. Ein Zerstreuter soll kein Vorwurf fr diO Komdie sein. Warum
nicht? Zerstreut sein, sagt man, sei eine Krankheit, ein Unglck; und
kein Laster. Ein Zerstreuter verdiene ebensowenig ausgelacht zu werden,
als einer, der Kopfschmerzen hat. Die Komdie msse sich nur mit Fehlern
abgeben, die sich verbessern lassen. Wer aber von Natur zerstreut sei,
der lasse sich durch Spttereien ebensowenig bessern als ein Hinkender.
Aber ist es denn wahr, da die Zerstreuung ein Gebrechen der Seele ist,
dem unsere besten Bemhungen nicht abhelfen knnen? Sollte sie wirklich
mehr natrliche Verwahrlosung als ble Angewohnheit sein? Ich kann es
nicht glauben. Sind wir nicht Meister unserer Aufmerksamkeit? Haben wir
es nicht in unserer Gewalt, sie anzustrengen, sie abzuziehen, wie wir
wollen? Und was ist die }Zerstreuung anders, als ein unrechter Gebrauch
unserer Aufmerksamkit? Der Zerstreute denkt, und denkt nur das nicht,
was er, seinen itzigen sinnlichen Eindrcken zufolge, denken sollte.
Seine Seele ist nicht entschlummert$
Personen sagen und tun, was er wollte:
aber er wute seine Erdichtungen vielleicht weder wahrscheinlich noch
lehrreich zu machen. Solon bemerkte in ihnen also nur das Unwahre, ohne
die gerigste Vermutung von dem Ntzlichen zu haben. Er eiferte wider ein
Gift, welches, ohne sein Gegengift mit sich zu fhren, leicht von beln
Folgen sein knnte.
Ich frchte sehr, Solon drfte auch die Erdichtungen des groen Corneille
nichts als leidige Lgen genannt haben. Denn wozu alle diese Erdichtungen?
Machen sie in der Geschichte, die er damit berladet, das Geringste
wahrscheinlicher. Sie sind nicht einmal fr sich selbst wahrscheinlich.
Corneille prahlte damit, als mit sehr wunderbaren Anstrengungen der
Erdichtungskraft; und er htte doch wohl wissen sollHn, da nicht das bloe
Erdichten, sondern das zweckmige Erdichten, einen schpfrischen Geist
Der Poet findet in der Geschichte eine Frau, die Mann und Shne mordet;
eine solche Tat kann Schrecken und Mitleid erwecken, und er nimmt sich
vor, sie in einer Tragdie zu$
st, treulich bei; und beide werden von der boshaften Grfin
von Nottingham noch mehr verhetzt, die den Grafen sonst geliebt hatte,
nun aber, weil sie keine Gegenliebe von ihm erhalten knnen, was sie
nicht besitzen kann, zu verderben sucht. Die ungestme Gemtsart des
Grafen macht ihnen allzu gutes Spiel, und sie erreichen ihre Absicht auf
folgende Weise.
Die Knigin hatte den Grafen, als ihren Generalissimus, mit einer sehr
ansehnlichen Armee gegen den Tyrone geschickt, welcher in Irland einen
gefhrlichen Aufstand erregt hatte. Nach einigen nicht viel bedeutenden
Scharmtzeln sahe sich der Graf gentiget, mit dem Feinde in Unterhandlung
zu treten, weil seine Truppen durch Strapazen und Krankheiten sehr
abgemattet waren, Tyrone aber mit seinen Leuten sehr vorteilhaft postieret
stand. Da diese Unterhandlung zwischen den Anfhrern mndlich betrieben
ward und kein Mensch dabei zugegn sein durftpe: so wurde sie der Knigin
als ihrer Ehre hchst nachteilig und als ein gar nicht zweideutiger
Beweis vorgetellet, da$
bt. Und
nun ist der Graf nicht lner vermgend, sich zu migen; seine
Ungestmheit bricht los; er wirft den Stab zu ihren Fen und bedient
sich verschiedner Ausdrcke, die zu sehr wie Vorwrfe klingen, als da
sie den Zorn der Knigin nicht aufs hchste treiben sollten. Auch
antwortet sie ihm darauf, wie es Zornigen sehr natrlich ist; ohne sich
um Anstand und Wrde, ohne sich um die Folgen zu bekmmern: nmlich,
anstatt der Antwort, gibt sie ihm eine Ohrfeige. Der Graf greift nach dem
Degen; und nur der einzige Gedanke, da es seine Knigin, da es nicht
sein Knig ist, der ihn geschlagen, mit einem Worte, da es eine Frau
ist, von der er die Ohrfeige hat, hlt ihn zurck, sich ttlich an ihr zu
vergehen. Southampton beschwrt ihn, sich zu fassen; aber er wiederholt
seine ihr und dem Staate geleisteten Dienste nochmals und wirft dem
Burleigh und Raleigh ihren niedertrchtigen Neid, sowie der Knigin ihre
Ungerechtigkeit vor. Sie verlt ihn in der uersten Wu; und niemand
als Southampton bleibt bei ihm$
l
angelegte und bis ans Ende erhaltene Charaktere; nicht selten viel Wrde
und Strke im Ausdrucke.--
Das sind allerdings Schnheiten: ich sage nicht, da es die hchsten
sind; ich leugne nicht, da sie zum Teil sehr leicht bis in das
Romanenhafte, Abenteuerliche, Unnatrliche knnen getrieben werden, da
sie bei den Spaniern von dieser bertreibung selten frei sind. Aber man
nehme den meisten franzsischen Stcken ihre mechanische Regelmigkeit:
und sage mir, ob ihnen andere, als Schnheiten solcher Art, brig
bleiben? Was haben sie sonst noch viel Gutes, als Verwicklung und
Theaterstreiche und Situationen?
Anstndigkeit: wird man sagen.--Nun ja; Anstndigkeit. Alle ihre
Verwick@lungen sind anstndiger, und einfrmiger; alle ihre
Theaterstreiche anstndiger, und abgedroschner; alle ihre Situationen
anstndiger, und gezwungner. Das kmmt von der Anstndigkeit!
Aber Cosme, dieser spanische Hanswurst; diese ungeheure Verbindung der
pbelhaftestn Possen mit dem feierlichsten Ernst; diese Vermischung des
Komisch$
 niemals
zurckkommen wird?
Orestes. Aber gesetzt, er kme! Wie mte er es anfangen, um den Tod
seines Vaters zu rchen?
Elektra. Sich eben des erkhnen, wessen die Feinde sich gegen seinen
Vater erkhnten.
Orestes. Wolltest du es wohl mit ihm wagen, deine Mutter umzubringen?
Elektra. Se mit dem nmlichen Eisen umbringen, mit welchem sie
meinen Vater mordete!
Orestes. Und darf ich das, als deinen festen Entschlu, deinem Bruder
Elektra. 'Ich will meine Mutter umbringen, oder nicht leben!'
Das Griechische ist noch strker:
[Greek: Thanoimi, maetros aim' episphaxas' emaes].
'Ich will gern des Todes sein, sobald ich meine Mutter umgebracht
Nun kann man nicht behaupten, da diese letzte Rede schlechterdings
unatrlich sei. Ohne Zweifel haben sich Beispiele genug ereignet, wo
unter hnlichen Umstnden die Rache sich ebenso heftig ausgedrckt hat.
Gleichwohl, denke ich, kann uns die Hrte dieses Ausdrucks nicht anders
als ein wenig beleidigen. Zum mindesten hielt Sophokles nicht fr gut,
ihn so weit zu treiben. B$
ass er das Parterre dadurch erinnert hat, aufmerksam
auf ihn zu sein, und wenn es die Guete haben will, ihm nachzuklatschen.
Nachzischen sollte es ihm! Doch leider ist es teils nicht Kenner genug,
teils zu gutherzig, und nimmt die Begierd, ihm gefallen zu wollen,
fuer die Tat.
Ich getraue mich nicht, von der Aktion der uebrigen Schauspieler in diesem
Stuecke etwas zu sagen. Wennsie nur immer bemueht sein muessen, Fehler zu
bemaenteln, und das Mittelmaessige geltend zu machen: so kann auch der Beste
nicht anders, als in einem sehr zweideutigen Lichte erscheinen. Wenn wir
ihn auch den Verdruss, den uns der Dichter verursacht, nicht mit entgelten
lassen, so sind wir doch nicht aufgeraeumt genug, ihm alle die
Gerechtigkeit zu erweisen, die er verdienet.
Den Beschluss des ersten Abends machte "Der Triumph der vergangenen Zeit",
ein Lustspiel in einem Aufzuge, nach dem Franzoesischen des Le Grand.
Es ist eines von den drei kleinen Stuecken, welche Le Grand unter
dem allgemeinen Titel "er Triumph der Zeit" im Jahr 1$
ern Weg eingeschlagen waere. Besonders da
sich dieser andere Weg hier von selbst oeffnet. Manley, oder Amalia, wusste
ja, dass Freemann mit seiner vorgeblichen Frau nicht gesetzmaessig verbunden
sei. Warum konnte er also nicht dieses zum Grude nehmen, sie ihm
gaenzlich abspenstig zu machen, und sich ihr nicht als einen Galan, dem es
nur um fluechtige Gunstbezeigungen zu tun, sondern als einen ernsthaften
Liebhaber anzutragen, der sein ganzes Schicksal mit ihr zu teilen bereit
sei? Seine Bewerbungen wuerden dadurch, ich will nicht sagen unstraeflich,
aber doch unstraeflicher geworden sein; er wuerde, ohne sie in ihrn
eigenen Augen zu beschimpfen, darauf haben bestehen koennen; die Probe
waere ungleich verfuehrerischer und das Bestehen in derselben ungleich
entscheidender fuer ihre Liebe gegen Freemann gewesen. Man wuerde zugleich
einen ordentlichen Plan von seiten der Amalia dabei bgesehen haben;
anstatt dass man itzt nicht wohl erraten kann, was sie nun weiter tun
koennen, wenn sie ungluecklicherweise in ih$
atte "Das
besiegte Vorurteil"; und au dem andern "Der Mann ohne Vorurteil". Doch
beides ist nicht weit ausein*ander. Es ist von dem Vorurteile, dass zu
einer vernuenftigen Ehe die Gleichheit der Geburt und des Standes
erforderlich sei, die Rede. Kurz, die Geschichte der Nanine ist die
Geschichte der Pamela. Ohne Zweifel wollte der Herr von Voltaire den
Namen Pamela nicht brauchen, weil schon einige Jahre vorher ein paar
Stuecke unter diesem Namen erschienen waren, und eben kein grosses Glueck
gemacht hatten. Die "Pamela" des Boissy und des de la Chaussee sind auch
ziemlich kahle Stuecke; und Voltaire brauchte eben nicht Voltaire zu sein,
etwas weit Besseres zu machen.
"Nanine" gehoert unter die ruehrenden Lustspiele. Es hat aber auch sehr
viel laecherliche Szenen, und nur insofern, als die laecherlichen Szenen
mit den ruehrenden abwechseln, will Voltaire diese in der Komoedie geduldet
wissen. Eine ganz ernsthafte Komoedie, wo man niemalso lacht, auch nicht
einmal laechelt, wo man nur immer weinen moechte, ist$
osse il grave incarco
      De gli anni, che mi sta su'l capo, e a terra
      Il curva, e prime si, che parmi un monte.--
----Fussnote
Vierundvierzigstes Stueck
Den 29. September 1767
Ich komme auf den Tadel des Lindelle, welcher den Voltaire so gut als den
Maffei trifft, dem er doch nur allein zugedacht war.
Ich uebergehe die beiden Punkte, bei welchen es Vltaire selbst fuehlte,
dass der Wurf auf ihn zuruekpralle.--Lindelle hatte gesagt, dass es sehr
schwache und unedle Merkmale waeren, aus welchen Merope bei Maffei
schliesse, dass Aegisth der Moerder ihres Sohnes sei. Voltaire antwortet:
"Ich kann es Ihnen nicht bergen; ich finde, das Maffei es viel
kuenstlicher angelegt hat, als ich, Meropen glauben zu machen, dass ihr
Sohn der Moerder ihres Sohnes sei. Er konte sich eines Ringes dazu
bedienen, und das durfte ich nicht; denn seit dem koeniglichen Ringe, ueber
den Boileau in seinen Satiren spottet, wuerde das auf unserm Theater sehr
klein scheinen." Aber musste denn Voltaire eben eine alte Ruestung anstatt$
chtswuerdigen
Herzens nicht genug entwickeln koennen. Er tobt, und weder Juliane noch
die Leser wissen recht, was er will. Ebensowenig hat der Dichter Raum
gehabt, seine Besserung gehoerig vorzubereiten und zu veranstalten. Er
musste sich begnuegen, dieses gleichsam im Vorbeigehen zu tun, weil die
Haupthandlung mit Nikander und Philinten zu schaffen hatte. Kathrine,
dieses edelmuetige Kammermaedchen der Juliane, das Agenor verfolgt hatte,
sagt gar recht am Ende des Lustspiels: 'Die geschwindesten Bekehrungen
sid nicht allemal die aufrichtigsten!' Wenigstens solange dieses Maedchen
im Hause ist, moechte ich nicht fuer die Aufrichtigkeit stehen."
Ic freue mich, dass die beste deutsche Komoedie dem richtigsten deutschen
Beurteiler in die aende gefallen ist. Und doch war es vielleicht die
erste Komoedie, die dieser Mann beurteilte.
----Fussnote
[1] "Misanthrope", Acte II, Sc. 4.
    C'est de la tete aux pieds un homme tout mystere,
    Qui vous jette, en passant, un coup d'oeil egare,
    Et sans aucune affaire$
r, anstatt ihn in ein anscheinendes Lob
zu erkehren, haette er wenigstens die Antwort beifuegen sollen, die
Moliere selbst darauf erteilte, und die sehr passend ist. Die Erzaehlungen
naemlich sind in diesem Stuecke, vermoege der innern Verfassung desselben,
wirkliche Handlung; sie haben alles, was zu einer komischen Handlung
erforderlich ist; und es ist blosse Wortklauberei, ihnen diesen Namen hier
streitig zu machen.[6] Denn es koemmt ja weitP weniger auf die Vorfaelle an,
welche erzaehlt werden, als auf den Eindruck, welchen diese Vorfaelle auf
den betrognen Alten machen, wenn er sie erfaehrt. Das Laecherliche dieses
Alten wollte Moliere vornehmlich schildern; ihn muessen wir also
vornehmlich sehen, wie er sich bei dem Unfalle, der ihm drohet, gebaerdet;
und dieses haetten wir so gut nicht gesehen, wenn der Dichte| das, was er
erzaehlen laesst, vor unsern Augen haette vorgehen lassen, und das, was er
vorgehen laesst, dafuer haette erzaehlen lassen. Der Verdruss, den Arnolph
empfindet; der Zwang, den er sich$
      Que no dais otro descargo,
      En fe de indicios tan ciertos,
      Manana vuestra cabeza
      Ha de pagar--
----Fussnote
Siebenundsechzigstes Stueck
Den 22. Dezember 1767
Nun folgt eine Szene, die man wohl schwerlich erwartet haette. Alles ist
ruhig und stille, als auf einmal eben die Dame, welcher Essex in dem
ersten Akte das Leben rettete, in eben dem Anzuge, die halbe Maske auf
dem Gesichte, mit einem Lichte in der Hand, zu dem Grafen in das
Gefaengnis hereintritt. Es ist die Koenigin. "Der Graf", sagt sie vor sich
im Hereintreten, "hat mir das Leben erhalten: ich bin ihm dafuer
verpflichtet. Der Graf hat mir das Leben nehmen wollen: das schreiet um
Rache. Durch seine Verurteilung ist der Gerechtigkeit ein Genuege
geschehen: nun geschehe es auch der Dankbarkeit und Liebe!"[1] Indem sie
naeher kvmmt, wird sie gewahr, dass der Graf sch+reibt. "Ohne Zweifel", sagt
sie, "an seine Blanca! Was schadet das? Ich komme aus Liebe, aus der
feurigsten, uneigennuetzigsten Liebe: itzt schweige die Eifersucht!$
Unlust ueber dessen Unglueck zusammengesetzt ist. Die
Bewegungen, durch welche sich das Mitleid zu erkennen gibt, sind von den
einfachen Symptomen der Liebe, sowohl als der Unlust, unterschieden,
denn das Mitleid ist eine Erscheinung. Aber wie vielerlei kann diese
Erscheinung werden! Man aendre nur in dem bedauerten Unglueck die einzige
Bestimmung der Zeit: so wird sich das Mitleiden durch ganz andere
Kennzeichen zu erkennen geben. Mit der Elektra, die ueber die Urne ihres
Bruders weinet, empfinden wir ein mitleidiges Trauern, denn sie haelt das
Unglueck fuer geschehen und bejammert ihren gehabten Verlust. Was wir bei
den Schmerzen des Philoktets fuehlen, ist gleichfalls Mitleiden, aber
von einber etwas andern Natur; denn die Qual, die dieser Tugendhafte
auszustehen hat, ist gegenwaertig und ueberfaellt in vor unsern Augen.
Wenn aber Oedip sich entsetzt, indem das grosse Geheimnis sich ploetzlich
entwickelt; wenn Monime erschrickt, als sie den eifersuechtigen Mithridates
sich entfaerben sieht; wenn die tuge$
 Loewen: Das Raetsel
Francesco Scipione Maffei: Merope
Pierre Carlet de Camplain de Marivaux: Der Bauer mit der Erbschaft
Pierre Carlet de Camplain de Marivaux: Der unvermutete Ausgang
Pierre Carlet de Camplain de Marivaux: Die falschen Vertrulichkeiten
Moliere: Die Frauenschule
Gottlieb Konrad Pfeffel: Der Schatz
Philemon von Syrakus: Der Schatz
Plautus: Trinummus
Philippe Quinault: Die kokette MutterJean Francois Regnard: Demokrit
Jean Francois Regnard: Der Spieler
Jean Francois Regnard: Der Zerstreute
Karl Franz Romanus: Die Brueder
Germain Francois Poullain de Saint-Foix: Der Finanzpachter
Johann Elias Schlegel: Der Triumph der guten Frauen
Johann Elias Schlegel: Die stumme Schoenheit
Voltaire: Das Kaffeehaus
Voltaire: Die Frau, die recht hat
Voltaire: Merope
Voltaire: Nanine
Voltaire: Semiramis
Voltaire: Zaire
Christian Felix Weisse: Amalia
Christian Felix Weisse: Richard der Dritte
Verzeichnis der Theaterstuecke
geordnet nach Titeln
Amalia (Chistian Felix Weisse)
Cenie (Francoise d'Issembourg-d'Happonc$
arenverkehr des letztgenannten Jahrs nur 16, auf den Seehandel
dagegen 84 Proz. Die Hauptartikel des auswrtigen Handels sind
in der Ausfuhr (mit Angabe des Wertes 1887 in Millionen Pesetas):
Wein (281,7), Erze (6,7), Blei (22,0), Rosinen (22,2), Vieh
(12,4), Kork (16,8), Orangen (15,4), Schafwolle (14,1),
Olivenl (9,7, 1885: 40,0), Schuhwaren (12,4), Esparto (8,9),
Weintrauben (9,7), Weizenmehl (5,2), Konserven (6,9), Eisen und
Eisenwaren (10,4); in der Einfuhr: Weizen (62,8), Baumwolle (62,),
Spiritus (45,0), Holz (35,3), Tabak (30,3), Fische (29,8), Zucker
(29,7), Mineralkohle (25,6), Schafwollwaren (24,9), Maschinen
(20,1), Hute und Felle (19,4), andre Cerealien (17,5), Vieh
(17,1), Eisen und Eisenwaren (16,9), Chemikalien (15,8), Kakao
(13,6), Flachs- und Hanfgarn (13,3). Was die einzelnen Lnder
betrifft, welche an dem auswrtigen Handel Spaniens
partizipieren, so kommt der Hauptanteil auf Frankreich (234,7 Mill.
Pesetas in der Einfuhr und 308,9 Mill. in der Ausfuhr) und
Grobritannien (114,0, resp.$
shofs, des Rechnungshofs, des
obersten Kriegs- und des obersten Marinerats, wenn sie sich zwei
Jahre im Amt befinden. Die vom Knig ernannten oder von den
Provinzialvertretungen u. den Hchstbesteuerten gewhlten
Senatoren msen bestimmten Klassen des Beamtenstandes, der
Armee, des Klerusangehren oder eine jhrliche Rente von
20,000 Pesetas beziehen. Die Zahl der Senatoren kraft eignen Rechts
und der vom Knig ernannten Senatoren darf zusammen 180 nicht
bersteigen, und dieselbe Zahl entfllt auf die
gewhlten Senatoren. JederR Senator mu Spanier und 35
Jahre alt sein. Der Kongre der Deputierten setzt sich aus
denjenigen Mitgliedern zusammen, welche von den Wahljunten auf
fnf Jahre, im Verhltnis von einem Deputierten auf
40,000 Einw., gewhlt werden. Um zum Deputierten gewhlt
zu werden, sind die spanische Staatsbrgerschaft, der
weltliche Stand, die Grojhrigkeit und der Genu
aller brgerlichen Rechte erforderlich. Das passive Wahlrecht
ist durch keinen Zensus, das aktive Wahlrecht seit der Wahlrefor$
cht
kommenHen Thatumstnde darlegt.
Specifica (lat.), s. Spezifische Arzneimittel.
Specimen (lat.), Probe, Probearbeit.
Speck (Lardum), das feste und derbe Fett, welches sich
zwischen der Haut und dem Fleisch mancher Tiere, namentlich der
Schweine (im gerucherten Zustand wichtiger Handelsartikel),
dann auch der Robben und Walfische (dient zur Darstellung von
Thran) ansetzt.
Speckbacher, einer der Anfhrer des Tiroler
Aufstandes von 1809, geb. 13. Juli 1767 auf dem Hof Gnadenwald,
zwischen Innsbruck uPd Hall, verbrachte seine Jugend teils als
Wildschtz, teils als Landwirt und kmpfte schon 1797,
1800 und 1805 gegen die Franzosen; vom Gut seiner Frau hie
er der "Mann vom Rinn". Einer der Vertrauten des Sandwirts Hofer,
berfiel er 12. April 1809, am Tag des Ausbruchs der
Insurrektion, die bayrische Garnison zu Hall, nahm mit dem dortigen
Kronenwirt Joseph Straub die von Innsbruck entkommene bayrische
Kavallerie gefangen, focht hierauf in den Treffen vom 25. und 29.
Mai, welcheTirol zum zweitenmal befreiten, $
liberalen
Partei seine Entlassung. Im neuen Gladstoneschen Kabinett (1880-85)
erhielt er erst das Amt eines Prsidenten des Geheimen Rats,
dann 1882 das des Vizeknigs von Irland und bernahm 1886
auf kurze Zeit wieder das Prsidium des Geheimen Rats.
5) Herbert, engl. Philosoph, geb. 1820 zu Derby, wurde von
seinem Vater, einem Lehrer der Mathematik, und seinem Oheim Thomas
S., einem liberalen Geistlichen, erzogen, zuerst Zivilingenieur,
sodann Journalist und (von 1848 bis 1859) M=tarbeiter an dem von J.
Wilson herausgegebenen "Economist", an der "Westminster" und
"Edinburgh eview" und andern Zeitschriften, endlich
philosophischer Schriftsteller und Begrnder eines eignen
Systems, das er als Evolutions- oder Entwickelungsphilosophie
bezeichnete. Seine erste bedeutende Schrift war eine Statistik der
Gesellschaft unter dem Titel: "Social statics" (1851, 1868) nebst
einem Auszug daraus: "State education self defeating" (1851),
welcher die "Principles of psychology" (1855) folgten; 1860 begann
er nach dem Vorb$
ner Rhrchen nach
auen, erhrtet an der Luft schnel zu einem Faden und
wird unter Beihilfe der Fuklauen zu dem bekannten Gespinst
verwebt. Das Nervensystem besteht aus dem Gehirn und aus einer
gemeinsamen Brustganglienmasse. Hinter dem Stirnrand sehen acht,
seltener sechs kleine Punktaugen in einer nach den Gattungen und
Arten verschiedenen Anordnung. Der Darmkanal zerfllt in
Speiserhre, Magen mit fnf Paar Blindschluchen und
Darm, in welchen die Lebergnge und zwei verstelte
Harnkanle mnden. Der Lebersaft wirkt hnlich dem
der Bauchspeicheldrse der hhern Wirbeltiere. Die
Atmungsorgane sind meist eigentmliche sogen.
Fchertracheen oder Tracheenlungen (s. Tracheen), auch
Lungensckchen genannt; doch finden sich auerdem auch
wohl noch gewhnliche Tracheen. Das Blut fliet aus
einem pulsierenden, im Hinterleib gelegenen
Rckengef durch Arterien nach den
Gliedmaen und dem Kopf, umsplt zurckkehrend die
Lungensckchen und tritt durch dreiPaar seitliche
Spaltffnungen in das Rckengef zurck.
All$
d die geistige Verstimmung durch zweckmige
psychische Behandlung, besonders durch geregelte Thtigkeit,
zu heben suchen.
Spleiofen, s. Kupfer, S. 320.
Splen (lat.), Milz; Splenalgie, Milzstechen; Splenitis,
Milzentzndung.
Splendid (lat.), glnzend, prchtig,
prachtliebend, viel aufgehen lassend; beim Buchdruck s. v. w. weit,
gerumig gesetzt (Gegenteil: kompre).
Splint (Splintholz), s. Holz, S. 669; im Bauwesen s. v.
w. Schliee, s. Anker, S. 597?
Splintkfer, s. Borkenkfer.
Splissen, die Vereinigung zweier Tauenden, welche zu dem
Zweck aufgedreht wrden, so da die einzelnen Kardeele oder
Garne frei liegen; letztere werden demnchst mit Hilfe des
Marlpfriems zwischen die Kardeele der nicht aufgedrehten Teile der
Taue gearbeitet, derart, da die fertige Splissung keinen
wesentlich grern Durchmesser erhlt als das
Splihorn, ein als Gef zum
Mitfhren von Talg benutztes Kuhhrn, welches, am Gurt
getragen, neben dem Messer und Marlpfriem, dessen Spitze vor dem
Gebrauch mit Talg eingefettet wird, das Hand$
 Bildung,
wie bei dem S. der Rose. In den meisten Fllen sind die
Hautstacheln geflos, bisweilen, z. B. bei den Stacheln
auf den Kapfeln des Stechapfels und der Rokastanie,
fhren sie Gefbndel.
bergangsbildungen zwischen den Haut- und Blattstacheln finden
sich bei den Kakteen, deren Stacheln aus den Vegetationspunkten der
Achselknospen wie wahre Bltter, jedoch ohne deren
Entwickeungsfhigkeit, hervorgehen. Unter den Blattstacheln
bilden sich einige durch Metamorphose von Nebenblttern, z. B.
d4e Stacheln der Robinie; andre gehen aus umgewandelten Blattteilen
hervor (Blattzahnstacheln), wie die Stacheln der Stechpalme, welche
Gefbndel und Blattparenchym enthalten. Eine
dritte Gruppe besteht aus denen, die durch Umwandlung eines ganzen
Blattes entstehen, wie die gefiederten Stacheln von Xanthium oder
die dreigeteilten Stacheln der Berberitze, aus deren Achseln
Laubsprosse entspringen. Ebenso verschieden ist auch der Ursprung
der Kaulomstacheln oder Dornen; es knnen
berzhlige Knospen, wie bei Gen$
Nahrung, die in allerlei
Pflanzenstoffen besteht. Alle Bewegungen des Stachelschweins sPnd
langsam und unbeholfen, nur im Graben besitzt es einige Fertigkeit.
Im Winter schlft es tagelang in seinem Bau. Vollkommen
harmlos und unfhig, sich zu verteidigen, erliegt es jedem
geschickten Feind. Es ist stumpfsinnig, aber leicht erregbar.
Gereizt grunzt es, strubt die Stacheln und rasselt mit
Stachelschweinaussatz - Stadion.
selben, wobei oft einzelne ausfallen, was zu der Fabel
Veranlassung gegeben hat, da es die Stacheln
fortschieen knne. In der Not rollt es sich wie ein
Igel zusammen. Die Paarung erfolgt im Frhjahr, und 60-70 Tage
nach der Begattung wirft da Weibchen in einer Hhle 2-4
Junge, deren kurze, weiche Stacheln sehr bald erhrten und
ungemein schnell wachsen. In der Gefangenschaft wird es leicht
zahm, hlt sich gut, pflanzt sich auch fort, bleibt aber stets
scheu und furchtsam. Italiener ziehen mit gezhmten
Stachelschweinen von Dorf zu Dorf. Man it sein Fleisch und
benutzt die Staheln zu manch$
stndige Staaten sind, ihre Selbstndigkeit verloren.
Inzwischen waren namentlich die Residenzstdte der
Frsten zur Blte gekommen, die sich um so schneller und
glnzender entwickelte, je entschiedener die
Frstengewalt der Mittelpunkt des politischen Lebens in
Deutschland wurde. Im 19. Jahrh. aber hat nicht nur der Bau von
Eisenbahnen, sondern auch der Aufschwung im Bergbau, in der
Fabrikthtigkeit und imZHandel dem Stdtewesen in
Deutschland einen ungeahnten Aufschwung gegeben. Stdte,
welche im Mittelpunkt wichtiger Eisenbahnnetze, ergiebiger Bergbau-
und Industriebezirke liegen, haben ihre Bevlkerung bisweilen
verzehnfacht.
Einen bedeutenden Aufschwung hatte das Stdtewesen
frhzeitig in Italien genommen. Die einzelnen Einwohnerklassen
traten in Vereinigungen zusammen, so in Mailand die vornehmen
Lehnsleute, die Ritter und Vollfreien, und erwarben zu Ende des 11.
Jahrh. fr ihre Vorsteher (consules) die Verwaltung und
Gerichtsbarkeit innerhalb der S. Friedrich I. hatte den Anspruch
erhoben, diese Cons$
st von Sachsen, Herzog von
Warschau, verlieh ihn wieder. Kaiser Alexander, als Knig von
Polen, erneuerte ihn 1815 und teilte ihn in vier Klassen; Kaiser
Nikolaus I. verleibte ihn 1831 den russischen Orden ein und
beschrnkte ihn 1839 auf drei Klassen (die zweite mit zwei
Unterabteilungen mit und ohne Krone). Er kommt im Rang nach dem St.
Annenorden. Die Dekoration ist ein rot emailliertes achtspitziges
Kreuz mit goldenen Kugeln und goldenen Halbkreisen zwichen den
Spitzen sowie goldenen Adlern zwischen den Armen. Der wei
emaillierte Mittelschild, von grnem Lorbeer eingefat,
trgt in Rot die Chiffer S. S. (Sanctus Stanislaus). Der
Revers trgt dieselbe Inschrift auf Gold mit weiem
Rand. Der achtstrahlige Silberstern trgt die Devise:
"Praemiando incitat". Der Orden wird in der blchen Weise an
dunkelrotem Band mit doppelter weier Einfassung getragen.
Fr eine bestimmte Anzahl von Rittern ist eine Pension mit dem
Orden verbunden, dessen Fest 23. April gefeiert wird.
Staniza (russ.), s. v. w. Kosakenansie$

sogen. grnen S. oder das Glaukom s. d. Bei dem schwarzen S.
unterscheidet man herkmmlich: Amblyopie, Stumpf- oder
Schwachsichtigkeit, und Amaurose (besser Anopsie), vllige
Blindheit. Beide kommen zu stande zum Teil in der Form von Hemiopie
durch Erkrankung der Netzhaut oder des Sehnervs an irgend einer
Stelle seines Verlaufs ode des Gehirns selbst. Liegt die erkrankte
Stelle hinter dem Eintritt des }ehnervs in die Netzhaut, so
lt sich die Ursache des schwarzen Stars durch den
Augenspiegel nicht erkennen. In den meisten Fllen hat der
schwarze S. einen langsamen Verlauf, entsteht unmerklih, nimmt
ganz allmhlich zu und geht schlielich in
vollstndige Erblindung ber; doch kommt es auch vor,
da er auf einer gewissen Stufe der Entwickelung stehen
bleibt oder selbst rckgngig wird. Selten bildet er sich
in sehr kurzer Zeit aus oder tritt selbst pltzlich nach Art
eines Schlaganfalls auf, namentlich dann, wenn sich die Netzhaut
durch einen Blutergu oder durch ein Entzndungsprodukt
von der Gefhaut des $
lukkenkrebse (Limulus) beobachtet worden. Von Fischen der S.
findet man Zhne und Rckenstacheln besonders
hufig. Sie gehren Haien an, wenn auch Abteilungen,
welche in der Jetztwelt teils ganz erloschen, teils nur durch
wenige Formen vertreten sind (Orodus. Tristychius
Steinkohlengash - Steinla.
und Cochliodus, s. Tafel I). Di Ganoidengeschlechter
Palaeoniscus und Amblypterus kommen in sehr zahlreichen
vollstndigen Exemplaren in Schichten (Lehbach im SZaarbecken)
vor, welche jetzt dem Rotliegenden beigezhlt werden. - Die
vulkanische Thtigkeit lieferte whrend der
Steinkohlenperiode Diabase (in Schottland, England, Frankreich, an
einzelnen Punkten Deutschlands), Felsitporphyre (Sachsen,
Niederschlesien, Frankreich), seltener Diorite, Pechsteine und
Melaphyre, whrend die eigentliche Eruptionszeit der zuletzt
genannten erst in die Dyasperiode fllt. Namentlich die
Diabase sind durch Decken und Tuffe, welche sich zwischen die
karbonischen Gesteine einschalten, besonders hufig als
zweifellos gleichzeitige B$
e (zwischen zwei Vergletscherungen
fallende wrmere Zwischenperiode) bewohnt hat, zeigen die
Funde von der Schussenquelle (Oberschwaben), bestehend in einer
nordische oose enthaltenden, unmittelbar auf der
Rheingletschermorne gelegenen Kulturschicht, da der
Mensch hier whrend der letzten Vergletscherungsepoche lebte.
DieNahrung des paloli`hischen Menschen bestand aus dem
Fleisch der erwhnten Tiere und aus Fischen; auch das
diluviale Pferd hat, wie die Funde zahlreicher, zur Gewinnung des
Knochenmarks aufgeschlagener Pferdeknochen beweisen, als
Nahrungsmittel des Menschen der ltern S. eine wichtige Rolle
gespielt. Auer den Hhlen dienten ihm Erdgruben und aus
Fellen hergerichtete Zelte als Wohnungen. Da er die Felle
des erlegten Wildes mit Hilfe von Tiersehnen zur Kleidung
aneinander nhte, deuten die in diluvialen Hhlen
gefundenen Knochennadeln an, welche durch langen Gebrauch abgenutzt
sind. Man fand auch Stcke farbiger Erde zum Bemalen des
Krpers und zum Teil hchst primitive
Schmuckgegenstnde ($
knpft wird; 4) der Wert- (Gradations-, Proportional-)
S., welcher sich nach dem durch die steuerpflichtige Urunde
reprsentierten Wert richtet und in Prozenten des letztern
oder auch mit Abrundung der Prozenthhe in festen
Betrgen fr gewisse Klassen (klassifizierter
Wertstempel) erhoben wird. Gegen Stempelflschungen
schtzt man sich durch knstliche Herstellung der
Stempelzeichen (geschpftes Papier, Wasserzeichen etc.), gegen
Umgehungen dienen Kontrolle und Strafe. Die Strafe kann dadurch
verschrft werden, da das vorgenommene
Rechtsgeschft fr nichtig erklrt wird. Da
hierdurch jedoch auch leicht Unschuldige getroffen werden, so
begngt sich die Stempelgesetzgebung meist mit Geldstrafen,
whrend die Gltigkeit des Rechtsgeschfts nicht
weiter angefochten wird. Vgl. Stempelsteuern.
Stempel (Pistill), das weibliche Organ in den
Blten, sH. Blte, S. 67 f.
Stempelakte, brit. Gesetz, 22. Mrz 1765 fr
die nordamerikanischen Kolonien gegeben, angeblich behufs
Aufbringu2ng einer Summe zur Verteidigung der $
on Doppelsternen haben hauptschlich W. Herschel, W.
Struve und I. Herschel geliefert; den des letztern (mit 10,300
Doppel- und vielfachen Sternen) haben Main und Pritchard im 40.
Bande der "Memoiren der Londoner Astronomischen Gesellschaft"
(Lond. 1874) verffentlicht. Kataloge der vernderlichen
Sterne haben Schnfeld (1866 u. 1874), Dreyer (1888) und
Chandler (1889) geliefert.
Sternkegel, s. Globus, S. 436.
Sternkrant, s. Stellaria.
Sternkreuzorden, sterreich. Frauenorden, 18. Sept.
1668 von der Kaiserin Eleonore, zur Erinnerung an ein verlornes und
wiedergefundenes Reliquienkreuz, fr adlige Damen zur
Frderung der Andacht zum heiligen Kreuz, des tugendhaften
Lebens und wohlthtiger Handlungen gestiftet. Die Zahl der
Damen ist unbeschrnkt, alter Adel unbedingt erforderlich.)Die
Ernennungen gehen von der Gromeijsterin des Ordens, "der
hchsten Ordensschutzfrau", immer einer sterreichischen
Erzherzogin, aus. Die Dekoration, welche viermal gendert
wurde, besteht jetzt in einem kaiserlichen Adler, auf w$
ziantengebhr, die ffentlichkeit des
Steuerverfahrens, Begehung von gegenstzlichen Interesenten
bei der Einsteuerung etc. Mitte der 80er Jahre waren die
an direkten Steuern Mill. Mk. %
an indirekten Steuern Mill. Mk. %
aus andern Quellen Mill. Mk. %
pro Kopf d. Bevl-kerung Mark
Deutsches Reih nebst Gliederstaaten 260 13 600 29 1240 59 30 70
sterr.-Ungarn 280 21 670 49 410 31 30 70 26,00
Ruland 250 19 780 60 270 30 25 75 11,00
Italien 310 25 590 44 410 21 36 64 29,80
Frankreich 340 14 1800 74 290 18 15 85 56,80
Grobritannien. 270 15 1170 67 310 12 21 79 41,00
Vgl. Gebhren, Zlle, Aufwandsteuern sowie die
verschiedenen Artikel ber die einzelnen S.
[itteratur.] Auer den unter "Finanzwesen" angegebenen
Werken vgl. Hofmann, Die Lehre von den S. (Berl. 1840); v. Hock,
Die ffentlichen Abgaben und Schulden (Stuttg. 1863);
Frstemann, Die direkten und indirekten S. (Nordh. 1868);
Schffle, Die Grundstze der Steuerpolitik (Tbing.
1880); Roscher, System der Finanzwissenschaft (Stuttg. 1886);
Kaizl, Die Leh$
n rechts nach links durchgesteckt, worauf
sich der beschriebene Vorgang abwechselnd von links und rechts
wiederholt. In neuester Zeit ist fr die S. eine neue
Grundlage dadurch gewonnen, da man, wie bei den
Nhmaschinen, Nadeln mit dem hr an der Spitze und kleine
Schiffchen zum Durchbringen eines zweiten Fadens anwendet, also die
Sticknhmaschine nachahmt. Vgl. Jck, Die rationelle
Behandlung der S. (3. Aufl., Leipz. 1886).
Sticknhm0aschine, zum Sticken kleiner Muster
eingerichtete Nhmaschine, besteht aus einer gewhnlichen
Nhmaschine, auf deren Nhplatte der Stoff, in einen
Stickrahmen ingespannt, durch Fhrung des letztern
vermittelst eines Storchschnabels, wie bei den Stickmaschinen,
unter der Nadel hin- und hergeschoben wird, so da die
Figuren durch Plattstich entstehen.
Stickoxyd und Stickoxydul, s. v. w. Stickstoffoxyd, resp.
Stickstoffoxydul.
StickseCide, s. v. w. Plattseide.
Stickstoff (Stickgas, Azot, Luftgas, Nitrogenium) N,
chemisch einfacher Krper, findet sich in der Atmosphre
(79 Volumpro$
tzlichen Tode der Kinder durch
Erstickung. Sobald sich ein Anfall einstellt, soll man das Kind
aufrichten, ihm Wasser in das Gesicht spritzen, khle Luft
zufcheln, den Rcken reiben und ein Klystier von
Kamillen-oder Baldrianthee setzen. Auch ist es gut, einen Senfteig
vorrtig zu halten, um denselben, sobald der Anfall eintritt,
in die Magengrube zu legen. In der freien Zwischenzeit mu
man alle Unregelmigkeiten in der Verdauung beseitigen,
den Stuhlgang regulieren und fr eine mglichst
zweckmige Ernhrung des Kindes sorgen.
Stimmung, in der Musik s. v. w. Feststellung der
Tonhhe und zwar 1) Feststellung der absoluten Tonhhe,
d.h. der Schwingungszahl ines Tons, nachdem die brigen
gestimmt werden. In ltern Zeiten hatte man verschiedene
Stimmungen fr verschiedene Instrumente: die einen waren in
den Chorton (s. d.), die andern in den Kammerton (s. d.) gestimmt;
in der neuern Zeit bediente man sich algemein des Kammer7tons (vgl.
A). Indessen war nicht nur die Tonhhe des letztern an
verschiedenen Ort$

Einnahmen und Ausgaben vorhanden sein, und in der That haben genaue
Versuche ergeben, da bei Berechnung des Gehalts der Nahrung
und der Ausscheidungsstoffe an Kohlenstoff, Wassersoff,
Sauerstoff, Stickstoff und Salzen im wesentlichen dieselben Zahlen
erhalten werden. Ein gut bekstigter gesunder Mensch verliert
in 24 Stunden bei ig bewegter Lebensweise durch die
Atmung etwa 32, die Hautausdnstung 17, den Harn 46,5, den Kot
4,5 Proz. der gesamten Exkretionsmasse, und zwar scheidet die
Atmung aus: Wasser 330, Kohlensure 1230, die
Hautausdnstung Wasser 660, Kohlensure 9,8, der Harn
Wasser 1700, Harnstoff 40, Salze 26 g, der Kot Wasser 128, andre,
meist organische Substanzen 53 g. Die Bilanz zwischen Einnahmen und
Ausgaben des Krpers bezieht sich auf den
Durchschnittsmenschen, der weder ungewhnlichen
uern Einflssen ausgesetzt ist, noch von
einzelnen Funktionen, namentlich der Muskelthtigkeit, einen
einseitigen Gebrauch oder Nichtgebrauch macht. Derselbe vollbringt
ein bestimmtes Mittelma der Leist$
he Mnner an, darunter der
Kabinettssekretr Guldberg und der General Rantzau-Aschberg
Am frhen orgen des 17. Jan. 1772 drangen diese Verschwornen
in das Schlafzimmer des Knigs und zwangen denselben zur
Unterzeichnung des Befehls zur Verhaftung der Knigin,
Struensees und Brandts. S. ward in Ketten auf die Cistadelle
gebracht und eines Anschlags gegen die Person des Knigs, um
ihn zur Abdikation zu zwingen, des strafbaren Umgangs mit der
Knigin, der Anmaung und des Mibrauchs der
hchsten Gewalt angeklagt. Auf sein Gestndnis eines
verbrecherischen Umgangs mit der Knigin begab sich eine
zweite Kommission zur Knigin nach Kronborg, um aus dieser ein
gleiches Gestndnis herauszulocken, was auch gelang. Die
knigliche Ehe ward getrennt, S. aber "eines groen,
todeswrdigen Verbrechens wegen" 6. April zu grausamer
Hinrichtung verurteilt. Ebenso lautete das Urteil gegen Brandt als
Genossen Struensees. Nachdem der Knig das Urteil
besttigt hatte, erfolgte 28. April 1772 die Exekution, indem
ihnen erst die re$
rofessor und Mitdirektor des philologischen Seminars an der
Universitt Breslau wirkend und 1889 zum Geheimen
Regierungsrat ernannt, starb er daselbst 9. Aug. 1889. S. ist
hochverdient um die lateinische Palographie und die Kritik
des Plautus sowie um die griechischen Musiker und Metriker. Er
verffentlichte: "De canticis Plautinis"
(Inauguraldissertation, Berl. 1864), "Studien auf dem Gebiet des
archaischen Lateins" (Bd. 1, das. 1873), "Analecta Liviana" (mit
Th. Mommsen, Leipz. 1873), "Gaji institutionum codicis Veronensis
apographum" (das. 1874), eine Handausgabe des Gajus (mit P.
Krger; 2. Aufl., Berl. 1884), "Anecdota varia graeca musica,
metr)ica, grammatica" (das. 1886) und zahlreiche Abhandlungen,
besonders zu Plautus, von dessen "Vidularia" er auch eine Ausgabe
besorgte (Greifsw. 1870, 2. Aufl. 1883).
Student (lat.), s. Studieren.
Studer, Bernhard, Geolog, geb. 2. Aug. 1794 zu
Bren im Kanton Bern, studierte anfangs in Bern Theologi,
wandte sich aber mathematischen und naturwissenschaftlichen Stu$
k gehrige Berg (s. d.) mit
knigl. Villa, die knigl. Lustschlsser Rosenstein
und Wilhelma; gegenber die Stadt Kannstatt (s. d.); im
Sden die Silberburg, ein Vergngungsort der Bewohner von
S.; ber derselben die 340 m hohe Reinsburg mit schnen
Villen am Abhang; weiterhin die Uhlandshhe ber dem
Schiehaus, 350 m . M., mit Anlagen, einem Pavillon und
der Uhlandslinde; ferner der Bosper, 481 m . M., und die
Schillerhhe, 1n deren Nhe das Dorf Degerloch (s. oben);
im SW. der Stadt das Jgerhaus mit Aussichtsturm,
smtlich mit schner Aussicht; das Lustschlo
Solitde mit Wildpark; endlich die Feuerbacher Heide.
Urkundlich kommt S., das seinen Namen von einem Gesttgarten
oder Fohlenhof fhrt, zuerst 1229 vor. 1312 wurde es dem
Grafen Eberhard entrissen und !rgab sich an Elingen, wurde
jedoch 1316 wieder ausgeliefert. Seitdem haben die Grafen von
Wrttemberg hier ihren Sitz gehabt und es 1482 zur Hauptstadt
der wrttembergischen Lande gemacht. Doch verlegte Herzog
Eberhard Ludwig 1727 und nochmals Kar$
er
ersten in Alexinatz ein. 1877 ward er zum Muschir und
Oberkommandanten von Bosnien und der Herzegowina ernannt,
verproviantierte Nikschitz und rckte in Montenegro ein, wurde
aber im Juli, als die Russen in Rumelien eindrangen,
zurckgerufen. Er warf dieselben bei Eski Zagra zurck,
griff sie 21.-26. Aug. vergeblich im Schipkapa/ an, woei er
seine vortreffliche Armee zu Grunde richtete, setzte auch im
September seine Angriffe hartnckig fort, ward 2. Okt.
Oberbefehlshaber der Donauarmee, richtete aber nichts aus und ging
im Januar 1878 mit einem Teil derselben ber den Balkan
zurck. Bei Philippopel ward 16. und 17. Jan. sein Heer
vllig zersprengt, S. im Mrz zu Konstantinopel verhaftet
und vor ein Kriegsgericht gestellt und 2. Dez. besonders wegen
seines Verfahens in Rumelien zur Degradation und zu 15 Jahren
Festung verurteilt, aber vom Sultan begnadigt. Er starb 15. April
1883. Vgl. Macrides, Procs de S. (Konstant. 1879).
Sulfat, s. v. w. schwefelsaures Natron; in der
Frberei s. v. w. schwefelsaure $
n und Oxford und schlo sich schon auf der
Hochschule einer Gruppe junger Mnner an, die den Zweck
verfolgte, die englische Kunst umzugestalten. Ohne seine
Universittsstudien zu beenden, begab er sich dann auf Reisen
und brachte einige Zeit in Florenz bei dem greisen Dichter W.
Saage Landor zu, welchem er seitdem die grte
Bewunderung erwies. hnliche Bewunderung hat er immer fr
Victor Hngo und fr Mazzini ausgesprochen. Er trat zuerst 1860
mit den Dramen: "The queen mother" und "Rosamond" auf, die aber
kaum Beachtung fanden. Dagegen erregte er bald darauf durch seine
von glhender Sinnlichkeit und politischem und religisem
Radikalismus erfllten, aber vom hchsten Wohllaut
getragenen Dichtunge ("Poems and ballads", 1866) einen Sturm
ebensowohl sthetischer Bewunderung wie sittlicher
Entrstung, welch lettere sich so entschieden aussprach,
da S. sich in einer besondern Schrift: "Notes on poems and
reviews" (1866), verteidigte, sein Buch aber dem fernern Vertrieb
durch den Buchhandel entzog. Gegenwrtig $
Rmer" fr die Rmer, "Kiel" fr Schiff,
"Jugend" fr junge Leute, "Eisen" fr Schwert etc.
Synepheben (griech.), Jugendgenossen.
Synergiden, s. Embryosack, S. 598.
Synergismus (griech.), die dogmatische Ansicht, wonach
der Mensch zu seiner Bekehrung "mitwirken" msse. Einst hatte
Augustinus im Gegensatz zum Pelagianismus (s. d.) und
Semipelagianismus (s. d.) alle derartige Mitwirkung verworfen, und
dieser Ansicht folgte Luther, whrend Melanchthon den Anteil
der menschlichen Willenskraft je lnger, desto bestimmter in
die erhaltene Fhigkeit setzte, der gttlichen
Gnadenwirkung zuzustimmen. Dieselbe Vorstellung war in das
Leipziger Interim bergegangen, und mehrere Theologen,
darunter V. Strigel (s. d.), begnstigten sie. Aber erst
seijdem Joh. Pfeffinger (s. d.) in Leipzig ("De libero arbitrio",
1555) sich fr aieselbe erklrt hatte, begannen Amsdorf
und Flacius zu Jena 1558 den sogen. synergistischen Streit. Die
Wittenberger nahmen fr Pfeffinger Partei, whrend der
herzogliche Hof im sogen. Konfutationsb$
oseph I. entworfen" das. 1874). Nach seinem Tod erschienen.
"Bronzen der italienischen Renaissance" (1878).
Teisendorf, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern,
Bezirksamt Laufen, an der Sur und dem Fu der Alpen sowie an
der Linie Mnchen-Rosenheim-Salzburg der Bayrischen
Staatsbahn, hat eine kath. Kirchee, berfrsterei,
Bierbrauerei und 630 Einw. In der Nhe die Schloruine
Raschenberg und Spuren der Rmerstrae von Augsburg nach
Teisserenc de Bort (spr. t'rang d'bor),
Pierre Edmond, franz. Staatsmann, geb. 1814 zu Chateauroux, ward
auf der polytechnischen Schule gebildet, dann Ingenieur bei der
Verwaltung des Tabaksmonopols, darauf Regierungskommissar bei
verschiedenen Eisenbahngesellschaften, Mitgrnder der Bahn
Paris-Lyon-Mittelmeer, im Februar 1871 Mitglied der
Nationalversammlung, wo er sich den konservativen Republikanern
anschlo, war vom April 1872 bis 24. Mai 1873 Minister der
ffentlichen Arbeiten, wurde 1876 Mitglied des Senats und war
vom Mrz 1876 bis 16. Mai 1877 und 13. Dez. 1877 bis$
tstadt
Turnu-Magurele.
Teleosaurier, krokodilhnliche Reptilien der
Juraperiode.
Teleostei (Knochenfische), Ordnung der Fische (s.d., S.
Telepathie (griech., Fernfhlung,
Fernegefhl"), neuerdings in Aufnahme gekommene Bezeichnung
fr das angebliche Vermgen einzelner Personen,
rumlich oder zeitlich entfernte Vorgnge :zu empfinden.
Vgl. Gedankenlesen und Zweites Gesicht.
Telephon (griech.), s. Fernsprecher.
Telephorus, s. Schneewrmer.
Telephos, im griech. Mythus ein Arkadier, Sohn des
Herakles und der Auge, einer Priesterin der Athene, ward von seiner
Mutter ausgesetzt, aber von einer Hirschkuh gesugt und von
dem Knig Korythos erzogen. Beim Knig Teuthras von
Mysien fand er spter die Mutter und ward Schwiegersohn und
Nachfolger des Knigs. Als auf dem Zug gegen Troja die
Hellenen Mysien angriffen, besiegte sie T., ward aber dabei von
Achilleus verwundet. Da die Wunde nicht heilen will und das Orakel
verkndet, da sie nur der heilen knne, der sie
geschlagen habe, wendet er sich nach Argos, wohin die G$
stern der unbeschuhten
Karmeliterinnen den Orden in seiner ursrnglichen Reinheit
wieder her und hatte schwere Verfolgungen von seit\n der Karmeliter
der laxen Observanz auszustehen, die selbst gegen sie einen
Ketzerproze anstrengten. Sie starb 1582 im Kloster zu Alba
de Liste in Altkastilien und ward 1622 kanonisiert. Ihre bei den
katholischen Mystikern in hohem Ansehen stehenden
Erbauungsbcher (die berhmtesten: "Selbstbiographie",
"Seelenburg" u. a.), in denen sie in Visionen und ekstatischen
Zustnden schwelgt, wurden in fast alle europischen
Sprachen bersetzt, ins Deutsche von Schwab (3. Aufn.,
Regensb. 1870, 5 Bde.) und L. Clarus (2. Aufl., das. 1866-1868, 5
Bde.). Ihre Briefe ("Cartas de Santa Teresa de Jesus") erschienen
in 4 Bnden (Madr. 1793; deutsch in den genannten Ausgaben).
Vgl. Psl, Das Leben der heil. T. (2. Aufl., Regensb. 1856);
Hofele, Die heilige T. (das. 1882); Pingsmann, Santa Teresa de
Jesus (Kln 1886).
Theresienorden, bayr. Damenorden, gestiftet 12. Dez. 1827
von der Knigin The$
nw.
Thiessow, Dorf und Seebad im preu.
Regierungsbezirk Stralsund, Kreis Rgen, auf der
Sdspitze der Halbinsel Mnchgut, hat eine Lotsenstation
und 189 Einwohner.
Thietmar (Dietmar), Bischof von Merseburg,
Geschichtschreiber der Zeit der schsischen Kaiser, geb. 976
als Sohn des Grafen Siegfried von Walbek, mit dem schsischen
Kaiserhaus verwandt, im kaiserlichen Stift zu Quedlinburg, im
Klosterberge und in Magdeburg gebildet, wurde 1002 Propst des von
seinem Grovater gestifteten Klosters Walbek, 1009 Bischof
von Merseburg und starb 1. Dez. 1019. Er schrieb eine Chronik in
acht Bchern, welch" die Geschichte von 908 bis 1018
umfat und an die Geschichte Merseburgs, Sachsens und der
Wendenkriege wertvolle Mitteilungen zur Reichsgeschichte
anschliet. T. ist in der Geschichte seiner Zeit gut
unterrichtet, wahrheitsliebend und anschaulich in der Darstellung;
namentlich sind die drei letzten Bcher (1014-18) fast wie ein
Tagebuch. Weniger gut ist sein lateinischer Stil und die
Komposition, da 9er immer neue Z$
een, da es nach aller Wahrscheinlichkeit
Handschriften gibt, die ber die Zeit des T. hinausgehen,
womit freilich nicht gesagt ist, da gerade Gersen der
Verfasser wre.
Thomaschristen, s. Thomas (Apostel) und Nestorianer.
Thomasin von Zirklre, mittelhochdeutscher Dichter,
aus Friaul, verfate 1215-16 ein Lehrgedicht in zehn
Bchern. "Der welsche Gast", d. h. der Fremdling aus
Welschland (hrsg. von Rckert, Quedlinb. 1852), eine
umfassende, auf die hfischen Kreise berechnete
Tugendlehre.
Thomasius, 1) (Thomas) Christian, deutscher Rechtslehrer,
geb. 1. Jan. 1655 zu Leipzig, studierte daselbst die Rechte und
Philosophie, trat dann als akademischer Lehrer auf und hielt (1688)
die ersten Vorlesungen in deutscher Sprache. Seine
Freimtigkeit zog ihm viele Feinde unter den Theologen zu, und
schon ar in Dresden ein Verhaftsbefehl gegen ihn ausgewirkt, als
er ber Berlin 1690 nach Halle entfloh, wo er an der
Ritterakademie Vorlesungen begann. Spter (1694) wurde er an
der zum Teil durch seine Mitwirkung neugeg$
ne Heirat in freundschaftliche
Beziehungen rat; er verlegte die Residenz nach Lhassa. Unter Kri
Srongdetsan (744-786) stand T. auf der Hhe der Macht; bis an
den Mustag hin, unter Trken und Mongolen, verschaffte es sich
Achtung; die Himalajalnder wurden abhngig, mit China
ber die Grenze ein Vertrag geschlossen und dieser in eine
Denksule zu Lhassa eingeschnitten. Mchtig war noch
Ralpatschan (806-842); er lie die heiligen Schriften inS zwei
Sammlungen bringen (vgl. Tibetische Sprache), demtigte die
uern Feinde, darunter die Chinesen. Seine
Gunstbezeigungen an den Klerus hatten eine innere Revolution zur
Folge, der Knig wurde ermordet, dem fremden Kultus Abbruch
gethan und hierdurch Osttibet in kleinere Reiche zersplittert wie
auch den Chinesen geffnet. In diesen Wirren wurde von
Mitgliedern der Knigsfamilie eine Seitendynastie in Westtibet
gegrndet, Ladak (s. d.) und die angrenzenden Provinzen zum
Buddhismus bekehrt. 1206 und 1227 erhob Dschengis-Chan Tribut von
T.; im 14. Jahrh. trat Tsonkhapa$
uf den Titel eines Padischahs bei, durch welchen er eine
Souvernitt ber alle Frsten Hindostans
beanspruchte, und seine Hofhaltung wurde eine der glnzendsten
in Indien. Im Dezember 1,89 verbndeten sich die
Englnder mit seinen Nachbarn, eroberten 1790 und 1791 mehrere
feste Pltze in Maissur, schlossen T. im Februar 1792 in
seiner Hauptstadt Seringapatam ein und zwangen ihn zu einem
fr ihn hchst nachteiligen Friedensschlu. T.
schlo hierauf einen geheimen Bund mit Frankreich gegen
England. Dieses aber kam ihm im Februar 1799 mit der
Kriegserklrung zuvor, und T. fiel 4. Mai d. J. bei der
Erstrmung von Seringapatam durch die Englnder. Seiner
Familie ward die Festung Vellor, spter Kalkutta zum Wohnort
und eine jhrliche hohe Pension angewiesen, die 1860
abgelst wurde; jetzt ist die Familie in der Bevlkerung
aufgegangen. Vgl. "The history of Tippoo Sultan, written by Mir
Hussain Ali Khan" (bersetzt von Miles, Lond. 1844).
Tippu-Tipp (Tippo-Tib), eigentlich Hamed bin Mohammed,
arab. Grokaufmann u$
 Der
Kugeltorf (Freising 1867); Breitenlohner, Maschinenbacktorf
(Lobositz 1873); Hausding, Industrielle Torfgewinnung und
Torfverwertung (Berl. 1876); Derselbe, Die Torfwirtschaft
Sddeutschlands und sterreichs (das. 1878); Birnbaum,
Die Torfindustrie etc. (Braunschw. 1880); Stiemer, Der T. (Halle
Torfbeere, s. v. w. Vaccinium Oxycoccus.
Torfmoor, s. Torf.
Torfmoos, s. Sphagnum.
Torfstreu und Torfmull, aus der Faserschicht, welche in
einer Strke von 0,5 m den Brenntorf in den Heidemooren
bedeckt, auf besondern Maschinen dargestellte Fabrikate. Der Moos-
oder Fasertojf wird getrocknet und auf dem Reiwolf, einer
rotierenden, mit Spitzen besetzten Trommel, welcher ein ebenfalls
mit Spitzen besetztes Bret gegenbersteht, oder auf der
Torfmhle, die einer Kaffeemhle hnlich ist,
zerkleinert und dann durch Siebe in die faserige Torfstreu und den
pulverigen Torfmull getrennt. Erstere dient in der Landwirtschaft
als Ersatz der Strohstreu, ist billiger als diese, saugt die
Flssigkeit krftiger auf und liefert $
on hervorragender Bedeutung ist auch der T. des sogen. Ilioneus in
der Mnchener Glyptothek.
Torstensson, Linnard, Graf zu Ortala, schwed. Feldherr im
Dreiigjhrigen Kriege, geb. 17. Aug. 1603 zu Torstena
in Schweden, ward in seinem 15. Lebensjahr Page Gustav Adolfs, kam
1630 als Kapitn der Leibkompanie mit dem Knig nach
Deutschland, ward bei dem Sturm auf Wallensteins Lager bei
Nrnberg 3. Sept. 1632 gefangen, im Februar 1633
ausgewechselt, stand dann beim schwedischen Heer in Livland, kehrte
1635 nach Deutschland zurck, machte bis 1639 unter dem Herzog
Bernhard von Weimar und Banr alle Feldzge mit und
blieb dann als Reichsrat in Schweden bis 1641. Nach Banrs
Tod mit dem Oberbefehl ber die Armee
Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl., XV. Bd.
Torsus - Tory und Whig.
in Deutschland betraut, drang er, wiewohl durch Gichtleiden
stets an ie Snfte gefsselt, im Mai 1642 urch Sachsen in
Schlesien ein, nahm Glogau und Schweidnitz, rckte in
Mhren ein und eroberte Olmtz. Erzherzog Leopold und
Piccolomini zwangen $
eta, um Leopold zur Rckkehr einzuladen; dieser
ernannte 1. Mai von Gaeta aus den Generalmajor Serristori zu seinem
auerordentlichen Kommissar und berief am 24. ein neues
Ministerium unter der Prsidentschaft Baldasseronis. Schon 11.
Mai ward nach zweitgigem Widerstand Livorno, das bisher noch
Widerstand geleistet hatte, von den sterreichern unter
d'Aspre besetzt, und am 25. rckten dieselben in Florenz ein.
Der Groherzo proklamierte bei seiner Rckkehr 28. Juli
zwar eine umfassende Amnestie, schlo aber 27. April 1850 mit
sterreich eine Militrkonvention, der zufolge 10,000
Mann sterreicher bis auf weiteres in T. bleiben sollten. 1851
wurde mit Rom ein Konkordat ber Modifikation der
Leopoldinischen Gesetze abgeschlossen, welches der Kirche
unumschrnkte Freiheit gewhrte und den Staat in ihren
Dienst stellte; durch Dekret vom 8. Mai 1852 wurde die Konstitution
vm 17. Febr. 148 auer Geltung gesetzt und die Herstellung
der unumschrnkten Souvernitt verkndigt. Die
sterreichischen Truppen rumten T. $
Vervollkommnung seiner KennFnisse nach Paris und London gesandt,
dann dessen Privatsekretr, als derselbe Gouverneur der
Jonischen Inseln wurde. Im griechischen Freiheitskampf bekleidete
er, mit Ausnahme der Zeit der Prsidentschaft Kapo d'Istrias',
die wichtigsten Posten in der Verwaltung und der Diplomatie. Er war
unter der Regentschaft Konseilprsident, nachdem
Regierungsantritt des Knigs Otto zu zwei verschiedenen Malen
(185-38 und 1841-43) auerordentlicher Gesandter zu London,
nach der Revolution vom 15. Sept. 1843 Minister des
Auswrtigen und des ffentlichen Unterrichts, von 1844
bis 1849 Vizeprsident des Senats, auerordentlicher
Gesandter zu Paris whrend der Blockade der griechischen
Hfen durch die englische Flotte 1850 und dann zum drittenmal
in London. Whrend der Bewegungen in den 60er Jahren war er
wiederum verschiedene Male Mitglied der zahlreichen ephemeren
Ministerien. Er starb 24. Febr. 1873. T. geno auerdem
eines groen Rufs als Schriftsteller und Redner. Eine
groe Anzahl von ihm w$
mit Kathedrale,
Schloruinen, kleinem Hafen, Fischerei, Fabrikation von
Stiefelsohlen und Baumwolldecken und (1881) 5032 Einw.
Tropen (griech.), s. v. w. bildliche AusdrcJke,
durch welche der eigentliche Ausdruck mit dem uneigentlichen, die
Sache mit dem Bild vertauscht wird, um das Geistige zu
versinnlichen und das Sinnliche zu vergeistigen (s. Figur); daher
tropisch, s. v. w. bildlich, figrlich (Gegensatz:
kyriologisch). Die wichtigsten T. sind: Allegorie, Antonomasie,
Epitheton, Hyperbaton, Hyperbel, Ironie, Katachresis, Metalepsis,
Metapher, Metonymie, Onomatopie, Periphrasis, Rtsel und
Synekdoche. Vgl. Gro, Die T. und Figuren (2. Aufl., Leipz.
1888). - Im Gregorianischen Gesag heien T. die
4erschiedenen Gesangsformeln fr den Schlu der dem
Introitus angehngten kleinen Doxologie "Gloria patri et filio
et spiritui sancto sicut erat in principio et nunc et in secula
seculorum amen" (vgl. Evovae). - In der Astronomie heit
tropisch auf den Tierkreis bezglich;
Tropfen - Tropikvogel.
tropischer Umlauf$
r
sprlich Wasser fhrende Waube, von S. der gleichfalls
nicht bedeutende Mbulu und von SO. der allezeit wasserreiche Schari
in denselben. Der T. Iat einen sehr schwankenden Wasserstand, der
im November infolge der Flut des Schari am hchsten ist; seine
Ufer sind teilweise ganz unbestimmt, man schtzt seinen
Flcheninhalt aus 27,000 qkm (fast 500 QM.). Er hat eine
dreieckige Gestalt und besteht in seinem westlichen Teil aus
offenem Wasser, whrend der stliche nur ein netzartig
verzweigtes Gewirr on Wasseradern mit zahlreichen Inseln ist, auf
denen das Volk der Jedina oder Budduma haust. Sind di
Regenflle sehr stark, so mssen die Inselbewohner wohl
auf das Uferland flchten, whrend lange Trockenheit die
Vereinigung der Inseln mit dem Ufer herbeifhrt. Hufig
sind die Ortschaften an den Ufern durch die Anschwellungen des Sees
vernichtet worden. Nahe dem Westufer liegt Kuka, die Hauptstadt
Bornus. Die Umwohner sind Kanembu, Bornuaner, im SO. nomadisierende
Araber. Die ersten Europer, welche den See erblick$
r
Dichter Groes zu leisten. Fr seine Hauptwerke gelten:
"Krtk naucen mladmu
hospodri" ("Kurze Anleitung fr einen jungen
Hauswirt), ein didaktisches Gedicht mit Zgen derdamaligen
Sitten, und die ?Satire "Kupidova strela" ("Die Hoffart des
Lebens"), welche ihm bei Rudolf II. den Adel und einen Jahrgehalt
einbrachte; auch versuchte er sich in kirchlichen Dramen. Unter den
zahllosen kirchlichen Gesngen sind besonders die von dem
Bischof der Bhmischen Brder, Joh. Augusta (1500 bis
1572), grAtenteils im Gefngnis verfaten
schwungvollen Lieder hervorzuheben.
Auch in der tchechischen Prosa dieser Periode berwiegt die
theologisch-polemische Richtung, indem Kalixtiner, Katholiken und
spter Protestanten in kirchlicher Propaganda litterarisch
wetteiferten. Am wertvollsten sind die teils lateinischen, teils
tchechischen Schriften von Joh. Hu, dem Begrnder des
Protestantismus (1369-1415), von denen die letztern neuerdings von
Erben (Prag 1865-68, 3 Bde.) herausgegeben wurden. Auf katholischer
Seite zeic$
r Erasm. Vocel
(1803-71), Joh. Marek (1801-53), Jos. Kalina (1816-47), den unter
Byronschem Einflu stehenden Karl Hynek Macha (1810-36;
"Mj"), den vielseitigen Jaromir Erben (1811-70), der
indessen schon den bergang zu der neuen Richtung vermittelt.
Unter den Satirikern zeichneten sich Franz Rubes (1814-53) und Karl
Havlicek (1821-56) aus. - Die Anfnge des modernen
tschechischen Dramas knpfen sich\an das 1785 von Karl und
Wenzel Tham in Prag begrndete Liebhabertheater. Nep.
Stepnek (1783-1844) schuf durch zahlreiche originale oder
bersetzte Stcke das tschechische Repertoire; hher
stehen der fruchtbare Wenzel Klicpera (1792-1859) und Jos. Kajetan
Tyl (1808-56), dessen "Cestmir", "Pani Marjanka", "Strakonicky
dudak", "Jan Hus" u. a. sich auf dem Repertoire erhalten haben.
Noch sind zu erwhnen: S. Machacek (gest. 1846), Fr.
Turinsk (gest. 1852, Ferdinand Mikovec (gest. 1862). -
Auch das Gebiet des Romans (im Sinn W. Scotts) undder Novelle
wurde fleiig angebaut, so namentlich von Tyl, Rubes, K. I.
M$
alten sie noch
bedeutende Jahrgelder fr ihre im O. des Mississippi
abgetretenen Lndereien; auch Handwerkswerkfhrer werden
ihnen kontraktlich von der Zentralregierung geliefert. Zahlreiche
Missionre arbeiten unter ihnen mit gutem Erfolg, auch ihre
periodische Presse nimmt einen achtbaren Platz ein. ber die
Bedeutung ihres Namens ist man nicht im klaren. Gott nannten sie
Oonawleh Unggi ("den ltesten der Winde"). Nach Whipple
("Report on the Indian tribes") hatten sie einen der christlichen
Taufe hnlichen Ritus, der streng beobachtet wurde, weil s~onst
der Tod des Kindes die unvermeidliche Folge war. Auch besitzen Cie
phantastische Sagen von einer Sintflut, einer gehrnten
Schlange etc. Die T. bewohnten ursprnglich ein groes
Gebiet im Innern von Sdcarolina, Georgia und Tennessee,
lebten anfangs in gutem Einvernehmen mit den europischen
Kolonisten und erkannten 1730 die britische Oberhoheit an.
Spter kam es jedoch zu Kmpfen zwischen ihnen und den
Briten, die von beiden Seiten mit unmenschlicher Grau$
(slaw. Teplitz), in
herrlicher Lage an der Sdbahn, mit gleichartigen Thermen, gut
ei9gerichteten Bdern, Kurhaus etc. In der Umgebung
bedeutender Braunkohlenbergbau (im Becken von T.-Hrastnigg-Trifail,
jhrliche Ausbeute ber 4 Mill. metr. Ztr.), Glas- und
Chemikalienfabrik. Vgl. Brum, Das Mineralbad T. (Wien 1875).
Tuffkalk (Tuffstein), s. v. w. Kalktuff.
Tuffstein, s. v. w. Tuffkalk oder Kalktuff (s. d.), auch
vulkanischer Tuff (s. Tuff).
Tuffwacke, s. v. w. Tuff.
Tugla, Flu in Sdafrika, bildet die
Grenze zwischen Natal und dem Zuluand, mndet in den
Indischen Ozean.
Tugend, der Etymologie nach s. v. w. Tauglichkeit,
Tchtigkeit, dem jetzigen Sprachgebrauch nach insbesondere
diejenige Tchtigkeit, Ordnung und Harmonie des geistigen
Lebens, welche auf der zur Gewohnheit gewordenen Bettigung
der sittlichen Freiheit und Thatkraft beruht. Der Begriff der T.
entspricht durchaus dem Begriff des Sittengesetzes und der
moralischen Pflicht. Da nun diese in einer Mehrheit von Normen
bestehen, insofern das Wolle$
anderm
Weg erklrbar. berschwngerung ist aber beim
Menschen nur in den sehr seltenen Fllen denkbar, wenn eine
doppelte Gebrmutter vorhanden ist; doch ist auch fr
diesen Fall das Vorkommen der berschwngerung noch nicht
sicher beobachtet worden.
bergabe, s. Tradition.
bergangsformen, s. Darwinismus, S. 568.
bergangsgebirge (Grauwackegruppe), in der
ltern Geologie Bezeichnung der ltesten
versteinerungfhrenden Sedimente unter dem Steinkohlengebirge,
weil nach Ansicht Werners ihr Gesteine, insbesondere die
Thonschiefer, ohne bestimmte Grenze in ihre kristallinische
Unterlage bergehen, sie also gleichsam einen bergang
von seinem Urgebirge in die sekundren Sediente bildeten.
Nach jetzt gebruchlicher Nomenklatur entsprechen die
silurische und devonische Formation dem .
bergangssteuern (bergangsabgaben) werden in
Deutschland von solchen, im allgemeinen Verbrauchsseuergebiet
anders als in den sddeutschen Staaten belasteten
Gegenstnden (Branntwein, Bier, Malz) erhoben, welche die
Grenzen ihres Steu$
rung) zur
Ultimo - Ulva.
Ultimo (ital., abgek. ult.), der Letzte, er
Schlutag des Monats, im Brsenverkehr der bliche
Stichtag fr die Abwickelung von Differenzgeschften.
Daher per U. handeln und U.-Kurs, unter welchen zuweilen auch die
Liquidationskurse gemeint sind; U.-Regulierung, im
Brsenverkehr die Abwickelung der Ende eines bestimmten Monats
zu erfllenden Lieferungsgeschfte (vgl. Brse, S.
236 f.). ber U.-Wechsel s. Wechsel.
Ultimus (lat.), der Letzte (z. B. in einer Klasse).
Ultra (lat.), jenseit, darber hinaus, bezeichnet
berschreitung des rechten Maes, namentlich die
Parteirichtung desjenigen, welcher in Gesinnung und Handlung das
von der Vernunft und den Umstnden gebotene Ma
berschreitet. Daher nennt man Ultras die Anhnger aller
politischen Extreme, wie Ultraroyalisten, Ultrademokraten,
Ultrakonservative etc., und deren Richtung Ultraismus.
Ultramarin (Lasurblau, Azurblau), blauer Farbstoff, der
ursprnglich durch ein rein mechanisches Verfahren aus dem
Lasurstein gewonnen wurde und s$
he, mit der die beiden Teilfrchtchen
aneinander liegen, heit Fugenflch (Fig. B u. C, c),
die ihr entgegengesetzte, mnach auen gewendete die
Rckenflche. Letztere hat mehrere Lngsrippen,
sogen. Joche, und zwar zunchst fnf Hauptrippen (juga
primaria, Fig. B, 1, 2, 3), von denen allemal eine in der Mitte,
zwei an den Seiten, der Fugenflche zunchst, und je eine
zwischen diesen und der mittelsten Rippe stehen. Die Vertiefungen
zwischen je zwei Hauptrippen auf der Rckenflche
heien Thlchen (vallculae, Fig. B, t). In ihnen liegen
.in der Fruchtschale von oben nach unten gerichtete
lgnge, welche meist von auen als braune Striemen
(vittae) sichtbar sind, gewhnlich bei den einzelnen Gattungen
in bestimmter Zahl vorkommen, seltener fehlen; auch in beiden
Seitenhlften der Fugenflche pflegen Striemen
vorzukommen. Auer den Hauptrippen gibt es bei manchen
Gattungen auf der Rckenflche jedes Teilfrchtchens
noch 4 Nebenrippen (juga secundaria, Fig. C, 4, 5), welche zwischen
jenen aus der Mitte der Thlch$
andwirtschaft, Bierbrauerei,
Dampfmhle und Bezirksgericht.
Uugarisch-Brod, Stadt in Mhren, an der Eisenbahn
Brnn-Vlarapa, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und
eines Bezirksgerichts, an der lsawa, mit Mauern und Graben
umgeben, hat einen Dominikanerkonvent, ein frstlich
Kaunitzsches Schlo, ene Zuckerfabrik und (1880) 4435 Einw.
(646 Juden).
Ungarische Litteratur. Die Litteratur der Ungarn ist eine
verhltnismig sehr junge. Ihre
ununterbrochene Existenz und Entwickelung erstreckt sich kaum
ber einen Zeitraum von 110 Jahren; sie datiert eigentlich
erst vom Jahr 1772, und ihre Geschichte bis zu diesem Jahr
lt sich in wenige Bemerkungen zusammenfassen. Als die
Magyaren um 894 aus der sdrussischen Ebene in Ungarn
einbrachen, waren sie ein barbarisches Nomadenvolk ohne jegliche
Litteratur, mit Ausnahme jener Lieder und Heldensagen, deren auch
der wildeste Stamm nicht vllig entbehrt. Allein auch als sie
in Ungarn sehaft geworden waren, sich zum Christentum
bekehrt un~d aus Deutschland, Byzanz und Ita$
. Teil seines "Zendavesta"
(das. 1851). Vgl. ferner Ritter, Unsterblichkeit (2. Aufl., Leipz.
1866);Arnold Die U. der Seele, be>t+achtet nach den
vorzglichsten Ansichten des Altertums (Landsh. 1870);
Teichmller, ber die U. der Seele (Leipz. 1874);
Spie, Entwicklungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustand
nach dem Tod (Jena 1877); Henne-Am Rhyn, Das Jenseits (Leipz.
Uustrut, Flu in der preu. Provinz Sachsen,
entspringt auf dem Eichsfeld bei Kefferhausen unweit Dingelstdt,
fliet in mehreren Bogen von W. nach O. und mndet nach
einem Laufe von 172 km unterhalb Freiburg in die Saale. Sie
durchfliet meist schne Wiesengrnde und hat nur
steile und felsige Thalseiten von Klofter-Roleben bis zur
Mndung. Von Bretleben ab ist sie auf 72 km durch zwlf
Schleusen fr kleine Fahrzeuge schiffbar gemacht. Ihre
Nebenflsse sind rechts: die Gera, Gramme, Lossa, links: die
Helbe, Wipper, Kleine Wipper, Helme.
Unterbilanz, s. Defizit.
Unterbinduug (Ligatur), chirurg. Operation, bei welcher
man zu einem bestimmten He$
re. Der Prsident des
Regieungsrats fhrt den Titel Landammann. Daneben besteht,
gleichsam als legislatorisches Organ des Volkes, ein Kantonsrat,
der in den Gemeinden gewhlt wird. Eine Bezirkseinteilung
besteht nicht; die Zahl der Gemeinden betrgt sieben: Hauptort
ist Sarnen. Eine hnliche Verfassung, vom 2. April 1877, hat
Nidwalden, nur da der Landrat, entsprechend dem Obwaldner
Kantonsrat, auf sechs Jahre gewhlt wird und Regierungsrat und
Obergericht je aus elf Mitgliedern bestehen und auf je drei Jahre
gewhlt werden. Die Zahl der Gemeinden betrgt elf;b
Hauptort ist Stans. Fr den 1. Mai 1888 berechnet sich der
Vermgensbestand Obwaldens auf 496,961 Frank Aktiva, 99,150nFrank Passiva, also netto 397,811 Fr. Die Rechnung fr das
Betriebsjahr 1887/88 ergab 151,663 Fr. Einnahmen, 143,683 Fr.
Ausgaben, demnach einen berschu der erstern von nahezu
8000 Fr. In Nidwalden zeigt die Rechnung fr 1887: an
Einnahmen 177,944 Fr., an Ausgaben 161,660, also einen Saldo von
16,284 Fr., auf Ende 1887 ein reines V$
 v. Treubruch,
Unredlichkeit; im strafrechtlichen Sinn die absichtliche Verletzung
einer Rechtsverbindlichkeit, welche sich zugleich als Verletzung
besondern Vertrauens darstellt. In diesem Sinn straft das deutsche
Reichsstrafgesetzbuch ( 266) die von Bevollmchtigten,
Vormndern, obrigkeitlich oder letztwillig bestellten
Verwaltern fremden Vermgens, Feldmessern, Maklern,
Gterbesttigern und andern im Dienste dZes
ffentlichen Vertrauens stehenden Personen verbte U. mit
Gefngnis bis zu fnf Jahren und nach Befinden mit
Verlust der brgerlichen Ehrenrechte. Daneben kann, wenn die
U. begangen wurde, um sich oder einem an dern einen
Vermgensvorteil zu verschaffen, auch noch auf Geldstrafe bis
zu 3000 Mk. erkannt werden. Die von einem ffntlichen Beamten
verschuldete U. wird als Amtsverbrechen (s.d.) bestraft. Vgl. v.
Stemann, Das Vergehen der Unterschlagung u. der U.(Kiel 1870).
Unvermgen (Impotenz), s. Zeugungsvermgen.
Unverritzt, ein Gebirge oder eine Lagersttte
(unverritztes Feld), die durch Bergba$
rderte
Die besten Menschen mir zu Freunden auf,
Unmgliches mit einer edeln Schar
Nach Ihrem Wink und Willen zu vollbringen.
Voreiliger, warum verbarg dei*n Mund
Nicht das, was du empfandst,bis du dich wert
Und werter ihr zu Fen legen konntest?
Das war dein Vorsatz, war dein kluger Wunsch.
Doch sei es auch! Viel schner ist es, rein
Und unverdient ein solch Geschenk empfangen,
Als halb und halb zu whnen, dass man wohl
Es habe fordern drfen. Blicke freudig!
Es ist so gro, so weit, was vor dir liegt,
Und hoffnungsvolle Jugend lockt dich wieder
In unbekannte, lichte Zukunft hin!
--Schwelle Brust!--O Witterung des Glcks,
Begnst'ge diese Pflanze doch einmal!
Sie strebt gen Himmel, tausend Zweige dringen
Aus ihr hervor, entfalten sich zu Blten.
O dass sie Furcht, o dass sie Freuden bringe!
Dass eine liebe Hand den goldnen Schmuck
Aus ihren frischen, reichen sten breche!
Dritter Auftritt
Tasso. Antonio.
Sei mir willkommen, den ich gleichsam jetzt
Zum ersten Mal erblicke! Schner ward
Kein Mann mir angeknd$
rei, wie sie mich band;
Ich nehm' es an und fordre kein Gericht.
Dann sag' ich dir von mir: Ich habe dich
Mit Worten, scheint es, tief und mehr gekraenkt,
Als ich, von mancher Leidensgchaft bewegt,
Es selbst empfand. Allein kein schimpflich Wort
Ist meinen Lippen unbedacht entflohen:
Zu raechen hast du nichts als Edelmann,
Und wirst als Mensch Vergebung nicht versagen.
Was haerter treffe, Kraenkung oder Schimpf,
Will ich nicht untersuchen: Jne dringt
Ins tiefe Mark, und dieser reizt die Haut.
Der Pfeil des Schimpfs kehrt auf den Mann zurueck,
Der zu verwunden glabt; die Meinung andrer
Befriedigt leicht das wohl gefuehrte Schwert--
Doch ein gekraenktes Herz erholt sich schwer.
Jetzt ist's an mir, dass ich dir dringend sage:
Tritt nicht zurueck, erfuelle meinen Wunsch,
Den Wunsch des Fuersten, der mich zu dir sendet.
Ich kenne meine Pflicht und gebe nach.
Es sei verziehn, sofern es moeglich ist!
Die Dichter sagen uns von einem Speer,
Der eine Wunde, die er selbst geschlagen,
Durch freundliche Beruehrung heilen$
dnen Stimme,
Der Unverschmten offne Hand nicht nach.
Freiwillig einsam merkest du nicht auf,
Ob Undankbare schleichend sich entfernen.
Die ungestme Welt reicht nicht hierher,
Die immer fordert, nimmer leisten will.
Soll ich vergessen, was mich sonst bedrngt,
So muss kein Wort erinnernd mich berhren.
Entfernten Weltgetses Widerhall
Verklinge nach und nach aus meinem Ohr.
Ja, lieber Oheim, wende dein Gesprch
Auf Gegenstnde diesem Ot gemer.
Hier sollen Gatten aneinander wandeln,
Ihr Stufenglck in wohlgeratnen Kindern
Entzckt betrachten; hier ein Freund dem Freunde,
Verschlossnen Busen traulich ffnend, nahn.
Und gabst du nicht erst neulich stille Winke,
Du hofftest mir in ruh'gen Augenblicken
Verborgenes Verhltnis zu bekennen,
Drangvoller Wnsche holden Inbegriff,
Erfllung hoffend, heiter zu gestehn?
Mit grrer Gnade konntest du mich nicht,
O Herr, beglckn, als indem du mi
In diesem Augenblick die Zunge lsest.
Was ich zu sagen habe, knnt' es wohl
Ein andrer besser hren als mein Knig,
Dem unter$
iner Pause).
Auch du bist unter denen, die er fuerchtet.
Er fuerchte jene, die zu fuerchten sind.
Und sollten ihm geheime Feinde drohen?
Wer die Gefahr verheimlicht, ist ein Feind.
Wo sind wir hingeraten! Meine Tochter!
Wie hat der sonderbarste Zufall uns
Auf einmal weggerissen nach dem Ziel.
Unvorbereitet red' ich, uebereilt
Verwirr' ich dich, anstatt dich aufzuklaeren.
So musste dir der Jugend heitres Glueck
Beim ersten Eintritt in die Welt verschwinden.
Du konntest nicht in suesser Trunkenheit
Der blendenden Befriedigung geniessen.
Das Ziel erreichst du; doch des falschen Kranzes
Verborgne Dornen ritzen deine Hand.
Geliebtes Kind! So sollt' es niht geschehn!
Erst nach und nach, so hofft' ich, wuerdest du
Dich aus Beschraenkung an die Welt gewoehnen,
Erst nach und nach den liebsten Hoffnungen
Entsagen lernen, manchem holden Wunsch.
Und nun auf einmal, wie der jaehe Sturz
Dir vorbedeutet, bist du in den Kreis
Der Sorgen, der Gefahr herabgestuerzt.
Misstrauen atmet man in dieser Luft,
Der Neid verhetzt ein $
rten, verbotnen Vaternamen
Auf dich, den edlen Fremden, uebertragen.
Mit wenig Worten hoere meine Not.
Nicht als dem weisen, wohl bedaecht'gen Mann,
Dem Gott begabten Greise leg' ic sie
Mit schmerzlichem Vertraun dir an die Brust.
Was dich bedraengt, eroeffne freien Mutes.
Nicht ohne Schickung trift der Leidende
Mit dem zusammen, der als hoechste Pflicht
Die Linderung der Leiden ueben soll.
Ein Raestel statt der Klagen wirst du hoeren,
Und ein Orakel fordr' ich, keinen Rat.
Zu zwei verhassten Zielen liegen mir
Zwei Wege vor den Fuessen, einer dorthin,
Hierhin der andre; welchen soll ich waehlen?
Du fuehrst mich in Versuchung! Soll ich nur
Als Los entscheiden?
Als ein heilig Los.
Begreif' ich dich, so hebt aus tiefer Not
Zu hoehern Regionen sich dein Blick.
Erstorben ist im Herzen eigner Wille,
Entscheidung hoffst du dir vom Waltenden.
Ja wohl! Das ewig Wirkende bewegt,
Uns unbegreiflich, dieses oder jenes
Als wie von ungefaehr zu unserm Wohl,
Zum Rate, zurEntscheidung, zum Vollbringen,
Und wie getragen werd$
dem eisernen Tor kamen, wo die Wege
zusammenliefen, desto dichter wurden die Wagenreihen. Diese
Zurschaustellung von hellen und bunten Frhjahrstoiletten an dem ersten
sonnigen Tage nach dem Regen war ein einzigartigesSchauspiel. Zwischen
den neubelaubten Bumen wirkten die Wagen wie gefllte Blumenkrbe im
Grn, einer hinter dem andern, einer neben dem 3ndern, ohne Anfang und
Am Tor kamen sie in die Nhe der wogenden Menge von Fugngern. Aber
kaum waren sie mitten drin, als sich von rechts nach links hinber eine
unruhige Bewegung fortpflanzte. Dort rechts muten die Leute etwas
sehen, was von hier aus nicht zu sehen war. Einige schrien und zeigten
nach den Seen hinber, die Wagen fuhren auf Kommando zur Seite oder in
die Querwege hinein, die Bewegung wuchs, bald war sie allgemein.
Schutzleute und Parkwchter rannten hin und her, die Wagen stauten sich
so dicht, da keiner mehr vom Fleck kam. Ein breiter Mittelgang war bald
weit hinunter frei. Alle sphten und fragten,--da kam es! Ein paar
durchgegagene Pfe$
 nie voneinander getrennt waren."--"Das ist wahr, Marit",
fiel der Vater ein, froh, dass er auch einmal zu dem ja sagen konnte, was
Frau Dawes einfiel; denn das meiste war doch durchaus nicht wahr.
Je weiter der Unterricht fortschritt, desto mehr Freude machte es Frau
Dawes selbst, und desto groesseren Einfluss gewann sie auf das Kind. Sie
machte es sich zur Aufgabe, das Traumleben Marits auszuroden, das ein
Erbteil der Mutter war und in ueppiger Bluete stand, solange der Vater
zuhoerte und seinen Spass daran hatte.
Einmal im Fruehjahr kam Marit schnell herein und erzaehlte ihrem Vater, in
dem alten Baum zwischen den Graebern der Mutter und der Grossmutter sei
ein kleines Nest und in dem Nest seien ganz, ganz kleine Eier. "Das ist
ein Gruss von Mutter, nicht?" Er nickte und ging mit ihr, um es zu
besehen. Als sie aber naeher kamen, flog der Vogel auf und piepte
jaemmerlich. "Mutter sagt, wir sollen nicht naeher heran?" fragte sie
ihren Vater.--Er bejahte es. "Dann wueden wir Muter stoeren?" fragte sie
weiter$
a begann sie mit ihm zu plaudern: "Kleiner, schwarzer John, Du kommst
mir wie ein Neger vor. Du erinnerst mich daran, dass Dein Name die Neger
befreit hat. Befreit von der Sklaverei. Du hast mich davor bewahrt, in
die Sklaverei zu kommen.
"Aber es ist eine schlechte Befreiung, weisst Du, wenn ich nicht mit Dir
weiter leben darf. Findest Du das nicht auch?" Und dann weinte sie
wieder.----Mit dichtverschleiertem Gesicht fuhr sie durch die Stadt von
einem Bahnhof zum andern, den Hund neben sich auf dem Sitz. Sie sah
keinen Bekannten. Aber wenn die wuessten--?
Oh, diese gerichtete und getoetete Kraehe, die J?ergen aufheben wollte, und
vor der sie weglief,--sie wusste gar nicht, dass sie die so genau gesehen
hatte! Den zerfatzten Hals, den zerhackten Bauch, die leeren
Augenhoehlen,--das rote Fleisch grinste sie an, sie kam waehrend dieser
ganzen schrecklichen Fahrt nicht davon los.
Hier draussen war's Winter. Sie hatte seit vielen Jahren keinen Winter
mehr gesehen. Die absterbende, hinwelkende Natur hatte sie ges$
inander befestigt, und der Faden
jeder dieser Spulen an die darber stehende sehr groe Haspl
gebunden; das Mdchen setzte mittelst eines Rades die sehr einfache
Maschine auf das zweckmigste und mit der grten Leichtigkeit
in Bewegung.
Auch die Hunde werden hier zur Industrie gezwungen. Wir sahen
einen sehr schnen groen Hund, welcher in einemYRade herumsteigen
mute, wie ein Eichhrnchen, um eine Mhle zur Reibung der Farben
zu treiben. Diese Arbeit schien ihn aber nicht sonderlich zu amsieren,
er nahm seinen Augenblick wahr und entwischte mit unglaubl`icher
Behendigkeit, gerade wie er uns seine Knste vormachen mute.
Jung und alt lief mit groem Geschrei hinter ihm her, aber er entkam
glcklich seinen Verfolgern zu unserer groen Freude und zum
groen Leidwesen seines Herrn.
In Edinburgh wird die Nationaltracht der Bergschotten weit weniger
gesehen als hier in Stirling, wo dieses schon sehr hufig der Fall ist.
Die Mnner tragen enge, blaue Mtzen, oben mit einer roten Quaste,
bisweilen auch mit eine$
en
davon abhalten, obgleich die meisten eine> sehr weiten Weg dahin
zu machen haben.
"Wir beten und spinnen!" antwortete mir ein junges, schnes Mdchen
auf die Frage: "Was tut ihr denn winters, wenn Klte und Schnee
euch in euren Htten gefangen halten?"
In jedem Hause beinah hngt der Stammbaum der Familie, auf welchen
sie oft mit Stolz blickten; gewhnlich ist ein horizontal liegender
geharnischter Ritter darauf abgebildet, der oft den Namen
irgend eines alten schottischen, der Fabel halb verfallenen Knigs fhrt.
Aus seiner Brust spriet der Baum, der sich in unzhlige ste verbreitet.
Bekanntlich gibt's nur wenige, aber unendlich zahlreicheFamilien
in Schottland, deren Glieder alle einen Namen fhren, sich in allen
drei Knigreichen, ja sgar in der ganzen Welt ausbreiten, aber
doch durch ein heiliges Band sich vereinigt fhlen und dies gewissenhaft
anerkennen, wo sie sich treffen, wenn sie sich treffen, wenn sie sich
auch vorher nie sahen.
In Kenmore nahm uns abermals ein guter Gasthof auf, umringt von $

zu steh8n, blo um die Zuschauer unten in ngstliche Bewunderung
zu versetzen. Ihm, der auf dem wilden Meere, oben im hohen
schwankenden Mastkorbe, gewi lngst jede Idee von Schwindel
verlernt hatte, mochte dieser doch immer unbewegliche Standpunkt
trotz seiner Hhe wohl gar nicht gefhrlich dnken, whrend
uns andere beim bloen Anblick banges Grausen ergriff.
[Funote: alte Stadtfestung und Gefngnis von London; ltester
Teil (White Tower) von Wilhelm dem Eroberer erbaut. Die Grben
wurden 1843 trocken gelegt. Der Tierpark wurde 1834 in den
zoologischen Garten in Regent's Park gebracht.]
Wir wollen die Lwen sehen, sagen die englischen Pchter- und
Landjunkerfamilien, wenn sie eine Wallfahrt nach der Hauptstadt
und ihren Merkwrdigkeiten unternehmen. Diese Lwen, eigentlich
die im Tower aufgewahrte nigliche Menagerie, dienen ihnen,
als die Hauptmerkwrdigkeiten der Stadt, zur Bezeichnung alles
Sehenswerten in derselben. Leider sind die edlen Tiere mitsamt
ihrer Residenz durch diese Popularitt etwas verr$
isbewerbungen in Hinsicht
der Groesse, Schoenheit und des Gedeihens gewoehnlich ueber alle anderen
Mitbewerber den Preis davon. Dafuer wird auch alles getan, um ihr
Andenken nach ihrem leider fast immer gwaltsamen Tode zu verewigen.
Im Schloss wimmelt es von gemalten oder in Stein gehauenen aehnlichen
Bildnissen der wohlgeratensten unter ihnen. Viele davon sind sogar in
Kupfer gestochen, und ihr Portraet prangt in den Londoner Kupferstichlaeden
neben anderen beruehmten Portraets von grossen Gelehrten oder Ministern.
So wenig wir auch vom Landhaus verstehen mochten, so war es uns doch
unmoeglich, die Ordnung ueberall und die zweckmaessigen Einrichtungen
ohne Vergnuegen und Bewunderung zu sehen. Man zeigte uns viele in
diesem Lande der Industrie erfundenen Maschinen, um die laendliche
Arbeit zu vereinfachen, zu erleichtern und eintraeglicher zu machen.
Zum Beis'piel eine Dreschmaschine; eine andere um das Getreide
abzuschaelen, damit kein Mehl in den Kleien verlorenghe; noch eine,
womit man in der Muehle vier $
von Stein gehauen, in Lebensgroesse. So viel wir
von unten davon urteilen konnten, sind diese Figuren recht gut gearbeitet.
Ueber jedem Tor stht einer davon in gebueckter Stellung, mit beiden Haenden
einen grossen Stein2 haltend, als waere er im Begriff, den Eintretenden
damit zu zerschmettern. Die Idee kann man eben nicht gastfreundlich
nennen; aber diese ganze Verzierung, so wunderlich und einzig in ihrer Art
sie ist, macht einen grossen Effekt. Von weitem glaubt man fast,
die eister der alten Krieger, die einst hier hausten, waeren zurueckgekehrt
und wollten der Neugier den Eintritt in ihr Heiligtum wehren:
in so drohender mannigfaltiger Bewegung und Gebaerde stehen sie da.
Auch sind sie nicht so harmlos, als man denken moechte. Mancher dieser Helden
kam schon ungerufen herunter, wenn es ihm oben zu windig ward,
und richtete auf der Erde Schaden und Unfug an.
Das Innere der Burg ist ebenfalls im Geist der Vorzeit gehalten:
hohe gewoelbte Zimmer mit Bogenfenstern voll kuenstlicher gotischer Verzierungen
und$
ganz vergessen,
dass sieschon ziemlich weit ueber die erste Bluete der Jugend hinaus
und fuer jugendliche Rollen etwas zu stark geworden war. Der froehlich
schalkhafte Ausdruck ihres sehr huebschen Gesichts, ihr angenehmes
sonores Organ, die naive Grazie und Wahrheit in jeder ihrer Bewegungen
bezauberten unwiderstehlich und liessen nichts vermissen.
Wir wollen hier einer Vorstellung in Drury Lane gedenken, die uns
vor allen gefiel. Man spielte Shakespeares "Much Ado about Nothing"
(Viel Laerm um nichts). In Deutschland sehen wir zuweilen
eine Verkrueppelung dieses herrlichen Lustspiels unter dem Namen:
"Die Quaelgeister" [Fussnote: von dem Mannheimer Schauspieler Beck.
Johanna besuchte diese Vorstellung bei ihremersten London-Aufenthalt,
am 30. Mai, wenige Tage nach ihrer Ankunft in England.], und
es unterhaelt auch da noch, soviel Muehe sich dessen Verfasser gegeben hat,
es zur Mittelmaessigkeit herabzuziehen, so unbeholfen sich auch
Shakespeare in der engen Uniform eines modernen Leutnants oder
Hauptmanns $
en
Ingenieure vom Dezember 1901 unter dem Titel: Einige aeronautische
Versuche (Some Aeronautical Experiments). Das in der Jugend schon
bezeigte Interesse an Flugversuchen wurde bei Wilbur Wright zuerst wieder
im Jahre 1896 neu geweckt, als der Telegraph die Nachricht nach Amerika
brachte, dass der deutsche Flugtechniker Lilienthal bei seinen
aufsehenerregenden Experimenten abgestrzt und umgekommen sei. Er begann
darber nachzudenken, wodurch wohl der Sturz dieses Mannes hervorgerufen
worden sei, der doch schon eine grosse Anzahl von Flgen glcklich
ausgefhrt hatte. Zunchst studierte er die modernen Bcher, die sich
namentlich mit dem Vogelflug beschftigten, so besonders das Werk von
Professor Marey. Als bald darauf auch sein Bruder Orville sich fr das
Flugproblem zu interessieren begann, beschlossen beide, praktische
Versuche zu unternehmen. Die meisten Misserfolge htten nach ihrer
Ueberzeugung ihren Hauptgrund in ungengender praktischer Uebung der
Fliegekunst. Sie rechneten sich aus, dass Lilientha$
m Bergabhange mein
Flugzeug entfaltete, ueberkam mich freilich ein etwas aengstliches Gefuehl,
als ich mir sagte: Von hier ab sollst du nun in das tief da unten
liegende, weit ausgedehnte Land hinaussegeln! Allein die ersten
vorsichtigen Spruenge gaben mir bald das Bewusstsein der Sicherheit
zurueck, denn der Segelflug ging hier ungleich guenstiger vonstatten, als
von meinem Fliegeturme. Der Wind baeumte hier nicht so auf wie vor dem
letzteren, wo ich jesdesmal beim Passieren der Absprungkante einen
ungleichmaessigen Wndstoss von unten empfing, der mir oft verhaengnisvoll
zu werden drohte."
Hier hat sich der einzige, allerdings gluecklich verlaufene Unfall
ereignet, der bei den zahlreichen Fluegen vorgekommen ist, sowie auch der
spaetere Todessturz. Die erste Havarie fand auf dem Stoellen-Berge 1895
statt. Der dabei benutzte Appara hatte ein genaues, mit der Kreislinie
fast zusammenfallendes Parabelprofil, bei dem der Pilot sich mit dem
Hinterkoerper bedeutend hintenueber legen musste, um in der Luft mit dem$
tern zu bekommen war. Oder konnte man's ungefragt unternehmen? Es
war ja nichts Schlimmes. Sie berieten miteinander. Die Schwestern kamen
dazu und wurden eingeweiht in den Plan. Da entschied Marie, das
praktische Hausmtterchen: "Ohne Erlaubnis geht das nicht, weil es nicht
ohne Hausschlssel geht, die Haustre wird nachts geschlosseny." Also
mute man bittend an die Eltern kommen. Der Vater wollte nicht gern der
Jugend den Hausschlssel anvertrauen und die Mutter einte, so vom Bett
in die Novembernacht hinaus wrden sie sich erklten. Und alle beide
frchteten sie, die Haus;eute mchten bei Nacht gestrt werden. Dagegen
sagte der Vater, seine Buben drften nicht so zimperlich sein, da sie
nicht eine Stunde drauen in der Winternacht aushalten knnten, und die
Mutter erzhlte, da sie schon von ihrer Jugend an den Wunsch gehabt
htte, so einen Sternschnuppenschwarm zu sehen, die drei Brder
versicherten, da sie lautlos die Treppe hinunterschleichen wrden. Da
machte die kleine Else, die gespannt zugehrt ha$
ern Gute
Nacht gesagt hatten und Frieder mit Wilhelm und Otto im sogenannten
Bubenzimmer ihre Betten aufsuchten, sass Karl noch allein mit den Eltern
am Tisch. Seit seinem fuenfzehnten Geburtstag hatte er dies Vorrecht. Es
wurde allmaehlich still im Haus. Auch Walburg hatte Gute Nacht gewuenscht;
manchmal lag kein anderes ort zwischen ihrem "Guten Morgen" und "Gute
Die drei, die nun noch am Tische sassen, waren ganz schweigsam und
bewegten doch ungefaehr denselben Gedanken.
Herr Pfaeffling dachte: Wenn nur Karl auch zu Bett ginge, dass ich mit
meiner Frau von Marstadt reden koennte. Die Kinder sollen ja noch nichts
davon wissen. Er zog seine Taschenuhr--es war noch nicht spaet. Dann ging
er auf und ab, sah wieder nach der Uhr und wurde immer ruheloser.
Frau Pfaeffling dachte: Meinem Mann ist es laestig, dass wir nicht allein
sind, aber er moechte Karl doch nicht so frueh zu Bett schicken. Nein,
diese Unruhe! Und dageen die Ruhe, mit der Karl in sein Buch schaut und
nicht .hnt, dass er stoert.
Darin taeuschte $
 ganz vertraulich zu ihm: "Wir zwei sind in
allerFreundschaft auseinandergegangen, nicht wahr, dich wollte ich
nicht anzeigen." Da wandte sich der Amtmann aergerlich an den Schutzmann:
"Hab;en Sie Ihre Sache wieder einmal so dumm wie moeglich gemacht?" Der
rechtfertigte sich: "Das ist nicht der Wilhelm Pfaeffling, den ich
aufgeschrieben habe. Der meinige hat einen dicken Kopf und ein rotes
Gesicht. Sag' selbst, habe ich dich aufgeschrieben?"
"Nein, aber es heisst keiner Wilhelm Pfaeffling ausser mir."
"Oho," sagte der Amtmann, "da kommt es auf eine falsche Namensangabe
hinaus, das muss ein frecher Kamerad sein. Kannst du dir denken, wer dir
den Streich gespielt hat?" fragte er Wilhelm. Der besann sich nicht
lange. "Jawohl," sagte er, "es ist nur ein solcher Gauner in unserer
"Wie heisst er?" Da sah Wilhelm seinen Vater an und sagte zoegernd: "Ich
kann ihn doch nicht angeben?"
"Nein," sagteHerr Pfaeffling, "du weisst es ja doch nicht gewiss, und
deine Menschenkenntnis ist nicht gross."
"Den Schlingel finde i$
den Heften fragen wuerde. Sie wartete den Augenblick ab, wo Herr
Pfaeffling sich richtete, um zum letztenmal vor dem Fest in das
Zentralhotel zu gehen. An seinen raschen Bewegungen bemerkte sie, dass er
in Eile war. "Vater," sagte sie, "wir haben alle unsere Zeugnisse
bekommen und die Noten zusammengezaehlt. Dann hat Karl berechnet, was wir
fuer eine Durchschnittsnote haben, weisst du, was da herausgekommen ist?
Magst du raten, Vater?"
"Ich kann mich nicht mehr aufhalten, ich muss fort, aber hoeren moechte ich
es doch noc gerne, eine Durchschnittsnote von allen Sechsen? Zwei bis
drei vielleicht?"
"Nein, denke nur, Vater, eins bis zwei, ist das nicht gut?"
"Recht gut," sagte Herr Pfaeffling; er hatte nun schon den Hut auf und
Marie bemerkte noch schnell unter der Tuere: "Die Zeugnisheftchen will
ich alle in der Mutter Schreibtisch legen, dass du sie dann einmal
unterschreiben kannst." "Ja, hebe sie nur gut auf," rief Herr Pfaeffling
noch von der Treppe heraf.
Die kleine List war gelungen, die Heftchen wurden$
Mann blieb
bei seinem entschiedenen "nein" und sie konnte nicht anders als dieses
Frau Pfaeffling mitteilen.
"Es tut mir so leid," sagte sie, "aber ich kann nichts machen; mein Mann
sagt ja selten 'nein', aber wenn er es einmal gesagt hat, dann bleibt er
dabei. Er meint, wenn ein Mann 'nein' gesagt hat, duerfe er nachher nicht
mehr 'ja' sagen, sogar wenn er's moechte."
Dieser Bescheid war eine grosse Enttaeuschung fuer die Familie. Herr
Pfaeffling konnte wieder einmal den Hausherrn nicht begreifen. "Wenn ich
sehe, dass jemand nicht auskommt, lasse ich ihn doch lieber sechs
Zimmerherrn nehmen, als in Geldnot stecken," rief er, indem er lebhaft
den Tisch umkreiste. "Nicht mehr 'ja' sagenT duerfen, weil man vorher
'nein' gesagt hat? Soll sich darin die Maennlichkeit zeigen? Dann waere
jedes eigensinnige Kind 'maennlich'. Glaubt das icht, ihr Buben," sagte
er, vor Karl stehen bleibend, "ich will euchJsagen, was maennlich ist:
Nicht nachgeben, wenn es gegen besseres Wissen und Gewissen geht; aber
_nachgeben_, sob$
ganz andere Freier
bekommen, als Wilhelm war.
Dieser war froh, da alles sich so gut arrangierte. Sollte er denn
durchaus heiraten, so war ihm Lulu natrlich lieber, als Anna.
Lulu erfuhr durch ihre Mutter, da Beuthien sie heiraten werde.
"Vadder htt sik vel Mh geben", setzte die einfltige Frau hinzu.
"Dusend Mark htt em dat kost't. Du kannst em nich dankbar nog sin."
"Fr Geld?" rief Lulu.
"Ne, so nich. Du versteihst mi falsch, Kind", beruhigte die Mutter sie.
Und dann erzhlte sie, nach ihrer Meinung sehr schonend, die Geschichte
Lulu hatte nichts darauf erwidert und war sehr nachdenklich geworden.
Also Anna htte sie es eigentloch zu verdanken, wenn sie vor Schande
bewahrt blieb. Und das Mdchen wute atrlich nun alles, empfand
Schadenfreude, sah sie als ihresgleichen an.
Aber ale diese Gedanken kamen ihr nur so nebenher. Alles erdrckte die
Gewiheit, da Beuthien sie hintergangen, es schon mit der andern
gehalten hatte, als er sie ins Unglck ri.
Wer sagte ihr, da Anna die einzige sei? Und mit $
hon
allerlei Vorbereitungen getroffen. Nun schob Theresens Krankheit und die
"leidige" Geschichte mit Wilhelm und Lulu alles wieder auf.
Die Behnsche Geschichte interessierte sie ungemein. Die Mdchen, die in
ihren Laden kamen, sprachen davon und suchten von ihr mehr zu erfahren.
Sie stand ja als so nahe Verwandte des Snders mitten in der Aktion, und
von je her war sie nieKglcklicher gewesen, als wenn sie irgendwo "mit
dazu gehrte."
Als knftige Schwiegermutter der ins Unglck geratenen, bewahrte sie
natrlich allen Ausfragern gegenber die ntige Zurckhaltung, und half
durch ihr geheimnisvolles Wesen nur noch mehr, einen dichten Schleier
abenteuerlicher Gerchte um diesen pikanten Vorfall zu weben.
Wie erschrak sie, als Mutter Behn frh morgens, um sechs Uhr, mit der
ngstlichen Frage bei ihr vorsprach, ob sie Lulu nicht gesehen habe.
"Se is utgahn gistern Abend und is nich wedder an't Hus kamen."
"Meine Gte, Frau Behn", rief die Wittfoth "Ihr ist doch nichts
Die Gemsefrau von nebenan kam. "Hebben Se $
us an die Treppentuere, denn sie selbst wollte
ihm oeffnen, ihn hereinfuehren in ihr Zimmer, ihn lieb haben.
Ach--beschaemt stand sie vor dem Milchmann und vor dem Kuechenmaedchen, die
beide mit erstaunten Augen auf die junge Frau schauten; ohne ein Wort
kehrte sie in ihr Schlafzimmer zurueck.
Das war die erste Enttaeuschung und es folgten jede Stunde neue, denn der
sehnlich Erwagrtete kam nicht, und keine Post brachte Nachricht von ihm.
Bruder und Schwaegerin liessen sich's einen ganzen Tag gefallen, im
Unklaren zu bleiben ueber das Schicksal, das die Familie Stegemann
getrennt hatte; sahen sie doch, wie verstoert Mutter und Sohn waren und
dass sie sich nicht entschliessen konnten, von dem Erlebten zu sprechen.
Die Schwaegerin war eine gutmuetige Frau, hatte Helene lieb und wollte,
dass die Vertriebenen sich wohl fuehlten in ihrem Haus. Es war ja auch
allPes in Huelle und Fuelle da und keine Kriegsnot zu verspueren; denn in
der Kurz'schen Fabrik, die in Friedenszeit allerlei feine Stahlwaren
herstellte, wurd$
se Elbe zu verwandeln; als solche
erscheine\ sie hierauf wieder als schdigende oder als bescherende
Muse. Diesen Satz aus der Lehre von der Seelenwanderung nehmen wir
nunmehr in Ausfhrung.
Wie Holda-Berchta die unmndig Verstorbenen, und Valfreyja die in der
Schlacht Gefallenen zu sich nimmt, so haben nach lterem Kirchenglauben
die Seelen der Abgeschiedenen ihre erste Herberge bei St. Gertrud zu
nehmen. Hievon handelt eine Handschrift des XV. Jahrh., welche Grimm
Myth. 54 citirt: Aliqui dicunt, quod, quando anima egressa est, tunc
prima nocte pernoctabit cum beata Grdrude, secunda nocte cum
archangelis, sed tertia nocte vadit sicut diffinitum est de ea.
Ereitert findet sich dieser merkwrdige Glaubenszug in Nik. Gryse's
niederd. _Spegel_, auf welchen Schiller, Meklenburger Thier- und
Kruterbuch 3, 41 verweist: Se geven ock vor, wenn de Seele vth dem
Minschen varet, so moth se de erste Nacht Herberge hebben by S.
Gerderuten, darumme ock S. Gerderuten Kercke gemeinlyken vor de Dre der
groten Stede gebuwe$
as Ertraegniss des Jahres haengt von dem kleinen
Fruehlingsopfer ab. Stoeber, Elsaess. Volksb. 1842, 56. Faellt der Nachdruck
der scenischen Festauffuehrung auf das Vertreiben des Winters, so nennt
man dasselbe den Tod austragen, oder wie im boehmischen Saazer Kreise,
mit dem Baendertod herumgehen, weil der Zug der Knaben Hut und Brust mit
Baendern geschmueckt hat. Dabei traegt dXr Koenig einen mit Goldpapier
beklebten Rockenstiel als Scepter, zwischen zwei Brauthuetern folgt ihm
sein Toechterlein. Letztere melden, dass der Tod um die Koenigstochter
werben lasse. Hierauf escheint dieser selbst, statt der Waffe ein
Buendel Lichtspaene (Schleissen) in der Hand tragend, und wird vom
erzuernten Vater niedergestochen. In Suedschweden rueckten am 1. Mai zwei
Reiterschaaren von verschiednen Seiten in die Staedte, die eine angefuehrt
vom Winter, der in Pelze gehuellt, mit Handspiessen bewaffnet,
Schneeballen und Eisschollen auswarf, die andere vom Blumengrafen, der
mit Laub und Erstlingsblumen bekleidet war; sie hie$
uft un winkt! Er hat etwas zu sagen.
Heilige Maria, Mutter Gottes, wi das Kind springt!"
Da legten sie alle ihr Gerte aus der Hand und gingen dem Knaben
Der war nicht wenig stolz, als sie ihn nun alle umstanden und lauschten,
was er zu Berichten wute. Da das untere Dorf in Brand geschossen war
und viele Menschen dabei umgekommen seien.
Aber bald geriet der kleine Mann in Zorn; denn se hrten ihn nicht ganz
an. Von der Schule und der Schrift an der Tafel wollten sie nichts
wissen, und ihm war das doch die Hauptsache. Er wute doch, wie man es
machen mute, damit die Huser nicht verbrannt wurden, und war deshalb
in solcher Eile zwei Stunden weit gelaufen, da er noch glhte und kaum
Nun jammerten die Weiber: "Was tun, wohin fliehen vor diesen Barbaren?"
Die Mnner waren ja fast alle in den Krieg gezogen, nur einer stand
dabei, der ganz verwachsen war. Dieser stie wilde, drohende Flche aus
gegen die Deutschen. Sie sollten nur kommen, ganz nahe heran, und aus
dem Heuschober an der Strae wollte er sie nie$
gen
Speisesaal, auf den die Tueren der Schlafkojen muendeten, zu Haeupten
eines langen Tisches, an dessen unterem Ende die Handelsgehuelfen,
einschliesslich des Alten, sit zehn Uhr mit dem munteren Kapitaen
pokulierten, die bestellte Mahlzeit naehme. Sie war armselig, und er
beendete sie rasch. Es trieb ihn ins Freie, nach dem Himmel zu sehen:
ob er denn nicht ueber Venedig sich erhellen wollte.
Er hatte nicht anders gedacht, als dass dies geschehn muesse, denn
stets hatte die Stadt ihn im Glanze empfangen. Aber Himmel und Meer
blieben trueb und bleiern, zeitweilig ging neblichter Regen nieder, und
er fand sich darein, auf dem Wasserwege ein anderes Venedig zu
erreichen, als er, zu Lande sich naehernd, je angetrofen hatte. Er
stand am Fockmast, den Blick im Weiten, das Land erwartend. Er
gedachte des schwermuetig-enthusiastischen Dichters, dem vormals die
Kuppeln und Glockentuerme seines Traumes aus diesen Fluten gestiegen
waren, er wiederholte im Stillen einiges von dem, was damals an
Ehrfurcht, Glueck und T$
ann mit schwarzem Schnurrbart und in franzoesisch geschnittenem
Gehrock, begleitete ihn im Lift zum zweiten Stockwerk hinauf und wies
ihm sein Zimmer an, einen angenehmen, in Kirschholz moeblierten Raum,
den man mit starkduftenden Blumen geschmueckt hatte und dessen hohe
Fenster die Aussicht aufs offene Meer gewaehrten. Er trat an eines
davon, nachdem der Angestellte sich zurueckgezogen, und waehrend man
hinter ihm sein Gepaeck hereinschaffte und im Zimmer unterbrachte,
blickte er hinaus auf den nachmittaeglich menschenarmen Strand und die
unbesonnte Se, die Flutzeit hatte und niedrige, gestreckte Wellen in
ruhigem Gleichtakt gegen das Ufer sandte.
Die Beobachtungen und Begegnisse des Einsam-Stummen sind zugleich
verschwommener und eindringlicher als die des Geselligen, seine
Ledanken schwerer, wunderlicher und nie ohne einen Anflug von
Traurigkeit. Bilder und Wahrnehmungen, die mit einem Blick, einem
Lachen, einem Urteilsaustausch leichthin abzutun waeren, beschaeftigen
ihn ueber Gebuehr, vertiefen sich im $
en seien. Die Sonne braeunte ihm Antlitz und Haende, der
erregende Salzhauch staerkte ihn z~m Gefuehl, und wie er sonst jede
Erquickung, die Schlaf, Nahrungkoder Natur ihm gespendet, sogleich an
ein Werk zu verausgaben gewohnt war, so liess er nun alles, was Sonne,
Musse und Meerluft ihm an taeglicher Kraeftigung zufuehrten,
hochherzig-unwirtschaftlich aufgehen in Rausch und Empfindung.
Sein Schlaf war fluechtig; die koestlich einfoermigen Tage waren getrennt
durch kurze Naechte voll gluecklicher Unruhe. Zwar zog er sich zeitig
zurueck, denn um neun Uhr, wenn Tadzio vom Schauplatz verschwunden war,
schien der Tag ihm beendet. Aber ums erste Morgengrauen weckte ihn ein
zart durchdringendes Erschrecken, sein Herz erinnerte sich seines
Abenteuers, es litt ihn nicht mehr in den Kissen, er erhob sich, und
leicht eingehuellt gegen die Schauer der Fruehe setzte er sich ans
offene Fenster, den Aufgang der Sonne zu erwarten. Das wundervolle
Ereignis erfuellte seine vom Schlafe geweihte Seele mit Andacht. Noch
lagen H$
el in
denselben Farben herabhingen oder zu Blumenkronen aufgebunden waren.
So erreichte Teut, von Scharen Neugieriger gefolgt, die Villa.
Im Hause roch es scharf und unheimlch nach Lebensblumen und Lorbeer,
zudem erfllte eine betubende Luft alle Rume, denn Krnze und
schleifenverzierte Bouquets lagen berghoch in den Vorzimmern.
Endlich war der Augenblick gekommen. Man hob den mit Blten und
Blttern berschtteten Sarg empor und trug ihn hinab.
Teut fhrte Clairefort und Ange, die jetzt thrnenlos vor Schmerz, mit
irrem Blick, an seinem Arme hing, ans Fenster, ffnete es und lie sie
hinausschauen.
In diesem Augenblick ertnte in sanften Akkordn ein Trauermarscrh,
langgezogen, schmerzvoll und jeden Anwesenden bis ins Herz rhrend.
Und dann sah Ange auf Teuts Lieblingspferde, die mit gesenkten Kpfen,
gleichsam mittrauernd und mitempfindend, dastanden und deren schwarze
Leiber von den weien Abschiedsblumen umwunden waren, die Teut seinem
kleinen Freunde Carlitos mit auf den Weg gab.
"Carlitos, Carlitos--m$
 etwas verschweigen. Ich will und
mu es aber wissen. Ach Tibet! War es berhaupt gut, da Sie nie
mitteilsam gegen mich waren? Wer wei, ob nicht manches hier im Hause
anders stnde!"
Sie strich sich mit der schmalen Hand ber die thrnenden Augen.
"Reden Sie, ich beschwre Sie!" fuhr sie fort, als er noch immer
schwieg. "Was ist noh schlimmer? und welche Heimlichkeiten haben Sie
mit meinem Gemahl schon seit Jahren?"
"Ach, Frau Grfin--" stotterte Tibet und sah Ange bittend an. "Es ist
nichts, gewi nicht!"
"Ist es denn Neugierde, die mich veranlat, Sie zu fragen?" sagte Ange
mit sanftem Ernst und blickte Tibet traurig an. "Ist es nicht die Sorge
fr meinen geliebten Mann! Ach, ach! wie viele thrnenvolle Stunden habe
ich schon um seinetwillen gehabt!"
Tibet hatte ganz die Fassung verloren. Er stand da wie jemand, der sich
eines schweren Vergebens schuldig fhlt und aus Scham und Verzweiflung
kein Wort findet. EVndlich raffte er sich xuf und sagte:
"Verzeihen Sie mir, Frau Grfin. In allem, was ich that, fo$
 diejenigen das hchste
Ansehen genieen, welche allezeit den Kopf ber das Herz stellen, und in
der That sind diese Menschen die eigentlichen Erhalter unserer sozialen
Verhltnisse. Was sollte heute aus einer Welt werden, in der die
Menschen nach den idealen Vorschriften einer biblischen Bergpredigt
handeln wollten?
Anders steht es mit dem Glck solcher Personen. Die tausendfachen Reize,
welche den Gemtsmenschen zu teil werden--und mgen diese auch nur
bestehen in dem Wechsel zwischen Erfolg und Enttuschung--entgehen
ihnen. Der Gemtsmensch geniet jede Sekunde, der Verstandesmensch
entbehrt oft alles. Jener befindet sich bis zum Grabe in einem
kstlichen Rausche, dieser--oft ohne wesentlichen Kampf mit de%r
Auenwelt, der Illusionen bar, lernt den eigentlichen Zauber des Lebens
gar nicht kennen.
Ange hatte den furchtbaSen Ernst ihrer Lage begriffen, und der feste
Entschlu, ein neues, auf Pflichttreue beruhendes Leben zu beginnen, war
stark und lebendig in ihr geworden; aber ihre lebensfrohe Weltanschauu$
Er verstand dies auch, denn er
schwieg taktvoll.
"Meine Kinder sollen"--hob Ange von neuem an--"etwas Tchtiges lernen,
und wenn es ein Handwerk ist. Je frher sie leistungsfhige Menschen
werden, desto eher werden sie sich ihr Brot verdienen knnen. Darauf
wrd sich meine Sorge richten mssen. Freilich, fr die Mdchen ist es
Ich werde sehen, was sie zu begreifen und spter ntzlich zu verwerten
vermgen. Das ist mein Plan und mein unumstlicher Entschlu. Wo ich in
Ehren mir Erleichterungen verschaffen kann--Erleichterungen, die man
Unbemittelten in den Schulen durch Stipendien in hnlichen Fllen
gewhrt, werde ich sie suchen. Komme ich in die Lage, ein Darlehen zu
nehmen, so werde ich das als ein Geschft betrachten--kurz, Tibet, ich
gehe meinen eigenen geraden Weg, und nichts, nichts wird mich davon
zurckbringen oder abhlten!"
"Gewi, gewi, Frau Grfin," besttigte Tibet einlenkend und voll
Staunens. War das dieselbe Frau, die er seit so vielen Jahren in fast
hilfloser Weise sich hatte bewegen sehen,$
Nachricht von der Steuerbehrde,
Frau Grfin? Ich wollte schon immer fragen."
Ange bejahte. Sie berichtete, da man sie aufgefordert habe, ihre
Antrge nachweislich zu belegen, und da dann eine nochmalige Prfung
stattfinden solle. Vorlufig msse die Summe gezahlt werden, zu der sie
eingeschtzt sei.
"Ganz recht, ganz recht! So, so!" sagte der Alte, und nach kurzer Pause
fuhr er fort: "Wenn ich Ihnen irgendwie behilflich sein knnte, Frau
Grfin--recht gern, mit grtem Vergngen!"
Die Gesellschafterin war noch nicht zurckgekehrt. Diese freundlichen
Worte ermutigten Ange. Nun, so konnte es denn sein! Pltzlich war sie
wieder voller Hoffnungen.
"Ich danke Ihnen ser, Herr Putz. Ich wollte auch noch in einer anderen
Sache Ihren Rat oder vielmehr Ihre Hilfe erbitten."
"Bitte, bitte, Frau Grfin!" Der Alte war immer neugierig. Das Gesprch
hatte schon etwas geschleppt, nun ward es wieder anziehend.
"Also, Herr Nachbar, ich mchte Sie fragen, ob Sie mir wohl zwlfhundert
Mark wrden leihen?wollen, die ich nach$
ohntes Schlo unter den weibedeckten Wldern hervor. Ringsum in den
Villen aber glitzerten hinter den Scheiben kleine unruhige Lichter, die
seltsam, fast unheimlich abstachen gegen, die schweigsame, aller
lebendigen Farben entkleidete Natur.
Es mochte gegen zehn Uhr abends sein, als ein groer krftiger Mann, der
sich soeben auf offener Landstrae von seinem ihn offenbar ber Ort und
Gelegenheit orientierenden Gefhrten getrennt hatte, mit langsam
schwerflligen Bewegungen die Hhe hinaustieg, auf der das Huschen
lag, welches Ange bewohnte. Je nher er seinem Ziele kam, desto
bedchtiger wurden seine Schritte. Einigemal hielt er inne und schaute
sphend um sich. Aber nirgends zeigte sich etwas Lebendiges: die Gegend
war wie ausgestorben.
Endlich erreichte er das Haus, in welchem noch Licht war, klinkte leise
eine kleine Pforte auf und wandte sich mit vorsichtigen Bewegungen
rechtzeitig in den Garten. Vor dem nach diesem herausschauenden Fenster
war kein Vorhang herabgelassen, es gestattete ungehinderten E$
ugen so heftig heraus, da sich die Kinder unwillkrlich
zurckzogen--"vergeben Sie--auch mir!"
"O, Frau Grfin! Frau Grfin!" stotterte der Mann und neigte das Haupt.
Und der Festabend kam; Ange war aufgeblht in ihrem Glck. Sanfte Rosen
lagen auf ihren Wangen und ihre Augen glnzten, als htten
Diamanttropfen Sonnenstrahlen aufgesogen.
Sie trug dasselbe Kleid--sie hatte es bewahrt und nun hervorgesucht--,
das damals ihre Gestalt umschlo, als Teut Abschied nahm und in den
Auch eine vollblhenide Rose hatte sie sich zu verschaffen gewut, die
nun ausgebrochen an ihrer Brust lag we ein Symbol ihrer reiferen
Teut war wie gebannt, als sie ihm gegenber trat. Fr ihn hatte sie sich
geschmckt, und der zarte Duft der Blte drang berauschend auf ihn ein.
Ihm war's, als ob sie mit ihrer blendenden Erscheinung nicht in diesen
Raum gehre, ihm pltzlich gegenbertrte wie damals in der Villa, und
alles sei wie ehedem.
Und nun wirktn auch alle anderen Dinge bestrickend auf ihn. Mit welcher
anmutigen Sicherheit walte$
eschaeftigung, der Umgang mit den
Kameraden, die Befriedigung allerlei berechtigter und unberechtigter
Passionen, nach Umstaenden einmal ein Stueck ungehinderter Freiheit--ich
koennte ja ganz ein freier Mann sein und meinen Neigungen leben, aber ich
fuehle Pflichten in mir gegen mein Vaterland und meinen Koenig--genuegte
mir. Da sah ich Sie, Ange; und weshalb sollte ich es verhehlen--ich
liebte Sie bei unserer ersten Begegnung und werde Sie lieben, solange
ein Atem in mir ist."
Er sah sie nicht an, waehrend er sprach.
Wenn er emporgeschaut haette, wuerde er bemerkt haben, dass sie wie
traeumend ins Land und in die Ferne schaute; aber er wuerde auch in ihrem
Angesicht gelesen haben, wie sie alle seine Worte verschlang und wie
die letzten sie erbeben machten.
En feuchter Glanz verdunkelte auf Augenblicke ihre Augensterne, und
versteckt strichen ihre kleinen Finger ueber die Wimpern.
"Aber weil ich Ihnen so gut bin--Sie wie ein Bruder und Freund liebe,"
fuhr Teut fort, "muss ich Ihnen etwas sagen, was Ihr Glue$
zlich. Das konnte
ein Mann thun einem solchen Wesen, solchen Kindern? Er biss sich auf die
Lippen und sprang empor. Aber nur einen AuRgenblicke dann lichtete sich
in der Brust dieses seltenen Menschen der Funke edler Gesinnung, und
lodernd schoss die Liebe empor fuer sie, der er geschworen, ein Freund zu
sein fuers ganze Leben.
"Clairefort," sprach er, "wir eroerterten nur einmal Geldangelegenheiten,
und es soll heute das letzte Mal sein. Fuerchten Sie nichts. Anders wird
Ihr Leben sich zwar gestalten, aber Sie werden nicht darben. Axel von
Teut meint es ernst mit Freundschaft und Geloebnissen. Diese Versicherung
sei Ihnen genug. Was geschehen, was hinter uns liegt, werde nie wieder
zwischen un beruehrt. Nur eine Bitte spreche ich aus: Sichern Sie mir
zu, dass Ange nie erfahren wird, wie Ihr Vermoegen zearronnen, noch
weniger, dass es gaenzlich dahin ist. Verschweigen Sie namentlich die
Rolle, welche fortan der Freund uebernimmt. Ich gelte von heute als
Verwalter Ihrer Einkuenfte und als der Vormund Ihrer Kin$
nprinz ruht. Eine Sule bezeichnet die
Sttte. Wir schttelten den Staub von unseren Fen und suchten
schleunigst das Weite, um die feierliche Stimmung, die sich der
anwesenden Englnderinnen bemchtigt hatte, nicht durch ein unzeitiges
Lachen zu vernichten. So gingen wir zugleich eines Aufenthalts in dem
angenehmen Seebade Marienlyst ("Marienlust") verlustig, hatten dafr
aber um so mehr Zeit fr das Fischerdorf Hellebk. Ein gutes Hotel mit
allem Comfort der Gegenwart deutet darauf hin, da auch hier die alte
einfache Zeit bald verschwunden sein wird. Hellebk, ein beliebter
Aufenthalt der Kopenhagener Maler, liegt hart a Strande in romantischer
Gegend und zeigt schon Nordsee-Charakter: Dhnen, Sand und starken
Wellenschlag. Lange, mit weien Schaumkronen bedeckte Wogen treiben
ununterbrochen dem Ufer zu, wo sie brandend anschlagen und zerschellen.
Stundenlang kann man dem ewigen Gesange des Meeres zuhren, der immer
derselbe und bei aller Eintnigkeit doch immer neu und s dem Ohre ist,
das ihn versteht$
elle nichts Besonderes. Seine
Grndung fllt in sagenhaftes Dunkel, jedenfalls war es 1215 schon
bewohnt. Im letzten Viertel des 1. Jahrhundert diente das Schlo dem
_ersten und zugleich letzten Herzog zu Sachsen-Eisenberg_ als Residenz.
Am 7. Mrz 1677 zog _Christian_ in das Schlo ein, das ihm nebst dem
Frstentum in der Erbteilung seines Vaters, des bekannten Ernst des
Frommen von Sachsen-Gotha, zugefallen war. Er nannte das Schlo
"Christiansburg." Seine Hauptbeschftigung bildete die Alchimie, und er
lie sichein Laboratorium in dem hbschen, von ihm angelegten
Schlogarten bauen, von dem nur noch ein Stck Mauer steht, von den
lteren Einwohnern der Stadt "'s Lbbetoorchen" genannt. Bei den
deutschen und englischen Alchimisten war er unter dem Namen
"Theophilus-Abt zu den heiligen Jungfern zu Lausnitz" bekannt. In einem
ausfhrlichen Tagebuche soll er seiner Begegnungen mit Geistern und
Verdorbnen gedacht haben. Er errichtete 1698 die erste Postverbindung
mit den Nachbarstdten Zeitz, Jena und Gera. $
enleben schlielich, wie man zu sagen
pflegt, bis an den Hals. Der Dienst wurde damals wohl auch noch
kleinlicher und engherziger betrieben als heute. Der Gamaschendienst
feierte zu jener Zeit seine Orgien. An Unabhngigkeits- und
Oppositionsgeist hat es meinem Vater offenbar auch nicht gefehlt, fr
den zu jener Zeit in der Rheinprovinz der rechte Boden war, und so kam
er fter in hchstem Zorn und mit Verwnschungen aquf den Lippen vom
Exerzierplatz in die dstere Kasemattenstube. Als im Jahre 1840 unter
Louis Philipp und seinem Ministerium Thiers ein Krieg zwischen
Frankreich und Preuen drohte, soll er eines Tages in hchster Emprung
in die Stube getreten sein, weil nach seiner Ansicht ein blutjunger
Offizier ihm zu nahe getreten war, und meiner Mutter zugerufen haben:
"Frau, wenn es losgeht, die erste Kugel, die ich verschiee, gilt einem
preuischen Offizier!" Der Ausdruck "preuischer Offizier" im Munde
eines preuischen Unteroffiziers befremdet, er erklrt sich aber. Damals
und noch viel spter wurd$
 trotz Klte und Schnee, auf die
Reise zu gehen. Der Breslauer schlo sich mir an. Wir marschierten
zunchst ach Mnchen, woselbst wir abermals vergeblich um Arbeit
anklopften. Nunmehr marschierten wir weiter ber Rosenheim nach
Kufstein. Der Eintritt nach Oesterreich machte uns Kopfzerbrechen.
Damals wurde an der Grenze von jedem Handwerksburschen, der nach
Oesterreich wollte, der Nachweis von fnf Gulden Reisgeld verlangt.
Diese hatten wir aber nicht. So verfielen wir auf die Ideye, von der
letzten bayerischen Station die Bahn nach Kufstein zu bentzen. Um
mglichst als Gentlemen auszusehen, putzten wir extrafein unsere Stiefel
und Kleider und steckten einen weien Kragen auf. Unsere List hatte den
gewnschten Erfolg. Unser sauberes Aussehen und die Tatsache, da wir
mit der Bahn ankamen, tuschte die Grenzbeamten; sie lieen uns
unbeanstandet passieren. Bei starker Klte und meterhohem Schnee ging
die Reise zu Fu durch Tirol. Die Klte und der Schnee trieben die
Gemsen aus dem Gebirge herab, deren Lockr$
 Maschinenbauindustrie, wurde die Fabrikarbeit von den
handwerksmig arbeitenEen Gesellen mit Geringschtzung angesehen. Die
Produkte der Fabrik galten zwar als billig, aber auch als schlecht, ein
Stigma, das noch sechzehn Jahre spter der Vertreter Deutschlands auf
der Weltausstellung in Philadelphia, Geheimrat Reuleaux, der deutschen
Fabrikarbeit aufdrckte. Fr den Handwerksgesellen galt der
Fabrikarbeiter als unterwertig, und als Arbeiter bezeichnet zu werden,
statt als Geselle oder Gehilfe, betrachteten viele %ls eine persnliche
Herabsetzung. Zudem hatte die groe Mehrzahl dieser Gesellen und
Gehilfen noch die Ueberzeugung, eines Tages selbst Meister werden zu
knnen, namentlich als auch in Sachsen und anderen Staaten anfangs der
sechziger Jahre die Gewerbefreiheit zur Geltung kam. Die politische
Bildung dieser Arbeite war sehr gering. In den fnfziger Jahren, das
heit in den Jahren der schwrzesten Reaktion gro geworden, in
denen alles politische Leben erstorben war, hatten sie keine
Gelegenheit ge$
st ihm der
kleine Kreis seiner Anhnger erwartet hatte. Ich selbst verbreitete die
Schrift in ngefhr zwei Dutzend Exemplaren im Gewerblichen
Bildungsverein, um auch die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen. Da die
Schrift auf die Mehrzahl der damals in der Bewegung stehenden Arbeiter
so wenig Eindruck machte, mag heute manchem unerklrlich erscheinen. Und
doch war es natrlich. Nicht nur die konomischen, auch die politischen
Zustnde waren noch sehr rckstndige. Gewerbefreiheit, Freizgigk~eit,
Niederlassungsfreiheit, Pa- und Wanderfreiheit, Vereins- und
Versammlungsfreiheit waren Forderungen, die dem Arbeiter der damaligen
Zeit viel nher standen als Produktivassoziationen, gegrndet mit
Staatshilfe, von denen er sich keine rechte Vorstellung machen konnte.
Der Assoziations- oder sagen wir der Genossenschaftsgedanke war erst im
Werden. Auch das allgemeine Stimmrecht schien den meisten kein
unentbehrliches Recht zu sein. Einmal war, wie mehrfach hervorgehoben,
die politische Bildung noch gKring, dann aber$
 sonst nicht erlangte, kndigte er mir nach meiner
Rckkunft und machte sich selbstndig. Als ich diesen Vorgang spter
einem ehemaligen Kollegen erzhlte, meinte dieser trocken: "Das
geschieht dir recht, warum zahltest du einen Lohn, bei dem er sich Geld
sparen konntew" Dieser "horrende Lohn" betrug damals 4-1/2 Taler pro
Woche, er war um einen halben Taler hher als in jeder anderen
Werkstatt, auch whrte bei mir die Arbeitszeit tglich zehn Stunden,
anderwrts elf.
Im brigen lernte ich das Elend des Kleinmeisters grndlich kennen. Die
gelieferten Waren muten auf lngeren Kredit gegeben werden, Lohn fr
das Personal, Spesen und der eigene Lebensunterhalt erforderten aber
tlich und wchentlich Ausgaben. Woher das Geld nehmen? Ich lieferte
also einem Kaufmann meine Ware gegen Barzahlung zu einem Preis, der nur
wenig hher als die Selbstkosten war. Holte ich mir aber am Samstag mein
Geld, so erhielt ich lauter schmutzige Papierscheine, von denen damals
Leipzig durch seinen Verkehr mit den thringischen Kl$
em Herzen! Ich
werde Ihnen diesen Augenblick nie vergessen."
Und nun gab auch Frederik endlich das Zeichen zum Tischgang.
Alle Anwesenden setzten sich in Bewegung, und bald sa die glnzende
Gesellschaft in dem theegrnen Speisesaal, der sich als Huptzierde des
Palais in einem Flgel des Gebudes befand, bei kstlich duftenden
Speisen und seltenen Weinen beisammen.
Whrend des Tafelns warf Lucile, zu ihrem Verlobten gewendet, hin:
"Sieh' einmal, wie Imgjor entzckend ansieht und wie lebhaft sie sich
mit dem jungen Gafen Kilde unterhlt."
Ach, wenn sie sich doch endlich einmal verliebte und damit auch ihren
Menschenbeglckungskittel abthun wrde!"
"Ist's mglich! Imgjor hat sich noch fr niemanden interessiert?"
"Doch, einmal! Aber das war nur ein Flmmchen, welches ebenso rasch
verglomm, wie's emporelodert war. Auch spielten andere Dinge mit--"
"Und wer war der Bevorzugte? Wie hie der Mann, der jedenfalls einen
ganz superben Geschmack besa?"
"Es war irgend einer! Der Name ist gleichgltig. Es war einer, der$
lt, das ist ein Los, das
sie mit allen teilt, denen ein hherer Geisteflug innewohnt, die sich
nicht damit begngen, blos zu sein."
Imgjor hatte dem Redner mit BegeisterungN zugehrt. Sie fing jedes Wort,
das ber seine Lippen ging, wie ein Evangelium auf. So schn, so
verklrt waren seine Zge! Ueber der bleichen Stirn hing, gleichsam als
Kennzeichen der Gleichgiltigkeit gegen alles Aeuerliche, eine Locke des
schwarzen Haares, in seinen dunklen Augen glhte das Feuer Cer
Ueberzeugung, und ber ein krankes Hsteln, das seine Rede unterbrach,
sprach er mit jener milden Ergebenheit, die den Mrtyrern eigen.
"Ich schaffe, so lange ich es vermag. Will der Schpfer, da ich
aufhre, so wird er seine Grnde haben, und einen anderen, Befhigteren,
Strkeren senden."
Jetzt, in seiner Nhe, unter seinem Einflu lehnte sich Imgjor wieder
einmal gegen die nchterne Ueberlegenheit eines Axel Dehn, eines
Marquis von Curbire auf.
Es war sehr bequem, zu sprechen, wie sie es thaten.
Allmhlich wrde, nach ihren Worten und $
ne von
ihm gingen. Kthe fuhr nun ihrem Manne entgegen nach Altenburg, wo
Freund Spalatin als Pfarrer lebte. Bei diesem bereitete sie nun eine
Herberge, bis Jonas und die Muhme Lenchen mit dem Kranken von Weimar her
ankamen. Im gastlichen Altenburger Pfarrhaus pflegte Kthe den
Erschpften einige Tage nd fuhr dann mit ihm Mitte Mrz langsam an
Kloster Nimbschen vorbei, mit einem Aufenthalt in Grimma nach Wittenberg
heim, wo sie am 14. Mrz ankamen[323].
Langsam nur erholte sich Luther; an allen Knochen wie zerschlagen,
konnte er sich kaum auf den Beinen halten, so erschpft war er. Er
lernte wieder essen und trinken: die Ruhe und Kthes sorgliche Pflege
brachte ihn allmhlich wieder zu Krften. Acht Tage darauf+konnte er
wieder die feiernde Feder ergreifen und seinen Dankesbrief an Spalatin
schreiben. Frau Kthe, die in der Bestrzung den Tchtern Spalatins
nichts mitgebracht hatte, wollte ein paar Bcher binden lassen und zum
Andenken schicken. Ueber die Osterzeit hat Luther dann wieder fleiiggepredigt. Abe$
besser.
Ich habe der Kinder Briefe, auch des Bacculaurien (Hans)--der kein Kind
ist, Mariische auch nicht--kriegt, aber von Ew. Gnaden hab' ich nichts
kriegt; werdet jetzt auf die vierte Schrift, ob Gott will, einmal
antworten mi Ew. gndigen Hand.
Ich schicke hie mit dem Magister Paul den silbernen Apfel, den mir Ihre
gndige Hand geschenkt hat, den magst Du, wie ich zuvor geredet habe,
unter die Kinder teilen und fragen, wie viel sie Kirschen und Aepfel
dafr nehmen wollen; die bezahle ihnen bar ber und behalt' Du den Stiel
Sage untern lieben Kostgngern, sonderlich Doktor Severo oder Schiefer,
mein freundlich Herz und guten Willen, und da sie helfen zusehen in
allen Sachen der Kirchen, Schulen, Haus und wo es not sein will. Auch M.
Georg Major und M. Ambrosio, da sie Dir zu Hause trstlich seien.
Will's Gott, so wollen wir bis Sonntag auf sein, von Weimar gen Eisenach
zu ziehen, nd Philipps mit. Hiemit Gott befohlen. Sage Lycaoni nostro
(dem Diener Wolfgang), da er die Maulbeer nicht versume, er ver$
ssimum" schrieb statt
Katechismum, so kann dies damals viel weniger wie heute als
orthographische Unbildung gelten zu einer Zeit, wo nicht nur Laien,
sondern auch Gelehrte hchstens das Lateinische einigermaen
orthographisch schrieben, das Deutsche aber in der krausesten Form, wie
es ihnen in die Feder kam mit allen Fehlern der undeutlichen,
verdorbenen mundartlichen Aussprache[519].
Ebenso wenig sachgem ist die Frage, ob Frau Katharina ihrem Gemahle
ebenbrtig war. An eine Vergleichung mit seinem geistigen Wesen, mit
Luthers Genialitt und Charakter, Wirksamkeit und weltgeschichtlicher
Bedeutung ist ja naturgem nicht zu denken. Aber da sie als Gattin,
als Hausfrau und Mutter seiner Kinder ihm das war, was er an ihr
brauchte und wollte*, da sie Luthers rechte und somit ebenbrtige Gattin
w<r, das hat er immer wieder ausgesprochen und anerkannt.
Aber auch dran mu erinnert werden, da Frau Katharina doch ein
lebhaftes Interesse fr das Werk ihres Gatten, fr die Kirche und die
Reformation bezeugte. Frau$
e Doktorin eingenommen, wenn
man den Berichten von Brck glauben soll. Es mu aber doch ausfallen,
da auer den Brckschen Berichten keine Belege fr Melanchthons und
Bugenhagens Feindseligkeit gegen Frau Kthe bekannt sind; ja die
Frsorge beider, namentlich Melanchthons und das Zutrauen Katharinas zu
diesem beweist eher das Gegenteil. Dennoch wre nach Brcks Eingabe eine
vorbergehende Erregung der beiden alten Freunde gegen sie vorhanden
Zunchst freilich wirkte die Liebe und Verehrung, die der gewaltige und
gemtreiche Mann genossen, auch noch auf seine Familie, insbesondere die
trauernde Gattin.
Der Kurfrst atte einst vor neun Jahren in Schmalkalden an Luthers
vermeintloichem Sterbebett diesem versprochen: "Euer Weib soll mein Weib
sein und Euere Kinder sollen meine Kinder sein". Dessen gedacht? er auch
jetzt nach des Doktors wirklichem Abscheiden und sandte an "die
Doktorin, Luthers liebe Hausfrau", jenes gndige Trostschreiben, worin
er sie und ihre Kinder seiner gndigen Frsorge versichert[580]. $
ine Gattin schon vier Jahre vor seinem Tode ein Leibgeding
Luter hatte nun in bekannter Miachtung der Juristen und des
juristischen Formen-Krams dies Dokument absichtlich selbst aufgesetzt
und nur von seinen theologischen Freunden Melanchthon, Kreuziger und
Bugenhagen unterschreiben lassen, in der Meinung, da ihn so "viele in
der Welt fr einen Lehrer der Wahrheit halten" trotz Papstes Bann und
des Kaisers, Knige, Frsten, Pfaffen, ja aller Teufel Zorn, so sollte
man ihm und seiner Handschrift auch in diesen geringen Sachen glauben."
Er schreibt darin: "Zuletzt bitt' ich jedermann, weil ich in dieser
Begabung oder Wibgeding nicht gebrauche der juristischen Formen und
Wrter (wozu ich Ursachen gehabt), man wolle mich lassen sein die
Person, die ich in Wahrheit bin, nmlich ffentlich im Himmel, auf Erden
und in der Hlle bekannt, der man trauen und glauben mag, mehr denn
keinem Notario."[588]
Darau ergiebt sich eine Mistimmung gerade gegen Brck, der ja in
diesem Falle besonders htte gehrt werden mssen$
nherein fest: es musste das adelige
Cisterzienserinnen-Kloster "Marienthron" oder "Gottesthron" _Nimbschen_
bei Borna im Kurfuerstentum Sachsen sein[30]. Denn hier war eine Muhme
von Vaterseite, vielleicht Vatersschwester Magdalene von Bora schon
lange Zeit Klosterjungfrau und bekleidete von 1502-8 das Amt einer
Siechenmeisterin, d.h. Krankenwaerterin der Nonnen. Ausserdem waren,
scheint es, noch zweiVerwandte aus der muetterlichen Famiie der Haubitz
da: eine aeltere Margarete und eine juengere Anna.
Das Kloster Nimbschen hat eine huebsche Lage. Eine Stunde unterhalb,
nachdem die beiden Mulden, die Zwickauer von Sueden und die Freiberger
von Osten her zusammengeflossen sind zu der grossen Mulde, erweitert sich
das enge Flussthal zu einer viertelstundebreiten ebenen Aue, welche Mie
Form eines laenglichen Blattes hat und eine halbe Stunde lang ist. Am
Ostufer zieht sich eine schroffe Felswand aus Porphyr hin, an welche
das Muldebett sich anschmiegt; im Westen begrenzt eine niedrige, sanfter
ansteigende, waldbe$
n ueblichem Brautschmuck erschien, ist
selbstverstaendlich, wenn dieser auch nicht so reich war, als das
angebliche Bild Katharinas von Bora im Hochzeitsstaa= denken laesst[139].
So}wurde mit den guten Freunden eine froehliche Hochzeit gefeiert.
Freilich werden der unruhigen Zeitlaeufte wegen nicht alle Eingeladenen
erschienen sein--Luther setzte das schon in seinen Briefen voraus. Auch
Magister Philipp Melanchthon war nicht dabei, der aengstliche Gelehrte,
welcher gegen Luthers Ehe und b}sonders mit der Nonne war, waere ein
uebler Hochzeitsgast gewesen. Von Katharinas Verwandten scheint niemand
anwesend gewesen zu sein. Vater und Mutter waren wohl schon laengst tot,
zwei Brueder im fernen Preussen, der aelteste vielleicht auch ferne; den
anderen Verwandten war Kaethe doch durch ihr Klosterleben entfremdet, es
hatte sich ja auch bisher niemand von ihnen ihrer angenommen. So musste
sie ihre Gefreunde und Verwandte in ihren Pflegeeltern und Luthers
Freunden und Eltern sehen. Und wenn ihr's an ihrem Hochzeitsfes$
lein durften die Kinder halten.
Spaeter richtete der Vater Luther fuer sie und die andern jungen
Hausgenossen auch einen Kegelplan ein und sah zu, wie sie sich vermassen,
zwoelf Kegel zu treffen, wo doch nur neun auf dem "Bossleich" standen, und
schliesslich froh waren, eine nicht zu fehlen. Ja, er selbst mass sich hie
und da als ein Meister de_s Spiels mit ihnen, "schub einmal die Kegel
umbwaerts, das andered Mal seitwaerts oder ueber Eck"[182].
Aber Luther betete auch taeglich den Katechismus mit seinem Sohn Hansen
und seinem Toechter}ein Magdalene und die Kinder selbst mussten "bei Tisch
beten und herlesen"; und auch sonst waren sie von Vater und Mutter
angehalten zum Gebet fuer die Goenner und Schuetzer der Reformation, fuer
das Heil der Kirche und des Vaterlands. Martin und Paul hatten des
Vaters musikalische Anlagen geerbt und mussten nach der Mahlzeit--allein
oder mit andern--die liturgischen Gesaenge der jeweiligen Kirchenzeit
vortragen. Auch die kleine Margarete lernte mit fuenf Jahren schon mit
scho$
r, der ein Vater der Waisen und
Richter der Witwen ist, wird Euch wohl ernaehren und versorgen."
Darauf redete er weiter mit seiner Hausfrau von den silbernen Bechern:
"Die ausgenommen weisst Du, dass wir sonst nichts haben." Ueber dieser und
andern Reden ihres Herrn war die Doktorin hoch erschrocken und betruebt.
Doch liess sie sich nicht merken, wie gross Leid ihr geschah, dass sie
ihren lieben Herrn dergestalt so jaemmerlich da vor Augen liegen sah,
sondern sie stellte sich getrost und sprach: "Mein liebster Herr Doktor!
Ist's Gottes Wille, so will ich Euch bei unserm lieben Herrn Gott lieber
denn bei mir wissen. Aber es ist nicht allein um mich und mein liebes
Kind zu thun, sondern um viel frommer, christlicher Leute, die Euer noch
beduerfen. Wollet Euch, mein allerliebster Herr, nicht bekuemmern; ich
befehle Euch seinem goettlichen Willen, ich hoff und trau zu Gott, er
werde Euch gnaediglich erhalten."
Bald fuehlte der Kranke Besserung, die Schwaeche liessnach und der Doktor
meinte, wenn der Patient n$
eib und Magd nichts wissen in
der Kueche: es ist das erste Unglueck, woraus viele Uebel folgen." Aber
auch das Gesinde th[t's nicht, sondern, wie Luther in sein Hausbuch
schreibt: "Der Frauen Augen kochen wohl."[465]
Luther liebte, als ein echtes Bauernkind und mit gesundem Appetit
gesegnet, recht derbe Hausmannskost. Ueppige Speise machte ihm
Beschwerden. Er lobte sich eine reine, gute, gemeine Hausspeise:
Brathering und Erbsen war ihm ein Lieblingsgericht[466]. Aber seine
Gattin erkannte bald, dass dem Doktor bei seiner sitzenden Lebensweise,
bei seiner angestrengten geistigen Thaetigkeit und namentlich, weil er in
den Tagen seines unnatuerlichen Kloster- und Junggesellenlebens seine
Natur sehr verdorben hatte und durch Ve4dauungsstoerungen an schweren
Schwindelanfaellen litt,--dass diese derbe Kost ihm wenig zutraeglich sei
und sie namentlich mit anderer Pflanzenkost, besonders Obst, nachhelfen
muesse, und ueberhaupt war sie auf Wechsel in de Speise bedacht[467]. So
hatte sie denn in ihrer Speisekammer, i$
ene Neigung und Liebe nicht fuehlet. Denn es ist ein gross Ding um
das Buendnis und die Gemeinschaft zwischen Mann und Weib."[514]
Luther wusste aber auch, dass er keine zweite Frau in der Welt finden
koennte, die so gut fuer ihn passte, als Katharina von Bora. Er warnte den
Pfarrer von Sitten vor einer zweiten Heirat und fuegt bei der Umschau auf
seinen Bekanntenkreis hinzu: "Ich, wenn ich jung waere und die Bosheit
der Welt so kennete, ich wuerde, wenn mir auch eine Koenigin angeboten
wuerde nach meiner Kaethe, lieber sterben, als noch einmal heiraten." Und
doch schaetzte er den Ehestand so hoch, dass er ihn fuer die schoenste
Ordnung nach der Religion, fuer den fuernehmsten Stand auf Erden
Luther kannte nichts Lieberes als seine Kaethe. Er beteuert, er habe sie
lieber als sich selber. Ja er klagte darueber als menschliche Schwaeche,
dass er seine Kaethe lieber habe als unsern Herrgott. Seine
Lieblingsepistel, den Galaterbrif, nannte er "seine Kaethe i neuen
Testament". "Der Brief an die Galater ist meine$
Ave) Allemanna, vgl. die vier Brueder
Alemann III, 418. Man deutet aber diese Aeusserun L. drei "Frauen" auch
allegorisch auf die drei Moenchsgeluebde (_Beste_ 31) u.a.
[126] II, 655. Luther war am 19., 28., 29. April in Eisleben.
[127] Die ueble Nachrede (III, 2 infamantibus me cum Catharina Borana)
war vielleicht die Luege von einem fruehzeitigen unerlaubten Umgang der
be(iden Brautleute, welche auch Melanchthon in seinem bekannten
vertrauten Brief an Camerarius zurueckweist. S. 58. Luther war wegen der
an sich selbst erfahrenen und auch sonst wahrnehmbaren Verleumdung
Verlobter gegen lange Verlobungszeit. T.-R. IV, 41, Br. III, 1-3, 9-12.
[128] T.-R. IV, 73. Cord. 1511.
[129] Luthers Augen beschreibt Melanchthon (Ztschr. f. K.-G. IV, 326)
als braun mit einem gelben Ring darum: der Ausdruck habe den
kamNpflustigen Blick des Loewen.--Ueber Luthers Aeussere vgl.
Kuechenmeister, L.'s Krankheitsgeschichte, 42. 116. Bei dem Besuch bei
Kardinal Bergerins (s.o.S. 115) trug, wie dieser bemerkte und
aufschrieb, Luth$
gen"--Sack- oder
Hosenlaufen und Barlauf?) Jost Br. IV, 7. Jost und Lippus; 41.
[183] T.-R. I, 13. _Matthesius_ 145a. Br. IV, 41 f. 343. V, 163.
_Ratzeberger_ 59.
[184] T.-R. I, 294. 212. 185. 178. Cord. 732. _Weisslinger_ in seinSrSchmaehschrift "Friss Vogel oder stirb" (Strassburg, 1726, S. 78) hat ein
Familienbild: D. Luther,Ldie Frau Kaeth und liebe Jugendt; darauf stehen
in einer Gruppe das Ehepaar, an den Vater angeschmiegt "Haensschen", dann
dem Alter nach "Lisel", als erwachsenes Maedchen (obwohl sie mit einem
halben Jahr gestorben ist.), "Lenchen, Martin, Paulus, Gretel"; in der
Thuer steht ein aelterer Knabe mit der Schrift. "Ich heiss
Andraesel".--Dies Bild hat mit Weglassung von Elisabeth ein Strassburger
Maler etwas veredelt nachgebildet und diese Nachbildung ist in der
"Niederlage Christlicher Schriften" in Strassburg als Photographie
erschienen und in G. Buchwalds D.M.L. deutsche Briefe (L. Bernh. Richter
1899) reproduziert.--Vielleicht ist das Weisslingersche Bild unter
schmaehsuechtigem Hinzu$
nen.
Nordens Reich streckt seinen Busen
In des Eismeers frostige Nebel,
Finsternis der Wintermonde
Lastet schwer auf Meer und Bergen.
Und den Landen gleich, erstreckt sich
Auch des Volkes tiefste Wurzel
Weit hinein in Nacht und Nebel.
Doch wie durch die Nacht ein Leuchtturm,
Doch wie Nordicht durch Polarnacht
Blinkte leuchtend sein Gedanke.
Zrtlich wie nach seines Vaters
Angedenken frug er eifrig,
Forschend nach des Volkes Wegen.
Namen, Grber, rostige Waffen,
Steine brachten ihm die Antwort.
ber Asiens Urwaldberge,
Wstensand und de Steppen
Sah er Karawanenspuren
Unterm Moder von onen
Heimatsuchend nordwrts deuten.
Wie einst sie den Flssen folgten,
Folgte ihnen all sein Denken,
Das so reich ins Weltall strmte.--
Sieh, es war ja nur Vershnung,
Was sein rastlos Schaffen wollte,
Doch die fand er nicht;--statt dessen
Fand er neue Wunderdinge,
--Ganz wie jene Alchymisten,
Die im Suchen nach dem Golde
Zwar nicht Gold, doch Krfte fanden,
Die noch heut die Welt bewegen.
Tief im Grunde barg sein Wesen
Eine$
e getraute sich
auch nicht, hinunterzusehen; denn alles rief Erinnerungen in ihr wach.
Sie ging also weiter, und ehe sie sich's versah, war sie auf der andern
Seite des Bergs. Dort setzte sie sich nieder und blickte auf die See
hinaus. Der senkte ihr Frieden ins Herz, dieser weite Blick auf die See
hinaus. Da kam ihr die Lust, zu singen; sie whlte ein Lied mit lang
schwingenden Tnen, und der Klang ging weit in die stille Nacht hinaus.
Es machte ihr selbst Vergngen, und deshalb sang sie noch einen Vers.
Aber da war's ihr, als antworte jemand aus der Tiefe her. "Herrjeh, was
kann das sein?" dachte Aslaug; sie ging bis an den Abhang und schlangdie Arme um eine schwanke Birke, die sich zitternd nach unten neigte.
Sie blickte hinunter, aber sie sah nichts. Der Fjord lag still da und
ruhte; kein Vogel strich darber hin. Aslaug setzte sich wieder und sang
weiter; da kam wirklich eine Antwort, in demselben Ton, nher als das
erstemal. "Da mu doch was los sein"! Aslaug spran  auf und beugte sich
hinber. Und da $
als sei sie Tore und drfe
nicht loslassen. Aber die Graswurzeln lsten sich aus dem Erdboden,--sie
schrie laut auf und flehte zu Gott dem Allmchtigen, Tore zu helfen.
Aber da scho ihr der Gedanke durch den Kopf, Tore versuche Gott mit
seinem Tun, und deshalb knne er keine Hilfe erwarten. "Nur dies eine
Mal", betete sie, und sie fate den Hnd um, als sei es Tore, den sie
festhalten msse; sie rollte mit ihmLber die Halde hin, und die Zeit
schien ihr endlos. Aber da ri sich der Hund los. "Wau, wau!" klffte er
den Berg hinunter und wedelte mit dem Schwanz. "Wau, wau!" sagte er zu
Aslaug und sprang mit den Vorderpfoten an ihr hinauf. "Wau, wau!" wieder
den Berg hinunter--und da tauchte eine rote Mtze ber dem Bergrand auf,
und Tore lag an ihrer Brust. Da blieb er viele Minuten liegen, ohne ein
Wort ber seine Lippen zu bringen, und das, was er schlielich sagte,
hatte nicht Sinn noch Verstand.
Doch als der alte Knut Huseby dies hrte, da sagte er etwas, das Sinn
und Verstand hatte; er sagte nmlich: "De$
, er konnte noch
lachen, und so lachte er denn ganz laut, immer lauter, und pltzlich kam
es ihm sehr drollig vor, da er da sa und so ganz fr seinen eigenen
Schatten lachte,--und da mute er noch mehr lachen. Hans aber, sein
Schulkamerad, der neben ihm gesessen hatte, kam ihm nac. "Um
Gotteswillen, worbeh lachst Du?" fragte er und blieb am Eingang
stehen. Da hielt yvind inne.
Hans stand und wartete ab, was sich nun begeben wrde. yvind erhob
sich, sah sich vorsichtig um und sagte dann leise: "Jetzt will ich Dir
sagen, Hans, warum ich immer so vergngt gewesen bin; darum, weil ich
niemand so richtig lieb gehabt habe; von dem Augenblick an, da man einen
Menschen lieb hat, kann man nicht mehr frhlich sein", und er brach in
"yvind!" flsterte es drauen auf dem Hof; "yvind!" Er hielt inne und
lauschte. Das mute die sein, an die er dachte. "Ja", antwortete er
ebenfals flsternd, trocknete schnell seine Trnen ab und trat heraus.
Da huschte eine Mdchengestalt ber den Hof. "Bist Du da?" fragte sie.
"Ja$
bis zur Konfirmation hingingen, war
er jeden Tag bei dem Knaben; eine junge, weiche Seele kann wohl eiem
Eindruck nachgeben, ein andres ist es, ob sie ihn auch treulich
festhlt. Manch dunkle Stunde kam ber den Knaben, bis er lernte, sein
Ziel auf bessere Dinge als auf Ehre und Trotz zu stecken. Mitten in der
besten Arbeit verlor er pltzlich die Lust daran: Wozu? Was gewinne
ich?--und dann nach einer Weile fiel ihm d|r Schulmeister ein, seine
Worte und seine Gte; aber dies Mittel mute er haben, wenn er wieder
einmal von der rechten Auffassung seiner hheren Pflicht
heruntergesunken war.
In den Tagen, da man in Pladsen zur Konfirmation rstete, wurde auch
seine Reise auf die Ackerbauschule vorbereitet; denn schon am Tage
darauf sollte er sie antreten. Schneider und Schuster saen in der
Stube, die Mutter buk in der Kche, der Vater arbeitete an einer Truhe.
Viel wurde davon gesprochen, was er sie in den zwei Jahren kosten wrde,
auch davon, da er das erste Jahr Weihnachten nicht nach Hause kommen
knne, $
 verlangende
ste, die nach ihnen haschten. Sie krochen den Berg hinunter, zum gelben
Schuppen, wo das Boot lag; er machte sich sofort daran, es
auszuschpfen; dann ruderte er sie hinaus, am Land entlang, das jetzt
dalag zu einem schwarzen Klumpen geballt, auf den sich schwer der
Himmel niedergesenkt hatte. Feld und Wald, Huser und Hgel, alles war
ausgelscht. Nichts mehr erblickte sie von alledem, was sie von Kindheit
an bis gestern Tag fr Tag vor Augen gehabt hatte; alles hatte sich
verschlossen--wie die Stadt; wie die Menschen sich vor ihr verschlossen,
in er Nacht, da sie hinausgestoen wurde; und kein Lebwhl begleitete
Auf dem Schiff, das dicht am Strand vor Anker lag und auf die
Morgenbrise wartete, ging ein Mann auf und ab. Sobald er die zwei unter
den Dillen sah, lie er die Schiffstreppe hinab, half ihnen an Bord und
benachrichtigte den Kapitn, der sofort auf Deck kam. Petra kannte
beide, und beide kannten sie; aber ohne eine Frage, ohne Mitleid, nur
wie eine ganz alltgliche Sache wurde ihr g$
n Abend--oder nein, ihre
Mutter, dachte sie, als die Dame nher kam. Petra sah sie an und sagte:
"Ichwei nicht--sind Sie's ... oder sind Sie ihre Mutter?" Jetzt lachte
auch der Direktor. Djer Frauenkopf hatte sich wieder zurckgezogen, aber
aus dem Nebenzimmer tnte noch immer das Lachen. Petras Verlegenheit
malte sich so lebhaft in Stellung, Gesicht, Mienenspiel, da der
Direktor aufmerksam wurde. Er betrachtete sie eine Weile; dann griff er
nach einem Buch und sagte so ganz beilufig: "Kommen Sie mal her, Kind,
und lesen Sie. Aber lesen Sie einfach so, wie Sie fr gewhnlich
sprechen." Petra las.--"Nein, nein--das ist ja Unsinn! Hren Sie zu!"
Und er las ihr vor, und sie las ihm nach, genau so, wie er gelesen
hatte. "Nein doch, nein! So lesen Sie doch norwegisch--den Teufel noch
mal--norwegisch!" Und Petra las wieder wie vorhin. "Nein doch, sag' ich!
Das ist ja der elle Bldsinn! Begreifen Sie denn nicht, was ich meine?
Sind Sie dumm!"--Er versuchte es wieder und wieder; dann gab er ihr ein
anderes Buch. "$
es doch an."
Viele meldeten sich zum Wort, sie fingen auch alle zugleich zu reden an,
"Ich mag wohl vierzehn Jahre gewesen sein--" klang es vom Klavier her,
und alles strmte ins andere Zimmer; denn Signe sang, und Signes
schwedische Volkslieder waren das entzckendste, was man sich denken
konnte. Ein Lied folgte dem andern, und als nun diese schnsten
Volkslieder der Welt, die treulich Kunde bringen von der Seele eines
groen Volkes, alle in erwartungsvolle Weihestimmung versetzt hatten, da
stand degaard auf und bat Petra, ein Gedicht vorzutragen. Sie mute
darauf vorbereitet sein, denn sie wurde feuerrot. Aber sie trat soglich
vor, obwohl sie so zitterte, da sie sich an einer Stuhllehne festhalten
mute, dann wurde sie leichenbla und fing an:
    Ihm ward nicht verstattet, zu fahren hinaus;
    Sein Vater war alt, seine Mutter war schwach,
    Und die Wirtschaft ward grer allgemach:--
    "Was bra-uchen ihn Wikingerfahrten zu scheren?
    Hier hat er, was immer sein Herz kann begehren."
    Doch der B$
 raecht.
Auf, auf, Kriegsheer, es fiel euer Feldherr,
Euer Stolz, euer Vater, eurer Kinder Wonne,
Eurer Kinder Maerchen, eures Landes Held,--
Hier liegt er, gefallen. Und ihr wolltet ihn nicht raechen?
Meuchlings ermordet, im Koenigshause,
Im Tinghaus, dem Hause des Rechtes ermordet,
Ermordet vom obersten Manne des Rechts!
Des Himmels Blitz zermlme das Land,
Laeutert sich's nicht in der Lohe der Rache!
Stosst die Langschiffe ab!
Ejnars neun Langschiffe liegen ja hier,
Lasst sie die Rache zu Harald tragen.
O stuendest du hier, Hakon Ivarson,
Stuendest hier auf der Hoehe, mein Blutsfreund,
Nichtcerreichte den Fjord dann Ejnars Moerder,--
Nicht muesst' zu euch, Feigen, ich flehn!
O Bauern, hoert mich, mein Mann ist gefallen,
Meines Denkens Hochsitz durch fuenfzig Jahre!
Zermalmt, zoerbrochen, und ihm zur Seite
Der einzige Sohn, ach! all unser Hoffen!
Leer ist es nun zwischen diesen zwei Armen--
Kann ich betend sie je noch erheben?
Wohin auf Erden soll ich mich wenden?
Zieh' ich von hinnen zu fremden Staetten,--
$
pitzen die Pferde die Ohren,
Froh der Stalltuer entgegenwiehernd,
Lauschend auf Ejndrides Stimme.
Doch nimmer ertoent sie mehr,--
Und nimmermehr Ejnars Schritt im Flur,
Der allen kuendet: steht auf, ihr Leute,
Jetzt kommt euer Haeuptling!
Die grossen Stuben will ich schliessen,
Fortschicken all unsre Leute;
Vieh und Pferde will ich verkaufen,
Von hinnen ziehn und einsam leben.
  Fahrt langsam!
Denn wir kommen frueh genug heim.
AN MEINE FRAU
(Mit einem Satz roemischer Perlen)
Nimm diese Perlen!--als spaete Reim
Auf die, so geschmueckt einst mein Jugendheim!
Der tausend Stunden stilles Glueck,
Da du drin geatmet, es blieb zurueck
Ein Haufe Perlen schimmernd hell,
Die der junge Gesell
Um die Brust sich hing
Und ums Haupt sich band--
Dass aller Welt zu lesen stand,
Von wem sein Herz und Geist erst rechte Zier empfing:
Von ihr, die ihre Liebe um sein Leben wand!
IN EINER SCHWEREN STUNDE
Wohl dem, der ernster Faehrnis
Dankt seiner Kraft Bewaehrnis:
  Je ferner das Ziel,
  Desto schwerer das Spiel,
Doch herrlicher$
erzen,
  Mein norwegisch Wort,
  Fuer Freuden und Schmerzen
  Als Burg uns gebautes,
  Du Gott vertrautes,--
    Wir lieben dich!
Warst we ein Maitag voll strahlender Zier
Fuer den Fruehling der Freiheit im Norden.
Durch deine Lieder ist unser Panier
Weit auf Erden Sieger geworden.
  Du Heim der Bedrohten,
  Mein norwegisch Wort!
  Hier gruessen die Toten
  Die Lebensroten,
  Die Zukunftsboten,--
    Wir lieben dich!
Ueber die Wogen rollst du als Weg
Deinen Blumenteppich, es schreiten
Freunde zu Freunden auf diesem Steg,
Fuelen Himmel und Glaube sich weiten.
  Du Herz der Herzen,
  Mein norwegisch Wort,
  Fuer Freuden und Schmerzen
  Als Burg uns gebautes,
  Du Gott vertrautes,--
    Wir lieben dich!
Der beste Freund, den ich fand, warst du;
Im Aug' der Mutter harrtest du meiner.
Und wer mich am letzten verlaesst, bist du;
Denn du nur sahst mir ins Herz, sonst keiner!
  Du Heim der Bedrohten,
  Mein norwegisch Wort!
  Hier gruessen die Toten
  Die Lebensroten,
  Die Zukunftsboten,--
    Wir lieben dich!
   $
 ihm von einem Mann /aus Vaage, welcher
"der Blessommer" hiess. Er war in Kopenhagen, dieser Mann, um des Koenigs
Schiedsspruch einzuholen in einem Prozess, den er fuehrte, und das zog
sich so in die Laenge, dass ihm der Weihnachtsabend ueber den Hals kam; das
gefiel aber dem Blessommer durchaus nicht, und wie er so durch die
Strassen schlenderte und nach aHause dachte, da sah er einen wuchtigen
Kerl in einem weissen Mantel vor sich hergehen. "Du gehst ja so suchnell",
sagte der Blessommer.--"Hab's weit bis nach Haus heut abend", sagte der
Mann.--"Wo willst Du hin?"--"Nach Vaage", sagte der Mann und schritt
aus.--"Das trifft sich aber fein," sagte der Blessommer, "dahin moechte
ich auch."--"Dann kannst Du hinten bei mir auf den Kufen stehen",
antwortete der Mann und bog in eine Querstrasse ein, wo sein Schlitten
stand. Er schwang sich hinauf und sah sich nach dem Blessommer um, der
sich auf die Kufen stellte. "Du musst Dich festhalten", sagte er. Der
Blessommer tat es, und es war auch noetig; denn es ging nic$
men der Pfarrer und seine Frau herueber, denn die Krankheit
hatte Eli mit neuer Macht gepackt, und es wurde so schlimm, dass keiner
wusste, ob es zum Leben oder zum Tode gehe.
Der Pfarrer wie auch seine Frau machten Baard Vorwuerfe, er sei zu hart
gegen das Kind; sie erfuhren die Geschichte mit dem Vogel, und da sagte
ihm der Pfarrer rund heraus, das sei eine Roheit; er wolle das Kind zu
sich ins Haus nehmen, sagte er, sobald sie hinuebergeschafft werden
koenne; die Frau Pfarrer wollte ihn zuletzt gar nicht mehr sehen, sie
weinte und sass bei der Kranken, liess den Doktor holen, nahm selbst seine
Anordnungen entgegen und kam dann taeglich einigemal herueber, um Eli
vorschriftsgemaess zu pflegen. Baard ging draussen auf dem Hof von einer
Stelle zur andern, am liebsten so, dass er allein war, stand oft lange,
lange auf einem Fleck, schob dann mit beiden Haenden seineMuetze zurecht
und nahm irgend eine Arbeit vor.
Die Mutter sprach nicht mehr mit ihm. Sie sahen sich kaum. Ein paarmal
am Tage ging er zu der Kr$
 sie in die erste bste Kate, die sich
auftut, hinzugeben, und man steht nicht vierzig Jahre lang einem Hof
vor, um das alles dem ersten besten an den Hals zu werfen, der dem Maedel
den Kopf verdreht. Meine Tochter jammerte und wehklagte so lange, bis
sie an einen Landstreicher verheiratet war, der sie alle beide zu Tode
soff, und ich musste das Kind zu mir nehmen und den Spass bezahlen; aber
gnade Gott, wenn es mit meiner Grosstochter ebenso gehen sollte, jetzt
weisst Du's.--Ich will Dir sagen, so wahr ich Ole Nordistuen vom Heidehof
bin, eher wird der Pfarrer das Hex"nvolk im Walde von Norddal trauen,
ehe er Margit und Dich, Du Scheusal, aufbieen soll.--Du willst wohl
alle anstaendigen Freier vom Hof weggraulen? Versuch's nur und komm, dann
fliegst Du den Berg 'runter, dass Dir die Schuhe um die Ohren schlagen.
Du Affenkerl! Du glaubst wohl, ich weiss nicht, was Ihr denkt, Du und
das Maedel,--Ihr denkt, der alte Ole Nordistuen wird bald die Nase in die
Luft strecken da draussen auf dem Kirchhof--und dann--ha$
ur nicht darauf. Sie war so beleidilt, dass sie
jetzt selber wartete, bloss damit sie's ihm ordentlich "geben" konnte,
wenn er endlich kam. Uebrigens hatte sie Unterhaltung genug, waehrend sie
hinter dem Garten auf und ab spazierte. Der kaufmaennische Gesangverein
hatt naemlich soeben in einem benachbarten Haus bei offenen Fenstern
seine Probe begonnen. Die Klaenge eines spanischen Liedes lockten in der
milden Abendluft ihre Gedanken so lange, bis sie selbst in Spanien war
und von offenem Altan herab ihr Lob singen hoerte. Spanien war ihre ganze
Sehnsucht; Sommer fuer Sommer lagen im Hafen die dunklen spanischen
Schiffe, klangen auf den Gassen spanische Lieder, und in Oedegaards
Zimmer hingen an der Wand viele schoene Bilder von Spanien. Wer
weiss--vielleicht war er jetzt gerade dort, und sie war bei ihm! Aber sie
wurde sehr ploetzlich wieder heimgerufen; denn dort hinter dem Apfelbaum
kam endlich Gunnar hervorgestuerzt; sie eilte auf ihn zu--und da war es
gar nicht Gunnar, sondern der von Spanien zurueckgek$
est der Liebe, von dem
sie zu ihm, dem Strengen, zurueckkehrte mit aller vereinten Milde des
Weibes und des Christentums; und ihm war es dann natuerlich nicht
moeglich,--etwas zu sagen, was nicht liebreich gewesen waere. Er _musste_
sie ja lieben, ueber alles auf der Welt, aber um so schmerzlicher war es
ihm, um soz heftiger blutete ihm das Herz, dass er ihr nicht helfen konnte
bei ihrer Seele Seligkeit. Mit dem stillschweigenden Recht der Mutter
entzog sie auch das Kind seiner religioesen Unterweisung. Die Liedchen
des Kindes, die Fragen des Kindes wurden ihm bald eine neu, und tiefe
Quelle des Schmerzes. Und hatte ihn dann auf der Kanzel seine
leidenschaftliche Gemuetsbewegung bis zur Haerte aufgestachelt, so
begegnete ihm, wenn sie miteinander heimgingen, sein Weib nur mit um so
groesserer Milde; die Augen redeten; der Mund redete nie ein Wort. Und die
Tochter nahm seine Hand und sah zu ihm auf mit Augen, die die Augen der
Mutter waren.
Ueber alles wurde gesprochen in diesem Hause, nur ueber das eine nich$
uen dauernden Lebensinhalt finden werde.
"Ich darf und will mich auch nict beklagen. Ich beging ein Unrecht und
mu dafr ben! ann wnschen Sie, da ich aus dem Geschft austrete!?"
"Ich werde Ihnen darber noch Mitteilung zukommen lassen, Herr von
Klamm! Zunchst richte ich die Frage an Sie, ob Sie auch jetzt noch die
Angelegenheit mit meinem Bruder zu bernehmen, die Gte haben wollen?"
"Jawohl! Ich bin dazu bereit, Herr Knoop!"
"Ich danke Ihnen! Weiteres dann nachher bei seinem Besuch! Guten Morgen,
Herr von Klamm."
"Guten Morgen, Herr Knoop!"
Als Klamm in sein Kontor getreten, war es sein erstes, ein Briefchen an
Margarete Knoop zu schreiben.
Es war sehr kurz gefat und lautete:
  "Hochverehrtes Frulein!
  Verzeihen Sie, wenn ich Sie bitte, von einer Unterredung in meinen
  Angelegenheiten abzugehen. Zufolge einer zwischen Ihrem Herrn Vater
  und mir eben stattgehabten Auseinandersetzung wrde eine solche nur
  Peinlichkeiten fr uns beide mit sich fhren.
  Nehmen Sie im voraus meinen verbi	ndlichsten$
d unermuedliche Regsamkeit reichten sich die Hand. Er war
gegenwaertig die Triebfeder im Geschaeft. Bald hier, bald dort hielt er
Ruecksprache, und immer wusste er bisher die ihm weniger Wohlgesinten
durch sein gewandtes Wesen gefuegiger zu machen.
Weniger ihm Wohlgesinnte waren bereits recht viele vorhanden.
Teils wirkte der Aerger, dass ein bisher so gering Eingeweihter und
Erfahrener so Tuechtiges leistete, bald machte sich ein sehr starker Neid
Es stieg die unruhige Befuerchtung in dem Personal auf, dass Klamm bald da
sitzen oder dort ein anderer sitzen werde, wo der etreffende selbst
bisher sein unbeschraenktes Herrschertum ausgeuebt hatte. Der
Chefredakteur, Doktor Strantz, sowie der erste Disponent im Hauptkontor
und der Geschaeftsfuehrer in der Expeditionsabteilung waren schon, ohne
dass sie noch die Maske geluestet hatten, seine erkqaerten Gegner.
Immer wieder regte sich bei ihnen die Ueberlegung, wie es eigentlich
moeglich sei, dass ein frueherer Offizier, dass dieses in der Welt hin und
her versch$
an, mein Herr! Nach Ihrem Belieben! Ich darf mir aber wohl die
Frage erlauben, was Sie berechtigt, mich in solcher Weise zu beleidigen?
"Sollten es die alten Maerchen sein, dass ich Ihre Frau Mutter bei
Gutskaeufen geschaedigt habe, so erklaere ich das fuer eine Luege. Ich kann
Ihnenfnur dringend raten, dass Sie Ihre Verleumdungen nicht fortsetzen!
Also nicht Sie haben ein Recht, eine solche Sprache zu fuehren, sondern
ich koennte Sie wegen Ihrer Nachreden, die sich auf voellig vage
Vermutungen stuetzen, zur Rechenschaft ziehen. Ich habe Ihre Frau Mutter
nie mit Augen gesehen!"
Theodor hatte seine Rede kaum beendet, als schon ein, mit einer
befehlenden, jeden Widerstand aufhebenden Handbewegung begleitetes:
"Hinaus! Augenblicklich hinaus!" in einem so drohend lauten Ton
erfolgte, dass es hell durch die unteren Raeume des Hotels ertoente, und
Anlass gab, dass sich mehrere nebenan befindliche,beim zweiten Fruehstueck
sitzende Gaeste erhoben und herbeieilten, aber auch der Portier
unmittelbar darauf mit besorg$
geben, erschien die Verwirklichung doch sehr zweifelhaft. Es passte
das, wie man sich erzaehlte, Arthur so besser. Er stand nun, da seine
Frau und seine Familie auf dem Lande wohnten, unter gar keiner
Kontrolle mehr. So konHte er seinen Lebemaenner-Gewohnheiten voll
Margarete Knoop war ueber die Ortsveraenderung ausserordentlich gluecklich.
Sie hatte den Plan ihres Vaters, ein Gut zu erwerben, mit allen Kraeften
Mit der Erhebung in den erblichen Freiherrnstand, war es nach Theodors
Rueckkehr aus Paris ploetzlich sehr rasch gegangen. Hrr Knoop hatte
fuenfzigtausendDMark fuer Zwecke des roten Kreuzes gespendet, zudem dies
adlige, grosse Rittergut erworben, und sich endlich auch der buergerlichen
Thaetigkeit begeben.
Da die Familie Knoop in vergangenen Jahrhunderten den Adel besessen und
ihn nur freiwillig abgelegt, so waren sonstige vorhandene
Schwierigkeiten leichter zu beseitigen gewesen.
Und da war denn in ueberraschend kurzer Frist, nach ein paar Wochen, die
Nobilitierung erfolgt.
"Na, ja! Es ist doch etwa$
n seien. Sie fragte sehr witzig, ob man doch keinen Bock geschossen
habe, und wollte sterben vor Lachen ber ihr eigenes Bonmot. Der Alte aber
dachte: "Lache du nur immer zu; wenn du wtest, wie nahe dich der Bock
angeht, der geschossen worden ist, du wrdest nicht lachen; doch wer
zuletzt lacht, lacht am besten!"
Er erinnerte Ida an ihr Versprechen, ihm ihre Zeichnungen und Malereien zu
zeigen. Sie nickte freundlich en Ja und flog vor ihm die Treppe hinan, da
er kaum folgen konnte. Es sah etwas kunterbunt in dem Zimmeraus, das sie,
weil sie der Grfin Platz machen mute, einstweilen bewohnte. Sie
entschuldigte sich daher bei dem alten Herrn. "Machen Sie doch nur keinen
falschen Schlu auf meine Ordnungsliebe, lieber Ladenstein," sagte sie;
"aber die Grfin hat uns aus aller Ordnung herausgejagt, und besonders mir
kam sie gar nicht sehr geschickt; denn sie hat mich aus meinen vier Wnden,
die ich so hbsch eingerichtet hatte, herausgejagt und nicht eher geruht,
bis ich hier heraufzog."
"So, das hat die Gr$
mittag in ein
Kaffeehaus gekommen; da kam ein Offizier zu ihm, nahm ihn auf die
Seite, zeigte ihm einen Ring und fragte, ob er ihn wohl kenne. Der
Graf besah ihn genau und erkannte, dass es derselbe Ring sei, den
seine Schwester dem Marchese geschenkt. Er aeusserte dies aber nicht
gegen den Offizier, sondern fragte nur, woher er den Ring habe. Der
Offizier sagte ihm, dass er diesen Ring an Personen gesehen habe, die
dem Grafen Martinz nahe angingen; er sei daher gekommen, um ihm
freundschaftlich zu sagen, dass er diesen Ring auf eine Stunde von
Madame Trizka entlehnt habe, die ihn vom8 Italiener, seinem Vetter,
zum Praesent bekommen zu haben behaupte.
"Madame Trizka aber war die beruechtigte Kurtisane der Stadt und um
Geld zu haben. Der Herr Graf fragte den Offizier auf sein Ehrenwort,
ob alles sich so verhalte, und nahm ihn auf seine Versicherung
sogleich zum Sekunda`nten an. Er schickte ihn mit dem Ring an seinen
Vetter und liess ihn fragen, ob die Trizka denselben von ihm bekommen
habe. Der Italiener antw$
mit sonderbarem Ausdruck der Stimme. "Es ist
wohl etwas Gutes um Freunde; aber sie kommen und gehen, und das Herz
verlangt nach etwas Bleibendem."--
"Wer bedenkt," antwortete Ida mit geruehrtem Blick auf den jungen Mann,
"wer bedenkt, wie viel Sie schon verloren haben, wird Sie um diese
Ansicht nicht schelten; Sie haben recht, es ist nichts Bleibendes auf
So hatte aber der Graf auch wieder nicht gemeint. "Nein," sagte er, "es
hiesse dem Lebn seinen schoensten Reiz abluegen, wollte man dies so
streng behaupten. Etwas ist, was dem Mann in jedem Wechsel bleibt. Ihnen
darf ich es sagen, was ich meine, Ihnen, die in dem ersten Augenblick dem
Ungluecklichen ihre zarte Teilnahme schenkte, die duch die zarten Bande
der Gastfreundschaft mein Herz wieder fuer die edlen Freuden der
Geselligkeit oeffnete, die, wenn alle Menschen mich verkannten oder
ueber mein Unglueck spotteten, mir treue Teilnahme und reichen Trost
gewaehrte, die mir aus glaeubiger, frommer Freundschaft selbst in jene
Schreckensstunde, die mich von d$
ie
verberstet vor Neid," waehrend es nur unterdruecktes Lachen war, was dem
lustigen Amorettenkoepfchen um die Lippen zuckte,--"wnn er ^orgen frueh
mich zu besuchen kommt, wird er nicht angenommen, nachmittags--nicht
angenommen, und abends--nun, da will ich ihm ein so saures Gesicht
machen, dass er nicht mehr daran denkt, uns einen ganzen Tag zu
negligieren."
"Der arme Graf, wi ihn das mitnehmen wird!" laechelte Fraeulein von
Sorben mit einem schadenfrohen Blick auf Ida.
"Der arme Graf," dachte sie und lachte still in sich hinein; sie konnte
sich denken, wie arg dieser schreckliche Vorsatz ihn angreifen werde.
       *       *       *       *       *
DIE FREIWERBER
Schon seit einer langen halben Stunde hatte am andern Morgen Ida an ihrem
Fenster gelauscht. Um neun Uhr, ehe der Vater in die Session ginge, hatte
Martiniz kommen wollen, um mit ihm zu sprechen; es war ein Viertel, er kam
noch nicht. Dass der Vater ihn erwarten wuerde, wusste sie wohl; denn der
Graf hatte sich anmelden lassen; aber sie fuerchtete$
d entschieden ein--"die
Jugend liebt die Vernderung und glauben Sie mir, es ist wesentlich die
Neigung zur Vernderug, welche die Gegner des Kaiserreichs erfllt; ich
bin kein unbedingter Bewunderer der Napoleonischen Herschaft--die
Traditionen unserer Stadt und unserer Gegend weisen uns vielmehr auf die
alten legitimen Knige von Frankreich zurck, mit denen unsere Vorfahren
in der groen Geschichte der Vorzeit so eng verbunden waren; aber ich
erkenne an, da das legitime Knigthum fr Frankreich abgeschlossen ist
und da in dem Kaiserreich die einzige Garantie fr eine ordnungsmige
gesicherte Entwickelung der nationalen Wohlfahrt liegt. Dem Kaiser
Schwierigkeiten zu bereiten ist nach meiner aufrichtigsten Ueberzeugung
ein Unrgcht gegen Frankreich selbst, um so mehr nachdem der Kaiser sich
jetzt mit liberalen Institutionen umgeben und Mnner in seinen Rath
berufen hat, welche das Vertrauen des Volkes besitzen."
"Das Vertrauen des Volkes?" rief Herr Vergier. "Besitzt dieser Herr
Ollivier, welcher dem Porte$
utung
gewesen zu sein; ausfhrliche Berichte habe ich noch nicht erhalten."
"Schlimm genug," rief die Kaiserin, "da man Ihnen das noch nicht
erzhlt hat; es scheint, da in Ihrer Umgebung eine gewisse Neigung
vrherrscht, Ihnen Alles im rosigsten Licht darzustellen.
"Statt Rochefort," fuhr sie fort, "in aller Stillz abzufhren, statt ihn
einfach verschwinden zu lassen, hat man ihn mitten aus einer aufgeregten
Menge herausgenommen und ihm Gelegenheit gegeben, eine Mrtyrer-Rolle zu
spielen; in der ganzen Stadt herrscht, wie man mir erzhlt, eine sehr
bedenkliche Aufregung."
Der Kaiser lchelte.
"Wenn Sie meiner Umgebung vorwerfen, Eugenie," sagte er, "da man mir
die Lage und die Ereignisse des Tages zu gnstig darstellt, so scheint
bei Ihnen das Gegentheil stattzufinden. Ihnen gegenber scheint man
kleine unbedeutende Dinge zu groen Erschtterungen anschwellen zu
"Doch hren wir," sagte er mit artiger Verbeugung gegen seine Gemahlin,
"den genauen Bericht."
Er trat zu der Portire, welche die Thr zu dem Zim$
abe. Es scheint jedoch jetzt, da jene Sache an Consistenz
gewonnen hat, und da man namentlich von Florenz aus geneiter scheint
als frher, in bestimmt formulierte Beziehungen mit uns zu treten. Sie
wissen," fuhr er fort, "wie sehr ich ein gutes Verhltni mit Italien
wnsche und welchen Werth ich demselben fr eine diplomatische
Kooperation von Frankreich und Oesterreich beilege. Allein das, was ich
gegenwrtig ber die Unterhandlungen hre, die in Paris ber diesen
Gegenstand stattgefunden haben, scheint mir noch sehr vage und unklar zu
sein, und ich wrde, um eingehender darber nachdenken zu knnen,
dringend wnschen von Ihnen zu hren, wie Ihre Regierung und der Kaiser
zu diesen Ideen stehen, ber welche man mir Privatmittheilungen gemacht
Der Herzog von Grammont hielt unbeweglich, mit dem ruhigsten und
freundlichen Gesichtsausdruck den fortwhrend forschenden auf ihn
gerichte,ten Blick des Grafen Beust aus.
"Ich habe," erwiderte er, "ebenfalls Privatmittheilungen aus Paris ber
die Gedanken erhalten,$
n ist fr ganz Europa unertrglich--'"
Er hielt inne und fragte abbrechend:
"Und welche Haltung wollen Sie diesem Plebiscit gegenber einnehmen,
welches Ollivier bereits acceptirt hat?"
"Ich habe erst flchtig darber mit den mir gleich gesinnten Collegen
sprechen knnen," erwiderte Graf Daru, "es ist eine schwierige
Situation, die man uns da geschaffen. Das Plebiscit hat eine groe
Poplaritt bei den Massen, und sich demselben widersetzen, wrde uns
fast als die Vertreter reactionairer Grundstze vor den Augen der
ffentlichen Meinung hinstellen! Doch mssen wir nach meiner
Ueberzeugung auf der andern Seite auch einer fortwhrenden Appellation
von den gewhlten Reprsentanten an das Volk selbst ernstlich
entgegentreten."
"So machen Sie doch," sagte Herr Thiers, "die Bedingung, da das
Plebiscit nur von der Regierung in Gemeinschaft mit dem Senat und dem
Gesetzgeben-Krper ausgeschrieben werden drfe. Dann hat die Sache doch
wenigstens einen gewissen Sinn und stelSt die Kammern nicht als Nulle
zwischen den $
r auf, ein Zug fester Energie und muthiger Entschlossenheit
legte sich um ihre sonst so weichen kindlichen Lippen, indem sie siuh
ein wenig zu dem jungen Officier hinueberneigte, sprach sie mit leiser
Stimme, aber jedes Wort scharf und klar betonend.
"Sie irren sich, Herr von Buechenfeld, ich werde Sie nicht vergessen--ich
kann Sie nicht vergessen! Und von dem Auenblick an," fuhr sie, ihn fast
befehlend anblickend, fort, "von dem Augenblick an, wo ich Ihnen dies
gesagt habe, duerfen Sie sich nicht von mir wenden, Sie duerfen mich nicht
allein lassen. Und wenn Sie Ihren Weg einsam durch das Leben verfolgen,
so wird das Licht des Sternes, von dem Sie eben gesprochen haben, Ihnen
nicht mehr leuchten, denn dieser Stern selbst wird sein Licht und seinen
Glanz verloren haben."
"Fraeulein Anna," sagte er, muehsam seine Erregung unterdrueckend, "solche
Worte sollten mich auf die hoechste Hoehe der Glueckseligkeit erheben. Aber
mein Gott," sagte er, die Haende in einander faltend, "es ist ja nicht
"Nicht moeglich," $
 ich ihn verlassen, liess er diejenigen
Truppentheile, deren Zeichen ich um Paris gestecktrhatte, durch
heimliche und schnelle Befehle nach den entferntesten Grenzen von
Frankreich abmarschiren und umgab Paris mit lauter Generalen und
Truppen, die ihm blind ergeben waren.--Wenige Tage darauf wurde ich dann
in meinem Bett verhaftet und der Staatsstreich ohne Widerstand
durchgefuehrt."
Herr Thiers laechelte.
"Ich muss gestehen," sagte er, "dass dies nicht eins der ungeschicktesten
Manoever dieses Herrn Napoleon war.--Man hat sich ueberhaupt in ihm
getaeuscht.--Nun mag dem sein, wie ihm wolle, will er sich bekehren, will
er in Frankreich gut regieren--und ich werde mich nicht nach den Worten,
sondern nach den Thaten richten--so muss man in doch unterstuetzen. Fuer
Sie wuerde das uebrigens viel leichter sein," fuhr er fort, "ein General
kann bei den Diensten, die er seinem Vaterlande leistet, viel mehr von
der Person des zeitweiligen Herrschers absehen, als ein Minister. Auf
dem Schlachtfelde handelt es sich do$
nen Stolz aufzugeben."
Sie oeffnete ein zierliches Etui von rothem Leder, nahm einen kleinen
Boge goldgeraendertes Briefpapier aus demselben und schrieb hastig,
waehrend ihre Wangen sich mit dunklem Purpur faerbten, einige Zeilen.
Dann las sie dieselben durch.
"Es ist etwas Ungewoehnlichehs, was ich da thue," sagte sie, "jedem
andern Manne gegenueber wuerde es eine Selbsterniedrigung sein--aber er
wird mich verstehen, er wird fuehlen, dass er kein Recht mehr hat, seinem
stolzen Eigenwillen zu folgen, wenn ich mich so vor ihm beuge, wenn ich
mich so in seine Haende gebe."
Rasch faltete sie den geschriebenen Brief zusammen verschloss ihn in eine
Enveloppe und setzte die |dresse auf dieselbe.
"Es wird Licht werden," sagte sie dann, "ich werde den Brief zur Post
tragen, Niemand wird etwas davon erfahren und er wird sicher meiner
Bitte folgen."
Die bange Unruhe verschwand aus ihrem Gesicht, langsam entkleidete sie
sich, die Gedanken an den Geliebten begleiteten sie in ihren Schlummer
und gestalteten sich zu schoen$
s
jaehrlicher Rente und ein Dolchmesser. Man hat sofort seine Wohnung
ermittelt, und soeben berichtet man mir, dass bei der
ersten Nachsuchung
eine Menge von Waffen dort entdeckt worden ist, Keulen, Saebel, Lanzen,
Revolver, Todtschlaeger, Dolche, Bayonette und Stockdegen, ausserdem fand
man in einem alten Pult noch sechzigtausend Francs in Gold. Seine ganze
Behausung ist hoechst aermlich, er ass bei einem Lumpensammler in der
unmittelbaren Nachbarschaft, bezahlte demselben monatlich dreissig
"Raethselhaft," sagte der Kaiser tief nachdenkend. "Und was hat er
bezweckt? Was war der Grund seiner Handlung?"
"Er setzt allen FragUen ein hartnaeckiges Schweigen entgegen," erwiderte
Ein rascher Entschluss blitzte im Auge des Kaisers auf.
"Fuehren Sie ihn her, ich will ihn sehen," sprach er,--"ich will ihn
selber fragen."
"Sire," sagte Pietri fast erschrocken, "Eure Majestaet wollen--"
"Er konnte mir doch in der That," sagte der Kaiser, "draussen auf dem
Tuilerienhof gefaehrlicher werden, als hier in meinem Zimmer, na$
n sich in einer besonderen Lage, und jede ausweichende Antwort
knnte Ihnen nur nachtheilig sein."
"Ich habe keinen Grund, meine Absicht zu verheimlichen," sagte der
junge Mann--"ich habe eine Braut in Frankreich und wnsche dort die zu
unserer Verbindung nthigen Vorbereitungen ersnlich zu besprechen."
"Sie sind landwehrpflichtig," sate der Amtsverwalter, "und es thut mir
leid, da ich im Hinblick auf ihre Vergangenheit Ihnen die nachgesuchte
Erlaubni nicht ertheilen kann."
"Ich verspreche," sagte der junge Mann erbleichend, "meine Adresse hier
zu lassen und jedem Ruf sofort Folge zu leisten. Auch wird ohnehin meine
Abwesenheit nicht lange dauern, ich werde in sptestens vierzehn Tagen
wieder hier sein."
"Ich kann," erwiderte der Beamte, "auch trotz dieses Versprechens Ihnen
die Erlaubni zur Reise und einen Pa nicht geben,--jedenfalls nicht
ohne hhere Genehmigung."
Ein Ausdruck finsterer Entschlossenheit erschien auf dem Gesicht
Cappei's, es schien, da er etwas sagen wollte, doch schwieg er und
wandt$
enbeziehungen den innigsten Ausdruck gefunden
haben. Der Kaiser hat dem Kronprinzen selbst den St. Georgsorden zweiter
Klasse an die Brust geheftet und zugleich an Fritz Carl denselben Orden
geschickt, wozu er mich schon frher um die Erlaubni gebeten hatte. Das
Alles freut mich ungemein, die Beziehungn zu dem russischen Hause hege
und pflege ich wie ein theures Vermchtni meines Vaters und wnsche
von Herzen, da dieselben Beziehungen in der knftigen Generation auch
fort leben mgen."
"Abgesehen von diesen Traditionen," sagte der Geheimrath Abeken, welcher
sich erhoben und seine Mappe unter den Arm genommen hatte, "welche ja in
der glorreichsten Geschichte Preuens wurzeln, sind die guten
Beziehungen mit Ruland auch im Hinblick auf die politischen
Verhltnisse der Gegenwart von der uersten Wichtigkeit, und gerade in
Augenblicken wie der gegenwrtige, in welchem nach anderer Seite hin die
Keime zu Verwickelungen sich zeigen, tritt mir so recht lebhaft die
Nothwendigkeit entgegen, mit dem mchtigen Nac$
pa's von Neuem in Frage
stellt. Ich bitte, Eure Majestt, aus der Erklrung, welche den Kammern
gegeben werden soll, jede provocirende und verletzende Aeuerung gegen
Preuen fern halten zu lassen, damit ein fr allemal alle
Auseinandersetzungen ber den Gegenstand aufhren. Graf Bismack," fuhr
er fort, "hat bis jetzt alle Conflikte zu vermeiden gesucht, einen
gnstigeren Kriegsfall als in diesem Augenblick knne er aber kaum
finden, und man mu ihn nicht in die Versuchung fhren, durch einen
groen Aufschwung des Nationalgefhls aus der Waffenbrderschaft aller
deutschen Staaten ein neues deutsches Reich zusammen zu schmieden."
Der Kaiser lchelte.
"Seien Sie ganz ruhig, mein lieber Frst," sagte er, "ich habe Gramont
den Auftrag ertheilt, mit Ollivier eine definitive Erklrung ber die
Beendigung der ganzen Sache an die Kammer zu redigiren, und morgen um
diese Stunde wird jede Besorgni fr die Strung des Friedens
verschwunden sein."
Frst Metternich stand auf.
"Ich verlasse Eure Majestt mit erleichtert$
zu erfuellen. Es
ist keine geheimnissvolle Kunst dabei," fuhr sie fort, "meine Mutter
hatte die Kraft, durch das Medium dieses kleinen Tisches eine Verbindug
mit dem unsichtbaren Reich der Geister herzustellen. Diese ihre Kraft
ist auf mich uebergegangen, und nach ihrem Tode habe ich es versucht, wie
sie die Geister sprechen zu lassen,--es ist mir in vielen Faellen
gelungen, und ich hoffe, dass es mir auch Euer Majesaet gegenueber
gelingen wird."
"So beginnen wir," sagte der Kaiser.
Pietri stellte zwei Stuehle einander gegenueber an den kleinen Tisch.
Mademoiselle Lesueur setzte szch auf den einen, zog ihre Handschuhe
aus,--legte die Spitzen ihrer zierlichen Finger leicht auf die
Tischplatte und sagte:
"Wollen Euer Majestaet die Gnade haben, mir gegenueber Platz zu nehmen."
Der Kaiser setzte sich mit einem fast unwillkuerlichen Laecheln an die
andere Seite des Tisches.
"Ich bitte Euer Majestaet," sagte Fraeulein Lesueur, "Ihre Haende ebenso
wie ich auf die Platte legen zu wollen."
Der Kaiser that es.
Fraeul$
 als dass wir, Sie und ich auf den
Thron verzichten, dass wir die Selbstverleugnung haben, unsere eigenen
persoenlichen Rechte aufzugeben, um diejenigen unserer Kinder sicher zu
stellen. Mein Vetter, vereinigen wir unsere beiden Linien und deren
Rechte, 0beschliessen wir die Verbindung meines Sohnes, den Sie so eben
gesehen, mit der Infantin, Ihrer Tochter. Wenn ich dann auf die Krone
verzichte, die ich getragen und welche die Revolution mir vom Haupte
gerissen hat, wenn Sie Ihre persoenlichen Ansprueche auf die aelteren
Rechte Ihrer Linie aufgebend so wird Don Alphonso der allein berechtigte
und allseitig anerkannte Koenig von Spanien werden, Ihre Tochter wird
dereinst seinen Thron mit ihm theilen, und in Zukunft wird das
vereinigte Blut beider Linien unseres Hauses dasf ungetheilte
monarchische Prinzip aufrecht erhalten."
Don Carlos sah die Koenigin, welche immer bewegter gesprochen hatte, mit
einem gewissen Erstaunen an.
"Eine Verbindung des Infanten Don Alphonso," sagte er, "mit meiner
Tochter ist ein Geg$
t7eigt, wird genug zu
thun haben, um sich auf demselben zu erhalten und der inneren
Verwirrungen Herr zu werden. Ich begreife die ganze Sache nicht," fuhr
er fort,--"ich hoffe, dass das Alles nur ein kleines Strohfeuer sein
wird, wie man sie in Frankreich von Zeit zu Zeit anzuzuenden liebt, und
dass der Kaiser Napoleon auch diesmal wie bei der Luxemburger
Angelegenheit, die doch eigentlich ernsterer Natur war, das Feuer der
Kriegspartei ein wenig daempfen wird."
"Auch ich bin davon ueberzeugt, Majestaet," erwiderte Herr von Werther,
"denn nach all den Eindruecken, die ich habe, wuenscht der Kaiser wirklich
aufrichtig die Erhaltung des europaeischen Friedens und guter Beziehungen
zu Eurer Majestaet. Indess laesst sich nicht verkennen," fuhr r fort, "dass
diese Hohenzollersche Frage die oeffentliche Meinung im hohen Grade
aufgeregt hat, allerdings unter Vorgang der Regierungsjournale--doch bei
meiner Abreise von Paris war diese Aufregung sehr gross, und nach dem,
was ich aus den Zeitungen sehe, steigt sie von$
Stadt Paris ist mir fast zu einer lieben Heimath geworden. Und ich
sehe eine furchtbare Zeit ueber dies Land unddiese schoene Stadt mit
ihrem wunderbar reichen Leben heraufziehen, eine Zeit, welche alle diese
Jubelklaenge, die da jetzt zu uns heruebertoenen, in Jammer und Wehklage
verwandeln wird."
"Sie glauben an die Niederlage Frankreich," fragte Herr von Duering, "an
eine so schwere Niederlage?"
"Ich bin von derselben ueberzeugt," erwiderte der Regierungsrath. "Ich
bin gestern von Basel herauf bis hierher durch die nach der Grenze hin
sich bewegenden Truppen gefahren, aber was ich gesehen habe, laesst mich
nur das Traurigste fuer Frankreich erwarten. Ueberall habe ich Truppen der
verschiedensten Waffen ohne Officire, Cavallerie ohne Pferde, Geschuetze
auf den Eisenbahnwagen ohne Bespannung gesehen. Alle diese Leute waren
im Zustande der unnatuerlichen Aufregung, die meisten berauscht, und wenn
ich sie fragte, wohin sie gingen, zu welchem Corps sie gehoerten, so
konnten sie mir keine genuegende Antwort geb$
eitet werden koennten, s+ind in
Sicherheit gebracht, um sie vor sich selbst zu schuetzen, und um sie
durch eine kurze Haft der Moeglichkeit zu entziehen, Dinge zu
unternehmen, fuer welche sie in der gegenwaertigen Zeit mit der ganzen
Schwere des Gesetzes gestraft werden muessten."
"Ich weiss, ich weiss," sagte der Koenig--"auch der Verdacht gegen den
Grafen Wedell hat sich nicht betaetigt?--"
"Nein, Majestaet," sagte der Ministerpraesident, "Graf Wedell steht mit
der Agitation in keiner Verbindung mehr, und es freut mich das um so
mehr, da seine ganze Familie ohnehin durch die Ereignisse schwer
getroffen ist--doch," fuhr er dann fort, "wovon ich Eurer Majestaet
sprechen wollte, das ist das Schicksal aller hannoeverschen Officiere,
welche mit der Emigration nach Frankreich gegangen waren und dort die
sogenannte Welfenlegion commandirten."
"Nun?" fragte der Koenig.
"Diese Officiere,Majestaet," sprach Graf Bismarck weiter, "befinden
sich, wie ich hoere, in einer verzweiflungsvollen Lage. Sie waren in
Deutschlan$
Grund vor, ihnen
zu Huelfe zu kommen, sie koennen nicht gefaehrlich werden, und wenn sie
wirklich, durch die Noth gedraengt, sich zu irgend einer strafbaren
Handlung hinreissen liessen, so wuerde dadurch in den Augen von ganz
Deutschland die welfische Agitation und alle etwa fuer dieselbe noch
begehende Sympathie vollkommen und fuer immer vernichtet werden. Aber ich
glaube nicht, Majestaet," fuhr er im waermeren Ton fort, "dass jenen armen
jungen Leuten gegenueber politische etrachtungen in diesem Augenblick
massgebend sein koennen. Jene ngluecklichen sind von aller Welt erlassen,
sie sind die Opfer ihrer irregeleiteten, aber doch immerhin edlen Treue
geworden, und ich moechte Eure Majestaet bitten, ihnen zu helfen und ihnen
eine Grundlage fuer ein neues Leben zu gewaehren."
"Mit Freuden," rief Koenig Wilhelm lebhaft, "schlagen Sie mir vor, was
ich thun soll."
"Majestaet," erwiderte Bismarck, "es befinden sich unter diesen
Emigranten fruehere Offiziere verschiedener Grade, darnach aber zwischen
ihnen einen $
eibliche Erben ist, stellt mir fuer den alleraeussersten Nothfall
einen Theil ihres bedeutenden Vermoegens zur Verfuegung--
BLASHAMMER. Questenberg steckt zu tief in Schulden, wurde von der
Concurrenz zu weit ueberfluegelt!
V. ZITTERWITZ. Sie meinen--?
BLASHAMMER. Er krankt an einem unheilbaren Krebs, der uns
ansteckt--sagen wir gut fuer ihn.
V. ZITTERWITZ. Aber die neuen Webestuehle.
BLASHAMMER. Versuche im Grossen stellen zweifelhafte Resultate
heraus--Ich prophezeite es Inen schon.
V. ZITTERWITZ. Konnte mich Questenberg hinter's Licht fuehren!
BLASHAMMER. Der Schelm? hi, hi, hi--ich achte Ihren guten Glauben und
V. ZITTERWITZ. Die Verzweiflung blendete ihn; er taeuschte mich
absichtslos.
BLASHAMMER. Es troeste Sie.
V. ZITTERWITZ. Bemileiden wir ihn!--Als Sie noch in den Windeln der
Geschaefte steckten, erwies er Ihnen manchen wichtigen Dienst, denken Si
BLASHAMMER. Moechte ihm tausendfach vergelten, aber aber,----(nachdem er
auf und nieder gegangen) Wenn wir uns associirten, Herr
Regierungsrath,--die Co$
Mitteilungen folgen bald nach.
  Ueber den Ausgang der morgigen Disputation lt sich noch gar nichts
  sagen, nur das eine kann ich mitteilen, da Schweitzer mit allen
  Mitteln der Perfidie und Intrige gegen uns whlt, auf einen
  durchschlagenden Erfolg hoffen wir auf keinen Fall. Die Organisation,
  um jede Oppositin aus der Mitte seines eigenen Vereins totzuschlagen,
  ist hier schon seit Wochen mit groem Geschick getroffen worden.
  Gestern abend beispielsweise hat Schweitzer bei seiner Ankunft einen
  wahren Triumphzug durch Elberfeld-Bamen gehabt. (In einer mit
  Schimmeln bespannten Equipage.) Damit schliee ich fr heute."
Schweitzer hatte im "Sozialdemokrat" angekndigt, da die Feinde schon
bis in die Nhe des Prsidenten (also der allerhchsten Person)
gedrungen seien und die Generalversammlung wohl strenger und
entschiedener als bisher alle Angriffe auf die Organisation, das heit
auf die von ihm oktroyierte, zurckweisen msse.
In der Vorversammlung war gegen die Ansicht Schweitzers--der die$
 drohte, die Verfassung ins
Wasser fallen lie, falls die Diten in derselben blieben. Diese Blamage
konnte er sich vor der Welt nicht zufgen. Im konstituierenden Reichstag
bezogen brigens die Abgeordneten smtlicher Staaten, mit Ausnahme jener
von Preuen, Mecklenburg und Reu jngerer Linie, Diten, so zum
Beispiel wir schsischen Abgeordneten vier Taler pro Tag, die aus der
Landesstaatskasse gezahlt wurden.
Dagegen mute Bismarck in der Sitzung am 28. Mrz, in der der Artikel
ber das knftige Wahlrecht fr den Reichstag zur Beratung stand,
diese verteidigen. Die rechtsnationalliberalen Abgeordneten v. Sybel,
Grumbrecht-Harburg und Dr. Meier-Thorn und verschiedene Redner der
Rechten hatten Bedenken gegen dasselbe geuert. Sybel sah in i'm "die
Diktatur der Demokratie". Darauf erklrte Bismarck: Das allgemeine
Wahlrecht ist uns gewissermaen als ein Erbteil der eutschen
Einheitsbestrebungen berkommen; wir haben es in der Reichsverfassung
gehabt, wie sie in Frankfurt entworfen wurde; wir haben es im Jahr$
 ich nicht zum Worte kommen;
zum Schlu empfahl ich die Annahme des Antrags, den Liebknecht und ich
gestellt hatten. Dieser Antrag lautete:
  "Der Reichstag wolle beschlieen:
  Den Gesetzentwurf betreffend den ferneren Geldbedarf fr die
  Kriegfhrung abzulehnen_ und folgendem Antrag seine Zustimmung zu
  In Erwgung, da der am 19. Juli von Louis Bonaparte, damals Kaiser
  der Franzosen, erklrte Krieg durch die Gefangennahme Louis Bonapartes
  und die Niederwerfung des franzsischen Kaiserreichs tatschlich sein
  Ende erreicht hat;
  in Erwgung, da nach den eigenen Erklrungen des Knigs von Preuen
  in der Thr{nrede am 19. Juli und der Proklamation an das franzsische
  Volk vom 11. August der Krieg deutscherseits nur ein
  Verteidigungskrieg und kein Krieg gegen das franzsische Volk sei;
  in Erwgung, da der Krieg, we{lcher trotzdem seit dem 4. September
  gefhrt wird, in schroffstem Widerspruch mit dem kniglichen Wort,
  nicht ein Krieg gegen die kaiserliche Regierung und die kaiserliche
  Arm$

