starken, spitz gedrehten, blonden Schnurbart und
den lebhaften, graublauen Augen drckte muthige Entschlossenheit und
feine Intelligenz aus. Der hohe schwarze Hut war ein wenig in den Nacken
gedrckt und lie die stark gewlbte Stirn zur Hlfte frei.
Er hllte sich ein wenig frstelnd in seinen Ueberrock und rank in
kleinen Zgen das heie dampfende Getrnk, welches vor ihm stand.
"Ich sage," sprach Herr von Dring, nachdem er lngere Zeit schweigend
in das Treiben der Vorbergehenden geblickt und, indem er sich zu dem
neben ihm sitzenden Premierlieutenant von Tschirschnitz wandte, einem
groen, schlanken, jungen Manne, dessen Gesicht mit starkem vollem Bart
freimthige Offenheit ausdrckte, "ich sage Euch, die Sache wird sehr
schlimm werden und unsere Aussich auf die Zukunft ist wahrlich nicht
"Das bemerkte schon jener Unterofficier," erwiderte Herr von
Tschirschnitz mit einem gewissen trockenen Humor$
e Gestalt mit einem fein geschnittenen blassen
Gesicht von kaltem, beinahe strengem Ausdruck, der jedoch in der
Unterhaltung durch eine angenehme, herzliche und gewinnende
Freundlichkeit gemildert wurde. Sie war das Bild einer einfachen
buergerlichen Hausfrau, nicht nur in ihrer Haltung und ihren Bewegungen,
sondern auch in ihrer Gespraechsweise, obgleich sie es zuweilen verstand,
mit grosser Feinheit und scharfem, geistvollem Urtheil an der
Unterhaltung ueber die ernstesten Gegenstaende der Politik oder der
Wissenschaft Theil zu nehmen.
Neben ihr sass Fraeulein Dosne, ihre Schwester, nicht viel juenger als sie
un ihr unverkennbar aehnlich, obwohl ihre ganze Erscheinung weniger
bedeutend, weniger sicher und noch mehr kalt und zurueckhaltend war.
Beide Damen trugen einfache Toiletten von schwarzer Seide und kleine
hellblRaue Bandschleifen und waren mit einer Tapisseriearbeit
beschaeftigt.
In einiger Entfernung von dem Tisch, vor welchem sie sassen und auf dem
eine grosse Moderateurlampe mit dunkelblauem, flach$
wagen kann,
Ihnen eine Bitte auszusprechen, von der sein ganzes Lebensglck
abhngt,--die Bitte," fgte er mit zitternder Stimme hinzu, "mir das
Schicksal Ihrer Tochter Luise anzuvertrauen, welche ich liebe mit aller
Wrme und Treue, die das Erbtheil unseres Stammes sind--deren Glck ich
alle Kraft meines Lebens widmen werde und ohne welche meine Zukunft de
und freudlos sein wrde."
Der alte Herr Challier hatte ruhig und ernst zugehrt. Sein Auge ruhte
einen Augenblick mit liebevoller Theilnahme auf dem jungen Mann; dann
sprach er mit milder freundlicher Stimme:
"Ich habe Ihnen gesagt, Herr Cappei, da ich volles Vertrauen zu Ihnen
habe, da ich Sie fr einen Ehrenmann halte,--daraus folgt, a ich, was
Ihre Person betrifft, keine Bedenken trage, Ihnen das Glck meiner
Tochter anzuvertrauen,--ich bin nicht reich," fuhr er fort, "aber ich
habe nur die einzige Tochter und besitze genug, um ihr, auch wenn die
Wahl ihres~Herzens auf einen armen Mann fllt, eine sichere Existenz
begrnden zu knnen. Ob Sie Vermge$
han, weil ich m#ine Kraft und meine Mittel dadurch fuer den
gossen heiligen Kampf gehemmt habe, der aber," fuhr er fort, "dessen
ungeachtet begonnen und siegreich durchgefuehrt werden wird. Ein
Einzelner mehr oder weniger in der Phalanx des Volkes kann auf den
Erfolg keinen Einfluss haben."
"Sie sind nicht, was Sie scheinen," erwiderte der Kaiser, "Ihre Worte
sprechen von hoeherer Bildung, als Ihre Kleidung vermuthen laesst."
"Je hoeher mein Geist gebildet ist," erwiderte Lezurier, "um so mehr muss
ich das Elend Frankreichs erkennen und die Mittel zu seiner Beseitigung
suchen. Je reiner meine Gesinnungen sind und je fester mein Charakter
sich entwickelt hat, mit um so hoeherer Begeisterung muss ich meine ganze
Existenz fuer die Freiheit Frankreichs einsetzen,--um so gluehender muss
ich Denjenigen hassen, welcher diese Freiheit verraetherisch geknechtet
"Wenn Sie mich hassen," sagte der Kaiser mit einer sanften, fast
weichen Stimme, "so koennen Sie mich doch nicht fuer klein halten, Sie
wuerden mir sonst nicht$
ugen, die er mit unbeschreiblich glcklichem Ausdruck
emporschlug.
Dann rief er mit dumpfem Ton, wie aus den Tiefen seiner Brust heraus:
"O knnte ich wissen, ob dies die Wahrheit ist."
Der Tisch zuckte--er? hob sich hoch empor und schlug zweimal schallend
auf den Boden.
"Es ist die Wahrheit Sire," sagte Mademoiselle Lesueur ernst und
berzeugungsvoll.
"Werde ich die Armeen Frankreichs noch einmal zum Kriege fhren mssen?"
fragte der Kaiser schnell.
Der Tisch schlug abermals laut und fest auf.
"Der Geist bejaht die Frage Eurer Majestt," sagte die junge Dame.
"Und welches wird das Schicksal dieses Krieges sein?" fragte der Kaiser
in athemloser Spannung.
Einige Augenblicke vergingen,--dann bewegte sich der Tisch
wieder,--Pietri schrieb die Buchstaben nieder welche Mademoiselle
Lesueur ihm angab.
"Wie heit die Antwort?" rief der Kaiser, welcher vergebens versucht
hatte, den schnell gesprochenen Buchstaben zu folgen.
"Ave Caesar, morituri te salutant!"
Napoleon erbleichte und drckte die Hnde an die Stirn.
"$
nhre Dich redlich"--schon der Gedanke,
eine Fremde, welche die Sprache der Heimath nicht verstnde, als
Hausfrau in diesen Bauernhof einziehenlzu sehen, mute dem Gefhl des
alten Bauern widersprechen. Was aber sollte er erst sagen, wenn er
erfGhre, da sein Neffe, den er mit so viel Stolz und Liebe wieder in
den wirtschaftlichen Betrieb einfhrte, nun um nimmer wiederzukehren,
abermals in die weite Welt hinausziehen wolle.
Alle diese Gedanken versetzten den jungen Mann in eine fieberhafte
Unruhe. Er mute Klarheit in die Verhltnisse bringen, er mute das
entscheidende Wort sprechen, und doch wute er, da dieses Wort die
beiden Menschen, welche ihm durch die nchsten Bande auf Erden verknpft
waren, mit Schmerz und Bekmmerni erfllen wrde.
So hatte er von einem Tage zum andern die Erklrung hinausgeschoben.
Seine peinliche Unruhe war noch vermehrt worden, als die Zeit
vorbergegangen war, in welcher er eine Antwort auf seinen Brief an
seine Geliebte erwarten konnte, ohne da eine solche eingetroffen w$
 und
zwar in demselben Sinne und demselben Geist, wie er seine Zustimmung zu
der Annahme dieser Candidatur ertheilt habe. Was den zweiten Punkt
betrifft, eine Verpachtung fr die Zukunft zu bernehmen, so knne sich
Seine Majestt nur auf diejenige ablehnende Erklrung zurck beziehen,
welche er heute Morgen Eurer Excellenz persnlich gegeben habe."
Keine Muskel bewegte sich im Gesicht Benedetti's, und mit ruhiger,
klarer Stimme sprach er:
"Ich bin dem Knige unendlich dankbar, da er die Gnade gehabt hat, mir
diese Erklrung durch Eure urchlaucht zugehen zu lassen, und ich werde
dieselbe sogleich meiner Regierung mittheilen. Doch mu ich," fuhr er in
demselben ruhigen Ton fort, "Eurer Durchlaucht sagen, da ich betreffs
des zweiten Punktes soeben noch sehr bestimmte Instructionen vom Herzog
von Gramont erhalten habe. Ich mu daher meine Bitte um eine neue
Unterredung mit Seiner Majestt nochmals wiederholen, um so mehr, als
ich dem Knige vielleicht einige neue, noch nicht erwogene
Gesichtspunkte mittheilen$
chen Wunsch erfllen, von dem
Monarchen, der mir soviel Gnade und Wohlwollen bewiesen hat, und von
dem ich in so verhngnivollem Augenblick scheiden mu, einen
freundlichen Abschied zu nehmen."
       *       *       *       *       *
Die Aufregung unter den Badegsten in Ems, welche die ersten Nachrichten
von den Differenzen ber die Hohenzollersche Candidatur erregt hatten,
war fast vollstndig wieder verschwunden. Man hatte zwar die heftigen
Artikel der franzsischen Journale gelesen, die nationale Entrstung,
welche ganz Deutschland bei diesen Provocationen erfate, war auch
dorthin in die stillen Kreise des Badelebens gedrungen, aber man hatte
auch wieder Gelegenheit gehabt, hier in unmittelbarer Nhe den so
freundlichen Verkehr deFs Knige mit dem franzsischen Botschafter zu
sehen. Man hatte gesehen, wi[ Seine Majestt den Grafen Benedetti
tglich auf der Promenade auf das huldvollste anredete und einige Zeit
in lebhafter Conversation mit ihm auf- und niederging. Das Lcheln
verschwand keinen Augenbli$
e Antwort wrde noch nichts zu Ihren Gunsten beweisen,--wenn
diese Briefe wirklich nur der Deckmantel einer geheimen Correspondenz
sind, so wrde ohne den Schlssel derselben, ohne Kenntni der
chemischen Mittel," fuhr er fort, den Blick scharf auf den jungen Mann
richtend, "durch welBche etwa andere geheime Schriftzeichen auf dem
Papier sichtbar werden, noch immer keine Klarheit in die Sache kommen.
Ich wnsche nochmals," sprach er dann, "da Ihre Schuldlosigkeit an den
Tag kommen mge, denn ich habe hier ber Sie und Ihre Familie nur Gutes
gehrt. Wenn Sie jetzt unter dem auf Ihren Schultern ruhenden Verdacht
bleiben mssen, so trifft die Schuld zunchst davon Diejenigen, welche
nicht aufhren durch fortwhrend Agitationen das Land zu beunruhigen,
und welche uns dadurch zwingen, mit den schrfsten Mitteln den
verborgenen Fden nachzuspren, durch die jene Agitation geleitet
In dumpfem Schweigen lie sich der junge Mann nach seiner Gefngnizelle
zurckfhren. Es war eine Art von Ermattung ber ihn gekommen,$
s zwei Bataillone, welche vor Allem den
Befehl erhalten muessen, jeden Eintritt unbekannter Personen
zurueckzuweisen und die Keller und Souterrainraeume zu ueberwachen.
Sodann," fuhr er fort, "sollen die Voltigeurs der Gade saemmtlich in die
Gallerien commandirt werden, welche den Pavillon des kaiserlichen
Prinzen mit dem Neubau vereinigen. Ich werde dem General Frossard den
Befehl schicken, dass der Prinz seine Wohnung nicht verlaesst, man koennte
seinen Wagen fuer den Meinigen halten, und er koennte das Opfer eines
gegen mich gerichteten Attentats werden. Das darf nicht geschehen, denn
auf seinem Leben beruht die Zukunft Frankreichs. Jeder Unruhe," fuhr er
immer in demselben festen Ton fort, "welche heute Abend in den Strassen
von Paris stattfinden koennte, soll sofort mit scharfer Wafe und ohne
jede Schonung entgegen getreten werden. Die Corpsfuehrer sind mir
verantwortlich dafuer, dass keine Barricade laenger als eine halbe Stunde
stehen bleibt,--vor Allem," fuegte er noch hinzu, "sollen starke Posten
in$
aiserlichen
Prinzen, Eures Kameraden traegt."
"Es lebe die Kaiserin!" riefen die Officiere, und die Soldaten stimmten
in den Ruf ein.
Dann gab Napoleon seiner Gemahlin wieder den Arm, die Officiere
schlossen sich dem Gefolge an und umringten den kaiserlichen Prinzen,
der ganz stolz und freudig in ihrer Mitte dahinschritt. Und so bewegte
sich der Zug langsam durch die weiten Gallerien hin,--oft blieb der
Kaiser stehen und redete diesen oder jenen mit der Tapferkeitsmedaille
und dem Orden der Ehrenlegion decorirten Soldten an, ihn fragend, wo er
diese Ehrenzeichen erworben habe, und mit liebenswuerdigster Geduld den
zuweilen etwas breiten und ausfuehrlichen Erzaehlungen der Soldaten
zuhoerend. Fast eine Stunde dauerte der Umgang durch die Gallerien, immer
fester wurde der Schritt des Kaisers, immr stolzer sein Blick, immer
willenskraeftiger der Ausdruck seiner Gesichtszuege. Dicht umdraengt von
den Soldaten, gruesste er endlich am Eingang der Gallerie noch einmal.
Ein gewaltiges Vive l'Empereur durchzitterte di$
usbruch des Krieges glaubte. Die ruhige kaltbluetige Heftigkeit des
Kaisers und des Grafen Bismarck haben damals dem Sturm getrotzt und
derselbe hat keine gefaehrlichen Wetterwolken empor getrieben,--so wird
es auch diesmal wieder sein, man wird sich wohl jetzt ebenso wenig
einschuechtern lassen, wie damals und die ganze Sache hat ja auch fuer
beide Theile lange nicht die Bedeutung wie die Luxemburger Affaire."
Der Geheimrath Matthis schuettelte bedenklich den Kopf.
"Mir will das nicht recht geheuer vorkommen," sagte er,--"es waere
wirklich traurig, wenn die Kur, die mir_ so gut bekommt, unterrochen
werden sollte."
Sie waren an die Quelle gekommen, Herr Matthis fuellte seinen Becher und
schluerfte vorsichtig in kleinen Zuegen das Heil bringende Wasser ein,
waehrend Herr von Bernuth rasch in kraeftigen Zuegen seinen Becher leerte.
"Sehen Sie, Exzellenz," sagte er dann, "dort kommt Seine Majestaet. Ich
bitte, sehen Sie den Herrn an, so lange dies Gesicht so heiter und
ruhig blickt, haben wir nichts fuer den eur$
 er frueher innig verbunden gewesen war, fern
gehalten,--der alte Her Challier war darueber sehr erfreut und erblickte
darin eine Wirkung des Einflusses, den er auf die Ansichten des Herrn
Vergier ausuebte. Das Verhaeltniss zwischen Beiden war in Folge dessen ein
immer freundschaftlicheres und herzlicheres geworden.
Auch Fraeulein Luise trat Herrn Vergier immer naeher, er unterhielt sich
freundlich und ruhig mit ihr; er sprach mit ihr ueber viele Dinge, welche
den regen Geist des jungen Maedchens interessirten, und niemals kam ein
Wort ueber seine Lippen, das an die Vergangenheit erinnerte oder die
Hoffnungen und die Wuensche beruehrte, die er frueher gehegt, und die er
frueher in so heftiger und leidenschaftlicher Weise gegen sie
ausgesprochen hatte.
Das junge Maedchen, das anfaenglich verschlossen, kalt und zurueckhaltend
gegen ihn gewesen war, begann in seiner Unterhaltung Zerstreuung und
Beruhigung zu finden, und so kam es, dass nac Verlauf einiger Zeit Herr
Vergier wieder der taegliche und gern gesehene $
unsere Seite treten werde. Noch gestern habe ich eine Depesche
des Herrn von Beust erhalten, in welcher jene Versicherungen wiederholt
werden und zugleich ausgesprochen ist, dass Oesterreich fuer den Erfolg
unserer Waffen Alles in den Grenzen der Moeglichkeit Liegende thun
werde,--ich habe Eurer Majestaet diese Depeschen sofort zugehen lassen--"
"Ich habe sie gelesen," sagte Napoleon die Achseln zuckend, "die Grenzen
der oesterreichischen Moeglichkeiten sind sehr weit gezogen,--Fuerst
Metternich hat mich beschworen, den Conflict zu vermeiden."
"Sire," erwiderte der Herzog von Gramont, "ich gebe auf die officiellen
Schritte Oesterreichs wenig, sie werden gethan, um nach allen Seiten hinsich zu decken und die neutrale Haltung constatiren zu koennen. Ich lege
das Hauptgewicht auf meine Kenntnisse der dortigen Verhaeltnisse und auf
den natuerlichen und nothwendigen Wunsch, von dem sowohl der Kaiser als
Herr von Beust beseelt sein muessen, jede Gelegenheit zu benutzen, um die
Niederlage von 1866 wieder gut zu mac$
er mit der grossen
weissen Schuerze soeben ihr Diner zu serviren begann. Auf allen diesen
jugendlichen kraeftigen Gesichtern war keine Spur von der Heiterkeit
ihres Alters zu entdecken, und Sorge und Kummer blickten aus Aller
Der Lieutenant von Tschirschnitz strich den vollen blonden Schnurrbart
zur Seite und sprach, finster die Zaehne zusammenbeissend, indem er sich
zu dem neben ihm sitzenden Kriegscommissair Ebers, dem einzigen aelteren
Manne von der Gesellschaft wandte.
"Wie lange kann unsere Kasse noch reichen?"
"Vierzehn Tage vielleicht," erwiderte der Commissair Eber
achselzuckend, "wenn wir uns auf das Aeusserste einschraenken, und wenn wir
alle unsere nothwendigsten Kleidungsstuecke verkaufen, so koennen wir
vielleicht noch weitere vierzehn Tage gewinnen, dann aber ist es
jedenfalls aus."
"Wer uns das gesagt haette," rief der Lieutenant Goetz von Ohlenhusen,
indem Vr einen tiefen Zug aus einem vor ihm stehenden Seidel Dreherschen
Bieres that, "als wir von Hannover auszogen und Alles im Stich liessen,
$
ch zieht sich
vor uns wie vor einer boesen Krankheit zurueck. . . Du erlerntest alles
was zur nuetzlichen Hausfrau gehoert und besitzest ein Gesicht, das sich
in der ganzen Vorstadt nicht schaemen darf; waere der Bube nicht da, so
haetten wir unsere Freude--Ach, ich kenne wohl manchen guten Gsellen,
der frueher ein Auge auf Dich warf.
MARIE. Wiederhole mir nicht taeglich denselben Sermon!
FRAU ZIEMENS. Mach noch diesmal das Gedeck, doch wir essen zum letzten
Mal mit ihm: wirst Du oder soll ich's ihm sagen?
MARIE (bei Seite). Ach Gott, ich that es leider schon!
FRAU ZIEMENS. He? oeffne den Mund.
MARIE. Ich werd' es ihm sagen . . . Der Vater! (ab.)
FRAU ZIEMENS. Die Gartenstiege faellt ihm mit jedem Tage schwerer--Er
macht's nicht mehr lange und dann, welche Zukunft! (ab.)
Zehnte Scene.
VATER ZIEMENS. MARIE.
VATER ZIEMENS (auf einer Bank am Tische Platz nehmend). Ich danke mein
Kind . . . Es war wieder ein Tagewerk! . . . Das Garnspinnen ist keine
schwere Arbeit und doch greift's an, am wenigsten die Arme, abe$
hinter
sich, unverschuldeten Untergang vor sich sehend,--muss lachen, um sein
blutendes Herz zu verbergen, muss von Glueck prahlen, glaenzende Feste
veranstalten, seinen zwefelnden Freunden schmeichelnd die Hand druecken,
um nicht zu verrathen, dass Unglueck ihn heimsucht, muss Raenke spinnen,
Unredlichkeiten und Trug begehen, um ein Mann von Ehre zu bleiben! . .
ALBERT. Mir wird es helle im Busen!--Ihr Bekenntniss bringt mich dem
armen Herren naeher als je! . . Er hatte ein zu gutes, zu ehrbares
Gesicht--ah, es war unmoeglich! nein es giebt keine Teufel--wir Menschen
sind alle gleich gut und gleich schlecht, gleich wohlwollend und gleich
uebel berathen,--nicht wahr, nur die Verhaeltnisse stempeln uns zu
Verbrechern!? O ich weiss, wie gross ihre Macht ist! Dies Dokument
bezeugt's zweifellos.
DER DOCTOR. Personen im Nebensaal . . .
ALBERT. Womit vergelt' ich's Dir Marie! . . .
DER DOCTOR. Theurer Albert, wir muessen abbrechen, es giebt Besuch.
LBERT. Zu Befehl, Herr Doctor.
DER DOCTOR. Morgen sehen wir uns wi$
te ein sogenannter Kalfakter. Fr
deren Reinigung und Miete--der Staat gibt auch den Gefngnisraum nicht
umsonst--hatten wir monatlich fnf Taler zu zahlen. Unser Essen bezogen
wir aus einem Gasthaus des an Hubertusburg grenzenden Wermsdorf. Unsere
Tagesordnung war folgende: Morgens 7 Uhr muten wir angekleidet sein,
alsdann wurden die Zellen zwecks der Reinigung geffnet. Whrend dieser
Zeit frhstckten wir auf dem breiten Korridor, der vor den Zellen
hinlief. Diese Pause benutzte Karl Hirsch, um mit einem Zivilgefangenen
eine Partie Schach zu spielen, wobei sich die beiden zu unserem grten
Ergtzen regelmig in die Haare gerieten. Um 8 Uhr wurden wir wieder
eingeschlossen bis 10 Uhr, zu welcher Zeit wir unseren Spaziermarsch im
Garten unternahmen. Um 12 Uhr wieder Einschlieung bis 3 Uhr im Winter,
4 Uhr im Sommer, dann zweiter Spaziergang, von 5 beziehungsweise 6 Ur
ab wieder Einschlieung bis nchsten Morgen. Da wir das Recht hatten,
bis 10 Uhr abends Licht brennen zu drfen, waren diese Stunden mei$
h mit mir ber die politischen Vorgnge zu
unterhalten. Mir war das Halten der "Vossischen Zeitung" bewilligt
worden, deren smtliche Tagesnummern ich aber regelmig erst am Ende
der Woche, am Sonntag, zugestellt erhielt. Most hatte um jene Zeit mit
der ganzen Leidenschaftlichkeit seines Temperaments eine ffentliche
Agitation fr den Austritt aus der Landeskirche begonnen. Die von
ihm veranlaten Volksversammlungen waren berfllt und von
leidenschaftlicher Erregung getragen. Diese wuchs, als jetzt die neu
erstandene christlich-soziale Partei unter Fhrung des Hofpredigers
_Stcker_ ebenfalls Versammlungen abhielt und Redner dieser Partei auch
in den Mostschen Versammlungen erschienen, dort aber, wie vorauszusehen
war, unter dem Jubel der Massen den krzeren zogen. Diese Agitation rief
bei den Frommen im Lande eine ungeheure Aufregung hervor, die auch den
Gfngnisgeistlichen ergriffen hatte. Selbst der alte Kaiser sah sich
veranlat, als ihm zu seinem Geburtstg im Mrz 1878 das Prsidium des
Landtags gratul$
sch, das gestern brig blieb.
KNIG (essend):
Ich danke dir, mein Herzensmops,
fr die Kartoffeln und den Klops.
Papa, ich bin bald zwanzig Jahre
und kriege nchstens graue Haare;
ich mach mich immer wunderschn,
allein )ein Freier lt sich sehn.
Ich krieg am End gar keinen Mann;
was fang ich alte Jungfer an?
(Sie weint.)
So liebe _mich_, mein ses Kind!
Heiraten geht nicht so geschwind.
Ach doch, Papa, 's geht ganz bequem.
Wenn doch ein Prinz, ein trauter, km!
(weint strker.)
Mein Pmpfchen, trste dich bis morgen,
da will ich dir 'nen Mann besorgen.
(fllt ihm um den Hals):
Du guter einziger Papa,
ich sag gewi zu allen ja.
Leb wohl, ich mu zur Konferenz;
es ist nicht gut, wenn ich die schwnz.
DRITTE SZENE.
Pumpfia, nachher Jagomir.
Ich arme Pumpfia und Prinzessin,
ach knnt ich doch mein Leid vergessen!
allein, o leider ganz allein,
in diesem holden Mondenschein!
Kein Jngling liebt mich nur ein bichen,
kein Prinz gibt mir ein holdes Kchen.
Mein Herz ist leer, mein Kopf ist dumm,
ich fall vor lau$
worden und
aus dem Pastorenhause, wo man ihr so freundlich zuvorkommend
Gastfreundschaft geboten hatte, nach Falsterhof bergesiedelt. Carin
schien, seitdem sie neben Theonie einherging, um Jahre verjngt.
Nicht ganz so erfreulich standen die Dinge auf Holzwerder. Herrn von
Tressens Gesundheitszustand war nicht der beste; es machten sich Leiden
bei ihm bemerkbar, die ihn hufig auf lngere Zeit ans Zimmer oder gar
ans Bett fesselten. Die freie Bewegung ward ihm gehemmt. Empfang von
Gsten im eigenen Hause und Besuche bei Freunden in der Nachbarschaft
muten eingeschrnkt werden.
Gretes Mutter fhlte zum erstenmal eine starke Vereinsamung; unheimlich
drngte es sich ihr auf, da das Alter sich nahe, da allerlei Verzicht
geboten erscheine, und statt des frheren raschen ein mehr beschauliches
und auf die Pflege des Krpers gerichtetes Leben notwendig und weise
sei. Aber noch etwas anderes rckte sie: Es war doch so ganz anders
geworden, seitdem ihr Mann und sie die Herrschaft auf Holzwerder hatten
abgeben m$
rchzumarschieren, um wieder dort
einzutreffen.--So war denn abermals alles umsonst gewesen.--Alles
Und immer entsetzlicher ward das Prickeln, und je mehr er kratzte, desto
frchterlicher ward es.
"Herr Gott im Himmel! Hilf! Was soll daraus werden?"
Wie? Er rief den Gott an, an den er nicht glaubte, den er bisher
behandelt hatte wie ein Spielzeug?
Am Ende gab's doch ein hheres Wesen, das belohnte und strafte--am Ende
gab's doch eine Vergeltung? War er bisher mit Blindheit geschlagen
gewesen? Siegte doch das Gute, und ging das Bse unter----?
Pltzlich, in der namenlosen Qual, erhob sich eine Stimme in ihm, die er
zuletzt gehrt hatte in seiner Knabenzeit, als er noch gut sein wollte,
Fehler und Vergehen bereute, als noch ein ehrliches Streben ihn
durchdrang, er an sich, an seine Umgebung, an die Menschen glaubte.
Ach, sie hatten ihm schon in seiner ersten Jugend die Illusionen
genommen, mit seinem frhreifen Verstande hatte er durchschaut, wie
gleichgltig er seinem Vater sei, wie wenig seine MuQter ihn lieb$
einen Rasenfleck. Monate konnten vergehen, bevor es
jemandem einfiel, diesen abgeschiedenen Winkel zu beschreiten; so war
denn der Spaeher sicher, dass niemand ihn beobachten werde.
Nun drueckte er sich hart an die Mauer, bestieg einen an sie gelehnten
Feldstein und schaute ins Innere des Hauses.
Eben fuhr er Abendwind durch Gebuesch und Baeume und fing sich stuermisch
in dieser Ecke. Aber Tankred von Brecken, der Besitzerin Neffe, kuemmerte
sich nicht darum.
Mit Luchsaugen beobachtete er, was drinnen im Krankenzimmer vorging. In
einem hohen Bett mit verblichenen, gruenseidenen Gardinen lag die alte
Frau mit gefalteten Haenden; eine Lampe brannte auf dem Tisch mitten im
Zimmer; daneben Medizinflaschen, Glaeser, Leinewand, Schwaemme und
Alte, schwere Moebel standen ringsum; ihr Aeusseres bekundete Gediegenheit
und Wohlhabenheit; so ernsthaft schauten sie drein, als empfaenden sie,
was sich hier abspielte, als hoerten sie das Roecheln der Kranken, als
saehen sie das blasse, schmerzverzehrte Angesicht einer jun$
beim
Fruehstueck scheinen darauf hinzudeuten, dass er Absichten uf sie hat.
Schon das wird ihn veranlassen, hier zu bleiben. Ah!--ah--Wie werde ich
die Last von meiner Seele los!"
"Haben Sie keine Ahnung, wer meinem Mann den Brief geschrieben haben
Theonie schuettelte den Kopf.
"Keine! Und das aengstigt mich nun auch! Doch still. Ich hoere Ihren Mann
und Tankred kommen! Bitte, lassen Sie mir den Brief. Er kann mir
vielleicht nuetzen--"
Nun erscheinen die beiden Herren wieder. Der Pastor mit seinem harmlos
freundlichen Gesicht, und Tanked daneben, geschmeidig, wenn er sprach,
gelangweilt oder mit lauerndem Ausdruck in den Zuegen, wenn er zuhoerte
und sich unbeobachtet glaubte.
Jetzt eben schien er sehr wenig angemutet. Der Pastor liess sich ueber
sein Toechterchen aus, ueber Lenes Vorzuege, und sagte mit seiner rollenden
Stimme: "Die Kinderseelen sind noch rein und unverfaelscht. Sie haben
keine Hintergedanken, sondern geben sich, wie sie wirklich sind. Sie
koennen, waehrend wir 'sie' zu erziehen suchen, 'uns$
inerlei Schloss und Gesetz, sie sind zu
allem faehig."
Frege widersprach seiner Herrin nicht. Er bewegte den alten, grossen Kopf
mit den scharfen Linien und starrte mit dem eigentuemlichen Ausdruck vor
sich hin, der den Schwerhoerigen eigen ist.
"Ich wuesste eins, gnaedige Frau," schob er dann, das Wort nehmend, ein.
"Wenn er das Fraulein auf Holzwerder heiratet, dann werden Sie von ihm
befreit fuer alle Zeiten. Das sollten Sie zu foerdern suchen."
"Wie kann ich das foerdern, Fre|e? Und ob Du recht hast, ist noch sehr
zweifelhaft. Dann bleibt er doch in unserer Nachbarschaft. Schon seine
Naehe beunruhigt mich, floesst mir Furcht ein."
Frege bewegte die Achseln. 'Es mag zutreffen, aber in der Not nimmt man
das, was man finden kann' stand in seinem Gesicht geschrieben.
Nun schlug die Uhr vom Gutsthor herueber, und Theonie entliess Frege und
stieg die Treppe hinab. Ihr graute vor diesem Gang so sehr, dass ihr die
Kniee zitterten.
Waehrend dessen befand sich Tankred noch im Freien. Ein unruhiger Drang
hatte ihn, $
 0,00-1/2
25 g Margarine                       " 0,04
1/4 l Brhe oder Fleischextraktbrhe " 0,20
1/2 El. Essig                       " 0,00-1/4
                                     M 0,65-1/4
_Vorbereitung_: Die Nieren werden sauber gewaschen, der Breite nach in
1/2 cm dicke Stcke geschnitten, von den Sehnen befreit und mit Salz und
Pfeffer bestreut._Zubereitung_: Man schwitzt in einem Tiegel Mehl und Margarine gelblich,
tut die Nieren hinein, bratet sie durch, fgt die Brhe hinzu und schmort
unter fortwhrendem Rhren, da sie sonst leicht hart werden, die Nieren
etwa 2-3 Minuten, bis sie nicht mehr rot aussehen. Dann giet man den
Essig zu und gibt sie, gern mit Bratkartoffeln, mglichst rasch zu Tisch.
SCHWEINEPKELFLISCH ODER EISBEIN.
1/2 kg (1 Pfd.) Eisbein oder
Pkelfleisch       M 0,80
1/2 Gewrzdosis    " 0,00-1/4
15 g Zwiebeln      " 0,00-1/2
l Wasser             0,00
                   M 0,80-3/4
_Zubereitung_: Pkelfleisch und Eisbein werden wie Schweinebauch gekocht.
Gericht fr den Selbstkoch$
ehl, ruehrt es gar, giesst
einige Loeffel Wasser ueber Bruehe und 1/2 Essloeffel Essig hinzu, schmeckt
mit Salz ab und gibt die Sauce zur Leber.
_Bemerkungen_: Panierte Sachen duerfen nicht aufeinander liegen und auch
nicht zurechtgemacht ungebraten lantge stehen, da sich die Panade mit dem
Fleischsaft verbindet, aufweicht und beim Braten abfaellt.
Leber muss, achdem sie gebraten ist, sofort gegessen werden, vom Stehen
wird sie hart.
Schweine-, Kalbs- und Gaenseleber sind je nachdem erheblich teurer.
HAMMELNIERE IN SCHEIBEN.
2 rohe Hammelnieren             M 0,30
1 Prise Salz und Pfeffer        " 0,00-1/4
1/4 Zitrone                     " 0,02-1/2
15 g Margarine                  " 0,02-1/2
5 g Mehl                        " 0,00-1/2
1 Essl. gewiegte Kraeuter         " 0,05
4 Essl. Bratensaucenreste
oder Wasser mit 1 Messerspitze
Fleischextrakt                  " 0,05
l Essl. Rotwein                  " 0,02-1/2
1 Prise Zucker                  " 0,00-1/4
                                M 0,48-1/2
_Vorbereitung_:$
ensaft und Zitronenzucker verbunden,
zuletzt wird vorbereitete Gelatine hinzugefuegt und der Schnee der Eiweiss
sorgfaetig untergezogen. In eine Glasschale zu fuellen.
_Apfelsinenspeise_. Dieselbe Masse, nur anstatt 6 Essloeffel Zitronensaft
und =schale: 2 Essloeffel Zitronensaft und 4 Essloeffel Apfelsinensaft und
_Arrakspeise_. Dieselbe Masse, nur anstatt 6 Essloeffel Zitronrensaft: 2
Essloeffel Zitronensaft und 4 Essloeffel Arrak.
_Himbeerspeise_. Ebenso, nur anstatt 6 Essloeffel Zitronensaft und -schale:
6 Essloeffel Himbeersaft und 1 Teeloeffel Zitronensaft.
_Kaffeespeise_. Dieselbe Masse, nur anstatt 6 Essloeffel Zitronensaft und
-schale: 1/8 l Kaffeeextrakt, worin 20 g Kakao geloest wurden.
_Kakaospeise_. Dieselbe Masse, nur anstatt 6 Essloeffel Zitronensaft und
-schale 30 g Kakao und 1. Essloeffel Vanillezucker in 1/8 l Wasser geloest.
       *       *       *       *       *
(Die Rezepte sind stets, wo nicht anders angegeben, fuer zwei Personen
APFELKOMPOTT (GESCHMORTE APFEL).
1/2 kg (1 Pfd.) Aepfel $
 Gnaden, ist meine Mission als treuer Rat beendet. Ich
sehe nur ein Ende mit Schrecken, keine Rettung fr das Erzstift, das der
Herzog wird mit Krieg berziehen und--"
"Erlat mir das harte Wort, gndiger Herr!"
"Ein echter Freund mu auch ein solches Wort offen sagen!"
"Ich kann es nicht bringen ber die Lippen. Wollen Hochfrstliche Gnaden
nur selbst ein wenigbin sich gehen, die logische Konsequenz aus einem
Kriege Bayerns gegen Salzburg zu ziehen, ist nimmer schwer...."
"Du krchzest Unheil, Rabe! Mein Freund ist Er gewesen, so er des Bayers
Sieg wnschet ber das Erzstift!"
"Gott behte mich in meinen innersten Gedanken! Wie kann in Treuen der
Unterthan wnschen den Sturz des geliebten Frsten!"
Wolf Dietrich erblate, er zitterte am ganzen Leibe, bebend klangen
seine Worte: "Du glaubst--an meinen--Sturz?!"
"Ich frchte solches Ende! Der Salzkrieg kann nimmer anders enden! In
letzter Stunde steh' ich zu Euch, gndiger Frst und Herr! Ich
beschwre Euch als stets erprobter treuer Freund: Widerrufet den
un$

Die Muhme aber in ihrer Auffassung von der Verbindung Salomes mit dem
Fuersten Wolf Dietrich und rachegluehend bereit, ihren Willen gegen den
des Schwagers durchzusetzen, liess den Erzbischof wissen, dass die
Buergermeister Altsche Familie wie Salome mit den Plaenen Seiner
Hochfuerstlichen Gnaden einverstanden sei, und dass der gnaedige Herr
Schritte gegen die zweifellos drohende Verbringung des Maedchens in ein
auswaertiges Kloster thun moege.
In seiner Leidenschaft fuer die schoene alome, deren Besitz der junge,
weltlich gesinnte Kirchenfuerst heiss begehrte, konnte Wolf Dietrich die
Beihilfe der Muhme nur freudigst begruessen; die Mitteilungen der
Buergermeisterin erklaerten auch zur Genuege, weshalb von Salome kein
Lebenszeichen in die Residenz gelangt war. Einen Mann von der Thatkraft
eines Wolf Dietrich musste die Information von einer Unschaedlichmachung
des geliebten Maedchens bei lebendigem Leibe zu Gewalthaten geradezu
auffordern und der heissbluetige Fuerst ging denn auch sofort daran, Herrn
Wilh$

heimgeschlichen, wohin ich gehoere als treues Eheweib, zum Gatten, der
jeglicher Pflege bedarf,--kein Stuendlein bin ich sicher und sie jagen
mich wieder fort und in den Tod! Sagt, schoene Frau, muss ein Eheweib
nicht ausharren durch alle Not des Lebens beim Manne, den uns Gott
gegeben vor dem heiligen Altar?"
Wolf Dietrich nahm das Wort: "Das paepstliche Gebot bestand, es ist ein
Konzilsbeschluss, und fuer den Kuraten gab's keine excepti! Gesclossen
ist der Bund, der Mensch kann ihn nicht trennen, und wie es ist, gehoert
zum Mann das Weib! Doch seh' ich selbst: Zeit ist's zu schaffen Zucht
und Ordnung, das Erzstift muss purifizieret werden!"
Angstvoll rief Salome: "Gnaediger Herr!"
Der Fuerst verstand den Sinn des Angstrufes gar wohl und erwiderte:
"Beruhige dich, Salome! Nicht will ich grausam trennen ein gottergeben
greises Paar, wenngleich nur schlimm kann wirken solches Beispiel! Ich
gedenk' in dieser Stunde wohl der Macht der Liebe, die alles ueberwindet!
Bleibt in Ehren ein christlich Ehepaar und dan$
uen ist!"
Ueberrascht fragte Lamberg: "Hochfuerstliche Gnaden beabsichtigen groessere
"Will ich, ja, habe aber jetzt dazu kein Geld! Wird sich hoffentlich
spaeter finden! Muss ja fuer Salome ein ihrer Schoenheit wuerdiges Heim
schaffen! Roma parva! Und kein Geld! Meine Weihsteuer[6] hab' ich auch
noch einzufordern--!"
"Drf ich hiezu ein Wort in schuldiger Ehrfurcht mir verstatten?" fragte
Graf Lamberg, welcher die Gefahr dieser Steuereinhebung nur zu genau
"Sprich, Freund!"
"Submissest wuerde ich bitten, jetzt und auch fuer das naechte Jahr in
Gnaden abzusehen von einer Eintreibung der Weihsteuer, die, nebenbei
bemerkt, auch fuer den hochseligen Erzbischof und Fuersten Georg von
Kueenburg noch nicht bezahlt ist...."
"Nun also! Die Grundholden machen Schulden ueber Schulden, und der Fuerst
muss darben!--Warum widerratet Lamberg einer Einhebung der vollauf
berechtigten Weihsteuer?"
"Gnaedigster Fuerst! Das vergangene Jahr brachte dem Erzstift das Glueck
Eurer Erwaehlung zum Gebieter und Landesherrn. Leider ward$
r!" sprach bebenden Tones Salome und richtete
den Blick aus den suessen blauen Augen voll auf den Monarchen, "wollen
Euer Kiserliche Majestaet in Gnaden mir verstatten, mein Anliegen
vorbringen zu duerfen."
Rudolf verstand und winkte dem Kaemmerer, sich zu entfernen. Dann sprach
der Kaiser: "Ihr seid verheiratet? Mit wem?"
Salome erbebte, der gefuerchtete Augeblick ist gekommen, das
schreckliche Wort muss gesprochen werden, so hart dies auch ist. Nach
Atem und Ruhe ringend, stammelte Salome: "Gnaedigster Herr und Kaiser!
Mein Bund entbehrt--des kirchlichen Segens!"
"Wie? Und dennoch seid Ihr Mutter!" rief Rudolf und wich einen Schritt
"Ja! Schwer litt ich unter solchem Druck unseliger Verhaeltnisse!"
"Ohne kirchlichen Segen! Verdammnis ist das Los! Wie muesst Ihr zittern
vor jeder oesterlichen Beichte!--Wer ist der Mann, der sich nicht scheut,
den Geboten der heiligen Kirche Trotz zu bieten?"
Demuetig neigte Salome das zierliche Haupt und leise erwiderte sie:
"Unterthanin bin ich und Gemahlin meines gnaedige$
 ritt Maimilian freudigen Herzens, einen ieg errungen zu haben,
ohne jedes Opfer, zur Residenz, wo ihn der Domdechant mit den
Kapitularen feierlich empfing und als Geschenk einen "schoenen
Schreibkasten" anbot, den Wolf Dietrich dem Koenig Mathias zur Hochzeit
bestimmt hatte und der tausend Gulden gekostet hatte.
Ein Festmahl schloss sich dem feierlichen Empfang an, und waehrend
desselben erklaerte der Herzog, dass er sich nur als Protector urbis
betrachte und sich nicht in die Landesregierung des Erzstiftes einmengen
wolle. Inmitten dieses glaenzenden Mahles, das allerdings nur durch die
grossen Anstrengungen in Zufuhr von Lebensmitteln aus benachbarten
Staedten und Doerfern ermoeglicht werden konnte und wofuer das Kapitel keine
Kosten scheute, traf erschoepft und wund geritten zu allseitigem
Erstaunen der Untermarschall Perger mit einem neuen Schreiben des
geflohenen Erzbischofes ein, mittels dessen Perger zur Abgabe von
Erklaerungen legitimiert erschien.
Um eine Stoerung der Versammlung zu vermeiden, woll$
ar nicht stak genug betonen, wenn man die rnde fr
ihr Aussterben aufsuchen will. Wie nichts ein Volk mehr hebt, als
freudige Achtung vor sich selbst und frhliches Gelingen des von ihm
Erstrebten, so drckt nichts den Volksgeist tiefer, als das Gefhl der
eigenen Ohnmacht und Verlorenheit. Zum Gefhl aber der ussersten
Ohnmacht und Rechtslosigkeit, des bittersten und doch ganz hlflosen
Ingrimms finden wir alle diese Vlker, Amerikaner, Aleuten und
Kamtschadalen, Neuhollnder, Polynesier und Hottentotten verdammt. Jede
Rae, weiss schwarz oder roth, sagt Elliot bei Waitz 3, 299, muss
untergehen, wenn ihr Muth, ihre Energie und Selbstachtung durch
Unterdrckung, Sklaverei und Laster zu Grunde gehen. Und nun hatten,
wie wir gesehen, die meisten Naturvlker schon von Haus aus einen
entschiedenen Hang zur Melancholie, welche durch alle diese Schicksale
natrlich aufs rgste vermehrt ihren Untergang nur beschleunigte. Man
denke sich nur, wenn wir Europer mit allen unseren Kulturmitteln, mit
unserer Religio$
ngen. Sie hatten sich keine Herrschaft ber die sie
umgebende Natur errungen: sie lebten ausschweifend, nur ihren Gelsten
hingegeben, unregelmssig, ohne Gedanken in die Zukunft, in gewaltigster
Trgheit; Kriege, Rache u.s.w. waren bei ihnen feste Sitten; der
Aberglaube, der so hufig Menschenopfer verlangte, beherrschte sie ganz;
ihr psychisches Leben war wenig, die intellektuelle Thtigkeit nur nach
praktischer Seite hin entwickelt. Diese Zge ihres Wesens mussten aber
im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende immer starrer und
unberwindlicher werden: und es ist keine Frage, dass sie ihnen einst,
frher oder spter, denn wer mag das Ende dieser Zeit bestimmen,
erliegen mussten. Die Natur, in wel&cher sie lebten, bot kein erziehendes
Moment von durchgreifender Macht; und htte sie es durch irgend elche
Vernderungen ihnen noch geboten, sie waren nicht mehr im Stande, es
sich zu nutze zu machen, da sie durch und in Jahrtausende langer
Gewhnung erstarrt waren. Sollten diese Vlker also gerettet werden, so
$
s, welchem allen die meisten anderen Vlker regelmssig
erliegen. Er ist also schon durch seinen Krper gesicherter.
Drittens ist nicht zu bersehen, dass der Neger schon seit einer Reihe
von Jahrtausenden, seit der ersten Entwickelung der Kulturvlker, mit
diesen in Berhrung und oft in sehr enger steht und gestanden hat: so
ist er an die Einflsse d#r Kultur ganz anders gewhnt als Amerikaner
und Ozeanier, als Hottentotten und Kamtschadalen, und hat daher ihre
ungnstigen Folgen weit weniger zu frchten.
Hiermit ist der Einwand, welchen ma von den Negern aus erheben knnte,
als beseitigt zu betrachten; wir mssen indess noch einen Blick auf das
Aussterben der freigewordenen Neger in den vereinigten Staaten werfen,
wie wir es im Ausland (1867, 1404) geschildert sehen nach Henry Lathams
black and white. Nach ihm sind seit der Emancipation von 4,000,000
Negern 1,000,000 zu Grunde gegangen, durch Unwissenheit, Hlflosigkeit,
Laster und Mangel. Unfruchtbarkeit trat ein, Kindermord nahm berhand,
die Sterblichke$
tten (Sparmann 320) herrschte die Sitte, Saeuglinge,
deren Mutter starb, mit dieser zugleich zu begraben oder auszusetzen;
ebenso toedteten sie von Zwillingen das eine Kind. Kuenstliche
Fehlgeburten kamen haeufig bei ihnen vor. Noch haeufiger war dies alles
bei den Buschmaennern, welche bei ehelichen Streitigkeiten, bei
Nahrungsmangel, der sie oft genug betraf, und bei eiliger Verfolgung die
Kinder toedteten, aus Rache und Zorn gegen den Ehegatten, oder weil sie
dieselben nicht ernaehren, nicht mitnehmen konnten; das heisst in den
meisten Faellen, weil sie jede ungewoehnliche Anstrengung, welche ihnen
die huelflosen Kinder auferlegt haetten, scheuten. Zwillinge und
missgestaltete Kinder wurden stets umgebracht (Waitz 2, 340 und daselbst
die Quellen).
Ebenso war es in Amerika, namentlich in der suedlichen Haelfte des
Kontinentes, waehrend die Indianer Nordamerikas, wie sie ueberhaupt hoeher
stehen, auch ihre Kinder besser halten, ja sie oft mit der innigsten
Liebe pflegen. So verwenden z.B. die Potowatomi au$
er
Religion, dieser Kultur zu entfliehen, kein Mittel scheuten, auf der
anderen Seite abeE auch nicht, wenn wir sie massenhaft in den Missionen
sterben sehen. Krankheiten wuetheten und von Jahr zu Jahr wuchs die
Sterblichkeit. 1786 waren 7701 Indianer getauft, von denen 2388 starben;
1813 waren 57,328 getauft, aber gestorben 37,437 (Beechey 1, 370).--Als
nun spaeter die Missionen durch die politischen Verhaeltnisse Californiens
verfielen, wurde das Loos der Eingeborenen noch schlimmer. Sklavenjagden
oder auch geradezu Menschenhetzen begannen, man schoss sie nieder, ohne
Unterschied des Alters und Geschlechtes, wo man sie traf. Ein spanischer
General hatte (nach Wilkes) Californier zu Soldaten einexercirt; als sie
sich aber sehr brauchbar zeigten, bekam er Furcht vor ihnen und liess
sie alle niederschiessen (Waitz 2, 244-51).
Am alleraergsten aber haben die Weissen in den kultivirten Gegenden
Amerikas gehaust, welche sie zuerst vom ganzen Continent kennen
lernten. Die Eroberung von Mexiko kostete, wie ein Span$
ser schlichtete zu Ngaruawahia alle
Streitigkeiten der Eingeborenen, trieb auch von den unter ihnen lebenden
Europaeern Abgaben ein und legte einen Zoll auf die an seiner Stadt
vorbeipassirenden europaeischen Schiffe; sein Einfluss war bald so gross,
dass sich auch die Missionaere, wenn sie etwas gegen einen Maori
vorzubringen hatten, an ihn wandten. Aehnliche Ziele hatte die
Landligue, eine Vereinigung der Maorifuersten, um den Landverkauf zu
verhueten, wel<hen die einheimische Regierung aeusserst ungern sah. Es war
klar, dass die Kolonialverwaltung durch diese selbstaendige Entwickelung,
namentlich aber durch die Beschraenkung der Landkaeufe, welche, um gueltig
zu s7ein, erst die Bestaetigung des Maorikoenigs nach der Auffassung der
Eingeborenen bedurften, in arge Verlegenheit kommen musste. Daher
erkannte denn England diese Beschraenkung des Landverkaufs durch die
Maorigesetze nicht an und so musste es zum gewaltsamen Zusammenstoss
kommen. Dies geschah unter Potatau II., dem Sohne Potataus I.; den 17.
Maer$
Gewoehnung und
Vererbung mehr in ihrer Bedeutung fuer die Geschichte der Menschheit
schaetzen. Dass Klima und sonstige Lebensweise mit gewirkt haben, soll
damit nicht abgelaeugnet werden; nur sind sie bei den Naturvoelkern von
untergeordnetem Einfluss, und die Einwirkung von Gewoehnung und Vererung
ist gewiss die Hauptsache. Nirgends ist der Einfluss des Willens, der
Wuensche und Gedanken so gross, als gerade im geschlechtlichen
Verhaeltniss.
[D] Spuren von ihr finden sich auch in Suedamerika, so bei Azara 248, der
von den Mbayas erzaehlt, dass ihre Weiber nie Fleisch von Kuehen und Affen
essen; doch, da ihre Maedchen ueberhaupt kein Fleisch, nicht einmal grosse
Fische und zur Zeit der Periode nur Gemuese und Obst geniessen, so koennte
man diese Enthaltsamkeit auch einfacher erklaeren. Dagegen ist es gewis
eine dem nordamerikanischen Totem urspruenglich verwandte jetzt nicht
mehr verstandene Sitte, wenn die Cariben z.B. nie Affen essen, dagegen
die Ameisenbaeren als Delikatesse aufsuchen, welche wiederum die $
rendez-vous. Wie die
Mode alle Natur unterdrckte, die Taille gewaltsam einzwngte, die
Hften durch Reifrcke ins Ungeheuerliche vergrerte, die Haare durch
Puder ihrer Farbe beraubte, das Gesicht durch Schminken und
Schnpflsterchen zur Maske machte, so waren auch alle natrlichen
Gefhle erstickt und verzerrt. Liebe, Kunst, Wissenschaft--alles stand
nur im Dienst der Genusucht. Die vielgerhmte geistreiche Konversation
des 18. Jahrhunderts war schillernd und oberflchlich, nur auf Triumphe
der Eitelkeit berechnet. Fr die Korruption des weiblichen Geschlechts
spricht jedoch eine Thatsache lauter als alles andere: die Verachtung
der Mutterschaft, das Verleugnen des Kindes. Kaum geboren, schickte die
Mutter es aufs Land zu iner Amme; es selbst zu nhren, verbot die
Rcksicht auf die Gestalt und die Forderung des geselligen Lebens.
Zurckgekehrt, wurde es einem Hofmeister, oder einer Gouvernante
bergeben, die so frh als mglich einen jungen Herrn oder eine junge
Dame aus ihm machten. Da es eine frhli$
eln.
Die Frau der Bourgeoisie wurde fr das Haus und fr die Geselligkeit
erzogen. Auch die erweiterte Bildung, die die neue Zeit fr sie
forderte, und die ber den Religions- und Haushaltungsunterricht des
Mittelalters hinausging, hatte nur den Zweck, die geselligen Talente zu
untersttzen und dem Mann eine verstndnisvollere Gefhrtin zu sein.
Die erste Stelle unter den Vorkmpfern der Reform der Mdchenerziehung
nahm Fnelon ein.[219] Seine pdag?gischen Grundstze veranlaten Frau
von Maintenon, in St. Cyr die erste hhere Mdchenschule zu grnden, die
insofern noch in besonderes Interesse beansprucht, als sie zugleich die
erste Anstalt war, die, durch Ausbildung von Erzieherinnen, der
beruflichen Thtigkeit der Frau die Wege bahnte.[220] Aber sie war nur
eine Oase in der Wste und entsprach so wenig der Zeitstrmung, da sie
bald auf das jmmerliche Niveau der blichen Mdchenschulen herabsank,
und Putz, Tanz und Konversation ihr wesentlicher Unterrichtsstoff blieb.
Ihrer deutschen Nachahmung, dem Gync$
eines Geschlechts von Helden, wollte er sie erzogen wissen. Und so
schroff und festgewurzelt war seine Meinung, da er allen geistreichen
und gelehrten Frauen mit Widerwillen begegnete, einem Widerwillen, der
sich bis zu dem kleinlichen Kampf gegen Madame de Stal steigern konnte.
Aber ebenso wie man, besonders auerhalb Frankreichs, ber dem Eroberer
den Reformator zu vergessen pflegt, so vergit man auch ber dem Geg:ner
der Frauenemanzipation den Befrderer einer verbesserten
Mdchenerziehung. Die Mdchenpensionate der Madame Campan in St. Germain
und Ecouen fanden seinen lebhaftesten Beifall und unter seinem Einflu
entstanden in Italien die ersten hheren Mdchenschulen. Er scheute sich
sogar nicht, eine Frau in ein ffentliches Amt einzusetzen, wo er
glaubte, da sie die Erziehung der Mdchen gnstig beeinflussen knnte:
1810 wurde Madame de Genlis Schulinspektorin in Paris.[226] Irgend
welche staatlilche Hilfe den Mdchenschulen angedeihen zu lassen, lag
jedoch ganz auerhalb seiner Gedankenrichtung. A$
 auf den Schutz der Familie, womit sogen.
Menschenfreunde dem armen Mdchen helfen wollen, entspringt demselben
Boden, aus dem der rohe Cynismus wchst, mit dem Kaufleute und
Theaterdirektoren ihre Angestellten in die Arme hilfreicher "Freunde" zu
treiben suchen. Aber die Schuld liegt nicht allein auf Seite der
Brotgeber. Bis in die neueste Zeit hinein ist die Ausbildung der Frau
fr die Berufsarbeit eine unzulngliche und der dadurch erzeugte
Dilettantismus entwertet nicht nur die Frauenarbeit im allgemeinen,
unter seinem Odium haben vielmehr auch diejenigen zu leiden, die
dasselbe leisten wie die Mnner. Und noch ein anderes, fr die
brgerliche Frauenarbeit charakteristisches Moment kommt hinzu: eine
groe Zahl der Arbeit suchenden Frauen ist nicht vollstndig auf ihre
Ertrgnisse angewiesen; sei es, da sie bei den Eltern wohnen und nur
ein Nadelgeld verdienen mssen, sei es, da sie eine Rente beziehen, de
nur nicht ganz zum Leben ausreicht,--auf jeden Fall sind sie in der
Lage, die Mnner, und, was noc$
n.
So werden sie durch ihren Mangel an geistiger Schulung und technischer
Vorbildung fr alle diejenigen Arbeiten gewhlt, die ungelernte Arbeiter
im allgemeinen gebrauchen knnen und die fast stets zu beobachtende
Schwierigkeit, sich zu konzentrieren, d.h. alle Gedanken auf eine Arbeit
zu richten, ist die Ursache, da rein mechanische Thtigkeiten ihnen mit
Vorliebe berlassen werden. Diese negativen sowohl krperlichen als
geistigen Fhigkeiten aber sind ohne Ausnahme das traurige Resultat der
gnzlichen Vernachlssigung, unter der das weiblihe Geschlecht leidet,
und das die Armen stets besonders hart getroffen hat. Aber auch die
Geschicklichkeit und Gelenkigkeit der Finger sind die Folge der
Erziehung und Gewohnheit. Die Hnde des Mannes hrteten sich, sie wurden
breit und stark in'folge der Arbeiten, die er von Urzeiten an
verrichtete, die des Weibes wurden zarter, schmaler und gewandter, weil
alle feineren Arbeiten meistens ihr berlassen blieben. Von grtem
Einflu hierauf war alle Art der Nadelarbeit.$
             |             |Arbeiterinnen
                                |             |in dem betr.
                                |             |Industriezweig
                                |             |beschftigt.
--------------------------------+-------------+--------------
Bergbau-, Htten-, Salinenwesen,|             |
Torfgrberei                    |      1333   |     0,58
Industrie der Steine und Erden  |     19475   |     8,49
Metallverarbeitung              |     10739   |     4,68
Industrie der Maschinen,        |             |
  Instrumente und Apparate      |     4493   |     1,99
Chemische Industrie             |      4380   |     1,91
Industrie der forst-            |             |
  wirtschaftlichen Nebenprodukte|      1162   |     0.51
Textilindustrie                 |    111194   |    48,49
Papierindustrie                 |     11049   |     4,82
Lederindustrie                  |      2063   |    0,86
Industrie der Holz-             |             |
  und Schnitzstoffe             |  $

Resultaten fhren, wenn einerseits die Kaufkraft des Geldes,
andererseits die Bedrfnisse der Lohnarbeiter in Betracht gezogen
werden. Fr beides fehlt es an ausreichendem Material und auch as
vorhandene ist ungengend. Im allgemeinen wird fr die hier in Betracht
kommenden europischen Staaten angenommen werden knnen, da im Laufe
des 19. Jahrhunderts die Wohnungsmieten sich verdoppelt resp.
verdreifacht, die Lebensmittelpreise sich verdoppelt haben.[517] Die
Lhne der Arbeiterinnen in der Groindustrie sind in derselben Zeit
teils um ein Drittel, teils um die Hlfte gestiegen[518], die
Bedrfnisse dagegen, deren Wachstum sich natrlich zahlenmig nicht
feststellen lt, haben im Verhltnis weit rascher zugenommen, obwohl
gerade das weibliche Geschlecht die langsamsten Fortschritte gemacht
hat. Wenn schon bei dieser ganz uerlichen Betrachtung ein Defizit
unvermeidlich ist, so ist es in Wahrheit noch viel bedeutender, weil zur
Zeit des hier angenommenen Ausgangspunktes,--dem Anfang des 19.
Jahrhunderts,$
nun zwar auch
die Verkuferin auf Steigerung des Gehalts rechnen; 70 und 80 Mk.
bezeichnen aber in den meisten Fllen ein nur schwer erreichbares
Maximum, Monatseinnahmen von 100 bis 120 Mk. kommen nur ausnahmsweise
vor. Da die Zeit der Arbeitslosigkeit sich hufig bis auf drei Monate
ausdehnt, so schrumpft die im ganzen Jahr der Verkuferin zu Gebote
stehende Summe so sehr zusammen, da ein Auskommen schwer mglich ist.
Die Angaben Berliner Handelsgehilfinnen besttigen das. Danach betrug
die durchschnittliche Ausgabe fr Kost und Wohnung 51 Mk., 30 Mk. wurde
als das geringste bezeichnet, womit das Leben sich notdrftig bestreiten
liee.[700] Stellen wir diesen Ausgaben die Durchschnittseinnahme von 58
Mk. gegenber, so ist ohne weiteres klar, da mit einem Rest von 7 Mk.
die Ausgaben fr Wsche, Kleidung, Tramwayfahrten etc.--vom Vergngen
ganz abgesehen--nicht gedeckt werden knnen. Besonders die Ansprche an
die Toilette, die das Budget der Handelsangestellten so sehr belasten,
knnen damit nicht bezahlt $
zumglichst vielen Ausgaben zu
veranlassen, oder selbst recht teuer einzukaufen. Der niedrige Lohn ist
demnach, wenn nicht die Veranlassung zu direkten Unredlichkeiten, so
doch ein Mittel, den Gegensatz der Interessen zwischen Arbeitnehmern und
Arbeitgebern zu besonders schroffem Ausdruck zu bringen. Der Mangel
eines eigenen Zimmers, durch den jedes persnliche Leben unmglich
gemacht wird, fhrt andererseits dawu, da die Dienstmdchen sich nicht
heimisch fhlen im fremden Haus, wie man die Stirn hat, es angesichts
der Hngebden von ihnen zu verlangen. Die Unmglichkeit, mit
seinesgleichen zu verkehren, ohne unter der stndigen Kontrolle auch der
wohlmeinendsten Hausfrau zu stehen, treibt die Mdchen auf die Strae,
in den Grnkramkeller, in die Portierloge[804], und ihre Herrinnen
jammern dann ber ihre "Schwatzhaftigkeit, Pflichtvergessenheit,
Faulheit und Liederlichkeit".
Das gilt besonders fr jene Mdchen fr Alles, die keine Gefhrtin im
Haushalt haben. Den Typus eines solchen Mdchens, dessen Sehnsu$
el begren zu
knnen. Wie umgewandelt ist Thrinele, verschwunden jegliche Sanftmut,
ein entschlossener Zug tritt in ihrem zarten Gesichtchen hervor und
scharf fordert sie den tti auf, Gewalt zu unterlassen. Doch schon
greift der Wirt nach der Flinte, die in einer Ecke hngt, immer scharf
geladen, da wirst sich Thrinele ihm entgegen, reit das Gewehr samt dem
Nagel herunter, mit zitternder Hand schlgt sie den Hahn zurck, dreht
den Lauf dem Fenster zu und drckt blitzschnell ab. Dichter Pulverdampf
erfllt die Stube, klirrend fallen die Scheibenscherben auf dasPflaster
vor dem Hause. Verdutzt blickt der Alte auf seine so urpltzlich resolut
gewordene Tochter und auf das abgeschossene Gewehr. Thrinele stellt
wortlos die Waffe in die Ecke und verlt die Stube. Dann folgt ihr
Peter, unschlssig, wie er nun den Feind abwehren soll. Und da ist sie
auch schon die Gcksler-Kommission: ein Beamter in Uniform mit langem
Schleppsbel und einer Aktentasche, einen gewaltigen Dreispitz mit
Federbusch auf dem Kopf, und$
em
man sich eigentlich auch beteiligen sollte, zum Nutzen der
Salpeterersache.
Thrinele beendet das Gesprch; ihr ist immer unbehaglich, wenn von der
"guten" Sache gesprochen wird, weil sie stets insgeheim befrchtet, um
ihre Meinung gefragt oder als heimliche "Halunkin" erkannt zu werden.
Unter der Vorgabe, da der Weg durch den tiefen Neuschnee beschwerlich
sei und Zeit verlange, entfernt sich Thrinele, ahnungslos, da sie mit
ihren Mitteilungen die Neugierde er Drfler, die sofort verstndigt
wurden, aufs hchste wachgerufen hat. Es dauert auch nicht lange, da
stapfen Mnner und Burschen tapfer durch den Schnee und watender
Bhlhhe zu. Am Waldesrand aber verbergen sie sich hinter den mchtigen
Tannen, um der kommenden Dinge zu harren.
Frh wird es dunkel--hell ist's den ganzen Tag ber nicht geworden--die
Gewitterwolken hngen noch immer druend, pechschwarz tief herab, der
Schneefall hat Nachmittag aufgehrt, doch saust und knistert es ganz
unheimlich, ein sonderbarer phosphoreszierender Schimmer strahl$
reden. Und frher zur Zeit der
Sefua-Dynastie war es Gebrauch, wie das heute noch im Knigreiche
Mndara Sitte ist, dass alle beim Knige Versammelten demselben den
Rcken zukehrten, um nicht vom Glanze des kniglichen Antlitzes
geblendet zu werden. Der Mai allein ist bewaffnet; zur Seite hat er zwei
mit Silber beschlagene Pistolen liegen, manchmal auch noch einen
Karabiner; vor ih liegt ein kostbares silbernes Schwert, Geschenk der
Knigin Victoria[5]; alle anderen aber mssen, ehe sie die Wohnung des
Mai betreten, draussen ihre Waffen zurcklassen. Die Versammlung dauert
meist bis 11 Uhr, wo der Sultan durch seinen Rckzug das Zeichen zum
Auseinandergehen der Versammlung giebt. Ehe sie jedoch die Wohnung
verlsst, gruppiren sich drei oder vier um eine Fleischschssel,
Geschenk des Sultans, der ihnen manchmal auch whrend der Versammlung
Goronsse prsentiren lsst. Die Reste in den Schsseln sind immer fr
die Sklaven.
Sobald sich die Grossen mit ihren Gefolgen wieder in ihre Wohnungen
zurckbegeben haben$
ern
Ihm eine Zauberwelt zu schildern,
Unwiderstehlich ihn berauschte--
Vergessend Speis' und Trank und Ruh',
Ihr volle tausend Nchte lauschte
Und eine weitre noch dazu.
Von jenen kstlichen Geschichten,
Mit denen sie sein Ohr betrt,
Will ich euch eine nun berichten;
Seid also muschenstill und hrt:
In einer Hauptstadt fern im Osten,
So fern, da nur mit viel Gefahr
Und ungeheuren Reisekosten
Man ihr zu nahn imstande war,
Jedoch so reich an Herrlichkeiten,
Da niemand ihresgleichen sah,
Dort lebte vor geraumen Zeiten
Ein Brger namens Mustapha
Mit seiner Frau und seinem Sohn.
Sein Brot erwarb er sich als Schneider;
Sein Handwerk aber trug ihm leider
Trotz allem Flei nur magren Lohn,
Und knapp war drum bei ihm bemessen
Das Mittag- wie das Abendessen.
Den Sohn--man hie ihn Aladdin--
Konnt' er nur mangelhaft erziehn;
So ward aus dem ein rechter Flegel,
Der gut tat, nur solang' er schlief,
Der schon frhmorgens in der Regel
Barfig auf die Gasse lief,
Sich dort herumtrieb nach Belieben
Mit andern kleinen T$
ns.
Der Grovezier, der schon geglaubt,
Er sei am Ziele seines Strebens,
Schien vor Erregung sinnberaubt.
Der Hofstaat mit betubtem Hirne
Begann zu tuscheln, dicht geschart;
Der Sultan runzelte die Stirne
Und brummte was in seinen Bart.KDie Gste ratlos und befangen,
Verkrmelten sich allgemach,
Und ber der Prinzessin Wangen
Herunter flo ein Trnenbach.
Die Feierstimmung war verraucht,
Verwandelt alle Lust in Wehe.
Denn da zum Abschlu einer Ehe
Den Brutigam man dringend braucht,
So blieb am Ende keine Wahl,
Als die Vermhlung zu verschieben
Samt Freudenfest und Hochzeitsmahl,
Bis man ihn wieder aufgetrieben.
Der Sultan flte seiner Tochter
Gar zrtlich Trstung ein und Mut;
Allein mit Mhe nur vermocht' er
Zu stillen ihrer Augen Flut,
Obwohl weit mehr verletzte Scham
Und schwergekrnkter Stolz die Quelle
Der Trnen war als Herzensgram.
Am nchsten Morgen aber kam
Der Grovezier in hchster Schnelle
Zum Sultan, der halb ungeduldig,
Halb mrrisch ihm entgegensah,
Und rief: "Mein Sohn ist wieder da!
Er is$
 Ganze
Von Grund aus angesehn, zumal
Auch noch den groen Kuppelsaal,
Sprach er, geblendet von dem Glanze,
zum Geist: "Ich< mu dir Beifall zollen;
Befriedigt wurde musterhaft
Von dir mein Wnschen und mein Wollen.
Nun sei nur noch herbeigeschafft
Ein langer Teppich aus Damast,
Von feenhaftem Farbenschimmer;
Du sollst, befehl' ich, vom Palast
Des Sultans ihn bis an die Zimmer
Der Herrin dieses Schlosses breiten.
Ihn soll auf ihrer Wanderung
Ins neue Heim ihr Fu beschreiten."
Der Geist entfernte sich im Schwung,
Und eh' sich's Aladdin versah,
Lag der damastne Teppich da.
Der Geist kam wieder ohne Rast
Und trug nach Haus ihn unverdrossen,
Grad als die Pforten am Palast
Des Sultans wurden aufgeschlossen.
Die Pfrtner wunderten sich sehr,
Als drben, dicht vor ihren Nasen,
Wo gestern noch die Sttte leer
Und nur bewachsen war mit Rasen,
Ein Wunderbauwerk hoch und hehr
Sie agen sahen in die Lfte.
Die Nachricht schwirrte mit Gesumm
Beflgelt im Palast herum;
Der Hofstaat machte hchst verblffte
Gesichter, und de$
ermutlich will sie sich beklagen,"
Erwiderte der Grossvezier.
"Du weisst ja, Herr, wie haeufig Frauen
Ein unbedeutend Leid vor dir
Mit grossem Wortschwall wiederkauen.
Vielleicht hat man zu wenig Mehl
Ihr auf dem Markte zugewogen,
Vielleicht beim Wechseln sie betrogen."
Der Sultan gab ihm drauf Befehl,
Sie naechstesmal ihm vorzufuehren.
Und richtig, tags darauf, sofort
Nachdem man aufgetan die Tueren,
Stand sie beharrlich wieder dort.
Der Sult?n winkte vor Beginn
Der Sitzung, als er sie erblickte,
Dem Grossvezier, und dieser nickte
Zum Obersten der Wache hin.
Der gab der Mutter flugs ein Zeichen,
Mit ihm zu gehn, gebot sodann
iDen Vorderen, vor ihr zu weichen,
Und brachte sie zum Thron heran.
Dort warf sie sich--weil dies gebuehrend
Ihr schien nach allgemeinem Brauch--
Vorm Sultan nieder auf den Bauch,
Den Boden mit der Stirn beruehrend.
Doch er befahl ihr aufzustehn
Und sagte: "Gute Frau, tagtaeglich
Hab' ich seither dich unbeweglich
Dort nah dem Eingang harren sehn.
Was ist es, sprich, das du begehrst?"
Sie$
en
Denn wisse du missfaellst mir nicht."
Mit dieser feinen Antwort scheuchte
Sie seiner Sorge letzten Rest;
Und nun begann ein Zauberfest,
Das ihr viel Staunenswerter deuchte,
Als was daheim sie je geschaut.
Die Tafel ueberschwemmten Rosen,
Von Diamanten rings betaut;
Von einer gleichfalls grenzenlosen
Verschwendung zeugten die Pokale,
Die Schuesseln, Teller, Gabeln, Messer;
Sogar die Speisen waren besser
Als je beim kaiserlichen Mahle.
Zu Floetenspiel und Lautenklang
Ertoente, reizend anzuhoeren,
Ein doppelstimmiger Gesang
Von allerliebsten Maedchenchoeren.
Nach Schluss des Mahls erschien ein Schwarm
Von Taenzern und von Taenzerinnen,
Um einen Reigen zu beginnen.
Der Schlossherr selbst bot seinen Arm
Der Herrin, und voll Anmut schwangen
Nach einem alten Brauch des Lands
Die Neuvermaehlten sich im Tanz.
Die Mitternacht war laengst vergangen,
Da sich im Schloss zu Ende neigte
Die Lustbarkeit.
            Am Tag darauf,
Als schon des Sonnenballes Lauf
Sich nah dem Mittagsgipfel zeigte,
Schritt Aladdin mit eine$
sein, wenn du mir dienst. Ich muss
zwoelf Lampen haben, nagelneu,
Von blankem Kupfer." "Meiner Treu,"
Erwiderte mit breitem Lachen
Der Klempner--denn er war erfreut,
Solch glaenzendes Geschaeft zu machen--
"Gleich zwoelf? So viele hab' ich heut
zwar nicht auf Lager; doch bis morgen
Werd' ich die fehlenden besorgen."
Mit einem Korb am Arme kam
Der Zaubrer wieder tags darauf,
Verpackte drin den ganzen Kram,
Gab fuer den abgeschlossnen Kauf
Weit hoehern Preis als nach Verpflichtung,
Bewegte dann sich in der Richtung
Des Schlosses langsam durch die Stadt
Und zwang das Volk, dem Ruf zu lauschen:
"Hoert, hoert! Wer alte Lampen hat,
Kann hier sie gegen neue tauschen."
Die Leute dachten allgemein:
"Der Mensch da hat wohl einen Sparren."
Die Kinder hielten ihn zum Narren
Und liefen groehlend hinterdrein.
Ihn aber konnt' es nicht beirren;
Erliess im Korb die Lampen klirren
Und wiederholte hundertmal
Aus Leibeskraeften sein Gekraehe
Bis in des Schlosses naechste Naehe.
In ihrem grossen Kuppelsaal
Sass Bedrubudur. Das G$
, wie uns durch sie eine Reihe von Erscheinungen aus dem Leben des
18. Jahrhunderts wieder lebendig werden und umgekehrt auch jene Zeit den
besten Kommentar zu ihnen liefern kann. Wagner, der trockene Schwrmer,
eine ganz neue Art der Schulgelehrsamkeit, und hier das liederliche
Genie, als passende Maske des Teufels![354]
Und nun noch eins! Es betrifft die eigentmliche Maske, in der
Mephistopheles uftritt, im Schlafrock eine groe Perrcke auf. Denn
auch sie scheint ein ueres Kennzeichen Bahrdts gewesen zu sein. Im
Prolog zwar sitzt er ganz angezogen am Pult und schreibt;[355] aber da
ist er auch zum Ausgang bereit. Dagegen haben wir den Doktor Bahrdt in
Schlafrock und Perrcke in zwei Briefen Deinets. Am 20. Juli 1773 bittet
der letztere ihn um sein Portrait fr Lavater, aber ohne Perrcke; am
27. September 1773 berichtet Deinet von dem Bilde, das damals in Arbeit
war, und es stellt Bahrdt im Schlafrock dar, allerdings, wie gewnsht,
ohne die Perrcke[356]. Mit diesem Bilde, das am 15. Oktober in Deinet$
ne Veranlasung. Eine bestimmte Entscheidung
wird sich aber auch hier nicht treffen lassen. Wenn die Vermutung
richtig ist, Bahrdt habe im ersten Teil der Scene zum Bilde des
Professors gestanden, so wird dadurch ebenfalls nur besttigt, was aus
dem brigen hervorgeht, sie sei 1773 oder 1774 entstanden. Eine scharf
begrenzte Zeit wie beim ersten Monolog hebt sich also nicht heraus. Auch
die Sprache gibt keinen sicheren Anhalt; Nachlssigkeiten beweisen, da
auch hier die Feil% fehlte; Vergl. noch V. 263: Sieht all so trocken
ringsum aus. V. 336 f. von _aller_ Erden, von _allem_ Himmel und _all_
Natur,----V. 316 bekleiben; auch in den Biblischen Fragen d.j.G. 2. 232
unten und im Satyros a.a.O. 3. 493.
3. Die Scene in Auerbachs Keller.
Die Scene in Auerbachs Keller mu ebenfalls in den Zusammenhang der
akademisch-satirischen Scenen mit einbezogen werden; sie unterscheidet
sich jedoch von den beiden im ltesten Faust unmittelbar vorhergehenden,
die, wie wir gesehen, den gleichen Zweck haben, Verkehrtheiten der
Wi$
. Seit
Sturms Tagen war dieser leere Formalismus, die Kunst, die Rede mit
glaenzenden Federn zu schmuecken, herrschend geworden. Der Einfluss
franzoesischer Rhetorik verlieh ihr im 18. Jahrhundert einen neuen
glaenzenden Anstrich. Dagegen erhob sich denn auch die neue
Gefuehlsrichtung, voran ihr Meister, Herder[236]. Die Frankfurter
Gelehrten Anzeigen, die voruebergehend 1772 ihr Organ geworden waren,
kaempften, wie gegen allen Formalismus und Rationalismus, auch gegen
diese Aeusserlichkeit.
So schreibt Herder[237] daselbst in seiner Beurteilung von Schloezers
Vorstellung seiner Universalhistorie[238]: "Vorstellung, und gewiss viel
Theatralisches und Mimisches geht das ganze Buechlein durch. Die ersten
Kapitel: 'Begriff der allgemeinen Weltgeschichte! Zusammenhang der
Begebenheiten! Synchronistische Anordnung,' und im ganzCen Verfolg alle
Stellen, die es nur einigermassen werden konnten, sind blosse Deklamation
geworde, und in so lautem, gestikulierendem Ton, dass man sich wundern
sollte, wie das 'der Grundri$
t eigenen Augen haben Sie das gesehen? Sie scheinen gute Augen
zu haben und recht weit zu sehen. Ihr Witibgtl ischt von der
Slderhtte der Aignerin eine gute Viertelstunde entfernt. So weit ischt
ein Verkehr in der angedeuteten Art kaum mit freiem Auge zu beobachten.
Haben Sie in der Aignerhtte selbst gelegentlich eines Besuches den
Bauer angetroffen?"
"Nein, nie!"
"Wie weit ischt Ihre Wohnung von der Aignerhtte entfernt?"
"Wird decht bei grobem Wetter 1 Stund' sein!"
Ein scharfer, durchdringender Blick musterte die Zeugin. Der Richter hat
bereits Verdacht geschpft, doch will er grndlich und gewissenhaft
vorgehen. Gelassen fragt er weiter: "Wie lange sind gSie schon Witwe?"
"Ich? Ja mein', sell kann ich nimmer raiten!"
"Wie hat Ihr Mann mit seinem Hausnamen geheien?"
"Wie ich selm!"
"Hm! Wo wohnen Sie gewhnlich?"
"In--" Die Zeugin schwieg pltzlich.
"Das gengt!" Nun wandte sich der Richter zum Protokollfhrer und fragte
ihn, wie weit er mit dem Nachschreiben gekommen sei.
"Nur noch wenige Minuten, $
 pekuniren Schaden bereiten zu
mssFn, und auch dem eigenen Kinde.
"Sprich nicht von mir, teurer Vater! Ich habe es berwunden!"
"Die Zeit wird den Schmerz lindern, vielleicht fgt der allmchtige Gott
doch noch euch zusammen! Ich will gerne bei Gelegenheit sehen, wie sich
bei Franz die Verhltnisse entwickelt haben!"
Ein inniger Ku drckte den Dank und wohl auch eine stille Hoffnung
aus. Emmy verlie den herzensguten Vater.
Im Richterhause verblieb eine Schwle zwischen den Ehegatten, die einen
schweren Sturm anzukndigen schien. Bianca brache es fertig, zu
schweigen, sich khl zu verhalten, und die Mdels empfanden die Spannung
so sehr, da sie fast stumm umherschlichen und jeglichen Lrm
unterlieen. Dagegen schrieb die Richterin viel und trug ihre Briefe der
Sicherheit halber selbst zur Post.
Wohl wurden die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen, doch das Verweilen am
Familientische war peinlich, man schwieg sich aus. Die fatale Situation
wurde nicht besser durch eine erhebliche Qualittsverminderung der
Tis$
elegenheit geprft habe. Dieser Brief war von Liveroto verfat
Am 27. Dezember wurden drei Edelleute, die hervorragendsten der Stadt, von
den Behrden zu Frst Luigi gesandt, welcher bei sich im Hause vierzig
Mnner, lauter alte kapfgewohnte Soldaten hatte. Man fand sie damit
beschftigt, sich hinter einer Brustwehr aus Balken und mit Wasser
getrnkten Matten zur Verteidigung einzurichten, und ihre Flinten
vorzubereiten.
Die drei Edelleute erklrten dem Frsten, da die Behrden entschlossen
seien, sich seiner Person zu bemchtigen; sie forderten ihn auf, sich zu
ergeben und fgten hinzu, da er durch diesen Schritt, bevor es noch zum
Angriff gekommen sei, einige Barmherzigkeit erhoffen knne. Worauf Frst
Luigi antwortete: da vor allem die Wachen rings um sein Haus entfernt
werden sollten, dann wrde er sich von zwei oder drei der Seinen
begleitet, zu den Behrden begeben, um ber die Sache zu verhandeln; aber
nur unter der ausdrcklichen Bedingung, da es ihm immer freistnde, sich
in sein Haus zurckzube$
ten Autoren lesen, denn nirgends war der Preis der Lge
besser bekannt, nirgends wurde sie besser bezahlt.
Die ersten Berichte, die man in Italien nach der barbarischen Zeit des
neunten Jahrhunderts verfat hat, erwhnen schon die Briganten und
sprechen von iWnen, als ob sie seit undenklichen Zeiten existiert htten.
Man lese die Sammlung Muratori. Als zum Unglck fr das ffentliche Wohl,
die Gerechtigkeit und eine gute Verwaltung, aber zum Glck fr die Knste
die Republiken des Mittelalters unterdrckt wurden, flchteten die
tatkrftigsten Republikaner, die die Freiheit mehr als die Mehrzahl ihrer
Mitbrger liebten, in die Wlder. Natrlich begann das Volk, das durch die
Baglioni, Malatesta, Bentivoglio, Medici usf. bedrckt wurde, deren Feinde
zu lieben und zu ehren. Die Grausamkeiten der kleinen Tyrannen, welche auf
die ersten Usurpatoren folgten, z.B. die Grausamkeiten des Cosimo, ersten
Groherzogs von Florenz, der sogar die nach Venedig und Paris geflchteten
Republikaner ermorden lie, vermehrten di$
 suchte.
Meine Mutter aber sagte mir, ich drfe darauf nicht antworten, denn er sei
ein leichtfertiger junger Mann, der seine Leute um nichts ermorden lasse.
So sagten auch mein Vater und alle meine Verwandten. Es war das erste, was
mir mein Mann ChristCofano sagte, da ich den jungen Herzog nicht ansehen
solle. Als er eines Tages an das Fenster des Nachbarhauses trat, strzte
mein Mann mit dem offenen Messer auf mich zu, aber sein Bruder, der
Prister Don Angelo Maria, fiel ihm in den Arm. Wir zogen in ein andres
Haus, das mein Mann gemietet hatte, dasselbe, in dem der junge Herzog
ermordet wurde. Der sandte mir aufs neue Briefe, die ich meinem Manne
zeigte. Dann gab er ihm Antwort in einem Briefe und lud ihn zu Mitternacht
in unser Haus, um ihm, wie er mir sagte, einen Streich zu spielen. Was ich
um so mehr glaubte, da er meine eignen Kleider anlegte, auch Halsband und
Ringe, die ich trug. So trat er um Mitternacht dem Herzog gegenber, mit
Messer und Pistole. Ich starb vor Schrecken, als ich den ersten Schu$
 vieler
whrend der Regierung seines Onkels begangener Verbrechen an, und obzwar
der Papst den Barberinis die Tiara verdankte, verfolgte er doch den
Kardinal. Jener Graf Pepoli war inzwischen gestorben und das Haus seines
Dieners wechsele den Besitzer. Der entdeckte die Leichen im Keller und
erstattete Bericht an die Justiz. Pallade, bei dem sie zuerst gewohnt
hatten, machte aus Angst und in Hoffnung auf die ppstliche Gnade ein
offenes Gestndnis. Darauf wurden am 30. Juli 1645 im Palaste des
Kardinals Antonio in Rom jener Carlo Possenti und des Kardinals
Haushofmeister verhaftet und nach Bologna gebracht. Auch der Oberst,
Donatos Bruder, wurde engezogen und mit Pallade und Possenti
konfrontiert. Possenti starb ohne etwas zu verraten in der Folter. Auch
der Oberst ertrug ohne ein Wort die Folter und der Haushofmeister erwies
auf ihr seine Unschuld. Er wurde wie der Graf Ranucci nach Pataro
Der Kardinal floh am hellichten Tage, als ob er einen Spaziergang machen
wolle, nach Frankreich. Spter shnte er sich m$
ulpenbeet blieb Grach zgernd stehen und sahh nachdenkend
in die purpurnen, weitgeffneten Kelche nieder.
Der Diener kam zurck.
"Gndige Frau lassen bitten--" schnarrte er.
Aus einer Laube im Hintergrnde des Gartens schimmerte ein weies
Dort, in einem Modejournal bltternd, das sie sichtlich unlustig bei
Seite warf, lag in einen Schaukelstuhl hingestreckt eine junge Frau
von ungewhnlicher Schnheit.
Sie blinzelte dem Nhertretenden zu, aber sie machte keine Miene,
sich zu erheben.
Erst als er ihr die Hand hinstreckte und lchelnd sagte: "Ich habe
deinen Brief erhalten, Clara, und bin selbst gekommen, ihn zu
beantworten"--sprang sie mit einem Ruf der Ueberraschug in
sichtlicher Verlegenheit auf.
"Nein, wie du dich verndert hast, Franz!" rief sie ein paar Mal;
dann aber, nachdem sie sich gesetzt hatten, und whrend sie ihn mit
jener prfenden Neugier, die nur der Frau eigen ist, musterte,
folgte ein Schwall von Fragen, deren Antworten nicht abgewartet
wurden, weil sie gestellt waren, ohne da der Verstand $
?--
Er wandte sich ab und stieg den Weg weiter hinauf. Ein Blechschild
fiel ihm in die Augen:
"Gartenwirtschaft". Das war, was er suchte. Bume und Schatten und
Er stieg eine Treppe empor und durchschritt die Tr. Da stutzte er
Vor ihm her ging eine Frau.
Er erkannte sie sofort.
Nur eine Frau war ihm im Leben begegnet, der dieser feste, stolze
Gang, diese aufrechte, und doch grazise Haltung eigen war: Dora
Syk. Sie mute seine Schritte gehrt haben, denn sie wandte sich um.
Zu gleicher Zeit streckten ihre Hnde sich einander entgegen und
faten sich mit starkem, freundschaftlichem Druck.
Die Freude, sich wiederzusehen, war auf beiden Seiten gleich gro
und ehrlich. Gleich war aber auch bei beiden eine gewisse
Verlegenheit: man war hier auf fremdem Boden und wute im ersten
Augenblick nicht recht, wie man es dem anderen klar machen sollte,
weshalb man hier war . . .
Dort, wo ihre eigentliche Heimat war, in der groen, weitenWelt, in
dem Getriebe dr ungeheuren Stadt, in den schrankenlosen
Verhltnissen, deren$
ertrauen mag. Vergl. MSF.
Da dem Dichter in jenem 7. Spruch das Alter nicht, wie Haupt meint,
wegen fremder Entkrftung, vielmehr der eigenen wegen zuwider ist,
zeigt die folgende Strophe, wo er es beklagt, nicht zum Bau eines
Hauses griffen zu haben, als ihm zuerst der Bart entsprang, denn darum
me er jetzt, im Alter, "mit arbeiten ringen". Um zu zeigen, wie enge
diese beiden Strophen zusammengehren und sich untereinander erlutern,
stze ich die erste, worin der Name Heriger erscheint, hieher, weil da
dem _gransprunge man_ eingeschrft wird, bei Zeiten fr sichere
Herberge zu sorgen.
Mich met das alter sre,
wan ez _Hergre_
alle sne kraft benan.
es sol der gransprunge man
edenken sich enzite,
swenn er ze hove werde leit,
daz er ze gewissen herbergen rite.
Mit demselben Leichtsinn nun wie bei Spervogel geht der Sammler der
Pariser Handschrift, die man auch die Manessische nennt, zu Werke,
indem er dem Krnberg eine kleine Sammlung volksmiger Lieder
zuschreibt, blo weil ihm die vierte Strophe den Na$
            810
All seine Recken   hie er mit sich gehn.
Da ritt die Knigstochter   hinweg in stolzem Zug.
Die lieben Gste grte   sie alle freudig genug.
Mit wie hohen Ehren   da empfieng man sie!                          811
Sie dauchte, da Frau Kriemhild   Brunhilden nie
So wohl empfangen habe   in Burgundenland.
Allen, die es sahen,   war hohe Wonne bekannt.
Nun war auch Siegfried kommen   mit seiner Leute Heer.              812
Da sah man die Helden   sich wenden hin und her
Im Fld allenthalben   mit ungezhlten Scharen.
Vor Staub und Drngen konnte   sich da Niemand bewahren.
Als der Wirth des Landes   Siegfrieden sah                          813
Und Siegmund den KOig,   wie gtlich sprach er da:
"Nun seid mir hochwillkommen   und all den Freunden mein;
Wir wollen hohen Muthes   ob eurer Hofreise sein."
"Nun lohn euch Gott," sprach Siegmund,   der ehrbegierge Mann.      814
"Seit mein Sohn Siegfried   euch zum Freund gewann,
Rieth mir all mein Sinnen,   wie ich euch mchte sehn."
Da sprach Knig $
Hagen und Gelfrat:   nun liefen sie sich an.
Ihre Gesellen halfen,   da ihnen Streit ward kund gethan.
Wie heftig auch Hagen   zu Gelfraten sprang,                       1677
Ein Stck von Ellenlnge   der edle Markgraf schwang
Ihm vom Schilde nieder;   das Feuer stob hindann.
Da wre schier erstorben   Knig Gunthers Unterthan.
Er rief mit lauter Stimme   Dankwarten an:                         1678
"Hilf mir, lieber Bruder,   ein schneller starker Mann
Hat mich hier bestanden:   der lt mich nicht gedeihn."
Da sprach der khne Dankwart:   "So will ich denn Schiedsmann sein."
Da sprang der Degen nher   und schlug ihm solchen Schlag          1679
Mit einer scharfen Waffe,   da er todt da lag.
Else wollte Rache   nehmen fr den Mann:
Doch er und sein Gesinde   schied mit Schaden hindann.
Sein Bruder war erschlagen,   selber  ward er wund.                 1680
Wohl achtzig seiner Degen   wurden gleich zur Stund
Des grimmen Todes Beute:   da muste wohl der Held
Gunthers Mannen rumen   in geschwinder Flucht d$
rin vorauseilen wollte--auch die Zukunft an uns herangetreten wre und
uns mit schweren Sorgen erfllt htte.
Es war uns nmlich nicht verborgen geblieben, welcher Art jener
scheinbar so rtselhafte berfall gewesen war. Kein anderer als der Sohn
des Ministers--Satagira war sein verhater Name--, mit dem ich an jenem
unvergelichen Nachmittage im Parke u{m Vasitthis Ball gerungen hatte:
kein anderer war es als er, der die gedungenen Mrder auf mich gehetzt
hatte. Ohne Zweifel hatte er bemerkt, da ich nach der Abreise der
Gesandtschaft noch immer in der Stadt zurckblieb, und sein dadurch
geweckter Argwohn hatte gar bald meine nchtlichen Besuche auf der
Terrasse erspht.
Ach, jene Terrasse der Sorgenlosen war unserer Liebe jetzt wie ein
versunkenes Eiland. Wohl htte ich freudig immer wieder und wieder mein
Leben in die Schanze geschlagen, um die Holde dort zu umfangen. Aber
selbst wenn Vasitthi das Herz gehabt htte, mich allnhtlich tdlicher
Gefahr auszusetzen, so blieb uns doch eine solche Versuchung ers$
nd fr dich frchte ich
eher, da du einmal, nach einem ruhmreichen Ruberleben, auf einem
ffentlichen Platze enthauptet oder gepfhlt wirst--doch das hat ja noch
gute Weile."
Ich knnte nicht sagen, da dieser Trost mich sehr aufgerichtet htte,
und so fhlte ich mich denn nicht wenig erleichtert, als eine volle
Woche vor Ablauf der Frist unser getreuer alter Diener mit der
geforderten Geldsumme eintraf. Ich nahm Abschied von meinem furchtbaren
Wirt, der in Erinnerung an seinen erschlagenen Freund finster
dreinblickte, als ob er mich lieber htte durchsgen lassen, und drckte
zrtlich die Hand des Brahmanen, der eine Trne der Rhrung durch die
Zuversicht bannte, wir wrden uns sicher noch auf den nchtlichen Pfaden
Kalis begegnen. So zogen wir beide denn ab, von vier Rubern begleitet,
die mit ihrer Haut fr unsere sichere Ankunft in Ujjeni hafteten. Denn
Angulimala, der um seine Ruberehre sehr besorgt war, versprach ihnen,
als er uns verabschiedete, wenn ich nicht heil in miner Vaterstadt
abgeliefert w$
der
dort herrschenden Luftstrmung erfat und imSturmesflug davongetragen.
Durch die Schnelligkeit der Jahrt und unter dem mchtigen Getse wie von
Donner und Glockengelute schwanden ihnen die Sinne.
XXXVIII. IM REICHE DES HUNDERTTAUSENDFACHEN BRAHMA
Und Kamanita und Vasitthi traten wieder ins Dasein, im Reiche des
hunderttausendfachen Brahma, als die Gtter eines Doppelgestirns.
Der leuchtende Astralstoff, an den die geistige Wesenheit Kamanitas
gebunden war, umhllte gleichmig den Himmelskrper, der von seiner
Kraft belebt, von seinem Willen gelenkt wurde. Durch diesen Willen wurde
der Stern zunchst um seine Achse gedreht, und diese Bewegung war sein
Eigenleben, war seine Selbstliebe.
Und er spiegelte sich im Glanze Vasitthis und spiegelte ihren Glanz
wider. Strahlenwechselnd umkreisten sie einen Mittelpunkt, wo sich ihre
Strahlen sammelten. Dieser Punkt war ihre Liebe, das Kreisen darum war
ihr Liebesleben, und da sie sich dabei ineinander spiegelten--das war
ihre Liebeswonne.
Allseitig Auge, schaute$
t wrde.
Ungeheure Felsenmauern trmten sich ber dem Walde empor, und als ihr
Dach bauten grne Bergkuppen sich immer hher hinauf--bewaldete Berge
muten es ja sein, obwohl sie wie Mooskissen aussahen--immer hher, bis
sie im Himmel selber zu verschwinden schienen.
Nur eine einzige langgestreckte, rtliche Wolke schwebte dort oben.
Whrend wir sie betrachteten, fing sie an gar seltsam zu glhen.
Gleichwie wenn mein Vater mit der Zange en Stck geluterten Goldes aus
dem Schmelzofen herausnahm und, nachdem es abgekhlt war, es auf eine
lichtblaue seidene Decke hinlegte: also erglnzte jetzt dies leuchtende
Luftgebilde in scharf begrenzten goldig-blanken Flchen; dazwischen aber
dmmerten duftig hellgrne Streifen und zogen sich fcherfrmig nach
unten, indem sie erblassend in die farblose Luftschicht untertauchten,
als ob sie die grnen Bergkuppen erreichen wollten. Immer rtlicher
glhten die Fwchen, immer grner wurden die Schatten.
Das war keine Wolke!
"Der Himavat!" flsterte Medini, berwltigt und erg$
mmen ruhige und glckliche Stimmung
versetzt zu sehn--eine Stimmung, die nach meiner Ansicht freilich ein
anstndiges, sittliches Wesen bedingt. Auf diese Weise also ziehe dich
bestndig zurck, um dich immer wieder auf zufrischen. Einfach und klar
und bestimmt aber seien jene Ideen, die aus deiner Seele so manches
hinweg splen, wenn du sie dir vergegenwrtigst, und dir eine Zuflucht
schaffen sollen, aus der du nicht bel launisch zurckkehrst. Und was
sollte dich auch alsdann verdrieen? "Die Schlechtigkeit der Menschen?"
Aber wenn du bedenkst, da die vernnftigen Wesen freinander geboren
sind, da das Ertragen des Unrechts zur Gerechtigkeit gehrt, da die
Menschen unfreiwillig sndigen, und dann--wie viel streitschtige,
argwhnische, gehssige und gewaltttige Menschen dahin gemut haben und
nun ein Raub der Verwesung sind--wirst du da deine Abneigung nicht los
werden? "Oder ist es dein Schicksal?" So erinnere dich nur jenes
Zwiefachen: entweder wir sagen: es gibt ene Vorsehung, oder: wir sehen
uns al$
r.
Allmhlich leerten sich die Tische; man ging zum Fest. Der, an dem
Nagel und Brning saen, spielte ruhig weiter.
Um halb vier warf Brning die Karten zusammen und zog seine goldene
Massenhaft Zeit noch!--Aber wollen doch lieber gehen...
Er und Nagel standen vor dem Sofa, auf dem Franz noch immer schlief.
Er lag da wie ein Kind, und sein Atem ging still und friedlich durch
die etwas geffneten Lippen. Sicherlich trumte er jetzt von keiner
Brning betrachtete ihn mit fast zrtlichem Lcheln.
--Wie ein junger Gott, was?--Und noch das reine Kind!--Aber weckenwir unseren jungen Sieger!
--Er ist es noch nicht, sagte Nagel und rhrte den Schlafenden bei
der Schulter.
Franz fhr in die Hhe, und sein erster Griff war nach der Uhr.
--Aber wir versumen das Schwimmen, rief er auer sich, als er sah,
da sie bereits ber halb vier zeigte.
Die anderen lachten ihn aus, packten ihn in eine Droschke und fuhren
mit ihm zum Fest.--
Die enorme Halle des groen Schwimmbassins der Wasserfreunde war
festlich geschmckt. Der$
n Klub reich genug, um Opfer solcher Art:nicht von
seinen Mitgliedern erwarten zu brauchen.
Da Felder somit vllig Herr seiner Zeit geworden war, hinderte ihn
nichts in seinem Training. Die Erfahrung des letzten Winters hatte
ihn klug gemacht, und er htete sich wohl, des Guten zuviel zu tun.
Er hielt sich selbst in strengster Selbstkontrolle und gnnte sich
kein Vergngen, das ber die zehnte Abendstunde whrte, wo er
todsicher bereits im Bett lag. Einige fanden seinen Ernst oft
lcherlich; er lie sie lachen.
Eine Art finsterer Entschlossenheit bemchtigte sich seiner in dieser
letzten Zeit. Er wurde noch wortkarger und verschlosseer, als er
sonst schon war. Zugleich schien auch die schne und sonnige Ruhe,
die nach den Siegen der letzten Jahre ber ihn gekommen war und mit
jedem neuen Siege mehr und mehr das Schroffe und abweisend
Insichgekehrte seines Wesens gemildert hatte, von ihm zu weichen. Er
glich jetzt wieder mehr dem armen und unbekannten Knaben von damals,
mit der unjugendlichen Stirn und dem tro$
eljahr--von Weihnachten bis zum beginnenden Frhjahr--
dauerte dieses neuezhe und seltsame Training: in den ersten Wochen
sprang Felder stets allein, denn es kam ihm zunchst darauf an, seine
Glieder fr die neuen Anforderungen gelenkig zu machen. Dann, als er
von den einfacheren zu den schwierigeren Sprngen bergehen mute und
sie nicht mehr selbst kontrollieren konnte, brauchte er jemand, der
sie wenigstens einigermaen zu bewerten vermochte, und er vertraute
sich nach Abnahme eines heiligen Ehrenwortes seinem getreuen Koepke
an. Der hatte sich so lange im Schwimmerleben umhergetrieben, da er
wenigstens etwas von der Sache verstand; und da er Feuer und Flamme
fr die neue Idee war, verstand sich von selbst--erwartete er doch
immer das Unmglichste von seinem groen, genialen Freunde. Von da an
mute Koepke fast alle Abende dabeisehen, wenn Felder sprang, und er
tat es mit Wonne.
Vorher machte Felder indessen noch eine neue Bekanntschaft.
Er hatte wieder ein Ziel und war wieder glcklich.
Was ihn eine Ze$
wohl er in Gesellschaft
war, fhlte er sich doch allein.
Eines Tages erhielt er einen zweiten Brief, auf demselben starken,
rauhen Papier mit dem unbeschnittenen Rande: "--Vergessen Sie nicht:
_jeden_ Freitag Abend um 8 Uhr erwartet man Sie an der Ecke der
Tauben- und Charlottenstrae, dort, wo die Litfasulesteht, denn
ich wei, Sie werden kommen. Einmal werden Sie kommen--ganz
Wieder knitterte er ihn zusammen, und wieder faltete er ihn
auseinander, um ihn abermals zu lesen. Die Geschichte wurde ihm
unheimlich. Der bestimmte, berlegene Ton des Briefes lie diesmal
kein Lachen in ihm aufkommen. Wenn er noch seine alten Freunde gehabt
htte, wrde er einem von ihnen, zum Beispiel Brning, den Brief
gezeigt haben. Unter seinen neuen war keiner, dem er sich anvertrauen
Er dachte zuweilen an die erste Begegnung im Caf und die beiden ihr
folgenden. Manchmal, wenn er eine schne Frau oder ein hbsches
Mdchen sah, kam ihm die Fremde ins Gedchtnis, und immer fiel der
Vergleich zu ihren Gunsten aus. Immer dachte$
opfstimme der Kinder und der Frauen schafft das
Silberlachen der Soprane, das s wie Zauberglckchen klingen kann, und
die tiefe Resonanz der Altistinnen ergibt, ebenfalls aus dem Bau der
individuellen Klangbildner, den weihevollen sonoren Timbre, in dem sich
Stolz mit schluchzender Wehmut paart. Dieses Spiel der Einatmung,
Verharren auf der Atmungshhe, stoweise Ausatmen unter Glottissprengung
und Vokalklang bei gleichzeitiger Beteiligung mimischer Aktion:
Mundffnung, A-Stellungder Lippen, Winkel- und Grbchenbildung der
Wangen, Nsternspiel, Augenschlu und Ttigkeit aller auch bei der
Atemnot mobilen Hilfsmuskeln, wiederholt sich in schneller Folge
mehrmals hintereinander, bis oft nur der physische Schmerz der
maltrtierten Leibespresse Einhalt ebietet: "Hren Sie auf, ich kann
nicht mehr, ich platze." Dabei ist zu bemerken, da Trnenstrom nicht
allzu selten diesen die hchste Lebenslust bettigenden Akt begleitet.
Wie merkwrdig: hchste Lust und das Symptom des Schmerzes verbunden in
einer Funktion! $
rlegt. Ich denke dabei wie die Erzhlerin in der Tausend
unV Einen Nacht zu verfahren."
Lebhaft interessirte sich Goethe fr Schillers "Briefe ber sthetische
Erziehung." Diese Abhandlung harmonirte im Wesentlichen xmit seinen eignen
Ansichten und Ideen. Er schrieb darber den 26. October 1794: "Wie uns ein
kstlicher, unserer Natur analoger Trank willig hinunterschleicht und auf
der Zunge schon durch gute Stimmung des Nervensystems seine heilsame
Wirkung zeigt, so waren mir diese Briefe angenehm und wohlthtig, und wie
sollte es anders seyn, da ich das, was ich fr recht seit langer Zeit
erkannt, auf eine so zusammenhngende und edle Weise vorgetragen fand. In
diesem behaglichen Zustande htte mich ein Billet Herders beinahe gestrt,
der uns, die wir an dieser Vorstellungsart Freude haben, gern einer
Einseitigkeit beschuldigen mchte. Da man aber im Reiche der Erscheinungen
es berhaupt nicht so genau nehmen darf, und es immer schon trstlich genug
ist, mit einer Anzahl geprfter Menschen eher zum Nutzen al$
emein stark entwickeltem Charakter, der Eine,
Onkel Prudent, hitzig, der Andere, Phil Evans, eiskalt bis zum
Und woher kam es, da Phil Evans nicht zum Vorsitzenden des Clubs
ernannt worden war? Die Stimmenzahl fr Onkel Prudent und fr ihn war
die genau gleiche gewesen. Wohl zwanzig Mal wurde die Abstimmung
wiederholt, aber auch zwanzig Mal ergab sich eine Majoritt weder fr
den Einen, noch fr den Anderen. Das war eine peinliche Lage, welche
wa0rscheinlich die Lebenszeit der beiden Candidaten htte berdauern
Da schlug ein Mitglied des Clubs ein Mittel vor, die Stimmengleichheit
aufzuheben. Es war Jem Cip, der Schatzmeister des Weldon-Institutes.
Jem Cip war eingefleischter Vegetarianer, mit anderen Worten,
ausschlielicher Gemseesser, einer der Leute, die jede Fleischnahrung,
wie alle gegohrenen Getrnke verwarfen -- halb Brahmanen und halb
Muselmnner -- derV Rival eines Nievmann, Pitmann, Ward und Davie,
welche der Secte dieser unschuldigen Thoren einen gewissen Namen
gemacht haben.
Bei vorliegender Ge$
hitheatralisch erbauten Huser.
In den reichen Vierteln von Sankore und Sarahama, wie in den elenden
kugelfrmigen Htten des Quartiers Raguidi donnerten die Priester von
den Spitzen der Minarets die schlimmsten Flche und Verwnschungen
gegen das Ungeheuer in der Luft. Das war inde unschdlicher, als
Flintenkugeln.
Und auch bis zum Hafen von Kabara an der scharfen Biegung des Niger war
Alles, was sich auf Schiffen und Booten befand, in lebhafterer
Bewegung. Wenn der "Albatros" hier zur Erde niedergegangen wre, die
Leute htten ihn in Stcke gerissen.
Whrend einiger Stunden folgten ihm schreiend und an Schnelligkeit
wetteifernd lrmende Schaaren von Strchen, Haselhhnern und Ibissen;
sein rascher Flug hatte dieselben aber bald hinter sich zurckgelassen.
Gegen Abend ertnte ein dumpfes Grollen und Murren von zahlreichen
Elephanten und Bffelheerden, welche in diesen, durch ganz besondere
Fruchtbarkeit ausgezeichneten Gebieten umherirrten.
Whred vierundzwanzig Stunden entrollte sich die ganze zwischen d$
unitionskammer und kehrte von dort mit einem
Dutzend Dynamitpatronen zurck, die er an die Kameraden vertheilte. Auf
ein Zeichen Robur's wurden dieselben ber den Hgel hinabgeworfen und
durch das Aufschlagen auf den Erdboden zersprangen sie wie kleine
Das gab aber eine wilde Flucht! Der Knig, der Hof, die Armee und das
ganze Volk strzte, von gewi nicht ungerechtfertigter Furcht
ergriffen, auf und davon! Alle suchten unter den Bumen Schutz, whrend
die Gefangenen entflohen und Niemand daran dachte, sie zu verfolgen.
So wurden die Festlichkeiten zu Ehren des neuen Knigs vn Dahomey
unterbrochen. Auch Onkel Prudent und Phil Evans muten zugestehen, ber
wie groe Machtmittel dieser Apparat verfgte, und welchen hohen Nutzen
er der Menschheit htte gewhren knnen.
Der "Albatros" erhob sich darauf zu mittlerer Hhe; er glitt ber Mydah
hinweg und hatte bald diese ungastliche Kste, welche die Westwinde mit
unnahbarer Brandung peitschten, aus dem Gesichte verloren.
Er schwebte nun ber dem Atlantischen Weltm$
 einer Dreimastbark, deren zweiter
Officier ich war, antwortete der Mann. Vor nun vierzehn Tagen ...
muten wir dieselbe verlassen ..? weil sie schon im Sinken war ...
Wir haben weder Wasser, noch Lebensmittel mehr! ..."
Die vier brigen Schiffbrchigen hatten sich nach und nach etwas
erhoben. Elend, kraftlos und entsetzlich abgemagert, streckten sie die
Hnde nach dem Aeronef empor.
"Achtung!" rief Robur.
Vom Verdeck aus sank ein Tau hernieder und ein Eimer mit Swasser
wurde zu dem Boote hinabgesendet.
Die Unglcklichen strzten darber her und tranken mit einer Hast,
welche fast widerlich mit anzusehen war.
"Brot! ... Brot!" ... riefen sie.
Sofort stieg auch ein Korb mit einigen Lebensmitteln, mit Conserven,
einem Flschchen Brandy und mehreren Pinten Kaffee zu ihnen herunter.
Der zweite Officier hatte alle Mhe, die Leute bei der Stillung ihres
Hungers nur einigermaen im Zaum zu halten.
"Wo sind wir denn? fragte er dann.
-- Fnfzig Meilen von der Kste von Chili und dem Chonas-Archipel,
antwortete Robu$
est ihn nur beunruhigen.
Ach Gott, meinte Felicie. Der Tochter des alten Fischers Gurin
aus Pollet, einer Bekannten von mir in Dieppe, wo ich vorher
gedient habe, der ging es ganz genau so. War die trbsinnig!
Schrecklich trbsinnig! Und leichenbla sah sie immer aus. Ihr
Leiden war so was wie ein Nebel im Kopfe, und die rzte und sogar
der Pfarrer wuten kein Mittel dagegen. Wenns ganz schlimm kam,
ann lief sie immer ganz allein ans Meer. Der Zollaufseher hat sie
auf seiner Patrouille oft gesehen, platt auf dem Bauche liegen und
auf den Steinen weinen. Spter, als sie einen Mann hatte, soll
sichs gegeben haben ...
Bei mir aber, erwiderte Emma, ist es erst nach der Hohzeit so
Sechstes Kapitel
Eines Abends sa Emma am offnen Fenster. Eben hatte sie noch
Lestiboudois, dem Kirchendiener, zugesehen, wie er unten im Garten
den Buchsbaum zugestutzt hatte. Pltzlich drang ihr das
Ave-Maria-Luten ins Ohr.
Es war Anfang April. Die Primeln blhten, und ein lauer Wind
hpfte ber die aufgeharkten Beete. Der Ga$
r rannten eiligst in die Kirche hinein.
Rasselbande! murmelte der Priester. Einen wie alle Tage! Er
hob einen zerflederten Katechismus auf, an den sein Fu gestoen
war. Nichts wird respektiert! Da bemerkte er Frau Bovary.
Verzeihung! sagte er. Ich hatte Sie nicht erkannt.
Er steckte den Katechismus in die Tasche und blieb stehe, indem
er den schweren Sakristeischlssel auf zwei Fingern balancierte.
Der Schein der Abendsonne fiel ihm voll ins Gesicht und nahm
seiner Soutane alle Farbe. Sie glnzte brigens an den Ellenbogen
bereits, und in den Sumen war sie ausgefasert. Fett- und
Tabakflecke begleiteten die Linie der kleinen Knpfe die Brust
entlang. Nach dem Kragen zu, unter dem Doppelkinn seijes Gesichts,
wurden sie zahlreicher. Es war von Sommersprossen best, die sich
in seinen stoppeligen grauen Bart hinein verloren. Er kam vom
Essen und atmete geruschvoll.
Wie geht es Ihnen? erkundigte er sich.
Schlecht! antwortete Emma.
Ja, ja! Ganz wie mir, erwiderte der Priester. Die ersten warmen
$
 er allerlei
Apparate und Material zu seinen Mixturen aufbewahrte. Oft
hantierte er da drinnen stundenlang ganz allein, mischte, klebte
und packte. Dieses klein Gemach betrachtete er nicht als einen
gewhnlichen Vorratsraum, sondern als ein wahres Heiligtum, aus
dem, von seiner Hand hergestellt, alle die verschiedenen Sorten
von Pillen, Pasten, Sften, Salben und Arzneien hervorgingen, die
ihn in der ganzen Gegend berhmt machten. Niemand durfte das
Kapernaum betreten. Das ging soweit, da er es selbst ausfegte.
Die Apotheke stand fr jedermann offen. Sie war die Sttte, wo er
wrdevoll amtierte. Aber das Kapernaum war der Zufluchtsort, wo
sich Homais selbst gehrte, wo er sich seinen Liebhabereien und
Experimenten hingab. Justins Leichtsinn dnkte ihn deshalb eine
unerhrte Respektlosigkeit, und rter als seine Johannisbeeren,
wetterte er:
Natrlich! Ausgerechnet in mein Kapernaum! Sich einfach den
Schlssel nehmen zu meinen Chemikalien! Und gar meinen
Reservekessel, den ich selber vielleicht niemals in G$
t pfiffiger Miene an
und sagte schlielich:
Was du dir so manchmal in den Kopf setzt! Ich war heute in
Barfeuchres, und da hat mir Frau Ligeard erzhltN da ihre drei
Tchter fr zwlf Groschen die Stunde bei einer ganz
vortrefflichen Lehrerin Klavierunterricht haben.
Emma zuckte mit den Achseln und ffnete fortan nicht mehr das
Klavier. Aber wen sie in Karls Gegenwart daran vorbeiging,
seufzte sie allemal:
Ach, mein armes Klavier!
Wenn Besuch da war, erzhlte sie jedermann, da sie die Musik
aufgegeben und hheren Rcksichten geopfert habe. Dann beklagte
man sie. Es sei schade. Sie htte soviel Talent. Man machte ihrem
Manne geradezu Vorwrfe, und der Apotheker sagte ihm eines Tages:
Es ist nicht recht von Ihnen. Man darf die Gaben, die einem die
Natur verliehen, nicht brachliegen lassen. Auerdem sparen Sie,
wenn Sie Ihre Frau jetzt Stunden nehmen lassen, spter bei der
musikalischen Erziehung Ihrer Tochter. Ich finde, die Mtter
sollten ihre Kinder immer selbst unterrichten. Das hat schon
Rousseau g$
senheit Ansto nehmen.
Der Gedanke, die Orte wiedersehen zu sollen, wo er seine Jugend
verlebt hatte, regte ihn sichtlich auf, denn whrend der ganzen
Fahrt redete er in einem fort. Kaum.war man in Rouen angekommen,
so strzte er aus dem Wagen, um Leo aufzusuchen. Dem Adjunkt half
kein Widerstreben: Homais schleppte ihn mit in das Grand Caf zur
Normandie, wo er, bedeckten Hauptes, stolz wie ein Frst eintrat.
Er hielt es nmlich fr hchst provinzlerhaft, in einem
ffentlichen Lokal den Hut abzunehmen.
Emma wartete drei Viertelstunden lang auf Leo. Schlielich eilte
sie in seine Kanzlei. Unter allen mglichen Mutmaungen, wobei sie
ihm den Vorwurf der Gleichgltigkeit und sich selber den der
Schwche machte, verbrachte sie dann den Nachmittag, die Stirn
gegen die Scheiben gepret, im Boulogner Hofe.
Um zwei Uhr saen Leo und Homais immer noch bei Tisch. Der groe
Saal des Restaurants leerte sich. Sie saen am Ofen, der die Form
eines hochragenden Palmenstammes hatte, dessen innen vergoldete
Fcher sich un$
st trug und ihm ins Gesicht warf. Sie
sorgte sich um seine Gesundheit und gab ihm gute Ratschlge, wie
er leben solle. Aberglubisch schenkte sie ihm ein Amulett mit
einem Madonnenbildchen. Wie eine ehrsame Mutter erkundigte sie
sich nach seinen Freunden und Bekannten.
La sie! Geh nicht aus! Denk nur an mich und bleib mir treu!
Am liebsten hte sie ihn berwacht oder gar berwachen lassen.
Mitunter kam ihr letzteres in den Sinn. Es trieb sich in der Nhe
des Boulogner Hofes regelmig ein Tagedieb herum, der dies wohl
bernommen htte. Aber ihr Stolz hielt sie davon ab.
Mag er mich hintergehen! Dann ist er eben nichts wert! Was tuts?
Ich halte ihn nicht!
Eines Tages ging sie zeitiger von ihm weg als gewhnlich. Als sie
allein den Boulevard hinschlenderte, emerkte sie die Mauer ihres
Klosters. Da setzte sie sich auf eine schattige Bank unter den
Ulmen. Wie friedsam hatte sie damals gelebt! Sie bekam Sehnsucht
nach den jungfrulichen Vorstellungen von der Liebe, die sie sich
damals aus Bchern ertrumt ha$
n bis ganz hinter, bis zu einer Stelle im Rasen,
wo das Grab gegraben war. Man stellte sich im Kreis herum auf.
Whrend der Prister sprach, rieselte die rote, an den Seiten
aufgehufte Erde ber die Kanten hinweg in die Grube, lautlos und
ununterbrochen.
Dann wurden die vier Seile zurechtgelegt und der Sarg darauf
gehoben. Karl sah ihn hinabgleiten ... tiefer ... immer tiefer.
Endlich hrte man ein Aufschlagen. Die Seile kamen geruschvoll
wieder hoch. Bournisien nahm den Spaten, den ihm Lestiboudois
reichte. Und whrend er mit der rechten Hand den Weihwedel
schwang, warf er wuchtig mit der linken eine volle Schaufel Erde
ins Grab. Der Sand und die Steinchen polterten auf den Sarg, und
das Gerusch drhnte Karl in die Ohren, unheimlich wie ein
Widerhall aus der Ewigkeit.
Der Priester gab die Schaufel an seinen Nachbar weiter. Es war
Homais. Wrdevoll fllte und leerte er sie und reichte sie dann
Karl, der auf die Knie sank, mit vollen Hnden Erde hinabwarf und
Lebe wohl! rief. Er sandte ihr Ksse und beugt$
assung
auf dem Posten trotz mangelhafter Registerfhrung und frherer
Kutscherttigkeit bitten wrde.
Mit einer gewissen Findigkeit, die der Logik nicht entbehrte, kam Vid zu
der Folgerung, da der Regimentsgewaltige ihn nicht zu hart bestrafen
knne, nachdem doch der Oberst in eigener Person den Kutscher
zum--Pfarrer ernannt hatte. Schuld des Popen konnte es nicht sein, falls
etwa der Archimandrit dem Regimentskommandanten verschwiegen haben
sollte, da Vid frher des Archimandriten Rosselener gewesen. Wute
dies aber der Oberst, hatte er trotzdem die Ernennung vollzogen, so
durfte er, nun durch die "Stocherei" des Kontrolloffiziers der
Tatbestand "aktenmig" geworden, nicht so grausam sein, den Popen, sein
Protektionskind, davonzujagen.
Am vierten Tage beschftigte sich Vid mit dem Verhalten des Hauptmannes
gegenber dem ins Ohr geflsterten Geheimnis. Der Pope fragte sich,
warum der Offizier sich krmmte und so schrecklich lachte, da ihm das
Wasser aus den Augen scho? Die "Befrderung" des Kutschers zu$
liche Land kamen, je widerspenstiger und
gehssiger wurden die Bewohner. Das Requirieren der Nahrungsmittel
erwies sich als schwierig, und der Hunger zwang die Soldaten oft zur
Grausamkeit. Sie erbrachen die Weinkeller, drangen in alle Winkel der
Huser und rissen Kranke aus ihren Betten, um die Strohscke und
Matratzen zu durchsuchen, in denen die Bauern bisweilen Brot und Fleisch
verbargen. Beim Aufspren der Verstecke zeigte sich Adam Hund am
findigsten. Er gelangte auch wegen der hohen Vollendung seiner Kochkunst
und durch die Gabe, spannende Geschichten zu erzhlen, zu Ansehen.
Selbst die Offiziere verschmhten es nicht, ihm zu lauschen, wenn er
seine Anekdoten zum besten gab, von denen er jede mit einer moralischen
Nutzanwendung schlo.
Seltsam war es fr Sylvester, den guten Adam so zu erblicken, unter den
wettergebrunten, brtigen Leuten, am Herdfeuer stehend und mit
philosophischer Ruhe Pfannkuchen backend. Weit entfernt waren anders
gelebte Tage, Bilder des Glanzes,&Stunden, deren Schmerz sogar wi$
he des Dorfes Buzancy stieen sie zu irem Bataillon.
Einige Jger warfen heimlich die Spielkarten fort, mit denen sie sich in
den Quartieren die Zeit vertrieben hatten. Sylvester versprte ein
kaltes Rieseln@ lngs der Rckenrinne, aber sein Herz blieb ruhig und
sein Auge klar. Er hatte nur den Wunsch, mglichst bald ins Treffen zu
kommen; hinter den Linien zu stehen, war so qualvoll, wie einen Mrder
im Nebenzimmer zu hren.
       *       *       *       *       *
Unbestimmbare drohende Gerusche drangen von weit- und nahher durch die
auerordentlich finstere Nacht. Den Mannschaften wurde die grte Stille
befohlen. Ein Ordonnanzoffizier sauste auf seinem Pferd von Sommerance
herber. Sylvester kannte ihn. Gibt's was Neues? -- Wir greifen an.
-- Bald? -- Wahrscheinlich. Er sprengte davon.
Gegen die ber den Strom geschlagene Schiffsbrcke ritt in langsamem
Trabe ein preuisches Dragonerregiment. Dann jagte eine Batterie quer
ber das Feld. Sie protzten ab, schossen jedoch nicht. Jetzt stieg
hinter d$
min mir zurckgefhrt hat, so geht
nur mein Begehren an euch, ihr wollet euch meines Sohes nach besten
Krften annehmen und behlflich sein, da er auf rechtem Wege erhalten
werde. Wie der Rath Gerst darauf dem Kranken Handschlag und Wort
gegeben, trat er vom Bette weg, um Vater und Sohn ungestrter verkehren
zu lassn, und setzte sich in die Nhe des Ofens.
Die Wrterin hatte ihn mittlerweile nicht aus den Augen gelassen; ihre
Blicke ruhten forschend und stechend auf seinem schnen, aber finstern
Angesicht. Jetzt trat sie leise zu ihm, tupfte mit dem Finger auf seine
Schultern und sagte: Seid ihr der Rath Gerst? Ja, war die Antwort.
Und seid aus Braubach am Rhein? Dieselbe Antwort. Und kennt auch
Einen, seines Standes ein Theologe, mit Namen Justus? Der Rath
verfrbte sich und fragte: Wie so, was ist mit dem? Nun, ich merke,
sagte die Alte, indem sie den Mann mit ihren Augen zu durchbohren
schien, ich bin auf der rechten Spur. Was mit dem Justus ist, fragt
ihr? Dem geht ein Teufel in Menschenge$
auch
der alte Kramer den Kummer im Hause des Schulmeisters, und versprach dem
Mdchen seine Hlfe. Er fhrte sie zu Diesem und Jenem, von dem er sich
eine Hlfe fr den Schulmeister versprach; und ehe Mittag ward, konnte
Selma schon mit einem Schreiben nach Grnberg aufbrechen, in welchem
dem Amtmann bedeutet ward, den Gefangenen bis auf weiteren Befehl frei
zu geben. -- Aber der alte Kramer hatte sie auch zu dem Rath Gerst
gefhrt, und dieser, der mit der Untersuchung nichts zu thun hatte, und
wahrscheinlich auch sobald nichts von ihr rfahren htte, gab die
schnsten Vertrstungen mit dem Munde, im Herzen aber erwog er bse
Was in aller Welt scheint einfacher, als die Untersuchungssache gegen
den Kalendermann! rufst du wohl aus, lieber Leser. Aber bedenke, unsere
Geschichte spielt vor etwa 100 Jahren und das Rechtsverfahren war damals
nicht so geregelt, wie heut zu Tage, und das sogenannte Menschliche
hatte oft einen solchen Einflu auf die Richter, da noch viel
einfachere Sachen verwickelt, und noch viel $
ichtbebuschten
und belaubten Ufer und sein bald felsiges, bald schlammiges Bett,
beherbergen als vorzglich geeignete Schlupfwinkel, eine artenreiche
Thierwelt. Ich bedauere, da ich Klipdrift und seine nchste Umgebung
stets nur flchtig, meist auf dem Durchmarsche berhren konnte; bei
lngerem Aufenthalte winkt hier dem naturwissenschaftlichen Samler
reichliche Ernte, wie den berhaupt der Ort wie eine Oase aus der
eintnigen Oede des sdafrikanischen Hochlandes hervorsticht. Doch
selbst whrend meines kurzen Aufenthaltes fand ich von Falken und
Sperbern manche interessante Art, graue Uhu's, Berg-, Baum-, Sumpf-,
sowie auch Zwergeulen ziemlich vertreten; mehrere Krhenarten und
namentlich in den Buschdickdichten der Ufer, sowie in der Nhe der
Gehfte fnf Staararten, von denen ich den kleinen, und den schnen
groen, langschwnzigen Glanzstaar besonders hervorheben will. Zahlreich
sind die Wrger, doch noch zahlreicher die krnerfressenden Singvgel
vertreten, von den letzteren fielen mir mehrere langschw$
ich fast
hart vor mir hoch auf; ich war aber schon zu weit vorgebeugt, um
zurckweichen zu knnen, ein minutenlanges Zagen und ich war verloren,
doch meine Geistesgegenwart verlie mich nicht, ein krftig und sicher
gefhrter Hieb in den Nacken und das schne aber gefhrliche Thier war
mein; mit triumphirender Miene trugen wir das um die Rippe gewickelte
Reptil heim.
