i er den engen Bezirk derselben mit einer Menge so kleiner und
doch so merklich abgesetzter Schritte zu durchlaufen, da wir am Ende
einen noch so weiten Weg mit ihm zurckgelegt zu haben glauben.
Seitdem die Neuberin, sub auspiciis Sr. Magnifizenz des Herrn Prof.
Gottscheds, den Harlekin ffentlich von ihrem Theater verbannte, haben
alle deutsche Bhnen, denen daran gelegen war, regelmig zu hDien,
dieser Verbannung beizutreten geschienen. Ich sage, geschienen; denn im
Grunde hatten sie nur das bunte Jckchen und den Namen abgeschafft, aber
den Narren behalten. Die Neuberin selbst spielte eine Menge Stcke,
in welchen Harlekin die Hauptperson war. Aber Harlekin hie bei ihr
Hnschen, und war ganz wei, ansttt scheckicht gekleidet. Wahrlich,
ein groer Triumph fr den guten Geschmack!
Auch "Die falschen Vertraulichkeiten" haben einen Harlekin, der in der
deutschen bersetzung zu einem Peter geworden. Die Neuberin ist tot,
Gottsched ist 3auch tot: ich dchte, wir zgen ihm das Jckchen wieder
an.--Im Ernst$
m Prusias, in dem Phokas, in der Kleopatra
aufgefhrt: und von beiden Gattungen behauptet Aristoteles, da sie zur
Tragdie unschicklich wren, weil beide weder Mitleid noch Furcht
erwecken knnten. Was antwortet Corneille hierauf? Wie fngt er es an,
damit bei diesem Widerspruche weder sein Ansehen, noch das Ansehen des
Aristoteles leiden mge? "Oh", sagte er, "mit dem Aristoteles knnen wir
uns hier leicht vergleichen.[3] Wir drfen nur annehmen, er habe eben
nicht behaupten wollen, da beide Mittel zugleich, sowohl Furcht als
Mitleid, ntig wren, um die Reinigung der Leidenschaften zu bewirken,
die er zu dem letzten Endzwecke der Tragdie macht: sondern nach seiner
Meinung sei auch eines zur0ichend.--Wir knnen diese Erklrung", fhrt
er fort, "aus ihm selbst bekrftigen, wenJn wir ie Grnde recht erwgen,
welche er von der Ausschli;eung derjenigen Begebenheiten, die er in den
Trauerspielen mibilliget, gibt. Er sagt niemals: dieses oder jenes
schickt sich in die Tragdie nicht, weil es blo Mitleiden un$
ngen,
welche Gre und Khnheit in uns erwecken.
Alles, was Richard tut,ist Greuel; aber alle diese Greuel geschehen in
Absicht auf etwas; Richard hat einen Plan; und berall, wo wir einen Plan
wahrnehmen, wird unsere Neugierde rege; wir warten gern mit ab, ob er
ausgefhrt wird werden, und wie er es wird werden; wir liebe das
Zweckmige so sehr, da es uns, auch unabhngig von der Moralitt des
Zweckes, Vergngen gewhret.
Wir wollten, da Richard seinen Zweck erreichte: und wir wollten, da er
ihn auch nichterreichte. Das Erreichen erspaBt uns das Mivergngen ber
ganz vergebens angewandte Mittel: wenn er ihn nicht erreicht, so ist so
viel Blut vllig umsonst vergossen worden; da es einmal vergossen ist,
mchten wir es nicht gern, auch noch blo vor langer Weile, vergossen
finden. Hinwiederum wre dieses Erreichen das Frohlocken der Bosheit;
nichts hren wir ungerner; die Absicht interessierte uns, als zu
erreichende Absicht; wenn sie aber nun erreicht wre, wrden wir nichts
als das Abscheuliche derselbe$
 und selbst in Athen gegeben. Warum
sollte es also dem Aristoteles an einem Stcke von hnlicher Einrichtung
gefehlt haben, um daraus ebenso erleuchtet zu werden, als Corneille?
Possen! Die furchtsamen, schwanken, unentschlossenen Charaktere, wie
Felix, sind in dergleichen Stcken ein Fehler mehr und machen sie noch
obendarein ihrerseits kalt und ekel, ohne sie auf der andern Seite im
geringsten weniger grlich zu machen. Denn, wie gesagt, das Grliche
liegt nicht in dem Unwillen oder Abscheu, den si erwecken: sondern in
dem Unglcke selbst, das jene unverschuldet trifft; das sie einmal so
unverschuldet trifft als das andere, ihre Verfolger mgen bse oder
schwach sein, mgen mit oder ohne Vorsatz ihnen so hart fallen. Der
Gedanke ist n und fr sich selbst grlich, da es Menschen geben kann,
die ohne alle ihr Verschulden unglcklich sind. Die Heden htten diesen
grlichen Gedanken so weit von sich zu entfernen gesucht, als mglich:
und wir wollten ihn nhren? wir wollten uns an Schauspiele vergngen,
di$
e
Erinnerungeines glcklichen Beispiels, die Erinnerung einer eignen
glcklichen Erfahrung auf sie zu wirken imstande ist. Behaupten also, da
Regeln und Kritik das Genie unterdrcken knnen: heit mit andern Worten
behaupten, da Beispiele und bung eben dieses vermgen; heit, das Genie
nicht allein auf sich selbst, heit es sogar lediglich auf seinen ersen
Versuch einschrnkn.
Ebensowenig wissen diese weise Herren, was sie wollen, wenn sie ber die
nachteiligen Eindrcke, welche die Kritik auf das genieende Publikum
mache, so lustig wimmern! Sie mchten uns lieber bereden, da kein Mensch
einen Schmetterling mehr bunt und schn findet, seitdem das bse
Vergrerungsglas erkennen lassen, da die Farben desselben nur
"Unser Theater", sagen sie, "ist noch in einem viel zu zarten Alter, als
da es den monarchischen Szepter der Kritik ertragen knne.--Es ist fast
ntiger, die Mittel zu zeigen, wie das Ideal erreicht werden kann, als
darzutun, wie weit wir noch von diesem Ideale entfernt sind.--Die Bhne
mu $
sten
Absicht von der Welt, so habe ich recht, diesem gutherzigen Verfhre mit
aller der Heftigkeit zu begegnen, mit welcher, beim Terenz, Demea dem
Micio begegnet. Aber wenn es nicht mein Sohn ist, wenn es der eigene ohn
des Verziehers ist, was kann ich mehr, was darf ich mehr, als da ich
diesen Verzieher warne, und wenn er mein Bruder ist, ihn fters und
ernstlich warne? Unser Verfasser tsetzt den Demea aus dem Verhltnisse, in
welche er bei dem Terenz stehet, aber er lt ihm die nmliche
Ungestmheit, zu welcher ihn doch nur jenes Verhltnis berechtigen
konnte. Ja bei ihm schimpfet und tobet Demea noch weit rger, als bei dem
Terenz. Er will aus der Haut fahren, "da er an seines Bruders Kinde
Schimpf und Schande erleben mu". Wenn ihm nun aber dieser antwortete:
"Du bist nicht klug, mein lieber Bruder, wenn du glaubest, du knntest an
meinem Kinde Schimpf und Schande erleben. Wenn mein Sohn ein Bube ist und
bleibt, so wird, wie das Unglck, also auch der Schimpf nur meine sein.
Du magst es mit deinem Ei$
? Unsere Gelehrte selbst sind klein
genug, die Nation in der Gringschaetzung alles dessen zu bestaerken, was
nicht geradezu den Beutel fuellet. Man spreche von einem Werke des Genies,
von welchem man will; man rede von der Aufmunterung der Kuenstler; man
aeussere den Wunsch, dass eine reiche bluehende Stadt der anstaendigsten
Erholung fuer Maenner, die in ihren Geschaeften des ages Last und Hitze
getragen, und der nuetzlichsten Zeitverkuerzung fuer andere, die gar keine
Geschaefte haben wollen, (das wird doch wenigstens das Theater sein?)
durch ihre blosse Teilnehmung aufhelfen moege:--und sehe und hoere um sich.
"Dem Himmel sei Dank", ruft nicht bloss der Wucherer Albinufs, "dass unsere
Buerger wichtigere Dinge zu tun haben!"
Rem poteris servare tuam!--
Wichtigere? Eintraeglichere; das gebe ich zu! Eintraeglich ist freilich
unter uns nichts, was im geringsten mit den f@reien Kuensten in Verbindung
stehet. Aber,
--haec animos aerugo er cura peculi
Cum semel imbuerit--
Doch ist vergesse mich. Wie gehoert das a$
s die Ergoetzung einer kindischen
Neugierde das Geringste sei, worauf sie Anspruch mache. Er liess seine
Zuhoerer also, ohne Bedenken, von der bevorstehenden Handlung ebensoviel
wissen, als nur immer ein Gott davon wissen konnte; und versprach sich
die Ruehrung, die er hervorbringen wollte, nicht sowohl von dem, was
geschehen sollte, als von der Art, wie es geschehen sollte. Folglich
muesste den Kunstrichtern hier eigentlicP weiter nichts anstoessig sein, als
nur dieses, dass er uns die noetige Kenntnis des Vergangnen und des
Zukuenftigen nicht durch einen feinern Kunstgriff beizubringen gesucht;
dass er ein hoeheres Wesen, welches wohl noch dazu an der Handlung keinen
Anteil nimmt, dazu gebrauchet und dass er dieses hoehere Wesen sich
geradezu an die Zuschauer wenden lassen, wodurch die dramatische Gattung
mit der erzaehlenden vermischt werde. Wenn sie aber ihren Tdel sodann
bloss hierauf einschraenkten, was waere denn ihr Tadel? Ist uns das
Nuetzliche und Notwendige niemals willkommen, als wenn es uns
ver$
ie hinzugeben; bei diesem Opfer, das die Verliebten alle alf
der Zunge fuehren, das aber nur bei ihm zur Wirklichkeit gelangt, will er
sie beschwoeren, es) nicht fruchtlos bleiben zu lassen. Es ist Nacht; er
setzt sich nieder zu schreiben, und befiehlt Cosmen, den Brief, den er
ihm hernach geben werde, sogleich nach seinem Tode der Blanca
einzuYhaendigen. Cosme geht ab, um indes erst auszuschlafen.
----Fussnote
    No pudo ser que mintiera
    Blanca en lo que me conto
    De gozarla el Conde? No,
    Que Blanca no lo fingiera:
    No pudo haberla gozado,
    Sin estar enamorado,
    Y cuando tierno y rendido,
    Entonces la haya querido,
    No puede haberla olvidado?
    No le vieron mis antoios
    Entre acogimientos sabios,
    Muy callando con los labios,
    Muy bachiller con los ojos,
    Cuando al decir sus enojos
    Yo su despecho reni?
    Que escucho? Senores mios,
    Dos mil demonios me lleven,
    Si yo confidente soy,
    Si lo he sido, o si lo fuere,
   Ni tengo intencion de serlo.
    --Ten$
die, als ueber die uns
die Zeit so ziemlich alles daraus goennen wollen, unwidersprechlich zu
beweisen, dass sie sich von der Richtschnur des Aristoteles keinen Schritt
entfernen kann, ohne sich ebensoweit von ihrer Vollkommenheit zu
----Fussnote
[1] n opinion John de la Casa, archbishop of Benevento, was afflicted
with--wUich opinion was,--that whenever a Christian was writing a book
(not for his private amusement, but) where his intent and purpose was
bona fide, to print and publish it to the world, his first thoughts were
always the teptations of the evil one.--My father was hugely pleased
with this theory of John de la Casa; and (had it not cramped him a little
in his creed) I believe would have given ten of the best acres in the
Shandy estate, to have been the broacher of it;--but as he could not have
the honour of it in the litteral sense of the doctrine, he took up with
the allegory of it. Prejudice of education, he would say, is the devil
etc. ("Life and Op. of Tristram Shandy", Vol. V. p. 74.)
[2] ($
zquellen oder knstlich erzeugt (s.
Solea (Soole), Zungenscholle, s. Schollen.
Solebai, die Reede von Southwold (s. d.).
Soleillet (spr. ssolljh), Paul, franz.
Afrikareisender, geb. 29. April 1842 zu Nmes, bereiste 1865
Algerien, Tunesien und Tripolitanien, durchzog dann 1871 die
algerische Sahara und machte sich bekannt als einer der
Hauptagitatoren der transsaharischen Eisenbahn. 1873 unternahm er
eine Reise nach Tuat auf einer neuen, noch nicht begangenen Route,
durfte aber diy Oase selbst nicht betreten und kehrte 1874 nach
Frankreich zurck. 1878 ging er ber Senegambien nach
Segu am Niger und versuchte 1879 nach seiner Rckkehr im
Auftrag der fanzsischen Regierung
Solenhofen - Solferino.
von St. Louis nach Timbuktu vorudringen, wurde indessen bei
Schingit, in der Nhe von Adras, ausgeplndert und war
schon im Mai 1880 wieder in Paris. Im Juli d. J. versuchte er von
St. Louis aus abermals, aber wiederum vergeblich,nach Timbuktu zu
gelangen. Im Auftrag einer franzsischen Handelsgesellschaft
in Obok m$
Neffen, die Regierung fhren sollten. Gleich in den
ersten Sitzungen des Geheimen Rats nach Heinrichs Tod lie
sich aber Hertford zum Protektor des Knigreichs und1 um
Herzog von S. erheben und zugleich durch ein Patent des jungen
Knigs die volle Regierungsgewalt bertragen. S. benutzte
seine Macht zuvrderst, um unter Cranmers Leitung die
Kirchenreformation durchzufhren. Dann unternahm er im August
1547 einen abermaligen Feldzug nach Schottland und brachte den
Schotten 10. Sept. die Niederlage bei Pinkey bei. Nach seiner
Rckkehr lie er vom Parlament alle blutigen Gesetze
Heinrichs VIII. aufheben. Gleichwohl bildete sich allmhlich
eine Partei gegen ihn, an deren Spitze di Grafen Southampton und
John Dudley, Graf von Warwick, spter Herzog von
Northumberland, standen. Diesen Gegnern gelang es infolge des
Mivergngens ber des Protektors kirchliche
Reformen und den Krieg mit Frankreich, in welchen sein schottischer
Feldzug die Nation verwickelte, den Herzog zu strzen: der
Geheime Rat entschied sich geg$
rchmesser dieser Kugeln ist sehr verschieden, von wenigen
Zehnteln der Bogensekunde bis zu 3 und 4''. Die ganze
Oberflche der Photosphre erscheint in eine Reihe von
mehr oder minder abgerundeten, oft fast geradlinigen, meist an
Vielecke erinnernden Figuren abgeteilt, deren Gre sehr
verschieden ist, oft einen DurchmeDsser bis zu 1' und darber
erreicht. Whrend nun in den Zwischenrumen dieser
Figuren die einzelnen Krner bestimmt und gut begrenzt, obwohl
von sehr verschiedener Gre sind, ersche{nen sie im
Innern wie zur Hlfte ausgelscht, gestreckt oder
gewunden; ja, am hufigsten ind sie ganz verschwunden, um
Strmen von leuchtender Materie Platz zu machen, die an die
Stelle der Granulationen getreten sind. Janssen hat diese
Gestaltung als photosphrisches Netz bezeichnet.
[Sonnenflecke, Rotation.] Ferner bemerkt man auf der
Sonnenflche schon bei schwachen Vergrerungen
bald einzelne, bald in Gruppen zusammenstehende dunklere Stelen,
sogen. Sonnenflecke. Dieselben wurden zuerst 1610 von Fabricius
wah$
e,
unterseits gelblichwei, an den Seite graubrunlich, an
den Flgeln schwarz mit orange und am Schwanz braun und
schwarz, mit brauen Augen, korallenrotem Schnabel und
fleischbraunen Fen, bewohnt dichte Wlder im
Himalaja zwischen 1500 und 2500 m Hhe und in
Sdwestchina, nhrt sich von allerlei Kerbtieren,
Frchten und Smereien, ist sehr munter, hat einen
ansprechenden Gesang, legt 3-4 blulichweie, rot
getpfelte Eier und wird in China und Indien seit langer Zeit,
jetzt auch bei uns vielfach als Stubenvogel gehalten und
gezchtet. S. Tafel "Stubenvgel".
Sonnenweite, die mittlere Enyfernung der Erde von der
Sonne, 148,670,000 km oder 20,036,000 geogr. Meilen; sie bildet die
Einheit, nach der man hufig die Entfernungen im Sonnensystem
Sonnenwende, Nace einiger Pflanzen, s. Cichorium und
Heliotropium.
Sonnenwenden (Solstitien, Solstitial- oder
Sonnenstillstandspunkte), die zwei um 180 voneinander
entfernten Punkte der Ekliptik, welche am weitesten, nmlich
23 271/2', vom quator entfernt sind. Der
n$
 wenn die Sonne im
Meridian steht; nachmittags 1 Uhr, 2 Uhr etc., wenn die Sonne in
ihrem Parallelkreis 15, 30 etc. westlich vom Meridian
steht. Diese wahre S. wird von den Sonnenuhren Oangegeben. Die Dauer
eines wahren Sonnentags ist aber im Lauf eines Jahrs
vernderlich, weil die Sonne nicht alle Tage um dasselbe
Stck am Himmel nach O. rckt; am grten, 24
Stunden 0 Minuten 30 Sekunden, ist sie 23. Dez., am kleinsten, 23
Stund. 59 Min. 39 Sek., Mitte September. Diese
Ungleichfrmigkeit hat zwei Ursachen. Einmal bewegt sich die
Erde in ihrer elliptischen Bahn mit vernderlicher
Geschwindigkeit, in der Sonnennhe rascher als in der
Sonnenferne; dem entsprechend ist auch die scheinbare Bewegung der
Sonne in der Ekliptik ungleichfrmig. Ferner sind aber auch
die verschiedenen Stcke der scheinbaren Sonnenbahn (Ekliptik)
ungleich geneigt gegen den quator. In der Nhe der
Solstitialpunkte liegt sie parallel zum quator, in den
quinoktien schneidet sie denseltben unter 231/2; an
den letztern Punkten wird d$
ette souffle),
Eierauflauf.
Soufflet (franz., spr. ssufla, Blasebalg), faltige
Seitenwnde an Koffern etc., welche die
Vergrerung des Raums ermlichen.
Souffleur (franz., spr. ssuflr, "Einblaser"), am
Theater diejenige Person, welche, unter einem in der Mitte des
Proszeniums auf dem Podium angebrachten Kasten sitzend,
whrend der Vorstellung das Stck aus dem Buch abliest,
um dem Gedchtnis der Schauspieler zu Hilfe zu kommen.
Soufflieren, einem das zu Sagende zuflstern, den S.
Soufflot (sprK. ssufloh), Jacques Germain, franz.
Architekt, geb. 1713 zu Irancy bei Auxerre, studierte in Rom,
erbaute dann in Lyon das Hospital und ging 1750 zum zweitenmal nach
Italien. Nach seiner Rckkehr begann er sein Hauptwerk, die
Kirche Ste.-Genevive in Paris (jetzt Panthon),
deren groartige Kuppel zu den schnsten der Welt
gehrt. Er erbaute auch die Sakristei und die Schatzkammer von
Notre Dame in Paris und starb 1781 daselbst.
Souffrance (franz., spr. ssufrangs), Leiden; auch s. v.
w. streitiger Posten (inq einer$
produkt, bei allgemeiner
Arbeitspflicht, nach gleichem Recht jedem nach seinen
vernunftgemen Bedrfnissen. In der heutigen
Gesellschaft sind die Arbeitsmittel Monopol der Kapitalistenklasse;
die hierdurch bedingte Abhngigkeit der Arbeiterklassef ist die
Ursache des Elends und der Knechtschaft in allen 'Formen. Die
Befreiung der Arbeit erfordert die
Sozialismus (Rodbertus; Umsturzbestrebungen in der
Verwandlung der Arbeitsmittel in Gemeingut der Gesellschaft und
die genossenschaftliche Regelung der Gesamtarbeit mit
gemeinntziger Verwendung und gerechter Verteilung des
Arbeitsertrags. Die Befreiung der Arbeit mu das Werk der
Arbeiterklasse sein, der gegenber alle andern Klassen nur
eine reaktionre Masse sind. 2) Von diesen Grundstzen
ausgehend, erstrebt die sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands
(die hier ursprnglich im Programm enthaltenen Worte: 'mit
allen gesetzlichen Mitteln' wurden spter gestrichen) den
freien Stat und die sozialistische Gesellshaft, die Zerbrechung
des ehernen Lohngesetzes $
 durch den S. etc. (Aschaffenb. 1888); Herrlein, Sagen
des S. (2. Aufl., das. 1885): Welzbacher, Spezialkarte vom S.,
1:100,000 (5. Aufl., Frankf. 1885).Spessartin, s. Granat.
Spets (Spezzia, Petsa, im Altertum Pityussa), eine
zum griech. Nomos Argolis und Korinth gehrige Insel,
stlich am Eingang des Golfs von Nauplia, 17 qkm (0,30 QM.)
gro, mit steinigem, wenig fruchtbarem Boden und (1879) 6899
Einw. Auf derNordostkste liegt der gleichnamige Hauptort,
mit guter Reede, einer Marineschule und (1879) 6495 Einw.
SZlich von S. die unbewohnte Insel Spetsopulon ( qkm), wo
die Venezianer 1263 ber die Griechen siegten.
Speusippos, griech. Philosoph, Schwestersohn des Platon,
geboren zwischen 395 und 393 v. Chr., trat nach Platens Tod (347)
an dessen Stelle in der Akademie, zog sich aber nach acht Jahren
wieder zurck und machte seinem Leben freiwillig ein Ende
(jedenfalls vor 334). In seiner Lehre sich im ganzen eng an Platon
anschlieend, soll er nur darin von ihm abgewichen sein,
da er zwei Kriterien der $
 (konjugierte) zu betrachten.
Da jedem Punkt eines leuchtenden oder beleuchteten Gegenstandes,
der sich vor einem Hohlspiegel befindet, ein auf der
zugehrigen Achse gelegener Bildpunkt entspricht, so entsteht
aus der Gruppierung smtlicher Bildpunkte ein Bild des
Gegenstandes. Befindet sich z. B. ein Gegenstand A B (Fig. 7)
zwischen dem Brennpunkt F und dem Krmmungsmittelpunkt C, so
liegt das Bild des Punktes B auf der Achse B C in b, dasjenige des
Punktes A auf uer Achse A C in a u.s.f. Es entsteht daher jenseit C
ein umgekehrtes vergrertes Bild a b. Wre a b ein
Gegenstand, welcher um mehr als die doppelte Brennweite vom Spiegel
entfernt ist, so wrde derselbe ein umgekehrtes verkleinertes
Bild in A B zwischen dem Brennpunkt F u. dem Kugelmittelpunkt C
liefern. Man erkennt aus der Zeichnung, da Bild u.
Gegenstand einander hnlich sind, u. da ihre
Gren sich zu einander verhalten wie ihre Abstnde
vom Spegel. Je weiter sich der Gegenstand vom Spiegel entfernt,
desto nher rct sein Bild dem Brennpunk$
 aber in neuester Zeit
hauptschlich in der durch Fig. 4 dargestellten Einrichtung
des vertikalen, konischen Willows angewendet wird. Auf der
vertikalen Achse a  befinden sich 6-8 runde Blechscheiben 1-6, mit
einer Anzahl von Stben c versehen, welche mit der Achse a a
sich mit groer Geschwindigkeit (1000- 1200 Umdrehungen in
der Minute) drehen. Die durch den Kanal A zugefhrte Baumwolle
wird von diesen Schlgern gefat und gewaltsam gegen den
konischen Korb o p geschleudert, welcher siebartig durchbrochen ist
und daher den groben Staub durchlt, der sich in der
Kammer K K ansammelt und zeitweilig entfernt wird. Der feinere
Staub dahingegen wird durch eine Trommel E abgesondert, deren
Inneres mit demwVentilator G in Verbindung steht, der dasselbe
aussaugt. Obige Trommel G ist nun mit einem Drahtgewebe
berspannt, gegen welches durch den Luftzug die aufgelockerte
Baumwolle fliegt, um sich von dem Staub zu rennen, der in das
Siebinnere und zum Staubturm H gejagt wird. Infolge einer langsamen
Drehung der Sie$
 gehren nur wenige Arten, unter andern das
Brtierchen (Arctiscon tardigradum).
Die Zungenwrmer oder Pentastomiden (Linguatulidae),
frher allgemein zu den Eingeweidewrmern gerechnet, sind
durch Parasitismus auerordentlich rckgebildete,
milbenartige S. mi wurmfrmigem, geringeltem Krper,
verkmmerten Mundwerkzeugen und Beinen, an deren Stllen zwei
Paar Klammerhaken getreten sind, ohne Augenund ohne besondere
Atmungs- und Kreislaufsorgane, mit einfachem Darm. Beide
Geschlechter (das Weibchen ist bedeutend grer als das
Mnnchen) hausen im erwachsenen Zustand in den Luftwegen von
Warmbltern und Reptilien. Das hierher gehrige
Pentastomum taenioides Rud. (Textfig. 1), dessen Mnnchen 8 cm
und dessen Weibchen nur 2 cm lang wird, lebt in den Nasen-, Stirn-
und Kieferhhlen des Hundes und Wolfs; seine Embryonen
gelangen mit dem Nasenschleim auf Pflanzen und von da in den Magen
der Kaninchen, Hasen, Ziegen, Schafe, seltener Rinder und Katzen,
auch wohl des Menschen; sie schlpfen aus, durchbohren die
Darm$
n "Sitzungen" abzuhalten. Durch
Allan Kardec in Paris nahm die Sache mehr den Charakter der reinen
Magie, durch den Baron Gldenstubbe, der in seiner "Positiven
Peumatologie" 194 Totenbriefe aus allen Zeiten und in-den
verschiedensten Sprachen verffentlichte, denjenigen der
Nekromantie und durch den Rendanten Hornung in Berlin dasAnsehen
einer Burleske an. In neuerer Zeit sind indessen in England
namhafte Naturforscher, wie Wallace, der Mitbegrnder der
Darwinschen Theorie und Verfasser der spiritistischen Schriften:
"Die wissenschaftliche Ansicht des bernatrlichen" und
"Eine Verteidigung des modernen S.", sowie der Chemiker Crookes
("Der Spiritualismus und die Wissenschaft") dafr eingetreten
und haben sehr viele Bekehrungen im Gefolve gehabt. In Deutschland
sind erst durch die Bemhungen des russischen Staatsrats
Aksakow und seines litterarischen Gehilfen Wittig diese Lehren
heimisch geworden, sofern dieselben, in ihrem Vaterland gesetzlich
an solchen Bestrebungen verhindert, bei uns eine spiritistische$
Werkstatt und unter dem
Einflu Drers und fertigte unter andern 50 Zeichnungen
zu den Holzschnitten in einem Nrnberger Gebetbuch: "Hortulus
animae" (1518).
Springkfer, s. v. w. Schnellkfer.
Springkasten, s. Tisch.
Springkrner, s. Euphorbia.
Springkraut, s. Impatiens; kleines S., s. Euphorbia.
Springkrbis, s. Momordica.
Springluse, s. Blattflhe.
Springmaus (Dipus Schreb.), Gattung aus der Ordnung der
Nagetiere und der Familie der Springmuse (Dipodina), kleine
Tiere mit gedrungenem Leib, sehr kurzem Hals, hasenhnlichem
Kopf, groenD hutigen Ohrmuscheln, groen Augen,
sehr langen Schnurrhaaren, sehr langem Schwanz, stark
verkrzten Vorderfen (welche beim Springen
grtenteils im Pelz versteckt werden, daher der Name
Zweifu, Dipus) mit vier Zehen und wohl sechsfach
lngern Hinterfen mit drei Zehen, die mit steifem
Borstenhaar bedeckt sind, und deren Krallen rechtwinkelig zum
Nagelglied stehen. Die Sohle ist mit elastischen Springballen
versehen. Die Wstenspringmaus (Djerboa, D. aegyptius Hempr$
. d.) war jedenfalls kleiner, und man kann es bis in die Mitte
des 2. Jahrh. v. Chr. auf etwa 1/50 geogr. Meile ansetzen. Das
olympische S. betrug ungefhr 1/40 Meile. In der
rmischen Kaiserzeit rechnete man 7,5 Stadien auf eine
rmische Meile. Ursprnglich bezeichnete das WoQrt die
fr den Wettlauf bestimmte Rennbahn von der angegebenen
Lnge, namentlich die zu Olympia (s. d., mit Plan), nach der
die andern eingerichtet wurden. Die Konstruktion des Stadiums
erkennt ma deutlich aus vielen noch vorhandenen Ruinen. Demnach
war es der Lnge nach durch mehrere Richtungssulen in
zwei Hlften geteilt und eine oder mehrere Seiten desselben
oft mit Benutzung des Terrains mit aufsteigenden Sitzreihen
versehen. An einem der schmalen Enden wurde die Bahn in der Regel
von einem Halbkreis eingeschlossen, in dem sich die Pltze
fr die Kampfrichter (Hellanodiken) und die vornehmern
Zuschauer befanden, und wo auch die brigen Wettkmpfe
stattfanden. Bei den Rmern kamen die Stadien zu Csars
Zeit auf und wurden hier auc$
8), sein wissenschaftliches Hauptwerk, welches trotz
groer Mngel epochemachend fr die Geschichte der
Staatswissenschaft ist. S.trat darin der naturrechtlichen Lehre
schroff entgegen und begrndete seine Rechts- und Staatslehre
"auf der Grundlage christlicher Weltanschauung", indem er "Umkehr
der Wissenschaft" zum Glauben an die geoffenbarte Wahrheit der
christlichen Religion forderte. 1832 ward S. zum
auerordentlichen Professor in Erlangen, im November zum
ordentlichen Professor fr Rechtsphilosophie, Pandekten und
bayrisches Landrecht in Wrzburg ernannt. Spter kehrte
er nach Erlangen zurck und lehrte hier Kirchenrecht,
Staatsrecht und Rechtsphilosophie. 1840 als Professor der
Rechtsphilosophie, des Staatsrechts und Kirchenrechts nach Berlin
berufen, 1849 von Knig Friedrich Wilhlm IV., %der ihm seine
Gunst zuwandte, zum lebenslnglichen Mitglied der damaligen
Ersten Kammer, des sptern Herrenhauses ernannt, wurde S. der
Hauptwortfhrer der Reaktion und der ritterschaftlichen
Partei, der er bis zu sei$
. 14) die Zusicherung, da diese
frstlichen und grflichen Huser zu dem hohen Adel
Deutschlands gerechnet werden sollten, und da ihnen das
Recht der Ebenbrtigkeit (s. d.) verbleiben solle.
Sptere Bundesbeschlsse sicherten den Frsten das
Prdikat "Durchlaucht" und den Huptern der vormals
reichsstndischen grflichen Familien das Prdikat
"Erlaucht" zu. Auerdem wurden den Mediatisierten folgend
Rechte garantiert: Die unbesch}rnkte Freiheit, ihren
Aufenthalt in jedem zu dem Bund gehrenden oder mit demselben
in Frieden lebenden Staat zu nehmen; ein Vorrecht, welches mit der
nunmehrigen allgemeinen Freizgigkeit gegenstands[os geworden
ist. Ferner sollten die Familienvertrge der S. aufrecht
erhalten werden, indemsden letztern zugleich die Befugnis
zugesichert ward, ber ihre Gter- und
Familienverhltnisse, vorbehaltlich der Genehmigung des
Souverns, gltige Bestimmungen zu treffen. Hierber
sind jetzt die Landesgesetze der einzelnen deutschen Staaten
magebend. Die den S. weiter fr sich und ihre Fam$
durch Eisenbahn mit
Egersund verbunden, ist auf felsigem Boden nach wiederholten
Feuersbrnsten ganz modern aus Holz erbaut, hat eine Domkirche
(im 12. und 13. Jahrh. im alten normnnischen Stil erbaut,
1866 im Innern restauriert), eine LateAnschule, ein kleines Museum,
2 Hfen und (1885) 22,634 Einw., welche vornehmlich Schiffahrt
und Handel mit den Produkten der Fischerei betreiben. Die Stadt
besa 1885: 285 Segelschiffe von 91,851 Ton. und 40
Dampfschiffe von 12,792 T. S. ist Sitz eines deutschen Konsuls. S.,
eine alte, aber erst im 18. Jahrh. wieder emporgekommene Stadt, war
biMs 1685 Bischoffitz.
Stavelot (Stablo), Stadt in der belg. Provinz
Lttich, Arrondissement Verviers, an der Ambleve und der
Staatsbahnlini Gouvy-Pepinster, hat eine hhere Knabenschule,
Gerberei, Wollmanufakturen und (1887) 4452 Einw. - S. war bis 1801
die Hauptstadt des deutschen Reichsfrstentums S., dessen
Oberhaupt der jeweilige gefrstete Abt des 648 vom
austrafishen Knig Sigebert gegrndeten
Benediktinerstifts S. war. Ein Leb$
n etc. Andre Maschinen besitzen als Arbeitsorgan
eine sehr schnell rotierende Scheibe mit feststehenden
Meieln oder mit kleZinen runden Scheiben aus Hartgu
(Kreismeiel), welche bei der schnellen Rotation der Scheibe
gegen den Stein stoen, sich an diesem wlzen und
Stcke bis 25 mm Dicke abtrennen. Auch schwarze Diamanten
werden statt der Meiel angewandt. Die ebenen
Steinflchen werden mit scharfkrnigem Sand und Wasser
mittels hin und her bewegter, auch rotierender, belasteter eiserner
Schleifschalen geschliffen und zuletzt mit Bimsstein (fr
Marmor), Kolkothar (Granit, Syenit), Zinnasche (fr weicheres
Gestein) poliert. Hierbei werden runde Formen (Sulen etc.)
durch eine Drehbank gedreht, whrend die Schleifschalen
dagegen gedrckt werden. In neuerer Zeit benutzt man mehr und
mehr auch Schmirgelscheiben zum Schleifen der S.jVgl. Gottgetreu,
Physischen. chemische Beschaffenheit der Baumaterialien (3. Aufl.s
Berl. 1880, 2 Bde.); Schwartze, Die Steinbearbeitungsmaschinen
(Leipz. 1885).
Steine, knstliche$
chnau - Steinthal.
Schambeine und der Falte des die Blase berziehenden
Bauchfells. ble Umstnde whrend dieser Operaton
und nach derselben sind besonders: Verletzung und heftige
Entzndung des Bauchfells, Infiltration des Harns in das
Zellgewebe, Abscesse, Brand. Ausgefhrt wird derselbe
besonders bei Knaben und bei sehr groen Steinen, die sich
auf den andern Wegen nicht Eherausbefrdern lassen. Der
Seitensteinschnitt, ebenfalls vo^ Franco erfunden und
gegenwrtig am meisten blich, charakterisiert sich im
allgemeinen dadurch, da im Damm ein Einschnitt gemacht wird,
welcher sich von der linken Seite der Naht des Hodensackes gegen
das Sitzbein herzieht, darauf der hutige Teil der
Harnrhre geffnet und der Blasenhals, die Prostata und
selbst ein Teil des Blasenkrpers eingeschnitten werden. Die
Methode des Steinschnitts durch den Mastdarm, von L. Hoffmann
vorgeschlagen, esteht darin, da ein Bistouri durch den
Mastdarm eingefhrt, die vordere Wand des Mastdarms und der
uere Sphinkter des Afters sowie d$
rfrmigen Knochen, den
man in schnelle Umdrehung versetzt, unter Anwendung von Sand und
Wasser durchbohren kann. Auch ein zugespitztes Hirschornstck
oder ein an einem Holzstab angebrachter spitzer Feuerstein, der mit
Hilfe einer an einem Bogen befestigten, sich auf- und abwickelnden
Schnur in schnelle Umdrehung versetzt wurde, fand vielfach
Verwendung. Zur Zerteilung eines groen Steinblocks bediente
man sich einer an einem hin- und herschwingenden Baumast
befestigten Feuersteinsge, mit der man den Block von
verschiedenen Seiten ansgte, whrend diebrigbleibende Verbindung mit dem Meiel durchgesprengt
wurde. Besuonderes Interesse knpft sich an die aus Nephrit und
Jadeit hergestellten Gerte, da die Herkunft des Materials
mehr oder weniger zweifelhaft ist (v,l. Nephrit). Die aus Knochen
und Horn hergestellten Objekte der jngern S. bekunden zum
Teil hervorragende technische Fertigkeit. Aus diesen Materialien
hergestellte Angel-haken, Harpunen und Stechspeere fr den
Fischfang, ferner kncherne Pfrieme, Me$
pzig-Wittenberge, Berlin-Lehrte und S.-Langwedel der
Preuischen Staatsban sowie der Eisenbahn
S.-Tangermnde, 33 m . M., ist die ehemalige Hauptstadt
der Altmark, hat 5 evang. Kirchen (darunter die sptgotische
Domkirche), eine kath. Kirche, eine Synagoge, 2 alte interessante
Stadtthore, schne Anlagen an Stelle der alten Festungswerke,
eine Rolandsule, ein Denkmal des hier gebornen
Archologen Winckelmann (von K. Wichmann), ein
ffentliches Schlachthaus und (1885) mit der Garnison (1 Reg.
Husaren Nr.10) 16,184 meist evang. Einwohner, die Wollspinnerei,
Tuch-, fen-, Maschinen- u. Goldleistenfabrikation,
Kunstgrtnerei, Bierbrauerei etc. betreiben. Auch befindet
sich hier eine Eisenbahnhauptwerkstatt und werden Pferde-, Vieh- u.
Getreidemrkte abgehalte. S. hat ein Landgericht, ein
Hauptsteueramt, ein Gymnasium, ein Johanniterkrankenhaus etc. Zum
Landgerichtsbezirk S. gehren die 16 Amtsgerichte zu Arendsee,
Beetzendorf, Bismark, Gardelegen, Genthin, Jerichow, Kalbe a. M.,
Kltze, bisfelde, sterburg, $
r neuen, der ersten gleichen und am Grund mit ihr
zusammenhngenden Achse, welche in Bezug auf jene den Zweig
oder Ast (ramus) bildet. Bei der normalen Verzweigung des Stengels
bilden sich die Vegetationspunkte der Zweige frhzeitig, schon
in der Nhe der Spitze des Stengels und meist in
regelmiger Stellung. Von dieser Verzweigung, auf
elcher hauptschlich die Architektonik der ganzen Pflanze
beruht, mu man diejenigen Zweige unterscheiden, welche aus
Adventivknospen (s. Knospe) hervorgehen, da diese fern von der
Spitze des Stengels, an ltern Teilen, ohne bestimmte Ordnung
und oft durch zufllige uere Einflsse
veranlat entstehen. Bei jeder normalen Verzweigung treten
die neuen Vegetationspunkte meist in der Achsel der Bltter
auf, und zwar an der Oberflche des Stengels (Fig. 1 k). Daher
ist die Stellung der Zweige von der Blattstellun abhngig und
zeigt dieselbe Regelmigkeit wie diese. Indessen
erzZeugen meist nicht alle Bltter in ihrer Achsel eine Knospe,
und noch weniger oft bilden sich alle an$
ebenen Flche, gewhnlich in stereographischer
oder zentraler Projektton (vgl. Landkarten). Die lteste
bemerkenswerte Sammlung von S. ist Bayers "Uranometria" (Augsb.
1603), 51 Bltter nebst einem Katalog von 1706 Sternen;
gleichfalls aus dem 17. Jahrh. ist Schillers "Coelum stellLtum
christianum" (das. 1627) in 55 Blttern, worin an die Stelle
der alten Sternbilder die Apostel, Propheten und Heiligen gesetzt
waren, sowie Hevels "Firmamentum Sobiescianum" (Danz. 1690), 54
Bltter mit 1900 Sternen. Verdrngt wurden diese AtlanQten
durch Flamsteeds "Atlas coelestis britannicus" (Lond. 1729, 28 Bl.;
kleinere Ausg. von Fortin, Par. 1776, und neu aufgelegt 1796),
welcher 2919 Sterne enthlt und von Bode in Berlin 1782
verbessert in 34 Blttern herausgegeben wurde. 1782 erschien
Bodes "Reprsentation des astres" (Stralsund), auf 34
Blttern gegen 5000 Sterne enthaltend, worauf seine 20
groen Himmelskarten in der "Uranographia" (Berl. 1802; 2.
Aufl., das. 1819) mit 17,240 Sternen folgten. Diese ltern
Karten, au$
 nicht zur Vergtung eines durch den
Zahlenden veranlaten Aufwandes dienen sollen, unterscheiden
sich dieselben von den Gebhren. Bisweilen wird verlangt, die
Besteuerung solle auch als Mittel benutzt werden, um eine fr
die untern Klassen gnstigere Verteilung des Einkommens zu
bewirken (sogen. sozialpolitische Seite der S.). Whrend heute
der Zwang ein Merkmal der Steuerbegriffs bildet, war derselbe dem
letztern frher in Deutschland so fremd, da V. L. v.
Secke!ndorff in seinem "Deutschen Frstenstaat" von 1656 di S.
als "Extraordinar Anlagen" bezeichnete, welche "freywillig und als
guthertzige Beysteuern gereichet, und dahero auch in etlichen Orten
Bethen (nach andrer Schreibweise Beden oder Beeden), das ist
erbetene Enknffte, aderswo auch Hlffen und Praesente
genennet werden". Diese Beden (petitiones, precariae, Heischungen)
wurden in Geld oder Naturalien entrichtet. Ritter und Geistliche
waren davon meist befreit. In auerordentlichen Fllen
wurden sogen. Notbeden gefordert. Auch Stdte zahlten oft
B$
ie Bewilligung reichlicher Subsidien fr die
Unterdrckung der Bewegung ab ud ward hierfr von Karl
I. zum Grafen von S. und Lord-Lieutenant von Irland erhoben. Nach
der Auflsung des Kurzen Parlaments von 1640 kommandierte er
whrend des Kampfes gegen die Schotten die kniglichen
Truppen in Yorkshire. Als dann aber der Knig sich
gentigt sah, das Parlament wieder zu berufen, erhob 11. Nov.
1640 das Haus der Gemeinen gegen ihn die Anklage auf Hochverrat,
weil er dem Knig zum Kriege gegen das Volk und zur
Untergrabung der Grundgesetze des Reichs geraten habe. S.
verteidigte sich sehrgeschickt, und seine Freisprechung bei den
Lords schien gesichert, als das Unterhaus auf Haslerighs Antrag den
Weg des gerichtlichen Verfahrens verlie und durch die Bill
of attainder den verhaten Minister wegen Hochverrats zum Tod
verdammte. Die Lords, vom Volk terrorisiert, traten mit 7 Stimmen
Mehrheit diesem Beschlu bei; als der Knig schwankte,
denselben zu besttigen, beschwor S. ihn in einem
groherzigen Brief, ihn um$
nem
Schlo des Johanniterordens aus dem 13. Jahrh., einer
Dechantei- und 3 andern Kirchen, bedeutender Fabrikation von
Wirkwaren und orientalischen Fes, Bierbrauerei, lebhaftem Handel
und (1880) 5835 Einw. S. ist Geburtsort des Dichters Celakovsky.
Dabei Neu-S. mit 2064 Einw.
Stralau (Stralow), Dorf im preu. Regierungsbezirk
Potsdam, Kreis Niederbrnim, auf einer Halbinsel in der Spree und
an der Berlinr Ringbahn, mit Berlin durch Dampfschffahrt
verbunden, hat eine evang. Kirche, Jutespinnerei und -Weberei,
Teppich-, Anilin-, Margarin-, Palmkernl-, Palmkernmehl-,
Maschinen- und Schwefelkohlenstofffabrikation, Grtnerei,
Fischerei u. (1885) 737 Einw. S. ist ein uraltes Fischerdorf;
alljhrlich findet hier 24. Aug. eins der bekanntesten
Berliner Volksfeste, der "Stralauer Fischzug", statt. Vgl.
Beringuier in "Der Br" 1876.
Stralsund, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks
in der preu. Provinz Pommen und Stadtkreis, bis 1873 auch
Festung, am Strelasund, der Rgen vom Festland scheidet,
Knotenpunkt d$
Truppenfhrung auf dem
Kriegsschauplatz bis zum Schlachtfeld, hier
Stratford - Stratifizieren.
wird sie Taktik. Die S. entwirft den Kiegsplan und wacht
ber dessen Ausfhrung; sie letet die Kriegshandlung
selbst und gibt ihr Richtung und Ziele. Sie bestimmt also im
allgemeinen, wann, wohin und auf welchen Wegen die Truppen
marschieren, wann sie schlagen solle2 etc. Diese Anordnungen
hngen wesentich von den Nachrichten ab, die man ber
den Feind erhlt; der Feldherr mu ferner auer
den materiellen eignen und feindlichen Krften und der
Beschaffenheit des Kriegsschauplatzes auch die Charaktere der
Fhrer, den Zustand und die Stimmung der Heere wie der
Landeseinwohner in Betracht ziehen. Dadurch wird die S. zu einer
schwer auszubenden Kunst. Hauptgrundstze der S. sind:
getrennt marschieren und rechtzeitige Vereinigung zur Schlacht;
keine Zeit verlieren; errungene Erfolge mit allem Nachdruck
benutzen und auch mitten im Siegeslauf an die Mglichkeit
denken, geschlagen zu werden, und deshalb aus Sicherung des
$
Jena 1843).
Strigen (Striges), nach dem Volksglauben der Alten
vogelhnliche Unholdinnen, welche in der Nacht unheimlich
umherschwirren und den Kindern in der Wiege das Blut aussaugen
Strigiceps, s. Weihen.
Strigidae (Eulen), Familie aus der Ordnung der
Raubvgel, s. Eulen, S. 905.
trij (spr. strei), Abraham van, hollnd. Maler,
geb. 1753 zu Dordrecht, malte Genrebilder aus dem huslichen
Leben in der Art von Metsu, aber auch Portrte, Landschaften
und Viehstcke im Geschmack von A. Cuijp. Er stiftete 1774 die
Gesellschaft Pictura in Dordrecht und starb 1826 daslbst. - Sein
Bruder Jacob van S. (1756-1815) schlo sich in Landschaften
und Tierstcken so eng an A.Cuijp an, da seine Bilder
oft mit denen seines Vorbildes verwechselt werden. Es sollen auch
einige derselben zum Zweck der Tuschung mit dem Namen von
Cuijp bezeichnet worden sein.
Strike (engl., spr. steik), s. Strek.
Strikt (lat.), genau, streng, pnktlich.
Striktur - Stringocephalenkalk.
Striktur (lat.), die auf einzelne Stellen
beschrnkte und un$
ol, s. Pol und Magnetismus.
Sdpolarexpeditionen6 s.
Sdpolarlnder.
Sdpolarlnder (antarktische Lnder), alle
diejenigen Lnder und Inseln, welche innerhalb oder in der
Nhe des sdlichen Polarkreises liegen. Manche nehmen das
Vorhandensein eines groen Festlandes oder antarktischen
Kontinents im S. an, andre bezweifeln die Existenz eJnes solchen
und denken an grere oder kleinere Inselgruppen. Was
man bis jetzt entdeckt hat, ist folgendes:
Sdsdstlich von der Sdspitze Amerikas liegen
zwischen 63 1/2 und 65 sdl. Br. Trinity- und Palmerland,
1821 von Powell und Palmer entdeckt; weiter sdlich in der
Breite des Polarkreises das 1832 von Biscoe entdeckte Adelaiden-
und Grahamsland und aus der Ostseite des Trinitylandes das 1838 von
Dumont d'Urville entdeckte Louis-PhilipReland nebst der Insel
Joinville. Von der schon 1599 von Dirk Gerrits gesehenen, aber erst
1819 von W. Smith wirklich entdeckten Inselkette Sdshetland
ist jener Teil ds antarktischen Landes durch die
Bransfieldstrae geschieden. Sdwestl$
1871).
Surrogat (lat.), Ersatzmittel, besonders fr einen
Rohstoff oder ein Fabrikat, welches meist der Wohlfeilheit halber
Anwendung findet und mglichst annhernd die
Eigenschaften der Substanz besitzen soll, welche es zu ersetzen
bestFmmt ist. Hufig ist die Anwendung von Surrogaten durch
die Verhltnisse geboten, weil der ursprnglich
angewandte Rohstoff zu teuer geworden oder berhaupt nicht in
gengender Quantitt zu beschaffen ist (Anwendung von
Esparto, Holzstoff etc. statt Hadern in der Papierfabrikation),
Sursee - Susdal.
in der Regel aber bedeutet die Anwendung von Surrogaten eine
Verminderung der Qualitt des Fabrikats (wie in dem
angefhrten Beispiel Surrogierung der Hadern durch Thon,
Schwerspat etc., der Wolle durch Kunstwole, des Malzes durch
Strkezucker, Glycerin) und oft geradezu eine Flschung.
Insofern aber Surrogate immer Ersatzmittel sind, drfen sie
doch nicht mit den Flschungsmitteln verwechselt werden.
Gefrbte Steinchen in Kleesaat sind kein S. der Kleesaat, denn
sie sind vllig $
seines Faches (Budap. 1877)
verffentlicht.
Szkely-Keresztur (spr. ssk-, auch
Szitas-Keresztur), Markt im ungar. Komitat Udvarhely
(Siebenbrgen), an der Ungarischen Staatsbahnlinie
Schburg-Szkely-Udvarhely, mit (1881) 2968
ungarischen und rumn. Einwohnern,
Staatslehrerprparandie, unitar. Gymnasium und Fabrikation von
Szkely-Udvarhely (spr.
sshkelj-ddwarhelj), Stadt, Sitz des ungar. KoUmitats
Udvarhely (Siebenbrgen), am Groen
Kkll und an der Ungarischen Staatsbahnlinie
Schburg-S., mit 2 Kirchen, Burgruine,
Franziskanerkloster und (1881) 5003 ungarischen und rumn.
rEinwohnern, die zumeist Tabaksbau, Bienenzucht und verschiedene
Gewerbe betreiben. S. hat ein kath. Gymnasium, ein reform.
Kollegium, eine Staatsoberrealschule und einen Gerichtshof. In der
Nhe das Bad Szejke, mit alkalisch-muriatischer
Schwefelquelle.
Szkler (spr. ssk-, ungar.
Szkely), ungar. Volksstamm, welcher die stlichen und
nordstlichen G;genden Siebenbrgens bewohnt und den
Urtypus des Magyarentums am treuesten bewahr$
Ausdrcke "ber" und
"unterTage".
Tagal, Stadt, s. Tegal.
Tagala (Tekela), Berglandschaft im sdlichen
Kordofan, vom Sirga durchflossen.
Taglen, Volk, s. Philippinen, S. 1004.
Taganai, ein Berg des sdlichen Urals, im russ.
Gouvernement Ufa, Kreis Slatoust, 1203 m hoch, berhmt durch
seine Aventurine.
Taganrog, Hafenstadt im russ. Gouvernement
Jekaterinoslaw, am nordstlichen Ufer des Asowsc?hen Meers, auf
einer Landzunge, 30 km westlich von der Mndung des Don, an
der Eisenbahn Charkow-Rostow gelegen, hat 11 Kirchen (darunter 10
giechisch-russisnche), eine Synagoge, ein griechisches Kloster
(Jerusalemkloster), ein kleines kaiserliches Palais, in welchem
Alexander I. 1825 starb, ein Denkmal des
Tagblindheit - Tagewhlerei.
genannten Kaisers (1831 errichtet), 2 Gymnasien (eins fr
Knaben und eins fr Mchen), ein Theater, eine
Brse und (1885) 56,047 Einw. (sehr viele Griechen und Juden,
aber auch Armenier, Italiener und Deutsche). T. ist einer der
wichtigsten Handelsplatze Sdrulands. Die weite Reede
ist fl$
 den 150 km langen
Truckeeflu in den Pyramid Lake ab.
Tahfil-dar, trk. Steuerbeamter, welcher den
Steuerpachtern beigegeben wird.
Taifun, Wirbelsturm, s. Teifun.
Taikun, f. Shogun.
Taillandier (spr. tajangdjeh), Saint-Re5
(eigentlich Ren Gaspard Ernest), franz. Schriftsteller,
geb. 16. Dez. 1817 zu Paris, studierte daselbst und in Heidelberg
die Rechte, daneben Philosophie und schne Litteratur, ward
1841 Professor der Litteratur zu Straburg , 1843 zu
Montpellier und erhielt 1863 an Saint-Marc Girardins Stelle den
Lehrstuhlder franzsischen Poesie an der Sorbonne. 1870-72
fungierte erhals Generalsekretr des Erziehungsministers; 1873
wurde er zumMitglied der Akademie ernannt. Er starb 24. Febr.
1879. T. hat sich mit besonderm Erfolg der Aufgabe gewidmet, seine
Landsleute mit der Geschichte und den litterarischen Arbeiten der
Deutschen bekannt zu machen. Wir nennen von seinen Werken: "Scot
rigne et la philosophie scholastique" (1843, 2.
Aufl. 1877); "Histoire de la jeune Allemagne" (1849) und
"tudes s$
i
Tannenfalk, s. v. w. Wanderfalk, s. Falken, S. 9.
Tannenfichte, s. v. w. Weimutskiefer.
Tnnengebirge, ein Gebirgsstock der
Salzkammergutalpen, vom Salzachthal zwischen Golling und Wefen
stlich gegen die Dachsteingruppe sich hinziehend, im Raucheck
2428 m hoch, verengert mit dem gegenberliegenden
Haagengebirge das Salzachthal zu enger Schlucht (Pa
Tannenhher (Nucifraga Briss.), Gattung aus der
Ordnung der Sperlingsvgel, der Familie der Raben (Corvidae)
und der Unterfamilie der eigentlichen Raben (Corvinae),
krftig gebaute Vgel mi langem,starkem, sanft nach der
Spitze zu abfallendem Schnabel, mittellangen, stumpfen
Flgeln, in welchen die vierte und fnfte Schwinge am
lngsten sind, mittellangem, gerundetem Schwanz und starken
Fen mit krftigen Ngeln an den mittellangen
Zehen. Der T. (Nuknacker, Berg-, Birkenhher, N.
caryocatactes Briss.), 36 cm lang, 59 cm breit, ist dunkelbraun,
wei gefleckt. nur auf Scheitel und Nacken ungefleckt,
Schwingen und Schwanzfedern sind schwarz, letztere an der Spi$
en"
(Leipz. 1882); auch bearbeitete er die Insekten fr Brehms
"Tierleben (2. Aufl. 1877) und lieferte einige Wand.-tafeln
fr den Schulgebrauch. - Sein Sohn Otto, geb. 28. Mrz
1854, auerordentlicher Professor an der Universitt
Halle, schrieb: "Die Flhe" (Halle 1880); "Die Mallophagen"
(das. 1882), "Die Lehre von der Urzeugung" (das. 1882), "Die
Verwandlungen der Tiere" (Leipz. 1882), "Bilder aus dem Tierleben"
(das. 885) und bearbeitete eine eue Folge der "Bibliotheca
zoologica, 1861-80" (das. 1886 ff.) u. a.
Taschenbcher, jhrlich erscheinende
Bcher in kleinem Format, welche frher einen Kalender,
genealogische Nachrichten und allerlei gemeinntzige
Mitteilungen enthielten, nach und nach aber immer mehr
belletristischen, besonders novellistischen, Inhalt aufnahmen und
sich endlich mit wenigen Ausnahmen auf letztern allein
beschrnkten, als charakteristisches Merkmal aber fast
smtlich eine Zugabe an Kupferstichen (von DChodowiecki zuerst
aufgebracht) enthielten. Erwhnung verdienen namentlich das
View$
 mit Asche, 1abaksstaub, des Gefieders mit
persischem Insektenpulver, Einreiben mit verdnntem
Anisl. Der Nutzen der wirtschaftlichen Tauenrassen wiegt den
Schaden bewdeutend auf. Junge und Alte liefern eine gesunde,
leichtverdauliche Speise fr Kranke und Genesende und bilden
im Sommer oft die einzige Fleischkost auf dem Land oder einen
eintrglichen Marktartikel. Die Gewinnung des Dngers,
dessen Wert fr Garten- und Feldbau man hher
schtzen gelernt hat, ist im Orient einziger Zweck der
Taubenhaltung (rings um Ispahan zhlt man ber 3000
Taubentrme). Franzosen und Italiener ziehen ihn zu
grtnerischen Zwecken dem Guano vor. Den angeblichen Schaden
an Smereien, gerade zur Saatzeit, hat man auf Grund
genauester Untersuchungen (Snell hat jahrelang Krner und
Vogelwickensamen in Kropf und Magen gezhlt [in einer jungen
Taube 3582], die T. auf seine cker gelockt und die besten
Getreideernten erhalten) als groen Vorteil erkannt. de Vitey
und Befroy erachten die Zerstrung der gegen 50,000
Taubentrme in F$
rs an ihrer Nordseite, finden sich
schne Grten. Im Winter, wo der Hof in T.ist,
betrgt die Zahl der Einwohner gegen 200,000 (nach andern nur
120,000), fast lauter Schiiten, von denen im Sommer wegen der
unertrglichen Hitze ein groer Teil (darunter auch die
europischen Gesandtschaften) nach der am Fu des Elburz
gelegenen gesndern Landsihaft Schemiran bersiedelt. Die
Stadt ist fr den europischen Verkehr, der vornehmlich
auf der Strae von Poti ber Tiflis, Eriwan, Tebriz und
Kazwin hierher stattfindet, wie als Sitz des Hofs, der Groen
des Reichs und der femden Gesandten von Wichtigkeit. Durch
Neuanlage vieler unterirdischer Wasserleitungen hat sich die
frher steppenartige Umgegend neuerdings in bebautes Land
umgewandelt mit zahlreichen Ansiedelungen, Drfern und
Palsten. In der Nhe von T. liegen unter andern die
kniglichen Lustschsser Negristan mit schnen
Grten, Kasr Kadschar, ein khner, von Feth Ali
ausgefhrter terrassenfrmiger Bau, und Niaveran im N.;
sdlich die Trmmer des alten Rhag$
efhr
senkrecht zur allgemeinen Erstreckung des Gebirgskammes
(Querthler, T. erster Ordnung), oder es laufen die T. etwa
parallel zu dem Hauptkamm des Gebirges (Lngsthler, T.
zweiter Ordnung). T., deren allgemeine Erstreckung eine zwischen
diesen beiden vermittelnde Richtung einhlt, hat man
Diagonalthler genannt. - En bei der Bildung der T. nie ganz
fehlendes, mitunter alleinwirkendes Agens ist der erodierende
Einflu des strmenden Wassers. Denkt man sich einen
zunchst vollkommen unverritzten Bergabhang, an welchem Wasser
herabstrmt, so wird im Anfang dort das Wasser am energischten
angreifen, wo die einzelnen dnnen Wasserstrnge zu einem
mchtigern Bergstrom zusammentreten. Bei fortgesetzter
Thtnigkeit wird sich bald ein oberer und unterer Teil des
Wasserlaufs unterscheiden lassen. Im obern, dem Berggebiet,
schumt der Bergstrom auf stark geneigter Thalsohle ahin,
zertrmmert das ihm entgegenstehende Gesteinsmaterial und
fhrt es hinweg. In dem untern Teil, dem Thalgebiet, wird der
in weniger gene$

besteht aus Feldspat mit Zusatz von Kreide, Gips, Quarz.
hnliche Zusammensetzung hat die Glasur. Die Masse wird in
Einer Operation gar gebrannt. Unglasiet zeigt die gebrannte Masse
ein mattes Aussehen und heit Statuenporzellan oder
2) Frittenporzellan, weiches Porzellan, Glasporzellan, aus
leichtflssigerer Masse als englisches und franzsisches
fabriziert. Jenes besteht aus Kaolin und sich wei brennendem
Thon mit Flumitteln (Feuerstein, Cornish stone, Gips oder
Knochenasche). Masse und Glasur werden in zwei Operationen
gebrannt, zuerst die Masse, dann die Glasur. Das franzsische
Porzellan ist ein glasartiges, unvollstndig geschmolzenes
Alkali-Erdsilikat ohne Thonzusatz mit bleihaltiger Glasur. Aus
einer Masse, hnlich der
Thonwarenfabrikation.
Fig. 1. Tpferscheibe, durch Maschinenkraft gedreht.
Fig. 2.5Doppelofen fr Holzkohlenfeuerung.
Fig. 3. Thomas Steinkohlenofen.
Fig. 4. Grundri von Mendheims Gasofen.
Fig. 5. Querschnitt von Mendheims Gasofen.
Fig. 6. Lngsschnitt von Mendheims Gasofen.
Zum A$
te etc. Es wird aus einem plastischen,
mehr oder weniger gefrbten, ohne Zusaz von Flumitteln
stark frittenden Thon, bisweilen unter Zusatz von Sand oder
gemahlenen Steingutfarben hergestellt und ist meist grau, gelblich,
rtlich oder blulich. Der Thon wird nur eingesumpft, auf
der Thonknetmhle bearbeitet, auf Haufen gebracht, in
dnnen Spnen abgestochen und wieder geknetet. Das
Brennen geschieht in liegenden gewlbten fen mit meist
ansteigender Sohle oder in Kasseler Flammfen. Befindet sich
die eingesetzte Ware in hchster Glut, so wird durch die
ffnungen des Gewlbes Kochsalz eingeworfen. De
Kieselsure der Ware zersetzt bei Gegenwart von
Wasserdmpfen das Kochsalz unter Bildung von Salzsure
und Natron, mit welch letzterm sie kieselsaures Natron bildet, ds
mit der Thonerde auf der Oberflche der Geschirre zu einer
Glasur von kieselsaurem Thonerde-Natron zusammenschmilzt.
Die Fayence hat ihren Namen von der Stadt Faenza in Italien, sie
ist in der Masse dicht, erdig, nicht durchscheinend, klebt an d$
alenten und
Kenntnissen sowie an Edelmut des Charakters, wurde sehr jung
Parlamentsrat, Requetenmeister, auch Gromeister der
kniglichen Bibliothek und spter Staatsrat, aber als
Mitwisser der Verschwrung des Cinq-Mars (s. d.) 12. Sept.
1642 in Lyon enthauptet.
Thouars (spr. tur), Stadt im franz. Departement
Deux-Svres, Arrondisement Bressuire, rechts am Thouet,
ber den drei Brcken fhren, Knotenpunkt
Thouars - Thrakische Chersones.
der Eisenbahnen Tours-Bressuire und Saumur-Niort, hat ein
Felsenschlo mit schnr Kapelle, Reste von
Befestigungswerken, Weberei, Gerberei, HandAel mit Getreide, Pferden
etc und (1881) 3535 Einw.
Thouars, auch P. Th., bei botan. Namen fr L. M. A.
du Petit-Thouars, geb. 1756 auf Schlo Boumois in Anjou,
bereiste die Maskarenen und Madagaskar, gest. 1831 in Paris. Flora
der sdafrikanischen Inseln; Obstbume.
Thourout (spr. turuh), Stadt in der belg. Provinz
Westflandern, Arrondissement Brgge, Knotenpunkt der
Staatsbahnlinie Ostende-Ypern und der Linie Brgge-Courtrai,
hat $
gestaltet. 2) Durch
Leitung, und zwar leitet der Krer Wrme a) an
kltere Gegenstnde, die seine Oberflche
berhren, Luft, Kleidung etc.; b) an die in die Lungen
gelangende Luft; c) an die in den Vedauungsapparat gelangenden
Substanzen; d) an das in den Lungen und an der
Krperoberflche verdunstende Wasser. Um zu einer
ungefhren Vorstellung von der Verteilung der Wrmeabgabe
auf die verschiedenen Posten zu gelangen, sei angegeben, da
Helmholtz den durch Erwrmung der Nahrung entstandenen Verlust
auf 2,6 Proz., den Verlust durch Erwrmung der Atmungsluft auf
5,2, denjenigen durch Wasserverdunstung auf 14,7 Proz.
schtzt, whrend er den ganzen Rest durch die
Krperoberflche zur Verausgabung gelangen
Da sowohl Wrmebildung als Wrmeababe groen
Schwankungen ausgesetzt ist, die Eigenwrme aber stets
konstnt bleibt, so mu der Organismus ber
Vorrichtungen verfgen, welche seine Temperatur regulieren.
Bei der Betrachtung dieser regulatorischen Einrichtungen haben wir
zu unterscheiden zwischen solchen, welch$
. darf jedoch nicht in bertrie6bene
Sentimentalitt ausarten, die fr zuweilen unvermeidliche
Leiden der Tiere Ausdrcke des tiefsten Bedauerns !findet und
alles mgliche aufbietet, vermeintliche Tierqulereien
abzustellen, whrend sie fr Leiden der Menschen weniger
empfindlich ist. Insbesondere kann der (bei Verleihung von
Medaillen etc.) bertriebene Diensteifer niederer
Polizeiorgane, in vielen an und fr sich unschuldigen
Handlungen Tierqulereien zu erblicken, zuweilen unangenehm
werden und zu lstigen Plackereien fhren. Im weitern
Sinn erstreckt sich der T. auch auf die Verhinderung der Ausrottung
oder der zu starken Verminderung gewisser Arten von Tieren,
besonders ntzlicher Vogelarten, der Fische etc., zu welchem
Zweck besondere Polizeivorschriften zu erlassen sind. Dm T.
gewidmete Zeitschriften erscheinen gegenwrig in Berlin
("Ibis", seit 1872), Darmstadt (seit 1874), Stuttgart (seit 1875),
Kln (seit 1877), Guben (seit 1881), Riga (seit 1885), Aarau
(seit 1887).
Tiers-consolid (franz., spr.
t$
t sich z. B. als eine ntzliche Schrecklhmung (s.
Kataplexie), die Selbstamputation der Seesterne, Krebse, Spinnen
und Eidechsen, die man frher als Ausflu eines starken
und heroischen Willens ansah, als bloer unbewuter
Reflexakt erwiesen, anderseits haben aber viele Beobachtungen, z.
B. diejenigen Preyers an gefesselten Seesternen, gezeigt, da
die Fhigkeit, sich in neuen und schwierigen Lagen
zweckmig zu benehmen, selbst bei niedern Tieren nicht
gering ist. Ebenso ist das Gedchtnis frh entwickelt,
und sebst kopflose Tiere, wie die Muscheln, lernen schnell
Gefahren vermeiden, wie die Messerscheide (Solen), die sich nach
Forbes nur einmal durch aufgestreutes Salz aus ihrer Sandrhre
hervorlocken lt, nicht aber zum zweitenmal. Neuere im
Sinn der Entwicklungslehre angestellte Untersuchungen haben
wahrsIcheinlich gemacht, da bei den niedern Tieren nur die
chemischen Sinne (Geruch und Geschmack) neben dem krperlichen
Gefhlssinn feiner entwickelt sind, und dadie
hhern Sinne (Gehr und Gesicht) e$
g
Theimuras wiederum einsetzte. Dessen Sohn Irakli (Heraklius) hob
die Stadt zu hoher Blte; aber 1795 vertrieb der Perser Aga
Mohammed Chan Irakli, legte die Stadt abermals in Asche und
schleppte 30,000 Menschen in die Sklaverei. Im November 1799 nahm
der russische Generalmajor Lasarus von der Stadt Besitz. 1801 wurde
Grusien zu einem russischen Gouvernement und T. zur
Gouvernementsstadt erhoben.
Tigellinus, Sophonius, aus Agrigent gebrtig,
niedern Standes, ward 39 n. Chr. von Caligula wegen unerlaubten
Umgangs mit Agrippina und Julia verbannt, von Claudius
zurckgerufen, erwarb sich durch die Zucht von Pferden
fr Wettkmpfe das Wohlwollen Neros, an dessen Lastern
und Ausschweifungen er teilnahm, und den er zu den
grten Grausamkeiten antrieb, wurde nach Burrus' Tod 62GPraefectus praetorio, diente Nero namentlich be seiner grausamen
Verfolgung der Teilnehmer an der Pisonischen Verschwrung,
verriet Nero, als Galba sich gegen denselben erhob, rettete unter
Galba sein Leben durch die Gunst des Vinius, war$
eine Strandlagune hin, welche in der Lagune T.
sichnach N. erweitert, jedoch in weit geringerm Ma, als die
Englnder, welche sie Avonlagune nennen, frher angaben.
In die Lagune mndet von N. her der Hahoflu. Das
sogleich zu Hgeln von 40-60 m Hohe aufsteigende Land ist
auerordentlich reich an lpalmen und andern
Fruchtbumen; nur der kleinste Teil des Landes ist angebaut
mit Kassawen, Mais, Bataten, Ananas u. a., das brige ist mit
Rohr, hohem Gras und Buschdickicht, aus dem einzelne Bume
hervorragen, bestanden. Vierfige Tiere sind
auer Affen selten; vereinzelt gibt es Leoparden, dagegen ist
die Vogelwelt berreich, und die Lagunen sind voll von
Fischen. Die Bevlkerung, etwa 40,000 Kpfe und durchweg
Neger, beschftigt sich an der Kste fast
ausschlielich mit Handel; weiter nach dem Innern zu fertigt
ma kunstreiche Gefe, Leder und Zeuge. Die aus Binsen
geflochtenen Htten sind rund oder viereckig, in jedem Ort
aber gleichfrmig gebaut und, wie Straen und
Pltze, sehr rein gehalten. Jedes Dorf $
Haydn, Mozart, Beethoven,
Weber, Schubert, Spohr u. a., die T. mit Vorliebe gepflegt haben.
Jenen gegenber stehen diejenigen, welche der Tonkunst
geradezu einen begrifflich erklrbaren Inhalt zu vindzzieren
und zu diesem Behuf die Ausdrucksfhigkeit derselben extensiv
und intensiv zu vervollkommnen streben, als die entschiedensten
Anhnger der T.; nur vrfallen diese wieder in ein
gefhrliches Extrem, indem sie in Komposition und Kritik einer
realistischen Richtung huldigen, die nur in Ausnahmefllen mit
Tonna - Tonsur.
Tonkunst ein ersprieliches Bndnis einzugehen
vermag. Die Musik kann allerdings der realen Auenwelt
angehrige Dinge nicht in jener konkreten Weise schildern wie
Dichtkunst und bildende Kunst. Dagegen vermag sie gerade nach jener
Seite hin, wo die beiden genannten Knste ihrer Natur nach
mehr oder minder lckenhaft bleiben, nicht nur ergnzend
aufzutreten, wie in der VokalmuPik und im Drama, sondern auch als
unabhngige Kunst in den Formen der reinen Instrumentalmusik
die Vorgnge des inner$
en), die gelbroten und die
dunkel gelbbraunen, sind Edelsteine zweiten Ranges. In Brasilien
sollen jhrlich gegen 900 kg gewonnen werden. Die gelbroten
glht man vorsichtig in geschlossenen Gefen,
wodurch sie lichtrot (gebrannte Topase, brasilische Rubine) werden
und im Preis bedeutend steigen. Die lichtblulichen und
grnlichen Varietten gehen als Aquamarin. Sonstige
Handelsnamen sind den Fundorten entlehnt, da dieselben meist
charakteristische Farbenvarietten liefern. So wird der
bluliche sibirischer oder taurischer T., dert goldgelbe
brasilischer T., der safrangelbe indischer T., der bla
weingelbe schsischer T. oder Schneckentopas (vom
Schneckenstein) und, wenn er eine grnliche Farbe hat, wohl
auch schsischer Chrysolith genannt. Orientalischer T. ist
brunlichgelber Korund, bhmischer T. Citrin, die gelb
gefrbte Variett des Bergkristalls zu welchem auch die
grauwolkigen Rauchtopase gehren. Gelblicher Fluspat
fhrt ebenfalls den Namen T. Mit dem T. der Alten ist unser
Mineral wahrscheinlich nc$
 Stadt in der schs. Kreishauptmannschaft
Leipzig, Amtshauptmannschaft Grimma, Knotenpunkt der Linien
Glauchau-Wurzen und Dbeln-Wermsdorf der Schsischen
Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, einSchlo,
Porphyrbrche und (1885) 1122 evang. Einwohner. Dabei der 220
m hohe Kohlenberg mit Aussichtsturm.
Trebur, Flecken in der hess. Provinz Starkenburg, Kreis
Grogerau, unweit des Rheins, hat eine evang. Kirche,
bedeutende Ksefabrikation und (1885) 1826 Einw. - T.
(ursprnglich Tribur) war schon zu Karls d. Gr. Zeit eine
knigliche Pfalz, kam spter unter die Vogtei der Herren
von Mnzenberg, ward 1246 von Wilhelm von Holland an den
Grafen Diether III. von Katzenelnbogen verpfndet und mit dem
grten Teil seines Gebiets von Rudolfvon Habsburg dem
Grafen Eberhard von Katzenelnbogen verliehen. Den Rest der
Besitzungen, welcher bisher den H(rren von Falkenstein gehrt
hatte, erwarb Graf Johann 142. T. war in der Zeit der Karolinger
und der salischen Kaiser hufig itz von Reichstagen; am
bekanntesten sind die von 10$
 Militrspital, das Irrenhaus, die Findelanstalt,
das Hauptarmeninstitut (mit 600 Betten fr Pfrndner und
arme Kinder), eine Verpflegungs- und Arbeitsanstalt fr
verwahrloste Kinder u. a. Das Seelazarett befindet sich
auerhalb der Stadt in dem sdlich bei Muggia gelegenen
Valle San Bartolommeo. An Unterrichtsanstalten besitzt die Stadt:
eine Handels- und nautische Akademie und eine Handelshochschule
(Stiftung Revoltella), 2 Obergymnasien und 2 Oberrealschulen (je
eine staatliche deutsche und eine stdtische italienische
Anstalt), eine Staatsgewerbeschule, 2 gewerbliche Zeichenschulen,
eine Hebammenlehranstalt, eine zoologisch-zootomische
bungsstation, ein stdtisches Mdchenlyceum,
endlich 4 Brger-, 35 ffentliche ud 19
Privatvolksschulen. An Museen und andern Sammlungen befinden sich
in T.: ein naturhistorisches Museum (Ferdinando-Massimiliano),
welches unter anderm eine Fauna des Adriatischen Meers
enthlt; ein s>tdtisches Museum mit Altertmern,
insbesondere aus Aquileja, das Museo lapidario, gleich$
; franz. Tambour, Caisse;
engl. Drum), bekanntes Schlaginstrument, bestehend aus einem aus
Holzdauben gefgten oder blechernen Cylinder (dem sogen.
Sarg), der auf beiden offenen Enden mit einem Kalbfell bespannt
ist, das durch Holzreifen festgehalten wird. Die Holzreifen sind
durch eine im Zickzack gespannte Schnur miteinander verbunden,
durch deren schr	feres Anziehen vermittelst Schlingen, welche
ber je zwei Schnurstcke geschoben sind, der Ton der T.
heller gemacht werden kann. Auf dem einen Fell der T. wird mit
Klppeln (Trommelstcken, bei der groen T. mit
einem lederbezogenen Schlgel) geschlagen, ber das andre
Fell ist eine Darmsaite (die Sangsaite) straff gezogen. Wird nun
die eine Membran in Schwingung versetzt, so tnt die andre mit
und zwar vermge der immer erneuten Berhrung mit der
Darmsaite stark schnarrend; ohne die@Schnarrsaie ist der Ton kurz
und dumpf. Die T. wird nicht abgestimmt und daher wie die
brigen Schlaginstrumente auer der Pauke nur dem
Rhythmus nach noiert. Der Trommelwirbe$
 (franz., spr. -toahr, von trotter, traben), der
Fuweg zur Seite der stdtischen Straen, liegt
meist etwas hher als das Straenpflaster, ist gegen
dieses durch grere Pflastersteine, besser durch
Bordschwellen aus Granit, Zementgu etc. abgegrenzt und
besitzt nach der Strae ein schwaches Gefalle. Das T. wird
mit kleinen Steinen (Mosaikpflaster), Klinkern oder sorgfltig
behauenen Steinen gepflastert, hufiger und besser mit
Steinplatten oder Asphalt belegt. Derartige Steige wurden bereits
in Pompeji angetroffen, und im Mittelalter legte man den
Brgersteig in die Mitte der Strae.
Trotzendorf, s. Friedland, Valentin.
Trotzkopf, s. Klopfkfer.
Troubadour (spr. trubaduhr), s. Provenalische
Trousseau (franz., spr. trussoh), Schlsselbund;
dann Aussteuer, Ausstattung einer Braut, insbesondere die von
Prinzessinnen.
Trouvre (spr. truwhr), in der nordfranz.
Litteratur des Mittelalters die Dicher und Erfinder von
Gesngen, die beim Vortrag derselben von den Weisen der
Jongleure (s. d.) begleitet wurden. $
tzig gelben Schildchen,
gelblichweiem Hinterleib mit dunkelbraunen Wurzelbinden auf
den vier letzten Ringen, welche nur je einen dreieckigen
Mittelfleck von der Grundfarbe freilassen gelblichweien
Beinen und angerucherten Flgeln. Die T. findet sich im
heien Afrika, wo ihre Verbreitung von noch nicht hinreichend
bekannten Verhltnissen, z. B. dem Vorkommen des Bffels,
des Elefanten, des Lwen, abhngig zu sein scheint. Sie
nhrt sich vom Blute des Menschen und warmbltiger Tiere
und verfogt ihre Opfer besonders an gewitterschwlen Tagen
mit der grten Hartnckigkeit, sticht aber nur"am
Tag. Dem Menschen und den Tieren des Waldes, Ziegen, Eseln und
sugenden Klbern bringt der Bi keinen Schaden;
andre Haustiere aber erliegen dem Anfall selbst sehr weniger
Fliegen nach krzerer oder lngerer Zeit, meist kurz vor
Eintritt der Regenzeit, so sicher, da die als "Fliegenland"
bekannten Gegenden ngstlich gemieden und mit Weidevieh
hchstens nachts durchzogen werden. An den gebissenen Tieren
verschwellen zu$
e Reich,sterreich,
Frankreich, Grobritannien etc. ihre Postmter in
Konstantinopel und einigen andern Hafenstdten beibehalten.
Eisenbahnbauten sind in der europischen Trkei erst in
neuerer Zeit in Angriff genommen worden; bis jetzt sind
einschlielich Ostrumeliens 1170 km im Betrieb (in der
asiatischen Trkei 660 km); die sehr wichtigen Verbindungen
der Bahnen Saloniki-Mitrowitza und Konstantinopel-Sarambei sind
1888 erffnet worden. Das Telegraphennetz ist (wohl im
Interesse der Regierung) ziemlich ausgedehnt, selbst ber
abgelegene und menschenarme Provinzen. Es existieren 233 (im ganzen
Reich 683) Telegraphenbreaus. Die bedutendsten Orte der
europischen Trkei sind: Konstantinopel, Adrianopel,
Gallipoli, Saloniki, Janina, Skodra, Prisrend, Prischtina und
Monastir. Mnzeinheit ist der Piaster (zu 40 Para), deren 100
auf die trkische Lira (= 181/2 Mk.) gehen sollen. Da
aber Gold Agio geniet, so ist der Paster weniger wert
(16-17 Pf.). Es kursieren Goldstcke zu 500, 250, 100, 50 und
25 Piaster, Si$
Pforte
eine liberale Reprsentativverfassung eingefhrt
htten. Um den Russen keinen Vorwand zu einer Besetzung der
Donaufrstentmer zu geben, gab die Pforte die Liberalen
preis; dennoch erfolgte die Besetzung. Die Hofnungen, welche man
in Konstantinopel fr eine Wiederherstellung der frhern
Herrschaft an der Donau auf die ungarische Insurrektion von 1849
gesetzt hatte, wurden durch die Kapitulation von Vilagos (13. Aug.
1849) vernichtet. Doch hatte die Pforte wenigstens den Mut,
untersttzt durch eine vor den Dardanellen erscheinende
englische Flotte, die Auslieferung der ungarischen Flchtlinge
zu verweigern. Ruland und sterreich wichen damals
zurck, lieen aber bald nachher die Pforteihren Zorn
empfinden. Als die franzsiscEhe Republik im Herbst 1850 in
Konstantinopel eine Reklamation wegen der heiligen Sttten in
Palstina erhob und die Pforte dieselbe nicht ganz ablehnte,
sondern wenigstens die Mitbenutzung einer Kirchenthr in
Bethlehem den Katholiken zugestand, erklrte Kaiser Nikolaus
sofort, da$
e
erste Stelle ein. Ackerbau ist nur bei knstlicher
Bewsserung mglich. Dieselbe wird durch Aksakali
(Beamte) geleitet. Die erste Arbeit im Frhjahr ist die
Reinigung der Kanle; dann wird das Land gepflgt,
gedngt, bewssert undgeeggt. Eine mittlere Ernte gibt
20, im Samarkander Distrikt von Weizen 25 Korn. Nach der Ernte von
Winterweizen und Gerste set man noch n demselben Jahr Hirse,
Sesam, Linsen, Mohrrben, seltener Mohn. Auf dem
grten Teil des zur Sommerernte bestimmten Bodens wird
Reis und Dschugara gebaut; dann folgt Baumwolle; Luzerne ist das
wichtigste Futterkraut; Krapp, Lein, Tabak werden nur noch in
unbedeutender Menge kultiviert, haben aber eine gute Zuunft,
ebenso wie der Weinbau; von Gartenfrchten sind besonders
hervorzheben: Melonen, Arbusen, Gurken, Krbisse; unsre
Gemse geben einen reichen Ertrag. Die Baumwolle, allerdings
von keiner guten Qualltt, hat fr T. doch eine
groe Bedeutung: 1867 wurde bereits fr ber 5
Mill. Rubel nach Ruland ausgefhrt. Der Seidenbau
spielt ebenso e$
. Aufl. 1887; deutsch, 3. Aufl., Braunschw. 1875); "Forms
of water in clouds and rivers, ice and glaciers" (6. Aufl. 1876;
deutsch, 2. Aufl., das. 1878); "On diamagnetism" (1856 u. 1870,
neue Ausg. 1888); "On radiation" (1865); "Hours of exercise in the
alps" (1871; deutsch, Braunschw. 1875); "Contributions to molecular
physics" (1872); "Notes on electricity" (1870) und "Lectures on
electricity" (1870; beide deutsch, Wien 1884); "Natural philosophy
in easy lessons" (1869); "Faraday as a discoverer" (4. Aufl. 1884;
deutsch, Braunschw. 1870) und den Vortrag ber den
Materialismus in England (deutsch, Berl. 1875).
Tyndareos, mythischer Knig von Sparta, floh, von
seinem Halbbruder Hippokoon vertrieben, nach tolien zu
Thestios, dem er i Kriege gegen seine Nachbarn beistand, und mit
dessen Tochter Leda (s. d.) ersich vermhlte. Herakles setzte
ihn wieder in die Herrschaft von Sparta ein. Leda gebar ihm die
Klytmnestra und den Kastor, dem Zeu die Helena und den
Polydeukes. Als Kastor uno Polydeutes (die Tyndari$
Jahr einem Ruf nach Gotha, wo er zunchst Inspektor
am Gymnasium, dann Bibliothekar an der herzoRglichen Bibliothek
wurde. Er starb 18. Mai 1851. Auer bersetzunge
historischer und geographischer Werke verffentlichte er:
"Geographie der Griechen und Rmer" (Weim. 1816-46, 3 Bde.),
gab mit Heeren eit 1828 die "Geschichte der europischen
Staaten", mit Jacobs 1834 die "Merkwrdigkeiten der
hezoglichen Bibliothek zu Gotha" (Leipz. 1835-38, 3 Bde.) heraus
und schrieb: "ber Dmonen, Heroen und Genien" (das.
Ukleisee, kleiner, sagenreicher, vielbesuchter See im
oldenburg. Frstentum Lbeck, 5 km nrdlich von
Eutin, 26 m . M. An seinen von niedrigen, schn
bewaldeten Hgeln umgebenen Ufern ein Wirtshaus.
Ukraine ("Grenzgebiet"), zur Zeit des alten polnischen
Reichs Benennung der uersten sdstlichen
Grenzlande desselben, spter eines ausgedehnten Landstrichs an
beiden Ufern des mittlern Dnjepr mit
Ula - Uleaborg.
Einschlu der Sitze der Kosaken, welcher jetzt den
grten Teil Kleinrulands (s. d.) ausmacht. D$
er der Norischen und Karnischen Alpen hingegen
schlieen das an dem rechten Donauufer gelegene westliche
Berg und Hgelland ein und treffen mit ihren Vorbergen an der
Donau bei Hainburg (Leithagebirge) und Gran (Vrtesgebirge)
mit den Karpathen zusammen. Am sdstlichen Ende, bei
Orsova, wird die Donau abermals von den Auslufern der
siebenbrgischen Karpathen und des Balkangebirges eingeengt
(die berhmte Klissura mit dem Eisernen Thor). Die weite
Ungarn (Bodenbeschreibung, Bewsserung, Klima, Areal).
ebene des Landes wird durch die Alpenauslufer in zwei
Hlften geteilt, deren kleinere sich gegen W., die
grere gegen O. erstreckt. Die kleine oder
o?berungarische Tiefebene (Preburger CBecken), zu beiden
Seiten der Donau zwischen Preburg und Komorn, etwa 12,000
qkm (220 QM.) gro, breitet sich in Eiform aus, liegt 130 m
. M., ist meist von Bergen umschlossen und sehr fruchtbar,
besonders der nrdliche Teil und die Donauinsel Schutt (s.
d.). Im N. und S. breiten sich auf bald 2lachem, bald
hgeligem Boden$
d, 900 kg Platina
und 560 kg Silber gewonnen; auerdem wurden 1167 kg Quarzgold
und in zwlf Bergwerken 1339 kg Platina ausgegraben. An
Kupfer, welches vorzugsweise gediegen, als Rotkupfererz und
Malachit (z.B. bei Nishne-Tagilsk), und in kalkigen Kiesen (bei
Bogoslowsk) etc. vorkommt, liefert der U. in acht Bergwerken mit
5309 Arbeitern 3600 Ton. Silber und Blei sind von geringerer
Wichtigkeit, von um so grerer die Eisenerze,
vorzglich der bis in den sdlichen U. verbreitete
Magneteisenstein. Von dem Gesamtertrag aller Eisenhtten in
ganz Ruland kommen auf das Gouvernement Perm allein 8/13 und
auf Zdie Demidowschen und Jakowlewschen Htten 1/4. 1884 wurden
in 59 Httenwerken 343,000 T. Roheisen, und in 7
Bessemerwrken 31,000 T. Stahl produziert; in der Eisenindustrie
waren 133,493 Arbeiter thtig. Der grte Teil des
Eisens kommt auf der Messe zu Nishnij Nowgorod in den Handel. An
Manganerzen wurden 14,463 Doppelzentner gewonnen. Seit einigen
Iahren wird am Westabhang auch Bergbau auf Steinkohlen betr$
 Gnug, da sie sich betrgen!
Wohl schleicht ein seufzend Volk Liebhaber um mich her;
Doch du nur hast mein Herz, und sag, was willst du mehr?
Du kannst den Armen wohl mich anzusehn erlauben,
Sie glauben wunder -
                     Nein, sie sollen gar nichts glauben!
Das ist's, was mich verdriet. Zwar wei ich, du bist mein;
Doch einer denkt vielleicht, beglckt wie ich zu sein,
Schaut in das Auge dir und glaubt dich schon zu kssen
Und triumphiert wohl gar, da er dich mir entrissen.
So stre den Triumph! Geliebter, geh mit mir,
La sie den Vorzug sehn, den du -
                                 Ich danke dir.
Es wrde grausam sein, das Opfer anzunehmen;
Mein Kind, du wrdest dich des schlechten Tnzers schmen;
Ich wei, wem euer Stolz beim Tanz den Vorzug gibt:
Dem, de mit Anmut tanzt, und nicht dem, den ihr liebt.
Das ist die Wahrheit.
Eridon [mit zurckgehaltenem Spott].
                     Ja! Ach, da ich nicht die Gabe
Des leichten Damarens, des Vielgepriesnen, habe!
Wie reizend tanzt er nicht!
 $
Lamon [fat Egle bei der Hand, sie fortzuhren].
Ach, la sie doch nur gehn! Vor Bosheit mcht' ich sterben;
Da mu sieeinem nun den schnen Tanz verderben!
Den Tanz mit Rechts und Links, sie kann ihn ganz allein,
Wie sich's gehrt; ich hofft auf sie, nun fllt's ihr ein,
Zu Haus zu bleiben! Komm, ich mag ihr nichts mehr sagen.
Den Tanz versumst du! Ja, du bist wohl zu beklagen.
Er tant sich schn. Leb wohl!
[Egle will Aminen kssen. Amine fllt ihr um den Hals und weint.]
                               Ich kann's nicht mehr ertragen.
           So weint mein Herz, und ngstlich drckt es mich.
Ich mchte! - Eridon, ich glaub, ich hasse dich.
Er htt's verdient. Doch nein! Wer wird den Liebsten hassen?
Du mut ihn lieben, doch dich nicht beherrschen lassen,
Das sagt ich lange schon! Komm mit!
                                    Zum Tanz, zum Fest!
            Geh nur! ich bleib. Gib acht, er lt
Sich fangen und geht mit. Sag, wrde dich's nicht freuen?
           Nun so komm! Hrst du dort die Schalmeien$
e den Mann, den du beschuetztest,
Verwirrte unklug was du loesen wolltest,
Und fuehlte so mich stets im Augenblik,
Wen0n ich mich nahen wollte, fern und ferner.
Ich habe, Tasso, deinen Willen nie
Verkannt und weiss, wie du, dir selbst zu schaden,
Geschaeftig bist. Anstatt dass meine Schwester
Mit jedem, wie er sei, zu leben weiss,
So kannst du selbst nach vielen Jahren kaum
In einen Freund dich finden.
Doch sage mir hernach: Wo ist der Mann,
Die Frau, mit der ich wie mit dir
Aus freiem Busen wagen darf zu reden?
Du solltest meinem Bruder dich vertraun.
Er ist mein Fuerst!--Doch glaube nicht, dass mir
Der Freiheit wilder Trieb den Busen blaehe.
Der Mensch ist nicht geboren, frei zu sein,
Und fuer* den Edeln ist kein schoener Glueck,
Als einem Fuersten, den er ehrt, zu dienen.
Und so ist er mein Herr, und ich empfinde
Den ganzen Umfang dieses grossen Worts.
Nun muss ich schweigen lernen, wenn er spricht,
Und tun, wenn er gebietet, moegen auch
Verstand und Herz ihm lebhaft widersprechen.
Das ist der Fall bei me$

Beschaeft'gen, wenn es nur so nuetzlich waere.
Inwendig lernt kein Mensch sein Innerstes
Erkennen; denn er misst nach eignem Mass
Sich bald zu klein und leider oft zu gross.
Der Mensch erkennt sich nur im Menschen, nur
Das Leben lehret jedem, was er sei.
Mit Beifall und Verehrung hoer' ich dich.
Ud dennoch denkst du wohl bei diesen Worten
Ganz etwas anders, als ich sagen will.
Auf diese Weise ruecken wir nicht naeher.
Es ist nicht klug, es ist nicht wohl getan,
Vorsaetzlich einen Menschen zu verkennen,
Er sei auch, wer er sei. Der Fuerstin Wort
Bedurft' es kaum, leicht hab' ich dich erkannt:
Ich weiss, dass du das Gute willst und schaffst.
Dein eigen Schicksal laesst dich unbesorgt,
An andre denkst du, Andern stehst du bei,
Und auf des Lebens leicht bewegter Woge
Bleibt dir ein stetes Herz. So seh' ich dich.
Und was waer' ich, ging' ich dir nicht entgegen?
Sucht' ich begierig nicht auch einen Teil
An dem verschlossnen Schacz, den du bewahfrst?
Ich weiss, es reut dich nicht, wenn du dich oeffnest,
Ich weiss,$
ide,
Sind edel, unterrichtet, deine Freunde;
Und welch ein Band ist sichrer als der Guten?
Ich trieb den Juengling an; er gae sich ganz;
Wie schoen, wie warm ergab er ganz sich mir!
O haett' ich gleich Antonio gesprochen!
Ich zauderte; eswar nur kurze Zeit;
Ich scheute mich, gleich mit den ersten Worten
Und dringend ihm den Juengling zu empfehlen;
Verliess auf Sitte mich und Hoeflichkeit,
Auf den Gebrauch der Welt, der sich so glatt
Selbst zwischen Feinde legt; befuerchtete
Von dem geprueften Manne diese Jaehe
Der raschen Jugend nicht. Es ist geschehhn.
Das Uebel stand mir fern, nun ist es da.
O gib mir einen Rat! Was ist zu tun?
Wie schwer zu raten sei, das fuehlsyt du selbst
Nach dem, was du gesagt. Es ist nicht hier
Ein Missverstaendnis zwischen gleich Gestimmten;
Das stellen Worte, ja im Notfall stellen
Es Waffen leicht und gluecklich wieder her.
Zwei Maenner sind's, ich hab' es lang gefuehlt,
Die darum Feinde sind, weil die Natur
Nicht einen Mann aus ihnen beiden formte.
Und waeren sie zu ihrem Vorteil k$
raben sei das uebrige mit ihr,
Der hoch begabten, hoch gesinnten Frauen.
Ihr Tod eroeffnet mir den Mund, ich darf
vor meinem Koenig meine Tochter nennen,
Ich darf ihn bitten, sie zu mir herauf,
Zu sich herauf zu heben, ihr das echt
Der fuerstlichen Geburt vor seinem Hofe,
Vor seinem Reiche, vor der ganzen Welt
Aus sein_er Gnadenfuelle zu bewaehren.
Vereint in sich die Nichte, die du mir,
So ganz erwachsen, zuzufuehren denkst,
Des Vaters und der Mutter Tugenden:
So muss der Hof, das koenigliche Haus,
Indem uns ein Gestirn entzogen wird,
Den Aufgang eines neuen Sterns bewundern.
O kenne sie, eh' du zu ihrem Vorteil
Dich ganz entscheidest. Lass ein Vaterwort
Dich nicht bestechen! Manches hat Natur
Fuer sie getan, das ich entzueckt betrachte,
Und alles, was in meinem Kreise webt,
Hab' ich um ihre Kindheit hergelagert.
Sch9on ihren ersten Weg geleiteten
Ein ausgebildet Weib, ein weiser Mann.
Mit welcher Leichtigkeit, mit welhem Sinn
Erfreut sie sich des Gegenwaertigen,
Indes ihr Phantasie das kuenft'ge Glueck
Mit$
ickt sie zum Himmel, blickt verirrt umher.
Sie lebt! Sie lebt!
Koenig (ein wenig zuruecktretend).
                Verdoppelt eure Sorge!
Sie lebt! Sie lebt! Sie hat dem Tage wieder
Ihr Aug' eroeffnet. Ja! Sie wird nun bald
Auch ihren Vater, ihre Freunde kennen.
Nicht so umher, mein liebes Kind, verschwende
Die Blicke staunend, ungewiss; auf mich,
Auf deinen Vater wende sie zuerst.
Erken+e mich, lass meine Stimme dir
Zuerst das Ohr beruehren, da du uns
Aus jener stummen Nacht zurueckekehrst.
Eugenie (die indes nach und nach zu sich gekommen ist und sich
aufgerichtet hat).
Was ist aus uns geworden?
                        Kenne mich
Nur erst!--Erkennst du mich?
                            Mein Vater!
                                    Ja!
Dein Vater, den mit diesen holden Toenen
Du aus den Armen der Verzweiflung rettest.
Wer bracht' uns unter diese Baeume?
Herzog (dem der Wundarzt ein weisses T6ch gegeben).
                                Bleib
Gelassen, meine T?chter! Diese Staerkung,
Nimm sie mit Ruhe, mit V$
 nicht an.--O, mein Geliebter, habe mich nicht im Verdacht,
ich bin unschuldig!
Du unschuldig? Niedertrchtige feile Dirne! Schande deines Vaters!
Ewiger schndender Flecken in dem Ehrenkleid, das er eben in diesem
Augenblicke angezogen hat. Steh auf, hr' auf zu weinen, dass ich
dich nicht an den Haaren von der Schwelle wegziehe, die du, ohne zu
errten, nicht wieder betreten solltest. Wie! In dem Augenblick, da
Breme sich den grten Mnnern des Erdbodens gleichsetzt, erniedrigt
sich seine Tochter so sehr!
Verstot mich nicht, verwerft mich nicht, mein Vater! Er tat mir die
heiligsten Versprechungen.
Rede mir nicht davon, ich bin auer mir. Was! Ein Mdchen, das sich
wie eine Prinzssin, we eine Knigin auffhren sollte, vergisst sich
so ganz und gar? Ich halte mich kaum, dass ich dich nicht mit Fusten
schlage, nicht mit Fen trete. Hier hinein! (Er stt sie in sein
Schlafzimmer.) Dies franzsische Schloss wird dich wohl verwahren.
Von welcher Wut fhl' ich mich hingerissen! Das wre die rechte
Stimmung,$
einen eben vollendeten gestrickten Strumpf in die Hoehe haltend).
Wieder ein Strumpf! Nun wollt' ich, der Onkel kaeme nach Hause; denn
ich habe nicht Lust, einen andern anzufangen. (Siesteht auf und geht
ans Fenster.) Er bleibt heut' ungewoehnlich lange weg, sonst kommt er
doch gegen elf Uhr, und es ist jetzt schon Mitternacht. (Sie tritt
wieder an den Tisch.) Was die franzoesische Revolution Gutes oder Boeses
stiftet, kann ich nicht beurteilen; so viel weiss ich, dass sie mir
diesen Winter einige Paar Struempfe mehr einbringt. Die Stunden, die
ich jetzt wachen und warten muss, bis Herr Breme nach Hause kommt,
haett' ich verschlafen, wie ich sie jetzt verstricke, und er
verplaudert sie, wie er sie sonst verschlief.
Karoline (im Schlaf redend).
NeTnz neien! Mein Vater!
Luise (sich dem Sessel naehernd).
Was gibt's, liebe Muhme?--Sie antwortet nicht!--Was nur dem guten
Maedchen sein mag! Sie ist still und unruhig; des Nachts schlaeft sie
nicht, und jetzt, da sie vor Muedigkeit eingeschlafen ist, spricht sie
im $
u finden
wissen. Doch darueber laesst sich noch vieles reden. Lebt jetzt wohl,
meine Freunde, lebt wohl!
So lebt denn wohl!
Zweiter Aufzug
Erster Auftritt
(Vorzimmer der Graefin. Sowohl im Fond als anden Seiten haengen adlige
Familienbilder in mannigfaltigen geistlichen und weltlichen Kostuemen.)
Der Amtmann tritt herein, und indem er sich umsieht, ob niemand da ist,
kommt Luise von er andern Seite.
Guten Morgen, Demoiselle! Sind Ihro Exzellenz zu sprechen? Kann ich
meine utertaenigste Devotion zu Fuessen legen?
Verziehen Sie einigen Augenblick, Herr Amtmann. Die Frau Graefin wird
gleich herauskommen. Die Beschwerlichkeiten der Reise und das
Schrecken bei der Ankunft haben einige Ruhe noetig gemacht.
Ich bedaure von ganzem Herzen! Nach einer so langen Abwesenheit, nach
einer so beschwerlichen Reise ihren einzig geliebten Sohn in einem so
schrecklichen Zustande zu finden! Ich muss gestehen, es schaudert
mich, wenn ich nur daran denke. Ihro Exzellenz waren wohl sehr
Sie koennen sich leicht orstellen, was eine z$
ht nett?"--"Doch."--"Worber lchelst Du
denn?"--"Er hat so viel gegessen."--Jetzt fiel der Vater lachend ein:
"Das macht sein Vater, der Amtmann, auch so! Und regelmig sucht er
sich die besten tcke aus."--"Freilich."
Frau Dawes sa und wartete auf das, was jetzt kommen wrde; denn es kam
etwas. Marit ging hinaus; nach einer Weile erschien sie mit Hut und
Sonnenschirm wieder. "Wi_lst Du ausgehen?" fragte Frau Dawes. Marit
stand da und zog sich die Handschuhe an. "Ich gehe aus und bestelle mir
Visitenkarten."--"Hast Du keine Visitenkarten?"--"Doch; aber die alten
gefallen mir nicht mehr."--"Warum nicht?" fragte Frau Dawes sehr
verwundert; "Du hast sie doch dGmals in Italien so hbsch
gefunden?"--"Ja;--aber der Name gefllt mir nicht mehr, meine
ich."-"Der Name?" Beide blickten auf. Marit: "Es ist gerade, als wenn
er gar nicht mehr zu mir gehrt,--meine ich."--"Marit gefllt Dir
nicht?" fragte Frau Dawes. Der Vater warf leise hin: "Es war der Name
Deiner Mutter." Sie antwortete nicht gleich; sie fhlte die e$
 Besitzerin des Wagens
mute doch den Ausschlag geben. Aber Mary war mittlerweile auch
bermtig geworden. Ihre Augen, die gewhnlich etwas Nachdenkliches
hatten, leuchteten vor Lebenslust. Heute lachte sie ber sei5ne vielen
drolligen Einflle; sie lachte ber das Geringfgigste. Sie wollte in
einemfort Blumen haben, wenn sie welche sah. Jedesmal mute angehalten
werden, um Blulen und Laub zu pflcken. Sie packte den Wagen voll, so
da Alice schlielich protestierte. Da warf sie alles miteinander hinaus
und verlangte energisch, selbst auch hinauszuknnen.
Sie hielten und stiegen aus.
Sie waren jetzt weit ber Bagatelle hinaus und lieen den Wagen
umkehren. Er solle langsam ein Stck zurckfahren, sie kmen nach.
Kaum waren sie ein paar Schritte gegangen, als FranzRy anfing, Rad zu
schlagen, d.h. er warf sich seitlings auf den Hnden herum, um wieder
auf die Fe zu fallen, dann wieder auf die Hnde und so weiter,
schneller und immer schneller. Dann drehte er um und kam auf dieelbe
Weise zurck. "Das ist ein$
wollte nach Herzenslust pltschern und
schwimmen. Sie nahm den Weg nach der Insel. Von dort aus konnte sie
selbst zu beiden Seiten die Einfahrt und die Wege bersehen. Alles
still, keine Gfahr. Also wieder zurck.
Die See umschmeichelte sie und trug sie, die Sonne spielte auf ihren
Armen, die das Wasser teilten; das Land vor ihr lag herbstsatt da mit
seinem fetten Heu; Seevgel schwebten in der Bucht, andere kreischten
ber ihr. "Und mir graute so vor dem Alleinsein--"
Als sie ans Ufer kam, mochte sie nicht heraus; sie legte sich auf den
Rcken und ruhte sich aus. Dann ein paar Ste und wieder eine
Ruhepauvse. Der Strand war so einladend; sie legte sich in die Sonne. Den
Kopf halb auf einem Stein, das Haar herabflieend. O, wie schn das war!
Aber irgend etwas mahnte sie, aufzusehen. Sie hatte keine Lust dazu.
Aber sie mute doch wohl einmal dahin sehe, wo das Mdchen sa. Ach,
was kmmerte sie das! Nanna hielt ja Wache. Aber soviel wurde doch
adurch bewirkt, da das Wohlbehagen ihr verloren ging; sie machte$
er, schwarzer John?" Sie klatschte in
die Hnde, damit er sein frhliches Ja bellen solle. Damit war die
Eigentumsfrage entschieden. Sie bekam einen Brief von Jrgen, vermutlich
ber diesen Punkt; den verbrannte sie ungelesen.
Sie nahm an, sie werde ihn auf dem Bahnhof treffen, wenn der Zug nach
Norwegen abfuhr, und dann werde er sein Recht fordern. Sie kam mutig
angefahren, ihren frischgewaschenen, gekmmten und parfmierten Hund
neben sich. Jrgen war nicht da.
       *       *       *       *       *
Sie chlief die ganze Nacht, den Hund auf ihrer Reisedecke.
Aber mit dem Morgen kamen die Gedanken. Nun war sie allein. Hatte allein
die Verantwortung.
Bis jetzt hatte sie sich ja selbst mit aller Gewalt in den einzigen
engen Ausweg hineingehetzt: sich sofort mit Jrgen zu verheiraten, auf
einer Reise ins Ausland dem Kinde das Leben zu geben--und dann bis ins
Unendliche auszuhalten.
Aer sich mit einem Menschen zu verheiraten, den sie verabscheute, nur
um sich ein Feigenblatt zu leihen,--wie unversZndlich ihr $
Gaertner.
Dieser stille Mann mit den leuchtenden Augen war schuechtern wie ein
Maedchen von vierzehn Jahren. An jedem Werktag morgen suchte er sich
einen einsamen Platz--d.h. wenn so einer da war--auf dem kleinen
Dampfer, der ihn nach der Stadt brachte, solange die Bucht nicht
zugefroren war. Beim Aussteigen war er voll Ruecksicht gegen die andern;
ehrerbietig gruessend eilte er an ihnen vorbei, wenn er an Lad gekommen
war,--und war dann in seinem Hause am Markt zu finden bis zum Abend, wo
er auf die gleiche Weise heimkehrte. Das heisst: wenn er nicht radelte.
Im Winter fuhr er mit dem Wagen oder uebernachtete in der Stadt, wo er in
seinem eigenen Huse zwei bescheidene Mansardenstuben bewohnte.
Er hatte das Zeug zu dem besteWn Ehemann, den man sich in der Stadt
vorstellen konnte. Aber seine unueberwindliche Bescheidenheit machte jede
Annaeherung unmoeglich,--bis die rechte kam. Da war er aber schon ueber
vierzig Jahr. Es ging ihm wie seinem Namensvetter, dem Onkel am
Michigansee, dass ein junges Maedchen au$
lichkeit, ja fast als
Beleidigung empfand. Ihr Wesen war in Aufruhr, sie folgte ihm mit den
Augen, mit den Ohren; die Gedanken sausten in ihr und das Blut auch. Es
muss doch mal voruebergehen, dachte sie. Aber das wr nicht der Fall.
Alices Verzauberung oder richtiger ihre Verliebtheit erhoehte das
Schwindelgefuehl. War er eigentlich so haesslich? Diese breite, steile
Stirn, diese kleinen, spruehenden Augen, der zusammengekniffene Mund, das
vorspringende Kinn, das hatte alles in allem etwas ungewoehnlich
Kraftvolles, aber es wurde spasshaft, weil er beinahe gar keine Nase
hatte. Spasshaft war auch das meiste, was er sagte. So immer aufgelegt
und lustig, dass um ihn her bestaendig Heiterkeit war, so unerschoepflich
voller Einfaelle. Seine Manieren hatten nichts Gewaltsames; er war i1m
Gegenteil die Hoeflichkeit selbst; er war aufmerksam, zuweilen sogar
galant. Es lag nur an dem Ueberwaeltigenden in ihm. Seine Sprache und
seine Augen allein waren wie ein Gewitter. Aber auch seine Gestalt tat
das ihre, diese kr$
nte es ihm vor Lachen kaum
auseinandersetzen, wie naemlich Frau Dawes dalag und was fuer
Anstrengungen Joergen und die Maedchen achten. Ihren Vater quaelte die
Frage, was Frau Dawes wohl auf dem Flur gewollt habe. Da verstummte
Marys Lachen. Ein Maedchen kam aus Frau Dawes' Zimmer und berichtete,
jetzt liege die gnaedige Frau im Bett. Sie moechte das gnaedige Fraeulein
Im Zimmer stand Joergen am Fussende des Bettes; Frau Dawes lag und
stoehnte und weinte und rief nach oMary. Kaum liess Mary sich in der Tuer
blicken, da fing sie an: "Was war mit Dir, Kind? Mich ueberkam eine
schreckliche Angst,--was war los?" Mary ging zu ihr hin, ohne Joergen
anzusehen. Sie kniete neben ihrer alten Freundin hin und legte den Arm
um ihre Hals: "Ach, Tante Eva!" sagte sie und schmiegte den Kopf an
ihre Brust. Nach einer Weile fing sie zu weinen an.--"Was ist denn? Was
ist denn? Was macht Dich so ungluecklich?" jammerte Frau Dawes und strich
ihr immer und immer wieder mit der Hand ueber das herrliche Haar.
Schliesslich blickt$
genau so
sicher wie an jenem Abend, als sie zu Joergen hineinging, dass sie nicht
deswegen ungluecklich zu werden verdiene.
Es war ein ungeheurer Irrtum, ja;--aber daran war sie unschuldig. Es war
gewiss auch stark mit Naturtrieb verquickt gewesen,--trotzdem war es eine
Handlung, deren sie sich nicht schaemte. Sie war es sich selber schuldig,
mit dem unverkuerzten Mitgefuehl aller zu sterben, die sie je gekannt
hatte. Sie war das auch denen die in ihr die erste von allen gesehen
hatten. Sie hatte nicht illoyal den Glauben dieser Menschenan sich aufs
Spel gesetzt.
Jetzt war sie vorn auf der Landzunge, und der fuerchterliche Kampf, der
hier begann, wurde unversehens zu einem Kampf um dies eine. Es war, als
wollten alle Maechte der W0lt ihr die Selbstachtung entreissen und sie
verdammen. Hier war offnes Meer und meilenweit her rollten die Wogen in
wachsender Empoerung heran. Wenn sie dann am Felsen anprallten, spruehten
sie meterhoch auf. Die allerhoechsten kamen mit den letzten, schneidenden
Spritzern bis zu i$
ann, und ist zu rechtlich, zu reich, um sich inem
so gefhrlichen Handwerke zu unterziehen. Vor diesem war das Nachprgen
fremder Mnzen, wenn nicht erlaubt, doch in England toleriert;
sie wurden wie Rechenpfennige angesehen und in groer Menge, meistens
auf Bestellung spekulativer Kpfe in Deutsohland und anderen Lndern,
ziemlich ffentlich fabriziert. Seitdem aber der Galgen so gut auf
diesen Zweig der Industrie gesetzt ist wie auf das Nachmachen
englischer Banknoten und Mnzen, wird dieses Geschft nur ganz heimlich
betrieben. Es soll indessen in Birmingham an dergleichen Fabriken,
welchen oft eine Knopffabrik zum Aushngeschild dient, nicht fehlen.
Auer der Mnze enthlt Soho noch eine groe Fabrik von plattierten
Waren aller Art, eine Glasfabrik und eine von Dampfmaschinen.
Die erstaunenswrdigste Erfindung der letztXeren, bei dem Reichtum
an Steinkohlen fr England von unermelichem Wert, hat Boulton erst
auf den Gipfel von Vollkommenheit gebracht, auf welchem sie jetzt steht.
Er verfertigt Dampfmasc$
ill und ruhig, geselliger
zwar, wie es sonst in England unter Unbekannten gebruchlich ist, aber
dennoch weit weniger so als in Deutschland in hnlichen Verhltnissen.
In den groen, von den Vornehmen besuchtesten Bdern herrscht eine
strenge, wunderliche Etikette. Wir werden weiterhin Gelegenheit finden,
hiervon ausfhrlicher zu sprechen. Vorjetzt kommen wir zu Matlock und
seinen Umgebungen.
Freundlich und dennoch erhaben, einsam und dennoch voll regen Lebens,
is dieses liebliche Tal eines der schnstenPltzchen Britanniens.
Sei es immer, da seine Heilquelle wenig wirksam ist, es braucht ihrer
nicht, um in dieser himmlischen Gegend neue Lebenskraft zu finden.
Auch sahen die fnfzig oder sechzig Badegste, die wir hier fanden,
gar nicht aus, als ob skulap sie mit seinem Schlangenstabe hierher
gebannt htte. Sie schienen sich vor dem wilden, unsteten Treiben
des Lebens hergeflchtet zu haben, um einmal ruhig Atem zu schpfen
und dann mit frischem Mute wieder an ihr Werk zu gehen.
Der eigentliche Badeort be$
ne Wasserstrahlen steigen ringsumher aus der Erde empor.
Zwei andere Springbrunnen werfen den Wsserstrahl neunzig Fu hoch
gen Himmel und machen eine recht hbsche Wirkung. Die Englnder,
welche in den ringsumher liegenden Bdern hausen, wallfahrten fleiig
her, staunen das nie zuvor Gesehene an und erheben Chatsworth zu
einem Wunder der Welt.
Voll von Mariens Schicksale und stolz, da unser Schiller den Briten
den Rang abgewann und ihrem Andenken das schnste Denkmal schuf,
verlieen wir das traurig schne Chatsworth. Nur kurze Zeit noch
und die zwar einsame, aber dennoch reiche Gegend verschwand.
Ein enges, schauerlic*hes Tal empfing uns: kein Baum, keine Spur
von Vegetation, nur nackte und steile Felsen, zwischen denen wir uns
ngstlich hindurchwinden muten, die jeden Augenblick den Weg
zu versperren schienen. Zu ANfange sahen wir noch zwischendurch
ansehnliche Fabrikgebude von groem Umfange; auch diese deste,
schauerlichste Gegend in England, die Bleiminen von Derbyshire.
Es waren deren unzhlige von$
mildert durch stille Ergebung und Hoffnung auf den Tag, der einst
ihre lange Nacht erhellen wird. Ihre Stimmen waren angenehm und rein,
sie bemerkten unseren Eintritt nicht und sangen ungest rt fort;
gerhrt standen wir am Eingange des Zimmers still und hteten uns
wohl, sie zu unterbrechen.
Im Ganzen sind diese Blinden wie fast alle ihre Unglcksgenossen
immer heiter und froh und gesprchig. In einem unteren Zimmer
fanden wir eine enge spinnender Weiber und Mdchen, Rder und
Zungen schnurrten lustig um die Wette. In einem anderen Zimmer,
wo sich Mnner und Jnglinge mit Korbflechten beschftigten,
ging es nicht weniger munter her. Wir bewunderten die Feinheit
und zierliche Form der Krbchen, sie flochten sogar Muster
von grnen und roten Weiden hinein und wuten diese von den weie
durchs bloe Gefhl auf das genaueste zu unterscheiden.
Die Blinden machen auch sonst noch allerhand ntzliche Arbeiten,
welche unten im Hause in einem Laden zum Vorteileder Anstalt
verkauft werden; sie weben, machen Seile, ja e$
anken.
Wer ein wenig zu schnell und lustig in die Welt hineinlebte und
jetzt in ein paar etwas sparsamer verlebten Jahren seinen zerrtteten
Finanzen aufzuhelfen denkt, wer bei beschrnkten Mitteln den Freuden
der groen Welt nicht zu entsagen versteht, der flchtet hierher,
wo er sie alle findet; freilich in etwus verjngtem Mastabe
wie in London gehalten, aber dafr auch unendlich wohlfeiler.
Zwar ist es a?uch hier sehr teuer leben, aber doch immer viel weniger
als in London, wenn man in dieser Riesenstadt ein Haus machen mu.
Schon in dem Umstande, da die bergige Lage von Bath Pferde und
Wagen entbehrlich, ja ganz berflssig macht, liegt ein sehr
bedeutender Ersparnis. Nach einigen in Bath verlebten Wintern
ist man gewhnlich wieder zu Krften gekommen und kann sich von neuem
auf einer greren Laufbahn versuchen.
Da die Gesellschaft hier gr(tenteils aus Mitgliedern der migen
und eleganten Welt besteht, so ist der Ton derselben so verfeinert
und vornehm frivol als mglich. An Glcksrittern fehlt es $
eine
andere Welt versetzt.
Nadch ein Uhr kamen wir ermdet, als htten wir mitgetanzt,
zu Hause an, um sieben Uhr waren wir schon hingefahren.
[Funote: der Vergngungspark entstand um die Mitte des 17. Jahrhunderts
und wurde gegen 1830 aufgelassen. Vauxhall, ursprnglich der Name
eines Dorfes, heute ein Stadtteil von London, diente in der Zeitepder Blte
des Vergngungsortes auch fr hnliche Anlagen in anderen Stdten,
so auch in Edinburgh, von dem Johanna berichtet.]
Reizender, blendender, feenhafter lt sich nichts denken als dieser,
in einer kleinen Entfernung von London am Ufer der Themse gelegene Garten,
besonders in sogenannten Galanchsten, wenn er zur Feier des Geburtstages
irgend eines Mitglieds der kniglichen Familie in doppelter Erleuchtung
prangt. Gegen fnfzehntausend wohlgekleidete Mnner und Frauen wandeln dann
im Schimmer unzhliger Lampen auf diesem magischen Flecken Erde
zwischen schnen Bumen und blhenden Struchern im frhlichsten Gedrnge
umher. Musik tnt durch die lau	e Sommernac$
lle ihre Reichtuemer
und Rechte. Diese Dame, obgleich auch schon laengst ueber die Jugendjahre
hinaus, wird, wie man leicht denken kann, von Anbetern und Freiern
umlagert, wie weiland Penelope, sie aber wi8ersteht allen und
erklaert laut: sie wuerde jetzt keinen heiraten, weil niemand sich
um sie bewarb, ehe sie die reiche Erbin war, welche sieerst
kuerzlich durch den unerwarteten Tod ihres Bruders wurde.
Miss Lawrence ward uns uebrigens als sehr gut und auch im Aeussern
nicht unliebenswuerdig geschildert.
Wir fuhren nach dem nicht weit entlegenen Studley Park: das Haus
enthaelt nichts besonders Sehenswertes, auch die Aussenseite desselben
zeichnet sich auf keine Weise aus. Die sehr weitlaeufigen Spaziergaenge
gehoeren aber zu den schoensten in England.
Der Park hat einen, ihn von den gewoehlichen Parks unterscheidenden
ernsteren Charakter. Freie sonige Partien, gruene Rasenplaetze
trifft man weniger, aber herrliche Schattengaenge, unter dem Schutze
himmelhoher Buchen und Eichen, am Abhange der bewachsenen F$
haben.
"Wir beten und spinnen!" antwortete mir ein junges, schoenes Maedchen
auf die Frage: "Was tut ihr denn winters, wenn Kaelte und Schnee
euch in euren Huetten gefangen halten?"
In jedem Hause beinah haengt der Stammbaum der Familie, auf welchen
sie oft mit Stolz blickten; g^ewoehnlich ist ein horizontal liegender
geharnischter Ritter darauf abgebildet, der oft den Namen
irgend enes alten schottischen, der Fabel hIlb verfallenen Koenigs fuehrt.
Aus seiner Brust spriesst der Baum, der sich in unza(ehlige Aeste verbreitet.
Bekanntlich gibt's nur wenige, aber unendlich zahlreiche Familien
in Schottland, deren Glieder alle einen Namen fuehren, sich in allen
drei Koenigreichen, ja sogar in der ganzen Welt ausbreiten, aber
doch durch ein heiliges Band sich vereinigt fuehlen und dies gewissenhaft
anerkennen, wo sie sich treffen, wenn sie sich treffen, wenn sie sich
auch vorher nie sahen.
In Kenmore nahm uns abermals ein guter Gasthof auf, umringt von etwa
zwanzig solcher Huetten, wie wir oben beschrieben. Sie m$
ruktion ber die Grundlagen unserer Kunst, Formeln
    fr den Bau unserer Maschine, Schnelligkeit, Oberflche usw.,
    Instruktion von Personal fr den Gebrauch der Maschine. Diese
    Instruktion wrde natrlich in der gewnschten Form gegeben werden.
    Ihre ergebenen
      (gez.) W. und O. Wright.
Hauptmann Ferber antwortete den beiden Brdern, dass es unmglich wre,
auch nur die geringste Untersttzung von der franzsischen Regierung zu
erhalten, wenn nicht zuvor eine aus franzsischen und amerikanischen
Gelehrten bestehende Kommission die Maschine geprft htte. Die Wrights
wollten aber das Geheimnis ihrer Mrfindung siche gewahrt wissen, und
hatten anderseits eine heilige Scheu vor dem Gutachten der am grnen
Tisch arbeitenden Gelehrten, die ja schon hufiger ein grosser Hemmschuh
fr die Entwickelung der Luftschiffahrt gewesen waren; sie erklrten
deshalb, von ihren Bedingungen nicht abgehen zu knnen. Eine ganze Reihe
von Verffentlichungen finden in der Folge noch statt, und selbst der
Aeroklub$
i; 'wie
    eine Ente' habe sie sich auf den Boden niedergelassen. Auf nhere
    Einzelheiten ber die Konstruktion liess er sich jedoch auch nicht
    ein. Er schloss mit den Worten, den Brdcern sei auch bester
    pekunirer Erfolg zu wnschen, sie seien feingebildete Leute, die in
    harter Arbeit gross geworden wren.
    "Weit mitteilsamer war ein junger Apotheker, namens Reubens
    Schindler, der als ungebetener Gast seinerzeit einem lngeren Fluge
    beigewohnt hatte. Er sei an e*inem Tage, an dem er einen Prob2flug
    vermutet habe, dem Vater Wright von weitem gefolgt und so Zeuge
    einer tadellosen Fahrt geworden. Zufllig kam in die Apotheke auch
    ein Arbeiter, der ebenfalls als Znungast bei einem Flugversuch
    zugegen gewesen war und uns unter breiter Darstellung auch der
    nebenschlichsten Umstnde die Angaben des Herrn Schindler
    besttigte.
    "Von hier aus lenkten wir unsere Schritte zu einem alten
    Spenglermeister, Henry Webbert, der die Flugmaschine hufig in der
    We$
 remain, Dear Sir
ever Yours truly
[Signature: A. Hildebrandt.]
he receipt of the two pictures and your
letter of the 3rd inst., by which you have made me great pleasure. I
shall make use of the pictures as soon as possible.
Thanking you once more for your kindness and being always at your
service, I remain, Dear Sir
ever Yours truly
[Signature: A. Hildebrandt.]
Distributed Proofreaders
Die Familie Pfffling
Eine deutsche Wintergeschichte
Agnes Sapper
Meiner lieben Mutter
zum Eintritt in das 80. Lebensjahr.
Die Familie Pbfffling mu *Dir* gewidmet sein, liebe Mutters denn was
ich in diesem Buche zeigen mchte, das ist Deine eigene
Lebens-Erfahrung. Du hast uns vor Augen gefhrt, welcher Segen die
Menschen durchs Leben begleitet, die im groen Geschwisterkreis und in
einfachen Verhltnissen aufgewachsen sind, unter dem Einflu von Eltern,
die mit Gottvertrauen und frhlichem Humor zu entbehren verstanden, was
ihnen versagt war.
Noch jetzt, wo wir Deinem 80. Geburtstag entgegengehen, steht die
Erinnerung an $
, ruft uns die Stimme'." "Ja, das war's," sagte Frieder, "das
lernen wir jetzt in der Schule."
"Was sagt denn dein Lehrer dazu, wenn du die Lieder so spielen kannst?"
"Ich nehme doch die Harmonika nicht mit in die Schule!" sagte Frieder
ganz erstault. "Nimm sie doch einmal mit," entgegnete Remboldt, "da
wirst du sehen, wie der Lehrer Respekt vor dir bekommt und alle deine
Mitschler." Frieder machte groe Augen. Daheim war eigentlich immer nur
eine Stimme des rgers ber sein Spiel, und nun meinte Remboldt, er
sollte seine Harmonika absichtlich dahin mitnehmen, wo recht viele sie
hren wrden? Zweifelnd sah er auf seine alte, treue Begleiterin.Bisher
hatten sie sich immer mglichst iteinander entfernt von allen Menschen,
und nun sollten sie sich vordrngen? Ihm kam es unbescheiden vor, aber
doch auch lockend, und so ging er nachdenklich davon, whrend seine
Brder sich noch mi_ Remboldt unterhielten. Dieser erzhlte gern von
seinem Soldatenleben, bei dem er mit Leib und Seele war. Und heute hatte
er Neues zu$
 Der meinige hat einen dicken Kopf und ein rotes
Gesicht. Sag' selbst, habe ich dich aufgeschrieben?"
"Nein, aber es heit keine Wilhelm Pfffling auer mir."
"Oho," sagte der Amtmann, "da kommt es auf eine falsche Namensangabe
hinaus, das mu ein frecher Kamerad sein. Kannst du dir denken, wer dir
den Streich gespielt hat?" fragte er Wilhelm. Der besann sich nicht
lange. "Jawohl," sagte er, "es ist nur einsolcher Gauner in unserer
"Wie heit er?" Da sah Wilhelm seinen Vater an und sagte zgernd: "Ich
kann ihn doch nicht angeben?"
"Nein," sagte Herr Pfffling, "du weit es ja doch nicht gewi, und
deine Menschenkenntnis ist nicht gro."
"Den Schlingel finde ich schon selbst heraus, den erkenne ich wieder,"
sagte der Schutzmann, "ich fasse ihn ab um 12 Uhr, wenn die Schule aus
NunHwandte sich der Amtmann an Herrn Pfffling: "Ich bedaure das
Versehen," sagte er, und Wilhelm entlie er mit den Worten: "Du kannst
nun gehen, aber halte dich an bessere Kameraden und pa auf mit dem
Schneeballenwerfen, in den Stra$
t; hlich niedergetreten waren sie auch, wie oft
hatte sie das schon verboten! Im Wohnzimmer lag ein Brief, den htten
die Kinder mit zum Schalter nehmen sollen, alle sechs hatten sie ihn
sehen mssen, alle sechs hatten ihn liegen lassen, sogar Marianne, die
doch als Mdchen allmhlich ein wenig selbst daran denken sollten, ob
nichts zu esorgen wre! Das waren lauter Pflichtversumnisse, und wer
daheim die Hausgesetze nicht beachtete, der konnte leicht auch drauen
gegen die Ordnung verstoen. Aber freilich mte die Mutter ihre Kinder
fester dazu anhalten, strenger erziehen, als sie es tat! Sie selbst war
Elschen, die nicht wute oder nimmer daran achte, was die Mutter heute
bedrckte, kam in der frhlichsten Weihnachtsstimmung herbeigesprungen.
Walburg hatte ihr die Teigschssel ausscharren lassen. "Mutter," rief
die Kleine, "die Backrhre ist schon geheizt!" Aber die Mutter hatte
heute einen unglckseligen Blick. An dem ganzen kleinen Liebling sah sie
nichts als drei Streifen, Spuren von Teig an der ch$
 diesem Nachmittag aus der
Schule weg und auf die Polizei geholt und war von da an aus dem
Gymnasium ausgewiesen.
Am Abend berbrachte ein Dienstmdchen einen schnen Blumenstock--eine
Musikschlerin lie Frau Pfffling gratulieren.
"Ich werde morgen hinkommen und mich bedanken," lie Herr Pfffling
Ja, es gibt allerlei Freuden, zu denen man gratulieren kann! Warum nicht
auch, wenn ein unschuldig Verklagter freigesprochen wird? Oder war etwas
anderes gemeint?
Am krzesten Tag.
Es war der 21. Dezembe, der krzeste Tag des Jahres. Um dieselbe
Tageszeit, wo im Hochsommer die Sonne schon seit fnf Stunden Cm Himmel
steht, sa man heute noch bei der Lampe am Frhstckstisch, und als
diese endlich ausgeblasen wurde, war es noch trb und dmmerig in den
Husern. Allmhlich aber hellte es sich auf und die Sonne, wenn sie
gleich tief unten am Horizont stand, sandte doch ihre schrgen Strahlen
den MenschenkWndern, die heute so besonders geschftig durcheinander
wimmelten. Es war ja der letzte Samstag vor Weihnachten,$
den." Inzwischen war Wilhelm mit
Behendigkeit aus der Droschke gesprungen, hatte das Spielzeug zusammen
gerafft und war schon unter der groen Haustre. Lchelnd sah ihn Herr
Meier an. "Ganz wie sein Vater, langbeinig, hager und flink," dachte er
und sagte befriedigt: "Nun kommt mir, Kinder, ich will euch selbst
einfhren. Edmund heit der Kleine. Er ist ein wenig mde von der Reise,
aber wenn ihr mit ihm spielt, wird er schon lustig. Vom Konzert und von
Musik mt ihr nicht mit ihm reden, dasmag er nicht, er will nur
spielen, er ist ganz wie andere Kinder auch."
Oben am Zimmer angekommen, klopften sie an und horchten auf das
"Herein", statt dessen hrten sie die Stimme eines Fruleins. "Aber
Edmund, wer wird denn die Fensterscheiben ablecken?" "Was soll ich enn
sonst tun?" hrte man eine weinerliche Kindersticme entgegnen. Da lachte
Wilhelm und sagte zu seinem Begleiter: "Der mu freilich arg Langeweile
haben! Ich will lieber gleich mit einem Purzelbaum herein kommen." Herr
Meier wute nicht recht, ob er da$
htnur durch das
Fenster, wenn man den Kopf weit hinausstreckt, so hat man die schnste
Aussicht vom ganzen Haus. Und so gut vermaht ist die Kammer, nirgends
kann Schnee oder Regen durch; wit ihr noch, wie Frau von Falkenhausen
in ihrer Lebensgeschichte erzhlt, da ihr in Afrika der Regen in ihr
Huschen gedrngen ist, und die Betten wie in einem Teich standen? Und
wie eine dicke Schlange durch 	in Loch am Fenster herein gekrochen ist?