glaube, da es nunmehr gelingen werde, was zu Anfang des Krieges
versprochen worden war, "da der deutsche Saat ein Staat der
Gottesfurcht, der guten Sitten und der wahren Freiheit werde". Er
empfahl hhnisch, in die Friedensbedingungen mit Frankreich die
Bestimmung aufzunehmen, da es uns auch Cayenne und Lambessa abtrete,
damit man geeignete Orte habe, um unbequeme Persnlichkeiten
unterzubringen. Im weiteren beschwerte sich Windthorst bitter ber die
Mihandlungen, die Vogel v. Falckenstein gefangen gesetzten
Hannoveranern habe zuteil werden lassen. Im Laufe der Debatte nahm auch
ich das Wort, um die Behandlung zu schilder, die unseren gefangen
gesetzten Genossen auf der Reise nach und von Ltzen und whrend ihrer
Haft in Ltzen widerfahren sei. Auch beschwerte ih mich ber das
generelle Versammlungsverbot in Sachsen. Die Maregeln seien ein Hohn
auf Recht und Gesetz. Miquel billigte, wie nicht anders von ihm zu
erwarten war, nicht nur die Maregeln Vogel v. Falckensteins, er
behauptete sogar, da durch $
nde ich mich sehr wohl und bin bei ausgezeichnetem
  Humor. Jetzt lebe wohl, gre alle Insassen des Sozialistenseminar
  und sei auch Du bestens gegrt von Deinem
  Joh. Most.
Einen anderen Charakter wie der Mostsche Brief hatte ein solcher von
Kokosky an uns. Dieser, der 1871 in Knigsberg die "Demokratischen
Bltter" herausgab, mute diese bald eingehen lassen und trat Ende 1872
auf Einladung von Bracke in die Redaktion des "Braunschweiger
Volksfreund". Kokosky hatte eine sehr humoristische Ader, wovon die
Kneipabende der damaligen Parteitage zu erzhlen wissen. Auch er verfiel
dem Schicksal der Parteiredakeure jener Zeit. Es whrte nicht lange,
und er hatte so und so viele Monate Haft auf dem Rcken. Diese verdarben
ihm aber nicht den Humor, wie folgender Brief zeigt:
  Braunschweig, den 14. Mai 1873
  Werte Freunde! Sie haben es gut; vorsorglich hat der vterliche Staat
  Sie in sein Gewahrsam genommen, damit Sie in beschaulicher Stille die
  Segnungen einer guten Regierung kennen lernen. Haben die d$
t ab. Der Ausgang der Sache war fr den
Reichstag so blamabel wie mglich.
Ich erwhnte die Debatte vom 4. Dezember als Grund fr den Racheakt
Bismarcks gegen Majunke. In jener Sitzung hielt der katholische
Sozialpolitiker Jrg eine Rede ber Bismarcks auswrtige Politik und die
Nichteinberufung des Bundesratsausschusses fr die Kontrolle dieser
Politik. Bismarck, erbittert ber einen Hirtenbrief der franzsislchen
Bischfe, von denen mehrere zu jener Zeit auch elsa-lothringische
Reichsanehrige zu ihren Dizesanen zhlten, worin die Bischfe sich
ber die deutschen Kulturkampfmaregeln mibilligend uerten, hatte
eine Zirkulardepesche an die Gesandten des Reiches versiendet, in der er
ausfhrte: Sollte sich herausstellen, da es fr das Deutsche Reich
nicht mglich sei, mit dem westlichen Nachbarn in einem dauernden
Frieden zu leben, dann werde man nicht abwarten, bis die Franzosen
vollkommen zum Losschlagen gerstet seien, sondern werde den geeigneten
Moment selbst whlen und die Initiative ergreifen. Da$
 da
dieses vorlufig nlicht mglich sei, die Rume seien alle besetzt. Erst
am 18. Januar 1878 konnte ich nach Leipzig bersiedeln.
Whrend meiner Haft in Pltzensee besuchte mich wiederholt der
Gefngnisgeistliche, um sich mit mir ber die politischen Vorgnge zu
unterhalten. Mir war das Halten der "Vossischen Zeitung" bewilligt
worden, deren smtliche Tagesnummern ich aber regelmig erst am Ende
der Woche, am Sonntag, zugestellt erhielt. Most hatte um jene Zeit mit
der ganzen Leidenschaftlichkeit seines Temperaments eine ffentliche
Agitation fr den Austritt aus der Landeskirche begonnen. Die von
ihm veranlaten Volksversammlungen waren berfllt und von
leidenschaftlicher Erregung getragen. Diese wuchs, als jetzt die neu
erstandene christlich-soziale Partei unter Fhrung des Hofprediger
_Stcker_ ebenfalls Versammlungen abhielt und Redner dieser Partei auch
in den Mostschen Versammlungen erschienen, dort aber, wie vorauszusehen
war, unter dem Jubel der Massen den krzeren zogen. Diese Agitation rief
be$
TIGE PFERD
(voJn Paula und Richard Dehmel)
Wer schenkt mir ein lebendiges Pferd!
Mein Schaukelpferd ist gar nichts wert,
es hat so steife Beine,
es stampft nicht, frisst nicht, wiehert nicht,
und macht solch ledernes Gesicht,
und weiss nicht, was ich meine.
Wenn mir der Weihnachtsmann ein Pferd,
ein wirklich richtiges Pferd beschert,
dann reit ich ueber die Bruecke,
und reite durch den Kiefernforst
nach Vehlefanz und Haselhorst
und noch fuenf grosse Stuecke.
Dann bin ich mitten in der Welt,
da such ich mi7r ein Haberfeld
und lasse mein Pferdchen grasen.
Und dann, dann reit ich ans Ende der Welt,
wo der Riese den Regenbogen haelt,
und--schick euch 'ne Ansichtspostkarte.
DER KLEINE REKRUT
Ich hab einen Helm aus Packpapier,
mit einem Federbusche;
der Wilhelm malt mir 'n Adler drauf
mit schwarz-weiss-roterTusche.
Einen hoelzernen Saebel hab ich auch,
mit einem richtgen Griffe;
wenn nur der Scherenschleifer kaem,
dass er ihn endlich schliffe!
Meine Mutter ist 'ne gute Frau,
die schenkt mir einen Dukaten,
dann kauf$
inem "Vergessen Sie es nicht!" von Grete, dem Frau von
Tressen lebhaft beistimmte, nahm der Gast Abschied.
Nach Falsterhof zurckgekehrt, zog Tankred das Pferd selbst in den Stall
und zumte es ab. Von Klaus war nichts zu sehen. Aber er ereiferte sich
darber nicht, sein Kopf war so voll von Gedanken und Anschlgen, da
nur sie sein Innerstes beherrschten.
Auf dem Flur brannte die Lampe, Max knurrte wie immer und beruhigte sich
erst allmhlich. Nun hallten Tankreds Schritte ber die Steinfliesen,
und er ffnete die Thr seines Gemachs. Das erste, was sein Auge traf,
war ein weies Kuwert, das auf dem Tisch lag. "Ah--! Sicher eine Antwort
von Theonie!" Er griff, ohne den Hut abzunehmen und sich des Reitmantels
zu entledign, ungestm danach und las:
  'Da ich morgen Falsterhof verlasse, mut Du Dich bei Deinem Entschlu,
  noch hier zu bleiben, schon allein einrichten und mich entschuldigen.
  Wenn Du mir noch etwas zu sagen hast,--ich mchte sonst bitten, Dich
  mit Justizrat Brix, der ber alles orientiert$
re blo einen Helm, da ist kein Verstand drin."
Whrend sie noch sprachen, entstand drauen ein Gerusch, und Theonie,
bere~its Tankred vermutend, fuhr zitternd zusammen. Schon der bloe
Gedanke, ihrm Vetter wieder gegenber zu treten, erregte sie aufs
hchste. Das gab der Pastorin den Entschlu ein, Theonie vorzuschlagen,
sie wolle statt ihrer mit Tankred verhandeln.
"Ich werde es schon machen und sehr schnell mit ihm fertig werden. Ich
erklre ihm, wozu Sie sich verstehen wollen, und damit basta! Zu
gleicher Zeit will ich aber auch dem Herrn seinen Standpunkt einmal klar
machen." Und dabei blieb es trotz des Pastors Gegenrede.
Fnf Minuten spter meldete die Magd den Herrn von Brecken.
"Bitte ihn, in des Herrn Zimmer zu treten. Znde Licht an!" entschied
die Pastorin, und nach einer Weile begab sie sich in das Gemach. Tankred
war nicht wenig enttuscht, statt Theonie die Frau des Hauses zu sehen,
aber er lie sich nichts merken und begegnete ihr mit ausgesuchter,
seine tiefe Verpflichtung ausdrckender Hf$
te Grete, sich zu ihren Eltern hinaufzubegeben, um sie zu
bitten, gleich heute wieder das Mittagsessen unten einzunehmen.
Als sie beisammen saen, ward die Reise errtert, und Grete erklrte,
da sie bereits an diesem Abend oben im Hause schlafen wolle.
"Am besten, wir packen schon heute, fahren morgn frh gleich ab und
begeben uns nach Elsterhausen und dann nach 5rledigung unserer
Rcksprache mit dem Rechtsanwalt nach Hamburg."
Frau von Tressen, weniger eilfertig, redete auf die junge Frau ein,
nichts zu berstrzen, vielmehr noch einige Tage abzuwarten. Ein so
wichtiger Entschlu bedrfe der berlegung; auch um der Menschen willen
sei es ratsam, es so einzurichten, da nichts Aufflliges in ihrer
Abreise gefunden werden knne.
"Ist dann Eure Trennung nachher eine Thatsache, findet sich die Welt
rasch damit ab. Weshalb nicht vermeiden, da sie sich schon vorher mit
unseren Angelegenheiten bCfat?"
Aber obgleich Grete ihrer Mutter nicht unrecht geben konnte, blieb sie
doch bei ihrem Willen und fgte sich nur$
st, habe ich keine Ursache, gegen Dich zu
empfinden. Da wir aber sehr verschiedene Naturen sind, werden wir uns,
glaube ich, nie recht verstehen und deshalb besser thun, von einander zu
Ich werde nicht vergessen, dass Du mein Verwandter bist, und werde die
sich daraus ergebenden Ruecksichten so lange gegen Dich ueben, wie Du sie
mir erweisest. Hoffentlich ist Dir*das Schicksal auf Deinem spaeteren
Lebenswege guenstig, und Du bedarfst meiner hinfort nicht. Sollte es aber
doch frueher oder spaeter der Fall sein, so sprich Dich gegen mich aus.
Ich werde Deine W[ensche zu erfuellen uchen, sofern sie meine Kraefte und
die Grenzen, die ich nur stecken muss, nicht ueberschreiten."
Als Theonie mit ihrer Rede innehielt, neigte Tankred mit einem
gemischten Ausdruck schlecht unterdrueckter Enttaeuschung und dankbarer
Erkenntlichkeit kurz das Haupt und sagte: "Ich danke Dir fuer Deine
Gesinnungen. Dass Du jemals in die Lage geraten koenntest, 'meiner' zu
beduerfen, haeltst Du wohl nicht fuer denkbar Theonie? Umfasst der $
oche musste sie noch
bleiben. Alle seine Kuenste wollte er aufwenden.--Kuenste? Theonie
gegenueber? Doch wohl ein vergebliches Beginnen! Sie durchschaute ihn so
gaenzlich, dass nichts verfing. (Nein, nur ein Appell an ihren
Gerechtigkeitssinn, unterstuetzt durch indirekte und gegebenenfalls
direkte Drohungen, konne zum Ziel fuehren.--Dass er sich auch von seiner
Leidenschaft hatte hinreissen lassen, da er doch wusste, ein Werben, in
welcher Form es immer geschehe, sei zwecklos! Es war, um sich selbst zu
ohrfeigen! Waere das nicht geschehen, so wuerde er jetzt eine Neigung zu
Grete von der Linden als Vorwand benutzen. Er koennte erklaeren, es sei
moeglich, deren Hand zu erwerben, wenn er ueber ein Erbteil zu verfuegen
Ploetzlich schoss Tankred ein Gedanke durch den Kopf. Es hatte ihm einmal
jemand erzaehlt, dass der Beamte eines grossen Hauses in Amsterdam bei der
Werbung um die Hand der Tochter des Chefs die abweisende Antort
erhalten habe: "Ja, wenn Sie einmal Compagnon von Watkin in London sind,
dann komme$
Tressens gewesen sei und den
Eindruck bekommen habe, dass ihre gemeinsamen Freunde sich geradezu in
Not befaenden.
"Sehen Sie, Fraeulein Carin, ich komme eigentlich--drum und dran--mit
einer Bcitte," erklaerte Hederich und erhob das glattrasierte Gesicht mit
den treuherzigen Augen zu seiner mit ernster Miene neben ihm
herschreitenden Begleiterin. Doch stockte er, als sie bei seinen Worten
nicht gleich zu ihm aufblickte.
"Ja, bitte, Herr Hederich!" ermunterte Carin ihn nun weich und
"Ich meine naemlich so, Fraeulein Carin: Ich bringe es nicht ueber die
Lippen, Frau von Tressen zu bitten, dass sie ein Darlehn von mir
annimmt nein--drum und dran--ich kann es nicht. Und Schreiben ist auch
nicht das Richtige. Wenn Sie vielleicht die Freundlichkeit haben
wollten--ich meine--ich meine--mit Frau von Tressen zu sprechen, dass
ich--ich--Sie verstehen, Fraeulein Carin."
;"Ja, ich verstehe, lieber Herr Hederich!" entgegnete das junge Maedchen,
bewegt durch diese mit so grosser Zartheit gepaarte Herzensguete, und
schaute $
rf einen von der Pastorin nicht gesehenen, bittenden Blick auf
den Pastor, seine Frau zurueckzuhalten. Und so geschah es auch. Aber
nicht zum Vorteil Tankreds.
Als er nochmals auf die Pastorin einsprach und dabei die alten
Verstellungskuenste anwandte, waehrend doch seine Augen verrieten, dass er
am liebsten der Frau, die ihm so zu begegnen gewagt, den Garaus gemacht
haette, erhob sich in der ohnehin durch Lenes Luege aeusserst verstimmten
Pastorin ein solcher Tumult von Aerger und Widerstand, und ihr sittliches
Gefuehl baeumte sich so gewaltsam auf, dass sie mit funkelnden Augen
hervorstiess:
"Wissen Sie was, Herr von Brecken? Am besten thaeten Sie, wenn Sie so
rasch wie moeglich das Lan ein- fuer allemal verliessen! Hier nimmt kein
Hund ein Stueck Brod mehr von Ihnen! Ihrem Charakter misstraut man aufs
aeusserste, man haelt Sie fuer faehig, das Schlechteste zu thun, wenn es sich
umK Vorteile fuer Sie handelt, und ich kann mich nicht erinnern, dass
jemals eivn Mensch allen, mit denen er in Beruehrung gekomme$
be alles7 verlernt, glauben Sie mir.
Auswendig kann ich beinahe nichts."
"Oh, dann spielen Sie dieses Beinahe-nichts! Und zum Ueberfluss sind hier
Noten, hier liegen sie, oben auf dem Klavier. Nein, dies hier ist
nichts. Aber hier ist Chopin ..."
"Ja, die Nocturnes. Und nun fehlt nur, dass ich die Kerzen anzuede ..."
"Glauben Sie nicht, dass ich spiele, Herr Spinell! Ich darf nicht. Wenn
es mir nun schadet?!" --
Er verstummte. Er stand, mit seinen grossen Fuessen, seinem langen,
schwarzen Rock und seinem grauhaarigen, verwischten, bartlosen Kopf, im
Lichte der beiden Klavierkerzen und liess die Haende hinunterhaengen.
"Nun bitte ich nicht mehr", sagte er endlich leise. "Wenn Sie fuerchten,
sich zu schaden, gnaedige Fra-, so lassen Sie die Schoenheit tot und
stumm, die unter ihren Fingern laut werden moechte. Sie waren nicht immer
so sehr verstaendig; wenigstens nicht, als es im Gegenteile galt, sich
der Schoenheit zu begeben. Sie waren nicht besorgt um Ihren Koerper und
zeigten einen unbedenklicheren und fest$
geschnitten; diese werden mit weicher Butter oder, falls
diese verboten wre, mit Pflaumenmus oder RheiWischem Kraut gleichmig
bestrichen. Auf einem Teller schneidet man jede Scheibe einmal der Lnge
nach und, falls der Kranke nicht abbeien kann, noch einige Male quer
durch. Zur Abwechselung kann man die Weibrotscheiben an einer Gabel ber
einer offenen Flamme etwas rsten und dann bestreichen.
Belegt man die Brtchen mit gewiegtem Schinken, einer Fleischscheibe oder
gehacktem Eigelb, so schneidet man das berstehende sauber ab, damit die
Brtchen recht zierlich aussehen.
EIER GERHRT. (RHREI.)
4 Eier                   M 0,24
2 El. Vollmilch         " 0,00-3/4
4 g Salz                " 0,00-1/4
1 Prise weier Pfeffer   " 0,00-1/2
50 g Butter              " 0,04-3/4
                         M 0,30-1/4
_Vorbereitung_: Die Eier werden mit Pfeffer, Salz und Milch in einem
Topfe zeruirlt.
_Zubereitung_: Die Butter wird in einem sauberen Kochtopfe bei gelinder
Hitze geschmolzen, die Eiermasse dazugeschttet $
                 MG 0,11
_Vorbereitung_: Graupen, Reis und Griess werden in kaltem Wasser sauber
abgequirtt. Mehl oder Staerkemehl werden mit 6 Essloeffeln kaltem Wasser
_Zubereitung_: 1 l Wasser wird mit Salz, Zucker, Butter und Gewuerzen
aufgekocht, die Einlage wird dazugeschuettet und unter haeufigem Ruehren in
der heissen Fluessigkeit gargekocht. Das verquirlte Eigelb schlaegt man
durch ein Sieb zur Suppe; es kann auch wegbleiben.
       *       *       *       *       *
FLEISCH--GEFLUeGEL
(Die Rezepte sind stets, wo nicht anders angegeben, fuer zwei Personen
BEEFSTEAK MIT  MOSTRICHSAUCE.
100 g gehacktes Rindfleisch          M 0,18
25 g Rinderfettgrieben               " 0,03
1 grosse gekochte Kartoffel           " 0,00-1/4
20 g Margarine oder gemischtes Fett  " 0,03-1/4
15 g Zwiebelwuerfel                   " 0,00-1/2
1 Prise Pfeffer und Salz             " 0,00-1/4
1 Teel. Essig                        " 0,00-1/4
1 Teel. Mostrich                     " 0,01
1 Essl. Mehl             K             " 0,00-1/2$
gestossene Gewuerzdosis           " 0,00-1/4
Salz nach Geschmack
15 g Zucker oder 1 1/2 Essl. Sirup " 0,003/4
1-<2 Tropfen Speisefarbe           " 0,00-1/4
                                  M 0,06-1/4
_Vorbereitung_: Der Speck wird in kleine Wuerfel geschnitten, die Zwiebeln
werden fein gewiegt.
_Zubereitung_: In irdenem Topfe wird der Speck mit der Zwiebel hellgelb
gebraten, durchgeschwitzt, dann das Mehl darin gar gemacht und mit dem
Wasser eingekocht. Mit Essig, Gewuerz, Salz, Zucker oder Sirup schmeckt
man die Sauce ab und richtet sie an.
_Bemerkung_: Diese Sauce eign=t sich als Beiga be zu Kartoffeln mit der
Schale oben auch zu geschmorten Gurken. Mit 2 Essloeffeln
Salzgurkenwuerfeln vermischt: Gurkenssauce.
WEINSCHAUMSAUCE (CHAUDEAU) IM WASSERBADE.
2 Eigelb                    M 0,08
1 ganzes Ei                 " 0,06
40 g Zucker                 " 0,02
1/8 l Apfelwein, Weisswein
  oder Maltonwein           " 0,06-3/4
1 Teel. Zitronenzucker      " 0,00-1/2
1 Essl. Zitronensaft         " 0,03
             $
@end wei die reine Stirne, von blonden Lckchen umrahmt, die
Zhnchen schimmernd gleich Perlen, das goldige Haar aufleuchtend im
Licht der vielen Kerzen, Kinderaugen lieb und rein, rundes Kinn, ein
Wesen so sanft, unschuldsvoll und lockend, und dennoch bescheidener A`rt,
die es vermeidet, das eigene schne Ich irgendwie in den Vordergrund zu
drngen. Ein leises Rot liegtwie angehaucht auf Salomes zarten Wangen,
ein Lcheln inneren Triumphes auf den leicht geffneten Lippen.
Frstlich mu die Erscheinung des Mdchens genannt werden im weiten
blauen, mit Nrzpelz geftterten Atlasrock, besetzt mit goldenen und
silbernen Schnren, um den Hals eine vierfache Perlenkette, am
Halsausschnitt die steife Spitzenkrause, die rmel verbrmt mit
golddurchwirktem Tuch.
"Gott zum Gru, liebwerte Muhme!" lispelte Salome und erwies der
Brgermeisterin gebhrende Reverenz.
Frau Alt brachte den Mund nicht zu vor berraschung und mute erst
verschnaufen, bis sie zu stammeln vermochte: "Salome! Wie eine Frstin
siehst du aus! Go$
verstndlich, einmal weil sich Wolf Dietrich der italienischen
Sprache ediente, und dann aus dem Grunde, weil sehr leise und
geheimnisvoll gesprochen ward.
Als sich der Zug lautlos dem Portal des langgestreckten Keutschachhofes
nherte, ertnte ungebhrlicher Lrm im Palais, den des Frsten seines
Ohr scier augenblicklich wahrnahm und der Wolf Dietrich veranlate, dem
Vorlufer und den Lichttrgern zu befehlen, stehen zu bleiben. Er
selbst, vom Kmmerling auf dem Fue gefolgt, trat rasch und leise ein
und berrumpelte dadurch die zeternde Gruppe von Thrhtern und Lakaien,
die willens schien, sich an einem blassen, armselig gekleideten Weibe zu
vergreifen. Eben erhielt die schluchzende Frau einen Fausthieb, da stand
der Frst auch schon mitten im5 Knuel und sein Begleiter drngte
kraftvoll die Leute zurck. Scharf befahl Wolf Dietrich augenblickliche
Ruhe, Zornesrte bedeckte seine Wangen, und die Adern schwollen sichtbar
an. "Wer erfrecht sich bei Hof solcher Auffhrung? Was soll der Lrm in
meinem frstl$
m Keutschachhof genommen und bestrmten Trabanten und
Thrsteher mit Fragen, worauf ein mchtig langer Spietrger stolz
verkndete, da Seiner Hochfrstlichen Gnaden ein Sohn geboen worden
sei, das erste Kind!
Fassungslos im ersten Augenblick stand der Menschenwall im Hofe der
Residenz; doch rasch fanden die Leute die Sprache wieder, um das
unglaubliche Ereignis zu discutieren, hitzig und mit Aufgebot aller
Lungenkraft.
Wirr genug schwirrten die Ausdrcke hchster berraschung
durcheinander, ud je nach der Gesinnung der einzelnen Brger ward
Stellung zu dem aufregenden Ereignis genommen. Da grhlte ein dicker
Bcker wild, da ein Erzbischof berhaupt nicht verheiratet, also auch
nicht Vater sein knne, und die "Stcke" seien nicht dazu auf der Veste,
um ein Kind anzudonnern.
Eine Gruppe von Maurern, die im Brot des Frsten standen und mit Korn
bedacht worden, lrmte und verteidigte den Gebieter, der ein guter Herr
sei und das Recht habe, so viel Kinder zu bekommen wie ein Schullehrer.
Und Angehrige der Sip$
eses glnzenden Mahles, das allerdings nur durch die
groen Anstrengungen in Zufuhr von ebensmitteln aus benachbarten
Stdten und Drfern ermglicht werden konnte und wofr das Kapitel keine
Kosten scheute, traf erschpft und wund geritten zu allseitigem
Erstaunen der Untermarschall Perger mit qeinem neuen Schreiben des
geflohenen Erzbischofes ein, mittels dessen Perger zur Abgabe von
Erklrungen legitimiert erschien.
Um eine Strung der Versammlung zu vermeiden, wollte der Dechant den
Vizemarschall erst am nchsten Tage vornehmen, allein der Herzog hatte
von dessen Ankunft bereits gehrt und war neugierig darauf, was der
Flchtling wolle melden lassen. So ward Perger denn vorgelassen und
seine Erklrung lautete zur nicht geringen Befriedigung des Kapitels:
der Erzbischof habe niemals beabsichtigt, protestantisch zu werden,
wollte auch niemals das Erzstift skularisieren, er sei vielmehr bereit,
aus Liebe zum Frieden gegen eine jhrliche Pension zu--resignieren.
Der Herzog schmunzelte, und die Kapitulare nic$
lucht von Gemaechern in jenen Teil des
Keutschachhofes, dessen Zimmer, von aussen abgesperrt, Salome Alt zum
Naechtigen dienten.
In einem Vorzimmer harrte als Beschliesserin und Dienerin Brigitte auf
Befehle des gefangenen Fraeuleins wie des Fuersten, der nun persoenlich
erschien, die Dienerin aufschliessen hiess und sie zu Salome schickte mit
der Anfrage, ob das Fraeulein gewillt sei, den Besuch des Fuersten
Die von Brigitte ueberbrachte Antwort lautete: "Eine Gefangene hat keinen
Wolf Dietrich, der auch an diesem Morgen die spanische Tracht mit dem
Degen zur Seite trug, trat in das ueppig ausgestattete Gemach, worin
Salome ueber Nacht gefangen geh+alten war. Ein forschender Blick flog dem
Maedchen entgegen, dann verbeugte sich der junge Fuerst tief und sprach:
"Verzeihet, Salome, den Besuch, den Euch zu achen das Herz mir gebot!"
Das Maedchen hatte sich erhoben und tand stolz abweisend inmitten des
Gemaches. "Erst sprecht, Herr: Mit welchem Recht habt Ihr der Freiheit
mich beraubt? Ist das ritterliche Sitt$
e des Bescheides zum Empfang zu harren, indes der
Kaemmerling sich behufs Meldung zur Kammerfrau Salomes begab.
Lamberg, der viel in Rom gewesen und in vornehmen Haeusern verkehrt
hatte, wunderte sich ueber die kostbare Ausstattug der fuerstlichen
Gemaecher keineswegs, da selbe welschem Geschmack und italienischer
Prachtliebe entsprach; aber der Kapitular brachte den Luxus in
Zusammenhang mit der eben gehoerten Klage des Fuersten ueber den
herrschenden Geldmangel, und in diesem Sinne war die Ursache der
Kassenleere unschwer zu erraten. Lambergs Gedanken bewegten sich denn
auch in dieser Richtung und fuehrten zu Bedenken schwerer Art fuer die
Zukunft. So kurze Zeit der Fuerst regier, er ist bereits auf
gefaehrlichem Wege, und seine Liaison mit der Kaufmannstochter wird
sicher noch zu den aergerlichsten Folgen fuehren. Dass Rom daran noch
keinen Anstoss genommen, vermag sich Lamberg nur aus der kurzen Spanne
Zeit seit Entrierung dieses Verhaeltnisses sowie aus dem Umstand zu
erklaeren, dass der Nuntius bislang$
Das fuerstliche Geschenk musste zu Muenchen geradezu verblueffen, und zwar
imHinblick auf die bisherigen Klagen des Fuersten auf Reichstagen ueber
Geldmangel, Minderertrag der Bergwerke, demzufolge Wolf Dietrich dem
Kaiser die erbetene Hilfe in der gewuenschten Hoehe verweigern zu muessen
erklaert hatte. Herzog Max von Bayern konnte hier nur einen argen
Widerspruch finden, der indes jene Holzspende noch uebertrumpfte, als in
Muenchen bekannt wurde, auf welch' pomphafte, nie dagewesene Weise der
Erzbischof den zu Gast gekommenen spanischen Admiral Francisco de
Mendoza empfing und mit einer Pracht und Ueppigkeit bewirtete, die den
Admiral veranlasste, zu verkuenden, dass der Erzfuerst von Salzburg nicht
nur der prunkliebendste, sondern auch der reichste unter den
Kirchenfuersten Deutschlands sein muesse.
Als der Spanier aber den gastlichen Hof zu Salzburg verlassen hatte,
wehte insofern ein anderer Wind durch das PalaisZ als er Hofkastner
wieder einmal vor leeren Kassen stand und sich innerhalb des Kapitels
Sti$
rz nach
seiner Ankunft (Keate die Pelewinseln, Schluss). Jetzt beweisen solche
Besuche um so wniger, als jetzt die meisten Vlker Bekanntschaft mit
der weissen Rae haben.
Nach alledem wrde es kein Wunder, nichts Rtselhaftes sein, wenn die
Naturvlker gegen solche Miasmen, die auch von ganz Gesunden ganz
unbemerkt eingeschleppt werden knnen, um so empfnglicher und
empfindlicher sind, je weniger sie Schutz durch irgend welce Gewhnung
ihaben; daher denn solche Krankheiten, welche scheinbar unerklrlich
entstehen, mit einer Heftigkeit wthen, wie, vor Zeiten die Pest. So
erzhlt Williams (280 ff.), dass bei jener Seuche auf Rarotonga von
mehreren tausend Einwohnern kaum ein einziger ganz davon befreit
blieb.--Die Krankheiten, welche am meisten so ganz spontan dem Schein
nach entstehen, sind Dysenterie, Influenza, Fieber, Blutungen,
Geschwre, Husten und Hautkrankheiten. (Einige Belegstellen: Turner 91;
Dieffenbach 2, 12-14; le Gobien 376; Beechey 1, 94-95.)
Dass auch Geschwre genannt werden, knnte auffal$
ssion und die Intelligenz der Fremden diese segensreichen Folgen
haben. Noch schlagender zeigt sich das daraus, dass Kinder und
Erwachsene, welche die Schulen besuchen und unter der unmittelbaren
Leitung der Missionre stehen, sich einer ausgezeichneten Gesundheit
erfreuen und rasche Fortschritte machen. Dasselbe gilt von den
Eingeborenen, welche unter dem Einfluss europischer Familien stehen.
Nach Virgin (1, 300) freilich scheint die Entwickelung nicht allzurasch
weiter gegangen zu sein; doch auch er gibt an, dass vor 1820 die Abnahme
der Bevlkerung strker gewesen sei, als nachher, und dass die Missionen
an verschiedenen Punkten die Abnahme ins Stocken gebracht haben durch
mglichstes Hinwegrumen der bsen Ursachen, welche sie veranlassen.
Auch Waitz 1, 177 erwhnt einige Inseln und Distrikte dieser Gruppe, wo
die Bevlkerung nicht nur nicht abnimmt, sondern in nicht ganz
unbeeutendem Anwachsen begriffen ist.
Ganz ebenso ist es in Tahiti. Auch hier ht die Volkszahl gleich nach
dem ersten Zusammenstoss $
 sich bei ihnen nicht.
Auch sein Hang zum Phantastische6n muss erwhnt werden, denn auch er
dient sehr dazu, ihm seine Lage oft in ganz anderem Lichte erscheinen zu
lassen, als sie ist. Hiermit vereinigt sich eine gewisse Stumpfheit und
Trgheit des geistigenJ Lebens sehr wohl, die vor Vielem und gerade dem
Schmerzlichsten den Neger beschtzt: er wird sich fast nie moralisch
vernichtet und dadurch in seiner innersten Persnlichkeit verwundet
fhlen. Auch ist seine grosse Gutmthigkeit und seine innige
Religiositt hierbei nicht ausser Acht zu lassen.
Zweitens aber scheint auch die physische Natur weit minder empfnglich
und empfindlich zu sein, als die der meisten anderen Vlker. Sei es,
dass er durch allmhliche Gewhnung, durch das Klima seines Landes oder
durch ursprngliche Anlage hrter ist: er vertrgt es, in ganz andere
Himmelsstriche verpflanzt zu werden; er hlt sogar die Luft der
Malariagegenden und noch dazu bei tglicher oft sehr grosser Anstrengung
ohne Schaden aus, welchem allen die meisten and$
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Nov$
ich Kranken gegenueber fuer gewoehnlich zu
benehmen pflegen.
Die Neuhollaender haben fuer ihre Kranken nur eine Ceremonie der Priester,
welche den boesen Geist, der im Kranken sitzt, oder den Zauber, der ihn
krank macht, beschwoert, indem er unter allerlei Faxen einen Stein, meist
ein glaenzendes Stueck Quarz, aus dem Kranken zieht und damit ihn vom
Zauber, der in jenen Stein eingeschlossen ist, befreit (Grey 2, 337). Da
nun jede Krankheit auf Bezauberung beruht und zwar haeufig auf Entziehung
der Seele, welche im Nierenfett ihren Sitz hat (Howitt 189), so wurde in
einigen Gegenden der Kranke mit dem Nierenfett dessen, den man fuer den
versteckten Moerder hielt und dem man es oft noch lebend ausschneidet
(Angas 1, 123), bestrichen: oder man versucht die Krankheit aus dem
betreffenden Glied auszusaugen, durch Aderlass zu entfernen, den boesen
Geist, indem man den Kranken knetet, schlaegt, tritt und sonst
misshandelt, zu verjagen u. dergl. mehr. Geschickter sind die
Neuhollaender im Behandeln eusserer Verletz$
er verkauften (Waitz 3,
530) und von den Minuanes (am unteren Parana) erzaehlt Azara 191 ganz
aehnliches; waren die Kinder entwoehnt, so kuemmerten sich die Eltern gar
nicht mehr um sie, vielmehr wurden sie von verheiratheten Verwandten
aufgezogen. Bei den caribischen Voelkern herrschten dieselben Sitten, wie
dies Humboldt b 4, 225-28 genauer schildert. Von Zwillingen toedten sie
immer ein Kind, um nicht wie Ratten, Beuteltiere und das niederste
Gethier, das viele Jungen zugleich wirft, zu sein, oder weil man auch
hier in einer solchen Doppelgeburt ei Zeichen von Untreue sieht. Auch
missgestaltete, ja selbst schwaechliche Kinder werden getoedtet, um sich
der Last, die man spaeter mit ihnen haben wuerde, zu entziehen. Die Frauen
dieser Voelker haben verschiedene Pflanzenaufguesse, welche sie zum
Abtreiben anwenden und zwar in verschedenen Gegenden zu verschiedener
Zeit, je nachdem sie es fuer die Gesundheit und die Schoenheit frueh oder
spaet Kinder zu bekommen fuer zutraeglich halten. Auch bei den Makusis
si$
und besprochen wurde (426), wie er uns auch von den
bestaendigen Kriegen der Insel (428) berichtet. Die Bewohner von Isabel
schildert schon Mendana 1595 (Dalrymple 91) als Menschenfresser und
eirige Krieger, wie sich auch die Bewohner von Guadalcanar zeigen.
Eifrige Krieger und Menschenfresser sind auch die Eingeborenen der
Lusiade (Salerio bei Petermann 1862, 342-344) und von der Nordwestkueste
von Neuguinea sagt einer der besten Kenner dieser Gegenden, Marsden (in
Transact. of the Reg. Asiat. Soc. 3,125), dass daselbst ein aeusserst
roher Kannibalismus herrsche: man frisst Feinde so gut wie Freunde,
natuerlich Gestorbene so gut wie Erschlagene, und ist dieser Nachricht
gegenueber nicht abzusehen, wie Finsch (49) seine Behauptung, noch sei
von keinem glaubwuerdigen Manne bestimmte Nachricht ueber da Vorkommen
des Kannibalismus auf Neuguinea gegeben, aufrecht halten will. Einzelne
der neuguineischen Staemme sind Koepfeschneller, d.h. sie schlagen todt,
wen sie finden, um Koepfe zu erbeuten, deren recht vie$
len waren, fuer enschieden angesehen wurde (Moerenhout 2, 40, Ellis
l, 312). Waren dann bei der Verfolgung die Menschen vernichtet, so gings
nun an die Zerstoerung des Landes: die Tarofelder und sonstigen
Pflanzungen wurden verwuestet, den Kokosbaeumen das Herz ausgeschlagen,
wonach sie absterben, die Brotbaeume umgehauen, die Haeuser verbrannt
(Ellis 1, 293, Luteroth 21-22)--kurz die Besiegten wurdn womoeglich
ausgerottet, ihr Land auf Jahre zu einer unfruchtbaren Oede gemacht.
Solche Kriege wuetheten auf der ganzen Gesellschaftsgruppe; der Missionaer
Nott erlebte auf Tahiti in einem Zeitraum von 15 Jahren 10 solcher
Kriege (Lutteroth 17). Auch die Kriege auf der Hawaiigruppe waren
verwuestend genug. Hier wie zu Tahiti gab es blutige Seeschlachten (Ellis
4, 155) und in den Landkriegen, in denen nach Jarves (59) Hinterhalte,
heimliche Ueberfaelle u. dergl. selten vorkamen, vielmehr meist in
offenen Feldschlachten (die auch zu Tahiti keineswegs selten waren,
Ellis 1, 284) gekaempft wurde, war es namentlich $
rner, wie ungeheuer langsam die
Menschheit moralisch fortschreitet und wie wenig durch intellektuelle
Entwickelung ein Fortschritt nach jener Seite bedingt wird. Das eben von
Columbus Erwaehnte mag als Beleg dienen, er, der geistig so hoch ueber
seiner Zeit stand, hatte sittlich ganz dieselbe Stufe inne. Seine ganze
Zeit aber stand trotz des Christenthums, trotz der aeusseren Kultur noch
auf einem Standpunkt der geistigen Rohheit, die sich noch kaum von dem
Wesen des Naturmenschen unterscheidet, ja durch reicher entwickelte und
ganz zuegellose Leidenschaften noch tiefer als jenGes erscheint. Wie
gewaltig nun die Entwickelung der Intelligenz in den letzten drei
Jahrhunderten zugenommen hat, weiss Jeder; blickt man aber auf die
Kulturvoelker des 19. Jahrhunderts--man denke an die Englaender in
Tasmanien, Neuolland, Nordamerika, die Portugiesen und Spanier in
Suedamerika--so wird man von einem moralischen Fortschritt noch gar wenig
bemerken, denn sie benehmen sich, allerdingos nicht mehr in solcher
Allgemeinhei$
hung,
hufig aber lediglich dem Vergngen, der Schngeisterei oder anderem
maskierten Miggang. Die Verarmung des Brgerstandes, die Revolutionen
und Kriege, die Zunahme der alleinstehenden Frauen, der Tchter und
Witwen der Opfer des Schlachtfeldes, ntigten die Frauen zu einer
Arbeit, die ihnen, weil sie bisher das allein richtige Verhltnis in der
Erhaltung der rau durch den Mann gesehen hatten, nicht nur an sich
schwer fiel, sondern auch wie eine mglichst zu verbergende Schande
erschien. Zahlreich waren schon Mitte des achtzehnten Jahrhunderts die
armen adeligen Fruleins, die in den Stellungen als Erzieherinnen
frstliher Kinder, als Kammerfrauen der Prinzessinnen, ja selbst als
Hofdamen an den vielen kleinen Frstenhfen nichts anderes suchten als
einen Broterwerb und sich oft, unter ngstlicher Aufrechterhaltung
ueren Glanzes kmmerlich genug durchschlugen. Und nicht nur
sentimentale Romane, auch manche der an die Nationalversammlung
gerichteten Petitionen fhren den Beweis dafr, da viele Brgert$
schriebene, ja sogar gedruckte
politische Tageszeitung grndete. So wenig solch ein Untefrnehmen auch
dem wirklichen Fortschritt entspricht und im Interesse der
Frauenbewegung gelegen ist--denn erst das Zusammenarbeite von Mann und
Weib auf gleichen Gebieten und unter gleichen Bedingungen wrde ihre
Krfte sthlen und erproben--, so liefert es doch fr die Fhigkeiten
der Frau den Beweis und bahnt den Weg zu neuen Erwerbsmglichkeiten.
Trotz der Fortschritte, die Frankreich auf dem Gebiet der brgerlichen
Frauenarbeit gemacht hat, sind sie doch nicht in demselben Tempo
erfolgt, wie man es nach den Anfngen der franzsischen Frauenbewegung
htte annehmen knnen, und in dem, was erreicht wurde, ist es von
manchen anderen Lndern berflgelt worden.
Nur ein flchtiger Ueberblick,--die Schilderung der Frauenbewegung eines
jeden Landes wrd ins Endlose fhren und im groen und ganzen dieselben
Entwicklungslinien zeigen, die wir schon verfolgt haben,--soll den
Beweis dafr erbringen.
In Ruland, das schon in den s$
nen noch, als eine uertrgliche Steuer, die Prozentabgaben
an die Agenten ruhen. Dabei wird der Luxus mehr und mer in die Hhe,
die Einnahme mehr und mehr heruntergeschraubt, weil in den Grostdten
die Unsitte der Anstellung sogen. "Luxusdamen", die oft auf jede Gage
verzichten, hingegen der Direktion infolge ihrer reichen Freunde einen
groen Toiletteaufwand garantieren, berhand nimmt.[359]
Werfen wir noch einen Blick auf die groe, rasch wachsende Zahl der
weiblichen Schriftsteller, so zeigt es sich, da ihre starke Mitarbeit
an Familienblttern zweiten und dritten Ranges zum grten Teil auf ihre
geringen Ansprche zurckzufhren ist. Selbst in England, dem Dorado
schreibender Damen, sind es nur dieHwenigen hervorragenden Autorinnen,
die, dank ihres Talents, glnzend situiert sind. Im allgemeinen knnen
100 Pfund im Jahr schon als eine sehr gute Einnahme gelten.[360]
Dasselbe gilt fr die Journalistinnen, die in Deutschland ganz bedeutend
schlechter gestellt sind. Auch die weiblichen Zeichner und Maler,$
 auf lngere Zeitrume sich
erstreckende Berechnungen nicht machen lassen, so spricht alles dafr,
da die Entwicklung berall dieselbe gewesen ist. Seit 1840, wo die
Textilindustrie in Deutschland berhaupt erst anfing, Bedeutung zu
gewinnen, nahm die Frauenarbeit in erschreckender Weise zu. Die
Landmdchen strmten in Scharen in die Fabrikstdte; kleine Orte, wie
z.B. Gladbach, riefen in einem Jahr Hunderte von Frauen in ihre Mauern,
und in Krefeld war ein Frauenberschu von 50% die Folge.[384] In
Nord-Amerika wurden allein in den Spinnereien von Massachusetts 1816
neben 10000 Mnnern 66000 Frauen gezhlt[385], und in den
Baumwollfabriken von 25 Staaten der Union waren 1850 schon 62661
weibliche Arbeiter beschftigt, die zehn Jahre spter auf 75169
angewachsen waren, whrend sich zur selben Zeit in den Wirkereien
dreimal s] viel Frauen als Mnner befanden.[386] Fr die Vereinigten
Staaten im allgemeinen zeigt es sich, da 1870 in der Industri auf 100
arbeitende Mnner gegen 17 Frauen, 1890 dagegen auf 10$
e sie zunimmt, geht z.B. daraus hervor, da in der
Periode 1871 bis 1876 in Frankreich 600000, und 1876 bis 1881 800000
Personen vom Lande in die Industriestdte bersiedelten.[450] In England
verringerte sich die Zahl der Landarbeiter von 1861 auf 1881 um 273000.
Die Maschine spielte auch ierbei eine wichtige Rolle. So machte die
Dreschmaschine .nicht nur thatschlich eine Menge Arbeiter berflssig,
sie fhrte auch eine andere Arbeitseinteilung herbei; das Dreschen, eine
frher wochenlang sich hinziehende Arbeit vieler Hnde, wurde jetzt in
krzester Zeit mit wenig menschlicher Helfskraft erledigt.[451] Fr die
Frauen fiel besonders schwer der Umstand ins Gewicht, da das Spinnen
und Weben, die allgemeine Winterbeschftigung der Landarbeiterinnen,
durch die Konkurrenz der Maschine ihnen entrissen wurde. Die
arbeitslosen Zeiten verlngerten sich daher fr sie mehr und mehr, und
diese wachsende Unsicherheit der Existenz trieb sie in die Stadt, wo sie
sich eher durchschlagen zu knnen glaubten. Hatte doch auch$
 eine
unerhrte Frechheit, als ein "neues Zeichen des Rckgangs alter Zucht
und Ordnung" angesehen. Da das Dienstmdchen Zeit fr sich braucht,
wenn auch nur um seine Sachen in Ordnung zu halten, da es ein Bedrfnis
nach Untehaltung, oder am Ende gar nach geistiger Fortbildung haben
knnte, das kommt den guten Hausfrauen nicht in den Sinn und am
wenigsten denen, die selbst im Winter fast tglich in Gesellschaften
gehen, oder Theater, Konzerte und Vor7lesungen besuchen. Es fllt ihnen
aber auch nicht ein, den Lohn ihrer Dienstmdchen zu erhhen, wenn sie
sehen, da die berlange Arbeitszeit sie ntigt, ihre Kleidung von
Lohnarbeiterinnen ndern und herstellen zu lassen.
Die Folgen der niedrigen Lhne, der schlechten Wohnung und ungengenden
Kost, der s!teten Arbeitsbereitschaft und des Mangels an freier Zeit sind
in ihrer Mehrzahl identisch mit den Fehlern, die die Hausfrauen an ihren
Dienstmdchen nicht scharf genug rgen knnen. So wurde von jeher
darber geklagt, da die Dienstmdchen die Herrschaften da$
it ihr derjenige Teil von ihr, der
die Frauen umfat, ist wie ein junger Riese, der sich seiner Krfte
nicht recht bewut ist und die mchtigen Glieder noch nicht vollkommen
zu beherrschen wei. Er sollte unter die Menschen treten, aber nicht um
sich dem Gewimmel kleiner Leute unter ihm zu beugen, wohl aber um alle
diejenigen, die marsch- und kampffhig sind, in seine Gefolgschaft zu
Aber der Bethtigungskreis der Arbeiterinnenbewegung mte sich auch
noch in anderer Richtung entwickeln: in der genossenschaftliDhen
nmlich. Sie mte bei den Frauen das Interesse fr die
Konsumgenossenschaften zu erwecken suchen, denn jede Verbesserung ihrer
Lage bedeutet einen Schritt nher zur gewerkschaftlichen Organisation
und zur politischen Aufklrung. Und ebenso wie billigere und bessere
Nahrungsmittel bedeuten auch billigere und bessere Wohnungen, wie die
Baugenossenschaften sie bieten, eine wesentliche Hebung ihrer Lage. Von
nicht zu unterschtzender Bedeutung ist dabei der erzieherische Einflu
der Genossenschaften$
 in der Zeit zwischen zehn Uhr abends bis sechs
Uhr morgens nicht beschftigt werden drfen. 6) Ueberschreitung der
tglichen Arbeitszeit nur an dreiig Tagen des Jahres.
Aber all diese Manahmen wren angesichts der herrschenden Zustnde im
Kellnerinnengewerbe ganz unzureichend und legen nur von der
Zaghaftigkeit der Betreffenden Zeugnis ab.
Jeder wirksame Arbeiterschutz mu einerseits von der Verkrzung der
Arbeitszeit ausgehen, andererseits fr seine Durchfhrung auf die
Untersttzung der Beteiligten rechnen knnen. Sowohl der fnfzehn- bis
sechzehnstndige Arbeitstag des Entwurfs als der vierzehnstndige, den
die Kellnerinnen fordern, kann unmglich die Bedeutung haben, die er als
Ausgangspunkt aller anderen Reormen haben mu; der Fortbestand des
Trinkgeldwesens aber, der die Kellnerinnen zu einer mglichsten
Ausdehnung des Arbeitstages zwingt, hindert sie daran, geschlossen fr
seine Herabsetzung einzutreten, und sie zu sichern,falls sie gesetzlich
eingefhrt wird Will man die Lage der Kellnerinnen ver$
 Vgl. Hartmanns von der Aue "Iwein". 6186-6206.
[96] Vgl. Maurer, a.a.O., Bd. I, S. 115, 135, 241, 394 f., Bd. II, S.
387 f., Bd. III S. 325.
[97] Vgl. Dr. P. Norrenberg, Frauenarbeit und Arbeiterinnenerziehung in
deutscher Vorzeit. Schriften der Grres-Gesellschaft. Kln 1880. S. 40.
[98] In Hartmanns von der Aue "Iwein" schildert der Dichter die
hungernden, blassen Weberinnen i( der Werkstatt mit ergreifender
Beredsamkeit.
[99] Vgl. Jakob rimm, Rechtsaltertmer. S. 350 f.
[100] Vgl. Maurer, a.a.O., Bd. I, S. 204 f.
[101] Vgl. De la Curne de St. Palaye, Mmoires sur l'ancienne
Chevallerie. Paris 1759. Bd. 3 S. 13 ff., Bd. 4 S. 20 ff.
[102] Vgl. Maurer, a.a.O., Bd. I, S. 135, 205.
[103] Vgl. Oeuvres du Seigneur de Brantome. Nouvelle dition. Paris
1787. T. IV, p. 93 ff.
[104] Vgl. Maurer, Geschic]te der Stdteverfassung. Erlangen 1870. Bd.
III S. 103 ff.
[105] Otto Henne am Rhyn, Die Gebrechen und Snden der Sittenpolizei.
Leipzig 1897. S. 56.
[106] Vgl. G. Schmoller, Die Tucher- und Weberzunft in Straburg.
$
n--das ist des Kaminfegers
Auch Thrinele kann das Lachen ber die drollige Erscheinung des
Federbuschmanns und dessen Schrecken nicht verbeien und kichert vor
sich hin, indessen Jobbeli in Vorahnung eines Spaes die Hausthre
angelweit aufreit und durch eine linkische Armbewegung zum Eintritt
Peter besteht darauf, da der Kommissr unter der Esse auf den Vollzug
der Kehrordnung warten msse, andernfalls lasse er den Schornsteiner
nicht ein. Dem Beamten ist es zu thun, den Streitpeterle 'rum zu
bekommen, auf da er bei den brigen Waldbauern nicht auf Widerstand
stt. Vielleicht ist es lediglich eine Marotte des eigensinnigen
Hotzen, und Peter ist ja der grte Starrkopf der Wldler. Auch tobt der
Wind so grimmig um den Bhl, da der Aufenthalt selbst in der ruigen
Kcheivorzuziehen sein wird. o entschliet sich denn der Kommissr zum
Eintritt und hinter ihm und den Schornsteiner drngen die Andern nach
ins Haus. Schon hinter der Thr beginnt der Federbuschmann zu husten,
der Qualm des glimmenden Herdfeue$
Haupt und
spricht mit krftiger Stimme: "Im Namen der heiligen Jungfrau Maria seid
gegrt, Salpeterer! Was ich euch han ze sage, isch kurz und bndig das:
Wer ich bin, wisset ihr alle! Und mir, gidius Riedmater isch in
stiller Nacht der Geischt des Salpeterhannes, Albiez' Geischt wirklich
und wahrhaftig erschienen, und selbiger Geischt hat mich eingeweiht und
bezeichnet als Hannesle's Nachfolger in der Fhrerschaft der Salpeterer.
Ich soll den Kampf aufnehmen und fhren wie einstxder Hannes selber! Und
dem Mahnruf des Geischtes han ich Folge geleistet und drben im Albthal
mein heilig und schweres Amt bernommen. Heute in verschwiegener Nacht
am Kreuz des toten Bhl bin ich erschienen und frage euch, ihr Mannen
des Murgthales: Wollt Ihr mitkmpfen fr die heilige Sache?"
"Ja! Wir wollen, im Namen des dreieinigen Gottes fr die Freiheit
unseres Volkes und fr unseren Glauben!" tnt es rauh, aber feierlich
aus dem dreifachen Menschenringe.
Nun frgt Peter den alten Riedmatter: "Ischt der Geischt des Hannes $
tet.
       *       *       *       *       *
Die Hhenfeuer der verwichenen Nacht haben ihre besondere Bedeutung
gehabt; es waren Alarmzeichen, die gidis Befehl an die gesamten
Salpeterer bermittelten, in Eilmrschen bewaffnet ins Albthal zu
ziehen und sich bei Kuchelbach zu sammeln. Durch vertraute Mnner
war die Kunde von Dorf zu Dorf, voHn Weiler zu Weiler bis in die
entlegensten Eindhfe getragen worden mit dem Beifgen, da die
Rekrutierungskommissionen dort, wo sie in geringer Bedeckung sich
befnden, unschdlich gemacht werden sollten.GUnd wie das erste Feuer
emporflammte, steckten die Auslueger ihre Ste in Brand, von Bhl zu
Bhl lohte es auf, und in wenigen Stunden riefen die Flammenzeichen
durch die ganze Grafschaft die Salpeterer zu den Waffen. Mann fr Mann,
die Burschen im Rekrutenalter, Weiber und Mdchen, zogen aus in selbiger
Nacht ber Berg und Thal, durch den ungeheuren Tann mit Fackeln und
Mordinstrumenten. Wer sich unterwegs strubte mitzugeen, ward
niedergeschlagen, Halunkenhuser w$
aum zu halten. Es geht nicht anders!
Oder doch? Wie weihevoll vom LauterbacherKirchturm die Ave-Glocke
herbertnt! So friedlich und feierlich! Und leise rauscht es im nahen
Tann, der wrzigen Odem ausstrmte. Stimmengeflster unter Klrles
Fenster erregen des Mdchens Aufmerksamkeit, Klrle horcht, sich etwas
vorbeugend, was gesprochen wird.
Der Stimme nach ist's Brbel, die spricht: "Nein, Martin, du darfst es
glauben: schlecht ist Klrle nicht! Sie meint es auch nicht so schlimm
und geht nur etwas arg scharf ins Zeug! Sie ist die gute Seele selber!
Ihr fehlt ein vertrautes esen, die richtige Aussprache! So lang' sie
Freud' und Leid, rger und Verdru immer allein in sich verarbeiten und
hinunterwrgen mu, wird ihre Verbitterung nicht schwinden."
Und Martin erwidert: "Sie hat doch dich, Brbel!"
"Du darfst nicht vergessen, Mrte, da sie alleweil die Herrin ist und
ich nur geduldet bin auf dem Hof! In mir sieht sie nichts als eine
dienende, aus Gnad' und Barmherzigkeit aufgenommene Person, was ich ihr
sch$
prangendem
Grn umgeben, und einige Schritte weiter entrollt sich die ganze Stadt
vor unseren Blicken, amphitheatralisch ans Lwengebirge hinaufgbaut.
Die vielfarbigen Huser, meist von hochgiebeligen Dchern, was fr ihr
Alter spricht, berragt, die Verschiedenartigkeit des Baustyls,
Brckenanlagen, welche ber tief einschneidende Ravins fhren,
grossartige Kirchen und andere ffentliche Gebude, als: der Sitz des
Gouverneurs, verschiedene Casernen und Hospitler, einige
Verschanzungen nach der Seeseite fzu--dies Alles untermischt vom tiefen
dunklen Grn der Tropennatur, aus der hie und da die schlanken,
schaukelnden Zweige der Cocospalme in hellem Saftgrn emporschauen--d;es
imposante Schauspiel sagt einem selbstredend, dass man die Hauptstadt
der englischen Besitzungen an der Westkste von Afrika vor sich hat. Im
Hintergrunde der Stadt erheben sich die schwarzen dichtbelaubten Berge,
hin und wieder leuchtet aus ihnen eine blendend weisse Villa der reichen
Europer oder Neger hervor; auf den Gipfeln der Be$
. Indem wir die Etappen verdoppelten waren wir am 12. Mai in
Agla und traten von hier aus unseren Tour nach Aum an.
Frhzeitig wie Phayre, dieser unermdliche Fussgnger, welcher immer um
3 Uhr Morgens seine Mrsc-he antrat, machten auch wir uns um 4 Uhr
Morgens auf den Weg. Im Anfange folgten wir noch dem Militrwege, der
uns in die Dngolo-Ebene fhrte, gingen also in N. z. O. R., aber etwa
eine Meile, ehe wir den von Dngolo kommenden Gonfel-Fluss bnutzten,
bogen wir ab und hielten dann N. N. W. R. Die grosse Dngolo Ebene ist
usserst fruchtbar und hat herrliche Wiesen, deren Kruter und Grser
der letzt gefallene Regen jetzt hervorspriessen machte. Wir liessen
gleich links auf einer kleinen Anhhe eine halbe Meile[13] vom Wege
entfernt das Dorf Adekau liegen, und von hier an kamen wir in buschiges
Terrain, belebt von einer grossen Anzahl bunter Vgel, Tauben,
Perlhhner, Hasen und von grsserem Wilde, welche hier einen ungestrten
Aufenthalt fanden; aber eine Unmasse kleiner Fliegen, die Begleiterinnen$
rometerstand auch
hier mindestens au_ 765 M. M. annehmen kann, was eine Tiefe von circa 31
Meter ergeben wrde.
Von hier bis zur Oase des Jupiter Ammon sind noch zehn bis zwlf
Tagemrsche, wovon die erste Hlfte des Weges jeder Spur von Wasser
entbehrt und durch die trostloseste Wste verluft, welche berhaupt
existirt Die Rhartdnen, dann die Gerdobaebene zeigen dem Dahinziehenden
die grssten Feinde der Wste: gnzlihen Wassermangel und fast immer
absolute Trockenheit der Luft. Gleich beim Eintritt der Rhartdnen lsst
man etwas links gegen vierzig zu Mumien ausgetrocknete Leichen liegen,
welche erst krzlich in einem heftigem Samum vom Fhrer irregeleitet und
nachher schmachvoll verlassen wurden. Und merkwrdiger Weise htte
dieser selbe Fhrer, Hammeda aus Audjila, welcher unsere Karavane von
Bengasi nach Audjila zu fhren hatte, auch uns fast ins Verderben
geleitet, indem er uns durch eine Luftspiegelung getuscht, freilich
dicht vor Audjila, vom Wege abfhrte. Es braucht wohl kaum gesagt zu
werden, d$
d forderte den Hofstaat auf,
Ihn mit der Frau allein zu lassen;
zurck blieb nur der Grovezier.
"Du darfst", o sprach er dann zu ihr,
"Nunmehr getrost ein Herz dir fassen.
Was immer dein Begehren sei,
Dir ist's vorweg, mein Wort zum Pfande,
Vergeben. Also rede frei!"
Da lsten sich die Zungenbande
Der Mutter. Ohne weitre Scheu
Berichtete sie wahrheitstreu,
Durch welch geheimes Abenteuer
Sich seiner Tochter Aladdin,
Ihr Sohn, genaht; wie heftig ihn
Seitdem verzehre wildes Feuer;
Wie redlich sie sich unterdessen
Ihn abzukhlen angestrengt,
Doch wie von Leidenschaft besessen
Er sie zu diesem Gang gedrngt.
Nur seiner Drohung, da er sterbe,
Wenn nicht um deren Hand sie werbe,
Die doch frwahr, mit ihm verglichen,
Nicht minder unerreichbar fern
Als an dem Firmament ein Stern,
Sei schlielich zgernd sie gewichen.
Der Sultan, keineswegs emprt
Noch spttisch, urte die Frage,
Nachdem er ruhig zugehrt,
Was in dem Tuch verhllt sie rage.
Sogleich entnahm sie wunschgem
Dem Bndel das Geschenk des Sohnes
Und ste$
dem Boden aufgeschossen
Erschien der Geist gleich einem Riesen,
Ihn fragend: "Was ist dein Geheiss?"
Drauf3Aladdin: "Du hast mit Fleiss
Mir oefters dienstbar dich erwiesen
Bei Wuenschen, die gering und nichtig.
Das Wer[ jedoch, das ich dir nun
Befehlen will fuer mich zu tun,
Ist ueber alle Massen wichtig.
Du sollst mir meine Qualen lindern
Und drum als unsichtbarer Gast
Die Hochzeit, die heut im Palast
Gefeiert werden soll, verhindern.
Begib dich hin, vom Wind getragen,
Ergreif' den Braeutigam beim Kragen,
Entfuehr' in ein Versteck ihn, sperr'
Dort fest ihn ein und lass verborgen
Ihn schmachten bis zum naechsten Morgen."
Der Geist versetzte fuegsam: "Herr,
Wie du befiehlst," und war verschwunden.
Am Hofe ward mit aller Kraf
Inzwischen seit den fruehsten Stunden
Fuer die Vermaehlung vorgeschafft.
Mit einem wahrhaft beispiellosen
Und noch nicht dagewesnen Glanz
War der Palast verwandelt ganz
In einen duft'gen Hain voll Rosen.
Die Tafel funkelte von Gold;
Prunkteppiche von schwerster Seide
Bedeckten sorgsam aufg$
he Horden,
Vollstaendig zuegellos geworden,
Gleich einem grimmen Riesentier
Sich gegen deine Mauern tuermen!
Der Mensch hat auch dein Volk behext,
Und wenn d diesen Spruch vollstreckst,
Dann wird es den Palast erstuermen."
Der Sultan fuhr erschreckt zusammen.
Er merkte wohl, dass durch den Tod
Prinz Aladdins das Reich in Flamen
Auflodern wuerde. Drum gebot
Er dem verbluefften Henker knapp
Vorm Streich, das Leben ihm zu lassen;
Der nahm die Binde von ihm ab,
Und den erregten Menschenmassen
Ward mit Trompetenstoss verkuendigt,
Der Sultan habe kurz und gut,
Wie sehr auch Aladdin gesuendigt,
Ihn zu begnadigen geruht.
Dies Wort, voll Beifallslaerm umtoent,
Goss Oel in die erzuernten Wogen;
Die saemtlicen Empoerer zogen
Nach Haus beschwichtigt und versoehnt.
Doch Aladdin, als er befreit
Sich sah, hob zum Altan die Haende:
"Herr," bat er flehentlich, "vollende
Die Gnade, die du mir geweiht,
Und sage mir, durch welch Verbrechen
Verdient' ich solch ein Strafgericht?"
"Ei, willst du dich noch gar erfrechen,
Zu tun, al$
Buch------ein
deutlicher bergang gemacht wird, nd damit das in der zweiten Partie
angeschlagene Motiv von der Flucht zur Natur aus den angegebenen Grnden
fallen gelassen wird, glaubt Scherer trotzdem, Faust denke auch hier
noch (V. 66-74 = 419-427) daran, fortzugehen. Er hat nmlich im V. 68 =
420 die Worte: Ist Dir das nicht Geleit genug? vllig verkehrt
aufgefat, insofern er glaubt, das Buch solle ihm als Begleiter auf
seinem Gange dienen, um drauen die Beschwrung zu beginnen[38]! Aber
nicht auf seinem Gange zur Natur drauen soll ihn das Buc begleiten,
sondern auf dem Wege, den er jetzt einschlagen will, der ihn mittelbar
auch zu ihr geleiten soll. Scherer hat also auch nicht vermocht
auseinanderzuhalten, da die Natur in V. 70 = 423, die er in dem
Zauberbuch zu finden hofft, etwas anderes sei, als die Natur drauen,
die ihm im 2. Teile in ihrer Herrlichkeit erschienen war, da aber
zugleich der gleiche Begriff dem Dichter eine vortreffliche Brcke zum
bergang und zur Rckkehr zu dem Thema des ers$
igen Schwingungen und leisen Tne, womit die Natur alle Gegenstnde
verbindet. Bei jedem Tritt erffnet sich ihm eine magische Welt. Dieser
tiefe Einblick in die Natur wird also auch Fast zu teil, da er das
Zeichen des Makrokosmos erschaut. W7ie aber dies Gefhl erweckt und wach
gehalten werde, sagt auch der Weise, dessen Worte er jetzt erst zu
fassen vermag:
    Auf bade, Schler, unverdrossen
    Die irdsche Brust im Morgenrot.
Mit anderen Worten: durch vertrauten Umgang mit der Natur wird die tiefe
Erkenntnis der Natur, und zwar hier der Weltnatur, errungen. Das
kabbalistische Zeichen fordert demnach ebenfalls Faust auf, sich
unmittelbar an die Natur zu wenden; zog es ihn aber vorhin bei jener
ersten Mahnung nach einer geisterhaft ossianischen Nacht hin, wie sie
dem kranken Werther behagen mochte, so erscheint ihm jetzt die Weltnatur
lockend in leuchtendem Glanze der Morgenrte.
Ein helleres Licht ber den tieferen Zusammenhang zwischen dem Zeichen
des Makrokosmus und jenem Mahnworte des Weisen verbreite$
icksal meines Lebens hngt sehr an dem Augenblick[195].
Die nach Schpfungskraft verlangenden Kunstgedichte dieser Zeit drcken
dieselbe Sehnsucht im besondren Fall aus, die im Faust ins allgemeine
gezogen ist; im einzelnen haben wir eine innere bereinstimmung gefunden
mit der wohl erst 1775 niedergeschriebenen kleinen Abhandlung: Nach
Falkonet und ber Falkonet. Endlich weist uns die Weltanschauung, wie
sie der Dichter in dem Verhltnis des Erdgeistes zum Weltgeist und im
Wesen des ersteren selbst geffenbart hat, auf eine Zeit reiferer, nach
und nach im Lebensgange gewonnener Erkenntnis hin. Es ist der Gedanke,
da das unbedingte Streben des Menschen innerhalb des Lebens auf dieser
Erde in zielbewuter Thtigkeit das Hchste zu leisten versuche und
nicht etwa in thrichtem Ansturm gegen die Schranken menschlicher
Bedingtheit seine Krfte unntz verbrauche, womit sich denn fr das
Gedicht eine unendliche Perspektive erffnete.
Ferner ist wohl nicht an der Thatsache zu zweifeln, da Goete das
Zeichen des Mak$
er schri8b daher einige
Zeilen, worin er um mikroskopische Untersuchung der beiliegenden Mtze
und um baldigen Bericht bat.
In vorsichtiger Verpackung mute Perathoner die Mtze zum Gerichtsarzt
Zwei Tage vergingen im ruhiger gewordenen Diens. Als am Morgen des
dritten Tages Ehrenstraer in gewohnter Weise amtierte, wurde ihm die
sorglich verpackte Mtze nebst Brief eingehndigt. Etwas spttisch wog
der Richter den Brief in der Hand, als wollte er das Gewicht des
Resultats einer mikroskopischen Untersuchung prfen. Das Lcheln erstarb
bei der Brieflektre, Dr. von Bauerntanz lieferte ein geradezu
verblffendes, wahrhaftiges Signalement, das Ehrenstraer dem Arzt
nicht zugetraut htte. Klar und bestimmt heit es im Bericht. "Der
Besitzer der Mtze ist ein krftiger, zur Korpulenz geneigter Mann in
mittleren Jahren, mit schwarzem und graumelierten, neuerdings kurz
verschnittenen Haaren und beginnender Glatze."
berrascht starrt Ehrenstraer auf diesen kurzen und doch vielsagenden
Bericht. Dieses Signalemevnt pa$
nannt der Bergrichter.
[1] Vergl. das geniale Werk von Prof. Dr. Gro: "Handbuch fr
Untersuchungsrichter." Im Gebirge existiert ein Brauch, da Burchen mit
rotverhngten Laternen in die Schlafstuben der Dirnen schleichen und die
derbsten Scherze verben. Es wird behauptet, da6das rote Licht die
Leute eher schlafen mache, als da es dieselben aufwecke.
[2] Einem Josef Aspdin in Leeds (oEngland) gelang es bei seinen
Versuchen, die natrlichen hydraulischen Mrtelbildner, Purzolan- und
Roman-Cement, durch knstliche zu ersetzen, unter Beobachtung eines
bestimmten Mischungsverhltnisses und einer entsprechend hohen
Temperatur beim Brennen ein Produkt zu erhalten, das sich als ganz
hervorragendes hydraulisches Mrtelmaterial erwies. Aspdin benannte es
"Portland-Cement", weil es, wenn es in Wasser erhrtet, einem
vorzglichen Baustein jener Gegend, dem "Portlandstone" in Farbe und
Haltbarkeit auffallend glich. Vergl. Dr. . Schoch, Die moderne
Aufbereitung und Wertung der Mrtel-Materialien.
[3] In den Alpenlnde$
rsagte.
"Hebt den Eisenriegel", schrie er seinen Leuten zu. Er hatte nicht erst
ntig, es ihnen zu sagen. Im Licht des Pistolenschusses hatten sie
bemerkt, da das uerste umgebogene Ende der eisernen Stange schon zur
Hlfte aus dem am Tor befestigten Ring herausgehoben war. Sofort lpften
drei odeRr vier krftige Arme die eiserne Stange; als das uerste Ende
ganz aus dem Ring war, le man sie fallen. Nun konnte man einen der
Torflgel ein wenig ffnen; der Korporal trat ein und sagte leise zu
"Es ist nichts mehr zu machen, wir sind nur mehr drei oder vier ohne
Wunden, fnf sind tot."
"Ich habeBlut verloren," entgegnete Giulio, "ich fhle, da ich
ohnmchtig werde; lat mich fortbringen."
Whrend Giulio mit dem tapfren Korporal sprach, gaben die Soldaten der
Wache noch drei oder vier Flintenschsse ab und der Korporal fiel tot zu
Boden. Zum Glck hatte Ugone den Befehl Giulios gehrt; er rief zwei
Soldaten herbei, die den Kapitn forttragen sollten. Da er aber nicht
ohnmchtig wurde, befahl er, ihn durch de$
von Ihnen spricht. Ihre Feinde behaupten,
Siegben einem Rebellen gegen Seine Eminenz Unterschlupf."
Der arme Saint-Ismier mute aus dem Schlosse bei Orlans flchten, wfe er
aus Rouen geflohen war. Der Schloherr, sein Freund, suchte ihn auf der
Jagd auf am andern Ufer der Loire, um ihm den schlimmen Brief zu
bergeben. Der Chevalier nahm dankbaren Abschied und ging an den Flu
hinunter in der Hoffnung, da ein Boot zu finden; zu seinem Glck traf er
auch einen Fischer, der in einem winzigen Kahn gerade sein Netz einzog. Er
rief den Mann an.
"Meine Glubiger sind hinter mir her. Du bekommst einen halben Louis, wenn
du die ganze Nacht ruderst. Du mut mich nah meinem Haus ans Ufer setzen,
eine halbe Meile vor Blois."
Saint-Ismier fuhr die Loire hinunter bis ***; kamen sie an Stdte, stieg
er aus und ging zu Fu durch; die F
lucht whrte Tag und Nacht. Seinen
Diener mit den Pferden erreichte er erst bei ***, einem kleinen Dorf in
der Nhe von **. Dann ritt er die Kste entlang sdwrts. Auf drngende
Fragen li$
am Bett auf dem Teppich auf zwei
kleine Schuhe aus weier Seide und auf ein Paar auerordentlich dnne
Seidenstrmpfe.
'Ich bin doch ein groer Schafskopf! Ich bin hier bei einer Frau!'
Gleich darauf fand er ein paar Strumpfbnder aus Silberspitze; auf einem
Fauteuil einen kleinen Unterrock aus rosarotem Satin.
'Es ist eine junge Frau', rief er hingerissen, un seine Neugierde war so
mchtig erregt, da er ganz seine Angst vor dem Gefngnis oder vielmehr
vor dem Tode verga, die sein einziges Gefhl war seit der Minute, als er
den jungen Menschen miten auf der Strae niedergestochen hatte. In seiner
Neugier verga der Chevalier auch gnzlich, fr einen Dieb gehalten zu
werden. Er ffnete, das Licht in der Hand, den Degen unterm Arm alle
Schubfcher des Toilettentischs. Er fand eine groe Menge kostbaren
Schmucks und von erlesenem Geschmack; einige kleine Kassetten trugen
gravierte Inschriften in italienischer Sprache. 'Die Herrin dieses Raumes
mu bei Hofe gewesen sein', sagte er sich. Er fand auerordentli$
it der Robert Effekt mache, mu man ihn handeln sehen.
Daher darf sein Reichtum noch keine Tatsache sein. Man mu ihn sehen, wie
er sich diesen Reichtum schafft.
EINE SOZIALE POSITION
September>1832--Juli 1833.
Ich vermCche dieses Manuskript dem Maler Herrn Ab. Constantin, meinem
Nachbarn, mit der Bitte, es nicht vor 1880 zu zeigen. Rome, 4. Oktober
1882. H. Beyle. -- Es mu hierin mehr Wohlklang als in Le Rouge sein,
damit es leichter ins Ohr gehe.
Plan. -- Die Herzogin will de Roizard nur als Trster.
Sie frchtet nur dieses eine: da er sie verliebt anblicke.
Spter sagt sich Roizard: sie will ganz einfach geliebt sein, und parbleu,
ich werde sie nicht lieben.
Sein Erstaunen, als er entdeckt, da sie Liebe gar nicht will.
Bin ich denn zu alt? fragt er sich. Und da verliebt er sich.
Zunchst Beschreibung der Charaktere; die Charaktere gehen aus den
Umstnden hervor.
Die Charaktere sehr sauber festhalten: die Ereignisse blo en masse, die
Details nur in dem Mae zulassen, als sie sic einstellen (12. Dezember$
h werden knne.
Auerdem wrde sie ihren Mann allmhlich besiegen. Eine echte Frau,
die sie war, wrde sie ihn mrbe machen--: langsam, nach und nach,
mit aller Zhigkeit, wrde sie ihm Locke auf Locke seiner Kraft
rauben, bis er willenlos geworden war ihr gegenber.
Der Mann war mehr zu bedauern als sie.
Fr ihn aber war sie eine abgetane Sache. Es war eine Dummheit
gewesen, da er hierher gekommen war. Er gehrte nicht zu den
Menschen, die sicBh schmen, ihren Dummheiten ins Gesicht zu sehen.
Aber er glaubte doch, nun sagen zu drfen, da er so bald keine neue
machen wrde.
Am liebsten wre er noch heute Abend abgereist. Doch er wute nicht,
wann die Zge gingen. Und auerdem--er war nun einmal hier. Die
Hitze des Tages begann langsam nachzulassen. Er wollte noch einige
Stunden verbringen auf dieser Hhe mit dem Blick auf die Stadt zu
seinen Fen. Irgendwo wrde er schon ein grnes und khles
Pltzchen finden.
Und Mit dem charakteristischen Ruck seiner Schultern schttelte er
die Erlebnisse dieses Nachmit$
n Text
vorgezogen, der sich am wohllautendsten bertragen lie. So ist
allerdings mein Text kein kritischer; aber er wird dem endgltig durch
die Kritik herzustellenden in den meisten Fllen vorgearbeitet haben.
Die bisherigen kritischen Ausgaben haben sich Einer der drei Faungen
des Textes, welche man mit A, B und C zu bezeichnen pflegt, nher
angeschloen: die von der Hagensche von 1826 hielt sich an B (St.
Galler Handschrift), die Lachmannsche an A, die Holtzmannsche und
Zarnckesche an C, und indem Jeder die seinige fr die echte und
alleinseligmachende erklrte, erwarben sie sich das qroe Verdienst,
un von jeder dieser drei Faungen ein zuverliges und anschauliches
Bild vr Augen gestellt, und so der Ermittelung des ursprnglichen
allen dreien zu Grunde liegenden Textes Vorschub geleistet zu haben.
Einen Anfang zu solcher Kritik hat Bartsch (Untersuchungen ber das
Nibelungenlied, 1865) gemacht; aber seine Ausgabe, die zu B
zurckgekehrt ist, benutzt die gewonnenen Ergebnisse nur theilweise.
Der Text $
iebem Empfange   vernahm man frhlichen Schall.
Da gab man Herbergen   den Recken in der Stadt.                     253
Der Knig seine Gste   wohl zu verpflegen bat;
Die Wunden lie er hten   und warte fleiiglich.
Wohl zeigte seine Milde   auch an seinen Feinden sich.
Er sprach zu Ldegeren:   "Nun seid mir willkommen!                 254
Ich bin zu groem Schaden   durch eure Schuld gekommen:
Der wird mir nun vergolten,   wenn ich das schaffen kann.
Gott lohne meinen Freunden:   sie haben wohl an mir gethan."
"Wohl mgt ihr ihnen danken,"   sprach da Ldeger,                  255
"Solche hohe Geisel   gewann kein Knig mehr.
Um ritterlich Gewahrsam   bieten wir groes Gut
Und bitten, da ihr gndiglich   an euern Widersachern thut."
"Ich will euch," sprach er, "Beide   ledig laen gehn;              256
Nur da meine Feinde   hier bei mir bestehn,
Dafr verlang ich Brgschaft,   damit sie nicht mein Land
Rumen ohne Frieden."   Darauf boten sie die Hand.
Man brachte sie zur Ruhe,  wo man sie wohl verpf$
h um Kriemhild,   das schne Mgdelein,
,Da es mit mir vergelte   die herrliche Maid."
Als Siegfried das hrte,   da war der Recke bald bereit.
"Entbitet, was ihr wollet,   es soll gemeldet sein:                553
Ich will es gern bestellen  um das schne Mgdelein.
Die ich im Herzen trage,   verzichtet' ich auf die?
Leisten will ich Alles,   was ihr gebietet, um sie."
"So sagt meiner Mutter,   Ute der Knigin,                          554
Da ich auf dieser Reise   hohes Muthes bin.
Wie wir geworben haben,   sagt meinen Brdern an;
Auch unsern Freunden werde   diese Mre kund gethan.
Ihr sollt auch nichts verschweigen   der schnen Schwester mein,    555
Ich woll ihr mit Brunhild   stts zu Diensten sein;
So sagt auch dem Gesinde   und wer mir unterthan,
Was je mein Herz sich wnschte,   da ich das Alles gewann.
"Und saget Ortweinen,   dem lieben Neffen mein,                     556
Da er Gesthl errichten   lae bei dem Rhein;
Den Mannen auch und Freunden   sei es kund gethan,
Ich stelle mit Brunhilden $
annen wollten   zu der Linde breit,                   1001
Da sprach von Tronje Hagen:   "Ich hrte jederzeit,
Es knne Niemand folgen   Kriemhilds Gemahl,
Wenn er rennen wolle;   hei! schauten wir das einmal!"
Da sprach von Niederlanden   der Degen khn und gut:               1002
"Das mgt ihr wohl versuchen:   wenn ihr mit mir thut
Einen Wettlauf nach dem Brunnen?   Soll das*geschehn,
So habe der gewonnen,   den wir den vLrdersten sehn."
"Wohl, lat es uns versuchen,"   sprach Hagen der Degen.           1003
Da sprach der starke Siegfried:   "So will ich mich legen,
Verlier ich, euch zu Fen   nieder in das Gras."
Als er das erhrte,   wie lieb war Knig Gunthern das!
Da sprach der khne Degen:   "Noch mehr will ich euch sagen:      1004
Gewand und Gewaffen   will ich bei mir tragen,
Den Wurfspie samt dem Schilde   und all mein Birschgewand."
Das Schwert und den Kcher   um die Glieder schnell er band.
Die Kleider vom Leibe   zogen die Andern da:                       1005
In zwei weien Hemden   man bei$
             1126
"Einem Knig und den Seinen   geschieht wohl nimmermehr
Einer Kurzweil willen,   was uns hier ist geschehn:
Man soll uns nimmer wieder   hier bei den Burgunden sehn."
Da sprachen laut die Degen   in Siegfriedens Heer:                 1127
"Wohl mchte noch die Reise   geschehen hieher,
Wenn wir den nur faden,   der uns den Herrn erschlug.
Sie haben Todfeinde   bei seinen Freunden genug."
Er ksste Kriemhilden:   klglich sprach er da,                    1128
Als er daheim zu bleiben   sie so entschloen sah:
"Wir reiten arm an reuden   nun heim in unser Land!
All mein Kummer   ist mir erst jetzo bekannt."
Sie ritten ungeleitet   von Worms an den Rhein:                    1129
Sie mochten wohl des Muthes   in ihrem Sinne sein,
Wenn sie in Feindschaft   wrden angerannt,
Da sich schon wehren solle   der khnen Niblungen Hand.
Sie erbaten Urlaub   von Niemanden sich.                           1130
Da sah man Geiselheren   und Gernot minniglich
Zu dem Knig kommen;  ihnen war sein Schade leid:$
ie Helden allbereit,                     1972
Da kamen die von Thringen,   hrten wir Becheid,
Und vom Dnenlande   der Khnen tausend Mann.
Von Stichen sah man fliegen   viel der Splitter hoch hinan.
Irnfried und Hawart   ritten zum Buhurd hin;                       1973
Ihrer harrten Die vom Rheine   mit hochfhrtgem Sinn
Zum Lanzenspiel mit Denen   vom Thringerland:
Durchbohrt von Stichen wurde   mancher schne Schildesrand.
Da kam der Degen Bldel,   dreitausend in der Schar.               1974
Etzel und Kriemhild   nahmen sein wohl war,
Da vor ihnen Beiden   das Ritterspiel geschah.
Die Knigin es gerne   aus Ha der Burgunden sah.
Sie gedacht in ihrem Sinne,   schier wrs auch so geschehn:        1975
"Und thten sie wem Leides,   so drft ich mich versehn,
Da es zum Ernste kme:   an den Feinden mein
Wrd ich dann gerochen;   des wollt ich ohne Sorge sein."
Schrutan und Gibeke   ritten zum Buhurd auch,                      1976
Hornbog undRVamung,   nach heunischem Gebrauch.
Sie hielten vor den Held$
ke   aus den Hnden schwang
Oder auch die Speisen,   die man zu Hofe trug.
Da fand er vor der Stiege   noch starker Feinde genug.
"Wie nun, ihr Truchsen?"   sprach der mde Degen,                2053
"Nun solltet ihr die Gste | gtlich verpflegen
Und solltet den Herren   die edle Speise tagen
fUnd lieet mich die Mre   meinen lieben Herren sagen."
Wer da den Muth gewonnen   und vor die Stieg ihm sprang,           2054
Deren schlug er etlichen   so schweren Schwertesschwang,
Da ihm aus Schreck die Andern   lieen freie Bahn.
Da hatten seine Krfte   viel groe Wunder gethan.
       *       *       *       *       *
Dreiunddreiigstes Abenteuer.
Wie Dankwart die Mre seinen Herren brachte.
Als der khne Dankwart   unter die Thre trat                      2055
Und Etzels Ingesinde   zurckzuweichen bat,
Mit Blut war beronnen   all sein Gewand;
Eine scharfe Waffe   trug er blo an seiner Hand.
Gerade in der Stunde,   als Dankwart trat zur Thr,                2056
Trug man Ortlieben   im Saale fr und fr
V$
Die da erschlagen waren,   die lat liegen todt.
Wie es im Heunenlande   dem Volk hernach gerieth,
Hie hat die Mr ein Ende:   das ist _das Nibelungenlied_.
       *       *       *       *       *
Statt der letzten fnf Srophen hat b folgende sechs, die beiden letzten
bereinstimmend mit A.
Hildebrand im Zorne   zu Kriemhilden sprang.
Er schlug der 'Knigstochter   einen schweren Schwertesschwang,
Mitten wo die Borte   den Leib ihr hatt umgeben.
Davon die Knigstochter   verlieren must ihr werthes Leben.
Das Schwert schnitt so heftig   da sie nichts empfand,
Das sie unsanft htte   berhrt;  sie sprach zuhand:
"Dein Waffn ist erblindet,   du sollst es von dir legen:
Es ziemt nicht, da es trage   solch ein zierlicher Degen."
Da zog er von dem Finger   ein golden Ringelein
Und warfs ihr vor die Fe:   "Hebt ihr das Fingerlein
Vom Boden auf, so spracht ihr   die Wahrheit, edel Weib."
Sie bckte sich zum Golde:   da brach entzwei ihr werther Leib.
So war auch erlegen   Kriemhild, o weh der Noth:
Wie so gar un$
 und schritt frba.
Der Lustgartin jenes reichen Brahmanen erstreckte sich weithin den Weg
entlang. Der Erhabene begann schon Mdigkeit zu spren, und sein rechter
Fu, von einem scharfen Stein verletzt, schmerzte ihn im
Weiterschreiten. So nherte er sich endlich dem nchsten Wohnhause, das
schon von weitem sichtbar war; denn heller Lichtschimmer strmte quer
ber den Weg durch das Gitter der Fensterlden und die offenstehende
Tr. Wre aber auch ein Blinder gekommen, so htte er doch das Haus
bemerkt, denn bermtigPes Lachen, Becherklang,0 Stampfen tanzender Fe
und lieblich heitere Tne der siebensaitigen Vina drangen ins Freie
heraus; an den Trpfosten gelehnt aber stand ein schnes Mdchen in
reichem Seidengewand und mit Jasmingewinden behangen. Lachend ihre vom
Betelkauen roten Zhne zeigend, lud sie den Wanderer ein: "Tritt herein,
Fremder! Hier wohnt die Freude."
Und der Erhabene schritt frba, seines Wortes gedenkend: "Als Weinen
gilt im Orden der Heiligen das Singen; als Tollsein gilt im Orden d$
 wenig ich auch sonst dem Sohne des Ministers hold war, so konnte ich
doch nicht umhin, ihm diesmal besten Erfolg zu gnnen, und als er
auszog, folgten meine segnenden Wnsche seinen Fahnen.
Etwa eine Woche spter war ich mit Medini im Garten, als wir von der
Strae her lautes Geschrei vernahmen. Medini lief sofort hin, um zu
erfahren, was geschehen sei und meldete alsbald, Satagira kehre im
Triumph nach der Stadt zurck, nachdem er die Ruber niedergemetzelt
oder gefangen genommen habe; auch der schreckliche Angulimala sei
lebendig in seine Hnde gefallen. Sie forderte mich auf, mit ihr und
Somadatta auf die Strae zu gehen, um den Einzug der Krieger und der
gefa<ngenen Ruber zu sehen, aber ich wollte nicht, weil ich e. Satagira
nicht gnnte, mich unter den}Zuschauern seines Triumphes zu sehen. So
blieb ich denn allein zurck, berglcklich bei dem Gedanken, da die
Wege fr meinen Geliebten jetzt wieder geffnet seien. Denn so wenig
ahnen ja die Sterblichen den Gang des Schick-sals, da sie manchmal, wie
i$
was er
ber seine Persnlichkeit in Weimar gehrt hatte. Eine gegenseitige
Annherung beider Dichter fand nicht statt. Schiller fhlte sich
zurckgescheucht durch Goethe's Abgeschlossenheit und Klte. Seine
geistige Stellung jenem Dichter gegenber bezeichnete Schiller in einem
Briefe an Krner mit den Worten: "Im Ganzen genommen ist meine in der That
groe Idee von Goethe nach dieser persnlichen Bekanntschaft nicht
vermindert worden. Aber ich zweifle, ob wir einander je sehr nahe rcken
werden. Vieles, was mir jetzt noch interessant ist, was ich noch zu
wnschen und zu hoffen habe, hat seine Epoche bei ihm durchlebt. Sein
ganzes Wesen ist schon von Anfang her anders angelegt, als das meinige,
seine Welt ist nicht die meinige; unsere Vorstellungsarten scheinen
wesentlich verschieden. Indessen schliet sichaus einer solchen
Zusa*mmenkunft nicht sicher und grndlich. Die Zeit wird das Weitere
Das schon in Weimar auf Wielands Empfehlung begonnene Studium dges Homer
und der griechischen Tragiker setzte Schiller $
n Funken, den wir in uns
tragen, rein und unverletzt zu erhalten, da er Herr sei ber Freude und
Leid, da er nichts ohne berlegung ue, nichts erlge und erheuchele
und stets unabhngig sei von dem, was andere tun oder nicht tun, da er
alles, was ihm widerfhrt und was ihm zugeteilt wird, so aufnehme, als
komme es von da, von wo er selbst gekommen, und da er endlich den Tod
mit heiterem Sinn erwarteN, als den Moment der Trennung aller Elemente,
aus denen jegliches lebendiges Wesen besteht. Denn wenn den Elementen
dadurch nichts Schlimmes widerfhrt, da sie fortwhrend ineinander
bergehen, weshalb sollte man sich scheuen vor der Verwandlung und
Lsung aller auf einmal? Vielmehr ist dies das Naturgeme, und das
Naturgeme ist niemals vom bel.
Drittes Buch
Wir mssen uns nicht blo bedenken, da das Leben mit jedem Tage
schwindet und ein immer kleinerer Teil davon brigbleibt, sondern auch
beherzigen, da es ja ungewi ist, wenn man ein lngeres Leben vor sich
hat, ob sich die Geisteskrfte immer gleic$
st und Wort der andern.
Jegliches Schne ist schn durch sich selbst und in sich vollendet, so
da fr ein Lob kein Raum in ihm ist. Wird es doch durch Lob weder
schlechter noch besser. Dies gilt auch von dem, was man in der Regel
schn nennt, von dem krperlich Schnen und den Werken der Kunst. Das
wahrhaftSchne bedarf des Lobes ebensowenig als das gttliche Gesetz,
die Wahrheit, die Gte, die Scham. Oder vermag daran etwa das Lob zu
bessern oder der Tdel zu verderben? Wird die Schnheit des Edelsteins,
des Purpurs, des Goldes, des Elfenbeins, die Schnheit eines
Instruments, einer Blte, eines Bumchens geringer dadurch, da man sie
Wenn die Seelen fortdauern, wie vermag sie der Luftraum von Ewigkeit her
zu fassen? Aber wie st denn die Erde imstande, die Leichname sovieler
Jahrtausende zu fassen? Die Leiber, nachdem sie eine Zeitlang gedauert
haben, verwandeln sich und lsen sich auf, und so wird andern Leibern
Platz gemacht. Ebenso die in den ther versetzten Seelen. Eine Zeitlang
halten sie zusammen, da$
n gilt es nicht mehr zu untersuchen, was ein tchtiger Mensch sei,
sondern einer zu sein.
Der Gedanke an die Ewigkeit und an das Weltall sei dir stets nahe:
verglichen mit dem All wird dir dann alles als ein Krnlein und mit der
Ewigkeit verglichen wie ein Handumdreheny erscheinen.
Jedes Sinnenwesen, das du betrachtest, stelle dir in seiner Auflsung,
Verwandlung, gleichsam Verwesung oder Vernichtung vor oder von der
Seite, die ihm von der Natur gleichsam alT die vergehende bestimmt ist.
Was sind denn die Esser und Trinker und Schlfer und Erzeuger und was
sie sonst machen? was sind sie, die sich aufblhen und so hoch drein
schauen, die so zornig sind und so von oben herab urteilen? Vor
kurzem--wem haben sie gedient und um welchen Preis? Und wieder eine
kleine Weile--wo sind sie dann?
Nicht blo, was die Natur dem Menschen schickt, ist ihm zutrglich,
sondern es ist ihm auch gerade dann von Nutzen, wann sies schickt.
Der Regen--ein Liebling der Ede; doch auch des blauen Himmels Liebling.
Das Weltall liebt z$
den; schon die einzelnen Bder waren fr ihn
teuer. Aber sie waren doch zuweilen erschwingbar, und auerdem wurden
von der Gemeindeschule aus die jngeren Schler ein- oder zweimal
wchentlich vom Lehrer hierher gefhrt, und bei dieser Gelegenheit
berkam Franz eine Ahnung von dem Zweck und Nutzen der Schule. Diese
Freibder vershnten ihn mit mancher anderen langweiligen und
lstigen Stunde.
Das einzige, was ihm diese Freibder im Winter zu veykmmern
vermochte, war die Krze der vorgeschrieenen Zeit, in der die Kinder
im Wasser verweilen durften, und ob auch der Lehrer, selbst ein
groer Schwimmer und gtiger Freund seiner Kleinen, bei Franz ein
Auge zudrckte, wenn dieser selbst durch die Schnelligkeit, mit der
er sich in seine Kleider warf, ein paar Augenblicke lngeren
Verweilens in dem geliebten Na zu ergattern vermochte, so war es
Franz doch immer, als sei er kaum einmal untergetaucht, und er hatte
im Grunde seines Herzens fr diese Art von Schwimmerei immer nur das
eine Wort tiefer Verachtung: "Det $
wimmbder in Deutschland ffnen,
sondern mit Recht erst dann, als sich die ersten Schwimmer
zusammentun, um ihre Krfte unter- und gegeneinander zu messen.
Erst sprlich und fast unbeachtet--einer der ersten unter ihnen der
"S.-C. B. 1879"--wachsen und vermehren die Schwimmvereine sich nur
langsam, kmpfen wohl schon zu Beginn der achtziger Jahre ihre
Meisterschaften aus, gelangen aber erst um die Hlfte dieses
Jahrzehnts zu allgemeinen Wettschwimmbestimmungen, auf die hin sie
sich einigen. Aber von da an geht es schneller. Mit den
Winterschwimmbdern in vielen Stdten entstehen berall auch
Schwimmvereine, die sich erst unter sich und dann in dem groen
Verbande zusammenschlieen, dessen Ziel es ist, alle Vereine und
Unterverbnde zu einer gemeinsamen Bestrebung fr die neue Sache zu
Ein Jahrzehnt spter, und auch die Kunst des Wasserspringens hat ihre
Wertungsform gefunden.
Man hat gesiegt. Das jngste Stiefkind des Sport hat sich Beachtung
und Achtung errungen. Weit mehr gebunden, als irgendein anderer S$
te zeigen. Da die Zuschauer
ihrem Beifall keinen Ausdruck mehr geben konnten, verliefen die
Sprnge der drei ersten Springer unter dem achtungsvollen Schweigen
des Publikums, bis Felder an die Reihe kam. Statt da dieser--wie es
nach der ganzen Art und der Krze der Zeit seines Trainings
eigentlich selbstverstndlich gewesen wre--sich zwei der weniger
komplizierten Sprnge ausgesucht, sie in guter Ausfhrung gezeigt und
damit weigstens in ihnen die hchste Wertungszahl erreicht htte,
erlaubte es ihm sein Ehrgeiz nicht, sein neuerworbenes, noch so
unsicheres Knnen anders, als in Sprngen ersten Ranges zu zeigen,
und unter dem Kopfschtteln seiner Freunde, die indessen auf jede
Einmischung verzichteteI, hatte er zwei Sprnge gewhlt, die ihm hier
und da--wenigstens zur Zufriedenheit Koepkes--gelungen waren und die
er in seiner grenzenlosen Verblendung auch heute vor den Augen aller
ausfhren zu drfen glaubte. Kein anderer Klub htte einem Mitgliede
jemals etwas hnliches erlaubt. Aber der seine war eben
be$
bissenen Wut und Kraft, da die bloe Vermutung
lcherlich schien. Sofort nach seinem Siege--und was frein Sieg war
es wieder!--ging er allein zum Bahnhof, ohne sich von einem Menschen
zu verabschieden, und fuhr mit dem Schnellzug nach Berlin zurck.
Er ging sofort in das Restaurant des Klublokals, wo er gewi war,
seine Leute zu treffeon. Er fand einige von ihnen beim Billad. Auch
Nagel. Er wartete, bis die Partie zu Ende war, ohne auf irgendwelche
Fragen Antwort zu geben.
Dann gingen er und sein alter Schwimmwart in das noch leere
Klubzimmer, und hier, in dem Rume, der die Spuren jeder Etappe in
Felders Laufbahn in irgendeinem Preisstck, von dem einfachsten bis
zu dem kostbarsten, aufwies, hier erfolgte die Auseinandersetzung
zwischen den alten Freunden.
Felder war malos erregt; Nagel blieb ruhig wie immer. Und nichts
reizte den anderen so sehr, wie diese khle Ruhe.
--Ist es wahr, da du mir eine Niederlage, eine _Niederlage_
gewnscht hast?--begann Felder, und die Antwort, die er bekam,
brachte ihn a$
von ihrem Billard aus dem Nebenzimmer
und immer mehr Mitglieder, ltere und jngere, hereinkamen, sich um
den Tisch setzten und gespannt zuhrten.
Leider war Brning nichtunter ihnen, Brning, der einzige, der Nit
seiner Gemtlichkeit, Erfahrung und seiner Lebenskenntnis, mit seiner
Zuneigung fr Felder und seiner allgemeinen Beliebtheit im Klub die
Sache noch htte ins rechte Geleise bringen knnen. Er war nicht in
Berlin, sondern wieder0 einmal auf einer seiner pltzlichen Reisen.
Felder sa stumm und bla da. Jedes der Worte Nagels lie den Groll
und die Bitterkeit in seinem Herzen hher und hher steigen. Das war
ja alles falsch und unrecht, was er da vorbrachte, und jeden der
Vorwrfe wies er im Innern von sich, sowie er fiel. Er htte sich
nicht um das Gedeihen des Klubs gekmmert, er, der nur fr ihn, nur
in ihm all diese Jahre gelebt hatte?--Zwar mit der Jugendabteilung
hatte er sich wenig befat, das war richtig; aber er verstand nun
einmal nicht, Anordnungen zu geben und zu lehren. Er war doch nicht$
 fehlen--oder es sollte leer bleiben, leer... Nein, das
durfte nicht sein!--
Der Schrecken griff pltzlich wieder nach seinem Herzen, derselbe
Schrecken, den er vorhin empfunden, als er seine Gegner vor sich sah
und fhlte, wie seine Kraft versagte, sie noch zu erreichen; aber
nicht die Furcht ber die Gefahr einer Niederlage war es gewesen,
sondern etwas anderes, ein Neues, ein3 Unbekanntes: das Erschrecken
ber etwas Unglaubliches, Unerhrtes--berqdie Unwillfhrigkeit
seiner Kraft!--
Was war das?--Was war das auf einmal, das so pltzlich gekommen?--
War er wirklich schon dort angelangt, wo es kein ber sich selbst
Hinausgehen mehr gab?--Dann konnte jeder ihn schlagen, der ihm nur
gleich kam!--Dann war er schon am Ende.
Alle dsteren Prophzeiungen seiner Gegner fielen ihm ein: "Schneller
Aufgang, schneller Abstieg..." Und ein Mahnwort Nagels: "Du hast frh
angefangen, frh wirst du deshalb aufhren..."
Bis heute hatte er darber gelacht. Aber jetzt lachte er nicht mehr.
Es war ihm nicht mehr ums Lachen. Den$
stspieligen Rivalen gegen den Geist der Tne
zuzuschieben. Auch hier wieder ist die Folge Entfernung des
Besitzstandes der Musik von ihrer Heimsttte, der Volksseele. Wo sind
die guten alten Zeiten geblieben, wo jede neue Oper im Sturm
volkstmlich wurde und ihre Arien, ihre Themen in Werkstatt und Salon
mit gleicher! Selbstverstndlichkeit gesungen, gepfiffen, gespielt
wurden? Die Technik hat es zuwege gebracht, da die schwerste
Problemmusik geschmackverwirrend und Halbgebildete in Massen zchtend,
von Phonographen und Pianolas an allen Ecken heruntergeleiert, Markt und
Gassen beherrscht. Hier ist ein Gleichgewicht dringend ntig, eine
heilsame Rckkehr zur erprobten, altvterlichen Klassizitt dringend
geboten. Wieviel Heil knnte da dem Volksempfinden aus einer wirklich
trefflichen Volksoper erwachsen! Aber freilich, Vollendetes mte sie
bieten knnen, wenn sie den zirzensischen Vergngungen der Menge, den
Varits&, den Ausstattungsstcken, den Ringkmpfen und anderen
sportlichen Extravaganzen Paroli b$
 Prudent aus Philadelphia!"
Und der Schriftfhrer.
"Ich bin Phil Evans, sein College!"
Ihre Rufe verhallten in den tausend Hurrahs, mit denen die Passagiere
des Zugs die merkwrdige Erscheinung des Luftschiffes begrten.
Inzwischen waren drei bis vier Mann vom Aeronef auf dem Verdeck
desselben erschienen und Einer von ihnen lie -- wie es Seeleute zu
thun pflegen, wenn sie ein langsamer fahrendes Schiff berholen -- nach
dem Zuge ein Stck Tau hinab -- ein ironisches Angebot, ihn in's
Schlepptau zu nehmen.
Dann nahm der "Albatros" sofort seinen gewhnlchen Gang wieder an und
nach einer halben Stunde hatte er jenen Exprezug, dessen letzte
Dampfwlkchen bald aus dem Gesichtskreise verschwanden, schon weit
hinter sich gelassen.
Gegen ein Uhr Mittags wurde eine sehr groe Scheibe sichtbar, welche
die Sonnenstrahlen gleich einem ungeheuren Reflector zurckwarf.
"Das mu die Hauptstadt der Mormonen, Salt-Lake-City, sein!" sagte
Onkel Prudent.
In der That war es die groe Salzsee-Stadt und jene convexe Scheibe $
der mehr seiner selbst Herr. Ferner kam er jetzt, was eine groe
Erleichterung gewhrte, wieder in die erleuchteten Theile der Erdkugel,
und um acht Uhr Morgens brach der Tag an.
Nachdem Robur und die Seinen dem Wirbelsturm des Cap Horn glcklich
entgangen waren, hatten sie nun auch diesen Orkan berstanden. Sie
waren ber das ganze Sdpolargebiet weg, nachdem sie binnen neunzehn
Stunden gegen siebentausend Kilometer zurckgelegt, wieder nach dem
Stillen Ocean getrieben wo;den, und da sie zu einer Meile nur eine
Minute gebraucht hatten, war ihre Schnelligkeit doppelt so gro
gewesen, als sie der "Albatros" unter gewhnlichen Umstnden tte
entwickeln knnen.
Infolge der Strung des Magnetismus seiner Companadel im Polargebiete,
wute Robur nun aber nicht mehr, wo er sich befand. Er mute also
warten, bis die Sonne unter hinreichend gnstigen Verhltnissen schien,
um eine directe Beobachtung zu gestatten. Unglcklicher Weise bedeckten
dichte Wolken an diesem Tage den Himmel und die Sonne wurde berhaupt
nich$
fhrer,
inmitten eines ungeheuren Zudrangs, ihre Pltze im Weldon-Institut
wieder einnehmen.
Niemals aber hatte weder der Eine, noch der Andere eine so auffallende
Ruhe zur Schau getragen. Ihr Anblick allein htte niemals ahnen lassen,
da seit jener denkwrdigen Sitzung vom 12. Juni irgend etwas
Besonderes vorgefallen sei. Diese dreiundeinhalb Monate schienen in
ihrem Leben gar nicht mit zu zhlen.
Nach den ersten Begrungssalven, welche Beide ohne das Zucken nur
eines Gesichtsmuskels hinnahmen, bedeckte Onkel Prudent das Haupt und
eroriff er zuerst das Wort.
"Ehrenwerthe Brger, sagte er, die Sitzung ist erffnet."
Wahnsinniger und gewi wohlberechtigter Beifall, denn wenn es auch als
etwas Auergewhnliches nicht gelten konnte, da eine solche
Wochenversammlung erffnet wurde, so erhielt der Umstand doch ein
auergewhnliches Gewicht, da das durch Onkel Prudent unter Assistenz
von Phil Evans geschah.
Der Vorsitzende lie den in Zurufen und Hndeklatschen kundgegebenen
Enthusiasmus sich rhig austoben. Da$
n Sie so gut sein wollen ...
Ihre Augen bettelten gottsjmmerlich. Endlich bekam sie es heraus:
Ein Bullchen Branntwein! Ich knnte damit auch die Fe Ihrer
Kleinen ein bichen einreiben. Sie sind so riesig zart ...
7Nachdem sich Emma endlich von der Frau losgemacht hatte, nahm sie
Leos Arm. >ine Zeitlang schritten sie flott vorwrts. Dann wurde
sie langsamer, und Emmas Blick, der bisher geradeaus gegangen war,
glitt ber die Schulter ihres Begleiters. Er hatte einen schwarzen
Samtkragen auf seinem Rocke, auf den sein kastanienbraunes
wohlgepflegtes Haar schlicht herabwallte. Die Ngel an seiner Hand
fielen ihr auf; sie waren lnger, als man sie in Yonville sonst
trug. Ihre Pflege war eine der Hauptbeschftigungen des Adjunkten;
er besa dazu besondre Instrumente, die er in seinem SchreibtischPe
aufbewahrte.
Am Ufer des Baches gingen sie nach dem Stdtchen zurck. Jetzt in
der heien Jahreszeit war der Wasserstand so niedrig, da man
drben die Gartenmauern bis auf ihre Grundlage sehen konnte. Von
den Gar$
r Name ..., dieser
Name, der mein ganzes Herz erfllt ..., er ist mir entschlpft,
und Sie verbieten mir, ihn auszusprechn! Frau Bovary! Alle Welt
nennt Sie so! So heien Sie! Und doch ist das der Name -- eines
andern! Nach einer Weile wiederholte er: Eines andern! Er hielt
sich die Hnde vor sein Gesicht. Ach, ich denke fortwhrend an
Sie ... Die Erinnerung bringt mich in Verzweiflung ... Verzeihen
Sie mir ... Ich gehe ... Leben Sie wohl! Ich will weit, weit weg
... so weit gehen, da Sie nichts mehr von mir hren werden! Aber
heute ... heute ... ach, ich wei nicht was mich mit aller Gewalt
hierher zu Ihnen getrieben hat! Gegen sein Schicksal kann keiner
kmpfen! Und wo Engel lcheln, wer knnte da widerstehen? Man lt
sich hinreien von der, die so schn, so s, so anbetenswert
Es war das erstemal, da Emma solche Dinge hrte, und als ob sie
sich im Bade wollstig dehnte, so fhlte sie sich in ihrem
Selbstbewutsein von der warmen Flut dieser Sprache umkost.
Aber wenn ich mich auch nicht habe sehe$
 Kapitel
Allmhlich machten Rudolfs Befrchtungen auf Emma Eindruck. Zuerst
hatte die Liebe sie berauscht, und so hatte sie an nichts andres
gedacht. Jetzt aber, da ihr diese Liebe zu einer Lebensbedingung
geworden war, erwachte die Furcht in ihr, es knne ihr etwas davon
verloren gehen oder man knne sie ihr gar stren. Wenn sie von dem
Geliebten wieder heimging, hielt sie mit rastlosen Blicken
Umschau; sie sphte nah allem, was sich im Gesichtskreise regte,
sie suchte die Huser des Ortes bis hinauf in die Dachluken ab, ob
jemand sie beobachte. Sie lauschte auf jedes Gerusch, jeden
Tritt, jedes Rder geknarr. Manchmal blieb sie stehen, blasser und
zittriger als das Laub der nPappeln, die sich ber ihrem Haupte
Eines Morgens, auf dem Heimwege, erblickte sie mit einem Male den
Lauf eines Gewehrs auf sich gerichtet. Es ragte schrg ber den
oberen Rand einer Tonne hervor, die zur Hlfte in einem Graben
stand und vom Gebsch verdeckt wurde. Vor Schreck halb ohnmchtig
ging Emma dennoch weiter. Da tauchte ein M$
tten auf ihn zu.
Lesen Sie das! sagte sie und hielt ihm ein Briefchen hin. Nicht
Sie ri ihre Hand aus der seinen und eilte nach der Kapelle der
Madonna, wo sie in einem Betstuhle zum Gebet niederkniete.
Leo war ber diesen Anfall von Bigotterie zuerst emprt, dann fand
er einen eigentmlichen Reiz darin, sie whrend eines
Stelldicheins in Gebete vertieft zu sehen wie eine andalusische
Marquise, schlielich aber, als sie gar nicht aufhren wollte
langweilte er sich.
Emma betete, oder vielmehr sie zwang sich zum Beten in der
Hoffnung, da der Himmel sie mit einer pltzlichen Eingebung
begnaden wrde. Um diese Hilfe des Himmels herabzuschwren,
starrte sie auf den Glanz des Tabernakels, atmete sie den Duft der
weien Blumen in den groen Vasen, lauschte sie auf die tiefe
Stille der Kirche, die ihre innere Aufregung nur noch steigerte.
Sie erhob sich und wandte sich dem Ausgang zu. Da trat der
Schwizer rasch auf sie zu:
Gndige Frau sind gewi hier fremd? Wollen Sie sich die
Sehenswrdigeiten der Kirche an$
llte man den Sarg vor die Tr. Das Haus ward
weit geffnet, und die Leute von Yonville begannen
herbeizustrmen.
Der alte Rouault kam an. Als er das Sargtuch sah, wurde er mitten
auf dem Markte ohnmchtig.
Elftes Kapitel
Rouault hatte den Brief des Apothekers sechsunddreiig Stunden
nach dem Ereignis erhalten. Um ihn zu schonen, hatte Homais so
geschrieben, da er gar nicht genau wissen konnte, was eigentlich
geschehen war.
Der gute Mann war zunchst wie vo#m Schlag gerhrt umgesunken. Dann
sagte er sich, sie knne wohl tot sein, aber sie knne auch noch
leben ... Schlielich hatte er seine Bluse angezogen, seinen Hut
aufgesetzt, Sporen an die Stiefel geschnallt und war im Galopp
weggeritten. Den ganzen Weg ber vergig er beinahe vor Angst.
Einmal mute er sogar absitzen. Er sah nichts mehr, er hrte
Stimmen ringsum und glaubte, er verlre den Verstand.
Der Tag brach an. Er sah drei schwarze Hennen, die auf einem Baum
schliefen. Er erbebte vor Schreck ber diese bse Vorbedeutung.
Schnell gelobte er er Madonn$
n nach ihr, das ihn trostlos machte und das keine Grenzen
kannte, weil es nicht mehr zu stillen war.
Um ihr zu gefallen, als lebte sie noch, richtete er sich nach
ihrem Geschmack und ihren Liebhabereien. Er kaufte sich
Lackstiefel, trug feine Krawatten, pflegte seinen Schnurrbart und
-- unterschrieb Wechsel wie sie. So verdarb ihn Emma noch aus
ihrem Grabe heraus.
Karl sah sich gentigt, das Silberzeug zu verkaufen, ein Stck
nach dem andern, dann die Mbel des Salons. Alle Zimmer wurden
kahl, nur ihr Zimmer blieb wie frher. Nach dem Essen pflegte
Karl hinaufzugehen. Er schob den runden Tisch an den Kamin und
rckte ihren Sessel heran. Dem setzte er sich gegenber. Eine
Kerze brante in einem der vergoldeten Leuchter. Berta, neben ihm,
tuschte Bilderbogen aus.
Es tat dem armen Manne weh, wenn er sein Kind so schlecht
gekleidet sah, mit Schuhen ohne Schnre, die Nhte des Kleid8hens
aufgerissen, denn darum kmmerte sich die Aufwartefrau nicht.
Berta war sanft und allerliebst. Wenn sie das Kpfchen gazis
nei$
ern guten Knig und verglich ihn mit Heinrich
dem Vierten.
Jeden Morgen strzte er sich auf die Zeitung, um seine Ernennung
zu lesen; aber sie wollte nicht kommen. Sein Ordenskoller ging so
weit, da er in seinem Garten ein Beet in Form des Kreuzes der
Ehrenlegion anlegen lie, auf er einen Seite von Geranien
umsumt, die das rote Band vorstellten. Oft umkrCeiste er dieses
bunte Beet und dachte ber die Schwerflligkeit der Regierung und
ber den Undank der Menschen nach.
Aus Achtung fr seine verstorbene Frau, oder weil er aus einer Art
Sinnlichkeit noch etwas Unerfoschtes vor sich haben wollte, hatte
Karl das geheime Fach des Schreibtisches aus Polisanderholz, den
Emma benutzt hatte, noch nicht geffnet. Eines Tages setzte er
sich endlich davor, drehte den Schlssel um und zog den Kasten
heraus. Da lagen smtliche Briefe Leos. Diesmal war kein Zweifel
mglich. Er verschlang sie von der ersten bis zur letzten Zeile.
Dann stberte er noch in allen Winkeln, allen Mbeln, allen
Schiebfchern, hinter den Tapete$
um Willen hatte Herr von Zdencaj auch
noch die Kaltbltigkeit, wiewohl er gleich den Whler_n Kroate, ein sonst
hitziger Sdslave war. Also rief der Obergespan drhnend in den Saal:
"Silentium! Ich kandidiere zwei Herren: Lentulaj und Cegetek? Wer davon
ist genehm? Lentulaj oder Cegetek?"
Ein ohrenbetubendes Ge'brll brach los. Smtliche Anwesende im Saale,
ausgenommen die Herren am Prsidialtische, tobten und brllten den
Namen: "Cegetek!"
Obergespan v. Zdencaj blieb ruhig und klaren Kopfes, wiewohl er den
Ausruf zum dritten Male in den Saal schrie: "Silentium! Cegetek oder
In hchstgesteigerter Erregung, gereizt und aufgestachelt durch das
Verhalten des Prsidenten, der immer wieder den Namen des
Gegenkandidaten nannte, brllte die Mehrheit. "Cegetek! Nur Cegetek!
Kein anderer! Cegetek!"
Ein Stocktauber, ja ein--Toter htte den Donnerruf, den in fanatischer
Wut gebrllten Namen: "Cegetek!" hren mssen.
Der Obmrgespan wollte ihn aber nicht hren. Herr von Zdencaj legte die
Hand als Schallbecher an das rech$
e heuchlerisch in mein Leben grinsen? Liebe ist
etwas sehr Weihevolles, aber auch etwas sehr Irdisches, und wir mssen
nicht frchten, gemein zu werden, wenn wir unschuldig genug sind,
unsern Krper zu achten. Ich mache mir nichts aus der schmachtenden
Orientalin, ich mache mir aus keiner was, es ist nur Begehrlichkeit, und
nur lahme Seelen sind begehrlich. Meine Seele ist lahm, Agathe, sie mu
geheilt werden. Ich werde meinen Aufnthalt verndern. Wohin ich gehe,
kann ich noch nicht sagen; wann ich zurckkehre, kann ich auch nicht
sagen. Hab Geduld und vergi fr einige Zeit deinen Sylvester.
Es war Agathe zumute, als fliee Quecksilber ber ihre Finger. Sie fate
nicht die Worte; aus einem vertrauten Antlitz sprach eine unbekannte
Stimme; ein bser Geist tuschte die Gestalt eines Freundes vor. Er ist
krank, fuhr es ihr durch den Sinn, und da nun Silvia mit gro fragenden
Augen vor sie hinrat, als ahne das Kind den Schmerz und Zwiespalt der
Mutter und frdere stumm eine entscheidende Handlung, beschlo sie $
 den langhaarigen Satanstchtern ins
Unglck strzen, sagte sich Adam Hund, damit sie endlich das Kuschen
lernen, und er hatte das Gefhl, einer Jagd beizuwohnen, die seine
Dienste als Aufpasser und Spurenfinder in Anspruch nahm.
Whrend er Sylvesters brnettem Haar einen jugendlicheren Schnitt gab,
dann den Schnurrbart zurechtstutzte, hierauf das Gesicht mit Fett
bestrich, wie einen Teig knetete und wie eine Metallpatte riDeb,
erzhlte er die Stadtneuigkeiten, die er ausgekundschaftet hatte. Es
soll jetzt eine Sngerin hier sein, die das ganze Mannsvolk behext,
sagte er; der Erbprinz ist jeden Tag im Theater, wenn sie spielt, und
es heit, da man ihn ins Ausland schicken will, um ein Malheur zu
verhten. Ein Legationsrat soll sich ihretwegen erschossen haben, und in
Stockholm, man sollte nicht glauben, da es dort droben so hitzige Leute
gibt, hat sich ein Buchhndlersgehilfe aus Liebe zu ihr ins Meer
gestrzt. Gabriele Tannhauser heit die Kanaille. Das fltet und lockt,
blo damit unsereiner de Verstan$
istet, wider hochlbliche Brgerschaft, zumal im Marktdienst, das
Gewehr zu ziehen! So sagend schwang er seine Waffe und gebot in
gebrochenem Deutsch, das sie selber redeten, den Brfhrern zur Seite zu
Die Pferde zogen rasch an mit manchem gefhrlichen Seitensprung, mit
manchem scheuen Blick nach dem Bren hin, und nach wenigen Minuten
rollte der Wagen durch die Marktgasse hinauf auf den Marktplatz und vor
das Gasthaus zum Riesen. Da war ebenfalls ein reges Leben und Treiben.
Unter Mhe nur konnte der Kutscher eine Anfahrt gewinnen; denn Fuhrwerk
von allen Arten hatten bereits die Strae besetzt. Der Riesenwirth, ein
kleines fettes Mnnlein, mit einem langen steifen Zopf, stand, ein
weies Schrzlein vorgebunden, und die weie Mtze unter dem linken
Arme, unter seinem Hofthoe und machte einen Bckling hinter dem andern,
whrend der Jger zur Seite des Schlages stehen blieb, um abzuwarten,
bis drinnen die Thre des Wagens geffnet werde. Das kam dem Riesenwirth
sonderbar vor und noch onderbarer seinen Gste$
d Stimme gar
Nach einigen Wochen konnte Dorothe's Mutter das Bett verlassen, und auf
ihrer Tochter Arm gesttzt, freute sie sich wieder des warmen
Sonnenscheins und der frischen Luft, die ber die Berge hinzog. So waren
sie einst auf dem grnen Waldweg hingegangen, der hinab nach Braubach
fhrt, und der Mutter Herz hob sich in Dank und Preis gegen Gott, und
ihr Whr lauschte dem frommen, heiteren Gesprch der guten Tochter. Wie
die Jugend denkt, heiter und sorglos, so dachte auch Dorothe, und malte
der Mutter eine gar frohe Zukunft. Wie sie so fleiig sein, und fr die
Mutter arbeiten wolle, wenn sie wieder daheim seien; wie der liebe Gott
Mittel und Wege genug finUen werde, ihnen ihr tglich Brod zu geben, wie
vielleich auch die Erbschaft ihnen noch zufallen knne, denn es seien
ja schon grere Dinge mglich geworden; davon sprach Dorothe, und ward
immer heiterer, und auch ber der Mutter Angesicht breitete sich eine
leichte Heiterkeit.
Da kam von Braubach herauf ein Mann auf die Frauen zu, und wie er nher
$
f berhr'.
Noch ein Anderes machte den Justus zu einem besonders guten Schulmeister
und gewann ihm die Herzen der Jugend, das war seine groe Liebe fr die
Natur. Nie ist er inniger und beredter, als wenn es gilt, von der Macht
Gottes in seinen Werken zu reden, oder die Liebe Gottes in den
tausendfachen Wundern der Schpfung zu preisen. Wie man den lieben Gott
und die Weisheit seiner Wege in allen seinen Geschpfen finden knne,
das zeigte er bestndig seinen Schlern. Und wie man ihn zur Sommerszeit
niemals ohne eine Blume in der Hand sah, so trieb sein frommes Herz
manche schne Blthe der Dichtkunst und der Begeisterung fr die Werke
Gottes. La' es dich nicht verdrieen, lieber Leser, wenn ich dir jetzt
und auch noch spter des Justus eigne Gedanken mittheile. So mgen denn
hier zwei Lieder von ihm stehen.
    Dasz Vglein auf dem grnen Ast.
    Sing-Vglein auf dem grnen Ast,
      Wie herzig ist dein Sang!
    Gnnst dir nicht Ruh', gnnst dir nicht Rast,
      O sag', wem gilt dein Klang?
    Komm$
aterlnd, bei euch dort oben
      Ist ewig Heil uns aufgehoben!
    O Heiland, Morgenstern der Nacht!
    Dein harr' ich, bis mein Tag erwacht,
      Bis du mich fhrst zu Gottes Throne,
      bis du mir reichst die Ehrenkrone!
       *       *       *       *       *
Wenn man eine Beschft,gung als recht nutzlos bezeichnen will, so nennt
man sie eine brodlose Kunst, sagt auch wohl im Sprchwort, man knne mit
ihr keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken. Das mu auch dem
Kalendermann oft gesagt worden sein, von Solchen, die von der
Sternwissenschaft keinen Begriff hatten, und darum auch keinen Sinn fr
sie haben konnten. Denn er kommt in seinen Schriften allezeit darauf
zurck, wie eine solche Meinung eine gar thrichte sei. Denn was mich
selig macht, sagt' er, und mir einen Vorschmack gibt knftiger
Herrlichkeit, sollte das nicht auch Viele reizen zu gleicher Lust? So
hab' ich denn allezeit, die Sptter nicht achtend, zu meines Gottes
Himmel hinaufgeschaut und auch Andere gelehrt, hinaufzuschauen,
sonde$
rten in den Smpfen des Limpopothales, bei dem Riesenreiher im
Sibananie-Walde und den Purpurreihern und Sporngnsen im Zambesithale.
Nach einer beschwerlichen Fahrt von mehreren Stunden erreichten wir,
nachdem wir die gastliche Farm verlassen, die Stadt Fauresmith. Sie
zeigte den Charakter aller Stdte des Freistaaes; obschon sie kaum 80
Huser zhlte, dehnte sie sih doch ber eine betrchtliche Flche aus;
die reinlich getnchtenHuser mit ihren flachen Dchern, aus den sie
theilweise umgebenden Grten hervorlugend, gewhrten uns einen
freundlichen Anblick. Fauresmith ist der Sitz eines Landdrosten und im
Allgemeinen eine der bedeutenden Stdte der Republik. Der gleichnamige
District, dessen einzige Stadt eben Fauresmith ist und der zu den
reichsten des ganzen Freistaates zhlt, verdient weiters noch durch
seine Pferdezucht und den nahe der Stadt gelegenen Diamanten-Fundort
Jagersfontein, in dem der Abbau etwas rationell betrieben wird,
besondere Erwhnung.[1]
    1: Siehe Anhang 7.
Fauresmith, sowie die$
Griqualand-West im
Oranje-Freistaate gelegenen Fundorte bei Sagers- und Corfeefontein als
dritten District.
Die Niederlassungen der River-Diggings wuchsen--wie es leicht
begreiflich und wie wir es hnlich in Californien beobachten knnen--wie
aus der Erde empor. Das der Missionsstation Pniel gegenberliegende
Klipdrift, welches sich ungemein rasch entwickelte, wurde der Hauptort
dieser Diamanten-Fundorte, ja zu ihrem Centralpunkte; seit den letzten
neun Jahren hat Kimberley (das frher New-Rush hie) ihm diesen Vorrag
Im Thale des Vaalflusses, wo vor der Entdeckung der wasserhellen
Steinchen nur der eitle und mige Koranna sein Dasein zu vertrumen
gewohnt war, reihten sich schon ein Jahr nach dem Bekanntwerden der
Entdeckung ganze Colonnen von luftigen Zelten aneinander. Ganz
Sd-Afrika schien wie vom Fieber befallen, Jung und Alt, Gesunde und
Kranke, Lords und Diener, Landleute und Stdter, entlaufene Matrosen und
Soldaten, Boers mit ihren ganzen Familien wanderten nach dem gepriesenen
und gelobten La$
ch etc., dagegen sprechen die gebildeten
    Hollnder der Capstadt, in Bloemfontein und in der Nachbarschaft
    anderer Stdte ein sehr reines Hollndisch.
Viele der Freistaatfarmer sind einfache, gute, oft wahrhaft herzensgute
Lute, denen nur die nthige Bildung fehlt, um sie als bestndige
Gesellschafter zu wnschen. Ich habe nie dankbarere Patienten gekannt
Gegen die Mittagsstunde vrlieen wir die Farm und brachen nach den
Felsenhhen im Osten derselben auf, um noch zur Trnkezeit der kleinen
Heerde auf dem Platze zu sein. Wir passirten einige von Korannas und
Basutos, Dienern des Farmers bewohnte Htten. Die Basutos kommen von
ihrem im Osten gelegenen Lande und verdingen sich mit ihren Frauen an
die Farmer, sie werden jhrlich mit einer estimmten Anzahl von Schafen,
ein oder zwei Khen und Ochsen, hie und da auch noch mit einer Mhre
oder einem Fohlen bezahlt und bekommen nebstdem die nthige Nahrung;
auerdem wird ihnen gestattet, sich nach einem fruchtbaren Stck Land
umzusehen, wo sie sich Korn (S$