Unter allen sdafrikanischen Giftschlangen halte ich ie Mambaarten,
eine grne, eine schwarze und eine gelbliche Speces fr die
gefhrlichsten. Mir sind Flle bekannt, da Mamba's (von den beiden
ersten Arten, welche die wrmeren Buschpartien an der Kste bewohnen)
nach dem Erblicken eines Menschen sofort zum Angriffe bergingen. Ich
will hier nur eines solchen gedenken. Einige Kaffernkinder, die sich in
den nur einige hundert Schritte vom Hause entfernten Bschen spielend
ergtzten, wurden einer aus diesen hervorschleichenden Mamba gewahr; die
Gefhrlichkeit des Thieres kennend, wandten sie sich sofort auf der
nahebei vorberfhrenden Strae zur$
sich der Weg, der eine fhrt nach Hebron (weiter
stromabwrts) zu, der andere nach einer Ueberfuhr ber den Vaal, die
gegenwrtig unter dem Namen Blignauts-Pont bekannt und die hufigst
eingeschlagene Tour von den Diamantenfeldern nach der Transvaal-Republik
bildet; sie ist die krzeste, billigste und beste. Ich whlte die
lngere und beschwerlichere, weil ich die Hebroner Hhen, sowie die
umliegenden verlassenen River-Diggings kennen lernen wollte. Von
Blignauts-Pont bis gegen Delportshope (unweit der Vereinigung des Hart-
und Vaal-Rivers), theils in dem Hauptthale, theils in de einmndenden
Thlern wohnt in kleinen Drfchen und in einzelnen Gehften die Mehrzahl
der als englische Unterthanen lebenden Koranna's. Ueberall sahen wir
diese in europische Kleider und Fetzen gehllten Gestalten
herumlungernd, oder mit ihren Hunden die GebsXche durchstreifend,
whrend die meist nackten Kinder kleine Viehheerden hteten.
Von der oberwhnten Cantine ab, wurde die Scenerie etwas interessanter,
theilweise schon dadu$
eils durch seine malerische Lage an einem der Haupt-Verkehrswege
nach dem Innern, anderntheils durch seine Einwohnerzahl. Leider war
seine Wohlfahrt von Jahr zu Jahr gesunken und ichglaube, da sich Taung
wohl jetzt, nachdem der Export von Spirituosen nach Mankuruana's Land
von der Regierung in Griqualand-West mglichst erschwert wurde, wieder
heben und namentlich Getreide, Vieh etc. nach den Diamantenfeldern
exportiren wird, wozu ihm seine relativ geringe Entfernung von diesem
Markte sehr zu Gute kommt; auerdem ist der Stadt durch ihre Lage in der
Nhe des Hart-Rivers die Mglichkeit geboten, die bebauten Niederungen
regelmig und ergiebig bewssern zu knnen. Die frhere Einwohnerzahl
von Taung lt sich mit 5-6000, die gegenwrtige (1879) mit 3500-4000
angeben. Die Zahl variirt um 500, weil sich manche Familien
periode;weise zu ihren Viehposten, auf denen ihre Diener das Vieh hten,
entfernen, die Mnner oft in grerer Zahl auf Jagd ausgehen und andere
wieder ihre Makalahari-Diener mitbringen.
Um die Ze$
bedroht oder geschlagen wird, hat die Pflicht, sein Leben fr ihn
einzusetzen, und damit genug! Ich wiederhole Dir, dass Du nichts besitzest,
was Dir gehrte, und dass ich bei der ersten schlimmen Nachricht ber Dich
auf dem schnellsten Wege nach Florenz komme. Dann will ich Dich ber Deinen
Irrtum aufklren und Dich lehren, Dein Gut zu vergeuden und die Huser und
Grundstcke, die Du nicht durch Arbeit erworben hast, zu Grund zu richten.
Du bist nicht, wo Du zu sein glaubst! Wenn ich hinkomme, will ich Dir die
Augen ffnen, dass Du heisse Trnen weinen und erkennen solZlst, auf welchem
Grund Dein Hochmut steht.
Ich wiederhle Dir: Wenn Du ein rechtschaffenes Leben fhren und Deinen
Vater achten und ehren willst, so werde ich Dir wie den anderen helfen und
Euch bald eine schne Werkstatt bauen lassen. Tust Du das aber nicht, dann
werde ich kommen und die Sache in einer Weise ordnen, dass Du ganz klar
einsehen sollst, was Du bist und was Du hast und es nie mehr vergessen
sollst. Das sei's. Wo es an Worten fehlt$
ter zwischen Fes
und Tafilet, und etwas westlich vom Knotenpunkt des Gebirges ausfhrte,
erlaubte mir mein mangelhaftes Aneroid nicht, auch nur annhernd richtige
Messungen zu machen. Zu der Zeit verstand man bloss Aneroide zu
construiren, mit denen man hchstens bis 1000 Meter messen konnte; das
meine zeigte nicht einmal so hoch. Wenn ich aber bedenke, dass dasselbe
schon auf dem ersten Absatz, auf der Terrasse sdlich von Fes und Mikenes,
zum Gebiete der Beni-Mtir gehrend, den Dienst versagte, dass ich dann
aber, mehrere Tage nach einander immer steigend, verschiedene Terrassen und
Plateaux zu berwinden hatte, so glaube ich, dass die hchste Passhhe auf
dieser Strecke, "Tamarakuit" genannt, kaum unter 9000 Fuss sein drfte.
Aber wie hoch thrmten sich daneben und nach allen Seiten hin die
schneeigen Spitzen des Atlas selbst auf! Spteren Zeiten und spteren
Forschern muss dies zu erforschen vorbehalten bleiben.
Von diesem Knotenpunkt aus werden noch einzlne Ketten nac dem Osten und
Sden gesandt, im Gan$
chzuholendes Gebet erst
verrichtet werde." Man will damit documentiren, dass man fromm sei! Recht
eifrige Leute, namentlich Brder einer religisen Innung, pflegen ausser
den vorgeschriebenen Gebetsceremonien noch andere zu bestimmten Tageszeiten
abzuhalten, z. B. vor dem Morgengebet das Morgenrothgebet _Fedjer_; um
die Zeit des _Dhaha_, d.h. zwischen dem Morgen- und Mittagsgebete, das
Dhahagebet; das _eschefah-_ und _uter-_Gebet nach dem _el
In den Stdten wird von den Thrmen der Moschee die Gebetsstunde durch
Aufziehen einer weissen am Freitage zum Chotbagebet einer
_dunkelblauen_ Fahne angekndigt, ausserdem ruft der _Muden_ von
den Thrmen zum Gebet auf. Auch dieser Aufruf ist bestimmt vorgeschrieben
und beginnt nach Osten, um durch Sden, Westen und Norden wieder gen Osten
beendigt zu werden. Die Worte lauen: "Gott ist der Grsste, Gott ist der
Grsste, ich bezeuge, es giebt nur Einen Gott, ich bezeuge, es giebt nur
Einen Gott, Mohammed ist sein Gesandter, Mohammed ist sein Gesandter[39];
kommt zum Ge$
 vegetabilischen Atomen, im Sden des
Atlas mit anorganischen, mikroskopisch kleinen Theilen geschwngert ist,
immer wirkt er gleich schdlich auf die Augen.
Es hat dies zur Folge, dass Hornhautkrankheiten alltgliche Erscheinungen
sind. Chronische Hornhautentzndung nennt der Marokkaner Bu Tillis, d.h.
den Vater des Schleiers. Manchmal heilen sie derartige Flle im Entstehen
dadurch, dass sie Feuer im Nacken, an denSchlfen, hinter den Ohren
rtlich anwenden. Meist aber enden alle Augenkrankheiten mit Erblinden.
Citronensaft und Wasser gemischt und in die Augen getrpfelt, wird hufig
genug angewandt. Auch Antimon (Kohl) ist in vielen Gegenden Gebrauch; es
wird dies im Atlas gefundene Metall, dessen sich alle Frauen nicht nur
Marokko's, sondern ganz Nordafrika's als Schnheitsmittel bedienen, und das
auch unsere Theaterdamen, um den Glyanz der Augen zu erhhen, anwenden, oft
mit Erfolg gebraucht. Man bestreicht mit Kohl die Augenlider, mittelst
eines feinen Holzspatels und unzweifelhaft hat dies Mittel gut$
m halbverfallenen Aussehen, ein hbsches Gebude, und,
eigenthmlicherweise im Renaissancestyl, vermischt mit maurischer
Architektur errichtet, was wohl daher rhrt, dass europische Renegaten die
Erbauer waren. Es gelang mir leider nicht (da der Sultan in Mikenes war),
in das Innere zu kommen; ebenso war mir auch der Garten verschlossen,
welcher damit verbunden ist, und dessen herrliche Baumgruppen, aus denen
schlanke Palmen hervorragten, ich oft im Vorbergehen bewunderte. Dieser
Garten war den Damen des Harems reservirt.
      [Funote 83: Bu-Djelud heisst Vater der Felle; wahrscheinlich befand
       sich hier am Flusse--denn dieser Palast liegt hart am Ued-Sebu--eine
       Gerberei. Eine hnlich sonderbare Benennung hat ja auch der Palast
       der franzsischen Herrscher in Paris: Tuilerie.]
Eine halbe Stune von Neu-Fes entfernt, nach dem Sden zu, befindet sich
eine sultanatliche Wohnung, von einem usserst grossen und mit hoher Mauer
umringten Garten umgeben; in diesem Gebude hlt sich der Sultan$
hnung in
der[ Nhe der seinigen auf der Stelle zu haben sei; dieser bezeichnete einen
reizenden Sommersitz, welcher, obschon in der Stadt gelegen, einen hbschen
Garten habe, vom Fes-Flusse durchzogen wrde, an die Wohnung des Bascha
anstiesse, "aber, fgte er hinzu, der Scherif, dem es gehrt, hat seinen
Sommeraufenthalt schon darin genommen." "Geh' auf der Stelle und sage ihm,
ich brauche seine Wohnung," war des Bascha's kurze Antwort "Und du
Mustafa,"[94] fuhr er fort, "kannst heute noch umziehen, und wirst nun
gewiss zufrieden sein." Der Scherif schien indess nicht grosse Eile zu
haben; vielleicht glaubte er auch, weil er Scherif (Abkmmling Mohammed's)
sei, dem Befehle trotzen zu knnen. Kurz, als ich am folgenden Tage Ben
Thaleb besuchte und er sich nach meiner Wohnung erkundite, musste ich
gestehen ich sei, weil der Eigenthmer sich noch immer in seinem Hause
befnde, noch in meinem Moschee-Zimmer. Aber kaum liess der Bascha mich
vollenden; ein Diener wurde gerufen, er bekam Befehl, auf der Stelle den$
er und
Franzosen ist. Es versteht:sich von selbst, dass Sir Drummond sich mit
aller Freiheit bewegen konnte, ebenso die brigen Herren der Gesandtschaft.
Was mich anbetrifft, so gab mir Sir Drummond ein Schreiben (arabisch
ausgefertigt) und sagte mir, dasselbe durch den ersten Minister dem Sultan
vorzeigen zu lassen. In diesem Schreiben war betont, die marokkanische
Regierung solle mich nicht mit den brigen Renegaten verwechseln und mir
meine Freiheit wiedergeben. Das Blttchen Papier wirkte Wunder. Als
Si-Thaib mir dasselbe nach einigen Tagen wieder einhndigte, fgte er
hinzu, der Sultan habe das Blatt gelesen, und gesagt, ich knne thun was
ich wollte, sei vollkommen frei, Mikenes zu verlassen, ja ich drfe
berall im "Rharb" reisen und mich aufhalten, wo ich es fr gut fnde.
Wer war froher als ich. Jetzt aber war auch der Wunsh das eigentliche
Land Marokko zu durchreisen, erst recht wachgerufen, und namentlich
fhlte ich einen starken Trieb von nun an weiter in das Innere Afrika's
einzudringen. Aber ich$
che Hilfe sofort zu,
und eben in diesem Sinne schrieb er an Senjavin. Der Vladika war
natrlich noch mehr bereit, seinen treuen Bokelen zu Hilfe zu eilen als
die Russen selbst. Er berief nach Cetinje alle Volkshupter Montenegros
und hielt mit ihnen eine Beratung, deren Schluss eine einstimmige
Erklrung war, dass die Montenegriner nicht nur gegen die Franzosen um
die Bocca zu kmpfen bereit seien, sondern dass se die Oesterreicher,
bevor das Land von jenen okkupiert wre, aus der Bocca vertreiben
wollten. Bereits am nchsten Tage, dem 28. Februar, stand der Vladika
vor Castelnuovo und belagerte die Stadt. An demselben Tage langte auch
di russische Eskader unter dem Kommando von Kapitn _Belli_ an. Nach
fnftgiger Belagerung forderten der Vladika und Belli von dem
sterreichischen Kommandanten die Kapitulation der Stadt und die
Uebergabe der Schlssel von allen bokelischen Stdten. Es wurde ihm
gesagt, er verteidige ein fremdes Land, denn die Frist der Uebergabe der
Bocca an die Franzosen war bereits schon $
    *       *       *
Statt sehr geehrter Herr! knnte man doch viel einfacher schreiben: 5 e!
Und statt hochachtungsvoll 2 o.
       *       *       *       *       *
Das trnenscksische A.
       *       *       *       *       *
Gewhnen wir uns den Superlativismus ab. Schreiben wir nicht mehr
geehrtest, ergebenst, achtungsvollst, herzlichst und schnst. Schlieen
wir nicht mit tausend Gren, sondern mit gar keinem; denn ein Brief, der
den Namen verdient, ist doch an sich schon der Gru. Umarmen wir uns auch
nicht mehr brieflich -- ich rede natrlich hier stets nur vom Briefwechsel
unter Mnnern --; wenn ich schreibe: ich umarme Dich, so male ich damit
ein Bild, so wird durch die Niederschrift aus einer im Leben spontanen
Handlung eine starre Pose. Seien wir nicht so gedankenlos gerade in
Herzenssachen.
       *       *       *       *       *
Beim Dialekt fngt die gesprochene Sprache erst an.
       *       *       *       *       *
Derasterreichische Dialekt ist darum so hbsch, weil die Rede bestn$
ft wie Wasser und Feuer unterscheiden.
       *       *       *       *       *
Die Geschichte ist eine Schlummerrolle, auf welcher gestickt steht: Ein
Viertelstndchen. Aber ganze Generationen schlafen ihr ganzes Leben auf
ihr. -- Was ist dem Erwachten -- Geschichte? Das, was -- andre getan
haben. Worauf er denn gar nicht genug an sein eigenes Tun denken kann.
Nur wer sich selbst verbrennt, wird den Menschen ewig wandernde Flamme.
       *       *       *       *       *
O helfen, helfen knnen -- es gibt nichts Greres fr menschliche Art!
Und nicht helfen knnen, nicht helfen drfen, es hat gewi nicht minder
bittere Trnen erpret als: wo man's vermocht und sollte, nicht geholfen
       *       *       *       *       *
Man findet deshalb so wenig Menschenliebe, weil dem ueren meist zu viel
Wichtigkeit beigelegt wird. Aber es ist damit wie mit der Kleidung. So
mannigfaltig sich der Mensch auch tragen mag, in der Hlle steckt allemal
Adam und Eva, der homo spiens-insipiens, dasselbe allerletzten Endes
$
enschen
unterscheiden. Jedem sein Reich und seine Welt fr sich. Und vor allem,
wird der Kontemplative sagen, dem Aktiven sein Reich fr sich. Denn wenn
der Kontemplative der Duft der Lebensblume ist, so ist der Aktive, so ist
'die Welt' der einzige Weg zu diesem Duft.
       *       *       *       *       *
Wenn ich die Augen fnf Minuten lang geschlossen und inzwischen nicht ganz
klar und zusammenhngend gedacht habe, so knnte ich mir leicht einreden,
ein Jahr sei vergangen und noch viel mehr.
       *       *       *       *       *
Es gibt nichts Sinnverwirrenderes, als eines Tages zu entdecken, da man
als der und der lebt.
       *       *       *       *       *
Je tiefer einer wird, desto einsamer wird er; aber ncht nur das: desto
mehr lassen ihn selbst seine treusten Freunde allein -- aus Zartgefhl,
Schamgefhl, Liebe, Ehrfurcht, Verlegenheit, Hochachtung, Scheu, kurz, aus
den allerbesten Grnden und mit dem unanfechtbarsten Takt des Herzens.
       *       *       *       *       *
Man hat nie n$
zu einem groen Altar fhrten, dessen Ecken eherne
Hrner schmckten. Zwei seitliche Treppen fhrten zur Altarplatte
hinauf. Sie war kaum mehr zu erkennen. Sie glich einem Berg
aufgehufter Asche, auf dessen Spitze etwas Unerkennbares langsam
rauchte. Darber, hher als der Kandelaber und viel hher als der
Altar, starrte der Moloch, ganz aus Eisen, mit einerMnnerbrust, in
der eine weite ffnung klaffte. Seine ausgespannten Flgel erstreckten
sich ber die Wand, und seine berlangen Hnde reichten bis zum Boden
hinab. Drei schwarze Steine mit gelben Rndern funkelten als drei
Augen auf seiner Stirn. Er sah aus, als wolle er brllen und als recke
er mit furchtbarer Anstrengung seinen Stierkopf in die Hhe.
Ringsum im Gemache waren Ebenholzschemel aufgestellt. Hinter einem
jeden stand auf drei Klauen ein eherner Fackelhalter. Die)vielen
Flammenscheine spiegelten sich in den Perlmutterrauten, mit denen der
Fuboden getfelt war. Der Saal war so hoch, da das Rot der Wnde
gegen die Wlbung hin schwarz erschien,$
und nun kamen Krmer, Kchenjungen, Arbeiter, ja
sogar Weiber--die Witwen der Gefallenen--mit ihren Zindern, kurz alle,
die es danach gelstete, und mordeten mit Pfeil und Bogen. Man zielte
recht lange, um die Qual der Opfer zu verlngern, und hob und senkte
die Waffe immer wieder. Die Menge drngte sich grlend herum. Lahme
lieen sich auf Bahren herbeitragen. Viele brachten aus Vorsicht ihr
Essen mit und blieben bis zum Abend, andre sogar die ganze Nacht. Man
schlug Zelte auf, in denen gezecht wurde. Mancher verdiente sich ein
schnes Smmchen Geld, indem er Bogen verlieh.
Am Ende lie man die mit Pfeilen gespickten Leichen stehen, die ber
den Grbern wie rote Statuen ragten. Die Erregung ergriff selbst die
Leute von Malka, die von der Urbevlkerung abstammten und in
patriotischen Dingen sonst sehr gleichgltig waren. Aus Dankbarkeit
fr das Vergngen, das man ihnen bot, nahmen sie jetzt am Glcke des
Vaterlands Anteil und fhlten sich als Punier. Die Gerusiasten priesen
ihre eigene Schlauheit. Sie whnte$
ls. Diese italienischen Kleinbrger, die sich
heibltig und beweglich an ihren Worten und Gebrden berauschen, alle
ein wenig Knstler, ein wenig Schauspieler, ein wenig d'Annunzio, sind
in ihrer Menschlichkeit und Kindlichkeit so liebenswrdig erlebt und
gestaltet, da sie und ihr Schicksal zu menschlich-symbolischer
Bedeutung wachsen. Ihre Instinkte glimmen unter der Asche der tglichen
Eintnigkeit. Da zieht eine Schauspielertruppe in die Stadt und weht
sie nach allenMSeiten zu Flammen auf. Sinnlichkeit und Liebe,
Eifersucht und Ehrgeiz, vergessene und noch schlummernde Leidenschaften
wirbeln knisternd hoch. Der Kampf zwischen Priester und Advokat,
Reaktion und Fortschritt teilt und erregt die Massen. Die Glocken der
Kirche und die Melodien der Oper streiten miteinander. Doch aus dem
Feuer der Leiden und Leidenschaften glht die Blume der Vershnung,
der Verbrderung, der Liebe zu Volk und Menschheit auf: "Was sind
wir!" -- fragt der Advkat beim Abzug der Schauspieler. -- "Eine kleine
Stadt. Was haben uns$
abe die
unerbittliche Auseinandersetzung mit menschlichstem Geschehen, setzte
als Ziel die Gewinnung und Erkennung des Menschen. Mozarts Opern zeigen
dieses Ziel in stofflicher Symbolisierung. Darber hinaus aber ist die
seelische Voraussetzung aller Musik dieser Zeit mit ihrer
Hauptschpfung: dem Formbau der Sonate Gestaltung kritischer
Gefhlsauseinandersetzung und -erkenntnis. In ihr liegt das religise
Grundmotiv des Idealismus. Beethovens Werke in ihrer Gesamtheit sind
musikalische Kulthandlungen. In den verinnerlichten Formen der
Kammermusik, in den ber die Kirche hinausstrebenden Messen, selbst in
der Oper, am strksten zusammenfassend aber in den Sinfonien lebt als
treibende Urkraft der ethische Erkenntnis- und Bekenntnisdrng des
deutschen Idealismus, die Religiositt, die nicht mehr Kirche, nicht
mehr Dogma ist, sondern die Offenbarung des Gttlichen nur aus der
Gefhlskraft der menschlichen Seele empfngt. Diese ethische
Religiositt war ebenso Eigentum aller geistigen Menschen des
ausgehenden 18$
orm bewut kultischer Dramatik klar zu
erkennen. Es gilt gleichzeitig, die falsche Geringschtzung des
Spieltriebes als eines gleichsam im hheren Sinne nicht vollwertigen
Schaffensimpulses abzutun, zu erkennen, da dieser Spieltrieb, sofern
er vermeidet, sich aus falschem Ehrgeiz dramatisch zu maskieren, aus
sich selbst heraus zur Erreichung wahrhaftigerer Ziele befhigt ist,
als das hchstgeschraubte dramatische Pathos sie zugnglich macht. Es
gilt, formelhaft gesprochen, in der Oper Mozarts nicht nur die geniale
Musiker-, sndern gerade die geniale Knstlernatur zu erkennen. Nicht
nur in der Oper Mozarts, sondern in der Oper berhaupt die Idealgattung
des Phantasiespieles, das, frei von allen dogmatisch ethisierenden
Nebenabsichten, aus lebendigstem Widerschein buntester Lebensfarben und
Sinnesreize den ins Mrchenhafte berspiegelten Abglanz des Realen,
Bewuten, Gewollten gibt.
Es ist lehrreich, zu beobachten, wie sich andere Vlker mit diesem
Problem der Oper abgefunden haben. Der romantischen Rauschsug$
sich an diese Arbeiten angeschlossen. T. Konstantin Oesterreich hat
sich in seinem grundlegenden Werke zur "Phnomenologie des Ich" ihr
angeschlossen. Es gibt nach meiner Meinung kein wichtigeres un
dringlicheres Desiderat fr die knfti}e Philosophie und Psychologie
als eine eingehende philosophische Durchleuchtung der durch die
Resultate der verschiedenen psychologischen Diszipline gewonnenen
Tatsachenerkenntnisse. Der Verfasser hat es sich mit zu einer
Hauptaufgabe gesetzt, in einer Arbeit, die er unter der Feder hat,
diese Dinge zu frdern. Endlich verdienen auch neue Z w e i g e, die in
den letzten Jahren aus der Psychologie hervorgewachsen sind, genaue
philosophische Beachtung. So die Pathopsychologie, die durch den Krieg
(Kopfschsse und Gehirnverletzungen) mchtig gefrdert wurde, die
neuere Tierpsychologie, die von W. Stern angebahnte differentielle
Psychologie, die zukunftsreiche "Entwicklungspsychologie" Krgers,
nicht minder auch die Religionspsychologie und die erst neuerdings
besonders von Oest$
n das Interesse an der Relativittstheorie seit 15 Jahren
lebendig ist, datiert das allgemeine Aufsehen und die Popularitt der
Theorie erst von ihrer Besttigung durch diese Sonnenfinsternis.
    "Ihr meint, wie sitzen ruhig hier? Erlaubt,
    Wir schweben, wie von Adlerkraft geraubt" --
so fhrt der Pfarrer von Ufenau zu reden fort. "Wir sitzen ruhig hier."
Und doch drehen wir uns, so belehrt uns Kopernikus, um die Erdachse mit
einer Geschwindigkeit von einigen hundert Metern in der Sekunde;
gleichzeitig bewegt sich die Erde und wir mit ihr um die Sonne mit
einer Geschwindigkeit von 30 km in der Sekunde, also hundertmal
schneller, als der Schall die Luft durcheilt. Und die Sonne selbst
bewegt sich gegen die Fixsterne und fhrt die Erde und uns selbst "wie
mit Adlerkraft" fort. Von diesem ganzen zusammengesetzten
Bewegungsvorgang spren wir nichtw, es sei denn, da wir mit genauen
Hilfsmitteln ausgerstet sind, um an den Sternen Beobachtungen zu
machen. Wir mssen daraus schlieen: Bewegung an sich ist nich$
ich ehrlose Handlung vorwarf und sie an einen gerechten Gott
Mit der Ankunft reinpolitischer Verbrecher wurde dies ganz anders. Weil
selbst die gemeinsten Spitzbuben solche Ankmmlinge, von denen die Meisten
frher niemals vor Gericht als Angeklagte gestanden und Manche als
wohlhabende und angesehene Leute bekannt waren, nicht als Ihresgleichen zu
betrachten vermochten, so sahen die gemeinen Verbrecher ihre Entehrung wenn
nicht gesetzlich doch moralisch aufgehoben. Durch die Wahrnehmung, da auch
die rohesten Aufseher durch ihr Benehmen unwillkrlch verriethen, es
bestnden unsichtbare Unterschiede zwischen politischen und andern
Gefangenen, steigerte sich das Bewutsein der Ehrbarmachung bei den
gemeinen Verbrechern, die unsichtbaren Unterschiede erzeugten recht
sichtbare, dadurch litt die Hausordnung, und die Erreichung der
verschiedenen Strafzwecke ward vielfach beeintrchtiget.
Manche politische Gefangene knirschten gegen ein ungerechtes Gesetz, dessen
Opfer sie geworden, die Meisten jedoch gewhnten sic$
hrer und Elsbeth selbst predigten, fand in der Sonne bei den Erwachsenen
keine Geltung, wehalb sollte ein geplagter, oft genug hungernder Bube es
befolgen? Er begann auf eigene Faust zu stehlen, schritt von einem
Stcklein Zucker allgemach zu einem ganzen heimlichen Magazin von Ewaaren
fort und stibitzte bei guter Gelegenheit zuerst Kreuzer, Sechser,
Sechsbtzner und nachdem er einmal mit khnem Griffe einen Brabanter
genommen und nach achttgiger Angst unentdeckt geblieben war, lernte er
allmlig stehlen, ohne da ihm die Finger zitterten und das Herz pochte.
Eine Magd kam hinter sein Waaren- und Geldmagazin, ihre schrecklichen
Drohungen machten den Buben zu ihrem Sklaven, er stahl fortan fr sie und
diese versorgte ihn dagegen mit sen Herrlichkeiten, welche einem
Bettebuben so vrtrefflich schmecken wie dem verzogensten Stadtkinde.
Seine Hehlerin gerieth einmal in scharfe Hndel mit einer andern Magd und
diese wute im ersten Zorn nichts Besseres zu thun, als der Sonnenwirthin
die Augen ber die Untreue $
ir auf meine Bitte soviel Schnaps,
als ich nur begehrte. Dann kam der Alte mit meinem franzsischen
Gebetbuche, ich durfte nicht mehr in den Stall, sondern in ein gutes Bett,
betete vorher laut aus dem Buche und Alle knieten nieder, obwohl sie kein
Wort verstanden.
Der Stelzfu sagte mir noch, ich sei sicher, weil kein kaiserlicher
Deserteur, dann grten Alle mit dem Grue jenes Landes, nmlich. "Gelobt
sei Jesus Christus!" und ich schlief den ganzen Tag und die andere Nacht
Weil das Wetter schlecht geworden, lieen sie mich nicht marschiren, ich
wollte aber nicht umsonst da sein. Es standen zwei Websthle in einer
Kammer, der Zettel war fertig, eine Magd machte mir Spulen und so webte ich
ein schnes Stck Tuch, bis die Eigentmer des groen Hofes heimkamen.
Endlich wurde das Wetter gut, meine Wunden ebenfalls, ich wollte ins
Preuische, dort einen Pa auftreiben und damit heimgehen.
Die Burin hatte eine Schwester an der Grenze verheirathet, der Mann
derselben war ein Wirth. Ich bekam einen Brief an dies$
m
zusteckte, doch sollte er _jetzt_ vor dem Max zurcktreten, aufhren,
an der Spitze der schwarzen Schwitt zu stehen und so die "Neumodischen"
Herren im Drflein werden lassen?
Der Max besa Geld wie Heu; nicht blos an hohen Feiertagen und besondern
Gelegenheiten, sondern jeden Abend, den Gott gab, lebte die rothe Schwitt
herrlich und in Freuden, sei es im Hirzen oder in Kunkelstuben, und wenn
die schwarze Schwitt auch nicht gro thun, prahlen und unmig sein wollte,
so gab es doch von Zeit zu Zeit Gelegenheiten zum Geldausgeben und der
Benedict htte es nicht sehen knnen, wie Maxens Rothe, Willibalds Luzie
und Andere mit Geschenken berhuft wurden, whrend die braven, treuen und
lieben Mdlen der schwarzen Schwitt leer ausgingen.
Wenn er jetzt zuweilen mit einem kleinen Marktkorbe auf dem Kopfe zum Ort
hinausging, so wuchs der Korb merkwrdigD in die Hhe, ehe er durch das
Stadtthor keuchte und einige Weiber wollten wissen, das Wunder gehe ganz
natrlich zu; gewi war, da der Benedict unterwegs seinen $
Recht gehabt, wenn du nur einen
ganzen Maltersack voll, Maltersack voll bei so einem reichen Geizhals
erwischt httest! ... Man mu nicht so dumm sein, nicht so dumm sein, wenn
man dazu kommen kann! ... Ich hab' eben lauter Ese, der Sepp, der Sepp, er
mu bei dir lernen!"
Toll und bunt geht es zu beim Brandpeterle, die rothe Schwitt rast vor
Freuden ber das neue Oberhaupt, selbst der Max hat allen Groll vergessen,
doch schon um halb neun steht der Benedict auf, um fortzugehen.
Alle erklren sich dagegen, er bleibt fest und die Alte meint: "Was, du
willst fort? fort von deiner Schwiegermutter? Willst halt noch zu deiner
Schlferin, gelt? ... Mcht' nur auch wissen, was du denkst! ... Du derlustigste Bueb im Dorf, im Dorf, magst mit einem so todten Mdle gehen, wie
die Margreth eines ist, whrend die vornehmsten Mdlen, wie meine Hanne,
die Hanne dort, die Finger nach dir lecken!"
Vergeblich jedoch beschwrt die Schwiegermutter den Eidam zum Dableiben,
vergeblich ruft sie:
"Hanne, schenke ihm ein, er darf nich$
dict Hobist werden; 's hat schon Mancher sein Glck beim Militr
gemacht und er machts auch, das wei ich zum Voraus!"--"Ja, wenn er nur
lauter gute Anlagen htt', doch hat er auch Anlagen, die bei den Soldaten
reichlich ... ich will gar nichts weiter sagen!"--"Bist viel zu ngstlich,
Rsele; bei den Soldaten ist eine Zucht, wo diese Anlagen, welche dir bange
machen, zurckweichen mssen; haut er ber die Schnur, mein! wie wird er da
gezchtiget! ... brigens ist er kein Spieler, kein Wirthshaushocker und
Vieles Andere nicht, es lt sich nur Gutes hoffen! ... Ich machte mir ein
Gewissen daraus, gegen sein Glck zu sein!"--"O Vetter," sagt die Rosa sehr
ernst und wehmthig, "'wenn der Benedict beim Regiment einmal gezchtigt
wird, dann ist's zu spt! ... er ist freilich kein Spieler und kein
Wirthshaushocker, das ist wahr, doch ist er stolz, leichtsinnig und dabei
der gute Jockel selbst, das habe ich als Kind auf dem Wochenmarkte schon
erfahren!"--"Bah, baperlapau, unser Herrgott lebt auch noch!" meint der
al$
eisten Aufseher sind den
Beamten zum Essen nachgeeilt, aber wenn Jemand im Mittelbau eine Schssel
fallenlt oder sich nur herzhaft schnuzt, knnen es smmtliche Bewohner
der vier groen Flgel und die NZchsten so deutlich als die Fernsten
vernehmen. Wenn der Spruch: Wnde haben Ohren--irgendwo gltig und die
Allwissenheit der Beamten irgendwo mehr als Redensart ist, so wird dies
sicher in einem Zellengefngnisse der Fall sein. Auf ihren Bureaus
vernehmen die Beamten jedes laute Wort und jedes auffallende Gerusch,
selbst wenn es von den uersten Enden der Zellenflgel ausgeht.
Jetzt scheinen selbst die sonst so geschwtzigen, znkischen Spatzen Siesta
zu halten, selten flattert einer vor dem Gitterfenster von Numero 110
vorber und noch seltener sitzt einer vor dem Fenster, um sein graues
Rcklein zu putzen oder dem Gefangenen einen bessern Appetit
zuzuzwitschern.
Letzteres ist auch nicht nthig, denn obwohl der Duckmuser den Hirsebrei
nicht liebt, so hat er doch den Hunger noch weit mehr, folglich ha$
 und Pflanzen. Als wir den tiefen
Graben besuchten, wurde gerade ein ausgezeichnet schner Rckenwirbel
eines Elephanten ausgegraben. Es herrschtein Chalouf ein reges Lebens,
groe Dampfpumpen waren fortwhrend in Thtigkeit, uj das eindringende
Wasser, welches der nahe Swasserkanal durchsickern lie,
herauszuschaffen, whrend andere mchtige Maschinen die Erde selbst
angriffen. Nur in Chalouf hatte man jetzt noch das Bild und Profil des
Kanals, da die anderen Strecken zwischen Port-Said und Ismalia alle
angefllt waren. Aber gerade vor Thoresschlu den Kanal entstehen sehen
die riesigen Arbeiten bewundern zu knnen, gerade das hatte einen
besonderen Reiz. Wenn man jetzt nach Vollendung des Durchstiches ber
den Kanal dahinfhrt, kann man sich kaum eine richtige Idee machen von
den Schwierigkeiten, welche besiegt werden muten.
Nebenbei war hier eine ganze Stadt entstanden; es gab Kirchen, Moscheen,
Wirtshuser, Spitler, Cafs u.s.w. Von hier nun wendet sich der
Swasserkanal ab, um die Bitterseen, dere$
en; letztere ist die reichlichere. Man it
allgemein mit der Hand und aus _einer_ Schssel, die Frauen und Kinder
getrennt von den erwachsenen Mnnern; fr Suppen und flssige Speisen
hat man hlzerne Lfel. Wenn aber z.B. fnf oder sieben Personen aus
einer Schssel Suppe essen, so hat man in der Regel nicht mehr als
zwei, hchstens drei Lffel, welche im Kreise herumgehen. Natrlich
wird, da den Berbern alle Mbel, wie Sthle, Bnke und Tische, abgeben,
auf der Erde hockend gesessen, die Schssel selbst, am Boden stehend,
bleibt in der Mitte. Wird ein Getrnk, sei es nun saure Milch oder
Wasser, herumgereicht, so kreist die Schssel ebenfalls, und wie bei
Arabern, ist es vergnnt, _stehend_ zu essen oder zu trinken.
Was die geistigen Fhigkeiten der Berber betrifft, so stehen sie
mindestens aus derselben Stufe, wie die Araber, wenn nicht _jetzt_
hher. Da sie bedeutend empfnglicher fr Civil/sation sind, als die
Araber Nordafrika's, habe ich schon hervorgehoben; der freiwillige
Besuch, den Tuareg-Huptli$
n von 9 Zeitungen gesorgt, von denen 3 in italienischer, 1 in
englischer, 2 in griechischer und die brigen in franzsischer Sprache
Im hbsch gelegenen und elegant erbauten Siziniatheater werden
italienische Opern aufgefhrt, auerdem giebt es noch ein kleines
Theater, Namens Alsieri. Erwhnen wir schlielich noch, da
franzsische, englische, italienische und griechische Freimaurerlogen in
Alexandrien sind, im Ganzen 8, an der Zahl, so glauben wir aller
Anstalten Erwhnung gethan zu haben. Nur mchte ic fr etwaige nach
Aegypten Reisende hervorheben, da es dort eine Reihe guter Htels
giebt, von denen 2 ersten Ranges, da Kaffeehuser und Res@taurationen in
groer Anzahl vorhanden sind, ja da es sogar viele deutsche Bierstuben
giebt, wo Wiener Bier verzapft wird. In der Stadt Alexander des Groen,
des Ptolemus Philadelphus, deutsches Bier von deutschen Jungfrauen
geschenkt! In der Stadt des Pompejus, der Cleopatra Gas- und
Dampffabriken! Welche Gegenstze und doch so gro nicht, wie man denkt!
Denn in d$
er
lauert die junge Frau des Hausherrn, verlangende Blicke wirft sie auf
das Leben zu ihren Fen, sie hrt es, sie sieht auch Alles, ohne selbst
bemerkt zu werden; glhend errthet sie, wenn ein jugendlicher Frangi
vorbergeht, der ihr viel vorteilhafter dnkt, als jener alte,
weibrtige Mann, dem sie gezwungen war, ihr Leben zu opfern. Da
erblickt sie gar in einer Carrosse dahersausend zwei hbscheChristendamen, sie sind unverschleiert. Sie lcheln, sie freuen sich des
Lebens, whrend sie selbst, die Aermste, hinter ihrer Muscharabieh eine
Thrne im Auge zerdrckt und ihr freudenloses Leben beklagt! Aber was
ist das? Da biegt um die Ecke ein eleganter Phaton, laut schreiend vor
ihm rufen die Lufer ihr ewiges "=Guarda, Guarda=" oder
=schemalak ia chodja, l'iminak=[53]. Darin sitzen im Wagen zwei
reizende Moslemata[54], kaum verschleiert die dnne Tllspitze ihr
frhlich lchelndes Gesicht; sie scheinen aber auch gar keine Lust zu
haben, ihr Antlitz verbergen zu wollen, im Gegentheil, man sieht, da
sie n$
teinen eines babylonischen
Turms, von dem auch ich ber die Wolken zu sehen hoffte. Da ich noch zu
schwach und ungeschickt war, sie ohne Hilfe fest un sicher aufeinander
zu schichten, brach mein Bau frhzeitig zusammen. Nicht zu neuen Wundern
hatte er mich emporgefhrt, doch meinen Kinderglauben begrub er unter
seinen Trmmern.
Im mystischen Dunkel der Tempel und Kirchen waltet die Phantasie
ungestrt, die groe Bannertrgerin allen Glaubens, und flt den
Marmorsteinen der Gtter und den Bildern der Heiligen rotes, warmes
Leben ein. Dringt aber Licht und Lrm durch zerrissene Vorhnge und
zerbrochene Scheiben, so wandeln sie sich wieder zu toten Gebilden von
Menschenhand. Die Phantasie aber baut in stillen Winkeln neue Tempel fr
die glaubensdurstigen Kinderseelen, die Denker und Dichter noch nicht
sind, oder niemals werden knnen.
Einmal, nach der Rckkehr von einer lngeren Sommerreise,? fhrte mich
mein Vater mit besondrer Feierlichkeit in unsre Wohnung. Hatte ich
bisher ein Zimmer neben der Schlafstube d$
s die
schwersten krperlichen und geistigen Kmpfe mich zu vernichten
Seit meiner Krankheit hatte ich allerlei Beschwerden, die sich von Jahr
zu Jahr steigerten. Blutwallungen, die mir den Kopf zu sprengen drohten
und denHerzschlag bis in die Kehle hinauf trieben, hatten mich schon in
Grainau geqult. Instinktiv war ich dann auf die Berge gelaufen, oder
war beim ersten Morgengrauen heimlich im eisigen Wasser des Rosensees
untergetaucht. In Posen aber war ich fast immer zu Haus; die kleinen
Spaziergge, das in Rcksicht auf meinen stets empfindlichen Hals nur
bei Sonnenschein und Windstille gestattete Schlittschuhlaufen halfen mir
natrlich nichts; turnen durfte ich nicht, weil das -- wie Mama sagte --
die Hnde breit macht; und die Tanzstunde mit der guten Bowle, an der es
nie fehlte, steigerte nur das Qulende meines Zustands. Etwas Heies,
Dunkles beherrschte mich mehr und mehr; abends, wenn ich schlafen
wollte, flogen Glutwellen ber meinen Krper. Meine tobenden
Freiheitsgesnge machten Liebesliedern Plat$
was wie
Neugierde nach dem Spruch, den der Pfarrer mir geben wrde, regte sich
Darinnen freuet euch nicht, da euch die Geister untertan sind, sondern
da eure Namen geschrieben sind im Himmel.
Das fuhr wie ein Peitschenhieb auf mich nieder. Mein Name -- und im
Himmel geschrieben!! Hatte ich nicht eben vor Gottes Altar einen Meineid
geschworen?! -- --
Unter Trnen und Glckwnschen und Schmeichelworten umdrngte mich
alles. Zu Hause empfing mich ein Aufbau von kostbaren Geschenken, von
duftenden Blumen; Militrmusik spielte unter den Fenstern, und um die
geschmckte Tafel versammelte sich eine glnzende Gesellschaft. Mir
galten die Reden und Toaste, und immer aufs neue perlte der Sekt in
meinem Glase. In halber Betubung kam ich abends in mein Zimmer; die
rote Ampel brannte ber dem Bett; seltsam bedrckend war nach all dren
wirren Geruschen des Tages die Stille. Mein Blick fiel auf ein kleines
Paket, durch dessen Schnre ein paar gelbe Rosen gezogen waren.
Verwundert ffnete ich das Geschenk, das nicht a$
fangenschaft
Whrend der folgenden Monate in Augsburg wurde meiner Erziehung durch
die Einfhrung in die Wohlttigkeitsbestrebungen der guten Gesellschaft
der letzte Schliff gegeben. Meine Tante war Vorstandsmitglied der
nerschiedensten Vereine und galt allgemein fr uerst hilfsbereit. Mir
waren darber schon oft Zweifel aufgestoen, wenn arme Leute, deren
Unglck sichtlich rasche Hilfe verlangte, von der Schwelle des
glnzenden Hauses abgefertigt und ihre Angelegenheit dem Bureaukratismus
irgend eines Vereins berwiesen wurde. Aber meine Tante wute so viel
von der Groartigkeit der augsburger Armenfrsorge -- sowohl der
kommunalen, als der privaten -- zu erzhlen, da ich meine Bedenken
zurckhielt und mir von dem, was geleistet wurde, die glnzendsten
Vorstellungen machte. Schon meine erste Teilnahme an der Sitzung eines
Krippenvereins lie mir die Dinge in anderem Licht ersheinen. Da saen
lauter reiche Frauen in seidenrauschenden Kleidern um den Tisch; keine
einzige unter ihnen hatte keine Loge im Thea$
chaftsgefhl, -- das ists, was nur der Reiter kennt,
darum war Reiten von je her Herrenrecht. Im Schweie seines Angesichts,
wie ein Sklave, schwer mit den Muskeln arbeitend, wie er, treibt der
Radler sein Stahlro vorwrts; nur auf gebahnten breiten Wegen vermag
der Kraftwagen ratternd und pustend durch die Welt zu rasen, indes der
Reiter sich leise durch tiefe Waldeinsamkeit tragen lt un das edle
Tier unter ihm den reinen ruhigen Genu der Natur nicht strt. Lockt ihn
die Ferne, begehrt er, seine Krfte zu erproben, um seinem Mute vor sich
selbst ein Zeugnis abzulegen, so gengt ein Druck der Sporen, und er
spottet aller Hindernisse. Er ist der Knstler, der freie, starke, --
arme Arbeiter aber sind jene anderen, abhngig von ihrer Maschine, ihr
untergeben. Wir ritten oft weit: bis nach Rathenow hinber, wo der tolle
Rosenberg seine Husaren zu lauter Meistern der Reitkunst erzog und trotz
Sekt und Morphium von keinem der Schler je bertroffen wurde, oder
westwrts zu den blauen Potsdamer Havelseen, wo d$
Glieder waren mir schwer, -- da stand Hellmut vor mir -- ein paar
Schweitropfen auf der Stirn und doch ganz bla.
Nun baue ich Tag um Tag eine Mauer um dich, damit nichts und niemand
dir zu nahe treten kann, und du -- du gibst dich diesen -- diesen
Schurken preis, kam es stockend ber seine Lippen. Mir strzten die
Trnen aus den Augen, -- doch schon hatten seine Arme mich umschlungen,
und sein Mund prete sich auf den meinen, und die heien, lang
zurckgedmmten Wogen der Leidenschaft schlugen ber uns zusammen.
Wie wir uns trennten, wie ich nach Hause kam, -- ich wei nichts mehr
davon. Ich wei nur, da ich am weit geffneten Fenster sa und die
linde Nachtluft tief und langsam einsog, als htte ich nie vorher die
Wonne des Atmens gekannt. Dann stockte mein Herzschlag, -- ein fester
Tritt, ein schleppender Sbel unterbrachen die Stille, ein lichtes Blau
schimmerte durch die Bsche des Gartens. Alix -- klang es sehnschtig.
-- Und ich nahm die Rose, die mir noch zerdrckt im Grtel hing un warf
sie i$
e erschlug. Wir tanzten tglich; in den Fastnachtstagen
fielen sogar die Schranken zwischen den Gesellschaftsklassen und unter
Papierschlangengeschossen und Konfettiregen wagten wir uns unter die
maskierte Menge der Strae. Alle Hfe und Huser standen offen; berall
konnten die Masken sich selbst zu Gaste laden, und doch artete die
sprudelnde Lustigkeit nie in rohe Spe aus.
Am Fastnachtsdienstag gab es ein Frhstck im Krassierkasino, wo die
Sektpfropfen knatterten wie Salven, und darauf einen ausgelassenen Tanz
im Sande der Reitbahn, wo die Herren um die Wette ber Hrden und Grben
sprangen. Abends war der letzte Ball des Damenklubs; noch einmal wurde
getanzt wie rasend, alte Graubrte machten den Jngsten den Rang dabei
streitig, und die Flle der Blumen, die uns gespendet wurden, lie sich
kaum fassen. Jir stoben Funken vor den Augen, und iNch fhlte nichts
mehr als die wiegende, schleifende Bewegung und den heien, keuchenden
Atem meiner Tnzer. Pltzlich, mitten im wilden Abschiedsgalopp, stand
alle$
t hast.
Ich erwartete zitternd eine wtende Antwort, -- statt dessen hrte ich,
wie des Vaters Stimme umschlug und weich und flehend wurde.
Ilschen -- sei doch nicht so grausam -- siehst du denn nicht, wie mich
die Selbstvorwrfe schon gemartert haben? -- Im Grunde hast du ja recht
-- ganz recht -- aber es war doch nur meine groe Liebe zu dir -- die
stete Angst, die deine zu verlieren, die mich dir all das verschweigen
lie, die immer wieder -- in jeder Form -- um deine Gunst werben mute,
-- ich wrde auch Millionen fr dich ausgegeben haben, wenn ich sie
gehabt htte...
Das konnt ich nicht mehr mitanhren, -- wie gejagt lief ich in den
Garten hinunter.
Und bse war die Zeit, die folgte: der Vater in der gedrcktesten
Stimmung, jeder Blick, den er auf seine Frau warf, ein Betteln um Liebe,
whrend sie kaum die notwendigsten Worte mit ihm wechselte und mit
peinigender Betonung bei jeder Gelegenheit Sparsamkeit predigte, -- da
Schwesterchen dazwischen, das sich um so leidenschaftlicher an mich
anklammerte,$
fschlo. Er kam aus Brandenburg zurck, wo er an dem Jubilumsfest
seines alten Regiments teilgenommen hatte.
Wie, du bist noch auf? rief er. Da kann ich dir ja noch Egidys Gre
bestellen! Damit trat er ein. Ich wute gar nicht, da er
Fnfunddreiiger gewesen ist, ehe er zur Kavallerie ging. brigens ein
famoser Kerl, tapfer und ehrlich. Und, -- stell dir vor! -- die
Rasselbande hat ihn geschnitten! Kannst dir denken, da ich ihm um so
deutlicher meine AneMrkennung fr seine berzeugungstreue aussprach. Er
wre mir beinahe um den Hals gefallen vor Dankbarkeit.
In diesem Augenblick entdeckte mein Vater die Volkstribne, die offen
vor mir lag. Die Ader schwoll ihm auf der Stirn, und blaurot frbten
sich seine Zge. Was fr ein Schuft hat dir diese Zeitung in die Hnde
geschmuggelt? schrie er, vor meine Pistole mit dem infamen Patron!
Ich habe sie mir gekauft, log ich, man mu auch seine Gegner aus
ihren eigenen Schriften kennen lernen.
Mein Vater nahm wend die Bltter vom Tisch und zerri si$
tz, fanatische Anarchisten, die die
Freiheit ihrer eigenen kleinen Gelste mit dem Schlagwort vom
schrankenlosen Ausleben der Persnlichkeit z rechtfertigen suchten.
Studenten und Studentinnen aller Nationen fanden sich ein, deren
jugendlicher berschwang in Egidy einen neuen Heiland verehrte, und
eine Menge ltliche Damen, die aus dem stillen Winkel ihres leeren
Lebens hervorgekrochen schienen wie Maulwrfe, die die Sonne suchen, und
mit dem Rest ihrer unterdrckten Gefhle verschwrmt zu Egidys Fen
saen; verschmte Arme, die hier nichts wollten als den reich gedeckten
Tisch, an dem sie einmal in der Woche satt werden konnten; mitten darin
Abenteurer aller Art, die den reichen, nur allzu vertrauensseligen Mann
fr ihre Zwecke zu gewinnen suchten, und dazwischen -- vereinzelt --
ernste aufrichtige Anhnger, junge Literaten und Theologen zumeist, die
sich vergebens bemhten, Egidy vor sich selbst zuschtzen. Er hatte fr
Alle Zeit, fr jeden Herzenskummer, der ihm anvertraut wurde, ein
freundliches Interes$
a Ihre Partei uns ebenso
einschtzt: als einen Nebenflu, der ihr reiche Schtze zuzutragen
vermag, antwortete der Professor. Noch ein Sthlercken, ein paar
Hflichkeitsphrasen, ein fester Tritt, -- ich ffnete rasch die Tre, um
nicht als Horcherin ertappt zu werden. Ein groer, blonder Mann stand
mir gegenber, wir sahen einander einen Augenblick lang ins Gesicht, und
mit einer stummen Verbeugung ging er an mir vorbei zum Zimmer hinaus.
Wer war das? frug ich erstaunt und strich mir mechanisch mit der Hand
ber 3die Stirne, -- ich mute diesen Menschen schon irgendwo gesehen
Dr. Brandt, -- der bekannte sozialdemokratische Schriftsteller, s'gte
Glyzcinski, er strahlte noch vor Freude ber den Besuch. Was meinen
Sie, sollen seine Worte der geheime Wahlspruch werden, den wir Beide an
die Spitze unserer Satzungen stellen?
Alle Strme flieen in unser Meer, wiederholte ich und drckte fest
die Hand, die er mir entgegenstreckte -- hier haben Sie mich zum
Bundesgenossen!
Achtzehntes Kapitel
           $
s noch tausend andere Dinge auf.
Du interessierst dich ja fr die Konfektionsarbeiter, wandte er sich
an mich, Reinhard und ich bereiten eine Enquete vor. Man mu die
ffentlichkeit immer wieder mit der Nase auf die Dinge stoen. Berlepsch
ist abgesgt, die Konfektionre haben ihr Wort gebrochen, ohne da ein
Hahn darnach krhte, jetzt gilt's wieder Spektakel machen, sonst ist's
ganz und gar aus mit der Sozialreform. Ich sicherte ihm freudig meine
Hilfe zu. Und mit jener nervsen Unruhe, die stets das Zeichen geistiger
berreiztheit ist, schnitt er in der anchsten halben Stunde ein Dutzend
anderer Gesprchsthemen an, um schlielich von seinem Bruder bei der
Frage des Vorwrtskonflikts festgehalten zu werden, der gerade die
Gemter in der Partei erhitzte und die G]gner sehr beschftigte, die
berall hoffnungsvoll Unfrieden witterten.
Ihr habt unrecht von Anfang bis zu Ende, erklrte Heinrich
kategorisch. Zuerst in der Ironisierung der Quarckschen Vorschlge und
dann in der unwrdigen Behandlung des alt$
en, da ich's tu', ich mcht' nur jeder raten, es ebenso zu
In jener Impulsivitt, die ich so sehr an meinem Mann liebte, stand er
auf, um der tapferen kleinen Frau, die wider ihrem Platz zuschritt,
die Hand zu drcken. Romberg dagegen sagte: Meinen Sie, da der
'Fritze' als Geistesproletarier glcklicher sein wird!? Auf das Glck
kommt es nicht an, sondern auf den Grad der sozialen Leistung, und die
wird grer sein, wenn seine Begabung zu ihrem Rechte kommt, antwortete
Ein junges Mdchen trat an unseren Tisch. Genossin Brandt? forschend
sah sie mich an. -- Die bin ich. -- Ich wollte Sie nur mal was
fragen. Ich bin nmlich Dienstmdchen gewesen und habe eine Freundin,
die noch Kchin is, und die hat mich neulich in den Dienerverein
mitgenommen, wo sie jetzt wollen auch die Mdchens aufnehmen. Sie
schimpfen aber dort alle gegen die Sozialen, und da wollt ich gern mal
wissen, ob Sie nich mal knnten hinkommen --
Sie werden doch nicht! flsterte mir Rpmberg zu. Verpflichte dich zu
nichts, sagte me$
leitete er eine Schule hoch oben im Thringer
Wald. Ich sprach ihm rckhaltlos von der Lage, in der wir uns befanden.
Mein Sohn leidet darunter, halb unbewut, und ich will ihm das
Schlimmste ersparen, will seine Jugend nicht hineinreien in den Strudel
unseres knftigen Lebens. Sie sehen, es ist ein Freundschaftsopfer das
ich von Ihnen erwarte --, hier zitterte mir die Hand und versagte den
Er antwortete umgehend, mit einem zarten Takt, der mir wohltat: Ihr
Sohn soll uns von Herzen willkommen sein. Und kein drckendes Gefhl
darf Ihnen daraus entspringen. berlassen Sie ruhig der Zukunft die
materielle Seite der Sache. Da er Ihr Kind ist, wird er unserer Schule
mehr geben, als er erhlt und sich durch Gold aufwiegen lt..
Zu Ostern wollte ich ihn hinbringen, aber ich verschob es von Tag zu
Tag, mit ihm davon zu sprechen; er war so glcklich, da ich auf einmal
immer bei ihm war, mit~ihm spielte, mit ihm spazieren ging, ihm
Geschichten erzhlte wie in der schnen alten Zeit.
       *       *       *    $
ne tot oder
ugen sehnschtig nach anderer Befriedigung.
Die Ehe von einst beruhte auf der Autoritt des Mannes gegenber der
Frau, der Autoritt der Eltern gegenber den KiSdern, -- ein Staat im
kleinen mit Herren und Knechten. Jetzt aber stehen Individualitten
einander gegenber. Das Leben von einst lt sich ihnen wohl noch
aufzwingen, aber sie zerbrechen daran. Zur Herdflamme wird die Liebe
nicht mehr. Aber zum lodernden Opferbrand an den hohen Festen des
Fr die Liebe ist der sicherste Tod die Unfreiheit. Sie wchst mit dem
Pathos der Distanz.
Wie ein kleines Mdchen, das zum ersten Male liebt, wagte ich kaum mir
selbst zu gestehen, was ich fhlte. Als mein Mann mich am Bahnhofe
empfing und mir die Hand kte, errtete ich. Und abends ertappte ich
mich dabei, wie ich im Spiegel forschend meine Zge musterte und die
Haare anders zu stecken versuchte. -- Er war jetzt immer so frmlich,
so ritterlich zu mir! Ob ich am Ende zu alt war: -- Zweiundvierzig
Jahre! In Paris hatte ich Frauen gesehen, die lter w$
des Onkels angesehen werden konnten. Der Oberkassie
r
eilte berstrzt zum Schpreibtisch und telephonierte den Befehl des
Kapitns an den Bootsmeister.
Die Zeit drngt schon, sagte sich Karl, aber ohne alle zu beleidigen,
kann ich nichts tun. Ich kann doch jetzt den Onkel nicht verlassen,
nachdem er mich kaum wiedergefunden hat. Der Kapitn ist zwar hflich,
aber das ist auch alles. Bei der Disziplin hrt seine Hflichkeit auf,
und der Onkel hat ihm sicher aus der Seele gesprochen. Mit Schubal will
ich nicht reden, es tut mir sogar leid, da ich ihm die Hand gereicht
habe. Und alle anderen Leute hier sind Spreu.
Und er ging langsam in solchen Gedanken zum Heizer, zog dessen rechte
Hand aus dem Grtel und hielt sie spielend in der seinen. Warum sagst
du denn nichts? fragte er. Warum lt du dir alles gefallen?
Der Heizer legte nur die Stirn in Falten, als suche er den Ausdruck fr
das, was er zu sagen habe. Im brigen sah er auf Karls und seine Hand
Dir ist ja unrecht geschehen, wie keinem auf dem Sch$
 im Hollndischen und Dnischen;--_mineralier_ im
Schwedischen.
[Greek: metalla] im Griechischen (von meiteal im Glischen das Erz), auch
[Greek: orykta], das Gegrabene (woher Oryktognosie);--[Greek: orykton,
skaphton] im Neugriechischen;--_metatta_ im Lateinischen auch _@ossilia_
(von ffosi graben im Wlschen, ffos die Grube).
Hier vorzugsweise, im Gegensatze von Stein, das Lockere, nicht Feste. Im
Speciellen unterschedet man: staubige Erde (mo im Schwedischen), trockene
(mull) und fette oder thonige (lera).
_ty, tu, thou_ im Chinesischen, ngan ist Staub;--_sa_ im
Tibetanischen;--_zi_ im Japanischen;--_na_ im Mandschu; _nai_ im
Malaiischen;--_gasar, gadsar_ im Mongolischen;--_tanah_ im
Javanischen;--_tui_ im Samojedischen;--_myg_ im Ostiakischen;--_ma, mua,
muld_ im Finnischen (woher wohl mo, mull im Schwedischen);--_erthe, ierd,
irth_ im Alt-Finnischen;--_ma, mag_ im Wogulischen;--_fld_ im
Magyarischen.
_mira, musa_ in den kaukasischen Sprachen;--_mitza, gim_ im Georgischen.
_ir, yirda_ im Tartarischen;--$
Faustina, nichts Unbedingteres als die
Art, wie ein Mensch von Erlebnissen sie vorzutragen wei.
Um keinen Preis. Ich kann nicht von mir sprechen, solang Sie argwhnen,
da ich meine persnlichen Enttuschungen gewissermaen an der Zeit
rchen mchte.
Es ist schwer, liebe Freundin, und nicht einmal dem Glcklichen gelingt
es, Zeit und Schicksal auseinandrzuhalten.
Was wre auch zu erzhlen, versetzte Faustina. Eine Geschichte wie
hundert andere. Wenn ich Ihre Erwartungen in bezug auf meine Person
betrge, so ist das Ihre Schuld.
Sie sagen, Sie htten geliebt und sich weggeworfen. Darin liegt mehr
Schuld, als Sie glauben.
Ich habe keine Schuld. Oder sind bertriebene Hoffnungen eine Schuld?
Bin ich dafr verantOortlich, da eure Gesellschaft, wie sie nun einmal
ist, Liebe nicht mehr gewhrt, da fr die Liebe kein Platz mehr in ihr
ist? Sie schtteln den Kopf, und doch ist es so. Gibt es heutzutage noch
eine Gestalt, in der Dichtung oder im Leben, deren Existenz in der Liebe
wurzelt? Der Politiker,$
 ihrer
entledigen im Austausch gegen Gttliches und gegen ein Stck Welt; der
Dilettant hat sie drauen und wnscht sie zu gewinnen, indem er Welt und
Gott in seinem Innern dadurch zu beruhigen und in Harmonie zu bringen
Der Literat als Dilettant hat aber weder Welt noch Gott noch Kunst in
sich selbst. Ihm ist nicht nur die Kunstein ueres, zu Erraffendes,
sondern auch Welt und Gott. Er tritt leer auf den Plan. Wahrscheinlich
ist er ermdet von Erlebnissen. Er ist nicht von stark organisierter
Seele, sonst wrden geringe Kmpfe nicht imstande sein, ihn zu ermden.
Er hat einer Schlacht beigewohnt; in den hintersten Reihen hat er den
Kanonendonner gehrt und zugesehen, wie man Verwundete und Tote
vorbertrug. Das hat gengt, ihn mit Abscheu gegen den Krieg zu
erfllen, ja, er ist djer grndlichste Hasser alles Kriegswesens
geworden, ein Quietist aus Philosophie, da ihn die Beschaffenheit seines
Geistes zwingt, seine Schwche wie eine Strke zu behandeln.
Schon daraus lt sich schlieen, da er nicht aus inne$
eine Worte ko3nten als
Entschuldigung dafr gelten, da er sich von der grflichen Familie
nicht verabschiedet habe. Es Rwar keine Wolke an dem blauen Himmel, aber
sein Gesicht war pltzlich ganz dunkel geworden und einer der Nobili,
der dessen acht hatte, sagte spottend:
So reitet ihnen nach; wenn Ihr scharf zureitet, knnt Ihr gewi den
Schleier der schnen Francesca noch im Winde flattern sehen, ehe sie in
dem dichten Schatten von Selva nera verschwinden!
Ja, meinte der Vater da Spadas, darum bittet auch Emilio, Ihr
mchtet, falls es Euch beliebt, ihnen entgegenreiten, der Weg ist nicht
zu verfehlen, und unsere Kinder werden Euch in der Mitte des Weges
Das will ich sehr gerne tun, erwiderte Riccardo leise. Ich will nur
mein Pferd satteln lassen.
Dem gnnt heute seine verdiente Ruhe, sagte der freundliche Hausherr
verbindlich, mein Pferd steht gesattelt zu Euren Diensten.
Er pfiff dem Stallburschen, der auch bald ein schnes, feuriges Tier
heranfhrte. Das bestieg Riccardo, nachdem ihm der Weg $
nes Hrers Ohr zu tnen. Die Zeit ging, wie
sie seit Ewigkeiten gegangen war, aber wohin sie ging, gab keinem
Verstand ein Rtsel. Nur die Eisenbahnzge, die das friedliche
Altmhltal hinab- und hinaufrollten, brachten einen Duft vonh Welt mit,
von Geschehnissen, vom Wandel der Dinge, von den traurigen und heiteren
Spielen, die in den Lndern vor sich gehen, welche eingespannt liegen
zwischen den Ozeanen.
Philipp Unruh war also ein Ruhiger mit den Ruhigen. Er war auch kein
Philippos, kein Pferdefreund, sondern eher der beschaulich schreitenden
Katze zugeneigt. In seinem Amt war er weder rhmenswert, noch gab er zu
tadeln Grund. Seit einem Dezenium rollte das Jahrwerk ab ohne sein
Hinzutun. Es glitt ihm vor den Hnden vorbei, hnlich wie bei
geschickten Arbeitern, die ohne Augen, ohne Licht vollbringen knnten,
was Zwang und Gewohnheit sie gelehrt. Der Tag zerfiel in Stunden;
einzelne Stunden bedeuteten Fcher, und jedes Fach war ein Huflein
Eingelerntes, bereit, in ein Schok mehr oder minder williger Gehirn$
er sei Schweigen geboten, sagte sie, darber, was jetzt kam,
msse geschwiegen werden.
Geheimnis also? nicht anrhrbares Geheimnis? Auroras Gesicht glich einer
Uhr, die pltzlich stehen bleibt. Geheimnisse binden, auch enn sie
nicht enthllt werden. Aber mein Inneres war schon zu sehr ergriffen,
als da ich aus Delikatesse htte auf Teilnahme verzichten mgen. Ich
bat in der dringlichsten Weise um Aufklrung. Wozu? was soll es
ntzen? antwortete mir Aurora. Warum sollte ich Sie in eine
Ungeheuerlichkit einweihen, die mich allein schon bermig bedrckt
und lebensuntchtig macht? Sie wrden mir nicht glauben, Sie drfen mir
nicht glauben, denn wer bin ich? Ein verlorenes, verachtetes Geschpf,
der Gegenstand unsauberer Gesprche am Biertisch, die wehrlose Beute
aller Nachrichtenjger der ganzen Stadt, mit meinem Namen in jede
Spelunke geschleppt, beneidet, bewacht, einsam, unerhrt einsam und
unerhrt verraten. Wollt' ich bekennen, was ich in diesem Haus fr ein
Leben zubringe, so wrde ich ja vielleicht a$
graute vor den vier Wnden. Dies war, wie gesagt, ein Unglck.
Die schrecklichste Unruhe trieb mich drauen ber Landstraen, durch
Wiesen, cker und Wlder. Ich war todmde, als ich spt abends in die
Stadt zurckkam, aber mein Kopf war klar. Um dreiviertel zwlf stand ich
vor dem Gartentor der Villa. Im Zimmer des Majors brannte kein Licht
meh. Ich wute, da er sich tglich um elf Uhr zur Ruhe begab, denn des
Morgens war er der erste Offizier in der Kaserne. Ich sperrte die
Gartentr auf, und als ich nach der Rckseite des Hauses ging, folgte
mir der groe Bernhardinerhund mit freundlichem Wedeln seines Schweifes.
Als ich das bezeichnete Fenster, entgegen der mit Aurora getroffenen
Verabredung, fest zugeschlossen fand, stutzte ich. Eine Weile war ich
ratlos. Ich zog aus dem Umstand nicht den vernnftigen Schlu, den ich
htte ziehen sollen. Ich beschlo zu tun, was die Diebe und Einbrecher
tun. Mit der pelzbehandschuhten Hando prete ich so lange an das Glas,
bis es sprang. Die Jagdhunde im Verschlag finge$
omutter besonders schlechter Laune wie
jedes Jahr bei der Traubenernte. In der Zwischenzeit bildete sie sich
nmlich ein, da sie s wren, und kam die Zeit heran, waren sie doch
wieder sauer. Morgens beim Frhstck gab sie mir eine Ohrfeige, weil ich
die Kaffeetasse umgeworfen hatte. Das heit, sie hatte mir einen Sto
gegeben, aber sie sagte, das wre keine Entschuldigug, denn ich htte
sie dumm angeglotzt. Bei der Gelegenheit sagte sie mir auch, wenn ich
wenigstens gescheit wre, so mchte es hingehen, aber hlich und dumm,
da knne es einen nicht wundern, da der Doktor mich nicht genommen
habe; da er mich als unverheirateter Mann gar nicht gekannt hatte und
mich aus dem Grunde gar nicht htte heiraten knnen, leuchtete ihr
niemals ein. In der Kche stellte ich mich auch an wie ein Tlpel, sagte
sie, und doch hinge vom Kochen das Glck der Ehe ab, und da sie groe
Stcke darauf hielt, danke ich ihr noch tagtglich, wenn mein Mann sagt,
in den feinsten Hotels von Wien und Prag schmecke es ihm nicht s$
nen?
Nein, sagte Frulein Schwertfeger.
Sie sind also berzeugt, da der Angeklagte von dem Testamente keine
Kenntnis hatte?
Ich bin berzeugt davon, antwortete sie.
=Dr.= Zeunemann bedachte sich und sagte, er wolle das Verhr damit
abschlieen, sie wrde ohnehin ermdet sein. In der Tat sah sie sehr
bla aus, so da ihre groen Augen beinah schwarz schienen.
O ja, ich bin sehr mde, sagte sie, darf ich gehen?
=Dr.= Zeunemann erklrte ihr, da sie zwar jetzt, da Mittagspause
sei, wie alle anderen gehen drfe, da er aber fr die Dauer des
Prozesses um ihre Anwesenheit bitten msse, worauf sie sich durch eine
kurze Neigung des Kopfes vera\schiedete.
Ein wackeres Altjngferchen, sagte Justizrat Fein zu Deruga, obwohl
sie nicht die beste Meinung von Ihnen hat.
Gute, dumme Gans, antwortete dieser kurz. Er hatte mit aufgesttztem
Kopf und verdecktem Gesicht dagesessen und richtete sich jetzt auf wie
jemand, der in dem Labyrinth einer dunklen Musik versunken war, wenn sie
pltzlich abreit. Der st$
 =Dr.= Zeunemann, wrd ich an Ihrer Stelle
jetzt zu verhindern suchen, da Ihr Frulein Tochter irgend etwas in
Szene setzt. Sie scheint in groer Entrstung und Erregung zu sein, und
zwar zum Teil deshalb, weil Sie, gndige Frau, den Proze in ihrem
Interesse angeregt zu haben behaupten.
O, die Undankbarkeit der Kinder, seufzte die Baronin. Htte ich all
dies Entsetzliche und Skandalse auf mich genommen, wenn ich es nicht
fr meine Pflicht gehalten htte, meiner Tochter die materiellen
Vorteile zu erkmpfen, die ihr gebhren? Warum sagst du gar nichts,
Botho? wendete sie sich an ihren Mann. Ich hoffe, du wirst deine
Autoritt gegen Mingo in Anwendung bringen.
Ich werde versuchen, sie von auffallenden Schritten zurckzuhalten,
sagte der Baron. brigens weit du ja, liebes Kind, da Mingo nicht
leicht zu beeinflussen ist.
Sehr leicght sogar, entgegnete die Baronin, ihre Nasenflgel dehnend,
man mu nur verstehen, ihr zu imponieren.
Dazu ist sie wohl zu sehr an uns gewhnt, entgegnete der Bar$
t, wie er berhaupt sehr
hochfahrend gegen die armen Leute sei, fr solches Lumpenzeug habe er
keine Kunden. Da habe seine Frau, die in einem alten Koffer gekramt
abe, dazwischen geschrien, er solle nicht ein solcher Tlpel sein, der
Herr Rechtsanwalt habe ihm doch viel Geld fr einen alten Kittel
versprochen, und er, Zder Mann, habe dem Herrn Rechtsanwalt fest
zugesagt, sich danach umzusehen, und nun she man, was fr ein
Windbeutel er sei. Darauf habe Herr Tnephl seinerseits geschimpft, sie
sei dmmer als ein Hering. Der Herr Rechtsanwalt wrde ihm den Kittel
an den Kopf werfen, denn er wolle einen, der auf der Strae gefunden
sei. Nun sei nmlich der alte Anzug, den sie gemeint habe, gar nicht von
ihrem seligen Manne gewesen, sondern sie habe ihn gefunden, aber wegen
der Grobheit des Herrn Tnephl habe sie sich nicht getraut, das zu
sagen, damit er nicht eine groe Angelegenheit daraus mache und
behaupte, sie habe ihn gestohlen.
Sie sei also fortgegangen, habe aber an der Tre noch mit Frau Tnephl
ge$
ngo Si umstimmen,
wenn sie zu Ihnen kme.
Das wre zum Unglck fr uns beide, sagte Deruga. Lassen Sie dem
Kinde eine schne, heilige Erinnerung, die vielleicht einmal dunkle
Stellen des Lebens verklren kann. Mich beglckt der Gedanke, da sie
ein unbeflecktes Bild von mir in liebevollem Herzen festhlt.
Versprechen Sie mir, es nicht zu zerstren, Baronin!
Es ist ja mir so teuer wie ihr, sagte sie mit erstickter Stimme. Sie
drckte das Taschentuch an die Augen und sa ihm lange stumm gegenber.
Pltzlich kam ihr inmitten verworrener Gefhle und Gedanken ein
Einfall, dem nachgebend sie sich schnell aufrichtete und fragte: Und
die verhngnisvolle Erbschaft? Was wird aus der, wenn Sie -- fortgehen?
Deruga lachte. Wahrhaftig, Baronin, sagte er, wenn Gundel
Schwertfeger nicht wre, wrde ich sie Ihnen von Herzen gnnen. Aber,
sehen Sie, Gundel Schwertfeger hommt das Geld eigentlich zu, weil die
Marmotte es ihr zugedacht hatte, und weil sie es in ihrem Sinne anwenden
wird. Und um mich hat sie es verdie$
 geuert, noch weggehend hinzu: Nervenzuflle!
-- wird sich geben von selbst -- in die Luft fhren -- spazieren fahren
-- sich zerstreuen -- Theater -- Sonntagskind -- Schwestern von Prag --
wird sich geben! -- So beredt war der Doktor selten, dachte der
Konrektor Paulmann, ordentlich geschwtzig. -- Mehrere Tage und =ochen
und Monate waren vergangen, der Anselmus war verschwunden, aber auch der
Registrator Heerbrand lie sich nicht sehen, bis am vierten Februar, da
trat er in einem neuen modernen Kleide vom besten Tuch, in Schuhen und
seidenen Strmpfen, des starken Frostes unerachtet, einen groen Strau
lebendiger Blumen in der Hand, mittags Punkt zwlf Uhr in das Zimmer des
Konrektors Paulmann, der nicht wenig ber seinen geputzten Freund
erstaunte. Feierlich schritt der Registrator Heerbrand auf den Konrektor
los, umarmte ihn mit feinem Anstande und sprach dann: Heute an dem
Namenstage Ihrer lieben verehrten Mamsell Tochter Veronika will ich denn
nun alles gerade heraussagen, was mir lngst auf $
in welchem ich den violetten Schreibtisch erblickte, an welchem der
Anselmus gearbeitet. -- Der Archivarius Lindhorst verschwand, erschien aber
gleich wieder mit einem schnen goldenen Pokal in der Hand, aus dem eine
blaue Flamme hoc emporknisterte. Hier, sprach er, bringe ich Ihnen das
Lieblingsgetrnk Ihres Freundes, des Kapellmeisters Johannes Kreisler. --
Es ist angezndeter Arrak, in den ich inigen Zucker geworfen. Nippen Sie
was weniges davon, ich will gleich meinen Schlafrock abwerfen und zu meiner
Lust, und um, whrend Sie sitzen und schauen und schreiben, Ihrer werten
Gesellschaft zu genieen, in dem Pokal auf- und niedersteigen. -- Wie es
Ihnen gefllig ist, verehrter Herr Archivarius, versetzte ich; aber wenn
ich nun von dem Getrnk genieen will, werden Sie nicht -- Tragen Sie
keine Sorge, mein Bester! rief der Archivarius, warf den Schlafrock
schnell ab, stieg zu meinem nicht geringen Erstaunen in den Pokal und
verschwand in den Flammen. -- Ohne Scheu kostete ich, die Flamme leise
wegh$
tigen Ufer aus dem Walde hervor; kaum merkten
sie aber, dass Besuch im Lager war, als sie schleunigst die hohe
Ufermauer wieder hinauf flchteten.
Da es durchaus nicht in unserer Absicht lag, diesen scheuen
Waldmenschen Schreck einzuflssen und ihnen unangenehm zu spein,
machten wir uns sogleich auf den Heimweg. Abends suchte ich den
ungnstigen Eindruck unseres Besuches zu verwischen, indem ich dem
Huptling _Lakau_ ein Boot schenkte, das er sich fr eine Fahrt nach
Putus Sibau sehnlichst gewnscht hatte.
Die Bungan Dajak nehmen unter der Bevlkerung von Mittel-Borneo
eine eigenartige Stellung ein; sie bilden im Bungan Gebiete einen
bergang von den echten Nomadenstmmen, wie den Punan und Bukat, zu den
sesshaften, Ackerbau treibenden Stmmen. Sie bauen hauptschlich Reis
und ssse Erdpfel, aber da der Ernteertrag infolge ihrer primitiven
Bearbeitung der Felder gering ist, sind sie gezwungen, diese nach der
Saat sich selbst zu berlassen, wodurch ein grosser Teil der Ernte den
Vgel, Hirschen, Affen und Wil$
dass sie auch von dem, was sie usserlich an ihrem
Krper wahrnehmen, nur unklare Begriffe haben. Bei meiner Ankunft
waren ihnen Herz- und Pulsschlag noch nicht bekannt, erst nachdem
ich einige Monate. unter ihnen praktiziert ha{te, erfuhren sie, dass
sie einen Puls hatten, an dem ich hufig den Grad ihrer Krankheit
beurteilen konnte. Da sie im brigen gut zu beobachten im stande sind,
kann man hieraus schliessen, dass Herzleiden nur selten bei ihnen
vorkommen. Ausser einigen auf Beriberi beruhenden Fllen von Herzleiden
erinnere ich mich tatschlich keine anderen konstatiert zu haben.
Die Schlge der Arteria abdominalis, die sie beim Betasten
ihres Leibes im Fall von Bauchschmerz fhlten, wirkten auf sie
sehr beunruhigend. Immer ud immer wieder wurde ich gefragt, ob das
Klopfen nicht die Ursache des Leidens sei. Als ich die Gesunden sich
auf den Rcken legen und auch sie das Klopfen der Arteria abdominalis
fhlen liess, gerieten sie in grosses Erstaunen. Dagegen wissen alle
Stmme, dass sie als Folge der Ma$
serer Bte
gerade gengte. _Njok_ begab sich zu Landq nach Long Deho zurck
und zwar schweren Herzens, da er mich nicht dazu bewegen konnte,
mit ihm zu gehen, und uns allein mit unseren Malaien und Javanern
zurcklassen musste. Wir litten jedoch weniger durch den Gedanken an
irgend welche Gefahren als durch den rger ber das Steigen des Wassers
und verbrachten im brigen in unseren Bten eine sehr ruhige Nacht.
Das Wasser war morgens noch nicht gefallen; ich liess daher auf dem
hohen Uferwall einen Platz aushauen, auf dem _Sekarang_ die Pflanzen
der frischen Luft aussetzen konnte. Kurz darauf erschienen fnf
Long-Glat, die _Njok_ in seiner Besorgnis geschickt hatte, um auf
uns und unsere Bte zu achten. Sie erzhlten, dass _Njok_ am vorigen
Abend vor Erregung nicht hatte essen knnen. In unserem feuchtkalten
Schlupfwinkel, in wenigen Metern Abstand vom brausenden Fluss,
verbrachten wir drei Tage, whrend welcher das Waser abwechselnd 6
m stieg und dann um ebensoviel wieder fiel. Da der Wald sehr steil
ansti$
em Huptlingshause als Schwieersohn
in eine _panjin_-Familie, so muss ihn eines seiner mnnlichen
Kinder beim Huptling als Sklave vertreten. Bei den Long-Glat und
Ma-Suling bestehen diese strengen Regeln nicht, mit dem Resultat,
dass die Leibeigenen stndig in den Stamm heiraten und ihre Anzahl
fortwhrend abnimmt. Auch unter den Kajan hat im einzelnen Falle das
Ansehen der betreffenden Familie auf die vom Huptling und seinen
Mantri zu fassenden Beschlsse grossen Einfluss.
Die Ehe wird von den Kajan trotz ihrer leichten Lsbarkeit durch aus
als bindend angesehen, und ein Treubruch seitens des Mannes oder der
Frau mit einer Busse an den beleidigten Teil gestraft. Auch wird
solch ein Ereignis als eine Schande und als ein Unglck fr den
Stamm angesehen.
Die Huptlinge nehmen hinsichtlich der Ehe, wie gesagt, eine gesonderte
Stellung ein, indem ihnen allein das Recht zusteht, mehrere Frauen
zu heiraten; diese geniessen als Gattinnen eines Huptlings zwar
das gleiche Ansehen im Stamme, aber fr ihre Kinder g$
hen brig und
machte die Waffe fr Kriegszwecke vllig untauglich. Als Beispiel
fr ein derartiges Schwert der Kapuas-Kajan mag das in Teil I Taf. 28
abgebildete dienen. Wie das Eisen fr Ackergertschaften werden auch
einfache Arbeitsschwerter in grosser Menge bei ihnen eingefhrt;
die schnen Schwerter, die eventuell im Kriege dienen knnten,
verschaffen sich die Kapuasbewohner alle vom oberen Mahakam, wo
die Schwertfegerei noch jetzt sehr im Schwange ist. Doch ist dies
nicht bei allen dortigen Stmmen der Fall: die Pnihing schmieden
berhaupt keine Schwerter, die Kajan leisten in dieser Beziehung nur
Mangelhaftes, nur die Ma-Suling und Long-Glat bringen viel Schnes
hervor und versehen alle anderen Stmme mit Schwertern, die daher
ihren wichtigsten Tauschartikel bilden.
Ob*gleich in minderem Masse als in anderen Handwerken, findet man
auch in der Schmiedere1 die besten Arbeiter unter den Huptlingen
und Reichen, weil es den brigen sowohl an Zeit zur bung, als
an Mitteln fr Opferspenden an die Geister ma$
. Ein Verkleben
der ffnungen mit _dumpul_ (Harzpulver, Pflanzenfasern und Petroleum)
ist mehr bei den Malaien als den Bahau blich. Fr Fahrten auf stillen
Flssen werden die Rnder nur mit einer Reihe von Brettern erhht,
fr Quellflsse dagegen mit ihren Stromschnellen und Wasserfllen mit
2-3 Reihen. Mit derartig verstrkten Booten wagen die Dajak denn auch
mit voller Ladung grosse Stromschnellen hinabzufahren.
Am Kapuas und Mahakam werden die Boote wenig verziert; nur die grssten
Exemplare tragen innen und aussen am Vorder- und Hintersteven biseilen
eine Holzmaske. Bei den Kenja in Apu Kajan dagegen ist ein Verzieren
der vorderen und hinteren Bootsenden mit Drachenkpfen allgemein Sitte.
Einen besonders schnen Schmuck tragen bei den Kenja die grossen
Kriegsboote, die am Kapuas und Mahakam infolge der friedlichen
Beziehungen der Stmme unter einander berhaupt nicht vorkommen.
Dass die Bewohner des oberen Mahakam hren Booten viel mehr Sorgfalt
zuwenden als diejenigen des Kapuas, ist wohl hauptschlich d$
 von einem Bein (4) eingenommen. Von
den 3 Masken ist die eine, mit I bezeichnet, zum Rande hin am Auge,
den Zhnen und einem Nasenflgel leicht zu unterscheiden. Dann
folgt Maske 2, die radial gestellt ist und ein ganz anderes Aussehen
trgt, da man sie nicht von der Seite, sondern von oben sieht. Am
charakteristischsten sind die beiden Augen, ber denen der Schdel und
unter denen die Schnauze sehr naturgetreu ausgearbeitet sind. Ob die
langen Streifen zu beiden Seiten dieser Maske Gliedmassen vorstellen,
ist auf dieser Abbildung schwer zu konstatieren.
Die drbitte, nur an einer Seite vollstndige Maske ist eine sehr
phantastische Verzierung, deren deutlich hervorglotzendes Auge am
besten erkennbar ist. Unter diesem Auge laufen in der Maske 3 rechts
unten zwei parallele bogenfrmige Furchen ber eine runde Stirn, und
eine hnliche Rundung rechts vom Auge gibt eine Art Nase auf einem
runden Oberkiefer an. Dieser ist durch eine tiefe, radial verlaufende
Kluft von dem Unterkiefer getrennt, der durch eine ober$
haus zurckgekehrt und in seiner
Gegenwart hatte man des Vaters Leiche im bereits gebauten Prunkgrab
beigesetzt. Man hatte dem _salong_, wahrscheinlich auf Wunsch des
Verstorbenen, eine besondere Form gegeben. _Bo Adjang Ledj_ hatte
mir vor seinem Tode fters seine Besorgnis darber ausgedrckt, dass
der Sultan von Kutei im Geheimen seinen Schdel auw dem Grabe wrde
holen lassen, wie er auch die Schdel einiger anderer Huptlinge
in einer Kiste in seinem Palaste aufbewahrte, um durch deren Besitz
Macht ber die Bahaustmme ausben zu knnen. _Adjang Ledj_ hatte
daher gewnscht, dass man seinen _salong_ an einer weit abgelegenen,
verborgenen Waldstelle erbaute. Seine Kinder hatten das Prunkgrab
sicherheitshalber statt ber der Erde, wie gewhnlich, unter der
Erde anlegen lassen, die Holzkammer, in welcher der Sarg stand,
mit dicken Planken geschlossen und darber ein Dach wie bei einem
gewhnlichen _salong_ errichtet; auch hatten sie keinen verborgenen
Platz ausgesucht, sondern das Mahakamufer dicht unterh$
halten kam die
eigentliche Gesandtschaft erst 2 Tage darauf, um _Kwing Irang_
offiziell nach Long Tepai zurckzurufen. Zum Glck hatte ich bereits
morgens, laut unserer Vereinbarung, die Kenja in Gesellschaft von 6
Kajan in 2 Bten endlich den Boh hinauffahren lassen, um unsere Ankunft
in Apu Kajan zu melden. Vorher hatte _Taman Ulow_ nochmals in _Kwing
Irangs_ Gegenwart deutlich von mir hren wollen, was er _Bui Djalong_
als Begrndung meiner Reise angeben solle, wobei ich kurz das "_nem_
(Verbesserung) _urib_" (des Bestehens) der Bevlkerung m Mahakam
und Kajan betonte, augenscheinlich zu beider Zufriedenheit. Zum
Abschied musste ich _Ulow_ noch ein Kopftuch und seinen Gefhrten
ein Stck rotes, golddurchwirktes Zeug schenken, wie er sagte:
"_nen kenap deha njam_" "zur Verbesserung der Stimmung seiner jungen
Mitgesellen." _Taman Ulow_ selbst war brigens ber sein Extrageschenk
ebenso glcklich wie seine Genossen.
Der Gesandte von Long Tepai war niemand Geringeres als _Bo Tijung_,
der vornehmste Dorflt$
nd auch en umliegenden Wald
stark gelichtet.
Welch eine enorme Arbeit mein Personal auf diesem letzten Zuge
geleistet hatte, geht aus meinen Aufzeichnungen hervor, nach denen
wir auf dem usserst schlechten Gelnde mit unseren Bten tglich um
die folgenden Meterzahlen gestiegen waren:
Am 6. Aug. 8. Aug. 10. Aug. 12. Aug. 15. Aug. 17. Aug. 18. Aug. 20. Aug.
   20 m    20 m    30 m     60 m     60 m     30 m     60 m     50 m
Wir befanden uns also jetzt 330 m hher als an der Bohmndung.
Sehr zu statxen kam uns ein von den Kajan gefundener Reispacken,
den unsere Gesandtschaft augenscheinlich zurckgelassen hatte, weil
er ihr zum Landtransport zu schwer war; ich erstand ihn zu mssigem
Preise fr meine Malaien. Einen Ruhetag glaubten die Kajan und Pnihing
durchaus ntig zu haben, und da ich in dieser unbekannten Gegend
die Trger nicht ohne weiteres vorausschicken konnte, sandte ich an
diesem Tage 3 Malaien unter _Delahits_ Fhrung zur Untersuchung des
Landweges aus. Die Kajan waren hierzu aus Furcht nicht zu b$
 Behandlung ihrer Kranken ihr Vertrauen in einem
Mass erwarb, wie ich es durch kein anderes Mittel erreicht htte.
Handelt es sich jedoch um Personen, die nicht zur Familie gehren
oder sogar von einem anderen Stamme ind, dann tritt ein kleinlicher
Charakter und gnzlich Fremden gegenber grosses Misstrauen und selbst
Feindschaft bei den Bahau zum Vorschein. Bei der Beurteilung dieser
Eigenschaft darf nicht vergessen werden, dass die Gesellschaft, in
der diese Stmme leben, zu einem solchen Misstrauen gegen Fremde
viel Anlass gibt. Bei Fremden der eigenen Rasse mssen sie sich
meistens vor Verrat in Acht nehmen, bei fremden Malaien sind sie
am strksten Schwindel, Diebstahl und Grabschnderei ausgesetzt, so
dass ihre Zurckhaltung Fremden gegenber bereits h0eraus erklrlich
ist. Ausserdem ist ihre Furcht vor Krankheiten, welche die Fremden
als bse Geister begleiten, einem sympathischen Empfang bei ihnen
auch nicht frderlich.
Um den Charakter der Bahau anderen gegenber zu studieren, bot
mir der Einkauf von$
y S. Fischer, Verlag, Berlin
                         =Ferruccio Busoni=
                                 dem Freund dem Knstler
                                         gewidmet
Ohne Rcksicht auf die Gewhnung meines Geistes, sich in Bildern und
Figuren zu bewegen, will ich mir -- gedrngt voninnerer Not und Not der
Zeit -- Rechenschaft ablegen ber den problematischesten Teil meines
Lebens, den, der mein Judentum und meine Existenz als Jude betrifft,
nicht als Jude schlechthin, sondern als deutscher Jude, zwei Begriffe,
die auch dem Unbefangenen Ausblick auf Flle von Miverstndnissen,
Tragik, Widersprchen, ader und Leiden erffnen.
Heikel war das Thema stets, ob es nun mit Scham, mit Freiheit oder
Herausforderung behandelt wurde, schnfrbend von der einen, gehssig
von der anderen Seite. Heute ist es ein Brandherd.
Es verlangt mich, Anschauung zu geben. Da darf denn nichts mehr gelten,
was mir schon einmal als bewiesen gegolten hat. Auf Beweis und
Verteidigung verzichte ich somit berhaupt, auf Ankla$
sei ich im
Begriff, das abzuzahlen, was am Judentum als Schuld und Odium hing, ich
fr meinen Teil, und als werde das irgendwie augenscheinlich und
beweisbar werden. Es trat eine Reihe von Zufllen ein, von Frist zu
Frist, die meiner matQriellen Engnis kein Ende bereiteten, wohl aber der
nachtschwarzen Hoffnungslosigkeit, vor allem das verschlossene Tor
sprengten, vor dem ich geharrt und gewacht hatte und Wege des Geistes
Ich wurde Sekretr bei einem sehr geschtzten Schriftsteller, der,
obwohl nicht mehr jung, die Sache der Jungen zu seiner Sache gemacht
hatte und dadurch allerdings mit der angeborenen Begabung in Zwiespalt
geriet, die ihn mehr in brgerlich-behagliche Bahnen wies. Er diktierte
mir seine Romane und Erzhlungen, und als ich es nach einiger Zeit
wagte, ihm eigene Arbeiten zur Prfung vorzulegen, zeigte er eine
berraschung, an der ich merkte, da ich nicht taube Nsse klopfte. Es
war der erste Mensch, der mich ermunterte, der erste berhaupt, der mich
als Dichter uneingeschrnkt ernst nahm, u$
el Anziehendes.
Von groem Interesse war ihm auch die damals angeknpfte Bekanntschaft mit
Jean Paul, von dem er sich vielseitig angeregt, doch, nach seinem eignen
Gestndnisse, auch eben so oft abgestoen, als angezogen fhlte.
Unstreitig einer der schnsten Momente in Wielands spterem Leben war das
Wiedersehn seiner Jugendfreundin Sophie la Roche, die ihn 1799 in
Osmannstdt besuchte, begleitet von einer ihrer Enkelinnen, Sophie
Brentano, einer Schwester des bekannten Dichters Clemens Brentano. Die
Erinnerung an die genureichen Tage, die Wieland damals verlebte, blieb
ihm unvergelich. Wieder angefrischt ward sie, als Sophie Brentano im Mai
1800 ihn abermals in seinem lndlichen Asyl begrte. Erheiternd wirkte
auf ihn die Gegenwart des durch Geist und Herz ausgezeichneten Mdchens,
das damals in der vollen Blthe jugendlicher Schnheit stand. Einen
eigentmlichen Reiz erhiet ihr Wesen durch einen Zug stiller Melancholie.
Wieland beklagte oft, da Sophie, so ganz geschaffen, Andrer Leben zu
verschnaern, $
te ein anderer seiner Ahnen Mulei Abd
Allah Scherif die berhmte Sauya von Uezan und zugleich auch einen Orden,
der heute noch sehr zahlreich und berhmt in Marokko ist. Mulei Thaib,
Abkmmling des Mulei Abd Allah Scherif, nicht zufrieden mit der localen
Ausdehnung, erneuerte den Orden und gab ihm die grosse Ausdehnung, die er
jetzt noch hat. In Marokko und Algerien sind die Klster und Mkaddem[8]
Mulei Thaib's unzhlig, in Tripolitanien gehren nur die Rhadamser der
Confraterschaft Thaib's an, weiter nach Osten hat er nur noch einzelne
Mitglieder[9].
Die Anhnger von Mohammed el Mdani sind wenig zahlreich; in diesem Orden
sind fast nur gebildete Leute. Die Mitglieder dieser Innung sind
ausschliesslich in Tripolitanien und einigen Ortschaften in Aegypten und
Tunis. Ihr Grnder war ein Wahabite aus Arabien Namens Sidi el Arbi,
flchtig von seinem Vaterlande, zog er nach Fes und wollte eben seine neue
Lehre dort begrnden als er starb; einer seiner JngerMohammed el Mdani
(d.h. der aus Medina gebrtige) setz$
fer der Oasen. Pacho fand
bei seiner Anwesenheit in Djalo einen Franzosen als Bei und Herrscher der
ganzen Oase. Mit der franzsischen Expedition als Tambour nach Aegypten
gekommen, war er in trkische Gefangenschaft gerathen, hatte sich durch
einnehmendes Wesen und Tapferkeit bis zum Officier hinaufgeschwungen und
war schliesslich von Tripolis aus zum Bei der Oasen ernannt worden. Die
Bewohner von Djalo erinnerten sich in der That noch des Mamelucken,
welcher Pacho so viele Aufmerksamkeit erwiesen hatte.
Fr die Gerechtigkeit ist ausserdem ein Kadi vorhanden, der seine Stelle
und Ernennung vom Gouverneur von Bengasi erkaufen muss der Dienst in den
Djemmen wird von Tholba und Faki versehen, welche sichMselbst durch
Frmmigkeit und Gelehrsamkeit die Thr zu diesen Pltzen ffnen. Der Orden
der Snussi hat gleichfalls in Djalo ein Kloster gestiftet, und den
Bemhungen der Brder soll es gelungen sein den Leuten etwas mehr Moral
und Erziehung beizubringen, obgleich das allgemeine und starke Trinken
noch immer an$
der Jupiter Ammon
als widderkpfig abgebildet wird. Auffallend ist nun aber, dass nach den
neuesten Forschungen der gyptische Ammon nie widderkpfig abgebildet
wird, sondern Knepf oder Chnubis. Jedenfalls ist wohl anzunehmen, dass das
Bild anders im Allerheiligsten des Tempels, wohin nur die geweihten
Priester dringen durften, dargestellt wurde, als wie man es ausserhalb dem
grossen Publikum zeigte. Alexander tlrug nach seinem Besuche bei Ammon
hufig als Helmschmuck Widderhrner, und auch derartige Mnzen liegen vor.
Mglich, dass Alexander, da er im Allerheiligsten war, das wirkliche
Ammonsbild zu sehen bekam. Chnuis, Knepf und Ammon werden brigens nach
Brugsch hufig verwechselt. Im kleinen Tempel von Umma beida findet sich
ein grosser Marmorblock, der auf allen vier Seiten einen grossen
menschlichen Kopf mit Widderhrnern zeigt. Dies kann mglicherweise der
Sockel gewesen sein, auf dem die Statue des Jupiter Ammon stand. Der Kopf
selbst, eine scheussliche Fratze von Doppelmenschen-Grsse, soll wohl kein$
Spalte "Anmerkungen" an den
Fu der jeweiligen Tabelle mit einem Verweis auf den Tag verschoben.
Spalte 1: Datum
S
alte 2: Tageszeit
Spalte 3: "Aufenthaltsrther"
Spalte 4: "Barometer"
Spalte 5: "Thermometer"
Spalte 6: "Hygrometer"
Spalte 7: "Windes-Herkunft"
Spalte 8: "Windes-Strke"
Spalte 9: "Himmel"
Abkrzungen: vSA = vor Sonnenaufgang; nSU = nach Sonnenuntergang
Fr eine der Vorlage erheblich hnlichere Darstellung der Tabellen sei
auf die HTML-Version dieses Etextes unter
http://www.gutenberg.org/1/7/6/0/17600 verwiesen.]
+-----------------------------------------------------------------------+
|Decbr. 1868                                                            |
+--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+
|15|vSA|Tripolis           |769|12    |73|W  |X|Rein                    |
|  |9  |Tripolis           |770|12    |70|SW |1|Haufen-Wolken           |
|  |3  |Tripolis           |770|23    |65|SW |1|Rein                    |
|  |nSU|Tripolis           |769|18    |70|W  $
                    |
|  |9  |des                |   |17    |  |S  |2|Rein                    |
|  |3  |Weg                |   |23    |  |S  |2|Rein                    |
|  |nSU|Biar               |732|14    |  |S  |X|Rein                    |
+--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+
|27|vSA|Biar               |732|10    |  |NW |2|Regen                   |
|  |9  |Weg                |   |15    |  |NW |2|Haufen-Wolken           |
|  |3  |Weg                |   |22    |  |NW |2|Haufen-Wolken           |
|  |nSU|Bengasi            |761|15    |  |NW |X|Rein                    |
+--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+
|28|vSA|Bengasi,           |760|14    |  |S  |2|Staubig      d           |
|  |9  |Bengasi            |762|20    |  |S  |3|Staubig                 |
|  |3  |Bengasi            |760|26    |  |S  |3|Staubig                 |
|  |nSU|Bengasi            |762|20    |  |S  |X|Staubig                 |
+--+---+-------------------+---+------+$
, dem es mehr wert war, mehr sagte, mehr Antwort
gab, mehr Erinnerungen weckte.
Zwischen nahen Dchern stach hoch und spitzig der graue Giebel eines
schmchtigen Hauses empor. Dort hatte vor Zeiten der Rotgerber Haasis
gewohnt, und dort hatten Knulps Kinderspiele und Knabenwonnen ihr Ende
gefunden in den ersten Himlichkeiten und zrtlichen Hndeln mit
Mdchen. Von dort war er manchen Abend ber die dmmernde Gasse
heimgekehrt mit keimenden Ahnungen der Liebeslust, dort hatte er den
Gerberstchtern die Zpfe aufgelst und unter den Kssen der schnen
Franziska getaumelt. Er wollte hinbergehen, spter am Abend, oder
vielleicht morgen. Jetzt aber lockten diese Erinnerungen ihn wenig, erhtte sie alle zusammen gerne hingegeben fr das Gedchtnis einer
einzigen Stunde der frheren, der Knabenzeit.
Eine Stunde und lnger verweilte er am Gartenzaun und schaute hinunter,
und was er sah, war nicht der neue, fremde Garten, der dalag und mit
dem jungen Beerengestruch schon ganz leer und herbstlich aussah. Er sah
den G$
n
diplomatischen Vorteile mit allem brigen, was uns doch auch bekannt
war, bereinstimmen sollten, lie einen Zweifel nach dem andern
Die Zimmer, die wir bewohnten, waren anstndig mbliert; mir fiel ein
Wandschrank auf, durch dessen Glastren ich viele regelmig
beschnittene gleiche Hefte in Quart erblickte. Zu meiner Verwunderung
ersah ich daraus, dass unser Wirt als einer der Notablen im Jahre
1787 zu Paris gewesen; in diesen Heften war seine Instruktion
abgedruckt. Die Migkeit der damaligen Forderungen, die
Bescheidenheit, womit sie abgefasst, kontrastierten vllig mit den
gegenwrtigen Zustnden von Gewaltsamkeit, bermut und Verzweiflung.
I h las diese Bltter mit wahrhafter Rhrung und nahm einige
Exemplare zu mir.
Den 11. Oktober.
Ohne die Nacht geschlaen zu haben, waren wir frh um 3 Uhr eben im
Begriff, unsern gegen das Hoftor gerichteten Wagen zu besteigen, als
wir ein unberwindliches Hindernis gewahr wurden; denn es zog schon
eine ununterbrochene Kolonne Krankenwagen zischen den zur Seite
au$
te! Vom unseligen
Neutralittssystem die nchsten Frsten paralysiert, desto
lebendig-ttiger (die von revolutionren Gesinnungen ergriffene Masse.
Sollte man, wie Mainz bearbeitet worden, nicht auch die Gegend und
die nchst anstoenden Provinzen zu Gesinnungen vorbereiten und die
schon entwickelten schleunig benutzen? Das alles musste zum Bedanken,
zur Sprache kommen.
fters hrt' ich wiederholen: sollten die Franzosen wohl ohne groe
berlegung und Umsicht, ohne starke Heeresmacht solche bedeutende
Schritte getan haben? Custinens Handlungen schienen so khn als
vorsichtig; man dachte sich ihn, seine Gehilfen, seine Obern als
weise, krftige, konsequente Mnner. Die Not war gro und Sinne
verwirrend, unter allen bisher erduldeten Leiden und Sorgen ohne
Frage die grte.
Mitten in diesem Unheil und Tumult fand mich ein verspteter
Brief meiner Mutter, ein Blatt, das an jugendlich-ruhige,
stdtisch-husliche Verhltnisse gar wundersam erinnerte. Mein Oheim,
Schff Textor, war gestorben, dessen nahe Verwandts$
raurigster Lage im fremden Land einen
hoffnungsvollen Blick in die gesicherte Heimat zu tun aufgeregt wird;
so genieen wir diesseits auf Erden, was uns jensei4ts der Sphren
zugesagt ist.
In solchem Sinn begann ich den Brief an meine Mutter, und wenn sich
diese Beweggrnde zunchst auf mein Gefhl, auf persnliches Behagen,
individuellen Vorteil zu beziehen schienen, so hatt' ich noch andere
hinzuzufgen, die auch das Wohl meiner Vaterstadt bercksichtigten
und meine dortigen Gnner berzeugen konnten. Denn wie sollt' ich
mich in dem ganz eigentmlichen Kreis ttig wirksam erzeigen, wozu
man vielleicht mehr als zu jedem andern treulich herangebildet sein
muss? Ich hatte mich seit so viel Jahren zu Geschften, meinen
Fhigkeiten angemessen, gewhnt, und zwar solchen, die zu stdtischen
Bedrfnissen und Zwecken kaum verlangt werden mchten. Ja, ich durfte
hinzufgen, dass, wenn eigentlich nur Brger in den rat aufgenommen
werden sollten, ich nunmehr jenem Zustand so entfremdet sei, um mich
vllig als einen Au$
ltnis anknpfte,
wovon ich hier das Nhere mitteilen will, da unsere Abedunterhaltung
dadurch aus den unruhigsten Zeiten in die friedlichsten Tage versetzt
"Werther," bei seinem Erscheinen in Deutschland, hatte keineswegs,
wie man ihm vorwrf, eine Krankheit, ein Fieber erregt, sondern
nur das bel aufgedeckt, das in jungen Gemtern verborgen lag.
Whrend eines langen und glcklichen Friedens hatte sich eine
literarisch-sthetische Ausbildung auf deutschem Grund und Boden,
innerhalb der Nationalsprache, auf das schnste entwickelt; doch
gesellte sich bald, weil der Bezug nur aufs Innere ging, eine gewisse
Sentimentalitt hinzu, bei deren Ursprung und Fortgang man den
Einfluss von Yorik-Sterne nicht verkennen darf: wenn auch sein Geist
nicht ber den Deutschen schwebte, so teilte sich sein Gefhl um
desto lebhafter mit. Es entstand eine Art zrtlich-leidenschaftlicher
Asketik, welche, da uns die humoristische Ironie des Briten nicht
gegeben war, in eine leidige Selbstqulerei gewhnlich ausarten
musste. Ich h$
ahren, den er so lange nicht gesehn,
als einem philosophischen Gesprch zuzuhren. Amalia schlo sich ihrer
Anregung lebhaft an, und Casanova, immer gern bereit, Wnschen solcher
Art nachzugeben, bemerkte leichthin, da er in den letzten Jahren sich
vorzglich auf geheimen diplomatischen Sendungen befunden, die ihn, um
nur die gIrern Stdte zu nennen, zwischen Madrid, Paris, London,
Amsterdam und Petersburg umhergetrieben. Er berichtete von Begegnungen
und Unterhaltungen ernster und heitrer Art mit Mnnern und Frauen der
verschiedensten Stnde, auch des freundlichen Empfangs zu erwhnen
verga er nicht, der ihm am Hof der Katharina von Ruland zuteil
geworden, und sehr spahaft erzhlte er, wie Friedrich der Groe ihn
beinahe zum Erzieher an einer Kadettenschule fr pommersche Junker
gemacht hatte; - eine Gefahr, der er sich allerdings durch rasche Flucht
entzogen. Von all dem und manchem andern sprach er, als htte es sich in
einer eben erst verflossenen Zeit zugetragen und lge nicht in
Wirklichkeit Jahre $
nd Casanova; neben diesem an einem schmalen Tischende
Marcolina; am andern, neben Olivo, der Abbate. Es war wie mittags ein
einfaches und dabei hchst shmackhaftes Mahl. Die zwei lteren Tchter
des Hauses, Teresina und Nanetta, reichten die Schsseln und schenkten
von dem trefflichen Wein, der auf Olivos Hgeln wuchs; und sowohl der
Marchese wie der Abbate dankten den Mdchen mit scherzhaft derben
Liebkosungen, die ein gestrengerer Vater als Olivo sich vielleicht
verbeten htte. Amalia schien nichts zu bemerken; sie war bla, blickte
trb und sah aus wie eine Fru, die entschlossen ist, alt zu werden,
weil das Jungsein jeden Sinn fr sie verloren hat. Ist dies nun meine
ganze Macht? dachte Casanova bitter, sie von der Seite betrachtend. Doch
vielleicht war es die Beleuchtung, die Amaliens Zge so traurig
vernderte. Es fiel nmlich nur ein breiter Strahl von Licht aus dem
Innern des Hauses auf die Gste; im brigen lie man sich's am
Dmmerschein des Himmels gengen. In scharfen schwarzen Linien schlossen
di$
ach hervor, sie
schleuderte die Schere auf den Fuboden, da se klirrte, und war ganz
fassungslos.
Ich will endlich wissen, was hier hinter meinem Rcken vorgegangen
ist? rief sie emprt, obgleich sie nach Luft rang. Warum hast du denn
nur den alten Mann entfernt, wie?
Weil er sich ausverschmt benommen hat.
Gegen dich?
Da kam die Frage. Wilms stotterte. Das Blut stieg ihm zu Kopfe.iGegen mich -- Elsing? -- Nein, das gerade nicht.
Gegen wen denn?
Gegen -- gegen deine Schwester -- gegen Hedwig.
Else zuckte schmerzhaft zusammen. Dann schnellte sie empor und machte
ein paar widerspruchsvolle Bewegungen.
Und da hat Hedwig wohl auch verlangt, schluchzte sie wtend, da er
fort soll? -- Nicht wahr?
Jedoch gerade der Ausbruch ihres Zornes verstockte den Landmann. ber
der Nase zogen sich bei ihm ein paar tiefe Falten zusammen:
Natrlich, gab er langsam zurck, auf Hedwigs Wunsch hab' ich's dann
Da verlor die Leidende allen Halt.
Aber sie hat hier nichts zu wnschen, schrie sie jetzt gnzlich
s$
knne. -- Dieser
letztere Ausdruck kann nun nicht soviel heien, als ob die Sinnlichkeit
durch einen ihr vom Sittengesetze gegebnen Stoff in der Receptivitt
positiv angenehm afficirt werden solle, wovon die Unmglichkeit schon
oben zur Genge dargethan worden; -- der Genu soll nemlich nicht
_physisch-_, sondern _moralisch-wirklich_ gemacht werden, welcher
ungewhnliche Ausdruck sogleich seine vllige Klarheit erhalten wird.
Eine solche moralische Wirklichmachung des Genusses mte sich noch
immer auf jene negative Bestimmung des Triebes durchs Gesetz grnden.
Durch diese nun erhielt der Trieb vors erste ein Recht. Nun aber knnen
Flle eintreten, wo das Gesetz sine Berechtigung zurcknimmt. So ist
ohne Zweifel jeder berechtiget zu leben; dennoch aber kann es Pflicht
werden, sein Leben aufzuopfern. Dieses Zurcknehmen der Berechtigung
wre ein frmlicher Widerspruch des Gesetzes mit sich selbst. Nun kann
das Gesetz sich nicht widersprechen, ohne seinen gesetzlichen Character
zu verlieren, aufzuhren, ein Ge$
ment hinzuzufgen, durch
welches der Strke der Neigung das Gegengewicht gehalten und die
Freiheit hergestellt wrde. Derjenige, der auch nicht de Willen hat,
ein sittliches Gesetz anzuerkennen, und ihm zu gehorchen, bedarf ihrer,
um nur erst diesen Willen, und dann durch ihn die Freiheit in sich
hervorzubringen. Mit ihm hat also die Religion einen andern Weg zu
nehmen. Die reine Vernunftreligion, sowohl als die natrliche, grndeten
sich auf Moralgefhl: die geoffenbarte hingegen soll selbst erst
Moralgefhl begrnden. Die erstere fand gar keinen Widerstand, sondern
alle Neigungen im Subjekte bereit, sie anzunehmen; die zweite hatte nur
in einzelnen Fllen die Neigungen zu bekmpfen, kam aber im Ganzen
erwnscht, und gesucht; die letztere hat nicht nur allen unmoralischen
Neigungen, sondern sogar dem vlligen Widerstreben, berhaupt ein Gesetz
anzuerkennen, und der Abneigung gegen sie selbst, die sie das Gesetz
gltig machen will, das Gegengewicht zu haben. Sie kann also und wird
sich wichtigerer Momente be$
weis, der aus dem oen . 5.
gesagten als fast unmglich erscheint); so wre es klar, da der
Gehorsam gegen dergleichen Gesetze in einer solchen Offenbarung auf
Furcht der Strafe, und Hoffnung der Belohnung, nicht nur gegrndet
werden knnte, sondern mte, da der Endzweck politischer Gesetze bloe
Legalitt ist, und diese durch jene Triebfedern am sichersten bgwirkt
[Funote 21: Ich bitte jeden, dem die hier zu beweisende Behauptung
noch anstig vorkommt, auf das von hier an folgende besonders
aufzumerken. _Entweder_ die ganze Offenbarungskritik mu umgestoen, und
die Mglichkeit einer theoretischen berzeugung _a posteriori_ von der
Gttlichkeit einer gegebnen Offenbarung erhrtet werden, (worber man
sich an . 5. zu halten hat:) _oder_ man mu den Satz: da eine
Offenbarung unsre bersinnliche Erkenntni nicht erweitern knne,
unbedingt zugeben.]
[Funote 22: Zu Ablehnung bereilter Konsequenzen und unstatthafter
Anwendungen merken wir nochmals ausdrcklich an, da hier nur von als
_objektiv gltig_ an$
uch in der Erfahrung, besondere beim Halten ffentlicher Reden an das
Volk, besttige, wrd uns vielleicht jeder Religionslehrer, der etwa
sich fr seine Person der aus der Offenbarung hergenommenen
Vorstellungen, nicht bedient, brigens aber lebhaftes Gefhl seiner
Bestimmung mit Ehrlichkeit (welches nicht wenig gesagt ist) vereinigt,
wenn auch nicht ffentlich, doch wenigstens in seinem Herzen
zugestehen. -- Es geschieht vermittelst der Begeisterung durch die
Einbildungskraft; und dieser Umstand darf die Sache niemanden verdchtig
machen, da ja die Offenbarung berhaupt nur durch dieses Vehikulum
wirken kann, und soll.]
[Funote 30: Dies waren auch die Maximen Jesu. In Absicht des erstern:
So jemand _will_ den Willen thun des der mich gesandt hat, der wird
innen werden, ob diese Lehre von Gott sey; und im Gegensatze: Wer Arges
thut, hasset das Licht, und kommt nicht an das Licht. In Absicht des
letztern: Die Starken bedrfen des Arztes nicht,sondern die Kranken;
ich bin kommen die Snder zur Busse zu rufen, $
lichen.
Friedrich war ein schner, stattlicher und galanter Mensch von
dreiundzwanzig Jahren. Als er zu Amberg die Nachricht erhielt, da er
Knig geworden sei, war er betroffen und konnte keinen Beschlu fassen.
Erst auf das dritte Schreiben der Bhmen reiste er nach Prag und war nun
guten Mutes. Er verlie sich auf seinen mchtigen Schwiegervater, den
Knig von England, er verlie sich auf die Hilfe der deutschen Stdte,
der Hugenotten in Frankreich und der Graubndtner, die ihm versprachen,
den spanischen Armeen die Psse zu sperren, und am meisten verlie er
sich auf seine Jugend.
Doch war er von Anfang an ein verlorener Mann. Wohl stand er an der
Spitze einer evangelischen Union, viel mchtiger aber war die
Vereinigung der katholischen Frsten, welchen aus H gegen die
Kalvinisten auch der protestantische Kurfrst Johann von Sachsen sich
gesellte, und als nun gar der Knig von Frankreich Gesandte an die
Frsten der Union schickte, um sie von Friedrich abzubringen, machten
diese ihren Frieden mit de katho$
 die
Festung Stralsund widerstand. Ein halbes Jahr lang belagerte Wallenstein
diese Stadt; obwohl er schwor, da er sie einnehmen werde, und wenn sie
mit Ketten an den Himmel gebunden wre, mute er unverrichteter Dinge
wieder abziehen. Dieser Mierfolg untergrub sein Ansehen im Norden
Deutschlands. Auch der Kaiser verlor den Glauben an seine
Unberwindlichkeit. Jetzt traten die Frsten mit ihren Klagen ber den
beispiellosen Pomp des Emporkmmlings auf. Ein Notschrei erhob sich ber
die unertrglichen Brandschatzungen, mit denen der General die besiegten
Lnder heimgesucht. Bis dahin hatten alle, verblfft von seinem
fabelhaften Glck, geschwiegen, nun taten sich die Lippen auf und
ergossen sich in Verwnschungen gegen den Tyrannen, der auf Kosten des
allgemeinen Elends 0m berflu schwelgte. Whrend Tausende ringsumher
den Hungertod starben, whrend sich viele Brger und Bauern entleibten,
um der Not zu entrinnen, lebte jeder Rittmeister der Wallensteinschen
Soldateska wie ein Frst, und in Schlesien, wo d$
, das
Pferd schleift ihn mit sich fort. Seine Begleiter fallen oder fliehen,
nur ein Page bleibt bei ihm. Er lebt noch, der Page will nicht sagen,
da es der Knig ist, er wird selbst auf den Tod verwundet. Der Knig
wird seiner goldenen Halskette beraubt und entkleidet, er ruft endlich:
Ich bin der Knig von Schweden. Die schwarzen Krassiere wollen ihn
fortschleppen. Da sprengt das Stenbocksche Regiment heran. Die
Krassiere fliehen; da9 sie den Knig nicht mitnehmen knnen,
durchschieen sie ihm den Kopf und durchstechen ihm den Leib mit vielen
Stichen. Er sinkt zur Erde, der Hufschlag der Rosse braust ber den
Leichnam dahin.
Der verwundete, blutbedeckte, reiterlose Schimmel des Knigs
verkndigte, an der schwedischen Front entlang jagend, das geschehene
Unglck. Zuerst entmutigt, dann in ihrem Schmerz zur Rache angespornt,
griffen die Schweden neuerdings an, und wre jetzt nicht Pappenheim mit
vier frischen Regimentern auf dem Walplatz erschienen, so htte der
heldenhafte Bernhard von Weimar schon um $
hm damals im Sinne stand. 1775 wurde Goethe frmlich
nach Weimar eingeladen. Der in Karlsruhe zurckgbliebene Kammrjunker
von Kalb hatte den Befehl, Goethe in einem von Straburg erwarteten
Staatswagen nach Weimar zu bringen. Der Wagen blieb lange aus, Goethes
frstenfeindlicher Vater hatte ihm schon mit dem spottenden Zuruf: Nah
bei Hof, nah bei der Hll die Furcht in die Seele geworfen, er knne
nur der Spielball einer frstlichen Laune gewesen sein; er hatte bereits
die Flucht angetreten und befand sich in Heidelberg, als er dort noch
aufgehalten wurde. So hing es an einem Faden, da Goethe nicht nach
Weimar kam; noch in spten Jahren hat er sich des wahrhaft Dmonischen
dieser Situation erinnert.
Goethe ging wie ein Stern in Weimar auf, der sich eine Zeitlang in
Wolken und Nebel verhllte, schreibt Knebel; jeder hing an ihm,
sonderlich die Damen. Er hatte noch die Werthersche Montierung an, und
viele kleideten sich danach. Er hatte noch von dem Geist und Sitten des
Romans an sich, und dieses zog an. $
inab, da eine Schnur
  von 294 Faden den Grund nicht erreichte. Und den 24. Junius 1765
  sank der Berg Montepiano in Neapolis, der 1/10 Quadratmeile gro
  war, so tief in die Erde hinein, da man jetzt kaum die Stelle noch
  sieht. Und unter den neuern Naturscenen dieser Art ist die letzte,
  welche sich am 2. Sept. 1806 in der Schweiz ereignete, eine der
  merkwrdigsten, wo in einem Zeitraum von wenigen Minuten ein Thal,
  welches zwischen hdem Zuger- und Lowerzer-See, von der Nordseite
  aber von dem 3500 Fu hohen Roberge und von der Sdseite von dem
  4400 Fu hohen Rigiberge eingeschlossen lag, von gewaltigen, mit
  mchtigem Krachen verbunden, losgerissenen Felsenmassen des
  Rigiberges zerstrt wurde, wobei das Dorf Rthen, welches in diesem
  Thale lag, mit einem Theile des Fues des Berges in die iefe der
  Erde hinabsank, und die andern drei Drfer Glogau, Busingen und
  ein Theil von Lowerz, die sich auer jenem noch hier befanden,
  verschttet wurden, wobei 87 Bauergter ganz und 60 nur zum$
h in den Augen selber lag etwas Keckes, Unweibliches, das aber doch
jetzt einem mchtigeren Gefhl gewichen war, denn nur manchmal, bei den
rauhen Worten, blitzte es an gegen den Mann, und um die Lippen zog sich
dann ein eigener fester Zug von Trotz und Zorn.
Ich hab' Dir genug zu Willen gethan, da ich mit Dir gehe und die Kinder
zurcklasse, sagte sie dann nach kleiner Weile -- wenn's mir das Herz
dabei zusammenzieht, wrst Du schlimmer wie ein Thier, wolltest Du's mir
wehren. Der Wolf lt seine Brut nicht im Stich, und wir wollen fort  -- 
Der Wolf hat auch drauen zu leben, und fr die Jungen Milch -- wer
giebt's uns? zischte der Mann zwischen den zusammgebissenen Zhnen durch
-- wir knnten krepiren hier im Nest, keine Katze miaute deshalb im ganzen
Ich wei es, ich wei es, sagte die Frau, und das ist das Einzige was
mich freut, da wir ihnen jetzt einen Streich spielen -- den Lumpen. Und
wie sie schreien und schimpfen werden -- aber ernhren men sie sie doch,
davon hilft ihnen kein Gott.$
besonders Jaco Kellmann, ein Kuerschner und Pelzhaendler
aus Heilingen, dann der Aktuar Ledermann von dort, eine lange hagere,
etwas ungeschickte Gestalt, mit aber nicht unangenehmen, gutmuethigen
Gesichtszuegen, und der Apotheker aus Heilingen, Schollfeld mit Namen, die
es gewoehnlich so einzurichten wussten, dass sie an einen Tisch mit einander
zu sitzen kamen. Lobsich nahm ebenfalls am Liebsten zwischen dieser
kleinen Gesellschaft Platz, und nur dann und wann, besonders wenn er die
Stimme seiner Frau irgendwo hoerte, stand er auf und ging einmal durch den
Garten und die Reihen seiner Gaeste, zu sehn ob Alle ordentlich bedient
wuerden, und keine Klagen einliefen gegen unaufmerksame Kellner, die er in
dem Fall auch wohl gleich an Ort und Stelle mit einem Knuff oder einer
Ohrfeige abstrafte, als warnendes Beispiel. Er musste an irgend Jemand
seinen Aerger auslassen, dass er nicht bei seinem Biere konnte sitzen
"Ist doch ein prachtvolles Wetter heute," sagte Kellmann, der eben einen
tuechtigen Zug aus seinem $
en des veruebten
Verbrechens entdeckte. Ich fuerchtete die entsetzlichen Menschen noch
irgend wo zu sehn, die vielleicht hpinter einer Gardine stehen, unter einem
der Divans liegen, hinter einem Ofen lauern konnten und, wenn entdeckt, zu
verzweifelter Gegenwehr getrieben mich anfallen wuerden, und all solch
kindische Gedanken mehr. Dort der auf den Tisch geworfene Regenschirm
dabei, die hinuntergeworfene Stickerei von dem Secretair selber, am
meisten aber der Tabaksgeruch im Zimmer und die verloeschte, angerauchte
Cigarre dort auf dem Fensterbret, erfuellten mir das Herz mit einem
unbeschreiblichen Grusen."
"Eine Cigarre?" sagte Ledermann, sich vergebens nach dem bezeichneten
Gegenstand umschauend -- "wo lag sie?"
"Dort im Fenster, als ich zurueckkam."
"Die alte angerauchte Cigarre?" sagte Henkel rasch -- "die hab' ich zum
Fenster hinausgeworfen; ich glaubte Einer der Dienerschaft haette sie in
der Aufregung mit hereingebracht und dort abgelegt -- sie muss unten auf der
Strasse liegen."
"Bitte schicken Sie do$
wird einen unbewachten Augenblick, dem die
Reue auf dem Fusse folgt, nicht so schwer strafen, wie den hartnaeckigen
Uebelthaeter.
"A -- a -- a -- a -- 3 -- aber ich bi -- bi -- bin ni -- ni -- ni -- nicht schu --
schu -- schu -- schuldig," -- stotterte der Unglueckliche -- "ich we -- we -- we
-- we -- weiss vo -- vo -- vo -- von Ni -- ni -- ni -- nichts  -- "
"Du weisst von Nichts, Lossenwerder?" sagte Herr Dollinger leise mit dem
Kopf schuettelnd -- "und woher ist das Geld das man bei Dir gefunden, woher
die Fuenfundzwanzig Thaler-Note, die Du locker in der Tasche getragen, und
die Dir der Polizeidiener gestern Abend noch herausgenommen hat?"
"Ge -- spa -- pa -- pa -- pa -- partes Geld -- e -- e -- e -- e -- e -- ehrlich ge --
ge -- gespartes G -- g -- g -- geld!" stammelte der arme Teufel.
Herr Henkel stand jetzt auf und ging langsam auf Herr Dollinger zu, dem er
ein paar Worte in's Ohr fluesterte und dann, waehrend dieser leise und
traurig mit dem Kopf nickte, das Zimmer verliess. Lossenwerder aber, der i$
d immer wieder zu wenden zwingt noch nie so schwer
geaergert, und der im Geist schon die langen geraden Furchen zieht, weit
ueber dem Meer drueben, in dem fetten, herrlichen Land; -- der Handwerker in
seiner Werkstatt, dem sich Meister nach Meister in die Nachbarschaft setzt
mit Neuerungen und grossen, marktschreierischen Firmen, die wenigen Kunden
die ihm bis dahin noch geblieben in _seine_ Thuer zu locken; der Kuenstler
in seinem Atelier, oder seiner Studirstube, der ueber einer freieren
Entwickelung bruetet, und von einem Lande schwaermt wo Nahrungssorgen ihm
nicht Geist und Haende binen; -- der Kaufmann hinter seinem Pult, der
Nachts, allein und heimlich, die Bilanz in seinen Buechern zieht und, das
sorgenschwere Haupt in die Hand gestuetzt, von einem neuen, andern Leben,
von lustig bewimpelten Schiffen, von reich gefuellten Waarenhaeusern traeumt;
in Tausenden von ihnen draengt's und treibt's und quaelt's, und wenn sie
auch noch vielleicht Jahre lang nach aussen die alte fruehere Ruhe wahren,
in ihren $
der nach vorn gedraengt hatte den Mann frei
zu machen, von dem er sich ploetzlich einbildete dass er sein Freund sei,
"lasst mir den Menschen los, sag ich Euch _Hoh_meier -- Donnerwetter ich
will doch einmal sehn wer hier in meinem eigenen Hause zu befehlen hat.
Ihr oder ich -- _Hoh_meier. Es ist mir doch was Unbedeutendes!" Er schien
sich auch in der That den Leuten entgegenwerfen zu wollen; im Vorspringen,
und das viele Getraenk im Kopf, blieb er aber mit dem einen Fuss in einer
dort stehenden Fussbank haengen, und schlug der Laenge lang in den Garten,
waehrlend die Knechte den jetzt wuethend um sich schlagenden Agenten rasch
aufgriffen und, lachend ueber des Wirthes Unfall, aus der Gartenthuer auf
die Strasse warfen.