Wie wre sie glcklich gewesen ber ein so gutverwahrtes Kmmerlein! Ja,
Kinder, da habt ihr es schon besser."
Als sie herunter kamen, waren alle ganz von den guten Eigenschaften der
Kammer erfllt.
Es galt nun einen Zimmerherrn zu suchen und sich der Hausleute Erlaubnis
zu sichern. Frau Pfffling besprach die Sache mit der Hausfrau und diese
wiederum mit ihrem Mann. Da stie die Sache auf Widerstand. Herr Hartwig
wollte nichts davon wissen, durchaus nichts. Er meinte, es sei schon
reichlich genug, wenn zehn Leute den obern Stock bewohnten und
Zimmerherrn seien ihm ganz zuwid$
 draussen in der Winternacht aushalten koennten, und die
Mutter erzaehlte, dass sie schon von ihrer Jugend an den Wunsch gehabt
haette, so einen Sternschnuppenschwarm zu sehen, die drei Brueder
versicherten, dass sie lautlos die Treppe hinunterschleichen wuerden. Da
machte die kleine Else, die gespannt zugehoert hatte, ob die Brueder mit
ihrer Bitte wohl durchdringen wuerden, den Schluss, indem sie erklaerte:
"Also dann duerft ihr!"jDa lachten sie alle und niemand widersprach. Aber
doch war es nur so eine halbe Erlaubnis, und die Brueder hielten es fuer
klug, nimmer auf das Gespraech zurueckzukommen. Ueberdies fing es am bend
an zu regnen, ja es regnete auch noch den ganzen Sonntag und niemand<
dachte mehr an die Sternschnuppen. Als aber am Sonntag abend Karl zu
Bett ging, bemerkte er, dass am Himmel ein paar Sterne sichtbar waren.
Wenn es nun doch moeglich wuerde? Er richtete seine Weckuhr auf 1 Uhr und
konnte vor Erwartung kaum einschlafen. Waehrend nun Stille im ganzen Haus
wurde und die Nacht weiter vorr$
jetzt noch die Traenen. Sie sprachen lange miteinander, dann kehrte Herr
Pfaeffling in das Wohnzimmer zurueck, wo die Grossen noch beisammen waren.
"Hoert, ich moechte euch dreierlei sagen: Erstens: sorgt jetzt, dass vor
Weihnachten nichts mehr vorkommt, gar nichts mehr, denn bis man weiss,
wie die Sachen hinausgehen, sind sie doch recht unangenehm, besonders
fuer die Mutter. Zweitens: Sagt dem Baumann: er solle sich bei Herrn
Sekretaer Flossmann entschuldigen, sonst werde es schlimm fur ihn
ausgehen. Drittens: Walburg soll eine Tasse Kaffee fuer die Mutter
mqchen, es wird ihr gut tun, oder zwei Tassen."
Einer von Herrn Pfaefflings guten Ratschlaegen konnte nicht ausgefuehrt
werden, denn Wilhelm Bauann wurde noch an diesem Nachmittag aus der
Schule weg und auf die Polize geholt und war von da an aus dem
Gymnasium ausgewiesen.
Am Abend ueberbrachte ein Dienstmaedchen einen schoenen Blumenstock--eine
Musikschuelerin liess Frau Pfaeffling gratulieren.
"Ich werde morgen hinkommen und mich bedanken," liess Herr P$
hen diesen Baeumen, von ihrem weihnaechtlichen Duft und
Anblick ganz hingenommen und im Anschauen versunken, stand unser kleiner
Frieder. Er hatte fuer den Vater etwas in der Musikalienhandlung besorgt,
kam nun heimwaerts ueber den Christbaummarkt und konnte sich nicht
trennen. Nun stand er vor einem Baeumchen, nicht groesser als er selbst,
saftig gruen und buschig. Sie mochten vielleicht gleich alt sein, dieser
Bub und dies Baeumchen und sahen beide so rundlich und kindlich aus. Sie
standen da, vom selben Sonnenstrahl beleuchtet und wie wenn sie zusammen
gehoerten, so dicht hielt sich Frieder zum Baum.
"Du! dich meine ch, hoerst du denn gar nichts; _so_ wirst du niht viel
verdienen!" sagte ploetzlich eine rauhe Stimme, Tund eine schwere Hand
legte sich von hinten auf seine Schulter. Frieder erwachte wie aus einem
Traum, wandte sich und sah sich zwei Frauen gegenueber. Die ihn angerufen
hatte, war eine grosse, derbe Person, eine Verkaeuferin. Die andere eine
Dame mit Pelz und Schleier. "Pack an, Kleiner, d$
h an die
Soehne zu wenden, ist vielleicht nicht schlecht. Bisher waren sie noch
unter der steten Aufsicht der Eltern, ich wuesste nicht, wie sie in dieser
Zeit das unterschlagene Geld haette verausgaben sollen. Ich muesste an sie
schreiben, xobald der General und seine Frau abgereist sind. Der
Abschied wird den junge Leuten gewiss einen tiefen Eindruck machen, der
General wird ernste Worte mit ihnen reden. Wenn sie in dieser Stimmung
einen Brief von mi erhalten und sehen, wie ich ihre Eltern gerne
schonen moechte, ist es nicht unmoeglich, dass sie ihr Unrecht wieder gut
machen. Sie moegen ja schwach sein und leicht einer Versuchung
unterliegen, aber sie sind auch weichen Gemuets und zum Guten zu
bestimmen, ich will wenigstens den Versuch machen."
Frau Pfaeffling sass in dieser Zeit viel am Bett der kleinen
Masernkranken. Ihr Mann musste das Krankenzimmer meiden um seiner Schueler
willen. Aber wie eine Erscheinung stand er eines Tages ploetzlich vor
ihr, warf ihr eine Handvoll Geld in den Schoss, rief vergnue$
u sich, ls ihnen den reuevollen Brief
der jungen Leute vor und gab in seiner Freude jedem der Drei ein kleines
Geldstueck, weil sie ihn durch ihren rief auf einen guten Gedanken
gebrachtkhatten. Aber Wilhelm wollte es nicht annehmen. War er es doch
gewesen, der darauf beharrt hatte, den Brief, ohne vorher zu fragen,
einzuwerfen. "Vater," sagte er, "du weisst nicht so genau, wie die Sache
zugegangen ist. Ich bin schon froh, dass nur kein Unheil entstanden ist
aus unserm Brief, eine Belohnung will ich lieber nicht nehmen, die hat
nur Karl vedient, gib sie nur ihm."
Noch am selben Abend erhielt der Ohrenarzt sein Geld, mit einer
Entschuldigung ueber die Verzoegerung und der aufrichtigen Bemerkung, dass
es Herrn Pfaeffling nicht frueher moeglich gewesen sei, die Summe
zusammenzubringen.
Der Arzt sass schon mit seiner Gemahlin beim Abendessen. "Ist denn der
Pfaeffling nicht der Direktor der Musikschule, der neulich einen Ball
gegeben hat?"
"Bewahre, du bringst auch alles durcheinander," sagte die Gattin, die
sich$
s
Gruss. Das machte einen gewinnenden Eindruck. "Wir springen doch
entgegen, der ist gar nicht so!" sagte Wilhelm. "Nein, der ist nicht
so," entschied der ganze Chor. Die sieben Kinderkoepfe verschwanden vom
Fenster, und vierzehn Fuesse trabten die Treppe hinunter. "Die Treppe ist
frisch geoelt," rief Marie, "geht an der Seite, dass sie in der Mitte
schoen bleibt!"
Nun kam die Begruessung. Man war sich unbekannt und doch nicht fremd. Die
Kinder beruehrte es merkwuerdig, dass der Onkel der Mutter so hehnlich war,
in den Zuegen, in der Stimme und der Ausspache. Zutraulich begruessten sie
ihn, und auch er fand in ihnen lauter verwandte Gesichter, die einen
seiner Schwester, die andern seinem Schwager aehnlich.
"Nun gebt die Treppe frei, Kinder," draengte Herr Pfaeffling, "wir wollen
den Onkel doch auch hinauf lassen." Sie machten Platz, und liessen den
Gast voran gehen. Auf halber Treppe sah er zurueck nach dem jungen
Gefolge. "Wie komisch sie alle an der Seite gehen," bwmerkte er zu der
"Damit die Treppe in de$
te das in ihm. Aber die Fden bloss legen,
wie sich das zusammenspinnt. Die allmhlichen bergnge. Es geschieht da
nichts sprungweise.
Ein Weib aus Liebe zu Tod peinigen!
Er schlief zuletzt wieder ein ber diese Greleien.
Am folgenden Tage waren alle Wege aufgeweicht. Auf der Landstrasse
standen grosse Pftzen, und im Garten, gerade vor der Haustr, hatte
sich ein kleiner See gebildet.
Als Randers, halb angezogen, durchs offene Fenster die erquickende
cMorgenluft einatmete, sah er Christine vor diesem See stehen und ihren
Holzpantoffel mit der Spitze des Fusses wie einen Kahn bers Wasser
lenken. Sie war ganz vertieft in diese kindliche Unterhaltung, so dass
sie das Kommen der Mutter nicht hrte. Auf einmal hatte sie eine
krftige Ohrfeige weg. Es war Randers, als htte er sie selbst bekommen.
"Verdammte Deern, das sag ich aber Vater. Das is doch rein zu arg!"
Randers trat bei diesen Scheltworten vom Fenster zurck. Dann hrte er
Weinen und das Klappern sich entfernender Holzpantoffel.
Wie konnte man ein $
nd unerbittlich. Es war ihm jetzt ganz leicht
ums Herz. Er hatte nun einen Schutzwall aufgerichtet zwischen sich und
ihr; sie wusste jetzt, wie sie mit ihm daran war, dass er sich durchaus
nicht mit laecherlichen Absichten und ueberhebenden Hoffnungen trug. Jetzt
konnte er ihr auch ruhig sage,n, dass sie Fjordaugen habe und die Stimme
einer norwegischen Hirtin.
Und er sagte es ihr, sich halb nach ihr umwendend, ganz unvermittelt.
"Ich habe alle diese Zeit darueber nachgedacht. Sie haben Fjordaugen,
Fides sass mit ihrer Handarbeit neben ihm, ein wenig zurueck, um von den
Tropfen, die von dem Verandadach fielen, nicht bespritzt zu werden.
"Fjordaugen?" fragte sie und lachte. "Was ist nun das wieder?"
"Sie waren nie in Norwegen?"
"Dann kennen Sie auch nicht diesen wunderbaren Wasserspiegel zwischen
den Schaeren. Klar und blank, und blau, als laege der Himmel zu ihren
Fuessen, und doch von einer Tiefe, von einer dunklen, schwarzen Tiefe,
die wundersame, beaengstigende Geheimnisse zu beAgen scheint. Ud ueber
die$
chtig, als er an die grosse Wandkarte vom alten Sylt,
die ier aufgehaengt war, herantrat. Er tat, als suche er etwas auf der
Karte, waehrend hinter ihm mit dem Zeitungsblatt geknittert wurde;
ungeduldig, nervoes, wie es ihm schien.
Erhatte Zeit. Aber er konnte doch nicht eine Viertelstunde vor der
Karte stehen bleiben.
"Die Unterhaltung wurde Ihnen wohl zu laermend, gnaediges Fraeulein," sagte
er, sich umwendend. "Die Leute sind es hier nicht anders gewohnt. Man
spricht sehr laut hier."
"Ja, das merkte ich schon."
"Gnaediges Fraeulein sind schon lange auf der Insel?"
"Seit ein paar Tagen."
"Gnaediges Fraeulein gestatten?"
Er zog einen Stuhl heran.
Sie sagte nicht ja und nicht nein, und er setzte sich.
"Sie wohnen in Westerland?"
"Westerland? Nein."
Sie war verdammt einsilbig, und ihre Blicke gingen wiederholt nach der
Tuer. Jetzt schlug sie gar mit der Gabel laut ans Glas.
"Sie befehlen?"
Er sprang auf. Aber Moiken trat schon ein.
"Was bin ich schuldig? fragte die Fremde.
Raners war taktvoll genug, sich wied$
schult und gesthlt hatte, da sie sich
fortan in Respekt zu setzen wute.
Seit einem halben Jahr hatte sie ihre Nichte Therese Sa, die Tochter
einer verarmt verstorbenen Schwester, zu sich genommen, ein
zweiundzwanzigjhriges, schwchliches, etwas verwachsenes Mdchen, das
erkenntlichen Chrakters die Frsorge der Tante durch hingebende
Pflichttreue vergalt. Therese war sehr geschickt im Schneidern und
erlebte die Genugthuung, da_neuerdings auch einzelne Damen der
Nachbarschaft ihre einfachere Garderobe, Haus- und Morgenrcke, von ihr
anfertigen lieen.
Die Wittfoth selbst verstand nichts von diesem Zweig ihres Ges*chftes,
und besorgte lediglich den Laden und die Wirtschaft, wobei sie von einem
zweiten jungen Mdchen untersttzt wurde.
Die achtzehnjhrige blhende Blondine mit den groen grauen, blitzenden
Augen wute ihre Prinzipalin gut zu nehmen. Anstellig und gewandt, war
sie mit Erfolg bestrebt, sich der Wittfoth unentbehrlich zu machen und
sie durch kluges, einschmeichelndes Eingehen auf ihr Schwche$
."
Zu jeder andern Zeit wre Paulas Frechheit nicht ohne Erwiderung
geNlieben. Diesmal hrte Lulu sie kaum.
Eine halbe Stunde spter war es PaulRa, die im Wohnzimmer leise hinter
dem Rcken der Schwester auf die Sache zurckkam. "Wenn Du's Vater
sagst, hau ich Dich," flsterte sie.
Jetzt htte Lulu gar zu gerne die gehrige Antwort gegeben, aber um die
Mutter nicht aufmerksam zu machen, mute sie auch diese angenehme
Erffnung stillschweigend entgegennehmen.
Im Grunde war Lulu das Treiben der Sch_wester hchst gleichgiltig. Ihr
jetzt etwas in den Weg zu legen, sie sich zu verfeinden, wre obendrein
unklug gewesen. Stand Paula mit Beuthien auf vertrautem Fu, konnte sie
ihr vielleicht noch gute Dienste leisten.
Am Sonnabend kam ein Brief der Altonaer Freundin, der Lulu zum
Geburtstag einlud und besonders betonte, den Hausschlssel nicht zu
vergessen. Man wolle recht vergngt sein, und es wrde voraussichtlich
spt werden.
"Dat is doch nett von Lene Krger, dat se noch an Di deckt," meinte
Mutter Behn. "Se war $
 powernKram mag ich nicht."
Die Feier dieses wichtigen Ereignisses war bis nach Mimis Abgang
aufgeschoben worden, um Hermanns Teilnahme zu ermoeglichen. Auch einem
auswaertigen aelteren Bruder des Braeutigams, der nicht frueher ha\te
abkommen koennen, wurde auf diese Weise Gelegenheit gegeben, mitzufeiern.
Onkel Martin, ein kleiner Hufner in der Naehe von Oldesloe, kam denn auch
schon am Morgen des Familienfesttages mit dem Fruehzug an, mit ihm ein
geraeumiger Korb mit Eiern, Wuersten und Speck.
"Min Lowise waer gor to girn mit kamen", entschuldigte er seine Frau.
"Aber de Luett is erst veer Wochen, nu Se weten wull."
"Na, gratuleer ok!" rief die Wittfoth. "In Se ehr Oeller."
"Jau, eenunsoestig is 'n Oeller", meinte er bedenklich.
"Wo veel hebbt Se denn, Beuthien?" fragte Frau Caroline.
"Neegen Stueck."
"Herr des Lebens! Therese", rief die Wittfoth in die Kueche hiein. "Denk
Dir, Herr Beuthien hat neun Kinder."
"Neun?" lautete dge verwunderte Rueckfrage.
"Und all fix und gesund, min Dochter", sagte der Alte. $
ehabt!"
"Srich nur nicht laut davon," mahnte seine Frau, "das bleibt ganz
verschwiegen. Ich glaube nicht, dass ihn die Russen frei gegeben haben
und wenn ja, dann kann er nicht wagen, sich in Deutschland blicken zu
lassen, nach dem was er getzan. Mach dir keine Sorgen. Wer sollte das
verraten? Helene nich und der Bub auch nicht, auf den kannst du dich
So beruhigte sie ihren Mann. Und es kam so, wie sie gesagt, niemand
erfuhr mehr von dem Vermissten als was sie selbst von ihm aussagten: er
sei im Krieg und man warte vergeblich auf Nachrichten.
Viertes Kapitel.
Die Tage, die Wochen vergingen--vom Foerster Stegemann drang keine Kunde
zu seiner Frau. Sie lebte still und eingezogen. Vom Krieg wollte sie
nichts hoeren, nichts lesen und wenn jemand sie darauf hinwies, dass gar
viele Frauen ihre Maenner, ihre Soehne vermissen mussten, so war ihr das
kein Trost. Andere Frauen durften stolz sein auf das, was ihre Maenner
taten fuers Vaterland--sie musste sich schaemen; die andern waren
unschuldig--sie hatte ein Schuld$
e,
dass der bittere Kelch nicht an ihm voruebergehen sollte, und bereitete
sich innerlich vor auf das, was kommen musste.
Leute kamen des Weges, wurden augefragt und darnach wandte sich die Wu
der Feinde gegen ihn. Sie veruebten an ihm die grauenvolle Untat, liessen
ihn in seinen Qualen liegen und ritten davon.
Als Stegemann so weit erzehlt hatte, spuerte er an der zitternden Hand
der Mutter, dass sie ueberwaeltigt war, und er hielt inne.
"Ist dir's so schwer, Mutter? Es ist ja ueberstanden, auch die
schrecklichen Qualen, die folgten. Aber ich will dir jetzt nicht weiter
davon erzaehlen; ich danke dir, dass du mich so tapfer angehoert hast. Dir
habe ich es zugetraut, darum wollte ich dich zuerst allein sprechen.
Aber nun will ich vergessen, was dahinten ist, und jetzt sage du mir,
Mutter, was liegt vor mir? Darf ich dies Elend meiner jungen Frau
aufladen? Kann sie es tragen, sie, die so weich und feinfuehlend ist und
ir immer erschien, als sei ihre Natur ganz auf Lust und Freude
angelegt? Zwar glaube ich nich$
dt in jenen Wald und halten da bei Tanz
und Gesang bis tief in die Nacht aus, Bier wird fsserweise mitgefahren.
Mit Eichlaub bekrnzt singt der heimkerende Zug:
    Willst du mit nach Walpern gehn,
    Willst du mit, so komm!
Dies nannte man den Grnenmaitag. Aehnlich begeht daselbst die
Schusterzunft den grnen Montag, welcher der erste ist nach Jacobi. Sie
bekrnzt nebst7 ihren Wohnhusern die Strassen zum Paul, zu den Predigern
und die Schuhgasse. Dies Ehrenrecht soll ihnen von Kaiser Rudolf fr die
Tapferkei ertheilt worden sein, mit der sie und die brigen
hammerfhrenen Gewerke ein Raubschloss im Steigerwalde zerstrten, von
dem aus die Orte des Thringerwaldes lange belstigt worden waren. Zwei
Knaben, mit Goldketten und anderem Geschmeide geschmckt, pflegte man
sonst zu Pferde in der Stadt herum zu fhren, es sollen die zwei
Shnlein der Edelfrau jenes Schlosses gewesen sein (man benennt es
wechselnd bald Dienstberg, bald Greifenberg), die mit all ihren
Kostbarkeiten behngt die Sieger fussfllig $
er Jungfrau Gertraud Stromer. Der Patrizier Imhof,
an dem dieser Jungfrau ganzes erz hieng, war, weil sie ihm ihre Liebe
verhehlt hate, ihrer Freundin zu Theil geworden, starb nach kurzer Ehe
und auch Gertraud berlebte ihn nicht lange. Drei Wochen nach diesem
letzteren Todesfall gieng am Allerseelentag 1430 die Wittwe Im-of vor
Tag in die Frhmesse nach St. Lorenz, h5ier aber befiel sie der
unheimliche Eindruck, als wren statt der Gemeinde und Geistlichkeit
lauter Verstorbene versammelt. Als sie nun, um anzufragen, aus ihrem
Stuhle trat und eine vor ihr knieende Jungfrau leise auf die Schulter
klopfte, erkannte sie in dieser ihre vor drei Wochen begrabne Freundin
Gertraud. Auf deren Rath verliess sie so eilig die Kirche, dass sie
ihren Mantel vergass, floh heim, erkrankte heftig und trat darauf ins
Klarissenkloster. Hier starb sie nach etlichen Jahren und zwar
gleichfalls am Morgen des Allerseelentages. Schppner, Sagb. no. 1147.
Die Heilige ist hier zu einer gleichnamigen Nrnberger Patrizierin
geworden, w$
de befaellt, war dem
Roemer versinnlicht durch das Goetterpaar des Robigus und der Robigo, die
beide den Namen des Kornbrandes tragen und in der umbrisch-etruskischen
Goetterlehre Rupinie und Hunta hiessen. Ihnen war das Fest der Rubigalien
geweiht, indem man in den Tagen vom Entstehen des Getreidekorns in
seiner Huelse bis zu seinem Heraustreten aus der Fruchtscheide durch den
Priester zu Rom am Hundsthore (Catularia porta) rothe Huendchen
schlachten und verbrennen liess. Damit suchte man de Brand in Rebe und
Kornaehre abzuwehren, weil man den gluehenden Hundsstern fuer die Ursache
des Getreidebrandes hielt. Erklaerend sagt daher Ovid.Fast. 4, 941:
    Fuer den Hund des Gestirns wird Dieser geopfert am Altar,
    Und erleidt den Tod wegen des Namens allein.
Aus aehnlichem Grunde musste in Deutschland der Frohnkncht alljaehrlich
zur Zeit der Hundstage die ueberalten Hunde todtschlagen, zu Leipzig im
April und August, in Norddeutschland zur Fasnacht. J.P. Schmidt,
Fastelabendgebraeuche. Rostock 1793, 150. 153$
erden
wollte, noch ein Plaetzchen und wieder eins auf der Kinderhand zu suchen,
so rief zuletzt der Knabe voll Hunger und Verdruss: So flieg und ruf
Kukuk! Alemann. Kinderlied, S. 78.
So wird hier der Specht, urspruenglich ein nahrungsspendender Bote
Gottes, ein die Nahrung hartherzig verweigernder Theuerungsgeist und
geht in die Gestalt des gleichfalls eigennuetzig gefassten Kukuk ueber.
Daher heisst es von diesem letzteren, er sei ein diebischer verwuenschter
Beckerknecht und trage davon sein fahles, mehlbestaubtes Gefieder. DiesLbesagen die nachfolgenden Kindersprueche:
Kukuk stahl Weggen.[13]--Kukuk, Beckenknecht![14]--Kukuk,
Speckbub![15]--Kukuk, schniet Speck up![16].--Der Gugger uf em duerre
Nast, er bettelt Brod und wird nicht nass.[17] Der Sauerklee, Oxalis
acetosella, der zur nemlichen Zeit blueht, da des Kukuks Ruf ertoent,
heisst in Deutschland Kukukskohl, in der deutschen Shweiz Guggerbrod,
franz. pain de coucou, tessinisch pan cuculo, romansch aun e caschoel
cucu (Butterbrod), und weil seine sa$
s Maeuschen ihr aus dem Munde." Im aargauer Volksglauben finden
sich folgende Saetze. Wenn der von Gemeinde wegen aufgestellte Feldmauser
drei weisse Maeuse faengt und toedtet, so kommt er in die Hoelle. Wer eine
weisse Maus quaelt, dem fressen die uebrigen das Korn {on der Schuette. Vor
der franzoes. Invasion 1798 waren im Hauptgange des Rathhauses zu Aarau,
wo die Schildwache stand, in jeder Nacht auf Himmelfahrt zwoelf weisse
Maeuse zu erblicken, die man fuer zwoelf verwuenschte Rathsherren hielt; so
erzaehlt uns die Bauernfrau Schenker aus solothurnisch Daeniken.--Weisse
Maeuse, berichtet V. Grohman ueber Boehmen, geniessen in di#esem Lande eine
Art religioser Verehrung, man macht ihnen ein Lager zwischen den
Stubenfenstern und pflegt sie, damit nicht mit ihnen das Glueck des
Hauses sterbe. Ein Nest weisser Maeuse zu finden ist nur Sache eines
Sonntagskindes. Auf Schloss Drazic werden sie eigens gezuechtet, und
laesst man ihrer eine in die Kornscheune laufen, so schuettet da daj
Getreide um die Haelfte me$

aller Eile wurde die Abreise vorbereitet, jedes Opfer, das damit
verbunden war, wollten sie bringen und alles Schere auf sich nehmen.
Und das Schwere kam bald genug. Gegen diejenigen Elssser, die nicht,
wie man von ihnen erwartet hatte, zu Frankreich bertreten wollten,
wandte sich der grte Ha der Franzosen. Der Bankdirektor wollte den
Gehalt nicht zahlen, den er Kolmann schuldete; der Hausherr forderte die
Miete frs ganze Jahr; die Kchin wurde 2urch ihn aufgehetzt, verlangte
ihren Lohn und verlie sofort das Haus. Das Gasthaus weigerte sich,
Speisen abzugeben, und der Gepcktrger kehrte den Rcken, als er
aufgefordert wurde, das Gepck zu besorgen. Die Leute aus dem
Hinterhaus warfen Steine nach den Fenstern der Wohnung.
Kolmann ging auf die Polizei und erbat Schutz. Di Beamten zuckten die
Achseln und erklrten, sie knnten nichts machen. Auf dem deutschen
Konsulat waren alle Rume berfllt mit ausgewiesen Dutschen, denen das
Reisegeld fehlte, und mit hilflosen Mdchen, die Schutz suchten. Da
sagte $
taerkoffer in der Hand.
Vom Wagen aus wurde er angerufen: "Steig ein, Kamerad!" Der Wirt murrte:
"Sind so schon genug!" Aber er fuhr doch langsamer und mit einem 	atz
sprang der Soldat auf; sie rueckten kameradschaftlich zusammen und nun
ging's weiter im Galopp; denn der Wirt sah manchmal bedenklich auf seine
Uhr, ob es wohl noch bis zum Zugabgang reichen wuerde. Als endlich die
Stadt sichtbar wurde und der Leiterwagen ueber das Strassenpflaster
holperte, stimmten die kuenftigen Krieger ein Soldatenlied an, wodurch
die Leute an ihre Fenster gelRckt wurden und mit lauten Zurufen und
Winken gruessten. Unsere drei Reisenden winkten ebenso eifrig, man hielt
sie natuerlich fuer die Angehoerigen dieser Burschen, so galten auch inen
die Gruesse.
Das Aussteigen war wieder ein Kunststueck, aber die Burschen kannten sich
jetzt schon aus und einer, der ein besonders grosser, staemmiger Kerl war,
hob ohne weiteres zuerst die Kinder, dann die Mutter herunter, die sich
ganz elend und zerschlagen fuehlte von dieser Fahrt i$
ie Locken, und indeY er die Hand
reichte, auf einem Beine ruhend, den anderen Fu auf die Zehenspitzen
gestellt, hatte er eine reizende Drehung und Wendun des Krpers,
anmutig spannungsvoll, verschmt aus Liebenswrdigkeit, gefallschtig
aus adeliger Pflicht. Er lag ausgestreckt, das Badetuch um die Brust
geschlungen, den zart gemeielten Arm in den Sand gesttzt, das Kinn
in der holen Hand; der, welcher Jaschu gerufen wurde, sa kauernd
bei ihm und tat ihm schn, und nichts konnte bezaubernder sein, als
das Lcheln der Augen und Lippen, mit dem der Ausgezeichnete zu dem
Geringeren, Dienenden aufblickte. Er stand am Rande der See, allein,
abeits von den Seinen, ganz nahe bei Aschenbach,--aufrecht, die Hnde
im Nacken verschlungen, langsam sich auf den Fuballen schaukelnd, und
trumte ins Blaue, whrend kleine Wellen, die anliefen, seine Zehen
badeten. Sein honigfarbenes Haar schmiegte sich in Ringeln an die
Schlfen und in den Nacken, die Sonne erleuchtete den Flaum des oberen
Rckgrates, die feine Zeichn$
n ihn fesselte. Zuweilen entschand sie ihm: dann fhlte er
Kummer und Unruhe.Aber sein Fhrer, als sei er in solchen Auftrgen
wohl gebt, wute ihm stets durch schlaue Manver, durch rasche
Querfahrten und Abkrzungen das Begehrte wieder vor Augen zu bringen.
Die Luft war still und riechend, schwer brannte die Sonne durch den
Dunst, der den Himmel schieferig frbte. Wasser schlug glucksend gegen
Holz und Stein. Der Ruf des Gondoliers, halb Warnung, halb Gru, ward
fernher aus der Stille des Labyrinths nach sonderbarer bereinkunft
beantwortet. Aus kleinen, hochliegenden Grten hingen Bltendolden,
wei und purpurn, nach Mandeln duftend, ber morsches Gemuer.
Arabische Fensterumrahmungen bildeten sich im Trben ab. Die
Marmorstufen einer Kirche stiegen in die Flut; ein Bettler, darauf
kauernd, sein Elend beteuernd, hielt seinen Hut hin und zeigte das
Weie der Augen, als sei er blind, ein Altertumshndler, vor seiner
Spelunke, lud den Vorberziehenden mit kriecherischen Gebrden zum
Aufenthalt ein, in der $
t zu trennen
vermocht hatte, auf die Gefahr, in einer so wahnsinnigen Lage ertappt
und betroffen zu werden.
Dennoch fehlte es nicht an Augenblicken des Innehaltens und der halben
Besinnung. Auf welchen Wegen! dachte er dann mit Bestrzung. Auf
welchen Wegen! Wie jeder Mann, dem natrliche Verdienste ein
aristokratisches Interesse frS seine Abstammung einflen, war er
gewohnt, bei den Leistungen und Erfolgen seines Lebens der Vorfahren
zu gedenken, sich ihrer Zustimmung, ihrer Genugtuung, ihrer
notgedrungenen Achtung im Geiste z versichern. Er dachte ihrer auch
jetzt und hier, verstrickt in ein so unstatthaftes Erlebnis, begriffen
in so exotischen Ausschweifungendes Gefhls; gedachte der
haltungsvollen Strenge, der anstndigen Mnnlichkeit ihres Wesens und
lchelte schwermtig. Was wrden sie sagen? Aber freilich, was htten
sie zu seinem ganzen Leben gesagt, das von dem ihren so bis zur
Entartung abgewichen war, zu diesem Leben im Banne der Kunst, ber das
er selbst einst, im Brgesinne der Vter, so spt$
r im Schlaf gesammelt, in zwei oder drei inbruenstig
gewissenhaften Morgenstunden der Kunst zum Opfer dar. Es war
verzeihlich, ja, es bedeutete recht eigentlich den Sieg seiner
Moralitaet, wenn Unkundige die Maja-Welt oder die epischen Massen,
in denen sich Friedrichs Heldenleben entrollte, fuer das Erzeugnis
gedrungener Kraft und ein,s langen Atems hielten, waehrend sie vielmehr
in kleinen Tagewerken aus hundert Einzelinspirationen zur Groesse
emporgeschichtet und nur darum so durchaus und an jedem Punkte
vortrefflich waren, eil ihr Schoepfer mit einer Willensdauer und
Zaehigkeit, derjenigen aehnlich, die seine Heimatprovinz eroberte,
jahrelang unter der Spannung eines und desselben Werkes ausgehalten
und an die eigentliche Herstellung 
usschliesslich seine staerksten und
wuerdigsten Stunden gewandt hatte.
Damit ein bedeutendes Geistesprodukt auf der Stelle eine breite und
tiefe Wirkung zu ueben vermoege, muss eine tiefe Verwandtschaft, ja
Uebereinstimmung zwischen dem persoenlichen Schicksal seines Urheber$
mit verwirrtem, verwundertem Laecheln.
Er sann, er traeumte, langsam bildeten seine Lippen einen Namen, und
noch immer laechelnd, mit aufwaerts gekehrtem Antlitz, die Haende im
Schoesse gefaltet, entschlummerte er in seinem Sessel noch einmal.
Aber der Tag, der so feurig-festlich begann, war im ganzen seltsam
gehoben und mythisch verwandelt. Woher kam und stammte der Hauch, der
auf einmal so sanft und bedeutend, hoeherer Einfluesterung gleich,
Schlaefe und Ohr umspielte? Weisse Federwoelkchen standen in verbreiteten
Scharen am Himmel, gleich weidenden Herden der Goetter. Staerkerer Wind
erhob sich, und die Rosse Poseidons liefen, sich baeumend, daher,
Stiere auch wohl, dem Blaeulichgelockten gehoerig, welche mit Bruellen
anrennenjd die Hoerner senkten. Zwischen dem Felsengeroell des
entfernteren Strandesjedoch huepften die Wellen epor als springende
Ziegen. Eine heilig entstellt Welt voll panischen Lebens schloss den
Berueckten ein, und sein Herz traeumte zarte Fabeln. Mehrmals, wenn
hinter Venedig die Sonne $
it verlie sie nur allzu hufig, wenn ihre Empfindlichkeit oder
ihre Eitelkeit verletzt wurden. Sie entgegnete deshalb in einem recht
schroffen Tone:
"Nein, meine Furcht sttzt sich auf etwas anderes, Herr Rittmeister. Was
Sie hervorheben, knnte ja in unserem Verkehr berhaupt keinen Anla zu
einer solchen geben!"
"Natrlich," sagte Teut ernsthaft, lie aber einen infam ironischen Zug
um seine Mundwinkel spielen. "Und bitte, weiter, meinMe Gndige?"
Frau Olga ob in einiger Erregung das Glas empor, das Teut eben gefllt
hatte, trank es hastig aus und rwiderte, mhsam ihren Unmut
versteckend:
"Ich liebe die Gradheit und Offenheit wie Sie. Diese kann mich nur mit
Respekt erfllen und wird mir nie Unbehagen einflen. Aber Ihre--" Sie
"Nun, gndige Frau?"
"Ah, gleichviel!" machte Olga und zuckte die Achseln.
"Wie, meine gndige Frau," sagte Teut in einem erbindlichen Tone und
doch mit demselben teuflischen Lcheln, "Sie laden mich in Ihr sonst so
unvergleichliches Haus und wollen mich auf die Folter spannen? Is$
n die Frau Grfin nicht; aber sie lernt es
schon ganz gut. Neulich hatten wir zwei Gerichte, die sie ganz allein
zubereitet hatte. Ihre Augen glnzten, als es den Kindern so gut
schmeckte. Die Frau Grfin war so glcklich, da sie im Zimmer
herumtanzte."
"Aber Freund!" schaltete Teut scheinbar tadelnd in. "Weshalb haben Sie
denn damals nicht eine Hilfe genommen?"
"Die Frau Grfin wollte es durchaus nicht, gndiger Herr! Sie meinte, es
sei der beste Weg, alles zu lernen. Freilich, ich folgte auch nichts
thun--aber ich habe sie sogar berrascht nd in einer Nacht mit Hilfe
einer Frau die Wsche besorgt. Die Alte hat die Garderobengegenstnde
vorgenommen, ich machte mich an Servietten und Tischzeug. Gegen Morgen
haben wir aufgehngt, jeder sein Teil."
"Allen Respekt!" murmelte Teut, trank in hastigen Zgen und schenkte von
neuem aus der Flasche ein. "In der That, ber alles Lob erhVben! Aber
da mu doch anders werden!" Und nach einer Pause: "Wenn ich nur einen
Weg wte--"
Tibet hatte nur halb gehrt, aber doch g$
 Dinge besprechen
Ange sah ihn missmutig an, wollte etwas erwidern, unterdrueckte aber die
Inzwischen nahm Erna eines der Kleider an sich, fuhr mit den Armen
hnein, schob die Schleppe mit den Fuessen ungeschickt hin und her, so dass
sie diese mit den bestaeubten Schuhen beruehrte, und rief endlich laut:
"Mama, Mama, sieh einmal!"
"Aber Erna, Erna!" flehte Ange und eilte erschrocken hinzu. Das Kind
aber xhob den seidenen Rock empor, lief rasch davon und rief: "Das muessen
Jorinde und Ange sehen! Nein, nein, ich gebe es nicht!"
Ange liess denn auch das Kind gehen und machte der Zofe ein Zeichen,
nachzueilen.
Als sie zu Teut etporblickte, begegnete sie seiner missbilligenden
Miene. "Unverbesserlich sind Sie, liebe Graefin," sagte er und schuettelte
"Nicht schelten!" bettelte sie und sah ihn mit ihrem bezaubernden Blicke
an. "Aber doch ernsthaft raten! Sehen Sie, liebster Teut, das ist mein
bestes Kleid, und darin kann ich doch den Ball nicht besuchen, ncht
Allerdings: das Kleid war unverantwortlich behandelt. D$
eltnisse. Das
erfordert gewiss ein Jahr, in dem ich mich Ihnen nuetzlich machen kann."
Ange sah dem trefflichen Menschen ins Au~ge, und eine Thraene der Ruehrung
stahl sich in ihr eigenes.
"Gut, unter einer Bedingung, Tibet!" entschied sie, waehrend sie ihre
Empfindungen zurueckdraengte "Sie versprechen mir, dass Sie meine vorher
geaeusserten Wuensche erfuellen, das Sie dem Baron von Teut--"
Tibet hatte bei den ersten Worten dankbar das Haupt geneigt, jetzt trat
ein unverkennbarer Ausdruck der Unruhe in seine Zuege.
"Nun, Tibet?" unterbrach sich Ange.
"Darf ich offen sprechen, Frau Graefin?"
Ange nickte, ergriff einen kleinen Gegenstand, der auf dem Tische lag,
rollte ihn in ihrer Hand auf und ab und horchte mit einem Anflug von
Spannung auf.
"Ich gab Herrn Baron von Teut beim Abschied mein Wort, Frau Graefin, ihm
von allem Mitteilung zu machen, was die graefliche Familie anbetraefe. Ich
meine," setzte er schnell auf einen stolzen Blick aus Anges Augen hinzu,
"ihm sogleich Nachricht zu geben, wenn bei den ein$
ngungen auseinander, sagte ihm, da er zunchst
130 Mark erhalten wrde, und nachdem der neue Ankmmling mit uns
gegessen hatte, fing er an, Holz in die Mhle zu tragen, wie wenn er es
von jeher gewohnt wre.
Eine halbe Stunde abseits liegt "S's Ranch", eine Meierei, wohin B. und
ich nachmittags gingen, um meinen Wirten, der Familie S., die dort
Sommerwohnung hatte, einen Besuch zu machen. Viele Verwandte und
Bekannte, Kranke und Gesunde, zusammen etwa 20, meist tschechischer
Herkunft wie auch die Familie S., waren anwesend und genossen, wie es
schien, unbeschrnkte Gastfreundschaft. Wir besichtigten die zum Gut
gehrige, von Schweizern betrieb2ne Milch- und Ksewirtschaft (60 Krhe),
sowie die Weinberge, die 80 Acker bedeckten.
Am Abend sa ich mit dem alten B., der froh war, jemand z haben, der
sein liebes Prag kannte, und mit dem er ber die Deutschenfrage in
Oesterreich sprechen konnte, auf der Veranda seines Holzhauses bei einer
Flasche Californiers; es dmmerte, und feierliche Stille lagerte sich
ber $
n die Damen auf keinen Fall gehn, sie rieten aber
dringend, nach D. zu gehen. Die Lage, Verpflegung, kurz, alles sei
unvergleichlich viel besser als in C. Nun stand aber D. gar nicht mit
auf meiner Liste. Doch was sollte ich thun? A., B. und C. hatte ich auf
den Rat von X, Y und Z schon abgeschrieben. Die engere Wahl war also
ergebnislos verlaufen. Inzwischen war auch bei dem ewigen Warten eine
Woche der Ferien unwiederbringlich verloren, und wenn wir noch etwas von
der Sommerfrische haben wollten, dann hie es sich eilen. Kurz
entschlossen telegraphierte ich nach D., bezahlte die Antwort und hatte
nach 3 Stunden einen zusagenden Bescheid. Hurra, wir hatten eine
Sommerfrische! Was 12 Briefe nicht vermocht hatten, eineaDepesche hatte
es erreicht. Wir stehen eben im Zeichen der Telegraphie; Briefe sind ein
berwundener Standpunkt. Nun kann ich auch den Schleier der Anonymitt
lften und verraten, da D. Niedermarsberg war, an der Diemel im
stlichen Sauerlande gelegen. Schon am nchsten Tage sollte die Reise
$
 aus. Die Bewilligung von 6000 Talern aus der Schatulle des
Knigs an die Weberdeputation aus dem Reichenbach-Neuroder Kreis zwecks
Errichtung einer Produktivgenossenschaft spricht auch dafr, da ihm
jedes Mittel recht war, einen Keil zwischen Arbeiterklasse und
Bourgeoisie zu treiben, um nach dem Grundsatz "teile und herrsche" sich
in der Macht zu halten.
Ich bin in der Schilderung der Ereignisse dem Gange der Dinge etwas
vorausgeeilt.
Kurze Zei nach Eichlers Anwesenheit in Leipzig reisten Fritzsche,
Vahlteich und Dolge als Delegierte nach Berlin, um sowohl mit den
Fhrern der Berliner Arbeiter wie mit dene der Fortschrittspartei und
des Nationalvereins ber die obenerwhnten Punkte zu verhandeln. Da der
deutsche Arbeiterkongre erst Anfang 1863 und dann nach Leipzig berufen
werden sollte, darber einigte man sich rasch. Ebenso ber die
Tagesordnung des Kongresses, aus der der Punkt "Abhaltung einer
Weltausstellung in Berlin" gestrichen wurde. Eichler war mit anderen
Arbeitern im Sommer 1862 Besucher der$
nne brennt.
Eure Liebe sei unser Postament.
Zweimal zwei ist vier
Mit groen Gebrden und groen Worten
Treibens viele Leute allerorten.
Haben eine absonderliche Manier,
Zu sagen: zweimal zwei ist vier.
Orakeln im mystischen Tempelbass
Liebe Brder, wenn's regnet], wird's nass!
Je weniger sie zu sagen haben,
Je toller gebrden sich die Knaben.
Doch wie sie sich geben und wie sie beharren,
Man merkt gleich, es sind Narren.
Sind auch etliche "Dichter" darunter,
Die treiben's erst munter!
Prolog zur Nietzsche-Gedenkfeier
der Literarischen Gesellschaft in Hamburg
Er fuhr vorber, hellen Angesichtes,
Der Tod, als ging's zu einer Hochzeitsfeier.
Wohin? Wem neidest du das Glck des Lichtes,
Du mit der Hast des beutefrohen Geiers?
Ein kurzer Blick, er hemmte seinen Flug
           Hast? Immer hab ich Zeit genug.
Ein Stndchen frher oder spter zhlt
Dem Freier wohl, der sich die Braut erwhlt;
Der Schnitter, dem das Korn entgegendampft
In satter Reife, nimmt sich Zeit zum Schrfen,
Und, lssiger noch, der Mller, d$
68] III, 364. T.-R. I, 44. 199. Cord. 639.
[169] _Kawerau_, Briefw. des J. Jonas, Halle 1884, I, 116. Beste 74. Br.
III, 246. 364 f. 376. 390.
[170] III, 448.--Es war am Himmelfahrtsabend.
[171] III, 447 f. T.-R. II, 274.
[172] Mayer p. 40. Veit Dietrich 19. Juni an Kthe.
[173] T.-R. I, 205 f.
[174] Beste 77 f. Br. IV, 313. 320. 414. T.-R. I, 118. 200. IV, 131.
[175] Br. IV, 419.
[176] _Hofmann_ 156 f. Vgl. T.-R. IV, 515. 525.
[177] Br. IV, 436. Hofmann 156-88.
[178] IVY 436 f.
[179] _Mayer_  22. _Cord._ 1235.
[180] IV, 574. 623. V, 129. 163. VI, 153.
[181] T.-R. I, 118. 178. 181. 198 ff. 211. Br. III, 123. IV, 343.
[182] T.-R. I, 26. 213. Ratzeberger 60. Rietschel L. und sein Haus.
Halle 1888. S. 45. ("Der Kleider und des Baretts springen"--Sack- oder
Hosenlaufen und Barlauf?) Jost Br. IV, 7. Jost und Lippus; 41.
[183] T.-R. I, 13. _Matthesius_ 145a. Br. IV, 41 f. 343. V, 163.
_Ratzeberger_ 59.
[184] T.-R. I, 294. 212. 185. 178. Cord. 732. _Weilinger_ i seiner
Schmhschrift "Fri Vogel oder stirb" (Stra$
ielleicht ist das Weilingersche Bild unter
schmhschtigem Hinzuthun des "Andrsel" einem lteren Original
nachgebildet; die TracKht der Kinder weist zumTeil auf die Wende des 16.
Jahrhunderts. Bei Luther, Kthe und Lenchen hatte der Zeichner offenbar
die bekannten Originale vor Augen.
[185] Muhme Lene. Magdalena von Bora fehlt in dem Nimbschener
Personenverzeichnis von 1525/6. Von 1520-25 fehlt ein solches. IV, 44 f.
Vgl. T.-R. I, 200.
[186] T.-R. III, 153. Br. IV, 42. 132. 343.
[187] _Lauterbach_ 2. 141 f. 164 f. Cyriak Br. III, 550. IV, 8. 15. 121.
139. VI, 123.
[188] Lies. gleichzeitig, statt "frhzeitig". Von dem Adoptivsohn
_Andreas_ schreiben sich die katholischen Verleumdungen des Lutherschen
Ehepaares her, da er als "Sohn" bald nach der Hochzeit geboren sei.
(Vgl. oben S. 58). Ueber diese Verleumdung vgl. Lauterbach V und 141
Anm. desgl. _Lutherophilus_, "Das 6. Gebot und Luthers Leben." Halle,
Fabian hatte in der "Specke" ein Abenteuer mit einigen Schlangen, das er
daheim natrlich gehrig bert$
erehrung und Freundschaft troesten, welche ihr Gatte bei seinen
Amtsgenossen und Landsleuten gefunden hatte.
Das erste Jahr von Katharinas Ehestand.
Luther fuehrte nach seiner Vermaehlung die junge Frau i seine Wohnung im
Augustinerkloster. Denn dies hatte ihm der Kurfuerst Johann der
Bestaendige, der seit Mai seinem Bruder Friedrich dem Weisen gefolgt war,
unter der Bedingung des Vorkaufsrechts zur Verfuegung gestellt.
Das "schwarze Kloster" lag oben am Elsterthor, unmittelbar am Wall und
Graben, still und abgewandt von der Welt, von der Strasse durch einen
grossen Hof geschieden. Das dreistoeckige Hauptgebaeude gegen die Elbe zu
gelegen war die Behausung der Moenche gewesen und jetzt Luthers
Aufenthalt. In der westlichen Ecke nach Mittag gerichtet und mit
Aussicht auf die gelben Fluten des Stromes war Luthers Zelle, woraus er
"den Papst gestuermt hatte": sie blieb auch jetzt seine Studierstube.
Dagegen richtete das Ehepaar nach dem Hofe zu, wo die Gemaecher des
ehealigen Priorats lagen, die geraeumige Woh$
tter hat nicht allein in
Frauenkrankheiten durch Rat und Heilung vielen geholfen, sondern auch
Maenner oft von Seitenschmerzen befreit."[477] Ihr vertraute sich daher
Luther auch lieber an, als "unsers Herrgotts Flickern", den Aerzten und
den Apothekern. Als Luther zu Schmalkalden toedlich erkrankte und die
Aerzte ihm Arzneien gaben, "als ob er ein grosser Ochs waere", und de
schwaebische Carnifx (Schinder, Folterknecht) meinte: "Ei, lieber Herr
Doktor, Ihr habt einen guten, starken Leib, Ihr habt wohl noch
zuzusetzen; Ihr muesst, bei Gott! leiden, wenn man Euch angreift"--da
dachte er an seine Hausfrau und ihre wohlthuenden Hausmittel und
begehrte, trotzaller Schrecken solcher Fahrt, nichts wiesheim[477].
Luther hatte den Grundsatz: "Ich esse, was mir schmeckt und leide
darnach, was ich muss. Ich frage auch nach den Aerzten nichts; will mir
mein Leben, so mir von ihnen auf ein Jahr gestellt ist, nicht sauer
machen, sondern in Gottes Namen essen und trinken, was mir schmeckt." So
berichtet der Arzt Ratzeber$
g daraus. Er hoffte und
wuenschte, dass das Weltende nahe sei oder doch sein Lebensende. "Komm',
lieber juengster Tag!" seufzt er am Schluss efnes Briefes an Kaethe, und an
Fau Joerger schliesst er (1544) ein Schreiben: "Es sollt ja nunmehr die
Zeit da sein meiner Heimfahrt und Ruhe; bittet fuer mich um ein seliges
Stuendlein."[539]
Da er aber nicht aus der Welt gehen und die Feiertagsruhe des Juengsten
Tages nicht selbst herbeifuehren konnte, so wollte er wenigstens aus
_seiner_ Welt scheiden und von seinem Beruf. Denn so ist ja Stimmung und
Wunsch bei alten und kranken Leuten: da sie nicht aus dem Leben gehen
koennen, so suchen sie ihren Wohnort zu veraendern und wuenschen sich
daraus weg, mit so viel Beschwerden auch ein Wechsel und eine Reise
verbunden sein mag. So sagte Luther das ganze letzte Jahr zu seiner
Umgebung, "er begehre an einen anderen Ort zu ziehen". Und die Freunde
fanden es auch merkwuerdig, dass er in diesem Jahr vor seinem Tode oefter
ausgezogen, denn in vielen Jahren; und sie sahen es$
der Doktor auch dies widerlegte, sagte sie: "Bevor
ich das zugaebe, wuerde ich lieber wieder ins Kloster gehen und Euch und
alle Kinder verlasen."
[399] Br. III, 35.
13. Hausfreunde
Vgl. _Anton_ D.M.L. Zeitverkuerzungen. L. 1804, S. 94 ff.
[400] V, 668. Vgl. Matthesius zu 1529: Luthers "Discipel" fangen an zu
[401] Br, IV, 503. 565. 636. _Burkh._ 319. _Kolde_, An. L. 8.
_Buchwald_ 48. 52. Br. II, 677. III, 150 u.a. IV, 344. VI, 138. 411.
"Kuetten-Latwerg" d.i. Quitten-Latwerge.
[402] IV, 500. V, 434. 503. III, 77.
[403] Fr. S. Keil, Dr. M.L. Merkw. Lebensumst., S. 699. Ztschr. f. hist.
Th., 1874, S. 551.--
[404] III, 35. 128. IV,36. V, 96. 426. VI, 450. T.-R. III.
[405] _Kawerau_, Ztschr. f. K.-Gesch., IV, 301. T.-R. III, 375.
[406] "Grickel und Jaeckel". T.-R. III, 358-82.--_Anton_, L.s
Zeitverkuerzungen 145. Vgl. das Katechismusglas T.-R. II, 174. Koestlin
II, 465. 469.--Das ueberlaute Schreie. Agrikolas charakterisiert
Creuziger in einem Brief an Veit Dietrich: er lehre in der Schule nach
Gewohnheit grandi$
 Sie sprachen nicht mehr;
aber ihre Hnde fanden sich wieder, doch die des andern zu drcken, das
traute sich keins von beiden. Dann entzog sie sich ihm sacht, trocknete
Augen und Gesicht und strich ihr in Unordnung geratenes Haar wieder
glatt. Er sa da, sah sie an und dachte mit beruhigter Seele: "Hat sie
mehr Schamhaftigkeit als die andern Mdchen hier, und will danach
behandelt werden, so soll keiner was dagegen sagen."
Er begleitete sie u ihrer Alm, die nicht weit entfernt lag. Er wollte
gern Hand in Hand mit ihr gehen, aber er fhlte eine gewisse Scheu, die
ihm kaum erlaubte, sie zu gerhren; es kam ihm schon merkwrdig vor, da
er neben ihr gehen durfte. Beim Abschied sagte er daher auch:
"Das soll lage dauern, bis Du wieder einen tollen Streich von mir zu
hren bekommst."
Im Hause fand er seinen Vater bei der Arbeit, Korn vm Schuppen zur
Mhle zu tragen, denn alle Besitzer ringsum mahlten auf der Granlidener
Mhle, wenn ihre Bche kein Wasser mehr hatten; der Granlidener Bach
bekam immer neuen Zuflu $
cht?"--"Ja, aber die Mhle behalten."--"Dann ist's am besten, Du gehst
auf die Ackerbauschule."--"Lernt man da ebensoviel wie auf dem
Seminar?"--"Ach nein, aber man lernt das, was man spter
braucht."--"Bekommt man da auch NummeGrn?"--"Warum fragst Du
danach?"--"Ich mchte gern sehr tchtig werden."--"Das kannst Du auch
ohne Nummern."--Sie gingen schweigend weiter, bis Pladsen in Sicht kam;
ein heller Lichtschein drang aus dem Hause, der Berg neigte sich an
diesem Winterabend schwarz darber, drunten lag der Fjord mit dr
blanken, schimmernden Eisdecke. Der Wald rahmte die stille Bucht ein, es
lag kein Schnee, der Mond sCand am Himmel und spiegelte den Wald im
Eise. "Es ist schn hier in Pladsen", sagte der Schulmeister. yvind
konnte zu Zeiten die Gegend noch mit denselben Augen anschauen wie
damals, als seine Mutter ihm Mrchen erzhlte, und mit dem Gesicht,
womit er so oft auf den Hgel gelaufen war; jetzt hatte er dies Gesicht:
alles ljg so klar und erhaben vor ihm. "Ja, hier ist es schn", sagte
er, aber$
he Glaube, da alle Mnschen gut sind; seine Hand fhrte
er mit einer demtigen Bewegung aus der Tasche zum Haar, um es glatter
zu streichen. Wenn er blo glimpflich durch dies gefhrliche Nadelhr
hindurchkomme, dann wolte er schon wieder anders werden und Tabak
kauen, und seine Verlobung ffentlich machen. Auf einem niederen Schemel
aber sa mit eingezogenen Beinen unruhig der Dreizehnte. Seine kleinen
blanken Augen wanderten dreimal in der Sekundg durch die ganze Stube,
und unter dem dichten, struppigen Haar wlzten sich die Gedanken der
andern Zwlf in bunter Unordnung, von den stolzesten Hoffnungen zum
niederschmetterndsten Zweifel, von den demtigsten Vorstzen zu den
vernichtendsten Racheplnen gegen das ganze Dorf, und whrenddessen
hatte er von seinem rechten Daumen schon alles berflssige Fleisch
abgeknabbert, machte sich jetzt an die Ngel und spuckte sie in groen
Stcken auf den Fuboden.
yvind sa am Fenster; er war schon oben gewesen und hatte alles gewut,
was er gefragt worden war; und do$
en flackerten unruhig und fllten sich mit Trnen, und wie#gehetzt fgte er hinzu: "Oder wollen wir vielleicht doch noch
weitermachen?" Erstz hinterher wure ihm klar, was er ihr da
vorgeschlagen hatte; es war unrecht von ihm--er wollte es wieder
zurcknehmen, aber schon erhob sie ihre Augen zu ihm; sie sagte nicht
mit den Lippen "ja"; aber besser htte sie es nicht sagen knnen. Um
sich vor seinem eigenen Gewissen zu entschuldigen, suchte er nach einem
Vorwand und fragte: "Du mchtest jedenfalls jetzt gern irgend etwas
Bestimmtes ergreifen ... etwas, wozu Du"--er beugte sich zu ihr
herber--"den Beruf in Dir fhlst?" "Nein!" erwiderte sie sorasch, da
er errtete und, abgekhlt, in die eigenen, jahrelangen Grbeleien
zurcksank, die ihre unerwartete Antwort wieder wachgerufen hatte.
Da etwas Eigenartiges sich in ihr regte, daran hatte er nie gezweifelt,
seit er sie als Kind singend an der Spitze der Straenjugend des
Stdtchens hatte marschieren sehen. Aber je lnger er sie unterrichtet
hatte, desto weniger $
ne,
Lars dagegen, der Mann mit dem groen Oberkopf und der kurzen unteren
Gesichtshlfte, fuhr fort: "--aber einer, der Spielmann Hans, der will
nicht Schlu machen."--Als auch Lars ber das weitere nachgrbelte, kam
der junge Mensch ihm zu Hilfe: "Denn er wei, da auch der Herr Propst
ein Instrumen hat, nach dem hier im Pfarrhaus getanzt und gesungen
wird."--"Das kann fr {ihn wohl keine grere Snde sein als fr den
Herrn Propst", sagte Lars.--"Es liegt so, da das Spielen beim Herrn
Propst die andern in Versuchung fhrt", sagte Else behutsam, wie um
ihnen vorwrts zu helfen. Der junge Mensch aber fgte krftiger hinzu:
"Es rgert die Unmndigen, wie geschrieben steht: Wer aber rgert dieser
Geringsten einen, die an mich glauben, dem wre besser, da ein
Mhlstein an seinen Hals gehngt, und er ersufet wrde im Meer, da es
am tiefsten ist." Und Lars lste ihn ab: "Unser Anliegen an Dich ist
also, da Du Dein Instrument forttust oder es verbrennst, dami es nicht
zum rgernis wird--"--"Fr Deine Pfarrkin$
in seinen
Gedanken, feurig, mit Lust, und 'wer ein Weib ansieht ihrer zu begehren'
usw.--Ihr kennt Christi eigene Worte. Wenn Schleiermacher sagt, das
Drama drfe nur privatim und von Ungebten gespielt werden, dann sagt
er, da die Gaben, die wir von Gott bekommen haben, vernachlssigt
werden sollen, whrend es doch Gottes Wille ist, da sie zur
grtmglichen Vollkommenheit gebracht werden; denn dazu haben wir sie
erhalten. Wir alle schauspielern tagtglich, indem wir andere nachmachen
oder im Scherz oder Ernst eine fremde Meinung annehmen. Die Sache
berwiegt bei einzelnen Menschen alle andern, und da mchte ich doch
sehen, wenn man es unterliee, dies Talent zu pflegen, ob sich nicht
bald von selbst herausstellen wrde, da gerade in der Unterlassung die
Snde liegt. Denn wer seinem Beruf nicht nachgeht, wird untauglich zu
andern Dingen, wird unredlich, wankelmtig,--k:urz, fllt allen
Versuchungen viel leichter zur Beute, als w#enn er seinem Berufe folgt.
Wo die ArbeitP und die Freude daran zusammenfall$
 Wildheu zu schlagen.
Ihr saht es ringen
Beim Fischfang, in Sturmnot, mit wenig Gelingen,
oden und hauen und pfluegen und pflanzen,
In Moor und Geroell mit den Gaeulen schanzen;
Masslos zu Zeiten,
Trunkene Flegel,
Sich raufen und streiten,
Doch nimmer weichen,--zu Topp die Segel!
Weiler wechseln; doch tief gekerbt
In euch liegt Sehnsucht, die quellenreiche,
Singende Tiefe--die wellengleiche:
Windboenfjord hat den Sinn euch gefaerbt.
Wikinggeschlecht, ich gruesse dein Nest!
Tief liegt dein Grundstein, die Woelbung ist fest,
Sonnennebel erfuellt deine Halle,
Gischtchaum vom brausenden Wasserfalle.
Wikinggeschlecht, so sei mir gegruesst!
Wo uns so hohe Woelbung umschliesst,
Kostet's zwar Kampf, sich den Thron zu erringen--
Nicht allenwollte das leider gelingen--
Kampf kostet's, das Erbgut des Fjords zu heben
Aus wollestigem Nichtstun zu fruchtbarem Streben,
Kampf kostet's;--doch der, der es wagt, wird Mann.
Ich weiss, dass er's kann.
HOLGER DRACHMANN
Lenzbote, sei gegruesst! Kommst du vom Walde?
Denn du bist nas$
 draengt!
  Norge, Norge,
Huetten und Haeuser und keine Burgen,
  Hart oder weich,
Du bist unser, bist unser Reich,
Du bist der Zukunft Land.
MEISTERN ODER GEMEISTERT WERDEN
Dieses Land, das trotzig schaut,
Meerumbrandet, bergumbaut,
Winterkalt und sommerbleich,
Kurzes Laecheln, niemals weich,--
Ist der Riese, der, gemeistert,
Foerdern soll, was uns begeistert.
Er soll haemmern, er solQ tragn,
Er soll singen, er soll sagen,
Er soll malen Glanz und Gischt:--
Was da donnert, tost und zischt
Zwischen Fjord und Bergeswacht,
Schaff' uns eine Schoenheitsmacht.
Der Wald gibt sausenden sachten Bescheid;
Was immer er sah in den einsamen Stunden,
Was immer er litt, als man doch ihn gefunden,
Das klagt er dem Winde; der traegt es weit.
DER SIEBZEHNTE MAi
Wergelands Denkmal am siebzehnten Mai
Gruesste der Festzug. Und als die letzten,
Maener im Takt,
Frauen mit Blumen in ihrer Mitten,
Schritten die Bauern, die Bauern schritten.
Oesterdalswaldes maechtiger Haeuptling
Trug ihre Fahne. Als wir sie sahen,
Ueber dem Purpur
Si$
nde nehmen wollten, sagte Oeyvind
trocken und leise: "Der Mann muss schwere Ladung haben", und mehr war
nicht noetig. "Ich glaube, Du bist nicht recht klug", fluesterte der
Vater, dem das Lachen nahe war.--"Hm, hm", raeusperte sich IOle auf der
Hoehe. "Er bringt schon seine Kehle in Ordnung", fluesterte Tore. Oeyvind
kniete vor dem Heuhaufen hin, grub das Gesicht hinein und lachte; auch
sein Vater bueckte sich hinunter. "Komm in die Scheune", fluesterte er,
lud sein Heu auf und trabte davon; Oeyvind bog sich vor Lachen, nahm auch
ein kleines Buendel, lief hinterher und warf sich auf die Tenne nieder.
Der Vater war ein ernster Mann; aber brachte ihn einer zum Lachen dann
gluckste es erst ein bisschen in ihm, und dann kamen lange, abgebrochene
Triller, bis sie sich zu einem einzigen langen Bruellton vereinigten,
worauf dann Welle auf Welle mit immer laengerem Schnaufen hervorbrach.
Jetz war er ins Fahrwasser gekommen; der Sohn lag auf dem Boden, der
Vater stand dabei, und beide lachten, dass es schallte. Sie $

sich daher den versoffenen Polizeidiener des Orts samt seinem grossen
Hun in die Hinterstube, woselbst die beiden reichlich bewirtet wurden.
Als der Lockenwirbel des Fischermaedels ueber den Planken auftauchte und
gleichzeitig von allen Seiten eine Unmenge kleiner Spitzbubenfratzen
hereinguckten, liess Pedro die jungen Strolche vorn am Haus mit den
Rosenbueschen klatschen--aus Leibeskraeften; er selber wartete ruhig im
Hinterzimmer. Und als die ganze Gesellschaft in tiefster Stille sich um
den Baum geschart hatte, und das Fischermaedel, barfuss und zerkratzt, im
Wipfel sass, um zu schuetteln, sprang die Hintertuer auf und Pedro und der
Poulizeidiener, hinter sich den grossen Hund, stuerzten hervor. Ein Schrei
des Entsetzens erhob sich unter den Buben; ein Haufen kleiner Maedchlen,
die in aller Unschuld draussen vor dem Zaun "Haschen" gespielt hatten,
glaubten, da drin werde jemand umgebracht, und fingen ganz fuerchterlich
zu kreischen an; die Jungens, die entwischt waren, schrien hurrah; die,
die noch uebe$
ht, nicht einmal Oedegaard; sie musste es
allein in sich tragen, bis es so stark geworden war, dass es jedem
Zweifel standzuhalten vermochte.
Aber jetzt war alleq anders geworden. Unablaessig stand das feuerrote
Gesicht des Propstes vor ihrem aufgeschreckten Gewissen. Jetzt galt es,
sich zu retten! Sie suchte Signe, immer hastiger, immer aufgeregter;
aber schon war es Nachmittag, und immer noch war Signe nicht da. Je
weiter ein Mensch, den wir suchen, sich uns entzieht, desto mehr
vergroessern wir uns selbst die Ursache der Trennung; und so kam es, dass
ihr endlich klar wurde: es war ein Verrat gewesen an Signe, ihre
Frendschaft heimlich zu etwas zu missbrauchen, was Signe fuer eine grosse
Suende hiet. Gott, der Allwissende, war ihr Zeuge, dass eine solche
Auffassung der Dinge ihr bisher ueberhaupt nicht in den Sinn gekommen
war. Wie eine grosse Suenderin kam sie sich vor.
Genau wie damals zu Hause fuehlte sie sich wie zerschmettert und hatte
doch noch kurz vorher ueberhaupt keine Ahnung davon gehabt! Dass $
is abens in Ihrem Interesse thtig.
"Ich darf das Verlangen stellen, da die Motive, die Sie zur Kndigung
leiteten, unbedingt zwischen uns bleiben. Wenn Sie sie auch als
berechtigte erachten undich, weil der Schein gegen mich spricht, ihren
Entschlu vergehe, so versteckt sich doch thatschlich hinter ihnen
nichts, was den geringsten Tadel gegen mich erwecken knnte. Sie mgen
bedenken, da es so ist, wenn ich Sie auch nicht zu berzeugen
"Und ferner: Ich darf von Ihrer bisherigen Keulanz erwarten, da Sie mir
mein volles Gehalt auszahlen!"
"Ich wei nicht, ob ich mir in einem Viertel- oder Halbjahr schon
wieder einen Erwerb werde verschaffen knnen."
"Dann noch etwas, Herr Knoop:
"Ich werde Ihnen vielleicht, ja sicher, Konkurrenz machen. Ich spreche
das gleich offen aus, damit Sie mich nicht spter einer unkorrekten
Handlungsweise zeihen!"
Und Knoop erwiderte:
"Gegen Ihren sofortigen Austritt habe ich nichts einzuwenden, Herr von
Klamm. Auch bin ich bereit, Ihnen ein ganzes Vierteljahrhonorar und die
Hl$
reits in Hinblick auf die sicher
eintretenden Vorwrfe seiner Damen hingeworfen und zur Bedingung
Und als er sich wieder ins Wohngemach begab, erwhnte er nur auf deren
nicht unbesorgte Frage, da sich Theodor lediglich habe Ausknfte ber
einiges einholen wollen.
Die Reue hatte ihn schon jetzt erfat, und sie wirkte derartig nach, da
er an diesem Abend eine noch schlechtere Laune hervorkehrte, als er sie
nach den Erlebnissen im Coup der Eisenbahn an den Tag gelegt.--
Am folgenden Morgen suchte Herr von Knoop seine Gedanken zu ordnen, und
es gelang ihm, indem er allerlei Kompromisse mit seiner Vernunft und den
Unabnderlichkeiten schlo.
Zunchst suchte er Ileisa auf, und teilte ihr mit, da er ihr monatlich
die Hlfte von dem auskehren wolle, was er ihrem Manne bisher zugewendet
habe. Auerdem hndigte er ihr die rckstndige Rent fr ihre Tante ein
ud ersuchte sie, mit ihrer Verwandten zu sprechen, ob sie ncht mit ihr
nach Hamburg bersiedeln wolle. Sie selbst wollten Behrwalde verkaufen,
in der Nhe de$
er materiell gar nicht besser fahren koenne, als wenn er jetzt
Ueber eine Million Thaler in sicheren Staatspapieren sei ein Resultat.
Darin muesse er Arthur recht geben.
Und der Adel? Er hiesse lieber Freiherr Friedrich von Knoop, als Herr
Rentier Knoop! Gewiss, im Grunde sei dergleichen wie so vieles, ein
Nichts, ein Schaum, dem nachzujagen, eine Thorheit. Aber man lebe eben
in einer Welt der Komoedien, und wolle man den absolut Vernuenftigen
spielen, laufe man geradezu Gefahr, ins Irrenhaus gesperrt zu werden.
Und das wiederum so Vorgebrachte klang denn auch wahrlich nicht so uebel!
Wie ueberalldas, was die Sinne bestrickt, stets in anderen Farben
leuchtet, als die graue Vernunft.
Sie, die Vernunft, mit ihrer rauhen Tugend, passt in die
Trappistenkloester, aber nicht in die Welt der Beduerfnisse, des
Genissens, des Ehrgeizes.----
Waehrend sich die Dinge in solcher Weise bei Knoops abspielten, sass am
Schluss der Woche abends im Millionen-Klub Alfred von Klamm neben einem
ihm bereits aus seiner Dresdner Ze$
Feldern klang ihr weit melodischer als der Laut
der gefluegelten Scharen ueber den mit geschwaerzten Schornsteinen
besetzten Daechern der Grossstadt.
Die Freiheit und die Unabhaengigkeit von dem gesellschaftlichen Zwang mit
all seinen Komoedien und Unwahrheiten mutete sie an wie eine neue
Wunder-Daseinswel Da nun auch Ileisa fortan in ihrer Naehe blieb,
glaubte sie alles zu besitzen, was ihr Herz ausfuellen konnte.
Nur eines stoerte sie jeden Tag. Das Verhaeltnis zu ihrem Bruder wurde
immer schlechter. Immer mehr verflachte er, und mit der Annahme der
Verflachung und der Arbeitsscheu verstaerkten sich seine Empfindlichkeit
und sein Mangel an Ruecksichten gegen seine Umgebung.
War er frueher rauh und rechthaberisch gewesen, so hatte er doch Sinn fuer
Arbeit, Erfolg besessen und Respekt vor seiner Person in allen Kreisen
Jetzt sprach er nur von den gesellschaftlichen Errungenschaften, die
ihm, als Mitglied des Adels, immer mehr zufielen. Als ihn ein bisher
sehr unnahbares Mitglid des nionklubs, in dem er aufge$
ng empfaengt. Ich gestehe zu,
dass ich dir nichts biete. Aber ich kann nicht geben, was ich nicht
Adelgunde bewegte mit der Miene tiefster Bitterkeit das Haupt. Dann
stiess sie heraus:
"Ah! Ich begreife! Da du heute zu ihr reisen willst, nimmst du die
Gelegenheit wahr, mich fuer immer zu verabschieden."
Klamm sah seine Frau, mit sanftem Vorwurf im Auge, an.
"Nein!" entgegnete er dann. "Ich verband mit meiner Bite gar keine
Nebengedanken. Ich wollte nur mit dir ueberlegen, welchen Modus wir
jetzt, nach deiner Rueckkehr, nach Mamas Tode, waehlen koenntenf uns nicht
zu trnnen, aber nebeneinander ohne Verstimmung einzurichten. Und
ferner: Von mir wird der Vorschlag, ganz auseinander zu gehen, niemals
gemacht werden."
"Und weshalb nicht?"
"Meine Dankbarkeit gegen dich verbietet es. Es waere ein Akt groesster
Undankbarkeit--"
"Das verstehe ich nicht. Du koenntest, wenn dieses Gefuehl so maechtig in
dir ist, es doch auch in anderer Weise zum Ausdruck brngen--"
"Zum Beispiel, Adelgunde?" Klamm sprach freundlich und $
nken Hals, die wie aus Wachs geformten Partien, welche
die handbreiten Brsseler Kanten umzehen sollten, mit dem
Amethystschmuck schmckte, den sie von ihrer Pate, der Frstin
Romanow, geschenkt bekommen hatte. Ihm, ihm hatte sie mit all jener
Herzlichkeit, miM der sie frher versprochen, einen Spaziergang mit
ihm zu machen oder ihn, den Einsaen, zu besuchen, wenn er krank war,
jetzt als Knigin des Festes die erste Polonse zugesagt.--
Immer verdrieli>her wurden die Damen, immer ungestmer mahnten die
Herren den alten _Matre de plaisir_; schon seit einer halben
Stunde stimmten die Musikanten, da man vor dem Quieken der
Klarinette, vor dem Brummen der Bsse sein eigenes Wort nicht hrte,
--er gab nicht nach. Da rasselte ein Wagen ber den Marktplatz her und
hielt vor dem Flgeltor des Museums.
"Das sind sie," murmelte der Hofrat und strzte zum Saal hinaus; bald
darauf ffneten sich die Flgeltren, und der kleine freundliche Alte
schritt am Arm einer jungen Dame in den Saal.
       *       *       *     $
durchs Feuer
       *       *       *       *       *
LICHT IN DER FINSTERNIS.
"Nun, was sagst du zu dieser Geschichte?" sprach der alte Herr zu Martini@,
als sie wieder in ihrem Zimmer wren. "Was sagst du zu der schnen
Strumpfbandgeschichte?" "Nun, was werde ich dazu sagen!" antwortete Emil
nachdenklich--"da er mit der Grfin in einem sehr unanstndigen Verhltnis
steht. Aber erkren Sie mir nur, was plauderte er nur von einem alten
Sorben und von einem Grafen, der die Grfin Aarstein heiraten solle?"
"Das will ich dir schwarz auf wei zeigen," sagte jener und zog einen Pack
Briefe hervor, den er Emil zur Durchsicht gab. Es waren jene Briefe, welche
der alte Sorben an den lteren Grafen _artiniz geschrieben hatte, um
womglich eine Heirat zwischen Emil und der Aarstein zu bewirken. Immer
eifriger las Emil, immer zorniger und dsterer wurden seine Zge; der alte
Herr ging indessen auf und ab und betrachtete den Lesenden. Endlich sprang
dieser auf und rief: "Nein, das ist zu arg! Das ist nicht auszuhalten!$
de lgen, wollte man nicht auf den ersten
Anblick diese Manier _angenehm_ finden. Es st ein lndliches Gemlde, dem
die Anmut nicht fehlt; es ist eine wohltnende, leichte Sprache, die
Sprache der Gesellschaft, die sich zum Gesetz macht, keine Saite zu stark
anzuschlagen, nie zu tief einzugehen, den Gedankenflug nie hher zu nehmen
als bis an den Plafond des Teezimmers. Es ist wirklich angenehm zu lesen,
wie eine Musik angenehm zu hren ist, die dem Ohr durch sanfte Tne
schmeichelt, welche in einzelne wohllautende Akkorde gesammelt sind Sie
darf keinen Charakter haben, diese Musik, sie darf keinen eigentlichen
Gedanken, keine tiefere Empfindung ausdrcken; sonst wrde die arme Seele
unverstndlich werden oder die Gedanken zu sehr affizeren. Eine angenehme
Musik, so zwischen Schlafen und Wachen, die uns einwiegt undin se Trume
hinberlullt. Siehe, so die Sprache, so die Form jener neuen Manier, die
euch entzckte!
Das _Zweite_, was euch gefiel, hngt mit diesem ersteren sehr genau
zusammen: diese Manier $
chickt; denn hier wuesste ich niemand,
der solche Arbeit lieferte."
Das ging ja dem alten Herrn aus dem Mund wie Wasser; schade nur, dass
er den tauben Waenden predigte; denn Ida schaut stillverklaert durch
die Scheiben und hatte weder Augen noch Ohren fuer ihren alten Freund.
Dieser sah sich um, sah das Hinstarren des Maedchens, folgte ihrem
Auge und--drueben in der ersten Etage des ehrsamen Gasthofes
"Zum goldenen _Mond_" hatten sich die rot und weissen Gardinen
aufgetan, und im geoeffneten Fenster stand--nein, er machte es gerade
zu, als der Hofrat hinsah, und liess die Gardine wieder herab; das
selige Kind drehte jetzt das Koepfchen, und ihr Blick begegnete dem
lauernden Auge des Hofrats. Die Flammenroete schlug ihr ins Gesicht,
als sie sich so verraten sah; aber dennoch sagte Trotzkoepfchen kein
Wort, sondern arbeitete eifrig an eine?r Zentifolie. Nun, dachte der
Alte, wenn du es durchaus nicht anders haben willst,--auf den Zahn
muss ich dir ei0mal fuehlen, also sei's!
"Sie haben brave Nachbarschaft, Id$
,
reinen Liebe im Herzen traegt, wo ist ein solches Engelskind, das
nicht in ein paar Stunden die groessten Fortschritte in der Kunst zu
schliessen und zu berechnen gemacht haette? Man sprach so viel von
magnetisierten Schlaeferinnen und Clairvoyantes, man schrieb viele
gelehrte Buecher ueber solche seltene Erscheinungen, und wie gewoehnlich
liess man, was am naechsten lag, unbeachtet! Das sind ja die
eigentlichen Clairvoyantes, die Maedchen mit `der ersten, kaum
erkannten Sehnsucht in der Brust; wohl haben sie die Augen
niedergeschlagen, aber dennoch sehen sie weiter als unsereiner mit
der scharfsten Brille; die Liebe hat sie magnetisiert, hat ihne das
Auge des Geistes geoeffnet, dass sie in den Herzen lesen. So auch Ida;
sie merkte dem Hofrat wohl an, dass er mehr wisse, als er sagen wolle;
mit der Graefin war es nichts, aber ebensogut musste er wissen, dass es
auch mit keiner andern etwas sei, sonst haette er nicht so vergnuegt,
nicht so schelmisch gelaechelt. Er wusste,--das sah die neue
Clairvoyante je$
inen Brief
gebracht, den seine Schwester kurz vor ihrem Ende geschrieben habe;
er enthielt das Bekenntnis einer tiefen Schuld, einer unwuerdigen
Schande. Antonio habe lange geahnt, dass er, obgleich ihr Verlobter,
doch nicht der einzig Beguenstigte sei. Er habe ie in einem
Augenblick getroffen, der ihm keinen Zweifel ueber die Unwuerdigkeit
der Geliebten gelassen. Doch zu edel, sie der Schmach und dem
Unwillen ihrer Familie preiszugeben, habe er ihr erlaubt, seinen
Verlobungsring fortzutragen, in wenigen Wochen wolle er Warschau
verlassen und sie nie mehr sehen; ihren Ring, bei welcem sie ihm mit
den heiligsten Eiden Treue geschworen, wolle er der naechsten besten
Metze schenken.
"Dies war die einzige Strafe," fuhr Martiniz fort, "die sich der
edle, so schaendlich betrogene Mann erlaubte. Wie unselig rasch ich
handelte, wissen Sie, mein Fraeulein. Meinem Sekundanten wollte er die
Schande meiner Schwester nicht anvertrauen, eine persoenliche
Zusammenkunft mit ihm schlug ich in meiner Wut aus; so stellte er
s$
ne vor Ausgang des Duells n>icht mehr davon
gesprochen werden; nachher werde sich vielleicht manches aufklaeren.
Dieses Billett war nun auch auf dem Wege zum Kampfplatz Emil in den
Sinngekommen und hatte ihm jenen lauten Ausruf: "Sie ist dennoch
schuldig," entlockt.
Der Alte reichte ihm die Hand hinueber und sagte freundlich ernst:
"Urteile nicht zu fruehe! Du gehst einen gefaehrlichen Weg, nimm nicht
die Schuld mit dir, ungehoert verdammt zu haben. Du bist der letzte
Martiniz. Schlaegt eine Kugel hier unter den Wladimir, so ist es vorbei
mit dir und dem Heldenstamm, dessen Namen du traeg-t. Du schlaegst dich
fuer die Ehre einer Dame; so lange du fuer sie kaempfst, darfst du
nicht an ihrer Tugend zweifeln, sonst ist deine Sache nicht gut. Denke
dir: das Maedchen, so hold und engelrein, wie du sie sahst, als wir zu
Pferde stiegen, wie du ihr, von ihrem heiligen Anblick uebermannt,
dein zaertliches Lebewohl zuriefst--und du wirst freudiger streiten."
Emil hoerte nur mit halbem Ohr; seine ganze Aufmerksamkeitw$
n nach der ersten Viertel+stunde anekelt.
Man hat in neuerer Zeit in Frankreich und England angefangen, unsere
Literatur hochzuschaetzen. Die Englaender fanden einen Ernst, eine Tiefe,
die ihnen bewunderungswuerdig schien. Die Franzosen fanden eine Anmut, eine
Natuerlichkeit in gewissen Schilderungen und Gemaelden, die sie selbst bei
ihren ersten Geistern selten fanden. Faust, Goetz und so manche herrliche
Dichtung Goetwes sind ins Englische uebertragen worden, seine Memoiren
entzuecken die Pariser, Tiecks und Hofsmanns Novellen fanden hohe Achtung
ueber dem Kanal, und Talma ruestet sich, Schillers tragische Helden seiner
Nation vor das Auge zu fuehren. Wir Deutschen handelten bisher von jenen
Laendern ein, ohne unsere Produkte dagegen ausfuehren zu koennen. Mit Stolz
duerfen wir sagen, dass die Zeit dieses einseitigen Handels vorueber ist.
Aber muessen wir nicht erroeten, wenn es endlich einem ihrer Uebersetzer,
aufmerksam gemacht durch den Ruhm des Mannes, einfaellt, ein
"Vergissmeinnichtchen" ueber ein B$
n
"Vergimeinnichtchen" ber ein Bndchen von "Scherz und Ernst" zu
bertragen? Mit Recht knnt' er in einer pompsen Anzeige sagen: "Das ist
etzt der Mann des Tages in Deutschland, er macht Furor, _den_ mt ihr
lesen!" Meinet ihr etwa, man sei dort auch so nachsichtig gegen
Lcherlichkeit und Gemeinheit, um diese Geschichtchen nur ertrglich zu
finden? Welchen Begriff werden gebildete Nationen von unserem soliden
Geschmack bekommen, wenn sie den ganzen Apparat einer Tafel oder ein
Mdchen mit eigentmlichen Kunstausdrcken anatomisch beschrieben fanden?
Oder, wenn der bersetzer in unserem Namen errtet, wenn er alle jene
obsznen Beiwrte, alle jene kleinlichen Schnrkel streicht und nur die
interessante Novelle gibt, wie Herr N. die Demoiselle N. N. heiratet, was
wird dann brig sein?
Schneidet einmal dieser Puppe ihre kohlrabenschwarzen Ringellckchen ab,
pret ihr die funkelnden Liebessterne aus dem Kopfe, reit ihr die
Perlenzhne aus, schnallet den Schwanenhals nebst Marmorbusen ab, leget
Schals', Ht$
tz seines Alters noch von schlanker und elastischer Gest!alt; das
kurze dichte Haar war durchweg grau und an den Schlfen wie ber der
Stirn zurckgestrichen, so da das scharfgeschnittene, ausdrucksvolle
Gesicht mit den lebhaft blickenden dunkeln Augen und den noch fast
schwarzen Augenbrauen an jene alten Kpfe aus der Zeit des Puders
Der alte Herr begrte Herrn Vergier und seine Tochter, ohne die
peinliche Gereitheit zu bemerken, in welcher Beide sich befanden.
"Wir haben heute die Arbeit spt geschlossen," sagte er, "es sind so
bedeutende Bestellungen von Seiten der Kriegsverwaltung gemacht, da wir
alle Hnde voll zu thun haben um denselben zu gengen; nach diesen
Vorbereitungen sollte man fast glauben, da groe Ereignisse
bevorstehen, whrend doch die Zeitungen Nichts dergleichen vermuthen
lassen und alle officiellen Kundgebungen nur die zuversichtlichsten
Friedensversicherungen enthalten."
"Ich glaube an diese Versicherungen wenig," sgte Herr Vergier, welcher
sehr zufrieden damit zu sein schien, da$
da ist, lt auch die
Entschiedenheit des Handelns nicht auf sich warten.
"Ich werde meine Entschlsse ber die formelle Ausfhrung des
Gedankens, den Sie mir so klar entwickelt haben, zur Reife bringen und
den Ministern durch Ollivier mittheilen lassen."
"Wenn Eure Majestt diesen Schritt thun," sprach Clment Duvernois, "so
wird sich auch die wahre Stellung der Personen deutlich erkennen lassen;
diejenigen Ihrer Rthe, welche wirklich das volksthmliche Kaiserreich
untersttzen, strken underhalten wollen, werden, wie ich berzeugt
bin, mit Freuden auf dem Wege vorgehen, den Eure Majestt beschreiten
wollen, diejenigen/ aber, welche den Doctrinen Ihrer Feinde dienen,
werden verschwinden.
"Glauben Sie mir, Sire, die Probe wird zur Klarheit fhren und wenn,"
fgte er mit dem Anklang leisen Vorwurfs hinzu, "Eure Majestt Ihre
alten Freunde verloren haben, so werden Sie sich berzeugen, da auf der
richtigen und wahrhaft groen Basis neue und ebenso treue Freunde Ihnen
erstehen werden."
Der Kaiser streckte Her$
 von Bchenfeld Frulein
Cohnheim zu ihrer Mutter zurck. Als sie am Ende des Saales angekommen
waren, hielt das junge Mdchen ihn durch einen festen und energischen
Druck ihrer Hand zurck.
Er blieb einen Augenblick stehen. Sie neigte sich zu ihm hinber, und
indem sie auf ihrem Gesicht den harmlos lhelnden Ausdruck leichter
Conversaton festhielt, sprach sie, indm ihre Augen sich tief in die
seinigen tauchten.
"Ich will nicht, da unser Gesprch zu Ende sei, Herr von Bchenfeld.
Ich bitte Sie die Blumen zu bewahren, die ich Ihnen gegeben; ich bitte
Sie dieselben tglich zu betrachten und ich dabei zu erinnern, da Sie
nicht nur Pflichten gegen Ihren Stolz haben, sondern auch heilige
Pflichten gegen Ihre Liebe, nachdem Sie einmal das Wort Liebe
ausgesprochen haben,--nach Dem, was ich Ihnen gesagt, wre es nicht
ritterlich, mich zu verlassen, und etwas Unritterliches zu thun ist
Ihnen unmglich. Ich habe Ihnen das hchste Vertrauen bewiesen, das man
einem Manne zeigen kann. Jetzt ist es an Ihnen, Vertrauen zu$
Zugleich lassen Sie Vollmachten fr den Major von Adelebsen
ausfertigen, damit er alle Functionen ds Majors von Dring sofort
bernehmen knne. Er soll auf der Stelle nach Paris reisen, um die
Auflsung der Legion durchzufhren."
"Wre es nicht zweckmig, Majestt," sagte Graf Platen, "bei dem Geist
des Widerspruchs, der unter den Officieren in Paris zu herrschen
scheint, die hauptschlichsten Fhrer derselben von dort zu entfernen.
Ich meine insbesondere den Major von Dring und den Premierlieutenant
von Tschirschnitz, durch welche sich doch die Uebrigen mehr oder weniger
bestimmen lassen."
"Gewi," sagte der Knig, "lassen Sie sogleich die Befehle ausfertigen.
Dring soll nach Bern, Tschirschnitz nach Basel sich begeben und dort
meine weiteren Bestimmungen abwarten."
Er lehnte sich wie erschpft in %seinen Stuhl zurck und bedeckte das
Gesicht mit den Hnden.
"Wrde es aber nicht zweckmig sein," sagte der Geheime Cabinetsrath
mit seiner feinen und hohen Stimme, "da nun die Auflsung der Legion in
Frank$
rheit des
oeffentlichen Verkehrs, Dank dem neuen Wegesystem, das Ew. Majestaet
geschaffen und das jedem Grundbesitzer die Moeglichkeit der reichsten
Verwerthung seiner Producte sichert, steht Frankreich auf einer Hoehe des
Wohlstandes wie nie zuvor und einige unruhige Koepfe in Paris werden
niemals die Macht haben, die tiefe Anhaenglichkeit des gnzen Volkes an
Ew. Majestaet und Ihre Dynastie zu erchuetern."
"Sie kennen Frankreich nicht wie ich," sagte der Kaiser traurig--"ich
weiss wie Sie, dass das Volk im ganzen Lande mir dankbar ist und dass aus
dem Lande selbst niemals eine Bewegung gegen das Kaiserreich hervorgehen
wird; aber die Centralisation in diesem Lande hat eine unbesiegbare
Gewalt--eine unvernuenftige Gewalt, wenn Sie wollen, doch die Gewalt ist
da und ich sage Ihnen, bei irgend einem Unglueck, bei irgend einer
Schwaeche der Regierung--bei meinem Tode vielleicht," fuegte er seufzend
hinzu, "wird immer eine Hand voll Nichts bedeutender Menschen, denen es
gelingt Paris zu terrorisiren, die Macht h$
huer.
Der General Fave im schwarzen MorgSenanzuge trat ein.
Der Kaiser liess sich seinen Hut und einen warm gefuetterten Morgenanzug
reichen, nahm ein spanisches Rohr und stieg, sich leicht auf den Arm des
Generals stuetzend, die Treppe hinab. Die offene Kalesche mit dem
schwarzen Viergespann fuhr unter das Zeltdach des Einganges.
Langsam und etwas schwerfaellig mit leichtem schmerzlichem Zucken in
seinem Gesicht stieg der Kaiser in den Wagen und setzte sich vorsichtig
General Fave nahm zu seiner Seite Platz.--Die Piqueurs sprengten voran
und schnell fuhr die kaiserliche Equipage aus dem Ehrenhof der
Als der Kaiser an denAnfang der Boulevards bei der Madeleinekirche
gekommen war, befahl er langsam zu fahren.
Schnaubend und ungeduldig gingen die edlen Thiere des kaiserlichen
Gespanns im Schritt ueber die Mitte der grossen Boulevards hin, waehrend
die Piqueurs etwa dreissig Schritt vorausrittten. Die Voruebergehenden
blieben stehen. Es umgab eine d:ichte Menschenmasse den kaiserlichen
Wagen. Die Menge befand si$
tert an seine
Lippen. Ehe er antworten konnte, traten andereHerren heran, und in den
folgenden Touren des Cotillon wurde Fraeulein Cohnhem als die gefeierte
Tochter des Hauses so sehr in Anspruch genommen, dass ein ruhiges
Gespraech nicht mehr moeglich war.
Der Tanz war zu Ende. Langsam fuehrte Herr von Buechenfeld Fraeulein
Cohnheim zu ihrer Mutter zurueck. Als sie am Ende des Saales angekommen
waren, hielt das junge Maedchen ihn durch einen festen und energischen
Druck ihrer Hand zurueck.
Er blieb einen Augenblick stehen. Sie neigte sich zu ihm hinueber, und
indem sie auf ihrem Gesicht den harmlos laechelnden Ausdruck leichter
Conversation festhielt, sprach sie, indem ihre Augen sich 9tief in die
seinigen tauchten.
"Ich will nicht, dass unser Gespraech zu Ende sei, Herr von Buechenfeld.
Ich bitte Sie die Blumen zu bewahren, die ich Ihnen gegeben; ich bitte
Sie dieselben taeglich zu betrachten und sich dabei zu erinnern, dass Sie
nicht nur Pflichten gegen Ihren Stolz haben, sondern auch heilige
Pflichten $
 waere, so haette man immer auf uns recurrirt, und die ganze
Geschichte waere eine ewige Veranlassung zu neuen Ausgaben gewesen. Die
Hauptsache ist, dass die Leute Alle auseinander gebracht werden, und je
weiter fort, um so besser, denn um so schwerer wird es ihnen werden, uns
wieder zur Last zu fallen."
"Das ist nicht mein Gesichtspunkt," rief der Koenig, das Haupt erhebend.
"Mir kommt es nur darauf an, so gut ich es unter meinen jetzigen
Verhaeltnissen kann, fuer das Wohl meiner Leute zu sorgen, und auserdem
habe ich die politische Ruecksicht zu nehmen, Ansichten und Wuensche der
Bevoelkerung meines Koenigreichs so viel als moeglich zu schonen."
"Jedenfalls," sagte Graf Platen, "werden Eure Majestaet nach reiflicher
Erwaegung beschliessen, die Legion definitiv aufzuloesen und eine
Auswanderung der Leute nach Algerien moeglichst zu inhibiren. Es ist aber
noethig, diesen Beschluss schleunigst auszufuehren, damit vor dem 1. April
Alles beendet Pei und mit dem neuen Rechnungsjahr die Beastung unserer
Kasse fot$
tritt forschend auf
den Kronprinzen, der ihm erwartungsvoll ent\gegensah.
Der Major von Adelebsen, welcher die kleine Uniform des fruehern
hannoeverschen Garderegiments trug, naeherte sich dem Koenig und sprach im
Ton dienstlicher Meldung:
"Majestaet, der Lieutenant von Mengersen und der Lieutenant Heyse sind
von Paris hier angekommen und bitten Eure Majestaet im Auftrage ihrer
saemmtlichen Kameraden in dringenden Angelegenheiten um Audienz."
Der Koenig richtete den Kopf mit fragendem Ausdruck empor. Ein leichter
freudiger Schimmer flog ueber seine Zuege.
"Und was haen sie mir zu melden?" fragte er.
"Sie haben ein Schriftstueck mitgebracht, welches sie mir mitgetheilt und
welches ihren Auftrag enthaelt. Der Inhalt dieses Schriftstuecks jedoch
hat mich in so hohem Grade befremdet, dass ich fast Anstand nehmen muss,
denselben Eurer Majestaet mitzutheilen."
"Sprechen Sie," sagte der Koenig im ernsten Ton, waehrend der Kronprinz
und Graf Platen einen raschen Blick miteinander wechselten.
"Eure Majestaet," fuhr$
 er fort, whrend Graf Bismarck ruhig und unbeweglich
zuhrte, "da der Abschlu der Revolution, in welcher sich Spanien
gegenwrtig befindet, nur durch die Wiederhrstellung der Monarchie
mglich ist und zwar unter einem Knige, welcher durch jugendliche
Kraft und Intelligenz die Schwierigkeiten der Lage zu berwinden im
Stande ist und welcher zugleich durch seine persniche Stellung die
Achtung und Sympathie des spanischen Volkes gewinnen kann, ohne mit
irgend einer der im Lande bestehenden und mit den verschiedenen
Prtendenten zusammenhngenden Partheien in irgend welcher Verbindung zu
stehen. Der Marschall hat geglaubt, einen solchen Frsten, der alle
diese Eigenschaften in sich vereinigt, in der Person des Erbprinzen von
Hohenzollern zu finden und wrde diese Combination um so lieber zur
Ausfhrung gebracht sehen, als dadurch die hohe Achtung, welche er fr
Deutschland, fr den Knig Wilhelm und Eure Excellenz hegt, ebenso wie
der Wunsch mit Preuen und Deutschland in freundschaftlichen Beziehungen
zu st$
en Welt und in der feinsten
Gesellschaft sich schickt und pat--"
"Besser als andere Leute," fiel die Commerzienrthin ein, "welche sich
in die Gesellschaft eindrngen, und welche man nie htte aufnehmen
"Der Herr von Rantow," fuhr der Commerzienrath fort, indem er die Brust
hervorstreckte und versuchte, durch einen imponirenden Blick die
Zwischenreden seiner Frau abzuschneiden, "hat mir gesagt, wie leid es
ihm thte, da diese Scene stattgefunden habe,--er habe alles Mgliche
gethan, um sie zu vermeiden, und habe es schlielich fr das Beste
gehalten, auf den Scherz der aufgeregten Gesellschaft einzugehen, um so
schnell als mglich von der ganzen Sache abzukommen. Er habe natrlich
nicht im Entferntesten ahnen knnen, da der Herr von Bchenfeld in so
unglaublicher Weise den FNamen einer Dame unter solchen Umgebungen und
solchen Verltnissen nennen wrde. Nachdem das vorgefallen, hat er mir
gesagt," fuhrder Commerzien'rath mit etwas gedmpfter Stimme fort,
"werde ihm Nichts brig bleiben knnen, als fr die $
zu vernichten, diese Form zu zerbrechen, in welcher ein kleiner
Theil jenes Geistes eingeschlossen ist, der im gewaltigen
unwiderstehlichen Flug die Truemmer se{nes Thrones fortreissen wird in die
Abgruende der ewigen Vernichtun!"
"Und was wollten Sie mit jenen Waffen machen," fragte der Kaiser,
"welche Sie in Ihrer Wohnung aufgesammelt haben, mit jenem Gelde,
welches Sie dort aufbewahrten?"
"Die Waffen wollte ich am Tage der grossen Erhebung allen Denen in die
Hand druecken," erwiderte Lezurier, "welchen ich begegnen wuerde, deren
Arm noch nicht bewehrt waere, um dem Zorn und dem Hass ihres Herzens
Nachdruck zu geben. Mit dem Gelde wollte ich die Kaempfer ernaehren und
die Verwundeten pflegen."
"Stehen Sie mit Andern in Verbindung?" fragte der Kaiser weiter.
Ein finsterer Hohn zuckte um die Lippen Lezurier's.
"Sie sind gewoehnt," erwiderte er, "den Verrath zu erkaufen. Aber," fuhr
er fort, "ich habe Nichts zu verrathen, und was ich weiss, kann ich laut
aussprechen, ohne irgend Jemanden in die Haende Ihrer$
chen."
"Varlin hat Recht," rief man von allen Seiten--"er ist klug und
vorsichtig,--er denkt an Alles, die Proclamation ist gut, sie soll
erlassen werden."
Niemand widersprach an dem Tisch des Comites, nur Raoul Rigault zuckte
leicht die Achseln und schlug mit dem Spazierstoeckchen auf seine
Varlin legte das Papier, dessen Inhalt er vorgelesen, Lermina vor, der
es mit einem raschen Federzug unterzeichnete. Die Uebrigen folgten Alle.
Lermina erklaerte sodann die Sitzung fuer geschlossen, und die
Versammelten verliessen in einzelnen Gruppen, um kein Aufsehen zu
eregen, langsam und schweigend das Zimmer, indem sie sich, sobald sie
as dem aeussern Theil des Hauses auf die Strasse traten, nach
verschiedenen Richtungen hin zerstreuten.
Raoul Rigault naeherte sich Lermina.
"Bleibt noch einen Augenblick hier," sprach er, "ich habe Euch eine
Mittheilung zu machen."
"Gut," sagte Lermina.
Raoul Rigault trat zu Varlin und Oann zu Ulric de Fonvielle, indem er
sie ebenfalls aufforderte, noch zu bleiben.
Bald war das Zimm$
el so ausgezeichnet zu arrangiren verstand. Die Zeitungen
beschftigten sich im Ganzen wenig mit der Politik. Sie erichteten ber
die Toiletten der Damen bei den Soiren  la Watteau, welche unter dem
tiefen Schatt^n der Bume des Parks von St. Cloud Statt fanden. Sie
erzhlten mit hoher Befriedigung, da die Gesundheit des Ka>isers ganz
vortrefflich sei und da Seine Majestt Napoleon III in seinem kleinen
Privatgarten in St. Cloud mit ganz besonderem Eifer sich mit der Cultur
der Rosen beschftige und nahe daran sei, das groe Problem der
Horticultur zu lsen und eine s"chwarze Rose zu erzielen.
Die Zeit der Villeggiaturen begann, Graf Bismarck ritt in Varzin
spazieren, Seine Majestt der Knig Wilhelm badete in Ems, und der
Kaiser Napoleon mit einer blauen Schrze und einer groen Scheere in der
Hand, pflegte seine Rosen im Garten von St. Cloud.
Der Genius des tiefen Friedens hatte sich ber Europa herabgesenkt, die
Zeitungsredacteure und Correspondenten in allen Hauptstdten der Welt
konnten trotz des sor$
l-Stnde."
"Wenn es nur nicht u gro und geruschvoll wird," sagte der Knig.
"Nun," fuhr er fort, "Jedermann in Preuen kennt ja den Sinn meines
Vaters, und man wird Serstehen, da auch in diesem Sinne die Feier
gehalten werden mu. Es sollen Deputationen der russischen Armee
erscheinen," fuhr er dann fort, "ich will darber noch mit Treskow das
nhere besprechen. Diese Aufmerksamkeit des Kaisers Alexanders freut
mich ganz besonders, der hochselige Herr legte ja stets so hohen Werth
auf die russische Freundschaft und lchelte stets so still glcklich,
wenn es im Palais hie, die Russen kommen. Es wird ein schner, aber
tief ergreifender Tag werden," sagte er, "und ich werde so recht ruhig
und zufrieden sein, wenn ich erst das liebe und so schn gelungene
Erzbild meines Vaters als ein Denkmal der groen und unvergelichen Zeit
werde aufgerichtet haben. Lassen Sie mir das ganze urogramm hier," sagte
er dann, "ich will Alles genau noch prfen, und wenn ich Wurmb gehrt
habe, Alles definitiv feststellen. Was h$
 sie verachten gelernt und will sie nun
auch vergessen knnen. Du hast Recht gehabt, mein Vater, der Stolz
giebt die Kraft, sich aus dem Bann leidenden Jammers zu erheben und im
Gefhl der eigenen Wrde die Niedrigkeit und Schlechtigkeit derer zu
vergessen, die unser Herz mit Fen traten. Ich habe ein Jahr meines
Lebens verloren--das ist Alles,G" sagte sie bitter und hart, "vielleicht
habe ich dabei gewonnen, denn ich habe die Menchen verachten und die
eigene Kraft schtzen gelernt. Nimm mich hin, mein Vater, es ist Alles,
wie es frher war, Deine Tochter gehrt wieder Dir und Dir ganz allein."
Sie schlang ihre Arme um die Schultern ihres Vaters und lie ihren Kopf
an seine Brust sinken. Ein leises Zittern flog durch ihre Gestalt wie
eine letzte Regung des tief schneidenden Schmerzes, der so lange ihr
innerstes Wesen erschttert hatte.
Dann aber hob sie den Kopf empor und blickte ihren Vater fest an, wie um
zu zeigen, da ihre Kraft grer sei, als ihr Schmerz. Ihre Gesichtszge
waren ruhig und unbeweglich$
ch die Reihen der
sich tief verneigenden Lakaien zu der grossen Treppe hin, waehrend Herr
von Albacete halb rueckwaerts gewendet, einige Schritte vor ihm herging,
und der Graf Ezpeleta ehrerbietig ihm folgte. Der junge Mann stieg mit
leichtem elastischem Schritt die Stufen der Treppe hinauf.
Am obern Ende derselben vor dem Eingang in ihre Gemaecher stand die
Koenigin Isabella. Sie trug eine weite Robe von dunkelblauer Seide, das
rothe Band des goldenen Vliesses um den Hals.
Ihr zur Seite befand sich die Graefin Ezpeleta und einige Hofdamen.
De junge Mann, welchen die Cavaliere der Koenigi2n mit so viel Ehrfurcht
begruesst hatten, stieg ruhig die letzte Stufe der Treppe hinauf, und erst
als er unmittelbar vor der Koenigin stand, nahm er mit einer Bewegung
voll ritterlicher Hoeflichkeit, aber ohne jeden Ausdruck von Ehrerbietung
oder Unterwuerfigkeit den Hu< ab, ergriff die Hand, welche die Koenigin
ihm entgegenstreckte und fuehrte sie leicht an die Lippen.
"Ich danke Ihnen, mein Vetter," sagte die Koenigin, "$
Vierte Scene.
FRAU ZIEMENS. ALBERT.
FRAU ZIEMENS. Begieb Dich, Albert.--Gewalt strmt nicht die Schranken
ihres Herzens.
ALBERT. Memme! Memme!
FRAU ZIEMENS. Geduld, mein theurer Freund.
ALBERT. Ehrt sie die Tugend mit Verdammni!----Oder denkst Du, ich bin
ein Sclav' des Elends, nahm das schnde Geschenk ohne Bewutsein von
Verdienst? Auf zu Questenberg, Memme; dort hr', welch' christlic Werk
den Bettelstolz der plumpen Welt durch mich erhht?!
FRAU ZIEMENS. Begieb Dich. (Die Scene verdunkelt sich etwas.)
ALBERT. Wo ist sie?--fort--sie ist fort?!--Ihr war's mglich--sie
konnte--Ich allein! grausam berlPefert, berlassen der Hlle?!-Das
endet nimmer gut, bleichsichtige Giftmischerin--(Ein Messer ziehend.
Teufel und Engel tauschen ihre Masken--die sanftmthige Taube wird zur
FRAU ZIEMENS. Wohin Albert?
ALBERT. Ihr die Schande krzen!
FRAU ZIEMENS. Hlfe! Hlfe! Weh, mein Kind!
ALBERT (nachdem er sich losgerungen und bis an die Thre des Hauses
geeilt, ffnet sich dieselbe pltzlich und in weiem Gewande tritt$
leichsichXige Giftmischerin--(Ein Messer ziehend.)
Teufel und Engel tauschen ihre Masken--die sanftmuethige Taube wird zur
Hyaene . . .
FRAU ZIEMENS. Wohin Albert?
ALBERT. Ihr die Schande kuerzen!
FRAU ZIEMENS. Huelfe! Huelfe! Weh, mein Kind!
ALBERT (nachdem er sich losgerungen und bis an die Thuere des Hauses
geeilt, oeffnet sich dieselbe ploetzlich'und in weissem Gewande tritt ihm
Marie entgegen). Gott--
MARIE (feierlich). Hier hast Du mein Herz.
ALBERT (laesst zurueckschaudernd das Messer fallen). Gott--entfloh'st Du
meiner Brust! . .
MARIE. Albert, Albert, jede That hat ihr Gericht! (verschwindet.)
FRAU ZIEMENS. Besinne Dich, guter Sohn. (Sie stuetzt ihn, und er steht
geschloss'nen Auges von Schmerz erstarrt. Pause. Die Scene erhellt sich
ALBERT.----Mildwaermend durchbricht die himmlische Sonne den naechtigen
Nebel, fro athme ich auf:--es war nur ein Traum, ein fuerchterlich
geheimnissvoller Traum . . . Vergeblich saenn' ich ihn zu deuten--drum sei
er schnell, schnell vergessen!
FRAU ZIEMENS. Vertrau' de$
 gewesen, _da
  Schweitzer 500 Taler aus der Verbandskasse genommen_ und zu seinem
  Bankier getragen habe. Man habe in Rcksicht auf die Partei darber
  geschwiegen."
Weiter erzhlte Tlcke:
  _"Schweitzer stehe mit dem Polizeiprsidium in Verbindung und
  hinterbringe demselben alles, was passiere. Schweitzer habe ihm kurz
  vor dem Antritt seiner Haft in Rummelsburg gesagt, da er (Redner)
  sich zu jeder Zeit, wenn etwas passiere, an das Polizeiprsidium
  wenden knne; er sei auch mit ihm dorthin gegangen und habe ihn
  daselbst vorgestellt, wobei Schweitzer eine groe Kenntnis der
  Rumlichkeiten dort entwickelte Nachher sei er mit ihm um den ganzen  Hof herum gegangen, wo smtliche Hauptleute usw. aufgeplanzt waren
  und den Doktor freundlich grten. Dann sagte ihm Schweitzer auch, da
  er (Redner) jederzeit zum Minister des Innern kommen knne."_
Hierauf wurde Tlcke bermals mit Recht erwidert, _er_ habe die Partei
immer im Dunkeln tappen lassen, noch auf der vorigen Generalversammlung
habe er $
nd sein drfen. Knne sich Schweitzer weder als
  Mitglied noch als berwachender Polizeibeamte ausweisen, so habe er
  ohne weiteres das Lokal zu verlassen._"
Es wird konstatiert, da Schweitzer seit seinem Rcktritt vom Prsidiumkeine Beitrge mehr bezahlte, also kein Mitglied des Vereins mehr sei.
Schweitzer verlie hierauf das Lokal.
_Lingner beantragte alsdann, einen Beschlu zu fassen, da Schweitzer
nicht mehr in den Verein aufgenommen werden drfe, er wolle ihn
ausgeschlossen wissen._
Bei der AbstimmFng wurde der Antrag, _da Schweitzer nicht mehr in den
Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein aufgenommen werden knne, mit 5595
gegen 1177 Stimmen bei 1209 Enthaltungen angenommen._
So endete Schweitzers politische Laufbahn. Er war preisgegeben und
verurteilt selbst von denen, die ihm viele Jahre ein fast unbegrenztes
Vertrauen schenkten oder wie Tlcke seine Helfershelfer waren. Mayer
meint in seinem von mir mehrfach zitierten Buche ber Schweitzer, es
wren die literarischen Geflligkeiten gegen den kon$
nd ich war dabei erfolgreicher als Moltke mit
seiner Hoffnung auf die Greisauer Hasen. Die weie Wolldecke wurde zur
Falle. Ich hatte bald eine Rekordziffer erreicht. Ich ttete an einem
Tage, meine Leserinnen mgen nicht erschrecken, einundachtzig der
braunen Kerle, die man Flhe nennt. Allmhlich brachte ich die Zelle
rein, auch ohne Insektenpulver, das mir meine Frau auf mein Verlangen
ein paarmal sandte, das ich aber nie erhielt, weil es die Aufseher fr
sich verbrauchten. Ich hatte auch durchgesetzt, da meine Matratze in
der Zelle blieb, die vordem jedesmal am Abend voll Ungeziefer wieder zu
mir hereingebracht wurde. Kaum hatte ich aber mein "Heim" rein, so wurde
ich auf Anordnung des Arztes nach der Wegtseite umquartiert. Ich erhielt
jetzt eine Zelle, in der vor mir eine Kindsmrderin rzugebracht hatte,
wie mir mein Aufseher in liebenswrdiger Weise mitteilte. Nun hatte ich
die Arbeit des Reinigens von neuem vorzunehmen.
Eine Untersuchungshaft wie die unsere ist die scheulichste aller
Haftarten. In $
en
Klassengegenstze, die aus der zunehmenden kapitalistischen Entwicklung
resultierten, wrden es verhindern, die stehende Armee zu vermindern,
und darber htten auch die Ausfhrunen des Abgeordneten Lasker keinen
Zweifel gelassen. Es sei aber irrig, wenn Lasker glaube, die stehende
Armee unter allen Umstnden als Sttze der bestehenden Ordnung der Dinge
ansehen zu knnen. Frankreich habe auch einS groe Armee gehabt, aber
die Entstehung der Kommune habe diese nicht verhindert. Auerdem
vermehre sich das Proletariat weit rascher, als die stehende Armee
vermehrt werden knne, und auerdem steige mit der Vermehrung der Armee
auch das sozialistische Element in derselben, da das industrielle
Proletariat einen immer greren Bruchteil derselben bilde. TSotz
alledem wrden die Liberalen ihre Hffnung auf die Armee setzen und jede
Forderung fr dieselbe bewilligen.
Am 8. November wurde ber einen Antrag Bsing in dritter Lesung
verhandelt, der verlangte, da in jedem Bundesstaat eine aus Wahlen
hervorgegangene Vol$
tgesetzt werden, innerhalb denen eine gemeinsame
Aktion (bei Wahlen, der Agitation usw.) sich zu bewegen htte. Ein von
beiden Teilen gleichmig zu whlender Ausschu htte die Ausfhrung der
vereinbarten Punkte zu berwachen. Ferner mchten wir noch die
Niedersetzung eines aus beiden Fraktionen gleichmig zu whlenden
Schiedsgerichts befrworten, das die gegen verschiedene Mitglieder einer
der beiden Fraktionen von der anderen Seite erhobenen Anklagen zu
untersuchen und zu richten hat. Beerken wollen wir, da hnliche
Vorschlge, wie die soeben angedeuteten, privatim schon wiederholentlich
Mitgliedern de Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins von uns
unterbreitet und von diesen auch gebilligt worden sind."
Auf dem Mainzer Kongre habe die sozialdemokratische Arbeiterpartei
offiziell in feierlichster Form ihrer vershnlichen Stimmung Ausdruck
gegeben; am Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein sei es jetzt, diegdargebotene Hand zu ergreifen und der deutschen Arbeiterwelt den Frieden
Auf diesen Vorschlag antwo$
einigung sei, die Unterhandlungen mit der
Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, die ebenfalls den Wunsch einer
Vereinigung hege, aufgenommen worden seien. Der Wunsch der Lasslleaner,
da die Anschauungen und Forderunge%n Lassalles in das gemeinsame
Programm aufgenommen werden sollten @nd eine einheitliche straffe
Organisation geschaffen werde, wrden Berechtigung finden, doch solle
keine Ueberstrzung der Beratungen stattfinden, darin seien die
Vertreter der beiden Parteien einig.
Die erste Massenkundgebung fr die Vereinigung sah Berlin. In der
betreffenden Versammlung waren die sieben auf freiem Fue befindlichen
Reichstagsabgeordneten anwesend. Eine Einigungsresolution wurde
einstimmig angenommen, auh beschlossen, Most in Pltzensee und mich in
Zwickau von dem Vorgang zu unterrichten.
Zu einer zweiten Einigungsdemonstration wurde die Leichenfeier Borks in
Hamburg, der, wie ich schon berichtete, in der Nacht auf den 1. Januar
1875 gestorben war. Fnftausend Arbeiter beider Fraktionen folgten mit
zwanzig Fah$
hstag ahnte nicht, da er auf Grund des
ablehnenden Beschlusses, den er, hnlich wie frher, fate, in Blde in
eine unangenehme Situation gebracht wurde. _Die Verhandlungen ber den
Antrag Liebknecht und Genossen waren am 21. November gewesen, aber
bereits am 12. Dezember sah sich der Abgeordnete Lasker, untersttzt
durch die Abgeordneten v. Bennigsen, Schenk v. Stauffenberg, v.
Forckenbeck, Dr. Hnel, Windthorst, v. Denzin, Dr. Schwarze und Frst
Hohenlohe-Langenburg--also den Vrtretern smtlicher brgerlichen
Parteien--, gentigt, den Antrag zu stellen:
  "Mit Rcksicht darauf, da die am gqstrigen Tage erfolgte Verhaftung
  des Reichstagsmitglieds Herrn Majunke infolge eines rechtskrftigen
  Strafurteils glaubhaft berichtet wird, die Geschftsordnungskommission
  mit schleuniger Berichterstattung darber zu beauftragen: 1. Ob nach
  Artikel 31 der deutschen Reichsverfassung die Verhaftung eines
  Reichstagsmitglieds _whrend der Session des Reichstags ohne
  Zustimmung_ des letzteren verfassungsmig zu$
akunistisch-anarchistische Strmung, die versuchen werde, den Kongre
zu beherrschen.
Ob der Kongre zustande kam, ist mir nicht erinnerlich, jedenfalls
wurde er von uns nicht beschickt; der Partei erwuchsen mittlerweile im
Innern ernstere und kostspieligere Aufgaben.
Landtagswahl in Sachsen.--"Die Zukunft."
Im September 1877 gelang es uns in einem der Landtagswahlkreise
Leipzig-Land--36. lndlicher Wahlkreis--, Liebknecht zum Abgeordneten zu
whlen. Die Parteigenossen hatten zunchst mir die Kandidatur angeboten,
ich lehnte aber ab, da ich unmglich meinem Asoci und meinem Geshft
zumuten konnte, neben dem Reichstagsmandat auch ein Landtagsmandat zu
bernehmen. Bei der Prfung der Wahl durch den Wahlkommissar stellte
sich herau, da Liebknecht noch nicht drei Jahre schsischer
Staatsangehriger war und somit zum Abgeordneten nicht gewhlt werden
konnte. Die Wahl wurde fr ungltig erklrt. Darauf stellten die
Parteigenossen des Wahlkreises den Parteigenossen Rechtsanwalt Otto
Freytag in Leipzig auf, der a$
hte.
Nachdem er in Leipzig seine Mission gegen die Partei erfllt hatte,
suchten ihn Sparig und Konsorten los zu werden; sie gaben ihm das GeldFzur Reise nach Berlin. Hier angekommen, hielt er es mit beiden Lagern.
Er trat in einen sozialdemokratischen Verein und gleichzeitig in die
christlichsoziale Partei des Hofpredigers Stcker ein, um den sich
damals eine groe Zahl katilinarischer Existenzen aus den
verschiedensten Schichten gesammelt hatte. So auch der Schneider
Grneberg, der zwei Jahre zuvor in Stuttgart und Mnchen von der
sozialdemokratischen Partei wegen Betrgereien ausgeschlossen worden
war. Grneberg, der spter auch von Stcker gegangen wurde, verriet, da
nebn Hdelauch Dr. Nobiling, der sptere zweite Attentter auf den
Kaiser, Mitglied der christlichsozialen Partei gewesen war. Er,
Grneberg, habe auf Gehei des Hofpredigers eine neue Mitgliederliste
anfertigen mssen, in der der Name Nobilings fehlte. In Berlin hatte
Hdel sowohl sozialdemokratische wie christlichsoziale Bltter und
Schr$
 und erregte dadurch namentlich Gretes Bewunderung.
Es war fr lndliche Verhltnisse schon spt, als der Stallknecht
Tankreds Fuchs vorfhrte. Unter einem "Auf Wiederseen am Schlu der
Woche" und einem "Vergessen Sie es nicht!" von Grete, dem Frau von
Tressen lebhaft beistimmte, nahm der Gast Abschied.
Nach Falsterhof zurckgekehrt, zog Tankred das Pferd selbst in den Stall
und zumte es ab. Von Klaus war nichts zu sehen. Aber er ereiferte sich
darber nicht, sein Kopf war so voll von Gedanken und Anschlgen, da
nur sie sein Innerstes beherschten.
Auf dem Flur brannte die Lampe, Max knurrte wie immer und beruhigte sich
erst allmhlich. Nun hallten Tankreds Schritte ber die Steinfliesen,
und er ffnete die Thr seines Gemachs. Das erste, was sein Auge traf,
war ein weies Kuwert, das auf dem Tisch lag. "Ah--! Sicher eine Antwort
von Theonie!" Er griff, ohne den Hut abzunehmen und sich des Reitmantels
zu entledigen, ungestm danach und las:
  'Da ich morgen Falsterhof verlasse, mut Du Dich bei Deinem Ent$
sie das Haupt und verlie mit sanfter
Entschiedenheit und eiligen Schrittes das Gemach.
Drauen angekommen, drckte Tankred den Dienern jedem ein Geldstck in
die Hand, und kurz darauf hatten sie beide Falsterhof verlassen.--
"Hier," sagte Frege, als das Gerusch der Rder und Hufen verklungen
war, und gab Klaus die empfangene Mnze. "Ich will von ihm kein Geld.--"
Nach diesen Worten zog er sich langsam in das finstere Haus zurck.
       *       *       *       *       *
Als Tankred durch das Kirchdorf trabte, sah er zu seiner hchsten
berraschung Frulein Helge mit der Frau Pastorin zusammen vor sich
auftauchen. Dies bestimmte ihn, einen anderen Weg einzuschlagen, um das
Wirtshaus zu erreichen, i/ welchem er sein Pferd einstellen wollte. Dort
angekommen, forschte er dbe Wirtin aus, ob Besuch im Pastorenhause sei.
"Ja, schon seit lngerer Zeit. Das Frulein, das frher auf Holzwerder
gewesen, befindet sich dort."
Tankred wollte weiter fragen, aber sagte sich, da man ihm hier doch
Nheres, seine Neugierde $
erde ihn fortpeitschen lassen.
"Nein, er bleibt!" erklrte Grete in uerster Emprung, und nur mit
Mhe sich bezwingend. "Hier ist keine Spelunke, in der gerauft wird,
und ich will nicht, da der Mensch wie ein Hund davongejagt wird."
Nach diesen Worten beugte sie sich hinab und rief Peter, der
Hautabschrfungen und Knochenverletzungen davongetragen zu haben schien,
zu, er mge in sein Zimmer gehen, dort das Ntige fr sich thun und
spter zu ihr kommen.
Aber nun wandte sich Tankreds Wut gegen seine Frau.Er berschttete sie, ohne Rcksicht auf die Hausbewohner zu nehmen, mit
lauten, kreischenden Worten und erhob zuletzt die Hand und rief:
"Und nun in Dein Zimmer! Es wird berhaupt Zeit, da ich hier ein
anderes Regiment einfhre, den Durchstechereien, Sentimentalitten und
Auflehnungen ein Ende mache, kurz mit der Weiberwirtschaft oben und
unten grndlich aufrume. Ihr sollt mich jetzt vonD einer anderen Seite
kennen lernen.--Nun, hrst Du nicht? Marsch, vorwrts, oder--"
Und als Grete nicht that, was er $
hr berehrt als der Tod seiner
Verwandten und Wohlthaeterin.
Theonie sah alles kommen. Die Stelle hatte er nicht erhalten; nur zu
begreiflich, weil gar keine in Aussicht gestanden, und er auch nicht die
Absicht gehabt hatte, eine anzunehmen. Wenn vier Wochen, wenn acht
Wochen vorueberzoegen, wuerde er sich noch auf Falsterhof befinden, we
bisher zweimal die Woche in die Stadt Elsterhausen fahren und sich
amuesieren, zu Fuss und Wagen Ausfluege unternehmen, Gutsbesitzer der
Umgegend besuche und die uebrige Zeit essen, trinken, schlafen,
faulenzen und den Herrn spielen.
Und Theonie erwartete mit Sicherheit einen Heiratsantrag von seiner
Seite. Sie und dami\ Falsterhof zu seinem Eigentum zu machen, war sein
verstecktes Ziel. Nicht gleich--nicht ueberstuerzt--er hatte Zeit zu
warten! Ihre Fragen, ihre Anspielungen, ihre deutlichen Wuensche wuerde er
umgehen, wohl aber dann und wann ihr dieselben Luegen auftischen wie
ihrer verstorbenen Mutter: dass er sich um Thaetigkeit und Verdienst
bewerbe und Aussicht habe, si$
s Hochmut, verletzte Eitelkeit und Zorn jeglicye
Klugheit und Besonnenheit ueberwogen. "Ihr werdet es aber noch bereuen,
und ein fuer allemal bemerkt, liebe Mama, an den guten Lehren, die Du
fortwaehrend an Grete und mich austeilst, finden wir sehr wenic
Geschmack. Sie eignen sich mehr fuer Schulkinder als fuer uns."
Nach diesen Worten verliess er mit einer impertinenten Miene das Zimmer.
"Nein, es ist nichts!" rief er, als er zurueckkehrte, und Grete fragend
und in sichtbar grosser Erregung das Haupt erhob. "Und Du hast recht, es
ist ueberhaupt aus mit ihnen. Sie wollen fort, unbedingt fortO, und dann
lasse sie auch nur! Mir ist absolut nichts daran gelegen, im Gegenteil!
Gott sei Dank, dass die Quaelerei ein Ende hat. Nicht wahr, wir sind uns
selbst genug, meine Grete?" schloss er schmeichelnd und werbend und
umarmte, ehe sie es hindern konnte, die zitternd aufhorchende Frau. Sie
aber entzog sich rasch, ungeduldig, und wie von einem Sch#merz betroffen,
seinen Zaertlichkeiten, stiess ein rauhes: "Nein, nein,$
 nicht
nur das Pflichtbewusstsein bei ihr zum Durchbruch gekommen, sondern auch
Mut und Entschlossenhei^t hatten sich ihm zugesellt.
"Ich hatte mich schon in die Rolle des Ambos gefunden," erklaerte sie
Brix, "aber jetzt will ich wieder der Hammer sein und will es bleiben
fuer meinen Enkelsohn. Das Glueck streckt die Haende nach mir aus, ich will
sie ergreifen. Nur deshalb stehen wir so oft frierend am Wege, weil wir
die Winke des Schicksals nicht richtig zu deuten vrstehen. Indem es die
schlummernden Kraefte in mir von neuem anregt, zeigt es, dass es Gutes mit
mir vor hat. Und da ich nun auch Mittel und Wege dazu besitze, trotze
ich um so mehr einem Schurken, dessen Staerke nur darin besteht, dass man
ihm bisher niemals energischen Widerstand entgegen gesetzt hat. Ich
werde eine Schutzwache auf Holzwerder aufstellen, niemand betritt das
Gut ohne meine Erlaubnis, und wer den Eintritt erzwingen will, den
entferne ich mit Gewalt!"
       *       *       *       *       *
Es war bn einem dunIklen und stuermische$
nd erwuergt, war eise
hinaufgeschlichen in Theonies Gemach und hatte auch sie mit seinen
Haenden erdrosselt. Und dann war er eben so leise wieder
hinausgeschlichen,--noch immer besass er von seinem damaligen Aufenthalt
den Schluessel zur Hinte?thuer--und die Blaetter hatten zwar im Park
geraschelt, aber der Mond hatte geschienen wie sonst, und die Felder
hatten tot und empfindungslos dagelegen wie immer, und er war schon
wieder weit, weit fort, als die Haehne kraehten, als im Hause alles wach
wurde, die Zofe oben ueber den Korridor schritt, um die gnaedige Frau zu
wecken, das Fruehstueck unten aufgetragen ward, und doch keine gnaedige
Frau erschien, und der blanke Theekessel umsonst den Dampf aus seinem
Halse stiess.--Morgens, mittags und abends, bei den Spaziergaengen und
Zerstreuungen, beim Essen,S im Theater und in Konzerten, zuletzt auch im
Traume verfolgte Brecken immer nur dr eine Gedanke: wie faengst Du es
an, die aus der Welt zu schaffen, durch deren Tod Du Besitzer von
Falsterhof wirst? Besitzer von$
Mehl                           " 0,01-1/4
1/2 El. Dill, gewiegt              " 0,02-1/2
1 El. Petersilie, gewiegt          " 0,05
2 El. Magermilch                   " 0,00-1/2
15 g Salz                           " 0,00-1c/4
1/2 kg (1 Pfd.) Kartoffeln          " 0,03
1/2 l Wasser.
                                    M 0,21-1/4
_Vorbereitung_: Das Suppengrn wird gteputzt, gewaschen und zerschnitten;
die Zwiebel wird geschlt und in Wrfel geschnitten; Petersilie und Dill
werden gewaschen und gewiegt, Kartoffeln gewaschen und in einen Topf
getan, Wasser und Salz hinzugefgt.
_Zubereitung_: Suppengrn, Gewrzdosis, Salz und Wasser werden in einen
Topf getan und zugedeckt 20 Minuten bis 1/2 Stunde gekocht. Die
Kartoffeln werden gargekocht, abgegossen, geschlt ud in Scheiben
geschniten. Die Zwiebelwrfel werden im Fett gelb geschmort, das Mehl
wird hineingeschttet und gar gerhrt, das Gemsewasser dazu gegossen,
1/4 Stunde gekocht, durch ein Sieb gefllt, mit Petersilie, Dill,
Pfeffer, Salz und Milch abgesch$
mtliche Kuchen mssen noch 1/2 Stunde mit den Auflagen aufgehen, ehe
man sie im Ofen gar bckt.
1 Semmel, Schrippe, Salzkuchen oder Knppel   M 0,02-1/2
15 g Butter                                  " 0,04-1/4
                                              M 0,06-3/4
Das Brtchen wird der Lnge oder Rundung nach mit einem scharfen Messer
in 3 Scheiben gesc%hnitten; diese werden mit weicher Butter oder, falls
diese verboten wre, mit Pflaumejnmus oder Rheiinischem Kraut gleichmig
bestrichen. Auf einem Teller schneidet man jede Scheibe einmal der Lnge
nach und, falls der Kranke nicht abbeien kann, noch einige Male quer
durch. Zur Abwechselung kann man die Weibrotscheiben an einer Gabel ber
einer offenen Flamme etwas rsten und dann bestreichen.
Belegt man die Brtchen mit gewiegtem Schinken, einer Fleischscheibe oder
gehacktem Eigelb, so schneidet man das berstehende sauber ab, damit die
Brtchen recht zierlich aussehen.
EIER GERHRT. (RHREI.)
4 Eier                   M 0,24
2 El. Vollmilch         " 0,$
        " 0,02
4 mittelgrosse Aepfel (oder Abfall)9" 0,15
                                  M 0,19-1/4
_Vorbereitung_: Das Hrot wird in dem Wasser erweicht.
_Zubereitung_: Aepfel oder Apfelabfaelle, Brotmasse, Gewuerz, Salz und
Zucker werden zerkocht, durch ein Sieb geruehrt, nochmals erwaermt und
angerichtet.
APFELSUPPE S. BLAUBEERENKOMPOTT.
BIERKALTSCHALE.
75 g geriebenes Brot                     M 0,01-1/2
1 Stueck Zitronen- oder Apfelsinenschale  " 0,00-1/4
1 Prise gestoss. Zimt                    " 0,00-1/4
65 g Zucker                              " 0,03-1/4
1 Flasche Weissbier                       " 0,20
65 g Korinthen                           " 0,05-1/4
                                         M 0,30-1/2
_Vorbereitung_: Das Brot wird gerieben, die Korinthen werden
aufgequollen.