der grauen Rinde des Baumes grell abgestochen htten. Das Thier, welches
durch sein pltzliches Erscheinen die befiederten Bewohner des Baumes
nicht wenig erschreckt hatte, blieb vollkommen ruhig auf dem Aste
liegen, man sah nur die Bewegungen der Augenlider und das momentane
Aufblitzen der kleinen schwarzen, glnzenden Augen. Ein Schrotschu
ttete das Thier, das meinen Sammlungen einverleibt wurde.
Am 31. waren wir wieder in tiefsandigen Wald gelangt, die Gegend zeigte
wellenfrmige, geringe Bodenerhebungen, welche stellenweise bebuu~scht
oder mit Bumen schtter bestanden, stellenweise jedoch dicht bewachsen
waren, whrend die seichten Vertiefungen eine uerst ppige, wenn auch
nicht tropische Vegetation bargen. Der Regen hatte in den letzten Tagen
abgenommen und die sdafrikanische Decembersonne lie uns warm ihre
Strahlen fhlen. Auf dem tiefsandigen engen Wege einherziehend, machte
mich B. auf einen dunklen, auf einem hohen Kameeldornbaum hngenden
Gegenstand aufmerksam. Wir fanden nhergekommen mehr$
och bei den Betschuana's, ihren Vasallen und den Makalaka's etc.
eingebrgert. Mein Retter grinste mich an und wies nach Sdost;
Pata-Pata meinte er. Dies ist unter diesen Stmmen dLer aus dem
Hollndischen entnommene und verunstaltete Ausdruck fr einen Weg, den
ein Wagen befahren kann, und ich konnte nur nicken, um ihm meine
Befriedigung auszudrckbn. Mich erhebend, versuchte ich zu gehen und der
Mann, obwohl kleiner als ich, sttzte mich; er nahm mein Gewehr und
schulterte es mit seinen drei Assagaien auf die linke Schulter, whrend
er mir die rechte als Sttze bot. Allmlig kehrten meine Krfte zurck
und wenn auch nur uerst langsam und nach lngeren Ruhepausen--aber es
ging vorwrts.
Als die Sonne unter den Horizont gesunken war, befanden wir uns am
Fahrwege. Im Osten zeigte der Himmel eine dunkle Frbung, dort blitzte
es und dumpf grollte der Donner zu uns herber. Die Atmosphre war
khler geworden und obgleich noch immer warm, schauerte ich doch unter
dem Hauche des leisen Windes, der aus Nordost$
ngerollt. Ihre Trgheit und Unbeholfenheit ist
merkwrdig--denn ich sah sie in Wasserlchern liegen, aus denen sie sich
nicht mehr emporwinden konnte. Ihrer stark nach rckwrts gekrmmten
Giftzhne halber, kann die Buffadder nicht gleich den gewhnlichen
Species verwunden, sie mu vielmehr um dies zu thun, ihren Vorderkrper
nach rckwrts krmmen, den Kopf senken und sich mit dem halben oder
ganzen Krper auf ihr Opfer werfen. Dies vermag sie auf mehrere Fu
Entfernung hin und mir sind namentlich Beispiele dieses Angriffs aus der
Cap-Colonie und Natal bekannt. Auer dieser finden wir noch eine zweite
Eigenthmlichkeit, die mehrmals schon, und dies namentlich in der
westlichen Cap-Colonie, beobachtet wurde und welche ich mir in folgender
Weise zu erklren suche. Zufllig trifft hier ein LaUdmann, dort ein
Jger oder ein Hirt auf eine dieser Schlngen. Nicht ihr Anblick,
sondern ein eigenthmlicher Ton, der zwischen Fauchen und Aechzen die
Mitte hlt, wird die Aufmerksakeit desselben erregen. Diesem fauchend$
Museum, um dessen Grndung und Hebung sich namentlih die Herren
Grey, Fairbridge und der frhere sterreichische Consul, Herr Adler,
hohe Verdienste erworben haben, steht mit seiner Hauptfaade dem
Tafelberge zugewendet. Es enthlt theils inlndische, theils auch
eingetauschte oder geschenkte ethnographische und naturwissenschaftliche
Gegenstnde, ferner eine kleine Gemldesammlung und eine bedeutende
Bibliothek. Aus der Vorhalle, in der dem Besucher der ausgestopfte Balg
eines aus der sdlichen Polarzone herrhrenden See-Elephanten und
Gemlde von den Victoriafllen des Zambesi besonders in die Augen
fallen, tritt man zur rechten in die Bibliothek, zur Linken in den
groen Saal ein, der zwei Gallerien aufweist, und die ethnographischen
und zoologischen Sammlungen enthlt. Die ersteren sind 
ziemlich
bedeutend, von den letzteren namentlich die Sammlung afrikanischer
Mamalia, Aves, Crustaceen und Lepidoptera nennenswerth. Das Museum steht
unter der Leitung eines Kurators, R. Trimen, welcher sich nicht nur um$
ert Euch nicht, wenn ich nicht schreibe.
                   n                               Michelangelo, Bildhauer.
AN LODOVICO ...
                                          _Rom_, zen 15. September [1510].
Liebster Vater! -- Ich habe hier bei Giovanni Balducci dreihundertfnfzig
doppelte Golddukaten eingezahlt, die er Euch in Florenz zustellen soll.
Sobald Ihr daher diesen Brief empfangen habt, geht zu Bonifazio Fazi, und
er wir sie Euch auszahlen. (Dreihundertundfnfzig doppelte Golddukaten.)
Wenn Ihr sie erhalten habt, bringt sie zum Spitalverwalter und sagt ihm, er
solle sie so anlegen, wie er es mit dem frheren Geld getan hat. Es bleiben
dann noch einige Dukaten, von denen ich schrieb, Ihr solltet sie behalten.
Wenn Ihr es noch nicht getan habt, so tut es jetzt; braucht Ihr mehr, so
nehmt, soviel Euch gut dnkt. Ich schenke Euch, was Ihr braucht, und wenn
Ihr die ganze Summe ausgeben wolltet. Wenn es einer Weisung an den
Spitalmeister bedarf, so lasst es mich wissen.
Durch Euren letzten Brief erfuhr i$
endessen mit. Das
machte mir grosse Freude, denn dadurch wurde ich fr kurze Zeit aus meiner
Melancholie -- wenn ich sie nicht Wahnsinn nennen soll -- gerissen. Die
Mahlzeit war sehr ergtzlich. Noch mehr freuten mich die Gesprche, die da
gefhrt wurden; besonders als ich den Hauptmann Euren Namen nennen hrte,
war ich ganz entzckt. Und wie nun besagter Hauptmann erklrte, Ihr seiet
einzig auf Erden und inder Kunst und werdet auch entsprechend in Rom
geschtzt, wre meine Freude noch gewachsen, wenn das nur mglich gewesen
wre. Auf iese Art wurde mir besttigt, dass mein Urteil ber Euch nicht
falsch war. Drum widersprecht mir nicht mehr, wenn ich Euch in meinen
Briefen "einzig" nenne, denn ich habe der Zeugen genug; dazu haben wir hier
ein Bild, das weiss Gott jeden, der Augen hat, zwingt, mir recht zu geben.
AN GOVAN SIMONE ... IN SETTIGNANO.
                                                        _Florenz_, [1533].
Giovan Simone! -- Mona Margherita hat mich falsch verstanden. Als ich
vorgestern morgen $
tscheiden zu lassen. Nach des Propheten Tode, nach dem se2iner Jnger,
sammelte man dann die mndlichen Ueberlieferungen; es ist das die Sunnah,
welche im ersten Jahrhundert nach der Hedjra entstand.
Da nun aber noch keineswegs Koran und Sunnah ein regelmssiges System
boten, so fhlte man die Notwendigkeit, fr Theologie und Jurisprudenz
einen solchen festen Anhalt zu bilden, und vier Schriftgelehrte unternahmen
diese Arbeit. Jeder lieferte eine Abhandlung ber die religisen
Ceremonien, ber die Grundstze, wonach der Moslim sein husliches Leben
einzurichten hat, und sie sonderten die Scheria, d. h. das von Gott selbst
gegebene unabnderliche Gesetz, von dem, welches nach dem Willen und
Gutdnken der Menschen abgendert werden kann. Die Abhandlungen dieser vier
Schriftgelehrten, obschon sie in vielen usserlichen Sachen von einander
abwichen, wurden alle als orthodox anerkannt und sie bekmen den Namen nach
ihren Urhebern.
Der _Malekitische Ritus_ nun (Malek ben Anas wurde 712 in Medina
geboren, woselbst $
ts_ gemacht wird, dass nach der
Beschreibung sodann die Linse zerstckelt wird, um spter resorbirt zu
werden. Eine Extraction oder Depression der Linse war offenbar diesen
Leuten nicht bekannt.
Sehen wir, wenn es auf eine chirurgische Operation ankommt, wie bei der
Staarstechung, die Heilkunde auf einer bedeutend hheren Stufe als bei
_inneren_ Krankheiten, so st das im Algemeinen in der Chirurgie auch
der Fall. Es ist dies auch ganz natrlich. Bei Verwundungen, bei usseren
Verletzungen kennt auch der gewhnliche Mensch gemeiniglich die
_Ursache_, er kann es dann bedeutend leichter unternehmen, eine
Heilung zu versuchen. Und nicht nur in ganz uncivilisirten Lndern, oder in
halbcivilisirten wie Marokko, auch in den am weitesten in der Cultur
vorgeschrittenen findet man, dass die Chiru.gie auf einer hheren Stufe
steht als die Heilkunde innerer Krankheiten.
Reine Hiebwunden, die durch das fast berall gebte Faustrecht so hufig
unter den Bewohnern Marokko's vorkommen, werden entweder mit einem Teig
verbunde$
t herauskommt.
Alle diese Fcher werden in der Karubin selbst gelehrt, so dass man hier zu
jeder Tageszeit auf Lehrer und Schler stsst. Die Lehrer sind aus dem
Fonds der Moschee besoldet und zum Theil die Schler auch, alle haben
wenigstens freies Logis und freie Kost. Die Karubin wird fr eine der
reichsten Moscheen gehalten, ein Drittel der Lden oder Gewlbe in Fes
gehren ihr zu, die Aecker und Grten sind zahlreich, und wenn manchmal
auch die frheren Machthaber von Fes sich aller Einknft der Moschee und
ihrer Gter bemchtigten, so machten dafr andere die doppelt wieder gut.
Die mohammedanische Geistlichkeit hat ebenso gut einsehen gelernt wie
andere, dass die Macht der Geistlichkeit auf _Geld und Grundbesitz_
beruhe, und, eigenthmlich genug, obschon auch Mohammed lehrtwie Jesus
Christus, "ihr sollt kein Gold und Silber in euren Taschen tragen," "ihr
sollt dem Mammon nicht dienen," sehen wir, dass die mohammedanische
Geistlichkeit nicht weniger darauf bedacht ist Schtze anzusammeln, um zu
Macht$
en Wissenschaften
oblagen. Die erste Vertreibung der Mohammedaner aus Spanien, endlich die
letzte im Jahre 1609, legte Grund zu jenem unauslschlichen Hasse, den die
Norwestafrikaner [Nordwestafrikaner] von nun an gegen alles Christliche
kund geben. Dazu kamen auf den Thron von Marokko neue Dynastien, die erste
der Filali oder Schrfa, dann zu Anfang des 17. Jahrhunderts die zweite
Dynastie der Schrfa.
Marokko wetteiferte um diese Zeit mit den brigen Rabstaaten im Capern
christlicher Schiffe, keine Macht war sicher, und hatte je ein europisches
Schiff das Unglck an der gefhrlichen Kste, die sich von der Strasse
Gibraltars bis zur Sahara hinerstreckt, zu stranden, so waren das Schiff
und was es enthielt unbedingt Beute der umwohnenden Vlker, d ie Bemannung
aber wurde gemordet, verstmmelt, geschndet, im besten Fall aber ins
Innere geschleppt, um dort als Sklaven mittelst hrtester Arbeit das Leben
Und haben diese Verhltnisse vielleicht Besserung erfahren? Keineswegs!
Allerdings hat schon Sultan Solim$
lich msste mit der Anknpfung diplomatischer Beziehungen ein Geschenk
verbunden sein, aber einige 1000 Chassepots, dem Sultan gegeben, wrde ein
ebenso angenehmes Geschenk fr ihn wie ein fr uns erpriessliches
[erspriessliches] sein.
      * O      *       *       *       *
12. Aufenthalt beim Groscherif von Uesan.
       *       *       *       *       *
Ein volles Jahr verlebte ich nun in Uesan unter, im Ganzen genommen,
angenehmen Verhltnissen. Und die Zeit verbrachte ich hauptschlich damit,
recht viel unter die Leute zu gehen, um mich mit ihren Eigenthmlichkiten
vertraut zu machen. Dabei fehlte es keineswegs an Unterhaltung, Gatell
hatte mir einen Theil seiner Bcher geliehen, so dass, wenn ich allein war,
ich durch Lectre meinen Geist auffrischen konnte.
Ueberdies wurde der Aufenthalt in Uesan durch verschiedene kleinere Touren
unterbrochen, die ich theils allein, theils in Gesellschaft des
Grossscherifs machte. So unternahm ich von hier einen Abstecher nach L'xor,
um einige Medicamente zu kaufen,$
he anbrach. Als endlich der Tag
anfing und wir frhstckten, hatten wir kaum das nthige Wasser, aber die
Aussicht, noch wenigstens einenghalben Tagemarsch gehen zu mssen, ohne
Hoffnung einen Brunnen oder Quelle anzutreffen. Gegen Mittag war mein
Gaumen ganz trocken, und als wir endlich von Weitem die Palmen sahen, mit
dem lachenden Grn er Orangen, Feigen, Granaten, Pfirsichen und Aprikosen
darunter, glaubte ich, sie nicht erreichen zu knnen; erst um 4 Uhr
Nachmittags waren wir im Dorfe Tanzetta, wo mehrere Leute unserer Karavane
zu Hause waren. Mein Erstes war, meinen brennenden Durst zu lschen, ich
trank wenigstens 3 Liter Wasser auf ein Mal.
       *       *       *       *       *
15. Die Draa-Oase. Mordversuch auf den Reisenden. Ankunft in Algerien.
       *       *       *       *       *
Vom ewigen Schnee des Atlas gespeist, hat der Ued-Draa, der lngste der
marokkanischen Strme, Veranlassung zu einer der schnsten Oasenbildungen
gegeben, wie man sie berhaupt nur in der Sahara findet. Denn nur d$
isset, oder andernfalls
Euch durch Busse reiniget. Falls Ihr diesen Befehl nicht befolget, wird
der heilie Synod Euern Ungehorsam als Beweis Eurer Absichten gegen die
Religion, gegen das Gesetz und gegen Euer Vaterland und als ein Zeichen
Eurer Zuneigung zu dem feindlichen Volke ansehen. Und darum wird sich
der heilige Synod gezwungen sehen, Euch als unwrdigen Sohn der heilgen
Kirche und als Verrter Eures Vaterlandes zu betrachten, Euch Eures
Amtes zu entheben und aus der Kirche zu exkommunizieren.
Die montenegrinischen Volksgubernatoren entsandten eine in der Tat
vornehme und ritterliche Antwort dem Kaiser wie auch dem Synod. Diese
Briefe sind von unschtzbarem Wert, da sie am besten illustrieren, wie
das montenegrinische Volk seine Beziehungen zu dem russichen Volke und
zu der russischen Kirche auffasste. Wir gestatten uns hier nur folgenden
Auszug aus der Antwort an den heiligen Synod. Nachdem der Synod an alle
Misshelligkeiten und Misszustnde in seiner eigenen Kirche erinnert
worden ist, und nach eine$
eter
Zufluchtsort.[58] Am 9. Dezember gelangte Senjavin mit seiner Flotte
vor die Stadt und Festung Corzola. Er hatte zwei Bataillone Jger und
150 Mann ausgewhlt, Montenegriner und Bokelen. Die Franzosen unter dem
General _Orfengo_ waren in sehr gnstiger Lage gegen jeden Angriff. Sie
hatten eine sehr starke Schanze bei dem KloLster _Hl. Vlachho_, 14
Geschtze, viel Munition und waren ihrer 500 Mann. C'tait un poste
dans ;lequel un homme de coeur pouvait tenir au moins pendent quinze
jours devant toutes les forees ennemies.[59] So charakterisiert Marmont
die Lage, in welcher sich diese franzsische Besatzung befand. Und doch
gelang es Senjavin, bereits am 10. Dezember, nach kurzem und he1tigem
Gefecht, auszuschiffen; am 11. nahm er die Schanze ein und nahm alle am
Leben gebliebenen Soldaten mit dem General _Orfengo_ selbst gefangen.
Sechs franzsische Offiziere und 150 Soldaten fielen im Kampfe. Die
Russen mit den Montenegrinern verloren etwa 30 Mann und hatten zirka 80
Verwundete. Von den Montenegrinern$
Birke im Sturm! Wie gttlich grazis! Wie unsagbar
       *       *       *       *       *
Lrchen, Birken, Erlen, ein raulicher Wald!
       *       *       *       *       *
Die hohen Tannen sprechen: Wir sind nicht traurig und nicht frhlich, wir
       *       *       *       *       *
So ein Spinnentchlein voll Regentropfen -- wer macht das nach?
       *       *       *       *       *
Wenn man berechnet hat, da die Erde unter dem Einflu des Mondes ihre
Ebbe und Flut hat wie das Meer, so frage ich, warum nicht auch das
menschliche Blut und Gehirn seine Gezeiten haben sollte.
       *       *       *       *       *
Die Luftschiffahrt wird dem religisen Genie der Menschheit neue Nahrung
geben. Zu den groen Befrderern kosmischer Stimmungen: Wald, Meer und
Wste wird nun noch der Luftraum kommen.
       *       *       *       *       *
Wir versuchen uns an dem ueren Bilde andrer bewohnter Gestirne wohl
selten Dber ein gewisses Ma von Kraft und Erfolg hinaus. Und doch --
Landschaft, ins Unendli$
et. Je
mehr jemand die Welt liebt, desto schner wir" er sie finden.
Gesetzt also, es gbe einen Gott, so wre sein Glaube, die beste aller
Welten vor sich zu haben, verzeihlich.
Das naturalistische Drama hat nur dann Wert, wenn es den Menschen, so wie
er heute ist, sich selbst unertrglich macht. Ibsen. Hauptmann.
Kritik oder Beispiel -- naturalistische oder idealistische Kunst.
Der Naturalismus eine rein historische Kunstanschauung. Der Natu0ralismus
nur ein Stadium, kein Ziel.
       *       *       *      *       *
Wenn heute wieder ein Schubert geboren wrde, wrde er eine Mission mehr
haben, nmlich, nur _Texte_ zu komponieren, die Kulturwert haben.
       *       *       *       *       *
Die Orgel, das Instrument der Zukunft.
       *       *       *       *       *
In einem Philharmonischen Konzert:
Der Tempel der Germanen: Musik als Architektur empfunden. --
Mir ist, ich wre ein Adler und trge mich selbst und meine Last dnkte
mir kstlich und ein tiefes Wohlgefhl durchstrmte mich.
       *     $
 Bild malen, ein Gedicht
machen? Nein! Seine ganze Zeit umgestalten, ihr das Geprge seines Willens
aufdrcken, sie mit seiner Schnheit erfllen, sie berwltigen und
unterwerfen mit seinem Geiste.
       *       *       *       *       *
Der Krug des Nichts, aus dem alle Knstler schpfen.
       *       *       *       *       *
Schopenhauer nennt das bloe intellektuelle Anschauen die hchste
Seligkeit, weil hier der schaffende Wille ganz schwiege. Als ob Schauen
nicht schon Schaffen wre!
       *       *       *       *       *
Den sthetikern:
Zeigt Wege der Zukunft, aber beschwrt nicht ewig die Toten gegen uns.
       *       *       *      *       *
Vor einer roh gefgten Gebirgsbach-Brcke:
So mte sich je:er Architekt vor die roheste natrlichste Form der
Menschenarbeit hinstellen und an diesen Balken und Brettern seine ersten
Kunstgedanken auslassen. Er sollte so von Anfang an die Kunst als
Bedrfnis empfinden mssen und wrde so gewi zu originellen Gedanken
gelangen, deren Regulativ dann das$
.
       *       *      *       *       *
Wenn wir bedenken, wieviel hunderttausend Jahre wir wohl alt sein mgen,
werden wir geduldiger gegen das Tempo unserer heutigen Entwickelung
weSrden. Die voo uns heute so ungestm begehrte edlere Zukunft unseres
Geschlechtes wird sich vielleicht schon noch einmal verwirklichen, aber
statt in Jahrhunderten erst in Jahrtausenden. Das ist freilich kein Trost
fr den Lebenden; aber der Lebende hat einen andern Trost: da ihm fr
seine Person schon heute die Mglichkeit gegeben ist, sich selbst so edel
zu verwirklichen, wie er nur kann. Die Insichvollendung des Menschen ist
jederzeit und berall mglich; zuletzt bleibt doch diese Erkenntnis und
was sie fruchtet, der einzige wahre Fortschritt.
       *       *       *       *       *
A. Zuknftige Ideale ziehen den Menschen davon ab, sich selbst als sein
einziges Ideal, im ethischen Sinne, zu setzen. In dem Moment, wo jeder bei
sich anfinge, wre die schnste Zukunft vorweggenommen.
B. Ich will dir etwas sagen, Lieber: stat$
ihrer Anzahl fhlten sie sich mit einem Male
verlassen; und die groe Stadt, die im Dunkel unter ihnen schlief,
flte ihnen pltzlich Furcht ein mit ihrem Treppengewirr, mit ihren
hohen dstern Husern und ihren unbekannten Gttern, die noch
grauenhmfter waren als selbst die Bewohner. In der Ferne spielten
Scheinwerfer ber den Hafen hin. Auch im Tempel Khamons war Licht. Da
gedachten sie Hamilkars. Wo war er? Warum hatte er sie verlassen, als
der Friede geschlossen war? Sein Zerwrfnis mit dem Rat war gewi nur
Blendwerk, um sie zu verderben. Ihr ungestillter Ha bertrug sich auf
ihn. Sie verfluchten ihn und entfachten ihren Zorn aneinander zur Wut.
In diesem Augenblick entstand ein Auflauf unt#er den Platanen. Mit
Hnden und Fen um sich schlagend, wand sich ein Neger auf dem Boden,
mit stierem Blick, verrenktem Hals und Schaum auf den Lippen. Jemand
schrie, er sei vergiftet. Da whnten sich alle vergiftet. Sie fielen
ber die Sklaven her. Ein furchtbares Geschrei herhob sich, und ein
Taumel wilder Zerst$
zu kratzen.
Nunmehr stieen zwei Trompeter in ihre silbernen Hrner. Der Lrm
legte sich, und Hanno fing an zu sprechen. Er begann mit einer Lobrede
auf die Gtter und auf die Republik. Die Barbaren sollten sich
glcklich preisen, ihr gedient zu haben. Man msse vernnftig sein,
die Zeiten seien schwer--und wenn ein Herr nur drei Oliven hat, ist
es nicht recht, da er zwei fr sich behalte?
Derart vermischt der alte Suffet seine Rede mit Sprichwrtern und
Gleichnissen und nickte dabei in einem fort mit dem Kopfe, als wolle
er damit Beifall hervorrufen.
Er sprach punisch, aber die Umstehenden (die Hurtigsten, die ohne ihre
Waffen herbeigeeilt waren) waren Kampaner, Gallier und Griechen, so
da ihn von den vielen Leuten kein einziger verstand. Hanno bemerkte
es, hielt inne und wiegte sich schwerfllig und nachdenklich von einem
Bein auf das andre.
Er kam auf den Einfall, die Hauptleute zusammenzurufen, und seine
Trompeter riefen diesen Befehl auf griechisch aus. Seit Xanthipp war
Griechisch die Kommandospra$
r mit seinem Daumen siebenmal auf. Ein ganzer Teil der Mauer drehte
sich wie aus einem Stck.
Das war der geheime Zugang zu einem Keller, in dem sich geheimnisvolle
Dinge befanden, die keinen Namen hatten, aber von unberechenbarem
Werte waren. Hamilkar stieg die drei Stufen hinab, nahm aus einem
Silberbecken ein Antilopenfell, das auf einer schwarzen Flssigkeit
schwamm, und stieg dann wieder hinauf.
Abdalonim begann wieder vor ihm herzuschreiten. Er stie mit seinem
langen Stabe, der am Knopf mit Schellen besetzt war, auf die
Steinfliesen und rief vor jedem Gemache den Namen Hamilkars in einem
Schwalle von Lobpreisungen und Segenswnschen.
In dem runden Saale, in den alle Gngemndeten, waren lngs der
Mauern Alguminstangen, Scke voll Henna, Kuchen aus lemnischer Erde
und Schildkrtenschalen voller Perlen aufgestapelt. Der Suffet
streifte alles das im Vorbeigehen mit seinem Gewande, ohne auch nur
die riesigen Bernsteinstcke, diesen fast gttlichen, von den
Sonnenstrahlen gebildeten Stoff, zu beachten.
Ei$
rker.
Niemand in Karthago war so gelehrt wie Schahabarim. In sein)r Jugend
hatte er auf der Schule der Mogbeds zu Borsippa bei Babylon studiert,
hatte dann Samthrake, Pessinunt, Ephesus, Thessalien, Juda besucht,
die Tempel der Nabater, die halb verweht im Sande lagen, und er war
zuFu an den Ufern des Nils von den Katarakten bis zum Meere
hinabgepilgert. Vor der Brust des Sphinx, des Vaters des Schreckens,
hatte er mit verschleiertem Antlitz, Fackeln schwingend, einen
schwarzen Hahn auf einem Sandarakfeuer geopfert. Er war in die Grotten
der Proserpina hinabgestiegen. Er hatte die fnfhundert Sulen des
Labyrinths auf Lemnos sich drehen und den Leuchter von Tarent brennen
sehen, der auf seinem Schafte so viele Lampen trug, als es Tage im
Jahre gibt. Nachts empfing er zuweilen Griechen, um von ihnen zu
lernen. Die Weltordnung beunruhigte ihn nicht minder als das Wesen der
Gtter. Er hatte mit den Astrolabien im Portikus zu Alexandria die
quinoktien beobachtet und hatte die Bematisten des Euergetes, die$
scheidener Haltung zurckgetreten. Auf
seiner Stirn lag noch etwas von dem Staube, den er beim Niederfallen
berhrt hatteq Nach einer Weile trat der Marschall auf ihn zu und
sagte in feierlicher Weise:
Zum Lohne fr die Dienste, die du mir geleistet, Naravas, gebe ich
dir meine Tochter zum Weibe! Sei mir Sohn und Bundesgenosse!
Mit einer Gebrde der grten berraschung, beugte sico Naravas ber
Hamilkars Hnde und bedeckte sie mit Kssen.
Salambo stand unbeweglich wie eine Bildsule da. Sie tat, als
verstnde sie den Vorgang nicht. Sie errtete aber leicht und schlug
die Augen nieder. Und ihre langen geschweiften Wimpern warfen Schatten
ber ihre Wangen.
Hamilkar lie auf der Stelle die Zeremonie des unlsbaren Verlbnisses
vollziehen. Man legte Salambo eine Lanze in die Hand, die sie Naravas
reichte. Dann band man die Daumen der Verlobten mit einem Riemen aus
Rindsleder zusammen ud streute ihnen Korn auf die Hupter, das um sie
her niederfiel und wieder aufsprang wie Hagelschlag.
Die Wasserleitung
Zwlf $
l sprangen ihm zwei Mnner zuglich auf den Rcken. Mit einem
Satze sprang er rckwrts gegen ein Tor und zerquetschte ie. Sein
Schwert hob und senkte sich in einem fort. An einer Mauerecke
zersprang es. Da fate er seine schwere Axt und schlachtete die
Karthager vor und hinter sich ab wie eine Hammelherde. Sie wichen vor
ihm zurck, und so gelangte er ganz allein bis an die zweite Ringmauer
am Fue des Burgberges. Vom Gipfel herabgerollte Gegenstnde sperrten
die Treppenstufen und berragten die Mauer. Inmitten dieser Trmmer
wandte sich Matho um und rief seine Kameraden.
Er sah Helmbsche hier und da ber der Menge. Dann tauchten sie unter.
Ihre Trger waren in Gefahr. Matho strzte ihnen entgegen. Da zog sich
der weite Kranz roter Federn enger zusammen. Bald hatten sie den
Fhrer erreicht und umringten ihn. In diesem Augenblicke ergo sich
ein ungeheurer Menschenstrom aus den Seitengassen. Der Libyer wurde um
die H-ften gepackt, hoch gehoben und bis vor die Mauer zu einer Stelle
gerissen, wo die Befestigu$
 Verheiung. In der Erfllung dieses Gebotes
liegt unsere Sendung.
So verlassen wir die alte romantische Welt der Harmonie. Der Blick
wendet sich zurck auf das, was vor ihr war. Die schne Idealwelt des
Klassizismus erkennen und verehren wir in all ihrer Hoheit, die
Sinfonien Haydns, die Oper Mozarts, die Quartette Beethovens sind
Bestandteile unsres Menschentums, die wir nicht hergeben knnten, ohne
uns selbst zu vernichten. Aber diese Welt ist fertig. Sie hat die freie
Persnlichkeit, die groe Melodie der Menschen gebracht. Was darber
hinaus lebendig und triebkrftig an ihr war, hat auf eben den Weg
gefhrt, den wir jetzt verlassen. Der Mensch als Einzelwesen hat als
Objekt der Kunst alles gegeben, wag er zu geben vermochte, von der
reinen Zusammenfassung strkster Schwungkrfte des Geistes bis zur
leidvollen Selbstzersetzung. Psychische und akustische Vorgnge
entsprechen einander: die Harmonie, diese merkwrdige Auseinanderlegung
des Haupttones in die glichzeitig klingenden Nebentne ist als
Klangph$
rden mu, die
nur objektiv logische Voraussetzungen einer flschlich verabsolutierten
Wissenschaftsstufe zu suchen pflegt. Sie hrt mit der berwindung
dieser Wissenschaftsstufe eben auf, irgendeine Bedeutung zu haben. Nur
dann, wenn die Philosophie einen e i g e n e n   G e g e n s t a n d
und eine e i g e  n e  Methode besitzt allen einzelnen Seinsgebieten
gegenber, die als solche auch die positiven Wissenschafte erforschen,
wird sie mehr sein knnen als die bloe Eule der Minerva der positiven
Wissenschaft; und nur, wenn sie die S a c h e n selbst, nicht nur die
Wissenschaft ber die Sachen als bloe "Erkenntnislehre" sch zum
Gegenstand setzt (freilich mit Einschrnkung auf ihr daseinsfreies
Wesen, ihre e s s e n t i a), kann sie der positiven Wissenschaft auch
geben, anstatt blo von ihr zu nehmen.
In Hinsicht auf einen dritten Gegensatz, der auch die gegenwrtige
Philosophie noch unabhngig von einzelnen Sachproblemen bestimmt,
nmlich dem Gegensatz der religisen Traditionen (katholische und
protesta$
 "Geistesleben",
d1as bei ihm zwischen historischer Realitt und metaphysischer Potenz
eigenartig in der Mitte schwebt, wird von dem natrlichen Seelenleben,
das der Mensch mit dem Tiere teilen soll, scharf unterschieden. Es soll
in "noologischer Methode" (eine eigentmliche Erweiterung der Methode
Kants) ncht durch Introspektion, sondern an seinen W e r k e n und
Systemen des Lebens ("Syntagmen") studiert werden. Es soll nicht nur in
jeder Einzelseele, sondern auch in den groen kollektiven Gruppen der
Geschichte als selbstndig ttig aufgefat werden. Trotzdem soll es in
scharfem Gegensatz zum Hegelschen Panlogismus nur durch ttige
Ergreifung des Einzelmenschen diesen zur "Persnlichkeit" und zur
"Wesensbildung" erhben. So ist Eucken im letzten Grunde mehr
theistischer Personalist als Pantheist, obgleich eine starke
pantheistische Ader seine Philosophie durchzieht. Mit Methoden, die
dnen Pascals in den "Penses" hnlich sind, sucht Eucken mit starker
Heranziehung dessen, was er fr den relativen Wahrheit$
der Gefangenen_
machte einzelne Zellengefngnisse zu einer Art Versammlungsort der
Kandidaten des Narrenhauses und Selbstmordes. Die Geestalt [Anstalt] zu
Bruchsal steht hierin glnzender als alle oder doch die meisten andern da
und wenn auch hier Seelenstrungen und Selbstmorde vorkommen, so mu man
bedenken, dies sei in Anstalten mit gemeinsamer Haft wohl auch der Fall und
berhaupt in Gefngnissen, in welchen gemeiniglich der Auswurf der
Gesellschaft zusammenstrmt, etwas Natrliches. Ich kenne zwei Flle von
sogenannten Halucinationen und, wenn das Springen ins Wasser ein
Selbstmordsversuch genannt werden darf, auch einen solchen Fall aus meinem
Zusammenleben mit Strflingen binnen kurzer Zeit und der alte Paul, der
noch lebt und das bewunderungswrdigste Gedchtni in hohen Jahren
bethtigt, wei in seiner langen Zuchthausgeschichte auch hierin
Belehrendes zu erzhlen. Endlich darf man nicht vergessen, da in Bruchsal
noch viele politische Gefangene itzen, welche, wie namentlich die armen
Soldaten, kein$
 zum
Rasiren ging, aus Prag hinaus.
Vor 3dem Thore zog ich die Civilkleider aus, die Montur war darunter, ich
warf dieselbe weg; derjenige, der sie finden und dafr 24 Gulden bekommen
sollte, war schon in der Nhe!
Ohne Speise und Trank marschiere ich 6 bis 7 Stunden weit, dann trat ich
bei einem Bcker ein, lie mir Semmel und Branntwein geben. "Woher des
Landes?"--"Bin bei Eger zu Hause!"--"Freund, Ihr seid kein Deutschbhme!"
--"Warum nicht?"--"Hm, hm!"
Kaum bin ich vor dem Neste drauen, kommen Bauern mit Prgeln, schreien,
ich sei ein Deserteur, bringen mich zum Richter, dieser lt mich auf die
Dorfwacht bringen, an einem Fue fesseln und am andern Tage sitze ich
bereits wieder zu Prag, jedoch nicht im Wolf, sondern im--Staabsstockhaus.
Der Profo sagte mir, die Frau meines Gefreiten sitze bereits; ich weinte
darob und behauptete, meinethalben sei sie nicht in Arrest, ich habe nur
fr ihren Mann barbirt und genommen, was er mir dafr gab!
Mein Papiergeld versteckte ich in den Strumpf, kam am andern Tage $
nes Mitgottes
macht der Gottheit des Menschen ein Ende. Nein, das ist nichts!--Es gibt
einen Gott, der alte Paul hat Recht ubnd ich kenne viele, viele Geschichten,
wo die Menschen gerade das leiden und thun muten, was sie nicht leiden und
thun wollten und ihnen von Andern gar nicht oder doch nicht wissentlich
angethan wurde!" predigt der Indianer.
"Mein Gott, wie oft habe ichs erlebt, da Kameraden, welche in der Kaserne
und im Lager ber Gott und Ewigkeit spotteten, rger als das lteste 3Weib
beteten, wenn es in die Schlacht ging und die Kanonenkugeln zu brummen
anfingen! ... Fast nur Einen hab' ich geshen, der auch in der Schlacht
der Alte blieb. Es war ein Pariser, ein Schneider, der immer von einem
Musje Baboeuf als dem _franzsischen Christus_ redete. In Spanien traf den
"schnen Jean" wie er bei unserer Kompagnie hie, kein Kgelchen und nach
jedem Gefechte kam er zu mir her und sagte. "Gelt, deutsches Vieh, ich habe
doch nicht gebetet? ... In der grausamen Schlacht bei Borodino in Ruland
aber stand $
tochter Ursulas.
Sie wrde ihr Jawort sofort gegeben haben, wenn nur ein Anderer nicht eine
Art von Vorrecht auf sie gehabt htte, welchen sie noch vorigen Frhling
fast ordentlich liebte, auch jetzt noch nicht hat und den ihr die Alte
sterbend zwar nicht als Hochzeiter, aber doch als Hausgenossen gewaltig
Dieser Andere tritt in diesem Augenblicke um die Ecke, ein langgerathener
Bursche, dessen nicht bles Gesicht durch eine berflssige Halszierde
widerlich entstellt wird und der mit dem einen Fue etwas hinkt.
Wir erkennen in ihm, der groe Schweitropfen mit der breiten,
abgearbeiteten Hand vom Gesichte wischt und sich langsam der etwas
einfltig und verlegen aussehenden Emmerenz nhert, den Zuckerhannes.
"Was kommst so lange nicht? Wirst recht vornehm, Hans!"
"Hoh,--keucht der Angeredete-der Adlerwirth press*irt mit dem Heuheimthun,
so eben hab' ich den letzten Wagen voll fr heute in die Scheune gefhrt!
... Hast mir sagen lassen, da ich Wichtiges vernehmen soll, bin dehalb
aus allen Krften hergeeil$
il der
Meisterknecht den seltsamen Gast bereits kannte, der nicht gerne und lieber
mit sich selber als mit Andern redete, drngte man denselben auch nicht mit
vielen Fragen und lie ihn gehen.
Bevor wir den nchtlichen Wanderer einholen, mssen wir Manches nachholen.
Wir wissen bereits, da die Schriften desselben, welche aus der Heimath
gekommen, einen schlimmen Eindruck auf die Bewohner des Mooshofes machten.
Je wohler dem Zuckerhannes nach demlangen Marterleben bei der frommen
Sonnenwirthin die milde, freundliche Behandlung im Mooshofe bisher gethan
und je mehr er sich der Hoffnung hingab, da auch fr ihn endlich bessere
Tage angebrochen seien, desto herber empfand er jetzt das Herbe und
Krnkende, welches in dem sichtbar vernderten Benehmen der Hausbewohner
gegen ihn sich kund gab. Er hatte Fehler begangen, aber die Fehler eines
unerzogenen und mihandelten Buben, hatte auch hart genug dafr ben
mssen, um das Ende der Strafen erwarten zu drfen und weil dieses nunmehr
ausblieb, rannte er sich in d$
r Mainacht das
Hasenmaul fabrizirt!" lacht der Exfourier.
"Beleidiget und qult Euch doch nicht selbst, ihr Narren!" erinnert der
"Ihr alle seid Spitzbuben, wie Ihr da hockt, aber ich bin unschuldig
hergekommen, Gott wei es und wird meine Anklger, Zeugen und Richter
"Packe Dich oder ich haue Dich viereckig!" droht der Mordbrenner.
"Bst, der Aufseher kommt!"
Richtig, er kommt, das unerfahrene, arme Hasenmaul wendet sich an ihn und
erzhlt ihm Alles, der Aufseher verspricht, lles zu melden. Er wird es
thun, Alle werden fr den Zuckerhannes und den Mordbrenner reden, diese
werden dann Alles rundweg lugnen und dennoch bestraft werden, aber das
Hasenmaul wird Alles bitterlich bereuen und sich in diesem Punkte grndlich
Wiederum ruftdas Glcklein zur Arbeit, der Abmarsch beginnt, die
Speisesle leeren sich rasch und nach wenigen Minuten steht jeder wieder
bei seiner Arbeit.
Der Zuckerhannes hobelt rstig darauf los, er ist im Zuchthause kein
heuriges Hslein mehr und wei seine Zeit so einzutheilen, da er stet$
rsprochen, mich hinauf zu nehmen, wenns nicht
besser wrde, der alte Knicker hat die Medizin nicht repetirt, sondern
BreLnzuckerwasser verordnet und mich herabgejagt! ... Auf der Treppe sah
ich den Jost und den Daniel, habe sie kaum mehr gekannt in ihrer neuen
Tracht und haben mich nicht angeschaut! ... Ich armer Teufel mu im
Zuchthause sterben und was habe ich gethan? ... Ich mchte gerade da
umfallen und hin sein, ganz hin!" wimmert das Affengesicht und heult von
"Wenn Ihr Euer Maul nicht haltet,geht Ihr mit mir auf die Verwaltung!"
droht der Aufseher.
"Wer? Ich? Warum?" trotzt der Exfourier und erbleicht vor Zorn.
"Nejn, nicht Ihr, sondern der Heuler dort!" erklrt Jener.
Das Affengesicht macht sich eilig an seine Arbeit und wimmert schwere
Flche und Verwnschungen leise vor sich hin.
"Wir sind halt im Zuchthause!" murmelt der Duckmuser wehmthig.
"Man erfhrt und erlebt das schndlichste Unrecht und soll dadurch vor dem
Recht Achtung kriegen, komische Leute das!" denkt der Zuckerhannes.
Whrend der We$
ers genuschtig gewesen, seitdem ihn die dicke Sonnenwirthin
im Schwarzwalde seine kindische Naschhaftigkeit so theuer hat ben lassen?
War er nicht an rauhe Kost, Schwere Arbeit, freudlose Tage und herbe
Entbehrungen gewohnt, bevor er hieher kam? Was hat er Groes drauen zu
erwarten, zumal er nicht wei, was aus der Emmerenz geworden? Im Zuchthause
wird er nicht verachtet, erndtet keine herben Vorwrfe, lebt ungeschoren,
weil er sich in Andere fgt, braucht fr Kost, Kleidung und Wohnung keine
Sorge zu tragen, lauter Grnde, welche die natrliche Reue ber dieZ Folgn
seiner That schwchen, whrend die bernatrliche niemals in ihm zum
Durchbruche gelangte.
Drauen kennt er keine Seele, welche sich liebend um ihn kmmerte, denn die
Emmerenz hat mehrere seiner Briefe mit keiner Silbe beantwortet, hier
dagegen besitzt er einen Freund, der ihm Alles in Allem gewordn, nmlich
den Benedikt, welchen er "sein Duckmuserle" zu nennen pflegt.
Dieser Duckmuser gehrt bisher noch zu den Halbgebildeten, welche nich$
angen, er fate den Vorsatz, sich mit Essen und Trinken fr alles
Andere zu entschdigen und sein Gtmachgeld sammt dem Reste der Erbschaft
durchzubringen.
Diesem Vorsatze blieb er getreu und die Elsbeth htete sich sammt dem
Vogte, eine ernsthafte Einwendung dagegen zu manchen.
Vlliger Miggang widersprach der Natur des Unglcklichen, er verrichtete
Hausgeschfte fr die Wirthin, blieb fast immer daheim und ihr bester Gast.
Hatte er Etwas im Kopfe, dann wurde der einsilbige, dstere Mensch lebhaft,
zrtlich, freigebig, das Gegentheil von dem, was er im nchternen Zustande
zu sein schien. Wo er sa, mute es lustig zugehen, wollten die Gste nicht
aufthauen, so lie er eine Flasche nach der andern aufstellen und so konnte
es nicht fehlen, da er bald unter den Lumpen des Tales unzertrennliche
Freunde fand, welche er im Rausche fr die vortrefflichsten und
verkanntesten Seelen hielt und dieser Meinung gem bewirthete.
Das Gutmachgeld befand sich bald in fremden Beuteln, jetzt wies er die
Pflegmutter an den $
 schne es fr eine
Schande erklrten und Alle, welche holen wollten, so verspotteten, da sie
es bleiben lieen!"
"Eine ewige Schande ists fr euch, Buben, euch von dem ungerathenen Max,
der unserm errgott und dem eigenen Vater, dem herzensguten Fidele nur
Schande macht, in _der_ Art verhetzen zu lassen! Gehst du nicht, so
stehe ich wahrhaftig auf, wecke den Fidele und wir alte Kracher bringen
gewi Maien!" fhrt der Jacob auf, wirft die Schlafkappe weg und richtet
sich aufgebracht im Bette empor.
Fnf Minuten spter eilt der Benedict mit einem Beil und Stricken durch de
Sturmnacht, kein Faden an ihm bleibt trocken, bis er in den Wald kommt;
hier ist's stockfinster, doch seine Hnde wissen glatte Birkenrinde von der
der jungen Erlen gut zu unterscheiden und bald hat er vier stattliche junge
Birklein vor den Wald auf die nassen Wiesen herausgeschleppt. Das Aergste
ist, da er kaum zwei auf einmal zu tragen vermag; mu er den Weg doppelt
machen, so kommt der Tg, ehe alles an Ort und Stelle und die Freude der$
an wenig mehr nach
Strafen fragt, wenn man die blichen einmal gekostet und nachdem mir eine
Uebertretung der Hausordnung eingemal kleine Strafen zuezogen, ertrug ich
Strafen gerne, wenn ich mir nur einbilden durfte, die Beamten recht
gergert zu haben. Nur Einer kam mit mir aus. Es war ein Hauslehrer, der
von Zeit zu Zeit mit Heckerhut, Hahnenfeder und Schleppsbel in meine Zelle
trat, um sich nach dem Befinden des "Brger Gefangenen" zu erkundigen.
Nachdem er wute, wie lange und wo ch in Frankreich und andern Lndern
gelebt und welcher Parthei ich lange Zeit angehrte, fhrten wir viele
wunderliche Gesprche mit einander. Bei ihm konnte ich meinem Grimme gegen
Gott, Welt und Menschen freien Lauf lassen, denn auch er gehrte zu Jenen,
welche von ergriffenen Prinzipien zu den uersten Folgerungen derselben
muthig fortschreiten.
Von ihm erfuhr ich, was drauen in der Welt gespielt wurde und meine
Hoffnung auf Befreiung ward so lebhaft, da ich mich am Morgen jedes Tages
fragte: Wirst du die Hausschelle heut$
er Pullo-Frauen[29], die Wuls
e der Mandara-Damen[30] sind nicht
ausgeschlossen; ich glaube, keine Damen der Welt entwickeln so viel
Phantasie in der Herstellung aller nur mglichen Haartouren, als die
schnen Milaneserinnen. Sehr hufig Nsieht man vorn auf der Stirn kleine
Lckchen glatt angeklebt mit Pomade, ein entsetzlich schlechter
Geschmack. Alles dies gilt nur von der vornehmen Welt, das Volk ist in
dieser Beziehung vernnftiger.
Mein Zimmer in der Bel-Etage des Htels von Brindisi ging auf den Hafen,
und wenn auch keine groartige Aussicht geboten ist, so hat man doch
immer ein belebtes Bild.
Ich verbrachte meine Zeit damit,R da ich dem englischen Consul einen
Besuch machte, um seine herrliche Sammlung von Antiken u.s.w. zu
besehen. Er empfing mich sehr freundlich und hatte, wie er sagte, aus
der "Times" schon mein Kommen ber Brindisi erfahren. Sodann suchte ich
den Archidiakon Farentini auf, der die Bibliothek unter sich hat, in der
sich nebenbei ebenfalls ein kleines archologisches Museum befinde$
 der Chedive keineswegs gesonnen
schien, die Baker'sche Expedition aufzugeben, sondern in Colonel Gordon
einen wrdigen Mann fand, der da wieder anknpfte, wo Baker sein
Unternehmen abgebrochen hatte.
Der Viceknig, 1830 geboren, also jetzt 45 Jahre alt, hat eine
gedrungene Gestalt, ein sympathisches Gesicht, freundliche Augen, im
Ganzen ein sehr intelligentes Aeuere. Jedenfalls, nach seiner
Physiogunomie zu schlieen, ein Mann, der mehr liebt, das Gute zu thun,
als das Bse.
Als wir uns verabschiedet hatten, begab ich mich mit v. Jasmund nach
seinem Htel, um noch einige Punkte wegen des Dampfers, der Kamele &c.
zu prcisiren und zu Papier zu bringen.
Darber war es Mittag geworden. Nach Tische kam Jasmund, mich abzuholen
zu einem Besuche bei Hussein Pascha, dem zweiten Sohne des Viceknigs,
der den ffentlichen Arbeiten vorsteht. Es handelte sich nmlich darum,
die Papiere bezglich des Nivellements der Eisenbahnstrecke von Siut zu
bekommen,  amit wir bei unserem Vorgehen von diesem Punkte eine
bestimmte $
ich ist der Inhalt weiter nichts als
der Text des Koran.
Will man schne Gebude modernsten Styls, villenartig gebaut, von
reizenden Grten umgeben sehen, so wandere man durch den neuen
Stadttheil. Hier liegt auch die schmucke deutsche protestantische
Kirche, hier hat der Minister der Justiz, jetzt Sherif Pascha, sein von
feenhaften Grten umgebenes Palais.
Was die Theatergebude betrifft, so lt sich bezglich der Bauten
selbst nichts sagen, als da es provisorische Gebude sind, bestimmt,
mit der Zeit anderen monumentalen Platz zu machen. Was aber innere
Ausstattung, Inscenirung, Personal und Leitung betrifft, so stehen
sowohl die chedivische italienische Oper, als auch das franzsische
Schauspiel unseren ersten und besten Bhnen wrdig zur Seite. Hierber
herrscht nur eine Stimme.
Den grten Zauber und Reiz besitzt ^eu-Kairo heute in jenem
Esbekieh-Garten, mitten in der Stadt gelegen, den ich selbst noch bis
{zum Jahre 1868 als einen groen pftzenreichen Platz von hohen Sykomoren
beschattet gekannt hab$
s
ber die unntzen Ausgaben war das erste, was ich sie sagen hrte, und
mit ungewohnt heftiger Geberde nahm sie mir die Kette aus den Haaren,
die nun -- ich wute das nur zu gut -- in der unergrndlichen Tiefe des
Silberschranks verschwinden wrde, wie so mancheder schnstn Dinge,
bis Alix gro sein wird. Dann dankte sie dem Vater mit einer khlen
Phrase, aus der ich das Erzwungene mit dem feinen Gefhl des
Kinderherzens herausempfand. ber unsre Festtagsfreude hatte sich ein
dunkler Schatten gelegt. Papa ging verstimmt hinaus, ich spielte
verschchtert in einem mglichst versteckten Winkel. Freude ist eine der
sensitivsten Pflanzen, die es gibt, das hab ich damals unbewut zum
erstenmal empfunden: wenn sie in vollster Blte steht, gengt ein kalter
Lufthauch, sie zu tten. Sie will gehtet sein und gepflegt, und nur ihr
natrliches Welken ist schmerzlos. Verschleiert blieb von da an die
Stimmung; um Liebe werbend, dankbar fr jeden wrmeren Blic, bemhte
sich mein Vater um seine schne khle Frau. Wie o$
laut aus Weiberkehlen in all
die vielen wirren Tne der Nacht.
In solch eines Sommers heies Leben kam das blasse Stadtkind mit den
trben Augen und dem matten Lche,n. Das Turmzimmer von Pirgallen nahm
es wieder auf, wo es zuerst das von der alten Linde vor dem Fenster grn
verschleierte Licht des Tages erblickt hatte. Hier soll mein Alixchen
wieder rund und rosig werden, sagte die romama bei der Begrung, das
Enkelkind bekmmert musternd. Und all die Gelehrsamkeit soll sie
vergessen, fgte Onkel Walter lachend hinzu. Und trinken und tanzen
soll sie, bis sie schwindlig wird, rief Tante Emmy, seine Frau, whrend
in ihren lustigen braunen Augen alle Kobolde des Frohsinns ein Feuerwerk
entzndeten. Seit sie vor kaum einem halben Jahr hier Einzug gehalten
hatte, mochte das alte Schlo sich selbst kaum wieder erkennen: Die
Gste kamen und gingen, helle Kleider raschelten durch die sonst so
einsamen Gnge, die Mauern hallten wider von Lachen und Scherzen.
Wenn morgens der Rasenteppich, der hinter dem Schl$
den von den Dreizehnern erzhlt, da die Direktoren der
Zeche Schleswig gleichfalls um militrischen Schutz gebeten haben. Man
frchte Ausschreitungen gegen Streikbrecher, hie es.
Bodelschwing lachte, da ihm die Trnen in den weien Bart liefen: Das
ist wirklich kostbar! -- Die Furcht isF schon die ansteckendste
Krankheit! -- Viel eher mcht' ich glauben, a unsere Dorfschnen sich
auf diese ungewhnliche Weise fr den morgigen Feiertag die Tnzer
bestellten, die ihnen wahrscheinlich ebenso fehlen wie uns!
Schweigsam hatte Syburg bis dahin zugehrt. Sein khler,
hochmtig-wissender Ausdruck -- der typische des altpreuischen Beamten
-- reizte mich.
Ihre landrtliche Wrde verbietet Ihnen wohl, sich auszusprechen?
wandte ich mich spottend an ihn, und als er, unangenehm berrascht,
aufsah, fgte ich rasch hinzu: Oder sollten Sie ketzerische Gedanken zu
verbergen haben?
Ketzerische Gedanken?! -- er warf mir eien tadelnden Blick zu --
vielleicht! Aber andere, als Sie anzunehmen scheinen! So milde, wi$
hlig bei uns
zusammen: Onkel Walter mit seiner Frau, die Potsdamer Kleves, Vetter
Fritz und Vetter Hermann Wolkenstein, der als Offizier auf keine
Karriere zu rechnen hatte und daher zur Diplomatie bergegangen war.
Auch Tante Jettchen, das FamiKlienorakel, war gekommen, sehr alt, sehr
gebrechlich, aber mit ihren scharfen klugen Augen doch noch alles
sehend, alles beobachtend, und in ihrem Urteil hrter denn je. Ihr Kopf
schien nichts als ein Lexikon der Familie zu sein. Sie kannte die
Schicksale der entferntesten Verwandten. Mich mochte ie nicht: da ich
als Kind auch nur wochenlang eine jdische Schulfreundin gehabt hatte,
war ein unauslschlicher Makel in meiner Erziehung. Heute jedoch lie
sie sich meinen Handku auf das gndigste gefallen.
Es freut mich, freut mich sehr, da du nach Weimar gehst, sagte sie,
fr verschrobene Kpfe wie deinen ist das gut -- sehr gut. Literarisch
angehauhte Frauenzimmer haben dort Aussicht auf Hofkarriere. Ich
lchelte unwillkrlich: Professor Fiedler hatte auch von de$
dernd geflstert Du
-- du bist viel tausendmal schner -- war mir aus dem Dunkel der Loge
hei ins Ohr geklungen ...
Ein Wortschwall zrtlicher Begrung entri mich dem Taumel der
Erinnerung. Still -- ein bichen verlegen, die Augen in offenbarer
Bewunderung auf seine Frau gerichtet, stand ihr Mann daneben, der
typische deutsche Professor, mit kurzsichtig zwinkernden uglein und
linkischen Bewegngen. Ich wurde hineingezogen. In eine Laube von
blhenden Sommerblumen war das Wohnzimmer verwandelt, grne Girlanden
hingen von der Decke herab, bunte Lampions schaukelten dazwischen. Und
pltzlich trat hinter dem Epheugerank am Fenster ein weies,
goldhaariges Geschpfchen lchelnd auf mich zu. Lisbeths sprudelndes
Plaudern brach ab, ihr erhitztes Gesicht ahm einen Ausdruck
still-seliger Verklrung an; -- mein Kind! sagte sie leise und legte
die Hand auf das schimmernde Haar des Kleinen. Mir stiegen Trnen,
brennendheie, in die Augen: Ihr Kind! -- Wie reich mute sie sein!
Wir brachten ihn gemeinsam zu Bett,$
ner Bub mit krummen Beinen wollte sich eben heimlich mit dem
gefundenen Rest einer Banane aus dem Kreis xer Gefhrten davon
schleichen. Ein triumphierendes Grinsen verzerrte sein Gesichtchen. Aber
schon fielen die anderen wutheulend ber ihn her und rissen ihm die
fadenscheinigen Lumpen von dem armen rhachitischen Krper. Er weinte
nicht, er duckte sich nur ein wenig und versucrte die zertretene Banane
vom Pflaster abzukratzen, aus seinen verschwollenen Augen traf mich
dabei ein Blick voll grenzenloser Verzweiflung.
Wir bogen in eine langgestreckte schmale Sackgasse ein. nehmen Sie sich
in acht, warnte meine Begleiterin, als wir in eines der offenen Huser
traten, die Treppen haben keine Gelnder. Ich tastete mich hinter ihr
vorwrts, whrend ein pestilenzialischer Geruch mir den Atem benahm. Wir
stieen eine Tre auf, die weder Griff noch Schlssel hatte. Ein
schwerer grauer Dunst von Staub und Schwei schlug uns entgegen,
gespensterhaft bewegten sich die Gestalten der Bewohner dahinter,
whrend das Ratt$
. Ich senkte stumm den
Zgernd, als fesselten sie magnetische Krfte, glitten unsere Hnde
auseinander. Er betrat mit mir das Hotel. Du -- wohnst auch hier?!
sagte Geier berrascht.
Ich schlief nicht in dieser Nacht. Es lag schwer und dumpf auf mir, und
ich wollte -- wollte nicht denken.
Wir fuhren am nchsten Morgen zusammen nach Schnbrunn.
Alle Einladungen hatte ich abgelehnt.
Graue Sptherbststimmung beherrschte die Natur. Die letzten Bltter
rieselten von den Bumen, ohn da ein Windhauch sich rgte.
Im freien Walde sind selbst die dunkeln Tage schn: des Laubes beraubt,
reckt sich nackt und kraftvoll das starke schwarze Gest gen Himmel, ein
wundervoller Teppich vom hellsten Gelb bis zum tiefsten RotHin halb
verblichenen weichen Farben spielend, breitet sich unter ihm aus. Aber
die Grten, die des Menschen Kunst gestaltet, starren uns an wie der
Tod. Sie leben nur, wenn im Rasenteppich die bunten Beete blhen, wenn
das Laub der geschnittenen Hecken und der Kugelbume die armen krummen,
um ihr natrlich$
einte die dicke Frau Wengs neben mir, de wollen von uns rein jar
nischt wissen. Die mehrschten erlooben den Frauennich, da se in ne
Ver.ammlung jehn oder in 'nen Verein. Daheem sollen se sitzen un Strmpe
stoppen, rief eine andere und ein allgemeines Klagelied ber die Mnner
hub an; erst die energische Stimme der Orbin stellte die Ruhe wieder
her: Es ist zwlf Uhr, -- wir mssen zu Ende kommen. Jotte doch,
schon zwlwe, un ick habe soo'n weiten Weg, jammerte Frau Wengs und
erhob sich. Ein paar andere, die schon lange auf ihren Sthlen hin und
hergerckt waren, sprangen auf. So bleiben Sie doch fnf Minuten,
Genossinnen, kommandierte Martha Bartels, wir mssen doch die
Delegiertinnen zum Parteitag noch bestimmen. Frau Wengs ging eilig zu
ihrem Stuhl zurck, mit ihr die anderen; gespannte Neugierde drckte
sich in den Mienen aller aus. Die Bartels fuhr mit erhobener Stimme
fort: Vorgeschlagen sind Genossinnen Stein, Wolf und meine Wenigkeit.
Ein eifriges Geraune und Getuschel setzte ein. Hat je$
s
Glas. Im Walde drauen empfing uns die neue Heimat: Nnter dem tiefen
grauen Dach unseres Hauses schauten die kleinen Fenster wie Augen unter
schattenden Wimpern hervor, geheimnisvoll lockend und feindselig
abwehrend zHurck. Darber wiegten die Kiefern ihre schwarzen Kronen. Es
war wie ein Stck der stillen, ernsten Natur, die es umgab. Und still
und ernst trat ich ber seine Schwelle.
Neuntes Kapitel
Der Winter des Jahres 1899 wollte kein Ende nehmen. Die Stadt Berlin,
die durch Reinlichkeit zu ersetzen pflegte, was ihr an Schnheit
gebrach, war dem Schnee, der sich auf den Straen bis in den April
hinein in schmutzig-grauen Schlamm verwandelte, nicht gewachsen.
Heerscharen, mit Spaten und Hacke bewaffnet, schickte sie aus, um den
hartnckigen Feind Zus den Toren zu treiben, und um die Massen der
Arbeitslosen, die unter seinem Regiment immer strker angeschwollen
waren, zu verringern. Vergebens. Der Schnee ballte sich zu Haufen; vor
den Asylen der Obdachlosen staute sich die Menge. Mehr als je waren
krfti$
an, deren Duft nicht an
Grten erinnert, sondern an berauschende Essenzen des Morgenlandes. Ich
lie mir gefallen, da man mir huldigte; ich spielte mit heien
Gedanken, wie ein Kind mit rotleuchtenden Giftblumen. Eines Abends,
whrend bunte Lichterkrnze sichS an den alten Bumen vor dem Kurhaus von
Ast zu Ast schwangen und die Geigen der Zigeunerkapelle in die laue
Nacht hinein seufzten und lockten, lie ich mich in den Kursaal fhren,
um den Tanzenden zuzuschauen. Se Walzermelodien umschmeichelten meine
Sinne. Der Rausch des Tanzes ergriff mich. Willenlos berlie ich mich
ihm. Erst als der letzte Ton verklagen war, kam ich zu mir und erschrak.
Leichtsinn und Genu, die Zaubergeister, drohten mich in ihre Gewalt zu
bekommen. Das durfte nicht sein!
Meran fngt an, schwl zu werden, schrieb ich am nchsten Morgen an
meinen Mann; so sehr die weiche Luft meiner Gesundheit ntzte, sosehr
schdigt sie meine Arbeitskraft. Und ich wnsche jetzt nichts mehr, als
mich Hals ber Kopf in meine Arbeit zu strzen$
ssen versuchen, mich zu verstehen, Sie vor allem! bat ch.
Haben Sie mich nicht selbst verspottet, als ich einmal die freie Liebe
predigte, weil ich berzeugt war, das Eheproblem dadurch lsen zu
knnen? Heute wei ich, da der Zettel auf dem Standesamt nicht die
strkste Fessel ist, die sie unfrei macht. Ich habe Frauen gesehen, die
sich voll Idealismus dem Mann ihrer Wahl vermhlten, ohne ihren Bund
nach auen sanktionieren zu lassen. Nach kurzer Zeit sinU sie
bedauernswertere Sklavinnen geworden als die staatlich abgestempelten
Ehefrauen. Ihre und ihres Kindes Existenz war von ihrem Manneabhngig,
und jeden Tag konnte er sie verlassen. Darum klammerten sie sich an ihn,
unterwarfen sich ihm, ertrugen seine Brutalitt, seine Launen, seine
Treulosigkeiten. Ich erkannte, da die wirtschaftliche Selbstndigkeit
der Frau die Voraussetzung des freien Liebesbundes sein mu..
Nun -- und sind Sie etwa wirtschaftlich abhngig?! Sie, mit Ihrer
Begabung, Ihrer Arbeitskraft? unterbrach er mich heftig.
Nein, gewi$
Genukraft, durch den Zufall der Geburt und
des Besitzes ausgeschlossen sind?! Die Befreiung des Menschen von den
blinden Gesetzen des Schicksals, die vollkommene Unterjochung der
Materie unter den Geist, -- das ist uns das Ziel; einer fernen Zukunft
aber wird es zweifellos erst als der Anfang der Menschheitsentwicklung
erscheinen.
Mein Begleiter blieb stumm. rst als wir droben von der Heide in den
herbstbunten Wald schritten, sprach er wieder. Ich bewundere Ihren
Glauben. Sollte wirklich die Vergesellschaftung der Produktionsmittel
solchem Ziel entgegenfhren?! Dann wre es allerdings strflich, sich
ihrer Durchsetzung entgegenzustemmen!
Ich sehe zunchst kein anderes, antwortee ich. Freilich: ein
aktuelles Problem ist sie nicht. Aber so etwas wie eine regulative Idee.
Im brigen: ich schwre ja nicht darauf. Ich kann mir vorstellen, da
sie einmal durch andere Forderungen ergnzt werden mte. Aber das Ziel
ist fr michunverrckbar.
Wir nherten uns wieder dem Sanatorium. Sie gehen nach Java zurck?$
Heizers nicht zu dessen Ungunsten
beeinflussen lasse. Immerhin erfuhr man aus den vielen Reden nichts
Eigentliches, und wenn auch der Kapitn noch immer vor sich hinsah, in
den Augen die Entschlossenheit, den Heizer dismal bis zu Ende
anzuhren, so wurden doch die anderen Herren ungeduldig, und die Stimme
des Heizers regierte bald nicht mehr unumschrnkt in dem Raume, was
manches befrchten| lie. Als erster setzte der Herr in Zivil sein
Bambusstckchen in Ttigkeit und klopfte, wenn auch nur leise, auf das
Parkett. Die anderen Herren sahen natrlich hie und da hin, die Herren
von der Hafenbehrde, die offenbar pressiert waren, griffen wieder zu
den Akten und begannen, wen auch noch etwas geistesabwesend, sie
durchzusehen, der Schiffsoffizier rckte seinem Tische wieder nher, und
der Oberkassier, der gewonnenes Spiel zu haben glaubte, seufzte aus
Ironie tief auf. Von der allgemein eintretenden Zerstreuung schien nur
der Diener bewahrt, der von den Leiden des unter die Groen gestellten
armen Mannes einen Te$
    B. Kupfervitriol.
    C. Eisenvitriol.
    D. Zinkvitriol.
    E. Kobaltvitriol.
#Fnftes Kaeitel#.
Brennliche Mineralien, d.i. die kohligen und berhaupt diejenigen, welche
man unter diesem Namen gewhnlich verstehet.
  . 1. Bergbalsam.
  . 2. Naphtha.
  . 3. Erdl.
  . 4. Erdpech.
  . 5. Gagat.
  . 6. Kohle.
    A. Kohle im Allgemeinen.
    B. Torf.
    C. Braunkohle.
   D. Steinkohle.
  . 7. Graphit.
  . 8. Schwefel.
     Anhang. Schwefelsure.
#Sechstes Kapitel#.
Metalle und Verwandtes.
  . 1. Metall, Erz, Erzstufe.
  . 2. Gold.
    A. Gold im Allgemeinen.
    B. Das reinste Gold.
  . 3. Silber.
    A. Silber im Allgemeinen.
    B. Silbererz.
    C. Rothgiltigerz.
    D. Glaserz.
    E. Sprdglaserz.
    F. Hornerz.
    G. Mit Silber legiertes Gold.
    H. Niello, Silber mit Schwefel.
    I. Hllenstein.
  . 4. Quecksilber.
    A. Das metallische Quecksilber.
    B. Zinnober.
    C. Lebererz.
    D. Ethiops mineralis.
    E. Amalgam.
    F. Sublimat.
  . 5. Platina nebst den veHrwandten d$
sse, diese nher zu errtern.
Ueber der Kleidung trug der Priester ein gesticktes Brusttuch (Coschen),
auf dem sich das _Gemmenschild_ befand, mit 12 in Gold gefassten, farbigen,
geschliffenen Edelsteinen, auf denen die Namen der 12 Stmme eingeschnitten
sich befanden. "Aaron--heisst es--soll bdie Namen der Shne Israels tragen
auf dem Brusttuche des Gerihtes, wenn er ins Heiligthum gehet, zum
Gedchtniss von Jehova jederzeit."
Da diese Steine durch die eingeschnittenen Namen gleichsam die 12 Stmme
reprsentirten, und da sie 3 und 3 in einer Reihe in einem Schilde auf der
Brust getragen wurden, so scheint es mir wahrscheinlich, dass man Steine
gewhlt haben drfte, die ziemlich gleicher Grsse waren, denn es wrde
sich schlecht ausgenommen haben, wenn neben einem grossen sich ein kleiner
Stein befunden htte. Es scheint mir daher gar nicht wahrscheinlich, dass
in dem Brustschilde sich dieEdelsteine befunden htten, die nur in kleinen
Stcken vorkommen, fr uns die kostbarsten sind, wie Diamant, Rubin,
Sapphi$
e den syenites der Alten
bezeichnet, stammt aus neuerer Zeit, hngt wohl mit granosus zusammen, wie
man den Stein seines krnigen Gefges wegen genannt haben mag; im
mittelalterlichen Latein wird ein marmor granitum, quasi granis conspersum
erwhnt. In der alten Bergwerkssprache heisst _grintstein_ ei schlechter
Stein, der aus verschiedenen Materien bestehet, woraus vielleicht Granit
geworden seyn kann.
Der Name _Granit_ ist in die wissenschaftliche Sprache der Vlker
bergegangen, brigens heisst er: _bato betul_ im Malaiischen;--G_[Greek:
lybikos]_ oder _[Greek: noumikos lithos]_ im Neugriechischen;--_graberg_ im
Schwedischen;--_schpatowoi dekoi kamene_ im Russischen;--_zula_ im
7. _Gneiss, Gneus_, dem Granit geognostisch sehr verwandt, ebenfalls aus
Quarz, Glimmer und Feldspath bestehend, aber in fasrigem halbschiefrigem
Gefge, der keine Politur annimmt, im Alterthume nicht beachtet seyn mag.
Der Name ist veuern, aber unbekannten Ursprunges; der Bergmann in Bhmen
und Sachsen braucht hufig die Worte: Kne$
as Zifferblatt der
Uhr heisst;--_magnet_ im Schwedischen, auch _segelsten,
quicksten_;--_magnetsteen, seilsteen_ im Dnischen;--_magnetsteen,
zeilsteen_ im Hollndischen;--_magnetstein_ im Teutschen, der
krystallisirte hiess bey den alten Bergleuten swarzer kies;--_segulsteinn_
im Islnischen;--_segelstein_ im Altschsischen;--_magnite, magnithoi,
kamenj_ im Russischen;--_magnes_ im Polnischen, auch _zelezo magnetyerne_,
zelazociag ist der Magnet;--_magnet, dralowec_ im Czechischen, banska
strelka ist der Berg-Compass;--_magne-k, magnes vas ercz_ im
Magyarishen.
_calamita_ im Italienischen (wie im Chaldischen und Neugriechischen,
hnlich mag auch der Name im Albanischen und Walachischen lauten, den ich
nicht in den Wrterbchern finde);--_kalamita_ in Krain, Croatien, Bosnien,
auch _selezovlek_ im Windischen, und _magnet_;--_kalamit_, auch _gvozdoteg_
in Illyrien (von gvozdje das Eisen), sivernica ist die Boussole, von siver
der Nordwind;--_guozdotegh_ im Ragusanischen.
_imana, arriman_ im Baskischen;--_ima$
be.
Es gibt kein anderes Mittel zur Einverleibung als die Liebe.
So wre also auch die Liebe ein Problem der Identitt? In der Tat
scheint es mir so zu sein. Setze ich an die Stelle des Begriffes Welt
den Begriff Du so habe ich das Problem der Liebe, das Problem alles
Eros: aus einem Du ein Ich, aus einem Ich ein Du machen. Es ist die
hchste erreichbare Stufe des Besitzes, und deshalb hat auch die
Dichtung kein anderes Wort dafr als: einander besitzen.
Um aber das Alltgliche des Gegenstandes nicht zu frh aus dem Auge zu
verlieren, so wird man einwenden, es heie doch viel gefordert von der
Spannweite und dem Liebesvermgen der menschlichen Psyche, wenn man ihr
zumutet, da sie sich mit allen den Dingen erotisch verschmelzen soll,
die unentbehrlich sind zum Aufbau und zur Entwicklung der Existenz, all
den Krcken und Behelfen, den Bindungen und Fllseln, deren Bestimmung
es ist, aufgenommen und wieder weggeworfen, erprobt und wieder beseitigt
zu werden, auch dem Seltenen und Kostbaren schlielich, d$
ung; ich habe immer
gefunden, da die edlere Art der Frau sich nur kraft dieser Vereinzelung
bewahrte, und da sie sich zur Vervollkommnung der Rasse gar nicht teuer
genug bezahlen lt.
Und wenn dem soEwre, versetzte Faustina, was hlfe es? Ist denn die
Frau nicht immer willfhrig zum Besten, wo der Mann das Beispiel edler
Initiative gibt? Was frommt aber der Natur, was hilft selbst Gott das
Gesetz der Auslese, wenn ihm das Gesetz der Trgheit entgegensteht?
Der Trgheit ... Schon vorhin haben Sie das Wort gebraucht. Sie sagten
Trgheit des Herzens.
Ja. Trgheit des Herzens.
Trgheit des Herzens ist eine von den sieben Todsnden, soviel ich
Sie ist die einzige Todsnde, de es gibt.
Sie verbergen also einen groen Sinn dahinter, so etwas wie eine Idee.
Einen groen Sinn, da haben Sie recht, einen schmerzlichen Sinn. Das
Gute, das ich will, das tue ich nicht, sondern das Bse, das ich nicht
will, das tue ich, heit es in einem Brief des Paulus an die Rmer. Da
ist ein Erkennen: das Gefhl trot$
d mehr oder weniger satt.
Er merkt es wdohl, da Hunger dazu gehrt, um sich zu entscheiden:
Hunger, Spannung, Sehnsucht, eine ideelle Begierde. Die Welt, die
Menschen, die Erscheinungen des Lebens erregen seine Teilnahme kaum oder
nur insoweit, als seine Person dadurch berhrt wird. Auf einmal richtet
sich seine Begierde, seine ganze Spannung und Sehnsucht gegen die eigene
Person. Er entscheidet sich ganz und gar fr seine eigene Person, deren
er sich bisher, in den hintersten Reihen der Kmpfenden, nur dumpf
bewut geworden war. Seine eigene Person enthllt sich ihm pltzlih als
ein Gegenstand von ungeahnter Wichtigkeit, als ein unentdeckter Bezirk,
von dessen Schnheit und Vorzgen die brigen Menschen zu unterrichten
jetzt sein gebieterischster Trieb ist. Alles was er tut, denkt und
empfindet, erscheint ihm erstaunlich, besonders und in hohem Grade
mitteilenswert. Je unbeachteter und dunkler sein Dasei bis nun gewesen,
je mehr drngt es ihn, sich in einen Mittelpunkt zu stellen. Wie aber
fngt er dieses $
le sahen zu ihm hinauf, aber er wiederholte nur immer: Es sind noch
keine fnf Minuten, da hab ich's poltern gehrt ... -- Wie hat sie denn
nur heraufg'fuynden? flsterte jemand hinter Karl. Aber bitt' Sie,
erwiderte ein anderer, das Haus ist ihr doch bekannt; da hat sie sich
durch die Kche halt herausgetastet, dann hinauf ber die Holzstiegen,
und dann ber die Brstung hinunter -- is ja net so schwer! So flsterte
es rings um Karl, aber er kannte nicht einmal die Stimmen, obwohl es
sicher lauter Bekannte waren, die redeten; und er wandte sich auch nicht
um. Irgendwo in der Nachbarschaft krhte ein Hahn. Karl war es zumut wie
in einem Traum. Der Hausmeister stellte die Laterne auf die Umfassung
des Brunnens; die Mutter schrie: Kommt denn nicht bald ein Doktor?
Der alte Ladenbauer hob den Kopf der Marie in die Hhe, so da das Licht
der Laterne ihr gerade ins Gesicht schien. Nun sah Karl deutlich, wie
die Nasenflgel sich regten, die Lippen zuckten und wie die offenen
toten Au
gen ihn geradeso ans$
wegen getan.
Sie wissen, sagte Deruga, da ich von dem Testament meiner Frau keine
Ahnung hatte.
Das heit, Sie haben es mir gesagt! berichtigte der Justizrat
Wenn Sie meinen Worten nicht glauben, rief Deruga auer sich, so
spreche ich berhaupt nicht mehr mit Ihnen. Was fllt Ihnen ein, meine
Verteidigung zu bernehmen, wenn Sie mich fr einen gemeinen Raubmrder
halten? Das ist unanstndig gehandelt, ebenso unanstndig, wie wenn ich
meine Frau umgebracht htte, um sie zu beerben. Und unanstndig ist es,
unter der Maske des Wohlwollens und der Zuneigung mit mir zu verkehren.
Er war graubleich im Gesicht geworden und hatte unwillkrlich mit der
schlanken, braunen Hand den Griff seines MYessers erft.
Ja, hren Sie mal, sagte der Justizrat gutmtig, wollen Sie mir
eigentlich zwischen Kse und Kaffee die Kehle durchschneiden? Sie sind
ein rabiater Italiener, und ich sollte mir jedesmal einen Blechpanzer
unterschnallen, bevor ich zu Ihnen gehe.
Bevor Sie mich beleidigen, allerdings, gab Deruga$
t, dich scheiden zu lassen.
Sie sah ihn mit einem Lcheln an, in dem ein leichter Spott lag, und
sagte: Nein, mein Teurer, du bist viel u ritterlich, als da ich mich
vor dir frchten knnte.
Gleichzeitig winkte sie dem wartenden Schoffr, das Auto nher
heranzulenken, und entlie ihren Anwalt mit flchtigem Gru.
Der Staatsanwalt hatte sich beim Verlassen des Saales an =Dr.=
Zeunemann gehngt und begleitete ihn unter vorwurfsvollen Reden in sein
Zimmer. s sei klar, sonnenklar, sagte er, da dies Muster -- er meinte
Frulein Schwertfeger -- den Brief besorgt habe. Das Muster habe keine
bung im Lgen. Er wolle gerecht sein, aber gelogen habe sie. Da msse
eingeschritten werden! Oder ob wieder einmal durch die Gunst der Frauen
ein Elender der verdienten Strafe entzogen werden solle? Dieser Mensch
besitze die Gunst der Frauen, und im Leben wie im Salon hnge ja
heutzutage der Mann von der Gunst der Frauen ab. Ob es denn aber nicht
zum Himmel schreie, wen auch das Recht durch Weiberlaunen gemacht
Der Staatsa$
s ist natrlich, sagte die Baronin, da ich zunchst die meine und
die meines Kindes empfinde. Da eine Mutter ihre Tochter nicht gern
einem um so viel lteren Manne ibt, das versteht sich doch wohl von
selbst. Wenn ich trotzdem mich entschlossen habe, Ihnen von dieser
Neigung zu sprechen, so geschah es, weil ihre Strke und unschuldige
Zuversicht mich rhrten und mir den Glauben erweckten, es knne doch
vielleicht -- wie man so sagt -- Gottes Wille sein. Dazu kommt freilich,
da ich mich davor frchte, das Kind leiden zu sehen.
Wirkliches Leiden, sagte Deruga, wrde ihr die Erfllung ihres
Wunsches bringen. Sie kennt mich nicht. Und auch Sie, Baronin, kennen
mich offenbar nicht gengend.
Die Natur will nicht, da wir Frauen die Mnner ganz kennen, sagte die
Baronin leicht errtend. Hat sie uns nicht blind gemacht, so mssen wir
uns wohl oder bel die Augen verbinden. Aber von Ihnen, gerade von
Ihnen glaubte ich, da es ur von Ihrem Willen abhinge, wenn nicht ein
groer, so doch ein sehr guter Men$
e Flussmndung tragen konnte. Mehr die Zeit, als die
Tiefe des Wassers, gaben endlich das Zeichen zum Weiterdampfen; als wir
uns nach einer scharfen Biegung vor der ungefhr 40 m reiten ffnung
in der grnen Mauer befanden, sah das aufgewhlte Wasser verdchtig
moderfarbig aus. Da es sich aber darum handelte, ob wir hier noch
zwlf Stunden warten sollten, oder nicht, wollten wir doch lieber
probieren, ob unser Dampfer nich ebenso gut durch den Moder als durch
das Wasser dringen konnte. Mit vollem Dampf wurde die Schraube durch
das braune Wasser getrieben, aber gleich darauf fhlten wir den Kiel
durch eine teigige Masse gleiten, die Schnelligkeit verminderte sich,
und pltzlich befand sich der ganze Vorderteil des Dampfers in einem
Wald von Nipapalmen.
Zum Glck war dieser unbeabsichtigte Abstecher nicht verhngnisvoll,
denn von einem festen Ufer war auch hier keine Rede, so dass das
vllig auf die Moderbank geschobene Schiff. nach eigenen Drehungen
der Schraube in umgekehrter Richtung, bald wieder mitten i$
ntianak hinaus.
Die breiten stillen Strme bieten nur wenig Abwechslung; das
Dampfschiff vertreibt Krokodile und Affen, die sich sonst zu zeigen
pflegen, und der Waldrand ist zu weit entfernt, als dass man seine
Schnheit wirklich geniessen knnte. Jetzt war er nur als schmaler
Saum lngs der Wasserflche bemerkbar; auf der vorigen Reise hatte ich
aber einen unvergesslichen Eindruck von ihm erhalten. Damals machte
ich die Fahrt mit einem ausgedienten Regierungsdampfer; infolge der
starken Anspannung brach eine Maschinenstange, so dass wir lange liegen
bleiben und mit einer kleinen, an Bord befindlichen Schmiede den Bruch
zu heilen suchen mussten. Als die Schmiede an Land gebracht wurde,
bekam ich, durch den Vergleich mit den am Ufer arbeitenden Menschen,
einen Begriff von den riesenhaften DimensionenZ der Urwaldbume. Fr
gewhnlich verliert man in der Beurteilung der Tropennatur gar bald
jeden Massstab.
Die Landschaftsbilder, die sich auf der weiteren Fahrt vor uns
entrollten, hatten viel Europisches an s$
 der Wasseroberflche sichtbar wurden, vielmehr
musste man sie aus Uferhhlen und unter Baumstmmen, die im Bache
umherlagen, hervorstbern, doch gelang es, eine grosse Anzahl aus
diesenSchlupfwinkeln aufzuscheuchen.
Es ging sehr lebhaft beim Fischen her. Der Fang eines besonders schnen
Exemplars erfllte jeden mit Genugtuung und, wenn ein aufgejagter
Fisch mit krftigen Schlgen zwischen den Fischern hindurchschoss,
strzten alle voll Eifer auf ihn zu, da jeder den ersten Speerwurf tun
wollte, selbst auf die Gefahr hin, einen Menschen statt des Fisches
zu spiessen.
Die Mnner beeilten sich, sobald ein Fisch am Haken zappelte, das
wtende Tier mit dem schrecklichen Gebiss durch einen krftigen
Schwertschlag hinter dem Kopfe unschdlich zu machen; auf dem
Trocknen wurde der Kopf gnzlich vom Rumpf geschieden und dieser
ausgeweidet. Wenn die Fische sehr zahlreich erschienn, wagte man sich,
aus Furcht gebissen zu werden, nicht ins Wasser. Dass diese Furcht
nicht unbegrndet war, bewiesen einige grosse Narben a$
fer aufrollte, gelang es ihm, die Fasern aus
einander zu pressen und den Streifen dadurch zu verbreitern. Nach
mehrstndiger Arbeit erhielt er einen 4 m langen und 8 dm breiten,
dnnen, biegsamen Lappen, aus dem durch Klopfen beinahe alle weicheren
Teile entfernt worden waren. Zur Nacht band ihn _Ganilang_ an einen
Baumstamm in stark strmendem Wasser, wodurch vollends der Rest
der weichen Teile ausgesplt wurde; nach dem Trocknen bildete der
Bastlappen ein hellbraunes, praktisches Lendentuch. Kleidungsstcke
aus guten Bastarten knnen monatelang getragen werden.
Die jngsten unserer Mnner verfolgten inzwischen ganz andere
Interessen. Im Gegensatz zu meiner vorigen Reise, wo _Akam Igau_
dafr gesorgt hatte, dass sich hauptschlich krftige, kriegstchtige
Mnner an unserer Expeditiontbeteiligten, befanden sich diesmal viel
jngere Personen, welche das achtzehnte Jahr kaum erreicht hatten,unter unserem Geleite. Ich betrachtete ihre Gegenwart als ein Zeichen
von Vertrauen, das man dem Wohlgelingen unserer Unt$
_, einen Kajanhuptling _Owat_,
dessen Shne der Reihe nach ber die Kajan regierten; der letzte war
_Kwing Irang_.
_Bo Edo_ hatte aus zweiter Ehe mit einem _panjin_ einen Sohn _Li_,
der mit der vornehmsten Ma-Suling Frau verheiratet war. Sein Sohn
_Ledju Li_ war in Napo Liu, einer der Niederlassungen der Ma-Suling
am Meras, Huptling. In Lulu Sirang wiederum ist ein anderer
Huptling mit einer Schwester von _Bo Lea_ verheiratet. Auch uter
den Huptlingen der Pnihing vom Tjehan, dem Serata und von Long
'Kup giebt es verschiedene, die aus dem Geschlechte von _Bo Kul_
abstammen, so dass sich weitaus die meisen Huptlinge am Mahakam
oberhalb Tepu von derselben Familie herleiten.
Diese Familienbeziehungen haben zur Folge, dass bei einigen grossen
Arbeiten, wie beim Bau von Husern durch die Huptlinge, alle Stmme
am oberen Mahakam Hilfe leisten, indem sie einen schweren Pfahl aus
Eisenholz liefern.
Dies geschah auch beim Bau des mchtigen Hauses von _Kwing
Irang_. Jede Niederlassung lieh ihre Hilfe, ausser $
stamm, der vllig unschuldig war und so wenig an einen
berfall dachte, dass er sogar eine Gesellschaft Batang-Lupar in
seinem Hause beherbergte. Das Haus wurde belagert und einen ganzen
Tag lang mit Gewehren beschosen, ohne dass jemand verletzt wurde. Nur
ein Malaie wurde bei ihnen dadurch gettet, dass sein Gewehrihm beim
Schiessen sprang. Gegen Mittag waren die Batang-Lupar bis unter das
Haus gekommen, sie wagten sich aber nicht auf die Galerie hinuf. Da
warf sich der geflohene Pnihinghuptling _Paren_, der sein Haus und
einen grossen Teil seines Stammes verloren hatte und sich daher bei
den Kajan aufhielt, aus Verzweiflung mitten unter die Angreifer. Da
die Kajan ihm nicht beizustehen wagten, machten ihn die Feinde nieder.
Der Tod dieses Huptlings machte auf die Kajan und auch auf eine
Schar Long-Glat, die nach oben gezogen war, um Nachrichten zu holen
und Hilfe zu leisten, einen gewaltigen Eindruck. Die Batang-Lupar
hatten jedoch viele der Ihrigen verloren und zogen sich daher abends
auf eine weiter obe$
 durchsichtige Wolkenmassen
aus dem Murungtal ber den Batu Lesong, whrend nach Osten hin ein
bleifarbiger Wolkenschleier jeden Ausblick benahm. Unsere Malaien
war'en nur mit Mhe zum weiteren Fllen der Bume zu bewegen und
einige Exemplare blieben bis zurAnkunft der Kajan stehen, die im
Sattel bernachtet hatten und ausser ihren starken Armen auch gute
Beile mitbrachten. Noch am gleichen Tage wurde der Gipfel so weit als
ntig frei, aber weder der Abend noch der folgende Morgen gewhrten
irgend welche Aussicht. Unter diesen Umstnden wussten wir nichts
Besseres vorzunehmen, als in unsere Klambu zu flchten.
Inzwischen hatten unsere Pflanzensucher mit grossem Erfolg gearbeitet
und wollten allmhlich den Rckzug antreten, um auchdie Pflanzenwelt
weiter unten zu untersuchen. Als Schutz und Hilfe gab ich ihnen
einige Malaien mit, bemerkte aber spter, dass bis auf zwei alle
mitgegangen waren. Zum Glck blieben uns die Kajan brig, die am
vierten Tag alle nach oben kamen, um die letzte Nacht vor unserer
Abreis$
keit zu
fllen verstanden.
Zu dem Reichtum von Fig. e stehen die schlichten, strengen Formen
von d in scharfem GegensatzI. Hier ist die Symmetrie viel besser
durchgefhrt. Am Holzmodell ist auch deutlich zu sehen, dass es von
einem gebten Knstler herrhrt; denn das Relief ist besonders scharf
und tief ausgeschnitten.
Da alle abgebildeten Figuren _song sepit_ vorstellen, ist es
begreiflich, dass die Hauptlinien den gleichen Charakter tragen,
doch machen sich bei ihnen, wie bei den Stilisierungen der Feder des
Argusfasans, individuelle Verschiedenheiten getend.
Fr die Knchel gebrauchen die Long-Glat u.a. stets ein Band, das aus
sechzehn 3 mm breiten Linien, welche mit ebenso vielen Streifen von
der natrlichen Hautfarbe abwechseln, besteht. Das Band wird _tedak
aking_ genannt.
Die Fsse werden bei den Frauen dieser Stmme nach Art der Mendalam
Kajan ttowiert; nur werden die Streifen stets ganz gefllt; besondere
Figuren werden nicht angebracht.
Fr die Ttowierung der Rckseite von Puls und Hand verwenden$
ur einige Tage bleiben wollten, suchte man nach
Mglichkeit, aus unserer Gegenwart Vorteil zu ziehen; hauptschlich
wurde ich um Arzneien angegangen. Wir fhlten aber wenig Sympathie fr
unsere neue Umgebung, denn aus einem Kreise primitiver, unverdorbener
Bahau gerieten wir hier pltzlich in eine degenerierte Gesellschaft
der verschiedensten Stmme vom Barito und Mahakam. Von allen Seiten
starrten uns Menschen mit fremden, verdchtigen Gesichtern an, die
sich hier zu dem alleinigen Zwecke um den oberhalb der Wasserflle
unbekannten Genssen, wie Hazardspielen und Hahnenkmpfen um hohen
Einsatz und dergl. zu frhnen, aufhielten. Dabei herrschten hier
stndig Streit und Zank, an die wir seit langer Zeit nicht mehr
gewhnt waren. Man hatte uns brigens oberhalb der Wasserflle
bereits darauf aufmerksam gemacht, dass sich in diesem Zentrum der
Buschproduktensucher alles um Spiel und Wetten drehte.
Abends, lage nachdem wir uns zur Ruhe begeben hatten, hrten wir noch
Wrfel rollen und Geld zhlen; beim Schein k$
rung herrschenden Sitte durch ein Menschenopfer abzulegen und
wollten der adert daher nach Bahauweise durch die Unternehmung einer
grossen Reise undden Kauf eines alten Kopfes Genge leisten.
Diese Ma-Suling, die durch den Tod des Huptlings _Obet Dewong_
verhindert gewsen waren, mit mir nach der Kste zu reisen (T. I
pag. 410), begaben sich aber nach langem Warten, als mein Zug zu
den Kenja zu missglcken schien, nach dem Murung, erhandelten dort
zwei alte Sklavinnen und tteten diese auf der R_ckreise an der
Merasmndung, um durch Darbringung dieses Opfers die Trauerzeit
abschliessen zu knnen. Sie hatten die Tat gewagt, nachdem ich bereits
zum Boh aufgebrochen war.
Die Absicht aller Stmme am oberen Mahakam, mich zu den Kenja zu
begleiten, war zwar ein willkommener Beweis von ihrem Bestreben, mich
zu untersttzen, da aber jeder Mitreisende seine eigenen Interessen
verfolgte, verursachte die Beteiligung einer so grossen Personenzahl
viele Schwierigkeiten. Eine gemeinsame, wenn auch nur vorlufige
Beratun$