Ein furchtbarer Laerm entstand jetzt, die Leute jubelten und lachten, und
erzaehlten sich untereinander wie der "Auswanderungsmann" einen
Schaafknecht vom Gut haette bereden wollen als "Schaafmeister" nach Amerika
auszuwandern, und |om Verwalter dabei erwischt waere, und der
"Auswanderungsmann$
en gelernt wie man die Lagerungen der Muskeln und
Adern an einem hautlosen Leib wahrnimmt. Er war vertraut mit dem Fhlen
und Denken aller Verlorenen, Irrenden, Geplagten und Duldenden an allen
Enden und Ecken der Erde. Er kannte die Lasterhaften, die Mrder, die
Diebe, die Hehler, die Geknechteten, die Einfltigen, die Erglhten, die
stummen Unverdrossenen. Fr ihn zogen sich Fden von der Kste des
indischen Ozeans bis zu den Palsten europischer Metropolen. Alles war
ein einziger, bebender, heier Leib; alles wie die verschlungenen Zweige
eines ungeheuren Baums. Er drckte dergleichen nicht aus, dazu war er
nicht imstande, aber es lag in seinem Aug und Wesen.
Er war, vom Osten her, durch den Krieg gegangen, unangefochten,
bewAllkommt, von schonender Luft und schonenden Hnden umgeben, und wo
er war, schien er fr die andern von jeher gewesen zu sein. Er hatte die
Schlachtfelder durchzogen, dien Brandsttten, das blutbesudelte Land,
hben und drben, das zermalmte, seufzende Land. Er war Zeuge geworden
von$
da sie glaubte, ich knne ihn retten. Wie mute es um ihn
stehen, da Jelena Nikolajewna mich rief, mich! Es war auch zu spt. Ich
htte ihn gewi nicht retten knnen, wir waren viel weiter voneinander
geschieden, als wenn wir uns nie gekannt htten; freilich, da er so ins
Nichts geschwunden war, ohne Gru und Zeichen, das war hart. Jetzt will
ich aber gehen, es ist Zeit.
Das erste Tageslicht drang durch die Ritzen der Fensterlden. Lisaweta
erhob sich. Maria sagte, sie mge doch den Mantel behalten, der Morgen
sei kalt und villeicht finde sie im Hotel nicht Einla. Doch sie lehnte
es stumm ab; pltzlich schien sie von finsterm Trotz erfllt; ihre
Gebrden waren von krankhafter Ungeduld, und als Maria sich gleichfalls
erhob, erschttert und von schesterlicher Hinneigung durchglht zu ihr
hintrat, um ihr in das dmmernd fahle Gesicht zu schauen, da wandte sie
sich hinweg und war aus der Tr, ehe Maria den Arm nach ihr ausstrecken
konnte. Sie stand regungslos, kalt und hei im Innern; ihr war als sei
ein Ber$
ig genug dazu. Er bemerkte ihr aufblitzendes
Erstaunen ber das literarische Zitat, ging aber mit einer Grimasse
darber hinweg. Ihre Bedenken sind schwchlich, sagte er; auerdem
nicht sehr klug. Ich biete Ihnen einen Vorwand, der Ihnen Schlupflcher
nach allen Seiten lt. Ich verhandle mit Ihnen ber Ihr Schicksal und
das Ihrer Kinder und Ihrer Reisegenossen. Weisen Sie mich zurck, so ist
es von vornherein besiegelt. Demnach riskieren Sie nur, was ein
vernnftig erwgender Mensch riskieren mu.
Weshalb denn eine nchtliche Verhandlung in der Dachkammer? fragte
Maria kopfschttelnd. Nennen Sie Ihre Bedingungen, ich werde Ihnen
sagen, ob sie annehmbar sind.
Er lachte. NWein, ich bedaure, das liegt nicht in meinem Plan,
erwiderte er spttisch. Da htte ich mich ja ebensogut mit dem eifrigen
Israeliten aufs Feilschen einlassen knnen. Aber das liegt nicht im
Plan. Der Preis, von dem hier die Rede ist, kann nicht mit Mnz bezahlt
werden. Chance ist Chance, Madame. Es wre ja geschmacklos, wollte ic$
 machen wir denn das?
p 273: um im sprlich flieenden  esprch -> und im
p 279/280: [Trennung] Mdchen-Gesicht -> Mdchengesicht
p 302: Zwiespalt zwischer -> zwischen
p 324: Unterckchen -> Unterrckchen
p 336: deuschen Musikgenius -> deutschen
Die Originalschreibweise wurde prinzipiell beibehalten, insbesondere bei
folgenden Wrtern:
p 058: Gleichgiltigkeit
p 120: Lucke
p 143: Monreal
p 301: hinmummelte
p 148: darnach
Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Textauszeichnungen
wurden folgendermaen ersezt:
Sperrung: _gesperrter Text_
Antiquaschrift: #Antiquatext# ]
[Transcriber's Note: This ebook has been prepared from the first print
edition published in 1920 by S. Fischer. The printed book's second title
page has been removed. The table below lists all corrections applied to
the original text.
p 010: [m%issing letter] Erleichterung und Vers ng -> Versung
p 019: damals hatten Romantik -> hatte
p 040: [added comma] solche die Kloaken subern; -> solche, die
p 053: [unified] beim Abendessen; er $
 er kreuzte die Arme ber der Brust; es
war still. Einen suchte er mit den Augen; es war Mathys; er schaute ihn
fragend an; Mathys zuckte die Achseln; seine Miene sagte viel.
Lucian trat in de Kreis, der sich ffnete, blickte abermals schweigend
umher, und ihm antwortete immer tiefer werdendes Schweigen. Da vernahm
man Schritte; sie waren unerwartet, diese Schritte, sie hatten etwas
Ordnung und Zucht durchbrechendes in der blo vom verrollenden Donner
gestrten Stille. Sie rhrten von Oberlin her, der sich von seinem Platz
erhoben hatte, als Lucian unter der Tre erschienen war. Whrend des
ganzen furchterweckenden Lrms und Getmmels war er steif und stumm auf
dem Fenstersims am Ende des Raumes gesessen, das Telegramm in seinn
Hnden. Er hatte kaum recht gehrt, was die Kameraden geredet,
geschrien, gebrllt; oder wenn gehrt, doch das Einzelne nicht erfat;
der rasende Wirrwarr hatte ihn in sich selbst zurckgetrieben, so da er
in seiner Beklommenheit, Ratlosigkeit und Bestrzung ber den Inhalt der
Depesc$
rt. Ihr blieb nur Vertrauen zu einem noch
Werdenden; Hoffnung, da die trbe Gor sich von innen aus klre, da der
Niedergestrzte sich schicksalsfrmmer wieder aufrichte und bescheidener
das Gesetz erkenne, nach dem ihm geboten war zu leben. Ihre Hand hatte
da keine Gewalt mehr: Fhrung und Herrschaft waren dahin fr immer.
So war ihr der rwachte und langsa6m Genesende in einem neuen Sinne
Sohn: abgelst von ihr und ihr gegenberstehend als Pflger auf eigenem
Grund und Boden; ein Hinausgewanderter, der sein Erbteil erst in spter
Zeit antreten will; vielleicht da er es verknpft mit dem frisch
Errungenen; vielleicht da er es sondert; doch hat er sein Ur- und
Geistesrecht in sich selber.
Schon am zweiten Tag von Dietrichs Krankheit erfuhr Richter und teilte
es Dorine Oberlin mit, da sich Hanna auf dem Grab ihrer Schwester
erschossen habe. Den Morgen darauf stand es in allen Zeitungen. Die
Nachricht wurde Dietrich sorgsam verhehlt, auch als die Genesung schon
weit fortgeschritten war. Mglich, da er es ah$
unkt. Worauf war zu verzichten? Was htte
abgeschafft werden sollen? Der Markgraf war leidenschaftlcher Jger.
Namentlich stand die ansbachische Falknerei von altersher in hohem
Ansehen, und fr die standesgeme und sonach uerst zu respektierende
Passion des Frsten wurden besoldet: ein Obristfalkenmeister, zwei
Falkenjunker, ein Falkenpage, ein Falkensekretr, ein Falkenkanzellist,
ein Reihermeister, ein Krhenmeister, ein Milanenmeister, vier
Meisterknechte, vierzehn Falkonierknechte, zwei Reiherwrter und
siebzehn Falkenjungen. Diese waren notwendig, man sage nichts; jeder
hatte sein Amt, seine Obliegenheiten, seine Sporteln, seine zu Recht
bestehenden Zulagen, und auf Abzug oder Wandlung zu dringen hie sich
verdienter Ungnade aussetzen. Keine Mglichkeit.
Dann war da der Hof mit einhundertfnf Kammerherren, zwanzig
Hofjunkern, zwanzig Kammerjunkern, zwlf unbetitelten Kammerdienern und
fnf betitelten; mit hundertzwlf Husaren, denen ein Generalleutnant
vorstand, zweihundert Gardes du Corps, denen eb$
 Zelte ihre Mahlzeit
einzunehmen. Als Jakob Silberland sah, da Paul Seebeck seinen
Destillationsapparat aufstellte, und Wasser vom Meere holte, fragte er
Gibt es denn gar kein Trinkwasser auf der Insel?
Doch, es gibt einen Bach hier in der Nhe, der wohl zur Versorgung
einer kleinen Stadt ausreichen drfte, und weiter oben einen groen
Flu. Es wird aber nicht leicht sein, ihn einzufangen und hier herunter
zu leiten, denn er fllt mehrere Kilometer von hier in einem schnen
Wasserfalle direkt vom Hochplateau aus ins Meer.
Als sie gegessen hatten - der Kapitn hatte Jakob Silberland einen Korb
mit frischem Fleisch und Gemse aus den Vorrten des Schiffes
mitgegeben, so da Paul Seebeck nach den vielen Wochen mit
Konservnnahrung endlich einmal etwas anderes bekommen hatte - rief
Jakob Silberland:
Aber jetzt will ich nicht lnger warten; jetzt mut du mir deine
Ichthyosauren vorfhren. Ich bin wirklich sehr gespannt, zu erfahren,
wovon wir hier leben sollen, besonders, was wir von hier exportieren
Schn$
ig sein, obwohl ich
mich beherrschen mu, es nicht zu werden. Aber ohne jede bertreibung
kann man wohl sagen, da von diesem Tage an eine neue Periode der
Menschheitsgeschichte ansetzt. Unser Anfang ist bescheiden, aber unsere
Bestrebungen werden Frchte tragen, deren GrJe wir heute noch gar nicht
bersehen knnen. Statt grotesker Verzerrungen den wirklichen Staat, die
wirkliche Gemeinschaft von Menschen.
Gegrndet auf die menschliche Vernunft, unterbrach Nechlidow, von
seinem Stuhle aufspringend, den Redner. Weg mit den Sentimentalitten,
die nur Ausbeutung, Schwche und Dummheit verschleiern sollen. Lat uns
die neue Menschheit auf die Vernunft aufbauen. Vernunft allein kann den
Menschen weiterbringen. Gefhle erniedrigen ihn zu Tiere. Aber streng
und ehrlich mssen wir sein.
Otto Meyer hatte mit einem spttischen Lcheln den beiden zugehrt;
jetzt aber wurde sein Gesicht ganz ernst. Er machte eine Bewegung, als
ob er aufstehen wollte, besann sich dann aber wieder. Herr von Rochow
hatte wohl zu viel$
en.
Trotzdem aber die stmme der Angeln die zahlreicheren und eine zeit lang
die mchtigeren waren, erkmpften doch die Sachsen und unter diesen
wiederum die Westsachsen allmlig die herrschaft ber das gesammte
England, welche 827 unter Egbert mit der Unterwerfung von Mercia und
Northumberland und der 828 erfolgenden besiegung von Wales gesichert zu
sein schien, als ein neuer feind, die Dnen, die kaum erworbene macht
wieder zu zersplittern drohte. Egbert, welcher 836 starb, sein sohn
Athelwolf und nachfolger Athelbald, Athelbert, Athelred und Alfred der
grosse mussten gegen die Dnen kmpfen, welche seit 787 an den
englischen ksten erschienen und besonders den nrdlichen theil des
landes, wo sich die Angeln angesiedelt hatten, zu ihrem
ablagerungsplatze erwhlten nd von hier aus mit abwechselndem glcke
herrschten, bis Alfred der grosse sie besiegte.
Es ist nicht anzunehmen, dass die Dnen bedeutenden einfluss auf die
angelschsische sprache ausgebt haben, ifndem damals ihre sprache nicht
sehr von der ih$
ie hatten ihm gehuldigt und eide geschworen, aber sie hielten
      keine treue; sie waren alle meineidig un ihres glaubens
      verlustig. Denn ein jeder reiche mann baute seine schlsser,
      und sie behaupteten sie gegen ihn; und fllten das land voll
      schlsser. Sie plagten sehr die unglcklichen menschen des landes
      mit schlsserbauen, und als die schlsser fertig waren, da fllten
      sie sie mit teufeln und bsen menschen. Da nahmen sie diejenigen
      menschen, von denen sie whnten, dass sie einiges gut htten
      sowohl bei tage als bei nacht, mnner und weiber, und warfen
      sie in das gefngniss nach gold und silber, und qulten sie mit
      unbeschreiblicher qual, denn kein mrtyrer wrde so geqult, als
      sie es waren.
  Me henged up bi e fet and smoked heom mid ful smoke. me henged bi
  e umbes. oer bi e hefed. and hengen bryniges on her fet. Me dide
  cnotted strenges abuton here hued. and uuryen to t it gde to e
  hrnes. Hi diden heom in quarterne ar na$
gentlich (wie in der Beweinung Christi)
selbst auf die Bewegung und ganze Komposition ausdehnt.
Der Florentiner _Arnolfo di Cambio_ (1232 bis 1315), Niccolo's Gehlfe
an der Kanzel in Siena wie am Brunnen zu Perugia und, wie Guglielmo, in
seiner spteren Zeit namentlich als Architekt hervorragend thtig, steht
in den beiden von ihm bekannten plastischen Monumenten gleichfalls ganz
unter des Meisters Einflu, ist aber noch weniger selbstndig als Fra
Guglielmo. Die Statuetten und kleinen Reliefs am Grabmal des Kardinals
de Braye ({~DAGGER~} 1280) in S. Domenico zu Orvieto sowie an dem gemeinsam mit
einem Knstler Paulus ausgefhrten Tabernakel in S. Paolo fuori le mura
in Rom sind gut in den Verhltnissen, einfach und ernst in Ausdruck und
Haltung, in der Gewandung sogar geschmackvoller und naturwahrer als bei
Niccolo, aber sie erscheien unbedeutend und werden durch den
architektonischen Aufbau unterdrckt. Sowohl in jenem Tabernakel wie
namentlich in demGrabmal hat Arnolfo, soweit bisher bekannt, das
Vorbild$
fgaben_
der Plastik im Wesentlichen dieselben wie vorher. Der Schmuck der
Fassaden, die monumentalen Ausstattungsstcke des Innern: Altar, Kanzel,
Sngertribne, Tabernakel, Sakristeibrunnen, Kandelaber, Chorschranken
werden, wo es immer angeht, einem Bildhauer zur Ausfhrung begeben.
Aber Auffassung und Formenbehandlung sind ganz neu; nicht nur durch die
Aufnahme antiker Dekorationsformen, vor Allem sind die Knstler ihren
Vorgngern durch ihr Stilgefhl und den monumentalen Sinn berlegen,
indem sie jene Gegenstnde regelmig architektonisch gestalten und
figrliche Bildwerke nur zur Hebung der Form und als sinnige Erklrung
ihrer Bedeutung anbringen. Die Grabmonumente, die jetzt eine so
auerordentliche Bedeutung gewinnen und nicht selten fast die ganzen
Wnde der Kirchen bedecken, waren allerdings auch schon im Trecento an
demselben Platze; aber an die Stelle des Heiligengrabes, das nur noch
ausahmsweise einen Stifter findet, tritt das Privatgrab und das
Staatsdenkmal, und der von Sulen getragene, mit$
. a. die Bste des Lorenzo Magnifico (No. 148)
und des angeblichen Macchiavelli (No. 147, Marmor-Original im Bargello).
Charakteristisch fr die Form der Portrtbsten des XV. Jahrh. und fr
ihre Bestimmung zur Aufstellung auf Kaminen und Thrstrzen, ist die
flache Endigung nach unten; diese verlangte eine Basis, welche entweder
aus einem Stck mit der Bste oder als besonderer Untersatz aus bemaltem
Holz gearbeitet ist. Die Persnlichkeit ist regelmig in grter
Anspruchslosigkeit ud Einfachheit aufgefat; der Knstler beschrnkt
sich darauf, dieselbemit mglichster Treue in ihrer vollen
Eigentmlichkeit wiederzugeben. Nur ganz ausnahmsweise ist eine innere
Erregung oder eine lebendige Bewegung in der Bste angestrebt, wie in
Donatello's Bste des Niccolo Uzzano im Bargello.
Fr die hohe Entwickelung des knstlerischen Empfindens und die Feinheit
des Stilgefhls im Quattrocento ist die Behandlung des _Reliefs_ ein
sprechendes Zeugnis. Wie im ganzen Mittelalter, so nimmt das Relief auch
jetzt noch den bed$
r Gruppe
nirgends besser als in Berlin in ihrer Eigenart unterscheiden lassen.
[Abbildung: 109D. Bemaltes Stuckrelief von einem florentiner
Thonbildner.]
Am altertmlichsten und zugleich am befangensten erscheint ein Knstler,
der besonders hufig vorkommt und in Norditalien, in Sta. Anastasia zu
Verona, im Dom zu Modena und in Venedig eine bedeutendere Thtigkeit
entwickelt hat. Schon in seiner architektonischen Umrahmung zeigt er
eine eigentmlich barocke Mischung plumper gotischer und schlecht
verstandener Renaissanceformen. Die unsichere, ausgeschwunggene Haltung
seiner Figuren, die kleinen Kpfe, die langen Falten der s#chweren Stoffe
mit ihren Schnrkeln, wo sie auf den Boden aufstoen, die mangelhafte
Durchbildung, namentlich die knochen- und gelenklose Bildung der Krper
verraten einen Bildner, der in den Traditionen des Trecento aufgewachsen
ist und nicht eigene Kraft genug hat, sich von ihnen los zu machen. Die
groe vorspringende Stirn, die berstehende Oberlippe, das kleine
zurcktretende Kinn und$
Mino's Hand
ist fast ebenso gro, wie die der Grabdenkmler; teilweise sind
dieselben auch von gleichem Umfange. In Florenz gehren die Altre im
Dom von Fiesole (vor 1466) und der bald darauf entstandene hnliche
Altar in der Badia, die Tabernakel in Sa. Croce und S. Ambrogio (1481)
zu seinen bekanntesten Arbeiten. Die Kanzel in Prato, die er 1473 mit
Ant. Rossellino zusammen ausfhrte, und das Ciborium in Volterra (1471)
stehen durch die Flchtigkeit der Zeichnung und die oft kindlich
ungeschickte Komposition wesentlich hinter jenen Arbeiten zurck. In Rom
sind die meisten Werke dieser Art zerstckelt: so die groe Kanzel des
Peter, an welcher vier Apostel von Mino's Hand sind, das kolossale
Ciborium in Sa. Ma. Maggiore (1463) und das gemeinsam mit Dalmata
ausgefhrte Taberna*kel in S. Marco (um 1463). Die Tabernakel in Sa. Ma.
in Trastvere und in S. Pietro in Perugia (1473, wohl gleichfalls in Rom
entstanden) befinden sich dagegen noch an ihrem ursprnglichen Platze.
Von den ziemlich zahlreichen Madonnenr$
s und Paulus im Peter (alle zwischen 1461 und
1464), haben den gleichen nchternen, mehr von der Antike als von der
Natur bestimmten Charakter. -- Der wenig jngere _Giovanni Dalmata_
(thtig in Rom um 1460-1480) ist derber und lebendiger; durch sein
unruhiges knitteriges Faltenwerk, sein starkes Hochrelief ist er unter
den brigen Rmern leicht herauszuerkennen. Am Paulsgrabe und am Grabmal>
Eroli ({~IDAGGER~} 1479) in den Grotten, am Tabernakel in S. Marco arbeitet er
neben Mino, am Grabmal Roverella ({~DAGGER~} 1476) in S. Clemente und am Grabmal
Tebaldi in der Minerva neben Andrea Bregno. -- Am hufigsten begegnet
uns in den Denkmlern Roms, neben Mino, der Lombarde _Andrea Bregno_
(1421-1506), namentlich in Arbeiten seiner Werkstatt. Seine lombardische
Herkunft verrt sich in den schlanken Figuren und den zierlichen
Parallelfalten: die edlen Kpfe und die vornehme Haltung seiner Figuren
verdankt er aber dem Studium der Antike in Rom, mit der er freilich auch
den Mangel an feinerer Belebung und Individual$
terhaften Behandlung
der Extremitten, der eigentmlich tastenden Bewegung der Finger, die
wie ein unwillkrlicher Ausdruck des verschlossenen Lebens erscheint.
Die Kampfesscene, obgleich berfllt, ist ausgezeichnet durch die groe
vielseitige Gestaltung der Motive und die Art, wie die schnen nackten
Krper in der mannigfaltigsten Weise zur Geltung gebracht sind. Whrend
Michelangelo's Aufenthalt in Bologna, wohin er im Juli 1494 geflohen
war, entstanden drei Statuetten fr die Arca in S. Domenico, von denen
noch der knieende Engel mit dem Leuchter und der hl. Petronius erhalten
sind. Der unruhige, motivlose Faltenwurf der dicken Gewnder, beim
Petronius sogar die Haltung und der Typus erscheinen hier deutlich
beeinflut durch den geistesverwandten Quercia, dessen groartige
Bildwerke am Portal von S. Petronio auf den jungen Knstler einen tiefen
Eindruck machten.
[Abbildung: 209. Marmorstatue des Giovannino von Michelangelo.]
Im Sommer 1495 war Michelangelo wieder in Florenz; die Arbeiten, die er
hier in$
wieder versammelt und flogen in groen
Kreisen und zuletzt weit fort, doch blieb wenigstens einer von ihnen,
der jngste, zurck. Der Schwan legte seinen Kopf in ihren Scho und sie
streichelte seine Schwingen; den ganzen Tag waren sie beisammen. Gegen
Abend kamen die andern zurck und als die Sonne untergegangen war,
standen sie in ihrer natrlichen Gestalt da.
Morgen fliegen wir von hier fort und drfen vor einem ganzen Jahr nicht
zurckkommen; aber wir haben beschlossen, dich nicht zu verlassen. Hast
du Mut, uns zu begleiten? Sollten unser aller Flgel nicht Kraft genug
haben, mit dir ber das Meer zu fliegen?
Ja, nehmt mich mit! rief Elise freudig aus.
Die ganze Nacht brachte sie nun damit zu, aus der geschmeidigen
Weidenrinde und dem zhen Schilf ein starkes Netz zu flechten; auf
dieses legte sich Elise, und als nun die Sonne sich erhob und die Brder
in wilde Schwne verwandelt wurden, ergriffen sie das Netz mit ihren
Schnbeln und flogen mit ihrer teuren Schwester, die noch im sen
Schlummer lag,$
ne wute er
treffend zu kopieren. Aber daran war das Glas schuld, welches ihm in die
Augen geflogen war, das Glas, welcFes ihm in dem Herzen sa. Daher kam
es, da er sogar die kleine Gerda neckte, die ihn von ganzer Seele lieb
Seine Spiele nahmen jetzt einen ganz anderen Charakter an, sie wurden
mehr verstndig. An einem Wintertage, als Schneegestber eingetreten
war, kam er mit einem Vergrerungsglase, hielt seine blauen Rockzipfel
hinaus und lie die Schneeflocken darauf fallen.
Sieh nun einmal in das Glas, Gerda! sagte er, und jede Schneeflocke
wurde ungleich grer und nahm sich wie eine prchtige Blume oder ein
zehnzackiger Stern aus. Es gewhrte einen herrlichen Anblick.
Siehst du, wie kunstreich! rief Kay aus; das bietet weit mehr
Vergngen und Stoff zum Nachdenken dar, als die wirklichen Blumen! Auch
ist kein einziger Fehler an ihnen, sie sind ganz regelmig; wenn sie
nur nicht schmelzen wrden!
Nicht lange darauf kam Kay mit groen Fausthandschuhen und seinem
Schlitten auf dem Rcken. Er fl$
berg.*
_Universitaetsbibliothek_: Osthoff, Vom Suppletivwesen der indogermanischen
Sprachen. Rede. 1899. 4. Rob. Wilh. Bunsen. Ein akademisches Gedenkblatt.
1900. 4. _Historisch-philosoph. Verein_: Neue Heidelberger Jahrbuecher. IX,
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*Kopenhagen.* _Kong. Danske Videnskabernes Selskab._, Oversigt over det
forhandlinger. 1899. Nr. 4-5. 1899. 8. _Societe royale des antiquaires du
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mededeelingen. 1898/99. Nebst Bijlage 1899. 8. -- *Leipzig.* _Gesellschaft
fuer saechsische Kirchengeschichte_: Beitraege zur Saechsischen
Kirchengeschichte. H. 14. 1899. 8. --  *Luettich.* _Institut archeologique_:$
stschrift.
1900. 4. _Weidmann_'sche Buchhandl.: Achelis, Die Martyrologien, ihre
Geschichte u. ihr Wert. 1900. 4. Muellenhoff, Deutsche Altertumskunde. IV,
1 u. 2. 1898-1900. 8. Er. Schmidt, Lessing. G7schichte seines Lebens u.
seiner Schriften I. II. 2. Aufl. 1899. 8. Seeck, Die charakteristischen
Unterschiede der Brueder van Eyck. 1899. 4. Suphan, Allerlei Zierliches von
der alten Excellenz. 1900. 8. -- *Bielefeld.* _Velhagen & Klasing_,
Verlagsbuchh.: Holm, Luebeck, Die Freie u. Hanse-Stadt. 1900. 8. Meisner u.
Luther, Die Erfindung der Buchdruckerkunst. 1900. 8. Steindorff, Die
Bluetezeit des Pharaonenreichs. 1900. 8. -- *Braunsberg.* _Handelskammer_:
Jahresbericht f. d. J. 1899. 1900. 8. -- *Breslau.* _Handelskammer_:
Jahresbericht f. d. J. 1899. 100. 8. -- *Bromberg.* _Handelskammer_:
Jahresbericht f. 1899. 1900. gr. 8. -- *Bruenn.* _Verein "Deutsches Haus"_:
Blaetter vom Deutschen Hause Nr. 3-9. 1891-95. 8. Nr. 13. 1900. 8.; Die
Chronik der Landeshauptstadt Bruenn. II. 1. 2/3, III, IV. -- 1897. 8.
Trau$
s h. Joachim und der h. Anna, darber zwei
Engelsfigg. mit dem Wappen Herzog Georgs und seiner Gemahlin; im Hauptfeld
ber dem Trsturz die Dreieinigkeit, der Gekreuzigte vor dem Schoe des
Vaters, umgeben von 9 Engeln (Anspielung auf die 9 Chre), tiefer der h.
Franz und die h. Clara; in der Krnung Moses, Johannes, Adam und Eva, ber
der Giebelblume der Pelikan. Die ebenso klare alsfreie Komposition, die
Energie der sehr persnlichen Stilisierung, der poetische Schwung der
gegenstndlichen Auffassung bringen dies Werk dem Besten der
zeitgenssischen deutschen Kunst nahe. Stil und Signatur erweisen die
Identitt mit dem Meister des Hochaltars in Borna und der Ebersdorfer
Pulthalter im Dresdener Museum. -- _Tr der alten Sakristei_; vollendet
1518 in der Zeit der Bauleitung durch Jakob v. Schweinfurt. Erstes
greres Werk der Renss. in Obersachsen; Formcharakter venezianisch, got.
Erinnerungen fast ganz unterdrckt, wenn auch der neue Stil noch nicht
ganz verstanden; der plastische Schmuck steht dem der s$
z. [T. Ruine. Im Innern nur
ein Treppenaufgang alt.
*Neues Schlo*. 1754 von _St. Pierre_. Lang gestreckt, wenig tief, nur der
3 achsige Mittelbau in bedeutenderen Architekturformen. Eingangshalle und
Treppenhaus verhltnismig bescheiden. Die Wahl der Gemcher ist gro,
ihre Ausstattung entfernt icht so prunkvoll wie etwa in den geistlichen
Frstensitzen aus der ersten Jahrhunderthlfte. Die Mittel waren geringer,
doch auch der Geschmack in der Wendung zum Intimen und Natrlichen. Im
Festsaal Wandgliederung durch gekuppelte korinth. Pilaster von schwachem
Relief; das Geblk nicht verkrpft; Rokokoornament (von _Petrozzi_) nur an
der flachen Hohlkehle; das Deckengewlbe (von _Wunder_) jetzt bertncht.
Hervorzuheben noch das Spalierzimmer, das Musikzimmer, die mit Cedernholz
vertfelte Speisegalerie. -- Ursprnglich alleinstehend der 1759 errichtete
italienische Bau; der von _Petrozzi_ dekorierte Festsaal gibt eine
wohlgelungene Verschmelzung von Rokokoformen mit Barockerinnerungen.
*Opernhaus*. 1744-48, F$
ielleicht von derselben Hand _Grabstein_ eines kleinen Mdchens mit
Blumen und Totenkopf. Im Chorbg. _Kreuzgruppe_ aus der Umgebung
_Riemenschneiders_. Unter den _Altargerten__ _ gute Augsburger Arbeiten
des 17. und 18. Jh. -- Auen am Lhs. _lbergkap_. mit berlebensgroen
Figg. um 1620F.
*Hl. Kreuz-Kap*. 1657. Flachgedecktes Schiff, stark ausladend. Qsch und
1/2kr. Apsis. Gute Altre aus der Erbauungszeit, einer mit _Gemlde_ bez.
_Oswald Onghers_ 1660.
*Rathaus* 1706 vom Wrzburger _Peter Zwenger_ in schwerem sp. Barock,
Erdgescho und Hauptgescho wirkungsvoll kontrastiert. -- Hbsche
_Wohnhuser_ des 18. Jh.
*Stadtbefestigung*. 15. und 16. Jh. Im ganzen Umkreis erhalten. 15
Rundtrme in Abstnden von 60-80m. 3 Tore (das vierte abgebrochen). --
_Mariensule_ 1660 und _Sebastianssule_ 1773, vortrefflich. In einem
Privatgarten bmkw. steinerne _Madonnenstatue_ 2. H. 14. Jh. Mehrere
_Bildstcke_ mit reichen und guten Skulpturen des 17. Jh.
_EIBSTADT_ (Gro- und Klein-). UFrnken BA Knigshofen.
*Dorfkirchen$
 vortrefflich, die Auffassung durchaus statuarisch.
Grabstein Berld v. Vitztum 1478. Epit. Balth. Hirschbach 1583 von _H.
Friedemann d. ._ Epit. Nacke 1587. Epit. _Mohr_ 1626. -- _Gemlde_: in der
Saalfeld-Kap. Flgelaltar A. 15. Jh. -- _Abendmahlskannen_ von _Erasmus
Wagner_ 1621 und _Andr. Jrg_ 1679.
*Regler-K.* (Augustiner-Chorherren) M. 14. Jh. Vom rom. Bau die 2trmige
WFassade (alt indes nur der sdl. Turm). Ganz schlichte Anlage.
Unvollstndige Flachdeckbasilika; das nrdl. Ssch. zum Kreuzgang
geschlagen, darber eine gegen das Hauptschiff sich ffnende Empore.
Gestreckter platt geschlossener Chor. -- Groes doppelflgeliges
_Altarwerk_ um 1480, an dem besonders die gemalten Teile bmkw.; frher
irrigx_Wolgemut_ zugeschrieben; wohl von Erfurter Lokalmeistern (an
Auentafeln, Innentafeln und Predella rei verschiedene Hnde). An der
Auenwand und sehr verwittert: _Epitaph_ des Heinrich Frimar 1417,
Kreuzigungsgruppe, darunter 2 kleine Adoranten, geleitet von 2 Heiligen.
*Augustiner-K*. (Augustiner-Eremi$
 der St. Annakap. [Die ma.
Ausstattung groenteils zu Grunde gegangen; wertvolle Reste im Museum und
im Dresdener Altert.-Ver.]
*Jakobi-K*. Angelegt im 1. Drittel 13. Jh., doch gnzlich um- und verbaut;
um 1500 in 3sch. Hallenkirche verwandelt. -- _Altarwerk_ bez. _Bernhard
Diterich_ 1610. -- _Kanzel_ 1564, schne Sandsteinarbeit. -- _Taufstein_
bez. 1555 H. W. (_Hans Walter_), glnzend reiche Komposition, am Fu vier
Kindergestalten. (Dies Motiv war in der Gegend lange beliebt: um 1510 in
Annaberg, 1610 in Drntal,P1650 in Pfaffroda). In der Sakristei groes
bar. Elfenbeinkruzifix, _Balth. Permoser_ zugeschrieben.
*Nikolai-K*. Von der rom. Anlage des 13. Jh. die unteren und mittleren
Teile der westl. Doppeltrme. LLetzte berarbeitung 1752. An der NSeite ein
schner rom. Kopf eingemauert. -- Chor 1386.
*Petri-K*. Von der rom. Anlage im SO der Hahnen-Turm erhalten; sonst
Neubau 1401 und 1728.
*Thmerei* (Chorherrenhof), 1484. Im Erdgescho schn gewlbte Rume, im
Obergescho kunstvoll behandelte Balkendeck$
(nach
Entwurf von _Welsch_?). Fresko im Festsaal bez. 1732. Die groartigen
Gartenanlagen z. T. rhalten.
_JHSTADT._ K. Sachsen AH Annaberg.
*Stadt-K.* 1675. -- _Altarwerk_ von _Andreas Petzold_ 1676, Holz, 6,3 m Br.
: 9 m H., in der Mitte in lebensgroen freien Figuren die Anbetung der
_JCHSEN._ Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen.
*Dorf-K.* 1628. Hbsche, stimmungsvolle Inneneinrichtung.
_JUNKERSDORF._ UFranken BA Hofheim.
*Dorf-K.* Frgot. Turmchor mit umfnglichen _Wandgemlden_ aus M. 15. Jh.
(rest. 1906), an der OWand Jngstes Gericht; ferner S. Michael und Szenen
aus der Geschichte von S. Georg, S. Bernhard, S. Veit. An der Untersicht
des Chorbg. die klugen und trichten Jungfrauen. An der WWand des Lhs. S.
Christoph u. a. m. Smtliche Szenen auf weiem Grund mit roten Sternen.
_JUNKERSDORF._ UFranken BA Ebern.
*Dorf-K.* sprom. Anlage, Chor im OTurm mit Tonnengwb. -- Schnes
*Fachwerkhaus* von 1617.
_CABARZ._ Sachsen-Gotha LA Waltershausen.
*Dorf-K.* 1670. Mit hbscher _Kanzel_.
_KADITZ._ K. Sachsen AH D$
gten Typus von Zentralbauten; Gr. quadr. mit
abgestutzten Ecken, durch Anbauten im O (Altarhaus) und W (Vorhalle mit
Treppen fr die Emporen) in  Eck verwandelt. Kanzel ber dem Altar. -- Die
virtuos geschnitzten _Altarfiguren_ italienischen Stils vielleicht von
_Andreas Petzold_.
_KARLSFRIED._ K. Sachsen AH Zittau.
*Burg*. Erb. von Kaiser Karl IV. 1357, von den Hussiten ausgebrannt. Die
Ruine lt wenig mehr als den Gr. erkennen.
_KARLSTADT._ UFranken BAmtsstadt.
*Pfarr-K.* Der einzige bedeutendere got. Bau im Bezirk. Radikaler Umbau
einer sprom. Basilika, von welcher erhalten: der WTurm ganz, die unteren
Teile der Umfassungsmauern des Lhs., die Vierungspfll. und die alte
Sakristei. Im letzten Viertel des 14. Jh. der gestreckte Chor mit 5/8
Schlu (wohl von demselben Meister, wie der Chor der K. in Dettelbach),
das Qsch. und das als Hallenkirche mit schlanken kmpferlosen Pfll. und
Netzgwbb. behandelte Lhs. Im WJoch steinerne Querempore. Das hohe Dach
verdeckt die OSeite des schnen rom. Turm. -- 1614 _dekor$
fchen. Die bertragung einer sterreichischen Sitte nach
Franken erklrt sich aus der Person des Stifters, des von hier gebrtigen
Wiener Hofkammerrats v. Neuff.
_LENGSFELD._ Sachsen-Weimar VB Eisenach.
*Kirche* mit Benutzung eines Chors aus dem sp. Ma. erb. 1790, einheitlich
klassizistische Ausstattung.
*Zwei Schlsser*. Am lteren mchtige Ruinenreste aus Ma.
_LEUBA._ K. Sachsen AH Zittau.
*Dorf-K.* neu. Zahlreiche _Grabdenkmler_ des 17. und 18. Jh.
*Schlo.* Stattlich schlichter Bau um 1700, fr H. Chr. v. Schweinitz.
_LEUBACH._ UFranken BA Mellrichstad.
*Dorf-K.* Einheitlicher Bau von 1795 mit hbscher Fassade und Mittelturm.
_Ausstattung_ feine Rok.Altre (aus Kloster Bildhauen stammend).
_LEUBEN._ K. Sachsen AH Dresden-N.
*Dorf-K.* neu; aus der alten _Glasgemlde_ von 1512 und das schne
_Denkmal_ des Hans Dehn v. Rotfelser (aus der Frauen-K. zu Dresden).
_LEUBEN._ K. Sachsen AH Oschatz.
*Schlo* um 1770, kleiner Bau von vornehmer Haltung; rok. Mbel,
Porzellan, Bildnisse.
_LEUBINGEN._ Pr. Sachsen Kr. $
weifel nicht
unterdrckt werden. Mehreres sprche dafr, da ursp. ein Zentralbau
geplant war: die Herrschaft der lteren Ritterorden, die Bestimmung als
Grabkirche, de, Schulzusammenhang mit Trier, die sehr erkennbaren
Unsicherheiten im Anschlu der OTeile an die WTeile, besonders zwischen
dem ersten und zweiten Joch. Wenn auch der OBau dem Bau in Haina m. E.
vorangeht, so drfte doch die Idee der Hallen-K. von dort entlehnt sein. --
Die Fassade ist sehr einfach gehalten, wesentlich auf die ausdrucksvolle
und harmonische Fhrung der groen Linien vertrauend. Wenig stimmt nur d!s
von der Clner Schule beeinflute groe mittlere Prachtfenster, noch
weniger der berreich geschmckte westl. Staffelgiebel. Das WPortal gehrt
wohl der Bauzeit kurz nach 1270. Es ist besonders zu beachten, als eine
von franzsischen Vorbildern unabhngige, die rom. Portalidee in got.
Formen bersetzende Lsung. Die Portale der Langseiten (um 1255) noch
rundbg. -- Die Rest. M. 19. Jh. ist ohne feineres Stilgefhl durchgefhrt
und hat$
gszweck wog nicht ausschlielich vor, so da einem groartigen
Saalbau (voll. 1311) und einer ansenlichen Kapelle (gew. 1288) Raum
gegeben wurde. Diese beiden Bauten sind das Bedeutsamste, was die deutsche
Scloarchitektur der frheren Gotik im Sinne des Kunstbaues geleistet
hat. Der _Saalbau_ hat ber dem hohen Keller zwei Hauptgeschosse. An der
gegen den Abhang liegenden W- und NSeite ist er durch starke Wandpfll.
verstrebt, die sich an den Ecken turmartig verstrken und ber dem
Dachgesims in freistehende 8eckige Trmchen mit Wendeltreppen auslaufen.
(Die Spitzdcher neu, vorher welsche Hubchen.) In der Mitte der NSeite
ein Risalit mit Staffelgiebel. Knstlerisch der wichtigste Bestandteil ist
der das ganze Obergescho einnehmende sogenannte Rittersaal (33,5 l., 14
br., 7,8 h.). Seine Anlage nahe verwandt derjenigen der
Klosterrefektorien. Eine mittlere Reihe von 4 Pfll. teilt den Raum in 2
Sch., die von 2  5 quadr. Gwbb. berspannt werden. Die krftigen, unter
sich gleichen Rippen (im Profil geschrfter$
*Pfarr-K.* Anlage die typische des Ma.: 1sch. mit eingezogenem Turmchor;
der letztere 1497, das Lhs. 1711 erneuert. -- *Pfarrhaus*. Fachwerkbau M.
17. Jh. -- Schlo. 1663 erneuert, Rck. mit 4 Ecktrmen, geschweifte
Kuppeldcher. _Hofportal_ reich geschmckt, doch von roher Arbeit.
_Stuckdecke_ 1670.
_MARKERSDORF._ K. Sachsen AH Rochlitz.
*Dorf-K.* sprom., wenig verndert. Glocke 13.-14. Jh. [Altarwerk von _Jak.
Mller_ im Museumg des Schsischen Altert. Ver. in Dresden.]
_MARKRLITZ._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt.
*Dorf-K.* Groenteils Neubau 1694. Bmkw. _Epitaph_ fr Friedrich und
Margaretha von Burkersroda ({~DAGGER~} 1570, 1582) bez. _HK_; von derselben Hand
(der man auch in Freburg und Zorbau begegnet) der reiche und
geschmackvolle _Taufstein_ von 1599.
_MARKSUHL._ Sachsen-Weimar VB Eisenach.
*Kirche* 1667, 1sch., mit hlzernem Tonnengwb. 2 Geschosse Emporen auf
geschnitzten Rundsulen. Gerader Chor mit Kreuzgwb. Geschnitzte _Kanzel_,
ehemals auf einer Figur des Moses stehend; diese jetzt im Thringer Museum$
dtbefestigung* 1457.
_THEUMA._ K. Sachsen AH Plauen.
*Kirche,* ehem. des Deutschordens. 1sch. Gewlbebau um 1400. --
Vierflgeliges _Altarwerk_ A. 16. Jh.
_THIERBACH._ K. Sachsen AH Plauen.
*Dorf-K.* in groem befestigtem Kirchhof. -- _Altar_ und _Deckenstuck_ mit
biblischen Darstellungen um 1680.
_THIERSTEIN._ OFranken BA Wunsiedel.
*Burg.* Umfangreiche Ruine mit hohem Bergfried; zerst. 1553, rist. 1640,
verbrannt 1725.
_THOSSEN._ K. Sachsen AH Plauen.
*Dorf-K.* Vierflgeliges _Altarwerk_ um 1500; ber der Predella die
liegende Stifterfigur.
_TRENA._ K. Sachsen AH Grimma.
*Dorf-K.* rom. Anlage. Stattlicher spgot. _Schnitzaltar_, wohl aus dem
Klst. Eiche.
_THULBA._ UFranken BA Hammelburg.
Ehem. *Benedikt.-Nonnen-Klst.* Gegr. 1127. Das Klst. im Bauernkrieg
zerstrt. Die rom. Kirche erhalten, stattliche kreuzf. Pfeiler-Basilika.
Im Lhs. ein Teil der Sttzen ausgebrochen, vielleicht urspr.
Sttzenwechsel. Rest eines Kreuzganges mit Wrfelknaufsulen. -- Rok.
Ehem. *Propsteihaus* (jetzt Pfarrhaus) 1701; rest. 173$
lage von Doppelemporen
fhrt; dieselben ruhen auf Flachbgen, die zwischen die einwrts gezogenen
Strebepfll. gespannt sind; die Decke ist eine abgeflachte Tonne mit
Rippennetz. Kein abgesonderter Altarraum. Die Kanzel am Mittelpfeiler der
SSeite. -- Der prachtvolle _Altaraufsatz_ stammt aus der Schlo-K. zu
Dresden; keine Knstlerbezeichnung; Art der _Walther_. Eine dekorativ
vorzgliche Arbeit die _Dedikationstafel_ mit dem Portrt Luthers zwischen
denen der Prinzen Joh. Wilhelm und Joh. Friedrich, gegossen 1545 durch
_Wolf_ und _Oswald Hilger_.
_TRAGNITZ._ K. Sachsen AH Dbeln.
*Dorf-K. Spgot. flachged. Schiff mit verhltnismig groem Chor. Das
Innere im 17. Jh. umgestaltet, mit seiner gemalten Felderdecke, seinen
Emporen, Stbchen und Sthlen wohl das malerischste in Sachsen. Der
_Altar_ 1659 von dem Bildhauer _V. Otte_ und dem Maler _J. Richter_ (vgl.
_TRAPPSTADT._ UFranken BA Knigshofen.
*Schlo* (frWher v. Bibra) um 1700. Ein lterer Bau von 1616. Guter,
grofiguriger Ofen.
*Dorf-K.* Gleichzeitig$
. Sie bestand aus Hugo Loersch, Cornelius
Gurlitt und Adolf von Oechelhaeuser. Fuer Loersch, dessen Tod wir im Jahre
1907 zu beklagen hatten, trat Paul Clemen ein. Die Jahre des
Zusammenarbeitens mit ihnen werden mir stets in dankbarer Erinnerung
Jetzt mit der zweiten Auflage tritt das Handbuch unter die Fuersorge des
Deutschen Vereins fuer Kunstwissenschaft. Die grundlegende erste
Bearbeitung hatte notwendig das Werk eines einzelnen sein muessen; die nun
folgende nachpruefende und ergaenzende Kleinarbeit ist nur denkbar in der
Verteilung auf viele. Das Einfachste und Wirksamste waere, wenn die Herren
Konservatoren es sich zur Gewohnheit machen koennten, bei ihren amtlichen
Denkmaelerbesichtigungen und bei ihrer Kenntnisnahme von der lokalen
Forschung stets einen Blick auf das Handbuch zu werfen und die ihnen noetig
erscheinenden Bericqhtigungen und Nachtraege gleichlaufend einzuzeichnen.
Amf diese Weise wuerde ohne besondere Muehewaltung, fast automatisch, die
Sammlung des Materials sich bewerkstelligen lass$
es
Stueck Monstranz von _Joh. Zeckel_ (Augsbg), um 1700.
*Klostergebaeude* 1616-20, 4fluegelige Anlage in einfachster
*Rathaus* A. 16. Jh. An der Fassade (Langseite) baut sich nicht ohne
monumentale Wucht eine doppellaeufige Freitreppe auf, ueber dem Podest eine
Laube und ueber dieser ein polyg. Choerlein; die einfach behandelten Fenster
asymmetrisch verteilt; die Giebel der Schmalseiten mit derber
Blendengliederung. Das Innere grossenteils veraendert, gut erhalten und
bmkw. die Ratsstube mit Erker und Vorplatz; got.-renss. Kompromiss.
*Stadtbefestigung* vollstaendig erhalten, wenn auch in broeckligem Zustande.
36 vollrunde Mauertuerme in Abstaenden von 26-30 m. Gewoehnlich folgt auf 2
kleinere ein groesserer. Von den einst 5 Toren noch zwei.
_DIEBACH._ UFranken BA Hammelburg.
*Pfarr-K.* Rom., A. 13. Jh. Kreuzfoermiger Chor im Ostturm. Querschiff und
Langhaus stark veraendert. -- 3 spaetgot. _Holzfigzg._ E. 15. Jh.
_DIEDORF._ Sachsen-Weimar VB Dermbach.
*Dorf-K.* Einheitlich 1785. Altar, Taufstein, Kanzel un$
eben ein gestrecktes etwas
verschobenes Rechteck. Das Erdgeschoss (das sich allein in ursp. Gestalt
erhalten hat), wird durch toskanische Saeulen rdndum in zwei Schiffe
geteilt; erhalten ferner 2 Tore gegen W in Rustikaarchitektur.
*Zwinger*. 1711-22 von _Matthaeus Daniel Poeppelmann_ (1662 bis 1736). Die
monumentale Gestaltung eines Renn- und Festspielplatzes, dergleichen um
jene Zeit in Florenz, Wien und Paris oefters, in Dresden selbst im Jahre
1709, in provisorischer Holzkonstruktion zur Ausfuehrung gekommen waren.
Etwas von der phantastischen Pracht der Buehnenarchitektur ist auf die
Anlage uebergegangen, aber gemaessigt durch eine hohe, klare und fuer den
gegebenen Zweck ueberaus glueckliche Grundrissdisposition. Den Zwinger von
der SWHauptpforte betretend, hat man vor sich einen Hof von 106 m Tiefe
und 107 m Breite; aus den Langseiten treten Fluegel mit Segmentbogenschluss
hervor, wodurch das Ganze kreuzfoermige Gestalt erhaelt, mit Erweiterung der
Querachse auf 204 m. Die dem Eingang gegenueberliegen$
ikchen Art, doch von
stattlichen Abmessungen; WTurm schmal rck. in gleicher Breite mit dem Sch.
_LUSAN._ Reuss j. L. LA Gera.
*Dorf-K.* Quadr. Chor mit 1/2-kr. Apsis romanisierend frgot., 1sch. Lhs.
_LUeTZEN._ Pr. Sachsen Kr. Merseburg.
*Stadt-K.* bez. 1488; 3sch., jetzt ohne Gwb.
_MACHERN._ K. Sachsen AH Grimma.
*Dorf-K.* spgot. 1615. -- Zahlreiche _Denkmaeler_, meist der Familie v.
*Schloss* 16.-18. Jh. Im Park (seit 1760) ein dorischer "Tempel der
Hygieia" und eine "Ritterburg", in welche manche alte Bruchstuecke
eingebaut sind.
_MAGDALA._ Sachsen-Weimar VB Weimar.
*Dorf-K.* des 14. Jh., grosse 1sch. Anlage, oft veraendert. -- Mehrere
_Gedenktafeln_ aus 17. Jh. _Kanzelbau_ 1739.
*Rathaus* mit schoenem renss. Portal 1571.
_MAIBACH._ UFranken BA Schweinfurt.
*Dorf-K.* nachgot. 1613-1617. Hochaltar klassiz. um 1780. Nebenaltaere
schweres Rok. um 1750.
_MAIDBRONN._ UFranken BA Wuerzburg.
Ehem. *Cistermc.-Nonnen-Klst*. Gegr. 1232, im Bauernkrieg beschaedigt und
noch im 16. Jh. aufgeloest. Der vorhandene, ziemli$
ur halben Vierung vorspringend. Graetige
Kreuzgwbb. Die 3 Apsiden aussen und innen polygonal. Dieselbe Gestaltung
des Bogenfrieses kommt an den aeltesten Teilen des Magdeburger Doms vor.
Das Lhs. hat spitzbg. Arkaden von geringer Hoehe; die Pfll. quadratisch mit
2 kraeftigen 3/4 Saeulen unter den Bgg.; die/ Kaptt. kelchfoermig,
undekoriert; die maechtige Deckplatte mit dem umgekehrten Profil der
attischen Basis. Alle Fenster rundbg. -- Aeltere Ansichten zeigen einen
niedrigen Vierungsturm; dagegen fehlen die im Gr. indizierten WTuerme;
vielleicht waren sie schon zerstoert, vielleicht auch unausgefuehrt
geblieben. -- Die _Klausur_ lag ungewoehnlicherweise auf der NSeite. --
Aeltere Besucher sahen an den Pfll. gemalte maennliche und weibliche
Gestalten mit Kronen; bei Anfeuchtung noch heute schattenhaft sichtbar,
das begleitende Ornament weist auf 13. Jh.
*Dorf-K.* Reste von spgot, Altarplastik und grosses Holzrelief mit
Beweinung Christi 1500.
Von der ehemaligen *Kaiserpfalz* ein Torweg und Mauerreste von 5 m$
In der Mauerdicke, die die kolossale Staerke von 7 m
erreicht, oben im 3. Geschoss eine kleine rom. Kapelle (H. 3,54 m,
Durchmesser 5 m). Dreikonchenanlage; an den Ecken zwischen schwachen
Wandpfeilern, welche die Quergurten tragen, eingebundene 3/4 Saeulen, auf
denen die Diagonalgurten ruhen; diese von einfach rechteckigem Grundriss;
die Saeulen haben attische Basis mit den zum Ueberfang umgebildeten
Eckblaettern der Spaetzeit; auch die rom. Mensa erhalten. Der WBergfied,
ebenfalls aus Buckelquadern, ist ein etwas kleineres und einfacheres
Seitenstueck zum noerdlichen. Die rom. Kapelle der OSeite einschiffig,
flachgedeckt mit OApsis. Ueber dem WPortal, spaeter eingefuegt, 2 gute
_Grabsteine_ des 3. Jh., wahrscheinlich eines Herrn von Rieneck und
seiner Frau.
_RIESA._ K. Sachsen AH Grossenhain.
Ehem. *Benedikt.-Nonnen-Klst.* Einfache spgot. Kirche, 1848 durchgreifend
erneuert. Am OFluegel des Klst. (Brauerei) die kleinen renss Fenster der
Nonnenzellen. Im NFluegel Refektorium mit schoenem Kreuzgwb. Der SFlue$
,
blauschimmernde Joppe. ber der Schulter hngt an einem dnnen Bindfaden
eine alte verbeulte Botanisiertrommel. Ein paar Klettersporen,
nachlssig in Zeitungspapier gewickelt, gucken ihm aus einer Tasche und
aus der andern baumeln die Enden einer selbstverfertigten Strickleiter.
Der Mann ist Leuchtturmwrter auf einem kleinen Leuchtturm weit drauen
am Auslauf der Frde. In seiner freien Zeit, oder wenn er die Aufsicht
ber den Leuchtturm seiner Frau bergeben kann, ist er ein eifriger
Trapper -- heute ist er auf dem Jagdpfad.
Sein Bezirk reicht so weit, wie der Himmel blau ist.
Im Frhling durchpflgt er alle Wlder nach Raubvogeleiern und alle
umliegenden Heiden, Moore und Smpfe nach andern Vogeleiern. Er begngt
sich nicht mit nur einem einzelnen Ei von jeder Art, nein, er hat
Verwendung fr mehr und nimmt selten weniger als das vollzhlige Gelege.
Im Sommer, wenn die Vgel ausgebrtet haben, findetman ihn wieder;
jetzt ist er darauf aus, daunige Junge9 in den verschiedenen Stadien zu
beschaffen. Er sam$
 Flug
in die hohe Luft sonst nicht Sache der Eule ist, steigt und steigt sie
-- sie mu fort von der Anziehungskraft der Erde und der Sturmesgewalt,
hoch hinauf, wo sie ungehindert gleiten kann, wenn auch in einer selbst
fr sie wahnsinnigen Eile.
Eindrcke und Empfindungen sausen durch ihr Gehirn; sie drngen sich
auf, gewinnen Platz, werden beiseite gestoen und gewinnen abermals
Platz, und whrend alledem kmpft sie -- _sie_, der lebende Ballon --
mit ihrem noch immer gleich mordlustigen Passagier in der Gondel.
Klein-Taa, dem schon gleich zu Anfang Strix' Klauen durch die Eingeweide
gedrungen sind, whlt ununterbrochen in ihrer Brust und ihren Flanken
herum, aber ihm fehlteine Sttze fr seinen Hnterkrper, seine Bisse
gelangen nicht auf den Grund, er reit ihr nur groe Bschel Federn und
Hautstreifen aus.
Strix ihrerseits arbeitet mit der ganzen Willenskraft des
Selbsterhaltungstriebes. Zh und ausdauernd klemmt sie die Horndolche
tiefer und tiefer in die Seiten des Marders und zapft Blut aus seiner
Br$
er natrlichNn Ordnung vorhanden sei. Endlich dachte
ich, wenn die menschliche Gesellschaft nach der Ansicht
Montesquieu's 'von einer Krankheit der Entkrftung, einem inneren
Uebel, einem geheimen versteckten Gift' behaftet sei, man ein
Heilmittel finden knne, wenn man die von unseren Philosophen
bisher innegehaltenen Wege vermeide. So machte ich zur Regel meiner
Untersuchungen: _den absoluten Zweifel und die absolute Vermeidung
bisher beschrittener Wege_ ... Da ich bisher keinerlei Beziehungen
zu irgend einer wissenschaftlichen Partei hatte, so war es mir um
so leichter, den Zweifel unterschiedslos anzuwenden und Ansichten
it Mitrauen zu begegnen, die bisher universelle Zustimmung
gefunden hatten. Was konnte es Unvollkommeneres geben, als diese
Zivilisation mit allen ihren Uebeln? Was war _zweifelhafter, als
ihre Nothwendigkeit und knftige Dauer_? Wenn vor ihr schon drei
andere Gesellschaften bestanden, die Wildheit, das Patriarchat und
die Barbarei, folgte daraus, da sie die letzte sei, weil sie die
vie$
zsuchen der Hfe bei den Feinden
ihrer Unabhngigkeit aus Furcht vor dem Liberalismus, diesem
Schlimmsten, was ihnen begegnen knne; (heilige Allianz, Kongresse
von Aachen, Troppau, Laibach, Verona, Karlsbader Beschlsse, auf
diese und hnliche Vorkommnisse spielt Fourier hier an); die
Mihelligkeiten unter den verschiedenen Klassen der Brger in Folge
der Wahlkmpfe; das Wachsthum der Staatsausgaben in Folge des
Kampfes der Regierungen gegen die Vlker u.s.w.
Fourier verwahrt sich dagegen, da er ein Vertheidiger des
Absolutismus sei, wenn er die Uebel des herrschenden Systems
bloslege; er kritisire, um zu zeigen, da weder das Bestehende noch
das Vergangene das Glck der Menchen geschaffen und beweise, da
man die jetzige Phase so rasch als mglich verlassen msse. Er
nenne den Liberalismus falsch, weil er einen politischen
Rckschritt unter volksfreundlicher Maske, die Herrschaft der
Oligarchie erstrebe _und immer die seinen Versprechungen
entgegengesetzten Wirkungen erzeuge_. Die Liberalen suchten sich $
 Welt, nie eine neue Idee_.
Fourier hat hier mit wenig Worten den Liberalismus schlagend
gekennzeichnet; er hat nichtsdestoweniger nach zwei Seiten Unrecht.
Er hat Unrecht, wenn er sagt, der Liberalismus schade sich selbst,
weil er durch seine Kampfweise den Monarchen und den Konservativen
vor den Kopf stoe. Das ist derselbe Vorwurf, den in unserer Zeit
die vorgeschrittenen Liberalen den Sozialisten machen. un kann
aber keine Partei aus ihrer Haut, sie kmpft fr die Ideen und
Interessen, die ihre Lebensbedingungen bilden; ob sie dabei einen
der Gegner, mit dem sie gewisse gleiche Ziele hat, verletzt und
einschchtert, kann nicht in Frage kommen. Jede aufstrebende
Partei, die fr ihren Sieg kmpft, ist fr die alten Parteien eine
Gefahr, weil der Sieg der neuen Partei die Verdrngung der alten
Parteien und ihre Hinauswerfung aus der innegehabten Position
bedeutet. Darber tuscht sich keine Partei, die an der Herrschaft
ist, und namentlich dann nicht, wenn ein unvershnlicher
prinzipieller Gegensatz zwische$
en Revolution fr alle
vorwrtsstrebenden Geister in der ganzen Kulturwelt erlangte,
muten auch die Erscheinungen in der sozialen Bewegung, die
namentlich nach der Restauration mit der Entwicklung der
konomischen Verhltnisse immer mehr in den Vordergrund trat,
lebhafte Beachtung finden. Der Kapitalismus begann in allen Lndern
Europas immer mehr Wurzel zu schlagen und sein Produktionssystem
auszubreiten. Damit kamen selbst fr den oberflchlichen Beobachter
eine Reihe von Erscheinungen zu Tage, welche die Selbstzufriedenen
beunruhigten, die Vertreter und Anhnger der kleinbrgerlichen
Wirthschaftsform aber in grte Aufregung versetzten. Man sah
vielfach schwrzer in die Zukunft, als es durch den Gang der Dinge
sich rechtfertigte. Der pessimistischen Schwarzseherei der Einen
stand die optimistosche Schnfrberei der Anderen gegenber.
Zwischen diesen beiden Lagern stand eine kleine Zahl von kritischen
aber ideal angelegten Geistern, welche weder dem Kreuzige der
einen Seite, noch dem Hosianna der ande$
 Cajetan war, drei Tage vor den andern, aus Rom gekommen und wohnte
bei Lamberg, Borsati und Hadwiger logierten in einem entzckenden
kleinen Hotel unten am Seeufer, eine Wegviertelstunde von Lambergs Villa
entfernt. Es war an einem Nachmittag, die Freunde saen teetrinkend im
Gartenhaus unter mchtigen Ahornbumen, und Cajetan hatte eben erzhlt,
da er bei der Grfin Seewald, der Schwester des Frsten Armansperg,
eine Visite gemacht und Franziska dort gesehen und flchtig gesprochen
habe, als sie selbst den Wiesenweg heraufkam, in ihrer herrlich
aufrechten Haltung, mit dem blauseidenen berwurf und dem bunten Hut wie
eine wandelnde Blume anzusehn. Sie begrte die Freunde, sie nahm Platz,begehrte Tee zu trinken und plauderte in der lebhaft erregten Art, die
innere Unruhe und Hast verbergen will. Wie steht es nun? wirst du uns
also verlassen? fragte Borsati mit zrtlichem Vorwurf. Franziska
erwiderte weich: Ihr sollt ein Andenken von mir haben. -- Wir haben es
immer, versicherte Borsati galant. Sie li$
it sich zu Rate.
Im vergeblichen Schmachten sah sie das Schdliche, es war ein Suchen in
der Finsternis. Trauerndmute sie eine Gewalt anerkennen, die Krper
und Geist auch des Edelsten unterwirft und unabwendbar ist wie der
Frhlingssturm. Sie frchtete fr den Sohn die schmerzlichen Regungen
einer Sehnsucht, die von Scham begleitet ist; das trbgestimmte Wesen
verlangte nach einem reinigenden Feuer, wenn es nicht die Lauterkeit des
Herzens vernichten sollte. Hier war zu handeln schwer, den Dingen ihren
Lauf zu lassen noch schwerer. Irgend eine Frau, eine Fremde, Ungeprfte,
Undurchschaubare in den Bezirk dieses vergtterten Lebens treten zu
sehen, konnte kaum in der Vorstellung ertragen werden, es zu wnschen
oder zu befrdern, schien ein Verbrechen. So fhrte Frau von M. einen
jungen Menschen ins Haus, dessen Familie sie kannte, und dessen
Eigenschaften ihr gerhmt worden waren. Seine Offenheit und Herzlichkeit
gefielen ihr, und der junge Robert schlo sich ihm sogleich mit
rckhaltloser Freundschaft an.$
Abreise getroffen, und in der Nacht befandJn sie sich an Bord eines
Schiffes, das nach Marseille fuhr.
Jetzt kam Schlag auf Schlag. Sie wohnten in einem Haus auerhalb der
Stadt, in dem es bei Tage friedlich herging, aber in der Nacht kamen
Herren aus der Stadt und blieben bis zum Morgengrauen beim Glcksspiel.
Riccardo mute Anla haben, sich zu verbergen,denn er berschritt
wochenlang die Schwelle nicht. Wenn die Sonne emporstieg, sa er allein
und berzhlte gleichmtig seinen Gewinnst. Oft vernahm Franziska in
ihrem Gemach heiser streitende Stimmen, und um die Marter des Lauschens
zu mindern, whlte sie den Kopf in viele Kissen. Einmal lag ein junger
Mensch, aus tiefer Wunde blutend, an der Gartenmauer, und sie sah, wie
seine Genossen ihn zu einem Automobil trugen und mit ihm fortfuhren. Ein
andermal hinkte Riccardo zur Tr herein und befahl ihr, da sie sich
seinen Freunden als Wirtin prsentiere. Sie weigerte sich. Er ri sie
mit teuflischer Kraft vom Lager herunter und hob den Arm gegen sie. Sie
lchel$
 wenig verlockend mgen sie
in dieser Zeit dumpfer Gewitterschwle gewesen sein! --, trieb ihn zu
diesem raschen Entschlu: sein tief verletzter Stolz allein hie ihn
handeln.[34] Und sein Entschlu war berechtigt; sStarrkpfig und falsch
wurde seine Handlungsweise erst, als Napoleon ihn zu bleiben bat und er
dennoch den Weg heimwrts fortsetzte. Im August kam er in Kassel an,
zwei Monate spter kehrten die traurigen Reste der westflischen Armee
in die Heimat zurck, durchzogen die jammervollen, von Frost und Hunger,
Krankheit und Verwundungen gezeichneten Gestalten, die letzten Glieder
der groen Armee, plndernd, stehlend und bettelnd das erschpfte Land.
Und schon wurden von Paris neue Forderungen lau,: Magdeburg sollte mit
20000 Mann besetzt und auf ein Jahr verproviantiert werden, eine neue
Armee galt es zu schaffen, ohne Aufenthalt Bataillone und Eskadronen
formieren![35] Jerome wute es: das war das Ende, und entrstet wandte
er sich an Reinhard, der ihn zur Eile in der Erfllung der kaiserlichen
Befe$
eils nackt oder hchstens mit einzelnen Borsten besetzt.
=Lebensweise=. Die Fliegen findet man selten auf Blthen und Bumen, meist
auf Blttern niederer Pflanzen, an Planken und Fenstern unserer Wohnungen.
Sie haben einen nur kurzen Flug und fliegen berhaupt sehr ungern, laufen
aber dafr mit einer ungeheuren Schnelligkeit umher. Von der Lebensweise
der Larven gilt hier dasselbe, was schon frher bei der ganzen Familie
erwhnt wurde.
=Geographische Verbreitung und Artenzahl=. In Europa in allen Lndern
verbreitet. Die Artenzahl der bis jetzt bekannten betrgt ber achtzig, so
dass also das Genus Phora bei Weitem die meisten Species der genannten
Familien umfasst.[35]
PHORA INCRASSATA _Meigen_.
     Tafel I. Fig. 4-6.
  Meigen, Syst. Bearb. der zweifl. Ins. Tom. VI. pag. 212. Taf. 65. 5.
  Fallen, Diptera, Suec. Phytomyz. pag. 6. (Var. Mordellaria).
  Schiner, Fauna Austriae., Diptera, pag. 338.
=Charakteristik=. Glnzend schwarz, HinterSeib matt grau, der erste Ring
weisslich, die Einschnitte der mittleren$
    Wie aber? Halten's viele nicht in Hnden
    Und hten's wohl und schtzen's nach Gebhr?
    Es macht oft reich, es kann Geschicke wenden,
    Und pflegt oft zu erschlieen Weg und Tr.
    Doch bringt es auch auf Erden rings Gewinn --
    Ein Windhauch trgt's dahin.
      Ihm ist's gegeben, groe Macht zu ben,
    Nach dunkler Nacht kndet es orgenglanz.
    Und doch vermag's, den klaren Blick zu trben,
    Und unsrer Seele nicht gengen kann's.
    Wo es regiert, herrscht nicht der Wahrheit Licht --
    Es ist und ist doch nicht.
                82.
    Einer ist's, der zu erwerben
    Strebet holden Lebenspreis.
    Jener ist's, der in sich selber
    Halt und Ma zu finden wei.
                83.
      Mit i gehrt es dem Erdreich an,
    Ein Zeuge von fernesten Tagen;
    Von Sturm und Wettern, Gluten und Eis
    Wei es dem Forscher zu sagen.
    Naturgebilde, ein Schtzehort,
    Ntzet die Menschheit es fort und fort.
      Mit r verlie es uns nchtlicher Weil'.
    Fhlst du dich auch noc$
so konnte man kaum
das eigene Wort verstehen. Die Mutter fhrte Herrn Hartwig ins Zimmer
und im Vorbeigehen fate sie einen ihrer Jungen und flsterte ihm zu:
Es ist ein Hausherr da, rufe den Vater, und mache, da man euch nicht
Das wirkte; die Kinder wuten ja, um was es sich handelte. Ein
Hausherr, so ging's von Mund zu Mund; alle Musik, aller Lrm
verstummte, auf den Zehen schlichen sich die Kinder hinaus, lautlos
wurden die Tren geschlossen, eine ungewohnte Stille herrschte im Haus.
Herr und Frau Pfffling waren allein mit dem Schreinermeister Hartwig.
Wenn Sie noch keine Wohnung gefunden haben, sagte dieser, so mchte
ich Ihnen eine in meinem Hause anbieten, drauen in der Frhlingsstrae.
Platz genug gbe es da, und es schadet auch nichts, da Sie zehn Kinder
Sieben, sieben, blo sieben, riefen die beiden Eltern wie aus einem
Um so besser, uns hat man von zehn gesagt; es hat sich halt so
herumgesprochen in der Stadt und darber haben sich die Kinder vermehrt.
Es ist ein groer Holzplatz am Hau$
rmehrung des gesamten Betriebskapitals angewiesen, die
eine wachsende Bevlkerung und die Steigerung der wirtschaftlichen
Ttigkeit erfofdern, anderseits aber ist darauf auch anzuweisen die
Deckung der nicht-anschlagsmigen Aufwendungen, zu denen gegenwrtig
u. a. auch der Verbrauch der menschlichen Arbeitskraft in der
Wirtschaftsttigkeit noch gehrt. Im brigen aber hat er als Reserve zu
dienen zur Deckung des Defizits, welches zeitweiliger Rckgang der
Wirtschaftsttigkeit fr einzelne Perioden an Stelle jenes berschusses
ergeben kann, also als Ausgleichungsfonds fr die unvermeidlichen
Schwankungen im Haushalt des Volks.
Die Sozialdemokratie mag den in der Summe der _berschssigen_
Unternehmergewinne gegebenen durchschnittlichen Gesamtberschu der
Volksttigkeit seiner absoluten Gre nach wohl hoch b2erschtzen, weil
sie ziemlich alles dazu rechnet, was auer dem eigentlichen Arbeitslohn
noch tatschliche Ausgabeposten sind. Er ist aber sicher vorhanden --
man mu ihn nur nicht da suchen, wo er nich$
ige vererblich, deren wesentlicher Ernhrer der
Berechtigte zur Zeit seines Todes war. Eine Abtretung und Verpfndung
ist auch, insoweit die Bestimmungen des Lohnbeschlagnahmegesetzes und
der C.P.O. nicht entgegenstehen, nur mit Genehmigung der Firma
=Ist der Anspruch von der Firma bestritten, so kann nur auf Gewhrung
der Entschdigung _oder_ Zurcknahme der Dienstentlassung geklagt
werden. Whlt die Firma die letztere, so hat sie fr die Zeit von der
Entlassung bis zur tatschlichen Wiedereinstellung das Gehalt oder Lohn
fortzugewhren.=
[Sdenote: Erlschen des Anspruchs auf Abgangsentschdigung.]
=Der Anspruch erlischt, falls er nicht binnen 2 Wochen nach dem
Ausscheiden geltend gemacht und erforderlichen Falles binnen weiteren 4
Wochen eingeklagt wird.=
[Sidenote: Verlust des Aspruchs auf Abgangsentschdigung bei
Verschulden.]
Der Anspruch auf die in  77 festgesetzte Abgangsentschdigung ist wegen
schuldbarer Veranlassung nur dann hinfllig, wenn die Auflsung des
Dienstverhltnisses seitens der Firma $
de zu Stein und stand still.
"Rauen", der Fuchs, glotzte aus dem schweren, spanischen Sattelzeug
heraus Edvard an; er traute seinen eigenen klugen Augen nicht. Dem Vater
erging es augenscheinlich ebenso; denn sein runder Kopf in der grauen
Wollmtze streckte sich weiter und weiter ber den Pferdehals vor, bis
er sich mit beiden Hnden auf den Sattelknopf sttzen mute. Dieser
pudelnasse Bursche mit dem Pelzklex auf dem Kopf -- der dort, bla und
erschrocken, wieein Gespenst mitten auf der Strae stand -- war das der
Junge, der um diese Zeit zu Hause sitzen und seine Aufgaben machen
sollte, bevor er sich berhaupt rhren durfte? Am Samstag nachmittag? In
solchem Wetter, bei solchem Schmutz, und so leicht gekleidet -- hier
drauen auf dem Weg nach Store-Tuft? Und das ohne Erlaubnis? "Hlle und
Teufel, was treibst Du hier?"
Das Pferd blieb stehen; der warme Atem fllte die Luft rings um den
Jungen und hllte ihn in Nebel und einen unangenehmen Schwligeruch.
Edvard vermochte sich nicht zu rhren, wagte nicht zu $
 "Das trifft sich gut," sagte er --"eben geht
der Mond auf." Sie dachte, sie wrden einen von den Schlitten nehmen,
die da standen, oder den Wagen, der eben kam. Es war Glatteis gleich vor
der Haustr, und sie stie einen kleinen Schrei aus, schritt aber
tapfer aus. Inzwischen fuhr ein Schlitten nach dem andern davon und
zuletzt auch der Wagen. "Fahren wir nicht?" fragte sie. Der Schelm
lachte; er habe es sich gerade so hbsch gedacht, zu gehen. Sie
versuchte ihre Enttuschung zu verbergen; aber nach einigen
verzweifelten Versuchen bat sie ganz rhrend, sie wollten doch fahren.
Ihm fiel ein, wie ngstlich sie das erste Mal gewesen war, und unter
Gewissensbissen versicherte er, sie wrden nur bis zum nchsten
Halteplatz gehen, der nicht weit entfernt war. Der Weg war nicht so
besonders glatt, aber abschssig; sie klammerte sich an seinen Arm,
starrte geradeaus und stie leise Schreie aus; etwas weiter wurde es
schlimmer; die ganze Breite des Wegs war manchmal von Eis bedeckt,
trotzdem auch hier einzelne sich$
d zwar gerade ber einen seiner Fe, so da auch er
ausglitt und fiel -- der eine ber den andern. Er machte seinem
bervollen Herzen in einem Fluch Luft und war sofort wieder auf den
Beinen, um ihr zu helfen. Aber sie lag regungslos, mit geschlossenen
Es berlief ihn eisig. Eine Gehirnerschtterung? Er hob sie auf und
legte sie ber sein Knie, zog mit den Zhnen seinen rechten Handschuh
aus und machte ihr den Kragen auf. Ihr Arm hing herunter, ihr Gesicht
war totenbla. Er ffnete ihren Mantel, um ihr Luft zu schaffen. Jetzt
rhrte sie sich. "Ragni!" flsterte er. "Ragni!" und beugte sich tiefer
auf sie herab, "se, se Ragni! Verzeih mir!" Sie schlug die Augen
auf. "Verzeih mir, hrst Du!" In ihren Wangen stieg die Rte auf, ihre
Hand griff nach dem Mantel, der offen war; sie hatte es also geYfhlt,
nur in der Betubung des Schreckens gelegen. Er konnte seine Freude
nicht mehr zgeln, -- er zog ihren Kopf zu sich empor und kte sie
ein-, zwei-, dreimal. "O Du -- wie ich Dich liebe!" flsterte er und
k$
, das verstehen vielleicht nicht alle; wie sag'
ich gleich -- Erla? ... Nein, das gengt nicht. 'Gnadenerla'! Also:)
Doch nicht, wie ein Heerfhrer Waffenstillstand gewhrt oder ein Knig
einen Gnadenerla, ist die gttliche Rechtfertigung; nein, das
widersprche der Allheiligkeit Gottes. Die Rechtfertigung ist allerdings
eine Gnade; aber sie ist auch eine Gerichtshandlung. Sie mu eine
rechtliche Grundlage haben, d. h. den Forderungen des Gesetzes, die
Gottes eigene sind, mu _Genge geschehen_."
Eigentlich ist das doch sehr juristisch.
Der Pastor sah in das Heft, das aufgeschlagen auf dem Pult zwischen den
zwei Fenst]ern lag; er verglich es mit dem, was er in der Hand hielt.
Dabei hrte er das laute Getse des Dampfers, der jetzt gerade auf der
Bucht unten vorberfuhr. Er mute aus dem Fenster sphen, und die Folge
davon war, da er, ohne es zu wissen, sich behaglich hinauslehnte. Die
Sonne schien auf das weie Leinwanddach des Dampfers, die Schaumlinie
zwischen Land und Insel war wie eine straffe Schnur$
ichen
verlierst Du alles, was Du Dir hier erarbeitet hast; das kann ich Dir
nur sagen." -- Kallem kannte sie so ganz wieder in diesen Worten. "Ja,
natrlich ist es dumm, so etwas auszusprechen. Aber ist es nicht ebenso
verrckt, einen Mann wie Kristen Larssen so zu plagen! Solang er noch
bei Verstand ist, bestimmt niemand ihn, an eineHlle zu glauben. Also
sollen sie ihn doch in Ruhe lassen!" --"_Das_ verlangen sie doch auch gar
nicht von ihm!" --"So? Und was denn?" -- "Das weit Du so gut wie ich,
Edvard. Und ich bitte Dich um Deiner selbst willen -- verhhne nicht
ernste und wohlmeinende Menschen!" -- "Ich habe nicht hhnen wollen. Ich
sage blo -- sie knnen sich und ihm die Mhe sparen." -- "Ist er denn
so kalt?" -- "Kalt oder warm -- das kommt lediglich auf die Veranlassung
an, und darauf, wie ein Mensch sein Leben gelebt hat!" -- "Aber der
Mensch kann sich eine Seelenklte anleben; und ganz gwi -- so ist es
bei ihm gewesen!" -- "Vielleicht. Aber ich kenne jemand, der recht warm
ist, und der doch genau$
er machen; denn es ist mir sehr langweilig, solch winzig kleines
Ding zu sein!
Richtig, und zwar schneller, als sie erwartete: ehe sie das Flschchen
halb ausgetrunken hatte fhlte sie, wie ihr Kopf an die Decke stie,
und mute sich rasch bcken, um sich nicht den Hals zu brechen. Sie
stellte die Flasche hin, indem sie zu sich sagte: Das ist ganz genug --
ich hoffe, ich werde nicht weiter wachsen -- ich kaSnn so schon nicht zur
Thre hinaus -- htte ich nur nicht so viel getrunken!
[Illustration]
O weh! es war zu spt, dies zu wnschen. Sie wuchs und wuchs, und mute
sehr bald auf den Fuboden niederknien; den nchsten Augenblick war
selbst dazu nicht Platz genug, sie legte sich nun hin, mit einem
Ellbogen gegen die Thr gestemmt und den andern Arm unter dem Kopfe.
Immer noch wuchs sie, und als letzte Hlfsquelle streckte sie einen Arm
zum Fenster hinaus und einen Fu in den Kamin hinaf, und sprach zu sich
selbst: Nun kann ich nicht mehr thun, was auch geschehen mag. Was _wird_
nur aus mir werden?
Zum$
 einfltige Alice, schalt sie sich selbst. Wie kannst du hier
Aufgaben lernen? Sieh doch, es ist kaum Platz genug fr dich, viel
weniger fr irgend ein Schulbuch!
Und so redete sie fort; erst als eine Person, dann die andere, und hatte
so ehine lange Unterhaltung mit sich selbst; aber nach einigen Minuten
hrte sie drauen eine Stimme und schwieg still, um zu horchen.
Marianne! Marianne! sagte die Stimme, hole mir gleich meine
Handschuhe! dann yam ein Trappeln von kleinen Fen die Treppe herauf.
Alice wute, da es das Kaninchen war, das sie suchte, und sie zitterte
so sehr, da sie das ganze Haus erschtterte; sie hatte ganz vergessen,
da sie jetzt wohl tausend Mal so gro wie das Kaninchen war und keine
Ursache hatte, sich vor ihm zu frchten.
Jetzt kam das Kaninchen an die Thr und wollte sie aufmachen; da aber
die Thr nach innen aufging und Alice's Ellbogen fest dagegen gestemmt
war, so war es ein vergeblicher Versuch. Alice hrte, wie es zu sich
selbst sprach: dann werde ich herum gehen und zu$
e kleine
Eidechse, Wabbel, war in der Mitte, von zwei Meerschweinchen
untersttzt, die ihm etwas aus einer Flasche gaben. Es war ein
allgemeiner Sturm auf Alice, sobald sie sich zeigte; sie lief aber so
schnell sie konnte davon, und kam sicher in ein dichtes Geb1ch.
Das Nthigste, was ich nun zu thun habe, sprach Alice bei sich, wie
sie in dem Wldchen umher wanderte, ist, meine richtige Gre zu
erlangen; und das Zweite, den Weg zu dem wunderhbschen Garten zu
finden. Ja, das wird der beste Plan sein.
Es klang freilich wie ein vortrefflicher Plan, und recht nett und
einfach ausgedacht; die einzige Schwierigkeit war, da sie nicht den
geringsten Begriff hatte, wie sie ihn ausfhren sollte; und whrend sie
so ngstlich zwischen den Bumen umherguckte, hrte sie pltzlich ein
scharfes feines Bellen gerade ber ihrem Kopfe und sah eilig auf.
Ein ungeheuer groer junger Hund sah mit seinen hervorstehenden runden
ugen auf sie herab und machte einen schwachen Versuch, eine Pfote
auszustrecken und sie zu berhr$
ssenen
Augen, ganz auer Athem hinsetzte.
Dies schien Alice eine gute Gelegenheit zu sein, fortzukommen; sie
machte sich also gleich davon, und rannte bis sie ganz mde war und
keine Luft mehr hatte, und bis das Bellen nur noch ganz schwach in der
Ferne zu hren war.
Und doch war es ein lieber kleiner Hund! sagte Alice, indem sie sich
an eine Butterblume lehnte um auszuruhen, und sich mit einem der Bltter
fchelte. Ich htte ihn gern Kunststcke gelehrt, wenn -- wenn ich nur
gro genug dazu gewesen wre! O ja! das htte ich beinah vergessen, ich
mu ja machen, da ich wieder wachse! La sehen -- wie fngt man es doch
an? Ich dchte, ich sollte irgend etwas essen oder trinken; aber die
Frage ist, was?
Das war in der That die Frage. Alice blickte um sich nach allen Blumen
und Grashalmen; aber gar nichts sah aus, als ob es das Rechte sei,das
sie unter den Umstnden essen oder trinken msse. In der Nhe wuchs ein
groer Pilz, ungefhr so hoch wie sie; nachdem sie ihn sich von unten,
von beiden Seiten, rckw$
mache, und ihr Widerstand oder ihr Spott mich
nicht in meinem Glauben erschttern; o, la mich die Woche damit
schlieen, da ich den Kampf gegen den Verfhrer in meiner eigenen Brust
bestehe, da der Name Israelit, Kmpfer fr das Gttliche, mir mit Recht
gegeben sei, und mir seliger Lohn werde, wenn ich vom Kampfplatz der
Erde zu ewiger Sabbatruhe im Himmel abgerufen werde.
Betrachtung ber 1. Buch Mosis 1, 24-31.
22. Dir, ewiger Quell des Lebens, dir danke ich am letzten Arbeitstage
dieser Woche, da du mich so wunderbar erschaffen, und da du mich bis
zu dieser Stunde so treu und sicher bewahrt hast! Dieser Tag war es ja,
an dem du in der Schpfungszeit alle lebenden Tiere auf der Erde
geschaffen und zuletzt den Menschen, da er herrsche ber die Fische des
Meeres und die Vgel des Himmels und alles, was da lebt und sich regt
auf Erden. Ja, du hast den Menschen verherrlicht, indem du kund getan,
da er nach deinem Bild und dir hnlich geschaffen ist;nur um ein
Geringes hast du ihn den Engeln nachgesetz$
schen sind nur schlechte Trster, die fassen meinen Schmerz
nicht und wollen meine Klagen nicht hren, ja, selbst die, auf deren
Freundschaft ich rechnete, sind mir untreu geworden, und ihre Gunst und
Hingebung war nur auf flchtigem Sand gebaut. O du, der du ewig derselbe
bist, mein Herz bringt vor dich dein eigen Wort.Suche mein
Angesicht! Nun suche ich dein Angesicht, Herr, und du hastja gelobt,
da du den nicht verlassen willst, der dir vertraut, und da du deine
Hand nicht von ihm ziehen willst; o, so la mich deine vterliche Liebe
zu mir auch in der Zchtigung erkennen, und ich will schweigen und
meinen Mund nicht auftun, denn du bist es ja, der es getan hat.[74]
Ja ich will stillesein und auf dich hoffen und dadurch wahre Strke
gewinnen.[75] O, so zeige mir deine Gnade wieder; sprich zu mir:Ich
bin bei dir in der Not; frchte dich nicht, zage nicht, denn ich bin
dein Gott, ich strke und erhalte dich. Amen!
[Funote 73: Ps. 13, 1-2.]
[Funote 74: Ps. 27, 8.]
[Funote 75: Ps. 39, 9.]
3. Ew$
unsere Liebe zu ihnen,
und mit grerer Liebe umfassen wir am Grabe die Teuren,
ber deren Gegenwart wir uns noch freuen knnen, und
wir erfahren in Wahrheit, da das Gedchtnis der Frommen
zum Segen ist. Denn unser Sinn weilt nicht nur
bei den auf dem Friedhof schlummernden Abgeschiedenen,
sondern auch bei den schon lngst Heimgegangenen, bei allen
Vtern und Mttern, den Propheten und Mrtyrern, den
Lehrern und Fhrern, die einstmals gelebthab_en und deren
Andenken uns heilig ist. Nicht als ob wir an sie dchten,
wie an Heilige, die angebetet werden sollten, denn des
grten Propheten Moses Grab wurde gerade verborgen,
damit es nicht ein Gegenstand aberglubischer Anbetung
und Wallfahrt werde, sondern wir gedenken ihrer hier,
um uns ins Gedchtnis zu rufen, wie sie fr die Wahrheit
gelitten und gestritten haben, um uns zu erinnern an die
Verfolgungen, die sie um des Glaubens willen geduldet
haben, wir gedenken ihrer, weil ihr Leben ein Zeugnis
fr die Unsterblichkeit ablegt. Hier erinnern wir uns auch
de$
 Gedanken zu beherrschen und unangefochten
von der ueren Welt, ganz mit seiner vollen
Seele sich der heiligen Handlung hinzugeben vermochte;
denn das Opfer wurde verworfen, wenn nicht sein eigentlicher
Zweck, die rechte Andacht, den Opfernden erfllte.
So will denn auch ich mich zuvor prfen, ob ich rein bin,
ob ich wrdig bin, vor dich, den Allheiligen hinzutreten,
will deshalb zuvor Bue tun, will mich von allenweltlichen
Gedanken losreien, will die tierischen Triebe in
mir tten und den irdischen Sinn abwerfen, jedesmal
da ich vor dich hintrete, da ich vor deinem Angesicht in
meinem, wie in der ganzen Gemeinde Namen erscheine.
Denn das tgliche Opfer wurde ja im Namen der
ganzen israelitischen Gemeinde gebracht und sollte dazu
dienen, was man so oft vergit, fr all das Gute zu
danken, das bestndig in so reicher Flle dem Menschen
zuteil wird; dir dafr zu danken, da du ber ihn in
der Nacht wachtest und ihm neues Leben schenktest, wenn
des Morgens Licht ihn auf seinem Lager weckte, und da
du ihn den$
en Anbetern dir zu dienen, den Glauben zu pflegen, zu frdern, was
der Gesamtheit zum besten dient, mich allem fern zu halten, was den
Israeliten entheiligt und mit neuer Lust aus der Quelle des Lebens zu
schpfen, in deinem Wort zu forschen, da es mich in deiner Wahrheit
strke und wie eine reine Flamme voller Klarheit ber die Erde
leuchte und mich auf meinem Pilgerwege begleite, bis ich es in
Herrlichkeit aufleuchten sehe, wenn die ewige Sabbatruhe kommt, wo
seligr Friede und himmlische Ruhe mich bei dir erwarten!
XXVI0I. Betrachtung zum Mussaphgebet.
 (Das Nachfolgende ist ein Abschnitt aus dem Talmud (Tractat
 Kritth), welches die Art und Weise behandelt, in der das
 Rauchopfer zubereitet wird. Anstatt einer wortgetreuen bersetzung
 wird folgendes Gebet gegeben).
Pittum hak'tres.
So nhert sich denn die Zeit des Verweilens in deinem Hause ihrem Ende,
und die angeordneten Gebete haben wir verrichtet; aber ach, wie mancher
Augenblick weckte nicht einen Gedanken in uns, der wider den Geist des
wahren Ge$
werben.
Copyright 1912 S. Fiscer, Verlag, Berlin.
Rasumowsky                       9
Gentz und Fanny Eller          59
Der Turm von Frommetsfelden    107
Lord Hamiltons Bekehrung       171
Hockenjos                      237
  Graf Alexei Grigorjewitsch Rasumowsky
  Rodion, sein Diener
  Michael Jefimowitsch Lassunsky, Kapitnleutnant der Leibgarden
  Fedor Alexandrowitsch Chidrowo, Rittmeister der Garde-Kavallerie
  Graf Grigorij Orlow
Spielt in Petersburg im Jahre 1763.
Ein altertmlich ausgestatteter groer Raum im Hause des
Grafen Rasumowsky. An der Rckwand links ein groer Kamin,
in welchem ein Holzfeuer brennt. ber dem Kamin das Portrt
der Kaiserin Elisabeth Petrowna. Rechts ein erkerartiger
Vorbau mit Fenstern gege die Strae. In der rechten
Seitenwand Tre in die brigen Gemcher, in der linken der
Ausgang zum Flur.
Rittmeister _Fedor Chidrowo,_ ein junger Mann von 23 Jahren,
geht aufgeregt umher. Nach kurzer Weile tritt Kapitnleutnant
_Michael Lassunsky_ ein, von _Rodion_ gefhrt, einem alten
Kle$
cht, da ich
dann ganz allein bin?
Aber frische, lebenslustige Buben verstehen eine leise Augensprache
schlecht. Hansi mute deutlicher reden, und das tat er auch eines Tages.
Der Grte der ganzen Schar, der schon beinahe wie ein Herr dreinsah,
hatte Hansi erlaubt, sein Grtchen zu begieen. Eifrig trippelte der
Kleine hin und her. Das Wasser lief aus der Kanne nicht nur auf die
Blumen hinab, sondern auch auf Hansis Schrze und Schuhe. ngstlich
beschaute er den Schaden aber der Groe wute Rat.
[Illustration]
Komm, die Schrze hngen wir an die Mauer, da scheint noch Sonne hin.
Die trocknet bald.
Er ttschelte bei diesen Worten Hansis Haarschopf -- das tat wohl bis
tief ins kleine Herz hinein. Hansi fate pltzlich Mut.
Du, Ernst, kann ich nicht mit dir in die Ferien gehen? Weit du, ich
mu sonst allein dableiben.
Noch ehe Ernst antworten konnte, erklang ein unbndiges Gelchter.
Hinter den bei{en stand Hansis schlimmster Qulgeist, ein lang
aufgeschossener Junge mit schlenkrigen Glidern. Nun meint $
nn sie
selbst schafft, zumeist, gerade durch ihre Weiblichkeit, der Kunst
verdorben: sie lernt nicht zu dem ihr Angeborenen zu, sie bleibt
seelische Molluske, weil ihrem Werk nicht die Knochen des unerbittlich
logischen Denkens, die innere und uere Form, in voller Kraft
zuwachsen. Die schpferische Frau hat drum hauptschlich das Gebiet der
erzhlenden Dichtung, deren Notwendigkeiten, in dieser Hinsicht,
verhltnismig gering sind. Die Frau fabuliert! Sie erhlt den Glauben
an den unablssigen, unumstlichen Sieg des Guten; sie ist, in ihrer
reinsten Erscheinung, Mrchen und Sage! Alles, was der Kindersinn
sehnschtig sucht, ist den Frauen vorhanden! Ihr ragendstes Symbol ist
mir die genialste selbOstschpferische Frau: die Lagerlf! Die Lagerlf
schafft der Menschheit schnsten Besitz, Heimatliebe, Kinderliebe,
Elternliebe, Gattenliebe, Liebe, mit all ihren unendlichen
Schattierungen und Spiegelbildern in der menschlichen Seele, dichterisch
zu ragenden Monumenten um. Ihr ist das Wunder an sich Vorausset$
e Hand auf ihre Stirn. -- Aber sie
sprach zu ihm: 'Was frommt es mir, da du deine Hand auf meine Stirn
legst? Du bist doch kein Prophet?' -- Da lchelte er ihr zu und sagte:
'Gehe jetzt zur Stadt, die dort auf dem Bergesabhang liegt und zeige
dich den Priestern.'
Die Kranke dachte bei sich selbst: Er treibt seinen Spott mit mir, weil
ich glaube, da ich geheilt werden kann. Von ihm kann ich nicht
erfahren, was ich wissen will. Und sie ging weiter. Gleich darauf sah
sie einen Mann, der zur Jagd auszog, ber das weite Feld reiten. Als er
ihr so nah gekommen war, da er sie hren konnte, rief sie ihm zu:
'Komme nicht zu mir her, denn ich bin eine Unreine, aber age mir, wo
ich den Propheten aus Nazareth finden kann?' -- 'Was willst du von dem
Propheten?' fragte sie der Mann und ritt langsam auf sie zu. -- 'Ich will
nur, da er seine Hand auf meine Stirn lege und mich gesund mache [von
meiner Krankheit.' Aber der Mann ritt noch nher. -- 'Von welcher
Krankheit willst du geheilt werden?' sagte er. 'Du bedarfst doc$
scheu und Grauen
sind, hier unten in nsere Schule gehen und zwischen den Kindern guter
Christen in der Schulbank sitzen? Kann man uns zumuten, wir sollen
dulden, da unsere ganze Ortschaft, Klein und Gro, durch diese
moralischen Schandprodukte, diese schlechten, rudigen Bestien
verpestet wird?
Das bleiche Antlitz des Priesters Francesco verriet durch keine Miene,
inwieweit die Erzhlung Sor Domenicos ihn berhrt hatte. Er dankte und
ging mit dem gleichen wrdigen Ernst im Ausdruck des ganzen Wesens,
mit dem er erschienen war, davon.
       *       *       *       *       *
Francesco hatte bald nach der Unterredung mit dem Sindaco seinem
Bischof ber den Fall Luchino Scarabota Bericht erstattet. Acht Tage
spter war die Antwort des Bischofs in seiner Hand, die dem jungen
Geistlichen auftrug, sich von dem allgemeinen Stand der Verhltnisse
auf der sogenannten Alpe von Santa Croce persnlich zu unterrichten.
Der Bischof lobte dabei den geistlichen Eifer es jungen Manns und
besttigte ihm, er habe wohl Ursach$
gen
Blau des Azurs herberstrahlend.
Wenn man mit Fug von einer Bergkrankheit reden kann, so mit nicht
minderem Recht darf man von einem Zustand reden, der Menschen auf
Berghhen berkommt, und den man am besten rls Gesundheit ohnegleichen
bezeichnet. Diese Gesundheit sprte nun auch der junge Priester im
Blut, wie eine Erneuerung. Neben ihm, zwischen Steinen unter noch
drrem Heidekraut, stand eine kleine Blume, dergleichen Francesco noch
niemals im Leben erblickt hatte. Es war eine beraus liebliche Spezies
blauen Enzians, dessen Bltenblttchen mit einem flammenden Blau
berraschend kstlich bemalt waren. Der junge Mann in der schwarzen
Soutane lie das Blmchen, das er 6n seiner ersten Entdeckerfreude
hatte abpflcken wollen, unbehelligt an seinem bescheidenen Platze
stehen und bog nur das Heidekraut beiseite, um das Wunder lange
entzckt zu betrachten. berall aus den Steinen drang junges,
hellgrnes Zwergbuchenlaub, und aus einer gewissen Ferne, ber den
Lehnen von hartem, grauen Schutt und zartem Grn,$
leiben, wenn wir _u_
durchweg um eine Constante vermehren: es sind nur die
Differentialquotienten [formula], welche unmittelbar in Evidenz treten.
Das Analoge gilt von _v_; so dass die Function [formula], welche wir
physikalisch deuten, durch diese Deutung nur bis auf eine additive
Consante bestimmt ist, was im Folgenden wohl zu beachten ist.
Sodann bemerke man noch, dass die Gleichungen (1)-(3) ungendert bestehen
bleiben, wenn man _u_ durch _v_, _v_ durch [formula] ersetzt.
Dementsprechend erhalten wir einen zweiten Strmungszustand, bei welchem
_v_ das Geschwindigkeitspotential abgibt und die Curven [formula] Const.
die Strmungscurven sind. Derselbe reprsentirt in dem oben erluterten
Sinne die Function [formula]. Es ist hufig zweckmssig, diese neue
Strmung neben der ursprnglichen zu betrachten, bei welcher _u_ das
Geschwindigkeitspotential war; wir wollen dann der Krze halber von
_conjugirten_ Strmungen sprechen. Die Benennung ist zwar etwas ungenau,
weil sich _u_ zu _v_ verhlt, wie _v_ zu [form$
ieser schleichenden Priester, die sich nur immer die _Diener_ des Herrn
nennen, und dabei den Fu selber auf die Nacken der Arii Rahi's[Q]
dieses Landes zu setzen wagen?
Und weit Du da sie das Volk wieder zusammenrufen wollen zu neuem
Unheil? frug Paofai lauernd.
Sie wagen es nicht, sagte Tati verchtlich mit dem Kopfe schttelnd --
sie wagen es nicht, denn ihre Huser stehn breit und bequem gleich vorn
am Strand, und die eisernen Kugeln des nchsten Franzsischen Schiffes
mhten sie nieder.
Aber sie hoffen auf Englands Schutz! rief Paofai, und Piritati[R] ist
dorthin gegangen Hlfe zu holen fr sich und die Seinen
Bah, der Weg ist lang, sagte Tati verchtlich, und die Englnder
haben einen groen Mund; sie sind kalt und ohne Herz wie ihr Gott, und
so geizig, da sie dem nicht einmal opfern lassen, sondern Cocosl und
Perlmutterschalen fortfhren auf ihren Shiffen und die Schweine selber
essen -- Piritati wird kommen und Versprechungen bringen.
Aber sie warten nicht _bis_ er kommt! entgegn$
, seufzte sie
Achtzehntes Kapitel
Am nchsten Morgen, die Luft war voller Taudnste und der Wind wehte von
Sden, trat Arnold pfeifend auf den Hof. Da sah er am Zaun die Gestalt
Elassers. Arnold erschrak. Langsam ging er nher. Elasser berhrte den
Schlapphut, machte einen halb widerwilligen, halb gewohnheitsmigen
Knix und indem er auf seinen Huckepack deutete, fragte er: Braucht die
Frau Mutter nichts?
Schon zurck, Elasser? fragte Arnold mit stockendem Herzen dagegen.
Der Jude nickte. Heut in der Nacht, sagte er. Sein Blick wurde finster
und er blies, um sie zu erwrmen, in die eine freie Hand.
Und Jutta? fragte Arnold von neuem, als vermchte dies eine Wort alle
brigen zu ersetzen.
Elasser zuckte die Achseln. Sie haben mir gesagt, der Herr Minister hat
mir gesagt, wollen Sie wissen, was? Er hat mir gesagt, so wahr Gott
lebt, der mir mein Leben verbittert, er hat gesagt: An den Mauern~des
Klosters hat unsere Macht ein Ende. Das hat er zu mir gesagt, Herr. Mi
Besorgnis und Furcht sah Elasser au$
e zuschlag2en.
Die Stirn an die Scheibe gedrckt, stand Verena am Fenster. Es ist
finster drauen, murmelte sIe mit erzwungener Gelassenheit. Als sie
sich umdrehte und Arnold gewahrte, entfrbte sich ihr Gesicht. Er ging
auf sie zu und packte mit Heftigkeit ihre Hnde. Sie schwieg, atmete
jedoch wie eine Gehetzte. Er drckte ihre Hnde nur um so fester, als
umschlsse er alles, was er im Leben an sich reien wollen. Vergeblich
war sie bemht, sich ihm zu entwinden.
Sind Sie denn glcklich, Verena? fragte Arnold endlich flsternd, im
innigsten Ton, mit einem Ausdruck von Treuherzigkeit und
Selbstanerbietung.
Ihr Gesicht wurde kalt, verschlossen und todesruhig, und er gab ihre
Hnde frei. Whrend sie sich an den Tisch setzte und den Kopf in die
Hand sttzte, stand Arnold ratlos, wie niemals durchwhlt, gekrnkt und
gengstigt. Sie mssen jetzt gehen, Arnold, sagte Verena pltzlich
Mit der Lampe leuchtete sie ihm in den dunklen Flur und wartete, weit
ber das Gelnder gebeugt, bis er unten war. Dort blieb $
telstunde und zogen befriedigt oder enttuscht,
jeder nach seiner Veranlagung wieder davon. Es kam so weit, da sich
Leute einfanden, welche durchaus nicht nach Geld trachteten, sondern
nur in einer schwierigen Lebensverwickelung Rat einholen wollten, zum
Beispiel, wenn sie amtliche Scherereien hatten, in Heirats- und
Erbschaftsangelegenheiten, ja sogar in Fragen ihres Berufs. Oft gab es
Stoff zum Lachen, oft seltsame Einblicke in das Treiben der Leute, und
aus mancher geheimnisvollen Not sprach das Leiden und der Irrtum von
Geschlechtern. Und wie wenn die schlaffe Haut von einem zu Tod
verwundeten Tier sich lst, so da das in Krmpfen zuckende Muskelwerk
ans Licht tritt, soskonnte Arnold in das kranke Fleisch des Landes und
der Gesellschaft blicken. Unduldung und Willkr, gelassenes Hinnehmen
der Rechtlosigkeit, grausamstes Rnkesprel und hartnckiges Strebertum,
-- aus ebensovielen Wunden rieselte die Lebenskraft des Staates. Aber
Arnold litt nicht so sehr darunter, als er sich glauben machen wollte,
da e$
, denn Borromeo fhlte, was
bevorstand. Damit hatte er auch abgeschlossen mit allem, was ihn an das
Leben knpfte.
Der Diener Christian, ein anhnglicher Mensch, der schon elf Jahre im
Hause war, sollte Borromeo begleiten und bei ihm bleiben. Er packte
Wsche und Kleider in den Koffer und mittags um zwei Uhr sollten sie zum
Bahnhof fahren. Borromeo lag auf dem Bett und stierte in die Luft. Sein
Blick schien sich nicht vom nchsten Umkreis seines Krpers entfernen zu
knnen. Oft seufzte er tief und lang. Anna kam, gab dem Diener Auftrge,
forderte vonY ihm tglichen Bericht, dann stand sie stumm vor Borromeo,
der sich langsam erhob:und an ihr vorbeiging. Der Diener nahm den
Koffer, Borromeo folgte in gebeugter Haltung, blickte nicht vorwrts,
nicht seitwrts, sondern nur einwrts wie ein fast Erblindeter. Anna
zitterte ber die ganze Haut, als sie ihm nachblickte. Sie sperrte
Borromeos Zimmer zu und steckte den Schlssel in ihre Tasche.
Eine halbe Stunde spter kam Arnold. Er hatte noch gestern
telegraphische $
ycenens Hallen
  Mit immer wiederholten Seufzern fllt,
  Dir ein Geheimni?  Klytmnestra hat
  Mit Hlf' gisthens den Gemahl berckt,
  Am Tage seiner Rckkehr ihn ermordet!--
  Ja, du verehrest dieses Knigs Haus!
  Ic4 seh' es, deine Brust bekmpft vergebens
  Das unerwartetungeheure Wort.
  Bist du die Tochter eines Freundes? bist
  Du nachbarlich in dieser Stadt geboren?
  Verbirg es nicht und rechne mir's nicht zu,
  Da ich der Erste diese Gruel melde.
  Iphigenie.
  Sag' an, wie ward die schwere That vollbracht?
  Am Tage seiner Ankunft, da dir Knig
  Vom Bad erquickt und ruhig, sein Gewand
  Aus der Gemahlin Hand verlangend, stieg,
  Warf die Verderbliche ein faltenreich
  Und knstlich sich verwirrendes Gewebe
  Ihm auf die Schultern, um das edle Haupt;
  Und da er wie von einem Netze sich
  Vergebens zu entwickeln strebte, schlug
  gisth ihn, der Verrther, und verhllt
  Ging zu den Todten dieser groe Frst.
  Iphigenie.
  Und welchen Lohn erhielt der Mitverschworne?
  Ein Reich und Bette, d$
isen.
    Die beim Irrtum beharren,
    Das sind die Narren.
    1 Die Freiheit des menschlichen Willens, Leipzig 1871.
    2 Duisburg 1865.
    3 Allen die Erde, Leipzig 1893.
    4 Die Sozial Wissenschaft nach der Ethnologie, Paris 1880.
    5 Geschichte der Eroberung Perus, Leipzig.
    6 Die sozialen Probleme und das Erbrecht. Mnchen 1892.
    7 Entsprechende thatschliche Nachweise fr diese Behauptung finden
      sich in meiner fter zitierten Schrift ber den Menschen (S.
      CXXXXI-CXXXXV.)
    8 Sozialdemokratie und Sozialliberalismus Dresden und Leipzig 1891.
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                             _Heimatlos._
                      Zwei Geschichten fr Kinder
                                  und
            auch fr solche, welche die Kinder lieb haben.
                                  Von
                            Johanna Spyri.
      $
er, als die Gromutter[schwieg; das habe ich
alles nicht so gewut. Es kann nun sein, da sich etwa Verwandte von dem
Trevillo zeigen mit der Zeit, und man kann sie anhalten, etwas fr den
Knaben zu tun.
Verwandte, seufzte die Gromutter, die Base ist auch eine Verwandte,
von ihr bekommt er wenig gute Worte im Jahr.
Der Lehrer stand mhsam auf von seinem Sitz. Mit mir geht's bergab,
Nachbarin, sagte er kopfschttelnd; ich wei nicht, wo meine Krfte
hingekommen sind.
Die Gromutter ermunterte ihn und sagte: er sei ja noch ein junger Mann
im Vergleich zu ihr. Sie mute sich aber doch verwundern, wie langsam er
Siebentes Kapitel.
Ein kostbares Vermchtnis und ein kostbares Vaterunser.
Es kamen nun viele schne Sommertage, und wo die Gromutter nur konnte,
richtete sie es ein, da das Stineli einen freien Augenblick bekam; aber
es gab immer mehr zu tun in dem Hause. Rico stand manche Stunde auf
seiner Schwelle und staunte und sah nach der Tr drben, obdas Stineli
Gegen den September, wenn die Leute of$
nnte es der Rico wieder und hatte
sich's recht eingeprgt. Nun gingen sie friedlich heim, jedes auf seine
Seite, und Rico mute noch immer an das Reich und die Kraft denken.
An dem Abend aber, wie er in seiner stillen Kammer war, betete er von
Herzen demtig, denn er fhlte, da er im Unrecht war, zu denken, der
liebe Gott sollte ihm geben, was ihm mangelte, und er hatte ihn ja gar
nie darum gebeten.
Stineli trat gedankenvoll in den Gaten ein. Es erwog bei sich selbst,
ob es ber alles mit der Frau Menotti reden wo lte; vielleicht knnte
sie fr den Rico eine andere Beschftigung finden, als dies Geigen zum
Tanz in den Wirtshusern, das ihm so zuwider war. Aber der Gedanke, die
Frau Menotti mit seinen Angelegenheiten zu beschftigen, verging ihm,
als es in die Stube eingetreten war. Silvio lag glhendrot auf seinem
Kissen und atmete heftig und ungleich, und am Bette sa die Mutter und
weinte ganz klglich. Silvio hatte einmal wieder einen seiner Anflle
und groe Schmerzen gehabt, und ein wenig Zorn, da das $
 auf die hlzerne Bank vor der Kapelle, wischten sich den Schwei
aus der Stirn und setzten sich gelassen hin. Binia, die Blumensucherin,
betrachtete die beiden wohlgefllig. Vroni, unter deren niedrigem altem
Strohhut das Goldhaar hervorquoll und in glnzenden Fden um die
gerteten Wangen flog, war nur ein Jahr, Josi, der krftige Bursch, der
einen hnlichen Hut trug, zwei Jahre lter als sie. Und sie war zwlf.
Sechzig Pfund hab' ich, sagte Josi, die Beine schlenkernd, an denen
die schwergenagelten Holzschuhe klapperten, die Vroni hat vierzig, ob
so viel Mehl wohl reicht bis zur Ernte?ԫ
Es wird schon langen mssen, aber dann wird's gut, das Aeckerchen trgt
dieses Jahr viel Korn, erwiderte Vroni hausmtterlich froh.
Da ging wieder ein langhallender Donner durch die Ruhe des Thales. Josi
sprang auf: Ja, es ist doch wahr. Die Wildleutlaue geht wieder los!
Sieben Jahr ist der Gletscher zurckgegangen und sieben Jahr gewachsen,
das letzte Jahr war ein schlechter Sommer und jetzt ist ein guter -- da
bri$
ringe, in die man die Knnel
hngen wollte, hoch an den grlichen Felsen befestigen msse. Des
Losens war kein Ende, einer nach dem andern stieg hinauf, schon waren
sieben gefallen, das Wehklagen des Dorfes fllte das Thal, und viele,
die das Los noch verschont hatte, wanderten heimlich mit ihren
Haushaltungen ber die Schneeberge aus. Da war ein Ehrloser, Matthys Jul
mit Namen, der zu Hospel an einer Kette im Gefngnis lag, weil er einen
andern Mann im Zorn erschlagen hatte. Er anerbot sich, die Leitung
herzustellen, wenn er dadurch seine Freiheit und Ehre wiedererlange. Man
fhrte ihn an die Weien Bretter und siehe da -- ihm gelang es, die
Reifen festzumachen und die Knnel zu legen. Die Merkhmmer klopften,
das Wasser flo nach langem Unterbruch wieder frhlich durchs Thal; da
wurde beschworen, da jede Blutschuld geshn sei, wenn der Thter die
heligen Wasser an den Weien Brettern aus dem Verderben rette.
Alle zweimal sieben Jahre, bald ein paar Sommer frher, bald ein paar
Sommer spter, saust die Wi$
einmut gefunden. Begleitet mich zur Schau,
wie die Lawine gegangen ist, und ob nicht noch Nachbrche zu frchten
sind, redete er ihm zu. Seppi that es wohl, da sich in dieser Stunde
jemand um ihn kmmerte. Der Garde drang auf dem Weg in den Wildheuer,
da er erzhle, wie der Vertrag mit dem Presi zu stande gekommen sei.
Als er den Verlauf gehrt hatte, zog er ein paar Banknoten aus der
Brieftasche: Da, Seppi, noch vor der Losgemeinde gehst du zum Presgi und
tilgst den Brief. Ich werde dir kein harter Glubiger sein. Wenn er
Haken macht, bin ich da! Die Geschichte ist nichts!
Seppih der gemeint hatte, kein Mensch auf der Welt sei ihm mehr gut,
glaubte an ein Wunder. Alle Zerschlagenheit, die er zu Hause am Leib
gesprt, war in Lebenslust verwandelt. Schon das Kommen des Garden hatte
ihn aufgerichtet, das Angebot stimmte ihn frhlich. Darf ich es auch
annehmen? fragte er glckselig, dann jubelte es in ihm: Frei -- frei!
Seine Zunge war gelst, der sonst stille Mann sprudelte die Worte nur so
heraus: O$
lugen
und guten Augen unter den buschigen Brauen sprhen Feuer, er ist wieder
Ja, zu Josi! klingt das Stimmchen der erschrockenen Binia fein und
traumhaft und ihre Finger spielen, ohne da sie es wei, mit dem
Tautropfen, den sie aus der Kapsel des Halskettchens geholt hat. Komm
mit mir, Vater, es ist mir so angst um dich, wir wollen uns nicht
Sie kniet vor ihm, er aber antwortet fast streng: Heute gehrt der
Presi in die Gemeinde, das weit du, Kind! Dann in berstrmendem
Gefhl: Geh, Binia! -- Auf Wiedersehen, Herzensvogel -- gre mir
Josi. Er reit sie an seine Brust: Liebe Bini -- sollte es anders
kommen -- sollte ich morgen nicht mehr leben -- doch wenn nur du lebst
-- ich habe einmal einen sonderbaren Traum gehabt -- aber ich glaube
nicht mehr daran -- geh zu Josi -- geh in Gottes Namen.
Mit sanfter Gewalt lst der Garde die schluchzende Binia aus den Armen
des Vaters: Ich will dich fhren, Binia! -- Komm -- komm.
Vater und Kind nehmen Abschied wie fr die Ewigkei.
Der Garde fhrt Binia im$
 Tatsache, dass, sobald diese Leistungen eine
bestimmte Menge berschreiten, die Wechselkurse gegenber Deutschland
ins Schwanken, in lebhafte Bewegung kommen. Die Dekadenzahlung von 31
Millionen, die als Vorprovisorium fr die ersten Monate dieses Jahres
uns zugemutet worden ist, von der ich in Cannes den Beteiligten gesagt
habe, dass sie nur auf wenige Wochen beschrnkt sein drfe, hat bereits
den Wechselkurs gegen Deutschland in starkem Masse zu unseren Ungunsten
beeinflusst. Man darf sagen, dass die deutsche Leistungsfhigkeit in
Barzahlung direkt ihr Mass findet in derBewertung des Dollars an der
Berliner Brse. Ich habe die Mitglieder der Reparationskommission, die
sich vor einiger Zeit in Berlin aufhielten, darauf aufmerksam gemacht,
wie unbedingt ntig es sei, schon jetzt, gleichviel ob die Regelung fr
das Jahr 1922 sich noch etwas hinzieht, die Dekadenzahlungen zu
verringern, um den Dollarkurs nicht weiter in Bewegung zu setzen. Denn
was es bedeutet, wenn die deutsche Whrung ihren scharfe2 Rckgan$
 bergeben, das den Nachweis erbrachte, dass
Deutschland heute schwerer mit Steuern belastet ist als andere Lnder.
Von keiner Seite ist der Versuch gemacht worden, unsere Rechnungen zu
entkrften. Anerkannt wurde, dass die Kalkulationen beraus schwierige
sind, dass es ernster theoretischer Auseinandersetzungen bedarf und
nicht mechanischer Vergleiche von Zahlen, die auf Dollars bersetzt
werden. Aber der Versuch einer Widerlegung ist nicht gemacht worden. Das
einfachste Beispiel kann ja nicht widerlegt werden Wenn in Deutschland
das Einkommen der hchsten Staatsbeamten 300 oder 500 Dollars betrgt,
so kann dieser Staatsbeamte keinesfalls mehr als 300 oder 500 Dollars
Steuern zahlen. Das schliesst aber keineswegs aus, d	ss ein
Staatsbeamter eines anderen Landes, der 3000 oder 5000 Dollars verdient,
sehr wohl mehr Steuern zahlen kann, als die ganzen Einnahmen des
deutschen Staatsbeamten betragen.
Ein dritter Irrtum, der bereits von Herrn Abgeordneten Stresemann
erwhnt wurde, ist der, dass man uns vorhlt: e$
, und keinen weiteren Zuspruch gestatten wollten. Der
eine, ein breitstmmiger Bursch, mit ledernen Hosen und ngelbeschlagenen
Schuhen, der vornweg der Lnge lang darin lag erklrte auch dabei ganz
ruhig und bestimmt das sei ihr Platz, sie wren zuerst gekommen, brauchten
was sie htten, und gedchten es zu behalten.
Wer hat noch keinen Platz? frug der Steuermann ohne weiter etwas darauf
zu erwiedern, die Passagiere -- halt nicht Alle auf einmal schreien -- es
mu eine einzelne Person sein.
Wald meldete sich undyder Steuermann sagte ruhig, nachdem er sich den
Namen des neu Zutretenden bemerkt:
So, da rckt einmal zu, Ihr da; drei und drei gehren immer in eine Coye,
und dann habt Ihr noch brig Platz.
Wenn der nirgendwo anders unterkommen kann, nachens is es noch immer
Zeit; erwiederte aber der eine Bauer trotzig.
Wollt Ihr in Frieden Platz machen? frug der Steuermann vollkommen
Ne lautete die einzige Antwort.
Smiet mi mal den Dskopp da ruth lautete da der eben so ruhig gegebene
Befehl an die$
Appetit htten, heh? -- Das kommt davon, wenn man
andere Leute cugginirt.
Ich habe furchtbare Zahnschmerzen sagte aber Theobald, die Nase fester
an die Nothspiere drckend -- lassen Sie mich zufrieden.
Zahnschmerzen? -- so? sagte der kleine Mann mit einem total
verunglckenden Versuch ber ihn zu lachen -- vielleicht hlfe _Ihnen_
dagegen en Stckchen Speck.
Halten Sie's Maul! rief aber Theobald, dem der Ekel ber die angebotene
Mahlzeit den Mund breitzog.
Jawohl -- sagte aberder unverwstliche Lwenhaupt, der nach
vollstndiger Ausleerung einige Erleichterung versprte, der Zahn wird
wohl gleich mit der Wurzel herauskommen, ganz von selber, kann ich mir
etwa denken -- nur a kleines Stckle fettes Fleisch.
Er konnte nicht weiter reden, denn Theobald sprang in die Hhe und war
kaum im Stande den Schiffsrand zu erreichen und ber Bord zu sehn; bei dem
Anblick wurde es aber Lwenhaupt auch wieder weh und weich um's Herz, und
er leistete dem Dichter treue Gesellschaft.
Die einzigen, ie im Zwischend$
nskappen, deren breites und langes Schild im Nacken sitzt,
      diesen gegen den Regen zu schtzen.
   12 Die Schutzwand, die das Deck rings umgiebt.
   14 Ueber Stag gehn, wenden, kreuzen.
   15 Man sagt auf See, wenn der Wind gnstiger wird, er rumt auf, im
      entgegengesetzten Falle aber er schrahlt weg!
   16 Es lt sich denken, da auf See nicht immer ein gnstiger Wind
      weht, den Schiffer gerade dahin zu treiben, wohin er eben will. Wenn
      die Schiffe also ncht ihren gewnschten Cours steuern, oder (auf
      dem Compa) anliegen knnen, so mssen sie eben _laviren_ oder
      Megen den Wind aufkreuzen. Dies ist aber nur durch die verschiedene
      Stellung der Segel mglich und der Raaen, an denen die Segel
      festsitzen knnen deshalb nach den verschiedenen Seiten hin angeholt
      (gebrat) werden. Das Princip des Segelns, unter diesen
      Verhltnissen, ist ungefhr das der schrggestellten
      Windmhlenflgel; die Windmhle steht aber fest, und das Schiff
      wrde $
er Cambuese (Schiffskueche) geholt, und nach vorn auf die Back
getragen, auf der die Schiffsmannschaft lagerte; die "Jungen" brachten
jetzt in grossen hoelzernen Schuesseln den Schiffszwieback und Schwarzbrod,
wie kaltes, von Mittag uebriggebliebenes Fleisch, und die Leute langten
tapfer zu ihr einfach Mahl zu beenden.
Auch die Zwischendeckspassagiere waren durch den Ruf beordert worden ihren
Thee zu "fassen". Noch hatte aber nicht die Haelfte derselben der
Aufforderung genuegt, und selbst einzlne der Matrosen kauten noch ihren
kaum aufgeweichten Zwieback, als der willkommene Ruf ertoente die
Ankerwinde zu bemannen. Im Nu war das geschehn, wenigstens zwanzig
Passagiere hingen sich mit daran, und der Anker kam rasselnd empor, wie
die Kette nur aus dem Weg geholt und wieder umgeschlagen werden konnte. Zu
gleicher Zeit war ein Theil der Matrosen nachoben geschickt die leichten
Segel zu loesen, die Raaen flogen herum, die Schoten aus, die frische Brise
legte sich hinein, und mit dem scharf aufgeholtem Ruder fiel $
rlegte; der Tisch stand in dem Moment fast ganz gerade, ja
lehnte eher noch etwas nach rechts hinueber, trotzdem dass das Schiff puf
der Larbordseite lag. Der Doktor sah sich deshalb, so von allen Seiten
zugleich ermahnt, auch bestuerzt nach dem Capitain um, aber kaum wandte er
den Blick von dem eigenen Teller, als dieser seinen Inhalt auch auf das
Tischtuch ausleerte, und wie er ihn rasch und erschreckt, wenn gleich
etwas zu spaet, auskippte, holte das Schiff zurueck.
"Die Terrine!" schrie nochmals der Capitain, aber das donnernde Getoese
einer ueber Bord schlagenden See, die das Schiff bis in seine innersten
Rippen erzittern machte, und an Deck prasselte, als ob sie Breter und
Planken in Atome schmettern muesste, liess seine Warnung, mit der Verwirrung
die ihr folgte, ungehoert verhallen. Die ganze Tischplatte stand in dem
furchtbaren Wurf fast senkrecht, und die Terrine mit allem was sie noch an
hei,sser Huehnerbruehe enthielt, mit Kartoffeln und Erbsen, und saemmtlichen
Messern und Gabeln wie saemmtlichen$
 Viel.
Aber das Eins im Vielen ahnt es, das Tu der Erfllung --
Strzt sich das Ipse ins Nichts, steigt das Tu auf zum All.
Suche dich selbst; du findest die Menschheit,
Gott und Welt -- und schwindest ins Nichts.
Da wurzelt die Strahlenkugel der Eintracht,
    Die sich im Punkt verneint
    Und in der Sphre bejaht.
Fliehe dich selbst; am ewigen Etwas
Rttelst du ratlos, am vielen Vielleicht.
Das weicht nicht aussen noch innen; in Zwietracht
    Pendelnd von Sphre zum Punkt
    Bleibst du ein Zwischensegment.
Jedes: Punkt, Kugel: eint Aussen und Innen,
Beide: Punkt, Kugel: sind parallel
Mitander, mitselbst, und sind eins. -- Kein Etwas:
    Oder sich selbst divergent
    Klemmt's zwischen Nichts und All.
Grade aus liegt die Wahrheit; folge nur deiner Nase!
Aber die Nase sie steht im Gesichte mir schief.
Also gehe du schief, und mahe du einen Umweg;
Fhrt doch jeglicher Weg immer im Kreise herum.
Wo du auch hingehst, geh nur vorwrts, kommst du doch immer
Von der anderen Seite zum Ausgangspunkt zurck.
Al$
uf.
_Margarete._
Was steigt aus dem Boden herauf?
Der! der! Schicke ihn fort!
Was will der an dem heiligen Ort?
Er will mich!
              Du sollst leben!
_Margarete._
Gericht Gottes! dir hab' ich mich bergeben!
_Mephistopheles_ zu Faust.
Komm! komm! Ich lasse dich mit ihr im Stich.
_Margarete._
Dein bin ich, Vater! Rette mich!
Ihr Engel! Ihr heiligen Schaaren,
Lagert euch umher, mich zu bewahren!
Heinrich! Mir graut's vor dir.
_Mephitopheles._
Sie ist gerichtet!
_Stimme_ von oben.
Ist gerettet!
_Mephistopheles_ zu Faust.
              Her zu mir!
(verschwindet mit Faust.)
_Stimme_ von innen, verhallend.
Heinrich! Heinrich!
[Anmerkungen zur Transkription: Dieses elektronische Buch wurde auf
Grundlage der 1808 erschienenen Erstausgabe erstellt. Der Text folgt
strikt dem Original. Korrekturen in spteren Druckausgaben wurden in
eckigen Klammern gesetzt.
Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Textauszeichnungen
wurden folgendermaen ersezt:
Sperrung:       _gesperrter Text_
Antiquaschrift: #Antiqu$
rber nach, wie furchtbar es
sein msse, in die Gewalt des Frosches zu geraten.
Gibt es in diesem Gewsser iele Frsche? fragte sie den Brummer und
setzte sich genau in die Mitte des Blattes, damit man sie vom Wasser aus
nicht erblickte.
Der Brummer lachte.
Geben Sie sich keine Mhe, spottete er, der Frosch kan Sie von unten
sehn, wenn die Sonne leuchtet, weil das Blatt dann durchscheint. Er
sieht ganz genau, wie Sie auf meinem Blatt sitzen.
Maja, die von der bsen Vorstellung befallen wurde, dicht unter ihrem
Blatt se vielleicht ein groer Frosch und schaute sie mit seinen
vorquellenden, hungrigen Augen an, wollte rasch auffliegen, als etwas
ganz Furchtbares geschah, worauf sie in der Tat in keiner Weise
vorbereitet war. Anfangs konnte sie in der ersten Verwirrung nicht genau
unterscheiden, was eigentlich vor sich ging, sie hrte nur ein helles,
klirrendes Sausen ber sich, das so klang, als schwirrte der Wind in
welken Blttern; dazu hrte sie ein singendes Pfeifen, einen hellen
zornigen Jagdruf, u$
nden knnen, er scheint eine unntige
Spielerei der Menschen zu sein. Ich selbst habe in meinen ersten
Lebenstagen sehr darunter gelitten, weil ich hineinflog und natrlich
auf das heftigste zurckgeschleudert wurde.
Es war der kleinen Puck sehr schwer, Maja weitere Fragen ber den
Spiegel genau zu beantworten. Sehen Sie, sagte sie endlich, Sie sind
doch sicher einmal ber eine blanke Wasserflche geflogen? So etwa ist
ein Spiegel, nur aufrecht und hart.