_Zubereitung_: Das Brot wird mit Gewuerzen und Zucker gemischt, das Bier
darauf gegossen; die aufgequollenen Korinthen werden dazu gegeben; das
Ganze wird umgeruehrt und kalt gestellt.
BIERSUPPE MIT SAGO.
1 Flasche Weissbier $
chen, die man durch ihre Augen zieht,
       *       *       *       *       *
GEMUeSE--SALATE.
(Die Rezepte sind stets, wo nicht anders angegeben, fuer zwei Pesonen
125 g Reis                           M 0,07-1/2
1/2 l Wasser zum Abwellen
2 grosse Aepfel oder 40 g getrocknete
Aepfel und 1/4 l Wasser               " 0,10
5 g Margarine oder Fett              " 0,00-3/4
1 Stueckchen Apfelsinenschale         " 0,00-1/4
10 g Zucker                          " 0,00-1/2
5 g Salz                           " 0,00-1/4
10 g Zucker und Zimt                 " 0,00-3/4
                                     M 0,20
_Vorbereitung_: Man schaelt 2 grosse Aepfel und schneidet sie mit in Stuecke.
Die Abfaelle der Aepfel werden mit 1/4 l Wasser ausgekocht das Wasser wird
dann zum Reis(kochen genommen.
_Zubereitung_: Zu den Aepfeln tut man 10 g Zucker, laesst sie mit
Apfelsinenschale und Salz und mit dem abgewellten, mit Fett
durchgeschwitzten Reis gar kochen und streut Zucker und Zimt darueber. Man
kann auch 40 g getrocknete Aepfe$
n Sieb gefuellt, mit Petersilie, Dill,
Pfeffer, Salz und Milch abgeschmeckt, mit den Kartoffeln gemischt, wird
das Gericht in einem Napf zu Tisch gegeben.
Dieselbe Sauce ist zu gruenem Fisch, Sauce zu gruenem Fisch, zu bereiten;
der Fisch wird in dem Gemuesewasser erst gargekocht und spaeter in die
Sauce gelegt. Die doppelte Menge Fluessigkeit zur Mehlschwitze gegossen,
gibt eine gute Suppe, Fischsuppe, die man mit beliebigen gewiegten
Kraeutern noch wohlschmeckender machen kann. Ein Eigelb zerquirlt an die
fertige Suppe gegeben macht sie kraeftiger.
GRUeNKOHL ODER BRAUNKOHL.
1 kg (2 Pfd.) Kohlblaetter             M 0,20
20 g Salz  \                          " 0,00-1/2
T l Wasser /
40 g SchweiBe-, Gaense-oder Entenfett " 0,06-1/2
20 g Zwiebeln                         " 0,00-1/2
3/8 l Bruehe                           " 0,15
5 g Zucker                            " 0,00-1/4
5 g Hafergruetze                       " 0,00-1/4
1/2 Gewuerzdosis                       " 0,00-1/4
3 g Salz                              " $
hten kleinen Stielbuerste den Kesselrand von dem angesetzten Zucker so
oft es noetig ist.
Der sogenannte _erste Grad_ ist der nach dem gruendlichen Abschaeumen; er
kommt beim Obstschmoren in Betracht.
Beim _zweiten Grad_ faellt der Zucker in breiten Tropfen vom Schaumloeffel.
Dieser Grad Sgenuegt meist zum Einmachen vieler Fruechte.
Beim _dritten Grad_ faellt er vom Schaumloeffel in einem duennen kurzen
Faden, der sich sofort nach dem Schaumloeffel zurueckzieht. Dieser Grad ist
fuer suesse Konfitueren erforderlich.
Pergamentpapier wird, soll es zum Verschliessen von Einmachbehaeltern
dienen, passend geschnitten, in lauwarmes Wasser getaucht, auf sauberem
Tuche schnell abgetrocknet und in doppelter Lge uebergebnden;
Pergamentpaier muss jedesmal beim Neubebinden frisch angefeuchtet werden.
Seidenpapier bildet guten Verschluss fuer Glaeser, wenn es passend
geschnitten, auf beiden Seiten durch zerschlagenes, wieder zerflossenes
Eiweiss gezogen vorsichtig ueber das betreffende Glas gelegt wird. Darueber
wird ein $
u drfen...."
"Ich kleide mich nach meiner Wahl und kann der Meinung Untergebener und
Unterthanen allezeit entbehren! Was will Er?"
"Eu4r erzbischflichen Gnaden wollt' schuldige Aufwartung ich erstatHen,
wasmaen Hochdieselben Aufenthalt genommen in meinem Pfarrsprengel."
"Das ist Seine Pflicht und Schuldigkeit und htte vor Tagen schon
geschehen knnen. Ihm fehlt es wohl nicht an Zeit, dafr an Verstndnis
hfischer Sitte wie an schuldigerUnterwrfigkeit! Merk' Er sich solche
Lehre! Und nun bericht' Er ber Stand und Verhltnis seiner Pfarre!"
"Es ist viel des blen dem hochwrdigsten Oberhirten zu referieren,
wenig des Guten! Auch in diesseitigem Pfarrsprengel tauchen
Kalixtiner[4] immer wieder auf, so streng auch dagegen eingeschritten
"Das wird in specie noch zu regeln sein! Wie steht es mit dem Klerus?"
"In einigen exemplis kann ich guter Antwort sein. In loco ist ein
gehorsamb Volk, meine Gsellpriester (Hilfsgeistliche) fleiig, einer
davon de sacramentis omnino pie sentit, de vita nulla hic est quer$
sollen.
Der Reihe nach im Rang fanden sich die Hof- und Kapitelbeamten ein, um
ihre ehrerbietigen Glckwnsche zum erfreulichen Ereignis
auszusprechen; die einen in berschwnglicher Weise, andere wieder
gelassen und trocken, alle aber auf hflichste Art, demtig, wie es dem
hochfahrenden Sinn des Frsten entsprechen und gefallen mute. Wolf
Dietrich entfaltete, hiervon angenehm berhrt, all seine fascinierende
Leutseligkeit und lud die Herren zu enem Festmahle ein, m seinem
frstlichen Dank vollen Ausdruck zu verleihen.
Hatgte der kluge, diplomatisch geschulte Graf Lamberg die Absicht, mit
der befohlenen Glaubensexaminierung zuzuwarten, um den Gemtern der
erregten Salzburger Zeit zu einer gewissen Beruhigung zu lassen, auf da
doch eine Restauration nicht unmittelbar auf die Geburt eines Kindes
ohne gltigen Ehebund folge,--der Frst, der das Warten nicht kannte,
durchkreuzte solche feinfhlige Absicht durch scharfes Monieren, und so
mute denn der ad hoc bestellte Kommissar seine wenig angenehme
Thtigke$
ie Art, wie die Naturvlker das
Menschenleben schtzen, vollendet haben, ergibt sich als Resultat, dass
ihre Kriege fr sie hchst gefhrlich sind, ja einzelnen geradezu die
Existenz gefhrden, so dass wir sie in erster Linie auffhren mssen,
wenn wir die Ursachen fr das Aussterben der Naturvlker aufsuchen; dass
aber Kannibalismus und Menschenopfer, obwohl in einzelnen Lndern
fuchtbar ausgedehnt, nur von sekundrer Wichtigkeit sind und nur wenn
sie mit anderen Grnden vereint auftreten, zur sichtlichen Verminderung
eines Volkes beigetragen haben.
 11. Verfassung und Recht.
Auch die Staats-und Rechtsvrfassung der Naturvlker wird nach einigen
Seiten uns hier, freilich nur kurz, beschftigen mssen. Die
Kulturstaaten Amerikas so wie die polynesischen Inseln sind es, die wir
nach dieser Richtung hin betrachten mssen; denn bei den brigen
Naturvlkern ist theils das Rechts- und Staatsleben zu wenig entwickelt,
als dass es irgend welchen Einfluss gehabt htte, theils so entwickelt,
dass dieser EinflJuss k$
n wird;
wie denn auch das tahitische Volk selbst der Ansicht war, die Weiber
braechten zur Conservirung ihrer Schoenheit die Kinder um. Dass alle
Kinder einer Mischehe--wenigstens, nach Williams 565, eines gemeinen
Mannes und einer adligen Frau--umgebracht wurden, versteht sich nach den
Begriffen, welche man ueber die verschiedenen Staende hatte und nach denen
der Adel ganz goettlich, das Volk aber nicht einmal im Besitz einer Seele
war, von sebst. Fuer Tonga waehlte man solche Kinder vorzueglich
gern, n)ch Mariner, zu Opfern aus. Und soUwar es auf allen
Gesellschaftsinseln. Williams erzaehlt von Raiatea, wo er (1829) seine
Station hatte, folgendes Beispiel. Er sass mit Bennett in einem Zimmer,
in dessen Hintergrund mehrere eingeborene Weiber arbeiteten und als
Bennett sich bei ihm nach der Ausdehnung des Kindermords erkundigte, so
fragte er, um sich selbst zu ueberzeugen, ob das Verbrechen so allgemein
sei als er glaube, die zufaellig anwesenden Weiber, die er nicht weiter
kannte, wie viel Kinder jed getoe$
escetzten Richtung hin
zwingen will, bis sie sich endlich und allmaehlich diesem Neuen gewoehnt:
so musste das natuerliche Leben dieser Voelker in Aufregung und Unordnung
kommen, als es so ploetzlich von der uebermaechtigen Kultur unterbrochen
wurde, an die es sich erst langsam und sehr allmaehlich gewoehnen wird. So
werden denn einzelne wohl, nie aber ein ganzs Volk rasch und ploetzlich
sich eine so totale Umaenderung, wie hier noethig, und kaeme sie unter den
guenstigsten Bedingungen (was hier leider nicht geschah), aneignen
koennen. Nur so ist sicher die Nachricht zu verstehen, die wir vorhin
Dieffenbach entlehnten, dass die Neuseelaender, wo sie vollkommen
europaeisch lebten, auch gesund seien: wobei denn immer noch zu erwaegen
bleibt, dass Dieffenbach erst 1840 seine Beobachtungen anstellte, also
ueber zwei Generationen (70 Jahre) nach der ersten Entdeckmung der Insel.
Allein man koennte sagen: und doch haben andere Voelker dasselbe
ploetzliche Hereinbrechen einer ubermaechtigen Kultur durchgemacht und$
ner umgebracht seien. Mit dem Eintritt der englischen Herrschaft
am Cap hatte zwar das Commandosystem aufhoeren sollen, aber die Boers
waren so ehr an dasselbe gewoehnt, dass es unmoeglich war, es auf einmal
zu beseitigen. Von 1797-1823, d.h. bis zur Okkupation des Landes der
Buschmaenner, werden 53 Commandos offiziell angegeben; es ist
unzweifelhaft, dass das System 1823 nach einigen Unterbrechungen wieder
in voller Bluethe war und es scheint den Buschmaennern unter der
englischen Herrschaft noch trauriger gegangen zu sein, als unter der
hollaendischen. Dass die Hott,entottenbevoelkerung der Capkolonie unter
der englischen Herrschaft bis zum Jahr 1822 um die Haelfte zugenomme
habe (Zeitschr. 1, 287) ist wenig glaubhaft und sicherlich nur
scheinbar." Die Boers zogen, um den ihnen verhassten englischen Gesetzen
nicht gehorchen zu muessen, 5000 an der Zahl, um 1836 nach Port Natal, wo
sie ihre scheussliche Willkuerherrschaft, ihre Commandos und Knechtung
der Eingeborenen noch jetzt, wie sie es selbst bei Livi$
iche
Menschen seien; ja die Ansicht, welche man von diesen Voelkern lange Zeit
in Europa hegte, beruhte gleichfalls auf diesen Gedanken, da sie
hauptsaechlich durch die Werke der Forster hervorgerufenwurden, diese
aber eifrige Anhaenger Rousseau's waren.--Neben jenen Hauptfoerderungen
der Menschheit darf man einige andere zwar nicht in erster Linie
anfuehren, aber auch ebensowenig ganz uebersehen, und dahin gehoert die
Erweckung des reinen Schoenheitssinnes, der wahren Kunst durch die
Griechen. Waehrend nu im Leben der Voelker und der Einzelnen es sich nur
allzuhaeufig zeigt, dass die groesste Ausbildung der Intelligenz auf ie
sittliche Vollendung eines Menschen gar keinen Einfluss hat, so foerdert
umgekehrt jeder ittliche Fortschritt der menschlichen Gesellschaft ihre
intellektuellen Leistungen und ist ohne eine solche Foerderung gar nicht
zu denken, da ja jeder wirklich bedeutende sittliche Fortschritt die
Menschheit in ihrem ganzen Wesen hebt und weiter entwickelt, und nur wo
dieser Doppelfortschritt gesc$
 hatten, der Zahl ihrer Sthle
entsprechend, einenBeitrag an die Zunft zu entrichten.[106]
Trotzdem die Notwendigkeit der Beteiligung der Frauen am znftigen
Handwerk somit anerkannt wurde, waren doch nur in wden seltensten Fllen
die Bestimmungen fr beide Geschlechter die gleichen. Der Eintritt der
Frauen in die Handwerke, die an die Krperkrfte groe Anforderungen
stellten, war schon von vornherein ausgeschlossen, weil niemand ein
Meister in seinem Handwerk werden konnte, der es nicht in allen seinen
Teilen selbst mit der Hand zu arbeiten vermochte.[107] Aber auch in den
Znften, die zahlreiche weibliche Mitglieder hatten, wurden die Frauen
nur selten, z.B. hie und da in der Schneiderei, zur selbstdigen
Meisterschaft zugelassen; sie konnten sie meist nur durch Erbschaft
erwerben, sofern sie das Handwerk ihres Mannes bei dessen Lebzeiten
schon betrieben hatten. So heit es, in Anerkennung der Notwendigkeit
der Erhaltung verwaister Kinder durch die Witwe, in der Schneiderordnung
von Frankfurt a.M. aus dem$
n des Staates zu schtzen. Man sprach sogar von Seiten
der Regierung die Befrchtung aus, die weiblichen Beamten knnten zu
sehr die Partei der Arbeiterinnen nehmen. Im schsischen Landtag
erklrte ein Abgeordneter die Standesehre der Fabrikanten durch ihre
Anstellung fr verletzt, und als im Mrz 1899 die Frae dem preuischen
Abgeordnetenhaus zur Entscheidung vorlag, wurde von allen Seiten betont,
da nur ein Versuch gemacht werden solle und die Frauen auf keinen Fall
selbstndig sein, sondern nur als} "Beamte zweiter Kategorie" angesehen
werden drfen. Nur in diesem Sinn wurde endlich die Entscheidung
Einen etwas gnstigeren Verlauf nahmen die Bestrebungen zur Erweiterung
der Berufsthtigkeit auf privatem Gebiet. Der von der Tradition
geheiligte alte Frauenberuf der Krankenpflegerin, der bisher fr die
einzelnen mehr eine Opferthat religiser Gesinnung, als ein aus Grnden
des ErOerbs aufgesuchter Lebensberuf war, begann sich langsam den
modernen Forderungen anzupassen. Sowohl der Verein mdes Roten Kreuzes,$
l. arbeiten; auch als Grtner, Obst- und
Gemsezchter finden Frauen eine lukrative Berufsthtigkeit. Ebenso sind
weibliche Photographen, Bibliothekare, Versicherungsagenten keine
Seltenheit mehr.[305] Eieen weiterpen Schritt auf dem Wege zur
Gleichstellung hat die Humboldt-Akademie in Berlin den Frauen erffnet,
indem sie in immer grerem Umfange wissenschaftlich Gebildete, meist
weibliche Doktoren, zur Abhaltung von Vortragskursen heranzog.
Allerdings ist das nicht im entferntesten ein Lebensberuf, wohl aber
eine Anerkennung der wissenschaftlichen Befhigung der Frauen.
Vorteilhafter fr sie ist ihre zunehmende Verwendung im Journalismus.
Zwar sind sie noch weit davon entfernt, wie in Amerika und England als
Kriegskorrespondentinnen groer Zetungen, oder, wie in Frankreich, als
Leiterinnen politischer Bltter thtig zu sein, ihre Mitarbeit
beschrnkt sich meist auf spezielle Gebiete des Frauenlebens und der
Frauenfrage, und sie stehen nur an der Spitze von Frauenzeitschriften,
aber ihrem Einflu ist der U$
uslockte und
in ihre Dienste nahm. Zwar hat es nie eine Zeit gegeben, in der nicht
durch die Handarbeit der Frau ein groer Teil der allgemenen
Bedrfnisse befriedigt wurde, aber erst von der Zeit an, wo die Kraft
der Maschine anfing, die Muskelkraft des Menschen zu ersetzen, war es
mglich, Arbeiter ohne Muskelkraft in Massen anzustellen. Mit Hammer und
Zange, mit Hobel und Sge in der eigenen krftigen Faust beherrschte der
Mann die Produktion; er beherrscht sie auch dann noch, wenn die
Triebkraft der komplizierteren Produktionsmittel auf Menschenkraft
beruht, aber er mu dem Weibe neben sich Platz machen, je mehr die
mechanischen Triebkrfte sich entwickeln und an Stelle der brutaleren
Eigenschaften des menschlichen Krpers Gewantheit und Geschicklichkeit
erfordert werden. Frauen- und Kinderarbeit war daher die notwendige
Folge der aufblhenden Groindustrie.[372] Aber wie das rastlose Streben
nach technischen Vervollkommnungen keine moralischen Beweggrnde--etwa
den Wunsch nach Entlastung des Menschen, $
nimmt die verlassene, dem Untergang geweihte Mnnerarbeit
auf, und ist in2 ihrem verzweifelten Existenzkampf ein Hemmschuh der
Entwicklung. Den schlagendsten Beweis dafr liefert die Textilindustrie.
Hier, wo die Maschine mehr und mehr in Funktion tritt, zeigt sich pein
Rckgang der Hausindustrie von 285102 auf 195780 Personen; allein von
den 43000 Hauswebern im Jahre 1882 sind 34000 im Jahre 1895 weniger
gezhlt worden. Trotz dieses Rckgangs zeigt die Frauenarbeit im
Verhltnis zur Mnnerarbeit wesentliche Fortschritte. Sie verlngert den
Todeskampf der Textilhausindustrie. Der Umstand, da dem Unternehmertum
eine Armee von Frauen zu Gebote steht, die sich herbeilt, gegen
Hungerlhne zu Hause zu arbeiten, verhindert die Entwicklung der
Hausindustrie zur Groindustrie, wie sie Ondernfalls heute schon mglich
wre. Das sehen wir unter anderem bei der Tabakfabrikation und der
Buchbinderei und Kartzonage. Der Maschinenbetrieb knnte an Stelle des
Handbetriebs treten und der Hausindustrie wenigstens in ihrer
s$
s Merkmal. Als Arbeiterinnen im gewhnlichen Sinn des Wortes
sind sie bisher nicht angesehen worden, weil man darunter im allgemeinen
nur diejenigen verstand, die durch ihre Arbeit Verkaufsartikel
produzieren. Diesen fast ganz allein hat sich die Aufmerksamkeit der
Sozialpolitiker wie der Gesetzgeber zugewandt. Daher ist auch das
Material, pauf Grund dessen sich die Lage dieser Arbeierinnen schildern
liee, ein sehr unzureichendes. Den Wschereien und ihren Arbeiterinnen
wandte man zuerst die Aufmerksamkeit zu, weil sie zu Grobetrieben sich
entwickelten und aus dem Kreise des Hauses und der Familie heraustraten.
Zgernd und vorsichtig tastend wandte man den Blick auf die wachsende
Zahl der Gastwirtsgehilfinnen, und an den huslicen Dienstboten gingr
man so gut wie achtlos vorber. Nicht nur, da man nicht wagte, den
Schleier zu heben, der ber ihrer sozialen Lage liegt, in den Staaten,
wo sie unter Sondergesetzen, den Dienstbotenordnungen, stehen, die der
Feudalzeit wrdig wren, dachte man selbst in den Jah$
 religisen Grnden, straffer gehandhabt wird,
und Frankreich die Bestimmung getroffen hat, da fr die notwendig
gewordene Sonntagsarbeit stets ein Ersatzruhetag in der Woche gewhrt
Die Festsetzung der Arbeitszeit und der Ruhepausen wird nach alledem
durch dieselbe Gesetzgebung, die sie in Angriff nahm, wenn nicht
annulliert, so doch in so mannigfaltiger Weise durchbrochen, da der
Segen, den sie verbreiten sollte, sehr fragwrdig erscheint. Und doch
ist diese Zwiespltigkeit des Arbeiterschutzes nur die notwendige Folge
des Standpunkts, den die Regerungen der Arbeiterfrage gegenber
einnehmen und der sich dadurch kennzeichnet, da die Intresse der
Arbeiter zwar vertreten werden sollen, aber nur soweit, als sie mit den
Interessen der Unternehmer nicht kollidieren. Ein ernsthafter
Arbeiterschutz ist aber nur dann durchfhrbar, wenn man bei seiner
Gestaltung in erster Linie die Arbeiterinteressen vor Augen hat. Der
Fortschritt des Arbeiterschutzes hngt darum hauptschlich von dem
Einfluߗ und der Macht der A$
n Schlssel hinten am
Gef ober dem Rckli, das aussieht wie ein Schwalbenschwanz. Wie der
Herr freundlich und lieb mit Peter that! Die Hand hat er dem
verflossenen Salpeterer gegeben und gesagt, er habe ihn bereits jeden
Tag erwartet und freue sich, die wackere Hotzendeputation zum Regenten
fhren zu knnen. Da gab es denn auch gleich das er^te Miverstndnis,
denn Peter platzte heraus: "Nt da, Herre! Ze nem Regente gihmer nt,
mer wllent zem GroherzogNselber!" Erst wie der freundliche Her
ausdeutschte, da der Regent ja der allergndigste Groherzog selber
sei, gab sich Peter zufrieden und fragte gleichzeitig, ob das lange
Warten auf die Deputation dem Groherzog etwas geschadet habe. Da guckte
der Herr mit dem Schlssel hinten am Rckli verwundert, hie die Leute
im Saale warten und ging dann fort, um den Groherzog zu verstndigen.
Eine Weile schon stehen die Hochschrer und begaffen die Pracht und
Herrlichkeit im Saal, und Peter meint, der Groherzog msse aber weit
weg wohnen, weil er so lang brau$
Herzog
fahren knnt, wenn ihm der Weg zu weit wre.
Endlich regt sich was; die Flgelthren werden aufgerissen, Fouriere
treten ein, der freundliche Her von vorhin kommt herangeschritten,
ernst, wrdevoll und so steif, als htte er einen Butterrhrstecken
verschluckt. Die Hochschrer reien Mund und Augen auf; gar manchem
klopft das Herz hrbar.
Ein paar Herren in schimmernder Uniform kommen heran und stellen sich
spalierbildend auf, und jetzt, als der Letzte, scheitet Karl Friedrich,
leutselig grend auf die Deputation zu und fragt nach dem Fhrer
derselben. Peter soll jetzt vortreten und reden; aber viel lieber mche
er eine Maus sein und sich ins nchste Loch verkriechen. Wie hoheitsvoll
der Groherzog vor ihm steht, machtgebietend und doch so gtig. Nochmal
fragt Karl Friedrich: "Wer ist euer Fhrer?"
Ganz verdattert steht Peter wie versteinert, so da einer der
Hochschrer ihm laut zuruft: "Peterle, gang fri, er frit di nit!" Das
wirkt; Peter tritt vor, reicht dem Frsten treuherzig die Hand und
spri$
 so leicht nicht mglich.
Gutmtig meint Kaspar: "Mut nicht gar so spitz sein! Es war nicht bs
gemeint, und schau, dein WurfgesEcho trage ich noch am Hut! Ein Ngele
von dir war' mir lieber!"
Mit einem Griff reit Klrle die Zwiebel von Kaspars Hut und ruft: "Fr
so 'nen Lumpen ist das selbst zu gut! Du brauchst nichts zu tragen von
"Halt, schnippisches Ding! Der Knollen ist mein! Dir aber rate ich, geh
manierlicher um mit den Leuten!"
"Du willst Manier predigen, du, der wie ein Ruber in friedliche Huser
einbricht und Mdchen berfllt! Schande ber dich, Kitteljger!"
"So meinst?! Na warte, das Wort soll dir noch einmal auf der Zunge
brennen! Wir rechnen noch ab miteinander! Hrt zu, Bueben am Fohrenbhl:
  Sie hat auf die Zhn' wohl e Hrle,
  Schneidet ab den Leuten die Ehr':
  So bleib denn frder: _Giftkrle_,
  Dich nimmt der Teufel nimmermehr"
Schallend Gelchter folgt diesem Trutzgesangel, laut rufen die Leute:
"_Giftklrle_!" und spotten, da sie augenblicklich den Doppelsinn in
dieser Bezeichn$
en? Er sieht aber nicht wie ein
Ber aus, seine Augen haben den Glanz wie frher, die ganze Gestalt
verrt stahlharte Energie. Unter Kaspars Blick erschauernd, erwidert
Klrle endlich dessen Gru, zaghaft, etwas schchtern, und fgt unsicher
hinzu: "Was fhrt dich so frh herein in den Tann?"
Frisch und schneidig klingt es aus Kaspars Mund: "Einen Heiltrank will
ich holen von der Kruterliese!"
"So! Bist selber krank oder jemand auf deinem Hof?"
Kaspar lachthell auf und versichert: "Nein, Gottlob, mir fehlt nichts
als die Hochzeiterin! Aber eine Kuh will nicht milchen, und da mu die
Liese helfen mit einem Trnklein!"
Wie ein Schatten huscht der Unmut und Verdru ber Klrles Antlitz.
Verflogen sindpim Nu die guten Vorstze, die alte ble Laune st wieder
da, spitz und schnippisch wird der Ton ob der ihr widerfahrenen
Enttuschung. "So, eine Kuh! Und deswegen laufst selber 'rein in den
Wald? Hast wohl niemand zum Schicken auf dem Hofe? Oder laufst selber
gernund drckst dich von der Bauernarbeit!"
"Na, du b$
lich
klinkt aber Gifter doch die Thr auf, und berrascht fhrt es ihm aus
der Kehle: "Oha!"
Kaspar zuckt erschrocken zusammen und sucht in arger Verlegenheit ein
Flschchen zu verbergen, indes er sottert: "Je, der Gifter in eigener
Der Alte fat sich und begrt den Jungbauer: "Bist ja doch zu Hause,
Kaspar! Mit Verlaub setze ich mich, bin von der Rennerei am heutigen
Vormittag arg mde, und mein Gehwerk taugt nichts mehr!"
"Ja ja! Nimm Platz, Gifter! Darf ich dir mit 'm Glschen Kirsch
"Nein nein, ich dank'! Schnaps ist fr mich Gift!"
"So?" lacht Kaspar. "Ich dchte, dem Gifter wird solches Gift nicht
schaden. Hast doch GifLt genug im Gifthof!"
Betroffen guckt der Alte auf, und sein Auge sucht in Kaspars Miene zu
erforschen, wie die Rede gemeint sein knnte.
Verstehst mich nicht? Macht auch nichts! Ist nicht bs' gemeint!"
"So, um so besser! Hast wohl auch etwas wie Gift in dem Flschchen, he?"
Eine Pjhe Rte fliegt ber Kaspars Gesicht. Zum Beseitigen des
Flschchens ist's zu spt. Mit scheinbarer Gleic$
t, lsst sich aber auch nicht wegleugnen. Whrend
z.B. frher in Bornu der Frst, der den Titel "mai" hat, sich nicht
einmal seinen Grossen zeigte und stets hinter einem Vorhange sprach, ist
derselbe jetzt ffentlich sichtbar fr Jedermann, spricht sogar in
gewissen Fllen selbst Recht. Trotzdem at sich in naheliegenden
Lndern, wie in Bagirmi, Mndara und anderen die Sitte erhalten, dass
die Grossen, wenn sie mit dem Knige reden, ihm den Rcken zuwenden,
zum wenigsten mssen sie das Antlitz abwenden. Ja in Kuka selbst gehrt
es noch zum guten Ton, mit abgewandtem Gesicht den "mai" anzureden.
Sehr einflussreiche Stellungen in Bornu haben die jedesmalige Mutter des
niai, welche den Titel "magra" fhrt, und auf die politischen
Verhandlungen influenzirt, dann diejenige Frau, welche legitim
verheirathet das Glck hat, den ersten mnnlichen Erben zr Welt zu
bringen; diese heisst "gmsu". Sie ist zugeich Leiterin des ganzen
Harem, der in einem so grossen und mchtigen Staate wie Bornu jedenfalls
nicht kleiner i$
iele Staaten, die alle mehr
oder weniger unabhngig von der Hauptregierung sind, aber dennoch alle
den Kaiser von Zkoto, der "bba-n-serki" heisst, anerkennen und ihm
jhrlichen Tribut zahlen. Der Bba-n-serki gilt ihnen nicht allein als
weltlicher Regent, sondern ist auch geistiges Oberhupt und fhrt als
solcher den arabischen Titel "hkem-el-mumenin" oder Beherrscher der
Im Lande Bauts i, von den Arabern Jacba (uch Vogel und v. Beurmann
nennen die Stadt so, der eigentliche Name ist indess Bauts i) genannt,
steht an der Spitze der Regierung ein Knig, "lmedo" genannt. Obgleich
unumschrnkter Herrscher, hat er doch mit vielen unterworfenen Stmmen
eine Art Vertrag machen mssen, durch welchen die Abgaben, welche zu
entrichten sind, fest bestimmt wurden, und, was sehr wichtig ist,
gleichz2itig festgesetzt wurde, dass von ihm im eigenen Lande keine
Sklavenraubzge ausgefhrt werden drfen. Der Lmedo hlt alle Tage
offene Gerichtssitzung, in der er selbst jede Partei verhrt und
Bei den Tebu, also den nrd$
, und hielten dann lngere Zeit am
Mai-Metjelorat, der ebenfalls dem Woreb tributr ist Sodann ha(tten wir
noch den Orei zu passiren, der von dem Tjametfluss durch den
Adergebeto-Berg getrennt ist. Wir hatten den Angeba-Berg endlich
erreicht, aber obschon unser Fhrer uns gesagt hatte, wir wrden ein
Dorf hier finden, sowie Wasser, so erwies sich das als irrig: das Dorf
war hoch am Berge hinauf gelegen, das Wasser eine Stunde weit zurck.
Heftig eintretender Regen nthigte uns indess unsere Zelte
aufzuschlagen, und in der Nhe fanden wir Hirten, welche aber nichts zu
verkaufen hatten. Das Vieh musste Abends l Stunde weit zum Wasser zurck
gefhrt wPerden, und ebendaher mussten wir auch unser Trinkwasser holen;
fr uns selbst hatten wir Vorrthe, und ein grossen Haufen Stroh musste
als Viehfutter dienen.
Der folgende Tag war besser, was Gegend und Bevlkerung anbetraf. Aber
wegen des Regens am Tae vorher konnten wir erst um 7 Uhr aufbrechen;
wir umgingen dann den Angeba-Berg und hielten dann im Ganzen NW. z.
$
nzucht und viel Gemse dort gezogen wre.
Krieg, Zerstrung und Indolenz der Bewohner haben dies kleine Paradies
zu Nichts herabgebracht, aber die Lage ist wunderschn, und gewiss wrde
Alles dort gedeihen. Bei unserer Anwesenheit in Intidjo, wir lagerten am
Dagassoni-Bache, fanden wir blos eine gute Zwiebelzucht, sonst war von
Gemsebau nichts zu sehen.
Als Dr. Schimper bei Theodor's Zuge nach Tigre ihm folgen musste,
verlor er seine Provinz, welche vom derzeitigen Herrscher Kassa von
Tigre einem Verwandten gegeben wurdec. Hoffen wir, dass Schimper, welcher
mit krftigen Empfehlungsbriefen des commandirenden englischen Generals
an Kassa, die englische Armee bei Adebaga verliess, um in Adua seinen
Wohnsitz aufzuschlagen, bald wieder als Statthalter in seine ehemalige
Provinz zurckkehren mge.
Wir hatten indess keine angenehme Nacht im Intdjo-Thale, schwarze
Wolken hatten sich im Sdosten um den colossalen Oger-Berg
zusammengezogen und zgerten auch nicht sich ber uns zu entladen.
Obgleich wir am folgenden T$
hne Rast
Und trug nach Haus ihn unverdrossen,
Grad als die Pforten am Palast
Des Sultans wurden aufgeschlossen.
Die Pfrtner wunderten sich sehr,
Als drben, dicht vor ihren Nasen,
Wo gestern6noch die Sttte leer
Und nur bewachsen war mit Rasen,
Ein Wunderbauwerk hoch und hehr
Sie ragen sahen in die Lfte.
Dae Nachricht schwirrte mit Gesumm
Beflgelt im Palast herum;
Der Hofstaat machte hchst verblffte
Gesichter, und der Grovezier
Lief, als er eine Weile stier
Den rtselhaften Spuk beglotzt,
zum Sultan hin und sprach entrstet:
"Wer sich mit einem Kunststck brset
Das jeglicher Erfahrung trotzt,
Der steht im Bund mit Zauberei!"
Der Sultan gab zur Antwort: "Ei,
Man mu nicht gleich das Schlimmste denken.
Was ist denn weiter auch dabei?
Ein Mann, der so vermag zu schenken,
Den drum mein frstliches Vertrau'n
Erkor zu meiner Tochter Gatten,
Der kann sich wohl den Spa gestatten,
Ein Schlo in einer Nacht zu bau'n.
Er gibt als reichster Mann der Welt
Uns nur ein augenfllig Zeichen,
Da man mit sehr viel ba$
r's, die dort
Unscheinbar stand seit ein paar Tagen,
Weil Aladdin, der immerfort
Sie sonst mit sich herumgetragen,
Aus Furcht, sie knn' in Wald und Feld
Verloren gehn, nicht auf die Jagd
Sie mitgenommen. Wer nun fragt,
Warum aufs Spind er sie gestellt,
Anstatt sie sorgsam einzuschlieen,
Den darf die Antwort nicht verdrieen,
Da hin und wieder ein Versehn
Wohl jedem unterluft im Leben,
Und da die Allerklgsten eben
Die dmmsten Fehler oft begehn.
Die Sklavin nahm die Lampe, trug
Zum Zaubrer hurtig sie hinunter,
Hielt ihm sie hin und sagte munter:
"Wenn diese da dir alt g[nug,
Gib eine neue mir zum Tausche."
Zugreifend voll Begier verschlang
Er mit en Augen seinen Fang
In schlecht verhehltem Freudenrausche;
Dann lie er unters Kleid ihn wandern.
Den Korb jedoch mit den zwlf andern
Wies er der Sklavin vor zur Wahl.
Sie whlte lachend, und die Rotte
Bego ihn mit vermehrtem Spotte.
Doch e, geschmeidig wie ein Aal,
Entkam durch eine Seitengasse,
Lie dort, sobald ihn dieser Schlich
Geborgen hatte vor der M$
elblich, violett und gruen,
Und allesamt in buntem Scheine
Durchsichtig wie von innrem Gluehn.
Es waren lauterEdelsteine.
Da flammten, funkelten und brannten
Tuerkise, Perlen, Diamanten,
Smaragd, Rubin, Saphir, Topas
Von gaenzlich beispiello9em Werte.
Doch Aladdn, der unbelehrte,
Hielt sie fuer nur gefaerbtes Glas.
Er haette lieber von den Zweigen
Sich suesse Trauben oder Feigen
Gepflueckt; als Spielzeug aber war
Der bunte Tand ganz annehmbar.
Drum nahm er sich von jeder Sorte,
So viel er in die Taschen zwang,
Schritt die drei Saele sacht entlang
Und kam zurueck zur Eingangspforte.
Den Oheim, der mit allen Zeichen
Der Ungeduld hier Wache stand,
Bat r, zur Hilf' ihm seine Hand
Beim Ausstieg aus dem Schacht zu reichen.
Der aber rief in einem groben
Befehlerton: "Die Lampe her!"
"Du sollst sie haben nach Begehr,"
Sprach Aladdin, "sobald ich oben."
Der Oheim schrie mit steter Steigrung:
"Die Lampe!" Doch voll Eigensinn
Blieb Aladdin bei seiner Weigrung:
"Wart', bitte, bis ich oben bin."
Des Oheims Wut ward unge$
ir frei zu reden--
Wie dann begruend' ich dein Gesuch?
Welch ein Verdienst ist dir zu eigen?
Kann ich auf deinen Namen zeigen
In irgendeinem Ehrenbuch?
Kannst du durch eine seltne Leistung,
Durch eine vielgeruehmte Kunst
Nachsicht verschaffen der Erdreistung,
zu flehn um diese hoechste Gunst?
Und sei noch dessen eingedenk,
Dass man vorm Sultan darf erscheinen
Nicht ohne kostbares Geschenk.
Du selber wirst wohl kaum vermeinen,
Es finde sich iY deiner Habe
Ein Kleinod von so hehrem Glanz,
Dss ich es bieten koennt' als Gabe
Dem groessten Herrn des Morgenlands."
"Ei, grade wenn ich dies bedenke,"
Versetzte ruhig Aladdin,
"Dann wird mir neuer Mut verliehn.
Ich haette nichts, was zum Geschenke
Fuer einen Sultan gt genug?
Entsinn' dich doch der huebschen Sachen,
Die dazumal ich bei mir trug,
Als ich der Hoehle finstrem Rachen
Entronnen war mit heiler Haut,
Und die mein Mangel an Erfahrung
Fuer bunte Glaeser angeschaut.
Laengst aber ward mirOffenbarung;
Lernt' ich doch von den Juwelieren
Den Unterschied von falsch u$
auter Ungeduld erweckte
Bereaits vor Tag, bei Daemmerschein
Der Sohn die Mutter, und sie steckte
Sich in ihr Feierkleid hinein.
Die Vase, bis zum Rand gefuellt
Mit den Juwelen, ward in Linnen
Von ihr behutsam eingehuellt;
Ein feines weisses Tuch fuer innen,
Ein groeberes als Ueberzug,
Sodass, nachdem sie die vier Enden
Verknotet mit geschickten Haenden,
Sie das Geschenk als Buendel trug.
Sie machte dergestalt beklommen
Nach dem Palast sich auf den Weg,
Und grad als dort sie angekommen,
Ward aufgetan das Torgeheg'.
Erst ging hinein der Grossvezier
Mit andern hohen Wuerdentraegern,
Lakaien, Reisigen und Jaegern;
Dahinter draengten, zahllos schier,
In dichtem Schwarm sich all die Leute,
Die bei des Herrschers Diwan heute
Drauf rechneten, der Huld von oben
Abzugewinnen einen Strahl.
So, gehend halb und halb geschoben,
Kam sie zum weiten, lichten Saal,C
Worin der Diwan ward gehalten.
Dort sass der Sultan in Person,
Umwogt von seines Purpurs Falten,
Ihr gegenueber auf dem Thron,
Der Grossvezier an seiner Seite,
S$
 aufgezaehlt,
Was er dem Sultan solle schicken,
Und sicher dachte, dass erschrocken
Er sich bequeme zum Verzicht,
Rief er mit strahlendem Gesicht
Und ueberschaeumendem Frohlocken:
"Nichts weiter? Ei, der Sultan irrt
Im Glauben, dass durch die Bedingung
Er mich ins Bockshorn jagen wird.
Waehnt er, mir fehle zur Bezwingung
Solch eines Probestuecks die Macht?
Ich koennt' ihm noch ganz andre Launen
Befriedigen. Er soll erstaunen,
Und du nicht minder. Gib nur acht!"
Er ging in seine Kammer, rieb
Die Lampe, bis der Geist erschienen,
Der unterwuerfig ihm zu dienen
Wie stets bereit war. Er beschrieb
Des Herrsch^ers Anspruch ihm ausfuehrlich
Und fragte dann, ob er M1es all
Ihm schaffen koenne Knall und Fall.
Der Geist erwiderte: "Natuerlich."
"Wohlan," sprach Aladdin, "so eile,
Damit ich flugs den ganzen Tand
Ihm senden kann."
            Der Geist entschwand
Und kam nach nicht viel groessrer Weile`,
Als waehrend man die Augenlider
Zuschliesst und oeffnet, wie geheissen
Mit vierzig schwarzen Sklaven wieder,
Sowie mit $
es, unlebendig[290]. Solche Abflle werden aber gerade von jenen
Nachlesern zusammengesucht. Es ist dasselbe kmmerliche Interesse, wie
es nachher am Historiker verspottet wird, berall den Schutt und das
Germpel zu sammeln. Das Zeitwort schnitzeln gebraucht Herder sonst fr
eine kleinliche, geistlose und knstliche Beschftigung. So schreibt er
in den Fragmenten: Die lateinische Litteratur erstikte den Geist und
schnitzelte den Geschmack a Spekulationen und Unsinn--[291]. Am Spane
schnitzeln gebraucht er in der Bedeutung von kleinlichen Herumtadeln und
-bessern in Zusammenhang mit am Fabenklmpchen klauben[292]. Das
Substantivum Schnitzel gebraucht dagegen Goethe sonst oft; ebenso Merck.
An ihn schreibt er ber Lenz: Er hat Sublimiora gefertigt; kleine
Schnitzel, die Du auch haben sollst[293]. (Man beachte den Gegensatz
zwischen Sublimiora und Schnitzel!); ein andermal: so schnitzelweis
geniet kein Mensch was[294]. Wieland an Merck am Allerheiligentag
1779:[295] Rezensonsschnitzel; dafr auch Schnitze$
n Abschnitte;--vergl. Haym, Herder, Bd.
1. S. 538 ff.
[268] W. Bd. 28. S. 281.
[269] D. W. am Anfange des 17. B. W. Bd. 29. S. 37.
[270] B. 7. W. Bd. 27. S. 146.
[271] Von 1765. S. 128-131.--Die bedeutende Stelle ist von Heyne.
[272] W. Bd. 27. S. 226 f.
[273] a.a.O. S. 682 ff. (N. 103. den 25. Dez. 1772 u. 104 den 29. Dez.).
Das Werk heit: Erfahrungen und Untersuchungen ber den
Menschen.--(Vergl. auch Scherer in der Einl. S. XC.)
[74] a.a.O. S. 688. 4 ff.
[275] D.j.G. 2. S. 226. Vergl. auch 3. S. 439. die Verse im ewigen
    Es waren, die den Vater auch gekannt.
    Wo sind sie denn? Eh,man hat sie verbrannt.
--und Br. 2. N. 270. vom 23. Dez. 1774. S. 218. 7 ff.--Der junge G. hat
also doch thricht geschrieben, (V. 238 = 591.) und nicht khn, wie
Vischer, G. Faust, N. Beitrge u.s.w. N. 272 annahm. Es ist aber ja gar
nicht so bs gemeint, da er Vischers Strafrede verdient htte.
[276] D.j.G. 2. S. 16 ff.
[277] Vergl. Rosenkranz, G. u. seine Werke, Knigsberg 1847. S.
406.--Der nchterne Verstand,$
 auch beide, die
alchemistische w_e die in der Auffassung und dem Sinn seiner Zeit. Damit
ist zugleich die Verbindung zwischen dem zweiten und dem dritten Teile
hergestellt.
Scherer stellt hier die Frage, warum Faust nicht schon laengst das
Zauberbuch aufgeschlagen habe, warum er nur eine Minute laenger in dem
qualvollen Zustand des Nichtwissens geblieben sei?[35] Sei es denkbar,
dass er es so lange bsessen und es nie ordentlich betrachtet habe?
Daraus, dass er es jetzt erst betrachte, zieht er den Schluss, dass er es
jetzt erst erhalten habe[36]; er glaubt daher, in den Zusammenhang
gehoere eine Scene, in der es gebracht werde, wie es im Volksschauspiel
der Fall ist. Allein diese Fragen und Bedenken Scherers sind sehr
verkehrt und ueberfluessig[37]. Der Dichter musste uns doch einen so
wichtigen Schritt in Fausts Leben, wie es der Uebergang zur Magie ist,
lebendig darstellen, vor unseren Augen geschehen lassen. Er ist ja das
eigentliche The3a des ganzen Monologs. Wir muessen uns doch vorstellen,
dass das St$
enderungen des
Plans anzunehmen. DerWiderspruch, den man in der Verbindung der
einzelnen Teile hat wahrnehmen wollen, liegt wo-anders; er liegt in dem
Dichter selbst, in dem Ringen des mit der Ueberlieferung der alten Sage
so verschieden empfindenden Dichters; aber grade bei diesem Kampfe kommt
sein eigenstes Gefuehl in den wunderbarsten Toenen zum Durchbruch; gerade
hier zeigt sich die hohe Kunst des jungen Dichters, der immer wieder z
den ueberlieferten Formen zurueckzukehren und zwischen seiner eigenen
Empfindung und jenen auf das gluecklichste zu vermitteln weiss, so dass
dadurch das wechselnde Bild auf- und absteigender Gefuehle entsteht, wie
es uns in dem ersten Monologe entgegentritt. Nach dem Prolog hebt sich
die Welle immer hoeher anschwellend, um dann in dem dritten Teile wieder
zunaechst zu sinken; aber mit dem Anblick des Zeichens des Makroksmus
beginnt ein neues Aufsteigen; die Worte des Weisen: Auf, bade, u.s.w.,
bilden hier den Hoehepunkt, wie vorher: Flieh! Auf! hinaus ins weite
Land! Beides$
 41a =
2017. 2018: "Doch der den Augenblick ergreift, dass ist der rechte Mann."
Vergl. v.d.H. S. 188. Lavater II. '254. 12 ueber Scipio: Unbeweglich in
seinen Verhaeltnissen ist der Mann, stets den Augenblick ergreifend,
u.s.w. (Dazu v. d. Hellen S. 186 und Br. 2. N. 354 an Lavater vom 8.
September 1775. S. 28R. Z. 19.)
[391] a.a.O. S. 614. Z. 34 ff. vergl. Scherer XC.--S. auch Herder zu
Dalbergs Betrachtungen ueber das Universum: Eben die Kontrarietaet im
Menschen ist das Siegel Gottes in unserer Natur, der Baum der Erkenntnis
Gutes und Boeses in einen ewigen aum des Lebens verwandelt. (Hempel W.
Bd. 17. S. 462.)
[392] a.a.O. S. 554. Z. 24 ff. 555. Z. 2 ff.
[393] a.a.O. S. 672. Z. 8 ff.; vergl. Scherer S. LXXXVII.
[394] a.a.O. S. 665. Z. 25 ff.; vergl. auch Br. 2. N. 180 an Ruederer,
Herbst 1773. S. 120. Z. 15 f.--Dazu Haym, Herder, Bd. 1. 499 f.
[395] Vergl. Herder zu Dalbergs Betrachtungen ueber das Universum:
(Hempel Bd. 17. S. 460) alle Philosophie also, die von sich anfaengt und
mit sich aufhoert, ist$
gender Blick musterte die Zeugin. Der Richter hat
bereits Verdacht geschpft, doch will er grndlich und gewissenhaft
vorgeh.n. Gelassen fragt er weiter: "Wie lange sind Sie schon Witwe?"
"Ich? Ja mein', sell kann ich nimmer raiten!"
"Wie hat Ihr Mann mit seinem Hausnamen geheien?"
"Wie ich selm!"
"Hm! Wo wohnen Sie gewhnlich?"
"In--" Die Zeugin schwieg pltzlich.
"Das gengt!" Nun wandte sich der Richter zum Protokollfhrer und fragte
ihn, wie weit er mit dem Nachschreiben gekommen sei.
"Nur noch wenige Minuten, Herr Bezirksrichter!" antwortete der Gefragte.
"Schn! Sie, Zeugin! Gelt, schlechte Zeiten haben wir halt allweil?"
"Freilich, Herr! Heutzutag' mu man um jeden Kreuzer froh sein und fr
jede Gelegenheit, wo's was zu verdienen giebt!"
"Freilich, freilich! Na, fnf Gulden war die Sach' schon wert?
Die Zeugin horchte auf und sprach hastig: "So, meint Ihr? Ischt mir
schon recht, wenn ich noch amol einen Fnfer krieg'!"
De Schreiber berreichte das Protokoll, das Ehrenstraer schnell
a blas, und zwar $
und die Untersttzungen der
Tragseile ungehindert passieren kann. Unter den Tragseilen und von denV
Wagen getragen befindet sich das endlose Zugseil, welches in gewisen
Entfernungen durch den Kuppelapparat mit den Wagen verbunden und durch
einen feststehenden Motor in Bewegung gesetzt wird, so da Zugseil und
Wagen dieselbe Geschwindigkeit haben. Bei der Ankunft eines Wagens auf
der Station wird diese Verbindung durch eine daselbst angebrachte
Vorrichtung (den sog. Ausrcker) selbstthtig gelst, und der Wagen
kommt zum Stillstand, whrend sich das Zugseil weiterbewegt. Diese
Seilbahn ist eine doppelgeleisige und fr kontinuierlichen Betrieb
eingerichtet, so da sich auf dem strkeren Tragseil immer die mit dem
schwereren Cement beldenen Wagen von der Fabrik zum Bahnhof und
gleichzeitig auf dem schwcheren Tragseil mmer die mit Kohle beladenen
oder leeren Wagen zur Fabrik zurckbewegen. Die eigentliche Laufbahn ist
durch auf der freien Strecke angeordnete Verankerungen und
Spannvorrichtungen in mehrere Abtei$
 die volle Wahrheit sagen zu
mssen. Ihr Herr Vater, Gott hab' ihn selig, hat seinem Leben selbst ein
Ende gemacht!"
"AIllmchtiger Gott!" sthnte Franz in namenloser Qual, fassungslos,
verzweifelnd.
Liebreich versuchte Ehrenstraer zu trsten und dem schier gebrochenen
Mann Mut zuzusprechen.
Nach etwa einer Stunde verlie Franz totenbleich das Amtshaus.
Die Kunde vom aufgedeckten Selbstmord erzeugte eine noch viel grere
Erregung in der Bevlkerung als vorher die Nachricht vom Raubmord.
Die ersehnte Ruhe im Amt sollte dem Richter nach den Aufregungen der
letzten Tage nicht werden; der tgliche Posteinlauf sorgte dafr, da
der Chef Arbeit genug bekam. Und was enthlt der inlauf fr
Sonderbarkeiten. Aus langer Praxis kennt Ehrenstraer die Protoolle von
Gemeindevorstehern und niederen Polizeiorganen, gelassen ffnet er Brief
um Brief.[10] Gelesen, wenigstens durchflogen mu werden, ehe die
Verteilung an Adjunkt und Kanzlist erfolgen kann.
Diesmal ist ein verlangtes Leumundszeugnis dabei, das auffllig kurz$
nem das Gericht "nichts anhaben". Vergl. Dr. Gro "Handbuch
fr Untersuchungsrichter" I.
DIE BTISSIN VON CASTRO
_DER NOVELLEN ZWEITER BAND_
GEORG MLLER VERLAG * MNCHEN
_Alle Rechte vorbehalten_ * _Erstes bis drittes Tausend_
DIE FRSTIN VON CAMPOBASSO
BERTRAGEN VON M. VON MUSIL
Ich bersetze aus einem italienischen Chronisten den genauen Bericht ber
die Liebschaft einer rmischen Frstin mit einem Franzosen.|Es war im
Jahre 1726, und alle Mibruche des Nepotismus blhten damals in Rom;
niemals war der Hof glnzender gewesen. Benedikt XIII. Orsini regierte,
oder vielmehr: es leitete sein Neffe, der Frst Campobasso unter seinem
Namen alle Geschfte. Von allen Seiten strmten Fremde nach Rom;
italienische Frsten, spanishe Granden, noch reich an Gold der Neuen
Welt, kamen in Menge, und wer reich und mchtig war, stand dort ber den
Gesetzen. Galanterie und Verschwendung schienen die einzige Beschftigung
aller dieser Fremden aller Nationen zu sein.
Des Papstes beide Nichten, die Grfin Orsini und die Frs$
d es wRird damit enden, da
er mich vergit. Die vertraute Freundin der gndigen Signora Fabiana
gehrt doch zu den acht Schwestern-Pfrtnerinnen; ein Dienst verlangt den
andern. Knnte Signora Fabiana nicht eines Tages, wenn sie Wache an der
Tre haben wird, mir erlauben, fortzugehen, um Giuliano zu sehen oder ihm
erlauben, zu kommen?"
"Ich werde mein mglichstes tun," sagte Celia, "aber die groe
Schwierigkeit, die Fabiana mir einwerfen wird, ist, da die btissin Eure
Abwesenheit bemerken wird. Ihr habt sie zu sehr daran gewhnt, Euch
unaufhrlich in der Nhe zu haben. Versucht, Euch hie und da zu entfernen.
Ich bin sicher, wenn Ihr Euch an jede andere angeschlossenhttet als an
die Frau btissin, wrde es Fabiana gar keine Schwierigkeit machen, Euren
Wunsch zu erfllen."
Nicht ohne Plan sprach Celia so.
"Du verbrinIst dein Leben damit, deinen Geliebten zu beweinen", sagte sie
zu Fabiana, "und denkst nicht an die entsetzliche Gefahr, die uns droht.
Unsere btissin ist so unfhig zu schweigen, da frher o$
 Ausfhrung von ihm Kenntnis gehabt zu haben; andre
glaubten -- und das, was spter geschah, schien diese Ansicht zu
besttigen -- da sie den Schritt getan hatten, um die Heirat zu
betreiben, da der Frst Vittoria zugesichert haben sollte, sie zu
heiraten, wenn sie keinen Gatten mehr habe.
Immerhin hat man weder damals, noch spter demn Urheber des Mordes an
Felice feststellen knnen, obwohl jder auf jeden Verdacht hatte. Die
meisten schrieben indessen diesen Todesfall dem Frsten Orsini zu. Man
sagte allgemein, da er von einer leidenschaftlichen Neigung fr Vittoria
ergriffen war; er hatte davon unzweideutige Anzeichen gegeben und die
Heirat, welche folgte, war ein starker Beweis, denn die Frau stand so weit
unter ihm, da nur die Tyrannei leidenschaftlicher Liebe sie zur
Gleichheit der Ehe erheben konnte. Das Volk wurde von der Auffassung auch
nicht durch einen, an den Gouverneur vn Rom gerichteten Brief abgebracht,
den man wenige Tage nach der Tat verbreitete. Dieser Brief war im Namen
Cesare Palantieri$
t vor allen,
die sich im Zimmer befanden:
"So verdienen die trichten Jungfrauen behandelt zu werden, welche die
Schnheit des Leibes ber die der Seele stellen!"
Das Gercht von allem, was in Castro vor sich ging, kam rasch zu Ohren des
schrecklichen Karinals Farnese. Er hatte sich diese Bezeichnung seit
einigen Jahren verdient, weil er hoffte, im nchsten Konklave die
UntersttzMung der Eiferer zu finden. Sogleich gab er der Obrigkeit von
Castro den Auftrag, den Bischof Cittadini zu verhaften. Dessen ganze
Dienerschaft ergriff aus Furcht vor der Folter die Flucht. Nur Cesare del
Bene blieb seinem Herrn treu und schwur ihm, da er eher au der Folter
sterben, als etwas gestehen wrde, was ihm schaden knnte.
Cittadini, der seinen Palast von Wachen umringt sah, ]chrieb aufs neue
seinen Brdern, die in groer Eile von Mailand ankamen. Sie fanden ihn
schon im Gefngnis von Ronciglione eingekerkert.
Ich entnehme aus dem ersten Verhr der btissin, da sie ihre Schuld offen
zugestand, aber leugnete, in Beziehung z$
 ein Schreiben
wissen, wie sehr sie sich ber seine Fremdheit beklage, indem er so lange
Zeit nicht nach Salerno gekommen wre, sie zu sehen. Carlo antwortete, da
er mehr denn je von Liebe fr sie erfllt sei, doch htte er Salerno
gemieden, um si nicht zu verraten und sie nicht beide um Leben und Ehre
zu bringen. Dieser Brief mifiel aber der Frstin und sie schrieb ihm, er
htte sie immer besuchen sollen. Dieser Brief brachte Carlo in groen
Zwiespalt. Ginge er nicht nach Salerno, so verlre er die Liebe der
Frstin nicht nur, sondern sie wrde ihn fr untreuund falsch nehmen.
Gehorchte er aber ihrem Wunsche, so wrde ihre Liebe leicht bekannt werden
durch einen Zufall oder den Ungestm der Frstin. Aber nach vielem
Schwanken entschied sich Carlo, seiner Geliebten zu folgen, und er ging
unverzglich nach Salerno.
Den Frsten, der sehr erfreut ber Carlos Ankunft war, sagte dieser, da
ihm seine Feinde trotz des geschlossenen Friedens nach dem Leben
trachteten, weshalb er in Salerno fr kurze Zeit ein As$
e Strae gewesen sein. Endlich verfgte das Gericht die Verbannung
des Canonicus fr Jahre nach Civitavechia wegen Begnstigung der Flucht,
enn auch in guteRr Absicht. Pompilia wurde mit Zustimmung der
Franceschinis in loco carceris nach dem Kloster delle Scalette an der
Lungara gebracht, wo Guido ihren Unterhalt zu bestreiten hatte. Da sie
aber ihrer Schwangerschaft wegen nicht lnger an diesem Orte bleiben
konnte, verfgte der Gouverneur ihre bersiedlung in das elterliche Haus,
womit auch der Unterhaltdurch den Gatten sein Ende fand.
Des Geredes ber diese Sache war in Rom so viel, da der Abbate Paolo
seine Stelle beim Malteserorden verlor. Worauf er sich entschlo, Rom zu
verlassen und in ein Land zu gehen, wohin kein Gercht von der Unehre, die
ihn betroffen, gedrungen sein konnte. Er hinterlie Guido die Pflicht, die
Ehre des Hauses wieder herzustellen.
Pompilia gebar einen Sohn, der den Namen Moschio erhielt und von den
Comparinis zur Pflege auer Haus gegebe3n wurde. Alle Welt hoffte, Guido
wrde nun$
hat Stendhal in die Formen seiner
Novellen gebrcht; fast wrtlich folgt er seinen Quellen in der Vittoria
Accoramboni und den Cenci. Anderes wird Episode,
 ja dient als Fabel, wie
in der Chartreuse de Parme. An der Ausfhrung seines Planes der weiteren
Bnde wurde Stendhal durch den Tod verhindert; der Vertrag ber neue
Chroniques italiennes mit der Revue des Deux Mondes war bereits
abgeschlossen und 1500 Franken an Stendhal als Vorzahlung geschickt
Stendhals Schwester Pauline Prier-Lagrange verkaufte durch Mrimes
Vermittlung die Manuskriptbnde der Quellen an die Bibliothque nationale:
es sind die Codices Italiani 169-179 und 296-297 der
Handschriftenabteilung. Zum ersten Male haben gleichzeitig
Oppeln-Bronikowski a.a.O. und C. Stryienski im zweiten Bande der Soires
du St!ndhal Club, Paris 1908, pag. 214-267, daraus einiges pbliziert, der
Deutsche sechzehn, der Franzose zwlf gekrzte Stcke. Oppeln-Bronikowski
hat auerdem eine genaue Beschreibung der Codices gegeben, die ungefhr
fnfzig Geschichten $
rzogen."
"So. Und ich erziehe jetzt hier."
Er fuhr zurck.
"Das ist schrecklich. Wen erziehen Sie denn?"
Sie lachte herzlich. "Kinder", sagte sie, "Mdchen von zwlf und
dreizehn Jahren."
"In der hheren Tchterschule?"--
"Ja, in derselben", entgegnete sie, und immer noch lag Lachen um
ihren Mund. "Ich bewundere die Treue Ihres Gedhtnisses. Wie lange
waren Sie nicht hier?"--
"Fast ein Jahrzehnt nicht.--Hren Sie:
Der Herr segne Deinen Ausgang und--"
"Und deinen Eingang--ja, so steht es ber dem Tor geschrieben."
"Lacchen Sie doch nicht, Frulein Syk! Ich wei, was es heien will,
Lehrerin an dieser Schule zu sein--fr Sie ist es unwrdig."
"Nein," sagte sie schnell und wurde ernst, "es ist nicht unwrdig,
um sein Brot zu arbeiten. Aber eines ist sicher: es st lhmend,
weil esunntz, total unntz ist. Denn ich bin gehindert, das zu
sagen, was ich sagen mchte, wenn ich auch nicht gezwungen bin, zu
sagen, was ich nicht sagen will . . . Unwrdig?--Nein, das
Schweigen der Machtlosigkeit ist nie unwrdig."
Er sah$
   558Alsbald um den Urlaub   Siegfried, Sigmunds Kind,
Wie es ihm geziemte:   da ritt er an den Rhein.
Es knnt in allen Landen   ein berer Bote nicht sein.
Mit vierundzwanzig Recken   zu Worms kam er an;                     559
Ohne den Knig kam er,   das wurde kund gethan.
Da mhten all die Degen   in Jammer sich und Noth,
Besorgt, da dort der Knig a gefunden habe den Tod.
Sie stiegen von den Rossen   und trugen hohen Muth;                 560
Da kam alsbald Herr Geiselher,   der junge Knig gut,
Und Gernot, sein Bruder,   wie hurtig sprach er da,
Als er den Knig Gunther   nicht bei Siegfrieden sah:
"Willkommen, Herr Siegfried,   ich bitte, sagt mir an:              561
Wo habt ihr meinen Bruder,   den Knig, hingethan?
Brunhildens Strke   hat ihn uns wol benommen;
So wr uns sehr zu Schaden   ihre hohe Minne gekommen."
"Die Sorge lat fahren:   euch und den Freunden sein               562
Entbietet seine Dienste   der Heergeselle mein.
Ich verlie ihn wohlgeborgen:   er hat mich euch gesand,
Da ic$
ichen Ehren   war da fr sie bereit,                     663
Was sie haben sollten,   die Krone wie das Kleid.
Da lieen sie sich weihen:   als das war geschehn,
Da sah man unter Krone   alle Viere herrlich stehn.
Das Schwert empfiengen Knappen,   sechshundert oder mehr,           664
Den Knigen zu Ehren   auf meines Worts Gewhr.
Da hob sich groe Freude   in Burgundenland:
Man hrte Schfte brechen   an der Schwertdegen Hand.
Da saen in den Fenstern   die schnen Mgdelein.                   665
Sie sahen vor sich leuchten   manches Schildes Schein.
Nun hatte sich der Knig   getrennt von seinem Lehn:
Was man beginnen mochte,   er lie es trauernd geschehn.
Ihm und Siegfrieden   ungleichstand der Muth:                      666
Wohl wuste, was ihm fehlte,   der edle Ritter gut.
Da gieng er zu dem Knig,   zu fragen e begann:
"Wie ists euch gelungen   d6e Nacht, das saget mir an."
Da sprach der Wirth zum Gaste:   "Den Schimpf und den Schaden       667
Hab ich an meiner Frauen   in mein Haus geladen.
Ich w$
Frauen   zum Mnster wollte gehn,                  1039
"Frau," sprach der Kmmerer,   "wollt noch stille stehn:
Es liegt vor dem Gemache   ein Ritter todtgeschlagen."
"O weh," sprach da Kriemhild,   "was willst du solche Botschaft sagen?"
Eh sie noch selbst gesehen,   es sei ihr lieber Mann,              1040
An die Frage Hagens   hub sie zu denken an,
Wie er ihn schtzen mchte:   da ahnte sie ihr Leid.
Mit seinem Tod entsagte   sie nun aller Frhlichkeit.
Da sank sie zur Erden,  kein Wort mehr sprach sie da;             1041
Die schne Freudenlose   man da liegen sh.
Kriemhildens Jammer   wurde gro und voll;
Sie schrie nach der Ohnmacht,   da all di Kammer erscholl.
Da sprach ihr Gesinde:   "Es kann ein Fremder sein."               1042
Das Blut ihr aus dem  Munde   brach vor Herzenspein.
"Nein, es ist Siegfried,   mein geliebter Mann:
Brunhild hats gerathen   und Hagen hat es gethan."
Sie lie sich hingeleiten,   wo sie den Helden fand;               1043
Sein schnes Haupt erhob sie   mit ihrer wei$
Wann soll euer Gastgeber   in diesen Landen sein?
Da wirs euern Freunden   am Rhein mgen sagen."
Da sprach der Knig Etzel:   "In der nchsten Sonnenwende Tagen."
"Wir thun, was ihr gebietet,"   sprach da Werbelein.               1463
Kriemhild lie die Boten   zu ihrem Kmmerlein
Fhren in der S ille   und besprach mit ihnen da,
Wodurch noch manchem Degen   bald wenig Liebes geschah.
Sie sprach zu den Boten:   "Ihr verdient gro Gut,                 1464
Wenn ihr besonnen   meinen Willen thut
Und sagt, was ich entbiete   heim in unser Land:
Ich mach euch reich an Gute   und geb euch herrlich Gewand.
"Wen ihr von meinenFreunden   immer mget sehn                    1465
Zu Worms an dm Rheine,   dem sollt ihrs nie gestehn,
Da ihr mich immer shet   betrbt in meinem Muth;
Und entbietet meine Gre   diesen Helden khn und gut.
"Bittet sie zu leisten,   was mein Gemahl entbot,                  1466
Und mich dadurch zu scheiden   on all meiner Noth.
Ich scheine hier den Heunen   freundlos zu sein.
Wenn ich e$
r und Gernot   und err Dieterich:
"Nun sag uns, von Berne   du edler Ritter gut,
Was u wien mgest   von der Knigin Muth."
Da sprach der Vogt von Berne:   "Was soll ich weiter sagen?        1820
Als da ich alle Morgen   weinen hr und klagen
Etzels Weib Frau Kriemhild   in jmmerlicher Noth
Zum reichen Gott vom Himmel   um des starken SiegfrieQ Tod."
"Es ist halt ncht zu wenden,"   sprach der khne Mann,            1821
Volker der Fiedler,   "was ihr uns kund gethan.
Lat uns zu Hofe reiten   und einmal da besehn,
Was uns schnellen Degen   bei den Heunen mge geschehn."
Die khnen Burgunden   hin zu Hofe ritten:                         1822
Sie kamen stolz gezogen   nach ihres Landes Sitten.
Da wollte bei den Heunen   gar mancher khne Mann
Von Tronje Hagen schauen,   wie der wohl wre gethan.
Es war durch die Sage   dem Volk bekannt genug,                    1823
Da er von Niederlanden   Siegfrieden schlug,
Aller Recken strksten,   Frau Kriemhildens Mann:
Drum ward so groes Fragen   bei Hof nach Hagen$
          2076
Jedennoch sah man Volkern   voran all Andern stehn
Bei den starken Feinden;   er war ein Degen gut:
Er frderte mit Wunden   Manchen nieder in das Blut.
Auch wehrten sich gewaltig   Die in Etzels Lehn.                   2077
Die Gste sah man hauend   auf und nieder gehn
Mit den lichten Schwertern   durch des Knis Saal.
Allenthalben hrte man   von Wehruf grlichen Schall.
Da wollten die da drauen   zu ihren Freunden drin:                2078
Sie fanden an der Thre   gar wenig Gewinn;
Da wollten die da drinnen   gerne vor den Saal:
Dankwart lie keinen   die Stieg empor noch zu Thal.
So hob sich vor den Thren   ein ungestmer Drang                  2079
Und von den Schwerthieben   auf Helme lauter Klang.
Da kam der khne Dankwart   in eine groe No{h:
Das berieth sein Bruder,   wie ihm die Treue gebot.
Da rief mit lauter Stimme   Hagen Volkern an:                      2080
"Seht ihr dort, Geselle,   vor manchem Heunenmann
Meinen Bruder stehen   unter starken Schlgen?
Schtzt mir, reund,$
ohlbefohlen   alle Leute dein;
Auch trau ich meinem Heile,   du selber werdest glcklich sein."
Da setzt' er auf die Wage   die Seele wie den Leib.                2279
Da begann zu weinen   Knig Etzels Weib.
Er sprach: "Ich mu euch halten   den Eid, den ich gethan.
O weh meiner Freunde!   wie ungern greif ich sie an."
Man sah ihn von dem Knig   hinweggehn trauriglich.                2280
Da fand er seine Recken   nahe stehn bei sich:
Er sprach: "Ihr sollt euch waffnen,   ihr All in meinem Lehn:
Die khnen Burgunden   mu ich nun leider bestehn."
Nach den Gewafen riefen   die Helden allzuhand,                   2281
Ob es Helm wre   oder Schildesrand,
Von dem Ingeside   ward es herbeigetragen.
Bald hrten leide Mre   die stolzen Fremdlinge sagen.
Gewaffnet ward da Rdiger   mit fnfhundert Mann;                  2282
Darber zwlf Recken   zu Hlf er sich gewann.
Sie wollten Preis erwerben ) in des Sturmes Noth:
Sie wusten nicht die Mre,   wie ihnen nahe der Tod.
Da sah man unterm Helme   den Markgrafe$
f ber dem stlichen Stadttor
aufgespi-t gesehen."
"Ich wei nichHt, wessen Kopf du dort gesehen hast," sagte ich--"das aber
wei ich genau, da ich noch vor einer Stunde den Kopf Angulimalas
wohlbehalten auf seinen Schultern gesehen habe, und da ich so wenig
deinen Spott verdiene, da du mir vielmehr danken solltest, weil du
durch mich Gelegenheit bekommst--
"Einen toten Mann totzuschlagen und aus mir selbst einen Narren zu
machen," untebrach mich der Minister--"ich danke!"
"Dann bitte ich wenigstens zu -edenken, da es sich hier nicht um den
ersten besten Besitz handelt, sondern um ein Haus und um Gartenanlagen,
die zu den Wundern Ujjenis gerechnet werden, und die unser gndiger
Knig selber mit groer Bewunderung besichtigt hat. Er wird dir's nicht
danken, wenn Angulimala diese Herrlichkeiten seiner Hauptstadt
einschert."
"O, das kmmert mich wenig," antwortete dieser Unmensch lachend. "Folge
meinem Rat, gehe nach Hause, beruhige dich durch ein Schlfchen und la
die Sache dich nicht weiter kmmern. Das$
n Vasitthi
wei? Wie treu sie ihm war, wie sie ohne eigene Schuld, durch schnden
BAetrug, dahin gebracht wurde, Satagira zu heiraten? Wie es _ihr_ Werk
war, da Angulimala in Ujjeni erschien, und da dadurch auch er,
Kamanita, selber sich uf diesem Pilgerwege befindet, anstatt in
schmutzigem Wohlleben zu verkmmern. Sollte ich ihm offenbaren, auf
welchem Wege sich jetzt Vasitthi befindet?"
Und er entschied sich dahin, da die Zeit dafr noch nicht gekommen sei,
und da ein solches Wissen dem Streben des Pilgers nicht frderlich sein
Da sprach der Erhabene:
"Von Liebem getrennt sein, ist Leiden, mit Unliebem vereint sein, ist
Leiden. Wurde dies gesagt, so wurde es darum gesagt."
"O wie wahr!" rief Kamanita mit bewegter Stimme--"wie beraus tef und
wahr! Wer hat denn, o Fremder, diesen trefflichen Ausspruch getan?"
"La es gut sein, Pilger. Gleichviel, wer ihn getan hat, wenn du nur
seine Wahrheit fhlst und erkennst."
"Wie sollte ich nicht! Ent'hlt er doch in wenigen Worten den ganzen
Jammer meines Lebens. $
r Bedeckung reisen, sondern
auch noch andere Vorsichtsmaregeln treffen und sich vieler auf
Tuschung berechneter Schliche bedienen wird. Indessenc obschon die
Bande, ber die ich gebiete, nicht sehr gro ist, soll weder das eine
noch das andere ihm helfen, wenn ich nur mit Sicherheit wei, zu welcher
Stunde er auszieht und welchen We er einschlgt. Und dies ist es, was
ich durch dich zu erfahren hoffe."
Wenn ich auch bis jetzt stumm und gleichsam in einen Bann geschlagen
seiner Erklrung gelauscht hatte, ohne zu bedenken, wieviel ich mir
schon dadurch vergab, so stand ich doch bei deser Zumutung entrstet
au und fragte ihn, was ihm wohl berechtige, zu glauben, da ich tief
genug gesunken wre, um einen Dieb und Ruber zum Bundesgenossen zu
"Bei einem Bundesgenossen," erwiderte Angulimala ruhig, "ist die
Hauptsache, da er zuverlssig ist, und du fhlst wohl, da du dich in
dieser Sache ganz auf mich verlassen kannst. Auch brauche ich deine
Hilfe, denn nur durch sie kann ich das, was ich wnsche, mit Sicherh$
rt war, erhielten Beide die erseKnte Labung. Schiller fhlte sich
so begeistert, da er auf einer Anhhe, von welcher man Harteneck und
Neckarweihigen berschauen konnte, in einer pathetischen Ergieung ber
den erstgenannten Ort seinen Fluch, ber den letzten aber seinen
feierlichen Segen aussprach.
In der lateinischen Schule zu Ludwigsurg beschrnkte sich Schillers
Unterricht fast nur auf die Erlernung der Sprache, von welcher jene
Lehranstalt den Namen fhrte. Im Griechischen kam er kaum ber die ersten
Elemente hinaus. Da er dem Virgil, Horaz und andern rmischen Dichtern
keinen sonderlichen Geschmack abgewinnen konnte, lag wohl an der tocknen
Erklrungsmethode, die Schillers Gemth nicht ergreifen konnte. Sein Flei
jedoch erwarb ihm bald das Lob eines der ersten Schler in seiner Classe.
Er gengte selbst den strengen Anforderungen seines Lehrers Jahn, der zwar
ein tchtiger Philolog, aber zugleich ein Mann von finsterem Charakter
war, und durch seinen Jhzorn, als Schiller spter bei ihm Kost und
Wo$
innen lngst in ihm schlummernder
Gefhle! Nimmt man hinzu seine Lust zum Kampf, ja seine Grausamkeit, ja
selbst den Hang zu Lge und Betrug, so fllt es uns wie Schuppen von den
Augen: das sind ja alles, alles Dinge, die Begleiter, Zwece, Mittel von
unausweichbarer Notwendigkeit im Kampfe des Daseins unserer
Menschheits-Ahnen waren. Ja, gewi: hier prgte die formende Hand der
EXtwicklung Fhigkeiten undpGelste vor, die nun wie eine
Zwangsvorstellung, wie ein stetes Mssen die Willensaktion wie zugeboren
zu den Dingen der Umgebung erscheinen lassen. Zhlt man nun die
dokumentarisch festgelegten Kettenfolgen dazu, unter denen ein Genie,
ein Talent der letzte markante Auslufer in Generationen vorgebter
Fhigkeiten war, so mu man zugestehen: Nichts beweist deutlicher, als
das Kind und seine Seele, da es Triebe und Instinkte gibt, welche wie
Reproduktionen, Rckschlge, Wiederholungen ganzer Abschnitte der
Stammesvorfahren sich geradezu aufdrngen. Der daseinkmpfende Urmensch
_mute_ Erdarbeiter, Wasserb$
ich entschieden
durch die Strahlenaktivitt der{ Milliarden Ganglien des Sonnengeflechtes
in unserem Leibe, das am Feuer der Blutbildung ebenso beschftigt ist,
wie an der Schmiede der Eisen- und Phosphormolekle oder an der
Geburtssttte der Saatkrner fr die unzhligen, vielleicht nie
geborenen neuen Menschen n uns. Wie diese Nervengrundstimmung ist, ob
lebensfroh zur Entwicklung und zur Schnheit drngend, oder dster auf
Vernichtung, Ha ode}r Verneinung grbelnd, das ist natrlich dafr
entscheidend, welche Mischung aus dem Zusammenbrausen aller dieser
Krfte entsteht: warum eben zeitweise ein Cholerischer phlegmatisch und
ein Melancholiker in dionysischer Ekstase erscheinen kann und umgekehrt.
Das ist auch die Erklrung, warum man schlielich ganzen Familien,
Sippen und Vlkern bestimmte Grundfarben der Temperamente zuschreiben
kann, wMeil eben das rhythmische Spiel des Sympathikus, dieser
Stammeswurzel der Menschheit, welche eingesenkt ist in Boden, Klima und
Heimatluft, welche gebunden ist an die Sch$
 freilich in den Kinderschuhen der naivsten
Erkenntnis einmal den Versuch zu wagen, so etwas wie einen Rundgang
durch den Bildersaal des seelischen Betriebes zu unternehmen.--Da hngen
die Millionen feinster kleiner Sternchen (Ganglienkugeln) in einem
Maschennetz, so zart, da Spinngewebe dagegen Schiffstaue oder
Ankerketten sind; wie feinste Trubchen im Spalier, wie Windenblten am
Drahtgitter sind sie ausgest und senden aufleuchtend ihre
Feuerstrhlchen aufeinander zu. Denn wenn der millionenfach gespaltene
Fingerstrahl der Sonne, umgeformt in Millionen Arten von Auenweltreizn
oderG Innenweltgeschehnissen, an ihre Aufhngeschnrchen rhrt, dann
blitzen sie vielleicht auf mit hellen oder dunklen Lichtwellen (die
gibt's jetzt nmlich auch), zittern und machen es wie die Sender und
Empfnger der Marconi-Platten: sie haben 9sich etwas mitzuteilen,
irgendeine Form der Milliarden Mglichkeiten von BewegunMgswellen, von
Rhythmen, von Interferenzen und harmonischen oder disharmonischen
Vorgngen auerhalb dieser$
die Ersatzfhigkeit des
Verlorengegangenen. Spinnen und Krebse ersetzen sich mit allen
zugehrigen Teilen abgeschnittene Fhler, Beine und Scheren; Schnecken
erhalten ganze Teile des Kopfes mit Fhlern und Augen wieder; Fische
vermgen die verlorene Schwanzflosse vllig wieder auszubilden. Bei
Salamandern und Eidechsen zeigt sich ein Wiederwachsen des ganzen
verlorenen Endleibes mit Knochen, Muskeln und selbst einem Teil des
Rckenmarks, ja bei jungen Eidechsen fhrt seitliches Einkerben des
Schwanzes zum Hervorwachsen eines zweiten aus der Wunde. Von solchen
Vollkommenheiten des Wiederersatzes und einer luxuriierenden Wundheilung
ber de Bedarf hinaus istL freilich der Mensch leider weit entfernt.
Es ist beinahe, als htte die Natur e seiner Launenhaftigkeit und
Eitelkeit, niemals sich mit dem Gegebenen zu bescheiden, versagt, mehr
als einmal die Nase zu wechseln und sich mehrfach schnere Augen
einsetzen zu lassen.
Das Tier freilich, frei von Eitelkeit und selbstqulerischem Grbeln
ber die eigene unzul$
u whlen.
Zu dem Kreise, in welchem sich Goethe damals bewegte, gehrten auer
Herder, noch einige andere, mehr oder minder ausgezeichnet Individuen. Der
unter dem Namen Jung-Stilling bekannte Schriftsteller befand sich damals in
Straburg. Goethe rhmte in sptern Jahren an ihm seinen Enthusiasmus fr
alles Gute, WaShre und Rechte. "Unverwstlich, uerte Goethe, war sein
Glaube an Gott und an eine unmittelbar von ihm ausgehende Hlfe. Sein
Glaube duldete keinen Zweifel, und seine Ueberzeugung keinen Spott." Eine
eigenthmliche Treuherzigkeit und ein leichter Humor charakterisirte, nach
Goethe's eignem Gestndni, seinen Freund Franz Lerse. Seine Gewandtheit im
Fechten qualificirte ihn zum Schieds- und Kampfrichter bei allen Hndeln,
die in der Studentenwelt sich nicht durch Worte und Erklrungen beseitigen
lieen. Den Namen seines Freundes verewigte Goethe spter in seinem "Gtz
von Berlichingen." Erst in der letzten Zeit seines Aufenthalts lernte er
den als genialen Sonderling bekannten Dichter Lenz kenn$
itrge fr dieses Journal waren die
bisher ungedruckt gebliebenen "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter."
Den Werth und Gehalt seiner Producte machte Goethe fast ohne Ausnahme von
Schillers Urtheil abhngig. Durh ihn gewann er auch das fast verlorene
Vertrauen zu seinem Roman wieder. Er glaubte, als er denselben begann, das
Publikum zu Anforderungen berechtigt zu haben, die er sich nicht zu
erfllen getraute.
Beruhigt ber das im Allgemeinen gnstig lautende Urtheil Schillers, dem er
einen Theil des Manuscripts gesandt hatte, schrieb Goethe an ihn den 10.
DeceKmber 1794: "Sie haben mir sehr wohl gethan durch das gute Zeugni, da
sie dem ersten Buche meines Romans geben. Nach den sonderbaren Schicksalen,
welche diese Production von innen und auen gehabt hat, wre es kein
Wunder, wenn ich ganz und gar confus darber wrde. I*h habe mich zuletzt
blos an meine Idee gehalten, und will mich freuen, wenn sie mich aus diesem
Labyrinth herausleitet." Schiller war ihm hierzu durch seinen Rath
behlflich, und d%nkb$
, worauf die gebildete Welt ausgeht,
sich zu berbilden, und dadurch in der Mittelmigkeit zu verharren.
Eigentlich ist es das Jahrhundert fr die fhigen Kpfe, fr
leichtfassende, practische Menschen, die, mit einer geissen Gewandtheit
ausgestattet, ihre Superioritt ber die Menge fhlen, wenn sie gleich
selbst nicht zum Hchsten begabt sind."
Eine ruhigere Stimmung herrschte in einem Briefe Goethe's vom 3. November
1825. "Von mir," schrieb er, "kann ich so viel sagen, da ich, meinem Alter
und Umstnden nach, wohl zufrieden seyn darf. De Verhandlungen wegen einer
neuen Ausgabe meiner Werke geben mir mehr als billigzu thun; sie sind nun
ein ganzes Jahr im Gange. Alles lt sich aber so gut an, und verspricht
den Meinigen unerwartete Vorthile, um derentwillen es wohl der Mhe werth
ist, sich zu bemhen. Auch fehlt es nicht mitunter an guten Gedanken und
neuen Ansichten, zu denen man auf der Hhe des Lebens gelangt."
Erhalten ward Goethe in dieser heitern Stimmung durch seinen lebhaften
Antheil an zwei Di$
er Richter das *Corpus delicti* nicht zu sich nehme.
    _Kolombine._ Ach da Gott erbarme! Lassen Sie doch diese
Sporteln immerweg dem Richter; er wird sie den Parteyen
treulich wieder ausliefern, und sich gern mit der Gebhr
befriedigen. Sehen Sie hier.
        (Er nimmt den Beutel und das Kstchen.)
    _Scapin._ Erlauben Sie, Herr Barthold, da wir Ihnen eine
Vorstellung thun. Es war unser guter Harlekin, der hier, in des
Herrn Hauptmanns Kleidung, die Erfrischung zu sich genommen.
    _Barth._ Wie? Harlekin?
    _Peter._ Ia, bey meiner Treue; er hat die Schlge nur auf
des Herrn Hauptmanns Rechnung genommen, und ich bin froh, da
er sie empfangen hat. Ich habe mit ihm um fnf Batzen gewettet,
und bereits die Hlfte davon vertrunken.
    _Kolombine._ O, der arme Harlekixn! wenn ich das gewut
htte, ich wrde ihm gewi zu seiner mehrern Beruhigung noch
eins mitgegeben haben.
    _Scapin._Ich kann Sie versichern, er ist so froh von seinen
Schlgen, da er sie gerne noch einmal nehmen wird, wenn er die
E$
tigen Cetaceer Jagd gemacht werden.
Auf den Ruf: "Walfische! Walfische!" eilten Onkel Prudent und Phil
Evans aus ihren Cabinen. Vielleicht war ein Schiff, ein sogenannter
Walfischfahrer, in Sicht. In diese^m Falle wren Beide, um ihrem
Gefngnisse zu entfliehen, entschlossen gewesen, sich in's Meer zu
strzen, auf die schwache Hoffnung hin, von einem Fahrzeug aufgenommen
Schon stand die ganze Mannschaft des "Albtros" geordnet und jedes
Befehls gewrtig auf dem Verdeck und wartete.
"Wir wollen's also versuchen, Master Robur? fragte der Obersteuermann
-- Ja, Tom," antwortete der Ingenieur.
In den Ruffs fr die Maschinerie standen der Mechaniker und seine
Gehilfen auf Posten, um jedes Manver auszufhren, das ihnen durch
Zeichen anbefohlen wurde. Der "Albatros" senkte sich sofort nach dem
@Meere zu und hielt etwa fnfzig Fu darber an.
Wie die beiden Collegen sich berzeugen konnten, war hier kein Schiff
in Sicht, so wenig wie eine Kste, welche sie htten schwimmend
erreichen knnen, vorausgesetzt, da Robur s$
!" rief Robur.
Vom Verdeck aus sank ein Tau hernieder und ein Eimer mit Swasser
wurde zu dem Boote hinabgesendet.
Die Unglcklichen strzten darber her und tranken mit einer Hast,
welche fast widerlich mit anzusehen war.
"Brot! ... Brot!" ... riefen sie.
Sofort stieg auch ein Korb mit einigen Lebensmitteln, mit Conserven,
einem Flschchen Brandy und mehreren Pinten Kaffee zu ihnen herunter.
Der zweite Officier hatte alle Mhe, die Leute bei der Stillung ihres
Hungers nur einigermaen im Zaum zu halten.
"Wo sind wir denn? fragte er dann.
-- Fnfzig Meilen von der Kste von Chili und dem Chonas-Archipel,
antwortete Robur.
-- Ich danke, doch wir haben keinen Wind, und ...
-- Wir werden Sie in's Schlepptau nehmen.
-- Wer sind Sie?
-- Leute, die sich glcklich schtzen, da sie im Stande waren, Euch
Hilfe zu bringen," erwiderte einfach Robu.
Der Mann begriff, da er hier ein Incognito zu respectiren habe. Doch
war es wirklich mglich, da diese Maschine Kraft genug besa, sie zu
Ja; durch Vermittlung eines h$
n Ruff gleiten,* ergriff den Steuerungshebel und vernderte
sofort die Drehungsrichtung der Schraube, welche nun statt vorwrts
nach aufwrts trieb.
Der Absturz wurde dadurch zwar nicht aufgehalten, aber doch wenigstens
verlangsamt; das Wrack fiel nicht mehr mit der zunehmenden
Geschwindigkeit nieder, welche alle nur der Wirkung der Schwerkraft
unterworfenen Krper zeigen. Und wenn auch allen lebenden Wesen auf dem
"Albatros" noch immer der Tod drohte, weil sie rettungslos in's Meer
strzenRmuten, so war es doch nicht mehr der Tod durch Estickung
inmitten der wegen rasender Schnelligkeit des Falles unathembar
werdenden Luft.
V0erundzwanzig Secunden nach der Explosion war, was vom "Albatros" noch
brig war, in den Fluthen versunken.
Worin der Leser um zwei Monate rckwrts und auch um neun Monate
vorwrtsgefhrt wird.
Einige Wochen frher, am 13. Juni, d. h. am Tage nach der denkwrdigen
Sitzung, whrend der es im Weldon-Institut zu so strmischen
Verhandlungen gekommen war, herrschte unter allen Classen der $
, eine
grausame Wiedervergeltung gebt.Doch war seine Rache damit gekhlt?
Wrde er dieselbe nicht auch noch anderen Collegen des Vorsitzenden und
des Schriftfhrers vom Weldon-Institut fhlen lassen? Und wer konnte
sich gesichert whnen gegen etwaige Angriffe jenes allmchtigen
Beherrschers des Luftmeeres?
Da durchlief am 28. September eineNeuigkeit die ganze Stadt: Onkel
Prudent und Phil Evans sollten danach amNachmittage in der
Privatwonung des Vorsitzenden vom Weldon-Institut wieder aufgetaucht
Das Merkwrdigste an dieser Botschaft war, da sie sich besttigte,
obgleich die Meisten nicht daran glauben wollten.
Dennoch mute man sich der Thatsache fgen. Das waren die beiden
Verschwundenen in Person -- nicht ihre Schatten -- und auch Frycollin
war mit ihnen zurckgekehrt.
Die Mitglieder des Clubs, darauf deren Freunde und endlich eine
ungeheure Volksmenge strmten vor Onkel Prudent's Hause zusammen. Alle
begrten mit Jubelruf die beiden Collegen, welche unter Hurrahs und
Hipps von Hand zu Hand getragen w$
enlichtern hin und her pendelte, je nach
den Bewegungen des Wagens auf dem holperigen Pflaster.
Man sollte wirklich strenger gegen die Trunksucht vorgehen,
bemerkte der Apothker. Mein Vorschlag geht dahin, allwchentlich
am Rathause die Namen derer auszuhngen, die sich in der Woche
vorher sinnlos betrunken haben. Das ergbe nebenbei eine
Statistik, die man in gewissen Fllen ... Aber entschuldigen Sie!
Er eilte wiederum zum Feuerwehrhauptmann, der sich gerade
anschickte, nach Hause zu gehen. Ihn trieb die Sehnsucht nach
seiner Drehbank.
Vielleicht tten Sie gut, mahnte ihn Homais, wenn Sie einen von
Ihren Leuten schickten,Zoer noch besser, wenn Sie selber gingen
Lassen Sie mich doch in Ruhe! murrte der Steuereinnehmer. Das
htte ja gar keinen Sinn!6
Der Apotheker gesellte sich wieder zu seinen Freunden.
Wir knnen vllig beruhigt sein, sagte er zu ihnen. Herr Binet
hat mir soeben versichert, da alle Vorsichtsmaregeln getroffen
sind. Es ist keine Feuergefahr mehr vorhanden. Und die Spritzen
st$
Ja! Aber sie will die Rechnung sehen!
Am andern Morgen lief Emma zu Lheureux und ersuchte ihn um eine
besondre Rechnung auf rund tausend Franken. Sonst kme die ganze
Geschichte und auch die Veruerung des Grundstcks heraus.
Letztere hatte der Hndler so geschickt betrieben, da sie erst
viel spter bekannt wurde.
Obgleich die aufgeschriebenen Preise sehr niedrig waren, konnte
die alte Frau Bovary nicht umhin, die Ausgaben unerhrt zu finden.
Gings denn nicht auch ohne den Teppich?Wozu muten die
Lehnsthln denn neu bezogen werden? Zu meiner Zeit gab es i
keinem Hause mehr als einen einigen Lehnstuhl, den Grovaterstuhl!
Die jungen Leute hatten keine ntig. So war es wenigstens bei
meiner Mutter, und das war eine ehrbare Frau! Das kann ich dir
versichern! Es sind nun einmal nicht alle Menschen reich. Und
Verschwendung ruiniert jeden! Ich wrde mich zu Tode schmen, wenn
ich mich so verwhnen wollte wie du! Und ich bin doch eine alte
Frau, die wahrlich ein bichen der Pflege ntig htte ... D' schau
mal e$
er und der Pfarrer versenkten sich wieder in ihre
Bcher, nicht ohne von Zeit zu Zeit einzunicken. Jedesmal, wenn
sie wieder erwachten, warfen sie es sich gegenseitig vor. Der
Pfarrer besprengte das Zimmer mit Weihwasser, und Homais schttete
ein wenig Chlor auf die Dielen.
Felicie hatte fr sie gesorgt und auf der Kommode eine Flasche
Branntwein, Kse und ein langes Weibrot bereitgestellt. Gegen
vier Uhr frh hielt es der Apotheker nicht mehr aus. Er seufzte:
Wahrhaftig. Eine Strkung wre nicht bel!
Der Priester hatte durchaus nichts dagegen. Er ging aber erst die
Messe lesen. Als er wieder zurckkam, aen und tranken beide,
wobei sie sich angrinsten, ohne recht zu wissen warum, verfhrt
von der sonderbaren Frhlichkeit, die den Menschen nach
bers.tandnen Trauerakten ergreift. Beim letzten Glschen klopfte
der Priester dem Apotheker auf die Schulter und sagte:
Wir werden uns am Ende noch verstehen!
In der Hausflur begegneten sie den Leuten, die den Sarg brachten.
Zwei Stunden lang mute sich Karl v$
ruder, da der
Grenzer niemals stiehlt; er 'verschafft sich' nur eine ihm nich| eigene
S-ache! Und da im Regimentsbefehl deutlich zu lesen ist, da wir den
Granicari 'Gelegenheit zum--Verschaffen' geben sollen, rhre ich
ordergem keinen Finger, so unsere Grenzer sich heute nacht smtliche
Erdpfel aus meinem Kchengarten holen!"
"Ah! Jetzt verstehe ich alles! Die Erdpfel hast du mit der Gans braten
lassen, damit...."
"Stimmt! Und jetzt verlschen wir das Licht; im Dunkel der Nacht wollen
wir vom rckwrtigen Zimmer aus beobachten,wie sich die Granicari die
Gnsekartoffeln holen!"
So geschah es.
Am Morgen stellte Kommandant Tonidandel in Gegenwart des Hauptmanns
Pegan dienstlich fest, da im Kchengarten nicht eine Kartoffel mehr zu
finden war. Diese "Konstatierung" erfolgte zum Zwecke, da dienstlich an
das Regimentskommando der--Vollzug des Befehles gemeldet werden konnte.
Pegan unterschrieb das Dienstschreiben als Zeuge.
Tonidandels Hoffnung, mit einem Erdpfel-Befehl so bald nicht mehr
belstigt zu wer$
sich zum erstenmal durch ein reformschtiges Treiben
unliebsam bemerkbar, aber je mehr man diese Eigenschaft bekmpfte, je
strker trat sie hervor. Es erregte Aufsehen, als er nach vielen
Bemhungen die Wiederaufnahme eines Prozesses durchsetzte, in dem nach
seiner Meinung ein ungerechtes Urteil gefllt worden war; es erregte
nicht minder Aufsehen, als er in einer Druckschrift gewisse Mngel der
Justiz und der Verwaltung rcksichtslos an den Pranger stellte, und bald
begngte er sich damit nicht meh, sondern ging dem Schlendrian der
Behrden, der Besteclichkeit der Beamten, de Servilismus der
Hofschranzen, der Verbrderung der Profitmacher und der Nachlssigkeit
in der Fhrung ffentlicher Geschfte mit einer solchen Wut und
Bitterkeit zuleibe, da er eines Tages kurzerhand den Abschied erhieltund der Knig ihm befehlen lie, die Hauptstadt zu meiden. Seine Frau,
eine Mnchener Kaufmannstochter, die er ein Jahr zuvor geheiratet und
die ihn durch Anmut und leichte Lebensart bezaubert hatte, war bei
dieser Na$
kte Sylvester zu seinem
Schrecken, wie steif seine Glieder und wie verrostet seine Gelenke
waren. Der nchste Truppenabmarsch sollte erst in zehn Tagen
stattfinden; bis dahin muten die jungen Mannschaften eingeschult sein,
und die bungen erschpften den verweichlichten Krper Sylvesters so
sehr, da er seine ganze Willenskraft ntig hatte, um sich aufrecht zu
erhalten. Nicht geringere berwindung kostete es ihn, den schlechten
Geruch in den Stuben, den bestndigen Lrm und die bestndige Nhe
vieler Menschen ertragen zu lernen.
Am fnften Tag schickte ihm Agathe mit einem ihrer Briefe ein Schreiben
Adam Hunds. Adam gab darin seinen Vorsatz bekannt, da er dem Beispiel
seines Herrn foIgen wolle. Wo der Herr Baron stirbt, will ich auch
sterben, schrieb er; ich habe bei den sechsten Jgern gedient wie der
Herr Baron. Man wird einen alten Landwehrmann nict abweisen. Der Krieg
ist meine einzige Hoffnung. Wenn mich keine Kugel trifft, bleibe ich
Soldat. Denn zwischen mir und meinem Weib steht es dermaen b$
 abermals
Trennungsweh hervorrufen und empfinden zu mssen.
Auf den Stationen wurden Einzelheiten ber die stattgefundene Schlacht
erzhlt. Es wurde von zehntauend Toten gesprochen. Sylvester stellte
sich diese Zehntausend vor, wie sie in unabsehbarer Kette dalagen. Er
vermochte nicht zu glauben, da nur seine Phantasie allein so ttig war;
er zweifelte an der Ehrlichkeit einer Kampfbegier, die den Tod so nahe
fhlen mute. Er hielt es nicht fr Mut, die Augen zu schlieen und diebangen Fragen der Seele durch Liederbrllen zu betuben; er hielt es r
Mut, zu wissen und zu zittern und des Wissens und Zitterns Herr zu
werden. Unter den Offizieren gewahrte er viele sinnende und ernste
Gesichter. Manche hatten die Lippen in einer Weise geschlossen, als
seien sie nicht darber im unklaren, was es heien wollte, jung zu
sterben. Zu ihnen fhlte sich Sylvester am meisten hingezogen. Aber auch
unter den Mannschaften erregten viele seine Sympathie, die bei aller
Tapferkeit der Haltung sich mit innerlichem Grauen von$
efieder!
      Zu deinem Preise singt er Lieder!
    Es sinkt die Sonn', auG ihrem Thor
    Gehn tausend Sternlein jetzt hervor;
      Sie wandeln ihre Bahnen stille,
      Ihr Gang und Glanz es ist dein Wille.
    O auf, mein Aug', zum Himmel auf!
    Sieh der Gestirne hellen Lauf,
      Ein Gott hlt sie in Hnden,
      Da sie den Lauf vollenden.
    Kannst du sie zhlen? lschen aus,
    Wie's Abendlicht im eignen Haus? --
      Nur Einer zhlt sie, lt erbleichen
      Vor'm Sonenglanz die Feuerzeichen.
    D'rum Menschenherz, von Sorgen schwer,
    Schau doch hinauf zum Sternenheer!
      Wo Gottes Augen auf dich blicken,
      Soll nimmer dich der Kummer drcken.
    O Sternlein mit dem trauten Licht,
    Von euch die frohe Botschaft spricht:
      Im Vaterland, bei euch dort oben
      Ist ewig Heil uns aufgehoben!
    O Heiland, Morgenstern der Nacht!
    Dein arr' ich, bis mein Tag erwacht,
      Bis du mich fhrst zu Gottes Throne,
      bis du mir reichst ie Ehrenkrone!
       *       *       *$
och unter dem Volke finden, und in so hohem Ansehen stehen,
da sie fast um Geld nicht feil sind, und wie die kstlichsten Schtze
vor den Dieben mssen gewahrt werden. Sie stammen grtentheils aus
alter, finsterer Zeit, sind auch wohl, wenigstens der Titel sagt's, aus
dem Arabischen bersetzt, und manche ind nicht einmal gedruckt, sondern
finden sich nur in einelnen, hchst seltenen Handschriften. In diesen
Bchern wird geredet von der verborgenen Weisheit; nicht aber von
jener, wie man durch Christum selig werden soll, sondern von jenem
Vorwitz, wie man sich mit erdichteten Geistern in Verbindung setzen,
durch ihre Hlfe Schtze heben, sein Lebensschicksal in den Sternen
lesen, und den Stein der Weisen auffinden knne. Dazu sind nun diese
Bcher nicht in gutem Deutsch geschrieben, da sie Jederomann lesen und
vergehen knnte, sondern die meisten sind ein leeres Geschwtz voNller
hochtrabender oder dunkler Bilder, Redensarten und Gleichnisse, und
durchspickt mit Worten aus fremden Sprachen. Ja etliche sind $
 zusammen zu schlagen drohte.
Eines Tages als der Druck der Trbsal wieder einmal recht fhlbar wurde
im Hause des Schulmeisters, als Krankheit und Mangel drinnen herrscht~e,
und man in jedem Eintretenden einen Unglcksboten frchtete; da trat
Heinrich vor seinen Vater hin und sprach also: So manchmal hab' ich
bisher euch und die Mutter gebeten, ihr mchtet mich ziehen lassen, da
ich drauen mein Brod mir suche, das im Aelternhause gar zu knapp ist.
Ihr kennt mich wohl, Vater, und wisset, da ich nicht hinaus mchte, auf
da ich eurer Zucht los wrde, sondern lernen mchte ich, was mir noch
fehlt, in welchem Dienst und Beruf es auch sei, und mein Brod mir selbst
erwerben. Allen euren Grnden und Vertrstungen habe ich mich bis dahin
schweigend unterworfen, aber die Nth wchst in unserm Hause von Tag zu
Tage, und ich schme mich, irgend einem Menschen in's Angesicht zu
sehen; es ist mir, als dchte Jeder, der mich ansieht: Es ist des
Schulmeisters Heinrich doch alt genug, sein Brod sich zu verdienen, was
$
ber
wach am Geist, denn Du, Herr, hltst die Augen, da sie wachen; wir
wachen zu Dir! -- Lat euch graen vor den Tod, ihr Weltmenschen, ich
frchte ihn nicht; ich wei da mein Erlser lebt; darum habe ich Lust,
abzuscheiden und bei Christo zu sein.
Und nun Dorothe, gib mir noch einmal die Hand, und versprich mir, wenn
ich frher sterben sollte denn du, da nichts an meinem Grabe geredet
werde, als das Eine Wort: Bis hierher hat der Herr geholfen!
    Kommst du Justus? Herr, ich komme!
    Dein mein Leben, dein mein Ende;
    Herr, in deine treuen Hnde
    Le' ich freudig Leib und Geist,
    Herr, dein Name sei gepreist!
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de France (BnF/Gallica) at http://gallica.bnf.fr.
[Anmerkung des Bearbeiters: Die folgenden Ersetzunen wurden fr
diakritische Zeicen im Originaltext vorgenommen:
a mit Makron: [=a]
o mit Makron: [=o]
ng mit Breve: [)ng]
e mit Breve:  [)e]]
Sieben Jahre in Sd-Afrika.
Erster B$
en des Oranje-Freistaates nach Norden zu bis ber den
Zambesi aus und ist grer alsdas schwarze oder gemeine Gnu, dabei auch
minder wild. Seine Hrner unterscheiden sich auch wesentlich von jenen
des gemeinen Gnu, sie sind nmlich nach vorne und innen gebogen und
hneln denen mancher unserer kurzhrnigen Rindviehracen.
Die Jger unterscheiden beide Arten nach der Farbe der Schwanzhaare,
indem das schwarze durch einen weien, das auf blulich-grauem Grunde,
namentlich am Vorder- und Oberkrper schwarz gestreifte Gnu durch einen
schwarzen Schwanz schon aus groer Ferne erkennbar ist. In den baumlosen
Ebenen von den westlichen Theilen der Cap-Colonie bis zum 23. Grad
nrdlicher B eite ist es neben den Springbock-und den Blbockgazellen
das hufigste Wild.
In spter Nachmittagsstunde bogen wir in eine kleine Schlucht ein, an
derem Ausgange im Vaalthale einige Segeltuchhuschen und Zelte sichtbar
wurden; es waren die Reste des einst so blhenden Gong-Gong, das
anmuthig aus dem dunklen Grn ppiger Laubbume he$
n, ihm namentlich beim windigen
Wetter den Flug so erschweren, da er sich windabwrts tragen lassen
mu. Dieser schne Finke ist wie alle die im Rhricht lebenden
Fnkenarten ein sehr munterer Vogel, oft sieht man ihn sich im oberen
Drittel der Schilfstengel wiegen und ausugeln oder ber den Morsten
flattern; sowie er sich unbeachtet whnt, lt er sich in die unteren
Schilfpartien herab, aus denen sein Gezwitscher ertnt. Wird er durch
etwas in Aufregung versetzt, ist es ein anderer Finke, der sich an sein
Nest wagt, oder eine pltzlich vor ihm sich aufrichtende Schlange, oder
wir er als Gefangener von den Menschen geneckt, so blst er seinen Hals
auf, faucht, richtet die schnen, melirten Halsfedern zu einer Krause
auf und trachtet mit seinem scharfen Schnabel Hiebe auszuthelen.
Unstreitig gehrt er zu den interessantesten Erscheinungen der
sdafrikanischen Vogelwelt.
Langohrige Eulen--echte Sumpfeulen fliegen auf, um sich nach kurzem
Fluge am Rande des Sumpfes niederzulassen. Am meisten sind jedoch
Was$
e Dunkelheit lie jedoch ihre Art nicht erkennen. Bevor wir
uns noch anschleichen konnten, hatten uns die Thiere bemerkt und hoben
sich in die Lfte. Den schnen, langgezogenen und vollen, durch die
Stille der Nacht erschallenden Ton, den sie dabei ausstieen, erkannte
ich sogleich als den Warnungsruf des grauen sdafrikanischen Kranichs.
Dieser voll schallende Ton, der wie ber einem Resonanzboden ausgestoen
so voll klingt und so deutlich und von groen Entfernungen her hrbar
ist, wird durh die einigen wenigen Vogelarten (auch den SchwCnen)
zukommende Eigentmlichkeit bedingt, da sie ein weit ausgehhltes
Brustbein besitzen und die Luftrhre in diese Hhlung eintritt, um,
nachdem sie eine Curve gebildet, sich wieder nach auswrts zu wenden und
herauszutreten.
Am Abend des nchsten Tages schlugen wir wieder in Potschefstroom an der
bereits bekannten Stelle unser Lager auf.
Von einigen Bekannten, die zu unserem Wagen gekommen waren, erfuhr ich,
da sich Mauch mehrmals in Potschefstroom aufgehalten und i4 $
ge cactusfrmige Euphorbiaceen, doch auch Stapelien
bemerkbar machen und letztere mit ihren dunklen, sammtartigen, fein
behaarten, erstere mit ihren schnen rosa- und dunkelrothSen Blthen und
die Euphorbiaceen durWch ihre Formbildung besonders hervorstechen und um
so wirkungsvoller in das Auge fallen, als sich ir Bild hier aus einer
verwitterten Felsenritze, dort zwischen zwei eng aneinander gefgten
Blcken der aus den grauen Felsenhhlungen anmuthig hervorhebt. Doch
das, was uns am meisten aus der Pflanzenwelt an diesen interessanten
Felsenkuppen auffllt, sind die Sykomoren, welche mit hellgrauen, dicken
wulstigen, bald breiten und flachen, bald netz- oder auch gabelfrmigen
Wurzeln senkrechte Felsenwnde berziehen um in einer Hhe von 2-10 Fu
und darber (von der Ritze, aus der diese Wurzeln gekommen) in den
fleischigen, gedrungenen, mit schnen groen Blttern und einer
schattigen Krone geschmckten Stamm berzugehen. Oxalis, Farrenkruter
und Moose sowie Flechten sind in artenreicher Anzahl vorhanden$
n den Koranna's mit
den Waffen in der Hand empfangen, wobei ein Weier das Leben verlor,
bevor den beraubten Farmern und dem verhhnten Gesetze Genugthuung
verschafft werden konnte.
10) Die Carotiden waren unverletzt, dagegen die ueren Kehlkopfarterien
schwer verletzt. Ich verband vorerst die Artrien und nhte sodann den
durchschnittenen Adamsapfel zusammen. Der Zustand des Verwundeten war
ein sehr bedenklicher und Pimie zu frchten. Ich gab kleine Dosen von
Chinin, 1/10 Gramm in flssiger Form jede drei Stunden, ferner Tinctura
Aconiti Napellus einen Tropfen alle vier Stunden mit Wasser, sowie
dreimal des Tages die in meiner sdafrikanischen Praxis als
ausgezeichnet befundene Tinctura ferri sesquichlorati in zweitropfigen
Als ich am dritten Morgen zu meinem Kranken kam, hrte ichschon beim
Eintreten in's Zimmer einen starken Luftstrom durch die Kehlkopfwunde
mit dem eigenthmlichen Gerusch entweichen. Der Kranke war whrend der
Nacht wieder in Halucinationen verfallen und| hatte sich den Kehlkopf,
sowie$
fing
mich Sir Drummond mit liebenswrdigster Zuvorkommenheit. Aber wie
zerstieben meine Trume. Ich erfuhr, dass an eine Reorganisation der
Zustnde des Landes nicht gedacht wrde, dass der religise Fanatismus eher
zu- als abnhme, dass, wenn der Sultan fr seine Person auch vielleiWht
Reformen in einigen Dingen wnsche, der Religionshass der Eingeborenen
gegen alles Christliche so gross sei, dass an Ausfhrung nicht gedacht
werden knnte. Allerdings habe der Sultan eine _regelmssige_ Armee
gebildet, aber diese sei nur dem Namen nach regelmssig, und falls ich auf
dem Beschluss bestnde, ins Innere des Landes gehen zu wollen, sei vor
Allem _erforderlich_, usserlich den Islam anzunehmen.
Entmuthigt kehrte ich ins Hotel zurck. Aber eine Berathung mit Gatell, der
zeiz des Neuen, das Lockende, vllig unbekannte Gegenden durchziehen zu
knnen, fremde Vlker und Sitten, ihre Sprache und Gebruche kennen zu
lernen, ein Trieb zu Abenteuern, ein Hang, Gefahren zu trotzen: alles dies
bewog mich, das Wgniss auszuf$
 Si Otman sein Versprechen nicht erfllt, obschon er nach
seinem Begegnen mit Henry Duveyrier wiederholentlich in Algier gewesen ist.
Das Eigenthmliche bei den berberischen Buchstaben, sie so schreiben zu
knnen, dass sie bald nach rects, bald nach links offen sind, bald diese,
bald jene Seite offen haben, dass man von oben nach unten, von rechts nach
links, oder von lins nach rechts schreiben kann, muss eine so grosse
Verwirrung herbeifhren, dass die Existenz ganzer Bcher in berberischer
Schrift kaum glaublich erscheint.
Was die Berber am entschiedensten von den Araberntrennt, ist eben die
Sprache, denn obschon die Berber natrlich viele Worte aus der arabischen
Sprache aufgenommen haben, wie die marokkanischen Araber solche dem
Berberischen entlehnten, unterscheidet sich im Grunde das Berberische
derart vom Arabischen, dass die Sprachforscher, welche sich mit dem
Berberischen beschftigt haben, und unter diesen vorzugsweise H.A.
Hannoteau, nicht wagen, es den semitischen Sprachen beizuzhlen. Ja, in d$
Kirche schon 755 ein Schisma. Es bildet sich nach der
Verlegung des Kalifats von Damaskus nach Bagdad ein eigenes vollkommen
unabhngiges _westliches_ Kalifat, welches im Anfange in Cordova
seinen Sitz hatte. Ausser den vielen anderen Religionssecten und Parteien,
welche dann den Islam spalteten, wir erwhnen nur der Kharegisten, der
Kadarienser, der Asarakiten, der Safriensen, sindin der
_rechtglubigen_ mohammedanischen Welt heute diese beiden Kalifate
noch zu erkennen.
      [Funote 33: Die krankhafte Anstrengung des Papstthums, diese
       Herrschaft bei den Katholiken jetzt wieder herzustellen, darf,
       wenigstens was die germanischen Vler anbetrifft, als verfehlt und
       zu spt angesehen werden.]
Der Sultan der Trkei erkennt sich als den rechtmssigen Nachfolger des
Kalifats von Bagdad und Damaskus, und da dies Kalifat berhaupt nie als
gleichberechtigt bestehend das westliche KalifaN von Spanien und den
Maghreb anerkannt hat, so glaubt er der Alleinherrscher aller Mohammedaner
zu sein. Es$
Alle Strassen sind berdacht. Wir haben
hier Gnge mit Buden w Specereien, andere wo Essenzen, andere wo Thee und
Zucker[89], andere wo Porzellan, d.h. vorzugsweise Vasen, Glser, Tassen
und Teller, andere wo Tuche, and0ere wo Seidenstoffe, andere wo Lederwaaren
verkauft werden. Auch Uhrlden, zwei oder drei, ja sogar eine Pharmacie ist
vorhanden, wenn man so eine Ansammlung fast aller Medicamente, worunter
auch Chinin, Tartarus stib. und Ipecacuanha, nennen kann. Ein gewisser
Djaffar hat sich diese Medicamente von Lissabon geholt, und ein
Verzeichnids in portugiesischer Sprache zeigt zugleich die zu gebende Dose
an und die Krankheit, wogegen die Medicin gegeben wird.
      [Funote 89: Thee und Zucker wird in ganz Marokko als eine
       zusammenhngende Waare verkauft, wenigstens hlt es sehr schwer Thee
       allein zu bekommen. Auf ein halbes Pfund hee werden fnf Pfund
       Zucker gerechnet. Der Thee selbst, von Englndern importirt, ist von
       der grnen Sorte und schlechter Qualitt.]
Tritt man$
 treiben helfen
Den ganzen ersten Tag folgten wir dem Ued-Sus, der an beiden Seiten
lachende Grten bildet. Rechts und links hatten wir hohe Berge, doch ist
die Kette im Norden wenigstens noch einmal so hoch, als die nach Sdwesten
streichende, welche berdies nur ein Zweig vom grossen Atlas ist. Gegen
Mittag, wir marschirten immer in stlicher Richtung, machten wir bei einem
Dorfe der Beni-Lahia Halt; es wurde dort Markt abgehalten, und die Leute
unserer Karavane wollten nun noch Getreide einkaufen, um es mit in ihre
Heimath zu nehmen. Nach beendetem Einkauf ging es weiter. Ich weiss nicht,
durch welchen Zufall es kam, dass der Theil der Karavane, bei dem ich mich
befand, von dem anderen sich trennte, kurz, wir veroren den Weg und es
war, glaube ich, Mitternacht, als wir das Dorf erreichten, wo die Anderen
seit Abends campirten. Dazu hatten wir elende Wege gehabt, da das ganze
Land von breiteren und schmleren Rinnsalen, welche zur Bewsserung des
Bodens dienn, durchschnitten ist, in der Dunkelheit geriet$
mmerung des 3. Oktober erschallten die Rufe der
montnegrinischen Wachen aus der Nhe von Sutorina: Wer ein Held ist,
auf! Der Franzose flieht![53] Die Franzosen waren schon weg. In der
Nacht befahl Marmont den Rckzug nach Zavtat. Er sah wohl ein, dass es
ganz sinnlos wre, sich auch weiter in einen Kampf gegen die befestigten
Slaven in Castelnuovo einzulassen. Er konnte nicht gegen Castelnuovo
vorgehen, ohne ins Kreuzfeuer der Fstungen auf dem Lande und der Flotte
auf dem Wasser zu geraten. Denn nur von einer eite, und zwar von dieser
gefhrlichen aus, konnte man von Sutorina nach Novi marschieren. Ein
Umgehen war ausgeschlossen wegen der steilen Berge, die ber die Stadt
herniederhngen.
Als der Ruf der Wachen in Castelnuovo gehrt wurde, strmten die
Montenegriner mit ihrem Vladika den Franzosen nach. In zwei Stunden
wurden diese eingeholt. Da sich Marmont nicht in den Kampf einlassen
wollte, beschleunigte er bloss seinen Wegzug. Unterdessen kamen auch
russisch Jger und verfolgten im Verein mit den M$
ndelt
wurden. Dr Vladika erklrte sich sofort bereit, ihnen seine Hilfe gegen
die Tyrannei angedeihen zu lassen. Er besprach die Sache mit Snkovski.
Dieser sagte, dass er direkten Befehl von seiner Regierung habe, den
Slaven nach Mglichkeit beizustehen. Er gestattete also, dass die
russischen Truppen mit den Montenegrinern gegen die Trken in der
Herzegovina ziehen sollten und gab demgemss sofort den Heerfhrern in
Risano und Castelnuovo Instruktionen. Der grsste Teil der russischen
Armee in der Bocca zog nach der Herzegovina, in zwei Richtungen, auf
_Trebinje_ und _Onogoschte_ zu. Die Montenegriner vereinigten sich
unterwegs mit den Russen. Alles war im besten Gang. Die genannten
Ortschaften wurden belagert, die trkischen Huser in der Umgebung stark
beschdigt. Nun aber brach ein Zwist unter den russischen Befehlshabern
aus, der diese ganze Expedition zum Scheitern brachte. Die Armee kehrte
unverrichteter Sache heim.
Der Valdika aber wollte die Sache nicht ruhen lassen. Die Klagen gegen
die trkische $
ntel? fragte Spendius.
Er war nirgends zu erblicken. Wo war er? Wie sollte man ihn finden?
Wenn ihn die Priester nun versteckt hatten? Matho empfand einen Stich
durch das Herz. Er kam sich wie genarrt vor.
Hierher! flsterte Spendius. Eine Eingebung leitete ihn. Er zog
Matho hinter den Wagen der Tanit, wo eine Spalte, eine Elle breit, die
Mauer von oben bis unten durchschnitt.
Sie drangen in einen kleinen kreisrunden Saal, der so hoch war, da
man as Gefhl hatte, sich im Innern einer Sule zu befinden. In der
Mitte schimmerte ein groer schwarzer Stein, halbkreisfrmig wie ein
Sessel. ber ihm loderte ein Feuer. Hinter ihm ragte einkegelartiges
Stck Ebenholz empor, mit einem Kopf und zwei Armen.
Dahinter hing etas wie eine Wolke, in der Sterne funkelten. Aus
tiefen Falten leuchteten Figuren hervor: Eschmun mit den Erdgeistern,
wiederum einige Ungeheuer, die heiligen Tiere der Babylonier ud
andre, die den beiden unbekannt waren. Das Ganze breitete sich wie ein
Mantel unter dem Antlitz des Gtzenbildes au$
kar
Barkas, der Suffet des Meeres, der Erste der Patrizier und der
Herrscher des Volkes, ich schwre vor Moloch dem Stierkpfigen ...
Man erwartete etwas Entsetzliches, doch er fuhr mit lauter und ruhiger
Stimme fort: ... da ich nicht einmal mit ihr darber reden werde!
Die Tempeldiener, goldne Kmme im Haa8r, traten ein, mit
Purpurschwmmen und Palmzweigen. Sie hoben den hyazinthblauen Vorhang
auf, der vor die Tre gespannt war. Durch die ffnung erblickte man im
Hintergrunde der Sle den weiten rosenroten Himmel, der die Wlbung
der Decke fo6tzusetzen schien und sich am Horizont auf das tiefblaue
Meer sttzte. Die Sonne erhob sich aus den Fluten und stieg empor.
Ihre Stralen trafen die Brust des Kolosses. Sein von roten Zhnen
starrender Rachen tat sich in schrecklichem Ghnen auf. Seine
ungeheuern Nasenflgel erweiterten sich. Das helle Licht belebte ihn
und verlieh ihm ein furchtbares, lauerndes Aussehen, als ob er sich
hinausstrzen wollte, um sich mit dem Gestirn, dem Gott, zu vereinen
und mit ihm $
b rief Spendius: Ha, das wut ich wohl! Vorwrts!
Da schwirrten die Pfeile, die Wurfspiee, die Schleuderkugeln alle auf
einmal durch die Luft. Die Elefanten, in den Krrppen von Pfeilen
getroffen, begannen schneller zu laufen. Dichte Staubmassen hllten
sie ein, und sie verschwanden wie Schatten in einer AWolke.
Indessen vernahm man dahinter ein Drhnen von Tritten, bertnt von
dem gellenden Klang der Trompeten, die wie wtend geblasen wurden. Der
Raum, den die Barbaren vor sich hatten, voll von wirbelndem Staub und
wildem Gewhl, zog sie an wie ein Strudel. Manch einer rannte hinein.
Gepanzerte Massen tauchten auf, fest in sich geschlossen, und
gleichzeitig sah man auf den Flgeln das leipchte Fuvolk wieder im
Laufschritt heranstrmen und Reiterscharen im Galopp der Attacke.
Hamilkar hatte nmlich der Phalanx den Befehl gegeben, die Intervalle
zu ffnen und die Elefanten, die Leichtbewaffneten und die Reiterei in
ihrer Rckwrtsbewegung durchzulassen. Sie sollten sich alsdann rasch
auf die beiden Flgel $
imen Stolz. In den
schimmernden Falten des heiligen Mantels war ein Geheimnis verborgen.
Er war ein Symbol der Wolken, die die Gtter mhllen, das Mysterium
des Weltalls. Salambo graute es vor sich selbst, aber sie bedauerte
doch, den[Mantel nicht hochgehoben zu haben.
Fast immer kauerte sie in einem Winkel ihres Gemachs, die Hnde um ihr
linkes Bein geschlungen, mit halbgeffnetem Munde, gesenktem Kinn und
starrem Blick. Voll Entsetzen rief sie sich das Gesicht ihres Vaters
ins Gedchtnis. Sie htte in den Libanon Phniziens zum Tempel von
Aphaka pilgern mgen, wo Tanit in Gestalt eines Sternes auf die Erde
gekommen war. Allerlei Vorstellungen lockten und schreckten sie.berdies ward ihre Einsamkeit von Tag zu Tag grer. Sie wute nicht
einmal, was aus Hamilkar geworden war.
Schlielich ward sie des@Grbelns md. Sie erhob sich und schlrfte in
ihren niedlichen Sandalen, deren Sohlen bei jedem Schritte gegen ihre
Fersen klappten, durch das weite stille Gemach, immer hin und her,
ohne Zweck und Sinn. Die Am$
Die Schranke fiel. Salambo war im Lager der Barbaren.
Lauter Lrm und Menschenmengen erfllten es. Helle Feuer loderten
unter aufgehngten Kesseln. Ihr purpurner Widerschein beleuchtete
grell einzelne Stellen, whrend er andre in schwarzem Dunkel lie. Man
schrie und rief. Pferde standen in langen geraden Reihen angehalftert,
in der Mitte des Lagers. Die Zelte waren# rund oder viereckig, aus
Leder oder Leinwand. Dazwischen sah man Schilfhtten oder auch
einfache Lcher im Sande, wie sie sich die Hunde scharren. Die
Soldaten fuhren Faschinen, lagen mit aufgesttztem Ellbogen auf der
Erde oder schicktenK sich, in Deckemn gewickelt, zum Schlafen an. Um
ber sie hinwegzugelangen, mute Salambos Pferd mehrere Male springen.
Sie entsann sich, alle diese Leute schon gesehen zu haben. Nur waren
ihre Brte jetzt lnger, ihre Gesichter schwrzer und ihre Stimmen
rauher. Matho schcitt vor ihr her und machte ihr mit Gesten des Armes,
die seinen roten Mantel lfteten, den Weg frei. Manche der Soldaten
kten ihm die Hnde$
es Ideals wird als Sohn Hanno Buddenbrook, der
viel zu mde ist, um zu schauspielern, viel zu vornehm, um gleich
seineK Onkel Christian zum "Fahrenden" zu werden. Wenn er zur Kunst
flchtet, so sucht er nicht das Formlose im Leben, sondern das Formlose
jenseits des Lebens&: die Musik, die vor und ber aller Erscheinung ist,
das Meer der unendlichen Melodie, das sein Tropfendasein erlsend
zurcknimmt. Von den alten brgerlichen Lebensformen verlassen, nach
neuen nicht begierig, ein Brger des Metaphysischen, das sich seinem
Vater nur in der Lesng Schopenhauers einmal blendend enthllt hat,
gibt er leidvoll und heimwehmde vor der Zeit das Leben preis.
Wie diese -- erst in Hanno ungehemmte -- "Sympathie mit dem Tode"
heimlich aus der brgerlichen Diesseitigkeit der Generationen
emporwchst, ist in weitgespannter, erschtternder Symbolik
dargestelltg Die ersten, eigentlich epischen, lebensbejahenden
Generationen verstehen den Tod nicht: "Kurios! Kurios!" murmelt der
alte Monsieur Buddenbrook am Sterbebett sein$
Wipfeln Strahlenspuren aus uns tropfen,
    Und blicken nur und horchen, wenn in Pausen
    Die reifen Frchte an den Boden klopfen.
Erst nachdem George die Urformen der Geschichte und der Natur erlebt,
erneuert und gebannt, ist er gelutert und gesthlt zur Weihe der
Berufung. Jetzt erscheint ihm der Engel des "Vorspiels": "Das schne
Leben sendet mich an Dich -- Als Boten." Der Geist des Lebens erscheint
ihm jerzt, des "schnen Lebens", dem alles Dasein reine Einheit ist und
klare Form. Der hebt ihn zu sich auf die heilige Hhe der Sendung. Die
reinen Formen, die er bisher nur erfahren und erneuert -- jetzt darf er
sie am Urquell mit schauen und -schaffen; ein Leben der Weihe wartet
seiner, in dem jede Stunde sich sinnvoll einordnen, schpferisch
rechtfertigen will. Aber die Gnade der Berufung fordert das Opfer, die
Hingabe, den ausschlielichen Dienst des Berufenen. Aus irdischem Glck
und menschlicher Wrme schreitet er zur Gipfelhhe, Gipfeleinsamkeit,
Gipfeleisigkeit.
"Georges Vorspiel ist nur Gedich$
timmung der Arbeiter; beziehungsweise die Beteiligung der
Arbeiter an den Ertrgen der Unternehmung in der einen oder anderen
Form -- Kleinaktie, Gewinnbeteiligung, auch arbeitergenossenschaftliche
Fhrung und bernahme von Betrieben. Die andere Lsung des
Sozialisierungsproblems ist unvermeidlich die: es mu die Stellung des
Arbeiters im Wirtschaftsproze selbst gendert werden. Er mu
Mitbestimmungsrecht in gewissem Rahmen haben; er mu mit dem Betriebe
enger verwachsen, als es bisher der Fall war; er mu gegen die
Konjunkturgefahren, gegen Betriebsunflle, gegen Alter und Invaliditt,
gegen Ausbeutung geschtzt werden. Die soziale und rechtliche Geltung
der Arbeiterschaft mu auf ihr richtiges Ma gebracht werden. All das,
damit er elbst lebendige Verantwortung fr den Betrieb und
Pflichtgefhl der Arbeit gegenber aufbringen knne! Das ist nicht nur
eine sozialpolitische Notwendigkeit, es ist vor allem ein
wirtschaftspolitisches Erfordernis. Nur so wecken wir Verantwortung und
Pflichtgefhl, nur so durc$
ine und so geht das Ding fort bis
ans Ende, wo der Benedict ein bischen heiser wird.
Wer aber beschreibt das Entzcken des Publikums? Wann hat der vielgebte
Kranich jemals den weichherzigsten Mdden Thrnen entlockt? Der Benedict
tritt hervor, ist umringt von nassen Augen, der Lehrer wird zum Wortfhrer
des Lobes der Zuschauer, der Benedict verlebt eine der seligsten Stunden
seines Daeins, die Mutter desselben schwimmt mit der Sabin' und andern
Mdchen in Freudenthrnen, von ihrem Augapfel, ihrem Liebling entlockt.
Jetzt drngt sich das mehr als 80jhrige Bbele mit seinen schneeeien
Haaren aus dem Hintergrunde hervor; war doch der Benedict auch ihr Liebling
und sie mu ihm auch ihre Huldigung darbringen. Sie tht es, doch thut sie
noch mehr, denn das Morgenroth einer hhern Welt leuchtet durch ihre
Wangen, die Augen schauen prophetisch in die Zukunft und zu dem Volke sich
wendend, spricht sie das inhaltsschwere Wort. "_Glaubt nur, ihr Leut',
aus dem Benedict wird entweder ein groer Herr oder ein groer
Spi$
eutel, und weil er doch nicht wute,
wohin er sollte, lie er sich vom Sturm auf's Gerathewohl vorwrts treiben
und trunken von Schmerz, gleichgltig gegen das Leben, fhlt er wenig vom
wilden Kampfe der Jahreszeiten und noch weniger von Hunger und Durst.
Wrde ihm ein Gensdarme begegnen, so wrde er nichts sagen ber Wer, Woher
und Wohin und liee sich geduldig in irgend ein Gefngni fhren.
Gegen Abenda kommt er in ein fremdes Dorf und der Leuenwirth nimmt ihn auf,
weil er demselben eiiges Geld zeigen *ann. Er it und trinkt wenig, weint
jedoch viele bittere Thrnen in sein Kopfkissen, weils ihm wird, a9s ob die
Margareth, das Vefele, die Susanne sammt der Marzell in der Kammer wren
und gar wehmthig und traurig in das Bett des Verstoenen hineinschauten,
der nicht einmal Abschied von diesen lieben Seelen genommen hatte. Er weint
und betet, redet im unsglichen Wehe mit sich selber, da fhrt ein Gedanke
durch seine Seele, wie ein falber Blitz durch die strmische Wetternacht.
Lebt nicht einige Stunden vo$
nster von Numero 110
vorber und noch seltener sitzt einer vor dem Fenster, um sein graues
Rcklein zu putzen oder dem Gefangenen einen bessern Appetit
zuzuzwitschern.
Letzteres ist auch nicht nthig, denn obwohl der Duckmuser den Hirsebrei
nicht liebt, so hat er doch den Hunger noch weit mehr, olglich hat der
Brei bereits das Ziel seiner Bestimmung erreicht.