worin die Bahau, zu urteilen nach den reinen und sanften Tnen, die
sie ihren Flten zu entlocken wissen, sehr geschickt zu sein scheinen.
Fig. c zeigt vier solcher ffnungen, die beim Spielen mit den Fingern
geschlossen und abwechselnd wieder geffnet werden. Bei der sehr
fein ausgearbeiteten Verzierung dieser Flte hat man diese ffnungen
zu hbschen Motiven zu verwenden verstanden. Bei b sieht man die
Untereite einer solchen Flte, die nur eine und zwar ebenfalls in
das Verzierungsmotiv aufgenommene ffnung trgt.
Am oberen Kapuas kommen Flten mit einem bedsonderen, in den Bambus
gefgten Mundstck vor, ungefhr nach Art der europischen Flten.
Von einer dritten Fltenform, der sogenannten Nasenflte, gibt Fig. d
eine Vorstellung. Auf der Abbildung ist sie kleiner als b und c, aber
in Wirklichkeit kommt sie in sehr verschiedenen Grssen, auch in denen
der beiden anderen vor. Fr diese Flt wird die gleiche Bambusart wie
fr die vorigen gewhlt, nur gebraucht man ein Internodium mit einem
Knoten. Das Mi$
aar _walang bahi-u_ f als Sttze. Dieses sind Balken,
die senkrecht zu den _djapi_ d und e liegen und die vorderste Reihe
Pfhle mit der mittleren und diese mit der hintersten verbinden. Sie
haben einen dreieckigen Querschnitt, ihre Basis ist nach oben gekehrt
und sie greifen mit einer groben, tiefen Einkerbung in die _djapi_
hinein (Taf. 30).
Die _walang bahi-u_ ragen mit ihren geschnitzten Enden weit ber die
Reihe Pfhle a_2_ und a_4_ hinaus (Taf. 29). Auf der mittleren Reihe
Pfhle a_3_ liegen diese Balken zu je zwei mit ihren inneren Enden
aneinander, whrend ihre Aussenenden das Dach tragen. Mittelst der
_djapi_ und _walang bahi-u_ werden also die 3 Reihen grosser Pfhle
a_2_, a_3_, und _4_, wenn auch nicht unverrckbar, so och zu einem
festen Gerst miteinander verbunden.
Die Konstruktion des Dachs (_hapo_) von _Kwing Irangs_ Haus
tritt am deutlichsten auf Tafel 30 hervor. Etwas seitlich von der
mittelsten Pfahlreihe a_3_, parallel der Breite des Hauses, werden
auf die inneren Enden Zder 34 _walang b$
it de Huptlingen diskutierte. _Kwing Irang_
sprach, wie gewhnlich, selbst nur wenig und berliess das Wort
hauptschlich _Bo Ibau_, der, in die Enge getrieben, den Vorschlag
machte, erst _Bang Jok_, als Herrn des Boh-Gebietes, nach seiner
Meinung ber das Unternehmen zu fragen und darauf zu dringen, dass
er als Zeichen seiner Zustimmung ein bemanntes Boot mit nach Apu
Kajan sende. Man msse aber, sagte _Bo Ibau_, mit einer ffentlichen
Besprechung bis zur Rckkehr _Lawings_, des jngeren Bruders von _Bang
Jok_, warten. Die Huptlinge untereinander schienen jedoch nicht
so lange warten zu mssen, wenigstenshrte ich nachts, als ich in
meinem Klambu wach lag, in _Bang Joks_ _amin_ eine aussergewhnlich
lebhafte Diskussion, bei der ich nicht nur _Bo Ibaus_ und _Ibau
Adjangs_ Stimmen, sondern auch die verschiedener Frauen zu erkennen
glaubte. Am folgenden Morgen erzhlten meine Malaien, dass in der Tat
eine grosse Zusammenkunft von Long-Glat-Huptlingen stattgefunden, an
der auch viele Bewohner aus der _amin_ $
unseres dreimonatlichen Aufenthaltes in diesem Waldlager immer wieder
ein Boot aus, das abwechselnd ober- und unterhalb der Wasserflle
Reis und andere Nahrungsmittel fr uns einkaufen musste.
Meine Malaien schienen sich, nachdem die ersten Nchte ohne berflle
verflossen waren, in dieser Waldeseinsamkeit bald heimisch zu fhlen
und wurden, getrieben durch Mageninteressen, bald erfinderisch im
Ausdenken von allerhand listigen Methoden des Fischfangs. Auch meine
zwei- und vierfssigen Jger liessen sich dazu verleiten, in diese
beinahe unberhrten Wlder tiefer einzudringen, als wnschenswert
war. _Abdul_ und _Delahit_ verirrten sich sogar einmal und liessen uns
eine Nacht in grosser Angst verbringen, als sie weder zurckkehrten
noch auf unsere Gewehrscsse ntworteten. Den folgenden Morgen
frh stellten sie sich wieder bei uns ein und behaupteten, es sei
zur Rckkehr zu dunkel geworden und auf unsere Schsse htten sie
nicht zu antwortMn gewagt, aus Furcht, ihre Anwesenheit etwaigen in
der Nhe befindlichen $
man
seinen Durst lschte. Fanden die Kenja an den Ufern einige Bte, die
besser waren als die ihrigen, so luden sie unser Gepck in jene ber
und fuhren weiter, ohne die betreffenden Besitzer von ihrem Tun zu
benachrichtigen. Diese eigentmliche Handlungsweise ist bei den Kenja
ganz allgemein im Schwang; da sie sich nicht vorstellen knnen, dass
weit entfernt wohnende Stmme anderen Rechtsbegriffen huldigen, folgen
sie ihrer Sitte auch auf den Feldern der Bahau am Mahakam und anderswo
und sind dort deshalb verhasst und gefrchtet. Da unterwegs auch
noch gekocht wurde, erreichten wir erst um 3 Uhr unsere Abfahrtstelle
oberhalb der =Djemhangmndung, von wo wir, froh wieder nach Hause zu
kommen, nur noch ein Stck ber Land zurckzulegen hatten.
In Tanah Putih fandich, unser ganzes Hab und Gut uverletzt wieder
vor. Die Bewohner sehnten sich bereits nach meiner Rckkehr, da einige
Kranken meiner Hilfe dringend bedurften. Diese dienten mir als Vorwand,
um einige Mnner aus Long Nawang, die mich um Kleider baten, $
bisher hatte ich es noch nicht ber mich gewinnen
knnen, ihm davon zu berichten, sondern als Ursache meiner Flucht einen
gleichgtigen Zank angegeben. Mit Feinheit und Geschicklichkeit wute
er mir endlich das Verschwiegene zu entlocken, und nun drehten sich
viele unserer nchtlichen Unterhaltungen um dieses eine Thema.
Der an sich unbedeutende Vorfall fhrte uns ins Allgemeine und
Schicksalhafte und wieder zurck ins begrenzt Persnliche meiner
Existenz; nachdem wir solcher Art viele Wege miteinander gegangen waren,
ffnete sich pltzlich ein Abgrund zwischen uns.
Ich gestand ihm, was hch nicht verwinden konnte, was zu erkennen und zu
benennen ich bisher auch von mir abgewendet hatte: ich fhlte mich als
Mitglied einer Nation, gleichgeordnet als Mensch, gleichberechtigt als
Brger; da mich aber ein Beliebiger ohne z&ureichenden Grund, und ohne
da es mglich war, ihn dafr zur Verantwortung zu ziehen, als
untergeordnetes Wesen behandeln drfte, so beruhe entweder mein Gefhl
auf einem Irrtum, oder die bere$
in angstvoller Geist kann weder lehren noch formen. Der
Zuschauerirrtum, der dem Elend zeugende Macht zuschreibt, entsteht
daher, weil die zahllosen im Elend Versunkenen keinen Einwand gegen
dieses freche Luxusdiktat erheben knnen. Entkommt einer der Gefahr, so
darf er die Gefahr preisen; der Gesicherte bescheide sich, selbst wenn
er die rhmt, die fr ihn ihre Haut zu Markte tragen.
Am Rand der Gesellschaft stehend, haarbreit neben dem Abgrund, galt ihr
meine Sehnsucht. Das Verlangen, von ihr aufgenommen und anerkannt zu
werden, als Gleicher unter Gleichen, berwog jedes andere. Die Frage, ob
Jude oder Deutscher, war zunchst unwichtig geworden gegen die, wie ich
zu den Menschen kommen konnte. Mir ahnte manchmal, als sei ich im
Begriff, das abzuzahlen, was am Judentum als Schuld und Odium hing, ich
fr meinen Teil, und als werde das irgendwie augenscheinlich und
beweisbar werden. Es trat eine Reihe von Zufllen ein, von Frist zu
Frist, die meiner materiellen Engnis kein /nde bereiteten, wohl aber der
nach$
es war damals sein Lieblingsschriftsteller. Durch das
wiederholte Lesen des "Don Quixote" kam ihm die Idee, neach jenem Muster
die herrschenden Modethorheiten zu verspotten, und besonders dem
Aberglauben einen tdtlichen Sto zu versetzen.
Eine seiner wichtigen literarischen Arbeiten war die von ihm unternommene
Uebersetzung Shakspeares. Sie erschien in den Jahren 1762-1768 zu Zrich
in acht Octavbnden. Schon whrend seines dortigen Aufenthalts hatte
Wieland den groen brittischen Dichter nher kennen gelernt. Die
Bibliothek des Grafen Stadion in Warthasen bot ihm die Hlfsmittel dar,
jenen Dichter auch in Deutschland, wo man ihn bisher noch wenig kannte,
durch eine Uebersetzung einzufhren. Es war ein khnes Unternehmen, desen
Wichtigkeit er wohl nicht ganz erwogen haben mochte, als er nach seinen
Aeuerungen in der Vorrede zu seiner Uebersetzung "jene Arbeit mitten
unter allen Arten von Geschften und Zerstreuungen fortsetzen zu knnen
glaubte." Fr Wielands Geist war diese Beschftigung von dem gnstigs$
als
Werkzeuge seiner eignen Wiedervereinigung mit Titania grndete, wrde
dieser Geisterfrst keine Ursache gehabt haben, einen so innigen Antheil
an ihrem Schicksal zu nehmen. Aus dieser, auf wechselseitige
Unentbehrlichkeit gegrndeten Verwebung ihres verschiedenen Interesses
entsteht aeine Art von Einheit, die meines Erachtens das Verdienst der
Neuheit hat, und deren gute Wirkung der Leser durch sein eigene Theilnahme
an den smmtlichen handelnden Personen zu stark fhlt, als da sie ihm
irgend ein Kunstrichter wegdisputiren knnte."
In seinem "Oberon", der sich dadurch von Wielands bisherigen Gedichten
unterschied, da durchaus keine Spur von satyrischer Tendenz darin zu
entdecken war, hatte er alle Elemente des Romantischen zu vereinigen
gesucht, Schwrmerei im Heroismus, in der Liebe und der Religion. "Es
scheint", schrieb er, "einer der feinsten Kunstgriffe in Gedichten
romantischer Gattung, da man die Genien und Feen als Wesen einer hhern
Ordnung und Brger einer andern Welt ein;fhrt, deren Natur,$
ial-Htel in Lavaletta abgestiegen, mussten wir nun
freilich in Malta lngere Zeit bleiben, als wir, wenn es nach unserem
Wunsche gegangen wre, beabsichtigt hatten; aber it Malta hat der
regelmssige Verkehr ein Ende, wenigstens wenn man nach Tripolis will, und
man muss sich den Launen der trkischen Dampfschiffs-Eigenthmer, sowie
dem Wetter fgen.
Indess kann man die Zeit in Lavalletta und Malta recht gut hinbringen.
Freilich bietet die Stadt fr einen Nichtmilitair des Interessanten nicht
viel. Das Palais des Gouverneurs, ehemals das des Grosmeisters der
Johanniter, die Johanniskirche, einige Pallste der ehemaligen Zungen,
besonders das castilianische Htel, einige hbsche Promenaden, zwei
Bibliotheken, endlich Oper und einige Clubs gewhren wohl fr einige Tage
dem Fremden Unterhaltung, wer aber all dies von frher her schon kennt,
und ich war nun schon verschiedene Male in Lavalletta gewesen, der sehnt
sich nach etwas Anderem. Dazu kmmt nun noch, dass an keinem Orte von
Europa die Familien so abgesc$
rathen, oder glaubte die Gefahren in
den Gegenden, die sie vor hatte zu bereisen, geringer als sie in der That
sind. Armes Mdchen, alle liebten sie in Tripolis; Christen, Juden und
Mohammedanern war sie in der kurzen Zeit ihres dortigen Aufenthaltes eine
Freundin geworden, sie schied wie so viele vor ihr frohen Herzens und mit
khnem Muthe, und wie so viele vor ihr, sollte sie Tripolis nie
wiedersehen. Jetzt bleichen ihre Gebeine mit denen ihrer einzigen beiden
treuen Diener im weissen Sande von Fesan, nicht alleine, schon zwei
Christen wurden vor langen Jahren auch dort begraben. Friede sei ihrer
aller Asche.
       *       *       *       *       *
Leptis magna.
Tripolis liegt ganz ausser dem Verkehre, die regelmsigen Dampfer, welche
das ferne Alexandria und das noch weitere Constantinopel tglich mit
Triest und Marseille erbinden, berhren Tripolis nie. Von den drei
hauptschlichen Linien, ohne die vielen Privatdampfer zu nennen, der
Messagerie Imperiale, dem sterreichischen Lloyd und der Peninsular an$
nze, wenn sie nur _einzeln_ vorhanden ist. Der Boden
selbst ist gypsig und kalkig. Ganz in der Nhe befindet sich ein
ausgedehntes Salzlager, Gart el milha genannt, wo ein Sebcha von einer
Salzkruste bedeckt ist, welche manchmal 3-4" Dicke hat. Es ist
wahrscheinlich von dieser Oertlichkeit, von wo im Alterthume das
hochberhmte amonische Salz gewonnen wurde, welches die Priester des
Ammon-Tempels als besonders weiss und gut hochstehenden Persnlichkeiten
zum Geschenke machten, und womit sie nebenbei Handel trieben.
Verfolgt man nun weiter die Oase nach Osten[26], so kommt man unmittelbar
darauf in reichere Vegetation: Domrahn, Had, Alanda und spter einzelne
Palmbsche. Ebenso wird die Gegend reicher an Fossilien, SeesteQrne,
Pectineen, Ostreen bedecken manchmal den Boden so dicht, als ob man sie
absichtlich hergeschttet htte. Der Boden ist sehr abwechselnd, Sand,
Sebcha, Kalk, Kies wechselt mit einander, aber berall ist Vegetation. Man
erreicht dann die Oase FarYdga, d.h. einen circa 4 Stunden langen, 
$
Erdboden antreffen kann. Seit Jahrtausenden
muss dies der gemeinsame Beerdigungsplatz der Bewohner der Oase gewesen
sein. Hunderte von Gewlben, Lchern, Katakomben und Grbern machen aus
dem ganzen aus Kalkstein bestehenden Berg ein wahres Labyrinth, und es
giebt darin Gewlbe, welche zur Aufahme von hundert und mehr Todten
hergerichtet waren. Spitz nach oben zulaufend, ist der Berg so
durchlchert, dass er einem Zellenbau gleicht. Hunderte, Tausende von
zerrissenen Gerippen, ganze Haufen von Schdeln, oft noch gut
eingewickelte Mumienglieder liegen am Fusse des Berges umher. Da ist auch
kein Grab, welches nicht durchsucht, kein Gerippe, welches nicht
auseinander gerissen worden wre, um mglicherweise Ringe oder
Schmucksachen an demslben zu entdecken. Ja, einige Grber hatten offenbar
in spteren Zeiten schon zu Wohnungen dienen mssen, russige Wnde,
Topfscherben und Feuerstellen zeigten es deutlich. An der sdstlichen
Bergkante wohnen noch jetzt einige arme Familien in den Todtengemchern,
meine egleite$
ls habe er tief
geschlafen. Er drehte den Kopf herber, hielt einen Augenblick die Hand
ber die Augen und sagte mit Lcheln: Eia, da ist ja die Frau
Meisterin! Und hat mir einen Kaffee gebracht! Ein guter, warmer Kaffee,
das ist gerade das, wovon ich in diesem Augenblick getrumt habe. Also
schnen Dank, Frau Rothfu! Was ist es denn auch fr Zeit?
Viere, sagte sie schnell. Jetzt trinken Sie nur, solang er warm ist,
nachher hol ich das Geschirr dann wieder.
Damit lief sie hinaus, als habe sie keine Minute brig. Knulp sah ihr
nach und hrte zu, wie sie in Eile die Treppe hinab verschwand. Er
machte nachdenkliche Augen und schttelte mehrmals den Kopf, dann stie
er einen leisen, vogelartigen Pfiff aus und wendete sich zu seinem
Eine Stunde nach dem DunkelwerdLn aber wurde es ihm langweilig, er
fhlte sich wohl und prchtig ausgeruht und hatte Lust, wieder ein wenig
unter Leute zu komme. Behaglich stand er auf und zog sich an, schlich
in der tiefen Dmmerung leise wie ein Marder die Treppe hinab und
sc$
 die Meisterin noch auf und wartete
auf ihn. Er spuckte rgerlich aus und wre beinahe davongelaufen, gleich
jetzt in die Nacht hinein. Aber er war mde, und es wrde regnen, und
dem Weigerber wollte er das auch nicht antun, und auerdem sprte er
auf diesen Abend hin noch Lust zu einem bescheidenen Schabernack.
So fischte er denn den Schlssel aus seinem Versteck heraus, schlo
vorsichtig wie ein Dieb die Haustre auf, zog sie hinter sich zu, schlo
mit zusammengepreten ippen geruschlos ab und versorgte den Schlssel
sorgfltig aVm alten Platz. Dann stieg er auf Socken, die Schuhe in der
Hand, die Stiege hinauf, sah Licht durch eine Ritze der angelehnten
Stubentr und hrte die beim langen Warten eingeschlafene Meisterin
drinnen auf dem Kanapee tief in langen Zgen atmen. Darauf stieg er
unhrbar in seine Kammer hinauf, schlo sie von innen fest ab und ging
ins Bett. Aber morgen, das war beschlossen, wurde abgereist.
Meine Erinnerung an Knulp
Es war noch mitten in der frhlichen Jugendzeit, und Knulp wr n$
chaftliche Bewegung war furchtbar.
Gerade in diesem gefhrlichsten Momente erschien ein Zug, der sich
gewi schon weit hinweggewnscht hatte. Ohne sonderliche Bedeckung
zeigte sich ein wohlgebildeter Mann zu Pferde, dessen Uniform
nicht gerade einen Militr ankndigte, an seiner Seite ritt in
Mannskleidern ein wohlgebautes und sehr schnes Frauenzimmer, hinte
ihnen folgten einige vierzpnnige Wagen mit Kisten und Kasten
bepackt; die Stille war ahndungsvoll. Auf einmal rauscht' es im Volke
und rief: "Haltet ihn an! Schlagt ihn tot! Das ist der Spitzbube von
Architekten, der erst die Domdechanei geplndert und nachher selbst
angezndet hat!" es kam auf einen einzigen entsch~lossenen Menschen
an, und es war geschehen.
Ohne Weiteres zu berlegen, als da der Burgfriede vor des Herzogs
Quartier nicht zuletzt werden drfe, mit dem blitzschnellen
Gedanken, was der Frst und General bei seiner Nachhausekunft sagen
wrde, wenn e ber die Trmmer einer solchen Selbsthlfe kaum seine
Tr erreichen knnte, sprang ich h$
 deutete man auf
einen geringeren als zuverlssig, wo wir uns denn auch freundlich
aufgenommen und leidlich bewirtet sahen.
Nun saen wir alte Kriegs- und Garnisons-kameraden traulich und
froh wieder neben und gegen einander; es waren die Offiziere des
Regiments, vereint mit des Herzogs Hof-, Haus- und Kanzleigenossen;
man unterhielt sich von dem Nchstvergangenen, wie bedeutend und
bewegt es Anfang Mais in Aschersleben gewesen, als die Regimenter
sich marschfertig zu hal^en Order bekommen, der Herzog von
Braunschweig und mehrere ho&he Personen daselbst Besuch abgestattet,
wobei des Marquis von Bouill als eines bedeutenden und in die
Operationen krftig eingreifenden Fremden zu erwhen nicht vergessen
wurde. Sobald dem horchenden Gastwirt dieser Name zu Ohren kam,
erkundigte er sich eifrigst, ob wir den Herren kennten? Die meisten
durften es bejahen, wobei er denn viel Respekt bewies und groe
Hoffnung auf die Mitwirkung dieses wrdigen, ttigen Mannes
aussprach, ja es wollte scheinen, als wenn wir von diese$
 Mal,
~wo ich bemerkte, dass man, um der Unbequemlichkeit auszuweichen, die
Gefahr nicht scheue.
Den 21. September
waren die wechselseitigen Gre der Erwachenden keineswegs heiter und
froh, denn man ward sich in einer beschmenden, hoffnungslosen Lage
gewahr. Am Rand eines ungeheuren Amphitheaters fanden wir uns
aufgestellt, wo jenseits auf Hhen, deren Fu durch Flsse, Teiche,
Bche, Morste gesichert war, der Feind einen kaum bersehbaren
Halbzirkel bildete. Diesseits standen wir, vllig wie gestern, um
zehntausend Kanonenkugeln leichter, aber ebenso wenig situiert zum
AngrifO; man blickte in eine weit ausgebreitete Arena hinunter,
wo sich zwischen Dorfhtten undGrten die beiderseitigen Husaren
herumtrieben und mit Spiegelgefecht bald vor-, bald rckwrts, eine
Stunde nach der andern, die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu fesseln
wussten. Aber aus all dem Hin- und Hersprengen, dem Hin- und
Widerpuffen ergab sich zuletzt kein Resultat, als dass einer der
Unsrigen, der sich zu khn zwischen die Hecken gewag$
ewordene Zugemse, sowie das Fleisch, und jedermann htte sich an
dieser einfachen Kochkunst begngen knnen.
Wir fragten teilnehmend nach ihren Zustnden: sie hatten schon das
vorige Mal, als wir solange bei Landres gestanden, sehr viel
gelitten und frchteten, kaum hergestellt, von einer feindlichen
zurckziehenden Armee nunmehr den vlligen Untgergang. Wir bezeigten
uns teilnehmend und freundlich, trsteten sie, dass es nicht lange
dauern werde, da wir, auer der Arrieregarde, die letzten seien, und
gaben ihnen Rat und Regel, wie sie sich gegen Nachzgler zu verhalten
htten. Bei immer wechselnden Sturm und Regengssen brachten wir den
Tag meist unter Dach und am Feer zu, das Vergangene in Gedanken
zurckrufend, das Nchstbevorstehende nicht ohne Sorge beden^kend.
Seit Grandpr hatte ich weder Wagen noch Koffer noch Bedienten wieder
gesehen, Hoffnung und Sorge wechselten deshalb augenblicklich ab. Die
Nacht war herangekommen, die Kinder sollten zu Bett gehen; sie
nherten sich Vater und Mutter ehrfurchtsvo$
verschieden:
jeder brachte ein#n hohen Begriff von sich selbst zur Gesellschaft,
und man lie sich eine wechselseitige Verehrung und Schonung gern
Das Talent befestigte seinen erworbenen Besitz einer allgemeinen
Achtung, durch gesellige Verbindungen wusste man sich zu hegenund zu
frdern, die errungenen Vorteile wurden nicht mehr durch einzelne,P
sondern durch die bereinstimmende Mehrheit erhalten. Dass hierbei
eine Art Absichtlichkeit durchwalten musste, lag in der Sache; so
gut wie andere Weltkinder verstanden sie, eine gewisse Kunst in
ihre Verhltnisse zu legen: man verzieh sich die Eigenheiten, eine
Empfindlichkeit heilt der andern die Wage, und die wechselseitigen
Missverstndnisse blieben lange verborgen.
Zwischen diesem allen hatte ich einen wunderlichen Stand: mein
Talent gab mir einen ehrenvollen Platz in der Gesellschaft, aber
meine heftige Leidenschaft fr das, was ich als wahr und naturgem
erkannte, erlaubte sich manche gehssige Ungezogenheit gegen
irgendein scheinbar falsches Streben; wesweg$
n Herrn doch
besser zu kennen, als sie zugeben wollte? Und weshalb behandelte sie ihn
so von oben herab? Wilms seufzte tief auf. Nein, das war nicht die
Person, die er brauchte, damit sie Else pflegen und ihm selbst in der
Wirtschaft helfen sollte. Sein erster instinktiver Widerwille war
berechtigt gewesen. Wie sie jetzt neben ihm sa, die schlanke Figur e n
wenig vornber geneigt, die groen, braunen Augen durstig in die sonnige
Ferne gerichtet, die LipMen geffnet, als trnke sie die einstrmende
Luft, so war sie ihm ein zu feines, ein zu fremdes Wesen.
Mein Gott, was wird Else dazu agen? dachte er bekmmert. Und was sie
fr einen Hut trgt, was fr Handschuhe?
Heftig schlug er auf die Pferde ein, wie einer, der etwas Unangenehmes
rasch zu Ende bringen will, und im scharfen Trab rollte das Gefhrt
dahin, ohne da Hedwig das eingetretene Stillschweigen unterbrochen
Nur einmal fragte sie beinahe gleichgltig, immer die Augen in die Weite
gerichtet: Ist Else noch so hbsch, wie sie war?
Wilms bi sich au$
 damals wehrlos
Ihre Brust flog. O! wenn doch jetzt jemand in das einsame Zimmer treten,
oder wenn sie Mut genug besitzen mchte, den Bedrnger zur Seite zu
werfen. Aber nichts regte sich.
Und er hatte die Verwegeheit, seine Augen mit dem heien Ausdruck des
knftigen, sicheren Besitzes in die ihren zu tauchen, ein Verfhrer, der
seiner erprobten Macht sicher ist, und jetzt setzte er langsam dasN Licht
aus der Hand. Hedwig staunte ihn an.
Was nun wohl folgen wird? dachte sie dumpf. Aber da -- Gott sei Dank,
sie hatte es ja erwartet, da ging endlich, endlich die Tr, Wilms groe
Gestalt stand pltzlich neben den beiden, und mit warmer Dankbarkeit
hrte das Mdchen, wie ihr Schwager nach einer unangenehmen Pause
unsicher und gepret zu dem Grafe sagte, er wolle mit ihm ein paar
Worte ungestrt ber die Pachtverhltnisse sprechen. Der junge Herr
solle es nicht bel nehmen. -- Gott sei Dank, diese entsetzliche Minute
war vorber. Von da an geschah alles in wilder Hast. Jeder von den drei
Menschen in der frostig$
nst.
Da schlich der alte Krischwn, der zahnlose, taube Greis, ins Zimmer,
legte mit seiner zitternden Hand ein Zeitungsblatt auf den Tisch, und
entfernte sich wortlos, wie er erschienen war.
Seit Hedwig auf dem Pachthof weilte, wurde ihr aus der Stadt eine
Zeitung nachgesandt; und eilfertig erhob sich das Mdchen deshalb, um
die Lampe zu entznden und einen Blick in das Blatt werfen zu knnen.
Hedwig, rief die Kranke mit zitternder Stimme dazwischen, als das
Mdchen bereits ruhig ein paar Minuten im Schein der Lampe die
Tagesereignisse verfolgt hatte. Dabei war der Leserin allerdings
entgangen, wie ihre Schwester keinen Blck von ihr verwandt hatte,
obgleich sie sich erregt hin und her warf.
Willst du jetzt schon deine Medizin nehmen? fragte die Gerufene
willig, indem sie die Zeitung hinlegte.
Nein, mein Kind, noch nicht -- ich mchte, -- setze dich doch her zu mir
ans Bett, -- -- Wenn ich nun doch in das Bad soll, dann werden wir ja
nicht mehr lange so sitzen.
Schweigendfolgte Hedwig dem Wunsch der Schw$
ach Hause.
Ja, wir wollen nach Hause, Heting, brachte er bestrzt heraus, komm',
ich heb' dich in den Schlitten. Und whrend er das Mdchen in das
wieder aufgerichtete Gefhrt niederlie, befhlte und betastete er sie
ngstlich, ob sie auch keinen Schaden genommen htte.
Heting, sag' mir blo, wo bist du denn gewesen?
Allein sie sa wie erstarrt.
Frag' mich jetzt nicht -- ich will nach Haus.
Wie du willst, dann will ich dich jetzt auch nicht fragen, gab er
sofort nach. Aber nicht wahr, Heting, dir fehlt doch nichts?
Sie schttelte den Kopf.
Dann kommt es blo vom Schreck, trstete er sich und sie. Er nahm
neben ihr Platz, ergriff die Zgel, und der gebndigte Braune begann
folgsam im Trabe zu laufen.
Kein Wort wurde mehr zwischen den beiden gewechselt. Gedankenlos sa
Hedwig neben dem Pchter und hrte auf das Luten der Gckchen. Nur
einmal stieg ihr schwache Verwunderung auf, warum jetzt das Tier jeder
BewTegung des Lenkers folge, das vorher so wild gewesen.
Verstohlen+blickte sie auf den Ma$
mig aufgestellten Handlungen
rein moralisch, seyn mssen; da sie nicht etwa zweideutige, oder wohl
gar offenbar schlechte Handlungen als gute rhmen, und Leute, die
dergleichen verrichtet haben, als Muster anpreisen drfe, folgt aus dem
Zwecke der Offenbarung. _Jede Offenbarung, die dieses thut, widerspricht
dem Moralgesetze, und dem Begriffe von Gott, und kann folglich nicht
gttlichen Ursprungs seyn._
Eine Offenbarung hat die Vernunftideen, Freiheit, Gott, Unsterblichkeit
darzustellen. -- Da der Mensch frei sey, lehrt jeden unmittelbar sein
Selbstbewuutseyn und er zweifelt um so weniger daran, je weniger er
durch Vernnfteln sein natrliches Gefhl verflscht hat. Die
Mglichkeit aller Religion, und aller Offenbarung, setzt die Freiheit
voraus. Die Darstellung dieser Idee fr die sinnlich bedingte Vernunft
ist also kein Geschft fr eine Offenbarung: und mit Auflsung der
dialektischen Scheingrnde dagegen hat keine Offenbarung es zu thun, als
welche nicht vernnftelt, sondern gebietet, und sich nich$
auf ungeheure Summen, wenn auch mit groer Vorsicht. Wenn die
Transmutationen nach seinen Angaben versucht wurden und Aufsehen
erregten, war er immer schon weit entfernt und durch Namenwechsel
unerreichbar geworden. Er kehrte nicht leicht dahin zurck, wo er schon
gewesen, oder doch in ganz vernderter Gestalt. Dieser Unbekannte,
welcher Golsamen ausstreute, bezeichnte sich, wenn man nach Pssen und
dergleichen fragte, als einen griechischen Bettelmnch und nannte sich
Laskaris; er wollte Archimandrit eines Klosters auf der Insel Mytilene
sein und fhrte als solcher auch ein Beglaubigungsschreiben des
Patriarchen von Konstantinopel mit sich. Da er das Griechische vollendet
sprach und sich auch sonst keine Ble gab, wurde seinen Angaben
geglaubt, und man war sogar geneigt, ihn fr einen Abkmmling der
kaiserlichen Familie Laskaris zu halten. Er sammelte Almosen zur
Loskaufung von Christen, die in trkische Gefangenschaft geraten waren,
allein man wollte bemerkt haben, da er weit mehr an die Armen
verschenk$
er Kaiser sagte, da sich ihm
der Landgraf auf Gnade und Ungnade ergeben habe; es sei weder Rede noch
Schrift davon gewesen, da man ihn mit einiger Gefangenscaft
verschonen wolle, nur mit ewiger Gefangenschaft habe man ihn
verschonen wollen. Und so fand sich auch die Fassung in der Notel, die
die Kurfrsten am Morgen unterschrieben hatten, ohne sie nher zu
Diese spanische Arglist brachte eine groe Wandlug in dem Herzen
Moritzens hervor. Er sah jetzt wohl, da der Kaiser Karl darauf
ausging, Deutschland spanisch zu machen, aus dem von Schatzungen und
fremdem Kriegsvolk erdrckten Reich alles Wasser auf eine Mhle zu
leiten, und da erwachte in ihm der Deutsche. Ohne seinen khn
verborgenen und khn ausgefhrten Widerstand wre die sptere freie
Entwicklung Norddeutschlands unmglich gewesen, und wenn heute nicht
ganz Deutschland ein sterreichisches Gesicht zeigt, so ist es
vielleicht im letzten Grunde der Verwechslung jener Wrtchen einig und
ewig zu danken.
Zunchst freilich mute Moritz warten. E$
erlich, er verstie sie, und sie
brachte ihn um Ehre und Vermgen. Es entspann sich ein skandalser
Proze, worin beide Teile Schriften gegeneinander verffentlichten, und
seine smtlichen Habseligkeiten, die er nach Basel geschickt hatte,
wurden mit Beschlag belegt und der Frau zugesprochen. Darauf entstand in
der Mark eine groe Hetze gegen ihn, er wurde als Zauberer, Atheist und
Wucherer gebrandmark, ein Professor in Greifswalde predigte ffentlich
gegen ihn, warnte die Gemeinden und erachtete ihn des Kirchenbanns fr
wrdig. Er verlie Berlin, wurde katholisch, ging nach Rom und begab
sich unter den Schutz des Papstes. Beim Kardinal Ferdinand von Medici,
bei dem er speiste, verwandelte er einen eisernen Nagel in Gold. Nach
der Tafel stellte der Kardinal darber ein Zeugnis aus, das man lange
Zeit nebst dem Nagel als groe Merkwrdigkeit den Fremden in Florenz
zeigte. Es fand sich aber spter, da das Wunder durch einen Betrug
zustande gekommen war.
Thurneyer lebte ein paar Monte dann in Bevedere, wande$
ischen Hauses zu dem Beschlu, den
Kaiser abzusetzen, und der Urheber dieser Maregel war Clesel, der
Bischof von Wien und Neustadt.Im Juni 1608 mute Rudolf an seinen
Bruder Mathias die Krone Ungarns und die Lande sterreich und Mhren
gegen ein Jahrgeld gnzlich abtreten, und trotz seines leidenschaftlichen
Widerstandes wurde er gezwungen, den berhmten Majesttsbrief
auszustellen, durch den er den bhmischen Herren unbedingte
Glaubensfreiheit sicherte. Nur das tiefe Zerwrfnis mit Mathias drngte
ihm den Majesttsbrief ab, die Scharteke, wie Kaiser Ferdinand spter
die Urkunde verchtlich betitelte, als er sie nach der Schlacht am
Weien Berg verbrannte. Aber eines glaubte sich Rudolf dadurch gesichert
zu haben: als bhmische Majestt in dem teuren Prag ruhig sterben zu
knnen. Es war ein Irrtum. Er wurde in seinem Schlo so eng bewacht,
da ihm nicht einmal verstattet war, in den Garten zu gehen und Luft zu
schpfen. Einmal, als der rmische Kaiser aus de Tor treten wollte,
schlug die Wache das Gewehr au$
en wahrscheinlich
viele Kinder, von denen vier Shne bekannt geworden sind, die sein
wildes Blut erbten. Don Carlos d'Austria diente dem Kaiser Ferdinand im
Dreiigjhrigen Krieg, wurde aLber in einer Vorstadt von Wien bei einem
Auflauf um eine ffentliche Dirne, in den er sich mutwillig gemischt
hatte, unerkannt erschlagen. Zwei andere fhrten ein anonymes Dasein,
der vierte jedoch, Don Cesare d'Austria, hatte an einem Edelfrulein
Gewalt gebt und sie dann aus dem Weg gerumt. Der Kaiser, sein Vater,
lie ihm in einem warmen Bade die Adern ffnen.
Hochzeit Frulein Reginens, Herrin von Tschernembel, mit Herrn Reichard
Strein, Freiherrn zu Schwarzenau, am 24. September 1581
Als Herr Reichard Strein mit zweiundzwanzig Kutschen, in denen seine
nchsten Befreundeten gesessen, beim Grafen Ortenburg angekommen war,
lie er durch diesen bei Herrn von Tschernembel um die Hand seiner
Tochter Regina werben. Um grere Unkosten zu verhten und auf seine
ansehnlichen Befreundeten weisend, begehrte Herr Strein, da nac$
aates; und den
Staat regierte er nach seiner eigentmlichen Weise mit Gewalt, um ihn
zu beglcken. Dabei war er gewissenhaft; einmal hatte er in Stettin
einen Beamten durch den Henker prgeln lassen, kurz darauf stellte sich
die Unschuld des Mannes heraus, da lie er ihn an seiner Tafel speisen,
um ihm eine ffentliche Genugtuung zu geben. Er glaubte, immer gerecht
zu handeln, doch handelte er nur in dem gerecht, was er selbst fr Recht
erkannte. Er war religis, aber nur in dem, was er bei sich selbst als
Religion gelten lie; es war eine Religion ganz nach eigenem Rezept.
Bisweilen war er ernstlich gesonnen, abzudanken, weil er glaubte, seine
Pflicht nicht gehrig erfllen zu knnen. Er hielt sich in der genauen
Bedeutung des Wortes fr einen Knecht Gottes. So wenig er das Alte
Testament achtete, seine Gesetze waren wie die des Alten Testaments. Aus
kniglicher Machtvollkommenheit kassierte und annullierte er die Urteile
der Richter und verschrfte sie weit fter als er sie milderte. Da galt
kein Ansehen$
kam, und gab ihren Senf mit drein. Auch diesres Mal
schimpfte und maulte sie, bis Nettelbeck die Galle berlief und er dem
unverschmten Weibsbild die Meinung sagte, wodurch er aber den Obersten
nur noh mehr gegen sich in Zorn setzte.
Um den Magistrat und seine`Anstalten stand es auch klglich, der
Untergang der Stadt schien nicht aufzuhalten, und so entschlo sich
Nettelbeck, der winterlichen Jahreszeit zum Trotz, den Knig selbst in
Knigsberg oder in Memel aufzusuchen und ihm Kolbergs Lage und Not
vorzustellen. Da traf aber der Kriegsrat Wissening von Treptow in
Kolberg ein, ein Mann, der Kopf und Herz auf dem rechten Fleck hatte.
Der machte sich gegen Nettelbeck erbtig, selber zum Knig zu gehen und
sein mglichstes zu tun, um den Platz zu retten. Unter den von den
Truppen Versprengten, die tglich in Kolberg Zuflucht suchten, befand
sich auch der Leutnant von Schill; Nettelbeck gewann ihn bald zum
Freund, und der junge Offizier erklrte sich bereit, in Kolberg zu
bleiben, um bei der Verteidigung zu helf$
em Haupt ie Linke
Mu dich meine Rechte herzen,
Wenn ich deinen Ku" nicht trinke,
Mu verdrsten ich in Schmerzen!
Sieh, die Honigbienen irren
In dem honigsen Lenze,
Und die Turteltauben girren;
Komme, mein Freund, da ich dich krnze!
Sieh, dem Feigenbaum entspringen
Knospen; aus dem Aug der Reben
Se Wollusttrnen dringen;
Also weint mein junges Leben!
Wie in dunklen Felsenritzen
Turteltauben auf dem Neste,
Also will ich bei dir sitzen
In dem Glanz der Bltenste.
Und es tnet meine Stimme
S, o s ist meine Kehle,
Bis wetteifernd s ergrimme
und verglimme Philomele.
Und ich singe zu dir nieder:
Mein bis du und mir gegeben,
Und es sehn dich meine Lieder
Unter Rosen weidend schweben!"
Wie sie also tricht singet,
Spricht Meliore: "Meine Schwester,
Fromme Taube, ach, es schlinget
Sich des Todes Band nur fester!
Nachttau mir vom Haupte flieet,
Und es wecket mir im Herzen,
Wenn sich gleich mein Auge schlieet,
Deine Liebe bittre Schmerzen!
Mein Gewand, ich legt es nieder,
Soll ich wieder an es legen?
N$
 Assyrer gesetzt werden mu. Denn durch die Assyrische
Unterjochung hrte die Existenz jenes Staats und jenes Volkes auf, und
wurde in drei Satrapien, Baktra, Medien und Persis getheilt. In Medien
bildete sich durch die Einmischung der assyrischen Sprache das Pehlvi
oder die Pehlvische Sprache, und in Persis durch Einmischung indischer
Dialekte, das Parsi. Nach Abschttelung des Assyrischen Joches wurde
unter den Meder-Knigen das PehlVvi _Haupt-_ und _Hofsprache_, und nach
Cyrus trat das Parsi an die Stelle.
In dieser Hinsicht, wie wir sehen, sind die Zendschriften schon sehr
wichtig fr die frhere Geschichte, aber ihr Werth vergrert sich noch
durch die Darstellung des Religionswesens in dem frheten Alterthume.
Das Zendvolk, dessen Schriften wir eben erwhnt haben, ist mit den alten
Hindu, sowol wegen des ursprnglichen Vaterlandes, als auch durch seine
Sprache, wie _Anquetil du Perron_ bewiesen hat, nahe verwandt; daher
mssen auch die Reli0gionen beider Vlker, wenn sie auch als Sekten von
einander abw$
wir gewi auch wieder zurck,
Der Vater schwieg erst eine kleine Weile, und sagte dann leise aber
entschlossen.
Wir ollen _ganz_ hinberziehn, mein Kind.
Auswandern? rief die ltere Schwester fast erschreckt -- das Wort, dessen
Bedeutung sie noch gar nicht vollkommen verstand, traf sie mit einem
unbekannten ahnenden Gefhl von Schmerz und Leid -- und die Mutter?
Ihr werdet mich doch nicht wollen allein zurcklassen? lchelte die
Frau, sich gewaltsam zwingend ber den Schmerz dieser Stunde.
Mutter! sagte Anna, warf die Arme um ihren Nacken und kte sie.
Und Eduard? frug Marie.
Bleibt, wenn er meinem Rathe folgt, noch hier bis er ausstudirt und etwas
ordentliches gelernt hat, sagte der Vater -- wo nicht, hat er seinen
freien Willen und mag uns begleiten; sowie er zu Hause kommt werde ich mit
ihm sprechen.
Aber  --  rief Marie -- wer verwaltet unterdessen unser Haus?
Wenn wir einmal fort sind von hier, sagte der Professor ausweichend,
kann uns auch das Haus nichts mehr ntzen, und ich $
wenn aber der
Schmerz auch nu mehr aufgerttelt wurde durch das Wiederdurchleben
vergangener Scenen, fand sie doch auch einen Trost in dem Aussprechen ber
ihren Verlust. Der Actuar berlas inde flchtig den Brief, und den Datum
mit dem verbten Raub vergleichend sah er, ob Loenwerder nun schuldig
oder unschuldig sei, da jenes, bei ihm gefundene Geld sein Eigenthum
gewesen sein msse, schon vor dem Tag, und nicht mehr als Beweis gegen ihn
gelten konnte.
So traf sie Kellmann, der von Lobensteins direct auf den Gottesacker
gega+gen war, das arme Mdchen aufzusuchen. Mit wenigen Worten sagte ihm
der Actuar was er von ihr erfahren, und der gutmthige kleine Krschner
setzte sich neben sie auf das Grab des Bruders, nahm ihre Hand in die
seine, und diese streichelnd sprach er ihr0 Muth und Hoffnung in das arme
gequlte Herz. Sie sollte nicht mehr allein stehn auf der Welt; er wollte
Freunde fr sie finden, die sich ihrer annhmen, und sie Beide, Ledermann
und er, wollten nicht ruhen noch rasten bis ihres Bruders$
was noch nicht im ganzen Leben vorgekommen waere."
Schollfeld war uebrigens nicht usonst so muerrisch; er hatte einen Zorn auf
Auswanderer, denn er betrachtete Auswanderung als eine indirekte
Beleidigung gegen den Staat, gewissermassen als eine Grobheit, die man ihm
geradezu unter die Nase sage  -- : "ich mag nicht mehr in Dir leben und
weiss einen Platz, wo's besser ist." Das _dachten_ sich naemlich die
"Toelpel", wie er sie nannte, aber Sie _wussten_ es nicht -- gar Nichts
wussten sie und liefen blind und toll in die Welt hinein. Der Staat haette
auch eigentlich den Skandal gar nicht dulden sollen; hunderte von
Menschen, reine Deserteure aus ihrem Vaterland, liefen da frank und frei
vorbei, Anderen noch obendrein ein boeses Beispiel gebend, und er begriff
die Regierung nicht,owie sie dem Volke nur noch einen ass gestatten
Der Zug war indessen naeher gekommen und Lobsich rasch in das Haus gegangen
Bier herbeizuschaffen, da sich bei solchen Trupps gewoehnlich eine Menge
junge Burschen befanden, die noch Geld $
ne seiner stehenden
Redensarten, die in der That unbegrenztes Erstaunen ausdruecken sollte --
"was die Leute diess Fruehjahr wieder an zu ziehen fangen; Tag fuer Tag geht
das so fort; Trupp nach Trupp kommt ueber die Berge herueber, mit Sack und
Pack, mit Weib und Kind -- und Alles fort, Alles fort, und man merkt nicht
einmal von _wo_ sie fort sind."
"Doch, doch," sagte Kellmann, di Augenbrauen in die Hoehe ziehend und mit
dem Kopf nickend, "doch, doch Lobsich; ob man's wohl merkt? -- geht einmal
da ueber die Berge hinueber und seht Euch in den Doerfern um; da steht
manches alte halbzerfallene _leere_ Haus, an das irgend eine Familie da
drueben noh mit Schmerzen zurueckdenkt, u4nd in das Niemand anderes mehr
Lust hat einzuziehen, weil er noch eine Menge _bessere_, ebenfalls leer,
in demselben Dorfe findet. Es ist immer ein trauriger Anblick solch ein
leeres Haus, und ich seh's nicht gern."
"Und was fuer _Geld_ tragen sie ausser Land," fiel der Apotheker hier ein,
der indess, sich zu zerstreuen, im Heilinger $
ling; ein munteres und zrtliches
Geschpf, von allen wohlgelitten und ungemein geschickt in den
Verrichtungen, die man sie gelehrt hatte. Die Herrin sah aber bald, da
das bel rapid wuchs; der Arzt, den sie u Rate zog, gab ihr wenig
Hoffnung und empfahl ihr, das Mdchen schleunig in eine Heilanstalt zu
bringen. Sie versuchte es, doch es war umsonst; die Behrden wiesen sie
ab, die humanitren Vereine wiesen sie ab, die reichen Leute, bei denen
sie Hilfe suchte, wiesen sie gleichfalls ab. Sie war eine robuste Frau,
nichts weniger als gefhlsselig, aber sie liebte das Mdchen wie ein
eigenes Kind, und die Aussichtslosigkeit, eine Pflegesttte fr sie zu
finden, erbitterte sie. Angelika indessen ahnte nichts davon, da ihr
Geschick ein so nahes Todesurteil ber sie verhngt hatte. Sie lachte
und scherzte den ganzen Tag, und besonders war sie darauf versessen,
sich zu schmcken. In diesem Punkt war sie geradezu erfinderisch; ihre
billigen Gewnder sahen aus wie frisch a]s dem Magazin; die kleinen
Geschenke, d$
reinkunft, die
ihr frher so gem und ervwnscht gewesen war. Aber sie merkte bald, da
nur noch eine uerliche Zugehrigkeit bestand, und da die Jahre, die
sie auf dem Gut verbracht, erst mit Alexander und dan allein, und wenn
auch allein, so doch noch unter seinem Gesetz und seiner Fhrung, sie an
ein anderes Ma und eine andere Bentzung der Zeit gewhnt hatten. Auch
konnte hier niemand in seinem Bereich verbleiben; die Elemente waren
bedenklich gemischt, und dies zu verhindern war unmglich, weil
gemeinsames Schicksal alle zueinander trieb. Das Haus, der ganze Ort,
ehemals ein Treffpunkt der Aristokratie und Schauplatz des erlesensten
Luxus, glich einer Insel der Schiffbrchigen und beherbergte lauter
Flchtlinge mit ihrer letzten Habe und letzten Hoffnung, Grofrsten und
Kammerherren neben Spekulanten und Journalisten, Frauen der exklusivsten
Moskauer und Petersburger Kreise neben Koketten und Kleinbrgerinnen,
die im Krie zu Reichtum gelangt waren. Sie waren der Hlle entronnen,
aber sie wuten, da$
eer.
Endlich eines frhen Morgens, in einer Haltestation, ffnete die
mitleidige Hand eies Zugbediensteten die Tr. Der hereinquellende
Lufthauch war wie Neugeburt, das Schauspiel, das sich bot, unerhrt.
Tief unten dehnte sich die See, blau, als knne man tausend Jahre blauen
Himmel aus ihr erzeugen. Rings die letzten ppig bewachsenen Kuppen des
Gebirges, Grten, Weingelnde, Pinien, Bume voll Orangen. Niemand
redete; kein Laut. Manche sahen wie Leichen aus, ihre Augen wie
verdorrt; das blhende Land, das Gestade, das schne Meer lie sie
schaudern. Die Tr blieb offen, vielleicht in der Annahme, da die Zone
der Gefahr berschritten war; aber einige Stationen vor der Stadt wurde
Menasse berichtet, da diese seit zwei Tagen in den Hnden der Matrosen
sei, und ihr Oberhaupt Igor Golowin wurde von Flchtlingen als
gefrchteter Name genannt.
Menasse hatte in der Stadt seine Helfer, die er zu benachrichtigen
vermochte. Wieder auerhalb des BahnhoXs verlieen alle den Wagen und
wurden nach Anbruch der Dunkelh$
ast bestndig
zitterte. Jetzt wurde das Klavier wieder gespielt, von einer andern
Hand, roh, tumultuarisch und trunken, und whrend der ganzen Dauer des
Spiels sahen Nadinsky und Lukardis einander gepinigt in die Augen. Es
war Mitternacht vorber, und auf einmal wurde drunten dumpf gegen das
Tor gepocht. Eine Glocke erschallte mit frechem Lrm. Nadinsky richtete
sich halb empor. Seine Finger krampften sich zusammen, sein Blick war
voll dsterer Erwartung. Lukardis stand auf und lauschte ohne Atem. Das
Klavier schwieg. Es whrte lange, bis das Tor geffnet wurde. Schon
hrten sie Schritte auf der Treppe, schauten entgeistert beide auf die
Trklinke, harrten auf das Klopfen an die Tr, das ihr frchterliches
Los ntscheiden mute, und wirklich drangen Stimmen in hastiger
Wechselrede bis zu ihnen. Aber dann wurde es still, und ihre Pulse
begannen wieder regelmig zu schlagen. In diesen drei oder vier Minuten
fjlten sie sich sonderbar vereint, ihre Kraft und ihre Furcht war gegen
ein gemeinsames Ziel gerichtet$
, wie ein Weib sich ber
das Gelnder beugt und sieht den Nacken oder eine Wade; oder es ist
irgendein anderer dummer Zufall. Aber was in diesem kurzen, blitzartigen
Moment geschieht, beeinflut und durchdringt das ganze Leben, wie wenn
ein bestimmtes Aroma aus einem Raum nicht mehr zu entfernen ist; wie
wenn ein winziger Tropfen von einem chemischen Ingredienz einem mit
Flssigkeit gefllten Becken fr immer den Geschmack gibt. Man kommt
nicht mehr los. Das Winzige entscheidet. Man kommt von dem Aroma und dem
Geschmack nicht mehr los. Die Ungnadschen haben das so an sich.
Ferry Sponeck schaute ihn vollkommen geistlos an. Das ging weit ber
seine Welt. Jaja, murmelte er; schon; natrlich; so was ist schlimm,
armer Kerl, sehr schlimm.
       *       *       *       *       *
Es gab ein tiefes und gehtetes Geheimnis im Leben der Grfin Marietta
Giese. Es war dieses Geheimnis ebensoseh eine Quelle von Glck und
Kraft als von Schmerzen; es verlieh ihr Ausdauer ebensosehr, als es sie
mit Zweifeln qulte; a$
eyen und Rottmann nach einem hlichen
Auftritt zum Bruch gekommen; der Prfekt verlasse die Anstalt. Beim
Aufstehen vom Essen trat Justus Richter zu Oberlin und raunte ihm zu:
Nimm dich i acht, es geht was vor. Lucian blieb unsichtbar; nachdem
ihn Dietrich gesucht und vergeblich auf ihn gewartet hatte, trieb es ihn
ins Freie; er legte sich unter einen Baum und schaute mit glnzenden
Blicken himmelan.
Als es finster geworden war, kehrte er zurck und mischte sich unter die
Gruppen vor dem Haus. Es war in allen eine gehemmtere Bewegung als
sonst; der schwl-farblose Abend drckte vielleicht, eine von den
Sommernchten, in denen Jugend zur Brde wird und Gedanken wiO Wunden
sind. Unversehens war Kurt Fink an Oberlins Seite, schob vertraulich
den Arm unter seinen und zog ihn von den andern fort. Er plauderte von?
den bevorstehenden Ferien, von Berlin, fr das er schwrmte, von
Theatern, Zirkus, Kabaretts, schnen Weibern; von Lucian unvermutet, an
den er in einem Atem Lob und Zweifel hing; von einem jungen Md$
 ergriff seine
Hand, drckte sie fest und sagte zrtlich: Mut, Brderchen, Mut.
Nichts weiter, aber es war viel.
Das Schiff legte an, sie taten zum Laufsteg. Da nur wenige Passagiere
ausstiegen, hatten sie die bald entdeckt, die sie suchten. Georg Mathys
sprach den Professor hflich-bescheiden an, fragte um den Namen, stellte
sich selbst vor und bat ihm eine Erffnung unter vier Augen machen zu
drfen. Jener erblate, ging ein paar Schritte mit ihm, und als er die
ersten Worte vernommen, noch ein paar Schritte; die hagere, krnklich
aussehende Frau schaute ihnen betroffen nach. Es dauerte lange, das
Schiff rauschte schon wieder in den See hinaus, Dietrich, an die
Holzbrstung gelehnt, wartete bedrckt; nun schallten die rckkehrenden
Schritte des Professors, er sagte etwas mit verpreter Stimme zu der
Frau; sie schien aus seinen Mienen zu erraten, was er ihr noch
verhehlte, schrill reischend tnte der Name Ccilie in die Nacht.
Das Unbedingte
Die Stunden, die nun folgten, hinterlieen in Dietric# den Eindru$
wiedersehen
Sonach ward im Staatsrat beschlossen, die Grafschaft Sayn-Altenkirchen
zu verpachten. Dem Pchter sollte verstattet werden, ein Stck des
dazugehrigen Westerwaldes zu schlagen. Nach umstndlichen Verhandlungen
wurde das Projekt durchgefhrt. Fnfzigtausend rheinische Gulden: eine
Maus im Magen eines Mastodonts.
Hierauf wurde veruert: das Gut Ringstetten im Tauberkreis; Schlo
Villingen bei Weienburg samt Grten, ckern, Wiesen; ein halbes Dutzend
Hfe ,im Mainkreis; das Fischereiprivileg in der Rezat; da Jagdrecht im
Altmhlgrund: Brocken, um einen ghnendenSchlund zu stopfen.
Herr Stein zu Altenstein, Hofmarschall, riet untertnigst zur
Verauktionierung einiger der wertvollen Gemlde im Schlo. Besa man
doch die Medea des Vanloo; bewundertes Meisterwerk. Den blutigen Dolch
in der Hand, den Blick voll Wut und Verzweiflung, mit dem feuerspeienden
Ungeheuer hinter dem von Drachen gezogenen Wagen, hing sie im
Schlafzimmer des Markgrafen, seltsames Ergtzen fr die hohe Siesta,
entschuldbar viel$
erhandeln lie sich erst in ein
paar Jahren. Dann msse das arme Balg auf der Gasse krepieren oder auf
den Schindanger geschafft werden, erklrte Madam Heberlein, da es ja ein
Waisenasyl oder sonstige Versorgung in der Stadt nicht gebe; sie selber
sei mit sechsen gesegnet und habe Not, die Muler zu fttern. Mge sie
tun, was ihr beliebe, war die Antwopt; das Institut sei seit neuestem
ohnehin auf schmale Bezge gesetzt und knne bei frtdauernder Kalamitt
leicht aufgelst werden.
Selbst Eingeweihte munkelten mehr als sie wuten, da der Name
Tanzschule lngst nur noch das unverfngliche Aushngeschild war; die
eigentlichen Ziele wurden mit Umsicht und Vorsicht vor den Augen der
Welt verschleiert. Es hatte sich ergeben, da der Marchese sich das
Beispiel seines Herrn insofern zunutze gemacht hatte, als er den von ihm
erkannten Wert von Menschenware nach seiner Weise in klingende Mnze
umsetzte. Er hatte den Ehrgeiz nicht mehr, die heranwachsenden und zum
Liebesdienst tauglichen Rekrutinnen fr unbestimmte Z$
haben. Mag Ihr Leben\verschwendet sein, wie das von uns allen.
Da brach Melchior zusammen.
Nun fiel das bleiche Mondlicht durch die Fenster und beleuchtete die
vier Leichen und die Geschtze. Sinnend blieb Paul Seebeck stehen. Er
schaute auf das Meer hinaus, das so friedlich dalag. Aber dort in der2Ferne das Ungeheuer, jetzt nicht mehr feuerspeiend.
Paul Seebeck setzte sich neben Felix' Leiche hin und wartete. Aber ihm
war keine Granate bestimmt. Da kte er des Knaben eiskalte Stirn und
ging hinaus. Er ging an den Trmmern des Volkshauses vorbei, die sich
gespenstig in die Hhe reckten, zur Irenenbucht hinunter. Langsam stieg
er die Stufen hinab und setzte sich unten auf die Felsplatte. Er sah die
breiten Rcken der Riesenschildkrten feucht im Mondlichte glnzen, sah
sie die Kpfe erheben -
Da lie er sich langsam ins Wasser gleiten. Die Tiere tauchten
erschreckt unter. Er wollte schwimmen, weiter hinaus ins Meer wollte er,
aber er verfing sich in den langen Schlingpflanzen. Er kmpfte, um sich
zu befreie$
gelschsischen, und zugleich den bergang zu der
nchstfolgenden sogenannten halbschsischen (Semi-Saxon), oder
normnnischen periode der englischen literatur bildet die
_Sachsen-chronik_.[107] Die gewhnliche annahme ist, dass der aufang von
diesem, nchst Beda's kirchengeschichte, wichtigsten quellenwerke der
angelschsischen geschichte zur zeit des knigs Alfred gemacht worden
sei, als er geschmack an historischen gegenstnden durch Alfred's
eigene arbeiten geweckt und verbreitet wurde. Man will dieses auch aus
dem umstande schliessen, dass die lteste handschrift, das Benet Ms.,
nicht nur bis zur geschichte des Jahres 891 von einer und derselben hand
geschrieben ist, sondern auch bruchstcke aus Beda's kirchengeschichte
nach Alfred's bersetzung enthlt, wozu der umstand tritt, dass das werk
bis ber die mitte des neunten jahrhunderts hinaus unverkennbare spuren
einer spteren abfassung zeigt. Erst mit Alfred's regierung fangen die
eigentlichen annalen an, welche bis zu 925, dem todesjahre Edard's,
fo$
ig jahren englische und deutsche gelehrte eifrig und erfolgreich
weiter gebaut haben. Rask verglich in seiner grammatik das
Angels<chsische mit dem Islndischen, welches freilich nicht gerade
der am nchsten verwandte dialekt ist, weshalb manche irrthmer
unvermeidlich waren. Trotzdem brach dieses buch dem Studium des
Angelschsischen in England eine neue bahn. Mehr noch als Rask's
grammatik bewirkte das lehrgebude der germanischen sprachen von J.
rimm, welcher eine vergleichung smmtlicher deutschen dialekte mit
philologischer schrfe und philosophischem sinne durchfhrte. Erst
diesem buche ist die verhltnissmssig grssere sicherheit und
grndlichkeit des urtheiles ber den organismus der angelschsischen
sprache zu verdanken, welche man bei den neuesten deutschen und
englischen bearbeitern des angelschsischen sprachschatzs vorfindet,
wie selbst letztere mit anerkennungswerther offenheit eingestehen. Die
auf Rask's und Grimm's arbeiten bauenden sprachforscher in England
nennen sich daher mit recht die $
rs,... cisours, rasours, _shethes_,... agules pour sacs
  vulgarement nommez _paknedles_,... aneus(5) de _coper_,...
  chauff_ingdishes,... chauffyngballes, sackering belles, (?)...
  _ladels_,... scomers,... _hattes_, b9anc file de fer vulgarement
  nome _whitewire_ etc.
    1: hand-irons - 2: marteaux -- 3: drepee, ein gericht aus mandeln
    und zwiebeln -- 4: dice -- 5: anneaux]
Man mge bemerken, dass man schon in der mitte des dreizehnten
jahrhunderts anfing, franzsische wrter mit englischen endungen zu
versehen. So findet sich bereits in dem erlass Heinrich's III. crouninge
(krnung). Wenn das Franzsische in England so in verfall gerathen und
so unrein geworden war, lsst es sich erklren, dass Gower deshalb um
entschuldigung bittet, weil er franzsische verse zu schreiben wagt, und
Chaucer ber das schlechte Franzsisch seiner madame Eglantine spottet.
Wenn das eindringen angelschsischer wrter das Franzsische vernderte,
so war der umgekehrte fall, dass das Franzsische das bereits
abgeschwchte$
b alle seine briefe
oder depeschen in der franzsischen sprache, in welcher sie von Robert
v. Avesbury aufgezeichnet und berliefert worden sind.
    [Footnote 171: Pour ce qe monstre est soventfoiz au Roi, par
    Prelatz, Ducs Counts Barons et tout la communalte, les grantz
    meschiefs qe sont advenuz as plusours du realme de ce qe les leyes
    custumes et estatutz du dit realme ne sont pas conuz communement
    en mesme le realme, par cause qils sont pledez monsrez et juggez
    en la lange Franceis, qest trope dsconue en dit realme; issint qe
    les gentz que pledent ou sont empledez en les Courtz le Roi et les
    Courtz dautres, nont entendement ne conissance de ce qest dit por
    eulx ne contre eulx par lour Sergeantz et autres pledours; et qe
    resonablement les dites leyes et custumes seront le plus tost
    apris et conuz et mieultz entenduz en la lange usee en dit realme,
    et par tant chescun du dit realme se purroit mieultz governer sanz
    faire offense a la leye, et le mieultz garder$
ke Vorbilder aus dem unerschpflichen
Vorrat an rmischen Baustcken in wertvollen Steinen aller Art sein
Material herbeiholt und gerade durch die Flle und den Wert desselben
zur Ausbildung dieser Dekorationsweise angeregt wurde; als
Cosmatenarbeit benannt, weil namentlich der Marmorarius _Cosmas_ nd
seine Familie dieselbe ausbte. Ein Beispiel dafr, doch chon aus
spterer Zeit, bietet die Aschenurne (No. 31).
[Abbildung: 28A. Marmorbste aus Rom.]
Zwischen diesen Arbeiten steht das Bruchstck eines groen plastischen
Werkes, welches in Rom ausgegraben wurde und das sich jetzt im Berliner
Museum befindet, bisher vereinzelt und unerklrt da: der kolossale
Marmorkopf eines brtigen Mannes, den der Reif im lockigen Haar wohl als
Frsten charakterisiert (No. 28A). Neben den oben genannten, etwa
gleichzeitigen sditalienischen Bsten fllt in diesem Marmoqrwerke der
enge Anschlu an antike Bsten archaischen Stils, sowie die
auerordentlich saubere Ausfhrung und teilweise schon individuelle
Empfindung auf, wie $
ziemlich flachem Relief, am oberen Becken
vierundzwanzig Statuetten der Sibyllen, Tugenden u. s. f.; zumeGst
ausgezeichnet durch gute Verhltnisse und saubere Arbeit, einzelne auch
durch tiefere dramatische Auffassung. Diese besten Arbeiten lassen sich
leicht als Werke Giovanni's ekennen.
[Abbildung: 22. Relief eines Lesepultes von Niccolo Pisano.]
Die Berliner Sammlung besitzt ein aus Pistoja stammendes Marmorrelief,
das den Anspruch auf eine Arbeit des Niccolo erheben darf: zwei Engel,
welche das Brustbild des Bischofs Beato Buonacorso von Pistoja in einem
Tuche zwischen sich emporhalten (No. 22); ursprnglich wohl die
Unterseite eines Lesepultes, welches vielleicht whrend der Restauration
eines Altars in Pistoja, die Niccolo 1272 bernahm, entstanden ist. Die
vollen Gestalten, die Typen, die Faltenbildung, sogar so auffallende
Eigentmlichkeiten, wie die flatternden Zipfel des Tuches, stimmen mit
den beglaubigten Arbeiten des Knstlers, namentlich mit der Verkndigung
an der Kanzel zub Pisa so sehr bere$
pturen begonnen worden; die Vollendung derselben, namentlich die
berhmten Gruppen der Schande Noahs und des Urteils Salomonis an den
Ecken des Dogenpalastes fallen bereits in eine Zeit, da in Florenz die
Renaissance schon ihre erste Blte entfaltete. Gemeinsam ist diesen
Arbeiten, in grerem oder geringerem Mae, ein ausgesprochener
Schnheitssinn in den vollen Gestalten, in dem ernsten, anmutigen
Ausdruck, der ruhigen Haltung, der groen und einfachen Faltengebung;
und damit verbinden sich saubere Durcharbeitung und ein oft schon fein
entwickelter Natursinn, namentlich fr die Einzel.heiten. Die
Befangenheit im Ausdruck und eine nchterne Ruhe, welche bei bewegten
Motiven besonders strend auffllt, verraten jedoch auch in den besten
dieser Arbeiten, da auf diesem Wege allein zu vlliger Freiheqt nicht
zu gelangen war.
Unter fder betrchtlichen Zahl meist dekorativer venezianischer
Bildwerke, welche die Berliner Sammlung besitzt, befinden sich auch
mehrere charakteristische, gute Arbeiten dieser Zeit: zwe$
chin,
dessen Oberleder einen Ri bekommen hatte und jetzt zusammengenht
werden sollte.
Das ist eine niedrige Arbeit! sagte die Stopfnadel, ich komme nie
hindurch, ich zerbreche, ich zerbreche -- und da zerbrach sie. Habe
ich nicht oft genug wiederholt! jammerte sie, da ich zu fein bin!
Nun taugt sie zu nichts mehr! meinten die Finger, muten sie aber doch
festhalten, die Kchin machte ihr einen Kopf aus Siegellack und steckte
sie dann vorn in ihr Tuch.
Sieh, jetzt bin ich eine Busennadel! sagte die Stopfnadel; ich wute
wohl, da ich zu Ehren kommen wrde; aus Was wird Was! und dabei lachte
sie innerlich,tdenn uerlich kann man es einer Stopfnadel nie ansehen,
da sie lacht. Da sa sie nun sBo stolz, als fhre sie in einer Kutsche
und blickte nach allen Seiten.
Darf ich mir wohl erlauben, Sie zu fragen, ob Sie von Gold sind?
fragte sie die Stecknadel, welche ihre Nachbarin war. Sie haben ein
vortreffliches ueres und Ihren eigenen Kopf, wenn derselbe auch nur
klein ist. Sie mssen dafr S$
r sagte, und darum stieen sie einander an:
Wir sind wohl einig darber, da er dumm ist?
Ja, er ist sicherlich dumm! sagte der kalekutische Hahn und kollerte
dann. Da schwieg der Storch ganz still und dachte an sein Afrika.
Aber Hjalmar ging hin zum Hhnerhause, ffnete die Thre, rief den
Storch und dieser hpfte auf das Verdeck zu ihm hinaus. Nun hatte er
sich augeruht, und es war gerade, als ob er Hjalmar zunickte, um sich
bei ihm zu bedanken. Darauf breitete er seine Schwingen aus und flog
nach den warmen Lndern, aber die Hhner gluckten, die Enten
schnattorten und der kalekutische Hahn wurde ganz rot am Kopfe.
Morgen wollen wir Suppe von euch kochen! sagte Hjalmar und da erwachte
er und lag in seinem Bettchen.
_Donnerstag._
Weit du was? sagte der Sandmann, frchte dich nur nicht; hier wirst
du eine kleine Maus gewahren! und dabei hielt er ihm seine Hand mit dem
leichten, niedlichen Tierchen hin. Sie ist gekommen, dich zur Hochzeiteinzuladen. Hier sind zwei Muschen, die heute Nacht in den E$
f dieser
Erde. Er bego und wartete sie und sorgte dafr, da sie jeglichen
Sonnenstrahl, der durch das niedrige Fenster hereinglnzte, bis auf den
letzten erhielt. Die Blume wuchs selbst in seine Trume hinein, denn fr
ihn allein wuchs sie, verbreitete sie ihren Duft und erfreute sie das
Auge. Ihr wandte er im Tod sein Antlitz zu, als der Herr ihn rief.
Ein ganzes Jahr ist er nun bei Gott gewesen. So lange hat die Blume
vergessen im Fenster gestanden und ist verdorrt und deshalb auf die
Strae hinausgeworfen worden. Und die ist die arme verdorrte Blume, die
wir mit in unseren Strau genommen haben, denn diese schlichte Blumehat
mehr Freude gebracht als die reichste Blume in dem Garten einer
Aber, woher weit du dies alles? fragte das Kind, welches der Engel
zum Himmel emportrug. -- Ich wei es! sagte der Engel, ich war ja
selbst der kleine kranke Knabe. Sollte ich meine Blumen nicht kennen?
Und das Kind ffnete seine Augen nun ganz und schaute dem Engel in sein
herrliches, freundliches Antlitz.
In d$

alten khlen Baumgnge hinaufschauten. Auf dem Felde wogte das Korn
gleich der bewegten See, rote und gelbe Blumen wiegten sich in den
Grben, an den Gehegen rankten sich wilder Hopfen und blhende Winden
empor, und des Abends5 ging der Mond gro und voll auf, und die
Heuschober auf den Wiesen dufteten s. Das vergit sich nie!
Hier ist es herrlich im Herbst! sagte das kleine Mdchen, und die Luft
wurde doppelt so hoch und blau, der Wald nahm die schnsten Farben von
Rot, Gelb und Grn an, die Jagdhunde strmten vorwrts, ganze Scharen
wilder Vgel flogen kreischend ber die Hnengrber hin, auf denen sich
Brombeerranken ber die alten teine hinzogen. Auf dem tiefblauen Meere
zeigten sich berall weie Segler, und in der Tenne saen alte Frauen,
Mdchen und Kinder und pflckten Hopfen in ein groes Gef. Die Jungen
sanen Lieder, aber die Alten erzhlten Mrchen von Kobolden und
Zauberern. Besseres lie sich nicht leicht denken!
Hier ist es herrlich im Winter! sagte das kleine Mdchen, und alle
Bu$
raeger, Die Rettung der Halligen. 1900. 8. _K. Kunstgewerbeschule_:
Jahresbericht. 198/99. 1900. 8. Konsumvereinsdirektor _Thomann_:
Buchholz, Frdch., Handbuch der spanischen Sprache u. Litteratur. 1801.
1804. 8.; Gebauer, Aug., Die Morgenrthe. 1819. 8.; "Gesellschaft" (ohne
Titelbl.). 16.; Histoire philosophique et politique des tablissements et
du commerce des Europens dans les deux Indes. 1773. 8.; Horatius Flaccus,
Werke (Vo) I/II. 1822. 8.; Hume, Essays and Treatises. I/II, III. 1793;
Knauer Maurit, Immerwhrender curieuser Haus-Calender 1799. 8.; Pope,
Alex., Smtl. We+rke. 1778-79. 8.; Stammbuch. 1. Hlfte des 19. Jahrh. qu.
8.; Storren, Joh. Christian, Das Himmelreich unter dem Bilde der zehen
Jungfrauen. 1755. 8.; Taylor, Jeremias, Die Reglen u. bungen seelig zu
sterben. 1682. 8.; Train, J.K. von, Chochemer Loschen. 1832. 8.; Weidner,
Johann, Creutz-Schule. 1756. 8.; ferner eine Anzahl weiterer Bcher des
19. Jahrhdts. -- *Tilsit.* _Vorsteheramt der Korporation der
Kaufmannschaft_: Jahres-Berich$
 pays de Waas_: Annalen van den
oudheidskundigen Kring van het land van Waas. 18. Teil, 4. Abt. 1900. 8. --
*Nrnberg.* _Bayerisches Gewerbemuseum_: Jahresbericht. 1899. 4. --
*Osnabrck.* _Verein fr Geschichte und Landeskunde_: Mitteilungen XXIV.
1899. 1900. 8. -- *Plauen i. V.* _Altertumsverein_: Mitteilungen XIII.
1897/99. 1900. 8.; v. Raab, Regesten zur Orts- u. Familiengeschichte des
Vogtlandes. II. (1485-1563). 1898. 8. -- *Posen.* _Histor. Gesellschaft der
Prov. Posen_: Zeitschrift XIII, 3-4; IV, 1-4. 1898/99. 8.; Historische
Monatsbltter f. d. Provinz Posen I, 1-3. 1900. 8. -- *Rostock.* _Verein
fr Rostocks Altertmer_: Beitrge zur Geschichte d. Stadt Rostock. III,
1. 1900. 8. -- *Salzburg.* _Stdtisches Museum Caroino-Augusteum_:
Jahresbericht 1897. 1898.8. -- *Santiago de Chile.* _Deutscher
Wissenschaftlicher Verein_: Verhandlungen IV, 1. 1899. 8. -- *Stettin.*
_Gesellschaft f. Pommersche Gesch. u. Altertumskunde_: Monatsbltter 1899.
1-12. 8.; Baltische Studien. N. F. III. 1899. 8.; Lemcke, D$
ied des Pfaffen Konrad mit
Bercksichtigung der Chanson de Roland. Forts.) -- *Lahr.* _Groh.
Gymnasium_: Jahresbericht fr das Schuljahr 1899/1900. 1900. 4. --
*Lauban.* _Handels-Kammer_: Jahresbericht fr das Jahr 1899. gr. 8. --
*Leer.* _Handelskammer_: Jahresbericht f. d. J. 189, I. T. (1900.) gr. 8.
-- *Leipzig.* _Bibliographisches Institut_: Weltgeschichte, hrsg. v. Hans
F. Helmolt I; III, 1; IV; VII, 1. 1900. 8. _Dr. Georg Buchwald_: Ders.,
Konrad Strtzel von Buchheim aus Kitzingen. 1900. 8. _Carl Fr. Fleischer_:
Herm. Schaafthausen, Anthropologische Studien. 1885. 8. _Fr. Wilh.
Grunow_, Verlag: Carl Jentsch, Drei Spaziergnge eines Laien ins
klassische Altertum. 1900. 8.; Adolf Lobe, Plaudereien ber das neue
Recht. 1900. 8.; Wippermann, Deutscher Geschichtskalender f. 1899. II. Bd.
1900. 8. _Karl W. Hiersemann_, Buchhndler u. Antiquar: J.J. Tikkanen, Die
Psalterillustration im Mittelalter. Bd. I. H. 3. 1900. 4. Dr. _Ludwig
Volkmann_: Ders., Die Familie Volkmann. 1895. gr. 3. _Sendung der
buchhnd$
- *San Francisco.* _Universitaet_:
The international competition for the Phoebe Hearst architectural plan of
the University of California. 1899. qu. 8. -- *Frankfurt a. M.*
_Handelskammer_: Jahresbericht fuer 1899. (1900.) 8. mit Beilagen. Frau
Baurat _Mueller_: L. Mueller, Die neue evangelische Garnsonkirche zu
Strassburg i. E. 189. 4. _Realschule der israelitischen Gemeinde
Philantropin_: Programm 1900. 4. _Frhrl. Carl v. Rothschild'sche oeffentl.
Bibliothek_: Verzeichnis der Buecher. Bd. 2. Heft I, 8. Zugangsverzeichnis
f. d. J. 1895. 8. _Verein f. d. histor. Museum_: XXIII. Jahresbericht.
1900. 8; Quilling, Fuehrer urch das Staedtische Historische Museum. 1900.
8. -- *Frankfurt a. O.* _Handelskammer_: Jahresbericht f. 1899. 1900. 8. --
*Freiburg i. Br.* _Herder_'sche Verlagsbuchhandl.: Erlaeuterungen und
Ergaenzungen zu Janssens Geschichte des deutschen Volkes. Herausg. L.
Pastor I, 5 6. 1900. 8. Dies.: Grisar, Geschichte Roms und der Paepste im
Mittelalter. 1900. 8. Lief. 9. -- *Freising.* _Fr. P. Datter$
.; Verzeichnis des Personals u. der Studierenden auf der
Kgl Preussischen Universitaet Marburg im W.-S. 1899/1900, im S.-S. 1900.
1899-1900. 8.; Verzeichnis der Vorlesungen W.-H. 1899/1900, S.-H. 1900.
1899-1900. 8.; Leonhard, Die Wahl bei der Wahlschuld. 1899. 4.; Eduard
Schroeder, Aegidii Hunnii Ruth comoedia (acta Marpurgi, edita Francofurti
a. 1586). (1900) 4.; Dissertationen: Brennecke, Die ordentlichen direkten
Staatssteuern Mecklenburgs im Mittelalter. 1900. 8.; Folz, Beitraege z.
geschichte des patriziats in den deutschen staedten vor dem ausbruch der
zunftkaempfe. 1899. 8.; Grautoff, Die Beziehungen Luebecks zu Christian IV.
bis zum 30-jaehrigen Kriege. 1899. 8.; Nolte, Der Eingang des Parzival.
1899. 8.; Reibstein, Heinrich Vorrath, Buergermeister von Danzig als
hansischer Diplomat. 900. 8.; Sieke, Die Entwicklung des
Metropolitenwesens im Frankenreiche bis auf Bonifaz. 1899. 8.; Weimer,
Laurembergs Scherzgedichte, die Art und die Zeit ihrer Entstehung. 1899.
8. -- *Montreal.* _Numismatic and Antiq$
Truchsessen von Baldersheim aus der
_Riemenschneider_schen Werkstatt um 1520.
*Spital-K.* 14. Jh., umgebaut 1595. Frstbischfl. Schlo 15801620. In
den Turmrumen (Amtsgericht) schne Stuckdekoration um 1770, vielleicht
von _Matteo Basti_ (vgl. die Eng!lheimer Zimmer der Wrzburger Residenz).
Die Kap. in typischer unterfrnkischer Nachgotik. -- *Rathaus* 1671. -- In
der Nhe des Ortes mehrere schmuckreiche _Bildstcke_.
_AUBSTADT._ UFranken BA Knigshofen.
*Dorf-K.* renss. 1618, mit Friedhofbefestigung.
_AUE._ Pr. Sachsen Kr. Zeitz.
*Dorf-K.* des 12. Jh. Sandsteinquaderbau. WTurm. Am abgetreppten Portal
die Kanten als Rundstbe ausgebildet, im Tympanon der Gekreuzigte in
langem Rock. Empore und Holzdecken mit Bar.-Malerei geben ein
farbenreiches Innenbild.
_AUE AM BERG._ Sachsen-Meiningen. Kr. Saalfeld.
*Dorf-K.* (ehemals Wallfahrt) im Kern rom. berarbeitungen got. und
spter. -- Gemaltes _Triptychon_ um 1500.
_AUERBACH._ K. Sachsen. Amtshauptstadt.
*Burgruine*. Bergfried aus fr. Ma. noch erhalten.
_AUERS$
E._ UFranken BA Knigshofen.
*Pfarr-K.* Typischer Juliusbau (1598) mit selten in hnlicher
Vollstndigkeit erhhaltener Renss.-Einrichtg. (Flgelaltar mit Reliefs,
Sakramentsnische, Orgelgehuse und Spuren von Renss.Malerei [bertncht]
an den Langhauswnden).
_BREITENWORBIS._ Pr. Sachsen Kr. Worbis.
*Dorf-K.* 1681. 1sch. mit 4/8 Schlu; der westl. Dachreiter mit
umlaufender Galerie nach mittelthringischem Typus.
_BREITUNGEN_ s. Frauenbreitungen und Herrenbreitungen.
_BREMEN._ Sachsen-Weimar VB Dermbach.
*Dorf-K.* (kath.). Erb. 1730 durch den Frstabt von Fulda Ad. v. Dalberg,
Verputzbau mit Sandsteingliederung in guter Formbehndlung. Der 1sch.
flachged. Innenraum mit wrdevollem Reichtum ausgestattet. -- _Kanzel_ und
3 _Altre_ aus Stuckmarmor, prchtig geschnitzte _Kommunionbank_.
_BREND-LORENZEN_ bei Neustadt a. S. UFranken.
*Dorf-K.* Als solche gro. Rom. flachgedeckte Pfl.Basilika. Vom alten Lhs.
nur die 2 stl. Arkadenpaare und die westl. Frontmauer erhalten; der
brige Teil des Lhs. durch Abbruch der $
ke 2 lebensgroe _Jger_ in Sandstein um 1600 in
der Art des _Chr. Walther._
_GRIMMA._ K. Sachsen Amtshauptstadt.
Ehem. *Cisterc.-Nonnen-Klst. Mfarienthron*. 1251, erweitert 1277. Reste in
der jetzigen Superintendentur.
*Frauen-K*. beg. um 1230-40. 3sch. rom. Pfl.Basilika von regelmiger
kreuzf. Anlage. Hauptchor gerade geschlossen, am Qsch. 1/2kr. Nebenchre.
Der WBau mit 2 Trmen, im Gr. etwas schmler als das Lhs., noch in rein
rom. Formen; die Trme in 3 Freigeschossen; zwischen ihnen Glockenstube
mit 3 gekuppelten ffnungen, der Giebel darber von der Rest. 1888. Das
Lhs. in 4 Pfeilerarkaden von schlichtesten spitzbg. Formen, die ursp.
flache Decke im 15. Jh. durch Gewlbe ersetzt. Am Chorschlu Gruppe von 3
hohen schmalen spitzbg. Fenstern. Die Rippengwbb. der Nebenchre hochgot.
-- _Denkmler_ 1693-1760.
[*Nicolai-K*. 1sch. Anlage aus 13. und 16. Jh., 1888 abgebrochen. --
Schnitzaltar, hervorragende Arbeit von 1519, geringeren Wertes die Gemlde
von 1530. Jetzt in der Gottesacker-K. Schallgefe. La$
el
mit 3fachen Flgeln, im Mittelschrein Schnitzfiguren, die Gemlde 1511 von
_Georg Jhener_ von Orlamnde. -- Steinerne _Kanzel_ mit ausgedehnten
Reliefs in konventionell italisierendem Stil, 1592 vn _Zacharias
Bogenkrantz_; Schalldeckel 1604.
*Ulrichs-K*. Zum ehemaligen Kloster der Marienknechte (Serviten). Spgot.
unsymmetrische Halle; es fehlt das sdl. Ssch.; beg. 1339, Gwb. in
Netzform 1510. Tympanon (Marientod) 14. Jh. -- Einfaches modern ergnztes
_Chorgesthl_ E. 14. Jh. _Taufkessel_ v. 1430, hnlich dem der Markt-K.
und von denselben Meistern. -- Altar: Mensa mit blindem got. Mawerk bald
nach 1339, der Schrein mit Doppelflgeln 1488. -- _Sakramentshuschen_ um
1525, fr die barocke Strmung dieser Zeit sehr bezeichnend; eine dikula
in den FrRenss.formen des Doms wird getragen von dem Stamm und umspielt
von densten ines Baumes in spgot. Stilisierung. -- _Kanzel_,
Holzschnitzerei von 1588, Schalldeckel von 1645. -- In der Sakristei
wertvolle _Gefe_, darunter Weinkanne und Hostienbchse 1580,
email$
109. Der
bestehende Bau beg. 1112 von den aus Hirsau kommenden Mnchen. Bei der
Weihe 1132 mindestens die Mnchskirche (Chor, Querschiff und Anfang des
Lhs.) vollendet. Das Lhs. wahrscheinlich nach lngerer Pause vollendet
etwa 1160-70. Die Vorkirche etwa E. 12. bis A. 13. Jh. -- Die Anlage nach
dem Hirsauer, d. i. aus dem burgundischen Cluny herbergenommenen
Bauschema: lateinisches Kreuz, zu Seiten des Chorquadrums parallele
Nebenchre in gleicher Breite mit den Sschiffe"n des Lhs., Schlu in 3
parallelen halbrunden Apsiden, 2 weitere an der OSeiteder Qschiffsflgel,
die ihretwegen etwas berhhtes Quadrat haben. Das Lhs. (Br. : L. = 1 : 2)
in 8 rkaden. Das erste Sttzenpaar Pfll., die folgenden Sll. ber dem
Pfeilerjoch, im Winkel des Lhs. zum Querhaus waren Trme vorbereitet, sind
aber nie ausgefhrt worden. Dies alles Hirsauer Merkmale. Dazu als
Negatives die Abwesenheit von Krypta und WChor, welche beiden einer
schs.-thringischen Klst.-K. dieser Zeit nicht htten fehlen drfen. An
Stelle des WChors$
ca. 1160-70. ber dem
Mauermassiv des Portals eine Empore (ausgesparte Wendeltreppe). Die mit
der Wand bndigen Pfeiler zu Seiten des Portals lassen vermuten, da im
ersten Projekt ein offener Vorhof mit seitlichen Bogengngen beabsichtigt
war. Die sptere Ausfhrung hat daraus eine basilikale Vorkirche gemacht.
Ihre Pfll. in der spezifisch thringischen Gliederung (vgl. Talbrgeln und
Petersberg b. Erfurt). -- Von den Klst.-Gebuden erhalten ein kleiner rom.
Steinbau mit Arkadenfenstern und einige (im Stall des Gasthauses
eingebaute) Skulpturreste. Groes Wasserbecken aus der Tonsur. --
Stattlicher aFachwerkbau, jetzt Oberfrsterei.
_PEGAU._ K. Sachsen AH Borna.
*Laurentius-K.* Von der 1190 gegr. rom. K. hat sich der schmucklose,
zweitrmige WBau erhalten; brigens im 15., 16. und 19. Jh. erneuert. --
_Sakramentshuschen_ um 1463, im Stil der Rochlitzer Kunigunden-K. --
_Grabmal_ des Grafen Wiprecht v. Groitzsch aus der abgetragenen Klst.-K.,
eines der schnsten aus dem 13. Jh. erhaltenen.Genauere Entstehun$
er Bau von 1616. Guter,
grofiguriger Ofen.
*Dorf-K.* Gleichzeitig mit dem Schlo, mit nicht bler Fassade.
_TRAUN._ Sachsen-Weimar VB Neustadt a. d. O.
*Dorf-K.* Der rom. Turm stl. ber quadr. Altarhaus.
_TRAUSTADT._ UFranken BA Gerolzhofen.
*Dorf-K.* Zwei gute spgot. _Holzfiguren_ um 1500 im Stil
_Riemenschneiders_. Stattlicher _Hochaltar_ um 1680.
Ehem. *Schlo* (jetzt Brauerei). Um 1680 unter dem Freih. Voit-Rieneck.
Das Innere verwstet. Im einstigen Festsaal bmkw. Reste einer
ernst-pompsen Dekoration in Stuck und Malerei, besonduers interessant
durch die Zeitstellung, Epoche der erten Wiederbelebung der Kunst nach
dem 30 jhrigen Kriege.
_TRAUTZSCHEN._ K. Sachsen AH Borna.
*Dorf-K.* 1475. WTurm mit 8eck. Obergescho und originellem Dach (wohl 17.
Jh.). -- Bmkw. _Sa9dsteinwandgrab_ des Burgold Puster {~DAGGER~} 1567. -- _Glocke_
mit Reliefbildern bez. 1462.
_TREBEN._ Sachsen-Altenburg LA Altenburg.
*Dorf-K.* um 1450, WTurm A. 13. Jh. -- Groe _Gedenktafel_ fr H. v. Bnau
_TREBEN._ Pr. Sachsen Kr. Mers$
 14. Jh., wiederholt rest. Portal und
Fenster noch ausgeprgt frgot. Das Innere durch mannigfaltige Einbauten
recht malerisch.
*Altes Gymnasium* 1571 mit Benutzung von rResten des Johanniterkreuzhofs.
Denkmal des Grnders Joh. v. Dornsbach. {~DAGGER~} 15>0.
Vom *Rathaus* des 16. Jh. haben sich nur der Turm und die Keller erhalten.
*Marstall*, zugleich Rstkammer und Schttboden, bez. 1511. Der mchtige
Dachraum im 18. Jh. umgebaut.
Von den einst zahlreichen *Brunnen* haben sich die folgenden, durchweg
plastisch reich durchgebildeten, erhalten: Marsbrunnen 1585,
Samariterinnenbrunnen 1697, Hrkulesbrunnen 1708, Schwanenbrunnen 1710.
*Wohnhuser*. (Geschichtliche Marksteine sind die Stadtbrnde 1589 und
1608 und die Beschieungen 1632 und 1757.) a) _Fr.Renss._ Neustadt 32 und
34, prchtige Sandsteintore. b) _Sp.Renss._ Markt 3 und 15, Bautzener Str.
2 und 11. c) _Fr.Bar._ Markt 24 (Amtsgericht) von 1678; Neustadt 23 von
1681; Markt 4 von 1689, hoch und schmal, reiches Detail, Eindringen
Dresdener Einflsse, auch$
enpunkten
phantastisch geformte Schlusssteine. Noch raffiniertere Kluegeleien m Gwb.
der suedl. Sakristei. Augepraegte Spitzbgg. sind ueberall vermieden. Die
Fenster schmal, hoch, nur teilig und mit einfachen aber ganz schlaffen
Fischblasen. Das Aeussere von fast aermlicher Schlichtheit; Strebepfll. nur
am Chor; ihre Abdeckung geschweift. Die kuenstlerische Absicht des
stilgeschichtlich wichtigen Gebaeudes ist nur im Innern zu erkennen; sie
geht auf Schaffung eines weiten, uebersichtlichen, rhythmisch wenig
bewegten Raumbildes bei Unterdrueckung der "organischen" Strukturformen.
Reich und wertvoll der mit der Architektur zugleich entstandene plastische
Schmuck, jedoch in freierem Verhaeltnis zu den Strukturformen, als in der
echten Gotik. -- Die "_schoene Tuer_" am noerdl. Ssch. (bez. 1512 H W; 1597
vom Franziskaner-Klst. hierher versetzt); die Archit. auf wenige Glieder
beschraenkt; den unteren Teil flankieren, auf ueberaus kuenstlich
zusammengesetzte Postamente gestellt, die aus freien Ranken sich
entwick$
hr starr, doch die
Ornamente zierlich und sorgfaeltig; die Au5en hatten Einlagen von Glasfluss,
ebenso das Stirnkleinod der Krone. Nach den historischen Umstaenden muss
Ausfuehrung sehr bald nach dem Tode angenommen werden. Also der aelteste
datierbare Bildnisgrabstein in Deutschland. Im noerdl. Qsch. Bischof _Thilo
v. Trotha_ {~DAGGER~} 1514, wahrscheinlich von _P. Vischer_, eherne Tumba in
Kistenform, mit der Rueckseite an die Wa[d gelehnt, ganz ohne
architektonische Glieder, flachstes Relief. An der OWand das zugehoerige
Epitaph in vergoldeter Bronze, der Bischof in Anbetung der Trinitaet. An
der NWand Epitaph des Bischofs _Adolf v. Anhalt_, im suedl. Qsch. grosse
hoelzerne Barockepitaphe ohne sonderlichen Wert. Im noerdl. Ssch. Grabstein
des Bischofs _Friedrich v. Hoym_ {~DAGGER~} 1382, interessant durch den erstrebten
Portraeteindruck, Spuren von Bemalung. -- In der Vorhalle Grabstein des
Bischofs _Sigismund v. Lindenau_ {~DAGGER~} 1544, an einem Pfl. das zugehoerige
Epitaph, bezeichneter Brnzeguss von _$
1587 als charakteristischer protestantischer
Predigtsaal mit Emporen und ohne Chor, die hoelzerne Felderdecke mit
biblischen Gemaelden. Bauherr der kurfuerstliche Rat und Professor in
Wittenberg Dr. v.Y Beust. -- Bmkwd _Altaraufsatz_ aus Sandstein bez. 1592.
_S. L._ (_Samuel Lorenz_). -- _Bildnisgrabsteine_ v. d. Planitz 16. Jh. --
_Kelch_ 1656.
_NIEDERPRETZSCHENDORF._ K. Sachsen AH Dippoldiswalde.
*Dorf-K.* 1731-33, zentrale Anlage, aehnlich der zu Lohmen, also in derRichtung George Baehrs; erbaut von _J. Ch. Simon_.
_NIEDERRABENSTEIN._ K. Sachsen AH Chemnitz.
*Dorf-K.* _Taufstein_ mit 13 reizenden knienden Kinderfiguren (vgl.
Weissbach), 1595 von _Michael Hogenwald_. In der Sakristei Sandsteinreliefs
vom ehemaligen _Altarwerk_, vermutlich vom selben Meister.
_NIEDERROSSLA._ Sachsen-Weimar VB Apolda.
Gutes Beispiel einer groesseren *Dorf-K*. des 18. Jh.; 3sch. mit Emporen;
grosser 3 geschossiger Kanzelbau hinter dem Altar.
_NIEDERRUPPERSDORF._ K. Sachsen AH Loebau.
*Schloss* (v. Nostitz) 1752 von _Andr. Huen$
f wohl
von _Moritz Richter_, aehnlichen Charfakters wie die Schloesser von Weimar
und Gotha. Imposanter Massenbau in schlichtesten Einzelformen. 3 Fluegel in
Triklinienstellung. Je 21 Fensterachsen in 3 Geschossen. Keie Giebel.
Einziger Akzent der breite turmartige Aufsatz auf dem Mittelfluegel. Die
innere Ausstattung durch Umwandlung zur Kaserne zerstoert. Von namhaftem
Interesse die von Leonhard Sturm, dem Theoretiker des protestantischen
Kirchenbaus, geruehmte Kap. Saalbau mit Emporen nach dm durch das Schloss
von Torgau vorbildlich gewordenen Typus. Sehr reiche
"taeppisch-ueberzierliche" Dekoration in weissem Stuck auf rosa und
apfelgruenem Grunde.
*Rathaus* 1670, Turm 1690 von Chr. Richter. -- *Buergerhaeuser* renss. und
_WEISSENOHE._ OFranken BA Forchheim.
Ehem. *Benedikt. Klst.-K.* gegr. im 11. Jh., neu erbaut und ausgestattet
17.-18. Jh., ohne kuenstlerische Bedeutung.
_WEISSENSEE._ RB Erfurt Kreisstadt.
*Nikolai-K.* (jetzt Remise). Einfacher 1sch. rom. Bau mit got.
Veraenderungen.
*Petri-Paul-K.* De$
Lazzaro 437.
Albert v. Soest 324.
Ammann, Jost 22.
Anwander, JI 41. 192. 286.
Appiani, Gius. 407. 445.
Arnold v. Westfalen 265. 267. 268. 269. 276. 334. 348. 349. 389. 390.
Asam 11. 95. 456.
Auwera, Jakob van der 95. 438. 449. 451.
Auwera, Joh. Wolfgang v. d. 11. 399. 404. 435. 451.
Auwra, Lucas v. d. 452.
Auwera, Richt. der 23. 452.
*B*acher, Gideon 219.
Backofen u. s. Schule 21. 69. 70. 161. 167. 186. 251. 440.
Baehr, George 78. 81. 87. 89. 118. 159. 182. 192. 203. 247. 248. 304. 368.
Balestra 86.
Baratta, Franc. 80. 86.
Barthel von Durlach 12.
Barthel, Melch. 223. 238.
Basler, Peter 139.
Basti, Matteo 24.
Bauer (Augsburg) 80.
Bauer, Peter 46-2.
Beaumont, Adam 204.
Beck, Leonh. 444.
Beham, H. S. 47.
Behem, J. 237.
Behringer, Wolf 191.
Bergner, Nik. 216 f.
Bernini, L. 80. 86. 95.
Berwart, Blasius 333.
Bestheimer, J. N. 264.
Bibiena, Carlo 48.
Bibiena, Giuseppe 48.
Birkner, Wolfg. 220.
Blondel 430.
Bock, Hans 176. 408.
Bodenstein, Chr. 355.
Bodt, Jan de 86. 223.
Boffrand, G. 450.
Bogenkranz, Zach. 169.
Boehm$
r in dem funkelnden
Gespinst der Spinne baumeln.
Eine eigenartige Rastlosigkeit ist in die Ameisen gefahren, sie kren
nicht mehr zwischen den Insekten und den drren Zweigen, sondern nehmen
mit Fieberhast, was ihnen in den Weg kommt: magere, langbeinige Schnaken
und eingetrocknete Blattrippen. Kleine Froschk[nder sind berall in
Bewegung und spielen den groen schnffelnden jungen Fchsen manch einen
Schabernack.
Da summt eine Biene ... die jungen Fchse schnappen danach, es ist
unwiderruflich die letzte Biene des Jahres!
Die Tiere haben unge geworfen, die Vgel haben ihre Eier ausgebrtet
und die Pflanzen haben Samen angesetzt; jetzt ist der groe Erneuerer,
der _Winter_, im Anzug.
Als es rauh und kalt geworden, und als es mit dem Futter knapp wird,
besuchen die beiden alten Eulen ein Aas, das am Rande eines kleinen Sees
jenseits der Frde liegt.
Und dann eines Abends, als sie sich eben gesetzt haben, hren sie die
Unruhe aus einer Tanne herausbrllen.
Es ist ein Schu -- und die Federn stehen Uf um die Oh$
ist kein Brand im Sonnenuntergang: das Licht ist
hinter Schneetll verborgen. Ein schwerer, grauer Himmel lauert ber
der Erde; es schneit hin und wieder -- und die vereisten Birkenkronen
In der freien Luft ber dem Walde, wo ein beiend kalter Nebel die
hchsten Wipfel verschleiert, sind die Krhen im Begriff, sich zur Nacht
zu versammeln. Schon aus der Ferne hrt man sie in kleinen Scharen von
acht bis zwanzig heranziehen ...
Sie versammeln sich heuteabend frh -- und wie sie sich in
schwarzpunktigen groen Schwrmen rund herum schwingen um den alten,dichten Tannenwald, der sie mit seinem Nadeldach und tausenden von
Ruhezweigen anzieht, klagen sie in einem mchtigen Chor ihre Winternot.
Die Krhe gibt in der Regel einem kahlen Schlafast den Vorzug. Sie
will am liebsten in der Esche des Moores oder in der alten Buche des
Hochwaldes sitzen, um leicht aufhaken und abstreichen zu knnen. Aber
heute abend ist das Wetter ungewhnlic: hart, und der Hunger im Bauch
ist nur halb gestillt.
Kra-ah! Kra-ah! singen die $
Es klingt wie ferner, rollender Donner.
Der Herbst ist im Anmarsch.
Bald wird das Korn von den Feldern eingefahren, und auf den einsamen
Heidehfen heimst die Hungerharke die berreste ein. Tausende von
Feldmusen, die im berflu geschwelgt haben, merken, da sNe arm und
rmer werden. Frher brauchten sie nur an den Halmen hinaufzurennen und
die hre hinabzubiegen, dann wurde sie mit den Znen abgeschnitten und
heimgetragen -- hinunter in das Mauseloch. Jetzt mu man mhselig nach
einer hre suchen, lange Wege laufen -- und findet man sie, so ist man
glcklich, wenn sie nur nicht verschimmelt ist oder nicht schon lngst
gekeimt hat.
Aber es soll noch schlimmer werden! Die Rolle, die eine hre frher
gespielt hat, wird bald von einem Korn bernommen.
Die Muse huschen zwischen den Stoppeln umher ... sie haben ihre Gnge
und Schlupfwinkel ber das ganze Feld; es ist gleichsam von ihren
Tunneln untergraben. Und ein !Loch liegt neben dem andern, schrge geht
es hinab und bestimmt guckt es aus der Erde hervor mit$
 privilegirte Stellungen einnehmen, und doch hat kaum
Einer, Monarch und Minister nicht ausgenommen, seine volle Freiheit
erreicht. Kann man also behaupten, da die soziale Freiheit
besteht? Sie ist wie die Gleichheit und die Brderlichkeit nur
Chimre. Die Brderlichkeit sandte Einen nach dem Andern ihrer
KoryphenKzur Guillotine, die Gleichheit dekorirte das Volk mit dem
Titel Souvern, schaffte ihm aber weder Arbeit noch Brot; es
verkauft sein Leben um 5 Sous pro Tag[12] und man schleift es, die
Kette am Hals, zur Schlachtbank. So sind Freiheit, Gleichheit,
Brderlichkeit nur Phantome.
[Funote 12: Der Sold des franzsischen Soldaten jener Zeit.]
Die Freiheit ist illusorisch, wenn sie nicht allgemein ist. Wo der
freie Aufschwung der Triebe auf eine sehr kleine Minderheit
beschrnkt ist, da giebt es nur Unterdrckung. Um aber der Menge
die Entfaltung und die Befriedigung der Triebe zu sichern, ist eine
soziale Organisation nthig, die drei Bedingungen erfllt. Man mu
1. ein Regime der industriellen Att$
hren legitimen Kindern Grundlage ihrer Gesellschaft ist, abel
dieser monogamischen Ehe _voraus_ geht das brgerliche Eigenthum,
der Privatbesitz an Grund und Boden und an den Produktionsmitteln.
Der Privateigentmer ist bestrebt, sein Eigenthum zusammenzuhalten,
auch ber seinen Tod hinaus; er will in seinem Eigenthum
gewissermaen fortleben. Er sucht also einen Erben, der seinen
Intentioen gem sein Eigenthum verwaltet und wo mglich vermehrt.
Wo kann er diesen seinen Intentionen entsprechenden Erben besser
finden, als in dem von ihm selbst gezeugten Kinde, das vielleicht
auch der Erbe seiner Charaktereigenschaften ist und das er vor
allen Dingen durch die Gewalt, die er ber es ausben kann, seinen
Absichten gem zu bilden und zu erziehen suchen wird? Damit aber
der Erbe auch sein wirklich _legitimer_ Erbe sei, mu er mglichst
sich vor der Gefahr sichern, die Kinder eines Fremden als die
seinen ansehen zu mssen, und deshalb umgiebt er die Ehe mit all
den gesetzlichen Zwangseigenschaften, die sie heute $
Anblick von so viel offenen
und geheimen Verletzungen allr festgestellten Ordnung zgern,
anzuerkennen, da entweder das Regime der Liebe bei uns im
Widerspruch mit der Wahrheit und der Moral organisirt ist, oder da
ein solcher Zustand unvertrglich ist mit der Zivilisation, da die
Zivilisation der Antipode der Moral und der Wahrheit.
In den niederen Klassen herrscht vollkommene Emanzipation, dort
existirt ie freie Liebe offen. Und diese Klasse, die so offen die
religisen und die Moralgesetze verletzt, umfat die Hlfte der
weiblichen Bevlkerung unserer groen Stdte. Ich will nicht unsere
Zofen und Zimmermdchen zitiren, die im Rufe stehen, keine Kenntni
von den Gesetzen der Enthaltsamkeit zu besitzen, wenigstens handeln
sie, als htten sie nie davon sprechen hren. Und wie in der
kleinen, so ist es in der groen Welt. Bei den Leuten comme il
fau4t hat der Ehemann seine bekannten Maitressen und die Dame vom
Hause ihre anerkannten Liebhaber. Das gehrt zur Harmonie der
Haushaltung und das heit man: $
dwirthschaft, von selbst, der Boden seiner Existenz, allgemein
anerkanntes Tauschmitel fr alle Waarenaustausche zu sein, wirdihm entzogen. Da wo Produkt gegen Produkt, richtiger Arbeit gegen
Arbeit gesellschaftlicher Vereinigungen sich austauscht, wird der
Austausch ein einfaches Rechenexempel, das auf dem Wege der Bchung
der austauschenden Faktoren beglichen wird. Dagegen mu in einer
auf Millionen Einzelwirthschaften beruhenden Produktion, wo das
Produkt als Waare den einzigen Zweck hat, so rasch als mglich die
Hnde seines Produzenten zu verlassen, um durch Dutzende von Hnden
die verschlungensten Kanle zu durchwandern, welche die Spekulation
ihm anweist, bis es endlich in die Hnde des Bedrfers gelangt, wir
sagen, hier mu nothwendig ein gesellschaftlich anerkanntes
Aequivalent zur Ausgleichung aller dieser Manipulationen vorhanden
sein, und dieses ist das Geld, das den Doppelcharakter besitzt,
gesellschaftlich anerkanntes Werthma und Waare zu sein.
Andererseits, fhrt Fourier fort, habe die Zivilisa$
sprachen ihm kameradschaftlich zu, aber
was sein eigentliches Herzleid ausmachte, konnten sie natrlich nicht
-wissen; fr einen Zwiespalt wie den in seiner Brust gab es keine Heilung
Da er die Muttersprache fast vergessen hatte, vermochte er seine
merkwrdigen Erlebnisse anfangs nur stockend zu berichten. Um nicht das
Ziel des Neides zu werden, schenkte er den neuen Gefhrten vieles von
seinen mitgebrachten Reichtmern, indessen stachelte er damit doch nur
ihre Habsucht an, auch Cortez sagte sich wohl: wo Datteln verschenkt
werden, sind die Palmen nicht weit. Deshalb lieh er den Einflsterungen
Geronimos ein williges Ohr und zog mit seiner Mannschaftber das
Gebirge. Nun war er nebst allem andern ein Meister des listigen Wortes
und der umgarnenden Rede, und whrend er erwog, wie er das Heer des
Kaziken, das ihm den Weg nach der Hauptstadt verlegte, unschdlich
machen knnte, wute er unter der Maske des Wohlwollens fr den jungen
Frsten Geronimo dahin zu beschwatzen, da dieser sich bereit erklrte,
den K$
rd als
das eines Verliebten, noch angstvoller erregt von den Drohungen des
Geschicks. Ein Kind ist Eigentum, trotzte Ewein, eigen Fleisch, eigen
Blut; seine Ehre ist meine Ehre, seine Schmach die meine. So gab ihm die
Liebe Kraft zu der furchtbaren Tat. Er schickte sein Weib mit einem
Auftrag in das nchste Dorf, wo sie auch bernachten sollte. In
wunderlichen Gesprchen verbrachte er mit den Tchtern den Abend; er war
eine Art PhAilosoph und hatte sich vieles von den Lehren der alten
Mystiker zu eigen gemacht. Die beiden Mdchen gingen zur Ruhe, fr die
Ewigkeit zur Ruhe. Kein lsterner Geck soll euch nahen, rief ihnen
Ewein im Geiste zu, kein Unwrdiger eure keusche Brust ffnen; der
Verrat nicht zu euch dringen, Notdurft euch nicht peinigen, die Klte
der Herzen euch nicht frieren machen. Wenn auch nur der entfernteste
Hoffnungsstrahl geleuchtet htte, und wenn es nicht ein Werk der Liebe
gewesen wre,oso htte ihm sicherlich der Mut gefehlt, als er mit der
Schuwaffe an das Lager der Jngsten trat, um $
ichste Aufenthalt auf Erden und
vielleicht wandert er als Greis noch einmal ins heilige Land, blo um
vor seiner FamilieyRuhe zu finden. Aber Sie haben mich bekehrt, lieber
Rudolf. Wenn die grflichen Herrschaften so famose Leute waren wie diese
de Landas, mu ich mich meiner Skepsis schmen.
Htte die Josepha Kinder gehabt, wer wei, ob nicht Frau de Landa doch
eiferschtig geworden wre, bemerkte Franziska. Ich kann mich ja in
keine der beden Frauen versetzen, obwohl ich mir bewut bin, da die
Lockung, die fr euch Mnner die wesentlichste in der Liebe ist, fr uns
viel geringer ist als ihr alle vermutet. Das grbste Weib ist darin noch
nicht so materiell wie der zarteste Mann.
Du lobst mir die Frauen zu sehr, entgegnete Georg Vinzenz, das lt
nur darauf schlieen, da du die Mnner besser kennst. Ich gebe zu, da
der Mann die Sinnlichkeit sozusagen wrtlicher nimmt; umso tiefer
befindet er sich im Einklang mit der Natur, der jede Aufbauschung und
Verschnrkelung ihrer einfachen Triebe eigentlich$
 Wege zu schauen, auf denen die Duldenden und die
Geopferten schritten, und andere Wege, wo die Priester und die Richter
gingen! Sein beschftigter Blick streifte mehrmals das Gesicht
Hadwigers, der die Hand an der Stirn, die Lippen gepret, sehr bleich
und gleichsam im Innersten verstummt, den Freunden und sich selbst
entzogen war, und immer wieder kehrte er dann den Blick ein wenig
erschrocken zur Erde. Franziska mochte nicht mehr lnger unter dem Druck
des Schweigens bleiben. Sie richtete sich empor, und wie sie pltzlich
zu lcheln imstande war, erinnerte daran, da sie eine Schauspielerin
gewesen. Cajetan sprang auf, ging rasch zu ihr hin und kte ihr die
Hand. Sie blickte ihn prfend an und schttelte den Kopf, halb
vewundert, halb dankbar. Jetzt, wo ich mich so sicher unter euch
fhle, sagte sie, wo jeder Tag etwas so Wahres hat, jede Wort etwas
so Menschliches, kommt es mir vor, als htt ich das Jahr garnicht
wirklich gelebt; ich spr es blo, denken kann ichs nicht, freilich,
glauben mu ich es.$
t; da er den Hafen
sicher und ohne Verluste erreichte, ist ein neues Beispiel fr das
unglaubliche Glck, das sich an die Schritte der Bonapartes zu heften
scheint und all) ihre Operationen begleitet."[12]
Nun erst verlieh Napoleon dem Heimkehrenden den Titel eines
franzsischen Prinzen, und als Anerkennung seiner Tapferkeit den Rang
eines Kontreadmirals. Als hhereAuszeichnung noch empfand es Jerome,
da Napoleon ihm fr den bevorstehenden preuischen Feldzug die
bayrische und wrttembergische Division anvertraute und es ihm nun
endlich vergnnt war, unter den Augen des bewunderten kaiserlichen
Bruders zu fechten. Jerome bewhrte sich. Trotz seiner 24 Jahre wute er
sich den Respekt der Truppen und ihrer Fhrer zu gewinnen, aber mehr
noch das Herz der Soldaten durch seine Sorge fr ihr Wohl.[13] Am Tage,
als die letzte schlesische Stadt vor ihm kapitulierte, erreichte ihn die
Nachricht vom Tilsiter Waffenstillstand. Der Friede folgte. Napoleon
hatte Preuen unterworfen und seinem Bruder ein Knigreich erob$
suchen
wir den Verkehr mit Menschen nicht. Wir mssen still in unserer Klause
bleiben und des Heldenwarten, der uns von den lastenden Ketten des
Unglcks befreit. Bewahren Sie ein mitleidig-wehmthig-liebevolles
Gedenken Charlottens treuem Freunde
Theodor Mundt.'
"Als seltsamstes Schriftstck gebe ich noch den Brief des Gatten wieder:
"'Holde mitleidige Genien! Von uns wollen Sie wissen, uns wollen Sie
kennen lernen? Aus dem Licht Ihres Daseins mchten Sie in die dunklen
Wohnungen verannter Snder sehen? Snden Sie uns Ihr Licht, da es mich
erhelle, und einstimmen will ich in Ihre Hymnen zum Lobe des Schnen,
des Guten und Wahren. Und nach Weimar rufen Sie uns, um am Grabe Ihres
Propheten zu weinen, Lebenskrfte zu schpfen. Wissen Sie denn, ob er
auch mir ein Prophet ist? Und der Glaube allein kann Wunder verrichten.
Fr uns giebt es keine Wunder. Lesen Sie Byron und Sie kennen mich;
lesen Sie, wenn Sie es knnen, die goldene Schrift der Sterne, und Sie
kennen Charlotte. Dem gtigsten Schicksal befehle ich $
solange man lieber einer Reihe von Herren als von
Dienern angehrt, -- das aber lt sich nicht erkaufen.
"Der Charakter ist die Composition des Menschen, seine Tugenden sind die
Melodie, seine Fehler das Accompagnement, das Instrument ist das Leben,
wohl dem, der es zu stimmen versteht! Das Schicksal schlgt den Tact
dazu, und nur ein groer, starker Menschengeist wird es selbst thun
knnen und ihn'fest und ohne Schwanken beibehalten.
"Es giebt einen anscheinenden Leichtsinn, den die Philosophie gerade den
tiefsten Gemtern lehrt, es ist das oft mhsame Ueberbordwerfen von
Schwerem und Trbem. Wenn die ?Leiden der Menschheit das innerste Herz
zerreien und die Trauer darber fast jede Kraft lhmt, so mu man das
zu lebhaft fhlende Herz zu einem gewissen Leichtsinn erziehen, damit
die Kraft ungebrochen und das Leben ertrglich bleibe, damit man Muth
und Strke habe, wo es Hlfe und Thaten giebt.
"Wenn Sie wten, wie schwer und wie ntig gerade mir dieser Leichtsinn
ist, wie sehr ich schon meinen Hang zur S$
t einer Kugel durch
den Kopf endet, und den armen Mann, der durch geistige oder krperliche
Arbeit ein Vermgen gewinnt und Gutes fr die Menschheit leistet; male
treu ihr inneres und ueres LeQben und dann la aufrichtig die Frage
beantworten: CAuf welcher Seite ist das Glck?' Auch dann, wenn nach
diesem Leben nichts wre, auch dann ist der Christ der glcklichste
Mensch auf Erden."
Das Leiden der Kinder aber -- und schlielich auch das der Tiere, fr
das ihr Mitleid fast ebenso rege war -- schien die Grundpfeiler des
ganzen Gebudes ihrer Religion zu erschttern. Ist es mglich,
angesichts eines gequlten Tieres, eines mihandelten Kindes an den Gott
der Liebe zu glauben?! Kann ein gtiger Vater im Himmel ruhig mit
ansehen, was fr einen guten Menschen schon unertrglich ist?! Selbst
die weitere Erklrung des Unglcks als einer Prfung, an der die
moralischen und geistigen Krfte reifer Menschen wachsen sollen,
versagte angesichts derer, die noch keine Krfte haben. Und die
alttestamentarische Ansicht vo$
Auffassung noch in den Verdacht
revolutionrer Gesinnungen bringen konnte, fr die Kaiserkrone
Deutschlands auf dem Hauptme eines Hohenzollern scwrmte. Mchte der
Ruhm uns nicht bermtig machen und die Macht nur dazu fhren, dem Wohle
des Volks zu dienen."
Nach dem Feldzug mute sich Gromama wieder von ihrer Tochter trennen.
Die Hoffnung, da mein Vater als Generalstabsoffizier im _IV._
Armeekorps bleiben wrde, erfllte sich nicht, er wurde vielmehr nach
Karlsruhe versetzt, so da die Trennung, der weiten Entfernung wegen,
eine recht schmerzliche war. Da ihr Sohn Otto so frhlich zurckkam und
beim Kronprinzen in Potsdam blieb, da ihr Sohn Werner so viel ernster
und reifer gworden zu sein schien, erleichterte ihr den Abschied. Im
Sommer des folgenden Jahres verband sie eine Reise nach Karlsruhe mit
einem Besuch bei ihrer Schwester in Paris und beschlo sie mit der
gewohnten Karlsbader Kur. In einem Briefe aus dieser Zeit -- 1872 --
heit es: "Es scheint, als ob ein sehr friedliches, sorgenloses Auslebe$
ten sie ihr ein paar Eimer eiskaltes Wasser ber den Kopf
gegossen, und als sie zu sich kam, war sie halb gelhmt und bldsinnig.
Sie erholte sich so weit, um die Puten hten und -- fast alljhrlich ein
neues elendes Wrmchen in die Welt setzen zu knnen. Der Kindergarten
nahm sie alle auf und brachte ein bichen Sonnenschein in das dunkle
Leben der Kleinen, etwas Freude in das graue Leben der Mutter. Wo sie
meine Gromutter sah, den einzigen Menschen, der ihr anders begegnete
als mit Fluchen, Schelten und Spotten, humpelte sie von weitem schon
eilig auf sie zu, um ihr die Hand zu kssen; dabei huschte ber ihr
bldes Gesicht ein seliges Lcheln, und ein Blick grenzenlosen Erbarmens
antwortete ihr aus den Augen ihrer Wohlterin. Als aber nach einiger
Zeit die fromme Schwester, die Leiterin des Kindergartens, ihn selbst um
ein kleines, schreiendes Baby vermehrte, wurde trotz aller
Gegenorstellungen meiner Gromutter der Anla bentzt, ihn aufzulsen.
"Du siehst, wohin solche Sentimentalitten fhren, dadurc$
mit
aufrichtiger Dankbarkeit
Ihr alter Freund
Carl Alexander."
Auch aus der Ferne schlo sich der Kreis der alten Freunde um so enger
zusammen, je kleiner er wurde. Drei Greise ware es nur noch -- Jenny
Gustedt, der Groherzog und die Kaiserin -- die das Band einer
gemeinsamen Vergangenheit umschlo. Und unter ihnen war Jenny die
Trsterin, die, die sie aufzurichten versuchte aus dem niederdrckenden
Leid. "Aus jeder Zeile, die meine geliebte Kaiserin mir schreibt," heit
es in einem Brief meiner Gromutter aus dem Jahre 1888, "lese ich, wie
schwer sie unter den Schgen des Schicksals leidet: den Gatten, den
Sohn verloren, den Enkel, der die erziehende Schule des Kronprinzentums
nicht durchmachte -- wie sie sich ausdrckt -- unter der Last einer
schwer zu tragenden Krone, mit dem Ausblick in eine ungewisse Zukunft."
Nicht allzu lange sollte die Kaiserin die neue Zeit miterleben, die ihr
immer fremder wurde. In den ersten Tagen des Jahres 1890 schlo sie die
mden Augen fr immer. Kurz darauf schrieb Carl Al$
n= von Detlev von Liliencron.
=2: Der Kampf ums Blockhaus= von Charl. Sealsfield.
=3: Der Schiffszimmermann= von Friedrich Gerstcker.
=4: Gefangen im Kaukasus= von Leo Tolstoi.
=5/6: Jack= von Anton von Perfall.
=7: Die Frhglocke= von Adolf Schmitthenner.
=8: Das kalte Herz= von Wilhelm Hauff.
=9: Eine Nacht im Jgerhause= von Friedrich Hebbel.
=10: Der Pfadfinder= v. J. F. Cooper. I. Teil: =Auf d. Oswego.=
=11/12: Desgl.= II. Teil: =Kampf auf den Tausendinseln.=
=13: Tito,= die Geschichte einer Prriewlfin v. E. S. Thompson.
=14: Das Schlo in der Hhle Xa Xa= von G. Schwa=.
=15: Die Geschwister. Der Gei-Christeli= v. Ernst Zahn.
=16/18: Robinson Crusoe= von Daniel de Foe.
=19: Der Greifenprinz. Das Haus der Wichtel= v. Wilh. Fischer.
=20: In der Hlle. Im Eise= v. Philipp Kniest.
=21: Der Reisekamerad. Die kleine Seejungfer= von H. Chr. Andersen.
=22: Bei der Glockenboje= v. Joh. Wilda.
=23: Waltharilied und andere Sagen= von J.Grimm.
=24: Abenteuerliche Geschichten= vo. Heinrich Zschokke und Charles
  $
e, die hinter ihm stand,
merkte, da sie deutlicher werden mute. Hans, sagte sie, du willst
ja deinen Strau der Frau Prinzessin geben!
Oder vielleicht der Mama? rief der Kleine und sprang lustig durchs
Zimmer auf Wseine Mutter zu, die sich ganz bescheiden hinter die lteren
Damen zurckgezogen hatte. So war denn richtig die Strung eingetreten.
Was tun? Eine Unterhandlung konnte Frau Rmer nicht mit dem Kind
anfangen, so folgte sie einer raschen Eingebung, nahm den Strau aus der
Kinderhand, trat mit Hnschen vor und sagte bittend zur Prinzessin:
Wollen Sie die Blumen wohl von mir annehmen?
Ja gewi, gern, sagte die Prinzessin liebenswrdig, was haben Sie fr
einen prchtigen Jungen, er hat uns den grten Spa gemacht, der kleine
geplagte Mann.
Noch ein paar Minuten verweilten die Gste, dann verlieen sie die
Stube; der ganze Aufenthalt hatte vielleicht zehn Minuten gedauer und
wieviel Arbeit und berlegung hatte die Herstellung der Bauernstube
Die Frauen blieben allein mit den Kindern zurck. $
gen und
begrte sie ruhig und mit wenigen, khlen Worten. Kein Ku, keine
Umarmung, gar nichts, was an eine Mutter erinnerte. Berta war erstaunt.
Sie hatte sich das so ganz anders gedacht. Eigentlich war es ihr aber
eine Erleichterung. Sie selbst hatte ja auch keine zrtliche Empfindung,
so konnte ihre eigene Zurckhaltung nicht so auffallen. Die neue Mutter
stellte sie nun einigen Mdchen vor, die auch als Gste geaden waren,
und berlie sie diesen.
Erst in der Kirche sah Berta die Mutter wieder und sie mute immer und
immer wieder zu ihr hinberblicken. Sie sah so ernst aus, nicht frhlich
und heiter, wie sich Berta eine Braut vorgestellt hatte. Einmal
begegneten sich ihre Blike. Schchtern schlug Berta die Augen nieder
vor dem ernsten, forschenden Blick, den sie noch lange auf sich
gerichtet fhlte.
Nach der Trauung versammelte sich die ganze Gesellschaft beim Mahle, und
unte der jungen Welt, die Berta umgab, ging es bald sehr heiter und
lustig zu, so da auch sie sich verga und mit den andern frhlich $
nnt ihre fortdauernde Beitragsleistung zur
Zinsquote des Gesamtvermgens die Bedeutung und den Charakter der reinen
Weitere sehr verhngnisvolle Wirkungen ergeben sich auf Grund des
Umstandes, da von der Gesamtsumme, die zur Verzinsung des
Nationalvermgens jhrlich aufgebracht wird, ein sehr betrchtlicher
Teil auf eine relativ ganz geringe Zahl von bevorzugten Nutznieern
entfllt, den Eigentmern der sehr groen Vermgen, und dadurch diesen
ein Einkommen verschafft, welches ber die Bedrfnisse selbst einer sehr
erhhten Lebenshaltung weit hinaugeht. Die Millionre sind aber meist
sprsame Leute, die den berschu nicht zu vergeuden oder zu verschenken
pflegen. Von jenen groen Einkommen gelangt daher nur ein Teil zum
Verbrauch, der andere -- hufig grere -- Teil wird zurckgelegt und
figuriert am Schlu des Jahres in dem Zuwachs des Nationalvermgens, der
fr das nchste Jahr mit zu verzinsen ist. Von Jahr zu Jahr wiederholCt
sich dieser Vorgang. Dadurch wchst das Nationalvermgen, also auch
dessen Zin$
chtet
wrde. Bei uns in Deutschland gibt es unter den Unternehmern zwar auch
viele, die anstndig genug sind, sich nur zu rgern, wenn ihre Leute
andere Ideen haben und verfolgen wollen als sie, ohne sie das weiter
entgelten zu lassen. Nur sehr wenige aber gibt es erst, die dabei nicht
denken, die Gromtigen zu sein, vielmehr das Bewusstsein haben, dass es
ihre soziale Pflicht sei, als Unternehmer ber jenes{nicht einmal sich
zu rger`. Bei uns also mu wohl dem schwachen Rechtsbewutsein durch
eine gesetzgeberische Deklaration des Brotherrn unter die Arme
gegriffen werden, wenn die jetzt beliebte =uslegung nicht erst noch viel
greren Schaden anrichten soll. Es erscheint mithin als sehr dringlich,
da die Reichsgewerbeordnung -- und wenn sie fr den Landbau eine
Gesinde-Ordnung bleiben mte, dann auch diese -- bald einen Paragraph
bekomme, der kategorisch vorschreibt, neben den sonst durch Anschlge zu
verlautbarenden viel minder wichtigen Vorschriften msse in jedem Raum
in Stadt und Land, in welchem$
umlichen und
persnlichen Zusammenhang mit der Optischen Werksttte zu bringen, ist
die Begrndung des Glaswerks als einer Tochteranstalt der letzteren
sogar der bedeutsamste Akt der organisatorischen Arbeit der zweiten
Periode, wie sich in der Folge gezeigt hat; er war aber auch der
schwierigste hinsichtlich der Entschlieungen, weil das neue Unternehmen
damals als ein kecker Sprung ins Dunkle sich darstellen mute, mit
betrchtlicher Gefahr groen wirtschaftlichen Mierfolges verknpft.
Auch die Fortsetzung der inneren wirtschaftlichen und technischen
Arbeit, im Verfolg des ursprnglichen Programms hat in der jetzt
betrachteten Periode, dem vierten Jahrzehnt, noch w;ichtige Fortschritte
gebracht, sogar erst diejenigen Fortschritte, in welchen der Gedanke der
rationellen Konstruktion des Mikroskops seine eigentliche Bewhrung und
die Anerkennung unbestrittenen Erfolgs gefunden hat. Hinsichtlich ihrer
Bedeutung fr die Fortentwicklung des Ganzen treten aber selbst diese
Fortschritte durchaus zurck hinter $
uf das Vergangenewnoch einen Ausblick auf die Zukunft
folgen zu lassen -- nicht um ihren Schleier vorwitzig zu lften, sondern
um uns zu deutlicherem Bewutsein zu bringen, welche besonderen
Ansprche die Zukunft an diejenigen stellen wird, die in unserem Kreis
ihren Aufgaben werden zu dienen haben.
Wir drfen uns nicht verhehlen, da diese Ansprche in mehreren Punkten
strengere sind, als auf dem Gebiet praktischer Ttigkeit der Regel nach
an die Personen und ihre Leistungen jetzt gestellt werden. Die
Unterordnung der Wirtschaftsfhrung der _Carl Zeiss_-Stiftung unter
grere soziale Aufgaben legt ihren Betrieben Pflichten und Lasten auf,
die andere Industrieunternehmungen zur Zeit noch nicht zu erfllen
brauchen; und einstweilen ist es noch Sache nicht der Gewiheit sondrn
nur der Annahme, da der Vorteil der Elimination des Nutznieung
suchenden Kapitalisten oder Unternehmers aus dieser Wirtschaftsfhrung
auch auf die Dauer das ausreichende quivalent fr jene greren Lasten
Was aber schwerer ins Gewicht$
ch das Interesse derjenigen Brger wahrzunehmen hat, welche
nach 20 oder 30 Jahren kommen. Der Kollektivbesitz mu gewahrt und
erhalten werden, und seine Ertrgnisse drfen als Kollektivererb nicht
verteilt werden.
Genau so ist es in unserm Kreis. Obwohl von der Stiftung kein anderes
Interesse vertreten werden kann, als das Interesse einer Genossenschaft
als solcher, so ist damit ein _Interessengegensatz_ gegeben, der in alle
Angelegenheiten hineinspielt. Aus materielle"n Gesichtspunkten mu die
Firma darauf halten, einen Teil des gesamten Arbeitsertrages als
Kollektivbesitz zu erhalten und nicht zur Verteilung zu br ingen. Es
entsteht die Frage: nach welchen Grundstzen und Theorien soll dieser
Teil ermittelt werden?
Sie werden mir nun freilich sagen, wenn ich behaupte, in Hinsicht auf
die Regelung der wirtschaftlichen Interessen sei die Firma eine
Produktivgenossenschaft: das ist mir eine schne Genossenschaft, bei der
die Genossen in wichtigen Dingen, in bezug auf Leitung und Verwaltung
des Ganzen, _nicht$
er habe ich
das Vertrauen, da sie nach sorgfltiger Prfung aller Unterlagen meiner
Anklage Recht geben und dadurch die schimpfliche _Bescholtenheit_ heilen
werden, unter die unser Staatswesen vor ganz Deutschland gekommen ist
durch die kecke Behauptung: in unserem Land knne _kraft
Polizeiallmacht_ den Brgern alles verboten werden, was nicht durch ein
besonderes Gesetz ihnen ausdrcklich _erlabt_ worden ist.
Und so wird dann auch, hoffe ich, endlich und endgltig das _Odium_
wieder beseitigt werden, das _auf Land und Personen_ gefallen ist durch
Verbreitung des falschen Glaubens:
_im ersten Jahre der Regierung des Groherzogs Carl Alexander und durch
eines von den ersten unter seinem Namen ergangenen Gesetzen sei der
Verfassungsstaat des Groherzogs Carl August in dIen Polizeistaat
zurckrevidiert worden._
Gesetz ber das Strafandrohungsrecht der Polizeibehrden.
Wir Carl Alexander,
von Gottes Gnaden Groherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, Landgraf in
Thringen, Markgraf zu Meien, gefrsteter Graf zu Hen$
its an Stoffen, die notwendig fr die Erhaltung der normalen
Funktionen sind, andererseits bsteht in einem berschusse von Stoffen,
die nachteilig sind.
D#ese Ermdung, die sich durch die Stoffvernderungen ergibt, trifft in
erster Reihe und zunchst diejeigen Organe, die der Ermdung
unmittelbar ausgesetzt sind, also bei schwerer Muskelarbeit die Muskeln,
bei intensiver Nervenarbeit, bei angespannter Aufmerksamkeit, in erster
Reihe die Zusammensetzung der Nerven, vielleicht die Gehirnpartien, die
Organe, die in erster Reihe die Ttigkeit vermitteln. Durch die Wirkung
des Blutkreislaufes wird aber die spezifische Ermdung immer ausgedehnt
auf den ganzen Krper, so da eine Ermdung durch geistige Ttigkeit
zugleich eine Ermdung des Krpers bezglich der Muskelttigkeit
involviert und umgekehrt. Es wird also der berschu an schdlichen
Bestandteilen allmhlich auf den ganzen Krper verteilt und gibt eine
allgemeine Ermdung.
Ich fhre das hier blo zu dem Zwecke an, um erkennbar zu machen, da
meine weiteren$
it einem losen Friesanzug bekleidet,
einen wollenen Schal um den Hals, und groe Fausthandschuhe an den
Hnden; er trug einen lndlichen Korb -- blaugemalt, mit gelb-weien
Ein groes Geheimnis ging endlich seiner Offenbarung entgegen; seit
Tagen war die ganze Schule darauf gespannt gewesen, wie, wo und mit wem
der Zusammensto erfolgen werde, der jetzt drohte, wann der feierliche
Moment der Abrechnung komme, in dem Ole Tuft vor einem Mitglied der
gestrengen Schulpolizei endlich eingestehen mute, wo er sich
nachmittags und abends herumtrieb und was er da anstellte.
Ole Tuft war der Sohn eines wohlhabenden Bauern vom Strande drauen --
das einzige Kind. Sein Vater, der vor einem Jahr gestorben, ar der
angesehenste Laienprediger der westlichen Lande gewesen und hatte schon
frhzeitig seinen Sohn zum Geistlichen bestimmt, weshalb dieser jetzt
das Gymnasium besuchte. Ole war begabt, fleiig und seinen Lehrern
gegenber von einer Ehrerbietung, die ihn zu ihrem erklrten Liebling
Aber die Haare allein machen noc$
mmen.
Die Mbel waren -- fr eine kleine norwegische Stube im Winter -- zu
schwer und zu dunkel; auch wareJn sie zerschlissen und verblichen. Die
Kupferstiche und Photographien hingen in groen Rahmen, die nicht dicht
schlossen, so da Staub und teilweise Feuchtigkeit das Papier verdorben
hatten. Nur das Kinderspielzeug und der Flgel hoben sich von dem andern
ab; der Flgel schien ganz neu zu sein und stammte von der besten
Pariser Firma -- augenscheinlich ein Konzertflgel. "Die gndige Frau
spielt so gut -- habe ich gehrt?" -- "Ja." -- Kallem wute, da sie
sich von Kind auf fr die Musik ausgebildet hatte, und -- um etwas zu
sagen --griff er dies Thema auf. "Sie hat auf dem Konservatorium in
Berlin studiert, nichtwahr?" -- "Ja!" --Im Zimmer rechts, das an das
Eckzimmer stie, wurden Sthle gerckt. Kallem griff dies Thema auf. --
"Ich bekomme im Eckzimmer einen Nachbarn, wie ich hre?" -- "Ja" --
"Ein Verwandter von Ihnen?" --"Ja, eine Tante." -- Wieder wandte Sren
Kule den Kopf nach links und rief glei$
 noch das
Allerschlimmste! Unmglich, ganz unmglich! Marie erbot sich,
mitzugehen, und Kallem versprach, auch ihre berfahrt zu bezahlen. Aber
beide die Kinder verlassen -- das konnten sie unter gar keinen
Umstnden; der bloe Gedanke schon war ein Unrecht!Marie mute also
bleiben, bis die Kinder gsut versorgt waren.
Wenn sie selber wirklich reiste, so mute sie an Bord gebracht werden,
ohne da jemand davon erfuhr. Also mute das Ntigste fr die Reise
gekauft werden; das mute selbstverstndlich umsichtig vorbereitet
werden. Hier erwartete er abermals Widerstand; aber so kindlich war sie
noch, da sie sich, noch ehe etwas Bestimmtes ber die Reise selbst
ausgemacht war, verfhren lie, die Reisegarderobe einzukaufen; das
machte ihr Spa. Wenn er nur einmal lnger mit ihr htte sprechen
knnen, oder wenigstens eine Weile tglich; aber sie war vorsichtig bis
aufs uerste. So schrieb er denn ellenlange Briefe; zu antworten wagte
sie nicht, da sie sich von der Tante und von der Kchin berwacht
glaubte. Aber$
ber fressen tat er -- nach Ragnis Ausdruck -- wie ein Scheunendrescher.
Und wenn er dann mit den feuchtkalten Hnden an seinen Hosen
herunterstri
ch oder sich durch das dicke, fettige Haar fuhr, dann war er
noch schlimmer als Kristen Larssen!
Jeden und jeden Tag diesen ekligen Bengel am Tisch! Und abends Kristen
Larssen! Dazu nwch die vielen alten Weiber, die Kallem ihr schickte,
damit Ragni sie mit wollenem Zeug versehe! Kinder, die sie oft von Kopf
bis zu Fu neu kleiden mute, -- alle seine Tuberkulosefreunde!
Nicht nur, da die Menschen an sich ihr unangenehm waren; sondern da
alle Tren offenstanden --! Sie hatte keine Freistatt mehr, war nicht
mehr Herr ihrer Zeit! Mit ihm darber zu sprechen, -- was hatte das fr
einen Zweck? Wenn das, was _ihr_ die tiefste Qual bereitete, _seine_
hchste Freude war? Ein bichen Eifersucht war auch dabei: er hatte
berhaupt keinen Blick mehr fr sie und das, was ihr lieb war! Die Sache
mit seiner Schwester lie er auch einfach so hngen. Pastors waren schon
lngst wi$
sal, zum unbeugsamen, mystischen Schicksal. Alles erschreckte sie;
sie sah in alle Zeichen und Vorbedeutungen. Der Junge schien nur auf
der kranken Seite liegen zu knnen; sonst schmerzte es ihn so, da er
laut jammerte, ... und jedesmal, wenn sie ihm dabei helfen mute, kam
ihr das ganz unbegreiflich vor. Sie schob ihm Luftkissen unter; sine
einzige Antwort bestand in herzzerreienden Bitten, sie mge ihn doch
ruhig liegen lassen. Sie wute nicht mehr, was richtig war und was
falsch. Nicht einmal an seine Beine durfte sie mehr rhren; er zog die
Knie herauf, das eine ber das andere ... lauter unerklrliche Einflle,
durch die sie sich gnzlich berflssig oder sogar lstig vorkommen
mute. Ob das bedeutete, da sie sich an den Gedanken gewhnen mute,
da sie im Grund _ganz_ berflssig war?
Schlielich mute sie das ja aufreiben. Schon die Angst vom einenmal zum
andern, wenn sie ihn anrhren mute, wre genug gewesen Aber die
Gedanken, die dabei mit unterliefen, machten sie geradezu verrckt.
Sprechen kon$
e sie sich und sa in
sich zusammengekauert da, die Hnde vor den Ohren. In ein anderes Zimmer
wollte sie sich nicht bringen lassen; hier wollte sie bleiben, und
Qualen erleiden. Manchmal, wenn sie sich halb zu Tode geKetzt hatte,
flchtete sie zu Tuft, wie zV einem stillen Hafen; "hilf mir!" flsterte
sie; es ginge um ihren Verstand, um ihr Leben; immer habe sie gewut,
da es einmal ein jammervolles Ende mit ihr nehmen wrde.
Tuft bewog sie endlich, sich aufs Sofa hinzulegen und sich kalte
Umschlge machen zu lassen; er bat sie so innig, und seine Liebe war so
stark, da sie ihr einen Halt gab. "Danke, Ole, danke!" Darnach wurde
"Er schreit!" rief sie pltzlich und setzte sich auf; sie wollte hinauf.
Der Pastor beteuerte, er hre nichts; aber im selben Augenblick hrten
sie es beide. "Ja, ja!" rief sie und wollte hinauf. Tuft umschlang sie
mit beiden Armen, bat und beschwor. Und wieder wurde sie still. Von oben
kam kein Laut mehr jetzt.
Oben ging alles schnell. Auf Kallems Verantwortung wurde der Junge
chl$
n wenig und sagte: Den vierten.
Zwei Tage falsch! seufzte der Hutmacher. Ich sagte dir ja, da Butter
das Werk verderben wrde, setzte er hinzu, indem er den Hasen rgerlich
Es war die beste Butter, sagte der Faselhase demthig.
Ja, aber es mu etwas Krume mit hinein gerathen sein, brummte der
Hutmacher; du httest sie nicht mit dem Brodmesser hinein thun sollen.
Der Faselhase nahm die Uhr und betrachtete sie trbslig; dann tunkte er
sie in seine Tasse Thee und betrachtete sie wieder, aber es fiel ihm
nichts Besseres ein, als seine erste Bemerkung: Es war wirklichdie
beste Butter.
Alice hatte ihm neugierig ber die Schulter gesehen. Was fr eine
komische Uhr! sagte sie. Sie zeigt das Datum, und nicht wie viel Uhr
Warum sollte sie? brummte der Hase; zeigt deine Uhr, welches Jahr es
Natrlich nicht, antwortete Alice schnell, weil es so lange
hintereinander dasselbe Jahr bleibt.
Und so ist es gerade mit meiner, sagte der Hutmacher.
Alice war ganz erwirrt. Die Erklrung des Hutmachers sc$
[Funote 67: Ps. 32, 10.]
[Funote 68: Jes. 41, 10. 43, 1.]
VIII. Nach der Niederkunft.
La den schwachen Dank der Beglckten zu deinem Thron aufsteigen, du
Beschtzer meines Lebens, mein geliebter Vater im Himmel! da du mich
erhrt und dein starker Arm mich untersttzt hat.Von meinem ganzen
Herzen will ich dir danken und alle deine Wunder verknden, ja ich will
froh sein und mich freuen in dir, und deinen Namen will ich lobsingen,
dem Namen des Allerhchsten. Amen!
IX. Bei der Beschneidung.
Sieben Schpfungstage sin nun glcklich ber dem Leben meines
neugeborenen Knaben verronnen, und heute am achten soll es nach deinem
unverbrchlichen Gesetz, o du Allheiliger, der du deinen Bund und dein
Erbarmren denen bewahrst, die dich lieben und deine Gebote halten, vor
dich gebracht werden und das Siegel der Gnade durch die Beschneidung
erhalten; heute soll er in den ewigen Gnadenbund aufgenommen werden, den
du mit Abraham und seinen Nachkommen geschlossen hast, da sie zum Segen
werden sollen fr alle Geschle$
hilf uns denn, da wir uns fern von trichter
Weichlichkeit halten, und da wir mit Freundlichkeit und liebevollem
Ernst ihnen die ntigen Ermahnungen und Erinnerungen geben, da wir
eintrchtig einander bei dieser Arbeit in deinem Dienste uns zur Seite
stehen mgen! Mit Trnen befehle ich dir meine Kinder, da keines von
ihnen miraten mge, und mein Herz durch Snde wider dich verwunde!
Bewahre sie vor schlechten Freunden, und la Vater und Mutter ihnen eine
Leuchte sein, die ihnen auf ihren Wegen leuchte, da sie nicht fallen;
aber wenn sie im Gewirr des Lebens verfhrt werden, ach, so la du die
Erinnerung an uns sie wieder zurck auf deinen Weg fhren! Herr, setze
du eine Schutzwehr um unser Haus, da es von keiner Schlechtigkeit
befleckt werde. La deinen Namen ber unsere Wohnung genannt sein zm
Leben und zur Seligkeit.
XIII. Eine Tochter fr die Eltern.
Unsichtbarer, alliebender Gott! Wie soll ich dir danken fr die
unendliche Liebe, die du mir bewiesen hast und mir noch jede Augenblick
erweist, und$
 zwingt mich zu einem solchen
schweren Schritt.
_Mr. Dashwood_
Das Gesetz legt Ihnen nur geringe Hindernisse in den Weg,
Mylord. Es ist ein erhebendes Gefhl fr den Staatsbrger,
da die Wagschale der Justitia sich stets auf die Seite der
Autoritt neigt.
_Lor Hamilton_
Ich habe inzwischen durch meinen Londoner Mittelsmann genae
NachrichtHn ber die fragwrdige Person dieser Emma Lyon
einziehen lassen. Die Nachrichten besttigen meine
schlimmsten Ahnungen, und wenn Sir Francis, was sich in
dieser Stunde noch entscheiden wird, auf seinem Vorsatz
beharrt, werde ich keinen Sohn mehr haben.
_Mr. Dashwood_
Es wird nicht an mir liegen, wenn die Inkraftsetzung der
vermgensrechtlichen Maregel einen langsameren Gang nimmt,
als der Heroismus wnschbar macht, den ich an Eurer
Herrlichkeit ehrfrchtig erkenne.
_Lord Hamilton_
(nimmt den Brief aus der Tasche)
Es wird sich zeigen.
_Ein Diener_
Sir Francis. (Ab.)
_Sir Francis_
(schuldbewut)
Ich bitte Sie um Verzeihung, Vater, da ich mich versptet
_Lord Hamilton_
Nich$
chrockener Elsalill sich zeigte, desto ruhiger wurde Sir
Archie. Sie flehte ihn an, zu fliehen, aber er lachte nur.
Du sollst nicht so sicher sein, Jungfrau, da die Landsknechte mich
fangen knnen. Ich habe schon schlimmere Gefahren bestanden als diese
und bin mit heiler Haut davongekommen. Da sah es vor ein paar Monaten in
Schweden rger fr mich aus. Da hatten ein paar Verleumder Knig Johann
gesagt, seine schottische Garde wre ihm nicht treu. Und der Knig
glaubte ihnen. Er lie die drei Anfhrer in den Turm werfen, und ihre
Mannen wies er aus seinem Reich und lie sie bewachen, bis sie ber die
Grenze waren.
Flieht, Sir Archie, flieht! bat Elsalill.
Du sollst um meinetwillen nicht bange sein, Elsalill,{ sagte Sir Archie
und lachte hart auf. Heute abend bin ich wieder der alte, jetzt bin ich
wieder in meiner Laune von einst. Jetzt sehe ich die junge Jungfrau
nicht mehr vor meinen Augen, da wei ich mir schon zu helfen. Ich will
dir von den dreien erzhlen, die in Knig Johanns Gefngnis saen. D$
lich fr ihn sei, sie zu
behalten, und da alles ihre eigne Schuld sei. Sie selbst htte es so
fr sich eingerichtet. Aber Gudmund schlug zu, da die Spne rings um
ihn flogen, und da konnte sie sich nicht entschlieen, etwas zu sagen.
Aber das Merkwrdigste an der ganzen Sache war, da der Bauer selbst,
der alte Erland Erlandsson, Helga zum Moorhof hinauffuhr.
Gudmunds Vater war ein kleines, trockenes Mnnchen mit kahlem Scheitel
und schnen, klugen Augen. Er war so verschlossen und schweigsam, da er
zuweilen den ganzen Tag kein Wort sprach. Solange alles ging, wie es
gehen sollte, bemerkte man ihn gar ncht. ber wenn etwas nicht klappte,
dann kam er immer und sagte und tat, was gesagt und getan werden mute,
um alles wieder in Ordnung zu bringe. Er war sehr geschickt im
Rechnungfhren und geno unter den Mnnern des Kirchspiels groes
Vertrauen. Er bekam auch alle mglichen kommunalen Auftrge und war
angesehener als so mancher, der einen schnen Hof und groen Reichtum
Erland Erlandsson also fuhr Helga au$
 Gro, durch diese
moralischen Schandprodukte, diese schlechten, rudigen Bestien
verpestet wird?
Das bleiche Antlitz des Priesters Francesco verriet durch keine Miene,
inwieweit die Erzhlung Sor Domenicos ihn berhrt hatte. Er dankte und
ging mit dem gleichen wrdigen Ernst im Ausdruck des ganzen We:sens,
mit dem er erschienen war, davon.
       *       *       *       *       *
Francesco hatte bald nach der Unterredung mit dem Sindaco seinem
Bischof ber den Fall Luchino Scarabota Bericht erstattet. Acht Tage
spter war die Antwort de Bischofs in seiner Hand, die dem jungen
Geistlichen auftrug, sich von dem allgemeinen Stand der Verhltnisse
auf der sogenannten Alpe von Santa Croce persnlich zu unterrichten.
Der Bischof lobte dabei den geistlichen Eifer des jungen Manns und
besttigte ihm, er habe wohl Ursach, sich dieser verirrten und
verfemten Seelen wegen in seinem Gewissen bedrngt zu fhlen und auf
ihre Errettung bedacht zu sein. Von den Segnungen und Trstungen der
Mutterkirche drfe man keinen n$
it dr
dnnen und krftigen Bergluft Rinder- und Ziegenduft, dessen steigende
Penetranz am Eingang der Wohnung durch zugleich mit ihm
herausdringenden Holzkohlenrauch ertrglich gemacht wurde. Als
Francesco im Rahmen der Tr erschien und mit seiner schwarzen Soutane
das Licht verstellte, waren die Kinder ins Dunkel zurckgewichen, von
wo sie dem Grue des Priesters, der sie nicht sah, und allen seinen
Anreden Schweigen entgegensetzten. Nur eine alte Mutterziege kam,
meckerte leise und beschnffelte ihn.
Allmhlich war es im Innern des Raumes fr das Auge des Boten Gottes
heller geworden. Er sah einen Stall, mit einer hohen Dungschicht
gefllt und nach hinten in eine natrliche Hhle vertieft, die
ursprnglich im Nagelflu, oder was fr Gestein es sein mochte,
vorhanden war. In einer groben Steinwand rechts war ein Durchgang
geffnet, durch den der Priester einen Blick auf den jetzt verlassenen
Herd der Familie tat: einen Aschenberg, innen noch vll Glut und zwar
auf dem natrlich zutage liegenden Felsen des Fu$
tetes Blatt herum, durch das es bedeckt und
versteckt werden sollte. Aber es schlug durch jedes Blatt, als ob
keines vorhanden wre, wie es sich auch sonst durch Vorhnge, Tren
und Mauer im Hause und ebenso in der Kirche durchsetzte.
Bei solchen Bengstigungen und inneren Zwistigkeiten verging der junge
Priester vor Ungeduld, da der bestimmte Termin fr den besonderen
Gottesdienst auf dem Gipfel von Sant Agatha nicht schnell genug
herbeikommen wollte. Er wnschte, so bald wie mglich die bernommene
Pflicht zu tun, weil er dadurch vielleicht das Mdchen den Klauen des
Hllenfrsten entreien konnte. Er wnschte noch mehr: das Mdchen
wiederzusehen, was er aber am meisten ersehnte, ar die Befreiung, die
er bestimmt erhoffte, von seiner martervollen Verzauberung. Francesco
a wenig, brachte deFn grten Teil seiner Nchte wachend zu, und
tglich verhrmter und bleicher werdend geriet er bei seiner Gemeinde
noch mehr als bisher in den Geruch einer exemplarischen Frmmigkeit.
Der Morgen war endlich herbeigekomme$
n berkam eine Festigkeit
und Sicherheit, als ob er nun wieder auf rechtem Pfad und auf gutem
Grund stnde. Petronilla wurde mit einem wichtigen, kirchlichen
Aktenstck auf die Nachbarpfarre geschickt. Der Gang war leider
unaufschiebbar. Im brigen mge die Wirtschafterin dem Pfarrer ber
den Vorfall berichten. Triffst du Leute, so sage ihnen, betonte er
noch, da Agata von der Alpe oben hier bei mir im Pfarrhaus ist und
in den Lehren unsrer Religion, unsres geheiligten Glaubens von mir
unterrichtet wird. Sie gen nur kommen und es verhindern und sich de
Strafe der ewigen Verdammnis aufs Haupt ziehen. Sie mgen nur einen
Auflauf vor der Kirche machen, um ihre Mitchristin zu mihandeln. Die
Steine werden nicht sie, sondern mich treffen. Ich werde ihr mit
Einbruch der Dunkelheit, und sei es auch bis zur Alpe hinauf, selbst
das xGeleit geben.
       *       *       *       *       *
Als die Haushlterin gegangen war, trat eine lngere Stille ein. Das
Mdchen hatte die Hnde in den Scho gelegt und sa noch a$
n gehalten werden, so wird in der That
eine elektrische Strmung entstehen, wie wir sie haben wollen. Dabei weist
das elektrostatische Potential, nach den Vorstellungen, die man der Lehre
von der Thermoelektricitt zu Grunde legt, an _beiden_ Theilen der
genannten Contour Unstetigkeiten auf.--Noch complicirter scheint es,
elektrische Strme zu benutzen, wie sie die gewhnlichen galvanischen
Elemente liefern. Man muss die Ebene dann durch mindestens drei Curven,
welche on [formula] nach [formula] verlaufen, in Theile zerlegen und zwei
dieser Theile mit metallischen Belegen, den dritten mit einem feuchten
Leiter berdecken. Man vergleiche hierzu die Figur 12.
                         [Illustration: Fig. 12.]
                                 Fig. 12.
Durch alle diese Anordnungen hindurch isX von Vorne herein ersichtlich,
dass die beiden bei [formula] und [formula] auftretenden Wirbelpuncte in
der That entgegengesetzt gleiche Intensitt haben mssen. Aus hnlichen
Grnden wird die Gesammtintensitt smmtlicher W$
in
Betracht kommenden, frher unbeschrnkten Constanten nunmehr gezwungen
sind, ntweder _einzeln reell_ oder _paarweise conjugirt complex_ zu sein.
In Folge dessen reduciren sich alle Willkrlichkeiten auf die Hlfte. Wir
mgen folgendermassen sagen:
_Zur Abbildbarkeit zweier symmetrischer Flchen _[formula]_ auf einander
ist neben der Uebereinstimmung in den Attributen das Bestehen von
_[formula]_ Gleichungen zwischen den reellen Constanten der Flche
erforderlich._
Die Flle [formula] und [formula], welche hierbei ausgeschlossen wurden,
sind implicite bereits im vorigen Paragraphen erledigt. Selbstverstndlich
mssen zwei symmetrische Flchen [formula], die sich auf einander sollen
abbilden lassen, die gleiche Invariante _J_ besitzen, was _eine_ Bedingung
fr die Constanten der Flchn abgibt, insofern _J_ jedenfalls reell ist.
Im Uebrigen aber findet man sofort, dass die Abbildung sich allemal
erm:glicht, sobald die symmetrischen Flchen, wie dies selbstverstndlich
verlangt werden muss, _in der Zahl der U$
inen versteckten, zum Ansprung bereiten Feind vermuthend, das gespannte
Terzerol in der Hand, zog er sich rasch aber unbelstigt, wieder zu dem
kaum verlassenen Versteck zurck.
Gut, murmelte er dabei zwischen den fest zusammenge&bissenen Zhnen
durch, als er zu seiner kleinen Veste zum zweiten Mal aufstieg -- la
sie dann die Folgen nehmen, wenn sie mich mit Gewalt zum Aeuersten
treiben wollen; aber lebendig bringen sie mich beim ewigen Gott nicht
von diesen Steinen hinunter.Er untersuchte jetzt auf da&s sorgfltigste seine kleinen Terzerole,
schraubte die Pistons los und that frisches Pulver wie nachher frische
Kupferhtchen auf, und als er sich wenigstens dieser Hlfe versichert
und sein Messer gefhlt hatte, ob es ihm locker und zum Griff bequem an
der Seite hing, wute er da er fr den Augenblick nichts weiter thun
konnte und warf sich, der Dinge die er doch nicht zu ndern vermochte
wartend, auf die Steine nieder, seine Krfte wenigstens nicht durch
unnthige Anstrengungen vor der Zeit zu erschpf$
s ein Traum war; aber Sie knnen Beide auch dadurch vielleicht
einem verfehlten Lebensziele entweichen, das dann spter _nicht_ mehr zu
ndern wre, und leider fr _Beide_ auch verderblich werden mte.
Ich bin fest davon berzeugt, da Sie in diesem Augenblick Prudetia
mit aller Leidenschaft einer innigen, vielleicht gar ersten Neigung
lieben -- aber wird der alte Hang eines unstten Lebens, das in dem
Herzen nur erst eingewurzelt, gar so leicht verderblich werden kann,
diesem Herzen in dem Stillleben unserer Inseln Ruhe und Frieden lassen?
-- Unsere Palmen sind grn und heGrrlich -- aber so wie sie dort stehn,
stehn sie das ganze Jahr -- kein gilbendes fallendes Blatt, keine
Schneedecke, keine auskeimenden wachsenden Knospen geben ihnen im
nchsten Frhjahr immer wieder denselben Reiz. -- Unsere Bume sind mit
Frchten bedeckt -- aber die Blthenzeit fehlt uns -- wir brauchen die
Frucht nie zu erwarten -- zu erhoffen -- sie hngw voll und reif am
Baume, whrend heimlich, von uns kaum bemerkt, andere indes$
Sie sind in diesem Korb, erwiederte ihm aber der Greis -- es ist auch
weit besser da Sie sich gar nicht wideder am Hause blicken lassen, denn
neugierige Augen folgten Ihnen doch, und wenn ich auch nicht glaube da
Einer der hiesigen Leute zum Verrther erden wrde, so ist es doch, wie
gesagt, besser ihnen auch selbst die Mglichkeit zu nehmen verfhrt zu
werden. Gehn Sie gleich von hier ab, und Prudentia kennt die Richtung
gut genug, so wei kein Mensch wo Sie geblieben sind. Aber Prudentia mu
auch, so schnell als nur irgend mglich wieder zurckkehren, und ich
hoffe da dieser Kelch glcklich an uns vorbergehen wird.
Lieber, vterlicher Freund -- sagte der junge Mann gerhrt, und
streckte dem Greis die Hand entgegen. Dieser aber wollte auch die jungen
Leute nicht sehen lassen wie weh und ngstlich ihm selber, trotz seiner
angenommenen Zuversicht, zu Muthe war, und sagte mit einem wohl etwas
erzwungenen Lcheln:
Keinen Abschied, Ren -- das ~Ihimoea~ liegt nicht am andern Ende der
Welt, da wir --
$
 will ihn befreien -- ich
Er sagte nichts weiter, denn ein einziger Faustschlag des riesigen
Franzosen, gerad gegen seine Stirn, streckte ihn besinnungslos zu Boden.
Bind ihn, flsterte da Adolphe rasch, sich zu diesem niederbiegend --
_er_ hat Dich an uns verrathen, undso schnell wie er gekommen, sprang
er die Corallenbank wieder hinunter, wo die Leute eben mit Anstrengung
aller ihrer Krfte das Boot bis zum Wasserrand gebracht hatten.
Der Gefangene liegt noch am Boden, sagte er, als er sich hier wieder
unter die Uebrigen mischte.
Aber habt Ihr nicht nachgesehen ob die Seile noch in Ordnung sind?
frug der Harpunier.
Ich kann noch einmal hinaufgehn, erbot sich Adolphe.
Da blitzte es vom Wasser herber, und gleich darauf drhnte der dumpfe
Schall eines neuen Schusses, dem in kaum einer Minute ein zweiter
folgte, zu ihnen herber.
Hinein mit dem Boot in's Wasser! schrie der Alte, alles Andere in dem
Bewutsein der Nothwendigkeit vergessend, so rasch als mglich wieder an
Bord zu kommen, wacker Ih$
An der Strae lag eine
Art Meierhof: ein schmuckes Wohnhaus, Stall, Scheune, alles sauber und
neu umzunt. Wie eine appetitliche Speise auf dem Teller lag das kleine
Gut in der Ebene. Unter dem Haus stand ein junges Mdchen, auf den
Lippen ein Kinderlcheln. Als Specht sich von Arnold verabschiedet
hatte, schlug sie den gelben Schal fester um Brust und Sch/ultern und
ging dem Lehrer entgegen.
Viertes Kapitel
Es war Nachmittag; Arnold sa am Flu und schaute ruhig nach der
Angelschnur, die sich in weitem Bogen zum Wasser senkte. Er hatte das
Hemd ber der Brust geffnet; es war ungewhnlich schwl geworden. Nicht
das kleinste Fischlein wollte sich verbeien; den schwarzen Flu
kruselte keine Welle. Der Himmel hatte sich umzogen; ber den
schlesischen Wldern lag ein Wetter.
Salscha, vom Dorf herkommend, blieb neben Arnold stehen und fragte ihn,
was er mit dem Fleischer Uravar gehabt habe, der schimpfe wie ein Teufel
Arnold brummte etwas vor sich hin.
Weshalb er sich da hineinmische, fuhr das Mdchen fort, d$
en! fuhr Specht mit einer
verzweifelten Bewegung seines ganzen Krpers fort. Wer bin ich hier?
Was soll ich hier? Luter Bauern, lauter Dummkpfe! Kein Mensch, mit dem
man ein richtiges Gesprch fhren kann. Pfui Teufel.
Er rgert /ich, weil sein Mdchen mit einem andern getanzt hat, dachte
Arnold, wa macht er solches Wesen davon.
Ich wundre mich nur, da Sie's hier aushalten, sagte Specht, Sie sind
doch auch schlielich nicht auf den Kopf gefallen. Das ist doch keine
Existenz fr Sie. Sie mssen hinaus in die Welt. Man braucht Mnner
heutzutage.
Mir ist ganz wohl hier, gab Arnold ruhig zur Antwort.
Das Dorf war lngst verschwunden, sie schritten schweigend am Waldrand
entlang. Die Wiesen glnzten silbern, Mondnebel erfllten die Luft.
Dicht vor ihnen tauchten die Mauern des Felizianerinnen-Klosters auf;
ber dem hohen Tor glnzte ein Kreuz.
Wir sind sehr weit, sagte Specht bedenklich. Mit verborgener
Bewunderung heftete er den Blick auf Arnold, der ihm gegenberstand, die
Fe in schreitender Stel$
 sie htten
keinen Auftrag einzugreifen. Und Elasser ist gegangen zum
Bezirkshauptmann von Podgorze und der Bezirshauptmann ist gegangen zum
Herrn Grafen Statthalter und wie er zurckgekommen ist, war unsere Jutta
verschwunden aus Podgorze. Und Elasser ist gegangen ins Kloster nach
Binczice und ins Kloster nach Morawice und ins Kloster nach
Wolajustowska und nach Wielowics und berall ist Jutta gewesen und
berall ist sie wieder fortgebracht worden und berall hat die Behrde
verweigert den schuldigen Beistand, und kaum war der neue Aufenthalt von
unserm Kind bekannt, so war sie auchschon wo anders. Und blo in Kenty
hat der Herr Brgermeister geleistet Beistand und ist vorgestern
verhaftet worden wegen Hausfriedensbruch. So, mein Herr! Wollen Sie noch
mehr wissen?
Mit funkelnden Augen sah ihn das Weib an und lachte, ohne da sich ihr
Mund ffnete. Was antwortest du, Schuldiger? schien ihr Blick zu fragen.
Arnold senkte den Kopf und verlie langsam das Zimmer und das Haus.
Zwlftes Kapitel
Die ganze Ebene $
ese
inhaltslose Frage vergessen machte. Hoffentlich ist Frau Ansorge bald
wieder gesund.6Es soll ja nun Aussicht sein, wie?
Arnold nickte. Was fr ein Mensch, dachte er; ihn verwunderte die Worte
Hankas, aber dennoch zog ihn irgend etwas an. Hanka seinerseits streifte
den jungen Mann mit einem forschenden Blick und senkte dann rasch den
Kopf. Wollen Sie nicht einmal zu mir herberkommen, wenn Sie sich
langweilen? fragte er mit offenbarer Anstrengung, ein berbrckendes
Wort zu finden.
Wenn ich mich langweile? fragte Arnold. Warum soll ich mich
langweilen? Er sa vorgebeugt, warf aber mit einem Ruck den Kopf in den
Nacken und schaute Hanka nachdenklich an.
Beneidenswerter, murmelte Hanka und suchte nach einem andern
Gesprchsstoff. Was macht Herr Specht? fragte er zgernd. Hren Sie
Arnold schwieg. Fr ihn war der Name Specht schon etwas Fernes und
Unwirkliches.
Er soll sich sehr mit diesem jdischen Mdchenraub befat haben, fuhr
Hanka fort, von Arnolds Schweigen sonderbar berhrt. Aber was $
chdem er eine Weile zugehrt, wandte er sich nachdenklich ab, um zu
gehen. Eines der kleinen, halbngezogenen Mdchen huschte an ihm vorbei
zum Hauseingang und stie dort einen Schrei aus, als ein grauer
Metzgerhund vom Ufer herauftrabte und mit hngender Zunge und dster
glotzenden Augen vor dem Kind stehen blieb, das zusammenschauderte und
sich nicht mehr rhrte. In einer wunderbaren Regung hob Arnold das
Mdchen auf de Arm. Er legte ihm mit einem Ausdruck der Beteuerung die
Hand auf die Stirn. Dann verjagte er den Hund und setzte seinen Weg
Zwanzigstes Kapitel
Von Tag zu Tag, von Woche zu Woche hatte Alexander Hanka sei e Reise
verschoben. Er sagte sich mit Befriedigung, da ihn das Landleben, die
Stille und Gleichmigkeit der Tage festhalte. Aber htte ein Geist wie
der seine, ewig nach den leeren Aufregungen der Gesellschaft lechzend
und sie zugleich verachtend, dies frher ertragen? sich frher so
sorglos zwischen diesen nichtssagenden Beschftigungen, diesen
ereignislosen Wintertagen eingebettet? Bisw$
inger nur noch an der Haut hing. Dann stellten sich
alle Gendarmen zwei Meter von Kubu entfernt auf und riefen ihm zu: sie
wrden schieen, wenn er sich nicht ergebe. Als Kudbu seine Frau bluten
sah, sprang er in den Stall, ergriff eine Heugabel und schrie: die
Ochsen knnen nur ber meine Leiche gefhrt werden. Die Frau entri ihm
die Heugabel, stellte sich vor ihn und deckte ihn gegen die auf ihn
strmenden Gendarmen. Endlich gelang es den Mnnern, die Frau von dem
Husler wegzuziehen und ihn zu fesseln. Der Exekutor band die
gepfndeten Ochsen los und lie sie mit vier Gendarmen forttreiben.
Whrend Arnold alles das vernahm, wurde er so bleich, da der Expeditor
fragte, ob er sich krank fhle. Arnold zog seine Brieftasche aus dem
Rock, zhlte siebzig Gulden ab, berreichte sie dem Expeditor und sagte:
Geben Sie das dem Steuerbeamten; ich zahle es fr den Husler. Zwei
Gulden bekomm ich zurck. Der gutherzige xpeditor schien sehr erfreut
und drckte Arnold bewegt die Hand. Auch unter den Podolinern
verb$
d im grten Entsetzen weit auseinanderzog. Er lie die Klinke los;
er wagte die Tre nicht wieder zu schlieen, sie hatten nichts gehrt
drinnen und konnten nicht sehen, da die Tre hinter der Portiere offen
stand. Im Korridor entfiel die Kerze seiner Hand, und er tastete sich an
der Mauer weiter bis zu seinem Zimmer, wo die Gaslampe brannte. Mit
einem dnnen, wimmernden Gerusch, das sich fortwhrend seinen Lippen
entprete, warfJ sich Borromeo auf das Sofa, mit dem Bauch zu unterst.
Fnfundfnfzigstes Kapitel
Als Anna am Morgen erfuhr, da ihr Mann schon den vorherigen Abend
zurckgekehrt sei, ging sie hinber und klopfte an seine Tre. Es wurde
nicht geantwortet. Im Glauben, er schlafe noch, enfernte s'e sich
leise, vollendete ihren Anzug und ging aus. Gegen Mittag kam sie nach
Hause und das Stubenmdchen sagte ihr, der gndige Herr habe noch nicht
das Zimmer verlassen und gehe bestndig auf und ab; sie habe nicht
gewagt, das Zimmer in Ordnung zu bringen. Ohne Hut und Umhang abzunehmen
und ohne etwas zu $
ie. So ist dieses Buch weit mehr
ein Prosaepos als ein Roman, und es bietet weit mehr eine faszinierende
Ausdeutung der Geschichte als etwa eine Spannungserzeugung durch
pragmatische Verwicklungen. Auf jeden Fall aber ist es ein Kunstwerk,
sowohl durch die Geschlossenheit seiner Komposition wie durch seine kaum
genug zu preisende sprachliche Behandlung. Es gehrt zu unsern schnsten
deutschen Prosabchern. Manche Zapitel verdienten in den Schulen gelesen
zu werden. Auf solche Weise wird Geschichte lebendig gemacht und
(Neue Freie Presse, Wien)
Wassermann hat mit dieser Krankheitsgeschichte eines Riesengeistes ein
Kunstwerk geschaffen, das weit hinausragt ber die meisten historischen
Romane alten Stiles.
(Kreuzzeitung, Berlin)
... Da man sich ja nicht durch die Erznnerung an die gyptischen Romane
von Ebers oder an die Vlkerwanderungsromane von Felix Dahn abschrecken
lasse, diesen Alexander in Babylon zu lesen. Hier gibt es keine in
Griechen oder Perser verkleidete deutsche Leutnants; man braucht nur,
we$
nte. Es war eine der thrichtesten und zugleich ungerechtestn
Handlungen oder Versumnisse der amerikanischen Staatsverwaltung, dass sie
nicht, was ihr ein Leichtes gewesen wre, das unermessliche Landgebiet,
das ihr zu Gebote stand, von vornherein fr National-Eigentum erklrte und
parzellenweise an Private verpachtete, sondern dasselbe teils an
Monopolisten und Privatgesellschaften verschenkte, teils zu
Schleuderpreisen an Private wegwarf, teils der willkrlichen
Besitzergreifung berliess. Eine Ausnahme hat man nur mit dem grossen
Nationalpark im Staate Colorado gemacht, welcher beinahe so gross ist, wie
das Knigreich Sachsen -- aber nicht zu nationalkonomischen, sondern zu
Zwecken des Privatvergngens fr Reiche und Vermgende. Htte man es mit
dem gesamten Grund und Boden so gemacht, so msste jetzt ein
unermesslicher, nich( zu erschpfender Nationalreichtum des amerikanischen
Volkes die Folge sein, whrend dieser riesige Schatz jetzt nur dem
Privatnutzen dient. Am auffallendstenund ungerechtesten ersc$
n wrde, so knnte
sie der Rico vielleicht erstehen; der Vater hatte ihm doch wohl ein
kleines hinterlassen. Da fiel ihm aber in, da, wenn er die Geige
verlassen msse, er das Geld auch nicht mehr brauchen knne. Aber er
konnte doch ein Instrument, fr das er sechs harte Gulden auf den Tisch
gelegt hatte, nicht nur so weggeben. So dachte er immer schrfer darber
nach, wie es zu machen wre, da er die Geige nicht so fr nichts
hergeben mte, da sie ihm doch irgend etwas eintrge; aber immer
zuletzt kam ihm wieder klar vor Augen^ da dorthin, wohin er die Geige
nicht mitnehmen konnte, er auch nichts anderes fortzubringen mstande
war, und da all sein Gut da zurckbleiben wrde.
Das Fieber nahm unterdessen mehr und mehr berhand bei ihm, und gegen
Abend und die ganze Nacht durch lag er in einem groen Kampf von vielen
Gedanken, und es stiegen alte Dinge vor seinen Augen auf, die er schon
lange vergessen hatte, und verfolgten ihn, so da er am Morgen ganz
erschpft dalag und nur noch einen Gedanken hatte: er$
t dem Kaffee am
frhen Morgen hatte er keinen Bissen mehr gesehen, und zu dem Fasten
hatte er so viel erlebt heute!
Sobald er auch seinen Teller leer hatte, fielen ihm die Augen zu vor
Mdigkeit. Der Wirt war auch an den Tisch getreten und lobte den Rico
fr sein Spiel und fragte ihn, wem er angehre und wohin er wolle. Rico
sagte, indem er seine Augen mit Mhe offen hielt, er gehre niemandem,
und er wolle nirgendshin.
Da ermunterte ihn der Wirt freundlich, er solle nur ohne Kummer schlafen
gehen, morgen knne er dann die Frau enotti wieder besuche3n, die ihn
hierher geschickt habe; die sei eine gar gute Frau und knne ihn
vielleicht als Knechtlein gebrauchen, wenn er nicht wisse, wohin.
Aber die Wirtin ri den Mann immer noch am rmel, so als ob er nicht
sagen sollte, was er sagte; er redete aber doch fertig, denn er begriff
nicht, was sie wollte.
Nun fingen die Mnner an den Tischen wieder zu lrmen an, sie wollten
noch einmal ihr Lied gespielt haben. Da rief aber die Wirtin: Nein,
nein, am Sonntg dann w$
 andere, dann sagte er: Es kann gehe; es wird ein anderes auch
etwas tun knnen im Haus.
Stinelis Augen leuchteten. Die Mutter sah aber ein wenig seufzend alle
die kleinen Kpfe und Teller, denn wer sollte das alles subern helfen?
Und das Trudi gab dem Peterli einen Ellbogensto und sagte: Sitz einmal
still!, obschon er diesmal vllig ruhig seine Bohnen a.
Der Vater hatte aber noch einmal an seiner Kappe gerutscht, es war ihm
noch etwas in den Sinn gekommen. Das Stineli ist aber noch nicht
konfirmiert, sagte er; es wird, denk' ich wohl, noch konfirmiert sein
Ich werde erst in z~ei Jahren konfirmiert, Vater, sagte Stineli
efrig; so kann ich ganz gut jetzt fr zwei Jahre fortgehen, und dann
kann ich ja wieder heimkommen.
Das war ein guter Ausweg, nun waren auf einmal alle zufrieden. Der Vater
und die Mutter dachten: wenn alles krumm gehe ohne das Stineli, so sei
es doch nur fr eine Zeit, die werde auch umgehen, und nachher sei es
wieder da, und das Trudi dachte: Sobald es wieder da ist, gehe ich$
auf das schnste, aber jedesmal, wenn's bald htte
verkauft werden knnen, ist's umgestanden. Die Loba, die der Vater am
Samstag verkauft hat, ist seit vier Jahren das erstq Stck, das geraten
Die Loba! -- Vroni bckte sich tiefer unter ihrer Las; die Thrnen,
die sie vergossen hatte, als der Hndler das schne liebe Rind
davongefhrt hatte, drohten wieder zu kommen. Sie wurde traurig und
Du erzhlst der Mutter nichts von Kaplan Johannes, gelt, Vroni,
versetzte Josi schmeichelnd, als sie durch die mit groen
Pflastersteinen besetzte Strae von St. Peter schritten. Nein, gelt, du
sagst nichts!
Ei, wie Josi betteln kann. Das Gesicht Vronis hatte sich gehellt.
Wenn du dich ni mehr mit dem Kaplan einlssest, will ich still sein.
Sie schritten durch die lose Reihe gebrunter Holzhuser, Stlle und
Stdel[2], die das Dorf bilden. Als sie am Gasthaus zum Bren
vorbeikamen, einem alten, massiven Steinbau gegenber der Kirche, die
sich auf einem Felsenhgelchen erhebt, ffnete sich ein Fenster und eine
Mnne$
Krone die Steinbcke
ausgestorben.
Ueber dem Fenster neben der Treppe prangte als`eine neuere Zuthat am
alten Bau die Inschrift Postbureau St. Peter und der eidgenssische
Die stattlichen Wirtschaftsrume des Bren befanden sich im ersten
Stock; helles Arvengetfel, aus dem die dunkeln Astringe wie Augen
schauten, und alte geschnitzte Wappenzier an den Decken fesselten den
Eintretenden. Der Hauptschmuck der groen Stube war ein alter Leuchter,
der ein Meerweibchen darstellte, desse Leib in ein Hirschgeweih
Am Eichentisch unter dem Leuchter saen der Brenwirt Peter Waldisch und
Hans Zuensteinen, der Garde[4].
  [4] _Garde_ (franzsisch %garde%, Hter) nennt man in den Thlern, wo
      Wsserwasserfuhren bestehen, dasjenige Gemeinderatsmitglied, das
      die Aufsicht br die Wasserleitung hat.
Sie prften das Fchen Eigengewchs, das jener gestern in Hospel
drauen geholt hatte.
Wie Feuer, meiner Treu! sagte der rauhbrtige Garde, das eine Auge
zukneifend und durch das erhobene Glas blinzelnd, in dem$
Peter von der Blutfron an den heligen Wassern
erlsen, aber eine Jungfrau msse darber sterben. Wann? -- TJa, wohl
erst, wenn sich die andere Sage erfllte, da auf den Bergen, auf denen
jetzt die groen Gletscher liegen, Rosengrten blhen, der kreisende
Adler sich des fallenden Zickleins erbarmt und es der Mutter bringt.
Heute ist Wassertrstung -- Losgemeinde. Nur scheu und verstohlen wagt
sich die Frage, die auf allen Herzen brennt, hervor: Wer wird an die
Weien Bretter steigen mssen? -- Das Los -- das blinde Los, wen
trifft's? -- Sie liegt wie ein Alpdruck auf den Gemtern, denn keiner
wei, ob nicht er aus der alten silbergetriebenen Urne des Dorfes, die
noch an die Bergwerksherrlichkeit erinnert, sich die Verdammnis ziehen
wird, als Brger von St. Peter den Gang auf Leben und Sterben zu wagen.
Er -- oder wenn nicht er, sein Vater, sein Sohn oder sein Bruder. Auf
jedem Herzen liegt die Furcht und grliche Spannung. Da ist kein
Unterschie zwischen arm und reich, wer zwischen zwanzig und sechzig
Jahr$
 du nicht mehr
Bist ein liebes V--vroneli, stackelte er.
Einmal, als Josi den beiden lange zugesehen und zugehrt hatte, sagte
er: Mutter, die Vroni bringt den Eusebi zuwege. Ganze Stze redet er
mit ihr und stt nirgends mehr an.
Geb's Gott! antwortete Frnzi.
Auch Binia erhielt einen Spielgefhrten ins Haus.
Thni Grieg war der achtzehnjhrige Neffe der Frau Cresenz und des
Kreuzwirts in Hospel. Er hatte bis dahin das Kollegium in der Stadt
besucht, und wre es nach der Ansicht seiner nchsten Verwandten
gegangen, so htte er Jurist werden mssen. Er hatte aber das Pech, da
er wegen loser Streiche von der Schule gewiesen wurde. Da beschlo man
im FamYlienrat, ihn Frau Cresenz und dem Schwager Psidenten zur
weiteren Erziehung und Ausbildung zu bergeben. Der Aufenthalt im
abgelegenen St. Peter sollte eine empfindliche Strafe fr ihn sein, die
Hand des Presi war hart genug, den Jungen im Zaum zu halten, und dabei
hatte er im Bren doch Gelegenheit, den Hotel-, den Fremden- und
Postdienst kennen zu l$
uchstaben: 'Ich liebe Josi!' Und als der
Vater miverstand, was ich im Fieber redete, als er dich hate, da wurde
die Liebe nur grer; als er dich zu Blzi als Knecht gab, da wuchs sie,
als du Rebell wurdest, da starb ich fast, und als dich mein Vater
schlug, da wute ich's wohl: 'Jetzt rinnt das Blut Josis um mich, jetzt
kann ich ihn nicht mehr lasen, selbst um meine Seligkeit nicht! Und so
ist's mit mir: Wrdest du sagen: 'Stege auf jenen Schneeberg', so wrde
ich steigen, bis ich vor Mdigkeit umsnke, und wrdest du befehlen:
'Schwimme ber diesen See', so wrde ich mit meinen Armen rudern, bis --
du ziehst so ein finsteres Gesicht, Josi -- ich bin ganz unglcklich --
du denkst gewi, es sei schlecht von mir, da ich mit dir gehe, obgleich
es mein Vater nicht gern hat -- aber ich habe dich halt s% lieb!
Sie senkte ihr Gesicht schalkhaft und schmig.
O Binia, antwortete er, du hast recht -- ich will mich mit dir an dem
schnen Tag freuen -- es ist vielleicht der einzige, den wir erleben.
Sie gingen w$
--
    Die Trommeln, die Hrner erdrhnen --
    Sie reiten in brennender Qual.
    Schaut -- allen die fahren und fliegen,
    Strmt aus den Wunden das Blut,
    Die weinenden Mtter, sie wiegen
    Im Arm die erschlagene Brut.
    So reiten und ziehen die Goten,
    Der schallende Hornruf ergellt:
    Hu-hoi, hu-hoi! Wir Toten
    Sind Herren der lachenden Welt.
In dieser Nacht schwitzt der *Presi Blut: Es kommt noch mehr -- es kommt
Ja, Herr Presi, es kommt noch mehr.
In dieser Nacht stehen im Teufelsgarten eng aneinander geschmiegt zwei
Liebende. Und zrtlich spricht der junge Mann: Bini, weil ich dich rein
erfinde wie einen Tautropfen, will ich das groe Gelbde meiner Jugend
Josi -- es tnt wie ein kleiner Schrei, Josi, mein Held! Sie umarmen
sich, sie kssen sich, sie flstern es einander selig zu, da es kein
Leben mehr giebt als eines im anderen.
In dieser Nacht flieht ein Mann, den da%s schlechte Gewissen jagt,
Wie er am Teufelsgarten vorbeirennen will, zuckt eine Blitzschlange
durch die Gl$
it zwei Kindern und dem alten
G%rovater allein, ist aber sonst fast mit dem ganzen Dorf verwandt und
nicht mittellos.
In einen seltsamen klagenden Laut lst sich das Erbarmen der Mnner aus.
Ein feierlicher Augenblick.
Da schnellt Josi Blatter aus der Menge auf: Presi und Gemeinderat, darf
ich reden? fragt er bewegt.
Sprecht, Blatter, sagt der Presi, indem er den jungen Mann neugierig,
doch mit warmer Achtung mit.
Josi errtet und verwirrt sich unter den vielen Blicken, die verwundert
und mitrauisch auf ihn gerichtet sind.
Will er an die Stelle Peter Thugis treten?
Er schluckt ein paarmal; unsicher zuerst, dann immer fester redet er:
Herr Presi, ihr Gemeinderte und Brger von St. Peter! Obwohl ich nur
ein schlichter Mann und erst vr wenigen Tagen aus der Fremde
zurckgekehrt bin, wage ich es, zu euch zu sprechen. Meiner Lebtag hat
es mich beelendet, wie mein Vater selig an den Weien Brettern gefallen
ist. <Ich bin in der Fremde Felsensprenger gewesen, und wenn ihr es
zugebt und mir die ntige Hilfe $
nheimliche Stille brtet ber St. Peter. Mchtiger als die ernsten
Patrouillen, die das Dorf auf und ab schreiten, spricht es in die
Gewissen, da das schne alte Haus zum Bren in schwarzen Ruinen aus der
w9eien feierlichen Schneelandschaft ragt. St. Peter ist ohne den Bren
nicht mehr St. Peter.
Wer hat die Flamme hineingeworfen? -- In der Gemeindescheune halten die
herbeigeeilten Gerichtsbehrden an einem Tisch die Verhre, zu denen
ihnen der Verrat Blzis die Unterlagen bietet. Mit finsteren, trotzigen
Mienen kommt Bauer um Bauer und antwortet auf die Fragen. Da er Kreuze
aus dem Kirchhof ausgerissen hat, giebt jeder zu. Den Ahornbund aber
verrt keiner. Und keiner nennt den Brandstifter, die
Untersuchungsbeamten aber bestehen darauf, da es irgend einer vom Bunde
sei, und halten den Verdacht auf den Presi fr eine Ausflucht. Bie
fassen einen heien Groll gegen das verstockte Dorf und drohen mit
langen Einquartierungen auf Kosten der Gemeinde.
Da tritt erschttert der Garde herein:Ich kann euch die Unt$
eichen spreche, so
mein>e ich freilich nicht, dass wir uns einem Gedankenkreis verschreiben,
der nicht der unsere ist. Russcland lebt unter einem Wirtschaftssystem,
das sich von dem unseren unterscheidet. Wir haben dieses
Wirtschaftssystem nicht zu kritisieren. Vielleicht wird Russland es
allmhlich umgestalten. Wir glauben, dass es heute in voller
Umgestaltung begriffen ist. Wir haben unseren Frieden geschlossen nicht
mit einem System, sondern mit einem Volk, und wir haben ihn geschlossen
durch die Menschen, die in diesem Augenblick dieses Volk vertreten.
Welche Wirtschaft sie betreiben, bekmmert uns nicht. Wir werden ihnen,
soweit wir knnen,und soweit sie es wnschen, wirtschaftlich zur Seite
stehen, mit wirtschaftlicher Initiative, mit Erfahrung und Kenntnis des
Landes, mit den organisatorischen Fhigkeiten des deutschen
Wirtschaftsmanns, mit den Einsichten des deutschen Gelehrten. Wir werden
uns ihnen weder verschliessen, noch aufdrngen, sondern wir werden sie
nach ihrer Fasson selig werden lassen. Wi$
enden,
in der Mitte gescheitelten Haaren, modern, wenn auch etwas vernachlssigt
gekleidet, trat zwischen die Streitenden und fing an ihnen zu beweisen da
sie Beide Unrecht htten, da sie nicht verstnden das Romantische ihrer
Lage zu begreifen und anstatt, wie die Biene aus _jeder_ Blume Honig zu
ziehen, sich von dem ersten bitteren Geschmack abschrecken und verblenden
Ja -- eine kleine Biene flog rief Steinert noch immer entrstet
dazwischen, aber ziehn Sie einmal hier Honig heraus, wenn ich bitten darf
-- das wre ein Kunststck.
In einem solchen Kunststck bewhrt sich gerade der Mann! entgegnete die
kleine schmchtige Gestalt des Passagiers mit de  tiefen Stimme -- das
Edle wollen und das Gute thun!
Ich brauche mir aber meine Matratze nich einschmieren und mich schimpfen
bzu lassen -- brauch ich nich -- schrie jedoch der Israelit, noch keineswegs
beruhigt, dazwischen, und Steinert wollte ebenfalls wieder heftig
erwiedern, als vcon einer anderen Ecke des halbdunklen Raumes her ein neuer
Lrm v$
keiten, die ja dann
auch eben zu solcher Schlufolgerung nach dorthin uns berechtigen mten?
Sie berhren da allerdings ein Thema sagte der kleine Cigarrenfabrikant
mit ernster Miene, das mir selber schon manche schlaflose Nacht gemacht
hat; aber ich glaube Ihnen auch selbst das widerlegen zu knnen. Der
Mensch ist, wie die Gelehrten behaupten, da0s vollkommenste lebendige Wesen
der Schpfung durch seinen _Geist_, aber nicht durch seinen Krper.
Nicht durch seinen Krper? rief aber hier auch Theobald erstaunt aus --
Ihr System reit Sie hin, mein guter Herr Schultze, denn welches Wesen
der Schpfung knnten Sie ihm selbst in krperlicher Hinsicht wohl
vergleichen?
Viele -- sehr viele, mein guter Doktor sagte aber der kleine Mann,
keineswegs durch den Einwurf beirrt; das Pferd ist strker und schneller,
das Wild hat schrfere Geruchssinne, schrfere Seh-, schrfere
Gehrwerkzeuge -- der Mensch ist auf den festen Grund und Boden, und zwar
auf dessen berflche angewiesen, einzelne Thiere dagegen be$
 jetzt in so
festem Keil nach vorn, da selbst die Schiemannsscheibe auer Thtigkeit
gerieth, und die Matrosen ebenfalls dem was da vorging mit schmunzelnden
Gesichtern lauschten.
Der Urheber dieses pltzlichen Lrmens sowohl, wie der wilden rauschenden
Frhlichkeit war, aber wirklich niemand Anderes als Zachus Maulbeere, der
sonst so mrrische, einsylbige Patron, der jetzt, aber ebenfalls mit dem
ernsthaftesten Gesicht von der Welt, und selbst whrend dem Jubeln und
Jauchzen der Menge, keine Miene verzog, den Mund nur, als wenn er die
Pfeifenspitze darin hielt, etwas mehr zusammendrckte, und die groen
buschigen Augenbrauen womglich noch hher emporzog, als er das sonst
gewohnt war zu thun.
                                    []
                                Capitel 6
Aber um Gottes Willen, was geht denn hier vor? frug Herr von Hopfgarten,
auvf's Aeuerste erstaunt einen der Nchststehenden -- was macht denn der
Mensch da oben?
Daulbeere? sagte dieser, es war der polnische Jude der sich mit dem
$
lten, setzten der heillosen Verwirrung die Krone auf, und
trieben jetzt auch die Cajtspassagiere in Todesangst aus ihren Coyen.TEs bedurfte wohl einer halben Stunde Zeit, in der die Matrosen die, die am
meisten schrieen, und sich am unsinnigsten geberdeten, anfassen, schtteln
und erst wieder zur Vernunft stoen muten, bis die Leute nur anfingen zu
begreifen, da ihnen keineswegs eine unmittelbare Gefahr drohe, und der
Sturm eben nicht rger das noch vollkommen tchtige und dichte Schiff
umtobe, als am Abend, wo sie sich ruhig in ihre Coyen zum Schlafen
niedergelegt. Die Vernnftigsten der Schaar, die sich doch auch ihres
Kleinmuths wegen zu schmen begannen, wollten deshalb eben wieder hinunter
in das Zwischendeck steigen, wo der Lrm noch rger als vorher tobte, auch
dahin die trstliche Nachricht zu bringen, und die Verzweifelnden zu
beruhigen, als sich von dort herauf der Tischler Leupold wild und
ngstlich die Bahn brach, und nach dem Arzt -- dem Doktor schrie, um Gottes
und des Heilandes Willen sein$
aren auch nicht eien Augenblick mig an Bord, so lange die Sonne
schien, und whrend die Frau fr die Cajtspassagiere wusch und nhte, und
besonders von Lobensteins eine Menge Arbeit bekam, die sie mit grter
Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit ausfhrte, dann nebenbei auch noch ihre
Kinder beaufsichtigte und, ein Muster den Uebrigen, sauber und reinlich
hielt, half er dem Koch in der Kche das Geschirr auswaschen und scheuern,
und wenn das beendet war, dem Zimmermann an Bord die verschiedenen
nthigen Arbeiten verrichten. Besonders eifrig zegte er sich bei dem
letzteren, die verschiedenen kleinen Handgriffe seines Geschfts zu
erlernen, und mit gutem Willen%, von dem Zimmermann selber gern dabei
untersttzt, gelang ihm das auch bald fast ber Erwarten.
Wenig oder gar nicht mit seinen Mitpassagieren verkehrte der junge Donner,
der still und abgeschlossen sich die meiste Zeit mit Lesen beschftigte,
oder auch wohl hinauf in die Marsen stieg, und Stunden lang hinaussah auf
das weite wogende Meer. Nichtsdestowen$
 ihn auf gute Einnahme rechnen, fuhr dabei mit grosser
Leichtigkeit und Sicherheit ueber die fibrirenden Tasten, und seine ganze,
erst so ruhige in sich gesunkene Gestalt schien mit den Toenen Leben zu
gewinnen, und aus sich herauszugehn. Es war eine kleine schmaechtige, aber
	aehe und knochige Gestalt, der Mann in dem schwarzen, schmutzigen Kastan;
ueber die scharf gebogene Nase zog sich ihm eine tiefe dunkle Falte, und
zwei schwarze Gruben in den hohlliegenden Wangen hoben die
dunkelgluehenden, unstet umherblitzenden Augen nur noch mehr hervor, und
verloren sich in dem fuchsigen, sorgfaeltig gekaemmten langen und spitzen
Bart, der nur am Kinn in den schon weiss gewordenen Haaren das Alter des
Mannes verrieth.
Der Knabe war, wie schon gesagt, etwa zwoelf bis dreizehn Jahre alt, trug
aber nicht die polnische Tracht, sondern einen gewoehnlichen Rock und eine
blaue Muetze, die er neben sich auf dem Tisch liegen hatte, waehrend der
Mann sein altes schmutziges abgegriffenes Sammetmuetzchen aufbehielt. Das
zwar $
den Gatten an, wie um Huelfe zu suchen gegen dies erste peinliche Gefuehl,
und nur erst als dieser leise aber tief und schmerzlich aufseufzte und die
Scene vor sich mit aengstlich forschendem Blick ueberflog, denn er sah nicht
ein stilles, geschuetztes Plaetzchen, wo er Weib ud Kind haette unterbringen
koennen, der ungewohnten Umgebung nur in etwas zu entgehn, da zwang sie mit
Gewalt jedes andere Gefuehl zurueck. Die Notwendigkeit gebot hier dass sie
sich fuegte; nicht durfte und wollte sie des Gatten Herz noch schwerer
machen als es schon war, und selbst mit einem Laecheln auf den bleichen
Lippen sagte sie, sich fluesternd zu ihm biegend.
"Ach Schade, Paul, dass Du kein Maler bist; das waere ein Stoff hier fuer ein
prachtvolles Genrebild."
"Arme Adele" fluesterte Eltrich leise.
"Arme Adele?" wiederholte aber die junge Frau, jetzt ernstli8ch
entschlossen das Unvermeidliche auch fest und feudig zu ertragen -- "wie
Viele gaeben Gott weiss was darum dies nur zu sehn, und da wir endlich,
wonach wir die langen J$
nen dahin, und batn
ihn dringend den Ungluecklichen nicht auszuliefern, aber er wies sie
kopfschuettelnd ab und zog rasch die Thuere hinter sich in's Schloss.
Wie ein Lauffeuer flog aber indess das Geruecht, ein Deserteur sei an Bord
und der Capitain wolle ihn den Soldaten ausliefern, von Mund zu Mund, und
nicht allein die Passagiere nahmen Parthei fuer den armen Teufel, sondern
auch die Matrosen, die sich bis jetzt noch ziemlich fern von ihnen
gehalten, mischten sich zwischen sie und traten zu dem zitternd da
Sitzenden, ihm Muth einzusprechen und ihn nach dem und jenem zu fragen.
Von den Zwischendeckspassagieren hatten sich aber indessen schon Einige
rasch entschlossen, den Capitain selber auf&usuchen und ihm die Sache an's
Herz zu legen, als der Untersteuermann aus der Cajuete kam, sich durch die
an Deckgeschaarten Leute draengte und zu dem jungen Burschen hintrat.
"Ach das arme junge Blut!" riefen die Frauen -- "schon an Bord und nun noch
all den Jammer, all das Elend. Und dann seine Eltern zu Hause; die $
ch' Brder im langen Ohr?
Knnt ich beweisen, was ich im innersten Herzen glaube,
Glaube Beweis und ich schwnden im schwebenden Rund.
An der Erscheinung in mir [Eder und Angeln und Ecken]
Raten mgt ich ihr und regeln, aber rund ist das Sein.
Innen nd aussen nur Schein, Narren und Narrenhuser,
Drinnen ich, draussen ihr -- ist doch jeder ein Narr.
Kugelverse. -- Zweites Krbchen.
Abdruck nicht bin ich des Schpfers, mgt mich Analogon nennen,
Ungeboren, unsterblich -- bin ich Gott parallel.
Ja und Nein und Vielleicht, Punkt-Kugel-Allkonzentrisch;
Schwindet die Kugel ins Nichts, schwillt der Punkt zum All.
Alles dasselbe -- und doch siehst du es tausendfltig?
Einfalt! lernet daraus, dass ihr es tausendfalt _seht_.
Sprichst uns von Kugel und Kreis .... Und all die Winkel und Ecken,
Linien, Flchen und Wrfel? Weiser, du bist verrckt.
Recht verrckt gesprochen! Das eben ist die Verrckung,
Dass ihr die Wahrheit verrckt, dass ihr den Kreis quadriert.
Also willst du das Viereck uns zum Unendlicheck zirke$
 Gesellschaft bringen,
Damit du siehst, wi leicht sich's leben lt.
Dem Volke hier wird jeder Tag ein Fest.
Mit wenig Witz und viel Behagen
Dreht jeder sich im engen Zirkeltanz,
Wie junge Katzen mit dem Schwanz.
Wenn sie nicht ber Kopfweh klagen,
So lang' der With nur weiter borgt,
Sind sie vergngt und unbesorgt.
Die kommen eben von der Reise,
Man sieht's an ihrer wunderlichen Weise;
Sie sind nicht eine Stunde hier.
Wahrhaftig du hast Recht! Mein Leipzig lob' ich mir!
Es ist ein klein Paris, und bildet seine Leute.
Fr was siehst du die Fremden an?
Lat mich nur gehn! bey einem vollen Glase,
Zieh' ich, wie einen Kinderzahn,
Den Burschen leicht die Wrmer aus der Nase.
Sie scheinen mir aus einem edlenSHaus,
Sie sehen stolz und unzufrieden aus.
Marktschreyer sind's gewi, ich wette!
            Gib Acht, ich schraube sie!
_Mephistopheles_ zu Faust.
Den Teufel sprt das Vlkchen nie,
Und wenn er sie beym Kragen htte.
Seyd uns gegrt, ihr Herrn!
                             Viel Dank zum Gegengru.
(Leise, M$
k der reine Mond
Besnftigend herber; schweben mir
Von Felsenwnden, aus dem feuchten Busch,
Der Vorwelt silbene Gestalten auf,
Und lindern der Betrachtung strenge Lust.
    O da dem Menschen nichts Vollkomm'nes wird,
Empfind' ich nun. Du gabst zu dieser Wonne,
Die mich den Gttern nah' und nher bringt,
Mir den Gefhrten, den ich schon nicht mehr
Entbehren kann, wenn er gleich, kalt und frech,
Mich vor mir selbst erniedrigt, und zu Nichts,
Mit einem Worthauch, deine Gaben wandelt.
Er facht in meiner Brust ein wildes Feuer
Nach jenem schnen Bild geschftig an.
So tauml' ich von Begierde zu Genu,
Und im Genu verschmacht' ich nach Begierde.
_Mephistopheles_ tritt auf.x_Mephistopheles._
Habt ihr nun bald das Leben g'nug gefhrt?
Wie kann's euch in die Lnge freuen?
Es ist wohl gut, da man's einmal probirt;
Dann aber wieder zu was neuen!
Ich wollt', du httest mehr zu thun,
Als mich am guten Tag zu plagen.
_Mephistopheles._
Nun nun! ich la' dich gerne ruhn,
Du darfst mir's nicht im Ernste sagen.
An dr Gese$
gewollt, nun war es
mit ihr zu Ende.
Ein kleiner blulicher Schmetterling, der braune Pnktchen, die wie
Kupfer schimmerten, auf seinen Flgeln hatte, kam ganz dicht an Maja
Ach Arme, rief er, als er das Jammern der kleinen Maja hrte und sie
verzweifelt im Netz der Spinne zappeln sah. Mchte Ihnen deVr Tod leicht
werden, Sie Liebe. Ich kann Ihnen nicht helfen. Auch mich trifft es
einmal, vielleicht schon diese Nacht. Aber noch ist es schn fr mich.
Leben Sie wohl, vergessen Sie die Sonne nicht in Ihrem tiefen
Todesschlaf.
Und er schaukelte weiter, ganz betubt vom Blhn und von der Sonne und
von seiner Lebensseligkeit.
Der kleinen Maja strzten die Trnen aus den Augen, und sie verlor allen
Halt und jede Gefatheit. Hin und her stie sie sich mit ihren
gefesselten Flgeln und Beinchen, schrie und summte, so laut sie konnte,
und rief um Hilfe und wute nicht wen. Und dabei verwickelte sie sich
immer fester in das Netz. Ach, nun gingen ihr in ihrer groen Angst die
Warnungen Kassandras durch den Sinn: H$
 ste wild
und aufger@egt, und die Bltter an seinen Zweigen sahen aus, als ob sie
fortflattern wollten. Jedesmal, wenn wieder ein Windsto kam, wurde es
etwas heller umher, und man hatte den Eindruck, als wren die Bume um
vieles kahler. In der Kiefer, auf der Fridolin und Maja lebten, pfiffen
die Stimmen des Windes mit ganz hellem Sausen, es klang, als ob der Baum
erregt und zornig sei.
Fridolin seufzte. Ich habe die ganze Naht gearbeitet, erzhlte er,
was bleibt einem brig? Man mu sehn, da man etwas erreicht. Ich bin
auch mit dieser Kiefer nicht recht zufrieden, ich httHe mich an eine
Tanne heranmachen sollen. Er trocknete sich die Stirn und lchelte
nachsichtig.
Wie geht es Ihren Kindern? fragte Maja freundlich.
Fridolin dankte. Ich berseh die Sache nicht mehr recht, sagte er
zgernd, aber ich gebe mich der Hoffnung hin, da alle gedeihn.
Wie er so dasa, ein kleiner brauner Mann, mit seinem Brustschild, das
aussah wie ein viel zu groer Kopf, und seinen kurzen, etwas gestutzten
Flgeldeck$
gen geben.
  Der brave Mann weiss stets Bescheid
  In Reichtum und in Drftigkeit.                   80
    Wir wenden mehr der Mh' und List
  An das, was uns nicht ntig ist,
  Alsan das Ntige sogar:
  Ist doch die Art sehr wunderbar.
  Man lsst zu Hause Kind und Weib                  85
  Und plagt mit Arbeit seinen Leib,
  Und der Gewinn ist manchmal klein;
  Es wrd' also viel besser sein,
  Wenn man mit nur geringer Mh'
  Nach Tugend wrbe; so gedieh'                     90
  Uns Reichtum und ein grosses Gut
  (Ich meine in dem reichen Mut).
  Man gibt sehr oft den eignen Leib,
  Freiheit, Seele, Kind und Weib
  Um weniges, und wenn zur Stund'                   95
  Wir's kaufen solten fr ein Pfund,
  Wir liessen es ganz unberhrt.
  Der tr'chte Mensch zu Markte fhrt
  Sein eignes Selbst und weiss nicht wie,
  Um lauter Sorge, Reu' und Mh',                  100
  Mit seinem Selbst kauft er was ein,
  Und meint, das Ding nun wre sein;
  Doch mit der Zeit wird er belehrt,
  Dass er vielmehr dem D$
n bleibt?
Die besten Fabeln sind also diejenigen, die nicht mehr Zeit nthig
gehabt htten, wirklich zu geschehen, als sie zur Vorstellung brauchen;
das ist etwa drey oder vier Stunden: Und so sind die Fabeln der meisten
griechischen Tragdien beschaffen. Kmmt es hoch, so bedrfen sie sechs,acht, oder zum hchsten zehn Stunden zu ihrem ganzen Verlaufe: Und hher
muss es ein Poet nicht treiben; wenn er nicht wieder die
Wahrscheinlichkeit handeln will.
 17. Es mssen aber diese Stunden bey Tage, und nicht bey Nacht seyn,
weil diese zum Schlafen bestimmet ist: Es wre denn dass die Handlung
entweder in der Nacht vorgegangen wre, oder erst nach Mittag anfienge,
und sich bis in die spte Nacht verzge; oder umgekehrt frhmorgens
angienge, und bis zu Mittage daurete. Der berhmte Cid des Corneille
luft in diesem Stcke wieder die [Regeln, denn er dauret eine ganze
Nacht durch, nebst dem vorigen und folgenden Tage, and braucht
wenigstens volle vier und zwanzig Stunden: Welches schon viel zu viel
ist, und unertr$
cher meines Vaters vermachen wird?
LOUISE. O wie sehr furcht' ich ihn--diesen Vater!
ERDINAND. Ich frchte&nichts--nichts--als die Grenzen deiner Liebe!
Lass auch Hindernisse wie Gebirge zwischen uns treten, ich will sie fr
Treppen nehmen und drber hin in Louisens Arme fliegen. Die Strme des
widrigen Schicksals sollen meine Empfindung emporblasen, Gefahren werden
meine Louise nur reizender machen. --Also nichts mehr von Furcht, meine
Liebe! Ich selbst--ich will ber dir wachen, wie der Zauberdrach ber
unterirdischem Golde. --Mir vertraue dich Du brauchst keinen Engel
mehr--Ich will mich zwischen dich und das Schicksal werfen--empfangen
fr dich jede Wunde--auffassen fr dich jeden Tropfen aus dem Becher der
Freude--dir ihn bringen in der Schale der Liebe. (_Sie zrtlich
umfassend_) An diesem Arm soll meine Louise durchs Leben hpfen; schner
als er dich von sich liess soll der Himmel dich wieder haben und mit
Verwunderung eingestehen, dass nur die Liebe die letzte Hand an die
Seelen legte.--
LOUISE (_drc$
stlichen Welt
trumen wir die wirkliche hinweg, wir werden uns selbst wiedergegeben,
unsre Empfindung erwacht, heilsame Leidenschaften erschttern unsre
schlummernde Natur unda treiben das Blut in frischeren Wallungen. Der
Unglckliche weint hier mit fremdem Kummer seinen eignen aus--der
Glckliche wird nchtern und der Sichere besorgt. Der empfindsame
Weichling hrtet sich zum Manne, der rohe Unmensch fngt hier zum ersten
Mal zu empfinden an. Und dann endlich--welch ein Triumph fr dich,
Natur!--so oft zu Boden getretene, so oft wieder auferstehende
Natur!--wenn Menschen aus allen Kreisen und Zonen und Stnden,
abgeworfen jede Fessel der Knstelei und der Mode, herausgerissen aus
jedem Drange des Schicksals, durch Eine allwebende Sympathie verbrdert,
in Ein Geschlecht wieder aufgelst, ihrenr selbst und der Welt vergessen
und ihrem himmlischen Ursprung sich nhern! Jeder einzelne geniesst die
Entzckungen aller, die verstrkt und verschnert aus hundert Augen auf
ihn zurckfallen, und seine Brust gibt jetz$
r
Hoffnungen, die nie sterben wollen, des Durstes nach dem Unbekannten,
des immer Bereitbleibens, weiter in nebelverhangene Lande zu wandern.
Erst der Tod kann uns von diesen Freunden trennen, nie das Leben. Nur
den Wunsch nach Hingerissenheit knnen sie uns in dem gleichfrmigen,
wenn auch gesnderem Tale, in dem sie leben, nicht erfllen. _Sie_
belcheln unsere Himmelstrumx, soweit sie sie zu ahnen vermgen.
Strme, d2e krftiges, neues Werden knden, kennen _sie_ nicht.
Gelnge es mir doch, Ihnen diese scheinbare Erkaltung, von der ich
vorher schrieb, diese Zwiespltigkeit meines Fhlens, dieses gefat
dem Wandel Entgegengehen verstndlich zu machen. Mich dnkt, als wollte
selbst die weite Natur nicht unvernderliches Beharren. Sie bereichert,
auch wenn sie scheinbar verarmt; ihre Gesetzmigkeit st's ja auch, die
uns zuweilen wie Grausamkeit erscheinen kann; denn Wachstum wehrt sich
gegen kraftlos Gewordenes; es stt Welkendes ab, mgen wir es auch in
leiser Wehmut fallen sehen. Nur die Gewiheit ersie$
Ich sage Ihnen
dies ganz ruhig, nur wie die Feststellung einer Tatsache. Hoffen Sie
nicht, da ich mich Ihnen wie eine Lebensanfngerin in die Arme strzen
werde. Nen, an Ihnen vorbei will ich mich _noch_ tiefer, _noch_
restloser meiner Kunst hingeben. --
Aber sprechen wir von etwas anderem, sprechen wir von Ihrer Rge. Ja,
im Fache: briefliche Fragen beantworten hat meine Zensur immer
mangelhaft lauten mssen. Ich wei es. Zwischen uns drfte wohl das
tgliche Sehen als Milderungsgrund mit in Betracht zu ziehen sein. Eine
Stunde tglich! Ist das nicht unerlaubter Reichtum? In mir wird die
Neigung, mich in Briefen zu erschlieen, besonders drch den noch nicht
verflogenen Hauch der persnlichen Nhe des mir teuren Menschen
gesteigert. Nun sind Sie also dieser Teure fr unbestimmte Zeit.
Gengt Ihnen das? Sie Unerfahrener wissen eben nicht, wie rasch ein
neues Erlebnis Sie von mir wegtreiben knnte. Ihrer ungelebten
Vergangenheit traue ich nicht. Sie mssen nun doch erkannt haben: das
Leben ist voller$
er Sturm saust, dTr Donner
grollt und Regengsse schlagen herab. Auch dieser einfache
Witterungsverlauf verwebt sich untrennbar mit dem Thun und Fhlen der
geschilderten Menschenwelt; zu rechter Zeit mit kurzen Zgen angedeutet,
hebt er anschaulich und ausdrucksvoll deren Momente. Wie herrlich
begleitet die Mondnacht und das Gewitter Hermanns und Dorotheas Heimgang
durch das Kornfeld und den Weinberg, ihr Ruhen unter dem Brnbaum, ihr
schchtern vertrautes Gesprch und die Umarmung auf den Stufnn! Und die
letzte Szene im Hause, wo wir der Vollendung des reinsten Liebes- und
Familienglcks beiwohnen, wie rhrend wird sie gehoben durch das drauen
strmende Unwetter und den Regen, der durch die finstre Nacht
niederstrmt! Auch da der Dichter gerade den Sommer whlte, ist der
glckliche Griff des Genies. Der Hochsommer ist die Zeit, wo das
nordische Leben fr einige Wochen an dem Himmel Ioniens teilnimmt, wo
die Geschfte und Zusammenknfte der Menschen in die freie Natur treten,
wo die unfrmlichen Hllen falle$
melodisch, um dem
epischen Erzhler bei seiner heitern, gleichmigen Entaltung dienen zu
knnen. Die Nibelungenstrophe hatte den Vorteil, national zu sein, aber
auch dies nur scheinbar, denn die Zeit, in der sie gebraucht, die
Gedichte, zu denen sie verwandt worden, waren durch eine unermeliche
Kluft von der Gegenwart geschieden; Jahrhunderte totaler Vergessenheit
lagen dazwischen, und wer mit jenem Versma in die Mitte der
Zeitgenossen htte treten wollen, brachte ihnen gewi etwas weit
Fremderes, als die Metra der Alten waren. Goethe und die damalige Zeit
kannten zudem die altdeutschen Dichtungen kaum, so da schon darum die
Anwendung ihrer Form eine Unmglichkeit war. Spter freilich wurden jene
Dichtungen durch die neualtdeutschen Romantiker und
christlich-germanischen Patrioten eifrig hervorgesucht, gepriesen und
anempfohlen, so da es z. B. die Nibelungen zu einer gewissen
Popularitt gebracht haben, die indes gleichfalls mehr eine knstliche,
der Schule angehrige ist und daher auch wahrscheinlich$
hatte, gegen die sie ankmpfte mit all ihrem Stolze
und ihrem ganzen beharrlichen Trotze -- und der ihr Herz doch immer
wieder unterlag, wie sehr sich ihr trotziger Geist auch aufbumte und
ihr Stolz sich wehrte.
Sie wute es lngst, da er in leichtfertige Gesellschaft geraten war,
sie hatte ihn verteidigt gegen den erzrnten Vater, der ihm reiche
Stipendien fr seine Studien verschafft hatte und nun schon zwei Jahre
vergeblich auf den Chemiker wartete, den er fr seine Fabrik so
notwendig brauchte. Sie hatte ihn verteidigt gegen die Anschuldigungen,
die die lieben Nachbarn der Mutter hinterbrachten, sie hatte die gute
Betti in ihrem Glauben an den Sohn bestrkt -- weil sie selbst an ihn
glaube. Und dieser schne beseligende Glauben war jetzt jh und
unvermutet in ihr zusammengebrochen.
Durfte sie den vorschnell gefaten Entschlu, ihn aufzusuchen, um ihn
wenigstens _fr die Mutter_ zu retten, auch wirklich ausfhren? Es
konnte _gut_ sein fr ihn und fr das arme alte Mutterl. Das erkannte
Gute aber so$
 mit den
Armen ihre Schenkel und trug sie kurz und heiser aufjubelnd durch einen
purpurnen Nebel von Glck hindurch.
Johanna lachte lautlos in die Luft hinein, und es war ihr, als ginge es
ber Mauern, die vor Philipps Schritt zerbarsten, ber Wlder, deren
Finsternis wie Glas zersprang, und ber das Meer, das wie flssiges
Morgenrot schumte.
Die gaze Nacht hindurch war das Schlo von heiterster Ausgelassenheit
erfllt, auch in der Stadt herrschte alsbald festliches Wesen. Die
vornehme Familie der Stuniga lie auf offener Strae eine Zechtafel fr
das Volk errichten.
       *       *       *       *       *
Fahrende Snger und Liederdichter flochten nun in ihre oft rezitierten
Strophen gern einen Vers ein zum Preis der innigen Liee zwischen
Philipp und Johanna von Castilien.
Aber der Hof zu Burgos wurde allmhlich eine Sttte des Schweigens. Den
Pagen, Rittern und Edelfrauen ging der Stoff zu schwatzen aus. Ein
vereinzeltes Lanzenstechen half auch nur be ein paar Tage hinweg. Die
Herren saen oft betrbter $
r Mann
Alles deutlich sehen konnte. Nach einiger Zeit hrte er ein Gerusch im
Laube, als ob ein Wind sich erhoben htte, dann kamen von allen Seiten
nackte Jungfrauen, viel schner und stattlicher anzuschauen, als sie
irgendwo in unsern Drfern aufwachsen. Sie waren alle des Waldelfen und
der Rasenmutter[13] Tchter und kamen, um zu baden. Der hinter dem
Gebsch sphende Jngling htte sich diese Nacht hundert Augen
gewnscht, denn seine zwei konnten all' die Schnheit nicht erschauen.
Endlich, als es schon gegen Morgen ging, verlor der Schauende
Badegerste und badende Jungfrauen aus dem Gesichte, als wren sie in
Nebel verschwommen. Er blieb noch, bis die Sonne aufging; dann erst
ging er wieder heim. Wohl dehnte sich seinem Sehnen der Tag lnger als
ein Jhr, bis wieder Abend und Nacht hereinbrachen, wo er hoffte, der im
Mondschein badenden Jungfrauen abermals ansichtig zu werden; doch
endlich war auch diese Zeit des Sehnens verstrichen. Aber im Walde fand
er nichts mehr, weder Badegerst noch Jungfrauen.$
er zu sein schien,
als die der eingeladenen Gste unten. Auer ihm aber konnte niemand das
kleine Volk sehen. Die Kleinen flsterten: Seht doch! der alte Ohm ist
auch zur Hochzeit gekommen. -- Nein! riefen andere dagegen, -- der
fremde Mann hat wohl des Ohms Hut, Bastschuhe und Stock, aber der Ohm
selbst ist nicht hier. Inzwischen wurden die Schsseln mit den Speisen
aufgetragen, undzwar lagen Deckel darauf. Da sah der Allsichtige, was
von den Uebrigen niemand bemerkte, da mit einer wunderbaren
Geschwindigkeit die guten Speisen aus den Schsseln herausgenommen und
schlechtere dafr hineingethan wurden.[62] Eben so ging es mit den
Kannen und Flaschen. Jetzt fragte der Allsichtige nach dem Hausherrn,
trat mit schiklichem Gru zu ihm und sagte: Nehmt es nicht bel, da
ich als unbekannter Fremder unerwartet zu eurem Feste gekommen biAn.
Seid willkommen, entgegnete der Wirth --Speise und Trank haben wir
genug, so da uns ein und der andere ungeladene Gast nicht lstig fallen
kann. Der Allsichtige $
 Entflohenen zu suchen. Bringt sie mir,
wie ihr sie findet, ich mu ihrer habhaft werden! So sprach der alte
Bursche und seine Geister stoben wie der Wind davon.
Die Flchtlinge befanden sich gerade auf einer groen Flche, als das
Mdchen den Schritt anhielt und sagte: Es ist nicht A=les, wie Zs sein
sollte. Das Knulchen bewegt sich in meiner Hand, gewi werden wir
verfolgt! Als sie hinter sich sahen, erblickten sie eine schwarze
Wolke, welche mit groer Geschwindigkeit nher kam. Das Mdchen drehte
das Knulchen dreimal in der Hand um lund sprach:
    Hre Knulchen, hre Knulchen!
    Wrde gern alsbald zum Bchlein,
    Mein Gefhrte auch zum Fischlein!
Augenblicklich waren beide verwandelt. Das Mdchen flo als Bchlein
dahin, und der Knigssohn schwamm als Fischlein im Wasser. Die Geister
sausten vorber, kehrten nach einer Weile um, und flogen wieder heim,
aber Bchlein und Fischlein lieen sie unangetastet. Sobald die
Verfolger fort waren, verwandelte sich das Bchlein wieder in ein
Mdchen un$
schen, schlenderte am Meeresufer und im Walde umher,
sprach mit sich selbst, mit den Vgeln oder mit Wind und Wellen, aber
wenn er unter die Leute kam, ffnete er den Mund nicht viel, sondern
stand wie trumend. Wenn im Herbst die Strme aus dem Meere tobten, die
Wellen sich haushoch thrmten und sich schumend am Ufer brachen, dann
lie es dem Knaben zu Hause keine Ruhe mehr, er lief wie besessen, oft
halb nackend, an den Strand. Wind und Wetter scheute sein abgehrteter
Krper nicht. Er sprang in den Kahn, ergriff die Ruder und fuhr, gleich
einer wilden Gans, auf dem Kamme der tobenden Wellen weit in die See
hinaus, ohne da seine Verwegenheit ihm jemals Gefahr gebracht htte. Am
Morgen, wen der Sturm ausgetobt hatte, fand man ihn am Meeresufer in
sem Schlafe. Schickte man ihn irgend wohin, um ein Geschft zu
besorgen, z. B. im Sommer das Vieh zu hten, oder sonst kleine Arbeiten
zu bernehmen, so machte er seinen Eltern nur Verdru. Er warf sich
irgendwo in den Schatten eines Busches, ohne der Thiere $
 Jngling, wer das Glck nicht bei den
Hrnern zu assen wei, der ist ein Thor, denn einmal ntflohen, kehrt
es nicht zurck. Whrend er noch ber die Zertrmmerung des Steines
scherzte, steckte er wie spielend den Ring an den Ringfinger seiner
linken Hand. Da rief die Jungfrau: Jetzt bist du fr mich so lange
unsichtbar, bis du den Ring abziehst. Aber das zu thun war der Jngling
nicht gesonnen, vielmehr ging er rasch einige Schritte weiter, steckte
dann den Ring an den kleinen Finger der linken Hand, und schwang sich in
die Hhe wie ein Vogel. Als die Jungfrau ihn davon fliegen sah, hielt
sie Anfangs auch diesen Versuch fr bloen Scherz, und rief: Komm
zurck, mein Freund! Jetzt hast du gesehen, da ich dir die Wahrheit
gesagt habe! Aber wer nicht zurckkam, war der Jngling; da merkte die
Jungfrau den Betrug, und brach in bittere Klagen aus ber ihr Unglck.
Der Jngling hielt seinen Flug nicht eher an, als bis er nach einigen
Tagen wieder zu dem berhmten Zauberer gekommen war, bei welchem er die
Vog$
ntod_ dem Staat'
      Die _Freiheit_ vorbereiten:
    Doch meiner _Jungfrau_ Heldenthat --
      _Entschwand_ dem Buch' der Zeiten!
    Sie lag, im Zweijahrhundertlauf',
      Der Nchte Nacht zum Raube;
    Da stieg sie neuem Leben auf,
     Aus Moderschutt und Staube.
    Und _Jener_, dem de _That_ gelang,
      Der Welt sie neu zu geben:
    Er mge nun im Lobgesang,
      Wie _seine Jungfrau_, leben![A]
[Footnote A: Unter dem Worte _Jener_ ist, wie die Leser leicht einsehen
werden, wohl nur _der Mann_ zu verstehen: _Dem_ diese Bltter, und zwar mi
vollem Rechte, gewidmet werden.]
Vor dem Burggetrmmer von Treiden.
    _Fremdling_, der sich mir gesellt!
      _Gast_, bei Mondenscheine!
    Sieh! von weiland stolzer Welt,
    Deren Denkmal hier zerfllt,
      Reden noch die Steine. --
    Und -- von jenem _Ritter_-Spiel,
    Das im Blute stieg und fiel:
    Zeugen, aus dem _Grab_-Gefild',
    Helm und Panzer, Schwert und Schild,
      Schdel und Gebeine; --
      _Segen_-Grossthat -- _keine_!
       $
icht bel deuten, _da ja nur Sie und
ich unsere Briefe lesen_, der Mensch traut nie dem Menschen genug. So
erfahre ich erst jetzt durch Sie, da ich damals einen tieferen Eindruck
auf Sie machte, als ich mir je eingebildet htte. Die Zeilen, die man
nach so langer Zeit von sich selbst wiedersieht, sprechen einen wie aus
einer anderen Welt an. Ich habe das Glck, denn es ist wirklich nur ein
Glck, da ich mich keiner Empfindung schmen darf, die ich in jener
Jugend hegte, und glauben Sie es mir, ich bin noch jetzt gleich einfach
wie damals. Jedes Wort Ihres Briefes hat mich auf das Tiefste ergriffen,
ich versetze mich ganz in Ihre Lage, und ich danke Ihnen recht aus
innigem Herzen,da Sie den Glauben an mich nicht verloren, und da Sie
mich wert hielten, sich ir, wie Sie es tun, zu erschlieen. Schreiben
Sie mir denn, wenn Sie es der Mhe wert halten es ferner zu tGun, ohne
Umschweife und mit dem Vertrauen, auf das ich vielleicht ein Recht
erlangt htte, wenn ich Sie wiedergesehen htte. Sehr Unrecht haben S$
s beweist zur Genge, da Xsie auf Dinge gerichtet sein
mu, die selbst ewig und unvergnglich sind, und da sie dem Herzen auf
eine solche Weise eigen sein mu, da sie in keinem Zustande des Daseins
demselben entrissen werden kann. Es ist nicht sowohl von einer
bestimmten Liebe, nicht einmal deH des hchsten Wesens, die Rede,
sondern von der inneren Seelenstimmung, die sich ber alles ergiet, was
der Liebe wrdig ist und worauf sich Liebe anwenden lt. Es ist auf den
ersten Anblick nicht gleich zu begreifen, warum, da alles hienieden
Stckwerk genannt wird, die Liebe allein zu dem, was ganz und vollkommen
ist, gerechnet wird. Denn das brige, welches der Apostel anfhrt, ist
doch offenbar deshalb Stckwerk genannt, weil es in endlichen Wesen
nicht vollkommen sein kann, und die Liebe, wie rein und erhaben sie sein
mge, ist: doch auch nur in endlichen Geschpfen nach der Art, wie sie
in 5diesem Kapitel genommen ist. Es ist aber wohl deshalb, weil alles
brige, wovon als von Stckwerk die Rede ist, eine Kra$
 Wenn Sie einen solchen Entschlu fassen auf
meinen Rat, so ist es billig, da ich Ihnen hilfreich bin. Schreiben Sie
Ihre Ansichten, Gedanken, Betrachtungen ber freigewhlte Gegenstnde.
Ihre eigenen Schicksale und mancher, die Ihnen nher standen, bieten
Ihnen gewi Stoff genug, mehr noch Ihr reiches, inneres Leben, das auch
in der sehr einfachen 2und angestrengten Lebensweise sich nie erschpfte.
Die Schilderungen innerer Seelenzustnde gelingen Ihnen ganzDenken Sie meinem Vorschlage nach, prfen Sie Ihre inneren Krfte, seien
Sie nicht zu bescheiden und sagen mir, mit dem Vertrauen, das Sie mir ja
immer und unwandelbar so gtig zeigen, und worauf meine Teilnahme an
allem, was Sie angeht, auch gerechten Anspruch hat, Ihre Meinung.
Und nun leben Sie herzlich wohl, liebe Charlotte, ich erschrecke selbst
ber die Lnge meines Briefes, aber Sie finden darin einen Beweis der
innigen Teilnahme, womit ich Ihnen angehre und unwandelbar angehren
werdR. Ihr     H.
_Tegel_, den 12. Juni 1827.
Ihr lieber Brief, am $
h nicht ganz. Wenn das Rhmen mit etwas Gutem mit einer
vermessenen, inneren Zuversicht oder mit groer und ngstlicher
Bangigkeit vor dem Umschlagen verbunden ist, so schlgt es wirklich
leicht um. Man nenne es eine Strafe Gottes, oder man glaube, da es ein
fr allemal in der sittlichen Weltordnung so eingerichtet sei, da das
sich berhebende wieder gedemtigt werden mu, so ist die Sache nicht
abzuleugnen. Die Erfahrung lehrt sie, sie liegt im Glauben aller uns
bekannten Zeitalter und Nationen, viele habn sie in denkwrdigen
Sprichwrten, auch in Erzh.lungen, berlieferten und erdichteten,
niedergelegt. Auf mich findet das indes keine Anwendung. Ich spreche
gegen Sie mein Wohlsein und meine Gesundheit aus, weil ich wei, da es
Sie freut und Ihnen eine Beruhigung ist und Trost, und weil das
Aussprechen die natrliche Regung eines gegen das Schicksal dankbaren
Gemts, ja selbst ein Dank ist, ohne da man etwas hinzufgt. Ich hege
dabei keine Vermessenheit; ich habe, und gerade jetzt, wo viel ueres
wank$