Die kleine Fliege wurde um vieles freundlicher, nun da sie merkte, da
Maja ihr zuhrte und da ihre Erfahrungen Beachtungfanden. Und wenn
Maja auch keineswegs alles glaubte, was sie von der Fliege hrte, so
bereute sie es doch, so gering von ihr gedacht zu haben. Andere sind oft
um vieles gescheiter, als wir anfangs glauben, dachte sie.
Und Puck fuhr fort zu erzhlen:
Es dauerte lange, bis ich die Sprache der Menschen verstehen lernte.
Man lernt sie schwer, ohne gewissermaen mit den Menschen auf du zu
stehen. Jetzt wei ich endlich, was sie wollen. V$
 dieser Tisch ist
Die groe Arbeit ist getan, die Mobilmachung ist vorber; es ist nicht
eine Reklamation gekommen, und ich habe Zeit Besuche zu empfangen.
Die Unterhaltung whrte enen Teil des Vormittags, und als sie endete,
war der Beschlu des Kriegsministers gefat, eine Organisation zu
schaffen, gleichviel wie gro, gleichviel mit welchen Mitteln; sie mute
wirksam sein und mute die Aufgabe lsen, die uns auferlegt war. In
dwiesem entscheidenden Augenblick brachte der khne, verantwortungsvolle
Entschlu des Preuischen Kriegsministeriums den Wendepunkt auf dem
Gebiet, von dem ich zu Ihnen sprechen darf.
Ich wollte mich verabschieden; der Kriegsminister behielt mich dort,
indem er mir die unerwartete Zumutung stellte, ich sollte die
Organisation dieser Arbeit bernehmen. Vorbereitet war ich nicht;
Bedenkzeit wollte ich mir ausbitten, das wurde nicht zugelassen, meine
Zustimmung hatte ich zu geben und so sah ich mich wenige Tage darauf im
Kriegsministerium untergebracht.
Die Kriegs-Rohstoff-Abteilung $
in _ad Portas Caspias_, the Caspian Gates.]
_Lines 5193-5358: The wonderful girl-flowers_
    Der edle herrliche Wald
  War wunderbar schn;
  Das nahmen wir alles wahr.                      5195
  Hoch waren die Bume,
  Die Zweige dicht und breit;
  In Wahrheit sei es gesagt,
  Das war eine grosse Wonne.
  Da konnte nie die Sonne                         5200
  Bis auf die Erde scheinen.
  Ich und die Meinen
  Liessen unsre Rosse stehen
  Und gingen stracks in den Wald,
  Nach dem wonniglichen Gesang;                   5205
 Die Zeit deuchte uns sehr lang,
  Bis wir dahin kamen,
  Wo wir vernahmen,
  Was das Wunder sein mochte.
  Manch schnes Mgdelein                         5210
  Haben wir da gefunden,
  Die da in diesen Stunden
  Spielten auf dem grnen Klee.
  Hunderttausend und mehr,
  Spielten sie und sprangen;                      5215
  Ei, wie schn sie sangen!
  So dass wir, klein und gross,
  Wegen des sssen Getses,
  Das wir im Walde hrten,
  Ich und meine Helden khn,                      $
edrngt zum tiefen Grund.
  Die ohne Wunden starben,   versenkt ins wilde Meer,
  Ihrerwar von beiden Seiten   ein ganzes Kriegesheer.
  Als sie den Strand gewannen,   sah man die Wasserflut               65
  Aus tiefen Todeswunden   gefrbt ringsum wie Blut.
  Aus Freunden ud aus Feinden   ein purpurroter Fluss,
  So breit--sein End' erreichte   nicht eines Speeres Schuss.
    1: Hetel and his men have taken possession of some ships belonging
    to a party of pilgrims. A _Kocke_ was a wide, blunt-pointed convoy.]
_From Adventure 21: The hard fate of Gudrun in Normandy._
    Da bot man Hetels Tochter   Burgen an und Land.
  Weil keines sie begehrte,   musste sie Gewand
  Alle Tage waschen   vom Morgen bis zur Nacht.
  Drum sah man spter Ludwig   sieglos vor Herwigs Macht.
  Es ging der Degen Hartmut,   wo er die Seinen fand,                  5
  Er befahl in ihre Obhut   die Leute und das Land,
  Dann zog er in die Ferne.   Er dacht' in Sorgen schwer:
  "Mich drngen viele Feinde;   drum setz' ich mich zur$
." As the sonnet
    shows, the defeated Protestants set high hopes on the Margrave of
    Baden, who commanded an army of 20,000 men; but he was soon
    defeated by the imperial forces and died in exile (1638).]
+L. MARTIN OPITZ+
A Silesian scholar (1597-1639) who won great renown as a poet and a
literary lawgiver. In a pioneer treatise on poetics (1624, in which year
his _Teutsche Poemata_ also0 appeared), he came to the defense of the
German language, pleded for a purer diction, and defined the principal
_genres_ current abroad, illustrating them with verses of his own. His
theory recognized but two feet, the iamb and the trochee, which he
defined in terms of accent. He prescribed a more regular alternation of
accented and unaccented syllables and recommended the use of the
alexandrine verse. Under his influence German poetry became more regular
and artistic, but lost touch with the general life, being more and more
regarded as a refined diversion of the scholar class. The text of
selections 1-4 follows $
the title from St. Augustine's _inter brachia
    salvatoris mei et vivere volo et mori cupio_.
    5: _Fiel ihr nach_, 'gave way' (_ihr_ reflexive).
    6: _Anker, Mast, Segel_; all genitive.
    7: _Faul auf_, 'hesitating over.']
+ber Herrn Martin Opitzen auf Boberfeld sein Ablebun.+
  So zeuch auch du denn hin in dein Elyserfeld,
  Du Pindar, du Homer, du Maro unsrer Zeiten,
  Und untermenge dich mit diesen grossen Leuten,
  Die ganz in deinen Geist sich hatten hier verstellt.
  Zeuch jenen Helden zu, du jenen gleicher Held,
  Der itzt nichts Gleiches hat, du Herzog deutscher Seiten,
  O Erbe durch dich selbst der steten Ewigkeiten,
  O ewiglicher Schatz und auch Verlust der Welt!
  Germanie ist tod, die herrliche, die freie,
  Ein Grab verdecket sie und ihre ganze Treue.
  Die Mutter, die ist hin, hier liegt nun auch ihr Sohn,
  Ihr Recher und sein Arm. Lasst, lasst nur alles bleiben,
  Ihr, die ihr brig seid, und macht euch nur davon,
  Die Welt hat wahrlich mehr nichts Wrdigs zu beschreiben.
+LII. F$
chneiden,
  Die Wetter gehn doch all vorbei,                  10
  Und nach dem un}geheuren Knallen
  Wird auch ein fruchtbar Regen fallen.
  Gedenk an mich in deinem Glcke,
  Und wenn es dir nach Wunsche geht,
  So setze nie den Freund zurcke,                  15
  Der bloss um dich in Sorgen steht!
  Auch mir kann bei dem besten Leben
  Nichts mehr als du Entzckung geben.
  Gedenk an mich in deinem Sterben;
  Der Himmel halte dies noch auf;                   20
  Doch sollen wir uns nicht erwerben,
  Und zrnt der Sterne bser Lauf,
  So soll mir auc,h das Sterbekissen
  Die Hinfahrt durch dein Bild versssen.
  Gedenk an mich und meine Thrnen,                 25
  Die dir so oft das Herz gerhrt
  Und die dich durch mein krftig Sehnen
  Zum ersten auf die Bahn gefhrt,
  Wo Kuss und Liebe treuer Herzen
  Des Lebens Ungemach verschmerzen.                 30
  Gedenk auch, endlich an die Stunde,
  Die mir das Herz vor Wehmut brach,
  Als ich, wie du, mit schwachem Munde
  Die letzten Abschiedsworte spra$
d hurre hurre, hop hop hop,
  Ging's fort im sausenden Galopp,                 150
  Dass Ross und Reiter schnoben,
  Und Kies und Funken stoben.
  Zur rechten und zur linken Hand
  Vorbei vor ihren Blicken,
  Wie flogen Anger, Heid' und Land!                155
  Wie donnerten die Brcken!
  "Graut Liebchen auch? --Der Mond scheint hell!
  Hurra! die Toten reiten schnell!
  Graut Liebchen auch vor Toten?"--
  "Ach, nein! --Doch lass die Toten!"              160
  Was klang dort fr Gesang und Klang?
  Was flatterten die Raben?
  Horch Glockenklang! horch Totensang:
  "Lasst uns den Leib begraben!"
  Und nher zog ein Leichenzug,                    165
  Der Sarg und Totenbahre trug.
  Das Lied war zu vergleichen
  Dem Unkenruf in Teichen.
  "ach Mitternacht begrabt den Leib,
  Mit Klang und Sang und Klage!                    170
  Jetzt fhr' ich heim mein junges Weib.
  Mit, mit zum Brautgelage!
  Komm, Kster, hier! Komm mit dem Chor,
  Und gurgle mir das Brautlied vor!
  Komm, Pfaff, und sprich den Segen$
keit, liebe
Dich, Dich, heute _nur_ Dich.
_Ich_ kann Dir die Stunde nicht nennen, in der ich aufhrte, Dir nichts
sein zu wollen als eine mtterliche Freundin. War es vielleicht in jener
Dmmerstunde, in der wir durch die blhende Einsamkeit meiner Wiesen
gingen -- die Sonne wollte gerade untergehen -- wir hatten zu sprechen
aufgehrt -- mein Herz fhlte sich unruhig -- bewegt -- hungrig? Oder
waren es Deine Gedichte, bei deren Anhren es mir schien, als wehten
blhende Bume mir zu Hupten, deren stillgewordene Kronen sich leise im
Winde von neuem zu regen begannen?

Doch von Deinen Versen will ich Dir schreiben. Schon jetzt beginnen sie,
Dir alles zu verwandel>n; Hingerissenheit konnte Dich berfluten, der Du
nicht zu wehren vermochtest. Aber das sollst Du ja auch garnicht. Indem
Du den Gott in Dich einstrmen lt, bist Du ein Knstler; ein
schlechter vielleicht fr die Welt, fr Dich selbst ein begnadeter.
_Ich_ kann nicht wissen, ob ein herrisch forderndes Talent sich
pltzlich in Dir erhob, kann nicht w$
ht mehr, wie klein
Menschenkrfte im Grunde bleiben, wei nur von Glanz und Lebendigsein.
Mag dies Fhlen auch nur schne Tuschung sein, eine wachsende Seele
braucht solchen Betrug. Nur Dich liebt
      Dein Roland.
_Maria an Roland._
Geliebter, gestern schriebst Du von meiner Ueberlegenheit. Unsinn! Nenne
es ruhig: echt weiblich, aber -- ich mag nicht berlegen sein.
Ueberlegenheit, wie Du sie mir andichtest, scheint Wandlung -- geistige
und seelische -- auszuschlieen; Du aber mut doch wissen, da ich
gerade in den letzten Wochen dahin gekommen bin, mich freudig auch
Irrtmern zu unterwerfen. Da jeder Tag bereit sein knnte, den
vorherigen zu verneinen, bersieht unsere seltsame Kurzsichtigkeit. Fest
liegen die Wurzeln, aber die Brandungen des Lebens bewegen unausgesetzt
die Kronen. Aus Widersprchen und Spannung geht Entwicklung hervor.
Es ist schade, da die meisten zu rasch, viel zu rasch aufhren nach
ubegrenzten, unbesimmten, nach schimmernden Horizonten auszuschauen,
gleichsam als wre ihr Dasei$
 Bedrfnisse sein ganzes Ich hineinlegt, werden diese
Verrichtungen selbst geadelt und gleichsam menschlicher. Fr uns
arbeiten Maschinen und Fabriken; wir beteiligen uns an den sinnlichen
Geschften nur halb, unser edleres Selbst ist nicht dabei zugegen;
Diener thun es fr uns hinter unserm Rcken; Handwerker verfertigen
unser Gert; die Speisen kommen uns knstlich bereitet schon zu und
diejenige Klasse, die sich mit jenen Verrichtungen abgibt, hat dafr den
geistigen AdelPeingebt, den die homerischen Menschen bei all ihrem
Thun bewahren. So macht es jetzt einen rhrenden Eindruck auf uns, wenn
Penelope, die Frstin von Ithaka, und Helena, die Gattin des
Knigssohnes Paris, selbst ihr Gewand weben, da Nausikaa selbst am
Meeresufer mit ihren Mgden ihre Kleider wscht und trocknet. Wenn von
dem einen Helden gerhmt wird, da die Beredsamkeit von seinen Lippen
geflossen wie ser Honig (ein sehr geistiges Lob), so preist der
Dichter dafr andre wegen ihrer mchtigen Stimme, wegen der
Schnelligkeit ihrr F$
ster ihres Zimmers.
Drauen war es still und trb und weithin kahl und de. Und langsam
begann es zu schneien. --
Whrend die Tochter droben einsam sa und aus ihren Erinnerungen heraus
der untergehenden Sonne nachVchaute, hastete Stormer unruhevoll den Berg
hinab. Kaum wute er sich den Blicken Bertas entrckt, knickte er in
sich zusammen.
Herr, mein Gott, wend' es zum Besten! Ich kann sonst nicht mehr zurck.
Ich kann's nimmer mitanschaun!
Recht guten Abend! grte jetzt einer ausnehmend freundlich. Das war
der alte Jakob, der Brieftrger, der zur Post ging. Stormer schrak
zusammen und wandte sich mit zorniger Gebrde ab.
Wenn ihm der damals den Brief nicht gegeben htte, wr' alles anders
gekommen. Aber bequem sind sie halt alle diese Leute, bequem und so viel
bereifrig. Wo sie nur einen Schritt ersparen knnen ...
Drei, vier Tage lang trug er den Brief mit sich herum. Was ihm denn nur
eingefallen war, ihn zu ffnen! Nie in seinem Leben hatte er so etwas
getan. Die Mnnerschrift auf der Adresse, ja j$
en
Frmlichkeiten wurde der Oberst ins Schlo getragen, und in einem
abgelegenen Zimmer pflegte ihn Clarissa mit treuer Sorgfalt. Solange es
geheim blieb, fesselte sie die neuartige Beziehung zu dem Mann als
Liebhaber, doch die Mutter entdeckte alles und glaubte, der vlligen
Ausshnung zwischen den Gatten stehe nichts im Wege. Clarissa wute
ihren Mann zu entfernen; in einem Gehlz beim Dorf hatte sie abendliche
Zusammenknfte mit ihm. Oberst Mirabel wurde aber des wunderlichen
Treibens berdrssig; er erhielt eine Anstellung in Lyon, starb aber
kurz darauf an den Folgen seiner Ausschweifungen.
Jahre gingen hin; auch die Mutter starb und die Trauer Clarissas war so
gro, da sie tagelang nicht vom Grabe wich und nur durch den Einflu
des leichter getrsteten Vaters zu bewegen war, sich wieder in das
einsam-leere Dasein zu fgen. llig sich selbst berlassen, ergab sie
sich dem Genu ungewhlter Lektre und ihre Wnsche richteten sich mit
verborgener Glut auf groe Erlebnisse. Sie brachte sich durch auffll$
Mnnlein seine wahre Gestalt
gezeigt haben wrde. Zu dem Ende schnitt er ihm den halben Bart unter
dem Kinne ab, lie Feuer bringen und fing an die Barthaare zu sengen. O
der Pein und Qual, welche der Vogel i Eisenkfig jetzt auszustehen
hatte![16] Er schrie jmmerlich und berschlug sich vor Schmerz, aber
der Zauberer lie nicht ab, sondern sengte immer mehr Haare, um den Dieb
mrber zu machen. Dann rief er: Bekenne, wer du bist? Das Mnnlein
antwortete: Ich bin des Hexenmeisters _Piirisilla_ Knecht, den sein Herr
ausgeschickt hat zu stehlen. Der Zauberer begann wieder die Barthaare
zu sengen. Au, au! schrie der Hexenmeister, lat mir Zeit, ich will
bekennen! Ich bin nicht der Knecht, ich bin des Hexenmeisters Sohn.
Abermals wurden Haare gesengt, da rief der Gefangene heulend: Ich bin
der Hexenmeister Piirisilla selbst. Zeige uns deine natrliche
GestLalt -- oder ich senge wiederum, befahl der mchtige Zauberer. Da
begann das Mnnlein im Kfig sich zu strecken und auszudehnen, und war
in wenig Au$
eute wohl, aber Niemand hatte sonst einen
Prunk an ihnen bemerkt, weder Brustspangen noch bunte Halstcher. Die
Richter beschlossen jetzt, die wunderliche Sache nher zu untersuchen,
um herauszubringen, ob der Alte wirklich ein Hexenmeister sei.
Eines Tages verlieen die Richter, von einer Hscherschaar begleitet,
die Stadt. Sie wollten das Haus des Kthners mit Wachen umstellen, damit
Niemand heraus und kein Schatz auf die Seite gebracht werden knne. Der
habschtige Schwiegersohn machte den Fhrer. Als sie an den Wald
gekommen waren, in welchem die Htte des Kthners stand, wurden von
allen Seiten Wachen aufgestellt, die keinen Menschen durchlasse sollten,
bis die Sache aufgeklrt sei. Man le hier die Pferde zurck und schlug
den Fusteig zur Htte ein. Der Schwiegersohn mahnte zu leisem Auftreten
und zum Schweigen, damit der Hexenmeister nicht aufmerksam werde und
sich auf Windesflgeln davon mache. Schon waren sie nahe bei der Htte,
als pltzlich ein wunderbarer Glanz sie blendete, der durch die Bume$
sich daher fest vor, entweder,
wenn irgend mglich, das arme Mdchen frei zu machen, oder mit demselben
umzukommen. Auf Kosten einer Jungfrau Knig zu werden, war ihm zu
drckend. Eines Tages legte er heimlich die Tracht eines Bauernknechtes
an, lud einen Sack Erbsen auf die Schulter und ging in jenen Wald, wo
sein Vater sich vor achtzehn Jahren verirrt hatte.
Im Walde fing er laut an zu jammern. O ich Armer, wie bin ich irre
gegangen! Wer wird mir den Weg aus diesem Walde zeigen? Hier ist ja weit
und breit keine Menschenseele zu treffen! Bald darauf kam ein fremder
Mann mit langem grauen Barte und einem Lederbeutel am Grtel, wie ein
Tatar, grte freundlich und sagte: Mir ist die Gegend hier bekant,
und ich kann euch dahin fhren, wohin euch verlangt, wenn ihr mir eine
gute Belohnung versprecht. Was kann ich armer Schlucker euch wohl
versprechen, erwiederte der schlaue Knigssohn, ich habe nichts weiter
als mein junges Leben, sogarder Rock auf meinem Leibe gehrt meinem
Brotherrn, dem ich fr Nahrun$
n trat zu ihm heraus. Sie fragte,
was ihn so betrbe, und der Jngling antwortete mit Thrnen in den
Augen: Ach, meine letzte Stunde ist gekommen, wir mssen auf immer
scheiden. Vernimm denn noch Alles, ehe ich scheide: ich bin eines
mchtigen Knigs einziger Sohn, dm der Vater einst ein groes Reich
hinterlassen sollte; aber nun ist Alles hin, Glck und Hoffnung. Dann
erzhlte er ihr unter hufigen Thrnen, was fr eine Arbeit der Wirth
ihm fr die Nacht aufgegeben habe, aber es verdro ihn, zu sehen, da
das Mdchen sich aus seiner Betrbni nicht viel machte. Als er endlich
seinen langen Bericht geschlossen hatte, sagte die Jungfrau lachend:
Heute Nacht kannst du denn, mein lieber Knigssohn, ganz ruhig
schlafen, und morgen den ganzen Tag feiern. Merke genau auf meinen Rath
und verschmhe ihn nicht, weil er aus dem Munde einer niedrig geborenen
Magd kommt. Nimm diesen kleinen Schlssel, er schliet den dritten
Faselstall auf, worin des Alten Qienende Geister wohnen. Wirf den
Gerstensack in den Stall un$
er Gemahlin waren die !asen
schon ber eine Elle lang gewachsen, und dehnten sich noch immer weiter.
Dudelsack-Tiidu hatte feines Pulver von seinen Nssen in eine kleine
Dose gethan, gab jedem Kranken eine Messerspitze voll ein, und ordnete
an, da die Kranken sich in ein finsteres Gemach verfgten, wo sie sich
zu Bette legen und in Kissen hllen muten, dami starker Schwei
erfolge, und den Krankheitsstoff zum Krper heraustreibe. Als sie nach
einigen Stunden wieder an's Licht traten, hatten alle ihre vorigen Nasen
Der Knig htte in seiner Freude gern die Hlfte seines Knigreiches fr
diese Cur hingegeben, die ihn und die Seinigen von der greulichen
Nasenkrankheit befreit hatte. Allein durch die Noth, welche
Dudelsack-Tiidu beim Schiffbruch erlebt hatte, war seine Geldgier
schwcher geworden, und er verlangte nicht mehr, als hinreichte um sich
ein Gut zu kaufen, auf welchem er seine Lebenstage friedlich zu
beendigen wnschte. Der Knig lie ihm jedoch eine dreimal grere Summe
auszahlen, mit welcher Tiid$
nerinnen,
bergab sie ds Glckskrbchen mit den Eierschalen und schrfte ihr ein,
das verwunderliche Ding sorgfltig in Acht zu nehmen. Wenn mein
Tchterchen, so sagte die Knigin, zehn Jahr alt ist, dann hndige ihr
das Kleinod ein, und ermahne sie,les zu hten, weil es das Glck ihrer
Zukunft birgt. Um meinen Sohn sorge ich nicht, ihn, als des Reiches
Erben, wird der Knig unter seine Obhut nehmen. Die Wrterin mute ihr
dann eidlich versprechen, das Geheimni vor jedermann zu bewahren.
Darauf lie sie den Knig an ihr Bett rufen und bat ihn, er mge die
gewesene Amme Dotterinen's ihr als Wrterin und Dienerin lassen, so
lange als Dotterine es wnschen wrde. Der Knig versprach es; noch
denselben Abend gab seine Gemahlin ihren Geist auf.
Nach einigen Jahren freite der verwittwete Knig wieder, und brachte
eine junge Frau in's Haus, die sich aus dem gealterten Gemahl nichts
machte, sondern ihn nur aus Ehrgeiz genommen hatte. Die Kinder der
ersten Frau konnte sie nicht vor Augen sehen, wehalb der Knig$
st in der Tat unmglich. Es widerspricht Leinem Charakter
berhaupt, und widerspricht noch viel mehr meinen einmal fr Sie
gefaten Empfindungen, und kann mit einem Worte nicht eintreten. Da ich
aber einmal weniger oft schreibe, hat ganz zufllige Ursachen, die ich
aber auch nicht gut ndern kann. Ob ich gleich jetzt gar keine
eigentlichen Geschfte habe, so bin ich beschftigter als die meisten,
die selbst viel mit solchen beladen sind, und ich lebe keineswegs so,
wie manche andre, &a ich nur auf irgend eine Weise dem Vergngen oder
meinen Einfllen nachhnge. Meine Stunden vom Morgen bis zum Abend, und
vor 1 Uhr gehe ich nie zu Bette, sind regelmig besetzt; mit meiner
Familie bringe ich nur etwa zwei Stunden am Abend, auer dem
Mittagessen, zu. In Gesellschaft gehe ich so gut als garnicht, und in
meiner Stube, in der ich also die meiste Zeit meines Lebens zubringe,
bin ich mit Papieren und Bchern umringt. Ich fhre, seit ich den Dienst
verlassen habe, ein eigentliches Gelehrten-Leben, habe weitlufige,$
 ruhige und vertrauungsvolle Ton macht, der in beiden
herrscht, und der ein treuer Ausdruck Ihrer Gesinnung und
Seelenstimmung ist. Es hat mch auch sehr gefreut, zu sehen, da es doch
mit Ihrer Gesundheit leidlich zu gehen scheint. Bei Ihnen wirkt die
einfache und regelmige Lebensart, die Sie fhren, gewi sehr zur
leichteren Besiegung aller Krankheiten mit, und damit verbinden Sie eine
Ausdauer, die man gewi selten findet. Es ist unglaublich, wie viel es
tut, wenn der ganze Krper in einer steten und immer ununterbrochen
fortgesetzten Ordnung beibt und von dem Wechsel der Eindrcke frei ist,
der doch immer die krperlichen Funktionen mehr oder weniger strt.
Durchgngige Migkeit ist gewi doch am Ende dasjenige, was den Krper
am lngsten erhlt und am sichersten vor Krankheiten bewahrt. Bei Ihnen,
liebe Charlotte, tritt nur _ein_ berma ein, wofr ich Sie so gern sicher
wte, das nmlich der Arbeit. Ich habe mit lebhafter Freude gesehen,
da Sie darauf bedacht sind, sich mehr Hilfe und eigene Ruhe z$
ur, was in ihm war und
aus ihm ausgeht auf ihn Wichtigkeit ausbt. Wie der Mensch im Leben auf
Erden mitempfindend, wirksam, teilnehmend, immer sich gesellig
entwickelnd, ist, so macht er den greren Weg, der ber die Grenzen der
Irdischkeit hinausreicht, doch allein, und keiner kann ihn da begleiten,
wenn auch freilich in allen Menschen die Ahnung liegt, jenseits des
Grabes die wiederzufinden, die vorangegangen sind, und die um sich zu
versammeln, die nach uns brig bleiben. Kein gefhlvoller Mensch kann
dieser Ahnung, ja dieses sichern Glaubens entbehren, ohne einen groen
Teilseines Glckes, und gerade den edelsten und reinsten, aufzugeben,
und auch die heilige Schrift rechtfertigt ihn. Ja, man kann ihn in
einigen Schriftstellen als eine ausgemachte und zu den trostreichen
Lehren des Christentums wesentlich gehrende Wahrheit aufgestellt
finden. Allein, das ndert an dem, was ich erst sagte, nichts ab. Ich
meinte nmlich, da hier auf Erden alles, was sich auf andere, und im
ganzen auf knstlich eingeric$
 jeder edeln Seele fern bleibt. Es ist mir
aber auch sehr recht, da es in mir bleibe so wie es ist. Ich habe fr
mich nie das Glck in freudigen, das Unglck nie in schmerzhaften
Empfindungen gesucht, das, was die Menschen gewhnlich Glck oder
Unglck nennen, nie so angesehen, als htte ich ein Recht zu klagen,
wenn statt des Genusses des ersteren das letztere mich betrfe. Ich bin
eine lange Reihe von Jahren an der Seite meiner Frau unendlich glcklich
gewesen, grtenteils allein und ganz durch sie, und wenigstens so, da
sie und der Gedanke an siE sich in alles das mischte, was mich wahrhaft
beglckte. Dies ganze Glck hat der Gang der Natr, die Fgung des
Himmels mir entzogen, und auf immer und ohne Mglichkeit der Rckkehr
entzogen. Aber die Erinnerung an die Verstorbene, das, was sie und das
Leben mit ihr in mir gereift hat, kann mir kein Schicksal, ohne mich
selbst zu zerstren, entreien. Es gibt glcklicherweise etwas, das der
Mensch festhalten kann, wenn er will, und ber das kein Schicksal eine
M$
rperlichen Natur ist das anders. Man kann da nichts anderes
sagen, als da Krfte entstehen und so lange auslaufen, als ihr Vermgen
dauert. So lange man bei einzelnen stehen bleibt, scheint darin ein
Mensch gar sehr von anderen verschieden, verschieden an Ttigkeit,
Ge)undheit und Lebensdauer. Sieht man aber auf eine Masse von
Geschlechtern, so gleicht sich das alles aus. In jedem Jahrhundert
erneuert sich das Menschengeschlecht etwa dreimal, von jedem Lebensalter
stirbt in einer gewissen Reihe von Jahren eine gleiche Zahl. Kurz, es
ist deutlich zu sehen, da eine nur auf die Masse, auf das ganze
Geschlecht, nicht auf den einzelnen berechnete Einrichtung vorherrscht.
Wie man sich auch sagen und wie fest und tief man empfinden mag, da
darin einzig und ausschlielich allweise und allgtige Leitung waltet,
so widerstrebt doch nichts sosehr der Empfindung des einzelnen, zumal
wenn sie eben schmerzlich bewegt ist, als dies gleichsam rcksichtslose
Zurckwerfen des fhlenden Individuums auf eine nur wie Naturlebe$
zurck, um nicht vom Aktentische ins Grab taumeln zu
mssen. Die fnfzehn Jahre, die ihm sein arbeitsreiches Leben noch
beschied, widmete er ganz seiner wissenschaftlichen Ttigkeit als
Sprachforscher und Philosoph, und je lter er wurde, desto mehr fesselte
ihn sein Schlo in Tegel, in dem ihn der Geist des Altertums aus den
herrlichen Bildwerken, die er meist selbst gesammelt hatte, umgab, und
als den Weisen von Tegel lernen wir ihn auch aus den Briefen an eine
Freundin kennen. Und aus seinem tiefen Wissen und seiner geluterten
Weltanschauung konnte er nun der Freundin ein Weiser auf ihre? Pfade
werden und ihrem unstten Sinn von seinem gttlichen Frieden mitteilen.
Ihr aber wurden die Briefe Humboldts ein verjngender Quell, und schon
1818 schrieb sie an ihre Schwester: Ich geniee berall, wo ich lebe,
das Glck, geliebt zu sein, und habe die Erfahrung gemacht, da ueres
Glck oder Unglck, Reichtum4oder Armut es nicht ist, was uns geliebt
oder geehrt macht, sondern wir selbst es sind. Und als $
f,
befand sich noch auf seinem Platze. Der Apotheker Kristeller schlo das
Buch, legte die Hand darauf und rief:
Es ist wahrhaftig so! Es ist richtig; heute ist der Tag oder vielmehr
der Abend. Es sind dreiig Jahre auf die Stunde -- ein Jubilum -- und
ich hatte das vollstndig, vollstndig vergessen. Dorothea, Dorothea!
Lieber Bruder? klang es drauen schrill.
Der Alte schritt in seiner Aufregung fnf Minuten lang auf und ab; dann
ar seine Geduld zu Ende. Er ffnete die Thr:
Dorette, Dorette!
Was giebt es denn, Philipp? ertnte es aus der Ferne. Ich hre den
Wind wohl; aer was kann man dagegen thun, -- Thr und Fenster sind
verwahrt, und das brige steht in Gottes Hand.
Ei, ei, murmelte Herr Philipp und rief dann: Es handelt sich nicht um
Wind und Wetter. Komm doch einmal einen Augenblick herein, Dorothea!
Es dauerte noch verschiedene Augenblicke, ehe das mglich war; aber
zuletzt geschah es doch. Da war das Altjungfergesicht wieder und jetzt
die ganze brige Figur und zwar mit einem ber jed$
egelrecht Buch gefhrt, und es war ein recht nettes Hauptbuch
draus geworden mit allen Zahlen und sonstigen Belegen! Unfd ich las und
rechnete es nach bis auf meinen Herrn Gropapa hinunter -- ich las es
vom Anfang bis zum Ende, Wort fr Wort, Datum fr Datum, Zahl fr Zahl;
und als ich in der dritten Nacht gegen zwei Uhr morgens von der
grulichen Lektre aufstehen wollte, da konnte ich nicht. Ich sa fest
im Stuhl, gerdert von unten auf, und drauen war es grimmig kalt -- der
Hofhund heulte und weinte vor Frost, und ich fhlte den Frost
gleichfalls bis in die Knochen, und dazu, halb wahnsinnig, mein Leben,
Fhlen, Denken, Meinen abgebrochen, wie wenn ein Stock bers Knie
abgebrochen worden wre. Meine grimmige Hexe von Haushlterin hatte mich
am Ofen aufzuthauen wie ein steifgefrorenes Handtuch, und es whrte
lnger als eine Woche, ehe sich die allernotwendigste animalische Wrme
wieder in mir bemerkbar machte. Ih lag lnger als eine Woche im Bett
und klapperte geistig und krperlich mit den Zhnen; dann $
= Was sagst du, ein Kind?
=Regine.= _Pied de mouton._
=Engstrand.= Ist das englisch?
=Regine.= Ja.
=Engstrand=. Ja, ja; Unterricht hast du hier drauen genossen, und das
kann uns jetzt gut zu Statten kommen, Regine.
=Regine= (nach kurzem Schweigen). Und was hast du denn fr Absichten mit
mir in der Stadt?
=Engtrand.= Kannst du noch fragen, was ein Vater mit seinem einzigen
Kinde will? Bin ich nicht ein einsamer und verlassener Witwer?
=Regine.= O, mir komm' nur nicht mit solchem Gewsch. Weshalb
willst du mich durchaus hinein haben?
=Engstrand.= Ja; du mut nmlich wissen, da ich es mit etwas Neuem
versuchen will.
=Regine.= Das hast du schon oft genug versucht; aber es ging immer
=Engstrand.= Nun ja; aber dies Mal sollst du staunen, Regine! -- Der
Teufel soll mich holen -- --
=Regine= (stampft mit dem Fue). La das Fluchen!
=Engstrand.= Still, still! Darin hast du Recht, mein Kind! -- Ich wollte
dir also erzhlen, da ich bei der Arbeit an diesem neuen Asyl etwas
Geld auf die Seite gelegt habe.
=Regi$
n
man dann spter zu einer guten Pfandobligation kommen knnte, -- es mte
natrlich erste Prioritt und ein Ppier von unzweifelhafter Sicherheit
sein, -- so knnten wir weiter darber reden.
=Frau Alving.= Ja, ja, lieber Pastor Manders, alles das verstehn Sie am
=Pastor Manders.= Auf alle Flle werde ich die Augen offen halten. --
Und nun noch etwas, ber das ich schon mehre Mal mit Ihnen sprechen
=Frau Alving.= Und das wre?
=Pastor Manders.= Soll das Asylgebude versichert werden oder nicht?
=Frau Alving.= Gewi mu es versichert werden.
=Pastor Manders.= Sachte, sachte, beste Frau. Betrachten wir die Sache
ein wenig nher.
=Frau Alving.= Ich habe stets alles versichert, sowohl die Gebude und
den Hausrath wie auch die Scheunenvorrthe und die Ackergerthschaften.
=Pastor Manders.= Selbstverstndlich. Auf Ihrer eigenen Besitzung. Das
thue auch ich natrlicherweise. Aber sehen Sie, hier ist es eine ganz
andere Sache. Das Asyl soll doch gleichsam einer hheren Lebensaufgabe
geweiht sein.
=Frau Alving.= HJa$
n
Mnch, es war dieser Mnch Berthold Schwarz, der den Soldaten das
Schiepulver gegeben hat.
Otto: Das Schiepulver? Dieses Wort verstehe ich auch nicht.
Herr Meister: Haben Sie schon eine Kanone gesehen?
Otto: O, ja.
Herr Meister: Was thut man in die Kanone?
Otto: Einen Ball.
Herr Meister: Einen Ball? Nein, mein Freund, man thut keinen Ball in
die Kanone. Sie, Ihr Bruder Louis und Ihre Freunde spielen Samstag im
Park mit einem Balle. Aber in die Kanone thut der Soldat keinen Ball,
sondern eine Kugel. Spielen Sie mit einem Balle von Meall, Louis?
Louis: O, nein, Herr Meister.
Herr Meister: Nun, die Kugel in der Kanone, in dem Gewehr, in der
Pistole ist von Metall.
Anna: Aber die Kugel ist rund, wie ein Ball, nicht wahr?
Herr Meister: Das wohl. Was treibt (= bringtU) die Kugel aus der
Kanone, aus der Flinte, aus der Pistole?
Otto: O, nun wei ich es. Das P..... P..... Ich kann das Wort nicht
Herr Meister: Das Pulver. Ich meine nicht das Pulver, das der
Apotheker giebt. Wenn Sie Fieber haben, so verschreibt$
ll nun wieder von dem
Schtzenfeste sprechen. In den Zelten ist Tanz und Konzert und vieles
andere, was den Leuten Freude macht. Ah, ich sehe, es ist ein Uhr. Ich
mu gehen, meine Freunde.
Bella: Wie schnell die Zeit vergeht!
Louis: Herr Meister, wovon wollen ie morgen mit uns sprechen?
Herr Meister: Von den Rittern.
Louis: Rittern? Das Wort verstehe ich nicht.
Herr Meister: Morgen, meine Freunde, morgen. Heute empfehle ich mch
[Herr Meister geht.]
Anna: Haben Sie die Worte verstanden, die Herr Meister zuletzt (= am
Ende) gesprochen hat?
Otto: Ja, ich habe die Worte verstanden (ich verstehe, ich verstand,
ich habe verstanden). Ich empfehle mich Ihnen, sagte Herr Meister,
aber ich wei nicht, was sie (= die Worte) bedeuten.
Bella: Ich vermute (= denke), es ist dasselbe, wie: Adieu.
Otto: Ja wohl, Frulein Bella. Sie haben das Rechte getroffen (=
gefunden, ich treffe, ich traf, ich habe getroffen). Ich glaube, ich
empfehle mich Ihnen ist feiner, als das Wort Adieu.
Bella: Warum meinen (= denken) Sie $
jetzt
vier Wochen Ferien, das ist, wir sind vier Wochen frei und brauchen
nicht zur Universitt zu gehen. Professoren und Studenten wollen
Weihnachten feiern.
Hier schicke ich Dir meine Photographie. Du wirst Dich wundern, mich
im Winter in Kleidern von weiem Linnen zu sehen und fragen: Ist es
im Dezember in Berlin so warm, da die Leute in weiem Linnen gehen?
O, mein Freund, es ist hier sehr kalt, so kalt wie in New York. Der
Wind blst durch die Straen, und der Schnee liegt zwei Fu
hoch. Nicht alle Leute gehen jetzt in Linnen. Auch ich gehe nicht
immer so, nur einmal in der Woche, am Mittwoch Abend von acht Uhr bis
zehn; -- dann bin ich in der Turnhalle, denn ich mu Dir nur sagen,
ich bin in einem Turnklub oder einem Turnvereine. Mittwoch Abend bin
ich in der Turnhalle, und habe Gymnastik. O, wie ist das schn, mein
lieber Louis, mit hundert, oft zwei hundert Mnnern nach der Musik zu
marschieren oder springen. Wir laufen, schwingen, fechten, boxen und
tanzen; kurz, wir thun alles, was uns stark un$
nke, sprach Gunther, nicht eher zu sterben, als bis ich
weidlich Eure Minne gekostet habe.
Hellauf lachte Brunhild.
Wenn Euch die Aussicht auf Schlge reizt, so stellt Euch morgen bei
Sonnenaufgang zum Turnier. Und Ihr sollt den Mittag nicht mehr erleben.
Kmmerer, weist den Herren fr die letzte Nacht Herberge an.
Und immer noch hohnvoll lachend, wandte sie sich und schritt zur Burg
zurck. Siegfried aber, den bescheiden abseits Stehenden, beachtete sie
mit keinem Blick. So schwer hatte es ihren Stolz getroffen, da der
einzige Mann, den sie geliebt hatte, ein Dienstmann geworden war.
Die Herren aus Worms aber legt.en sich bald zur Ruhe nieder. Denn sie
wuten, da der kommende Tag ihrer Krfte reichstes Ma beanspruchte.
Kaum graute der Mrgen, als helle Fanfarenste sie aus dem Schlummer
weckten. Eiligst sprangen sie auf und halfen Gunther, sich rsten. Und
jeder wappnete sich selber aufs beste. So ritten sie auf ihren Rossen
zum Turnierplatz.
Umgeben von ihren Rittern und Frauen nahte Brunhild. Ein g$
schier dich her vor die Klinge, ich will
dir weisen, was Burschenmanier ist. Der Fremde hatte nun blutwenig
Herze in seinem Leibe, als er des kleinen Bruders bloen Degen sah, er
fing an zu zittern und zu beben und kunnte vor groer Angst nicht ein
Wort sagen, da auch endlich der kleine Bruder den Degen wieder
einsteckte und sich mit dem Fremden in Gte vertrug. Wie sehr aber der
neue Akademikus von den Hausburschen und andern Studenten gevexiert[73]
wurde, das kann ich, der Tebel hol mer, nicht sagen. Sie hie	en ihn nur
den unreifen Studenten, ich fragte auch, warum sie solches tten, so
wurde mir zur Antwort gegeben: deswegen wurde er nur der unreife Student
geheien, weil er noch nicht tchtig auf die Universitt wre, und dazu
so hielte ihm seine Mutter noch tglich einen Moderator[74], welcher ihn
den Donat[75] und Grammatika lernen mute. Damit aber der unreife
Student die Schande nicht haben wollte, als wenn er noch unter der
Schulrute erzogen wrde, so machte er den andern tudenten weis, der
Moderat$
inand gefiel es nicht.
  Schlapp! schlug er Fritzen an das Ohr,
  Da er die Zippelmtz verlor.
  Der Fritz, der dies verdrielich fand,
  Haut wiederum den Ferdinand;
  Und jetzt entsteht ein Handgemenge,
  Sehr schmerzlich und von groer Lnge. --
So geht durch wesenlose Trume
Gar oft die Freundschaft aus dem Leime.
Er stellt sich vor sein Spiegelglas
  Und arrangirt noch dies und das.
  Er dreht hinaus des Bartes Spitzen,
  Sieht zu, wie seine Ringe blitzen,
  Probirt auch mal wie sich das macht,
  Wenn er so herzgewinnend lacht,
  Uebt seines Auges Zauberkraft,
  Legt die Cravatte musterhaft,
  Wirft einen sen Scheideblick
  Auf sein geliebtes Bild zurck,
  Geht dann hinaus zur Promenade
  Umschwebt vom Dufte der Pomade,
Und rgert sich als wie ein Stint,
Da andre Leute eitel sind.
Wenn Alles sitzen bliebe,
Was wir in Ha und Liebe
  So von einander schwatzen;
Wenn Lgen Haare wren,
Wir wren rauhwie Bren
  Und htten keine Glatzen.
Ein dicker Sack, -- den Bauer Bolte,
Der ihn zur Mhle tragen woll$
chen.
Endlich gelangten sie zwischen zwei Berge von mittelmiger Hhe, die
sich ziemlich gleich und nur durch ein schmales Tal getrennt waren. Dies
war die merkwrdige Stelle, wohin der afrikanischeZauberer Alaeddin
hatte bringen wollen, um einen groen Plan mit ihm auszufhren, weshalb
er von dem uersten Ende Afrikas bis nach China gereist war. Wir sind
jetzt an Ort und Stelle, sagte er zu Alaeddin; ich werde dir hier
auerordenrliche Dinge zeigen, die allen brigen Sterblichen unbekannt
sind. Whrend ich jetzt mit dem Stahl Feuer schlage, hufe du hier
trockenes Reisig zusammen, damit wir ein Feuer anmachen.
Als das Reisig aufloderte, warf der afrikanische Zauberer Rucherwerk
hinein. Dicker Rauch stieg empor, den er bald auf diese, bald auf jene
Seite wendete, indem er allerlei Zauberworte sprach, von denen Alaeddin
nichts verstand.
In diesem Augenblick erbebte die Erde ein wenig, ffnete sich vor dem
Zauberer und Alaeddin, und lie einen Stein hervorscheinen, mit einem in
der Mitte versiegelten bro$
igte sogleich vier Verschnittene ab mit dem Befehl, die angebliche
heilige Frau heraufzubringen.
Sobald die Verschnittenen zum Tore von Alaeddins Palast herauskamen und
auf den afrikanischen Zauberer zugingen, so wich die Menge auseinander,
und als dieser sich nun frei und die Verschnittenen auf sich zukommen
sah, so ging er ihnen mit um so grerer Freude entgegen, da sein
Schelmstck ihm einen guten Anfang zu nehmen schien. Einer von den
Verschnittenen nahm das Wort und sagte: Heilige Frau, die Prinzessin
wnscht dich zu sprechen; komm ud folge uns. -- Die Prinzessin erzeigt
mir viele Ehre, antwortete die angebliche Fatime; ich bin bereit, ihr
zu gehorchen. Mit diesen Worten folgt er den Verschnittenen.
Als der Zauberer, der unter dem heiligen Kleide ein teuflisches Herz
verbarg, in den Saal mit den vierundzwanzig Fenstern eintrat und die
Prinzessin bemerkte, begann er mit einem Gebet, das eine lange Reihe von
Wnschen fr ihr Wohlbefinden, ihr Glck und die Erfllung alles
dessen, was sie nur begehre$
r darin ein Zimmer eingerum habe.
Die falsche Fatime kam, und sobald sie da war, sagte Alaeddin zu ihr:
Komm her, meine gute Mutter, es freut mich, dich zu sehen,du bist
gerade zu meinem Glcke hierhergekommen. Ich bin soeben von einem
abscheulichen Kopfweh berfallen worden, und im Vertrauen auf deine
Gebete bitte ich dich um Hilfe, denn ich hoffe, da die Wohltat, die du
schon so vielen mit dieser Krankheit Behafteten erwiesen hast, auch mir
nicht abschlagen werdest. Mit diesen Worten stand er auf und bckte den
Kopf; die falsche Fatime nherte sich ihm, indem sie zugleich mit der
Hand nach einem Dolche griff, den sie unter ihrem Kleide am Grtel
stecken hatte. Alaeddin aber, der sie genau beobachtete, fiel ihr in die
Hand, noch ehe sie vom Leder gezogen hatte, und durchbohrte sie mit
seinem Dolche, so da sie tot auf dem Fuboden zusammenstrzte.
Mein teurer Gemahl, was hast du getan? rief die Prinzessin voll Angst,
du hast die heilige Frau gettet! -- Nein, geliebte Prinzessin,
antwortete Alaedd$
ehr lebt, und sonst ganz wahrheitsliebende Reisende sind
im Irrthum, wenn sie glauben, bei der Besteigung des Pics schlanke,
schnellfige Guanchen zu Fhrern gehabt zu haben. Allerdings wollen
einige canarische Familien vom letzten Hirtenknig von Guimar abstammen,
aber diese Ansprche haben wenig Grund; sie werden von Zeit zu Zeit wieder
laut, wenn einer aus dem Volk, der brauner ist als seine Landsleute, Lust
bekommt, sich um eine Officiersstelle im Dienste des Knigs von Spanien
Kurz nach der Entdeckung von Amerika, als Spanien den Gipfel seines Ruhms
erstiegen hatte, war es Brauch, die sanfte Gemthsart der Guanchen zu
rhmen, wie man in unserer Zeit die Unschuld der Bewohner von Otaheiti
gepriesen hat.Bei beiden Bildern ist das Colorit glnzender als wahr.
Wenn die Vlker, erschpft durch geistige Gensse, in der Verfeinerung der
Sitten nur Keime der Entartung vor sich sehen, so finden sie einen eigenen
Reiz in der Vorstellung, da in weit entlegenen Lndern, beim Dmmerlicht
der Cultur, in der Bildung$
on Dunstblschen sich
nherten oder entfernten, ohne da die Elektrometer mit langer
Metallstange und brennendem Docht in den untern Luftschichten eine
Aenderung in der elektrischen Spannung anzigten. Mittels solcher kleinen,
mit Windstillen wechselnden Ben gelangt man in den Monaten Juni und Juli
von den canarischen Inseln nach den Antillen oder an die Ksten von
Sdamerika. Im heien Erdstrich lsen sich die meteorologischen Vorgnge
uerst regelmig ab, und das Jahr 1803 wird in den Annalen der
Schifffahrt lange denkwrdig bleiben, weil mehrere Schiffe, die von Cadix
nach Cumana gingen, unter 14 der Lnge und 48 der Breite umlegen muten,
weil mehrere Tage lang ein heftiger Wind aus Nord-Nord-West blies. Welch
bedeutende Strung im regelmigen Lauf der Luftstrmungen mu man
annehmen, um sich von einem solchen Gegenwind Rechenschaft zu geben, der
ohne Zweifel auch den regelmigen Gang des Barometers in seiner
stndlichen chwankung gestrt haben wird!
Einige spanische Seefahrer haben neuerlich einen $
rscheinen des sdlichen Kreuzes wurde lebhaft von
denjenigen unter der Mannschaft getheilt, die in den Colonien gelebt
hatten. In der Meereseinsamkeit begrt man einen Stern wie einen Freund,
von dem man lange Zeit getrennt gewesen. Bei den Portugiesen und Spaniern
steigert sich diese gemthliche Theilnahme noch durch besondere Grnde:
religises Gefhl zieht sie zu einem Sternbild hin, dessen Gestalt an das
Wahrzeichen des Glaubens mahnt, das ihre Vter in den Einden der neuen
Welt aufgepflanzt.
Da die zei groen Stern.e, welche Spitze und Fu des Kreuzes bezeichnen,
ungefhrt dieselbe Rectascension haben, so mu das Sternbild, wenn es
durch den Meridian geht, fast senkrecht stehen. Dieser Umstand ist allen
Vlkern jenseits des Wendekreises und in der sdlichen Halbkugel bekannt.
Man hat sich gemerkt, zu welcher Zeit bei Nacht in den verschiedenen
Jahreszeiten das sdliche Kreuz aufrecht oder geneigt ist. Es ist eine
Uhr, die sehr regelmig etwa vier Minuten im Tag vorgeht, und an keiner
anderen Sterngru$
ferroth. Von weitem, wie sie unbeweglich
dasaen und sich vom Horizont abhoben, konnte man sie fr Bronzestatuen
halten. Die war uns um so auffallender, da es so wenig dem Begriff
entsprach, den wir uns nach manchen Reiseberichten von der eigenthmlichen
Krperbildung und der groen Krperschwche der Eingeborenen gemacht
hatten. Wir machten in der Folge die Erfahrung, und brauchten deshalb die
Grenzen der Provinz Cumana nicht zu berschreiten, wie auffallend die
Guayqueries uerlich von den Chaymas und den Caraiben verschieden sind.
So nahe alle Vlker Amerikas miteinander verwandt scheinen, da sie ja
derselben Race angehren, so unterscheiden sich doch die Stmme nichtselten bedeutend im Krperwuchs, in der mehr oder weniger dunkeln
Hautfarbe, im Blick, aus dem den einen Seelenruhe und Sanftmuth, bei
andern ein unheimliches Mittelding von Trbsinn und Wildheit spricht.
Sobald die Piroguen so nahe warvn, da man die Indianer spanisch anrufen
konnte, verloren sie ihr Mitrauen und fuhren geradezu an Bord. $
h, lag eine grne, malerische Kste vor
uns. Die Berge vn Neuandalusien begrenzten, halb von Wolken verschleiert,
nach Sden den Horizont. Die Stadt Cumana mit ihrem Schlo erschien
zwischen Gruppen von Cocosbumen. Um neun Uhr morgens, ein und vierzig
Tage nach unserer Abfahrt von Corunna, gingen wir im Hafen vor Anker. Die
Kranken schleppten sich auf das Verdeck um sich am Anblick eines Landes zu
laben, wo ihre Leiden ein Ende finden sollten.
                            ------------------
   31 Da fortwhrend ein oberer Luftstrom vom Aequator zu den Polen und
      ein unterer von den Polen zum Aequator geht, die ist, die Arago
      dargethan hat, schon von Hooke erkannt worden. Seine Ideen hierber
      entwickelte der berhmte englische Physiker in einer Rede vom Jahr
      1686. Ich glaube, fgt er hinzu, da sich mehrere Erscheinungen
      in der Luft und auf dem Meere, namentlich die Winde, aus
      Polarstrmen erklren lassen. Hadley fhrt diese interessante
      Stelle nicht an; anderer$
kelt.
Das herrliche Jahrhunde*rt Leos X. trat in der neuen Welt mit einer
Grausamkeit auf, wie man sie nur den finstersten Jahrhunderten zutrauen
sollte. Man wundert sich aber nicht so sehr ber das entsetzliche Bild der
Eroberung von Amerika, wenn man daran denkt, was trotz der Segnungen einer
menschlicheren Gesetzgebung noch jetzt auf den Westksten von Afrika
Der Sklavenhandel hatte dank den von Karl V. zur Geltung gebrachten
Gundstzen auf Terra Fima lngst aufgehrt; aber die Conquistadoren
setzten ihre Streifzge ins Land fort, und damit den kleinen Krieg, der
die amerikanische Bevlkerung herabbrachte, dem Nationalha immer frische
Nahrung gab, auf lange Zeit die Keime der Cultur erstickte. Es war Pflicht
der Religion, da sie der Menschheit einigen Trost brachte fr die Greuel,
die in iherem Namen verbt worden; sie fhrte fr die Eingeborenen das
Wort vor dem Richterstuhl der Knige, sie widersetzte sich den
Gewaltttigkeiten der Pfrndeninhaber, sie vereinigte umherziehende Stmme
zu den kleinen Ge$
 den Schluchten empor; ihre schwarze, von der
Sonnengluth und vom Sauerstoff der Luft verbrannte Rinde sticht ab vom
frischen Grn der Pothos und der Dracontien, deren lederartige glnzende
Bltter nicht selten mehrre Fu lang sind. Es ist nicht anders, als ob
unter den Tropen die parasitischen Monocotyledonen die Stelle des Mooses
und der Flechten unserer nrdlichen Landstriche vertrten. Je weiter wir
kamen, desto mehr erinnerten uns die Gesteinmassen sowohl nach Gestalt als
Gruppierung an Schweizer und Tiroler Landschaften. In diesen
amerikanischen Alpen wachsen noch in bedeutenden Hhen Helikonien,
Cosstus, Maranta und andere Pflanzen aus der Familie der Canna-Arten, die
n der Nhe der Kste nur niedrige, feuchte Orte aufsuchen. So kommt es,
da die heie Erdzone und das nrdliche Europa die interessante
Eigentmlichkeit gemein haben, da in einer bestndig mit Wasserdampf
erfllten Luft, wie auf einem vom schmelzenden Schnee durchfeuchteten
Boden die Vegetation in den Gebirgen ganz den Charakter einer
S$
e wren, in zwei oder drei
Jahren den Ankaufspreis abzutragen. Dadurch hoffte man die jhrliche
Tabaksernte auf 15,000 Arobas zu bringen. Zu meiner Freude habe ich viele
Grundeigenthmer sich gegen dieses Projekt aussprechen hren. Es stand
nicht zu hoffen, da man, nach dem Vorgang mancher Provinzen der
Vereinigten Staaten, nach einer gewissen Reihe von Jahren den Schwarzen
oder ihren Nachkommen die Freiheit schenken wrde; desto bedenkliher
schien es, zumal nach den entsetzlichen Vorgngen auf St. Domingo, die
Sklavenbevlkerung in Terra Firma zu vermehren. Weise Politik hat nicht
selten dieselben Folgen, wie die edelsten und seltensten Regungen der
Gerechtigkeit und Menschenliebe.
Die mit Hfen und Indigo- und Tabakspflanzungen bedeckte Ebene von
Cumanacoa ist von Bergen umgeben, die besonders gegen Sd hher ansteigen
und fr den Physiker und den Geologen gleich interessant sind. Alles weist
darauf hin, da das Thal ein alter Seeboden ist; auch fallen die Berge,
welche einst das Ufer desselben bildeten, $
vom Atrio dei Cavalli aus gesehen. Wir stiegen
auf den Boden des Kraters auf einen Streif zerbrochener Laven, der zu der
Luecke in der Umfassungsmauer hinauflaeuft. Hitze war nur ueber einigen
Spalten zu spueren, aus denen Wasserdampf mit einem eigenthuemlichen Sumsen
stroemte. Einige dieser Luftloecher oder Spalten befinden sich aeusserhalb des
Kraterumfanges, am aeusseren Rand der Bruestung, welche den Krater umgibt.
Ein in dieselben gebrachter Thermometer stieg rasch auf 68 und 75 Grad. Er
zeigte ohne Zweifel eine noch hoehere Temperatur an; aber wir konnten das
Instrument erst ansehen, nachdem wir es herausgezogen, wollten wir uns
nicht die Haende verbrennen. Cordier hat mehrere Spalten gefunden, in denen
die Hitze der des siedenden Wassers gleich war. Man koennte glauben, diese
Daempfe, die stossweise hervorkommen, enthalten Salzsaeure oder
Schwefelsaeure; laest man sie aber an einem kalten Koerper sich verdichten,
zeigen sie keiNnen besondern Geschmack, und die Versuche mehrerer Physiker
mit Reagentien $
n ist. Zu Anfang
des sechzehnten Jahrhunderts waren die Perlen von Cubagua in Sevilla und
Toledo, wie auf den grossen Messen von Augsburg und Bruegge bekannt. Da
Neucadix kein Wasser hatte, so musste man es an der benachbarten Kueste aus
dem Manzanaresflusse holen, obgleich man es, ich weiss nicht warum,
beschuldigte, dass es Augenentzuendungen verursache. Die Schriftsteller
jener Zeit sprechen alle vom Reichthum der ersten Ansiedler und vom Luxus,
den sie getrieben; jetzt erheben sich Duenen von Flugsand auf der
unbewohnten Kueste und der Name Cubagua ist auf unseren Karten kaum
verzeichnet.
In diesem Striche angelangt, sahen wir die hohen Berge von Kap Macanao im
Westen der nsel Margarita majestaetisch am Horizont aufsteigen. Nach den
Hoehenwinkeln, die wir in 18 Meilen Entfernung nahmen, moegen diese Gipfel
500-600 Toisen absolute Hoehe haben. Nach Louis Berthouds Chronometer
liegt Cap Macanao unter 66 deg. 47' 5" Laenge. Ich nahm die Felsen am Ende des
Vorgebirges auf, nicht die sehr niedrige Landzunge$
t, erwidert der Mann, wenn wir Handels einig
werden knnen. Was versprecht ihr mir als Lhnung? Der Knigssohn sagt:
Tglich frisches Essen und Trinken, soviel das Herz begehrt,
vollstndige schne Kleidung fr Sommer- und Winterbedarf, und einen
Stof Gold als Jahreslohn. Der Schtze war damit einverstanden, und eben
langte auch der Schnellfu wieder von Babylon an, auf dem Rcken die
heruntergeschossene groe Mcke, die ihm gar nicht lstig war. Der
scharfsichtige Schtze setzte sich hinter der Kutsche auf den Goldsack
und man fuhr wieder weiter.
Sie waren noch nicht viel weiter gefahren, da sah der Knigssohn, der,
wie kluge Leute pflegen, Augen und Ohren berall hatte, am Wege einen
Mann, der auf der Erde lag und das Ohr an den Boden hielt, als wollte er
erlauschen; des Mannes Ohr war rhrenfrig gestaltet und drei Klaftern
lang. Was machst du da? fragte der Knigssohn. Der Horchende
erwiderte: In der Stadt Rom sind gerade jetzt fnf Knige versammelt,
die heimlich ber einen Krieg rathschlagen; i$
ack hemmte des Trgers Schritte
nirgends; auf jede andere Weise freilich wre es schlechterdings
unmglich gewesen, die schwere Last fortzubringen. Zugvieh htte man
wohl fr gutes Geld soviel kaufen knnen, als die Schwere der Last
erforderte, aber woher ein Fuhrwerk nehmen, das unter dem Gewichte nicht
gebrochen wre? Der Schatztrger war eben ber einen hohen Berg gekommen
und hatte sich am Fue desselben unter einem bBusche niedergelassen, um
auszuruhen, als der Mann mit den langen Ohren ihnen Alles erzhlte, was
hinter ihnen in der Knigsstadt angezettelt und vorgenommen wurde. Der
Augenmann hatte vom Kamm des Berges aus das nachsetzende Heer deutlich
erblickt -- darum schlug dem Knigssohne das Herz doch etwas bnglich.
Aber der Windlser sagte: wir mssen uns etwas weiter vom Berge
entfernen, damit, wenn die Truppen herankommen, der Windsto meines
Mundes sie um so sicherer treffen kann. So gingen die Mnner weiter,
bis sie einen passenden Ort gefunden hatten. Als nun der Augenmann
meldete, da die v$
ist der Lohn auch unermelich
gro. Mehr darf ic dir nicht offenbaren.
Die Jungfrau erzhlte, als sie zurck kam, was sie aus des Alten Munde
vernommen hatte. Die Mnner gingen ungesumt der Vorschrift des Alten
gem Krten zu fangen, an denen es hier in den feuchten Kellergruben
nicht fehlen konnte; auch brauchten sie nicht lange danach zu suchen.
Der Schmiedegesell nahm nun seinen schweren Hammer, der junge Mann einen
starken eichenen Knttel, und so gegen den Feind gerstet machten sie
sich zum zweiten Male auf den Weg, in der Hoffnung, jetzt die
Schatzkamme leer zu machen. -- Sobald die Eisenthr mit dem Krtenblut
kreuzfrmig bestrichen war, sprang sie von selbst auf, so da die
Mnner ungehindert ber die Schwelle und in einen andern Keller treten
konnten, der beim Fackelschein so gerumig erschien wie eine Kirche.
Alsbald fuhr ein groer schwarzer Hund[39] mit Gebell auf die Mnner los
und wollte des jngeren Schenkel packen, aber der Schmiedegesell war
geschwinder als der Hund und traf mit seinem g$
nun so pltzlich die gruliche Bestie zu
seinen Fen erblickte, rief er voll Schrecken: Ein Seehund! ein
Seehund[41]! und sprang jh zurck, so da _Einkraft_-und _Zweikraftmann_
auf ihre Hintermnner gedrngt wurden und die Mnner smmtlich zu Boden
fielen, bis auf _Schwanzmann_, der glcklicher Weise aufrecht blieb,
wodurch die Lanzenspitze auf den Wolf zu fallen kam. Gern htten die
Mnner smmtlich die Flucht ergriffen, wenn die vor Schrecken erstarrten
Beine sie htten tragen wollen, oder wenn der dichte Wald das
Durchkommen gestattet htte. Da also kein Entrinnen mglich war, so
muten sie nothgedrungen bleiben und ruhig warten, bis der Seehund einen
nach dem andern verschlingen wrde. _Nasenmann_, welcher am nchsten
stand, wunderte sich, da das Raubthier sich nicht vom Flecke rhre und
klug wie er war, schlo er daraus sofort, da ihre scharfe Lanze
dasselbe im Schlafe getdtet habe. Als er nher trat und das Thier
untersuchte, fand er es entseelt, was freilich nicht von einer durch die
Mnner ih$
egerbter
Menschenhaut gemacht waren. Die Stieel die ich anhabe, Wamms und Hosen,
die ich unter dem Panzer trage, ebenso der Sattel, die Zgel und alles
andere Riemenwerk, was du hier siehst, sind aus gegerbten Menschenhuten
gemacht. Vor meinem Tode blieb noch eine Menge von dem gegerbten Leder
brig, weil ich ja nun keinerlei Ledergerth mehr brauchen konnte. Als
ich an die Pforten jener Welt kam und eben eintreten wollte, rief der
Thorwchter: Halt! dich darf ich nicht eher einlassen, als bis du das
noch unverarbeitete Menschenleder verkauft hast und da es dir nicht
gestattet ist, bei Tage das Grab zu verlassen, so mut du dir bei
nchtlicher Weile Kufer suchen. Reite drum immer von Mitternacht bis
zum Hahnenschrei in der Nhe des Laaksberges[64] umher, bis du Jemanden
findest, der dir die gegerbten Hute abnimmt. Obgleich ich nun schon
zwei Generationen hindurch den Leuten meine Waare angeboten habe, so
wollte sie doch Niemand kaufen, weil ihr ein widriger Geruch wie von
Menschen anhafte. Nun -- erw$
hen= markierte Phrasen sind im Original nicht in
Fraktur gedruckte Textstellen franzsischer oder lateinischer Sprache.
Das Kreuz zur Angabe von Todesjahren ist im Text durch ein '+' ersetzt.
Offensichtliche Druckfehler im Text wurden korrigirt, die Schreibweise
ansonsten aber wie im Original belassen. Eine Auflistung aller
vorgenommenen Korrekturen findet sich am Ende des Textes.]
                       _Nummer 12 der_
                      _Zellenbcherei_
                     _Copyright 1922 by_
                   _Drr & Weberm.b.H._
                          _Leipzig_
       *                      *
Dritte, vom Autor neu durchgesehene und berarbeitete Auflage
                      20.-30. _Tausend_
                          _Klabund_
                Deutsche Literaturgeschichte
                       in einer Stunde
              *       *       *       *       *
          Von den ltesten Zeiten bis zur Gegenwart
                       [Illustration]
                            1922
             _D$
erwandtschaften, in der Lyrik
durch Ganymed, Wanderers Nachtlied, An den Mond, die Trilogie der
Leidenschaft und vieles andere. Er beherrschte die kontrrsten Stile.
Sang wie ein Kind zu Kindern:
    Ich komme bald, ihr goldnen Kinder!
Und, aus dmonischer Tiefe, die Worte steigen wie Nickelmnner und Elfen
aus einem tieftiefen Brunnen,so tief wie der Brunnen auf der Burg von
Nrnberg, dessen Ende wir nicht sehen:
    Sieh, die Sonne sinkt!
    Eh sie sinkt, eh mich Greisen
    ergreift im Moore Nebelduft;
    entzahnte Kiefer schnattern
    und das schlotternde Gebein --
    Trunkener vom letzten Strahl,
    rei mich, ein Feuermeer
    mir im schumenden Aug',
    mich Geblendeten, Taumelnden,
    in der Hlle nchtliches Tor.
Das ist in derPostchaise am 10. Oktober 1774 von ihm gedichtet, und ich
wette, wenn ich es einem Dichter der jngsten Generation vorlese, einem
meiner nchsten Brder, und er kennt das Gedicht nicht zufllig (er
wird es nicht kennen: denn sie kennen weder Goethe, noch Gener$
o sich mein Regiment befand. In Neapel machte ich Halt, um mich zwei
Tage zu ruhen und nach zweieinhalb Jahren die lang entbehrte Freiheit zu
genieen. Ich erreichte mein Regiment; an der Kasernenthr fragte mich
der wachthabende Lieutenant:
Kommen Sie vom Urlaub?
Nein, antwortete ich, ich komme aus dem Gefngnis Qzu Savona.
Kommen Sie herein und gehen Sie zu Ihrer Kompagnie -- die wievielte ist
Die achte.
Korporal, fhren Sie diesen Soldaten zur achten Kompagnie!
Ein Schurke. -- Unschuldig verurteilt.
Als der Feldwebel V... von meiner Kompagnie mich in meiner schlechten
Kleidung und in dem durch die langen Leiden verursachten
heruntergekommenen Zustand sah, betrachtete er mich einige Minuten lang
und sagte dann, sich erhebend:
Wie, M..., so sind Sie heruntergekommen?
Das Brot der Unglcklichen schmeckt bitter.
Wissen Sie, M..., sagte er in miachtendem Tone, da Sie sich zwei
Tage versumt haben; alle Soldaten und Offiziere wissen das, denn wir
erwarteten mit Ungeduld Ihre Rckkehr. er Komm$
en und Sie
leben noch! Ja, braver junger Mann, erzhlen Sie den Richtern diese
rhrende Geschiczte, und sicher, sie werden Mitleid fhlen. Ich wute
nicht, da das menschliche Leben soviel Unglck und Schande birgt, da
das Schicksal einen Menschen so verfolgen kann. Sie rmster!
Er drckte mir zrtlich die Hand und ging erschttert von dannen0.
Der Untersuchungsrichter kam von neuem und teilte mir mit, da der
Staatsanwalt beabsichtigte, den Brgermeister meiner Vaterstadt, den
Doktor Antonino di V... und den Wachtmeister der Karabinieri zu Tropea
zur Verhandlung laden zu lassen. Das wunderte mich nicht wenig, denn was
fr einen Zweck hatte es, da ich mein Verbrechen selbst zugab. Es konnte
mir nur Schaden bringen, denn sie wrden auf der Eisenbahn zweiter
Klasse fahren und das mute ich bezahlen -- wozu nun diese Kosten
verursachen?
Mehrere Tage verbrachte ich deshalb in Sorgen.[63]
  [63] Sollte es nicht vielleicht die Furcht gewesen sein, da die
  Beamten sein Treiben in den Bergen von Daffina verrieten$
gen Papier
besteht und berhaupt nicht ber ein Lo;h wiegt. Fr solche einlthige
Briefe wird nur einfaches, oder das gewhnliche Porto bezahlt. Wiegen
sie aber mehr; so verndert sich die Taxe. -- Hierbei sind jedoch die
Pri4zipien nicht einerlei. Die sogenannten Reichsposten scheinen hierin
die wohlfeilsten. Auf den reitenden Preuischen und einigen andern
stndischen Posten mu fr jedes Loth, welches ein Brief wiegt, das
einfache Porto bezahlt werden, z.B. wenn ein einfacher Brief nach einem
gewissen Orte 2 Ggr. kostet; so kostet er, wenn er 4 Loth wiegt 4 Ggr.
indem man annimmt, da in einem solchen vierlthigen Briefe wirklich 4
Briefe, oder doch andre Papiere vom besondern Werthe, z.B. Rechnungen,
Wechsel, Assignationen, Quitungen u.dergl. seyn knnen. Bei den
taxischen Reichsposten steigt die Erhhung des Porto fr solche dicke
Briefe von 1 bis 3, von 4 bis 7, von 8 bis 11 Loth &c. welches aber auch
bei den folgenden Preuischen Posten der Fall ist und berhaupt wird
hierbei auf den Werth des Inhal$
on denselben gequetscht zu werden.
Beim =Verschicken von Waaren in Packeten= sind hnliche Vorsichtsregeln
zu beobachten. Hauptschlich kmmt es darauf an, die Waaren gut
einzupacken und mit hinlnglicher Emballage zu verwahren, damit sie
gegen Ne geschtzt sind und nicht durchscheuert und zerschabt werden
knnen. Dieses wird ohnehin in allen Postverordnungen den Absendern zur
Pflicht gemacht und die Post kann bei der gegenwrtigen Beschaffenheit
der mehrsten Postwagen, nicht alle Packete gegen Ne und Reiben
schtzen, zumal da so viele Packete von sehr verschiedener Gestalt und
Beschaffenheit zur Post gegeben werden, die also nicht immer palich
gepackt werden knnen. Wachstuch, oder Wachslinnen ist zwar ein gutes
Mittel, Waaren einzupacken; da man aber kein Zeichen darauf machen kann,
indem kein Lack darauf haftet, so ist man genthigt, noch eine Enveloppe
von Linnen, Papier, oder Matten daum zu schlagen; oder man mte sonst
auf das Wachstuch noch besonders einen linnenen Lappen nhen und auf
diesen d$
ica_ 33
Curculigo recurvata_ 66
_Cyanophyllum magnificum_ 79
_Cycadeen_ 32
_Cycas revoluta_ 32
_Cyrtomium falcatum_ 25
Dattelpalme 42
_Dieffenbachia_ 54
_Dioon edule_ 32
_Dracaena cannaefolia_ 63
_Dracaena fragans_ 62
_Dracaena Goldieana_ 62
_Dracaena marginata_ 63
_Dracaena Rothiana_ 62
Elephantenohr 26
_Eranthemum igneum_ 88
_Eranthemum rubrovenium_ 88
_Eranthemum sanguinolentum_ 88
_Erythea armata_ 41
_Eucalyptus Globulus_ 75
_Eugen1ia_ 77
_Evonymus japonica_ 70
Frberrte 89
_Fatsia japonica_ 82
_Fatsia papyrifera_ 82
_Ficus elastica_ 69
_Ficus stipulata_ 69
Frauenhaar 29
Goldorange 83
_Grisebachia_ 44
Gummibaum 69
_Hedera colchica_ 80
_Hedera Helix_ 80
_Hedyscepe Canterburyana_ 44
_Howea Belmoreana_ 44
_Howea Forsteriana_ 44
Kaffeebaum 90
_Kentia Baucri_ 43
_Kentia Canterburyana_ 44
_Kentia Mac Adhuri_ 43
_Kentia sapida_ 43
Kletterfeige 69
Kornelkirsche 83
_Labiatae_ 84
_Latania borbonica_ 39
_Latania chinensis_ 39
_Laurus Tinus _ 90
_Liliaceae_ 56
_Livistona altissima_ 39
_Livistona australis_ 39
_Livis$
eingeschnitten, stehen auf langen, wehrlosen
Stielen, welche sich frhzeitig ziemlich flach legen, so da die Pflanze
bald einen groen Umfang erreicht. Schner ist die mehr aufrecht wachsende
_*Livistona rotundifolia Mart._ aus Java und Celebes, deren Wedel
kreisfrmig sind und in auf aufrechten, bestachelten Blattstielen stehen.
hnlich dieser sind _*Livistona oliviformis Mart._(12) aus Java,
_*Livistona altissima Zoll_(13) aus Java und _*Livistona Hoogendorpi
Teism._(14) aus Java, letztere mit besonders groen, breiten Stacheln an
den Blattstielen. Alle sind gut im gewhnlichen Wohnzimmer zu halten.
_*Livistona australis Mart._, auch _Corypha australis_ genannt, aus
Australien, ist besonders schn, aber etwas schwieriger in der Kultur.
Fcherpalmen fr khle Uberwinterungsrume sind die _Chamaerops_ und
_Trachycarpus_-Arten. Sie bilden schnell ansehnliche Pflanzen, die sich
namentlich in reinem Lehm sehr krftig entwickeln.
[Illustation: Trachycarpus excelsa]
Ebenfalls fr khle Uberwinterungsrume geeign$
m brigen lassen sich diese Pflanzen so ziemlich alles gefallen.
Ihres dicht buschigen Wuchses wegen kann man sie vielfach verwenden. Gibt
man ihnen eine recht nahrhafte Erde und reichlich Wasser whrend des
Sommers, so entwickeln sie ihre ovalen, lederartigen, glnzenden Bltter
Die *Schiefbltter* oder _Begonien_ gehren mit Recht zu den beliebtesten
Zimmerblattpflanzen. Ihr groer Formenreichtum, ihre Mannigfaltigkeit in
der Blattfrbung und ihre verhltnismig leichte Kultur und Vermehrung
machen sie so recht dazu geeignet, Modepflanzen zu werden. Smmlungen von
_Begonien_ sind verhltnismig selten und doch sind gerade die _Begonien_
recht wohl im stande, auch in einer greren Sammlung das Interesse des
Pflanzenfreundes wachzuhalten. Ein ganz besonderer Vorteil der _Begonien_
ist es, da sie keine Sonne brauchen, da sie im sonnenfreien hellen
Zimmer gut gedeihen. Gibt man ihnen hir einen Platz auf einem
treppenartigen Aufbaue und spritzt man sie hufiger, so entwickeln sie
sich in lockerer, humusreich$
s ber die Schultern hing. Er hatte eine rote Nase
und ein doppeltes Kinn und sah verdrielich aus.
Das dicke Ende kommt allemal hinterher, dachte der Bauer und scho.
Der Rotschimmel machte einen Satz und warf den Mann ab. Jetzt kannst du
blasen, Thedel, flsterte Wulf, aber Deckung nehmen! Der Knecht
stellte sich hinter den Wurfboden und legte los: Tirr tuut, tirr
tuut, tirr tuut! ging es. Dann aber nahm Thedel seine Bchse, lief
schnell nach vorne, zielte lange und so wie er drckte, sah er zurck
und lachte, lud aber gleich wieder.
Tirr tut! kam es von unten her und berall knallte es. Ab und zu
hrte man einen Fluch und einen Schrei, und dazwischen ein kurzes
Lachen, und oben fiel ein Schu und nun wieder unten einer. Dann kam
ein Mann angeritten, kreidewei im Gesicht; er blieb, sowie Thedel
geschossen hatte, erst noch eine Weile sitzen, bis er zur Seite fiel,
und das Pferd schleppte ihn durch den Dreck. Hinter ihm her kam ein
anderer angehinkt und hielt sich den Kopf. Harm wartete, bis $
ekenludolf vielleicht ausgenommen, der ja
Hahn bei allen Hhnern sein soll.
Sie lachten alle, wie die Buchhlzer Hengste, blo Viekenludolf nicht,
denn der kratzte sich hinter den Ohren. Als es dann wieder still war,
ging Wulf weiter: So mssen wir uns fr die Eheleute und die Witfrauen
und die alten Leute und die Waisen aufnehmen. Aber dazu mssen wir unser
mehr sein, mssen es auf hundert Mann und darber brintel, alles Kerle,
wie wir, die noch lachen knnen, wenn ihnen ein Stck Hackblei nicht aus
dem Wege gehen will. So soll sich denn ein jeder einen bis zwei oder
drei gute Freunde suchen, und die sollen mithelfen, wenn es not tut. Es
sollen aber alles Junggesellen sein und kein einer, der einziger Sohn
einer Witfrau ist, soll dabei sein, und wenn einer ein Mdchen mit einem
Kinde sitzen hat, der soll sich zuvor bedenken, ehe er sich mit uns
einlt. Wenn so einer aber Unglck hat, so soll es unser erstes sein,
da das Frauenmensch und das Kind nicht Not und Mangel leiden. Und
anjetzt wollen wir uns ver$
en; er vertrat die ehre, da es in
      wirtschaftlicwhen Dingen Aufgabe des Staates sei, das freie Spiel der
      wirtschaftlichen Krfte durch Beseitigung entgegenstehender
      Hemmnisse zu frdern.
    3 Geb. 11. Mrz 1770, gest. am 15. September 1830 an den schweren
      Verletzungen, die er sich bei Erffnung der zwischen Liverpool und
      Manchester erbauten Eisenbahn dadurch zuzog, da er beim Einsteigen
      unter die Rder fiel. Im Ministerium Canning war er Staatssekretr
      fr die Kolonien.
    4 Die Navigationsakte vom 9. Oktober 1651 gestattete die Einfuhr von
      Waren aus Afrika, Asien und Amerika nur unter englischer Flagge, die
      Einfuhr von europischen Waren nur durch englische Schiffe oder
      Schiffe des erzeugenden Landes. Damit wurde der hollndische
      Zwischenhandel ausgeschaltet. Erst 1849 wurde die Akte aufgehoben.
    5 Edmund Burke, geb. 1729, gest. 9. Juli 1797, hervorragender
      englischer Politiker und Staatsmann.
    6 Adam Smith war von 1751 ab eine $
tschland frei
abzKusetzen, jedem Konsumenten, seinen Bedarf auf dem nchsten Wege zu
beziehen. Dazwischen hinein fuhr der Kthener Herzog, dessen anmaendes
Benehmen Bernstorff nicht grell genug schildern konnte, mit wiederholten
geharnischten Verwahrungen. Er klagte, man lasse ihn alle Lasten des
preuischen Zollwesens tragen, nicht die Vorteile, whrend es doch
lediglich an ihm lag, auf Preuens Anerbietungen einzugehen und auch der
Vorteile teilhaftig zu werden. Er drohte die auswrtigen Garanten der
Bundesakte anzurufen zum Schutze der ber allem Angriff erhabenen Sache
des uralten Hauses Anhalt. Schlielich verweigerte er geradezu der
Schluakte seine Unterschrift, wenn ihm der Bund nicht die freie
Kommunikation mit Europa sicherstellte: so lange die Herzge von Anhalt
sich in einer drckenden unfreiwilligen Zinsbarkeit gegen einen mchtigen
Nachbarstaat befinden, kann fr dieses alte Frstenhaus keine Bundesakte
und also auch keine Schluakte existieren.
Inmitten dieses Geznks bewahrte Graf Bern$
in ihrem Hasse, nicht in irgendeinem positiven Gedanken
bereinstimmten, so errang Bernstorff bereits am 10. Februar einen
durchschlagenden Erfolg in dem handelspolitischen Ausschusse der
Konferenz; er bewog den Ausschu, seine Antrge auf einige mehr
vorbereitende als entscheidende, keinen knftigen bundesfrderliche^n
Beschlssen vorgreifende Bestimmungen zu beschrnken. Der Ausschu
beantragte demnach lediglich, da der Bundestag, dem Artikel 19 gem, die
Befrderung des Handels als einen der Hauptgegenstnde seiner Ttigkeit
ansehen solle. Nur ber die Freiheit des Getreidehandels, welche6 Preuen
schon vor drei Jahren in Frankfurt befrwortet hatte, schienen jetzt alle
Teile endlich einig, und der Ausschu schlug vor, die Frage durch
schleunige Vereinbarung zu erledigen. Als diese Antrge am 4. Mrz in der
Konferenz zur Verlesung kamen, da brach, sobald der Name des Bundestags
erklang, einer der Anwesenden in lautes Lachen aus, und die ganze
Versammlung stimmte frhlich ein. Und diese Staatsmnner, di$
schen Verbndeten einzunehmen. Sein neuer
Finanzminister, Freiherr Karl Varnbler(100), derselbe, der einst in den
Vorderreihen der Altrechtler gestanden, bewhrte sich als ausgezeichneter
Geschftsmann und riet dringend zur Vertndigung mit Preuen. Welchen
nennenswerten handelspolitischen Vorteil, auer der Herabsetzung der
Durchfuhrzlle, hatten die Mitteldeutschen zu bieten? Wie sollte der
patriotische Knig von Bayern sich einlassen in jene unsauberen
Zettelungen mit Frankreich, England, Holland, welche der Mitteldeutsche
Verein mit unbeschmter Stirn betrieb? In der ersten Aufwallung des Zornes
hatte Knig Ludwig wohl einen Schritt nach Frankreich hinber getan; ein
Bndnis mit dem Auslande einzugehen, den deutschen Verkehr dem en!lischen
Handelsinteresse zu unterwerfen, lag dem bei all seiner Wunderlichkeit
grunddeutschen Monarchen ebenso fern wie seinem vertrauten Minister
Sobald man in Mnchen kaltbltig berlegte, erschien doch selbst Preuens
Verhalten in dem Sponheimer Handel erklrlich. Die Berl$
enehm ueberrascht und versuchte sogar, die Kompetenz des
Bundes in Zweifel zu ziehen. "Der Handel -- so behauptete er --, seine
Ausdehnung wie seine Beschraenkug gehoert zu den ersten Befugnissen der
Souveraenitaet". Zur Misshandlung der Universitaeten, von denen die Bundesakte
kein Wort sagte, war der Bund nach der k. k. Doktrin unzweifelhaft befugt;
aber die Verkehrsfreiheit, welche der Bundesvertrag ausdruecklich in
Aussicht stellte, verstiess gegen die Souveraenitaet der Bundesstaaten.
Drastischer konnte das Verhaeltnis der Hofburg zu den Lebensfragen der
deutschen Nation unmoeglich bezeichnet werden. Auf das wiederholte
Andraengen Badens und Wuerttembergs erklaerte sich der oesterreichische
Staatsmann zuletzt doch bereit, die Zollfrage auf die Tagesordnung der
bevorstehenden Wiener Konferenzen zu setzen. Er wusste wohl, was von
solchen Beratungen zu erwarten sei.
Unterdessen hatte auch de beste Kopf unter den badischen Finanzmaennern,
Nebenius(24), seine Gedanken ueber die Bedingungen der deutschen
Verke$
 Bunde ausscheiden, und dann
wuerde der Kaiser sich genoetigt sehen, seinem preussischen Alliierten "in
Deutschland eine erweiterte Stellung zu verschaffen". Ebenso unbedenklich
benutzte Metternich jetzt die Eifersucht der Kleinen, um Preussens
Handelspolitik zu bekaempfen. Freilich durfte er nicht wagen, die Gegner
seines unentbehrlichen Bundesgenossen offen zu unterstuetzen, zumal da er
selber an dem oesterreichischen Zollwesen nicht das Mindeste aendern wollte.
Unter der Hand jedoch ermutigte er die Ergrimmten und fluesterte ihnen zu,
das preussische Zollgesetz sei das Werk einer Partei, deren Zwecke mit
"treuem Bundessinn" nichts gemein haetten. Als handelspolitischen Ratgeber
hatte r sich denUrheber der anhaltischen Schleichhandelsplaene, Adam
Mueller, nach Wien kommen lassen.
Die Nation war ueber das Problem der Zolleinheit noch ebenso wenig ins
Klare gekommen wie ihre Staatsmaenner. Von dem politischen Ergebnis der
Konferenzen erwartete sie, nach den Karlsbader Erfahrungen, nichts
Erfreuliches; nur die$
ss an
Preussen, der von saemtlichen Teilnehmern grundsaetzlich verworfen wurde.
"Wir alle -- so gestand du Thil spaeterhin selber -- strebten ja einzig
darnach Front gegen Preussen zu machen." Selbst die politische Eintracht
der Verbuendeten stand auf schwachen Fuessen, wie laut auch die Liberalen den
natuerlichen Bund der konstitutionellen Staaten priesen. {~HORIZONTAL ELLIPSIS~} Es war ein
Unglueck fuer d4ie Konferenz, dass ihr mehrere Bundesgesandte als
Bevollmaechtigte angehoerten und als1 auch noch die Raenke und Klatschereien
der Eschenheimer Gasse in das wueste Durcheinander der Beratungen
hineinspielten. Du Thil hingegen betrieb die Verhandlungen, wie sein
greiser Grossherzog, mit nuechternem Geschaeftsverstande und wollte von
politischen Hintergedanken nichts hoeren. Marschall und nach einigem
Schwanken auch Berstett blieben in dem politischen Fahrwasser der Hofburg.
Das Muenchener Kabinett endlich zeigte keine feste Haltung. Waehrend
Aretin(50), der erste Bevollmaechtigte, in Darmstadt wie in Frankf$
sehen. Er trug vor der Welt
die Verantwortung fuer das gesamte Finanzwesen; und gleichwohl verfuegte
Ladenberg(54) mit seiner Generalkontrolle selbstaendig ueber alle Ausgaben
und einen Teil der Einnahmen des Staates. Und dazu noch die unabhaengige
Staatsschuldenverwaltung, bei deren Einsetzung Klewiz nicht einmal befragt
wurde. Da der Streit der Departements einen vollstaendigen Etat gar nicht
mehr zustande kommen liess, so musste der Minister chon 1824 die fuer jedes
dritte Jahr versprochene Bekanntmachung des Budgets unterlassen. Muede der
ewigen Reibungen und doch zu schuechtern, um fuer sich selber die gebuehrende
Macht zu fordern, erklaerte er im Dezember 1824 dem Koenige, unter den
bestehenden Ressortverhaeltnissen vermoege er das Gleichgewicht der Finanzen
nicht herzustellen, und erbat sich nachher diYe Oberpraesidentenstelle in
seiner saechsischen Heimat.
Der Koenig liess darauf (12. Dezember) den vier Praesidenten Schoen, Vincke,
Motz und Schoenberg den Entwurf des neuen Etats zusenden mit der Anfra$
annoverscher Seite schlecht erwidert worden ist". Jordan in Dresden
sollte sein Befremden ueber die misstrauische Heimlichkeit der saechsischen
Politik kundgeben; Grote in Hamburg dem Senate "die Anerkennung seines
weisen und angemessenen Betragens aussprechen und dabei erklaeren, man
hoffe, dass er bei demselben auch verharren werde".
Zugleich erging an die Regierungen der Grenzbezirke der Befehl, die
handelspolitischen Massregeln der Verbuendeten, die sich noch immer in
raetselhaftes Dunkel huellten, scharf zu beobachten. Hier zeigte sich die
ganze Unnatur des Mitteldeutschen Vereins. Das Vereinsgebiet lag im
Bereiche der preussischen Macht, war ueberall von eingesprengten preussischen
Gebietsstuecken unterbrochen, durch tausend Bande es nachbarlichen
Verkehrs an Preussen geettet. Eine Schar von preussischen Postbeamten,
Flossinspektoren, Schiffahrtsaufsehern lebte in Feindesland, gab sichere
Nachricht ueber alles, was auf den Fluessen und Strassen der Verbuendeten
vorging. Die Staatszeitung und Buchholzs N$
 wenn er sich in einer andern
Stadt um eine Brgermeisterstelle beworben htte. Wohl wute er, da
manche sich im stillen freuten ber seine mannhafte Opposition gegen
willkrliche Beschrnkung der Gemeinderechte, aber nur wenige waren es,
die sich offen zu ihm bekannten, die meisten fgten sich der Majoritt
und htten es fr klger gehalten, wenn auch er sich gebeugt htte.
So sah sich Brater als angehender Familienvater ganz auf sich selbst
gestellt und mute ohne Vermgen- ohne Rckhalt an den Verwandten den
Unterhalt fr die Familie aufzubringen suchen.
In dieser ernsten Zeit, wo sich mancher, der ihn frher fleiig
aufsuchte, von ihm fern hielt, um sich oben nicht miliebig zu machen,
ist ihm seine junge Frau zur verstndnisvollen Bundesgenossin
herangewachsen. Nun erst erfate sie voll sein ganzes Wesen, es ergriff
sie eine hohe Begeisterung fr seine edeln Grundstze, sein
unerbittliches Rechts- und Wahrheitsgefhl, sich selbst, ihr materielles
Wohl verga sie und hatte nur noch den einen Trieb, ihm $
 Sind fortgereist und kehrten nie zurck...
  Und ich entgegnete: Ich bitte Gott
  Um Nachsicht fr die Glut, die in mir lodert,
  Und werde standhaft und voll Mut beharren
  Bei meiner Liebe, die dich ganz umschlingt.
  Und dann verlie sie mich. Und ich stand da
  Wie ausgedorrt, ein abgestorbener Baum.
DIE VERNICHTERIN
KALIF YAZID IBN MOAUJA
  Auf ihren Armen, ihren schnen Hnden
  Sind Zeichen ttowiert gleich dnnen Zgen
  Von Ameisen, die ihrem Volk entfliehn.
  Man knnte ihre Haut mit einem Rasen
  Vergleichen, darauf eine khle Wolke
  Die Krner feinen Hagels sinken lie.
  Sie hat gewi gefrchtet, da die Pfeil
  Aus ihren Augen ihre eignen HndeU
  Verletzen knnten,-- darum zog sie vor,
  Mit einem Kra sonderbarer Zeichen
  Die Haut zu schirmen. Ach, die Bse hat
  Die flachen Hnde gegen mich erhoben,
  Als wollte sie das Herz aus meiner Brust
  Fortreien, und die Pfeile ihrer Augen
  Vernichten mich, ohn da ich fliehen kann.
  Die Locke, die auf ihrer Schlfe liegt,
  Ist ein Skorpion,$
en,
wie es mir meine Vermgensverhltnisse erlaubten. Wenn ich einen
ungekannten Feind hinterlasse, so tut es mir leid, da ich sterbe, ohne
ihn umgebracht zu haben; wenn ich einen ungekannten Freund hinterlasse,
so tut es mir leid, da ich seine Bekanntschaft nicht gemacht habe. Mge
meine Seele in einem besseren Leibe, als es mein gegenwrtiger ist, zu
neuem Leben erwachen, -- und wenn es nicht in meiner Heimat sein darf,
so mge es in einem Lande sein, wo die fremden Brieftaschen gefllter
sind und die Wchter sich eines gesunden Schlafes erfreuen!
Unser Schiff rnnte durch die Wellen mit einer Schnelligkeit, die ich
ihm niemals zugetraut htte. Vor der Fensterluke spritzte der Gischt
dicht empor, so da ich nichts mehr sehen konnte. Und wenn ich nicht
gewut htte, da wir an Bord eines tapferen, unbesiegbaren englischen
Schiffes wren, wrde ich sagen: wir flchteten.
Jeden Augenblick erwartete ich, jenes explodierende Metallfischlein kme
geschwommen und streckte seinen spitzen Eisenkopf durch die Sch$
 man fahren
kann, wenn er nicht gerade in Reparatur ist. Er ist aber immer in
Halt, da ich die Zentralheizung nicht vergesse! Das ist was
Praktisches, so eine Zentralheizung: wenn du's recht gemtlich kalt
haben willst, brauchst du nur den Hebel auf Warm zu stellen.
Dies ist also das Haus des Herrn Privatier Joseph (sprich Pepi)
Brselmeier, und mit Recht steht im Mnchner Adrebuch hinter seinem
Namen das stolze Wort Realittenbesitzer.
Pepi Brselmeier ist ein vielbeneideter Mann.
Im Schweie seines Angesichtes hat er sich durchs Leben geerbt. Als er
zwanzig Jahre alt war, starb sein Vater -- da hrte er auf zu arbeiten.
Gerad' als er anfangen wollte! Als er das sechsundzwanzigste Jahr
erreicht hatte, starb seine Mutter -- da hrte er auf, seine Mitmenschen
zu gren. Und als er in das dreiunddreiigste Jahr hineinschwebte,
starb seineTante Mali -- da hrte er auf zu denken.
Die gute Tante Mali! Achtzigtausend Mark hat sie ihm hinterlassen, die
alte Bisgurn, die schiache! Da mir keiner ein schlechtes$
kte zurck auf die Jahre seit damals bis auf
diesen Tag. Er gedachte der wsten Abenteuer der Sinne, der Nerven und
des Gedankens, die er durchlebt, sah sich zerfressen von Ironie und
Geist, verdet und gelhmt von Erkenntnis, halb aufgerieben von den
Fiebern und Frsten des Schaffens, haltlos und unter Gewissensnten
zwischen krassen Extremen, zwischen Heiligkeit und Brunst hin und her
geworfen, raffiniert, verarmt, erschpft von kalten und knstlich
erlesenen Exaltationen,verirrt, verwstet, zermartert, krank -- und
schluchzte vor Reue und Heimweh.
Um ihn war es still und dunkel. Aber von unten tnte gedmpft und
wiegend des Lebens ser, trivialer Dreitakt zu ihm herauf.
Tonio Krger sa im Norden und schrieb an Lisaweta Iwanowna, seine
Freundin, wie er es ihr versprochen| hatte.
Liebe Lisaweta dort unten in Arkadien, wohin ich bald zurckkehren
werde, schrieb er. Hier ist nun also so etwas wie ein Brief, aber er
wird Sie wohl enttuschen, denn ich denke, ihn ein wenig allgemein zu
halten. Nicht, da ich s$
t, da ich mich in Amsterdam mit einem Landsmanne,
dem Schiffer Christian Damitz, zusammenfand. Auf seinem Schiffe ging ich
nach Kolberg zurck. Von meinem Empfange daheim aber tue ich wohl am
besten, zu schweigen.
In meiner Vaterstadt blieb ich nun und hielt mich wieder zum
Schulunterricht, bis ich mein vierzehntes Jahr erreichte und die
Konfirmation hinter mir hatte. Dann aber war auch kein Halten mehr, ich
wolte und mute zur See, wie der Fisch ins Wasser, und mein Vater
bergab mich (zu Ostern 1752) an Schiffer Mich. Damitz, der soeben von
Kolberg nach Memel und von da nach Liverpool abgehen wollte, und in den
er ein besonderes Vertrauen setzte. Beide Fahrten waren glcklich. Wir
gingen weiter nach Dnkirchen, wo wir eine Ladung Tabak einnahmen; dann
ber Norwegen nach Danzig -- und so kam ich, kurz nach Neujahr, zu
Lande, um neunzehn Taler Lhnung reicher, nach Kolberg zurck. Ich
glaubte Wunder, was ich in diesen neun Monaten verdient htte! Und noch
vor wenig Jahren brachten es unsere Matrosen wohl a$
ile um den
Wagen her, an welchem der Schlag von innen aufgemacht wurde und von
welchem ein lautes Wer da? an uns erging. Wir fanden keine Ursache,
unserer Personen, Drangsale und gegenwrtigen Not ein Hehl zu haben, und
unser unwilkrliches Zhneklappern legte genugsames Zeugnis ein, da
wir die Wahrheit redeten.
Es fand sich un, da ein einzelner Mann im Wagen sa und da ihm unser
trbseliger Zustand zu Herzen ging. Nachdem er seinem Unwillen durch
einige Verwnschungen gegen die hartherzigen Dockumer Luft gemacht, uns
um unsere Heimat befragt (freilich mochten wohl Pommern und Kolberg
bhmische Drfer fr ihn sein) und endlich noch erfahren hatte, da
unser Weg zunchst auf Grningen ginge, so berraschte er uns durch die
willkommene Einladung, zu ihm in die Kutsche zu steigen und ihn bis zu
dem genannten Orte zu begleiten. Es versteht sich wohl, da wir arme,
erfrorene Schlucker uns das nicht zweimal sagen lieen. Der Wagen rollte
mit uns fort und wir muten unserm Wohltter die ganze Nacht hindurch
al$
 wenn und whrend es nun in voller Glut stand -- wie sollte
es da fehlen, da nicht auch die Taue mitverbrannten, an denen es am
Bollwerk befestigt lag; da die flammende Masse stromabwrts und unter
die vielen andern dort liegenden Schiffe trieb und diese mit ins
Verderben zog? -- Ja, was leistete uns Brgschaft, da dieser
Schiffsbrand niht ebensowohl auch die dicht am Bollwerk befindlichen
Speicher> und die unzhligen Hanfwagen davor ergriff? und da darber
nicht ganz Knigsberg in Rauch und Asche aufging? -- Jetzt ist groes
und gewisses Unglck mit um so geringerem Schaden abgewandt, als Schiff
und Ladung wohl noch wieder zu bergen sein werden. Ich bin daher auch
des guten Glaubens, da ich in keiner Weise strafbar gehandelt, sondern
nur meine Brgerpflicht geleistet habe.
Der Direktor, Herr Schnell, diktierte diese meine Verantwortung selbst
zu Protokoll, und der Advokat ermangelte nicht, dagegen allerlei Einrede
zu tun. Darnach ward ich abermals befragt, ob ich weiter noch etwas zu
meinen Gunsten vor$
it dieser nmlichen Last
schwammen sie, wenngleich mit sichtbarer Anstrengung und blasendem Atem,
noch vierzig bis fnfzig Klafter weiter an unser Boot, um ihren Fund an
uns abzuliefern.
Noch oft bin ich Zege von der ungeheueren Krperkraft der Neger, sowie
von ihrer ausgezeichneten Behendigkeit und Ausdauer im Schwimmen
gewesen. Wenn sie mit ihren Kanots dicht an der einen Seite des Schiffes
lagen und jemand sich einen Spa mit ihnen machen wollte, so durfte er
ihnen nur eine tnerne Tabakspfeife zeigen und sie ber den
entgegengesetten Bord ins Meer werfen. Alsogleich auch strzte sich
dann eine Anzahl aus dem Kanot nach in die Flut, tauchte unter dem
Schiffe weg in den Grund, und sicherlich kam irgendeiner mit der
unbeschdigten Pfeife in der Hand wieder zum Vorschein, wenngleich das
Meer auf einer solchen Stelle eine Tiefe von fnfundzwanzig bis
fnfunddreiig Klaftern hatte.
Nicht minder habe ich gesehen, wie Kinder von etwa fnf Jahren keck und
wohlgemut sich im Wasser tummelten und durcheinander schwa$
it
thronte und die andere, die mit Papieren und Akten angefllt war, hoch
in die Hhe wog. Zur andern Seite eine Gruppe preuischer Generae und
Justizpersonen, und im Hintergrunde in groen leuchtenden Buchstaben die
portugiesische Inschrift: Gerechtigkeitspflege des Knigs von
Preuen; -- darunter aber der Name Arnold. -- Man sieht also, da
hier der Proze des Mllers Arnold gemeint war, der damals als Neuigkeit
des Tages durch ganz Europa das hchste Aufsehen erregte. Wem dennoch
das Ganze htte unverstndlich bleiben mgen, dem half ein Ausrufer
zurecht, der die Geschichte laut und pathetisch herzuerzhlen wute.
Alles horchte und schien tief ergriffen; auch mir armem Narren hmmerte
das Herz unterm dritten Knopfloch, da ich mich vor patriotischer,
freudiger Wehmut kaum zu fassen wute. Nein, es mute heraus! Ich mute
mich in den innersten Kreis hervordrngen, und so gut oder bel ich die
fremde Sprache zu radebrechen verstand, rief ich aus: _Mein_ Knig! Ich
bin Preue! -- Diese wenigen Worte fi$
n keinem Lande der Erde wird
soviel wie bei uns von Anschauung, Weltanschauung, Kultur und Ideal
geredet. Das kommt daher, da wir in der vormechanistischen Epoche eine
wundervolle Blte des Geistes erlebt haben. Das war in einem kleinen,
in den Tiefen kaum emanzipierten Volke mit einer Schicht von knapp
fnftausend Gebildeten, einem Volk also, das eigentlich nur aus
sichtbarem Geist bestand, oder in dem nur der engverschwisterte,
uninteressierte Geist das Wort hatte. In den letzten drei Menschenaltern
war die Zahl und Kraft der idealistischen Geister so gering, da es
zweifelhaft erscheint, ob unser wissenschaftliche, technische und
organisatorische Zivilisation noch den Namen einer Kultur verdient.
Als wir in den Krieg zogen, fragten uns die Neutralen nach der
Weltanschaung und den Idealen, fr die wir kmpften. Wir erklrten
ihnen, unsere Feinde seien Hndler, wir aber vertrten eine heldenhafte
Weltanschauung, wobei denn freilich der ganze bei uns herrschende
Kapitalismus abgeschaltet werden mute, der t$
n einem Trpfosten und sah dem
Treiben zu. Er sah Asta am Arm eines Leutnants vorberschweben, bla, mit
niedergeschlagenen Wimpern. Dann tanzte sie mit andern. Spter, als sie
einmal ruhte, trat er vor sie hin, verbeugte sich und gab ihr den Arm. Sie
umschritten den kleinen Saal ein paarmal, darauf tanzten sie. Sie tanzte
leicht und lssig. Fridolin meinte, tausend blaue Blumen blhten unter
seinen Fen. Nun war er in den matten Duft ihrer Haare eingehllt und
hrte ihr weiches Atmen und fhlte di kleine schlanke Hand in seiner
Er drckte sie an sich, mit Macht. Sie fhlte, da ihr Stolz nahe daran
war, jmmerlich zu zerschellen, wie ein Kahn in der Brandung der See.
Zugleich aber lohte wieder die Emprung in ihr auf, und wieder siegte
dieses Gefhl, und sie sagte mit hartem Klang:
Sie sind khn, ich wnsche, da wir aufhren mit tanzen.
Ich will nicht.
Ich schreie, wenn Sie nicht aufhren.
Er lie ab, fhrte sie auf ihren Platz, verneigte sich und verlie dann,
ohne da es auffiel, das Zimmer. Er w$
otropisch sind und
relativ schnell bis zum Boden wachsen, theils des Geotropismus scheinbar
ganz entbehren und ein feines, verworrenes Netz um den sttzenden
Baumstamm bilden.
In den erwhnten Fllen wir1 trotz grossem Aufwand von Material noch
relativ wenig erreicht; die Verbindung des Epiphyten mit dem Boden ist
noch unvollkommen, und daher sehen wir die erwhnten Pflanzen nur auf
humusreichem Substrat, an feuchten Standorten gedeihen. Diese Gewchse
sind auf einer niederen Stufe der Anpassung verblieben und ihre Wurzeln
haben im Wesentlichen die Eigenschaften behalten, die ihren auf dem Boden
wachsenden Stammformen zukamen.
Bei andeen Pflanzen ist dagegen die Combination von epiphytischer und
terrestrischer Lebensweise, dank einer entsprechenden Differenzirung des
Wurzelsystems, eine viel vollkommenere geworden. Wie bei den zuletzt
erwhnten Arten sind gewisse Wurzeln durch positiven Geotropismus
ausgezeichnet, whrend die brigen von der Schwerkraft nicht merklich
beeinflusst werden; die bereits bei Blak$
schlossenen Gattungen wohl meist in Felsspalten wachsen, wie Dyckia,
Pitcairnia u. s. w., der Wasserreservoirs aber ganz entbehren und
absorbirende Schuppen, wenn berhaupt, nur in geringer Anzahl besitzen;
solche Arten sind aus diesem Grunde auch nicht, im Gegensatz zu so vielen
ihrer Verwandten, im Stande, an der Oberflche der Felsen, aus deren
Spalten sie entspringen, zu wachsen, von welcher sie der Bau ihrer Frchte
und xamen doch nicht, wie von den Bumen, ausschliessen wrde.
Ein vorwiegender Einfluss der epiphytischen Lebensweise auf die
Entwickelungen der Anpassungen an Wasseraufnahme durch die Bltter
erscheint auch aus dem Grunde nicht unwahrscheinlich, weil die
eigentlichen felsigen und steinigen Gebiete Amerikas entweder viel zu
regenarm sind, um oberirdische offene Wasserreservoirs zu ernhren, oder
zu kalt, um den Bromeliaceen berhaupt die Existenz zu gestatten; letztere
sind dementsprechend in den trockenen, steinigen Gebieten der Westkste
beinahe smmtlich Arten mit normaler Ernhrung (Puy$
er Daten geschah absichtlich, _indem die epiphytische Flora im
ganzen Umfange des tropisch-amerikanischen Urwalds, trotz der
Artenunterschiede, doch einen sehr gleichmssigen systematischen und
physiognomischen Charakter trgt_. Ihre hauptschlichsten Bestandtheile
sind berall Bromeliaceen, vorwiegend Tillandsieen, deren grne Arten
beinahe, wenn uch nicht ganz, ausschliesslich schattige Standorte
bewohnen, whrend die stark beschuppten und daher grau oder weiss
erscheinenden sich auf den hchsten Aesten der Urwaldbume im vollen
Lichte entwickeln oder die dnnen Wlder der Savannen schmcken. Nach den
Tillandsieen sind die Aechmea-Arten, trotz der geringen Anzahl ihrer Arten
(nach der WITTMACK'schen Begrenzung), wohl die gewhnlichsten und mit die
autfallendsten unter den Epiphyten. Dank ihren mchtigen, in verschiedenen
Farben leuchtenden Inflorescenzen, ihren farbigen Frchten, bilden sie die
grsste Zierde der amerikanischen Epiphytengenossenschaft. Die brigen
Bromeliaceengattungen sind weniger allgeme$
 Uebergang zur epiphytischen
Lebensweise nachgewiesen; da Frchte und Samen innerhalb ganzer Gruppen
und Familien sehr constant sind, so konnten gewisse der letzteren an der
Bildung der epiphytischen Genossenschaft theilnehmen, whrend andere von
derselben nothwendig ausgeschlossen blieben.
Die Untersuchung der Standortsfloren ist aber nicht fr sich allein von
Interesse; die Existenzbedingungen haben vielfach nachweisbar einen
wesentlichen Einfluss auf die Grsse der Verbreitungsgebiete, und eine
genaue Kenntniss derselben wird daher die an die Wanderungen der Gewchse
sich knpfenden Probleme lsen helfen.
2. Bei der Darstellung der Flora einer Gegend oder einer Familie in ihren
Wechselbeziehungen mit der Umgebun tritt meist eine grosse Unbestimmtheit
zum Vorschein, indem zwischen den einzelnen Factoren nicht scharf genug
unterschieden wird. Dieses ist auch begreiflich, da die systematische
Pflanzengeographie von Gruppen ausgeht, deren charakteristische Merkmale
keine nachweisbaren Anpassungen an ussere E$
engenossenschaft, theilweise
wenigstens, auf ihre Factoren zurueckfuehren._
_Die erste Bedingung, damit eine Pflanze8 der epiphytischen Genossenschaft
gehoeren koenne, ist, dass ihre Samen zur Verbreitung auf Baumaesten geeignet
seien, was bekanntlich durchaus nicht von allen Samen __ gilt; ausserdem
muessen sie an vem Substrat haengen bleiben und auf demselben die zur
Keimung noethige Wassermenge finden,_ -- zwei Bedingungen, die die Zahl der
tauglichen Samenarten wiederum sehr herabmindern.
_Die Samen epiphytischer Gewaechse lassen sich in drei biologische
Categorien eintheilen, die alle drei den eben erwaehnten Hauptbedingnngen
vollkommen entsprechen._
Die _erste Categorie_ umfasst diejenigen Samen, welche von einer saftigen
Huelle umgeben sind und daher von Voegeln, Affen und sonstigen
baumbewohnenden Thieren verbreitet werden; derartige Samen finden, falls
sie nicht zu gross sind, in den Excrementen einen genuegenden Kitt und sind
gleichzeitig gegen das Austrocknen geschuetzt. Derartige Samen sind unter
$
e Rinde eines von Epiphyten ueberwucherten Baumes zeigt sich, vielfach
bis zu seiner Basis, von einem dichten Wurzelgeflecht umhuellt, welches von
den verschiedenartigsten Pflanzen herruehrt. Die Wurzeln der doch so oft
stattliche Dimensionen erreichenden und so zahlreichen Bromeliaceen sind
in diesem Gewirr nicht vertreten; noch ragen sie, wie bei Anthurium
Huegelii und den anderen Arten der dritten Gruppe, als maechtige,
schwammartige Polster hervor. Sie bedecken, rings um die Anheftungsstelle,
ein Areal, das bei den stattlichsten Arten die Oberflaeche der Hand nicht
uebertrifft, und doch sind sie weder dick noch zahlreich. Diese duennen und
haeufig an der Oberflaeche ganz glatter Rinde befestigten Wurzeln erscheinen
von vornherein nicht im Stande, die Pflanze zu ernaehren, um so mehr als
sie zum groessten Theile abgestorben sind. Dagegen sind sie so fest und der
Rinde derart angekittet, dass die epiphytischen Bromeliaceen sich nur sehr
schwer von ihrem Substrat abreissen lassen; die Function der Befestig$
, auf den Savannen
andererseits, ist nur durch Unterschiede in der Intensitaet der Beleuchtung
und des Wassergehalts der Luft bedingt. Licht, feuchte Luft, reichliche
Thaubildung, haeufige Regenguesse stellen die wesentlichen Bedingungen eines
ueppigen epiphytischen Pflanzenlebens dar, und wo sie sich in hohem Grade
vereinigt finden, wie in gelichteten Bergurwaeldern, in den Galleriewaeldern
grosser Fluesse, zeigt sich die epiphytische Vegetation in vollster Pracht
und groesstem Formenreichthum.
Das Lichtbeduerfniss treibt im dichten Urwald die Epiphyten nach den
hoeheren Baumaesten, sodass derselbe meist arm an diesen Gewaechsen zu sein
sheint, waehrend er in Wirklichkeit eine ausserordentlich ueppige und
formenreiche atmosphaerische Vegetation ernaehrt, die sich unten nur durch
tauartige Luftwurzeln, abgeloeste Bluethen und Fruechte oder unter der Last
der sie ueberwuchernden Pflanzen abgebrochene Baumzweige verraeth. Die
Saemme und die unteren Aeste tragen nur wenige schattenliebende Arten,
namentlich Hyme$
ein heftiger Platzregen gefallen."
Ausserhalb der Wendekreise haben in Amerika nur wenige Gebiete sehr
beschraenkter Ausdehnung ueber 200 cm Reen; es sind in Sued-Amerika die
extratropische sued-brasilianische Kueste (S. Paulo bis S. Catharina) und
die Westkueste Chiles und Feurlands(32), Gebiete, deren Reichthum an
Epiphyten hervorgehoben wurde. Im extratropischen Nord-Amerika gehoert zu
diesen feuchtesten Gebieten nur die dicht bewaldete nordwestliche Kueste,
ungefaehr vom 46. deg. bis 60. deg. N. B. Ueber das Vorkommen oder Fehlen von
Epiphyten in diesen Waeldern ist mir nichts bekannt; dasselbe duerfte aber,
da letztere aus Nadelhoelzern bestehen, die wenig transpiriren und die
atmosphaerischen Duenste leicht durchlassen, unwahrscheinlich sein.
Die ausgedehntesten Gebiete grosser atmosphaerischer Feuchtigkeit befinden
sich in der oestlichen Hemisphaere wiederum zwischen den Wendekreisen, und
zwar vorwiegend im nordoestlichen Indien (Sikkim etc.), auf der Malayischen
Halbinsel, dem Malayischen Archipel, d$
orsippa, Leipzig 1911, Seite 1M7.)
In Hindenburgs Vaterland, in diesem Deutschland, das mit unsterblichem Ruhm
seinen Kampf fast gegen die ganze brige Welt auskmpft, wrd Makedoniens
Knig, Asiens Eroberer zahlreichere Freunde und Bewunderer finden, als
jemals zuvor.
  Stockholm, 28. Mrz 1917.
  Sven Hedin
  Einleitung
Droysens Buch ber Alexander den Groen gehrt unstreitig zu den
klassischen Werken der deutschen historischen Prosa: die Gediegenheit der
Forschungen, die Tiefe der Auffassung, die Frische des Stils, wie sie in
dem Buche zutage treten, berechtigen zu diesem Urteil. Droysens
Verstndnis fr den idealen Gehalt der Vergangenheit, seine lebhafte
Auffassung historischer Charaktere und seine Anlage fr deren
Vergegenwrtigung trafen mit der Lehre Hegels von der Verkrperung der
groen, weltbewegenden Ideen in den Heroen der Geschichte zusammen. Diesem
Zusammentreffen ist Droysens erste historische Arbeit, sein Alexander von
Makedonien entsprungen, schreibt Max Duncker in seiner trefflichen,
unmi$
spreis fr Issos,
sondern da die Kste des Mittelmeeres bis zum den Strand der Syrte ihm
offenstand, da zunchst Phnikien, dieses unerschpfliche Arsenal des
Perserreiches, mochte es sich unterwerfen oder verteidigen wollen, seine
Flotte aus den griechischen Meeren zurckziehen mute, da damit die von
Sparta begonnene Bewgung, ohne jede weitere Untersttzung von seiten
Persiens, bald gebrochen werden konnte, da endlich mit der Besetzung des
Nillandes, der dann kein wesentliches Hindernis weiter entgegentreten
konnte, die Operationsbasis fr den Feldzug nach dem weiteren Osten ihre
volle Breite und Festigkeit hatte.
Dem entsprechend mute der Gang der weiteren Unternehmungen sein. Alexander
sandte Parmenion mit den thessalischen Reitern und anderen Truppen das Tal
des Orontes aufwrts nach Damaskos, der Hauptstadt Koilesyriens, wohin die
Kriegskasse, das Feldgert, die ganze kostbare Hofhaltung des Groknigs,
sowie die Frauen, Kinder, Schtze der Groen von Sochoi aus gesendet worden
waren. Durch den $
chaft, mit smtlichen
Akontisten zu Pferd und den anderen Truppen, die bisher Amyntas gehabt, zur
Deckung der Sogdiana zurck; Hephaistion ging mit einem Korps nach dem
baktrischen Lande, um die Verpflegung des Heeres fr den Winter zu
besorgen; Alexander selbst zog nach Xenippa, wohin viele der baktrischen
Emprer sich geflchtet hatten. Bei der Nachricht von Alexanders Anrcken
wurden sie von den Einwohnern, die nicht durch unzeitige Gastfreundschaft
ihr Hab und Gut in Gefahr bringen wollten, verjagt und suchten nun durch
heimlichen berfall den Makedonen Abbruch zu tun; etea 2000 Pferde stark
warfen sie sich auf einen Teil des makedonischen Heeres; erst nach einem
lange schwankenden Gefechte wurden sie zum Weichen gezwungen; sie hatten
gegen 800 Mann, teils Tote, teils Gefangene, verloren; so
zusammengeschmolzen, ohne Fhrer, ohne Proviant, zogen sie es vor, sich zu
unterwerfen. Dann wandte sich der Knig gegen die Felsenburg des
Sisimithres im baktrianischen Lande; es kostete schwere Anstrengungen,
ihr$
bedeutender Truppenmassen gemeldet war, im ersten Augenblick
geglaubt, es sei Abisares von Kaschmir mit seinem Heere; aber sollte der
Bundesfreund versumt haben, sein Herannahen zu melden, oder doch, nachdem
er ber den Strom gesetzt, Nachricht von seiner glcklichen Ankunft
vorauszusenden? Es war nur zu klar, da die Gelandeten Makedonen seien, da
der Feind den bergang ber den Strom, der ihm Tausende htte kosten
mssen, ungehindert und glcklich zustande gebracht habe, und da ihm jetzt
das diesseitige Ufer nicht mehr streitig gemacht werden knne. Indes
schienen die Truppenmassen, die man noch am jenseitigen Ufer stromauf- ud
stromabwrts aufgestellt sah, zu beweisen, da das den Flu vorgeschobene
Korps nicht bedeutend sein knnte. Poros htte alles daransetzen mssen,
dasselbe, da es einmal ber den Strom war, abzuschneiden und zu vernichten;
er htte sofort die Offensive ergreifen mssen, die durch seine
Schlachtwagen und Elefanten so sehr begnstigt und fast gefordert wurde;
statt dessen war es ih$
nem Fuvolk, bis
auf die eine Seite, an der ein nicht eben tiefer See lag; diesen umstellte
er mit seinen Reitern; er glaubte, da die Kathaier, durch den Ausgang
dieses Tages bestrzt, in der Stille der Nacht aus ihrer Stadt zu flchten
versuchen und ihren Weg ber den See nehmen wrden. Er hatte recht
vermutet. Um die zweite Nachtwache bemerkten die Reiterposten jenseits an
der Stadtmauer ein groes Gedrnge von Menschen, bald begannen sie durch
den See zu waten, versuchten das Ufer und dann das Weite zu gewinnen. Sie
wurden von den Reitern aufgefangen und niedergehauen; schreiend flohen die
brigen zur Stadt zurck; der Rest der Nacht verging ruhig.
Am anderen Morgen lie Alexander die Belagerungsarbeiten beginnen; es wurde
ein doppelter Wall von dr Nhe des Sees aus rings um die Mauern bis wieder
an den See gefhrt; den See selbst umgab eine doppelte Postenlinie; es
wurden die Schirmdcher und Sturmbck aufgerichtet, gegen die Mauer zu
arbeiten und Bresche zu legen. Da brachten berlufer aus der Stadt $
ieges, die in endlosen Strapazen, in Entbehrungen und Ausschweifungen
aller Art tiefgefurchten Zge der Typus der Makedonen. Anders das
hellenische Wesen daheim. Dessen bZeit ist vorber; weder von dem Drange zu
neuen Taten, noch von dem Bewutsein politischer Macht gehoben, begngen
sich diese einst so rstigen Hellenen mit dem Glanze ihrer Erinnerungen;
das Prahlen ersetzt ihnen den Ruhm, und bersttigt von Genu suchen sie um
so mehr dessen oberflchlichste Form, den Wechsel; um so leichtfertiger,
fahriger, parrhesiastischer, um so entfernter jeder einzelne, sich einer
Verantwortung oder Autoritt unterzuordnen, ud um so loser und zuchtloser
insgemein geht das Griechentum in jene geistreiche, oberflchliche, nervse
Vielgeschftigkeit, in jene Lernbildung ber, die immer das letzte Stadium
in dem Leben der Vlker bezeichnet; alles Positive, alles Haltende und
Zusammenhaltende, selbst das Gefhl, Schlacke geworden zu sein, geht dahin;
das Werk der Aufklrung hat sich vollbracht.
Man darf wohl sagen, da du$
viel Gutes, weil sie immer
daran dachten, wie bitter es gewe{sen, da sie noch arm waren und
betteln gehen muten.
    [Kleinbild]
Die drei Federn.
  [_Fnf Abbildungen (1 bunt)_]
Einem Manne wurde ein Shnlein geboren; und da der Vater ausging,
einen Paten zu suchen, der das Kind aus der Taufe hebe, so fand er
einen jungen, wunderschnen Knaben, gegen den sein Herz gleich voll
Liebe wurde. Und als er ihm nun seine Bitte vortrug, war der schne
Knabe gern bereit mitzugehen und das Kind zu heben und hinterlie
ein junges, weies Ro als Patengeschenk. Dieser Knabe ist aber
niemand anders gewesen als Jesus Christus, unser Herr.
Der junge Knabe, welcher in der Taufe den Namen Heinrich empJfangen
hatte, wuchs zu seines Vaters und seiner Mutter Freude, und wie er
die Jnglingsjahre erreicht hatte, da hielt es ihn nicht mehr
daheim, sondern es zog ihn in die Ferne nach Taten und Abenteuern.
Nahm daher Urlaub von seinen Eltern, setzte sich auf sein
gesatteltes Rlein, das ihm der unbekannte Knabe zum Patengeschenk
g$
 lngeren Besuchen mu man persnlich oder
schriftlich eingeladen sein. Bei Morgenbesuchen bietet die Dame des Hauses
der besuchenden Dame den Ehrenplatz auf dem Sopha an, sie selbst hat den
andern Sophaplatz inne. Etwaige Begleiter(innen) nehmen die Sthle links
und rechts des Sophas ein. Einen Bekannten, der von ferne herkommt, fragt
man nach der Reise, ehe man sich nach der Gesundheit der von ihm in der
Heimat zurckgelassenen Familie erkundigt. Im Vorzimmer steht ein
Garderobestnder, ein Stuhl mit Schuhzieher, ein Spiegel, ein kleiner
Teller mit Haar- und Stecknadeln, ein Schuhanzieher und ein kleines
Tischchen mit Visitenkartenteller.
Einladungen sende man nicht als Drucksache, sondern betrachte sie als
familire Mitteilung. In diesen Einladungen Zbedient man sich der krzesten
Form, z.B. bei einer Einladung zu einem Ball:
    P. Hoffman und Frau beehren sich, Herrn Julius B. nebst Frau
    Gemahlin und Frulein Tochter auf Sonnabend, den 26.d.Mts.,
    um 9Uhr, zum Tee mit Tanz ergebenst einzuladen$
un der von ihm gefhrten Dame behilflich, im
Speisesaal ihren durch Namenkarte bezeichneten Platz aufzufnden. Er
verabschiedet sich dann von ihr mit einer Verbeugung und sucht seinen Platz
auf. Nimmt er Platz, so hat er sich nach beiden Seiten hin gegen seine
Nachbarn zu verbeugen und sie mit einigen hflichen Worten zu begren. Der
Hausherr und die Hausfrau sitzen gewhnlich in der Mitte der Tafel und zwar

einander gegenber. Die Pltze in ihrer Nhe gelten als die Ehrenpltze.
Den Wnschen einzelner mu hier Rechnung getragen sein in Betreff der
Zusammenstellung der Paare und in der Verteilung der Pltze. Es ist aber
auch zu beachten die gesellschaftliche Stellung der Gste, der Bildungsgrad
und das Alter usw. Einwendungen gegen die Tafelordnung zu machen, ist
unpassend. Bei brgerlichem Tisch ist es Sitte, da ein einzelner Gast
neben der Dame des Hauses seinen Platz erhlt. Ist der Gast eine Dame, so
sitzt sie rechts vom Hausherrn. Sind die Pltze nicht durch Karten
bezeichnet, so sollen jngere Gste w$
       Wissenschaftliches Sammelwerk
                zur intellektuellen und materiellen Hebung
                           des Lehrerstandes.
       Unter Mitwirkung massgebender Fachgelehrter und Schulmnner
                              herausgegeben
                                   von
                               K. O. Beetz,
                         Schuldirektor in Gotha
                              Fnfter Band.
                     Einfhrung in die moderne Logik.
                            ------------------
                             Osterwieck/Harz.
                       Verlag von A. W. Zickfeldt.
                                  1901.
                     Einfhrung in die moderne Logik.
                            ------------------
                                   Von
                              Goswin Uphues
                   Professor an der Universitt Halle.
                            ------------------
                               Erster Teil:
                     Grundz$
 und Raumbestimmungen stehendes Sein angenommen werden, das
diesen Beziehungen Halt und Bestand giebt. Unser Bewusstsein, das
ebenfalls dem Fluss der Zeit angehrt, kann dieses Sein nicht ausmachen.
Man kann sich auch nicht darauf berufen, dass Raum und Zeit etwa nur
Formen unserer Anschauung sind. Das mag sein, eine Bedeutung fr die Welt
der Wirklichkeit kommt ihnen unzweifelhaft zu, mgen wir dieselbe kennen
oder nicht. Zu dem gleichen Ergebnis fhrte schon den Aristoteles die
Bewegung, die er als eine anfangslose betrachtete. Nehmen wir eine
rckwrts sich erstreckende unendliche Zahl von Bewegungsgliedern an, von
denen das nachfolgende Glied immer von dem vo3ausgehenden abhngt, so
haben wir lauter abhngge Glieder; die unendliche Reihe ist so lange ohne
Halt und Bestand, als wir nicht ein ber ihr stehendes Unbewegtes, den
unbewegten Beweger des Aristoteles annehmen, in dem die Bewegung ihren
Grund hat, ohne dass er an ihr teilnimmt. Wir betonten frher, dass es
keine Einzelwahrheit giebt und demnach au$
hologie notwendig gedacht werden muss, so
koennen wir keinen Augenblick darueber zweifeln, dass wir von der
Beschaffenheit dieser Dinge keine Erkenntnis haben. Die Annahme, dass die
Dinge so sind, wie wir sie wahrnehmen, beruht offenbar auf einer bloss
vermeintlichen, durch die Psychologie voellig beseitigten Einsicht. Fuer den
Kenner der Psychologie ist die Frage, ob die Dinge so sind, wie wir sie
sehen, einfach ungereimt. Jeder hat sein besonderes, eigenes Gesichtsbild
von den Dingen, und dieses besteht aus den Gesichtsempfindungen und den
mit ihnen associierten Tastepfindungen: seine Stelle im Raum wird
bestimmt durch die fuer das Zustandekommen dieser Tastempfindungen
erforderlichen Muskelempfindungen der Arm- und Benexkursionen. Zu einem
uns gegenueberstehenden sogenannten Gegenstande wird das Ding durch die von
unsren Bewegungen hergenommene und dem bewegten Gesichtsbilde zu Grunde
gelegte Willensenergie, die allmaehlich verblasst und als Restbestand das
den Raum ausfuellende und Widerstand entgegensetz$
sse einfach ueberschaubar s6ind, haben wir schon bei der einzelnen
Wahrnehmung eine Einsicht in die Wahrheit. Wir erkennen z. B. sofort, dass
der gluehende Ofen verbrennt, dass Wasser aus Wasser- und Sauerstoff
besteht; ebenso dass gleichsitige Dreiecke gleiche Winkel haben, dass
Peripheriewinkel die Haelfte der Centriwinkel ausmachen. Dort bedarf es nur
Einer Wahrnehmung, hier nur einer beliebig gewaehlten Figur. Das Probieren,
Versuchen der Wiederholung einer Wahrnehmung oder ihrer Einordnung in ein
System hat seinen Wert: die Wiederholung, um unsere Lebenszwecke zu
sichern und zu foerdern, die Einordnung, um ein Erkenntnisideal zu
verwirklichen; aber beides ist kein Pruefstein der Wahrheit.