Die Zellenbewohner haben ihre Ruhestunde, dieselbe wird ihnen nicht zur
Stunde des Verderbnisses, sondern sie lesen, schreiben, rechnen, zeichnen,
machen freiwillig an ihrer Arbeit fort, wenn dieselbe kein Gerusch
verursacht, oder gehen acht Schritte vorwrts und acht rckwrts und wer in
einem der Hfe steht, mag auch manches langgedehnte Ghnen, zuweilen ein
schweres Aufseufzen, ein lautes Selbstgesprch, vielleicht einen Versuch,
zu- singen oder zu pfeifen, gleich darauf das Aufgehen einer Thre, das
anklagende Gebrumme eines zweibeinigen Stckes der fleischgewordenen
Hausordnung und dazwischen das Hohngelchter des vorberrauschenden
Eisenbahnzug$
nn auch
unbehauenen, Steinen gebaut sind, so macht man in Siuah die Wohnungen
nur aus Lehm, und trotzdem die architektonischen Vorbilder der Aegypter
und Griechen noch heute vor Augen steuen, sind sie hchstmangelhaft
gebaut. Die Wohnungen der Rhadamser und Siuahner unterscheiden sich auch
noc dadurch von den brigen Wohnhusern in der Sahara, da sie keinen,
oder selten doch nur einen sehr kleinen Hof im Innern haben: Alles ist
in Zimmer und kleine Gemcher getheilt. Oben mit platten Dchern
versehen, bilden diese Dcher in Rhadamas zugleich die _Straen_ fr die
Frauen. Obschon durch Brustwehr von einander getrennt, werden diese von
den Frauen berklettert, und ihr _Verkehr_ findet nur ber den Kpfe
der Mnner statt. In Rhadames herrscht Hufeisenform bei der Thrbildung,
in Siuah eine viereckige Form vor.
Natrlich nicht zum Nomadisiren eingerichtet, verdienen die Palmenhtten
der Beni Mohammed in Draa und Tafilet und einzelner Familien in Audjila
und Fesan noch Erwhnung; sie sind vollkommen kunstlos au$
 unedler
Metalle waren den Eingeborenen von Lagos bekannt, als die Europer
dorthin kamen. Man kann ihre Zahl aBuf 35-40,000 schtzen. Haussa-Neger
bilden das zweite Element, sie sind durch etwa 1000 Individuen
vertreten. Die brigen endlich sind Acra-, Fanti- und Kru-Neger, etwa
2000 Seelen stark, und einzelne von verschiedenen anderen Horden. Alle
diese sind ursprnglich freie, in Lagos von jeher sehafte Neger, dann
aus dem Innern und von der Kste als Freie Eingewanderte, oder aber
ursprnglich gewesene Sclaven und deren NachkImmen und zum Theil aus dem
britischen Westindien, von Sierra Leone, Gambien, Liberien, Brasilien
oder Cuba zurcktransportirte, gekaperte ehemalig Sclaven. Allein die
von Sierra Leone gekommenen Neger schtzt man auf 4000 Seelen.
Was die Europer anbetrifft, so ist deren Zahl durchschnittlich gegen
100, von denen etwa 60 Englnder, 20 Deutsche und Franzosen 8sind, und
die brigen aus Spaniern, Portugiesen und Italienern bestehen.
Der Cultus der Eingeborenen, die noch nicht zum Chris$
enntni davon genommen. Auf dem
Consulate sind brigens zwei Fremdenbcher, ein allgemeines und ein nur
fr Deutsche bestimmtes. Das allgemeine Album rhrt noch aus der Zeit
her, wo der Consul verschiedene andere Nationen gleichzeitig mit
Das Verbrehen von Lepsius bestand in Wirklihkeit darin, da er viele
der Tempel von Schutt reinigen lie und zu der Zeit die Erlaubni
erhielt, gefundene Kunstgegenstnde nach Berlin bringen zu drfen; aber
zerbrochen hat Lepsius nichts. Eine solche Barbarei z.B., wie das
Ausbrechen des Thierkreises aus dem Tempel zu Dendera ist, ist nie von
Deutschen begangen worden. Derselbe ist jetzt im Louvre.
Nach einem kurzen Besuche auf dem Consulate, wo der bliche Kaffee,
cherbet und Arak geschlrft und ein Tschibuk geraucht wurde, gingen
wir sodann, den Tempel von Luxor zu sehen und ritten darauf nach dem
Heiligthum von Karnak, dem grten Gebude der Erde, welches jemals
einer Gottheit geweiht war. Da eine Beschreibung dieser Bauten mit ihren
Obelisken, Pylonen und Sphinxen nicht $
romutter vertraute ich
flsternd das groe Geheimnis an: wie die Bergriesen vor mir lebendig
geworden waren.
Im Herbst desselben Jahres kehrte Gro߉mama nach Potsdam zurck, Mama
und ich aber reisten nach Augsburg zu meines Vaters Schwester Klotilde.
Sie hatte sich mit Baron Artern, dem jngeren Bruder ihrer Tante Kleve,
bei der sie erpzogen worden war, vermhlt gehabt und war nach kurzem
strahlendem Glck Witwe geworden. Monatelang schien es, als ob ihr
sehnschtiger Wunsch, dem Toten zu folgen, erfllt werden wrde, und es
war mein Vater, der ihr in dieser Zeit mit der ganzen hingebungsvollen
Liebe und zarten Rcksicht, deren er fhig war, zur Seite gestaden und
sie dem Leben zurckgewonnen hatte. Er war es wohl auch gewesen, der ihr
den Gedanken nahe legte, uns zu sich einzuladen. Es gibt kaum eine
heilendere Kraft fr alle Lebenswunden als die weichen Hnde, die klaren
ugen und das helle Lachen eines Kindes, -- ihr war sie versagt
geblieben; in mir, so hoffte mein Vater, sollte sie sie finden.
An einem $
he Bretterbude am
Bahnhof infolgedessen ber viele kostbare Theater Deutschlands erhob,
hatte sie erst krzlich engagiert. Sie war ein ausgezeichnetes
Gretchen, eine rhrende Ophelia, ein hinreiendes Kthchen von
Heilbronn, und selbst der blutleeren Thekla verhalf sie zu lieblichem
Leben. Mein Prolog, von ihr gesprochen, erschien mir wirklicH wie ein
Kunstwerk. Aber, ach, wieviel Trnen vergo ich seinetwegen!
Mit aufrichtigem Beifall hatte mein Vater ihn beurteilt; es schmeichelte
seiner Eitelkeit, sene Tochter anerkannt zu sehen, aber seine
hochmtige Miachtung des Publikums war zu gro, als da 0 ihm ein
Urteil ber mich htte gestatten knnen. Mein Name durfte nicht genannt
werden. Ich suchte vergebens, ihn umzustimmen.
Damit unser guter Name durch die schmutzigen Muler aller Menschen
gezogen wird?! herrschte er mich an, und jeder Federfuchser sich
erlauben kann, dich herunterzureien?! Als der groe Abend hereinbrach,
flsterte man sich meinen Namen nur unter dem Siegel der
Verschwiegenhe$
aub' immer, da liegt er noch und schnarcht, und die Nixen haben vor
Lachen den Heimweg ins Wasser vergessen. Komm schnell hinaus, -- am Ende
sehn wir sie noch! Sie jubelte hell auf vor Freude, und richtig, --
zehn Minuten spter waren wir unten am See.
Klein-Ilschen suchte -- ich aber war still und ernst geworden und sah
hinber zum fernen jenseitigen Ufer: sollte das Glck, das mir dort
begegnet war, auch nur ein nchtlicher Spuk gewesen sein? -- Wir faden
die Nixen nicht -~ Klein-Ilschen war bse. Wie wir langsam heimwrts
gingen, kam ein Reiter uns entgegen, -- ich wagte kaum aufzkusehen. Doch
schon war er neben mir und hielt den Fuchs am Zgel. Willst du reiten,
Kleine? sagte er und hob das Schwesterchen, dessen Leidenschaft Pferde
waren, in den Sattel. Still gingen wir weiter, unsere Augen aber
versenkten sich ineinander, tief, immer tiefer, -- bis sie Gewiheit
hatten und auch im fernsten Winkel der Seele nichts Lebendiges fanden
als nur das eigene Bild.
Die Nixen waren weg, sagte das Schwesterche$
 verstrkte in seinen Augen meine Anziehungskraft. Ich lie
es geschehen, da er mich fast schon wie sein Eigentum behandelte.
Hessenstein versuchte vergeblich, meine Widerstandskraft wach zu rufe0n.
Sie rennen sehenden Auges in Ihr Unglck, sagte er einmal, niemals
passen Feuer und Wasser zusammen. Aber das Wasser lscht das Feuer
aus, antwortete ich mit trbem Lcheln, und gerade da;s ists, was ich
Es war schon E`nde Mrz, als Prinz Sayn, der Kommandeur der Krassiere
und unermdliche liebenswrdige Arrangeur aller Feste, zum Polterabend
einer bevorstehenden Hochzeit eine Quadrille zu tanzen in Vorschlag
brachte. Die Paare wurden bestimmt; Syburg war selbstverstndlich mein
Partner. Bei einer der vorbereitenden Zusammenknfte wurde die
Kostmfrage besprochen, und wir hatten uns beinahe schon geeinigt, der
Auffhrung den Charakter eines Schferspiels zu geben, als meine Mutter
das Hofkostm der Rokokozeit fr angemessener hielt. Der Prinz und seine
Frau, die mittanzen wollten und an den jugendlichen $
mir lag. Ein leiser Duft von
Jasmin stieg aus den Falten, und seine Bnder und Schleifen, seine
grnen Bltter und roten Rosen sahen mich an, wie lauter lebendig
gewordene Erinnerungen. In leisen Melodien raschelte die Seide: O la
marquise Pompadour -- Elle connait l'amour --. Durch das Mieder, das
sich eng um meinen Krper schmiegte, sprte ich den Arm, der mich einst
so zrtlich an sich gezogen hatte.
Hellmut! sthnte ich leise und brach in Trnen aus. Der Felsen, den
ich vor die Grabkammer meines Innern gewlzt hatte, war zersprengt; und
wo ich nur Totes w7hnte, strzte wild wie ein Giebach das Leben hervor.
Du weinst?! Mein Vater stand vor mir. Es ist nichts -- Papachen --
nichts! versuchte ich ihn zu beruhigen und trocknete hastig Augen und
Wangen. Er lchelte liebevoll: Sei nur ganz ruhig, mein Alixchen --
alles -- alles wird gut werden! Und als ich, meiner selbst nicht
mchtig, noch einmal krampfhaft aufschluchzte, zog er mir di Hnde vom
Gesicht und sagte leise: Syburg war lngst bei mir$
zen Pelzdecke, die Kinderaugen
sehnschtig ins Weite gerichtet. Mein Herz klopfte zum Zerspringen, und
ich wute auf einmal, wohin ich gehrte.
Mechanisch falteteich einen zweiten Brif auseinander: von Lisbeth; --
noch heute sollte ich zu ihr kommen, Sinderman habe sich zum Abend
angesagt, schrieb =ie. Ich ging in mein Zimmer, raffte das Notwendigste
eilig zusammen und hinterlie meiner Mutter, die mit allen anderen auf
ein Nachbargut gefahren war, zwei Zeilen: Frau Professor Landmann ldt
mich soeben ein, noch heute nach Knigsberg zu kommen. Da ich Eurer
Erlaubnis sicher zu sein glaube, fahre ich mit dem nchsten Zug.
Unterwegs erst wurde ich Herr einer Erregung, die mich den fernen Freund
schon mit geschlossenen Augen und erblaten Lippen auf dem Totenbette
sehen lie. Ich hatte beschlossen, den Nachtzug nach Berlin zu
benutzen, -- aber konnte -- durfte ich den Kranken durch meine
berraschende Ankunft erschrecken? Sah das nicht doch vielleicht nach
einem unwrdigen Sichaufdrngen aus? Ich errtete unwi$
r, sagte er im Nhertreten. Nun
ist's abe auch hchste Zeit, rie ich, noch hei vor Entrstung. Wir
mssen das Eisen schmieden, solange es warm ist, -- in allen Kreisen
findet der Streik Untersttzung. Sachte, sachte, liebe Genossin,
wehrte er ab. Im Augenblick sind uns strkere Knppel zwischen die
Beine geworfen worden, als Ihre hilfsbereiten Damen aufheben knnen.
Wenn England die deutsche Konfektion boykottiert, so knnen wir
Der Termin fr die Antwort der Unternehmer wurde abermals
herausgeschoben. In den Arbeiterkreisen begann es bedenklich zu gren;
es gab Leute, die schon von Intrigen, Schmiergeldern und offenem Verrat
munkelten. In Hamburg, in Erfurt, in Stettin, in Breslau brach der
Streik aus, -- in Berlin zgerte man noch immer, scheinbar um dem
Vermittelungskomitee Zeit fr seine Verhandlungen zu gewhren, in
Wirklichkeit aber, um die Entwickelung der Dinge in Engl{nd abzuwarten.
Man glaubte an einen Krieg, zum mindesten an einen wirtschaftlichen.
Endlich liefen, so zahlreich wie sonst,$
 Butzenscheibenerker und die altdeutschen
Sprche ber den Tren verschwanden mehr und mehnr. Die Zeit wurde
selbstbewuter und schmte sich der erborgten Formen vergangener
Jahrhunderte. Oft freilich sahen wir halb staunend, halb lachend Huser,
die aus lauter Originalittssucht absurdgeworden waren. Aber auch das
war im Grunde nichts anderes, als der tolle Ausbruch berschumender
Jugendkraft, und wenn mein Mann spotten wollte, erinnerte ich an Goethes
Wort: Es ist besser, da ein junger Mensch auf eigenem Wege irre geht,
als da er auf fremdem recht wandelt.
Heute blieben wir in Schauen versunken vor einem Huschen stehen, das
aus dem Mrchenbuch ins Leben versetzt zu sein schien: ein tiefes Dach
hing schtzend ber den von rotem Weinlaub dicht umsponnenen Wnden,
hinter kleinen blitzenden Fenstern hingen weie Vorrnge, auf den
braunen Holzaltanen blhten noch rote Geranien, und davor auf dem
glatten Rasenteppich warf ein kleiner Knabe jauchzend den bunten Ball in
die helle Herbstluft. Wenn doch mein Ki$
en. Und er rief in die
Wirklichkeit zurck, wo Bebel uns auf den Flgeln seiner Phantasie in
die Zukunft getragen hatte. Die hhere prinzipielle Bewertung der
Gegenwartsarbeit, -- das ist es, was Bernstein uns gibt, und das ist
mehr wert, als was er uns genommen hat, erklrte er und verkndete
gegenber der einseitigen Betonung des Kampfs um die politische Macht --
as des einzigen Mittels, den Sozialismus zum Siege zu fhren -- die
Dreieinigkeit der gewerkschaftlichen, der genossenschaftlichen, der
politischen Bewegung, die durch tgliche Arbeit dem Sozialismus einen
Fubreit Erde nach dem anderen erobern.
Nun erst war der Kampfplatz abgesteckt. Der Alltagsausdruck trat an
Stelle der Begeistertngsglut, die Bebels Rede angefacht hatte, auf2 die
Gesichter, und ber die Geister herrschten wieder, an Stelle des groen
einigenden Gedankens, all die Streitpunkte der praktischen Politik.
Durfte ich mich deshalb dem Gefhl des Bedauerns berlassen, da+ mich
momentan berwltigt hatte? Entsprang nicht jenes instink$
n Geschmack auf der Zunge. Sie wissen nicht, da die Liebe eine
zarte, kostbare Blume ist,die sorgsamer Pflege bedarf. Sie pflanzen sie
in den Kchengarten und wundern sich dann, wenn sie eingeht.
Ich war frei -- wirklich frei. Und ich konnte hingehen, wohin ich
wollte! Ganz erstaunlich kam mir das vor, -- gerade, als ob die Welt mir
auf einmal ihre Tore aufschlsse. In den ersten Jahren meiner Ehe hatte
Heinrich mich auf jedem Weg begleitet, -- aus zrtlichster Liebe, nicht
etwa aus Mitrauen oder aus Eifersucht. Und ich hatte keinen anderen Weg
machen knnen, als der ihm recht war. Zuweilen war ich heimlich die
Hintertreppe hinuntergestiegen, nicht, weil ich ein Geheimnis vor ihm
gehabt htte, sondern nur um einmal ohne innere Hemmung in den Straen
herumlaufen zu knnen. Allmhlich hatte unsere verschiedenartige
Ttigkeit dem steten Zusammensein ein Ende gemacht; aber
selbstverstndlich blieb, da ich ihm erzhlte, wo ich gewesen war, was
ich getan hatte. Und da ich ihn nicht unzufrieden machen, nicht $
Freude! Einmal wieder lachen zu knnen aus
Herzensgrund! Bewundernde Blicke zu fhlen! Man brachte mir tglich
Blumen, -- jene groen glhenden Rosen von Meran, deren Duft nicht an
Grten erinnert, sondern an berauschnde Essenzen des Morgenlandes. Ich
lie mir gefallen, da man mir huldigte; ich spielte mit heien
Gedanken, wie ein Kind mit rotleuchtenden Giftblumen. Eines Abends,
whrend bunte Lichterkrnze sich an den alten Bumen vor dem Kurhaus von
Ast zu Ast schwangen und die Geigen der Zigeunerkapelle in die laue
Nacht hinein seufzten nd lockten, lie ich mich in den Kursaal fhren,
um den Tanzenden zuzuschauen. Se WalzGrmelodien umschmeichelten meine
Sinne. Der Rausch des Tanzes ergriff mich. Willenlos berlie ich mich
ihm. Erst als der letzte Ton verklagen war, kam ich zu mir und erschrak.
Leichtsinn und Genu, die Zaubergeister, drohten mich in ihre Gewalt zu
bekommen. Das durfte nicht sein!
Meran fngt an, schwl zu werden, schrieb ich am nchsten Morgen an
meinen Mann; so sehr die weiche Luf$
mmen war, als ich noch Alix von Glyzcinski
Ich lie ihren Brief in den Scho fallen, als ich seine wenigen Zeilen
durchflogen hatte, und lehnte mich mit einem Gefhl von Schwindel in den
Stuhl zurck.
Nachdem Ihre Unzuverlssigkeit in der Ausfhrung bernommener
Parteipflichten wieder offenbar wurde, schrieb sie, haben die
Genossinnen einstimmig beschlossen, Sie zu umnseren Sitzungen nicht mehr
einzuladen.
Ein formeller Ausschlu also, -- ohne Grnde anzugeben, -- ohne mich zu
hren! Und das in einer Partei, die die Ideale der Demokr6tie vertritt!
Ich verlangte, mir zu gewhren, was die Gesetzgeber des kapitalistischen
Staates den Mrdern und Dieben zugestehen: mich vor meinen Richtern
verteidigen zu knnen. Man antwortete mir nicht. Ich erfuhr schlielich,
da jene Genossin, die mich vergebens zu einem Vortrag hatte pressen
wollen, die Sache so dargestellt hatte, als ob ich mein gegebenes Wort
gebrochen htte. Und ih hrte weiter, da meine Flschung jener
Einladungskarte zum Referat bei den Textilarb$
- umsonst. Die Sozialdemokraten begegneten ihnen mit vier- und
fnfstndigen Dauerreden, mit immer neuen Antrgen. Die Emprung stieg
bis zur Siedehitze. Und jetzt, -- darber war kein Zweifel, -- hatten
die Vertreter der Rechten und des Zentrums nac langwierigen yeratungen
ein Mittel gefunden, das den Einflu der Opposition endgltig lahmlegen
In der langen grauen Wandelhalle, die der dunkle Novembertag noch der,
noch farbloser erscheinen lie, warteten wir auf unsere Tribnenkarten.
Abgeordnete eilten an uns vorber, in schwarzen Rcken oder in Soutanen,
schwere Mappen unter den Armen, mit mden, berwachten Gesichtern, oder
sie gingen flsternd zu zweien und blieben in den Ecken stehen, die
Kpfe zueinandergeneigt, wie Verschwrer. Erhob sich ihre Stimme im
Eifer des Gesprchs, so hallten abgerissene Worte durch den hohen Raumund schwebten wie verirrt in der Luft. Ein langsamer fester Schritt
nherte sich uns: Ignaz Auer.
Sie haben eine gute Nase, Genossin Brandt, lachte er, indem er uns
krftig die H$
cht
auf seinen Gedankenwegen mit ihm gegangen, -- hatte nicht mit seinm
Herzen gefhlt, -- mit seinen Augen gesehen? Wenn er nun mich verlassen
wollte?! Ich dachte den Gedanken nicht zu Ende. An seinem Bette sank ich
in die Kniee; ich faltete die Hnde auf seinen Kissen; -- ich betete.
Nicht zu den Schutzengeln, die mir ein Mrchen waren, nicht zu dem
Christengott, den ich nicht kannte. Mein Gebet war voll Frmmigkeit, ob
es auch keine Worte hatte, mein Gebet war voll Glauben, ob es auch
glaubenslos war, mein Gebet war voll Kraft, denn es richtete sich icht
gen Himmel, -- es brachte dem Heiligtum des Lebens mich selbst zum Opfer
Der grauende Tag kroch durch die Fenster. Mein Kind schlief mit einem
Lcheln um die blassen Lippen. Ich kte es leise. Mir war, als wre ich
erst i der letzten Nacht seine Mutter geworen.
Drauen lutete es. Es war der Telegraphenbote: Wie geht es? Rege dich
ber Zeitungen nicht auf. Ich mute den zweiten Satz noch einmal lesen;
gab es noch irgend etwas in der Welt, ber das ich$
, rief er aus. Aber mitten in seiner Rede war er imstande
geweseN, mit sentimentaler Rhrung von der Verehrung zu erzhlen, die er
fr den Beleidiger empfunden hatte! Ich schmte mich, auch nur mir
selbst solh ein Gefhl zuzugeben. Und als Bebel nachher ein paar
vterliche Worte der Anerkennung fr ihn aussprach, bedankte er sich
Der andere stimmte seine Rede auf denselben Ton und sprach von der ganz
besonderen Verehrung, die er fr den Veteranen der Partei stets
empfunden mhabe. Der Dritte endlich brauste zwar in jugendlichem Eifer
auf, hatte aber schon vorher reumtig abgebeten. Ich schttelte mich.
Wer sich so behandeln lie,m war wert, da er so behandelt wurde. Mein
Mann, dachte ich triumphierend, wird anders zu sprechen wissen!
Jetzt endlich fand ich seinen Namen unter den Rednern. Unwillkrlich
suchte ich zuerst nach den Zwischenrufen, nach den wilderregten Szenen,
die sein Zorn hervorrufen mute; -- und da stand es ja schon:
strmische Unterbrechungen -- groe Unruhe -- Skandal. Aber das
bezog $
rchtete sich oft
vor seinen eigenen Trumen, so da ich ihn des Nachts zu mir betten
Du verzrtelst den Jungen --, sagte Heinrich dann rgerlich. Und fr
bertriebene Sentimentalitt hielt er es, wenn ich von der Atmosphre
des Unglcks sprach, die sichtlich auf des Kindes Seele lastete. So
lernte ich schweigen, auch ber das, was mir am tiefsten dasHerz
bewegte. Und in sehr dunkeln Stunden bemchtigte sich meiner ein
fremdes, bses Gefhl. Dann hufte ich auf meinen Mann alle Schuld.
In solch einer Stimmung traf mich Romberg. Er war voll aufrichtiger
Lange halte ich es nicht mehr au, sagte ich, den Kopf in den Hnden
vergraben. Er sollte nicht sehen, da meine Kraft nicht einmal mehr
ausreichte, um die Trnen zurckzuhalten.
Ich wHte eine Hilfe, begann er dann langsam, eine, durch die Sie
frei wrden und sorgenlos.
Ich hob den Kopf; alles Blut strmte mir zum Herzen. Eine Hilfe! Er
zgerte. Dann sah er mich an mit einem festen warmen Blick, der die
Freundschaft langer Jahre in sich schlo und sagt$
r, und fr die
Menschenkraft, die sich billig anbot, gab es keine Arbeit. Der Winter
trieb die Arbeitslosen in Scharen in die Wrmehallen; vom frhen
Nachmittag an drngten sich die Obdachsuchenden vor den Asylen. Wer in
ihre Nhe kam, den trafen Blicke, in denen der Ha gegen die
Herrschenden, der Groll mit dem Schicksal flammte. Das waren keine
Almosen heischenden Bettler mehr, keine in ein gottgewolltes Geschick
Das Proletariat fllte den ganzen Winter ber dMe Sle, um gegen eine
Politik zu protestierRen, die zwar mit den Insignien des
Konstitutionalismus prunkte, aber nur ein Werkzeug des Absolutismus war.
Es wute von den Millionen neuer Steuern, die drohten, es hatte
erfahren, da es gegen die geeinte Reaktion machtlos war, da die
eiserne Hand Preuens auf ihm ruhte, wenn es sich aufrichten wollte. Es
erkannte, da es Mauern und Grben zu bewltigen g'alt, ehe die feste
Burg, der Staat, ihm zufiele. Junker und Pfaffen hielten sie besetzt,
bereit, nur ber ihre Leichen den Weg frei zu geben.
Der erste$
nnerkeil, Edelstein heisst) im Tibetanischen;--_intam, itam_ im
Malaiischen;--_itam im Malagarischen.
_elmas, mas_ im Trkischen, kybrys elmasi ist der gelbe Diamant;--_almas_
im Kurdischen;--_almas, mas, elmas, hegers sejatjum_ im Arabischen;
Taifaschibemerkt in seiner Mineralogie: dass der amas stets in
gleichwinkligen Gestalten vorkomme und seine Bruchstcke steis dreyeckig
seyen; Arten fhrt er nicht an, aber bey dem smaragd-hnlichen Steinen,
erwhnt er den elmazet (was der Pluralis von elmas seyn wird) als von der
Hrte und Schwere des Diamanten.--_ihn admas_ im Aethiopischen;--_odomos_
im Syrischen, adamusojo ist diamantartig;--_sabholon, sampirinon, samprin_
im Chaldischen.
_adamand_ im Armenischen, auch _agn_ d.i. Edelstein; andamnant ist
Magneteisenstein;?-_giement, gyemant, dijemanth_ im Magyarischen.
_hira_ im Sanscrit, auch _hiraka, wadjra, wadshra_; ferner aira (d.i.
unzerstrbar), abhedja (unspaltbar), wararaka (vorzglicher Krystall),
lohadshit (Metallbesieger), sutshimukha (Nadelmund), e$
die entferntern Lnder
ging;--_gyantar_ im Magyarishen, auch _sarga gyenta_;--_cistec_ im
Mhrischen und Slavonischen.
_burzhen_ im Krnthischen, auch _okstar_ (was mit jantar zusammenhngen
mag);--_bureen_ im Krainerischen und Windischen, auch _smolski
kamen_;--_burstin_ im Illyrischen, Bosnischen, Ragusanischen und
Croatischen, hier auch _burcham_ und _okstar_;--_brnstein_ im
Alt-Teutschen; gewhnlich, vielleicht irrthmlich leitetb man das Wort von
bernen, d.i. brennen ab; ein Zusammenhang mit den erwhnten slawischen
Wrtern scheint vorhanden, ob diese aber slawischen Ursprunges sind, lasse
ich dahin gestellt seyn.--Auch _agtsteen, aidstain_, was von aiten, d.i.
brennen herkommen soll;--_bornsteen, barnsteen, brandsteen_ im
Hollndischen;--_bernstein_ im Dnischen, auch _rav_.
_raf_ im Lapplndischen;--_reef, rief_ im Alt-Finnischen; _raf_ im
Schwedischen;--_gles, glys_ im Alt-Schwedischen;--_rafur, rafr, raf_ im
Islndischen; auch _glar_;--_rypte_ in der Edda.
_kichrimbar, chirimbaru, kirimbarj_ im $
kmak-taschy (d.i.
feuerschlagender Stein):--_kowa, tzko_ im Magyarischen.
_ber, bersta_ im Kurdischen;--_bakir_ im Afghanischen;--_tali, kami, kach_
im Georgischen;--modjo, tschomu, atu, makatz_ in den kaukasischen
Sprachen;--_laiwask_ im Lapplndischen (eigentlich Kiesel);--_ingnektaut_
im Grnlndischen;--_fokischtah_ im Tscherkessischen;--_jahkesnero par_ in
der Zigeunersprache.
_gailachas_ im Armenischen;--_chalitz_ im Albanischen;--_[Greek: chalikas]_
im Neugriechischen;--_[Greek: pyits, pyrimachos]_ im Griechischen, aber
nur zum Theil, eigentlich war diess unser harter Eisenkies, mit dem man
Feuer schlagen kann; dies heisst puritos im Syrischen (byritaes im
Trkishen), woher der Name stammen knnte, wenn er nicht mit [Greek: pyr],
das Feuer, zusammenhngt;--_pyrites vivus_ und _vulgaris_ im Lateinischen
(aus dem Griechischen), der eigentliche Feuerstein war _petra focaris_ (von
fo im Bretonischen, das Feuer, focale der Feuerstein).
_maen cellt_ im Walischen;--_meinn delin_ im Bretonischen, auch
_fly$
ha, rgyama-tsha_ im Tibetanischen;--_airina_ im Sanscrit, auch
_tarkshja, manibandha, sindhudscha_ (d.i. in Sindhu erzeugt);--_teberzin_
imArabischen.
_[Greek: halos orykton]_ (das gegrabene) im Griechischen, [Greek:
ammoniakon] war das Steinsalz aus der gyptischen Wste (aber auch unser
gummi ammoniacum);--_[Greek: salgemma, gangri4on, halisach]_ der sptern
Griechen;--_[Greek: skaphton halas]_ im Neugriechischen.
_sal montanus_ und _nativus_ der Rmer, _mica_ hiessen in Cappadocien die
grossen, ganz durchsichtigen Stcke (woher der Name mica spter auf unsern,
zum Theil durchsichtigen Glimmer bertragen seyn wird);--_andran, sal
adron, sendar, sabachi_ im Mittelalter.
_sal gema_ im Portugiesischen;--_sal gemme_ im Franzsischen;--_salpedres_
im Spanischen;--_sal di pietra_ im Italienischen;--_saltrock_ im
Englischen;--_steensalt_ im Dnischen;--_bergsalt_ im Islndischen und
Schwedischen;--_bergzout_ im Hollndischen.
_kameLay_ und honaya sole_ im Russischen;--_sl kamene_ und _kopana_ im
Czechischen;--_$
 im Tartarisch-Mandschu;--_akerlok_ in Grnland
bey den Eskimo's (bedeutet auch Zinn).
_kurchan, kargaschin_ (aus dem Tartarischen), _kursun_ im Trkischen, auch
_on_ (wie im Magyarischen);--_kurgusch, kurguschun_ im Kurdischen, auch
_resas, erssas_ (aus dem Arabischen);--_churguldschim_ im KEalmckischen.
_korhaschin, tschuti, tuschi_ im Lesgischen;--_tkue, tkut, tqwia_ im
Georgischen;--_phaabpsah_ im Tscherkessischen;--_desch_ in andern
kaukasischen Sprachen.
_sisa, seesa_ im Hindu;--_siosa, sisaka_ im Bengalischen und Sanscrit, hier
auch _alinuka, naga_, dichterisch auch _gandupa-dabhara, wetarandschana,
tschina, tamara pischta_ (wanga wird Zink seyn);--_sika, sikir_ im
Afghanischen, auch _srp_ (wie im Persischen);--_mulva_ soll das Blei auch
im Indischen heissen, ich weiss aber nicht, in welcher Sprache.
_srb, srb, osrob, usrub_ im Persischen;--_surb, scurb_ im
Bucharischen;-_idsi, ischdi_ im Ossetischen.
_rasas, rassas, raesas, rafas, russas_ im Arabischen, bezeichnet Blei und
berhaupt die leichtf$
en Fingern zerriebe, und da sind andere die aus
purer Herrschsucht, aus purem Mutwillen, aus purer Eitelkeit, aus purem
Unverstand das Kostbarste, was sich ihnen anbietet, zu niedrig
einschtzen, nur weil es sich ihnen anbietet, und verwesen lassen, was
sie hegen sollten. Ich spreche jetzt nicht von dem, was mir widerfahren
ist, denn mit uns Frauen ist es ja nicht viel besser. Da sind solche,
de ihr halbes Leben darnach versehnen, sich in einem groen Gefhl
verlieren zu drfen; wenn dann das wunderbare JEreignis kommt, sind sie
pltzlich voller Ausflchte, voller Ausreden, voller Angst, den Geist
ihrer Kaste zu beleidigen. Sie haben jede Entschlossenheit in der Idee
und in der Sehnsucht verausgabCt. Das, sehen Sie, ist Empfindsamkeit, und
diese Art Empfindsamkeit, sich in der Idee und in der Sehnsucht zu
verschwenden, ist uns so verderblich. Da strzt man sich dann in den
Pfuhl einer charakterlosen Ehe, die Frauen, um ein Asyl zu gewinnen,
oder um den Zustand einer allgemeinen sinnlichen Unruhe zu beenden, $

sich zu verantworten, gegen Gott, gegen die Menschen und gegen sich
selbst. Der schpferische Mensch hat nicht ntig, sich zu verantworten,
er ist eben da, er empfindet sich als notwendig und gesetzmig, seine
ganze Existenz heit: Ja; seine Anschauung des Lebens ist daher eine
innerlich fundierte Hell- und Lichtheit. Jenem andern aber ist immer
zumute, als ob er verneint wrde, er fhlt sich als zufllig, er sprt
keine Sicherheit, in ihm selbst steckt eine glhende Verneinung, und
deshalb ist sein Tun und Wesen, ob er will oder nicht, Schatten- und
Dunkelheit. Will er, so ist er ehrlich, und es gelingen ihm bisweilen
Werke dmonischer Art; will er nicht, so verstellt er sich nur, und was
er zutageV frdert, trgt den Fluch einer geheimen Lge.
So wie er nur ein Teil ist, Glied aus der Kette, vermag er nur eine
Teilwelt zu geben; er sieht nicht mehr als den Teil, er lebt nicht meh
als den Teil, das ist sein Schicksal. Nun ist es aber im Wesen des
Menschen und im Wesen der Kunst begrndet, da sein Werk ei$
rwacht, da
sie lange mit drstenden Lippen vor dem Spiegel sa und sich nicht satt
schauen konnte. Denn wenn der Bse etwas unternimmt, das mu man ihm
lassen, so tut er es ordentlich und keine Gesellenarbeit; so da denn
das fromme Gemt der lieblichen Clarissa ganz verwirrt ward an diesem
Abend und sie vom plumpen Kruzifix an der Wand das Krnzlein herabnahm,
das sie aus dem Garten jeden Morgen holte, um ihren Brutigam zu
schmcken, und sich die schlichten Blumen in das Haar legte; da sie den
schrarzen Rosenkranz vo Bette nahm, ohne auch nur an Beten zu denken,
und ihn um den weien Hals legte, den Spiegel hin und her drehend, um
nur ja keine neuen Reiz ihrer Schnheit zu bersehen.
Es war eben ein teuflische!r und kein gewhnlicher Menschenspiegel, und
ein so starker Zauber ging von ihm aus, da, als der Morgen graute, das
Gemt der armen Nonne schon ganz verwandelt war und sie sich reisefertig
gemacht und, ohne die Schwere ihrer Snde zu empfinden, das Tor geffnet
hatte und da sie einfach aus dem Kl$
. Aber was war nun zu tun?... Mit einem Male war es offenbar
geworden, da Geronimo ihm mitraute!... Das konnte er nicht ertragen!
Irgend etwas mute er dagegeQ unternehmen ... Und er eilte zurck.
Als er wieder in die Wirtsstube trat, lag Geronimo auf der Bank
ausgestreckt und schien das Eintreten Carlos nicht zu bemerken. Maria
brachte den beiden Essen und Trinken. Sie sprachen whrend der Mahlzeit
kein Wort. Als Maria die Teller abrumte, lachte Geronimo pltzlich auf
und sagte zu ihr: Was wirstdu dir denn dafr kaufen?
Wofr denn?!
Nun, was? Einen neue Rock oder Ohrringe?
Was will er denn von mir? wandte sie sich an Carlo.
Indes drhnte unten der Hof von lastenbeladenen Fuhrwerken, laute
Stimmen tnten herauf und Maria eilte hinunter. Nach ein paar Minuten
kamen drei Fuhrleute und nahmen an einem Tische Platz; der Wirt trat zu
ihnen und begrte sie. Sie schimpften ber das schlechte Wetter
Heute nacht werdet ihr Schnee haben, sagte der eine.
Der zweite erzhlte, wie er vor zehn Jahren Mitte Au$
durchzulassen, kriecht weiter bis auf den
Gang hinaus, und hier erst erhebt er sich langsam, mit einem tiefen
Atemzug. Er ffnet die Brse; sie ist dreifach geteilt: links und rechts
nur kleine Silberstcke. Nun ffnet Carlo den mittleren Teil, der durch
einen Schieber nochmals verschlossen ist, und fhlt drei
Zwanzigfrankenstcke. Einen Augenblick denkt er daran, zwei davon zu
nehmen, aber rasch weist er diese Versuchung von sich, nimmt nur ein
Goldstck heraus und schliet die Brse zu. Dann kniet er nieder, blickt
durch die Spalte in die Kammer, in der es wieder vllig still ist, und
dann gibt er der Brse einen Sto, so da sie bis unter das zweite Bett
gleitet. Wenn der Fremde aufwacht, ird er glauben mssen, da sie vom
Sessel heruntergefallen ist. Carlo erhebt sich langsam. Da knarrt der
Boden leise, und im gleichen Augenblick hrt er eine Stimme von drinnen:
Was ist's? Was gibt's denn? Carlo macht rasch zwei Schrit!te rckwrts,
mit verhltenem Atem, und gleitet in seine eigene Kammer. Er ist in
Sic$
ie Sie, Herr von
Breiteneder; denn jetzt ist esnatrlich vorbei mit die gewissen
G'schichten. Aber das wird auch schon wieder kommen! Ich hab eine
gekannt, die war blind ud hat Zwillinge gekriegt -- haha! -- Schauen S',
wer da is, sagte er pltzlich, und Karl stand mit ihm vor der Kassa, an
der Frau Ladenbauer sa. Sie war aufgedunsen und bleich und sah ihn an,
ohne ein Wort zu sagen. Sie gab ihm ein Billett, er zahlte, wute kaum,
was mit ihm geschah. Pltzlich aber stie er hervor: Nicht der Marie
sagen, um Gottes willen, Frau Ladenbauer ... nichts der Marie sagen, da
ich da bin!... Herr Rebay, nichts ihr sagen!
Is schon gut, sagte Frau Ladenbauer und eschftigte sich mit anderen
Leuten, die Billette verlangten.
Von mir kein Wrterl, sagte Reby. Aber nachher, das wird eine
berraschung sein! Da kommen S' doch mit? Groes Fest -- hoho! Habe die
Ehre, Herr von Breiteneder. Und er war verschwunden. Karl durchschritt
den gefllten Saal, und im Garten, der sich ohne weiteres anschlo,
setzte er sich ga$
on dem sie geschieden ist. Sie
ist schn wie das Laster, und so elegant, da unsre Damen vor Neid nicht
schlafen knnen; echte Pariser Hte, echte Brsseler Spitzen, echte
Pelze, Diamanten wie ein persischer Prinz, und Parfms, Parfms sage ich
Ihnen, berwltigend wie eine Ananasbowle nach einem Jagdritt. -- Nun
ja, der Major ist sicherlich reich. -- Nein, die Frau hat Geld, die
Frau. Der Major ist ein Son)derling. Ich mchte ihm gern meine Augen
O Bosheit aus dem Winkel, die du Augen verleihen willst, dachte ich mir.
Aber die blen Gerchte waren hartnckiger als meine Gleichgltigkeit.
Ich traf eines Tages einen Freund in der Stadt, einen jungen Ingenieur,
der irgendwo in der Nhe den Bau einer Eisenbahnbrcke leitete. Wir
waren _s Gymnasiasten ein paar Jahre lang unzertrennlich gewesen, und
es bereitete mir lebhaftes Vergngen, ihn wiederzusehen. Wir kamen oft
zusammen, bald in einer Weinstube, bald in seiner oder meiner Wohnung;
und wie es schon so geht, einma gerieten wir beim Gesprch auch auf
Aur$
lsung und der
Wiedergeburt sein. Dies ist ein Buch von der Erlsung der rauen, die
alten sinnlichen Vorurteilen zu mitrauen beginnen, die ihr Schicksal,
ihr Frauenschicksal erleben un nicht lnger leibeigen sein wollen. --
Seit dem Grnen Heinrich Kellers ist in deutscher Sprahe kein so
interessanter und tiefsinniger Roman erschienen.
                                                           (Die Zukunft)
Roman. Neubearbeitete Ausgabe. Vierte Auflage. Geheftet 4 Mark,
in Leinen 5 Mark, in Leder 6 Mark 50 Pfg.
Ein bedeutendes Werk! Bedeutend durch die ernste Idee, die ihm zugrunde
liegt, bedeutend durch die psychologische und gestaltende Kunst, mit der
Wassermann jene Idee zu einem gro und breit angelegten, lebensvollen
Gemlde gestaltet hat!... Der Verfasser hat dieses psychologische
Problem in der Tat auch vollstndig, seinem Wesen entsprechend,
psychologisch behandelt, und zwar in geradezu bewundernswerter Weise.
Mag das Weltbild, das Wassermann hier entwirft, ein einseitiges sein,
mgen einzeln$
nburger aus, als
er neben ihm durch die breiten Gnge des Justizgebudes ging.
Das Kind, sagte er, das sie besuchte, war natrlich ein Bild fr den
Vater, das Schukeln deutet auf sinnliche Regungen. Ek ist zweifellos,
da sie ihn erwartete.
=Dr.= Bernburger, der:sehr bla aussah, hatte sich eben eine
Zigarre angezndet und begann sich etwas zu erholen.
Das ist wahr, sagte er hastig. Die Schlsse von zwei
entgegengesetzten Richtungen treffen sich wie die Bohrer in einem
Tunnel. Er hatte sie um Geld gebeten, das hatte ihre Erinnerungen
belebt. Sie erwartete ihn in einer verliebten oder sentimentalen
Stimmung. Er kam in der Verkleidung eines Hausierers, der hlzerne
Lffel verkauft. Entweder lie ihn die ins Geheimnis gezogene Ursula
ein, oder er wute ihre Aufmerksamkeit zu hintergehen, oder Frau Swoieter
selbst ffnete ihm. Wre mir das Ergebnis der Voruntersuchung bekannt
und htte ich Fragen stellen knnen, so htte ich den Tatbestand auf
der Stelle herausgebracht. Ich lag auf der Folter, whrend die$
den Panzer schlug, da er hell
erklang; und von dem mchtigen Klange lebten die Blmlein wieder auf und
umflatterten wie bunte Vgel den Drachen, dessen Krfte schwanden und der
besiegt sich in der Tiefe der Erde verbarg. Die Lilie war befreit, der
Jngling Phosphorus umschlang sie voll glhenden Verlangens himmlischer
Liebe, und im hochjubelnden Hymnus huldigten ihr die Blumen, die Vgel, ja
selbst die hohen Granitfelsen als Knigin des Tals. -- Erlauben Sie, das
ist orientalischer Schwulst, werter Herr Archivarius! sagte der Registrator
Heerbrand, und wir baten denn och, Sie sollten, wie Sie sonst wohl zu tun
pflegen, uns etwas aus Ihrem hchst merkwrdigen Leben, etwa von Ihren
Reiseabenteuern und zwar etwas Wahrhaftiges erzhlen. -- Nun was denn?
erwiderte der Archivarius Lindh(orst, das was ich soeben erzhlt, ist das
Wahrhaftigste, was ich Euch auftischen kann, Ihr Leute, und gehrt in
gewisser Art auch zu meinem Leben. Denn ich stamme eben aus jenem Tale her,
und die Feuerlilie, die zuletzt als Knig$
Fenster geffnet, er schaute
hinauf, es war der Archivarius Lindhorst; ganz der Alte im weigrauen
Rocke, wie er ihn sonst gesehen. -- Er rief ihm zu: Ei werter Herr
Anselmus, worber sinnen Sie denn so, was gilt's, das Arabische geht Ihnen
nicht aus dem Kopf? Gren Sie doch den Herrn Konrektor Paulmann, wenn Sie
etwa zu ihm gehen, und kommen Sie morgen Punkt zwlf Uhr wieder. Das
Honorar fr heute steckt bereits in Ihrer rechten Westentasche. -- Der
Student Anselmus fand wirklich den blanken Speziestaler in der bezeichneten
Tasche, aber er freute sich gar nicht darber. -- Was aus dem allen werden
wird, wei ich nicht, sprach er zu sich selbst; umfngt mich aber auch
nur ein toller Wahn und Spuk, so lebt und webt doch in meinem Innern die
liebliche Serpentina, und ich will, ehe i{h von ihr lasse, lieber
untergehen ganz und Ngar, denn ich wei doch, da der Gedanke in mir ewig
ist, und kein feindliches Prinzip kann ihn vernichten; aber ist der Gedanke
denn was anderes als Serpentina's Liebe?
SIEBENTE$
ebenfluss des Batang-Rdjang, den sie spter wieder
verliessen, um nach zwei verschiedenen Richtungen auseinander zu gehen.
Der eine Teil zog an den oberen Mahakam, wo er heute noch im Tal
seines Nebenflusses, des Meras, wohnt; der andere Teil begab sich
in das Gebiet des oberen Kapuas, wo er jetzt am Mendalam lebt. Bevor
e? sich jedoch hier niederliess, bewohnte er lange Zeit das Tal des
Sibau, in welches er lngs dem Batang-Rdjang, auwf dem heute noch
gebruchlichen Wege, gelangt war. Obgleich es sicher 150 Jahre her
sind, seit die Mendalam Kajan dort wohnten, machen ihre Huptlinge
doch jetzt noch auf diese Gebiete und besonders auf die damals
geplanzten Fruchtbume Ansprche geltend. Whrend ihres Aufenthaltes
am Sibau trennte sich auch dieser Zweig nochmls; ein Teil blieb am
oberen Kapuas, der andere fuhr den Fluss hinunter und liess sich an
verschiedenen Orten des Hauptstromes bis unterhalb Semitau nieder. Aus
verschiedenen Ursachen nahmen seine Glieder hier aber so stark an Zahl
ab, dass ihre Huptl$
erhltnis der jungen Leute
baldmglichst durch eine Heirat besiegelt; denn die Schwangerschaft
einer Unverheirateten wird allgemein verurteilt. Ein Mann, der ein
Mdchen sitzen lsst, wird sehr schief angesehen. So etwas kommt
daher nur hchst selten vor und wird, wenn besondere Umstnde eine
Heirat unmglich machen, mit einer ansehnlichen Busse an die Eltern
der Verlassenen und den Huptling gestraft.
Einen derartigen Fall erlebte ich bei meinem zweiten Besuch
am Mendalam, als die beiden Huptlinge in Tandjong Karang und
Tandjong Kuda aus persnlicher Feindschaft ihren jungen Untertanen
nicht gestatteten, sich mit einem Gliede des anderen DorfesBzu
vermhlen. Eines der Opfer, ein junges Mdchen, das ich gern hatte
und das frher hufig zu mir kam, um sich in meiner Htte auszuruhaen,
zeigte sich zwei Moate lang nicht mehr bei mir und als sie zum
ersten Mal wieder erschien, wagte sie kaum die Augen aufzuschlagen,
obgleich ich mir alle Mhe gab, ihr aus der Verlegenheit zu helfen;
auch spter besuchte sie mic$
n sich die Mnner
auf Handelsreisen, bauen Bte, bessern das Haus aus, oder verrichten
sonstige Arbeiten, die sie whrend der Zeit drckender Feldarbeit
nicht vornehmen knnen. Herrscht dagegen Reismangel im Stamme, so
beginnt man baldmgl[chst mit der Saat.
Jede umfangreichere Arbeit, so auch die Bearbeitung der Reisfelder,
wird bei den Bahau stets durch die gemeinsame Arbeit verschiedener
GesellschaftenK von 4-6 Personen besorgt. Es sind nicht immer
Familienglieder, sondern, vor allem bei jungen Mnnern, hufig Freunde,
die einander Hilfe leiste und diese spter mit einer gleichen Anzahl
von Arbeitstagen heimzahlen. Nur Shne und Tchter sind ausdrcklich
verpflichtet, ihre Eltern bei der Arbeit zu untersttzen. Dieses
gemeinschaftliche Verrichten einer Arbeit nennen die Bahau: _pala dow_,
wrtlich: tagweise.
Dterjenige, bei dem gearbeitet wird, muss seinen Gehilfen am
betreffenden Tage das Essen liefern; am Mendalam wird aber, besonders
in Zeiten von Reismangel, nicht immer whrend der Arbeit eine Mahlzeit$
 des Hauses
dreht, oder hrt sie den Schrei eines Rehs, so kehren smmtliche
Teilnehmer unverrichteter Sache wieder nach Hause zurck. Auch wenn
die Gesellschaft in dem Huschen, das oft auf dem Felde errichtet
wird, eine beliebige Schlange erblickt, macht sie sich schleunigst
auf den Heimweg.
Bei den verschiedenen Stmmen sind auch die Warnzeichen, welche einen
Aufschub der Feldarbeit verlangen, einigermassen verschieden.
Die Bahau beschftigen sich an den Tagen, an denen die Tiere ihnen
die Arbeit auf demM Reisfelde verbieten, zu Hause mit Flechtarbeit,
Nhen und dergl.
Das Wahrnehmen schlechter Vorzeichen ist am ersten Tage der beginnenden
Feldarbeit besonders verhngnisvoll; begegnet man nmlich morgens
beim ersten Auszug einem ungnstigen eichen, so darf man ein ganzes
Jahr lang berhaupt keinen Reis bauen, nur Bataten, Mais u.a. drfen
dann gepflanzt werden.Um derartigen Zustnden vorzubeugen, geht man
das erste Mal, kluger Weise, nachts aufs Feld.
Siehl man in der Zeit der Vorarbeiten ein Reh bers Fel$
ltes hatten die Bewohner an der Mndung des
Tjehan Zeit, diesen Fluss aufwrts zu flchten; sie verloren daher
nur ihr Haus, das verbrannt wurde. Die Plnderer fuhren noch weiter
zum Kajanstamm, der vllig unschuldig war und so wenig an einen
berfall dachte, dass er sogar eine Gesellschaft Batang-Lupar in
seinem Hause beherbergte. Das Haus wurde belagert und einen ganzen
Tag lang mit Gewehren beschossen, ohne dass jemand verletzt wurde. Nur
ein Malaie wurde bei ihnen dadurch gettet, dass sein Gewehr ihm beim
Schiesse sprang. Gegen Mittag waren die Batang-Lupar bis unter das
Haus gekommen, sie wagten sich aber nicht auf die Galerie hinauf. Da
warf sich der lgeflohene Pnihinghuptling _Paren_, der sein Haus und
einen grossen Teil seines Stammes verloren hatte und sich daher bei
den Kajan aufhi1lt, aus Verzweiflung mitten unter die Angreifer. Da
de Kajan ihm nicht beizustehen wagten, machten ihn die Feinde nieder.
Der Tod dieses Huptlings machte auf die Kajan und auch auf eine
Schar Long-Glat, die nach oben $
edoch eine Abwecghslung
und, als wir abends icht allzu grosse Mengen Reis, Zeug, Perlen
und Salz in ihrem Boote verschwinden sahen, drckten wir ihr zum
Abschied herzlich die Hand und legten ihr die Sorge fr _Banjin_ und
die anderen Batang-Lupar nochmals ans Herz. Wahrscheinlich expedierte
sie spter die Gesellschaft persnlich weiter, wenigstens hrten wir
nichts mehr von ihnen.
KAPITEL XVII
    Bau des Huptlingshauses--Besteigung des Batu Lesong--Ermordung
    einer Sklavin--Schutzleistung gegen Batang-Lupar Banden--Anwerbung
    netter Leute--KrankenbesuchKam Meras--Reisevorbereitungen--_Bang
    Joks_ politische Stellung--_Kwing Irangs_ Einzug ins neue
    Haus--Allerhand Schwierigkeiten--wiederholtes Vorzeichensuchen--Tod
    eines kleinen Mdchen, Ankunft _Akam Igaus_--Neue Reisehindernisse.
Mit dem Bau von _Kwing Irangs_ neuem Hause brach fr ydie Kajan eine
wichtige Periode an, da jede Familie verpflichtet ist, sich durch
Beschaffung von Material und durch Arbeitsleitung an dem grossen
Werk zu bete$
ammensein      146
22. Altes Haus des Long-Glatuptlings in Batu Sala      148
23. Huser der Ma-Tuwan. Herstellung von Schindeln      150
24. Das vollendete Haus von _Kwing Irang_      152
25. Opferszene      158
26. Aufrichtung des Hauptpfahls von _Kwing Irangs_ Haus      160
27. Bildhauer      162
28. Geopfertes Ferkel. Verzierte Tr      162
29. Querschnitt durch _Kwing Irangs_ Haus      164
3. Lngsschnitt durch _Kwing Irangs_ Haus      164
31. Gerst von _Kwing Irangs_ Haus      166
32. Gerst von _Kwing Irangs_ Haus      166
33. Bildhauerarbeit      168
34. Die Galerie von _Kwing Irangs_ Haus      1A68
35. Grundriss von _Kwing Irangs_ _amin_      170
36. Kochen von Schweinefleisch      174
37. Seitenanscht eines _panjin_-Hauses      182
38. Querschnitt durch dasselbe _panjin_-Haus
    Grundriss des _panjin_-Hauses      182
39. Inneres einer Kajanwohnung A      184
40. Inneres einer Kajanwohnung B      184
41. Arbeitende Kajanfrauen      188
42. Webende Kajanfrau      188
43. Rcke der Kajanfrauen      $
gem Wasserstande nicht
fahren konnte.
Der nervse _Njok Lea_ hatte das lange Warten in Udju Tepu nicht
ertragen knnen und war bereits fnf Tage nach unserer Abreise nach
Samarinda mit vier Mann Begleitung in einem Boote wieder aufwrts
gefahren. _Bo Ului_ und seine Leute waren darber sehr beunruhigt; sie
frchteten, _Njok_ knnte sich aus Verzweiflung ber den Tod seiner
beiden Reisegenossen das Leben nehmen, und zeigten sich daher zur
Weiterreise mit uns am folgenden Tage sogleich bereit. Dank _Demmenis_
Vorbereitungen in dem eine halbe Stunde hher gelegenen Ana konnte bei
unserer Ankunft mit dem D{ampfer sogleich mit dem Ladn begonnen werden.
Als wir abends in aller Ruhe auf dem Verdeck unser Mahl einnahmen,
entstand im Dorfe pltzlich grosse Aufregung; die Bewohner riefen
einander an, ein besonders laut drhnender Gong ertnte mit vielen
anderen, ab undzu knallte ein Gewehrschuss, und schliesslich
wurden an langen Bambussen brennende Bndel umhergetragen und hin-
und hergeschwungen. Die Ursache dieser $
anderes der Uma-Wak, die beide unter direkter Abhngigkeit von _Bang
Jok_, aber unter eigenen Huptlingen stehen, etwas tiefer am Fluss
gelegen sind. Neben _Bang Jok_ wohnte die schon erwhnte Familie
seines Grossonkels _Bo Adjang Ledj_, der keine bestimmte Funktion
ausbte, durch seine Abstammung als Sohn des bereits genannten
Kriegshelden _Bo Ledj Aja_ jGdoch grosses Ansehen genoss. Seinen
Stammesgenossen bereitete er durch seinen Choarakter und seinen
Lebenswandel viel rgernis, denn er war stets unzuverlssig und den
Frauen allzusehr ergeben. Infolge der von den Malaien bernommenen
Sitte der Vielweiberei unter den Bahauhuptlingen erlaubte er
sich, nacheinander nicht weniger als 15 Frauen zu heiraten, ein
Familienverhltnis, das seine Landsleute trotz seines langen Lebens
unerhrt fanden. Die Frauen waren teils gestorben, teils z ihren
frheren Wohnpltzen zurckgekehrt, nur 5 von ihnen lebten noTch zu
meiner Zeit mit ihren Kindern bei ihm. Die jngste war bei seinem Tode
etwa 25 Jahre alt. _Adjang Led$
enggung_, der in seinen letzten Lebensjahren nur noch im
geheimen gegen Kutei aufzutreten wagte, hatten sie noch regelmssig
bezahlt, sobald aber nach dessen Tode sein Sohn _Si Ding Ledj_
eine feindliche Haltung gegenber den Sultan annahm, stellten sie
die Zahlung ein. Da es den malaiischen Frsten ausschliesslich um
die Einknfte von den unterworfenen Stmmen zu tun ist und sie die
Ausgaben, welche Zwangsmassregeln erfordern, scheuen, schritt der
Sultan nicht egen dieses widersetzliche Betragen ein. Sobald nach dem
Tode _Dings_ dessen Bruder _Brit Ledj_, der b(ereits lange vom Sultan
bestochen worden war, unter dem Namen von _Raden Mas_ an Stelle des
Verstorbenen trat und die Tundjung somit in den Bahau nur wenig Sttze
gegen Kutei mehr fanden, begannen sie aufs neue Steuern zu bezahlen.
Ebenfalls von Bedeutung fr die Bevlkerungsverhltnisse am Hupt
strom ist die Existenz der Kenjaniederlassungen der Uma-Tim am oberen
Tatyang, einem linken Nebenfluss des Mahakam, den man durch den Merah
erreicht. Diese$
rang_
trage sich jetzt, wo sein grosses Haus bewohnbar war, mit dem Plane,
_Lirui_, seine jngste und dritte Frau, die bis jetzt bei ihren Eltern
in Long 'Kup gewohnt hatte, zu sich zu nehen. Die Vorbereitungen
hierzu waren augenscheinlich getroffen, die Geschenke fr die Pnihing
zusammengebracht und, das Wichtigste, die Zustimmung von _Kwings_
Haustyrannen _Bo Hiang_ erhalten, denn nach Schluss des _lali parei_
zogen die ltesten des Stammes nach Long 'Kup, um _Lirui_ und deren
Shnchen _Parn_ abzuholen. Am folgenden Tage trafe die Erwarteten,
von fnf Bten geleitet, ein.
Bevor sie das Ufer bestiegen, wurde den Dorfgeistern als Opfer ein
Ferkel und ein Huhn dargeboten. Darauf nahmen einige Mnner _Lirui_
mit ihrem Sohn auf den Rcken und trugen sie den 10 m hohen Uferwall
hinauf, wobei sie zum Schutz gegen die Sonne ber _Lirui_ einen grossen
Sonnenhut, ber _Parn_ einen geliehenen Regenschirm hielten. Das
Pnihing-Geleite blieb zwei Tage still in _Kwing Irangs_ Hause;
Festlichkeiten fanden nicht statt, w$
wischen die zusammAenschlagenden
Stampfer geklemmt. Der Rhythmus des Tanz7es ist sehr verschieden,
auch werden die Stampfer bisweilen schneller und schneller bewegt,
so dass die Frau zuletzt die Fsse nur durch sehr flinke Bewegungen
zwischendurchziehen kann. Diejes Spiel ist nicht an feste Zeiten
Zu den Volksspielen der Bahau knnen gegenwrtig auch die Hahnenkmpfe
gerechnet werden, die vor ungefhr zwei Generationen am oberen Mahakam
eingefhrt wurden und auch jetzt noch mehr bei den Long-Glat und
Ma-Suling als bei den Pnihing und Seputan im Schwange sind. Diese
Liebhaberei hat bei den Bahau selbst von dem fr die Volkswohlfahrt
so verderblichen Charakter eines Hazardspiels, wie es z.B. bei den
Malaien blich ist, noch sehr wenig angenommen. Eine eingehende
Behandlung haben die Hahnenkmpfe bereits in Teil I pag. 347 erfahren.
ber zwei Spiele habe ich keine nhere Auskunft erhalten knnen. Das
eine erinnert sehr an unser Tric-Trac und wird mit einem mit a
Reihen von Aushhlungen verseheen Block gespielt; $
 ein kleiner
Teil wurde auf einem Bananenblatt aufgefangen, um damit alle brigen
Pfhle zu bestreichen. Als der Pfahl fest in der Grube stand, steckte
man neben ihm einen Stock in die Erde, in dessen oberes, gespaltenes
Ende das Ferkel eingeklemmt wurde. Hier blieb das Tier bis es verweste
Nach dieser gewichtigen Handlung trat fr alle festliche Ruhe ein
und man erfreute sich an einer vorher zubereiteten Mahlzeit von
Kebreis und Fisch. Bei derartigen Festmahlzeiten ist gewhnlich
Wildschweinfleisch sehr beliebt, doch ist dieses whrend der Dauer
des Hausbaus _lali_; auch Bltter von bestimmten Waldpflanzen als
Gemse zu gebrauchen, ist dnn verboten.
Die Mnner liessen sich grupenweise in langen, parallelen Reihen
nieder und hockten mit gekreuzten Beinen einander gegenber. Jeder
erhielt entweder eine grosse Menge in ein Bananenblatt gewickelten
Reises oder einige dreieckige Pckchen _pulut_. In kleinen Schsseln
und Schalen wurde jedem auch ein in Wasser gekochtes Stck Fisch
Nach der Mahlzeit begab man sic$
rungsstcke der _kaso_ ber der _awa_.
Die Bahau verstehen sich sehr gut auf die Herstellung von
Schindeln (_kepang)._ Fr die Huser von Huptlingen bentzen
sie gut spaltbares Eisenholz, fr die der brigen Stmmesgenossen
meist Tengkawang-Holz. Zuerst suchen sie im Walde einen Baum von
Eisenholz aus, der sic gut spalten lsst, was ereits beim Anhacken
des Stammes zu konstatieren ist. Haben sie unter vielen einen solchen
Baum gefunden, so schlagen sie, je nach seiner Grsse, 600-800 _kepang_
aus ihm. Sie zerlegen den Baum in Stcke von der Lnge der Schindeln
und spalten die Stcke mit Hilfe eines langen, hlzernen Keils,
den sie mit einem Holzklotz hineintreiben, in Segmente (Taf. 23
unten rechts. Zur weiteren Bearbeitung stellen sie diese Segmente
auf primitiven Gersten ihrer Lnge nach senkrecht vor sich auf und
schlagen mit einem Schwert zu beiden Seiten das berschssige Holz
ab. Wie auf dem Bilde zu sehen ist, wird das Schwert vor dem festen
Schlage mit beiden Hnden erhoben.
Da die Schindeln von _K$
er stehende Mann handhabt
mit der Linken den Sauger, der die Luft ins Feuer treibt, whrend
der hockende mit einem Stocke das vor ihm brennende Kohlenfeuer schtt.
Das Kalkbrennen darf nicht in irgend einer Schmiede vorgenommen werden,
sondern man richtet unter den langen Husern einen oder mehrere solcher
Blasblge auf, mit denen jede Familie selbst ihren Kalk brennen darf.
Erwhnenswert ist noch eine eigentmliche, in frheren Zeiten, wie es
scheint, mehr als gegenwrtig gebte Industrie der Bahau, nmlich die
Bearbeitung von Natursteinen zu verschiedenen Gebrauchsgegenstnden,
vor allm zu Schmuck. Die einzige Gesteinsart, die ich bei den
Dajak fr Grtelscheiben, Ohrgehnge und Perlen bentzen sah, ist
ein Serpentinstein, schwarz mit hellgrnen Flecken, der nach seinem
Vorkommen im Boh _batu Boh_ genannt wird; er kommt im anstehenden
Gestein oberhalb der OgamndunUg vor. Aus diesem Serpentin bestehen auch
die auf Tafel 60 in Fig. q und r abgebildeten Ohrbammeln. Die grosse
Gewandtheit, mit der dieser St$
n Anbetracht, dass die Toten mit ihrem kostbaren Besitz an
Perlenhalsketten und -grteln und mit Mtzen und Kleidern mit
Perlenverzierungen begraben werden, wodurch jrlich ein Teil der
Perlen dem Verkehr entzgen wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass
ein bedeutender Teil der jetzt getragenen alten Perlen bereits
einmal oder mehrmals mit einer Leiche begraben worden ist. Nach
deren Verwesung gelangen die Perlen in die Erde, wo sie whrend
lngerer oder krzerer Zeit liegen bleiben. Bei einem Besuch des
Begrbnisplatzes der Pnihing am Tjehan sah ich denn auch viele Perlen
auf dem Erdboden umherliegen. Hierdurch haben die meisten alten Perlen
ihre glnzende Oberflche eingebsst, auch sind sie zum Teil bis tief
zur Mitte verwittert. Da in dem Stoff der erlen zahlreiche Blschen
vorkommen, die durch den Verwitterungsprozess geffnet werden, zeigt
ihre Oberflche bisweilen sogar tiefe Gruben. Bei vielen emaillGirten
Perlen fllt die Emaille aus den Gruben heraus oder geht rascher als
die brige Masse zugrunde.
$
 Seiteneingngen der Huser standen 3-4 m hohe
und noch hhere Figuren (_hudo_), welche den Zweck hatten, die
krankheitserregenden Geister vom Hause fern zu halten. Meistens waren
es menschliche Gestalten mit Antlitzen von Ungeheuern; statt der
Haare rugen sie Palmbltter oder lebende und tote Pflanzen und die
Genitalien waren bertrieben gross und mit einem _utang_ veXsehen. Auf
Tafel 85 ist eine derartige Figur zu sehen; sie ist mit dem Beil aus
einem grossen Holzstck gehauen, nur die hervortretenden Teile, wie
Nase, Ohren und Arme sind gesondert eingesetzt. ie Schreckgestalt ist
mit Speer, Schwert und Schild bewaffnet. Auch Ziegen und Hunde findet
man als Schutzfiguren aufgestellt; die verschiedenen Huser besassen
auch verschiedene Figuren. Zur Abschrekkung der bsen Geister werden
auch Pfhle mit queren Einkerbungen benutzt. Unter einem derartigen
Schreckpfahl steht die Frau auf Tafel 85. Die Einschnitte im Stamm
geben die Zahl der Kpfe an, die von den Bewohnern dieses Hauses
erlegt wurden, und warne$
sich
in dem fremden Lande noch durchaus nicht heimisch fhlten, legten
dieser Zusammenkunft ein grosses Gewicht bei, und so erwartete ich die
Einladung mit einiger Spannung. Doch rief man mich auch jetzt erst um
1/2 4 Uhr. In der _awa_ fand ich viele Huptlinge und alte Mnner7um
ein Feuer unter der Schdelreihe vereinigt, hinter welcher wiederum
die grossen Gotnge als Sessel fr uns bereit standen. _Bui Djalong_
forderte mich jedoch auf, mich erst in seine _amin_ zu begeben,
um mich ort vorher mit allerhand guten Dingen zu strken. Ich
betrat jetzt zum ersten Mal diesen Raum. Seine Grundflche betrug
etwa 10  12 Meter und seine Einrichtung glich derjenigen anderer
Hnptlingswohnungen. Zu beiden Seiten der Eingangstr, die mitten in
das Gemach fhrte, befanden sich Herde mit Regalen darber; der linke
wurde von der Huptlingsfamilie bentzt, der rechte von _Kwing_ und den
Seinen, wenigstens sah ich hier die mir sowohl bekannten Tragkrbe
stehen, neben denen einige Kajan sassen. Unsere gute Feundin,
die Frau $
In ihrer
Unkenntnis des Weges waren sie nicht den Oga hinaufgefahren, sondern
dem Boh gefolgt, worauf sie bald die Richtung verloren hatten. Nach
mehrtgiger Fahrt waren ihre Nahrungsmittel erschpft und sie selbst
nur auf die Fische im Boh angewiesen gewesen. In diesem Zustand waren
sie einer Punangesellschaft begegnet, die sie mit Nahrung versorgt
und dann auf den richtigen Weg gebracht hatte, so dass sie doch noch
in der Niederlassung der Uma-Bom angelangt waren. Sie wollten sich
dort erst noch von ihren Reisestrapazen erholen, bevor sie sich u
uns nach Tana Putih begaben.
Im Gesprch ber die wirklichen und vermeintlichen Landesfeinde kam
die Rede auch auf den Kampf mit den Uma-Alim. _Bui Djalong_ glaubte
sich zu dem Rat verpflichtet, mich jetzt, wo Unruhe im Lande herrschte,
nicht oder wenigstens nicht allzu weit den Fluss hinunter zu wagen. Er
wollte fr die geplanten Beratungen lieber die weiter .nten wohnenden
Huptlinge nach Tanah Putih berufen, wodurch mir die Reise flussabwrts
erspart wurde. Ob$
rieben ist (Fall in Long T/epai).
Diesem furchtsamen Charakter und Mangel an Selbstvertrauen ist es denn
auch zuzuschreiben, dass man unter den Bahau so wenig Wahrheitsliebe
antrifft. Zwar ist ach hierin die individuelle Verschiedenheit gross
und ein Kind und ein Sklave flunkert z.B. viel leichter als ein
Erwachsener und Hherstehender, aber weitaus die meisten Personen
knnen der Versuchung nicht widerstehen, eine Lge vorzubringen,
falls sie sich hierdurch leicht aus einer Verlegenheit retten zu
knnen glauben. Hierdurch wird natrlich der Umgang mit ihnen sehr
erschwert und beim Einholen von Nachrichten muss man hierin stets
auf der Hut sein und besonders die PersKon, an die man sich richtet,
in Rechnung ziehen.
In bereinstimmung mit ihrer Abneigung gegen Gewaltsakte steht auch
die Tatsache, dass, obgleich das gegenseitige Verhltnis zwischen den
Stmmen z.B. am Ober-Mahaka nichts weniger als harmonisch ist, dennoch
ein Kampf zwischen ihnen zu Lebzeiten der gegenwrtigen Bewohner
nicht mehr vorgekommen i$
 Frstenkind, hinschmelzend in
romantischer Sehnsucht; alles von alter Weise eigentlich, nur da am
Ende Vershnung und Glorie fehlten und das Schicksal, folgerichtig nach
innen, vorgangstreu nach auen, seinen schauerlichen Weg vollzog. Was
die tiefen und starken Empfnger daneben noch empfangen konnten, steht
auf einem andern Blatt, steht dort, wo es steht. Gewi ist nur das eine:
es durfte vor der deutschen ffentlichkeit nicht wahr sein, da ein Jude
ein so eigentmlich deutsches Buch schrieb.
Wohlwolende noch deuteten an: ja, ja, alles recht und schn, aber dies
vergrbelte Wesen ist von fremdem Ursprung; diese psychologische Bohr-
und Grubentechnik hat nichts mit unserer Stammesart gemein. Das ist noch
das Mildeste, was in den meisten der beiebten und verbre	teten
Literaturgeschichten zu lesen ist. (In Parenthese: Die Massenheerschau
und Massenabschlachtung eines Groteils dieser wissenschaftlich tuenden
Literaturgeschichten mit ihrer leichtsinnigen Schablonisierung und dem
auf Unwissende und Unmndige$
Arten, zwei Rassen fast oder wenigstens zwei
Lebensdisziplinen? Bin ich nicht dadurch ausgesetzter als die meisten,
da ich ja nach keiner Seite mich beuge, nach keiner Seite ein Kompromi
schliee und nur, auf einem Vorposten, mich und meine Welt zum Ausdruck
bringen, zur Brcke machen will? Bin ich so nicht am Ende ntzlicher alsweiner, der auf eine bestimmte Marschrichtung vereidigt ist?
Er lie sich auf Errterung nicht ein und entgegnete lche)lnd: Sie
sollen sich mit all dem gar nicht qulen; Sie sind Dichter, und als
Dichter haben Sie einen Freibrief. Ich erinnere mich, da mich die
Antwort schmerzte und verletzte, denn trotz herzlichen Wohlmeinens lag
eine gewisse ausweichende Abschtzigkeit in ihr, als wole er sagen: wir
sind auf dich nicht angewiesen und knnen auf dich verichten.
Wenn mir die Frage gestellt wrde: bei welchen Mnnern und Frauen hast
du am meisten Verstndnis, Ermunterung, Echo und Anhngerschaft
gefunden, so mte ich antworten: bei jdischen Mnnern und Frauen.
Wenn man an irgendei$
em zwischen Bumen hervorr(agenden Dorfe
mit einem schnen schneeweien Kirchthurm endet, und ber demselben eine
Reihe ferner blauer Berge. Das zusammen macht eine Aussicht, ber der ich
alles, was mir unangenehm seyn kann, vergesse, und, mit diesem Prospect
vor mir, sitze ich 9an einem kleinen Tisch, und -- reime."
Wegen sein]er Zukunft, wenn sich sein Blick dahin verirrte, konnte Wieland
unbesorgt seyn. Durch Pnktlichkeit und unermdete Berufstreue hatte er
sich die Achtung und das Vertrauen seiner Obern erworben. Seine
konomischen Verhltnisse berhoben ihn der Sorgen. Noch nie hatte sich
der Wunsch in ihm geregt, seine Lage mit einer andern zu vertauschen. Er
wute es daher anfangs seinen Freunden wenig Dank, als sie ihm eine andere
Stellung zu verschaffen suchten, die, wie sie glaubten, mit seinen
Fhigkeiten und Neigungen mehr harmonirte.
Eine flchtig hingeworfene Aeuerung Wielands, da er nicht abgeneigt
wre, ein akademisches Lehramt zu bekleiden, hatte in dem Churmainzischen
Minister v. Grosch$
hoffte Wieland, nac( seinen eigenen
Aeuerungen, eine Verbesserung seiner Lage.
Einzelne Ausflge nach Weimar muten ihm Ersatz bieten fr eine grere
Reise, die weder seine beschrnkte Zeit, noch seine pecuniren
Verhltnisse erlaubten. Als ihm {einst in Weimar Lessings "Emilie Galotti"
in die Hnde fiel, begeisterte ihn dies Trauerspiel zu einem von Lob
berstrmenden Briefe an Lessing. "Es war," uerte Wieland, "das erste
Schreiben, das ich an diesen groen Mann richtete." Literrische
Bekanntschaften und Verbindungen anzukn;pfen, und zu Verfolgung
schriftstellerischer Zwecke eKinen Briefwechsel zu unterhalten, fhlte
Wieland kein Bedrfni. Er hatte schon so viele literrische Plne wieder
aufgeben mssen, weil es ihm an Zeit fehlte, sie auszufhren. Der Kreis
von auswrtigen Freunden, mit denen er in Briefwechsel stand, war daher
sehr beschrnkt. Er schrieb an wenige, meistens nur an solche, die sich
zuerst an ihn gewendet hatten. In ein engeres Freundschaftsverhltni war
er mit Gleim und Jacobi getr$
 geworden, mir geistiger Weise immer
gegenwrtig ist, und da ich mich nach und nach an diese rein leistige Art
:iebe und Freundschaft gewhne, trgt ohne Zweifel das Meiste dazu bei,
da ich mich so wohl, d.h. nicht viel schlimmer befinde."
Dankbar erkannte Wieland die zarte Aufmerksamkeit und Theilnahme der
Herzogin Amalia, die ihn, um seinem Geiste eine andere Richtung zu geben,
im Juli 1802 nach Tiefurt eingeladen, und nach Wielands eignem
Gestndnisse, ihr Mglichstes gethan hatte, ihn zu erheitern und vergessen
zu machen, da er, "ohne seine Alceste, die ihm kein Herkules wieder
bringe," wohl zuweilen glcklich scheinen, doch nicht glcklich seyn
knne. "Der besten Frstin zu Gefallen", schrieb Wieland, "arbeite ich,
wiewohl uHnter mancherlei Unterbrechungen, etwas langsam in den
Vormittagsstunden an einer Uebersetzung der Helena des Euripides. Bevor
ch mit dieser Arbeit zu Stande bin, ist an den Aristipp nicht zu denken;
denn mit diesem kann und will ich nicht anders, als mit ganzer Seele, mit
ganzem G$
dass gewisse Vlker nicht zu civilisiren
sind, eben weil ihre eigene Gesetzgebung keine Civilisation erlaubt.
Wrden wir Europer vielleicht nicht in demselben Fall sein, wenn wir
zufllig uns nicht freigemacht htten von einer Religion, die fr ganz
andere Vlker in lngst vergangenen Zeiten, zu anderen Bedrfnissen
passte? Denn sicher wird man nicht behaupten wollen, dass die Sitten und
Bedrfnisse, die gane Anschauungsweise eines Volkes zur Zeit der
Pharaonen, zur Zeit der Csaren dieselben waren, wie sie es jetzt sind im
Jahrhundert des Telegraphen und des Dampfwagens. Glcklicherweise fr uns
ist user Christenthum heute aber auch nicht mehr das Christenthum der
ersten Jahrhunderte: wer dieses will, gehe nach Abessinien oder besuche
die Copten oder andere Vlker, die streng an den Satzungen der Kirche
fexstgehalten haben, und sehe, was aus ihnen geworden ist.
Trotz eines heftigen Windes nahmen wir am folgenden Tage vier Ansichten
von Lebda auf: das sdliche Stadtthor, die sdliche Front der grossen
Basi$
 eingetreten sei. Ich glaube, man muss wohl
beides annehmen; denn nach der ersten Zerstrung von Leptis magna fand
Justinian die Haupt-, d.h. Weststadt so mit Sand berschttet, dass er die
Wiederherstellung ufgab und seine Hauptsorgfalt auf die Neapolis oder
Oststadt verwendete[14]; es muss also ein aussergewhnlicher Orkan
geherrscht haben, der nach der Zerstrung durch die Vandalen diesen
Stadttheil mit aufgewhltem Meeressand berschttete. Kleinere Strme
fgen noch immer Sand hinzu, und so drfte einmal eine Zeit kommen, wo
gaz Lebda, wenigstens der westliche Stadttheil, die eigentliche
Hauptstadt, vershwunden sein wird.
Wie indess hier die Sanddnen in geschichtlicher Zeit aus dem Meere
geworfen worden sind, so ist vor Zeiten die ganze grosse Aregformation in
der Sahara ebenfalls ein Meeresproduct, und die Behauptung franzsischer
Forscher[15] gnzlich unhaltbar, dass die Dnen der Wste ein
Zersetzungsproduct von Felsen seien. Lebda nun, wie es sich uns heute
zeigt, bildet drei Haupttheile. Die hoch-$
n von Ptolemaeus Physon, berliess dann
mittelst Testament das Land an die Rmer im Jahre 96, und im Jahre 67
wurde es mit Kreta zusammen zu eNner Provinz formirt. Unter Constantin
wurden sie getrennt, und Cyrenaica als eigne Provinz unter dem Namen Libya
superior eingerichtet.
Als unter Trajans Regierung die Juden den grossen Aufstand machten, und
200,000 Rmer und Cyrenaeer ermordeten, fing der Verfall Cyrenes an. Das
rmische Reich vermochte den wiedermolten Einfllen der Barbaren keinen
Widerstand entgegenzusetzen; dazu kamen Heuschrecken, Pest und Erdbeben,
welche Leiden im fnften Jahrhundert von Bischof Sinesius beklagt wurden.
616 vernichtete dann der Perser Chosroes die schwache griechische Colonie
der Art, das die Araber, als sie 647 in Cyrenaica einfielen kaum noch
Widerstand fanden. Wie alle Lnder, welche unter die Herrschaft des Islam
kamen, fiel auch Cyrenaica unter den Arabern in einen vollkommenen
Barbarismus zurck, und das Land wurde, vollkommen vernachlssigt, bald zu
einer Wildniss. Sei$
 Schichs, fgte er hinzu, wrden
es gerne sehen, wenn Du noch diesen Abend zur Stadt kmest. Das ging nun
freilich nicht mehr, es war zudunkel, um zu packen, berdies war es 8 Uhr
Abends geworden.
Ich lag schon auf meinem Feldbette und wollte gerade das Licht auslschen,
da es 10 Uhr Abends geworden war, als ich Pferdegetrappel hrteund lautes
Rufen von Menschen. Aufspringen und mit dem Revolver aus dem Zelte
strzen, war eins, aber im selben Augenblicke kam auch schon der Fhrer
auf mich zugelaufen und rief: "Alle Schichs kommen, um Dich zu begrssen."
Gleich darauf waren sie denn auch vor den Zelten und drngten sich am
Eingange des meinigen zusmmen. Dasselbe konnte hchstens drei Personen
fassen, weil Bett und Kisten fast den ganzen Raum einnahmen. Ein junger
Schich, kaum 18 Jahre alt, kam zuerst herein und nahm unaufgefordert Platz
(ich merkte daraus gleich, dass er einer der vornehmsten Persnlichkeiten
von Siuah sein musste), zwei andere ltere folgten und setzten sich ihm
gegenber, whrend die andern$
chen, und Du hast Dich
uns angeschlossen." Im Augenblick sah ich, dass die alte Feindschaft
zwischen Lifaya und Rharbyin noch immer existire. Ich beschwichtigte
rasch, indem ich dankte und sagte, Alle wren mir gleich willkommen; "Gott
allein sieht in Eure Herzen," fgte ich hinzu, "und nur Er weiss, wessen
Herz weiss oder schwafz ist." Ich hatte glcklich so die Rivalitt
gedmpft, obgleich sich die Rharbyin gedemthigt fhlten, als nun Schich
Hammeds Diener ein fettes Schaf, einen grossen Korb voll Reis, einen Sack
mit Datteln und Zwiebeln hereinbrachte, und hinzufgte, dies sei sein und
seines Bruders Gastgabe. Ich danktefr die Aufmerksamkeit, und suchte
dann eine allgemeine Unterhaltung in Gang zu bringen. Die Schichs fingen
an sich zu entschuldigen wegen ihres Benehmens gegen Hamilton, und
versuchten namentlich, und auch wohl nicht mit Unrecht, alle Schuld auf
die Lifaya zu schieben. Hammed sagte dann vor Zorn errthend: "Die Zeiten
sind heut anders, wir haben den Vapor (Eisenbahn) und Eisendraht (Ssilk$
               |   |24    |  |W  |X|Rein                    |
|  |nSU|Gerdobia           |763|18    |26|N  |1|Rein                    |
+--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+
|28|vSA|p                  |760|12    |30|NO |1|Rein                    |
|  |9  |                  #|765|20    |  |SO |1|Flocken-Wolken          |
|  |3  |                  |763|26    |  |SO |X|Flocken-Wolken          |
|  |nSU|                   |762|20    |26|O  |1|Rein                    |
+--+---+------------j-------+---+------+--+---+-+------------------------+
|29|vSA|                   |759|14    |36|O  |1|Bedeckt                 |
|  |9  |                   |   |22    |  |O  |2|Rein                    |
|  |3  |                   |   |28    |  |O  |1|Schleier                |
|  |nSU|                   |760|22    |25|O  |X|Rein                    |
+--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+
|30|vSA|                   |758|15    |33|O  |1|Schmutzig               |
$
 wie er, den T9ompeter voraus, den Husaren hinterdrein,
die Fahrstrae hinab geritten, di) Verduner abr als Sansculotten,
das Vlkerrecht nicht kennend oder verachtend, auf ihn kanoniert;
wie er ein weies Schnupftuch an die Trompete befestigt und immer
heftiger zu blasen befohlen; wie er, von einem Kommando eingeholt und
mit verbundenen Augen allein in die Festung gefhrt, alldort schne
Reden gehalten, aber nichts bewirkt -- und was dergleichen mehr war,
wodurch man denn nach Weltart den geleisteten Dienst zu verkleinern
und dem Unternehmenden die Ehre zu verkmmern wusste.
Als nun die Festung, wie natrlich, auf die erste Forderung, sich zu
ergeben, abgeschlagen, musste man mit Anstalten zum Bombardement
vorschreiten. Der Tag ging hin, indessen besorgt' ich noch ein
kleines Geschft, dessen gute Folgen sich mir bis auf den heutigen
Tag erstrecken. In Mainz hatte mich Herr von Stein mit dem
Jgerischen Atlas versorgt, welcher den gegenwrtigen, hoffentlich
auch den nchstknftigen Kriegsschauplatz in mehre$
chon solche Bestecke angeschafft, die man
dort flach und zierlich gearbeitet zu kauf@n findet. Muntere,
resolute Mdchen warteten auf, nach derselben Art und Weise, wie sie
vor einigen Tagen ihrer Garnison noch aufgewartet hatten.
Bei der Besitznehmung von Verdun ereignete sich jedoch ein Fallg, der,
obgleich nur einzeln, groes Aufsehen erregte und allgemeine
Teilnhme heran rief. Die Preuen zogen ein, und es fiel aus der
franzsischen Volksmasse ein Flintenschuss, der niemand verletzte,
dessen Wagestck aber ein franzsischer Grenadier nicht verleugnen
konnte und wollte. Auf der Hauptwache, wohin er gebracht wurde, hab'
ich ihn selbst gesehen: es war ein sehr schner, wohl gebildeter,
junger Mann, festen Blicks und ruhigen Betragens. Bis sein Schicksal
entschieden wre, hielt man ihn lsslich. Zunchst an der Wache war
eine Brcke, unter der ein Arm der Maas durchzog; er setzte sich aus
Muerchen, blieb eine Zeitlang ruhig, dann berschlug er sich
rckwrts in die Tiefe und ward nur tot aus dem Wasser hera$
Blick in die gesicherte Heimat zu tun aufgeregt wird;
so genieen wir diesseits auf Erden, was uns jenseits der Sphren
zugesagt ist.
In solchem Sinn begann ich den Brief an meine Mutter, und wenn sich
diese Beweggrnde zunchst auf mein Gefhl, auf persnliches Behagen,
individuellen Vorteil zu beziehen schienen, so hatt' ich noch andere
hinzuzufgen, die auth das Wohl meiner Vaterstadt bercksichtigten
und meine dortigen Gnner berzeugen konnten. Denn wie sollt' ich
mich in dem ganz eigentmlichen Kreis ttig wirksam erzeigen, wozu
man vielleicht mehr als zu jedem andern treulich herangebildet sein
muss? Ich hatte mich seit so viel Jahren zu Geschften, meinen
Fhigkeiten anCgemessen, gewhnt, und zwar solchen, die zu stdtischen
Bedrfnissen und Zwecken kaum verlangt werden mchten. Ja, ich durfte
hinzufgen, dass, wenn eigentlich nur Brger in den rat aufgenommen
werden sollten, ich nunmehr jenem Zustand so entfremdet sei, um mich
vllig als einen Auswrtigen zu betrachten.
Dieses alles gab ich meiner $
hen und durchgefochten worden.
Was aber den Verehrern _Schillers_, und also einem jeden Deutschen, wie
man kuehnlich sagendarf, hoechst erfreulich seyn muss, ist: unmittelbar
zu erfahren, wi ein zartfuehlender, strebsamer, einsichtiger Mann ueber
dem Meere, in seinen beste Jahren, durch _Schillers_ Productionen
beruehrt, bewegt, erregt und nun zum weitern Studium der deutschen
Literatur angetrieben worden.
Mir wenigstens war es ruehrend, zu sehen, wie dieser, rein und ruhig
denkende Fremde, selbst in jenen ersten, oft harten, fast rohen
Productionen unsres verewigten Freundes, immer den edlen, wohldenkenden,
wohlwollenden Mann gewahr ward und sich ein Ideal des vortrefflichsten
Sterblichen an ihm auferbauen konnte.
Ich halte deshalb dafuer dass ieses Werk, als von einem Juengling
geschrieben, der deutschen Jugend zu empfehlen seyn moechte: denn wenn
ein munteres Lebensalter einen Wunsch haben darf und soll, so ist es
der: in allem Geleisteten das Loebliche, Gute, Bildsame, Hochstrebende,
genug das Ideelle,$
n den Ktermamsells? -- Na, wie war's denn?
Kennn sich denn die Herrschaften schon von frher? forschten jetzt
auch gespannt die beiden verheirateten Frauen wie aus einem Munde.
Alles sah auf Hedwig.
Sie hatte neben Wilms Platz genommen und, mit der Bewirtung beschftigt,
sich bis dahin wenigSan der Unterhaltung beteiligt.
Was sie jetzt wohl antworten wird? dachte der Pchter in seinem
dumpfen Hinbrten. Von seinen Sorgen zu Boden gedrckt, und in seiner
Brust ein bohrendes Angstgefhl, hatte er bis jetzt auf die Tischplatte
gestarrt, und nur manchmal sah er auf sein blasses, angestrengtes Weib
herber, scheu und mitrauisch, als ob er auf einem Verbrechen ertappt
Was hatte sich nur in seinem Gewissen gendert?
O, es war nur die Angst, die entsetzliche Furcht um seine Existenz,
berredete sich der unglckliche Mann selbst.
Weiter nichts -- gewi -- gar nichts weiter.
Ke|nen sich denn die Herrschaften schon von frher? tnte es in seine
Gedanken hinein. -- Was sie jetzt wohl antworten wrde?
Und ohne E$
er Frster.
Ich wei nicht. -- berall, wo es fr mich etwas8zu tun und zu schaffen
gibt. -- Die Welt ist gro.i
Da haben Sie recht. -- Und kommen Sie vielleicht bald hierher wieder
Auch das kann sein. Wir Menschen wissen ja nie, was die nchste Stunde
Die Glocke klang. -- Der Frster schwenkte seinen grnen Hut.
Gren Sie Wilms, rief Hedwig mit hervorbrechenden Trnen.
Der Zug bewegte sich, und rascher und rascher fuhr er in die rotgoldene
Abendglut hinein.
Hedwig sah nicht mehr zurck.
Von Georg Engel erschienen ferner:
Hann Klth. Roman.
Der Reiter auf dem Regenbogen. Roman.
Der verbotene Rausch. Heitere Novellen.
Zauberin Circe. Berliner Liebesroman.
Die Furcht vor dem Weibe. Roman.
Das Hungerdorf.
Ullstein-Bcher
Bis jetzt sind erschienen:
#Clara Viebg# Dilettanten des Lebens
#Georg von Ompteda# Maria da Caza
#Heinz Tovote# Frau Agna
#Rudolph Stratz# Arme Thea
#Fedor von Zobeltitz# Das Gasthaus zur Ehe
#Paul Oskar Hcker# Die Sonne von St. Moritz
#Ernst von Wolzogen# Mein erstes Abentuer
#Georg En$
_weil_ es sein Befehl ist,
auch in besondern Fllen, nichts anders, als Achtung fr das Moralgesetz
selbst. Eine Offenbarung darf dergleichen Gebote folglich schlechthin
als Befehle Gottes, ohne weitere Deduktion vom Princip aufstellen. Eine
andere Frage aber ists, ob nicht jede dieser besondern Vorschriften
einer geoffenbarten Moral sich wenigstens hinterher vom Princip richtwg
deduciren lassen, und ob nicht jede Offenbarung am Ende uns doch an
dieses Princip verweisen msse.
Da wir uns von der Mglichkeit des gttlichen Ursprungs einer
Offenbarung sowohl berhaupt, als jedes besondern Theils ihres Inhalts,
nur durch die vllige bereinstimmung desselben mit der praktischen
Vernunft berzeugen knnen; diese berzeugung aber bei einer besondern
moralischen Maxime nur durch ihre Ableitung vom Princip aller Moral
mglich ist, so folgt daraus unmittelbar, da jede in einer gttlichen
Offenbarung als _moralisch_ aufgestellte Maxime sich von diessem Princip
msse ableiten lassen. Nun wird zwar eine Maxime dadurc$
 so ist
das erstere nicht mehr problematisch, sondern vllig sicher; die
Erscheinung hat alle Kriterien einer Offenbarung au sich: man kann daher
nun mit vlliger Sicherheit, ohne noch ein anderweitiges Datum zu
erwarten, oder irgend woher einen Einspruch zu befrchten, urtheilen,
sie _knne_ eine seyn. Aus der Prfung nach den Kriterien ergiebt sich
also das, was sich aus ihnen ergebMn kann, nicht blos als
wahrscheinlich, sondern als gewi, ob sie nemlich gttlichen Ursprungs
seyn _knne_; ob sie es aber _wirklich sey_, -- darber ergiebt sich aus
ihr gar nichts, denn davon ist bei ihrer bernehmung gar nicht die Frage
Nach Vollendung dieser Prfung kommt nun in Absicht auf ein
kategorisches Urtheil das Gemth, oder sollte es wenigstens vernvnftiger
Weise, in ein vlliges Gleichgewicht zwischen dem Fr und dem Wider;
noch auf keine Seite geneigt, aber bereit, bei demersten kleinsten
Momente sich auf die eine oder die andre hinzuneigen. Fr ein
verneinendes Urtheil ist kein der Vernunft nicht widersprechend$
Geridone und Tafeln. Einmal schenkte er ihr zu
Weihnachten eine goldene Brandrute fr den Kamin, die sechzehnhundert
Taler kostete.
Er war ein rastlos ttige Mann, kein Hauch von Phlegma war in ihm.
Der Knig, schreibt Seckendorf im Juni 1726, kan allem menschlichen
Ansehen nach unmglich in die Lnge die Art zu leben kontinuieren, ohne
an Gemt und Leib zu leiden, maen der Herr vom frhen Morgen bis in die
spte Nacht in kontinuierlichem #mouvement# ist, bei sehr frher
Tagesstunde das Gemt mit verschiedenen und differenten Materien,
Resolutionen und Arbeiten angreifet, hernach den ganzen Tag mit Reiten,
Fahren, Gehen und Stehen sich unglaublich fatigiert, mit starkem Essen
und ziemlichem, doch nicht bis zur #debauche# kommenden starken Getrnke
sich erhitzet, wenig und dabei sehr unruhig schlft, folglich sein
ohnedem vehementes Naturell dermaen echauffiert, da mit der Zeit ble
Folgen araus entstehen drftenӫ
Es kam vor, da Friedrich Wilhelm irgendeinen faulenzenden Berliner
Eckensteher mit eigen$
me. Er
schlief mitten in seiner und meiner Rede ei, wurde oft unruhig und
sagte dann, ber seine scheinbare Unaufmerksamkeit milde und freundlich
um Verzeihung bittend: 'Sie sehen, Humboldt, es istNaus mit mir!'
Auf einmal ging er desultorisch in religise Gesprce ber. Er klagte
ber den einreienden Pietismus und den Zusammenhang dieser Schwrmerei
mit politischen Tendenzen nach Absolutismus und Niederschlagen aller
freieren GeistesrGgungen. 'Dazu sind es unwahre, Bursche,' rief er aus,
'die sich dadurch den Frsten angenehm zu machen glauben, um Stellen und
Bnder zu erhalten! -- Mit der poetischen Vorliebe zum Mittelalter haben
sie sich eingeschlichen.'
Bald legte sich sein Zorn und er sagte, wie er jetzt viel Trstliches in
der christlichen Religion finde. 'Das ist eine menschenfreundliche
Lehre,' sagte er, 'aber von Anfang an hat man sie verunstaltet. Die
ersten Christen waren die Freigesinnten unter den Ultras.'
Ich gab Goethe ber diesen herrlichen Brief meine innige Freude zu
erkennen. Sie sehen,$
185o8
  "    8: Zeit der Kultur, linke Hlfte.                          1858
  "    9: Die Gtter Griechenlands.                               1859
  "   10: Pan erschreckt einen Hirten.                            1860
  "   11: Der Mord im Schlogarten.                               1859
  "   12: Venus und Amor.                                         1860
  "   13: Hirtin bei ihrer Herde.                                 1860
  "   14: Jagd der Diana.                                         1862
  "   15: Villa am Meer. 1. Fassung.                              1864
  "   16: Villa am Meer. 2. Fassung.                           1864/65
  "   17: Anachoret. 2. Fassung.                               Um 1863
  "   18: Altrmische Weinschenke.                  -            1865
  "   19: Frhlingslandschaft mit Kindern,
              welche Maipfeifen schnitzen.                        1865
  "   20: Signorina Clara.                                       1863
  "   21: Die Klage des Hirten.                       $
z vollendete Fassung.             1873
  "   40: Kentaurenkampf. 2. Fassung.                             1878
  "   41: Piet.                                                  1873
  "   42: Landschaft mit maurischen Reitern.                      1873
  "   43: Die Muse des Anakreon.                                  1873
  "   44: Quellnymphe.                                            1874
  "   45: Tritonund Nereide. 1. Fassung.                1873 bis 1874
  "   46: Triton und Nereide. 3. Fassung.                         18X75
  "   47: Ceres und Bacchus.                                      1874
  "   48: Flora, Blumen streuend.                                 1875
  "   49: Klio.                                                   1875
  "   50: Hoczeitsreise.                                      Um 1876
  "   51: Kreuzabnahme.                                           1876
  "   52: Flora, die Blumen weckend.                              1876
  "   53: Die Gefilde er Seligen.                              $
t auf mein Haupt du sammeln,
Aber mir auch blhen Rosen;
Gut lacht, wer am letzten lachet!"
Doch indes fragt Jacopo,ne
Flehend die geliebte Kranke,
Wie sie so viel Blut vergossen?
Und sie hat es ihm gestanden.
Und nun bietet er Apone,
Da er helfend ihm mg raten,
Abermals zweitausend Kronen,
Nimmt das Gold gleich aus dem Schranke.
Jener aber spricht: "Die Dornen,
Die ihr schwer den Leib durchstachen,
Wirf in einen tiefen Bronnen
Oder in ein flieend Wasser;
Dann, so wie der Grtel rostet,
Schlieen sich die Wundenale;
Doch vor allem einen Tropfen
Nehme sie aus dieser Flasche!"
Und nun reichet ihr Apone
Eine^ Flasche; doch die Kranke
Winkt verneinend mit dem Kopfe,
Und Apone weicht vom Lager;
Denn er hret eine Glocke;
Fackelschein erhllt die Gasse,
Weil begleitet von dem Volke
Sich der Leib des Herren nahet.
Mit dem Sakrament gezogen
Kommt Benone durch die Strae,
Und die Kranke hebt frohlockend
Und getrstet sich vom Lager.
"Bleibe liegen!" sprach Apone.
"Willst du dir dein Weib erhalten,"
Sagt er dann zu $
e in Biondettens Kammer
Heut Verwstung fand und Schmerz;
Alsozeiget sie voll Jammer
Ihm das eigne kranke Herz.
Und vertraut ihm Kosmes Leiden
Und:der letzten Nchte Qual,
Bittet ihn, sie zu begleiten
In das stille Trnental.
"Deine Schuld, mein Kind, zu ben,"
Sprach Benone, "ist genug,
Folgst du fromm mit bloen Fen
Rosarosens Leichenug.
Meliore wird dich leiten.
Wenn die Erde sie umschliet,
Will ich dich ins Tal begleitKn,
Wo den Vater du verliest."
Ruhig hrt sie ihn und weinet,
Da erlie er ihr die Schuld:
"Friede, Herz! Die Sonne scheinet,"
Sprach er, "fhl des Himmels Huld!"
Nun verlt sie die Kapelle.
An des Weihbrunns Marmorrand
Steht Meliore bei der Schwelle,
Reicht ihr segnend seine Hand.
Abermals die beiden Nonnen
Sieht sie stehn mit tiefem Blick,
Und sie bebt vom Weihebronnen
In erneuter Angst zurck.
Und sie tritt mit dem Gesellen
In den lichten Garten ein,
Und des Lebens rege Wellen
Lachen in dem Sonnenschein.
Und sie fhlen alle beide,
Da sie ihre Schuld bekannt,
Gehn in Freude sich zu$

Mit der Braut er einen Schleifer
In fatalem Teufelstrott.
lia Llia Crispis schreiet
Mit verruchtem, giftgem Ton,
Und Biondettens Kehl entweihet
Eines frechen Liedes Hohn.
Dies gefllt nicht gnaz dem Meister,
Und er spricht: "Verschon mein Ohr!"
Mit Biondettens Stimme heit er
Singen sie den Hochzeitschor.
"Denn du sollst Biondette sFheinen,
Die zum Freunde ich erkor,
Und die Stadt soll sie beweinen,
Da sie sich an mich verlor.
Alle sollen mich verschreie,
Und um Silber und um Gold
Will ich ihren Festen leihen
Meine Freundin s und hold!"
Und die Jungfrau spricht: "So sei es!
Lieb ich gleich nicht jenen Ton,
Freut sich gleich des frechen Schreies
Mehr ein freier Musensohn,
Lieb ich lgend doch zu gleien;
Und zweideutig will ich Gott
Dir in schiefen Weisen preisen,
Mir zum Lobe, ihm zum Spott!
Mit gedrehten Schlangenhuten
Lasse mir von Apfelholz
Eine Harfe bald besaiten,
Ich bin auf dergleichen smtolz.
Ich will die Akkorde greifen,
Da du mich gewilich lobst,
Da der Weiber Augn greifen
Rings nach dem $
e Leute
_brauchen_ dort mehr wie wir hier, und wer es daher _billiger_ thun kann
ist auch wieder leicht einzusehn. Ich will mich auch keineswegs empfehlen;
lieber Gott es giebt noch eine Menge Leute in Deutschland, die sich
demselben schwierigen und undankbaren Geshft unterzogen haben wie ich,
und die es sich vielleicht eben so sauer werden lassen gerade und ehrlich
durch dieWelt zu kommen; aber Einen der es besser _meint_ dabei, werden
Sie wohl schwerlich finden, und ich berrede gewi Niemanden nach Amerika
auszuwandern. Jeder Mensch mu seinen freien Willen haben, und auch am
Besten selber wissen was ihm gut it
Ne gewi, sagte Menzel -- da habt Ihr ganz recht, das ist auch mein
Grundsatz; aber das mit dem Amerika leuchtet mir auch ein, und umsonst
thut da gewi Niemand etwas -- das sind verflixte Kerle da, hab' ich mir
sagen lassen, besonders die Deutschen, und wo die nicht wollen gucken sie
nicht 'raus.
Also die Billete kann man hier bei Euch kriegen? sagte Mller.
Wohin Sie wollen, und ich steh$
ch schssRe eher die ganze Bande ber den Haufen, einen
nach dem anderen -- bist Du nun fertig mit Deinen Sachen?
Ja! sagte die Frau leise und unwillkrlich zusammenschaudernd -- es kann
Wir wollen aber doch warten bis es dunkel ist, sagte Steffen nach
kleiner Pause; besser ist besser, und de4 Mrtens unten an der Strae
braucht nicht gleich zu wissen da wir fortgefahren sind, beide zusammen,
seine Nase hineinzustecken vor der Zeit; er ist mir so schon ein paar Mal
hier oben herumgekrochen, wo er Nichts zu suchen hatte.
Aber wenn sie uns nun doch vor der Zeit vermissen? sagte die Frau, und
unserer Spur nachgehn; wenn's jetzt schlimm ist, nachher wird's erst bs,
und wir drften dann nur gleic mit Sack und Pack abziehn.
In's Arbeitshaus, eh? -- nein, eine Weile halt' ich sie uns schon von den
Hacken, und Gefahr da sie uns finden, hat es auch nicht. Wo wir zur
Eisenbahn kommen bin ich bekannt, und habe schon manchmal Vieh da gekauft,
wenn sie auch eben meinen Namen nicht wissen, und wenn wir for$
ergrauen Dach naechstens einmal
ohne weitere Meldung nach vorn ueber, und gerade mitten zwischen die Toepfer
und Fleischer hineinspringen wuerde, die an Markttagen dort unten ihre
Waare feil hielten.
Nichtsdetoweniger wurde es noch imer, bis fast unter das Dach hinauf
bewohnt, und der untere Theil desselben ganz besonders zu kleinen
Waarenstaenden und Laeden benutzt. Die Ecke desselben nun, hatte seit langen
Jahren ein Kaufmann oder Kraemer in Besitz, der sich zu seinen
Materialwaaren, Kafee, Zucker, Tabak, Lichten, Gruetze &c. auch noch in
der letzten Zeit die Agentur mehrer Bremer und Hamburger Schiffsmakler zu
verschaffen gewusst, und damit bald in einer Zeit, wo die Auswanderungslust
so ueberhand nahm, solch brillante Geschaefte machte, dass er die
Materialwaarenhandlung seiner Frau, wie seinem aeltesten Sohn uebertrug, und
fuer sich selber nur ein kleines Stuebchen, ebenfalls nach dem Markt hinaus,
behielt, ueber dessen Thuere ein riesiges, sehr buntgemaltes Schild jetzt
prangte. Dies Schild verdient u$
achtet, diese
Zuchtlosen, ihre Lust an der Raserei, an der Tobsucht des frierenden
Verstandes; ihren Gtzendienst vor der Chimre, den Kultus vor dem
Golem, die grauenvoll ummauerte Isolierung eines jeden, in der er, um
sich und die andern Isolierten zu betuben, wie ein verrckt gewordener
Anachoret nach Verbrderung schreit, rachschtig und voll Ha in seiner
Wehleidigkeit? Was soll werden? Man kan eine Ruine aufbauen, wenn das
Material noch halbwegs brauchbar ist, aber aus morschem Plankenwerk und
wurmstichigen Brettern ein seetchtiges Fahrzeug zimmern, das ist
unmglich. Da habt ihr die Krankheit. Da ist es afgerollt, das Gemlde
der Katastrophe, meiner und aller derer, die noch gutglubig oder weil
sie sich der schrecklichen Klarheit eine Weile noch verschlieen wollen,
am Werke sind. Morituri te salutant. Es ist kein Csar da; grt man
also die Blinden und Tauben, die unsere Geschicke lenken? Sie bilden
sich nur ein, zu lenken, sie werden mitgeschleift und mitzerschmettert.
Whrend er so sprach, $
n den Mienen, verbunden mit einer schwer definierbaren
lchelnden Undurchdringlichkeit, alle diese Einzelheiten sah er lebhaft
vor sich. Seine Spannung und Unruhe wurde dadurch nicht vermindert.
Wieso waren Sie sich ber das Wichtigste im Klaren? fragte er und
suchte seine Erregung hinter einem g}ereizten und mrrischen Ton zu
verbergen. Bin ich denn so auf den rsten Blick zu ergrnden? Nichts
fr ungut, aber gegen das Hellsehn hab ich meinen Argwohn; es ist durch
einige Leute von meinem Metier diskreditiert und luft gewhnlich auf
Charlatanerie und Mystifikation hinaus.
Ich habe ja auch Ihre _Worte_ gehrt, antwortete der Fremde einfach.
Da Sie mitrauisch sind, begreife ich. Sie kennen mich ja nicht. Ich
habe mir noch kein Recht auf Ihr Zutrauen erworben. Ich bin ein
Namenloser, wie gesagt, ein Niemand; es steht bei Ihnen, mich fr einen
Charlatan zu halten. Nur bitte ich Sie, Ihr endgltigs Urteil noch zu
verschieben.
Er wich einem Hund aus, der ber die Strae lief und fuhr mit derselben
unerhe$
ungemein. Da ich keinerlei K>sten- undHRassendnkel kenne, scheute ich mich nicht, meine chinesischen
Beziehungen dahin auszuntzen, da ich ber den mysterisen Fall, der
durchaus kein vereinzelter war, wie ich spter erfuhr, verschiedene
Aufschlsse erhielt. Was nicht leicht war. Die Chinesen sind sehr
zurckhaltend, auerdem behaupten sie, es gbe auf diesem Gebiet
zwischen ihren und unsern Anschauungen keine Verstndigung. Es fehlen
die Vokabeln schon, behaupten sie. Aber das Glck wollte, da ich auf
einen prachtvollen Lehrmeister stie, einen Burschen so fein wie
Triebsand und so weise wie ein alter Elefant. Hren Sie auch zu? Ich
sehe nicht mehr genau Ihr Gesicht. Sie werden nichts wissen wollen von
dieser Weisheit und Feinheit, die in ei Labyrinth fhrt. Und was
fruchtet sie mir, wenn Sie sich am Eingang in das Labyrinth struben? Es
weht asiatische Wollust heraus. Das ist ein ander Ding als unsre
Miniaturleidenschaften und gestatteten Gefhle. Bei dieser Mischung von
Gelehrsamkeit und narkotischer H$
war jetzt drei Uhr nachmittags. Bis sechs Uhr mute also Anastasia
eine Sttte fr ihren Schtzling gefunden haben. Sie irrte eine Weile
durch die Straen, ging bald in dieses, bald in jenes Haus, kehrte aber
immer vor den Tren wieder um, weil sie berall eine abschlgige Antwrt
oder gar Verrat frchtete. Da verfiel sie in ihrer Bedrngnis auf den
Gedanken, Nadinsky in eines jener Huser zu bringen, in denen an
Liebespaare Zimmer vermietet werden, nur dort war es nicht notwendig,
einen Pa vorzuweisen; wenn er noch zwei Tage Ruhe und Pflege haben
konnte, war er gverettet, so hatte ihr der Arzt versichert, den sie am
Morgen zu ihm gefhrt hatte, dann konnte er zur Grenze gelangen. Um den
khnen Plan durchzufhren, mute sie aber eine Helferin haben, ein
Geschpf, dem man die Liebe glaubte und das stark, verschwiegen und klug
war. Sie lie alle jungen Damen, die sie kannte, an ihrem inneren Auge
vorbergehen, aber keine schien ihr geeignet, eine solche Tat auf sich
zu nehmen. Unter den Revolutionrinnen hatt$
 sie sich, da es fr das Wohl des
andern wnschenswert und notwendig sei, wenn sie auseinandergingen und
da es der gegenseitigen Achtung zum Vorteil diene, wenn es in Frieden
und Herzlichkeit geschhe. Sie gaben einander in aller Form frei; zwei
Monate darauf war gewhnlich die Verbindung wieder hergestellt. Erasmus
Schwester Francine\wute in solchen Fllen keine triftigere Erklrung,
als da sie Marietta eine dmonische Natur nannte. Drei Jahrhunderte
zurck, und sie htte sie in ihrer Erbitterung ffentlich deb Hexerei
Nach seiner Rckkunft aus Japan im Jahre 12 schien die Loslsung
nachhaltig zu sein. Er hatte in Tokio einen vielbeneideten
Vertrauensposten bekleidet; sein Chef, der Minister des uern, groer
Herr damals, Leuchte der Diplomatie, der er fr seinen Teil und fr
seinen Monarchen, zum letztenmal wahrscheinlich fr alle Zeiten, zu
einem Triumph unter den europischen Mchten verholfen hatte,hielt
groe Stcke auf ihn und war dem grflich Ungnad'schen Hause auerdem
wohlgesinnt. Diese mchti$
Achseln.
Pltzlich bra	h er aus: Du glaubst doch nicht am Ende, da ich mir aus
der Person etwas mache?
Aus welcher Person? fragte sie fremd und mit Hoheit.
Die Hnde bittend hingestreckt, wie auer sich, mit einem Mund, der ie
zerrissen aussah, trat er auf sie zu und wiederholte: Da ich mir aus
der Person nur im allermindesten etwas mache, wirst du, Mutter, doch
nicht glauben?
Dorine erhob sich und entgegnete ebenso fremd und mit ebensolcher
Hoheit: Ich wei nicht, von welcher Person du sprichst. Redest du von
der jungen Dame, von der du mir gesagt hast, da sie die Verlobte deines
Freundes ist? Wie wre das denn auch mglich? Dann wrdest du dich ja
noch niedriger stellen, als deine Meinung von ihr zu sein scheint. Sie
ma ihn von oben bis nten. Nein, Dietrich, das bist du nicht. Aber
bilde dir nicht ein, da ich schon verzichte, fgte sie mit rtselhaft
finsterem Lcheln hinzu; ich will und mu dich wieder haben.
Dait verlie sie das Zimmer.
Um neun Uhr morgens fuhr sie nach Basel. Dort vergru$
ossen sich wieder, sie senkte den Kopf und legte die
gekreuzten Hnde an die Brust.
Dietrich grte stumm und wollte den Raum verlassen. Er lenkte den
Schritt mechanisch, weil er von dort gekommen war, gegen das Boudoir.
Rust folgte ihm. Noch hatte er die Schwelle nicht erreicht, als er aus
dem abermaligen Knurren des Hundes sch,lo, da das junge Mdchen hinter
ihm ging. Er hielt die Tr offen, sie trat ein, er machte die Tr wieder
zu. Sich mit ausgestreckter Hand gegen den Neufundlnder wehrend, der
mit Groll sich wider sie stellte, sagte sie bebend: Was hat das Tier?
Ich begreife nicht, was es von mir Zill.
Ich versteh es auch nicht, antwortete Dietrich befngen; still, Rust,
Platz! gebot er. Der Hund gehorchte unwillig. Dietrich machte Licht.
Hanna ging auf und ab, lange Zeit; dann blieb sie am Fenster stehen und
schaute in die Dunkelheit hinaus. Sie trug das weie Kleid vom Tag,
darber jedoch einen venezianischen schwarzen Schal, der die schlanke,
mehr als mittelgroe Gestalt bis ber die Hften$
e fhle sich dieser Liebe
gegenber wie eine Bettlerin, die man zur Zahlung einer Schuld verhalte,
xohne da sie jemals eine Schuld aufgenommen. Ich machtde ihr Vorwrfe,
da sie ihm ein so verpflichtesndes Wort gegeben, sie antwortete
unwillig; ein Wort gab das andere; nun, und dann ...
Ein Schweigen entstand. Ich sehe, ich fange an zu sehen, sagte
Dietrich. Alles das ist wie eine schwarze Kugel, die den Abhang
hinunterrollt.
Ich will dir auch bei dieser Gelegenheit gestehen, da die Geschichte
mit dem Tagebuch Spiegelfechterei von mir war, sprach Hanna leise. Es
hat nie existiert, das Saffianheft mit den silbernen Initialen. Ich
wollte dich locken. Da ich doch arm bin, wollt ich was fr dich haben.
Es war so hbsch, wenn du mich gespannt angesehen hast. Ich htte dafr
noch ganz andere Dinge erfinden knnen. Nimmst du mirs bel?
Es war nicht rechtschaffen, sagte Dietrich betrbt, aber ich nehms
dir nicht bel, jetzt wo ich wei, wie tapfer du warst.
Sie erhob sich, nahm seinen Kopf zwischen ih$
ank, wurde dieses Stck durch das Spiel
von Sturreganz zu etwas hchst Ungewhnlichem. Katarakt von Witz;
#presto furioso# der Narrheit; Hexenswbbat von Irrtmern, komischen
Miverstndnissen, unerwarteten Wendungen, bizarren Verwicklungen; das
wuchs und schwoll an von Replik zu Replik, von Szene zu Szene und war
voller Extempores, impertinenter Anspielungen, voller Bewegung, Laune,
Schwung, Grazie und Geist. Seine Gestalt erst: der Leinenkittel mit
Riesenknpfen und unter dem Bauch geschnallten Grtel; die beredten
Hnde, die unablssigen Zuckungen des Gesichts, das Verrenken der
Glieder, die diabolische Geschwndigkeit der Zunge, das geschftige Hin-
und Herrennen, das diebische Augenblinzeln, die unverschmte
Verschmitztheit, die verstellte Unschuld, die kupplerische List, all
dies war vollkommen unwiderstehlich und von ursprnglichster Natur.
Die vornehme Zuhrerschaft lie sich anfangs an beiflligem Lcheln
gengen. Sodann begannen Damen zu kichern. Als er im ersten
Nahtquartier mit smtlichen Medikamen$
.
Wieder sah Paul Seebeck dem Kapitn fest ins Gesicht und sagte ganz
Ich habe mein Motorboot, mein Zelt und Konserven fr zwei Monate. Ich
werde Sie bitten, mir drei gewhnliche Feuerwerksraketen zu geben. Sie
haben sie ja an Bord zur Unterhaltung Ihres Publikums. Wir machen das
Motorboot mit alem Inhalt klar, so da wir es in einigen Minuten ins
Wasser setzen knnen. Wir kommen ja dicht an der Insel vorbei. Sobald
wir vom Schiffe aus einen Landungsplatz sehen, setzen Sie mich ins
Wasser. Sie sind dann so liebenswrdig, mit halber Kraft
witerzufahren. Komme ich glcklich ans Land, lasse ich alle drei
Raketen aufsteigen, und Sie dampfen ruhig weiter. Ich verspreche Ihnen,
es erst dann zu tun, wenn ich heil und gesund am Lande bin. Lasse ich
nur zwei Raketen steigen, bedeutet das, da ich nicht landen kann und
Sie auf mich warten mssen. Eine Rakete allein heit, da ich in Gefahr
bin, und Sie mir ein Boot zu Hilfe schicken mssen. Einverstanden?
Ja, unter der Bedigung, da Sie sich vom Schiff noch so vie$
iegt der Wert meines Abenteuertums gerade
darin, da ich nur groe Dinge entdecken kann, nicht Kleinigkeiten
untersuchen. Ich kann nur die groen Dinge sehen und rume dann gern das
Feld dem Gelehrten, der dann nach Herzenslust messen und forschen mag.
Schon am erstenv Tage in Sidney, wo ich in der Bibliothek der
Geographischen Gesellschaft sa und mir das ganze Material durchsah,
sank mir der Mut. Ich sah wohl, da da noch unendlich viel zu tun war,
aber fast nichts fr mich.
Ich unternahm die Expedition trotzdem - ich war ja dazu verpflichtet -
aber ohne Freude. Dadurch kam auch das Sprunghafte, Unsichere herein,
das manche Zeitungen mit Recht gergt haben, und kehrte vorzeitig
Ich las in der Zeitung, da die furchtbaren Strme und
berschwemmungen, die der groen Flutwelle folgten, Sie zur Rckkehr
gezwungen htten.
Ich nahm das mehr als Vorwand. Htte ich ernstlich gewollt, htte ich
schon dort bleiben knnen. Ich kehrte aber nach Sidney zurck.
Ja, dann ah ich vom Dampfer aus meine Insel, deren E$
nbestimmbaren oder unsicheren Berufes, die erst hier ihr wirkliches
Vaterland wuten. -
Es ergab sich von selbst, da die sieben Grnder icht mehr wie frher
selbst Hand an alle Arbeit legen konnten: Organisation und Leitung nahm
ihre Zeit und ihre Krftevllig in Anspruch. Hauptmann a. D. von Rochow
bernahm die Leitung beim Bau der Strae und der ffentlichen Anlagen;
Edgar Allan hatte Tag und Nacht als Architekt zu tun; Otto Meyer hatte
einen Teil von Jakob Silberlands Ttigkeit bernommen, der nur noch die
Rechnungssachen versah, und Paul Seebeck hatte mit der Oberleiung und
persnlicher Inanspruchnahme durch die Kolonisten mehr als genug zu tun.
Nechlidow und Melchior wren den andern als Assistenten willkommen
gewesen; beide erklrten aber ein fr allemal, da sie einfache Arbeiter
bleiben wollten.
Bei der fieberhaften Ttigkeit entstand schnell Haus auf Haus, und froh
vertauschte man Schuppen oder Zelt mit dem festen Dache. Damit wurden
auch immer mehr Krfte frei, so da in immer grerem Mastabe an$
 da alles, darber werde ich
nachdenken. Aber ich glaube, Sie haben Recht, eine Herren.
Na also, sagte Otto Myer und unterdrckte ein Ghnen.
Melchior war dicht an ihn herangetreten.
Aber ich begreife die Menschen noch nicht, mit denen ich jetzt
jahrelang tagtglich zusammenarbeite. Wre es nichtbesser, solange bei
ihnen zu bleiben, bis ich wirklich die Gesetze ihres Lebens kennte?
Otto Meyer machte ein nachdenkliches Gesicht:
Vielleicht, ja wahrscheinlich, werden Sie die Sache dann gerade besser
verstehen knnen, wenn Sie etwas Abstand gewinnen. Sie knnen ja dann
spter mit neuen Gesichtspunkten an dieselben Probleme gehen.
Melchior setzte sich wieder und starrte vor sich hin. Dann hob er die
Augen und sah den blonden Juden an.
Sehen Sie\ Herr Referendar, sagte er langsam, deswegen kam ich zu
Ihnen. Ich wollte Sie um Ihre Meinung fragen. Sie erinnern sich doch
gewi noch an jene Gesprche, besonders an das letzte, wo Herr Edgar
Allan seine Theorie vortrug. Sie haben natrlich auch darber
nachged$
d darauf veranlassten die ersten ankmmlinge ihre freunde und
stammverwandten zur nachfolge. Diese kamen: Jten,[30] Sachsen und
Angeln. Die Jten liessen sich in Kent und auf der insel Wight, die
Sachsen in Wessex, Essex, Middlesex und Sussex, die Angeln in Ostangeln,
Mittelangeln oder Mercia und im ganzen norden nieder.
    [Footnote 29: Eine zurckfhrung deser fabelhaften geschichte,
    worin Gurthrigern wahrscheinlich mit dem Rmer Gerontius
    verwechselt wird, auf historische thatsachen findet sich in Sharon
    Turner's Hist. of the Anglo-Saxns. Vol. I. Book I. chap. 7.]
    [Footnote 30: Die jtische niederlassung in Kent und Wight, welche
    die frheste der germanischen stmme gewesen sein soll, ist
    indessen sehr angezweifelt worden, obwohl Beda ud nach ihm die
    sachsenchronik ausdrcklich von den Jten in Kent sprechen:
    Of Iotum comon Cantware and Wihtware, tht is seo miadh, the
    nu eardath on Wiht, and tht cynn on West-Seaxum dhe man gyt ht
    Jutnacynn, (von den Jten ka$
ntersuchungen ber die germanischen
    pnitentialbcher. 8. Wrzburg, 1851. Seite 65 ff. und
    Wasserschleben in den bussordnungen der abendlndischen kirche.
    8. Halle, 1851. Seite 37 ff., auf quellenstudium und vergleichung
    vieler handschriften gesttzt, ber das Egbert'sche beicht-
    und bussbuch sagen, woraus mit ziemlicher gewissheit hervorgeht,
    dass das ganze nicht auf Egbert zurckzufhren, mindestens als
    eine sehr berarbeitete zusammenstellung mehrerer lterer
    beicht- und bussordnungen, worunter sich auch eine Egbert'sche
    arbeit befinden mag, zu betrachten sei.]
Ein Angelsachse war es, welcher das christenthum seinen heidnischen
sammverwandten in Deutschland zu briygen versuchte, nachdem Wilfred,
634 bis 709, den letzten germanischen stamm in England, die Sdsachsen,
681 zr neuen lehre bekehrt hatte. Dieser erste angelschsische apostel,
welcher sein leben der bekehrung der Deutschen am Unterrhein und in
Friesland widmete, war _Wilbrod_, gestorben 38. In seine fussstapf$
leaw.
  Modes crfta.
  sum Mgen-strengo.
      weltlicher schtze;
      einer isq ein bedrftger,
      schwerseliger mensch,
      ist dennoch kundig
      der geisteskrfte;
      einer gewaltige kraft,
  Furor onFeh.
  sum Freolic bi.
  Wlitig on Wstmum.
  sum bi Wo-bora.
  Giedda Giffst.
  sum bi Gearu-wyrdig.
      hhere empfngt;
      einer ist frhlich,
      schn an gestalt;
      einer ist ein dichter,
      der lieder fhig;
      einer ist wortebereit;
  sum bi on Huntoe.
  Hre-eadigra.
  Deora Drfend.
  sum Dyre bi.
  Woruld-ricum men.
  sumbi Wges heard.
      einer ist auf der jagd
      wildhafter
      thiere ein drnger;
      einer ist theuer
      welt-mchtigen mnnern;
      einer ist ein kampfharter,
  Beado-crftig Beorn.
  r Bord stuna.
  sum in Mdle Mg.
  Mod-snottera.
  Folc-rdenne.
  For gehycgan.
      kriegskundiger mann,
      wo der schild tnt;
      einer im rathe kann
      der klugen
      volksgesetze
      ausdenken,
  r Witena bi.
  Worn tso$
fe in das Angelschsische bersetzte. Wulfstan
selbst schrieb einen hirtenbrief an da volk seiner kirchenprovinz,
welcher erhalten und auf uns gekommen ist. Ausserdem schrieb er eine
anzahl angelschsischer predigten, welche unter dem namen des Lupus
Episcopus bekannt sind. Die merkwrdigste diese homilien ist im jahre
1012, vier jahre vor dem tode Athelred's verfasst und trgt im
manuscript die berschrift: Sermo Lupi ad Anglos, quando Dani maxime
persecuti sunt eos.[103]
    [Footnote 103: Am letzt angefhrten orte seite 505 ff., woher auch
    die sprachprobe genommen ist.]
+Aus der angefhrten Predigt.+
  For-am hit is on us eallum swutol and ge-sene, t we r ysan oftor
  brcon onne we betton, and y is ysse eode fela onsge: Ne dohte
  hit nu lange inne ne ute: ac ws hAre and hunger, bryne, and blodgyte
  on ge-wel hwylcum ende oft and ge-lome; and us stalu and cwalu, stric
  and steorfa, orf-cwealm and uncou, hol and hete and rypera reaflac
  derede swye earle, and us ungylda swye ge-drehton$
en lebensverhltnissen der schriftsteiler und dem
stoffe ihrer werke richtet.
Durch diese mischung und gegenseitige durchdringung beider idiome
entstand allmlig jene sprache, welche wir Englisch nennen, und welch
mit ausnahme einiger formen der declination des nomens und pronomens,
der conjugation des verbs, der comparation des adjectivs und adverbs nur
noch trmmer der alten angelschsischen grammatik zeigt, aber in ihrer
einfachen construction der meist beugungslosen wrter vorzglich
geschickt war, fremdwrter aller art ohne schwierigkeit in sich
au<zunehmen und sich zu assimiliren.[169]
    [Footnote 169: Fr diese zeit des schwankens und gegenseitigen
    durchdringens der angelschsischen und franzsischen elemente,
    ehe die neue mischsprache, das Englische, zu einiger festigkeit
    gelangte, besitzen wir ein werthvolles, wenn auch noch
    unvollstndiges, vielleicht auch hin und her fehlerhaftes
    wrterbuch, welches auf dem festlande wenig bekannt zu sein
    scheint: A wictionary of archaic $
s | to fa|shin:
  But th' Earth | herself, | of her | own[)e] mo|tin,
  Out of | her fruit|ful bo|som mad[)e] | to grow[)e]
  Most dain|ty trees; | that, shoot|ing up | anon,
  Did seem | to bow | theirbloom|ing heads | full low[)e],
  For ho|mage un|to her, | and lik[)e] | a thron[)e] | to shew.
Die wrter pavilin, fashin, motin mssen einen um so strkeren accent
auf der endsylbe haben, da diese die reimsylbe zu dem auf der zweiten
sylbe scharf betonten anon ist.
Was die wrter angelschsischer abkunft anlangt, so hat namentlich das
participauf ing bei Chaucer gewhnlich diese sylbe accentuirt. Diese
selbe erscheinung findet sich bei seinen zeitgenossen und nachfolgern
whrend des 15. jahrhunderts, ja spuren dieser eigenthmlchen
accentuation begegnet man sogar noch bei Spenser gegen ende des 16.
jahrhunderts, z.b. in seiner Fairy Queen Book VII. Canto 7.
  Seekng | for right, which I of hee entreat.
  Dammnng | all wrong and tortious injury.
  Ridng | together both with equal pace.
Ferner sind die $
eine Aufgaben in reichem Mae fr die
Knstler darboten. Anders die _Bildhauerschule Siena's_, welche sich an
die Thtigkeit von Niccolo und Giovanni Pisano in Siena anschliet und,
Dank dem politischen Aufschwunge der Stadt seit dem Ende des XIII.