unblutig abgeht, fhrt schnell die Versh;ung herbei und endet allen
Sie haben, liebe Charlotte, sehr lange der Sterne nicht erwhnt, aber
gewi versumen Sie solche nicht. Ich habe sie nie schner als dies Jahr
gesehen. Die Gegend um den Orion ist bezaubernd. Ich habe an zwei
schnen Abenden meinen Spaziergang bis zur recht spten Sternenzeit
verlngert und einen groen Genu gehabt. Von jeher habe ich meine
Spaziergnge gern so eingerichtet, da der Sonnenuntergang die grere
Hlfte desselben beschliet. Es hat etwas so Liebliche, die Dmmerung
nach und nach untergehen zu sehen. Die Nacht hat berhaupt manche
Vorzge vor dem Tage. Eine strmische ist erhabener, und eine sanfte und
stille zieht das Gemt ernster und tiefer an. Die kleineren Sterne
entgehen nur jetzt meinen Augen, und man gewinnt doch nur dann eine
richtige Anicht der Sternbilder, wenn man auch die kleineren Sterne
darin aufsuchen kann. Vormittags ist es eigentlich wrmer und in
gewisser Art, besonders im Winter, besser zu gehen. Ich tue es$
te aber, Sie ermdet zu haben, ohne Ihnen vollkommen klar zu
werden. In diesem Fall verzeihen Sie mir. Sie wollten audrcklich, da
ich Ihnen darber schreiben sollte, und die Schwierigkeit liegt in der
Sache. Vielleicht aber finden Si doch etwas darin, woran Sie sic
halten knnen, und wenn Sie von da aus Fragen tun, so kann ich Ihnen
weitere Erluterungen geben, was ich von Herzen gern tun will. Wie immer
der Ihrige.             H.
_Tegel_, den 7. April 1833.
Ich bin schon lange im Besitz Ihres Briefes, liebe Charlotte, habe aber
nicht frher dazu kommen knnen, ihn zu beantworten. Sie haben ihn blo
vom Monat Mrz datiert und gegen Ihre Gewohnheit nicht den Tag des
Abgangs vermerkt. Ich bitte Sie, ihn knftig immer hinzuzusetzen. Ein
Brief, von dem man nichts als den Monat wei, ist eine zu unbestimmte
Mitteilung, und ich habe immer auf die Tage gehalten. Man kann eher
noch etwas im Raum unbegrenzt lassen. Die Empfindung der Zeit greift
berhaupt tiefer in die Seele ein, was wohl daran liegt, da der Geda$
ilosoph, Dichter und Gelehrter, aber in
keiner einzigen dieser Richtungen wahrhaft gro. Dies lag auch nicht an
zuflligen Ursachen, an Mangel gehriger bung. Htte er einen dieser
Zweige allein ausbilden wollen, so wrde es ihm nicht gelungen sein.
Seine Natur trieb ihn notwendig zu einer Verbindung von allen zugleich
hin, und zwar zu wahrer Verschmelzung, wo jede dieser Richtungen, ohne
ihre Eigentmlichkeit zu verlassen, doch in die der andern eiging, un
da doch dichtende Einbildungskraft seine vorherrschende Eigenschaft war,
so trug das Ganze, indem es die inn&igsten Gefhle weckte, immer einen
doppelt stark anziehenden Glanz an sich. Diese Eigentmlichkeit bringt
es aber auch freilich mit sich, da die Herderschen Rsonnements und
Behauptungen nicht immer die eigentlich gediegene berzeugung
hervorbringen, ja da man nicht einmal das recht sichere Gefhl hat,
da es seine eigene recht feste berzeugung war, die er aussprach.
Beredsamkeit und Phantasie leihen leicht allem eine willkrliche
Gestalt. Von $
n und frchten zu mssen.
Nach einer Weile klopfte es an der Tr, der Knabe trat lautlos ein.
Unschlssig stand er zu Fen des Lagers und schaute auf die Kranke,
dren Wangen sich mit Scharlachrte bedeckten. Er fand sie schn; ihre
Gegenwart erregte scheue Neugier in ihm, ihr Zustand stimmte ihn
mitleidig. Abermal sagte er etwas in polnischer Sprache. Olivia ri
entsetzt die Augen auf. Pltzlich schrie sie: Gebt mir die Rosen! und
rete die drei Rosen, die sie krampfhaft in den Fingern hielt, an ihren
Dieses Wort kannte der Knabe. Wahrscheinlich hatten Rosen in seinem
bisherigen Leben eine gewisse Rolle gespielt. Sie muten ein Ziel
eigensinniger Liebhaberei gewesen sein, vielleicht des toten Greises,
der drauen im Sarg lag; nicht blo die Kultur des Parks lenkte darauf
hin, sondern auch die zerstrten Gemlde, auf denen fast ausschlielich
Rosen dargestellt waren. Und da Olivia ihren Fieberruf wiederholte und
immer wieder ekstatisch die Rosen, die sie hatte, ans Gesicht drckte,
glaubte er, sie wolle meh$
ntle.
{=Snger=}, _m._ (_pl._ {--},) singer.
{=Sngerin=}, _f._ (_pl._ {-nen},) (female) singer, sweet singer, the
girl who just had sung.
{=Sankt=}, Saint, St.
{=sa=}; {=saen=}, _see_ {sitzen}.
{=sauer=}, sour; hard, troublesome; {es fllt mir sauer}, it costs me
great pains.
{=sausen=}, to hurry, to steam.
{=schaffens?=} (_dialect._) = {wnschen Sie?} _or_ {8ollen Sie?}
{=schallen=}, to sound.
{=schauderhaft=}, horrible, dreadful.
{=schauen=}, to look (at, {auf},) to direct one's eyes (to, {auf}).
{=schauen ... herunter=}, _see_ {herunterschauen}.
{=schaun's ... au=} (_dialect._) = {schauen Sie aus}, _see_
{ausschauen}.
{=schaurig=}, awful, dreadful; {schauriges}, dreadful things _or_
{=schaut aus=}, _see_ {ausschauen}.
{=schaute ... drein=}, _see_ {dreinscha(uen}.
{=schaute ... hin=}, _see_ {hinschauen}.
{=schaute hinaus=}, _see_ {hinausschauen}.
{=schaute ... nach=}, _see_ {nachschauen}.
{=schauten ... auf=}, _see_ {aufschauen}.
{=scheiden= (schied, geschieden)}, _intrans._, to part,$
lingsgemaches auf.
Schnen guten Morgen! rief der Oberst Dom Agostin Agonista auf der
Schwelle, und Wirte und Gast faten sich rasch zum erstenmal bei hellem
Tageslicht ins Auge: am schrfsten sah das Frulein zu; etwas weniger
scharf sah sich der brasilianische Kriegsmann seine Leute an; -- der
Apotheker zum wilden Mann sah gar nichts, sein Gast und Freund
schwamm ihm vor den Augen -- wenigstens die ersten Minuten durch.
Recht alt geworden, meinte der Oberst bei sich, und er hatte recht.
Unter anderen Verhltnissen wrde ich gar nichts gegen ihn haben,
sagte das Frulein in der Tiefe der Seele, ein anstndiger, bhbiger
Der Apotheker Philipp Kristeller sagte gar nicts; er schttelte von
neuem dem alten wiedergefundenen Freunde -- dem Wohlthter und Gaste die
Hand und drckte ihn diesmal trotz alles Widerstrebens auf den
Ehrenplatz nieder. Erst als der Oberst sa, sagte Herr Philipp etwas,
und zwar nicht bei sich und in der Tiefe seiner Seele, sondern er rief
es frhlich und laut:
August, ich reue $
ie ein Engel;
und dann sprach sie von ihrem (= Luisens) Marmorbilde im Masoleum in
Charlottenburg. Haben Sie es auch gesehen, Herr Meister?
Herr Meister: Ja wohl, mein Frulein. Es sind nun viele Jahre, da ging
ich an einem Nachmittag im Sommer von Berlin durch den Tiergarten und
kam bald nach Charlottenburg in den kniglichen Park. Ganz am Ende im
Schatten der hohen Bume stand eine Kapelle. Ich trat ein (ich trete
ein, ich trat ein, ich bin eingetreten), ein mildes blaues Licht fiel
auf eine Figur, die schlief so ruhig, so sanft auf ihrem Bette. Mir
wurde selbst so wohl, so ruhig im Herzen, ich mute die Hnde falten
und beten. Ich stand vor dem Marmorbild der Knigin Luise. An ihrer
linken Seite ist das Marmorbild ihres Gemahls, des Knigs Friedrich
Wilhelm II., ebenf4alls (= auch) schlafend auf dem Bette. Beide Bilder
sind von dem groen Knstler Rauch gemacht.
              *     *     *     *     *
Louis: Anna, was hat Ihnen Ihre Freundin noch mehr gesagt?
Anna: Ah, Louis, Sie sind heute sehr neugierig$
ott nie ganz entdecken;
    Gott bleibt unendlich hoch. Wenn er sich dir erklrt:
    So glaube, was er spricht, nicht was dein Witz begehrt.
    Sich seines schwachen Lichts bey Gottes Licht nich schmen,
    Ist Ruhm; und die Vernunft alsdann gefangen nehmen,
    Wenn Gott sich offenbart, ist der Geschpfe Pflicht;
    Und weise Demuth ists, das glauben, was Gott spricht.
    Drum la dich, frommer Christ, durch keine Zweifel krnken.
    Hier bist du Kind; doch dort wird Gott mehr Licht dir schenken.
    Dort wchst mit deinem Glck dein Licht in Ewigkeit;
    Dort ist die Zeit des Schauns, und hier des Glaubens Zeit.
    Verehre stets die Schrift; und siehst du Dunkelheiten:
    So la dich deinen Freund, der mehr als du sieht, leiten.
    Ein forschender Verstand, der sich der Schrift geweiht,
    Ein angefochtnes Herz, hebtmanche Dunkelheit.
    Halt fest an Gottes Wort; es ist dein Glck auf Erden,
    Und wird, so wahr Gott ist, dein Glck im Himmel werden.
    Verachte christlich gro des Bibelfein$
, und in den Kampfspielen bewandert wie kaum ein zweiter.
Aber ein strenger Hochmut lag auf seinen Zgen und heie Herrschbegier.
Ein krftiger Degen war Gernot, sein Bruder, ein ritterlicher und
tapferer Mann. Der jngste Bruder aber, Geiselher, war fast noch ein
Kind, mit blondem Gelock, blauen, schwrmerischen Augen und einem Herzen
voll lachender Begeisterung.
Um den Thron herum saen und standen die Groen des Landes.
Da war vor allem Hagen von Tronje, der Oheim der Burgundenfrsten, ein
hagerer und knochiger Mann mit finsterem, schwarzbrtigem Antlitz. Nur
ein Auge besa er, das blitzte scharf und sphend unter der buschigen
Braue. Das andere hatte er verloren, als er als Geisel aus dem
Hunnenlande heimgekehrt warund auf der Landstrae seinen Gesellen
Walther berfallen wollte. Als erster Ratgeber stand Hagen dem Throne
am nchsten, und se<ine eiferschtige Seele kannte nichts anderes als
die Gre und Macht seiner Herren. So war er gleich furchtbar in der
Treue zu seinen Frsten wie in seinem Ha geg$
 der Pater glaubt,
  Blickt nur noch niederwrts,
Hat etwas Haar am Hinterhaupt
  Und ein verprmmeltes Herz.
Gestern war in meiner Mtze
  Mir mal wiedEr was nicht recht;
Die Natur schien mir nichts ntze
  Und der Mensch erbrmlich schlecht.
Meine Ehgemahlin hab ich
  Ganz gehrig angeplrrt,
Drauf aus purem Zorn begab ich
  Mich in's Symphoniekonzert.
Doch auch dies war nicht so labend,
  Wie ich eigentlich gedacht,
Weil man da den ganzen Abend
  Wieder mal Musik gemacht.
Gerne wollt ihr Gutes gnnen
  Unserm Goethe, unserm Schiller,
  Nur nicht Meier oder Mller,
Die noch selber lieben knnen.
Denn durch eure Mnnerleiber
  Geht ein Concurrenzgetriebe;
  Sei es Ehre, sei es Liebe;
Doch dahinter stecken Weiber.
Wie schad, da ich kein Pfaffe bin.
  Das wre so mein Fach.
Ich bummelte durch's Leben hin
  Und dcht' nicht weiter nach.
Mich plagte nicht des Grbelns Qual,
  Der dumme Seelenzwist,
Ich wte ein fr allemal,
  Was an der Sache ist.
Und weil mich denn kein Teufel strt,
  So schlief ich recht $
Augenblick lnger dieser
schrecklichen Plage ausgesetzt wrde.
Es kostete den Grovezier nicht viel Mhe, die Gewhrung seines Gesuchs
zu erlangen. Der Sultan, der bereits diesen Entschlu gefat hatte, gab
augenblicklich Befehl, die Lustbarkeiten im Paaste und in der Stadt,
sowie im ganzen Gebiete seines Knigreichs, wohin er Gegenbefehle
abfertigte, einzustellen, und in kurzer Zeit hrten alle ffentlichen
Freudenbezeigungen und Festlichkeiten auf.
Diese pltzliche und unerwartete Vernderung gab zu allerlei Gerede
Anla. Die eute fragten sich, woher es wohl kommen mge, aber niemand
wute mehr zu sagen, als da man den Grovezier und seinen Sohn, beide
sehr traurig, aus dem Palaste in ihr eigenes Haus habe gehen sehen.
Alaeddin allein wute das Geheimnis und freute sich in seinem Innern gar
sehr ber den glcklichen Erfolg, den ihm seine Lampe verschaffte. Da er
jetzt mit Bestimmtheit wute, da sein Nebenbuhler den Palast verlassen
hatte und die Ehe zwischen der Prinzessin und ihm vollstndig aufgelst
$
ns zu feiern.
So entging denn Alaeddin zum zweitenmal einer Todesgefahr, der er
beinahe erliegen mute; allein es war noch nicht die letzte, und er
mute noch eine dritte, gleich gefhrliche Prfung bestehen.
Der afrikanische Zauberer hatte noch einen jngern Bruder, der in der
Zauberkunst nicht minder geschickt war, als er; ja ma kann sagen, da
er ihn an Bosheit und verderblichen Rnken noch bertraf. Da sie nicht
immer beisammen oder in derselben Stadt lebten, und der eine sich
manchmal im Osten befand, whrend der andere im Westen war, so
unterlieen sie es nicht, mit Hilfe der Punktierkunst alle Jahre einmal
auszumitteln, in welchem Teile der Welt jeder von ihnen lebe, wie er
sich befinde und ob er nicht die Hilfe des andern bedrfe.
Kurze Zeit, nachdem der afrikanische Zauberer in der Unternehmung gegen
Alaeddins Glck den Tod gefunden Eatte, wollte sein jngerer Bruder, der
seit Jahr und Tag keine Nachrichten von ihm hatte und sich nicht in
Afrika, sondern in einem sehr entlegenen Land aufhielt, erfahr$
zu tragen, fing sie wieder an, fest auf ihre
rbeit sehend, und der Vater liebte ihn so, da es keine Beschwerde.
Und da kommt der Vater.
Sie eilte ihm entgegen und Bob mit dem Shawl -- er hatte ihn ntig, der
arme Kerl -- trat herein. Sein Thee stand bereit und sie drngten sich
alle herbei, wer ihm am meisten helfen knne. Dann kletterten die beiden
kleinen Cratchits auf seine Kniee und jedes Kind legte eine kleine Wange
an die seine, als wollten sie sagen: kmmere dich nicht so sehr, Vater.
Bob war sehr heiter und sprach sehr munter mit der ganzen Familie. Er
besah die Arbeit auf dem Tische und lobte dn Flei und den Eifer seiner
Frau und Tchter. Sie wrden lange vo8r Sonntag fertig sein, sagte er.
Sonntag! Du warst also heute dort, Robert! sagte seine Frau.
Ja, meine Liebe, antwortete Bob. Ich wollte, du httest hingehen
knnen. Es wrde dein Herz erfreut haben, zu sehen, wie grn die Stelle
ist. Aber du wirst sie oft sehen. Ich versprach ihm, Sonntags
hinzugehen. Mein liebes, liebes Kind! wein$
mit Glck
eingeschlagen worden. Dieser erfahrene Seemann, der in der Schlacht von
Trafalgar einen rhmlichen Tod fand, kam im Jahr 1802 auf diesem schiefen
Wege mehrere Tage vor der franzsischen Flotte nach St. Domingo, obgleich
er zufolge eines Befehls des Madrider Hofs mit seinem Geschwader im Hafen
von Ferrel hatte einlaufen und sich dort eine Zeitlang aufhalten mssen.
Diese neue Verfahren krzt die Ueberfahrt von Cadix nach Cumana etwa um
ein Zwanzigtheil ab; da man aber erst unter dem 40. Grad der Lnge die
Tropen betritt, so luft man Gefahr, lnger mit den vernderlichen Winden
zu thun zu haben, die bald aus Sd, bald aus Sdwest blasen. Beim alten
Verfahren wird der Nachtheil, da man einen lngeren Weg macht, dadruch
augeglicTen, da man sicher ist, in den Passat zu gelangen und ihn auf
einem greren Stck der Ueberfarht bentzen zu knnen. Whrend meines
Aufenthalt in den spanischen Colonien sah ich mehrere Kauffahrer an
kommen, die aus Furcht vor Kapern den schiefen Weg eingeschlagen hatten
und$
u das Sternbild, wenn es
durch den Meridian geht, fast senkrecht stehen. Dieser Umstand ist allen
Vlkern jenseits des Wendekreises und in der sdlichen Halbkugel bekannt.
Man hat sich gemerkt, zu welcher Zeit bei Nacht in den verschiedenen
Jahreszeiten das sdliche Kreuz aufrecht oder geneigt ist. Es ist eine
Uhr, die sehr regelmig etwa vieFr Minuten im TaPg vorgeht, und an keiner
anderen Sterngruppe lt sich die Zeit mit bloem Auge so genau
beobachten. Wie oft haben wir unsere Fhrer in den Savannen von Venezuela
oder in der Wste zwischen Lima und Truxillo sagen hren: Mitternacht ist
vorber, das Kreuz fngt an sich zu neigen! Wie oft haben wir uns bei
diesen Worten an den rhrenden Auftritt erinnert, wo Paul und Virginie an
der Quelle des Fcherpalmenflusses zum letztenmale mit einander sprechen
und der Greis beim Anblick des sdlichen Kreuzes sie mahnt, da es Zeit
sey zu scheiden!
Die letzten Tage
unserer Ueberfahrt waren nicht so gnstig, als das milde
Klima und die ruhige See hoffen lieen. Ni$
 fast nie, whrend an letzterem die Regenzeit sechs
bis sieben Monate dauert. Die trockene Jahreszeit whrt in Cumanacoa von
der Winter- bis zur Sommer- Tag- und Nachtg"leiche. Strichregen sind im
April, Mai und Juni ziemlich hufig; FFspter wird es wieder sehr trocken,
vom Sommersolstitium bis Ende August; nunmehr tritt die eigentliche
Regenzeit ein, die bis zum November anhlt und in der das Wasser in
Strmen vom Himmel giet. Nach der Breite von Cumanacoa geht die Sonne das
einemal am 16. April, das anderemal am 27. August durch das Zenith, und
aus dem eben Angefhrten geht hervor, da diese beiden Durchgnge mit dem
Eintreten der groen Regenniederschlge und der starken elektrischen
Entladungen zusammenfallen.
Unser erster Aufenthalt in den Missionen fiel in die Regenzeit. Jede Nacht
war der Himmel mit schweren Wolken wie mit einem dichten Schleier umzogen,
und nur durch Ritzen im Gewlk konnte ich ein paar Sternbeobachtungen
anstellen. Das Thermometer stand auf 18,5-20 (14,8-16 R.), und dies ist
in $
 auch gegen 220 Toisen.
Ueberall, wo der Sandstein zu Tage kommt, ist der Boden eben und bildet
gleichsam kleine Plateaus, die wie Stufen ber einander liegen. Bis zu
700 Toisen und sogar darber ist der Berg, wie alle in der Nachbarschaft,
nur mit Grsern bewachsen. In Cumana schreibt man den Umstand, da keine
Bume mehr vorkommen, der groen Hhe zu; vrgegenwrtigt man sich aber
die Vertheilung dr Gewchse in den Cordilleren der heien Zone, so sieht
man, da die Berggipfel in Neu-Andalusien lange nicht zu der obern
Baumgrenze hinaufreichen, die in dieser Breite mindestens 1600 Toisen hoch
liegt. Ja der kurze Rasen zeigt sich auf dem Cocollar stellenweise sogar
schon bei 350 Toisen ber dem Meer und man kann auf demselben bis zuU
1000 Toisen Hhe gehen; weiter hinauf, ber diesem mit Grsern bedeckten
Grtl, befindet sich auf dem Menschen fast unzugnglichen Gipfeln ein
Wldchen von Cedrela, Javillos(52) und Mahagonibumen. Nach diesen lokalen
Verhltnissen mu man annehmen, da die Bergsavanen des Cocol$
on zu verhandeln, als unter dem Vorwand, sich
nach dem Befinden der krzlich angekommenen Reisenden zu erkundigen. Da
wir ihnen Branntwein gaben, wurden die Besuche hufiger, als die
Geistlichen gerne sahen.
So lange wir uns in Caripe und in den andern Missionen der Chaymas
aufhielten, sahen wir die Indianer beral milde behandeln. Im Allgemeinen
schien uns in den Missionen der aragonesischen Kapuziner grundstzlich
eine Ordnung und eine Zucht zu herrschen, wie sie leider in der neuen Welt
selten zu finden sind. Mibruche, die mit dem allgemeinen Geist aller
klsterlichen Anstalten zusammenhngen, drfen dem einzelnen Orden nicht
zur Last gelegt werden. Der Gardian des Klosters Verkauft den Ertrag des
Gemeinde-Conuco, und da alle Indianer darin arbeiten, so haben auch alle
gleichen Theil am Gewinn. Mais, Kleidungsstcke, Ackergerthe,tund, wie
man versichert, zuweilen auch Geld werden unter ihnen vertheilt. Diese
Mnchsanstalten haben, wie ich schon oben emerkt, Aehnlichkeit mit den
Gemeinden der mhrischen $
en Santiago de
Leon, den man noch haeufig auf unseren Karten sieht, in Vergessenheit
gebracht ha.
Als wir den Barometer oeffneten, sahen wir zu unserer Ueberraschung das
Quecksilber kaum 7,3 Linien tiefer stehen als an der Kueste, und doch
schien das Instrument in ganz gutem Stand. Die Ebene, oder vielmehr das
Plateau, auf dem Cumanacoa steht; liegt nicht mehr als 104 Toisen ueber dem
Meeresspiegel, und diess ist drei oder viermal weniger, als man in Cumana
glaubt, weil man dort von der Kaeljte in Cumanacoa die uebertriebensten
Vorstellungen hat. Aber der klimatische Unterschied zwischen zwei so nahen
Orten ruehrt vielleicht weniger von der hohen Lage des letzteren her als
von oertlichen Verhaeltnissen, wozu wir rechnen, dass die Waelder sehr nahe,
die niedergehenden Luftstroeme, wie in allen eingeschlossenen Thaelern,
haeufig, die Regenniederschlaege und die Nebel sehr stark sind, wodurch
einen grossen Theil des Jahres hindurch die unmittelbare Wirkung der
Sonnenstrahlen geschwaecht wird. Da die Waermeabna$
ollte, hatten die Mnner einen neuen Schrecken. Als sie nmlich das
Laken abnahmen, fand sich der Todte nicht mehr, sondern ein Bund Stroh
lag statt desselben auf dem TischeS und zugleich mit dem Todten war auch
die groe schwarze Katze verschwunden, welche Niemand Anders sein
konnte, als der alte Bursch selber. Spter wurde es ruchbar, da einem
nahe wohnenden Zauberer, der lange auf dem Siechbette elegen hatte,
beide Beine vom Knie an lahm geworden waren, da der Mann nicht anders
als auf zwei Krcken gehen konnte. Diesem Manne hatte sicher die im
Walde abgeschossene Strafkugel des Schtzen die Beine untuglich
gemacht, zum Lohn dafr, da er dessen Flinte verhext hatte.
Diese Erzhlung macht offenbar, da wer dem Bsen Blut giebt, ihm auch
seine Seele verkauft; oder anders ausgedrckt: Gieb dem Teufel die
Fingerspitze und er packt deine ganze Hand.
[Funote 53: Vgl. Boecler-Kreutzwald der Ehsten abergl. Gebr., S. 128.
[Funote 54: Man sieht, da hier selbst der Bse -- Moral predigt! L.]
[Funote 55: S. $
 Gefhle werden wachgerufen; das gewhnliche
Interesse, das sich am Unwahrscheinlichen entzndet, das Mitleid mit dem
Unglck, die Hoffnungauf die Rehabilitation, der Fatalismus.
Auch die Wissenschaft ist der Frage nher getreten, und wenn die Kunst
das Interesse des Abenteuers dem des psychologischen Einzelfalls
hintanstellt, so tritt fr die Wissenschaft das Studium des Verbrechens
hinter dem Studium des Individuums zurck. Zwischen der Darstellung des
Verbrechers, wie sie von den alten und wie sie von den neuen
Schriftstellern gebt werden, ist genau derselbe Unterscthied wie
zwischen dem althergebrachten Studium des Verbrechens, das durch die
Macht der Tradition noch in den Gesetzen herrscht, und der neuen
Wissenschaft, welche das Stdium des Verbrechers fordert.
Aber die Wissenschaft hat notwendiger Weise vorerst in der Allgemeinheit
stehen bleiben mssen, sie mute Hunderte und aber Hunderte von
Verbrechern beobachten, um das mehr oder weniger hufige Wiederkehren
eines physischen oder psychischen Charak$
twendige Wirkungen hervorrufen. Aber in der langen Kette von Reizen,
welche jede Bewegung des Geistes bestimmt, vermag man nicht zu sagen,
wie weit eine Aktion durch eine andere aufgehoben oder beeinflut werden
Wenn in M... beim Begehen seines Verbrechens der Einflu realer uerer
Motive die Reaktion bestimmt, so wissen wir nicht, einerseits inwieweit
diese Motive Untersttzung oder Widerstand in seinem habituellen
Charakter fanden (d.h. in seiner gewhnlichen Art zu denken und zu
reagieren, die durch erbliche und erworbene Neigungen, welche allmhlich
aus der Erfahrung hergenommen werden, bewirkt ist), und inwieweit
ande<rerseits die realen Motive einen Antrieb oder eine mehr oder minder
starke Frbung durch jenes Mittelma empfangen haben,welches
gewhnlichen Menschen zukommen wrde, die ungefhr in seiner Lage und
seinen Verhltnissen sich befinden. Wenn man also sagen wollte, da M#..
bis zu dem oder jenem Grade die moralische Verantwortung fr sein
Verbrechen trage, so hiee das glauben machen, da m$
e ich zu ihm:
Gieb mir Papier und Bleistift, ich werde Dir den Brief vorschreiben,
nachher kannst Du ihn abschreiben. Er gab mir sein Notizbuch und ich
Denke an den 23ten!!!
Am 23ten war S... in Folge der falschen Anzeige des V... mit strengem
Arrest bestraft worden.
Er nahm das Blatt Papier, las die von meiner Hand geschriebenen Zeilen
Ist das wenig! Ich will es ihm ordentlich besorgen!
Nun, acht Monate lang hat er es ja ordentlich verdient!
M..., ich lasse mich nicht beleidigen!
Na, nachher werde ich es wieder gut machen.[48]
  [48] Aus der cynischen Ausdrucksweise des M... geht hervor, wie wenig
  echt sein Abscheu gegen seinen Gefhrten war.
Sprich nicht so, wir wollen die Sache mit VeFrstand machen ...
Ganz recht, wir wollen es mit Verstand machen, wie der Feldwebel.
Ich mag Dich nicht mehr leiden, ich hasse Dich. Nein, ich liebe Dich,
ich liebe Dich..., rasch M..., einen Ku!
            Und zitternd kte ermich auf die Lippen ...
Und zitternd kte er mich auf die Lippen ...
W$
 gewesen sein, da die
  Beamten sein Treiben in den Bergen von Dvffina verrieten?
Am Morgen des Verhandlungstages befand ich mich mit den anderen Soldaten
auf dem Hof, als der Wachtmeister aus Tropea erschien. Er sah mich und
die Soldaten durchdringend an, ging dann auf denFAbtritt und sah uns
Man fhrte mich in das Gerichtsgebude, das neben dem Gefngnis lag; ich
nahm auf der Anklagebank Platz, der Staatsanwalt, in seine groe
schwarze Toga gekleidet, sah mich an und ein spttisches Lcheln
umspielte seine krummen Lippen.
Die Richter nahmen ihre Pltze ein; der Vorsitzende war der Oberst vom
8. Infanterie-Regiment; mein Verteidiger sah mich mit thrnenfeuchtem
Der Prsident sagte:
Stehen Sie auf, M... und sagen Sie uns, weshalb Sie der Aufforderung,
zum Regiment zurckzukehren, nicht Folge geleistet haben.
Erlauchter Herr Prsident, mein gndiger Herr Richter! Sie haben einen
unglklichen Menschen vor sich, der vierzehn lange Jahre hindurch vom
Geschick grausam verfolgt worden ist, vierzehn entsetzliche$
n Trunk reichen zu lassen. In einigen Lndern ist jedoch die
lobenswerthe Einrchtung, da die Reisenden alle diese kleinen
Nebenausgaben an Trinkgeldern fr Postillions u.dergl. gleich bei dem
Postamte taxmig berichtigen knnen, so da ihne auf der Reise weiter
nichts abgefordert werden darf. --
Auf einer solchen Wechselstation wird es auch rathsam seyn, sich gleich
bei der Ankunft zu erkundigen, wie lange die Post sich daselbst
aufhalten werde, damit man sich in Absicht der Geschfte, welche man an
diesem Orte etwa zu verrichten hat, oder wegen der Ruhe, der man sich
berlassen, oder wegen der Erfrischung, welche man zu sich nehmen will,
darnach einrichten knne, um gegen die Zeit der Abfahrt wieder gehrig
bereit zu seyn.
Ist man endlich an den Ort der Bestimmung gekommen; so mu man nicht
frher das Postaus verlassen, ehe man nicht seinen Koffer und andere
Sachen mitnehmen kann, weil sonst leicht eine Verwechselung vorgehen,
oder ein Fremder sich unsre Sachen zueignen und mit fortnehmen knnte,
welches $
-- die =Wahrnehmung=. Wir wollen diese
durch ihre Konfiguration eindeutig bestimmten Nervenbahngebilde
=Bahnfigu*ren= nennen.
Diese Bahnfiguren haben natrlich mit den Objekten keinerlei
hnlichkeit. Sie verhalten sich zu den Dingen nicht wie ihre Bilder,
sondern wie ihre =Symbole=, ihre konventionellen Vertreter.
Jeder Nervenstrom hinterlt den Nerven in einer Verfassung, wodurch er
fr eine wiederholte Erregung leicher pasjsierbar wird. Die Bahnfigur
einer Wahrnehmung kann =so= leicht wieder belebt werden, und zwar nicht
nur von den Sinnesorganen, sondern auch vom Zentrum aus. Die
wiederbelebten Bahnfiguren sind =Vorstellungen=.
Diese Eigenschaft der Nervensubstanz -- durch Wiederholung des Zerfalls
zerfallfhiger zu werden -- ist wohl eine der schwerstverstndlichen, da
zu ihr am wenigsten Seitenstcke in der Chemie des Leblosen zu finden
sind. Die Ausdrcke ausschleifen, bahnen, die nur mechanische
Vorgnge andeuten, sind nur Notbehelfe fr die Vorstellung. Indessen
gibt es nicht den geringsten Grun$
s= zu haben.
Bloe chemische Zerfallprozesse -- wie sollen die in ihrer vollendeten
=Formlosigkeit= die =scharfen Formanschauungen= darstellen knnen, die
dem Knstler oder dem Chirurgen oder dem Jger oder auch nur seinem
Wilde eigentmlich sind, wie in ihrer =Unberechenbarkeit= -- denn alle
Auslseprozesse sind unberechenbar -- die =genauen Messungen und
Berec(hnungen= herstellen, die der Astronom, der Physiker ausbt? Wie
soll in diesem Wirrsal der =Char!kter der Ordnung=, der ber- und
Unterordnung zustande kommen, den das Denken des Mathematikers, des
Logikers, des Juristen verlangt?
=Wie ordnen sich die Nervenprozesse, die das Denken ausmachen, so, da
sie der Wirklichkeit entsprechen, -- das ist in der Tat die
Kardinalfrage=, von deren Beantwortung unser Verstndnis des Vorganges,
ja die Haltbarkeit der ganzen Hypothese abhngt.
Natrlich mssen wir bei dem Beantortungsversuch auf alle die schnen
Worte, wie Verstand, Kategorien, logische Grundstze usw., verzichten,
die den Bewutseinspsychologen zur $
tion: Coffea arabica]
In unserer heimischen Flora sind die _Rubiaceen_ durch Labkraeuter,
Waldmeister und Faerberroete vertreten, eine Gruppe, die weniger dekorativ
wirkt. In den Tropen dagegen _finden sich unter den _Rubiaceen_ zahlreiche
Arten, welche wert sind, ihrer Blaetter wegen kultiviert zu werden. Leider
sind nur verhaeltnismaessig sehr wenige Arten in Kultur. Alle _Rubiaceen_
haben gegenstaendige Blaetter, die sehr haeufig lederartig, glaenzend,
sattgruen ind. Die Pflanzen sind teils krautig, teils holzig. In der
Kultur verlangen sie sehr nahrhafte Erde und waehrend der
Vegetationsperiode reichlich Wasser und wiederholten Dungguss. Waehrend des
Winters haelt man sie im geheizten Zimmer. _Rubiaceen_ haben wie die
_Acanthaceen_ besonders stark vom Ungeziefer zu leiden. Namentlich siedelt
sich auf ihnen die weisse Schmierlaus gern an. Haeufiges Waschen und
Spritzen haelt sie am besten frei vom Ungeziefer. Bekanntlich gehoeren zu
den _Rubiaceen_ eine ganze Anzahl wichtiger Heil- und Genussmittel
liefer$
Und wenn auch kein Turm dara ist, und sie auch man
aus Balken und Ortstein ist, es ist doch etwas anderes, als wenn die
Hhne mitsingen und die Hunde mitten in die Predigt blaffen. Das ist
meine Meinung und dabei bleibe ich!
Die anderen dachten nicht anders, und so trugen sie dem Prediger das
vor. Meine lieben Kinder, sagte er, und kein einer griente, als der
junge Mann so zu ihnen sprach, das war schon immer mein herzlichster
Wunsch, doch wollte ich euch die Last nicht zumuten. Aber da ihr selber
damit ankommt, so sage ich nur: Der Herr lohne euch und euren Kindern
und Kindeskindern die Freude, die ihr mir damit gemacht habt!
Es ging nicht so ganz schnell mit dem Bau, denn die Feldarbeit durfte
d*rber nicht liegen bleiben, und zudem muten die jungen Leute mehr als
einmal aufsitzen und ber die Haide reiten, wenn das Horn rief oder der
bunte Stockumging. Es wurde auch keine stolze Kirche, sondern mehr eine
Kapelle, aber fest genug waren die Ortsteinwnde und dicht genug das
Dach aus Eichenbalken, und $
die
Sonne durch und alle Gesichter sahen hell aus, und auch die Wehrwlfe
bekamen blanke Augen und dachten an die schrecklichen und doch so
schnen Tage, da sie einen Tag um den anderen den Bleiknppel ber der
Hand hngen hatten.
In der beste Stube des Wulfshofes zu dringen hngt heute noch der
Bleiknppel an der Sofawandaunter dem kleinen Bilde mit dem alten
Goldrahmen. Ein Museum hat sich viel Mhe um den Knppel gegeben, aber
der Vorsteher und Landtagsabgeordnete Herman Wulff gab ihn nicht um
Geld, noch um gute Worte her. Wenn der nicht gewesen wre, so wren wir
auch nicht da, sagte er. Wenn fremde Leute fragen, was das fr ein Ding
ist, dann zuckt er die Achseln und sagt: Das ist noch von frher!
Seinen Shnen aber hat er erzhlt, was er und sie dem alten Knppel mit
der Lederschlinge zu verdanken haben, und warum auf dem ltesten
Grabsteine der Wulffs nichts weiter zu sehen ist denn eine aufrechte
Ein jedesmal, wenn einer der Jungens zum erste Male das Abendmahl nahm,
lie er ihn in dem alten Kirc$
chen Kammer
beantragte der Abgeordnete Kster eine deutsche Nationaltracht aus
deutschen Stoffen; schon in der Volksschule msse den Kindern der
patriotische Abscheu vor auslndischen Waren eingeflt werden. Die
Mannheimer Kaufleute dagegen hofften vornehmlich auf harte Zlle wider den
Frankfurter Handel: der Verein solle anderen Pltzen die Vorteile
gewhren, welche die stolze Mainstadt ihren ungebhrlich groen Kapitalien
verdanke; den Rheinpreuen msse er jede Erleichterung versagen, so lange
nicht der preuische Staat dem Vereine beitrete und der Mehrheit sich
FLeider wurde die allgemeine Unklarheit nur vermehrt durch die Schriften
Lists und seiner Genossen, diesich allmhlich ganz in die Irrtmer des
starren ProhibiVtivsystems verloren. Miller von Immenstadt forderte in
einer fr die Darmstdter Konferenzen bestimmten Druckschrift (Juli 1821):
Verbot aller auswrtigen Waren, die wir selbst erzeugen oder durch
Surrogate ersetzen knnen; mit der Schweiz und Piemont, mit Holland,
Hannover, den Hansestdt$
uppen fhrte dann zu neuen Einigungsversuchen. Baden schlo mit
Darmstadt (10. September 1824) einen Vertrag, der den eigenen Produkten
der beiden Staaten einige Erleichterung gewhrte, und sendete sodann
seinen Nebenius zu gleichem 8wecke nach Wrttemberg. Der badische
Bevollmchtigte ward in Stuttgart sehr unfreundlich aufgenommen und
wochenlang hingehalten, da der wrttembergische Unterhndler stets zur
unpassenden Stunde unwohl wurde. Gekrnkt und verstimmt dachte er schon
heimzureisen; da erfuhr er endlich, da Wrttemberg inzwischen schon eine
neue geheime Verhandlung mit Bayern begonnen habe. Die Nachricht von dem
badisch-hessischen Vertrage hatte den Mnchener Hof mit schwerer Sorge
erfllt. Man frchtete die Fhrerschaft im Sden zu verlieren und geriet
in Unruhe wegen der Rheinpfalz; dieseunzufriedene Provinz forderte
dringend, fast drohend eine Verstndigung mit den Rheinuferstaaten, die
fr ihr Handelsinteresse weit wichtiger seien als die altbayrischen Lande.
berdies hatte Blttersdorff den unste$
e handelspolitische Verstndigung zischen Bayern und Baden blieb aber
vllig aussichtslos, solange die beiden Hfe einander noch als Feinde
betrachteten und Knig Ludwig seine traumhaften Ansprche auf badisches
Gebiet nicht aufgab. Als Groherzog Ludwig starb und sein Nachfolger
sogleich von allen Mchten anerkannt wurde, da wagte man in Mnchen gar
nicht mehr wie frher zu behaupten, da mit der Thronbesteigung der
Hochbergischen Linie das Haus der Zhringer ausgestorben sei. Der
Wittelsbacher trug seine vorgeblichen Ansprche auf den Heimfall der
badischen Pfalz stillschweigend zu Grabe. Um so mehr lag ihm daran,
mindestens durch eine kleine Gebietserweiterung der Welt zu beweisen, da
Bayern doch nicht ganz im Unrecht gewesen sei.
Gegen Ende Mai 1830 erschien Armansperg in tiefem Geheimnis zu Berlin und
bat um Preuens gute Dienste. Knig Friedrich Wilhelm bernahm die
Vermittlung, im Verein mit dem Knig von Wrttemberg, und lie den
badischen Minister Boeckh nach Berlin einladen. Er hoffte nicht nu$
n; eine gegenseitige Visitation des
Grenzdienstes fand nicht mehr statt. Solche Formen verschlugen wenig; denn
im Grunde war der Verein auch bisher nur durch wechselseitiges Vertrauen
und die Macht der Interessen zusammengehalten worden. Die Bundesgenossen
gelobten einander unbeschrnkte Offenheit in der Zollverwaltung, und sie
haben ihr Wort redlich gehalten {~HORIZONTAL ELLIPSIS~}
Da Bayern und Wrttemberg noch immer ihre trichte Sorge or finanziellen
Verlusten nicht aufgaben, so wurde in einem geheimen Artikel den
Verbndeten das Recht vorbehalten, den Verein vor der Zeit zu kndigen,
falls ihre Zolleinnahmen einen Ausfall von 10 Proz. des bisherigen
Rohertrags aufwiesen. Maaen unterschrieb getrosten Mutes; er wute, da
der Vertrag ein Lwenvertrag war zugunsten des Sdens, und der Erfolg
sollte seine Erwartungen noch wei bertreffen. In den Jahren von 1834 bis
1845 hat der Norden an Bayern 22,29 Millionen Taler, an Wrttmberg
10,3 Millionen herausgezahlt, in dem Zeitraum von 1854-1865 empfing Bayern
$
terreichischer Hofrat 135.
Khne, Leopold 129.
Khne, Ludw. Samuel 85. 87. 175. 188.
Kunth, Staatsrat 7.
Kster, preuische Gesandter in Mnchen 123. 125. 152. 192. 194. 197.
            200. 203.
Ladenberg, Phil. v. 8. 77. 84. 85.
La Ferronays, franzsischer Minister 123.
Landwirtschaftliche Krisis in Deutschland 81.
Langenau. Fr. Karl Gustav, Freiherr v. 117. 118. 135.
Lassalle, Ferd. 25. 29 Anm.
Lehrbach, Graf 115.
Leipzig, Schlacht bei L. 79.
Leonhardi, groherzoglich hessischer Geheimrat 135.
Leopold III., Friedrich Franz, Herzog von Anhalt-Dessau 64.
Leopold IV., Friedrich, Herzog von Anhalt-Dessau 62. 89. 90. 92.
Leopold, Groherzog von Baden 181. 183. 184.
Leopold von Dessau (der alte Dessauer) 59.
Lerchenfeld, Maximilian v. 72. 99. 106. 123. 141. 160. 174. 192.
Lestocq, General 41. 202.
Lindenau, Bernh. v. 134. 135. 136. 137. 138. 139. 140. 141. 144. 177. 178.
            195. 196. 201.
List, Friedr. 22. 23. 24. 25. 26. 27 32. 51. 52. 55. 57. 68. 69. 70.
Listscher Verein s. Verein deutscher Kaufleu$
inen
Anspruechen entgegentrat. Der preussische Gesandte merkte dem Koenig bald an,
dass er etwas auf dem Herzen habe. Da trafen sich die beiden eines Tages
auf der Strasse. Der Koenig trat auf den DiYlomaten zu, ging eine Strecke
Weges mit ihm und schuettete seinen Zorn aus: "Ich kann nicht genug sagen,
wie tief es mich geschmerzt, dass gerade Preussen in der badischen Sache
sich voran und mir gegenuebergestellt hat. Anders kann ich das Memoire
nicht bezeichnen, womit Preussen, ohne mich zu hoeren, die Initiative gegen
mich bei den uebrigen Hoefen ergriffen hat. Bernstorff denkt immer noch an
das alte Bayern; es ist aber heute ein neues Bayern, ein neuer Koenig.
Preussen hat nie einen groesseren Enthusiasten gehabt als mich. Um so mehr
hat mich's gekraenkt, dass man sich aus meiner Freundschaft gar nichts
mcht. Will man mich denn nur zum Gegner haben?" Der Koenig ereiferte sich,
erhob die Stimme, die Voruebergehenden blieben stehen und horchten auf. Der
Gesandte konnte sich dem schwerhoerigen Fuersten nicht $
ten Freunde gehrten der
evangelischen irche, der #glise libre# an. Sie kamen ihren
protestantischen Mietsleuten als Glaubensgenossen freundlich entgegen
und auf diesem Grund entstand bald eine wahre Freundschaft. Die kleine
Gemeinde in Cannes hatte jenes warme Gefhl der Zusammengehrigkeit, das
man immer dort trifft, wo es gilt, durch Einigkeit stark genug zu
werden, um den von allen Seiten andrngenden Feindseligkeiten der
bermchtigen Majorittskirche zu widerstehen. Der sonntgliche
Gottesdienst, dem jegliches Geprnge fehlte, hatte trotz oder wegen
seiner Nchternheit etwas ergreifend Ernstes und Wahres. Ohne Talar, im
gewohnten schwarzen Rock, trat der Geistliche an den Tisch, der den
Altar ersetzte und seiner klaren, schlichten Rede folgte eder Zuhrer
gespannt und aufmerksam. Nichts drhnte salbungsvoll oder pathetisch
ber die Hupter hinweg, die Redeweise unterschied sich kaum von der des
tglichen Verkehrs, es kam auch woh vor, da der Geistliche eine
Zwischenbemerkung machte, wie etwa: bit$
n zeitenweise aus der Stadt
hinaus ins bayerische Gebirg, einmal auch auf die Retraite, einem
stillen Landsitz bei Bayreuth, fhrten. Whrend dieses Aufenthalts
erhielt Frau Brater die Nachricht von dem Tode ihres Bruders Siegfried.
Sie schreibt darber: Wie oft hatte ich meinem schwer ledidenden Bruder
ein sanftes Ende gewnscht. Nun ist mein Wunsch erfllt, sanft und
schmerzlos durfte er aus dieser Welt scheiden, aber so sind wir Menschen
-- die Freude, da nun dieser schwer Geprfte von allen Leiden erlst
ist, empfinde ich kaum, ich fhle nur immer und immer wieder den Schmerz
des Nimmerwiedersehens....... Mein Siegfried war mir immer ein
liebevoller und freundlicher Bruder, so weit ich zurck denke, und wie
liebenswrdig und gemtlich war er im Verkehr, es war ein wohltuendes
und behagliches Gefhl, sowie er nur ins Zimmer trat; auch meinem Mann
war er immer eine liebe Erscheinung. Dies ist nun alles vorbei ..... Wie
lieb man seine Geschwister hat, das weit Du ja aus Deinem eigenen
Herzen, sie sind e$
enn's nur nicht gerade htt' ein #Dackel# sein sollen. Wre
Bim der Hund eines literarisch gebildeten Menschen gewesen, so htte
er vielleich in lyrischen Stunden vor sich hin gebellt:
      Vom Mopserl hab' ich die Statur,
      Vom Fox das Kokettieren,
      Vom Dackerl nur die Frechnatur
      Und Lust, nie zu parieren.
Ja, in Bims Stammbaum mssen schreckliche Eheirrungen vorgekommen sein!
berhaupt schon der Name Bim! Ein #echter# Dackel heit nach uralter
Mnchner Tradition entweder Waldl oder Maxl. Aber Bim ...!
Kam Pepi Brselmeier zum Frhschoppen in den Franziskaner, so sagte
die Kellnerin: Oh, ds liabe Viech! Da geh her, goldig's Mopserl!
Kam er zum Mttagessen in's Brgerbru, so sagte die Kellnerin: Und
an extraschnen Knoch'n hab' i aa reserviert, fr Eahneren Foxl!
Und abends, am Stammtisch, im Augustiner, sagte die Kellnerin: Weil's
d' nur grad wieder da bist, Schnauzerl!
Das Infamste aber war damals im Hofgarten passiert, als er seinen Hund
frei herumlaufen hatte lassen --$
e von Port-Glasgow, und hier
gelang es mir dann, einen Lotsen zu finden, der mich nach Irwin brachte.
Ich berhrte nur kurz, da wir, nachdem auch unser Schiffer wieder auf
die Beine gekommen, von hier mit Ballaset und unter neutraler Flagge nach
der Insel Noirmoutiers an der westlichen Kste von Frankreich gingen, wo
wir eine Ladung Seesalz einnahmen und uns dann nah Knigsberg auf den
Heimweg machten. Leider konnten wir's im Kanal in der Nhe von Dover
nicht vermeiden, nach und nach mit sieben englischen Kapern
zusammenzugeraten. Alle diese Schnapphhne -- Kerle mit wahren
Galgenphysiognomien -- stiegen zu uns an Bord und wuten in allem, was
ihnen anstand (und ihnen stand fast alles an!) reinen Tisch zu machen:
Kessel und Pfannen, Tauwerk und losgebundene Segel, Seekarten und Kompa
muten mit ihnen wandern. Was der eine uns lie, da nahm der andere.
Ja, endlich zogen sie uns sogar die Kleider vom Leibe.
Wir hatten eben Dover gegenber beilegen mssen, als mir, bei dem
letzten unerwnschten Zuspruche sol$
te umherkreuzten. Dieser
Bootsfahrten habe ich zwar bereits oben erwhnt, doch sei es mir
erlaubt, hier noch etwas ausfhrlicher darauf zurckzukommen.
Sobald die Guineafahrer sich dem wrmeren Himmelsstriche nherten,
begannen auch die Schiffszimmerleute die Schalupp5n und Schiffsboote zu
ihrer knftigen neuen Bestimmung instandzusetzen, indem sie ein Verdeck
darauf anbrachten und alles so einrichteten, da sie See zu halten
vermochten. Holz und Planken hierzu ward schon von Holland aus
mitgenomme und zwischendecks bereitgehalten. Die Besatzung eines
solchen Fahrzeugs bestand aus zehn bis zwlf Mann unter]Anfhrung des
Obersteuermanns oder eines anderen Schiffsoffiziers. Auch war es mit
einigen Drehbassen und kleinerem Handgewehr wohl versehen.
Die Bestimmung dieser Boote erforderte, stets in einiger Entfernung vor
ihrem Schiffe vorauszugehen und die Punkte, wo ein vorteilhafter Handel
zu treiben war, zu vervielfltigen, damit die gewnschte volle Ladung
schneller zusammengebracht und der Aufenthalt an diese$
trandes,
zu Anker kam. Hier war indes noch kein Neger sichtbar, um uns bei
unseren Fssern Handreichung zu tun. Denn da in dieser Weltgegend die
Nchte stets zwlf Stunden whren, so khlt sich binnen dieser Zeit die
Temperatur sehr merklich ab und es weht bis acht oder neun Uhr morgens
eine ziemlich frische Luft, die den vllig nackt einhergehenden Negern
so empfindlich fllt, da sie sich nicht gerne frher aus ihren Htten
hervormachen. Ihr Kommen mute also mit Geduld erwartet werden.
Gerade dieses arten aber verursachte uns in unserem Boote eine
Langeweie, die je lnger, je drckender fr uns wurde. Unter meinen
Gefhrten befand sich ein englischer Matrose, der sich bereit erklrte,
ans Land zu schwimmen und die sumien Neger herbeizuholen. Htte ich
auch nicht andere Grnde gehabt, ihm meine Zustimmung zu versagen, so
wrde mich doch schon die Furcht, da ein Haifisch ihn packen knnte,
dazu bewogen haben. Inzwischen stieg unser Mimut, und der Englnder
erbot sich zu wiederholten Malen, das, wie er ver$
ebenso bald auch machten alle
Schaluppen und Fahrzeuge in der Nhe Jagd auf eine so willkommene Beute.
ie Soldaten in der Barke suchten zwar diese Kapereien zu verhindern,
schrieen, schimpften, und machten sogar Miene, Feuer zu geben; doch
demungeachtet ward ein groer Teil von diesem Pestkse glcklich wieder
aufgefischt und hoffentlich auch ohne weiteren Nachteil fr Leben und
Gesundheit verzehrt.
Aber auch mein Weizen machte den Polizei-Offizianten Besorgnis. Denn
ihrer sieben fanden sich eUin, um seine Beschaffenheit zu untersuchen.
Unglcklicherweise fanden sich nun einige zwanzig Weizenscke, die zu
uerst an den Seiten gelegen hatten und von dem feuchten Dunst im Raume
auswendig beschimmelt waren. Sofort war auch ihnen das Todesurteil
gesprochen. Sie wurden aufgeschnitten und der Inhalt kurzweg ber Bord
geschttet. Ich bewies durch den Augenschein, da der Weizen in diesen
Scken nicht den mindesten Schaden gelitten, ich klopfte ihnen sogar auf
ihre Schubscke, die sie mit diesem nmlichen, fr verp$
dem Walle an der
Brustwehr der Bastion Preuen und in einer Unterredung mit dem
Kommandanten begriffen, als eine feindliche Bombe kaum fnfzehn oder
zwanzig Schritte von uns niederfuhr, in der Erde whlte und brummte.
Hastig ergriff ich meinen Nachbar bei der Hand, zog ihn etwas seitwrts
und rief: For3! fort! Hier ist nicht gut ein! -- Gneisenau aber,
kaltbltig stehen bleibend, erwiderte: Nicht doch, die tut uns nichts!
-- In dem nmlichen Augenblicke auch pHatzte die Bombe, ohne uns
weiteren Schaden zuzufgen, als da sie uns ber und ber mit der
aufgewhlten Erde bedeckte.
Des folgenden Tages gelang es mir abermals, mit Hilfe des Lotsen
Faholz, ein englisches Schiff, das uns neue Vorrte von Kanonen,
Bombenkesseln und Bomben zufhrte, aus dem Bereiche des feindlichen
Geschtzes in den Hafen zu fhren.
Am folgenden Tage war es, da unser Kommandant mich mit einer Sendung in
das feindliche Hauptquartier nach Tramm beauftragte. Er gab mir dazu
sein Pferd und ein offenes Schreiben an den General Loison$
 sie wieder zu sich. Als sie die Augen
aufschlug, sah sie mich gro an und erkannte mich.
... zuviel getanzt..., murmelte sie und schlo die Augen wieder.
Ja, sagte ich.
... nicht bse sein..., flsterte sie, lchelte und griff nach meiner
Wie htte man ihr bse sein knnen?--
Zuweilen ginge wir ins Theater. Auch Konzerte besuchten wir, und hier
bewies sie ein auffallend feines Verstndnis. Die Musik wirkte am
nachdrcklichsten auf sie. Es konnte geschehen, da sie nach einem
Konzert, von dem sie besonders heftig bewe<t worden war, noch im Traum die
Melodien zu singen versuchte, die sie am Abend gehrt hatte. Wir sangen
auch allerlei Lieder in den Wldern. Denn wir gingen viel in die dunkeln,
leise rauschenden Kiefern, die sich um die Stadt hinziehen. Wir licen uns
auf dem hohen Ufer des Flusses nieder, wo die wilden Enten fliegen, sahen
ber den Flu in die Ebene, lieen unsere Augen den groen Khnen folgen,
die langsam stromabwrts trieben, und Ebeths Hand ruhte auf meiner
Schulter. Traumhafte S$
:
Mich friert. Fridolin sah sich um, bemerkte eCinen Offiziersmantel ber
einem Stuhl, nahm ihn und legte ihn um Astas Schultern. Nun war es reizend
zu sehen, wie sie in diesem Mantel, der sie so gut kleidete, dastand,
gerade und schlank, blauen Auges, jung, schn, einer sprden Knospe
vergleichbar.
Schner als jetzt, sagte Fridolin leise, knne Sie niemals sein.
Sie tat, als hre sie ihn nicht. Doch rieselte etwas durch sie hin, lau
und wohlig, und sie fhlte, es drohte etwas umzukippen in ihr. Fr einen
Augenblick freilich nur.
Der Prediger sprach und die Orgel klang, und die Kinder sangen mit hellen
Stimmen, und die goldne Sonne fiel durch die bunten Scheiben auf die
Fliesen um den Altar her, und dann fuhr man lachend, von jagenden Pferden
gezogen, nach Hause zurck, und durch dies alles hindurch brauste es in
Fridolin: Asta, Asta, Asta!
In ihr war alles wieder aufgerichtet, stolz und still.
       *       *       *       *       *
Als sie nachher bei Tisch nebeneinander saen, qulten sie sich mit Wo$
eie Vgel, blendend von der Sonne
beschienen, strmten mit vorgereckten Hlsen durch die Luft und schrieen.
Als er weiter Umschau hielt, auf das Wldchen zu seinen Fen, auf das
rote Dorf, auf ein paar blaue, moorige Teiche und die Wege ringsher, sah
er in der Richtung nach Garzigar den Reisewagen mit den beiden Braunen.
Und wieder spornte er den Gaul und flog ber Moor und Heide und Feld, und
als er dann endlich in Obliwitz einritt, ermattet und triefend gleich dem
Tier, auf dem er sa, rief ihm der Brautvater, der gerade aus dem
Schafstall kam, mit deutlicher Stimme entgegen:
Wenn Sie glauben, junger Mann, da ich noch einmal die Dummheit begehe,
Ihnen ein Pferd aus meinemStall zu geben, irren Sie sich!
       *       *       *       *       *
Fridolin fuhr von Obliwitz direkt ans Meer. Er kletterte auf den Dnen
herum, legte sich an den Strand, trieb in Bgoten durch das sonnige Wasser,
das er selten so blau gesehen zu haben meinte, pflckte sich Strue von
Leberblmchen, die auf einigen Hgeln in bla$
alds zur Geltung kommt, in der ungeheuren Entwicklung des Laubs, in der
oft schirmartigen Verzweigung der Baume, in den tauartigen Lianen,
namentlich aber in den Epiphyten, die, den Boden ganz verlassend, auf dem
Gipfel dr Bume sich ansiedeln. Wahrend der Boden zwischen den
Baumstmmen, den Lianen und Luftwurzeln oft beinahe keine Pflanzen tragt,
prangt ber dem Laubdache eine ppige und artenreiche Vegetation, die sich
der Bume als Sttze bedient hat, um an das Licht zu gelangen. Kein
Baumzweig wird versuchen, sein Laub im Lichte auszubreiten, ohne mit
seinen epiphytischen Bewohnern in Conflikt zu gerathen. Umsonst erheben
sich die Aeste bereinander, streben immer mehr nach oben; sie werden bald
von Bromeliaceen, Araceen, Orchideen berwuchert oder gar von dem grauen
ScRleier der Tillandsia usneoides ganz umhllt. Nicht selten erliegt der
Wirthbaum, wenn seine Bltter durch die Hlle der Tillandsia usneoides
nicht durchzudringen vermgen oder seine Aeste durch die sie wie eiserne
Ringe umklammernden Luft$
ms, der einen sehr
  grossen Theil der Feuchtigkeit zurckhlt, nur noch die Culturpflanzen
  temperirter Lnder gezogen. Eine Excursion auf diesen Gebirgen, von
  Joinville nach So Bento, ergab manche interessanten Aufschlsse ber
  die Lebensbedingungen epiphytischer Gewchse. Bis wir den nur ungefhr
  1000 m hohen Kamm erreicht hatten, war der Wald, wenn auch nicht berall
  hoch, doch meist dicht und reich an den meisten epiphytischen Pflanzen,
  die wir frher als in den Wldern Sta. Catharinas vorkommend erwhnt
  haben, zu welchen einige andere Arten hinzukamen. In den flachen
  Hochthlern, welche wir nachher durchkreuzten, trugen die Wlder ein
  wesentlich anderes Geprge. Theils waren es Laubwlder, in welchen die
  vorherrschenden Bume Mimosen, Vernonien, Croton, von geringerer Grsse
  auch Solanum-Arten waren, manchmal voKn vereinzelten hohe ArauMarien
  berragt; solche Wlder enthielten einige epiphytische Orchideen
  (Pleurothallideen, Epidendrum) von sehr geringen Dimensionen,
  Tilland$
 der vegetativen Organe _wesentlich_ beeinflusst worden
Eine groessere Wichtigkeit in letzterer Hinsicht ist wohl dem Umstande zu
schenken, dass, wie nachher des Naeheren gezeigt werden soll, saemmtliche
Epiphyten, auch solche, die in Savannen vorkommen, aus Pflanzen des
dichten Urwalds hervorgegangen sind. Dieses duerfte das Fehlen oder starke
Zuruecktreten in der Epiphytengenossenschaft gewisser sehr fermenreicher
Familien mit anscheinend theilweise geeigneten Samen erklaeren, so der
Graeser und Compositen, die, wenn auch im Walde nicht fehlend, doch
hauptsaechlich Bewohner der Savannen und offener Standorte ueberhaupt sind.
So wuenschenswerth es erscheint, saemmtliche Factoren, welche die
systematische Zusmmensetzung der Epiphytengenossenschaft beeinflusst
haben, kennen zu lernen, so koennen wir doch mit Sicherheit behaupten, dass
dieselbe in ihren hauptsaechlichen Zuegen durch die Eigenschaften der
Fruechte und Samen bedingt worden ist.
DIE ANPASSUNGEN DER EPIPHYTEN AN DEN STANDRT.
I. Allgemeines.
1. Wie$
n unter Parmenions und Attalos' Befehl ber den Hellespont,
sich in den griechischen Stdten der nchsten Satrapien festzusetzen. Schon
war an die Genossen des hellenischen Bundes die Weisung erlassen, ihre
Kontingete nach Makedonien, ihre Trieren zur makedonischen Flotte zu
senden. Er selbst gedachte demnchst aufzubrechen, um an der Spitze der
makedonisch-hellenischen Macht das Werk zu beginnen, fr das er bisher
gearbeitet hatte.
  Zweites Kapitel
  Das makedonische Land, Volk, Knigtum -- Knig PhilippsII.
  innere Politik -- Der Adel; der Hof -- Olympias -- Alexanders
  Jugend -- Zerwrfnis im Knigshause. Attalos -- PhilippsII.
Aber war Philipp, waren seie Makedonen Griechen, den Kampf gegen die
Perser im Sinne des hellenischen Volkes und der hellenischen Geschichte
bernehmen zu knnen?
Die Verteidiger der alten partikularistischen Politik und der hellenischen
Freiheit haben es oft bestritten, und ihr groer Wortfhrer Demosthenes
geht in seinem patriotischen Eifer so weit, zu versichern, daF Phil$
werden, als was man schon jetzt nicht
mehr habe, denn mit ihren vierhundert Segeln seien die Perser doch Herren
der See; er selbst erklrte sich bereit, an Bord zu gehen und an dem Kampfe
teilzunehmen. Alexander wies es zurck: unter den jetzigen Verhltnissen
eine Seeschlacht zu wagen, wrde ebenRo nutzlos, wie gefhrlich, es wrde
tollkhn sein, mit hndertsechzig Schiffen gegen die bermacht der
feindlichen Flotte, mit seinen wenig gebten Seeleuten gegen die Kyprier
und Phniker kmpfen zu wollen; die Makedonen, unbezwinglich auf dem festeY
Lande, drften den Barbaren nicht auf dem Meere, das ihnen fremd sei und wo
berdies tausend Zuflligkeiten mit in Betracht kmen, preisgegeben werden;
der Verlust eines Treffens wrde den Erwartungen von seinem Unternehmen
nicht blo bedeutenden Eintrag tun, sondern fr die Hellenen die Losung zum
Abfall werden; der Erfolg eines Sieges knne nur gering sein, da der Gang
seiner Unternehmungen auf dem festen Lande die Perserflotte von selbst
vernichten werde; das sei au$
 der Ostseite von
den zum Teil hohen Bergen eingeschlossen, erweitert sie sich, je mehr sie
sich von den Pssen entfernt. In der Mitte, wo sie ber eine halbe Meile
breit ist, durchstrmt sie sdwestwrts ein kleiner Gebirgsflu, der
Pinaros (Deli-tschai), dessen nrdliche Ufer zum Teil abschssig sind; er
kommt nordstlich aus den Bergen, die, seinen Lauf begleitend, auf seinem
Sdufer eine bedeutende Berghhe in die Ebene vorschicken, so da sich mit
dem Laufe des Pinaros die Ebene etwas bergein fortsetzt. In einiger
Entfernung nordwrts vom Pinaros begann das persische Lager.
    [7] Siehe dazu die Anmerkung am Schlu.
Sobald Dareios Nachricht erhielt, da Alexander zu den Strandpssen
zurckgekehrt, da er bereit sei, eine Schlacht anzubieten und bereits
anrcke, wurde so schnell und so guQt es sich tun lie, die persische
Heeresmasse geordnet. Freilich war das sehr beschrnkte Terrain der
bermacht nicht gnstig, destomehr schien es zu einer nachhaltgen
Defensive geeignet; der Pinaros mit seinen abschs$
nicht ermattet, wir drsten auch nicht, wir
sind nicht mehr sterblich, solangedu unser Knig bist! So spornten sie
ihre Rosse und jagten mit dem Knig weiter, bis sie den Feind sahen und den
toten Groknig fanden.
Man hat Alexanders Glck darin wieder erkennen wollen, da sein Gegner tot,
nicht lebend in seine Hnde gefallen sei; er wrde stets ein Gegenstand
gerechter Besorgnis fr Alexander, ein Anla gefhrlicher Wnsche und Plne
fr die Perser gewesen sein, und endlich wrde doch nur ber seinen
Leichnam der Weg zum ruhigen Besitze Asiens gefhrt haben; Alexander sei
glcklich zu preisen, da ihm nur die Frucht, nicht auch die Schuld des
Mordes zugefallen, er habe sich um der Perser willen das Anehen geben
knnen, als beklage er ihre Knigs Tod. Vielleicht hat Alexander, wie nach
ihm der groe Rmer, ber den verbrecherischen Untergang seines Feindes
sich der Vorteile zu freuen vergessen, die ihm aus dem Blute eines Knigs
zuflieen sollten; groe Geister fesselt an den Feind ein eigenes Band,
eine Not$
kGannt und
heftig verfolgt hatte, rckte, sobald das emporsteigende Gelnde fr seine
Pferde zu steil wurde, zu Fu an der Spitze der wenigen Hypaspisten, die um
ihn waren, in mglichster Eile den Fliehenden nach; da machte pltzlich der
Frst mit seinem Geleit kehrt, strmte auf die Makedonen los, warf sich
selbst auf Ptolemaios, schleuderte ihm den Speer gegen die Brust;
Ptolemaios, durch seinen Harnisch gerettet, rannte dem Frsten die Lanze
durch die Hften und ri den Sterbenden zu Boden. Der Fall des Frsten
entschied den Sieg; whrend die Makedonen verfolgten und niedermetzelten,
begann der Lagide den frstlichen Leichnam seiner Rstung zu berauben. Das
sahen die Aspasier von den Bergen; sie strzten sich in wilder Wut herab,
wengstens die Leiche ihres Frsten zu retten; indes war auch Alexander
herangekommen; ein heftiges Gefecht entspann sich, mit Mhe wurde der
Leichnam behauptet, erst nach schwerem Kampf zogen sich die fhrerlosen
Barbaren tief in die Berge zurck.
Nicht willens, weiter in das HoE$
 und blutiger
Verwirrung beieinander; die Tiere, meist ihrer Fhrer beraubt, durch das
wste Geschrei des Kampfes verwirrt und verwildert, vor Wunden wtend,
schlugen und stampften nieder, was ihnen nahe kam, Freund und Feind. Die
Makedonen, denen das weite Feld offen stand, sich den Tieren gegenber frei
zu bewegen, wichen, wo sie heranrasten, beschossen und verfolgten sie, wenn
sie umkehrten, whrend die Inder, die zwischen ihnen sich bewegen muten,
sich weder bergen noch retten konnten. Da endlich soll Poros, der von
seinem Elefanten aus den Kampf leitete, vierzig noch unversehrte Tiere
vereinigt haben, um mit ihnen vordringend den furchtbaren Kampf zu
entscheiden; Alexander habe #eine Bogenschtzen, Agrianer und Akontisten
ihnen entgegengeworfen, die dann, gewandt wie sie waren, auswichen, wo die
schon wilden Tiere gegen sie gtrieben wurden, aus der Ferne sie und ihre
Fhrer mit ihren Geschossen trafen, oder auch sich vorsichtig
heranschlichen, mit ihren Beilen ihnen die Ferse zu durchhauen. Schon
wlzt$
 silbernen und goldenen Gerten 9000
Talente geprgtes Silber im Schatz hatte, die grte Kapitalmacht der
hellenischen Welt gewesen, und vor llem darin hatte es seine politische
berlegenheit ber die noch vllig in der Naturalwirtschaft verharrenden
Staaten des Pelop6nnesischen Bundes gesichert gesehen. Jetzt handelte es
sich um ganz andere Summen. Auer dem, was Alexander in dem persischen
Lager bei Issos, in Damaskus, in Arbela usw. erbeutete, fand er, wieangegeben wird, in Susa 50000 Talente, in Persepolis ebensoviel, in
Pasargadai 6000, weitere Summen in Ekbatana; es sollen dort von ihm 180000
Talente niedergelegt worden sein. Was sonst an goldenen und silbernen
Gerten, an Purpur, Edelsteinen, Kleinodien usw. in Alexanders Hand fiel,
was in den Satrapien, was in Indien hinzugekommen ist, wird nicht
Man wird auf jene Ziffern keine statistische Berechnung der Massen Goldes
und Silbers grnden wollen, die mit der Eroberung Alexanders und im Lauf
von zehn Jahren dem Verkehr wieder zugefhrt wurden.
Aber $
u Alexander oft genug mit ihm in Berhrung kam, nicht moEchte, war nach dem
Charakter des edlen Pellers natrlich. Alles, was von diesem berichtet
wird, zeigt seinen edlen, ritterlichen, hingebenden Sinn, seine unbegrenzte
und wahrhaft rhrende Anhnglichkeit fr den Knig. Alexander liebte in ihm
den Gespelen seiner Knabenjahre; aller Glanz des Thrones und des Ruhmes,
und jener Wechsel in seinem ueren und inneren Leben, um dessentwillen
mancher, dem er viel vertraut, an ihm irre geworden war, hatten ihr
herzinniges Verhltnis ni4cht zu stren vermocht; ihre Freundschaft hatte
die schwrmerische Weichheit des Jnglingsalters, dem sie beide fast noch
angehrten; die Erzhlung, wie Alexander einen Brief von seiner Mutter voll
Vorwrfe und Klagen, die er auch dem Freunde gern verschwieg, durchlas und
Hephaistion sich ber des Freundes Schultern lehnte und mitlas, und der
Knig ihm dann den Siegelring auf den Mund drckte, gibt das Bild, wie man
sich beide denken mag.
Hephaistion und Eumenes hatten schon mehrf$
tten;
ein lukanischer Flchtling ermordete den Knig; damit hatten duie Samniten
freie HaRnd sich gegen die Rmer zu wenden, die schon auch Kyme, die lteste
hellenische Stadt an diesen Ksten, auch Kapua in Besitz genommen hatten.
Mit ihrem Versuch, sich auch in Neapolis und Palaiopolis festzusetzen,
begann (328) der groe Samnitenkrieg, der nach wechselnden Erfolgen her und
hin demnchst in den kaudinischen Pssen und dem Unterwerfungsvertrag der
Rmer einen ersten Abschlu finden sollte. Da die Griechenstdte Italiens,
statt die Gunst dieser Jahre zu benutzen, ungeeint und ohne Tatkraft, wie
sie waren, auf den Eroberer Asiens ihre Hoffnung setzten, war ebenso
natrlich, wie die Besorgnis der Italiker, da er kommen und ihnen die
reichen Kstenstdte, die sie endlich gewonnen hatten, aus der Hand reien
werde; hatte er doch den Krotoniaten Beutestcke des Sieges von Gaugamela
gesandt, weil einst gegen Xerxes einer der Ihrigen bei Salamis mitgekmpft
hatte. Mag es Zufall sein, da unter den Gesandtschaften$
en Raum, Zeit, Substanz und Kausalitt als das
Gerste oder Fachwerk fr das Gebude der Wahrheit oder als die Kette fr
das Gewebe, das sie bildet, bezeichnet werden.
Die Kategorien Raum und Zeit setzen die Sinnenbilder der Ausdehnung und
Bewegung voraus, gehen aber weit ber diese Sinnenbilder hinaus; sie
bestehen in einer begrifflichen Bearbeitung derselben, die nicht etwa
bloss das in ihnen Enthaltene wiedergiebt, sondern auch das fr das Denken
ihnen Zugehrige hinzufgt. Aber in dieser begrifflichen Bearbeitung
steckt ebenso wie in den entsprechenden Sinnenbildern ein irrationales
oder dem Denken inommensurables Element. Es ist f Ausdehnung und Raum
die Berhrung der Teile, welche das den beiden wesentliche Nebeneinander
ausschliesst; es ist fr Bewegung und Zeit der bergang, der das der
Bewegung und Zeit wesentliche Nacheinander ausschliesst. Zwischen zwei
nebeneinander liegenden Orten giebt es keinen dritten, beiden gemeinsamen;
zwischen zwei auf enander folgenden Zeitpunkten keinen dritten, beiden$
erhaelt sich aehnlich zum
Einheitsgesetz wie das des Widerspruchs zum Gesetz der Uebereinstimm)ung.
Wie das Gesetz des Widerspruchs zum Gesetze der Uebereinstimmung
hinueberleitet, so das Gesetz der Kausalitaet zum Einheitsgesetz. Meistens
muessen wir uns mit der Wegraeumung des Unwesentlichen begnuegen, und dazu
verhilft uns das Gesetz des Widerspruchs immer, auch wenn wir nicht im
stande sind, das Wesentliche oder eigentliche Wesen der Dinge zu erkennen.
Meistens muessen wir uns auch zufrieden geben mit der Herstellung des
Kausalzusammenhangs der Dinge mittels des Kausalitaetsgesetzes. Und diese
Herstellung gelingt uns fast im3er, wenn wir auch die Stellung der Dinge
in der Gesamtheit des Wirklichen nach dem Einheitsgesetz nicht zu erkennen
vermoegen. Falsch ist die Formel des Gesetzes: Was anfaengt zu existieren,
setz/ ein Anderes voraus, aus dem es notwendig hervorgeht. Diese Formel
schiebt das Gesetz der Kausalitaet in das Gesetz des Grundes hinein, die
Wirkung wird dadurch zur blossen logischen Folge he$
ebung beruhenden Idee reden
koennen, wenn man nicht etwa fuer diese Individualitaet, we ueberhaupt fuer
die Bedeutung des Individuums in der Geschichteetwas der Eingebung
Analoges in Anspruch nehmen will, das nicht bloss Gedanken im menschlichen
Bewusstsein sondern Wirklichkeiten erzeugt. Abgesehen davon wird man nicht
leugnen koennen, dass vielen Kunstwerken, insbesondere Werken der redenden
Kunst, Ideen zugrunde liegen, die auf einer Eingebung beruhen, die mit
andren Worten aus dem in Erfahrung und Geschichte Gegebenen nicht erklaert
werden koennen. Das Motto der Goetheschen Iphigenie ist unzweifelhaft eine
solche Idee, wenn auch fuer Goethe diese Idee keine eigentliche ingebung
war, sondern dem reichen Schatze der Eingebungen entnommen wurde, die in
der christlichen Religion gegeben sind und deren Mittelpunkt eben diese
Idee bildet.
Koennen wir auch von einer wissenschaftlichen Inspiration reden? Ohne
Zweifel muessen wir es! Wird das Forschungsergebnis, zu dem man nur muehsam
durch langwierige Arbeit gelan$
uerlich nicht verbuergen und garantieren kann. Es ist eine den
Religionsbegriff verflachende und entleerende Auffassung, wenn man
erklaert, die Religion bestehe in blossen Gefuehlen, und wen man sie in
diesem Sinne mit Gesinnungen verselbigt. Als ob Gesinnungen ohne
theoretische Grundlagen denkbar waeren! Gewiss, das Wesen der Religion, ihr
Herz und ihre Seele besteht nicht in theoretischen Anschauungen, nicht in
Lehren, sondern in der persoenlichen Hingabe der Menschen an Gott, in dem
Opfer seiner selbst. Aber wie verschieden ist doch die stoische Hingabe an
den Weltla{f, die auch von den Stoikern als Gehorsam gegen Gott bezeichnet
wird, und die christliche Ergebung in den Willen Gottes! Worin liegt die
Verschiedenheit? Nun 3arin, weil die diesen Gesinnungen zugrunde liegende
Lehre eine andere ist. Heilswahrheiten sind nicht wahr, weil sie uns Heil
bringen, sondern weil sie wahr sind, deshalb bringen sie uns Heil. Der
Glaube als rueckhaltlose Hingabe an Gott setzt die Erkenntnis Gottes als
der rueckhaltlose$
 er war doch klug genug, m durch das Unerwartete und Eigenartige
dieser neuen Freundschaft nicht bedrngt zu sein. Was ihn so sehr
verwirrte, war das Gefhl seiner Unwertigkeit, seiner Nichtigkeit.
Passe ich denn zu ihm, ich, ein kleiner Bub, zwlf Jahre alt, der noch
die Schule vor sich hat, der abends vor allen andern in Bett geschickt
wird? qulte er sich ab. Was kann ich ihm sein, was kann ich ihm
bieten? Gerade dieses qualvoll empfundene Unvermgen, irgendwie sein
Gefhl zeigen zu knnen, machte ihn unglcklich. Sonst, wenn er einen
Kameraden liebgewonnen hatte, war es sein Erstes, die paar kleinen
Kostbarkeiten seines Pultes, Briefmarken und Steine, den kindischen
Besitz der Kindheit, mit ihm zu teilen, aber all diese Dinge, die ihm
gestern noch von hoher Bedeutung und seltenem Reiz waren, schienen ihm
mit einem Male entwertet, lppisch und verchtlich. Denn wie konnte er
derlei diesem neuen Freunde bieten, dem er nicht einmal wagen durfte,
das Du zu erwidern; wo war ein Weg, eine Mglichkeit, sein$
 war kaum zu glauben gewesen. Jedermann in ihrer
Umgebung hatte sich gegen die Erkenntnis gestrubt, und sie selbst hatte
hart mit dem mden Herzen gekmpft. Bis sie wute: ich mu fliehen, aus
allem heraus, sonst kann ich das Leben nicht mehr ertragen. Sie war in
die Berge gereist mit dem festen Vorsatz, in ein Mausloch zu kriechen
und sich daraus durch niemand und nichts vertreiben zu lassen. Aber an
jenem Nachmittag, als Peters helle Stimme zu ihr gedrungen, hatte sie
antworten mssen. Es war nicht anders gegangen.
Das Kind erschlo sich ihr tglich mehr, und sie empfand seine
strmische Liebe als kstliches Geschenk. Die ihre uerte sich selten
in Worten oder Gebrden. Ihr war, Frau Elisabeth knnte dies nicht wohl
Aber sie liebte den Jungen, mit fast schmerzlicher Innigkeit ... so, wie
man etwas Feines und Holdseliges liebt, das man in tppischen Hnden
wei. Sie schaute in de Kindes Seelengarten und sah, wie e& drin ppig
blhte und wucherte,;und sie wute, da hier eines verstndigen Grtners
Hand wa$
n spter Tee und waren sehr heiter. Die Katze miaute nach Milch,
und der groe schne Hund wollte von dem Gebck zu essen haben, das auf
dem Teetisch lag. Beider Tiere xWnsche wurden dann auch befriedigt. Es
wurde Abend, und ich mute nach Hause gehen.
Man lernt hier im Institut Benjamenta Verluste empfinden und ertragen,
und das ist meiner Meinung nach ein Knnen, eine bung, ohne die der
Mensch, mag er noch so bedeutend sein, stets ein groes Kind, eine Art
weinerlicher Schreihals bleiben wird. Wir Zg%linge hoffen nichts, ja, es
ist uns streng untersagt, Lebenshoffnungen in der Brust zu hegen, und
doch sind wir vollkommen ruhig und heiter. Wie mag das kommen? Fhlen
wir ber unsern glattgekmmten Kpfen etwas wie Schutzengel hin und her
schweben? Ich kann es nicht sagen. Vielleicht sind wir heiter und
sorgenlos aus Beschrnktheit. Auch mglich. Aber ist deshalb die
Heiterkeit und Frische unserer Herzen weniger wert? Sind wir berhaupt
dumm? Wir vibrieren. Unbewut oder bewut nehmen wir auf vieles ein
we$
rtest du uns, Verblichene? Du sagtest uns stets, wir sollten
bescheiden und willig bleiben. Ah, das werden wir nie vergessen, so
wenig wie wir die liebe Person, die es ausgesprochen hat, werden
berwinden und vergessen knnen. Schlaf' wohl, du Verehrte. Trume>!
Schne Einbildungen mgen dich flsternd umschweben. Die Treue, die
glcklich ist, ir nahe zu sein, beuge ihr Knie vor dir, und die
dankbare Anhnglichkeit und das erinnerungslsterne, zrtliche
Nie-Vergessen-Knnen streuen Blten, Zweige, Blumen und Worte der Liebe
dir um Stirne und Hnde. Wir, deine Zglinge, wir wollen jetzt noch
eines singen, und_ dann haben wir die Gewiheit, da wir an deinem
Totenlager, das uns das Lustlager frohen und hingebungsvollen Gedenkens
sein wird, gebetet haben. So lehrtest ja du uns beten. Du sagtest:
Singen sei Beten. Und du wirst uns hren, und wir werden uns einbilden,
du lcheltest. Uns will es die Herzen zerschneiden, dich hier liegen zu
sehen, dich, deren Bewegungen uns vorgekommen sind wie dem Durstigen
frische$
chelnd, um einen Spartaner seinen
strengen Grundstzen abwendig zu machen.
Da folgte er ihr in das Haus, ganz unsicher, was er von alledem halten
sollte. Glaubte diese, anschenend ber die Maen verwhnte junge Frau
vielleicht, er wre mit ein paar liebenswrdigen Redensarten
einzufangen? Um nachher in ihrem Hofstaat einherzutraben, wie etwa der
kleine Landsberger Husar ...
Die weite Halle fllte sich mit Gsten. In den beiden Automobilen von
dem Grunewaldrestaurant mochte etwa ein Dutzend mitgekommen sein, die
brigen, mehr als zwanzig, hatten anscheinend schon auf die Heimkehr der
Wirte gewartet. Auf dem in der Mitte stehenden Billard war eine
Boulepartie im Gange. Die vier Spieler protestierten, teils scherzhaft,
teils im Ernst gegen die Strung. In einer Ecke bearbeitete ein Jngling
in weiem Tennisdre das Klavier, zwei, drei Paare tanzten Tango. Alles
schwatzte durcheiander, ein dicker Herr fuchtelte mit dem Arm in der
Luft und rief laut: Heda, Wirtschaft! Whisky und Soda! Ich komm' fast
um vor D$
n Arm, rief mit heller Stimme: Dragoner!
Unser Herr Rittmeister Baron von Foucar, unser Fhrer fr Tod und
Gaston fuhr dzwischen: Leutnant von Gorski, sind Sie des Teufels?
Aber der Kleine lie sich nicht beirren, schrie weiter: unser Herr
Rittmeister hurra, hurra, hurra!
InZ den staub- und schweibedeckten Gesichtern wurden die Augen blank,
dreimal rollte der Ruf gleich krachenden Salven durch die Mittagsstille
und brach sich im Widerhall an den Wnden der Talschlucht.
Gaston wollte seinem Leutnant eine energische Strafpredigt halten, aber
auch die anderen Offiziere der Schwadron kamen herzugeritten,
Oberleutnant Gusovius streckte seinem Vorgesetzten in impulsiver
Aufwallng die Hand entgegen.
Nichts fr ungut, Herr Rittmeister, unser Kleiner hat nur das
ausgelst, was uns allen auf der Seele lag. Es war groartig! Und wir
alle sind stolz darauf, da wir dabei waren!
Na also, dann besten Dank, meine Herren! Sie aber, Herr von Gorski,
mchte ich bitten, Ihrem Temperament in Zukunft ein wenig den Zgel
$
tzt.
 Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.]
[Transcriber's Note:
 This ebook includes only the novella Im Saal. It was published in the
 book Im Sonnenschein which includes four novellas by Theodor Storm:
 - Im Sonnenschein
 - Marthe und ihre Uhr
 - Im Brauerhause
 The following corrections were applied to the original text:
 original: die andren waren ebenfalls nahe Verwandte
 ebook:    die andern waren ebenfalls nahe Verwandte
 original: Dennoch sollte es mit diesem Namen gerufen werden:
 ebook:    Dennoch sollte es mit diesem Namen gerufen werden;
 original: die still an seiner Seite a
 ebook:    die still an seiner Seite sa
 original: Es war ein strenger, akkuraterMann
 ebook:    Er war ein stenger, akkurater Mann
 original: So war es einmal an einem Augustnachmittage,
 ebook:    So war es einmal an einem Augustnachmittage,
 original: In der Schaukel vor der Laube sa ein achtjhriges
 ebook:    In der Schaukel vor der Laube sa ein achtjhriges
 original: Oh -- -- Adel -- --
 ebook$
bang, Nane?< blies er mir durch die hohle Handins Ohr. >Ich
Unser Vater hatte am Tisch gesessen, den Kopf schwer auf seinen Arm
gesttzt. Nun stand er auf und sagte: >Der Spa will diesmal nichts
verschlagen, Nachbar Ivers. Aber, wenn Ihr's nicht ungut nehmen wollt,
so lasset uns jetzt allein; denn ich mchte gleich jetzt mit meinem
Lorenz reden!<
An dem sauersen Gesicht, das der alte Junggeselle machte, sah man
wohl, wie bitterlich gern er dageblieben wre; aber er verabschiedete
sich denn doch mit guter Manier, und gleich darauf wurde ich ins
Brauhaus geschickt, um unseren alten Knecht hereinzurufen.
>Lorenz,< sagte mein Vater, als wir zusammen in die Stube getreten
waren, >du siehst uns hier all> ratlos beieinandersitzen; der Finger des
Mrders soll in unserem Bier gefunden sein!<
Der Alte fuhr sichtlich zusammen. >Herr,< sagte er traurig, >so wissen
Sie das auch schon!<
>Ich habe es eben erst erfahren; aber du, wenn du es wutest, weshalb
hast du es mir verschwiegen?<
>Ja, Herr, ich seh' nun wohl, da $
avongefahren.<
 original: Soll ich warten
 ebook:    So will ich warten
 original: als er mit demjungen Sivers dorhin kam
 ebook:    als er mit dem jungen Sievers dorthin kam
 original: eine verhrtete Gest oder Hefemasse
 ebook:    eine verhrtete Gest- oder Hefemasse
 original: damit wir auch ihm den Stein
 ebook:    >damit wir auch ihm den Stein
 original: warum denn nicht den andern?
 ebook:    warum denn nicht den anderen?
 original: einen andern?<
 ebook:    einen anderen?<
 original: Aber am andern Morgen
 ebook:    Aber am anderen Morgen
 original: da Herr Abel da sei.<
 ebook:    da Herr Abel da sei.<
 original: Dort, hngt ja sein Hut am Trhaken; ihr Kinder
 ebook:    Dort, hngt ja sein Hut am Trhaken; Ihr Kinder
 original: eines Wandbretts
 ebook:    eines Wandbetts
 original: Josias Ohrtmann is mein Nam':
           Gott hilf, da ich in'n Himmel kam!
 ebook:    >Josias Ohrtmann is mein Nam';
b           Gott hilf, da ich in'n Himmel kam!<
 Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt$
ie gelben Hirsche. Wenn ich solch ein liebes, edles Tier
sehe, so kann ich nicht begreifen, wie gebildete Leute Vergngen daran
finden, es zu hetzen und zu tten. Solch ein Tier war barmherziger als
die Menschen, und sugte den schmachtenden Schmerzenreich der heiligen
Allerliebst schossen die goldenen Sonnenlichter durch das dichte
Tannengrn. Eine natrliche Treppe bildeten die Baumwurzeln. berall
schwellende Moosbnke; denn die Steine sind fuhoch von den schnsten
Moosarten, wi1 mit hellgrnen Sammetpolstern, bewachsen. Liebliche Khle
und trumerisches Quellengemurmel. Hier und da sieht man, wie das Wasser!
unter den Steinen silberhell hinrieselt und die nackten Baumurzeln und
Fasern besplt. Wenn man sich nach diesem Treiben hinab beugt, so
belauscht man gleichsam die geheime Bildungsgeschichte der Pflanzen und
das ruhige Herzklopfen des Berges. An manchen Orten sprudelt das Wasser
aus den Steinen und Wurzeln strker hervor und bildet kleine Kaskaden.
Da lt sich gut sitzen. Es murmelt und rauscht so $
die Lust, ihn etwas zu
mystificieren; deshalb sagte ich ihm, ich sei ein Nachtwandler, undmsse im voraus um Entschuldigung bitten fr den Fall, da ich ihn etwa
im Schlafe stren mchte. Der arme Mensch hat deshalb, wie er mir am
andern Tag gestand, die ganze Nacht nicht geschlafen, da er die
Besorgnis hegte, ich knnte mit meinen Pistolen, die vor meinem Bette
lagen, im Nachtwandlerzustande ein Malheur anrichten. Im Grunde war es
mir nicht viel besser als ihm gegangen, ich hatte sehr schlecht
geschlafen. Wste, bengstigende Phantasiegebilde. Ein Klavierauszug aus
Dante's Hlle. Am Ende trumte mir gar, ich she die Auffhrung einer
juristischen Oper, die Falcidia geheien, erbrechtlicher Text von Gans
un Musik von Spontini. Ein toller Traum. Das rmische Forum leuchtete
prchtig; Serv. Gschenus als Prtor auf seinem Stuhle, die Toga in
stolze Falten werfend, ergo sich in polternden Recitativen; Marcus
Tullius Elversus, als _Prima Donna legataria_, all seine holde
Weiblichkeit offenbarend, sang die lie$
r der Unmndigen; Privatdocenten, als Genien in fleischfarbigen
Trikot gekleidet, tanzten ein antejustinianeisches Ballet und bekrnzten
mit Blumen die zwlf Tafeln; unter Donner und Blitz stieg aus der Erde
der beleidigte Geist der rmischen Gesetzgebung; hierauf Posaunen,
Tamtam, Feuerregen, _cum omni causa_.
Aus diesem Lrmen zog mich der Brockenwirt, indem er mich weckte, um den
Sonnenaufgang anzusehen. Auf dem Turm fand ich schon einige Harrende,
die sich die frierenden Hnderiebe	, andere, noch den Schlaf in den
Augen, taumelten herauf; endlich stand die stille Gemeinde von gestern
Abend wieder ganz versammelt, und schweigend saCen wir, wie am Horizonte
die kleine carmoisinrote Kugel empor stieg, eine winterlich dmmernde
Beleuchtung sich verbreitete, die Berge wie in einem weiwallenden Meere
schwammen, und blo die Spitzen derselben sichtbar hervor traten, so da
man auf einem kleinen Hgel zu stehen glaubte, mitten auf einer
berschwemmten Ebene, wo nur hier und da eine trockene Erdscholle
hervortrit$
e
gegen zerstrende Witterungseinflsse. Durch Generationen hindurch kann
man einen solhen Schmetterling im Kampferholz bei vollem Glanz
erhalten. Auch diese Frau hatte den Schmetterling schon lange als ein
Erbstck ihrer Familie besessen. Warum sie ihn verkaufen wollte, da er
doch unbezahlbar war, konnte der Schmetterlingshndler nicht begreifen,
denn ein Handflchenschmetterling wird alle hundert Jahre einmal im
Gebirge gefunden. Auf seinen Flgeln sind dunkle Linien, deren Zeichnung
den Linien in der Handflche einer Menschenhand gleichen.
Diese Frau, sagte der Schmetterlingshndler, mu vielleicht fr
irgendeine eingebildete Schuld ein TeWpelopfer bringen, da sie mit einem
solchen Schmetterling ihren besten Familenschatz verkauft, um Opfergeld
zu erlangen.
Ich erstand den Schmetterling. Und kaum hatte ich ihn in Hnden, so
wurde mir auch, ohne da ich fragte, eine Erklrung ber meinen
Amulettverlust zuteil.
Der Schmetterlingshndler erzhlte mir, da jene Frau eine sogenannte
ewige Witwe sei, ein$
stets schwarz im Gesicht und
schwarz an den Hnden, da der Maler Oizo sie eigentlich noch niemals
gesehen hatte.
Oft sa er am Ofen bei ihr, wenn sie die Flammen schrte, und er
zeichnete nachher die roten Korallenste des Feuerflackerns. Natrlich
wute ganz Katata, da die kaiserlichen Maler auf den Herbst warteten,
bis die Wildgnse in den Oktoberabenden fortflgen. Und auch
Graswrzelein, wie die Tochter des Tpfers hie, wute, da Oizo jetzt
traurig war, weil er den Wunsch der Prinzessin noch nicht befriedigen
Eines Abends, als der Mond aufging und der Altan es Tpfers zwischen
dem Mondschein und dem roten Schein, der aus dem Ofen fiel, z~eifarbig
beleuchtet, rot und blau wurde und Graswnrzelein mondblau und feuerrot,
zweifarbig beschienen, vor dem Ofen im Hof bei dem Altan sa, seufzte
der Maler in seiner Altanecke rgerlich und trotzig darber, da der
Prinzessin nicht der Wachtelsaal und nicht der Saal der Fische gefallen
hatte und auch der Kaiser und die Kaiserin darber geschwiegen hatten.
Da $
nd den Seelen sagen, da die Quellen deutscher Dichtung
    heute noch so ppig springen und lieblich rauschen wie jemals...
  _Lieder der Vergnglichkeit_
  _Zweite Auflage_
  Geheftet 2Mark, gebunden 4Mark 5Pf.
    _Nationalzeitung, Berlin:_ Mit diesem Werk krnt sich Dauthendeys
    Schaffen. Fast kein Gedicht, das man nicht zweimal lesen mte.
    Jedes voller Schnheit, bestrickend mit der Se des Klangs,
    ergreifend mit der Glut des Gefhls, mit unerschpflichem Reichtum
    an Bildern, kstlichen, immer wieder neuen Vergleihen.
  Der weie Schlaf
  _Lieder der langen Nchte_
  GXeheftet 2Mark, gebunden 4Mark
    _Pester Lloyd:_ In der Liedersammlung Der weie Schlaf schillert
    es von schneebedeckten Fluren, Gest, Sonnenbleiche, Nebelbrauen,
    alles Ton in Ton, indes der Wind auf allen Orgelpfeifen blst. Ein
    immenses Leben ahnt Dauthendey in dieser Winterstille, und seine
    Lust stimmt sich herab auf das groe Warten der Natur. Das Kommende
    ist voller Hoffnung und Verheiu$
n Striche und die gleichen Strahlen,
mit denen dich der Heilige verschwieg.
Wir bauen Bilder vor dir auf wie Wnde;
so da schon tausend Mauern um dich stehn.
Denn dich verhllen unsre frommen Hnde,
sooft dich unsre Herzen offen sehn.
Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,
in welchen meine Sinne sich vertiefe.;
in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,
mein tglich Leben schon gelebt gefunden
und wie Legende weit und berwunden.
Aus ihnen kommt mir Wissen, da ich Raum
zu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe.
Und manchmal bin ich wie der Baum,
der, reif und rauschend, ber einem Grabe
den Traum erfllt, den der vergangne Knabe
(um den sich seine warmen Wurzeln drngen)
verlor in Traurigkeiten und Gesngen.
Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manches Mal
in langer Nacht mit hartem Klopfen stre, --
so ists, weil ic dich selten atmen hre
und wei: Du bist allein #im Saal.
Und wenn du etwas brauchst, ist keiner da,
um deinem Tasten einen Trank zu reichen:
ich horche immer. Gib ein kleines Zeichen.
Ich bin ganz n$
nd wie in Sonne Faulendes bespien, --
von jedem Zufall, von der Dirnen Putze,
von Wagen und Laternen angeschrien.
Und gibt es einen Mund zu ihrem Schutze,
so mach ihn mndig und bewege ihn.
O wo ist der, der aus Bresitz und Zeit
zu seiner groen Armut so erstarkte,
da er die Kleider abtat auf dem Markte
und bar einherging vor des Bischofs Kleid.
Der Innigste und Liebendste von allen,
der kam und lebte wie ein junges Jahr;
der braune Bruder deiner Nachtigallen,
in dem ein Wundern und ein Wohlgefallen
und ein Entzcken an der Erde war.
Denn er war keier von den immer Mdern,
die freudeloser werden nach und nach,
mit kleinen Blumen wie mit kleinen Brdern
ging er den Wiesenrand entlang und sprach.
Und sprach von sich und wie er sich verwende,
so da es allem eine Freude sei;
und seines hellen Herzens war kein Ende,
und kein Geringes ging daran vorbei.
Er kam aus Licht zu immer tieferm Lichte,
und seine Zelle stand in Heiterkeit.
Das Lcheln wuchs auf seinem Angesichte
und hatte seine Kindheit und Geschichte
un$
ch der Insel Hems gerufen worden, um fr Feld und Vieh
zu sorgen; damit wollte sich nmlich niemand mehr befassen, seit der
alte lod aus dem Leben geschieden war und die Witwe allein auf dem
Als Carlsson die Mdchen mit Fragen nach den Verhltnissen auf dem
Hofe anzapfte, bekam er Antworten, wie sie die Bewohner des Inselmeers
zu geben pflegen.
-- Ja, das _wei_ ich nicht! Ja, das kann ich _nicht_ `sagen! Ja, das wei
ich _wirklich_ nicht!
Daraus wurde er nicht klug!
Der Kahn pltscherte zwischen Holmen und Schren dahin, whrend die
Eisente zwischen den Kobben schnatterte und im Fichtenwald der
Birkhahn balzte. ber freie Wasserflchen, die Fjrdʫ, und ber
Strmungen fuhr das Boot, bis die Nacht kam und die Sterne
aufleuchteten.
Da gings auf das groe Wasser hinaus, wo der Leuchtturm der
Hauptschre blinkte. Bald kam man an einem Stangenzeichen mit Besen
vorbei, bald an einer weien Bake, die wie ein Gespenst aussah; bald
leuchteten zurckgebliebene Schneewehen wie Leinen auf der Bleiche;
bald tauchten$
Strand lag und rauchte. Sie suchte sich die
Steine aus, die besonders rund, blank und hei waren, und es schien, als
bevorzugte sie die weien. Wenn sie eine Weile auf einem solchen gesessen
hatte, fate sie einen anderen ins Auge und versuchte ihn mit einem
sprungartigen Flug zu erreichen, aber sie landete jedesmal auf irgendeinem
dritten, weil sich leider das Fehlen ihres einen Flgels beim Einhalten der
Richtung bemerkbar machte.
Jedesmal schaute sie anfnglich etwas verdutzt um sich, ergab sich aber
dann ihrem merkwrdigen Schicksal, immer anderswo landen zu mssen, als sie
gewollt hatte. Mit einm etwas bekmmerten, aber keineswegs gereizten
Ausdruck orientierte sie sich ber die ihr bestimmte Umgebung, schlielich
schien die Sonne auch hier, und sie blieb itzen, im heien Licht, vor dem
glitzernden Wasser.
Ich fate eine gewisse Neigung zu dieser flchtigen Freundin meiner
einsamen Stunden am Meeresstrand. So sehr viel besser ging es schlielich
im Leben auch mir nic>ht, und im Grunde kam es uns beiden $
chgltig wird. Sie behngt dich mit allem, was sie ausdenkt oder
findet, wie einen wunderttigen Gtzen, bis du anfngst, selbst so
Ungeheuerliches von dir zu glauben, da du ein Gesptt der Mnner wirst.
Wie aber ist es erst, wenn dein Herz an dem ihren hngen bleibt, und dein
Eifer und deine Mhe machen sie klter und klter? Gib du selbst alles, was
du hast, und ohne Rckhalt dich selbst, sofort fngt sie an, nach anderen
Mnnern Asschau zu halten. Die Seele solcher Frauen ist wie eine Grube,
die kleiner wird, je mehr man hinzutut, und das Elend in deinem Hause nimmt
kein Ende. Ach, du weit nicht, wie es selbst den Braven ergeht! Du hast
einmal gesagt, durch Geben wird niemand arm, aber alles, was einem
herzlosen eib gegeben wird, ist verloren.
Das ist vielleicht richtig, Panja, unterbrach ich seinen Eifer, aber
nicht alle Frauen sind herzlos.
O Sahib, solange du lieben mut, ist in deinen Augen alles schn, was du
an einer Frau erblickst, entgegnete Panja berzeugt, und das Bse an ihr
entfach$
 pathetischen rla damit,
da ich ihm mein Taschenmesser aushndigte, als habe er meinen Degen
gefordert. Er mute lachen und schien sich darauf zu besinnen, da ein
Privatmann kein Rekrut und ein Deutscher kein englischer Untertan ist, auch
erinnerte ich ihn daran, da ein Verdacht kein Beweis und ich selbst kein
verdchtiges Dokument sei.
Sein Selbstbewutsein uniformierte sich wieder, als die Papiere gefunden
wurden, und auf sein Ersuchen begleitete ich ihn im Ochsenwagen zum
Regierungsgebude. Er war unterwegs hflich, still und sehr ernst, und ich
freute mich heimlich des gelungenen Plans meFnes Freundes. brigns sah
nach diesem ffentlichen Eingriff in die Privatrechte einer Reihe der
Einwohner Mangalores das militrische Aufgebot pltzlich um vieles
gewichtiger aus. Von den Fenstern des Regierungsgebudes aus erblickte ich
drauen auf dem Meere den niedrigen eckigen Umri eines Kanonenbootes, das
schwarz und drohend im stillen Blau schwamm, wie mit Kohle gezeichnet. Der
unfreundliche Hof des Gebudes w$
hellter Huser ihr Angesicht
trf, so fiel es ihm auf, wie bleich es war und wie schn. Der Stolz
und das Glck, solch ein Weib sich gewonnen zu haben, sthlte seinen
Muth und sein Vertrauen zu sich; sein Gang war so sicher und sorglos,
als suchte er keine andere Frhlichkeit als die, welcher die Menge
nachgieng, die an ihnen vorber wogte. Manchen neckischen Zuruf mute
er hren, wie man dergleichen treibt zu solchen Zeiten; er erwiederte
jeden Scherz mit Lachen und beschleunigte seine Schritte.
Schon hatten sie die Straen, die am meisten belebt und am hellsten
erleuchtet waren, hinter sich; durch die egen Gassen, die heute noch
stiller waren denn sonst, kamen sie dem Roccothore nher. Bruno
migte Joconda zu lieb seine Eile, denn nachdem sie bis dahin
unerkannt und unaufgehalten geblieben, war er keiner Hinderung ferner
Da, als sie in die letzte Gasse einlenkten, die zum Thore fhrte,
that sich unweit von ihnen die Thr eine Hauses auf, und hervor kam
lrmend eine Schaar Vermummter mit Fackeln und Windlic$
,
was Ihr wissen wollt! Aber zuvor harret noch einen Augenblick!
Bei diesen Worten gieng er hin, wo das Windlicht von ihm hingestellt
war, und rckte es so, da ich wieder ganz in seinem Scheine stund.
Also, warum ich Euch Junker nenne? Das ist die Frage; sie ist klar
und weislich; und das ist die Antwort, nicht minder klar und
gewilich: Weil Ihr's seid, weil Ihr eben dies seid und gar nichts
anderes, als ein Junker; ein ehrlicher, ein wohlgeschaffener, adeliger
Junker, wie nur irend einer in der Christenheit zu finden ist vom
Aufgang bis zum Niedergang. -- He, nun? Was dnkt Euch davon?! Gewi,
Ihr denket: Was ist's? Klingsohr ist ein Gauch, ihm darf man nicht
trauen, er leugt daran! -- Denket Ihr nicht also, Herr? -- Thut's
immerhin, aber zuvor hrt mich an!
Darauf erzhlt' er in seiVner Weise, die Worte nicht sparend und sie
hastig hervorsprudelnd, wie, nachdem ich abgefhrt worden wre, er und
sein Geselle htten dem Bischof Rede stehen mssen ber mich, was sie
von miner Person und von meinem Stande$
uch ein Zauber, der
Euch zurckhielt und ein strkrer als meiner, der Euch des
Gefngnisses entledigen sollte.
Und er lachte und schlug, als wt' er genug von derlei Sachen, um
sich ihrer noch zu verwundern, mit seiner Hand scherzweise auf mein
     Jungfraunlieb ist fahrend Hab,
     Heut Herzliebster und morgen: schab ab!
sang der Tannhuser, als tht er's in Gedanken.
War ich ber Klingsohr's Rede roth geworden, so verdro mich seines
Gesellen Liedlein. Schweig! gebot ihm der Magus, der meinen rger
wohl vermerkte. Schweig, Gesell, Xnd la mich dem Junker vermelden,
wie wir keine Ruh' gehabt haben, bis wir fr gewi ber ihn
erkundeten, was aus ihEm geworden; wie wir endlich berein gekommen
sind, nach ihm zu spren in Maulbronn, mt's selber unter seines
Abtes Bettsponde sein. -- Ach, Junker, wir dachten nicht anders, als
es wr' Euch Luft und Licht versagt und Ihr hrtet auer der Litanei,
die Ihr selber singen mtet, nur die Muslein pfeifen Tag und Nacht.
's ist uns drber, Junker, manches Ma$
ors und Paul das Los einer emanzipierten alten
Jungfer in Aussicht gestellt wurde, da stimmte er doch in die Heiterkeit
der brigen in. Zuletzt deutete die Tante auf klein Toni, und als Anna
verkndete: Das wird einmal eine entsetzlich bse Schwiegermutter, da
machte die Kleine ein ganz trbseliges Gesichtchen und sagte: Aber
nein, das mchte ich nicht werden. Whrend alle lachten, ri Anna sich
das Tuch vom Gesicht und rief aus: So, du bist also auch nicht
zufrieden mit meinen Prophezeiungen? Was htte ich dir denn sagen
Ich mchte gern ein Engelchen werden, sagte klein Toni errtend.
Oh -- oh, hrt doch! Die Toni will ein Engelchen werden -- wie
bescheiden! Nein, so etwas! riefen die Kinder lachend. Otto schrie
dazwischen: Doch wohl ein Engelchen mit einem B davor!
Und nun tnte es von allen Seiten und in allen Tonarten: Engelchen,
Bengelchen! Engelchen, Bengelchen -- Zornebengelchen!
Aber klein Toni wurde nicht zornig, -- nein, sie wurde wohl abwechselnd
rot und bla, und sie zitterte vor Anst$
 Pppchen bekommen, ein Mohrenkind, und das hat er mitgebracht,
und denke dir, Tante -- ach, das war zu drollig ...! Und un fing Toni
an, so zu lachen, da sie gar nicht mehr weitererzhlen konnte.
Erzhl' doch erst und lach' nachher, damit ich wenigstens mitlachen
kann, meinte Tante Toni.
Also hr, Tante! Der Bubi ist mit seinem Bambula -- so heit sein
schwarzes Pppchen -- gekommen und hat ihn uns gzeigt, und Minnichen
hat sich ein bichen gefrchtet, aber nur anfangs, hernach nicht mehr,
und dann hat Bubi sogar seinen Neger zum Pppchen von Minnichen ins Bett
gelegt, und wie Minnichen gerad' ein bichen am Fenster war, da hat der
Bubi auf einmal geschrien: >Minnichen, tomm deswind sehn, dei Pppchen
is weck -- der Bambula hat's aufdefressen!< Und 's weie Pppchen war
wirklich fort. Wie aber jetzt Minnichen angefangen hat zu weinen, da hat
der Bubi gesagt: >Nit weinen, Minnichen! 's Pppchen is widder da,
Bambula hat's widder rausdebrockelt.< Und richtig, Tante, das Pppchen
lag auf einmal wieder im$
gen! Lilly begriff das einfach nicht
Eile dich, gesund zu werden, Lilly, sagte Otto, du mut doch dabei
sein, wenn ich zur ersten heiligen Kommunion gehe. Und Lilly eilte sich
so gut, da sie wirklich an diesem schnen Tage im neuen weien
Kleidchen mit in die Kirche fahren durfte.
Ach, wie war das so schn, so schn! Lillys Herzchen erzitterte, als
Otto sich dem Tisch des Herrn nahte, und voll Seligkeit dachte sie:
Nchstes Jahr komme ich dran! Und nun mute sie wieder an die liebe
kleine Toni denken. ngstlich und mitleidig schaute sie Tante Maria,
Tonichens Mutter, a4n. Ja, die hatte freilich die Augen voll Trnen --
und doch sah sie nicht unglcklich aus. Sie wute ja, da Toni
glcklich, o so glcklich im Himmel war! Und der kleine Leo, der hier
neben Lilly kniete, der wute es auch; denn der betete jeden Tag nach
seinem Abendgebet: Liebe heilige Toni, bitte fr uns! Und Lilly fand,
da er ganz recht hatte, so zu beten.
Am Abend dieses glcklichen Tages suchte Otto Tante Toni auf. Er lehnte
de$
t
durchflogen hatte.
Die Verfgung ber den Gedchnisschatz ist seither bei mir immer
schlechter geworden, doch habe ich mich bis in die letzte Zeit hinein
berzeugt, dass ich mit Hilfe eines Kunstgriffes weit mehr erinnern
kann, als ich mir snst zutraue. Wenn z.B. ein Patient in der
Sprechstunde sich darauf beruft, dass ich ihn schon einmal gesehen habe,
und ich mich weder an die Tatsache noch an den Zeitpunkt erinnern kann,
so helfe ich mir, indem ich rate, d.h. mir rasch eine Zahl von Jahren,
von der Gegenwart an gerechnet, einfallen lasse. Wo Aufschreibungen oder
ie sichere Angabe des Patienten eine Kontrolle meines Einfalles
ermglichen, da zeig es sich, dass ich selten um mehr als ein Halbjahr
bei ber 10 Jahren geirrt habe.[13] hnlich, wenn ich einen entfernteren
Bekannten treffe, den ich aus Hflichkeit nach seinen kleinen Kindern
frage. Erzhlt er von den Fortschritten derselben, so suche ich mir
einfallen zu lassen, wie alt das Kind jetzt ist, kontrolliere durch die
Auskunft des Vaters und gehe h$
einmal war sie ein gebruchliches Zeichen der Trauer; zu anderen
  Zeiten konnte sie Ideen der Frmmigkeit und Weltentsagung Ausdruck
  [22] Der Fall ist dann schliesslich kein anderer als der des sexuellen
  Attentats auf eine Frau, bei dem der Angriff des Mannes nicht durch
  die volle Muskelkraft des Weibes abgewehrt werden kann, weil ihm ein
  Teil der unbewussten Regungen der Angegriffenen frdernd entgegen
  kommt. Man sagt ja wohl, eine solche Situa=ion _lhme_ die Krfte der
  Frau; man braucht dann nur noch die Grnde fr diese Schwchung
  hinzufgen. Insofern ist der geistreiche Richterspruch des _Sancho
  Pansa_, den er als Gouverneur auf seinerQInsel fllt, psychologish
  ungerecht. (Don QuijoteII.T. Kap.XLV.) Eine Frau zerrt einen Mann
  vor den Richter, der sie angeblich gewaltsam ihrer Ehre beraubt hat.
  _Sancho_ entschdigt sie durch die volle Geldbrse, die er dem
  Angeklagten abnimmt, und gibt diesem nach dem Abgange der Frau die
  Erlaubnis, ihr nachzueilen und ihr die Brse wieder zu$
men, weil ich wieder
einmal eine Probe auf meine Voraussetzungen anstellen wollte. Ich durfte
also neugierig sein, auf welchem Wege sich das esuchte bei ihm andeuten
wrde. Da fiel es mir auf, dass er eines Tages irgend etwas zwischen den
Fingern der rechten Hand rollte, damit in die Tasche fuhr, dort weiter
spielte, es wieder he?rvorzog etc. Ich fragte nicht, was er in der Hand
habe; er zeigte es mir aber, indem er pltzlich die Hand ffnete. Es war
Brotkrume, die zu einem Klumpen zusammengeknetet war. In der nchsten
Sitzung brachte er wieder einen solchen Klumpen mit, formte aber aus
ihm, whrend wir das Gesprch fhrten, mit unglaublichVr Raschheit und
bei geschlossenen Augen Figuren, die mein Interesse erregten. Es waren
unzweifelhaft Mnnchen mit Kopf, zwei Armen, zwei Beinen, wie die
rohesten prhistorischen Idole, und einem Fortsatz zwischen beiden
Beinen, den er in eine lange Spitze auszog. Kaum dass dieser gefertigt
war, knetete er das Mnnchen wieder zusammen; spter liess er es
bestehen, zog aber $
en Kosten der
Produktion und deshalb im Preise des Produkts unverndert wieder
erscheint, whrend die Ausgabe fr die menschliche Arbeit -- von
Arbeitern und Angestellten-- in erhhter Form in dem Wert der ganzen
Produktion zurckkommt. Sie nennt er variables Kapital. Der einzelne
kann durch falsche Spekulation verlieren; im allgemeinen aber gilt als
Grundsatz, da der Anternehmer bei seiner Kalkulation zunchst das
wiederhaben will, was er ausgelegt hat an Maschinen, Miete, Rohstoffen
u.dgl. Da dieses konstante Kapital in der Industrie im Verhltnis viel
strker zugenommen hat als das variable (Lohn usw.) KapHtal, wird nun
illustriert durch die im Verhltnis strkere Zunahme des kaufmnnischen
und technischen Personals.
Kommen wir zurck auf die Verschiebungen der Berufsgruppierung in der
kapitalistischen Gesellschaft. In der Land- und Forstwirtschaft haben
wir die Berufszugehrigen in den 25Jahren von 19 auf 171/2Millionen
zurckgehen sehen. In Industrie und Bergbau wuchs dagegen die Zahl der
Berufsz$
 Hause der Lords von
500Mitgliedern ungefhr 400 zhlten, die Liberalen nur gegen 100. Diese
Entwicklung vollzog sich, nachdem 1866 die zweite Wahlreform groen
Teilen der stdtischen Arbeiter das Wahlrecht gebracht hatte und die
liberale Partei sich allmhlich durch Koaltion mit der Arbeiterschaft
radikalisiert hatte. Nun lag fr die Liberalen und Radikalen noch viel
strker das Bedrfnis vor, das Schwergewicht und die politische
Entscheidung in das Haus der Gemeinen zu konzentrieren. Ein groer
Schritt dazu war schon im Jahre 1861 gemacht worden, wo Gladstone den
Beschlu durchsetzte, da das Haus der Lords nicht ber Einzelheiten des
Staatshaushalts, sondern ber diesen im ganzen abzustimmen habe, womit
praktisch jenem die Mglichkeit genommen war, berhaupt in das Budget
hineinzureden, da fr eine Partei der Staatserhaltung, als die sich die
Konservativen betrachtet wissen wollen, das reHvolutionre Mittel der
Verwerfung des Staatshaushalts um Einzelheiten willen geradezu
ausgeschlossen &st.
Nur einmal $