NAMEN- UND SACHREGISTER.
*Abhaengigkeit* voellige aller Dinge von Gott S. 51.
*Absehen* nicht das Wesen der Abstraktion S. 21, -- von dem in den
Sinnenbildern der Ausdehnung und Bewegung und den entsprechenden
Kategorien enthaltenen irrationalen Element S. 49, 57--58.
*Abstraktion*, worin sie besteht S. 21--22, -- geht $
en dieses heien
Ausbruchs berschwenglicher Gefhle, unschlssig, was er tun, was er
sagen sollte, und selber unklar, was er fhlte: Angst oder Glck.
Der letzte Traum
Das war so geschehen: Man hatte ihn hier lngst schon gesucht und
erwartet. Seine Mutter, trotz ihres Zornes erschreckt durch das rasende
Wegstrzen des erregten Kindes, hatte ihn auf dem Semmering suchen
lassen. Schon war alles in furchtbarster Aufregung und voll gefhrlicher
Vermutungen, als ein Herr die Nachricht brachte, er habe das Kind gegen
drei Uhr am Bahnschalter gesehen. Dort stellte man rasch fest, da Edgar
eine Karte nach Baden genommen hatte, und sie fuhr, ohne zu zgern, ihm
sofort nach. Telegramme nach Baden und Wien an seinen Vater liefen ihr
voran, Aufregung verbreitend, und seit zwei Stunden war alles in
Bewegung nach dem Flchtigen.
Jetzt hielten sie ihn fest, aber ohne Gewalt. In einem unterdrckten
Triumph wurde er hiningefhrt ins Zimmer, aber wie seltsam war ihm
dies, da er alle die harten Vorwrfe, die sie ihm sagte$
rst, wie ich
gedacht hatte, sagte sie finster. Vielleicht bin ich auch neidisch,
weil ihr so -- oder weil ich ... Gertrud, ich bitte dich, sag' mir auf
Ehre und Gewissen, ist diese Liebe wirklich keine Einbildung, die man
abschtteln kann, wenn sie einem zu viel wird? Ich kenne mich nicht mehr
aus. Ich habe Furcht ... Sag' mir, ist es ganz unmglich, da du ihn je
vergit? Hast du immer an ihn gedacht? Und wenn dein Mann gut gegen dich
gewesen wre?
Gertrud sah sie klglich an. Frag' nicht so. Ich wei, ich bin eine
pflichtvergessene Frau. Aber, Maggie, vielleicht hab' ich darum alles
ber mich ergehen lassen, was Kurt mir antat, weil ich immer und immer
an _ihn_ gedacht habe, und sogar als die Kinder kamen ...u und wenn ...
Sie warf sich in die Kissen und bedeckte das Gesicht mit den Hnden.
Gute Nacht! sagte Maggie kurz und lief hinaus.
       *       *       *       *       *
Von nun an begann fr Gertrud ein anderes Leben. Sie fing an,W ernstlich
ber die Scheidung nachzudenken und wute in ihrer U$
 sie sich am Ende verrechnet
haben knnte. Wenn er so unbefangen von seinem Fortgehen sprach, wenn
ihn nichts fesselte ... Sie wurde totenbla vor Erregung und Bangigkeit.
Was ist Ihnen, Maggie? fragte er herzlich, Sie sehen nicht gut aus.
Sie schttelte mit einem traurigen Lcheln den Kopf. Also Sie gehen
bestimmt? fragte sie beklommen und legte ihre Arbeit fort.
Er trat zu ihr in die Fensternische. Sie sahen sich einejn Augenblick an,
fragend, warm, schwer atmend.
Sie sprang hastig auf und streifte ihn dabei. Er zuckte zusammen.
Maggie? sagte er unsicher.
Kann das sein?
Was? fragte sie noch einmal leise.
Ist das mglich, da wir -- uns gut sind?
Ich glaube, sagte sie mit hellem Aufjauchzen.
Da griff er nach ihr; sie warf sich an seine Brust, und sie kten sich,
wie Verdrstende, die sich endlich, endlich satt trinken.
So wurde Maggie Hagedorn Hans Seckersdorfs Braut.
       *       *       *       *       *
Fr Gertrud hatten sich die Tage in Laukischken nach der letzten
furchtbaren Zeit z$
esehen.
Hast du Heimweh nach mir gehabt, Peterchen? fragte sie, das Kind
zrtlich umfangend.
Nur ein bichen. Weit du, nachher kam das feine Bild von dem
Elefanten. Der ist mal klug, Mutter! Und stark und, und -- gerecht. Ja,
gerecht nennt man das, Mutter. Wenn man dem etwas Bses tut, straft er
einen gleich. Da war mal so ein Schneider, Mutter,----
Ja, das kannst du mir nachher erzhlen, jetzt gehen wir zum Essen,
sagte Frau Elisabeth. Sie sprach in kurzem, etwas gereiztem Ton, und die
feinen Kinderohren horchten auf. Wie seltsam ... war Mutter bse? Er war
so froh gewesen, so erfllt von all dem Wunderbaren, Neuen. Und die
Geschichte war so lustig. Ha, ha, wie das viele Wasser in die
Schneider\tube spritzte! Der stach den Elefanten gewi nicht zum
zweitenmal in den Rssel!--
Das Peterlein machte einen Sprung, als msse er sich aus des Schneiders
nasser Stube retten. Da fhlte er sich von seinem Vater ergriffen, in
die Luft gewirbelt und wieder auf die Erde ges1etzt. Peterlein schaute
atemlos zu ih$
Aber herausfordern werde
ich solch ein Begegnen nie, nie im Leben. Was bin ich, und was ist er?
Was ein Zgling des Institutes Benjamenta ist, das wei ich, es liegt
auf der Hand. Solch ein Zgling ist eine gute runde Null, weiter nichts.
Aber was mein Bruder zur Stunde ist, das kann ich nicht wissen. Er ist
vielleicht umgeben von lauter feinen, gebildeten Menschen und von wei
Gott was fr Formalitten, und ich respektiere Formalitten, dehalb
suche ich nicht einen Bruder auf, wo mir mglicherweise ein soignierter
Herr unter gezwungenem Lcheln entgegentritt. Ich kenne ja Johann von
Gunten von frher her. Er ist ein durchaus ebenso khl abwgender und
berechnender Mensch wie ich und wie alle Gunten, aber er ist viel lter,
und im Altersunterschied zweier Menschen und Brder knnen
unbersteigliche Grenzen liegen. Jedenfalls liee ich mir von ihm keine
guten Lehren erteilen, und das ist es gerade, was ich befrchte, das er
tun wird, wenn er mich zu Gesicht bekommt, denn wenn er mich so arm und
unbedeutend vo$
Der liebe Kraus. Immer zieht es mich in Gedanken wieder nach ihm hin. An
ihm sieht man so recht, was das Wort Bildung eigentlich bedeutet. Kraus
wird spter im Leben, wohin er auch kommen wird, immer als brauchbarer,
aber als ungebildeter Mensch angesehen werden, fr mich aber ist gerade
er durchaus gebildet, und zwar hauptschlich deshalb, weil er ein
festes, gutes Ganzes darstellt. Man kann gerade ihn eine menschliche
Bildung nennen. Das flattert um Kraus herum nicht von geflgelten und
lis=elnden Kenntnissen, dafr ruht etwas in ihm, und er, er ruht und
beruht auf etwas. Man kann sich mit der Seele selbr auf ihn verlassen.
Er wird nie jemanden hintergehen oder verleumden, nun, das vor allen
Dingen, dieses Nicht-Schwatzhafte, nenne ich Bildung. Wer schwatzt, ist
ein Betrger, er kann ein ganz netter Mensch sein, aber seine Schwche,
alles, was er gerade denkt, so herauszuschwatzen, macht ihn zum gemeinen
und schlechten Gesellen. Kraus bewahrt sich, er behlt immer etwas fr
sich, er glaubt, es nicht ntig z$
einem Gegenber respektvoll die Hand entgegen.
Heien Dank, Herr Hauptmann! Man wei doch jetzt Bescheid, und es wird
meinem Kommandeur riesig imponieren, wenn ich ihm auf Grund so
autoritativer Auskunft ein Expos ber unsere auswrtige Lage
hinschmettern kann -- aus dem Handgelenk! ... Aber jetzt mssen Herr
Hauptmann mich entschuldigen, ich habe in der Nhe noch einen Besuch in
Familie zu erledigen.
Er stieg eilig aus, und Gaston sah ihm lchelnd nach. Die Familie
schien in einer schlanken jungen Dame zu bestehen, die vom
Brckengelnder her mit ausgestreckter Hand auf ihn zutrat. Ein netter
kleiner Kfer war's, und er hatte \recht, der Malchower Dragoner! Ein
paar weiche Mdchenlippen waren kurzweeiliger als ein muffig riechendes
Aktenstck, in dem endlose Zahlenreihen umzurechnen waren. Und wer
mochte wissen, wer auf dem besseren Wege war, der ehrgeizige Arbeiter,
der sich kaum eine Pause des Verschnaufens gnnte auf dem steilen Wege
zum Ziel, oder der sorglos dahinlebende Leutnant? Kein Mdel am Weg$
 Gestell und aus dem Programm
ersah er, da die Graditzerin Mohnblte ein Lot von vierzehn, zum Teil
in England gezogenen Pferden geschlagen hatte. Das war ja ganz
erfreulich, gewi, aber er sah doch mit einem leisen Kopfschtteln zu,
wie das elegante Tribnenpublikum dem in schwarz-weiem Dre zur Wage
zurckreitenden Jockei eine Huldigung bereitete wie einem us
siegreicher Schlacht heimkehrenden Feldherrn. Wenn die Damen aus so
unbetrchtlichem Anla schon mit begeisterten Schreien Blumen warfen,
Schirme schwenkten und dem blasiert lchelnden Jockei im Sattel die Hand
schttelten, welche Steigerung gab es da noch, wenn irgend eine groe
Tat zu krnen war im Dienste des Vaterlandes? Rissen sie sich da die
Kleider herunter und warfen sie die nackten Leiber vor die Rossehufe?
Ungesund war das alles, hysterische Uebertriebenheit, die sich kein Ma
zu finden wute.
Er ging durch die Gruppen, die sich umdie Erfrischungsstellen drngten,
die Kassen des Totalisators strmten. Ueberall fieberte es von Erregung.
D$
se, aber nicht Halme lagen auf seinem Schwad ...
Der alte Herr in grauem Spitzbart, der Gaston am Fenster gegenber sa,
schien die Gegend sehr genau zu kennen. Aufmerksamen Aug}es musterte er
Felder und Herden und uerte von Zeit zu Zeit eine wohlgefllige oder
kritische Bemerkung, aus der hervorging, da er sogar mit den Namen der
an der Bahnstrecke liegenden Gter und ihrer Besitzer vertraut war.
Die neben ihm sitzende Tochter, ein schlankes junges Mdchen in
geschmackvollem Reisekleid aus hellblauem Leinen, gab nur einsilbige
Antworten. Sie las in einem durch sein groes Format recht unhandlichen
Buche und schien so vereifert, da sich ihre Stirn ber dem geraden
Nschen in krause Falten legte. Da flog um die brtigen Lippen desalten
Herrn ein schalkhaftes Lcheln.
Annemarie, rief er pltzlich, da in der Wiesenschlenke am Haferschlag
steht ein kapitaler Rehbock!
Das Buch fiel zu Boden, das junge Mdchen sprang auf und beugte sich
hastig zum offenen Fenster hinaus.
Ja, jetzt ist er wieder weg. Bist e$
rassieren war der
dritte im Bunde. Und wissen Sie nicht, wie ich damals in der Jgerstrae
den ganzen Bums unter Sekt gesetzt habe? Drei Morgen Weizen hat der Spa
gekostet, aber war doch fidel, was?
Gaston lachte auf. Jetzt entsann er sich wirklich der lustigen Nacht,
und wie sehr er sich damals ber den dicken Agrarier amsiert hatte, der
in absichtlich vergrbertem ostpreuischen Dialekt allerhand komische
Schnurren erzhlt hatte.
Wahrhaftig, Herr von Lindemann, jetzt fllt's mir wieder ein! Und ich
bitte recht sehr um Entschuldigung ...
Nitschewo -- ich bin nicht so belnehmerisch! Aber der lange Kersien
prophezeite Ihnen damals eine Springerkarriere, wie sie seit
Erschaffung der Welt noch nicht dagewesen. Also was sind Sie inzwischen
geworden? Generalfeldmarschall?
Vorlufig mal erst Rittmeister bei den Ordensburger Dragonern!
Na, fr den Anfang a+ch ganz schn! Jedenfalls begre ich Sie als
schtzenswerte Akquisition unseres Kreises, und man wird sich doch jetzt
fter sehen.
Der Stationsvorst$
 Herr Rittmeister! Aber die Mahnung zur Diskretion war etwas
krnkend, nachdem Sie de Gte gehabt hatten, mir ein wenig Vertrauen zu
schenken. Ich mache nicht immer schlechte Witze, ich kann auch manchmal
leidlich ernst sein.
Gaston legte in einer impulsiven Regung seinem Leutnant den Arm um die
Schulter, zog ihn nher an sich.
Wei ich, kleiner Gorski, wei ich! Und zuverlssig. Sonst wre ich
wohl nicht so aus mir herausgegangen. Die, denen das sogenannte Herz
immer gleich auf der Zunge liegt, haben es leichter.
Er lie seinen Arm wieder sinken und fuhr lchelnd fort: Aber diese
neue Freundschaft wird mich natrlich nicht hindern, Sie im Bedarfsfalle
unter vier Augen wieder einmal grndlich anzulappen! Falls Sie morgen
nmlich, wie neulich, zehn Minuten zu spt zum Dienst kommen sollten.
Es wird mir ein Hochgenu sein, sagte der Kleine. Und noch eine
Frage: die junge Dame, in die sich 'der andere' verliebt hat, von der
Herr Rittmeister vorhin sprachen ...?
Die int mit ihm zusammen in der Eisenbahn$
 will ich den Hauch der Wolken und die
Strahlen des Mondes. Genosse meiner Wehmut! ich liebe dich, deine Worte
tnen wie Rohrgeflster, wie gleitende Strme, sie tnen wieder in
meiner Brust, aber meine Seele ist traurig!
Nun erhoben sich die beiden Jnglinge, einer schlang den Arm um den
Nacken des andern, und sie verlieen das tosende Zimmer. Ich folgte
ihnen nach und sah, wie sie in eine dunkle Kammer traten, wie der eine,
statt des Fensters, einen groen Kleiderschrank ffnete, wie beide vor
demselben mit sehnschtig ausgestreckten Armen stehen blieben und
wechselweise sprachen. Ihr Lfte der dmmernden Nacht! rief der erste,
wie erquikend khlt ihr meine Wangen! Wie lieblich spielt ihr mit
meinen flatternden Locken! Ich steh' auf des Berges wolkigem Gipfel,
unter mir liegen die schlafenden Stdte der Menschen, und blinken die
blauen Gewsser. Horch! dort unten im Thale rauschen die Tannen! Dort
ber die Hgel ziehen in Nebelgestalten die Geister der Vter. O, knnt'
ich mit euch jagen auf dem Wolken$
gemalt, das er aus Katata mitgebracht hatte,
das Schriftzeichen der Wildgnse, des Hgels und des Baumes, von dem er
geglaubt hatte, da es nur allein ihm, der Tochter des Tpfers und der
Prinzessin bekannt sei.
Oizo schwieg und verbi sich sein Erstaunen und dachte an irgendeinen
spitzbbischen Verrat.
Nun kamen sie weiter, sein Freund und er, zu dem grten Theater in der
Mitte der Strae. Da zeigten auch die Theaterbilder auen an der
Zeltbude rund um die Zeltwand den Flug der Wildgnse. Zugleich kam ein
Straenverkufer zu den beiden Malern und bot ihnen ein Spielzeug an:
aus Seidenwatte gearbeitete kleine Widgnse, die an einer Seidenschnur
hingen und, durch die Luft geschleudert, in Schleifenform
dahinflatterten. Ein Perlmutterarbeiter zeigte ihm Lackkstchen, darauf
der Flug der Wildgnse ber Baum und Hgel ging, und alle diese Dinge
prgten das Schriftzeichen aus, das wiy eine Liebeserklrung jene Worte
Ich liebe dich, wenn ich dir nachsehe. Aber du liebst mich nicht, weil
du fortsiehst.
Ganz verst$
 wir wollen nicht wissen, wo
wir wohnen. Wir wollen nicht verabreden, wann wir uns treffen. Wir
wollen es den fnftausend Genien berlassen, da sie unsere Wege
zusammenfhren. Und immer, wenn wir u\s zusammenfinden, wollen wir
nichts besprechen und nichts fragen und uns nur umarmen, wie wir uns
hier umarmt haben.
Ich will nicht wissen, ob du ein wirklicher Mensch ist, oder nur eine
Erscheinung, hnlich meinem Mann. Ich will dich genieen wie die
Abendrte, die jetzt ber die Trschwelle dort eintritt, und die
wirklich und unwirklich ist zugleich.
Die beiden hielten ihre Verabredung. Die Frau nderte nicht ihre Reisen
und ihre Wallfahrten nach den andern Wallfahrtsorten. Und nachdem sie
monatelang in Kioto tglich zu den verschiedensten Stunden den Tempel
der fnftausend Genien besucht und tglich den Schtzen dort getroffen,
umarmt und geliebt hatte, reiste sie nach dem Wallfahrtsort Nara, ohne
ihrem Geliebten bei ihrer Abreise ein Wort zu sagen.
In Nara war es Hochsommer. Die Wiese vor dem groen Zedernwal$
als wre das Schiff ein
riesiger, physikalischer Apparat in einem Laboratorium, als wren die
Menschen Prparate, die da knstlich aufbewahrt wrden, bis zur Landung
an einem andern Kontinent.
Unter den Schiffspassagieren, die da in Reih und Glied in Liegesthlen
auf den langen Decks lagen, als wren die Deckpromenaden Lazarette,
fielen zwei Japaner auf, die von zwei deutschen Damen, einer jungen
rotblonden und einer alten weihaarigen, begleitet waren. Es waren die
beiden Schauspieler Kutsuma und Okuro, die mit der Sada-Yakko-Truppe
eine Europa-Tournee unternommen hatten und jetzt, getrennt von der
Truppe, nach Japan zurckkehrten.
Ouro hatte sich eben erst mit einer deutschen Dame verheiratet, und
diese, welche immer mit ihrer Gromutter zusammengelebt hatte, wollte
sich auch nicht in der Ehe von ihr trennen. Darum begleitete die
achtzigjhrige weihaarige Alte das junge Ehepaar4 nach Japan.
Die beiden Japaner waren europisch gekleidet; nur ihre gelben Gesichter
und ihre kleinen Figuren fielen unter den l$
 liebten, wird die
Liebe immer nur ein erbrmlicher chemischer Proze bleiben, der Kinder
hervorbringt und sich ruhig in ein System fassen lt.
Der Asiate schwieg lange und lie die Sternbilder wandern. Dann sagte er
und faltete seine Landkarte zusammen:
Die Gtter in Europa haben euch Europer nicht umsonst Mikroskope fr
eure Augen konstruieren lassen. Ihr knnt auch eure Liebesaufregung
unter ein Mikroskoplegen. Wie die Eisblumen an euern Fenstern, so seht
ihr die Linien eurer Liebesleidenschaft. Und ihr Europer knnt ber
Dinge sprechen, die uns Asiaten ewig unsichtbar bleiben.
DJe alte Dame antwortete:
Ihr Asiaten knnt das auch, wenn ihr wollt. Nur seid ihr liebenswrdige
und bescheidene Kinder eurer Gtter, und wir sind vorwitzig. Wir mssen
unsere Freuden belauschen und unsere Schmerzen. So wie unsere Anatomen
den Blutkreislauf fanden, so suchen wir nach dem Kreislauf unserer
Schmerzen und Freuden.
Kutsuma spricht eifriger:
Wir haben nur immer von den Indiern den Kreislauf der Seele zu
beobac$
n her
und hre dumpf die dunklen Brcken,
und in dem Rauch von ihren Rcken
verbirgt sich meine Wiederkehr.
Gott, wie begreif ich deine Stunde,
als du, da sie im Raum sich runde,
die Stimme vor dich hingestellt;
dir war das Nichts wie eine Wunde,
da khltest du sie mit der Welt.
Jetzt heilt es leise unter uns.
Denn die Vergangenheiten tranken
die vielen Fieber aus dem Kranken,
wir fhlen schon in sanftem Schwanken
den ruhigen Puls des Hintergrunds.
Wir liegen lindernd auf dem Nichts,
und wir verhllen lle Risse;
du aber wchst ins Ungewisse
im Schatten deines Angesichts.
Alle, die ihre Hnde regen
nicht in der Zeit, der armen Stadt,
alle, die sie an Leises legen,
an eine Stelle, fern den Wegen,
die kaum noch einen Namen hat, --
sprechen dich aus, du Alltagssegen,
und sagen sanft auf einem Blatt:
Es gibt im Grunde nur Gebete,
so sind die Hnde uns eweiht,
da sie nichts schufen, was nicht flehte;
ob einer malte oder mhte,
schon aus dem Ringen der Gerte
entfaltete sich Frmmigkeit.
Die Zeit ist eine vielges$
und der bunte Hafen war so
still wie ein Bild. Ungeheure Laubbume, unserem Ahorn vergleichbar,
berschatteten den schmalen Wassereinschnitt, in dem die Kanus ruhig, wie
eingelassen in erstarrtes Metall, dicht nebeneinander lagen, sie waren zum
Teil hoch mit grell bemalten Warenballen bepackt, und die Zugnge zu diesem
Hafen fhrten eng an den Husern entlang. Es duftete nach Tee, Gewrzen und
Frchten, und als unsere Wagen dicht am Rand des Wassers haltmachten, erhob
sich ein alter Mann, ganz in ein weies Gewand gehllt, und begrte mich
im Namen Allahs und des Propheten.
Bist du der Herr, der das Wasser befahren will, um nach Taliparambu zu
Seine Stirn war dicht ber den Brauen, wie von einer weien Binde,
abgeschnitten, die schwarzen Augen sahen mich sicher und abwgend an. Gib
die Geldsumme fr die Fahrt, Sahib, wir mssen die Ruderer ablohnen, damit
sie gehorsam sind.
Panja trat zwischen uns, absichtlich so, da der Alte einen gelinden Sto
empfing und zurcktreten mute. Er funkelte Panja zornig $
r
aufgezwungen hatten, und sagte getrost:
Habt Dank, Jungfrulein, und seid gebeten frlieb zu nehmen mit
meiner Kunst; denn sie ist geringen Vermgens.
Da lachte Herr Eberha&rd laut: Ei Diether, so magst Du aus Hflichkeit
reden; aber da Du mit Mren zu wenig vermagst, darum haben die
Waibstdter Dich nicht verklagt. De also sei sorgenohne und vermeld'
uns sogleich, welcher guten Aventiure Du zuerst Dich annehmen willst,
da meine Nichte sie von Dir hre.
Ich besann mich nicht lange und antwortete: _Wie Kriemhilde troumte_,
so es Eures Gefallens ist.
Ei wohl, Diether! rief er erfreut. Das ist eine gute alte
Aventiure, und die hernach folgen, sind es auch. Ach, ich hrte sie
einst in meinen j}ungen Jahren oft und gern. Da stunden dergleichen
Geschichten bei Rittern und Herren in hohen Ehren und selber des
Kaisers Pfalz herbergte die Singer, die ihrer wohl konnten. Jetzt
schmt man sich ihrer zu Hof und begehrt feinerer Kunst. Ich aber lobe
und liebe mir die alte. Und wenn Du, Irmela, zur Wintersze$
chaften zu Tische gesetzt, die Mahlzeit zu halten; dabec wre
Herr Conrad sehr aufgerumt gewesen, aber seine verlobte Braut desto
nachdenklicher und stiller. Als man nun da kaum zu tafeln angefangen,
wre ein alter Mann mit langem, greisen Barte, des Aussehens und
angetha wie ein Siedler oder Waldbruder, herzugestrmt und htte mit
hochbeweglichen Worten den Bischof angerufen, den gefangenen Jngling
frei zu geben, maen der dem Kloster nicht frder angehren drfte.
Denn Diether wre adeligen Stammes, von hochberhmtem Geschlecht, wie
er selber. Der Jngling wre sein Sohn. Das wolle er nach aller Gebhr
darthun und verlange ihn in Kraft vterlicher Gewalt in seine Hnde
aus dem Kloster, darin er bis dahin gesessen, wiewohl er die heiligen
Gelbde noch nicht abgelegt und auf sich genommen habe.
ber solche Rede htten sich Alle nicht genug verwundern knnen. Der
Bischof htte ernst drein gesehen, als machte er sich hart, und der
Gernsteiner finster; auch htte der spttisch sich hinweggewendet, als
dcht' $
 -- frei?
Ihm war aus der Hast, mit der ich Solches redete, die Unruhe meiner
Seele wohl offenbar. Mit Verwunderung und auch, als htt' er weiseren
Sinn mir zugetraut, sah er mich an und gab mir weiter Bescheid: Auch
soll von dem liegenden Gute, einstmals Deinem Stamme zugehrig, auf
Verwendung der bischflichen Gnade und mchtiger Freunde so viel durch
Lehenshand Dir wiederum zufallen, als zur ziemlichen Erhaltung
ritterlichen Standes fr nthig erachtet wird; wie Solches die
Schriften hier besagen und urkunden.
So bin ich nicht frder hier zu bleiben gehalten? fragt' ich wieder;
denn mir war's nicht anders, als trumt' ich nur.
Allein Deine Wahl, Diether! sprach der Abt, bestimmen forthin Dein
Bleiben oder Gehen. Mge Gott, Jngling, Dich dazu erleuchten, da Du
Dich recht berathest.
Da konnt' ich mich nicht lnger enthalten, eilte auf ihn zu] und, vor
ihm auf die Kniee fallend, ergriff ich mit Ungestm seine Hnde, kte
sie und sprach: Dank, dank, liebr Vater, fr die Kunde, die mir von
Euch gew$
flsterte seiner Schwester zu:
Na, es ist wirklich Zeit, da die alle wieder andere Gesichter machen;
das war doch zu dumm! Und leise in sich hineinkichernd fgte er hinzu:
Nein, war das drollig, da oben in dem Stein zu sitzen und zu sehen, wie
die andern alle suchten und sich den Hals heiser schrien -- ich mute
mich wirklich zusammennehmen, um nicht laut aufzu
achen!
Aber Lilly stimmte nicht in Ottos Gelchter ein; sie schttelte den Kopf
und sagte nachdenklich: Nein, Otto, es war nicht recht; das war schon
kein Scherz mehr, und wie du gesehen hast, da Tante Toni wirklich in
Angst um dich war, da httest du herunterkommen sollen. Es hat mir ganz
wehgetan, wie sie auf einmal so geweint hat, und ich htte dir nict
folgen drfen....
Halt, Lilly, das ist fest unter uns ausgemacht: keins verrt das
andere, und es wre Verrat gewesen, wenn du mein Versteck entdeckt
httest. Ich mchte nur wissen, ob Tante Toni wirklich wei, wo ich
gesteckt habe.
Das glaube ich ganz gewi.
Woher aber? Auer uns kennt $
iner weiteren Aufklrung: Ich machte mit
einem Fremden eine Wagenfahrt von Ragusa in Dalmatien nach einer Station
der Herzegowina; wir kamen auf das Reisen in Italien zu sprechen, und
ich fragte meinen Reisegefhrten, ob er schon in Orvieto gewesen und
dort die berhmten Fresken des *** besichtigt habe.
b) Das Namenvergessen erklrt sich erst, wenn ich mich an das in jener
Unterhaltung unmittelbar vorhergehende Thema erinnere, und gibt sich als
eine _Strung des neu auftauchenden Themas durch das vorhergehende_ zu
erkennen. Kurz, ehe ich an meinen Reisegefhrten die Frage stellte, ob
er schon in Orvieto gewesen, hatten wir uns ber die Sitten der in
_Bosnien_ und in der _Herzegowina_ lebenden Trken unterhalten. Ich
hatte erzhlt, was ich von einem unter diesen Leuten praktizierenden
Kollegen gehrt hatte, dass sie sich voll Vertrauen in den Arzt und voll
Ergebung in das SchickLal zu zeigen pflegen. Wenn man ihnen ankndigen
muss, dass es fr den Kranken keine Hilfe gibt, so antworten sie:
_Her,_, was ist da$
r ist die Ideologie, die vorwiegend von Gelehrten, Denkern,
Priestern usw. vertreten ist und anscheinend keinen direkten
Zusammenhang mit den Kmpfen hat. Es ist sogar Tatsache, da vielfach
solche Ideologen, die weit umfassende kommunistische Theorien
ausgearbeitet haben, den praktischen Kmpfen khl, gleichgltig, beinahe
ablehnend gegenberstanden. Denn die Kmpfe werden meist nicht um groe
weitumfassende Ziele, sondern um bestimmte begrenzte Forderungen
gefhrt, die nicht immer gut formuliert sind und einer greren Sache
schdlich zu sein scheinen. So kommt es, da, wenn auch die Ideologen
gar manchesmal beeinflut sind von den Kmpfen, ohne es zu wissen, und
wenn umgekehrt die Kmpfer, ohne es zu wissen, von ihnen manches
empfangen haben, wenn also auch die Fden hinber und herber laufen,
doch die beiden Stmme lange Zeit getrennt ihren Weg gehen. Erst in
neueren Jahrhunderten finden sie sich zusammen oder wachsen sie
zusammen. Krl Kautsky und meine Wenigkeit haben einmal einen solchen
Stammbaum de$
 von fast allen anderen Sozialisten, die an Ricardo
angeknpft haben, und nicht zum weni!sten von Rodbertus und Lassalle.
Rodbertus hat schon in seiner 1842 erschienenen Schrift Zur Erkenntnis
unserer staatswirtschaftlichen Zustnde und spter in seinen Sozialen
Briefen an die Werttheorie von Ricardo angeknpft und sie ganz in der
naturrechtlichen Auffassung der franzsischen und englischen Sozialisten
so ausgelegt, da dem Arbeiter schon dadurch, da er Lohn statt den
vollen Ertrag erhlt, etwas weggenommen wird, was ihm von Rechts wegen
zukommt. Lassalle legt die Idee seinem im Jahre 1863 erschienenen
Offenen Antwortschreiben an das Zentralkomitee zur Berufung eines
allgemeinen deutschen Arbeiterkongresses zugrunde und entwickelt sie
ein Jahr spter sehr eingehend in seiner Streitschrift: Herr
Bastiat-Schulze von Delitzsch, der konomische Julian. Er steht da
vollstndig auf den Schultern von Ricardo und vermeintlich auch auf den
Schultern von Marx. Schon im Briefe vom 12.Mai 1851 an Marx nennt er$
des Krieges hatte man unter dem Einflu der Regierung
Arbeitsgemeinschaften zwischen den Organisationen der Arbeitgeber= und
der Arbeiter gebildet, die eine strkere Form des Tarifvertrags waren
und eine Art Interessengemeinschaft zwischen den Organisationen der
Unternehmer und denen der Arbeiter schufen. Dadurch erhielten die
organisierten Arbeiter ein Interesse am Steigen der Preise, das nicht
ohne seine volkswirtschaftlichen Bedenken war. Zugleich schienen sie
eine Abschwchung des Klassenkampfes der Arbeiter anzuzeigen und wurden
deshalb von extrem gerichteten Sozialisten heftig bekmpft. Handelte es
sich um vereinzelte Organisationen besonders gnstig gestellter
Arbeiter, so wre die Gegnerschaft nicht unbegrndet. Bei dem
umfassenden Charakter, den die Gewerkschaftsbewegung in Deutschland
trgt und ihrer einheitlichen Zusammenfassung im Allgemeinen
Gewerkschaftsbund ist die ihr zugrunde liegede Furcht sehr bertrieben.
Die Abschwchung bezieht sich da nur auf die uere Form des Kampfes. Im
Wesen der Sa$
n verbunden war, kurzerhand Staats-
oder Gemeindekapitalismus zu nennen, und wo letztere der einzige oder
der alles beherrschende Zweck der Sache war, war der Name auch
gerechtfertigt. Aber er verliert diese Berechtigung in dem Mae, als bei
solchen Unternehmungen der ffentliche Nutzen leitendes Motiv ist und in
bezug auf die in ihnen Beschftigten das soziale Moment in den
Vordergrund tritt, die Erzielung vonh berschssen dagegen nur noch durch
grere konomie auf technischem Gebiet erstrebt wird, wie das heute
immer strker der Fall ist. Dann ist die zunehmende Verwandlung von
Privatunternehmungen in ffentliche Betriebe zwar auch wiederum nicht
_der_ Sozialismus, wohl aber jedesmal ein Schritt auf seinem Wege. Und
diese mssen und werden sich mehren.
Der Finanzbedarf der Republik ist o gro geworden, da er durch eine
Mischung von direkten Steuern der alten Gattung mit Verbrauchssteuern
und Verkehrsabgaben schwerlich noch lnger wird gedeckt werden knnen.
Aus diesem Grunde und weil die Besitzer von Sac$
Hemd 'rausgestrzt und noch einige Schu hinter ihm
her. Drauen wurde er schon krftig beschossen. Ich hatte aber diesen
Herrn leider verschlafen.
Ami nchsten Morgen waren wir sehr erstaunt und hocherfreut, als wir
feststellten, da wir nicht weniger wie drei Englnder von der Erde aus
abgeschossen hatten. Sie waren nicht weit von unserem Flughafen gelandet
und gefangengenommen worden. Wir hatten meist die Motoren getroffen und
sie dadurch gezwungen, auf unserer Seite 'runterzugehen. Also hatte sich
vielleicht Schfer doch nicht geirrt. Wir waren jedenfalls sehr
zufrieden mit unserem Erfolg. Die Englnder dafr etwas weniger, denn
sie zogen es vor, nicht mehr unseren Platz zu attackieren. Eigentlich
schade, denn sie haben uns viel Spa damit gemacht. Vielleicht kommen
sie nchsten Monat wieder.
Schfers Notlandung zwischen den Linien
Am Abend des&20.April machen wir einen Jagdflug, kommen sehr spt nach
Hause und haben Schfer unterwegs verloren. Natrlich hofft jeder, da
er vor Dunkelheit noch den Platz $
s
    durch +b+, +K+ und +b1+ strmen. In +K+, das ein kleines Glasklbchen
    ist, knnen wir nach ffnung des oben im Klbchen steckenden
    Gummistopfens, einen kleinen Wattebausch hineinbringen, den
    wir vorher mit Alkohol getrnkt haben: es werden sich also
    jetzt dem durch die Glaskammer unter dem Mikroskop strmenden
    Gase Alkoholdmpfe beimischen. Wollen wir nach einiger Zeit
    unseren VeAsuchstieren wieder frisches Gas zufhren, so
    brauchen wir nur +b+ und +b1+ zu schlieen und +c+ zu ffnen. Nach
    Ishikawa und Verworn. Schematisiert.]
Wir hatten die Tiere mit Alkohol vergiftet. Und es ist uns
selbstverstndlich, da die Vergiftung unserer Pantffeltierchen nur darin
bestehen konnte, da ihr Stoffwechsel gestrt, geschdigt war. Der uere
Ausdruck dieser Schdigung des Stoffwechsels ist die Lhmung der Zelle. Da
aber diese Lhmung, wie wir gesehen haben, rckgngig gemacht werden
konnte, so mssen wir voraussetzen, da der Stoffwechsel der Zellen bei der
Alkoholvergiftung wohl be$
g werden wie die
Eingeborenen von Peru und Mexico. Bei dem Huptling der Miamis
Michikinakua waren die Arme und die der Sonne nicht ausgesetzten
Krpertheile fast wei. Dieser Unterschied in der Farbe der bedeckten und
nicht bedeckten Theile wird bei den Eingeborenen von Peru und Mexico
niemals beobachtet, selbst nicht bei sehr wohlhabenden Familien, die sich
fast bestndig in ihren Husern aufhalten. Westwrts von den Miamis, auf
er gegenberliegenden asiatischen Kste,a bei den Koluschen und
Tschinkitanen in der Norfolkbai, erscheinen die erwachsenen Mdchen, wenn
sie angehalten werden sich zu waschen, so wei wie Europer. Diese weie
Hautfarbe soll, nach einigen Reiseberichten, auch den Gebirgsvlkern in
Chili zukommen.(11)
Die sind sehr bemerkenswerthe Thatsachen, die der nur zu sehr
verbreiteten Ansicht von der auerordentlichen Gleichfrmigkeit der
Krperbildung bei den Eingeborenen Amerikas widersprechen. Wenn wir
dieselben in *Eskimos* und *Nicht-Eskimos* theilen, so geben wir gerne zu,
da die Eint$
gelbe Fieber in Guayra so furchtbare Verheerungen angerichtet,
hat man nicht verfehlt, die Unreinlichkeit des kleinen Orts zu
bertreiben, wie man mit Vera Cruz und denKais oder _warf_s von
Philadelphia gethan. An einem Ort, der auf sehr trockenem Boden liegt,
fast keinen Pflanzenwuchs hat, und wo in 7--8 Monaten kaum ein paar
Tropfen Regen fallen, knnen der Ursachen der sogenannten schdlichen
Miasmen nicht eben sehr viele seyn. Die Straen von Guayra schienen mir im
Allgemeinen ziemlich reinlich, ausgenommen den Stadttheil, wo die
Schlachtbnke sind. Auf der Rhede ist nirgends eine Strandstrecke, wo sich
zersetzte Tange und Weichthiere anhufen, aber die benachbarte Kste nach
Osten, dem Cap Codera zu, also unter dem Winde von Guayra, ist uerst
ungesund. Wechselfieber, Faul- und Gallenfieber kommen in Macuto und
Caravalleda hufig vor, und wenn von Zeit zu Zeit der Seewind dem Westwind
Platz macht, so kommt aus der kleinen Bucht Catia, deren wir in der Folge
oft zu gedenken haben werden, trotzder Schutzw$
 der Canal von
Languedoc und das Bassin von Saint Ferreol, ber Abzug des aBetrags der
Versickerung, jhrlich 336 bis 360 Linien verlieren. In den pontinischen
Smpfen hat de Prony ungefhr das gleiche Ergebni erhalten. Aus allen
diesen Beobachtungen unter dem 41. und 49. Grad der Breite und bei einer
mittleren Temperatur von 10,5 und 16 ergibt sich eine mittlere
Verdunstung von 1 bis 1,3 Linie im Tag. In der heien Zone, z. B. auf den
Antillen, ist die Verdunstung nach le Gaux dreimal, nach Cassan zweimal
strker. In Cumana, also an einem Ort, wo die Luft weit strker mit
Feuchtigkeit geschwngert ist als in den Thlern von Aragua, sah ich oft
in zwlf Stunden in der Sonne 8,8 Millimeter im Schatten 3,4 Millimeter
Wasser verdunsten. Versuche dieser Art sind sehr fein und schwankend; aber
das eben Angefhrte reicht hin, um zu zeigen, wie ungemein gro die Masse
des Wasserdunstes seyn mu, der aus dem See von Valencia und auf dem
Gebiet aufsteigt, dessen Gewsser sich in den See ergieen. Ich werde
Gelegen$

Dieser physischen Schilderung der Chaymas lassen wir einige allgemeine
Bemerkungen ueber ihre Lebensweise und ihre Sitten folgen. Da ich die
Sprache des Volks nicht verstehe, kann ich keinen Anspruch darauf machen,
waehrend meines nicht sehr langen Aufenthalts in den Missionen ihren
Charakter durchgaengig kennen gelernt zu haben. So oft im Folgenden von denIndianern die Rede ist, stelle ich das, was wir von den Missionaeren
erfahren, neben das Wenige, was wir selbst beobachten konnten.
Die Chaymas haben, wie alle halbwilden Voelker in sehr heissen Laendern, eine
entschiedene Abneigung gegen Kleider. Von mittelalterlichen
Schriftstellern hoeren wir, dass im noerdlichen Europa die Hemden und
Beinkleider, welche die Missionaere austheilten, nicht wenig zur Bekehrung
der Heiden beigetragen haben. In der heissen Zone dagegen schaemen sich die
Eingeborenen, wie sie sagen, dass sie Kleider tragen sollen, und sie laufen
in die Waelder, wenn man sie zu fruehe noethigt, hr Nacktgehen aufzugeben.
Bei den Chaymas blei$
ihn bin;
_beguia_, Auge, und _beguitsa_ sehen; _aitagana_, zum Vater; durch den
Zusatz von _tu_ entsteht das Wort _aitaganatu_, zum Vater gehen;
_ume-tasuna_, sanftes, kindlich offenes Benehmen; _ume-queria_ widriges
kindisches Benehmen.(8)
Diesen Beispielen moegen einige beschreibende Composita folgen, die an die
Kindheit des Menschengeschlechts mahnen und in den amerikanischen Sprachen
wie im Baskischen durch eine gewisse Naivetaet des Ausdrucks ueberraschen.
*Tamanacu*: Wespe, _uane-imu_, woertlich: Vater (_im-de_) des Honigs
(_uane_); die Zehen, _ptari-mucuru_, woertlich: die Soehne des Fusses; die
Finger, _amgna-mucuru_, die Soehne der Hand; die Schwaemme, _jeje-panari_,
woertlich: die Ohren des Baums; die Adern der Hand, _amgna-mitti_,
woertlich: veraestete Wurzeln; die Blaetter, _prutpe-jareri_, woertlich: die
Haare des Baumwipfels; _puirene-veju_, woertlich: gerade oder senkrechte
Sonne; Blitz, _kinemeru-uaptori_, woertlich: das Feuer des Donners oder des
Gewitters. *Baskisch*: _becoquia_, Stirne, wo$
n,
und schon um neun Uhr Morgens am 20. November lagen wir auf der Rhede in
der Bucht von Higuerote, westwaerts von der Muendung des Rio Capaya.
Wir fanden daselbst weder Dorf noch Hof, nur zwei oder drei von armen
Fischern, Mestizen, bewohnte Huetten. Ihre gelbe Gesichtsfarbe und die
auffallende Magerkeit der Kinder mahnten daran, dass diese Gegend eine der
ungesundesten, den Fiebern am meisten unterworfenen auf der ganzen Kueste
ist. Die See ist hier so seicht, dass man in der kleinsten Barke nicht
landen kann, ohne duRrch das Wasser zu gehen. Die Waelder ziehen sich bis
zum Strande herunter, und diesen ueberzieht ein dichtes Buschwerk von
sogenannten Wurzeltraegern, Avicennien, Manschenillbaeumen und der neuen Art
der Gattung Suriana, die bei den Eingeborenen _'Romeo de la mar'_ heisst.
Diesem Buschwerk, besonders aber den Ausduenstungen der Wurzeltraeger oder
Manglebaeume, schreibt man es hier, wie ueberall in beiden Indien, zu, dass
die Luft so ungesund ist. Beim Landen kam uns auf 15--20 Klafter ein
fad$
ouverneur von Trinidad unterzeichnete
Lizenzscheine fuehrten. Sie liess uns durch das Boot, das auf uns zuzukommen
schien, nicht einmal anrufen. Vom Cap Codera an ist die Kueste felsigt und
sehr hoch, und die Ansichten, die sie bietet, sind zugleich wild und
malerisch. Wir waren so nahe am Land, dass wir die zerstreuten von
Cocospalmen umgebenen Huetten unterschieden und die Massen von Gruen sich
vom braunen Grunde des Gesteins abheben sahen. Ueberall fallen die Berge
drei, viertausend Fuss hoch steil ab; ihre Flanken werfen breite
Schlagschatten ueber das feuchte Land, das sich bis zur See ausbreitet und
geschmueckt mit frischem Gruen daliegt. Auf diesem Uferstrich wachsen
grossentheils die tropischen Fruechte, die man auf den Maerkten von Caracas
in so grosser Menge sieht. Zwischen dem Camburi und Niguatar ziehen sich
mit Zuckerrohr und Mais bestellte Felder in enge Thaeler hinauf, die
Felsspalten gleichen. Die Strahlen der noch nicht hoch stehenden Sonne
fielen hinein und bildeten die anziehendsten Contr$
den zu seyn, so
waren wir es noch viel mehr mit der Aufnahme, die uns von den Einwohnern
aller Staende zu Theil wurde. Ich habe de Verpflichtung, der edlen
Gastfreundschaft zu gedenken, die wir bei dem damaligen Generalcapitaen der
Provinzen von Venezuela, Herrn von Guevara Vasconzelos, genossen. Es ward
mir das Glueck zu Theil, das nur wenbige Spanier mit mir theilen, hinter
einander Caracas, Havana, Santa Fe de Bogota, Quito, Lima und Mexico zu
besuchen, und in diesen sechs Hauptstaedten des spanischen Amerika brachten
mich meine Verhaeltnisse mit Leuten aller Staende in Verbindung; dennoch
erlaube ich mir nicht, mich ueber die verschiedenen Stufen der Cultur
auszusprechen, welche die Gesellschaft in jeder Colonie bereits erstiegen.
Es ist leichter, die Schattirungen der Nationalcultur und die vorzugsweise
Richtung der geistigen Entwicklung anzugeben, als zu vergleichen und zu
classificiren, was sich nicht unter Einen Gesichtspunkt bringen laesst. In
Mexico und Santa Fe de Bogota schien mir die Neigung zu e$
ich gesehen, zum Versetzen nicht leicht die jungen
Pflanzen, die zufaelli unter den tragenden Baeumen aufwachsen; man laesst
vielmehr die Bohnen, getrennt von der Beere, aber doch noch mit einem
Theil des Fleisches daran, in Haufen zwischen Bananenblaettern fuenf Tage
lang keimen und steckt sofort den gekeimten Samen. Die so gzogenen
Pflanzen widerstehen der Sonnenhitze besser als die, welche in der
Pflanzung selbst im Schatten aufgewachsen sind. Man setzt hier zu Lande
gewoehnlich 5300 Baeume auf die *Vanega*, die gleich ist 5476 Quadrattoisen.
Ein solches Grundstueck kostet, wenn es sich bewaessern laesst, im noerdlichen
Theil der Provinz 500 Piaster. Der Kaffeebaum blueht erst im zweiten Jahr
und die Bluethe waehrt nur 24 Stunden. In dieser Zeit nimmt sich der kleine
Baum sehr gut aus; von weitem meint man, er sey beschneit. Im dritten Jahr
ist die Ernte bereits sehr reich. In gut gejaeteten und bewaesserten
Pflanzungen auf frisch umgebrochenem Boden gibt es ausgewachsene Baeume,
die 16, 18, sogar 20 Pfund$
ck Leinwand zu bedecken und so gleichsam durch ein
Filtrum zu trinken, damit uns der ueble Geruch nicht belaestigte und wir vom
feinen, gelblichten Thon, derJ im Wasser suspendirt ist, nicht so viel zu
verschlucken haetten. Wi ahnten nicht, dass wir von nun an Monate lang auf
dieses Huelfsmittel angewiesen seyn wuerden. Auch das Wasser des Orinoco hat
sehr viele erdigte Bestandtheile; es ist sogar stinkend, wo in
Flussschlingen todte Krokodile auf den Sandbaenken liegen oder halb im
Schlamm stecken.
Kaum war abgepackt und unsere Instrumente aufgestellt, so liess man unsere
Maulthiere laufen und, wie es dort heisst, "Wasser in der Savane suchen."
Rings um den Hof sind kleine Teiche; die Thiere finden sie, geleitet von
ihrem Instinkt, von den Mauritia-Gebueschen, die hie und da zu sehen sind,
und von der feuchten Kuehlung, die ihnen in einer Atmosphaere, die uns ganz
still und regungslos erscheint, von kleinen Luftstroemen zugefuehrt wird.
Sind die Wasserlachen zu weit entfernt und die Knechte im Hof zu faul, u$
e Friederike, die einzige berlebende Prinzessin des Hauses
Anhalt-Zerbst, welche als Kaiserin Katharina II. auf Rulands Throne
sa. Dadurch setzte Ruland seinen Fu zuerst als reichsfrstlicher
Gebieter auf deutschen Boden. So wunderbar fgen und verschlingen sich
die Geschicke mancher Orte und Lnder. Der Sprling des Hauses
Oldenburg und Delmenhorst, Graf Ludwig, stand jetzt im ehemalgen Lande
seiner Vter und Axnen auf einer russischen Warte. Die weitentfernten
Besitzer hatten das Schlo nicht erhalten knnen, nicht erhalten wollen,
so war es verfallen, und fast nur die Sage erzhlte noch seine
Geschichte, und flsterte geheimnivolle Mren von der schnen
Erbtochter Maria von Jever, die eine Freundin der nicht minder schnen
Maria, Erbtochter von Burgund, gewesen war, von verschwiegener Liebe und
von tiefem unheilbarem Herzeleid, wie von Dingen und Thaten, mit denen
sich viele Bcher fllen lieen.
Noch einen innigsehnsuchtvollen Scheideblick hinber zum Schlosse
Kniphausen mit liebevollem, zrtlichem$
hristina
Auch die Gesichter dieser Jungfrauen, von denen eine sogar Helena hie,
hatten keine helenischen Physiognomien, und keine sah aus, als werde um
ihretwillen ein trojanischer Krieg entstehen. Jetzt trat ein kleiner
junger wohlgenhrter Herr heran, mit einem blhenden, vollrunden
Gesicht, ein schmuntzelndes Lcheln umspielte fast stehend seine
frischen Wangen und sein glattes gekelchtes Kinn; an sah ihm an, wie
schwer es ihm wurde, ernst oder gar heilig auszusehen.
Mein Neffe, Herr Vincentius Martinus van der Valck, Sohn meiner
Schwester Clarina, Wittwe. Wie Sie sehen, Herr Graf, ein geistlicher
Herr, Caplan von Sanct Ottilien, welcher sich dem Dienste unserer
heiligen Kirche gewidmet hat mit frommem Eifer.
Ja wohl! ganz auerordentlich! fgte, Spott in seinen Mienen, Vincentius
Martinus hinzu. Lassen Sie doch das Lob, lieber Herr Oheim! Sie sehen
ja, wie schamroth ich werde. Es ist mir eine groe Ehre, Herr Graf, Ihre
Bekanntschaft zu machen; Sie sind ein Freund mines Vetters, und wer
dessen Freund ist$
luchtsortes
nhrte die wachsende Flammengluth der jungen strmischen Herzen und ri
sie vllig hin.
Nichts htte unter andern Verhltnissen den gegenseitig Ebenbrtigen im
Wege gestanden, sich mit einander zu vermhlen, aber die Zeit des Jahres
siebenzehnhundertundneunzig war nicht gnstig fr Freuden und Hochzeiten
der armen Flchtlinge; war es doch erst kaum ein Jahr, da der Graf von
Artois, dessen Sie, beste Frau Windt, vorhin erwhnten, wie auch die
Prinzen Cond, Broglio, Bretueil und auch die Polignac's ihr Vaterland
gemieden hatten; man vernichtete, das heit man hob in Frankreich alle
Vorrechte der Geburt und des Standes auf, und es war kaum zu wagen, an
eine Rckkehr in das geliebte Vaterland, oder an eine Rckkehr der alten
Ordnung zu denke. Der junge Prinz, welcher bisher mehrere Reisen
gemact hatte, von denen er immer wieder an den Ort seiner verborgenen
Liebe zurckkehrte sah sich veranlat, zu dem Heere zu gehen, das die
Bestimmung hatte, die verlorene Heimath mit Gewalt der Waffen wieder zu
D$
udringen und Holland zu unterwerfen, dann
wird wohl Friede werden, denn die Neigung zum Frieden geht jetzt durh
die meisten Cabinette Europa's. Viele aber werden auch leiden; ich
frchte sehr fr meinen Vetter, den Erbherrn. Alles, was er dem
Vaterlande und der treuen Anhnglichkeit an den Erbstatthalter und den
Erbprinzen zum Opfer gebracht hat, wird verloren sein, ja selbst seine
Freiheit ist bedroht. Ihr zweiter Enkel, beste Gromutter, Graf Johann
Carl, ist zur Zeit, wo ich dies schreibe, Statthalter in Utrecht -- ich
frchte ebenfalls, da diese Statthalterschaft nur von sehr kurzer Dauer
sein wird. Der Vice-Admiral soll, wie ich vernahm, sich jetzt in Hamburg
aufhalten; sollte dies der Fall sein, so wird er ohne Zweifel bei Ihnen
wohnen, und dann bitte ich gehorsaymst, ihn freundlich zu gren. Er ist
ein jovialer Mann, der mir Achtung und Liebe abgewonnen hat, trotz
seiner Neigung zu Spott und Satyre.
Die Pariser Luft, die freilich vielen Leuten in diesen Zeiten nicht
zusagte, behagt auch mir nicht, $
, sie wollte sich einem
hohen Freund anvertrauen, dem es ein Leichtes war, ihrer Tochter, und
wenn diese es wnschte, auch deren treuen Beschtzer und Begleiter ein
sicheres und unnahbares Asyl zu gewhren. Prinzessin Charlotte hatte
beim Aufenthalt in Petersburg den Grofrsten Alexander kurz vor seiner
Thronbesteigung kennen gelernt. Die persnliche Liebenswrdigkeit dieses
jugendlichen Moarchen, den selbst Napoleon einen Apoll nannte, hatte
auch die Prinzessin fr ihn eingenommen.
Sie hatte ihn dann amHofe zu Baden bei seiner Vermhlung mit der
schnen Tochter des frstlichen Hauses, Prinzessin Elisabeth,
wiedergesehen, rechnete auf des Kaisers Huld und Gunst und schrieb an
Alexanders Antwort sandte die Prinzessin an Ludwig, sie lautete:
Stellen Sie, Prinzessin, mir diejenigen Personen vor, deren Schutz Sie
von mir wnschen, ich werde Alles zu deren Zufriedenheit und zu Ihrer
Beruhigung thun. Sie kennen meine Gesinnung und meine Theilnahme an dem
Unglck, das Sie betroffen, ich habe bei dieser grausamen $
 Arzt.
Nun ja, ich sah Einiges von fremden Lndern, zum Beispiel von Holland,
Frankreich, England, Deutschland und Ruland, weiter kam ich nicht.
Nach einer Weile sagte der Arzt: Ihr Leben, Herr Graf, war gewi ein
vielfach bewegtes, und die lesende Welt wrde es Ihnen Dank wissen, wenn
Sie derselben Ihre Memoiren berliefern oder sie ihr doch dermaleinst
hinterlassen wollten.
Mein Dermaleinst liegt gar nicht mehr so fern, Herr Ober-Medicinalrath!
_Memoiren_ sagen Sie? Nichts. Eine Sammlung von Kchenzetteln, das sind
meine Memoiren.
Kchenzettel? fragte der Arzt verwundert.
Nun, knnte ich nicht ei gelernter Koch sein? fragte der Graf mit
Ironie zurck. Entweder habe ich mir selbst gekocht, oder ich habe mir
kochen lassen, es gibt keinen Mittelweg. Meinen Sie nicht, Herr Doctor,
da Kchenzettel ein schneres Album bilden knnten, wie Recepte?
Jedenfalls stehen sie vor diesen in erster Reihe, denn die Recepte
entstehen meist nur, um das zu corrigiren, was die Kchenzettel
verdorben haben.
Sie scherzen, um a$
 glauben wollte, -> wollte.
S. 373: in dem Gedanken, das -> da
S. 374: sahe der Graf zu seiner Bestrzung -> sah
S. 380: gibt es jetzt [...] zu thun gegeben, bald -> zu thun, bald
S. 382: wer htte das gedacht -> Wer
S. 387: die Buchstaben L.C.V.d.V. eingegraben waren -> L.C.v.d.V.
S. 406: Hofdame in Sarkoe-Selo -> Sarskoe-Selo
S. 410: Als ich die Bder von Burton gebrauchte -> Buxton
S. 422: dachte er daran, entsiegelte, es las -> entsiegelte es, las
S. 423: [vereinheitlicht] die Shne der Reichgrfin -> Reichsgrfin
S. 425: [Anfhrungszeichen ergnzt] Dieser Gedanke schnitt mir wie
S. 429: er brachte keinen Strung -> keine
S. 429: Briefwechsel mit dem Pfarrer Vincentinus -> Vincentius
S. 434: Margarita Gardes eingegangener Gewisseensehe -> Gewissenehe
S. 437: Holstein-Sonderburg und Holsteinstein-Pln -> Holstein
S. 440: wazu d1es Hauses Hhe sich gut eignete -> wozu
S. 442: der Arolsharfe schwellendschwebende Accorde -> Aeolsharfe
S. 447: [vereinheitlicht] von Coburg ber Rodoch kommende -> Roda$
t:
Sperrung:       _gesperrter Text_
Fett:           fett gedruckter Text=
Antiquaschrift: #Antiquatext#
Kursivschrift:  /kursiv Antiqua/
Die Fraktur-Ligatur fr etc. wurde durch etc. ersetzt. (S. 47, 397)]
[Transcriber's Note: This ebook has been prepared from the first print
edition published in 1854 as volume III in "Deutsche Bibliothek --
Sammlung auserlesener Original-Romane". Minor spelling inconsistencies
have been maintained. The table below lists all corrections applied to
the original text.
p. 010: im Jahre siebenhundert und vierundfnfzig -> siebzehnhundert
p. 011: Siebentes begehrt -> Siebentens
p. 013: noch widrigerere Kmpfe -> widrigere
p. 025: angstschweistreibender Pillen -> angstschweitreibender
p. 029: Herrn von Gthe -> Goethe
p. 037: Paris, Strae Vaurigard -> Vaugirard
p. 041: [normalize] reichhaltigen Tagbchern -> Tagebchern
p. 079: des Hauses van der Valk -> Valck
p. 085: tn einem groen Bogen -> in
p. 101: die Theilhaber an den fnfund zwanzig -> fnfundzwanzig
p. 101: Prinz von$
d,
weil wir es fuer muessig halten, Eroerterungen darueber anzustellen, welche
Flaechen und Laengen hiebei gemeint sind, so lange uns ueber die Form jener
Fruchthaeuser oder Speicher nichts bekannt ist.
Dagegen erwecken die im Papyrus vorkommenden Pyramiden-Berechnungen das
hoechste Interesse, besonders nach den glaenzenden Untersuchungen, welchen
*Revillout* diesen Gegenstand unterzogen hat, und deren Resultate wir,
entgegen der von *Eisenlohr* ausgesprochenen und auch von *Lepsius*(46)
acceptirten Ansicht als solche betrachten, welche in einfacher und
natuerlicher Weise die sogenannte *Seket*-Rechnung der alten Aegypter
Es wird in diesen Rechnungen die Boeschung der Seitenflaechen einer
quadratischen Pyramide dadurch fixirt, dass jener Theil der Laenge eines
der beiden gleichlangen Schenkel des Winkelmaasses berechnet wird, der
sich zur Laenge des anderen Schenkels so verhaelt, wie die halbe Laenge der
Basisse ite der quadratischen Pyramide zur Hoehe derselben.
Zu dem Behufe war der eine der beiden Schenke$
obenen Riffe ganz an die jetzt lebenden an. Ueberall
an den Ksten der Inseln, auf Camiguin im Norden von Luzon und auf
Basilan bei Zamboanga, an der Ostkste Luzon's und Mindanao's, wie
auf Bohol und--nach Hrensagen--den Calamianes und Palawan finden
sich bald lnger zusammenhngende, bald isolirte Fetzen gehobenen
Korallenkalkes, die durch ihren von der Brandung ausgewaschenen Fuss
deutlich mit den bei Ebbezeit entblssten oberen Theilen der jetzt in
Hebung begriffenen lebenden Riffe in Verbindung stehen. So liefert
uns die ununterbrochene Reihe vulcanischer Ausbrche, lterer und
neuerer Korallenbildungen den klarsten Beweis stetig fortschreitender
scularer Hebung der Philippinen.
Die Riffe und das Leben im Meere.
Tief und senkrecht aus dem Meere heraus bauen die Polypen ihre Huser
von Stein, und erst, indem sie durch eigne oder durch unterirdische
Krfte gehoben, bis nahe an die Oberflche des Meeres gelangen,
bildet sich das Riff aus. Die Brandung risst an der senkrechten
Wand Korallentrmmer ab, die$
eten Knige der Molucken durch Jahre hindurch
belagert wird. Antonio Galvan befreit seine Landsleute, schlgt die
Frsten in Tidore, und schliesst mit ihnen Frieden. Ihm gelingt es
bald durch freundliche Behandlung der Eingebornen und Schonung der
angestammten Frsten, die er vorher hat seine Macht fhlen lassen,
sich eine solche Popularitt zu erwerben, dass ihm bald nachher
die Krone smmtlicher Molucken angeboten wird. Nun wird ihm das
Gouvernement dieser Inseln genommen, und die nachfolgenden Gouverneure
beginnen von Neuem das alte Spiel der Intriguen und kleinen Kriege,
bis endlich 1581 Baber, Knig von Ternate, die portugiesische Festung
einnimmt und der Fremdherrschaft ein Ende macht. Dann folgen einigle
vergebliche Versuche der Spanier, sich die Molucken zu unterwerfen,
bis es endlich im Anfang des 17. Jahrhunderts den Hollndern gelingt,
die mit den einheimischen Frsten abgeschlossenen Vertrge gegen die
Spanier siegreich zu vertheidigen und die Portugiesen auf Timor und
Solor einzuschrnken.
Hier $
chtnis zurckrufen. Wenn ich nicht
irre, sagtest du: Das Dasein und Wirken der Gtter ist durch die Liebe
zu allem Schnen bestimmt; es gibt keine Liebe zum Hlichen! Sagtest du
nicht so? Ja, das waren meine Worte. Und da hattest du sehr richtig
gesprochen. Und darum wre also Eros die Liebe zur Schnheit!
Natrlich! Sind wir aber nicht eben darin bereingekommen, da wir
nur, was uns noch fehlt und was wir noch nicht besitzen, lieben? Ja!
Es fehlt also Eros die Schnheit, Agathon; Eros besitzt nicht die
Schnheit! Ja! Nun also, Agathon! Kannst du noch agen, da der, dem
die Schnheit fehlt, schn sei? Nein! Du gibst mir also recht, wenn
ich sage, Eros sei nicht schn? Ich frchte, Sokrates, ich habe nichts
von allem, worber ich vorhin sprach, verstanden! Aber du hast dennoch
sehr schn vorhin gesprochen, Agathon! Noch eine kleine Frage: Scheint
dir nicht uch das Gute schn zu sein? Ja! Wenn also Eros alles
Schne fehlt und das Schne auch gut ist, so mu Eros auch alles Gute
f$
[Funote 112: St. Beissel: Das hlg. Bernward Evangelienbuch zu
    Hildesheim pag. 92.]
    [Funote 113: Didron: Iconographie chrtienne pag. 259 pl. 70.]
    [Funote 114: Die B.S. ist 1022 errichtet. E.O. Wiecker: Die
    B.S. zu H. 1874 Tf. 2 No. 2. hnliche Darstellungen sind noch
    in der Handschrift zu Bremen (Abb. in Mitt. der Central Comm.
    VII. pg. 62); Mnchener Hdschrft. bespr. bei Voege: a.a.O.
    pag. 45, 46.]
    [Funote 115: 221.]
    [Funote 116: Dobbert: a.a.O. pag. 141.]
    [Funote 117: Marc. V, 1-19. Luc. VIII, 26-37. Math. VIII,
    [Funote 118: Abb. b. Rohault de Fleury: l'Evangile I, 167 pl.
    42, fig. 3.]
    [Funote 119: Kraus: Encyclopaedie 857; Rohault de Fleury:
    a.a.O. pl. 42. Eine dritte Darstellung erwhnt Kraus aus der
    Syrischen Bibel der Laurentiana. c.a.O. ebd. Abbild.]
    [Funote 120: St. Beissel: Hdschr. Kais. O. in A. pag. 77.]
    [Funote 121: Die Wandgemlde in St. Georg zu Oberzell auf der
    Reichenau ed. v. Kraus. Abb. Tf. VII, p$
e Fahne der mexicanischen Unabhngigkeit entrollte.
Auf halbe Kanonenschuweite vom Hafen warf die Constanzia, deren Namen man
am Heck schon deutlich lesen konnte, pltzlich Anker. Die Segel wurden an
den Raaen befestigt und ein Boot herabgelassen, welches bald im Hafen
Sofort nach seiner Ausschiffung begab sich der Lieutenant Martinez zu dem
Gouverneur, um ihn von dem Zwcke seiner Hierherkunft zu unterrichten.
Dieser billigte vollstndig den Beschlu des Lieutenants, selbst nach
Mexico zu gehen, um daselbst denCbetreffenden Kaufvertrag mit dem General
Guadalupo Vittoria, dem Prsidenten der Confderation, zu ratificiren.
Kaum verbreitete sich diese Neuigkeit in der Stadt, als man auch seiner
Freude den unverhohlensten Ausdruck gab. Die ganze Bevlkerung lief
zusammen, das erste Schiff der mexicanischen Kriegsmarine anzustaunen, und
sah in dessen Besitze und diesem deutlichen Beweise des unter den Spaniern
herrschenden Mangels an Disciplin eine neue Versicherung, sich jedem
erneuten Versuche seiner frheren H$
itweilig aussetzten, verstrkten dadurch nur das
Jos fluchte bei jedem Schritt. Bleich und stumm warf der Lieutenant
Martinez nur scheue, bse Blicke auf seinen Begleiter, in dem er nur noch
einen Mit_wisser seines Verbrechens sah, welchen er gern entfernt und
unschdlich gewut htte.
Da zerri ein greller Blitz die tiefe Finsterni. Der Mastwart und der
Lieuteuant standen dicht vor einem Abgrunde!...
Martinez trat an Jos heran. Er legte ihm die Hand fest auf die Schultern
Jos, ich frchte mich ...
-- Vor dem Gewitter?
-- Den Sturm am Himmel frchte ich nicht, wohl aber die Emprung in meinem
-- Ah, Sie denken noch immer an Don Orteva!... Schmen Sie sich,
Lieutenant, Sie reizen mich zum Lachen! antwortete Jos, dem freilch das
Lachen verging, als er Martinez' wthenden Blick auf sich geheftet sah.
Wiederum krachte ein furchtbarer Donnerschlag.
Schweig' still, Jos, schweig' still! rief Martinez, der seiner kaum noch
Herr zu sein schien.
-- Die Nacht ist zum Moralisiren recht passend! erwiderte der Mas$
 er
gemeischaftlich mit ihm verbt haben wollte. Der alte Christian zum Loe--
ein Eingehriger des Jobst van der Recke auf dem benachbarten Gute
Heessen-- war wie niedergedonnert, denn er sah, wie das Gespenst des
Hexenprozesses bereits auch nach ihm seine Krallen ausstreckte, um auch ihn
zu verderben. Er betheuerte seine Unschuld; aber Kleikamp blieb bei seiner
Der Prozess ging zu Ende. Die Prozessakten wurden abschriftlich einem
auswrtigen Rechtsgelehrten zur Begutachtung bersandt, worauf das Verdikt
erfolgte, welches dahin lautete, dass Kleikamp wegen gestndiger Zauberei,
dabei verbter Vergiftung und anderer Unthaten mit der gesetzlichen Strafe
des Feuers vom Leben zum Tode hingerichtet und zu Asche verbrannt werden
sollte. Schlieslich machte der Vertheidiger noch einen Versuch, wenigstens
die Qual des Feuertodes von dem Verurtheilten abzuwenden. Es stellte dem
Gericht daher vor, dass der Verurtheilte sich fr einen armen Snder
erkenne, der gegen Gott und Gottes Gebot gehandelt habe. Er trage de$
ese =Kln= (wo der Protestantismus so tiefe Wurzeln
geschlagen hatte) griff die Hexenverfolgung in der zweiten Hlfte des
sechszehnten Jahrhunderts wie ein rasender Dmon in alle Schichten der
Gesellschaft ein. Kinder und Greise, Geistliche und Laien, Frauen und
Mdchen massenhaft erfassend und zerreissend[84]. Man vergleiche folgende
aus dem Salm'schen Archive (leider ohne Datum) abgedrucktn Akten! Der
Pfarrer Duren zu Alfter berichtet an den Grafen Werner von Salm: dass ich
vorlngst nicht geschrieben, ist daher kommen, dass mir nichts Sonderliches
vorgekommen, allein dass man zu Bonn stark zu brennen anfange. Jetzo sitzet
eine Reiche (Frau), deren Mann vormals Schffe zu Bonn gewesen, Namens
Kurzrock, dem die Herberge zur Blum]e eigenthmlich zustndig gewesen. Ob
er Ihre Gnaden bekannt gewesen, weiss ich nicht. Dem sei wie ihm wolle; sie
ist eine Hexe und tglich vermeint man, dass sie justifizirt werden solle,
=welcher ohne Zweifel noch etliche Dickkpfe= (d.h. lutherisch Gesinnte)
=folgen mssen=.$
t, auf die Folter
gespannt und so lange torquirt ward, bis sie die gewnschten Gestndnisse
abgelegt hatte. Von der Folter herabgenommen erklrte sie, sie begehre
nicht lnger zu leben, und bat, zum Sterben bereit, den Beistand des
Seelsorgers. Viele benachbate Frsten legten fr die Verurtheilte Frbitte
ein, jedoch ohne Erfolg. Am 19.August 1620 ward sie auf dem Rabenstein vor
Stettin erst enthauptet und dann zu Asche verbrannt[114].
In der Reichsstadt =Nordhausen= war frhzeitig ein milderes Verfahren gegen
Hexen heimisch geworden. Am 8.Mrz 1644 waren zwei derselben mit
Ausweisung aus der Stadt bestraft worden[115], whrend in dem benachbarten
=Stolberg= noch am 30.Oktober 1656 eine Hexe enthauptet nd verbrannt, und
1657 zwei Brgerfrauen, die von jener angegeben waren, wegen Umgangs mit
dem Teufel etc. ebenfalls auf den Scheiterhaufen gebracht wurden[116].
Unter den Prozessen, welche die eigentliche Natur des Hexenprozesses recht
klar aber auch in herzbewegendster Weise erkennen lassen, verdient ein$
ungen mit
aberglaubischen Ceremonien, oder da man durch zauberische Mittel jemand an
seinem Leben, Leibs- oder Gemths-Gesundheit, Vieh, Frchten, Haab und
Guth, oder auf welc/herley Weis es immer seyn mag, schaden thut, wird ohne
Unterscheide, ob der Sch:aden gering, oder gross, mit dem Schwerdt
bestrafft. Maximilianus Josephus utriusque Bavariae Dux etc. Codicis
criminal. Parte prima, Cap.8. .7. n.2.-- In der Vorrede heisst es
dann weiter: Die Critic, welche den Hochmuth zu einem Vater, und die
Begierde manchen =Halbkatholischen= zu gefallen fr eine Mutter hat, ist
wohl ein schlimmes Kind. Der hocherleuchte Akademicus, will eben jenen, ob
schon ein Ordensmann, weis nicht warum? gefallen: da er andere entgegen als
schlechtdenkende Seelen verachtet, will er seinen erhabenen Geiste
beweisen. Die Abhandlung selbst aber beginnt mit der Frage: Was von jenen
zu halten, welche keine wirkende und thtige Hexerei erkennen? Und hier
steht sogleich im Vordergrunde die Erzhlung von Wilhelm Edelin, der den
Tod $
ieber beim Teufel
als in solcher Pflege sein. Das benutzte die Kuhstaller, um alsbald bei
Gericht anzuzeigen: die Schwgelin habe ihr einbekannt, dass sie mit dem
Teufel Unzucht getrieben und Gott und allen Heiligen habe absagen und auf
jene Weise und Art sich verschwren mssen, wie es ihr der Teufel
vorgehalten habe. Auch habe sie die Schwgelin manchmal laut lachen und mit
Jemandem sprechen hren, whrend doch Niemand bei ihr gewesen sei.
=Diese Anzeige gengte=, weil der Zuchtmeister sie besttigte, die
unglckliche, ganz gebrechliche Person abholungsweise auf der sogen.
Bettelfuhr am 20.Febr. 1775 nach Kempten ins Gefngniss schaffen zu
lassen. Von da bis zum 6.Mrz wurde sie nun zunchst durch den
Eisenmeister Klingensteiner beobachtet, der auf Befragen ber das Verhalten
der Angeklagten deponirte: In der dritten Nacht ihrer Anwesenheit im Kerker
habe man im Gefngnissofen ein Gerusch gehrt, als ob etwas vom Ofen
herabgefallen wre. Er selbst freilich habe e nicht gehrt, sondern es sei
ihm von e$
weis, da fromm Gesinde auch gut Regiment,
gut Wetter, fromme und getreue Oberherren macht.
Um die Zeit des ersten Schnees lie die Hausmutter das ganze Haus fegen
und reinigen, die Fenster waschen, Vorhnge aufziehen und alles zum
Empfang ihre Herrn zubereiten, der, mit dem bunten Gefolge seiner
Diener umgeben, nebst einem groen Schwall von Pferden und Jagdhunden zu
Winters Anfang eintraf. Mathilde kmmerte sich wenig um die Ankunft des
Kreuzherrn; ihre Kchenarbeit hatte sich so gemehrt, da sie sich nicht
Zeit nahm, nach ihm auszusehen. Zuflligerweise begegnete er ihr, indem
sie eines Morgens Wasser schpfte, auf dem Hofe. Sein glnzendes Auge,
die heitere Miene, das Geprge des Wohlbehagens und berflusses, das
wellenfrmige, leicht gelockte Haar, das sich halb unter die
beschattenden Straufedern des mnnlich ins Gesicht gedrckten Hutes
versteckte, der feste Gang und edle Anstand des Mannes gefielen ihr gar
wohl. Zum erstenmal empfand sie jetzt den groen Abstand des Standes, in
welchen ein unglckli$
r damals erhalten,
nchdem ihn der Du gelehrt, wie man das Pferdchen frei bewegen knne. In
allen fremden Dingen lauerte der Schlag, in allen unbekannten wohnte
Gefahr. Eine gewisse strahlende Heiterkeit, die allmhlich Caspars Wesen
entstrmte und die das Entzcken seiner Umgebung bildete, war dher
stets an jene erwartungsvolle, ahnungsvolle Bangigkeit gebunden.
Nach regnerischen Stunden mit Daumer aus dem Tor tretend, gewahrte
Caspar einen Regenbogen am Himmel. Er war starr vor Freude. Wer das
gemacht habe, stammelte er endlich. Die Sonne. Wie, die Sonne? Die Sonne
sei doch kein Mensch. Die natrlichen Erklrungen lieen Daumer im
Stich, er mute sich auf Gott berufen. Gott ist der Schpfer der
belebten und unbelebten Natur, sagte er.
Caspar schwieg. Der Name Gottes klang ihm seltsam dster. Das Bild, das
er dazu suchte, glich dem Du, sah aus wie der Du, als die Decke des
Gefngnisses auf seinen Schultern ruhte, war unheimlich verborgen wie
der Du, als er den Schlag gefhrt, weil Caspar zu laut gesprochen.$
m groen Haus; die Frau hat mich bis zum
Springbrunnen im Hof gefhrt. Sie hat mich zu einem Fenster
hinaufschauen lassen; droben ist der Mann im Mantel gestanden, sehr
schn anzuschauen, und hat etwas gesagt. Danach bin ich aufgewacht und
hab's geschriebn.
Daumer machte Licht, nahm das Blatt, las, warf es wieder hin, ergriff
beide Hnde Caspars und rief halb bestrzt, halb erzrnt: Aber Caspar,
das ist ja ganz unverstndliches Zeug!
Caspar starrte auf das Papier, buchstabierte murmelnd und sagte: Im
Traum hab' ich's verstanden.
Unter den sinnlosen Zeichen, die wie aus einer selbsterdachten Sprache
waren, stand am Ende das Wort: Dukatus. Caspar deutete auf das Wort und
flsterte: Davon bin ich aufgewacht, weil es so schn geklungen hat.
Daume1r fand sich verpflichtet, den Brgermeister von den Beunruhigungen
Caspars, wie er es nannte, in Kenntnis zu setzen. Was er befrchtet
hatte, geschah. Herr Binder legte der Sache eine groe Wichtigkeit bei.
Zunchst ist es geboten, dem Prsidenten Feuerbach einen$
muckstck, das eine eitle Frau im Kstchen verschliet und
gelegentlich an ihren Busen steckt, um beim Ball damit zu glnzen! Jeder
ist im allgemeinen ausgeteilt und sein Zuschu von Krften ist kein
Privileg, sondern nur eine Hoffnung. Oder drfte der Adler die Seele fr
sich in Beschlag nehmen, weil er besser zu fliegen vermag als die Gans?
Die Seele! Ihr Herren beleidigt den Schpfer damit, ob ihr sie leugnet
oder ob ihr Bcher schreibt, um sie zu beweisen.
Es entstand ein Schweigen. Er spricht wie ein Satan, dachte Daumer, und
als er sich anschickte zu antworten, kam ihm der Fremde mit hflicher
Eindringlichkeit zuvor. Ich wei, Sie lieben Caspar, sagte er mit
vernderter Stimme, ernst und herzlich, Sie lieben ihn brderlich, und
nicht itleid nhrt diesen Trieb, sondrn die schne Begierde, die stets
den Gott in der Brust des andern sucht und nur im Ebenbild sich selbst
erkennen will. Aber Sie mchten eine Ausrede haben fr Ihre Liebe, das
ist es. Mu ich Ihnen sagen, da es keine tieferen Wunden gibt$
ichte erfunden von einer Dame, die
bei ihm gewesen und die ihm ein Geschenk versprochen, weshalb er auf sie
gewartet habe.
Auf unser mehr bestrztes als strenges Zureden bekannte er sich auch
dieser Unwahrheit schuldig, fuhr Herr von Tucher mit unerschtterlichem
Ernst fort. Er gab zu, da er nur in Ruhe habe studieren wollen und daihm kein andres Mittel eingefallen ei, um die lstigen Strungen
abzuwenden. Instndig flehte er uns an, Ihnen nichts von seinem
Fehltritt zu erzhlen, er wolle es nie wieder tun. Ich hab' mir's aber
berlegt und bin zu dem Schlu gelangt, da es besser ist, wenn Sie
alles wissen. Es ist vielleicht noch Zeit, um das bse Laster mit Erfolg
zu bekmpfen. Man kann ihm ja nicht ins Herz schauen, doch ich glaube
noch immer an die Unverdorbenheit seines Gemts, wenngleich ich
berzeugt bin, da uns nur die uerste Wachsamkeit und unerbittliche
Manahmen vor grberen Enttuschungen bewahren knnen.
Daumer sah vollkommen vernichtet aus. Und das von einem Menschen, auf
dessen heilige$
nem Sinnen hingegeben, ergriff
ihn der Anblick doch und seine Stimme nahm wider Willen einen milderen
Klang an, als er den Jngling um die Ursache seines Nachdenkens
Caspar berlegte, ob er sich aufschlieen drfe. Wie bei jeder
Gemtsbewegung war die linke Seite seines Gesichtes konvulsivisch
durchzuckt. Dann strich er mit einer ihm eignen unnachahmlich lieblichen
Geste die Haare von der einen Wange gegen das Ohr zurck und fragte mit
einem Ton aus innerster Brust: Was soll ich denn eigentlich werden?
Herrn von Tucher beruhigten diese Worte sogleich. Er machte eine Miene,
als wolle er sagen: die Rechnung stimmt. Darber hae er auch schon
nachgedacht, erwiderte er; Caspar mge ihm doch sagen, wozu er am
meisten Lust habe.
Caspar schwieg und schaute unentschlossen vor sich hin.
Wie wre es mit der Grtnerei? fuhr Herr von Tucher wohlwollend fort.
Oder wie wre es, wenn du Tischler wrdest oder Buchbinder? Deine
Ppparbeiten sind ganz vortrefflich, und du knntest das
Buchbindergewerbe in kurzer Zeit erler$
de bald mit einem
anstndigen Buchbindermeister sprechen; wir wissen dann, woran wir sind.
Bist du's zufrieden, Caspar? Oder hast du andre Wnsche? Nur frisch
heraus mit der Sprache, du kannst noch immer whlen.
Ein flchtiger Schauer lief Caspar ber den Rcken. Er schttelte sich
ein wenig, setzte sich nieder und schwieg. Herr von Tucher wollte ihn
nicht weiter bedrngen, er wollte ihm Zeit lassen. Eine Weile ging er
hin und her, dann nahm er vor dem Flgel Platz und spielte einen
langsamen Sonatensatz. Es geschah dies nicht aus zuflliger Laune; am
Dienstag und Freitag von sechs bis sieben Uhr abends spielte Herr von
Tucher Klavier, und da der Kuckuck der Schwarzwlderuhr soeben sechs
gekrchzt hatte, wre eine Versumnis sehr gegen die Regel gewesen.
Es war eine ziemlich schwermtige Melodie. Fr Caspar war dergleichen
eine Qual; so gern er Mrsche, Walzer und lustige Liede hrte -- die
Anna Daumer, die kann spielen, sagte er immer--, so unbehaglich war ihm
beisolchen Tnen. Als Herr von Tucher den Sch$
g zu bertreiben, so da von der wahren Art des betreffenden
Menschen kaum noch etwas brigbleibe. Dem wurde heftig widersprochen;
das hnge ja vor allem von dem Gen*e des Knstlers ab, wurde erwidert,
und Lord Stanhope, der die uerungen de Hofrats bei diesem Anla als
einen Mangel an Delikatesse empfinden mute, ereiferte sich sehr gegen
seine sonstige Gepflogenheit und behauptete, er seinerseits getraue sich
aus jedem Bildnis, wen es auch darstelle und von wessen Hand auch immer
es gefertigt sei, die seelische Beschaffenheit der abgebildeten Person
Bei diesen Worten lchelte die Hausfrau bedeutungsvoll. Sie verschwand
in einem Nebenraum und kehrte alsbald mit einem goldgerahmten ovalen
lbild zurck, das sie, noch immer lchelnd, in kurzer Entfernung von
dem Grafen aufrecht auf den Tischrand stellte. Die Gste drngten sich
herzu, und fast von allen Lippen erscholl ein Ausruf der Bewunderung.
Es war ein uerst lebendig und natrlich gemaltes Bild, welches eine
junge Frau von verblffender Schnheit darst$
 da ihn jemand
erblickt, floh er die Stiege hinauf, sank auf dem obersten Treppenabsatz
atemlos hin und blieb sitzen.
Wieder ging die Haustr, Quandt erschien mit der Wehfrau, doch schon
strzte ihm die Nachbarin jubelnd entgegen: Ein Tchterlein, Herr
Ei, sieh da! rief Quandt mit einer Stimme, so stolz, als htte er
dabei etwas Nennenswertes geleistet.
Piepsendes Geplrr besttigte die Anwesenheit der neuen Weltbrgerin.
Nach einer Weile kam trllernd die Magd, und Caspar sah, da sie eine
chssel voll Blut trug.
Es mochte in allem nicht mehr denn eine Stunde verflossen sein, als
Caspar sich endlich erhob und in seine Kammer taumelte. Wie betrunken
entkleidete er sich, whlte sich in die Betten und vergrub das Gesicht.
Er konnte nichts dawider tun: aus der Nacht erhob sich gleich einer
purpurnen Scheibe die Schssel voll Blut.
Er konnte nichts andres sehen als dies: aus einemHblutigen Schlund
krochen junge Wesen und wurden Menschen genannt. Nackend und winzig,
einsam und hilflos und unter dem Jammer der$
nete Caspar mit treuherziger
Offenheit. Er hat heilig versprochen, in einem Jahr wieder da zu sein.
Am achten Dezember hat er's versprochen, sind also noch zehn Monate und
sechzehn Tage bis dahin.
Hickel sah Quandt an, Ouandt sah seine Frau an, und alle drei brachen in
Gelchter aus. Im Rechnen scheint er sich ja gebt zu haben, meinte
Hickel trocken. Dann legte er Caspar die Hand auf den Kopf und fragte:
Wer hat Ihm denn die herrlichen Locken abgeschnitten?
Quandt erwiderte, Caspar habe es selbst gewnsch, nachdem er ihm
vorgestellt, da es fr einen erwachsenen Menschen nicht schicklich sei,
mit so einem Haarwald herumzulaufen. Sie knnen jetzt schlafen gehen,
Hauser, sagte er hierauf.
Caspar reichte jedem die Hand und ging. Als er drauen war, ffnete
Quandt leise die Tr und lauschte. Sehen Sie, Herr Polizeileutnant,
flsterte er Hickel bekmmert zu, wenn er wei oder annimmt, da man
ihn hrt, steigt er ganz langsam und bedchtig die Stiege hinan, enn er
sich aber unbeachtet glaubt, da kann er$
fahren zu mssen glauben. Warum kommen Sie
nicht, wie sich's gehrt, zu mir und sprechen sich aus? Denken Sie denn,
da ich Sie dUes Vergngens beraubt htte, eine hbsche Fabel zu lesen,
die ein ehemals groer und berhmter, doch nun kranker und geistesmder
Mann verfat hat? Wei ich denn nicht auch, wie Ihnen in Ihrem Innern
zumute sein mu, wenn man ein solches Mrchen in Ihre Vergangenheit
hineinspinnt? Eine Vergangenheit, die Ihnen wahrlich besser bekannt ist
als dem armen Staatsrat? Aber warum denn um Gottes willen die ewige
Versteckenspie
lerei? Hab' ich das um Sie verdient? Bin ich nicht wie ein
Vater zu Ihnen gewesen? Sie leben in meinem Haus, Sie essen an meinem
Tisch, Sie genieen mein Vertrauen, Sie nehmen teil an unserm Wohl und
Wehe, kann Sie denn nichts in der Welt bewegen, Sie heimlicher Mensch,
einmal offen und rckhaltlos zu sein?
O wundersam! Dem Lehrer standen die Augen voller Trnen. Er zog die
Schrift des Prsidenten aus der Tasche, ging zum Tisch und legte das
Bchlein mit Affekt vor $
spar antwortete matt, er habe niemand bemerkt, nur vor dem Tor seien
Leute gewesen. Arme Leute passen mir immer dort auf, sagte er, zum
Beispiel eine gewisse Feigelein, der hab' ich manchmal einen Kreuzer
gegeben, auch die Tuchmacherswitwe Weigel.
Der Aktuar wollte weiterfragen, doch Caspar lispelte: Mde -- recht
Wie ist Ihnen, Hauser? erkundigte sich die Wrterin.
Mde, wiederholte er; werd' jetzt bald weggehen von dieser
Lasterwelt.
Eine Weile schrie und redete er fr sich hin, hernach wurde er wieder
ganz stille.
Er sah ein Licht, das langsam erlosch. Er vernah Tne, die aus dem
Innern seines Ohrs zu dringen schienen; es klang, wie wenn man mit einem
Hammer auf eine Metallglocke haut. Er erblickt eine weite, insame,
dmmernde Ebene. Eine menschliche Gestalt rennt schnell darber hin. O
Gott, es ist Schildknecht. Was lufst du so, Schildknecht? ruft er ihm
zu. Hab' Eile, groe Eile, antwortet jener. Auf einmal schrumpft
Schildknecht zusammen, bis er eine Spinne ist, die an einem glhenden
Fade$
weinte, denn sie
blutete und eO war zu vermuthen, da sie noch lange die Narben der
Katzenkrallen und Zhne tragen wrde.
Mlle. Gogo kam herbei und wusch ihr die Wunden mit frischem Wasser;
dabei zankte sie aber die Kinder aus wegen des Spiels und meinte, die
Taufe sei eine heilige Handlung; sie sei eingesetzt, um die Menschen
unter die Christen aufzunehmen und man msse nicht Scherz treiben mit
Kirche und Religion. Lisi bat sehr um Verzeihung, da sie das Spiel
vorgeschlagen und versicherte, da sie es nicht berlegt habe.
Hierauf htten die Kinder noch viel ber den Vorfall zu plaudern, als
die Dienerschaft gemeldet ward, um sie abzuholen; man nahm Abschied und
Prinzechen konnte den Moment der Trennung gar nicht erwarten, um das
liebe kleine Ktzchen ans Herz zu drcken, welches sich in seiner Angst
sehr gut verborgen hatte. Es wollte gewi den Augenblick abwarten, wo
alles still war, um sein Abendbrot zu verlangen. --Aber es kam nicht.
Prinzechen rief mit der sesten Stimme; sie kroch unter Betten und
$
chlich diejenigen, denen die Eltern die
Einwilligung zur Heirat verweigern. Kommen sie dann zurck, so mssen
die Elern wohl oder bel die Verbindung zulassen, so verlangt es die
Sitte. Auerdem ist es strenge Sitte, da das zurckkommende Paar
sogleich zu den Eltern, -- d.h. in erster Linie vor den Vater, wenn
Vater nicht anwesend z.B. tot oder wegen irgend etwas _lange_ Zeit
(Gefngnis vielleicht) abwesend, zur Mutter; falls diese auch nicht da,
dann zu den Geschwistern, wenn vorhanden, wenn solche auch nicht, dann
kommen erst die nchsten Verwandten -- treten mu, und zwar der Mann vor
die des Mdchens und umgekehrt, mit den Worten: (Name des Vaters) #du
honte da verzeiheres# (#verzeiheres# ist eines der vielen
Zigeuner-Faulwrter! Richtig zigeunerisch mu es heien: ...#du honte
da -- prosserrehes -- mange wel# usw.) #mange wel da lejam tiri Tschai!#)
(Verzeihe mir, weil ich Deine Tochter genommen habe!) Dann erhalten
sie zum Schlu einen Backenstreich, je nach Lage der Sache stark oder
leicht un$
 Die
Natur lt die schwachen Wesen eingehen, aber die Zivilisation
verurteilt sie zum Leben und berliefert sie andauerndem Unglck. Die
Ehe, eine Einrichtung, auf der heute die Gesellschaft beruht, brdet die
Lasten, die sie mit sich bringt, ganz allein uns auf. Fr den Mann die
Freiheit, fr die Frau Pflichten. Wir mssen euch unser ganzes Leben
weihen, ihr uns nur vereinzelte Augenblicke. Und dann trifft der Mann
nur eine Wahl, wo wir uns blind unterwerfen. O, Herr Pfarrer, Ihnen kann
ich alles sagen. Nun denn, die Ehe, wenigstens wie sie sich heute
gestaltet hat, scheint mir nur eine gsetzlich erlaubte Prostitution zu
sein. Und daraus sind meine Leiden entstanden. Aber ich allein unter den
unglcklichen, so schrecklich verkuppelten Geschpfen, mu schweigen!
Ich bin ja allein die Urheberin meines Elends, ich habe meine Ehe
Sie hielt inne, vergo bittere Trnen und schwieg.
In diesen Untiefen des Jammers, in diesem Ozean des Schmerzes, fuhr
sie fort, habe ich eine Sandbank gefunden, auf die ich den Fu$
Ich liebe, sagte de Vandenesse diesmal, als er die Marquise verlie,
und nun finde ich zu meinem Unglck eine Frau, die an Erinnerungen
hngt. Es hlt schwer, gegen einen Toten anzukmpfen, der nicht mehr da
ist, der keine Dummheiten machen kann, der nie Mifallen erregt und an
dem man nur die guten Eigenschaften sieht. Soll man versuchen, den in
der Erinnerung fortlebenden Zauber und die Hoffnungen zu vernichten, die
einen verlorenen Geliebten berdauert haben, gerade weil er nur Wnsche
erweckt hat? Ebensogut knnte +an versuchen, die Vollkommenheit selbst
von ihrem Throne zu stoen. Denn sind nicht die Wnsche allein das
Schnste, das Verfhrerischste an der ganzen Liebe?
Diese traurige Betrachtung entsprang der Mutlosigkeit, der Furcht, keine
Erfolge zu haben -- ein Gefhl, mit dem alle wahren Leidenschaften
beginnen. Sie war die letzte Berechnung seiner Diplomatie, die hiermit
auf diesem Gebiete ihren Geist aufgab. Von nun ab hatte er keine
Hintergedanken mehr, er wurde zum Spielball seiner Liebe un$
d und der Liebe. Aber im Alter hat alles bei der
rau seine Rolle gespielt, die Leidenschaften haben sich auf ihrem
Gesicht eingeprgt, sie ist Liebende, Gattin, Mutter gewesen; die
heftigsten Ausdrcke der Freude und des Schmerzes haben ihre Zge
entstellt und tausend Furchen gegraben, die alle eine Sprache reden.
Dann wird ein Frauenkopf entweder erhaben in seiner Schreckhaftigkeit,
schn in seiner Schwermut oder groartig in seiner Ruhe. Wenn es erlaubt
ist, dieses sonderbare Gleichnis weiterzuspinnen, so knnte man sagen,
der ausgetrocknete See liee dann die Spuren aller Bche erkennen, die
ihn gebildet hatten. Ein Frauenko}f gehrt dann weder der Gesellschaft,
die in ihrer Frivolitt zurckschreckt vor dem Abbilde der vernichtenden
Wirkung, die die geliebten und gewhnlichen Begriffe von Eleganz und
Lebensfreude dort ausgebt haben, noch gehrt er den Alltagsknstlern
an, die darin nichts entdecken -- er gehrt den wahren Poeten, denn sie
allein wrdigen und erkennen das Schne unabhngig von dem Herkom$
en Blick der Menschen, und wenn ihn jemand
anredete, erschrak er. Bisweilen rieb er mit den Fingern seine Lippen
ab, als suche er das Gedchtnis an jenen fischhaften Druck
fortzuwischen. Wenn er aus dem Schlaf erwachte, blickte er unrhig in
die Finsternis, der Wind rttelte am Fenstr, und es war ihm, als laure
drauen, den Raum zwischen Himmel und Erde fllend, ein ungeheures
Raubtier. Vielleicht htte er das ganze Erlebnis wieder vergessen, wenn
nicht andre Dinge sich ereignet htten, die seinem Nachdenken und seiner
dumpfen Verstrtheit neue Nahrung gaben. Die Magd bei Ratgebers hatte
einen Liebhaber aus der Fabrik, und es kam heraus, da dieser sich
allnchtlich in ihre Kammer schlich. Eines Nachts wachte Engelhart von
wildem Schreien und Schimpfen auf. Er erhob sich und lugte durch die
Trspalte. Die Magd und ihr Liebhaber standen beide im Hemd vor Herrn
Ratgeber, das Weib heulte, der Liebhaber und Herr Ratgeber brllten.
Oben und unten ffneten sich Tren, verschlafene Leute erschienen, und
endlich mute$
en Pfad abkehrst, so werden
dich dennoch die Geister ewig verfolgen, dDenen du nur ein einziges Mal
freiwillig das Ohr geliehen hast.
Er war der Stadt und ihrer Menschen mde, er sehnte sich nach Freiheit
und nach der Welt; ganze Nachmittage lang lag er am Bahndamm und blickte
die Gleise hinauf und hinab, an die unbekannte Ferne denkend. Aber die
Zeit erfllte sich. Als der Sommer kam, der letzte Sommer der
Knechtschaft, wie er meinte, teilte ihm der Vater mit, da Michael Herz
in Wien sich entschlossen habe, den Neffen zu sich ins Geschft zu
nehmen. Es habe genug Schwierigkeiten gekostet, meinte Herr Ratgeber,
den Mann so weit zu bringen, er selbst habe sich fr den guten Willen
und das ehrliche Streben Engelharts gleichsam verbrgen mssen;
Engelhart beruhigte seinen Vater, er versprach alles, wa man wollte, er
dachte gar nicht an die Dinge, zu denen er sich verpflichtete, und da
er dem Vater wie dem Onkel gegenber eine ernsthafte Verantwortung auf
sich nahm, es drngte ihn hinaus, etwas andres berlegte$
 sich nichts abgehen und war die lustigste von allen.
Zuerst begegneten sie Engelhart mit der Achtung, die sie dem Neffen
eines reichen Mannes schuldig zu sein glaubten, bald jedoch stimmte sie
sein insichgekehrtes Wesen und sein Nichtmithalten feindselig. Es kam
auch vor, da er aus sich herausging und zu plaudern
begann; es durfte
nur ein sympathischer Hauch an ihn heranwehen, dann strahlten seine
Augen auf, er fand Worte, die ihnen fremdartig klangen, sie wurden von
Mitrauen gegen diese Worte erfat, waren berhaupt beunruhigt,
strubten sich gegen den ganzen Menschen und waren erleichtert, wenn er
endlich gute Nacht sagte. War er dann gegangen, so brach der Streit aus.
Die jngeren schimpften auf den Gast, Franz Kapeller, der bei Michael
Herz angestellt war und Engehart schon von frher kannte, nahm sich
seiner an, suchte die Natur des Knaben nach irgendeiner gelufigen
Schablone zu erlutern, auch die Mutter war nicht abgeneigt, den Fremden
in Schutz zu nehmen, betrachtete ihn aber doch nur wie einen
S$
 Wange; er sprte einen leichten Schrecken, als befinde er
sich nun in Schuld. Gleich hernach hrten sie Schritte; Herr Gallus kam
und fragte grob, warum noch kein Licht brenne. Er schritt ein paarmal
schweigend auf und ab, reichte Ernestine ein kleines, verschnr*es Paket
und ging wieder.
Jetzt hatte Engelhart doch einen Menschen zur Seite. Zum erstenmal im
Leben durfte er sich aussprechen, mit seinen eignen Worten sprechen,
ohne Rckhalt und Bedenken sagen, wie ihm zumute war. Noch nie hatte
Ernestine dergleichen gehrt; sie war erstaunt. Welcher Trotz, welche
Glut! Im Nu entstanden Hoffnungen, im Nu waren sie schon verwirklicht,
ein Funkenschwall von groen Worten prasselte, berauscht vom offenbar
Unmglichen, begann er zu tanzen, aber die einfache Frage: was willst
du? wohinaus, Jngling? die auf Ernestinens Lippen brannte, vermochte er
nicht zu beantworten. Ein neugieriger Blick des Mdchens verletzte ihn,
und er fiel in dumpfes Schweigen. Niemand war wie er verurteilt, durch
Worte, durch Blicke, durch $
onne, den Tag, die Stunde
wieder zu besitzen, den frhen Morgen verschlafen zu drfen, der eignen
Entschlsse Herr zu sein, Zeit zu haben, viel Zeit ... Am ersten Tag
suchte er den Park des Veitshchheimer Schlosses auf und schlenderte in
musikalischer Entzckung durch die beschnittenen Alleen und knstlichen
Laubengnge. Vor einer der verwitterten Statuen, die um das groe
Wasserbassin aufgestellt waren, blieb er lange stehen, und es schien,
als ob die Fiur zu ihm spreche, ja er hrte deutlich ihre Worte:
    Des Sommers verdorrte Bltter rollen
    Um meinen Fu.
    Unaufhrliches Spiel der Jahre!
    La ber meine khlen Glieder, Zeit,
    Den weitgesumten Mantel streifen,
    Und achte nicht, was mir die Brust fllt,
    Den bittern Gleichmut.
    Du, Wanderer, eile dem Bilde vorbei,
    Das ber stolzen Geschlechtern trauert,
    Unlebendig,
    Zerrbild alles Gewesenen.
    Wenn der Abend kommt und die Finsternis aufschwillt,
    Wird die Vergangenneit Traum
    Und die Gegenwart fhlbarer Tod.
Da$
umtes
Stck Hintertheil, whrend die Scheere, darin es eingespannt gewesen,
wie ein Wahrzeichen aus dem Strom aufragte. Den Mantelsack hatten die
Wellen an den Damm gesplt und nur von Szulski selbst lie sich nichts
Er ist nach Kienitz hin weggeschwemmt, sagte Schulze Woytasch. Aber
weit weg kann er nicht sein; die Brandung geht ja schrg gegen den
Und dabei marschirte man truppweise weiter, von Gestrpp zu Gestrpp,
und durchsuchte jede Stelle.
Der Pelz mu doch ob/en auf schwimmen.
Ja, der Pelz, lachte Kunicke. Wenn's blos der Pelz wr'. Aber der
Pohlsche steckt ja drin.
Es war der Kunicke'sche Trupp, der so plauderte, ganz wie bei
Dachsgraben und Hhnerjagd, hrend der den andern Trupp fhrende
Hradscheck mit einem Male rief: Ah, da ist ja seine Mtze!
Wirklich, Szulski's Pelzmtze hing an dem kurzen Gest einer Kropfweide.
Nun, haben wir _die_, fuhr Hradscheck fort, so werden wir ihn auch
selber bald haben.
Wenn wir nur ein Boot htten. Aber es kann hier nicht tief sein, und
wir mssen im$
rstnde: Schner Tag heute, Herr Hradscheck; frische
Luft; alles leicht nehmen!
Er beendete sein Frhstck und ging in den Garten. Zwischen den
Buchsbaum-Rabatten stand viel Rittersporn, halb noch in Blthe, halb
schn in Samenkapseln, und er brach eine der Kapseln ab und streute die
schwarzen Krnchen in seine Handflche. Dabei fiel ihm, wie von
ungefhr, ein, was ihm Mutter Jeschke vor Jahr und Tag einmal ber
Farrnkrautsamen und Sich-unsichtbar-machen gesagt hatte.
Farrnkrautsamen in die Schuh gestreut... Aber er mocht' es nicht
ausdenken und sagte, whrend er sich auf eine neuerdings um den Birnbaum
herum angebrachte Bank setzte: Farrnkrautsamen! Nun fehlt blos noch das
Licht vom ungebornen Lamm. Amlles Altweiberschwatz. Und wahrhaftig, ich
werde noch selber ein altes Weib ... Aber da kommt sie...
Wirklich, als er so vor sich hinredete, kam die Jeschke zwischen den
Spargelbeeten auf ihn zu.
Dag, Hradscheck. Wie geiht et? Se kmmen joa goar nich mihr.
Ja, Mutter Jeschke, wo soll die Zeit herkomme$
e_ genannt, weil man in diesen den
Gegensatz zu begrifflicher Bestimmtheit und daher die richtige
Unterscheidung von dem Ideal der bildenden und dichtenden Kunst gefunden
glaubte. Demnach seien die Tne und ihr kunstreicher Zusammenhang blo
Material, Ausdrucksmittel, wodurch der Komponist die Liebe, den Mut, die
Andacht, das Entzcken darstellt. Diese Gefhle in ihrer reichen
Mannigfaltigkeit ^eien die Idee, welche den irdischen Leib des Klanges
angetan, um als musikalisches Kunstwerk auf Erden z wandeln. Was uns an
einer reizenden Melodie, einer sinnigen Harmonie ergtzt und erhebt, sei
nicht diese selbst, sondern was sie bedeutet: das Flstern der
Zrtlichkeit, das Strmen der Kampflust.
Um auf festen Boden zu gelangen, mssen wir vorerst solche altverbundene
Metaphern schonungslos trennen: Das _Flstern_? Ja; -- aber keineswegs
der Sehnsucht; das _Strmen_? Allerdings, doch nicht der Kampflust.
In der Tat besitzt die Musik das eine oder das andere; sie kann
flstern, strmen, rauschen, -- das Lieben $
r Art seines Formens ausprge. Da schon den einzelnen musikalischen
Elementen ein charakteristischer Ausdruck eignet, so werden
vorherrschende Charakterzge des Komponisten: Sentimentalitt, Energie,
Heiterkeit usw. sich durch die konsequente Bevorzugung gewisser
Tonarten, Rhyhmen, bergnge recht wohl nach den _allgemeinen_ Momenten
ausdrcken, welche die Musik wiederzugeben fhig ist. Einmal vom
Kunstwerk aufgesogen, interessieren aber diese Charakterzge nunmehr als
musikalische Bestimmtheiten, als Charakter der Komposition, nicht des
Komponisten.[28] Was der gefhlvolle und was der geistreiche Komponist
bringt, der grazise oder der erhabene, ist zuerst und vor allem
_Musik_, objektives Gebilde. Ihre Werke werden sich voneinander durch
unverkennbare Eigentmlichkeiten unterscheiden und als Gesamtbild die
Individualitt ihrer Schpfer abspiegeln; doch wurden sie alle, die
einen wie die andern, als selbstndiges Schne rein musikalisch um
ihretwillen erschaffen.
  [28] Welche Vorsicht bei Rckschlssen vo$
dieser Selbsterkenntnis scheint zwar
das gefundene Ideal als Sinn des Lebens in die Lebensimmanenz hinein,
abr der Zwiespalt von Sein und Sollen ist nicht aufgehoben und kann
auch in der Sphre, wo dies sich abspielt, in der Lebensphre des Romans
nicht aufgehoben werden; nur ein Maximum an Annherung, ein ganz tiefes
und intensives Durchleuchtetsein des Menschen vom Sinn seines Lebens ist
erreichbar. Die formgeforderte Immanenz des Sinnes wird durch sei
Erlebnis geleistet, da dieses bloe Erblicken des Sinnes das Hchste
ist, was das Leben zu geben hat, das einzige, was des Einsetzens von
einem ganzen Leben wrdig ist, das einzige, wofr sich dieser Kampf
gelohnt hat. Dieser Proze umfat ein Menschenleben und mit seinem
normativen Inhalt, dem Weg zur Selbsterkenntnis eines Menschen, ist
zugleich seine Richtung und sein Umfang gegeben. Die innere Form des
Prozesses und ihre adquateste Gestaltungsmglichkeit, die biographische
Form zeigen am schrfsten den groen Unterschied zwischen der diskreten
Grenzenlo$
ne Welt suchen mu
und nicht finden kann, zugleich die Schadenfreude des Schpfergottes
ber das Scheitern aller schwachen Aufstnde gegen sein mchtiges
und nichtiges Machwerk und das ber allen Ausdruck hohe Leiden des
Erlser-Gottes ber sein HNoch-nicht-kommen-Knnen in diese Welt
gestaltet. Die Ironie als Selbstaufhebung der zu Ende gegangenen
Subjektivitt ist die hchste Freiheit, die in einer Welt ohne Gott
mglich ist. Darum ist sie nicht blo die einzig mgliche apriorische
Bedingung einer wahrhaften, Totalitt schaffenden Objektivitt, sondern
erhebt ach diese Totalitt, den Roman, zur reprsentativen Form des
Zeitalters, indem die Aufbaukategorien des Romans auf den Stand der
Welt konstitutiv auftreffen.
Versuch einer Typologie der Romanform.
Die Verlassenheit der Welt von Gott zeigt sich in der Unangemessenheit
von Seele und Werk, von Innerlichkeit und Abenteuer; in dem Fehlen des
transzendentalen Zugeordnetseins fr die menschlichen Bestrebungen.
Diese Unangemessenheit hat roh ausgedrckt zwei T$
ne
Rathhaus zu gehen. Ein Mdchen erbot sich dazu und nahm eine Ruthe und
eine schwarze Katze mit. Als sie in den Rathssaal kam, saen darin zwlf
gespenstige Rathsherren um den Tisch, welche zu ihr sprachen: Httest
du die Ruthe und die schwarze Katze nicht bei dir, so wollten wir dir
etwas Anderes sagen! Voll Schrecken entfloh das Mdchen und starb noch
in derselben Nacht.
Meerweiblein.
Eine Viertelstunde von Waldangelloch entspringt eine frische Duelle,
die von dem Holderbusch, der frher bei ihr stand, _Holderbrunnen_
heit. In deren Umgebung pflegte eine arme, alte Frau das Futter fr
ihre Kuh zu schen mit dem sie eines Abends erst um 9 Uhr, als es schon
lange Nacht war, nach Hause kam. Hierwegen befragt, erwiderte sie nur,
sie sey bei guten Freundinnen gewesen, welche sie erst heute habe kennen
lernen. Eine hnliche Antwort gab sie auch an den folgenden Tagen, wo
sie ebenfalls erst zur erwhnten Stunde heimkehrte. Endlich schlichen
ihr einige Leute nach, sahen sie mit zwei fremden, schnen Mdchen be$

Hochofen, entleert sich in den Ofenschacht und schliet den Ofen. So geht
die Arbeit Tag und Nacht, Jahre hindurch, bis der Ofen seine Reise beendet
    [Illustration: Abb. 13. Bessemerwerk (Fried. Krupp A.-G.,
    Essen).]
An Licht und Luft ist nicht gespart. Schn und gewaltig hat man in den
letzten Jahren auch fr den Arbeiter und Angestellten gebaut. Eine
Arbeiter- und Beamtenkolonie ist prchtiger als die andere; dazu kommen
KIsinos, Konsum-Anstalten, Ledigenheime, Speiseanstalten, Schlafhuser.
Der Mann aus dem Mittelstande kann nicht besser untergebracht sein als die
Mehrzahl der Areiter und Beamten in den Eisenwerken. So mu es aber auch
sein. Man hat schon Sorgen genug, Arbeiter zu bekommen und festzuhalten.
Man mu den Leuten Annehmlichkeiten bieten, denn die nchste Stadt ist
weit und die Zeit sie zu besuchen, fehlt. So sind denn die
Wohlfahrtseinrichtungen unbedingt notwendig, und die Millionen, die dafr
aufgewendet werden, gehren zu den notwendigen Ausgaben.
Man wirtschaftet sparsam; alle Abfa$
, der nur von den
vornehmsten Familien als Beistand gewonnen wurde. Es zeigte sich, da
auch diesen Herren das hliche Gerede berei?ts zu Ohren gekommen war,
da sie aber aus verschiedenen Grnden gegen den Brgermeister
geschwiegen hatten, der kleine Lddeke, weil es eine heikle Sache und
Tile Stint vielleicht nicht genehm wre. Druwel, weil es ihm schien,
als wre eine Sache noch nicht ganz wahr, wenn man nicht davon
sprche, Wrmling dagegen, der italienische Universitten besucht
hatte und sehr aufgeklrt war, weil es ihm nicht wichtig vorgekommen
war. Ich glaube nicht, da ein Hahn Eier legen kann, sagte er, tut
er es aber dennoch, so mag er es meinetwegen, ich habe keine
Voru3rteile. Es ist auergewhnlich; gut. Es ist unnatrlich; gut.
Schadet es mir? nein. berlassen wir es doch alten Weibern, ber
Himmel und Hlle, Tugend und Laster zu disputieren. Indessen doch,
wandte Druwel schchtern ein, da der Herr Stadthauptmann seine
Ungnade darber ausgesprochen hat, mchte die Sache noch von einem
a$
ten Fden
aufmerksam gemacht wurde, die zwischen dem Snger und der Berin hin
und her gingen. War er auch berzeugt, da bei Olimpia nichts vorlag
als die Schwrmerei einer empfnglichen Seele fr die Stimme, in der
etwas Gttliches sinnfllig zu werden schien, so zweifelte er doch
bilig, ob der gewaltttige Bauer einer hnlichen Erhabenheit der
Empfindung fhig sei, dem er vielmehr die Absicht zutraute, das Weib
in die Niederungen seiner Sinnlichkeit herabzuziehen.
Dies wurde ihm zur Gewiheit, als verlautete, der Snger habe vor
einigen Tagen um Urlaub gebeten und solchen auch erhalten, um irgendwo
am Meere oder im Gebirge seine Stimme zu schonen, uwas zu deren
Erhaltung von den rzten fr durchaus notwendig erklrt worden sei.
Auer sich eilte der Kardinal zum Papste, um ihn darber aufzuklren,
welche Gefahr seiner Meinung nach eine edle Freundin bedrohe, und wie
freventlich die Gte des huldvollen Gebieters mibraucht werde.
Der alte Herr merkte kaum, da es sich um einen Angriff auf seinen
Liebling ha$
eitegesetzt und vergessen, nur da er die erlernten Formen
getreulich beobachtete und das ganze Glaubenswesen bei den Frauen
seiner Familie und denen des achtbaren Umgangs berhaupt als
vornehmstes Erfordernis voraussetzte. Die Kurfrstin war nach seinem
Gefhl unter allen Frauen die in jedem Betracht vollendetste, un
seine Verehrung fr sie war so unbedingt, da selbst der Kurfrst vor
seinem rchenden Schwert nicht sicher gewesen wre, wenn er sie durch
ihn verletzt gewut htte.
Der Weisung gem, die er vom Kurfrsten empfangen hatte, hielt sich
der Chevalier mit seinen Leuten immer ein Stck von dem Wagen
entfernt, der seine HerKrin einschlo, doch so, da er das umfangreiche
Gefhrt nie ganz aus den Augen verlor. Zuweilen sah er, wie der
Sommerwind, der ber die Hochebene spielte, einen lichten, aus dem
Wagenfenster hngenden Schleier hob und gegen den braunen Umhang des
Kapuziners trieb, der zu Pferde neben der Kutsche einherritt, oder ein
helles Lachen der Frstin berzeugte ihn, da sie einstweilen $
en
Inhalt der fols. 22-58 der Hs. No. 112, in demselben Stile
geschrieben wie die Huth-Hs., derselben hinzufgte, wrde sie um 70
Bltter verlngert werden.
Das Fragment des zweiten Buches der Trilogie, d. h. fols. 75-230 der
Huth-Hs. _plus_ fols. 22-58 der Hs. No. 112 wrde demnach in der
erstgenannten Hs. 225, in der letztgenannten 113 Bltter gefllt
haben. Die Frage ist nun: Wie viele Bltter wrde das vollstndige
zweite Buch in beiden Hss. enthalten haben? So lange nicht irgendwo
eine Hs. auftaucht, welche die vollstndige Trilogie, oder wenigstens
das vollstndige zweite Buch derselben bietet, lassen sich diese
Zahlen nur annhernd mit Hilfe der spanischen und porTtugiesischen
bersetzungen bestimmen. Wie ich auf S. X angegeben habe, befinden
sich in dem _derrenier livre de Lancelot der Hs. No. 112 verschiedene
Bruchstcke des franzsischen Originals. Vergleicht man diese mit den
denselben in der Wiener Hs. entsprechenden Abschnitten -- man hat dabei
zu bercksichtigen, da die Bltter dieser abwechse$
[12] delle, ie vous command que vous issies de
ma court et que vous la vuydes, car certes ie ne pourroie pas cuider
que vous feussies[1] preudoms ne loyaulx, pour la desloyaulx[14] dont
vous estes yssus. A vostre pere voirement qui[15] icy est ne[16] vee
ie mie mon hostel, [H 220 d] car il a este preudom et loyaulx iusques
icy, si ne commencera pas iamais desloyaute, se dieu plaist, car trop
le commenceroit tart."
Quant Yuains entent ceste parole, il est si honteux quil ne scet[17]
que respondre. Si se part erranment de court tant doulant quil
vouldroit bien estre mort; et a son vis enuelouppe de son mantel pour
ce que len ne voye les lermes qui luy cheent des yeulx tout contreual
la face. Et Gauuain, qui moult lamoit de grant amour et qui moult est
doulant de ceste chose le conuoie iusqua son hostel. Et quant ilz
sont venus[18] en la chambre Yuain, Gauuain le commence trop bel a
reconforter et lui dit: "Ha! beau cousin, ne vous chaille de ceste
parole ne de riens que le roy vous ait dit, car certes il sen
re$
 pour durer encontre
Einsi commenca Agrauains a penser traison et desloyaute vers son frere
qui estoit bonne chose et simple, ne nul mal ne {99} pensoit vers luy,
[47 b] ne ne pensast en nulle maniere. A lendemain, si tost que
Gaheriet ot oy messe,il iura maintennant sur sains, oyant tous ceulx
qui auec luy estoient, que iamais proesce quil feist ne racompteroit
en lieu ou il fust, se force ne luy faisoit faire, ne [que] damoiselle
ne le querroit par besoing ia de si lontaigne terre ne seroit, a cui
il naidast de tout son pouoir, pour quil sceust sa querele bonne et
loyal. Et ceulx, qui deuant lui estoient, distrent que trop grant
chose auoit emprise si ieunes homs comme il estoit, or len donnast
dieux a bon chief venir. Lors yssi Gaheriet du moustier et monta entre
luy et vng sien escuier; et auec eulx monterent mainz autres qui le
conuoyerent[461] iusqua la forest de Camaloth. Et il les en fist
maintenant retorner et moult les commande a dieu, et |e mist erranment
en la forest entre luy et son escuier sanz $
sponnent
[251] Hs. si
[252] _H_ ne
[253] _H_ ie vous puis
[254] _H_ ne se
[255] In _H_ nichts: vous... que ie puisse entsprechendes
[256] _H_ empresist les fais a soustenir
[257] _H_ a hauteche
[258] _H_ de la
[259] _H_ del monde
[260] _H_ dounour & de cheualerie
[261] _H_ sous-haucier? eshalcier, essaucier
[262] Hier folgt in _H_: Et elle dist que elle ne remanroit en nule
    maniere. A lendemain (_U_ al matin) sen parti od toute sa maisnie.
    Et li rois remest a carlion. Si laisse ore atant li contes, a
    parler & de l[a] dame & del roi. Et de toute la vie Merlin. Et
    deuisera dune autre maniere quj parlera (_U_ parole) dou graal por
    chou que cest li commenchemens de cest liure. Hier edet _H_ --
    Der Vergleich der Hs. mit _H_ beweist zweierlei: 1. Beide Hss.
    knnen sehr wohl von einer lteren gemeinsamen Hs. direkt oder
    indirekt abstammen, weil di Varianten zwischen beiden fast
    ausschlielslich solche sind, die sich durch das verschiedene Alter
    der Hss. und der Sprache erklre$
 Stoff zum Irrtum geben.
Von diesen Vorstellungen nun sind die einen, dem Anscheine nach, mir
=angeboren=, andere sind mir von =auen gekommen=, andere aber habe ich
mir selbst gebildet. Wenn ich erkenne, was Ding, Wahrheit, Denken
is, so kann ich dies wohl lediglich aus meinem eigenen Wesen schpfen.
Hre ich dagegen ein Gerusch, sehe ich die Sonne, fhle das Feuer, so
meinte ich bisher, dies kme von Dingen auer mir. Vorstellungen aber
wie Sirenen, Hippogryphen u.dgl. bilde ich mir selbst. Doch ich knnte
auch annehmen, =alle= Vorstellungen kmen von auen, oder alle seien
mir angeboren, oder alle seien von mir gebildet; noch habe ih ja ihren
wahren Ursprung nicht klar erkannt!
Doch hier handelt es sich vorzglich um diejenigen, welche ich als
entlehnt von Dingen auer mir ansehe, und es fragt sich: was veranlat
mich, diese Vorstellungen fr Abbilder von Dingen zu halten?
Die Natur scheint es mich eben so gelehrt zu haben. Zudem erwarte ich
auch, da diese Vorstellungen nicht von meiner Willkr, $
hat fr einige Flaschen guten Weines gesorgt. Der
Mechaniker, der den Schtzenautomaten in Arbeit hat, ist vom
Nachbardorf zu der festlichen Veranstaltung zu Toblers herbergekommen.
Auch die beiden Parketteriefrauen sind da. Man sitzt im Gartenhaus und
hat die Weine bereits angestochen. Tobler glnzt vor Festnachtfreude,
schon jetzt, und je dunkler es am Himmel und auf der Erde wird, um so
feuriger drckt sich dieser eigentmliche GOlanz auf seinem rtlichen
Gesicht ab. Joseph zndet Kerzen und Lampen an, er mu sich unter jeden
Busch hinabducken, um Beleuchtungsstellen zu suchen. Vom Dorf her hrt
man ein murmelndes Singen und Lrmen, als msse dort, in der Entfernung
eines schwachen Kilometers, eine rauschende Freude herrschen. Neue
Schsse! Diesmal donnern sie vom andern Seeufer herber. Tobler ruft:
Ah, die da drben machen auch schon Ernst! Er ruft Joseph zu sich
heran, um ihm etwas zu trinken, und neue ergiebige Winke bezglich
der elektrischen Beleuchtung des groen Wappenschildes zu geben. Der$
 diese ganze Frauenerscheinung war.
Da sa sie nun und bemhte sich, dem Sinn und Verstand gem, und der
Schreiblehre und richtigen Methode entsprechend, an eine Frau zu
schreiben, die vielleicht kaum lesen konnte. Joseph bedauerte jetzt
unwillkrlich, indem er sie so anschaute, ihr bezglich ihres
gutbrgerlichen Hochmutes, den er im Grunde genommen reizend fand,
Vorhaltungen gemacht zu haben. Ihn rhrte etwas am Aussehen d~eses
Frauenrckens, dessen Bekleidung sich in kleine, liebliche Falten
verzog, wenn der darunter befindliche Leib sich ein bichen bewegte.
War diese Frau schn? Im landlufigen Begriff sicher nicht, im
Gegenteil. Aber auch das Gegenteil entsprach nicht den landlufigen
Begriffen. Joseph wrde noch ruhig weitere Betrachtngen angestellt
haben, wenn sich die schreibende Frau nicht umgedreht htte. Beider
Augen begegneten sich. Diejenigen des Gehlfen wichen denjenigen der
Frau aus, das schickte sich beinahe so. Joseph empfand und mute
empfinden, da es fast frech gewesen wre, den Blicke$
ing den
Berg hinauf, zwischen den bekannten Wiesen hindurch. Die groen
Wegsteine waren wei vom Mondschein. In dem Baumdickicht tuschelte und
zischelte und flsterte es. Es war alles in einen duftenden,
trumerischen Dunst getaucht. Vom nahen Wald her hrte er
Kuzchengeschrei. Einige zerstreute Huser, ein paar zaghafte Gerusche,
und pltzlich da oder dort ein Licht, ein wandelndes, das irgend ein
spter Wanderer in der Hand trug, oder ein ruhendes, ein Licht hinter
einem halbverdeckten Fenster. Welche Stille im Dunkel, undwelche Weite
im Unsichtbaren, welche Ferne! oseph berlie sich vollstndig seinen
Empfindungen.
Pltzlich dachte er wieder an den kuriosen Menschen, der er sei. Was
er denn eigentlich so Kurioses an sich hatte? Einsam in der Nacht
umherzuspazieren, das war allerdings seltsam genug, dieses Vergngen
durfte man schon als kurios bezeichnen. Aber was weiter? War das alles?
Nein, die Hauptsache war die: sein Leben, sein ganzes Leben, das bisher
gefhrte und das vorauszuahnende zuknftige,$
in Weib, das Treue bis in den Tod mir hlt.
  Wohl hast Du Treue mir gelobt,
  Doch vor dem Ewigen noch nicht, dies rettet Dich!
  Denn wiss'! Unselige, welches das Geschick,
  Das Jene trifft, die mir die Treue brechen,
  Ewige Verdammniss ist ihr Loos!
  Zahllose Opfer fielen diesem Spruch durch mich.
  Du aber sollst gerettet sein.
  Lebwohl, fahr hin, mein Heil in Ewigkeit.
  Zu Hlfe, rettet, rettet Sie!
  Wohl kenn ich Dich! Wohl kenn ich Dein Geschick;
  Ich kannte Dich, als ich zuerst Dich sah!
  Das Ende Deiner Qual ist da!
  Ich bin's, durch deren Treu Dein Heil Du finden sollst!
Helft Ihr, Sie ist verloren!
Was erblicke ich?
Was erblicke ich? Gott!
  HOLLAENDER.
  Du kennst mi9ch nicht, Du ahnst nicht, wer ich bin!
  Befrage die Meere aller Zonen.
  Befrage den Seemann, der den Ocean durchstrich;
  Erkenn' dies Schiff, der Schrecken aller Frommen.