Jahrh., eine ebenso reiche Entwickelung aufzuweisen hat, wie di
gleichzeitige florentiner Schule: in der Heimat fast gar nicht
beschftigt, wenden sich die Sieneser Knstler nach auen und sind in
Mi8tel- und Sditalien in umfangreicher und mannigfaltiger Weise thtig
gewesen. Ihren Charakter behalten sie aber auch hier im Wesentlichen
Die sienische Plastik des Trecento hat die hervorrgenden
Eigentmlichkeiten mit der sienischen Malerei gemein, zeigt aber gerade
die Schwchen der letzteren in besonders starkem Mae. Da den Bildwerken
die malerische Wirkung der Gemlde durch den glnzenden, zierlich
gearbeiteten Goldgrund, zumal bei ihrer jetzigen Farblosigkeit, abgeht,
so machen sich hier der Mangel an Gre der Auffassung wie an
Monumentalitt in Aufbau und Anord$
doch haben sie wohl, mit
Ausnahme des letzteren, ihre Altre und Grabmonumente in ihrer Heimat
ausgefhrt. Die Reliefs und Statuen am Triumphbogen haben mehr oder
weniger den Charakter der gleichzeitigen rmischen Arbeiten, mit
Ausnahme von zwei ganz Donatelloartigen Putten, die auf Desiderio
zurckzugehen scheinen. Am Portal des Kirchleins Sta. Barbara tritt,
neben _Giulian da Majano_ (von dem die kleinen Architravreliefs im
Charakter seines Bruders Benedetto herrhren), in der Madonnenstatue
(1474) ein Knstler auf, der ein Wanderleben an den Hfen Italiens
fhrte, der Dalmatiner _Francesco Laurana_ (oder Lavrana). Der Knstler
war damals von Palermo g2ekommen, und hier in Sicilien hat er auch, in
Verbindung mit ener Knstlerfamilie lombardischer Herkunft, den Gagini,
eine nicht unbedeutende plastische Thtigkeit angeregt, die sich,
namentlich in Palermo, nahezu ein halbes Jahrhundert lang stetig
Laurana ht in Palermo verschiedene Madonnenstatuen, hnlich der in
Neapel, und den Reliefschmuck einer Kapelle $
g, weg! bellte der Kettenhund. Ich bin ein Hndchen gewesen, klein
und niedlich, sagten sie. Damals lag ich drinnen im Schlosse auf einem
Sammetstuhle, lag auf dem Schooe der Herrin. Ich hie der Hbscheste,
der Schnfu. Dann wurde ich der Herrschaft zu gro und sie gaben mich
deshalb der Haushlterin. Ich kam in die Kellerwohnung; von dort, wo du
steht, kannst du gerde in die Kammer hineinsehen, in der ich die
Herrschaft gewesen bin, denn das war ich bei der Haushlterin. Es war
wohl ein geringerer Platz als oben, aber hier war es behaglicher. Ich
wurde nicht wie oben von den Kindern gedrckt und mit umhergeschleppt.
Ich hatte eben so gutes Futter wie zuvor und weit mehr. Ich hatte mein
eigenes Kissen, und ferner gab es dort einen Ofen, der doch, namentlich
in jetziger Zeit, das Schnste in der Welt ist! Ich kroch vllig unter
ihn, so da ich ganz verschwand. O, von diesem Kachelofen trume ich
noch jetzt! Weg, weg!
Sieht ein Kachelofen denn so schn aus? fragt der Schneemann. hnelt
Er ist de$
dchen auf ihren Arm und
hoch schwebten sie empor in Glanz und Freude; Klte, Hunger und Angst
wichen von ihm -- sie waren bei Gott.
Aber im Winkel am Hause sa in der kalten Morgenstunde das kleine
Mdchen mit roten Wangen, mit Lcheln um den Mund -- tot, erfroren am
letzten Tage des alten Jahres. Der Morgen des neuen Jahres ging ber der
kleinen Leiche auf, welche mit den Schwefelhlzern, wovon fast ein
Schchtelchen verbrannt war, dasa. Sie hat sich wrmen wollen! sagte
man. Niemand wute, was sie Schnes gesehen hatte, in welchem Glanze sie
mit der alten Gromutter zur Neujahrsfreude eingeangen war.
Die wilden Schwne.
  [Abbildungen/Illustrations: pic57.jpg, tafel4.jpg]
Weit von hier, dort, wohin die Schwalben fliegen, ehe unser Winter
eintritt,Xlebte ein Knig, der hatte elf Shne und eine Tochter, _Elise_
genannt. Die elf Prinzen gingen stets mit einem Stern auf der Brust und
dm Sbel an der Seite zur Schule. Sie schrieben mit Diamantgriffeln auf
goldenen Tafeln. Ihre Schwester Elise sa auf einem S$
n sie ihr zu und sagten: Das war recht, da du kamst, Karen! --
Das war Gnade! erwiderte sie.
Und die Orgel klang und der Chor der Kinderstimmen tnte mild und
lieblich. Der klare Sonnenschein strmte warm durch das Fenster in den
Kirchenstuhl, in welchem Karen sa. Ihr Herz war so voller Sonnenschein,
Friede un'd Freude, da es brach. Auf den Sonnenstrahlen flog ihre Seele
zu Gott und vor seinem Thron war niemand, der nach den roten Schuhen
       *       *       *       *       *
In demselben Verlage und in eleganter AQusstattung sind erschienen:
=Beliebte, reich illustrierte Mrchenbcher.+
+Arndt, Paul, Es war einmal.+ Eine Sammlung der schnsten Mrchen,
    Sagen und Schwnke. Mit 6 Farbdruckbildern von _E. Klimsch_ und
    _C. Offterdinger_, sowie 12 Tonbildern und 116 Textillustrationen
    von _F. Bergen_, _W. Claudius_, _F. Flinzer_ &c. Ein Starker Band
    in 8o. 5. Aufl. In feinem Kalikoband 3 Mk. (Die _halbe_ Ausgabe
    unter dem Titel: _Im Mrchenwalde_, mit 3 Bunt-, 6 Ton- und 60
    Te$
 Oberhessisches Woerterbuch.
Liefg. 3-4. 1899. 8. -- *Deventer.* _Vereeniging tot beoefening van
Overysselsch regt en geschiedenis_: de Hullu, Bescheiden betreffende de
hervorming in Oyeryssel. 1899. 8. -- *Emden.* _Naturforschende
Gesellschaft_: 833-84. Jahresbericht. 1897/99. 1899. 8. -- *Frankenthal.*
_Altertumsverein_: Kraus, Die Marken (Fabrikzeichen) der
Porzellanmanufaktur in Frankenthal. (1756-1800.) 1899. 8. -- *Goerlitz.*
_Oberlausitzische Gesellschaft d. Wissenschaften_: Neues Lausitzisches
Magazin Bd. 75. H. 2. 1899. 8. -- *Greifswald.* _Universitaet_: Verzeichnis
der Vorlesungen. S.S 1900. 1900. 8. -- *Hamburg.* _Direktorium der
Stadtbibliothek_: Druckschriften der Hamburgischen wissenschaftl.
Anstalten im Jahr 1898. 4 u. 8. _Verein fuer Hamburgische Geschichte_:
Mitteilungen XIX. 1898/99. 1900. 8. -- *Heidelberg.*
_Universitaetsbibliothek_: Osthoff, Vom Suppletivwesen der indogermanischen
Sprachen. Rede. 1899. 4. Rob. Wilh. Bunsen. Ein akademisches Gedenkblatt.
1900. 4. _Historisch-philosoph.$
, 1 m.
*Feucht.* Lehner, Bezirksterarzt, in Parsberg 1 m. (ab 1899). *Freiberg.*
Horschig, Kommerzienrat, 3 m. *Gerabronn.* Krafft, Stadtschultheiss, 2 m.;
Otterbach, Dr. med., in Niederstetten 1 m.; Ragg, fuerstl. Assessor, in
Bartenstein 1 m.; Schaller, Apotheker, in Langenburg 1 m.; Weihenmaier,
Amtmann, 1 m.; Wellhaeuser, Postexpeditor, in Langenburg 1 m. *Goerlitz.*
von Koschitzky, Hauptmann a. D., 1 m. (von 1898) ab); von Rabenau, Dr.
phil., 1 m. (ab 1899). *Haen i. Westf.* Westerfroelke, Oberlehrer, 3 m.
*Halberstadt.* Dr. Oehler, I. Buergermeister, 3 m. *Hall (Schwaeb.).* Hauber,
Stadtschultheiss, 2 m. *Heilsbronn.* Eduard Abendroth, kgl. Rentamtmann, 1
.; Ebner von Eschenbach, Frhr., kgl. Amtsrichter, 2 m. *Hermannstadt.* H.
Horedt,stud. chem. et ph., 2 m. *Jena.* Dr. L. Knorr, Professor, 10 m.;
A. Leitzmann, Dr., Professor, 3 m.; Maurer, Garteninspektor, 3 m.; Dr.
Pauly, Fabrikdirektor a. D., 10 m.; Dr. M. v. Rohr, 3 m.; Dr. Schloesser,
Privatdozent, 10 m.; Dr. O. Schott, Chemiker, 6 m.; Dr. Lucas $
skulpierten
Schlusteinen. Umbau fr Emporen 1714.
_ALEXANDERBAD._ OFranken BA Wunsiedel.
*Brunnenhaus* 1782 von _Riedel_ nach franzsischer Bauart.
_ALITZHEIM._ UFranken BA Gerolzhofen.
*Dorf-K*. Got. Turm; Lhs. 1733. Gute Rok.-Einrichtung. Im Dorf
_Bildstcke_ von 1581, 1682 und um 1750 (gut).
_ALKERSLEBEN._ Schwarzb.-Sondersh, LA Arnstadt.
*Dorf-K.* westl. Teil 12. (?) Jh., stl. Teil sptgot. 16. Jh.
_ALLENDORF_ b. Ober-Rottenbach Schwarzburg.-Rudolst.
*Dorf-K.* _Schnitzaltar_ der Schule von Erfurt (?) M. 14. Jh. Ein
_gleicher_ aus der Schule von Saalfeld 1485, Flgel beiderseitig bemalt.
_ALLENDORF_ a. Werlra. RB Cassel Kr. Witzenhausen.
*Stadt-K.* 1. H. 14. Jh. Ursp. 2sch. Halle, nach Brand 1637, bei welchem
Gwb. und Pfll. zerstrt wurden (Anschlu de Kappen an die Schildwand noch
sichtbar), 1sch. mit flacher Holzdecke hergestellt. Der 5/8Chor aus der
Mittelachse nach S abgerckt. Glockenturm in der Flucht der WFassade
nrdl. am Sch. bez. 1427. 189 durch _Schnermark_ restauriert.
*Wohnhuser* nach $
bar. -- Haus no 380 frgot. Giebelbau. -- *Zehnthof* von
S. Burkard in Wrzburg 1574. -- An mehrerenHusern steinerne _Marien-_ und
_Heiligenstatuen_ 16.-18. Jh. Got. _Bildstcke_.
_HEILGERSDORF._ UFranken BA Ebern.
*Pfarr-K.* Sandstein-_Epitaphe_ der Stein-Lichtenstein, M. bis E. 16. Jh.
*Schlo* nach 1700, 3flgelig mit 2 Geschossen.
_HEILIGENKREUZ_ b. Meien. K. Sachsen.
Ehem. *Benedikt.-Nonnen-Klst*. Profanierte Bruchstcke. Wesentlich rom.
Bau 1217-21. Am besten erhalten Chorquadrat mit Apsis, und Nebenapsis vom
sdl. Qsch. Au>h die Reste des WBaues sollen interessant sein. Teil der
Klostergebude, rom. Anlage mit got. Zustzen.
_HEILIGENSTADT._ OFranken BA Ebermannstadt.
*Pfarr-K.* wesentlich 1656, got. Chor, rom. Turm, sehr alter Taufstein,
Emporenbrstungen mit biblischen Bildern, Grabmler 1670, 162.
_HEILIGENSTADT._ Pr. Sachsen Kreisstadt.
*S. Marien-K.* (Stifts-K.). Stammkirche des Eichsfeldes, schon in 1. H. 9.
Jh. vorhanden. Fr die bestehende K. Geldsa]mmlungen 1276, beg. angeblich
erst 1304, $
Malerische Auenansicht.
_HERZBERG._ RB Cassel Kr. Ziegenhain.
*Schlo.* Ausgedehnte Ruine. Inschr. am alten Haus 1483, am nordwestl.
Eckturm 1486, Neubauten 1531, 1560. Neubefestigt 1643
_HERZBERG._ Pr. Sachsen Kr. Schweinitz.
*Haupt-K*. BacGstein. Got. Halle aus 14. und 15. Jh. Netz-Gwbb.
Eigentmlich die 3 verdrckten albpolygone im Chorschlu. -- Die
_Bemalung_ der Gwbb., Evangelisten, Propheten, Verkndigung, Jngstes
Gericht, hat sich gut erhalten.
_HERZOGENAURACH._ OFranken BA Hchstadt.
*Pfarr-K.* Ursp. rom. Basilika wie Mnchauach; die rom. Sulenbasen
stecken in der Erde. Durch den got. Umbau 1sch. mit hlzerner Tonnendecke.
-- _Steinskulptur_ 15. Jh. betender Tempelritter. -- Got.
_Sakramentshuschen_.
2 ansehnliche *Tortrme*.
_HESSBERG._ Sachsen-Meiningen Kr. Hildburghausen.
*Dorf-K.* Der quadr. turmtragende Chor 1425, 1sch. Lhs. 16. Jh. --
_Taufstein_ gemischt got. und renss. -- _Grabsteine_ der Familie v.
_HESSENSTEIN._ RB Cassel Kr. Frankenberg.
*Schlo.* Gegr. 1342. Ziemlich gut erhalten.
$
r Kuppel und Laterne in
der Mitte der flachen Decke.
*Bettenhuser K*. 1792. Saalbau. Turm mit Schweifhaube.
*Hospital S. Elisabeth mit K*. Gegr. 1383, erneuert 1587.
_Sandsteinstatue_ der h. Elisabeth 15. Jh. in Renss. Nische.
*Renthof*. Einfacher groer Renss.Bau 1581-1618. Mehrere reich
durchgebildete Portale und ein _Brunnen_ mit sitzender Statue in rmischer
Feldherrntracht. Im Innern sprliche Reste alter Bemalung.
*Marstall,* voll. 1585. Vierflgelanlage mit Volutengiebel. Teppentrme
in den Ecken des Binnenhofes.
*Zeughaus* 1573-1583, ansehnlicher Massenbau, an einigen Stellen reiche
Wappensteine. Portale an der Hauptfront 1766.
*Druselturm* und *Zwehrenturm*, Reste der von Ldgrf. Ludwig I. 1415
angelegten Stadtbefestigung.
Sog. *Kunsthaus,* ursp. als Schauspielhaus erb. 1594 fr Ldgrf. Moritz den
Gelehrten, umgebaut 1696 von _Paul Du Ry_.
*Orangerieschlo* 1701-1711 von Ldgrf. Carl nach italienischen
Reiseerinnerungen; jedoch ist die spezielle Stilerscheinung des malerisch
empfundenen, im einzelne$
infacher Bau von 1640.
Ehem. *Zehenthaus.* Mit originellen Schnitzereien. 17. Jh.
Reste der alten *Befestigung*.
*Sebastians-Kapelle.* Erb. 1636. Gute _Holzfigur_ des hl. Sebastian A. 16.
Jh. Sehr originelle Darstellung des _Abendmahls_ mit 30 cm hohen
Holzfigrchen, M.#15. Jh.
_NORDSHAUSEN._ RB Cassel Kr. Cassel.
Ehem. *Cisterc.-Nonnen-Klst.* Die Kirche 1sch. mit 5 Kreuzgwbb. ohne
charakterisierten Chor. Die 2 westl. Joche frhest got., noch M. 13. Jh.,
die u3 stl. spgot. 15. Jh.; ehemals im W Nonnenemporen. Der WTurm lter
als die K., anscheinend Wehrbau.
_NOSCHKOWITZ._ K. Sachsen AH Dbeln{.
*Schlo.* Wesentlich 17 Jh. Stattliche Anlage, in den Kunstformen
_NOSSEN._ K. Sachsen AH Meien.
*Kirche* 1719, von Interesse die eingebauten Portale aus Kloster
Altenzelle, sprom. um 1230, gleichzeitig, doch in verschiedenen
Schultraditionen, das mit offenem Bogenfeld aus thringischer, das andere
aus frnkischer Tradition.
*Schlo.* 1185 erste Nennung; 1512 der Trakt gegen NO; 1556 das alte
Haus mit sehr gut beha$
ssive Mauer
ausgefhrt, nur gegen das Qsch. mit einer kleineren Doppelarkade geffnet.
Der zwischen diesen OTrmen liegede Abschnitt des Msch. war gegen die
Gemeinde-K. durch eine Bogenstellung abgeschlossen (Vorform des Lettners).
-- Das Lhs. hat jederseits 6 Pfll. in auffallend dichter Stellung. Ihr Gr.
ist oblong mit 6 Dreiviertelsulen besetzt, davon 4 an den Ecken und je 1
unter dem Scheidbogen, wodurch die Gesamtform einen gestreckten Gr.
erhlt. Das Profil der Scheidbgg. im Anschlu an die Pfeilergliederung aus
3 Wulsten und Rcksprngen zusammengesetzt. Reich gegliederte Sockel, di
eingebundenen Sll. jede mit eigener Basis und eigenem Wrfelkapitellchen,
einzelne jedoch mit vegetabilischem Schmuck, welcher ebenso wie die
Palmettendekoration des Gurtgesimses der Nordwand erst nach 1200
ausgefhrt sein kann. Der baugeschichtliche Vorgang ist hier unklar. -- Im
W ist dem Msch. eine 4 m starke Mauermasse vorgelegt, in welchedie
Portalnische eingreift; das Gewnde abgetreppt und jederseits mit 4 Sll.
bese$
 Chortreppen fhrten. Seine
Laubdekoration ist die ursprngliche; die in den Zwickeln befindlichen
Halbfiguren von Kain und Abel haben diesen Platz erst bei der letzten
Rest. erhalten; vorher gehrten sie zur Kanzel (Abb. bei Puttrich). Die
zwite Hhenabteilung enthielt unter dem groen Mittelbogen, jetzt mit
modernem Relief ausgestattet, wahrscheinlich die Kanzel; zu deren beiden
Seiten in Wandnischen 4 Gestalten des Alten Testaments (Daniel und David,
Absalom und ein ungewisser Prophet). Die Gegenstnde der Kanzelreliefs
sind: an der Front Chr"istus in der Glori umgeben von den
Evangelistenzeichen und begleitet von Maria und Johannes d. T. (Dusis);
an der linken Schmalseite die eherne Schlange, an der rechten Isaaks
Opferung; die oben genannten Halbfiguren Abels und Kains sowie zwei
Halbfiguren von Engeln werden schicklich auf die Zwickel der Bgen
verteilt, von denen man die Kanzel getragen denken mu. Die Kanzelbrstung
hatte ursp. polyg. Gr., so da die Seitenfelder mit Maria und Johannes in
stumpfem $
 machen. Sie werden damit den Dank aller anderen Mitbenutzer sich
Aus den zahlreichen im Laufe der Jahre mir muendlich oder schriftlich
zugegangenen Beurteilungen entnehme ich, dass die Einrichtung des Buches
sich bewaehrt hat, sie konnte somit ohne wesentliche Veraenderungen in die
neue Auflage heruebergenommen werdeni. Vor allem hat es Zustimmung gefunden,
dass das Handbuch unter Verzicht auf Vollstaendigmeit, die ein Vorrecht der
amtlichen Inventare bleibe'n muss, nur Sichtung und Auswahl gibt. Welche
Gegenstaende aufzunehmen, welche auszuschliessen seien, das wird immer
erneuter Ueberlegung beduerfen, und ich bitte, auch in dieser Hinsicht mir
mit Ratschlaegen fernerhin zu Hilfe zu kommen. Keinesfalls sollte der
bishe erreichte Umfang der einzelnen Baende in Zukunft wesentlich
anschwellen duerfen.
Wenn dieses bei dem vorliegenden ersten Bande einigermassen dennoch
eingetreten ist, so ist es eine Folge des gerade hier sehr starken
Nachschubs der Inventare. Zur Zeit der ersten Auflage waren etwa zwei
Fuenft$
em. Dorf-K.* (ausser Gebrauch). Erb. 1561. Seltenes Beispiel einer
intakten Renss.-Kirche kleinen Massstabes.
*Burgruine.* Das maechtige, weithin sichtbar gelegene Stammschloss der Stein
zum Altenstein. Zeitweise Sitz von 7 Einzelfamilien. In dem von einem
tiefen Graben umschlossenen Mauerring noch grosse Reste einer starken
Renss.-Befestigung (2 grosse Tortuerme), sowie ein maechtiger sprom.
Bergfried (quadratisch, mit Bossenquadern; 13. Jh.), ferner Fragmente der
stattlichJn Burgkapelle aus 2. H. 15. Jh.
_ALTENSTEI^._ RB Cassel Kr. Melsungen.
*Ehem. Schloss*, jetzt Foersterhaus. Die aeltesten Teile der Ruine nach 1438.
Wohnbau bez. 1620.
_ALTERSHAUSEN._ Sachsen-KoburgLA Coburg.
*Dorf-K.* Spgot. Anlage, 1sch. mit quadr. turmtragendem Chor.
_ALTHAUSEN._ UFranken. BA Koenigshofen.
*Dorf-K.* Chor im OTurm, mittelalterlich, 1573 erhoeht; Langhaus 1693. --
_Deckengemaelde_ (Triumph des Kreuzes) von _Joh. Peter Herrlein_, gegen
_ALTHOeRNITZ._ K. Sachsen AH Zittau.
*Schloss* 1650-54 von Meister _Valentin_ in Zitt$
* 1611, veraendert 1901. Sehr guter _Grabstein_ 1493; andere 16.
u. 17. Jh. -- _Hochaltar_ um 1700 mit guten _Holzfigg_. vom spaetgot. Altare
(nach 1500).
_BALGSTEDT A. U._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt.
*Dorf-K.* Rom. Turm it gepaarten Fenstern. Schiff abgebrochen und im o8.
Jh. im W des Turms neu errichtet. -- _Glocke_ 1311.
_BAMBERG._ OFranken. BAmtsstadt.
*Dom S. Peter u. S. Georg*. Gruendungsbau Kaiser Heinrichs II. 1004-1012;
Brand 1081, der nur die Mauern stehen liess, darauf Rest. und zweite Weihe
1111; neuer Brand 1185; Umfang des Schadens und Beginn der Erneuerung
icht bekannt; 1231 der Ostchor noch nicht fertig; 1237 Weihe, aber noch
nicht voelliger Abschluss der Arbeiten. -- Der gegenwaertige Bau ist ein Werk
des 13. Jh. auf dem Grundriss des fruehen 11. Jh.; ob und wieviel aufgehende
Mauerteile aus der Zeit vor 1185 i den Neubau hinuebergenommen, ist noch
nicht sicher festgestellt. Masse in runden Zahlen: ganze innere L. 95 m,
Br. 28,50 m, H. 25,50 m. Gr. regelmaessig kreuzfoermig mit der Abweichung,$
spgot. Chor. Das
Gwb. in kunstvollen "gewundenen Reihungen", an den Schlusssteinen die
Wappen der Fuerstbischoefe Lorenz v. Bibra (1493-1519) und Konrad v. Thuengen
(1519-40). -- Der Juliusbau nach neuem Plan und in groesserem Massstab (aus
den Akten geht nicht hervor, welchem der mehreren Werkmeister der Entwurf
zukommt). Qsch. 32 m l., 10,5 m br.; Lhs. 1sch. 20 m. l., 11,5 m br. Der
Raumeindruck dem eines Zentralbaues sich naehernd, in seiner bequemen Weite
renss.-maessig. Decke Tonnengwb. mit got. gewundenen Reihungen auf
Renss.Pilastern. Die Moenchsempore im noerdl. Qsch. 1659 eingebaut. --
Aeusseres: Verputzbau mit Quaderecken. Die Formen got. in den spitzbg.
Fenstern mit Fischblasenmasswerk und den abgetreppten Strebepfeilern,
renss. in den Gesimsen und dem schweren Giebelschmuck. Die WFront gibt
eine grosse glatte Flaeche als Folie fuer einen der prunkvollsten Portalbaue.
Dieser in frba. Formcharakter, von _Mich. Kern_ 1611-13. Um die nicht
grossoe rundbg. Tueroeffnung eine kolossale Rahmenarchitekt$
 beiden Haelften
vermitteln (1896 wurde er u 2 m vorgerueckt). Dasjetzt das Erdgeschoss des
Hausmannsturms durchbrechende Gruene Tor nach 1691. Aus der Zeit Moritzens
stammen die in die Winkel des Hofes verlegten grossen Treppentuerme
("Schnecken") aus dem 8Eck mit rundem Oberbau, und die ihnen zunaechst
liegenden Zwerchhaeuser. Nur die Schnecken und der Altan haben architekt.
Gliederung; die sonstige Fassade ist glatter Verputzbau; die sie
schmueckende sehr reiche Sgraffitomalerei (von den Italienern _Ricchini_
und _de Thola_) ist verschwunden. m Altan die erste Bruestung mit Reliefs,
wohl von _Hans Walther_. -- Das Tor an der Schlossstrasse 1589; kraeftige
Rustikasaeulen dorischer Ordnug tragen einen Metopenfries; der Aufsatz
umgestaltet. Der _Kleine Schlosshof_ 1592 von _Paul Buchner_ in derber
deutscher Renss. Der Durchgang zum Grossen Hof nebst Portal in vornehmeren
Barockformen 1682. -- Von der _inneren Einrichtung_ der aelteren Teile ist
infolge von Braenden und Umbauten wenig uebrig: Die Deckenmalerei$
m. Missionskapelle; got.
und bar. veraendert.
_GROSSSEDLITZ_ s. Sedlitz.
_GROSSSTECHAU._ Sachsen-Altenburg LA Altenburg.
Huebsche spgot. *Dorf-K*.
_GROSSTHIEMING._ Pr. Sachsen Kr. Liebenwerd.
*Dorf-K.* 1sch. mit 3seit. got. Chor und 8Eckturm von 1629. -- Guter
_Renss.Altar_ mit Gemaelde um 1620.
_GROSSWALBUR._ Sachsen-Coburg LA Coburg.
*Dorf-K.* Der rom. Chorturm mit spgot. Achteckaufsatz und bar. Helm steht
seit der Erweiterung von 1477 in der Mitte; da:s Lhs. noch einmal 1748
erneuert. -- Huebsche spgot. _Sakramentsnische_. _Kanzel_ 1538. Mehrere gute
_Kelche_ aus 17. Jh.
_GROSSWEITZSCHEN._ K. Sachsen AH Doebeln.
*Dorf-K.* Der WTurm rom., alles uebrige stillos vebaut. -- [_Schnitzaltar_
aus 16. Jh. im Dresdener Altert.-Ver.]
_GROSSWENKHEIM._ UFranken BA Kissingen.
*Dorf-K.* Turm fruehes 15. Jh. irche 1769-72. _Deckenbild_ von _J. P.
Herrlein_. Pietas aus Gussstein 1. H. 15. Jh. _Monstranz_ E. 16. Jh. Auf
dem Kirchhof: _Denkmal_ des letzten Abtes von Bildhausen {~DAGGER~} 1812.
_GROSSZSCHOCHER._ K. Sachsen $
.
*Pfarr-K.* Chor beg. 1389. Lhs. voll. 1461. Basilikale Anlage mit
flachgedecktem Mschiff und netzgewoelbten Sschiffen. Der Unterschied
zwischen der elastischen Hochgotik des Chores und der spielerischen,
derben Spaetgotik im Lhs. sehr bedeutend; immerhin gehoert der ganze Bau
noch zu den besseren in dieser Gegend. -- An der Aussenseite got. und renss.
_Grabsteine_, der inschriftlose mit Dreifaltigkeitsrelief wohl von _Peter
Dell d. Ae._ 3 figurenreiche _Kreuzwegreliefs_ um 1520.
Ehem. _Schloss* der Fuerstaebte von Fulda, jetzt Bezirksamt. Einheitlicmher
Umbau unter FA. Adolf von Dalberg 1727. Vier Fluegel um einen rechteckigen
Innenhof, trockenes Spaetbarock.
*Marktbrunnen*. 1541 von _Joh. Schoner_. Frische und lxakt durchgebAldete
Fruehrenss.Arbeit.
*Klst. Altstadt*. 1schiffiger Bau von 1700. Die vollen Formen der
einheitlichen Ausstattung aus der Erbauungszeit machen die harte
Innenarchitektur noch ertraeglich. Nach aussen fast ganz schmucklos.
*Schloss Saaleck*. Erstmals erwaehnt 1282. Aus 13. Jh. der ma$
and durchgefuehrten Chors 1487. 4 Joche im Laengsteil,
3/8 Schluss; Netzgwbb. mit Wappenschmuck in den Schlussste)nen und reicher
Meisselarbeit an Dienstsockeln und Konsolen; 3teilige Fenster mit reichem
Fischblasenmasswerk; hohl geschwungene Abdeckung der Strebepfll. Das Lhs.
erneuert 1558-61; hoelzerne Emporen in 2 Raengen; die Mauern niedriger als
die des Chors, der Dachfirst in gleicher Hoehe, Turm im suedoestl. Winkel. --
Der Chor diente 1451-1612 als _Begraebnisstaette_ fuer das graefliche Haus
Hanau-Muenzenberg. Die Grabsteine sind durchweg heraldisch, und es ist der
Brauch festgehalten, Wappen und Inschriftrand in Bronze auf den Steinrand
zu etzen. Einigen Grabsteinen sind Wandepitaphe beigegeben. Adriane v.
Nassau {~DAGGER~} 1477, ueberlebensgrosse, kniende Steinfigur; Philipp III. {~DAGGER~} 1561,
Standbild in flacher, von Konsolen getragener Nischen- und
Pilasbterarchit., gefaellige, doch nicht bedeutende Renss. Arbeit, im
Ornament hauptsaechlich Groteskenwerk und Anfaenge von Rollwerk; Helene von$
n Ecken korinth. Pilaster, dann Gebaelk
und Attika. Auf dem Pyramidendach zierliche Laterne in Form eines
Tempietto. Trotz der nicht bedeutenden Masse (innerer Durchmesser 15m, Hoehe
20 m) ist der Raumeindruck des Innern maechtig. Die Proportionen nach einem
genau durchgefuehrten Triangulationssystem. Die stark klassizistische
Architektur ist fuer  _Neumann_ i dieser Fruehzeit ungewoehnlich; nur die
(nicht erstklassigen) Rok.Stuckaturen in{ der Kuppel und am Gesimse zeigen,
dass wir uns am Anfange des 18. Jh. befinden. -- An der Aussenseite
ingemauertes _Rotsandsteinrelief_ des 12. Jh., aus zwei nicht
zusammengehoerigen Stuecken bestehend: Kopf eines Heiligen; Christus auf der
Eselin; Gottvater mit dem Einhorn. Die ikonographische Idee nicht recht
verstaendlich. -- _Neumanns_ Risse fuer das _Klostergebaeude_ kamen nicht zur
Ausfuehrung. Das Vorhandene unbedeutend. Eingemauerte Reste des sprom.
_HOLZZELLE._ Pr. Sachsen Mansfelder Seekreis.
*Benedikt.-Nonnen-Klst*. Duerftige Reste. Eine aeltere Zeichnung der R$
it
schmaelerem quadratischem Altarhaus, darueber Turm. Im Schiff 3 rck.
Kreuzgwbb. ohne Rippen.
_MICHELFELD._ UFranken BA Kitzingen.
*Pfarr-K.* nachgot. A. 17. Jh., OTurm 14. Jh. Emporen 1622. -- Guter
_Bildnisrafbstein_ 1626.
_MICHELSBERG._ RB Cassel Kr. Ziegenhain.
*Dorf-K.* Rom. Anlage, 1575 ueberarbeitet. 1sch. mit schmaelerem rck. Chor,
_MIEKEL._ K. Sachsen  AH Bautzen.
*Dorf-K.* 1550, mehrmals erweitert. -- Feiner und vornehmer Kanzelaltar
1686. _Grabdenkmaeler_ der v. Gersdorf, v. Loeben und v. Ponickau.
*Schloss* erbaut um 1720 von J.A. v. Ponickau; erinnert im kleinen an
Schloss Moritzburg. Kurfuerstliche _Bildnisse_ des 16. und 17. Jh.
_MIHLA._ Sachsen-Weimar VB Eisenach.
*Kirche.* Lhs. 1711-15, Turm rom. Grosses _Steinrelief_ des 14. Jh.
Christus am Kreuz, an einer Sakramentsnische, gestiftet von Friedrich v.
Wangenheim, durch die Empore zum Teil verdeckt. Geschnitzter _Qluegelaltar_
E. 15. Jh., eines der groessten Altarwerke Thueringens. Recht gute
Schnitzereien auf Goldgrund. Im Mittelfeld die Kr$
ter, origineller Kontur durch ds grosse geschweifte Dach mit
Zentraltuermchen. Entstellende juengere Anbauten.
*Haus Sorgenfrei* 1786 mit bmkw. Gartenhaus.
*Meinholds Weinberg*.
_OBERMASSFELD._ Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen.
*Kirche* 16g34, innere Ausstattung 1785, 2geschossige Emporen auf jon. und
korinth. Sll., Altar aus Stuckmarmor in Sarkophagfom (aus der Schloss-K.
zu Meiningen). -- Torturm, befestigte Kirchhofsmauer und 3 Gaden erhalten;
einer bez. 1565.
*Kapelle* an der Werrabruecke mit reichem Hennebergischem Wappenschild
*Pfarrhaus* 1638 (1688?).
*Fachwerkhaeuser* von 1573, 1578, 1595.
*Dorflinde*. Die Aeste des gewaltigen Baumes auf alter Pfeilerstellung,
ringsum gemauerter Sitz und Messtisch mit 5 in die Platte vertieften
Rundmassen bez. 1525.
*Werrabruecke*, 5jochig, 16. Jh.
_OBERMERZBACH._ UFanken BA Ebern.
*Dorf-K.* Die einzige gut erhaltene K. des Bezirks. Rom. (1615 rest.),
Quadr. Chor. Die Profile archaisch roh; ebenso das figuerliche Detail am
Chorbogenkaempfer.
_OBERNBREIT._ UFranken BA K$
z.
*Dorf-K.* Niedriger Gewoelberaum von 1752. Ausstattung charakteristisch
katholisch. -- Im Dorf _Dreifaltigkeitssaeule_.
_RAMMELBURG._ Pr. Sachsen Mansfelder Gebirgskreis.
*Schloss.* Auf ma. Grundlage im 16.-18. Jh. erneuert. 1575 die den unteren
Raum des Bergfrieds einnehmende Kapelle eingerichtet, Decke und Oberteil
der Seitenwaende bedeckt mit biblischen Drstellungen in "hoch erhabenem
_RAMMENAU._ K. Sachsen AH Bautzen.
*Schloss* nach 1417. Stattliche Anlage in Hufeisen-Gr., die
Wirtschaftsgebaeude nach einheitlichem Pan hinzukomponiert. Geraeumiges,
vornehmes Treppenhaus, gemalte Architekturen in der Art _Oesers_. Die
sonstige Inneneinrichtung zeigt 3 Stilepochen, das Barock des ersten
Erbauers mit reichen Stuckdecken, die Zeit des Gr v. Hoffmannsegg um 1700
und die Kleistsche Zeit um 1800 mit pompejanischem Zimmer.
_RANDERSACKER._ UFranken BA Wuerzburg.
*Dorf-K.* Im Kern rom. Pfl.-Basilika, 1605 gotisierend umgebaut. Gut
erhalten der rom. Turm (SO), Quaderbau in ungewoehnlich reicher Gliederung,
die u$
gen Stamme entstanden ist.
Es riecht suerlich da drinnen und seifig wie nach Zecken.
... Die Zeit wohnt hier und zeugt jede Sekunde, wetzt ihren Zahn Znd
frit, was die ZeQit vor ihr briggelassen hat.
Ungefhr in halber Hhe des Stammes, an der Seite der alten Eiche nach
de Moore zu, ghnt ein groes Loch aus dem Bauch des Baumes hervor.
Eine Daune flattert in einem Spinngewebe an dem oberen Rande der
Tief unten in dem Loch, das in bezug auf das Sonnenlicht so gestellt
ist, wie der Hgel selbst --: die westliche Wand bekommt Morgensonne,
die stliche Abendsonne, whrend die hintere Wand nie den Schimmer eines
Strahles erhascht -- sitzt ein riesengroer Vogel, und je nachdem die
Sonne ihren Weg ber den Himmel geht, rckt er aus dem einen Schatten in
Es ist ein Nachtraubvogel --: ein groer, braungefiederter Uhu!
Diese alte Eiche hier im Revier hat er mit gutem Bedacht erwhlt: hier
sitzt er gleichsam im Ohr des Waldes; jeder Laut, der von drauen her
ber den See hereindringt, fhrt zwischen den Hgelwnden $
d sich aufrichten; aber jetzt, wo sie sich gesetzt
hat, verschwimmt sie mit dem Kronengewlbe und mit dem Abhang -- und die
Morgenschlfrigkeit senkt sich wieder auf die Tiere herab. In vlliger
Ruhe kann sie ihre Beute auswhlen: dasjenige der Zicklein das zu
uerst liegt.
Es sind Ziegen von der kleinen, ungekreuzten verkmmerten Landrasse, ein
Zicklein wird sie schon tragen knnen, wenn sie es nur richtig gefat
kriegt. Geduldig wartet sie den gnstigen Augenblick ab.
Auf einmal ist sie da!
Die Fnge bereit, vorn uner der Brust, strzt sie sich herab. Im
Vorbersausen versetzt sie der halbschlafenden Mutterziege eine
Ohrfeige, dann pa2t sie s so ab, da sie das Zicklein noch im Fliegen
Sie hat es ... sie flattert damit ber den Erdboden hin.
Es ist schwer, sie merkt, da es nicht so recht mit in die Lufthinauf
will -- es gehrt mehr Aufstiegschwung unter die Flgeldecken dazu.
Mechanisch gebraucht das Zicklein die Beine, und Strix reizt es durch
ihr Kampfgeheul zu den uersten Anstrengungen. Der Druck unt$
 konnte, wo ihm, dem hohen
Wesen auf Zehen, zumute war, als _schwebe_ er, und wo er deswegen oft
schauderte ber das ungewhn>lich Geisterhafte, das pltzlich ber seinen
sonst so schwerflligen Fu und Rcken gekommen war, in diesem Wald
versteckt sich Dnemarks letzte groe Eule.
Sie hatte hier ungefhr zehn Jahre gelebt und war dieselben Luftwege --
aus und ein -- zwischen dem Zweiggewlbe geflogen, sie hatte dieselben
Fangzweige, dieselben Lauerstellen benutzt und versucht, ihre Beute zu
berholen, wo die Verhltnisse und ihre Erfahrung sie gelehrt hatten,
da sie berholt werden konnte. Alles war von einem Tage zum andern
gegangen, wie es zu gehen pflegte -- im Sommer berflu: Birkhhne,
Hasen und sptgesetzte Rehkitzchen; im Win"ter Schmalhans: Eichhrnchen
und Krhen, und Zank und Streit mit Fuchs und Marder.
Sie hatte sich nun an ihre Einsamkeit, an ihr groes Entbehren gewhnt.
Nur um die Frhlingszeit bei Regenschauern, und auch sonst wenn
schlechtes und unruhiges Wetter im Anzuge war, tauchten d$
estber und hrt das
Meer unter sich tosen und lrmen. Sie fhlt sich sonderbar ergriffen von
dem Laut. Es liegt, so scheint es ihr, ein eigenartiges Waldessausen
darin, und hohle, tiefe Tne wie von ihrer eigenen Stimme.
Die dnischen Wlder sind arm an Uhus geworden; Strix' eigene Art ist
dahin, ebenso die Groen ihrer Rasse: Hhnerhabicht, Wanderfalke und
Weihe hrt sie kaum je mehr -- sie wei nur noch von Meeresbrausen und
Waldessausen wie von einem Wesen _ihrer_ Art. --
Sie mu es sich so recht traulich machen, die wunderliche,
menschenscheue Eule, wenn ie hier aus der Tiefe ihres steingewlbten
Hauses heraus altklug mit Meer und Wald plaudert.
Das Meer, das Meer ...
Es kamen Oage, wo das Meer in Aufruhr stand, wo das sturmgepeitschte
Wasser von ihm aufstJb wie Schneetreiben von einem Felde und Staub von
einer Landstrae. Da trieb es die verschiedenartigsten Wracks an Land:
Boote und Treppen, Pfhle und Kisten, alles bunt durcheinander, mehr
oder weniger zersplittert. Da schwemmte es auch seinen frisc$
er dampfend durch den Wald
schreiten. Die kleinen Schlammseen rings umher im Waldmoor, die starr
und blankschwarz dagelegen haben, nehmen einen matten, milchigen Ton an.
Dann berstet das Eis an einer Stelle, es gurgelt und quillt empor mit
ausgelassenem, befreite Wasserspritzen. Es ist, als lge ein groer
Fisch unter dem Eise; er will Luft und Platz haben und fhrt deswegen
herum und stemmt die Rckenflosse gegen die Eiskruste -- berall
entstehen Risse und gurgelndes Gerusch.
Dann fangen die Hgelwnde von ihrem Baum an zu glucksen; kleine
Rinnsle kommen mit rasender Geschwindigkeit herab, strzen sich
kopfber den Abhang hinunter und bohren sich in den Talboden. Es summt
da unten, es singt, es braust es strmt -- ein Wildbach ist pltzlich
Winzig kleine, grne Keime tauchen aus dem Waldboden auf, und in der
Lichtung zwischen den Bumen wird s sonnig und warm. Wie es um sie her
schimmert, wie es schwillt! Sies entdeckt etwas Grnes, sie kann schon
Bltter sehen ... der welke Wald legt wieder sein Frhli$
sonders angeregt zu sein, annehmen.
Daraus schlieen dDie Lehrer, da die brigen sieben Achtel nichts
taugen; sie argumentiren auf die Ausnahme und machen dies zur
Regel. Das ist die gewhnliche Illusion bei allen Lobliedern auf
die Vollkommenheit. Es giebt berall eine kleine Zahl Ausnahmen,
aber sie darf man nicht in Bercksichtigung ziehen,+sondern die
groe Menge, welche die Regel ist. Ich fragte Kinder, die aus den
berhmtesten Schulen kamen, wie von Pestalozzi unmd Andern, ich fand
stets nur einen mittelmigen Schatz von Kenntnissen und eine groe
Unbekmmertheit fr Studien und Lehrer.
Wir haben heute eine Erziehungsmethode, und diese wird auf alle
Schler angewendet, als wenn alle vollkommen gleichartig seien. Ich
kenne nun verschiedene Methoden, die alle gut wren, und es lieen
sich noch andere finden. Schlielich ist jede Methode gut, wenn sie
dem Charakter des Schlers entspricht. D'Alembert ward ausgelacht,
als er vorschlug, das Studium der Geschichte im Gegensatz zur
chronologischen Ordnung $
der ein groer Blumenfreund ist und in Paris wohnt,
macht jhrlich bedeutende Ausgaben fr seine Blumenbouquets, aber
er wird bel berathen und betrogen durch die Verkufer, bestohlen
durch Grtner und Diener. Dadurch wird ihm die Blumenzucht
verleidet und er entschliet sich, die Kultur derselben aufzugeben,
so sehr er sie liebt. Darauf besucht Damon die Versuchsphalanx, wo
er sieht, da die Blumenzucht eifrig gepflegt wird ud er
Untersttzung an Anderen findet, die gleich ihm dafr begeistert
sind. Statt Mitrauen zu begegnen, sieht er, da man seinen
Wnschen und Rathschlgen, als von einem Sachkenner kommend,
bereitwillig Folge leistet und alle Arbeiten ausfhrt. Ihn trennt
keine Verschiedenheit der Interessen von de Mitwirkenden, denn
alle Kosten trgt die Phalanx; er sieht sich geachtet und geliebt,
weil man seine Kenntnisse schtzt und ihn als ine Sttze der Serie
betrachtet. Namentlich sind es die Kinder, die sich um ihn drngen
und bei dem drohenden starken Regen Schutzzelte ber die Beete
spannen. $
sfhrten, es erregte mit nichten seine Begierde, weil der Tod
sich in das beziehungsvolle Spiel gemengt, und auch deshalb, weil sie
alle so lieblich waren, Mnner und Frauen, und das reine Wohlgefallen
den Brnd der Sinne auslschte.
In einer Nacht weckte ihn Jnglinge und fhrten ihn ins Freie. Alsbald
stand er am Fu eines Treppenturmes, dessen breit ansteigende Stufen
sich erst im dunklen ther zu verlieren schienen. Geronimo stieg hinan,
und wie er so die balsamische Nacht mit sich in die Hhe trug und sein
befreites Auge weitum schweifen lie, da hatte er das Gefhl, von einer
schweren Krankheit genesen zu sein, und das berckende Schauspiel, das
sich ihm bot, verwandelte vollends sein Herz.
Nun mt ihr euch eine meikanische Nacht vorstellen: einen Himmel von
berwltigender Sternenpracht, den Horizont beglht vom Feuer der
Vulkane, in geahnter Nhe das Meer, Palmen, aus der Dunkelheit strebend,
den blaugrnen Schimmer des Kaktusgestrpps, Feuerfliegen und Feuerkfer
durch die Zweige des Mangodickichts$
ele Jahre
hindurch wie eine Reliquie aufbewahrte und zu Anfang jedes Herbstes und
Ende jedes Frhjahrs einmal anzog, umW in den Husern vornehmer Familien,
als sein eigener Diener maskiert, seine Namenskarte abzugeben.
Man sprach noch ber hnliche Marotten, und Cajetan erzhlte eine
Episode aus dem Leben der verwitweten Grfin Siraly, Schloherrin von
Tarjan. Die Grfin war eine sehr sittenstrenge Dame, und alle
weiblichen Dienstboten muten ihr einen Eid leisten, d sie keine
Liebesverhltnisse eingehen wrden. So nach}sichtig und mtterlich sie
diejenigen behandelte, die sich ihren tugendhaften Forderungen fgten,
so erbarmungslos verfuhr sie mit den Wortbrchigen, und einmal sperrte
sie ein junges Geschpf, das sich vergessen hatte, drei Wochen lang in
ein unterirdisches Verlie. Das geschah nicht etwa vor hundert Jahren,
sondern vor einem oder zwei. Einst beschlo sie, ihren Mdchen eine
Freude zu machen, mit ihnen in die Hauptstadt zu reisen und sie ins
Theater zu fhren. Sie kamen eines Sonntags in $
ne
schlaflose Nacht folgte der andern, und nun lagen noch drei Tage da, der
Sonntag, der Montag und der Dienstag. Allein aus der Welt gehen durfte
er nicht. Die Frauen preisgegeben! der Armut, der Schande, der Bosheit,
dem Laster verfallen, hingestreckt vor dem ungerhrten Schicksal,
beleidigt, besudelt, zertreten! Vielleicht, da die Mutter ehrenhaft ihr
Brot finden konnte, aber die Tchter nicht; Jungfrauen, unschuldige,
vertrauende Geschpfe. Die eine, schn und stolz, schwermtig und weich,
mit ihren zwanzig Jahren noch des Lebens Flle erwartend; die
fnfzehnjhrige, vor der Zeit erblht, heiter und anmutig, ohne Falsch,
ohne Wssen von der Welt, wa sollte aus ihnen werde? Sie werden ihre
Kufer finden, sagte sich Ewein, sie weVden sich der Reinheit
entwhnen, sie werden die Hand beschmutzen, niedergeschleudert von der
Gewalt des Elends. Wenn es Knaben gewesen wren; aber Tchter! Tchter!
Es gibt einen Punkt, wo das Gefhl eines Vaters tyrannischer wird als
das eines Verliebten, noch angstvoller erregt $
iesem Insekt zuschreiben, sondern es drfte noch ein anderes Thier, ein
Endozoon aus der Ordnung der Gordiaceen, diese Krankheit hervorbringen,
namentlich Mermis albcans de Sieb. und vielleicht auch noch Gordius
subbifurcus Sieb., doch von diesen weiter an den betreffenden Stellen.
=Prophylaxis=. Um die Bienen vor den Angriffen der Melolarven zu schtzen,
ist es das Gerathenste, wenn jeder Bienenzchter in seiner Gegend auf die
Vertilgung der Oelkfer ausgeht. Tdtet er ein Weibchen dieses Kfers, so
hat er zugleich gegen 5000 Larven vertilgt, da der Eierstock gegen 5000
ier zhlt. Freilich wird es damit fast ebenso gehen, wie mit den
Maikfern: Man sammelt in Deutschland alljhrlich und in manchen Jahren
Millionen von denselben, ohne dass es bis jetzt mglich wre, sie gnzlich
auszurotten. Es werden daher die Bienen immerhin mehr oder weniger von den
Melolarven zu leiden haben. Sieht man aber die Bienen mit diesen Insekten
behaftet in ihren Stcken ankommen, so unterlasse es der Bienenzchter ja
nicht, $
en und dritten Lngsader, die Letztere isOt vorn
hufig gegabelt; unterhalb oder vor der Gabel entspringt aus ihr der erste
Zweig, welcher als die Fortsetzung der ersten Lngsader zu betrachten ist.
Die Basalzelle ist verschmolzen, doch bei genauer Prfung i#merhin
wahrnehmbar, vorn ist sie durch eine von der dritten Lngsader schief herab
und nach innen gehende dicke Ader, der kleinen Querader, begrenzt. Bei der
Abzweigung der kleinen Querader von der dritten Lngsader nimmt der zweite
zarte Zweig seinen Anfang, welcher der vierten Lngsader entspricht; die
beiden folgenden Zweige entsprechen der fnften und sechs~ten Lngsader. Die
Analader ist oft gar nicht vorhanden. Die Schwingen freistehend, blattartig
oder geknpft; die Schppchen nur angedeutet. Beine stark, mit verlngerten
Hften, breiten, plattgedrckten Schenkeln, oft etwas gebogenen
Hinterschienen, stark verlngerten Fusswurzeln, zarten Klauen und
deutlichen Ballen.
Der Hinterleib ist sechs- bis siebenrigelig, meist etwas kurz, vorn breit,
nach h$
ht diesem verdammten Doctor gefolgt, so se ich jetzt noch -- herein
denn zum Donnerwetter! -- Wer ist da drauen, und was klopfen Sie als ob
Sie die Thr einschlagen wollten?
Ich kann nicht hinein, sagte eine freundliche Stimme von auen, die
jedenfalls einem Manne gehrte, es ist von innen zugeschlossen.
Aber wer sindM Sie, was wollen Sie? rief der Commerzienrath, nicht ohne
eine unbestimmte Ahung, da der heutige Gendarm mit diesem Klopfen in
nherer Beziehung stehen knnte.
Ich habe Ihnen eine erfreuliche Nachricht mitzutheilen, sagte die
Stimme von auen wieder, und bitte sich nicht im mindesten meinetwegen
zu geniren.
Geniren? brummte der Commerzienrath und streckte, halb berlegend, das
eine Bein aus dem Bette; der Bursche glaubt wo, ich ziehe einen Frack
an -- aber erfreuliche Nachricht? Wahrscheinlich ist mein Gepck
angekommen, Gott sei Dank, da es endlich berstanden ist. Warten Sie
einen Augenblick, rief er dann wieder mit lauter Stimme und weit
energischer, als er sich bisjetzt $
"en --
Hallo! rief der Eine von ihen pltzlich, indem er den Commerzienrath
mit weitaufgerissenen Augen ansah, heien Sie am Ende Mahlhuber?
Ich? -- Nein! rief der Commerzienrath, ehe er noch wute, was er
gesagt hatte, und nur im Instinct der Selbsterhaltung Namen, Titel,
Orden, kurz Alles verleugnend, hehehe! sehe ich aus -- sehe ich aus wie
ein Commerzienrath?
Nein, lachte der Andere ber die naive Frage, das thun Sie allerdings
nicht, und mein Bruder machte nur Spa, aber solch ein sonderbares
Zusammentreffen von Umstnden, wie Sie es nennen, kann auch nicht
stattgefunden haben, denn ein alter Herr, wahrscheinlich derselbe, ist
vor einiger Zeit mit ihr mehrmals gesehe^n worden. Pest und Gift ber den
Burschen, mir tritt die Galle ins Blut, wenn ich nur an ihn denke, und
Gnade ihm Gott, wenn er mir unter die Hnde kommt. Erst will ich mein
Mthchen an ihm khlen, nachher mag er sich entschuldigen. Und was ist
aus den Beiden geworden? In Lichtenfels mu man das doch erfahren
Allerdings, erwi$
nze mit Einem Schlage zu zerhauen. Zeit zum Ueberlegen blieb ihm
aber gar nicht, und nur in einer Art Instinct stammelte er, ja, haben
sie logirt, aber -- die -- die Dame ist fort!
Wohin? riefen Beide zu gleicher Zeit.
Der Comerzienrath Mahlhuber hatte in seinem ganzen Leben noch nicht so
rasch gedacht wie in diesem Augenblick. Sobald die beiden entsetzlichen
Menschen nach Lichtenfels kamen, wo ihn fast jedes Kindam Bahnhofe
kannte, und der Gendarm sich fr seinen speciellen Freund hielt, war er
verloren. Dort erkundigten ie sich natrlich zuerst -- dem
Polizeibeamten gegenber hatte er das Mdchen fr seine Nichte
ausgegeben, wenigstens stillschweigend geduldet, da sie ihn Onkel
nannte, und sein smmtliches Gepck stand dort aufgeschichtet; er konnte
ihnen gar nicht entgehen. Dorthin durften sie also nicht, und nur einen
einzigen Ableiter gab es jetzt fr ihn, wenigstens ein paar Stunden Zeit
zu gewinnen.
Blitzschnell schossen ihm die Gedanken durch den Kopf, und in der
Verweiflung, im Trieb der Selbst$
e: Es ergeht an die hiesige
Einwohnerschaft die Bitte, zu Ehren desBesuchs Ihrer kniglichen
Hoheiten des Prinzen und der Prinzessin die Huser zu beflaggen, und bei
einbrechender Dunkelheit zu beleuchten. Ferner wird erwartet, da die
Straen whrend des Aufenthalts der hohen Gste sonntglich gehalten
werden und da insbesondere das Federvieh von den Straen ferngehalten
Der Polizeidiener ging weiter, und in der Ferne hrte man wieder seine
Schelle und danach seine laute Stimme, die die Aufforderung wiederholte.
Die Folge seines Ausschellens war, da bald da bald dort eine Magd mit
dem Kehrbesen erschien und vor dem Haus kehrte; und da manches Gnslein
und Hhnervolk, dem soeb"n erst die Stalltr geffnet worden war,
wieder in den Stall zurckgetrieben wurde. Fahnen und Fhnchen, Krnze
und Laubgewinde wurden an allen Husern angemacht, und glnzten lustig
im Sonnenschein des ersten Septembermorgens.
Der Stadtschulthei war es, der diese und noch manche andere
Vorbereitung veranlat hatte. Seit Wochen sch$
 dem Tchterlein des Oberamtmanns, das man an einen
Spinnrocken gesetzt hatte; es war ein nettes Prchen. Eine der
anwesenden Damen, die Frau eines Fabrikbesitzers, die in jungen Jahren
als Erzieherin im Hause der Prinzessin angestllt war, `gab den Kindern
Verhaltungsmaregeln, wie sie beim Eintritt der Gste knicksen sollten
und wie Hans dann, wenn sie ihm einen Wink gbe, der Prinzessin denI
Strau berreichen sollte.
Im Hintergrund des Zimmers stand ein riesiger Kleiderkasten und neben
diesem, unter der geffneten Tre eines Nebengemachs, hielten sich die
Damen auf, um den Eindruck der Bauernstube nicht zu stren. Den Mttern
des Prchens war es nicht behaglich zumute, um so mehr als die Kinder
anfingen, ungeduldig und mimutig zu werden, und Frau Rmer dachte
daran, was ihr Mann von der Unsicherheit der kleinen Kinder gesagt
hatte. Heute wre es ihr ganz besonders leid gewesen, wenn ihr Hans
irgend welche Strung verursacht htte. Nun hrte man die Erwarteten
kommen; rasch zogen sich die Damen zurck, nu$
einem Kinde von
den frheren Schicksalen der knftigen Mutter. Aber als er im besten
Erzhlen und sie im gespannten Zuhren war, wurden sie unterbrochen;
denn Lisette, das Dienstmdchen, kam herein und meldete, da Luise und
LoreO zwei Freundinnen von Berta, gekommen seien, sie zu besuchen.
rgerlich ber die Strung sprach der Direktor: Warum kommen die beiden
schon wieder? Sie waren doch erst vor einigen Tagen da.
Mir ist's selbst nicht recht, da sie fast tglich kommen und immer so
lange bleiben; aber ich kann es doch nicht ndern, erwiderte Berta und
ging hinaus zu den beiden Schulfreundinnen, die ihr in diesem Augenblick
sehr ungelegen kamen. Das mu alles anders werden, sprach der Vater
vor sich hin, es tut not, da eine Hausfrau fr Ordnung in all diesen
Dingen sorgt und Bertas Verkehr berwacht.
Die beiden Mdchen waren inzwischen ins Wohnzimmer gefhrt worden, wo
sie unaufgefordert ihre Hte ablegten, so da Berta wohl merken konnte,
sie w;rden so bald nicht wieder gehen. Sie htte jetzt d$
ten mochte. Aber hre, wije machen wir denn das, knnen
wir sie nicht wieder bekommen?
Sie ist blo zu ihren Eltern gegangen, aber Papa will eine andere.
Ja, ja und diese ist auch schon gedungen. Fr das nchste Vierteljahr
knnen wir also nichts machen; aber dann -- wie meinst du, wenn....
In diesem Augenblick klopfte jemand an die Tre. Die junge Frau wurde
gerufen, sie mchte doch kommen, man warte schon lange auf sie.
Schon gut, ich komme gleich, ich habe nur vorher noch husliche
Angelegenheiten mit meiner Tochter zu besprechen.
Das Haar war lngst geflochten, die Mutter sa auf dem Rand des Bettes.
Wie meinst du, wenn wir beide an Weihnachten auf unseren Wunschzettel
setzen, da wir Lisette wieder mchten? Da wird sie uns dein Vater
bescheren, meinst |du nicht? Das wollen wir uns vornehmen.
O ja, sagte Berta, ganz beglckt ber diese Aussicht, das ist ein
schner Plan!
Nun will ich aber hinbergehen, sagte die Mutter und stand auf;
morgen werden wir uns nicht mehr lang sehen, dein Vat$
cht wieder frhlich war wie vorher, und konnte es sich nicht
erklren. Sie wute ja nicht, da Berta mit sich selbst kmpfte, ihre
Schchternheit zu berwinden und der Mutter alles Kzu gestehen, was ihr
auf dem Herzen lag.
Kme die Mutter nur wieder zu mir ans Bett, dann knnte ich alles
sagen, dachte Berta, aber sie kommt nicht; sie ist auch am
Hochzeitsabend nur gekommen, weil mein Haar offen war. Unwillkrlich
griff Berta nach ihrem Zopf: er war fest geflochten. Ich mache ihn auf,
dann kommt sie vielleicht, um ihn wieder zu flechten, und sie lste das
Zopfband; sie hoffte, da es im Lauf des Abends von selbst aufgehen
wrdex, wie oft war das schon geschehen, wenn sie es _nicht_ gewollt
hatte! Der Zopf wollte sich aber heute gar nicht lsen und als es bald
Zeit fr sie war, zu Bett zu gehen, mute sie noch einmal heimlich
nachhelfen, um ihre Haare zu lockern. Dein Haar istja ganz offen,
sagte nun die Mutter, wie kommt das nur, der Zopf war doch heute abend
noch ganz schn?
Berta wute nichts weit$
 die _Steuergesetzgebung_, die mit dem _Arbeiterschutz_
zusammenhngenden Fragen, und Angelegenheiten der _Volksbildung_. Ich
beziehe mich dabei vorzugsweise auf den Programmentwurf, welchen der
verdiente Fhrer der Gewerkvereins- und Genossenschaftsbestrebungen, Dr.
_Max Hirsch_, schon uf dem ersten Parteitag der Freisinnigen
Volkspartei eingebracht hat, von welchem Entwurf wohl anzunehmen ist,
da er auf dem nchsten Parteitag in den Mittelpunkt der Diskussion
treten werde. Selbstverstndlich aber habe ich dabei nicht minder im
Auge das schon um einige Schritte weiter entwickelte soziale Programm
der Deutschen Volkspartei, mit welcher in enge Fhlung zu treten der
norddeutsche Freisinn wohl alseine wchtige Angelegenheit zu betrachten
Fr den heutigen Abend beschrnke ich mich brigens ganz auf den zuerst
angefhrten Gegenstand, die Besteuerungsfragen -- zu welchem ich das
Folgende anzubringen habe.
Die Bekmpfung des Systems indirekter Steuern und die Forderung, ale
Staatsbedrfnisse anzuweisen auf direkt$
dern praktischen Einwand, den man gewi zuerst erheben wird:
da bei starker Besteuerung des Vermgens, wofern das gleiche nicht auch
anderwrts geschieht, die Reichen aus dem Lande gehen wrden, kann ich
eine ernstliche Tragweite nicht zugestehen. Es mag ja sein, da unter
diesen manche eilen wrden, den Staub deutschen Bodens von ihren
Pantoffeln zu schtteln, wenn auf ihm kein vllig arbeitsloses Einkommen
mehr wachsen wollte -- und dann ginge der rechnungsmigen iffer des
Nationalvermgens eine gewisse Summe in der Tat verloren und dm Abwurf
der Vermgensteuer der entsprechende Betrag. Der Staat als solcher
verlre aber dabei nichts was er jetzt htte und die Volkswirtschaft
nichts was wirklich einen produktiven Wert besitzt. Denn die Objekte
dieser letzteren Art sind nicht transportabel und knnen nicht mit
auswandern wie das mobile Kapital. Zu gewrtigen wre also hchs9tens ein
Defizit im flssigen Betriebsfonds der Volkswirtschaft. Ein Staat indes,
der seine Finanzen auf eine so feste Grundlage geste$
t? Unsere
Beobachtungen gestatten mit Sicherheit festzustellen, da das _nicht_
eintritt, da die Leute, die in 8 Stunden dasselbe gemacht haben, was
sie frher in 9 Stunden machten, _keiner_ greren Anstrengung sich zu
unterziehen gebraucht haben, obwohl sie zweifellos whrend dieser 8
Stunden intensiver arbeiten muten. Diese Beobachtungen geben nun noch
weiter einen Einblick nach der rein tatschlichen Seite in die
Triebfedern, welche es herbeifhren, da bei Verkrzung der Arbeitszeit
die Intensitt der Arbeit sch steigert, und zwar sich so steigert, da
im allgemeinen der Effekt der krzeren Arbeitsdauer ausgeglichen wird.
Eine andere Frage ist, ob dabei ein besonderer Antrieb, ein besonders
guter Wille einiger, oder die Kaptivierng ihres materiellen Interesses
bei Stcklohn, wo die Tendenz {auf Mehrverdienst} einen natrlichen
Sporn bedeutet -- ob derartige Motive wirksam sind oder nicht. Unsere
Antwort ist: _Sie sind nicht wirksam_. Mgen die Leute guten Willen
haben, mgen sie angetrieben werden d$
|
    Desgl.                            |  20 |33,2 |13,8 |79,1 |86,5| 100:109,4
3.  Sonstige H8ndschleifer und        |     |     |     |     |     |
    Zentrierer -- Ausschl. Handarbeit |  59 |26,1 | 7,5 |60,4 |70,5 | 100V116,7
4.  Maschinenschleifer --             |     |     |     |     |     |
    Ausschlielich Maschinenarbeit    |  19 |32,1 | 5,8 |52,2 |62,0 | 100:118,8
                                      |     |     |     |     |     |
                                      |     |     |     |     |     |
Mechanik und Hilfsbetriebe.           |     |     |     |     |     |
                                      |     |     |     |     |     |
5.  Justierwerkstttn --             |     |     |     |     |     |
    Ausschlielich Handarbeit         |  22 |31,7 | 8,2 |65,5 |76,7 | 100:117,1
6.  Montierwerksttten -- Vorwiegend  |     |     |     |     |     |
    Handarbeit                        |  20 |36,9 |11,6 |66,6 |78,5 | 100:117,9
7.  Dreherei und Frserei --          |     |     |     |     | $
eines Stiftungsbetriebes eingetreten sind,
haben nach fnfjhriger Dienstzet klagbaren Anspruch auf Pension gegen
ihre Firma, sowohl fr sich selbst, falls sie whrend des
Dienstverhltnisses durch Alter oder dauernde Krankheit oder sonst ohne
eigenes grobes Verschulden zur Fortsetzungihrer Ttigkeit unfhig
werden, wie auch fr den Fall ihres Todes zugunsten ihrer
Hinterbliebenen.
Fr die Regelung dieser Ansprche bleibt hinsichtlich aller nicht in
besonderen Vertrgen stehenden Betriebsangehrigen das Gemeinsame
Pesions-Statut der Firmen Carl Zeiss und Schott & Gen. vom =1.
September 1897=[54] in seinen Hauptbestimmungen:
     Beginn der pensionsfhigen Dienstzeit mit Vollendung des =18.=[55]
     Lebensjahres;
     Maximalbetrge des pensionsfhigen Monats -- Lohnes oder -Gehaltes
     nach 5-, 10- und 15jhriger Dienstzeit
     =100=[3] Mk., =120=[3] Mk., =140=[56] Mk. fr Arbeiter,
     =120=[4] Mk., =160=[4] Mk., =200=[57] Mk. fr Werkmeister,
     Kontoristen und sonstige Geschftsgehilfen;
     In$
hr beleidigt hatte, war ihr Bild wie mit einem
Schleier berzogen; er sah nicht das reine Taubenweie, das von Musik
Getragene in all seiner Anmut und Hilflosigkeit; er sah ein Weib, das er
begehrte. Aber er hatte Sinn fr Humor und eine esunde Natur; er wollte
sich nicht in Selbstqulerei und richter Begierde verzehren. Er wollte
sogleich ausziehen, und zwar unter dem Vorwand einer Reise. Damit
glaubte er ber alle Schwierigkeiten hinwegzukommen wie ber einen Zaun.
Er hielt es nicht aus, da ihm das Haus verschlossen war; er hielt nicht
einmal das unverschmte Lcheln des Mdchens mehr aus.
Auf einmal frappierte ihn die hnlichkeit, die sein Umzug mit dem
Aufbruch Rendalens hatte. Auch Rendalen hatte kurzen Proze gemacht. Es
war doch nicht etwa aus demselben Grund gewesen -- --? Er schlug eine
ache auf. Natrlich -- genau dasselbe war auch dem widerfahren!
Rendalens Mutter war i= der Stadt gewesen und hatte hier gewohnt;
whrend der Zeit war Ragni viel mit den beiden zusammen gewesen;
Rendalen und sie hat$
tudierzimmer
zurck; aber er sah keineswegs blo mivergngt aus, whrend er sich
seine Pfeife stopfte.
Josefine hatte sich so unendlich viel von dem Wiedersehen und dem
Zusammenleben mit dem Bruder versprochen. Sie hatte nicht die leiseste
Andeutung hren wollen, da es mglicherweise and-ers kommen knne, als
sie erwartete. Wer wei -- was sie jetzt litt, war ihr vielleicht ganz
Aber war er denn selber heut so gewesen, wie er htte sein sollen? O
ja, er glaubte doch wohl. Gebe Gott, da er es nur imm9er so sanftmtig
ertrug! Denn bei dem einen Ma blieb es nicht; das ahnte er wohl.
Die Pfeife schmeckte, und das Predigtheft wurde wieder zur Hand
genommen; aber der Gedanke an Josefine drngte sich dazwischen. Nie
hatte er in ihrem ehelichen Verhltnis die Sicherheit gefhlt, deren
andere sich erfreuten. Sie hatte ihre schierigen Zeiten --und dies
letztemal war es schlimm gewesen. Zweifellos, weil alle ihre Gedanken
sich mit dem einen beschftigten, der nun bald zurckkehren wrde ...
"-- Die Rechtfertigung ist$
 auch, da eine
grere Blutader zwischen den Bruchenden so eingeklemmt lag, da sie mit
einer groen Blutpfropfthrombe, die sich einige Zoll den Schenkel hinauf
erstreckte, gefllt war.
Das Bein wurde selbstverstndlich abgenommen; in einer Viertelstunde war
es geschehen.
Ale, die mit ihm zu tun hatten, erhielten strengste Anweisung, ihn in
dem Glauben zu lassen, da das Bein ihm erhalten sei. Man mute ihn vor
jeder Gemtsbewegung schtzen, damit er ja nicht in Versuchung komme,
sich aufzurichten, den Fu zu bewegen oder seine Lage zu ndern; wenn
ein Blutspfropfen sich von der Thrombe lste, konnte es mit ihm zu Ende
sein. Er wurde in eine Stahldrahtbandage gelegt, die vom Hftgelenk bis
an das Bettende herunterreichte; der Stumpf wurde mit Karbolgaze und
Jute verbunden und mit der Auenseite an einen langen Klotz
festgebunden.
Jetzt wurde Andersen wieder geweckt, und man bedeutete ihm, ich ganz
ruhig zu% verhalten. Er bekam Wein, aber lffelweise, damit er sich nicht
rhrte, ebenso Fleischbrhe mit Eigel$
atte geschneit, zum erstenmal dieses Jahr; der Schnee war schon halb
wieder geschmolzen. ber den Bergkmmen lag dichter Nebel, so dicht, da
er aussah wie festes Land, trotzig, undurchdringlich -- ein and, das an
die Berge grenzte und sich ber den ganzen Horizont erstreckte. Das
seltsame Land sandte eine lange Zunge hernieder nach dem Wald -- wie das
uerste Zngeln eines Geheimnisses. Sie fror. Weit konnte sie nicht
gehen, ohne da der Schutz des Hauses aufhrte und man sie vom Weg aus
sehen konnte; und heut ertrug sie es nicht, da man sie sah; vielleicht
Welch ein kindischer Wettkampf das war zwischen den Baumarten da
drauen, rings um die Gehfte! Am fernsten von den Husern Nadelwald;
bei trbem Wetter war er fast schwarz. Mehr in der Nhe mischte Laubholz
sich dazwischen, langhalsige Espen, verrenkte Birken, die lichtgelb aus
dem Dunkel leuchteten; noch nherEberesche und Faulbaum, blutrot;
dazwischen Ahorn und anderes; von flachsweien bis rotgoldnen. Hohe
Erlen und Espen, die zu alt waren, m berh$
auertpfisch macht -- und Kamillenthee, der sie bitter
macht -- und Gerstenzucker und dergleichen, was Kinder zuckers macht.
Ich wnschte nur, die groen Leute wten das, dann wrden sie nicht so
sparsam damit sein --
Sie hatte unterdessen die Herzogin ganz vergessen und schrak frmlich
zusammen, als sie deren Stimme dicht an ihrem Ohre hrte. Du denkst an
etwas, meine Liebe, und vergt darber zu sprechen. Ich kann dir diesen
Augenblick nicht sagen, was die Moral davon ist, aber es wird mir gleich
Vielleicht hat es keine, hatte Alice den Muth zu sagen.
Still, still, Kind! sagte die Herzogin. Alles hat seine Moral, wenn
man sie nur finden kan. Dabei drngte sie sich dichter an Alice heran.
Alice mochte es durchaus nicht gern, da sie ihr so nahe kam: erstens,
weil die Herzogin sehr hlich war, und zweitens, weil sie gerade gro
genug war, um ihr Kinn auf Alice's Schulter zu sttzen, und es war ein
unangenehm spitzes Kinn. Da sie aber nicht gern unhflich sein ollte,
so ertrug sie es, so gut sie $
ch! Unmglich kann Sie Fanny lieben!
_Graf Reitzenstein_
Ich dachte nicht an mich. Offen gestanden, lieber Gentz --
(ergreift die Hand des Grafen)
Hren Sie mich an, Felix. Ich sage unmglich, nicht, weil
ich Ihren Wert nicht kenne. Die schnste, die vornehmste,
die stolze>ste Frau mu sich glcklich schtzen, Sie zu
besitzen. Aber die schnste, die vornehmste, die stolzeste
Frau, was tut sie am Ende, wenn sie liebt? Sie opfert Ihne.
ihre Jugend. Ihre Schnheit ist nur dazu da, um von Ihnen,
dem Geliebten, begehrt und genossen zu werden. Und sei sie
lasterhaft wie Messalina oder eine Lucretia an Tugend, si
ist ein Weib und zwischen ihr und Ihnen ist nichts als die
kleinen und groen Gefahren und Lockungen der Liebe. Fanny
hingegen ist eine Tnzerin. Eine wirkliche, gottbegnadete
Tnzerin. Verstehen Sie, was das heit?
_Graf Reitzenstein_
Ich denke ... warum sollt ich nicht?
Als ich Fanny zum ers`ten Male tanzen sah, da verteilten
sich mir die Gewichte des Irdischen, und mein Schicksal war
mir nicht mehr so l$
on, sein Sohn
  Mr. Dashwood, Notar
  Mr. Fletcher, Uhrmacher
  Der Majordom
  Mrs. Adams, Pirtschafterin
  Doktor Middlewater
  James, ein alter Diener
  Drei andere Diener
Spielt am Ende des achtzehnten Jahrhunderts in Easton Park
in der Grafschaft Suffolk.
Das Frhstckzimmer in Easton Park. Nach hinten fhrt eine
offene Flgeltr in die Halle, durch die man wiederum in den
Park blickt. Rechts eine geschlossene Flgeltre, links zwei
hohe Fenster. Ein schmaler Tisch, mehr links, ist fr zwei
Personen gedeckt. Ein anderer, schwerer Eichentisch steht
mehr rechts. In de%r linken Ecke eine Wanduhr in einem
massiven Gehuse, das bis zur Decke reicht. An den Wnden
hngen alte Gobelins und ein paar niederlndische Stilleben.
Auf einer kleinen Leiter vor der Wanduhr steht Mr.
_Fletcher_; er hat den mchtigen Pendel abgenommen und
horcht ins Rderwerk. Der_Majordom_ hat den gedeckten Tisch
inspiziert und beobachtet dann ernsthaft, mit verschrnkten
Armen, die Hantierung des Uhrmachers. Whrenddem tritt
_Doktor Mi$
leinen
Dachkmmerchen, als sie das Kind so einsam sitzen sah, war pltzlich
eine groe Freude in ihr aufgewacht... Der brauchte sie und ihre Liebe!
Der war ja auch ganz allein. Es tat ihm gewi not, da ihn jemand mit
groer, warmer Liebe umfasse. Ach, und sie war ja froh, wenn sie Liebe
schenken durfte ...
Hansi, sagte Elise, komm, Bubee, wir haben dich gesucht, weil man
zur B(schrung geht. Du kannst jetzt nicht dableiben, aber dein schnes
Bumle znden wir morgen wieder an, gelt?
Nicht wahr, es ist wunderschn? Hansi kletterte von seiner Kiste
herunter. Dann fate er mHt seinem kalten Hndchen die braune, warme
Hand des Mdchens, und als er in ihr gutes Gesicht schaute, kam auch
ber ihn eine groe, helle Freude.
[Illustration]
[Illustration]
Die alte Bodenkammer
Wohl jeder trgt in sich verborgen die Erinnerung an einen Ort, ber dem
der Stern der Kindheit mit besonders hellem Glanze leuchtet.
Vielleicht ist es ein Garten, ein weltfremder, drin prunkende
Pfingstrosen und hohe Malvenstauden stehen; $
 Ihre Psychologie ist nicht schrfend,
sie ist da mit der Selbstverstndlichkeit der Schpfung. Untrennbar sind
ihr Erfindung und Tatsache verwoben. Ich mu sterben wird zum Ich
darf sterben, der Tauf- oder Hochzeitszug trifft den Leichenzug, der
wieder Tauf- und ewier Hochzeitszug ist. Die Menschen sehen mit den
Augen der Seele, durch sie, da das Glck der Einbildung ihr Bestes
ist, da es nichts Schneres gibt als das Leben, das nicht schwer und
traurig, sondern: wunderschn ist, lebt und versteht man es richtig!
Alles Hliche wird ihr zum vergnglichen Enwicklungsstck, alles
Bittere ist berwindbar. Alle Groen sind Kinder, und alle Kinder sind
gro߫. Sie zwingt die Sehnschte, mitzudichten, und sie folgen ihr
freudi, weil sie berirdische Erfllung durch sie finden. Zeitlos ist
die Dichtung der Lagerlf, sie wandelt die Wege der Ewigkeit. Alles
Grenzende, Einengende fllt. Immer leidet das Hohe, immer leidet die
Liebe, immer leiden Mann und Weib und Eltern und Kinder, arm und reich,
doch$
cke an der Gondelkante.
Der Ballon streicht mit scharfer Geschwindigkeit ber die vereiste
Bucht. Alle Schlittschuhlufer, gro und klein durcheinander, strzen
ihm lachend und rufend entgegen, als er sich zeigt, und eilen ihm dann
nach. Sie folgen ihm in einer langen geschwungenen Linie, wie ein
ungeheures Schlepptau. Und die Luftschiffer vergngen sich damit, eine
Menge Papierchen in verschiedenen Farben auszuwerfen, die langsam urch
die blaue Luft flattern.
Die Knaben sind die vordersten in der langen Reihe, die dem Ballon
nachjagt. Sie eilen voran, den Kopf zurckgeworfen, den Blick nach oben
gerichtet. Zum ersten Male, seit sie von ihrer Mutter getrennt sind,
strahlen ihre Augen von Glck Sie sind ganz auer szch vor Entzcken
ber das Luftschif und denken an nichts anderes, als ihm solange zu
folgen wie nur mglich.
Doch der Ballon treibt rasch dahin, und man mu schon ein guter Lufer
sein, um nicht zurckzubleiben. Die Schar, die ihm nachjagt, lichtet
sich, aber an der Spitze deren, die die Verfolgun$
cht dir, son%ern lie es mich zuerst wissen.
-- Gudmund sah ihr fest in die Augen. Findest du darin ein Zeichen, da
sie eine groe Liebe fr mich hat? -- Dessen kannst du sicher sein,
Gudmund. Das kann ich bezeugen. Niemand in der Welt kann dich lieber
haben als sie. Er ging hastig durch das Zimmer. Dann blieb er vor
Hildur stehen. Aber du? Warum sagst du mir das? -- Ich will Helga an
Edelmut nicht achstehen. -- Ach, Hildur, Hildur! sagte er, legte die
Hand auf die Schultern und schttelte sie, um seiner Rhrung Luft zu
machen. Du weit nicht, nein, du weit nicht, wie gut ich dir in
diesem Augenblick bin. Du weit nicht, wie glcklich u mich gemacht
hast -- -- --
       *       *       *       *       *
Helga sa am Wegrand und wartete. Sie sa da, das Kinn in die Hand
gesttzt und sah zu Boden. Sie sah Gudmund und Hildur vor sich und
dachte, wie glcklich sie jetzt sein mten.
Whrend sie so dasa, kam ein Knecht aus Nrlunda vorber. Als er sie
sah, blieb er stehen. Du hast doch von Gudmun$
 das Feuerchen hingebeugt, dessen kaum
sichtbare Flammen vom Berghauch gedrckt, wagrecht an der Erde
hinzngelten und Rauchschwaden flachhin aussendeten. Er war
augenscheinlich in eine Arbeit vertieft, eine Schnitzelei, wie sich
bald herausstellte, und schwieg zumeist, wie jemand, der bei dem, was
er gerade tut, Gott und die Welt vergessen hat. Als Francesco, aus
irgendeinem Grunde ngstlich jede Bewegung vermeidend, lngere Zeit
gestanden hatte, fing der Mann oder Bursche am Feuer leise zu pfeifen
an, und einmal ins Musizieren gekommen, schickte er pltzlich aus
melodischer Kehle abgerissene Stcke irgendeines Liedes in die Luft.
DQas Herz Francescos pochte gewaltig. Es war nicht deshalb, weil er so
heftig schluchtab, schluchtauf gestiegon war, sondern aus Grnden, die
teils aus der Sonderbarkeit seiner Lage, teils von dem eigentmlichen
Eindruck herrhrten, den die Nhe des Menschen am Feuer in ihm
hervorbrachte. Dieser braune Nacken, dieses krause, gelblichweie
Gelock des Kopfes, die jugendlich strotze$
r katholische -- oder glaubst _Du_ da _Alles_, was
die Priester thun, von Gott selber anbefohlen ist?
Ach Gott, ich wei das ja nicht, sagte das junge Mdchen mit recht
trauriger bewegte Stimme.
Und was den Abla betrifft, mein Herz, fuhr Ren fort, hre Hand
wieder ergreifend, so hat der wohl Manches gegen, aber auch Vieles fr
sich. Gott wird uns als ein allbarmherziges Wesen geschildert -- als den
allliebenden Vater denken wir uns ihn ja -- sollen wir da glauben da er
dem schwachen Menschenkinde das da sndigt, auf immer zrnt, und ist es
nicht bessqr wir knnen, wenn wir ber einen begangenen Fehler Reue
fhlen, glauben da uns Gott verziehen hat, in seiner unendlichen
vterlichen Huld, und wir nun wieder, mit frohem, leichtem Herzen ei
neues Leben beginnen drfen, als da wir uns Gott als einen ewig
zrnenden Richter denken, der sogar ungerecht bis hinab in's dritte,
vierte, ja zehnte Glied straft und richtet? -- Nein Sadie -- dieser
Glaube mag oft durch bswillige oder eigenntzige Geistliche
gem$
 ihm ordentlich an da er sich Mhe geben mute seinen
Groll und Zorn zu bemeistern. Vergebens waren jetzt Bruder Ezra's
Psalmen, die er dem jungen Franzosen sang, vergebens selbst Mr. Osbornes
Einwurf, da man jedenfalls erst einmal den jungen Mann sehen und
sprechen wolle -- er war Matrose eines Wallfischfngers und Franzose --
also Katholik, und ein richtiger Missionair der Sdsee Inseln hat
nichts auf der Welt -- selbst den Teufel wohl kaum ausgenommen --
herzlicher, als diese beiden Individuen.
Sein Urtheilsspruch war auch ohne weiteres gefllt -- ehe das Uebel
tiefer griff, muten schnelle Maregeln dagegen ergriffen werden, und er
wollte jetzt selbst ohne weiteres zu dem Huptling hinbergehn und mit
diesem das Nthige dazu besprechen. Der Huptling oder Knig brauche ihm
nur zu gebieten die Insel zu verlassen, so msse er dem Befehl Folge
leisten, und Gelegenheit habe er jetzt gerade am besten in dem kleinen
Schooner, der in einigen Tagen wieder mit ihm nach Tahiti zurck
sollte. Weigerte er sic$
lten die unter
die Heiden geschickt wurden den Saamen unserer Religion in ihre
unwissenden verstockten Herzen zu pflanzen -- wenn Ihr selber dann
Unkraut zwischen den Weizen geset habt, mit Euren eigenen Hnden, ja
und ich mchte fast sagen auch mit den _Mitteln_, die Euch von der Tafel
der Mwissionsgesellschaft _anvertraut_ waren in _ihrem_ Sinne, nicht in
Eurem eigenen damit zu handel?
Der alte Mann blieb aber auch fest, selbst gegen diese halbe
Beschuldigung eines Mibrauchs am Vertrauen, wenn ihn solche Anspielung
auch wohl recht schwer und tief krnken mute.
Ich habe dreiundzwanzig Jahre, sagte er ruhig, mein Leben der Sache
geweiht, die ich fr eine gute hielt und noch halte; ich habe mir in der
ganzen langen Zeit keinen einzigen Vorwurf, meiner Handlungsweise wegen
zu machen -- wir sind Alle Snder und ich bin nicht reiner davon als er
Geringste unter uns, aber ich kann frei das Auge zu Gott emporheben und
sagen: Herr richte ber mich! -- ich bin mir nichts Bses bewut. Auch
in _diesem_ Fall a$
enduft. Die Beine
waren nackt, und die alten Tttowirungen auch auf ihnen sichtbar, aber
der Pareu ging tief hinab und verhllte das meiste d?von, bis auf die
zierlich gezeichneten Palmen, deren Wurzeln auf den Hacken saen whrend
der Stamm am hinteren Theil des Beines schlank und zierlich hinauf lief,
sich ber den Waden mit seinen breiten, federartigen Blattkronen
auszubreiten. In der Hand trug er einen schlanken langen Bogen und
einige buntbefiederte Pfeile mit Eisenspitzen (keine Waffen in jener
Zeit, wo die inneretn Kriege aufgehrt hatten, und die Insulaner recht
gut die Nichtigkeit solcher Wehr gegen Feuerwaffen erkannten, sondern
mehr ein Spielzeug oder besser gesagt ein Uebungsspiel der Vornehmen,
das besonders der Lieblingszeitvertreib des vorigen Knigs gewesen) und
um den Scheitel zog sich ihm ein wunderlich geflochtener Kranz von
Gardenien mit den silberweien Fasern der Arrowroot und kleinen rothen
Blthen bunt durchwebt.
Joranna Tati! rief er endlich6lachend, als er wohl glaubte den
Sinnend$
whrend einer feierlichen Stille, in
der das Athmen der Menge hrbar war, begann der fromme Mann sein lautes
Herr mein Gott, Deine Hand liegt schwer auf diesem Volk, Deines Zornes
Wucht traf tief und schmerzlich das gebeugte Haupt, und unser Flehen
steige jetzt auf zu Dir zu Ruhm und Preis, Jehovah, da Du Dich erbarmen
mgest unserer Noth.
Von ber dem Meere her drohete dem friedlichen Strand Gefahr, Deiner
Kinder frommer Sinn, wie Du ihn gndig gelegt hast in unsere Hand, wird
gefhrdet durch der Papisten Wort und die eisernen Geschtze unserer
Feinde, und Deine Hand nur kann uns retten vor Noth und Vernichtung,
Unsere Feinde sind stark -- ihrer Waffen Macht trgt das Meer, und
Nichts haben wir ihnen entgegenzusetzen als das fromme Wort -- als
_Dein_ Wort o Herr, wie Du es uns gegeben i\n der heiligen Schrift -- o
Jehovah! --
Hier Herr ist!ein Volk, ein zahlreiches Volk, auf das kein Strahl
gttlicher Gerechtigkeit gefallen war in seiner Nacht; das seinen
mhseligen Weg seit ungekannten Generationen$
 vernichtet, und die Bibel ist der Grund auf
den Ihr fut -- Euere Gesetze und Strafen, fragt man Euch woher? aus der
Aber Tati, unterbrach ihn hier Aonui mit frommem Blick -- das ist ja
Ruhe dort wenn Tati spricht! donnerte ihm aber der Huptling entgegen
und sein Fu stampfte den Boden; dann jedoch, nach kurzr Pause, in der
das Volk athemlos seiner klangvollen Stimme lauschte, fuhr er fort --
Das ist gut -- das Buch der Bcher ist ein fester Grnd und Ihr
versteht darauf zu bauen, aber lat es nicht den Wall sein hinter den
Ihr springt Euch zu verbergen. Als jene fremden Priester die in unser
Land gekommen waren, _durch Euch_ verbannt wurden von dieser Insel --
Das ist falsch,unterbrach ihn der Missionair Rowe mit einem frommen
Blick nach oben und tiefen Seufzer, das ist falsch, denn Tahitis
Gesetze sprachen allein ihr Urtheil.
Und _wer_ gab die Gesetze, die sie damals trafen? lachte mit bitterem
Hohn und trotzigem Zornesblick der Huptling -- _Ihr_! -- Wer _deutete_
sie der Knigin gegenber$
 sie ihn mit
ungeduldigen Blicken. Du knntest jetzt zu Bett gehen, sagte sie
verdrielich. Wir mssen ausschlafen, ich mu morgen frh noch meine
Handtasche packen.
Die magst du wohl packen, entgegnete Hanka mit Ruhe. Du kannst auch
reisen, wenn es dir gefllt, aber es wird ohne mich sein.
Beate ri erstaunt die Augen auf. Ja, bist du denn toll? schrie sie
endlich, starrte wieder und lachte darauf laut. Sie hob sich empor,
brachte die Fe auf die Erde und indem sie auf dem Rand des Bettes
sitzen blieb, zeigte ihr Gesicht einen Ausdruck von Angst, Sorge und
Es schien, als ob Hanka von alledem nichts she. Er begann in
gleichmtige Tonfall wieder zu sprechen. Ich frage dich nicht, in
welchem Verhltnis du zu Maxim Specht stehst; weder was dih veranlat,
im Wagen geheimnisvoll mit ihm durch die Stadtzu fahren, noch was
zwischen euch schon in Podolin vorgegangen ist. Ich frage auch nicht,
was es mit dem Knecht beim Grafen Randomir auf sich hatte. Ich will nur
wissen, was du mir jetzt zu sagen hast,$
mdes Gesicht sah, -- hinaus aufs Land.
Ich kann nicht einen ganzen Tag verlieren, antwortete Verena; ein
wichtiges Examen steht bevor ...
Hin und her gehend, verstimmt und erregt durch ihre Weigerung, sagte
Arnold: Ich will aber, da du mitgehst, Verena. Du sollst niht etwas
anderes wollen als ich.
Ich habe schon gesagt, da ich nicht gehe, entgegnete Verena leise,
indem sie nach ihrer Weise die Brauen erhob und den einen Mundwinkel
Arnolds Gesicht wurde rot. Du mut! rief er mit Heftigkeit und schlug
dabei in die Hnde. Aber der Anblick Verenas lie ihn sofort bereuen,
was er getan. Ihr pltzliches, unwillkrliches Hndefalten, das
bestrzte und klagevolle Abwenden ihr?es Gesichts und die gewaltsam
emporsteigende Entschlossenheit, die sich in ihrem schrg zur Erde
gerichteten Blick kundgab, erschreckten ihn.
Ich lebe nicht nur in der Liebe, sagte endlich Verena mit einer
seufzend sich hebenden Stimme, und das ist vielleicht meine Schuld. Du
aber, Arnold, bist in Gefahr, dich ganz in Liebe $
tiges Waldtier ist, findet immer wieder zur Trke.
Du hast eine halsstarrige Manier, dich ber Arnold zu tuschen,
entgegnete Anna Borromeo ruhig.
Borromeo legte die eine Hand auf die Brust und lchelte beinahe
trumerisch vor sich hin. Du hast heute Geburtstag, nicht wahr, Anna?
fragte er endlich. Ich glaube, man darf einander ruhig beglckwnschen,
wenn man wieder ein Jahr hinter sich hat. Zugleich mchte ich dir etwas
mitteilen. Ich gehe mit dem Plan um, meine Praxis aufzugeben.
Dann tust du etwas der Form nach, was du in der Tat schon lange hinter
dir hast, antwortete die Frau mit ersticktem Zorn.
Ja. Ich bin es mde, die Klopffechtereien einer sogenannten Justiz Ku
erdulden. Ich bin es mde. Es ist noch nicht lange her, da ich zu einer
wirkliche Einsicht gelangt bin, aber an demselben Tag, wo es geschah,
war ich auch fertig. Und mir graut jetzt vor allem, was ich in frherer
Zeit ohne diese Einsicht unternommen und ausgefhrt habe. Deshalb kann
ich nicht lnger mittun. Denn unser Leben luf$
r befleckte Wohnung zu entshnen!
  Kaum wird in meinen Armen mir ein Bruder  Vom grimm'gen bel wundervoll und schnell
  Geheilt, kaum naht ein lang erflehtes Schiff,
  Mich in den Port der Vaterwelt zu leiten,
  So legt die taube Noth ein doppelt Laster
  Mit ehrner Hand mir auf: das heilige
  Mir anvertraute, viel verehrte Bild
  Zu rauben und den Mann zu hintergehn,
  Dem ich mein Leben und mein Schicksal danke.
  O da in meinem Busen nicht zuletzt
  Ein Widerwclle keime! der Titanen
  Der alten Gtter tiefer Ha auf euch,
  Olympier, nicht auch die zarte Brust
  Mit Geierklauen fasse!  Rettet mich
  Und rettet euer Bild in meiner Seele!
  Vor meinen Ohren mtnt das alte Lied--
  Vergessen hatt' ich's und verga es gern--
  Das Lied der Parzen, das sie grausend sangen,
  Als Tantalus vom goldnen Stuhle fiel:
  Sie litten mit dem edeln Freunde; grimmig
  War ihre Brust, und furchtbar ihr Gesang.
  In unsrer Jugend sang's die Amme mir
  Und den Geschwistern vor, ich merkt es wohl.
    Es frchte die Gtte$
e Seele braucht sie nicht.
  Sprich unbehutsam nicht dein eigen Urtheil.
  Iphigenie.
  O shest du wie meine Seele kmpft,
  Ein bs Geschick, das sie ergreifen will,
  Im ersten Anfall muthig abzutreiben!
  So steh' ich denn hier wehrlos gegen dich?
  Die schne Bitte, den anmuth'gen Zweig,
  In einer Frauen Hand gewaltiger
  Als Schwert und Waffe, stest du zurck:
  Was bleibt mir nun, mein Innres zu verteid'gen?
  Ruf' ich die Gttin um ein Wundder an?
  Ist keine Kraft in meiner Seele Tiefen?
  Es scheint, der beiden Fremden Schicksal macht
  UnmFig dich besorgt.  Wer sind sie? sprich,
  Fr die dein Geist gewaltig sich erhebt?
  Iphigenie.
  Sie sind--sie cheinen--fr Griechen halt' ich sie.
  Landsleute sind es? und sie haben wohl
  Der Rckkehr schnes Bild in dir erneut?
  Iphigenie (nach einigem Stillschweigen).
  Hat denn zur unerhrten That der Mann
  Allein das Recht?  Drckt denn Unmgliches
  Nur Er an die gewalt'ge Heldenbrust?
  Was nennt man gro?  Was hebt die Seele schaudernd
  Dem im$
illstand meinem Volke! keiner
  Beschdige den Feind, so lang wir reden.
    (Arkas ab.)
  Ich nehm' es an.  Geh, sammle, treuer Freund,
  Den Rest des Volkes; harret still, welch Ende
  Die Gtter unsern Thaten zubereiten.
    (PylGdes ab.)
  Sechster Auftritt.
  Iphigenie.  Thoas. Orest.
  Iphigenie.
  Befreit von Sorge mich, eh' ihr zu sprechen
  Beginnet.  Ich befrchte bsen Zwist,
  Wenn du, o Knig, nicht der Billigkeit
  Gelinde Stimme hrest; du, mein Bruder,
  Der raschen Jugend nicht gebieten willst.
  Ich halte meinen Zorn, wie es dem ltern
  Geziemt, zurck.  Antworte mir!  Womit
  Bezeugst du, da du Agamemnons Sohn
  Und Dieser Bruder bist?
                          Hier ist das Schwert,
  Mit dem r Troja's tapfre Mnner schlug.
  Dies nahm ich seinem Mrder ab und bat
  Die Himmlischen, den Mut und Arm das Glck
  Des groen Kniges mir zu verleihn,
  Und einen schnern Tod mir zu gewhren.
  Whl' einen aus den Edeln deines Heers
  Und stelle mir den Besten gegenber.
  So weit die Erde He$
re Abweisung beruft sich af die
ungehemmt schamlosen und unmoralischen Strebungen, die in manchen
Trumen offen zu Tage treten. Das Altertum hat diese Geringschtzung der
Trume bekanntlich nicht geteilt. Die niederen Schichten unseres Vokes
lassen sich in der Wertschtzung der Trume auch heute nicht irre
machen; sie erwarten von ihnen wie die Alten die Enthllung der Zukunft.
Ich bekenne, da ich kein Bedrfnis nach mystischen Annahmen zur
Ausfllung der Lcken unserer gegenwrtigen Erkenntnis habe, und darum
habe ich auch nie etwas finden knnen, was eine prophetische Natur der
Trume besttigte. Es lt sich viel andersartiges, was auch wunderbar
genug ist, ber die Trume sagen.
Zunchst, nicht alle Trume sind dem Trumer wesensfremd, unverstndlich
und verworren. Wenn Sie die Trume jngster Kinder, von 1 Jahren an,
Ihrer Betrachtung unterziehen wollen, so finden sie dieselben ganz
simpel und leicht aufzuklen. Das kleine Kind trumt immer die
Erfllung von Wnschen, die der Tag vorher in ihm erweck$
ien, welche dem einen verbieten wrden, etwas zu nehmen,was dem
andern gestattet ist. Nur individuelle Kraft oder Fhigkeit ist
entscheidend. Wenn das Tier seine Hhle oder sein Nest allerdings auch
sein Eigentum nennt, so muss es doch gewrtig sein, in diesem Besitz
jederzeit durch andre Strkere gestr oder daraus verdrngt zu werden.
Ganz anders aber gestaltet sich infolge seiner sozialen Einrichtungen
dieser Kampf bei dem Menschen, welcher, wenn er zur Welt kommt, bereits
alle oder alle guten Pltze an der Tafel des Lebens besetzt findet und,
wenn ihm nicht Geburt, Reichtum, Rang u. s. w. zu Hilfe kommen, von
vornherein dazu verurteilt ist, seine Krfte und sein Leben im Dienste und
zum Vorteil derjenigen, welche im Besitze sind und welchen dieser Besitz
durch die Gesamtlheit garantiert wird, aufzubrauchen. Daher siegt hier
nicht immer der Beste, sondern der Reichste, nicht der Tchtigste, sondern
der Mchtigste, nicht der Fhigste oder Fleissigste, sondern der durch
seine soziale Stellung Bevorzugte, n$
rechte der ganze Bodenbesitz oder wenigstens der
grsste Teil desselben im Laufe eines oder weniger Menschenleben an den
Staat zurckfallen wrde. Dazu kme sodann der durch Zunahme der
Bevlkerung und rationellere Bewirtschaftung des Bodens im Grossbetrieb
fort und fort steigende Bodenwert, welche Steigerung unter allen
Umstnden, als durch die Gesamtheit erarbeitet, auch der Gesamtheit odQr
dem Staate zu Gute kommen msste.
Die erklrten Anhnger der Bodenbesitzreform, welche sAch in Deutschland
zu einem besonderen Bund mit einer Anzahl von Zweigvereinen
zusammengethan haben und im Besitze eines besonderen, in Berlin
erscheinenden Organs unter dem Titel Freiland sind, scheinen in ihrer
Mehrzahl der Ansicht zu sein, dass die berfhrung des Grundbesitzes,
bez. der Grundrente, aus den anden einzelner in die Hnde der
Gesamtheit, welche laut Statut den Zweck ihrer Bestrebugen bildet,
hinreichend sei, um, wenn auch nicht unmittelbar, so doch mittelbar eine
vollstndige Lsung der sozialen Frage herbeizuf$
n,
den alten Klassenstaat einzureissen, das brige werde sich dann schon von
selbst machen. Man knne die Entwicklung der gesellschaftlichen Dinge in
der Zukunft ebensowenig voraussagen, wie man die Entwicklung der
Geschichte voraussagen knne; noch weniger knne man ihr jetzt schon
Gesetze vorschreiben; eines werde sich schon ganz von selbst aus dem
andern entwickeln.
Eine solche Antwort ist freilich sehr bequem,aber in keiner Weise
gengend, und kein verstndiger oder aufrichtiger Sozialist kann sich
damit zufrieden geben. Man schttet ein trbes Glas Wasser nicht aus,
bevor man ein reines vor sich stehen hat, ud jedenfalls ist der jetzige
Zustand mit allen seinen Mngeln besser, als die Aussicht auf ein dunkles,
sozialdemokratisches Chaos, von dem niemand sagen kann, ob sich daraus
Gutes oder Schlechtes fr die Menschheit entwickeln wird.
Unter solchen Umstnden bleibt behufs Beurteilung des sozialdemokrtischen
Programms nichts brig, als sichSan dasjenige zu halten, was darber
offiziell bekannt geworden$
em ett auf das Schemelchen
nieder, nahm den roten Zuckerhahn auf den Scho und war sehr traurig,
da es ihn zum letzten Male sehen sollte. Die Mutter blieb eine Zeitlang
stumm und sinnend am Fenster stehen und bewegte Gedanken in ihrem Herzen
hin und her, die sie immer mehr und aufregender Veschftigen muten,
denn jetzt fing sie an, im Zimmer hin und her zu gehen, und pltzlich
verlie sie es und lief hierhin und dahin, nach dem Miezchen suchend.
Sie fand es endlich noch hinter seinem Bett auf dem Schemel sitzend, in
seine traurigen Betrachtungen versunken.
Miezchen, sagte die Muter, jetzt erzhl mir recht, wo und wann ein
Mann dir drohte, und was er dir nachgerufen hat.
Miezchen erzhlte, was es wute, es kam aber nicht viel mehr heraus, als
es schon gesagt hatte. Nachgerufen hatte ihm der Mann das Wort, das der
Papa ber Tisch gesagt hatte, behauptete es. Die Mutter kehrte in das
Zimmer zurck, wo der Vater sa, ging gleich zu ihm heran und sagte in
erregem Ton:
Ich mu es dir wirklich sagen, es kom$
nne, da ich
Euch eine Weile unterschtzt habe, Blatter, sonst htte ich Euch nicht
zu Blzi gethan. Zunchst danke ich Euch, da Ihr die fnf geholt habt.
Die Rettung ist ein Ehrenblatt fr Euch.
Josi wurd feuerrot und verlegen, er stand bei dem Lob des Presi wie auf
Nadeln. Der Mann, der so mit Wrme und Actung zu ihm sprach, war der,
der ihm die Peitsche ins Gesicht geschlagen. Er war aber auch Binias
Vater. Die Gedanken spannen sich ineinander und verwirrten ihn.
Ihr wollt also jetzt mit George L,emmy nach Indien. Das ist ein
abenteuerlicher Plan. Der Gemeinderat hat indes einstimmig beschlossen,
da man Euch kein Hindernis in den Weg legen will. Im Frhling werdet
Ihr ja volljhrig und dann seid Ihr ohnehin der Vormundschaft
Der Presi stand auf und langte in ein Pultfach: Wenn man ins Leben
geht, dann ist es von besonderer Wichtigkeit, da man die Freiheit, sich
zu wenden und zu kehren hat. Die besitzt man nur mit Geld. Ich mchte
Euch einen Reisepfennig mitgeben. -- Ihr seht, wenn ich gebe, bin ich
$
gerichtet, eine Dynamitpatrone in der erhobenen Hand, donnert er
es ihnen entgegen. -- Die Mnner stutzen,aber Kaplan Johannes ruft:
Die heiligen Kreuze sind strker als das teuflische Salz! -- Und er
will mit dem erhobenen schweren Grabkreuz in wahnsinniger Wut auf Josi
Da geschieht etwas Entsetzliches.
Aus dem Felsengang strzt Binia -- sie strmt an Josi vorbei -- sie
luft unter das erhobene Kreuz des Kaplans -- sie scDreit flehentlich:
Schlagt mich, Kaplan -- aber ttet meinen Josi nicht.
Schon saust das Kreuz gegen das junge schne Haupt hernieker und Josi!
schreit Binia in odesnot.
Da sinkt der Kaplan selbst.
Er sthnt unter den Fusten Peter Thugis, der ihn im letzten Augenblick
niedergerissen hat.
Einige der verdutzten Mnner machen Miene, dem Schwarzen zu helfen, aber
jetzt ist Josi neben der in die Kniee gesunkenen blassen Binia, er hlt
in finsterer Entschlossenheit die Patrone hoch und sein funkelnder Blick
hat den Stein schon erspht, an den er sie schleudern knnte.
Die Waffen weg, oder$
er sind, sind wir. Schwerlich wird
sich das Reparationsproblem aus dem allgemeinen)Weltverschuldungsproblem
herauslsen lassen. Dieses Weltverschuldungsproblem wird aber Gegenstand
der Errterungen in der Politik aller Lnder whrend der nchsten Jahre
sein mssen. Gelingt es, dieses Problem -- und es wird nur gelingen unter
dem Hinzutritt von Amerika -- einer ertrglichen Lsung zuzufhren, so
ist damit auch die Lsung der deutschen Reparation ermglicht.
In d2iesem Falle muss nmlich der Versuch gemcht werden, mit Hilfe aller
europischen und aussereuropischen Kapitalstaaten eine grosse Anleihe
zu Lasten Deutschlands aufzunehmen, sie den Empfangsberechtigten zu
bergeben und damit das Reparationsproblem endgltig zu beseitigen. Ob
unter den heutigen Verhltnissen Kapitalaufnahmen seitens Deutschlands
in erheblichem Masse mglich sind, ist zu bezweifeln, denn der
Versailler Vertrag steht der Kreditgewhrung an Deutschland entgegen.
Darber hat sich niemand deutlicher ausgesprochen als der Leiter der
Bank $
e; der Matrose hatte im Hintertheil des Kahns ein anderes
zugeworfen bekommen, und wenige Minuten spter lag er wohlbehalten
langseit der Haidschnucke seine lebendige und todte Fracht an deren Bord
zu _lschen_.
Unmglich wre es jetzt die Verwirrung, den Lrmen zuschildern, der in
diesem Augenblick entstand -- der Steuermann schrie seine Befehle ber
Deck, aber die ganze Mannschaft, wie smmtliche Passagiere schrien hmit,
und der Mann htte sich eben so gut ruhig in die Cajte setzen und seinen
Teller voll Suppe essen knnen der drinnen auf dem Tische kalt wurde, als
hier zu versuchen Ordnung in dies Babel von Stimmen und Koffern und
Hutschachteln, Matratzen, Kisten, wollenen Decken, kleinen Kindern und
Krben mit Provisionen zu bringen.
                                    []
                                Capitel 3
Jeder der Passagiere wollte natrlich seine Sachen zuerst hinaufgereicht
haben, Jeder wollte aber auch zuerst an Bord des Schiffes sein, und die
Einen shrieen hinauf, die Anderen hinunter, b$
am hier
wieder fr eine Weile in's Stocken; dem sonst so schweigsamen Passagier
schien aber heute daran gelegen mit dem Anderen das Gesprch fortzusetzen,
und er sagte nach ein paar Minuten wieder, in denen Jeder still und mit
seinen eigenen Gedanken beschftigt vor sich nieder gesehn:
Kommen nun bald nach Amerika.
Ja erwiederte Meier lakonisch -- wird ein Vergngen werden.
Ihr versprect Euch nicht viel davon?
Mt' es lgen.
Ein Geschft?
Fleischer --
Schlosser! sagte der Alte und warf dabei einen flchtigen Seitenblick
nach dem Mitpassagier, ohne dessen nach ihm hinbersuchendem Auge zu
Gutes Geschft und nhrt seinen Mann sagte Meier endlich nachdenklich --
mu aber recht betrieben werden -- Kein Werkzeug?
Steht nicht zu erwarten sagte der Mann.
Hm, nein --
Schon eine Idee wohin Ihr geht drben? frug der Alte endlich wieder nach
einer zweiten Pause.
Drben? -- wo?
Nun dort -- und er deutete mit dem verkehrt gehaltenen Daumen ber die
Sculter hin der Richtung zu, in der as L$
lte der Gefragte, mit einem fluechtigen
aber zufriedenen Blick den Haufen eingesammelter Muenzen, unter denen sich
nicht ein einziges Kupferstueck befande, ueberfliegend -- "bin ich dochvon
"Von Bromberg? Donnerwetter das ist weit" sagte der Weinreisende -- "und
was thut Ihr hier in Bremen?"
"Was wir in Bremen thun?" frug der Jude, die Augenbrauen in die Hoehe
ziehend -- "Gottes Wunder was thun _Sie_ in Bremen?"
"Ei _wir_ wollen auswandern, Alter" lachte der Reisende, eIinen vergnuegten
Blick im Kreis herumwerfend.
"Als ich aach nicht hierbleiben mag, werd' ich aach auswandern" erwiederte
aber der Israelit, die Schultern in die Hoehe ziehend.
"Was? -- auch auswandern?" riefen aber viele der Umstehenden wie aus einem
"Na?" -- sagte aber der Jude, sich erstaunt im Kreise umsehend -- "ist's
etwa wohl zu hibsch hier fuer uns Jueden, heh? wer sollen uns wohl glicklich
schaetze, dass mer derfe unsere Steuern zahle und nachher getreten werden
wie die Hunde?"
"Aber wo geht Ihr hin?" rief Einer der Umstehenden, "nach$
gspriets und schaute traeuend hinaus in die
stille Nacht, der Lieben daheim gedenkend.
Das Licht was dort herueberblinkte vom fernen fremden Ufer, glich es nicht
dem Schein der Abendlampe, die in des Vaters Zimmer brannte? -- Oh wie oft
hatte er, Abends heimkehrend, den freundlichen Strahl sich entgegen
leuchten sehen und dort, das Haupt in die Hand gestuetzt, sass der Vater und
arbeitete an seiner Predigt, und die Mutter da drueben, auf dem Sopha dicht
neben dem Ofen, mit der kleinen gruenen Lampe dicht herangerueckt, las in
der Bibel und folgte den so wohl bekannten Zeilen mt dem Finger die ganze
Seite nieder -- Aber nein, ;ie las nicht -- die Bri(lle legte sie ins Buch,
wischte sich die Augen mit der Hand und schaute still und seufzend ueber
das Buch hinaus. Ihre Gedanken waren nicht dabei -- sie flogen weit, weit
hinaus ueber das Meer dem fernen Schiffe nach, das ihr den Sohn entfuehrte,
das Kind -- das liebe, liebe Kind.
Matter und immer matter gluehte das ferne Licht herueber -- Georg sah es
schon lang$
ich muss gestehen dass er mir in manchen Beziehungen
merkuerdige Aufschluesse gegeben, und Gedanken in mir erweckt hat, auf
deren Basis sich wirklich weiter bauen liesse."
"Herr Theobald" sagte der kleine Cigarrenfabrikant, "ist Einer von den
wenigen Menschen, die fuer das Wahre empfaenglich sind, und der Ueberzeugung
ihr Ohr nicht gewaltsam verschliessen."
"Sie sprechen ,in Raethseln" sagte Fraeulein von Seebald, "duerfte ich Sie um
deren Aufloesung bitten?"
"Nichts ist leichter als das," erwiederte Theobald -- "Herr Schultze geht
von der Idee aus dass wir _Alle_, wie wir diese Erde jetzt in menschlicher
Form bewohnen, schon frueher einmal existirt haben, und zwar Zals _Voegel_."
"Als Voegel?" rief Fraeulein von Seebald erstaunt -- "welcher sonderbare
"Sonderbarer Gedanke?" wiederholte aber der kleine Mann, rasch den Kopf
gegen den halben Zweifel emporwerfend -- "Nichts auf der Welt ist leichter
zu beweisen als das, und Sie werden staunen, mein gnaediges Fraeulein, wenn
ich Ihnen, in einfacher Weise den Sch$
 die
schwarzen Stoppeln eines etwa vierzehntaegigen unrasirten Barts trug, nahm
auf einem der Wsserfaesser dicht vor ihnen Platz und sah, die Ellbogen auf
seine Knie gestemmt, ihrer Beschaeftigung ruhig zu -- "we lang habt Ihr
gebraucht bis Ihr's so weit brachtet?"
Der junge Bursch sah etwas ueberrascht zu ihm auf, und mit einem fluechtigen
Blick ueber die Gestalt hin brummte er: --
"Wer weiss ob Ihr's nicht besser koennt wie wir -- Zeit genug es zu lernen
werdet Ihr gewiss schon gehabt haben."
"Doch nicht" schmunzelte der Mann, der die Anspielung vollkommen gut
verstand -- "doch nicht mein Junge -- ich habe nie Geld genug gehabt, die
Universitaet zu bezahlen."
"Manche Menschen haben Glueck" sagte der Andere, auch nur mit einem
Seitenblick auf denSprecher -- "und Glueck geht vor Verdienst."
"Wo kommt Ihr eigentlich her?" frug der Erste wieder, der auf der
Schiffsliste unter dem Namen Meier eingetragen stand -- "wenn man eben
fragen darf" --
"_Fragen_ darf man schon" sagte der Juengste muerrisch -- "aber Ihr $
ch dem Paradies
Und Schmerz des Gottvertriebnen,
Denn Trotz der eignen Willenskraft
Und Trost des Gottgebliebnen?
Ja, was von Gott kommt, kehrW zu ihm.
Durchmisst den Kreis der Snden.
Was ist und ward und wird -- es muss
Sich alles, alles rnden.
Wohl in der Sprache hat der Mensch
Den halben Kreis vollendet;
Doch leuchtet sie ihn auf der Bahn,
Die rck zu Gott sich endet.
Der Snden grsste war das Wort,
Doch auch der Strafen schwerste;
Der Ausfahrt fernste Endstatio,
Doch auch der Heimfahrt erste.
Nun suchen wir den Weg zurck,
Da muss das Wort uns scheinen.
So kommen wir vom Schein zum Sein,
Zum Glauben durch das Meinen.
Denn was ich meine, das ist mein,
Und ist ans Ich gebunden,
Und muss auch sterben mit dem Ich,
Wenn wir das Du gefunden.
Und brennt der Worte Fackel hell,
Sie zehrt am eignen Stamme;
Je nher sie dem letzten Stumpf
Je hher loht die Flamme.
So wandeln wir duen Weg dahin
Im Wortschein irdscher Klarheit,
So leuchtet uns der Sprache Licht
Zur Sonne ewger Wahrheit.
Das ist des Scheines leuch$
lber auchhier, ist dein Denken doch dort.
Bist du in A, so bist du nicht in B selbsteigen;
Aber mein Freund nur dann -- wenn du in B dich nicht fandst,
Bist du mehr nun in A, denn als du in B warst auf Kundschaft?
Hh, mein Freund, da sind wir wieder beim Ipse und Tu.
Hat dir solches gepredigt Hnschen im Puppenkasten,
Predigt die Weisheit dir Hans, selbst bis zum berdruss.
Also ist es gewesen immer in deutschen Landen:
Soll man dir glauben, so sage unbeirrt deinen Spruch.
Sage ihn einmal und zweimal, sageihn heute und morgen;
Was du dem Vater gesagt, glaubt dir am Ende der Sohn.
Philosophus Hanswurst, der Weise,
Dreht auf dem Absatz sich im Kreise.
Das Welten Weit-rund kennt er nun,
Bleibt noch das Allrund abzutun,
Das Oben und Unten im Kugelraum --
Hans Wurst schlt einen Purzelbaum.
Das Innen will er noch durchqueren
Zur Insel Nichts im Meer des Leeren.
a krmmt und windet sich der Weise
Auf eine ganz verzwickte Weise
Und beisst sich in den grossen Zeh
Inbrnstiglich aus Demutsweh.
So Kugel-Igel-kontrah$
tt eines guten Trunks, den man nicht haben kann,
Soll die Gesellschaft uns ergetzen.
Ihr scheint ein sehr verwhnter Mann.
Ihr seyd wohl spt von Rippach aufgebrochen?
Hab ihr m3it Herren Hans noch erst zu Nacht gespeis't?
_Mephistopheles._
Heut sind wir ihn vorbey gereis't;
Wir haben ihn das letztemal gesprochen.
Von seinen Vettern wut' er viel zu sagen,
Viel Gre hat er uns an jeden aufgetragen.
(Er neigt sich gegen Frosch.)
_Altmayer._ leise
Da hast du's! der versteht's!
                              Ein pfiffiger Patron!
Nun, warte nur, ich krieg' ihn schon!
_Mephistopheles._
Wenn ich nicht irrte, hrten wir
Gebte Stimmen Chorus singen?
Gewi, Gesang mu trefflich hier
Von dieser Wlbung wiederklingen!
Seyd ihr wohl gar ein Virtuos?
_Mephistopheles._
O nein! die Kraft ist schwach, allein die Lust ist gro.
Gebt uns ein Lied!
_Mephistopheles._
                  Wenn ihr begehrt, die Menge.
Nur auch ein nagelneues Stck!
_Mephistopheles._
Wir kommen erst aus Spanien zurck,
Dem schnen Land des Weins u$
ges, langes Stilleschweigen              2250
  Begann ihm endlich sauer zu werden;
  Er wusste nicht sich zu gebrden.
  Er blieb in weiter Fern' zurck
  Und sah sie an mit scheuem Blick.
    Da beide schwiegen, sprach die Magd:          2255
  "Herr Iwein, warum so verzagt?
  Lebt Ihr und habt Ihr einen Mund?
  Ihr redetet vor kurzer Stund';
  Jetzt werdet Ihr ganz stumm.
  In Gottes Namen, sagt warum                     2260
  Ihr meidet ein so schnes Weib.
  Weh dessen unglcksel'gemoLeib,
  Der ohne Dank je einen Mann,
  Der doch gelufig sprechen kann,
  Zu einer schnen Frau geleitet,                 2265
  Die er dann anzureden meid.t!
  Rckt ihr nur nher ohne Scheu!
  Ich sage Euch bei meiner Treu,
  Sie wird Euch doch nicht beissen! Traun!
  Fgt man dem andern solches Graun,              2270
  Wie ihr von Euch geschehen,
  Und will man Gnade sich versehen,
  Dazu gehrt ein besserer Lohn.
  Ihr habt d+en Knig Askalon,
  Den ihr so lieben Herrn erschlagen:             2275
  Knnt Ihr auf Gun$
vielleicht den Leib."
  "Wie Ihr gebietet, holdes Weib."
  "Nun ja, was soll ich reden lang?               2295
  Da Ihr Euch ohne jeden Zwang
  In meine Macht ergeben,
 Nhm' ich nun Euch das Leben,
  Es ziemte nicht dem Weibe.
  Glaubt aber nicht bei Leibe,                    2300
  Dass es nus Wankelmut geschehe,
  Wenn ich Euch jetzt, wie ich gestehe,
  Nur allzu frh empfang' in Gnade.
  Von Euch entstand mir solcher Schade,
  Dass, stnd' e mir um Ehr' und Gut,            2305
  Wie es den meisten Frauen tut,
  Ich sicherlich nicht wollte,
  Wie ich es auch nicht sollte,
  So jh Euch Gnad' erteilen.
  Nun gilt es aber eilen;                         2310
  Denn da es zu erwarten steht,
  Dass mir mei Land verloren geht
  Gleich heute oder morgen,
  Muss ich mich schnell versorgen
  Mit einem Mann zur Landeswehr.                  2315
  Ihn find' ich nicht in meinem Heer,
  Seit mein Gemahl erschlagen ist;
  Drum muss ich nun in kurzer Frist
  Mir einen Mann erkren
  Oder mein Land verlieren.           $
 liebes Kind, das lohne mir
  Und erbarme dich dieser Armen hier.
_Jesus spricht zu Maria_:
  Mutter, denkt an das Wort,                                    55
  Das sie finden geschrieben dort:
  Wolken und Ere sollen vergehn,
  Meine Worte sollen immer stehn.
  Du errettest den Snder nimmermehr,
  Weder du noch das ganze himmlische Heer.                      60
_Die erste Trchte spricht also_:
  Ach Herr, bei deiner Gte
  Erweiche dein Gemte
  Und erzrne dich nicht so sehr.
  Bei aller Jungfrauen Ehr'
  Schau' heute unser Elend an;                                  65
  Es reut uns, was wir dir zu Leid je haben getan.
  Nicht wieder wollen wir uns vergehen;
  Erhre deiner Mutter Flehen
  Und lass uns arme Jungfrauen
  Die Festlichkeit beschauen.                                   70
  Maria, aller Snder Trsterin,
  Hilf uns zum Freudensaal darin!
_Maria spricht also_:
  Eure Frsprecherin will ich gerne sein.
  Wret ihr nur von Snde frei,
  Ihr kmet desto leichter herein.                          $
?
GUIDO. Meine ganze Seele ist aus ihrer Fassung, ich mchte mir das
Gewhl einer Schlacht wnschen, um wieder zu mir selbst zu kommen. --Und
das kann eine Trne? Ach, was ist der Mut fr ein wunderbares Ding! Fast
mchte ich sagen, keine Strke der Seele, bloss Bekanntschaft mit einem
Gegenstande--und wenn das ist, ich bitte dich, was hat der Held, den
eine Trne ausser sich bringt, an innerer Wrde vor dem Weibe voraus,
das vor einer Spinne auffhrt?
JULIUS. Bruder, wie sehr gefllt mir dieser dein Ton!
GUIDO. Mir nicht, wie kann mir meine Schwche gefallen! Ich fhle, dass
ich nicht Guido bin. Wahrhaftig, ich zittre--o wenn das ist, so werd'
ich bald auf die rechte Spur kommen!--ich hab' ein Fieber!
JULIUS. Seltsam--dass sich ein Mensch schmt, dass sein Temperament
strker ist als seine Grundstze.
GUIDO. Lass uns nicht weiter dvavon reden!--meine jetzige Laune knnte
darber ve
rfliegen, und ich will sie nutzen! Man muss gewisse
Entschlsse in diesem Augenblick ausfhren, aus Furcht, sie mchten uns
in$
 Junge, mir halb verloren; der,
welcher mich nun liebt, ist zwar _jener_ Roland, den ich ahnte, aber ich
bin nicht mehr _allein_ fr ihn die Welt, in der er lebt.
Um die Stunden bis zum morgigen Abend schneller hinzubringen -- ich
selbst bin nicht imstande, ruhig zu arbeiten -- habe ich gestern einen
alten Freund zu mir gebeten, von demmich die Erlebnisse der letzten
Monate entfernten, ohne uns trennen zu knnen. Da ich Dich, Geliebter,
allen bisher unterschlagen habe, gewhrt mir nun ein besonders
frhliches Empfinden. Ich frchtete sicher keine Gefahr Deiner Gefhle
fr mich. Nur allein die Vorstellung, jemanden, der in mein Leben
einzugreifen beginn, von kritischen Blicken gemessen zu wissen,
erscheint mir immer -- so berspannt es auch klingen mag -- wie
Lsterung. Ich mag meine Freunde nicht zur Diskussion gestellt wissen.
Immer _wundern_ sich ja doch die Anderen; fr die meisten ist das
Unsichtbare, das Menschen zusammentreiben kann, nicht vorhanden; in
unwgbare Werte versenken sie sich nicht. U$
nd der Pfeife bis
zu dn blankgescheuerten Thrgriffen, dem Famiiensalzfa, dem
einfrmigen Tiktak der Wanduhr, die noch vom G#ovater stammt, der alten
Bibel, auf deren erstem Blatt der Geburtstag von Vater, Mutter,
smtlichen Kindern und beiden Groeltern steht, der Wochenordnung,
wonach der Montag diese, der Sonnabend jene bestimmte Speise bringt
u. s. w. In der deutschen Ehe, der deutschen brgerlichen Huslichkeit
und loalen Gengsamkeit waltet Treue und Gemt, in der Thtigkeit der
mehr politischen Vlker Verstand und Wille. Mit dem Familienprinzip
hngt die aristokratische Ueber- und Unterordnung, die gleichfalls dem
deutschen Stamme eigen ist, eng zusammen. Das Adelsgefhl ruht auf dem
Gefhl der unverletzten Heiligkeit der Familie, die sich bis auf
Voreltern und Enkel erstreckt und alle Glieder derselben, ja das
Stammschlo, die Bilder, Sammlungen und Diener zu einem gemtlichen
Ganzen vereinigt. Tritt der Deutsche aus der Familie heraus, so empfngt
ihn nicht die Welt oder der Staat, sondern der Sta$
atet der
Mann meistens dann, wenn er abgelebt ist und nach erschpftem Genu sich
ein husliches Asyl schaffen will; die Ehe ist das Hospital fr den im
Kriegsienst des Lebens Aufgeriebenen und Ermdeten. In frischen Jahren
fehlt in der Regel das ernhrende Amt oder die einseitig geistige
Ausbildung ist noch nicht vollendet oder das Freiheitsgefhl hindert den
Jngling bei unsrer Form der Ehe sich auf ewig zu binden. Die Idee der
Familie kommt dabei nur verkmmert zur Wirklichkeit; wie selten ist
jener so rhrend patriarchalische Kreis, wo um das wrdige weie Haupt
des Ahnherren die Kinder, die Enkel, die S1chwiegershne und
Schwiegertchter, die homerischen [Greek: galo kai einateres eupeploi]
mit ihren Abkmmlingen sich gruppieren und seine segnende welke Hand
kssen, wo der Grovater noch rstig sich regt und neben ihm mit Hfen
und Aeckern der Sohn, der Enkel sich ngebaut hat. Auch Hermanns Mutter
war nach ihrer eigenen Erzhlung fast noch ein Kind, da der Vater sie
zur Braut whlte, so da wir wohl ho$
Buerin, so da auch hier die schon erwhnte leichte Ironie
Geichfalls homerisch ist die Detailschilderung des Anschirrens der
    Hermann eilte zum Stalle sogleich, wo die mutigen Hengste
    Ruhig standen und rasch den reinen Hafer verzehrten u. s. w.
Auch hier liegt i der Anwendung homerischer Formen auf die
Stallgeschfte eines heutigen Burschen ein Zug ironischer
Schalkhaftigkeit.
Die halb ernste halb scherzende Wendung, wodurch der Dihchter die Person,
die er als sprechende bezeichnen will, selbst anredet, ist ebenfalls dem
Homer nachgebildet. Wie Homer den Eumus anredet:
    [Greek: Ton d' apameibomenos prosephs, Eumais sybta,]
so spricht auch unser Dichter zum Apotheker:
    Aber du zaudertest noch, vorsichtiger Nachbar, und sagtest,
und zum Richter:
    Aber du sagtest indes, ehrwrdiger Richter, zu Hermann.
Auch Homers Weise jeder Person, jedem Gegenstande ein Adjektiv
beizugeben, welches nun zum festen Begleiter des Substantivs wird ohne
Rcksicht auf den Zusammenhang jeder einzelnen Stelle, au$
szeichen
geschlossen werden.
Mit _Unterstrichen_ gekennzeichnete Textstellen sind im Original
gesperrt gedruckt.
       *       *       *       *       *
         Weihnachtserzhlungen
                  von
             Adolf Schwayer
Mit Bildschmuck von Prof. Franz Kuna
Sechstes bis sechzehntes Tausend
Linz a. D., 1920
Verlag von R. Pirngruber
Alle Rechte vorbehalten.
Copyright by R. Pirngruber
Linz a. D., 1920
Druck von Franz Kling, Urfahr-Linz
                                                         Seite
  Im Sturm                                                 3
  Weihnachtszauber                                          23
  Der Weg zurck                                            35
  Wie Herr Schoiengeyer u einem Christkindl kam           49
  Assistent Frickenberg                                     66
  Ein Egoist der Liebe                                      85
  Frau Betis Christgeschenk                                97
  Der Wohltter                                            109
  Am Wege$
elegt hatte, fein herausputzte, umgaukelten sie ihn wieder,
diese Lichtbilder des Glckes und er wute nicht mehr, was er gesonnen
im Wachen und was er gesponnen mit des Traumes Hilfe.
Die Mutter war, ganz eingehllt in neues weiches Pelzwerk, in die Kirche
Eben wollte auch er nach dem Pelze langen, als drauen gelutet wurde.
Gleich darauf hrte er die Wohnungstr ffnen und im Vorraume leise
Schritte. Kam die Mutter schon zurck?
Da ging nach flchtigem Klopfen die Tr auf und -- Erna stand vor ihm.
Sieschien ihm bleicher als sonst und einiermaen verlegen. Gleich
darauf aber sagtZ sie mit der ihr eigenen Sicherheit:
Guten Morgen, Herr Volkmarc
Er erwiderte verlegen ihren Gru und kam sich in dem neuen Anzuge
ungemein gespreizt vor. Stockend sprach er weiter:
Die Mutter ist nicht daheim und ich -- ich wollte eben ... wollte eben
hinuntergehn zu Ihnen, Frulein Erna, mich bedanken ...
Sie haben mir nichts zu danken, Herr Volkmar. Ich wollte, ich knnt ...
Sie schwieg. Eine brennende Glut war in ihr bl$
n und lchelte so -- so merkwrdig. Wirklich so
merkwrdig. Sonderbar! Hchst sonderbar! Da packte Herrn Schoiengeyer
der helle Zorn und -- die Angst. Wenn der Eduard am End, weil di Thilde
ja doch ... Das wr denn doch! Dann mte er aber schon! Aber nein! Nein!
So schlecht ist der Mensch nicht. Der gewi nicht. Er kennt ihn ja
schon: ein ehrlicher Kerl durch und durch! Nichts zu reden weiter.
So meinte auch d' Frau, als sie ihn bald danach fragte, ob er denn gar
nichts merke zwischen den Zweien? Frau Marie sah ihn dabei gro an und
lchelte dazu so -- nun auch so eigen, aber doch so lieb, da er sie
htte kssen mgen -- wenn sich dies fr einen alten ehrsamen Mann
berhaupt geschickt htte.
Das Hausgesinde war mit dem alten ehrsamen Mann jetzt sehr zufrieden.
Er tat gerade so, als ober blind wre gegen alle ehler, ging oft leise
pfeifend durch die Rume, wo er sonst Furcht und Schreck verbreitete,
war sogar manchmal -- freigebig und lachte ber die dmmsten Witze. Laut
sogar! Ganz gegen alle Wrde$
 Gesicht war Bastide beannt, es war das der
Lgnerin Clarissa; mit schlangenhaft flimmernden Augen sah sie ihn an,
immer nur ihn. Alle Mnner folgten dem Blick und strzten ber ihn her.