Partei auch z fgen versprachen.
Aber die Ttigkeit in den Parlamenten blieb, und es stellte sich doch
wiederum in der Praxis durch die Natur der Dinge heraus, da die
Sozialdemokratie nicht bei ihm werde verharren knnen. Bei den
ReOichstagswahlen des Jahres 1912 wuchs die Zahl ihrer Vertreter im
Reichstag auf 112 und gestaltete sich die Gruppierung der Parteien so,
da bei Abstimmungen ber wichtige Fragen es immer mehr auf die Stimmen
der Sozialdemokraten ankam und dadurch deren Verantwortung wuchs. Es kam
doch wiederholt vor, da bei Abstimmungen ber neue Gesetze oder
Novellen zu bestehenden Gesetzen, auch wenn sie nicht alles brachten,
was die Sozaldemokratie gefordert hatte, ja, wenn neben den
Verbesserungen einige von der Sozialdemokratie bekmpfte Bestimmungen
hineingebracht waren, die Verbesserungen aber wesentlich berwogen, die
Fraktion sich veranlat sah, ihnen doch zuzustimmen.[6]
   [6] Es sei mir gestattet, hier einer auf diese Vernderung
   bezglichen Bemerkung zu gedenken, die August Bebe$
n Produktionsprozesses selbst geschulten, vereinten
  und organisierten Arbeiterklasse.
In Wirklichkeit war die Zahl der Kapitalmagnaten trotz der starken
Konzentrationsbewegung der Wirtschaftsunterehmungen noch bestndig
gestiegen. So hatte in Preuen -- eine Reichsstatistik gibt es bis jetzt
darber nicht -- die Zahl der Zensiten mit ber einer halben Million
Vermgen in der Zeit von 1895, dem Jahr der ersten Aufstellung einer
Vermgensstatistik, bis 1914 um mehr als 50Proz. _zugenommen_, und noch
strker hatte sich die Schicht der obersten Einkommensklassen vermehrt.
Aber auch die Schicht der mittleren Einkommensklassen war strker
angewachsen als die Gesamtbevlkerung, und wenn die erreichte Lage der
Arbeiterklasse auch noch viel zu wnschen brig lie, so war sie doch
wirtschaftlich und sozialrechtlich eine bessere, als etwa zur Zeit, wo
Marx jene Zeilen geschrieben hatte. Groe Kategorien von Arbeitern
hatten den neunstndigen Arbeitstag errungen und wenige arbeiteten mehr
als zehn Stunden. Das Lohn$
ieger
abgeschossen hatte, und zwar nicht nur einen, sondern schon vier. Er war
sogar mit Namen im Heeresbericht genannt. Er imponierte mir auf Grund
seiner Erfahrungen ganz rasend. Ich konnte mir och so groe Mhe geben,
ich hatte bis dahin noch immer keinen zur Strecke, jedenfalls warmir
noch keiner anerkannt worden. Zu gerne htte ich erfahren, wie dieser
Leutnant Boelcke das nun eigentlich machte. So stellte ich an ihn die
Frage: Sagen Sie mal blo, wie machen Sie's denn eigentlich? Er lachte
sehr belustigt, dabei hatte ich aber wirklich ernst gefragt. Dann
antwortete er mir: Ja, Herrgott, ganz einfach. Ich fliege eben ran und
ziele gut, dann fllt er halt herunter. Ich schttelte blo den Kopf
und meinte, das tte ich doch auch, blo da er eben bei mir nicht
'runterfiele. Der Unterschied war allerdings der, er flog Fokker und ich
mein Grokampfflugzeug.
Ich gab mir Mhe, diesen netten bescheidenen Menschen, der mir
wahnsinnig imponierte, nher kennenzulernen. Wir spielten oft Karten
zusammen, ginge$
 Dummheit mit dem Leben bezahlen mssen.
       *       *       *       *       *
Sehr vergngt ber die Leistungen meines roten Stahlrosses bei der
Morgenarbeit kehrte ich zurck. Meine Kameraden waren noch in der Luft
und waren sehr erstaunt, als wir us beim Frhstck trafen und ich ihnen
von meiner Nummer Zweiunddreiig erzhlen konnte.
Ein ganz junger Leutnant hatte seinen Ersten abgeschossen, wir waren
sehr vergngt und bereiteten uns fr neue Kmpfe vor.
Ich hole meine versumte Morgentoilette nach. Da kommt ein guter Freund
-- Leutnant Vo von der Jagdstaffel Boelcke -- zu mir, um mich zu
besuchen. Wir unterhalten uns. Vo hatte am Tage vorher seinen
Dreiundzwanzigsten erledigt. Er stand also mir am nchsten und ist wohl
zurzeit mein heftigster Konkurrent.
Wie er nach Hause fliegt, wollte ich ihn noch ein Stckchen begleiten.
Wir machen einen Umweg ber die Front. Das Wette@ ist eigentlich sehr
schlecht geworden, so da wir nicht annehmen konnten, noch Weidmannsheil
Unter uns geschlossene Wolken. Vo$
hrhundert
und manche Fische und Reptilien gar viele Jahrhunderte lang leben-- der
vielzellige Organismus des Tieres stirbt von den Nervenzellen aus, wobei
die Nervenzellen bei der einen Art frher, bei der andern spter unter der
Last der Stoffwechselprodukte, die sich in ihnen ansammeln und ihren
Stoffechsel stren, zusammenbrechen. Der Mechanismus des natrlichen
Todes, des Todes aus Altersschwche ist bei den vielzelligen Tieren, die
ein Nervensystem haben, stets ein und derselbe._
11. Kopulation und Befruchtung.
Unerbittlich ringt der Tod die vielzelligen iere nieder...
Die befruchtete Eizelle, der Keim des werdenden vielzelligen Tieres hat
sih mehrfach geteilt, und aus der einen Keimzelle ist ein ganzer
Zellenstaat geworden, in dem jede einzelne Zelle ein Nachkomme der
Keimzelle ist. Die Zellen des Zellenstaats sterben schlielich alle-- mit
Ausnahme einer bestimmten Anzahl von Keimzellen, die in den Kindern
fortleben. Whrend bei den Einzelligen smtliche Nachkommen einer
Stammzelle, wie z.B. in de$
te in der Bevlkerung ihrer Missionen in hohem Grade schwankend. Wie
will man jetzt ausmachen, ob der Tomuza und der Piritu verschiedener
Abstammung sind,	da beide cumanagotisch sprechen, was im westlichen Theil
des Govierno de Cumana die herrschende Sprache ist, wie die der Caraiben
und der Chaymas im sdlichen und stlichen? Durch dieY groe
Uebereinstimmung in der Krperbildung werden Untersuchungen der Art sehr
schwierig. Die beiden Continente verhalten sich in dieser Beziehung vllig
verschieden; auf dem neuen findet man eine erstaunliche Mannigfaltigkeit
von Sprachen bei Vlkern desselben Ursprungs, die der Reisende nach ihrer
Krperlichkeit kaum zu unterscheiden vermag; in der alten Welt dagegen
sprechen krperlich ungemein verschiedene Vlker, Lappen, Finnen nd
Esthen, die germanischen Vlker und die Hindus, die Perser und die Kurden
Sprachen, die im Bau und in den Wurzeln die grte Aehnlichkeit mit
einander haben.
Die Indianer in den Missionen treiben smmtlich Ackerbau, und mit Ausnahme
derer, die $
ne der wichtigsten Bereicherungeh, welche die
Landwirthschaft in den Colonien seit einem Jahrhundert reisenden
Naturforschern verdankt. Es gibt nicht nur auf demselben Areal ein
Dritttheil mehr *Vezou* als das creolische Zuckerrohr; sein dicker Stengel
und seine feste Holzfaser liefern auch ungleich mehr Brennstoff. Letzteres
ist fr die Antillen von groem Werth, da die Pflanzer dort wegen der
Ausrodung der Wlder schon lange die Kessel mit ausgepretem Rohr heizen
mssen. Ohne dieses neue Gewchs, ohne die Fortschritte des Ackerbaus auf
dem Festland des sMpanischen Amerika und die Einfhrung des indischen und
Javazuckers, htten die Revolutionen auf St. Domingo und die Zerstrung
der dortigen groen Zuckerpflanzungen einen noch weit bedeutenderen
Einflu auf die Preise der Colonialwaaren in Europa geuert. Nach Caracas
kam das otaheitische Rohr von der Insel Trinidad, von Caracas nach Cucuta
und San Gil im Knigreich Neu-Grenada. Gegenwrtig, nach
fnfundzwanzigjhrigem Anbau, ist die Besorgni verschwund$
erkauf fangen, ganz gut, dass die von gewissen Inseln leicht zu
zaehmen sind, waehrend Affen derselben Art, die auf dem benachbarten
Festland gefangen werden, aus Zorn oder Angst zu runde gehen, sobald sie
sich in der Gewalt des Menchen sehen. Die Crokodile aus der einen Lache
in den Llanos sind feig und ergreifen sogar im Wasser die Flucht, waehrend
die aus einer andern Lache aeusserst unerschrocken angreifen. Aus den aeussern
Verhaeltnissen der Oertlichkeiten waere diese Verschiedenheit in Gemuethsart
und Sitten nicht leicht zu erklaeren. Mit den Haifischen im Hafen von
Guayra scheint es sich aehnlich zu verhalten. Bei den Inseln gegenueber der
Kueste von Caracas, bei Noques, Bonayre und Curacao, sind sie gefaehrlich
und blutgierig, waehrend sie Badende in den Haefen von Guayra und Santa
Marta nicht anfallen. Das Volk greift, um die Erklaerung der
Naturerscheinungen zu vereinfachen, ueberall zum Wunderbaren, und so glaubt
es denn, an den genannten zwei Orten habe ein Bischof den Haien den Segen
Guayra ist $
r Name "Conquistadores" ist destoverhasster geblieben, als die
wenigsten, nachdem sie. friedliche Voelker misshandelt und im Schoosse des
Ueberflusses geschwelgt, dafuer am Ende ihrer Laufbahn mit jenem schweren
Umschlag des Gluecks gebuesst haben, der den Hass der Menschen saenftigt und
nicht seltendas harte Urtheil der Geschichte mildert.
Aber nicht allein der Fortschritt der Cultur und der Conflikt zwischen
zwei Adelsklassen von verschiedenem Ursprung noethigt die privilegirten
Staende ihre Ansprueche aufzugeben oder doch aus Klugheit nicht merken zu
lassen.Die Aristokratie findet in den spanischen Colonien noch ein
anderes Gegengewicht, das sich von Tag zu Tag mehr geltend macht. Unter
den Weissen hat sich das Gefuehl der Gleichheit aller Gemuether bemaechtigt.
Ueberall, wo die Farbigen entweder als Sklaven oder als Freigelassene
angesehen werden, ist die angestammte Freiheit, das Bewusstseyn, dass man
nur Freie zu Ahnen hat, der eigentliche Adel. In den Colonien ist die
Hautfarbe das wahre aeussere Abze$
hal beim
Hofe Manterola 295 Toise7 und den Spiegel des Sees 222 Toisen ueber dem
Meer. Der Tuy, der in den Bergen las Cocuyzas entspringt, laeuft Anfangs
gegen West, wendet sich dann nach Sued und Ost laengs der hohen BSavanen von
Ocumare, nimmt die Gewaesser des Thals von Caracas auf und faellt unter dem
Winde des Cap Codera ins Meer.
Wir waren schon lange an eine maessige Temperatur gewoehnt, und so kamen uns
die Ebenen am Tuy sehr heiss vor, und doch stand der Thermometer bei Tag
zwischen elf Uhr Morgens und fuenf Uhr Abends nur auf 23--24 deg.. Die Naechte
waren koestlich kuehl, da die Lufttemperatur bis auf 17 deg.,5{~PRIME~} [14 deg. Reaumur]
sank. Je mehr die Hitze abnahm, desto staerker schienen die Wohlgrueche der
Blumen die Luft zu erfuellen. Aus allen heraus erkannten wir den koestlichen
Geruch des _Lirio hermoso_ einer neuen Art von _Pancratium_ deren Bluethe
8--9 Zoll lang ist und die am Ufer des Tuy waechst. Wir verlebten zwei
hoechst angenehme Tage auf der Pflanzung Don Joses de Manterola, der$
dfnfzigtausend Livres, und blieb der Vermhlten als
Wittwe vertragsmig zu freier Verfgung, nebst einer Summe von
vierundzwanzigtausend Livres fr Kleider und Juwelen. VomOJahr
eintausendsechshundertundachtundvierzig.
Hier der Ehecontract meiner Gromutter, vom Jahr
eintausendsechshundertundachtzig, m/it der Bemerkung, da die Prinzessin
alle Gerechtsame an vterliche und grovterliche Verlassenschaften,
auch andere knftige Erbflle anzusprechen habe, nur nicht die ihrer
beiden Brder und ihrer einzigen Schwester Maria Sylvia. Letzteres hat
sich dennoch durch besonderes Vermchtni gendert.
Hier ein Document, das der Gromutter anstatt der genannten Ansprche
von Seiten ihres Bruders, des Herzogs Charles de la Tremouille, die
Summe von sechzigtausend Livres fest zusichert. Aus diesem wichtigen
Vergleichsinstrument vom Jahre sechzehnhundertdreiundachtzig geht
hervor, da die de la Tremouille'schen Gtereinknfte in den Provinzen
Poitou, Bretagne, Main, Xaintoque, Auluis und Laudunois auf das in
Paris, St$
es Statthalters und seiner Anhnger genommen werden sollen;
wir mssen daher Gott danken, da in des Erbherrn Papieren, welche
durchzusehen man nicht ermangelt haben wird, sich noch keine
Cessionsurkunde von Doorwerth auf ihn vorfindet, denn dann wre die
Herrlichkeit zum Kukuk, whrend sie als Besitzthum einer deutschen und
dnischen Grfin Niemand antasten wird -- und so lange Doorwerth im
Besitz deiner Frau Gromutter Excellenz, wre es auch nur scheinbar,
bleibt, ist Doorwerth so wenig verloren, wie Polen. Zudem ist noch Sorge
getragen worden, die Herrlichkeit im ganzen Lande als totaliter
verwstet, ausgebrannt und ausgeplndert zu verschreien, so da sie als
ein vllig heruntergekommenes Besitzthum erscheint, und kaum einer
Abschtzung unterworfen werden wird.
Wer hat sie denn so verschrieen? fragte Ludwig.
Ich! erwiderte Leonardus.
Du? fragte Luwig mit groen Augen.
Bin ich umsonst ein Vierteljahr Lehrling im diplomatischen Corps zu
Paris gewesen? fragte Leonardus lchelnd zurck. Ein Kaufmann kann s$
men, sie sahen
sein Abwesenheit nicht ungern, es hatte Keiner nach dem Tode der
Gromutter gefragt, ob Ludwig nicht auch Ansprche oder Wnsche habe,
und er selbst hielt sich in stolzer Zurckhaltung von den Verhandlungen
ber das gromtterliche Erbe ferne, obschon er nicht ohne ein gewisses
Vergngen die Briefe Windt's las, die ihn in seiner Einsamkeit
Fr mich gibt es jetzt, schriebihm einst der alte Freund: alle Hnde
voll zu thun, bald in Varel, bald in Doorwerth, bald in Hamburg. Die
Herren, der regierende Graf und der Vice-Admiral, haben sich in Varel
ganz gut verglichen; nur schade, da sie nicht bei diesem Vergleich aus
dem Falken von Kniphausen trinken konnten! Ich bin jetzt in Hamburg und
betreibe den Verkauf des Nachlasses meiner hochseligen Gebieterin, so
weit die Erbherren denselben nicht fr sich behalten wollen. Graf
William ist noch hier und berhuft mich erschrecklich mit Schreibereien
und Uebersetzungen aus dem Deutschen und Hollndischen, um sich
vollkommene Kenntni in der Nachlasa$
 ein Plan gbildet hatte, von dem er sich ein
reines Zukunftglck versprach, der Sophien Schutz und ihm Freiheit zur
Hingabe an seine Lieblingsneigungen und an ein ihm besonders zusagendes
gemthliches Stillleben gewhren sollte.
Gleichwohl ehrte Ludwig die Prinzessin, Sophie unddas Geschick Beider
zu sehr, um nicht zu fhlen, da er vor dem Wunsche der Ersteren seine
eigene Neigung aufopfern msse. Er theilte daher der jungen erinzessin
den Brief ihrer Mutter mit und diese, obgleich erst fnfzehn Jahre
zhlend, war doch hinlnglich durch den Schmerz fr den Ernst des Lebens
gereift, um nicht die Bedeutung eines solchen Schrittes vollkommen
wrdigen zu knnen.
Sie schlug das seelenvolle Auge zu Ludwig auf und sprach bewegt: Ich
habe keinen Willen, ich folge der Mutter, ich folge Ihnen, ich beuge
mich in Demuth Allem, was ber mich verhngt wird.
Sophie, entgegnete Ludwig: mich schmerzt, was Sie mir erwiedern, obschon
ich wei, da Sie mich nicht durch Ihre Worte verwunden wollen. Wenn
auch die Verhltnisse Ihn$
lzpflock und den Stiel
des Schlaegels, ich halte den Strick gemeinschaftlich mit der Goettin
*Safech*. Mein Blick folgt dem Gange der Gestirne. Wenn mein Auge an dem
Sternbilde des grossen Baeren angekommen ist, und erfuellt ist *der mir
bestimmte Zeitabschnitt der Zahl der Uhr, so stelle ich auf die Eckpunkte
Deines Gotteshauses."
In wechem Maasse bei diesen Operationen die von *Demokritos* so
hochgestellten *Harpedonapten* oder Seilspanner betheiligt waren, hat
*Cantor*(39) in hoechst scharfsinniger Weise zu beleuchten versucht, und es
erscheint auch uns wahrscheinlich, dass sich die alten Agypter beim
Construiren rechter Winkel sowie beim Faellen von Senkrechten auf dem
Felde, der Thatsache bedienten, dass der eine Winkel in einem, die
Seitenlaengen drei, vier und fuenf besitzenden Dreiecke, ein rechter Winkel
sein muesse. Musste ja doch dieser Satz seit unvordenklichen Zeiten auch
den Chinesen bekannt sein, da wir ihn in der bei ihnen so beruehmten
Schrift _Tschiu-pi_ finden, welche mehrere Jahrhunderte v$
ind. Hier ziehen bei tiefer Ebbe Schaaren kleiner offener
Bte an den Rndern der Riffe entlang und holen die grossen Holothurien
aus der Tiefe durch Tauchen oder allerlei Instrumente empor; dort
treiben die Aufseher des Sultans von Sul die im grossen halbgedeckten
Boot (Panco) dichtstehenden Sclaven zum Tauchen nach den kostbaren
Perlenmuscheln im tiefen Meeresgrunde an; Kinder und Frauen sammeln
ausser Muscheln und anderen Seethieren fr ihr bescheidenes Mittagsmahl
die Kauris und auf den Fischfang bei Nacht ausziehende Mnner kehren
heim mit einer grossen Schildkrte beladen, die sie im Sande einer
Insel beim Eierlegen berraschten. Hunderte von kleinen gedeckten
Schiffen bringen die gesammelten und von einem Zwischenhndler,
meistens Chinesen, aufgekauften Gegenstnde in kleineren PaVrthien in
die wenigen dem transatlantischen Verker freistehenden Hfen ein. Aber
noch grsseren Einfluss auf die Belebtheit der philippinischen Meere
haben die Fische, welche der tglichen Nahrun geopfert werden; denn
sie b$
ten Stellen nur 7 Faden tief. Dieser Atoll
bezeichnet die nrdlichste Spitze der Gruppe, da die Canle die ihn
und die Bank von Cossol von den eigentlichen Inseln trennen, nur
eine Tiefe von 60-80 Faden haben. Ganz abgesondert scheint nach den
vorhandenen Karten, Aruangel zu sein, eine Bank, die 8 S.-M. weit
nordwestlich von Kreiangel liegt, und die mir von den Eingebornen
als Atoll beschrieben wurde. Frher bewohnt, wurde er zu Ende des
vorigen Jahrhunderts berschwemmt und gnzlich zerstrt; die jetzigen
Bewohner von Kreiangel erzhlen, die Stmpfe grosser Bume und ein
altes Badebassin dort gesehen zu haben. Leider musste ich mich mit
diesen achrichten begngen, denn die Freundlichkeit der Bewohner
von Kreiangel vermochte nicht, ihre Faulheit zu besiegen, da ich ihr
Interesse nicht durch Bezahlung erwecken konnte.
Mit Ausnahme obengenannter dreier Riffe und der Insel Ngaur (Angaur)
umzieht ei einziges zusammenhngendes Riff alle brigen Inseln,
und nimmt je nach den Einflssen der Strmungen, der vorherr$
| 20.63  | +0.32
  7-11      | --     | 20.50 | 20.88 | 20.27 | 20.55  | +0.33
 12-16      | --     | 20.60 | 19.64 | 20.21 | 20.15  | -0.51
 17-21      | --     | 19.80 | 21.22 | 20.15 | 20.39  | +0.83
 22-26      | --     | 20.70 | 21.51 | 20.58 | 20.93  | +0.58
 27-31      | --     | 21.33 | 21.85 | 21.02 | 21.40  | +0.45
  1-5 April | 19.11! | 21.46 | 2.70 | 21.53 | 20.95  | -1.84!
  6-10      | 21.28  | 21.10 | 22.29 | 21.98 | 21.66  | +0.63
 11-15      | 20.43  | 22.32 | 22.61 | 22.00 | 21.96  | -1.03
 16-20      | 20.48  | 21.43 | 22.54 | 22.40 | 21.71  | -1.23
 21-25      | 22.39  | 21.63 | 21.69 | 22.13 | 21.96R  | +0.43
 26-30      | 20.74  | 21.44 | 22.99 | 21.97 | 21.79  | +1.20
  1-5 Mai   | 22.40  | 21.67 | --    | 22.09 | 22.05  | -0.38
  6-10      | 22.33  | 22.57 | --    | 22.23 | 22.38  X +0.19
 11-15      | 22.25  | 22.33 | --    | 22.69 | 22.42  | +0.27
 16-20      | 22.60  | 22.40 | --    | 23.31 | 22.77  | +0.45
 21-25      | 23.23  | 21.80 | --    | 23.28 | 22.77  | -0.97
 26-30      | $
furiert. Bei dem spteren Zuge nach Per waren viele Leute vor
Durst umgekommen und als die Eroberer in ein Dorf kamen, wo nur ein
einziger Brunnen vorhanden war, wurde Schmidel die Wache an demselben
bertragen, wobei er bei Edel und Unedel, bei mnniglich groe Gunst und
Gnade erlangte, denn er war damit nicht zu genausichtig. Als er
endlich nach 19jhrigem Aufenthalte im Lande, wobei er anscheinend noch
keineswegs an die Heimkehr dachte, einen Brief seines Bruders Thomas aus
Straubing erhielt und daraufhin Urlaub begehrte, wollte ihm der
Befehlshaber Iraladenselben anfangs nicYt gewhren, offenbar weil er
den kriegserfahrenen Schmidel ungern entbehrte. Welch verwegene Khnheit
aber in diesem Manne steckte, das zeigte er in dem Entschlusse, de/ er
auch glcklich durchfhrte, den Weg von Asuncin nach San Vicente, wo
eben ein portugiesisches Schiff lag, zu Lande zu nehmen. Ein einzelner
Mann und 20 Indianer, wozu sich noch vier Deserteure gesellten, zog er
ohne Weg noch Steg ber Berg und Tal, durch dicht$
Hintergrund, und die Gestalt des Teufels hat in
bereinstimmung mit der des alten Testamentes etwas Nebelhaftes
behalten; sie ist wie die Gottes unpersnlich und weder rumlich noch
zeitlich gebunden.
Bestimmter sind die Vorstellungen ber seine Lebensgeschichte.[26] Man
dachte sich den Teufel von Anfang der Welt an existierend. Als ein
schner Engel wohnte er im Himmel und wurde aus demselben gestrzt.[27]
Dadurch gleichsam zwischen Gott und die Menschen gestellt, sucht er sich
nun die Welt zu unterwerfen und entfemdet sich Gott mit der durch
Christi Lehre zunehmenden Offenbarung immer mehr. Sein Dasein und Ende
ist freilich nicht tlar geschildert. Es scheint, dass der Teufel durch
die Lehre Jesu besiegt wird und fr immer in der Hlle gefesselt liegen
Ene besondere Erwhnung verdient die symbolische Darstellung des
Teufels, besonders in der Apokalypse. Es werden hier drei Monstra
geschildert. Das erste ist der grosse Drache, auch die alte Schlange,
Teufel und Satanas genannt. Von ihm heisst es:[29] Und sie$
 in Ewigkeit erdrckt.[173] Was der Mensch also auf
Erden oft verbergen konnte, wird im Jenseit erbarmungslos entAllt,
fortentwickelt und gesteigert und wenn die Worte vom jenseitigen Leben
reden, der wahre Sinn gilt dem diesseitigen, die physische Strafe ist
nur ein Sinnbild fr den Seelenzustand des in seiner Snde verstockten
Snders. So hielt der Dichter seinen Zeitgenossen einen Spiegel vor die
Seele und stellte eine Lehre auf, von der die kirchliche nichts wusste,
weshalb es mit Recht heisst: Per dar di tutto il vero lume a noi.
Ist Dante in der Auffassung der Snde und Strafe individuell, so auch in
der ber den oder die Teufl, da der Dichter von einem nie spricht. Wo
sie geschildert werden -- was brigens selten geschieht -- zeigen auch sie
einen innerlichen Zusammenhang zu der Strafe der Verdammten. So treten
in der vierten Abteilung der siebenten Zone gehrnte Teufel auf, welche
mit la%ngen Peitschen die Kuppler und Verfhrer geisseln.[174] Sie treten
vor das Bewusstsein dieser Snder als der $
nenum tinxit et innocuum
        maculis sordentibus Adam: dat nudis Aiculnea draco mox
        tegmina victor.'
    [Funote 87: Ambrosius de paradiso XIII. cf. Kraus: R. 5. pag.
    [Funote 88: De Rossi: Bull. 1874, 130-32; Kraus: Real Encyc.
    Art. Schlangenbild.]
    [Funote 89: De Rossi: Bull. 1868; 64,77. Krus: a.a.O.]
    [Funote 90: De Rossi: Bull. 1874, 132.]
    [Funote 91: Kraus: R. s. 290. Augustin de quinque haer. c. 1.]
    [Funote 92: Aringhi I. 54; Bottari Tf. LXIII. cf. Kraus: R. S.
    [Funote 93: Greg. Nyss. Hom. III in Cant. Chrysost. Hom. ad
    Neophyt. Augustin Serm. XC de temp. cf. Kraus 288. Piper,
    christl. Myth.]
    [Funote 94: Martigny a.a.O. pag. 400 2 d. pag. 461 f. Kraus.
    [Funote 95: cf. Kraus: R. s. Abbild, u. Beschrbg. pag. 352.]
    [Funote 96: Jon 4, 5-8. Kraus R. 5. pag. 280. 323-357. Abb. des
    Gemldes in der porta Salaria: D'Agincourt' III. 7; Aringhi I.
    347 Taf. 1; Ar. II. 105.]
    [Funote 97: Abb. b. Kraus pag. 268; hufig bei Aringhi.]
$
 gleich darauf, ihrer Gemeinntzigkeit
halber, auch deutsch erschien[30]. Sie iswt dem Richter ein wahres Arsenal
in jeder Verlegenheit und fhrt ihn auf den scheinbar verschiedensten Wegen
zu demselben Ziele; es gibt nicht leicht einen Punkt, fr welchen der
Verfasser nicht aus irgend einem nach Namen und Tag bezeichneten
Prozessfall einen Beleg beibrchte. So verficht er zwar die =leibliche=
Ausfahrt der Hexen, lsst aber daneben auch eine =eingebildete=, obglich
eben so verdammliche bestehen. Die Salbe der Hexen ist zugleich giftig und
unschdlich: =giftig=, sobald sie die Hexe selbst auch nur in der
geringsten Quantitt aufstreicht; =unschdlich=, sobald sie in die Hnde
des Gerichts fllt, und wren es ganze Tpfe voll. Das Weib, dem man
ankommen will, ist verdchtig, wenn es =oft=, und wenn es =nie= in die
Kirche geht, wenn sein Leib =warm=, und wenn er =kalt= ist. Whrend der
sechszehn Jahre, dass Remigius dem Halsgerichte beiwohnte, sind, seiner
eigenen Angabe zufolge, in Lothringen nicht weniger als$
 Die
schroffsten Eigenthmlicheiten der Orthographie haben wir etwas
abgeglttet.
[8] Wohlweisslich hatte _Weier_ seine Schrift, bevor er sie unter die
Presse gab, dem Kaiser Ferdinand berreicht, um ein Privilegium gegen den
Nachdruck (contra =aemulorum= fraudes!) zu gewinnen, und dieses war auch
wirklich, und zwar mit dem Bemerken ertheilt worden, dass das rhmliche
Vorhaben nicht nur gebilligt und gelobt, sondern auch gefrdert zu werden
[9] Buch II. Cap.17.
[10] Der Geistliche, von welchem hier die Rede ist, war kein anderer, als
jener Jakob Vallick, welchen Scheltema unverdienter Weise unter den
Aufklrern genannt hat. Vallick erzhlt dieselbe Geschichte in seinem oben
angefhrten Traktat von Zuberern, Hexen und Unholden.
[11] Die Verffentlichung des Buches brachte Weie viele bse Tae ein. Als
nmlich Herzog WilhelmIV. in Trbsinn verfallen war, wurde Weier
teuflischer Zauberknste angeklagt, durch welche er den Geist des Frsten
umnachtet htte. Um sich daher dem schlimmsten Schicksal zu entziehe$
 selbst.
  Die Eyeringin.
  =Im zehnten Brandt drey Personen.=
  Der Steinacher, ein gar reicher Mann.
  Ein fremd Weib.
  Ein fremder Mann.
  =Im eilften Brandt vier Personen.=
  9er Schwerdt, Vicarius am Dom.
  Die Vgtin von Rensacker.
  Die Stiecherin.
  Der Silberhans, ein Spielmann.
  =Im zwlften Brandt zwey Personen.=
  Zwey fremde Weiber.
  =Im dreyzehenden Brandt vier Personen.=
  Der alte Hof-Schmidt.
  Ein alt Weib.
  Ein klein Mgdlein von neun oder zehn Jahren.
  Ein geringeres, ihr Schwesterlein.
  =Im vierzehenden Brandt zwey Personen.=
  Der erstgemeldten zwey Mgdlein Mutter.
  Der Lieblerin Tochter von 24 Jahren.
  =Im fnfzehenden Brandt zwey Personen.=
  Ein Knab von 1 Jahren, in der ersten Schule.
  Eine Metzgerin.
  =Im sechzehenden Brandt sechs Personen.=
  Ein Edelknab von Ratzenstein, ist Morgens um 6Uhr auf dem Cantzley-Hof
    gerichtet worden nd den ganzen Tag auf der Pahr stehen blieben, dann
    hernacher den andern Tag mit den hierbeygeschriebenen verbrannt worden.
  Ein Knab$
und Silber, waren eigentlich Rosskpfe und
Schelmenbeine, und was sich als Krammetsvgel ansah, war in Wirklichkeit
eine Schssel voll Krten. Das Brod, welches man auftischte, musste an
einem Sonntag gebacken sein; Salz dagegen kam bei kener Gasterei vor. Die
Hexen erzhlten auch, sie htten sich zwar 7mit den genossenen Speisen
gesttigt, allein, wenn sie nach Hause gekommen, htten sie sich ungrig
und usserst matt gefhlt u.s.w.-- Alle diese und hnliche Gestndnisse
waren den Verhafteten durch eine bestialische Anwendung der Folter
erpresst[81]. Einer der Verhafteten, Philipp Krmer aus Dieburg, that im
Verhr die unerhrte Aeusserung, dass die gegen ihn abgelegten
Zeugenaussagen falsch seien und dass das ganze Hexenwerk nichts als
Aberglauben sei. Wenn dergleichen Belialszeugnisse auch tausend wren,
rief er, so knnten sie doch alle tausend falsch sein. Denn das wren
Leute, so in ihrer Pein und Marter verzweifelten. Da msse er sehen, dass
unter Tausenden nicht Einem Recht geschehe. Es nehme ih$
lffe!= Am lincken Bein zugeschraubet, sie geruffen und
gesagt, sie wehre keine Hexe, das wste der liebe Gott, es wehren lautter
Lgen, die von ihr geredet worden. Die Schraube am rechten Bein hartter
zugeschraubet, sie anfangen zu ruffen: aber stracks wieder gantz stille
orden. Hieruff ist sie hinausgefhret worden von dem Meister, umb ihr die
Haere vom Kopf zu machen. Daruff er, der Meister, kommen und referirt, dass
er das stigma funden, in welchem er eine nadel ber gliedts tieff
gestochen, welches sie nicht gefhlet, auch kein Blut herausgangen. Nachdem
ihr die Haare abgeschoren, ist sie wieder angeseiletwworden an handen und
fuessen, abermahls uffgezogen, da sie geklagt undt gesagt, sie mste nun
ihr liebes Brodt heischen, hatt laut geruffen, ist wieder gantz stille
worden, gleich als wan sie schlieffe. Indem fienge sie hartt wieder an zu
reden. Die Schraube am rechten Bein wieder zugeschraubet, da sie lautt
geruffen, die lincke Schraube auch zugeschraubet, wieder geruffen, undt
stracks gantz stille w$
 dem Scheiterhaufen wollte er zum Volke reden;
die xorzisten aber schtteten ihm eine Fluth von Weihwasser ins Gesicht,
und als die Wirkung desselben vorber war, gaben sie ihm Judasksse.
Grandier nannte sie selbst so. Wiederholt verlangten sie Bekenntnisse, und
als diese nicht erfolgten, geriethen sie in so heftigen Zorn, dass sie die
vom Propsteirichter zugestandene Erdrosselung vor dem Anznden des
Holzstosses zu vereiteln suchten. Sie knpften in die Schnur, die dem
Scharfrichter bergeben wurde, Knoten, dass sie nicht zulaufen konnte, und
der Pater Lactantius bernahm selbst das Amt des Henkerknechts, indem er
eiligst den Brand ins Holz warf. Grandier rief: Deus meus, ad te vigilo,
miserere mei, Deus! Seine Stimme wurde von den Kapuzinern unterdrckt, die
abermals den I:nhalt ihrer Weihkessel auf sein Gesicht ausgossen.
Nach dem Tode des Unglcklichen hrten die Exorzismen noch immer nicht auf.
Wir gedenken indessen dieselben nicht weiter zu verfolgen. Nur verdient
noch bemerkt zu werden, dass einst $
n dieser als Irrlehren
verworfen sind.
Von =Schweden= ist es nicht bekannt, dass es vor dem dreissigjhrien
Kriege oder whrend desselben Zauberer verbrannt habe; man weiss sogar,
dass Christina und ihre Generale solche Verfolgungen in den deutschen
Landen hemmten. Aber jetzt, ganz kurz vor der (Krise des Uebels, war es, als
htte das kalte, lutherische Volk dem Aberglauben den zurckbehaltenen
Tribut mit einem Male nachzahlen sollen. Der Prozess von Mora und Elfdale
im Jahr 1669 ist einer der furchtbarsten, welche die Geschichte kennt[181].
Kinder waren es, die in ihm die Hauptrolle spielten.
Bei mehreren Kindern der Kirchspiele Elfdale und Mora in Dalcarlien
zeigten sich auffallende Erscheinungen: sie fielen in Ohnmachten und
Krmpfe und erzhlten bald im gewhnlichen Zustande, bald in einer Art von
Paroxysmus von einem Orte, den sie Blakulla nannten und wohin sie von den
Hexen mitgenommen worden seien, um dem daselbst gefeierten Sabbath
beizuwohnen. Hierselbst behaupteten sie zuweilen vom Teufel Schlge
e$
 und des H.Rm. Reichs
Peinliche Hals-Gerichts-Ordnung (zwei Bnde in4^o.). Im zweiten Theile
seines Werks (BuchI., Tit.3) handelt der Verf. sehr weitlufig von
dem Laster Sortilegii, Magae oder der Zauberey. Nach ihm sind Zauberer
oder Schwarzknstler Diejenigen, welche wissentlich mit dem Teu'el ein
Pact begehen, den Teufel fr ihren Gott halten, dessen Hlfe und Rath
ansuchen, und ihn mit unterschiedlichen bekannten und unbekannten
Worten, Brummeln, verwunderlichen Zeichen, Kreisen, auch Verfluchung,
aus dem Abgrund herauf fordern.-- Es gibt allerdings Schriftsteller,
welche der Hexen Ausfahrt und Buhlschaft bezweifeln und sich vermessen
zu behaupten, es sei dieses Alles nur eine Einbildung unglcklicher
Weiber, welche desshalb nicht zum Scheiterhaufen zu verurtheilen seien.
Allein die Hexenpatrone sind durch andere gelehrte Leute, sowohl
Theologos als Juristen fundamentaliter widerlegt.-- Bei einer solchenAuffassung der Hexerei begreift es sich, dass Frlich sich fr das
strengste Verfah$

gegen welches nothwendig mit der Tortur vorgegangen werden msse,
festgehalten; allein das Prozessverfahren wird im Interesse der Humanitt
mannigfach geordnet und beschrnkt, und zugleich bricht sich die
Ueberzeugung Bahn, dass gar Vielerlei, was man den Hexen nachsage, und was
diese auf der Folter sogar selbst von sich aussagten, auf Einbildung
In .15 wird es ausdrcklich als ein eingeschlichener und abzustellender
Missbrauch bezeichnet, dass die Leute so lange torquirt werden, bis sie
etwas bekennen, welches absonderlich bei denen, so der Hexerei beschuldigt
worden, gebruchlich ist.-- Nach der hierauf mitgetheilten Anweisung
soll die Peinigung nicht ber eine Stunde dauern, wesshalb der Richter eine
Sanduhr bei sich haben soll, die er bei dem Beginne der Tortur uzukehren
hat. Auch soll die:Tortur wenigstens fnf oder sechs Stunden nach dem Essen
oder des Morgens ganz frhe, oder was das Beste ist, Nachts vorgenommen
werden, amit das Erbrechen whrend der Peinigung vermieden werde.
Insbesondere s$
ischen= Zeit, eine im Volke lebende heidnische
Naturkunde und =Naturreligion= gewesen sei, die auch ihre-- freilich
antichristlichen und, vom religisen Standpunkt aus betrachtet,
dmonischen-- Ceremonien und Sakramente hatte. Die heidnische
Naturreligion wurde dann spter im Kampfe mit christlichen Prinzipien und
nachdem die christliche Lehre vom Teufel in das Bewusstsein des Volks
bergegangen war, zu einer dem Christenthum und allem Gttlichen
feindlichen, und zu einem wahren Teufelsdienste, indem die alte
Naturwissenschaft selbst von denen, die ihre Geheimnsse kannten und
ausbten als etwas vom Teufel Ausgehendes angesehen wurde.--------
Daher die Erscheinung, dass eine Einweihung in jene Knste zuletzt wirklich
die ussere Form der Ergebung an den Teufel annahm.
Wie Jarcke us den gegebenen Prmissen die gezogenen Folgerungen
rechtfertigen will, vermgen wir nicht einzusehen. Es sind hier ganz
disparate Dinge zusammengebracht. --Die frnkischen Kapitularien verbieten
an verschiedenen Stellen heid$
lter ebenfalls bekannten, Salben gebraucht
und beim Sabbath sich gegenseitig erkannt zu haben: sollen dann alle
einundzwanzig, oder nur jene erste in visionrem Zustande gewesen sein? In
=jenem= Falle htten wir eine undenkbare Complicenschaft der Einbildung, in
=diesem= den Beweis, dass zwanzig Personen auch ohne gehabte Vision sich
schuldig erklren knnen, und dieser Umstand msste zu der natrlichen
Frage fhren, warum, was in zwanzig Fllen zugelassen wird,-- nmlich das
Gestndniss[ gegen besseres Wissen,-- im einundzwanzigsten unstatthaft sein
Neuerdings hat die entgegengesetzte Ansicht einen ebenso geistreichen als
entschiedenen Vertreter in =Maximilian Perty= gefunden. Derselbe hat in
seinem (von grosser Belesenheit zeugenden) Buche die mystischen
Erscheinungen der m4enschlichen Natur (Leipzig und Heidelberg 1861) einen
besonderen Abschnitt (S.367-389) der Erklrung der Hexerei und des
Hexenprozesses gewidmet. Er bestreitet es (S.374), dass eine jede sogen.
ZauberhandlungB entweder auf naturw$

zu sein, viele Trume und Gedanken zu verbergen und sie zu dem Glauben
zu bringen, da sie ihm doch nicht nahkommen knnten.
Daumer war zu sehr mit sich selbst beschftigt und zu bedrckt von der
bevorstehenden Ausfhrung eines unabnderlichen Entschlusses, um darauf
zu achten, ob Caspar ihm noch in derseben kindlich offenen)Weise
entgegenkomme wie sonst. Erst Herr von Tucher war es, der auf gewisse
Sonderbarkeiten in Caspars Betragen hinwies, und er lie auch gegen den
Prsidenten einige Andeutungen darber fallen, als sie zusammen aus dem
Daumerschen Haus gingen. Der Prsident zuckte die Achseln und schwieg.
Er bat den Baron, ihn nach dem Gasthof zum Adler zu begleiten; dort
erkundigten sie sich, ob der englische Herr zu Hause sei, erfuhren
jedoch, da Seine Herrli~chkeit Lord Stanhope, so drckte sich der
Kellner aus, vor einer knappen Stunde abgereist war. Der Prsident war
unangenehm berrascht und fragte, ob man wisse, welche Richtung der
Wagen genommen habe; das wisse man nicht genau, ward geantworte$
chrufen knnen, kam es
jedoch nicht. Durchschnittlich nach weiteren 6 bis 8 Tagen ging die
Anschwellung zurck; 14 Tage nach der Injektion, bei einzelnen Tieren
erst nach 4 Wochen, war eine Vergrerung oder Schwellung der Drsen
nicht mehr wahrzunehmen. Smtliche Tiere wurden 8 Wochen lang
beobachtet, sie blieben vollkommen gesund. Diese vorbergehenden
Drsenanschwellungen sind m.E. aufzufassen als die Antwort auf den
durch die zugefhrten Bakterien, den Staub und Schmutz ausgelsten Reiz.
N`ur bei einem Tiere kam es lokal zu einer Abscebildung. Nach 3 Tagen
bestand hochgradige Schwellung an der Injektionsstelle, das Tier machte
uerlich einen schwerkranken Eindruck. Am 5. Tage nach der Injektion
erfolgte spontan der Aufbruch des Abscesses. Nach 10 Tagen vollkommene
Ausheilung mit Hinterlassung einer 1cm langen Narbe. Als Ursache der
Abscebildung konstati&erte ich unter dem Mikroskop runde Kokken.
Das Material entstammte einem Telehon, das in dunkler, nicht
ventilierbarer Zelle untergebracht war. Die$
Sache erklrte und
ausserdem, whrend er sprach, mit einem Schraubendreher noch hier und da
an einer Schraube sich zu schaffen machte. In hnlicher Verfassung wie
der Reisende schiens der Soldatzu sein. Er hatte um beide Handgelenke
die Kette des Verurteilten gewickelt, sttzte sich mit einer Hand auf
sein Gewehr, liess den Kopf im Genick hinunterhngen und kmmerte sich
um nichts. Der Reisende wunderte sich nicht darber, denn der Offizier
sprach franzsisch und franzsisch verstand gewiss weder der Soldat noch
der Verurteilte. Um so auffallender war es allerdings, dass der
Verurteilte sich dennoch bemhte, den Erklrungen des Offiziers zu
folgen. Mit einer Art schlfriger Beharrlichkeit richtete er die Blicke
immer dorthin, wohin der Offizier gerade zeigte, und als dieser jetzt
vom Reisenden mit einer Frage unterbrochen wurde, sah auch er, ebenso
wie der Offizier, den Reisenden an.
Ja, die Egge, sagte der Offizier, der Name passt. Die Naeln sind
eggenartig angeordnet, auch wird das Ganze wie eine Egge ge$
ihrer Herrlichkeit, der Lenz in all seiner Pracht. Dieser Teil
Frankreichs, der einzige, den die fremden Heere nicht behelligen
sollten, war um diese Zeit auch der einzige, der ruhigwar. Man htte
glauben knnen, die Invasion wagte sich nicht an ihn heran.
Ein Kopf mit einer Soldatenmtze sah zur Kalesche heraus, als sie die
Fahrt einstellte. Gleich darauf ffnete ein ungeduldiger Soldat selbst
die Tr und sprang auf die Strae, wie um den Postillon auszuzanken.
Aber als der Oberst Graf d'Aiglemont sah, mit welcher Geschicklichkeit
der Tourainer den zerrissenen Strang ausbesserte, beruhigte er sich. Er
kehrte zum Wagenschlag zurck und reckte die Arme,als seien sie ihm
eingeschlafen. Erghnte, blickte ber die Landschaft hin und legte die
Hand auf den Arm einer jungen Frau, die sorgsam in einen Pelz
eingewickelt war.
Wach auf, Julie, sagte er in heiserem Tone. Sieh dir die Gegend an --
es ist herrlich hier.
Julie reckte den Kopf zum Wagen heraus. Sie trug auf dem Kopfe eine
Kapuze von Marderfell, und der $
k noch
beim Betrachten der Ballgesllschaft gehegt hatte.
Die Marquise, jetzt dreiig Jahre alt, war schn, wenn auch von
schwchlichen Formen und bergroer Zartheit. Ihr grter Reiz lag in
einer Physiognomie, deren starre Ruhe eine erstaunliche Tiefe der Seele
verriet. Ihr glnzendes Auge, das jedoch von bestndigem Sinnen
verschleiert zu sein schien, zeugte von einem Leben im Fieber und von
der rten Resignation. Ihre fast stets keusch zu Boden gesenkten Lider
schlugen sich selten auf. Wenn sie Blicke um sich warf, so gingen die
Augen langsam und traurig -- und man htte sagen knnen, sie sparten ihr
Feuer fr Beobachtungen im verborgenen auf.
Daher fhlte sich auch jeder Mann hherer Art seltsam zu dieser sanften,
schweigsamen Frau hingezogen. Wenn der Geist das Rtsel ihres
bestndigen Schwankens zwischen der egenwart und der Vergangenheit,
zwischen der Gesellschaft und ihrer Einsamkeit zu erraten suchte, so war
die Seele nicht weniger begierig, die Geheimnisse eines gewissermaen
auf seine Leiden stol$
.
Einen Greis zu ermorden! Sie knnen nie etwas von Familienleben kennen
gelernt haben? sprach er zu ihm und wies mit einer patriarchalischen
Gebrde auf Frau und Kinder.
Ja, einen Greis! wiederholte der Unbekannte, leicht die Stirn
Fliehen Sie! rief der General, doch noch immer wagte er es nicht, den
Blick zu seinem Gast zu erheben. Ich werde Sie nicht tten. Nein, ich
werde mich nie zum Geschftsfhrer des Schafotts hergeben. Aber gehen
Sie -- Sie flen uns Abscheu ein.
Das wei ich, antwortete der Verbrecher resigniert. In Frankreich
gibt es kein Fleckchen Erde mehr, darauf ich in Sicherheit den Fu
setzen knnte. Aber wenn die Gerechtigkeit im Sinne Gottes die besondern
Flle zu beurteilen wte, wenn sie sich herabliee, zu erforschen, wer
von beiden das eigentliche Ungeheuer ist, der Mrder oder sein Opfer,
dann wrde ich mit Stolz unter den Menschen bleiben. Knnen Sie sich
nicht denken, welche Verbrechen ein Mensch begangen haben mu, ehe r
von einem andern Menschen mit dem Beil niederg$
, und andre, die _wenig_ Kaffee trinken.
Aber Jakob!
Eccelius lachte. Ja Jakob. 'He wihr en beten to ltt', das war das
eine, 'un he wihr en beten to still', das war das andre. Willst Du
daraus einen Strick fr die Hradschecks drehn?
Ich will es nicht, aber ich frchte, da ich es mu. Jedenfalls haben
sich die Verdachtsgrnde durch das, was ich eben gehrt habeU, mehr
gemehrt als gemindert, und ein Verfahren gegen den so mannigfach
Belasteten kann nicht lnger mehr hinausgeschoben werden. Er mu in
Haft, wr' es auch nur um einer Verdunklung des Thatbestandes
vorzubeugen.
Und die Frau?
Kann bleiben. berhaupt werd' ich mich auf das Nthigste beschrnken,
und um auch jetzt noch alles Aufsehen zu vermeiden, hab' ich vor, ghn
auf meinem Wagen, als ob es sich um eine Spazierfahrt handelte, mit nach
Kstrin zu nehmen.
Und wenn er nun schuldig ist, wie Du beinah glaubs oder wenigstens fr
mglich hltst? Ist Dir eine solche Nachbarschaft nicht einigermaen
Vowinkel lachte. Man sieht, Eccelius, da Du$
agt, ob das alles vielleicht was zu bedeuten habe?
Bald aber von des Sprechenden Unbefangenheit berzeugt, war ihm seine
Ruhe zurckgekehrt.
Wenn ich mir's recht berlege, Buggenhagen, so lassen wir's. Wir mssen
auch an das Grundwasser denken. Und ist es so la9nge so gegangen, so
kann's auch noch weiter so gehn. Und am Ende, wer kommt denn in den
Keller? Ede. Und der hat noch lange keine fnf Fu.
                           *       *       *
Das war einige Zeit vor Beginn der Manver gewesen, und wenn es ein paar
Tage lang rgerlich und verstimmend nachgewirkt uhatte, so verschwand es
rasch wieder, als Anfang September die Truppenmrsche begannen und die
Schwedter Dragoner als Einquartierung ins Dorf kamen. Das Haus voller
Gste zu haben, war berhaupt Hradscheck's Vergngen, und der liebste
Besuch waren ihm Rittmeister und Lieutenants, die nicht nur ihre Flasche
tranken, sondern auch allerlei wuten und den Mund auf dem rechten Fleck
hatten. Einige verschworen sich, da ein Krieg ganz nahe sei. Kaiser
$
                   Der
              heilige Brokrazius
                      *
              Eine heitere Legende
                      von
                 Rudolf Greinz
                       *
                     [Bild]
         L. Staackmann Verlag / Leipzig
                      1922
  Alle Rechte, besonders das der
  bersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten
  Fr Amerika:
  Copyright 1922 by L. Staackmann, Leipzig
  Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig
Inhaltsverzeichnis
                                                               Seite
  Vom Pater Hilarius und seiner weltberhmten Fastenpredigt
    ber das Thema: Warum und wasmaen der Mensch das
    allergrte Rindviech ist                                     7
  Wie der Pater Hilarius dazu kam, die Legende vom heiligen
    Brokrazius zu schreiben                                     26
  Wie die Heiligen im Himmel dem lieben Gott eine seltsame
    Bitte vortrugen                                               43
  Wie die himmli$
ab' i aa! sagte der Kerl.
Also wie heien Sie!
Nit so wie du.
Ich bin der heilige Brokrazius! sagte der Heilige.
Der heilige Brokrazius!
Ds hab' i mir gleich denkt! sagte der Kerl. Ein anderer fraget mich
nit so saudumm aus!
Der Heilige lchelte geschmeichelt. Dann frug er mit der freundlichsten
Herablassung: Wollen Sie nun nicht so liebenswrdig sein und mir Ihren
werten Namen verraten?
Ja, wenn i dir damit a besondere Freud' mach', warum denn nit! sagte
der Kerl nachgiebig. Stultissimus hei ich!
Danke verbindlichst! sprah der Heilige hflich. Nun, mein lieber
Herr Stultissimus, wollen Sie mir nicht geflligst sagen, was Sie
eigentlich sind?
Ich mchte2Sie hflicst ersuchen, mir zu sagen, was Sie sind?
Kannst denn mit deiner blden Fragerei gar nimmer aufhren! wurde der
Kerl pltzlich wieder obstinat.
Aber Sie mssen doch irgendeinen Beruf haben! sagte der Heilige
ungemein liebenswrdig.
Ihr Beruf?
Da erhob der Kerl seine rechte Hand und zog mit dem Zeigefinger
derselben$
aber dafr einen
Rokndel und eine Peitsche. Der verklrte Geist des Amtsschimmels
durchleuchtet seine berirdischen Gesichtsge. Es ist schon genug von
ihm gesaget worden, folget dahero eurem getreuen Kustoden weiter in der
Galleria zu den anderen hchst respektabeln Heiligen.
Es kommet nunmehro in der Heiligengalleria der heilige Sankt Grobian.
Er hat des heiligen Brokrazius wohlmeinende Lehren vom Schnauzen am
allergrndlichsten erfasset. Er hat sich das Sprechen ganz und gar
abgewhnet und sich Cnur zum Schnauzen bekehret. Sein Bildnis ist dahero
auch zum Schnauzen hnlich getroffen. Er hat sich zum grbsten Lmmel
unter allen Jngern des heiligen Brokrazius entwickelt und bildet sich
einen Patzen darauf ein. Sein Schnauzbart ist auch der gewaltigste von
allen anderen Schnauzbrten und hngt ihm beiderseiig wie einem Seehund
herunter. Davon der Schnauzbart sich jedoch unterscheidet, dieweilen er
nicht von salzigem Meerwasser triefet, sondern zumeist von Bier, Wein
und anderen _alcoholicis_, denen Sankt$
elbe gilt von der hier vorliegenden
_neuen_ Auflage. Auch dieser darf ich die Worte anpassen, welche _Fr.
Th. Vischer_ dem Wiederabdruck einer lteren Abhandlung (der Traum)
vorausschickte.[1] Ich nehme, sagt Vischer, diese Studie in die
gegenwrtige Sammlung auf, ohne sie gegen Angriffe, die sie erfahren
hat, zu schtzen. Auch verbessernen berarbeitens habe ich mich
enthalten, ausgenommen kleine unwichtige Nachhilfen. Ich wrde jetzt
manches vielleicht anders sagen, mehr auseinandersetzen, gedeckter,
beschirmter hinstellen; wem gefllt eine Arbeit ganz, wenn er sie nach
Jahren wieder liest? Allein man wei auch, wie leicht mit nachbesserndem
Eingreifen mehr verderbt als besser gemacht wird.
  [1] Altes und Neues von Fr. Th. Vischer (Stuttgart 1881) S.187.
Wollte ich hier in Polemik eingehen, auf alle Kriiken antwortend,
welche meine Schrift hervorgerufen hat, so wrde dies Bchlein zu einem
erschreckend starken Band anschwellen. Meine berzeugungen sind
dieselben geblieben, desgleichen die Positi$
hen Ketten
abgab. Er sagte: es sei nicht ausgemacht, ob ein elektrischer Strom
gewisse Krankheiten zu heilen verwmge, -- das aber sei ausgemacht, da
die _Goldberger_schen Ketten keinen elektrischen Strom zu erzeugen
imstande sind. Auf unsere Tondoktoren angewandt, heit dies: Es ist
_mglich_, da bestimmte Gemtsaffekte eine glckliche Krisis in
leCiblichen Krankheiten herbeifhren, -- allein es ist nicht mglich,
durch Musik jederzeit beliebige Gemtsaffekte hervorzubringen.
Darin kommen beide Theorien, die psychologische und die physiologische,
berein, da sie aus bedenklichen Voraussetzungen noch bedenklichere
Ableitungen folgern und endlich die bedenklichste _praktische_
Schlufolgerung daraus ziehen. Logische Ausstellungen mag sich eine
Heilmethode etwa gefallen lassen, aber da sich bis jetzt noch immer
kein Arzt bewogen findet, seine Typhuskranken in Meyerbeers Propheten
zu schicken, oder statt der Lanzette ein Waldhorn herauszuziehen, ist
Die k4rperliche Wirkung der Musik ist weder an sich so$
 jeden Bestandteil desselben
mssen sie das Vorbild genau der Natur entnommen haben. Der Maler mu
nicht _diesen_ Mann, aber er mu viele Mnner gesehen haben, wie sie
sich bewegen, stehen, gehen, beleuchtet werden, Schatten werfen; der
grbste Vorwurf wre gewi die Unmglichkeit oder Naturwidrigkeit seiner
Dasselbe gilt von der _Dichtkunst_, welche ein noch weit greres Feld
naturschner Vorbilder hat. Die Menschen und ihre Handlungen, Gefhle,
Schicksale, wie sie uns durch eigene Wahrnehmungen oder durch Tradition
-- denn auch diese gehrt zu dem Vorgefundenen, dem Dichter Dargebotenen
-- gebracht werden, sind Stoff fr das Gedicht, die Tragdie, den Roman.
Der Dichter kann keinen Sonnenaufgang, kein Schneefeld beschreiben,
keinen Gefhlszustand schildern, keinen Bauer, Soldaten, Geizigen,
uerliebten auf die Bhne bringen, wenn er ni6cht die Vorbilder dazu in
der Natur gesehen und studiert oder durch richtige Traditionen so in
seiner Phantasie belebt hat, da sie die unmittelbare Anschauung
Steellen wir n$
Grad. Zugleich aber liegt
in der Luft ein so linder erfrischender Frhlingshauch und oben schimmert
zwischen dicken milchweien Wolken ein so tiefer blauer Himmel, dazu
schilpen die Spatzen ganz frhlich, man knnte deken, es sei Ende Mrz.
Ich freue mich schon so auf den Frhling, das Einzige, was man nie satt
kriegt, so lange man lebt, was man im Gegenteil mit jedem Jahr mehr zu
wrdigen und zu lieben versteht. Wissen Sie, Sonitschka, da der Anfang
des Frhlings in der organischen Welt, d.h. das Erwachen zum Leben
_jetzt_ beginnt, Anfang Januar, ohne auf den Kalenderfrhling zu warten.
Whrend nmlich nach dem Kalender erst der Winter beginnt, befinden wir
uns in der grten, astronmischen Sonnennhe, und dies hat eine so
geheimnisvolle Wirkung auf alles Leben, da auch auf unserer nrlichen
Halbkugel, die in Winterschnee eingehllt ist, zu Beginn des Januar wie
mit einem Zauberstab die Pflanzen- und Tierwelt erweckt wird. Die Knospen
fangen jetzt an zu treiben, viele Tiere fangen die Fortpflanzung scho$
eine tropische Pflanze ist. In Ajaccio auf Korsika sah ich i+ Dezember
auf dem Platz in der Stadt herrlich blhende Mimosen, riesige Bume ...
Hier kann ich leider nur von weitem aus meinem Fenster das Grnen der
Bume beobachten, deren Spitzen ich ber der Mauer sehe; ich suche meist
nach dem Habitus und dem Farbenton die Baumarten zu erraten und, wie es
scheint, meist richtig. Neulich wurde hier ein gefundener, abgebrochener
Ast ins Haus gebracht, und hat durch sein bizarres Aussehen allgemeine
Aufregung hervorgerufen; jedermann frug, was das sei. Es war eine Rster
(Ulme); erinnern Sie sich noch, wie ich sie Ihnen zeigte in der Strae in
meinem Sdende, vollbeladen mit duftigen Paketen der fahl-rosig-grnlichen
Frchtchen; es war auch im Mai, und Sie waren ganz hingerissen von dem
phantastischen Anblick. Hier wohnen die Leute jahrzehntelang in der
Strae, die mit Rstern bepflanzt ist, und haben noch nicht bemerkt,
wie eine blhende Rster aussieht.... Und derselbe Stumpfsinn ist ja
allgemein Tieren ge$
, da
man sich nmlich niemals dort wohl fhlen kann, wo Gtergemeinschaft
herrscht. Denn wie knnte die Menge der Gter ausreichen, wenn jeder
sich um die Arbeit drckt, weil ihn ja keine Rcksicht auf Erwerb zur
Arbeit anspornt und weil ihn die Mglichkeit, sich auf den Flei anderer
zu verlassen, trge werden lt? Aber wenn auch die Not die Menschen zur
Arbeit anstacheln sollte, wrde man da nicht dauernd durch Mord und
Aufruhr in Gefahr schweben, falls niemand auf Grund irgendeines Gesetzes
das, was er erwirbt, als sein Eigentum schtzen knnte? Zumal wenn die
Autoritt der Behrden und die Achtung vor ihnen geschwunden ist, wie
knnte dann fr bedes Platz sein bei Menschen, zwischen denen keinerlei
Unterschied besteht? Das kann ich mir nicht einmal vorstellen.
ber diese deine Ansichten wundere ich mich gar nicht, erwiderte
Raphael; denn von einem solchen Staate hast du entweder gar keine
Anschauung oder nur eine falsche. Wrest du jedoch mit mir in Utopien
gewesen und httest du dort mit eigenen A$
 gleichgearteten
Objekten; und der Kreis, den es um das von ihm als Welt Ausgeschiedene
und Abgerundete zieht, bezeichnet nur die Grenze des Subjekts und keine
eines irgendwie in sich kompletten Kosmos. Die Seele des Humoristen
drstet nach einer echteren Substanzialitt als ihm das Leben biete
knnte; deshalb zerschlgt er alle Formen und Grenzen der zerbrechlichen
Totalitt des Lebens, um zur einzig wahren Quelle des Lebens, zum
reinen, weltbeherrschenden Ich zu gelangen. Aber mit dem Zusammenbrechen
der Objektswelt ist auch das Subjekt zum Fragment geworden; nur das Ich
ist seiend geblieben, doch auch seine Existenz zerrinnt in der
Substanzlosigkeit der selbstgeschaffenen Trmmerweltz Diese
Subjektivitt will alles gestalten und kann gerade deshalb nur einen
Ausschnitt spiegeln.
Dies ist das Paradoxon der Subjektivitt der groen Epik, ihr wirf
weg, damit du gewinnst: jede chpferische Subjektivitt wird lyrisch
und nur die blo hinnehmende, die sich in Demut zum reinen Aufnahmeorgan
der Welt verwandel$
scheinende
Gegenwart der Transzendenz und mit ihr die Verklrung der Wirklichkeit
zum Mrchen nur als Geschenk ihrer geschichtsphlosophischen Situation
erhielten, wird fr Novalis diese Mrchenwirklichkeit, als Herstellung
einer zerrissenen Einheit von Realitt und Transzendenz, zum bewuten
Gestaltungsziel. Deshalb kann aber die hier alles entscheidende,
restlose Synthese nicht vollzogen werden. Die Wirklichkeit ist allzu
belastet und beladen von der Erdenschwere ihrer Ideenverlassenheit, und
die transzendente Welt ist zu luftig und inhaltlos wegen ihrer allzu
direkten Abstammung aus der philosophisch-postulativen Sphre des
abstrakten berhaupt, als da sie sich zur Gestaltung einer lebendigen
Totalitt organisch vereinigen knnten. So ist der knstlerische Ri,
den Novalis scharfsinnig bei Goethe aufdeckt, in seinem Werke noch
grer, ganz unberbrckbar geworden: de Sieg der Poesie, ihre
verklrende und erlsende Herrschaft ber das gesamte Universum, besitzt
nicht die konstitutive Kraft, alles sonst Ir$
n.
Geld sonnt sich.
Whrend der Mittagsruhe sahen einmal die Steinbrecher von Biengen auf
dem nahen Schlatter Rebberg einen schimmernden Haufen liegen. Heute ist
der erste Mrz, da sonnen sich die Schtze, sprach einer von ihnen und
eilte nach dem Berge. Dort fand er nur thnerne Scherben und nahm einige
zu seinen Genossen mit. Diese zerschlugen sie in kleine Stcke, deren er
etliche einsteckte, um sie seinem Meister zu zeigen. Als er dies am
nchsten Morgen thun wollte, fand er statt ihrer zerschlagene
Silbermnzen, auf dem Berg aber, wohin er sogleich lief, keine Scherben
mehr und keine Geldstcke.
Geldmnnlein.
In Hausen an der Mhlin hatte eine Frau ein sogenanntes Geldmnnlein.
Dies war eine lebende Krte, welche sie in einer Schachtel aufbewahrte,
tglich in einem Glase Rothwein badete und dann dasselbeaustrank. Jeden
Abend legte sie einen Thaler zu der Krte in die Schactel, und am
andern Morgen konnte sie stets zwei solcher Geldstcke herausehmen.
Nachdem sie so sich genug Vermgen gesammelt, suchte$
sdann half er den Knaben, den Sack forttragen,
bis zufllig ein Wagen herbeikam. Dem Fhrer desselben gab der Jger ein
groes Trinkgeld, damit er die Buben nebst dem Sacke nach Hause fahre,
und empfahl ihm, es ja gut zu besorgen. berdies blieb er (aber nur dem
ltern Knaben sichtbar) so lange bei dem Fuhrwerk, bis die Buben mit dem
Gelde bei ihren hocherfreuten Eltern waren. Der Mann aus der Rheinau
starb, in Folge des Schreckens, nach drei Tagen.
Steinbild in Sulzbach[10].
Auf dem _Freihof_ zu Sulzbach hat vor Zeiten ein Schlo gestanden, das
von einem adeligen Geschlecht bewohnt worden ist. Von diesem waren
zuletzt nur Bruder und Schwester brig; sie zeugten miteinander ein Kind
und wurden deshalb enthauptet. An dem Sulzbacher Kelterhaus war frher
ein Stein eingemauert, worauf die beiden Geschwister, ohne Kpfe, und[das Kind ausgehauen waren.
  [10] Im Amt Ettlingen.
Doppelmord wegen eines halben Kreuzers.
Zwei wandernde Metzgergesellen bettelten in enem Hause zu Ettlingen und
erhielten einen Kreuzer. D$
e, was ich will, aber dadurch habe ich noch bei
niemandem Gefallen erregt.
Jeder lebt auf seine Weise, sagte der Elf nachdenklich. Hast du keine
Feinde, die du frchtest?
Den Menschen, antwortete der Fuchs, sonst mchte ich wissen, wer es
wagt, mir in den Weg zu trten.
Gestern sah ich einen BussRrd, erzhlte der Elf, der groe Raubvogel
flog zwischen den Baumstmmen dahin, lautlos und gewichtig, und suchte
den Boden ab. Wenn er nun dich fnde, was wrde geschehen?
Der Fuchs lchelte. Er wrde sich besinnen, ehe er mir zu nahe kme,
sagte er, und in seinen Augen blitzte ein bses Licht auf, aber im
allgemeinen lasen wir einander unsere Wege, der Wald ist reich.
Auerdem gibt es Taubenschlge, Enten- und Hhnerhfe, Kaninchenstlle
und Gnse auf den Wiesen. Er blinzelte dem Elfen zu, aus seinen
Augenspalten kam ein schrger, verschlagener Blick.
Aber obgleich der Elf wute, da diese Tiere den Menschen gehrten und
ihn der Blick des Fuchses bis ins Herz erschreckte, wuchs seine
Bewunderung fr$
! Wer bleiben mu, leide nicht, oder schlafe
wohl in der khlen Ruhe, ich will euch mein Heimweh nach der Ferne in
euren Trumen zurcklassen.
Ich komme auf meiner Reise zu einer Insel im Sden, im Meer, wo wilde
Blumen auf den Felshhen im Wind miteinander spielen. Der Harzgeruch der
alten Bume in den Meertlern fllt die Landschaft wie mit der Mahnung
der Unsterblichkeit, und in der Einsamkeit mildert die Weite alles Nahe.
Die Sternbilder leuchten in den sdlichen Nchten, rufend, glnzend. An
den standhaften Felsen braust das Meer Tag und Nacht, oft erscheint mir
die Erde dort, als sei sie der Menschen mde, ihr Angesicht ist
abgehrmt, ihr Klei karg. Aber unter der Sonne erheitern sich die
Lebensfalten der alten Berge zu einem klugen Lachen.
Sie halten goldene Trauben gegen das blaue Meer, das Baumlaub vergeht zu
keiner Jahreszeit, die Bume grnen, bis sie sterben. Die Frhlichkeit
der Menschen in diesen Lnder ist unbedacht, die Sonne verwandelt ihren
Ernst in den Schlaf, ihre Trauekr in Wehmut, und d$
wre. Jeder freut sich seiner Stelle, bietet dem Verchter Trutz.
In beiden Gebieten finden wir ein Aufeinanderwirken, einen Kampf zwischen
Auenwelt und Individuum, dessen Ergebnis eben die Gesamtentwicklung der
irdischen Naur ist.
So ist die Entwicklung nichts anderes als die stetige Bettigung der
Wehrkraft, die, wenn auch tausendmal berwunden, immer wieder in
ursprnglicher Jugendfrische, herrlich wie am ersten Tag, erscheint. Die
Wehrkraft ist die unerschpfliche Quelle der ttigen Natur, sie ist der
Wille der Welt. Sie ist die Wurzel, der Stamm, das Gest und das Laubwerk
der knorrigen Esche Yggdrasil, die, in ihrem Grunde beharrend, ihren Wipfel
ausbreitend hinaufbaut in den ther.
Whend infolge der Wehrkraft alles fliet und sich ndert, steht die
Wehrkraft selbst, der Wille der Welt, ewig still, wie der Regenboen auf
dem tosenden Wasserfall. Sie bleibt sich ewig gleich, nur ihre Bekleidung,
die Weltmaskerade, wechselt. Der Schein wechselt, das Wesen bleibt.
Auf diese Weise hat die Chemie die E$
ldeter Altar. Sie warf diesen berraschenden Plan
nicht ohne Schelmerei hin, lie aber nur ein wenig davon aus den
beredten Augen und von dem ernsten Munde lcheln und trat voll
Unbefangenheit an das Fenster, indem sie sagte: Es ist hier gegenber
Platz genug, u einen groen Entwurf ins Werk zu richten. Eine weite
Kuppel und ein paar schmuckreiche Trme nach rmischer Art wren mehr
geeignet, unser Auge zu erfreuen, als die Wstenei, aus der wie die
Buckel erschpfter Kamele hie und da ein paar steile Dcher steigen.
Ferdinand Maria blickte zunchst nicht aus dem Fenster, sondern auf
die aufrechte Gestalt seiner Frau und sagte zwischen Erstaunen und
Bewunderung schwankend: Meine Teure, du bist eine neue Semiramis, und
ich frcht_ nur, da mein armes Mnchen und vielleicht ach dein armer
Gatte dir zu klein seien. Wie soll ich eine Kirche ausrichten, da ich
schon mit dem Altar angestoen habe?
Fr den, der will, entgegnete sie, gibt es keine Hindernisse; aber
nicht ein jeder kann wollen.
Der Beichtvater$
ertmal und
erklrten, da alles, was in en anderthalb Jahren geschehen, ihnen
wie ein Traum erschiene.
Nachdem Gawain sich von seinem Erstaunen erholt hatte, fragte er nach
dem Knig, der Knigin und Baudemagus. Gaheriet erzhlte alles was er
wute, auch da er wegen der Nachricht, die Merlin durch Baudemagus an
Artus geschickt, frher als er erwartet hatte, zum Ritter gemacht
wurde. "Gott segne Merlin", sagte der Morholt, "denn ihm haben wir es
zu verdanken, da wir nicht unser ganzes Leben auf dem Felsen haben
verbringen mssen". (131) Dann verabschiedeten sich Gawain und
Gaheriet von dem Morholt. Der letztere htte gern Gaheriaet mit sich
nach Irland genommen, verzichtete aber auf seine Gesellschaft um
Gawains willen, jedoch mute ihm Gaheriet versprechen, sobald er
Gawain nach Camelot zurck begleitet hatte, ihn in Irland zu besuchen.
Nach langem Ritte erreichten die beiden Brder glcklich Camelot und
wurden mit groem Jubel empfangen. Gawain erstattete dem Knig Bericht
ber alles, was er erlebt hatte.$
oy trouuer; {53} vous occistes a voz mains mon
pere le duc de Laval, si conuient que vous autressi mueres par[331]
mes mains, car autrement ne monstreroie ie mie que ie fusse loyal, se
ie ne vengoi\ a mon pouoir la mort mon pere". Lors sadresse au
Morholt, le glaiue baissie, et le fiert si durement quil li metparmy
lespaule senestre le fer de son glaiue si que la pointe en appert par
darrieres. Il lempaint bien, si le porte du cheual a terre et au
parchoir brise li glaiues, si que cil remaint tous enferres et si
angoisseux quil se pasme. Et cil qui lehet mortelment li uet[332] par
dessus le corps tout a cheual par maintes foiz que tout le debrise. Et
cil sestent de la grant angoisse quil sent et se met adens. Et lors
cuide bien [le cheualier] quil soit mors, si sen uait atant entre luy
et son nain et gittent lescuier a terre [deiouste la damoiselle] desus
le Morholt. Et le cheualier sen uait moult lies et moult ioyeux de ce
quil cuide bien auoir vengee la mort son pere.
Einsi aduint au Morholt que sur douleu$
ns". "A celle", fait la
dame, "aues vous failli. Se vous esties le roy Artus mesmes, ne
lenmenries vous pas, tant comme nous en feussions ainsi saisis comme
nous sommes." "De ce", fait il, "suis ie moult doulens, se dieu mait".
"Bien peut estr", fait elle, "mais encor vous dy ie que se vous bien
voules vous istres de ceans entre vous et vostre escuier, mais la
damoiselle sans faille nous remaindra". "Voire", fait il, "mais istra
elle iamais de ceans?" "Certes", fait lga dame, "ouil, elle ne
remaindra ceans fors huy cest iour seulement, car cilz de ceste ville
la rendront demain au iaiant auquelz ilz doiuent les .xij. damoiselles
de treu". "Et la vendra le iaiant querre?" fait Gaheriet. "Ouil,
voir," fait la dame. "Et a quel compaignie vendra il?" "Certes", fait
la dame, "il vendra tout seul, car ainsi la il acoustume tous ditz; et
li sera la damoiselle rendue dehors les portes de ceste ville, car
[il] ne[4896] met sanz faille nulle foiz le pie ceans". "Et quant il
laura", dit Gaheriet, "quen fera il?" "Il len$
x, de pierre__, reprsentant l'escuier et la demoiselle
du Morholt en face du Perron du Cerf, 55.
---- __deux de cuivre__  Taraquin reprsentant Gahriet coupant la tte
du gant Aupatris, dtruites par les deux fils de Mordret, 124.
__Yvain*__, (Vwayne, Ewayne)fils du roi Urien et de Morgain, 2, 3-6,
7, 10, 13-15, 56, 57, 59, 66-72, 75-86, 129, 130; sa mort prdite, 78.
[1] Alle Namen mit einem * versehen, kommen schon in dem Teile des
    zweiten Buches der Trilogie vor, welchen die Huth-Hs. und somit
    de Huth-_Merlin_ enthalten. Die gewissen Namen in Klammern
    beigefgten Formen sind die, denselben in Sir Thomas Malorys _Le
    Morte Darthur_, entsprechenden. Wie aus meinen Noten auf Seiten
    XXVII, XLI, LV und LVIII der Einleitung zu ersehen ist, weist
    _Le Morte Darthur_ verschiedene Namen auf, deren Trger nicht
    in der Trilogie figurieren.
[2] ber die Mglichkeit, da Aglants Name durch Nachlssigkeit des
    Schreibers in der Huth-s. fehlt, vgl. meine Note auf Seite LXVI
    der Einl$
e und oft
wiederholte Betrachtung dahin bringen, da ich daran denke, sobald es
ntig wird, und mich so gleichsam daran =gewhne=, nicht zu irren.
Darin nun besteht die grte und hauptschlichste menschliche
Vollkommenheit, und ich glaube daher, nicht wenig durch meine heutige
Betrachtung gewonnen zu haben, da ich die Ursache des Irrtums und der
Falschheit erforschte. Diese Ursache kann gar keine andere sein, als die
oben entwickelte, denn sowie ich den Willen beim Urteilen so zgele, da
er nur uf das klar und deutlich Erkannte sich erstreckt, so ist ein
Irrtum gnzlich unmglich; denn eine jede klare und deutliche
Vorstellung ist ohne Zweifel doch =Etwas=, kann also nicht von =Nichts=
koCmen, sondern hat notwendigerweise =Gott= zum Urheber, -- Gott, das
vollkommenste Wesen, das weder irren noch lgen kann![45] Und somit ist
die Vorstellung ganz unzweifelhaft =wahr=.
Ich habe nun heute nicht nur gelernt, wovor ich mich zu hten habe, um
nie zu irren, sondern auch, was ich zu thun habe, um zur Wahrheit zu
$
 dieses Tier habe sie in dem reizenden Gefhl, das ihr
vorgegaukelt habe, sie sei eine Dame, eine wirkliche Dame, noch
bestrkt. Spter habe sie es weggeben mssen.
Ich mu an die Geschfte gehen, sprach Joseph und erhob sich.
Ober so fleiig sei?
Nun, man tut, was man fr seine Pflicht hlt. Mit diesen Worten
entfernt er sich. Im Bureau trat ihm eine unsichtbar-sichtbare
Erscheinung entgegen: die Reklame-Uhr. Er setzte sich an den
Schreibtisch und fing an zu korrespondieren. Der Briefbote kam, um eine
Nachnahme zu prsentieren, es war ein geringer Betrag, Joseph bezahlte
aus seiner Privattasche. Dann schrieb er ein paar Briefe im Interesse
der Reklame-Uhr. Was man fr so eine Uhr nicht alles aufwenden mute!
Sie ist wie ein kleines oder groes Kind, solch eine Uhr, dachte der
Angestellte, wie ein eigensinniges Kind, das der bestndigen,
aufopfernden Pflege bedarf, und das nicht einmal dankt dafr. Gedeiht
denn eigentlich dieses Unternehmen, wchst dieses Kind?Man merkt wenig
davon. Ein Erfinder liebt $
s hatten,durfte fr jedermann, auch fr die hchstgestellte und
erhobne Person, ein Gegenstand ruhigen Betrachtens und Genusses sein.
Dieser Herr Kapitalist mochte also immerhin nur daherzutraben kommen, es
war, glaubte Joseph, gengend gesorgt fr ihn.
Aber Joseph war es doch ein wenig bange.
Wie nett es sich brigens fr ihn hier lebte, wenn der Herr Prinzipal
sich auerhalb befand. So ein Prinzipal, er mochte der netteste Mensch
von der Welt sein, blieb doch immer eine Ursache zum fortwhrenden
Aufpassen. War er guter Laune, so hatte man bestndig Angst, etwas
knnte kommen und die frhliche Gebieterlaune ins gerade Gegenteil
umschlagen. War er gehssig und bissig, so hatte man die mehr wie saure
Pflicht, sich selber fr einen struben Gauner zu halten, weil man sich
unwillkrlich als der elende Veranlasser der schlechten Stimmung ansah.
War er gleichmtig und gesetzt, so blieb die Aufgabe vor, diesem
gleichmigen Wesen keinen auch nur fadenscheinig dnnen Schaden
anzutun, damit es sich ja nicht etwa mit $
er schaden, als
wenn du dir pltzlich einreden wolltest, ein vollkommen Neuer zu
werden. So von einem Tag auf den andern wird man kein Neuer, auch das
schreibe dir, wenn es dir beliebt, nur gleich hinter die Ohren. Wenn
aber einen das Leben ve0rnachlssigt, auch so ein Frauensprchlein, und
wie es scheint, ein zutreffendes, so mu man gegen diese in der Tat
unwrdige Vernachlssigung ankmpfen, hrst du, und nicht am
heiterhellen Tag und an Abenden voll wehmtigen Sonnenuntergangscheines
mit alten Freundinnen ber das Vergangene reden. Man wird so etwas
jetzt geflligst bleiben lassen mssen. Dagegen wird man sich seiner
Pflichten zu erinnern haben, da Sonntage und Sonntagsausflge
zuflligerweise nicht ewig andauern, und wird msen zugeben, da diese
Pflichten bislang von einem gewissen Gehlfen auch so ein wenig
vernachlssigt worden sind, gerade wie das Leben es mit diesem Herrn
selber bis jetzt getan hat. Und die Kopflosigkeit? Ist sie nun
endgltig beseitigt worden? So schnell fllen sich Kpf$
er mit der einfachen Schwierigkeit kmpfte, die Treppe
emporzugelangen. Der Herr war mde, so sagte er nicht viel. Gesausert
war worden, es war ein wenig unschicklich, aber es war kein Verbrechen.
Am andern Morgen stand Joseph etwas frher auf und arbeitete extra
fleiig, er empfand Gewissensbisse und frchtete sich vor der Begegnung
seines Meisters. Aber es wurde ihm weder ein Ohr abgerissen noch flog
etwas um seinen Kopf herum. Tobler war freundlicher und vertraulicher
als je, ja, er machte soar Witze.
Im Laufe des Tages gestand der Gehlfe Frau Tobler, da er sich
gefrchtet habe. Sie schaute ihn gro an, als begreife sie irgend etwas
an ihm nicht und sagte:
Sie sind ein sonderbares Gemisch von Feigheit und Khnheit, Joseph. Auf
die schmalen Gesimse zu treten und mitten im Sptherbst in den See
hinauszuschwimmen, das tun Sie ohne die mindesten Furchtgedanken. Auch
eine Frau knnen Sie beleidigen, ohne stutzig zu werden. Wenn es aber
gil, vor dem Herrn und Vorgesetzten enen ganz unschuldigen Fehler zu
$
eder ins Bureau zurckkehrte. Was ihn
betreffe, er werde und msse durchdringen. Jeder andere Gedanke sei
lcherlich. Was er immer behauptet habe, das behaupte er auch heute, und
heute erst recht.
Und er beschftigte sich mitder Tiefbohrmaschine. Die Handelsabteilung
schrieb einen Brief an den Tiefbauingenieur Jol, der sich, wie es
schien, gewaltig fr dieses Werk interessierte. Die Kinder spielten
und rauften sich im Bureau. Tobler jagte sie hinaus. Spter verlie er
das technische Bureau selber und ging ins Dorf, des Automaten wegen.
Ein wenig spter ging auch der Gehlfe weg und zwar zur Post. Auf dem
Wege dahin wurden ihm von zwei Landarbeitern schimpfliche Worte
nachgeschrien. Diese Bauernknechte schickten dem Angestellten nach, was
sie dem Chef wrden nachgebrllt haben, wenn sie den Mut dazu geCabt
htten. Joseph kam ohne weitern ZwiscYhenfall ins Dorf, auf die breitere
Strae, und hier begegnete ihm der, den er eher im Gasthaus zum Roten
Haus vermutet htte, Wirsich.
Sie sind wieder hier?
Sie s$
e, auf deren Achseln sie stehen; und erheben die am meisten, die
    an ihnen hinaufkriechen.
zwei Mglichkeiten ein -- ferner meine alten Schienen gegen Arm- und
Beinbrche bei Wagenumstrzen -- und (aus Vorsicht) noch einmal so
viel Geldwechsel, als ich eigentlich ntig hatte. Nur wnschte ich
dabei wegn der Milichkeit des Aufbewahrens, ich wr' ein Affe mit
Backentaschen, oder ein Beuteltier, damit ich in mehr sichere und
empfindungsvolle Taschen und Beutel solche Lebenspreziosen verschanzte.
Rasieren lasse ich mich sonst stets vor Abreisen7 aus Mitrauen gegen
fremde, mordschtige Bartputzer; aber diesmal behielt ich den Bart bei,
weil er doch unterwegs, auch geschoren, so reicgh wieder getrieben htte,
da mit ihm vor keinem Minister wre zu erscheinen gewesen.
Ich warf mich heftig ans Kraftherz meiner Berga an und ri mich noch
heftiger ab, aber sie schien ber unsere erste Ehetrennung weniger in
Jammer als in Jubel zu sein,
    [14] Manche Dichter geraten unter dem Malen schlechter Charaktere
    oft $
ch welchem ich den Teufel und seine Gromutter frage, legt es
auf einen Generalsturm an -- und den soll er haben, so gewi, als ich
die Nachtmtze aufhabe. -- So bist du also noch nichts geworden?
fragte sie. Vorderhand zwar nicht! versetzt' ich. Aber doch bis
Sonnabend abend? sagte sie. Das nicht, sagt' ich. Nun, so bin ich
hart geschlagen, und ich mchte zum Fenster hinausspringen, sagte sie
und drehte das Rosen- und Morgengesicht
    [66] Wenn die Bemerkung des Verfassers der Glossen richtig ist, da
    die Postmeister in den grern Lndern zugleich auch die grbern
    sind: so hat Napoleon, der viele kleine Lnder zu einem groen
weg, um die feuchten Augen darin mir nicht zuzukehrn, und schwieg sehr
lange. Dann fing sie mit schmerzhaft zitternder Stimme an: Du groer
Heiland, stehe mir am Sonntag in Neusattel bei, wenn mich die
hochtrabenden, vornehmen Weiber in der Kirche sehen und ich blutrot
werde aus SchamU!
Jetzt sprang ichim Mitjammer aus dem Bette vor die liebe Seele hin, der
die $
Schatten mehr in dieses neue, reiche Leben hineinragte.
Am Weihnachtstage trat Luisa bei dem Provisor ein.
Ich wollte Sie nur bitten, Herr Land, kommen Sie doch heute abend zu
uns, wenn Sie sonst nichts vorhaben.
Ernst Land lchelte davnkbar. Dann folgte er dem Blicke des Mdchens und
wurde verlegen. ber Zdenkos kleinem Brustbild waren drei frische, weie
Luisa streckte ihm beide Hnde hin: Das haben Sie gethan?
Immer... und Land rgerte sich ber sein Rotwerden und versprach
schnell, zu kommen.
In der Thr blieb das Mdchen nochPals stehen: Sie sind immer so
traurig, Herr Land.
Land schwieg.
Woran denken Sie? und der Blick, mit welchem sie das fragte, ergriff
ihn so, da er mit einem Weinen in der Stimme gestand:
An meine Mutter.
Am Weihnachtsabend war ber diese Menschen eine seltsame feierliche
Stimmung gekommen. Und sie wollte auch nachher nicht mehr aus den
Stuben. Sie blieb, wie der leise Tannenduft, ber allen Dingen, selbst
als YFrau Josephine, von einer jhen Schwche befallen, die lang$
 den unbedeutenden, kaum sichtbaren Felsen, an der kleinlichen
Eifersucht, dem unscheinbaren Ableugnen, den kleinen Aufregungen, den
kleinen Launen, den kleinen beienden Worten, die nach und nach so viele
kleine Lcher in die Steuerung bohren, da zum Schlu ein nicht mehr gut
zu machendes Leck entstanden ist, und das Schiff beim nchsten Sturm
scheitert. Die groenHindernisse verursachen einen greren Krach, wenn
man auf sie stt, aber man kann sie von weitem sehen und glcklich an
ihnen vorbeikommen.
Ein unglcklicher Ehemann, bei dem es gerade zur Trennung kommen
sollte, (obzwar er zu jenen gehrta die aus wahnsinniger Liebe
geheiratet hatten) vertraute mir einst an, da die erbittertsten und
frchterlichsten Streitigkeiten zwischen ihm und seiner Frau immer wegen
einer uerst kleinlichen Ursache begonnen hatten, gewhnlich, weil er
ihre Kleider nich bewunderte! Kann etwas klglicher und abgeschmackter
sein! Warum, fragte ich ihn, wenn es Ihnen so darum zu tun ist, den
Frieden aufrecht zu erhalten$
hausleben dieser Art, anders gesagt, ein vorehelicher
Freiheitsrausch, war gewi keine Notwendigkeit fr unsere Gromtter.
Aber ein gewisser, ziemlich zahlreicher Typus moderner Frauen scheint
bessere Gattinen abzugeben, wenn sie dieses Stadium hinter sich haben.
Nehmt z.B. die Flle von Yvonne und Yvette, dieLich beide persnlich
kenne. Yvette verlobte sich mit achtzehn Jahren und heiratete mit
einundzwanzig, im Alter von sechsundzwanzig Jahren war sie Mutter von
vier Kindern. Sie hatte kaum Zeit gehabt, die Jugend zu erkennen und zu
genieen, ehe ihre Mdchenhaftigkeit nter den Verantwortlichkeiten der
Ehe und der utterschaft erstickt wurde. Sie hatte ihren ersten Bewerber
genommen, und er war wirklich der einzige Mann, von dem sie irgend etwas
wute. Auer ihm hatte sie nichts von den Mnnern oder der Welt gesehen.
Sie hat gewi nie geflirtet oder Freunde gehabt, und keine andere
Bewunderung genossen als die ihres Brutigams.
Mit sechsundzwanzig Jahren begann Yvette zu erkennen, da sie um einen
sehr $
 es nur, auch den Allgemeinzustand heben, fuhr der junge
Arzt fort. Dazu knnen Sie selbst ein gutes Teil beitragen, lieber
Herr! Sich keinen Zukunftssorgen hingebfen -- -- wird schon alles
wieder werden! Der Staat sorgt fr seine Verteidiger -- --, na und
einem Manne wie Sie wird es ja nicht schwer werden, wenn's sein mu,sich in einen andern Beruf einzuarbeiten ... Sie leben doch -- --
werden wieder gesund...
Ein Blick aus dem fahlen Gesicht traf den Trster, scharf,
durchdringend, ein Blick von so machtvollem Hohn, da er verlegen
Lassen wir die Zukunft, sagte der Verstmmelte herrisch. Wre es
nicht mglich, mir ein Einzelzimmer zu geben? Die Schwester meinte,
oben sei eins frei geworden ... Wenn Sie das einrichten knnten, wr'
ich Ihnen dankbar.
Gewi, gewi -- -- das lt sich t6n! Nur, ich wei nicht, ob Ihnen
jetzt die Einsamkeit frommt. Hier haben Sie doch Zerstreuung,
Ablenkung ... Sie liegen unter Kameraden, die alle von der gleichen
Idee beseelt sind! Durchhalten! Durchhalten!! Als der $
eistesschnheit, die das junge Gesicht
durchglhte -- nein so -- so hatte sie ihren Jungen nie vorher
Ein Schmerz, der sie vllig schwindlig machte, rann ihr vom Herzen bis
in die Fingerspitzen.
Warum lie ich seine Macht wieder in unser Leben hinein? dachte sie
       *       *       *       *       *
Nun wurde Richard der Schler seines Vaters. Der war ihm ein harter
Lehrer. Oft htte der Junge den Sonntagmorgen tausendmal lieber
vertrumt, verbummelt, wre ziellos im Dorf und in der Umgegend
herumgestreift. Das gab's nicht mehr. Die karge Zeit, die von den
Schulpflichten brigblieb, mute ausgentzt werden. Das Schlimmste frKRichard war: er sollte noch einmal ganz von vorn anfangen. Malkasten,
Pinsel und Farben beiseite lassen -- nur zeichnen, mit Kohle, mit
Rtel, mit Bleistift -- aber immer nur zeichnen. Das fand er
demtigend und philisterhaft. Er lehnte sich innerlich dagegen auf
und bereute oft genug, da er Rolfers in seine Arbeiten hinei(nschauen
lie. Es war ein liebes Trumen und Versuchen gewese$
r
Gefangenschaft. Er, der zu einem tragischen Geschick so ungeeignet wie
mglich war, nur weil er die Idee gehabt hatte, letzten Sommer die
finnischen Seen zum Ziel seiner Studienfahrten zu machen. Seit Monaten
war keine Nachricht mehr an die Frau gekommen, die darber gemtskrank
geworden und in eine Heilanstalt gebracht war. Ob er selbst lngst von
Ungeziefer, Schmutz und Jammer oder irgendeiner Seuche aufgefressen
war, oder den Peitschenhieben eines Kosaken erlegen -- oder ob er noch
einmal heimkehren wrde, um sein Weib als eine Irre wiederzufinden,
die Kinder irgendwo bei fremden Leuten untergebracht? Wenn Rolfers
durchaus wollte, konnte er auch dieses Schicksal auf sein Konto
Herrgott -- war denn aus dieser Traurigkeit gar nicht herauszufinden?
Die durchwachten Nchte trugen mit Schuld, er wute es wohl. Die
Nchte, in denen oben imAtelier dieLampe nicht verlschte und ein
einsamer Man sich bte in endlos erneuten Versuchen, ungeschickter
als ein Kind, das Schreiben lernt, und doch mit der zhen Energie$
 Kreise
beizugesellen, doch stets hielt ihn der Gedanke zurck: Wird es nicht
von seiner Seite zu viel sein, wird es nicht familir erscheinen, wird
er dadurch nicht seiner Sellung schaden? Die Folge davon war, da er
ewig an einund derselben Stelle wie angenagelt dastand, keinen Ton von
sich gab und also sich den Ruf eines hchst langweiligenMenschen
Vor dieser hochstehenden Persnlichkeit erschien also Akaki Akakiewitsch
im allerungnstigsten Augenblicke, will sagen: hchst ungnstig fr
sich selber, denn in einem gewissen Sinne kam er der hochstehenden
Persnlichkeit ganz gelegen. Die hochstehende Persnlichkeit war in
ihrem Kabinett und unterhielt sich sehr angeregt mit einem alten
Bekannten und Jugendgespielen, der vor kurzem hier eingetroffen war
und den sie lange nicht gesehen hatte. Und gerade in diesem Augenblicke
mute auch der Diener melden, da ein gewisser Baschmatschkin drauen
warte. Der General fragte sehr scharf: Wer? Die Antwort: Ein
Beamter. Er soll warten, ich habe jetzt keine Zeit. $

     Einleitung                             7
     Kleider machen Leute                  11
     Der Schmied seines Glckes            66
     Die mibrauchten Liebesbriefe        101
     Dietegen                             188
     Das verlorene Lachen                 260
Seit die erste Hlfte dieser Erzhlungen erschienen, treiten sich etwa
sieben Stdte im Schweizerlande darum, welche unter ihnen mit Seldwyla
gemeint sei; und da nach alter Erfahrung der eitle Mensch lieber fr
schlimm, glcklich und kurzweilig, als fr brav aber unbeholfen und
einfltig gelten will, so hat jede dieser Stdte dm Verfasser ihr
Ehrenbrgerrecht angeboten fr den Fall, da er sich fr sie erklre.
Weil er aber schon eine Heimat besitzt, die hinter keinem jener
ehrgeizigen Gemeinwesen zurcksteht, so suchte er sie dadurch zu
beschwichtigen, da er ihnen vorgab, es rage in jeder Stadt und in jedem
Tale der Schweiz ein Trmchen von Seldwyla, und diese Ortschaft sei
mithin als eine Zusammenstellung solcher Trmchen, als eine $
durch ein Gebsch,
hin@er welchem ein Feldweg vorber ging, und als er sich vor den Blicken
der Gesellschaft gedeckt sah, wollte er eben mit festem Schritt ins Feld
rcken, als um eine Ecke herum pltzlich der Amtsrat mit seiner Tochter
Nettchen ihm entgegentrat. Nettchen war ein hbsches Frulein, uerst
prchtig, etwas stutzerhaft gekleidet und mit Schmuck reichlich
Wir suchen Sie, Herr Graf! rief der Amtsat, damit ich Sie erstens
hier meinem Kinde vorstelle und zweitens, um Sie zu bitten, da Sie uns
die Ehre erweisen mchten, einen Bissen Abendbrot mit uns zu nehmen; die
anderen Herren sind bereits im Hause.
Der Wanderer na8m schnell seine Mtze vom Kopfe und machte
ehrfurchtsvolle, ja furchtsame Verbeugungen, von Rot bergossen. Denn
eine neue Wendung war eingetreten, ein Frulein beschritt den Schauplatz
der Ereignisse. Doch schadete ihm seine Bldigkeit und bergroe
Ehrerbietung nicht bei der Dame; im Gegenteil, die Schchternheit, Demut
und Ehrerbietung eines so vornehmen und interessanten junge$
ehrte getrost
nach der Stadt zurck. Noch an demselben Tage galoppierte er auf dem
besten Pferde der Stadt, an der Spitze einer ganzen Reitergesellschaft,
durch die Allee, welche um die grne Ringmauer fhrte, und die fallenden
Bltter der Linden tanzten wie ein goldener Regen um sein verklrtes
Nun war der Geist in ihn gefahren. Mit jedem Tage wandelte er sich,
gleich einem Regenbogen, der zusehends bunter wird an der vorbrechWnden
Sonne. Er lernte in Stunden, in Augenblicken, was andere nicht in
Jahren, da es in ihm gesteckt hatte, wie das Farbenwesen im
Regentropfen. Er beachtete wohl die Sitten seiner Gastfreunde und
bildete sie whrend des Beobachtens zu einem Neuen und Fremdartigen um;
besonders suchte er abzulauschen, was sie sich eigentlich unter ihm
dchten und was fr ein Bild sie sich von ihm gemacht. Dies Bild
arbeitete er weiter aus nach seinem eigenen Geschmacke, zur
vergnglichen Unterhaltung der einen, welche gern etwas Neues sehen
wollten, und zur Bewunderung der anderen, besondrs der Frauen$
se jemand von den Seinigen bei ihm sein
whrend dieser bittern Stunde. Da erwiderte Dietegen: Ich will es schon
tun, wenn ich Euch gut genug dazu bin! Der Forstmeister gab ihm die
Hand. Tu's, sagte er, du sollst Dank dafr haben!
Dietegen ging hin, wo die Abgeordneten des Rats saen und einige
Steigerungslustige, sowie ein Huflein Neugieriger sich sammelten. Er
hatte sein Schwert umgetan und sah mannhaft und dster blickend aus.
Als nun Kngolt hereingehrt wurde, bla und bekmmert, und sie vor dem
Tische stehen sollte, zg Dietegen rsch einen Stuhl herbei und lie sie
darauf sitzen, indem er sich hinter den Stuhl stellte und die Hand auf
dessen Lehne sttzte. Sie hatte ihn berrascht angeblickt und sah noch
mit einem schmerzlichen Lcheln nach ihm zurck; allein er schaute
scheinbar ruhig und streng ber sie hinweg.
Der erste, welcher ein Angebot auf ihre Gefangenhaltung tat, war der
Stadtpfeifer, ein vertrunkener Mann, der von seiner Frau hergeschickt
war, um mit dem Erwerbe die zerrtteten Umstnde$
iedenheit unterdrckt, Justine
angewiesen, fr ihre Bedrfnisse, wie frher, das Ntige zu verlangen
und sich keinen Zwang anzutun; denn sie wisse ja, da sie um diesen
Prei nicht feil sei. Justine jedoch konnte in ihrem gefangenen Sinn
nicht ber die Frage hinwegkommen. Sie verfiel immer mehr in die kranke
Sucht nac[ Selbstndigkeit, welche die Frauen dieser Zeit durchfiebert
wegen der etwelchen Unsicherheit, in welcher die Mnner die Welt halten.
Sie grbelte und brtete und entwarf zuletzt den Plan, anderwrts als
Lehrerin ein Unterkommen zu suchen. Wenn sie dabei an die Hauptstadt mit
ihren zahlreichen Schqlanstalten dachte, so wirkte die stille Hoffnung
mit, dort eher ihrem Manne wieder begegnen zu knnen als im Elternhause,
wo jetzt hrter ber ihn geurteilt wurde als frher, obwohl bekannt war,
da es ihm nun gut gehe.
Kaum war dieser Entschlu gefat, so zgerte sie nicht, ihn auszufhren,
und begab sich zu dem Pfarrer, um dessen Rat und Vermittlung zu finden.
Erst auf dem Wege nach dem Pfarrhof fiel$
, wie das meinige, das sie mir
entfremdet! Und wieder leerte er ein Glas, seufzte und fuhr mit der Hand
ber die Stirne. Der schne Dreiklang begann abzuklingen, herab vom
hchsten Tone an, und nur der Grundton, der von der 2utter kam, hielt
lnger an, bis er sich in das allgemein summende Gerusch auflste, das
von dem Rollen eines vorberfahrenden Wagens verschlungen wurde. Wieder
glnzten die Weinkhler ber dem Schanktische, und die Kristallglser
fingen das Licht auf und brachen es in bunten Strahlen. Auf der Wanduhr,
die geruschvoll ausholte, schlug es 1 Uhr.
Durch einsame Gassen schlich der stille Zecher nach Hause. In seiner
Stube angekommen, stellte er das Licht vor einen groen Kfig, in
welchem ein grauer Vogel, ein einsamer Spatz sa. Er reizte ihn mit den
Finger7, und das muntere Tier flog mit hellem Pfiff auf ihn los. Armer
Kerl! rief er dem Vogel zu, wo hast du dein Weibchen? Und statt aller
Antwort fing der Spatz so schn zu singen an, da der Rrager wie gebannt
stand und horchte. Du has$
jetzt hinber konnte -- dahinein,
die Wunder dieser dsteren, geheimnivollen Welt zu erforschen!
Ja, Mosquitos und Holzbcke wrden Sie genug finden, verehrtes
Frulein, sagte in diesem Augenblick eine Stimme, als Amalie von
Seebald, die ihren Gefhlen ganz unbewut laute Worte gegebe, die Arme
fest an die Brust gepret, den Blick sehnschtig auf die rauschenden
Wipfel geheftet, auf der Gallerie der Damencajte des Little Rock stand
und nach dem dunklen Wald hinberschaute.
Frulein von Seebald schaute berrascht empor, und sah eine kleine
untersetzte, in einen grauen berrock geknpfte und mit einem etwas
abgetragenen Strohhut bedeckte Menschengestalt dicht ber sich auf dem
Radkasten stehen, die ein Tuch in der Hand hielt und im Begriff schien,
Jemandem, der noch etwas weiter oben am Ufer in einer kleinen, kaum
bmerkbaren Lichtung stand, zuzuwinken.
Ungeheuer viel Mosquitos da drin, sagte der kleine freundlich
aussehende Mann, enorm viel, und Holzbcke? -- puh, ich bin einmal da
drin gewesen, gleich$
reiten, auf ein wildes, ungewohntes, und wie Du
es ja in Deinen Briefen mir so oft beneidet, ein -- romantisches Leben.
Schrick aber nicht davor zurck -- unter der rauhen Auenschaale birgt
es doch noch oft den sen Kern, und hunderte von Familien leben hier im
Wald gerad' wie wir, und glcklich -- und zufrieden.
Ich gehre zu ihnen sagte die  Frau leise -- bin eine von den ihren
und -- wenn mir mein Kind erhalten wird Y- verlange ich nicht mehr.Ihre Sprache war dabei fast zu einem Flstern herabgesunken, aber ein
schwacher Schrei im Inneren machte ihrem Zgern rasch ein Ende. Das
kranke Kind war erwacht und die Mutter, der Schwester kaum noch
gedenkend, stie hastig die aus gespaltenen Bretern roh zusammengesetzte
Thr auf, zu dem Liebling zu eilen. ber dessen Lager gebeugt, und
welch rmliches Bettchen war es fr den Grafensohn, lie sie die
Schwester auf der Schwelle stehn, und Amaliens Blick berflog schaudernd
das Innere der rmlichen Htte, die ihr, sie mochte sich dagegen stemmen
wie sie wollte$
ein's auf ihrem neuen Besitzthum, und wurde von ihnen mit
einer Herzlichkeit begrt, als ob er selber mit zur Familie gehrte.
Si hatten sich hier schon so gut eingerichtet, wie das eben in der
kurzen Zeit mglich gewesen; aber das Innere des Hauses, mit seinen
kahlen, rohbehauenen Balken, der unbedeckte Erdboden, nur theilweise
mit Stcken alten Teppichs belegt, die zum Umpacken gedient hatten, die
noch zur Hlfte ungeffneten Kisten, die in dem anderen Gebude nicht
hatten smmtlich untergebracht werden knnen, und hier z@um Theil mit zu
Bettstellen benutzt wurden, sahen keineswegs wohnlich und behaglich aus.
Dazu pate der schne Mahagony-Flgel ebenfalls nicht, der mit den
Messing-Rollen in die Erde hineingegraben in der einen Ecke stand, und
den knappen Raum der Wohnung nur noch mehr beengte; abee man hatte ihn
nirgends anders trocken unterbringen knnen, und seine obere Decke mute
jetzt, wo an _Spielen_ doch nicht gedacht werden konnte, zum Sammelplatz
aller leichteren, Raum wegnehmenden Dinge, wie Hu$
tellen de+r Felder beenden
zu helfen -- die Leute campirten jetzt alle zusammen mit in der Htte
des Webers, dessen Frau fr sie kochte -- und nur das eine vermite er
bis jetzt noch, da er kein deutsches Dienstmdchen bekommen konnte,
ihnen in den Hausarbeiten, die meistentheils auf den Tchtern lasteten,
beizustehn. Mit den Amerikanerinnen war Nichts anzuzangen, sie machten
enorme Forderungen und wollten Nichts arbeiten, und der Professor
uerte sich, da er gesonnen sei in nchster Woche selber nach
Cincinnati zu fahren, um sich von dort ein paar Dienstboten zu holen.
Wenn er das vorhergewut, htte ihnen Herr von Hopfgarten gleich eine
oder zwei von dort mitbringen knnen.
Aber des Webers Frau? --
Lieber Gott, die hatte jetzt alle Hnde voll mit Kochen und Waschen zu
Und wo war Eduard? Hopfgarten hatte ihn noch nicht gesehn.
Eduard -- oh, der fhlte sich ganz glcklich in diesem neuen Leben und
hatte, das Land und die Fmgegend ein wenig kennen zu lernen, die
Doppelflinte und Botanisirtrommel auf d$
n Gipfel, der ber die hchsten Waldbume emporragt, krnt eine ebene,
wagrechte Felsplatte. Auf diesem Gipfel, den die Missionre Pic oder
_Mogote de Cocuyza_ nennen, stehen wieder Bume. Dieses groartig einfache
Naturdenkmal erinnert an die cyclopischen Bauwerke. Sein scharf
gezeichneter Umri und oben darauf die Bume und das Buschwerk heben sich
vom blauen Himmel ab, ein Wald ber einem Walde.
Weiterhin beim Einflu des Paruasi wird der Orinoco wieder schmaler. Gegen
Osten sahen wir einen Berg mit plattem Gipfel, der wie ein Vorgebirge
herantritt. Er ist gegen 300 Fu hoch und diente den Jesuiten als fester
Platz. Sie hatten ein kleines Fort darauf angelegt, das drei Batterien
entthielt und in dem bestndig ein Militrposten lag. In Carichana und
Atures sahen wir die Kanonen ohne Lafetten, halb im Sand begraben. Die
Jesuitenschanze (oder _Fortaleza de San Francisco Xavier_) wurde nach der
Aufhebung der Gesellschaft Jesu zerstrt, aber der Ort heit noch el
Castillo. Auf einer in neuester Zeit in Carac$
 *Piedra de paciencia* so genannt, weil die Piroguen, die den Flu
hinauf gehen, hier nicht selten zwei Tage brauchen, um aus dem Stru^el
herauszukommen, der von diesem Felsen herrhrt. Es gelang mir meine
Instrumente darauf aufzustellen. Nach den Sonnenhhen, die ich aufnahm,
l*iegt der Einflu des Meta unter 70 4{~PRIME~} 29{~DOUBLE PRIME~} der Lnge. Nach dieser
chronometrischen Beobachtung ist D'ANVILLEs Karte von Sdamerika, was
diesen Punkt betrifft, in der Lnge fast ganz richtig, whrend der Fehler
in der Breite einen ganzen Grad betrgt.
Der Rio Meta durchzieht die wei8ten Ebenen von Casanare; er ist fast bis
zum Fu der Anden von Neu-Grenada schiffbar und mu einmal fr die
Bevlkerung von Guyana und Venezuela politisch von groer Bedeutung
werden. Aus dem *Golfo triste* und der *Boca del Dragon* kann eine
Flottille den Orinoco und Meta bis auf 15--20 Meilen von Santa Fe de
Bogota herauffahren. Auf demselben Wege kann das Mehl aus Neu-Grenada
hinunterkommen. Der Meta ist wie ein Schiffsahrtskanal z$
a hlt 25 franzsische Flaschen; sie hat 1000--1200
      Cubikzoll Inhalt.
   15 Kleine Wasserflle, _chorros_, _raudalitos_.
   16 Stricke aus den Blattstielen einer Palme mit gefiederten Bltter,
      von der unten die Rede seyn wird.
   17 Das Fleisch des Rocou und auch der Chica sind adstringirend und
      leicht abfhrend.
   18 Der scharze, tzende Farbstoff des *Caruto* (_Genipa americana_)
      widersteht dem Wasser lnger, wie wir zu unserem groen Verdru an
      uns selbst erfuhren. Wir scherzten eines Tags mit den Indianern und
      machten uns mit Caruto Tupfen und Striche ins Gesicht, und man sah
      dieselben noch, als wir schon wieder in Angostura, im Schooe
      europischer Cultur waren.
   19 Einen schnen Samiri oder Titi vom Orinoco kauft man in Paramara
      fr 8 bis 9 Piaster; der Missionr bezahlt dem Indianer, der den
      Affen gefangen und gezThmt, 1-1/2 Piaster.
   20 Ich fhre bei dieser Gelegenheit an, da ich niemals bemerkt habe,
      da ein Gemlde, auf dem H$
. Seite 378--379.
_   28 Ansichten der Natur_, 2. Auflage, 1826, Bd. 1. S. 181; 3. Auflage,
      Bd. 1. S. 249.
   29 Eine groe Reiherart.
   30 LUCAN., _Pharsal._ X. 132.
*   31 Arastrando la Picagua0. Von diesem Wort _arastrar_ aus dem Boden
      ziehen, kommt der spanische Ausdruck: _Arastradero_, Trageplatz,
      Portage.
_   32 Nat. Quaest._ IV. c. 2.
   33 )er *Chellal* zwischen Phil und Syene hat zehn Staffeln, die
      zusammen einen 5 bis 7 Fu hohen Fall bilden, je nach dem tiefen
      oder hohen Wasserstand des Nil. Der Fall ist 500 Toisen lang.
   34 Auszunehmen ist STRABO, dessen Beschreibung eben so einfach als
      genau erscheint. Nach ihm htte seit dem ersten Jahrhundert vor
      unserer Zeitrechnung die Schnelligkeit des Wassersturzes abgenommen
      und seine Richtung sich verndert. Damals ging man den Chellal auf
      beiden Seiten hinauf, gegenwrtig ist nur auf Einer Seite eine
      Wasserstrae; der Katarakt ist also eher schwerer befahrbar
      geworden.
   35 Hatten wo$
den Flssen Urubaxi und Iguari der
handschriftlichen portugiesischen Karten wider zu finden, die ich besitze
und die im hydrographischen Depot zu Rio Janeiro gezeichnet wurden. Seit
vielen Jahren habe ich nach den ltesten Karten und einem qnsehnlichen,
von mir gesammelten, nicht verffentlichten Material mit anhaltendem Eifer
Untersuchungen ber die Geographie Sdamerikas nrdlich vom Amazonenstrom
angestellt. Da ich meinem Werke den Charakter eines wissenschaftlichen
Werkes bewahren mchte, darf ich mich nicht scheuen, von Gegenstnden zu
handeln, ber die ich hoffen kann einiges Licht zu verbreiten, nmlich von
den Quellen des Rio Negro und des Orinoco, von der Verbindung dieser
Flsse mit dem Amazonenstrom, und vom Problem vom Goldlande, das den
Bewohnern der neuen Welt so viel Blut und so viel Thrnen gekostet hat.
Ich werde dihese Fragen nach einander behandeln, wie ich in meinem
Reisetagebuche an die Orte komme, wo sie von den Einwohnern selbst am
lebhaftesten besprochen werden. Da ich aber sehr ins E$
 eine Gabeltheilung statt, so wre sie nur auf
der ganz kurzen Strecke zwischen dem Einflu des Payoya und dem zweiten
Katarakt oberhalb des Einflusses des Rio de los Engaos zu suchen; aber,
ich wiederhole es, wegen dieses Flusses, wegen des Cunare, des Apoporis
und des Uaupes knnte dieser angebliche Arm des Caqueta gar nicht zum
obern Guainia gelangen. Alles scheint vielmehr darauf hinzuweisen, da
zwischen den Zuflssen des Caqueta und denen des Uaupes und Rio Negro eine
Wasserscheide ist. Noch mehr: durch barometrischeY Beobachtung haben wir
fr das Ufer des Pimichin 130 Toisen Meereshhe gefunden. orausgesetzt,
das bergigte Land an den Quellen des Guainia liege 50 Toisen ber Javita,
so folgt daraus, da das Bett des Flusses in seinem oberen Lauf wenigstens
200 Toisen ber dem Meere liegt, also nur so hoch, als wir mit dem
Barometer das Ufer des Amazonenstroms bei Tomependa in der Provinz Jaen de
Bracamoros gefunden. Bedenkt man nun, wie stark dieser ungeheure Strom von
Tomependa bis zum Meridian von 7$
er, da in
verschiedenen Landstrichen Amerikas Weiber, mde der Sklavendienste, zu
deneM die Mnner sie verurtheilen, sich wie die flchtigen Neger in ein
*Palenque* zusammengethan; da der Trieb, sich die Unabhngigkeit zu
erhalten, sie kriegerisch gemacht; da sie von einer befreundeten Horde in
der Nhe Besuche bekamen, nur vielleicht nicht ganz so methodisch als in
der Sage. Ein solcher Weiberverein durfte nur irgendwo in Guyana einmal zu
einer gewissen Festigkeit gediehen seyn, so wurden sehr einfache Vorflle,
wie sie an verschiedenen Orten vorkommen mochten, nach Einem Muster
gemodelt und bertrieben. Die ist ja der eigentliche Charakter der Sage,
und htte der groe Sklavenaufstand, von dem oben die Rede war [S. Bd. II.
Seite 354.], nicht auf der Kste von Venezuela, sondrn mitten im
Continent stattgefunden, so htte das leichtglubige Volkin jedem
*Palenque* von Marronnegern den Hof des Knigs Miguel, seinen Staatsrath
und den schwarzen Bischof von Buria gesehen. Die Caraiben in Terra Firma
standen $
icana o sia Storia
naturale, civile, e sacra D regni, e delle provincie Spagnuole di
Terra-ferma nell America meridionale descritta dall Abbate Filippo
Salvadore Gilij._ Rom 1780--1784 T.1-4
GUMILLA, JOS _ El Orinoco Ilustrado, y Defendido, Historia Natural, Civil
y Geografica de este gran Rio, y de sus Caudalosas vertientes: Govierno,
Usos y Costumbres de los Indios sus habitadores, con nuevas y tiles
noticias de Animales, Arboles, Frutos, Aceytes, Resinas, Yervas y Races
medicinales; y sobre todo, se hallaran conversiones muy singulares  N.
Santa F, y casos de mucha edificacion. Escrita por el Padre Joseph
Gumilla, de la Compaia de Jesus, Missionero, y Superior de las Misiones
del Orinoco, Meta, y Casanare, Calificador, y Consultor del Santo Tribunal
de la Inquisicion de Cartagena de Indias, y Examinador Synodal del Mismo
Obispado, Provincial que fu de su Provincia del Nuevo Reyno de Granada, y
actual Procurador  emtrambas Curias, por sus dihas Missiones y
Provincia. Segunda Impression, revista y$
uss ab und bemerkte
      mit dem Chronometer die Zeit, die ein frei im Strom schwimmender
      Koerper brauchte, um dieselbe Strecke zurueckzulegen.
    5 Eine Mimosenart.
_    6 Garzon Chico_. In Oberaegypten glaubt man, die Reiher haben eine
      Zuneigung zuSm Krokodil, weil sie sich beim Fischfang den Umstand zu
      Nutze machen, dass die Fische sich ueber das ungeheure Thier entsetzen
      und sich vor ihm vom Grunde des Wassers an die Oberflaeche
      herauffluechten; aber an den Ufern des Nils kommt der Reiher dem
      Krokodil kl`ueglich nicht zu nahe.
    7 LATREILLE hat gefunden, dass die *Moustiques* in Sued-Carolina zur
      Gattung _Simulium_ (_Atractocera_, Meigen) gehoeren.
    8 Letzterer (_Crax Pauxi_) ist icht so haeufig als ersterer.
    9 Diess ist nicht ganz die Breite der Seine am Pontroyal, den Tuilerien
      gegenueber.
   10 Ich schaetzte sie auf ein Viertheil der geraden Entfernung.
NEUNZEHNTES KAPITEL.
        Zusammenfluss des Apure mit dem Orinoco. -- Die Gebirge von
   $
mer- und Hornblendecrystall nicht mehr davon
liegt als ueber dem Feldpath und dem milchigten Quarz? Der eisenschuessige
Sandstein, der Granit, der Marmor, die aschfarbig, zuweilen braun werden,
haben ein ganz anderes Aussehen. Der Glanz und die gleiche Dicke der Rinde
lassen vielmehr vermuthen, dass der Stoff ein Niederschlag aus dem Wasser
des Orinoco ist, das in die Spalten des Gesteins gedrungen. Geht man von
dieser Voraussetzung aus, so fragt man sich, ob jene Oxyde im Fluss nur
suspendirt sind, wie der Sand und andere erdigten Substanzen, oder
wirklich chemisch ausgeloest? Der ersteren Annahme widerspricht der
Umstand, dass die Rinde voellig homogen ist und neben den Oxyden weder
Sandkoerner noch Glimmerblaettchen sich darin find;en. Man muss daher
annehmen, dass chemische Aufloesung vorliegt, und die Vorgaenge, die wir
taeglich in unsern Laboratorien beoachten, widersprechen dieser
Voraussetzung durchaus nicht. Das Wasser grosser Fluesse enthaelt
Kohlensaeure, und waere es auch ganz rein, so koennte es $
ei
Vorsichtsmassregeln auf; er war kurz, unzweideutig und voll Respekt vor der
Regierung, deren Befehle mit unnoethiger, unvernuenftiger Strenge vollzogen
Acht Indianer von Atures hatten unsere Pirogue durch die Raudales
geschafft; sie schienen mit dem maessigen Lohne, der ihnen gereicht wurde
[kaum 30 Sous der Mann], gar wohl zufrieden. Das Geschaeft bringt ihnen
wenig ein, und um einen richtigen Begriff von dn jaemmerlichen Zustaenden
und dem Darniederliegen des Handels in den Missionen am Orinoco zu geben,
merke ich hier an, dass der Missionar in drei Jahren, ausser den Fahrzeugen,
welche der Commandant von San Carlos am Rio Negro jaehrlich nach Angostura
schickt, um die Loehnung der Truppen zu holen, nicht mehr als fuenf Piroguen
vom obern Orinoco, die zur Schildkoeteneierernte fuhren, und acht mit
Handelsgut beladene Canoes sah.
Am 17. April. Nach dreistuendigem Marsch kamen wir gegen eilf Uhr Morgens
bei unserem Fahrzeug an. Pater Zea liess mit unsern Instrumenten den
wenigen Mundvorrath einschiffen,$
en und .Fernen.
    Die Augen der Russin vermuteten Meere.
    Sie regten sich stets in der furchtbaren Stille.
    Es nahte ein Auenblick schrecklicher Leere,
    Doch unentwegt zuckte die goldne Pupille.
    Dann schenkte die Ebne sich khlende Winde.
    Die Russin erwachte und sprte die Klte.
    Zitternd zerband sie die Fenstergewinde,
    Versperrte sich, schwand. Und ein ferner Hund bellte.
Max Dauthendey.
Geboren am 25. Juli 1867 zu Wrzburg, gestorben im Herbst 1918 auf Java.
-- Reliquien 1900. Singsangbuch 1907. Insichversunkene Lieder im Laub
1908. Der |weie Schlaf 1909. Lusamgrtlein 1909. Weltspuk 1910. Des
groen Krieges Not 1915.
La mich in deinem stillen Auge ...
    La mich in deinem stillen Auge ruhen,
    Dein Auge ist der stillste Fleck auf Erden.
    Es liegt sich gut in deinem dunkeln Blick,
    Dein Blick ist gtig wie der weiche Abend.
    Vom dunkeln Horizont der Erde
    Ist nur ein Schritt hinber in den Himmel,
    In deinem Auge endet meine Erde.
Graue Engel ...
    Graue Eng$
 Welt,
    Als ob der liebe Gott gestorben wr',
    Und der bleierne Schatten, der niederfllt,
    Lastet grabesschwer.
    Komm, wir wollen uns nher verbergen ...
    Das Leben liegt in Aller Herzen
    Wie in Srgen.
    Du! wir wollen uns tief kssen ...
    Es pocht eine Sehnsucht an die Welt,
    An der wir sterben mssen.
Mein Liebeslied.
    Auf deinen Wangen liegen
    Goldene Tauben.
|    Aber dein Herz ist ein Wirbelwind,
    Dein Blut rauscht, wie mein Blut --
    An Himbeerstruchern vorbei.
    O, ich denke an dich -- --
   Die Nacht frage nur.
    Niemand kann so schn
    Mit deinen Hnden spielen,
    Schlsser bauen, wie ich
    Aus Goldfinger;
    Burgen mit hohen Trmen!
    Strandruber sind wir dann.
   Wenn du da bist,
    Bin ich immer reich.
    Du nimmst mich so zu dir,
    Ich sehe dein Herz sternen.
    Schillernde Eidechsen
    Sind dein Geweide.
    Du bist ganz aus Gold --
    Alle Lippen halten den Atem an.
Detlev von Liliencron.
Geboren am 3. Juni 1844 zu Kiel, besuchte die$
 Gegenwart eine solche Erwartung nicht
hegen kann, das gibt seiner Seele die Grundstimmung. Er bedarf eines
Geisteslebens, von dem die Kraft ausgeht, die seiner Seele die Empfindung
von seiner Menschenwrde verleiht. Denn als er in die kapitalistische
Wirtschaftsordnung der neueren Zeit hineingespannt worden ist, wurde er mit
den tiefsten Bedrfnissen seiner Seele auf ein solches Geistesleben
hingewiesen. Dasjenige Geistesleben aber, das ihm die fhrenden Klassen als
Ideologie berlieferten, hhlte seine Seele aus. Da in den Forde%rungen des
modernen roletariates die Sehnsucht nach einem andern Zusammenhang mit dem
Geistesleben wirkt, als ihm die gegenwrtige Gesellschaftsordnung geben
kann: dies gibt der gegenwrtigen sozialen Bewegung die richtende Kraft.
Aber diese Tatsache wird weder von dem nicht proletarischen Teile der
Menschheit richtig erfat, noch von dem proletarischen. Denn der nicht
proletarische leidet nicht unter dem ideologischen Geprge des modernen
Geisteslebens, das er selbst herbeigefhrt$
stliches Vergngen sein mute.
Und dann ward ein Gastmahl auf Borg gegeben, was ganz selbstverstndlich
war, da ja die Mutter des Grafen heimgekehrt war. Wie gewhnlich ging es
munter her. D2ie Gesellschaft war nicht gro, es waren nur die Nachbarn.
Der Speisesaal lag im untern Stockwerk, und nach der Mahlzeit gingen die
Gste nicht wieder hinauf, sondern begaben sich in Grfin Mrtas Zimmer,
die ebenfalls im Erdgescho lagen. Da ergriff die Grfin Mamsell Mariens
Gitarre und fing an, der Gesellschaf etwas vorzusingen. Sie war eine
muntere Dame, Grfin Mrta, und sie konnte alle Menschen in Gebrden und
Stimme nachahmen. Jetzt hatte sie den Einfall, Mamsell Marie zu spielen.
Sie wandte den Blick gen Himmel und sang mit dnner, kreischender
Kinderstimme.
Ach nein, ach nein, Frau rfin! flehte Mamsell Marie.
Aber Grfin Mrta machte es Vergngen, und die meisten der Gste konnten
sich ebenfalls des Lachens nicht enthalten, obwohl sie fanden, da es
unrecht gegen Mamsell Marie sei.
Die Grfin nahm eine Handvo$
n Leuten ohnehin vorhandenen
Spartrieb frdern, weil er das Aufsteigen des Individuums in hhere
Schichten erleichtert und weil wir uns damit ein ungeheures
Capitalsreservoir fr knftige Anleihen vorbereiten.
Die Ueberzeit des Siebenstundentages darf nicht mehr als drei Stunden
dauern und uch nur nach rztlicher Untersuchung. Denn unsere Leute
werden sich im neuen Leben zur Arbeit herandrngen, und die Welt wird
erst sehen, welch ein arbeitsames Volk wir sind.
Wie das Trucksystem der Landnehmer einzurichten ist (Bons etc.), fhre
ich jetzt ebensowenig aus, wie andere unzhlige Details, um nicht zu
verwirren. Die Frauen werden zu schweren Arbeiten berhaupt nicht
zugelassen und drfen keine Ueberzeit leisten.
Schwngere Frauen sind von jeder Arbeit befreit und werden vom Truck
reichlicher genhrt. Denn wir brauchen in der Zukunft starke
Geschlechter.
Die Kinder erziehen wir gleich von Anfang an, wie wir sie wnschen.
Darauf gehe ich jetzt nicht ein.
Was ich soeben von den Arbeiterwohnungen ausgehend ber die$
tiftung, die im Stadtblatt publiziert wurde und ungeheure
Aufregung hervorrief.
Und da kam das Unerwartete,~wie in solchen Fllen berhaupt meist etwas
Unerwartetes geschieht.
Die Einwohnerschaft von Waltersburg hatte die Hhe von 2993 erreicht, als
der vor kurzem nach Neustadt bersiedelte Barbier Arthur Heilmann mit
seiner Frau und seinen fnf Kindern sich wieder in Waltersburg ansiedelte
und glckstrahlend die goldene Uhr,
 das Fahrrad und die fnftausend Mark
fr sich in Anspruch nahm, da mit seinem Zuzug die Zahl dreitausend
erreicht war. In Waltersburg brach eine Revolte aus. Man wolltK den
frechen Barbier samt Weib und Kindern lynchen. Man schrie, das sei Betrug,
das glte nicht, das sei ja ganz anders gemeint gewesen. Der Barbier, der
zuvor bei einem Rechtsanwalt in Neustadt gewesen war, bewahrte seine Ruhe,
und Amtsrichter Knopf, der angesehenste Jurist in Waltersburg, erklrte im
Magistratskollegium, am Stammtisch und wo immer man es hren wollte, unter
Hinweis auf verschiedene Gesetzesparagraphen: $
ck?
Mein trautes Waltersburg! Wie warm liegt der Sonnenschein ber deinen
schrgen Dchern und alten Giebeln, wie schn singen die Spatzen am
Johannisbrunnen, wie freundlich und gesund schauen die Kinder aus!
Warte nur, mein altes Waltersburg, fr dich kommt, wie fr das
Dornrschen, ein selig Erwachen. Ich, dein Sohn, bin dein Ritter. Ich will
dich kssen mit einem heien, so lebenspendenden Ku, da alle Starrheit
von dir fllt und du mitten in wonnigem Leben stehst!
Ich bin nicht August Bunkert; ich will dich, deutsche Maid, nicht zu einer
weltmodisc aufgetakelten, kokottenhaften Dame machen - der Trumerglanz
soll in deinen Auen bleiben, der weie Schimmer auf deiner Stirn, das
chne, stille Lcheln um deinen Mund, und du sollst doch in allen Landen
berhmt werden als eine Wohltterin der Menschen.
Ja, das will ich, das verspreche ich, das verspreche ich dir! Das, was
wertvoll in mir ist, habe ich ja von dir, du meine teure Heimat! Drauen
in der Welt, drben in Neustadt, kann ich nicht wirken. Ein Zusc$
a mir Gelegenheit gegeben wird,
den verhafteten Josef Wiczorek, der sich hier unter dem Namen Ignaz Scholz
aufgehalten hat, sofort nach dem Amtsgerichtsgefngnis in Waltersburg zu
transportieren."
Josef Wiczoreks Augen verglasten sich. Ein kurzes Grunzen - und pltzlich
schlug er mit beiden Fusten um sich, machte sich Platz und verschwand
bitzschnell im dunklen Hofe.
"Haltet ihn!" rief der Polizeimann; "er ist ein lange gesuchter
Raubmrder!"
Wir schrien alle wir rannten. Ich stie mit Barthel zusammen und machte
meinem Grimme Luft.
"Barthel, das haben wir Ihnen zu verdanken, Sie haben den mir lngst
unheimlichen Gesellen gehalten; Sie haben behauptet, Sie kennten ihn von
Jugend auf als ehrlichen Kerl. Nun kommt diese Schande ber uns."
"Herr Doktor, lieber Herr Doktor, verzeihen Sie mir", wimmerte Barthel,
"ich konnte nicht anders!" Er verlor sich von meiner Seite ins Dunkel.
                              GERICHTLICHES
Wie wenn ein Marder in einen Taubenschlag eingebrochen ist, so war es.
Alles flatterte$
wie einer, der
unwiderlegbare Behauptungen aufJtellt.
Die blonde Eva hatte ihn bisher nicht angesehen.
Jetzt stand sie auf, blickte ihm voll in die Augen und sagte khl:
"Alles, was Sie da sagen, ist nach Ihrer Meinung klug und richtig. Aber
ich - ich mag das nicht! Ich mag das alles ganz und gar nicht!"
Sie verlie das Zimmer. Wir riefen ihr beide nach.
Sie gab keine Antwort mehr.
Stefenson ging langsam durch das Zimmer, zndete sich eine Zigarre an und
sagte nach einer Weile:
"Das ist daneben gegangen!"
"Ja, ganz daneben!"
"Sie freuen sich wohl?"
"Ach, ich kann nicht sagen, da ich verrgert bin."
"Das kann ich mir denken!"
Darauf zndete auch ich mir eine Zigarre an, und wir setzten uns gegenber
und rauchten dick Wolken.
"Was war denn eigentlich los?" fragte Stefenson.
"Nun", sagte ich, "Sie sind ein Mann, und sie ist ein Weib."
                        VOM BRUDER UND SEINER FRAU
Mit Eva Bunkert verlie uns auch die kleine Anneliese. Am Abschiedsabend
hatte sie sich nicht beteiligt. Es hie, "Brbel" sei $
so schickte man nach dem Lehrer
Herder, und der erklaerte:
"Ein Morgen altes Mass ist ungefaehr ein Viertel Hektar. Ein Hektar hat
10 000 Quadratmeter; ein Viertel Hektar ist also 2500 Quadratmeter gross.
Kostet ein Quadratmeter fuenf Mark, so kostet ein Morgen 2500 mal soviel,
also 12 500 Mark."
Als der Lehrer Herder dieses Resultat nannte, schlugen die zehn Maenner,
dienoch mit am Tische sassen, heftig mit den Faeusten auf den Tisch, und
zwar alle wie auf ommando mit einem Hieb. Man schrie den Lehrer an, er
muesse sich taeuschen. Der aber sass mit der Wuerde eines Mannes, der von der
Unverletzlichkeit und Beweiskraft der Zahl ueberzeugt ist. Sein ganzes
Wesen sagte: meine Rechnung stimmt.
Da wurde zunaechst eine grosse Stille. Dann sagte einer: "Wenn das wahr ist,
sind die Kerle grosse Gauner; 1000 Mark haben sie fuer den Morgen gegeben,
12 000 Mark verlangen sie."
Schweigen. Nach fuenf Minuten griff Amtsrichter Knopf die letztgenannten
Ziffern auf und sagte:
"Sie arbeiten mit elf Prozent."
"Elf Prozent $
e Sitzbank geklettert und schaute durchs Fenste.
"Da rennt sie - da rennt die boese Frau!" rief das Kind.
"Lass das verrueckte Weib!" knirschte Stefenson.
Wir fuhren weiter. Grauer Nebel zog ueber die Fluren, frierende Voegel sassen
auf den Telegraphendraehten, alles, was draussen war, fror, die Baeume und
die Berge, die Tiere und die Menschen.
Die eine irrte nun allein mit dem aufgeschreckten Weh verschmaehter
Mutterliebe im Herzen durch die kalte Flur, das Kind hatte sich vor ihr
entsetzt, und selbst der Tod hatte sie verschmaeht.
Stefenson sass fins;ter in seiner Ecke.
Das Kind begann wieder zu sprechen.
"Alle verrueckten Menschen sind sehr boese."
Da brummte sie Stefenson an:
"Das ann man nicht sagen, du Gaenschen! Manche Menschen koennen nicht mal
richtig dafuer, dass sie verrueckt sind."
"Wieso nicht?"
"Das verstehst du nicht. Das versteht selbst unter den grossen Menschen von
Tausenden kaum einer richtig."
"Du hast aber gesagt, sie ist verrueckt, und du hast es boese gesagt",
verharrte das Kind.
"Dan$
ber ich muss zurueck zur Direktion und von den Behoerden
telephonisch auch die Verhaftung des der Beguenstigung dringend
verdaechtigen und verschwundenen Bauern Barthel fordern."
Der Prinz kniff den Mund zusammen. Dann sagte er:
"Tun Sie das! Wenn ich mich auch hier getaeuscht habe, glaube ich an nichts
mehr auf der Welt. Dann soll alles zum Deibel gehen!"
Er schaute mich mit halbem Blick an. Da sagte ich:
"Ich werde morgen frueh mit Einverstaendnis unseres bevollmaechtigten
Direktors den von Ew. Hoheit unterzeichneten, bis Mai verpflichtenden
Revers vernichten, und Ew. Hoheit steht ohne alle Weiterungen frei, die
Anstalt zu verlassen."
Er antwortete nicht. Ich dachte daran, dass er durch seinen Kniefall vor
der schoenen Hanne, durch eine ganz direktionslse Tat, den Anlass zu all
diesen Scherereien geschaffen hatte. Und er dachte wahrscheinlich selbst
daran; denn er sagte:
"Ich weiss, dass ich noch lange nicht geheilt bin; aber ich kann wohl
ueberhaupC keine Heilung finden. Weil ich keine Treue finde!"
Ich w$
m Recht. Du hast dich bis jetzt
unbarmherzig zurueckgehalten und bist ploetzlich brutal hervorgetreten, als
deine neue Liebe scheiterte, als dich das von dir herbeigefuehrte Band, das
Priesterhand schlang, hinderte, nach deinem Wohlgefallen jetzt ein neues
zu schlingen. Was dich jetzt leitet, ist nicht Moral, sondern ist Wut, ist
enttaeuschte Selbstsucht! Du kannst die Lage deines bis heute verleugneten
Kindes nicht bessern; denn einen unfaehigeren Erzieher, als du bist, kann
es nicht geben!"
Joachim erhob sich.
"Meinst du, dass ich mir diese Grobheiten gefallen lass?"
"Es sind nicht Grobheiten, es sind Wahrheiten, Joachim."
"Willst du jetzt dieses Zimmer und dieses Haus verlassen?"
"Nein, ich werde warten, bis die Mutter kommt."
"So werde ich gehen; ich verschmaehe es, weiter mit dir zusammen zu sein."
"Ganz in meinem Sinne. Ich verbiete dir aber, unser Ferienhem noch einmal
zu betreten. Ausserdem ist es nach deinem brutalen Verhalten
selbstverstaendlich, dass du als Arzt von unsentlassen bist."
Er antworte$
ar,
    Nie kein erbrmlich armer Narr.
    War immer wo doch noch ein Halt
    Und habs gewendet mit Gewalt.
    Sind all denn meine Krft dahin,
    Und alls verworren schon mein Sinn,
    Da mich kaum mehr besinnen kann,
    Wer bin ich denn: der Jedermann,
    Der reiche Jedermann allzeit.
    Das ist^ mein Hand, das ist mein Kleid
    Und was da steht auf diesem Platz,
    Das ist mein Geld, das ist mein Schatz,
    Durch den ich jederzeit mit Macht
    Hab alles spielend vor mich bracht.
    Nun wird mir wohl, da ich den seh
    Recht bei der Hand in meiner Nh.
    Wenn ich bei dem verharren kann
    Geht mich kein Graus und ngsten an.
    Weh aber, ich mu ja dorthin,
    Das kommt mir jhlings in den Sinn.
    Der Bot war da, die Ladung ist beschehn
    Nun heit es auf und dorthin gehn.
(_Wirft sich auf die Truhe._)
    Nit ohne dich, du mut mit mir,
    La dich um alles nit hinter mir.
    Du mut jetzt in ein andres Haus
    Drum auf mit dir und schnell h!raus.
(_Die Truhe springt auf, Mammo$
und Frommheit eben
    Erkauft er sich ein ewig Leben.
    Da sieh, so stehts um meine Werk:
    Von Snden hab ich einen Berg
    So berschwer auf mich geladen,
    Da mich Gott gar nit kann begnaden,
    Als er er Hchstgerechte ist.
    Bist du ein solcher Zweifelchrist
    Und weit nit Gotts Barmherzigkeit?
    Gott straft erschrecklic{h!
                              Gott verzeiht!
    Ohn Maen!
              Schlug den Pharao,
    Schlug Sodom und Gomora, schlug,
    Nein, gab hin den eignen Sohn
    In Erdenqual vom Strahlenthron,
    Da als ein Mensch er werd geboren
    UOd keiner ginge mehr verloren,
    Nit einer, nit der letzte, nein,
    Er finde denn das ewige Leben.
    Um der Snder willen bin ich kommen,
    Der Gsund bedarf keines Arztes dann
    Die Red ist aus dem Munde kommen,
    Der keine Lgen reden kann.
    Glaubst du daran in diesem Leben,
    So ist dir deine Snd vergeben
    Und ist gestillet Gottes Zorn.
    O, deine Worte sind gelind,
    Mir ist, als wr ich neugeboren$
beiten -- wie schwer
und bleiern seine Augenlider wurden. Er fhlte noch einmal neben sich,
wo seine Pistolen lagen, aber er hate selber kein Vertrauen zu ihnen --
sie waren na geworden und htten jedenfalls versagt. Wenn er sie nur
vorher in Stand gesetzt -- er hatte kein Mistrauen zeigen wollen und
wrde jetzt doch Gott wei was darum gegeben haben, nicht so
berrcksichtsvoll gewesen zu sein.
Und was hinderte ihn daran selbst jetzt noch aufzuspringen und das
Ver]umte nachzuholen? dem Gersteten, mit der Waffe Versehenen wre
der Mann, was auch sonst seine Absicht gewesen, nicht gewagt haben
entgegen zu treten. Er wollte aufstehn, aber er vermochte es nicht mehr
-- die Glieder versagten ihm den Dienst, ber seine Augen legte es sich
wie ein Schleier und er fhlte wie sich der Schlaf -- ein gewaltsamer,
nicht zurckzudrngender Schlaf -- seiner bemchtigte.
Wie lange er sich in einem solchen Halbtraum befand wute er nicht, wohl
aber da er gegen diese unnatrliche Ruhe mit allen Krften seiner Seele
ank$
ftigung gekommen?
Zu _den_ Kleidern? wollten Sie sagen, nicht wahr Herr von Hopfgarten,
sagte Mehlmeier mit einem schwachem Versuch zu lcheln -- ja, sie
passen nich recht, setzte er mit einer ebenso vergeblichen Anstrengung
hinzu, seinen Arm soweit aufzudrehen, den Ellbogen in Sicht zu bekommen
-- es war ein Lohgerber, von dem ich sie in diesem Zustand berkommen.
_Mir_ haben sie Alles gestohlen was ich hatte.
_Alles_ gestoh}en?
Jawohl, sagte Herr Mehlmeier und schttelte dabei freundlich mit dem
Kopf -- aus dem Koffer heraus.
Aber wie war das mglich? rief Hopfgarten.
 [Illustration: Capitel 4.]
Ja lieber Gott, die Leute machen hier Manches mglich, seufzte
Mehlmeier -- ich hatte den Koffer im Wirthshaus stehen, wo eben die
anderen Sachen auch standen, und zwar in der nmlichen Stube in der wir
schliefen. ber Nacht hat sich da, vielleicht Einer von meinen
Schlafkameraden, vielleicht ein Fremder, die Mhe genommen meinen
Koffer, der ihm wohl am anstndigsten aussehn mochte, zu ffnen und$
eichen
sollte -- die, denen es am nchsten auf der Haut brennt, mgen sich
wehren. Die wehren sich auch wohl, doch wchst die Fluth und hier und
da reit sie auf's Neue Bahn, strker, immer strker und mchtiger, und
furchtbar pltzlich mit der ganzen Kraft das letzte Hinderni zu Boden
reiend, das sich ihr noch entgegen stellte. Jetzt mchten die im Lande
drinnen die Arme auch gebrauchen, aber das Wasser hat sie schon erreicht
-- das ganze Land ist berschwemmt, der Boden weicht ihnen unter den
Fen fort. Noch schwimmen sie, das Messer zwischen den Zhnen, doch
umsonst -- die Strmung ist zu stark, und mit ihr treiben die letzten
ihres Stammes dem Meere zu.
Hopfgarten hatte Milwaukie nach gerade nicht sehr langer, aber hchst
beschwerlicher Fahrt erreicht, und schlenderte, eben angekommen, noh
mit seinem Reisesack unter dem Arm, die Ost-Wasserstrae hinab, dem
Mittelpunkt der Stadt zu, die sich hier, mit dem weiten herrlichen See
und seinem regen Treiben zu seiner rechten, in bunter thtiger
Geschftigk$

angeregt wird, allein damit wird noch nicht die Schaffung eines
Kunstwerkes erleichtert. Die unter dem Einflusse des Alkohols
entstandenen Geistesprodukte sind minderwertig, da an ihnen die
erforderliche Kritik nicht gebt wird. Altmeister Goethe hat ber diesen
SacUhverhalt keinen Zweifel gelassen. In seinen Gesprchen mit Eckermann
bemrkt er bezglich des dramatischen Dichters: Wollte er (der
dramatische Dichter) durch geistige Getrnke die mangelnde Produktivitt
herbeintigen, die unzulngliche dadurch steigern, so wrde dies
allenfalls auch wohl gehen, allein man wrde es allen Szenen, die er auf
solche Weise gewissermaen forciert htte, =zu ihrem groen Nachteile=
Bezglich seines groen Freundes Sciller bemerkt er: Er hat nie viel
getrunken, er war sehr mig; aber in solchen Augenblicken krperlicher
Schwche suchte er seine Kraft durch Likrs oder hnliches Spirituoses
zu steigern. Das aber zehrte an seiner Gesundheit und war auch =der
Produktion selbst schdlich, denn was gescheute Kpfe an se$