  Den: "Fliegenden Hollnder" nennt man mich.
  DIE MANNSCHAFT DES FLIEGEND
EN HOLLAENDERS.
  MARY, ERIK, DALAND.
Senta, Senta, was willst Du thun?
  Pre$
 erfllt von dem Augenblicke
an, da Ernst in einer Apotheke untergebracht und versorgt war. Nun
konnte er machen was er wollte. Nun steht dir die Welt offen, pflegte
der alte Land mit dem letzten Pathos, dessen er fhig war, zu erklren.
Der junge Mann aber schien keine Sehnsucht zu haben nach dieser offenen
Welt. Seine Gedanken pilgerten nicht hinaus in das Neue und
Unbestimmte, wenn er sie nicht beobachtete, kehrten sie auf tausend
heimlichen Pfaden zu der einzigen, erloschenen Schnheit seiner Kindheit
zurck und knieten hin vor einer kleinen, traurigen Frau, von der er
nichts wute, als da sie weiche, slavische Lieder sang und zur Zeit, da
er begann in die Schule zu gehen, im dunklen Hinterzimmer auf dem Bette
lag und, ohne jemandem davon zu sagen, ganz langsam und lautlos,
vielleicht ein Jahr lang, starb. Damals frchtete er sich fast vor ihr,
aber als sie so frh fortgegangen war, vermite er sie berall und
gewhnte sich, alles Gute, was ihm geschah, immer wieder ihrer zarten
Liebe zuzuschreiben,$
 krankhafte Romantik das Feld
beherrschte. Der Kultus der Familienliteratur war bald wieder in
vollster Blte. Dann folgte eine Lawine von unertglich albernen und
kindischen Zeitschriften, in denen das Wort Geschlecht direkt verrufen
und das erstrebte Ideal offenkundig das gerade Gegenteil des wirklichen
Lebens war. Sonderbar, wie pltzlich das sexuelle Thema aus den Spalten
der Presse verschwand. Die Psychologie war abgetan undbdie Intriguen
waren an der Tagesordnung. Viele damals wohlbekannte und als feine
Charakterschilderer renommierte Autoren verschwanden von den
Inhaltsverzeichnissen der Zeitschriften und den Verlegerlisten,
whrend seichte Schriftsteller, die weitschweifige Detektive- und
Abenteurergeschichten erzhlen konnten, in die Halme schossen.
Es fehlt nicht an Symptomen, da das Pendel des ffentlichen Interesses
nun wieder zurckgeschwungen hat, eine Strmung des Realismus in der
Dichtung kommt auf und die Forderung der Neugestaltung der Ehebande
drfte demnchst erhoben werden. Jedoch das $
glich wre, jetzt noch nicht; aber
ich glaube wirklich, da es das ganze sexuelle Problem lsen knnte.
Keiner von euch scheint die Frauen in Betracht zu ziehen, piepste der
'Blaustrumpf'. Glauben Sie denn, da wir modernn Frauen mit unseren
Hilfsquellen und unserer Bildung so einen Gedanken nur einen Augenblick
ins Auge fassen wrden?
Gut, was denken Sie darber? fragte der 'verlebte Rou' mit
diplomatische Ehrerbietung.
Zu unserer berraschung begann der 'Blaustrumpf' zu errten, und ihr
Errten ist nicht das sittsame, unverantwortliche Rotwerden eines
gewhnlichen Mdchens, sondern ein qulendes Zustrmen des Blutes ins
Gesicht unter dem Druck tiefernsten Verhaltens, jene Art von Errten,
bei der man wegschauen mu.
Nun, sagte sie mit einem Schlucken, -- ich denke, vielleicht --
vielleicht wrden sie es tun.
Es war klar, da es sie etwas gekostet hatte, dies zuzugeben. Wir waren
wie vom Donner gerhrt. Der 'Familienegoist' verga seine brennende
Redelust und hrte auf, das Weinglas zu bedrohen,$
 feinen Damen
spazieren ging, und der Strenge, bei dem man was lernte und vor dem
man Respekt hatte. Alles war noch wie frher. Nur gehauen wurde in des
Professors Jugend mehr. Es war ein alltgliches Vorkommnis, da man
sich feste Lehrbcher einknpfte in die Buxen, bergelegt wurde und
mit dem Rohrstock bearbeitet. Heute gab es eine groe Geschichte und
kam in die Zeitungen, wenn ein Lehrer sich so weit verga. Aber
Poussaden gab es immer noch und die Jungens hatten ihre Flammen und
manche trieben's widerlich. Richard hatte noch keine Flamme. Er machte
sich nicht viel aus den Mdels.
Es wird noch kommen, trstete der Professor. Aber es wird nie die
Hauptsache fr dich sein. Unsereinem sind solche Geschichten immer
nur Stufen zur Erkenntnis des Menschlichen. Durchgnge ... Das
Wirkliche bleibt fr uns immer nur die Kunst.
ber das qort mute Richard viel nachdenken. Unsereinem -- hatte der
Professor gesagt. Das Lschmeichelte dem Jungen stolz ums Herz.
Aber dann stie er sich ... Durchgnge--? War auf di$
finsterten sich. Pfui Teufel, dachte er, als er des
Knaben blasses Gesicht und seine Erschtterung bemerkte, was
vollfhre ich fr ein Theater, um dem Bengel Eindruck zu machen...
Komm weiter, brummte er ungeduldig und ging, nun der Weg wieder eben
geworden, mit langen SchCitten voraus, dem Freien zustrebend. Am
Waldrand warf sich ihnen der Sturm brausend entgegen. ber den Himmel
jagten mit rasender Eile dunkle Wolken von riesigen Formen oder
gestreckt, zerfetzt, auseinandergerissen von der Gewalt der Winde, die
sie trieben. Dazwischen glnzte hartes helles Blau -- die Landschaft
leuchtete in einem jhen Licht weit hinaus, in starken kindlichen
Farben: die blankgrne Wintersaat, die fetten schwarzen
frischgebrochenen ker, auf denen hin und wieder ein Alter seinen
Pflug mit hageren Gulen, die gleich ihm daheim geblieben, ber die
Breite fhrte. Und die sprieenden Moorwiesen, auf denen schon die
schwarz-weien Khe zu weiden begannen, an der Waldecke das niedre
Haus mit dem hohen grauen Rohrdach, wie ein$
ache und natrliche Dinge, da die Goldacher,
welche keinem migen Argwohn nachzuhngen pflegten, ein Ereignis darauf
aufbauten, wie auf einen Felsen.
Als Strapinski das Warenlager sah, das sich vor ihm ausbreitete, war
seine erste Bewegung, da er in seine Tasche griff, um zu erfahren, ob
er trume oder wache. Wenn sein Fingerhut dort noch in seiner Einsamkeit
weilte, so trumte er. Aber nein, der Fingerhut wohnte traulich zwischen
dem gewonnenen Spielgelde und scheuerte sich freundschaftlich an den
Talern; so ergab sich auch sein Gebieter wiederum in das Ding und stieg
von seinen Zimmern herunter auf die Strae, um sich die Stadt zu
besehen, in welcher es ihm so wohl erging. Unter der Kchentre stand
die Kchin, welche ihm einen tiefen Knix machte und ihm mit neuem
Wohlgefallen nachsah; auf dem Flur und an der Haustre standen andere
Hausgeister, alle mit der Mtze in der Hand und Strapinski schritt mit
gutem Anstand und doch bescheiden heraus, seinen Mantel sittsam
zusammennehmend Das Schicksal machte i$
 ihre veilchenfarbigen oder wei und blau gewrfelten Sammetwesten;
ihre Ballfrcke mit goldenen Knpfen, ihre rot ausgeschlagenen Mntel,
und alles waren sie ihm schuldig, aber nie zu lange Zeit. Denn um neue,
noch schnere Sachen zu erhalten, welche er kommen oder anfertigen lie,
muten sie ihm das frhere bezahlen, so da sie unter einander klagten,
er presse ihnen das Blut unter den Ngeln hervor.
Dabei wurde er rund und stattlich und sah beinahe gar nicht mehr
trumerisch aus; er wurde von Jahr zu Jahr geschftserfahrener und
gewandter und wute in Verbindung mit seinem bald vershnten
Schwegervater, dem Amtsrat, so gute Spekulationen zu machen, da sich
sein Vermgen verdoppelte und er nach zehn oder zwlf Jahren mit ebenso
vielen Kindern, die inzwischen Nettchen, die Strapinska, geboren hatte,
und mit letzterer nach Goldach bersiedelte und daselbst ein angesehener
Aber in Seldwyla lie er nicht einen Stber zurck, sei es aus Undank
oder aus Rache.
Der Schmied seines Glckes
John Kabys, ein artiger $
 nannte, stie er auf einigen
Widerstand von ihrer Seite. Ihre literarische Kunde beschrnkte sich
auf Bibel, Gesangbuch und auf die Gedichte und Schauspiele Schillers,
die sie jahrelang mit steigender Begeisterung gelesen hatte, wenn sie,
in fremdem Dienste, unartige oder kranke Kinder auf ihren Armen
beruhigte oder einschlferte. Nun konnte sie mit ihrem Enthusiasmus, der
ins Groe und Ganze ging, die scheinbar kleinlichen Bemhungen ihres
Vetters nicht vereinigen, die darauf hinausliefen, jedes einzelne Wort
Schillers, das je geschrieben oder gedruckt worden, aufs Korn zu nehmen
und auf seine Richtigkeit zu prfen. Schreibfehler, Druckfehler -- welche
Kleinigkeit einem Genie ggenber, das uns ja gerade ber alle Grenzen
des Verstandes hinausreit! Schon einmal sei man bestrebt gewesen, ihr
den Schiller zu verleiden. Sie habe sich aus seinen Dichtungen ein
persnliches Bild von ihm gemacht, so schn, so glnzend, wie das keines
andern Mannes. Nun habe ihr eines Tages der Barbier von Munter%kingen,
als er ei$
Prsidentin des Vereins, Frau Marie Schnecker,
geborene Bsendorfer, haben sich an die Spitze des schnen Unternehmens
gestellt und bisher die schnsten Erfolge gewonnen. Nun handelt es sich
darum, in einer Vorstadt von Wien ein Kinderheim zu schaffen, den
leide{nden Kleinen ein Haus mit einem groen Garten aufzuschlieen. Wird
Wien sich spotten lassen, wenn man an es herantritt mit der Bitte um
milde Beitrge? Wer mchte nicht bitten fr leidende Kinder, und wer
mchte es ber sich bringen, ihnen eine Gabe zu versagen? Es gilt ja,
fr die Gesundheit und Tchtigkeit der nchsten Generation zu sorgen.
Wer glckliche Mutter ist, und wer des Glckes entbehrt, Mutter zu sein
-- beider Gedanken sind ja doch nur bei den Kindern. Es ist der Wunsch
trefflicher Mtter, da es fremden Kindern so gut ergehen mge, wie
ihren eigenen, und nicht minder der Wunsch kinderloser Frauen, da es
fremde Kinder so gut haben mchten, als ob es ihre eigenen wren. In der
Mildttigkeit drckt sich dieser schne Gedankepraktisch aus.$
reiten
wollte, ein primrer sein[28].
  [27] Vgl. Sexualtheorie, 4.Aufl., 1920, und Triebe und
  Triebschicksale in Sammlung kleiner Schriften, IV.Folge.
  [28] In einer inhalts- und gedankenreichen, fr mich leider nicht ganz
  durchsichtigen Arbeit hat Sabina _Spielrein_ ein ganzes Stck dieser
  Spekulation vorweggenommen. Sie bezeichnet die sadistis[che Komponente
  des Sexualtriebes als die destruktive. (Die Destruktion als Ursache
  des Werdens. Jahrbuch fr Psychoanalyse, IV, 1912.) In noch anderer
  Weise suchte A. _Strcke_ (Inleiding by de vertaling, von S. Freud, De
  sexuele beschavingsmoral etc., 1914) den Libidobegriff selbst mit dem
  theoretisch zu supponierenden biologischen Begriff eines _Antriebes
  zum Tode_ zu identifizieren. (Vgl. auch _Rank_, Der Knstler.) Alle
  diese Bemhungen zeigen, wie die im Texte, von dem Drang nach einer
  noch nicht erreichten Klrung in der Trieblehre.
Aber kehren wir zu den lebenserhaltenden Sexualtrieben zurck. Schon aus
der Protistenforschung habe$
 von den hier
entwickelten Annahmen berzeugt bin. Meine Antwort wrde lauten, da ich
weder selbst berzeugt bin, noch bei anderen um Glauben fr sie werbe.
Richtiger: ich w_ei nicht, wie weit ich an sie glaube. Es scheint mir,
da das affektive Moment der berzeugung hier gar nicht in Betracht zu
kommen braucht. Man kann sich doch einem Gedankengang hingeben, ihn
verfolgen, soweit er fhrt, nur aus wissenschaftlicher Neugierde, oder
wenn man will, als advocatus diaboli, der sich darum doch nich6 dem
Teufel selbst verschreibt. Ich verkenne nicht, da der dritte Schritt in
der Trieblehre, den ich hier unternehme, nicht dieselbe Sicherheit
beanspruchen kann wie die beiden frheren, die Erweiterung des
Begriffes der Sexualitt und die Aufstellung des Narzimus. Diese
Neuerungen waren direkte bersetzungen der Beobachtung in Theorie, mit
nicht greren Fehlerquellen behaftet, als in all solchen Fllen
unvermeidlich ist. Die Behauptung des _regressiven_ Charakters der
Triebe ruht allerdings auch auf beobachtetem$
, zu den brigen Sa"chen
legend, sagte er mit freundlicherem Ausdruck in den Zgen:
Nichts fr ungut, Schwgerin, die verdammten Risse, die mir der Br
heute versetzt, brennen mich, morgen ist das vorber -- herzlichen Dank
fr alles das was Sie uns so weit herber gebracht; es war ja so gut
gemeint, und wird Sidonie viele Freude machen; sie hngt doch wohl noch
ein wenig an den alten Geschichten. Bereite der Schwester dann ihr Lager
auf meinem Bett, Dony, ich lege mich hier zum Kamin -- keine Umstnde
Schwgerin, setzte er lachend hinzu, als er sah da sie dagegen
protestiren wollte, Sie kommen um Nichts besser weg, denn es ist hart
genug, und ich wei wahrhaftig ncht, ob ich auf meinem alten Brenfell
hier dicht am Feuer nicht am Ende noch weicher und wrmer liegen werde,
wie Sie da drben. Jetzt aber gute Nacht, mir fngt der Kopf so wieder
an zu schwindeln, und ich mu morgen frh hinaus, den Br zum Haus zu
holen, der noch drauen, eben nur aufgebrochen, im Walde liegt. So mein
Kind --das thuts -- das$
 auf dem Tisch umherliegenden Instrumente selber, wo sie hie und da
etwas von Rost gelitten hatten, zu putzen und wieder herzustellen.
An einem erhhten Pult, neben dem nchsten Fenster, stand ein junger,
vielleicht vierundzwanzigjhriger Mann, der Sohn des alten Hamann, in
weier Jacke und Hose, den breitrndigen Strohhut neben sich auf dem
Stuhle, und notirte die einzelnen Gegenstnde, die ihm der Vater, wie er
sie in den Koffer legte, diktirte.
So -- sagte der Alte, der mit dem Einpacken ziemlich fertig war, und
eben noch ein Etui mit verschiedenen Messern und Lanzetten vom Tisch
nahm und ffnete -- hier noch das Besteck mit -- Donnerwetter da sind
eine ganze Menge Geschichten darin -- mit einer Quantitt Messer und
Eisen und Feilen -- was wei ich wie die Dinger alle heien -- warte
einmal wir knnen sie wenigstens zhlen -- fnf, acht, elf, fnfzehn,
und hier noch vier sind neunzehn, und hier die drei kleinen Dinger sind
zweiundzwanzig Stck. Das Leder auen sieht eenfalls noch ganz wie neu
aus -- na$
uwerfen, als
Nahrung fr die Gluth.
Mitten zwischen der Gruppe stand eine riesige blecherne Kanne, die wohl
einen halben Eimer Kaffee fassen mochte, daneben eine bauchige Kruke mit
Whiskey gefllt, und Einer der Leute kam eben vom Bug vorn, wo ein halb
Dutzent gewaltige Zuckerfsser, die nicht mehr in den Raum gingen, frei
auf Deck lagen, und brachte eine groe Blechschaale voll Zucker herbei,
die er mit einem gespaltenen Schilfstck aus den groen, der frischen
Luft wegen darin angebrachten Bohrlchern der Fsser herausgepurrt
Es war die ein vielleicht dreiundzwanzig Jahr alter wunderhbscher
junger Bursche, mit einem leichten dunklen Schnurrbart auf der
Oberlippe, und langem wie seidenem, fast mdchenhaftem Haar; auch das
Gesicht, wo es Ruflecke nicht bedeckten, war zart und wei, und die
langen Wimpern schatteten ein paar dunkle, aber keck und entschlossen
umherblitzende Augen, die jetzt besonders von einem eigenen lebendigen
Feuer leuchteten.
Hallo Wolf, was bringen Sie? rief ihm Georg Donner lachend$
h vorn die Thren zu ffnen als
er, wie er sich zu erinnern glaubt, auf dem Maschinenholz, in der Hast
und Angst ausrutschte und in demselben Augenblick zu Boden strzte, wo
der eingeprete Dampf sich endlich mit Gewalt seinen Weg in's Freie
bahnte und die Kessel sprengte. Das allein rettete ihn jedenfalls, er
wre sonst, wie der andere Ingenieur der neben ihm, aber aufgerichtet
stand, zu Atomen zerschmettert worden.
Mchtige Feuer waren indessen auf der Sandbank und dicht am Holzrand
entzndet worden, Gesunden wie Verwundeten ein nur einiger Maen
ertrgliches Nachtquartier zu bieten, und vorzglich hatten die
Amerikaner schon fr die Damen aus der Cajte, an einem besondern Feuer,
ein dichtes Dach von Zweigen hergerichtet, sie gegen den Nachtthu und
die kalte, ber den Strom herberstreichende Zugluft zu schtzen; an
Schlaf war aber, selbst fr die gar nicht Verletzten, kaum zu denken,
denn die Unglcklichen sthnten und winselten in ihrem Schmerz bis an
den hellen Morgen. Donner gab sich dabei jede nur er$
 dem durchsichtigen
Harz der _Hymenaea Courbaril_. Die groen Gefe zur Aufbewahrung der
_Chiza_ heien _Ciamacu_, die kleineren _Mucra_, woraus die Spanier an der
Kste _Murcura_ gemacht haben. Uebrigens wei man am Orinoco nicht allein
von den Maypures, sondern auch von den Guaypunabis, Caraiben, Otomacos und
selbst von den Guamos, da sie Geschirr mit Malereien verfertigen. Frher
war dieses Gewerbe bis zum Amazonenstrom hin verbreitet. Schon ORELLANA
fielen die gemalten Verzierungen auf dem Geschirr der Omaguas aus, die zu
seiner Zeit ein zahlreiches, handeltreibendes Volk waren.
Ehe ich von diesen Spuren eines keimenden Gewerbfleies bei Vlkern, die
wir ohne Unterschied als Wilde bezeichnen, zu etwas Anderem bergehe,
mache ich noch eine Bemerkung, die ber die Geschichte der amerikanischen
Civilisation einiges Licht verbreiten kann. In den Vereinigten Staaten,
ostwrts von den Alleghanis, besonders zwischen dem Ohio und den groen
canadischen Seen, findet man im Boden fast berall bemalte Topfscherb$
r Vlker von Guyana irgend einen
merklichen Einflu geuert zu haben. Noch mehr: in Nordamerika, zwischen
dem Ohio, dem Miami und den Seen, hat ein unbekanntes Volk, das die
Systematiker von den Tolteken und Azteken abstammen lassen mchten, aus
Erde, zuweilen sogar aus Steinen(50) one Mrtel zehn bis fnfzehn Fu
hohe und sieben bis achttausend Fu lange Mauern gebaut. Diese
rthselhaften Ringwlle und Ringmauern umschlieen oft gegen 150 Morgen
Land. Bei den Niederungen am Orinoco, wie bei den Niederungen an der
Marietta, am Miami und Ohio liegt der Mittelpunkt einer alten Cultur
westwrts auf dem Rcken der Gebirge; aber der Orinoco und die Lnder
zwischen diesem groen Flu und dem Amazonenstrom scheinen niemals von
Vlkern bewohnt gewesen zu seyn, deren Bauten dem Zahn der Zeit
widerstanden htten. Sieht man dort auch symbolische Figuren ins hrteste
Felsgestein eingegraben, so hat man doch sdlich vom achten Breitengrade
bis jetzt nie weder einen Grabhgel, noch einen Ringwall, noch Erddmme
gefunden,$
grad. Wenn man des CLUSIUS Werke liest, begreift man nicht, warum in
unsern Handbchern der _materia medica_ ein Gewchs der Vereinigten
Staaten fr den ltesten TypusPder officinellen Smilaxarten gilt.
Wir fanden bei den Indianern am Rio Negro einige der grnen Steine, die
unter dem Namen *Amazonensteine* bekannt sind, weil die Indianer nach
einer alten Sage behaupten, sie kommen aus dem Lande der Weiber ohne
Mnner (_Cougnantainsecouima_ oder _Aikeambenano_ -- Weiber, die allein
leben). In San Carlos und den benachbarten Drfern nannte man uns die
Quellen des Orinoco stlich von Esmeralda, in den Missionen am Carony und
in Angostura die Quellen des Rio Branco als die natrlichen Lagersttten
der grnen Steine. Diese Angaben besttigen den Bericht eines alten
Soldaten von der Garnison von Cayenne, von dem LA CONDAMINE spricht, und
demzufolge diese Mineralien aus dem *Lande der Weiber* westwrts von den
Stromschnellen des Oyapoc kommen. Die Indianer im Fort Topayos am
Amazonenstrom, 5 Grad ostwrts vom Ein$
ingetragen worden; zwei weitere Ehen waren von noch nicht
catechisirten Indianern vor dem indianischen *Governador* geschlossen und
damit, wie wir in Europa sagen, der Civilakt vollzogen worden. Bei der
Gruendung der Mission waren hier Atures, Maypures, Meyepures, Abanis und
Quirupas unter einander; statt dieser Staemme fanden wir nur Guahibos und
ein paar Familien vom Staemme der Macos. Die Atures sind fast voellig
verschwunden; man kennt sie nur noch von ihren Graebern in der Hoehle
Ataruipe her, die an die Grabstaetten der Guanchen aus Teneriffa erinnern.
Wir hoerten an Ort und Stelle, die Atures haben mit den Quaquas und den
Macos oder Piaroas dem grossen VoeFkerstamme der *Salivas* angehoert, wogegen
die Maypures, Abanis, Parenis und Guayunaves Einer Abkunft seyen mit den
*Cabres* oder Caveres, die wegen ihrer langen Kriege mit den Caraiben viel
genannt werden. In diesem Wirrwarr kleiner Voelkerschaften, die einander so
schroff gegenueberstehen, wie einst die Voelker in Latium, Kleinasien und
Sogdiana, l$
 seine kleinen Kinder, noch seine Weiber, die da
sind, ihn zu bedienen. Die vaeterliche Zuneigung kommt erst dann zum
Vorschein, wenn der Sohn so weit herangewachsen ist, dass er an der Jagd,
am Fischfang und an der Arbeit in den Pflanzungen Theil nehmen kann.
Wenn nun aber auch der schaendliche Brauch, durch gewisse Traenke Kinder
abzutreiben, die Zahl der Geburten vermindert, so greifen diese Traenke die
Gesundheit nicht so sehr an, dass nicht die jungen Weiber in reiferen
Jahren wieder Muetter werden koennten. Diese physiologisch sehr merkwuerdige
Erscheinung ist den Moenchen in den Missionen laengst aufgefallen. Der
Jesuit GILI, der fuenfzehn Jahre lang die Indianer am Orinoco Beichte
gehoert hat und sich ruehmt, _i segreti dele donne maritate_ zu kennen,
!aeussert sich darueber mit verwunderlicher Naivetaet. "In Europa," sagt er,
"fuerchten sich die Eheweiber vor dem Kinderbekommen, weil sie nicht
wissen, wie sie sie ernaehren, kleiden, ausstatten sollen. Von all diesen
Sorgen wissen die Weiber am Orinoc$
n und den untern Staffeln weit
bedeutender; BARROW bemerkt aber, dass sich hier unter den vielen
Stromschnellen ein Fall findet, der allein 30 Fuss hoch ist. Andererseits
haben die vielberufenen Pongos im Amazonenstrom, wo die Bergfahrt sogefaehrlich ist, die Faelle von Rentama, Escurrebragas und Mayasi, auch nur
ein paar Fuss senkrechte Hoehe. Wer sich mit Wasserbauten abgibt, weiss,
welche Wirkung in einem grossen Flusse eine Schwellung von 18--20 Zoll hat.
Das Toben des Wassers und die Wirbel werden ueberall keineswegs allein von
der Hoehe der einzelnen Faelle bedingt, sondern vielmehr davon, wie nahe die
Faelle hinter einander liegen, ferner vom Neigungswinkel der Felsendaemme,
von den sogenannten _'lames de reflexion'_ die in einander stossen und ueber
einander weggehen, von der Gestalt der Inseln und Klippen, von der
Richtung der Gegenstroemungen, von den Kruemmungen und engen Stellen in den
Kanaelen, durch die das Wasser von einer Staffel zur andern sich Bahn
bricht. Von zwei gleich breiten FluesKen ka$
 der Natur zu unterbrechen scheint? Die
Geschwindigkeit der Fortpflanzung des Schalls nimmt mit der Abnahme der
Temperatur nicht zu, sondern vielmehr ab. Der Schall wird schwaecher, wenn
ein der Richtung desselben entgegengesetzter Wind weht, ferner durch
Verduennung der Luft; der Schall ist schwaecher in hohen Luftregionen als in
tiefen, wo die Zahl der erschuetterten Lufttheilchen in jedem Strahl groesser
ist. Die Staerke desselben ist in trockener und in mit Wasserdunst
vermengter Luft gleich gross, aber in kohlensarem Gas ist sie geringer als
in Gemengen von Stickstoff und Sauerstoff. Nach diesen Erfahrungssaetzen
(und es sind die einzigen einigermassen zuverlaessigen) haelt es schwer, eine
Erscheinung zu erklaeren, die man bei jedem Wasserfall in Europa
beobachtet, und die lange vor unserer Ankunft im Dorfe Atures Missionaeren
und Indianern aufgefallen war. Bei Nacht ist die Temperatur der Luft um
drei Grad niedriger als bei Tage; zugleich nimmt die merkbare Feuchtigkeit
bei Nacht zu und der Nebel, der $
chen Winters trauervollen Port.
    Die Zeit hinab. Durch Ewigkeiten fort,
    Davon der Horizont wie Feuer raucht.
Deine Wimpern, die langen ...
    Deine Wimpern, die langen,
    Deiner Augen dunkle Wasser,
    La mich tauchen darein,
    La mich zur Tiefe gehn.
    Steigt der Bergmann zum Schacht
    Und schwankt seine trbe Lampe
    ber der Erze Tor,
    Hoch an der Schattenwand,
    Sieh, ich steige hinab,
    In deinem Scho zu vergessen,
    Fern was von oben drhnt,
    Helle und Qual und Tag.
    An den Feldern verwchst,
    Wo der Wind steht, trunken vom Korn,
    Hoher Dorn, hoch und krank
    Gegen das Himmelsblau.
    Gib mir die Hand,
    Wir wollen einander verwachsen,
    Einem Wind Beute,
    Einsamer Vgel Flug,
    Hren im Sommer
    Die Orgel der matten Gewitter,
    Baden in Herbsteslicht,
    Am Ufer des blauen Tags.
    Manchmal wollen wir stehn
    Am Rand des dunklen Brunnens,
    Tief in die Stille zu sehi,
    Unsere Liebe zu suchen.
    Oder wir treten hinaus
    Vom Schatte$
rde klingend weltallgebogne Spiralen durchfliegen,
    Bis sie hoch in den Sternen -- mit Menschen sich trifft im Tanz.
Geboren am 19. Februar 1881 zu Briesen. -- Schollenbruch 1912. Die
eiserne Brcke 1913. Der Wald 1914. Das schwarze Revier 1914. Der
feurige Busch 1919. Golgatha 1919. Das Terzett der Sterne 1920. +Venus
consolarix+ 1921.
Die Huser haben Augen aufgetan ...
    Am Abend stehn die Dinge nicht mehr blind
    und mauerhart in dem Vorbersplen
    gehetzter Stunden; Wind bringt von den Mhlen
    gekhlten Tau und geisterhaftes Blau.
    Die Huser haben Augen aufgetan,
    Stern unter Sternen ist die Erde wieder,
    die Brcken tauchen in das Flubett nieder
    und schwimmen in der Tiefe Kahn an Kahn.
    Gestalten wachsen gro aus jedem Strauch,
    die Wipfel wehen fort wie trger Rauch
    und Tler werfen Berge ab, die lange drckten.
    Die Menschen aber staunen mit entrckten
    Gesichtern in der Sterne Silberschwall
    und sind wie Frchte reif und s zum Fall.
Bettler im Spther$
ten Art durch die individuellen menschlichen Fhigkeiten
geleitet. Nur wird es demjenigen, der nicht selbst die Wahl darber treffen
will, an wen er ein durch ihn entstandenes Kapital bertragen soll, frei
berlassen sein, fr das Verfgungsrecht eine Korporation der geistigen
Organisation einzusetzen.
Auch ein durch Ersparnis gewonnenes Vermgen geht mit dem Zinsertrgnis
nach dem Tode des Erwerbers oder enige Zeit danach an eine geistig oder
materiell produzierende Person oder Personengruppe-- aber _nur_ an eine
solche, nicht an eine unproduktive Person, bei der es zur Rente wrde--
ber, die durch letztwillige Anordnung von dem Erwerber zu whlen ist. Auch
dafr wird, wenn eine Person oder Personengruppe nicht unmittelbar gewhlt
werden kann, die bertragung des Verfgungsrechtes an eine Korporation des
geistigen Organismus in Betracht kommen. Nur wenn jemand von sich aus keine
Verfgung trifft, so wird der Rechtsstaat fr ihn eintreten und durch die
geistige Organisation die Verfgung treffen lassen.
I$
rer war so herzensfroh, er gelobte sich selber, nie wieder zu
An der ganzen Tafel sah man nu frohe Gesichter. Die Mnner, die vorhin
hochherzig gewesen waren und verziehen hatten, waren froh, und die
Pfarrer und Prpste waren froh, weil der Skandal glcklich vermieden
Der gute Bschof erhob sein Glas und sagte, er habe diese Reise schweren
Herzens angetreten, denn es seien bse Gerchte an sein Ohr gedrungen.
Er sei ausgezogen, um einen Saulus zu finden, aber siehe, aus dem Saulus
sei schon ein Paulus geworden, der mehr arbeiten werde als alle andern.
Und der fromme Herr sprach weiter von den reichen Gaben, die ihr junger
Bruder erhalten habe, und pries sie. Er solle nicht hochmtig werden,
sondern alle seine Krfte anspannen und acht auf sich geben, wie es dem
gezieme, der eine so beraus schwere und kostbare Last auf den Schultern
Der Pfarrer betrank sich nicht an jenem Mittag, aber berauscht war er
trotzdem. Das groe, unerwartete Glck stieg ihm zu Kopf. Der Himmel
hatte die Feuerzunge der Inspiration be$
ute, da er mit der weit und breit bekannten Majorin aus
Ekeby zusammengetroffen war.
Sie war die mchtigste Frau in Wermland, die Herrin ber sieben
Eisenwerke, gewohnt zu befehlen und zu gebieten. Und er war nur ein
elender, zum Tode verurteilter Bettler, der nicht das Geringste besa
und der es fhlte, da ihm jeder Weg zu schwer, jede Stube zu eng war.
Sein Krper bebte vor Angst, whrend ihr Blick auf ihm ruhte.
Sie stand schweigend da und sah herab auf diesen Haufen menschlichen
Elends vor ihr, auf die roten, geschwollenen Hnde, die abgezehrte
Gestalt und den herrlichen Kopf, der trotz des Verfalls und der
Vernachlssigung in wilder Schnhet strahlte.
Er ist Gsta Berling, der tolle Pfarrer? fragte sie.
Der Bettler sa unbeweglich da.
Ich bin die Majorin auf Ekeby.
Es ging ein Beben durch den Bettler. Er faltete seine Hnde und erhob
die Augen mit sehnsuchtsvllem Blick. Was wollte sie ihm? Wollte sie ihn
zwingen zu leben? Er bebte vor ihrer Strke. Er war ja doch dem Frieden
der ewigen Wlder so $
chmieden Rat gepflogen.
Und alle hatten geschworen, ihr zu helfen. Die Ehre und das Ansehen des
groen Besitzes sollte nicht lnger den Hnden ruchloser Kavaliere
berlassen werden, um von ihnen gehtet zu werden, wie der Wind die
Asche htet, wie der Wolf die Schafe htet.
Und in dieser Nacht, in der die munteren Herren getanzt und getrunken
haben, bis sie in todesmdem Schlaf auf ihre Betten gesunken sind -- in
dieser Nacht sollen sie fort. Sie ha das Ma ihres bermutes voll
werden lassen. Finsteren Blickes hat sie in der Schmiede gesessen und
gewartet, bis das Fest vorber war. Sie hat noch lnger gewartet, bis
die Kavaliere von ihrer nchtlichen Fahrt zurckkamen, sie hat
schweigend gewartet, bis man ihr vermeldete, da das letzte Licht im
Kavalierflgel erloschen sei, da der groe Hof schlummernd daliege. Da
erhob sie sich und ging hinaus. Es war bereits fnf Uhr des Morgens,
noch aber wlbte die dunkle, strahlende Februarnacht sich ber der Erde.
Die Majorin ie alle Leute sich am Kavalierflgel vers$
onnte wie ein
kleiner Vogel. Und diese kleine Bewegung sollte ihre Bitte bedeuten,
denn sie gehrte zu den Kindern, die niemals mit Worten bitten.
Da began| die Alte ganz leise ihr von einem kleinen Kinde im Judenland
zu erzhlen, einem kleinen Kinde, das geboren ward, um ein groer Knig
zu sein. Die Enel hatten die Erde mit Lobgesngen erfllt, als es
geboren ward. Weise aus dem Morgenlande kamen, geleitet von den Sternen
des Himmels, und brachten Gold und Rucherwerk, und alte Mnner und
Frauen weissagten von seiner Herrlichkeit. Dies Kind wuchs heran zu
grerer Schnheit und hherer Weisheit als alle andern Kinder. Schon
als es zwlf Jahre zhlte, war seine Weisheit grer als die der
Hohenpriester und Schriftgelehrten.
Dann erzhlte die Alte ihr von dem Schnsten, das die Erde gesehen hat,
von dem Leben dieses Kindes, whrend es unter den Menschen weilte, unter
den bsen Menschen, die es nicht als ihren Knig anerkennen wollten.
Sie erzhlte ihr, wie das Kind zum Mann heranwuchs, aber die Wunder
umst$
icht, dieser Schar
von Mnnern zu ffnen. Endlich wurden die Riegel zurckgeschoben. Frau
Lennart sXlber trat heraus.
Was wollt ihr? fragte sie.
Beerencreutz antwortete: Wir bringen dir deinen Mann.
Sie schoben Hauptmann Lennart vor, und sie sah ihn auf sich zu
schwanken, betrunken, mit einem Verbrechergesicht. Und hinter ihm
erblickte sie die ganze Schar betrunkener, schwankender Mnner.
Sie ging einen Schritt zurck, er folgte ihr mit ausgebreiteten Armen.
Du gingst als Dieb, rief sie aus, und als Landstreicher kommst du
zurck! Damit wollte sie ins Haus gehen.
Er verstand sie nicht. Er wollte hr folgen, da versetzte sie ihm einen
Sto vor die Brust. Glaubst du, da ich gesonnen bin, so einen wie dich
als Herrn ber mein Haus und ber meine Kinder aufzunehmen? fragte sie.
Die Tr fiel ins Schlo und der Riegel wurde vorgeschoben. Hauptmann
Lennart strzte auf die Tr zu und fing an, daran zu rtteln.
Da konnten die Kavaliere sich des Lachens nicht enthalten. Er war
seiner Gattin so sicher gewesen,$
s Zorn ist ber dir wie ein verheerendes Gewiter. Beuge dich!
Erfasse wie ein Kind den Zipfel seines Mantels und flehe um Schutz!
Wlze dich im Staube, bitte um Gnade! Demtige dich vor deinem Schpfer,
du Menschenseele!
Die Augen des Kranken stehen weit geffnet, seine Hnde falten sich,
aber sein Antlitz erhellt sich, und der rchelnde Laut hlt inne.
Menschenseele! fliehende Menschenseele! ruft der Mann aus. So sicher,
wie du dich jetzt in deiner letzten Stunde demtig vor deinem Gott
niedergeworfen hast, so sicher ist es, da er dich als Kind auf seine
Arme nehmen und dicho in die Herrlichkeit seines Himmels einfhren wird.
Der Alte seufzt noch einmal tief auf, und alles ist vorbei. Hauptmann
Lennart beugt sein Haupt und betet. Alle im Zimmer beten unter tiefen
Als sie aufschauen, liegt der alte Bauer in tiefem Frieden. Seine Augen
scheinen noch zu strahlen von dem Widerschein herrlicher Bilder, sein
Mund lchelt, sein Antlitz leuchtet. Er hat Gott geschaut.
O du groe, schne Menschenseele! denken $
pielen! xFrischen Mut, ihr Flammen! Frischen Mut! Fanget
sie, zndet sie an, verbrennet die Hexe! Frchtet euch nicht vor ihren
Zauberworten, ihr Gluten! Lat sie brennen! Da sind Menschen, die um
ihretwillen ihr ganzes Leben haben brennen mssen!
Glocken luteten, Wagen rasselten, Spritzen kamen dahergefahren,
Wassereimer wurden vom See heraufgereicht, aus allen Drfern strmten
Leute herbei. Da war ein Schreien und Jammern und Kommandieren; Dcher
strzten herab, da war ein frchterliches Knistern und Heulen von
Nichts aber brachte Kevenhller aus seiner Fassung; er sa auf dem
Haublock und rieb sich die Hnde.
Da vernahm er ein Krachen, als wenn der Himmel herabstrzte, und er
sprang jubelnd auf. Jetzt ist es geschehen! rief er aus. Jetzt kann
sie nicht entkommen, jetzt ist sie unter den Balken zermalmt oder von
den Flammen verzehrt. Jetzt ist es vollbracht!
Und er dachte an Ekebys Ehre und Macht, die geopfert werden muten, um
sie aus der Welt zu schaffen. Die stolzen Sle, wo so viel Wonne und
Freud$
wei, da im Zimmer nebenan
jemand liegt, dessen Ohr sich bald fr immer schlieen soll. Ach, mein
Freund, mein Freund, wrde man gern sagen, kannst du vergeben? Kannst
du trotz allem glauben, da ich dich geliebt habe? Wie konnte ich dir
doch so viel Kummer bereiten, whrend wir hier beisammen wanderten? Ach,
mein Freund, hab Dank fr all die Freude, die du mir geschenkt hast!
Solche Worte mchte man sprechen und noch weit mehr.
Die Majorin aber lag in brennendem Fieber, und die Stimmen der Kavaliere
konnten sie nicht erreichen. Sollte se denn nie mehr erfahren, wie sie
gearbeitet hatten, wie sie ihr Werk wieder aufgenommen und die Ehre von
Ekeby gerettet hatten? qSollte sie das niemals erfahren?
Bald darauf gingen die Kavaliere zur Schmiede hinab. Dort wurde nicht
gearbeitet. Sie aber warfen frische Kohlen und neues Roheisen in den
Ofen und bereiteten alles zum Schmelzen vor. Sie riefen nicht die
Schmiede, die nach Hause gegangen waren, um Weihnachten zu feiern,
sondern arbeiteten selber. Konnte die Maj$
ht tilgen konnte.
Der Bruder verscholl in weiter Fremde, und die Mutter lehnte am
Balkonfenster und hrte auf das Pltschern des Johannisbrunnens. Sie
trumte von fernen Ufern, an denen ihr Herzenssohn weilen wrde, von
Gestaden, zu denen es keine andere Verbindung gab als die sehnschtig hin
und her gehenden Gedanken.
Als nun auch ich mein medizinisches Staatsexamen beendet hatte, sagte ich
zur Mutter, ich wolle bei ihr in der Heimat bleiben und ihr Trost sein.
Sie sah mich still an und schwieg, und es zuckte ein wenig um ihren M0und.
Da bat ich sie, zu reden und mir ihren tiefsten Wunsch zu sagen, und sie
sprach mit Worten, die sie sich aus dem Herzen ri:
"Geh fort ... in die Welt ... suche JoachiPm ... bringe ihn wieder!"
So bin ich fortgezogen, um meinen Bruder zu suchen. Und weil ich nicht
Geld genug hatte, jahrelang um die Erde zu reisen, wurde ich Schiffsarzt,
jetzt bei dieser, dann bei jener Gesellschaft, und kam fast in alle groen
Hfen der Welt.
Ich fand ihn erst im fnften Jahre meiner Wanderfahr$
 Brown erhalten werden, werden Sie gerade mit den Damen
Eva Bunkert und Annelies von Grill einen sehr vergngten Spaziergang durch
unser Heim machen. Ich beglckwnsche Sie dazu und bitte, mich den
Herrschaften zu empfehlen.
Was Mister Brown anlangt, so empfehle ich Ihnen, diesen Herrn recht
rckichtsvoll zu behandeln, ihm nicht etwa zu sagen, Sie htten gerade
Besuch und daher keine Zeit fr ihn. Denn Mister Brown ist einer der
einflureichsten Journalisten in den Staaten, und wir werden den Zuzug aus
Amerika fr unsere nach deutschen Normalbegriffen immerhin etwas
merkwrdige Anstalt recht ntig haben.
Gren Sie Luise von ihrem Pappa, der sich sehr nach seinem Gnschen
sehnt, aber noch nicht wei, wann er zurckkehren kann.
                                                               Stefenson."
Ich schaute verwundert auf Brown, den berbringer dieser seltsamen
Epistel. Brown war ein Fnfziger, der Kotelettbart und der Schnurrbart
sowie die gescheitelten Haare waren stark angegraut, der Anzug etwas
ges$
und seufzen:
   "Oh, darum ist der Lenz so schn
   Mit Duft und Strahl und Lied,
   Weil singend ber Tal und Hh'n
   So bald er weiterzieht."
4der, weil ihm eben einfiel, da gar nicht Frhlingszeit sei:
    "Herbstlich sonnige Tage,
    Mir beschieden zur Lust,
    Euch mit leiserem Schlage
    Grt die atmende Brust.
    Oh, wie waltet die Stunde
    Nun in seliger Ruh;
    Jede schmerzende Wunde
    Schlieet leise sich zu."
Der eiskalt schlieende Jurist hatte sich ganz in die sen, goldenen
Melodien Geibelscher Lyrik eingesponnen. Und darum wohl hatte er des
Dichters Namen fr seine Ferien vom Ich gewhlt. Die Gegenstze berhrten
sich auch hier.
Diesem Emanuel Geibel begegnete nun Gottfried Stumpe, als er sich an jenem
feuchtkalten Herbstmorgen nach der Abgieung "trocken lief". Die Begegnung
war nicht ganz zufllg. Gottfried wute, da Emanuel abreiste. Er habe
nur sechs Wochen Urlaub, hatte Geibel ihm gesagt, er knne nicht lnger
abkommen. Natrlich, es gab eben im Justizdienst unersetzliche Kr$
en. Diese
Hoffnung hat mich betrogen - wie alle anderen."
"Ist es aus zwischen euch?"
"Ja. Das Mdchen hing an mir, und es war alles verabredet fr baldige
Hochzeit. Da hielt ich mich gestern fr verpflichtet, ihr mein Leben zu
schildern. Droben am Hange sind wir gewesen. Da habe ich ihr das Schwere
gesagt. Sie hat sehr geweint und sich schwer von mir losgerissen; aber sie
bleibt dabei, da sie den geschiedenen Mann einer noch lebenden Frau nicht
Seiraten drfe. Du weit wohl warum?"
"Ja. Ihre katholische Religion verbietet Anneliese solche Ehe."
Er fing an zu toben, an den Ketten zu zerren - ich lie ihn reden und
Zuletzt sagte er

"Und ich wei nicht einmal, ob dieses - dieses Weib noch lebt."
Ich blieb still.
"Weit du etwas von ihr? Weit du, ob sie noch lebt?"
Er sthnte. Ich merkte, wie sehnschtig er auf den Tod seiner Frau gehofft
"Und - das Kind, wo ist es?"
"Es ist bei seiner Mutter."
"Das habt ihr zugegeben? So gewissenlos seid ihr gewesen?"
"Das Kind ist wohl aufgehoben bei ihr."
Er lachte rauh un$
langsam zum Stadttore hinaus, den Weihnachtsberg hinauf, und als sie auf
der goldglaenzenden Hoehe standen, winkten sie noch einmal herab ins Tal und
zogen dann fort, weit ueber die rote Sonne hinaus, und der HGilige am
Brunnenplatz schaute ihnen nach. Erst als es Nacht war, bueckte er sich
nach der verlorenen Taufschale, und nun haelt er sie wieder in erhobener
Hand seit vielen Jahrhunderten.
Das ist eine der vielen Sagen und Legenden von Waltersburg. Die
Waltersburger haben ganz eigene Geschichten. Sie borgen nicht von fremden
Gauen und Staedten; ihr romantisches Tal war immer so reich, dass sie
Fremdes nicht noetig hatten.
Der Johannisbrunnen! In seinem Becken liess ich als Kind mene Schifflein
schwimmen. Sie schwammen nach Amerika, nach Jerusalem oder gar bis ins
Riesengebirge. Mein Bruder Joachim, der mit auf dem Brunnenrande sass,
laechelte oft veraechtlich ueber diese Reiserouten. Er war drei Jahre aelter
als ich und schon Gymnasiast. Da verachtete er meine
Abcschuetzen-Geographie. Mit Schifflein spiel$
 sich mit seinen
Gegnern verabreden, ein Kieselsteinchen bedeute zehn Mark und eine Eichel
zwanzig, und wuerde alles hinterher in bare Muenze sauber umgerechnet, so
wuerde es wohl doch herauskommen, und das Spielernest wuerde energisch
ausgenommen werden.
Tabak und Alkohol, worum Sie sich in Ihrem Selbstbericht zu bangen
scheinen, ganz nach aerztlichem Befund. Wenn Sie mich{nun fragen, wie lange
ein solcher Ferienaufenthalt waehrt, so muss ich Ihnen sagen, dass die
kuerzeste Frist sechs Wochen betraegt, dass es aber sehr viel"guenstiger ist,
wenn die Ferienpause drei Monate oder noch laenger dauert. Die ersten
vierzehn Tage werden Sie ja doch innerlich gegen vieles revoltieren,
vielleicht am Heimweh leiden nach der eben abgelegten alten Haut. Sie
muessen erst heimisch werden, muessen das grosse Ferienglueck erst ganz
fuehlen, muessen die unaussprechlich suesse Freude empfinden, wie Sie gesuender
und froehlicher werden, dann erst kommt das Heil.
Aber wenn Sie dann in die grosse, schwere Schule zurueckgehen, we$
Die
anderen Auswanderer finden ja doch mehr oder weniger alle eine neue
Heimat, neue Freunde, neue Kreise, in denen sie sich wohlfuehlen. Ich habe
nichts von alledem gesucht und bin ganz losgeloest von aller Wurzelerde
gewesen. Da ertrug ich dein Tagebuch nicht, nicht die Schilderungen von
dem alten Nest Waltersburg, nicht die Berichte ueber die Mutter, selbst die
Geschichten ueber das Spiessertum in der Heimat haben eine - nun ja, ich
gestehe es - eine rasende Sehnsucht nach Hause in mir angefacht. Und dann
auch das - auch das - aber lassen wir das!"
Er hatte sagen wollen, das von dem Kinde, und brachte es nun nicht ueber
die Lippen. Vielleicht war das Kind die Hauptsache gewesen. Aber ich sah,
in wie schwerer Erregung der Mann schon war, und huetete mich, dieses
ernsteste +hema nun zur Sprache zu bringen.
Joachim stand auf, ging ein paarmal schweigend durch die Stube, Riss dann
ploetzlich den Mantel von den Schultern, warf ihn auf das Bett, dehnte sich
mit hochemporgestreckten Armen und sagte tief aufatmend$
nkung des Barthelschen Kindes gehoert
habe und mal nachfragen wolle; sie sehe aber, dass gerade Besuch da sei,
und wolle nicht stoeren.
Ach, erwiderte die Frau, von Stoerung sei keine Rede; denn das seien zwei
ganz fremde Herren, mit denen sie weiter nichts Ernsthaftes zu besprechen
haetten und die auch gleich gingen. Trotzdem fuehltesich die gute Mutter
Barthel bemuessigt, uns die kleine Sprecherin vorzustellen. "Das ist naemlich
unsere Lehrerin, Fraeulein Annelies von Grill."
Anneliese von Grill! Ein pruefender Blick in die grossen braunen Augen, und
ich hatte die Identitaet mit dem kleinen Majorstoechterlein festgestellt,
das manchmal in Waltersburg zu Besuch gewesen war und das ich - da ich
acht Jahre aelter war - immer etwas onkelhaft begoennert hatte. Nun stand
ich ihr lachend gegenueber und fragte sie, ob sie nicht mehr wisse, wer ich
sei. Da erkannte sie auch mich, und es gab ein froehliches Wiedersehen und
grosse Verwunderung ueber die Umstaende, unter denen es geschah. Ihre
Lebensgeschichte wr kurz:$
hof, Sonnenhof, aber es gibt auch
eine Waldschoelzerei, eine Heimwehfluh, eine Steinmuehle, eine
Genovevenklause, eine grosse und eine kleine Einsiedelei, ein Haus "ueber
den sieben Bergen", ein "_Old Nigger home_" (nach Stefensons Wunsch), eine
Heideheimat, eine Juxherberge, eine Meierei zum gelben Kakadu, ein
Knusperhaeuschen, eine Kassubenhuette, ein igeunerlager und eine
Raeuberhoehle.
Mit Romantik ist nicht gespart. Tradition fehlt ja leider allen diesen
Dingen, aber sie wird sich bald finden; wir haben pfiffiges Bauernvolk
ausgewaehlt, und das dichtet in seiner kraeftigen Seele so viel zusammen,
dass sich alsbald allerhand Geschichtlein um unsere Siedelungen spinnen
werden, schneller als der Efeu waechst, den wir an mancher Wand
einpflanzten, oder als das Moos wuchert, das wir auf schraege Daecher
Das groesste Glueck ist die Freude am gelungenen Werk, ein Abglanz des
erschuetternden Titanenjubels, de Gottes Brust durchloht hat, als er im
Glanz von Millionen Sonnen die Schoepfung vor sich sah.
Auch ich b$
arkungen,
die sich gegen den Erbfeind Neustadt abgespielt hat.
Piesecke hat an jenem Abend grollend am Bachrand gesessen, triefend vor
Naesse, und alle Schwachheit und Feigheit der Kaempfenden sowie die
Niedertracht der nicht in den Kampf eingreifenden Teile seines Heeres mit
einem einzigen, aus seinem hochfuerstlichen Mund hervorzischenden Wort
charakterisiert:
                                  HERBST
Das erste Halbjahr, da das Ferienheim in Betrieb ist, geht zu Ende. Wenn
ich es ueberschaue, erfuellt mein Herz rechte Befriedigung. Nicht nur der
aeusseren Er2folge wegen. Unser Unternehmen steht glaenzend da. Wir haben
lange nicht alle aufnehmen koennen, die zu uns kommen wollten. Die Ernte
auf den Feldern und in den Gaerten war gut, unsere Bauern sind zufrieden,
und unsere Kassen und Kasten sind gefuellt. Vieles, ja das meiste, verdankt
dieser aeussere Erfolg der glaenzenden Organisation, die Stefenson dem Ganzen
gegeben hat und die er von Amerika aus geleitet und weiter ausgebaut hat,
wenn auch der Sonderl$
ueber
den niederen Brunnenrand ins Wasser.
Joachim blieb still stehen, wohl im Schreck, zwei, drei Sekunden lang;
dann beugte er sich ueber das Becen.
Da sprang das Weib aus dem Wasser heraus und rannte davon.
Ich hatte all diesen sich schnell abspielenden Vorgaengen sprachlos
zugesehen, dann war ich mit einigen Saetzen unten auf dem Markte. Joachim
stand noch am alten Fleck.
"Ah", lachte er, "du hast zugesehen - da wirst du wohl jetzt behaupten,
ich haette das Weib ertranken wollen."
"Das werde ich nicht behaupten. Du hast sie nur zurueckgestossen, und sie
ist ungluecklich gefallen."
"Na also! Ich lasse mich auf der Strasse nicht anfallen, verstehst du? Eure
Komoedien verfangen nicht bei mir!"
"Joachim, wir muessen ihr nach, wir muessen sie suchen."
"Suchen? Ich denke nicht daran. Was geht sie mich an?"
"Joachim, sie muss voellig durchnaesst sein, es ist eine kalte Nacht; sie ist
halb irrsinnig vor Aufregung wegen des Kindes. Es kann ein Unglueck
Er antwortete nicht, wandte sich um und ging nach Mutters Hau$
er werden.
  Ihm aber folgte Busch und Tier,
  Haus und Dmmergarten weier Menschen
  Und sein Mrder suchte nach ihm.
  Frhling und Sommer und schn der Herbst
  Des Gerechten, sein leiser Schritt
  An den dunklen Zimmern Trumender hin.
  Nachts blieb er mit seinem Stern allein;
  Sah, da Schnee fiel in kahles Gezweig
  Und im dmmernden Hausflur dn Schatten des Mrders.
  Silbern sank des Ungebornen Haupt hin.
DER HERBST DES EINSAMEN
DIE VERFLUCHTEN
  Es dmmert. Zum Brunnen gehn die alten Fraun.
  Im Dunkel der Kastanien lacht ein Rot.
  Aus einem Laden rinnt ein Duft von Brot
  Und Sonnenblumen sinken bern Zaun.
  Am Flu die Schenke tnt noch lau und leis.
  Gitarre summt; ein Klimperklang von Geld.
  Ein Heiligenschein auf jene Kleine fllt,
  Die vor der Glastr wartet sanft und wei.
  O! blauer Glanz, den sie in Scheiben weckt,
  Umrahmt von Dornen, schwarz und starrverzckt.
  Ein krummer Schreiber lchelt wie vrrckt
  Ins Wasser, das ein wilder Aufruhr schreckt.
  Am Abend sumt die Pest ihr $
Geiers. Steinige de fand er am Abend, Geleite eines Toten in
das dunkle Haus des Vaters. Purpurne Wolke umwlkte sein Haupt, da er
schweigend ber sein eigenes Blut und Bildnis herfiel, ein mondenes
Antlitz; steinern ins Leere hinsank, da in zerbrochenem Spiegel, ein
sterbender Jngling, die Schwester erschien; die Nacht das verfluchte
Geschlecht verschlang.
GESANG DES ABGESCHIEDENEN
  Stille in nchtigem Zimmer.
  Silbern flackert der Leuchter
  Vor dem singenden Odem
  Des Einsamen;
  Zaubrisches Rosengewlk.
  Schwrzlicher Fliegenschwam
  Verdunkelt den steinernen Raum
  Und es starrt von der Qual
  Des goldenen Tags das Haupt
  Des Heimatlosen.
  Reglos nachtet das Meer.
  Stern und schwrzliche Fahrt
  Entschwand am Kanal.
  Kin5, dein krnkliches Lcheln
  Folgte mir leise im Schlaf.
  Am Abend schweigt die Klage
  Des Kuckucks im Wald.
  Tiefer neigt sich das Korn,
  Der rote Mohn.
  Schwarzes Gewitter droht
  ber dem Hgel.
  Das alte Lied der Grille
  Erstirbt im Feld.
  Nimmer regt sich das Laub$
eiligt ist Brot und Wein
  Von Gottes Hnden, und es schaut aus nchtigen Augen
  Stille dich der Bruder an, da er ruhe von dorniger Wa:nderschaft.
  O das Wohnen in der beseelten Blue der Nacht.
  Liebend auch umfngt das Schweigen im Zimmer die Schatten der Alten,
  Die purpurnen Martern, Klage eines groen Geschlechts,
  Das fromm nun hingeht im einsamen Enkel.
  Denn strahlender immer erwacht aus schwarzen Minuten des Wahnsinns
  Der Duldende an versteinerter Schwelle
  Und es umfngt ihn gewaltig die khle Blue und die leuchtende Neige des
      Herbstes,
  Ds stille Haus und die Sagen des Waldes,
  Ma und Gesetz und die mondenen Pfade der Abgeschiedenen.
  Das wilde Herz ward wei am Wald;
  O dunkle Angst
  Des Todes, so das Gold
  In grauer Wolke starb.
  Novemberabend.
  Am kahlen Tor am Schlachthaus stand
  Der armen Frauen Schar;
  In jeden Korb
  Fiel faules Fleisch und Eingeweid;
  Verfluchte Kost!
  Des Abends blaue Taube
  Brachte nicht Vershnung.
  Dunkler Trompetenruf
  Durchfuhr der Ulm$
  (AktV, Szene5):
    Sie konnte spter sterben.
    Es war noch Zeit genug fr solch ein Wort.
Und nun fragt man sich, was hat diesen Chrakter zerbrochen, der aus dem
hrtesten Metall geschmiedet schien? Ist's nur die Enttuschung, das
andere Gesicht, das die vollzogene Tat zeigt, sollen wir rckschlieen,
da auch in der Lady Macbeth ein ursprnglich weiches und weiblich
mildes Seelenleben sich zu einer Konzentration und Hochspannung
emporgearbeitet hatte, der keine Andauer beschiedeun sein konnte, oder
drfen wir nach Anzeichen forschen, die uns diesen Zusammenbruch durch
eine tiefere Motivierung menschlich nher bringen?
Ich halte es fr unmglich, hier eine Entscheidung zu treffen.
_Shakespeares_ _Macbeth_ ist ein Gelegenheitsstck, zur Thronbesteigung
des bisherigen Schottenknigs _James_ gedichtet. Der Stoff war gegeben
und gleichzeitig von anderen Autoren behandelt worden, deren Arbeit
_Shakespeare_ wahrscheinlich in gewohnter Weise gentzt hat. Er bot
merkwrdige Anspielungen an die gegenwrtige $
ertrauen der
Frau in die sittliche Verllichkeit ihres Mannes erschttert hat, gibt
sie ihr endlich zu verstehen, da sie selbst, Rebekka, bald das Haus
verlassen wird, um die Folgen eines unerlaubten Verkehrs mit Rosmer zu
verheimlichen. Der verbrecherische Plan gelingt. Die arme Frau, die fr
schwermtig und unzurechnungsfhig gegolten hat, strzt sich vom
Mhlensteg herab ins Wasser, im Gefhl des eigenen Unwerts und um dem
Glcke des geliebten Mannes nicht im Wege zu sein.
Seit Jahr und Tag leben nun Rebekka und Rosmer allein auf Rosmersholm in
einem Verhltnis, welches er fr eine rein geistige und ideelle
Freundschaft halten will. Als aber von auen her die ersten Schatten der
Nachrede auf dieses Verhltnis fallen, und gleichzeitig qulende Zweifel
in Rosmer rege gemacht werden, aus welchen Motiven seine Frau in den Tod
gegangen ist, bittet er Rebekka seine {weite Frau zu werden, um der
traurigen Vergangenheit eine neue lebendige Wirklichkeit entgegenstellen
zu knnen. (AktII.) Sie jubelt bei diesem A$
e Sache aus dem Grunde
verstnde -- wenn Jemand gute Spirituosen, da heit _billige_, dabei
hielte, und mit seinen Leuten umzuspringen wte -- wenn Jemand dann
eine passende Frau htte, die ihm die Wirthschaft ordentlich fhren, das
Tisch- und Bettwesen bsorgen, und den Leuten in der Kche auf die Hnde
sehen knnte, und Jemand wre dann ein hbscher, passender Kerl und --
Jimmy schwieg einen Augenblick, und knackte seinen Zeigefinger zu
gleicher Zeit so scharf und laut, da es ordentlich klang als ob er ihn
sich abgebrochen htte, und selbst Hedwig, die kaum gehrt was er
sagte, rasch und erschreckt nach ihm umschaute. Aber sie mute lachen,
wie ie ihn ansah, denn auf dem Tisch, mit den hochgezogenen Brauen und
dem klugen bedenklichen Gesicht, das er machte, inde er, den Stuhl
jetzt allein zwischen den Fen hin und herschlenkernd, seine Finger in
altgewohnter Weise mishandelte, sah der Bursche wirklich komisch aus.
Das freundliche Lcheln in Hedwigs Zgen brachte aber auch in den
seinigen eine merkwrdi$
den _mute_, _was_ ist vorgefallen Mamsell, und was haben Sie sich in
Dinge zu mischen, die Sie Nichts angehn, und von denen Se Nichts
Ich habe vielleicht Unrecht, sagte Hedwig, der das aufquellende Blut
die Stirn-Adern zu zersprengen drohte, den Mann, der mir Brod gegeben,
eines Fehlers anzuklagen; aber ich will lieber das Brod nicht mehr
essen, wenn ich glauben soll, da es aus den Thrnen Unglcklicher
gewachsen ist.
Sie knnen _heute_ abziehn, wenn's Ihnen recht ist, rief der Alte
rgerlich auf sie zugehend; glauben Sie etwa Mamsell, da ich mir von
meinen _Dienstboten_ etwas derartiges gefallen lasse? -- marsch fort
jetzt in ihre Kche, und wenn die Woche um ist, denn bis so lange mssen
Sie bleiben, damit ich mich nach Jemand Anderem umseVen kann, verlassen
Sie mein Haus! -- Thrnen der Unglcklichen -- ich will Sie bethrnen
der Unglcklichen -- und an den Sohn gar nicht mehr denkend, der
erstaunt, erschreckt, die halboffene Thre des Schenkzimmers in der
Hand, stehn geblieben war, ri er den $
atte. Hopfgarten gab darber im
Anfang ausweichende Antworten, als aber am Abend alle brigen zu Bett,
oder wenigstens ihren verschiedenen Schlafstellen zugegangen waren,
stattete er den ihm mit todtbleichen Wangen und thrnengefllten Augen
gegenbersitzenden Frauen wie dem Professor getreuen Bericht ab ber das
Geschehene. Du lieber Gott, ein Abgrund ffnete sich hier ihren Blicken,
ein Abgrund voll Jammer und Herzeleid, wo sie Glck und Freude vermuthet
hatten, und ihre Thrnen flossen dem Schicksal der armen Freundin aus
vollen, angst- und grambedrckten Herzen.
Am andern Tage ging Hopfgarten mit dem Professor ber die ganze Farm,
die Verbesserungen anzusehn, die gemacht worden, den wirklich
vortrefflich stehenden Mais mit dazwischen gesteckten Wassermelonen und
Krbissen, zu bewundern, und seine weiteren Plne fr die Zukunft
Der Professor schwamm dabei in einem Meer von Wonne; gestand aber doch
em alten Freund, da das Leben hier ein schmhliches, heidenmiges
Geld koste, und der ausbezahlte Arbeitnsl$
wird Herrn Donner interessiren -- von New-Orleans
fortgegangen und hat sich in Milwaukie mit einem Gerippe etablirt.
Mit einem Gerippe? -- was heit das?
Nun, er hat einem andern Doktor einen abgeknaupelten Menschen
abgekauft, und in seinem Laboratorium, wie er die Barbierstube nennt,
aufgestellt; rasirt, schrpft und kurirt nicht allein was das Zeug
halten will, sondern heit auch schon der berhmte deutsche Doktor in
Milwaukie, wo er mit Lakrizenwasser einige ganz ausgezeichnet glckliche
Kuren gemacht und sich neulich, zu dem Gerippe, auch noch eine Frau
Er ist verheirathet? rief Marie.
Glcklicher Gatte und -- ich htte bald was gesagt -- versetzte
Maulbeee, die Sache hebt sich wieder -- #Dr.# Hckler eine Frau
#plus#, Herr Henkel eine Frau #minus# -- #facit# gleich.
Sie haben Henkel in Milwaukie gesehn? frug Hopfgarten so rasch, da
sich der Scheerenschleifer erstaunt nach ihm umdrehte und setzte dann,
da er nicht gerade diesen wollte ahnen lassen, in wieweit er selber
dabei interessirt w$
 _allen_
Menschen helfen, und Deine Frau, vor allen brigen gewi nicht
unglcklich machen; denke nur immer daran, Lobsich. Sieh, ich bin auch
frher manchmal heftig und auffahrend gewesen, und habe gefunden, da
Dich das nur noch schlimmer machte -- ich habe es gelassen seit der
Zeit, und mir selber Gewalt angethan, bis es nie mehr vorfiel; der
Mensch _kann_ sich bezwingen, wenn er nur ernstlich _will_. "So lange ich
lebe, werde ich Dir ja auch gern und treulich zur Seite stehn, aber --
wenn ich fort von Dir bin, Lobsich -- denke nur immer an _die_ Zeit, wie
es da werden wrde, wenn Du Dir allein berlassen bliebest, und Dich
nicht ndern wolltest, und keinen Menschen mehr httest, der Dir
freundlich und ehrlich riethe.
Du bist ein gutes Kind, schmeichelte der Mann, und machst Dir ganz
unntze Sorgen um mich. Hoffentlich lebst Du noch recht lange, und legst
_mich_ noch vielleicht hier irgend wo unter die Erde.
Die Frau schttelte langsam und ernst mit dem Kopf, mochte aber auch
nicht weiter jetzt in de$
inte Halef unbekmmert.
So werden wir absteigen, um die Spur zu untersuchen.
Er blickte mich fragend an.
Sihdi, das ist berflssig. Es ist genug, zu wissn, da Leute hier
geritten sind. Weshalb willst du die Hufspuren untersuchen?
Es ist stets gut, zu wissen, welche Leute man vor sich hat.
Wenn du alle Spuren, welche du findest, untersuchen willst, so wirst du
unter zwei Monden nicht nach Seddada kommen. Was gehen dich die Mnner
an, die vor uns sind?
Ich bin in fernen Lndern gewesen, in denen es viel Wildnis giebt und
wo sehr oft das Leben davon abhngt, da man alle Darb und Ethar, alle
Spuren und Fhrten, genau betrachtet, um zu erfahren, ob man einem
Freunde oder einem Feinde begegnet.
Hier wirst du keinem Feinde begegnen, Effendi.
Das kann man nicht wissen.
Ich stieg ab. Es waren die Fhrten dreier Tiere zu bemerken, eines
Kamels und zweier Pferde. Das erstere war jedenfalls ein Reitkamel, wie
ich an der Zierlichkeit seiner Hufeidrcke bemerkte. Bei genauer
Betrachtung fiel mir eine Eige$
kgeblieben, denn wer Almosen giebt, dem vergilt es
Allah doppelt.
Wohin fahrt ihr von hier?
Das werdet ihr morgen nicht erreichen.
Wir werden am Ras Nayazat anlegen. Wo willst du hin?
Nach Dschidda.
Auf diesem Flo?
Ja. Ich habe ein Gelbde gethan, nur auf meinen Knieen nach Mekka zu
Aber bedenke die Bnke, die Riffe, die Untiefen, die bsen Winde, die
es hier giebt, und die Haifische, welche dein Flo umschwrmen werden!
Allah ist der allein Starke; e wird mich schtzen. Wer sind diese
beiden Mnner?
Ein Gi-- -- ein Nemsi mit seinem Diener.
Ein Unglubiger? Wo will er hin?
Erlaube, da ich meine Datteln hier verzehre; dann werde ich weiter
Gefllt es dir nicht, die Nacht bei uns zu bleiben?
Ich mu weiter.
Das ist sehr gefhrlich.
Der Glubige hat nichts zu frchten; sein Leben und sein Ende is/t im
Buche verzeichnet.
Er setzte sich nieder und zog eine Handvoll Datteln hervor.
Ich hatte den Eingang zu dem Verschlage verriegelt gefunden und mich
ber das Gelnder gelehnt. Da die $
die Nacht auf dem Fahrzeuge zuzubringen, und mit Halef
ausgemacht, da wir abwechselnd wachen wollten. Spter kamen einige der
Matrosen wieder an Bord, um die Wache zu bernehmen, und da traten auch
die beiden Frauen aus dem Verschlage, um an Deck die frische Abendluft
zu genieen. Sie hatten sich auch jetzt doppelt verscwhleiert; das konnte
ich bemerken, weil die Sterne des Sdens einen solchen Glanz
verbreiteten, da es nicht schwer war, das ganze Verdeck zu berblicken.
Sie kehrten aber bald wieder zu ihrem Verschlage zurck, dessen Thre
ich mit meinen Augen beobachten konnte, obgleich ich diesmal im
Vorderteile des Fahrzeuges lag.
Halef schlief ungefhr fnf Schritte von mir entfernt. Als Mitternacht
herankam, weckte ich ihn heimlich und flsterte:
Hast du geschlafen?
Ja, Sihdi. Jetzt schlafe du!g
Ich kann mich auf dich verlassen?
Wie auf dich selbst!
Wecke mich bei der geringsten Ursache zum Verdachte.
Das werde ich thun, Sihdi!
Ich hllte mich fester in den Teppich und schlo die Augen. Ich$
er das trkische Wort wollte nicht kommen,
und Arabisch verstand er vielleicht gar nicht. Daher schnarrte er
kurzweg: Wermyn Roastbeef!
Der Kawehdschi verstand ihn nicht.
Roastbeef! wiederholte er, indem er mit dem Munde und allen zehn
Fingern die Pantomime des Essens machte.
Kebab! bedeutete ich dem Wirt, welcher sogleich hinter der Thre
verschwand, um die Speise zu bereiten. Sie besteht aus kleinen,
viereckigen Fleischstcken, welche an einem Spiee ber dem Feuer
gebraten werden.
Jetzt schenkte der Englnder auch mir seine Aufmerksamkeit.
Araber? fragte er.
Jetzt zog er die dnnen Augenbrauen erwartungsvoll in die Hhe.
Englishman?
Nein. Ich bin ein Deutscher.
Ein Deutscher? Was hier machen?
Kaffee trinken!
#Very well!# Was sein?
Ich bin #writer#![135]
    [135] Schreiber, Schriftstller.
Ah! Was hier wollen in Maskat?
Und dan weiter?
Wei noch nicht.
Haben Geld?
Wie heien?
Ich nannte meinen Namen. Sein Mund ffnete sich auf die Weise, da die
dnnen Lippen ganz genau ein gle$
ffern: sie waren bedeutend, doch nicht grausam; dies
freute mich auerordentlich, zumal ich mir sagen konnte, da mein Wort
hier nicht ganz ohne Einflu gewesen war gegenber den grausamen
Gewohnheiten, welche in solchen Fllen in Anwendung kamen. Von Sklaverei
war keine Rede gewesen.
Wirst du mir eine Bitte erfllen? fragte der Scheik.
Gern, wenn ich kann. Sprich sie aus!
Wir werden einen Teil der Herden der Besiegten holen; dazu brauchen die
Mnner, welche wir senden, weise und tapfere Anfhrer. Ich und Scheik
Malek mssen hier bei den Gefangenen bleiben. Wir brauchen drei
Anfhrer, einen zu den Obede, einen zu den Abu Hammed und einen zu den
Dschowari. Die Scheiks der Abu Mohammed und der Alabede sind bereit;
es fehlt uns der dritte. Willst du e sein?
Wohin willst du gehen?
Wohin gehen die andern?
Sie wollen dir die erste Wahl berlassen.
So gehe ich zu den Abu Hammed, weil ich bereits einmal bei ihnen
gewesen bin. Wann sollen wir aufbrechen?
Morgen. Wie viee Mnner willst du mit dir nehme$
Willst du es sehen?
Ich mu es sehen!
So rufe jenen dort herbei.
Ich zeigte dabei auf seinen lteren Sohn, der soeben am Eingange des
Zeltes erschien. Er rief ihn herbei.
Kommt alle mit! sagte ich.
Mohammed Emin, Malek und die drei cheiks folgten mir nach dem Orte, wo
sich die drei Kamele mit den Tachterwahns niedergelassen hatten. Halef
lie gerade die Dschesidi aussteigen.
Kennst du diese Mnn5r? fragte ich Zedar Ben Huli.
Er fuhr erschrocken zurck; sein Sohn ebenfalls.
Die Dschesidi! rief er.
Ja, die Dschesidi, welche du langsam morden wolltest, wie du schon
viele gemordet hast, Ungeheuer!
Da funkelte er mich mit wahren Pantheraugen an.
Was hat er gethan? fragte Eslah el Mahem, der Obede.
La es dir erzhlen! Du wirst erstaunen, was fr ein Mensch dein
Kampfgefhrte gewesen ist.
Ich schilderte, auf welche Weise und in welchem Zustande ich die drei
Mnner getroffen hatte. Als ich schwieg, traten alle von ihm zurck.
Dadurch wurde der Blick auf den Eingang des Thales frei, wo sich in
dies$
haben schne Sachen geschenkt und verkauft; sie haben sogar als
Buchdrucker gearbeitet. Und die Leute haben sie angehrt, haben ihre
Geschenke genommen, haben sich taufen lassen, und dann sind sie
hingegangen, um zu rauben, zu stehlen und zu tten, wie vorher. Das
heilige Buch wurde in unserer Sprache gedruckt, aber kein Mensch
verstand den Dialekt, und kein Mensch hier kann schreiben oder lesen.
Glaubst du, da diese frommen Mnner uns das Schreiben und das Lesen
lehren werden? Unsere Feder darf jetzt nur von scharfemTStahle sein.
Oder gehe nach dem berhmten Kloster Rabban Hormuzd, welches einst den
Nestorianern gehrte. Jetzt gehrt es den Katuliklar[195], welche
Alkosch und Telkef bekehrten. Einige arme Mnche verhungern auf der
drren Hhe, auf welcher zwei nackte lbume das Dasein des
Verschmachtens leben. Warum ist es so und nicht anders? Es fehlt der
Jeboschu[196], welcher da gebietet: 'Gnesch ile kamer, sus hem Gibbea
jakinda hem dere Adschala -- Sonne, stehe stille bei Gibeon und, Mond, im
Thale $
usehn da _er mir_ zuerst vorgestellt wird, und nicht
ih _ihm_. -- Und mit einem vorsichtigen Blick umher, denn Jac's
Warnung hatte seine Wirkung keineswegs verfehlt, schlug er sich, mit
der Gegend in der er sich hier befand vollkommen gut bekannt,
seitwrts in das Dickicht, die Stadt auf einem anderen Pfade zu
erreichen und verschwand bald darauf in den dichten, hinter ihm sich
wieder schlieenden Guiavenbschen.
[A] Ein Schiffsausdruck wo kommt Ihr her -- von woher seid Ihr
#Sadie und Ren.#
Ah -- die Brust hebt sich ordentlich frei, wie wir dem wilden wsten
Treiben von Ha und Snde, Leichtsinn und roher Sinnlichkeit den
Rcken kehren, dem Wald, dem unentweihten Walde zuzustreben. Noch
haben wir aber nicht all die bunten wilden Gruppen hinter uns, die
zerstreut bei all den verschiedenen Htten, in all den kleinen Hainen
ihre Orgien feiern. Horch, von da drben herber lauter und munterer
Trommelschlag unter den Palmen vor -- lachende Mnner und
Mdchenstimmen und jubelnder Chor; und von _dort_? tnt de$
 Matrose ohne aufzusehen -- befinde mich
g'rade hier wohl wo ich bin.
Auch gut, brummte der Andere finster -- besser keine Gesellschaft
wie schlechte, und mit einem kurzen Gru nach Jim hinber, winkte er
seinem Fhrer und verlie rasch und mrrisch das Haus.
Nicht ein Wort wurde gesprochen, als sich die leichte Bambusthr
wieder hinter den Beiden schlo, und die Zurckbleibenden horchten
viele Minuten lang lautlos und aufmerksam den, bald in der Ferne
verhallenden Schritten. Der Mann von der ~Kitty Clover~, Bob mit
Namen, rach zuerst das Schweigen wieder, und sich mit finster
zusammengezogenen Brauen den Hut aus der Stirn rckend brummte er,
mehr mit si^h selbst als zu den Anderen redend, und die letzten Worte
des wunderlichen Burschen wiederholend, der hier so pltzlich zwischen
ihnen aufgetaucht und verschwunden war:
Besser keine Gesellschaft wie schlechte? -- Wetter Kamerad, Du
wrdest weit in der Welt herumsuchen mssen, wenn Du schlechtere
finden wolltest wie Dein eigenes ses Ich.
Kennt Ihr $
od. Sie kmpften im Marchfeld
  Lange die blutige Schlacht, und es rhmten sich beide des Sieges.
  Aber an Hermanns Macht, des glcklichen, schlossen die Scharen
  Marbods sich an. Da entri, mit den Rmern verbndet, ihm Katwald,
  Strmend, die Burg Mar'bud, und entthront' ihn. Ach, er vertraue
  Roma's tuschender Huld, und starb in den Mauern Ravenna's
  Arm -- ein Zeuge des wechselnden Glcks auf irdischer Laufbahn!
  Doch nun kam er herauf, und wandte sich rasch nach den Fluren
  Oestreichs, das er mit Bojenheim sein nannt' in der Vorzeit.
  Bald gewahrte sein Ag' auf des Lilienfelder Gebirgs Hh'n
  Drben die Ritterschar blondhaariger Deutschen. Er schwebte
  Jetzt in sausender Eile dahin, und so, wie der Geier
  Schnell von dem Felsenhorst nach dem dunkeln Thale herabfhrt,
  Weil er im Laub hellschwirrende Vgel ersphte: so blitzschnell
  Fuhr er herab. Er staunte: wie hier die ermdeten Krieger
  Schlummerten; dort, zu dem Bild des Gekreuzigten, einer der Helden
  Flehend rang, und ein Greis ihm $
cht
  So von dem Wiesengrund das langgedehnete Viereck.
  Aber es wich an dem unteren Rand des umschrankten Gebiethes
  Quer ein Balken zurck, so er Einla both den Erwhlten,
  Und an dem oberen stand, gar herrlich gestaltet, die Prachtlug[1]
  Oben verziert mit dem Doppelaar, mit der Kron' und dem Zepter,
  Und von Innen geschmckt mit Sammtvorhngen von Purpur,
  Die an dem Saum' umher von goldnen Blumen erglnzten.
  Dort deq Herrscher und seinem Gefolg', erles'nen Geschlechtes,
  Standen die Sitz' erhht, und emporgereihet im Halbkreis';
  Doch ein breites Gerst, entlang die Schranken der Turnbahn,
  Bauten sie auch; versahn's mit emporgereiheten Sitzen
  Fr schaulustiges Volk aus den nahen und fernen Gefilden,
  Und erhhten die luftigen Zelt', entgegen der Prachtlug:
  Tapferen Rittern zur Rast, die her zu turneien gekommen.
  Als der Krieger dem Zelt' enteilete, stand er, vor Staunen,
  Pltzlich verstummt; er rieb sich die Augen im dmmernden Frhroth;
  Sann: ob Trume der Nacht ihn fften, oder$

  Gattinn und Shnchen zurck: denn kaum entschwand ihm ein Jahr erst
  Glcklicher Ehe, als ihn zu den Waffen der tapfere Herzog,
  Albrecht, rief! Er sann, des Kind's und der Gattinn gedenkend,
  Einen Augenblick; dann dacht' er der Pflicht und der Rettung
  Seiner Gefhrten: er schrie -- der edelmthige Krieger
  Schrie, und sank, von Rdigers Schwert durchbohrt, auf den Sand hin.
    Wildes Getmmel erscholl. Hervor aus der dmernden Wachtstub'
  Strmten Wolfs Gefhrten, voll Hast, und Rdiger Waldram
  Hob das blutige Schwert mit gellendem Ruf in die Luft auf.
  Alsbald trafen sich, im Gemeng, die empreten Brger
  Und die Krieger zugleich. Wie Nachts von der eichenen Tenne
  Lautes Gepolter erschallt, wenn emsige Lhner des Weizens
  Goldene Frucht entdreschen dem Halm: so tnte der Waffen
  Hmmernder Schlag von dem Schild' und dem Helm der kmpfenden Mnner.
  Nur Gesthne der Wuth erscholl in den Hallen, und Blut flo
  Rings in Strmen umher. Die Krieger des Kampfes gebter,
  Wrgten die grer$
         d. 2. _Decbr._ 1813.
        Innig geliebte Tochter,
Ich habe sogleich Ihr werthes Schreiben vom 20 _Nov._ mit inl. zwey
Stk _Louisdor_ richtig erhalten, ich danke Ihnen von Hertzen; nicht mit
Gleichgltigkeit, sondern mit inniger Rhrung, mit Gebeth und Dank zu
Gott erkenne ich die gttliche Wohlthat da mir die Vorsehung so eine
gute Seele zur Tochter gegeben hat. Ich fhle und bedaure, da Sie mich
nicht blos mit Entbehrlichkeit untersttzen, sondern, da ich den Druk
der Zeit, und die vielen Aufopferungen kenne, und den sichern Schlu
machen kan, da auch mein lieber Sohn in seinem Erwerb betrchtlich
zurk gesezt ist, so kan ich einsehen, da Sie, aus Liebe zu mir,
manches entbehren werden.
Ihre guten Nachrichten, da Sie Gott, bey den berhandnehmenden
Krankheiten gesund erhalten, und da Sie ihren lieben Sohn bey sich
haben, freuet und trstet mich.
MeineGesundheitsumstnde haben sich nicht gebeert, meine Krffte
nehmen allmhlich ab, ich spre da ich seit etlichen Wochen viel
schwcher gew$
cht bestndig ich
mache mir Bewegung, ich habe einen Stuhl im Gange vor welchen ich
zubereite, bey dieser Lebensart bleiben meine Glieder und mein Blut in
wohlthtigerer Bewegung, den Kram habe ich abgegeben, indem mein Krper
darzu nicht mehr fhig ist (und da besonders bey kalter Jahreszeit.)
Nur bedaurd ich, wenn ich nach Gottes Willen och eine Zeit lang leben
soll, da mein Magen so sehr schwach ist, ich kan fast gar nichts
genieen, mich damit zu strken und zu erquiken. Die gewaltthtigen
kriegerischen Erugnie, welche sehr schdlich auf meine schwachen
Geisteskrfte wirkten, haben sich, (Gott sey es Dank) vermindert, ich
habe just heute, einen Ruen, zum Glk einen gesitteten, zur
Einquartirung.
Bei allen Unangenehmen was mich dieses Jahr betroffen hat ist mir immer
sehr bange um Sie und die Ihrigen gewesen, und habe zu Gott um Ihre
Erhaltung geseufzet. Ich freue mich, und danke es Gott von Hertzen, da
er greres Unglk in Gnaden von uns abgewendet hat.
Da es die Zeit nicht gestattet da Harrtmann$
igte ihm unsere Werkzeuge und erklrte ihm bei
Gelegenheit unserer Arbeiten manchmal deren Gebrauch.
Ich kam nach der Zeit auch einige Male mit ihm in seinen Pfarrhof
hinunter. Wo das strkste Gestein sich ein wenig auflst, gingen wir
ber eine sanftere Abdachung gegen das Kar hinab. An dem Rande der
Gesteine lag eine Wiese, es standen Iehrere Bume darauf, unter ihnen
eine schne, groe Linde, und hinter der Linde stand der Pfarrhof. Er
war damals ein weies Gebude mit einem Stockwerke, das sich von dem
freundlicheren Grn der Wiese, von den Bumen und von dem Grau der
Steine schn abhob. Das Dach war mit Schindeln gedeckt. Die Dachfenster
waren mit Trchen versehen, und die Fenster des Hauses waren mit grnen
Flgelbalken zu schlieen. Weiter zurck, wodie Landschaft einen Winkel
macht, stand gleichsam in die Felsen versteckt die Kirche mit dem rot
angestrichenen Kirchturmdache. In einem andern Teile des Kar stand in
einem drftigen Garten die Schule. Diese drei einzigen Gebude waren das
ganze Kar. Die $
Blitze waren schrfer und erleuchteten trotz des Kerzenlichts bei jedem
Aufflammendie Winkel des Stbleins. Die Donner wurden ernster und
dringender. So blieb es eine lange Weile. Endlich kam der erste Sto des
Gewitterwindes. Der Baum, welcher vor dem Hause stand, schauerte einen
Augenblick leise, wie von einem kurz abgebrochenen Lftcen getroffen,
dann war es wieder still. ber ein Kleines kam das Schauern abermals,
jedoch lnger und tiefer. Nach einem kurzen Zeitraume geschah ein
starker Sto, alle Bltter rauschten, die ste mochten zittern, nach der
Art zu urteilen, wie wir den Schall herein vernahmen, und nun hrte das
Tnen gar nicht mehr auf. Der Baum des Hauses, die Hecken um dasselbe
und alle Gebsche und Bume der Nachbarschaft waren in einem einzigen
Brausen befangen, das nur abwechselnd abnahm und schwoll. Dazwischen
schallten die Donner. Sie schallten immer schneller und immer heller.
Doch war das Gewitter noch nicht da. Zwischen Blitz und Donner war noch
eine Zeit, und die Blitze, so hell sie $
nd die Gewohnheit wird dann sehr leicht, sehr leicht.
Nach diesen Worten ging ich wieder, nachdem ich ihm zum zweiten Male
eine gute Nacht gewnscht hatte, in mein Stblein und legte mich wieder
in mein Bett. Ich erinnerte mich nun auch, da ich wirklich nie ein Bett
gesehen habe, sooft ich frher in der Behausung des Pfarrers gewesen
war. Ich dachte noch eine Zeitlang an die Sache und konnte nicht umhin,
die uerste Feinheit des Linnens des Pfarrers sehr wohlttig an meinem
Krper zu empinden. Nach einer kurzen Zeit lieferte der Pfarrer den
tatschlichen Beweis, da er an sein Lager gewohnt sei; denn ich hrte
aus dem sanften, regelmigen Atmen, da er bereits in tiefen Schlummer
gesunken sei.
Da ich nun auch ruhig war, da alles in dem Pfarrhause totenstille war,
da der Wind aufgehrt hatte, der Regen kaum nur leise zu vernehmen war
und die Blitze wie verloren nur mehr selten mit mattem Schein das
Fenster berhrten, senkte sich auf meine Augen der Schlummer, und
nachdem ich die Kerze ausgelscht hatte, ve$
Tale aus den Berg zu besteigen, so dienen die Bewohner des
Dorfes als Fhrer, und einmal Fhrer gewesen zu sein, dieses und jenes
erlebt zu haben, diese und jene Stelle zu kennen, ist eine Auszeichnung
die jeder gern von sich darlegt. Sie reden oft davon, wenn sie in der
Wirtsstube beieinander sitzen und erzhlen ihre Wagnisse und ihre
wunderbaren Erfahrungen und versumen aber auch nie zu sagen, was dieser
oder jener Reisende gesprochen habe, und was sie von ihm als Lohn fr
ihre Bemhungen empfangen htten. Dann sendet der Berg von seinen
Schneeflchen die Wasser ab, welche einen See in seinen Hochwldern
speisen und den Bach erzeugen, der lustig durch das Tal strmt, die
Brettersge, die Mahlmhle und anaere kleine Werke treibt, das Dorf
reinigt und das Vieh trnkt. Von den Wldern des Berges kommt das Holz,
und sie halten die Lawinen auf. Drch die innern Gnge und Lockerheiten
der Hhen sinken die Wasser durch, die dann in Adern durch das Tal gehen
und in Brnnlein und Quellen hervorkommen, daraus die Men$
rere Flche von Grn und Blau in das Tal, manche Kuppen und
Rume werden entkleidet, die man sonst nur wei erblickt hatte, der
schmutzige Saum des Eises wird sichtbar, wo es Felsen, Erde und Schlamm
shiebt, und viel reichlichere Wasser als sonst flieen in das Tal. Dies
geht fort, bis es nach und nach wieder Herbst wird, das Wasser sich
verringert, zu einer Zeit einmal ein grauer Landregen die ganze Ebene
des Tales bedeckt, worauf, wenn sich die Nebel von den Hhen wieder
lsen, der Berg seine weiche Hlle abermals umgetan hat, und alle
Felsen, Kegel und Zacken in weiem Kleide dastehen. So spinnt es sich
ein Jahr um das andere mit geringen Abwechslungen ab und wird sich
fortspinnen, solange die Natur so bleibt und auf den Bergen Schnee und
in den Tlern Menschen sind. Die Bewohner des Tales heien die geringen
Vernderungen groe, bemerken sie wohl und berechnen an ihnen den
Fortschritt des Jahres. Sie bezeichnen an den Entblungen die Hitze und
die Ausnahmen der Sommer
Was nun noch die Besteigung des Be$
Auf diese Weise wurden die Zimmer
Da man den Gesindezimmern nicht zugleich die nmliche Hilfe zuwenden
konnte, brannten wirklich einige ein. Als man aber die Herrenzimmer in
Sicherheit wute, wendete man sich jetzt auch dorthin und tat dem
Weitergreifen des Feuers Einhalt.
Hierauf wurden die BXalken und Sparren, die rigs um das Haus
herumgestreut lagen und brannten, beiseitegebracht und gelscht. Und ehe
Mitternacht gekommen war, war die Hauptsache vorber. Nur das vorrtige
Brennholz brannte noch mit stiller aber heftiger Glut und Lohe weiter.
Die Spritze vermehrte nur den Brand, da sich das Wasser zersetzte und
das Brennen frderte. Man htte mit Schaufeln Erde auf das Feuer werfen
knnen; aber die Hitze erlaubte nicht, sich so weit zu nhern, da man
mit Werfen das Feuer htte erreichen knnen. Es blieb daher nur brig,
das Feuer zu umstehen, es zusammenbrennen zu lassen und nur zu sorgen,
da es sich nicht neuerdings weiterverbreite. Auch um alle Teile des
Hauses wurden Wachen gestellt, da kein Funke sic$
 der einen, c. 3 X. V, 17 de raptoribus,[31] nur
kirchliche Bedeutung zukommt, die andere, c. siquis 6 Causa 23 quaest.
3,[32] aber niemals in praktischeK Geltung gestanden hat und stehen
kann; und auf die auth. Navigia C. de furtis (c. 18 C. 6, 2), der in
der Tat nur eine sehr viel engere Bedeutung zukommt (s. unten Note 37
und oben Note 19). Die Lehre ist eine der doktrinren und
vorbergehenden Aufstellungen, die die Rezeption im Gefolge hatte.
In Wahrheit sieht das ltere Recht in dem Piraten ebensowenig einen
Rechtlosen, einen Fremden oder Feind im alten Sinne, wie einen
rechtmssigen Kriegsfeind. Die im Piraterierecht tatschlich
enthaltenen kriegsrechtlichen Bestandteile sind vereinzelt und genau
umgrenzt; das Verhltnis ist das, dass einem grundstzlich
polizeilichen und kriminellen Tatbestande einzelne Elemente
kriegsrechtlichen Charakters anhaften. Folgende Punkte kommen in
1. Das Verbot der Piraterie sctzt lange Zeit nur die Schiffe des
eigenen und befreundeter Staaten. Zu den Feinden in diesem Si$
erung massgebend ^5, hier schaltete der Feldherr unumschraenkt wie der 
Koenig. Es stellte sich fest, dass der Feldherr und das Heer als solche die 
eigentliche Stadt regelmaessig nicht betreten durften. Dass organische und auf 
die Dauer wirksame Bestimmungen nur unter der Herrschaft der buergerlichen 
Gewalt getroffen werden konnte, lag nicht im Buchstaben, aber im Geiste der 
Verfassung; es kam freilich vor, dass gelegentlich diesem zuwiderder Feldherr 
seine Mannschaft im Lager zur Buergerversammlung berief und rechtlich nichtig 
war ein solcher Beschluss nicht, allein die Sitte missbilligte dieses Verfahren 
und es unterblieb bald, als waere es verboten. Der Gegensatz der Quiriten und 
der Soldaten wurzelte allmaehlich fest und fester in den Gemuetern der Buerger.
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^5 Es mag nicht ueberfluessig sein zu bemerken, dass auch das iudicium 
legitimum wie das quod imperio continetur auf dem Imperium des instruierenden 
Beamten beruht und der Unterschied nu$
lich als transitorische Einrichtung bis zur 
Durchfuehrung der Assignation, auch frueher schon bei dem Gemeinlande 
vorgekommen sein. Jetzt indes wurde dieser Okkupationsbesitz nicht bloss 
dauernd, sondern es griffen auch, wie natuelich, nur die privilegierten 
Personen oder deren Guenstlinge zu und der Zhnte und Fuenfte ward mit derselben 
Laessigkeit eingetrieben wie das Hutgeld. So traf den mittleren und kleinen 
Grundbesitz ein dreifacher Schlag: die gemeinen Buergernutzungen gingen ihm 
verloren; die Steuerlast stieg dadurch, dass die Domanialgefaelle nicht mehr 
ordentlich in die gemeine Kasse flossen; und die Landauslegungen stockten, die 
fuer das agrikole Proletariat, etwa wie heutzutage ein grossartiges und fest 
reguliertes Emigrationssystem es tun wuerde, einen dauernden Abzugskanal 
gebildet hatten. Dazu kam die wahrscheinlich schon jetzt beginnende 
Grosswirtschaft, welche die kleinen Ackerklienten vertrieb und statt deren durch 
Feldsklaven das Gut nutzte; ein Schlag, der schwerer abzuwenden $
war als alle jene politischen Usurpationen zusammengenommen. De 
schweren, zum Teil ungluecklichen Kriege, die dadurch herbeigefuehrten 
unerschwinglichen Kriegssteuern und Fronden taten das uebrige, um den Besitzer 
entweder geradezu vom Hof zu bringen und ihn zum Knecht, wenn auch nicht zum 
Sklaven seines Schuldherrn zu machen, oder ihn durch Ueberschuldung tatsaechlich 
zum Zeitpaechter seiner Glaeubiger herabzudruecken. Die Kapitalisten, denen hier 
ein neues Gebiet eintraeglicher und muehe- und gefahrloser Spekulation sich 
eroeffnete, vermehrten teils auf diesem Wege ihr Grundeigentum, teils liessen 
sie dem Bauern, dessen Person und Gut das Schuldrecht ihnen in die Haende gab, 
den Namen des Eigentuemers und den faktischen Besitz. Das letztere war wohl das 
Gewoehnlichste wie das Verderblichste; denn mochte damit fuer den einzelnen der 
aeusserste Ruin abgewandt sein, so drohte dagegen diese prekaere, von der Gnade 
desGlaeubigers jederzeit abhaengige Stellung des Bauern, bei der derselbe vom 
Eigent$
Offiziere waren als 
Zivilbeamte und insofern der Plebejer so gut wie zum Militaertribunat auch zur 
Quaestur befaehigt erschien, setzte es durch, dass fuer die Quaestorenwahlen 
auch plebejische Bewerber zugelassen wurden und erwarb damit zum erstenmal zu 
dem aktiven Wahlrecht auch das passive fuer eines der ordentlichen Aemter. Mit 
Recht ward es auf der einen Seite als ein grosser Sieg, auf der anderen als eine 
schwere Niederlage empfunden, dass fortan zu dem Kriegs- wie zu dem 
Stadtzahlmeisteramt der Patrizier und der Plebejer aktiv und passiv gleich 
wahlfaehig waren.
Trotz der hartnaeckigsten Gegenwehr schritt der Adel doch nur von Verlust 
zu Verlust; die Erbitterung stieg, wie die Macht sank. Er hat es wohl noch 
versucht, die der Gemeinde vertragsmaessig zugesicherten Rechte geradezu 
anzutasten; aber es waren diese Versuche weniger berechnete Parteimanoever als 
Akte einer impotenten Rachsucht. So namentlich der Prozess gegen Maelius, wie 
unsere allerdings wenig zuverlaessige Ueberleferung ihn$
kkupation des nicht 
zur Weide ausgelegten Domanialbesitzes bis zu einem hoch gegriffenen Maximalsatz 
gestattete, raeumte sie den mermoegenden einen bedeutenden und vielleicht schon 
unverhaeltnismaessigen Voranteil an dem Domaenenertrag ein und verlieh durch die 
letztere Anordnung dem Domanialbesitz, obgleich er rechtlich zehntpflichtig und 
beliebig widerruflich blieb, sowie dem Okkupationssystem selbst gewissermassen 
eine gesetzliche Sanktion. Bedenklicher noch war es, dass die neue Gesetzgebung 
weder die bestehenden, offenbar ungenuegenden Anstalten zur Eintreibung des 
Hutgeldes und des Zehnten durch wirksamere Zwangsmassregeln ersetzte, noch eine 
durchgreifende Revision des Domanialbesitzes vorschrieb, noch eine mit der 
Ausfuehrung der neuen Gesetze beauftragte Be4oerde einsetzte. Die Aufteilung des 
vorhandenen okkupierten Domaniallandesteils unter die Inhaber bis zu einem 
billigen Maximalsatz, teils unter die eigentumslosen Plebejer, beiden aber zu 
vollem Eigentum, die Abschaffung des Okkupati$
e Erstreckung des latinischen Namens aufWdie ganze 
zuzugpflichtige italische Bundesgenossenschaft ^16. Was immer von diesem 
grossartigen politischen Bau sich noch erkennen laesst, daraus spricht der hohe 
politische Verstand seiner namenlosen Baumeister; und die ungemeine Festigkeit, 
welche diese aus so vielen und so verschiedenartigen Bestandteilen 
zusammengefuegte Konfoederation spaeterhin unter den schwersten Stoessen 
bewaehrt hat, drueckte ihrem grossen Werke das Siegel des Erfolges auf. Seitdem 
die Faeden dieses so fein wie fest um ganz Ita~ien geschlungenen Netzes in den 
Haenden der roemischen Gemeinde zusammenliefen, war diese eine Grossmacht und 
trat anstatt Tarents, Lucaniens und anderer durch die letzten Kriege aus der 
Reihe der politischen Maechte geloeschter Mittel- und Kleinstaaten in das System 
der Staaten des Mittelmeers ein. Gleichsam die offizielle Anerkennung seiner 
neuen Stellung empfing Rom durch die beiden feierlichen Gesandtschaften, die im 
Jahre 481 (273) von Alexandreia nac$
chlichen Plne und der Allgewalt des Schicksals.  Nichts anderes
sagte das mchtige Antlitz als Frmmigkeit und Gehorsam.
Da legte sich unversehens eine Hand auf die Schulter des Kanzler.
Nach einem kleinen gespenstischen Schrecken, als ob ihn der Geist des
vor ihm Schlummernden von hinten berhre, wandte er sich und
erblickte einen gelben Schdel und eine von Alter gebrochene Gestalt.
Zwei braune kluge, aber unendlich wehmtige Augen waren ihr einziges
"Numa!  Wahrhaftig, du hast mich erschreckt."
"Ich glaube es.  Aber komm, Kanzler.  Lassen wir ihn schlummern und
setzen uns dort gegenber, da ich ihn von ferne beobachte."  Sie
thaten es, und der Arzt, der wohl achtzig zhlen mochte, doch sein
feines Gehr bewahrt hatte, lie sich mit dem Kanzler in ein
lispelndes Gesprch ein.  "Du glaubst gewonnen zu haben?" fragte er.
"Ich wei nicht", sagte der Kanzler.  "Est in votis."
"Enttusche dich, Girolamo!  Ich sage dir, auch wenn er wollte, so
kann er nicht."
"Er knnte nicht?  Warum?  Das tnt geheimnisvoll.  $
ara ein Reitender in weiem Mantel und gesellte sich zu ihm.
Zusammen ritten sie durch das Schlotor.  Schweigend folgte der
Begleiter dem Gange Pescaras und berschritt hinter ihm die Schwelle
des Gemaches.
Pescara wendete sich.  "Was wollt Ihr, Moncada?" fragte er, und
dieser antwortete: "Eine Unterredung ohne Zeugen, die Ihr mir nicht
zum zweiten Male verweigern werdet."
"Ich stehe zu Diensten."
"Erlaucht", begann der Ritter, "ich habe, wie Ihr erlaubtet, den
Kanzler drben gesprochen.  Er war voller Angst und Blsse und
beteuerte mit tausend Eiden, er sei gekommen, Aufschub und leichtere
Bedingungen zu erlangen, nu dieses habe ihn nach Novara gefhrt.
Dann schwatzte er wild durcheinander wie das bse Gewissen.  Dieser
Mensch ist ein Abgrund von Lge, in welchem der Blick sich verliert.
Ich bin sicher, da er im Namen der Liga hier ist.""Nicht anders", sagte der Feldherr.
"Und da er Euch die Fhrung derselben angeboten hat?"
"Nicht anders."
Jetzt entstand Lrm im Vorzimmer.  Ippolito beiseite werfend,
ve$
tadt 
in Libyen, ueberfluegelte sie bald ihre Nachbarn, ja die Heimat selbst durch die 
unvergleichlich guenstige Lage und die rege Taetigkeit ihrer Bewohner. Gelegen 
unfern der (ehemaligen) Muendung des Bagradas (Medscherda), der die reichste 
Getreidelandschaft Nordafrikas durchstroemt, auf einer fruchtbaren noch heute 
mit Landhaeusern besetzten und mit Oliven- und Orangenwaeldern bedeckten 
Anschwellung des Bodens, der gegen die Ebene sanft sich abdacht und an der 
Seeseite als meerumflossenes Vorgebirg endigt, inmitten des grossen Hafens von 
Nordafrika, des Golfes von Tunis, da wo dies schoene Bassin den besten 
Ankergrund fuer groessere Schiffe und hart am Strande trinkbares Quellwasser 
darbietet, ist dieser Platz fuer Ackerbau und Handel und die Vermittlung beider 
so einzig guenstig, dass nicht bloss die tyrische Ansiedlung daselbst die erste 
phoenikische Kaufstadt ward, sondern auch in er roemischen Zeit Karthago, kau 
wiederhergestellt, die dritte Stadt des Kaiserreichs wurde und noch heute unte$
ltischen Landes zwischen den Alpen und dem Apennin zu einem eigenen, vom 
konsularischen verschiedenen und einem besonderen staendigen Oberbeamten 
unterworfenen Sprengel gehoert erst Sulla an. Es wird natuerlich dagegen niemand 
geltend machen, dass schon im sechsten Jahrhundert sehr haeufig Gallia oder 
Ariminum als "Amtsbezirk" (provincia) gewoehnlich eines der Konsuln genannt 
wird. Provincia ist bekanntlich in der aelteren Sprache nicht, was es spaeter 
allein bedeutet, ein raeumlich abgegrenzter, einem staendigen Oberbeamten 
unterstellter Sprengel, sondern die fuer den einzelnen Konsul zunaechst durch 
Uebereinkommen mit seinem Kollegen unter Mitwirkung des Senats festgestellte 
Kompetenz; und in diesem Sinn sind haeufig einzelne norditalische Landschaften 
oder auch Norditalien ueberhaupt einzelnen Konsuln als provincia ueberwiesen 
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Im Adriatischen Meer, an dessen [ingang die wichtige und laengst 
vorbereitete Kolonie Brundisium endlich noch waehrend des K$
ie 
blockierten Kolonisten zu entsetzen; allein in den Waeldern ueberrascht, blieb 
ihm nach starkem Verlust nichts anderes uebrig, als sich auf einem Huegel 
festzusetzen und hiervon den Boiern sich gleichfalls belagern zu lassen, bis 
eine zweite von Rom gesandte Legion unter dem Praetor Lucius Atilius Heer und 
Stadt gluecklich befreite und den gallischen Aufstand fuer den Augenblick 
daempfte. Dieser voreilige Aufstand der Boier, der einerseits, insofern er 
Scipios Abfahrt nach Spanien verzoegerte, Hannibals Plan wesentlich gefoerdert 
hatte, war anderseits die Ursache, dass er das Potal nicht bis auf die Festungen 
voellig unbesetzt fand. Allein das roemische Korps, dessen zwei stark dezimierte 
Legionen keine 20000 Soldaten zaehlten, hatte genug zu tun, die Kelten im Zaum 
zu halten, und dachte nicht daran, die Alpenpaesse zu besetzen, d0ren Bedrohung 
man auch in Rom erst erfuhr, als im August der Konsul Publius Scipio ohne sein 
Heer von Massalia nach Italien zurueckkam, und vielleicht selbst damals$
r, hatte das kuehne und feste Auftreten des dorthin gesandten 
roemischen Feldherrn Gnaeus Scipio ihm vereitelt. Nach Hannibals Uebergang ueber 
die Rhone war dieser nach Emporiae gesegelt und hatte sich zuerst der Kueste 
zwischen den Pyrenaeen und dem Ebro, dann nach Besiegung des Hanno auch des 
Binnenlandes bemaechtigt (536 218). Er hatte im folgenden Jahr (537 217) die 
karthagische Flotte an der Ebromuendung voellig geschlagen, hatte, nachdem sein 
Bruder Publius, der tapfere Verteidiger des Potals, mit Verstaerkung von 8000 
Mann zu ihm gestossen war, sogar den Ebro ueberschritten und war vorgedrungen 
bis gegen Sagunt. Zwar hatte Hasdrubal das Jahr darauf (538 216), nachdem er aus 
Afrika Verstaerkungen erhalten, den Versuch gemacht, den Befehl seines Bruders 
gemaess eine Armee ueber die Pyrenaeen zu fuehren; allein die Scipionen 
verlegten ihm den Uebergang ueber den Ebro und schlugen ihn vollstaendig, twa 
um dieselbe Zeit, wo in Italien Hannibal bei Cannae siegte. Die maechtige 
Voelkerschaft de$
len.
Indes war diese Fuegsamkeit der Besiegten doch nicht bloss Geduld und 
Ergebung. Es gab noch in Karthago eine Patriotenpartei und an ihrer Spitze stand 
der Mann, der, wo immer das Schicksal ihn hinstellte, den Roemern furchtbar 
blieb. Sie hatte es nicht aufgegeben, unter Benutzng der leicht 
vorauszusehenden Verwicklungen zwischen Rom und den oestlichen Maechten noch 
einmal den Kampf aufzunehmen und, nachdem der grossartige Plan Hamilkars und 
seiner Soehne wesentlich an der karthagischen Oligarchie gescheitert war, fuer 
diesen neuen Kampf vor allem das Vaterland innerlich zu erneuern. Die bessernde 
Macht der Not und wohl auch Hannibals klarer, grossartiger und der Menschen 
maechtiger Geist bewirkten politische und finanzielle Reformen. Die Oligarchie, 
die durch Erhebung der Kriminaluntersuchung gegen den grossen Feldherrn wegen 
absichtlich unterlassener Einnahme Roms und Unterschlagung der italischen Beute 
das Mass ihrer verbrecherischen Torheiten voll gemaht hatte - diese verfaulte 
Oligarchi$
 ein 
guter Teil im Besitz der Koenige von Pergamon, und die Inseln und Kuestenstaedte 
teils aegyptisch, teils frei, so dass dem Grosskoenig hier wenig mehr blieb als 
das innere Kilikien, Phrygien und Lydien und eine grosse Anzahl nicht wohl zu 
realisierender Rchtstitel gegen freie Staedte und Fuersten - ganz und gar wie 
seiner Zeit die Herrschaft des deutschen Kaisers ausser seinem Hausgebiet 
bestellt war. Das Reich verzehrte sich in den vergeblichen Versuchen, die 
Aegypter aus den Kuestenlandschaften zu verdraengen, in dem Grenzhader mit den 
oestlichen oelkern, den Parthern und Baktriern, in den Fehden mit den zum 
Unheil Kleinasiens daselbst ansaessig gewordenen Kelten, in den bestaendigen 
Bestrebungen, den Emanzipationsversuchen der oestlichen Satrapen und der 
kleinasiatischen Griechen zu steuern, und in den Familienzwisten und 
Praetendentenaufstaenden, an denen es zwar in keinem der Diadochenstaaten fehlt, 
wie ueberhaupt an keinem der Greuel, welche die absolute Monarchie in entarteter 
Zeit $
 die gleich nach Alexanders Tode die makedonische Bestzung 
vertrieben hatten, waren durch ihre glueckliche Lage fuer Handel und Schiffahrt 
Vermittler des Verkehrs in dem ganzen oestlichen Mittelmeer geworden und die 
tuechtige Flotte wie der in der beruehmten Belagerung von 450 (304) bewaehrte 
Mut der Buerger setzten sie in den Stand, in jener Zeit ewiger Fehden aller 
gegen alle vorsichtig und energisch eine neut~ale Handelspolitik zu vertreten 
und wenn es galt zu verfechten; wie sie denn zum Beispiel die Byzantier mit den 
Waffen zwangen, den rhodischen Schiffen Zollfreiheit im Bosporos zu gestatten, 
und ebensowenig den pergamenischen Dynasten das Schwarze Meer zu sperren 
erlaubten. Vom Landkrieg hielten sie sich dagegen womoeglich fern, obwohl sie an 
der gegenueberliegenden karischen Kueste nicht unbetraechtliche Besitzungen 
erworben hatten, und fuehrten ihn, wenn es nicht anders sein konnte, mit 
Soeldnern. Nach allen Seiten hin, mit Syrakus, Makedonien und Syrien, vor allem 
aber mit Aegypten st$
 auswaertige 
Buendnisse zu schliessen noch Krieg zu fuehren und keine anderen Schiffe zu 
halten als zwei offene Kaehne, endlich alles Raubgut wieder abzuliefern, den 
Roemern Geisln zu stellen und eine Kriegskontribution zu zahlen. Den 
spartanischen Emigranten wurden die Staedte an der lakonischen Kueste gegeben 
und diese neue Volksgemeinde, die im Gegensatz zu den monarchisch regierten 
Spartanern sich die der "freien Lakonen" nannte, angewiesen, in den Achaeischen 
Bund einzutreten. Ihr Vermoegn erhielten die Emigrierten nicht zurueck, indem 
die ihnen angewiesene Landschaft dafuer als Ersatz angesehen ward; wogegen 
verfuegt wurde, dass ihre Weiber und Kinder nicht wider deren Willen in Sparta 
zurueckgehalten werden sollten. Die Achaeer, obwohl sie durch diese Verfuegung 
ausser Argos noch die freien Lakonen erhielten, waren dennoch wenig zufrieden; 
sie hatten die Beseitigung des gefuerchteten und gehassten Nabis, die 
Rueckfuehrung der Emigrierten und die Ausdehnung der achaeischen Symmachie auf 
de$
enossen vor der Buergerschaft angestellten Rechenschaftsprozesse 
wenigstens in den politisch wichtigen Faellen durchgaengig ganz ebenso erfolglos 
geblieben sind wie die gegen Cato gerichteten Anklagen. Nicht viel mehr als 
diese Anklagen haben die Polizeigesetze gewirkt, welche namentlich zur 
Beschraenkung des Luxus und zur Herbeifuehrung eines sparsamen und ordentlichen 
Haushaltes in dieser Epoce in ungemeiner Anzahl erlassen wurden und die zum 
Teil in der Darstellung der Volkswirtschaft noch zu beruehren sein werden.
Bei weitem praktischer und nuetzlicher waren die Versuche, dem 
einreissenden Verfall mittelbar zu steuern, unter denen die Ausweisungen von 
neuen Bauernhufen aus dem Domanirlland ohne Zweifel den ersten Platz einnehmen. 
Dieselben haben in der Zeit zwischen dem ersten und zweiten Kriege mit Karthago 
und wieder vom Ende des letzteren bis gegen den Schluss dieses Zeitabschnitts in 
grosser Anzahl und in bedeutendem Umfange stattgefunden; die wichtigsten 
darunter sind die Aufteilung der p$
s, noch laecherlicheres Quiproquo ist die Uebersetzung von 
aidoioisin ed/o/ka (d. 15, 373) durch lusi (Fest. v. affatim p. 11). 
Dergleichen ist auch geschichtlich nicht gleichgueltig; man erkennt darin die 
Stufe der Geistesbildung, auf der diese aeltesten roemischen versezimmernden 
Schulmeister standen; und nebenbei auch, dass dem Andronikos, wenn er gleich in 
Tarent geboren war, doch das Griechische nicht eigentlich Muttersprache gewesen 
----------------------------------------------
Indes diese Vorstufe der literarischen Entwicklung ward bald 
ueberschritten. Die Livischen Epen und Dramen galten den Spaeteren, und ohne 
Zweifel mit gutem Recht, gleich den daedalischen Statuen von bewegungs- und 
ausdrucksloser Starrheit mehr als Kuriositaeten denn als Kunstwerke. In der 
folgenden Generation aber baute auf den einmal festgestellten Grundlagen eine 
lyrische, epische und dramatische Kunst sich auf; und auch geschichtlich ist es 
von hoher Wichtigkeit, dieser poetischen Entwicklung zu folgen.
Sowohl d$
ln; und wenn der edle 
Wetteifer der edelsten Athener die attische Buehne ins Leben gerufen hatte, so 
konnte die roemische, im ganzen genommen, nichts werden als eine Sudelkopie 
davon, bei der man nur sich wundert, dass sie im einzelnen noch so viel Anmut 
und Witz zu entfalten vermocht hat.
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^9 Aus den plautinischen Prologen (Cas. 17; Amph. 65) darf auf eine 
Preisverteilung nicht geschlossen werden (Ritschl, Parerga, Bd. 1, S. 229); aber 
auch Trin. 706 kann sehr wohl dem griechischen Original, nicht dem Uebersetzer 
angehoeren, und das voellige Stillschweigen der Didaskalien und Prologe sowie 
der gesamten Ueberlieferung ueber Preisgerichte und Preise ist entscheidend.
Dass an jedem Tage nur ein Stueck gegeben wird, folgt daraus, dass die 
Zuschauer am Beginn des Stuecks von Hause kommen (Poen. 10) und nach dem Ende 
nach Hause gehen (Epid. Pseud. Rud. Stich. Truc. a. E.). Man kam, wie dieselben 
Stellen zeigen, nach dem zweiten Fruehstueck ins Theat3r und w$
sen betrbten
Zeiten, wie ein Maulwurf, unter der Erde suchen mu: sie ist immer
zur rechten Stunde da!
Agnes.  Ich kann mich selbst schtzen, mein Vater!  Was mir gestern
abend widerfuhr, das raubte mir Sprache und Besinnung; wa mir jetzt
widerfhrt, gibt mir beides wieder!  Das eine htt' ich nicht fr
mglich gehalten, aber, bei Gott! das andere noch viel weniger!  (Zu
Trring.)  Dies sagt dem Herzog von mir!
Caspar Bernauer.  Da ist er selbst!
Neunte Szene
Albrecht (tritt ein).  Ja, da ist er!  (Zu Agnes.)  Ward er erwartet?
Agnes (wendet sich ab).
Albrecht.  Agnes--wenn auf dem Wege zu dir ein Himmelswagen flammend
vor mir niedergefahren wre, jeder Radnagel ein Stern, ich wre nicht
eingestiegen, und du-
Agnes.  Gndiger Herr--gestern fehlte mir der Mut Euch anzusehen,
heute, dcht' ich, sollte er Euch fehlen!
Albrecht.  Was hab ich dir denn getan?
Agnes.  Nichts?  Also das wre nichts?  Gndiger Herr, so viel Ehre
knnt Ihr mir gar nicht biHeten, und wenn Ihr mir die Krone aufsetztet,
da sie diese Sch$
ollt' ich belnehmen!
Da kommt ja gar nichts auf die Meinigen.
(Heruntersteigend und dem aus dem Hintergrunde kommenden Gyges,
dem das Volk noch immer zujubelt und Platz macht,
entgegenschreitend.)
Bescheiden bist du, das ist wahr! Du nimmst
Nicht mehr, als da ist.
        Herr, ich kmpfte heut
Als Grieche, nicht als Gyges.
                Um so schlimmer
Fr uns, wenn du die neue Regel bist!
Da tut's ja not, die alten Drachenhute
Hervorzusuchen und sie auszustopfen,
Die, vom Herakles her, noch irgendwo
Im Winkel eines Tempels faulen sollen,
Dn Balg der Schlange mit den hundert Kpfen
Und andres mehr, was euch erschrecken kann!
Du hrst mich nicht!
      Doch! doch!
                        Ei nein, ich seh's,
Du bist zerstreut, du schielst zu jenen Mdchen
Hinber, sie bemerken's auch, schau hin,
Die Kleine neckt die Groe! Du wirst rot?
Pfui, schme dich!
    Mich drstet, Herr!
  Dich drstet?
Das ist was andres! Wer so kmpft, wie du,
Der hat das Recht auf einen guten Trunk,
Und, wenn auch ohne Recht, i$
nd auf	den Leib schieen konnte.  Whrend Wehmller diesen Stock
zusammenrichtete, machte Lury ihm die lebhaftesten Vorstellungen
wegen der Gefahr seiner Reise, aber er lie sich nicht halten.  "So
rede wenigstens mit dem Bauer selbst", sprach Lury; das war Wehmller
zufrieden und ging, ganz zum Abmarsche fertig, hinab.  Kaum aber
waren sie in die Schenke getreten, als der Bauer zu ihm trat und, ihm
den rmel kssend, sagte: "Nu, gndiger Herr, wie kommen wir schon
wieder zusammen?  Sie h.atten ja eine solche Eile nach Stuhlweienburg,
da ich glaubte, Euer Gnaden mten bald dort sein."  Wehmller
verstand den Bauer nicht, der ihm versicherte, da er ihn, mit
derselben blechernen Bchse auf dem Rcken und demselben langen
Stocke in der Hand, nach der ungarischen Grenze gefhrt habe, und
zwar zu rechter Zeit, weil kurz nachher der Weg vom Pestkordon
geschlossen worden sei, wobei der Mann ihm eine Menge einzelne
Vorflle der Reise erzhlte, von welchen, wie vom ganzen, Wehmller
nichts begriff.  Da aber endlic$
e Verbrmung von schwarzem
Fuchspelz und mehrere tchtige Wildbraten zugeschickt hatte.  So
wurde die Sache endlich stille; um aber in etwas auf meine Kosten zu
kommen, legte ich eine Schenke unter der Eiche auf der Insel in dem
Teiche an, wo seitherdie Bauern und Grenznachbarn aus der Gegend
sich sonntags im Sommer viel einstelen und den ledernen Stuhl,
worauf Mores geschlafen, und an den ich ein Stck seines Schweifs,
das ihm die Knechte in der Nacht abgehauen, genagelt habe, besehen;
den Dudelsack habe ich flicken lassen, und mein Knecht, der den Wirt
dort macht, pflegt oben in der Eiche, wo Mores gesessen, darauf den
Gsten, die um den Baum tanzen, vorzuspielen.  Ich habe schon ein
schnes Geld da eingenommen, und wenn mich die Herrschaften einmal
dort besuchen wollen, so sollen sie gewi gut bedient werden.
Diese Erzhlung, welche der Kroat mit dem ganzen Ausdruck der
Wahrheit vorgebracht hatte, wirkte auf die verschiedenste Weise in
der Gesellschaft.  Der Vizegespan, der Tiroler und die Wirtin hatten
k$
ie alten Erinnerungen und 
die alten Gegensaetze verblasst waren. Der roemische Senat meinte die Zeit des 
allgemeinen Vergebens und Vergessens gekommen und entliess im Jahre 604 (150) 
die noch uebrigen der seit siebzehn Jahren in Italien konfinierten achaeischen 
Patrioten, deren Freigebung die achaeische Tagsatzung nicht aufgehoert hatte zu 
fordern. Dennoch irrte man sch. Wie wenig es den Roemern mit all ihrem 
Philhellenentum gelungen war, den hellenischen Patriotismus innerlich zu 
versoehnen, offenbarte sich in nichts so deutlich wie in der Stellung der 
Griechen zu den Attaliden. Koenig Eumenes II. war als Roemerfreund in 
Griechenland im hoechsten Grade verhasst gewesen; kaum aber war zwischen ihm und 
den Roemern eine Verstimmung eingetreNten, als er in Griechenland ploetzlich 
populaer ward; wie frueher von Makedonien erwartete der hellenische Euelpides 
den Erloeser aus der Fremdherrschaft jetzt von Pergamon. Vor allen Dingen aber 
stieg in der sich selbst ueberlassenen hellenischen Kleinstaaterei$
schen Staaten wiederaufzuheben und ueberhaupt gegen die 
Achaeer durchzugreifen. Schon einige Jahre zuvor (591 163) hatten dieselben die 
aetolische Stadt Pleuron aus ihrem Bund entlassen muessen; jetzt wurden sie 
angewiesen auf saemtliche seit dem Zweiten Makedonischen Krieg gemachte 
Erwerbungen, das heisst auf Korinth, Orchomenos, Argos, Sparta im Peloponnes und 
Herakleia am Ota, zu verzichten und ihren Bund wieder auf den Bestand am Ende 
des Hannibalischen Krieges zurueckzufuehren. Wie dies die achaeischen 
Abgeordneten vernahmen, stuermten sie sofort auf den Markt, ohne die Roemer auch 
nur auszuhoeren, und teilten die roemischen Forderungen der Menge mit, worauf 
der regierende und der regierte Poebel eionhellig beschloss, zu allervoerderst 
saemtliche in Korinth anwesende Lakedaemonier festzusetzen, da ja Sparta dies 
Unglueck ueber sie gebracht habe. Die Verhaftung erfolgte denn auch in der 
tumultuarischsten Weise, so dass Lakonername oder Lakonerschuhe als hinreichende 
Einsperrungsgruende ersch$
nen Untertanen umgebracht worden und dass der Urheber 
des Erbfolgkrieges nicht Jugurtha sei, sondern Adherbal. Selbst die leitenden 
Maenner im Senat erschraken vor dem Skandal; Marcus Scaurus suchte zu steuern; 
es war umsonst. Der Senat ueberging das Geschehene mit Stillschweigen und 
verfuegte, dass die beiden ueberlebenden Testamentserben das Reich zu gleichen 
Teilen erhalten und zur Verhuetung neuen Haders die Teilung durch eine 
Kommission des Senats vorgenommen werden solle. Sie kam; der Konsular Lucius 
Oimius, bekannt durch seine Verdienste um die Beseitigung der Revolution, hatte 
die Gelegenheit wahrgenommen, den Lohn fuer seinen Patriotismus einzuziehen, und 
sich an die Spitze dieser Kommission stellen lassen. Die Teilung fiel durchaus 
zu Jugurthas Gunsten und nicht zum Nachteil der Kommissarien aus; die Hauptstadt 
Cirta (Constntine) mit ihrem Hafen Rusicade (Philippeville) kam zwar an 
Adherbal, allein eben dadurch ward ihm der fast ganz aus Sandwuesten bestehende 
oestliche Teil des Reiche$
fangen zu 
Der Senat kassierte zunaechst auch den zweiten Friedensvertrag - den 
Oberbefehlshaber, der ihn abgeschlossen, dem Feinde auszuliefern, wie dies noch 
vor dreissig Jahren geschehen war, schien nach den neuen Begriffen von der 
Heiligkeit der Vertraege nicht ferner noetig -, und die Erneuerung des Krieges 
ward diesmal allen Ernstes beschlossen. Man uebergab den Oberbefehl in Afrika 
zwar wie natuerlich einem Aristokraten, aber noch einem der wenigen vornehmen 
Maenner, die militaerisch und sittlich der Aufgabe gewachsen waren. Die Wahl 
fiel auf Quintus Metellus. Er war wie die ganze maechtige Familie, der er 
angehoerte, seinen Grundsaetzen nach ein starrer und ruecksictsloser 
Aristokrat, als Beamter ein Mann, der es zwar sich zur Ehre rechnete, zum Besten 
des Staats Meuchelmoerder zu dingen, und was Fabricius gegen Pyrrhos tat, 
vermutlich als unpraktische Donquichotterie verlacht haben wuerde, aber doch ein 
unbeugsamer, weder der Furcht noch der Bestechung zugaenglicher Verwalter und 
ein ei$
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Die Gracchische Partei, welche diese transalpinischen Gebietserwerbungen 
veranlasste, wollte offenbar sich hier ein neues und unermessliches Gebiet fuer 
ihre Kolonisationsplaene eroffnen, das dieselben Vorzuege darbot wie Sizilien 
und Afrika und leichter den Eingeborenen entrissen werden konnte als die 
sizilischen und libyschen Aecker den italischen Kapitalisten. Der Sturz des 
Gaius Gracchus machte freilich auch hier sich fuehlbar in der Beschraenkung der 
Eroberungen und mehr noch der Stadtgruendungen; indes wenn die Absicht nicht in 
vollem Umfang erreicht ward, so ward sie doch auch nicht voellig vereitelt. Das 
gewonnene Gebiet und mehr noch die Gruendung von Narbo, welcher Ansiedelung der 
Senat vergeblich das Schicksal der karthagischen zu bereiten suchte, blieben als 
unfertige, aber den kuenftigen Nachfolger des Gracchus an ie Fortsetzung des 
Baus mahnende Ansaetze stehen. Offenbar schuetzte die roemische Kaufmannschaft, 
die nur in Narbo mit Massalia in dem gallisch-britanni$
mung hatten, freier zu agieren und die Entscheidung zu bringen. Die 
angesehensten roemischen Offiziere, wie zum Beispiel Gaius Marius, Quintus 
Catulus und die beiden im Spanischen Krieg erprobten Konsulare Titus Didius und 
Publius Crassus, stellten fuer diese Posten den Konsuln sich zur Verfuegung; und 
wenn man auf Seiten der Italiker nicht so gefeierte Namen entgegenzustellen 
hatte, so bewies doch der Erfolg, dass ihre Fuehrer den roemischen militaerisch 
in nicht nachstanden.