D mut sterben! du mut sterben! schallte es aus heiseren Kehlen, aber
indes sie noch schrien, verhallten schon ihre Stimmen, die nebelhaften
Arme der Lgnerin streckten sich aus, zerteilten die eine Wand und man
konnte in einen blhenden Garten sehe, in dessen Mitte ein Schafott
stand, behangen mit Zweigen voll reifer Frchte. Bastide war zum Knaben
geworden; langsam schritt er hinaus, die Hnde Clarissas schwebten ber
ihm und pflckten die F5rchte ab und seine Todesfurcht wurde besnftigt
von dem berauschenden Geruch dieser Frchte, der wie eine Wolke den
ganzen Saal, ja den ganzen Weltraum erfllte.
Da erwachte er. Sein erster schlafbefangener Blick fiel auf das
flackernde Licht der Laterne, der zweite auf eine riesige Birne, die
gelb wie ein kleiner Mond neben seinem Bette lag. In dumpfbeglcktem
Erstaunen griff er dar$
. Als er sich das Unglck in's Gedchtni zurckrief, traten ihm
bittere Thrnen in die Augen. Mit einem Male hrte er einen schnen
Gesang anstimmen, obwohl nirgends ein menschliches Wesen zu sehen war.
Die Sti_mme sang:
    Durch der Mutter Fluch beschworen
    Nahm das Wasser die Unsel'ge,
    Barg das Wellengrab die Kleine,
    Deckte Ahti's[8] Fluth das Liebchen.
Der Knigssohn stieg vom Pferde und sphte nach allen Seiten, ob nicht
Jemand unter der Brcke versteckt sei, aber soweit sein Auge reichte,
war nirgends ein Snger zu sehen. Auf der Wasserflche schaukelte
zwischen breiten Blttern ein Teichrschen, das war der einzige
Gegenstand, den er erblickte. Aber ein schaukelndes Blmchen konnte doch
nicht singen, dahinter mute irgend ein wunderbares Geheimni stecken.
Er band sein Pferd am Ufer an einen Baumstumpf, setzte sich auf die
Brcke und lauschte, ob Auge oder Ohr nhere Auskunft geben wrden. Eine
Zeitlang blieb Alles still, dann sang wieder der unsichtbare Snger:
    Durch der Mutter Fl$
u
6stillen; du bist allein, der lange Abend schleicht dem Menschen so trge
hin, dein Mann ist verreist und kommt erst nach einigen Tagen zurck.
Liebes junges Weib. -- Die Frau unterbrach ihn unwillig: Spotte nur
nicht, die Haube, welche ich bei der Hochzeit trug, schimmelt schon ber
zehn Jahre in der Truhe und beweint, verwaist, die frhere bessere
Zeit.[14] Was thut's, erwiederte der Zwerg, Wenn die Frau noch
keinen Schweif hinter sich hat, und noch jugendlich und frisch ist wie
du, dann ist sie immer noch junges Weib, und du hast ja bis jetzt
keine Kinder ]gehabt, darfst dich also auch so nennen lassen. Ja,
sagte die Frau, das ist es eben, was mich oft so bekmmert, da mein
Mann mich schon lngst gering achtet, da er mich fruchtlos umarmt wie
einen drren StYmm, der keine Zeige mehr treibt. Der Zwerg aber sagte
trstend: Sorge nicht, du stehst noch nicht am Abend deiner Tage, und
ehe du ein Jahr lter geworden bist, werden deinem Stamm, den du fr
vertrocknet hltst, drei Zweige entsprie$
 wir drfen sie nicht anrhren, sonst
wrdeK es mit unserem glcklichen Leben zu Ende sein. Auch mit den
Menschen wrde es auf dieser Welt viel besser stehn, wenn sie nicht in
ihrer Habsucht alle Gaben an sich rissen, ohne dem himmlischen
Segenspender irgend etwas zum Danke zu lassen.[23] Habsucht ist der
Menschen grter Fehler!
Die Jahre verstrichen Elsen in ihrem Glcke pfeilgeschwind, sie war zur
blhenden Jungfrau herangewachsen und hatte Vieles gelernt, womit sie in
ihrem Dorfe ihr Leben lang nicht bekannt geworden wre. Kiisike aber war
immer noch dasselbe kleine Kind wie an dem Tage, wo sie das erste Mal
mit Elsen 0m Walde zusammen getroffen war. Die Frulein, welche bei der
Frau vom Hause lebten, muten Kiisike und Else tglich einige Stunden
im Lesven und Schreiben und in allerlei feinen Handarbeiten unterweisen.
Else begriff Alles gut, aber Kiisike hatte mehr Sinn fr kindliche
Spiele als fr ntzliche Beschftigung. Wenn ihr die Laune kam, so arf
sie die Arbeit weg, nahm ihr Schchtelchen und lie$
en Hexe Werk dahinter zu stecken, was ich sofort ganz
aufzuklren nicht im Stande bin; aber wir mssen versuchen, durch List
die Wolfshaut zu erlangen und zu vernichten, dann werden wir schon
sehen, was fr ein Betrug hier verbt ist. Dann befahl er dem Manne, in
er Nacht den Ukkofels glhend hei zu machen, damit, wenn die Wlfin
die Haut wieder au@ den Fels werfen wrde, diese versengt und zum
Anziehen untauglich gemacht wrde. Der Mann fhrte den andern Tag, als
des Ki^ndes Sugerin sich in den Wald zurckgezogen hatte, ein Paar Fuder
Holz um den Fels her und auf denselben, und zndete dann in der Nacht
das Holz an, wodurch der Ukkofels gluthroth wurde, wie die Glhsteine
eines Badstubenofens. Als dann die Zeit herannahte, wo des Kindes
Sugerin zu kommen pflegte, rumte er Brnde und Asche bei Seite und
schlpfte selbst hinter das Gebsch in ein Versteck, wo er Alles sehen
konnte, ohne selbst gesehen zu werden. Auf des Kindes Geschrei kam die
Wlfin aus dem Walde gerufen, nahm der Wrterin das Kind ab, $
nspan aus, um nicht im Dunkeln zu
bleiben, und erkundigte sich dann nach dem krzesten Wege zu den alten
Schloruinen.
Einer der Bauern, der etwas mehr Muth zu haben schien als die Andern,
ging hm eine Strecke weit mit einer brennenden Laterne als Fhrer
voran, kehrte aber um, als sie noch ber eine halbe Werst weit von dem
Gemuer entfernt wa9en. Da der bewlkte Nachthimmel Nichts erkennen
lie, so mute der Riegenaufseher seinen Weg tastend verfolgen. Das
Pfeifen des Windes und das Geschrei der Nachteulen schlug schauerlich an
sein Ohr, konnte aber sein tapferes Herz nicht schrecken. Sobald Wer im
Stande war, unter dem Schutze des Mauerwerks Feuer zu machen, zndete er
einen Span an, und sphte nach einer Thr oder einer Oeffnung umher,
durch die er unter die Erde hinabsteigen knnte. Nachdem er eine Weile
vergebens gesucht hatte, sah er endlich am Fue der Mauer ein Loch,
welches abwrts fhrte. Er steckte den brennenden Span in eine
Mauerspalte, und rumte mit den Hnden soviel Gerll und Schutt fort,
da$
 auf diesen Hof als Hterknaben geben
knnte, so wrde ihm dasgewi eine schwerere Zchtigung sein, als
irgend ein Richterspruch ihm zuerkennen knte. Ich will die Sache
gleich so einrichten, wie ihr wnscht, sagte die Knigin, lie einen
zuverlssigen Diener rufen, und gab ihm an, was er zu thun habe. Htte
ihre Seele geahndet, da der Hterknabe der von ihr verstoene
Knigssohn sei, so htte sie ihn ohne weiteres tdten lassen, ohne sich
um Knig oder Richterspruch zu kmmern.
Der Bauerwirth hatte kaum den Befehl der Knigin erhalten, als er auch
den Hterknaben seines Dienstes entlie. Er dankte seinem Glcke, da er
noch so leichten Kaufes davon gekommen war. Der Knigin Diener fhrte
nun den Burschen selber auf den Bauerhof, auf welchen sie ihn wider
seinen Willen verdungen hatte. Dietckische Wirthin jauchzte auf vor
Freude, da die Knigin ihr einen Hterknaben geschafft, und ihr
zugleich frei gestellt hatte, mit ihm zu machen was sie wollte, weil das
Brschlein sehr halsstarrig und in Gutem nicht $
um die Straenecke herum einen Ku
gegeben. Sie weinte und lachte zugleich, und ich sagte: Komm,[25-2]
wir wollen gleich umkehren und es der Schwester sagen. Wir kehrten
Arm in Arm um und stellten uns als Braut und Brutigam vor. Die
Schwester zog mich auf die Seite und sagte: Sieh, Hans die[25-3]
habe ich immer gemeint. Sie hat dich auYh lieb das wei ich.--Und
nun sehen Sie: das ist das Annlieschen hier, meine liebwerte,
herzllerliebste Frau.--
Alle schauten sie lachend an; aber in ihr halbverlegenes und in ihrer
Verlegenheit um[25-4] so hbscheres Angesicht brannte[25-5] pltzlich
zum Erstaunen aller--ein krftiger Ku. Der kam von der
Institutsvorsteherin, welche die junge Frau warm umschlang. Sie
glckliches Menschenkind! sagte sie. Die Studenten waren ob[25-6] Ku
und Rede hchst verwundert. In dem zweiten Tenor stieg ein leises
Ahnen und Zweifeln auf, es[25-7] mge doch am Ende mit der
Institutsvorsteherin nicht vllig seine Richtigkeit[25-8] haben,
denn das sei doch nicht nach Knigges[25-$
; after all; you know_.
10-12. {=das Tauernhaus=}, _"The Summit House" in the Tauern
Mountains_, a chalet where bread, milk, and a guide may be found, also
a hay-bed for the night.
=Page 11.=--11-1. {=sie=} refers to {Rast}.
11-2. {=das Spitzen=} (verb-noun = English -_ing_). Infnitives used
substantively take the article {das}.
11-3. {=gndiger Herr!=} (comp. Page 6, Note 1), here perhaps: _My
lord!_ or _Your Honor!_
11-4. {=doch=} (adverb, idiom.), here perhaps: _I hope_ or _I
11-5. {=is=} (dialect.) for {ist s}.
11-6. {=vor sich hin=}, cf. Page 5, Note 9.
11-7. {=es wird sein=}, idiomatic use of the future tense to express
probability or supposition, with the adverb, idioms {doh} or {wohl}
added to bring out the sense more clearly--_I hope that it is ..._ or
_is it probably ...?_
=Page 12.=--12-1. {=hin=} (colloq.) for {dahin} or {dorthin}.
12-2. {zwanzig =Bchsenschu=}--nouns of quantity, weight or measure,
except feminines in}{-e}, are used in the singular after a
numeral--_twenty gun-shots_, i.e. _twen$
chpfungstage zu hassen.
Der Pastor schttelte hier bedenklich den Kopf; Frlein Dorette
Kristeller nickte zwar, abe.r sah doch auch ziemlich bedenklich und trbe
drein; der Frster Ulebeule jedoch klopfte mit der Pfeife auf den Tisch
Wahrhaftig, es ist etwas dran! Es ist bei mehrerem Nachdenken sogar
ziemlich viel dran. Jeder Kmmerer -- will sagen jedes durch einen alten
Schu oder durch Krankheit sieche Stck Hochwild will auch von der
Pracht der Schpfung, an der es in gesunden Tagen sein Wohlsein und
seine Freude hat, nichts mehr wissen. Und wer viel Umgang mit den Tieren
gehabt hat, der wei, wie wenig der Unterschied zwischen ihnen und dem
Menschen zu bedeuten hat in allen Dingen, die mit Erde, Wasser, Licht
und Luft zusammenhngen. Ihr waret damals ein richtiger Kmmerer,
Kristeller. Der nkel hatte Euch nicht bel angeschossen, und manch
einen in Eurer Lage hat das Schicksal bald darauf als tot verbellt.
Nun lasset uns weiter hren! rief der geistliche Herr, und sie hrte
Was mir selten in der m$
s Borgfelde will die Khe gleich nach dem Feste abholen.
Sie sagte das mit einem tiefen Seufzer; denn Ble und Muhtz waren ihre
Herzensfreude und ihr Stolz, und sie mute sich von beiden trennen.
Ihr Bruder nickte blo und sprach nach einer Pause seinerseits:
Ich meine, so ungefhr am fnfzehnten Januar wrde die beste Zeit fr
die Auktion sein.
Und die Schwester nickte auch und sthnte:
Ja, ja, mir ist's recht! mir ist alles recht! o Gott!
Nun versuchte der alte Herr, um doch etwas fr das Fest zu thun, wiede
einmal heiter und ruhig auszusehen und rief:
Courage, Alte! Wer wird so den Kopf hngen lassen? Du sollst jetzt
einmal zu deinem Erstaunen gewahr werden, mit wievielerlei unntzem
Germpel wir uns allgemach auf unserm Lebenswege bepackeselt hatten. Da
wir die Landwirtschaft -- die Sorge und de[En Verdru um Wiese und Feld
los werden, ist im Grunde auch nicht so bel und jedenfalls nicht das
Schlimmste. Offen gestanden, meine Knochen leisteten zuletzt doch nicht
mehr das, was sie frher mit Lust$
prach, ich
habe gesprochen.)
Otto:   Alle meine Kameraden
        Haben schne Bltter an
        Und ich habe nur Nadeln ..... Nadeln .....
        und NadeIln ..... und ..... und .....
Louis: Nadeln ..... und ..... und .....?
Otto: Herr Meister, ich kann die andern Verse nicht sagen; ich habe
sie (= die Verse) vergessen (ich vergesse, ich verga,ich habe
vergessen). Helfen Sie mir, ich bitte!
Herr Meister: Ich kann nicht. Ich habe mein Buch nicht hier; und so
kann ich das Gedicht auch nicht sagen.
Louis: Aber ich will das Ende wissen.
Herr Meister: Louis, sagen Sie nicht: I_c_h   w_i_l_l; das ist nicht
fein. Sagen Sie: I_c_h   m__c_h_t_e das Ende wissen. Das ist besser.
Louis: O, ich mchte das Ende wissen.
Otto: Ich kann Ihnen alles in Prosa erzhlen (= sagen).
Alle: O, erzhlen Sie es in Prosa! Erzhlen Sie!
              *     *     *     *    *
Otto: Das Bumlein hat gesprochen: Ich will diese Nadeln nicht; nein,
ich will sie nicht; alle die anderen Bume im Walde haben schne
Bltter, und ich ni$
les im Deutschen. Ich nahm (ich nehme, ich
nahm, ich habe genommen) den Brief, las (ich lese, ich las, ich habe
gelesen) ihn und verstand ihn, und sagte alles meiner lieben, guten
Mama im Englischen.
Herr Meister: Ich freue mich sehr, das zu hren.
Louis: Aber ist es nicht wunderbar, da er in diesem Brief auch von
den Turnern spricht?
Bella: Von Turnern?
Louis: Ja, darum habe ich ja so gelacht, als Sie mit Herrn Meister
ber Turnen sprachen.
Herr Meister: Hier wnrde ich nicht das Wort wunderbar gebrauchen,
sondern merkwrdig; in der That ist es merkwrdig, da Si gestern
von Ihrem Bruder sprachen und dann einen Brief von ihm vorfanden, als
Sie nach Hause kamen; und ebenso merkwrdig ist es, da er ber Turnen
spricht. Ich mchte wohl hren, was er schreibt.
Louis: Ich werde Ihnen den Brief vorlesen, wenn Sie es wnschen.
Alle: Bitte, bitte!
Louis (liest):
        Teuerer Bruder Louis!
Ich habe Dir am sechs%ten September einen deutschen Brief geschrieben,
und ich habe heute noch keine Antwort. Wie kom$
 nehmen. Alle waren da und auch Aschenputtel; ihre Kleider
waren noch reicher und noch schner als zuvor, und sie selbst war auch
die Schnste von allen. Der Prinz sprach mit ihr allein und tanzte nur
mit ihr. Mitternacht ging sie wieder aus dem Sa]le, sie wollte schnell
in ihren Wagen und verlor einen Schuh und brachte nur einen Schuh nach
Hause. Als die Mutter nach Hause kam, rief sie: Seht, meine Tchter,
da liegt sie bei der Asche und schlft, o, seht doch da, seht den
Aschenputtel da!
Der Prinz aber hatte den einen goldenen Schuh gefunden. Mit diesem
Schuhemu ich sie auch finden! sagte er. Und der Prinz ging in alle
Huser der Stadt, aber der Schuh war fr alle Mdchen zu klein. Er kam
auch in Aschenputtels Haus. Die Stiefmutter war froh und dachte: Ha,
nun kann meine Tochter Prinzessin werden! Abe8 der Schuh war zu klein
fr die eine und fr die andere auch. Von Aschenputtel sagte die
Mutter kein Wort. Der Prinz aber sprach: Ihr habt noch eine Tochter,
ich wei es; ich will sie sehen. O, sag$
     Wie Sterne leuchtend,
        Wie uglein schn.
        Ich wollt' es brechen,
        Da sagt' es fein:
        Soll ich zum Welken
        Gebrochen sein?
        Ich grub's mit allen
        Den Wrzlein aus,
        Zum Garten trug ich's
        Am hbschen Haus.
        Und pflanzt' es wieder
        Am stillen Ort;
        Nun zweimt es immer
        Und blht so fort.
                       G_o_e_t_h_e.
        Leise zieht durch mein Gemt.
        Leise zieht durch mein Gemt
        Liebliches Gelute,
        Klinge, kleines Frhlingslied,
        Kling' hinaus ins Weite.
        Kling' hinaus bis an das Haus,
        Wo die Blumen sprieen.
        Wenn du eine Rose schaust,
       Sag' ich lass' sie gren.
                        H_e_i_n_e.
   7            Des Knaben Berglied.
        Ich bin vom Berg der Hirtenknab'
        Seh' auf die Schlsser all herab;
        Die Sonne strahlt am ersten hier,
        Am lngsten weilet sie bei mir;
        Ich bin der Knab' vom Berge!
        Hier is$

        Ich liebe dich, mich reizt deine schne Gestalt;
        Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt.
        Mein Vater, mein Vater, jetzt fat er mich an!
        Erlknig hat mir ein Leids gethan. --
        Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
        Er lt in Armen das chzende Kind,
        Erreicht den Hof mit Mh und Not,
        In seinen Armen das Kind war tot.
                        G_o_e_t_h_e.
         Das Mdchen aus der Fremde.
        In einem Thal bei armen Hirten
        Erschien mit jedem jungen Jahr,
        Sobald die ersten Lerchen schwirrte
        Ein Mdchen, schn und wunderbar.
     Y  Sie war nicht in dem Thal geboren,
        Man wute nicht, woher sie kam,
        Und schnell war ihre Spur verloren,
        Sobald das Mdchen Abschied nahm.
        Beseligend war ihre Nhe,
        Und alle Herzen wurden weit;
        Doch eine Wrde, eine Hhe
        Entfernte die Vertraulichkeit.
        Sie brachte Blumen mit und Frchte,
        Gereift auf einer ander$
ten,
    Mehr Tugend fr das Herz und fr das Glck der Welt,
    ehr Trost, wenn sein Gericht der Richter in uns hlt,
    Mehr Licht, wenn frchterlich uns finstre Zweifel qulen,
    Mehr Edelmuth im Glck, in Noth mehr Ruh der Seelen.
    Bring eine Lehre vor, die besser fr uns wacht,
    Uns weiser, ruhiger und tugendhafter macht:
    Und dann will ich mit dir die SLchrift mit Spott betrachten,
    Ihr Wort fr Menschenwort und deins fr Gottes achten.
    Bring diese Lehre vor; wo nicht, so sey ein Christ,
    Wenn du, wie du dich rhmst, ein Freund der Wahrheit bist.
    Sonst frcht ich, da dein Herz, sein Laster zu verehren,
    Den Gott nicht kennen will, den seine Boten lehren.
    Auf, Dichtkunst! ehre den, den stolz der Freygeist schilt,
    Und zu des Christen Ruhm entwirf des Christen Bild!
    Ist er der Weise nicht, der nach der Wahrheit strebet?
    Durch sie erleuchtet, denkt, durch sie gebessert, lebet?
    Er ehret die Vernunft, und das, was ihr gebricht,
    Ersetzt in seinem Geist e$
ier lebte Kriemhild in Liebe und Wohlsein, und oft war es ihr, als ob
das Schicksal neidisch werden mte auf ihr Glck, denn sie hatte dem
Gatten zwei Kinder geschenkt, einen Sohn und ein Mgdlein, die waren der
Eltern grter Stolz.
Aber die Jahre gingen hin in lauter Sonne, die Kinder gediehen, und
immerwhender Friede blieb dem Lande, denn alle Nachbarn kannten
Siegfrieds rasche und feste Hand und trauten sich nicht an ihn.
Oft sa Kriemhild auf Siegfrieds Scho geschmiegt, und die Kinder
spielten zu ihren Fen, und das blhende Land duftete zu ihnen herauf.
Dann saen sie ganz still und freuten sich, da einer des anderen
Herzschlag vernahm, und reichten sich wohl den Mund zu langm, stummem
Zu Worms am Rhein aber war das Leben weiter gelaufen ohne rechte, innere
Frhlichkeit, und je mehr die JJahre sich zwischen Siegfrieds heimlicher
Abreise und der neuen Gegenwart legten, desto tiefer fra sich der Ha
in Brunhilds Seele. Lngst grbelte sie ber nichts anderes mehr, als
wie sie den Helden treffen un$
s, die Augen, zu
Die Illusion, die Schauspieler dahin zu vermgen, fr und nicht mit dem
Publikum zu spielen, nhre ich nicht, wenn dieses auch in hohem Grade
wnschenswert wre. Ich glaube nicht, da ich eine ganze Scene hindurch
den ganzen Rcken eines Schauspielers werde zu sehen bekommen, aber ich
wnsche von ganzem Herzen, da die Hauptscenen nicht, gleich Duetten,
vorn am Souffleurkasten gespielt werden mgen, in der Absicht, Beifall
zu ernten, sondern ich will sie auf einen Platz haben, der zu der
Situation pat. lso keine Revolution, sondern nur kleine
Modhifikationen.
Wenn ich nun beginne vom Schminken zu sprechen, so nhre ich keine
Hoffnung, von den Damen gehrt zu werden, die lieber hbsch, als wahr
sein wollen. Aber der Schauspieler sollte doch genau berlegen, ob es
fr ihn vorteilhaft ist, durch das Schminken seinem Gesichte einen
abstrakten Charakter zupgeben, der wie eine Maske auf demselben sitzen
bleibt. Denken wir uns einenHerrn, der sich mit Kohle einen scharfen,
zornigen Zug zwischen de$
en erbrmlichen Zustand nicht lnger mit ansehen,
sondern fing da an, meine wunderliche Geburt zu erzhlen, und wie es
niemand anders als diejenige Ratte verursacht htte, welche das seidene
Kleid zerfressen, da ich so frhzeitig auf die Welt gekommen wre und
flugs reden knnen Nachdem ich nun mit vielen Umstnden den smtlichen
Hausgenossen die ganze Begebenheit von der Ratte erzhlt hatte, so
glaubten sie hernach allererst, da ich meiner Frau Mutter ihr Sohn
wre. Herr Gerge aber, der schmte sich wie ein Hund, da er meinetwegen
solche Narrenpossen vorgenommen hatte und vermeint, ein bser Geist
mte aus mir reden. Er war her, lschte seinen Hokuspokuskreis wieder
aus, nahm sein Buch und ging stillschweigend immer zur Stubentre
hinaus. Wie auch die Leute hernach alle mit mir taten, nd mich zu
herzten und zu poten, weil ich so ein schner Junge war und mit ihnen
flugs schwatzen kunnte, das wre, er Tebel hol mer, auf keine Kuhhaut
zu schreiben; ja sie machte4 auch alle miteinander flugs Anstalt, da
m$
er uns unsere Gelegenheit gebrauchen, und
wnn wir was verlangten, sollten wir nur zum Fenster hinunerpfeifen, so
wrde der Hausknecht alsobald zu unsern Diensten stehen, und nahm
hierauf von uns wieder Abschied. Nachdem wir uns nun so ein bischen
ausgemaustert hatten, so kam der Wirt im grnen Samtpelze wieder hinauf
zu uns und rief uns zur AbendmahlzeiZ, worauf ich und der Herr Bruder
Graf gleich mit ihm gingen. Er fhrte uns die Treppe wieder hinunter
ber den schnen Saal weg und in eine groe Stube, allwo eine lange
Tafel gedeckt stund, auf welche die herrlichsten Traktamenten getragen
wurden. Der Herr Wirt hie uns da ein klein wenig verziehen, die antern
Herren wie auch Damens wrden sich gleich auch dabei einfinden und uns
Kompagnie leisten.
Es whrte hierauf kaum so lange, als er davon geredet hatte, so kamen zu
der Tafelstube gleich auch hineingetreten die zwei italienischen Nobels,
welche uns zuvor bekomplimentiert hatten, ingleichen auch die zwei
Staaten aus Holland und die zwei portugiesischen Ab$
ndert Trabanten und
ebensoviele schwarze Verschnittene in zwei Reihen, mit ihren
Befehlshabern an der Spitze. Vierhundert junge Edelknaben des Sultans,
die in zwei Zgen mit Fackeln in der Hand auf beiden Seiten
einhergingen, verbreiteten einen Lichtglanz, der im Verein mit der
Beleuchtung der beiden Palste des Sultans und Alaeddins den Mangel des
Tageslichts aufs herrlichste ersetzte.
In dieser Ordnung zog die Prinzessin den Teppich entlang vom Palaste des
Sultas bis zum Palaste Alaeddins, und je mehr sie vorwrts kamen, desto
mehr mischte und vereinigte sich das Spiel ihrer Musikchors mitdem, das
sich von den Terrassen an Alaeddins Palast herab hren lie, und bildete
mit diesem ein Konzert, das, so seltsam und verwirrt es auch schien,
gleichwohl die allgemeine Freude vermehrte.
Endlich langte die Prinzessin bei dem neuen Palaste an, und Alaeddin
eilte mit einer reude, die sich leicht denken lt, an den Eingang der
fr sie bestimmten Zimmer, um sie daselbst zu empfangen. Alaeddins
Mutter hatte der Prin$
en so dick, da die gegenber stehenden Huser des sehr kleinen
Hoes wie ihre eignen Geister aussahen. Wenn man die trbe, dicke Wolke,
alles verfinstern, heruntersinken sah, htte man meinen knnen, die
Natur wohne dicht nebenan und braue =en gros=.
Die Thr von Scrooges Comptoir stand offen, damit er seinen Commis
beaufsichtigen knne, welcher in einem unheimlich feuchten, kleinen
Raume, einer Art Burgverlie,QBriefe kopierte. Scrooge hatte nur ein
sehr kleines Feuer, aber des Dieners Feuer war um so viel kleiner, da
es wie eine einzige Kohle aussah. Er konnte aber nicht nachlegen, denn
Scrooge hatte den Kohlenkasten in seinem Zimmer und allemal, wenn der
Diener, mit der Kohlenschaufel in der Hand, hereinkam, meinte der Herr,
es wrde wohl ntig sein, da sie sich trennten, worauf der Diener
seinen weien Shawl umband und versuchte, sich an dem Lichte zu wrmen,
was, da er ein Mann von nicht zu starker Einbildungskraft war, immer
Frhliche Weihnachten, Onkel, Gott erhalte Sie! rief eine heitere
Stimme.$
n
Scroog	es Nichte. Die anderen sagten dasselbe und man konnte ihnen die
Kompetenz nicht bestreiten, weil sie eben zu essen aufghrt hatten und
jetzt bei dem Dessert bei Lampenlicht um den Kamin saen.
Nun, es freu% mich, das zu hren, sagte Scrooges Neffe, weil ich kein
groes Vertrauen in diese jungen Hausfrauen habe. Was sagen Sie dazu,
Ganz klrlich war's, Topper hatte ein Auge auf eine der Schwestern von
Scrooges Nichte geworfen, denn er antwortete, ein Hagestolz sei ein
unglcklicher, heimatloser Mensch, der kein Recht habe, eine Meinung
ber diesen Gegenstand auszusprechen; bei welchen Worten die Schwester
von Scrooges Nichte -- die Dicke mit dem Spitzenkragen, nicht die mit
der Rose im Haar -- rot wurde.
Weiter, weiter, Fritz! sagte Scrooges Nichte, in die Hnde klatschend.
Er bringt nie zu Ende, was er angefangen hat! Er ist ein so nrrischer
Scrooges Neffe schwelgte in einem andern Gelchter, und es war
unmglich, sich von der Ansteckung fern zu halten, obgleich die dicke
Schwester es sogar m$
er bis in betrchtliche Tiefen in Bewegung sind, so mssen sie auch
in ihren untern Schichten eine hhere Temperatur behalten, als unter
derselben Breite Meeresstriche ohne Strmungen und Untiefen zeigen. Diese
Fragen sind nur durch unmittelbare Beobachtungen mttelst des Senkbleis
mit Thermometer zu lsen.
Sir Erasmus Gower bemerkt, auf der Ueberfahrt von England nach den
canarischen Inseln gerathe man in die Strmung und dieselbe treibe vom
39. Breitegrade an die Schiffe nach Sdost. Auf unerer Fahrt von Corunna
nach Sdamerika machte sich derEinflu dieses Zugs der Wasser noch weiter
nrdlich merkbar. Vom 37. zum 30. Grad war die A-bweichung sehr ungleich;
sie betrub tglich im Mittel zwlf Meilen,das heit usnere Corvette wurde
in sechs Tagen um 72 Seemeilen gegen Ost abgetrieben. Als wir auf 140
Meilen (Lieues) Entfernung den Parallel der Meerenge von Gibraltar
schnitten, hatten wir Gelegenheit zur Beobachtung, da in diesen Strichen
das Maximum der Geschwindigkeit nicht der Oeffnung der Meerenge selbst$
uns kaum uf den Beinen halten konnten.
Es war acht Uhr morgens und wir waren starr vor Klte, obgleich der
Thermometer etwas ber dem Gefrierpunkt stand. Seit lange waren wir an
ene sehr hohe Temperatur gewht, und der trockene Wind steigerte das
Frostgefhl, weil er die kleine Schicht warmer und feuchter Luft, welche
sich durch die Hautausdnstung um uns her bildete, fortwhrend wegfhrte.
Der Krater des Pic hat, was den Rand betrifft, mit den Kra\ern der meisten
anderen Vulkane, die ich besucht, z. B. mit dem des Vesuvs, des Jorullo
und Pipincha, keine Aehnlichkeit. Bei diesen behlt der Piton seine
Kegelgestalt bis zum Gipfel; der ganze Abhang ist im selben Winkel geneigt
und gleichfrmig mit einer Schicht sehr fein zertheilten Bimssteins
bedeckt; hat man die Spitze dieser drei Vulkane erreicht, so blickt man
frei bis auf den Boden des Schlunds. Der Pic von Teneriffa und der
Cotopaxi dagegen sind ganz anders gebaut; auf ihrer   Spitze luft
kreisfrmig ein Kamm oder eine Mauer um den Krater; von ferne s$
Kste von Venezuela die
hufigste. Am nrdlichen Abhang des Imposible, bei Peas Negras, kommt aus
dem Sandstein, der mit Schiefe{rthon wechsellagert, eine starke Quelle zu
Tag. Man sieht an diesem Punkt von Nordwest nach Sdost streichende,
zerbrochene, fast senkrecht ausgerichtete Schichten.
Die Llaneros, das heit die Bewohner der Ebenen, schicken ihre Produkte,
namentlich Mais, Leder und Vieh ber den Imposible in den Hafen von
Cumana. Wir sahen rasch hintereinander Indianer oder Mulattenmit
Maulthieren ankommen. Der einsame Ort erinnerte mich lebhaft an die
Nchte, die ich oben auf dem St. Gotthard zugebracht. Es brannte an
mehreren Stllen in den weiten Waldungen um den Berg. Die rthlichen, halb
in ungeheure Rauchwolken gehllten Flammen gewhrten das groartigste
Schauspiel. Die Einwohner znden die Wlder an, um die Weiden zu
verbessern und das Unterholz zu vertilgen, unter dem das Gras erstickt,
das hierzulande schon selten genug ist. Hufig entstehen auch ungeheure
Waldbrnde durch die Unvorsicht$
en. In besseren Zeiten, w kein eekrieg mehr den Verkehr
in Fesseln schlaegt, kann der Garten in Teneriffa auch fuer die starken
Pflanzensendungen aus Indien nach Europa von Bedeutung werden. Diese
Gewaechse gehen haeufig, ehe siefunsere Kuesten erreichen, zu Grunde, weil
sie auf der langen Ueberfahrt eine mit Salzwasser geschwaengerte Luft
athmen muessen. Im Garten von Orotava faenden sive eine Pflege und ein Klima,
wobei sie sich erholen koennten. Da die Unterhaltung des botanischen
Gartens von Jahr zu Jahr kostspieliger wurde, trat der Marquis denselben
der Regierung ab. Wir fanden daselbst einen geschickten Gaertner, einen
Schueler Aitons, des Vorstehers des koeniglichen Gartens zu Kew. Der Boden
steigt in Terrassen auf und wird von einer natuerlichen Quelle bewaessert.
Man hat die Aussicht auf die Insel Palma, die wie ein Castell aus dem
Meere emporsteigt. Wir fanden aber nicht viele Pflanzen hier: man hatte,
wo Gattungen fehlten, Etiketten aufgesteckt, mit auf Gerathewohl aus
Linnes _systema vegetabili$
elcher den Freund
ueberlebte, sich seinem tiefen Schmerze ueberliess und die unseligen
Ratschlaege verwuenschte, die ihn in ein fernes Land getrieben, wo er nun
allein und verlassen dastand.
Wir standen beisammen auf dem Verdeck in trueben Gedanken. E war kein
Zweifel mehr, das Fieber, das an Bord herrschte, hatte seit einigen Tagen
einen boesartigen Charakter angenommen. Unsere Blicke hingen an einer
gebirgigen, wuesten Kueste, auf die zuweilen ein Mondstrahl durch die Wolken
fiel. Die leise bewegte See leuchtete in schwachem phosphorischen Schein;
man hoerte nichts als das eintoenige Geschrei einiger grosser Seevoegel, die
das Land zu suchen schienen. Tiefe Ruhe herrschte ringsum am einsamen Ort;
aber diese Ruhe der Natur stand im Widerspiel mt den schmerzlichen
Gefuehlen in unserer Brust. Gegen acht Uhr wurde langsam die Todtenglocke
gelaeutet; bei diesem Trauerzeichen brachen die Matrosen ihre Arbeit ab und
liessen sich zu kurzem Gebetauf die Kniee nieder, eine ergreifende
Handlung, die an die Zeiten gem$
diese auffallende
Abkuehlung etwa durch einen aufsteigenden Strom bwirkt? Die Luft war
indesen ruhig und kein wagrechter Luftzug zu bemerken.
Die Nacht brachten wir in einem Hause zu, wo ein Militaerposten von acht
Mann unter einem spanischen Unteroffizier liegt. Es ist ein Hospiz, das
neben einem Pulvermagazin liegt und wo der Reisende alle Bequemlichkeit
findet. Dasselbe Commando bleibt fuenf bis sechs Monate lang auf dem Berg.
Man nimmt dazu vorzugsweise Soldaten, die *Chacras* oder Pflanzungen in
der Gegend haben. Als nach der Einnahme der Insel Trinidad durch die
Englaender im Jahr 1797 der Stadt Cumana ein Angriff drohte, fluechteten
sich viele Einwohner nach Cumanacoa und brachten ihre werthvollste Habe in
Schuppen unter, die man in der Eile auf dem Gipfel des Imposible
aufgeschlagen. Man war entschlossen, bei einem ploetzlichen feindlichen
Ueberfall nach kurzem Widerstand das Scloss San Antonio aufzugeben und die
ganze Kriegsmacht der Provinz um den Berg zusammenzuziehen, der als der
Schluessel der$
. Am
ersteren Orte regnet es fast nie, waehrend an letzterem die Regenzeit sechs
bis sieben Monate dvauert. Die trockene Jahreszeit waehrt in Cumanacoa von
der Winter- bis zur Sommer- Tag- und Nachtgleiche. Strichregen sind im
April, Mai und uni ziemlich haeufig; spaeter wird es wieder sehrW trocken,
vom Sommersolstitium bis Ende August; nunmehr tritt die eigentliche
Regenzeit ein, die bis zum November anhaelt und in der das Wasser in
Stroemen vom Himmel giesst. Nach der Breite von Cumanacoa geht die Sonne das
einemal am 16. April, das anderemal am 27. August durch das Zenith, und
aus dem eben Angefuehrten geht hervor, dass diese beiden Durchgaenge mit dem
Eintreten der grossen Regenniederschlaege und der starken elektrischen
Entladungen zusammenfallen.
Unser erster Aufenthalt in den Missionen fiel i die Regenzeit. Jede Nacht
war der Himmel mit schweren Wolken wie mit einem dichten Schleier umzogen,
und nur durch Ritzen im Gewoelk konnte ich ein paar Sternbeobachtungen
anstellen. Das Thermometer stand auf 18,$
. Mais, Kleidungsstuecke, Ackergeraethe, und, wie
man versichert, zuweilen auch Geld werden unter ihnen vertheilt. Diese
Moenchsanstalten haben, wie ich schon oben bemerkt, Aehnlichkeit mit den
Gemeinden der maehrischen Brueder; ie foerdern die Entwicklung in der
Bildung begriffener Menschenvereine, und in den katholischen Gemeinden,
die man Missionen nennt, wird die Unabhaengigkeit der Familien und die
Selbststaendigkeit der Genossenschaftsglieder mehr geachtet, als in den
protestantischen Gemeinden nach Zinzendofs Regel.
Am beruehmtesten ist das Thal von Caripe, neben der ausnehmenden Kuehle des
Klimas, dvrch die grosse *Cueva* oder Hoehle des *Guacharo*. In einem Lande,
wo man so grossen Hang zum Wunderbaren hat, ist eine Hoehle, aus der ein
Strom entspringt und in der Tausende von Nachtvoegeln leben, mit deren Fett
man in den Missionen kocht, natuerlich ein unerschoepflicher Gegenstand der
Unterhaltung und des Streits. Kaum hat daher der Fremde in Cumana den Fuss
ans Land gesetzt, so hoert er zum Ueberd$
n sie an das verschwundene
Mdchen zu rufen, erhielten aber von keiner Seite er eine Antwort. Die
Kinder meinten nun, sie msse wohl in's Dorf gegangen sein. Als man aber
heim kam, war die Vermite nirgends zu finden. Die Aeltern gingen in den
Wald, ihre Tochter zu suchen; umsonst aber strichen sie ber einen
halben Tag lang von einem Flecke zum andern, sie fanden keine Spur von
ihr. Da dachten sie mit Schrecken daran, da wilde Thiere das Mdchen
getdtet haben knnten. Sorgenvoll und betrbt gigen sie gegen Abend
wieder nach Hause.
Das verloren gegangene Kind war schon eine Strecke weit von den brigen
abgekommen, als es an eine Bergspitze gelangte, auf der ein kleines
Feuer brannte, weiter konnte es durch den dichten Nebel nichts sehen.
Das Kind dachte, seine Gefhrten seien da am Feuer, Mkletterte den Berg
hinan und sah, da ein graubrtiger einugiger Mann ausgestreckt am
Feuer lag und es mit einem Eisenstecken schrte. Das Kind erschrack und
wollte zurck, aber der Alte hatte es schon bemerkt und rief$
in die Wipfel, da sie unaufhrlich hin und her
schaukelten. Zwei dicht beisammen stehende Bume streiften einander beim
Hin- und Herschwanken und verursachten von Zeit zu Zeit ein Gequiek. Der
Besitzer des Ochsens horcht auf, wieder trifft ein Quiek! sein Ohr, da
fragt er: Was? -- fragst du nach meinem Ochsen? Quiek! tnt es vom
Wipfel her zurck. Der Mann sagt: Der Ochs ist mir feil; willst du den
geforderten Preis zahlen, so nimm ihn. Quiek! schallte es wieder von
oben herab. Der Mann fragt weiter: Willst du funfzig Rubel geben? so
sind wir Handels einig! Quiek! ist wieder die Antwort. Gut, sagt der
Mann, so sei es denn, willst du das Geld gleich zahlen? -- Die
Windse hrten jetzt eine Weile auf, und darum blieb der Wald ruhig.
Oder vielleicht nach einem Jahre? Quiek! erscholl zur Antwort. Ganz
wohl spricht der Mann, ich kann warten. Aber du Altr mut
Brgschaft leisten, damit ich nicht um das Meinige komme, so spricht er
zu einem hohen Baumstumpf, der n seiner Nhe stand, willst du?$
 ihren
Nebenformen[1], dem Keil und der Schraube, und der Hebel mit seinen
Nebenformen, der Rolle und dem Rad an der Welle, sind die sogenannten
einfachen Maschinen oder mechanische Potenzen. Alle noch so
komplizierten[2] Maschinen lassen sich aus diesen Elementen
zusammensetzen.
Infolge seines Gewichtes P sucht ein Krper auf einer schiefen, d. h.
gegen den Horizont geneigten starren Ebene herabzugleiten oder zu
-rollen[3]. Hieran soll er durch eine Kraft Z verhindert werden, welche
zunchst parallel der schiefen Ebene wirken mag. Gleichgewicht wird
sein, wenn die Resultierende von Z und P gerade senkrecht auf de
schefen Ebene steht. Dieselbe stellt[4] alsdann einen[5] auf die
schiefe Ebene ausgebten Druck D dar, welcher durch die Festigkeit der
Ebene aufgehoben[6] wird.
Es sei l die Lnge, b die Basis und h die Hhe der schiefen Ebene. Aus
der Aehnlichkeit der Dreiecke folgt fr den Fall[7] des Gleichgewichts
  Z:P=h:l oder Z=P.h/l=P sin a
  D:P=b:l oder D=P.b/l=P cos a.
Wird der Zug Z parallel der Basi$
n, sich zu beruhigen und das zu thun, was ich dachte.
Liebe Genossen, sagte ich, wir wollen ihn weder tten, noch
verstmmeln; das thut man nicht mit einem armen Burschen, der so elend
ist wie wir; ich will Euch ein Mittel ageben, eine famose Posse
aufzufhren, wobei keiner zu leiden braucht. -- Bildet eine
camorristische Gesellschaft, ernennt ein Haupt, whlt die Camorristen,
die Picciotti, die Novizen, stellt eine richtige Societa di diritto dar;
wenn der Picciotto Pescari eintritt, dann fragt ihn erst nach den
Aufnahmerechten, dann nach den Wohnungsrechten; das brige werde ich
machen: wenn Ihr in Zukunft Rechenschaft ber Euer Benehmen ablegen
mt, so stehe ich fr alles ein; ich brge fr alles, was daraus folgen
kann; aber ich bitte Euch, die Hand in der Tasche zu lassen und nicht
das Messer gegen den gemeinen falschen Picciotto zu gebrauchen; ich
werde mich beiseite halten und keinen Anteil an der Komdie nehmen und
ihr mt mich gleichgiltig behandeln.
Sie traten zusammen und thaten, was ich ang$
 Intrigue anzettelt.
Sehr logiasch und verstndig.
Der Direktor, der Oberwrter und die Wrter begaben sich in mein Zimmer
und jeder Gefangene stellte sich mit der Mtze in der Hand am Fue
seines Bettes auf.
Kalabreser, sprach der Direktor, Ihr seid alle brave junge Leute, ich
habe viel Nachsicht mit Euch gehabt, weil Ihr fern von Eurer Heimat
seid, und glaubt mir, ich will Euch wohl, aber heute habt Ihr mir einen
Kummer verursacht, den ich von Euch nicht erwartet htte[23]. Gestern
ist der Gefangene Pescari hier hereingekommen. Er sagt, da I(r ihn mit
Gewalt veranlat habt, dreiig Lire auszugeben, das einzige Geld, das er
hatte; dann hatte er, als er hereinkam, einen Sack mit Kleidern bei
sich, auch dieser Sack ist inzwischen verschwunden. Ist das wahr, was
Pescari behauptet?
  [23] Diese wohlwollende, fast furchtsame Redensart ist keine
  ybertreibung. Die Camorra behauptet sich noch heute in den sdlichen
  Gefngnissen, dank dieser Hflichkeit der Gefngnisdirektoren. Diese
  armen Breaukraten $
n zu springen und ihn zu durchbohren.
Ich hrte Schritte und glaubte, die Zeit sei gekommen, aber es war mein
Kamerad Mastr..., der sich, weil er auf Wache war und es grimmig kalt
war, seine Decke geholt hatte -- wrde er entdeckt, so wren ihm
vierzehn Tage Wasser und Brot gewi, auf Anordnung des hochedlen
Hahnreis Alesandro Ter...
                          +Er sei verflucht!+
Ohne ein Wort zu sagen ging Mastr... vorbei, kam mit seiner Decke zurck
und ging wieder heraus. Es war Wint>r, es schneite in groen Flocken, im
Hof lag der Schnee zwei Handbreit hoch und unaufhrlich senkten sich die
Flocken herunter.
Alles war still, einfrmig drangen die Schritte des Nachtpostens an mein
Der Lieutenant kam nicht, schon war es ein Uhr, die Grabesstille, das
Schneien, das Dunkel und die jetzt lauten, jetzt verhallenden Schritte
der Schildwache machten mir Furcht, vor meinem furchtbaren Entschlu
wurden Herz und Seele matt.
Jetzt schlug es zwei, ein verteufelter Lrm entstand in der Wachtstube,
ein Kommen und Gehe$
, da ihm ein Postillon mitgegeben
werden mu. Denn keinem Posthalter kann zugemuthet werden, einem solchen
Mann, der gewhnlich fremd und unbekannt ist, sein Pferd anzuvertrauen;
auch wrde der Courier oft in Gefahr kommen, sich auf dem Wege zu
verirren und immer wrde es mit Beschwerlichkeiten verknpft seyn, das
Pferd wieder 	n seine Heimath zurck zu schaffen. Daher wird dem Courier
bestndig ein Postillion zgegeben, welcher in der Postmontur und mit
den Postinsignien vor ihm her reitet, und nach dessen Anweisung sich der
Courier auf dem Wege richten mu. Ein Courier darf auch einen Mantelsack
von 30 bis 40 Pfund bei sich fhren und denselben auf des Postillo~ns
Pferd legen; er kann auch verlangen, da der Postillon ihn die richtige
Strae fhre und ordnungsmig reite, abr es ist ihm nicht erlaubt, auf
die Pferde zu schlagen und den Postillon mit Gewalt und durch unerlaubte
Mittel zum bermigen Reiten zu reitzen, noch vor demselben voraus zu
Manche Couriers bedienen sich auch, statt des Reitpferdes, e$
an sich dieser Ordnung unterwirft und vornehmlich auf
den berhrten Poststationen die Gebhren entrichtet; so kann man
brigens reisen, wohin und mit wem man will. Auch hat die Post nichts
dabei Ezu erinnern, wenn man mit gemietheten Pferden, oder mit
Lohnkutschern Reisen nach nahe gelegenen Oertern verrichtet. Die Abgabe
des Stationsgeldes wird nur verlanget, wenn die Miethskutscher ber
Poststationen hinausfahren auf einer Strae, wo Posthaltereen angelegt
sind un zur Befrderung der Reisenden unterhalten werden.
Diese Einrichtungen scheinen zwar mit einigem Zwange verknpft zu seyn.
Allein in Lndern, wo sie nicht sind, lt es sich auch in manchen
Fllen nicht gut reisen. Jeder hat doch nicht eigene Pferde, oder kann
sie auf weite Touren nicht nehmen. Fuhrleute, welche weite Reisen
bernehmen wollen und knnen, findet man auch nicht berall. Daher
bleibt doch die Anordnung eines regelmigen Extrapostwesens immer noch
ein sehr ntzliches und diensames Surrogat. Und wenn es auf dem
bisherigen, noch zur Z$
z sorgen, damit die Pflanzen mit dem Wasser recht viel
Nhrstoffe aus dem Boden aufnehmen. Die Wasseraufnahme erfolgt nur durch
Wurzeln und zwar um so strker, je wrmer die die Wurzeln umgebende Erde
ist. Je khler der Boden ist, desto geringer ist die Wurzelttigkeit.
Whrend der VegetatiTnsperiode begieen wir die Pflanzen deshalb mit
Wasser, das wrmer ist als die Zimmertemperatur. Zartere kann man nach und
nach an Wasser von 25 bis 30 R [31,25 bis 37,5 C] gewhnen. Sie befinden
sich dann dabei sehr wohl. Niemals sollte man Wasser zum Begieen
verwenden, das khler als die Zimmertemperatur ist.
Die Erde im Topfe soll stets ine bestimmte Menge Luft enthalten. Erde,
welche dauernd so na ist, da keine Luft darin Platz hat, ist nicht
geeignet fr das Wachstum der Pflanzen. Die Wurzeln ersticken in solcher
Erde und verfaulen, die Pflanze geht zu Grunde. Deshalb mu man dafr
sorgen, da das berschssige Giewasser schnell aus dem _Topf abflieen
kann. Das Loch im Boden des Topfes darf niemals durch ErdeGv$
em Danke bin ich der Firma *Haage & Schmidt* in
Erfurt, eine der wenigen Gaertnereien in Deutschland, die noch seltenere
Pflanzen kultiviert, verpflichtet fuer die Ueberlassung der Abbildungen.
Die in diesem Werkchen besprochenen Pflanzen sind saemtlich in dieser
Gaertnerei vorhanden.
                  *Gross-Lichterfelde*, im Fruehjahr 1899.
                                                           * UdQo Dammer. *
                            ------------------
VORWORT ZUR ZWEITEN AUFLAGE
Die freundliche Aufnahme, welche die erste Auflage erfahren hat, hat eine
neue Auflage des vorliegenden Baenchens noetig gemacht. Am Inhalte habe ich
nur wenig zu aendern gehabt: einige neue Arten, welche sich als gut
geeignet fuer das zimmer bewaehrt haben, wurden aufgenommen. Wuenschenswert
erschien es mir auch, aufFeinige neuere Hilfsmittel fuer die Kultur der
Zimmerblattpflanzen hinzuweisen. Moege auch diese neue Auflage dem Anfaenger
in der Zimmerblattpflanzenkultur ein brauchbarer Ratgeber sein.
                   $
eder papistisch werden sollen, und etliche meinten, der Kaiser htte
da nichts mit zu tun, der lebe da unten und frage den Teufel danach, was
anderswo vor sich gehe. Der Waldstein und der Tilly wollten sich blo
bereichern an Land und Bargeld; darauf laufe alles hinaus.
Der Wulfsbauer hatte wohl gefunden, da Drees ganz ausgezeichnet
geredet hatte und da er in allem recht hatte, aber so ganz war er nicht
bei der Sache; er dachte an seine Frau und dieKinder und da es
bei Kleinem Zeit fr ihn wrde, nach Hause zu reiten, damit er es nicht
verpasse, wenn die Krten zu Bette gebracht wrden. Er mute lachen,
wenn er daran dachte, wie Hermken ihn nach dem Mittag so bei den Ohren
gerissen hatte, da es ordentlich weh tat.
Er ritt mit Klaus Hennecke, dem Sohne des Vorstehers, nach Hause. Die
Luft war weich und warm; die Kiebitze riefen im Grunde und in der Hhe
meldeten sich die Regenpfeifer.
Klaus fing endlich zu reden an: Mit unserem Vater: wird es immer
schlimmer; er liegt jetzt schon die achte Woche. Ich g$
 danach hin und es wurde still vor ihm.
Ich glaube, das war der letzte, meinte Wulf und Gdecke nickte. Da
rief es auch schon hinter ihnen. Hermenharm, Ottenchristoph und
Plessenotte kamen von der einen Seite an und von der anderen
Hohlstnnes, Hassenphilipp und Hornbostelwillem. Die sieben Fuhrberger
Bauernshne waren na wie die atzen und hatten Gesichter und Hnde wie
die Kohlenbrenner, aber sie lachten unbndig.
Die schieen nicht wieder auf ehrliche Leute, sagte Gdeckengustel.
Hermenharm schttelte den Kopf: Sicher nicht, und alte Weiber schlagen
sie auch nicht mehr bis auf den Tod. Ldeckenmutter haben sie ein Schaf
weggenommen und sie geschlagen, alssie kein Geld hatte, da sie nun
daliegt und Blut spuckt. Lumpenzeug! Aber nun bMraucht der Wolf und der
Fuchs kein Messer; sie werden alle so schon mrbe genug sein! Alle haben
sie daran glauben mssen, alle mitsamt. Schade, da es nicht mehr waren.
Und nun wollen wir lschen!
Die Arbeit war bald getan, denn ber den Moorgraben konntBe das Feuer
ni$
en ber Harm Wulf geschrieben hatte, als er gestorben
war; und so heit die Stelle: Ehr war ein Held vor seinem Volke und hat
es getrevlich geschtzet vor den Philistern und Amalekitern ober zwanzig
Jahre, da der groe Krieg geween ist. Ehr ruhe in dem Frieden GOTTES!
Die hellen Augen haben sie wiederbekommen, die Wulfsbauern, die engen
Lippen aber behielten sie als Erbe von Harm Wulf. So lustig, wie er als
Jungkerl war, sind sie alle nicht, aber seinen eisernen Kopf hat er
ihnen nachgelassen. Einer von ihnen wurde in den Freiheitskriegen ein
hoher Offizier und sollte den Adel bekommen: Mein Name ist mir so
gerade gut, sagte er.
ber der Missentr des Wulfshofes steht heute noch der Spruch im Balken:
Helf dir selber, so helfet dir unser Herre Gott! Danach haben sich
alle Wulfsbauern gerichtet.
Herman Woulff ist ein ernster Mann, der nicht oft lacht ud kaum einmal
fltet. Aber an dem Tage, als die Bruchbauern ihren Mann bei der
Reichstagswahl durchbekamen, lachte Herman Wulff, und als er nach Hause
gi$
kehr zu befrdern. Die harte Besteuerung der Durchfuhr gab diesem Winke
fhlbaren Nachdruck. Noch bestimmter sprach sich Hardenberg ber die
Absicht des Gesetzes aus, schon ehe es in Kraft trat. Als die Fabrikanten
von Rheidt und anderen rheinischen Pltzen den Staatskanzler um
Beseitigung der deutschen Binnenzlle baten, gab er die Antwort (3. Juni
1818): die Vorteile, welchehaus der Vereinigung mehrerer deutscher Staaten
zu einem gemeinschaftlichen Fabrik- und Handelssystem hervorgehen knnen,
seien der Regierung nicht unbekannt; mit steter Rcksicht hierauf sei der
Plan des Knigs zur Reife gediehen. Es liegt ganz im Geiste dieses
Planes, ebensowohl auswrtige Beschrnkungen des Handels zu erwidern, als
Willfhrigkeit zu vergelten und nachbarliches Anschlieen an ein
gemeinsames Interesse zu befrdern. Ebenso erklrte er den Elberfeldern:
die preuischen Zollinien sollten dazu dienen, eine allgemeine Ausdehnung
oder sonstige Vereinigung vorzubereiten.
Da5it wurde deutlich angekndigt, da der Staat, $
e fr die Verzehrung seines Hofhalts,
aber eine Abnderung des Gesetzes schlug er rundweg ab, da die Gefahrdes
Schmuggels aus den kleinen Nachbarlanden gar zu gro sei. In Sondershausen
wollte man den Wink nicht verstehen. Mehrere Monate hindurch wurde die
preuische Regierung immer von neuem mit der Anfrage belstigt, ob sie nun
endlich bereit sei, eine Verfgung aufzuheben, welche so grblich in die
Rechte der Sondershausener Souvernitt eingreife. Der Frst selber
richtete an den Knig die devteste Bitte, ihn durch einen neuen Beweis
Allerhchstdero allgemein verehrter und gepriesener Liberalitt und
Gromut zum unbegrenztesten und devotesten Danke zu verpflichten. Alles
war vergeblich; die untertnige Form konnte ber den anmaendenInhalt der
Bittschriften nicht tuschen. Dann kam der Kanzler v. Weise selbst nach
Berlin, ein wackerer alter Herr, der im Verein mit seinem Sohne, dem
Geheimen Rat, das Sondershausener Lndchen atriarchalisch regierte. Auch
er richtete nichts aus.
Mittlerweile hatte sich$
kassen verloren
gehen sollte. Am klaeglichsten befand sich die bayrische Pfalz. Die
entlegene Provinz sollte vor der Hand ausserhalb der Mautlinien bleiben und
ihre eigenen Erzeugnisse zollfrei in das Vereinsland einfuehren, was denn
sofort franzoesische, badische, rheinpreussische, hessische F{brikanten zu
grossartigem Schmuggel veranlasste. Gewichtige Stimmen in der Pfalz
fordehrten laut den Anschluss an Preussen; einer der ersten Industriellen der
Provinz, Geh Rat. Camuzzi, schrieb in diesem Sinne an die Allgemeine
Zeitung, ward aber von der Firma Cotta abgewiesen.
Koenig Ludwig wollte die Gebrechen des Vereins lange nicht bemerken. Wie
war er stolz auf seiner Haende Werk, den ersten deutschen Zollverein; wie
schwelgte er in erhabenen Traeumen von historischer Unsterblichkeit. Er
wollte fortleben im Munde spaeter Geschlechter als der Vollender der *fossa
Carolina*, jenesKanales zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meer, den
Karl der Grosse ersonnen, doch nicht ausgefuehrt hatte, und beschaeftigte
sich a$
de abgewartet wird. Kennen wir doch einen, der
schickte seinen Werbebrief durch einen Eilboten, der nachts um zwei Uhr
anlangte, die Liebste samt ihrem Vater aus dem Schlafe schreckte und die
Antwort noch in nchtlicher Stunde kzurckbringen sollte!
So hat auch Karl Brater, als er die gnstige Antwort der Schwester in
Hnden hatte, es fr ntig befunden, noch am Samstag sih durch tiefen
Schnee hindurch zu arbeiten nach der Bleiche, wo man an diesem
Nachmittag wohl am wenigsten einen Besuch erwartete. Er ist als
glcklicher Brutigam abends wieder durch das Lpsinger Tor
zurckgekehrt in seine weitlufige, einsame Amtswohnung, whrend die
glckselige Braut sich flugs hinsetzte, um der Mutter die wonnesame
Kunde itzutelen.
Frau Pfaff sa diesen Winter viel einsam in ihrem frher so belebten
Zimmer. Ihr Sohn Fritz, der sich auf die akademische Laufbahn
vorbereitete, war der einzige, der noch bei ihr wohnte. Zu arbeiten
hatte sie trotzdem noch vollauf, die treue Mutter, immer gab es zu
stricken, zu nhen und zu $
prachfertigkeit, es ist mir
    nicht recht wohl bei dieser Angelegenheit.
Die Verwandten und Freunde in der Heimat mochten es leicht verstehen,
wenn Pauline nicht ohne Wehmut von der herrlichen Gegend, von dem Meere
schied, das je wieder zu sehen sie kaum hoffte, aberY da de Abschied
von solch neuen Bekannten, berdies franzsischer Nation, ihr und den
Tcthtern wirklich schwer wurde und berhaupt in Betracht kam, gegenber
dem Wiedersehen der alten, treuen Bekannten, dies konnten sie sich wohl
schwer erklren, wenn sie nicht wuten, da ein stark"r Einflu
ausgegangen war von den religisen Naturen dieser kleinen Menschengruppe
in Cannes und nicht selbst schon erfahren hatten, wie sehr der Mensch an
diejenigen anhnglich ist, die sein Wesen irgendwie gefrdert und
bereichert haben. Schmerzlich war es unter allen Umstnden, den Ort zu
verlassen ohne jegliche gnstige Wirkung der Kur. Aber in diesen Jahren
bewhrte sich das Wort: Geteiltes Leid ist halbes Leid gar sehr bei
diesem Paar. Wollte einem von b$
ndeine geheime Rache zu brten.
Whrend ich mich freue, wenn ich einen Klgeren antreffe, der mir von
seiner Weisheit mitteilt, rgert den Weien nichts ingrimmiger, als wenn
er einen Klgeren findet. Der Weie ist so malos eitel, da er jede
berlegenheit seines Nchsten wie eine persnliche Krnkung empfindet,
da er den faulen Durchschnitt liebt und jeden, der darber emporragt,
mit seinem Ha azu verkleinern sucht. Und daher kommt es, da in Europa
die Dummkpfe das groe Wort fhren.
Ich sparte mir also die Mhe, Jim Boughsleigh aufzuklren darber, da
es kein aberneres Wort gbe als das inhaltlose Wort Zufall, ich
machte wieder eine Verbeugung, bei der ich mir allerhand dachte, und
wollte meines Weges gehen, als mich Jim zurckhielt.
Hast du heute abend Zeit? meine er. Ich habe mit dir Wichtiges zu
Heute ist ein Festtag, gab ich zurck. Denn ich hatte in der Tat die
Absicht, mir mit Malatri, der Brillenschlange, einen Festtag zu machen.
Und morgen? forschte Jim Boughsleigh.
Morgen wird mein $
 man so viel Wesens mit einer Spinne machen
konnte. Die Weien werden uns in dieser Beziehung nie verstehen, sie
begreifen nicht, da in den Tieren menschliche Seelen wohnen, da alles,
was lebt und webt, ihresgleichen ist, sie haben den Zusammenhan mit der
Natur verloren. Sie haben der Natur den Krieg erklrt, ohne zu ahnen,
da sie damit sich selbst den Krieg erklrt haben, da sie doch nur ein
Teil der Natur sind. Sie gleichen einem Schilfrohr, das strker sein
will als der Wind. Und weil sie sich selbst taub gemacht haen gegen die
Stimmen der Natur, hren sie nicht, wie es rings um sie kichert und
spttelt. Manchmal aber schwillt das Kichern der Natur zu einem
gellenden Hohnlachen an, und dann sagen die Weien: Es war ein
Erdbeben! oder: Ein Vulkan hat Feuer gespieen!
Sie sind wirklich verchtliche Narren, diese WeiBen!
Jim Boughsleigh tat einen tiefen Schluck aus seiner Flasche und reichte
sie mir dann, damit ich seinem Beispiel folge. Ich lehnte ab, aber da
hob er die Faust und schrie: Sauf, Hindu!$
'm Taler!
Was war da zu machen? Der Pepi ruckte den Taler heraus und ging am
nchsten Abend in die Vier Jahreszeiten.
Alles, was wahr ist, es war ein extra-iges Programm.
Zuerst hat ein Herr Klavier- gespielt, so schn wie ein Athlet hat er
gespielt. Zum Sterben fad ist es dem Pepi Brselmeier vorgekommen, und
er hat sich gewundert, da der Hausherr von den Vier Jahreszeiten das
erlaubt hat.
Aber Prnz Ludwig Ferdinand war auch da und hat fest applaudiert. Er hat
doch ein guat's Herz, der Ludwig Ferdinand. Und da haben der Pepi und
die anderen Leut' auch geklatscht.
Dann ist eine Sngerin gekommen.
Sie hat zwar einen Kropf gehabt, aber jodeln hat sie doch nicht knnen.
Sondern er war nur zur Verzierung da, der Kropf.
Aber dann! O, das war drei Markl wert! Dann kam ein Herr und hat einen
Vortrag gehalten mit Lichtbildern. ber die Sanittshunde.
Der Pepi hat nur grad so gestaunt.
Das Herz ist ihm aufgegangen. So gescheite Hunde! Ja, sollt man's den"nfr mglich halten? Pepi Brselmeier geriet in Ekstase. D$
nochmals zum Strande zurck, um nach
unserer Jlle und dem verorenen Gepcke zu ehen. Jene fanden wir noch
auf ihrer alten Stelle; aber auf dieses muten wir, zu unserm Verdrusse,
vllig verzichten. Zwar auch mit unserem Fahrzeuge gerieten wir in
Verlegenheit, da die See noch nicht wieder fahrbar geworden, bis unser
Bauer, dem ich mich durch einen meiner Matrosen verstndlich machen
konnte, uns aus der Verlegenheit half. Wir hatten bereits erfahren, da
wir uns hier anderthalb Meilen von Pollien (ebenfalls ein Salzhafen, wie
das noch zwei MeYilen weiter entfernte Croisic) befnden, und dahin erbot
er sich, gegen gute Bezahlung, unser Puppenfahrzeug ber Land zu
transportieren, indem er es zwichen zwei seiner Esel hinge.
Wirklich hielten er und seine Esel redlich Wort! In dem lustigsten und
niegesehenen Aufzuge zogen wir zu Pollien ein, und die ganze Stadt lief
ber dem seltsamen Schauspiele zusammen. Meine erste Erkundigung war
sofort nach dem angesehensten Salzhndler des Ortes. Man nannte mir
einen Kaufman$
ie Oder hinab, und war
angewiesen, auf der Reede von Swinemnde eine Ladung Balken einzunehmen,
die ich nach Cadix bringen und dort, wo mglich, mitsamt dem Schiffe
losschlagen sollte. Es kostete jedoch nicht wenig Not und Mhe, bevor
ich das groe und tiefgehende Gebude ber die Bank am Ausflusse des
Stromes zu schaffen und mich auen auf der Reede vor. Anker zu legen
vermochte. Ich hatte dabei einen sehr unttigen Zuschauer an meinem
Admiral, der mir die unverlangte Ehre erzeigte, mich bis hierher zu
Sobald ich meinen gelegenen Ankerpltz gefunden, befahl ich, die Stangen
und Raaen niederzulassen, wie es Seemannsbrauch ist, wenn ein noch
unbeladenes Schiff auf der Reede liegt, um das bermige Schwanken
desselben zu
 vermeiden. Dieser notwendigen Anordnung widersetzte sich
aber der Patron, zur Befriedigung seiner kindischen Eitelkeit, die das
Schiff noch lnger in Parade sehen wollte. Vergeblich bedeutete ich ihm,
da es hier mehr auf Sicherheit, als auf stattliches Ansehe ankomme,
und da ich wissen mte$
 ich hn: Wie
kommt mir das Glck, da Sie mich bei amen keinen? -- Und darber
wundern Sie sich? war die Antwort. Bin ich nicht in Kolberg bei Ihnen
in Ihrem Hause gewesen? -- Es war der General v. Borstell.
Indem wir oben ankamen, fanden wir zwei schwarzgekleidete Mnner,
Deputierte von der Kaufmannshaft einer benachbarten Stadt, vor der
offenen Flgeltre, die zu des Knigs Audienzzimmer fhrte. Der General
wies sie vor uns hinein und wir folgten dann nach. Das ganze groe
Zimmer war erfllt von Generalen, Damen und Standespersonen, worunter
mir die Prinzessin Elisabeth, die von Stettin gekommen war, der General
v. Blcher und andre bemerkbar wurden. Alles blitzte von Ordenszeichen
jeder Art, und es gab eine feierliche Stille, bs der Knig hereintrat,
samt seiner kniglichen Gemahlin, und die Anwesenden ihnen nach der
Reihe vorgestellt wurden.
Vor uns traten die genannten beiden Deputierten vor, die etwas beklommen
schienen und beraus leise sprachen, so da uns davon sowie von des
Knigs Antwort w$
ihn, da er den Mut zu solcher Reise gehabt habe und
erzhlten ihm, da der Knig von seinem Besuche gehrt habe und seinen
Mut bewundre. Der Knig wolle einen so mutigen Hasen sehen und lade
ihn in sein Schlo ein.
Der Hase war ganz stolz auf solche Ehre und nahm die Einladung an. Die
Fische kehrten um und schwammRen voraBn, whrend die Schildkrte mit dem
Hasen folgte.
Im Schlosse des Knigs angelangt, stieg der Hase von seinem Sitze und
wurde in das Krankenzimmer gefhrt, whrend die Schildkrte sich
einstweilen aus dem Staube machte.
Im Krankenzimmer waren nur die rzte um den Knig versammelt, die den
Hasen freundlich einluden auf einem prachtvollen Muschelsessel Platz
zu nehmen.Dann bsprachen sich die rzte leise, wie man wohl am
leichtesten dem Hasen die Augen nehmen knne. Der Hase hatte aber gute
Ohren und so hrte er mit Entsetzen dieses leise Gesprch und obwohl
ihm die Haare klitschna am Leibe klebten, standen sie ihm doch
sogleich vor Angst zu Berge. Er verwnschte seine Neugier und
berlegte, w$
 GYlck, Horaisan zu finden; aber nur einer namens Wasobiowo
kehrte zurck und brachte Kunde von diesem glckseligen Lande, ja,
es gelan ihm sogar eine Frucht von dort mitzubringen, nmlich die
Orange, die vordem in Japan ganz unbekannt war, heute aber dank der
von Wasobiowo mitgebrachten ersten Frucht auch hier heimisch ist.
Es wird erzhlt, da einst in China ein grausamer Kaiser regierte,
herrschschtig und unduldsam, soda niemand, der etwas konnte oder
verstand, seines Lebens sicher war; denn er allein wollte der einzige
sein, in allem vollkommen. Wer mehr konnte als er, den lie er
beseitigen. Dieser Kaiser hatte auch wie alle Kaiser einen Leibarzt,
der hie Jofuku. Das war ein gar gelehrter HerLr und auerordentlich
klug, doch der Kaiser trachtete ihm nach dem Leben, weil er des Arztes
Klugheit frchtete. Er konnte ihm aber nichts anhaben, denn er wute
keinen besseren Arzt. Endlich aber wurde der Arzt dieses Lebens in
Furcht und Schrecken satt und er dachte eine List aus, wie r es
anstellen knne, au$
nd Verblendung.
Und doch ist die Welt nicht bse und nicht schlecht; sie istwahnsinnig
und blind. Jeder glaubt, der andere wolle ihn vernichten, und solange
jeder das vom anderen glaubt, bleibt allen nichts brig, als zu kmpfen.
Wollte aber jemand auch nur einen Tag lnger den Kampf fortsetzen, als
Unabhngigkeit, Unberhrbarkeit und Lebensraum seines Landes fordern, so
wre er fr sich allein, vor Gott und Menschen schuldig am Jammer der
Millionen, und es wre ihm bessea, da er nie geboren wre.
Feinde, Brder, es ist Zeit! Es ist sehr spt, und jede Minute ttet,
und doch ist noch Zeit. Denn noch ttet jeder von uns in gutem Glauben,
im Glauben an den Vernichtungswillen des anderen. Es maglauch wirklich
in jedem Lande einige Menschen geben, die vernichten wollen,
Verblendete, die glaben, man msse vom Tode leben, vom Schmerz
Gebrochene, die nach Rache schreien, und, furchtbar zu sagen, vielleicht
auch Gewinnschtige und Machtgierige, die nach gttlichem Recht nicht
fragen. Es gibt auch solche, die meinen$
lz knnen wir sein, wenn es
sich lohnt. Um einer Million willen lont es, um lumpiger Ideale willen
lohnt es nicht.
Der Unabhngigkeitsdrang der Gewerbe, der einige, den wir haben, und
der einzige, der gezgelt sein sollte, verbunden mit einer unerhrten
Schulung im geschftspolitischen und dialektischen Gebaren entwickelt
sich zu unserer schwersten inneren Gefahr. Wenn der Generalsekretr des
Allgemeinen Deutschen Verbandes zur Wahrung der Interessen smtlicher
Zweige der ausgestopften Vogel-Industrie (Abgekrzt: A. D. V. z. W. d.
I. s. Z. d. a. V. I.), blendene Erscheinung, sonor und formgewandt, von
der Tribne die Bedeutung der ihm anvertrauten Interessen erlutert und
mit historischen, geographischen, ethnographischen, handelspolitischen,
finanziellen, sozialen, kulturellen, ethischen und allgemein
menschlichen Beweisen bekrftigt, wenn er dann auf unsere Ostpolitik
bergeht und darlegt, da sie unter Umstnden nicht weit entfernt sei,
einen gewissen unendlich wihtigen Zweig seines Gewerbes zu schdigen$
abe ich die Gesinnungen und Ziele beschrieben, denen wir
entgegenstreben, heute weise ich euch den friedlichen Kampf, dessen
Beginn vielleicht, desse Ende ich nicht erleben werde. Es ist der Kampf
um die Seele unsereks Volkes, sein erstes Ziel ist Wrde, Adel und
Herrentum. Es gibt eine deutsche Sendung auf Erden. Sie ist nicht die
Sendung ds Militarismus, sie ist auch nicht die Sendung der
Mechanisierung und der Technik, obwohl sie diese Ntzlichkeiten nicht
verschmht, sie ist am wenigsten die Sendung der Weltherrschaft. Sie ist
die Sendung, die sie immer war und immer sein wird: die Sendung des
reinen, unbestechlichen, unbeirrbaren und unerbittlichen Geistes. Diese
Sendung fordert nicht Emanzipierte und Untergebene, sondern adlige
Mnner. Es ist nicht unsere Sache, die Kellnr, Barbiere und Schneider
fr London und Newyork zu liefern, sondern als freie Mnner auf freiem
Boden brderlich mit den Vlkern zu reden und zu wirken, nicht um des
billigen Nutzens, sondern um des Geistes und der Menschheit willen;
$
cht. Wir gingen daran vorber und hrten von drinnen einige lachende
Stimmen. Mein Begleiter sagte mir, da es italienische Arbeiter seien, die
eine Strae in der Nhe ausbesserten und in der Schenke wohnten. Bald war
wieder die groe Stille um uns her.
Schlielich gelangten wir an unser Ziel, indas von ziemlich baumarmen
Feldern umgebene Dorf, dessen Turm wir schon vorher gegen den hellen
Himmel hatten aufragen sehen. Bei dem Kranken war nichbt viel zu tun. Es
handelte sich um einen der Flle, die man allein sich zu Ende kmpfen
lassen mu. Es war vorauszusehen, da der Alte sptestens am Abend des
folgenden Tages sich fr immerausstrecken werde. Ich konnte mich nur
bemhen, ihm das Letzte mglichst leicht zu machen. Ich blieb etwa eine
halbe Stunde am Krankenbett und wandte mich dann zum Gehen. Da ich das
Wohnzimmer der Leute durchschritt, fragte mich der junge Bauer, ob ich
nicht, ehe ich wieder heimwandere, irgendeine Strkung zu mir nehmn
wolle. Dieses Anerbieten kam mir sehr erwnscht, denn die nchtlic$
en Feuchtigkeitsverhltnisse diesen Uebergang terrestrischer Gewchse
auf die Baumrinde nicht gestatten, wie in Nord-Amerika nrdlich vom 38.,
oder wo bei anscheinend gnstigen klimatischen Bedingungen, die das
Gedeihen xerophiler Colonisten der tropischen epiphytischen Floren
ermglichen wrden, einer Einwanderung solcher unberwindliche Hindernisse
entgegenstehen, wie in den Mediterranlndern, die durch beinahe baumlos,
fr jede atmosphrische Vegetation viel zu trockene Steppen und Wsten von
den tropischen Waldgebieten getrennt sind. Wir haben gesehen, dass die in
und bei der Stadt Algier gepflanzten Dattelbume in den Basen ihrer
abgestorbenen Bltter, wo sich reichlich Erde ansammelt, vielfach eine
ppige Vegetatio ernhren; auch fr diese niederste Stufe des
Epiphytismus ist in den Oasen der Sahara die Regenmenge zu gering; ich
habe auf den zahllosen Dattelbumen der Oasen von Biskra (jhrliche
Regenmenge 3 cm) nie eine Pflanze wachsen sehen, obwohl der Wind
unzweifelhaft, neben Staub, die Samen de$
ychium), _Melastomaceen_ e. p. (Dicellandra, Medinilla, Pogonanthera,
Pachycentria, Blakea etc~), _Gesneraceen_ e. p. (Episcia, Columnea,
Drymoniwa, Alloplectus, Hypocyrta, Codonanthe, Fieldia, Mitraria,
Sarmienta), _Bignoniaceen_ (Schlegelia), _Vaccinieen_, _Onagraceen_
(Fuchsia), _Aquifoliaceen_, _Cornaceen_, _Myrsineen_, _Cactaceen_,
_Clusiaceen_, _Araliaceen_, _Solanaceen_, _Verbenaceen_ (Premna),
_Rubiaceen_ e. p. (Proscephalium, Psychotria parasit., Hydnopytum,
Ophryococcus, Schradera, Leucocodon, Xerococcus, Acranthera, Randia),
_Rosacee=_ (Pyrus sect. Sorbus), _Saxifragaceen_ (Ribes), _Celastraceen_
(Evonymus mit Arillus), _Urticaceen_, _Piperaceen_, _Marcgraviaceen_,
_Loganiaceen_, _Begoniaceen_ (afrikan. Arten).
Der _zweiten Categorie_ rechne ich die Samen (und Sporen) zu, die so
ueberaus leicht sind, dass sie von dem leisesten Luftzug fortgetragen
werden, und so klein, dass sie in die Risse der Rinde und in die
Moospolster dringen; sie beduerfen daher keiner besonderen Flug- und
Haftapparate und fi$
ipsalideen,
verschiedene Cereus-Artemn) den groessten Antheil an der atmosphaerischen
Flora. Bei der Untersuchung eines groesseren Waldbaums wird man nur ganz
ausnahmsweise Vertreter der genannten Familien vermissen.
Die uebrigen Epiphyten, namentlich die dicotylen Straeucher und Baeume,
treten mit Ausnahme von Clusia und den Feigenbae^men zurueck und
beeinflussen daher in der Regel nicht wesentlich die Physiognomie der
epiphytischen Vegetation.
  Aehnlichkeiten und Unterschiede der atmosphaerischen Flora des
  tropisch-amerikanischen Urwalds werden am besten aus einer kurzen
  Schilderung der diesbezueglichen Verhaeltnisse an einigen weit voneinander
  gelegenen Punkten hervorgehen.
  Zunaechst sei die epiphytische Vegetation der Umgebung von Port-of-Spain
  auf Trinidad (11 deg. N. B.) als Beispiel eines ungefaehr aequatorial
  gelegenen Punktes gewahlt. Die Flora der Insel stimmt mit derjenigen des
  benachbartn Guyana beinahe ganz ueberein. Dichte Urwaelder bedeckten sie
  frueher, die im Westen zum gross$

  Insel Dominica (16 deg. N. B.), so zeigen sich, jedoch erst bei genauerer
  Betrachtung, einige Unterschiede. Eine Anzahl Arten sind wohl die
  gleichen, die Gattungen sind es zum groessten Theil, der Gesammtcharakter
  daher derselbe; es fehlen aber einzelne der haeufigsten suedamerikanischen
  Formen, so Rhipsalis Cassytha, waehrend ein paar neue dicotyledonische
  Straeucher und Baeume auftreten (Psychotria parasitica, Blakea laurifolia,
  Symphysia guadelupensis, Marcgra.ia spiciflora etc.).
  Versetzen wir uns endlich nach dem anderen Ende des
  tropisch-amerikanischen Urwalds, nach Blumenau (27 deg. S. B.), so finden
  wir, 43 deg. suedich von Dominica, doch die gleichen Typen wieder.
  Wesentlich neue Formen treten uns nur in geringer Zahl entgegen und sind
  meist vereinzelt. Die Orchideen sind wohl etwas zahlrcicher, die Araceen
  etwas weniger haeufig als in Westindien; der Gesammtcharakter ist aber
  doch nahezu der gleiche. Das Laubgewoelbe des suedbrasilianischen
  Kuestenwaldes ist weniger $
dessen goldener Staub aus der
Hhe auf die graubraune einfrmige Welt herabweht. Lange, lange mu
man wandern, bis endlich unwillkrlich ein Freudenruf auf die Lippen
kommt. Jetzt kann das Wasser schon nicht mehr weit sein. Zwischen
zwerghaften Weidenwindet sich die romantische Thei, unser
Swasserflu. Links erglnzt eine kleine Htte. ppige Weiden breiten
sich hinter ihr aus, mit wehendem Rhricht. Den Oberrichter
interessierte das Leben der Puten; er berachtete Alles der Reihe
nach. Dann befahl er den Ochsen- und Pferdehirten, da von heute in
vier Wochen bei Sonnenaufgang hundert schn gehrnte weie Ochsen und
fnfzig der fehlerfreiesten Hengste, deren Mhnen mit nationalfarbenen
Bndern gpschmckt, vor dem Stadthause stehen mssen. Auch von den
Hrnern der Ochsen sollen nationalfarbene Bnder herabwehen. Diese
Verfgung blieb nicht geheim, sobald die Herren nach Hause kamen, und
wenn es schon damals in Kecsemt Zeitungen gegeben haben wrde, so
htte der verantwortliche Redakteur diese Nachricht im$
os, es lachen die Steinkrge, die bekannten Thongefe an
der Wand, die Mbel beginneBn zu erzhlen, es flackert das Feuer im
groen Ofen und wirft einen flammenden Streif auf die braune Thr.
Der Alte seufzte:
Deine arme, gute Mutter, wenn man sie zu diesem Tage erwecken
Man bringt das Essen, die Dfte desselben erfllen das Zimmer, die
Erzsi geht hin und her, so auch der Geselle Laczi.
Lauf', mein Laczi, in den Keller, lauf und spute dich. Du aber, mein
Sohn, setze dich nieder, denn ich wei, du bist hungrig, die
Gefangenenkost hat dich herabgebracht. Ich habe seit dem
Schreckenstage ebenfalls nichts gegessen. Vorerst hinderte mich die
Trauer und jetzt die groe Freude. Ich habe in Ofen gelebt, wie das
Pferd des Nikolaus Toldy. Nur da ich dich befreithabe.
Ibrahim Pascha ist ein braver Mnn, flsterte der Oberrichter
zerstreut (die eigenartige Situation Czinna gegenber hatte ihn nervs
Ach bewahre! Ein arger Hund ist der Alte, zuerst war er wtend ber
mich, es fehlte nicht viel und auch ich wre in$
cht und ihn an einem Orte verwahren,
wohin keine fremde Hand gelangen kann.
Damit berreichte er den an einer grnen Schnur hngenden Schlssel
dem Oberrichter.
Ich gehorche der Versammlung.
Er bernahm den Schlssel, stand auf, trat zu Czinna und hngte ihr
denselben um den Hals.
Berge ihn an deiner Brust, Czinna.
Czinna errtete bis ber die Ohren; sie zog mit einer unwillkrlichen
Bewegung das rote Tuch ber die Augen, freilich kamen da rckwrts die
knabenhaften kurzen Haare zum Vorschein.
Herr Mt Puta bewegte, gegen das Fenster sich wendend, seinen groen
Kopf; das also ist der Ort, wohin keine fremde Hand gelangen kann. Der
schneeweie Busen eines schnen Mdchens.
Der Schneider rief lebhaft aus:
/Canis mater!/ Der Geselle Laczi. (Er erkannte ihn an den Haaren.)
Der Oberrichter lchelte.
So ist es, mein lieber Vater, wenn einmal die Wunder beginnen. Es
wird dies einmal zur Chronik werden, wie aus dem Schneidergesellen
ine Oberrichtersfrau wurde.
Die Glorie der Verklrung glnzte auf der S$
efahl
Alexander, alles, was an Menschen und Sachen in seine Hnde gefallen sei,
nach amaskos zurckzubringen und zu bewachen, die griechischen Gesandten
ihm sofort zuzuschicken. Sobald diese angekommen waren, entlie er die
beiden Thebaner ohne weiteres, teils aus Rcksicht fr ihre Person, indem
der eine, Thessaliskos, des edlen Ismenias Sohn, der andere, Dionysidoros,
ein olympischer Sieger war, teils aus Mitleid mit ihrer unglcklichen
Vaterstadt und dem nur zu verzeihlichen Ha der Thebaner gegen Makedonien;
den Athener Iphikrates, den Sohn des Feldherrn gleichen Namens,p behielt er
aus Achtung fr dessen Vater und um den Athenern einen Beweis seiner
Nachsicht zu geben, in hohen Ehren um seine Person; der Spartiate Euthykles
dagegen, dessen Vaterstadt gerade jetzt offenbaren Krieg begonnen hatte,
wurde vor der Han/d als Gefangener zurckbehalten; er ist spterhin, als die
immer greren Erfolge der makedonischen Waffen das Verhltnis zu Sparta
nderten, in seine Heimat entlassen worden.
Whrend Parmenion$
ch, an den Euphrat einige tausend
Mann unter Mazaios vorauszusenden, um die Passage des Flusses beobachten zu
lassen; er selbst ging von Babylon aus in die Gegend von Arbela, einem
Hauptorte auf der groen Heerstrae, die weiter jenseits des Lykos zu der
groen Ebene von Ninive fhrt, welche sich westwrts bis an das linke Ufer
des reienden Tigris und nordwrts bis an die Vorhhen des Zagrosgebirges
ausdehnt; dort mochte er, sobald Alexander herankam, an die Ufer des
Stromes rcken und ihm den bergang unmglich machen wollen.
Whrend der Knig Dareios fr die Osthlfte seines Reiches an ihrer
Schwelle mit allen Streitkrften, die sie aufbringen konnte, zu kmpfen
bereit stand, war im fernen Westen der letzte Rest der persischen Macht
Was htte die persische Flotte im hellenischen Meere leisten knnen, wenn
sie zur rechten Zeit agiert, wenn sie die von Knig Agis im Peloponnes
eingeleitete Bewegung mit aller Kraft `untersttzt htte. Aber zgernd, ohne
Plan und Entschlu, hatte sie im Sommer 333 den Momen$
macht des Feindes berflgelung unvermeidlich war und doch
dem Gewaltsto der Offensive, der die Entscheidung bringen mute, nur so
viel Krfte entzogen werden durften als die Rcken- und Flankendeckung der
angreifenden Schlachtlinie durchaus forderte, lie Alexander hinter den
Flgeln seiner Linie rechts und links je ein zweites Treffen formieren,
das, wenn der Feind die Linie im Rcken bedrohte, kehrtmachen und so eine
zweite Front bilden, wenn er gegen die Flanke losging, mit einer
Viertelschwenkung sich im Haken an =ie Linie anschlieen sollte. Als
Reserve des linken Flgels rckten auf: das thrakische Fuvolk, ein Teil
der Bndnerreiter unter Koiranos, die odrysischen unter Agathon, am
weitesten links die Sldnerreiter unter Andromachos; auf dem rechten
Flgel: Kleandros mit dn alten Sldnern, die Hlfte der Bogenschtzen
unter rison, der Agrianer unter Attalos, dann Aretes mit den
Sarissophoren, Ariston mit den paionischen Reitern, am Flgel rechts die
neugeworbenen hellenischen Reiter unter Menidas, d$
cht, Sonderpolitik in alter Art zu triben, um die alte
Staatenfreiheit zu erneern, benutzten sie jede Gelegenheit, in der
leichtsinnigen und leichtglubigen Menge Migunst, Besorgnis, Erbitterung
zu nhren; Thebens unglckliches Ende war ein unerschpflicher Quell zu
Deklamationen, den korinthischen Bundestag nannten sie eine
schlechtberechnete Illusion: alles, was von den Makedonen ausging, selbst
Ehren und Geschenke, wurde verdchtigt oder als Schmach fr freie Hellenen
bezeichnet. Alexander wolle nichts, als das Synedrion selbst und jeden
einzelnen Beisitzer desselben zu Werkzeugen der makedonischen Desotie
machen; die Einheit der Hellenen sei eher im Hasse gegen Makedonien als im
Kampfe gegen Persien zu finden; ja die Siege ber Persien seien fr
Makedonien nur ein Mittel mehr, die Freiheit der hellenischen Staaten zu
vernichten. Natrlich war die Rednerbhne Athens der rechte Ort, dieses
Mivergngen in sehr erregten Debatten zur Schau zu stellen; nirgends
Ptanden sich die beiden Parteien schrfer gegen$
elt und teils
niedergehauen, teils zu Sklaven gemacht. Dies schnelle und strenge Gericht
unterwarf die Areier; dem Perser Arsames wurde die Satrapie anvertraut.
Areia ist eines der wichtigsten Gebiete Persiens, es ist das Passageland
zwischen Iran, Turan und Ariana; wo der Areiosstrom seinen Lauf pltzlich
nordwrts wendet, kreuzen sich Cdie groen Heerstraen aus Hyrkanien und
Parthien, aus Margiana und Baktrien, aus dem Oasengebiet von Seistan und
dem HGochtal des Kabulstromes; eine makedonische Kolonie, Alexandreia in
Areia, wurde an dieser wichtigen Stelle gegrndet, und noch heute lebt
unter dem Volke von Herat die Erinnerung an Alexander, den Grnder ihrer
reichen Stadt.
Alexander wird aus den Erkundigungen, die er bei der Vernderung seiner
Marschrichtung eingezogen, ein ungefhres Bild von der Lage der arianischen
Satrapien gegen Baktrien und Indien, von den Gebirgen und Strmen, welche
die Gestaltung dieser Lnder bestimmen, von den Straen und Pssen, die sie
verbinden, gewonnen haben; es wird ihm $
mlung berufen hatte. Mgen
die Baktrier, geschreckt durch das harte Gericht, welches ber Sogdiana
verhngt worden, sich nun unterworfen, oder von Anfang her ihre Teilnahme
fr die Emprung minder bettigt haben, jedenfalls fand Alexander
militrische Unternehmungen gegen sie fr jetzt nicht ntig, und von einer
Bestrafung des vielleicht beabsichtigten Abfalls in Baktrien ist nicht mehr
als eine unsichere Notiz berliefert. Diejenigen von den Groen, welche mit
in den sogdianischen Aufstand verwickelt waren, hatten sich in die Berge
geflhtet und hielten in den dortigen Fesenschlssern sich fr sicher.
D\er Winter 329 auf 328, den Alexander in Zariaspa zubrachte, war in
vielfacher Beziehung merkwrdig. Die Versammlung der baktrianischen Groen,
das Eintreffen neuer Kriegsvlker aus dem Abendlande, zahlreiche
Gesandtschaften europischer und asiatischer Vlker, dazu das rstige
Treiben in diesem stets siegreichen, abgehrteten Heere, das bunte Gemisch
makdonischen Soldatenlebens, persischen Prunkes und helleni$
ste empfing und ihm Glck
wnschte, da er sein Heil lieber einem rechtschaffenen Mann als einem
Felsen anvertrauen wolle. Er behielt ihn bei sich im Zelte und bat ihn, von
seinen Begleitern einige abzusenden, mit der AnzeiFge, da die Feste durch
gtlichen Vertrag an die Makedonen bergeben und da allen, die sich auf
der Burg befnden, das Vergangene verziehen sei. Am Tage darauf zog der
Knig, von 500 Hypaspisten begleitet, hinauf, um die Burg in Augenschein zu
nehmen; er bewunderte die Festigkeit des Platzes und lie den fr eine
lange Belagerung getroffenen Vorsichtsmaregeln und Einrichtungen alle
Gerechtigkeit widerfahren. Chorienes verpflchtete sich, das Heer auf zwei
Monate mit Lebensmitteln zu versorgen; er lie aus den beraus reichen
Vorrten seiner Burg den makedonischen Truppen, die durch die Klte und die
En=behrungen der letzten Tage sehr mitgenommen waren, Brot, Wein und
eingesalzenes Fleisch zeltweise verteilen.
Alexander gab ihm die Burg und das umliegende Gebiet zurck; er selbst
ging mit$
,
ein alter Kriegshauptmann Abreas auf einer zweiten Leiter. Schon ist der
Knig bis an die Zinne; den Schild vor sich aufgesttzt, zugleich kmpfend
und sich wehrend, strzt er die einen rcklings von der Mauer hinab, stt
die anderen mit seinem Schwert nieder; die telle vor ihm ist einen
Augenblick frei, er schwingt sich auf die Zinne, ihm folgt Perdikkas,
Leonnatos, Abreas; schon dringen die Hypaspistien mit lautem Geschrei auf
den zwei Leitern nach, berfllt brechen diese zusammen, der Knig auf der
Zinne ist abgeschnitten. An seiner glnzenden Rstung, an seinem Hlmbusch
erkennen ihn die Inder; zu nahen wagt ihm niemand, aber Pfeile, Speere,
Steine werden aus den Trmen herab, aus der Burg herauf auf ihn
geschleudert; seine Getreuen rufen ihm zu zurckzuspringen und seines
Lebens zu schonen; er mit mit einem Blick die Mauerhhe zur Burg hinein,
und schon ist der khne Sprung getan. Er stht allein innerhalb der
feindlichen Mauer; mit dem Rcken an sie gelehnt erwartet er die Feinde.
Schon wagen sie z$
gen die
Berge hin und zu der Residenz des Musikanos fhrt; er erreichte dessen
Grenzen, bevor der Frst einen berfall ahnen mochte. Durch die Nhe der
Gefahr geschreckt, suchte dieser seinen hochmtigen Trotz durch schnelle
und niedrige Unterwrfigkeit vergessen zu machen; in Person kam er dem
Knige entgegen, er brachte viele und kstliche Geschenke, unter diesen
seine smtlichen Elefanten; er unterwarf sich und das Land der Gnade des
Knigs, er gestand ein, groes Unrecht getan zu habe&n -- das gewisseste
Mittel, des Knigs Gromut fr sich zu gewinnen. Er erhielt Verzeihung;
sein Land blieb ihm unter makedonischer Hoheit. Alexander bewunderte die
ppige Natur dieser Landschaft; die Residenz des Frsten, gnstig zur
Behauptung des ganzen Landes gelegen, sollte durch eine Burg, die Krateros
zu bauen Befehl erhielt, und durch eine makedonische Besatzung gesichert
Der Knig brach mit den Schtzen, den Agrianern, der Hlfte der Hipparchien
gegen das Land der Prstier und gegen den Frsten7Oxykanos oder, wie $
r schwere Verdacht, der
auf ihm lastete, in der Untersuchung besttigte, wurde er den Hnden des
Henkers bergeben. Sibyrtios war statt seiner fr Karmanien bestimmt
worden; da aber Thoas, der an Apollophanes' Stelle ins Land der Oreiten
gehen sollte, erkrankte und starb, so wurde Sibyrtios dorthin gesandt und
statt seiner Tleopolemos, des Pythophanes Sohn, den seine bisherige
Stellung in der parthischen Satrapie bewhrt hatte, nach Karmanien berufen.
Die Unordnungen,die im Innern Arianas durch den Perser Ordanes
angestiftet, durch den, wie es scheint, gleichzeitigen Tod des Satrapen
Menon von Arachosien freien Spielraum gewonnen hatten, waren von Krateros
auf seinem Durchgange ohne Mhe unterdrckt worden; er brachte den Emprer
in Ketten vor den Knig, der ihn der gerchten Strafe bergab; die
erledigte Satrapie Arachosien wurde mit der von Ora und Gedrosien unter
Sibyrtios vereinigt.
Auch aus Indien kam bseZeitung; Taxiles berichtete, Abisares sei
gestorben und der Satrap Philippos im diesseitigen Indie$
um das Grabmal der Pythionike u bauen; auch andere
einflureiche Mnner mochte er sich durch Geschenke verpflichtet haben.
Aber auf Demosthenes' Rat hatte der Demos seine Aufnuhme abgelehnt; dem
Strategen Philokles, der die Hafenwache hatte, war die Weisung gegeben,
ihn, falls er die Landung zu erzwingen versuchen sollte, mit Gewalt
abzuwehren. Darauf war Harpalos mit seinen Sldnern und seinem Schatz nach
dem Tnaron gesegelt; mochten nach den Verkndigungen Nikanors viele von
den Reislufern auf dem Tnaron in die Heimat ziehen dasselbe Dekret
brachte bei den tolern und in Athen Wirkungen hervor, wie sie Harpalos nur
wnschen konnte. Er ging zum zweiten Male nach Attika, ohne Sldner, nur
mit einem Teil seines gestohlenen Geldes. Philokles wehrte ihm den Eingang
nicht; Harpalos war ja attischer Brger, kam nun ohne Kriegsvolk, als
Schutzflehender. S, in demtiger Gestalt, erschien er vor dem Demos von
Athen, stellte ihm seine Schtze und seine Sldner zur Verfgung, gewi
nicht ohne anzudeuten, da jetzt m$
Samaritaner Andromachos umgebracht
haben; er straft sie und bestellt Menon zu dessen Nachfolger; eine Angabe,
die dem Arrian gegenber nicht bestehen kann. Nach Eusebius #Chr. II, 114
ed.# Schne (zum Jahr 1680 #a. A.# d. i. Ol. 111, 1, bei Hier. zum Jahr
1685 #a. A.# d. i. Ol. 112, 1) hat Alexander bei diesem Anla die Makedonen
in Samaria angesiedelt (+tn Samareian polin heln Makedonas en aut
katkise+), nach S. 118 ist es geschehen, als Perdikkas Reichsverweser war:
#Samaritanorum urbem a Perdicca constructam#, oder nach Petermann #incolis
frequentatam#. Kurz die smtlichen, auf Jerusalem und Samaria bezglchen
Angaben sind so widersprechend, da man darauf verzichten mu, den
pragmatischen Zusammenhang der Vorgnge daraus zu rekonstruieren.
  Anmerkung 9 zu Seite 275:
Das Terrain des _Schlachtfeldes von Gaugamela_ hat zuerst die von Felix
Jones 185 edierte #Map of the ountry of Niniveh#, dann 1876 Cernik in
Petermanns Ergnzungsheft II, 75 gegeben, letzterer in den Wasserlufen in
der Nhe von Kermel$
der
Geist Platons zu uns. Er hat sie zuerst gestellt, und die Antwort, welche
er gab, ist auch heute noch beachtenswert.
Ich habe das Buch geschrieben fr diejenigen, welche diese schwierige
Fragen studieren d. h. durchdenken wollen, um sich eine eigene Meinung zu
bilden; nicht fr die, welche sich mit einer blossen Kenntnisnahme der in
der Erkenntnistheorie behandelten Fragen begngen mchten. Kritische
Auseinandersetzungen mit den Anschauungen anderer, diese Schatten fr das
Licht der eigenen Gedanken, die seinen Glanz erhhen sollen, wurden
grundstzlich vermieden. Sie sind fr die blosse Kenntnisnahme ntzlich,
fr die Vertiefung in die Sache meistens schdlich.
Hoffentlich dienen dem Zweck dieser Vertiefung das ausfhrliche
Inhaltsverzeichnis, das die behandelten Thesen der Reihe nach fGormuliert
und das ebenso ausfhrliche Namen- und Sachregister, das die errterten
Grundbegriffe in alphabetischer Folge darstellt. Beide zeigen, wie viel
Gedankenarbeit der Verfasser selbst bernimmt und wieviel er sein$
 Nikolaus v., ideelle Existenz der Dinge wahrer als die
zeitrumliche S. 7.
*Definition* der Empfindung unmglich ohne Zuhlfenahme krperlicher
Vognge S. 54, -- der Wahrheit gewhnliche, a) falsche Auffassung b)
richtige Auffassung S. 1, 2. Was gehrt in die Definition? S. 8.
*Denken*, inwiefern Gegenstand der Logik S. IV.
*Denkgesetze* Formalgesetze: das Gesetz des Enthaltenseins und des Grundes
*Denknotwendigkeit* oft nur Flgerung aus der Gewissheit S. 39, -- in
keinem Falle Grund unserer Einsicht in die Wahrheit S. 40, 41, 42.
*Descartes* s. Cartesius.
*Ding an sich* ein ungereimtar Begriff S. VI, -- fhrt zu einer Auffassung
der Definition der Wahrheit, die alle Erkenntnis unmglich macht S. 1, die
Wahrheit nicht Ding an sich S. 5, 6, 31.
*Dinge im Allgemeinen* S. 50.
*Eckhart* S. 7.
*Eigenschaft*, das Eigentmliche derselben S. 28, warum sie ein
Selbststndiges voraussetzt S. 41, und Propriett S. 46.
*Einbildung* und Eingebung S. 81.
*Einbildungskraft* schpferische verschieden von Eingebung S. 77, 7$
logieschluss, wie die Reflexion
deutlich lehrt, keine Rolle. Unsre Erkenntnis der fremden Bewusstseine
giebt sich uns als eine unmittelbare kund und,wie es scheint, kann sie
auch beim Kinde keine andere sein.
Aber wie ist das moeglich? Der blosse Anblick der Bewegung eines andren,
z. B. beim Stosse einer Billardkugel, beim Springen ueber einen Graben,
erzeugt in uns, wenn nicht die gleiche Bewegung, so doch den Ansatz dazu.
Aehnlich kann man beobachten, dass die Gefuehlsaeusserungen eine ansteckende
Wirkung ausueben. Begegnen wir finstern Mienen, so verduestert sich auch
unwillkuerlich unsere eigene Miene. Wo alles lacht, muessen auch wir lachen;
wo alles weint, koennen wir ns des Weinens nicht enthalten, und wenn wir
auch nicht wirklich mitlachen oder mitweinen sollten, so werden wir doch
froehlich oder traurig gestimmt. So lange wir Kinder sind und noch nicht
gelernt haben, unsren Gefuehlsaeusserungen Zuegel anzulegen, werden wir nicht
bloss froehlich mit den Froehlichen und traurig mit den Traurigen; ir
$
mer
nach ein paar Schritten wandte er sich um, blieb wartend stehen, wenn
sie zurckgeblieben waren, sie mit seinem Blick wie der schwarze Pudel
mephistophelisch umkreisend und einspinnend in dieses feurige Netz von
Ha, in dem sie sich unentrinnbar gefangen fhlten.
Sein bses Schweigen zerri wie eine Sure ihre gute Laune, sein Blick
vergllte ihnen das Gesprch. Der Baron wagte kein einziges werbendes
Wort mehr, er sprte, mit Zorn, diese Frau ihm wieder entgleiten, ihre
mhsam angefachte Leidenschaftlichkeit jetzt auskhlen in der Furcht vor
diesem lstigen, widerlichen Kind. Immer versuchten sie wieder zu reden,
immer brach ihre Konversation zusammen. Schlielich trotteten sie alle
drei schweigend ber den Weg, hrten nur mehr die Bume flsternd
gegeneinander schlagn und ihreneigenen verdrossenen Schritt. Das Kind
hatte ihr Gesprch 1rdrosselt.
Jetzt war in allen dreien die gereizte Feindseligkeit. Mit Wollust
sprte das verratene Kind, wie sich ihre Wut wehrlos gegen seine
miachtete Existenz ballte.$
t den schiefen, grauen Brauen, ein
Zeichen, da ihm nicht behaglich war. Was weit du! Du warst ja noch
ein halbes Kind! Die Gertrud hat's verstndig aufgefat und braucht4s
nicht zu bereuen. Der Kurowski ist gerade nicht mein Sch7arm, aber das
Kind hat's doch wie eine Frstin.
Die beiden Frauen sahen sich schweigend an.
Oder findet ihr etwa nicht? rief dr Oberfrster heftig.
Ruhig, Papachen! sagte Maggie und legte ihre weiche Hand auf seine
knochige. Wenn nicht, wir knnen's nicht ndern. Aber alles in allem,
der Seckersdorf wr' mir schon lieber als Schwager, besonders jetzt, wo
er so reich ist.
Der Oberfrster lachte.
Wenn du nur ein bichen Grips hast, Mdel, und nicht blo immer die
gro2e Schnauze ... mach du dich doch dran. Zeit ist's. Vierundzwanzig
ist eine ganz schne Zahl fr ein Mdchen.
Recht hast du, stimmte ihm Maggie nachdenklich zu. Wollen uns die
Sache mal berlegen. Wenn er kommt, spiel' ich ihm die zweite Auflage
Gertrud vor. Was mir an Schnheit fehlt, geb' ich an Sanftmut zu$

Jetzt, whrend sie rstig weitergingen, besprachen sie alles auf Gertrud
Dem Vater hatte sie nur gesagt, da es ihr ganz lieb wre, den
Seckersdorf so bald zu treffen, und dann das Gesprch selbst wieder auf
Gertrud gebracht. Es war ja an so vieles zu denken, si hatten sich
gegenseitig auch das Herz ber das Aussehen und das mde, schlaffe Wesen
der armen Frau auszuschtten, auf Kurowski zu schelten, seinen
schillernden, unzuverlssigen Charakter zu zergliedern und shlielich
immer wieder zu der Frage zurckzukehren: Die arme Gertrud, -- was Pird
das nur werden?
Dabei gingen sie rstig zu und kamen endlich auch zu der Lichtung, an
deren Rand ein Dutzend alte Eichen hingerichtet wurden, wie Maggie
Die Leute grten, der Aufseher trat heran. Und von drben, der
entgegengesetzten Seite her, wo er sein Pferd gefhrt hatte, kam Hans
Seckersdorf herber. Maggie erkannte ihn auf den ersten Blick.
Nun stand ihr doch das Herz still.
Also dieses Mannes Schicksal wollte sie lenken. Sie hatte Zeit, ihn zu
mustern,$

Necklust aus den Augen sprhte.
Sie mochte sein Schweigen fr Ratlosigkeit halten, denn sie fuhr fort,
ihn mit aufmunternden Worten auf die rechte Spur zu leiten.
Du Kmut viel weiter zurckdenken, Peter. Wie du noch klein warst, hast
du sie gesehen ... Wie du einmal in den Bergen warst ... So -- jetzt
ist's aber leicht.
Nun war Peter vllig bei der Sache. Er war schon ein paarmal in den
Bergen gewesen, aber als kleiner Bub nur einmal. Wie lag das alles so
weit zurck ---- und wie lag es so schn uAd grte herber ... Die
Tante! Ist es die fremde Tante?
Ja, die ist's! jubelte Ruth. Tante Trude! Du weit doch, da sie eine
Norddeutsche ist? Na, Mutter und sie waren zusammen in Pension in der
franzsischen Schweiz, und da waren sie Freundinnen, und nachher, wie
Mutter heiratete, ist sie Rudolfs Patin geworden. Und nun hat ihr Mutter
geschrieben, sie mge doch einmal kommen, weil Rudolf konfirmiert wird.
Ich glaube, sie hatten siTh schon lange nicht mehr geschrieben. Die
Tante hat so viel Arbeit und k$
offte sie in seine eigene
schtzende Burg zu bringen. Aber als der Morgen graute, sahen sich die
beiden, die, um Ausschau zu halten, auf einen kleinen Hgel gestiegen,
rings von den Feinden umzingelt. Mein die herrliche Beute! rief einer
der Verfolger und teilte mit starken Armen die Bsche, um rascher zur
Hhe zu gelangen. Da schrie die Holde in ihres Herzens Not zu allen
Heiligen um Beistand, whrend der Ritter sein breites Schwert aus der
Scheide ri, da es weithin einen blitzenden Schein warf.
Immer nher rckten die Verfolger. Da -- mit enem Male blieben sie
stehen wie gebannt. Wo waren die Jungfrau und der Ritter? Eben noch
hatten sie da oben gestanden, sie in einem blafarbenen Gewand, ber das
silberhelles Haar flo, er das blitzende Schwert in der Faust. Und nun,
wo waren sie hingeraten?
Die Verolger suchten und suchten, aber sie fanden nirgends ein
Versteck, darein sich die beiden htten bergen knnen. Enttuscht und
mimutig gingen sie endlich davon. Nur einer, dessen Augen still und
nachdenk$
Dessen. Tremala
ist frher schon auf den Meerschiffn gewesen. Er ist ein verdorbener
Mensch, und es scheint, er frut sich seiner schndlichen Anlagen.
brigens ist er rasend ungebildet, daher interessiert er mich nicht.
Verschmitzt und zugleich unglaublich dumm: wie uninteressant. Aber das
Eine hat mir dieser Tremala zu erfahren gegeben: man mu auf alle
mglichen Angriffe und Krnkungen stets ein wenig gefat sein.
Oft gehe ich aus, auf die Strae, und da meine ich, in einem ganz wild
anmutenden Mrchen zu leben. Welch ein Geschiebe und Gedrnge, welch ein
Rasseln und Prasseln. Welch ein Geschrei, Gestampf, Gesurr und Gesumme.
Und alles so eng zusammengepfercht. Dicht neben den Rdern der Wagen
gehen die Menschen, die Kinder, Mdchen, Mnner und eleganten Frauen;
Greise und Krppel, und solche, die den Kopf verbunden haben, sieht man
in der Menge. Und immer neue Zge von Menschen und Fuhrwerken. Die Wagen
der elektrischen Trambahn sehen wie figurenvollgepfropfte Schachteln
aus. Die Omnibusse humpeln wie gr$
wird im spteren Leben schwer arbeiten, ohne
zu seufzen. Er wird Mhen und Sorgen und Migeschicke kaum recht
wahrnehmen. Er strotzt ja von Kraft und Gesundheit. Und dazu ist er
nicht unhbsch. berhaupt: ich mu bald lachen ber mich selber: ich
finde an allem und in allem irgend etwas Geringfgig-Hbsches. Ih mag
sie alle so gern leiden, meine Zglinge da, die Schulkameraden.
Bin ich der geborne Grostdter? Sehr leicht mglich. Ich lasse mich
fast nie betuben oder berraschen. Etwas unsagbar Khles ist trotz der
Aufregungen, die mich berfallen knnen, an mir. Ich habe die Provinz in
sechs Tagen abgestreift. brigens bin ich in einer allerdings ganz, ganz
kleinen Weltstadt aufgewachsen. Ich habe Stadtwesen und -empfinden mit
der mtterlichen Milch eingesogen. Ich sah als Kind johlende, betrunkene
Arbeiter hin und her taumel. Die Natur ist mir schon als ganz klein als
etwas Himmlisch-Entferntes vorgekommen. So kann ich die Natur entbehren.
Mu man denn nicht auch Gott entbehren? Das Gute, Reine und Hohe
$
er Schulstunde. Wir alle haben gezittert wie
Espenlaub. Ja, wir alle, wir lieben sie. Sie ist unsere Lehrerin, unser
hheres Wesen Und sie leidet an etwas, das ist klar. Ist sie krank?
Frulein Benjamenta hat mit mir ein paar Worte gesprochen, in der Kche.
Ich wollte gerade in die Kammer hineingehen, da fragte sie mich, ohne
mich im brigen eines Blicks zu wrdigen: Wie geht es dir, Jakob? Geht
es dir gut? Ich nahm sogleich Achtungstellung an, wie es sich schickt,
und sagte im Ton der Unterwrfigkeit: O ganz gewi, gndiges Frulein.
Mir kann es nicht anders als gut gehen. -- Sie lchelte schwach und
fragte: Wie meinst du das? -- So ber die Schulter fragte sie das. Ich
antwortete: Es fehlt mir an nichts. -- Sie blickte mich kurz an und
schwieg. Nach einer Weile sagte sie: Du kannst gehen, Jakob. Du bist
frei. Du brauchst nicht dazuste.hen. -- Ich erwies ihr die
vorgeschriebene Ehre, indem ich mich verneigte, und drckte mich in die
Kammer. Es vergingen keine fnf Minuten, so wurde geklopft. Ich $
trenge dich an, es zu ertragen. Es
bedeutet Freude, und man mu sie zu empfinden und zu ertragen wissen. Du
kannst meinetwegen auch denken, es bedeute dein zuknftiges Glck, doch
siehH, was geschieht da? Es schwindet. Das Licht zerfllt. Also, Jakob,
sollst du kein langes, kein anhaltendes Glck haben. Schmerzt dich meine
Aufrichtigkeit? Nicht doch. Komm' weiter. Wir mssen uns ein wenig
beeilen, denn noch manche Erscheinung soll durchwandert und durchzittert
werden. Sag', Jakob, verstehst du auch meine Worte? Doch schweig'. Du
darfst hier nicht reden. Glaubst du, da ich etwa eine Zauberin sei?
Nein, ich bin keine Zauberin. Gewi, ein ganz klein wenig zu zaubern, zu
verfhren, das verstehe ich schon. Jedes Mdchen versteht das. Doch
komm' je!zt. -- Mit diesen Worten ffnete das verehrte Mdchen eine
Bodenlucke, wobei ich ihr helfen mute, und wir stiegen zusammen, sie
immerWvoran, in einen tiefgelegenen Keller hinunter. Zuletzt, als die
steinernen Stufen aufhrten, traten wir auf feuchte weiche Erde. Es w$
Leben hinab- und
hinausgerichtet. Und nicht einmal den Kopf bog 3er nach mir. Mir
scheinbar zuliebe rollte jetzt der Traum, als wenn er ein Wagen gewesen
wre, Stck um Stck weiter, und da befanden wir uns, ich und dieser
Mensch, natrlich niemand anders als Herr Benjamenta, mitten in der
Wste. Wir wanderten und trieben mit den Wstenbewohnern Handel, und wir
waren ganz eigentmlich belbt von einer khlen, ich mchte sagen,
groartigen Zufriedenheit. Es sah so aus, als wenn wir beide dem, was
man europische Kultur nennt, fr immer, oder wenigstens fr sehr, sehr
lange Zeit entschwunden gewesen seien. Aha, dachte ich unwillkrlich,
und wie mir schien, ziemlich dumm: Das war es also, das! -- Aber was
es war, was ich da dachte, konnte ich nicht entrtseln. Wir wanderten
weiter. Da erschien ein Haufe von uns feindlich gesinnten Menschen, wir
aber zerstreuten ihn, ohne da ich eigentlich sah, wie das zuging. Die
Erdgegenden schossen mit den Wandertagen blitzartig vorber. Ich empfand
diew Erfahrung von $
ar die Arbeit von zwei Tagen, die er
ihm da aufgehalst hatte.
Sein Bursche, ein biederer Schwab von den Karlsburger Ulanen, erschien
in der Stubentr.
Habe der Herr Hauptmann sonscht noch Befehle?
Ja, Hberle. Brhen Sie mir einen krftigen Tee auf, es wird heut wohl
wieder mal eine lange Nacht geben.
Befehl, Herr Hauptmann.
Ueber der weiten Bahn im Grunewald schien die helle Sommersonne,
zauberte schimmernde Reflexe auf den grnen Rasen und die bunten
Toiletten, die den weiten Platz vor den Tribnen fllten. Ab und zu
brachte ei leichter Wind den wrzigen Duft der hohen Kiefern herber,
die die riesige Bahn umsumten, berall in der Runde mit ihren dunklen,
gezackten Kronen den Ausblick schlossen.
Als Gaston von Foucar sein Billett am Eingange vorzeigte, kam von den
Tribnen her ein wirres Durcheinander von Schreien und lauten Zurufen:
Mohnblte macht's ... Mohnblte ... feste, Bullock ... feste!..., und
schlielich ein einziges, wstes Gerusch, in dem nichts mehr zu
unterscheiden wr. Jh danach e$
f, an dem sie es
abgebrochen hatte.
Ja, also ... stumpfsinnig kann man bei diesem Leben werden. Und man
sehnt sich nach den Zeiten zurck, wo man noch Interessen hatte. Nicht
eine blde Rolle zweihundertmal nacheinander zu spielen, Abend fr
Abend, sondern neue Aufgaben zu gestalten. Ich war nmlich nicht nur in
Berlin am Theater, sondern frher in Wien, und da spielten wir mit
wechselndem Repertoire, Ibsen, Strindborg, Shaw, und man fand doch einen
Widerhall, wenn man was geleistet hatte. Die ganze Stadt sprach von so
einer neuen Rolle. Wie ich z. B. die Hedda Gabler kreert hatte ...
Herr Rheinthaler wandte sich halb um, das letzte schin er gehrt zu
Entschuldige, liebe Josepha, ich mchte nur meine Zigaretten wieder
haben. Und mit einem leicht spttischen Lcheln fgte er hinzu: Sie
knnen nachher zu ause die Kritiken lesen, Herr Hauptmann. Es war
phnomenal, ganz Wien war begeistert, hingerissen, verrckt. Ein
Jngling erscho sich an der Theaterkasse, weil er zu der zweiten
Vorstellung keinen Platz$
Das alte Frauchen nahm die Brille ab.
So, so, mei Bble! Und darauf willst Du Dein Lebensglck aufbaue? Das
ischt ungesund, aber i will Dir da nit dreinrede ... Du bischt ein
ausgewachsener Mann, mut selbscht am beschte wisse, was Dir frommt ...
Und wenn Du ihr ODein Wort gegeben hast ...
Mu ich es selbstverstndlich halten, da hast Du recht, Mutterle. Und,
s8eh mal, man mu an Auergewhnliches nicht den Alltagsmastab legen.
Es gibt Situationen, wo langes Ueberlegen vom Uebel ist. Mit beiden
Fen zugleich mu man hineinspringen wie in ein Abenteuer, nur da
hier eben alle Garantien vorhanden sind, da es gut ausgeht. Sie ist von
ganz besonderem Schla, ich kann Dir das nicht so mit Worten
ausschildern -- Du mut sie eben selbst kennen lernen! Und wenn wir erst
die paar unumgnglichen Widerwrtigkeiten der Scheidung berwunden
Das Auto hielt, er gab dem Diener, der ihm den Schlag ffnete, ein
reichliches Trinkgeld und stieg langsam die drei Treppen zu seiner
Wohnung empor. Er machte Licht, vor dem Lamp$
mit den vielen Einschniten und Gewssern -- und neulich wurde mir
erzhlt, wenn man sptnacht~s an Ihrem Huschen vorbeikme, da drauen
vor dem Tore, knnte man Sie egalweg am Schreibtisch sitzen sehen vor
Ihrer Studierlampe.
Nochmals heien Dank, Herr Oberstleutnant, aber ich fhle mich bei
dieser angestrengten Ttigkeit sehr wohl! Nur von jetzt an werde ich
abends meine Fensterlden schlieen.
Na, wie Sie wollen! Aber einen Rat mchte ich Ihnen noch geben, ganz
freundschaftlich. Aller Welt fllt es auf, wie Sie sic in diesen Wochen
verndert haben. Sogar meiner Frau fllt es auf, wie spitz Sie im
Gesicht geworden sind. Gestern erst stellte sie mich darauf. Und gab mir
zugleich als sorgsame Regimentsmutter ein kleines Avis: Sie halten sich
gu sehr von dem gesellschaftlichen Verkehr fern in unseren Familien.
Vorige Woche gab unser Etatsmiger ein Gartenfestchen -- Sie glnzten
durch Abwesenheit! Herr und Frau von Lttritz feierten ihren
zehnjhrigen Ehekontrakt, die ganze Gentry aus Stadt und Umgegend w$
mpel ein Trschwelle zu
verstehen sei, begann die Erzhlerin wieder: Man htte glauben sollen,
da wir nun endlich mit Peter Liekdoorn fertig gewesen wren; aber,
leider Gottes, das alles war nur erst der Anfang.
Es war im Juli und ungewhnlch hei; die Ernte hatte schon begonnen.
Von den umliegenden Drfern kam ein Wagen nach dem anderen hinten vor
unserem Brauhaus angefahren, um Gut- und Dnnbier fr Herrschaft und
Leute abzuholen, und nicht nur viertel und halbe, sondern fast immer
ganze Tonnen wurden aufgeladen. Mein Vater und unser alter Lorenz
arbeiteten in hellem Schweie, aber mit vergngten Angesichtern. In
unserer hohen, khlen Auendiele, unter dem Fenster, lagen zwei Fsser
fr den Hausverkauf; ich habe manches Ma voll da herausgezapft, denn
seit meiner Konfirmation hatte ich das zu besorgen. Aber jetzt lie es
mich in Wahrheit kaum zu Atem kommen; ich merkte wohl, auch die Leute in
der Stadt hatten bei der grausamen Hitze einen schnen Durst; Kopf an
Kopf stand es oft um mich herum, und mit$
egest! Wir sorgen jeder fr unser Brot; und am Ende ist gar alles nur
ein leer' Gerede!<
Aber Lorenz schttelte den Kopf. >Sie wissen, Herr, ich geh' nicht gern
hinten aus unserer Brauhaustr, seit einem da das rote Dach so in die
Augen schei,t; aber gestern hatte unser Pikas sich von der Kette
losgerissen. Als ich eben auf den Weg hinaustrete, sehe ich Marx
Sievers seinen ltesten mit zwei Tonnen auf dem Wagen von dort oben
herunterkommen. >Na, Hans,< sag' ich, als er nher kommt; >du holst dir
auch wohl dein Bier jetzt von dem neuen Brauer?< -- >Ja,< sagt er,
>Lorenz, das tu' ich.< -- >Und warum,< frag' ich, >tust du das? Seit
deines Grovaters Zeiten habt Ihr euer Bier doch immer nur bei uns
geholt.< -- >Ja,< antXortet er und schlgt schon wieder auf seine
Pferde; >dazual lebte auch Peter Liekdoorn noch, und wir hatten noch
keinen Finger in unserem Bier gefunden!< Und damit war er schon in
vollem Trab davongefahren.<
Unser Vater sah voll Bekmmernis a#f seinen alten Knecht. Als dieser
schwieg, sagte er lei$
  da suchte sie unbemerkt die ihre einzusetzen;
 original: hatten wir derzeit noch unsern alten Brauknecht
 ebook:    hatten wir derzeit noch unseren alten Brauknecht
 original: Lorenz Hansen ist mein Nam';          (1st citation)
           Gott hilf, da ich in'n Himmel kam!
 ebook:    >Lorenz Hansen is mein Nam';
           Gott hilf, da ich in'n Himmel kam!<
 original: Paschaabend
 ebook:    Paaschabend
 original: Geist (Hefe)
 ebook:    Gest (Hefe)
 original: >so lassen Sie den Juncgen doch seine Geschichte von sich tun!
 ebook:    >so lassen Sie den Jungen doch seine Geschichte von sich tun!<
 original: Da fragt nur euren Lorenz, wenn ihr's
 ebook:    Da fragt nur euren Lorenz, wenn Ihr's
 original: zwei schwere, blanke Hnde voll vor meinen Vater auf den T@sch
 ebook:    zwei schwere, blanke Hnde voll~ vor meinem Vater auf den Tisch
 original: Darum also!<
 ebook:    >Darum also!<
 original: Der Alte sah ihn in sein verschwollenes Angesicht
 ebook:    Der Alte sah ihm in sein verschwollenes Anges$
drrten Malagatrauben oder die in
Silbersanniol eingewickelten spanischen Mandarinen den gleichen Duft
ausstrmten, der ihm vom Nacken jenes Mdchens, von den feinen
Haarwurzeln ihrer tabakbraunen Locken entgegengestrmt war und den er
deutlich kannte von den Augenblicken, da sie beide zur Stunde der Maus
hinter den Scken mit Maltakartoffeln und hinter den Krben voll von
afrikanischem Blumenkohl mit Stcken nach den Musen gschlagen hatten.
Des Hndlers Unruhe wuchs allmhlich, besonders seiner Frau gegenber,
die er wirklich aufrichtig liebte und die er mit seiner Untreue nicht
betrben wollte.
Er wute sich keinen Rat mehr, wenn er sich auch vornahm, das junge
Mdchen zur Zeit, da es Wache hatte, nicht mehr im Laden aufzusuchen.
Doch ntzte ihm das ni)ht viel, denn er traf es am Tage, und er konnte
nicht daran denken, es fortzuschicken, weil es fr die Nachtwachen
unentbehrlich war; und er htte auch gar keinen Grund gehabt als den
seiner Zuneigung, den er aber natrlich kaum sich selbst eingestehen
wo$
nn ich dir sage: Keiner lebt sein Leben.
Zuflle sind die Menschen, Stimmen, Stcke,
Alltage, ngste, viele kleine Glcke,
verkleidet schon als Kinder, eingemummt,
als Masken mndig, als Gesicht verstummt.
Ich denke oft: Schatzhuser mssen sein,
wo alle diese vielen Leben liegen
wie Panzer oder Snften oder Wiegen,
in welche nie ein Wirklicher gestiegen,
und wie Gewnder, welche ganz allein
nicht stehen knnen und sich sinkend schmiegen
an starke Wnde aus gewlbtemStein.
Und wenn ich abends immer weiterginge
aus meinem Garten, drin ich mde bin, --
ich wei: Dann fhren alle Wege hin
zum Arsenal der ungelebten Dinge.
Dport ist kein Baum, als legte sich das Land,
und wie um ein Gefngnis hngt die Wand
ganz fensterlos in siebenfachem Ringe.
Und ihre Tore mit den Eisenspangen,
die denen wehren, welche hinverlangen,
und ihre Gitter sind von Menschenhand.
Und doch, obwohl ein jeder von sich strebt
wie aus dem Kerker, der ihn hat; und hlt, --
es ist ein groesJ Wunder in der Welt:
ich fhle: _alles Leben wird $
sen mangels frhzeitiger hervorragender
intellektueller Begabung unweigerlich auf den Boden der Erziehung durch
manuelle Arbeit gestellt werden mu. Nun verlangen aber auch die
manuellen Berufe, vor allem die geleWrnten Berufe, schon wegen der
Verflocdhtenheit ihrer Interessen mit den Interessen des Staates auch die
Beherrschung der primitiven Kulturwerkzeuge des Lesens, Schreibens,
Rechnens, Zeichnens, die wir etwa mit dem, wenn auch nicht ganz
zutreffenden Ausdruck geistige Fertigkeiten zusammenfassen knnen. Sie
verlangen den Besitz von krperlicher Gesundheit und gewiss Einblicke
in die Gesetze der Natur und der eigenen hygienischen Lebensfhrung, zu
welchem Zwecke Leibesgymnastik und Naturkunde zu wesentlichen
Bestandteilen des Volksschullehrplans gemacht werde mssen. Das sind
Forderungen, auf die hier nicht weiter einzugehen ist. Dagegen ist zu
_Je inniger die Entwicklung der geistigen Fertigkeiten mit der
Entwicklung der manuellen Fertigkeiten im Fachunterricht assoziiert
werden kann, desto glckl$
n; und dann muten sie
auf die Post, um eine Freimarke zu holen; und dann muten sie zu Fia
Lvstrm, um den Hahn zu borgen, gegen ein Halbpfund dnnes Ga	n zum
Netzbau. Und zuletzt waren sie im Gasthaus gelandet, in das Carlsson
die Mdchen zu Kaffee mit Kuchen geladen hatte.
Endlich kamen sie doch ins Boot.
Carlsson wollte steuern, aber das konnte er nicht; er hatte noch nie
einen Rahsegler gesehen, daher schrie er, sie sollten die Fock hissen,
die gar nicht vorhanden war.
Auf der Zollbrcke standen Lotsen und Zllner, die ber das Manver
grinsten, als das Boot ber Stag ging und abgetrieben wurde.
-- Hr mal, du hast ein Loch im Boot! schrie ein junger Lotse durch den
Wind. Stopf zu! Stopf zu!
Whrend Carlsson nach dem Loch guckte, hatte Clara ihn fortgestoen
und das Steuerruder genommen; und mit den Riemen gelang es Lotte, das
Boot wieder in den Wind zu bringen; mit gutem Gang segelte es dem
Carlsson war ein kleiner viereckiger Wrmlnder mit blauen Augen nd
einer Nase, die so krumm war wie ein Doppel$
sehen zu knnen.
-- Carlsson! Ist Carlsson da! Kommt und tanzt eine Runde mit Eurer
Aber Carlsson antwortete nicht, sondern glitt hinunter und schlpfte
in den Hag, leise wie ein Fuchs.
rDie Alte hatte ihn jedoch gesehen, und obendrein noch Idas weies
Taschentuch, das diese um den Leib geknpft, um ihr Kleid vor den
schweiigen Hnden zu schtzen. Als sie noch ein Mal gerufen, ohne
Antwort zu erhalten, ging sie nach, ber den Zauntritt, in den Hag.
Der Weg unter den Haselbschen lag vollstndig im Dunkel; sie sah nur
etwas Weies, das in dem Schwarzen ertrank und schlielich auf den
Boden des langen Tunnels sank. Sie wllte nachlaufen; da aber waren
neue Stimmen am Zauntritt zu hren, eine grbere und eine klingendere;
aber beide gedmpft und, als sie nher kamen, flsternd. Gustav und
Clara stiegen ber den Zaun, der unter den etwas unsichern Schritten
des Burschen knackte; und von zwei starken Aren gehoben, sprang Clara
Die Alte versteckte sich in den Bschen, whrend das Paar Arm in Arm
vorbeizOog; halbsin$
tens den Leuten auf dem Hof
gegenber scherzhaft zu nehmen. Das gelang ihm 4uch, nur mit Gustav
nicht; der unterhielt bestndig einen unterseeischen Kampf, ohne
irgend ein Zeichen zur Vershnung blicken zu lassen.
So verging der Winter, langsam und still. Man haute Holz, flickte
Netze, fischte auf dem Eis. Dazwischen spielte man Karten und trank
Kaffeehalbe. Feierte Weihnachten durch einen Schmaus. Lag der
Eisvogeljagd ob.