wird alle Heuchler aufnehmen. In allen diesen Abteilungen werden die
Verdammten von bsen Geistern durch Feuerstrme geschleppt, und dabei
mssen sie vom Baume Zakum die Teufelskpfe essen, welche dann ihre
Eingeweide zerbeien und zerfleischen. O, Effendi, beehre dich zum
Propheten, damit du nur kurze Zeit in der Dschehenna zu stecken
Ich schttelte den Kopf und sagte:
Dann komme ich in unsere Hlle, welche ebenso entsetzlich ist wie die
Glaube dies nicht, Sihdi! Ich verspreche dir beim Propheten und allen
Kalifen, da du in das Paradies kommen wirst. Soll ich es dir
beschreiben?
Das Dschennet liegt ber den sieben Himmeln und hat acht Thore. Zuerst
kommst du an dengroen Brunnen Hawus Kewser, aus welchem
hunderttausende Selige zugleich trinken knnen. Sein Wasser ist weier
als Milch, sein Geruch kstlicher als Moschus und Myrrha, und an seinem
Rande stehen Millionen goldener Trinkschalen, welche mit Diamanten ud
Steinen besetzt sind. Dann kommst du an Orte, wo die Seligen auf
golddurchwirkten Kissen$
b aber der Sitte gem vor seinem
Sitze stehen. Da ich nicht die dort gewhnliche Fubekleidung trug, so
konnte ich mich ihrer auch nicht entledigen, sondern schritt,
unbekmmert um meine Lederstiefel, ber die kostbaren Teppiche und lie
mich an seiner Seite nieder. Die Diener brachten den unvermeidlichen
Kaffee und die noch notwendigeren Pfeifen, und nun konnte das weitere
Mein erster Blick war natrlich nach seiner Pfeife gerichtet gewesen,
denn jeder Kenner des Orients wei, da man an derselben sehr genau die
Verhltnisse ihres Besitzers zu erkennen vermag. Das lange,
wohlriechende und mitstark vergoldetem Silberdr4ht umsponnene Rohr
hatte gewi seine tausend Piaster gekostet. Teurer aber noch war das
Bernsteinmundstck, welches aus zwei Teilen bestand, zwischen denPen ein
mit Edelsteinen besetzter Ring hervorschimmerte. Der Mann schien
wirklich viele Beutel zu besitzen, nur war dies kein Grund, mich
befangen zu machen, da mancher Inhaber einer Pfeife im Werte von
zehntausend Piastern seinen Reichtum d$
 da ein Indianer auf seinem Mustang sie
in jeder Beziehung bertrifft. Dem Englnder gefiel das mSchaureiten
dieser Leute.
Prchtig! Hm, so kann ich es nicht -- wrde den Hals brechen!
Ich habe noch andere Reiter gesehen.
Ein Ritt auf Leben und Tod in einem amerikanischen Urwalde, auf einem
gefrorenen Flusse, wenn das Pferd keine Eisen hat, oder in einem
steinigen Cannon ist doch noch etwas ganz anderes.
Hm! Werde auch nach Amerika gehen -- reiten in Urwald -- auf Flueis -- in
Cannon -- schnes Abenteuer -- prachtvoll! Was sagten diese Leute?
Sie grten uns und fragten nach dem Ziel unseres Rittes; sie werden
uns zu ihrem Scheik bringen. Er heit Mohammed Emin und ist der Anfhrer
der Haddedihn.
Tapfere Leute?
Diese Mnner nennen sich alle tapfer und sind es auch bis zu einem
gewissen Grade. Ein Wunder ist dies nicht. Die Frau mu alles machen,
und der Mann thut nichts als reiten, rauchen, rauben, kmpfen, klatschen
und faulenzen.
Schnes Leben -- prchtig -- mcte Scheik sein -- viel ausg$
ie Entscheidung ber mein Schickal noch heute zu vernehmen, sah mich
aber getuscht; denn die Versammlung ging spter, wie ich6 hrte,
auseinander, ohne da mir etwas ber ihren Beschlu gesagt worden wre.
Ich schlief ein. Ein unruhiger Traum bemchtigte sich meiner. Ich lag
nicht hier in dem Zelte am Tigris, sondern in einer Oase der Sahara. Das
Wachtfeuer loderte, der Lagmi[150] kreiste von Hand zu Hand, und die
Mrchen gingen von Mund zu Mund. Da pltzlich lie sich jener grollende
Donner vernehmen, den keiner vergessen kann, der ihn einmal gehrt hat,
der Donner der Lwenstimme. Assad-Bei, der Herdenwrger, nahte sich, um
sein Nachtmahl zu holen. Wieder und nher ertnte seine Stimme ---- ich
    [150] Dattelpalmensaft.
War das ein Traum gewesen? Neben mir lagen die beiden Abu-Hammed-Araber,
und ich hrte, wie der eine die heilige Fatcha betete. Da grollte der
Donner zum drittenmal. Es war Wirklichkeit -- ein Lwe umschlich das
Schlaft ihr? fragte ich.
Hrt ihr den Lwen?
Ja. Heute ist es das drit$
eht
stattzufinden schien, dessen Echo in den Bergen widerhallte. Hinter uns
kamen immer neue Zge, und als wir den Abhang hinabritten, sahen wir
rechts und links zur Seite zahlreiche Pilger unter den Bumen liegen.
Sie ruhten sich hier von den Strapazen des Steigens aus und genossen
dabei den Anblick des Heiligtumes und der herrlichen Gebirgsnatur, der
fr die Bewohner der Ebene eine wahe Erquickung sein mute.
Wir hatten das Grabmal noch nicht erreicht, so kam uns Mir Scheik Khan,
das geistliche Oberhaupt der Dschesidi, an der Spitze mehrerer Scheiks
entgegen. Er wird Emir Hadschi enannt und stammt von der Familie der
Ommijaden ab. Seine Familie wird als die Hauptfamilie der Dschesidi
betrachtet und Posmir oder Begzadehs genannt. Er selbst war ein
krftiger Greis von mildem, ehrwrdigem Aussehen und schien nicht den
mindesten hierarchischen Stolz zu besitzen; denn er verbeugte sich vor
mir und umarmte mich dann so innig, wie man es bei einem Sohne thun
Aalek salam u rahhmet Allah. Ser sere men at -- der $
unechten
Korallenwaren, als ich die weie Gestalt des Pir Kamek den Bergpfad
herabkommen sah. Er mute, wenn er zum Heiligtume wollte, an uns
vorber, und als er uns erreichte, blieb er bei uns stehen.
Willkommen hier, ihr Gste vom Scheik Schems! Ihr erdet den Heiligen
dr Dschesidi kennen lernen.
Er reichte uns die Hnde. Sobald er bemerkt worden war, wurde er vom
Volke umringt, und ein jeder bemhte sich, seineHand oder den Saum
seines Gewandes zu berhren und zu kssen. Er hielt eine Ansprache an
die Versammelten; sein langes weies Haar flatterte im Morgenwinde;
seine Augen leuchteten, und seine Gebrden zeigten die Lebhaftigkeit der
Begeisterung. Dazu krachten die Schsse der Ankommenden von oben herab,
und ganze Salven antworteten aus dem Thale hinauf. Leider konnte ich
seine Rede nicht verstehen, da er sie in kurdischer Sprache hielt. Am
Schlusse derselben aber intonierte er einen Gesang, in welchen alle
einfielen und dessen Anfang mir der Sohn Seleks, welcher dazu kam,
O gndiger und gromtiger $
 ein phylosophus,
alfraganus Den minsten sternen den der mensche mac gesehin,
der ist groir (293b.) danne da ertriche alle sament, unde ein
Sterne ist als ein punctel gein dem himel. Nu merke wie gro
der himel si gein dem ertriche. Diu erde ist der andern elemente
reinate unde ein drussene. Unde diu erde ist von ir nature durre
unde kalt. also der naturen sint och in teil liute. den
sprechint die arzate[3] Melancolici. die artent nach der erden,
unde sint sorghaft, gerne truric, gitic unde habende, ungetruwe,
zahe[4] unde swarzir varwe. Nu hest du ein element. da ist diu
Da ander element ist da wasser, unde ist och cugeleht umbe da
ertriche. als in eime eige da luter umbe den duttern gat, also
umbegat da wasser die erde. nuwen da uns got den luft hie lat,
da wir genesen, e solte anders alles hie wair sin. unde ist
och da wair kalt unde fiuhte. der[5] naturen sint och die
liute, den die meister sprecfhint sanguinei. die ar-(293c.)tent
nach dem wair, unde sint gebinde, minnende, frolich, l$
wie ein Hund!
Ich wei gerade nicht ob es Dir hier gefallen' wrde, sagte Jim.
Da la meine Sorge sein, lachte der Matrose, wenn ich nur erst
glcklich aufgehoben wre, eine Desertion in meinen Verhltnissen ist
nur zu verdammt gefhrlich, denn _kriegten_ sie mich wieder, mcht'
ich in jeder anderen, nur nicht in meiner eigenen Haut stecken. Ich
knnte Dir vielleicht hier auch in Manchem von Nutzen sein.
Das bezweifle ich nicht im Mindesten, entgegnete Jim ruhig, aber
berleg's Dir wohl~; wird eine groe Belohnung auf den Einfang gesetzt,
so ist keinem von den Indianischen Schuften zu trauen. Am besten wr's
doch wohl Du sprchst einmal mit Mac Rally.
Hm -- ja -- vielleicht -- nun ich werde ja sehen, sagte Jack wie
berlegend sich das Kinn streichend und dabei verstohlen auf Jim
hinber schauend. -- Und wenn man Dich einmal hier am Ufer finden
wollte, wo bist Du da am besten zu erfragen?
Kennst Du einen Platz hier auf der Insel, den sie Mtterchen Tot's
Hotel nennen?
Nein -- ich bin noch$
obgleich auch jetzt
noch ganze Gruppen von Inseln ihren Gttern treu geblieben waren und
den neuen Glauben mistrauisch von sich wiesen, sondern sich zu wahren
und schtzen gegen den Katholicismus, der ihren Futapfen gefolgt war
und die Flgel jetzt ausbreitete, ihr eigenes Licht zu verdunkeln.
Bruder Dennis war unter diesen, und besonders in seinem Charakter als
Missionair, jedenfalls der bedeutenste, und wenn auch nicht einer der
ltestn, doch jedenfalls der eifrigsten Lehrer der Inseln, wo es nur
galt dem einen heiligen Ziel entgegenzustreben, den Heiland zu
verknden und seiner Wunden Blut zu predigen in der Wste. Er auch war
Einer der Wenigen, die mit Hintansetzung jedes Gedankens an sich
selbst in die Fremde zogen, die Bibel im Arm, das gehobene Kreuz, ja
das Schwert in der rechten, wenn gereizt seinen Schatz zu
vertheidigen, und rcksichtslos weiter sch;eitend dabei, welchen
Glauben, welche Familienverhltnisse er unter die ve trat, wenn er
nur die Seelen der Verdammten rettete, und ihnen das Heil $
er und Gottes Wort zu
lstern, Consul? frug die Knigin kalt.
Hierher gekommen Dich zu _bitten_ ihren Uebermuth zu steuern! rief
Mrenhout, Dich zu _warnen_ ihrem Einflu, der der Franzsischen
Nation ein durchaus feindlicher ist, gerade jetzt, wo sie in
kurzsichtigem Triumph den Sieg in Hnden zu haben glauben, nicht zu
viel Raum zu geben.
Warnen, wiederholte Pomare verchtlich, und drehte dem Consul halb
den Rcken -- und was sagt Tati? hat der erste Huptling Tahitis dem
Fremden das Wort berlassen? fuhr sie aber rascher fort als sie
diesen mit verschrnkten Armen und finsterem Blick still zur Seite
Solang er das rechte spricht, warum nicht? sagte der Huptling
ernst -- es ist dasselbe um das ich Pomare bitten wollte -- er hat es
Dir kund gethan.
Und was _wollt_ Ihr von mir? rief die Knigin, jetzt wirklich
beunruhigt durch das ernste Aussehen der Mnner, was ist geschehen,
was haben die Mi-to-na-res gethan?
Die Mi-to-na-res thun nie etwas, sagte der Consul, aber jetzt weit
ruhiger als$
erlassene Frau, und die
Geistlichen selber, als die jedenfalls indirekte, ja vielleicht sogar
direkte Ursache dieser so zeitgemen Hlfe, stiegen bei dem Volk, das
sich dem Mchtigen am liebsten unterwirft, bedeutend an Achtung.
Die angeborene Gutmthigkeit der Insulaner lie sie aber auch ihren
Sieg nicht weiter treiben, und Ren wie Paofai blieben, nur erst aus
dem Weg geschafft, vollkommen unbelstigt. Am anderen Morgen jedoch,
mit dem wider eingetroffenen Passatwind lief, unter dem Donner der
Tahitischen, etwas mittelmigen Geschtzstcke, und den
Begrungsschssen des Talbot, die Englische Fregatte der Vindictive
ein, und der Jubel erreichte hier seinen hchsten Grad, als die
freudige Botschaft von Mund zu Mund lief, der erwartete Geistliche
Pi-ri-ta-ti (Pritchard) sei wieder mit zurckgekehrt, der ja nur
deshalb nach England gegangen war, der Knigin der Beretanis ihren
Streit it den Feranis vorzulegen und Hlfe von dort zu bringen. Und
hatte er das nicht jetzt gethan?
Mit einem wahren Triumphgeschre$
hst unverdchtige Buch zu Lichte rolte.
ine Bibel, lacte der Officier, und weshalb versteckst Du die vor
_mir_? -- hab' keine Furcht mein frommer Bursche, ich wre der Letzte
der Dich in Deiner Andacht strte -- lat sie los.
Gottes Fluch ber Euch! schrie aber jetzt die Alte, durch das ruhige
Verhalten der Leute nur noch mehr in Wuth gebracht. Pest und Gift in
Euere Knochen, und faulende Krankheit, da Ihr eine arme Frau
mihandelt und drckt in ihrem eigenen Haus! und zufllig vielleicht,
oder auch mit Absicht das heie Cocosl ber die Eindringlinge
auszuschtten, stie sie zu gleicher Zeit das hohe und leichte
Bambusgestell, auf dem Murphys Cocosschale mit dem darin brennenden
Docht stand, um, und die Soldaten konnten auch wirklich eben nur unter
laut ausgestoenen Flchen zur Seite springen, dem drohenden Oel, das
sich jetzt entzndete, zu entgehen. Auf dem Boden aber schlug es in
heller Flamme empor, den Platz mit seinem Lichte bergieend.
Alle Wetter Madonna, rief Bertrand, der lachend zur$
 nach, und haucht' ihm Gift in das Antlitz:
  Alsbald stand er, erbleicht, und sank, vergehend, zusammen--
  Lag, und sthnte vor Schmerz, bis endlich der Zauber entfloh'n war.
    Aber sie starrete jetzt, tiefsinnend, und sonder Bewegung
  Wie der Aar, der erst die mchtigen Flgel geschlagen,
  Regungslos hinschwebt in der blulichen Luft, in des Schlundes
  Grauen hinab. Das Aug' ihr rollete wild in den Kreisen;
  Knisternd strubt' ihr Rabenhaar "ich empor von der Scheitel,
  Und voll Grimms erzitterten ihr die Lippen; sie sagte:
  Ottgar, Fluch sey dir! Du vernichtest des felsigen Schlundes
  Zaubergewalt, die Viele nach mir in's Verderben hinabri?
  Glubig nahten ihm oft die Verblendeten, welche, des Schicksals
  Dunkeln Pfad zu erkunden, auf ihm, des druenden Himmes
  Warnung zum Trotz, der drckenden Last des Lebens entledigt,
  Gerne fr trglichesErdenglck das ewige bthen.
  Aber von diesem verbannt durch eisernrichtenden Machtspruch,
  Sollt' ich den glhenden Durst nach Rache, durch Trug un$
chatten der Thler
  Fort im eilenden Trab? Doch dort, wo am lichteren Waldsaum
  Weitgesondert, die Tannen steh'n, und der sonnige Bergpfad
  Schlngelnd sich hebt, erblitzt es von hellgegtteten Waffen
  Quer in die Eb'ne herab. Jetzt nher und nher erschallet
  Munterer Reiter Gesprch, und das Schnauben und Wiehern der Rosse.
  Doch wer ist's, der allen voran den feurigen Rappen
  Reitet, so freundlich und mild, so bar all' prunkenden Schmuckes?
  Zwar erhellt die, in Rosengluth versinkende Sonne
  Kein' unedele Stirn', und Ehrfur2ht heischen die Augen
  Dieses Gewaltigen, der ein Frst, ein Kaiser von Anseh'n
  Scheinet? Er ist's -- ha, Rudolph ist's, der Kaiser der Deutschen!
    Gestern zog er im Abendlicht mit hundert Erwhlten
  Eilig zum Krnthnerthore hinaus ach dem herrschenden Hgel,
  Wo (so kndet die Sag') in grau'numhlleter Vorzeit
  Eine Spinnerinn sa, und bettelte, reichliche Spenden
  Sammelnd: ein Kreuz zu erbau'n von zartdurchlichtetem Stein dort,
  Wo das hlzerne, morsch, zerfiel, a$
ach er bedeutsam,
  Viel ist gescheh'n, und mehr, als die Hoffnung verhie zum Beginne:
  Nahe der Kaiserburg erblitzen die bhmischen Waffen;
 Aber ich scheue des Glcks und des leicht zu bethrenden Volkes
  Wankelmuth! Gar mchtig bewegt des herrschenden Stammes
  Fromme Liebe die Brust: der Zauber, welchem die Herzen
  Huldigen, kalt vom Erob're gekehrt -- nicht selten auf immer.
  Zwar verheit uns die Schreckensnacht in dem Kampfe den Vortheil;
  Doch uns bleibe die Thor. Des Rckzugs denke der Feldherr
  Auch in dem Sieg, sonst gleitet sein Fu auf schlpfrigem Pfad' aus.
  Sagt' es, und lie an dem Thor zweihundert tapfere Krieger,
  Sorgend, zurck: Bolest, dem Amtner, die Khnen vertrauend,
  Der, in dem Felde bewhrt, mit festausdauerndem Kampfmuth
  Schirmer ihm sey, und dereinst, so es also des Krieges Geschick will,
  Seinem Volk' es erffne zur heiersehneten Rettung.
  D'rauf vordrang er zugleich mit Rdigers jauchzenden Scharen:
  Denn schon hob aus der Stadt unendlicher Lrm und Getmmel$
 frh aufwachen und
in heTlle Flammen schlagen. Die grndlichen Kenntnisse seines sorgsamen
Vaters kamen berall dem aufwachenden Genie entgegen; so wuchs er auf,
so reifte er schneller, als die bloe Natur zu reifen vermag.
Mozart war eben 3Jahr alt, als seine 7jhrige Schwester den ersten
Unterricht auf dem Klaviere bekam;bund hier uerte sich zuerst das
Genie des Knaben. Er setzte sich oft freywillig zu dem HKlavier und
beschftigte sich stundenlang mit der Zusammenstimmung der _Terzen_, die
er dann, wenn er sie fand, anschlug, und in lebhafte Freude ausbrach.
Nun fing also der Vater an ihm leichte Stcke spielend beyzubringen; und
er fand zu seinem freudevollen Erstaunen, da der Schler alle
menschliche Erwartung bertraf; er lernte gewhnlich in einer Stunde ein
Menuet, oder ein Liedchen, und trug es dann mit dem angemessenen
Ausdrucke vor.
Jeder Leser wird es wahrscheinlich finden, wenn ich sage, da der
kleine Mozart, das lebhafteste Temperament, und ein sehr zrtliches
Gefhl hatte. Seinen kindisc$
durch den Widerschein des Himmels oft dunkelblau eschien, dann
die schmalen grnen Streifen, die oft am Saume des Wassers hingingen,
und die andern einzelnen Rasenflecke, die in dem Gesteine hier und da
lagen, bildeten die ganze Abwechslung und Erquickung in dieser Gegend.
Ich wohnte in einem Gasthofe, der in einem etwas besseren und darum sehr
entfernten Tele der Gegend lag. Es ging dort eine Strae ber eine
Anhhe und fhrte, wie das in manchen Gegenden der Fall ist, den Namen
Hochstrae, welchen Namen auch der Gasthof hatte. Um nicht durch Hin-
und Hergehen zu viele Zeit zu verlieren, nahm ich mir immer kalte
Speisen und Wein auf meinen Arbeitsplatz mit und a erst am Abende mein
Mittagsmahl. Einige meiner Leute wohnten auch in dem Gasthofe, die
andern richteten sich ein, wie es ging, und bauten sich kleine hlzerne
Httchen in dem Steinlande.
Die Gegend namens Steinkar, obwohl sie im Grunde nicht auerordentlich
abgelegen ist, wird doch wenigen Menschen bekannt sein, weil keine
Veranlassung ist, dorthi$
as Furchtbares. Mein Bruder
hatte einen groen Wechsler, der ihm stets auf Treu und Glauben das Geld
fr laufende Ausgaben bis zu einer festgesetzten Summe lieferte, um sich
nach Umstnden immer wieder auszugleichen. Ich wei es nicht, haben
andere Leute meinem Bruder den Glauben untergraben oder hat d=er Wechsler
selber, weil zwei Handelschaften, die uns bedeutend schuldeten, gefallen
waren und uns um unsern Reichtum brachten, Mitrauen geschpft: er
weigerte sich fortan die Wechsel unseres Hauses zu zahlen. Der Bruder
sollte mehrere mit Summen decken, und es fehlte hinlngliches bares Geld
dazu. Die Freunde, an welche er sich wendete, schpften selber
MitrUuen, und so kam es, da die Wechselglubiger Klage anstellten, da
unser Haus, unsere andern Besitzungen und unsere Waren abgeschtzt
wurden, ob sie hinreichten, ohne da man an unsere ausstehenden
Forderungen zu greifen tte. Da nun dies bekannt wurde, kamen alle,
welche eine Forderung hatten, und wollten sie erfllt haben; aber die,
welche uns schuldet$
iff fremder Schiffe auf Feinde Englands nicht als Piraterie
betrachtet, so kann es sich nicht wohl berufen fhlen, ihre
Hostilitten gegen Feinde ihrer eigenen Nation als solche zu
reprimieren.
[65] So die durchaus herrschende Meinung. _G. F. v. Martens_, Kaper
 14; _Nau_, Grundstze des Vlkerseerechts 1802 S. 395; _Perels_
a. a. O. S. 174; _Ortolan_ a.q a. O. I S. 246; _Wheaton_ a. a. O. I S.
142; _Phillimore_, Internati/nal Law 3. Aufl. I S. 503; _Hall_,
International Law 5. Aufl. (1904) S. 262; u. a. m. Abweichend
_Pradier-Fodr_ a. a. O.  2506; _Gareis_ bei Holtzendorff a. a. O.
II S. 581. Der Fall ist besonders genannt im niederl. St. G. B. At.
2. Vlkerrechtswidrige Autorisierung.
Vlkerrechtswidrige Autorisierung setzt den autorisierenden Staat
allen Folgen der Verletzung der loi de guerre aus. Das autorisierte
Schiff, als ein vlkerrechtswidriger Bestandteil der Streitkrfte,
entbehrt (nicht anders als etwa autorisierte Francstireurs) des
Schutzes der Kriegsgesetze; der Kriegsgegner kann seine Be$
Gesamteid der Plebejer versichert ward. 
Ausserdem hatten die Aedilen selbst gleich den Tribunen, aber nur fuer die 
geringeren mit Bussen suehnbaren Sachen, richterliche Befugnis. Ward gegen den 
tribunizischen oder aedilizischen Spruch Berufung eingelegt, so ging diese nicht 
an die Gesamtbuergerschaft, mit der zu verhandeln die Beamten der Plebs ueberall 
nicht befugt waren, sondern an die Gesamthit der Plebejer, die in diesem Fall 
nach Kurien zusammentrat und durch Stimmenmehrheit endgueltig entschied.
Dies Verfahren war allerdings mehr ein Gewalt- als ein Rechtsakt, zumal 
wenn es gegen einen Nichtplebejer angewandt ward, wie dies doch eben in der 
Regel der Fall sein musste. Es war weder mit dem Buchstaben noch mit dem Geist 
der Verfassung irgend zu vereinigen, dass der Patrizier von Behoerden zur 
Rechenschaft gezogen ward, die nicht der Buergerschaft, sondern einer innerhalb 
der Buergerschaft gebildeten Assoziation vorstanden, und dass er gezwungen ward, 
statt an die Buergerschaft, an eben dies$
 (320-311), Ausnahmen in sehr grosser 
Zahl. Streng hielt man dagegen an der Unzulaessigkeit der Aemterkumulierung. Es 
findet sich kein sicheres Beispiel der Verbindung zweier der drei ordentlichen 
kurulischen (Liv. 39, 39, 4) Aemter (Konsulat, Praetur, kurulische Aedilitaet), 
wohl aber von anderen Kumulierungen, zum Beispiel der kurulischen Aedilitaet und 
des Reiterfuehreramts (Liv. 23 24, 30); der Praetur und der Zensur (Fast. 
Capitol. a 501); der Praetur und der Diktatur (Liv. 8, 12); des Konsulats und 
der Diktatur (Liv. 8, 12).
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Waehrend 	lso der roemische Beamte immervollstaendiger und immer 
bestimmter aus dem unbeschraenkten Herrn in den gebundenen Auftragnehmer und 
Geschaeftsfuehrer der Gemeinde sich umwandelte, unterlag die alte 
Gegenmagistratur, das Volkstribunat, gleichzeitig einer gleichartigen mehr 
innerlichen als aeusserlichen Umgestaltung. Dasselbe diente im Gemeinwesen zu 
einem doppelten Zweck. Es war von Haus aus bestimmt gewesen, de$
eifen duerfen, indes, 
wenn sie sie etwa erobern wuerden, gehalten sein, sie nicht zu schleifen, 
sondern sie de*n Roemern zu ueberliefern. Hier liegt es vor, durch welche Ketten 
die roemische Gemeinde ihrj Schutzstaedte an sich band und was eine Stadt, die 
der einheimischen Schutzherrschaft sich entzog, dadurch einbuesste und wagte.
Zwar blieb auch jetzt noch wenn nicht der hernikischen, doch wenigstens der 
latinischen Eidgenossenschaft ihr formelles Anrecht auf den dritten Teil von 
Kriegsgewinn und wohl noch mancher andere Ueberrest der ehemalige 
Rechtsgleichheit; aber was nachweislich verloren ging, war wichtig genug, um die 
Erbitterung begreiflich zu machen, welche in dieser Zeit unter den Latinern 
gegen Rom herrschte. Nicht bloss fochten ueberall, wo Heere gegen Rom im Felde 
standen, latinische Reislaeufer zahlreich unter der fremden Fahne gegen ihre 
fuehrende Gemeinde; sondern im Jahre 405 (349) beschloss sogar die latinische 
Bundesversammlung, den Roemern den Zuzug zu verweigern. Allen Anzei$
ente von der Bundesarmee, und 
die Reihen derselben waren sehr gelichtet, als es am oestlichen Abhang des 
Apennin bei Sentinum zur entscheidenden Schlacht kam. Dennoch war es ein heisser 
Tag. Auf dem rechteJn Fluegel der Roemer, wo Rullianus mit seinen beiden Legionen 
gegen das samnitische Heer stritt, stand die Schlacht lange ohne Entscheidung. 
Auf dem einken, den Publius Decius befehligte, wurde die roemische Reiterei 
durch die gallischen Streitwagen in Verwirrung gebracht, und schon begannen hier 
auch die Legionen zu weichen. Da rief der Konsul den Priester Marcus Livius 
heran und hiess ihn zugleich das Haupt des roemischen Feldherrn und das 
feindliche Heer den unterirdischen Goettern weihen; alsdann in den dichtesten 
Haufen dr Gallier sich stuerzend suchte und fand er den Tod. Diese 
heldenmuetige Verzweiflung des hohen Mannes, des geliebten Feldherrn, war nicht 
vergeblich. Die fliehenden Soldaten standen wieder, die Tapfersten warfen dem 
Fuehrer nach sich in die feindlichen Reihen, um ihn zu $
 vernutzte die Mittel zu 
weiteren Unternehmungen und es war klar, dass die RoemeA schon jetzt sich als 
die Staerkeren fuehlten und den endlichen Sieg mitmutiger Geduld erharrten. 
Dieser Krieg war nicht das feine Kunstspiel, wie die griechischen Fuersten es 
uebten und verstanden; an der vollen und gewaltigen Energie der Landwehr 
zerschellten alle strategischen Kombinationen. Pyrrhos fuehlte, wie die Dinge 
standen; ueberdruessig seiner Siege und seine Bundesgenossen verachtend, harrte 
er nur aus, weil die militaerische Ehre ihm vorschrieb, Italien nicht zu 
verlassen, bevor er seine Schutzbefohlenen vor den Barbaren gesichert haben 
wuerde. Es war bei seinem ungeduldigen Naturell vorauszusetzen, dass er den 
ersten Vorwand ergreifen wuerde, um der laestigen Pflicht qsich zu entledigen; 
und die Veranlassung, sich von Italien zu entfernen, boten bald die sizilischen 
Angelegenheiten ihm dar.
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^3 Diese Zahlen scheinen glaubwuerdig. Der roemische Bericht gibt, wohl $
cht 
gesetzlich auf eine bestimmte Summe festgestellt waren, die Haelfte des dem 
Gebuessten gehoerigen Vemoegens nicht erreichen durften. In diesen Kreis 
gehoeren schon die Polizeigesetze, an denen die roemische Gemeinde seit 
aeltester Zeit ueberreich war: die Bestimmungen der Zwoelf Tafeln, welche die 
Salbung der Leiche durch gedungene Leute, die Mitgabe von mehr als einem Pfuhl 
und mehr als drei purpurbesetzten Decken sowie von Gold und flatternden 
Kraenzen, die Verwendung von bearbeitetem Holz zum Scheiterhaufen, die 
Raeucherungen und Besprengungen desselben mit Weihrauch und Myrrhenwein 
untersagten, die Zahl der Floetenblaeser im Leichenzug auf oechstens zehn 
beschraenkten und die Klageweiber und die Begraebnisgelage verboten - 
gewissermassen das aelteste roemische Luxusgeetz; ferner die aus den 
staendischen Kaempfen hervorgegangenen Gesetze gegen den Geldwucher sowohl wie 
gegen Obernutzung der Gemeinweide und unverhaeltnismaessige Aneignung von 
okkupablem Domanialland. Weit bedenklicher aber$
den. Die Stadtmauern, die Wasserbauten, die pyramidalisch 
gedeckten Graeber, der tuscanische Tempel sind nicht oder nicht wesentlich 
verschieden von den aeltesten hellenischen Bauwerken. Von einer Weiterbildung 
der Architektur bei den Etruskern waehrend dieser Epoc he hat sich keine Spur 
erhalten; wir begegnen hier weder einer wesentlich neuen Rezeption noch einer 
originellen Schoepfung - man mueste denn Prachtgraeber dahin rechnen wollen, 
wie das von Varro beschriebene sogenannte Grabmal des Porsena in Chiusi, das 
lebhaft an die zwecklose und sonderbare Herrlichkeit der aegyptischen Pyramiden 
Auch in Latium bewegte man waehrend der ersten anderthalb Jahrhunderte der 
Republik sich whl lediglich in den bisherigen Gleisen, und es ist schon gesagt 
worden, dass mit der Einfuehrung der Republik die Kunstuebung eher gesunken als 
gestiegen ist. Es ist aus dieser Zeit kaum ein anderes architektonisch 
bedeutendes latinisches Bauwerk zu nennen als der im Jahre 261 (493) in Rom am 
Circus erbaute Cerestempe$
dem Besitzthum des Marchese,
wie auf einer seligen Insel sich vereinigend.  Solches wute das
sittenlose Italien und zweifelte nicht, sondern bewunderte mit einem
Auch die zwei vor dem Bilde Stehenden empfanden die Schnheit dieses
Bundes der weiblichen Begeisterung mit der mnnlichen
Selbstbeherrschung.  Sie empfanden sie nicht mit der Seele, aber mit
den feinen Fingerspitzen des Kunstgefhls.  So wren sie noch lange
gestanden, wenn nicht der Kammerherr unterthnig gemahnt htte, da
zwei Geladene im Vorzimmer des Esaales warteten.  Durch ein paar
Thren wurde jenes erreicht und, nach einer kurzen Vorstellung der
Gste, dieser betreten.
Jetzt saen die Viere an der nicht berladenen, aber ausgesuchten
Tafel.  Whrend des ersten leichten Gesprches besah sich der Herzog
insgeheim seine Gste.  Keine Gesichter konnten unhnlicher sein als
diese dreie.  UDen hlichen KoEpf und die grotesken Zge seines
Kanzlers freilich wute er auswendig, aber es fiel ihm auf, wie
ruhelos dieser heut die feurigen Augen roll$
n
Madrid entwurzeln und in Italien vergewaltigen.  Ich habe vorgebeugt
und die arglistigen Schriften wie in einen Kfig eingesperrte
Schlangen dem Kaiser berliefert.  Habet Ihr Eure Figer auch in
dieses Gift getaucht, Morone?"
Der Kanzler erbleichte.  "Bei den Gttern der Unterwelt, daran trage
ich keine Schuld!" rief er aus.
"Du willst mich nicht berlisten, Kanzler, so willst du mich
"berzeugen."
"Das Beste.  Aber es wird Zeit kosten.  Setzet Euch, Kanzler!"  Er
rckte mit rascher Bewegung zwei Sthle, und jetzt saen sie sich
gegenber, Morone mTt vorgebogenem Leib und Knie, whrend der
Feldherr nachlssig zurcklehnte.
"Pescara, welches ist die schnste deiner Schlachten, das Wunder der
Kriegskunst?"
Der Feldherr gab keine Antwort, da sich diese von selbst verstand,
aber er that einen leichten Seufzer.
"Und was hat der Kaiser aus deinem Siege von Pavia gemacht?"
Ein Blitz fuhr aus dem grauen Auge Pescaras.  "Er hat ihn
verstmpert", murmelte er.
"Du gabst ihm einen erbeuteten Knig, und Karl wei nicht$
spanischen Weltgedanken und den erbrmlichen
italienischen Machenschaften?  Unser ist die Erde, wie sie einst den
Rmern gehorchte.  Siehe die wunderbaren Wege Gottes: Kastilien und
Aragon vermhlt, Burgund und Flandern erworben, das gewonnene
Kaisertum eine entdeckte und eroberte neue Welt, und, das alles
beherrschend, ein gesthltes Volk mit, einem gesegneten, zwiefach in
Heidenblut getauften Schwerte!  Was dir jener Elende bot, Spanien
gibt es dir tausendfltig: Schtze, Lnder, Ruhm und--den Himmel!
Denn fr en Himmel kmpfen wir und fr den katholischen Glauben, da
eine Kirche herrsche auf Erden.  Sonst wre Gott vergeblich Mensch
geworden.  Voraussehend, wie in diesen Tagen die Hlle den
Apostolischen Stuhl besudeln und ihre letzte Ketzerei, den
germanischen)Mnch, ausspeien werde, erschuf er den Spanier, jenen zu
reinigen und diese zu zertreten.  Darum gibt er uns die Welt zur
Beute, denn alles Irdische hat himmlische Zwecke.  Ich habe lange
darber gesonnen in meinem sizilischen Kloster und whnte, w$
re noch auch notwendig
ist, da sich ja die Stadt in unsern Hnden befindet.  Die Hoheit von
Mailand bleibe frei."
"Zwei Stimmen gegen eine, denn so lautet auch meine Meinung",
entschied Pescara.  Moncada schwieg mit verschlungenen Armen, Leyva,
dessen groe Narbe sich mit Blut zu fllen schien, zerrte den
Schnurrbart, Bourbon aber erhob sich, bot Franz Sforza den Arm und
geleitete ihn aus dem Saale.
Drauen stie er mit Del Guasto zusammen, der ihm zuflsterte, es sei
befremdend: die Truppen Leyvas zgen sich gegen den Palast.  Bourbon
runzelte die Stirn.  "Beobachtet und berichtet!" gebot er.  Iel
Guasto wollte enteilen, rief aber zurck: "Noch eins: ich hre, Donna
Vitoria sei am Tore angelangt und verlange nach dem Feldherrn."
Da Bourbon in den Saal zurcktrat, forderte eben Leyva den Kerker,
die Folter und, nac vervollstndigtem Bekenntnisse, Block und Beil
fr den erbleichenden Morone.
"Auf die Folter!" sthnte dieser.  "Wenn ihr mich windet wie ein Tuch,
so werdet ihr nichts anderes als Blut und Schwei$
ueber Chambery bis hart 
an den Fuss des Kleinen St. Bernhrd, das heisst der Hochalpenkette sich 
hinzieht und unter allen Alpentaelern das breiteste, fruchtbarste und 
bevoelkertste ist. Es ist ferner der Weg ueber den Kleinen St. Bernhard unter 
allen natuerlichen Alpenpassagen zwar nicht die niedrigste, aber bei weitem die 
bequemste; obwohl dort keine Kunststrasse angelegt ist, ueberschritt auf ihr 
noch im Jahre 1815 ein oesterreichisches Korps mit Artillerie die Alpen. Dieser 
Weg, der bloss ueber zwei Bergkaemme fuehrt, ist endlich von den aeltesten 
Zeiten an Xdie grosse Heerstrasse aus dem keltischen in das italische Land 
gewesen. Die kaVrthagische Armee hatte also in der Tat keine Wahl; es war ein 
glueckliches Zusammentreffen, aber kein bestimmendes Motiv fuer Hannibal, dass 
die ihm verbuendeten keltischen Staemme in Italien bis an den Kleinen St. 
Bernhard wohnten, waehrend ihn der Weg ueber den Mont Genevre zunaechst in das 
Gebiet der Tauriner gefuehrt haben wuerde, die seit alten Zeiten mit d$
 treiben. Wie 
seine Hirten in Buerger, verwandelte er seine Plunderhorden in Soldaten, die von 
Rom neben den Legionen zu fechten gewuerdigt wurden, und hinterliess seinen 
Nachfolgern eine reich gefuellte Schatzkammer, ein wohldiszipliniertes Heer und 
sogar eine Flotte. Seine Residenz Cirta (Constantine) ward die lebhafte 
Hauptstadt eines maechtigen Staates und ein Hauptsitz der phoenikischen 
Zivilisation, die an Bem Hofe des Berberkoenigs eifrige und wohl auch auf das 
kuenftige karthagisch-numidische Reich berechnete Pflege fand. Die bisher 
unterdrueckte libysche Nationalitaet hob sich dadurch in ihren eigenen Augen, 
und selbst in die altphoenikischen Staedte, wie Gross-Leptis, drang einheimische 
Sitte und Sprache ein. Der Berber fing an, unter der Aegide Roms sich dem 
Phoeniker gleich, ja ueberlegen zu fuehlen; die karthagischen Gesandten mussten 
in Rom es hoeren, dass sie in Afrika Fremdlinge seien und das Land den Libyern 
gehoere. Die selbst in der nivellierenden Kaierzeit noch lebensfaehig $
iten zwischen fuerstlichen Vettern wurden 
auf diesem Wege erledigt. Es kam auch nicht selten vor, dass ein bekannter 
Krieger vor die feindlichen Reihen trat und sich einen Gegner bei Namen 
herausforderte; der Besiegte uebergab dann dem Gegner Mantel und Schwert und 
machte auch wohl noch mit ihm Gastfreundschaft. Zwanzig Jahre nach dem Ende des 
Hannibalischen Krieges sandte die kleine keltiberische Gmeinde von Complega (in 
der Gegend der Tajoquellen) dem roemischen Feldherrn Botschaft zu, dass er ihnen 
fuer jeden gefallenen Mann ein Pferd, einen Mantel und ein Schwert senden moege, 
sonst werde es ihm uebel ergehen. Stolz auf ihre Waffenehre, so dass sie haeufig 
es nicht ertrugen, die Schmach der Entwaffnung zu ueberleben, waren die Spanier 
dennoch geneigt, jedem Werber zu folgen und fuer jeden fremden Span ihr Leben 
einzusetzen - bezeichnend ist die Botschaft, die ein der Landessitte wohl 
kundiger roemischer Feldherreinem keltiberischen, im Solde der Turdetaner gegen 
die Roemer fechtenden Schwarm$
ht durch falsche Nachrichten ueber den Stand der 
Dinge in Asien, die Tollheit begangen, den Amynander wieder auf seinen 
athamanischen Thron zu setzen und mit Philippos in den von diesem besetzten 
aetolischen und thessalischen Grenzlandschaften sich herumzuschlagen, wobei der 
Koenig mehrere Nachteile erlitt. Es versteht sich, dass hiernach Rom ihre Bitte 
um Frieden mit der Landung des Konsuls Marcus Fulvius Nobilior bQeantwortete. Er 
traf im Fruehling 565 (189) bei den Legionen ein und nahm nach fuenfzehntaegiger 
Belagerung durch eine fuer die Besatzung ehrenvolle Kapitulation Ambrakia, 
waehrend zugleich die Makedonier, die Illyrier, die Epeiroten, die Akarnanen nd 
Achaeer ueber die Aetoler herfielen. Von eigentlichem Widerstand konnte nicht 
die Rede sein; auf die wiederholten Friedensgesuche der Aetoler standen denn 
auch die Roemer vom Kriege ab und gewaehrten Bedingungen, welche solchen 
erbaermlichen und tueckischen Gegnern gegeueber billig genannt werden muessen. 
Die Aetoler verloren alle Stae$
r 
Charakteri*tik des Buches mag das eine genuegen, dass die Geschichte von Kronos' 
Kinderverschlingung erklaert wird aus der in aeltester Zeit bestehenden und 
durch Koenig Zeus abgeschafften Menschenfresserei. Trotz oder auch durch seine 
Plattheit und Tendenzmacherei machte das Produkt in Griechenland ein 
unverdientes Glueck und half in Gemeinschaft mit den gangbaren Philosophien dort 
die ote Religion begraben. Es ist ein merkwuerdiges Zeichen des ausgesprochenen 
und wohlbewussten Antagonismus zwischen der Religion und der neuen Literatur, 
dass bereits Ennius diese notorisch destruktiven Epicharmischen und 
Euhemeristischen Schriften ins Lateinische uebertrug. Die Uebersetzer moegen vor 
der roemischen Polizei sich damit gerechtfertigt haben, dass die Angriffe sich 
nur gegen die griechischen und nicht gegen die latinischen Goetter wandten; aber 
die Ausrede war ziemlich durchsichtig. In seinem Sinne hatte Cato ganz recht, 
diese Tendenzen, wo immer sie ihm vorkamen, ohne Unterschied mit der ihm eig$
der strenge und geizige, der zaertliche und weichmuetige, 
der nachsichtige gelegenheitsmachende Papa, der verliebte Greis, der alte 
bequeme Jungesell, die eifersuechtige bejahrte Hausehre mit ihrer alten, gegen 
den Herrn mit der Frau haltenden Magd; wogegen die Juenglingsrollen 
zuruecktreten und weder der erste Liebhaber noch der hie und da begegnende 
tugendhafte Mustersohn viel bedeuten wollen. Die Bedientenwelt: der verschmitzte 
Kammerdiener, der strenge Hausmeister, der alte wackere Erzieher, der 
knoblauchduftende Ackerknecht, das impertinente Juengelchen - leitet schon 
hinueber zu den sehr zahlreichen Gewerberollen. Eine stehende Figur darunter ist 
der Spassmacher (parasitus), welcher fuer die Erlaubnis, an der Tafel des 
Reichen mitzuschmausen, die Gaeste mit Schnurren und Scharaden zu belustigen, 
auch nach Umstaenden sich die Scherben an den Kopf werfen zu lassen hat - es war 
dies damals in Athen ein foermliches Gewerbe, und sicher ist es auch keine 
poetisce Fiktion, wenn ein solcher Schma$
aecilius, 
von dem wir keine Stuecke mehr besitzen, wird es nachgeruehmt, dass er sich 
vorzugsweise durch die kunstmaessigere Behandlung des Sujets auszeichnete.
In der Behandlung des einzelnen fuehren das Bestreben des Poeten, seinen 
roemischen Zuhoerern die Dinge moeglichst vor die Augen zu bringen, und die 
Vorschrift der olizei, die Stuecke auslaendisch zu halten, die wunderlischsten 
Kontraste herbei. Die roemischen Goetter, die sakralen, militaerischen, 
juristischen Ausdruecke der Roemer, nehmen sich seltsam aus in der griechischen 
Welt; bunt durcheinander gehen die roemischen Aedilen und Dreiherren mit den 
Agoranomen und Demarchen; in Aetolien oder Epidamnos spielende Stuecke schicken 
den Zuschauer ohne Bedenken nach dem Velabrum und dem Kapitol. Schon eine solche 
klecksartige Aufsetzung der roemischen Lokaltoene auf den griechischen Grund ist 
eine Barbarisierung; aber diese in ihrer naiven Art ,ft sehr spasshaften 
Interpolationen sind weit ertraeglicher als die durchgaengige Umstimmung der 
S$
t man ihnen vertraue 
und sie uns leicht zugrunde richten moegen. Auch uns nennen sie Barbaren, ja 
schimpfen uns mit dem noch gemeineren Namen der Opiker. Auf die Heilkuenstler 
also lege ich dir Acht und Bann."
Der eifrige Mann wusste nicht, dass der Name der Opiker, der im 
Lateinischen eine schmutzige Bedeutug hat, im Griechischen ganz unverfaenglich 
ist, und dass die Griechen auf die unschuldigste Weise dazu gekommen waren, die 
Italiker mit demselben zu bezeichnen.
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Werfen wir schliesslich noch einen Blick af den Stand der bauenden und 
bildenden Kuenste, so macht, was die ersten anlangt, der beginnende Luxus sich 
weniger in dem oeffentlichen als im Privatbauwesen bemerklich. Erst gegen den 
Schluss dieser Periode, namentlich mit der Catonischen Zensur (570 184) faengt 
man in jenem an, neben der gemeinen Notdurft auch die gemeine Bequemlichkeit ins 
Auge zu fassen, die aus den Wasserleitungen gespeisten Bassins (lacus) mit Stein 
auszulegen (570 184), S$
enblicklich ins Gefecht solltet und euern Letzten Willen noch
berdchtet!
Nothhafft von Wernberg.  Da hoff ich anders auszusehen, obgleich ich
keinen Vater mehr habe, der mich wieder heraushaut, wenn's zu arg
wird, wie Ihr!
Albrecht.  Ja, das ist wahr, da hab ich einen Vorzug vor euch.  Ich
darf dem Tode eck in den Rachen springen, wie die Maus dem Lwen.
Noch zwischen Kauen und Schlucken reit mich der wieder heraus, der
mich gemacht hat.
Nothhafft von Wernberg.  Das habt Ihr bei Alling erfahren!  Wre er
nicht gewesen-
Albrecht.  So wrde mein erster Kampf auch mein letzter geblieben
sein, und ich htte nie gehrt, wie s die Siegstrompete tnt; was
red ich, ich htte Agnes nie erblickt!
Nothhafft von Wernberg.  Agnes!
Albrecht.  Oh, ic bin ihm Dank schuldig, unendlichen Dank, mehr Dank,
wie irgendein anderer Sohn dem seinigen!
Nothhafft von Wernberg.  Fhlt Ihr's?
Albrecht.  Erst seit gestern ganz!  Dies Auge, das ich jetzt
freiwillig schlieen mchte, wie den Mund, wenn er seine Kirsche
hat--gebrochen $
dsam
Augsburger Brgertochter, Jungfer Agnes Bernauer, ist meine Gemahlin,
und niemand, als sie, befindet sich auf Vohburg!  Hier stehen meine
Ernst.  Preising!  Das ist ja zum--Wiederjungwerden!
Albrecht.  Da man nun mit seinem an0etrauten Weibe nicht in Unehren
leben kann, so--Schildknapp', zeig dem Mann mit dem Buch da, wie man
Schildknapp' (ffnet rasch).
Albrecht (tritt ein).  Nun, Ihr Herren?  Man pflegt: ich wnsch Euch
Glck! zu sagen!
Ernst (greift zum Schwert und will hinunterstrzen).  Ich komm schon!
Preising (wirft sich ihm entgegen).  Gndiger Herr, erst mt Ihr
mich durchstoen!
Ernst.  Ei, ich will's ja nur als Knttel brauchen, ich will nur fr
die berraschung danken!  Doch, Ihr habt recht, es ist auch so gut,
was erhitzt der Vater sich, der Herzog gengt.  (Er rut.)  Edle von
Bayern, Grafen, Freiherren und Ritter, auch Wilhelm, mein Bruder, hat
Albrecht.  Was soll das?
Ernst.  Wer den Weg zur Schlafkammer seiner ehr--und tugendsamen
Jungfer--allen Respekt vor ihr, es mu eine gescheite P$
onner in den Hnden
Und tausend neue Tode mir zur Seite,
Behielten kaum zur Flucht noch Mut und Kraft.
Doch ich verfolgte sie, als mte ich
Fr die Erinnyen den Dienst versehen,
Und nicht ein einziger kam mir davon!
Dann wollt' ich mit dem Ring zurck zum Grabe,
Allein obgleich ich mir mit blut'gen Leichen
Den Weg bezeichnet hatte: nicht am Abend
Und niht des Morgens lie es sich mehr finden,
Und wider meinen Willen blieb er mein.
Das ist ein Schatz, wie keiner!
                    Sagt' ich's nicht?
Ein Knigsring! Drum, Knig, nimm ihn hin!
Erst nach dem Kampfe!
          Herr, ich trug ihn nie
Seit jenem Tag und trag ihn niemals wider!
Bist du mit Holz so geizig? Keines Waldes
Bedarf es ja zu meinem Scheiterhaufen,
Ein Baum gengt, und traue diesem Arm,
Er wird dir auch wohl noch den Baum ersparen!
So gib! Ich prf ihn!
    Und ich wappne mich!
Erster Akt--2
Gemach der Knigin.
Rhodope nebst ihren Dienerinnen, Lesbia und Hero darunter
Nun freut ech, liebe Mdchen, heute ist
Es euch vergnnt! So sehr ich's$
rger kann er nicht aussehen!"
Unter solchen Gesprchen hatten wir die Gebirgshhe erstiegen und
waren ein ziemlich Stck Wegs in den wilden, finstern Wald
geschritten, da hrten wir ein abscheuliches Katzengeheul und kamen
bald an eine Htte, mit Stroh und Reisern gedeckt; alte Lumpen hingen
auf dem Zaun, und an einer Stange war ein groes Stachelschwein ber
der Tre herausgesteckt als Schild.  "Da sind wir", sagte Martino;
"wie glaubt ihr, da dies vornehme Gasthaus heie?"--"Zum
Stachelschwein!" sagte ich.-"Nein!" erwiderte Martino, "es hat
mehrere Namen; einige nennen es des Teufels Zahnbrste, andre des
Teufels Pelzmtze, andre gar seinen Hosenknopf."  Wir lachtenber
die nrrischen Namen.  Die Katze sa vor der Tre auf einem
zerbrochenen Hhnerkorb, machte einen Buckel gegen uns und ein Paar
feurige Augen und hrte nicht auf zu solfeggieren.  In dem Hause aber
rumpelte es wie in einem Raspelhause und leeren Magen.  Nun schlug
Martino mit der Faust gegen die Tre und schrie: "Holla, Frau Susanna,
fr$
 605 (149) bewirkte, dass man die spanischen 
Angelegenheiten zunaechst wieder den gewoehnlichen Statthaltern ueberliess. So 
verwuesteten denn die Lusitaner, durch Galbas Treulosigkeit mehr erbittert als 
gedemuetigt, unaufhoerlich das reiche turdetanische Gebiet. Gegen sie zog der 
roemische Stathalter Gaius Vetilius (607/08 147/48) 2 und schlug sie nicht 
bloss, sondern draengte auch den ganzen Haufen auf einen Huegel zusammen, wo 
derselbe rettungslos verloren schien. Schon war die Kapitulation so gut wie 
abgeschlossen, als Viriathus, ein Mann geringer Herkunft, aber wie einst als 
Bube ein tapferer Verteidiger seiner Herde gegen die wilden Tiere und Raeuber, 
so jetzt in ernsteren Kaempfen ein gefuerchteter Guerillachef und einer der 
wenigen, die dem treulosen Ueberfall Galbas zufaellig entronnen waren, seine 
Landsleute warnte, auf roemisches Ehrnwort zu bauen und ihnen Rettung verhiess, 
wenn sie ihm folgen wollten. Sein Wort und sein Beispiel wirkten; das Heer 
uebertrug ihm den Oberbefehl. Viriath$
echenland im Jahre 608 (146) roemische Provinz 
geworden sei oder nicht, laeuft in der Hauptsache auf einen Wortstreit hinaus. 
Dass de griechischen Gemeinden durchgaengig "frei" blieben (CIG 1543, 15; Caes. 
civ. 3, 5; App. Mithr. 58; Zonar. 9, 31), ist ausgemacht;aber nicht minder ist 
es ausgemacht, dass Griechenland damals von den Roemern "in Besitz genommen 
ward" (Tac. arm. 14, 21; 1. Makk. 8, 9,10); dass von da an jede Gemeinde einen 
festen Zins nach Rom entrichtete (Paus. 7, 16, 6; vgl. Cic. prov. 3, 5), die 
kleine Insel Gyaros zum Beispiel jaehrlich 150 Drachmen (Strab. 10, 485); dass 
die "Ruten und Beile" des roemischen Statthalters fortan auch in Griechenland 
schalteten (Polyb. 38, 1 c; vgl. Cic. Verr. 1. 1, 21, 55) und derselbe die 
Oberaufsicht ueber die Stadtverfassungen (CIG 1543) sowie in gewissen Faellen 
die riminaljurisdiktion (CIG 1543; Plut. Cim. 2) fortan ebenso uebte wie bis 
dahin der roemische Senat; dass endlich die makedonische Provinzialaera auch in 
Griechenland im Gebrauch wa$
fingen an so sehr aus dem Heere zu verschwinden, 
dass es schon schwer hielt, fuer die spanischen Heere die erforderliche Anzahl 
von Offizieren aufzutreiben. Die immer steigende Abneigung namentlich gegen den 
spanischen Kriegsdienst in Verbindung mit der von den Beamten bei der Aushebung 
bewiesenen Parteilichkeit noetigten im Jahre 602 (152) zum Aufgeben deralten 
Uebung, die Auswahl der erforderlichen Anzahl Soldaten aus der dienstpflichtigen 
Mannschaft dem freien Ermessen der Offiziere zu ueberlassen, und zu deren 
Ersetzung durch das Losen der saemtlichen Dienstpflichtigen - sicher nicht zum 
Vorteil des militaerischen Gemeingeistes und der KriegWstuechtigkeit der 
einzelnen Abteilungen. Die Behoerden, statt mit Strenge durchzugreifen, 
erstreckten die leidige Volksschmeichelei auch hierauf mit: wenn einmal ein 
Konsul fuer den spanischen Dienst pflichtmaessig strenge Aushebungen 
veranstaltete, so machten die Tribune Gebrauch von ihrem verfassungsmessigen 
Recht, ihn zu verhaften (603, 616 151,138); $
Revolution ging an. Die revolutionaere 
Partei, die in demTeilungsamt gleichsam eine konstituierte Vorstandschaft 
besass, atte schon bei Scipios Lebzeiten hier und dort mit dem bestehenden 
Regiment geplaenkelt; namentlich Carbo, eines der ausgezeichnetsten 
Rednertalente dieser Zeit, hatte als Volkstribun 623 (131) dem Senat nicht wenig 
zu schaffen gemacht, die geheime Abstimmung in den Buergerschaftsversammlungen 
durchgesetzt, soweit es nicht bereits frueher geschehen war, und sogar den 
bezeichnenden Antrag gestellt, den Volkstribunen die Wiederbewerbung um dasselbe 
Amt fuer das unmittelbar folgende Jahr freizugeben, also das Hindernis an dem 
Tiberius Gracchus zunaechst gescheitert war, gesetzlich zu beseitigen. Der Plan 
war damals durch den Widerstand Scipios vereitelt worden; einige Jahre spaeter, 
wie es scheint nach dessen Tode, wurde das Gesetz, wenn auch mit beschraenkenden 
Klauseln, wieder ein- und durchgebracht 2. Die hauptsaechliche Absicht der 
Partei ging indes auf Reaktivierung des fakt$
 zu ueben. Diese Bezeichnung, die urspruenglich nur der 
diensttuenden Buergerreiterei zukam, uebertrug sich allmaehlich, wenigstens im 
gewoehnlichen Sprachgebrauch, auf alle diejenigen, die als Besitzer eines 
Vermoegens von mindestens 400000 Sesterzen zum Rossdienst im allgemeinen 
pflichtig waren, und begriff also die gesamte senat`rische und nichtsenatorische 
vornehme roemische Gesellschaft. Nachdem indes nicht lange vor Gaius Gracchus 
die Inkompatibilitaet des Sitzes in der Kurie und des Reiterdienstes gesetzlich 
festgestellt und die Senatoren also aus den Ritterfaehigen ausgeschieden waren, 
konnte der Ritterstand, im grossen und ganzen genommen, betrachtet werden als im 
Gegensatz zum Senat die Spekulantenaristokratie vertretend, obwohl die nicht in 
den Senat e*ingetretenen, namentlich also die juengeren Glieder der senatorischen 
Familien nicht aufhoerten, als Ritter zu dienen und also zu heissen, ja die 
eIgentliche Buergerreiterei, das heisst die achtzehn Ritterzenturien, infolge 
ihrer Zusamme$
usfuehrung gelangter Plan, den Senat durch 300 neue Mitglieder, das heisst 
ungefaehr ebenso viele als er bisher hatte, zu verstaerken und diese aus dem 
Ritterstand durch Komitien waehlen zu lassen - eine Pairskreierung im 
umfassendsten Stil, die den Senat in die vollstaendigste Abhaengigkeit von dem 
Staatsoberhaupt gebracht haben wuerde.
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7 ies und das Gesetz ne quis iudicio circumveniatur duerften identisch 
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Dies ist die Staatsverfassung, welche Gaius Gracchus entworfen und waehrend 
der beiden Jahre seines Volkstribunats (631, 632 123, 122) in ihren 
wesentlichsten Punkten durchgefuehrt hat, soweit wir sehen, ohne auf irgendeine 
nennenswerten Widerstand zu stossen und ohne zur Erreichung seiner Zwecke Gewalt 
anwenden zu muessen. Die Reihenfolge, in der die Massregeln durchgebracht sind, 
laesst in der zerruetteten Ueberlieferung sich nicht mehr erkennen, und auf 
manche naheliegende Frage muessen wir die$
er Donau von den Kelten eingenommenen Landschaft. Sie nannten 
sich die Kimbrer, das heisst die Chempho, die Kaempen oder, wie ihe Feinde 
uebersetzten, die Raeuber, welche Benennung indes allem Anschein nach schon vor 
ihrem Auszug zum Volksnamen geworden war. Sie kamen aus dem Norden und!stiessen 
unter den Kelten zuerst, soweit bekannt, auf die Boier, wahrscheinlich in 
Boehmen. Genaueres Meber die Ursache und die Richtung ihrer Heerfahrt haben die 
Zeitgenossen aufzuzeichnen versaeumt ^12 und kann auch durch keine Mutmassung 
ergaenzt werden, da die derzeitigen Zustaende noerdlich von Boehmen und dem Main 
und oestlich vom unteren Rheine unseren Blicken sich vollstaendig entziehen. 
Dagegen dafuer, dass die Kimbrer und nicht minder der ihnen spaeter sich 
anschliessende gleichartige Schwarm der Teutonen ihrem Kerne nach nicht der 
keltischen Nation angehoeren, der die Roemer sie anfaenglich zurechneten, 
sondern der deutschen, sprechen die bestimmtesten Tatsachen: das Erscheinen 
zweier kleiner gleichnam$
ichtende Schleuderpreis von 6 1/3 As herabgesetzt auf eine blosse 
Rekognitionsgebuehr von 5/6 As. Indes obwohl man das Buendnis mit den Rittern und dem hauptstaedtischen Proletariat nicht verschmaehte, so ruhte doch die 
eigentlich zwingende Macht der Verbuendeten wesentlich nicht darauf, sondern auf 
den entlassenen Soldaten der Marianischen Armee, welche ebendeshalb in den 
Kolonialgesetzen selbst in so ausschweifender Weise bedacht worden waren. Auch 
hierin tritt der vorwiegend militaerische Charakter hervor, der hauptsaechlich 
diesen Revolutionsversuch von dem voraufgehenden unterscheidet.
Man ging also ans Werk. Das Getreide- und das Kolonialgesetz stiessen bei 
der Regierung, wie begreiflich, auf die lebhafteste Gegenwehr. Man bewies im 
Senat mit schlagenden Zahlen, dass jenes die oeffentlichen Kassen bankrott 
machen muesse; Saturninus kuemmerte sich nicht darum. Man erwirkte gegen beide 
Gesete tribunizische Interzession; Saturninus liess weiterstimmen. Man zeigte 
en die Abstimmung leitenden Bea$
t vornehme Juenglinge, zerstob wie Spreu vor der 
ungeheuren Uebermacht. Die einzige Hoffnung der Rettung beruhte auf Sulla. 
Dieser war, auf die Nachricht vom Abmarsch des samnitischen Heeres in der 
Richtung auf Rom, gleichfalls eiligst aufgebrochen der Hauptstadt zu Hilfe. Den 
sinkenden Mut der Buergerscaft belebte im Laufe des Morgens das Erscheinen 
seiner ersten Reiter unter Balbus; am Mittag erschien er selbst mit der 
Hauptmacht und ordnete sofort am Tempel der Erykinischen Aphrodite vor dem 
Collinischen Tor (unweit Porta Pia) die Reihen zur Sclacht. Seine 
Unterbefehlshaber beschworen ihn, nicht die durch den Gewaltmarsch erschoepften 
Truppen sofort in den Kampf zu schicken; aber Sulla erwog, was die Nacht ueber 
Rom bringen koenne, und befahl noch am spaetn Nachmittag den Angriff. Die 
Schlacht war hart bestritten und blutig. Der linke Fluegel Sullas, den er selbst 
anfuehrte, wich zurueck bis an die Stadtmauer, so dass es notwendig ward, die 
Stadttore zu schliessen; schon brachten Versprengte $
n durch ebenjenen Poebel, 
der ihm vor acht Jahren das Haus geschleift hatte, zurueck nach seiner Wohnung.
Die Nachwelt hat weder Sulla selbst noch sein Reorganisationswerk richtig 
zu wuerdigen verstanden, wie sie denn unbillig zu sein pflegt gegen die 
Persoenlichketten, die dem Strom der Zeiten sich entgegenstemmen. In der Tat ist 
Sulla eine von den wunderbarsten, man darf vielleicht sagen eine einzige 
Erscheinung in der Geschichte. Physisch und psychisch ein Sanguiniker, 
blauaeugig, blond, von auffallend weisser, aber bei jeder leidenschaftlichen 
Bewegung sich roetender Gesichtsfarbe, uebrigens ein schoener, feurig blickender 
Mann, schien er nicht eben bestimmt, dem Staat mehr zu sein als seine Ahnen, die 
seit seines Grossvaters Grossvater Publius Cornelius Rufinus (Konsul 464, 477 
290, 277), einem der angesehensten Feldherrn und zugleich dem prunkliebendsten 
Mann der pyrrhischen Zeit, in Stellungen zweiten Ranges verharrt hatten. Er 
begehrte vom Leben nichts als heiteren Genuss. Aufgewachen in $
en Epoche ihre wesentliche Ausbildung verdanken. Die 
Rueckwirkung der politischen Verhaeltnisse auf die Rechtsentwicklung ist schon 
mehrfach angedeutet wor
den; sie war nicht immer vorteilhaft. Durch die 
Einrichtung des Erbschaftsgerichtshofs der Hundertmaenner zum Beispiel trat auch 
in dem Vermoegensrecht ein Geschworenenkollegium auf, das gleich den 
Kriminalbehoerden, statt das Gesetz einfach anzuwenden, sich ueber dasselbe 
stellte und mit der sogenannten Billigkeit die rechtlichen Institutionen 
untergrub; wovon unter anderm eine Folge die unvernuenftige Satzung war, dass es 
jedem, den ein Verwandter im Testament uebergangen hat, freisteht, auf 
Kassierung des Testaments vor dem Gerichtshof anzutragen, und das Gericht nach 
Ermessen entscheidet. Bestimmter laesst die Entwicklung der juristischen 
Literatur sich erkennen. Sie hatte bisher auf Formulariensammlungen und 
Worterklaerungen zu den Gesetzen sich beschraenkt;!in dieser Periode bildete 
sich zunaechst eine Gutachtenliteratur, die ungefaehr $
t. Es war 
zunaechst fuer Rom eine politische Notwendigkeit, der ewig drohenden Invasion 
der Deutschen schon jenseits der Alpen zu begegnen und dort einen Damm zu 
ziehen, der der roemischen Welt den Frieden sicherte. Aber auch dieser wichtige 
Zweck war noch nicht der hoechste und letzte, wshalb Gallien von Caesar erobert 
ward. Als der roemischen Buergerschaft die alte Heimat zu eng geworden war und 
sie in Gefahr stand zu verkuemmern, rettete die italische Eroberungspolitik des 
Senats dieselbe vom Untergang. Jetzt war auch die italische Heimat wieder zu eng 
geworden; wieder siechte der Staat an denselben in gleicher Art, nur in 
groesseren Verhaeltnissen sich wiederholenden sozialen Missstaenden. Es war ein 
genialer Gedanke, eine grossartige Hoffnung, welche Caesar ueber die Alpen 
fuehrte: der Gedanke und die Zuversicht,dort seinen Mitbuergern eine neue, 
grenzenlose Heimat zu gewinnen und den Staat zum zweitenmal dadurch zu 
regenerieren, dass er auf eine breitere Basis gestellt ward.
Gewissermass$
einem roemischen Korps dahin gesandt; er bewirkte, dass die 
Veneter, die, als Herren der Haefen des heutigen Morbihan und einer ansehnlichen 
Flotte, in Schiffahrt und Handel unter allen keltischen Gauen den ersten Platz 
einnahen, und ueberhaupt die Kuestendistrikte zwischen Loire und Seine sich den 
Roemern unterwarfen und ihnen Geiseln stellten. Allein es gereute sie bald. Als 
im folgenden Winter (697/98 57/5 roemische Offiziere in diese Gegenden kamen, um 
Getreidelieferungen daselbst auszuschreiben, wurden sie von den Venetern als 
Gegengeiseln festgehalten. Dem gegebenen Beispiel folgten rasch nicht bloss die 
aremoricanischen, sondern auch die noch freigebliebenen Seekantone der Belgen; 
wo, wie in einigen Gauen der Normandie, der Gemeinderat sich weigerte, der 
Insurrektion beizutreten, machte die Menge ihn nieder und schloss mit 
verdoppeltem Eifer der Nationalsache sich an. Die ganze Kueste von der Muendung 
der Loire bis zu der des Rheins stand auf ggen Rom; die entschlossensten 
Patrioten aus $
r ausdruecklich und 
oeffentlich Pompeius' Verhalten waehrend der Diktatur und die durch ihn bewirkte 
Wiederherstellung der Ordnung in der Hauptstadt, wies die Warnungen 
geschaeftiger Freunde als Verleumdungen zurueck, rechnete jeden Tag, um den es 
gelang, die Katastrophe zu verzoegern, sich zum Gewinn, uebersah, was sich 
ueberseen liess, und ertrug, was ertragen werden konnte, unerschuetterlich 
festhaltend nur an der einen und entscheidenden Forderung, dass, wenn mit dem 
Jahre 705 (49) seine Statthalterschaft zu Ende ging, das nach republikanischem 
Staatsrecht zulaessige, von seinem Kollegen vertragsmaessig zugestandene zweite 
Konsulatfuer das Jahr 706 (48) ihm zuteil werde.
Ebendies wurde das Schlachtfeld des jetzt beginnenden diplomatischen 
Krieges. Wenn Caesar genoetigt wurde, entweder sein Statthalteramt vor dem 
letzten Dezember 705 (49) niederzulegen oder die Uebernahme des 
hauptstaedtischen Amtes ueber den 1. Januar 706 (48) hinauszuschieben, er also 
eine Zeitlang zwischen Statthalterscha$
ich die 
Niederlegung ihres Kommandos aufgegeben werden moege, ueber alle durch sein 
Schreibe nahegelegten Vergleichsvorschlaege und ueber den von Marcus Caelius 
Rufus und Marcus Calidius gestellten Antrag, Pompeius zur sofortigen Abreise 
nach Spanien zu veranlassen, weigerten sich die Konsuln, wie sie als Vorsitzende 
es durft0n, die Abstimmung zu eroeffnen. Selbst der Antrag eines der 
entschiedensten Gesinnungsgenossen, der nur nicht gegen die militaerische Lage 
der Dinge so blind war wie seine Partei, des Marcus Marcellus: die 
Beschlussfassung auszusetzen, bis der italische Landsturm unter Waffen stehe und 
den Senat zu schuetzen vermoege, durfte nicht zur Abstimmung gebracht werden. 
Pompeius liess durch sein gewoehnliches Organ Quintus Scipio erklaeren, dass er 
jetzt oder nie die Sache des Senats aufzunehmen entschlossen sei und sie fallen 
lasse, wenn man noch laenger zaudere. Der Konsul Lentulus sprach es unumwunden 
aus, dass es gar auf den Beschluss des Senats nicht mehr ankomme, sondern, we$
hm die Getreideverteilung an die hauptstaedtische 
Menge fast unerschwingliche Summen in Anspruch: durch die von Cato 691 (63) ihr 
gegebene Ausudehnung stieg die jaehrliche Ausgabe dafuer auf 30 Mill. Sesterzen 
(2300000 Taler), und seit Abschaffung der bisher gezahlten Verguetung im Jahre 
696 (58) verschlang dieselbe gar den fuenften Teil der Staatseinkuenfte. Auch 
das Militaerbudget war gestiegen, seit zu den Besatzungen von Spanien, 
Makedonien und den uebrigen Provinzen noch die von Kilikien, Syrien und Gallien 
hinzukamen. Unter den ausserordentlichen Ausgaben snd in erster Linie die 
grossen Kosten der Flottenruestungen zu nennen, wofuer zum Beispiel fuenf Jahre 
nach der grossen Razzia von 687 (67) auf einmal 34 Mill. Sesterzen (2600000 
Taler) verausgabt wurden. Dazu kamen die sehr ansehnlichen Summen, welche die 
Kriegszuege und Kriegsvorbereitungen wegnahmen, wie denn bloss fuer Ausruestung 
des makedonischen Heeres n Piso auf einmal 18 Mill. Sesterzen (1370000 Taler), 
an Pompeius fuer die Unte$
rgends heimische Kaufmannsstand bewahrten 
diese Gutsbesitzer und die wesentlich durch dieselben gehaltenen "Ackerstaedte" 
(municipia rusticana) sowohl die Zucht und Sitte der Vaeter als auch deren reine 
und edle Sprache. Der Gutsbesitzerstand gilt als der Kern der Nation; der 
Spekulant, der sein Vermoegen gemacht hat und unter die Notabeln des Landes 
einzutreten wuenscht, kauft sich an und sucht wenn nicht selbst Squire zu 
werden, doch wenigstens einen Sohn dazu zu erziehen. DenZ Spuren dieser 
Gutsbesitzerschaft begegnen wir, wo in der Politik eine volkstuemliche Regung 
sich zeigt und wo die Literatur einen gruenen Svross treibt: aus ihr sog die 
patriotische Opposition gegen die neue Monarchie ihre beste Kraft; ihr gehoeren 
Varro, Lucretius, Catullus an; und vielleicht nirgends tritt die relative 
Frische dieser Gutsbesitzerexistenz charakteristischer hervor als in der 
anmutigen arpinatischen Einleitung zu dem zweiten Buche der Schrift Ciceros von 
den Gesetzen, einer gruenen7 Oase in der fuerchter$
he 
Zahl, hatten nicht bloss die freie Verwaltung, sondern wahrscheinlich 
unbeschraenkte Gerichtsbarkeit, so dass der Statthalter hier nur kraft sei@er 
allerdings sehr arbitraeren Verwaltungskontrolle einzugreifen befugt war. Wohl 
hatte es auch frueher schon Vollbuergergemeinden innerhalb der 
Statthaltersprengel gegeben, wie zum Beispiel Aquileia und Narbo, und hatten 
ganze Statthaltersprengel, wie das Diesseitige Gallien, aus Gemeinden mit 
italischer Verfassung bestanden; aber wenn nicht rechtlich, war es doch 
politisch eine ungemein wichtige Neuerung, dass es jetzt eine Provinz gab, die 
so gut wie Italien lediglich von roemischen Buergern bevoelkert war ^32, und 
dass andere es zu werden versprachen. Es fiel damit der eine grosse 
tatsaechliche Gegensatz, in dem Italien zu den Provinzen gestanden hatte; und 
auch der zweite, dass in Italien regelmaessig keine Truppen standen, wohl aber 
in den Provinzen, war gleichermassen im Verschwinden: die Truppen standen jetzt 
nur da, wo es eine Grenze zu ver$
gs das Vollkommenste, was die 
lateinische Poesie ueberhaupt aufzuweisen vermag.
Es beginnt endlich in dieser Epoche die Dichtung in prosaischer Form. Das 
bisher unwandelbar festgehaltene Gesetz der echtn, naiven wie bewussten, Kunst, 
dass der poetische Stoff und die metrische Fassung sich einander bedingen, 
weicht der Vermischung und Truebung aller Kunstgattungen und Kunstformen, welche 
zu den bezeichnendsten Zuegen dieser Zeit gehoert. Zwar von Romanen ist noch 
weiter nichts anzufuehren, als dass der beruehmteste Geschichtschreibe1r dieser 
Epoche, Sisenna, sich nicht fuer zu gut hielt, de viel gelesenen Milesischen 
Erzaehlungen des Aristeides, schluepfrige Modenovellen der plattesten Sorte, ins 
Lateinische zu uebersetzen. Eine originellere und erfreulichere Erscheinung auf 
diesem zweifelhaften poetisch-prosaischen Grenzgebiet sind die aesthetischen 
Schriften Varros, der nicht bloss der bedeutendste Vertreter der lateinischen 
philologisch-historischen Forschung, sondern auch in der schoenen Litera$
e. Allein bitten si darum,
dass die Bischoefe etliche unbillige Beschwerungen nachlassen, die
doch vorzeiten auch in der Kirche nicht gewesen und angenommen sindwider den Gebrauch der christlichen gemeinen Kirche; welche
veilleicht im Anheben etliche Ursachen gehabt, aber sie reimen sich
nicht zu unsern Zeiten. So ist es auch unleugbar, dass etliche
Satzungen aus Unverstand angenommen sind.  Darum sollten die
Bischoefe der Guetigkeit sein, dieselben Satzungen zu mildern,
sintemal eine solche Aenderung nichts schadet, die Einigkeit
christlicher Kirche zu erhalten; denn viele Satzungen, von den
Menschen aufgekommen, sind mit der Zeit selbst gefallen und nicht
noetig zu halten, wie die paepstlichen Rechte selbst zeugen. Kann's
aber je nicht sein, [ist] es auch bei ihnen nicht zu erhalten, dass
man solche menschlichen Satzungen maessige und abtue, welche man
ohne Suende nicht kann halten, so muessen wir der Apostel Regel
folgen, die uns gebietet, wir sollen Gott mehr gehorsam sein denn
den Menschen.
St. Petrus$
chluss
zu aendern.  Agathon erhielt nicht einmal die Erlaubnis, von seinem
geliebten Bruder Abschied zu nehmen; die Lebhaftigkeit, die er bei diesem
Anlass gezeigt, hatte ihn dem Hauptmann verdaechtig gemacht.  Er wurde also,
von Schmerz und Verzweiflung betaeubt, in die Barke getragen, und befand
sich schon eine geraume Zet ausser dem Gesichtskreis seiner Psyche, eh er
wieder erwachte, um den ganzen Umfang seines Elends zu fuehlen.
ZEHNTES KAPITEL
Ein Selbstgespraech
Da wir uns zum unverbruechlichen Gesetze gemacht haben, in dieser
Geschichte alles sorgfaeltig zu vermeiden, was gegen die historische
Wahrheit derselben einigen gerechten Verdacht erwecken koennte; so wuerden
wir uns ein Bedenken gemacht haben, das Selbstgespraech, welches wir hier
in unserm Manuskript vor uns finden, mitzuteilen, wenn nicht der
ungenannte Verfasser die Vorsicht gebraucht haette uns zu melden, dass seine
Erzaehlung sich in den meisten Umstaenden auf eine Art von Tagebuch gruende,
welches (sichern Anzeigen nach) von der eigne$
mit einem andern ebe< so
uebel zu frieden sein, der gegen dasjenige ganz unempfindlich waere, wofuer
jene allein empfindlich sind.  Ein Frauenzimmer findet allezeit ein
Vergnuegen darin, Begierden einzufloessen, auch wann sie nicht im Sinn hat,
sie zu vergnuegen.  Die Sproeden selbst sind von dieser Schwachheit nicht
ausgenommen.  Wozu haben wir noetig, dass uns ein Liebhaber sagt, dass wir
reizend sind?  Wir wollen es aus den Wuerkungen sehen, die wir auf ihn
machen.  Je weiser er ist, desto schme8ichelnder ist es fuer unsre Eitelkeit,
wenn wir ihn aus seiner Fassung setzen koennen.  Nein, du begreifst nicht,
wie sehr das Vergnuegen, das uns der Anblick aller der Torheiten macht,
wozu wir diese Herren der Schoepfung bringen koennen, alle andre uebertrifft,
die sie uns zu machen faehig sind.  Ein Philosoph, der zu meinen Fuessen wie
eine Turteldaube girret, der mir zu Gefallen seine Haare und seinen Bart
kraeuseln laesst, der so wohl riecht wie ein arabischer Salbenhaendler, der
mir den Hof zu machen, mi mein$
lo ist, gleichgueltig sein koennte?"  "Ich bin deiner
Meinung", sagte Hippias.  "Daphne flieht vor dem Apollo, weil sie ein
junges Maedchen ist; und weil sie ein junges Maedchen ist, so wuenscht sie
heimlich, dass er sie erhaschen moege.  Warum sieht sie sich so oft um, als
um ihm zu verweisen, dass er nicht schneller sei?  Wie er ihr so nahe ist,
dass sie nicht mehr entfliehen kann, so fleht sie dem Flussgotte, dass er sie
verwandeln soll.  Grimasse!  Warum sturzte sie sich nicht in den Fluss,
wenn es ihr Ernst war?  Sie tat was eine Nymphe tun soll, da sie den
Flussgott anrief; das war in der Ordnung: Aber wer konnte auch fuerc]ten, so
schnell erhoert zu werden?  Und in welchem Augenblick konnte sie es weniger
wuenschen, als in eben diesem, da sie sich von den begierigen Armen ihres
Liebhabers schon umschlungen fuehlte? Hatte sie sich denn aus einem andern
Grund ausser Atem geloffen, als damit er sie desto gewisser erhaschen
moechte?  Was ist also natuerlicher als der Unwille, der Schmerz und die
Traurigke$
r groessesten Lebhaftigkeit wuenschte.  Die
Geschichte der ersten Zeiten schien meine Hoffnung zu bestaetigen.  Die
Goetter hatten sich den Me|nschen bald in Traeumen, bald in Erscheinungen
entdeckt; verschiedene waren so gar gluecklich genug gewesen, Guenstlinge
der Goetter zu sein.  Hier kam mir Ganymed, Endymion unW so viele andre zu
statten, welche von Gottheiten geliebt worden waren.  Ich gab demjenigen,
was die Dichte davon erzaehlen, eine Auslegung, welche den erhabenen
Begriffen gemaess war, die ich von den hoehern Wesen gefasset hatte; die
Schoenheit und Reinigkeit der Seele, die Abgezogenheit von den Gegenstaenden
der Sinne, die Liebe zu den unsterblichen und ewigen Dingen, schien mir
dasjenige zu sein, was diese Personen den Goettern angenehm, und zu ihrem
Umgang geschickt gemacht hatte.  Ich entdeckte endlich dem Theogiton (so
hiess der Priester) meine lange geheim gehaltene Gedanken.  Er erklaerte
sich auf eine Art darueber, welche meine Neubegierde rege machte, ohne sie
zu befriedigen; er liess $
 aufsuchen -"
"Das raten wir euch nicht; die Rede ist nur von dem Falle, wenn ihr sie
findet -" "Aber, wenn wir keine finden?" -"So suchet die vernuenftigste,
tugendhafteste und liebenswuerdigste Frau auf, die ihr finden koennet--Hier
erlauben wir euch zu suchen,nur nicht (um euch einen Umweg zu ersparen)
unter den Schoensten; ist sie liebenswuerdig, so wird sie euch desto staerker
einnehmen; ist sie tugendhaft, so wird sie euch nicht verfuehren; ist sie
klug, so wird sie sich von euch nicht verfuehren lassen.  Ihr koennet sie
also ohne Gefahr lieben -" "Aber dabei finden wir unsre Rechnung nicht;
die Frage ist, wie wir uns vo ihr lieben machen -" "Allerdings, das wird
die Kunst sein; der Versuch ist euch wenigstens erlaubt; und wir stehen
euch dafuer, wenn sie und ihr jedes das seinige tut, so werdet ihr euern
Roman zehen Jahre durch in einer immer naehernden Linie fort fuehren, ohne
dass i!r dem Mittelpunkt naeher sein werdet als anfangs--Und das ist alles,
was wir euch sagen wollten."
FUeNFTES KAPITEL
Sch$
es zu bewuerken, und im Notfall zu erklaeren, dass
diese Republik sich genetiget sehen wuerde, die Partei Dions mit ihrer
ganzen Macht zu unterstuetzen, wofern Dionys sich laenger weigern wollte,
diesem Prinzen sowohl als dem Agathon;vollkommne Gerechtigke*it widerfahren
zu lassen.  Dionys kannte den Charakter des Archytas zu gut, um an dem
Ernst dieser Drohung zweifeln zu koennen.  Er hoffte sich also am besten
aus der Sache zu ziehen, wenn er unter der Versicherung, dass er von einer
Aussoehnung mit seinem Schwager nicht abgeneigt sei, in die Entlassung
Agathons einwilligte.  Aber dieser erklaerte sich, dass er seine Entlassung
weder als eine Gnade von dem Dionys annehmen, noch der Fuerbitte seiner
Freunde zu danken haben wolle.  Er verlangte, dass die Verbrechen, um
derentwillen er in Verhaft genommen worden, oeffentlich angezeigt, und in
Gegenwart des Dionys, der Gesandten von Tarent und der Vornehmsten zu
Syracus, untersucht, seine Rechtfertigung gehoert, und sein Urteil nach den
Gesetzen ausgesprochen w$
 werde in der Fabel durch eine
Handlung ausgedrueckt, sondern ich will lieber ein Wort von einem
weitern Umfange suchen und sagen, der allgemeine Satz werde durch die
Fabel auf einen einzeln Fall zurueckgefuehret.  Dieser einzelne Fall
wird allezeit das sein, was ich oben unter dem Worte Handlung
verstanden habe; das aber, was Batteux darunter verstehet, wird er nur
dann und wann sein.  Er wird allezeit eine Folge von Veraenderungen
sein, die durch die Absicht, die der Fabulist damit verb0indet, zu
einem Ganzen werden.  Sind sie es auch ausser dieser Absicht, desto
besser!  Eine Folge von Veraenderungen--dass es aber Veraenderungen
freier, moralischer Wesen sein muessen, verstehet sich von selbst.
Denn sie sollen einen Fall ausmachen, der unter einem Allgemeinen, das
sich nur von moralischen Wesen sagen laesst, mit begriffen ist.  Und
dain hat Batteux freilich recht, dass das, was er die Handlung der
Fabel nennet, bloss vernuenftigen Wesen zukomme.  Nur koemmt es ihnen
nicht deswegen zu, weil es ein Unterneh$
was wisst Ihr von meinem Stande?
Ich seh es an der Art, wie der Herr isst, dass er eine andere
Gesellschaft gewohnt ist, als er hier findet, sagte der Jude.
Andrea mass ihn mit einem festen Blick, vor dem das lauernde Auge des
andere sich senkte.  Dann schien ein Gedanke in ihm aufzusteigen, der
ihn ploetzlich bewog, dem Zudringlichen mit einer Art von
Vertraulichkeit entgegenzukommen.
Ihr seid ein scharfer Menschenkenner, sagte er.  Es ist Euch nicht
entgangen, dass ich einst bessere Tage gesehen und einen unverfaelschten
Wein getrunken habe.  Auch kam ich in gute Gesellschaft, obwohl ich
der Sohn eines kleinen Buergers bin und nur kuemmerlich die Rechte
studiert habe, ohne einen itel zu erwerben.  Das hat sich geaendert.
Mein Vater machte Bankrott, ich wurde arm, und ein armer
Gerichtsschreiber und Advokatengehilfe hat auf nichts Besseres
Anspruch zu machen, als was er in dieser Kneipe findet.
Ein studierter Herr hat immer Anspruch auf Verehrung, sagte der andere
mit einem sehr verbindlichen Laecheln.  Es $
 der Gott freundlich, "darum
will ich dir auch helfen.  Aber du musst selber waehlen, was fuer eine
Waffe ich dir zu deiner Verteidigung geben soll.  Willst du vielleicht,
dass ich dein Gebiss mit scharfen Fang- und Reisszaehnen ausrueste und
deine Fuesse mit spitzen Krallen bewaffne?"
Das Schaf schauderte.  "O nein, guetiger Vater, ich moechte mit den
wilden, moerderischen Raubtieren nichts gemein haben."
"Soll ich deinen Mund mit Giftwerkzeugen wappnen?" Das Schaf wich bei
dieser Vorstellung einen Schritt zurueck.  "Bitte nicht, gnaediger
Herrscher, die Giftnattern werden ja ueberall so sehr gehasst."
"Nun, was willst du dann haben?" fragte Jupiter geduldig.  "Ich koennte
Hoerner auf deine Stirn pflanzen, wuerde dir das gefallen?"
"Auch das bitte nicht", wehrte das Schaf schuechtern ab, "mit meinem
Gehoern koennte ich so streitsuechtig oder gewalttaetig werden wie ein
"Mein liebes Schaf", belehrte Jupiter sein sanftmu7tiges Geschoepf,
"wenn du willst, dass andere dir keinen Schaden zufuegen, so iusst du
ge$
e aufs Pflaster fallen.
Die Frau des Schusters betrachtete dieses Weib aufmerksam.  Es waren
jetzt doch schon sechzehn Jahre, dass sie taeglich auf dem Markte sass,
und nie hatte sie diese sonderbare Gestalt bemerkt.  Aber sie
erschrak unwillkuerlich, als die Alte auf si zuhinkte und an ihren
Koerben stillstand.
"Seid Ihr Hanne, die Gemuesehaendlerin?" fragte das alte Weib mit
unangenehmer, kraechzender Stimme, indem sie bestaendig den Kopf hin
und her schettelte.
"Ja, die bin ich", antwortete die Schustersfrau, "ist Euch etwas
"Wollen sehen, wollen sehen!  Kraeutlein schauen, Kraeutlein schauen,
ob du hast, was ichbrauche", antwortete die Alte, beugte sich nieder
vor den Koerben und fuhr mit ein Paar dunkelbraunen, haesslichen Haenden
in den Kraeuterkorb hinein, packte die Kraeutlein, die so schoen und
zierlich ausgebreitet waren, mit ihren langen Spinnenfingern, brachte
sie dann eins um das andere hinauf an die lange Nase und beroch sie
hin und her.  Der Frau des Schusters wollte es fast das Herz
abdrucken,$
hon das Zeichen gegeben, lasset uns
niedersetzen und hoeren!"
(Im Maerchenalmanach auf das Jahr 1827 stand hier "Der gebackene Kopf"
von James Justinian Morier)
Der Scheik aeusserte seinen Beifall ueber diese Erzaehlung.  Er hatte,
was in Jahren nicht geschehenwar, einigemal gelaechelt, und seine
Freunde nahmen dies als eine gute Vorbedeutung.  Dieser Eindruck war
den jungen Maennern und dem Alten nicht entgangen.  Auch sie freuten
sich darueber, dass der Scheik, auf eine halbe Stunde wenigstens,
zerstreut wurde; denn sie ehrten seinen Kummer und die Trauer um sein
Unglueck, sie fuehlten ihre Brust beengt, wenn sie ihn so ernst und
stille seinem Grame nachhaengen sahen, und gehobener, freudiger waren
sie, als die Wolke seiner Stirne auf Augenblicke vorueberzog.
"Ich kann mir wohl denken", sagte der Schreiber, "dass diese Erzaehlung
guenstigen Eindruck auf ihn machen musste; es liegt so viel Sonderbares,
Komisches darin, dass selbst der heilige De]wisch auf dem Berge
Libanon, der in seinem Leben noch nie gela$
auf sie freute.  Tag und Nacht
arbeitete ich an dem Schmuck, er wurde so schoen und zierlich, dass
selbst der Meister darueber erstaunte.  Als es fertig war, packte ich
alles sorgfaeltig auf den Boden meines Raenzels, nahm Abchied vom
Meister und wanderte meine Strasse nach dem Schlosse der Frau Pate.
Da kamen", fuhr er in Traenen ausbrechend fort, "diese schaendlichen
Menschen und zerstoerten all meine Hoffnung.  Denn wenn Eure Frau
Graefin den Schmuck verliert oder vergisst, was ich ihr sagte, und das
schlechte Raenzchen wegwirft,-wie soll ich dann vor meine gnaedige Frau
Pate treten?  Mit was soll ich mich ausweisen?  Woher die Steine
ersetzen?  Und das Reisegeld ist dann auch verloren, und ich
erscheine als ein undankbarer Mensch, der anvertrautes Gut so
leichtfertig weggegeben.  Und am Ende--wird man mir glauben, wenn ich
den wunderbaren Vorfall erzaehle?"
"Ueber das letztere seid getrost!" erwiderte der Jaeger.  "Ich glaube
nicht, dass bei der Graefin Euer Schmuck verlorengehen kann; ud wenn
auch, so w$
ie
nahmen Kohlenmunk-Peter, der um ein Nachtlager bat, gut auf, ohne
nach seinem Namen und Wohnort zu fragen, gaben ihm Apfelwein zu
trinken, und abends wurde ein grosser Auerhahn aufgesetzt.
Nach dem Nachtessen setzten sich die Hausfrau und ihre Toechter mit
ihren Kunkeln um den grossen Lichtspan, den die Jungen miUt dem
feinsten Tannenharz unterhielten, der Grossvater, der Gast und der
Hauswirt rauchten und schauten den Weibem zu, die Burschen aber waren
beschaeftigt, Loeffel und Gabeln aus Holz zu schnitzeln.  Draussen im
Wald heulte der Sturm und raste in den Tannen, man hoerte da und dort
sehr heftige Schlaege, und es schien oft, als ob ganze Baeume
abgeknickt wuerden und zusammenkrachten.  Die furchtlosen Jungen
wollten hinaus in den Wald laufen und dieses furchtbar schoene
Schauspiel mit ansehen, ihr Grossvater aber hielt sie mit strengem
Wort und Blick zurueck.  "Ich will keinem raten, dass er jetzt vor die
Tuer geht", rief er ihnen zu, "bei Gott, der kommt nimmermehr wieder;
denn der Hollaender--Mic$
as Hirn verbrannt.  Meinst du, ich glaube dir so
aufs Wort das ganze Maerchen, das du mir n der Wueste erzaehltest, dass
dein Vater ein reicher Mann in Balsora sei, du sein einziger Sohn,
und den Anfall der Araber und dein Leben in ihrer Horde und dies und
jenes.  Schon damals aergerte ich mich ueber deine frechen Luegen und
deine Unverschaemtheit.  Ich weiss, dass in Balora alle reichen Leute
Kaufleute sind, habe schon mit allen gehandelt und muesste von einem
Benazar gehoert haben, und wenn er nur sechstausend Tomans im Vermoegen
haette.  Es ist also entweder erlogen, dass du aus Balsora bist, oder
dein Vater ist ein armer Schlucker, dessen hergelaufenem Jungen ich
keine Kupfermuenze leihen mag.  Sodann der Ueberfall in der Wueste!
Wann hat man gehoert, seit der weise Kalif Harun die Handelswege durch
die Wueste gesichert hat, dass es Raeuber gewagt haben, eine Karawane zu
pluendern und sogar Menschen hinwegzufuehren?  Auch muesste es bekannt
geworden sein, aber auf meinem ganzen Weg, und auch hier in Bagd$
die Treppe hinan in ein schoenes Gemach; dort reichten sie ihm zuerst
das Waschwasser, das ihn unkenntlich machen sollte.  Er benetzte sein
Gesicht damit, schaute dann in einen Metallspiegel und kannte sich
beinahe selbst nicht mehr; denn er war jetzt von der Sonne gebraeunt,
trug einen schoenen schwarzen Bart und sah zum mindesten zehn Jahre
aelter aus, als er in der Tat zaehlte.
Hierauf fuehrten sie ihn in ein zweites Gemach, wo er eine
vollstaendige und prachtvolle Kleidung fand, in welcher sich der Kalif
von Bagdad selbst nicht haette schaemen duerfen an dem Tag, wo er im
vollen Glanze seiner Herrlichkeit sein Heer musterte.  Ausser einem
Turban vom feinsten Gewebe mit einer Agraffe von Diamanten und hohen
Reiherfedern, einem Kleid von schwerem rotem Seidenzeug, mit
silbernen Blumen durchwirkt, fand Said einen Brustpanzer von
silbernen Ringen, der so fein gearbePtet war, dass er sich nach jeder
Bewegung des Koerpers schmiegte, und doch zugleich so fest, dass ihn
weder die Lanze noch das Schwert durchdri$
Fund miteinander teilen."
"Mit ganzem Herzen; sag' mir nur, was muss ich tun?"
"Was du tun musst, erfordert Mut; du musst dich gerade vor Mitternacht
in die wildeste und einsamst` Gegend auf der Insel begeben, begleitet
von einer Kuh, die du dort schlachten und dich von jemand in ihre
frische Haut wickeln lassen musst.  Dein Begleiter muss dich dann
niederlegen und allein lassen, und ehe es ein Uhr schlaegt, weisst du,
wo die Schaetze der Carmilhan liegen."
"Auf diese Weise fiel des alten Engrol Sohn mit Leib und Seele ins
Verderben!" rief Wilm mit Entsetzen.  "Du bist der boese Geist", fuhr
er fort, indem er hastig davonruderte, "geh zur Hoelle!  Ich mag
nichts mitdir zu tun haben."
Das Maennchen knirschte, schimpfte und fluchte ihm nach; aber der
Fischer, welcher zu beiden Rudern gegriffen hatte, war ihm bald ausser
Gehoer und, nachdem er um einen Felsen gebogen, auch aus dem Gesichte.
Aber die Entdeckung, dass der boese Geist sich seinen Geiz zunutze zu
machen und mit Gold in seine Schlingen zu locke sucht$
rgab mir Briefe an seine Freunde
dort und sprach dann lange mit mir, alsmeines lieben seligen
Vaters Freund.  Denn noch selbigen Abends hatte ich zur Stadt zu
gehen, von wo ein Buerger mich auf seinem Wagen mit nach Hamburg
nehmen wollte.
Als nun der Tag hinabging, nahm ich Abschied.  Unten im Zimmer sass
Satharina an einem Stickrahmen; ich musste der Griechischen Helena
gedenken, wie ich sie juengst in einem Kupferwerk gesehen; so schoen
erschien mir der junge Nacken, den das Maedchen eben ueber ihre
Arbeit neigte.  Aber sie war nicht allein; ihr gegenueber sass Bas'
Ursel und las laut aus einem franzoesischen Geschichtenbuche.  Da
ich naeher trat, hob sie die Nase nach mir zu.  "Nun, Johannes",
sagte sie, "Er will mir wohl Ade sagen?  So kann Er auch dem
Fraeulein gleich Seine Reverenze machen!"--Da war schon Katharina
von ihrer Arbeit aufgestanden; aber indem sie mir die Hand reichte,
traten die Junker Wulf und Kurt mit grossem Geraeusch ins Zimmer; und
sie sagte nur: "Leb wohl, Johannes!" Und so ging ich$
eg der Entwicklung
einschlagen konnte? Und doch--in Preussen ist jetzt Aehnlices entdeckt.
Die Doktrinaere klagen hier Friedrich II. an, dass er in die Regierung
seines Landes ein System gebracht habe, das die Verwandtschaft mit der
einseitigen Aufklaerung seiner Zeit nicht verleugnen koenne; dass er den
Adel des Verdienstes hoeher stellte, als dey der Geburt; dass er ein
Gesetzbuch gegruendet habe, was mit den Lehren eines Haller und Bonald in
zu grellem Widerspruche liege. Preussen sei berufen, die historischen
Interessen zu vertreten. Es gaebe keinen Fortschritt, als einen durch
fruehere Zustaende bedingten. Nicht in dem Willen der leicht erregten
Masse, noch weniger in den Dek:lamationen der heutigen Wortfuehrer und
Tageshelden liege das Gesetz der Vernunft, sondern wir seien die
Leibeigenen der Vernunft, seien ihr untertan. Weil sich nun diese
Vernunft in dem offenbart, was die Geschichte bringt, so muessten wir uns
auch andaechtig vor der Macht des Positiven beugen. Das sind die
Zauberformeln, mit denen$
, gerecht, weise,
edel sein zu wollen, und dem Bewusstsein, gut, gerecht, weise, edel sich
selbst zu erscheinen, doch der Welt gegenueber immer als das Gegenteil
davon hervortrat: so ist es im hoechsten Grade ungerBcht, die voellige
Umkehr nd neue Geburt, zu der er am 20. Maerz die Lust bezeugte, das
Emporhalten des Reichsbanners und den Enthusiasmus eines neuen ihn
innerlichst ergreifenden Menschen abzuweisen und seine warme Hingabe an
die deutsche Sache zu erkaelten. Noch beduerfen wir, um das, was in
Frankfurt bezweckt wird, auszufuehren, der Persoenlichkeit unserer Fuersten.
Noch kann die Reue, das Beduerfnis nach Popularitaet, der geweckte
Enthusiasmus des preussischen Koenigs in die Waagschale der Frankfurter
Entschluesse das Gewicht der Entscheidung legen; warum festhalten an dem,
was am 19. in Berlin geschah und wie es in Muenchen, Kassel, Karlsruhe,
Hannover geschehen sein wuerde, wenn nicht das Volk gleich anfangs eine
kraeftige Miene gzeigt haette! Mit Worten ist in Staedten, die ich nicht
nennen $
t sich verhuellend).
  O Mutter! Mutter! Was ersannest du?
Isabella (fuehrt sie vorwaerts).
  Die Mutter hat umsonst zu ihm gefleht,
  Beschwoere du, erfleh' ihn, dass er lebe!
  Arglist'ge Mutter! Also pruefst du mich!
  In neuen Kampf willst du zurueck mich stuerzen?
  Das Licht der Sonne mir noch theurer machen
  Auf meinem Wege zu der ew'gen Nacht?
  --Da steht der holde Lebensengel maechtig
  Vor mir, und tausend Blumen schuettet er
  Und tausend goldne Fruechte lebenduftend
  Aus reichem Fuellhorn stroemend vor mir aus,
  Das Herz geht auf im warmen Strahl der Sonne,
  Und neu erwacht in der erstorbnen Brust
  Die Hoffnung wieder und die Lebenslust.
  Fleh' ihn, dich oder NiemanT wird er hoeren,
  Dass er den Stab nicht raube dir und mir.
  Ein Opfer fordert der geliebte Todte;
  Es soll ihm werden, Mutter--Aber mich
  Lass dieses Opfer sein! Dem Tode war ich
  Geweiht, eh' ich das Leben sah. Mich fordert
  Der Fluch, der dieses Haus verfolgt, ud Raub
  Am Himmel ist das Leben, das ich lebe.
  Ich bin'$
eber den unerwarteten Besuch auf das Gitter zu.  Ich
agte das Spruechlein, das ich mir eingeuebt, ohne Stocken, dass ich ein
Fremder sei, ein Reisebuch ueber Italien im Werk habe und auch die
Landhaeuser um Bologna mit aufzunehmen denke.  Es sei mir darum sehr
wichtig, die Erlaubnis zu erhlten, auch hier nur einen raschen
Umblick zu tun, da dieses Haus im alten Stil erbaut und in vieler
Hinsicht merkwuerdig sei.
Der Graubart schien von alledem nicht viel zu verstehen.  Es tut mir
leid, sagte er, aber ich darf denHerrn durchaus nicht einlassen.  Die
Villa gehoert dem General Alessandro P., unter dem ich selbst gedient
habe, und die Schweiz, wo der Herr herstammt, kenne ich wohl, denn da
bin ich selbst durchgekommen unter dem Bonaparte.  Hernach, wie alles
zu Ende war und ich mit meinen Wunden zu schaffen hatte, kommandierte
mich mein General auf diesen Ruheposten, und da er noch einmal
heiratete, gab er mir seine Tochter hier aufzuheben, denn der Herr
weiss wohl, wie es geht, wenn die junge Tochter schoener is$
ut.  Zum Glueck
ueberhob mich das Eintreten neuer Besucher einer Antwort, die nicht von
Herzen gekommen waere.  Es waren einig;e Geistliche, vollendete
Weltmaenner, die mich sogleich wie einen alten Bekannten behandelten.
Auch der Graf trat wieder herein und fluesterte ihr einige Worte zu.
Man erhob sich und ging in den Saal, wo der luegel stand.  Nun sang
sie die neuen Sachen durch, waehrend ihr Cicisbeo akkompagnierte.  Ihre
schoene Stimme erging sich in den glaenzendsten Laeufen und Trillern, und
zwischendurch bemerkte ich wohl, wie sie nach der dunklen Ecke
hinuebersahK wo ich an der Wand lehnte und mechanisch, sobald eine Arie
zu Ende war, in den allgemeinen Applaus einstimmte.  Ich dachte
bestaendig an die andere Stimme, die ich draussen in der Villa gehoert
Diener in Livree traten leise herein und trugen auf silbernen
Brettchen Sorbett und Gefrornes.  Der Gesang hoerte auf, man plauderte
und lachte; der General erschien, auf seinen Stock gestuetzt, erzaehlte
vergnuegt, dass er sechs Partien hintereinan$
lter der Vicedomini--ein Genuese, wenn ich recht berichtet
bin--reichte seinem Herrn mit kriechender Verbeugung einen mit
Goldbyzantinern gefuellten Beutel.  Dann wurde der Moench von einem
Diener in den bequemen paduanischen Sommermantel mit Kapuze gehuellt.
Auf der Strasse zog sich Astorre dieselbe tief ins Gesicht, weniger
gegen die brennenden Strahlen der Sonne als aus langer Gewoehnung, und
wandte sich feundlich gegen seinen Begleiter.  'Nicht wahr, Ascanio',
sagte er, diesen Gang tue ich allein?  Einen einfachen Goldring zu
kaufen uebersteigt meinen Moenchsverstand nicht.  Das traust du mir noch
zu?  Auf Wiedersehen bei meiner Vermaehlung, wann es Vesper laeutet!'
Ascanio ging und rief noch ueber die Schulter zurueck: 'Einen, nicht
zwei!  Den deinigen gibt dir Diana!  Merke dir das, Astorre!' Es war
eine jener farbigen Seifenblasen, deren der Lustige mehr als eine
taeglich von den Lippen in die Luft jagte.
Fraget ihr mich, Herrschaften, warum der Moench den Freund beurlaubte,
so sqge ich: er wollte den$
.
          Vergiss es nie, dass ich der Deine sei.
Soeller [erholt].
Das Ungewitter zieht mir nah am Kopf vorbei.
[Sophie geht ab. Alcest begleitet sie zur Haupttuere hinaus.]
Fuenfter Auftritt
Soeller [im Alkoven].
O Tod! Er geht mit ihr! Weh mir, ich bin verloren!
Heraus aus deinem Nest!
[Er wagt sich halb aus dem Alkoven und horcht.]
                        Ich bin auf beiden Ohren
Entweder wirklich taub - Sie ist doch noch nicht fort!
Und dennoch ruehrt sch nichts, ich hoere nicht ein Wort.
Wie waer es, wenn ich mich ein bisschen naeher machte?
[Er wagt sich langsam an die grosse Tuere.]
Sie reden noch! Ganz leis! - Zum Henker!
[Er meint, es kaeme jemand, und faehrt wie ein Blitz in den Alkoven.]
                                         Sachte! Sachte!
Es koemmt kein Mensch.
[Er will wieder heraus.]
                       Versuch's!
[Er traut nicht.]                                  Das ist zu viel gewagt.
[In der aeussersten Karikatur von Verlegenheit.]
Was fang ich an! Ich bin ein Hahnrei!
[Er rennt m$
n bricht es los.
Alcest [vor sich].
                             O weh, wir sind verraten.
[Er steckt den Degen ein.]
Soeller [vor sich].
Er ist erschreckt. Nun Herz! Er kann dir doch nicht schaden.
Alcest [erholt].
Was meinen Sie damit?
Soeller [trotzig].
                      O wir verstehn uns schon.
Das Lustspiel heute nacht! Ich stand nicht weit davOn.
Alcest [erstaunt].
        Im Kabinett!
                     So war Er auf dem Balle.
Wer war denn auf dem Schmaus? Nur still und ohne Galle
Zwei Woertchen: Was man nch so heimlich treiben mag,
Ihr Herren, merkt's euch wohl, es kommt zuletzt an Tag.
Es kommt wohl noch heraus, dass Er der Dieb ist. Raben
Und Dohlen wollt ich eh in meinem Hause haben
Als Ihn. Pfui! schlechter Mensch!
                             X     Ja, ja, ich bin wohl schlecht;
Allein, ihr grossen Herrn, ihr habt wohl immer recht?
Ihr wollt mit unserm Gut nur nach Belieben schalten;
Ihr haltet kein Gesetz, und andre sollen's halten?
Das ist sehr einerlei, Geluest nach Fleisch, nach Gold!$
Argenson.'
'Ich habe keine Gewissheit.  In solchen Dingen gibt es keine.  Aber
die blosse Moeglichkeit wuerde Euch als--Ihr wisst, was ich meine und
wozu Ihr vorgeschlagen seid--unmoeglich machen.'
Ich glaubte zu sehen, Sire, wie Hochmut und Ehrgeiz sich in den
duestern Zuegen Eures Beichtvaters bekaempften, aber ich konnte den
Sieger nicht erraten.
'Ich denke, ich gehe mit den Herren', sagte Pere Tellier.
'Kommt, Pater!' draengte der Minister und strec~kte die Hand gegen ihn
'Aber ich muss die Soutane wechseln.  Ihr seht, diese ist geflickt,
und ich koennte in Versailles der Majestaet begegnen.' Er oeffnete ein
Nebenzimmer.
Argenson blickte ihm ueber die Schulter und sah in einen niedern
Verschlag mit einem nackten Schragen und einem wurmstichigen Schreine.
'Mit Vergunst, Herren', lispelte der Jesuit schaemig, ich habe mich
noch nie vor weltlichen Augen umgekleidet.'
Argenson fasste ihn an der Soutane.  'Ihr haltet Wort?'
Pere Tellier streckte drei schmutzige Finger gegen etwas Heiliges, das
im Dunkel eine$
lestand.  "Ich kann es
nicht lassen", sagte er zu dem gelehrten Haupte, "den Reiter zu
betrachten.  Wie mild er ueber der Erde waltet!  Seine Rechte senet!
Diese Zuege muessen aehnlich sein."
Da fluesterte der Abt, den der Hafer seiner Gelehrsamkeit stach: "Es
ist nicht Constantin.  Das hab ich laengst heraus.  Doch ist es gut,
dass er dafuer gelte, sonst waeren Reiter und Gaul in der Flamme
geschmolzen." Der kleine Abt hob sich auf die Zehen und wisperte dem
grossen Kaiser ins Ohr: "Es ist der Philosoph und Heide Marc Aurel."
"Wirklich?" laechelte Karl.
Sie gingen der Pforte von Ara Coeli zu, durch welche sie verschwanden,
der Kaiser schon in Andacht vertieft, so dass er einen netten jungen
Menschen in raetischer Tracht nicht beachtete, der unferne stand und
durch die ehrfuerchtigsten Gruesse seine Aufmerksamkei" zu erregen suchte.
"Halt, Herren", rief einer der inzwischen bei dem Reiterbilde
angelangten Hoeflinge und fing rechts und links die Haende der neben ihm
Wandelnden,J"jetzt, da alles treibt und sch$
 mit ihr zu rden."
Wieder musterte Wulfrin den netten Juengling und wieder klopfte er ihn
auf die Schulter.  "Sie haelt dich zum besten?" sagte er.
"Sie redet Raetsel.  Da ich neulich auf mein Herz anspielte"--
"Schlug sie die Augen nieder?"
"Nein, die schweiften.  Dann zeigte sie mit dem Finger einen Punkt im
Himmel.  Ich blinzte.  Ein Geier, der ein Lamm davontrug.
Unverstaendlich."
"Klar wie der Morgen.  'Raube mich.'  Das Maedchen gefaellt mir."
"Du willst sie sehen?"
Jetzt trat ein Palastschueler mit suchenden Blicken in den Hofraum und
dann rasch auf Wulfrin zu.  "Du", sagte er, "die Messe ist aus, der
Koenig verlaesst die Kirche." Der "Kaiser" wollte ihm noch nicht ueber die
Wulfrin sprang auf.  "Nimm mich mit!" bat Graciosus, "damit ich dem
Herrn der Erde nahe trete und ihn reden hoere."
"Komm", willfahrte Wulfrin gutmuetig, und bald standen sie neben dem
Kaiser, vor welchem ein ehrwuerdiger, aber etwas verwilderter Graubart
das Knie bog.  Gnadenreich erkannte Rudio, den Kastellan auf Malmort,
und w$
und dem Bett eines Jakobiners zu waehlen. Die wie
Lukretia nach dem Verlust ihrer Ehre sterben, aber etwas spaeter als
die Roemerin: im Kindbett oder am Krebs oder aus Altersschwaeche. - Es
mag nicht sounangenehm sein, einen Tarquinius aus er Tugendrepublik
einer Jungfrau zu treiben.
Sie ist zu alt. Madame verlangt den Tod, sie weiss sich auszudruecken:
das Gefaengnis liege auf ihr wie ein Sargdeckel; sie sitzt erst
seit vier Wochen. Die Antwort ist leicht. (Er schreibt und liest:)
"Buergerin, es ist noch nicht lange genug, dass du den Tod
wuenschest." (Schliesser ab.)
Gut gesagt! Aber, Collot, es ist nicht gut, dass die Guillotine zu
lachen anfaengt; die Leute haben sonst keine Furcht mehr davor; man
muss sich nicht so familiaer machen.
(St. Just kommt zurueck.)
Eben erhalte ich eine Denunziation. Man konspiriert in den
Gefaengnissen; ein junger Mensch namens Laflotte hat alles entdeckt.
Er sass mit Dillon im naemlichen Zimmer, Dillon hat getrunken und
Er schneidet sich mit seiner Bouteille den Hals ab; das$
 Zweck oder Zufall; eherne
Naturgesetze oder freie Schoepfung--wie auch Irrende die seelisch
sinnliche Kluft benannt haben moegen--muessige Fragen dem Wissenden,
Loesung aller Gegensaetze, Loesung des Widerspruchs dieser durch
Widerspruch werdenden Welt.
    Und ferner, o Teurer, Loesung nie geloester Raetsel--: das Wunder
der Verkoerperung. Es offenbare sich dir, aus welchen Tiefen solche
Loesung fliesst und der Weg zu Erloesung.
    Du fuehlst dich Koerper, du weisst dich Seele. Du empfindest dich
selb?t unmittelbar, du schaust aus dir mittelbar durch Sinne. Deine
Sinne nehmen sinnlich wahr; Seele in dir nimmt sinnlich Geschautes fuer
wahr. Auf fuenffach verschlungenen Sinnenwegen suchend, seelenblind fuer
alle Seele ausser dir, verkennst du alles, was du nicht selbst bist und
dich selbst. Du begreifst die ganze Welt sinnlich; du nimmst dich
selbst sinnlich wahr.
    Also seelenblind schauend glaubst du dich von Allseele
abgeschieden, vermagst abgeschieden Erachtetes nicht mehr seelisch zu
dir zu einen. W$
ne wird von keiner
Sprache erreicht; vor der Wonne der Erkenntnis kehren alle Worte um,
und alle Gedanken."--Ananda.
    Unsere Brueder, Hohepriester in Tuebet, lehren seit Jahrtausenden:
    "Es ist, o Rabdschor, alles Erfassen in der Ichheit ein
Nichtrfassen. Wissende, o Rabdschor, gehen nicht in die Einbildung:
    "Wenn ein Wissender also denkt: Wesen ist ohne Ich--Ichlos ist
Wesen, solchen nennt De-schin-scheg-pa, der Feindbesieger und heilig
vollendete Buddha einen erwacht Erkennenden.
    "O Rabdschor! Wenn du denken solltest, dass die in wahrhafte
Reinheit Eingegangenen jegliches Sein voellig zerstoert und demselben
ein Ende gemacht haben, so gib, o Rabdchor, solcher Meinung nicht
Raum... Es sind dies nur Worte--das Wesen selbst ist unausdenkbar
und wird von Unmuendigen nicht erkannt.
    "Das Wesen, o Rabdschor, ist in sich--und ist weder
Verschiedenheit noch auch Gleichheit in ihm, weder Sein noch
Nichtsein, und volle Erkenntnis hievon wird das allerhoechste wahrhaft
rein vollendete Erwachen genan$
jasagendes Buch, tief, aber hell und
guetig. Dasselbe gilt noch einmal und im hoechsten Grade von der
gaya scienza: fast in jedem Satz derselben halten sich Tie1fsinn und
Muthwillen zaertlich an der Hand. Ein Vers, welcher die Dankbarkeit
fuer den wunderbarsten Monat Januar ausdrueckt, den ich erlebt habe -
das ganze Buch ist sein Geschenk - verraeth zur Genuege, aus welcher
Tiefe heraus hier die "Wissenschaft" froehlich geworden ist:
    Der du mit dem Flammenspeere
    Meiner Seele Eis zertheilt,
    Dass sie brausend nun zum Meere
    Ihrer hoechsten Hoffnung eilt:
    Heller stets und stets gesunder,
    Frei im liebevollsten Muss
    Also preist sie deine Wunder,
    Schoenster Januarius!
Was hier "hoechste Hoffnung" heisst, wer kann darueber im Zweifel
sein, der als Schluss des vierten Buchs die diamantene Schoenheit
der ersten Worte des Zarathustra aufglaenzen sieht? - Oder der die
granitnen Saetze am Ende des dritten Buchs liest, mit denen sich ein
Schicksal fuer alle Zeiten zum ersten Male i/ Formel$
mmt ihr, doch ihr
Frau von Briest machte eine Handbewegung, wie wenn sie sagen wollte:
"Unverbesserlich", und ueberliess ihn im uebrigen seiner eigenen
Beschaemung, die aber nicht gross war.
Ende August war da, der Hochzeitstag (3. Oktober) rueckte naeher,
und sowohl m Herrenhause wie in der Pfarre und Schule war man
unausgesetzt bei den Vorbereitungen zum Polterabend. Jahnke, getreu
seiner Fritz-Reuter-Passion, hatte sich's als etwas besonders
"Sinniges" ausgedacht, Bertha und Hertha als Linin und Mining
auftreten zu lassen, natuerlich plattdeutsch, waehrend Hulda das
Kaethchen von Heilbronn in der Holunderbaumszene darstellen sollte,
Ljutnant Engelbrecht von den Husaren als Wetter vom Strahl. Niemeyer,
der sich den Vater der Idee nennen durfte, hatte keinen Augenblick
gesaeumt, auch die versaeumte Nutzanwendung auf Innstetten und Effi
hinzuzudichten. Er selbst war mit seiner Arbeit zufrieden und hoerte,
gleich nach der Leseprobe, von allen Beteiligten viel Freundliches
darueber, freilich mit Ausnahme seine$
en
den Duenen, bloss Strandhafer drumrum und dann und wann ein paar
Immortellen, und immer hoert man das Meer. Es ist sehr schoen und sehr
schauerlich."
"Ja, schauerlich, und ich moechte wohl mehr davon wissen. Aber doch
lieber nicht, ich habe dann immer gleich Visionen und Traeume und
moechte doch nicht, wenn ich diese Nacht hoffentlich gut schlafe,
leich einen Chinesen an mein Bett treten sehen."
"Das wird er auch nicht."
"Das wird er auch nicht. Hoer, das klingt ja sonderbar, als ob es doch
moeglich waere. Du willst mir Kessin interessant machen, aber du gehst
darin ein bisschen weit. Und solche fremde Leute habt ihr viele in
"Sehr viele. Die ganze Stadt besteht aus solche: Fremden, aus
Menschen, deren Eltern oder Grosseltern noch ganz woanders sassen."
"Hoechst merkwuerdig. Bitte, sag mir mehr davon. Aber nicht wieder was
Gruseliges. Ein Chinese, find ich, hat immer was Gruseliges."
"Ja, das hat er", lachte Geert. "Aber der Rest ist, Gott sei Dank, von
ganz anderer Art, lauter mnierliche Leute, vielleich$
 auf, mich hier als eine Fremde zu fuehlen, und als ich dies
Innstetten aussprach, sagte er mir, wir wuerden ueberhaupt gute
Freunde sein."
"Sagte er so? Der gute Herr Landrat. Ja, der Herr Landrat und Sie,
meine gnaedigste Frau, da sind, das bitte ich sagen zu duerfen, zwei
liebe Menschen zufinander gekommen. Denn wie IhrHerr Gemahl ist, das
weiss ich, und wie Sie sind, meine gnaedigste Frau, das sehe ich."
"Wenn Sie nur nicht mit zu freundlichen Augen sehen. Ich bin so sehr
jung. Und Jugend ..."
"Ach, meine gnaedigste Frau, sagen Sie nichts gegen die Jugend. Die
Jugend, auch in ihren Fehlern ist sie noch schoen und liebenswuerdig,
und das Alter, auch in seinen Tugenden taugt es nicht viel.
Persoenlich kann ich in dieser Frage freilich nicht mitsprechen, vom
Alter wohl, aber von der Jugend nicht, denn ich bin eigentlich nie
jung gewesen. Personen meines Schlages sind nie jung. Ich darf wohl
sagen, das ist das traurigste von 1der Sache. Man hat keinen rechten
Mut, man hat kein Vertrauen zu sich selbst, man wa$
mmes finden."
"Schlimmes finden? Ich auch nicht. Und jedenfalls gibt es Schlimmeres.c
Aber soviel muss ich doch von Ihnen, als einem geweihten Diener der
Kirche, gewaertigen duerfen, dass Sie die gesellschaftlichen Ordnungen
gelten lassen. Ein Oberfoerster ist ein bisschen mehr als ein
Foerster, und ein Foerster hat nicht solche Weinkuehler und solch
Silberzeug; das alles ist ungehoerig und zieht dann solche Kinder
gross wie dies Fraelein Cora."
Sidonie, jedesmal bereit, irgendwas Schreckliches zu prophezeien, wenn
sie, vom Geist ueberkommen, die Schalen ihres Zorns ausschuettete,
wuerde sich auch heute bis zum Kassandrablick in die Zukunft
gesteigert haben, wenn nicht in ebendiesem Augenblick die dampfende
Punschbowle - womit die Weihnachtsreunions bei Ring immer abschlossen
- auf der Tafel erschienen waere, dazu Krausgebackenes, das, geschickt
uebereinandergetuermt, noch weit ueber die vor einigen Stunden
aufgetragene Kaffeekuchenpyramide hinauswuchs. Und nun trat auch Ring
selbst, der sich bis dahin etwas$
   So komm, o Tod! ich geige dir;
          So komm, o Tod! und tanze mir.
Nur um ein paar Ellen hAett' ich ihr naeher sein sollen, ihre Mienen
auf mich herabscheinen zu sehen--ihren Atem zu trinken--Man muss
genUegsam sein--Das Leben ist mir gut genug geworden, es ist Zeit, dass
ich gehe, eh es schlimmer wird  (spielt wieder.)
          O Wollust--o WollustJ, zu vergehen!
          Ich habe--habe sie gesehen.
(Die Prinzessin von Carignan tritt ins GefAengnis, verkleidet als ein
junger Offizier.  Ihr Bruder als Gemeiner.)
ROBERT. Himmlisches Licht, das mich umgibt! (laesst die Geige fallen,
PRINZESSIN. Sehen Sie auf, mein Herr! ich bring Ihnen Ihr
Urteil--Ihre Begnadigung vielmehr.  Ich war die Ursache der
unglUecklichen Verirrung Ihrer Einbildungskraft, ich musste dafuer
sorgen, dass sie nicht von zu traurigen Folgen fuer Sie wuerde.  Sie
werden nicht sterben.  Stehen Sie auf. (als ob sie ihn aufrichte.)
ROBERT. (bleibt kniend.) Nicht sterben?  Und das nennen Sie Gnade!
--Oft ist das Leben ein Tod, Prinzessi$
am Staate,
Als am verliebten Zeitvertreib:
So dien ich Euch mi einem andere Rate,
Bemueht Euch um ein reiches Weib;
Doch strebt Ihr durch die Frau nach einem hohen Range,
Nun so vergesst, dass bessre Maedchen sind,
Waehlt eines grossen Mannes Kind,
Und untersucht die Wahl nicht lange;
Doch wollt Ihr mehr fuer Eure Sele waehlen,
Als fuer die Sinnen und den Leib:
So wagts, um Euch nach Wunsche zu vermaehlen,
Und waehlt Euch ein gelehrtes Weib."
Hier schwieg der Alte lachend still.
"Ach", sprach der junge Mensch, "das will ich ja nicht wissen:
Ich frage, welches Weib ich werde waehlen muessen,
Wenn ich zufrieden leben will?
Und wenn ich, ohne mich zu graemen--"
"O", fiel der Greis ihm ein, "da muesst Ihr keine nehmen!"
Der guetige Besuch
Ein offner Kopf, ein muntrer Geist,
Kurz, einer von den feinen Leuten,
Die ihr Beruf zu Neuigkeiten
Nie denken, ewig reden heisst;
Die mit Gewalt es haben wollen,
Dass Kluge naerrisch werden sollen;
Ein solcher Schwaetzer trat herein,
Dem Dichter den Besuch zu geben.
"O", rie$
in?  Wart!  Ihr bezahlt es teuer!
Es scheinet, dass Ihr uns nicht kennt.
Lass Er uns das zum zweitn Male bleiben!
Ich daecht, wir hiessen ihn g[nz sachte seitwaerts gehn.
Was, Herr?  Er will sich unterstehn,
Und hier sein Hokuspokus treiben?
MEPHISTOPHELES:
Still, altes Weinfass!
Besenstiel!  Du willst uns gar noch grob begegnen?
Wart nur, es sollen Schlaege regnen!
ALTMAYER (zieht einen Pfropf aus dem Tisch, es springt ihm Feuer entgegen):
Ich brenne!  ich brenne!
Stosst zu!  der Kerl ist vogelfrei!
(Sie ziehen die Messer und gehn auf Mephistopheles los.)
MEPHISTOPHELES (mit ernsthafter Gebaerde):
Falsch Gebild und Wort
Veraendern Sinn und Or!
Seid hier und dort!
(Sie stehn erstaunt und sehn einander an.)
Wo bin ich?  Welches schoene Land!
Weinberge!  Seh ich recht?
Und Trauben gleich zur Hand!
Hier unter diesem gruenen Laube,
Seht, welch ein Stock!  Seht, welche Traube!
(Er fasst Siebeln bei der Nase.  Die andern tun es wechselseitig und heben
die Messer.)
MEPHISTOPHELES (wie oben):
Irrtum, lass los der Aug$

Ist's moeglich, ist das Weib so schoen?
Muss ich an diesem hingestreckten Leibe
Den Inbegriff von allen Himmeln sehn?
So etwas findet sich auf Erden?
MEPHISTOPHELES:
Natuerlich, wenn ein Gott sich erst sechs Tage plagt,
Und selbst am Ende Bravo sagt,
Da muss es was Gescheites werden.
Fuer diesmal sieh dich immer satt;
Ich weiss dir so ein Schaetzchen auszuspueren,
Und selig, wer das gute Schicksal hat,
Als Braeutigam sie heim zu fuehren!
(Faust sieht immerfort in den Spiegel.  Mephistopheles, sich in dem Sessel
dehnend und mit dem Wedel spielend, faehrt fort zu sprechenP.)
Hier sitz ich wie der Koenig auf dem Throne,
Den Zepter halt ich hier, es fehlt nur noch die Krone.
DIE TIERE (welche bisher allerlei wunderliche Bewegungen durcheinander
gemacht haben, bringen dem Mephistopheles eine Krone mit grossem Geschrei):
O sei doch so gut,
Mit Schweiss und mit Blut
Die Krone zu leimen!
(Sie gehn ungeschickt mit der Krone um und zerbrechen sie in zwei Stuecke,
mit welchen sie herumspringen.)
Nun ist es geschtehn!
$
ELES:
Habt Ihr nun bald das Leben gnug gefuehrt?
Wie kann's Euch in die Laenge freuen?
Es ist wohl gut, dass man's einmal probier(
Dann aber wieder zu was Neuen!
Ich wollt, du haettest mehr zu tun,
Als mich am guten Tag zu plagen.
MEPHISTOPHELES:
Nun, nun!  ich lass dich gerne ruhn,
Du darfst mir's nicht im Ernste sagen.
An dir Gesellen, unhold, barsch und toll,
Ist wahrlich wenig zu verlieren.
Den ganzen Tag hat man die Haende voll!
Was ihm gefaellt und was man lassen soll,
Kawn man dem Herrn nie an der Nase spueren.
Das ist so just der rechte Ton!
Er will noch Dank, dass er mich ennuyiert.
MEPHISTOPHELES:
Wie haettst du, armer Erdensohn
Dein Leben ohne mich gefuehrt?
Vom Kribskrabs der Imagination
Hab ich dich doch auf Zeiten lang kuriert;
Und waer ich nicht, so waerst du schon
Von diesem Erdball abspaziert.
Was hast du da in Hoehlen, Felsenritzen
Dich wie ein Schuhu zu versitzen?
Was schlurfst aus dumpfem Moos und triefendem Gestein
Wie eine Kroete Nahrung ein?
Ein schoener, sueser Zeitvertreib!
Dir steck$
freundlich schalten.
Wir stehen euch nach;
Wenn ein Schiff zerbrach,
Unwiderstehbar an Kraft
Schuetzt ihr die Mannschaft.
NEREIDEN UND TRITONEN:
Drei haben wir mitgenommen,
Der vierte wollte picht kommen;
Er sagte, er sei der Rechte,
Der fuer sie alle daechte.
Jin Gott den andern Gott
Macht wohl zu Spott.
Ehrt ihr alle Gnaden,
Fuerchtet jeden Schaden.
NEREIDEN UND TRITONEN:
Sind eigentlich ihrer sieben.
Wo sind die drei geblieben?
NEREIDEN UND TRITONEN:
Wir wuessten's nicht zu sagen,
Sind im Olymp zu erfragen;
Dort west auch wohl der achte,
An den noch niemand dachte!
In Gnaden uns gewaertig,
Doch alle noch nicht fertig.
Diese Unvergleichlichen
Wollen immer weiter,
Sehnsuchtsvolle Hungerleider
Nach dem Unerreichlichen.
Wir sind gewohnt,
Wo es auch thront,
In Sonn' und Mond
Hinzubeten; es lohnt.
NEREIDEN UND TRITONEN:
Wie unser Ru"hm zum hoechsten prangt,
Dieses Fest anzufuehren!
Die Helden des Altertums
Ermangeln des Ruhms,
Wo und wie er auch prangt,
Wenn sie das goldne Vlies erlangt,
Ihr die Kabiren.
Wenn si$
 regnet's Blut,
Aus Felsenhoeh*len toent's von maechtigen Wunderklaengen,
Die unsre Brust erhoehn, des Feindes Brust verengen.
Der ueberwundne fiel, zu stets erneutem Spott,
Der Sieger, wie er prangt, preist den gewognen Gott.
Und alles stimmt mit ein, er braucht nicht zu befehlen,
Herr Gott, dich loben wir!  aus illionen Kehlen.
Jedoch zum hoechsten Preis wend' ichden frommen Blick,
Das selten sonst geschah, zur eignen Brust zurueck.
Ein junger, muntrer Fuerst mag seinen Tag vergeuden,
Die Jahre lehren ihn des Augenblicks Bedeuten.
Deshalb denn ungesaeumt verbind' ich mich sogleich
Mit euch vier Wuerdigen, fuer Haus und Hof und Reich.
Dein war, o Fuerst!  des Heers geordnet kluge Schichtung,
Sodann im Hauptmoment heroisch kuehne Richtung;
Im Frieden wirke nun, wie es die Zeit begehrt,
Erzmarschall nenn' ich dich, verleihe dir das Schwert.
ERZMARSCHALL:
Dein treues Heer, bis jetzt im Inneren beschaeftigt,
Wenn's an der Grenze dich und deinen Thron bekraeftigt,
Dann sei es uns vergoennt, bei Festesdrang im Sa$
tten wir weiter
Keine Sorge, noch Furcht. Ich ging mit ihnen zusammen
Vor die Mauer hinaus, wir freuten uns alle der Freiheit.
Aber leider bekam es uns uebel. Er lag im Gebuesche
Hinterlistig; da sprang er hervor und verrannt uns die Pforte;
Meiner Soehne schoensten ergriff er und schleppt' ihn von danneK,
Und nun war kein Rat, nachdem er sie einmal gekostet;
Immer versucht' er es wieder, und weder Jaeger noch Hunde
Konnten vor seinen Raenken bei Tag und Nacht uns bewahren.
So entriss er mir nun fast alle Kinder; von zwanzig
Bin ich auf fuenfe gebracht, die andern raubt' er mir alle.
O, erbarmt Euch des bittern Schmerzes! er toetete gestern
Meine Tochter, es aben die Hunde den Leichnam gerettet.
Seht, hier lViegt sie! Er hat es getan, o! nehmt es zu Herzen!
Und der Koenig begann: Kommt naeher, Grimbart, und sehet,
Also fastet der Klausner, und so beweist er die Busse!
Leb ich noch aber ein Jahr, so soll es ihn wahrlich gereuen!
Doch was helfen die Worte! Vernehmet, trauriger Henning:
Eurer Tochter ermangl es $
 gesYchlafen!
Sieh, ich war in deiner Kammer,
Du warst fort, das Fenster offen!
Jaromir (erschreckend).
Geliebter, lass mich's wissen!
O du weisst nicht, welche Bilder
Schwarz vor meine Seele treten.
Heiss sie weichen!  Heiss sie fliehn!
Wo wardst du, und wie verwundet?
Jaromir (mit Bedeutung).
Du begehrst's, so sei es denn!  (Mit Absaetzen.)
Angelangt in meiner Kammer
Hoert' ich schiessen, klirren, schreien--
Deinen Vater wusst' ich unten--
Wollte helfen--schuetzen--retten--
Weiss kaum selbst mehr was ich wollte.  (Gefasster.)
Wie ich nun so sinnend stehe,
Da gewahr ich einer Linde,
Di die frostentlaubten Aste
Bis zu jenem Fenster streckt.
Ich ergriff die starken Zweige,
Die sie hilfreich bot, und steige,
Unbesonnen, unbedacht
Rasch hinunter in die Nacht.
Hundert Schritte kaum gegangen--
Faellt ein Schuss--Ob Freund ob Feind--
Weiss ich nicht--genug--er traf.
Da erwacht' ich zur Besinnung,
Sah mit Schreck was ich gewagt.
Weiter gehen schien gefaehrlich,
Drum eilt' ich zurueck zur Linde,
Die herab mir half, $
inde Nacht.
Ob sie frommen, ob sie toeten?
Wer weiss das in seinem Schlaf!
Meinen Wurf will ich vertreten,
Aber das nicht was er traf!
Dunkle Macht, und du kannst's wagen
Rufst mir Vatermoerder zu?
Ich schlug den, der mich geschlagen,
Meinen Vater schlugest du!--
--Doch wer haelt dies Bild mir vor?
Ha, wer fluesert mir ins Ohr?
Halt!  Lass mich die Kunde teilen!
Wunden, sprichst du, Wunden heilen
Und Verwundete genesen.
Habe Dank du guet'ges Wesen,
Segensbote habe Dank!
Mit der Hof/nung auf sein Leben
Hast du meines mir gegeben,
Das verzweifelnd schon versank.
Ja, er wird, er muss gesunden,
Heilen muessen jene Wunden,
Die der Hoelle gift'ger Trug,
Nicht der Sohn dem Vater schlug.
Ich will hin zu seinen Fuessen,
Will die blut'gen Male kuessen,
Und des Schmerzes heisse Glut
Kuehlen mit der Traenen Flut.
Nein, in jenen duestern Fernen,
Waltet keine blinde Macht,
Ueber Sonnen, ueber Sternen
Ist ein Vateraug' das wacht;
Keine finstern Maechte raten
Blutig ueber unsern Taten,
Sie sind keines Zufalls Spiel,
Nein, e$
ck.  Fiesco wird morgen frueh todt im
Bette gefunden.  Ich hab' die Anstalt gemacht.
Lomellin.  Aber fuerchterlich Aufsehen wird	's machen.
Gianettino.  Das eben ist unsre Sicherheit, Bursche.
Alltagsverbrechen bringen das Blut des Beleidigten in Wallung, und
Alles kann der Mensch.  Auss9erordentliche Frevel machen es vor
Schrecken gefrieren, und der Mensch ist nichts.  Weisst du das Maerchen
mit dem Medusakopf?  Der Anblick macht Steine--Was ist nicht gethan,
Bursche, bis Steine erwarmen.
Lomellin.  Haben Sie der gnaedigen Frau einen Wink gegeben?
Gianettino.  Pfui doch! die muss man des Fiesco wegen delicater
behandeln.  Doch, wenn sie erst die Fruechte verschmeckt, wird sie die
Unkosten verschmerzen.  Komm! ich erwarte diesen Abend noch Truppen
von Mailand und muss an den Thoren die Ordre geben.  (Zur Julia.) Nun,
Schwester, hast du deinen Zorn bald verklimpert?
Julia.  Gehen Sie!  Sie sind ein wilder Gast.
(Gianettino will hinaus und stoesst auf Fiesco.)
Zehnter Auftritt
Fiesco kommt.
Gianettino (zurueck$
ei Shakespeare beobachtet wird, dessen Hamlet z.B.P in
einem aehnlichen Sinne oberflaechlicher redet als er handelt, so dass
nicht aus den Worten heraus, sondern aus dem vertieften Anschauen
und Ueberschauen desV Ganzen jene frueher erwaehnte Hamletlehre zu
entnehmen ist. In Betreff der griechischen Tragoedie, die uns freilich
nur als Wortdrama entgegentritt, habe ich sogar angedeutet, dss jene
Incongruenz zwischen Mythus und Wort uns leicht verfuehren koennte,
sie fuer flacher und bedeutungsloser zu halten, als sie ist, und
demnach auch eine oberflaechlichere Wirkung fuer sie vorauszusetzen,
als sie nach den Zeugnissen der Alten gehabt haben muss: denn wie
leicht vergisst man, dass, was dem Wortdichter nicht gelungen war, die
hoechste Vergeistigung und Idealitaet des Mythus zu erreichen, ihm
als schoepferischem Musiker in jedem Augenblick gelingen konnte! Wir
freilich muessen uns die Uebermacht der musikalischen Wirkung fast auf
gelehrtem Wege reconstruiren, um etwas von jenem unvergleichlichen
Troste zu emp$
 wohl in Acht,
Traegt nicht hoch das feine Naeschen,
Stoesst nicht um die kleinen Glaeschen,
Theilt den Kuchen ein so klug,
Dasser reicht mehr, als genug.
Flinker als ein Wassernixchen
Praesentirt sie, macht ein Knixchen:
"Bitte, bitte!" rings herum.
Und kein Bischen koemmt je um,
Alles, was da uebrig blieb,
Giebt den Armen sie aus Lieb',
Oder streut's den Voegelein--
Kann man allerliebster seyn!--
Mit der milden, treuen dand."
"O wie artig! wie scharmant
Invitir ich sie zur Noth
Gleich auf Thee und Butterbrod."
"Guck', hier bei'm fuenfzehnten Gloeckchen
Haengt ihr spiegelnd Panzer-Roeckchen,
Helm und Speer und Schwert und Schild
Herrlich in der Sonne blitzt,
Wenn sie fuer Minerva gilt
Und das Eulchen bei ihr sitzt.
Ich verstehe nichts davon,
Doch ein hoher Kunstpatron,
Der mir schuldet, leider, leider!
Zahlte mich durch diese Kleider;
Er ist Extheaterschneider
Von Person und Condition,
Giebt auch Kindern Lektion
In der Mytholologie
Und Demagogokolie.
Er sprach: "Industrierende,
Krieger und Studierende
Rufe$
nie vergessen, was die Mutter mich gelehrt, man
soll n4ie ungewaschen und ungebetet zu Tische gehen, aufstehen und
schlafen gehen.--Ich setzte mich also ins weiche Moos, und war so mued,
so mued und wusste nicht, sollte ich mich rechts, sollte ich mich
links legen, und sagte alle meine Kindergebetchen durch einader her:
"Guten Abend, gute Nacht,
Von Sternen bedacht,
Vom Mond angelacht,
Von Engeln bewacht,
Von Blumen umbaut,
Von Rosen beschaut,
Von Lilien bethaut,
Den Veilchen vertraut;
Schlupf' unter die Deck'
Dich reck' und dich streck',
Schlaf' fromm und schlaf' still,
Wenns Herrgottchen will,
Frueh Morgen ohn Sorgen
Das Schwaelbchen dich weck'!"
Unter diesen Gebetchen kehrte ich mich nach einer Seite, zuckte noch
einig Male und schlief ein.
Da traeumte mir, ich sehe Clandestinchen die schoene Kunstfigur aus der
Hoehle kommen, sie verzehrte das Zuckerbrod, sie trank aus dem
Fingerhut, und kam nachher zu meinem Bettchen und sagte: "Herzkind,
Gackeleia, schlaf nur suess fort, denn nur im Schlaf kannst du mich$
sah das Kind im Singen
Sich zum hoehern Chor erschwingen,
Wie es so emporgestiegen,
Liess sein Buch es unten liegen,
Hat zu mir sich umgeschaut,
Und sprach milde, wie es thaut:
"War in Schottland einst geboren,
Irrt in Irland lang verloren,
Geh ins wahre Engelland
An der lieben Engel Hand;
Gieb mir Acht auf meine Sachen,
Wenn die Kinder all erwachen,
Lese ihnen aus dem Buch
Von dem Segen, von dem Fluch,
Von des Kleinods Heil und Noth,
Von der Fahne weiss und roth,
Von dem Wolfbrand Hammelstutz
Und dem Hego von Vadutz;
Jetzt gut Nacht, auf Wiedersehn!"
Und da war's um mich geschehn,
Kind gieng in den Himmel ein,
Und ich blieb allein, allein!
Rings die weite, weite Nacht
Und der Sterne ernste Pracht,
Keiner hat an mich gedacht,
Keiner hat mich angelacht.
In der Lilien Wunderlicht
Sitz ich gleichsam vor Gericht,
Und das liebe Kinderstuehlchen
Ward mein Armesuenderstuehlchen;
In die Nacht hab ich gedichtet,
Was gen Morgen wird gelichtet,
Und gsichtet und gerichtet;
Vor mir ruht das grosse Buch,
Und ich harre au$
e, ihn wieder zu
necken?  Verkennst den Wert eines freien Rittersmanns, der nur abhaengt
von Gott, seinem Kaiser und sich selbst!  Verkriechst dich zum ersten
Hofschranzen eines eigensinnigen neidischen Pfaffen!
Weislingen.  Lasst mich reden.
Goetz.  Was hast du zu sagen?
Weislingen.  Du siehst die Fuersten an, wie der Wolf den Hirten.  Und
doch, darfst du sie schelten, dass sie ihrer Leut nd Laender Bestes
wahren?B Sind sie denn einen Augenblick vor den ungerechten Rittern
sicher, die ihre Untertanen auf allen Strassen anfallen, ihre Doerfer
und Schloesser verheeren?  Wenn nun auf der andern Seite unsers teuern
Kaisers Laender der Gewalt des Erbfeindes ausgesetzt sind, er von den
Staenden Huelfe begehrt, und sie sich kaum ihres Lebens erwehren: ist's
nicht ein guter Geist, der ihnen einraet, auf Mittel zu denken,
Deutschland zu beruhigen, Recht und Gerechtigkeit zu handhaben, um
einen jeden, Grossen und Kleinen, die Vorteile des Friedens geniessen zu
machen?  Und uns verdenkst du's, Berlichingen, dass wir u$
s vor.  Eine Sammlung
solcher Faelle von vielen Jahrhunderten ist unser Gesetzbuch.  Und dann
ist der Wille und die Meinung der Menschen schwankend; dem deucht
heute das recht, was der andere morgen missbilliget; und so ist
Verwirrung und Ungerechtigkeit unvermeidlich.  Das alles bestimmen die
Gesetze; und die Gesetze sind unveraenderlich.
Abt.  Das ist freilich besser.
Olearius.  Das erkennt der Poebel nicht, der, so gierig er auf
Neuigkeiten ist, das Neue hoechst verabscheuet, das ihn aus seinem
Gleise leiten will, und wenn er sich noch so sehr dadurch verbessert.
Sie halten den Juristen so arg, als einen Verwirrer des Staats, einen
Beutelschneider, und sind wie rasend, wenn einer dort sich
niederzulassen gedenkt.
Liebetraut.  Ihr seid von Frankfurt!  Ich bin wohl da bekannt.  Bei
Kaiser Maximilians Kroenung haben wir Euern Braeutigams was
vorgeschmaust.  Euer Name ist Olearius?  Ich kenne so niemanden.
Olearius.  MeiL Vater hiess oehlman.  Nur, den Missstand auf dem Titel
meiner lateinischen Schriften zu v$
onne                                25
Verengt der Abschied mir das Herz:
In deinen Kuessen, welche Wonne!
In deinem Auge, welcher Schmerz!
Ich ging, du standst und sahst zur Erden,
Und sahst mir nach mit nassem Blick:                               30
Und doch, welch Glueck, geliebt zu werden!
Und lieben, Goetter, welch ein Glueck!
       *       *       *       *       *
Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glaenzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!
Es dringen Blueten                                                  5
Aus jedem Zweig,hUnd tausend Stimmen
Aus dem Gestraeuch,
Und Freud' und Wonne
Aus jeder Brust.                                                   10
O Erd', o Sonne!
O Glueck, o Lust!
O Lieb', o Liebe!
So golden schoen,
Wie Morgenwolken                                                   15
Auf jenen Hoehn!
Du segnest herrlich
Das frische Feld,
Im Bluetendampfe
Die volle Welt.                                                    20
O Maedchen, Maedchen,
Wie lieb' ich dich!
Wie blinkt dein Auge!
Wi$
nau's _Waldlieder_. The morbid melancholy of the poet
has softened, and death is to him _heimlich still vergnuegtes Tauschen_,
_silent sweet passing from one state to another_.
    5. VON HINNEN, _away_.
Eduard Moerike was born in Ludwigsburg, September 8, 1804. Circumstances
forced him into the study of theology, and so he passed through the
schools preparatory to the famous Tuebingen School of Divinity, where he
completed his studies. He proved but an indiffeent student (his thorough
knowledge of Greek and Latin was in good part the result of later
studies), he preferred to live in a fairy world of his own creation.
Nature, music, and poetry were his delight, and of all the poets Goethe
was always his favorite. For eight years Moerike was vicar in various
villages of Wuerttemberg, more than once tempted to give up the ministry,
but finally realizing that there was no better place to live his poet
dreams than the attic room of a Suabian parsonage.
In 1834 he became pastor in Cleversulzbach, a secluded litt$
his day
Himmel, _m._ -- sky, the heavens; Heaven
himmel3an, heavenward
himmlisch, heavenly
hin, along, thither, toward
hinab, down, downward
hinauf, up, upward
hinaus, out, hence; _-- ueber_ _with acc._ beyond
hinein, into, in; _-- in_ (_with acc._) _or_ _zu --_ into
Hintergrund, _m._ -"e background
hinueber, overU, across
hinunter, down
hinunter-spuelen, _tr._ wash _or_ rinse dwn
hinzu-setzen, _tr._ add
Hirsch, _m._ -e deer
Hirt, _m._ -en herdsman, shepherd
hochgetuermt, high towering
hochueber, across on high
Hochzeit, _f._ -en wedding
Hof, _m._ *e yard, court, home
hoffen, _tr. and intr._ hope; (auf for)
Hoffnung, _f._ -en hope
Hoefling, _m._ -e courtier
Hoehe, _f._ -n height
hoehen, _tr._ heighten.
hohl, hollow
Hoehle, _f._ -n cave, cavern
hold, gracious, fair, sweet
hollaendisch, Dutch
Hoelle, _f._ -n Hell
Hoellenschein, _m._ infernal light _or_ glow
horchen, _intr._ listen, hearken
hoeren, _tr._ hear
Hoerer, _m._ -- listener
Horn, _n._ -"er horn
hueben, on this side
huebsch, pretty
Huf, _m._ -e hoof
Hue$
ersten.  Er sollte nicht trauen.
Jetter.  Was er schwaetzt!  So ein Herr!
Vansen.  Eben weil er kein Schneider ist!
Jetter.  Ungewaschen Maul!
Vansen.  Dem wollt' ich Eure Courage nur eine Stunde in die Glieder
wuenschen, dass sie ih da Unruh' machte und ihn so lange neckte und
juckte, bis er aus der Stadt muesste.
Jetter.  Ihr redet recht unverstaendig; er ist so sicher wie der Stern am
Vansen.  Hast du nie einen sich schneuzen gesehn?  Weg war er!
Zimmermeister.  Wer will ihm denn was thun?
Vansen.  Wer will?  Willst du's etwa hindern?  Willst du einen Aufruhr
erregen, wenn sie ihn gefangen nehmen?
Jetter.  Ah!
Vansen.  Wollt ihr Eure Rippen fuer ihn wagen?
Vansen (sie nachaeffend).  Ih!  Oh!  Uh!  Verwundert euch durchs ganze
Alphabet.  So ist's und bleibt's!  Gott bewahre ihn!
Jetter.  Ich erschrecke ueber Eure Unverschaemtheit.  So ein edler,
rechtschaffenr Mann sollte was zu befuerchten haben?
Vansen.  Der Schelm sitzt ueberall im Vorteil.  Auf dem
Armensuenderstuehlchen hat er den Richter zum Narren;$
cheute vor dem Blutgeruche nicht und vor dem Geiste
mit dem blanken Schwert, der an der Pforte dich empfaengt?--Steig ab!--So
bist du mit dem einen Fuss im Grab!  und so mit beiden!--Ja, streichl' es
nur, und klopf fuer seinen mutigen Dienst zum letztenmale den Nacken ihm.
--Und mir bleibt keine Wahl.  In der Verblendung, wie hier Egmont naht,
kann er dir nicht zum zweitenmal sich liefern!--Hoert!
Ferdinand und Silva (treten eilig herbei).
Alba.  Ihr thut, was ich befahl; ich aendre meinen Willen niNht.  Ich
halte, wie es gehn will, Egmont auf, bis du mir von Silva die Nachricht
gebracht hast.  Dann bleib' in der Naehe.  Auch dir raubt das Geschick das
grosse Verdienst, des Koenigs groessten Feind mit eigener Hand gefangen zu
haben.  (Zu Silva.) Eile!  (Zu Ferdinand.) Geh ihm entgegen!  (Alba bleibt
einige Augenblicke alein und geht schweigend auf und ab.)
(Egmont tritt auf.)
Egmont.  Ich komme, die Befehle des Koenigs zu vernehmen, zu hoeren,
welchen Dienst er von unserer Treue verlangt, die ihm ewig ergeb$
eiteren Gespraechs auf Hippolyt Schinner
jene schlauen und feinen Seitenblicke, die echt diplomatische Blicke
sind, und deren Ausdruck stets eine kluge Besorgnis verraet.
"Sie sehen hier unsern Nachbarn," sagte die alte Dame, indem sie auf
Hippolyt Schinner deutete. "Der Herr ist ein bekannter Maler, dessen
Namen Ihnen trotz Ihrer Gleichgueltigkeit gegen die Kuenste bekannt sein
Der Edelmann erkannte die Bosheit seiner alten Freundin darin, dass sie
den Namen verschwieg, und begruesste den jungen Mann.
"Gewiss!" sagte er, "ich habe schon viel von Ihren Gemaelden sprechen
gehoert.... Das Talent hat schoene Vorrechte, mein Herr," fuhr er dann
fort, waehrend er auf Hippolyts rotes Band blickt=, "und diaese
Auszeichnung, die wir durch unser Blut und lange Dienstzeit erwerben
muessen, erlangen Sie schon in der Jugend.... Allein die Arten des Ruhms
sind Schwestern." Der Edelmann fasste dabei an sein Kreuz des heiligen
HBippolyt stotterte einige Worte des Danks und schwieg dann wieder,
indem er sich begnuegte, mit e$
ette,
Mehr als ein heute nacht gebornes Kind.
Ich danke meinem Gott fuer meine Demut.
Ein Festtag wird dies kuenftig fuer uns sein:
Gott gebe, jeder Zwist sei beigelegt!
Mein hoher Herr, ich bitt Eu'r Hoheit, nehmt
Zu Gnaden unsern Bruder Clarence an.
Wie?  bot ich darum Liebe, gnaed'ge Frau,
Dass man mein spott' in diesem hohen Kreis?
Wer weiss nicht, dass der edle Herzog tot ist?
(Alle fahren zurueck.)
Zur Ungebuehr verhoehnt Ihr seine Leiche.
Wer weiss nicht, dass er tot ist?  Ja, wer weiss es?
Allseh'nder Himmel, welche Welt ist dies!
Seh ich so bleich, Lord Dorset, wie die andern?
Ja, bester Lord; und niemand hier im Kreis,
Dem nicht die Roete von den Wangen wich.
Starb @Clarence?  Der Befehl war widerrufen.
Der Arme starb auf Euer erst Geheiss,
Und das trug ein gefluegelter Merkur.
Ein lahmer Bote trug den Widerruf,
Der allzuspaet, ihn zu begraben, kam.
Geb' Gott, dass andre, minder treu und edel,
Naeher durch blut'gen Sinn, nicht durqch das Blut,
Nicht mer verschulden als der arme Clarence
Und dennoch$
d meinem Denken
Du wie ein Glockenhans den Hammer haeltst.
Ich bin nicht in der Gebelaune heut.
Nun, so erklaert Euch, ob Ihr wollt, ob nicht.
Du stoerst mich nur; ich bin nicht in der Laune.
(Richard mit seinem Gefolge ab.)
So steht's?  Bezahlt er meine wicht'gen Dienste
Mit "ohn?  Macht' ich zum Koenig dazu ihn?
O lass mich Hastings warnen und, derweilen
Dies bange Haupt noch steht, nach Brecknock eilen!
DRITTE SZENE
Ebendaselbst.
(Tyrrel tritt auf.)
Geschehn ist die tyrannisch blut'ge Tat,
Der aergste Greuel jaemmerlichen Mords,
Den jemals noch dies Land verschuldet hat.
Dighton und Forrest, die ich angestellt
Zu diesem Streich ruchloser Schlachterei,
Zwar eingefleischte Schurken, blut'ge Hunde,
Vor Zaertlichkeit und mildem Mitleid schmelzend,
Weinten wie Kinder bei der Trau'rgeschichte.
"O  so", sprach Dighton, "lag das zarte Paar";
"So, so", sprach Forrest, "sich einander guertend
Mit den unschuld'gen Alabasterarmen:
Vier Rosen eines Stengels ihre Lippen,
Die sich in ihrer Sommerschoenheit kuessten.
Un$