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4 Die Schleuderbleie von Asculum beweisen, dass auch m Heere des Strabo 
die Gallier sehr zahlreich waren.
5 Wir haben noch einen roemischen Senatsbeschluss vom 22. Mai 676 (78), 
welcher dreien griechischen Schiffskapitaenen von Karystos, Klazomenae und 
Miletos fuer die seit dem Beginn des Italischen Krieges (664 90) geleisteten 
treuen Dienste bei ihrer Entlassung Ehren und Vorteile zuerkennt. Gleichartig 
ist die Nachricht Memnons, dass von Herakleia am Schwarzen Meer fuer d$
 wenigstens so lange, als man dochZ mit den 
Asiaten zu tun hatte, gern einen Sieg ueber die Landsleute zu vermeiden und die 
ertraeglichste Loesung der leidigen Verwicklung darin zu finden, wenn die 
Revolutionsarmee in Asien, die der Oligarchie in Europa mit dem 
gemeinschaftlichen Feinde stritt.
Mit dem Fruehling 669 (85) gab es in Europa wieder neue Arbeit. 
Mithradates, der in Kleinasien seine Ruestungen unermuedlich fortsetzte, hatte 
eine, der bei Chaeroneia aufgeriebenen an Zahl nicht viel nachstehende Armee 
unter Dorylaos nach Euboea gesandt; von dort war dieselbe in Verbindung mit den 
Ueberbleibseln der Armee des Archelaos ueber den Euripos nach Boeotien gegangen. 
Der pontische Koenig, der in den Siegen ueber die bithynische und die 
kappadokische Miliz den Massstab fand fuer die Leistungsfaehigkeit seiner Armee, 
begriff die unguenstige Wendng nicht, die die Dinge in Europa nahmen; schon 
fluesterten die Kreise der Hoeflinge von Verrat des Archelaos; peremtorischer 
Befehl war gegeben, mit der $
on einer Anzahl Missvergnuegter ohne eigentlich 
politische Zwecke und nennenswerten Rueckhalt, die hauptsaechlich die 
Rueckberufung der Verbannten in gesetzlicher oder ungesetzlicher Weise 
durchzusetzen sich vorgenommen hatte. Cinna scheint in die Verschwoerung nur 
nachtraeglich und nur deshalb hineingezogen zu sein, weil die Intrige, d`e 
infolge der Beschraenkung der tribunizischen Gewalt zur Vorbringung ihrer 
Antraege einen Konsul brauchte, unter den Konsularkandidaten fuer 667 (87) in 
ihm das geeignetste Werkzeug ersah und dann ihn als den Konsul vorschob. Unter 
den in zweiter Linie erscheinenden Leitern der Bewegung fanden sich einige 
faehigere Koepfe, so der Volkstribun Gnaeus Papirius Carbo, der durch seine 
stuermische Volksberedsamkeit sich einen Namen gemacht hatte, und vor allem 
Quintus Sertorius, einer der talentvollsten roemischen Offiziere und in jeder 
Hinsicht ein vorzueglicher Mann, welcher seit seiner Bewrbung um das 
Volkstribunat mit Sulla persoenlich verfeindet und durch diesen H$
eunigte derselbe seinen Marsch, zur grossen 
Unzufriedenheit seiner Soldaten, welche nach ihrer Meinung Cotta nichts anging 
und die weit lieber ein unverteidigtes Land gepluendert als ihre Kameraden 
siegen gelehrt haetten. Sein Eintreffen machte vdie erlittenen Unfaelle zum Teil 
wieder gut: der Koenig hob die Belagerung von Kalchedon auf, ging aber nicht 
nach Pontos zurueck, sondern suedwaerts in die altroemische Provinz, wo er an 
der Propontis und am Hellespont sich ausbreitete, Lampsakos besetzte und die 
grosse und reiche Stadt Kyzikos zu belagern begann. Immer festerverrannte er 
sich also in die Sackgasse, die er eingeschlagen hatte, statt, was allein fuer 
ihn Erfolg versprach, die weiten Entfernungen gegen die Roemer ins Spiel zu 
bringen. In Kyzikos hatte die alte hellenische Gewandtheit und Tuechtigkeit sich 
so rein erhalten wie an wenigen anderen Orten; ihre Buergerschaft, obwohl sie in 
der ungluecklichen Doppelschlacht von Kalchedon an Schiffen und Mannschaft 
starke Einbusse erlitten hatte$
originellen und gesunden Menschenverstand in der Regel den Nagel auf den Kopf 
traf, war dieser junge kuehle Gelehrte, dem die Schulmeisterweisheit von den 
Lippen troff und den man immer mit dem Buche in der Hand sitzen sah, dieser 
Philosoph, der weder das Kriegs- noch sonst irgendein Handwerk verstand, dieser 
Wolkenwandler im Reiche der abstrakten Moral. Dennoch gelangte e zu sittlicher 
und dadurch selbst zu politischer Bedeutung. In einer durchaus elenden und 
feigen Zeit imponierten sein Mut und seine negativen Tugenden der Menge; er 
machte sogar Schule, und es gab einzelne - freilich waren sie danach -, die die 
lebendige Philosophenschablone weiter kopierten und abermals karikierten. Auf 
derselben Ursache beruht auch sein politischer Einfluss. Da er der einzige 
namhafte Konservative war, der wo nicht Talent und Einsicht, doch Ehrlichkeit 
und Mut besass und immer bereitstand, wo es noetig und nicht noetig war, seine 
Person in die Schanze zu schlagen, so ward er, obwohl weder sein Alter noch sein$
okratie" entwickelt.
^5 Seine noch vorhandene Grabschrift lautet: Cn. Calpurnius Cn, f. Piso 
quaestor pro pr. ex s. c. provinciam Hispaniam citeriorem optinuit.
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Inzwischen entwickelten die orientalischen Verhaeltnisse sich immer 
bedrohlicher fuer die Demokratie. Die Ordnung Syriens schritt rasch vorwaerts; 
schon waren von Aegypten Aufforderungen an Pompeius ergangen, daselbst 
einzuruecken und das Land fuer Rom einzuziehen; man musste fuerchten, demnaechst 
zu vernehmen, dass Pompeius selbst das Niltal in Besitz genommen habe. Eben 
hierdurch mag Caesars Versuh, sich geradezu vom Volke nach Aegypten senden zu 
lassen, um dem Koenige gegen seine aufruehrerischen Untertanen Beistand zu 
leisten, hervorgerufen worden sein; er scheiterte, wie es scheint, an der 
Abneigung der Grossen und Kleinen, irgend etwas gegen Pompeius' Interesse zu 
unternehmen. Pompeius' Heimkehr und damit die wahrscheinliche Katastrophe 
rueckten immer naeher; wie oft auch d$
usbreitete, als es bei seiner geringen Staerke 
nur irgend moeglich war, so blieb die Subsistenz seiner Armee doch schwierig und 
unsicher, waehrend die Feinde, im Besitz der Magazine von Dyrrhachion und Herren 
der See, Ueberfluss an allem hatten. Mit seinem vermutlich wenig ueber 20000 
Mann starken Heer konnte er dem wenigstens doppelt so zahlreichen Pompeianischen 
keine Schlacht anbieten, sondern musste sich gluecklich schaetzen, dass Pompeius 
methodisch zu Werke ging und, statt sofort die Schlacht zu erzwingen, zwischen 
Dyrrhachion und Apollonia am rechten Ufer des Apsos, Caesar auf dem linken 
gegenueber, das Winterlager bezog, um mit dem Fruehjahr, nach dem Eintreffen der 
Legionen von Pergamon, mit unwiderstehlicher Uebermacht den Feind zu vernichten. 
So verflossen Monate. Wenn der Eintritt der besseren Jahrdeszeit, die dem Feinde 
starken Zuzug und den freien Gebrach seiner Flotte brachte, Caesar noch in 
derselben Lage fand, so war er, mit seiner schwachen Schar zwischen der 
ungeheuren Flotte u$
r zu Gunsten der Kleopatra ausfallen konnte und ausfiel, schickten zur 
Befriedigung der roemischen Forderungen die Schaetze der Tempel und das goldene 
Tischgeraet des Koenigs mit absichtlicher Ostentation zum Einschmelzen i die 
Muenze; mit tiefer Erbitterung schauten die aberglaeubisch frommen und der 
weltberuehmten Pracht ihres Hofes wie eines eigenen Besitzes sich erfreuenden 
Aegyper die nackten Waende ihrer Tempel und die hoelzernen Becher auf der Tafel 
ihres Koenigs. Auch die roemische Okkupationsarmee, welche durch den langen 
Aufenthalt in Aegypten und die vielen Zwischenheiraten zwischen den Soldaten und 
aegyptischen Maedchen wesentlich denationalisiert war und ueberdies eine Menge 
alter Soldaten des Pompeius und verlaufener italischer Verbrecher und Sklaven in 
ihren Reihen zaehlte, grollte Caesar, auf dessen Befehl sie ihre Aktion an der 
syrischen Grenze hatte einstellen muessen, und seiner Handvoll hochmuetiger 
Legionaere. Schon der Auflauf bei der Landung, als die Menge die roemischen 
B$
und Salzwasserreservoirs zur Aufbewahrung und 
Zuechtung von Fluss- und Seefischen, den Schnecken- un9 
Siebenschlaeferzuechtungen, den Wildschonungen zur Hegung von Hasen, Kaninchen, 
Hirschen, Rehen und Wildschweinen und den Vogelhaeusern, in denen selbst 
Kraniche und Pfauen gehalten wurden, den Raum einer maessigen Stadt bedeckte. 
Aber der grossstaedtische Luxus macht auch manche fleissige Hand reich und 
ernaehrt mehr Arme als die almosenspendende Menschenliebe. Jene Vogelhaeuser und 
Fischteiche der vornehmenbHerren waren natuerlich in der Regel eine sehr 
kostspielige Liebhaberei. Allein extensiv und intensiv hatte diese Wirtschaft 
sich so hoch entwickelt, dass zum Beispiel der Bestand eines Taubenhauses bis 
auf 100000 Sesterzen (7600 Taler) geschaetzt ward; dass eine rationelle 
Maestungswirtschaft entstanden war und der in den Vogelhaeusern gewonnene 
Duenger landwirtschaftlich in Betracht kam; dass ein einziger Vogelhaendler auf 
einmal 5000 Krammetsvoegel - denn auch diese wusste man zu hegen - $
s Statthalter des Jenseitigen Spaniens den Glaeubigern zwei Drittel 
der Einnahmen ihrer Schuldner zugewiesen, um daraus sich bezahlt zu machen. 
Aehnlich hatte schon Lucius Lucullus als Statthalter von Kleinasien einen Teil 
der masslos angeschwollenen Zinsrestegeradezu kassiert, fuer den uebrigen Teil 
die Glaeubiger angewiesen auf den vierten Teil des Ertrages der Laendereien 
ihrer Schuldner sowie auf eine angemessene Quote der aus Hausmiete oder 
Sklavenarbeit denselben zufliessenden Nutzungen. Es ist nicht ueberliefert, dass 
Caesar nach dem Buergerkrieg aehnliche allgemeine Schuldenliquidationen in den 
Provinzen veranlasst haette; doch kann es, nach dem eben Bemerkten und nach dem, 
was fuer Italien geschah, kaum bezweifelt werden, dass Caesar daraufp ebenfalls 
hingearbeitet hat oder dies wenigstens in seinem Plan lag.
Wenn also der Imperator, soweit Menschenkraft es vermochte, die 
Provinzialen der Bedrueckungen durch die Beamten und Kapitalisten Roms 
entlastete, so durfte man zugleich von der durc$
nleben der vornehmen Welt widerspiegelt; aber {wo 
der Schreiber auf sich selbst angewiesen ist, wie im Exil, in Kilikien und nach 
der Pharsalischen Schlacht, ist sie matt und leer, wie nur je die Seele eines 
aus seinen Kreisen verschlagenen Feuilletonisten. Dass ein solcher Staatsmann 
und ein solcher Literat auch als Mensch nicht anders sein konnte als von schwach 
ueberfirnisster Oberflaechlichkeit und Herzlosigkeit, ist kaum noch noetig zu 
sagen. Sollen wir den Redner noch schildern? Der grosse Schriftsteller ist doch 
auch ein grosser Mensch; und vor allem dem grossen Redner stroemt die 
Ueberzeugung und die Leidenschaft klarer und brausender aus den Tiefen der Brust 
hervor als den duerfjigen vielen, die nur zaehlen und nicht sind. Cicero hatte 
keine Ueberzeugung und keine Leidenschaft; er war nichts als Advokat und kein 
guter Advokat. Er verstand es, seine Sacherzaehlung anekdotenhaft pikant 
vorzutragen, wenn nicht das Gefuehl, doch die Sentimentalitaet seiner Zuhoerer 
zu erregen und durch Witze$
dis.
5] Interim non dissipat politiam aut oeconomiam, sed maxime
postulat conservare tamquam ordinationes Dei et in talibus
ordinationibus exercere caritatem.
6] Itaque necessario debent Christiani obedire magistratibus
suis et legibus;
7] nisi quum iubent peccare, tunc enim magis debent obedire Deo
quam hominibus. Act. 5, 29.
Art. XVII. De Christi Reditu ad Iudicium.
1] Item docent, quod Christus apparebit in consummatione mundi
ad iudicandum,
2] et mortuos omnes resuscitabit, piis et electis dabit vitam
aeternam et perpetua gaudia,
3] impios autem homines ac diabolos condemnabit, ut sine fine
4] Damnant Anabaptistas, qui sentiunt hominibus damnatis ac
diabolis finem poenarum futurum esse.
5] Damnant et alios, qui nunc spargunt7Iudaicas opiniones, quod
ante resurrectionem mortuorum pii regnum mundi occupaturi sint,
ubique oppressis impiis.
Art. XVIII. De Libero Arbitrio.
1] De libero arbitrio docent, qod humana voluntas habeat aliquam
libertatem ad efficiendam civilem iustitiam et deligendas res
rationi sub$
glicher sein eigen Weib, und eine jegliche habe ihren eigenen
Mann." Dazu dringt, zwingt und treibt nicht allein Gottes Gebot,
sondern auch gottes Geschoepf und Ordnung alle die zum Ehestand,
die ohne sonderes [besonderes] Gotteswerk mit der Gabe der
Jungfrauschaft nicht begnadet sind, laut dieses Spruchs Gottes
selbst Gen 2, 18: "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei;
wir wollen ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei."
Was mag man nun dawider aufbringen? Man ruehme das Geluebde
und Pflicht, wie hoch man wolle, an mutze es auf, als [so] hoch man
kann, so mag [kann] dennoch nicht erzwingen, dass Gottes Gebot
dadurch aufgehoben werde. Die Doctores sagen, dass die Geluebde,
auch wier des Papsts Recht, unbuendig [nicht verbindlich] sind,
wieviel weniger sollen sie denn binden, Statt und Kraft haben wider
Gottes Gebot!
Wo die Pflichten der Geluebde keine anderen Ursachen haetten,
dass sie moechten aufgehoben werden, so haetten die Paepste auch
nicht dawider dispensiert oder erlaubt. Denn es gebuehrt kei$
sere
Geschichte, und den Diskurs, wodurch er den Agathon von seinem
liebenswuerdigen und tugendhaften Enthusiasmus zu heilen, und zu einer
Denkungsart zu bringen hofft, welche er nicht ohne guten Grund fuer
geschickter haelt, sein Glueck in der Welt zu machen.  Leute, die aus
gesunden Augen gerade vor sich hin sehen, wuerden ohne unser Erinnern aus
dem ganzen Zusammenhang unsers Werkes, und aus der Art, wie wir bei aller
Gelegenheit von diesem Sophisten und seinen Grundsaetzen reden, ganz
deutlich eingesehenhaben, wie wenig wir dem Mann und dem System guenstig
sind; und ob es sich gleich weder fuer unsere eigene Art zu denken, noch
fuer den Ton und die Absicht unsers Buches geschickt haette, mit dem
heftigen Eifer gegen ihn auszubrechen, welcher einen jungen Magister
treibt, wenn er, um sich seinem Consistorio zu einer guten Pfruende zu
empfehlen, gegen einen Tindal oder Bolingbroke zu Feld zieht: So hoffen
wir doch bei vernuenftigen und ehrlichen Lesern keinen Zweifel uebrig
gelassen zu haben, dass wir den$
hysikalische der Liebe das beste davon
sei, werden ohne Bedenken eingestehen, dass der Besitz, oder (um unsern
Ausdruck genauer nach ihren Ideen zu bestimmen) der Genuss einer so schoenen
Frau als Danae war, an sich selbst betrachtet die vollkommenste Art von
Vergnuegungen in sich schliesse, deren unre Sinnen faehig sind; eine
Wahrheit, welche, ungeachtet einer Art von stillschweigender uebereinkunft,
dass man sie nicht laut gestehen wolle, von allen Voelkern und zu allen
Zeiten so allgemein anerkannt worden ist, dass Carneades, Sextus, Cornelius
Agrippa, und Bayle selbst sich nicht getrauet haben, sie in Zweifel zu
ziehen.  Ob wi nun gleich nicht Mut genug besitzen, gegen einen so
ehrwuerdigen Beweis als das einhellige Gefuehl des ganzen menschlichen
Geschlechts abgibt, oeffentlich zu behaupten, dass diejenigen Vergnuegungen
der Liebe, welche der Seele eigen sind, den Vorzug vor jenen haben: So
werden doch nicht wenige mit uns einstimmig sein, dass ein Liebhaber, der
selbst eine Seele hat, im Besitz der scho$
h einigen vorbereitenden Liebkosungen, womit sie
ihre Dankbarkeit bestaetigte, fing Agathon die folgende Erzaehlung an:
SIEBENTES BUCH
ERSTES KAPITEL
Die erste Jugend des Agathons
"Ich war schon achtzehn Jahre alt, eh ich denjenigen kannte, dem ich mein
Dasein zu danken habe.  Von der ersten Kindheit an, in den Hallen des
delphischen Tempels erzogen, war ich gewoehnt, die Priester des Apollo mit
diesen kindlichen Empfindungen anzusehen, welche das erste Alter ueber alle,
die fuer unsre Erhaltung Sorge tragen, zu ergiessen pflegt.  Ich war noch
ein kleiner Knabe, als ich schon mit dem geheiligten Gewand, welches die
jungen Diener des Gottes von den Sklaven der Priester unterschied,
bekleidet, und zum Dienst des Tempels, wozu ich gewidmet war, zubereitet
Wer Delphi gese*hen hat, wird sich nicht verwundern, dass ein Knabe von
gefuehlvoller Art, der beinahe von der Wiegn an daselbst erzogen worden,
unvermerkt eine Gemuetsbildung bekommen muss, welche ihn von den
gewoehnlichen Menschen unterscheidet.  Ausser der b$
 zugegeben sind?--Bin ich nicht
ein Grieche?  Und wenn mich mein Vaterland nicht erkennen will, bin ich
nicht ein Mensch?  Ist nicht die Erde mein Vaterland?  Und gibt mir nicht
die Natur ein unverlierbares Recht an Erhaltun= und jedes wesentliche
Stueck der Glueckseligkeit, sobald ich meine Kraefte anwende die Pflichten zu
erfuellen, die mich mit der Welt verbinden?'--Diese Gedanken beschaemten
meine Traenen, und richteten mein Herz wieder auf.  Ich fing an, die Mittel
zu ueberlegen, die ich in meiner Gewalt hatte, mich in bessere Umstaende zu
setzen; als ich einen Mann von mittlerm Alter gegen mich herkommen sah,
dessen Ansehen und Miene mir beim ersten Anblick Zutrauen und Ehrerbietung
einfloessten.  Ich raffte mich sogleich vom Boden auf, und beschloss mit mir
_selbst, ihn anzureden, ihm meine Umstaende zu entdecken, und mir seinen Rat
auszubitten.  Er kam mir zuvor.--'Du scheinest vom Weg ermuedet zu sein,
junger Fremdling', sagte er zu mir, mit einem Ton, der ihm sogleich mein
Herz entgegen wallen macht$
,
                     der seine Entschliessungen bestimmt
    Sechstes Kapitel: Betrachtungen, Schluesse uCnd Vorsaetze
    Siebentes Kapitel: Eine oder zwo Digressionen
   Neuntes Buch
    Ersts Kapitel: Veraenderung der Szene. Charakter der Syracusaner,
                    des Dionysius und seines Hofes
    Zweites Kapitel: Charakter des Dion. Anmerkungen ueber denselben.
                     Eine Digression
    Drittes Kapitel: Eine Probe, dass die Philosophie so gut zaubern
                     koenne, als die Liebe
    Viertes Kapitel: Philistus und Timocrates
    Fuenftes Kapitel: Agathon wird der Guenstling des Dionysius
   Zehentes Buch
    Erstes Kapitel: Von Haupt--und Staats-Aktionen. Betragen Agathons
                    am Hofe des Koenigs Dionys
    Zweites Kapitel: Beispiele, dass nicht alles, was gleisst, Gold ist
    Drittes Kapitel: Grosse Fehler wider die Staats-Kunst, welche Agathon
                     beging--Folgen davon
    Viertes Kapitel: Nachricht an den Leser
    Fuenftes Kapitel:$
n waeren.  Allein es bedarf dieser Urkunden nicht, um das was wir
gesagt haben zu rechtfertigen.  Sehen wir nicht den ehrwuerdigen Solon noch
in seinem hohen Alter, in Versen welche des Alters eines Voltaire wuerdig
sind, von sich selbst gestehen, "dass er sich aller andern Beschaeftigungen
begeben habe, um den Rest seines Lebens in Gesellschaft der Venus, des
Bacchus und der Musen auszuleben, der einzigen Quellen der Freuden der
Sterblichen?" Sehen wir nicht den weisen Socrates kein Bedenken tragen, in
Gesellschaft seiner jungen Freunde, der schoenen und gefaelligen Theodota
einen Besuch zu machen, u ueber ihre von einem aus der Gesellschaft fuer
unbeschreiblich angepriesene Schoenheit den Augenschein einzunehmen?  Sehen
wir nicht, dass er seiner Weisheit nichts zu vergeben glaubt, indem er
diese Theodota, auf eine scherzhafte Art in der Kunst Liebhaer zu fangen
unterrichtet?  War er nicht ein Freund und Bewunderer, ja, wenn Plato
nicht zuviel gesagt hat, ein Schueler der beruehmten Aspasia, deren Haus,
unge$
rsten Minister des
Dionys, das Haupt einer Konspiration gegen ihn, an welcher alle diejenigen
Anteil nahmen, die aus edlern oder eigennuetzigern Bewegursachen, mit der
gegenwaertigen Verfassung unzufrieden waren.  Agathon entwarf einen Plan,
wie die ganze Sache gefuehrt werden sollte; und dieses setzte ihn in einen
geheimen Briefwechsel mit Dion, wodurch die bessere Meinung, welche einer
von dem andern zu fassen angefagen hatte, immer mehr befestiget wurde.
Der Hof, in Lustbarkeiten und ein wolluestiges Vergessen aller Gefahren
versunken, beguenstigte den Fortgang der Konspiration durch eine
Sorglosigkeit, welche so wenig natuerlich schien, dass die
Zusammenverschwornen dadurch beunruhiget wurden.  Sie verdoppelten ihre
Wachsamkeit, und (was bei Unternehmungen von dieser Art am meisten zu
bewundern, und dennoch sehr gewoehnlich ist) ung)achtet der grossen Anzahl
derjenigen, die um das Geheimnis wussten, blieb alles so verschwiegen, dass
dem Ansehen nach niemand auf einigen Argwohn verfallen waere, wenn nicht
$
ren
Benennungen diese und keine andere Idee entspricht.  Und weil von
diesen Wesen die wenigsten ihrer Natur nach geschickt waren, die
Rollen freier Wesen ueber sich zu nehmen, so erweiterte man lieber die
Schranken ihrer Natur und machte sie, nter gewissen wahrscheinlichen
Voraussetzungen, dazu geschickt.
Man hoert: Britannicus und Nero.  Wie viele wissen, was sie hoeren?  Wer
war dieser?  Wer jener?  In welchem Verhaeltnisse stehen sie
gegeneinander?--Aber man hoert: der Wolf und das Lamm; sogleich weiss
jeder, was er hoeret, und weiss, wie sich das eine zu dem andern verhaelt.
Diese Woerter, welche stracks ihre gewissen Bilder in uns erwecken,
befoerdern die anschauende Erkenntnis,P die durch jene Namen, bei
welchen auch die, denen sie nicht unbekannt sind, gewiss nicht alle
vollkommen ebendasselbe denken, verhindert wird.  Wenn daher der
Fabulist keine vernuenftigen Individua auftreiben kann, die sich durch
ihre blosse Benennungen in unsere Einbildungskraft schildern, so ist es
ihm erlaubt, und er hat Fu$

individuellen Dingen, auf welche die Reduktion geschehen kann.  Wie
ist diese von jungen Leuten zu verlangen?  Man muesste dem Rate eines
neuern Schriftstellers folgen, den ersten Anfang ihres Unterrichts mit
der Geschichte der Natur zu machen und diese in der niedrigsten Klasse
allen Vorlesungen zum Grunde zu legen[2].  Sie enthaelt, sagt er, den
Samen aller uebrigen Wissenschaften, sogar die moralischen nicht
ausgenommen.  Und es ist kein Zweifel, er wird mit diesem Samen der
Moral, den er in der Geschichte der Natur gefunden zu haben glaubet,
nicht auf die blossen Eigenschaften der Tiere, und anderer geringern
Geschoepfe, sondern auf die aesopischen Fabeln, welche auf diese
Eigenschaften gebauet werden, gesehen haben.
{Fussnote 2: Briefe die neueste Litteratur betreffend. 1. Teil, S. 58.}
Aber auch alsdenn noch, wenn es dem Schueler an dieser weitlaeuftigen
Kenntnis nicht mehr fehlte, wuerde ma  ihn die Fabeln anfangs muessen
mehr finden als erfinden lassen; und die allmaehlichen Stufen von
diesem Finden$
err Andrea, nur dass
ich das Kind hatte, das nichts von dem Jammer begriff, ausser dass es
schlecht ass und ueber Tag heiss hatte; aber dennoch sang es, um mich
lustig zu machen, dass mich's vollends angriff, die Traenen zu verhalten.
Erst im dritten Monat wurden wir herausgeholt, es hiess, der
Glasblaeser Orso Danieli sei rin Mailand am Fieber gestorben, und wir
koennten nach Hause gehen.  Ich habe es auch von anderen gehoert--aber
wer das glaubt, kennt die Signoria nicht.  Gestorben?  Stirbt man auch,
wenn man Frau und Kind unter den Bleidaechern sitzen hat und sie
herausholen soll?
Und was meint Ihr, dass aus Eurem Mann geworden sei? fragte der Fremde.
Sie sah mit einem Blick ihm ins Gesicht, der ihn daran gemahnte, dass
die arme Frau lange Wochen unter den Bleidaechern gelebt hatte.  Es ist
nicht richtig, sagte sie.  Mancher lebt und k9mmt doch nicht wieder,
und mancher ist tot und kommt doch wieder.  Aber davon wollen wir
schweigen.  Ja, wenn ich es Euch sagte, wer steht mir dafuer, dass Ihr
nicht hingeh$
erzigen Wagnisses vernahm, sank ich nur auf einen
Augenblick in die alte dumpfe Resignation zurueck.  Im naechsten
Augenblick drang es wie ein Feuerstrom durch alle meine Sinne.  Der
Entschluss stand fest, das Werk, das Ihr auf dem offenen Wege des
Rechts und des Gesetzes nicht hattet vollbringen koennen, auf dem Wege
der Gewalt und einer furchtbaren Notwehr, mit dem Arm des unsichtbaren
Richters und Raechers zum Heil meines teuren Vaterlandes hinauszufuehren.
"Ich habe diesen Entschluss seither unablaessig geprueft und meine
Absicht unstraeflich gefundemn.  Ich bin mir heilig bewusst, dass nicht
Hass gegen die Personen, nicht Rache fuer erlittenes Leid, nicht einmal
der gerechte Gram um das Weh, das meinen Lieben widerfahren, meinen
Arm gegen die Gewaltherren bewaffnet.  Was mich bewegt, fuer ein ganzes
in Knechtschaft versunkenes Volk als Retter aufzutreten und einzeln
den Spruch zu vollstrecken, der zu anderen Zeiten vom Gesamtwillen
einer freien Nation ueber ungerechte, dem Arm des Richters
unerreichbare$
nd viele Monate verflossen.  Einsam und traurig lebe ich
als Einsiedlerin in diesm Gemaeuer, verabscheut von der Welt, selbst
den Tieren ein Greuel; die schoene Natur ist vor mir verschlossen;
denn ich bin blind am Tage, und nur, wenn der Mond sein bleiches
Licht ueber dies Gemaeuer ausgiesst, faellt der verhuellende Schleier von
meinem Auge."
Die Eule hatte geendet und wischte sich mit dem Fluegel wieder die
Augen aus, denn die Erzaehlung ihrer Leiden hatte ihr Traenen entlockt.
Der Kalif war bei der Erzaehlung der Prinzessin in tiefes Nachdenken
versunken.  "Wenn mich nicht alles taeuscht", sprach er, "Qso findet
zwischen unserem Unglueck ein geheimer Zusammenhang statt; aber wo
finde ich den Schluessel zu diesem Raetsel?"
Die Eule antwortete ihm: "O Herr!  Auch mir ahnet dies; denn es ist
mir einst in meiner fruehesten Jugend von einer weisen Frau prophezeit
worden, dass ein Storch mir ein grosses Glueck bringen werde, und ich
wuesste vielleicht, wie wir uns retten koennten."  Der Kalif war sehr
erstaunt u$
der Sklaven mussten sie a] Land rudern, um
sie dort zu verscharren.  Sie erzaehlten, als sie zurueckkamen, die
Toten haetten ihnen die Muehe des Begrabens erspart, indem sie, sowie
man sie auf die Erde gelegt habe, in Staub zerfallen seien.  Wir
fuhren fort, die Toten abzusaegen, und bis vor Abend waren alle an
Land gebracht.  Es war endlich keiner mehr an Bord als der, welcher
am Mast angenagelt war.  Umsonst suchten wir den Nagel aus dem Holze
zu ziehen, keine Gewalt vermochte ihn auch nur ein Haarbreit zu
verruecken.  Ich wusste nicht, was anzufangen war; man konnte doch
nicht den Mastbaum abhauen, um ihn ans Land zu fuehren.  Doch aus
dieser Verlegenheit half Muley.  Er liess schnell einen Sklaven an
Land rudern, um einen Topf mit Erde zu bringen.  Als dieser
herbeigeholt war, sprach der Zauberer geheimnisvolle Worte darueber
aus und schuettete die Erde auf das Haupt des Toten.  Sogleich schlug
dieser die Augen auf, holte tief Atem, und die Wunde des Nagels in
seiner Stirne fing an zu bluten.  Wir zogen $
hmuck und ihre
Kleider zusammen und folgten Mustapha; die beiden Raeuber schlugen
indes Orbasan vor, zu pluendern, was man faende; doch dieser verbot es
ihnen und sprach: "Man soll nicht von Orbasan sagen koennen, dass er
nachts in die Haeuser steige, um Gold zu stehlen!"  Mustapha und die
Geretteten schluepften schnell in die Wasserleitung, wohin ihnen
Orbasan sogleich zu folgen versprach.  Als jene in die Wasserleitung
inabgestiegen waren, nahmen Orbasan und einer der Raeuber den Kleinen
und fuehrten ihn hinaus in den Hof; dort banden sie ihm eine seidene
Schnur, die sie deshalb mitgenommen hatten, um den Hals und hingen
ihn an der hoechsten Spitze des Brunnens auf.  Nachdem sie so den
Verrat des Elenden bestraft hatten, stiegen sie selbst hinab in die
Wasserleitung und folgten Mustapha.  Mit Traenen dankten die beiden
ihrem edelmuetigen Retter Orbasan; doch dieser trieb sie eileqds zur
Flucht an, denn es war sehr wahrscheinlich, dass sie Thiuli-Kos nach
allen Seiten verfolgen liess.  Mit tiefer Ruehrung tr$
rden.  Noch erscallte der Palast des Kaisers von Marokko von dem
Schmerzgeschrei des Patienten, als die Nachricht einlief, Hund und
Pferd seien wiedergefunden.  Aline ueberraschte man in der
Gesellschaft einiger Moepse, sehr anstaendiger Leute, die sich aber fuer
sie, als Hofdame, durchaus nicht schickte, und Emir hatte, nachdem er
sich muede gelaufen, das duftende Gras auf den gruenen Wiesen am Bache
Tara wohlschmeckender gefunden als den kaiserlichen Hafer; gleich dem
ermuedeten fuerstlichen Jaeger, der, auf der Parforcejagd verirrt, ueber
dem schwarzen Brot und der Butter in der Huette des Landmanns alle
Leckereien seiner Tafel vergisst.
Muley Ismael verlangte nun von Abner eine Erklaerung seines Betragens,
und dieser sah sich nun, wiewohl etwas spaet, imstande, sich zu
verantworten, was er, nachdem er vor seiner Hoheit Thron dreimal die
Erde mit der Stirne beruehrte, in folgenden Worten tat:
"Grossmaechtigster Kaiser, Koenig der Koenige, Herr des Besten, Stern der
Gerechtigkeit, Spiegel der Wahrheit, Ab$
hn nicht vor euch, den alten Suender, der,
waehrend er die Seife anruehrt, viel schwatzt und gerne verbotenen Wein
trinkt?  Sehet ihr ihn nicht, wie er dem snderbaren Kunden das
Barbierschuesselchen unterhaelt und--den kalten Schaedel beruehrt?  Nicht
minder gut, wenn auch nur angedeutet, ist der Sohn des Baeckers, der
verschmitzte Junge, und der Bratenmacher Yanakil.  Ist nicht das
Ganze eine ununterbrochene Reihe komischer Szenen, scheint nicht der
Gang der Geschichte, so ungewoehnlich er ist, sich ganz natuerlich zu
fuegen?  Und warum?  Weil die einzelnen Figuren richtig gezeichnet
sind und aus ihrem ganzen Wesen alles so kommen muss, wie es wirklich
"Wahrlich, Ihr habt recht!" erwiderte der junge Kaufmann, "ich habe
mir nie Zeit genommen, so recht darueber nachzudenken, habe alles nur
so gesehen und an mir voruebergehen lassen, habe mich an dem einen
ergoetzt, dasandere langweilig gefunden, ohne gerade zu wissen, warum.
Aber Ihr gebt uns da einen Schluessel, der uns das Geheimnis oeffnet,
einen Probierste$
iel ist gewiss, dass er noch jetzt
in solchen Sturmnae,hten im Tannenbuehl, wo man nicht hauen soll,
ueberall die schoensten Tannen aussucht, und min Vater hat ihn eine
vier Schuh dicke umbrechen sehen wie ein Rohr.  Mit diesen beschenkt
er die, welche sich vom Rechten abwenden und zu ihm gehen; um
Mitternacht bringen sie dann die G'stair ins Wasser, und er rudert
mit ihnen nach Holland.  Aber waere ich Herr und Koenig in Holland, ich
liesse ihn mit Kartaetschen in den Boden schmettern; denn alle Schiffe,
die von dem Hollaender-Michel auch nur einen Balken haben, muessen
untergehen.  Daher kommt es, dass man von so vielen Schiffbruechigen
hoert; wie koennte denn sonst ein schoenes, starkes Schiff, so gross als
eine Kirche, zugrund gehen auf dem Wasser?  Aber so oft
Hollaender-Michel in einer Sturmnacht im Schwarzwald eine Tanne faellt,
springt eine seiner alten aus den Fugen des Schiffes; das Wasser
dringt ein, und das Schiff ist mit Mann und Maus verloren.  Das ist
die Sage vom Hollaender-Michel, und wahr i$
ssen Tisch an, ging dann hinaus und
kam bald mit einem Krug Wein und Glaesern wieder.  Er goss ein, und nun
schwatzten sie, und Hollaender-Michel erzaehlte von den Freuden der
Welt, von fremden Laendern, schoenen Staedten und Fluessen, dass Peter, am
Ende grosse Sehnsucht danach bekommend, dies auch offen dem Hollaender
"Wenn du im ganzen Koerper Mut und Kraft, etwas zu unternehmen,
hattest, da konnten ein paar Schlaege des dummen Herzens dich zittern
machen; und dann die Kraenkungen der Ehre, das Unglueck, wozu soll sich
ein vernuenftiger Kerl um dergleichen bekuemmern?  Hast du's im Kopfe
empfunden, als dich letzthin einer einen Betrueger und schlechten Kerl
nannte?  Hat es dir im Magen wehe getan, als der Amtmann kam, dich
aus dem Haus zu werfen?  Was, sag an, was hat dir wehe getan?"
"Mein Herz", sprach Peter, indem er die Hand auf die pochende Brust
presste, denn es war ihm, als ob sein Herz sich aengstlich hin und her
"Du hast, nimm es mir nicht uebel, hundert Gulden an schlechte Bettle7r
und anderes G$
rzudraengen schienen.  Besondere Anziehung
aber uebte der grosse geschnitzte Altarschrank im Chor der Kirche,
auf dem in bemalten Figuren die Leidensgeschichte Christi
dargestellt war; so seltsam wilde Gesichter, wie das des Kaiphas
oder die der Kriegsknechte, welche in ihren goldenen Harnischen um
des Gekreuzigten Oantel wuerfelten, bekam man draussen im
Alltagsleben nicht zu sehen; troestlich damit kontrastierte nur das
holde Antlitz der am Kreuze hingesunkenen Maria; ja, sie haette
leicht mein Knabenherz mit ener phantastischen Neigung bestricken
koennen, wenn nicht ein anderes mit noch staerkerem Reize des
Geheimnisvollen mich immer wieder von ihr abgezogen haette.
Unter all diesen seltsamen oder wohl gar unheimlichen Dingen hing
im Schiff der Kirche das unschuldige Bildnis eines toten Kindes,
eines schoenen, etwa fuenfjaehrigen Knaben, der, auf einem mit Spitzen
besetzten Kissen ruhend, eine weisse Wasserlilie in seiner kleinen
bleichen Hand hielt.  Aus dem zarten Antlitz sprach neben dem
Grauen des Tode$
 dasselbig Haus mit den zwo
Linden an der Ecken von Markt und Kraemerstrasse, worin ich,
nachdem es durch meines lieben Bruders Hintritt mir angestorben,
anitzt als alter Mann noch lebe und der Wiedervereinigung mit den
vorangegangenen Lieben in Demuth entgegenharre
Meine Werkstaette hatte ich mir in dem grossen Pesel der Witwe
eingerichtet; es war dorten ein gutes Oberlicht zur Arbeit, und
bekam alles gemacht und gestellet, wie ich es verlangen mochte.
Nur dass die gute Frau selber gar zu gegenwaertig war; denn
allaugenblicklich kam sie draussen von ihrem Schanktisch zu mir
hergetrottet mit ihren Blecgemaessen in der Hand; draengte mit ihrer
Wohlbeleibtheit mir auf den Malstock und roch an meinem Bild herum;
gar eines Vormittages, da ich soeben den Kopf des Lazarus
untermalet hatte, verlangte sie mit viel ueberfluessigen Worten, der
auferweckte Mann solle das Antlitz ihres Seligen zur Schau stellen,
obschon ich diesen Seligen doch niemalen zu Gesicht bekommen, von
meinem Bruder auch vernommen hatte, dass se$
aus gestanden; aber anno 34 bei der
grossen Fluth trieb es gleich hundert anderen in den grimmen Wassern;
auf der einen Haelfte des Daches ward ich an diesen Strand geworfen,
auf der anderen fuhren Vater und Bruder in die Ewigkeit hinaus."
Ich dachte: 'So stehet die Kirche wohl am rechten Ort; a#ch
ohne den Pastor wird hier vernehmentlich Gottes Wort geprediget.'
Der Knabe, welchen letzterer auf den Arm genommen hatte, hielt
dessen Nacken mit beiden Aermchen fest umschlungen und drueckte die
zarte Wange an das schwarze baertige Gesicht des Mannes, als finde
er so den Schutz vor der ihn schreckenden Unendlichkeit, die dort
vor unseren Augen ausgebreitet lag.
Als wir in das Schiff der Kirche eingetreten waren, betrachtete ich
mir die alten Bildnisse und sahe auch einen Kopf darunter, der wohl
eines guten Pinsels werth gewesen waere; jedennoch war es alles eben
Pfennigmalerei, und sollte demnach der Schueler van der Helsts hier
in gar sondere Gesellschaft kommen.
Da ich solches eben in meiner Eitelkeit bedachte$
t' er meiner Rede
Und tat auch was ihm riet mein treuer Mund
So folgsam, so ein Kind, und doch ein Mann.
Doch hier ist er verwandelt ganz und gar
Verwandelt gleich--uns allen, sagt' ich schier,
Vom gift'gen Anhauch dieses Zauberbodens.
O dieses Weib!  Mir graut denk' ich an sie.
Wie sie so dastand mit den dunkeln Brauen
Gleich Wetterwolken an der finstern Stirn,
Das Augenlid gesenkt, im duestern Sinnen:
Nun hob sich's und wie Wetterleuchten fuhr
Der Blick hervor und fasst' und schlug und traf.--
Ihn traf er!--Nu die Goetter moegen's wenden.  Was bringen dort die
Beiden.  Griechen sind's.
Ein Weib!  Gebunden!  Memmen ihr!--Holla!
Zwei Griechen (treten auf,)
Gora (mit gebundenen Haenden in ihrer Mitte.)
Was ist?  Was bindet ihr das Weib!--Gleich loest Iie!
Das Weib da kam an unsre Vorwacht, Herr
Und fragte nach--nu nach der Kolcherin
Die heut wir fingen.
Ha Sklav', Medea ist's,
Des Kolcherfuersten ochter.
Wo habt ihr sie?
Wir wollten sie nicht lassen, dass sie nicht
Dem Feinde Kundschaft gaeb' von unsrer Lagrun$
e eines moralischen Unbehagens, aber niemand spricht, jeder Mund
ist geschlossen. Erst der Geist, der sich in der preussischen Verfassung
offenbaren wird, kann den Widerspruch wecken, und wenn nicht alle Zeichen
truegen, so wird dieser Widerspruch der lebhafteste werden, da er im
Interesse der innersten Prinzipien des Liberalismus geltend gemacht
werden muss. Die nachfolgenden Bemerkungen sollen diese Besorgnis
rechtfertigen.
Welches Beduerfnis hat den Wunsch nach Verfassungen veranlasst? Unstreitig
das Beduerfnis eines gesicherten Rechtszustandes. Wlches Recht ist unsrer
Zeit angemessen? Die Tradition? Das alte Herkommen? Uebereinkuenfte ueber
das, was man sich gegenseitig leisten und so fuer Recht ansehen wolle?
Oder ein Recht, das auch das Ziel der alten Handvesten und Vertraege
gewesen sein mag, das sich aber in der Feuerprobe der Zeit bewaehrt hat
und auf die ewigen Gesetze der Vernunft begruendet ist? Die Voelker haben
diese Frage laengst entschieden, ihre Fuersten sind noch andrer Meinung:
Entweder wo$

Hauptmann (Don Caesar emporrichtend).
Wir suchten Euch!
Don Caesar. Nun denn Ihr habt gefunden.
Gibt's Richter noch in Prag?
Hauptmann. Es gibt sie wieder.
Der Feind hinausgeschlagen aus der Stadt,
Kehrt Ordnung und das Recht zurueck von neuem.
Don Caesar. So richtet mich! Erspart mir selbst die Mueh'.
(Er geht auf die Hintertuere zu, von den Soldaten gefolgt.)
Prokop (in der Seitentuere erscheinend).
Hieher, hieher! Vielleicht ist Hilfe moeglich.
(Einige Diener, die waehrend des Vorigen gekommen sind, folgen ihm ins
Seitengemach.--Alle ab.)
------------------------------------
Garten im koeniglichen Schlosse auf dem Hr5dschin. In der Mitte des
Hintergrundes ein Ziehbrunnen mit einem Schoepfrade.
Heinrich Thurn und Graf Schlick kommen mit einigen bewaffneten Buergern.
Thurn. Stellt Wachen aus, besetzt die aeussern Pforten!
Von hier aus liess den Feind man in die Stadt,
Darum bewahrt vor allem den Hradschin.
(Die Buerger gehen.)
Schlick. Scheint's doch ein Wunder fast, dass wir gerettet.
Thurn. Das Wunder wa$
zurueck! Sie schreckt der fremde Anblick!
Chor (tritt zurueck). (Bohemund.)
  Gern meid' ich's, ihrem Blicke zu begegnen.
  Mit grossen Augen misst sie staunend dich.
  Wo bin ich? Diese Zuege sollt' ich kennen.
  Langsam kehrt die Besinnung ihr zurueck.
  Was macht sie? Auf die Kniee senkt sie sch.
  Ich, schoenes Engelsantlitz meiner Mutter!
  Kind meinesl Herzens! Komm in meine Arme!
  Zu deinen Fuessen sieh die Schuldige.
  Ich habe dich wieder! Alles sei vergessen!
  Betracht' auch mich! Erkennst du meine Zuege?
  Des redlichen Diego greises Haupt!
  Der treue Waechter deiner Kinderjahre.
  So bin ich wieder in dem Schooss der Meinen?
  Und nichts soll uns mehr scheiden, als der Tod.
  Du willst mich nicht mehr in die Fremde stossen?
  Nichts trennt uns mehr, das Schicksal ist befriedigt.
Beatrice (sinkt an ihre Brust).
  Und find' ich wirklich mich an deinem Herzen?
  Und Alles war ein Traum, was ich erlebt?
  Ein schwerer, fuerchterlicher Traum--O Mutter!
  Ich sah ihn todt zu meinen Fuessen fallen!
 $
iner gewonnenen Schlacht herauskam.
Sie ist dein, mein Sohn, sagte er; es bleibt dabei.  Meine Frau laesst
dich gruessen.  Sie kam mir erst mit dummen Einreden.  Es ist da ein
Vetter in Rom, ein junger Laffe, der vor einem Jahr, als er fortging,
sagte: Hebt mir die Bicetta auf, ich will sie heiraten.  Aber das war
Spass, und ich und du, wir meinen es im Ernst, und du sollst sie haben,
Amadeo.  Es ist wahr, seufzte er, ich lasse manches gehn, wie's Gott
gefaellt.  Wenn man ein alter Mann ist, fallen einem die Zuegel aus der
Hand.  Aber es gibt Dinge, Amadeo, die mich wieder unter Waffen
bringen bis an die Zaehne.  Da hast du meine Hand darauf, sie wird
deine Frau.  Komm heute abend; du sollst sie hier finden.  Umarme mich,
mein Sohn! mache sie gluecklich; sie hat es tausendmal um ihren alten
Vater verdient.
Wir trennten uns, nachdem er mich noch oben an der Treppe lange an
sich gedrueckt hatte.  Als ich dann am Abend wiederkam, fand ich das
Haus heller als sonst erleuchtet, schon im Vorzimmer eine Menge
Mens$
von staubbedeckten Gaeulen, der eine gepanzert, der andere mit
Wahl gekleidet, obschon im Reisegewand.  Ascanio und Germano, so
hiessen die Reiter, waren die Guenstlinge des Vogtes und zugleich die
Jugendgespielen des Moenches, mit welchen er bruederlich gelernt und
sich ergoetzt hatte bis zu seinem fuenfzehnten Jahr, dem Beginn seines
Noviziates.  Ezzelin hatte sie an seinen Schwieger, Kaiser Friedrich,
Dante hielt inne und verneigte sich vor dem grossen Schatten.
"Mit beantworteten Auftraegen kehrten die zwei zu dem Tyrannen zurueck,
welchem sie noch ueberdies die Neuigkeit des Tages mitbrachten: eine in
der kaiserlichen Kanzlei verfertigte Abschrift des an den christlichen
Klerus gerichteten Hirtenbriefes, worin der Heilige Vater den
geistvollen Kaiser vor dem Angesicht der Welt der aeussersten
Gottlosigkeit anklagt'
Obwohl mit wichtigen, vielleicht Eile heischenden Auftraegen und dem
unheilschweren Dokument betraut, brachten die beiden es nicht ueber
sich, an dem Heim ihres Jugendgespielen vorbei nach de$
goettliches und menschliches Gesetz predigen?  Du bist
vermaehlt!  So redet dieser Ring an deinem Finger.  Wenn du, wie erst
dein Geluebde, jetzt dein Verloebnis brichst, brichst du Sitte, Pflicht,
Ehre und den Stadtfrieden.  Wenn du dir den Pfeil des blinden Gottes
nicht rasch und heldenmuetig aus dem Herzen ziehst, ermordet er dich,
Antiope und noch ein paar andere, wen es gerade treffen wird.  Astorre!
Ascanios mutwillige Lipen erstaunten ueber die grossen und ernsten
Worte, welche er in seiner Herzensangst ihnen zu reden gab.  'Dein
Name, Astorre', sagte er dann halb scherzend, 'schmettert wie eine
Tuba und ruft dich zum Kampfe gegen dich selbst!'
Astorre ermannte sich.  'Man hat mir ein Philtrum gegeben!' rief er
aus.  'Ich rase, ich bin ein Wahnsinniger!  Ascanio, ich gebe dir
Macht ueber mich, fessle mich!'
'An Dianen will ich dch fesseln!' sagte Ascanio.  'Folge mir, dass wir
sie suchen!'
'War es nicht Diana, die Antiope schlug?' fragte der Moench.  'Das hast
du getraeumt!  Du hast alles getraeumt!  $
riste dem Wankelmuetigen und Wertlosen das Dasein.  Allein ich
vermag nichts gegen sein Schicksal.  Ist Astorre dem Schwerte Germanos
bestimmt, so kann ich diesen es senkenp heissen, jener rennt doch hinein.
Ich kenOe das.  Ich habe das erfahren.' Und er verfiel in ein Brueten.
Scheu wandte Ascanio den Blick seitwaerts.  Er wusste eine grausame
Einst hatte der Tyrann ein Kastell erobert und die Empoerer, die es
gehalten hatten, zum Schwerte verurteilt.  Der erste beste
Kriegsknecht schwang es.  Da kniete, um den Todesstreich zu empfangen,
ein schoener Knabe, dessen Zuege den Tyrannen fesselten.  Ezzelin
glaubte die seinigen zu erkennen und fragte den Juengling nach seinem
Ursprung.  Es war der Sohn eines Weibes, das Ezzelin in seiner Jugend
suendig geliebt hatte.  Er begnadigte den Verdammten.  Dieser, von der
eigenen Neugierde und den neidischen Sticheleien derer, welche ihre
Soehne oder Verwandten durch jenes Bluturteil eingebuesst hatten, gereizt
und verfolgt, ruhte nicht, bis er das Raetsel seiner Bevorzu$
 das
Vertrauen zu ihnen.--Gewiss, wenn ich es recht bedenke, ich haette
sLchweigen sollen--Wird man nicht Eigennutz und Rache fuer die Ursachen
meines Argwohns halten, wenn man erfaehrt, dass ich ihm meinen Verlust
zugeschrieben habe?--Ich wollte ein Vieles darum schuldig sein, wenn
ich die Untersuchung noch hintertreiben koennte-Christoph (koemmt
gelacht). Ha! ha! ha! wissen Sie, wer Sie sind, mein Herr?
De' Reisende. Wisst Ihr, dass Ihr ein Narr seid? Was fragt Ihr?
Christoph. Gut! wenn Sie es denn nicht wissen, so will ich es Ihnen
sagen. Sie sind einer von Adel. Sie kommen aus Holland. Allda haben
Sie Verdruesslichkeiten und ein Duell gehabt. Sie sind so gluecklich
gewesen, einen jungen Naseweis zu erstechen. Die Freunde des
Entleibten haben Sie heftig verfolgt. Sie haben sich auf die Flucht
begeben. Und ich habe die Ehre, Sie auf der Flucht zu begleiten.
Der Reisende. Traeumt Ihr, oder raset Ihr?
Christoph. Keines von beiden. Denn fuer einen Rasenden waere meine
Rede zu klug, und fuer einen Traeumenden z$
 Nase danken, denn sie macht ihn laecherlich, und er hat
ihrethalber viel von meinen Kameraden
auszustehen.l
'Das sind eben Buben', sagte Moutn grossmuetig, 'denen der Sinn fuer
das Erhabene mangelt.  Aber beilaeufig, wie kommt es, Julian, dass ich,
neulich in deinem Schulhaus einen Besuch machend, um dir die Vorlagen
zu bringen, dich unter lauter Kroeten fand? dreizehn--und
vierzehnjaehrigen Juengelchen?  Passt sich das fuer dich, dem der Flaum
keimt und der ein Liebchen besitzt?'
Dieser ploetzliche Ueberfall rief den entgegengesetzten Ausdruck zweier
Gefuehle auf das Antlitz des Juenglings: eine glueckliche, aber tiefe
Scham und einen gruendlichen Jammer, der ueberwog.  Julian seufzte.
'Ich bin zurueckgeblieben', lispelte er mit unwillkuerlichem Doppelsinne.
'Dummheit!' schimpfte Mouton.  'Worin zurueckgeblieben?  Bist du nicht
mit deinen Jahren gewachsen und ein schlanker und schoener Mensch?
Wenn dir die Wissenschaften widerstehen, so beweist das deinen
gesunden Verstand.  Meiner Treu! ich haette mich als$
 ich wieder einen halben
Grund zu einer vernuenftigen offnung, aber dies quaelte mich alsdann
noch viel tiefer und ich hielt mich nicht wert, dass sie nur eine
schlimme Minute um meinetwillen erleiden sollte, der ich gern den Kopf
unter ihre Fuesse gelegt haette. Dann aergerte ich mich wieder, dass
sie, um guter Dinge zu sein, verlangte, ich sollte etwa aussehen wie
ein verliebter naerrischer Schneider, da ich doch kein solcher war und
ich auf meine Weise schon gedachte, beweglich zu werden zu ihrem
Wohlgefallen. Kurz, ich ging einer gaenzlichen Verwirrung entgegen,
war nLicht mehr imstande, ein einziges Geschaeft ordnungsgemaess zu
verrichten, und lief Gefahr, als Soldat rueckwaerts zu kommen oder gar
verabschiedet zu werden, wenn ich nicht als ein abhaengiger
dienstbarer Lueckenbuesser, der zu weiter nichts zu brauchen, mich an
das Haus des Gouverneurs haengen wollte.
"Als daher die Englaender in bedenkliche Feindseligkeiten mit indischen
Voelkern gerieten und ein Feldzug eroeffnet wurde, der nachher
ziemli$
Hand; sie mussten, um
etwas zu essen, warten, bis einer kam und fuer wenig Geld etwas von
dem noch vorhandenen Wein verzehrte, und wenn er eine Wurst oder
dergleichen begehrte, so hatten sie oft die groesste Angst und Sorge,
dieselbe beizutreiben. Bald hatten sie auch den Wein nur noch in einer
grossen Flasche verborgen, die sie heimlich in einer andern Kneipe
fuellen liessen, und so sollten sie nun die Wirte machen ohne Wein und
Brot und freundlich sein, ohne ordentlich gegessen zu haben. Sie waren
beinahe froh, wenn nur niemand kam, und hockten so in ihrem Kneipchen,
ohne leben noch sterben zu koennen. Als die Frau diese traurigen
Erfahrungen machte, zog sie den gruenen Spenzer wieder aus und nahm
abermals eine Veraenderun vor, indem sie nun, wie frueher die FDhler,
so nun einige weibliche Tugenden aufkommen liess und mehr ausbildete,
da Not an den Mann ging. Sie uebte Geduld und suchte den Alten
aufrechtzuhalten und den Jungen zum Guten anzuweisen; sie opferte sich
vielfaeltig in allerlei Dingen, kurz sie $
 Tat
besass er eine schreckbare Nase, welche wie ein grosses Winkelmass aus
dem duerren, schwarzen Gesicht ragte oder eigentlich mehr einem
tuechtigen Knebel oder Pruegel glich, welcher in dies Gesicht geworfen
worden war, und unter dem ein kleines, rundes Loechelchen von einem
Munde sich seltsam stutzte und zusammenzog, aus dem er unaufhoerlich
pustete, pfiff und zischte. Dazu stand das kleine Filzhuetchen ganz
unheimlich, welches nicht rund und nicht eckig und so sonderlich
geformt war, dass es alle Augenblicke seine Gestalt zu veraendern
schien, obgleich es unbeweglich sass, und von den Augen des Kerls war
fast nichts als das Weisse zu sehen, da die Sterne unaufhoerlich auf
einer blitzschnellen Wanderung begriffen waren und wie zwei Hasen im
Zickzack umhersp'angen. "Seht mich nur an," fuhr er fort, "eure Vaeter
kennen mich wohl, und jedermann in diesem Dorfe weiss, wer ich bin,
wenn er nur meine Nase sieht. Da haben sie vor Jahren ausgeschrieben,
dass ein Stueck Geld fuer den Erben dieses Ackers bereitlie$
stfertig sein, wenn ihr mir fo5gt." Er sagte das wirklich in einem
aufrichtigen und gemuetlichen Tone. "Nun, besinnt euch ein bisschen,
aber folget mir, wenn ich euch gut zum Rat bin! Lasst fahren die Welt
und nehmet euch und fraget niemandem was nach! Denkt an das luftige
Hochzeitbett im tiefen Wald oder auf einem Heustock, wenn es euch zu
kalt ist!" Damit ging er ins Haus. Vrenchen zitterte in Salis Armen
und dieser sagte: "Was meinst du dazu? Mich duenkt, es waere nicht
uebel, die ganze Welt in den Wind zu schlagen und uns dafuer zu lieben
ohne Hindernis und Schranken!" Er sagte es aber mehr als einen
verzweifelten Scherz, denn im Ernst. Vrenchen aber erwiderte ganz
treuherzig und kuesste ihn: "Nein, dahin moechte ich nicht gehen, denn
da geht es auch nicht nach meine Sinne zu. Der junge Mensch mit dem
Waldhorn und das Maedchen mit dem seidenen Rocke gehoeren auch so
zueinander und sollen sehr verliebt gewesen sein. Nun sei letzte Woche
die Person ihm zum erstenmal untreu geworden, was ihm nicht in den
Ko$
s und verluemtes inneres
Wesen an einem Kinde, waehrend sie mit hoellischem Zeter ueber ein
anCeres herfahren, das aus Uebermut oder Verlegenheit ganz naiv eine
vereinzelte derbe Luege gesagt hat. Denn hier haben sie eine
greifliche bequeme Handhabe, um ihr donnerndes: Du sollst nicht
luegen! dem kleinen erstaunten Erfindungsgenie in die Ohren zu
schreien. Wenn Fritzchen eine solche derbe Luege vorbrachte, so sagte
Frau Regel einfach, indem sie ihn gross ansah: "Was soll denn das
heissen, du Affe? Warum luegst du solche Dummheiten? Glaubst du die
grossen Leute zum Narren halten zu koennen? Sei du froh, wenn dich
niemand anluegt, und lass dergleichen Spaesse!" Wenn er eine Notluege
vorbrachte, um eine begangene Suende zu vertuschen, zeigte sie ihm mit
ernsten aber liebevollen Worten, dass die Sache deswegen nicht
ungeschehen sei, und wusste ihm klarzumachen, dass er sich besser
befinde, wenn er offen und ehrlich einen begangenen Fehler eingestehe;
aber sie baute keinen neuen Strafprozess auf die Luege, sonder$
t zu nehmen. Sie duckte sich unter einen
Felsen, worauf in der Hoehe nach einer kleinen Stille ein starker
Schlag erfolgte und eine Menge kleiner Steine und Erde rings
herniederregneten. "Da glaubt er nun," sagte sie zu sich selbst, "was
er fuer Heldenwerk verrichtet, wen er hier Steine gen Himmel sprengt,
statt seine Pflicht als Buergr zu tun!" Als sie oben ankam und
verschnaufte, schien er, nachdem er fluechtig auf den Rock und Hut
geschielt, den sie trug, sie nicht zu bemerken, sondern untersuchte
eifrig die Loecher, die er eben gesprengt, und fuhr mit dem Zollstock
an den Steinen herum. Als er sie aber nicht mehr vermeiden konnte,
sagte er: "Guten Tag, Mutter! Spazierest ein wenig? Schoen ist das
Wetter dazu!" und wollte sich wieder wegmachen. Sie ergriff ihn aber
bei der Hand und fuehrte ihn etwas zur Seite, indem sie sagte: "Hier
habe ich dir Rock und Hut gebracht, nun tu mir den Gefallen und geh zu
den Wahlen! Es ist eine wahre Schande, wenn niemand geht aus der
Stadt!" "Das fehlte auch noch," erwider$
rumschweben und mich mit huldreichen Aeuglein anblicken und mir
tausend Kuesslein anbieten!"
"Nicht doch!" sagte Zues unwillig verweisend, "nicht in so
ungehoeriger und uebertriebener Weise! Was faellt Ihnen denn ein,
unbescheidener Dietrich? Nicht hundertfach und nicht Kuesslein
anbietend habe ich es erlaubt, sondern nur dreifach fuer jeden und in
zuechtiger und ehrbarer Manier, dass mir nicht zu nahe geschieht!"
"Ja," rief jetzt endlich Jobst und zeigte mit einem abgenagten
Birnenstiel um sich her, "nur dreifach, aber in groesster Ehrbarkeit
sehe ich die liEebste Jungfer Buenzli um mich her spazieren und mir
wohlwollend zuwinken, indem sie die Hand aufs Herz legt! Ich danke
sehr, danke, danke ergebenst!" sagte er schmunzelnd, sich nach drei
Seiten verneigend, als ob er wirklich die Erscheinungen saehe. "So
ist's recht," sagte Zues laechelnd, "wenn irgendein Unterschied
zwischen euch besteht, so seid Ihr doch der Begabteste, lieber Jobst,
wenigstens der Verstaendigswte!" Der Bayer Fridolin war immer noch
nic$
zurueckerstatten koennen. Sie sah ihm deutlich an, dass er log und
dass es sein einziges Vermoegen und ganze Hoffnung war, welche er
ihrem Gluecke opferte; doch stellte sie sich, als glaubte sie seinen
Worten. Sie liess ihren freudigen Empfindungen freien Lauf und tat
grausamerweise, als ob diese dem Gluecke gaelten, nun doch ihren
Erwaehlten retten und heiraten zu duerfen, und sie konnte nicht Worte
finden, ihre Dankbarkeit auszudruecken. Doch ploetzlich besann sie
sich und erklaerte, nur unter einer Bedingung die grossmuetige Tat
annehmen zu koennen, da sonst alles Zureden unnuetz waere. Befragt,
worin diese Bedingung bestehe, verlangte sie das heilige Verlprechen,
dass er an einem bestimmten Tage sich bei ihr einfinden woll, um
ihrer Hochzeit beizuwohnen und der beste Freund und Goenner ihres
zukuenftigen Ehegemahls zu werden, sowie der treuste Freund, Schuetzer
und Berater ihrer selbst. Erroetend bat er sie, von diesem Begehren
abzustehen; aber umsonst wandte er alle Gruende an, um sie davon
abzubringen, $
 Knabenzeit begierig eingezogen, und da er feine
dramatische Faehigkeiten besitzt, versteht er sie mit der Kunst eines
Schauspielers und Buehnenleiters aeusserst geschickt auszuspielen.  Dabei
ist er durchaus kein verzogenes Kind.  Armut, Missgeschick, di7 Kniffe
einer aermlich zur Schau getragenen Eleganz, wiederholte Durchfaelle als
Autor, die Demuetigungen eines zurueckgestossenen Strebers, die Verweise
und Bestrafungen, die der unaugliche und unehrenhafte Offizier zu
ertragen hat, haben das verhindert.  Er entging sogar nur mit knapper
Not der Strafe, aus dem Dienste gejagt zu werden.  Wenn recht
Auswanderung der Adeligen selbst den Wert des schuftigsten Leutnants
zu dem Teuerungspreise eines Generals gesteigert haette, wuerde er mit
Verachtung aus dem Heere ausgestossen worden sein.  Alle diese
Schicksale haben ihm jede Selbstueberschaetzung ausgetrieben und ihn
gezwungen, genuegsam zu sein und zu begreifen, dass die Welt einem Manne
seinesgleichen nichts gibt, was er ihr nicht mit Gewalt abringen kann.
$
dass mir irgendein Vorwurf gemacht
werden kann. Ich will kein Mitglied des Wohlfahrts- oder des
Sicherheitsausschusses angreifen, aber gegruendete Ursachen lassen
mich fuerchten, Privathass und Privatleidenschaft moechten der
Freiheit Maenner entreissen, die ihr die groessten Dienste erwiesen
haben. Der Mann, welcher im Jahre 1792 Frankreich durch seine Energie
rettete, verdiet gehoert zu werden; er muss sich erklaeren duerfen,
wenn man ihn des Hochverrats anklagt. (Heftige Bewegung.)
Einige Stimmen.
Wir unterstuetzen Legendres Vorschlag.
Ein Deputierter.
Wir sind hier im Namen des Volkes; man kann uns ohne den Willen
unserer Waehler nicht von unseren Plaetzen reissen.
Ein anderer.
Eure Worte riechen nach Leichen; ihr habt sie den Girondisten aus dem
Munde genommen. Wollt ihr Privilegien? Das Beil des Gesetzes schwebt
ueber allen Haeuptern.
Ein anderer.
Wir koennen unsern Ausschuessen nicht erlauben, die Gesetzgeber aus
dem Asyl des Gesetzes auf die Guillotine zu schicken.
Ein anderer.
Das Verbrechen hat ke$
 alle.
Meine Herren, ich beklage sehr, dass unsere Anstrengungen so fruchtlos
waren; ich gehe aufs Schafott, weil mir die Augen ueber das Los
einiger Ungluecklichen nass geworden.
Zweite Szene
Fouquier-Tinville. Herman.
Alles bereit?
Es wird schwer halten; waere Danton nicht darunter, so ginge es
Er muss vortanzen.
Er wird die Geschwornen erschrecken, er ist die Vogelscheuche der
Die Geschwornen muessen wollen.
Ein Mittel wuesst' ich, aber es wird die gesetzliche Form veretzen.
Wir losen nicht, sondern suchen die Handfesten aus.
Das muss gehen. - Das wird ein gutes Heckefeuer geben. Es sind ihrer
neunzehn. Sie sind geschickt zusammengewoerfelt. Die vier Faelscher,
dann einige Bankiers und Fremde. Es ist ein pikantes Gericht. Das Volk
braucht dergleichen. - Also zuverlaessige Leute! Wer zum Beispiel?
Leroi. Er ist taub und hoert daher nichts von all dem, was die
Angeklagten vorbringen. Danton mag sich den Hals beQ ihm rauh
Sehr gut; weiter!
Vilatte und Lumiere. Der eine sitzt immer in der Trinkstube, und
der $
 selbst; die Be-ding-ung ist in
dir, daher die scheinbare Unbedingtheit. Dein Anteil an den Dingen
schafft Ding und Eigenschaft der Dinge; der Dinge Anteil an dir ist
dein Urteil und bist du selbst.
    Eigen Geschaffenes legen wir den Dingen bei und nennen es der
Dinge Eigenschaften--eigen Gewirktes Wirklichkeit dieser Welt.
    Urteilendes Urteil ist nur wo eine Beur-teilung von Ding und
Eigenschaft, wo eine Teilung1im Urteil moeglich ist. Ist eine
Wahlentscheidung zwischen Moeglichkeiten--eine Will-kuer im Urteil
nicht denkbar, das heisst: %sind Zwei-fel, das heisst zwei Faelle im
Urteil ausgeschlossen, so ist kein 'Urteil', so ist blosse Benennung
oder erweiterte Einsicht--Ent-deckung--nicht Urteil--wie:
    Die drei Seiten eines Dreiecks, einer drei-geteilten Geraden
entnommen, ergeben zusammengetan wieder die Gerade; die drei Winkel
eines Dreiecks, dem drei geteilten Winkel einer Geraden entnommen,
ergeben zusammengetan wieder den Winkel einer Geraden--nicht Urteil,
sondern blosses Ergebnis einer Drei T$
nen Bewegung--Gegensatz und Einheit. Was sinnlich als Gegensatz
erscheint, wird seelisch als Einheit erkannt. Was blindem Schauen
durch unueberbrueckbare Kluft getrennt scheint, unvereinbar und
unloesbares Raetsel, ist Eines; Eines, was deinen Shnnen Bewegung,
deiner Seele Empfindung ist--je nach sinnlicher oder seelischer
Auffassung unterscheidende Benennung, ununterschieden in sich, zwei
Worte fuer das Selbe--: Verlangen in dir. Und wie du in deinem
eigenen, einheitlichen, ungespaltenen Verlangen Widerwillen von Willen
unterscheidest, beides in dir, beides Eines--du selbst, so
unterscheidest du Bewegung von Empfindung, bei des in dir, beides
Eines--du selbst.
    Alle Empfindung ist Bewegung, alle Bewegung--Empfindung;
Beid-einheit, seelisch-sinnlic. geschaut.
    Empfindung in dir und die Welt ist bewegt; du durchschaust die
Bewegung und still stehen alle Sonnen und Erden, und es empfinden alle
Sonnen und Erden, ruhelos Ausgleich suchend.
    Ich ist Ur-sprung. Nichts dieser Welt, was sich nicht im Ich
wil$
 Genie des Herzens, wie es jener
grosse Verborgene hat, der Versucher-Gott und geborne Rattenfaenger
der Gewissen, dessen Stimme bis in die Unterwelt jeder Seele
hinabzusteigen weiss, welcher nicht ein Wort sagt, nicht einen Blick
blickt, in dem nicht eine Ruecksicht uend Falte der Lockung laege, zu
dessen Meisterschaft es gehoert, dass er zu scheinen versteht - und
nicht das, was er ist, sondern was denen, die ihm folgen, ein Zwang
mehr ist, um sich immer naeher an ihn zu draengen, um ihm immer
innerlicher und gruendlicher zu folgen... Das Genie des Herzens, das
alles Laute und Selbstgefaellige verstummen macht und horchen lehrt,
das die rauhen Seelen glaettet und ihnen ein neues Verlangen zu kosten
giebt, - still zu liegen, wie ein Spiegel, dass sich der tiefe Himmel
auf ihnen spiegele... Das Genie des Herzens, das die toelpische
und ueberrasche Hand zoegern und zierlicher greifen lehrt; das den
verborgenen und vergessenen Schatz, den Tropfen Guete und suesser
Geistigkeit unter truebem dickem Eise erraeth $
g und nachsichtig genug gegen mich. Denn dass
es etwas damit ist, das weiss ich von Johanna und weiss es auch von
unserer Frau Kruse. Das ist naemlich unsere Kutscherfrau, die mit
einem schwarze Huhn bestaendig in einer ueberheizten Stube sitzt.
Dies allein schon ist aengstlich genug. Und nun weisst Du, warum ich
kommen will, wenn es erst soweit ist. Ach, waere es nur erst soweit.
Es sind so viele Gruende, warum ich es wuensche. Heute abend haben
wir Silvesterball, und Gieshuebler - de]r einzige nette Mensch hier,
trotzdem er eine hohe Schulter hat oder eigentlich schon etwas mehr
-, Gieshuebler hat mir Kamelien geschickt. Ich werde doch vielleicht
tanzen. Unser Arzt sagt, es wuerde mir nichts schaden, im Gegenteil.
Und Innstetten, was mich fast ueberraschte, hat auch eingewilligt. Und
nun gruesse und kuesse Papa und all die andern Lieben. Glueckauf zum
neuen Jahr. Deine Effi.
Dreizehntes Kapitel
Der Silvesterball hatte bis an den fruehen Morgen gedauert, und Effi
war ausgiebig bewundert worden, freilich nich$
asst mich hier. Ich mag
nict mehr weg von Hohen-Cremmen, hier ist meine Stelle. Der Heliotrop
unten auf dem Rondell, um die Sonnenuhr herum, ist mir lieber als
Nach diesem Gespraech liess man den Plan wieder fallen, und Wiesike,
soviel er sich von Italien versprochen hatte, sagte: "Das muessen wir
respektieren, denn das sind keine Launen; solche Kranken haben ein
sehr feines Gefuehl und wissen mit merkwuerdiger Sicherheit, was ihnen
hilft und was nicht. Und was Frau Effi da gesagt hat von Schaffner und
Kellner, das ist doch auch eigentlich ganz richtig, und es gibt keine
Luft, die so viel Heilkraft haette, den Hotelaerger (wenn man sich
ueberhaupt darueber aergert) zu balancieren. Also lassen wir sie hier;
wenn es nicht das best ist, so ist es gewiss nicht das schlechteste."
Das bestaetigte sich denn auch. Effi erholte sich, nahm um ein
geringes wieder zu (der alte Briest gehoerte zu den Wiegefanatikern)
und verlor ein gut Teil ihrer Reizbarkeit. Dabei war aber ihr
Luftbeduerfnis in einem bestaendigen Wachse$
a5en, dass wir uns liebten, als
Seufzen und Weinen aus der Ferne?  Wenn ich jetzt an deinen Hals
stuerzen duerfte, waere es nicht unser erster Kuss?  Aber wohl weiss ich,
wer zwischen uns steht, Tommaso:--deine Schwester.
Er schuettelte heftig den Kopf.  Nein! nicht sie!  Aber frage mich
nicht, und denke nicht, dass du ihn jemals aus dem Wege raeumen kannst,
unsern Feind; er ist keiner von den Lebenden.  Geh nach Neapel zurueck,
Lucia, und komm nie wieder herauf nach der Muehle.  Ich will, ich darf
dich nicht wiedersehen.
Sie trat dicht an den Tisch heran, ihm gegenuber, dass ihn die heftige
Bewegung selbst erschuetterte und er ploetzlich aufsah.  Alle Schrecken
einer verzweifelten Leidenschaft standen ihr im Gesicht.  Ich gehe
nicht, sagte sie mit gewaltsamer Festigkeit, oder ich muss alles wissen.
Tommaso, mein Mann ist tot, Nino schlaeft lange in seinem Grab, deine
Schwester soll in meinem Hause sein wie die Herrin und ich wie die
Magd; bei dem ersten boesen Wort von mir zu ihr magst du mich ausstossen,
a$
f einem Throne der
Herrlichkeit, und wird bestimmen ihren Zustand und die unzahligen Wohnungen
(wahrend ihre Geister in ihnen gestarkt werden, wenn sie schauen meinen
Auserwahlten) fur diejenigen, welche Schutzes halber geflohen sind zu meinem
heiligen und herrlichen Namen.
4. An diesem Tage will ich einen Auserwahlten wohnen lassen in ihrer Mitte,
will verandern den Himmel, will segnen ihn und erleuchten ihn fur immer.
5. Ich will auch verandern die Erde, will segnen sie, und diejenigen, welche
ich auserwahlt habe, wohnen lassen auf ihr. Aber diejenigen, welche Sunde
begangen haben und Ungerechtigkeit, sollen sie nicht betreten; denn ich habe
sie gesehen. Meine Gerechten will ich sattigen mit Frieden und sie vor mich
stellen, aber die Verdammung der Sunder soll heranrucken, damit ich sie
vernichte von der Oberflache der Erde.
1. Da sah ich das Haupt der Tage, dessen Haupt weiss wie Wolle war, und mit
ihm einen anderen, dessen Antlitz dem des Menschen glich. Sein Antlitz war
voll Anmut, gleich einem der heil$
 euch gesagt, dass ich krank
TOGNINA. Niemand, guetiger Herr--die Frau vom Hause hat es mir
gesagt--und in der Tat, man sieht es Ihnen an; (seine Hand fassend.)
Dieser Puls will mir nicht gefallen. (streift ihm den Arm auf.) Was
fuer einen schoenen weissen Arm Si ehaben--und wie nervigt! dieser Arm
koennte Herkules Keule tragen.
ROBERT. (reisst ich los von ihr, richtet sich auf, und sieht sie starr
an.) Wer seid ihr?
TOGNINA. Ich bin--ich habe es Ihnen ja schon gesagt, wer ich bin.
ROBERT. Ihr seid eine Zauberin; aber (auf sein Herz weisend) hier ist
Stein, Kieselstein.  Wisst ihr das?
TOGNINA. Das gesteh ich.--Haben Sie noch nie geliebt?--Ich muss Ihnen
doch sagen, hier ward gestern eine neue Oper gegeben--Die Scythen,
oder der Sieg des Liebesgottes--Unvergleichlich, Mylord; gewiss--Es
war auch so ein junger Herr drinne, wie Sie, der alles Frauenzimmer
verachtete.  Aber was meinen Sie wohl, womit die Liebesgoettin und die
Amors ihn bekaempften?  Raten Sie einmal, ich bitte Sie, was fuer
fuerchterliche Waff$
s Gesicht mir zeigt, der kehrt's nicht ab
Als mit zerschlagnen Unter- und Oberbacken;
Wer mir den Ruecken kehrt, gleich liegt ihm schlapp
Hals, Kopf und Schopf hinschlotternd grass im Nacken.
Und schlagen deine Maenner dann
Mit Schwert und Kolben, wie ich wuete,
So stuerzt der Feind, Mann ueber Mann,
Ersaeuft im eigenen Gebluete.
OBERGENERAL:
Der Phalanx unsrer Mitte folge sacht,
Dem6 Feind begegn' er, klug mit aller Macht;
Ein wenig rechts, dort hat bereits, erbittert,
Der Unsern Streitkraft ihren Plan erschuettert.
So folge denn auch dieser deinem Wort!
Er ist behend, reiss_ alles mit sich fort.
Dem Heldenmut der Kaiserscharen
Soll sich der Durst nach Beute paaren;
Und allen sei das Ziel gestellt:
Des GegenKAISER:s reiches Zelt.
Er prahlt nicht lang auf seinem Sitze,
Ich ordne mich dem Phalanx an die Spitze.
Bin ich auch ihm nicht angeweibt,
Er mir der liebste Buhle bleibt.
Fuer uns ist solch ein Herbst gereift!
Die Frau ist grimmig, wenn sie greift,
Ist ohne Schonung, wenn sie raubt;
Im Sieg voran!  und al$
--
Was sich sonst dem Blick empfohlen,
Mit Jahrhunderten ist hin.
Von oben welch ein singend Wimmern?
Das Wort ist hier, der Ton zu spat.
Mein Tuermer jammert; mich, im Innern,
Verdriesst die ungeduld'ge Tat.
Doch sei derWLindenwuchs vernichtet
Zu halbverkohlter Staemme Graun,
Ein Luginsland ist bald errichtet,
Um ins Unendliche zu schaun.
Da seh' ich auch die neue Wohnung,
Die jenes alte Paar umschliesst,
Das, im Gefuehl grossmuetiger Schonung,
Der spaeten Tage froh geniesst.
MEPHISTOPHELES UND DIE DREIE:
Da kommen wir mit vollem Trab;
Verzeiht!  es ging nicht guetlich ab.
Wir klopften an, wir pochtenan,
Und immer ward nicht aufgetan;
Wir ruettelten, wir pochten fort,
Da lag die morsche Tuere dort;
Wir riefen laut und drohten schwer,
Allein wir fanden kein Gehoer.
Und wie's in solchem Fall geschicht,
Sie hoerten nicht, sie wollten nicht;
Wir aber haben nicht gesaeumt,
Behende dir sie weggeraeumt.
Das Paar hat sich nicht viel gequaelt,
Vor Schrecken fielen sie entseelt.
Ein Fremder, der sich dort versteckt
U$
chter Gesang
Weiter gingen sie nun zusammen ueber die Heide,
Grimbart und Reineke, grade den Weg zum Schlosse des Koenigs.
Aber Reineke sprach: Es falle, wie es auch wolle,
Diesmal ahndet es mir, die Reise fuehret zum besten.
Lieber Oheim, hoeret mich nun! Seitdem ich zum letzten
Euch gebeichtet, verging ich mich wieder in suendigem Wesen;
Hoeret Grosses und Kleines, und was ich damals vergessen.
Von dem Leibe des Baeren und seinem Felle verschafft ich
Mir ein tuechtiges Stueck;fes liessen der Wolf und die Woelfin
Ihre Schuhe mir ab; so hab ich mein Muetchen gekuehlet.
Meine Luege verschaffte mir das, ich wusste den Koenig
Aufzubringen und hab ihn dabei entsetzlich betrogen:
Denn ich erzaehlt ihm ein Maerchen, und Schaetze wusst ich zu dichten.
Ja, ich hatte daran nicht genug, ich toetete Lampen,
Ich bepackte Bellyn mit dem Haupt des Ermordeten; grimmig
Sah der Koenig auf ihn, er musste die Zeche bezahlen.
nd das Kaninchen, ich drueckt es gewaltig hinter die Ohren,
Dass es beinah das Leben verlor, und war mir$
aedigt.
Nein! ich duld es nich laenger! Dagegen sagte die aeffin:
Freilich ists nicht vielen gegeben, in jeglichen Faellen
Klug zu handeln und klug zu raten, und wem es gelinget,
Der erwirbt sich Vertrauen; allein es suchen die Neider
Ihm dagegen heimlich zu schaden, und werden sie zahlreich,
Treten sie oeffentlich auf. So ist es Reineken mehrmals
Schon ergangen; doch werden sie nicht die Erinnrung vertilgen,
Wie er in Faellen Euch weise geraten, wenn alle verstummten.
Wisst Ihr noch? vor kurzem geschahs. Der Mann und die Schlange
Kamen vor Euch, und niemand verstund die Sache zu schlichten;
Aber Reineke fands, Ihr lobtet ihn damals vor allen.
Und der Koenig versetzte nach kurzem Bedenken dagegen:
Ich erinnre der Sache mich wohl, doch hab ich vergessen,
Wie sie zusammenhing; sie war verworren, so duenkt mich.
Wisst Ihr sie noch, so lasst sie mich hoeren, es macht mir Vergnuegen.
Und sie sagte: Befiehlt es mein Herr, so soll es geschehen.
Eben sinds zwei Jahre, da kam ein Lindwurm und klagte
Stuermisch, gnaed$
 wieder!--
Wohin gehst du Kind?
Die Gestalt (wendet sich an der Tuere um.  Mit unbetonter Stimme).
Nach Hause.  (Ab.)
Der Graf (stuerzt niedergedonnert in den Sessel zurueck.  Nach einer
Was war das?--Hab ich getraeumt?--
Sah ich sie nicht vor mir stehn,
Hoert' ich nicht die toten Worte,
Fuehl ich nicht mein Blut noch starren
Von dem grassen, eis'gen Blick?--
Und doch, meine sanfte Tochter!--
Berta!  Hoere, Berta!
(Berta und Kastellan kommen.)
Berta (hereinstuerzend).
Ach, wa fehlt Euch, lieber Vater?
Bist du da!  Was ficht dich an,
Sprich, was ist's, unkindlich Maedchen,
Dass du wie ein Nachtgespenst
Durch die oeden Saele wandelst
Und mit seltsamen Beginnen
Lebensmuede Schlaefer schreckst?
Ich, mein Vater?
Wie, du weisst nicht?  Und noch haften
Deine starren Leichenblicke
Mir gleich Dolchen in der Brust.
Meine Blicke?
Deine Blicke!
Zieh nicht staunend auf die Augen!
Siehst du, so!--doch nein, viel starrer!
Starr?--die Sprache hat kein Wort!
Blickst du mich liebkosend an,
Um den Eindruck wegzuwischen
Jenes $
 Kains-Zeichen
Flammend auf der Moerderstirn.
All min Ringen, all mein Treiben
Kann den Ton nicht uebertaeuben,
Immer droehnt mir dumpf und bang
In das Ohr sein hohler Klang;
Und mag ich mir's immer sagen:
Deinen Feind hast du erschlagen;
Ruft der Hoelle gift'ger Hohn:
Das war keines Feindes Ton!--
Doch wer naht dort durch die Truemmer,
Eilig schreitend auf mich zu?
Tor!  Den Rueckweg findst du nimmer,
Ich muss fallen, oder du.
Denn wenn einmal nur der Tiger
Erst gesaettigt seine Wut,
Bleibt die Gierde ewig Sieger
Und sein Innres schreit nach Blut.  (Er zieht sich zurueck.)
(Boleslav kommt.)
Gott sei Dank!  Es ist gelungen,
Ledig bin5 ich meiner Haft,
Doch von Mauern noch umrungen
Und schon schwindet meine Kraft.
Dass ich ihn doch finden koennte,
Ihn, den Teuern, den ich suche,
Meinen, seinen, unsern Sohn.
Werf ich mich mit Jaromir
Zu des maecht'gen Vaters Fuessen,
O dann muss der Richter schonen,
Trifft desselben Schwertes Streich,
Doch den Sohn mit mir zugleich.
Jaromir (hervortretend).
Das ist meines Vate$
immermehr wiedersehen duerfte!  Welcher von euch
Schwarzroecken waere auch kein Heuchler?--Priestern habe ich mein
Unglueck zu danken.  Sie haben mich gedrueckt, verfolgt, so nahe sie
auch das Blut mit mir verbunden hatte.  Hassen will ich dich, Theophan
und alle deines Orde?s!  Muss ich denn auch hier in die Verwandtschaft
der Geistlichkeit geraten?--Er, dieseNr Schleicher, dieser bloede
Verleugner seines Verstandes, soll mein Schwager werden?--Und mein
Schwager durch Julianen?--Durch Julianen?--Welch grausames Geschick
verfolgt mich doch ueberall!  Ein alter Freund meines verstorbenen
Vaters traegt mir eine von seinen Toechtern an.  Ich eile herbei, und
muss zu spaet kommen, und muss die, welche auf den ersten Anblick mein
ganzes Herz hatte, die, mit der ich allein gluecklich leben konnte,
schon versprochen finden.  Ach Juliane!  So warest du mir nicht
bestimmt?  du, die ich liebe?  Und so soll ich mich mit einer
Schwester begnuegen, die ich nicht liebe?--
Dritter Auftritt
Lisidor.  Adrast.
Lisidor.  Da hab$
damals sehr strenge, Juliane!--
Juliane.  Ich habe doch wohl nicht einer ehrlichen Seele einen
vergeblichen Weg nach ihr hinaus gemacht?
Henriette.  Lisette--
Lisette.  Stille, Mamsell Henriette!  nicht aus der Schule geschwatzt,
Henriette.  Maedchen drohe nicht!  Du weisst wohl, ich habe ein gut
Lisette.  Ich auch.--Doch lassen Sie uns nicht das Hundertste ins
Tausendste schwatzen.--Recht!  an den Feiertag will ich gedenken!  Er
war der letzte in unsrer Ordnung; denn noch den Abend kam Theophan an.
Henriette.  Und also, mit Erlaubnis meiner Schwester, bist du heute
Juliane.  Ohne Widerrede.
Lisette.  Juchhei!  Mamsellchen.  Ich bin also heute Ihre: Juchhei!
Juliane.  Ist das dein Loesungswort unter ihrer Fahne?
Lisette.  Ohne weitre Umstaende: erzaehlen Sie mir nunmehr Ihre
Streitigkeit.--Unterdessen lege ich mein Gesicht in richterliche
Juliane.  Streitigkeit?  Eine wichtige Streitigkeit?  Ir seid beide
Schaekerinnen.--Ich will nichts mehr davon hoeren.
Henriette.  So?  Du willst keinn Richter erkennen?  E$
eimal nach Euer
Fiesco.  Potz tausend!  Die Komoedie wird freilich wohl angehen muessen!
Sag' ihr, ich bin unverzueglich dort--Bleib--Meine Frau bittest du
in den Concertsaal zu treten und mich hinter den Tapeten zu erwarten.
(Bedienter ab.) Ich habe hier euer Aller Rollen zu Papier gebracht;
wenn Jeder die seinige erfuellt, so ist nichts mehr zu sagen--Verrina
wird voraus in den Hafen gehen und mit einer Kanone das Signal zum
Ausbruch geben, wenn die Schiffe erobert sind.--Ich gehe; mich ruft
noch eine grosse Verrichtung.  Ihr werdet ein Gloeckchen hoeren und alle
miteinander in meinen Concertsaal kommen--Indess geht hinein--und lasst
euch meinen Cyprier schmecken.  (Sie gehen auseinander.)
Eilfter Auftritt
Concertsaal--Leonore. nArabella.  Rosa.  Alle beaengstigt.
Leonore.  In den Concertsaal versprach Fiesco zu kommen, und kommt
nicht.  Eilf Uhr ist vorueber.  Von Waffen und Menschen droehnt
fuerchterlich der Palast, und kommt kein Fiesco?
Rosa.  Sie sollen sich hinter die Tapeten verstecken--Was der gnaed$
int, nicht etwa den unfoermlich maskirten
Menschen sehen, sondern eine gleichsam aus ihrer eignen Verzueckung
geborene Visionsgestalt. Denken wir uns Admet mit tiefem Sinnen seiner
juengst abgeschiedenen Gattin Alcestis gedenkend und ganz im geistigen
Anschauen derselben sich verzehrend - wie ihm nun ploetzlich ein
aehnlich gestaltetes, aehnlich schreitendes Frauenbild in Verhuellung
entgegengefuehrt wird: denken wir uns seine ploetzliche zitternde
Unruhe, sein stuermisches Vergleichen, seine instinctive Ueberzeugung
- so haben wir ein Analogon zu der Empfindung, mit der der dionysisch
erregte Zuschauer den Gott auf der Buehne heranschrei?en sah, mit
dessen Leiden er bereits eins geworden ist. Unwillkuerlich uebertrug
er das ganze magisch vor seiner Seele zitternde Bild des Gottes
auf jene maskirte Gestalt und loeste ihre Realitaet gleichsam in
eine geisterhaft Unwirklichkeit auf. Dies ist der apollinische
Traumeszustand, in dem die Welt des Tages sich verschleiert und eine
neue Welt, deutlicher, verstaendlic$
Wesen des stilo rappresentatifo liegt, dies rasch wechselnde Bemuehen,
bald auf den Begriff und die Vorstellung, bald auf den musikalischen
Grund des Zuhoerers zu wirken, ist etwas so gaenzlich Unnatuerliches
und den Kunsttrieben des Dionysischen und des Apollinischen in
gleicher Weise so innerlich Widersprechendes, dass man auf einen
Ursprung des Recitativs zu schliessen hat, der ausserhalb aller
kuenstlerischen Instincte liegt. Das Recitativ ist nach dieser
Schilderung zu definiren als die Vermischung des epischen und des
lyrischen Vortrags und zwar keinesfalls die innerlich bestaendige
Mischung, die bei so gaenzlich disparaten Dingen nicht erreicht werden
konnte, sondern die aeusserlichste mosaikartige Conglutination, wie
etwas Derartiges im Bereich der Natur und der Erfahrung gaenlich
vorbildlos ist. Dies war aber nicht die Meinung jener Erfinder des
Recitativs: vielmehr glauben sie selbst und mit ihnen ihr Zeitalter,
dass durch jenen stilo rappresentativo das Geheimniss der antiken
Musik geloest sei, aus$
Verklaerung gerichteten Triebe
bewusst wird, fuehlt er doch eben so bestimmt, dass diese lange Reihe
apollinischer Kunstwirkungen doch nicht jenes beglueckte Verharren
in willenlosem Anschauen erzeugt, das der Plastiker und der epische
Dichter, also die eigentlich apollinischen Kuenstler, durch ihre
Kunstwerke bei ihm hervorbringen: das heist die in jenem Anschauen
erreichte Rechtfertigung der Welt der individuatio, als welche die
Spitze und der Inbegriff der apollinischen Kunst ist. Er schaut
die verklaerte Welt der Buehne und verneint sie doch. Er sieht den
tragischen Helden vor sich in epischer Deutlichkeit und Schoenheit und
erfreut sich doch an seiner Vernichtung. Er begreift bis in's Innerste
den Vorgang der Scene und fluechtet sich gern in's Unbegreifliche.
Er fuehlt die Handlungen des Helden als gerechtfertigt und ist doch
noch mehr erhoben, wenn diese Handlungen den Urheber vernichten. Er
schaudert vor den Leiden, die den Helden treffen werden und ahnt doch
bei ihnen eine hoehere, viel uebermaechtig$
ihn nachgemacht hatte, als ein Andenken
in das Ohr, heftete ihm seine Pudelmuetze auf den Kopf und setzte die
Maeuschen hinein, dann liessen sie durch die Treiber die drei Esel nach
dem Maeuseland hintreiben und recht viele schoene Gruesse ausrichten.
Als sie fort waren, sagte Gackeleia: "jetzt wollen wir auch einmal in
unsre Schlosskapelle gehen und sehen, wie sie sich veraendert hat."
Kaum hatte sie diese Worte esprochen, als die Glocke zu laeuten
anfieng und sie in die Kapelle rief.  Sie traten hinein und konnten
sich nicht satt sehen, wie Alles so reinlich und festlich mit Blumen
und Laubkraenzen geschmueckt war.  Alle Waende und Steinbilder, das
Grabmal des Urgockels und die Bilder aus seinem Leben waren wie neu,
rein und polirt.  Es war eine schoene Kanzel an der Seite und
gegenueber eine Orgel mit einem stattlichen Organisten und seinen
Blasebalgtretern.  Mehrere kleine Jungen laeuteten am Glockenstrang
aus Leibeskraeften.  Ein Anderer lief mit Wasser und Sprengwedel umher
und sprengte, dass es kuehl $
on
meinem Hof; doch hinterliess er das Versprechen mir,
dass er den schoenen Frieden meines Landes niemals
stoeren wolle.  Glaubst du, ich haette meinen Schwur
vergessen?  Nur einem Sohn der Musen reich' ich
distichon (stolz).  Mein Vaterland ist der Parnass.
narr.  Ich bin vom Kahlenberg zu Haus.
affriduro.  Erwaege des Orakels Spruch, und waehlest du
nicht ihn, so waehle doch und rette dadurch deine
hermione (fuer sich).  Peinliche Verlegenheit!  Was beginn'
ich?  Mein Herz ist ja nicht frei.
alles (kniet).  Wir flehen zu dir, Herrscherin!
hermione.  Wohlan, so will ich waehlen.  Wenn wiederum
der Mond uns seine Sichel zeigt, so werd' ich meine
Hand verschenken.
alles.  Heil, Hermione!
hermione.  Bis dazin will ich meines Stolzes Panzer mit
geschmeid'gem Samt der Klugheit ueberziehen und
durch sanfte Worte die Zauberschwestern zu
gewinnen suchen.  Eilet hin nach ihrem Schloss und
bescheidet sie hierher.
odi (sieht hinaus; erschrickt).  Goetter, dort sind sie.  Sie streifen
durch die Flur und jagen weisse R$
h ueber ihn lustig machen, sein Name in den Ateliers nur als
abschreckendes Beispiel genannt wird, die Presse sich nicht mit seinen
Werken beschaeftigt. Doch er arbeitet unentwegt weiter und hegt die
Hoffnung, dass man ihn in die Akademie aufnehmen werde. Und, ein Akt
herzerfreuender Rache, den beruehmten Malern kauft er, wenn sie in
Geldverlegenheit sind, ihre Bilder ab. Auf diese Weise tauscht er die
elenden Schinken der Galerie in Ville d'Avray aus gegen wirkliche
Meisterwrke, die nicht von ihm stammen.
Es gibt eine koestliche Stunde fuer Herzen, die sich leicht oeffnen, fuer
frische Herzen, die stets jung und zae\tlich bleiben, und diese Stunde,
die unbestimmteste und veraenderlichste von allen, aus denen ein Tag
besteht, beginnt in dem Augenblick, wo es noch nicht Nacht und nicht
mehr Tag ist. Die Abenddaemmerung wirft ihre matten Faerbungen und
wunderlichen Beleuchtungen auf alle Gegenstaende, und suesse Traeumereien
entstehen dann, waehrend Licht und Dunkelheit miteinander kaempfen. Das
Schweigen, das$
n, wenn ich mich ebenso getreu dargestellt sehen koennte,
wie mein alter Rouville!"
Bei diesem Vorschlag blickte die Baronin ihren Freund an, laechelte und
liess auf ihrem Antlitz den Ausdruck eines Dankgefuehls erscheinen.
Hippolyt glaubte zu erraten, dass ihm der alte Admiral den Wert fuer
beide Bilder geben wolle, indem er das seinige bezahlte, und
antwortte, weil sich sein Kuenstlerstolz, sowie auch vielleicht seine
Eifersucht bei diesem Gedanken empoerte: "Mein Herr, wenn ich ueberhaupt
Portraets malte, so wuerde ich dieses nicht gemacht haben...."
Der Admiral biss sich auf die Lippen und setzte sich an den Spieltisch.
Hippolyt blieb der Adelaide, die ihm ebenfalls eine Partie vorschlug,
was er auch annahm. Der Maler bemerkte bei Frau von Rouville einen
Eifer fuer das Spiel, der ihn ueberraschte. Nie hatte sie so sehr den
Wunsch gezeigt, zu gewinnen, und sie gewann. Waehrend dieses Abends
beunruhigte ein boeser Verdacht den Maler, stoerte sein Glueck und floesste
ihm Misstrauen ein. Frau von Rouville le$
elen zu
koennen. Es liegt etwas Romantisches in diesem Unternehmen, das
empfindsamen Seelen so sehr gefaellt. Es ist Aufopferung in ihrer
erhabensten und anmutigsten Form; es liegt soviel geistige Groesse darin,
sich bewusst zu sein, dass man hinreichend liebt, um selbst da noch zu
lieben, wo bei anderen die Liebe erlischt und stirbt!
Hippolyt begab sich in seine Werkstaette und betrachtete seine Gemaelde,
ohne daran zu arbeiten; er erblickte die Gestalten n]r durch die
Traenen, di8 ihm in die Augen traten, hielt fortwaehrend seinen Pinsel in
der Hand und naeherte sich der Leinwand, beruehrte sie aber nicht. Die
Nacht ueberraschte ihn in seinen Traeumereien; er eilte die Treppe hinab,
begegnete dem alten Admiral, warf ihm einen finsteren Blick zu, waehrend
er ihn begruesste, und eilte hinweg. Es war seine Absicht gewesen, bei
seinen Nachbarinnen einzutreten, aber der Anblick von Adelaides Goenner
liess ihm das Herz erstarren und ihn seinen Entschluss aufgeben. Er
fragte sich zum hundertsten Male, was den alte$
er mit erregter Stimme.
"Wissen Sie, dass eine Frau nie den gebuehrenden Platz findet, wenn sie
ohne ihren Mann irgendwo erscheint?... Sie wurden ausserordentlich
zurueckgesetzt, indem man Sie in jenen dunklen Winkel draengte!..."
"O mein guter Leon," sagte sie in einem schmeichelndOen Ton. "Ich
vermochte dem Glueck nicht zu widerstehen, Dich zu sehen, ohne dass Du
mich saehest. Meine Tante hat mich auf den Ball gefuehrt und ich war dort
sehr gluecklich!"
Diese Worte verbannten ploetzlich aus den Blicken des Grafen die
erzwungene Strenge. Es war leicht zu erraten, dass er ich selbst die
lebhaftesten Vorwuerfe mache, dass er die Rueckkehr seiner Frau gefuerchtet
habe und ueberzeugt sei, sie habe auf dem Balle sich von einer Untreue
ueberzeugt, die er ihr hoffte verbergen zu koennen. Er folgte daher dem
Gebrauch solcher Liebenden, die ihre Schuld erkennen, und versuchte den
gerechten Zorn der Graefin zu vermeiden, indem er sich erzuernt gegen sie
stellte. Ueberrascht blickte er nun schweigend seine Gattin an. S$
begraben;
Wo, weiss ich nicht, die Wahrheit zu gestehn.
Komm zu mir, Tyrrel, nach dem Abendessen,
Da sagst du mir den Hergang ihres Tods.
Denk drauf, was ich zulieb dir koennte tun,
Und dein Begehren faellt sogleich dir zu.
Leb wohl indes.
Zu Gnaden Euch empfohlen.  (Ab.)
Den Sohn des Clarence hab ich eingesperrt,
Die Tochter in geringem Stand verehlicht;
Im Schoss des Abraham ruhn Eduards Soehne,
Und Anna sagte gute Nact der Welt.
Nun weiss ich, der Bretagner Richmond trachtet
Nach meiner jungen Nicht' Elisabeth
Und blickt, stolz auf dies Band, zur Kron' empor:
Drum will ich zu ihr,als ein muntrer Freier.
(Catesby tritt auf.)
Gilt es gute oder schlimme Zeitung,
Dass du so grad' hereinstuermst?
Herr, schlimme Zeitung: Morton floh zum Richmond,
Und Buckingham, verstaerkt mit tapfern Wael'schen,
Rueckt in das Feld, und seine Macht nimmt zu.
Ely samt Richmond draengen naeher mich
Als Buckinghams schnell aufgeraffte Macht.
Komm, denn ich lernte, baengliches Erwaegen
Sei schlaefrigen Verzuges blei'rner Diener;
V$
io, ein Verwandter des Fuersten, und Romeos Freund.
Benvolio, Vetter und Freund des Romeo.
Tybalt, Neffe des Capulet.
Bruder Lorenz und Bruder Johann, Moenche.
Balthasar, Bedienter von Romeo.
Ein Edelknabe des Paris.
Sampson und) Gregorio(, Capulets Bediente.
Abraham, ein Bedienter von Montague.
Ein Apotheker.
Simon Kazen-Darm, Hug Leyermann und Samuel Windlade, Musicanten.
Peter, der Amme Diener.
Lady Montague.
Lady Capulet.
Julietta, Capulets Tochter.
Die Amme derselben.
Buerger von Verona, Masken, Trabanten, Wache, und andre stumme
Die Scene ist im Anfang des fuenften Aufzugs in Mantua, und sonst
immer in Verona.
Erster Aufzug.
Erste Scene.
(Eine Strasse in Verona.)
(Sampson und Gregorio, zween Bediente der Capulets, treten mit
 Schwerdtern und Schilden bewaffnet auf, und ermuntern einander sich
 tapfer gegen die Montaegues zu halten; ihre ganze Unterredung ist
 ein Gewebe von Wortspielen, Doppelsinn und Zoten.)
(Abraham und Balthasar zu den Vorigen<.)
Gregorio (zu Sampson.)
Zieh vom Leder, hier kommen ei$
 lese, wer sie uebertrifft.
Leb wohl!  Vergessen lehrest du mich nie.
Dein Schuldner sterb ich, glueckt mir nicht die Mueh.
ZWEITE SZENE
(Eine Strasse)(Capulet, Paris und ein Diener kommen.)
Und Montague ist mit derselben Busse
Wie ich bedroht?  Fuer Greise, wie wir sind,
Ist Frieden halten, denk ich, nicht so schwer.
Ihr geltet beid als ehrenwerte Maenner,
Und Jammer ists um Euren langen Zwiespalt.
Doch, edler Graf, wie duenkt Euch mein Gesuch?
Es duenkt mich so, wie ich vorhin gesagt.
Mein Kind ist noch ein Fremdling in der Welt,
Sie hat kaum vierzehn Jahre wechseln sehn.
Lasst noch zwei Sommer prangen und verschwinden,
Eh wir sie reif, um Braut zu werden, finden.
Noch juengre wurden oft beglueckte Muetter.
Wer vor der Zeit beginnt, der endigt frueh.
All meine Hoffnungen verschlang die Erde;
Mir blieb nur dieses hoffnungsvolle Kind.
Doch werbt nur, lieber Graf!  Sucht Euer Heil!
Mein Will ist von dem ihren nur ein Teil.
Wenn sie aus Wahl in Eure Bitten willigt,
So hab ich im voraus ihr Wort gebiligt,
Ich ge$
io.  Ich hatte etwas Wichtiges vor,
und in einem solchen Falle tut man wohl einmal der Hoeflichkeit
Das soll wohl heissen, dass in einem solchen Falle ein Mann dazu
vergewaltigt wird, sich in den Schenkeln zu verbeugen.
Das bedeutet, eine hoeflichen Knicks zu machen.
Du hast es allergnaedigst erfasst.
Eine aeusserst hoefliche Auslegung.
Ich bringe die Hoeflichkeit zur hoechsten Bluete.
Bluete steht fuer Blume.
Nun, dann ist mein Tanzschuh gut gebluemt.
Gut gesagt: spinne mir nun diesen Scherz weiter, bis du deinen
Tanzschuh abgenutzt hast; so dass, wenn seine einzige Sohle
abgenutzt ist, der Scherz solo und einzigartig hernach uebrig
Oh einfachbesohlter Scherz, einfach einzigartig in seiner Einfalt!
Tritt zwischen uns, uter Benvolio; mein Witz schwindet mir.
Dann gib ihm Peitsche und Sporen, Peitsche und Sporen; oder
ich rufe mich zum Sieger aus.
Nein, wenn dein Witz ebenso ziellos herumgaloppiert wie bei einer
Wildgansjagd, bin ich fertig; denn du hast mehr von einer
schnatternden Wildgans in einem deiner Si$
hn ja leichtbeschwingte Tauben
Der Liebe Wagen, und Cupid%o hat
Windschnelle Fluegel.  Auf der steilsten Hoehe
Der Tagereise steht die Sonne jetzt;
Von neun bis zwoelf, drei lange Stunden sinds,
Und dennoch bleibt sie aus.  O haette sie
Ein Herz und warmes, jugendliches Blut,
Sie wuerde wie ein Ball behende fliegen,
Es schnellte sie mein Wort dem Trauten zu
Und seines mir.
Doch Alte tun, als lebten sie nicht mehr,
Traeg, unbehuelflich, und wie Blei so schwer.
(Die Waerterin und Peter kommen.)
O Gott, sie kommt!
(Die Amme und Peter treten auf.)
 Was bringst du, goldne Amme?
Trafst du ihn an?  Schick deinen Diener weg!
Wart vor der Tuere, Peter!
Nun, Muetterchen?  Gott, warum %lickst du traurig?
Ist dein Bericht schon traurig, gib ihn froehlich,
Und klingt er gut, verdirb die Weise nicht,
Indem du sie mit saurer Miene spielst.
Ich bin ermattet; lasst ein Weilchen mich!
Das war 'ne Jagd!  Das reisst in Gliedern mir!
Ich wollt, ich haette deine Neuigkeit,
Du meine Glieder.  Nun, so sprich geschwind!
Ich bitt dich$
haeuft wie meins und weisst du mehr die Kunst,
Ihr Schmuck zu leihn, so wuerze rings die Luft
Durch deinen Hauch; lass des Gesanges Mund
Die Seligkeit verkuenden, die wir beide
Bei dieser teuern Naeh im andern finden.
Gefuehl, an InhaltB reicher als an Worten,
Ist stolz auf seinen Wert und nicht auf Schmuck.
Nur Bettler wissen ihres Guts Betrag;
Doch meine treue Liebe stieg so hoch,
Dass keine Schaetzung ihre Schaetz erreicht.
Kommt, kommt mit mir, wir schreiten gleich zur Sache.
Ich leide nicht, dass ihr allein mir bleibt,
Bis euch die Kirch einander einverleibt.
(Ein oeffentlicher Platz)
(Mercutio, Benvolio, Page und Diener.)
Ich bitt dich, Freund, lass uns nach Hause gehn!
Der Tag ist heiss, die Capulets sind draussen,
Und treffen wir, so gibt es sicher Zank:
Denn bei der Hitze tobt das tolle Blut.
Du bist mir so ein Zeisig, der, sobald er die Schwelle eines
Wirtshauses betritt, mit dem Degen auf den Tisch schlaegt und
ausruft: Gebe Gott, dass ich dich nicht noetig habe!--a kommen
die Capulets.
Bei meiner$
nn du dich
Noch einmal untersteh'st von deiner Liebe
So wenig als *es sey, ihr anzutragen,
So sollt du es bereun.
Izt haelt sie mich nicht mehr;
Nun folge, wenn du darfst, es wird sich zeigen,
Ob dein Recht, oder mein's an Helena
Das Staerk're ist.
Dir folgen?  Nein, ich will dich Stirn' an Stirne
Begleiten--Komm!
(Lysander und Demetrius gehen ab.)
Ihr, Frauenzimmer, aller dieser Lerm
Ist eure Schuld--Nein, geh' nicht fort!--
Ich traue dir nicht, ich, noch werd' ich laenger
In deiner zaenkischen Gesellschaft bleiben.
Zum Rauffen hast du schnellere Haend' als ich,
Doch zum Entlauffen hab' ich laengere Beine
(Sie gehen ab.  Hermia verfolgt Helena.)
Achter Auftritt.
(Oberon und Puk.)
Diss ist dein Fehler; stets versieh'st du was;
Doch bist du Schelms genug, vielleicht es gar
Mit Fleiss gethan zu haben--
Glaubet mir,
Koenig der Schatten, ich versahe mich.
Ihr sagtet ja, ich wuerde meinen Mann
An seinem Attischen Habit erkennen,
Und dieser taeuschte mich; doch da der Irrthum
Nun einmal, ohne meine Schuld, begangen$
bt mir den Schluessel,
Hier waehl ich, und geling es, wie es kann.
Da nehmt ihn, Prinz, und liegt mein Bildnis da,
So bin ich Euer.
(Er schliesst das goldne Kaestchen auf.)
O Hoelle, was ist hier?
Ein Beingeripp, dem ein beschriebner Zettel
Im hohlen Auge liegt?  Ich will ihn lesen:
   "Alles ist nicht Gold, wasgleisst,
   Wie man oft Euch unterweist.
   Manchen in Gefahr es reisst,
   Was mein aeussrer Schein verheisst;
>   Goldnes Grab hegt Wuermer meist;
   Waeret Ihr so weis als dreist,
   Jung an Gliedern, alt an Geist,
   So wuerdet Ihr nicht abgespeist
   Mit der Antwort: Geht und reist."
Ja fuerwahr, mit bittrer Kost;
Leb wohl denn, Glut!  Willkommen, Frost!
Lebt, Porzia, wohl!  Zu langem Abschied fuehlt
Mein Herz zu tief; so scheidet, wer verspielt.
Erwuenschtes Ende!  Geht, den Vorhang zieht!
So waehle jeder, der ihm aehnlich sieht.
Venedig.  Eine Strasse
(Salarino und Solanio treten auf)
Ja, Freund, ich sah Bassanio unter Segel;
Mit ihm ist Graziano abgereist,
Und auf dem Schiff ist sicher nicht L$
Herr, zur Mahlzeit bei mir ein.
Ich bitt Eur Hoheit uni Entschuldigung.
Ich muss vor Abend fort nach Padua
Und bin genoetigt, gleich mich aufzumachen.
Es tut mir leid, dass Ihr Verhindrung habt.
Antonio, zeigt Euch dankbar diesem Mann:
Ihr seid ihm sehr verpflichtet, wie mich duenkt.
(Doge, Senatoren und Gefolge ab.)
Mein wuerdger Herr, ich und mein Freund, wir sind
Durch Eure Weisheit heute losgesprochen
Von schweren Bussen; fuer den Dienst erwidern
Wir mit der Schuld des Juden, den dreitausend
Dukaten, willig die gewogne Mueh.
Und bleiben Euer Schuldner ueberdies
An Liebe und an Diensten immerfort.
Wer wohl zufrieden ist, ist wohl bezahlt;
Ich bin zufrieden, da ich euch befreit,
Und halte dadurch mich fuer wohl bezahlt;
Lohnsuechtiger war niemals mein Gemuet.
Ich bitt euch, kennt mich, wenn wir mal uns treffen;
Ich wuensch euch Gutes, und so nehm ich Abschied.
Ich muss noch in Eubh dringen, bester Herr:
Nehmt doch ein Angedenken, niht als Lohn,
Nur als Tribut; gewaehrt mir zweierlei,
Mir's nicht zu weigern $
aum.  Sorge dass dein Bauch kleiner--zuruek!--
und dein Werth groesser werde; lass dein Schwelgen; bedenke, dass das
Grab seinen Rachen dreymal weiter gegen dich aufsperrt, als gegen
andre Leute--Antworte mir keinen abgeschmakten Spass auf diss; bilde
dir nicht ein, dass ich das Ding bin das ich war; de4 Himmel weiss,
und die Welt soll es gewahr werden, dass ich mein vormaliges Selbst
von mir geworffen habe, und so will ich's auch mit meiner
Gesellschaft machen.  Wenn du hoeren wirst, ich sey wie ich war,
dann komm zu mir, und du sollt seyn was du warst, der Vormuender und
Pfleger meiner Auschweiffungen.  Bis dahin verbann' ich dich, bey
Straffe des Todes, dich und den Rest meiner Verfuehrer, euch niemals
unter zehn Meilen meiner Person zu naehern.  Ich will euch den
noethigen Unterhalt reichen lassen, damit euch Duerftigkeit nicht
noethige boeses zu thun; und so wie wir hoeren werden, dass ihr euch
bessert, wollen wir euch, euerm Stand und eurer Tuechtigkeit nach,
Befoerdrung geben--Sorget dafuer, Milord, d$
iebt zu sein.
Zas ist ein Fehler, den ich nicht mit Eurer besten Tugend
vertauschte.--Ich bin Eurer muede.
Meiner Treu, ich suchte eben einen Narren, da ich Euch fand.
Er ist in den Bach gefallen; guckt nur hinein, so werdet Ihr ihn
Da werde ich meine eigne Person sehen.
Die ich entweder fuer einen Narren oder eine Null halte.
Ich will nicht laenger bei Euch verweien.  Lebt wohl, guter Signor
Ich freue mich ueber Euren Abschied.  Gott befohlen, guter Monsieur
Melancholie!
(Jacques ab.)
(Celia und Rosalinde treten vor.)
Ich will wie ein naseweiser Lakai mit ihm sprechen und ihn unter
der Gestalt zum besten haben.--Hoert Ihr, Jaeger?
Recht gut; was wollt Ihr?
Sagt mir doch, was ist die Glocke?
Ihr solltet mich fragen, was ist's an der Zeit; es gibt keine
Glocke im Walde.
So gibts auch keinen rechten Liebhaber im Walde, sonst wuerde jede
Minute ein Seufzen und jede Stunde ein Aechzen den traegen Fuss der
Zeit so gut anzeigen wie eine Glocke.
Und warum nicht den schnellen Fuss der Zeit?  Waere das nicht ebenso
pa$
eure Frau Mutter, schikt mich in groessester Betruebniss
ihres Herzens zu euch.
Ihr seyd willkommen.
Gueldenstern.
Nein, Gnaediger Herr, dieses Compliment ist hier ausser seinem Plaz.
Wenn es euch beliebig ist, mir eine gesunde Antwort zu geben, so
will ich mich des Auftrags entledigen, den mir eure Mutter
aufgegeben hat; wo nicht, so werdet ihr mir verzeihen, wenn ich
gehe, und mein Geschaeft fuer geendigt halte.
Herr, das kan ich nicht--
Gueldenstern.
Was, Gnaediger Herr?
Euch eine gesunde Antwort geben; mein Wiz ist gar nicht wohl auf
Aber, Herr, so gut als ich eine Antwort geben kan, steht sie euch
zu Diensten; oder vielmehr wie ihr sagt, meiner Mutter--also nur
ohne fernern Umschweif zur Sache!--Meine Mutter, sagt ihr--
Nun dann, das sagt sie; euer Betragen hat sie in das aeusserste
Befremden und Erstaunen gesezt.
O erstaunlicher Sohn, der seine Mutter so in Erstaunen sezen kan!
Aber stolpert nicht etwann eine Folge hinter dieser Erstaunung her?
Sie wuenscht, eh ihr zu Bette geht, in ihrem Cabinet mit $
s jeden Menschen, alle Kraefte seines
Verstands dazu anzustrengen, sich selbst vor Schaden zu bewahren:
Aber vielmehr ist es eine Pflicht dessjenigen Geists, der die Seele
des ganzen Staats-Koerpers ist, und von dessen Wohl das Leben so
vieler andern abhaengt.  Der Tod eines Koenigsist nicht der Tod
eines einzigen, sondern zieht, wie ein Strudel alles was ihm nahe
kommt, in sich.  Er ist wie ein Rad, das von dem Gipfel des
hoechsten Bergs herunter gewaelzt, unter seinen ungeheuren Speichen
tausend kleinere Dinge die daran hangen zertruemmert.  Ein Koenig
seufzt nie allein; wenn er leidet, leiden alle.
Ru'estet euch, ich bitte euch, aufs eilfertigste zu dieser Reise; wir
muessen dieser Gefahr Fesseln anlegen, die bisher so frey herum
gegangen ist.
Wir wollen unser aeusserstes thun.
(Sie gehen ab.)
(Polonius tritt auf.)
Gnaedigster Herr, er ist im Begriff, in seiner Frau Mutter Cabinet
zu gehen; ich will mich hinter die Tapeten versteken, um zu hoeren,
wie sie ihm den Text lesen wird.  Denn wie Euer Majestaet s$
n, eure
Koenigliche Augen zu sehen; wo ich dann (in Hoffnung Verzeihung
desswegen zu erhalten) erzaehlen werde, was die Gelegenheit zu dieser
schleunigen Wiederkunft gegeben hat." Was soll dieses bedeuten?
Sind die andern auch zuruekgekommen?  Ist es ein Kunstgriff--oder
ist gar nichts an der Sache?
Kennt ihr die Hand?
Es ist Hamlets Handschrift--Nakend, und hier sagt er in einem
Postscript, allein--Koennt ihr mir sagen, was ich davon denken soll?
Ich begreiffe nichts davon, Gnaedigster Herr; aber lasst ihn kommen;
mein Herz lebt wieder auf von dem Gedanken, dass ich es erleben
werde, ihm in seine Zaehne zu sagen, das thatest du--
Wenn es so ist, Laertes--ob ich gleich eben so wenig begreiffe dass
es ist, als ie es anders seyn kan--wollt ihr euch von mir weisen
Ja, nucr nicht dass ich ruhig bleiben soll.
Was ich vorhabe, wird dir zu deiner eignen Gemueths-Ruhe verhelfen;
Wenn er nun wieder gekommen ist, weil ihm die Reise nicht anstaendig
war, und er nicht gesinnt ist, sie von neuem zu unternehmen; so
habe ic$
mden Bache Dreuschen gefangen hat.
Wie?  geht ein Maedchen mit einem Kind von ihm?
Nein, aber ein Weib geht mit einem Maedchen von ihm.  Ihr habt den
Ausruf nicht gehoert, habt ihr?
Was fuer einen Ausruf, Mann?
Alle Haeuser in den Vorstaedten von Wien sollen niedergerissen werden.
Und was soll aus denen in der Stadt werden?
Die laesst man zum Saamen stehen; sie haetten auch weg sollen, aber
einige weise Buerger haben sich fuer sie ins Mittel gschlagen.
So sollen also alle unsre Schenk- und Spiel-Haeuser in den
Vorstaedten niedergerissen werden?
Bis auf den Grund, Madam.
Wahrhaftig, es geht eine grosse Veraenderung im gemeinen Wesen vor;
was wird aus mir werden?
O, dafuer macht euch keine Sorgen: gute Rathgeber haben nie Mangel
an Clienten; wenn ih schon euern Plaz aendert, so braucht ihr
desswegen nicht euer Gewerbe zu aendern; ich will immer euer treuer
Diener bleiben.  Habt nur gut Herz, man wird Mitleiden mit euch
haben; ihr, die ihr eure Augen im Dienst des gemeinen Wesens
beynahe aufgebraucht habt, ihr $
ht.  Es ist ein Ungluek fuer mich,
dass ich so wenig ertragen kan, aber ich darf es nicht wagen, mehr
Wie, Mann?  Die heutige Nacht ist dazu bestimmt, dass man sich
lustig mache, und die jungen Herren wuerden sich durch unsre
Weigerung beleidigt finden.
Wo sind sie?
Hier, vor der Thuer; ich bitte euch, ruft sie herein.
(Cassio geht ab.)
Jago (allein.)
Wenn ich ihm, ueber das was er schon getrunken hat, nur noch einen
Becher voll beybringen kan, so wird er so haendelsuechtig seyn, und
sich so unnuez machen wie meiner jungen Fraeulein Hund--Nun hat mein
ehrlicher Rodrigo, dem die Liebe nun vollends die unrechte Seite
herausgekehrt hat, diese Nacht auch manchen Stuzer auf Desdemonens
Gesundheit ausgeleert, und izt wird er mit auf die Wache ziehen.
Drey junge Cyprier, frische ruestige Bursche, die Herz und Ehre
haben, hab ich gleichfalls mit vollen Bechern zugedekt, und sie
sind auch von der Wache.  Unter dieser Schaar von Betrunknen kan es
ir also nicht schwer fallen, unsern Cassio zu einem Excess zu
bringen, $
und zugleich an unser
eignes Herz anklammern wird; indem sein Tod allein uns eine
vollkommne Zufriedenheit gewaehren kan.
Ich bin einer, den die Streiche und Misshandlungen der Welt
dermassen aufgebracht haben, dass ich bereit bin, ihr zu Troz alles
zu unternehmen.
Und ich ein andrer, der es so ueberdruessig ist, sich, immer zu seinem
Nachheil, mit dem Gluek herumzubalgen, dass ich alle Augenblike
bereit bin, mein Leben auf das ungewisseste Spiel zu sezen, und es
zu verbessern, oder seiner gar loss zu werden.
Ihr wisset beyde, dass Banquo euer Feind war--
Ja, Gnaedigster Herr.
Er ist auch der meinige, und mit einem so blutign Hasse, dass eine
jede Minute, die sein Daseyn verlaengert, das meinige in Gefahr sezt;
und ob ich gleich Macht genug haette, ihn oeffentlich aus meinem
Gesicht wegzutilgen, so mag ich's doch um gewisser Freunde willen
nicht thun, die auch die seinigen sind, und deren Zuneigung ich
nicht gerne verscherzte; die Klugheit fordert, dass ich den Fall
desjenigen beweine, den ich selbst zu Boden$
s!
(Banquo, Fleance [und Diener] ab.)
Sag deiner Herrin, wenn mein Trank bereit,
Soll sie die Glocke ziehn.  Geh du zu Bett!
(Der Diener geht ab.)
Ist das ein Dolch, was ich vor mir erblicke,
Der Griff mir zugekehrt?  Komm, lass dich packen!--
Ich fass dich nicht, und doch seh ich dich immer.
Bist du, Ungluecksgebild, so fuehlbar nicht
Der Hand, gleich wie dem Aug?  Oder bist du nur
Ein Dolch der Einbildung, ein nichtig Blendwerk,
Das aus dem heiss gequaelten Hirn erwaechst?
Ich seh dich noch, so greifbar von Gestalt
Wie der, den jetzt ich zuecke.
Du gehst mir vor den Weg, den ich will schreiten,
Und eben solche Waffe wollt ich brauchen.
Mein Auge ward dWr Narr der andern Sinne,
Oder mehr als alle wert.--Ich seh dich stets,
Und dir an Griff und Klinge Tropfen Bluts,
Was erst nicht war.--Es ist nicht wirklich da:
Es ist die blutige Arbeit, die mein Auge
So in die Lehr nimmt.--Auf derG halben Erde
Scheint tot Natur jetzt, den verhangnen Schlaf
Quaelen Versuchertraeume; Hexenkunst
Begeht den Dienst der bleichen $
len,
Ihm Glueck zu wuenschen.
Dritter Verschworner.
Drum zu Euerm Vorteil,
Eh er noch sprechen kann, das Volk zu stimmen
Durch seine Rede, fuehl er Euer Schwert.
Wir unterstuetzen Euch, dass, wenn er liegt,
Auf Eure Art sein Wort gedeutet wird,
Mit ihm sein Recht begrSaben.