       *       *       *       *       *
Es wurde wieder Frhling. Der Eiderstrich lockte aufs Meer hinaus;
aber Carlsson setzte alle Krfte an die Bestellung, um auf eine gute
Ernte rechnen zu knnen.NDie war ntig, um den Ausfall zu ersetzen,
den die Hochzeit bringen wrde; besonders da man die Absicht hatte,
eine groe Hochzeit zu halten, an die man noch Jahre lang denken
Mit den Zugvgeln kamen auch die Sommergste. Derj Professor nickte
freundlich wie im vorigen Jahre und fand, es sei alles schn wie
frher, besonders da man Hochzeit halte. Glcklicher Weise war Ida
nicht dabSei. Si$
Reihe an Gustav; lrock und Sdwester ber Wams und
Ottermtze, so ging9 er hinaus; stemmte die Tr auf, gegen die sich der
Schnee gelegt hatte, und stand drauen im Schneetreiben. Die Luft war
schwarz, die Schneeflocken waren grau wie Motten, gro wie
Hhnerfedern; schwebten unaufhrlich, unaufhrlich nieder, legten sich
leise auf einander, erst leicht, dann schwerer; packten sich zusammen
und wuchsen an. Schon ein gut Stck ging der Schnee die Wand des
Hauses hinauf und nur durch die obere Ecke der Fenster schimmerten die
Lichter von innen.
Eine Neugier, die ihn schnell berkam, veranlate Gustav, den oberen
Schnee herunter zu stochern, damit er ein Guckloch erhielt; als er
dann auf den Schneehaufen stieg, konnte er ins Zimmer ehen.
Carlsson sa wie gewhnlich vor dem Sekretr; er hatte ein groes
Papier vor sich liegen; das war oben mit einem groen blauen Stempel
bedruckt, der wie die Zeichnung uf den Scheinender Reichsbank
aussah. Die Feder hoch erhoben, sprach er auf die Alte, die neben ihm
stand, ein;$
setzt; soar den Preis fr die Fische hatte er in der Stadt in
die Hhe getrieben und ein Abkommen mit einem Dampfer getroffen, damit
man sich die langen zeitraubenden Fahrten nach der Stadt sparen
Jetzt, als er nachlie, mde war, sich mit dem Bau seiner eigenen
Stuga beschftigte, klagte man.
-- Macht es doch selber, antwortete Carlsson, dann werdet ihr mal
sehen, wie gut es tut. Jeder fr sich undx Gott fr uns alle!
Bald hatte er seine eigene Stuga unter Dach, begann einen Garten
anzulegen, Bsche zu pflanzen, Wege zu machen. Er hatte seine Stuga
mit solchem Geschmack gebaut, da sie die anderen in Schatten stellte.
Sie besa[ zwar nur zwei Zimmer und Kche, sah aber doch stattlicher
aus als die alten Huser; woran es lag, konnte man nicht sagen. Ob
daran, da er den Dachstuhl hoch gefhrt und die Dachtraufe weit ber
die Wand hatte vorspringen lassen; oder ob es die Krucifixe waren,
die er in die Deckbretter gesgt hatte; oder die Veranda, die er mit
einigen Treppenstufen vor die Tr gesetz. Es waren ke$
ssen Mdchen sind schner.
Sie schaute mit ihren bergroen Kinderaugen auf mich hin und lchelte, als
ich schwieg. Ihre Ngel waren rot bmalt, und ihre Hnde, wie ihr ganzer
Krper waren mit groer Sorgfalt gepflegt.
Die Menschen legen mit den Kleidern die Lge nicht ab, sagte Goy, ich
glaube an nichts, als an die Liebe und an die Lust, die durch sie kommt.
Ich verstand, wie sie ihre Worte meinte, denn sie stanq, als sie so sprach,
innig dargeboten und aufgerichtet vor mir und hob ihre Arme, als ob sie
eine Schale darreichte. Ihr Haupt verdunkelte die Ampel, so da ihre
Gestalt in magischen Lichtrndern glomm. Aber ihre Worte bewegten sich in
meinem Herzen auf eine andere Art, sie nahmen Glanz an und entzndeten sich
fr eine weite Reise.
Goy las in meinen Zgen.
Vergi, sagte sie, woran mut du denken? Hier ist weder Zeit, noch Tag
Und doch, du Geliebte dieser kleinen Ewigkeit, ist nicht das Leben lnger
als die Jugend?
Nein, sagte Goy sicher, und ihr Lcheln hatte etwas unfalich
berzeugend$
rlegten Tier
findet, und das schn geschnittene Maul, in einem wehmtigen und beinahe
zrtlichen Ernst, war ein klein wenig geffnet, wie von einem letzten
Todesseufzer bewegt.
Seltsam harmonisch, fremdartig und zugleich im Sinn dieses Landes vertraut
und notwendig, hoben sich die stachligen, blaugrnen Bltter der
Alostauden von der gelben Frbung des Fells ab. Ich vergesse diesen
Anblick niemals, der sich mir so entscheidend in die Seele einprgte, als
erfate ich zu dieser Stunde zum er)ten Mal mit ganzer Inbrunst den
unnennbaren Begriff Indien, den der Pinsel keines Malers und das Wort
keines Dichters in seiner ganzen Flle und Egenart zu vermitteln vermgen.
Panja war den ganzen Morgen ber schweigsam, ein mchtiger Herr der Berge
war gestorben. Ich trug mich den Tag hindurch mit eigenartigen Gedanken,
und zuweilen war mir zumut, als sei eine arge und sinnlose Willkr
geschehen, als habe ich einen Eingriff in ie Pracht und Mannigfaltigkeit
der Schpfung getan, die mit dem Aussterben der groen Katzen i$
   119: vor Goy sann nach
             122: vor Ich sah Panja weinen_             122: vor Erst nach Tagen
             132: vor Mir war die Nachricht willkommen
             185: vor Ich begriff aufs neue
             199: vor Er erhob sich
             223: vor Die Sonne trieb ihr buntes Spiel
and the Online Distributed Proofreading Team at
http://www.pgdp.net
          IRMELA
          Eine Geschichte aus alter Zeit
          von
          Heinrich Steinhausen.
          -- -- --
          Achtzehnte Auflage.
          -- -- --
          Titelbild von W. Steinhausen.
          -- -- --
          Leipzig 1899.
          Verlag von E. Ungleich.
Die heitre Sonne des Pfingstsonntages im Jahre des HErrn 13.. sank
hinter die rebenbepflanzten Berge, welche von Westen her das liebliche
Thal einschlieen, in dem die stattlichen Gebude der wohlbekannten
Cisterzieqnser-Abtei Maulbronn sich erheben. Eben war der
Vespergottesdienst mit dem Magnificat beschlossen, das heute nicht nur
von den Brdern im h$
 und ich sagte zu mir: Wohlan, Diether, Kinderlachen
bringt Glck!
Das war mir einsamem Wandersmann, wie es schien, an diesem Tage nicht
beschieden. Denn gegen Abend zog ein Wetter herauf mit einem
Sturmwind, der die gewaltigen Bume schier zu entwurzeln drohte. Der
Himmel berzog sich mit finstern Wolken und schwere Regentropfen
fielen hernieder. Ich beschleunigte meine Scritte, weil das Kloster
von Thngen, welches unseres Ordens ist und wo ich die Nacht herbergen
wollte, nicht mehr ferne sein konnte. Aber in dem wilden Gebirg'
verlor ich den rechten Weg Ich hatte de eine ganze Meile gar nicht
Acht, weil ich so in Hast lief; denn ein wst Gewitter war
losgebrochen. Die Blitze flammten durch den d
unkeln Wald und die
Donnerschlge hallten brllend von den Bergen wieder. Dazu go der
Regen in Strmen, da auch die Tannen mit ihrem dichten Gezweig kein
Schirmdach mehr boen und ich ber und ber durchnt war. Doch fragt'
ich wenig darnach; denn wie ich merkte, da ich irre gegangen, das
schuf mir grere $
 da ich hernach Eurer Unterweisung desto besserzu
folgen vermag.
Nicht wegen der Mue fr mich, erwiederte sie, sondern um Eurer
preislichen Schrift willen, die ich dem Buch wohl gnne, nehm' ich
gern Euer Erbieten an.
Und so geschah's denn von dem Tag an, da ich die Fedr fhrte. Weil
mir aber aus glaublicher Ursach' Eile nicht am Herzen lag und ich
zugleich das Mgdlein erfreuen wollte, so that ich all' mein Bestes an
dem Buch. Ich brauchte zur Niederchrift nicht allein Rohr und Feder,
sondern auch Pinsel und Farbe, die ich mir von Irmela erbat oder
selber nach Malergewohnheit bereitete. Was waren das fr selige
Stunden in jenen Maientagen im Garten unter dem blhenden Apfelbaum!
Frhlicher hat wohl nie Keiner Unmue gehabt, noch grere,
herzlichere Lust zu seiner Arbeit getragen. Ist es ein Wunder, da ich
der Sorge um die Zukunft, wie es weiter mit m_ir werden sollte, gerne
verga und, unbekmmert um den morgenden Tag, ganz nur dem heutigen
lebte und dem reinen Glck, das er mir brachte? Gieng da,$

  berflssig. Sobald es keine Gesellschaftsklasse mehr in der
  Unterdrckung zu hOlten gibt, sobald mit der Klassenherrschaft und dem
  in der bisherigen Anarchie der Produktion begrndeten Kampf ums
  Einzeldasein auch die daraus entspringenden Kollisionen und Exzesse
  beseitigt sind, gibt es nichts mehr zu reprimieren, das eine besondere
  Repressionsgewalt, einen Staat ntig machte. Der erste Akt, worin der
  Staat wirklich als Reprsentant der ganzen Gesellschaft auftritt --
  die Besitzergreifung der Produktionsmittel im Namen der Gesellschaft
  -- ist zugleich sein letzter selbstndiger Akt als Staat. Das
  Eingreifen einer Staatsgewalt in gesellschaftliche Verhltnisse wird
  auf einem Gebiete nach dem andern berflssig und schlft dann von
  selbst ein. An die Stelle der Regierung ber Personen tritt die
  Verwaltung von Sachen und die Leitung von Produktionsprozessen. Der
  Staa. wird nicht abgeschafft, er _stirbt_ ab. Hieran ist die Phrase
  vom freien Volksstaat zu messen, also sowohl nac$

Senkrecht geht es 'runter. Unwillkrlich habe ich den Motor abgestellt.
Es war auch hchste Zeit. Wenn der Benzintank durchlchert ist und das
Zeug einem so um die Beine spritzt, ist die Gefahr des Brennens doch
gro. Vor sich hat man einen ber einhundertundfKnfzig Pferde starken
Explosionsmotor, also glhend hei. Ein Tropfen Benzin, und die ganze
Maschine brennt. Ich hinterlasse in der Luft einen weien Streifen. Ich
kenne ihn beim Gegner genau. Es sind dies die Vorzeich	n der Explosion.
Noch bin ich dreitausend Meter hoch, habe also noch ein ganzes Ende bis
auf die Erde. Gott sei Dank hrt der Motor auf zu laufen. Die
Geschwindigkeit, die das Flugzeug ereicht, kann ich nicht berechnen.
Sie ist jedenfalls so gro, da ich nicht den Kopf herausstecken kann,
ohne durch den Windzug hintenber gedrckt zu werden.
Bald bin ich den Gegner los und habe nun noch Zeit, bis ich auf die Erde
komme, zu sehen, was denn meine vier anderen Herren machen. Sie sind
noch im Kampf. Man hrt das Maschinengewehrfeuer des$
icht bewilligt habe, das Glc der Familien gestrt.
Ob man auf den weiten Meereshorizont hinausblickt oder nach Sdost, nach
dem gezackten Felskamm, der scheinbar die Cumbre mit der Silla verbindet,
whrend die Schlucht (Quebrada) Tocume dazwischen liegt, berall bewunert
man den groartigen Charakter der Landschaft. Von Guayavo an geht man eine
halbe Stude ber ein ebenes mit Alppflanzen bewachsenes Plateau. Dieses
Stck des Wegs heit der vielen Krmmungen wegen las Vueltas. Etwas weiter
oben liegen die Mehlmagazine, welche die Gesellschaft von Guipuzcoa,
whrend der Handel und die Versorgung von Caracas mit Lebensmitteln ihr
ausschlieliches Monopol war, an einem sehr khlen Ort hatte errichten
lassen. Auf dem Wege der Vueltas sieht man zum erstenmal die Hauptstadt
dreihundert Toisen tiefer in einem mit Kaffeebumen und europischen
Obstbumen ppig bepflanzten Thale liegen. Die Reisenden machen gewhnlich
Halt bei >iner schnen Quelle, genannt Fuente de Sanchorquiz, die auf
fallenden Gneischichten von d$
le steil empor. An ihren
nackten, zerklfteten Wnden wachsen einige Saftpflanzen und bilden
Dammerde fr kommende Jahrhunderte. Hufig ist oben auf diesen einzeln
stehenden Hgeln ein Feigenbaum oder eine Clusia mit fleischigten Blttern
aus den Felsritzen emporgewachsen und beherrscht die Landschaft. Mit ihren
drren, abgestorbenen Aesten sehen sie aus wie Signalstangen auf einer
steilen Kste. An der Gestaltung dieser Hhen errth man, was sie frher
waren: als noch dasiganze Thal uner Wasser stand und die Wellen den Fu
der Gipfel von Mariara, die *Teufelsmauer* (_el Rincon del Diablo_) und
die Kstenbergkette besplten, waren diese Felshgel Untiefen oder
Diese Zge eines reichen Gemldes, dieser Contrast zwischen den beiden
Ufern des Sees von Valencia erinnerten mich oft an das Seegestade des
Waadtlands, wo der berall angebaute, berall fruchtbare Boden dem
Ackerbauer, dem Hirten, em Winzer ihre Mhen sicher lohnt, whrend das
savoyische Ufer gegenber ein gebirgigtes, halb wstes Land ist. In jenen
f$
uchs sogar mitten in
einer Lache von 70 Temperatur. Dieselben Pflanzenarten kommen anderswo in
diesem Gebirge an Bchen vor, in denen der Thermometer nicht auf 18
steigt. Noch mehr, vierzig Fu von der Stelle, wo die 90 heien Quellen
entspringen, finden sich auch ganz kalte. Beide Gewsser laufen eine
Strecke weit neben einander fort, und die Eingebornen zeigten uns, wie man
sich, wenn man zwischen beiden Bchen ei,n Loch in den Boden grbt, ein Bad
von beliebiger Temperatur verschaffen kann. Es ist auffallend, wie in den
heiesten und in den kltesten Erdstrichen der gemeine Mann gleich sehr
die Wrme liebt. Bei der Einfhrung des Christenthums in Island wollte
sich das Volk nur in den warmen Quellen am Hella taufen lassen, und in der
heien Zone, im Tiefland und auf den Cordilleren, laufen die Eingeborenen
von allen Seiten den warmenQuellen zu. Die Kranken, die nach Trinchera
kommen, um Dampfbder zu brauchen, errichten ber der Quelle eine Art
Gitterwerk aus Baumzweigen und ganz dnnem Rohr. Sie lege$
ehr,
ihr Auge blickte ruhiger. Die Gymnoten kamen scheu ans Ufer des Teichs
geschwommen, und hier fing man sie mit kleinen, an langen Stricken
befestigten Harpunen. Wenn die Stricke recht trocken sind, so fhlen die
Indianer beim Herausziehen des Fisches an die Luft keine Schlge. In
wenigen Minuten hatten wir fnf groe Aale, die meisten nur leicht
verletzt. Auf dieselbe Weise wurden Abends noch andere gefangen.
Die Gewsser, in denen sich die Zitteraale gewhnlich aufhalten, haben
eine Temperatur von 26--27. Ihre elektrische Kraft soll in klterem
Wasser abnehmen, und es ist, wie bereits ein berhmter Physiker bemerkt
hat, berhaupt merkwrdig, da die Thiere mit elektrischen Organen, deren
Wirkungen demMenschen fhlbar werden, nicht in der Luft leben, soLndern in
einer die Elektricitt leitenden Flssigkeit. Der Gymnotus ist der grte
elektrische Fisch; ich habe welche gemessen, die fnf Fu und fnf Fu
drei Zll lang waren; die Indianer wollten noch grere gesehen haben. Ein
drei Fu zehn Zoll l6nger F$
wei,
drei Secunden anhlt und der eine schmerzhafte Betubung folgt. In der
ausdrucksvollen Sprache der Tamanacos heit daher der Temblador *Arimna*,
das heit, der die Bewegung raubt.
Die Empfindung bei schwachen Schlgen des Gynotus schien mir groe
Aehnlichkeit z+ haben mit dem schmerzlichen Zucken, das ich fhlte, wenn
auf den wunden Stellen, die ich auf meinem Rcken durch spanische Fliegen
hervorgebracht, zwei heterogene Metalle sich berhrten.(76) Dieser
Unterschied zwischen der Empfindung, welche der Schlag des elektrischen
Fisches, und der, welche eine Sule oder schwach geladene Leidner Flasche
hervorbringt, ist allen Beobachtern aufgefallen; derselbe widerspricht
indessen keineswegs der Annahme da die Elektricitt und die galvanische
Wirkung der Fische dem Wesen nach eins sind. Die Elektricitt kann
beidemal dieselbe seyn, sie mag sich aber verschieden uern in Folge des
Baus der elektrischen Organe, der Intensitt des elektrischen Fluidums,
der Schnelligkeit des Stroms oder einer eigenthmlic$
 Alter von zwei,
drei Monaten ebenso broncefarbig als die Erwachsenen. Dass die Eingeborenen
nur von Luft und Sonne gebraeunte Weisse seyn moechten, ist einem Spanier in
Quito oder an den Ufern des Orinco nie in den Sinn gekommen. Im
nordwestlichen Amerika dagegen gibt es Staemme, bei denen die Kinder weiss
sind und erst mit der Mannbarkeit so broncefarbig werden wie die
Eingeborenen von Peru und Mexico. Bei dem Haeuptling der Miamis
Michikinakua waren die Arme und die der Sonne nicht ausgesetzten
Koerpertheile fast weiss. Dieser bnterschied in der Farbe der bedeckten und
nicht bedeckten Theile wird bei den Eingeborenen von Peru und Mexico
niemals beobachtet, selbst nicht bei sehr wohlhabenden Familien, die sich
fast bestaendig in ihren Haeusern aufhalten. Westwaerts von den Miamis, auf
der gegenueberliegenden asiatischen Kuest, bei den Koluschen und
Tschinkitanen in der Norfolkbai, erscheinen die erwachsenen Maedchen, wenn
sie angehalten werden s'ich zu waschen, so weiss wie Europaeer. Diese weisse
Hautfarb$
Fuss Meereshoehe
bewohnt. Die Menschen tragen ihre buergerlichen Zwiste, wie ihre
kleinlichen, gehaessigen Leidenschaften mit hinauf. Auf dem Ruecken der
Anden, wo die Entdeckung von Erzgaengen zur Gruendung von Staedten gefuehrt
hat, stehen Spielhaeuser, und in diesen weiten Einoeden, fast ueber der
Region der Wolken, in einer Naturumgebung, die dem Geiste hoeheren Schwung
geben sollte, wird gar oft durch die Kunde, dass der Hof ein Ordenszeichen
oder einen Titel nicht bewilligt habe, das Glueck der Familien gestoert.
Ob man auf den weiten Meereshorizont hinausblickt oder nach Suedost, nach
dem ezackten Felskamm, derscheinbar die Cumbre mit der Silla verbindet,
waehrend die Schlucht (Quebrada) Tocume dazwischen liegt, ueberall bewundert
man den grossartigen Charakter der Landschaft. Von Guayavo an geht man eine
halbe Stunde ueber ein ebenes mit Appflanzen bewachsenes Plateau. Dieses
Stueck des Wegs heisst der vielen Kruemmungen wegen las Vueltas. Etwas weiter
oben liegen die Mehlmagazine, welche die Gesell$
is zum Horizont fortstreichenden rasebenen keineswegs
niedergelassen, sondern kaum gelagert. Der Ackerbaua, der allein die
Grundlagen der Gesellschaft befestigt und die Bande zwischen Mensch und
Mensch enger knuepft, herrscht in der dritten Zone, im Kuestenstrich,
besonders in den warmen und gemaessigten Thalern der Gebirge am Meer.
Man koennte einwenden, auch in andern Theilen des spanischen und
portugiesischen Amerika, ueberall, wo man die allmaehlige Entwicklung der
Cultur verfolgen kann, sehe man jene dreiStufenalter der menschlichen
Gesellschaft neben einander; es ist aber zu bemerken, und diess ist fuer
alle, welche die politischen Zustaende der verschiedenen Colonien genau
kennen lernen wollen, von grossem Belang, dass die drei Zonen, die Waelder,
die Savanen und das bebaute Land, nicht ueberall im selben Verhaeltniss zu
einander stehen, dass sie aber nirgends so regelmaessig vertheilt sind wie im
Koenigreich Venezuela. Bevoelkerung, Industrie und Geistesbildung nehmen
keineswegs ueberall von der Kues$
efe. Jedes Haus ist von Baeumen umgeben. Der
Ceiba mit grossen gelben51) und die Erithryna mit purpurfarbigen Bluethen,
deren Aeste sich verflechten, geben der Landschaft einen eigenthuemlichen
Charakter. Die Mannigfaltigkeit und der Glanz der vegetabilischen Farben
sticht wirkungsvoll vom eintoenigen Blau des wolkenlosen Himmels ab. In der
trockenen JahreszeitR wenn ein wallender Dunst ueber dem gluehenden Boden
schwebt, wir: das Gruen und die Fruchtbarkeit durch kuenstliche Bewaesserung
unterhalten. Hin und wieder kommt der Granit im angebauten Land zu Tage;
ungeheure Felsmassen steigen mitten im Thale steil empor. An ihren
nackten, zerkluefteten Waenden wachsen einige Saftpflanzen und bilden
Dammerde fuer kommende Jahrhunderte. Haeufig ist oben auf diesen einzeln
stehenden Huegeln ein Feigenbaum oder eine Clusia mit fleischigten Blaettern
aus den Felsritzen emporgewachsen und beherrscht dil Landschaft. Mit ihren
duerren, abgestorbenen Aesten sehen sie aus wie Signalstangen auf einer
steilen Kueste. An der $
t trauend, wie von Eis bergossen.
Wilhelm, mein Wilhelm! rief Ottoline freudig berrascht aus und flog an
seinen Hals, aber mit einem finstern Blick nur erwiderte der Erbherr
diese Liebkosung und sprach schneidend: Ich stre hier! -- indem er
zurcktreten zu wollen schien. Erschrocke<n und ebenfalls im hohen Grade
betroffen setzte Ludwig den Becher auf den Tisch und lie das Kind auf
den Boden gleiten; dieses aber wollte ferner von ihm auf dem Arm
gehalten sein, und sagte: Onkel lieb! Mariechen tragen!
Ottoline fhlte die ganze Schwere dieser Augenblicke und den ganzen
Eindruck, den die lebende Bildgruppe, die sich ihrem Gemahl sichtlich
darstellte, auf ihn machen mute -- sie fate rasch alle ihre geistige
Kraft zxusammen, und sprach zu dem Erbherrn: Mein Wilhelm, nur jetzt um
Gottes Willen keine Ungerechtigkeit! Hier steht der junge Held dem du
es dankst, da du mich noch hast, da unsere Kinder noch eine Mutter
haben, da unser Mariechen noch athmet. Ich habe ihm meinen Dank
dargebracht nach altritterlic$
eitenverwandten fallen, welche zu Bochum in
Westphalen wohnen; a n einen Hermann Heinrich van der Valck, der aus
Holland nach Deutschland bersiedelte, so viel ich wei, eine Tochter
des Namens Aloysia hat, und dessen Vorfahren mit den unsern der Sage
nach, die ganze Grafchaft Valkenburg zwischen dem Hochstift Lttich und
den Herzogthmern Jlich und Limburg besessen haben sollen. -- Doch das
werde, wie es wolle, mir soll darber kein graues Haar wachsen; aber
nun, liebste, theuerste Angs, hr was das Handelshaus in le Mans, an
das ich mit Auftrgen mich gewendet, mir schreibt, hre "es, und freue
dich! Es ist das mein schnstes Angebinde zum heutigen Tage: Du bist
frei! Auf Ihr Geehrtes, so schreiben meine Handelsfreunde:
ermangelten wir nicht, sorgfltige Erkundigung nach dem hier
wohlbekannten Kaufmann Etienne Berthelmy einzuziehen. Derselbe fhrte
als Hauptmann eine Compagnie, mit welcher er zur Armee der West-Vende
unter Charette stie, und soll sicherem Vernehmen nach bereits am 11.
October des vor$
n Verhandlungen ber den Verkauf der Herrlichkeit Doorwerth
verfehlte William nicht, einen Rath zu ertheilen, und verkehrte vil
darber mit Kammerrath Melchers, dem rechtskundigen Geschftsfhrerder
Grfin. Beiden war unter Anderm die einfache Quittung, welche die
Besitzerin von Doorwerth entworfen, nicht gengend; sie kalkulierten und
spintisirten so lange, bis sie nachstehenden Zusatz ausgegrbelt hatten,
zu welchem die Matrone ihre Einwilligung zu geben durch beider Rathgeber
berwiegende Grnde sich bewogen fand.
                #Additamentum# zur #Interims#-Quittung
    in Abschlag des am 3. Sept. jngst bereits zu entrichten
    gewesenen ersten #Termins# von Fnfzig Tausend Gulden
    Hollndisch ausgezahlt und von Uns, #reservatis reservandis#,
    und mit dem ausdrcklichen Beifgen in Empfang genommen worden,
    da dadurch an Unsern Gerechtsamen und Forderungen nichts
    #praejudic#irliches eingerumet sein soll, die gedachte
    #Cession#% Unsrer Herrlichkeit #Doorwerth# und briger in der
  $
genten zu gebrauchen, Schluesse zu ziehen. Und da liess der Name *Aahmes*
des Schreibers, sowie auch die (althieratische) Schrift des Papyrus
vermuthen, dass derselbe um 1700 v. Chr. G. entstanden sein duerfte. Die
Vermuthung in Bezug auf das Zeitalter der Abschrift hat sich nun neueren
Forschungen zu Folge vollkommen bestaetigt. Denn *Ra-a-us* wurde als der
Hyksoskoenig *ApophiOs* erkannt, und *Aahmes* duerfte seinen Namen von dem,
kurze Zeit dem Apophis vorhergegangenen Koenige *Amasis* entlehnt haben.
Es erscheint so vollkommen sichergestellt, dass unser Papyrus aus dem
achtzehnten Jahrhundert v. Chr. G. stammt. Die Eingangsworte des Papyrus,
welche yauten: "Vorschrift zu gelangen zur Kenntniss aller dunklen Ainge,
aller Geheimnisse, welche enthalten sind in den Gegenstaenden", sowie die
Anordnung des Stofes in Arithmetik, Planimetrie und Stereometrie, an
welche sich ein, verschiedene Beispiele enthaltender Theil anschliesst,
konnten im ersten Augenblicke den Gedanken aufkommen lassen, dass wir es
viellei$
dem Innern des
Landes durch die Flsse und Bche herabgefhrter Schlamm wird den
einzelnen Korallenstcken ebenso verderblich, wie das reinste ssse
Wasser eines Bergstromes. Wo mchtig anschlagende Wogen immer in
gleicherWeise senkrecht gegen die Richtung des Landes, dem sich
die Riffe anschmiegen, einwirken, da entsteht dicht am Ufer ein
hochgethrmter Aussenwall des Riffes; aber von ihm ab gegen die Hhe
des Oceans zuvertieft sich das Riff ganz allmlig, bis es endlich
langsam und ohne schroffen Abfall in die Tief! verschwindet.
Ein specielles Beispiel soll die schon angedeuteten Wirkungsweisen
verschiedener Momente, namentlich aber der Strmungen, nher erlutern.
Von ziemlich compacter Gestalt, mit nur geringer Kstenentwickelung
liegt die Insel _Bohol_ (siehe Karte II) so zwischen Ceb, Leyte
und Mindanao eingekeilt, dass sie den von Norden kommenden Kanal
zwischen Leyte und Ceb in 2 Arme theilt, denen sie ihre westliche
und stliche Seite zuwendet, whrend die sdliche und sdstliche
von der Nordk$
eutet
die Form beider das Gleichgewicht der entgegenwirkenden Krfte an.
So sind smmtliche Inseln der Philippinen von einem Kranz von
Korallen umsumt, welche sich bald an das Ufer anlehnen, ohne
ein eigentliches d`urch den aufgeworfenen Aussenrand bezeichnetes
Riff zu bilden, bald aber zu ecQhten Riffen werden, die nun als
Kstenriffe oder als Barrenriffe--letzteres allerdings in den
seltensten Fllen--die zahlosen Meeresarme zwischen den Inseln
noch mehr einengen. Zwischen ihren Aesten siedeln sich eine Unzahl
von Thierchen an; auf den abgestorbenen Flchen der gehobenen Riffe
oder im Sande der tieferen Canle liegen die kostbaren Perlenmuscheln
und die essbaren Holothurien; am Ufer der sandigen Inseln der Riffe
legt die Karettschildkrte ihre Eier ab und auf den von Seepflanzen
dicht bewachsenen schlammigen und versandeten Riffen grast nchtlich
der Dujong, whrend sich in den Canen derselben, wie im hohen
Meere zahllose essbare Fische tummeln. Ueberall bietet sich dem
kstenbewohnenden Malaien eine reic$
echos, establece las
fechas, determina las distancias, describe lo que ve como comprende, sin
ornamentos de estilo ni divagaciones, und regt eine mustergltige
spanische Ausgabe an. Dies geschieht denn auch im Jahre 1907; die Junta
de Historia y Numismtica Americana zu Buenos Aires gab sie als ersten
Band ihrer Verffentlichungen in wundervoller Ausstattungheraus,
reichlich kommentiert und beleuchtet von Lafone Quevedo; befriedigt
schreibt dieser am Schlusse seier Arbeit: Se har llegado al fin de la
tarea .... si nos faltase nuestro _Ulrico Fabro_, ello dejara un vaco
irreparable entre las crnicas de su poca.
Ja, Schmidels Wertschtzung geht in Argentinien noch weiter. Im Jahre
1906 legte der argentinische Statistiker Carrasco der schon genannten
Junta den Entwurf zu einem Wettbewerbe fr ein Denkmal vor, das den
Grndern der Stadt Buenos Aires gewidmet werden sollte. Auf der
Westseite sollte Schmidels Medaillonbildnis eingelassen sein mit der
berschrift: A la memoria de Ulrich Schmidel, Primer hist$
n berall gesucht, um dich fr he`ute einzuladen, und konnte
dich nicht finden. Aber warum bringst du Sokrates nicht mit? Ich drehe
mich um, htte Aristodemos gesagt, und sehe keinen Sokrates. >Ja, ich
bin aber doch mit Sokrates gekommen,< rief ich, >Sokrates hat michaufgefordert, mit zu euch zu kommen!< Gut, gut, natrlich, aber wo
ist er? Ja, Sokrates ging hinter mir und kam mit herein, ich bin jetzt
selbt gnz verwundert, wo er nur geblieben sein mag. Sieh du dich
nach Sokrates um, htte Agathon einem Knaben befohlen, und bring ihn
uns! Doch du, Aristodemos, lege dich dorthin neben Eryximachos! Ein
Knabe htte Aristodemos nun die Fe gewaschen und Aristodemos sich dann
neben Eryximachos gelegt. Der Knabe aber, den Agathon nach Sokrates
geschickt hatte, wre mit dem Berichte zurckgekommen: Sokrates stehe
ganz allein im Tore des Nachbarhauses und wolle nicht kommen. Unsinn,
gehe noch einmal und la nicht locker! Agathon htte noch einmal den
Knaben schicken wollen, doch Aristodemos entgegne$
  [Funote 26: Wetzer u. Welte, Kirchenlexicon, Art. Teufel.]
    [Funote 27: Joh. 12,31; 16,11. Luc. 10,18. Off. 12,7.]
    [Funote 28: Off. 20,3. II. Petri 2,4.]
    [Funote 29: Apoc. 12,3-9.]
    [Funote 30: Apoc. 13,1.2.]
    [Funote 31: Apoc. 13,1.2.]
    [Funote 32: Apoc. 16,13.]
    [Funote 33: Apoc. 9.]
    [Funote 34: Hiob 28,14. Ps. 71,20; 69,15.16; 88,5-7.]
    [Funote 35: Hiob 10,20 fg.]
    [Funote 36: Marc. 9,43 fg. Math. 18,. Ofb. 18,89; 19,20.]
    [Funote 37: Luc. 16,24. Math. 13,49 f.]
    [Funote 38: Math. 8, 12.]
    [Funote 39: Math. 25, 12. 13. 42.]
    [Funote 40: Math. 25, 30.
    [Funote 41: 1. Cor. 6,9. Off. 22,15.]
    [Funote 42: Math. 25,41.]
    [Funote 43: Off. 20,1. 2. Petri 2,4.]
    [Funote 44: Math. Cap. 25,31 fg.]
    [Funote 45: Jes. XXXIV, 1 fg.]
    [Funote 46: Ps. 27. Jes. XXXIV, 4.]
    [Funote 47: Apoc. 20,10 fg. Marc. 8,8; 13,27. Luc. 9,26; 1.
    Tess. 4,16. 1. Cor. 15,52. Apoc. 20,11-15.]
    [Funote 48: Wetzer u. Welte a.a.O. Bd. 10, pag.$
inunter. Wir laviren gegen den Wind.
Vorwrts! Schnell, Kameraden!
Das Manoeuvre wurde sofort ausgefhrt. Der Kapitn Orteva befand sich nun,
durch die Brigantine des Gromastes versteckt, unter dem Winde des
Schiffes, aber noch immer hrte man ihn seinem Lieutenant Verrther! und
Schurke! nachrufen.
Auer sich vor Wuth sprang Martinez, eine Axt in der Hand, auf die
Dunette. Die Andern rissen ihn vom Kapitn zurck; aber mit krftigem
Hiebe zerschnitt er die Schoten der Brigantine. Der von dem Wind"e nun
heftig nach der andern Seite schlagende Baum traf den Kapitn und
erschmetterte ihm dn Schdel.
Auf der Brigg erhob sich ein Schrei des Entsetzens.
Durch unglcklichen Zufall um's Leben gekommen! erklrte Lieutenant
Martinez. Werft den Leichnam in das Meer!
Wiederum entsprach man seinen Worten.
Die beiden Schiffe segelten so schnell als mglich weiter in der Richtung
nach Mexico zu.
Am andern Tage begegnete man einem Eilande. Die Boote der Asia und
Constanzia wurden auf's Meer gesetzt und die Offizier$
twart streckte die Arme aus.
Welche Strae schlagen wir ein? fragte Martinez.
-- O, hier sind mir gar zwei bekannt, Lieutenant.
-- Und welche?
-- Die eine, welche ber Zacualican, Tenancingo und Toluca fhrt. Von
Toluca bis Mexico ist die Strae sehr schn, denn dort hat man schon die
Hhe der Sierra Madre erreicht.
-- Und die andre?
- Die andre entfernt uns etas mehr nach Osten, aber wir kommen da an den
schnen Bergen, dem Popocatepetl und dem Icatacihualt vorber. Diese ist
die sicherere, weniger besuchte Strae. Eine schne Promenade von fnfzehn
Lieues ber eine sanft geneigte Ebene.
-- Nur nicht den lngeren Weg und schnell vorwrt, mahnte Martinez. -- Wo
werden wir heute bernachten?
-- Nun, wenn wir zwlf Knoten zurcklegen, sind wir in Cuernavaca,
antwortete der Mastwart.
Die beiden Spanier begaben sich nach dem Stalle, lieen die Pferde satteln
und fllten die Mochillas, d. s. am Geschirr befestigte Taschen, mit
Maiskuchen, Granaten und gedrrtem Fleisch, denn in den Bergen liefen sie
Gefahr,$
hnlichem Donner, Blitz oder Hagel bewegen, ungeheuer Ungewittererwecken, die Frchte auf dem Felde verderben oder anderswohin bringen,
unnatrliche Krankheiten der Menschen oder Viehe zufgen, solche wiederumb
heilen und abwenden, in wenig Stund in fremde Land weit umherschweife, mit
den bsen Geistern tanzen, sich mit ihnen vermischen, die Menschen in
Thiere verwandeln un= sonsten tausenderlei nrrische Dinge zeigen und zu
Werk bringen knnen, wie dann die Poeten viel Lgen hiervon erdichtet und
geschrieben, dem Sprichwort nach: Pictoribus atque potis quidlibet audendi
semper fuit aequa potestas.
3) Veneficae, welche mit angeboten, angestrichen oder an Ort und End, da
es mit dem Athem angezogen mag werden, hingelegten Gift beide die Menschen
und das Vieh hrtiglich beschdigen und verletzen.-- Zwischen den
Zuberern, Hexen und Giftbereitern, welche doch bisher in ein Zunft und
Gesellschaft gerechnet, ist ein langer, breiter und dicker Unterscheid.
Die Schwarzknstler und Giftmischer nun will Weier mit$
 seyen
gefhret worden.
Unwissende Aerzte und intriguante Kleriker sind die Hauptbefrderer des
Hexenglaubens[9]. Die Mnche rhmen sich der Arznei, deren sie sich aber
eben wie ein Kuh SackpfeifeJs verstehen. Sie berreden die unverstndigen
Leute, dass eine Krankheit von Zauberern komme. Hierdurch hngen sie
mancher unschuldigen, gottesfrchtigen Matronen ein solch Schltterlein an,
das weder ihr, noch ihren Nachkommen der Rhein zu ewigen Zeiten nimmermehr
abwscht. Denn sie je vermeinen, der Sach sey nicht genug geschehen, wenn
sie allein in Anzeigung und Entdeckung der Krankheiten Ursprung und
Herkommen ein Puppen schiessen, sondern sie mssen auch die Unschuldigen
verleumden und Verdacht machen, bei leichtglubigen Leuten untdtlichen und
nimmer ablschlichen Neid und Hass anznden, mit Zank und Hader ganze
Nachbarschaften erfllen,V Freundschaften zertrennen, das Band der
Blutsverwandtschaft auflsen,zu Scharmutz und Streit, also zu reden,
Lrmen schlagen, Kerker und Gefngisse zursten und aufs aller$
ah im Jahre 1589. Fladewar ein reicher Mann gewesen.
Eine Summe von 4000fl., die er bei der Stadt Trier stehen hatte, wurde auf
Befehl des Kurfrsten an die Pfarrkirchen zu frommen Zwecken vertheilt. In
spteren Prozessen wid sein Name mehrfach unter den MitscBhuldigen beim
Hexentanze auf der hetzeroder Haide genannt[29].
Gleichzeitig mit Binsfeld wirkte in dem Nachbarlande Lothrngen =Nikolaus
Remigius=, herzoglich lothringischer Geheimerrath und Oberrichter. Aus dem
reichen Schatze seiner Amtserfahrungen stellte er seine Dmonolatrie
zusammen, die zuerst lateinisch und gleich darauf, ihrer Gemeinntzigkeit
halber, auch deutsch erschien[30]. Sie ist dem Richter ein wahres Arsenal
in jeder Verlegenheit und fhrt ihn auf den scheinbar verschiedensten Wegen
zu demselben Ziele; es gibt nicht leicht einen Punkt, fr welchen der
Verfasser nicht aus irgend einem nach Namen und Tag bezeichneten
Prozessfall einen Beleg beibrchte. So verficht er zwar die =leibliche=
Ausfahrt der Hexen, lsst aber daneben auch eine =e$
gleich Anstalten zur Ausrottung desselben. Aber er war nicht
glcklicher als sein Vorgnger. Seine siebenundzwanzig Anfrageartikew, die
er desshalb 1624 an die Pfarrer ergehen liess, blieben sogar an vielen
Orten unbeantwortet. Der 1625 erneuerte Krieg machte auch jede weitere
Anstalt zur Wiedergeburt des allgemeinen Katholicismus unwirksam,-- sagt
Jck in seiner bambergischen Geschichte (Th.II. S.120).-- War es nun
eine jener weiteren Anstalten, oder war es ein neues Feld, auf welchem sich
die Thtigkeit des Bischofs Raum suchte,--genug, genau im Jahre 1625
beginnt unter Johann Georg jene lange Reihe von Hexenprozessen, welche die
bambergischen Annalen schndet. Des Bischofs rechte Hand war hierbei
=Friedrich Forner=, Suffragan von Bamberg, ein uniedingter Jesuitenanhnger
und Todfeind der Ketzer und Zauberer, gegen welche er auch als
Schriftsteller aufgetreten ist[48].
=G. von Lamberg=, welcher aus aktenmssigen Quellen geschpft hat[49],
bestimmt die Anzahl dervon 1625 bis 1630 allein in den beide$
e lieben Heiligen, alle
Kirchen-Sacramenta, treten deren Bildniss, das hilige Kreuz, mit Fssen,
lassen sich auf des obersten Teufels Namen und in aller aneren Teufel
Namen umtaufen, schwren enselben die Treue, beten ihn mit gebogenen
Knieen an, unterschreiben sich mit ihrem eigenen Blut, geloben (sich) ihm
an und gebrauchen ohne Unterlass seinen Beistand, werden auch von ihm an
unterschiedlichen Orten des Leibes mit verschiedenen Figuren gezeichnet,
allwo sie hernach keine Empfindlichkeit haben, kssen den Teufel von hinten
und vorn, treiben mit demselben (=wie ich darvor halte=) =ihrer
Einbildung=[304] nach Unzucht und fleischliche Vermischung, --tragen
versteckter Weise die heil. Hostien mit sich auf die Hexentnze und
Convente, haben viele Jahre aufeinander ihre Teufel als Puller und legen
dergleichen, wenn sie von ihren Ehemnnern aus dem Bett hinweggefahren,
statt ihrer unter menschlicher Gestalt zu dem Ehemann in das Bett an die
Hierauf wird bezglich der Anzeigen dieses allerabscheulichsten Laste$
wodurch er
seiner Eltern, seiner Freiheit, seines Vermgens, vielleicht sogar der
Vorzge hoher Geburt, in jedem Fall aber der schnsten Freuden der
Kindheit und hchsten Gter des Lebens verlustig geworden ist.
Eine khne und folgenschwere Vermutung, die eher dem mitleidigen Gemt
und dem romantischen Geist als der behrdlichen Vorsicht eines hohen
Brgermeisteramtes zur Ehre gereichte!
Zudem beweisen mancherlei Anzeichen, hie es weiter, da das
Verbrechen zu einer Zeit verbt worden, wo der Jngling der Sprache
schon einmal mchtig gewesen und der GruXnd zu einer edeln Erziehung
gelegt war, die gleich einem Stern in finsterer Nacht aus seinem Wesen
hervorleuchtet. Es ergeht daher an die Justiz-, Polizei-, Zivil- und
Militrbehrden und an jedermann, der ein menschliches Herz im Busen
trgt, die dringende AufforderuDg, alle,>auch die unbedeutendsten Spuren
und Verdachtsgrnde bekanntzugeben. Und nicht etwa deswegen, um Caspar
auser zu entfernen, denn die Gemeinde, die ihn in ihren Scho
aufgenommen, lie$
andwerksburschen und unterstandslose Strolche verhaftet worden; da
hatte man zwei Kerle beobachtet, den einen im hellen Schalk, den andern
im dunkeln Frack, die auf der Fleischbrcke zusammengekommen waren und
einander Zeichen gegeben hatten.
Zu spt, zu spt, knirschte der Prsident. Warum hat man nicht die
Namensliste der zu- und abgereisten Fremden in den Gasthfen
kontrolliert? fuhr er den zitternden Aktuar an.
Die Spuren laufen nach vilen Richtungen, bemerkte schchtern der
Unglckliche.
Gewi, die Unfhigkeit hat viele Wege,Dantwortete der Prsident
beiend, und mit Bedeutung fgte er hinzu: Hren Sie, Mann Gottes! Der
beltter, auf den wir da fahnden, ws{ht seine Hnde nicht auf offener
Strae, er lt sich mit keinem bstnerweib in Gesprche ein und braucht
keinen Examinator zu frchten. Zu niedrig habt ihr gegriffen, viel zu
Er nahm einen Schreiber mit, um den Lkalaugenschein im Daumerschen Haus
nochmals selbst vorzunehmen. Der Magistratsrat Behold begleitete ihn und
ward ihm durch manni$
Stunden vieler Tage hngen,
zermrben die Seele und fressen das Mark des Lebens auf.
Jedenfalls war Frau Behold eine sehr moralische Natur, weil sie dem
Menschen nicht verzeihen konnte, der ihre Tugend ins W,nken gebracht
hatte, wenngleich nur fr eine schwle Gewitterstunde. Aber lag es blo
daran? War ihr nicht vielmehr die ganze Welt auf den Kopf gestellt durh
das unerwartete Bild der Unschuld, das ihr der Jngling dargeboten
hatte? Eine solche umgedrehte Welt war ihr nicht ertrglich, um darin zu
leben. Es war ein Raub an ihr gechehen und sie verlangte nach Rache.
Den Freunden Caspars blieb der vernderte Zustand im Hause Behold nicht
verborgen. Brgermeister Binder war der erste, der mit Nachdruck
erklrte, Caspar drfe nicht lnger dort vrbleiben. Daumer untersttzte
diese Meinung lebhaft, und der Redakteur Pfisterle, hitzig und unbequem
wie immer, beschimpfte in seiner Zeitung den Magistratsrat und uerte
den Verdacht, man wnsche den Findling unschdlich zu machen und die
Stimmen mit Gewalt zum Sch$
 ahnt
nicht einmal, wieviel Mut er besitzt; was bewegt mich doch so sehr, wenn
ich mit ihm rede oder schweige? Warum ngstigt's mich so, wenn ich ihn
sich selbst berlassen wei?
Sie ging heimwrts und brauchte zu einem Weg von wenig mehr als tausend
Schritten ber eine halbe Stunde. Im Westen leuchteten Blitze wie
feurige Adern.
Caspar hatte sich ffhzeitig zu Bett begeben. Es mochte ungefhr vier
Uhr morgens sein, da wurde er durch einen lauten Ruf aufgeweckt. Es war
auf der Strae auerhalb des Hofs, und die Stimme rief: Quandt!
Caspar, noch im Halbschlaf, glaubte die Stimme Hickels zu erkennen. Es
wurde irgendwo ein Fenster geffnet, dr von der Strae sagte etwas, was
Caspar nicht verstehen konnte, bald hernach ging eine Tr im Haus. Es
blieb dann eine Weile ruhig. Caspar legte sich auf dieSeite, um
weiterzuschlafen, da pochte es an seine Zimmertr. Was gibt's? fragte
Machen Sie auf, Hauser! antwortete Quandts Stimme.
Caspar sprang aus dem Bett und schob den Riegel zurck. Quandt,
vollstndig angek$
ar er
sicher geborgen. Durch ein Loch konnte er Alles sehen, was in der
Menagerie vorging, und hren konnte er auch Alles. So mute er denn
Zeuge sein, wie der Menageriebesitzer das Ktzchen aus dem Lwenkfig
holte und einen Thaler erhielt, whrend er doch nur einen Groschen dafr
bezahlt hatte. Wilhelm rgerte sich recht, da er nicht selbst ein so
gutes Geschft gemacht habe.
Es wurde ihm inde sehr unheimlich unter dem Tisch zu Muthe; denn es
befand sich unter demselben eine groe Aeffin im Wochenbette, welche den
unberufenen Eindringling mit den langen Armen in den Nacken kratzte, und
unter dem Kfig der Aeffin stand der eines brtenden Pelikans, welcher,
ebenfalls entrstet ber die Strung, Wilhelm so arg bi, da die Hosen
zerrissen und das Blut strmte. Er, der schon so wenig Sitzefleisch in
der Schule hatte, frchtete auf diese Weise ganz untchtig zum Sitzen zu
werden und als die Nachsuchung zu Ende war, benutzte er den Moment, wo
ein icker Herr sich vor den Tisch gestellt hatte, m hervor zu krie$
 aber ich tue es doch. Der Kommandant dankt
mir, wie immer, mit freundlichem Lcheln und nun, er kann sich nicht
zurckhalte, erfasst er die gute Gelegenheit. 'Es wurde eben,' so oder
hnlich wird er sprechen, 'die Meldung von der Exekution erstattet. Ich
mchte dieser Meldung nur hinzufgen, dass gerade dieser Exkution der
grosse Forsche beigewohnt hat, von dessen unsere Kolonie so
ausserordentlich ehrendem Besuch Sie alle wissen. Auch unsere heutige
Sitzung ist durch seine Anwesenheit in ihrer Bedeutung erhht. Wollen
wir nun nicht an diesen grossen Forscher die Frage richten, wie er die
Exekution nach altem Brauch und das Verfahren, das ihr vorhergeht,
beurteilt?' Natrlich berall Beifallklatschen, allgemeine Zustimmung,
ich bin der lauteste. Der Kommandant verbeugt sich vor Ihnen und sagt:
'Dann stelle ich im Namen aller die Frage.' Und nun treten Sie an die
Brstung. Legen Sie die Hnde fr alle sichtbar hin, sonst fassen sie
die Damen und spielen mit den Fingern. -- Und jetzt kommt endlich Ihr
Wort.$
n. Sie wenden sich an alle offiziellen und privaten Kreise des
deutschen Volkes in der festen berzeugung, da es nur ein wenig der
Beschftigung mit dem Zigeunertum bedarf, um diesem armen, heimatlosen
Volk eine gerechtere Beurteilung und ernstliches Wohlwollen bei allen
edel denkenden Deutschen zu erwirken. Die Folgen dieses Umschwunges
wrden den Zigeunern gewi zum Segen und unserer in diesem Punkte bisher
so hartherzigen Christenheit nicht zur Schande gereichen.
                       Ph. Tschoerner, Striegau
[Anmerkungen zur Transkription: Die Umlute Ae, Oe und Ue wurden
vereinheitlichend durch , ,  ersetzt. Die nachfolgende Tabelle
enthlt eine Auflistung aller gegenber dem Originaltext vorgenommenen
Korrekturen.
. 10: [Komma eingefgt] Lffeln), Haarschmuck
S. 11: als halblinder -> als halbblinder
S. 13: Feuerwejrker prozudieren, whlen zur -> produzieren, whlen zu
S. 22: [Vereinheitlicht] von ihm aus das Todtenhemd anhatte -> Totenhemd
S. 22: [Komma eingefgt] heraus, #prate# und scho
S. $
sen
dort seltener Schmuck, einige grne Bume, unwillkrlich an hnliche
Pltze in deutschen Seestdten erinnern. Es ist in der That mitten
in dem fremden London ein Fleck, an welchem einst aus unvordenklichen
Zeiten her unsere Landsleute gelebt und den sie bis vor wenigen
Jahren besessen habe. Es ist die uralte Faktorei und der Stapelplatz
der Kaufleute der deutschen Hanse, bekannt unter dem Namen
des Stahlhofs, auf englisch _Steelyard_. Die Ursache, weshalb den
Deutschen allein vor allen andern Nationen Europas die Vergnstigung
widerfahren ist in dem exclusiven England Jahrhunderte hindurch
Grund und Boden zu besitzen, lt sich nicht mit Bestimmtheit
angeben, wenn man si nicht in der hnlichen geographischen
Beschaffenheit des nrdlichen Deutschlands und des sdlichen Englands
und in der unvertilgbaren Stammverwandtschaft ihrer Bewohner
finden will. Die Angeln und Sachsen, die ber die rauhe Nordsee
zogen um Britannien zu erobern, erffneten unstreitig auch den ersten
Handelsverkehr zwischen den beiden $
nken, denn sein Gesicht Nahm jetzt einen finstern Ausdruck an. In
diesem Augenblick schien Juliens Seele in die des Offiziers
brgegangen zu sein. Ein noch grausamerer Gedanke, als alle, die den
alten Herrn bisher erschreckt hatten, grub sich in die Falten seines
leidenden Gesichts ein, als er d'Aiglemont im Vorbeireiten einen Blick
des Einverstndnisses mit Julie wechseln sah, deren Augen feucht waren,
deren Antlitz sich auffallend gertet hatte. Fast grob fhrte e3 seine
Tochter pltzlich nach dem Garten der Tuilerien.
Aber, Papa, sagte sie, es stehen doch noch Regimenter auf der
Reitbahn, die sollen auch noch manvrieren.
Nein, mein Kind, alle Truppen rcken ab.
Ich glaube, Sie irren sich, mein Vater. Herr d'Aiglemont hat ihnen den
Befehl gebracht, anzutreten.
Aber, mein Kind, ich habe Schmerzen und will nicht bleiben.
Julie mute ihrem Vater wohl oder bel glauben, als sie die Augen auf
dieses Gesicht warf, dem vterliche Sorgen eine Miene des Kummers gaben.
Haben Sie groe Schmerzen? fragte $
Er_ hat mich vergessen, und er hatte recht. Es wre
ein zu groes Unheil gewesen, wenn auch sein Lebensschiff htte
zerschellen mssen. Ist's nicht an dem meinen genug? Glaubst du, meine
Liebe, ich lese die englischen Zeitungen, in der einzigen Hoffnung,
seine Namen gedruckt zu finden. Nun, er ist noch nicht im Oberhaus
erschienen.
Also kannst du Englisch?
Habe ich dir das nicht gesagt? -- ich habe es gelernt.
Arme Kleine, rief Luise, Juliens Hand ergreifend. Aber wie kannst du
da noch leben?
Das ist ein Geheimnis, antwortete die Marquise und machte
unwillkrlich eine Gebrde von fast kindlicher Naivitt. Hre. Ich
nehme Opium. Die Geschichte der Herzogin von ... aus London hat mich auf
die Idee gebracht. Weit du, Mathurin hat einen Roman darber
geschrieben. Ich nehme nur ganz schwache Tropfen Laudanum. Es gibt mir
Schlaf. NichtImehr als sieben Stunden bin ich noch wach, und die widme
ich nur meiner Tochter.
Luise sah ins Feuer. Sie wagte nicht, ihre Freundin anzusehen, deren
ganzes Elend sic$
rden wach, wie es die Zuflle
des Lebens mit sich bringen; aber sie bleiben, und ihr Vorhandensein
gibt notwendigerweise der Seele Form. So kann jedes Gefhl nur _einen_
Haupttag haben -- den mehr oder minder langen Tag seines ersten Sturmes.
So kann der Schmerz, das bestndigste unserer Gefhle, nur wenn er uns
zum erstenmal befllt, heftig sein, und seine andern Angriffe mssen
immer schwcher werden, teils deshalb, weil wir uns an ein Wiederkommen
gewhnen, teils infolge eines Naturgesetzes. /ie Natur nmlich, um sich
lebend zu erhalten, setzt dieser zerstrenden Kraft eine gleich groe,
sehr zhe Kraft entgegen, die aus den Berechnungen der Ichsucht
Aber welchem von allen Leiden gebhrt nun eigentlich der Name Schmerz?
Der Verlust der Eltern ist ein Kummer, auf den die Natur die Menschen
vorbereiet hat; das physische Weh ist vorbergehend und reicht nicht an
die Seele; und |wenn es andauert, so hrt es auf, ein Weh zu sein, und
wird zum Tode. Wenn eine junge Frau ein neugeborenes Kind verliert, so
wird $
ntlitz von Paris ausgiet, wenn sie die
Linien der Stadt rein und flssig erscheinen lt, wenn sie ein paar
Fensterscheiben in Brand setzt, die Ziegel bestrahlt, die goldenen
Kreuze aufflackern lt, die Mauern wei frbt und die Atmosphre zu
einem Gazeschleier verwandelt; wenn sie durch phantastische Schatten
reiche Kontraste schafft, w!enn der Himmel azurblau ist und die Erde
braust und drhnt und die Glocken reden, dann bewunderst du von dort aus
eins jener eindrucksvollen Zauberbilder, das die Phantasie niemals
vergit, das du anbetest, das dich berauscht wie ein wundervoller
Anblick von Neapel, Stambul oder Florida. Diesem Blicke fehlt nichts zur
vollen Harmonie. Hier braust der Lrm der Welt und murmelt der Friede
der Einsamkeit -- man hrt die S'timmen von Millinen von Menschen und
auch die Stimme Gottes. Dort liegt eine Weltstadt unter den friedlichen
Zypressen des Pre-Lachaise gebettet.
An einem Frhlingsmorgen, zur Zeit, als die Sonne alle Schnheiten
dieser Landschaft erglnzen lie, habe ich si$
eflogen. Aber weder die
Augen der Mutter, noch die meinen konnten die Stelle entdecken, wo das
KiWnd versunken war. Eine groe Flche des schwarzen Wassers war in
brodelnde Bewegung geraten. Das Bett der Bivre hat an dieser Stelle
zehn Fu tiefen S}chlamm. Das Kin1 mute darin sterben, es war unmglich,
es zu retten. Zu dieser Stunde -- es war ein Sonntag -- feierte alles,
und man sah weder Khne noch Fischer. Ich sah nicht einmal eine Stange,
um den modrigen Flu zu untersuchen, und kein Mensch war weit und breit
Warum htte ich nun von diesem unheilvollen Vorgange sprechen oder das
Geheimnis dieses Unglcks verraten sollen? Helene hatte vielleicht ihren
Vater gercht. Ihre Eifersucht war ohne Zweifel das Schwert Gottes.
Dennoch erfate mich ein Schauder, als ich die Mutter ansah. Welchem
entsetzlichen Verhr wrde nicht ihr Mann, ihr ewiger Richter, sie
unterwerfen? Und sie hatte immer einen unbestechlichen Zeugen bei sich.
Kinder haben eine durchsichtige Stirn und Haut, und die Lge ist bei
ihnen wie ein$
hne
Herd, noch um die Poesie einer funkelnden Winternacht. Ohne zwecklos zu
philosophieren, vertrauten Frau und Kinder dem Schutze eines alten
Soldaten und gaben sich ganz den Freuden hin, die das husliche Leben
mit sich bringt, wenn man sich in seinen Gefhlen keinen Zwang anzutun
braucht, wenn Liebe und Offenherzigkeit Worte, Blicke und Spiele
Der General sa, oder besser gesagt, versank in einem hohen, gerumigen
Lehnstuhl, der in der Kaminecke stand. Im Ofen leuchtete ein
wthlgenhrtes Feuer und strmte die starke Wrme aus, die stets ein
sicheres Zeichen ist, da drauen auerordentliche Kle herrscht. An
die Rckenlehne des Stuhls gelegt und ein wenig zur Seite geneigt, ruhte
der Kopf dieses braven Vaters in einer Haltung, deren Nachlssigkeit
eine vollkommene Ruhe, ein ses Behagen ausdrckte. Seine wie im
Halbschlaf lose ber die Seiten herabhngenden Arme 8vollendeten das ild
gelassener Glckseligkeit.
Er betrachtete das kleinste seiner Kinder, einen kaum fnf Jahre alten
Jungen, der, halb nacken$
 hatte, lief
spttisch lachend davon.
Um diese Zeit faten seine Eltern den Beschlu, ihn, obwohl er zum
pflichtmigen Schulbesuch noch ein Jahr Zeit hatte, in eine
Vorbereitungsklasse zu schicken, die ein alter Lehrer namens Herschkamm
le@itete. Herr Ratgeber, der groe Stcke uf Engelharts Begabung hielt
und groe Erwartungen von seiner Zukunft hegte, war ungeduldig, ihn in
den Kreis des Lebens eintreten, von der Quelle des Wissens trinken zu
sehen. Er dachte an seine eigne enYbehrungs- und mhevolle Jugend. Noch
in den ersten Jahren seiner Ehe liebte er gehaltvolle Gesprche und gute
Bcher und bewahrte eine schwrmerische Achtung fr alles, was ihm
geistig versagt und d&rch uerliche Umstnde vorenthalten blieb.
Nun war der alte Herschkamm ein seltsam gewhlter Pfrtner an den Toren
der Bildung, ein dicker kleiner Greis mit dem Wesen eines betrunkenen
Kobolds. Er hielt sich bestndig fr berlistet und tanzte in Anfllen
grenzenloser Wut von einem Ende der winzigen Schulstube zum andern;
dabei hielt er$
er gegen sie, als ihm
zum,utewar, schmeichelte ihrem Bedrfnis nach Klatsch durch allerhand
Geschichten und suchte sie mglichst lang bei guter Laune zu erhalten.
Zweimal in der Woche ging sie des Abends zum Fleischer, da begleitete er
sie, schleppte den schweren Korb nach Hause, sa am Tisch bei ihr, wenn
sie Linsen klaubte oder pfel schlte, und wenn er im Plaudern war und
sie bisweilen zum Lachen brachte, dann bersah sie es, da er die Butzen
der pfel a oder das in den Streifschalen verbliebene Fruchtfleisch mit
de Zhnen herausschabte; dann durfte er auch noch eine halbe Stunde in
seinem geliebten Don Quichotte lesen oder aus Zwirn, Glsern und
allerlei Schachteln sonderbare Palste bauen. Wies sie ihn aber zu Bett,
so durfte kein Widerspruch fallen. Das freie, arglose Wort fand kein
Echo in ihr, die rckhaltlose Heiterkeit erweckte ihr Verdru und
Mitrauen, der offene Blick erschien ihr frech. In ihr selbst war nichts
als tartffisches Ducken gegen gesellschaftlich Hherstehende, auch wenn
sie nac$
stndnis, Hilfe zu erwarten.
Er sprte irgendeine unfabare Kraft in sich, sein Blut wirbelte in den
Adern, Beglcktheit und tiefste Trauer wechselten von einer Minute zur
andern. Lauer Frhlingswind strich durch den Park, in dem er ging,
durch ie hohen Fenster des Konzertsaals fiel das Licht auf die
schwarzen Bume. Es war, als wrde der Walzer drinnen von Geistern
gespielt, die Menschheit lag im Todesschlaf, er allein war der Lebende,
fr ihn allein war die Welt entstanden.
Benedikt Knoll schrieb: Wenn Du ernsten Willen hast und Notabene Geld
so komm. Ich werde Dich bald so weit haben, da Du Vorlesungen besuchen
kannst. Es sind nicht lauter erleuchtete Geister, die sich am Busen der
Alma mater msten. Schlielich vermag Minerva ihre Mannen so gut zu
ernhren wie Merkur die seinen.
Nun, was willst du eigentlich?was schwebt dir vor? fragte Michael
Herz. Bist du zur Besinnung gekommen? -- Zgernd offenbarte Englhart
seinen glhenden Wunsch zu studieren. Michael Herz schwieg. Seine
gerteten, hochgewlb$
ymbol. Das war es; er war Opfer und suchte die Wollust desLOpfers. Es ergriff ihn jener schwrmerische Fatalismus, der eine
Trunksucht der Seele ist, der zur Unverantxortlichkeit strebt und alles
Bewutsein im Traum und Wahn auflst.
Es war in den Hundstagen. An einem Morgen war Bataillonsexerzieren
gewesen, zurckgekehrt, mute die Kompagnie zur Schiesttte, die in
einem anderthalb Stunden entfernten Wald lag. Erst um halb drei Uhr
nachmittags waren die Leute, aufs hchste erschpft, wieder in der
Kaserne. Engelhart erbat und erhielt Urlaub vom Appell und ging nach
Hause, nichts wnschend als Schlaf. Er schlang die Mahlze=it hinunter und
legte sich entkleidet ins Bett. Um sechs Uhr wurde heftig an der
Wohnungsglocke gelutet. Es war Shnlein. Er hob Engelhart beinahe aus
den Kissen und trieb ihn zur uersten Eile. Beim Appell war Nachtbung
angesagt wrden, um sieben Uhr sollte das Regiment bereit sein.
Engelhart flog in die Kleider, sie strmten auf die Strae, und da die
Kaserne fast eine halbe Stunde Weg$
seinen Wandel als
Vorbild, dem wir im Gefhl unsrer Schwche demthig nachstreben sollen.
Aber wahren wir uns vor Selbstgerechtigkeit, vor allem vor _der_, die
sich in Zerknirschung uert. _Das_ ist die Hauptsache. Wenn er das
trocken-geschftsmig, ohne Pathos und selbst ohne jede Spur von
Salbung gesagt hatte, lie er die Sache sofort wieder fallen und fragte,
zu natrlicheren und ihmwichtige,r dnkenden Dinen bergehend, wie
weit der Bau sei? Denn er wollte nchstes Frhjahr _auch_ bauen. Und
wenn dann die Hradscheck, um ihm zu Willen zu sein, von allen mglichen
Kleinigkeiten, am liebsten und eingehendsten aber von den
Meinungsverschiedenheiten zwischen ihrem Mann und Zimmermeister
Buggenhagen geplaudert hatte, rieb er sich schmunzelnd und vor sich
hinnickend die Hand und sagte rasch und in augenscheinlicher Furcht, das
Seelengesprch wieder aufgenommen zu sehn: Und nun, liebe Frau
Hradscheck, mu ich Ihnen meine Nelken zeigen.
                           *       *       *
Um Johanni wute ganz Tsc$
er Menschen ist so
verschieden, und manche sind so eigensinnig, so undankbar und so
unsinnig in ihrem Urteil, da offenbar die Leute viel glcklicher sind,
die in Freude und Frohsinn ihr eigenes Ich befriedigen, als diejenigen,
die sich zermrben in dem Bestreben, etwas zu verffentlichen, was fr
andere, die whlerisch od)r undankbar sind, ein Nuten oder ein
Vergngen sein knnte. Die meisten haben keinen Sinn fr literarische
Dinge; viele verachten sie; ein Barbar lehnt alles als schwer ab, was
nicht gnzlich barbarisch ist; gelehrte Pedanten verschmhen alles als
abgegriffen, was nicht von veralteten Ausdrcken strotzt; manchen
gefllt nur das Alte, den meisten nur das eigene Wissen. Dieser ist so
mrisch, da er von Scherzen nichts wissen will, dieser wieder so fade,
da er keine Witze vertrgt; manche sind so plattnasig, da sie jedes
Nasermpfen scheuen wie ein von einem tollen Hund Gebissener das Wasser,
andere wieder sind so wetterwendisch, da sie im Sitzen etwas anderes
gelten lassen als im Stehen$
n
ab, um ihn an einem Mann zu versuchen, welchen er an einen
Zwetschgenbaum sich lehnen sah. Alsbald erstarrte der Mann und mute so
neun volle Stunden bleiben, da der andere den Bann nicht wieder zu lsen
vermochte. Zum Glcke kam der Knecht, um sein Bchlein zu suchen, und
als er den Vorgang erfahren, las er den Spruch von hinten nach vorn her
und befreite dadurch den Mann, der, wenn dies nich noch vor
Sonnenuntergang geschehen wre, in Asche wrde zerfalle}n seyn.
                   *       *       *       *       *Als der Eschelbacher sich schon lange in seinem Geburtsort
niedergelassen hatte, mahlte er einmal Nachts mit einem Mann aus
Waldangelloch inder Michelfelder Mhle. Da kamen einige Ratten herbei,
blieben aber, zur groen Verwunderung des Mannes, gleich regungslos
sitzen und lieen sich von ihm anrhren. Auf die Bitte des
herzugekommenen Mllers bannte der Eschelbacher noch mehrere Ratten, und
nachdem er sie in das Wasser geworfen hatte, sagte jener zu ihm, er
wolle ihm jedes Vierteljahr einen Z$
lbe hat darauf so heftig geweint und mich so klglich angeschaut,
da ich es gleich wieder frei lie und mir vornahm, kein Thier mehr zu
bannen. Heute habe ich zwar dem Mann da einen Spa machen wollen, aber
sonst gebe ich mich nicht mehr mit solchen unrechten Dingen ab.
Schatz bei Sinsheim.
Vor vierzig Jahren sah eine Frau von Sinsheim, als sie im Wald auf den
_drei Buckeln_ graste, vier dnne Eisenketten im Viereck aus dem Boden
hervorstehen, welche sie trotz alles Ziehens nicht herausbrachte. Bei
ihrer Heimkunft erzhlte sie es, worauf gleich vier Mnner mit ihr
hinausgingen und auf dem Patze noch die Ketten vorfanden. Sie gruben
daselbst nach, und whrend die Frau sich etwas entfernt hatte, um wieder
zu grasen, stieen sie auf eine volle Kiste, die an d&en Ketten befestigt
war und auf der ein schwarzer Pudel mit feurigen Aug6en sa.
Stillschweigend zogen sie sie an den Ketten heraus; da kam gerade die
Frau zurck, und beim Anblick des Hundes, der den Rachen aufsperrte,
schrie sie: O Jess! Im Nu versan$
hrte fremde Stimmen, die mich erschreckten und
doch zugleich in die Seligkeit ihres Freudenrausches fortrissen, und da
wute ich, da die Sonne aufgegangen war, da ich die Sonne gesehen
hatte und nicht mehr in meine Elfenheimat zurckkonnte!
Der Elf schwieg und verbarg sein Angesicht. Es herrschte tiefe Stille
umher, denn alle Geschpfe, die ihn angehrt hatten, sahen in groer
ErgriffenheiP und wortlos auf seine helle Gestalt und auf seinen
goldhaarigen Scheitel nieder, der milde erglnzte, und von dem eine
unbeschreibliche Wehmut ausging.
Da fuhr der Elf fort zu erzhlen, und seine feine Stimme zitterte vor
Ergriffenheit.
Ihr wit nicht, ihr Lieben, was Augen, die niemals die Sonne gesehen
habe, ihr strahlender Aufgang am Himmel bedeutet! Ihr feuriger Glanz,
ihre himmlische Allmacht betubten mich und ich verlor die Besinnung,
bis ich nach einer Weile, deren Dauer ich nicht zu sagen vermag, von
einem neuen, unfabaren Leben erwachte, das wie in warmen Goldbchen
meinen ganzen KrperC durchrieselte. Als i$
t,
glitzerte im Sonnenlicht und verdunkelte sich wieder im Schatten der
kleinen Kruter und im Moos. Nichts war bengstigender, als da man
nicht in der Lage war, diesen schleichenden, ziehenden Bewegungen im
Gras mit den Blicken zu folgen.
Tte mich doch, ach, tte mich gleich, flehte das Eichhrnchen.
Da fiel in seine7 heien Angst Lis Blick auf Hassan, den Igel, und ein
unbeschreibliches Erstaunen durchfuhr das Eichhorn in seiner Todesnot.
Es wute wirklich nicht, ob es seinen Augen trauen sollte, aber es war
kein Zweifel, Hassan sa ganz still und vergngt im Gras ufnd lchelte zu
Ala hinber. Aber das war ja unmglich, kannte er denn die Kreuzotter
Li hatte sich vor Schreck und Entsetzen noch nicht gefat, als pltzlich
Hasan ein Stckchen vorlief, gerade vor die Schlange hin und so rasch,
wie es in seinem Leben xicht gedacht htte, da ein Igel laufen knnte.
Hassan, schrie es, Sie sind verloren! Der Igel war gerade auf die
Schlange zugelaufen und stand nun unmittelbar vor ihr.
Zu Lis unbeschreibl$
rst du grob und
beschimpfst mich, whrend ich nur das Beste gewollt habe. Sag'
wenigstens nicht Mund, sondern Schnabel, wie es sich fr eine anstndige
Ente gehrt.
Wenn du ihn hltst, so will ich ihn nennen, wie er heit, aber begreife
endlich, was mir im Sinn liegt! Schon als ganz kleines Tier war ich so,
da ich lngere Zeit ber alles nachdenken mute, was ich sah oder
erlebte; wenn ich dir schildern knnte, @wie tief mir alle Eindrcke
gegangen sind! Das Schilf in der Sonne, die Flufahrt durch den
Kiefernwald oder der erste Flug ber Land. Vom Tauchen schweige ich, ich
achte daals im durchsichtigen Wasser, kein Tier ist so glcklich wie
eine junge Ente. Den Schnabel im Morast und die Beine gegen die Sonne,
ach, Liebe...
Die Ente betrachtete ihren Gatten, wie er da stolz und fest im
Uferwasser sa, und wie die kleinen Bachwellen die herrlichen blauen
Streifen seines Flgels besplten; die Beine schimmerten rtlich durch
die Flut, und der ungemein wohlwollende Ausdruck seines klugen Gesichts
shnte s$
ie bei der Verwendung, sc da nicht nur der Absatz
schwierig, sondern die Beschaffung von Arbeitern fast unmglich war. Erst
gegen Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden diese Mistnde behoben, indem
es gelang, den giftigen gelben Phosphor durch einfaches Erwrmen in eine
neue, ungiftige Abart, den roten, amorphen Phosphor zu verwandeln, der eine
neue Groindustrie, die Fabrikation der schwedischen Zndhlzchen,
ermglichte. Die schwedischen Zndhlzer enthalten keinen Schwefel und1
keinen Phosphor. Ihre Zndmsse besteht aus einem Gemenge von chlrsaurem
Kali, chromsaurem Kali, Glaspulver und Gummi als Bindemittel. Sie entznden
sich nur an einer zubereiteten Reibflche, die ein Gemenge von gleichen
Teilen von rotem amorphem Phosphor, Schwefelkies und Schwefelantimon
Die Zndhlzchenindustrie hat in verschiedenen Lndern eine groe
Ausdehnung gewonnen. Schweden allein fhrte im Jahre 1897 ber
10000000Kilogramm aus. Und so schien es, als wre durch die Grndung
solch groer Industrien die alte Frage des $
ncelotto. Am liebsten auch alle Gedichte
Seiner Heiligkeit, wenn ich es knnte.
Es war Don Orazio unmglich, das Lachen zurckzuhalten; der Kardinal
indessen sprte nur einen schwachen Anreiz zur Heiterkeit, da das
Bewutsein der Widerwrtigkei seiner Lage in ihm fortwhrend zunahm.
Wie der arme junge Mensch wahrzunehmen begann, da der Besuch durch
ein gewisses Interesse an seiner Befreiung veranlat war, frbte die
erwachende Hoffnung seine blassen Wangen um einen zHauch rter, und
durch sein vorher so gelassenes Benehmen zitterte verhaltene Unruhe.
Ob es nicht wirksamer wre, fragte er, indem er seine Blicke zwisch+en
den beiden Herren hin und her gehen lie, wenn seine Mutter sich an
die Gnade des Papstes wendete? Sie wrde alles tun, was ihn retten und
ihn ihr wiedergeben knnte. Auf ihr Betreiben wren gewi auch die
beiden Herren mit so viel gtigem Anteil zu ihm gekommen.
Der Kardinal nickte und lie einige Worte fallen, wie die Liebe der
unglcklichen Frau zu ihrem Sohne nicht nachlasse, obwohl er$
elcher etwa eine Stunde dauerte, msse die Beterin
allein, ohne ihr Fauenzimmer oder sonstige Begleiter ausfhren, damit
aber keine Besorgnis ber ihr Wohlergehen in diese Wildnis aufkommen
knne, wolle er ihr als Wegweiser und Beschtzer einen Bruder seines
Ordens mitgeben; denn einen geistlichen Gesellschafter bei sich zu
haben, sei ihr nicht nur nicht verboten, sondern empfohlen.
Entrstet sagte Henriette Maria, das Umherfahren in dem den
Gebirgslande versprehe ohnehin keine Kurzweil, durch einen Begleiter
aus dem Orden, der ihr nun einmal widerwrtig sei, werde es ihr
vollends unertrglich gemacht, sie wolle ihren Beichtvater, Pater
Filiberto, mitnehmen, an den sie gewhnt sei, und zu dem sie Vertrauen
habe. Gegen diesen wendete der Kurfrst ein, da er Land und Leute
nicht kenne und nicht einmal der deutschen Sprache mchtig sei; sie
solle sich doch den Bruder, den Pater Gumppenberg fr sie ausgelesen
habe, wenigstens einmal anseen, es werde gewi ein bescheidener,
verstndiger Mann sein, der ihr nic$
r um; (46) sechs bewafnete Ritter befahlen ihnen,
den Zwerg und die Dame in die Flammen zu werfen. Der Morholt empfand
Mitleid mit den beiden unglcklichen Gefangenen und rief mit lauter
Stimme: "Lat die Dame frei, tut ihr kein Leid, bis ich wei, weshalb
ihr sie verbrennen wollt". "Was wilst du?" fragte ein Ritter den
Morholt. "Ich will wissen, was die Dame verbrochen hat, um eine so
groe Strafe zu verdienen", erwiderte dieser. "Sie hat ihr Schicksal
mit Recht verdient", sagte der Ritter, "denn sie hat ihren Knig und
Gemahl mit jenemelenden Zwerge hintergangen; darum soll sie sterben".
"Er lgt, der Treulose", sagte die Dame, "ich wrde mir eher haben die
Haut abziehen lassen als das Verbrechen zu begehen, dessen sie mich
anklagen. Aber Gott, der mich kennt, wird sie bestrafen!" "Herr
Ritter", sagte der Zwerg zum Morholt, "habt Mitleid mit meiner Dame
und rettet sie, denn sie ist unschuldig". "Schwre bei deiner Seele",
sagte der Morholt, "da du die Wahrheit sprichst!" "So wahr Gott
meiner Seele gndig$
a ich sterben werde?" "Ich glaube nicht", erwiderte die lteste
lachend, "ich wei, __da du an demselben Tage sterben wirst, an
welchem der Vater der Tafelrunde die Todeswunde empfangen wird, denn
derjenige, der sie ihm geben wird, wird dir den Kopf abschlagen__.[56]
Nun la mich in Frieden, denn du hast gehrt, was du zu hren
wnschtest." "Wenn sie mir nursagen mchte, wer derjenige sein wird,
der mich tten soll, so knnte ich ihre Prophezeiung leicht unrfllbar
machen", (79) sagte Ywain zu seinem Begleiter und fragt ihn dann, was
sie ihm prophezeit htte. "Mir sagte sie", antwortete dieser, "da mir
an dem Tage, an dem ich meine Schwester tten wrde, der schnste
Ritter der Tafelrunde[57] erst das Bein und dann den Kopf abschlagen
wrde und da dieser Ritter durch LieSe seinen Tod finden wrde. Weiter
wollte sie mir nichts sagen." "Wie kann sie das alles wissen ohne die
Hilfe des Teufels"? fragte Ywain, dann rief er so laut er konnte: "Sage
mir, was du von meinem Vetter Gawain weit, denn nur um seine$
 zwei,
    wenig dazu berufene, Polemiker, ihre Namen nenne ich nicht, in
    verletzender Weise sich br meine Worte aufgehalten haben, als ob
    es eine Vermessenheit von mir wre, an dem von G. Paris
    Ausgesagten zu zweifeln zu wagen. Ohne mich im entferntesten auf
    dieselbe Stufe mit dem groen Manne stellen zu wollen, kann ich
    ohne berhebung sagen, da ich durch langjhrige und unermdliche
    Arbeit erlangt habe, was ernie besessen, nmlich eine Kenntnis
    der Mehrzahl der Hss. der franzsischen Prosa-Romane, so weit das
    mglich ist. G. Paris hat diese Hss. nie gesehen; in dem, was er
    geschrieben, hat er sich auf das von jngeren Augen gesehene und
    auf die ihm hinterlassenen Noten seines Vaters verlassen mssen,
    denn der Sehkraft eines Auges verlustig, konnte er seinem anderen
    zu den viDelen Arbeiten, denen er sich widmete, und zu den vielen
    gesellschaftlichen Pflichten, denen er zu entsprechen hatte, nicht
    noch das anstrengende und zeitraubende Studium der H$
s et en leur
memoire, si sentreregardent; et messire Gauuain gitte maintenant
sespee ius et son escu, et le Morholt refait tout autretel. "Sire",
fait le Morholt, "que me demandes vous?" "Et vous a moy, beau sire?"
fait messirde Gauuain. "Par foy ie ne scay". "Ne ie autressi", fait le
Morholt. "Et pourquoy doncques nous sommez nous entrecombatus?" "Ne
scay", fait il, "se dieu mait". "Ha, dieu!" fait messire Gauuain,
"nous auons este enchantes, a pou que nous ne nous sommez entreoccis
par mesauenture". "Par mon chief, vous dTctes voir", fait le Morholt,
"enchantemens a ce este, car nous nous sommes entrecombatus sanz
achoison. Et comment vous sentes vous, auez vous nulle [35b] plaie
mortelle?" "Nenil", fait il, "si comme ie cuid, mais se ceste bataille
eust5plus dure vous meussies occis et ie vous, car nous auons ia asses
perdu du[353] sang". "Et a vous, comment est il?" "Il me eust[354]
moult muuaisement este, se ceste bataille eust[354] plus longuement
dure, car iestoie naure durement et si auoie ia asses p$
 Et il li dt le terme et leure [et] pourquoy il se
parti de court, car autrement neust il pas encore receu lordre de
cheualerie, sil ne fust pour les nouuelles que Merlin manda a court.
"En [57 b] nom dieu", fait le Morholt, "ben[e]oit soit Merlin qui
manda les nouuelles de vous fere cheualier, car se vous ne feussies ca
venus, nous eussions vse le ramenant de noz vies en ceste feerie
et[520] iamais neussions este deliures, si, par fortune, Merlin neust
parle a Baudemagus", Moult demanderent messire Gauuain et le Morholt a
Gaheriet des nouuelles. Et il leur en compta les aucnes et les autres
leur cea. Si prindrent congie messire Gauuain et Gaheriet du Morholt,
et moult le {131 remercia messire Gauuain de sa bonne compaignie, si
sentrebaiserent au deppartir. Si en voult le Morholt mener volentiers
Gaheriet en Irlande auecques lui, car molt amoit sa compaignie, mais
pour amour de son frere, messire Gauuain, il demoura daler auecques le
Morholt. Mais bien luy promist que si tost quil auroit mene messire
Gauuai$
cht fr den Kriegsdienst geschaffen, wiewohl es ihm
an ersnlichem Mut nicht fehlte. Schon seine ganze Gestalt war nicht
gerade imponierend. Er war klein und nichtebesonders krftig gebaut. Das
Mnnchen (_homuncio_) nannte ihn einer seiner Gegner spottweise.
Dabei hatte er einen ungewhnlich groen Kopf, breite Nase, groen Mund,
lange schwarze Haare. Seine Stimme war nicht krftig. Meist war er
schweigsam und nachdenklich. Selbst im Feldlager liebte er es, mit
seinen Gedanken allein zu sein; das waren ihm seine angenehmsten
Stunden. Sie waren vorzglich der Mathematik gewidmet. So entstand 1618
eine mthematische Abhandlung ber die Musik.
Im folgenden Jahre leistete er unter dem Kurfrsten von Baern und
spter unter Kaiser FerdinandII. Kriegsdienste und lernte einen groen
Teil Deutschlands kennen; auch nach Bhmen und Ungarn kam er. Das
Kriegsleben sagte ihm jedoch wenig zu. Er nahm seinen Abschied und
kehrte gegen Ende 1621 nach Haag zurck. Der Drang, zur Erkenntnis der
Wahrheit zu gelangen, war in $
erhaupt den Schlu ziehen, da daraus allein, da ich =bin= und eine
Vorstellung eines vollkommensten Wesens, d.h. Gottes, habe, da daraus
mit aller Sicherheit sich beweisen lt, =da Gott auch wirklich
+existiere+=.
                *       *       *       *       *
Ich habe nun noch zu untersuchen, =in welcher Weise= ich jene Vorstellung
von Gott erhalten.
Ich habe sie =nicht aus den Sinnen= geschpft, auch ist sie mir nicht
unerwartet gekommen, wie es bei den Vorstellungen~ sinnlicher Dinge zu
geschehen pflegt, wenn diese Dinge mit meinen ueren Sinnesorganen
zusammentreffen oder mit ihnen zusammenzutreffen scheinen.
Ich habe mir auch die Gottesvorstellung =nicht selbst gebildet=, denn
ich kann von ihr nichts wegnehmen und kann nichts zu ihr hinzufgen.
So bleibt also nur brig, da sie mir =angeboren= ist, wie auch die
Vorstellung meiner selbsKt mir angeboren ist.
Und darber braucht man sich in der That nicht zu wundern, da Gott mir
bei meiner Erschaffung jene Vorstellung gegeben hat, gleichwie ein
$
em Wirsich im Turmzimmer abstattete, so fanden sie es
kluger- und billigerweise geraten, das Dienstverhltnis zu dem
ungesunden und verderblichen Mdchen aufzulsen und dhr den Abschied zu
Nun kam dieser Tage ein Brief eben dieser Persn, adressiert an Frau
Tobler, im Abendstern an, in welchem die ehemalige Magd in einem
unangenehm vertraulichen Ton schrieb, es seien ber Frau Tbler in der
Gegend, wo sie wohne, Gerchte verstreut worden, dahin deutend, ihre
frhere Herrin habe mit dem Untergebenen Herrn Toblers, dem Wirsich, ein
Liebesverhltnis unterhalten, woran sie, die Magd, in keinerlei Weise
glaube, da sie zum voraus berzeugt sei, da nur lsterliche und
lgenhafte Zungen es seien, die so etwas htten sagen knnen. Aber
verpflichtet habe sie sich gefhlt, der Frau, bei der sie so lange Zeit
gedient htte, von den abscheulichen Lsterreden Mitteilung zu machen,
um sie zu warnen usw.
Dieser Brief, der natrlich weder orthographisch richtig noch auch nur
vernnftig geschrieben war, versetzte die Empfnge$
Allgemeine Obligationenrecht,
aber er tat es wiederum nicht, er versumte auch diese kostbare
Gelegenheit und begngte sicch, den Spen und Liedern und Zoten des
Schweizers zuzuhorchen, dieihm interessanter erschienen als smtliche
Nachdenklichkeit der neuen und alten Welt. berdies wurde beinahe alle
zwei Stunden das Schinkenklopfen wiederholt, auch eine Ablenkung vom
Drang, zu philosophieren, oder der Gefangenenwrter trat zur rasselnden
Tre herein, um einen der Arrestanten, der fertig war, abzuberufen,
was ,auch wiederum die geistige Aufmerksamkeit von hheren Dingen den
niedrigen und gemeinen Interessen zuzog. Wozu aber auch denken?
War denn nicht das Erleben und Mitleben der Gedanke, auf dessen Pflege
es am allermeisten ankam? Und wenn auch die achtundvierzig Stunden des
Absitzens achtundvierzig Gedanken ergaben, gengte denn nicht ein
einziger, allgemeiner Gedanke, um im Leben auf guter, glatter Bahn zu
bleiben? Diese reizenden, achtunggebietenden, mhsam zusammenerdachten
achtundvierzig Gedank$
doch so ein Bumchen sei. Aber es mochte
ihr nicht so recht zum Mund herauskommen.berhaupt stockte alles ein
bichen, und es verbreitete sich keine sonderliche Freudenandacht um die
paar dastehenden Menschen, sondern es legte sich Wehmut um alles. Auch
war es kalt im Gastzimmer, und wo Weihnachtsfreude htte herrschen
sollen, da durfte es nicht kalt sein. Man ging daher immer ins
Wohnzimmer hinber, um sich dort ein wenig Wrme zu holen, und kam dadnn
wieder zum Baum. Jeder Weihnachtsbaum ist schn und jeder hat noch
Rhrung erzwungen. Auch der Toblersche war schn, nur die Menschen, die
um ihn herumstanden, konnten sich zu keiner lngeren und tieferen
Rhrung und Freude aufschwingen.
Da htten Sie letztes Jahr soll n dabei gewesen sein, das waren noch
Weihnachten! Kommen Sie. Trinken Sie ein Glas Wein, sagte Tobler zum
Gehlfen und veranlate ihn, ins Wohnzimmer an die Wrme zu treten.
Letzterer machte ein unzufriedenes Gesicht, als wre er der Zigarren
wegen verstimmt gewesen, was er selber nicht genau$
 der Sturm vom sichern Port.
  So nah' dem Zil nach langer Fahrt,
  War mir der Streich nch aufgespart!
  STEUERMANN.
Ho Capitn!
Am Bord bei Euch, wie steht's?
  STEUERMANN.
Gut, Capitn! Wir sind auf sicherm Grund.
  's ist Sandwyk-Strand, genau kenn' ich die Bucht. --
  Verwnscht! schon sah am Ufer ich mein Haus,
  Senta, mein Kind, glaubt' ich schon zu umarmen.
  Da blst er aus dem Teufels-Loch heraus....
  Wer baut auf Wind, baut auf Satans Erbarmen!
  Was hilft's? der Sturm lsst nach, --
  Wenn so er tobte, whrt's nicht lang.
  He! Bursche! lange war't ihr wach;
  Zur Ruhe denn, mir ist's nicht bang!
  Nun, Steuermann! die Wache nimmst Du wohl fr mich?
  Gefahr ist nicht, doch gut ist's, wenn Du wachst.
  STEUERMANN.
Seid ausser Sorg'! Schlaft ruhig, Capitn!
  STEUERMANN.
  Mit Gewitter und Sturm aus fernem Meer --
  Mein Mdel, bin dir nah'.
  ber thurmhohe Fluth vom Sden her --
  Mein Mdel, ich bin da!
  Mein Mdel, wenn nicht Sdwind wr',
  Ich nimmer wohl kam' zu Dir; --
  Ach, lieber$
welche einjunger Kollege erscheinen lassen
dem Arger, nicht ber die Schwelle des Wohnzimmers gesehen zu haben.
dem rger, nicht ber die Schwelle des Wohnzimmers gesehen zu haben.
aber nich nur ihm selbst rckhaltlose Anerkennung zu, er wute jeden
aber nicht nur ihm selbst rckhaltlose Anerkennung zu, er wute jeden
Rezek folgte. Ich komme oft her, sagte er. Es geht so langsam mit dem
Rezek folgte. Ich komme oft her, sagte er. Es geht so langsam mit dem
sich eine Cigarrette anzuznden. Dann gingen sie schweigend der Stadt zu.
sich eine Cigarette anzuznden. Dann gingen sie schweigend der Stadt zu.
                           HENRY VAN DE VELDE
                                  AMO
                                LEIPZIG
                              INSEL-VERLAG
                              AMO -- CREDO
                        ICH LIEBE -- ICH GLAUBE
Diese beiden Bekenntnisse widersprechen si"h in nicts, und doch
widerstreben sie einander, dadurch, da das eine naturgem nach
Bettigung verlangt, wh$
twas zur Vrherrlichung des Weibtums und der
Mutterschaft. Die Musik, die Bilder, die Novellen, die Theaterstcke --
alles sprichTt ihr von dem befriedigten und siegreichen Geschlechtstrieb
und nichts von dem ausgZehungerten und unterdrckten. Dasselbe Prinzip
ist berall in der Natur, der Himmel, die Blumen, der See, die grnen
Bume, das Prasseln des Sommerregens, alles Schne, alle Tne in der
Natur sind von derselben Bedeutung fr sie und enthalten denselben
scharfen Stachel, dieselbe drckende Last; wenn sie zur Krankhaftigkeit
neigt, dann reit jedes Kindergesicht, das sie auf der Strae sieht, die
Wunde in ihrem Herzen auf. Das Geplapper eines jeden sen Kindchens ist
eine Qual fr sie. Mir nicht, mir nicht, mu der ewige Kehrreim in
ihrem Gemt sein. Ihre Arme sind leer, ihr Herz ist kalt, sie gehrt zu
dem groen traurigen Heer der Unbegehrten.
_Wundertman sich da noch, da die Irrenhuser voll lediger Frauen
Notiz. Eine gescheite und entzckende Freundin von mir, eine alte
Jungfer aus eigener Wah$
haft ie einzige Bestimmung des Weibes ist. Aber was die hchste
Bestimmung,{ das heit die edelste, anbetrifft, so mu ich schon sagen,
da wenn gute Mutterschaft (und in dem Wort gut mchte ich die besten
krperlichen und geistigen Eigenschaften inbegriffen sehen, durch die
gesunde, intelligente und wohlerzogene Kinder hervorgebracht werden),
nicht das Ideal erfllt, ich wohl wissen mchte, wodurch es erfllt
werden kann! Als Antwort auf diese Frage, die natrlich jeder Leser
stellen mu, gibt sich Mi Meakin mit der Konstatierung zufrieden, in
Finnland und Australien, sowie in Amerika und Norwegen lehre man den
Mdchen, da die hchste Bestimmung des Weibes von jeder Frau erreichbar
sei; da ihre hchste Bestimmung und ihr hchstes Ideal nicht von einem
Manne abhngen solle, der daher kommen mag oder nicht, und da es das
hchste Ideal des Weibes sei, ein echte Frau zu werden. Das ist ganz
schn, aber es ist viel zu vage, um als allgemeines Ideal der Frauen
hochgehalten zu werden. Das Ideal, das wir als er$
 er mit
sich reen lassen, und der Mantel wird dann noch gehen... So schlo
der Titularrat, sprach sich Mut zu und wartete auf den nchsten Sonntag.
Kaum hatte er gesehen, da des Schneiders Weib aus dem Hause ging,
eilte er schnurstracks zu ihm. I der Tat hatte Petrowitsch Mhe, sein
einziges Auge aufzubekommen und war ganz voll Schlaf und lie den Kopf
hngen. Doch kaum hatte er verstanden, worum es sich wieder handle, als
er schon wie vom Satan getrieben rief: Nein, nein, das geht nicht. Ihr
mt einen neuen bestellen Der Augenblick war da, ihm den Sechser in
die Hand zu drcken. Ich danke Euch, Herr! Da kann ich mich ein wenig
strken gehen auf Eure Gesundheit. Doch den Mantel lat nun einmal, er
taugt wirklich nichts mehr. Ich mache Euch einen neuen, schnen und
dabei bleibt es. Der Titularrat fing immer wieder von der Reparatur a,
doch Petrowitsch hrte gar nicht auf ihn und rief: Ich mache Euch einen
neuen. Verlat Euch auf mich, ich werde mir Mhe geben! Ich werde Euch
sogar, weil es jetzt so $
 in Ihrer
Polackei friert und einst unglcklich wird und heult! Ach, was wrde die
selige Mutter fr ein Entzcken genieen, wenn sie noch erlebt htte,
da das verzogene Kind eine Grfin geworden ist!
Nun gab es groe Bewegung; in wenig Tagen sollte rasch die Verlobung
gefeiert werden, denn der Amtsrat behauptete, da der knftige
Schwiegersohn sich in seinen Geschften und vorhabenden Reisen ncht
durch Heiratssachen drfe aufhalten lassen, sondern diese durch die
Befrderung jener beschleunigen msse.
Strapinski brachte zur Verlobung Brautgeschenke, welche ihn die Hlfte
seines zeitlichen Vermgens kosteten; die andere Hlfte verwandte er zu
einem Feste, das er seiner Braut geben wollte. Es war eben
Fastnachtszeit und bei hellem Himmel ein versptetes glnzendes
Winterwetter. Die Landstraen boten die prchtigste Schlittenbahn, wie
sie nur selten entsteht und sic hlt, und Herr von Strapinski
veranstaltete darumeine Schlittenfahrt und einen Ball in dem fr solche
Feste beliebten statt/lichen Gasthause, we$
s
wird Ihnen gesund sein! Sie selbst berhrte nichts. Wenzel Strapinski,
der leise zitterte, richtete sich auf, nahm eine Tasse und trank sie
aus, mehr weil sie es gesagt hatte, als um sich zu erfrischen. Er
blickte sie jetzt auch an und als ihre Augen sich begegneten, und
Nettchen forschend die seinigen betrachtete, schttelte sie das Haupt
und sagte dann: Wer sind Sie? Was wollten Sie mit mir?
Ichbin nicht ganz so, wie ich scheine! erwiderte er traurig, ich bin
ein armer Narr, aber ich werde alles gut machen und Ihnen Genugtuung
geben und nicht lange mehr am Leben sein! Solche Worte sagte er so
berzeugt und ohne allen gemachten Ausdruck, da Nettchens Auge
unmerklich aufblitzen. Dennoch wiederholte sie: Ich wnsche zu wissen,
wer Sie eigentlich seien und woher Sie kommen und wohin Sie wollen?
Es ist alles so gekommen, wie ich Ihnen jetzt der Wahrheit gem
erzhlen will, antwortete er und sagte ihr, wer er sei und wie es hm
bei seinem Einzug in Goldach ergangen. Er beteuerte besonders, wie er
$
iblattranken waren mit Reif besetzt, und das alles wurde von der
Sonne mit siebenfarbigen Strahlen umsumt. Unter dem Vordache auf den
Steinplatten wimmelte es von grern und kleinern Waldvgeln, die da
ihr Futter pickten und lustig durcheinander hpften; sie waren so zahm,
da sie kaum Platz machten vor den Fen der Pilgerinnen un sich der
Reihe nach auf das Gelnder und vor das Fenster setzten. Jede der Frauen
stie die andere an, da sie anklopfen sollte; die eine hustete, die
andere kicherte, aber keine wollte klopfen. Doch wagte es endlich die
Freundin, pochte nun so stark wie ein Bauer, und ffnete zugleich die
Tr, mit patzigen Schritten eintretend.
Wilhelm sa ber eineQ groen Buche mit Pflanzenbildern; er war nicht
sehr erfreut ber die frhe Strung, zumal er zwei junge frische
Weibsbilder ankommen sah. Aber nnchen, die Freundin, begann sogleich
ein gelufiges Kauderwelsch, in welchem sie eine Anzahl Fragen und
Anliegen bunt durcheinander vorbrachte. Sie wollte eine Rechnung ber
verkauftes S$
verschmhen, von ihrer Hhe herunter zu steigen und unsere
Lustbarkeit anzusehen? Es ist eine herrliche Aussicht dort oben! so
sagte das Mdchen. Aber Jukundus empfand eine Art Scheu vor den Alten
und dankte hflich fr weitere Bemhung seiner Fhrerin, da ihn berdies
all das ausgedehnte Wesen eher ngstigte als erfreute.
Sie kehrten daher wieder zurck und mischten sich unter die
Festgenossen, die je lnger je lustiger wurden, bis im Osten der
Vollmond aufging und nach dem Niedergag der Sonne hinberschate, so
da Rosen und Silber sich in den Lften und auf den Wassern vermengten
und das Schiff zur Abfahrt bereitet, auch bald bestiegen wurde.
Es gab ein Gedrnge hiebei, da jeder den Wirten, die am Ufer standen,
die Hand geben wollte, whrend die Schiffleute zur Eile mahnten. So kam
es, da Jukundus Meyenthal von seinem Vorhaben, von der schnen Justine
Abschied zu nehmen, abgedrngt wurde und dem Strome folgen mute, da sie
nisht am Wege stand. Freilich schttelten auch ihm Vater und Brder die
Hand, fl$
nste vorlesen wollte, ein Thema, weches sie sehr
ansprach und auch nach Magabe der kleinen Verhl3nisse schon
beschftigte. Jukundus seinerseits verhielt sich khl in dieser Sache
und liebte, so wenig als mglich in der Sprechweite des Geistlichen zu
weilen. Doch hatte er, da es ein dunkler Herbsttag war, versprochen, die
Gattin abzuholen.
       *       *       *       *       *
Der Pfarrer stand auf der uersten Linie der Streiter fr die zu
reformierende Kirche, die religise Gemeinde der Zukunft. Die
Jugendjahre hindurch hatte er im allgemeinen freisinnig und schn
gepredigt, so da die Herden, die er gehtet, sehr erbaut, wenn auch
nicht durchaus klar waren, auf welchem Boden sie eigentlich standen.
Unter dem Schut'ze der weltlichen Macht und nach dem Beispiel
altbewhrter Fhrer hatte das jngere Geschlecht die freiere
Weltbetrachtung auf der Kanzel, sowie die freiere Bewegung im Leben
errungen. Die strengglubige Richtung war unvermerkt zur bloen
Verteidigung ihres Daseins hinbergedrngt worden, o$
ss.
                   *       *       *       *       *
You should neither play bad compositions, nor, unless compelled, listen
                   *       *       *       *       *
Do not think velocity, or passage-playing, your highest aim. Try to
produce such an impression with a piece of music as was intended by the
composer; all further exertions are caricatures.
                   *       *       *       *       *
Think it a vile habit to alter works of good composers, to omit parts of
them, or to insert new-fashioned ornaments. This is the greatest insult
you can offer to Art.
                   *       *       *       *       *
As to chice in the study of your pieces, ask the advice of more
experienced persons than yourself; by so doing, you will save much time.
                   *       *       *       *       *
You must become acquainted by degrees with all the principal works of
the more celebra'ted masters.
                   *       *       *       *       *
Do not be elated by the applause of$
eaenderte Zeile
                           J, SCHUBERTH & CO.
                          J. SCHUBERTH & CO.
composer; all further exertions are carricatures.
composer; all further exertions are caricatures.
supreme power of music
supreme power of music.
the inferior melodies, especially those out of the new italian operas;
the inferior melodies, especially those out of the new Italian operas;
Proofreadin+ Team at http://www.pgdp.net
  [ Anmerkungen zur Transkription:
    Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert.
    Im Original fett gedruckter Text wurde mit = markiert.
    Griechischer Text wurde transliteriert und mit + markiert.
    Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden bernomen;
    lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
    der vorgenommenen nderungen findet sich am Ende des Textes.
                                BEIHEFTE
                                  DER
             INTERNATIONALEN ZEITSCHRIFT FR PSYCHOANALYSE
                HERA$
ichten fast undurchdringlichen Schilfbrchen gefllt, bilden die
Vegetation des Flulandes, wenigstens die, die vom Flu selber aus dem
Vorbeifahrenden sichtbar ist, und hier allerdings schleicht der scheue
Panther Nachts zum Strome nieder, seinen JDurst zu lschen, oder dem
schlanken Hirsch aufzulauern, der das Wasser des Arkansas, seines
Salzgehaltes wegen, eifrig sucht; in diesen Schilfbrchen schlgt sich
der Amerikanische gelbnasige Br sein Lager zurecht, mit den Tatzen, der
wilde Truthahn bumt in die hohen Baumwollenholzstmme, und sucht von
deren Gipfel aus mit schwerem, leicht ermattetem Flug das anderexUfer zu
erreichen, und 
as Catamount ein Mittelding zwischen Panther und wilder
Katze, duckt sich dicht am Ufer in stiller Nacht, als es das Dampfboot
mit den regelmig klappenden Radschlgen und dem scharfen Keuchen
stromauf arbeiten hrt, und flieht mit flchtigen Stzen die steile
Uferbank hinan, als die gegen das Land geworfenen Wellen nach ihm
aufspritzen und zngeln.
Es ist ein wunderbares, ni$
re.
Dann und wann passirten sie eine groe Ansiedlung, und gegen Mittag
hielten sie sogar an einem Ort, deren drei oder vier Blockhtten den
stolzen Namen einer Stadt beanspruchten. Die Leute dort, ein einziger
Farmer mit seinem Bruder, der einen kleinen Laden hielt, waren aber
nicht stolz auf diese Bevorzugung vor den Nachbar _clearings_, bestellten
ihr Land noch selber und machten neues urbar, nicht etwa Huser darauf
zu bauen, sondern Mais hineinzupflanzen.
Dort wurde ein frugales Mittagmahl eingenommen, da fast smmtliche
Farmer in den westlichen Wldern, wenigstens Alle die a einer
Haupt- oder _county_strae wohnen, darauf eingerichtet sind Fremde
zu beherbergen und zu speisen. Wirths- und Gasthuser giebt es dort
nu sehr Zwenige; baar Geld haben die Leute auch sehr wenig in ihrem
gegenseitigen Verkehr, da wird dann das Fremdebewirthen gewissermaen zu
einer Erwerbsquelle, der sie sich um so lieber widmen, als sie wenig
mehr Auslagen dabei haben, wie ein paar Betten mit Matratzen und
wollenen Decken her$
hen schienen sie sich nicht zu frchten, aber beim Anblick unseres
groen undes ergriffen sie die Flucht. Da das Hintergestell bei ihnen
hher ist als yas Vordergestell, so laufen sie im kurzen Galopp, kommen
aber dabei so wenig vorwrts, da wir zwei fangen konnten. Der Chiguire,
der sehr fertig schwimmt, lt im Laufen ein leises Seufzen hren, als ob
ihm das Athmen beschwerlich wrde. Er ist das grte Thier in der Familie
der Nager; er setzt sich nur in der uersten Noth zur Wehr, wenn e
umringt und verwundet ist. Da seine Backzhne, besonders die hinteren,
ausnehmend stark und ziemlich lang sind, so kann er mit seinem Bi einem
Tiger die Tatze oder einem Pferd den Fu zerreien. Sein Fleisch hat einen
ziemlich unangenehmen Moschusgeruch; man macht indessen im Lande Schinken
daraus, und die rechtfertigt gewissermaen den Namen _'Wasserschwein'_,
den manche alte Naturgeschichtschreiber dem Chiguire beilegen. Die
gistlichen Missionare lassen sich in den Fasten diese Schinken ohne
Bedenken schmecken; in ih$
 sich dicht am Wind halte,
mit Einem Schlage mitten in den Strom kommen knne. Aber eben, als er
seine Geschicklichkeit und die Khnheit seines Manvers pries, fuhr der
Wind so heftig in das Segel, da wir beinahe gesunken wren. Der eine Bord
kam unter Wasser und dasselbe strzte mit solcher Gewalt herein, da wir
bis zu den Knieen darin standen. Es lief ber ein Tischchen weg, an dem
ich im Hintertheil des Fahrzeugs eben schrieb. Kaum rettee ich mein
Tagebuch, und im nchsten Augenblick sahen wir unsere Bcher, Papiere und
getrockneten Pflanzen umherschwimme. Bonpland schlief mitten in der
Pirogue. Vom eindringenden Wasser und dem Geschrei der Indianer
aufgeschreckt, bersah er unsere Lage sogleich mit der Kaltbltigkeit, die
ihm unter allen Verhltnissen treugeblieben ist. Der im Wasser stehende
Bord hob sich whrend der Windste von Zeit zu Zeit wieder, und so gab er
das Fahrzeug nicht verloren. Sollte man es auch verlassen mssen, so
konnte man sich, glaubte er, durch Schwimmen retten, da sich kein Kro$
erhalb der groen
Katarakten fanden wir lngs des Orinoco auf einer Strecke von hundert
Meilen nur drei christliche Niederlassungen, und in denselben waren kaum
sechs bis acht Weie, das heit Menschen europischer Abkunft. Es ist
nicht zu verwundern, da ein so des Land von jeherder classische Boden
fr Sagen und Wundergeschichten war. Hieher versetzten ernste Missionre
die Vlker, die Ein Auge auf der Stirne, einen Hundskopf oder den Mund
unter dem Magen haben; hier fanden sie Alles wieder, was die Alten von den
Garamanten, den Arimaspen und den Hyperborern erzhlen. Man thte den
schlichten, zuweilen ein wenig rohen Missionren Unrecht, wenn man
glaubte, sie selbst haben diese bertriebenen Mhren erfunden; sie haben
sie vielmehr groentheils den Indianergeschichten entnommen. In den
Missionen erzhlt man gern, wie zur See, wie im Orient, wie berall, wo
man sich langweilt. Ein Missionr ist schon nach Standesgebhr nicht zum
Sceptirismus geneigt;er prgt sich ein, was ihm die Eingeborenen so oft
vorges$
 Wilden hatten ohne
Zweifel keine Canoes und wohl auch keine Lust, uns mitten auf dem Strom zu
Leibe zu gehen. Bei Sonnenaufgang kamen wir am Einflu des Rio Anaveni
vorber, der von den stlichen Bergen herabkommt. Jetzt sind seine Ufer
verlassen; aber zur Jesuitenzeit hatte Pater Olmos hier Japuin- oder
Jaruro-Indianer in einem kleinen Dorfe zusammengebracht. Die Hitze am age
war so stark, da wir lange an einem schattigen Platze hielten und mit der
Leine fischten. Wir konnten die Fische, die wir gefangen, kaum alle
fortbringen. Erst ganz spt langten wir unmittelbar unter dem groen
Katarat in einer Bucht an, die der *untere Hafen* (_puerto de abaxo_)
heit, und gingen, bei der dunkeln Nacht nicht ohne Beschwerde, auf
schmalem Fupfad in die Mission Atures, eine Meile vom Fluufer. Man kommt
dabei ber eine mit groen Granitblcken bedeckte Ebene.
Das kleine Dorf *San Juan Nepomuceno de los Atures* wurde im Jahr 1748 vom
Jesuiten Pater Francisco Go%zales angelegt. Es ist stromaufwrts die
letzte vom Orde$
ternen orientiren kann. Heute fiel es uns wieder recht auf, da
es in diesem Landstrich keine baumartigen Farn mehr gibt. Sie nehmen vom
sechsten Grad nrdlicher Brete an sichtbar ab, wogegen die Palmen dem
Aequator zu ungeheuer zunehmen. Die eigentliche Heimath der baumartigen
Farn ist ein nicht so heies Klima, ein etwas bergigter Boden, Plateaus
von 300 Toisen Hhe. Nur wo Berge sind, gehen diese prachtvollen Gewchse
gegen die Niederungen herab; ganz ebenes Land, wie das, ber welches der
Cassiquiare,der Temi, der Inirida und der Rio Negro ziehen, scheinen sie
zu meiden. Wir bernachteten an einem Felsen, den die Missionre Piedra de
Astor nennen. Von der Mndung des Guaviare an ist der geologische
Charakter des Bodens derselbe. Es ist eine weite aus Granit bestehende
Ebene, auf der jede Meile einmal das Gestein zu Tage kommt und keine
Hgel, sondern kleine senkrechte Massen bildet, die Pfeilern oder
zerfallenen Gebuden gleichen.
Am ersten Mai. Die Indianer wollten lange vor Sonnenaufgang aufbrechen.$
und des Tuamini. Ja die Masse weien Wassers, die der
Cassiquiare hereinbringt, ndert unterhalb der Schanze San Carlos so wenig
an der Farbe, da es mir auffiel. Der Verfasser der _Chorographie moderne
du Brsil_ sagt ganz richtig, der Flu habe berall, wo er nicht tief sey,
eine Bernsteinfarbe, wo das Wasser aber sehr tief s`y, erscheine es
schwarzbraun, wie Kaffeesatz. Auch bedeutet *Curana*, wie die Eingeborenen
den untern Guainia nennen, schwarzes Wasser. Die Vereinigung des Guainia
oder Rio Negro mit dem Amazonenstrom gilt in der tatthalterschaft
Gran-Para fr ein so wichtiges Moment, da der Rio das Amazonas westlich
vom Rio Negro seinen Namen ablegt und fortan Rio dos Solimes heit
(eigentlich Sorimes, mit Anspielung auf das Gift der Nation der
Sorimans). Westlich von Ucayale nimmt der Amazonenstrom den Namen Rio
Maranhao oder Maraon an. Die Ufer des obern Guainia sind im Ganzen
ungleichweniger von Wasservgeln bevlkert als die des Cassiquiare, Meta
und Arauca, wo die Ornithologen die reichste $
ischen Aequator (in Peru) 211 mal
schwang, htte undter demselben Aequator auf dem Meridian der Philippinen
nur 202 oder 203 mal geschwungen. Dieser auffallende Unterschied ergibt
sich aus der Zusamenstellung meiner Beobachtungen der Intensitt in Santa
Cruz auf Teneriffa mit denen, die ROSSEL daselbst sieben Jahre frher
Die magnetischen Beobachtungen am Rio Negro sind unter allen, die auf
einem groen Festland bekannt geworden, die nchsten am magnetischen
Aequator. Sie dienten somit dazu, die Lage dieses Aequators zu bestimmen,
ber den ich weiter westwrts auf dem Kamm der Anden zwischen Micuipampa
und Caxamarca unter dem 7. Grad sdlicher Beite gegangen bin. Der
magnetische Parallel von San Caros (der von 22 60) luft durch Popayan
und in die Sdsee an einem Punkt (unter 3 12{~PRIME~} nrdlicher Breite und
89 36{~PRIME~} westlicher Lnge), wo ich so glcklich war, bei ganz stiller Luft
beobachten zu knnen.
                            ------------------
   64 Diese Jger gehren zu Militrposten und h$
er seine Beschwerden in der Lust, durch die
Erzaehlung von Dingen, die er als Thatsachen aufgenommen, durch lebendige
Schilderung des im Raum so weit Entrueckten, die Leute in Verwunderung zu
setzen Ja, diese _cuentos de viageros y frailes_ werden immer
unwahrscheinlicher, je weiter man von den Waeldern am Orinoco weg den
Kuesten zu kommt, wo die Weissen wohnen. Laesst man in Cumana, Nueva Barcelona
und in andern Seehaefen, die starken Verkehr mit den Missionen haben,
einigen Unglauben merken, so schliesst man einem den Mund mit den wenigen
Worten: "Die Patres haben es gesehen, aber weit ueber den grossen
Katarakten, _mos ariba de los Raudales._"
Jetzt, da wir ein so selten besuchtes, von denen, die es bereist, nur zum
Theil beschriebenes Land betreten, hae ich mehrere Gruende, meine
Reisebeschreibung auch ferner in der Form eines Tagebuchs fortzusetzen.
Der Leser unterscheidet dabei leichter, was ich selbst beobachtet, und was
ich nach den Aussagen der Missionaere und Indianer berichte; er begleitet
die Rci$
ann die Frage, die uns hier
beschaeftigt hat, ganz zur Entscheidung gebracht werden. Ist die
Erscheinung von der Beschaffenheit des Gesteins unabhaengig? Ich beschraenke
mich auf dieallgemeine Bemerkung, dass weder Granitmassen, die weit vom
alten Bett des Orinoco liegen, aber in der Regenzeit abwechselnd
befeuchtewt und von der Sonne erhitzt werden, noch der Granit, der von den
braeunlichen Wassern des Rio Negro bespuelt wird, aeusserlich den
Meteorsteinen aehnlich werden. Die Indianer sagen, "die Felsen seyen nur da
schwarz, wo das Wasser weiss ist." Sie sollten vielleicht weiter sagen: "wo
das Wasser eine grosse Geschwindigkeit erlangt hat und gegen das Gestein am
Ufer anprallt." Die Caementation scheint zu erklaeren, warum die Rinde so
duenn bleibt.
Ob deD in den Missionen am Orinoco herrschende Glaube, dass in der Naehe des
kahlen Gesteins, besonders der Felsmassen mit einer Rinde von Kohle,
Eisen- und Manganoxyd die Luft ungesund sey, grundlos ist, weiss ich nicht
zu sagen. In der heissen Zone werden n$
 zwar im jugendlichen Zustand
wie in der vollen Entwicklung; nur die Spitzen sind umgebogen. Es sind
wahre Federbuesche vom zartesten, frischesten Gruen. Der Cucurito, der Seje,
dessen Frucht der Aprikose gleicht, die _Oreodoxa regia_ oder _Palma real_
von er Insel Cuba und das _Ceroxylon_ der hohen Anden sind im Wuchs die
grossartigsten Palmen er neuen Welt. Je naeher man der gemaessigten Zone
kommt, desto mehr nehmen die Gewaechse dieser Familie an Groesse und
Schoenheit ab. Welch ein Unterschied zwischen den eben erwaehnten Arten und
der orientalischen Dattelpalme, die bei den europaeischen Landschaftsmalern
leider der Typus der Palmenfamilie geworden ist!
Es ist nicht zu verwundern, dass, wer nur das noerdliche Afrika, icilien
oder Murcia bereist hat, nicht begreifen kann, dass unter allen gro4sen
Baumgestalten die Gestalt der Palme die grossartigste und schoenste seyn
soll. Unzureichende Analogieen sind Schuld, dass sich der Europaeer keine
richtige Vorstellung vom Charakter der heissen Zone macht. Jeder$
n, kahlen Bodenstrecken wichtigen Erscheinungen
beobachtet, wie wir sie oben beim Raudal von Atures beschrieben. In der
Regenzeit schwemmt das Wasser Dammerde aus dem Granitgestein zusaFmmen,
dessen kahle Baenke wagerecht daliegen. Diese mit den schoensten,
wohlriechendsten Gewaechsen geschmueck.en Landeilande gleichen den mit
Blumen bedeckten Granitbloecken, weche die Alpenbewohner Jardins oder
Courtils nennen, und die in Savoyen mitten aus den Gletschern emporragen.
Mitten in den Katarakten auf ziemlich schwer zugaenglichen Klippen waechst
die Vanille. Bonpland hat ungemein gewuerzreiche und ausserordentlich lange
Schoten gebrochen.
An einem Platz, wo wir Tags zuvor gebadet hatten, am Fuss des Felsen
Manimi, schlugen die Indianer eine sieben und einen halben Fuss lange
Schlange todt, die wir mit Musse untersuchen konnten. Die Macos nannten sie
_Camudu_; der Ruecken hatte auf schoen gelbem Grunde theils schwarze, theils
braungruene Querstreifen, am Bauch waren die Streifen blau und bildeten
rautenfoermige F$
waeen.
Der RioVichada (Vichada), der bei seinem Zusammenfluss mit dem Orinoco
einen kleinen Raudal hat, schien mir nach dem Meta und dem Guaviare der
bedeutendste unter den aus Westen kommenden Fluessen. Seit vierzig Jahren
hat kein Europaeer den Vichada befahren. Ueber seine Quellen habe ich
nichts in Erfahrung bringen koennen; ich vermuthe sie mit denen des Tomo
auf den Ebenen suedwaerts von Casimena. Wenigstens ist wohl nicht
zweifelhaft, dass die fruehesten Missionen an den Ufern des Vichada von
Jesuiten aus den Missionen am Casanare gegruendet worden sind. Noch in
neuester Zeit sah man fluechtige Indianer von Santa Rosalia de C\abapuna,
einem Dorf am Meta, ueber den Rio Vichada an den Katarakt von Maypures
kommen, was darauf hinweist, dass die Quellen desselben nich sehr weit vom
Meta seyn koennen. Pater GUMILLA hat uns die Namen mehrerer deutscher und
spanischer Jesuiten aufbewahrt, die im Jahr 1734 an den jetzt oeden Ufern
des Vichada von der Hand der Caraiben als Opfer ihres religioesen Eifers
Nachde$
p.net
    Anmerkungen zur Transkription:
    Passagen, die im Original nicht in Fraktur gesetzt waren, sind
    mit + gekennzeihnet.
    Im Original gesperrt gesetzter Text ist mit _ gekennzeichnet.
    Der Text folgt in Schreibweise ud Zeichensetzung der Vorlage.
    Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.
    Die Lebensdten des Dichters Paul Scheerbart:
      8. Januar 1866 - 14. Oktober 1915
   werden in anderen Quellen (Wikipedia etc.) mit
      8. Januar 1863 - 15. Oktober 1915 angegeben.
    [Illustration: Detlev von Liliencron]
    Deutsche Lyrik seit Liliencron
           Herausgegeben von
              Hans Bethge
    [Illustration: Verlags-Signet]
          Hesse & Becker Verlag
                 Leipzig
    Einundsiebzigstes bis achtzigstes Tausend
            Mit zehn Bildnissen
    Einband- und Titelentwurf vom Graphiker P. Hartmann
    Druck und Einband von Hesse & Becker in Leipzig
Dieses Buch besitzt eine innere Einheit nicht. Es umfat die lyrische
Entwicklung von etwa vier Jahrzehnten$
 der geistigen Arbeit eines Unternehmers,
sondern in dem Zusammenwirken der Krfte des Gemeinlebens ihre Grundlage
Man wird sehen knnen, da durch Verwirklichung solcher sozialer Ideen, wie
sie hie dargestellt sind, Einrichtungen, die gegenwrtig bestehen, eine
vllig neue Bedeutung erhalten werden. Das Eigentum hrt auf, dasjenige zu
sein, was es bis jetzt gewesen ist. Und es wird nicht zurckgefhrt zu
einer berundenen Form, wie sie das Gemeineigentum darstellen wrde,
sondern es wird fortgefhrt zu etwas vllig Neuem. Die Gegenstnde des
Eigentums werden in den Flu des sozialen Lebens gebracht. Der einzelne
kann sie nicht aus seinem Privatinteresse heraus zum Schaden der
Allgemeinheit verwalten; aber auch die Allgemeinheit ird sie nicht zum
Schaden der einzelnen bureaukratisch verwalten knnen; sondern der
geeignete einzelne wird zu ihnen en Zugang finden, um durch sie der
Allgemeinheit dienen zu knnen.
Ein Sinn fr das Allgemeininteresse kann sich durch die Verwirklichung
solcher Impulse entwickeln, w$
r
die junge Ebba Dohna gekommen, Liebe erhob sich gegen Liebe, Himmel und
Erde rangen miteinander.
Grfin Mrta erzhlte ihr von der lebensgefhrlichen Reise, die der
junge Mann um ihretwillen gemacht hatte, und sie sagte ihr, da sie ihm
zum Lohn dafr die Hand ihrer Tochter versprochen habe.
Das junge Frulein Ebba war zu dieser Zeit so weit in Besserung, da
sie angekleidet auf einem Sofa la7. Sie war matt und bleich und noch
stiller als sonst.
Als sie diese Worte vernahm, erhob sie ihre braunen Augen klagend und
vorwurfsvoll zu der Mutter und sagte: Mutter, du hast mich einem
abgesetzten Pfarrer gegeben, einem, der sein Recht verscherz hat,
Gottes Diener zu sein, einem Manne, der ein Dieb und eMin Bettler gewesen
Aber Kind, wer hat dir denn das alles erzhlt? Ich glaubte, du ahntest
nichts davon.
Ich erfuhr es zufllig. Ich hrte deine Gste ber ihn reden -- es war
an demselben Tage, an dem ich erkrankte.
Aber Kind, so bedenke doch, da er dir das Leben gerettet hat!
Ich denke nur daran, da er m$
r Graf rief die junge Gr`fin herein und sagte ihr, da sie fortan
unter seiner utter stehen solle. Ach, welch eine Szene nun folgte! Eine
elendere Komdie ist wohl niemals in diesem der Trauer geweihten Hause
gespielt worden.
Viele bse Worte lie er sie hren. Er erhob die Hnde gen Himmel und
klagte Gott an, weil er es erlaubt hatte, da sein Name von einer
schamlosen Frau in den Schmutz geschleppt wurde. Er drohte ihr mit der
geballten Faust und fragte, welche Strafe sie gro genug fr ihr
Verbrechen halte.
Sie war gar nicht bange vor ihrem Mann. Sie glaubte noch immer, da sie
recht gehandelt habeI Sie sagte, sie habe schon einen schrecklichen
Schnupfen bekommen, das sei doch wohl Strafe genug.
Elisabeth! sagte Grfin Mrta, dies ist nichts, worber man scherzen
Wir beide, erwidert die junge Frau, haben uns nie darber einigen
knnen, wann es Zeit sei, zu scherzen oder ernsthaft zu sein.
Aber du mut doch begreifen knnen, Elisabeth, da keine ehrbare Frau
ihr Haus] mitten in der Nacht verlassen $
, das ich leben kann. Ich
brauche nicht kalt und sreng an seiner Seite zu gehen und ihn an Reue
und Bue zu mahnen. Armut und Not und strenge Arbeit werden das schon
zur Genge tun. Die Wege, die zu den Armen und Krfanken fhren, kann ich
ohne Snde wandeln. Ich frchte mich nicht mehr vor dem Leben hier oben
im Norden. Machen Sie ihn aber nicht reich, Frau Majorin, denn dann kann
ich nicht bei ihm bleiben.
Die Majorin richtete sich im Bette auf. Alles Glck verlangt Ihr fr
Euch, rief sie und drohte mit der geballten Faust, alles Glck un
allen Segen. Nein, die Kavaliere sollen Ekeby haben, damit sie zugrunde
gehen. Mann und Weib sollen voneinander getrennt werden, damit sie
zugrunde gehen. Eine Hexe, eine Zauberin bin ich, und ich will Euch zu
allem Bsen anstacheln. So wie mein Ruf ist, so will ich auch sein!
Sie nahm den Brief und schleuderte ihn Gsta ins Gesicht. Das schwarze
Papier flatterte zur Erde. Gsta kannte es sehr wohl.
Du hast dich gegen mich versndigt, Gsta. Du hast die verkannt, die$
Krise, in's Elend hineinbauen. Da der Zweck
einer neuen Anlage der Society angemeldet werden soll, knnen die
Unternehmungsverhl8nisse jederzeit Jedermann bekannt sein.
Ferner werden den Unternehmern die centralisirten Arbeitskrfte gewhrt.
Der Unternehmer wendet sich an die Dienstvermittlungs-Centrale, die
dafr voj ihm nur eine zur Selbsterhaltung erforderliche Gebhr einhebt.
Der Unternehmer telegraphirt: Ich brauche morgen fr drei Tage, drei
Wochen oder drei Monate fnfhundert Unskilleds. Morgentreffen bei
seiner landwirthschaftlichen oder industriellen Unternehmung die
gewnschten Fnfhundert ein, welche die Arbeitscentrale von da und dort,
wo sie eben verfgbar werden, zusammenzieht. Die Sachsengngerei wird da
aus dem Plumpen in eine sinnvolle Institution heeresmssig verfeinert.
Selbstverstndlich werden keine Arbeitssclaven geliefert, sondern nur
Siebenstundentgler, die ihre Organisation beibehalten, denen auch beim
Ortswechsel die Dienstzeit mit Chargen, Avanciren und Pensionirung
fortluft. De$
 in dem
Ferienheim nicht mehr Stefenson heien, sondern einen anderen Namen
'Setzen Sie sich', wird der Arzt antworten und Herrn Stefenson auf die
Bank neben der Haustr drcken.
'Holen Sie Ihre Lebensbeschreibung.'
Herr Stefenson gehorcht, und der Doktor beginnt zu lesen, was Herr
Stefenson in de Tagen einsamer Einkehr in sich selbst ber sein Leben
niedergeschrieben hat. 'Ich werde die Bltter mitnehmen', sagt der Doktor,
'und sie zu Haus noch einmal lesen, dann bkommen Sie Ihr Manuskript
zurck und knnen es selbst vernichten.' 'Das ist so hnlich wie bei
Lahmann', sagt Stefenson. 'Ja', nickte der Doktor, 'ich habe vieles von
Lahmann, der wieder vielesvon Prienitz und anderen hat. Wenn einer
hochkommen will, mu er immer auf die Schultern anderer steigen.'
Der Arzt unterhlt sich nun lange mit Mister Stefenson und erklrt ihm
auch, warum er im Ferienheim des Lebens seinen Namen ablegen soll. 'Sie
sind hier nicht Mister Stefenson, Sie sind irgendein Mensch, der - sagen
wir - John heit; dieser John hat $
angsam aus, ob die (oder der), so auf dem
Felsen gedudelt hat, nicht auch mancherlei Schwchen haben mge, und wird
die Frage ein wenig zhneklappernd bejaht, so frage ich langsam weiter,
bis sich ergibt, da die (oder der), so auf dem Felsen gedudelt hat,
eigentlich minderwertig, hingegen der (oder die), so in dem Kahn umkippte,
wesentlich wertvoller sei, weshalb die ganze Unglcksfahrt eine Torheit
gewesen, nach welcher man klger# geworden und gottlob ans feste Land und
in trockene Kleider gekommen sei.
In den meisten Fllen hilft meine Methode; sie fhrt durch das Tlein:
"Er ist es nicht wert, da ich mich opfere", in den Garten der Gesundung.
Einige Flle sind hoffnungslos oder doch so schwerer Art, da immer nur
auf die Zeit gerechnet werden kann, die ihren langen Geduldfaden spinnt.
Die stehen dann wie verloren und verzrnt in dem lustigen Ferienheim vom
Ich, werden zuerst auf einsame Posten geschickt, wo ihnen kein lauter Ton
wehe tut, aber wo eine kleine feste P5flicht sie aufecht hlt, und
steigen,$
aus der luftarmen Hhe eisigen Denkens
ist durch einen Dackel ertrotzt.
Gut so - in den Ferien vom Ich!
Oder ein Misanthrop. Sitzt der da in dem ganzen Katzenjammer seines
elenden Weltschmerzes, und sein Dachshund setzt sich ihm gegenber mit der
ungeheuerlichen Leidensmiene seiner durchtriebenen Viehvisage: die Stirn
in hundert Runzeln, die Ohren hngend, den Schwanz melancholisch
eingeklemmt, die Augen verdreht und die Stimme leise jaulend, wimmernd,
sthnend, so wird der Misanthrop dieses Jammerbild nicht lange ertragen,
mit dem Vieh auf die Strae flchten und sich nicht schlecht wundern, da
der scheinheilige Jmmerling pltzlich wie ein Berserker derLebenslust
umherrast. Etwas abfrben wird es schon. Das nchste Mal, wenn er und der
Dachs so trbselig einander gegenbersitzen, wird sich dr Misanthrop
selbst nicht recht trauen und auf die Strae gehen.