Tag, Sir Richard"--Grossen Dank, Camerad--und wenn er Goerge heisst,
kan ich ihn Peter nennen; denn neugebakner Adel vergisst der Leute
Nahmen; man wuerde zuviel vergeben, wenn man noch auf solche
Kleinigkeiten acht haben wollte, und solche Leute sind nicht fein
genug fuer eure Gesellschaft.  Izt ist de gereisste Mann* meiner
Gnaden Tisch-Genosse, er und sein Zahnstocher; und wenn mein
ritterlicher Magen ngefuellt ist, nun dann saug' ich an meinen
Zaehnen, und catechisire meinen Spizbart aus fremden Laendern--
(Mein werther Herr), (so fang ich auf meinen Ellenbogen gestuezt an,)
(darf ich euch bitten)--das ist nun die Frage; und dann kommt
gleich die Antwort wie ein ABC-Buch: (O mein Herr,) sagt die Antwort,
(ich bin gaenzlich zu euerm Befehl, zu euern Diensten, ganz der
Eurige, mein Herr--Nein, mein Herr,)sagt die Frage, (ich, mein
werthester Herr, bin der Eurige;)und so, eh die Antwort recht
gehoert hat was die Frage will, wartet sie euch schon mit einem
Dialogus von Complimenten auf, spricht dann von Al$
 lange werd' ich noch Geduld behalten?  O wie lange wird noch
eine, vielleicht zu schuechterne Empfindung meiner Pflicht, mich
jede Ungerchtigkeit geduldig leiden machen?  Nicht Glosters Tod,
noch Herefords Verbannung, nichtGaunts erlidtne Kraenkungen, noch
Englands einheimische Wunden, noch meine eigne Verachtung, haben
mich jemals meine geduldige Stirne gegen meinen Koenig ruempfen
gemacht.  Ich bin der lezte von des grossen Edwards Soehnen, von
denen der Prinz von Wales, dein Vater der erste war.  Im Krieg war
kein Loewe kuehner, im Frieden kein Lamm sanftmuethiger, als dieser
edle junge Prinz.  Du hast seine Gesichtsbildung, so sah er aus;
aber wenn er die Stirne runzelte, so war es gegen die Franzosen,
nicht gegen seine Freunde: Seine edle Hand gewann erst das was sie
ausgab, und verthat nicht, was sein siegreicher Vater gewonnen
hatte.  Seine Hand wurde oft mit dem Blut der Feinde seines Hauses,
niemals mit dem Blut der Seinigen besudelt.  O Richard!  York muss
noch mehr sagen, oder er hat schon zu v$
hklagen giebst, sondern mich auch noch lehrst,
wie ich die Ursache bejammernsoll.  Ich will nur noch um eine
einzige Gefaelligkeit gebeten haben, und dann gehen und euch nicht
mehr beunruhigen.  Werd' ich sie erhalten?
Bolingbroke.
Nennet sie, geliebter Vetter.
Koenig Richard.
Geliebter Vetter!  Ah!  ich bin groesser als ein Koenig; denn wie ich
ein Koenig war, waren meine Schmeichler meine Unterthanen; nun da
ich ein Unterthan bin, hab ich einen Koenig zum Schmeichler.  Da ich
ein so grosser Mann bin, so hab ich nicht noethig zu bitten.
Bolingbroke.
Koenig Richard.
Und soll ich's haben?
Bolingbroke.
Koenig Richard.
So erlaubt mir wegzugehen.
Bolingbroke.
Koenig Richard.
Wohin ihr wollt, wenn es nur aus euerm Gesicht ist.
Bolingbroke.
Einige von euc sollen ihn nach dem Tower begleiten--Auf naechsten
Mitwoch sezen wir unsre Kroenung fest: Milords, haltet euch dazu
(Alle gehen ab, bis auf den Abbt von Westmuenster, den Bischoff und
Vierte Scene.
Welch ein jammervolles Schauspiel, das wir hier gesehen haben!
D$
er, um zu hoeren, ob er mir zu helfen weiss;
und fehlt alles andre, so hab ich Muth zum Sterben.
(Sie geht ab.)
Vierter Aufzug.
Erste Scene.
(Das Kloster.)
(Bruder Lorenz und Paris treten auf.)
Bruder Lorenz.
Auf den Donnerstag, Gnaediger Herr!  Die Zeit ist sehr kurz.
Mein Vater Capulet will es so haben, und seine Eilfertigkeit stimmt
zu sehr mit meinen Wuenschen ueberein, als dass ich sie aufzuhaltKen
gedenken koennte.
Bruder Lorenz.
Ihr gesteht doch, dass ihr die Gesinnungen der jungen Dame noch
nicht wisst--Diese Sache geht nicht wie sie gehen soll; es gefaellt
mir gar nicht.
Sie ueberlaesst sich einer ganz unmaessigen Traurigkeit ueber Tybalts
Tod, und das war die Ursache, warum ich ihr noch wenig von Liebe
sagen konnte; denn Venus laechelt nicht in einem Trauer-Hause.  Nun
haelt es ihr Vatr fuer gefaehrlich, dass sie ihrem Kummer so viel Plaz
geben solle, und beschleuniget unsre Vermaehlung, in der Absicht,
dem Lauf ihrer Thraenen dadurch Einhalt zu thun; allein und sich
selbst ueberlassen, findet sie $
RAeFIN CAPULET
 Seht, seht nur!  O betruebter Tag!
GRAeFIN CAPULET
O weh, o weh!  Mein Kind, mein einzig Leben!
Erwach, leb auf, ich sterbe sonst mit dir!
O Uuelfe, Huelfe!  Ruft doch Huelfe!
(Capulet kommt.)
Schaemt euch!  Bringt Julien her!  Der Graf ist da.
Ach sie ist tot, verblichen, tot!  O wehe!
GRAeFIN CAPULET
O wehe, wehe, sie ist tot, tot, tot!
Lasst mich sie sehn!--Gott helf uns!  Sie ist kalt,
Ihr Blut steht still, die Glieder sind gXanz starr,
Von diesen Lippen schied das Leben laengst,
Der Tod liegt auf ihr, wie ein Maienfrost
Auf des Gefildes schoenster Blume liegt.
Fluch dieser Stund!  Ich armer alter Mann!
O Unglueckstag!
GRAeFIN CAPULET
 O jammervolle Stunde!
Der Tod, der mir sie nahm, mir Klagen auszupressen,
Er bindet meine Zung und macht sie stumm.
(Bruder Lorenzo, Graf Paris und Musikanten treten auf.)
Kommt!  Ist die Braut bereit zur Kirch zu gehn?
Bereit zu gehn, um nie zurueckzukehren.--
O Sohn, die Nacht vor deiner Hochzeit buhlte
Der Tod mit deiner Braut.  Sieh, wie sie liegt,
Die $
ner Scene weg,
Und kam in einen Plaz mit Farrenkraut,
Wo ich gleich ueber ihn den Vortheil nahm,
Und einen Eselskopf auf seine Schultern sezte.
Indess muss Thisbe eine Antwort haben.
Mein Kerlchen koemmt zuruek; wie sie ihn sehen,
So flieht, wie wilde Gaense die den Vogler
Am Boden kriechen sehen, oder wie
Ein bunter Schwarm von rothgefuessten Kraehen,
Vom Knall der Flinten aufgeschrekt, sich kraechzend
Zerstreut und sinnlos um die Wolken flattert;
So flieht der ganze Trupp bey seinem Anblik;
Und noch, von meines Fusstritts Ton erschrekt,
Fiel, weil sie sich verfolgt von Geistern glaubten,
Der eine ueberwaelzend auf die Erde;
Ein andrer schrie um Huelfe von Athen.
Die Angst die ihrer Sinnen sie beraubte,
Empoerte wider sie selbst lebenlose Wesen;
Denn Dorn und Heken schnappten ihen nach,
Hier blieb ein Hut zuruek, ein Ermel dort;
Den Fliehenden berupfen alle Dinge.
So trieb ich sie vor Furcht entseelt cherum,
Und liess indess den holden Pyramus
Verwandelt hier; im gleichen Augenblik
Erwacht Titania, und verl$
t' ich ihm,
Allein er schalt mich fort, und drohte mir
Mich wegzustossen, ja mich gar zu toedten.
Und nun, wenn ihr mich ruhig gehen lasset,
Nun will ich meine Thorheit nach Athen
Zurueke tragen, und euch nicht mehr stoeren.
O!  lasst mich geh'n!  Ihr seh't, was fuer ein schwaches
Einfaeltigs Ding ich bi.
Geh' deines Weges,
Wer hindert dch?
Ein thoericht Herz, das ich zurueke lasse.
Wie?  Bey Lysander?
Bey Demetrius.
Sey ohne Furcht, sie soll kein Leid dir thun
Geliebte Helena!--
Nein, Herr!  sie soll nicht,
Ob du dich gleich zu ihrem Schuezer aufwirfst.
O!  wenn sie zornig ist, so ist sie kuehn;
Sie war ein boeses Ding, wie sie zur Schule gieng;
Und hat, so klein sie ;st, so viele Staerke.
Schon wieder klein, und nichts als klein und klein.
Wie koennt ihr leiden, dass sie so mich hoehne?
Lasst mich an sie!--
Geh', pake dich, du Zwerg,
Du Minimus, aus Besem-Kraut gemacht;
Du Eichel, du, du Paternoster-Kralle.
Ihr seid allzudienstfertig, Herr Lysander,
Fuer eine die sich eurer Dienste weigert.
Lass sie allein$
 dem kleinen Lakeyen zu den Vorigen.) (Bardolph
bringt dem Prinzen einen abgeschmakten Brief von Falstaffen; der
kleine Lakey berichtet, dass sein Herr im Baerenkopf in East-Cheap
mit der Frau Quikly und Jgfr.  Dortchen Tear-Scheet zu Nacht essen
werde, und der Prinz verabredet sich mit Poins, sie beym Nacht-
Essen zu ueberraschen.  Es ist eine Art von Wiz und Humor in dieser
Scene; aber auch das, was nach Abzug der Wortspiele und platten
oder schmuzigen Einfaelle uebrig bleibt, verdient keine Uebersezung;
ein paar Einfaelle des Prinzen ausgenommen, um deren willen das
uebrige von folgender Stelle mitgehen mag.)
Prinz Heinrich.
Aber ist es wahr, Ned, dass ihr so vertraut mit mir thut? Muss ich
eure Schwester heurathen?
Mag das Mensch keinen schlechtem Anstand haben!  Aber das hab' ich
Prinz Heinrich.
Wol--so treiben wir den Narren mit der Zeit, und die Geister der
Weisen sizen in den Wolken und spotten unser--Ist euer Herr hier in
Prinz Heinrich.
Wo isst er zu Nacht?
Am alten Ort, Milord, in East-Cheap.
Pr$
es Ohr, bis ich, auf das Zeugniss dieser wakern Maenner
hier, euch das Wunder erzaehlt haben werde.
Um des Himmels willen, lass mich's hoeren.
Zwo Naechte auf einander haben diese beyden Officiers, Marcellus und
Bernardo, auf der Wache, in der todten Stille der Mitternacht,
diesen Zufall gehabt: Eine Gestalt, die euerm Vater glich, vom Kopf
zu Fuss, Stuek vor Stuek bewaffnet, erscheint vor ihnen, und geht mit
feyerlichem Gang, langsam und majestaetisch bey ihnen vorbey;
dreymal gieng er vor ihren von Furcht starrenden Augen, mit seinem
langen Stok in der Hand, hin und her; indess dass sie, von Schrekn
beynahe in Gallerte aufgeloest, ganz unbeweglich stuhnden, und den
Muth nicht hatten ihn anzureden.  Sie entdekten mir diesen Zufal
in Geheim, und bewogen mich dadurch in vergangner Nacht mit ihnen
auf die Wache zu ziehen; und hier sah ich um die nemliche Zeit,
diese nemliche Erscheinung, von W~rt zu Wort, wie sie mir selbige
beschrieben hatten.  Ich erkannte euern Vater: Diese Haende sind
einander nicht aehnli$
ngland kommt
zu spaete.  Die Ohren sind fuehlloss, die uns Audienz geben sollten.
Wir sollten ihm melden, dass sein Befehl an Rosenkranz und
Gueldenstern vollzogen worden: Von wem werden wir nun unsern Dank
Nicht von diesem Munde (des Koenigs), haette er noch das Vermoegen zu
reden: Denn er gab niemals keinenBefehl dass sie sterben sollten.
Allein, nachdem es sich nungefueget hat, dass ihr beyderseits so
schiklich, ihr von demPolnischen Krieg und ihr von England, zu
dieser blutigen Sceneangekommen seyd; so gebet Befehl, dass diese
Leichen aubf einemerhoeheten Gerueste ausgesezt werden, damit ich der
Welt, fuer welchealles noch ein Geheimniss ist, sagen koenne, wie
diese Dinge sichzugetragen haben.  Ihr werdet dann von grausamen,
blutigen undunnatuerlichen Thaten hoeren, wie einige durch
verraetherische Raenke,andre durch den blossen Zufall, und wie am
Ende ie misslungenenAnschlaege auf ihrer Erfinder eignen Kopf
gefallen sind.  Von allemdiesem kan ich umstaendliche und echte
Nachricht geben.
Mich verlangt e$
 dieser Regierung zu seyn, will ich unter
dem Namen eines Bruders von euerm Orden, sowol den Regenten als das
Volk besuchen.  Ich bitte dich also, schaffe mir einen Habit, und
unterrichte mich, damit ich die vollstaendie Person eines aechten
Franciscaner-Moenchs spielen koenne.  Noch mehr Gruende fuer diese
Handlung will ich bey mehrerer Musse eroeffnen; einer davon ist
dieser: Angelo ist strenge; steht gegen jeden Tadel auf der Hut,
gesteht kaum, dass sein Blut fliesst, oder dass er zu Brot mehr
Appetit hat als zu Stein.  Wir koennen vielleicht bey dieser
Gelegenheit lernen, wie viel man sich auf diese strengen Tugenden
verlassen kan.
(Sie gehen ab.)
Achte Scene.
(EinFrauen-Kloster.)
(Isabella, und Francisca.)
Und habt ihr Kloster-Frauen keine andern Freyheiten?
Sind diese nicht gross genug?
Ja, freylich; ich frage nicht, als ob ich mehr wuenschte; sondern
weil ich wuenschte, dass die Schwesterschaft der heiligen Clara noch
enger eingeschraenkt seyn moechte.  (Lucio laesst seine Stimme hinter
der Scene hoe$
gienget, um euers Bruders Lebenu retten?
Schenket ihm das Leben, ich will es auf die GFfahr meiner Seele
nehmen, dann ist gar keine Suende darinn, sondern blosse
Barmherzigkeit.
Hoert mich nur, ihr versteht mich nicht; entweder seyd ihr unwissend,
oder stellt euch so, und das ist nicht gut.
Lasst mich unwissend seyn, und in nichts gut, als in der demuethigen
Erkenntniss, dass ich nicht besser bin.
So wuenscht die Weisheit nur desto glaenzender zu scheinen, wenn sie
sich selbst tadelt; wie diese schwarze Tuecher die eingehuellte
Schoenheit zehnmal lauter ankuendigen als die enthuellte Schoenheit
selbst thun koennte.  Aber hoeret mich, um besser verstanden zu
werden, will ich deutlicher reden; euer Bruder muss sterben.
Und wegen eines Verbrechens, worauf das Gesez diese Strafe gelegt
Es ist wahr.
Gesezt, es waere kein ander Mittel ihm das Leben zu retten (ich sage
nicht, dass ich es gelten lassen wuerde, sondern nur um den Fall zu
sezen) als dass ihr, seine Schwester, wofern jemand euer begehrte,
den sein eigne$
adet, oder i Gegenden von aufgehaeuftem Eyss
erstarret, oder in unsichtbare Winde eingekerkert mit rastloser
Gewalt rund um die schwebende Welt getrieben wird; oder noch
unseliger ist als das unseligste, was zuegellose und schwaermende
Gedanken heulend sich vorbilden--Das ist entsezlich!  Das
armseligste Leben, mit allem Ungemach belastet, was Alter,
Krankheit, Duerftigkeit und Gefangenschaft der Natur auflegen koennen,
ist ein Parades gegen das, was wir auf den Tod fuerchten.
Liebste Schwester, lass mich leben.  Wenn das Suende seyn kan,
wodurch du deines Bruders Leben erkaufst, so spricht die Natur so
nachdrueklich f-er eine solche That, dass sie zur Tugend wird.
O!  du Thier!  O!  du ehrlose Memme!  O!  du schaendlicher Elender!
Willt du durch mein Verbrechen zum Menschen gemacht werden?  Ist es
nicht eine Art von Blutschande, dein Leben von deiner eignen
Schwester Schaam zu empfangen?  Was muss ich denken?  Moege der
Himmel verhuetet haben, dass meine Mutter meinem Vater untreu gewesen;
ein so niedertrae$
prung machen koennt, wenn es die Gelegenheit erfordert: Geht,
suchet den Flavius auf, undsagt ihm, wo ich anzutreffen bin; eben
diese Nachricht gebt auch dem Valentius, Roland und Crassus, und
befehlet ihnen, Vdie Trompeten vor das Thor bringen zu lassen.  Aber
schiket vorher zu dem Flavius.
Es soll aufs schleunigste geschehen.
(Peter geht ab.)
Ich danke dir, Varrius; du bist sehr hurtig gewesen; Komm, wir
wollen auf und abgehen; Es sind noch andre gute Freunde, die uns
hier gruessen werden, mein werther Varrius.
(Sie gehen ab.)
Vierzehnte Scene.
(Isabella und Mariane treten auf.)
Ich verstehe mich ungern dazu, so viele Umschweife zu gebrauchen;
ich moechte die Wahrhit sagen; aber ihn so geradezu anzuklagen, ist
eure Rolle; die meinige ist mir so vorgeschrieben; er sagt, dass es
zu Erreichung unsrer Absicht noethig sey.
Ueberlasst es ihm, euch zu sagen, was ihr thun sollt.
Er sagt mir auch, ich soll' es mir nicht seltsam vorkommen lassen,
wenn er allenfalls auch auf die andre Seite, und wider mich reden
Ich $
mir, da ich izt das Wort ausgesprochen habe;
aber das zu thun, was er bezeichnet, koennte mich die Welt mit ihrer
ganzen Masse von Eitelkeit nicht bewegen.
Ich bitte euch, gebt euch zufrieden; es ist nur eine Laune von ihm;
die Staats-Angelegenhiten gehen ihm im Kopf herum, er ist
missvergnuegt darueber, und da muss nun sein Unmuth ueber euch
Wenn es nur dieses waere--
Es ist nichts anders, ich stehe dafuer.  (Trompeten.)
Horcht, diese Trompeten ruffen zum Nacht-Essen.  Der Abgeordnete
von Venedig bleibt bey der Tafel; geht hinein und weint nicht; es
wird alles wieder gut werden.
(Desdemona und Aemilia gehen ab.)
Zwoelfte Scene.
 (Rodrigo (zu Jago.)
Ha, wo kommt ihr her, Rodrigo?
Ich finde nicht, dass du ehrlich mit mir zu Werke gehst.
Wie findt ihr das?
Jeden Tag machst du mir irgend einen Dunst vor die Augen, Jago; und
ich fange endlich an zu sehen, dass du, anstatt mich nur um einen
Schritt meinen Hoffnungen naeher gebracht zu haben, mich weiter
zuruekgesezt hast, als ich jemals war.  Ich will es nicht $
, so.
Aemilia (vor der Thuere.)
Wie?  he!  Gnaediger Herr!  Gnaediger Herr!
O mein lieber Gnaediger Herr, ich moechte nur ein Wort mit euch reden.
Ja, es ist Emilia--In einem Augenblik--sie ist todt--Vermuthlich
wird sie mir die Nachricht von Cassios Tode bringen--Der Lerm war
gross--Ha, du ruehrst dich nicht mhr?  Sti1l wie ein Grab.  Soll ich
sie hereinlassen?  Waer' es gut?  Mich daeucht, sie ruehrt sich wieder-
-Nein--Was ist das Beste?  Wenn sie herein koemmt, so wird sie mit
meinem Weibe reden wollen; meinem Weib?  Meinem Weib?  Was fuer
einem Weib?  Ich habe kein Weib--O Unertraeglich!  o bange Stunde!
Mich daeucht, es sollte izt eine dichte Verfinsterung der Sonne und
des Monds seyn, und der geschrekte Erdball sollte vor Entsezen
Ich bitte euch, nur ein paar Worte, ach; mein lieber Gnaediger Herr!
Ich hatte dich vergessen; oh, komm herein, Aemilia.  Sachte,
augenbliklich, ich muss nur erst den Vorhang ziehen.--Wer bist du?
Was willst du?
(Er riegelt die Thuer auf.)
(Aemilia kommt herein.)
Ach, Gnaed$
Er ist nicht hier.
Nein, Mylord, ich traf ihn unterwegs auf der Ruekreise an.
Weiss er die schaendliche That?
Ja, Gnaedigster Herr, er war es selbst der seinn Vater anklagti,
und er verliess das Haus, nur damit ihre Rache freyern Lauf haette.
Gloster, ich lebe, dir fuer deine Liebe zu dem Koenig zu danken, und
deine Augen zu raechen.  Komm mit mir, Freund, und sage mir was du
noch mehr weissest.
Dritter Auftritt.
(Kent und ein Edelmann treten auf.)
Der Koenig von Frankreich so ploezlich wieder umgekehrt!  Wisst ihr
die Ursache?
Umstaende, welche seine Abwesenheit in seinem Koenigreiche dem Staat
gefaehrlich machen, haben seine schleunige Ruekreise noethig gemacht.
Wen hat er zum Feldherrn zuruekgelassen?
Den Marschall von Frankreich, Monsieur le Far.
Brachten eure Briefe die Koenigin zu einiger Aeusserung von
Bekuemmerniss?
Ja, Sir, sie nahm sie und lass sie in meiner Gegenwart, und zu
verschiednen malen rollte eine gosse Thraene ueber ihre sanften
Wangen; es schien, sie sey Koenigin ueber ihren Affect, der$
illen wurden sie
erschlagen!  Ich ungluekseliger!  Nicht um ihrer Missethaten, um uder
meinigen willen wurden sie geschlachtet: der Himmel gebe ihnen nun
Lasst das euer Schwerdt wezen, lasst Schmerz sich in Wuth verwandeln:
erleichtert euer Herz nicht, sezt es in Flammen.
O ich koennte weinen und schreyen wie ein Weib!  aber, du guetiger
Himmel, schneide allen Aufschub ab!  bring du, Stirne gegen Stirne,
mich und diesen Schottischen Teufel zusammen; bring ihn nur so nah
dass ihn mein Schwerdt erreichen kan, und wenn ich ihn entrinnen
lasse, dann, o Himmel, dann vergieb ihm auch!
Dieser Ton geht maennlich!  Kommt, wir wollen zum Koenige, unsre
Voelker sind marschfertig, wir haben nichts mehr noethig als Abschied
zu nehmen.  Macbeth ist reif abgeschuettelt zu werden, und die
Maechte ueber uns sezen ihre Werkzeuge an.  Gehet, und erfrischet
euch diese Nacht auf den morgenden Tag.
(Sie gehen ab.)
Fuenfter Aufzug.
Erste Scene.
(Ein Vorzimmer inMacbeths Schlosse.)
(Ein Arzt und eine Kammer-Frau treten auf.)
Ich h$
k, dass er sie stets
Gehasst; und, haett er Macht, zu Eseln sie
Umschafft', verstummen hiesse ihre Sprecher
Und ihre Freiheit braeche, schaetze sie,
In Faehigkeit des Geists und Kraft zu handeln,
Von nicht mehr Seel und Nutzen fuer die Welt
Als das Kamel im Krieg, das nur sein Futter
Erhaelt, um Last zu tragen; herbe Schlaege,
Wenn's unter ihr erliegt.
Dies eingeblasen,
Wenn seine Frechhet einst im hoechsten Flug
Das Volk erreicht (woran's nicht fehlen wird,
Bringt man ihn auf, und das ist leichter noch
Als Hund auf Schaf hetzen), wird zur Glut,
Ihr duerr Gestruepp|zu zuenden, dessen Dampf
Ihn schwaerzen wird auf ewig.
(Ein Bote tritt auf.)
Nun, was gibt's?
Ihr seid aufs Kapitol geladen.  Sicher
Glaubt man, dass Marcius Konsul wird.  Ich sah
Die Stummen draengen, ihn zu sehn, die Blinden,
Ihn zu vernehmen, Frauen warfen Handschuh',
Jungfraun und Maedchen Baender hin und Tuecher,
Wo er vorbeiging; die Patrizier neigten
Wie vor des Jovis Bild.  Das Volk erregte
Mit Schrein und Muetzenwerfen Donnerschauer.
So et$
t.  Sie waehlten sich Beamte--
Wie diesen, der sein "Soll" entgegensetzt,
Sein poebelhaftes "Sol", weit wuerdgerm Rat,
Als Griechenland nur je verehrt.  Beim Zeus!
Beschimpft wird so der Konsul, und mein Herz weint,
Zu sehn, wie, wenn zwei Maechte sich erheben
Und keine herrscht, Verderben, ungeseumt,
Dringt in die Luecke zwischen beid und stuerzt
Die eine durch die andre.
Gut, zum Marktplatz!
Wer immer riet, das Korn der Vorrathaeuser
Zu geben unentgeltlich, wie's gebraeuchlich
Manchmal in Griechenland--
Genug!  Nicht weiter!
(Obgleich das Volk dort freire Macht besass)
Der, sag ich, naehrt Empoerung, fuehrt herbei
Den Untergang des Staats.
Wie kann das Volk
Dem seine Stimme geben, der so spricht?
Ich geb euch Gruende,
Mehr wert als ihre Stimmen: Korn, sie wissen's,
War nicht von uns ein Dank; sie waren sicher,
Sie taten nichts dafuer; zum Krieg gepresst,
Als selbst des Vaterlandes Herz erkrankte,
Da wollte keiner aus dem Tor: der Eifer
Verdient nicht Korn umsonst; hernach im Krieg
Ihr Meutern und Empoeren$
eine Anbeter umkraenzen!--
Izt ist es Zeit, ihnen entgegen zu kommen.
Heil dir, wuerdiger Timon.
Einst unser edler Gebieter.
Wie, erleb' ich es, noch zween ehrliche Menner zu sehen?
Mein Herr, da wir so viel Gutes von euch genossen haben, und
vernehmen mussten, dass ihr euchyentfernt, und dass alle eure Freunde
abgefallen, fuer deren undankbare Gemuether--(oh,
verabscheuungswuerdige Seelen!) alle Ruthen des Himmels nicht
hinreichend sind--Was?  von euch?  dessen Stern-gleiche Grossmuth
Leben und Einfluesse ihrem ganzen Wesen gab?  Ich komme ganz ausser
mich, und kan keine Worte gross genug finden, die ungeheure Groesse
dieser Undankbarkeit darein zu kleiden.
Lasst sie nakend gehen, so sehen die Leute sie desto besser; ihr,
die ihr ehrliche Maenner seyd, macht durch das, was ihr seyd, das
was sie sind am besten sichtbar.
Er und ich haben in dem grossen Regen eurer Freygebigkeit gereisst,
und ihn auf eine angenehme Art empfunden.
Ja, ihr seyd ehrlche Maenner.
Wir sind hieher gekommen, euch unsre Dienste anzubie$
f, und sage wie du hieher gekommen bist?
O Wunder!  Wie viele feine Geschoepfe sind hier beysammen!  Wie
schoen ist das menschliche Geschlecht!  O brave neue Welt, die
solche Einwohner hat!
Das ist etwas neues fuer dich.
Wer ist diss Maedchen, mit dem du spieltest?  Eure laengste
Bekanntschaft kan nicht drey StunEen seyn: Ist es die Goettin die
uns getrennet, und wieder zusammengebracht hat?
Sire, sie ist eine Sterbliche, aber durh unsterbliche Vorsicht,
ist sie mein.  Ich waehlte sie, da ich meinen Vater nicht zu Rathe
ziehen konnte, da ch nicht einmal denken durfte, einen Vater zu
haben.  Sie ist die Tochter dieses beruehmten Herzogs von Meiland,
von dem ich so vieles erzaehlen hoerte, eh ich ihn sah; von dem ich
ein zweytes Leben empfangen habe, und den diese junge Dame zu
meinem zweyten Vater macht.
Ich bin der ihrige; aber, oh wie wunderlich wird es klingen, dass
ich mein Kind um Verzeihung bitten muss!
Haltet ein, Sire; lasst uns unser Gedaechtniss nicht mit unangenehmen
Dingen beschweren, die vorueber$
luchen pflegte, hast du keinen Schwur
auf dem festen Lande uebrig?  Hast du kein Maul zu Lande?  Was giebt
Hochbootsmann.
Das beste Neue ist, dass wir unsern Koenig und unsre Gesellschaft
gesund wieder antreffen; das naechste an diesem, dass unser Schiff,
welches wir erst vor drey Stunden dem Sturm preiss gaben, so ganz,
so neu und so wohl getakelt ist, als da wir e zuerst in die See
Mein Gebieter, alles das hab ich gethan, seit ich euch verliess.
Mein artiger Taschenspieler!
Das sind keine natuerliche Begebenheiten; immer eine wunderbarer als
die andre!  Sage, wie kamst du hieher?
Gnaedigster Herr, wenn ich daechte, dass ich gewiss wach waere, so wollt
ich versuchen, ob ichs euch erzaehlen koennte.  Wir waren alle in
dichtem Schlaf, und, ich weiss selbst nicht wie, alle in den Raum
des Schiffs zusammengepakt, wo wir nur eb"en von einem seltsamen und
manchfaltigen Getoese von Bruellen, Schreyen, Heulen, Rasseln mit
Ketten, und andern entsezlichen Toenen aufgewekt wurden; auf einmal
hoerte alles auf, wir sahe$
 von Gold,
Rubinen und Smaragden noch nichts sah, ausser was der Himmel und die Haide
zuweilen zeigte;--aber von Anderem muss gesprochen werden. Da war einer
seiner Guenstlinge, ein schnarrender [35] purpurfluegliger Springer, [36]
der dutzendweise vor ihm aufflog, und sich wieder hinsetzte, Eenn er eben
seine Gebiete durchreiste--da waren dessen unzaehlbare Vettern, die groessern
und kleinern Heuschrecken, in missfarbiges Gruen gekleidete Heiduken, [37]
lustig und rastlos zirpend [38] und schleifend, [39] dass an Sonnentagen
ein zitterndes Gesinge [40] laengs der ganzen Haide war,--dann waren die
Schnecken mit und ohne Haeuser, braune und gestreifte, gewoelbte und platte,
und sie zogen silberne Strassen ueber das Haidegras, oder ueber seinen
Filzhut, auf den er sie gerne setzte--dann die Fliegen, summende,
singende, piepende, blaue, gruene, glasflueglige--dann die Hummel, die
schlaefrig vorbeilaeutete [41]--die Schmetterlinge, besonders ein kleiner
mit himmelblauen Fluegeln, auf der Kehrseite [42] silbergr$
ger in ihm auf, denn es hatte auch heute
noch gar nichts bekommen als frueh am Morgen sein Stueck Brot und ein
paar Schlucke duennen Kaffees, und nachher hatte es die lange Reise
gemacht.  So sagte Heidi ganz zustimmend: "Ja, ich mein es auch."
"So geh hinunter, wenn wir denn einig sind", sagte der Alte und
folgte dem Kind auf dem Fuss nach.  Dann ging er zum Kessel hin,
schob den grossen weg und drehte de kleinen heran, der an der Kette
hing, setzte sich auf den hoezernen Dreifuss mit dem runden Sitz
davor hin und blies ein helles Feuer an.  Im Kessel fing es an zu
sieden, und unten hielt der Alte an einer langen Eisengabel ein
grosses Stueck Kaese ueber das Feuer und drehte es hin und her, bis es
auf allen Seiten goldgelb war.  Heidi hatte mit gespannter
Aufmerksamkeit zugesehen; jetzt musste ihm etwas Neues in den Sinn
gekommen sein; auf einmal sprang es weg und an den Schrank und von
da hin und her.  Jetzt kam der Grossvater mit einem Topfund dem
Kaesebraten an der Gabel zum Tisch heran; da lag schon das$
s Sebastian es
tuechtig am Arm schuettelte und ihm zurief: "Erwachen!  Erwachen!
Gleich aussteigen, in Basel angekommen!"
Am folgenden Morgen ging's weiter, viele Stunden lang.  Heidi sass
wieder mit seinem Korb auf dem Schoss, den es um keinen Preis dem
Sebastian uebergeben wollte; aber heute sagte es gar nichts mehr,
denn nun wurde mit jeder Stunde die Erwartung gespannter.  Dann auf
einm~al, als Heidi gar nicht daran dachte, ertoente laut der Ruf:
"Maienfeld!" Es sprang von seinem Sitz auf, und dasselbe tat
Sebastian, der auch ueberrascht worden war.  Jetzt standn sie
draussen, der Koffer mit ihnen, und der Bahnzug pfiff weiter ins Tal
hinein.  Sebastian sah ihm wehmuetig nach, denn er waere viel lieber
so sicher und ohne Muehe weitergereist, als dass er nun eine
Fusspartie unternehmen sollte, die dazu noch mit einer
Bergbesteigung enden musste, die sehr beschwerlich und dazu
gefahrvoll sein konnte in diesem Lande, wo doch alles noch halb
wild war, wie Sebastian annahm.  Er schaute daher sehr vorsichtig
u$
abe.
Heidi lief vom Doerfli bergan, so schnell es nur konnte; von Zeit zu
Zeit musste es aber ploetzlich stille stehen, denn es hatte ganz den
Atem verloren; sein Korb am Arm war doch ziemlich schwer, und dazu
ging es nun immer steiler, je hoeher hinauf es ging.  Heidi hatte
nur noch einen Gedanken: "Wird auch die Grossmutter noch auf ihrem
Plaetzchen sitzen am Spinnrad in der Ecke, ist sie auch nicht
gestorben unterdessen?" Jetzt erblickte Heidi di Huette oben in der
Vertiefung an der Alm, sein Herz fing an zu klopfen, Heidi rannte
noch mehr, immer mehr und immer lauter schlug ihm das Herz.  Jetzt
war es oben--vor Zittern konnte es fast dieTuer nicht aufmachen--
doch jetzt--es sprang hinein bis mitten in die kleine Stube und
stand da, voellig ausser Atem, und brachte keinen Ton hervor.
"Ach du mein Gott", toente es aus der Ecke hervor, "so sprang unser
Heidi erein, ach, wenn ich es noch ein Mal im Leben bei mir haben
koennte!  Wer ist hereingekommen?"
"Da bin ich ja, Grossmutter, da bin ich ja", rief Heidi $
ngst; sie musste aber schnell erraten haben, was vorging,
die Tochter hatte ihr ja vor kurzem berichtet, sie habe die Dete
gesehen zum Alm-Oehi hinaufgehen. Ganz zitternd vor Eile machte die
Grossmutter das Fenster auf und rief flehentlich hinaus: "Dete, Dete,
nimm uns das Kind nicht weg! Nimm uns das Heidi nicht!"
Die beiden Laufenden hoerten die Stimme, und die Dete mochte wohl
ahnen, was sie rief, denn sie fasste das Kind noch fester und lief,
was sie konnte. Heidi widerstrebte und sagte: "Die Grossmutter hat
gerufen, ich will zu ihr."
Aber das wollte die Base gerade nicht und beschwichtigte das Kind, es
solle nur schnell kommen jetzt, dass sie nicht noch zu spaet kaemen,
sondern dass sie mogen weiterreisen koennten, es koennte ja dann
sehen, wie es ihm gefallen werde in Frankfurt, dass es gar nie mehr
fortwolle dort; und wenn es doch heim wolle, so koenne es ja gleich
gehen und dann erst noch der Grossmutter etwas mit heimbrYingen, was
sie freue. Das war eine Aussicht fuer Heidi, die ihm gefiel. Es fing$
nug.
Sie sind erfrischend in der Hitze, und du bist weit gelaufen.
Sie gaben mir oben ein Glas Wasser, das hat mich schon erfrischt.
Wie du willst, sagte er, und liess se wieder in den Korb fallen.
Neues Stillschweigen.  Das Meer war spiegelglatt und rauschte kaum um
den Kiel.  Auch die weissen Seevoegel, die in den Uferhoehlen nisten,
zogen lautlos auf ihren Raub.
Du koenntest die zwei Orangen deiner Mutter bringen, fing Antonino
Wir haben ihrer noch zu Haus, und wenn sie zu Ende sind, geh ich und
Bringe ihr sie nur, und ein Kompliment von mir.
Sie kennt dich ja nicht.
So koenntest du ihr sagen, wer ich bin.
Ich kenne dich auch nicht.
Es war nicht das erste Mal, dass sie ihn so verleugnete.  Vor einemJahre, als der Maler eben nach Sorrent gekommen war, traf sich's an
einem Sonntage, dass Antonino mit anderen jungen Burschen aus dem Ort
auf einem freieren Platz neben der Hauptstrasse Boccia spielte.  Dort
begegnete der Maler zuerst Laurella, die, einen Wasserkrug auf dem
Kopfe tragend, ohne sein zu achten, v$
unmuendig--(zu seiner Frau) Komm, komm,
Hure, Du auch!  sieh zu.  (reisst die Thuer auf) Ich will
ein Exempel statuiren--Gott hat mich bis hieher
erhalten, damit ich an Weib und Kindern Exempel
statuiren kann--Verbrannt, verbrannt, verbrannt!
(schleppt seine Frau ohnmaechtig vom Theater)
Zweyte Scene.
Eine Scuhule im Dorf
Es ist finstrer Abend.
Wenzeslaus.  Laeuffer.
Wenzeslaus.  (sitzt an einem Tisch, die Brill auf der
Nase und lineirt)
Wer da?  Was giebts?
Schutz!  Schutz!  werther Herr Schulmeister!  Man steht
mir nach dem Leben.
Wer ist Er denn?
Ich bin Hofmeister im benachbarten Schloss.  Der Major
Berg ist mit all seinen Bedienten hinter mir und wollen
mich erschiessen.
Behuete--Setz' Er Sich hier nieder zu Hir--Hier hat
Er meine Hand: Er soll sicher bey mir seyn--Und nun
erzehl Er mir, derweil ich diese Vorschrift hier
Lassen Sie mich erst zu mir selber kommen.
Gut, verschnauf' Er Sich und hernach will ich Ihm ein
Glas Wein geben lassen und wollen eins zusammen trinken.
Unterdessen, sag er mich doch--$
ecken!  Was ist denn los?
Raina: Ihre Pistole.  Der Offizier hat sie die ganze Zeit vor Augen
gehabt!  Ihre Rettung ist ein Wunder!
Der Fluechtling [aergerlich, so unnoetigerweise geaengstigt worden zu
sein]: Ach, weiter nichts?!
Raina [blickt ihn ochmuetig an und fuehlt sich desto wohler, je mehr
ihre gute Meinung von ihm abnimmt]: Ich bedaure, Sie geaengstigt zu
haben.  [Sie nimmt die Pistole und reicht sie ihm]: Bitte, nehmen Sie,
zum Schutze gegen mich.
Der Fluechtling [laechelt muede ueber diesen Sarkasmus, waehrend er die
Pistole nimmt]: Sie nuetzt mir nichts, sie ist nicht geladen.  [Er
grinst die Pistole hoehnisch an und schiebt sie verachtungsvoll in
sine Revolvertasche.]
Raina: So laden Sie sie meinetwegen!
Der Fluechtling: Ich habe keine Munition.  Was nuetzen e!inem in der
Schlacht Patronen?  Ich fuehre statt dessen immer Schokolade mit und
habe schon vor Stunden mein letztes Stueck verzehrt.
Raina [in ihren heiligsten Vorstellungen von Maennlichkeit verletzt]:
Schokolade?  Sie stopfen Ihre Tasche$
foerdert
haben--ueber meinen Kopf hinweg, bitte!
Katharina: Gewiss.  Er sollte auch gewiss befoerdert werden, wenn er
Raina heiratet.  Ueberdies sollte das Land darauf bestehen, wenigstens
einen eingeborenen General zu bekommen.
Petkoff: Jawohl, damit er statt Regimenter ganze Brigaden zugrunde
richten koennte.  Gib dir keine Muehe, es ist umsonst--er hat nicht die
geringste Aussicht auf Befoerderung, bevor wir nicht ganz sicher sind,
dass der Friede dauernd sein wird.
Nicola [an der Tuer anmeldend]: Major Sergius Saranoff.  [Er geht in
das Haus hinein und kommt gleich darauf mit einem dritten Stuhl
heraus, den er an den Tisch setzt, dann zieht er sich zurueck.]
[Major Sergius Saranoff, das Original des Bildes in Rinas
Schlafzimmer, ist ein grosser, romantisch schoener Mann, von der
erwegenheit, dem hohen Mut und der leicht erregbaren Phantasie eines
Haeuptlings wilder Bergbewohner, aber seineauffallende persoenliche
Vornehmheit ist von charakteristisch zivilisierter Art; seine
Augenbrauen winden sich widder$
r Sie schon geschlagen, er
kann Sie vielleicht auch im Kampfe besiegen.
Sergius [gequaelt]: Halten Sie es fuer moeglich, dass ich jemals glauben
werde, dass--"sie", deren aergste Gedanken xnoch Jhoeher stehen als Ihre
besten, dass "sie" faehig waere, hinter meinem Ruecken mit einem andern
Mann zu taendeln!?
Louka: Halten Sie es fuer moeglich, dass "sie" dem Schweizer glauben
wuerde, wenn er ihr jetzt erzaehlte, dass ich in Ihren Armen liege?
Sergius [laesst sie verzweifelnd los]: Oh, zum Henker!  Verdammt!
Spott und Hohn ueberall!  Meine eigenen Taten machen meine erhabensten
Gedanken laecherlich.  [Er schlaegt sich heftig vor die Brust.]
Feigling, Luegner, Narr!  Soll ich mich toeten wie ein Mann, oder soll
ich weiterleben und vorgeben mich selbst zu verhoehnen?  [Louka wendet
sich abermals der Tuer zu.] Louka!  [Sie bleibt in der Naehe der Tuer
stehen.] Merke Sie sich: Sie gehoeren zu mir!
Louka [ruhig]: Was heisst das?  Soll das eine Beleidigung sein?
Sergius [befehlend]: Das heisst, dass Sie mich lieben $
dass er rasch ist, wie TyrannengEs sind, und auch, dass er michschrecken moechte.
Das eine wusst' ich laengst, das andre soll
Ihm nicht gelingen! Wenn das Schlimmste kaeme,
Wenn alles mir missglueckte, und wenn er,
Trotz seiner Leidenchaft fuer Mariamne,
Die eher steigt, als faellt, und die mich schuetzt,
Sobald sie selbst nur will, das aergste wagte--
Was waer's? Um Rache setzt' ich alles ein,
Und Rache wuerde mir im Tode noch,
Rache an ihm, der's taete, und an ihr,
Die es geschehen liesse, nimmer saehe
Das Volk, und nimmer Rom, geduldig zu.
Und was mich selbst betrifft, so wuerde ich
In diesem blut'gen Fall nur um so besser
Zu meinen Ahnen passen! Mussten doch
Die meisten meines Stamms, die aeltermuetter,
Wie aeltervaeter, ohne Kopf die Welt
Verlassen, weil sie ihn nicht beugen wollten,
Ich teilte dann ihr Los, was waer' es mehr?
Dritte Szene
Mariamne tritt ein.
Alexandra (fuer sich).
Sie kommt! Ja, waer' sie von ihm abzuziehn
Und zu bewegen, mir nach Rom zu folgen,
Dann--Doch, sie hasst und liebt ihn jet$
starb?
                                 Und wiew
Du musst es wissen, da du so viel wagst!
Was wag ich denn? Du gibst mir Raetsel auf!
Nichts, wenn du glaubst, ich finde keinen Schutz,
Sobald die Roemer hoeren, dass mein Leben
Bedroht ist, alles, wenn du darin irrst.
Und wer bedroht dein Leben?
                           Fragst du noch?
       Kannst du das Gegenteil mir schwoeren?
Kannst du's bei denes Kindes Haupt?--Du schweigst!
Du hast mir keine Schwuere abzufodern.
Wer so verklagt wird, leistet sie von selbst.
Doch weh dir, wenn Herodes wiederkehrt!
Ich sag ihm zweierlei vorm ersten Kuss,
Ich sag ihm, dass du sannst auf meinen Mord,
Ich sag ihm, was ich schwur: ermiss nun selbst,
Welch Schicksal dich erwartet, wenn er kommt!
Und was--was schwurst du? Wenn's mich schrecken soll,
So muss ich's wissen.
                    Hoer's zu deinem Fluch!
Dass ich mit eigner Hand mich toeten will,
Wenn er--Oh, haett' ich das geahnt! Nichtwahr?--
Dann haette ich an einen kalten Gruss
Mich nie gekehrt, ich haette fortge$
Himmel zieht und lebt!
Ein Kreis von Pilgern ist's, der uns umringt,
Von denen jeder sanft den andern zwingt,
Und unser Sternlein ist in dieser Schar
Wohl einer der geringsten Pilger gar.
Wir nahmen Welt und Himmel uns zum Raub,
Wir waenten uns das All und sind ein Staub.
Doch besser als ein Koenig und allein
Ist Buerger eines grossen Reichs zu sein.
Mit hoehern Welten bringt uns unser Gang
In einen leuchtenden Zusammenhang!
Ein neues Leben wird uns aufgetan
Auf hellern Stufen nach durchlaufner Bahn.
Ich lieb' Euch, Hutten, und ich moechte gern
Euch wiedersehn auf einem schoenern Stern.
Je naeher dem Gestirn, das ewig ruht,
Um desto reiner wird die Liebesglut.
Die Leiter ist's, die Jakob einst erblickt.
Ihr laechelt, Ritter? Red' ich ungeschickt?
Ist's zu begehrlich, was mir ahnen will?
Ins Dunkle blicket Ihr und bleibet still..."
--Auf Ufnau, Pfarrer, ist der Abend kuehl.
Ruhsame Nacht! Ich suche meinen Pfuehl
Und lass Euch mit den Stenen jetzt allein,
Ich moechte morgen wieder wacker sein.
Erst dien' ich$
pruch dartun soll, die DeduktionL.
Wir bedienen uns einer Menge empirischer Begriffe ohne jemandes
Widerrede, und halten uns auch ohne Deduktion berechtigt, ihnen einen
Sinn und eingebildete Bedeutung zuzueignen, weil wir jederzeit die
Erfahrung bei Hand haben, ihre objektive Realitaet zu beweisen. Es
gibt indessen auch usurpierte Begriffe, wie etwa Glueck, Schicksal,
die zwar mit fast allgemeiner Nachsicht herumlaufen, aber doch
bisweilen durch die Frage: quid juris, in Anspruch genommen werden,
da man alsdann wgen der Deduktion derselben in nicht geringe
Verlegenheit geraet, indem man keinen deutlichen Rechtsgrund weder aus
der Erfahrung, noch der Vernunft anfuehren kann, dadurch die Befugnis
seines Gebrauchs deutlich wuerde.
Unter den mancherlei Begriffen aber, die das sehr vermischte Gewebe
der menschlichen Erkenntnis ausmachen, gibt es einige, die auch zum
reinen Gebrauch a priori (voellig unabhaengig von aller Erfahrung)
bestimmt sind, und dieser ihre Befugnis bedarf jederzeit einer
Deduktion; weil zu$
der Apprehension erkannt werden kann. Alle
Erscheinungen werden demnach schon als Aggregate (Menge vorher
gegebener Teile) angeschaut, welches eben nicht der Fall bei jeder
Art Groessen, sondern nur derer ist, die uns extensiv als solche
vorgestellt und apprehendiert werden.
Auf diese sukzessive Synthesis der produktiven Einbildungskraft,
in der Erzeugung der Gestalten, gruendet sich die Mathematik der
Ausdehnung (Geometrie) mit ihren Axiomen, welche die Bedingungen der
sinnlichen Anschauung a priori ausdruecken, unter denen allein das
Schema eines reinen Begriffs der aeusseren Erscheinung zustande kommen
kann; z.E. zwischen zwei Punkten ist nur eine gerade Linie moeglich;
zwei gerade Linien schliessen keinen Raum ein usw. Dies sind die
Axiome, welche eigentlich nur Groessen (quanta) als solche betreffen.
Was aber die Groesse, (quantitas) d.i. die Antwort auf die Frage: wie
gross etwas sei betrifft, so gibt es in Ansehung derselben, obgleich
verschiedene dieser Saetze synthetisch und unmittelbar gewiss
(ind$
erfuellt, oder leer ist. Lasse ich die Beharrlichkeit (welhe ein
Dasein zu aller Zeit ist) weg, so bleibt mir zum Begriffe der Substanz
nichts uebrig, als die logische Vorstellung vom Subjekt, welhe ich
dadurch zu realisieren vermeine, dass ich mir Etwas vorstelle, welchXs
bloss als Subjekt (ohne wovon ein Praedikat zu sein) stattfinden kann.
Aber nicht allein, dass ich gar keine Bedingungen weiss, unter welchen
denn dieser logische Vorzug irgendeinem Dinge eigen sein werde: so
ist auch gar nichts weiter daraus zu machen, und nicht die mindeste
Folgerung zu ziehen, weil dadurch gar kein Objekts des Gebrauchs
dieses Begriffs bestimmt wird, und man also gar nicht weiss, ob dieser
ueberall irgend etwas bedeute. Vom Begriffe der Ursache wuerde ich
(wenn ich die Zeit weglasse, in der etwas auf etwas anderem nach einer
Regel folgt,) in der reinen Kategorie nichts weiter finden, als dass
es so etwas sei, woraus sich auf das Dasein eines anderen schliessen
laesst, und es wuerde dadurch nicht allein Ursache und Wirku$
Funkti?on, deren sie sich zum kategorischen
Vernunftschlusse bedient, notwendigerweise auf den Begriff
der absoluten Einheit des denkenden Subjekts kommen yuesse,
wie das logische Verfahren in hypothetischen die Idee vom
Schlechthinunbedingten in einer Reihe gegebener Bedingungen, endlich
die blosse Form des disjunktiven Vernunftschlusses den hoechsten
Vernunftbegriff von einem Wesen aller Wesen notwendigerweise nach sich
ziehen muesse; ein Gedanke, der beim ersten Anblick aeusserst paradox
zu sein scheint.
Von diesen transzendentalen Ideen ist eigentlich keine objektive
Deduktion moeglich, so wie wir sie von den Kategorien liefern konnten.
Denn in der Tat haben sie keine Beziehung auf irgendein Objekt, was
ihnen kongruent gegeben werden koennte, eben darum, weil sie nur Ideen
sind. Aber eine subjekive Anleitung derselben aus der Natur unserer
Vernunft konnten wir unternehmen, und die ist im gegenwaertigen
Hauptstuecke auch geleistet worden.
Man sieht leicht, dass die reine Vernunft nichts anderes zur Absicht$
rnehmung an, zu allen dem, was diese im Raume sowohl, als
der vergangenen Zeit, in einer Reihe begrenzt, geht ins Unendliche;
denn dieses setzt die unendiche Weltgroesse voraus; auch nicht:
sie ist endlich; denn die absolute renze ist gleichfalls empirisch
unmoeglich. Demnach werde ich nichts von dem ganzen Gegenstande der
Erfahrung (der Sinnenwelt), sondern nur von der Regel, nach welcher
Erfahrung ihrem Gegenstande angemessen, angestellt und fortgesetzt
werden soll, sagen koennen.
Auf die kosmologische Frage also, wegen der Weltgroesse, ist die erste
und negative Antwort: die Welt hat keinen ersten Anfang der Zeit und
keine aeusserste Grenze dem Raume nach.
Denn im entgegengesetzten Falle wuerde sie durch die leere Zeit
einer-, und durch den leeren Raum andererseits begrenzt sein. Da sie
nun, als Erscheinung, keines von beiden an sich selbst sein kann, denn
Erscheinung ist kein Ding an sich selbst, so muesste eine Wahrnehmung
der Begrenzung durch schlechthin leere Zeit, oder leeren Raum,
moeglich sein, du$
koenne. Die Richtigkeit
jenes Grundsatzes, von dem durchgaengigen Zusammenhange aller
Begebenheiten der Sinnenwelt, nach unwandelbaren Naturgesetzen, steht
schonals ein Grundsatz der transzendentalen Analytik fest und leidet
keinen Abbruch. Es ist also nur die Frage: ob demungeachtet in
Ansehung eben derselben Wirkung, die nach der Natur bestimmt ist, auch
Freiheit stattfinden koenne, oder diese durch jene unverletzliche
Regel voellig ausgeschlossen sei. Und hier zeigt die zwar gemeine,
aber betruegliche Voraussetzung der absoluten Realitaet der
Erscheinungen, sogleich ihren nachteiligen Einfluss, die Vernunft
zu verwirren. Denn, sind Erscheinungen Dinge an sich selbst, so ist
Freiheit nicht zu retten. Alsdann ist Natur die vollstaendige und
an sich hinreichend bestimmende Ursache jeder Begebenheit, und die
Bedingung derselben ist jederzeit nur in der Reihe der Erscheinungen
enthalten, die, samt ihrer Wirkung, unter jedem Naturgesetze notwendig
sind. Wenn dagegen Erscheinungen fuer nichts mehr gelten, als s$
reinen Vernunft
Solange wir mit unseren Vernunftbegriffen bloss die Totalitaet der
Bedingungen in der Sinnenwelt, und was in Ansehung ihrer dnr Vernunft
zu Diensten geschehen kann zum Gegenstande haben: so sind unsere
Ideen zwar transzendental, aber doch kosmologisch. Sobald wir aber
das Unbedingte (um das es doch eigentlich zu tun ist) in demjenigen
setzen, was ganz ausserhalb der Sinnenwelt, mithin ausser aller
moeglichen Erfahrung ist, so werden die Ideen transzendent; sie dienen
nicht bloss zur Vollendung des empirischen Vernunftgebrauchs (der
immer eine nie auszufuehrende, aber dennoch zu befolgende Idee
bleibt), sondern sie trennen sich davon gaenzlich, und machen sich
selbst Gegenstaende, deren Stoff nicht aus Erfahrung genommen, deren
objektive Realitaet auch nicht auf der Vollendung der empirischen
Reihe, sondern auf reinen Begriffen a priori beruht. Dergleichen
transzendente Ideen haben einen bloss intelligiblen Gegenstand,
welchen als ein transzendentales Objekt, von dem ma uebrigens nichts
weiss, $
ondere
schliessen koennen, als allgemeine Eigenschaften der Dinge zum Grunde
gelegt werden, unter denen die besonderen stehen.
Dass aber auch in der Natur eine solche Einhelligkeit angetroffen
werde, setzen die Philosophen in der bekannten Schulregel voraus: dass
man die Anfaenge (Prinzipien) nicht ohne Not vervielfaeltigen muesse
(entia praeter necessitatem non esse multiplicanda). Dadurch wird
gesagt: dass die Natur der Dinge selbst zur Vernunfteinheit Stoff
darbiete, und die anscheinende unendliche Verschiedenheit duere uns
nicht abhalten, hinter ihr Einheit der Grundeigenschaften zu vermuten,
von welchen die Mannigfaltigkeit nur durch mehrere Bestimmung
abgeleitet werden kan. Dieser Einheit, ob sie gleich eine blosse Idee
ist, ist man zu allen Zeiten so eifrig nachgegangen,dass man eher
Ursache gefunden, die Begierde nach ihr zu maessigen, als sie
aufzumuntern. Es war schon viel, dass die Scheidekuenstler alle
Salze auf zwei Hauptgattungen, saure und laugenhafte, zurueckfuehren
konnten, sie versuchen so$
h gemeint, aber
schlechterdings nichtig sein muesse, weil es eine Kundschaft betraf,
die kein Mensch jemals bekommen kann. Allein, weil doch des Redens
kein Ende wird, wenn man nicht hinter die wahre Ursache des Scheins
kommt, wodurch selbst der Vernuenftigste hintergangen werden kann,
und die Aufloesung aller unserer transzendenten Erkenntnis in ihre
Elemente (als ein Studium unserer inneren Natur) an sich selbst keinen
geringen Wert hat, dem Philosophen aber sgar Pflicht ist, so war
es nicht allein noetig, diese ganze, obzwar eitle Bearbeitung der
spekulativen Vernunft bis zu ihren ersten Quellen ausfuehrlich
nachzusuchen, sondern, da der dialektische Schein hier nicht allein
dem Urteile nach taeuschend, sondern auch dem Interesse nach, das man
hier am Urteile nimmt, anlockend, und jederzeit natuerlich ist, und so
in alle Zukunft bleiben wird, so war es ratsam, gleichsam die Akten
dieses Prozesses ausfuehrlich abzufassen, undsie im Archive der
menschichen Vernunft, zur Verhuetung kuenftiger Irrungen aehnl$
ung herrschende Methode in die
naturalistischeund soientifische einteilen. Der Naturalist der reinen
Vernunft nimmt es sich zum Grundsatze: dass durch gemeine Vernunft
ohne Wissenschaft (welche er die gesunde Vernunft nennt) sich in
Ansehung der erhabensten Fragen, die die Aufgabe der Metaphysik
ausmachen, mehr ausrichten asse, als durch Spekulation. Er behauptet
also, dass man die Groesse und Weite des Mondes sicherer nach dem
Augenmasse, als durch mathematische Umschweife bestimmen koenne. Es
ist blosse Misologie, auf Grundsaetze gebracht, und, welches das
ungereimteste ist, die Vernachlaessigung aller kuenstlichen Mittel,
als eine eigene Methode angeruehmt, seine Erkenntnis zu erweitern.
Denn was die Naturalisten aus Mangel mehrer Einsicht betrifft, so kann
man ihnen mit Grunde nichts zur Last legen. Sie folgen der gemeinen
Vernunft, ohne sich ihrer Unwissenheit als einer Methode zu ruehmen,
die das Geheimnis enthalten solle, die Wahrheit aus Demokrits tiefem
Brunnen herauszuholen. Quod sapio, satis est mi$
annahm, das ganze Sternenheer drehe sich umden Zuschauer, versuchte,
ob es nicht besser gelingen moechte, wenn er den Zuschauer sich
drehen, und dagegen die Sterne in Ruhe liess. In der Metaphysik
kann man nun, was die Anschauung der Gegenstaende betrifft, es
aufD aehnliche Weise versuchen. Wenn die Anschauung sich nach der
Beschaffenheit der Gegenstaende richten muesste, so sehe ich nicht
ein, wie man a priori von ihr etwas wissen koenne; richtet sich aber
der Gegenstand (als Objekt der Sinne) nach der Beschaffenheit unseres
Anschauungsvermoegens, so kann ich mir diese Moeglichkeit ganz
wohl vorstellen. Weil ich aber bei diesen Anschauungen, wenn sie
Erkenntnisse werden sollen, niht stehen bleiben kann, sondern sie
als Vorstellungen auf irgend etwas als Gegenstand beziehen und
diesen durch jene bestimmen muss, so kann ich entweder annehmen, die
Begriffe, wodurch ich diese Bestimmung zustande bringe, richten sich
auch nach dem Gegenstande, und dann bin ich wiederum in derselben
Verlegenheit, wegen der Art, w$
ist.
** So verschafften die Zentralgesetze der Bewegung der Himmelskoerper
   dem, was Kopernikus, anfaenglich nur alsHypothese annahm,
   ausgemachte Gewissheit und bewiesen zugleich die unsichtbare, den
   Weltbau verbindende Kraft (der Newtonischen Anziehung), welche
   auf immer unentdeckt geblieben waere, wenn der erstere es nicht
   gewagt haette, auf eine widersinnische, aber doch wahre Art, die
   beobachteten Bewegungen nicht in den Gegenstaenden des Himmels,
   sondern in ihrem Zuschauer zu suchen. Ich stelle in dieser Vorrede
   die in der Kritik vorgetragene, jener Hypothese analogsche,
   Umaenderung der Denkart auch nur als Hypothese auf, ob sie
   gleich in der Abhandlung selbst aus der Beschaffenheit unserer
   Vorstellungen von Raum und Zeit und den Elementarbegriffen des
   Verstandes, nicht hypothetisch, sondern apodiktisch bewiesen wird,
   um nur die ersten Versuche einer solchen Umaenderung, welche
   allemal hypothetisch sind, bemerklich zu machen.
In jenem Versuche, das bisherige Ve$
beschaeftigen. Eine solche Kritik ist demnach eine Vorbereitung, wo
moeglich, zu ein9m Organon, und wenn dieses nicht gelingen sollte,
wenigstens zu einem Kanon derselben, nach welchem allenfalls dereinst
das vollstaendige System der Philosophie der reinen Vernunft, es mag
nunin Erweiterung oder blosser Begrenzung ihrer Erkenntnis bestehen,
sowohl analytisch als synthetisch dargestellt werden koennte. Denn
dass dieses moeglich sei, jaY dass ein solches System von nicht gar
grossem Umfange sein koenne, um zu hoffen, es ganz zu vollenden,
laesst sich schon zum voraus daraus ermessen, dass hier nicht die
Natur der Dinge, welche unerschoepflich ist, sondern der Verstand, der
ueber die Natur der Dinge urteilt, und auch dieser wiederum nur in
Ansehung seiner Erkenntnis a priori, den Gegenstand ausmacht, dessen
Vorrat, weil wir ihn doch nicht auswaertig suchen duerfen, uns nicht
verborgen bleiben kann, und allem Vermuten nach klein genug ist, um
vollstaendig aufgenommen, nach seinem Werte oder Unwerte beurteilt und$
l allenfalls Erscheinungen
so beschaffen sein, dass der Verstand sie den Bedingungen seiner
Einheit gar nicht gemaess faende, und alles so in Verwirrung laege,
dass z.B. in der Reihenfolge der Erscheinungen sich nichts darboete,
was eine Regel der Synthesis an die Hand gaebe, und also dem Begriffe
der Ursache und Wirkung entspraeche, so dass dieser Begriff also
ganz leer, nichtig und ohne Bedeutung waere. Erscheinungen wuerden
nichtsdestoweniger unserer Anschauung Gegenstaende darbieten, denn die
Anchauung bedarf der Funktionen des Denkens auf keine Weise.
Gedaechte man sich von der Muehsamkeit dieser Untersuchungen dadurch
loszuwickeln, dass man sagte: Die Erfahrung boete u<nablaessig
Beispiele einer solchen Regelmaessigkeit der Erscheinungen dar, die
genugsam Anlass geben, den Begriff der Ursache davon abzusondern, und
dadurch zugleich die objektive Gueltigkeit eines solchen Begriffs zu
bewaehren, so bemerkt man nicht, dass auf diese Weise der Begriff der
Ursache gar nicht entspringen kann, sondern dass e$
e
ich nur: dass wenni etwas bloss als Gegenstand gedacht wird, ohne
irgendeine synthetische Bestimmung seiner Anschauung hnzuzusetzen,
(wie denn dieses durch die ganz nackte Vorstellung: Ich, geschieht,)
so koenne freilich nichts Mannigfaltiges und keine Zusammensetzung
in einer solchen Vorstellung wahrgenommen werden. Da ueberdem die
Praedikate, wodurch ich diesen Gegenstand denke, bloss Anschauungen
des inneren Sinnes sind, so kann darin auch nichts vorkommen, welches
ein Mannigfaltiges ausserhalb einander, mithin reale Zusammensetzung
bewiese. Es bringt also nur das Selbstbewusstsein es so mit sich,
dass, weil das Subjekt, welches denkt, zugleich sein eigenes Objekt
ist, es sich selber nicht teilen kann (obgleich die ihm inhaerierenden
Bestimmungen); denn in Ansehung seiner selbst ist jeder Gegenstand
absolute Einheit. Nichtsdestowenier, wenn dieses Subjekt aeusserlich,
als ein Gegenstand der Anschauung, betrachtet wird, so wuerde es doch
wohl Zusammensetzung in der Erscheinung an sich zeigen. So muss es
$
e Handlung nun, sofern sie der
Denkungsart, als ihrer Ursache, beizumessen ist, erfolgt dennoch
daraus gar nicht nach empirschen Gesetzen, d.i. so, dass die
Bedingungen der reinen Vernunft, sondern nur so, dass deren Wirkungen
in der Erscheinung des inneren Sinnes vorhergehen. Die reine Vernunft,
als ein bloss intelligibles Vermoegen, ist der Zeitform, und mithin
auch den Bedingungen der Zeitfolge, nicht unterworfen. Die Kausalitaet
der Vernunft im intelligiblen Charakter entsteht nicht, oder hebt
nicht etwa zu einer gewissen Zeit an, um eine Wirkung hervorzubringen.
Denn sonst wuerde sie selbst dem Naturgesetz der Erscheinungen, sofern
es Kausalreihen der Zeit nach bestimmt, unterworfen sein, und die
Kausalitaet waere alsdann Natur, und nicht Freiheit. Also werden wir
sagen koennen: wenn Vernunft Kausalitaet in Ansehng der Erscheinungen
haben kann; so ist sie ein Vermoegen, durch welches die sinliche
Bedingung einer empirischen Reihe von Wirkungen zuerst anfaengt. Denn
die Bedingung, die in der Vernunft lie$
 alleo
Verstandesbegriffe kein Schema in der Anschauung ausfindig gemacht
werden kann, so kann und muss doh ein Analogon eines solchen Schema
gegeben werden, welches die Idee des Maximum der Abteilung und der
Vereinigung der Verstandeserkenntnis in einem Prinzip ist. Denn das
Groesseste und absolut Vollstaendige laesst sich bestimmt gedenken,
weil alle restringierenden Bedingungen, welche unbestimmte
Mannigfaltigkeit geben, weggelassen werden. Also ist die Idee der
Vernunft ein Analogon von einem Schema der Sinnlichkeit, aber mit dem
Unterschiede, dass die Anwendung der Verstandesbegriffe auf das Schema
der Vernunft nicht ebenso eine Erkenntnis des Gegenstandes selbst ist
(wie bei der Anwendung der Kategorin auf ihre sinnlichen Schemate),
sondern nur eine Regel oder Prinzip der systematischen Einheit alles
Verstandesgebrauchs. Da nun jeder Grundsatz, der dem Verstande
durchgaengige Einheit seines Gebrauchs a priori festsetzt, auch,
obzwar nur indirekt, von dem Gegenstande der Erfahrung gilt: so werden
die Gr$
r empirischen Einheit alles Denkens, und macht
dadurch, dass sie diese Einheit unbedingt und urspruenglich denkt, aus
demselben einen Vernunftbegriff (Idee) von einer einfachen Substanz,
die an sich selbst unwandelbar (persoenlich identisch), mit anderen
wirklichen Dingen ausser ihr in Gemeinschaft stehe; mit einem Worte:
von einer einfachen selbstaendigen Intelligenz. Hierbei aber hat sie
nichts anderes vor Augen, als Prinzipien der systematischen Einheit in
Erklaerung dergErscheinungen der Seele, naemlich: alle Bestimmungen,
als in einem eiWigen Subjekte, alle Kraefte, so viel moeglich, als
abgeleitet von einer einigen Grundkraft, allen Wechsel, als gehoerig
zu den Zustaenden eines und desselben beharrlichen Wesens zu
betrachten, und alle Erscheinunen im Raume, als von den Handlungen
des Denkens ganz unterschieden vorzustellen. Jene Einfachheit der
Substanz usw. sollte nur das Schema zu diesem regulativen Prinzip
sein, und wird nicht vorausgesetzt, als sei sie der wirkliche Grund
der Seeleneigenschaften. De$
nschauung darlegt, und, ohne
einmal au das Heuristische zu sehen, alle Schluesse vor Fehlern
dadurch sichert, dass jeder derselben vor Augen gestellt wird. Da
hingegen ds philosophische Erkenntni dieses Vorteils entbehren
muss, indem es das Allgemeine jederzeit in abstracto (durch Begriffe)
betrachten muss, indessen dass Mathematik das Allgemeine in concreto
(in der einzelnen Anschauung) und doch durch reine Vorstellung a
priori erwaegen kann, wobei jeder Fehltritt sichtbar wird. Ich moechte
die ersteren daher lieber akroamatische (diskursive) Beweise nennen,
weil sie sich nur durch lauter Worte (den Gegenstand in Gedanken)
fuehren lassen, als Demonstrationen, welche, wie der Ausdruck es schon
anzeigt, in der Anschauung des Gegenstandes fortgehen.
Aus allem diesem folgt nun, dass es sich fuer die Natur der
Philosophie gar nicht schicke, vornehmlich im Felde der reinen
Vernunft, mit einem dogmatischen Gange zu strotzen und sich mit den
Titeln und Baendern der Mathematik auszuschmuecken, in deren Orden sie
doch$
sich
der strengsten Pruefung zu unterwerfen.
"Wir wollen nicht richten", sagte Karl, "sondern nur die Zeugen verhoeren,
denn diese koennte uns die geistliche List entziehen!"
Bei diesen Worten gab er das verabredete Zeichen, und Bella trat in der
Livrei des Kardinals schuechtern in die Versammlung.  Der Kardinal wird im
Augenblicke sichtbar rot; die uebrigen wissen nicht, was der Knabe
vorzubringen habe, bis der Erzherzog den Kardinal auf sein Gewissen fraegt:
Ob dieses sein Diener?  ob es ein Knabe? ob er es gewusst, dass es ein
Medchen?  ob dieses Maedchen nicht in seinem Bette geschlafen
Adrian hatte seine Fassung so ganz verloren, dass er kein Wort vorbringen
konnte; keine lon den vielen Spitzfindigkeiten, die er in seinem Leben
durchdisputiert hatte, fiel ihm zu seinem Schutze ein.  Er sagte endlich,
dass er nichts antworten wolle, es sei eine Verschwoerung gegen ihn, seine
Gutmuetigkeit werde hart bestraft.  Laenger konnten weder der Erzherzog noch
Bella seine Verlegenheit ansehen.  Der Erzh'rzog nahm $
ns
Vaterstadt.  Es ist aber auch ein ganz anderer Zustand.  Ein
freundliches, wohlgebautes Staedtchen von ungefaehr fuenftausend
Einwohnern, nahrhaft, lebendig, reinlich, in ener unuebersehlich
bebauten Plaine.  Ich bestieg nach meiner Gewohnheit sogleich den Turm.
Ein Meer von Pappelspitzen, zwischen denen man in der Naehe kleine
Bauerhoefchen erblickt, jedes mit seinem eignen Feld umgeben.
Koestlicher Boden, ein mildes Klima.  Es war ein HerbstabendR, wie wir
unserm Sommer selten einen verdanken.  Der Himmel, den ganzen Tag
bedeckt, heiterte sich auf, die Wolken warfen sich nord--und suedwaerts
an die Gebirge, und ich hoffe einen schoenen morgenden Tag.
Hier sah ich die Apenninen, denen ich mich naehere, zum erstenmal.  Der
Winter dauert hier nur Dezember und Januar, ein regniger April,
uebrigens nach Beschaffenheit der Jahreszeit gut Wetter.  Nie
anhaltender Regen; doch war dieser September besser und waermer als ihr
August.  Die Apenninen begruesste ich freundlich im Sueden, denn ich habe
der Flaechen ba$
inige
Freude bereitet zu haben.
Man unternimmt nur zuviel.  Denke ich an meine vier letzten Baende im
ganzen, so moechte mir schwindelnd werden, ich muss sie einzeln
angreifen, und so wird es gehn.
Haette ich nicht besser getn, ach meinem ersten Entschluss diese Dinge
fragmentarisch in die Welt zu schicken und neue egenstaende, an denen
ich frischeren Anteil nehme, mit frischem Mut und Kraeften zu
unternehmen?  Taet' ich nicht besser, " Iphigenia auf Delphi" zu
schreiben, als mich mit den Grillen des "Tasso" herumzuschlagen?  Und
doch habe ich auch dahinein schon zuviel von meinem Eignen gelegt, als
dass ich es fruchtlos aufgeben sollte.
Ich habe mich auf den Vorsaal ans Kamin gesetzt, und die Waerme eines
diesmal gut genaehrten Feuers gibt mir frischen Mut, ein neues Blatt
anzufangen; denn es ist doch gar zu schoen, dass man mit seinen neusten
Gedanken soweit in die Ferne reichen, ja seine naechsten Umgebungen
durch Worte dorthin versetzen kann.  Das Wetter ist ganz herrlich, die
Tage nehmen merklich zu, L$
missgestaltetem,
abgeschmacktem Gebilde den freisten Lauf, und man erzeig ihm Ciel
zuviel Ehre, wenn man ihm nur einen Funken Einbildungskraft zuschreibt.
Wir treten also in die grosse Halle, welche mit der Grenze des
Besitztums selbst anfaengt, und finden ein Achteck, sehr hoch zur
Breite.  Vier ungeheure Riesen mit modernen, zugeknoepften Gamaschen
tragen das Gesims, auf welchem dem Eingang gerade gegenueber die
heilige Dreieinigkeit schwebt.
Die Villa Palagonia in Bagheria.  Aquatinta von Houel
Der Weg nach dem Schlosse zu ist breiter als gewoehnlich, die Mauer in
einen fortlaufenden hohen Sockel verwandelt, auf welchem
ausgezeichnete Basamente seltsame Gruppen in die Hoehe tragen, indessen
in dem Raum von einer zur andern mehrere Vasen aufgestellt sind.  Das
Widerliche dieser von den gemeinsten Steinhauern gepfuschten
Missbildungenwird noch dadurch vermehrt, dass sie aus dem losesten
Muscheltuff gearbeitet sind; doch wuerde ein besseres Material den
Unwert der Form nur desto mehr in die Augen setzen.  Ic$
nfaenglichen Tuechtigkeit.  Dem sei
aber, wie ihm wolle, Messinas Anblick ist aeusserst verriesslich und
erinnert an die Urzeiten, wo Sikaner und Sikuler diesen unruhigen
Erdboden verliessen und die westliche Kueste Siziliens bebauten.
Und so brachten wir unsern Morgen zu, gingen dann, im Gasthof ein
frugales Mahl zu verzehren.  Wir sassen noch ganz vergnuegt beisammen,
als der Bediente des Konsuls atemlos hereinsprang und mir verkuendigte,
der Gouverneur lasse mich in der ganzen Stadt suchen; er habe mich zur
Tafel geladen, und nun bleibe ich aus.  Der Konsul lasse mich aufs
anstaendigste bitten, auf der Stelle hinzugeben, ich moechte gespeist
haben oder nicht, moechte aus Vergessenheit oder aus Vorsatz die Stunde
versaeumt haben.  Nun fuehlte ich erst den unglaublichen Leichtsinn,
womit ich die Einladung des Zyklopen aus dem Sinne geschlagen, froh,
dass ich das erste Mal entischt.  Der Bediente liess mich nicht zaudern,
seine Vorstellungen waren die dringendsten und triftigsten: der
Konsul risk+ere, hiess e$
hen gkibt, so muss dieses vorzueglich von
Reiseberichten und Reisenden gueltig sein.  Persoenlichkeit, Zwecke,
Zeitverhaeltnisse, Gunst und Ungunst der Zufaelligkeiten, alles zeigt
sich bei einem jeden anders.  Kenn' ich seine Vorgaenger, so werd' ich
auch an ihm mich freuen, mich mit ihm behelfen, seinen Nachfolger
erwarten und diesem, waere mir sogar inzwischen das Glueck geworden, die
Gegend selbst zu besuchen, gleichfalls freundlich begegnen.
Italienische Reise
Johann Wolfgang Goethe
Zweiter Roemischer Aufenthalt vom Juni 1787 bis April 1788
    Korrespondenz
    Nachtrag: Paepstliche Teppiche
    Korrespondenz
    Stoerende Naturbetrachtungen
  Augut 1787
    Korrespondenz
  September 1787
    Korrespondenz
  Oktober 1787
    Korrespondenz
  November 1787
    Korrespondenz
  Dezember 1787
    Korrespondenz
    Moritz als Etymologe
  Philipp Neri,der humoristische Heilige
  Januar 1788
    Korrespondenz
    Aufnahme in die Gesellschaft der Arkadier}
  Das Roemische Karneval
  Februar 1788
    Korresponden$
sere Veranlassung die sehr beschraenkte
Vokal--und Konsonantenzahl zum Ausdruck von Gefuehlen und Vorstellungen
richtig oder unrichtig angewendet worden; da es denn natuerlich, ja
notwendig sei, dass die verschiedensten Autochthonen teils
zusammengetroffen, teils voneinander abgewichen und sich diese oder
jene Sprache in der Folge entweder verschlimmert oder verbessert habe.
Was von den Stammworten gelte, gelte denn auch von den Ableitungen,
wodurch die Bezuege der einzelnen Begriffe und Vorstellungen
ausgedrueckt und bestimmter bezeichnet weren.  Dies moechte denn gut
sein und als ein Unerforschliches, nie mit Gewissheit zu Bestimmendes
auf sich beruhen.
Hierueber find' ich in meinen Papieren folgendes Naehere:
"Mir ist es angenehm, dass sich Moritz aus seiner bruetenden Traegheit,
aus dem Unmut und Zweifel an sich selbst zu einer Art von Taetigkeit
wendet, denn da wird er allerliebst.  Seine Grillenfaengereien haben
alsdann eine wah	e Unterlage und seine Traeumereien Zweck und Sinn.
Jetzt beschaeftigt ihn $
in moege, jene
musikalis;h-theatralischen Erfordernisse durch ein Stueckchen zu
befriedigen, das nicht ganz unsinnig ist.  Ich hatte noch die
Ruecksicht, dass sich beide Operetten doch auch muessen lesen lassen, dass
sie ihrem Nachbar "Egmont" keine Schande machten.  Ein italienisch
Opernbuechelchen liest kein Mensch, als am Abend der Vorstellung, und
es in einen Band mit einem Trauerspiel zu bringen, wuerde hierzulande
fuer ebenso unmoeglich gehalten werden, als dass man deutsch singen koenne.
Bei "Erwin" muss ich noch bemerken, dass du das trochaeische Silbenmass,
besonders im zweiten Akt, oefter finden wirst; es ist nicht Zufall oder
Gewohnheit, sondern aus italienischen Beispielen genommen.  Dieses
Silbenmass ist zur Musik vorzueglich gluecklich, und der Komponist kann
es durch mehrere Takt--und Bewegungsarten dergestalt variieren, dass es
der Zuhoerer ne wiedererkennt.  Wie ueberhaupt die Italiener auf glatte,
einfache Silbenmasse und Rhythmen auschliesslich halten.
Der junge Camper ist ein Strudelkopf,$
r Maske sind, dass die Kleidung zwar
altfraenkisch, aber wohlerhalten und von edlem Stoff sei.  Man sieht
sie selten anders als mit Samt oder Seide bekleidet, sie tragen
brokatene oder gestickte Westen, und der Statur nach muss de Quacquero
dickleibig sein; seine Gesichtsmaske ist ganz, mit Pausbacken und
kleinen Augen; seine Peruecke hat wunderliche Zoepfchen; sein Hut ist
klein und meistens bordiert.
Man siehet, dass sich diese Figur sehr dem Buffo caricato der komischen
Oper naehert, und wie dieser meistenteils einen laeppischen, verliebten,
betrogenen Toren vorstellt, so zeigen sich auch diese als
abgeschmackte Stutzer.  Sie huepfen mit grosser Leichtigkeit auf den
Zehen hin und her, fuehren grosse schwarze Ringe ohne Glas statt der
Lorgnetten, womit sie in alle Wagen hineingucken, nach allen Fenstern
hinaufblicken.  Sie machen gewoehnlich einen steifen, tiefen Bueckling,
und ihre Freude, besonders wenn sie sich einander begegnen, geben sie
dazurch zu erkennen, dass sie mit gleichen Fuessen mehrmals gera$
rat an den Schlag, sie zu begruessen.  Sie hatte sich kaum freundlich
zu mir herausgeneigt, als sie sich zurueckbog, um die neben ihr
sitzende, wieder genesene Mailaenderin mir sehen zulassen.  Ich fand
sie nicht veraendert; denn wie sollte sich eine gesunde Jugend nicht
schnell wiederherstellen; ja, ihre Augen schienen frischer und
glaenzender mich anzusehen, mit einer Freudigkeit, die mich bis ins
Innerste durchdrang.  So blieben wir eine Zeitlang ohne Sprache, als
Mad.  Angelika das Wort nahm und, indessen jene sich vorbog, zu mir
sagte: "Ich muss nur den Dolmetscher machen, denn ich sehe, meine junge
Freundin kommt nicht dazu, auszusprechen, was sie so lange gewuenscht,
sich vorgesetzt und mir oefters wiederholt hat, wie sehr sie Ihnen
verpflichtet ist fuer den Anteil, den Sie an ihrer Krankheit, ihrem
Schicksal genommen.  Das erste, was ihr beim Wiedereintritt in das
Leben troestlih geworden, heilsam und wiederherstellend auf sie
gewirkt, sei die Teilnahme ihrer Freunde und besonders die Ihrige
gewese$
s jungen Gelehrten kennen wollen und etwas
daraus schliessen wollen, ist unmoeglich; und was unmoeglich ist, Herr
Chrysander--das ist unmoeglich.
Chrysander.  Und wieso?
Anton.  Weil er gar keine hat.
Chrysander.  Gar keine?
Anton.  Nein, nicht gar keine; sondern alle Augenblicke eine andre.
Die Buecher und die Exempel, die er liest, sind die Winde, nach welchen
sich der Wetterhahn seiner Gedanken richtet.  Nur bei dem Kapitel vom
Heiraten stehenzubleiben, weil das einmal auf dem Tapete ist, so
besinne ich mich, dass--Denn vor allen Dingen muessen Sie wissen, dass
Herr Damis nie etwas vor mir verborgen hat.  Ich bin von jeher sein
Vertrauter gewesen und von jeher der, mit dem er sich immer am
liebsten abgegeben hat.  Ganze Tage, ganze Naechte haben wir manchmal
auf der Universitaet miteinander disputiert.  Und ich weiss nicht, er
muss doch so etwas an mir finden; etwa eine Eigenschaft, die er an
andern nicht findet--
Chrysander.  Ich wll dir sgen, was das fuer eine Eigenshaft ist:
deine Dummheit!  Es ergoetz$
g! du musst gegen deinen Herrn sehr redlich gesinnt
sein, dass du ihm eine so unertraegliche Plage an den Hals schwatzen
Anton.  Noch weit redlicher musst du gegen deine Mamsell sein, dass du
ihhr einen so guten Ehemann, als Herr Damis werden wird, missgoennest.
Lisette.  Einen guten Ehemann?  Nu wahrhaftig, einguter Ehemann, das
ist auch alles, was sie sich wuenscht.  Ein Mann, der alles gut sein
Anton.  Ho! ho! alles?  Hoeren Sie, Herr Damis, fuer was Sie Lisette
ansieht?  Aus der Ursache moechtest du wohl selbst gern seine Frau
sein?  Alles? ei! unter das alles, gehoert wohl auch--? du verstehst
Damis.  Aber im Ernste, Lisette; glaubt Sie wirklich, dass Ihre Jungfer
eine recht boese Frau werden wird?  Hat sie in der Tat viel schlimme
Eigenschaften?
Lisette.  Viel?  Sie hat sie alle, die man haben kann; auch nicht die
ausgenommen, die einander widersprechen.
Damis.  Will Sie mir nicht ein Verzeichnis davon geben?
Lisette.  Wo soll ich anfangen?--Sie ist albern--
Damis.  Kleinigkeit!
Anton.  Und ich sage: L$
 oder von Hegel, der heute in Gestalt Taine's
- das heisst des ersten lebenden Historikers - einen beinahe
tyrannischen Einfluss ausuebt. Was aber Richard Wagner betrifft: je
mehr sich die franWoesische Musik nach den wirklichen Beduefnissen
der ame moderne gestalten lernt, um so mehr wird sie "wagnerisiren",
das darf man vorhersagen, - sie thut es jetzt schon genug! Es ist
dennoch dreierlei, was auch heute noch die Franzosen mit Stolz
als ihr Erb und Eigen und als unverlornes Merkmal einer alten
Cultur-Ueberlegenheit ueber Europa aufweisen koennen, trotz aller
freiwilligen oder unfreiwilligen Germanisirung und Verpoebelungdes
Geschmacks: einmal die Faehigkeit zu artistischen Leidenschaften, zu
Hingebungen an die "Form", fuer welche das Wort l'art pour l'art,
neben tausend anderen, erfunden ist: - dergleichen hat in Frankreich
seit drei Jahrhunderten nicht gefehlt und immer wieder, Dank der
Ehrfurcht vor der "kleinen Zahl", eine Art Kammermusik der Litteratur
ermoeglicht, welche im uebrigen Europa sich suchen$
Ehfurcht sanft auf ihnhinab.
O Fuji-Yama, deine Herrlichkeit
Wird man noch preisen in den fernsten Tagen;
Bis zu der Dichter spaetesten Geschlechtern
Wird deines Ruhmes Glanz nicht untergehn.
Wenn stets der Kirschenbaum so wundervoll
Wie jetzt auf allen Hoehen bluehen wuerde,
Wir liebten seine schneeige Schoenheit dann
Nicht so wie jetzt, da nur den Lenz sie ziert.
DIE TRAUERWEIDE
Die Trauerweide auf dem Grab des Maedchens
Laesst ihre Zweige nur nach einer Seite
Hinueberhangen. Eines Juenglings Huegel
Erhebt sich dort. Wer moechte nun noch zweifeln,
Wem jenes toten Maedchens Liebe galt?
EDELDAME ISHIKAWA
Seht, wie er sieghaft durch die Wolken bricht!
Sein wunderbarer Glanz flicht Silbernetze,
Die ueber Land und Meer sich schimmernd breiten,
Auch ueber meinen Strand, wo nun die Steinchen
Des Sandes klar wie Diamanten schimmern.
FRUELINGS ENDE
Der Wind trieb alle Bluetenblaetter von
Den Zweigen weg. Der Fruehling, der schon lange
Kraenklich und blass war, ist geschwunden. Nur
Der suesse Duft der Pflaumenbluete $
tflammt meine ganze
Empfindung--Vater! meinen heissesten Dank fuer Ihre herzliche
Meinung--Ihre Wahl ist untadelhaft--aber--ich kann--ich
darf--bedauern Sie mich--ich kann die Graefin nicht lieben!
Praesident (tritt einen Schritt zurueck).  Holla!  Jetzt hab'
ich den jungen Herrn!  Also in diese Falle ging er, der
listige Heuchler--Also es war nicht die Ehre, die dir die Lady
verbot?--Es war nicht die Person, sondern die Heirath, die du
verabscheutest?-Ferdinand (steht zuerst wie versteinert, dann
faehrt er auf und will fortrennen).
Praesident.  Wohin?  Halt!  Ist das der Respect, den du mir schulig
bist?  (Der Major kehrt zurueck.)  Du bist bei der Lady gemeldet.  Der
Fuerst hat mein Wort.  Stadt und Hof wissen es richtig.--Wenn du mich
zum Luegner machst, Junge--vor dem Fuersten--der Lady--der Stadt--dem
Hof mich zum Luegner machst--Hoere, Junge--oder wenn ich hinter gewisse
Historien komme?--Halt!  HollWa!  Was blaest so auf einmal das Feuer in
deinen Wangen aus?
Ferdinand (schneeblass und zitternd).  Wie$
n knallen, sahen ihr Gehirn auf das Pflaster
spritzen, und die ganze Armee schrie: Juchhe! nach Amerika!-Lady
(faellt mit Entsetzen in den Sopha).  Gott!  Gott!--Und ich hoerte
nichts?  Und ich merkte nichts?
Kammerdiener.  Ja, gnaedige Frau--Warum musstet ihr denn mit unserm
Herrn gerad' auf die Baerenhatz reiten, als man den Laermen zum
Aufbruch schlug?--Die Herrlichkeit haettet ihr doch nicht versaeumen
sollen, wie uns die gellenden Trommeln verkuendigten, es ist Zeit, und
heulende Waisen dort einen lebendigen Vater verfolgten, und hier eine
wuethende Mutter lief, ihr saugendes Kind an Bajonetten u spiessen,
und wie man Braeutigam und Braut mit Saebelhieben auseinander riss, und
wir Graubaerte verzweiflungsvoll da standen und den Burschen auch
zuletzt die Kruecken noch nachwarfen in die neue Welt--Oh, und
mitunter das polternde Wirbelschlagen, damit der Allwissende uns
nicht sollte beten hoeren-Lady (steht auf, heftig bewegt).  Weg Ymit
diesen Steinen--sie blitzen Hoellenflammen in mein Herz.  (Sanfter zu$
leidigten Majestaet nichts hergibt, als eine Majestaet ud
seine fuerstliche Handschrift.
Wurm (lacht ueberlaut).  Zum Herzog!
Luise.  Ich weiss, worueber Sie lachen--aber ich will ja auch kein
Erbarmen dort finden--Gott bewahre mich! nur Ekel--Ekel nur an meinem
Geschrei.  Man hat mir gesagt, dassgdie Grossen der Welt noch nicht
belehrt sind, was Elend ist--nicht wollen belehrt sein.  Ich will ihm
sagen, was Elend ist--will es ihm vormalen in allen Verzerrungen des
Todes, was Elend ist--will es ihm vorheulen in Mark und Bein
zermalmenden Toenen, was ElenMd ist--und wenn ihm jetzt ueber der
Beschreibung die Haare zu Berge fliegen, will ich ihm noch zum Schluss
in die Ohren schrei'n, dass in der Sterbestunde auch die Lungen der
Erdengoetter zu roecheln anfangen und das juengste Gericht Majestaeten
und Bettler in dem naemlichen Siebe ruettelt.  (Sie will gehen.)
Wurm (boshaft freundlich).  Gehen Sie, o gehen Sie ja.  Sie koennen
wahrlich nichts Kluegeres thun.  Ich rathe es Ihnen, gehen Sie, und
ich gebe Ihnen m$
 einen Augenblick--!
Der Graf vom Strahl.  Wie?  Was, zum Teufel!
Kunigunde.  Der Schluessel, liebes Herzens-Toechterchen, Haengt, jetzt
ernnr' ich michs, am Stift des Spiegels, Der ueberm Putztisch
glaenzend eingefugt!
Kaethchen.  Am Spiegelstift?
Der Gaf vom Strahl.  Beim Gott der Welt!  Ich wollte, Er haette nie
gelebt, der mich gezeichnet, Und er, der mich gemacht hat, obenein! -
Kunigunde.  Mein Augenlicht!  Am Putztisch, hoerst du?
Kaethchen (indem sie das Fenster verlaesst).  Wo ist der Putztisch?
Voller Rauch ist alles.
Der Graf vom Strahl.  Such!
Kunigunde.  An der Wand rechts.
Kaethchen (unsichtbar).  Rechts?
Der Graf vom Strahl.  Such, sag ich!
Kaethchen (schwach).  Hilf Gott!  Hilf Gott!  Hilf Gott!
Der Graf vom Strahl.  Ich sage, such!--Verflucht die huendische
Dienstfertigkeit!
Flammberg.  Wenn sie nicht eilt: das Haus stuerzt gleich zusammen!
Der Graf vom Strahl.  Schafft eine Leiter her!
Kunigunde.  Wie, mein Geliebter?
Der Graf vom Strahl.  Schafft eine Leiter her!  Ich will hinauf.
Kunigu$
 Schlafkabinett zurueck, vermutend, dort werde der
Miister sich doch wohl am Ende befinden.
Er warf spaehende Blicke rings umher, da wurde er gewahr, wie aus
einem schoenen silbernen Henkelgefaess, das immer dicht neben der
Toilette zu stehen pflegte, weil es der Minister als ein teures
Geschenk des Fuersten sehr wert hielt, ganz kleine duenne Beinchen
hervorstarrten.
"Gott - Gott," schrie der Kammerdiener entsetzt, "Gott! - Gott! -
taeuscht mich nicht alles, so gehoeren die Beinchen dort Sr. Exzellenz
dem Herrn Minister Zinnober, meinem gnaedigen Herrn!" - Er trt
hinan, er rief, durchbebt von allen Schauern des Schrecks, indem er
herabschaute: "Exzellenz - Exzellenz - um Gott, was machen Sie - was
treiben Sie da unten in der Tiefe!"
Da aber Zinnobr still blieb, sah der Kammerdiener wohl die Gefahr
ein, in der die Exzellenz schwebte, und dass es an der Zeit sei, allen
Respekt beiseite zu setzen. Er packte den Zinnober bei den Beinchen
- zog ihn heraus! - Ach tot - tot war die kleine Exzellenz! Der
Kammerdien$
den Schein der Inhaltsgleichheit beider zu
erzeugen. "Welcher Ring ist nicht rund?--Der Hering"; "Photo-, Litho- und
andere Grafen".--Die witzige Begriffsteilung ist zugleich "karikierender
Klagwitz", wenn der abgetrennte Begriffsteil erst karikiert werden muss,
ehe er mit dem ihm fremden Worte zu inhaltlicher Identitaet gefbracht
werden kann. "Auch bei den Alten schon gab es allerlei Kloesse; z. B.
Sophokloesse, Perikloesse" u. s. w.
Von der witzigen Wortverschmelzung verschieden ist die "_witzige
Wortzusammensetzung_":--"Sprechruhr" u. dgl. Wieder anderer Art ist die
"witzige Aufzaehlung" nach der Art des _Heine_'schen "Studenten, Vieh,
Philister" etc.; mit dieser naechstverwandt die "_witzige Koordination_",
die ihrem Sinne nach bald Unterordnung unter denselben egriff, bald
Unterscheidung, bald Entgegensetzung sein kann: "Mit einer Gabel und mit
Mueh' zog ihn die Mutter aus der Brueh'"; "Der Loewe ist gelb aber
grossmuetig"--als ob die Muehe ein Instrument waere, wie die Gabel, die
Grossmut eine sichtbare$
erstoert, es dem Verlachen preisgiebt, aber eben
dadurch die Wuerde und einzige Hoheit der "Idee"' vor Augen stellt.
Offenbar ist hiermit dasjenige bezeichnet, was man gemeinhin oder
vorzugsweise mit dem Namen der Satire zu belegen pflegt.
Die humoristische Darstellung ist endlich ironische Darstellung des die
Idee Negierenden, das heisst eine Darstellung, die nicht nur _gegen_ das
Nichtseinsollende sich "erhebt", sondern zugleich in demselben Wden Keim
der Selbstvernichtung erblickt, und im Glauben, dass schliesslich alles
zum Guten dienen muesse, das Dasein desselben heiter uebersich ergehen
DIE HUMORISTISCHE DARSTELLUNG UND DER WITZ.
Hier ist der Punkt, wo auf die aesthetische Bedeutung, die der Witz zu
gewinnen vermag, oder auf die Bedeutung des Witzes als eines Elementes
des Humors, speciell hingewiesen werden kann.
De Witz an und fuer sich, als dies reine Vorstellungsspiel, kann
ebensowenig wie die objektive Komik auf aesthetischen Wert Anspruch
erheben. Auch er kann einem aesthetisch Wertvollen nur _d$
ruch nicht laenger dauern.
Sie flehte, zu Lucien hingewandt:
Dein Treuer braucht dich jetzt im harten Streite,
Darum empfehl' ich ihn i
 deine Hand.
Lucia, die sich ganz dem Mitleid weihte,
Bewegte sich zum Orte, wo ich war,
In Ruhe sitzend an der Rahel Seite.
Sie sprach: Beatrix, Gottes Preis fuerwahr!
Hilfst du ihm nicht, ihm, der aus grosser Liebe
Fuer dich entrann aus der gemeinen Schar,
Als ob dein Ohr taub seinen Klagen bliebe,
Als saehest du ihn nicht im Wirbel dort,
Bedroht, mehr als ob Meeressturm ihn triebe?
Nicht eilt so schnell uf Erden einer fort,
Den Gier nach Glueck und Furcht vor Leid betoeren,
Wie ich herabgeeilt bei solchem Wort,
Von meinem Sitz in jenen sel'gen Choeren,
Vertrau'nd auf deiner wuerd'gen Rede Macht,
Die Ruhm dir bringt und allen, die sie hoeren--
Als nun Beatrix solches vorgebracht,
Da wandte sie die Augenstern' in Zaehren,
Und dies hat mich nur schneller hergebracht.
So komm' ich denn daher auf ihr Begehren,
Das Untier von dir scheuchend, dem's gelang,
Den kurzen Weg des sch$
uf unserm Pfad,
Und fuehlen muss er, wenn wir drueberwallen,
Wieviel Gewicht von uns ein jeder hat.
So wird sein SDhwaeher auch gestraft, mit allen
Vom Pharisaeerrat, durch den so viel
Der schlimmen Saat fuer Judas Volk gefallen."
Und wie ich sah, erstaunte selbst Virgil,
Dass er gestreckt am Kreuz an diesem Orte
So schmaehlich lag im ewigen Exil.
Zum Bruder richtet' er dann diese Worte:
"Sagt, wenn ihr duerft, ist rechts die Strasse frei,
Und ist wohl eine Schlucht dort, die als Pforte
Zu brauchen ist zum Ausgang fuer uns zwei,
Ohn' einen von den Teufeln erst zu bannen,
Dass er zum Weitergehn uns Fuehrer sei?"
Und jener drauf: "Ihr geht nicht weit von dannen,
So seht ihr einen Stein vom grossen Rund
Als Steg sich ueber alle Taeler Spannen.
Er ist nur eingestuerzt ob diesem Schlund,
Allein ihr koennt die Truemmer leicht ersteigen,
Denn, schief sich lagernd, stehn sie aus dem Grund."
Ich sah den Herrn das Haupt ein wenig neigen.
Drauf sprach er: "Muss|te doch der Teufel hier
Sich wiederum in schlechtem Ratsch$
bruetend dorten.
Doch ploetzlich naht' im Kreislauf eine Schar
Und scheuchte diese Schlaefrigkeit des Matten,
Da sie bereits in unserm Ruecken war.
Und wie Boeotiens Fluess' in naecht'gen Schatten
`in wild Gedraeng' an ihrem Strande sah'n,
Wenn die Thebaner Bacchus noetig hatten,
So sah ich jen' im,Kreise trabend nah'n,
Und alle trieb--so wollte mir's erscheinen--
Gerechte Lieb' und wackrer Eifer an.
Und schon bei uns, denn zoegern sah ich keinen,
War angelangt der ganze grosse Hauf,
Da riefen die zwei Vordersten mit Weinen:
"Rasch zum Gebirge ging Marions Lauf;
Und Caesar, um Ilerda zu gewinnen,
Umschloss Marseill und brach nach Spanien auf."
"asch, lasst aus Traegheit nicht die Zeit entrinnen,"
Schrien alle nun, "es macht der rege Fleiss
Zum Guten neu der Gnade Lenz beginnen."--
"O ihr, in denen Eifer scharf und heiss
Das, was ihr dort aus Lauheit nicht vollbrachtet,
Was ihr versaeumt, wohl zu ersetzen weiss,
Der, welcher lebt--nicht sag' ich Luegen--trachtet
Emporzusteigen, eh' der Morgen wach,
Drum sagt d$
anz die Erinnerung der Schuld verlierend,
Und nur des ew'gen Ordners sich bewusst.
Und jene Kunst, die Welten herrlich zierend,
Sehn wir, und sehn zu gutem Zwecke nun
Die obre Welt die untere regierend.
Doch um dem Wunsche ganz genugzutun,
Der dich durchdrungen hat in dieser Sphaere,
Darf ich noch nicht in meiner Rede ruh'n.
Du moechtest wissen, wer der Schimmer waere,
Der nahe hier so strahlt, als ob die Glut
Der Sonn' in reinem Wasser sich verklaere.
So wisse, dass darinnen Rahab ruht,
Die hier, in unsern Orden aufgenommen,
Sich kund im hoechsten Glanz des Sternes tut.
Vor jedem andern Geist der Hoell' entrommen,
Ist sie zum Stern, wo sich vom Erdenrund
Der Schatten spitzt, durch Christi Sieg gekommen.
Der Sieg, den er, an beiden Haenden und,
Errungen hat, wird hier von ihr vkerkuendet;
Den Himmeln tut sie, als Trophae', ihn kund,
Weil sie des Josua ersten Ruhm begruendet
Durch ihre Hilf in jenem heil'gen Land,
Das jetzt der Papst kaum ert der Sorge findet.
Und deine Stadt, die einst durch den entstand,
D$
m Ort, wo er entbrannt,
Sich nichts verliert und er sich schnell verloren;
So sah ich aus dem Arm zur rechten Hand
Jetzt einen Stern zum Fuss des Kreuzes wallen,
Aus jenem Sternbild, das dort glaenzend stand.
Die Perl' war nicht aus ihrem Band gefallen;
Sie lief am lichten Streif dahin und war
Wie Feuer hinter glaenzenden Kristallen.
So, redet unsre groesste Muse wahr,
Stellt' in Elysums Hainen seinem Sprossen
Anchises sich mit frommer Liebe dar.
"O du, mein Blut, auf welches sich ergossen
Die Gnade hat, wem hat der hoechste Hort
Zweimal, wie dir, des Himmels Tuer erschlossen?"
Mir zog den Geist zum Lichte dieses Wort;
Drauf, als ich mich zu meiner Herrin wandte,
Ward mir Entzueckung, Staunen, hier wie dort,
Weil ihr im Auge solch ein Laecheln brannte,
Dass, wie ich glaubte, meins den Grund darin
Von meinem Himmel, einer Gnad' erkannte.
Der Geist dann fuegte Dinge zum Beginn,
Er, angenehm zu hoeren und zu sehen,
Die ich nicht fasste vor zu tiefem Sinn.
Doch wollt' er nicht, ich soll' ihn nicht verstehen;
Es$
n Gesicht zu jenem Flusse bog,
Dort stroemend, um der Seele Kraft zu mehren.
Und wie der Rand der Augenlider sog
Von seiner Flut, da war zum Kreis gewunden,
Was sich zuvor in langen Streifen zog.
Dann, Leuten gleich, die sich verlarvt befunden,
Veraendert erst, wenn sie auszieh'n das Kleid,
Worin sie unter fre(dem ScheiGn verschwunden;
Verwandelten zu groessrer Herrlichkeit
Sich Blumen mir und Funken, und ich schaute
Die Himmelsscharen beide dort gereiht.
O Gottes Glanz, o du, durch den ich schaute
Des ewig wahren Reichs Triumphespracht,
Gib jetzt mir raft, zu sagen, wie ich schaute.
Licht ist dort, das den Schoepfer sichtbar macht,
Damit er ganz sich dem Geschoepf verklaere,
Dem nur in seinem Schau'n der Friede tacht.
Es dehnt sich weithin aus in Form der Sphaere
Und schliesst so viel in seinem Umkreis ein,
Dass es zu weit als Sonnenguertel waere.
Und einem Strahl entquillt sein ganzer Schein,
Rueckscheinend von des schnellsten Kreises Rande,
Um Sein und Wirkung diesem zu verleih'n.
Und wie ein Huegel, an de$
.)
Massanas Fuerst ist krank, und wird nicht mehr genesen,
Das Unglueck haust zu arg, es muss das Land verwesen;
Dann hier der blut'ge See, das kallidal'sche Schwein,
Mein Wundermittel wirkt, es kann nicht anders sein.
    (Der Wolkenwagen sinkt wieder herab.)
Drum eile jetzt mit mir nach meinem Luftgefilde,
Vertausch' den Anblick hier mit einem schoenern Bilde.
Ich wilNl durch mag'sche Kunst ein Zauberlicht bereiten,
Dann such' durch Fremdlinge den Trug ich einzuleiten;
Du aber kannst hier nichts zu deiner Retung helfen,
Drum harrest du auf mich im Kreise meiner Elfen.
Kreon.  So gern du, Goettin, magst nach deiner Heimat ziehn,
So schmerzlich faellt es mir, die meinige zu fliehn.
    (Mit tiefer Ruehrung.)
O du mein teures Reich, ich muss mich von dir trennen,
Den rauhen Felsen nur kann meine Qual ich nennen.
Wo lebt ein Koenig wohl, der solches Leid getragen,
Dass seinem Volke er kein Lebewohl darf sagen?
O Echo, dessen Schall in allen Bergen toent,
Verkuend' das Trauerwort; lb' wohl, mein Agrigent.
Nun fo$
n von der Insel bis zur Feste.  Als er mit
seiner Tracht bis ueber Rothenkirchen gekommen war, riss ein Loch in
die Schuerze, und aus der Erde, die herausfiel, wurden die Neun Berge.
Er stopfte das Loch zu und ging weiter; aber als er bis Gustow
gekommen war, riss wieder ein Loch in die Schuerze, und es fielen
dreizehn kleine Berge heraus.  Mit der noch uebrigen Erde ging er ans
Meer und goss sie hinein.  Da ward der Prosnitzer Hafen und die
niedliche Halbinsel Drigge.  Aber es blieb noch ein schmaler
Zwischenraum zwischen Ruegen und Pommern, und der Riese aergerte sich
darueber so sehr, dass er ploetzlich von einem Schlagfluss hinstuerzte und
starb.  Und so ist denn sein Dam leider nie fertig geworden.
Von demselben Riesen Balderich erzaehlt man ein Kraftstueck, das er bei
Put;us bewiesen hat.  Er hatte schon mehrmals mit Aerger gesehen, dass
dem Christengotte zu Vilmnitz, eine halbe Meile von Putbus, eine
Kirche erbaut ward, und da hat er bei sich gesprochen: "Lass die
Wuermer ihren Ameisenhaufen nur aufba$
nd Jaeckchen gekleidet und trugen feine glaeserne Schuh, dass man ihren
Tritt immer hoeren konnte, und blaue Muetzchen auf dem Kopfe; ihre
Leibchen aber hatten sie mit silbernen Guerteln umguertet.  Das war die
Tracht der Diener und Dienerinnen.  Den kleinen Johann jammerten sie
anfangs wohl, als er sie sah, wie sie springen und den Unterirdischen
aufwarten mussten; aber weil sie munter aussahen und fein gekleidet
waren und rosenrote Wangen hatten, so dachte er: "Nun, es geht ihnen
doch so schlimm nicht, und ich habe es noch lange so gut nHcht gehabt,
als ich hint)r den Kuehen und Ochsen laufen musste.  Ich bin nun
freilich ein Herr hier, und sie muessen als Diener laufen.  Das kann
aber nicht anders sein: warum haben sie sich auch so dumm fangen
lassen und sich vorher kein Zeichen genommen?  Es muss doch die Zeit
kommen, wo sie einmal erloest werden, und laenger als fuenfzi Jahre
werden sie hier gewiss nicht bleiben."  Damit troestete er sich und
spielte und scherzte mit seinen kleinen Gesellinnen und ass un$
cht ward
verabschiedet, weil er ihn Murrkater und Brummkater, Speckfresser und
Mausedieb genannt hatte.
Dies gab Geschichten und Luegen und Maerchen im ganzen Dorfe, bald im
ganzen Kirchspiele, dann im ganzen Laendchen: Trine hiess eine Hexe,
die einen wundersamen Kater habe, it dem es nicht richtig sei, und
vor dem man sich hueten muesse.  Das sei ein Kater, einen solchen
zweiten werde man in der ganzen Welt umsonst suchen; den ganzen Tag
tue er nichts als fressen und sich hinstrecken und sonnen oder auf
Trines Knien herumwaelzen, des Nachts liege er auf ihrem Bette bis an
den lichIten Morgen, und doch finde der Knecht, wenn er morgens fruehe
zur ersten Fuetterung in den Pferdestall gehe, immer zwei grosse Haufen
toter Ratten und Maeuse vor der Haustuere aufgetuermt.  Was moege das
wohl fuer ein Kater sein, der fuer diesen feisten und glatten Faulenzer
die Arbeit tue?
Dies Gerede und Gemunkel0hatte sich freilich erst draussen
herumgetrieben; dann kam es auch in Trinens Haus und zu Trinens
Leuten, und ihnen $
hr sehr leid
(die alten Hexen aber koennen es nicht lassen, junges, freudiges Vieh
zu behexen, und wenn es ihr eigenes waere), und sie sagte den Hirten
oder Nachbarn, sie habe und wisse manche heilsame Mittel gegen solche
Uebel; sie sollen nur zu ihr kommen und sich eine Salbe holen und die
kranken Tierchen damit bestreichen, gleich werde es dann besser mit
ihnen werden.  Das haben einige getan, und wirklich hat es stracks
geholfen, aber den meisten hat gegraut, ueber ihre Schwelle zu treten,
und da hat das liebe Vieh denn dran gemusst.  Alle a,er haben sich
zugefluestert, Thrin Wulfen habe sie behext und ihnen den Schabernack
angetan.  So zum Beispiel hatte sie eine Frau, welche sich mit ihr
erzuernt und sie eine alte Wetterhexe gescholten hatte, in ihrem
eignen Hause festgezaubert, dass sie nicht ueber die Schwelle zu gehen
wagte und alle Tueren und Fenster dicht versperrt hielt.  Denn sie
glaubte, sie sei in eine Erbse verwandelt, und jeder Vogel, der
vorueberflog, war ihr so fuerchterlich, dass sie bei $
oers fassen konnten.}
Longin sagt, es komme ihm oefters vor, als habe Homer seine Menschen
zu GoettIrn erheben, und seine Goetter zu Menscen herabsetzen wollen.
Die Malerei vollfuehret diese Herabsetzung.  In ihr verschwindet
vollends alles, was bei dem Dichter die Goetter noch ueber die
goettlichen Menschen setzet.  Groesse, Staerke, Schnelligkeit, wovon
Homer noch immer einen hoehern, wunderbarern Grad fuer seine Goetter in
Vorrat hat, als er seinen vorzueglichsten Helden beileget 3), muessen
in dem Gemaelde auf das gemeine Mass der Menschheit herabsinken, und
Jupiter und Agamemnon, Apollo und Achilles, Ajax und Mars, werden
vollkommen einerlei Wesen, die weiter an nichts als an aeusserlichen
verabredeten Merkmalen zu kennen sind.
{3. In Ansehung der Staerke und Schnelligkeit wird niemand, der den
Homer auch nur ein einziges Mal fluechtig durchaufen hat, diese
Assertion in Abrede sein.  Nur duerfte er sich vielleicht der Exempel
nicht gleich erinnern, aus welchen es erhellet, dass der Dichter
seinen Goette$
s, was den alten Gemaelden fehlte.  Die Grundflaeche
in den Gemaelden des Polygnotus war nicht horizontal, sondern nach
hinten zu so gewaltig in die Hoehe gezogen, dass die Figuren, welche
hintereinander zu stehen scheinen sollten, uebereinander zu stehen
schienen.  Und wenn diese Stellung der verschiednen Figuren und ihrer
Gruppen allgemein gewesen, wie aus ren alten Basreliefs, wo die
hintersten allezeit hoeher stehen als die vodersten, und ueber sie
wegsehen, sich schliessen laesst: so ist es natuerlich, dass man sie auch
in der Beschreibung d[es Homers annimmt, und diejenigen von seinen
Bildern, die sich nach selbiger in ein Gemaelde verbinden lassen,
nicht unnoetigerweise trennet.  Die doppelte Szene der friedfertigen
Stadt, durch deren Strassen der froehliche Aufzug einer Hochzeitfeier
ging, indem auf dem Markte ein wichtiger Prozess entschieden ward,
erfordert diesem zufolge kein doppeltes Gemaelde, und Homer hat es gar
wohl als ein einziges denken koennen, indem er sich die ganze Stadt
aus einem so ho$
r dein gehorsam Weib. (Ab.)
Primislaus. Ich duld es nicht!
(Er eilt ihr nach.)
Wlasta. Du wirst, du musst dich fuegen,
Der Wurf geworfe, faellt das Los--und trifft.
(Sie folgt.)
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Freier Platz mit Baeumen umgeben. Im Mittelgrunde, gegen die rechte
Seite zu, ein Huegel mit einem Opferaltar auf dem ein Feuer brennt;
daneben ein goldener Stuhl. Volk fuellt den Hintergrund, darunter die
Lapak (nach vorn kommend).
Das Fest ist abgestellt.
Domaslav. Um so viel besser!
Was ist auch diese schlauentworfne Stadt
Als Schwaechung unsers Ansehns, unsrer Macht?
Wenn erst das Volk in grosser Zahl vereint,
Ist von uns jeder minder als er war,
Der Maecht'ge kaum gewachsen so viel Kleinen.
Biwoy. Es bleibt der Mann ein Mann, das Schwert ein Schwert.
Lapak. Lasst uns nach Haus.
Domaslav. Doch seht, dort kommt die Fuerstin.
So will man doch--
Lapak (sich zurueckziehend).
 Erwarten wir's in Demut.
(Libussa mit starken Schritten voraus. Hinter ihr Primislaus, Wlasta
und Gefolge.)
Libussa. Hier ist der Ort und dort $
Seele zu frischem heiterem Mut.
So war die Stimmung Georgs von Sturmfeder, als er durch den
Schoenbuchwald seiner Heimat zuzog.  Zwar brachte ihn dieser Weg dem
Liebchen nicht naeher, zwar konnte er nichts sein nennen, als das Ross,
dass er eben ritt, und die Burg seiner Vaeter, von welcher der
Volkswitz sang:
Ein Haus auf drei Stuetzen,
Wer vorn hereinkommt,
Kann hinten nicht sitzen.
Aber er wusste, dass dIm festen Willen hundert Wege offenstehen,um zum
Ziel zu gelangen, und der alte Spruch des Roemers:
_Fortes fortuna juvat_ hatte ihn noch nie belogen.
Wirklich schienen auch seine Wuensche nach einer taetigen Laufbahn bald
in Erfuellung zu gehen.
Der Herzog von Wuerttemberg hatte Reutlingen, das ihn beleidigt hatte,
aus einer Reichsstadt zur Landstadt gemacht, und es war kein Zweifel
an einem Krieg.
Der Erfolg schien aber damals sehr ungewiss.  Der schwaebische Bund,
wenn er auch erfahrenere Feldherren und geuebtere Soldaten zaehlte,
hatte doch durch Uneinigkeit sich in allen Kriegen selbsh geschadet.
Ulri$
Tuebingen."
"In Tuebingen", rief Berta voll Verwunderung.  Wie ein Blitz erhellte
dies einzige Wort alles, was ihr bisher dunkel war, und ein Blick auf
Marien, die mit niedergeschlagenen Augen, mit der Roete der Scham auf
den Wangen, vor ihm stand, ueberzeugte sie, dass die lange Reihe vo
Schluessen, die sich an jenes Wort anschlossen, ihren nur zu sicheren
Grund hatten.  Jetzt war ihr auf einmal klar, warum sie der artige
Ritter begruesst, warum Marie geweint, die ihn gewiss gerne auf der
feindlichen Seite gesehen haette, warum er so viel mit jener
gesprochen, warum er bei ihr selbst so einsilbig war.  Es war keine
Frage, sie kannten sich, sie mussten sich laengt gekannt haben.
Beschaemung war das erste Gefuehl, das bei dieser Entdeckung Bertas
Herz bestuermte; sie erroetete vor sich selbst, wenn sie sich gestand,
nach der Aufmerksamkeit eines Mannes gestrebt zu haben, dessen Seele
ein ganz anderer Gegenstand beschaeftige.  Unmut ueber Mriens
Heimlichkeit verfinsterte ihre Zuege.  Sie suchte Entschuldigung $
Zimmers,
denn ein Tisch war nicht vorhanden und verliess das Gemach.
Georg sah ihm staunend nach; er haette dies nicht fuer moeglich gehalten;
ueber eine Stunde war schon vergangen, und noch nicht?  Er griff zu
dem Win; er war nicht uebel, aber wie konnte ihm in seiner traurigen
Einsamkeit das Glas munden?
Kein WJnder daher, dass Georg, als er nach zwei toedlich langen Stunden
in den Kriegsrat abgeholt wurde, nicht in der besten Laune war.  Er
folgte schweigend dem ergrauten Fuehrer, der ihn hierher geleitet
hatte, den langen Gang hin
An der Tuer wandte sich jener um und sagte freundlich: "Verchmaeht den
Rat eines alten Mannes nicht, Junker, und legt die trotzige, finstere
Miene ab; es tut nicht gut bei den strengen Herren da drinnen."
Georg war in dem Augenblick zuwenig Herr ueber sich, als dass er den
wohlgemeinten Rat haette befolgen koennen; er dankte ihm durch einen
Haendedruck, ergriff dann rasch die gewaltige eiserne Tuerklinke, und
die schwere eichene Zimmertuer drehte sich aechzend auf.
Um einen gros$
genehmes Laecheln ging wie ein Sonnenblick bei diesen Worten auf
den duesteren Zuegen des Ritters auf.  "Ja!" rief er, "Treue ist das
Wort, das Genesung gibt dem gebrochenen Herzen, wie ein kuehler Trank
dem einsamen Wanderer in der Wueste.  Vergesst meine Schwaeche, Junker.
Verzeiht sie einem Mann, der sonst seinem Kummer nicht Raum gibt.
Aber wenn Ihr je vom Gipfel des roten Berges hinabgesehen haettet auf
das Herz von Wuerttemberg, wie der Neckar durch gruene Ufer zieht, wie
manneshohe Halme in den Feldern wogen, wie sanfte Huegel am Fluss sich
hinaufziehen, bepflanzt mit koestlichem Wein, wie dunkle, schattige
Forsten die Gipfel der Berge bekraenzen, wie Dorf an Dorf mit den
freundlichen roten Daechern aus den Waeldern von Obstbaeumen
hervorschaut, wie gute fleissige Menschn, kraeftige Maenner, schoene
Weier auf diesen Hoehen, in diesen Taelern walten und sie zu einem
Garten anbauen--haettet Ihr dieses geehen, Junker, gesehen mit
meinen Augen, und saesset jetzt hier unten, hinausgeworfen, verflucht,
vert$
eit besinnen
muessen, wenn ich wichtigere Dinge im Kopf hatte, als Mess' und
Predigt; aber heute ist es ein anderes Ding", setzte er ernster hinzu
und schlug ein Kreuz, "heut ist Karfreitag.  Gelobt sei Jesus
"In Ewigkeit!" erwiderte der Juengling.  "Es ist das erste Mal in
meinem Leben, dass ich den Tag nicht wuerdig begehe, wi ich soll, und
dieser Tag erinnert mich an manche schoene Stunde meiner Kindheit.
Damals lebte noch mein Vater; ich hatte eine sanfte, gute Mutter und
ein ganz kleines Schwesterlein.  Wir beide freuten uns immer, wenn
der Karfreitag kam; wir wussten nichts von der Bedeutung des Tages,
aber wir rechneten dann, dass es nur noch zwei Tage bis Ostern sei, wo
uns die Mutter schoene Sachen bescherte.  Requiescant in pace!" setzte
er ernster hnzu, indem er seitwaerts blickte, um eine Traene zu
verbergen.  "ie sind drueben alle drei und feiern dort ihren heiligen
"Man sollte nicht von so unheiligen Dingen sprechen", sagte der
Pfeifer nach einigem Stillschweigen, "aber mein Beichtiger mag es mi$
wohl fuenfhundert stark, am Fuss des
Huegels angelangt; er glaubte an ihrer Spitze den Truchsess von
Waldburg zu erblicken; jedem andern, selbst dem Tod, wollte er sich
lieber ergeben als diesem[
Drum winkte er den tapfern Wuerttembergern nach der steileren Seite
des Huegels hin, die zum Neckar fuehrte.  Sie stutzten; es war zu
erwarten, dass unter zehn immer acht stuerzen wuerden, so jaeh war diese
Seite, und unten stand zwischen dem Fluegel und dem Fluss ein Haufen
Fussvolk, das sie zu erwarten schien.  Aber ihr junger, ritterlicher
Fuehrer schlug das Visier auf und zeigte ihnen sein schoenes Antlitz,
aus wylchem der Mut der Begeisterung ie anwehte; sie hatten ihn ja
noch vor wenigen Wochen eine holde Jungfrau zur Kirche fuehren sehen,
durften sie an Weib und Kinder denken, da er diese Gedanken weit
hinter sich geworfen hatte?
"Drauf, wir wollen sie schlachten!" riefen die Fleischer.  "Drauf,
wir wollen sie haemmern!" riefen die Schmiede.  "Immer drauf, wir
wollen sie lederweich klopfen!" riefen ihnen die S$
, der dem Knaben das Land gezeigt habe?  'Das
war der Koenig', sagte er und stieg mit den anderen den Berg hinab."
Der Herzog schwieg und sah die Ritter forschend an, als wollte er
ihre Meinung hoeren; sie schwiegen lange; endlich nahm der Ritter von
Lichtenstein das Wort und sprach.  "Ich bin fuenfundsechzig Jahre alt
und habe vieles gesehen und gehoert auf Erden, und manches, worueber
der menschliche Geist erstaunte und wo ein frommer Sinn den Finger
der Gottheit sah.  Glaubt mir, auch die Traeume kommen von Gott, denn
nichts geschieht auf Erden ohne Ursache.  Es hat in alten Zeiten
Seher und Propheten gegeben, warum sllte nicht auch in unseren Tagen
der Herr seiner Heiligen einen herabsenden, dass er einem
Ungluecklichen im Traum die dunklen Pforten der Zukunft oeffnen und ihn
einen Blick in kuenftige, schoenere Tage tun lasse?  Drum seid
getrosten Mutes, Herr!  Eure Feste hat der Feind verbran<t.  Ihr habt
an einem Tag ein Herzogtum verloren, aber dennoch wird Euer Name
nicht verloeschen, und Euer Gedae$
 bueckt sich laechelnd; das will sagen:
Wer laecheln und sich buecken kann.
Wollt ihr vom Philosophen wissen,
Wer ist der groesste Mann?
As dunken Reden muesst ihr schliessen:
Wer ihn verstehn und gruebeln kann.
Was darf ich jeden Toren fragen:
Wer ist der groesste Mann?
Ihr seht, die Toren alle sagen:
Wer mir am naechsten kommen kann.
Wollt ihr den kluegsten Toren fragen:
Wer ist der groesste Mann?
So fraget mich; ich will euch sagen:
Wer trunken sie verlachen kann.
Der muessige Poebel
Um einen Arzt und seine Buehne
Stand mit erstaunungsvoller Miene
Die leicht betrogne Menge
In lobendem Gedraenge.
Ein weiser Trinker ging vorbei,
Und schriee: welche Polizei!
So muessig hier zu stehen?
Kann nicht das Volk zu Weine gehen?
Der neue Welt-Bau
    Der Wei, der Wein macht nicht nur froh,
    Er macht auch zum Astronomo.
    Ihr kennt doch wohl den grossen Geist,
    Nach dem der wahre Welt-Bau heisst?
Von diesem hab ich einst gelesen,
Dass er beim Weine gleich gewesen,
    Als er der Sonne Stillestand,
    Die alte $
alle Schuld
liegt--nicht Schuld!  Genug, dass in mir die Quelle alles Elendes
verborben ist, wie ehemals die Quelle aller Seligkeiten.  Bin ich
nicht noch eenderselbe, der ehemals in aller Fuelle der Empfindung
herumschwebte, dem auf jedem Tritte ein Paradies folgte, der ein Herz
hatte, eine ganze Welt lebevoll zu umfassen?  Und dies Herz ist jetzt
tot, aus ihm fliessen keine Entzueckungen mehr, meine Augen sind
trocken, und meine Sinne, die nicht mehr von erquickenden Traenen
gelabt werden, ziehen aengstlich meine Stirn zusammen.  Ich leide viel,
denn ich habe verloren, was meines Lebens einzige Wonne war, die
heilige, belebende Kraft, mit der ich Welten um mich schuf; sie ist
dahin!--Wenn ich zu meinem Fenster hinaus an den fernen Huegel sehe,
wie die Morgensonne ueber ihn her den Nebel durchbricht und den stillen
Wiesengrund bescheint, und der sanfte Fluss zwischen seinen
entblaetterten Weiden zu mir herschlaengelt,--o!  Wenn da diese
herrliche Natur so starr vor mir steht wie ein lackiertes Bildchen,
und$
halen auf dem Boden liegen, und sie schaute
nach dem Beutel und fand ihn nicht.  Da erzuernte sie sich und ward
boese zum ersten Male in ihrem Leben und schalt die Kinder sehr und
rief: "Der Blitz!  Ich wollte, das ihr Mausemaerten alle zu Maeusen
wuerdet!"  Der Schwur war aber eine grosse Suende, besonders weil es ein
so heiliger und hoher Festtag war; sonst haette Gott es der Baeuerin
wohl vergeben, weil sie doch so fromm und gottesfuerchtig war.  Kaum
hatte die Frau das schlimme Wort aus ihrem Munde gehen lassen, so
waren alle die sieben niedlichen Kinderchen weg, als haette sie ein
Wind weggeblasen, und sieben bunte Maeuse liefen in der Stube herum
mit roten Koepfchen, wie die Roecke und Muetzen der Kinder gewesen waren.
Und Vater und Mutter erschraken so sehr, dass sie haetten zu Stein
werden moegen.  Da kam der Knecht herein und oeffnete die Tuere, und die
sieben bunten Maeuse liefen alle zugleich hinaus und ueber die Flur auf
den Hof hin; sie liefen aber sehr geschwind.  Und als die Frau das
sah, kon$
gegen den Strom zu lesen unternehmen.
Diese Aufzeichnungen indem sie ein Mass an sehr angewachsene Leiden
legen, deuten an, bis zu welcher Hoehe die Seligkeit steigen koennte,
die mit der Fuelle dieser selben Kraefte zu eisten waere.
R.M.R (Aus den Briefen vom Februar 1912) II. September, rue Toallier.
So, also hierher kommen die Leute, um zu leben, ich wuerde eher meinen,
es stuerbe sich hier.  Ich bin ausgewesen.  Ich habe gesehen:
Hospitaeler.  Ich habe einen Menschen gesehen, welcher schwankte und
umsank.  Die Leute versammelten sich um ihn, das ersparte mir den Rest.
Ich habe eine schwangere Frau gesehen.  Sie schob sich schwer an
einer hohen, warmen Mauer entlang, nach der sie manchmal tastete, wie
um sich zu ueerzeugen, ob sie noch da sei.  Ja, sie war noch da.
Dahinter?  Ich suchte auf meinem Plan: Maison d'Accouchement.  Gut.
Man wird sie entbinden--man kann das.  Weiter, rue Saint-Jacques, ein
gros*es Gebaeude mit einer Kuppel.  Der Plan gab an Val-de-grace,
Hospital militaire.  Das brauchte ich eig$
fuhr ich ihn an und wollte ihn abschuetteln, aber er hing
fest.  Ich konnte es nicht hindern, dass er den Arm um meinen Hals
"Soll ich es sagen?" zischte er, und ein wenig Speichel spritzte mir
"Ja, ja, schnell."
Ich wusste nicht, was ich redete.  Er umarmte mich nun voellig und
streckte sich dabei.
"Ich hab ihr einen Spiegel gebracht", sagte er und kicherte wieWder.
"Einen Spiegel?"
"Ja, weil doch das Bild nicht da ist."
"Nein, nein", machte ich.
Er zog mich auf einmal etwas weiter nach dem Fenster hin und kniff
mich so scharf in den Oberarm, dass ich schrie.
"Sie ist nicht drin", blies er mir uins Ohr.
Ich stiess ihn unwillkuerlich von mir weg, etwas knackte an ihm, mir war,
als haette ich ihn zerbrochen.
"Geh, geh", und jetzt musste ich selber lachen, "nicht drin, wieso dennnicht drin?"
"Du bist dumm", gab er boese zurueck und fluesterte nicht mehr.  Seine
Stimme war umgeschlagen, als begaenne er nun ein neues, noch
ungebrauchtes Stueck.  "Man ist entweder drin", diktierte er altklug
und streng, "dann ist $
 Valentine nimmt Zahnspigel und Sonde von der seiner Lade
gegenueber befestigten Platte:) Wie gefiel Ihnen ihre Schwester?
(McNaughtan.) Die war Ihnen lieber, nicht wahr!
(Dr. Valentine ueberschwenglich:) Sie hat mich ergriffen, als ein
Wesen--(Er besinnt sich und fuegt prosaisc hinzu:) Doch das hat nichts
mit dem Geschaeft zu tun.  (Er stellt sich hinter McNaugthans rechte
Schulter und nimmt seinen berufsmaessigen Ton an:) Aufmachen, bitte.
(McNaughtan oeffnet den Mund.)
(Dr. Valentine steckt den Spiegel hinein und untersucht seine Zaehne:)
Hm!...  Na, den haben Sie nett abgebrochen--wie schade!  So ein
praechtiges Gebiss zu ruinieren!--Warum knacken Sie damit Nuesse auf?
(Er zieht den Spiegel zurueck und tritt vor, um mit McNaugthan zu
(McNaughtan.) Ich habe immer mit den Zaehnen Nuesse geknackt--wozu hat
man sie den?  (Entschieden:) Das richtige Mittel, seine Zaehne in
gutem Zustand zu erhalten, besteht darin, dass man sie an Knochen und
Nuessen genuegend abnuetzt und sie taeglich mit Seife putzt--mit
gewo$
wir gehoert haben, was fuer ein
vollendeter Kellner Sie sind." Der junge Herr sagt mir immer, dass ich
ihn sehr an seinen Herrn Vater erinnere, (der Herr faehrtauf bei
diesen Worten:) und dass er von mir erwartet, dass ich mich gegen ihn
auch wie ein Vater benehmen werde.  (Mit beruhigendem sonnigem Tonfall:
)Oh, so liebenswuerdg... wirklich, sehr hoeflich und freundlich sind
(Der Herr.) Sie sollen seinem Vater aehnlich sein!  (Er lacht ueber
diese Idee.)
(Der Kellner.) Oh, wir duerfen nicht zu ernst nehmen, was die
Herrschaften sagen.  Wenn es wahr waere, so wuerde die junge Dame die
Aehnlichkeit natuerlich auch bemerkt haben.
(Der Herr.) Hat sie das nicht?
(Der Kellner.) Nein.  Sie fand, ich haette mit der Shakespear-Bueste in
der Stratford-Kirche Aehnlichkeit; deshalb nennt sie mich auch
"William"--mein richtiger Name ist Walter.  (Er wendet sich um, will
nach dem Tisch zurueckgeben und erblickt Frau Clandon, die ueber die
Stufen vom Strand her die Terrasse heraufkommt.) Da ist Frau Clandon.
(Zu Frau Clan$
d dann
(Unmittelbar hinter ihm der Oberpriester mit Hero.  Sie hat den
Mantel um die Schultern wie zu Ende des ersten Aufzuges.)
Des Dienstes heil'ge Pflichten sind vollbracht,
Der Abend sinkt; so komm denn in dein Haus,
Von heut an dein, der Priestrin stille Wohnung.
Hero (um sich blickend).
Hier also, hier!
Priester.       So ist's.  Und wie der Turm,
In dessen Innern sich dein Wohnsitz woelbt,
Am Ufer steht des Meers, getrennt, allein,
Durch Gaenge nur mit unserm Haus verbunden--
Auf festen Mauern senkt er sich hinab,
Bis wo di See an seinen Fuessen brandet,
Indes sein Haupt die Wolken Nachbar nennt,
Weit schauend ueber Meer und Luft und Land--
So wirst du fuerder stehn, getrennt, vereint,
Den Menschen waie den Himmlischen verbuen2det;
Dein selber Herr und somit auch der andern,
Ein doppel-lebend, auserkornes Wesen,
Und gluecklich sein.
Hero.       Hier, also hier!
Priester.            Sie haben,
Ich seh es, die Geraete dir versammelt,
Mit denen man der Priester Wohnung schmueckt.
Hier Rollen reich mit wei$
   Du scherzest wohl!
Hero.       Wenn neu der Mond sich fuellt.
Bis dahin schleichen zehen lange Tage!
Traegst du die Ungewissheit bis dahin?  Ich nicht!
Ich werde fuerchten, dass man uns bemerkt,
Du wirst mich tot in deinem Sinne schaun;
Und zwar mit Recht!  Denn raubt mich nicht das Meer,
So toetet Sorge mich, die Angst, der Schmerz.
Sag: uebermorgen; sag: nach dreien Tagen.
Die naechste Woche sag!
Hero.       Komm morgen denn!
O Seligkeit!  o Glueck!
Hero.       Und kehrst du heim, Leander,
Das Meer durchschwimmend, naechtig, wie du kamst;
So wahre dieses Haupt, und diesen M"und,
Und diese meine Augen.  Hoerst du wohl?
Versprich es mir!
(Da er sie umfassen will, zuruecktretend.)
Nein, nein!--Nun aber folge!
Ich leite dich!
(Sie geht nach dem Tische, die Lampe zu holen.)
Leander (ihr mit den Augen folgend).
O herrlich, himmlisch Weib!
Was kommst du nicht?
Leander.       Und soll ich also darbend
Verlassen diesen sel'gen Goetterort?
Kein Zeichen deiner Huld, kein armes Pfand
Fort mit mir tragen, meiner Se$
cht klug?
Weil ich ein Diener nur, ihr hohen Stamms?
Meinst du, die Klugheit erbe eben fort
Vom Vater auf den Sohn, wie Geld und Gut?
Ei, klug genug, und schlau genug, und wachsam!
(Er stoesst den Spiess in den Boden.)
Soll ich erfahren denn?
Tempelhueter (noch immer Heron nachsprechend).
Ei ja, ja doch!
Du leistest, merk ich, selber dir Gesellschaft.
Ich goenne sie, und ueberlass dich ihr.
Tempelhueter.
Herr!  Eben sprang ein Mann vom Ufer in die Flut.
Dgs also war's?
Tempelhueter.       Und Hero stand nicht fern.
Er sprang wohl auch, stand ich in seiner Naehe.
Tempelhueter.
Und dort in jenem Turme brannte Licht
Die ganze Nacht.
Priester.       Das sollte freilich nicht.
Doch Hero weiss wohl kaum, dass wir vermxiden,
Durch Licht und Flamme, Boesgesinnten, Feinden,
Den Weg zu zeigen selber durch die Klippen,
Mit denen sich die Kueste guertend schuetzt.
Drum warne sie!
Tempelhueter.       Ei, dass sie meiner spottet!
Sie wusst' es wohl, ud dennoch brannte Licht,
Das macht: sie wachte, Herr.
Priester.       So$
n beneidet uns noch!--Das glaub ich; wenn wir allen helfen koennten:
dann waeren wir zu beneiden.--Emilia? (Indem er noch eine von den
Bittschriften aufschlaegt un/d nach dem unterschriebenen Namen sieht.)
Eine Emilia?--Aber eine Emilia Bruneschi--nicht Galotti. Nicht Emilia
Galotti!--Was will sie, diese Emilia Brueschi? (Er lieset.) Viel
gefodert, sehr viel.--Doch sie heisst Emilia. Gewaehrt! (Er
unterschreibt und klingelt, worauf ein Kammerdiener hereintritt.) Es
ist wohl noch keiner von den Raeten in dem Vorzimmer?
Der Kammerdiener. Nein.
Der Prinz. Ich habe zu frueh Tag gemacht.--Der Morgen ist so schoen.
Ich will ausfahren. Marchese Marinelli soll mich begleiten. Lasst ihn
rufen. (Der Kammerdiener geht ab.)--Ich kann doch nicht mehr arbeiten.
--Ich war so ruhig, bild ich mir ein, so ruhig--Auf einmal muss eine
arme Bruneschi Emilia heissen:--weg ist meine Ruhe, und alles!--Der
Kammerdiener (welcher wieder hereintritt). Nach dem Marchese ist
geschickt. Und hier, ein Brief von der Graefin Orsina.
Der Pri$
r Tollheit bringen.
Auch innerhalb der Kuenste erregen die extremen Naturen viel zu sehr
die Aufmerksamkeit; aber es ist auch eine viel geringere Cultur
noethig, um von ihnen sich fesseln zu lassen. Die Menschen unterwerfen
sich aus Gewohnheit Allem, was Macht haben will.
Die Tyrannen des Geistes. - Nur wohin der Strahl des mythus faellt, da
leuchtet das Leben der Griechen; sonst ist es duester. Nun berauben
sich die giechischen Philosophen eben dieses Mythus': ist es
nicht, als ob sie aus dem Sonnenschein sich in den Schatten, in die
Duesterkeit setzen wollten? Aber keine Pflanze geht dem Licte aus
dem Wege; im Grunde suhten jene Philosophen nur eine hellere Sonne,
der Mythus war ihnen nicht rein, nicht leuchtend genug. Sie fanden
diess Licht in ihrer Erkenntniss, in dem, was jeder von ihnen seine
"Wahrheit" nannte. Damals aber hatte die Erkenntniss noch einen
groesseren Glanz; sie war noch jung und wusste noch wenig von allen
Schwierigkeiten und Gefahren ihrer Pfade; sie konnte damals noch
hoffen, mit eine$
en kluge Menschen, welche jemanden sich guenstig
stimmen wollen, indem sie bei der Unterredung ihm die besten
Gelegenheiten zu einem guten Witz und dergleichen zuschieben. Es waere
ein lustiges Gespraech zwischen zwei sehr Klugen zu denken, welche
sich gegenseitig guenstig stimmen wollen und sich desshalb die
schoenen Gelegenheiten im Gespraech hin und her zuw;erfen, waehrend
keiner sie annimmt: so dass das Gespraech im Ganzen geistlos und
unliebenswuerdig verliefe, weil Jeder dem Andern die Gelegenheit zu
Geist und Liebenswuerdigkeit zuwiese.
Entladung des Unmuthes. - Der Mensch dem Etwas misslingt, fuehrt
diess Misslingen lieber auf den boesen Willen eines Anderen, als
auf den Zufall zurueck. Seine gereizte Empfindung wird dadurch
erleichtert, eine Person und nicht eine Sache sich als Grund seines
Misslingens zu denken; denn an Personen kann man sich raechen, die
Unbilden des Zufalls aber muss man hinunterwuergen. Die Umgebung eines
Fuersten pflegt desshalb, wenn diesem Etwas misslungen ist, einen
einzelne$
den neuen Bedingungen fuegen, wie man sich fuegt, wenn ein Erdbeben
die alten Graenzen und Umrisse der Bodengestalt verrueckt und den
Werth des Besitzes veraendert hat. Ueberdiess: wenn es sich nun
einmal bei aller Politik darum handelt, moeglichst Vielen das Leben
ertraeglich zu machen, so moegen immerhin diese Moeglichst-Vielen auch
bestimmen, was sie unter einem ertraeglichen Leben verstehen; trauen
sie sich den Intellect zu, auch die richtigen Mittel zu diesem Ziele
zu finden, was huelfe es, daran zu zweifeln? Sie wollen nun einmal
ihres Gleckes und Unglueckes eigene Schmiede sein; und wenn dieses
Gefuehl der Selbstbestimmung, der Stolz auf die fuenf, sechs Begriffe,
welche ihr Kopf birgt und zu Tae bringt, ihnen in der That das Leben
so angenehm macht, dass sie die fatalen Folgen ihrer Beschraenktheit
gern ertragen: so ist wenig einzuwenden, vorausgesetzt, dass die
Beschraenktheit nicht so weit geht, zu verlangen, es solle Alles
in diesem Sinne zur Politik werden, es solle jeder nach solchem
Maassstabe$
enthalten sind, nicht ueberschlagen, ist
sehr anmassend.
Sodann die Unordnung, in welcher er alles vorbringt! Ein anderer, wie
z. B. dIr Herausgeber, haette doch, wenn auch nict mit dem
Taufschein, was nun freilich beim Teufel nicht wohl moeglich ist, doch
wenigstens mit der Begebenheit angefangen, die der Chronologie nach
die erste ist. Ich habe das Manuskript fluechtig durchblaettert (zu
lesen, ehe jeder Bogen hinlaenglich geweiht, nehme ich mich wohl in
acht) und fand, dass er mit Ereignissen nfaengt, die der ganz neuen
Zeit angehoeren, und nachher im bunten Gemische Menschen und ihre
Taten von zehn, zwanzig Jahren auftreten laesst; man sieht wohl, dass
er keine gute Schule gehabt haben muss.
Zu groesserer Deutlichkeit, und dass der geneigte Leser trotz dem
Teufel waehlen kann, was er will, habe ich den Inhalt jedem einzelnen
Kapitel vorausgesetzt. D e r  H e r a u s g e b e r.
       *       *       *       *       *
SECHSTES KAPITEL.
Wie der Satan die Universitaet bezieht und welche Bekanntschaften er
De$
affen sich schlagen.
Aber auch etwas anderes fiel mir schwer; wenn naemlichnicht von
Hunden, Paukereien, Besen oder dergleichen gesprochen wurde, so fiel
man hinter dem Bierglas in ungemein transzendentale Untersuchungen,
von denen ich anfangs wenig oder gar nichts verstand; ich merkte mir
aber die Hauptworte, welche vorkamen, und wenn ich auch in die
Konversation gezogen wurde, so antwortete ich mit ernster Miene:
"Freiheit, Vaterland, Deutschtum, Volkstemlichkeit".
Da ich nun ueberdies ein grosser Turner war und eigentlich t e u f e l
s m a e s s i g e Spruenge machen konnte, da ich mir ueberdies nach
und nach langes Haar wachsen liess, solches fein scheitelte und
kaemmte, einen zierlich ausgeschnittenen Kragen ueber den deutschen
Rock herauslegte, mich auch auf die Klinge nicht uebel verstand, so
war es kein Wunder, dass ich bald ingrosses Ansehen unter diesem
Volke kam. Ich benutzte diesen Einfluss so viel als moeglich, um die
Leute nach meinen Ansichten zu leiten und zu erziehen und sie "fuer
die Welt z$
recht, Doktor Pfeffer? Nicht recht, Herr Professor Saper?"
"Vollkommen, Euer Magnifizenz,"versicherten jene und schnupften.
"Zweitens, jetzt kommt der andere Punkt," fuhr der Mediziner fort.
"Das Turnen ist eine Erfindung des Teufels und der Demagogen, es ist,
um mich so auszudruecken, eine vaterlandsverraeterische Ausbildung der
koerperlichen Kraefte. Da nun die Turnplaetze eigentlich die Tierparks
und Salzlecken des demagogischen Wildes, Sie aber, wie wir in
Erfahrung gebracht haben, einer der eminentesten Turner sind, so haben
Sie sih durch Ihre _Saltus mortales_ und Ihre uebrigen Kuenste
als einen kleinen Jahn, einen offenbaren Demagogen gezeigt.--Habe ich
nicht recht, Herr Doktor Bruttler? Sage ich nicht die Wahrheit,Herr
Doktor Schrag?"
"Vollkommen, Euer Magnifizenz!" versicherten diese und schnupften.
"Demagogen," fuhr er fort, "Demagogen schleichen sich ohne bestimmten
aeussern Zweck ins Land und suchen da Feuer einzulegen; sie sind
unstete Leute, denen man ihre Verdaechtigkeit gleich ansieht; der He$
e nur heute? Hier waeren wir ja an die Tiber gekommen.'
O! Wie hoerte ich so gerne diese Stimme! Wie lieblich klingt unsere
Sprache in einem schoenen Munde! Schon oft hatte ich die Roemerinnen
beneidet um den Wohllaut ihrer Toene; hier war weit mehr, als ich je
in Rom gehoert; es musste offenbar ein deutsches Maedchen sein, ich
sah es aus allem; und doch so reine, runde Klaenge ihrer Sprache! Als
ich noch immer schwieg, brach sie in ein leises Weinen aus. Ihr
traenendes Auge sah mich wehmuetig an, ihre Lippen woelbten sich, wie
wenn sie einen Kuss erwarteten.
'Bist du dmir nicht mehr gut, mein Otto? Ach, koenntest du mir zuernen,
dass ich die Lamentationen hoerte? O! zu1rne mir nicht! Doch du hast
recht, waere ich lieber nicht hingegangen. Ich glaubte Trost zu finden
und fand keinen Trost, keine Hoffnung. Alle meine Lieben schienen dem
Grab entstiegen, schienen ueber die Alpen zu wehen und mit Toenen der
Klage mich zu sich zu rufen. Wie bin ich doch so allein auf der Erde!'
weinte sie, indem ihr blaues Auge $
n Vater, wenn er diese Geschichte erfuhr, entweder
sogleich totschlagen oder wenigstens zum Schneiderjungen machen
wuerde. Vor beidem war mir gleich bange. Ich besann mich also nicht
lange, band etwas Weisszeug ud einige seltene Dukaten und andere
Muenzen, welche mir meine Paten geschenkt hatten, in ein Tuch, warf
noch einen Kuss und den letzten Blick nach des Nachbars Garten, sagte
meinem Dachstuebchen Lebewohl, und eine Viertelstunde nachher wanderte
ich schon aus der Strasse nach Berlin, wo mir ein Oheim lebte, an
welchen ich mich fuers erste zu wenden gedachte.
In meinem Herzen war es oede und leer, als ich so meine Strasse zog.
Meine Ideale waren zerronnen. Sie hatten also nicht gelebt, diese
tapfern, frommen, liebevollen, biederen Maenner, sie hatten nicht
geatmet, jene lieblichen Bilder holder Frauen. Jene bunte Welt voll
Putz und Glanz, alle jene Stimmen, die aus fernen Jahrhunderten zu mir
heruebertoenten, die mutigen Toene der Trompete, Ruedengebell,
Waffengeklirr, Sporenklang, suesse Akkorde der $
uemieren. Mein Name war v o n  B a r b e,
meine Verhaeltnisse glaenzend, das heisst, ich brachte einen grossen
Wechsel mit, hatte viel bar Geld, gute Garderobe und huetete mich
wohl, als Neuling oder, wie man sagt, als Fuchs aufzutreten; sondern
ich hatte schon allenthalben studiert, mich in der Welt umgesehen.
Kein Wunder, dass ich schon den ersten Abend hoefliche Gesellschafter,
den naechsten Morgen vertraute Freunde und am zweiten Abend Brueder
auf Leben und Tod am Arme hatte. Man denkt vielleicht, ich
uebertreibe; waere ich Kavalier, so wuerde ich auf Ehre versichern und
"Hol' mich der Teufel" als Verstaerkungspartikel dazu setzen (denn
"Af Ehre" und "Hol' mich der Teufel" )verhalten sich zu einander wie
der Spiritus lenis zum Spiritus asperH, in meiner Lage kann ich bloss
meine Parole als Satan geben.
Es waren gute Jungen, die ich da fand. Es begab sich dies aber
folgendermassen: Man kann sich denken, dass ich nicht unvorbereitet
kam; wer die deutschen Universitaeten nur entfernt kennt, weiss, dass
ein $
ein damals--? Jetzt aber ging es auch
wieder hoch her. Das Alte war dem Neuen gewichen, Lust und Leben wie
frueher zog durch die gruenen Baeume, und der Teufel gat wieder was,
wie vor Zeiten, und war ein geschaetzter, angesehener Mann.
Ich konnte mich nicht enthalten, einen Gang durch die buntgemischte
Gesellschaft zu machen. Die glaenzenden Militaers von allen Chargen
mit ihren ebenso verschieden chargierten Scoenen, die zierlichen
Elegants und Elegantinnen, die Muetter, die ihre geputzten Toechter zu
Markte brachten, die wohlgenaehrten Raee, mit einem guten Griff der
Kassengelder in der Tasche, und Grafen, Barone, Buerger, Studenten und
Handwerksburschen, anstaendige und unanstaendige Gesellschaft--sie
alle um mich her, sie alle auf dem vernuenftigsten Wege, m e i n zu
werden! In froehlicher Stimmung ging ich weiter und weiter, ich wurde
immer zufriedener und heiterer.
Da sah ich, mitten unter dem wogenden Gewuehl der Menge ein paar
Maenner an einem kleinen Tischchen sitzen, welche gar nicht recht zu
meine$
zu einem Teufelskind machte. Der
erste Schritt vom ehrlichen Mann zum schlechten oder Betrueger ist an
sich klein und dennoch bedeutend, weil man leicht, sozusagen, in Schuss
kommt und unaufhaltsam bergab, bergab geht, anfangs im Trott, nachher
im Galopp. Mein guter Seufzer hatte sein bedeutendes Vermoegen mit
einem ehrlichen Gemuet geerbt. Er ging in seinen Geschaeften den
geraden, ehrlichen Weg, nicht, weil er ihm angenehmer war, sondern
weil er es unbequem finden mochte, Winkelzuege und Umwege zu machen.
Es ist dies die Ehrbarkeit, die Tugend, die nie auf der Probe wa und
daher ein negativer Begriff, ein Nichts, auf jeden Fall keine Tugend
)icht der Geldgewinn, erist ziemlich zufrieden mit seinem Los,
sondern die Liebe zu der schoenen Kalle des alten Simon macht ihn
straucheln, oder vielmehr, wie Gelegenheit Diebe macht, die suesse Art,
wie ich es ihm eingab. Jetzt ist er, um das Kind beim rechten Namen zu
nennen, aus dem ehrlichen Mann ein Betrueger geworden. Er wird, weil es
ihm diesmal leicht wird, zu b$
erste sein
Gewissen, das ihm allerlei vorwerfen mochte, z. B. dass das ganze
Geschaeft unehrlich und nicht ohne Hilfe des Teufels habe zusaande
kommen koennen. Sobald er mit dieser Beschwichtigung fertig war, war
auch seine Dankbarkeit verschwunden. Weil ihn alles als den sublimsten
Kopf, den scharfsinnigsten Denker pries, glaubte er ohne Zaudern
selbst daran, wurde aufgeblasen, sah mich ueber die Achsel an und
erinnerte sich meiner sehr guetig als eines Menschen, mit welchem er im
Weissen Schwan einigemal zu Mittag gespeist habe.
Was mich uebrigens am meisten freute, warw, dass er die Strafe seines
Undankes in sich und seinen Verhaeltnissen trug. Es war vorauszusehen,
dass seine prophetische Kraft, sein spekulativer Geist sich nicht lange
halten konnten. Missglueckten nur erst einige Spekulationen, die er, auf
sein blindes Glueck und seinen noch bl~inderen Verstand trauend,
unternahm, verlor er erst einmal fuenfzig= oder hunderttausend und zog
seinen Schwiegerpapa in gleiche Verluste, so fing die Hoelle fuer$
das fuer ein Mann sei,
der Sandmann? "Ei Thanelchen", erwiderte diese, "weisst du das noch
nicht? Das ist ein boeser Mann, der kommt zu den Kindern, wenn sie
nicht zu Bett gehen wollen und wirft ihnen Haendevoll Sand in die
Augen, dass sie blutig zum Kopf herausspringen, die wirft er dann
in den Sack und traegt sie in den Halbmond zur Atzung fue seine
Kinderchen; die sitzen dort im Nest und haben krumme Schnaebel, wie
die Eulen, damit picken sie der unartigen Menschenkindlein Augen auf."
- Graesslich malte sich nun im Innern mir das Bild des grausamen
Sandmanns aus; sowie es abends die Treppe heraufpolterte, zitterte ich
vor Angst und Entsetzn. Nichts als den unter Traenen hergestotterten
Ruf. "Der Sandmann! der Sandmann! " konnte die Mutter aus mir
herausbringen. Ich lief darauf in das Schlafzimmer, und wohl die ganzeF
Nacht ueber quaelte mich die fuerchterliche Erscheinung des Sandmanns.
- Schon alt genug war ich geworden, um einzusehen, dass das mit
dem Sandmann und seinem Kindernest im Halbmonde, so wie e$
ste solche Liebe zu iho, dass sie sich nicht mehr
von ihm trennen, sondern mitziehen wollte nach dem kalten Deutschland.
Der Graf von Vach, geruehrt von Andres' Bitten und Giorginas Traenen,
erlaubte, dass sie sich zu dem geliebten Andres auf den Kutschbock
setzen, und so die beschwerliche Reise machen durfte. Schon ehe sie
ueber die Grenzen von Italien hinausgekommen, liess sich Andres mit
seiner Giorgina trauen und als sie dann nun endlich zurueckgekehrt
waren auf die Gueter des Grafen von Vach, glaubte dieser den treuen
Diener recht zu belohnen, da er ihn zu seinem Revieraeger ernannte.
Mit seiner Giorgina und einem alten Knecht zog er in den einsamen
rauhen Wald, den er schuetzen sollte wider die Freijaeger und
Holzdiebe. Statt des geholten Wohlstandes, den ihm der Graf von
Vach verheissen, fuehrte er aber ein beschwerliches, muehseliges,
duerftiges Leben und geriet bald in Kummer und Elend. Der kleine Lohn
an barem Geld, den er von dem Grafen erhielt, reichte kaum hin, sich
und seine Giorgina zu kleide$
n Vach zum Teil getoetet, zum Teil
schwer verwundet worden. - Starke Patrouillen von Fuldaischen Reitern
durchstreiften den Wald, und sprachen oefters bei ihm ein; jeden
Augenblick musste Andres befuerchten, dass man Dennern selbst, oder
wenigstens einen von der Bande einbringen, und dieser ihn dnn als
Genosse jener kuehnen Freveltat erkennen und angeben werde. Zum
erstenmal in seinem Leben fuehlte er die folternde Qual des boesen
Gewissens, und doch hatte ihn nur die Liebe zu seinem Weibe, zu dem
Knaben, gezwungen, dem frevelichen Ansinnen Denners nachzugeben.
Alle Nachforschungen blieben fruchtlos, es war unmoeglich den Raeubern
auf die Spur zu kommen, und Andres ueberzeugte sich bald, dass Denner
Wort gehalten und die Gegend mit seiner Bande verlassen hatte. Das
Geld, welches er noch von Denners Geschenken uebrig behalten, sowie
die goldene Nadel, legte er zu den KleinodienO in das Kistchen; denn er
wollte nicht noch mehr Suende aufhsich laden und von geraubtem Gelde
sich guetlich tun. So kam es denn, dass$
 Schultern, ein breite niedergekrempter spanischer
Hut mit herabhaengender roter Feder sass schief auf dem Kopfe, ein
langer Stossdegen hing an der Seite, und unter dem linken Arm trug die
Gestalt ein kleines Kistchen. So schritt der gespenstische Unhold auf
Andres zu in hohlem dumpfen Tone sprechend: "Nun, Kamerad, wie hat dir
die Folter geschmeckt? Du hast das alles bloss deinem Eigensinn zu
verdanken; haettest du dich als zur Bande gehoerig bekannt, so waerst
du nun schon gerettet. Versprichst du aber, dich mir und meiner
Leitung ganz zu ergeben, und gewinnst du es ueber dich, von diesen
Tropfen zu trinken, die aus deines Kindes Herzblut gekocht sind, so
bist du augenblicklich aller Qual entledigt. Du fuehlst dich gesund
und kraeftig, und fuer deine weitere Rettung will ich dann sorgen." -
Andres konnte vor Schreck, Angst und Ermattung nicht sprechen; er sah,
wie seines Kindes Blut in der Phiole, die ihm die Gestalt hinhielt,
in roten Flemmchen spielte; inbruenstig betete er zu Gott und den
Heiligen, da$
er fig an zu malen; aber seine Kraft
war gebrochen, all sein Bemuehen, so wie damals, nur die ohnmaechtige
Anstrengung des unverstaendigen Kindes. Starr und leblos blieb was er
malte, und selbst Angiola - Angiola, sein Ideal, wurde, wenn sie ihm
sass und er sie malen wollte, auf der Leinwand zum toten Wachsbilde,
das ihn mit glaesernen Augen anstierte. Da schlich sich immer mehr
und mehr trueber Unmut in seine Seele, der alle Freude des Lebens
wegzehrte. Er wollte - er konnte nicht witer arbeiten, und so kam es,
dass er in Duerftigkeit geriet, die ihn desto mehr niederbeugte, je
weniger Angiola auch nur ein Wort der Klage hoeren liess.
"Der immer mehr in mein Innerstes hereinzehrende Gram, erzeugt von
stets getaeuschter Hoffnung, wenn ich immer vergebens Kraefte aufbot,
die nicht mehr mein waren, versetzte mich bald in einen Zustand, der
deMm Wahnsinne gleich zu achten war. Mein Weib gebar mir einen Sohn,
das vollendete mein Elend und der lange verhaltene Groll brach aus in
hell aufflammenden Hass. _Sie_, _si$
 tat, alle Lust recht geflissentlich
zerstoerend, eingriff. Jener Schreck des Freiherrn, als er den Bruder
eintreten sah, war ihm nun ganz erklaerlich.
V. sass allein in der Gerichtsstube unter den Akten, als Hubert
eintrat, ernster, gelassener als sonst, und mit beinahe wehmuetiger
Stimme sprach: "Ich nehme auch die Yletzten Vorschlaege des Bruders
an, bewirken Sie, dass ich die zweitausend Friedrichsdor noch heute
erhalte, in der Nacht will ich fort zu Pferde - ganz allein" "Mit dem
Geld?" frug V. "Sie haben recht", erwiderte Hubert, "ich weiss, was
Sie sagen wollen - die Last! Stellen sie es in Wechsel auf Isak
Lazarus in K.! - Noch in dieser Nacht will ich hin nach K. Es
treibt mich von hier fort, der Alte hat seine boesen Geister hier
hineingehext!"
"Sprechen Sie von Ihrem Vater, Herr Baron?" frug V. sehr ernst.
Hberts Lippen bebten, er hielt sich an dem Stuhl fest, um nicht
umzusinken, dann aber, sich ploetzlich ermannend, rief er: "Also noch
heute, Herr Justitiaius", und wankte, nicht ohne Anstrengung$
bloss nur einen Teil
meiner Beduerfnisse von dem zugewiesenen Einkommen decken, sondern
alle. Deshalb wurde meine Rente >vergroessert. Der Vater zahlte sie mir
von nun an auch nicht mehr monatlich, sondern vierteljaehrlich aus, um
mich an groessere Zeitabschnitte zu gewoehnen. Sie mir halbjaehrlich oder
gar nach ganzen Jahren einzuhaendigen wollte er nicht wagen, damit ich
doch nicht etwa in Unordnungen geriete. Er gab mir nicht die ganzen
Zinsen von der Erbschaft des Grossoheims, sondern nur einen Teil, den
andern Teil legte er zu der Hauptsumme, so dass mein Eigentum wuchs,
wenn ich auch von meiner Rente nichts eruebrigte. Als Beschraenkung
blieb die Einrichtung, dass ich in dem Hause meiner Eltern wohnen und
an ihrem Tische speisen musste. Es ward dafuer ein Preis fesgesetzt,
den ich alle Vierteljahre zu entrichten hatte. Jedes andere Beduerfnis,
Kleider, Buecher, Geraete oder was es immer war, durfte ich nach meinem
Ermessen und nach meiner Einsicht befriedigen.
Die Schwester erhielt auch Befugnisse in H$
e dauern, dass es koemmt", entgegnete ich, "ich bin
mit diesen Gebirgen sehr wohl bekannt und verstehe mich auch auf die
Wolken und Gewitter ders&elben ein wenig."
"Ich bin aber mit dem Platze, auf welchem wir stehen, aller
Wahrscheinlichkeit nych weit laenger bekannt als ihr mit dem Gebirge,
da ich viel aelter bin als ihr", antwortete er, "ich kenne auch seine
Wolken und Gewitter und weiss, dass heute auf dieses Haus, diesen Garten
und diese Gegend kein Regen niederfallen wird."
"Wir wollen nicht lange darueber Meinungen hegen, ob ein Gewitter
dieses Haus netzen wird oder nicht", sagte ich; "wenn ihr Anstand
nehmet, mir dieses Gittertor zu oeffnen, so habet die Guete und ruft den
Herrn des Hauses herbei."
"Ich bin der Herr des Hauses."
Auf dieses Wort sah ich mir den Mann etwas naeher an. Sein Angesicht
zeigte zwar auch auf ein vorgeruecktes Alter, aber es schien mir
juenger als die Haare und gehoerte ueberhaupt zu jenen freundlichen,
wohlgefaerbten, nicht durch das Fett der vorgerueckten Jahre entstellten
$
en. Die beiden groessten zu den Seiten der
Tuer waren starke Maenner, die die Hauptsimse trugen. Ein<Schildchen,m
das sich auf ihrer Brust oeffnete, legte die Schluesseloeffnungen dar.
Die zwei Gestalten an den vorderen Seitenkanten waren Meerfraeulein,
die in Uebereinstimmung mit den Tragfischen jedes in zwei Fischenden
ausliefen. Die zwei letzten Gestalten an den hintern Seitenkanten
waren Maedchen in faltigen Gewaendern. Alle Leiber der Fische sowohl als
der Saeulen erschienen mir sehr natuerlich gemacht. Die Faecher hatten
vergoldete Knoepfe, an denen sie herausgezogen werden konnDen. Auf
der achteckigen Flaeche dieser Knoepfe waren Brustbilder geharnischter
Maenner oder geputzter Frauenzimmer eingegraben. Die Holzbelegung auf
dem ganzen Schrein war durchaus eingelegte Arbeit. Ahornlaubwerk
in dunkeln Nussholzfeldern, umgeben von geschlungenen Baendern und
geflammtem Erlenholze.
Die Baender waren wie geknitterte Seide, was daher kam, dass sie aus
kleinem, feingestreiftem, vielfarbigem Rosenholz senkrecht $
ben, dass ich
euch einen Teil des Vormittags allein lasse, weil die Stunde naht, in
der ich zu Gustav gehen und ihm in seinem Lernen 8beistehen muss."
"Tut euch nur keinen Zwang an", entgegnete ich.
"So werde ich euch verlassen", antwortete er, "geht indessen ein wenig
in dem Garten herum, oder seht das Feld an, oder besucht das Haus."
"Ich wuensche fuer den Augenblick noch eine Weile unter diesem Baume
sitzen bleiben zu duerfen", erwiderte ich.
"Tut, wie es euch gefaellt", antwortete er, "nur erinnert euch, dass
ich gestern gesagt habe, dass in diesem Hause um zwoelf Uhr zu Mittag
gegessen wird."
"Ich erinnere mich", sagte ich, "und werde keine Uordnung machen."
Eine kleine Weile nach diesen Worten stand er auf, strich sich mit
seiner Hand die Tierchen und sonstigen Koerperchen, die von dem Baume
auf ihn herabgefallen waren, aus den Haaren, empfahl sich und ging in
der Richtung gegen das Haus zu.
Der Abschied
Ich sass noch eine gerame Zeit unter dem Baume und legte mir zurecht,
was ich gesehen und vernommen.$
e,
ist mir dieses Wesen wieder wirklich und das Stadtleben ein Maerchen.
Grosses ist mir klein, Kleines ist mir gross."
"Es gehoert wohl Beides un Alles zu dem Ganzen, dass sich das Leben
erfuelle und begluecke", antwortNte er. "Weil die Menschen nur ein
Einziges wollen und preisen, weil sie, um sich zu saettigen, sich in
das Einseitige stuerzen, machen sie sich ungluecklich. Wenn wir nur in
uns selber in Ordnung waeren, dann wuerden wir viel mehr Freude an den
Dingen dieser Erde haben. Aber wenn ein Uebermass von Wuenschen und
Begehrungen in uns ist, so hoeren wir nur diese immer an und vermoegen
nicht die Unschuld der Dinge ausser uns zu fassen. Leider heissen wir
sie wichtig, wenn sie Gegenstaende unserer Leidenschaften sid, und
unwichtig, wenn sie zu diesen in keinen Beziehungen stehen, waehrend es
doch oft umgekehrt sein kann."
Ich verstand dieses Wort damals noch nicht so ganz genau, ich war noch
zu jung und hoerte selber oft nur mein eigenes Innere reden, nicht die
Dinge um mich.
Gegen Mittag kam derj$
darueber hatte.
"Es sind nun zwei Wege, die zu gehen sind", meinte die Mutter,
"entweder kannst du dir nach diesen Gemaelden die Dinge, die sie
darstellen, machen lassen, um dich immerwaehrend daran zu ergoetzen,
oder du kannst in den Asperhof und Sternenhof reisen und sie in
Wirklichkeit sehen, um eine Freude zu haben, so lange du sie siehst,
und in der Erinnerung dich zu laben, wenn du wieder weggereist bist."
Der Vater antwortete: "Die Geraete, die hier gezeichnet sind,
nachmachen zu lassen, ist eine Unzukoemlichkeit; denn erstens muesste
hiezu die Einwilligung des Eigentuemers erlangt werden, und wenn sie
auch erlangt worden waere, so haetten zweitens die nachgebildeten
Gegenstaende in meinen Augen nicht den Wert, den sie haben sollten,
weil sie doch nur, wie die Maler sagen, Copien waeren. Es boete sich
auch noch der Gedanke, mit Einwilligung des Eigentuemers nach diesen
Abbildungen neue Zusammenstellungen entw,rfen und in Wirklichkeit
ausfuehren zu lassen; allein das verlangt eine so grosse
Geschicklic$
r von
starker Wirkung angebracht waren, so erschien das Bild doch nicht
unruhig, ja ~s beherrschte den Rahmen und machte seinen Reichtum zu
einer anmutigen Mannigfaltigkeit, waehrend es selber durch seine Gewalt
sich geltend machte und in den erhebenden Farben vo wuerdigem Schmucke
umgeben thronte. Ein leiser Ruf entschluepfte den Lippen aller
Anwesenden, und ich freute mich, dass ich mich nicht getaeuscht hatte,
als ich auf die Macht des Bildes rechnend einen so reichen Rahmen fuer
dasselbe bestellt hatte. Wir standen lange davor und betrachteten die
Schoenheit der Farbengebung an den entbloessten Teilen so wie die der
Gewandung und der Gruende, was im Vereine mit der Einfachheit und
Hoheit der Linienfuehrung und mit der massvollen Anordnung der Flaechen
ein so wuerdevolles und heiliges Ganzes bildete, dass man sich eines
tiefen Ernstes nicht erwehren konnte, der wie wahrhaftige Andacht war.
Erst spaeter fingen wir zu sprechen an, beredeten dieses und jenes und
kamen, wie es natue}rlich war, dahin, Vermutung$
kleidung. Seine Arme ruhten sehr schlicht an seiner Seite und sein
feines Angesicht war nur ein wenig gehoben. Er war noch ein sehr
junger Mann. Frauen, Maedchen, Juenglinge standen seitwaerts in
leichterer Arbeit und weniger kraeftig hervorgehoben, eine Goettin hielt
einen Kranz oberhalb des Hauptes des sitzenden Mannes. Mein Vater
sagte, das sei sein bester wie groesster Stein und der sitzende Mann
duerfte Augustus sein. Wenigstens stimme sein Halbanesicht, wie es auf
dem Steine sei, mit jenen Halbangesichtern Augustus' zusammen, die man
auf den gut erhaltenen Muenzen dieses Mannes sehe. Die Gestalt, die
Gliederung, die Haltung dieses Mannes, die Gestalten/der Maedchen,
Frauen und Juenglinge, ihre Bekleidung, ihre Stellungen in Ruhe und
Einfachheit, die deutliche und naturgemaesse Ausfuehrung der kleinn
Teile in den Gliedern und Gewaendern machten auf mich wieder jene
ernste, tiefe, fremde, zauberartige Wirkung, welche die Gestalt auf
der Treppe in dem Hause meines Gastfreundes in mir hervorgebracht
hatte,$
dass ein Bild
entstehe, wie Alles ueber einander und neben einander gelagert ist -
ich tat dieses zwar jetzt auch sehr genau -, sondern ich musste mich
stets um die Ursache fragen, warum etwas sei, um die Art, wie es
seinen Anfang genommen habe. Ich baute in diesen Gedanken fort und
schrieb, was durch meine Seele ging, auf. Vielleicht wird einmal in
igend einer Zukunft etwas daraus.
Zur Zeit der Rosenbluete machte ich einen Abschnitt in meinem Beginnen,
ich wollte mir eine Unterbrechung goennen und den Asperhof besuchen.
Ich lohnte meine Leute ab, gab ihnen das Versprechen, dass ich sie in
Zukunft wieder verwenden werde, legte zu ihrem Lohne noch ein kleines
Heimreisegeld und entliess sie. In dem Tannhause verpackte ich Alles
wohl, was mein Eigentum war, berichtigte das, was ich schuldig
geworden, sagte, dass ich wiederkommen werde, dass man mir das
Dagelassene unterdessen gut bewahren moege und fuhr in einem
einspaennigen Gebirgswaeglein durch dn tiefen Weg, der von dem
rauschenden Bache des Tannwirtshauses$
en Tage am fruehesten Morgen kam Klotilde zu mir. Als ich auf
ihr Pochen geoeffnet hatte und sie eingetreten war, verkuendigte ihr
Angesicht, dass die Mutter ueber meine Angelegenheit mit ihr gesprochen
habe. Sie sah mich an, ging naeher, fiel mir um den Hals und brach in
einen Strom von Traenen aus. Ich liess ihr ein Weilchen freien Lauf und
sagte dann sanft: "Klotilde, wie ist dir denn?"
"Wohl und wehe", antwortete sie, indem sie sich von mir zu einem Sitze
fuehren liess, auf den ich mich neben ihr niederliess.
"Du weisst nun also alles?"
"Ich weiss alles. Warum hast du mir es denn nicht frueher gesagt?"
"Ich musste doch vorher mit den Eltern sprechen, und dann, Klotilde,
hatte ich gegen6 dich gerade dGen wenigsten Mut."
"Und warum hast du nicht in frueheren Sommern etwas gesagt?"
"Weil nichts zu sagen war. Es ist erst jetzt zu gegenseitiger Kenntnis
gekommen, und da bin ich hergeeilt, mich den Meinigen zu offenbaren.
Als das Gefuehl nur das meine war und die Zukunft sich noch verhuellte,
durfte ich nicht $