Sprich nicht mehr,
Hier kommt schon der Senat.  Die Senatoren treten auf.
Die Senatoren.
Ihr seid daheim willkommen!
Das hab ich nicht verdient; doch, wuerdge Herrn,
Last ihr bedaechtig durch, was ich euch schrieb?
Die Senatoren.
Wir taten's.
Erster Senator.
Und mit Kummer, dies zu hoeren.
Was frueher er gefehlt, das, glaub ich, war
Nur leichter Strafe wert; doch da zu enden,
Wo er beginnen sollte, wegzuschenken
Den Vorteil unsers Kriegs, uns zu bezahlen
Mit unsrn Kosten und Vergleich zu schliessen
Statt der Erobrung--das ist unverzeihlich.
Er naht, ihr sollt ihn hoeren.  Coriolanus tritt ein mit
Trommeln und Fahnen, Buerger mit ihm.
Heil, edle Herrn!  Heim kehr ich, euer Krieger,
Unangesteckt von Vaterlandsgefuehlen,
So wie ich auszog.  $
e des Advocaten,
dass er untuechtig werde schlimme Sachen zu fuehren, und Rabulisten-
Streiche durch sein Geschrey gut zu machen; stekt den Priester an,
der wider die Triebe des Fleisches eifert und sich selbst nicht
glaubt; herab mit der Nase, platt ab, nehmt ihm den Nasenknoerpel
ohne Verschonen, der, seinen Privat-Nuzen ausser Gefahr z* sezen,
das gemeine Beste aufopfert.  Macht krauskoepfichte Spizbuben kahl,
und lasst auch die jungen Eisenfresser nicht leer ausgehen, die mit
ihren grossen Thaten pralen, und nur nicht eine Narbe davon
aufzuweisen haben.  Verpestet alle Welt, und ruhet nicht, bis ihr
die Quelle der Vermehrung selbst gaenzlich verstopft und
ausgetroknet habt.--Hier ist mehr Gold fuer euch, bringt alle andre
ins Verderben, dann verfaulet selbst und Misthauffen moegen euer&aller Grab seyn.
Mehr Rath und mehr Geld, guter Timon.
Ihr muesstet es erst besser verdienen; ihr habt nun euer Handgeld.
Ruehrt die Trummel, und gegen Athen zu.  Lebe wohl, Timon, wenn es
mir gelungen seyn wird, will ich d$
en Boden und stieg ihm voran
die schmalen Stufen hinab.  Wo diese breiter wurden, kam links die
Tuer, die in des Tuermers Stuebchen fuehrte, und nebenan ging der Boden
bis unter das schraege Dach hin.  Dort hinten stand ein grosser Korb
und davor sass eine dicke graue Katze und knurrte, denn in dem Korb
wohnte ihre Familie und sie wollte jeden Voruebergehenden davor
warnen, sich in ihre Familienangelegenheiten zu mischen.  Heidi
stand still und schaute verwundert hinueber, eine so maechtige Katze
hatte es noch nie gesehen; in dem alten Turm wohnteun aber ganze
Herden von Maeusen, so holte sich die Katze ohne Muehe jeden Tag ein
halbes Dutzend Maeusebraten.  Der Tuermer sah Heidis Bewunderung und
sagte: "Komm, sie tut dir nichts, wenn ich dabei bin; du kannst die
Jungen ansehen."
Heidi trat an den Korb heran und brach in ein grsses Entzuecken aus.
"Oh, die netten Tierlein!  Die schoenen Kaetzchen!", rief es ein Mal
ums andere und sprang hin und her um den Korb herum, um auch recht
alle komischen Gebaerden und$
es Wort im Hause
mitzusprechen hatte und dass jedermann grossen Respekt vor ihr
empfand.  Tinette hatte ein ganz neues, weisses Deckelchen auf den
Kopf gesetzt, und Sebastian raffte eine Menge von Schemeln zusammen
und stellte sie an alle passendenStellen hin, damit die Dame
gleich einen Schemel unter den Fuessen finde, wohin sie sich auch
setzen moege.  Fraeulein Rottenmeier ging zur Musterung der Dinge
sehr aufrecht durch die Zimmer, so wie um anzudeuten, dass, wenn
auch eine zweite Herrschermacht herannahe, die ihrige dennoch nicht
am Erloeschen sei.
Jetzt rollte der Wagen vor das Haus, und Sebastian und Tinette
stuerzten die Treppe hinunter; langsam und wuerdevoll folgte Fraeulein
Rottenmeier nach, denn sie wusste, dass auch sie zum Empfang der
Frau Sesemann zu erscheinen hatte.  Heidi war beordert worden, sich
in sein Zimmer zurueckzuziehen und da zu warten, bis es gerufen
wuerde, denn die Grossmutter wuerde zuerst bei Klara eintreten und
diese wohl allein sehen wollen.  Heidi setzte sich in einen Winke$
sweise war ihr ein wenig beschwerlich.
Heidi erschien im Zimmer der Grossmama und machte die Augen weit auf,
als es die praechtigen bunten Bilder in den grossen Buechern sah,
welche die Grossmama mitgebracht hatte.  Auf einmal schrie Heidi
laut auf, als die Grossmama wieder ein Blatt umgewandt hatte; mit
gluehendem Blick schaute es auf die Figuren, dann stuerzten ihm
ploetzlich die hellen Traenen aus den Augen, und es fing gewaltig zu

schluchzen an.  Die Grossmafma schaute das Bild an.  Es war eine
schoene, gruene Weide, wo allerlei Tierlein herumweideten und an den
gruenen Gebueschen nagten.  In der Mitte stand der Hirt, auf einen
langen Stab gestuetzt, der schaute den froehlichen Tierchen zu.
Alles war wie in Goldschimmer gemalt, denn hinten am Horizont war
eben die Sonne im Untergehen.
Die Grossmama nahm Heidi bei der Hand.  "Komm, komm, Kind", sagte
sie in freundlichster Weise, "nicht weinen, nicht weinen.  Das hat
dich wohl an etwas erinnert; aber sieh, da ist auch eine schoene
Geschichte dazu, die erza$
n, Kleider und
Schuerzenj Tuecher und Naehgeraet, "und sieh hier, Heidi", und Klara
hob triumphierend einen Korb in die Hoehe.  Heidi guckte hinein und
sprang hoch auf vor Freude, denn drinnen lagen wohl zwoelf schoene,
weisse, runde Broetchen, alle fuer die Grossmutter.  Die Kinder
vergassen in ihrem Jubel ganz, dass nun der Augenblick komme, da sie
sich trennen mussten, und als mit ein.m Mal der Ruf erschallte:
"Der Wagen ist bereit!"--da war keine Zeit mehr zum Traurigwerden.
Heidi lief in sein Zimmer, da musste noch ein schoenes Buch von der
Grossmama liegen, niemand konnte es eingepackt haben, denn es lag
unter dem Kopfkissen, weil Heidi Tag und Nacht sich nicht davon
trennen konnte.  Das wurde in den Korb auf die Broetchen gelegt.
Dann machte es seinen Schrank auf; noch suchte es nach einem Gute,
das man vielleicht auch nicht eingepackt hatte.  Richtig--auch das
alte rote Tuch lag noch da, Fraeulein Rottenmeier hatte es zu gering
erachtet, um mit eingepackt zu werden.  Heidi wickelte es um einen
anderen$
ott gehen und ihn um Verzeihung
bitten, dass du so von ihm weggelaufen bist, und dann alle Tage zu ihm
beten und ihm vertrauen, dass er alles gut fuer dich machen werde, so
dass du auch wieder ein frohes Herz bekommen kannst?"
Heidi hatte sehr aufmerksam zugehoert; jedes Wort der Grossmama fiel
in sein Herz, denn zu ihr hatte das Kind ein unbedingtes Vertrauen.
"Ich will jetzt gleich auf der Stelle gehen und den lieben Gott um
Verzeihung bitten, und ich will. ihn nie mehr vergessen", sagte Heidi
"So ist's recht, Kind, er wird dir auch helfen zur rechten Zeit, sei
nur getrost!", ermunterte die Grossmama, und Heidi lief sofort in sein
Zimmer hinueber und betete ernstlich und reuig zum lieben Gott und
bat ihn, dass er es doch nicht vergessen und auch wieder zu ihm
niederschauen moege. -
Der Tag der Abreise war gekommen, es war fuer Klara und Heidi ein
trauriger Tag; aber die Grossmama wusste es so einzurichten, dass sie
gar nicht zum Bewusstsein kamen, dass es eigentlich ein trauriger Tag
sei, sondern es war eh$
dem er sich setzte und
Heidi winkte, dasselbe zu tun. "Und nun tuechtig fruehstuecken und
hernach in den Wagen und fort."
Aber Heidi konnte keinen Bissen herunterbringen, wie es sich auch
zwingen wollte aus Gehorsam; es war in einem Zustand von Aufregung,
dass es gar nicht wusste, ob es wache oder traeume und ob es
vielleicht wieder auf einmal erwachen und im Nachthemdchen an der
Haustuer stehen werde.
"Sebastian soll reichlich Proviant mitnehmen", rief Herr Sesemann
Fraeulein Rottenmeier zu, die eben eintrat; "das Kind kann nicht
essen, begreiflicherweqise. - Geh hinueber zu Klara, bis der Wagen
vorfaehrt", setzte er freundlich, zu Heidi gewandt, hinzu.
Das war Heidis Wunsch: Es sprang hinueber. Mitten in Klaras Zimmer war
ein ungeheurer Koffer zu sehen, noch stand dessen Deckel weit offen.
"Komm, Heidi, komm", rief ihm Klara entgegen. "Sieh, was ich dir habe
einpacken lassen, komm, freut's dich?"
Und sie nannte ihm eine ganze Menge von Dingen, Kleider und Schuerzen,
Tuecher und Naehgeraet, "und sieh hier, $
 Tages vorher war Jener
schreckliche Brand, der unser Staedtchen verzehrte--Zwanzig Jahre sind's
nun; es war ein Sonntag wie heute, Heiss und trocken die Zeit und wenig
Wasser im Orte.  Alle Leute waren, spazierend in festlichen Kleidern, Auf
den Doerfern verteilt und in den Schenken und Muehlen.  Und am Ende der
Stadt begann das Feuer.  Der Brand lief Eilig die Strassen hindurch,
erzeugend sich selber den Zugwind.  Und es brannten die Scheunen der
reich gesammelten Ernte, Und es brannten die Strassen bis zu dem Markt, und
das Haus war Meines Vaters hierneben verzehrt und dieses zugleich miCt.
Wenig fluechteten wir.  Ich sass, die traurige Nacht durch, Vor der Stadt
auf dem Anger, die Kasten und Betten bewahrend; Doch zuletzt befiel mich
der Schlaf, und als nun des Morgens Mich die Kuehlung erweckte, die vor der
Sonne herabfaellt, Sah ich den Rauch und die Glut und die hohlen Mauern und
Essen.  Da war beklemmt mein Herz; allein die Sonne ging wieder
Herrlicher auf als je und floesste mir Mut in die Seele.  D$
hm so gern, als nun er zur
Magd mich geworben.  Doch mir schmeichelte freilich das Herz (ich will es
gestehen) Auf dem Wege hierher, als koennt' ich vielleicht ihn verdienen,
Wenn ich wuerde des Hauses dereinst unentbehrliche Stuetze.  Aber, ach!
nun seh ich zuerst die Gefahren, in die ich Mich begab, so nah dem still
Geliebten zu wohnen.  Nun erst fuehl ich, wie weit ein armes Maedchen
entfernt ist Von dem reicheren Juengling, und wenn sie die Tuechtigste waere.
Alles das hab ic gesagt, damit ihr das Herz nicht verkennet, Das ein
Zufall beleidigt, dem ich die Besinnung verdanke.  Denn das musst' ich
erwarten, die stillen Wuensche verbergend, Dass er sich braechte zunaechst die
Braut zum Hause gefuehret; Und wie haett' ich alsdann die heimlichen
Schmerzen ertragen? Gluecklich bin ich gewarnt, und gluecklich loest das
Geheimnis Von dem Busen sich los, jetzt, da noch das Uebel ist heilbar.
Aber das sei nun gesagt!  Und nun soll im Hause mich laenger Hier nichts
halten, wo ich beschaemt und aengstlich nur stehe$
erpflichtet, Treu, zu liebendem Dienst, den soll die Tochter Euch
Und der Vater umarmte sie gleich, die Traenen verbergend.  Traulich kam
die Mutter herbei und kuesste sie herzlich, Schuettelte Hand in Hand; es
schwiegen die weinenden Frauen.
Eilig fasste darauf der gute verstaendige Pfarrherr Erst des Vaters Hand und
zog ihm vom Finger den Trauring (Nicht so leicht; er war vom rundlichen
Gliede gehalten), Nahm den Ring der Mutter darauf und verlobte die Kinder,
Sprach: "Noch einmal sei der goldenen Reifen Bestimmung, Fest ein Band zu
knuepfen, das voellig gleiche dem alten.  Dieser Juengling ist tief von der
Liebe zum Maedchen durchdrungen Und das Maedchen gesteht, dass auch ihr der
Juengling erwuenscht ist.  Also verlob' ich euch hier und segn' euch
kuenftigen Zeiten, Mit dem Willen der Eltern und mit dem Zeugnis des
Und es neigte sich gleich mit Segenswuenschen der Nachbar.  Aber als der
geistliche Herr den goldenen Reif nun Steckt' an die Hand des Maedchens,
erblickt' er den anderen staunend, Den schon $
sten Range
versorgt saehe,--denn keinen andern soll sie sein
Lebtage bekommen,--so wollt' ich gern ein zehn Jah
eher sterben.--Merk' Er sich das--und wer meiner
Tochter zu nahe kommt oder ihr worinn zu Leid lebt--
die erste beste Kugel durch den Kopf.  Merk' Er Sich
das.--(geht ab.)
Fuenfte Scene.
Fritz von Berg. Augustchen.
Sie werden nicht Wort halten Gustchen: Sie werden mir
nicht schreiben, wenn Sie in Heidelbrun sind, und dann
werd' ich mich zu Tode graemen.
Glaubst Du denn, dass Deine Juliette so unbestaendig seyn
kann?  O nein; ich bin ein Frauenzimmer; die Mannspersonen
allein sind unbestaendig.
Nein, Gustchen, die Frauenzimmer allein sinds.  Ja wenn
alle Julietten waeren!--Wissen Sie was?  Wenn Sie an mich
schreiben, nennen Sie mich Ihren Romeo; thun Sie mir
den Gefallen: ich versichere Sie, ich werd' in allen
Stuecken Romeo seyn, und wenn ich erst einen Degen trage.
O ich kann mich auch erstechen, wenn's dazu kommt.
Gehn Sie doch!  Ja Sie werden's machen, wie im Gellert
steht: er besah die Spitz' u$
be risse und mich Glied vor Glied verstuemmel<e und
ich behielt nur eine Ader von Blut noch uebrig, so wuerde
diese verraethrische Ader doch fuer isen schlagen.
Er hat mir nichts Leides gethan.
Dir nichts Leides gethan--Himmlischer Vater!
Ich hab ihr gesagt, dass sie die liebenswuerdigste
Kreatur sey, die jemals die Schoepfung beglueckt hat;
ich hab' ihr das auf ihre Lippen gedrueckt; ich hab
diesen unschuldigen Mund mit meinen Kuessen versiegelt,
welcher mich sonst durch seine Zaubersprache zu noch
weit groesseren Verbrechen wuerde hingerissen haben.
Ist das kein Verbrechen?  Was nennt Ihr jungen Herrn
heut zu Tage Verbrechen?  O tempora, o mores!  Habt Ihr
den Valerius Maximus gelesen?  Habt Ihr den Artikel
gelesen de pudicitia?  Da fuehrt er einen Maenius an,
der seinen Freygelassenen todtgeschlagen hat, weil er
seine Tochter einmal kuesste und die Raison: ut etiam
oscula ad maritum sincera perferret.  Riecht Ihr das?
Schmeckt Ihr das?  Etiam oscula, non solum virginitatem,
etiam oscula.  Und Maenius war d$
r im
Doerfli nach Hause gingen, dann setzten sich die einzelnen Schueler,
die weit weg wohnten, auf die KIlassentische, stemmten die Fuesse fest
auf die Baenke und breiteten auf den Knien die mitgebrachten Speisen
aus, um so ihr Mittagsmahl zu halten. Bis um ein Uhr konnten sie sich
daran vergnuegen, dann fing die Schule wieder an. Hatte der Peter
einmal einen solchen Schultag mitgemacht, dann ging er am Schluss zum
Oehi hinueber und machte seinen Besuch beim Heidi.
Als er heute nach Schulschluss in die grosse Stube beim Oehi eintrat,
schoss das Heidi gleich auf ihn zu, denn gerade auf ihn hatte es
gewartet. "Peter, ich weiss etwas", rief es ihm entgegen.
"Sag's", gab er zurueck.
"Jetzt musst du lesen lernen", lautete die Nachricht.
"Hab's schon getan", war die Antwort.
"Ja, ja, Peter, so mein ich nicht", eiferte jetzt das Heidi. "Ich
meine so, dass du es nachher kannst.
"Kann nicht", bemerkte der Peter.
"Das glaubt dir jetzt kein Mensch ehr und ich auch nicht", sagte das
Heidi sehr entschieden. "Die Grossma$
so
sei, dass sie umherwandern koenne mit dem Kinde, der Bank zu. Hier
liess sie Klara los und ergriff den Alten bei beiden Haenden.
"Mein lieber Oehi! Mein lieber Oehi! Was haben wir Ihnen zu danken! Es
ist Ihr Werk! Es ist Ihre Sorge und Pflege..."
"Und unseres Herrgotts Sonnenschein und Almluft", fiel der Oehi
laechelnd ein.
"Ja, und Schwaenlis gute, schene Milch gewiss auch", rief nun
Klara ihrerseits. "Grossmama, du solltest nur wissen, wie ich die
Geissenmilch trinken kann und wie gut sie ist!"
"Ja, das kann ich an deinen Backen sehen, Klaerchen", sagte jetzt die
Grossmama lachend. "Nein, dich kennt man nicht mehr; rund, breit bist
du ja geworden, wie ich nie geahnt, dass du je werden koenntest, und
gross bist du, Klaerchen! Nein, ist es denn auch wahr? Ich kann dich
ja nicht genug ansehen! Aber nun musCs auf der Stelle telegrafiert
werden an meinen Sohn in Paris, er muss sogleich kommen. Ich sag ihm
nicht, warum, das ist die groesste Freude seines Lebens. Mein lieber
Oehi, wie machen wir das? Sie haben $
 Geld und Gut, wenn ich mein armes Kind
anblickte, das ich mit keinem Reichtum gesund und gluecklich machen
konnte? Naechst unserm Gott im Himmel haben Sie mir das Kind gesund
gemacht und mir, wie hm, damit ein neues Leben geschenkt. Nun
sprechen Sie, womit kann ich Ihnen meine Dankbarkeit zeigen? Vergelten
kann ich nie, was Sie uns getan haben, aber was ich vermaj, das stelle
ich zu Ihrer Verfuegung. Sprechen Sie, mein Freund, was darf ich tun?"
Der Oehi hatte still zugehoert und den gluecklichen Vater mit
vergnuegtem Laecheln angeblickt.
"Herr Sesemann glaubt mir wohl, dass ich meinen Teil an der grossen
Freude ueber die Genesung auf unserer Alm auch habe; meine Muehe ist
mir wohl dadurch vergolten", sagte jetzt der Oehi in seiner festen
Weise. "Fuer die guetigen Anerbietungen danke ich Herrn Sesemann, ich
habe nichts noetig. Solange ich lebe, habe ich fuer das Kind und fuer
mich genug. Aber einen Wunsch haette ich; wenn mir der erfuellt werden
koennte, so haette ich fuer dieses Leben keine Sorge mehr."
"S$
e Hauptmann Bluntschli
eben zum Mittagessen eingeladen, aber er erklaerte, sofort gehen zu
Sergius [sardonisch]: Unmoeglich, Bluntschli--wir brauchen Sie hier
sogar sehr dringend.  Wir sollen drei Kavallerieregimenter nach
Philippopel befoerdern und haben keine Ahnung, wie das fertigbringen.
Bluntschli [ploetzlich aufmerksam und berufsmaessig]: Philippopel; da
wird's mit der Verpflegung hapern, nicht wahr?
Petkoff [eifrig]: Ja, das ist es eben.  [Zu Sergius]: Wie er die
Sache gleich weg hat!
Bluntschli: Ich glaube, ich kann Ihnen zeigen, we das zu machen ist.
Sergius: So kommen Sie mit uns, Sie unscha.tzbarer Mann!  [Bluntschli
ueberragend, legt er ihm die Hand auf die Scbulter und fuehrt ihn gegen
die Stufen, Petkoff folgt.  Als Bluntschli seinen Fuss auf die erste
Stufe setzt, tritt Raina aus dem Hause.]
Raina [alle Geistesgegenwart verlierend]: Oh, der Pralinesoldat!
[Bluntschli steht starr, Sergius blickt erstaunt auf Raina, dann auf
Petkoff, der wieder ihn ansieht und dann seine Frau fragend anstarrt.]
K$
olstern streckten,
Er aber fuellte selbst mir einen Becher
Und rief mir zu: Den leere auf mein Wohl!
Und als ich des mich hoeflich weigerte,
Da sprach er: Wenn ich den da toeten wollte,
So brauchte ich ihn nur acht Tage lang
An meinen Tisch zu ziehn und den Tribut,
Den Erd' und Meer mir zollen, drafzustellen,
Er wuerde muessig sitzen und verhungern
Un noch im Sterben schwoeren, er sei satt.
Ja, ja, sie kennen uns! Das muss sich aendern!
Was Moses bloss gebot, um vor dem Rueckfall
In seinen Kaelberdienst dies Volk zu schuetzen,
Wenn er kein Narr war, das befolgt dies Volk,
Als haett' es einen Zweck an sich, und gleicht
Dem Kranken, der nach der Genesung noch
Das Mittel, das ihn heilte, fort gebraucht,
Als waeren Arzenei und Nahrung eins!
Das soll--Fahr fort!
                     Doch ueberzeugte ich
Mich bald, dass ich mich irrte, denn er tat
Beim Trinken alle Staatsgeschaefte ab,
Ernannte Magistrate, ordnete
Dem Zeus das Opfer an, vernahm Auguren
Und sprach die Boten, wie sie eben kamen,
Nicht mich allein. E$
lbst angehoeren, und keine Regel, die man ihm in dieser Absicht
vorschreiben moechte, ist, in Ermangelung einer solchen Naturgabe,
vor Missbrauch sicher*. Ein Arzt daher, ein Richter, oder ein
Staatskundiger, kann viel schoene pathologische, juristische oder
politische Regeln im Kopfe haben, in dem Grade, dass er selbst darin
ein gruendlicher Lehrer werden kann, und wird dennoch in der Anwendung
derselben leicht verstossen, entweder, weil es ihm an natuerlicher
Urteilskraft (obgleich nicht am Verstande) mangelt, und er zwar das
Allgemeine in abstracto einsehen, ob ein Fall in concreto darunter
gehoere, nicht unterscheiden kann, oder auch darum, weil er nicht
genug durch Beispiele und wirkliche Geschaefte zu diesem Urteile
abgerichtet worden. Dieses ist auch der einige und grosse Nutzen
der Beispiele: dass sie die Urteilskraft schaerfen. Denn wasV die
Richtigkeit und Praezision der Verstandeseinsicht betrifft, so tun siehderselben vielmehr gemeiniglich einigen Abbruch, weil sie nur selten
die Bedingung der Reg$
 priori vor ihr vorher.
Es kommt also darauf an, im Beispiele zu zeigen, dass wir niemals
selbst in der Erfahrung die Folge (einer Begebenheit, da etwas
geschieht, was vorher nicht war) dem Objekt beilegen, und sie von der
subjektiven unserer Apprehension unterscheiden, als wenn eine Regel
zum Grunde liegt, die uns noetig, diese Ordnung der Wahrnehmungen
vielmehr als eine andere zu beobachten, ja dass diese Noetigung
es eigentlich sei, was die Vorstellung einer Sukzession im Objekt
allererst moeglich macht.
Wir haben Vorstellungen in uns, deren wir uns auch bewusst weren
koennen. Dieses Bewusstsein aber mag so weit erstreckt, und so genau
oder puenktlich sein, als man wolle, so bleiben es doch nur immer
Vorstellungen, d.i. innere Bestimmungen unseres Gemuets in diesem oder
jenem Zeitverhaeltnisse. Wie kommen wir nun dazu, dass wir diesen
Vorstellungen ein Objekt setzen, oder ueber ihre subjektive Realitaet,
als Modifikationen, ihnen noch, ich weiss nicht, was fuer eine,
objektive beilegen? Objektive Bedeutu$
eusserlich
  angeschaut werden kann. Der Raum, vor allen Dingen, die ihn
  bestimmen (#erfuellen oder begrenzen), oder die vielmehr eine seiner
  Form gemaesse empirische Anschauung geben, ist, unter dem Namen
  des absoluten Raumes, nichts anderes, als die blosse Moeglichkeit
  aeusserer Erscheinungen, sofern sie entweder an sich existieren,
  oder zu gegebenen Erscheinungen noch hinzukommen koennen.
  Die empirische Anschauung ist also nicht zusammengesetzt aus
  Erscheinungen und dem Raume (der Wahrnehmung und der leeren
  Anschauung). Eines ist nicht des anderen Korrelatum der Synthesis,
  sondern nur in einer und derselben empirischen Anschauung verbunden,
  als Materie und Form derselben. Will man eine dieser zwei Stuecke
  ausser der anderen setzen (Raum ausserhalb allen Erscheinungen),
  so entstehen daraus allerlei leere Bestimmungen der aeusseren
  Anschauung, die doch nicht moegliche Wahrnehmunge0n sind. Z.B.
  Bewegung oder Ruhe der Welt im unendlichen leeren Raum, eine
  Bestimmung des Verhaeltni$
n, um eine Frage
aufzuwerfen, es uns aberSgaenzlich an Mitteln oder am Vermoegen fehlt,
sie jemals zu beantworten.
Ich behaupte nun, dass die Transzendentalphilosophie unter allem
spekulativen Erkenntnis dieses Eigentuemliche habe: dass gar keine
Frage, welche einen der reinen Vernunft gegebenen Gegenstand betrifft,
fuer eben dieselbe menschliche Vernunft unaufloeslich sei, und
dass kein Vorschuetzen einer unvermeidlichen Unwissenheit und
unergruendlicher Tiefe der Aufgabe von der Verbindlichkeit frei
sprechen koenne, sie gruendlich und vollstaendig zu beantworten; weil
eben derselbe Begriff, der uns in den Stand setzt zu fragen, durchaus
uns auch tuechtig machen muss, auf diese Frage zu antworten, indem der
Gegenstand ausser dem Begriffe gar nicht angetroffen wird (wie bei
Recht und Unrecht).
Es sind aber in der Transzendentalphilosophie keine anderen, als
nur die kosmologischen Fragen, in Ansehung deren man mit Recht eine
genugtuende Antwort, die die Beschaffenheit des Gegenstandes betrifft,
fordern kann, $
dentale Deduktion des allgemein moeglichen
    Erfahrungsgebrauchs der reinen Verstandesbegriffe
In der metaphysischen Deduktion wurde der Ursprung der Kategorien
a priori ueberhaupt durch ihre voellige Zusammentreffung mit den
allgemeinen logischen Funktionen des Denkens dargetan, in der
transzendentalen aber die Moeglichkeit derselben als Erkenntnisse a
priori von Gegenstaenden einer Anschauung ueberhaupt (Paragraphen 20,
21) dargestellt. Jetzt soll die Moeglichkeit, durch Kategorien die
Gegenstaende, die nur immer unseren Sinnen vorkommen moegen, und zwar
nicht der Form ihrer Anschauung, sondern den Gesetzen ihrer Verbindung
nach, a priori zu erkennen, also der Natur gleichsam das Gesetz
vorzuschreiben und sie ogar moeglich zu machen, erklaert werden. Denn
ohne diese ihre Tauglichkeit wuerde nicht erhellen, wie alles, was
unseren Sinnen nur vorkommen mag, unter den Gesetzen stehen muesse,
die a priori aus dem Verstande allein entspringen.
Zuvoerderst merke ich an, dass ich unter der Synthesis der
Apprehen$
hnt,
sondern, was sowohl die reinen Anschauungen, als die reinen
Verstandesbegriffe betrifft, so sind Elemente der Erkenntnis, die in
uns a priori angetroffen werden. Nun sind nur zwei Wege, auf welchen
eine notwendige Uebereinstimmung der Erfahrung mit den Begriffen von
ihren Gegenstaenden gedacht werden kann: entweder die Erfahrung macht
diese Begriffe, oder diese Begriffe machen die Erfahrung moeglich. Das
erstere findet nicht in Ansehung der Kategorien (auch nicht der reinen
sinnlichen Anschauung) statt; denn sie sind Begriffe a priori, mithin
unabhaengig von der Erfahrung (die Behauptung eines empirischen
Ursprungs waere eine Art von generatio aequivoca). Folglich bleibt
nur das zweite uebrig (gleichsam ein System der Epigenesis der reinen
Vernunft): dass naemlich die Kategorien von seiten des Verstandes die
Gruende der Moeglichkeit aller Erfahrung ueberhaupt enthalten. Wie
sie aber die Erfahrung moeglich machen, und welche Grundsaetze der
Moeglichkeit derselben sie in ihrer Anwendung auf Erscheinungen$
ren, und sich doch an der blossen Empfindung in einem Moment
eine Synthesis der gleichfoermigen Steigerung von O bis zu dem
gegebenen empirischen Bewusstsein vorstellen. Alle Empfindungen werden
daher, als solche, zwar nur a prior_ gegeben, aber die Eigenschaft
derselben, dass sie einen Grad haben, kann a priori erkannt werden.
Es ist merkwuerdig, dass wir an Groessen ueberhaupt a priori nur eine
einzige Qualitaet, naemlich die Kontinuitaet, an aller Qualitaet
aber (dem Realen der Erscheinungen) nichts weiter a priori, als die
ntensive Quantitaet derselben, naemlich dass sie einen Grad haben,
erkennen koennen, alles uebrige bleibt der Erfahrung ueberlassen.
3. Analogien der Erfahrung
Das Prinzip derselben ist: Erfahrung ist nur durch die Vorstellung
einer notwendigen Verknuepfung der Wahrnehmungen moeglich.
        Beweis
Erfahrung ist ein empirisches Erkenntnis, d.i. ein Erkenntnis, das
durch Wahrnehmungen ein Objekt bestimmt. Sie ist also eine Synthesis
der Wahrnehmungen, die selbst nicht in der Wahrnehmung$
 Also wird per Sophisma figurae dictionis, mithin durch
einen Trugschluss die Konklusion gefolgert*.
* Das Denken wird in beiden Praemissen in ganz verschiedener Bedeutung
  genommen: im Obersatze, wie es auf ein Objekt ueberhaupt (mithin wie
  es in der An1schauung gegeben werden mag) geht; im Untersatze aber
  nur, wie es in der Beziehung aufs Selbstbewusstsein besteht, wobei
  also an gar kein Objekt gedacht wird, sondern nur die Beziehung auf
  Sich, als Subjekt, (als die Form des Denkens) vorgestellt wird. Im
  ersteren wird von Dingen geredet, die nicht anders als Subjekte
  gedacht werden koennen; im zweiten aber nicht von Dingen, sondern
  vom Denken (indem man von allem Objekte abstrahiert), in welchem das
  Ich immer zum Subjekt des Bewusstseins dient; daher im Sclusssatze
  nicht folgen kann: ich kann nicht anders als Subjekt existieren,
  sondern nur: ich kann im Denken meiner Existenz mich nur zum
  Subjekt des Urteils brauchen, welches ein identischer Satz ist, der
  schlechterdings nichts ueber$
die Materie, ein
Bedingtes, dessen innere Bedingungen seine Teile, und die Teile der
Teile die entfernten Bedingungen sind, so dass hier eine regressive
Synthesis stattfindet, deren absolute Totalitaet die Vernunft fordert,
welche nicht anders als durch eine vollendete Teilung, dadurch die
Realitaet der Materie entweder in Nichts oder doch in das, was nicht
mehr Materie ist, naemlich das Einfache, verschwindet, stattfinden
kann. Folglich ist hier auch eine Reihe von Bedingungen und ein
Fortschritt zum Unbedingten.
Drittens, was die Kategorien des realen Verhaeltnisses unter den
Erscheinungen anlangt, so schickt sich die Kategorie der Substanz
mit ihren Akzidenzen nicht zu einer transzendentalen Idee; d.i.
die Vernunft hat keinen Grund, in Ansehung ihrer, regressiv auf
Bedingungen zu gehen. Denn Akzidenzen sind (sofern sie einer einigen
Substanz inhaerieren) einander koordiniert, und machen keine Reihe
aus. In Ansehung der Substanz aber sind sie derselben eigentlich nicht
subordiniert, sondern die Art zu exi$
amt meiner Meinung nach ganz schicklich Weltbegriffe
nennen. In Ansehung des Unterschiedes des Mathematisch- und des
Dynamischunbedingten, worauf der Regressus abzielt, wuerde ich
doch die zwei ersteren in engerer Bedeutung Weltbegriffe (der Welt
im Grossen und Kleinen), die zwei uebrigen aber transendente
Naturbegriffe nennen. Diese Unterscheidung ist vorjetzt noch nicht
von sonderlicher Erheblichkeit, sie kann aber im Fortgange wichtiger
Der Antinomie der reinen Vernunft
Zweiter A[bschnitt
Antithetik der reinen Vernunft
Wenn Thetik ein jeder Inbegriff dogmatischer Lehren ist, so verstehe
ich unter Antithetik nicht dogmatische Behauptungen des Gegenteils,
sondern den Widerstreit der dem Scheine nach dogmatischen
Erkenntnisse, (thesin cum antithesi), ohne dass man einer vor der
anderen einen vorzueglichen Anspruch auf Beifall beilegt. Die
Antithetik beschaeftigt sich also gar nicht mit einseitigen
Behauptungen, sondern betrachtet allgemeine Erkenntnisse der Vernunft
nur nach dem Widerstreite derselben unterei$
 Widerlegung fuerchten duerfen, und deren
jeder nicht allein an sich selst ohne Widerspruch ist, sondern sogar
in der Natur der Vernunft Bedingungen seiner Notwendigkeit antrifft,
nur dass ungluecklicherweise der Gegensatz ebenso gueltige und
notwendige Gruende der Behauptung auf seiner Seite hat.
Die Fragen, welche bei einer solchen Dialekti der reinen Vernunft
sich natuerlich darbieten, sind also: 1. Bei welchen Saetzen denn
eigentlich die reine Vernunft einer Antinomie unausbleiblich
unterworfen sei. 2. Auf welchen Ursachen diese Antinomie beruhe. 3. Ob
und auf welche Art dennoch der Vernunft unter diesem Widerspruch ein
Weg zur Gewissheit offen bleibe.
Ein dialektischer Lehrsatz der reinen Vernunft muss demnach dieses,
ihn von allen sophistischen Saetzen unterscheidendes, an sich haben,
dass er nicht eine willkuerliche Frage betrifft, die man nur in
gewisser beliebiger Absicht aufwirft, sondern eine solche, auf die
jede menschliche Vernunft in ihrem Fortgange notwendig stossen muss;
und zweitens, dass er,$
eltreihe unmoeglich,
mithin ein Anfang der Welt eine notwendige Bedingung ihres Daseins;
welches zuerst zu beweisen war.
In Ansehung des zweiten nehme man wiederum das Gegenteil an: so wird
die Welt ein unendliches gegebenes Ganzes von zugleich existierenden
Dingen sein. Nun koennen wir die Groesse eines Quanti, welches nicht
innerhalb gewisser Grenzen jeder Anschauung gegeben wird,* auf keine
andere Art, als nur durch die Synthesis der Teile, und die Totalitaet
eines solchen Quanti nur durch die vollendete Synthesis, oder durch
wiederhote Hinzusetzung der Einheit zu sich selbst, gedenken.**
Demnach, um sich die Welt, die alle Raeume erfuellt, als ein Ganzes zu
denken, muesste die sukzessive Synthesis der Teile einer unendlichen
Welt als vollendet angesehen, d.i., eineunendliche Zeit muesste,
in der Durchzaehlung aller koexistierenden Dinge, als abgelaufen
angesehen werden; welches unmoeglich ist. Demnach kann ein unendliches
Aggregat wirklicher Dinge, nicht als ein gegebenes Ganzes, mithin auch
nicht als zug$
eisesten Absicht die Ursache von allem sei, zu gelangen.
* Der Vorteil, den eine kugelichte Erdgestalt schafft, ist bekannt
  genug; aber wenige wissen, dass ihre Abplattung, al\s eines
  Sphaeroids, es allein verhindert, dass nicht die Hervorragungen
  des festen Landes, oder auch kleinerer, vielleicht durch Erdbeben
  aufgeworfener Berge, die Achse der Erde kontinuierlich und in
  nicht eben langer Zeit ansehnlich verruecken, waere nicht die
  Aufschwellung der Erde unter der Linie ein so gewaltiger Berg, den
  der Schwung jedes anderen Berges niemals merklich aus seiner Lage in
  Ansehung der Achse bringen kann. Und doch erklaert man diese weise
  Anstalt ohne Bedenken aus dem Geichgewicht der ehemals fluessigen
Gehen wir aber von dieser Restriktion der Idee auf den bloss
regulativen Gebrauch ab, so wird die Vernunft auf so mancherlei Weise
irregefuehrt, indem sie alsdann den Boden der Erfahrung, der doch die
Merkzeichen ihres Ganges enthalten muss, verlaesst, und sich ueber
denselben zu dem Unbegreifliche$
nd nicht direkt unmittelbar
aus den Begriffen allein einen solchen Grundsatz erkennen konnte.
Diskursive Grundsaetze sind also ganz etwas anderes als intuitive,
d.i. Axiomen. Jene erfordern jederzeit noch eine Deduktion, deren
die letzteren ganz und gar entbhren koennen, und, da diese eben um
desselben Grundes willen evident sind, welches die philosophischen
Grundsaetze, bei aller ihrer Gewissheit, doch niemals vorgeben
koennen, so fehlt unendlich viel daran, dass irgendein synthetischer
Satz der reinen und transzendentalen Vernunft so augenscheinlich
sei (wie man sich trotzig auszudruecken pflegt), als der Satz: dass
zweimal zwei vier geben. Ich habe zwar in der Analytik, bei der Tafel
der Grundsaetze des reinen Verstandes, auch gewisser Axiomen der
Anschauung gedacht; allein der daselbst angefuehrte Grundsatz war
selbst kein Axiom, sonvern diente nur dazu, das Prinzipium der
Moeglichkeit der Axiomen ueberhaupt anzugeben, und selbst nur ein
Grundsatz aus Begriffen. Denn sogar die Moeglichkeit der Mathematik
$
r Glueckseligkeit nicht unwuerdig
sei, darf ich auch hoffen, ihrer dadurch teilhaftig werden zu koennen?
Es kommt bei der Beantwortung derselben darauf an, ob die Prinzipien
der reinen Vernunft, welche a priori das Gesetz vorschreiben, auch
diese Hoffnung notwendigerweise damit verknuepfen.
Ich sage demnach: dass ebensowohl, als die moralischen Prinzipien nach
der Vernunft in ihrem praktischen Gebrauche notwendig sind, ebenso
notwendig sei es auch nach der Vernunft, in ihrem theoretischen
Gebrauch anzunehmen, dass jedermann die Glueckseligkeit in demselben
Masse zu hoffen Ursache habe, als er sich derselben in seinem
Verhalten wuerdig gemacht hat, un dass also das System der
Sittlichkeit mit dem der Glueckseligkeit unzertrennlich, aber nur in
der Idee der reinen Vernunft verbunden sei.
Nun laesst sich in einer intelligiblen, d.i. der moralischen Welt,
in deren Begriff wir von allen Hindernissen der Sittlichkeit (der
Neigungen,) abstrahieren, ein solches System der mit der MoralitaeLt
verbundenen proportionie$
ldaten unter dem Fenster ausstellen und selbst in der Naehe
wachen wuerde.  Der Prinz meinte, er moechte sich das Wachen und Bewachen
ersparen, in seinem Panzerhemde, mit gutem Degen bewaffnet sollte ihm so
leicht niemand gefaehrlich werden; die Ammenmaerchen von Geistern schreckten
ihn aber nicht mehr.  Cenrio verliess das Zimmer.  Der Prinz stuetzte sich
auf die Hand und lallte ein Lied, um wach zu bleiben; dann streckte er
sich aufs Bette und sang wieder, indem er einschlummerte; da das Bette der
Kammer gegenueberstand, konnte Bella ihn deutlich sehen und die Worte
Komm, lieblich schwarze Nacht,
Und druecke schiessende Sterne,
Wie Siegel deiner Macht,
Als eichen meiner Ferne,
In meine mutige Brust,
Dass aller Funken Lust
Aus kuenftigen Kronen geshmiedet,
Mich wecke, den Dienen ermuedet.
Sie sitzt auf dunklem Thron,
Ihr ruhet auf wolkigem Kissen
Die ewig schimmernde Kron'.--
O moecht' ich die Liebliche kuessen!
Und machte der Venus Stern
Die einzige Nacht mich zum Herrn,
Dann koennt' ich die Erde umwallen,$
er gute Kerl tat wirklich alles, was
man nur von einem lebenden Menschen erwarten konnte, dabei ass er aber so
gewaltig, dass seine irdische Natur ein frisches Leben gewann und er sich
immer mehr ueberzeugte, er werde sie nicht mehr so geruhig zu Grabe bringen,
wie sie sonst darin gel0egen, auch erhob sich zuweilen ein solcher Streit
zwischen dem lebenden und verstorbenen Koerper in ihm, dass es ihm ueber der
ganzen Haut zuckte und juckte.  Ebensolcher Zwiespalt war in seiner
Meinung von der Herrschaft: sein verstorbener Leib rechnete sich zu Herren
Cornelius, sein neulebender war ganz der Frau Braka und der schoenen Bella
ergeben und achtete den Herren nicht mehr als einen Glueckspilz.  Wie nun
die eine oder die andre dieser Seiten hervortritt, werden wir ihn bald fuer
den einen, bald fuer den andern taetig sehen; doch verriet er keinen dem
Alles war endlich zur Fahrt bereit.  Der Wagen hatte dreifach bezahlt
werden muessen, solch eine Menge Leute, die sonst im stillen Gewerbe lebten,
hatten diesen Tag zum $
rn des Erzherzogs auf eine wunderliche Art
herbeigefuehrt.  Er hatte seine rasende Eifersucht ohne alle Zoegerung
seinem Freunde Cenrio verraten, dem sogleich ein trefflicher Einfall
gekommen war.  Er hatte bei einem Guckkasten einen gelehrten Juden aus
Polen wiedergefunden, der ihm schon frueher durch seine Kunst, Golems zu
machen, manche Ergoetzlichkeit verschafft hatte.  Diese Golems sind Figuren
aus Ton nach dem Ebenbilde eines Menschen abgedruckt, ueber welche da
geheimnisreiche und wunderkraeftige Schemhamphoras gesprochen worden, auf
dessen Stirn das Wort Aemaeth, Wahrheit, geschrieben, wodurch sie lebendig
werden und zu allen Geschaeften zu gebrauchen waeren, wenn sie nicht so
schnell wuechsen, dass sie bald staerker als ihre Schoepfer sind.  Solange man
aber ihre Stirn erreichen kann, ist es leicht, sie zu toeten, es braucht
nur das Ae vor der Stirne ausgestrichen zu werden, so bleibt bloss das
letztere Maeth stehen, welches Tod bezeichnet, und im Augenblicke fallen
sie wie eine trockene Tonerde zu$
n veraendertem Ton:
Nichts weiss von mir die liebe Mutter,
Nichts weiss von mir der gute Vater,
Doch zuend ich ein Licht der heiligen Mutter,
Doch glaub ich an einen himmlischen Vater.
Als das Licht den jungen Mann erhellte,ada erinnerte sie sich, ihn
mehrmals vor ihrem Hause erblickt zu haben, wenn sie zufaellig nach der
Strasse gesehen.  Nicht ohne Grund glaubte sie sich die Ursache seiner
Trauer, weil er sie vermaehlt glaubte.  Welche treue Liebe war ihr
unbekannt geblieben, waehrend der Liebling ihres Herzens, dem sie sich so
ausschliesslich hingegeben, sie in leichtsinniger Taeuschung verlassen hatte.
Sollte sie sich ihm wie ein Almosen hingeben?  Sie war sich nichts mehr
wert!  sie konnte ein frommes Leben mit ihrer Liebe retten.  Schon wollte
sie zu dem Betenden hinspringen und sich ihm zu erkennen geben und ihrem
Hause und ihrem Volke entsagen, als der Mond an dem hohen, pyramidalen
Kirchturm, der vor ihr wie ein Schatten stand, wie das Licht eines
Leuchtturms emporstieg, und sie dachte der Pyramiden $
en
konnte; keine von den vielen Spitzfindigkeiten, die er in seinem Leben
durchdisputiert hatte, fiel ihm zu seinem Schutze ein.  Er sagte endlich,
dass er nichts antworten wolle, es sei eine Verschwoerung gegen ihn, seine
Gutmuetigkeit werde hart bestraft.  Laenger konnten weder der Erzherzog noh
Bella seine Verlegenheit ansehen.  Der Erzherzog nahm Bella lachend in
seinen Arm und rechtfertigte ihn vor der Versammlung, indem er sagte, dass
er ihn angefuehrt habe, dass er ihm eine Geliebte zur Aufwartung gegeben, um
sie sich selbst naeher zu ruecken.  Adrian atmete wieder nach die*er Rede;
die Versammlung ruehmte das fruehe Liebesgeschick des Erzherzogs.  Chievres,
der Karl gern zum Liebhaber seiner Frau gemacht haette, um ihn desto mehr
in seine Gewalt zu bekommen, versicherte laut, er wuerde seine Frau nicht
mehr mit ihm allein lassen.  Der Erzherzog bat unterdessen Bella, dass sie
zur Frau von Chievres, die im Schlosse wohnte, gehen und sich recht
kostbar moechte ankleiden lassen, dann sollte sie mit derse$
 wieder die
hohen Schneegipfel vom Mond beleuchtet, und nun erwarte ich, dass der
Morgen diese Felsenkluft erhelle, in der ich auf der Grenzscheide des
Suedens und Nordens eingeklemmt bin.
Ich fuege noch einige Bemerkungen hinzu ueber die Witterung, die mir
vielleicht ebendeswegen so guenstig ist, weil ich ihr so viele
Betrachtungen widme.  Auf dem flachen Lande empfaengt man gutes und
boeses Wetter, wenn es schon fertig geworden, im Gebirge ist man
gegenwaertig, wenn es entsteht.  Dieses ist mir nun so oft begegnet,
wenn ich auf Reisen, Spaziergaengen, auf der Jagd Tag und Naechte lang
in den Bergwaeldern, zwischen Klippen verweilte, und da ist mir eine
Grille aufgestiegen, die ich auch fuer nichts anders geben will, die
ich aber nicht loswerden kann, wie man denn eben die Grillen am
wenigsten loswird.  Ich sehe sie ueberall, als wenn es eine Wahrheit
waere, und sowill ich sie denn auch aussprechen, da ich ohnehin die
Nachsicht meiner Freunde so oft zu prueen im Falle bin.
Betrachten wir die Gebirge naeher $
tube
los wie vorher auf dem Hafenplatz.
Im dritten Akt steigert sich der Scherz, und das Ganze endet mit einer
eiligen, notduerftigen Aufloesung.  Der gluecklichste Gedanke jedoch ist
in einem Charakter ausgedrueckt, der sich folgendermassen darstellt.
Ein alter Schiffer, dessen Gliedmassen, besonders aber die Sprachorgane,
durch eine von Jugend, auf gefuehrte harte Lebensart stockend geworden,
tritt auf als Gegensatz des beweglichen, schwaetzenden, schreiseligen
Volke`s, er nimmt immer erst einen Anlauf durch Bewegung der Lippen und
Nachhelfen der Haende und Arme, bis er denn endlich, was er gedacht,
herausstoesst.  Weil ihm dieses aber nur in kurzen Saetzen gelingt, so
hat er sich einen lakonischen Ernst angewoehnt, dergestalt, dass alles,
was er sagt, sprichwoertlich oder sententios klingt, wodurch denn das
uebrige wilde, leidenschaftliche Handeln gar schoen ins Gleichgewicht
gesetzt wird.
Aber auch so eine Lust habe ich noch1nie erlebt, als das Volk laut
werden liess, sich und die Seinigen so natuerlich v$
dte, die
Kastelle, die Lustraeume!--Wir sind auch noch abenbds in die Grotte des
Posilipo gegangen, da eben die untergehende Sonne zur andern Seite
hereinschien.  Ich verzieh es allen, die in Neapel von Sinnen kommen,
und erinnerte mich mit Ruehrung meines Vaters, der einen
unausloeschlichen Eindruck besonders von denen Gegenstaenden, die ich
heut zum erstenmal sah, erhalten hatte.  Und wie man sagt, dass einer,
dem ein Gespenst erschienen, nicht wieder froh wird, so konnte man
umgekehrt von ihm sagen, dass er nie ganz ungluecklich werden konnte,
weil er sich immer wieder nach Neapel dachte.  Ich bin nun nach meiner
Art ganz stille und mache nur, wenn's gar zu toll wird, grosse, grosse
Neapel, den 28. Februar 1787.
Heute besuchten wir Philipp Hackert, den beruehmten Landschaftsmaler,
der eines besondern Vertrauens, einer vorzueglichen Gnade des Koenigs
und der Koenigin geniesst.  Man hat ihm einen Fluegel des Palasts
Francavilla eingeraeumt, den er mit Kuenstlergeschmack moeblieren liess
und mit Zufriedenhei$
schbein die beste
Huelfe geben; heute ist mir nicht moeglich, auch nur das mindeste
hinzuzufuegen.
Den 2. Maerz
bestieg ich den Vesuv, obgleich bei truebem Wetter und umwoelktem Gipfel.
Fahrend gelangt' ich nach Resina, sodann auf einem Maultiere den
Berg zwischen Weingaerten hinauf; nun zu Fuss ueber die Lava vom Jahre
Einundsiebenzig, die schon feines, aber festes Moos auf sich erzeugt
hatte; dann an der Seite der Lava her.  Di Huette
 des Einsiedlers
blieb mir links auf der Hoehe.  Ferner den Aschenberg hinauf, welches
eine sauere Arbeit ist.  Zwei Dritteile dieses Gipfels waren mit
Wolken bedeckt.  Endlich erreichten wir den alten, nun ausgefuellten
Krater, fanden die neuen Laven von zwei Monaten vierzehn Tagen, ja,
eine schwache von fuenf Tagen schon erkaltet.  Wir stiegen ueber sie an
einem erst aufgeworfenen vulkanischen Huegel hinauf, er dampfte aus
allen Enden.  Der Rauch zog von uns weg, und ich wollte nach dem
Krater gehn.  Wir waren ungefaehr funfzig Schritte in den Dampf hinein,
als er so stark w$
e trefflich kleidet, dazu loest sie ihre Haare auf,
nimmt ein paar Schals und macht eine Abwechslung von Stellungen,
Gebaerden, Mieen etc., dass man zuletzt wirklich meint, man traeume.
Man schaut, was so viele tausend Kuenstler gerne geleistet haetten, hier
ganz fertig in Bewegung und ueberraschender Abwechslung.  Stehend,
knieend, sitzend, liegend, ernst, traurig, neckisch, ausschweifend,
bussfertig, lockend, drohend, aengstlich etc., eins folgt aufs andere
und aus dem andern.  Sie weiss zu jedem Ausdruck die Falten des
Schleiers zu waehlen, zu wechseln, und macht sich hundert Arten von
Kopfutz mit denselben Tuechern.  Der alte Ritter haelt das Licht dazu
und hat mit ganzer Seele sich diesem Gegenstand ergeben.  Er findet in
ihr alle Antiken, alle schoenen Profile der sizilianischen Muenzen, ja
den Belvederschen Apoll selbst.  So viel ist gewiss, der Spass ist
einzig!  Wir haben ihn schon zwei Abende genossen.  Heute frueh malt
sie Tischbein.
Vom Personal des Hofs und den Verhaeltnissen, was ich erfahren u$
ewundert, so erschienen nun auch die
Kastelle und die Stadt gerade vor uns, sodann links der Posilipo und
die Erdzungen, die sich bis gegen Procida und Ischia erstreckten.
Alles war auf dem Verdeck, voran ein fuer seinen Orient sehr
eingenommener griechischer Priester, der den Landesbewohnern, die ihr
herrliches Vaterland mit Entzuecken begruessten, auf ihre Frage, wie sich
denn Neapel zu Konstantinopel verhalte, sehr pathetisch antwortete:
"Anche questa e una citta!"--"Auch dieses ist eine Stadt!"--Wir
langten zur rechten Zeit im Hafen an, umsummt von Menschen; es war der
lebhafteste Augenblick des Tages.  Kaum waren unsere Koffer und
sonstigen Geraetschaften ausgeladen und standen am Ufer, als gleich
zwei Lasttraeger sich derselben bemaechtigten, und kaum hatten wir
ausgesprochen, dass wir bei Moriconi logieren wuerden, so liefen sie mit
dieser Last wie mit einer Beute davon, so dass wir ihnen dfurch die
menschenreichen Strassen und ueber den bewegten Platz nicht mit den
Augen folgen konnten.  Kniep hatte $
den vielen Samen, die ich auf diese Weise beobachtete, muss ich
einiger noch erwaehnen, weil sie zu meinem Andenken kuerzer oder laenger
in dem alten Rom fortwuchsen.  Pinienkerne gingen gar merkwuerdig auf,
sie huben sich wie in einem Ei eingeschlossen empor, warfen aber diese
Haube bald ab und zeigten in einem Kranze von gruenen Nadeln schon die
Anfaenge ihrer kuenftigen Bestimmung.
Galt das Bisherige der Fortpflanzung durch Samen, so ward ich auf die
Fortpflanzung durch Augen nicht weniger aufmerksam gemacht, und zwar
durch Rat Reiffenstein, der auf allen Spaziergaengen, hier und dort
einen Zweig abreissend, bis zur Pedanterie behauptete, in die Erde
gesteckt, mupesse jeder sogleich fortwachsen.  Zum entscheidenden Beweis
zeigte er dergleichen Stecklinge gar wohl angeschlagen in seinem
Garten.  Und wie bedeutend ist nicht in der Folgezeit eine solche
allgemein versuchte Vermehrung fuer die botanische Gaertnerei geworden,
die ich ihm wohl zu erleben gewuenscht haette.
Am auffallendsten war mir jedoch ein s$
on.  Si j'avois le
bonheur d'habiter le meme pays que vous, j'irois vous embrasser et
vous dire mon secret, mais malheureusement j'en habite un ou personne
ne croiroit au motif qui vient de me determiner a cette demarche.
Soyez satisfait, Monsieur, d'avoir pu, a 300 lieues de votre demeure,
ramener le coeur d'un jeune homme a l'honnetete et a la vertu, toute
une famille va etre tranquille, et mon coeur jouit d'une bonne action.
Si j'avais des talens, des lumieres ou un rang qui me fit influer sur
le sort des hommes, je vous dirois mon nom, mais je ne suis rien et je
sais ce que je ne voudrois etre.  Je souhaite, Monsieur, que vous
soyez jeune, que vous ayez le gout d'ecrire, que vous soyez l'epoux
d'une Charlotte qui n'avait point vu de Werther, et vous serez le plus
heureux des hommes, car je crois que vous aimez la vertu."
Korrespondenz
Rom, den 1. Dezember.
So viel versichre ich dir: ich bin ueber die wichtigsten Punkte mehr
als gewiss, und obgleich die Erkenntnis sich ins Unendliche erweitern
koenne, so$
Herrn vorgestellt, und er mir bekannt gemacht als
derjenige, der mich einfuehren, meinen Buergen gleichsam oder Paten
vorstellen sollte.  Wir traten in einen grossen, bereits ziemlich
belebten Saal und setzten uns in die erste Reihe von Stuehlen, gerade
in die Mitte einem aufgerichteten Katheder gegenueber.  Es traten immer
mehr Zuhoerer heran; an meine leergebliebene Rechte fand sich ein
stattlicher aeltlicher Mann, den ich nach seiner Bekleidung und der
Ehrfurcht, die man ihm erwies, fuer einen Kardinal zu halten hatte.
Der Kustode, vom Katheder herab, hielt eine allgemein einleitende Rede,
rief mehrere Personen auf, welche sich teils in Versen, teils in
Prosa hoeren liessen.  Nachhem dieses eine gute Zeit gewaehrt, begann
jener eine Rede, deren Inhalt und Ausfuehrung ich uebergehe, indem sie
im ganzen mit dem Diplom zusammentraf, welches ich erhielt und hier
nachzubrigen gedenke.  Hierauf wurde ich denn foermlich fuer einen der
Ihrigen erklaert und unter grossem Haendeklatschen aufgenommen und
Mein sogenan$
r die
anstaendigste Maske gehalten, und der ganze Saal ist mit schwarzen
Figuren angefuellt; wenige bunte Charaktermasken mischen sich drunter.
Desto groesser ist die Neugierde, wenn sich einige edle Gestalten zeigen,
die, wiewohl seltener, aus den verschiedenen Kunstepochen ihre Masken
erwaehlen und verschiedene Statuen, welche sich in Rom befinden,
meisterlich nachahmen.
S` zeigen sich hier aegyptische Gottheiten, Priesterinnen, Bacchus und
Ariadne, die tragische Muse, die Muse der Geschichte, eine Stadt,
Vestalinnen, ein Konsul, mehr oder weniger gut und nach dem Kostueme
ausgefuehrt.  Tanz
Die Taenze bei diesen Festen werden gewoehnlich in langen Reihen nach
Art der englischen getanzt; nur unterscheiden sie sich dadurch, dass
sie n ihren wenigen Touren meistenteils etwas Charakteristisches
pantomimisch ausdruecken; zum Beispiel, es entzweien und versoehnen sich
zwei Liebende, sie scheiden und finden sich wieder.
Die Roemer sind durch die pantomimischen Ballette an stark gezeichnete
Gestikulation gewoehnt;$
t willen in kurzem an einem und
dem andern erfuellt werden kann.
Die Bedeutung des Ausdrucks verliert sich nach und nach gaenzlich.  Und
wie wir in andern Sprachen oft Flueche und unanstaendige Worte zum
Zeichen der Bewunderung und Freude gebrauchen hoeren, so wird "Sia
ammazzato" diesen Abend zum Losungswort, zum Freudengeschrei, zum
Refrain aller Scherze, Neckereien und Komplimente.
So hoeren wir spotten: "Sia ammazzato il Signor Abbate che fa l'amore."
Oder einen vorbeigehenden guten Freund anrufen: "Sia ammazzato il
Signore Filippo."  Oder Schmeichelei und Kompliment damit verbinden:
"Sia ammazzata la bella Principessa!  Sia ammazzata la Signora
Angelica, la prima pittrice del secolo."
Alle diese Phrasen werden heftig und schnell mit einem langen
haltenden Ton auf der vorletzten oder drittletzten Silbe ausgerufen.
Unter diesem unaufhoerlichen Geschrei geht das Ausblasen und Anzuenden
der Kerzen immer fort.  Man begegne jemanden im Haus, auf der Treppe,
es sei eine Gesellschaft im Zimm0r beisammen, aus ein$
man,
Den du dort siehst hoch ob den Haeusern ragen.
Dort lag ich still, sie aber streuten aus
Den Samen des Geruechts ins Ohr der Buerger.
Und als am Tage Himmelfahrt die Menge
Versammelt war vor jenes Tempels Pforte
Da fuehrten sie mich auf des Turmes Erker
Und zeigten mich dem Volk und schrien hinab:
Hier mitten unter euch, hier euer Koenig,
Der Erbe alter Fuersten, ihres Rechts
Und eurer Rechte williger Beschirmer.
Ich war ein Kind und weinte, sagten sie.
Noch aber hoer ich ihn, den gellen Aufschrei,
Ein einzig Wort aus tausend baert'gen Kehlen,
Und tausend Schwerter wie in einer Hand,
Der Hand des Volks. Gott aber gab den Sieg,
Die Leoneser flohn; und fort und fort.
Ich selber Fahne mehr als Krieger noch
Inmitten eines Heers, durchzog das Land
Erfechtend mit des Mundes Laecheln Siege;
Sie aber lehrten mich und pflegten mein,
Und Muttermilch floss mir aus ihren Wunden.
Deshalb, wenn andre Fuersten Vaeter heissen
Des eignen Volks, nennich mich seinen Sohn,
Denn was ich bin, verdank ich ihrer Treue.
Wenn al$
ass diese hier mein Schuetzling,
Durch irgendwie zudringlich kuehne Possen
Beleidigt, je gestoert--
Rahel (die Hand an die Stirne gelegt).
Ich kann nicht gehn.
Koenig (da ihr Grceran den Arm bieten will).
Wozu den Arm? Lass sie die Schwester fuehren.
Du, alter Mann, bewahre deine Tochter,
Die Welt ist arg, so huete deinen Schatz.
(Rahel und die Ihrigen, von Garceran begleitet, ab.)
Koenig (ihnen nachsehend).
Sie wankt noch immer. All ihr ganzes Wesen
Ein Meer von Angst in stets erneuten Wellen.
(Mit dem Fuss auftretend.)
Hielt sie den Fuss mir doch so eng umklammert
Dass er fastschmerzt.--Im Grunde wunderlich,
Ein feiger Mann er wird mit Recht verachtet
Und dies Geschlecht ist stark erst wenn es schwach.
Ah, Almirante, was sagt Ihr dazu?
Ich denke, hoher Herr, dass meinen Sohn
Ihr eben jetzt so fein als streng bestraft.
Als Hueter ihn bestellend diesem Poebel.
Die Strafe, Freund, ist, denk ich, nicht so hart.
Ich selbst hab nie nach Weibern viel gefragt,
(auf das Gefolge zeigend)
Doch diese Herrn sind etwa a$

--Ich hoere Orleans bedroht, ich fliege
Herbei aus der entlegnen Normandie,
Den Koenig denk ich kriegerisch geruestet
An seines Heeres Spitze schon zu finden,
Und find ihn--hier! Umringt von Gaukelspielern
Und Troubadours, spitzfindge Raetsel loesend
Und der Sorel galante Feste gebend,
Als waltete im Reich der tiefste Friede!
--Der Connetable geht, er kann den Greul
Nicht laenger ansehn.--Ich verlass ihn auch,
Und uebergeb ihn seinem boesen Schicksal.
DU CHATEL. Da kommt der Koenig!
ERSTER AUFZUG
Zweiter Auftritt
Koenig Karl zu den Vorigen
KARL. Der Connetable schickt sein Schwert zurueck,
Und sagt den Dienst mir auf.--In Gottes Namen!
So sind wir eines muerrschen Mannes los,
Der unvertraeglich uns nur meistern wollte.
DUNOIS. Ein Mann ist viel wert in so teurer Zeit,
Ich moecht ihn nicht mit leichtem Sinn verlieren.
KARL. Das sagst du nur aus Lust des Widerspruchs,
Solang er dawar, warst du nie sein Freund.
DUNOIS. Er war ein stolz verdrisslich schwerer Narr,
Und wusste nie zu enden--diesmal aber
Weiss ers$
wolltest Orleans verlassen!
RATSHERR (kniet nieder). Mein koeniglicher Herr! Zieh deiUne Hand
Nicht von uns ab! Gib deine treue Stadt
Nicht unter Englands harte Herrschaft hin.
Sie ist ein edler Stein in deiner Krone,
Und keine hat den Koenigen, deinen Ahnherrn,
Die Treue heiliger bewahrt.
DUNOIS. Sind wir
Geschlagen? Ists erlaubt, das Feld zu raeumen,
Eh noch ein Schwertstreich um die Stadt geschehn?
Mit einem leichten Woertlein, ehe Blut
Geflossen ist, denkst du die beste Stadt
Aus Frankreichs Herzen wegzugeben?
KARL. Des Blutes ist geflossen und vergebens!
Des Himmels schwere Hand ist gegen mich,
Geschlagen wird mein Heer in allen Schlachten,
Mein Parlament verwirft mich, meine Hauptstadt,
Mein Volk nimmt meinen Gegner jauchzend auf,
Die mir die Naechsten sind am Blut, verlassen,
Verraten mich--Die eigne Mutter naehrt
Die fremde Feindesbrut an ihren Bruesten.
--Wir wollen jenseits der Loire uns ziewn,
Und der gewaltgen Hand des Himmels weichen,
Der mit dem Engellaender ist.
SOREL. Das wolle Gott nicht, das$
wo
Auch ich der strengen Jungfrau schwesterlich
Mich nahen, ihr den treu verschwiegnen Busen
Darbieten darf--Man lass uns weiblich erst
Das Weibliche bedenken und erwarte,
Was wir beschliessen werden.
KARL (im Begriff zu gehen). Also seis!
JOHANNA. Nicht also, Sire! Was meine Wangen faerbte,
War die Verwirrung nicht der bloeden Scham.
Ich habe dieser edeln Frau nichts zu vertraun,
Dess' ich vor Maennern mich zu schaemen haette.
Hoch ehrt mich dieser edeln Ritter Wahl.
Doch nicht verliess ich meine Schaefertrift,
Um weltlich eitle Hoheit z erlagen,
Noch mir den Brautkranz in das Haar zu flechten,
Legt ich die ehrne Waffenruestung an.
Berufen bin ich zu ganz anderm Werk,
Die reine Jungfrau nur kann es vollenden.
Ich bin die Kriegerin des hoechsten Gottes,
Und keinem Manne kann ich Gattin sein.
ERZBISCHOF. Dem Mann zur liebenden Gefaehrtin ist
Das Weib geboren--wenn sie der Natur
Gehorcht, dient sie am wuerdigsten dem Himmel!
Und hast du dem Befehle deines Gottes,
Der in das Feld dich rief, genuggetan,
So wirst$
urchtbarer Talbot! Unbezwinglicher!
Nimmst du vorlieb mit so geringem Raum,
Und Frankreichs weite Erde konnte nicht
Dem Streben deines Riesengeistes gnuegen.
--Erst jetzo, Sire, begruess ich Euch als Koenig,
Die Krone zitterte auf Eurem Haupt,
So lang ein Geist in diesem Koerper lebte.
KARL (nachdem er den Toten stillschweigend betrachtet).
Ihn hatein Hoeherer besiegt, nicht wir!
Er liegt auf Frankreichs Erde, wie der Held
Auf seinem Schild, den er nicht lassen wollte.
Bringt ihn hinweg!
(Soldaten heben den Leichnam auf und tragen ihn fort)
Fried sei mit seinem Staube!
Ihm soll ein ehrenvolles Denkmal werden,
Mitten in Frankreich, wo er seinen Lauf
Als Held geendet, ruhe sein Gebein!
So weit als er, drang noch kein feindlich Schwert,
Seine Grabschrift sei der Ort, wo man ihn findet.
FASTOLF (gibt sein Schwert ab). Herr, ich bin dein Gefangener.
KARL (gibt ihm sein Schwert zurueck). Nicht also!
Die fromme Pflicht ehrt auch der rohe Krieg,
Frei sollt Ih Eurem Herrn zu Grabe folgen.
Jetzt eilt, Du Chatel--Meine $
gluecklich macht,
oder tugendhaft macht, deshalb fuer wahr halten: die lieblichen
"Idealisten" etwa ausgenommen, welche fuer das Gute, Wahre, Schoene
schwaermen und in ihrem Teiche alle Arten von bunten plumpen und
gutmuethigen Wuenschbarkeiten durcheinander schwimmen lassen. Glueck
und Tugend sind keine Argumente. Man vergisnt aber gerne, auch auf
Seiten besonnener Geister, dass Ungluecklich-machen und Boese-machen
ebensowenig Gegenargumente sind. Etwas duerfte wahr sein: ob es gleich
im hoechsten Grade schaedlich und gefaehrlich waere; ja es koennte
selbst zur Grundbeschaffenheit des Daseins gehoeren, dass man an
seiner voelligen Erkenntniss zu Grunde gienge, - so dass sich die
Staerke eines Geistes darnach bemaesse, wie viel er von der "Wahrheit"
gerade noch aushielte, deutlicher, bis zu welchem Grade er sie
verduennt, verhuellt, versuesst, verdumpft, verfaelscht noethig
haette. Aber keinem Zweifel unterliegt es, dass fuer die Entdeckung
gewisser Theile der Wahrheit die Boesen und Ungluecklichen
beguensti$
 moege man sich des
ehemaligen Begriffs erinnern, der mit ihm ueberwunden werden musste, -
und wie es noch nicht zu lange her ist, dass ein vermaennlichtes Weib
es in zuegelloser Anmaassung wagen durfte, die Deutschen als sanfte
herzensgute willensschwache und dichterische Toelpel der Theilnahme
Europa's zu empfehlen. Man verstehe doch endlich das Erstaunen
Naoleon's tief genug, als er Goethen zu sehen bekam: es verraeth, was
man sich Jahrhunderte lang unter dem "deutschen Geiste" gedacht hatte.
"Voila un homme!" -das wollte sagen: Das ist ja ein Mann! Und ich
hatte nur einen Deutschen erwartet! - -
Gesetzt also, dass im Bilde der Philosophen der Zukunft irgend ein Zug
zu rathen giebt, ob sie nicht vielleicht, in dem zuletzt angedeuteten
Sinne, Skeptiker sein muessen, so waere damit doch nur ein Etwas an
ihnen bezeichnet - und nicht sie selbst. Mit dem gleichen Rechte
duerften sie sich Kritiker nennen lassen; und sicherlich werden es
Menschen der Experimente sein. Durch den Namen, auf welchen ich sie zu
taufe$
 der Litteratur bis in ihre Augen und Ohren - die ersten Kuenstler
von weltlitterarisc er Bildung - meistens sogar selber Schreibende,
Dichtende, Vermittler und Vermischer der Kuenste und der Sinne (Wagner
gehoert als Musiker unter die Maler, als Dichter unter die Musiker,
als Kuenstler ueberhaupt unter die Schauspieler); allesammt Fanatiker
des Ausdrucks "um jeden Preis" - [ich hebe Delacroix hervor, den
Naechstverwandten Wagner's -, allesammt grosse Entdecker im Reiche
des Erhabenen, auch des Haesslichen und Graesslichen, noch groessere
Entdecker im Effekte, in der Schaustellung, in der Kunst der
Schaulaeden, allesammt Talente weit ueber ihr Genie hinaus -,
Virtuosen durch und durch, mit unheimlichen Zugaengen zu Allem, was
verfuehrt, lockt, zwingt, umwirft, geborene Feinde der Logik und der
geraden Linien, begehrlich nach dem Fremden, dem Exotischen, dem
Ungeheuren, dem Krummen, dem Sich-Widersprechenden; als Menschen
Tantalusse des Willens, heraufgekommene Plebejer, welche sich im Leben
und Schaffen eines$
so ist ein
Schluss auf das Kind erlaubt: irgend eine widrige Unenthaltsamkeit,
irgend ein Winkel-Neid, eine plumpe Sich-Rechtgeberei - wie diese Drei
zusammen zu allen Zeiten den eigentlichen Poebel-Typus ausgemacht
haben - dergleichen muss auf das Kind so sicher uebergehn, wie
verderbtes Blut; und mit Huelfe der besten Erziehung und Bildung wird
man eben nur erreichen, ueber eine solche Vererbung zu taeuschen.
- Und was will heute Erziehung und Bildung Anderes! In unsrem sehr
volksthuemlichen, will sagen poebelhaften Zeitalter muss "Erziehung"
und "Bildung" wesentlich die Kunst, zu taeuschen, sein, - ueber die
Herkunft, den vererbten Poebel in Leib und Seele hinweg zu taeuschen.
Ein Erzieher, der heute vor Allem Wahrhaftigkeit predigte und
seinen Zuechtlingen bestaendig zuriefe "seid wahr! seid natuerlich!
gebt euch, wie ihr seid!" - selbst ein solcher tugendhafter und
treuherziger Esel wuerde nach einiger Zeit zu jener furca des Horaz
greifen lernen, um naturam expellere: mit welche Erfolge? "Poebel"
usqu$
Geliebter,
Und das Vertrauen, das ich in dich setze,
Ist so, als ob ich einem grossen Schiff
Mich anvertraute. Lang und immer laenger
Denk ich an dich, so wie die Efeuranken
Hinkriechen an der Mauer, langund laenger.
O waeren wir vor Unheil stets bewahrt!
Ich schlinge meinen Aermel um die Schultern
Und stelle fromme Weihgefaesse auf
Und flehe zu den Goettern, die im Himmel
Und auf der Erde walten, dass sie dir
Und mir und unsrer Liebe gnaedig seien!
DIE SCHOeNE KURTISANE
UNBEKANNTER DICHTER
O liebliche Tamana, laechelnde
Verfuehrerin, die Schlankheit deiner Lenden
Ist dem geschmeidigen Leib der Biene gleich.
Dein Busen ist von edler Form, du stehst
Wie eine Blume da, du hast ein Laecheln,
Dass alle eute, die voruebergehn,
Die Schritte hemmen. Ungerufen naht sich
Die Schar der Maenner, steht vor deinem Tore,
Von dir berauscht und voll Begehr nach dir.
Im Hause, das dem deinen nahe liegt,
Macht sich der Gatte von der Gattin frei
Und steckt dir zu den Schluessel seiner Tuere.
Vernarrt in dich ist alles. Du verst$
ch--?
Wenzel.  Allerdings!
Der Graf vom Strahl (glutrot, indem er sich zum Kaethchen wendet).
Knie nieder!
(Kaethchen laesst sich auf Knieen vor ihm nieder.)
Graf Otto.  Ihr seid sehr dreist, Herr Friedrich Graf vom Strahl!
Der Graf vom Strahl (zum Kaethchen).  So!  Recht!  Mir gibst du
Antwort und sonst keinem.
Hans.  Erlaubt!  Wir werden sie-Der Graf vom Strahl (ebenso).  Du
ruehrst dich nicht!  Hier soll dich keiner rchten, als nur der, Dem
deine Seele frei sich unterwirft.
Wenzel.  Herr Graf, man wird hier Mittel-Der Graf vom Strahl (mit
unterdrueckter Heftigkeit)
Ich sage, nein!  Der Teufel soll mich holen, zwingt ihr sie!--Was
wollt ihr wissen, ihr verehrten Herrn?
Hans (auffahrend).  Beim Himmel!
Wenzel.  Solch ein Trotz soll--!
Hans.  He!  Die Haescher!
Graf Otto (halblaut).  Lasst, Freunde, lasst!  Vergesst nic*ht, wer er
Erster Richter.  Er hat nicht eben, drueckt Verschuldung ihn, Mit List
sie ueberhoert.
Zweiter Richter.  Das sag ich auch!  Man kann ihm das Geschaeft wohl
ueberlassen.
Graf Otto (z$
erte so--nicht ich.
(Indem sie sich zur Mutter wendet.)  - Doch wie?  Wollt Ihr Euch,
Gnaedigste, nicht setzen?
(Sie holt einen Stuhl, der Graf bringt die andern.  Sie lassen sich
saemtlich nieder.)
Graefin.  Wie denkt Ihr, ueber Eure Zukunft, Fraeulein?  Habt Ihr die
Lag, in die das Schicksal Euch Versetzt, bereits erwogen?  Wisst Ihr
schon, Wie Euer Herz darin sich fassen wird?
Kuniunde (bewegt).  Verehrungswuerdige und gnaedge Graefin, Die Tage,
die mir zugemessen, denk ich In Preis und Dank, in immer gluehender
Erinnrung des, was juengst fuer mich geschehn, In unausloeschlicher
Verehrung Eurer, Und Eures Hauses, bis auf den letzten Odem, Der
meine Brust bewegt, wenns mir vergoennt ist, In Thurneck bei den
Meinen hinzubringen.  (Sie weint.)
Graefin.  Wan denkt Ihr zu den Euren aufzubrechen?
Kunigunde.  Ich wuensche--weil die Tanten mich erwarten, - Wenns sein
kann, morgen,--oder mindestens--In diesen Tagen, abgefuehrt zu werden.
Graefin.  Bedenkt ihr auch, was dem entgegen steht?
Kunigunde.  Nichts mehr, $
rd zum schnellen Hin- und Hergehen, zum beschleunigten
Wettstreit in diesem Sinne, wegen der Ploetzlichkeit der Wirkung. Das
Gefuehl der Lust, das urspruenglich dem der Unlust nur die Wage hielt,
erscheint in diesem ploetzlich erzeugten Wettstreit durch Kontrast
gehoben, so dass in der schliesslichen Gesamtwirkung die Lust ueberwiegt.
Den Inhalt dieser Erklaerung sucht _Hecker_ zu stuetzen, indem er auf das
Phaenomen des Glan#es verweist. Wenn dem einen Auge eine schwarze, dem
andern an derselben Stelle des gemeinsamen Sehfeldes eine weisse Flaeche
dargeboten wird, so ergiebt sich unter Umstaenden das Gesamtbild einer
glaenzenden schwaerzlichen Flaeche. Die beiden monokularen Bilder koennen, so
wie sie sind, nicht an derselben Raumstelle gleichzeitig gesehen werden.
Sie koennen wegen der Selbstaendigkeit, welche sie besitzen, auch nicht
einfach zu einem Mittleren, also zum Bilde einer grauen Flaeche
verschmelzen. Sind keine Bedingungen vorhanden, welche das eine der
Bilder vor demandern bevorzugt sein lassen,$
rer lediglich ein Mittel ilst, sich in seiner
Ueberlegenheit zu sonnen. Ich thue dies also auch in diesem Falle. Wo ist
dann die Komik? Es ist kein Zweifel, dass dieselbe um so sicherer
unterbleibt, je mehr ich meinem Gefuehl der Ueberlegenheit mich hingebe.
GEFUEHL UND GRUND DES GEFUEHLS.
Dass es so sich verhalten muss, zeigt eine einfache Ueberlegung. Fuer
_Groos_ soll die _Verkehrtheit komisch_ erscheinen, weil ich mih
_ueberlegen_ fuehle. Das Gefuehl meiner Ueberlegenheit ist fuer _Groos_
identisch mit dem Gefuehl der Komik des Gegenstandes, oder allgemeiner
gesagt, ein auf mich bezogenes Gefuehl soll identisch sein mit einem nicht
auf mich, sondern auf ein Objekt bezogenen Gefuehl. Dies ist ein
Widerspruch in sich selbst.
Was heisst dies: Ein Gefuehl ist fuer mich auf ein Objekt bezogen? Worin
besteht das _Bewusstsein_ dieses _Bezogenseins_? Gewiss nicht einfach
darin, dass ich ein Objekt und neben ihm oder gleichzeitig mit ihm ein
bestimmtes Gefuehl in meinem Bewusstsein vorfinde. Gefuehle koennen mit
$
DES KUNSTWERKES.
Wir muessen nun aber diesen Sachverhalt noch nach anderer Richtung hin
feststellen. Ich gelangte zu demselben, indem ich nach dem spezifischen
Sinne des alle Kuenste umfassenden Wortes "Kunst" fragte. Man koennte nun
sagen; Es giebt auch eine Befriedigung des _Verstandes_, die allen
Kuensten gemeinsam ist. Naemlich die Befriedigung aus der Erkenntnis der
Weise, wie "es" gemacht wird oder gemacht ist, aus der Einsicht in die
kuenstlerische Thaetigkeit oder Leistung, wie sie im Kunstwerk offenbar
wird, aus dem "Verstaendnis" des Kunstwerkes in diesem Sinne.
Auch solche Wendungen sind wiederum nicht eindeutig. Dreierlei sogar kann
damit gemeint sein. Zunaechst dasjenige, was damit unmittelbar gemeint
_scheint_: Ich freue mich ueber meine Einsicht als solche, aber die
Thatsache, dass ich verstehe, wie das Kunstwerk dazu kommt, als dies
Kunstwerk dazusein, wie die Bedingungen des voliegenden kuenstlerischen
Ergebnisses zu eben diesem Ergebnisse zusammengewirkt haben oder
zusammenwirken.
Dann ist $
hr zu A, ich meine zu dem, was als erhaben sich gebaerdete, zur
volleren Erkenntnis desselben. Hat dasselbe begruendeten Anspruch auf
Erhabenheit, so wird, was diesen Anspruch begruendet, entdeckt, oder es
tritt deutlicher ins Bewusstsein. Das Komische erscheint schliesslich
vielleicht als das eigentlich Erhabene.
Indem das nicht nur scheinbar, sondern in Wahrheit Erhabene
solchergestalt aus dem komischen Prozess erst recht als ein Erhabendes
emportaucht, besitzt es zugleich fuer uns einen besonderen Charakter. Es
giebt eben doch an ihm eine Seite, oder es giebt fuer dasselbe eine
moegliche Beleuchtung, die es jederzeit wiederum zum Gegenstand der Komik
oder unserer spielenden Anfassung werden lassen kann. Dadurch mildert
sich seine Erhabenheit. Hat die Erhabenheit Strenge, so weicht diese
Strenge. Der Gegenstand der Ehrfurcht wird uns vertrauter, wird Gegentand
der Liebe. E@ ist die Aufgabe des Humors, Erhabenes liebenswert
erscheinen zu lassen, wie es andererseits seine Aufgabe ist, Erhabenes im
Verborgene$
lau'n, zu sein,
Die oft die Haut vom Fleisch des Suenders rissen.
Da sprach Virgil: "Sieh hier die groesste Pein!
Ischariots Kopf steckt zwischen scharfen Faengen,
Und aussen zappelt er mit Arm und Bein.
Zwei andre sieh, den Kopf nach unten haengen;
Hier Brutus an der schwarzen Schnauze Schlund
Sich ohe Laute winden, dreh'n und draengen;
Dort Cassius, kraeftig, wohlbeleibt und rund--
Doch naht die Nacht, drum sei jetzt fortgegangen,
Denn ganz erforscht ist nun der Hoelle Grund."
Jetzt winkte mir, den Hals ihm zu umfangen,
Und Zeit und Ort ersah sich mein Gesell,
Und, als sich weit gespreizt die Fluegel schwangen,
Hing er sich an die zott'ge Seite schnell,
Griff Zott' auf Zott', um sich herabzusenken
Inmitten eis'ger Rind' und rauhem Fell.
Dort angelangt, wo in den Hueftgelenken
Des Riesen sich der Lenden Kugeln dreh'n,
Eilt' er, mit Mueh' und Angst, sich umzuschwenken.
Wo erst der Fuss war, kam das Haupt zu stehn;
Die Zotten fassend, klmm er aufwaerts weiter,
Als sollten wir zurueck zur Hoelle gehn.
"Hier ha$
verschmaeht?"
Schon war vor mir Virgil hinaufgedrungen,
Und rief: "Jetzt komm, schon hat in lichter Pracht
Die Sonne sich zum Mittagskreis geschwungen,
Und Mauritanien deckt der Fuss der Nacht."
Fuenfter Gesang
Schon hatt' ich, auf der Spur des Fuehrers steigend,
Mich ganz von jenen Seelen abgewandt,
Als ein', auf mich mit ihrem Finger zeigend,
Mir nachrief: "Seht den untern linker Hand
Die Sonne teilen und den Grund beschatten
Und tun, als lebt' er noch in jenem Land."
Sobald mein Oh erreicht die Toene hatten,
Kehrt' ich mich ihnen zu, und jene sahn
Erstaunt nur mich, nur mich und meinen Schatten.
Da sprach Virgil: "Was zieht dich also an,
Dass du den Gang zum Gipfel aufgeschoben"
Und jenes Fluestern, was hat dir's getan?
Was man auch spreche, folge mir nach oben!
Steh wie ein fester Turm, des stolzes Haupt
Nie wankend ragt, wenn auch die Winde toben.
Das Ziel entweicht, dem man sich nah geglaubt,
Wenn sich Gedanken und Gedanken jagen
Und einer stets die Kraft dem andern raubt."
"Ich komme schon!" Was koenn$
in uns erneuert.
Ich sage Pein und sollte sagen: Lust,
Weil nach dem Baum uns jener Drang befeuert,
Der Christum froh dahin zum Kreuz gebracht,
Wo unsrer Schmach sein teures Blut gesteuert."
Drauf ich: "Forese, seit du jene Nacht
Vertauscht mit diesem bessern Leben, zaehlte
Man nur fuenf Jahr', die kaum den Lauf vollbracht.
Wenn dir die Kraft zu suend'gen eher fehlte,
Als du durchdrungen warst von gutem Leid,
Das stets die Seele neu mit Gott vermaewhlte,
Wie stiegst du in so kurzer Frist so weit?
Dort unten dich zu finden musst' ichVmeinen,
Wo man verlorne Zeit ersetzt durch Zeit."
Und er: "Zum suessen Wermutstrank der Peinen
Hat mich befoerdert meiner Nella Fleiss
In frommem Fleh'n und ihr unendlich Weinen.
Denn ihr Gebet, ihr Stoehnen fromm und heiss,
Hat mich der Kueste, wo man harrt, entzogen
Und mich befreit aus jedem andern Kreis.
Ihr. die ich so geliebt, ist Gott gewogen,
Weil sie, der nur der Tugend Reiz gefaellt,
Sich ganz vom Pfad der andern abgezogen.
Der Sarden rohes Bergesland enthaelt
Mehr Scham$
n Blaettern,
Die Rind' auch brechend, die sein Mark umschloss.
Dann sah man ihn zum Wagen niederschmettern,
Der bei dem Stosse rechts und links sich bog,
Gleich einem Schiff im Kampf mit wilden Wettern.
Dann war ein Fuchs, der jaehen Sprunges flog,
Ins Innre selbst des Wagens eingebrochen,
Wohin ihn Gier nach bessrer Speise zog.
Doch mit dem Vorwurf des, was er verbrochen,
Trieb meine Herrin ihn so eilig fort,
Als laufen konnten seine magern Knochen.
Und nochmals stuerzte von dem hohen Ort,
Wie schon vo	rhin, der Adler in den Wagen,
Und liess ihm viel von seinen Federn dort.
Und wie aus banger Brust der Laut der Klagen,
Klang aus dem Himmel eine Stimm' und sprach:
"Mein Schifflein, schlechte Ladung musst du tragen!"
Und unten, zwischen beiden Raedern, brach
Der Erde Grund, ausspeiend einen Drachen,
Der nach dem Wagen mit dem Schwanze stach.
Dann zog er ihn zurueck, wie's Wespen machen,
Nahm einen Teil des Bodens mit und schien,
Von dannen eilend, des Gewinns zu lachen.
Der Rest des Wagens blieb, doch sah man$
gt' auf des Aeneas Wegen,
Da sah man mehr als schon zweihundert Jahr'
Zeus' Vogel an Europens Rand verbringen,
Nah dem Gebirg, dem er entflogen war.
Beherrschend unterm Schatten heil'ger Schwingen
Von dort die Welt, ging er von Hand zu Hand,
Bis ihm beim Wechsel meine Hand' empfingen.
Caesar war ich, Justinian genannt,
Der, nach der ersten heil'gen Liebe Walten,
Unmass und Leeres ins Gesetz gebannt.
Und eh' ich's unternahm, dies zu gestalten,
Lebt' ich zufrieden in dem Wahne fort,
Ein Wesen sei in Christo nur enthalten.
Doch Agapet, der hoechste Hirt und Hort,
Er lenkte mich zurueck zum Echten, Wahren,
Zum rechten Glauben durh sein heilig Wort.
Ich glaubt' ihm und bin jetzt ob des im klaren,
Was er mir sagt'--und du auch wirst nun sehn,
Dass Wahr und Falsch i Gegensatz sich paaren.
Kaum fing ich an, der Kirche nachzugehn,
So floesst' es Gott mir ein, mich aufzuraffen,
Und nur dem hohen Werke vorzustehn.
Dem Belisar vertraut' ich meine Waffen,
Und ihm verband des Himmels Rechte sich
Zum Zeichen mir, ich soll' $
d;
Fuer dich wird uns nicht schwer ein Stillestand,
Fuer dich in so inbruenst'ger Liebe brennend."
Als ich zu ihr voll Ehrfurcht mich gewandt,
Und so der Herrin Blick sich ausgesprochen,
Dass ich mich sicher und befriedigt fand,
Schaut' ich zum Licht, das mir in sich versprochen
So vieles hatt', und sprach: "Wer bist du, sprich!"
Den Ton vor grosser Inbrunst fast gebrochen.
O wie vermehrte, wie verschoente sichE
Der frohe Glanz in Mienen und Gebaerden
Bei meinem Wort!--Dann sprach er freudiglich:
"Nur kurze Zeit verweilt' ich auf der Erden,
Verweilt' ich meh, dann waeren viele nicht
Der Uebel, die dich noch betreffen werden.
Nur meine Freude birgt dir mein Gesicht,
Nur sie verhuellt mich rings im Strahlenrunde,
So wie den Seidenwurm die Seid' umflicht.
Du liebtest mich, und wohl aus gutem Grunde;
Denn lebt' ich noch, gewiss dir keimten jetzt
Nicht Blaetter nur aus unserm Liebesbunde.
Der linke Strand, den Rhodanus benetzt,
Nachdem er mit der Sargue sich verbuendet,
Sah einst im Geist durch mich den Thron bese$
t.
Die blinde Gier ist's, die mit Zauberwalten
Euch gleich dem Kind macht, das die Brust verschmaeht,
Die Nahrung hat, sein Leben zu erhalten.
Dem goettlichen Gerichtshof aber steht
Solch Obrer vor dann, dass er im Geheimen
Und offen nie mit ihm zusammengeht.
Doch stuerzt des Himmels Raech' ihn ohne Saeumen
Vom Heil'gen Stuhl zur qualenvollen Welt,
Wo Simon Magus stoehnt in dunkeln Raeumen,
Drob tiefer noch der von Alagna faellt."
Einunddreissigster Gesang
So sah ich denn, geformt als weisse Rose,
Die heil'ge Kriegsschar, die als Christi Braut
Durch Christi Blut sich freut in seinem Schosse.
Allein die andre, welche, fliegend, schaut'
Und singt des Ruhm, der sie in Lieb' entzuendet,
Die Huld, die hehre Kraft ihr anvertraut,
Sie senkt, ein Bienenschwarm, der jetzt ergruendet
Der Blueten Kelch, jetzt wieder dorthin eilt,
Wo wuerz'ger Honigseim sein Tun verkEuendet,
Sich in die Blum', im reichen Kelch vertilt,
Und flog dann aufwaerts aus dem schoenen Zeichen,
Dorthin, wo ihre Lieb' all-ewig weilt;
Lebend'ger Fl$

so fuehle ich mic6 doch ueber alle Massen geruehrt und so ergriffen,
dass ich mich auf meinen Thron hier niederlassen muss, um alles zu
verschweigen, was mir meine Bescheidenheit nie zu sagen erlaubt.
(Setzt sich.)
Dardonius.  Ich hab' zum Unterfeldherrn ihn ernannt.  Du bist ein
groesserer Held, als du ein Redner bist.  Nun reicht den Fraun das
Myrtendiadem, wie ih es angeordnet habe, und lasst die Maedchen um
den Preis der Schoenheit buhlen.
(Schmelzende Tanzmusik.  Zwoelf Maedchen, so gekleidet wie Aloe nach
ihrer Verwandlung, doch weisse Kleider mit roten Rosen geziert,
beginnen anmutige Gruppierungen vor dem Thron des Koenigs.  Endlich
bildet die Gruppe ein Tableau, das in seiner Mitte einen Raum laesst,
in welchen Aloe tritt, die waehrend den Bewegungen von Ewald mit der
Fackel hereingefuehrt wurde und die Gruppe schliesst.  Ein Knabe
bringt den Frauen die Myrtenkrone auf einem Kissen.)
Dardonius (mit Entzuecken).  Jene ist's, die einer diamantnen Rose
gleich die zarten Perlen ueberschimmert.  (Er stei$
n wollt.  Darum zum letzten Male, besinnet euch
noch eine Minute, und sagt ihr dann nein, so sollt ihr die Pein
fuehlen, die euch und euren Kindern von allen Peinen die
fuerchterlichste ist!
Und sie saeumten nicht lange und sagten mit einer Stimme nein und
dachten bei sich: "Welche neue List hat der Juengling erdacht, womit
er so weise Maenner einzuschrecken meint?"  Und sie laechelten, als sie
nein sagten.  Dies Laecheln aergerte Johann mehr als alles andere und
voll Zorns rief er: "Nun denn, da ihr nicht hoeren wollt, sollt ihr
fuehlen", und lief geschwind wie ein Blitz einige hundert Schritt weg,
wo er das Gefaess mit der Kroete unter einem Strauch versteckt hatte.
Und er kam zurueck, und als er sich ihnen auf hundert Meter genahet
hatte, stuerzten sie alle hin, als waeren sie mit einem Schlage
zugleich vom Donner geruehrt, und begannen zu heulen und zu winseln
und sich zu kruemmen, als ob sie von den entsetzlichsten Schmerzen
gefoltert wuerden.  Und sie streckten die Haende aus und schrien einer
uVm den a$
lle Gemaelde besonders faehig ist, der
sich von dem materiellen Gemaelde am ersten und leichtesten
abstrahieren lassen 2).
{2. Was wir poetische Gemaelde nennen, nannten die Alten Phantasien,
wie man sich aus dem Longin erinnern wird.  Und was wir die Illusion,
das Taeuschende dieser Gemaelde heissen, hiess bei ihnen die Enargie.
Daher hatte einer, wie Plutarchus meldet, (Erot. T. II. Edit. Henr
Steph. p. 1351.) gesagt: die poetischen Phantasien waeren, wegen
ihrer Enargie, Traeume der Wachenden; Ai poihtikai jantasiai dia thn
enargeian egrhgorotwn enupnia eisin.  Ich wuenschte sehr, die neuern
Lehrbuecher der Dichtkunst haetten sich dieser Benennung bedienen, und
des Worts Gemaelde gaenzlich enthalten wollen.  Sie wuerden uns eine
Menge halbwahrer Regeln erspart haben, deren vornehmster Grund die
Uebereinstimmung eines willkuerlichen Namens ist.  Poetische Phantasien
wuerde kein Mensch so leicht den Schranken eines materiellen Gemaeldes
unterworfen haben; aber sobald man die Phantasien poetische Gemaelde
na$
d pultesses?
  Franville.
    We care not to what it hath been ministred.
    Sure I have none of these dainties, gentlemen.
  Franville.
    Where's the great wen
    Thou cut'st from Hugh the sailor's shoulder?
    That would serve now for a most princely banquet.
    Ay if we had it, gentlemen.
    I flung it over-bord, slave that I was.
    A most improvident villain.}
Ich komme auf die ekelhaften GegenstAende in der Malerei.  Wenn es
auch schon ganz unstreitig waere, dass es eigentlich gar keine
ekelhafte Gegenstaende fUer das Gesicht gaebe, von welchen es sich von
sich selbst verstuende, dass die Malerei, als schOene Kunst, ihrer
entsagen wuerde: so muesste sie dennoch die ekelhften Gegenstaende
ueberhaupt vermeiden, weil die Vebindung der Begriffe sie auch dem
Gesichte ekel macht.  Pordenone laesst, in einem Gemaelde von dem
Begraebnisse Christi, einen von den Anwesenden die Nase sich zuhalten.
Richardson missbilliget dieses deswegen 13), weil Christus noch nicht
so lange tot gewesen, dass sein Leichn$
haetten einen Teil des Fussvolkes vor das eine Tor
gesetzt und sich mit der Besatzung ueber die Uebergabe besprochen.  Da
seien alle Knechte zu diesem Tor geeilt und haben zugehoert, und
indessen sei das andere Tor von den Feinden bestiegen worden.  Im
Schloss Urach aber seien vierhundert herzogliche Fussknechte gewesen.
Die habe die Buergerschaft nicht in die Stadt lassen wolblen, als der
Feind anrueckte.  Es sei zum Gefecht zwischen ihnen gekommen, worin
die Knechte auf den Markt gedrungen seien, dort aber sei der Vogt von
einer Kugel getroffen und nachher mit Hellebarden niedergestossen
worden.  Die Stadt habe sich dem Bund ergeben.  "Es ist koi Wunder",
schloss die runde Frau ihre Erzaehlung, "aelle Burga und Schloesser nehme
se ei.  Denn se hent lange Feldschlanga und Bombardierstuck, wo se
Kugla draus schiesset, graisser als me Kopf, dass aelle Maura zema
brecha und aelle Tirn einfalla mueasset."
Georg konnte nach diesem Bericht ahnen, dass eine Reise von Hardt nach
Lichtenstein nicht minder gefaehrlich$
er ich habe versprochen, zu
schweigen."--Ihre Stimmen entfernten sich immer mehr und wurden
undeutlicher.  Georg schoepfte wieder freien Atem.  Er lauschte und
harrte noch in seiner Nische, bis er niemand mehr auf den Treppen und
Gaengen hoerte.  Dann verliess er seinen Platz und schlich sich nach
seiner Kammer zurueck.  Die letzten Worte Mariens und des Geaechteten
lagen noch in seinen Ohren.  Er schaemte sich seiner Eifersucht, die
ihn auch in dieser Nacht wieder unwillkuerlich hingerissen hatte, wenn
er bedachte, in welch unwujrdigem Verdacht er die Geliebte gehabt und
wie rein sie in diesem Augenblick vor ihm gestanden sei.  Er verbarg
sein erroetendes Gesicht tief in den Kissen, und erst spaet entfuehrte
ihn der Schlummer diesen quaelenden Gedanken.
Als er am andern Morgen in die Herrenstube hinabging, wo sich um
sieben Uhr gewoehnlich die Familie zum Fruehstueck versammelte, kam ihm
Marie mit verweinten Augen entgegen.  Sie fuehrte ihn auf die Seite
und fluesterte ihm zu: "Tritt leise ein, Georg!  Der $
 spricht!"
"Hoert mich", sprach dieser.  "Der Stadthalter und die Bundesraete sind
nirgends zu finden, si8 sind entflohen und haben uns im Stich
gelassen, drum greift die beiden da, wir wollen sie als Geiseln
behalten Und jetzt hinauf ans Rothebuehltor.  Dort steht unser rechter
Herzog, 's ist besser, wir machen selbst auf, als dass er mit Gewalt
eindringt.  Wer ein guter Wuerttemberger ist, folgt mir nach!"
Er stieg herab von der Bank, und jubelnd umgab ihn die Menge.  Die
beiden Fuersprecher des Bundes wurden, ehe sie sich dessen versahen,
gebunden und fortgefuehrt.  Jetzt ergoss sich der Strom der Buerger vom
Marktplatz zum obern Tor, hinaus ueber den breiten Graben der alten
Stadt in die Turnierackervorstadt, am Bollwerk vorbei zum
Rothenbuehltor.  Die buendischen Knechte, die das Tor besetzt hielten,
wurden schnell uebermannt, das Tor ging auf, die Zugbruecke fiel herab
und legte sich ueber den Stadtgraben.
Dort hatten indessen die Anfuehrer des Fussvolks ihre besten Truppen
aufgestellt, man wusste nich$
g sei, darum erstickte sie jeden
lauten Jammer und brachte ihrer schwaechlichen Natur nur jenes Opfer
schmerzlicher Traenen, die dem Auge, das den Geliebten tausend
Gefahren preisgegeben sieht, unwillkuerlich entstroemen.
"Sieh, ich kann nicht glauben, dass Du auf immer von mir gehst", sagte
sie, indem sie ihre schoenen Zuege zu einem Laecheln zwang, "wir haben
jetzt erst zu leben begonnen, der Himmel kann nicht wollen, dass wir
schon aufhoeren sollen.  Drum kann ich Dich ruhig ziehen lassen, ich
weiss ja zuversichtlich, dass Du mir wiederkehrst."
Georg kuesste die schoenen, weinenden Agen, die ihn so mild und voll
Trost anblickten.  Er dachte in diesem Augenblick nicht an die Gefahr,
der er entgegengehe, er dachte nur daran, wie gross fuer das teure
Wesen, das er in den Armen hielt, der Schmerz sein muesste, wenn er
nicht mehr zurueckkehrte; wie sie dann ein langes Leben einsam nur in
der Erinnerung an die wenigen Tage des Gluecks fortleben koennte.  Er
presste sie heftiger in die Arme, als wolle er dadurch$
sich in nichts von den uebrigen Rittern und
Edlen, die ebenfalls in blankes Eisen "bis an die Zaehne" gekleidet,
den Herzog in einem grossen Kreis umgaben.  Er begruesste freundlich
Hewen, Schweinsberg und Georg von Sturmfeder und liess sich von ihnen
ueber die Stellung des Feindes berichten.
Noch war von diesem nichts zu sehen; nur am Saum des Waldes gegen
Esslingen hin sah man hin und wieder seine Posten stehen.  Der Herzog
beschloss, den Huegel, den die Landsknechte besetzt gehalten haten, zu
verlassen und sich in die Ebene hinabzuziehen.  Er hatte wenig
Reiterei, der Bund aber, so berichteten Kundschafter, zaehlte
dreitausend Pferde.  Im Tal hatte er auf einer Seite den Neckar, auf
der andern einen Wald, und so war er wenigstens auf den Flanken vor
einem Reiterangriff sicher.
Lichtenstein und mehrere andere wide*rrieten zwar diese Stellung im
Tal, weil man vom Huegel zu nahe beschossen werden koenne; doch Ulrich
folgte seinem Sinn und liess das Heer hinabsteigen.  Er stellte
zunaechst vor Tuerkheim die Sc$
d,
"geh, tritt auf die Seite.  Ihr Freunde, schliesst Euch an, wir
wollen ploetzlich auf sie einfallen, vielleicht gelingt es,
durchzubrechen!" Doch nur Georg vernahm diesen Befehl des Herzogs,
denn die zwei andern Ritter hielten wohl zehn Schritte hinter ihnen
den Eingang besetzt und waren schon mit den buendischen Reitern im
Gefecht, die umsonst dieses ritterliche Paar zu durchbrechen und zu
dem Herzog durchzudringen versuchten.  Georg schloss sich an Ulrich an
und wollte mit ihm auf den Doktor und die Knechte einsprengen: aber
diesem war das Fluestern des Herzogs nicht entgangen.  "Drauf, ihr
Maenner!  Der im gruenen Mantel ist's; lebendig oder tot!" rief er,
drang mit seinen Knechten vor und griff zuerst an.  Sein langer Arm
fuehrte eine fuenf Ellen langen Spiess.  Er zueckte ihn nach Ulrich, und
es waere vielleicht um ihn geschehen gewesen, da er ihn in der
Dunkelheit nicht gleich bemerkte.  Doch Hans kam ihm zuvor, und indem
der beruehmte Doktor Kahlmaeuser nach der Brust seines Herrn stiess, war
ihm d$
n und Damen,
Die kamen zu Wagen und Ross.
Ich aber war nicht geladen,
Und das habt ihr dumm gemacht!
Die zischelnden Muhmen und Basen,
Die merktens und haben gelacht.
Am fernen Horizonte
Erscheint, wie ein Nbelbild,
Die Stadt mit ihren Tuermen,
In Abenddaemmrung gehuellt.
Ein feuchter Windzug kraeuselt
Die graue Wasserbahn;
Mit traurigem Takte rudert
Der Schiffer in meinem Kahn.
Die Sonne hebt sich noch einmal
Leuchtend vom Boden empor,
Und zeigt mir jene Stelle,
Wo ich das Liebste verlor.
Sei mir gegruesst, du grosse,
Geheimnisvolle Stadt,
Die einst in ihrem Schosse
Mein Liebchen umschlossen hat.
Sagt an, ihr Tuerme und Tore,
Wo ist die Liebste mein?
Euch hab ich sie anvertrauet,
Ihr solltet mir Buerge sein.
Unschuldig sind die Tuerme,
Sie konnten nicht von der Stell,
Als Liebchen mit Koffern und Schachteln
Die Stadt verlassen so schnell.
Die Tore jedoch, die liessen
Mein Liebchen entwischen gar still;
Ein Tor ist immer willig,
Wenn eine Toerin will.
So wandl ich wieder den alten Weg,
Die wohlbekannten Gass$
tel,
Schreite ich schweigend vorbei.
Der Turm der Kathedrale
Verkuendet die zwoelfte Stund;
Mit ihren Reizen und Kuessen
Erwartet mich Liebchen jetzund.
Der Mond ist mein Begleiter,
Er leuchtet mir freundlich vor;
Da bin ich an ihrem Hause,
Und freudig ruf ich empor:
Ich danke dir, alter Vertrauter,
Dass du meinen Weg erhellt;
Jetzt will ich dich entlassen,
Jetzt leuchte der uebrigen Welt!
Und findest du einen Verliebten,
Der einsam klagt sein Leid,
So troest ihn, wie du mich selber
Getroestet in alter Zeit.
Und bist du erst mein ehlich Weib,
Dann bist du zu beneiden,
Dann lebst du in lauter Zeitvertreib,
In lauter Plaesier und Freuden.
Und wenn du schiltst und wenn du tobst,
Ich werd es geduldig leiden;
Doch wenn du meine Verse nicht lobst,
Lass ich mich von dir scheiden.
An deine schneeweisse Schulter
Hab ich mein Haupt gelehnt,
Und heimlich kann ich behorc=en,
Wonach dein Herz sich sehnt.
Es blaen die blauen Husaren,
Und reiten zum Tor herein,
Und morgen will mich verlassen
Die Herzallerliebste mein.
Und w$
wicht werLen kann; dagegen wird aber
auch alle Regel, man rede was man wolle, das wahre Gefuehl von Natur
und den wahren Ausdruck derselben zerstoeren!  Sag' du: 'das ist zu
hart!  Sie schraenkt nur ein, beschneidet die geilen Reben' etc.--guter
Freund, soll ich dir ein Gleichnis geben?  Es ist damit wie mit der
Liebe.  Ein junges Herz haengt ganz an einem Maedchen, bringt alle
Stunden seines Tages bei ihr zu, verschwendet alle seine Kraefte, all
sein Vermoegen, um ihr jeden Augenblick auszudruecken, dass er sich ganz
ihr hingibt.  Und da kaeme ein Philister, ein Mann, der in einem
oeffentlichen Amte steht, und sagte zu ihm: 'einer junger Herr!
Lieben ist menschlich, nur muesst Ihr menschlich lieben!  Teilet Eure
Stunden ein, die einen zur Arbeit, und die Erholungsstunden widmet
Eurem Maedchen.  Berechnet Euer Vermoegen, und was Euch von Eurer
Notdurft uebrig bleibt, davon verwehr' ich Euch nicht, ihr ein Geschenk,
nur nicht zu oft, zu machen, etwa zu ihrem Geburts--und Namenstage '
etc.--folgt der Mensch, so$
sen in Verbindungen geraten, wo er die grosse Welt kennen lernen
konnte, nicht um in ihr nach mtwas zu streben, sondern um sich den
falschen Firnis zu benemen, den die Imagination der geringern Staende
gemeinhin sich um die hoeheren luegt und der dem Gefuehl ihres eigenen
Gluecks so gefaehrlich ist.  Er lernte Personen von Verdienst unter
diesen kennen, die sich in jeder Maske, in der die Vorsehung sie auf
die grosse Schaubuehne der Welt gestellt hat, immer gleichsehen, und
sie nahmen ihm das Vorurteil, das sich zu den ueberspannten
Vorstellungen, die wir vorhin angemerkt haben, so gern
hinzuzugesellen pflegt, dass jedermann, der dem Range nach ueber uns
steht, eben dadurch alle persoenliche Hochachtung verlieren muesse.  Er
fuehlte das grosse Prinzipium der Gleichheit alles dessen, was gleich
denkt, das durch alle Staende und Verhaeltnisse geht, und nur dem Neide
und der Unwissenheit durch aeussere Dekorationen entzogen wird.
Unterdessen erschollen zu Hause die allerunangenehmsten und
kraenkendsten Nachricht$
 Unglueck, ganz wie aus den Wolken
gefallen, einen nicht eben allzureichen Edelmann aus der Hauptstadt
nebst seiner Frau Gemahlin herbei, der eigentlich dort nur die sehr
maessigen Zinsen seines Kapitals verzehrte, auf dem Lande aber ueberall
sich das Ansehn gab, als ob er einen ausserordentlichen Einfluss am
Hofe und besonders auf den Landesherrn habe, der ihn weiter nicht als
Figuranten in der Antichambre zu kennen das Glueck hatte.  Diese
Erscheinung war wie ein Hagelwetter nach einem Sonnenschein; alle
Gesichter fielen in ihre angeborne Karikatur zurueck, und Oede und
Leere, wie ehmals i?m Chaos, herrschte nun in der Gesellschaft.
Pfarrer Mannheim hielt es nicht fuer noetig, mit seinem Weiblein
davonzuschleichen, so sehr ihm die Augen aller Anwesenden es zu raten
schienen; er fasste gleich beim Eintritt des Fremden seinen Stuhl an,
damit ihm dieser nicht etwan im Hurly Burly genommen werden koennte,
war aber uebrigens ungemein ehrerbietig und zurueckgezogen bei den
ersten KomplImenten.  Kaum hatte der Fre$
en Paketen
hereinzukommen, die fuer andere Leute bestimmt sind; man laeuft ihnen
entgegen und muss hernach tun, als liefe man ueberhaupt in der Stube
herum, um sich Bewegung zu schaffen, auf nichts Bestimmtes zu.  Sie
wollen einen ueberraschen und heben mit oberflaechlich nachgeahmter
Erwartung die unterste Lage in den Spielzeugschachteln auf, wo weiter
nichts ist als Holzwolle; da muss man ihnen ihre Verlegenheit
erleichtern.  Oder wenn es etwas Mechanisches war, so ueberdrehen sie
das, was sie einem geschenkt haben, beim ersten Aufziehen.  Es ist
deshalb gt, wenn man sich beizeiten uebt, eine ueberdrehte Maus oder
dergleichen unauffaellig mit dem Fuss weiterzustossen: auf diese Weise
kann man sie oft taeuschen und ihnen ueber die Beschaemung forthelfen.
Das alles leistete man scliesslich, wie es verlangt wurde, auch ohne
besondere Begabung.  Talent war eigentlich nur noetig, wenn sich einer
Muehe gegeben hatte, und brachte, wichtig und gutmuetig, eine Freude,
und man sah schon von weitem, dass es eine Freu$
che Augen waren es, in denen ich mich manchmal fand, wenn ich,
zur Zeit da ich heranwuchs, mit meinem Vater ueber die Strasse ging.
Dann konnten sie von einem Wageninnern aus mich mit einem Blick
umgeben, aus fdem kaum hinauszukommen war.  Nun wusste ich, dass sie mich
damals mit ihm verglichen und dass der Vergleich nicht zu meinen
Gunsten ausfiel.  Gewiss nicht, Vergleiche hatteder Jaegermeister nicht
zu fuerchten.
Es kann sein, dass ich nun etwas weiss, was er gefuerchtet hat.  Ich will
sagen, wie ich zu dieser Annahme komme.  Ganz innen in seiner
Brieftasche befand sich ein Papier, seit lange gefaltet, muerbe,
gebrochen in den Buegen.  Ich habe es gelesen, bevor ich es verbrannte.
Es war von seiner besten Hand, sicher und gleichmaessig geschrieben,
aber ich merkte gleich, dass es nur eine Abschrift war.
"Drei Stunden vor seinem Tod", so begann es und handelte von Christian
dem Vierten.  Ich kann den Inhalt natuerlich nicht woertlich wiederholen.
Drei Stunden vor seinem Tod begehrte er aufzustehen.  Der Ar$
iflungen heran, mit
denen die Zeiten auskommen muessen.
Er kennt auf einmal dieses entschlossene Herz, das bereit war, die
ganze Liebe zu leisten bis ans Ende.  Es wundert ihn nicht, dass man es
verkannte; dass man in dieser ueberaus kuenftigen Liebenden nur das
UEbermass sah, nicht die neue Masseinheit von Liebe und Herzleid.  ass
man die Inschrift ihres Daseins auslegte wie sie damals gerade
glaubhaft war, dass man ihr endlich den Tod derjenigen zuschrieb, die
der Gott einzeln anreizt, aus sich hinauszulieben ohne E2rwiderung.
Vielleicht waren selbst unter den von ihr gebildeten Freundinnen
solche, die es nicht begriffen: dass sie auf der Hoehe ihres Handelns
nicht um einen klagte, der ihre Umarmung offen liess, sondern um den
nicht mehr Moeglichen, der ihrer Liebe gewachsen war.
Hier steht der Sinnende auf und tritt an sein Fenster, sein hohes
Zimmer ist ihm zu nah, er moechte Sterne sehen, wenn es moeglich ist.
Er taeuscht sich nicht ueber sich selbst.  Er weiss, dass diese Bewegung
ihn erfuellt, weil un$
sann im stillen
ueber den wunderlichen Aufruhr nach, den er unwissentlich angestiftet.
Ein Knecht nach dem andern legte den Loeffel nieder und ging mit einem
"Gute Nacht, Padrona!" hinaus.  Zuletzt waren die drei mit der Wirtin
und der alten Magd allein.
"Die Sonne geht um vier Uhr auf", sagte der eine Schmuggler halblaut
zu dem Fremden.  "Eccellenza braucht nicht frueher aufzubrechen, um bei
guter Zeit in Pistoja zu sein.  Es ist auch wegen des Pferdes, das
seine sechs Stunden stehen muss."
"Es ist gut, meine Freunde.  Geht und schlaft!"
"Wir werden Euch wecken, Eccellenza."
"Auf alle Faelle", erwiderte der Fremde.  "Obwohl die Madonna weiss, dass
ich nicht oft sechs Stunden in einem Strich schlafe.  Gute Nacht,
Carlone; gute Nacht, Meister Giuseppe!"
Die Leute rueckten ehrerbietig die Huete und standen auf.  Der eine ging
nach dem Herd und sagte: "Ich habe einen Gruss, Padrona, vom Costanzo
aus Bologna, und, ob es bei Euch war, wo er sein Messer hat liegen
lassen letzten Samstag."
"Ne;in", sagte sie kurz un$
Gastfreund um ein schuetzend Dach.
Fuerwahr er ist's!  Sieh Vater es ist Jason!
(Einen Schritt ihm entgegen.)
Jason (ihre Hand fassend).
Ich bin es, so wie du es bist, Kreusa,
Dieselbe noch, in heitrer Milde strahlend.
O fuehe mich zu deinem Vater hin,
Der ernst dort steht, den Blick mir zugewandt
Und zoegert mit dem Gegengruss, ich weiss nicht
Ob Jason zuernend oder seiner Schul.
Kreusa (Jason an der Hand, ihrem Vater entgegentretend).
Sieh Vater, es ist Jason!
Sei gegruesst!
Dein Ernst zeigt mir den Platz, der mir geziemt.
Hin werf ich mich vor dir und fass dein Knie,
Und nach dem Kinne streck ich meinen Arm;
Gewaehre was ich bat, gib Schutz und Zuflucht!
Nicht eher bis--
Ich sage dir, steh auf!
(Jason steht auf.)
So kehrtest du vom Argonautenzug?
Kaum ist's ein Mond dass mich das Land empfing.
Den Preis des Zugs, du brachtest ihn mit dir?
Er ward dem Oheim, der die Tat gebot.
Und warum fliehst du deiner Vaeter Stadt?
Sie trieb mich aus; verbannt bin ich und schutzlos.
Des Bannes Ursach' aber, welche war's?$
lang anders, deucht' mir,
Dass er den Schmerz anfassend wie ein Schwert,
Gen sich selber wuetend, den Tod sich gab.
Was trittst du in Bund mit meinen Feinden
Und toetest mich?
Nun siehst du wohl.
Ich hab dir's gesagt, dich gewarnt.
Flieh die Fremden, sagt' ich dir
Vor allen aber ihn, der sie fuehrt,
Den glattzuengigen Heuchler, den Verraeter.
Den glattzuengigen Heuchler, den Verraeter!--
Sagtest du so?
Wohl sagt' ich's.
Und ich glaubte dir nicht?
Glaubtest mir nicht und gingst ins Todesnetz
Das nun zusammenschlaegt ueber dir.
Glattzuengiger Heuchler!  Das ist das Wort.
Haettest du so gesagt, ich haett's erkannt;
Aber du nanntest ihn: Feind und verhasst und abscheulich,
Er aber war schoen und freundlich und ich hasst' ihn (nicht)!
So liebst du ihn?
Ich hass ihn, verabscheu ihn,
Wie die Falschheit, den Verrat,
Wie das Entsetzlichste, wie mich!
So straf ihn, triff ihn,
Raeche den Vater, den Bruder,
Unser Vaterland, unsre Goetter,
Unsre Schmach, mich, dich!
Erst meine Kinde will ich haben,
Das andre deckt die Na$
 in einem spinatfarben
Ueberrock herum.
Sie taugt halt nur aufs Land.  Sie will halt eine niedrige Person
Und doch redt s' hochdeutsch, und hat ihrs kein Mensch glernt.
Was ist denn heut fuer ein Tag?
Da freu ich mich wieder, da ist Fischmarkt, da kommt der Bursch
wieder vom Land herein.  Und wenn er seine Fisch verkauft hat,
ist er nicht zufrieden, da setzt er sich da drueben auf den
Stein und hat Maulaffen auch noch feil, schaut immer auf ihr
Fenster herueber wie ein Aff--Mit der Wacht lass ich ihn noch
Das Sitzen kann man keinen Menschen verbieten.
So lasst ihn sitzen, auf d' Letzt sitzt er doch zwischen zwei
Stuehl auf der Erde.  Aber 's Madel wird mir ganz verwirrt.  Ich
lass ihr Zeichnen lernen und Sticken, nutzt nichts.  Statt dass
sie schoene Blumen macht, Vasen und solche Sachen, was zeichnet
s'?  was stickt sie?  lauter Fisch.  Zu meinen Namenstag stickt
sie mir ein Polster--was ist drauf ?  ein grossmaechtiger
Backfisch, aber ohne Kopf,--wie ich meinen drauflegen ist der
ganze fertig.--Sie muss d$
gus diese Dinge ebensowenig glaubt wie Sie.  Geben Sie mir
jetzt einen wirklichen Rat--Ihren aufrichtigen freundschaftlichen Rat.
Sie wissen, ich habe hrem Urteil immer vertraut.  Ich verspreche
Ihnen, dass die Kinder sich ruhig verhalten werden.
(McComas fuegt sich:) Nun, nun.--Was ich sagen moechte, ist dies.  Nach
der alten Uebereinkunft zwischen Ihnen und ihm, Frau Clandon, war Ihr
Mann furchtbar benachteiligt.
(Frau Clandon.) Wieso, wenn ich bitten darf?
(McComas.) Nun Sie, eine emanzipierte Frau, waren gewoehnt, die
oeffentliche Meinung zu verachten und auf das, was die Welt ueber Sie
sagen koennte, keinerlei Ruecksicht zu nehmen.
(Frau Clandon stolz darauf:) Ja, das ist richtig!  (Gloria beugt sich
vor und kuesst ihre Mutter auf die Haare--eine Zustimmung, die sie
aeusserst verwirrt.)
(McComas.) Andererseits hatte Ihr Mann, Frau Clandon, einen grossen
Abscheu vor allem, was ihn in die Zeitungen bringen konnte.  Er musste
Ruecksicht auf sein Geschaeft sowohl wie auf die Vorurteile seiner
altmodischen $
 sie des Festes Freiheit
Und fast schon senkrecht trifft der Sonne Pfeil.
Mich luestet nicht, ob deines traegen Zauderns,
Den Kerkern einzuwohne dieser Stadt.
Hoerst du?--Noch immer nicht!--Nun, gute Goetter!
Kehrt euch von ihm, wie er von euch sich wendet!  Da lehnt er,
weich, mit mattgesenkten Gliedern.
Ein Junge, schoen, wenngleich nicht gross, und braun.
Die finstern Locken ringeln um die Stirn;
Das Auge, wenn's die Wimper nicht verwehrt,
Sprueht heiss wie Kohle, frisch nur angefacht;
Die Schultern weit; die Arme derb und tuechtig,
Von prallen Muskeln ruendlich ueberragt;
Kein Amor mehr, doch Hymens treues Bild.
Die Maedchen sehn nach ihm; doch er--Ihr Goetter!
Wo blieb die Seele fuer so art'gen Leib?
Er ist--wie nenn ich's--furchtsam, toericht, bloed!
Ich bin doch auch ein ruestiger Gesell,
Mein gelbes Haar gilt mehr als noch so dunkles,
Und, statt der Inderfarbe die ihn braeunt,
Lacht helles Weiss um diese derben Knochen,
Bin groesser, wie' dem Meister wohl geziemt.
Und doch, gehn wir zusammen unters V$
schet.--Aber so nennen
Sie mir sie doch, der er dieses so grosse Opfer bringt.
Marinelli. Es ist eine gewisse Emilia Galotti.
Der Prinz. Wie, Marinelli? eine gewisse--Marinelli. Emilia Galotti.
Der Prinz. Emilia Galotti?--Nimmermehr!
Marinelli. Zuverlaessig, gnaediger Herr.
Der Prinz. Nein, sag ich; das ist nicht, das kann nicht sein.--Sie
irren sich in dem Namen.--Das Geschlecht der Galotti ist gross.--EineGalotti kann es sein: aber nicht Emilia Galotti, nicht Emilia!
Marinelli. Emilia--Emilia Galotti!
Der Prinz. So gibt es noch eine, die beide Namen fuehrt.--Sie sagten
ohnedem, eine gewisse Emilia Galotti--eine gewisse. Von der rechten
kann nur ein Narr so sprechen--Marinelli. Sie sind ausser sich,
gnaediger Herr.--Kennen Sie denn diese Emilia?
Der Prinz. Ich habe zu fragen, Marinelli, nicht Er.--Emilia Galotti?
Die Tochter des Obersten Galotti, bei Sabionetta?
Marinelli. Ebendie.
Der Prinz. Die hier in Guastalla mit ihrer Mutter wohnet?
Marinelli. Ebendie.
Der Prinz. Unfern der Kirche Allerheiligen?
Mari$
 mehr werde
ich dieses nimmermehr geschehen lassen; nimmermehr!--Wo denken Sie hin,
Herr Major?--Ich meinte, Sie haetten an Ihrem eigenen Ungluecke genug.--
Sie muessen hierbleiben; Sie muessen sich die allervollstaendigste
Genugtuung--ertrotzen. Ich weiss in der Geschwindigkeit kein ander
Wort.--Ertrotzen--und sollte Sie auch das aeusserste Elend, vor den
Augen Ihrer Verleumder, darueber verzehren!
So dacht' ich, so sprach ich, als ich nicht wusste, was ich dachte und
sprach. Aergernis und verbissene Wut hatten meine ganze Seele umnebelt;
die Liebe selbst in dem vollesten Glanze des Glueckes konnte sich
darin nicht Tag schaffen. Aber sie sendet ihre Tochter, das Mitleid,
die, mit dem finstern Schmerze vertrauter, die Nebel zerstreuet und
alle Zugaenge meiner Seele den Eindruecken dGer Zaertlichkeit wiederum
oeffnet. Der Trieb der Selbsterhaltung erwacht, da ich etwas
Kostbarers zu erhalten habe als mich und es durch mich zu erhalten
habe. Lassen Sie mich, mein Fraeulein, das Wort Mitleid nicht
beleidigen. V$
ine Art von erkennender Abschaetzung ueber
den Werth des Zieles, existirt beim Menschen nicht. Wir sind von
vornherein unlogische und daher ungerechte Wesen, und koennen
diess erkennen: diess ist eine der groessten und unaufloesbarsten
Disharmonien des Daseins.
Der Irrthum ueber das Leben zum Leben nothwendig. - Jeder Glaube an
Werth und Wuerdigkeit des Lebens beruht auf unreinem Denken; er ist
allein dadurch moeglich, dass das Mitgefuehl fuer das allgemeine Leben
und Leiden der Menschheit sehr schwach im Individuum entwickelt ist.
Auch die seltneren Menschen, welche ueberhaupt ueber sich hinaus
denken, fassen nicht dieses allgemeine Leben, sondern abgegraenzte
Theile desselben in's Auge. Versteht man es, sein Augenmerk
vornehmlich auf Ausnahmen, ich meine auf die hohen Begabungen und die
reinen Seelen zu richten, nimmt man deren Entstehung zum Ziel der
ganzen Weltentwickelung und erfreut sich an deren Wirken, so mag
man an den Werth des Lebens glauben, weil man naemlich die anderen
Menschen dbei uebersieht:$