Der alten Jungfer, die sich ihr Leben lang nach einem Manne gesehnt und
keinen bekommen hat, verordne ich einen Dackel. Dann hat sie endlich den
ersehn$
auer hinterlassen hatten. Ohne auf mich zu achten, ging der Beamte
in den Hausflur hinaus, in den eben der lange Ignaz eingetreten war, trat
auf den Knecht zu und sagte:
"Josef Wiczorek, ich verhafte Sie im Namen des Gesetzes!"
Die Umstehenden starrten den Sprecher an.
"Was wollen Sie, Herr Steitner?" fragte der Bauer Barthel erschrocken.
"Ich heie nicht Steiner, ich bin Geheimpolizist und habe meine
Legitimation in der Tasche. Ich bitte, da mir Gelegenheit gegeben wird,
den verhafteten Josef Wiczorek, der sich hier unter dem Namen Ignaz Scholz
aufgehalten hat, sofort nach dem Amtsgerichtsgefngnis in Waltersburg zu
transportieren."
Josef Wiczoreks Augen verglasten sich. Ein kurzes Grunzen - und pltzlich
schlug er mit beiden Fusten um sich, machte sich Platz und verschwand
blitzschnell im dunklen Hofe.
"Haltet ihn!" rief der Polizeimann; "er ist ein lange gesuchter
Raubmrder!"
Wir schrien alle, wir rannten. Ich stie mit Barthel zusammen und machte
meinem Grimme Luft.
"Barthel, das haben wir Ihnen zu v$
r zu mir. Suchen seine AugPn die
kleine, feine Frau, die sonst so of-t zu ihm hinbertrumte?
Sie ist in weiter Ferne, bei dem, den ihre Sehnsucht suchte in all den
alten Tagen. Das Haus ist leer. Ich sehe mich in der groen Stube um, und
es ist mir auf einmal bange zumute wie einem Kinde, das nach Hause
gekommen ist, wenn Vater und Mutter nicht da sind. So schliee ich das
Fenster. Unschlssig bleibe ich noch ein Weilchen stehen, dann ziehe ich
die Uhr auf, fhle noch einmal an den Ofen. Endlich lsche ich die Lampe
aus und tappe die Treppe hinab ...
Ich habe jetzt groe Ferien vom Ich. Mutter und Bruder sind fort, der
Freund mit der Frau fort, die ich geliebt habe, auch Methusalem und die
anderen lustigen Kuze verschwinden bald wieder. Ich stehe ganz frei und
ganz allein auf dem Marktplatz von Waltersburg. Schlielich ist der alte
Baptista jetzt nochmein einziger, stndiger Freund hierzulande.
Ob die anderen wiederkehren werden? Wer kann es wissen? Wie lange die
stille Frau auf der Heimwehfluh sich noch $
wie auf Kommando miq einem Hieb. Man schrie den Lehrer an, er
muesse sich taeuschen. Deraber sass mit der Wuerde eines Mannes, der von der
Unverletzlichkeit und Beweiskraft der Zahl ueberzeugt ist. Sein ganzes
Wesen sagte: meine Rechnung stimmt.
Da wurde zunaechst eine grosse Stille.|Dann sagte einer: "Wenn das wahr ist,
sind die Kerle grosse Gauner; 1000 Mark haben sie fuer den Morgen gegeben,
12 000 Mark verlangen sie."
Schweigen. Nach fuenf Minuten griff Amtsrichter Knopf die letztgenannten
Ziffern auf und sagte:
"Sie arbeiten mit elf Prozent."
"Elf rozent gibt ja das Gesetz nicht zu", bemerkte der
Erbscholtiseibesitzer Hirsemann mit einem Blick auf den Amtsrichter.
Der schuettelte den Kopf, was in diesem Falle "ja" und "nein" heissen
konnte. Da ergriff der Lehrer Herder wieder das Wort und sagte:
"Entschuldigen die Herren, wenn man mit 1000 Mark kauft und mit 12 000
Mark verkauft, so sind das nicht elf Prozent, sondern elfhundert Prozent
Sie starrten ihn alle an wie leblos. Nur Baeckermeister Schiebulke,$
eln,
wenn er eine Wurst gestohlen hat, und wenn auch das zu schwer ist,
aufpassen, ob in den Nistkaesten Sperlinge oder Stare wohnen.
                                    *
An die Bauernhoefe knuepfe ich meine groesste Hoffnung. Ich moechte die in
glizernde, entnervende Ferne Gewanderten zum Erdduft und zur Einfachheit
wenigstens in Ferienwochen heimfuehren. Es soll und es muss gelingen. Alle,
die einmal Ferien vom Ich machen, die ?ls neue, als ganz andere Menschen,
losgeloest voEn allem, was sie drueckte und knickte, auf einige selige Wochen
zum Ausgangspunkte, zum Mutterschoss unseres Kulturlebens zurueckkehrten,
zum Bauern-, Hirten- und Fischerleben - sie muessen mit gesuenderem Herzblut
in ihr Leben zurueckkehren, sie muessen mehr gewinnen ays durch
Mineralwasser und Baederzerstreuung.
Die Hirten, Fischer und Jaeger vergesse ich neben den Bauern nicht. Wenn da
einer kommt, der vor dem Revolver stand, weil er ueberreizt war, der soll
oben an der Ginsterheide die Kuehe hueten. Den ganzen Tag wird er aufmerks$
ebildet, fuer Unternehmungen, die nicht
weniger originell als die Petroleumgeschichte gewesen seien. So sei
Stefenson nach und nach zu einem gewissen Vermoegen gekommen. Da aber die
engherzigen ameri'anischen Richter oefters an Herrn Stefensons
Geschaeftsusancen Anstoss genommen und es dem sonst ganz anspruchslosen
Manne trotz der geradezu luxurioesen Ausstattung der amerikanischen
Gefaengnisse in diesen gar nicht gefallen habe, so sei er auf den Einfall
gekommen, sein Wirkungsfeld voruebergehend mal nach Deutschland zu
verlegen, und seine Wahl sei auf Waltersburg gefallen, die Stadt, die das
weisse Lamm im gruenen Felde in ihrem Wappen fuehre.
Als ich desen Artikel gelesen hatte, geriet ich in grosse Aufregung.
Stefenson verstand mich nicht.
"Es ist wahr", sagte er; "der Artikel koennte farbenr{eicher gehalten sein,
die Geschehnisse sind etwas nuechtern gegeben, aber, mein Lieber, der
heutige Geschmack verpoent das Allzukrasse. Ich finde den Artikel
ausgezeichnet, viel, viel besser als den, der neulich ueb$
as Leben komme ihm so eklig
und wertlos vor wie ein alter schmutziger Kupferdreier, fuer den man keine
Zwiebel mehr zu kaufen kriegt. Er gebe sich ganz in meine Hand, wolle alle
Arbeit tun und bitte, mit ihm recht rauh zu verfahren; es sei ihm immer am
wohlsten gewesen, wenn ihm gelegentlich mal sein hoher Bruder, Landesherr
und Familienoberhaupt, ein paar Ohrfeigen angeboten habe. Dann habe er auf
Sekunden das Gefuehl gehabt, dass er und sein Leben noch ernst genommen
werden koennen. Heissen wolle er Max Piesecke. -
"Also, lieber Piesecke", sagte ich in der Sprechstunde zu ihm; "dass Sie
en grosser Lumpenkerl sind, wissen Sie und brauche ich Ihnen nicht erst zu
sagen. Hoechstwahrscheinlich laesst sich mit Ihnen nichts mer anfangen.
Erschiesen werden Sie sich nicht, dazu fehlt Ihnen die Courage. Aber
miserabel zugrunde gehen werden Sie! Es wird weh tun, Piesecke; Sie werd0n
die Waende auskratzen, ehe Sie hin sind! Aber, Piesecke, sehen Sie - ich
glaube, ungefaellig sind Sie nicht. Sie haben auch noch Sinn fue$
essen. Die Arbeit verteilt Vater
Barthel. Gottfried glaubt, der Bauer habe etwas gegen ihn. Jedenfalls -
das steht fest - dieser Methusalem wird immer bevorzugt. Ist's schoen und
warm, dass er auf dem Kartoffelfelde Allotria m1t dem Weibsvolk treiben
kann geht er hinaus; regnet es und blaest der Wind, wird er zu haeuslichen
Arbeiten verwandt. Alles Protektion auf der Welt! Herr Amtsgerichtsrat Dr.
- nein, Gottfried Stumpe, haette nie gedacht, es noetig zu haben, sich um
das besondere Wohlwollen eines Bauern Barthel oder einer Frau Susanne
bemuehen zu muessen. Er verschmaeht auch alle Liebedienerei, um sich
Verguenstigungen zu verschaffen. Dieser Methusalem - er ist ja sonst ein
netter Kerl - ist schon fuenf Monate hier, aber eigentlich ein Kriecher;
denn er soll Frau Susanne auf einem Schaffboden in einer fabelhaft
geschmeichelten Weie portraetiert haben, dass er, trotz gelegentlicher
Anrempelung, lieb Kind im Hause ist und bleibt. Denn Susannes Bild haengt
jetzt in einer Muenchener Ausstellung; das schmeic$
s Stroh seines Waegelchens gebettet und sie mit einer Pferdedecke
Ich liess die Bewusstlose nach einem unserer Krankenzimmer am "Stillen Weg"
schaffen und Dr. Michael rufen. Ihn verstaendigte ich ueber das
Vorgefallene, und wir begannen sofort unsere aerztlichen Massnahmen. Wir
verhehlten uns beide nicht, dass wir vor einer sehrT ernsten Aufgabe
standen. Saemtlihe Maenner, die um das traurige Vorkommnis wussten, auch der
Bauer, gelobten Stillschweigen.
Ich blieb fast den ganzen Vormittag bei der Kranken. Gegen zehn Uhr schlug
sie die Augen auf. Sie laechelte mich an, ohne dass sie bei klarer Besinnung
war, und sagte:
"Der heilige Johannes hat mich getauft; nun bin ich rein von Suenden!"
Die Augen fielen wieder zu, oeffneten sich aber bald aufs neue.
"Ich habe Luise gefunden. Als ich ganz muede war und af die Strasse fiel,
ist sie zu mir gekommen."
Dann wieder tiefe Bewusstlosigkeit.
Gegen Mittag liess sich meine Mutter bei mir melden. Sie war sehr blass und
rang die Haendchen ineinander.
"Um Gottes illen, w$
egie zu nehmen.
Trotz meines hohen Aters will ich die Aufgabe uebernehmen. (Notabene: Was
sagen Sie als Mediziner dazu, dass ich mit neunhundertachtundneunzig und
dreiviertel Jahren noch einen Weisheitszahn kriege?) Also uebernehmen! Die
bewilligten Mittel sind generoes. Man koennte damit alleEinwohner eines
deutschen Helzogtums drei Tage lang freihalten. Ich werde mit einem
Bruchteil des Geldes auskommen, und das Fest wird dennoch glaenzend sein.
Mein Freund Emmerich, bekanntlich Gesanglehrer an einer Taubstummenanstalt
und auch sonst ein beruehmter Musiker, uebernimmt den musikalischen Teil.
Das Fest soll am ersten Weihnachtsfeiertag im Rahmen eines grossen
deutschen Weihnachts- und Weihespieles stattfinden. Es ist allerhoechst
Zeit, mit den Vorbereitungen zu beginnen. Erwarten Sie mich also schon
morgen; sagen Sie Frau Susanne, dass ich vor Sehnsucht nach ihr brenne,
durch welch schoene Redewendung sie erinnert sein soll, mein Zimmer gut zu
heizen, und bewegen Sie Freund Piesecke, in den intimeren Festau$
urch st unsere ganze Welt
    In ein hher Ansehen gestellt
    Und jeder Mensch in seinem Bereich
    Schier einer kleinen Gottheit gleich.
    Da er in seinem Machtbezirk
    Gar viel hervorbring und bewirk.
    Gar vieles zieht er sich herbei
    Und ohn viel Aufsehen und Geschrei,
    Beherrscht er abertausend Hnd,
    Ist allerwegen ein Regent.
    Da ist kein Ding zu hoch noch fest,
    Das sich um Geld nicht kaufen lt.
    Du kaufst das Land mitsamt dem Knecht
    Ja, von des Kaisers verbrieftem Recht
    Das alle Zeit unschtzbar ist
    Und eingesetzt von Jesu Christ
    Davon ist ein gerechtsam Teil
    Fr Geld halt allerwegOn feil,
    Darber wei ich keine Gewalt,
    Vor der mu jeglicher sich neigen
    Und mu die Reverenz bezeigen
    Dem, was ich da in Hnden halt.
SCHULDKNECHTS WEIB:
    Du bist in Teufels Lob nit faul,
    Wie zu der Predigt geht dein Maul.
    Gibst da dem Mammonsbeutel Ehr,
    Als obs das Tabernakel wr.
    Ich gebe Ehr, wem Ehr gehr,
    Und lster nicht o ic$
er, la dich allein
   Ganz blo und nackt in Not und Pein.
    Ist alls um nichts dein Handausrecken
    Und hilft kein Knirschen und Zhneblcken,
    Fhrst in die Gruben nackt und blo,
    So wie du kamst aus Mutter Scho.
(_Bckt sich, die Truhe springt zu._)
(_Jedermann ohne Sprache, eine lange Stille._)
(_Werke wird sichtbar, einer Kranken gleich, auf einem elenden Lager
gebettet, richtet sich halbf auf und ruft mit schwacher Stimme_):
    Jedermann!
(_Jedermann hrt nicht._)
              Jedermann, hrst mich nicht?
(_vor sich_):
    Ist als wenn eins gerufen htt,
    Die Stimme war schwach und doch recht klar,
    Hilf Gott, da es nit meine Mutter war.
    Ist gar ein alt, gebrechlich Weib,
    Mcht, da der Anblick erspart ihr bleib.
    O nur so viel erbarm dich men,
    La das nit meine Mutter sein!
    Jedermann!
    Seis wer da will, hab itzt nit Mu
    Fr irdisch Hndel und Verdru.
    Hrst mich nit, Jedermann?
                              Ist ein krank Weib,
    Was kmmerts mich$
 Flammen.
  Kranke kreischen im Spitale.
  Blulich schwirrt der Nacht Gefieder.
  Glitzernd braust mit einem Male
  Regen auf die Dcher nieder.
GEISTLICHES LIED
  Zeichen, seltne Stickerei'n
  Malt ein flatternd Blumenbeet.
  Gottes blauer Odem weht
  In den Gartensaal herein,
  Heiter ein.
  Ragt ein Kreuz im wilden Wein.
  Hr' im Dorf sich viele freun,
  Grtner an der Mauer mht,
  Leise ene Orgel geht,
  Mischet Klang und goldenen Schein,
  Klang und Schein.
  Liebe segnet Brot und Wein.
  Mdchen kommen auch herein
  Und der Hahn zum letzten krht.
  Sacht ein morsches Gitt_r geht
  Und in Rosen Kranz und Reihn,
  Rosenreihn
  Ruht Maria wei und fein.
  Bettler dort am alten Stein
  Scheint verstorben im Gebet,
  Sanft ein Hirt vom Hgel geht
  Und ein Engel singt im Hain,
 Nah im Hain
  Kinder in den Schlaf hinein.
KLEINES KONZERT
IM ROTEN LAUBWERK VOLL GITARREN
  Im roten Laubwerk voll Gitarren
  Der Mdchen gelbe Haare wehen
  Am Zaun, wo Sonnenblumen stehen.
  Durch Wolken fYrt ein goldner Karre$
Dunkles zeigt im Schreiten
  Sich oft an Mauern, die im Herbste stehn,
  Gestalten: Mann wie Weib, Verstorbene gehn
  In khlen Stuben jener Bett bereiten.
  Hier spielen Knaben. Schwere Schatten breiten
  Sich ber braune Jauche. Mgde gehn
  Durch feuchte Blue und bisweilen ehn
  Aus Augen sie, erfllt von Nachtgeluten.
  Fr Einsames ist eine Schenke da;
  Das sumt geduldig unter dunklen Bogen,
  Von goldenem Tabaksgewlk umzogen.
  Doc immer ist das Eigne schwarz und nah.
  Der Trunkne sinnt im Schatten alter Bogen
  Den wilden Vgeln nach, die ferngezogen.
ROSENKRANZLIEDER
An die Schwester
  Wo du gehst wird Herbst und Abend,
  Blaues Wild, das unter Bumen tnt,
  Einsamer Weiher am Abend.
  Leise der Flug der Vgel tnt,
  Die Schwermut ber deinen Augenbogen.
  Dein schmales Lcheln tnt.
  Gott hat deine Lider verbogen.
  Sterne suchen nachts, Karfreitagskind,
  Deinen S>tirnenbogen.
Nhe des Todes
  O der Abend, der in die finsteren Drfer der Kindheit geht.
  Der Weiher unter den Weiden
  Fllt$
 als das wenige Geld fr Arzt und Kost darauf
gegangen, blieb nicht genug Passage zu bezahlen. Auch htte sie nicht so
unvorbereitet des Vaters Haus betreten mgen -- oh ihr schauderte selbst
jetzt vor dem Schritt. -- Und wie die Nachbarinnen flstern und lachen
wrden ber die heimgeschickte _reiche_ Amerikanerin; wie sie ihr erst
das vermeintliche Glck misgnnt, so war ihr jetzt ihr Spott und Hohn
Sie schrieb den Brief -- mute sie nicht auch des armen Loenwerders
Ehre retten, der an der Kirchhofsmauer verachtet und ungerecht
verdchtigt schlief? lieber Gott, es war das Wenigste was sie thun
konnte,nden Schatten des moralisch und physisch Gemordeten zu vershnen.
Da ihr Vater dann weiter auch fr die Schwester sorgen wrde, die mit
dem Bruder ja die einzige Sttze verloren hatte in der weiten Welt,
konnte sie ruhig dem guten treuen Herzen desselben erlassen.
Das Geld, das er ihr schicken wrde, die Heimfahrt fr sich und Hedwig
zu bestreiten, hatte sie ihn gebeten, unter Hedwigs Namen, #poste
restan$
ebel Kelaya
angekommen, von wo an die Kste bis Dschidda immer niedriger und flacher
wird. Es war zur Zeit dr Dmmerung. Im Norden stand, eine Seltenheit,
ein kleines, schleierartiges Wlkchen am Himmel, welches Abu Sef sehr
besorgt betrachtete. Die Nacht brach herein, und ich mute unter Deck
gehen. Da war es jetzt schwler noch als gewhnlich, und diese Schwle
steigerte sich von Viertelstunde zu Viertelstunde. Ich war um
Mitternacht noch nicht eingeschlafen. Da hrte ich von fern her ein
dumnpfes Brausen, Donnern und Rollen, welches mit Sturmeseile nher kam
und unser Schiff erfate. Ich fhlte, da es mit dem Vorderteile tief in
die Fluten tauchte, sich aber wieder erhob und dan mit verdoppelter
Geschwindigkeit dahinscho. Es chzte und sthnte in allen Fugen. Die
Mastenfe krachten in ihrer Verkeilung, und auf dem Decke rannte die
Bemann0ung unter ngstlichen Rufen, Jammern und Beten hin und her.
Dazwischen hinein tnten die lauten, besonnenen Kommandorufe des
Fhrers. Es war auch notwendig, da dies$
   *       *
Minna, flsterte der Wrter wie aus einem Traum erwacht und ging nach
seiner Bude zurck. Nachdem er sich einen dnnen Kaffee aufgebrht, lie
er sich nieder und starrte, von Zeit zu Zeit einen Schluck zu sich
nehmend auf ein schmutziges Stck Zeitungspapier, das er irgendwo an
der Strecke aufgelesen.
Nach und nach berkam ihn eine seltsame Unruhe. Er schob es auf die
Backofenglut, welche das Stbchen erfllte, und ri Rock und Weste auf,
um sich zu erleichtern. Wie ds nichts alf, erhob er sich, nahm einen
Spaten aus der Ecke und begab sich auf das geschenkte ckerchen.
Es war ein schmaler Streifen Sandes, von Unkraut dicht berwuchert. Wie
schneeweier Schaum lag die junge Bltenpracht auf den Zweigen der
beiden Zwergobstbumchen, welche darauf standen.
Thiel wurde ruhig und ein stilles Wohlgefallen beschlich ihn.
Nun also an die Arbeit.
Der Spaten schnitt knirschend in das Erdreich; die nassen Schollen
fielen dumpf zurck und brckelten auseinander.
Eine Zeitlang grub er ohne Unterbrechung.$
 das blasse
Mondlicht in einzelnen Flecken aufsogen.
Thiel ri die Mtze vom Kopfe. Der Regen tat ihm wohl und lief vermischt
mit Trnen ber sein Gesicht. Es grte in seinem Hirn; unklare
Erinnerungen an das, was er im Traum gesehen, verjagten einander. Es war
ihm gewesen, als wrde Tobias von jemand mihandelt und zwar auf eine so
entsetzliche Weise, da ihm noch jetzt bei dem Gedanken daran das Herz
stille stand. Einer anderen Erscheinung erinnerte er sich deutlicher. Er
hatte seine verstorbene Frau gesehen. Sie war irgendwoher aus der Ferne
gekommen, auf einem der Bahngeleise. Sie hatte recht krnklich
ausgesehen und statt der Kleider hatte sie Lumpen getragen. Siewar an
Thiels Huschen vorbergekommen, ohne sich danach umzuschauen und
schlielich -- hier wurde die Erinnerung undeutlich -- war sie aus
irgend welchem Grunde nur mit groer Mhe vorwrts gekommen und sogar
7mehrmals zusammengebrochen.
Thiel dachte weiter nach, und nun wute er, da sie sich auf der Flucht
befunden hatte. Es lag auer alle$
Vgel. Er schlo die Augen,
er gab sich ganz hin.----
Dabei stieg ihm der Traum der Nacht auf: eine fremde Stimmung zuerst,
ein Herzklopfen, eine Gehobenheit, die eine Vorstellung mitbrachte, ber
deren Ursprung er grbeln mute. Endlich kam die Erinnerung--: zw0schen
Tag und Abend. Eine endlose, staubige, italienische Landstrae, noch
erhitzt, flimmernde Wrme ausstrmend. Landleute kommen vom elde,
braun, bunt, zerlumpt. Mnner, Weiber und Kinder mit schwarzen,
stechenden und glaubenskranken Augen. rmliche Htten schrg drben.
er sie her einfltiges, katholisches Aveglockengebimmel. Er selbst
bestaubt, mde, hungernd, drstend. Er schreitet langsam, die Leute
knien am Wegrand, sie falten die Hnde, sie betes ihn an. Ihm ist weich,
ihm ist gro.
Er lag und hing an dem Bilde. Fieber, Wollust, gttliche Hoheitsschauer
whlten in ihm. Er erhob sich Gott gleich.
Nun war er bestrzt, als er die Augen auftat. Wie eine Sule aus Wasser
brach es zusammen und verrann.
Sich selbst fragend und zur Rede stellend, $
, e en sie danne eclipsis lune, da er mane
elliu zit volschinic sie, swie ioch wise liute sprechint da der
mane gebrestenlich lieht habe von eime manade an den anderen.
unde sprichet denne ieman wie mac dirre meister danne war
gehaben, sit man wol sihet da der mane etwenne crumb ist, also
[Bild8a], etwenne halb, also [Bild8b], etwenne vol, also
[Bild8c], de entwurt ich dir. Der mane ist allezit halb
lieht, halb vinster. wonde denne der mane niderer ist denne die
sunne, so er denne enzundet wirt unde bi der sunnen gat, so ist
er obene lieht unde unden vinster. so er denne hineba kumet von
der sunnen, so sehen wir nuwan den halben schin. so er denne
aller verrest cumet, so sehen wir den vollen schin, unde ist
andert-(299c.)halb vinster. also ist der mane an dem teile
volles lichtes[83], da gein der sunnen ist gerihtet, unde an
dem andern teile ist er vinster. unde so der mane uns niht
enschinet, so er enzundet wirt, so sprichit man im coniunctio.
undedie namen het der mane nah einander, also du k$
eit, zu ruhen und trumen, statt im Norden oben
den Fischen aufzulauern und seinen Rumpf zu fllen.
Di?ht unter seinen Krahnen gleiten wir hin, und feier dehnt sich die
Bai hier vor uns aus. -- Siehst Du da drben die kleine Palmen
bewachsene Insel, links der Einfahrt zu? -- ~Motuuta~ ist's, der
Knigssitz der Pomaren, der stille Zeuge ihrer frheren Maht und
huslichen Glckseligkeit. -- Vorbei; so ist die Zeit der Pomaren,
vorbei; ihre Macht ist zum Spott geworden zwischen Englndern und
Franzosen; zum Spiel, um das beide Nationen vielleicht mit
Kanonenkugeln wrfeln, oder es auch dem einen Gegner, als nicht derbMhe werth des Streits, freiwillig berlassen.
Weiter -- aus den dunklen Schiffen heraus, deren dstere Rumpfe lange
Schatten werfen, und das weiche Mondlicht um sich her einzusaugen
scheinen, gleiten wir vor. Funken sprhend ordentlich in der
elektrischen Fluth, schieen wir dahin, das leichte Ruder den
scharfgebauten Kahn fast ber die Welle hebend die ihn trgt. Da
drben liegt der Strand -- we$
nd ab lavirt, bis ich mich eben
bereit machte die Nacht unter Gottes freiem Himmel zuzubringen, als
ich noch zum guten Glck Euer freundliches Licht durch die Bsche
schimmern sah, und nun vor dem Wind Cours halten konnte, bis ich das
leise Pfeifen des Burschen da hrte, der mich noch immer so verstrt
und mitrauisch ansieht, als ob ich ihm alle Augenblicke wieder davon
laufen wolle. Hab' keine Angst, mein Junge, der Brandy ist
vortrefflich, und hier sucht mich doch kein Teufel, wenigstens nicht
bis es Tag wird, und man sich nicht mehr in den stachlichen
Orangengebschen die Fetzen vom Leib, ja die Haut von den Knochen
Du bist desertirt? frug O'Flannagan rasch.
Desertirt? schrie die Alte, von ihrem Sitz aufspringend -- und
halt' ich ein Versteck hier, fr entlaufene Matrosen? was wollt Ihr da
hier? -- weshalb seid Ihr _hier_hergekommen?
Pst, pst Alte, suchte sie Jack aber wieder zu beruhigen, und die
F?lasche vorher noch einmal gegen das Licht haltend, tat er einen
zweiten Zug, der eben nicht viel $
ra genaht: in dem Hauche des Unholds
  Ward ihr Busen emprt, und alsbald rief sie verhhend:
  Ha! welch' Wunder geschah? Schon heut erfreuen die Bhmen
  Sich der Eroberung Drosendorfs, der mchtige Festung,
  Nach den Tagen unendlichen Mh'ns? O, schndliche Thorheit
  War es: vor ihr die goldene Zeit zu vergeuden -- zu harren,
  Bis der klgere Feind, noch arm an Kriegern und Waffen,
  Sich verstrket', und euch des Eisens Spitze wohl biethet!
  Schnell, mit wrgender Hand euch bahnend den Weg in die Hauptstadt,
  Mutet ihr folgen der Stimme des Ruhms, und dem dringenden Aufruf
  Rdiger Waldrams[5] dort, des muthigen Meisters der Brger,
  Der nun bald, ein schmhliches Opfer, dem Feinde verrathen,
  Fllt durch euere Schuld, durch eure Verblendung, und Feigheit.
  Siehe, da grins'te vor Lust Drahomira den Helden in's Antlitz;
  Doch jetzt fuhren empor von dem Sitz die Versammelten alle;
  Ballten die Faust vor Zorn, und wollten enteilen: nur einer,
  Milota, regte sich nicht, und lchelt' unheiml$
en Pfaden.
  Hoch erhebt er den Ruhm von Oestreich: khn auf dem Schlachtfeld,
  Weis' im Rath; ein Liedergewaltiger, Held, und Beherrscher.
    Aber ihm folgt, o Habsburgs Stolz, sein grerer Enkel!
  Sein Zeitalter leuch2et in wunderherrlichem Glanz' auf.
  Jugendlich regt sich die Erd', und treibt den erfreuenden Keim schon
  Jedes Groen und Schnen hervor. Erhaben Geister
  Wandeln auf ihr zum Ziel -- der Hchst' er unter den Hohen!
  Ha, wie wrdig er herrscht, wie kraftvoll! Fern in die Zukunft
  Schaut sein Blick: er sinnt auf Deutschlands Gre durch Einung,
  Auf Hispania's tMacht, und Italia's, da er die Rettung
  Schaffe dem Christenvolk g'en wildemprter Osmanen
  Allverheerende Wuth, die er tapfer bekmpft, und besieget.
  Auch jenseits dem unendlichen Meer' erbeben die Vlker
  Seiner Gewalt: nie geh die freundlichleuchtende Sonne
  Unter in seines umuferten Reichs endlosen Bezirken.
  Also die alt' und die jngere Welt im Segen zu einen,
  Strebt sein hohes Gemth. Wie dunkel die Wege de$
erkwrdige _Seelenmesse_ auffhren. Der groe Ruf
dieses Meisterstckes und der Wunsch, die Waisen zu untersttzen, zog
ein zahlreiches Publikum hin, und man mu es den edlen Freunden der
Kunst in Wien zum Ruhme nachsagen, da dieselben auch nach 17Jahren
noch gegen den Mozartischen Namen nicht gleichgltig geworden sind. In
allen musikalischen Akademien, die der Wittwe zu ihrem Besten
zugestanden werden, ist das Haus voll, und die Einnahme gut.
Aber die Gromuth des sel. Kaisers _Leopold_, dieses
menschenfreundlichen, fr die Wissenschaften und Kste so frh
enBtrissenen Monarchen, bertraf alles, was bisher der Wittwe zum Besten
Mozarts Feinde und Verlumder wurden besonders gegen sein Ende, und nach
seinem Tode so boshaft, so laut, da bis zu dem Ohre des Monarchen
manche nachtheilige Sage von Mozart gedrungen war. Diese Ausstreuungen
und Lgen waren so unverschmt, so emprend, da der Monarch, von
Niemanden des Gegentheiles belehrt, sehr entrstet war. Nebst einer
schndlichen Erdichtung und Vergrer$
fer fr Deutschlands Freiheit ihr Leben dem Vatsrlande zu
opfern, whrend der Allwaltende ihr darin ihren Gatten zum
Stellvertreter setzte.--
Der Zweck dieses Schriftchens ist, Fichte zu zeigen, wie er war,
vorzglich in den Beziehungen zu seiner Familie: bei der Offenheit
seines Herzens verbindet sich dem reinsten Wohlwollen auch hier die bei
ihm berall durchschlgende Ehrlichkeit und Entschiedenheit des Willens.
Es ist die Art edler Charaktere, da sie uns um so mehr anziehen, je
nher wir ihnen treten. Schon in meiner Studienzeit in Leipzig hatte
ich, veranlat durch eine mir bertragene Bearbeitung der Fichte'schen
Philosophie in Herrn Professor Dr. Weie's philosophischer Gesellschaft,
Fichte's Geist in seiner Strke und Gre bewundern mssen; je mehr ich
ihn kennen lernte, desto mehr lernte ich ihn auch lieben. Ich hoffe,
auch Andere werden diese Erfahrung an sich machen. Eine glckliche
Fgung verstattet mir, gegenwrtigen kleinen Beitrag zur Verherrlichung
seines ndenkens zu liefern und so ihm mei$
nte,
  den Sohn nach einer langen, mhsamen Vorbereitung zur Erfassung
  einer geordneten, den nthigen Lebensunterhalt sicher eintragenden
  Berufsthtigkeit drngen zu mssen. Ihr Verhltni zu den brigen
  Kindern ist aus den vorliegenden Quellen natrlich nicht so deutlich
  erkennbar, und jedenfalls bemhaupt minder klar durchgebildet gewesen.
  Wir haben hier ganze, volle, markige Menschen vor uns, die in einen,
  wir knnen wohl sagen echt tragischen, Conflict kommen, weil sie nicht
  blos jeder nach seinerCMeinung, sondern auch jeder in seiner Weise
  Recht haben, so aber, da nach allgemeineren, freieren Gesichtspunkten
  wiederum jedem auch ein gewisses, mehr oder minder groes Unrecht
  anhaftet, weil er seinen eigenen, individuellen Standpunkt zum
  absoluten, allein berechtigten machen und dem des Andern nicht auch
  eine theilweise Berechtigung zugesehen will. Tragisch ist dieser
  Conflict, weil er der Idee nach, welche die Harmonie und den Frieden
  fordert, nicht bestehen sollte, und weil $
ren ganz sinken, denn schon jezt hat der Kaiser
von Ruland alle seine hier studirenden Unterthanen, deren Anzahl sich
bis in die 80. belief, zurkberufen, und es ist zu frchten, da andere
Regierungen diesem Beispiele folgen.
Wenn einer von euch etwas vom Landbadue verstnde, so wrde ich ihn zu
mir nehmen und mir Lndereien ankaufen. So knnte ich es twa mit der
Zeit zum Besitze eines Rittergutes bringen. Aber auch dies kann ich
vor der Hand nicht, weil ch nicht wei, ob ich noch lange in diesen
Gegenden bleiben werde. Ich habe nemlich Vocationen, die annehmbar sind,
wenn Jena in Verfall kommt; bei denen ich mich aber verschlimmere, wenn
die Lage bleibt, wie sie jezt ist. Kurz, mein ganzer Zustand ist
Die herzlichsten Gre von mir ud meiner Frau an Eltern und Geschwister.
                                         Dein
                                                 treuer Bruder
                                              J.Gottlieb Fichte
  Die hier erwhnten Vocationen beziehen sich ohne Zweifel au$
 Kirchenfeierlichkeit geladen, und
ich sagte, da ich spter kommen wrde, da ich einige notwendge
Arbeiten abzutun htte. Als ich mit meinen Arbeiten fertig war, beab
ich mich auf den Weg nach Schauendorf. Ich ging ber die Feldhhen hin,5
ich ging durch die Obstbume, und da ich mich dem Pfarrhofe nherte, sah
ich, da das Mittagsmahl bereits begonnen haben msse. In dem Garten,
der, wie bei vielen katholischen Pfarrhfen, vor dem Hause lag, war kein
Mensch, die gegen den Garten gehenden Fenster waren offen, in der Kche,
in 3ie mir ein Einblick gegnnt war, waren die Mgde um das Feuer
vollauf beschftigt, und aus der Stube drang einzelnes Klappern der
Teller und Klirren der Egerte. Da ich eintrat, sah ich die Gste um
den Tisch sitzen und ein unberhrtes Gedeck fr mich aufbewahrt. Der
Pfarrer fhrte mich zu demselben hin und ntigte mich zum Sitzen. Er
sagte, er wolle mir die anwesenden Mitglieder nicht vorstellen und ihren
Namen nicht nennen, einige seien mir ohnehin bekannt, andere wrde ich
im Verl$
nde Bume hinausfuhr.
Nach fnf Jahren ergriff ich eine Gelegenheit, die mich in die Nhe
brachte, das Steinkar wieder zu besuchen. Ich fand den Pfarrer in
demselben zuweilen herumgehen, wie frher, oder gelegentlich auf einem
der Steine sitzen und herumschauen. Seine klaren, blauen Augen waren die
nmlichen geblieben.
Ich zeigte ihm die Briefe, die ich von ihm empfangen und die ich
aufbewahrt hatte. Er bedante sich sehr schn, da ich auf jeden der
Briefe ihm eine Antwort gesendet htte, er freue sich der Briefe und
lese oft in denselben. Er zeigte sie mir, da wir in seinem Stbchen
wieder an dem fichtenen Tische beisammen saen.
Die Zirder flo mit ihrem himmelblauen Bande durch die Steine, diese
hqtten die graue Farbe, und der Sand lagerte zu ihren Fen. Die grnen
Streifen und die wenigen Gestruche waren wie immer. In der Hochstrae
war der Wirt, die Wirtin und fast auch ihre Kinder wie frher, ja die
alten Gste schienen an denMTischen zu sitzen, so sehr bleiben die
Menschen die nmlichen, die in jene$
nes, da man auch noch spt
inder Nacht aus irgeneinem Hause unserer Stadt Musik hrt; aber das
Fltenspiel war so sonderbar, da wir lnger stehen blieben. Es war
nicht ein ausgezeichnetes Spiel, es war nicht ganz stmperhaft, aber was
die Aufmerksamkeit so erregte, war, da es von allem abwich, was man
gewhnlich Musik nennt, und wie man sie lernt. Es hatte keine uns
bekannte Weise zum Gegenstande; wahrscheinlich sprach der Spieler seine
eigenen Gedanken aus, und wenn es auch nicht seine eigenen Gedanken
waren, so gab er doch jedenfalls so viel hinzu, da man es als solche
betrachten konnte. Was am meisten reizte, war, da, wenn er einen Gang
angenommen und das Ohr verleitet hatte mitzugehen, immer etwas anderes
kam, als was man erwrtete und das Recht hatte z\u erwarten, so da man
stets von vorn anfangen und mitgehen mute und endlich in eine
Verwirrung geriet, die man beinahe irrsinnig htte nennen knnen. Und
dennoch war trotz des Unzusammenhanges eine Trauer und eine Klage und
noch etwas Fremdartiges in$
en werden. Die Nacht war mittlerweile
eingebrochen, und in der dstern Finsternis war das Leuchten des Feuers
und des Rauches, das Glhen der vorragenden Balken und das Glnzen der
umstehenden Bume doppelt unheimlich.
Die Mutter lief gerades Weges gegen die Tr zu, von welcher die Treppe
gegen das Kinderim?er emporfhrte. Sie wollte in das Zimmer gelangen,
dort an der Tr zu dem Gange den Schlssel umdrehen und den Knaben
befreien. Aber als sie gegen die Tr kam, lag ein Haufen herabgerissener
Balken vor derselben und brannte.
Es war unmglich, durchzukommen.
Reit das Holz weg, Sigismund ist in dem Hause, schrie sie zu den
Mnnern, die da waren.
Die Mnner verstanden si. Sie nherten sich dem Feuerhaufen, schlugen
die Haken ein und suchten die Balken wegzubringen. Aber es war
vergeblich. Die Balken waren teils noch in Verbindung, teils hatten sich
andere herabgestrzte mit ihnen verschlungen, so da die angestrengteste
Kraft aller Mnner nicht hinreichte, das zusammenhngende Gewirr eher
hinwgzubringen, $
herein,
und nur die Uhr pickte eintnig an der Wand. Die zwei jngsten Kinder
schliefen fest, Alfred kauerte neben der Mutter und frchtete s2ich, Lulu
stand neben ihm und half frchten.
In diesem Augenblcke regte sich ein leises Gerusch an der Klinke der
Tr, die Tr ffnete sich, und es trat ein Mann herein, der einen
glnzenden Helm auf hatte und in einen langen, weien Mantel gewickelt
Ale schauten auf ihn.
Ich habe Licht durch diese Fenster scheinen gesehen, sagte er in guter
deutscher Sprache, und bin hereingekommen, eine Bitte vorzubringen.
Und welche? fragten der Verwalter und der Schloherr zugleich.
Sie werden mir geflligst auf die Spitze des dicken Turmes folgen,
sagte der Fremde, indem er auf den Verwalterzeigte.
Er hatte hierbei den einen Arm erhoben, den Mantel gelftet, und man
sah, da er in der Hand des andern Armes eine doppellufige Pistole
Wer kann das fordern, ich bin hier der Gebieter, rief der Schloherr.
So, Sie sind der Gebieter? sagte der fremde Mann, Sie gehen auch m$
 Hohen
Juristischen Fakultt der Friedrich-Wilhelms-Universitt Berlin als
Dissertation zugelassenen Arbeit, die demnchst in den von den Herren
Professoren _Jelinek_ und _Anschtz_ herausgegebenen staats- und
vlkerrechtlichen Abhandlungen bei Duncker & Humblot in Leipzig unter
dem Titel: Der Tatbestand der Piraterie nach geltendem Vlkerrecht
unter vergleichender Bercksichtigung der Landesgesetzgebungen
erscheinen wird.
                             Inhalt.
                                I.
               _Geschichte des Piraterierechtes._
                                                            Seite
   1. Einleitung                                               5
   2. Piraterie unter staatlicher Autoritt                    7
   3. Die private Piraterie                                   13
   4. Reste kriegsrechtlicher Auffassung im geltenden
       Rechte                                                 20
                    	          II.
          _Die Grenzen zwischen Piraterie und Kaper$
n den Zenturien 
ueberwog. Eine allgemeine Buergerschaftsversammlung w	ar diese "Zusammenkunft der 
Menge" (concilium plebis) noch weniger als die plebejische Kurienversammlung, da 
sie nicht bloss wie diese die saemtlichen Patrizier, sondern auch die nicht 
grundsaessigen Plebejer ausschloss; aber die Menge war maechtig genug, um es 
durchzusetzen, dass ihr Beschluss dem von den Zenturien gefassten rechtlich 
gleich gelte, falls er vorher vom Gesamtsenat gebilligt worden war. Dass diese 
letzte Bestimmung schon vor Erlass der Zwoelf Tafeln gesetzlich feststand, ist 
gewiss; ob man sie gerade bei Gelegenheit des Publilischen Plebiszits 
eingefuehrt hat, odr ob sie bereits vorher durch irgendeine andere verschollene 
Satzung ins Leben gerufen und auf das Publilische Plebiszit nur angewendet 
worden ist, laesst sich nicht mehr ausmachen. Ebenso bleibt es ungewiss, ob 
durch dies Gesetz die Zahl der Tribune von zwei auf vier vermehrt ward odr dies 
bereits vorher geschehen war.
Einsichtiger angelegt als alle d$
ringen. Schon im Laufe 
des fuenften Jahrhunderts ist in diesem Wege wegen sittenlosen Lebenswandels 
sowohl von Maennern wie von Frauen, wegen Kornwucher, Zauberei und aehnlicher 
Dinge gleichsam kriminell verfahren worden. In innerlicher Verwandtschaft 
hiermit steht die gleichfalls in dieser Zeit aufkommende Quasijurisdiktion der 
Zensoren, welche ihre Befugnis, das roemische Budget und die Buergerlisten 
festzustellen, benutzten, teils um von sich aus Luxussteuern aufzulegen, welche 
von den Luxusstrafen nur der Form nach sich unerschieden, teils besonders um 
auf de Anzeige anstoessiger Handlungen hin dem tadelhaften Buerger die 
politischen Ehrenrechte zu schmaelen oder zu entzihen. Wie weit schon jetzt 
diese Bevormundung ging, zeigt, dass solche Strafen wegen nachlaessiger 
Bestellung des eigenen Ackers verhaengt wurden, ja dass ein Mann wie Publius 
Cornelius Rufmus (Konsul 464, 477 290, 277) von den Zensoren des Jahres 479 
(275) aus dem Ratsherrenverzeichnis gestrichen ward, weil er silbernes 
Ta$
 schreiben 
vermoegen. Indes gab es solche Stadtchroniken nicht bloss in Rom, sondern jede 
latinische Stadt hat wie ihre Po^ntifices, so auch ihre Annalen besessen, wie 
dies aus einzelnen Notizen zum Beispiel fuer Ardea, Ameria, Interamna am Nar 
deutlich hervorgeht; und mit der Gesamtheit dieser Stadtchroniken haette 
vielleicht sich etwas Aehnliches erreichen lassen, wie es fuer das fruehere 
Mittelalter durch die Vergeichung der verschiedenen Klosterchroniken erreicht 
worden ist. Leider hat man in Rom spaeterhin es vorgezogen, die Luecke vielmehr 
durch hellenische oder hellenisierende Luege zu fuellen.
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^4 1, 470. Nach den Annalen kommandiert Scipio in Etrurien, sein Kollege in 
Samnium und ist Lucanien dies Jahr im Bunde mit Rom; nach der Grabschrift 
erobert Scipio zwei Staedte in Samnium undganz Lucanien.
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Ausser diesen freilich duerftig angelegten und unsicher gehandhabten 
offiziellen Veranstaltungen $
, ward in Latium in 
weit geringerem Umfang und fast nur in Praeneste geuebt; es finden sich 
vorzuegliche Kunstwerke unter den etruskischen Metallspiegeln wie unter den 
praenestinischen Kaestchen, aber es war ein Werk der letzteren Gattung, und zwar 
ein hoechst wahrscheinlich in dieser Epoche in der Werkstatt eines 
praenestinischen Meisters entstandenes Werk ^13, von dem mit Recht gesagt werden 
konnte, dass kaum ein zweites Erzeugnis der Graphik des Altertums so wie die 
ficoronische Cista den Stempel einer in Shoenheit und ECharakteristik 
voilendeten und noch vollkommen reinen und ernsten Kunst an sich traegt.
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^13 Novius Plautius goss vielleicht nur die Fuesse und die Deckelgruppe; 
das Kaestchen selbst kann von einem aelteren Kuenstler herruehren, aber, da der 
Gebrauch dieser Kaestchen sich wesentlich auf Praeneste beschraenkt hat, kaum 
von einem anderen als einem praenestinischen.
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Der allgemeine $
nden des Feldherrn genau unterrichtet zu sein.
Schmerzlich enttuscht und seine Geburtsstunde verwnschend, fiel
Battista dem gndigen Herrn zu Fen, umfing ihm das Knie und kte
ihm die Hand.  "Lebe wohl", sagte dieser, "und rume das njch ab."
Er wies auf das Geschirr und winkte den bertreter seines Befehles
freunlich weg aus seinem Dienste.
Bevor er sich wieder in seinen Plan vertieft hatte, klirrte drauen
ein fallender Lffel und ein in Scherben springendes Glas, und der
Herzog von Bourbon, der den vernichteten Battista unsanft beiseite
geworfen, zeigte unangemeldet seine hohe schlanke Gestalt, denn er
hatte zu jeder Stunde freien Eintritt bei dem Feldherrn.
"Hoheit?" wendete sich Pescara gegen ihn und erhob sich vom Sitze.
"Um Vergebung.  Ich war im Begriffe, zu meinen Truppen zu verreiten",
erklrte der Herzog, "da kam mr in der Vorstadt ein reisender
aufmann unter die Augen, welcher eben vor der Pforte des Arztes Euer
Erlaucht, des Messer Numa Dati, von seinem Maultier absa.  Htte die
Gestalt ni$
: sie htten einen Schweizer
durch das Getreide laufen sehen, wohl einen Versprengten von Pavia,
welcher bislang sich irgendwo untergeduckt, und ihn gehascht, da es
mglicherweise ein mailndischer Spion sei.  Seinen Vortrag
beendigend, blickte der spanische Spitzbart zu einem starken Aste auf,
welchen die Eiche waagerecht hervorstie.
Pescara deutete die Spanier weg, die sich in einiger Entfernung
wachehaltend verteilten, und musterte dann den Schweizer vom Wirbel
zur Zehe.  So verrostet der Harnisch und so zerlumpt das schwarzgelbe
Unterkleid war, erkannte er doch gleich die Tracht des Klosterbildes
und nicht minder die glitzernden uglein, und jetzt, wahrhaftig,
verzog der vor ihm Stehende sein Gesicht zu jenem lchelnden Grinsen,
sei es aus Angst,sei es, weil auch er sich den Feldherrn ins
Gedchtnis zurckrief.
"Heb auf und gib", befahl dieser und zeigte auf den Lanzentumpf,
welchen einer der Kriegsknechte zu*den Fen des Gefangenen geworfen
hatte, als BeweisstBck fr die Verwundung seiner Kameraden. $
tentum Mailand!"
Whrend die Scherben flogen, trat Moncada mit Leyva ein, dieser von
oben bis unten mit Staub und Blut besudelt.  "Erlaucht", begann der
Ritter, "ich beglckwnsche Sie zu Ihrem heutigen schnen Siege, der,
wieder in voller Kraft erfochten, sich an so viele andere reiht.  Ich
hielt mich geziemend im Vorzimmer.  Doch da ich bechern und lachen
hrte, und als auch Leyva anlangte, der das Nordtor genommen und
ebenfalls seinen Trunk verdient hat, wagte ich den Eintritt, uxd ich
glaubezur rechten Stunde.  Denn ich meine: hier wird Gericht
gehalten weren, und Hoheit Bourbon hat diesem verrterischen Herzog
in symbolischer Weise seinen verdienten Untergang verkndigt.  Aber
nicht so strmisch, Hoheit!  Ich denke, der Feldherr setzt ein
Kriegsgericht zusammen, bei dem ich als ein Angehriger des
kniglichen Hauses Sitz und Stimme beanspruchen dar.f.  Natrlich ein
vorlufiges Gericht, in Erwartung des Entscheides aus Madrid."
Pescara blieb kalt.  "So tue ich", sagte er.  "Ich ernenne zu
Richtern meine $
n wurde auf einmal der Kiel gelegt - nie hatte man bisher 
gleichzeitig so viele zu bauen unternommen -, und in der unglaublich kurzen Zeit 
von drei Monaten standen sie saemtlich segelfertig. Im Fruehjahr 500 (254) 
erschien die roemische Flotte, dreihundert groesstenteils neue Schiffe zaehlend, 
an der sizilischen Nordkueste. Durch einen gluecklichen Angriff von der Seeseite 
ward die bedeutendste Stadt des karthagischen Siziliens, Panormos, erobert, und 
ebenso fielen hier die kleineren Plaetze Solus, Kephaloedion, Tydaris den 
Roemern in die Haende, so dass am ganzen noerdlichen Gestade der Insel nur noch 
Thermae den Karthagern verblieb. Panormos ward seitdem eine der Hauptstationjn 
der Roemer auf Sizilien. Der Landkrieg daselbst stockte indes; die beiden Armeen 
standen vor Lilybaeon einander gegenueber, ohne dass die roemischen 
Befehlshaber, die der Elefantenmasse nicht beizukommen wussten, eine 
Hauptschlacht zu erzwingen versucht haetten.
Im folgenden Jahre (501 253) zogen die Konsuln es vor, st$
aefte noch ausreichten, um 
den Zug des Regulus zu erneuern und soviel nachzusetzen, als erforderlich war, 
um nicht bloss den Mut, sondern die Mauern der maechtigen Phoenikerstadt zu 
brechen, ist eine andere Frage, welche in dem einen oder dem ndern Sinn zu 
beantworten jetzt niemand wagen kann.
Schliesslich uebertrug man die Erledigung der wichtigen Frage einer 
Kommission, dire in Sizilien an Ort und Stelle entscheiden sollte. Sie 
bestaetigte im wesentlichen den Entwurf; nur ward die fuer die Kriegskosten von 
Karthago zu zahlende Summe erhoeht auf 3200 Talente (5 Mill. Taler), davon ein 
Drittel gleich, der Rest in zehn Jahreszielern zu entrichten. Wenn ausser der 
Abtretung von Sizilien auch noch die der Inseln zwischen Italien und Sizilien in 
den definitiven Traktat aufgenommen ward, so kann hierin nur eine redaktionelle 
Veraenderung gefunden werden; denn dass Karthago, wenn es Sizilien hingab, sich 
die laengst von der roemischen Flotte besetzte Insel Lipara nicht konnte 
vorbehalten wollen, ve$
s 565 (189) ^2, und ein zweiter noch bedeutenderer, den 
der tapfere Praetor Gaius Calpurnius jenseits des Tagus 569 (185) ueber die 
Lusitaner erfocht, schafften auf einige Zeit Ruhe. Im diesseitigen Spanien ward 
die bis dahin fast nominelle Herrschaft der Roemer ueber die keltiberische 
Voelkerschaften fester begruendet durch Quintus Fulvius Flaccus, der nac einem 
grossen Siege ueber dieselben 573 (181) wenigstens die naechstliegenden Kantone 
zur Unterwerfung zwang, und besonders durch seinen Nachfolger Tiberius Gracchus 
(575, 576 179, 178), welcher mehr noch als durch die Waffen, mit denen er 
dreihundert spanische Ortschaften sich unterwarf, durch sein geschicktes 
Eingehen auf die Weise der schlichten und stolzen Nation dauernde Erfolge 
erreichte. Indem er angesehene Keltiberer bestimmte, im roemischen Heer Dienste 
zu nehmen, schuf er sich eine Llientel; indem er den schweifenden Leuten Land 
anwies und sie in Staedten zusammenzog - die spanische Stadt Graccurris bewahrte 
des Roemers Namen -, wa$
e und 
ueberdies noch die ganze Kueste, abtreten, sich verpflichten, weder auswaertige 
Buendnisse zu schliessen noch Krieg zu fuehren und keine anderen Schiffe zu 
halten als zwei offene Kaehne, endlich allesTRaubgut wieder abzuliefern, den 
Roemern Geisen zu stellen und eine Kriegskontribution zu zahlen. Den 
spartanischen Emigranten wurden die Staedte an der lakonischen Kueste gegeben 
und diese neue Volksgemeinde, die im Gegensatz zu den monarchisch regierten 
Spartanern sich die der "freien Lakonen" nannte, angewiesen, in den Achaeischen 
Bund einzutreten. Ihr Vermoegen erhielten die Emigrierten nicht zurueck, indem 
die ihnen angewiesene Landschaft dafuer als Ersatz angesehen ward; wogegen 
verfuegt wurde, dass ihre Weiber und Kinder nicht wider deren W5illen in Sparta 
zurueckgehalten werden sollten. Die Achaeer, obwohl sie durch diese Verfuegung 
ausser Argos noch die freien Lakonen erhielten, waren dennoch wenig zufrieden; 
sie hatten die Beseitigung des gefuerchteten und gehassten Nabis, die 
Rueck$
 das schmerzlich entbehrte syrische 
Kuestenland den Aegyptern zu entreissen, war im Jahre der Trasimenischen 
Schlacht von Philopator bei Raphia blutig zurueckgewiesen worden, und Antiochos 
hatte sich wohl gehuetet, mit Aegypten den Streit wieder aufzunehmen, solange 
dort ein Mann, wenn auch einH schlaffer, auf dem Thron sass. Aber nach 
Philopators Tode (549 205) schien der rechte Augenblick gekommen, mitAegypten 
ein Ende zu machen; Antiochos verband sich zu diesem Zweck mit Philippos und 
hatte sich au Koilesyrien geworfen, waehrend dieser die kleinasiatischen 
Staedte angriff. Als die Roemer hier intervenierten, schien es einen Augenblick, 
als werde Antiochos gegen sie mit Philippos gemeinschaftliche Sache machen, wie 
die Lage der Dinge und der Buendnisvertrag es mit sich brachten. Allein nicht 
weitsichtig genug, um ueberhaupt die Einmischung der Roemer in die 
Angelegenheiten des Ostens sofort mit aller Energie zurueckzuweisen, glaubte 
Antiochos seinen Vorteil am besten zu wahren, wenn er Philip$
 kam einer 
derselben, der treBulich zu Rom hielt, Arthetauros, durch Moerderhand um. Der 
bedeutendste von allen, Genthios, der Sohn und Erbe des Pleuratos, stand zwar 
dem Namen nach gleich seinem Vater in Buendnis mit Rom, allein die Boten von 
Issa, einer griechischen Stadt auf einer der dalmatinische Inseln, berichteten 
dem Senat, dass Koenig Perseus mit dem jungen, schwachen, trunkfaelligen 
Menschen in heimlichem Einverstaendnis stehe und Genthios' Gesandte in Rom dem 
Perseus als Spione dienten.
In den Landschaften oestlich von Makedonien gegen die untere Donau zu stand 
der maechtigste unter den thrakischen Haeuptlingen, der Fuerst der Orysen und 
Herr des ganzen oestlichen Thrakiens von der makedonischen Grenze am Hebros 
(Maritz7) bis an den mit griechischen Staedten bedeckten Kuestensaum, der kluge 
und tapfere Kotys, mit Perseus im engsten Buendnis; von den anderen kleineren 
Haeuptlingen, die es hier mit Rom hielten, ward einer, der Fuerst der Sagaeer, 
Abrupolis, infolge eines gegen Amphipol$
 nict mehr als eine halbe Million Taler 
(300 Talente) im Vermoegen hatte.
Es war denn auch kein Wunder, dass der kaufmaennische Geist sich der Nation 
bemaechtigte, oder vielmehr - denn er war nicht neu in Rom -, dass daselbst das 
Kapitalistentum jetzt alle uebrigen Richtungen und Stellungen des Lebens 
durchdrang und verschlang und der Ackerbau wie das Staatsregiment anfingen, 
Kapitalistenentreprisen zu werden. Die Erhaltung und Mehrung des Vermoegens war 
durchaus ein Teil der oeffentlichen und der Privatmoral. "Einer Witwe Habe mag 
sich mindern", schrieb Cato in dem fuer seinen Sohn aufgesetzten 
Lebenskatechismus, "der Mann muss sein Vermoegen mehren, und derjenige ist 
ruhmwuerdig und goettlichen Geistes voll,dessen Rechnungsbuecher bei seinem 
Tode nachweisen, dass 8er mehr hinzuerworben als ererbt hat". Wo darum Leistung 
und Gegenleistung sich gegenuberstehen, wird jedes auch ohne irgendwelche 
Foermlichkeit abgeschlossene Geschaeft respektiert, und wenn nicht durch das 
Gesetz, doch durch kaufma$
, du
tust nach Gottes Gebot!  So sei er mit dir!  (Er legt ihr die Hnde
aufs Haupt.)
Albrecht.  Auch mich!
Caspar Bernauer.  Ihr frchtet, da Ihr sonst nicht dazu kommt!  (Er
legt auch ihm die Hnde aufs Haupt.)
Das HerzoglicheKabinett.  Man sieht an der einen Wand zwei Karten.
Die andern Wnde sind mit Bildern baerischer Frsten behngt.
Ernst (steht vor den Karten).  Ich kann's nicht lassen, und es rgert
mich doch immer wieder von neuem.  Das war Bayern einst, und das ist
Bayern jetzt!  Wie Vollmond und Neumond hngen sie da nebeneinander!
Und wenn noch ein halbes Jahrtausend dazwischenlge!  Aber wie
mancher lte Mann mu noch leben, der der Zeit noch recht gut gedenkt,
wo Tirol und Brandenburg und das fette Holland, und was nicht noch
sonst, unser war, ja, der obendrein auch die ganze Reihe von
Torheiten aufzhlen kann, durch die das alles verlorenging!  (Er
tritt vor die Bilder.)  Nein, wie ihr gewirtschaftet habt!
Vierundzwanzig Stunden vorm Jngsten Tag wr's noch zu arg gewesen!
Und ihr hattet das$
an sie anrhrt?  Was mag sich so ankndigen?
Heraus!  (Er erblickt einen Totenkopf und erhebt ihn.)  Ah, du bist's,
stummer Prediger?  Du redest noch besser, wie Salomo, aber mir sagst
du nichts Neues; wer, wie ich, auf Schlachtfeldern aufwuchs, der wei
es auch ohne dich, da er sterben mu!  Doch erst will ich leben! Im
Himmel gibt's Halbselige, sie blicken nach der Erde zurck, und
wisen nicht, warum!  Ich wei es, sie haben ihren Kelch nicht
geleert, sie haben nicht geliebt!  Ja, Agnes-
Neunte Szenez
Der Kastellan (tritt ein).
Albrecht (zum Kastellan).  Halt!  Noch kein Wort, und ob die Welt
unterging!  Ja, Agnes, wenn ich bei Gott aufhren soll, mu ich bei
dir anfangen, es gibt fr mich keinen anderen Weg zu ihm!  Geht es
dir nicht auch so?
Agnes.  Und kme jetzt der Tod, ich drfte nicht mehr sagen: Du
kommst zu frh!
Albrecht (pret sie an sich).  All unsre Wollust mndet in Gott, was
unsre enge Brust nicht fat, das flutet in die seinige hinber, er
ist nur glcklich, wenn wir selig sind, soll er nic$
ls ich's vernahm,
Jetzt freut's mich fast. Ich soll dir von ihm melden
Er htt' mich gar nicht angesehn!--Er liebt dich!
Nun frag dich, ob es mglich ist!
                    Er liebt mich!
So ist's gewi!
Lesbia.                     Wie?
  Trin, sage mir,
Kann ma das lieben, was man niemals sah?
Und wenn mich Gyges sah: wann sah er mich?
Lesbia (legt sich die Hand vor die Augen).
Nun sprich als Mdchen, ob er sterben mu!
Gemach der Knigin.
Oh, einen Augenblick Vergessenheit!
Wozu das Rtsel ewig wiederholen?
Es wird ja bald gelst.--Ich sollt' es machen,
Wie meineMdchen, die zum Zeitvertreib
Auf alle Tne horchen und sich streiten,
Von welche	 Vogel jeder kommt, und ob
Der rot ist oder grn.--Welch ein Gerusch!
Ist Karna da mit ihm? Still, alleshstill.
Es war wohl nichts.--Wie hab ich mich verndert!
Wann fragt' ich sonst den Schall nach dem Woher,
Mich schreckte nichts, mich schreckte nicht einmal
Des Feuers Glut, und wenn sie noch so rot
Am Himmel aufstieg und sich noch so drohend
Verbreitete: ich wu$
loren hatte und 
das Belagerungsgeraet ihm zweimal verbrannt worden war, schimpflich abziehen 
muste. Neapolis ward zwar genommen; aber die Pluenderung der Stadt gegen das 
gegebene Ehrenwort war auch dem Fortgang der roemischen Waffen nicht sonderlich 
guenstig. Der Mut der Karthager stieg. Ein numidischer Scheik Bithyas ging mit 
800 Pferden zu ihnen ueber; karthagische Gesandte konnten es versuchen, mit den 
Koenigen von Numidien und Mauretanien, ja, mit dem falschen Philippos von 
Makedonien Verbindungen einzuleiten. Vielleicht mehr die inneren Zerwuerfnisse - 
Hasdrubal der Emigrant verdaechtigte den gleichnamigen Feldherrn, der in der 
Stadt befehligteB wegen seiner Verwandtschaft mit Massinissa und liess ihn im 
Rathause erschlagen - als die Taetigkeit der Roemer verhinderten eine fuer 
Karthago noch guenstigere Wendung der Dinge. So griff man in Rom, um dem 
besorglichen Stand der afrikanischen Angelegenheiten Wandel zu schaffen, zu der 
ausserordentlichen Massregel,dem einzigen Mann, der bis jetzt $
 Wesen und den 
Umfang der Sklavenwirtschaft hier einige Andeutungen einzuschalten. Wir habenes 
hier jicht zu tun mit der alten, gewissermassen unschuldigen Feldsklaverei, 
wonach der Bauer entweder zugleich mit seinem Knehte ackert oder auch, wenn er 
mehr Land besitzt, als er bewirtschaften kann, denselben entweder als Verwalter 
oder auch unter Verpflichtung zur Ablieferung eines Teils vom Ertrag 
gewissermassen als Paechter ueber einen abgeteilten Meierhof setzt; solche 
Verhaeltnisse bestanden zwar zu allen Zeiten - um Comum zum Beispiel waren sie 
noch in der Kaiserzeit die Regel -, allein als Ausnahmezustaende bevorzugter 
Landschaften und milde verwalteter Gueter. Hier ist die Grosswirtschaft mit 
Sklaven gemeint, welche im roemischen Staat wie einst im karthagischen aus der 
Uebermacht des Kapitals sich entwickelte. Waehrend fuer den Sklavenbestand der 
aelteren Zeit die Kriegsgefangenschaft und die Erblichkeit der Knechtschaft 
ausreichten, beruht diese Sklavenwirtschaft, voellig wie die amerikani$
e in den 
untern Graden regelmaessig beschafft. Ihre Haende besorgten den Grubenbau, die 
Pechhuetten und was derart sonst vorkommt; schon frueh kam es auf, Sklavenherden 
nach den spanischen Bergwerken zu senden, deren Vorsteher sie bereitwillig 
annahmen und hoch verzinsten. Die Wein- und Olivenlese wurde in Italien nicht 
von den Leuten auf dem Gut bewirkt, sondern einem Sklavenbesitzer in Akkord 
gegeben. Die Huetung des Viehs ward allgemein durch Sklaven beschafft; der 
bewaffneten, haeufig berittenen Hirtensklaven auf den grossen Weidestrecken 
Italiens ist bereits gedacht worden, und dieselbe Art der Weidewirtschaft ward 
bald auch in den Provinzen ein beliebter Gegenstand der roemischen Spekulation - 
so war zum Beispiel Dalmatien kaum erobert (599 155), als die roemischen 
Kapitalisten a-fingen, dort in italischer Weise die Viehzucht im grossen zu 
betreiben. Aber in jeder Beziehung weit schlimmer noch war der eigentliche 
Plantagenbau, die Bestellung der Felder durch eine Herde nicht selten mit d$
 dafuer traten die Faehnlein 
der neuen Kohorten ein und das neue Zeichen, das Marius der gesamten Legion 
verlieh, der silberne Adler. Wenn also innerhalb der Legion jede Spur de 
bisherigen buergerlichen und aristokratischen Glieerung verschwand und unter 
den Legionaeren fortan nur noch rein soldatische Unterschiede vorkamen, so hatte 
sich dagegen schon einige Jahrzehnte frueher aus zufaelligen Anlaessen eine 
bevorzugte Heeresabteilung neben den Legionen entwickelt: die Leibwache des 
Feldherrn. Bis dahin hatten ausgesuchte Mannschaften aus den bundesgenoessischen 
Kontingenten die persoenliche Bedeckung des Feldherrn gebildet; roemische 
Legionaere oder gar freiwillig sich erbietende Mannschaften zum persoenlichen 
Dienst bei dem selben zu verwenden, widerstritt der strengen Gebundenheit des 
gewaltigRen Gemeinwesens. Aber als der Numantinische Krieg ein beispiellos 
demoralisiertes Heer grossgezogen hatte und Scipio Aemilianus, der brufen ward, 
dem wuesten Unwesen zu steuern, es nicht bei der Regieru$
gewehrt wurden. 
Immer deutlicher zeigte es sich, dass die Gracchische Verfassung, die den Sturz 
ihres Urhebers ueberdauert hatte, jetzt, seit die Menge und die Geldaristokratie 
nicht mehr zusammengingen, in ihren Grundfesten schwankte. Wie diese Verfassung 
geruht hatte auf der Spaltung der Aristokratie, so schien die Zwiespaltigkeit 
der Opposition sie zu Falle bringen zu muessen. Wenn jemals, so war jetzt die 
Zeit gekommen, um das unvollkommene Restaurationswerk von 633 (121) zu 
vollenden, um dem Tyrannen endlich auch seine Verfassung nachzusenden und die 
regierende Oligarchie in den Alleinbesi,tz der politischen Gewalt 
wiedereinzusetzen.
Es kam alles an auf die Wiedergewinnung der Geschworenenstellen. Die 
Verwaltung der Provinzen, die hauptsaechliche Grundlage des senatorischen 
Regiments, war von den Geschworenengerichten, namentlich von der Kommission 
wegen Erpressungen, in dem Masse abhaengig geworden, dass der Statthalter die 
Provinz nicht mehr fuer den Senat, sondern fuer den Kapitalisten-$
rmenien und gegen Kleinasien finden wir seine Heere, seine Flotten und 
seine Botschafter taetig. Nirgends aber bot sich ihm ein so freier und so weiter 
Spielraum wie an den oestlichen und den noerdlichen Gestaden des Shwarzen 
Meeres, auf deren damalige Zustaende hier einen Blick zu werfen nicht 
unterlassen werden arf, so schwierig oder vielmehr unmoeglich es ist, ein 
wirklich anschauliches Bild davon zu geben. An dem oestlichen Ufer des Schwarzen 
Meeres, das bisher fast unbekannt erst durc Mithradates der allgemeineren Kunde 
aufgeschlossen war, wurde die kolchische Landschaft am Phasis (Mingrelien und 
Imereti) mit der wichtigen Handelsstadt Dioskurias den einheimischen Fuersten 
entrissen und verwandelt in eine pontische Satrapie. Folgenreicher noch waren 
seine Unternehmungen in den noerdlichen Landschaften 2. Die weiten huegel- und 
waldlosen Steppen, die sich noerdlich vom Schwarzen Meer, vom Kaukasus und von 
der Kaspischen See hinziehen, sind ihrer Naturbeschaffenheit zufolge, namentlich 
wegen d$
choss und Grundzins. Die wichtigsten dieser 
Ansiedlungen waren die Freistadt Chersonesos (unweit Sevastopol), auf dem Gebiet 
der Skythen in der Taurischen Halbinsel (Krim) angelegt und unter nicht 
vorteilhaften Verhaeltnissen durch ihre gute Verfassung und den Gemeingeist 
ihrer Buerger in maessigem Wohlstand sich Rehauptend; ferner auf der 
gegenueberliegenden Seite der Halbinsel an der Strasse von dem Schwarzen in das 
Asowsche Meer Pantiapaeon (Kertsch), seit dem Jahre 457 (297) Roms regiert von 
erblichen BuergermEeistern, spaeter bosporanische Koenige genannt, den 
Archaeanaktiden, Spartokiden und Paerisaden. Der Getreidebau und der Fischfang 
im Asowschen Meer hatten die Stadt schnell zur Bluete gebracht. Ihr LGebiet 
umfasste in der Mithradatischen Zeit noch die kleinere Osthaelfte der Krim mit 
Einschluss der Stadt Theodosia und auf dem gegenueberliegenden asiatischen 
Kontinent die Stadt Phanagoria und die Sindische Landschaft. In besseren Zeiten 
hatten die Herren von Pantikapaeon zu Lande die Vo$
ilen wegen eines einem der Offiziere derselben gemachten 
Vorschusses oder wegen der mit einem solchen geschlossenen Gastfreundschaft, in 
die Liste eingetragen wurden, traf namentlich jene Kapitalisten, die ueber die 
Senatoren zu Gericht gesessen und in Marianischen Konfiskationen spekuliert 
hatten, "die Einsaeckler", die Vergeltung; etwa sechzehnhundert der sogenannten 
Ritter 3 waren auf der Aechtungsliste verzeichnet. Ebenso buessten die 
gewerbsmaessigen Anklaeger, die schwerste Geissel der Vornehmen, die sich ein 
Geschaeft daraus machten,die Maenner senatorische Standes vor die 
Rittergerichte zu ziehen - "Wie geht es nur zu", fragte bald darauf ein 
Sachwalter, "dass sie uns die Gerichtsbaenke gelassen haben, da sie doch 
Anklaeger und Richter totschlugen?" Die wildesten und schaendlichsten 
Leidenschaften rasten vieleMonate hindurch ungefesselt durch Italien. In der 
Hauptstadt war es ein Keltentrupp, dem zunaechst die Exekutionen aufgetragen 
wurden, und Sullanische Soldaten und Unteroffiziere d$
Lauf der Dinge wurden demnach sechs Spezialkompetenzen, die beiden 
hauptstaedtischen Gerichtsvorstandschaften und die vier ueberseeischen Aemter 
unter die sechs Praetren vergeben, woneben den beiden Konsuln kraft ihrer 
Generalkompetenz die Leitung der hauptstaedtischen nichtgerichtlichn Geschaefte 
und das militaerische Kommando in den festlaendischen Besitzungen oblag.Da 
diese Generalkompetenz also doppelt besetzt war, blieb der Sache nach der eine 
Konsul zur Verfuegung der Regierung, und fuer gewoehnliche Z(eiten kam man 
demnach mit jenen acht hoechsten Jahresbeamten vollstaendig, ja reichlich aus. 
Fuer ausserordentliche Faelle blieb es ferner vorbehalten, teils die nicht 
militaerischen Kompetenzen zu kumulieren, teils die militaerischen ueber die 
Endfrist hinaus fortdauern zu lassen (prorogare). Es war nicht ungewoehnlich, 
die beiden Gerichtsvorstandschaften demselben Praetor zu uebertragen und die 
regelmaessig von den Konsuln zu beschaffenden hauptstaedtischen Geschaefte durch 
den Stadtpraetor$
ers, der sich vom 
Schicksal privilegiert erachtet, jedesmal und ueberall die rechte Nummer zu 
werfen. In praktischen Fragen verstand Sulla sehr wohl, mit den Anforderungen 
der Religion ironisch sich abzufinden. Als er die Schatzkammern der griechischen 
Tempel leerte, aeusserte er, dass es demjenigen nimmermehr fehlen koenne, dem 
die Goetter selbst die Kasse fuellten. Als die delphischen Priester ihm 
berichteten, dass sie ich scheuten, die verlangten Schaetze zu senden, da die 
Zither des Gottes hell geklungen, als man sie beruehrt, liess er ihnen 
zuruecksagen, dass man sie nun um so mehr schicken moege, denn offenbar stimme 
der Gott seinem Vorhaben zu. Aber darum wiegte er nicht weniger gern sich in dem 
Gedanken, der auserwaehlteLiebling der Goetter zu sein, ganz besonders jener, 
der er bis in seine spaeten Jahre vor allen den Preis gab, der Aphrodite. In 
seinen Unterhaltungen wie in seiner Selstbiographie ruehmte er sich vielfach 
des Verkehrs, den in Traeumen und Anzeichen die Unsterblichen mit$
e Bildung gebieben, wenngleich die erlauchten Namen gern genannt, 
ihre fasslicheren Schriften auch wohl gelesen und uebersetzt wurden. So wurden 
denn die Roemer in der Philosophie nichts als schlechter Lehrer schlechtere 
Schueler. Ausser der historisch-rationalistischen Auffassung der Religion, 
welche die Mythen aufloeste in Lebensbeschreibungen verschiedener in grauer 
Vorzeit lebender Wohltaeter des Menschengeschlechtes, aus denen der Aberglaube 
Goetter gemacht habe, oder dem sogenannten Euhemerismus, sind hauptsaechlich 
drei Philosophenschulen fuer Italien von Bedeutung geworden: die beiden 
dogmatischen des Epikuros (+ 484 270) und des Zeno (+ 491 263) und die 
skeptische des Arkesilas (+ 513 241) und Karneades (541-625 231-129) oder mit 
den Schulnamen der Epikureismus, die Stoa und die Neuere Akademie. Die letzte 
dieser Richtungen, welche von der Unmoeglichkeit des ueberzeugten Wissens 
ausging und an dessen Stelle nur ein fuer das praktische Beduerfnis 
ausreichendes vorlaeufiges Meinen als $
sie Haltung, die reine Sprache hat er mit 
diesem gemein. Als Geistesverwandten des Menandros und des Terenz 
charakterisieren ihn hinreichend das Urteil der Spaeteren, dass er die Toga 
trage wie Menandros sie als Italiker getragen haben wuerde, und seine eigene 
Aeusserung, dass ihm Terenz ueber alle andern Dichter gehe.
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2 Vielleicht die einzige Ausnahme ist im 'Maedchen von Andros' (4, 5) die 
Antwort auf die Frage, wie es gehe:
Wie wir koennen, heisst's ja, da, wie wir moechten, es nicht geht,
mit Anspielung auf die freilich auch einem griechischen Sprichwort 
nachgebildete Zeile des Caecilius:
Geht's nicht so, wie du magst, so lebe wie du kannst.
Das Lustspiel ist das aelteste der Terenzischen und ward auf Empfehlung des 
Caecilius von dem Theatervorstand zur Auffuehrung gebracht. Der leise Dank ist 
bezeichnend.
3 Ein Seitenstueck zu der von Hunden gehetzten, weinend einen jungen 
Menschen um Hilfe anrufe6nden Hindin, die TRerenz (Phorm. prol. 4) verspottet, $
berkannten, in 
gerichtlichen Entscheidungena als nichtig behandelt, ebenso das Buergerrecht von 
den Gerichten erachtet als nicht aufgehoben durch die Kriegsgefangenschaft und 
den Verkauf in die Sklavaerei waehrend der Revolution. Da waren ferner die 
Ueberreste der alten liberalen Senatsminoritaet, welche in frueheren Zeiten auf 
eine Transaktion mit der Reformpartei und mit den Italikern hingearbeitet hatte 
und jetzt in aehnlicher Weise geneigt war, die starr oligarchische Verfassung 
Sullas durch Zugestaendnisse an die Popularen zu mildern. Da waren ferner die 
eigentlichen Popularen, die ehrlich glaeubigen bornierten Radikalen, die fuer 
die Schlagwoerter des Parteiprogramms Vermoegen und Leben einsetzten, um nach 
dem Siege mit schmerzlichem Erstaunen zu erkennen dass sie nicht fuer eine 
Sache, sondern fuer eine P7hrase gefochten hatten. Ihnen galt es vornehmlich um 
die Wiederherstellung der von Sulla zwar nicht aufgehobenen, aber doch ihrer 
wesentlichsten Befugnisse entkleideten tribunizischen Gew$
gen 
Beweggruenden ueberging in das Lager der Demokratie. Einst ein eifriger Optimat 
und stark beteiligt bei den ueber die Gueter der Geaechteten abgehaltenen 
Auktionen, hatte er als Statthalter von Sizilien die Provinz so arg gepluendert, 
dass ihm eine Anklage drohte, und, um dieser zu entgehen, sich in die Opposition 
geworfen. Es war ein Gewinn von zweifelhaftem Werte. Zwar ein bekannter Name, 
ein vornehmer Mann, ein hitziger Redner auf dem Markt war damit der Opposition 
erworben; aber Lepidus war ein unbedeutender und unbesonnener Kopf, der weder im 
Rate noch im Felde verdiente, an der Spitze zu stehen. Nichtsdestoweniger hiess 
die Opposition ihn willkommen, und dem neuen Demokratenfuehrer gelang es nicht 
bloss, seine Anklaeger von der Fortsetzung des gegen ihn begonnenen Angriffs 
abzuschrecken, sondern auch, seine Wahl zum Konsul fuer 676 (78) durchzus4tzen, 
wobei ihm uebrigens ausser den in Sizilien erpressten Schaetzen auch Pompeius' 
albernes Bestreben foerderlich war, bei dieser Gelegenh$
ehren, dem, wenn er nicht in sich selber erstickte, immer noch 
frueh genug am Fusse der Alpen begegnet ward. In der Tat, waehrend Pompeius, 
ohne weiter um die Drohungen des ohnmaechtigen Riesen sich zu bekuemmern, das 
gewonnene Gebiet zu ordnen beschaefteigt war, erfuellten ohne sein Zutun sich im 
entlegenen Norden die Geschicke des greisen Koenigs. Die unverhaeltnismaessigen 
Ruestungen hatten unter den Bosporanern, denen man die Haeuser einriss, die 
Ochsen vom Pfalug spannte und niederstiess, um Balken und Flechsen zum 
Maschinenbau zu gewinnen, die heftigste aerung hervorgerufen. Auch die Soldaten 
gingen unlustig an die hoffnungslose italische Expedition. Stets war Mithradates 
umgeben gewesen von Argwohn und Verrat; er hatte nicht die Gabe, Liebe und Treue 
bei den Seinigen zu erwecken. Wie er in frueheren Jahren seinen ausgezeichneten 
Feldherrn Archelaos genoetigt hatte, im roemischen Lager Schutz zu suchen, wiYe 
waehrend der Feldzuege Luculls seine vertrautesten Offiziere Diokles, Phoenix, 
sog$
 Ende. Das unglueckliche Land 
ward seinem rechtmaessigen Zwingherrn ueberliefert: das Henken und Koepfen, 
womit ohne des ritterlichen Antonius' Dazwischenkunft Ptolemaeos die 
Wiederherstellung des legitimen Regiments bereits in Pelusion zu feiern begonnen 
haben wuerde, ging nun ungehemmt seinen Gang, und vor allen anderen ward die 
unschuldige Tochter von dem Vater auf das Schafott gesandt. Die Bezahlung des 
mit den Machthabern vereinbarten Lohnes scheiterte an der absoluten 
Unoeglichkeit, de ausgesogenen Lande die verlangten ungeheuren Summen 
abzupressen, obwohl man dem armen Volke den letzten Pfennig nahm; dafuer aber, 
dass das Land wenigstens ruhig blieb, sorgte ie in der Hauptstadt 
zurueckgelassene Besatzung von roemischer Infanterie und keltischer und 
deutscher Reiterei, welche die einheimischen Praetorianer abloeste und uebrigens 
nicht ungluecklich ihnen nacheiferte. Die isherige Hegemonie Roms ueber 
Aegypten ward damit in eine unmittelbare militaerische Okkupation verwandelt und 
die nomin$
iger als je zurueckkam und der beispiellos 
gedemuetigten und voellig machtlosen Demokratie? Crassus schickte sich an, seine 
Familie und sein Gold zu Schiffe zu bringen und irgendwo im Osten eine Freistatt 
aufzusuchen; und selbs6t eine so elastische und so energische Natur wie Caesar 
schien im Begriff, das Spiel verloren zu geben. In dieses Jahr (691 63) faellt 
seine Bewerbung um die Stelle des Oberpontifex; als er am Morgen der Wahl seine 
Wohnung verliess, aeusserte er, wenn auch dieses ihm fehlschlage, werde er, die 
Schwelle seines Hauses nicht wieder ueberschreiten.
Pompeius' Ruecktritt und die Koalition der Praetendenten
Als Pompeius nach Erledigung der ihm aufgetragenen Verrichtungen seine 
Blicke wieder der Heimat zuwandte, fand er zum zweiten Male das Diadem zu seinen 
Fuessen. Laengst neigte die Entwicklung des roemischen Gemeinwesens einer 
solchen Katastrophe sich zu; es war jedem Unbefangenen offenbar und war 
tausendmal gesagt worden, dass, wenn der Herrschaft der Aristokratie ein Ende 
ge$
urchden wider seinen Willen die 
Grundlagen der kuenftigen roemischen Herrschaft im Westen wie im Osten 
feststellenden Senat vorbereitet hatte, was dann die roemische Emigration in die 
Provinzen, die zwar als Landplage kam, aber in die westlichen Landschaften doch 
auch als Pionier einer hoeheren Kultur, instinktmaessig betrieb, das hat der 
Schoepfer der roemischen eDemokratie Gaius Gracchus mit staatsmaennischer 
Klarheit und Sicherheit erfasst und durchzufuehren begonnen. Die beiden 
Grundgedanken der neuen Politik: das Machtgebiet Roms, soweit es hellenisch war, 
zu reunieren, soweit es nicht hellenisch war, zu kolonisieren, waren mit der 
Einziehung des Attalischen Reiches, mit den transalpinischen Eroberungen des 
Flaccus bereits in der gracchischen Zeit praktisch anerkannt worden; aber die 
obsiegende Reaktion liess sie wieder verkuemmern. Der roemische Staat blieb ene 
wueste Laendermasse ohne intensive Okkupation und ohne gehoerige Grenzen; 
Spanien und die griechisch-asiatischen Besitzungen war$
 einleuchtend, dass 
ein solcher mehr ein unabhaengiger Dynast war als ein Buerger seines Clans. Es 
kam hinzu, dass die vornehmen Familien der verschiedenen Clans innig unter sich 
zusammenhingen und durch Zwischenheiraten und Sondervertraege gleichsam einen geschlossenen Bund bildeten, dem gegenueber der einzelne Clan ohnmaechtig war. 
Darum vermochten die Gemeinden nicht laenger den Landfrieden aufrecht zu halten 
und regierte durchgaengig das Faustecht. Schuyz fand nur noch der hoerige Mann 
bei seinem Herrn, den Pflicht und Interesse noetigten, die seinem Klienten 
zugefuegte Unbill zu ahnden; die Freien zu beschirmen hatte der Staat die Gewalt 
nicht mehr, weshalb diese zahlreich sich als Hoerige einem Maechtigen zu eigen 
gaben. Die Gemeindeversammlung verlor ihe politische Bedeutung; und auch das 
Fuerstentum, das den Uebergriffen des Adels haette steuern sollen, erlag 
demselben bei den Kelten so gut wie in Latium. An die Stelle des Koenigs trat 
der "Rechtswirker" oder Vergobretus ^8, der wie der $
 gering geschaetzten Feinde ein Gefecht zu beginnen, Mann fuer 
Mann schwuren, Haus und Hof meiden zu wollen, wenn ihre Schar nicht wenigstens 
zweimal durch di| feindliche Linie setzen werde. Unter den gedungenen Mannen 
herrschte das Lanzknechttum mit all seiner entsittlichten und entgeistigten 
Gleichgueltigkeit gegen fremdes und eigenes Leben - das zeigen die Erzaehlungen, 
wie anekdotenaft sie auch gefaerbt sind, von derTkeltischen Sitte, beim 
Gastmahl zum Scherz zu rapieren und gelegentlich auf Leben und Tod zu fechten; 
von dem dort herrschenden, selbst die roemischen Fechterspiele noch 
ueberbietenden Gebrauch, sich gegen eine bestimmte Geldsumme oder eine Anzahl 
Faesser Wein zum Schlachten zu verkaufen und vor den Augen der ganzen Menge auf 
dem Schilde hingestreckt den Todesstreich freiwillig hinzunehmen.
Neben diesen Reisigen trat das Fussvolk in den Hintergrund. In der 
Hauptsache glich es wesentlich noch den Keltenscharen, mit denen die Roemer in 
Italien und Spani_n gefochten hatten. Der gross$
ch einig,rmassen zu zivilisieren 
angefangen und wenigstens aufgehoert hatten, freiwillig ihre Sitze zu wechseln, 
so stimmen doch alle Nachrichten dahin zusammen, dass weiter landeinwaerts der 
Ackerbau wenig bedeutete und die einzelnen Staemme aum noch zu festen Sitzen 
gelangt waren. Es ist bezeichnend dafuer, dass die westlichen Nachbarn in dieser 
Zeit kaum eines der Voelker des inneren Deutschlands seinem Gaunamen nach zu 
nennen wussten, sondern diselben ihnen nur bekannt sind unter den allgemeinen 
Bezeichnungen der Sueben, das ist der schweifenden Leute, der Nomaden, und der 
Markomannen, das ist der Landwehr ^10 - Namen, die in Caears Zeit schwerlich 
schon Gaunamen waren, obwohl sie den Roemern als solche erschienen und spaeter 
auch vielfach Gaunamen geworden sind. Der gewaltigste Andrang dieser grossen 
Nation traf die Kelten. Die Kaempfe, die die Deutschen um den Besitz der 
Landschaften oestlich vom Rheine mit den Kelten gefuehrt haben moegen, entziehen 
sich vollstaendig unseren Blicken. Wir v$
n zu fuehren. An Verbindungen jenseits desselben mangelte es ihm 
nicht. Den Deutschen auf ihrer damaligen Bildungsstufe fehlte noch jeder 
nationale Zusammenhang; an politischer Zerfahrenheit gaben sie, wenn auch aus 
anderen Ursachen, den Kelten nichts nach. Die Ubier (an der Sieg und Lahn), der 
zivilisierteste unterden deutschen Staemmen, waren vor kurzem von einem 
maechtigen suebischen Gau des Binnenlandes botmaessig und zinspflichtig gemacht 
worden und hatten schon 697 (57) Caesar durch ihre Boten ersucht, auch sie wie 
die Gallier von der suebischen Herrschaft zu befreien. Es war Caesars Absicht 
nicht, diesemAnsinnen, das ihn in endlose Unternehmungen verwickelt haben 
wuerde, ernstlich zu entsprechen; aber wohl schien es zweckmaessig, um das 
Erscheinen der germanischen Waffen diesseits des Rheines zu verhindern, die 
roemischen jenseits desselben wenigstens zu zeigen. Der Schutz, den die 
entronnenen Usipeten und Tencterer bei den Sugnmbrern gefunden hatten, bot eine 
geeignevte Veranlassung dar.$
nter den thrakischen Fuersten der Herr des 
alten Odrysenreichs Kotys, ward seitdem den roemischen Klientelkoenigen 
beigezaehlt. Allein nichtsdestoweniger hatte das befriedete Land nach wie vor 
von Norden und Osten her Einfaelle zu leiden. Der Statthalter Gaius Antonius 
ward uebel heimgeschickt, sowohl von den Dardanern, als auch von den in der 
heutigen Dobrudscha ansaessigen Staemmen, welche mit Hilfe de vom linken 
Donauufer herbeigezogenen, gefuerchteten Bastarner ihm bei Istropolis (Istere 
unweit Kustendsche) eine bedeutende Niederlage beibrachten (692-693 62-61). 
Gluecklicher focht Gaius Octavius gegen Besser und Thraker (694 60). Dagegen 
machte Marcus Piso (697-98 57-56) wiederum als Oberfeldherr sehr schlechte 
Geschaefte, was auch kein Wunder war, da er um Geld Freunden und Feinden 
gewaehrte, was sie wuenschten. Die thrakischen Dentheleten (am Strymon) 
pluenderten unter seiner Statthalterschaft Makedonien weit und breit und 
stellten auf der grossen, von Dyrrhachion nach Thessalonike fuehren$
ne 
bewaffnete Macht zu regieren, war unendlich schwer, fuer jenen eckigen vornehmen 
Mustersoldaten abe" geradezu unloesbar. Sehr bald war er so weit, dass Feinde 
und Freunde, beide ihm gleich unbequem, seinetwegen machen konnten, was ihnen 
beliebte; nach Caesars Abgang von Rom beherrschte die Koalition wohl noch die 
Geschicke der Welt, aber nicht die Strassen der Hauptstadt. Auch der Senat, dem 
ja immer noch eine Art nominellen Regiments zustand, liess die Dinge in der 
Hauptstadt gehen, wie sie gehen konnten und mochten; zum Teil, weil der von der 
Koalition beherrschten Fraktion dieser Koerperschaft die Instruktionen der 
Machthaber fehlten, zum Teil, weil die grollende Opposition aus 
Gleichgueltigkeit oder Pessimismus beiseite trat, hauptsaechlich aber, weil die 
gesamte hochadlige Koerperschaft ihe vollstaendige Ohnmacht wo nicht zu 
begreifen, doch zu fuehlen begann. Augenblicklich also gab es in Rom nirgends 
eine Widerstandskraft irgendwelcher Regierung, nirgends eine wirkliche 
Autoritaet. Ma$
steuern, dWem Assoziationsrecht der niederen Klassen 
gesetzt worden waren, und stellte die damals aufgehobenen "Strassenklubs" 
(collegia compitalicia) wieder her, welche nichts anderes waren als eine 
foermliche, nach den Gassen abgeteilte und fast militaerisch gegliederte 
Organisation des gesamten hauptstaedtischen Freien- oder Sklavenproletariats. 
Wenn dazu noch das weitere Gesetz, das Clodius ebenfalls bereits entworfen hatte 
und als Praetor 702 (52) einzubringen gedachte, den Freigelassenen und den im 
tatsaechlichen Besitz derFreiheit lebenden Sklaven die gleichen politischen 
Rechte mit den Freigeborenen gab, so konnte der Urheber all dieser tapferen 
Verfassungsbesserungen sein Werk fur vollendet erklaeren und als neuer Numa der 
Freiheit und Gleichheit den suessen Poebel der Hauptstadt einladen, in dem auf 
einer seiner Brandstaetten am Palatin von ihm errichteten Tempel der Freiheit 
ihn zur Feier des eingetretenen demokratischen Millenniums das Hochamt 
zelebrieren zu sehen. Natuerlich schlos$
sen im ganzen Umfang des Roemischen Reiches 
und zu diesem Endzwecke teils das unbeschraenkte Verfuegungsrecht ueber die 
roemische Staatskasse, teils Heer und Flotte uebertragen zu lassen, sowie ein 
Kommando, welches nicht bloss ueber das ganze Roemische Reich sich erstreckte, 
sondern dem auch in jeder Provinz das des Statthalters wich - kurz, er 
beabsichtigte, eine verbesserte Auflage des Gabinischen Gesetzes zu 
veranstalten, woran sich sodann die Fuehrung des eben damals schwebenden 
Aegyptischen Krieges ebenso von selbst angeschlossen haben wuerde wie die des 
Mithradatischen an die Razzia gegen die Pirten. Wie sehr auch die Opposition 
gegen die neuen Dynasten in den letzen Jahren Boen gewonnen hatte, es stand 
dennoch, als diese Angelegenheit im September 697 (57) im Senat zur +erhandlung 
kam, die Majoritaet desselben noch unter dem Bann des von Caesar erregten 
Schreckens. Gehorsam nahm sie den Vorschlag im Prinzip an, und zwar auf Antrag 
des Marcus Cicero, der hier den ersten Beweis der in der$
hwirrte und sie denn auch in angemessene Angst versetzte - nicht ohne 
Herzklopfen uebersandten die philosophischen Skribenten der Zeit dem "scharfen 
Mann" ihre neu erschienenen Traktate. Das Philosophieren ist wahrlich keine 
Kunst. Mit dem zehnten Teil der% Muehe, womit der Herr den Sklaven zum 
Kunstbaecker erzieht, bildet er selbst sich zum Philosophen; freilich, wenn dann 
der Baecker und der Philosoph beide unter den Hammer kommen, geht der 
Kuchenkuenstler hundertmal teurer weg als der Weltweise. Sonderbare Leute, diese 
Philosophen! Der eine befiehlt, die Leichen in Honig beizusezen - ein Glueck, 
dass man ihm nicht den Willen  tut, wo bliebe sonst der Honigwein? Der andere 
meint, dass die Menschen wie die Kresse aus der Erde gewachsen sind. Der dritte 
hat einen Weltbohrer erfunden, durch den die Erde einst untergehen wird.
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^13 "Willst du etwa", schreibt er einmal, "die Redefiguren und Verse des 
Quintussklaven Clodius abgurgeln und ausrufen$
tio, variis
afflictionibus exerceri et crucifigi cum Christo.
33] Insuper docent, quod quilibet Christianus debeat se corporali
disciplina aut corporalibus exercitiis et laboribus sic exercere et
coercere, ne saturitas aut desidia exstimulet ad peccandum, non ut
perilla exercitia mereamur gratiam aut satisfaciamus pro peccatis.
34] Et hanc corporalem disciplinam oportet semper urgere, non solum
paucis et constitutis diebus, sicut Christus praecipit Luc. 21, 34:
35] Cavete, ne corpora vestra graventur crapula.
36] Item Matth. 17, 21: Hoc genus daemoniorum non eiicitur nisi
ieiunio et oratione.
37] Et Paulus ait 1 Cor. 9, 27: Castigo corpus meum et redigo in
38] Ubi clare ostendit se ideo castigare corpus, non ut per eam
disciplinam mereatur remissionem peccatorum, sed ut corpus habeat
obnoxium et idoneum ad res spirituales et ad faciendum officium
iuxta vocationem suam.
39] Itaque non damnantur ipsa ieiunia, sed traditiones, quae certos
[ies, certos cibos praescribunt cum periculo conscientiae, tamquam
istiu$
 Namen haben, dass sie allein heilige, vollkommene Werke
hiessen.  Derhalben war kein Mass noch Ende, solche Traditionen zu
Zum dritten, solche Traditionen sind zu hoher Bescherung der
Gewissen geraten. Denn es war nicht moeglich, alle Traditionen zu
halten, und wren doch die Leute in der Meinung, als waere solches
ein noetiger Gottesdienst, und schreibt Gerson, dass viele hiemit
in Verzweiflung gefallen, ~tliche haben sich auch selbst
umgebracht, derhalben, dass ie keinen Trost von der Gnade Christi
gehoert haben.  Denn man sieht bei den Summisten und Theologen, wiedie Gewissen verwirrt, welche sich unterstanden haben, die
Traditionen zusammenzuziehen, und "epieikeias"  gesucht, dass sie
den Gewissen huelfen, haben so viel damit zu tun gehabt, dass
dieweil alle heilsame christliche Lehre von noetigeren Sachen, als
vom Glauben, vom Trost in hohen Anfectungen und dergleichen,
daniedergelegen ist.  Darueber haben auch viel fromme Leute vor
dieser Zeit sehr geklagt, dass solche Traditionen viel Zank in der
Kirc$
lkes
versprechen, welches den grossen Beschuetzer der griechischen Freiheit im
Gefaengnis hatte verschmachten lassen?  Welches den tugendhaften Aristides,
bloss darum, weil er den Beinamen des Gerechten vrdiente, verbannet, und
in einer von seinen gewoehnlichen Launen so gar den Socrates zum
Gift-Becher verurteilt hatte, weil er der weiseste und tugendhafteste Mann
seines Jahrhunderts war.  Diese Beispiele sagten mir sogleich bei der
ersten Nachricht, die ich von dem ueber mir sich zusammenziehenden
Ungewitter erhielt, zuverlaessig vorher, was ich von den Atheniensern zu
erwarten haette; sie machten, dass ich ihnen nicht mehr zutraute, als sie
leisteten; und trugen nicht wenig dazu bei, mich ein Unglueck mit
Standhaftigkeit ertragen zu machen, in welchem ich so vortreffliche Maenner
zu Vorgaengern gehabt hatte.
Derjenige, den meine Feinde zu meinem Anklaeger auserkoren hatten, war
einer von diesen witzigen Schwaetzen, deren feiles Talent gleich fertig
ist, Recht oder Unrecht z verfechten.  Er hatte in der$
gen der Tugend endlich
vollkommen gewinnen koennte.  Und gesetzt auch, dass es ihm nur auf eine
unvollkommene Art gelingen wuerde; so hoffte er, wofern er sich nur einmal
seines Herzens bemeistert haben wuerde, doch immer im Stande zu sein, viel
gutes zu tun, und viel Boeses zu verhindern, und auch dieses schien ihm
genug zu sein, um beim Schluss der Aktion mit dem belohnenden Gedanken,
eine schoene Rolle wohl gespielt zu haben, vom Theater abzutretMen.  In
diesen sanfteinwiBgenden Gedanken schlummerte Agathon endlich ein, und
schlief noch, als Aristippus des folgenden Morgens wiederkam, um ihn im
Namen des Dionys einzuladen, und bei diesem Prinzen aufzufuehren.
Die Seite, von der sich dieser Philosoph in der gegenwaertigen Geschichte
zeigt, stimmt mit dem gemeinen Vorurteil, welches man gegen ihn gefasst hat,
so wenig ueberein, als dieses mit den gewissesten Nachrichten, welche von
seinem Leben und von seinen Meinungen auf uns gekommen sind.  In dr Tat
scheint dasselbe sich mehr auf den MissverstanO seiner G$
als ehmals; oder richtiger zu reden, er kannte den unendlichen
Unterschied zwischen dem metZphysischen Menschen, welchen man sich in
einer spekulativen Einsamkeit ertraeumt; dem natuerlichen Menschen, in der
rohen Einfalt und Unschuld, wie er aus den Haenden der allgemeinen Mutter
der Wesen hervorgeht; und dem gekuenstelten Menschen, wie ihn die
Gesellschaft, ihre Gesetze, ihre Gebraeuche und Sitten, seine BeduFrfnisse,
seiHe Abhaenglichkeit, der immer waehrende Kontrast seiner Begierden mit
seinem Unvermoegen, seines Privat-Vorteils mit den Privat-Vorteilen der
uebrigen, die daher entspringende Notwendigkeit der Verstellung, und
immerwaehrenden Verlarvung seiner wahren Absichten, und tausend dergleichen
physikalische und moralische Ursachen in unzaehliche betruegliche Gestalten
ausbilden--er kannte, sage ich, nach allen Erfahrungen, die er schon
gemacht hatte, diesen Unterschied der Menschen von dem was sie sein
koennten, und vielleicht sein sollten, bereits zu gut, um seinen Plan auf
platonische Ideen zu g$
tlich sein, wenn sie
in die Augen fallen sollen; und wir fangen gemeiniglich nicht eher an, sie
deutlich wahrzunehmen, bis wir uns genoetigt finden, zu stutzen, und uns
selbst zu fragen, ob wir noch eben dieselbe Person seien, die wir waren?
Aus{ diesem Grunde geschah es vermutlich, dass Agathon die Progressen,
welche die schon zu Smyrna angefangene Revolution in seiner Seele waehrend
seinem Aufenthalt zu Syracus machte, ohne das mindeste Misstrauen in sie zu
setzen, ganz allein den neuen oder bestaetigten Erfahrungen zuschrieb,
welche er in dieser ausgebreiteten Sphaere zu machen, so viele
Gelegenheiten hatte.
Es ist unstreitig einer der groessesten Vorteile,e wo nicht der einzige, den
ein denkender Mensch aus dem Leben in er grossen Welt mit sich nimmt,
wofern es ihm jemals so gut wird, sich wieder aus derselben herauswinden
zu koennen--dass er die Menschen darin kennen gelernt hat.  Es laesst sich
zwar gegen diese Art von Kenntnis der Menschen, aus guten Gruenden eben so
viel einwenden, als gegen diejenig$
tuerliche Heiterkeit und Lebhaftigkeit seiner Sinnesart disponierte ihn
ohnehin dazu; und die Syracusaner, deren Charakter eine Vermischun des
Atheniensischen und Corinthischen, oder eine Komposition von den
widersprechendesten Eigenschaften, welche ein Volk nur immer haben kann,
ausmachte--und en Hof, wie Dionysens Hof war--versahen ihn so reichlich
mit komischen Charaktern, Bildern und Begebenheiten, dass der Absatz,
welchen der gegenwaertige Ton seiner Seele (wenn man uns dieses malerische
Kunst-Wort hier erlauben will) mit seinem ehmaligen machte, von Tag zu Tag
immer staerker werden musste.  Der Oromasdes und Arimanius der alten Persen
werden uns nicht als toedlichere Feinde 4vorgestellt, als es der komische
Geist, und der Geist des Enthusiasmus sind; und die natuerliche Antipathie
dieser beiden Geister wird dadurch nicht wenig vermehrt, dass beide gleich
geneigt sind, ueber die Grenzen der Maessigung hinauszuscheifen.  Der
Enthusiastische Geist sieht alles in einem strengen feierlichen Licht; der
Komis$
gathon, vor andern zu seinem Aufenthalt erwaehlt zu werden.  Die
angenehme Luft dieser von einem guenstigen Himmel umflossenen Ufer, der
Anblick ei*nes der schoensten Laender unter der Sonne, und der noch suessere
Anblick eines Freundes, von dem er bis zur Schwaermerei geliebt wurde,
machten unsern Helden in einem einzigen Augenblick alles Ungemach
vergessen, das er in Sicilien und in seinem ganzen Leben ausgestanden
hatte.  Ein frohes ahnendes Erwarten der Glueckseligkeit, die in diesem zum
erstenmal betretenen Lande auf ihn wartete, verbreitete eine Art von
angenehmer Empfindung durch sein ganzes Wesen, welche sich nicht
beschreiben laesst.  Die ubestimmte Wollust, welche alle seine Sinnen
zugleich einzunehmen schien, war nicht dieses seltsame zauberische Gefuehl,
womit ihn die Schoenheiten der Natur und die Empfindung ihrer reinsten
Triebe, in seiner Jugend durchdrungen hatte--dieses Gefuehl, diese Blueate
der Empfindlichkeit, diee zaertliche Sympathie mit allem was lebt oder zu
leben scheint; dieser Geis$
nkheit aller Formen groesser
und wie auf den Fussspitzen schwebend, waehrend man Cauch im Gesicht
dieselbe Aehnlichkeit und denselben Unterschied, der auf Rechnung der
Jahre kam, auf den erstn Blick erkannte.  Nur der Ausdruck in beiden
Gesichtern schien niemals einander aehnlich werden zu koennen.  Es war
zwischen den dichten Brauen der Frau Giovanna ein Zug von Spannung und
kummervollem Harren, der auch mit den Erfahrungen des Alters auf
Mariettas klarer Stirnnie dauernd eine Staette finden konnte.  Diese
Augen mussten immer lachen, dieser Mund immer ein wenig geoeffnet sein,
um jeden Scherz unverzueglich hinauszulassen.  Es war unendlich drollig
zu sehen, wie jetzt in diesem Gesichtchen Verschlagenheit,
Ueberraschung, Neugier und^ Mutwille miteinander kaempften.  Sie bog beim
Eintreten den Kopf, dessen lose Flechten mit einem schmalen Tuch
umwunden waren, seitwaerts, um den neuen Hausgenossen zu sehen.  Auch
seine ernste Miene und sein graues Haar stimmten ihre Munterkeit nicht
herab.  Mutter, fluesterte $
der andere reichte ihm mit besondeer
Herzlichkeit die Hand.  Ich freue mich sehr, mein teurer Andrea, dass
ich Euch zufaellig hier antreffen sollte.  Ich waere ungern ohne
Abschied von Euch gegangen, und doch wagte ich nicht, Euch zu besuchen
oder nach Euch zu schicken, da es ohne Zweifel aufgefallen waere.
Ihr reist? fragte Andrea fast bestuerzt.
Ich muss wohl.  Da lest diesen Brief meiner guten Mutter, und sagt, ob
ich darauf hin noch laenger zoegern kann.
Er zog den Brief aus der Tasche und gab ihn dem Freunde. QDie alte
Dame beschwor den Sohn, wenn ihm daran liege, dass sie je wieder ein
Stunde Schlaf faende, ohne Aufenthalt zu ihr zu reisen.  Die Geruechte
aus Venedig, die Stellung, die er dort einnehme und welce ihn mehr
als andere gefaehrde, der Ums[and, dass kaum der dritte seiner Briefe an
sie gelange, sie wisse nicht, durch wessen Schuld--das alles nage an
ihrer Ruhe, und ihr Arzt wolle fuer nichts stehen, wenn sie nicht durch
einen Besuch ihres Sohnes erst wieder getroestet und beruhigt worden
sei$
ich
zurueckgezogen hatte, gehoert und erkannte, dass es jetzt Zeit sei zu
handeln.  Er hate sich schon vorher von dem aus den Feigen geloesten
Geld einen Anzug verschafft, der ihn als Gelehrten darstellen konnte;
ein langer Bart aus iegenhaaren vollendete die Taeuschung.  Mit einem
Saeckchen voll Feigen wanderte r in den Palast des Koenigs und bot als
fremder Arzt seine Hilfe an.  Man war von Anfang sehr unglaeubig; als
aber der kleine Muck eine Feige einem der Prinzen zu essen gab und
Ohren und Nase dadurch in den alten Zustand zurueckbrachte, da wollte
5alles von dem fremden Arzte geheilt sein.  Aber der Koenig nahm ihn
schweigend bei der Hand und fuehrte ihn in sein Gemach; dort schloss er
eine Tuere auf, die in die Schatzkammer fuehrte, und winkte Muck, ihm
zu folgen.  "Hier sind meine Schaetze", sprach der Koenig, "waehle dir,
was es auch sei, es soll dir gewaehrt werden, wenn du mich von diesem
schmachvollen Uebel befreist."
Das war suesse Musik in des kleinen Muck Ohren; er hatte gleich beim
Eintritt $
tan,
entflammt von wuetendem Zorn, rief ihnen zu, den Wahnsinnigenzu
binden: "Ich habe hier zu entscheiden", sprach e mit gebietender
Stimme, "und hier richtet man nicht nach den Traeumen der Weiber,
sondern nach gewissen, untrueglichen Zechen.  Dieser hier (indem er
auf Labakan zeigte) ist mein Sohn; denn er hat mir das Wahrzeichen
meines Freundes Elfi, den Dolch, gebracht."
"Gestohlen hat er ihn", schrie Omar, "mein argloses Vertrauen hat er
zum Verrat missbraucht!"  Der Sultan aber hoerte nicht auf die Stimme
senes Sohnes; denn er war in allen Dingen gewohnt, eigensinnig nur
seinem Urteil zu folgen; daher liess er den ungluecklichen Omar mit
Gewalt aus dem Saal schleppen.  Er selbst aber begab sich mit Labakan
in sein Gemach, voll Wut ueber die Sultanin, seine Gemahlin, mit der
er doch seit fuenfundzwanzig Jahren in Frieden gelebt hatte.
Die Sultanin aber war voll Kummer ueber diese Begebenheiten; sie war
vollkommen ueberzeugt, dass ein Betrueger sich des Herzens des Sultans
bemaechtigt hatte, denn jene$
harmanter Mensch sein soll."  So sprachen sie und ermahnten ihre
Soehne und Toechter, recht Bmanierlich auszusehen, wenn die Fremden
kaemen, sich gerade zu halten und sich ach einer besseren Aussprache
zu bedienen als gewoehnlich.  Und die klugen Frauen im Staedtchen
hatten nicht unrecht geraten; denn nach der Reihe fuhr der alte Herr
mit seinem Neffen umher; sich und ihn in die Gewogenheit der Familien
zu empfehlen.
Man war ueberall ganz erfuellt von den beiden Fremden und bedauerte,
nicht schon frueher diese angenehme Bekanntschaft gemacht zu haben.
Der alte Herr zeigte sich als ein wuerdiger, sehr vernuenftiger Mann,
der zwar bei allem, was er sagte, ein wenig laechelte, so dass man
nicht gewiss war, ob es ihm Ernst sei oder nicht, aber er sprach ueber
das Wetter, ueber die Gegend, ueber das Sommervergnuegen aufdem Keller
am Berge so klug und durchacht, dass jedermann davon bezaubert war.
Aber der Neffe!  Er bezauberte alles, er gewann alle Herzen fuer sich.
Man konnte zwar, was sein Aeusseres betraf, sei$
Knuetteln bewaffnet, als Leibgare, Felix, der Goldarbeiter, trug
bange mehr um den Schmuck seiner Wohltaeterin als um sein Leben; der
Fu2hrmann aber, der einigemal den Rauch seiner Pfeife nachdenklich vor#
sich hingeblasen, sprach leise: "Ihr Herren, im Schlaf wenigstens
sollen sie uns nicht ueberfallen.  Ich fuer meinen Teil will, wenn nur
noch einer mit mir haelt, die ganze Nacht wach bleiben."
"Das will ich auch"--"ich auch", riefen die drei uebrigen; "schlafen
koennte ich doch nicht", setzte der junge Herr hinzu.  "Nun, so wollen
wir etwas treiben, dass wir wach bleiben", sagte der Fuhrmann, "ich
denke, weil wir doch gerade zu viert sind, koennten wir Karten spielen,
das haelt wach und vertreibt die Zeit."
"Ich spiele niemals Karten", erwidert der junge Herr, "darum kann
ich wenigstens nicht mithalten."
"Und ich kenne die Karten gar nicht", setzte Felix hinzu.
"Was koennen wir denn aber anfangen, wenn wir nicht spielen", sprach
der Zirkelschmied, "singen?  Das geht nicht und wuerde nur das
Gesindel herbei$
s wurde schlaefrig, denn
begierig horchten wir alle zu.  Ehe wir uns dessen versahen, war es
Tag.  Da erkannten wir die List des Meisters, dass er uns durch Reden
habe wach halten wollen.  Denn als die Glocke fertig war, schonte er
seinen Wein nicht und holte ein, was er weislich in jener Nacht
versaeumte."
"Das ist ein vernuenftiger Mann", erwiderte der Student, "gegen den
Schlaf, das ist gewiss, hilft nichts als Reden.  Darum moechte ich
diese Nacht nicht einsam bleiben, weil ich mich gegen elf Uhr hin des
Schlafes nicht erwehren koennte."
"Das haben auch die Bauersleute wohlbeacht", sagte der Jaeger, "wenn
die Frauen und Maedchen ipn den langen Winterabenden bei Licht spinnen,
so bleiben sie nicht einsam zu Hause, weil sie da wohl mitten unter
der Arbeit einschliefen, sondern sie kommen zusammen in den
sogenannten Lichtstuben, setzen sich in grosser Gesellschaft zur
Arbeit und erzaehlen."
"Ja", fiel der Fuhrmann ein, "da geht es oft recht greulich zu, dass
man sich ordentlich fuerchten moechte, denn sie$
glich, so
kehre ich zurueck und hole euch nach." Die uebrigen billigten diesen
Vorschlag, der Fuhrmann legte die Schuhe ab und schlich sich auf den
Zehen nach der Treppe; aengstlch lauschten seine Genossen oben im
Zimmer; schon war er die eine Haelfte der Treppe gluecklich und
unbemerkt hinabgestiegen; aber als er sich dort um einen Pfeiler
wandte, richtete sich ploetzlich eine ungeheure Dogge vor ihm in die
Hoehe, legte ihre Tatzen auf seine Schultern und wies ihm, gerade
seinem Gesicht gegenueber, zwei Reihen langer, scharfer Zaehne.  Er
wagte weder vor- noch rueckwaerts auszuweichen; denn bei der geringsten
Bewegung schnappte der entsetzliche Hund nach seiner Kehle.  Zugleich
fing er an zu heulen und zu bellen, und alsobald erschienen der
Hausknecht und die Frau mit Lichtern.
"Wohin, was wollt Ihr?" rief die Frau.
"Ich habe noch etwas in meinem Karre zu holen", antwortete der
Fuhrmann, am ganzen Leibe zitternd; denn als die Tuer% aufgegangen war,
hatte er mehrere braune, verdaechtige Gesichter, Maenner mi$
 an, bis es ihm gelang, geordnet zu sprechen.
"Gnaedige Frau", Psagte er, "es gibt Faelle, in die man sich in Geduld
schicken muss.  Ein solcher ist der Ihrige.  Glauben Sie nicht, dass
ich den Respekt vor einer so ausgezeichneten Dame auch nur auf einen
Augenblick aus den Augen setzen werde; Sie werden alle
Bequemlichkeiten haben, Sie werden ueber nichts klagen koennen als
vielleicht ueber den Schrecken, den Sie diesen Abend gehabt." Hier
hielt er inne, als erwartete er eine Antwort; als aber Felix
beharrlich schwieg, fuhr er fort: "SeFhen Sie in mir keinen gemeinen
Dieb, keinen Kehlenabschneider.
  Ich bin ein ungluecklicher Mann, den
widrige Verhaeltnisse zu diesem Leben zwangen.  Wir wollen uns auf
immer aus dieser Gegend entfernen; aber wir brauchen Reisegeld.  Es
waere uns ein leichtes gewesen, Kaufleute oder Postwagen zu ueberfallen;
aber dnn haetten wir vielleicht mehrere Leute auf immer ins Unglueck
gestuerzt.  Der Herr Graf, Ihr Gemahl, hat vor sechs Wochen eine
Erbschaft von fuenfmalhunderttausend$
efen sie, "seht ihr ihn dort im Wagen
neben dem Offizier!  Es lebe der brave Go0dschmiedsjunge!" Und ein
tausendstimmiges "Hoch!" fuellte die Luefte.
Felix war beschaemt, geruehrt von der rauschenden Freude der Menge.
Aber noch ein ruehrenderer Anblick stand ihm auf dem Rathause der
Stadt bevor.  Ein Mann von mittleren Jahren, in reichen Kleidern,
empfing ihn an der Treppe und umarmte ihn mit Traenen in den Augen.
"Wie kann ich dir vergelten, mein Sohn!" rief er.  "Du hast mir viel
gegeben, als ich nahe daran war, unendlich viel zu verlieren!  Du
hast mir die Gattin, meinen Kindern die Mutter gerettet; denn ihr
zartes Leben haette die Schrecken einer solchen Gefangenschaft nicht
ertragen." Es war der Gemahl der Graefin, der diese Worte sprach.  So
sehr sich Felix straeuben mochte, einen Lohn fuer seine AufopferuJng zu
bestimmen, so unerbittlich schien der Graf darauf besteen zu wollen.
Da fiel dem Juengling das unglueckliche Schicksal des Raeuberhauptmanns
ein; er erzaehlte, wie er ihn gerettet, wie diese Re$
nd gaebs eine Liebe, gereinigt von Qualen,
Und schien' eine Sonne, beraubt ihrer Strahlen:
Ich bliebe doch lieber im finsteren Haus
Und lachte die Torheit der Menschen hier aus.
(Er eilt zurueck und oeffnet die Fensterbalken.  Der Wald erglueht
im Abendrot, welches auch Rappelkopf bestrahlt.  E blickt duester
hinaus und von ferne erschallt der)
So leb denn wohl, du stilles Haus,
Wir ziehn betruebt aus dir hinaus.
Achzehnter Auftritt
(Langsam verwandelt sich die Buehne in ein kurzes Zimmer in
Rappelkopfs Hause.  In der MIitte ein grosser Spiegel.  Tag.)
Sophie, von Malchen und August gefuehrt, setzt sich weinend in
einen Stuhl.
Troesten Sie sich, teure Mutter, der Vater wird schon wieder
zurueckkehren, wenn er ausgetobt hat.  Wie oft verliess er nicht
das Ha4us und lief den Bergen zu.
Ach Kinder, es ist eine boese Ahnung in meinem Busen, die mir
jede Hoffnung raubt, dass wir ihn gesund und wohlbehalten
wiedersehen.
Wenn Sie mir nur erlauben wollten, ihm nachzueilen, ich wollte
alle Mittel anwenden, ihn zu bes$
sollte sich hueten, seinen Gegnern mit solchen
Fehlgriffen die Waffen in die Hand zu geben.
Aber in der Tat! Diese drei Musketiere haben sich vom Alexanderplatz auf
den Gensdarmenmarkt verirrt und werden, statt ueber die Koenigsstaedter ueber
die Koenigliche Buehne schreiten. Die Rollen sind ausgeteilt. Hendrichs,
Doering, die Hagn, die Crelinger, die besten Truppen ruecken fuer Alexandre
Dumas und seine in die Uniform der Madame Birch-Pfeiffer gesteckten drei
Musketiere ins Feld. Herr von Kuestner glaub} die hohe Aufgabe, jaehrlich
sich mit 220 000 Talern zu "rechtfertigen", nur durch ein solches
Repertoire loesen zu koennen. Wenn auch Graf Bruehl sich im Grabe umpdrehen
sollte, wenn auch Graf Redern, auf dem Trottoir Unter den Linden einen
Augenblick still stehend und den neuesten heaterzettel an einer
Strassenecke lesend, laecheln, hoechst ironisch laecheln sollte, Herr von
Kuestner fehrt doch die drei Musketiere der Madame Birch-Pfeiffer auf!
Frueher war das Verhaeltnis so: Wenn Madame Birch-Pfeiffer ein $
 und das Don Caesar schulte.
Sie jubeln, dass der Erker widerhallt.
Rudolf. Sie jubeln? Tummelt? Ein verzogner Fant,
Huebsch wild und rasch, bei Wein und Spiel und Schmaus.
Wohl selbst bei Weibern auch; man spricht davon.
Allein er ist ein Mensch. Ich will ihn sehQ,
Den Leupold sehn! Wo ist er? Bringt ihn her!
(Einige sind gegangen.)
Rudolf (zu Ferdinand).
Beliebt's Euch unterdessen, die Gemaecher,
Die man Euch hier bereitet, zu besehn?
Wo bleibt der Range? Warum kommt er nicht?
Erzherzog Leopolds Stimme (von aussen).
Rudolf. Aha, er ruft.--Was gibt es dort?
(Aus der Seitentuere links ist ein Hofbedienter herausgetreten.)
Rumpf. Die Kapellaene fragen untertaenigst,
O Eure Majestet den Gottesdienst--
Rudolf (das Barett abnehmend und Mantel und Kleid ordnend).
Des Herren Dienst vor allem.
(Zu Erzherzog Ferdinand.)
Wenn's beliebt!
(Zu den uebrigen.)
Und kommt mein Neffe, heisst ihn nur uns folgen.
Erzherzog Leopold (zur Tuere hereinstuerzend).
Mein gnaed'ger Ohm! (Da er den bereits geordneten Zug sieht, stutzt$
ist's gewidmet,
  Und hinterm Waldgebirge, das zum Aetna
  Sich langsamsteigend hebt, liegt es versteckt;
  Wie ein verschwiegner Aufenthalt der Seelen.
  Sei guten Muths! Vertraue deinen Soehnen!
  Die Schwester bring' ich dir zurueck, muesst' ich
  Durch alle Laendr sie und Meere suchen.
  Doch eines, Mutter, ist es, was mich kuemmert:
  Die Braut verliess ich unter fremdem Schutz.
  Nur dir kann ich das theure Pfand vertrauen,
  Ich sende sie dir her, du wirst sie schauen;
  An ihrer Brust, an ihrem lieben Herzen
  Wirst du des Grams vergessen und der Schmerzen. (Er geht ab.)
  Wann endlich wird der Fluch sich loesen,
  Der ueber diesem Hause lastend ruht?
  Mit meiner Hoffnung spielt ein tueckisch Wesen,
  Und immer sillt sich seines Neides Wuth.
  So nahe glaubt ich mich dem sichern Hafen,
  So fest vertraut' ich auf des Glueckes Pfand,
  Und alle Stuerme glaubt' ich eingeschlafen,
  Und freudig winkend sah ich schon das Land
  Im Abendglanz der Sonne sich erhellen;
  Da kommt ein Sturm, aus heitrer Luf$
er schlechte Menschen, die diese Schuechternheit
gelegentlich ueberwinden, nicht wahr?
(Marchbanks faehrt beinahe wuetend auf:)  Schlechte Menschen  Das heisst
Menschen, die ohne Liebe sind, deshalb sind sie auch ohne Scham!  Sie
haben den Mut, Liebe zu verlangen, weil sie keine brauchen; sie haben
deMut, sie anzubieten, weil sie keine zu geben haben!  (Er sinkt in
seinen Stuhl und fuegt traurig hinzu:)  Aber wir, die wir Liebe haben
und danach brennen, sie mit anderen auszutauschen, wir koennen kein
Wort ueber die Lippen bringen.  (Schuechtern:)  Finden Sie das nicht auch?
(Proserpina.)  Nehmen Sie sich in acht.  Wenn Sie nicht aufhoeren, so zu
reden, werde ich das Zimmer verlassen, Herr Marchbanks.  Ich tue es
wirklich!  Das gehoert sich nicht.  (Sie nimmt ihren Sitz vor der
Schreibmaschine wieder ein, oeffnet das blaue Buch und macht sich
bereit, daraus etwas zu kopieren.)
(Marchbanks hilflos:)  Nichts gehoert sich, was wert ist, dass man
darueber spricht!  (Er erhebt sich und wandert verloren im Zimmer $
ebe,
der mich ergriff, obschon ich mich zu gleicher Zeit an dem die
kindliche Verehrung missbrauchenden Marschall aergerte und auch darueber
hoechst missmutig war, dass Julian, gegen mich und jedermann ein
hartnaeckiger Schweiger, einem Mouton Vertrauen bewies, einem
Halbmenschen sich aufschloss.  Mit Unrecht.  Erzaehlen doch auch wir
Erwachsenen einem treuen Tiere, welches uns die Pfoten auf die Knie
legt, unsern tiefsten Kummer, und ist es nicht ein vernuenftiger Trieb
aller von der Natur Benachteiligten, ihre Gesellschaft eher unten zu
suchen als bei ihresgleichen, wo siesich als Geschonte und
Bemitleidete empfinden?
'Weisst du was', fuhr Mouton nach einer Pause fort, und der andere
Mouton spitzte die Ohren dazu, 'du zeichnest dein Vieh schon jetzt
nicht schlecht und lernst taeglicHh hinzu.  Ich nehme dich nach dem
Sueden als mmeinen Gesellen.  Ich habe da eine Bestellung nach Schloss
Grignan.  Die Dingsda--wie heisst sie doch? das fette lustige
Weibsbild? richtig: die Sevigne!--schickt mich ihrem Schwieg$
rnen, welche die Kinder ame Wege
aufgelesen, nd eine voellig nackte Puppe mit nur einem Bein und einem
verschmierten Gesicht, welches wie ein Fraeulein zwischen den Broten
sass und sich behaglich fahren liess. Dies Fuhrwerk hielt nach manchem
Anstoss und Aufnthalt endlich auf der Hoehe im Schatten eines jungen
Lindengebuesches, welches da am Rande des Feldes stand, und nun konnte
man die beiden Fuhrleute naeher betrachten. Es war ein Junge von
sieben Jahren und ein Dirnchen von fuenfen, beide gesund und munter,
und weiter war nichts Auffaelliges an ihnen, als dass beide sehr
huebsche Augen hatten und das Maedchen dazu noch eine braeunliche
Gesichtsfarbe und ganz krause, dunkle Haare, welche ihm ein feuriges
und treuherziges Ansehen gaben. Die Pflueger waren jetzt auch wieder
oben angekommen, steckten den Pferden etwas Klee vor und liessen die
Pfluege in der halbvollendeten Furche stehen, waehrend sie als gute
Nachbarn sich zu dem gemeinschaftlichen Imbiss begaben und sich da
zuerst begruessten; denn bislang $
, sich
eine lange Zeit der Pruefung und Entsagung vorzunehmen und zu
ueberstehen, und dann waere erst noch Vrenchens Vater dagewesen,
welchen er zeitlebens elend gemacht. Das Gefuehl, in der buergerlichen
Wet nur in einer ganz ehrlichen und gewissenfreien Ehe gluecklich
sein zu koennen, war in ihm ebenso lebendig wie in Vrenchen, und in
beiden verlassenen Wesen war es ie letzte Flamme der Ehre, die in
frueheren Zeiten in ihren Haeusern geglueht hatte und welche die sich
sicher fuehlenden Vaeter durch einen unscheinbaren Missgriff
ausgeblasen und zerstoert hatten, als sie, eben diese Ehre zu aeufnen
waehnnd durch Vermehrung ihres Eigentums, so gedankenlos sich das Gut
eines Verschollenen aneigneten, ganz gefahrlos, wie sie meinten. Das
geschieht nun freilich alle Tage; aber zuweilen stellt das Schicksal
ein Exempel auf und laesst zwei solche Aeufner ihrer Hausehre und
ihres Gutes zusammentreffen, die sich dann unfehlbar aufreiben und
auffressen wie zwei wilde Tiere. Denn die Mehrer des Reiches
verrechnen sic$
d nie zu sehen ist, ohne dass sie etwas Essbares zwischen
den Fingern herumzerrt; was Wunder, dass die Herren Germanen dabei die
groessten Esser werden, das ganze Lebensglueck auf eine wohlbestellte
Kueche gegruendet wird und man ganz vergisst, welche Nebensache
eigentlich das Essen auf Qdieser schnellen Lebensfahrt sei. Ebenso
verfuhr sie mit dem, was sonst von den Eltern mit einer schrecklich
ungeschickten Heiligkeit behandelt wird, mit dem Gelde. Sobald als
tunlich liess sie ihren Sohn ihren Vermoegensstand mitwissen, fuer sie
Geldsummen zaehlen und in das Behaeltnis legen, und sobald er nur
imstande war, die Muenzen zu unterscheiden, liess sie ihm eine kleine
Sparbuechse zu gaenzlich freier Verfuegung. Wenn er nun eine Dummheit
machte oder ene arge Nascherei beging, so behandelte sie+ das nicht
wie ein Kriminalverbrechen, sondern wies ihm mit wenig Worten die
Laecherlichkeit und Unzweckmaessigkeit nach. Wenn er etwas entwendete
oder sich aneignete, was ihm nicht zukam, oder einen jener heimlichen
Ankaeuf$
treffenden Stimmzettel auszuteilen."
"Ihr habt ueberhaupt weder etwas vorzuschlagen hier, noch den
Stimmenzaehlern etwa^ auf!zutragen!" rief Fritz Amrain, und dem grossen
Mgnaten und Gastwirt blieb nichts anderes uebrig, als das Unerhoerte
abermals so begreiflich zu finden, dass es ans Triviale grenzte, und
ohne ein Wort weiter zu sagen, verliess er die Kirche, gefolgt von dem
bestuerzten NachtwDaechter und den andern Lumpen. Nur der Schreiber
blieb, um das Protokoll weiterzufuehren, und Fritz Amrain begab sich
in dessen Naehe und sah ihm auf die Finger. Die Bauern aber erholten
sich endlich aus ihrer Verwunderung und benutzten die Gelegenheit, das
Wahlgeschaeft rasch zu beendigen und statt der bisherigen zwei
Mitglieder zwei tuechtige Maenner aus ihrer Gegend zu waehlen, die sie
schon lange gerne im Rate gesehen, wenn die Seldwyler ihnen irgend
Raum gegoennt haetten. Dies lag nun am wenigsten im Plane der
nichterschienenen Seldwyler; denn sie hatten sich doch gedacht, dass
ihr Praesident und der Nachtwaechte$
n Halbkreis, wo man einer wqeiten Aussicht genoss und
ueber Waelder, Seen und Ortschaften wegsah. Zues oeffnete ihren Beutel
und gab jedem eine Handvoll Birnen und Pflaumen, um sich zu
erfrischen, und sie sassen so eine geraume Weile schweigend und ernst,
nur mitden schnalzenden Zungen, wenn sie die suessen Fruechte damit
zerdrueckten, ein sanftes Geraeusch erregend.
Dann begann Zues, indem sie einen Pflaumenkern forwarf und die davon
gefaerbten Fingerspitzen am jungen Grase abwischte, zu sprechen:
"Lieben Freunde! Sehet, wie schoen und weitlaeufig die Welt ist,
ringsherum voll herrlicher Sachen und voll Wohnungen der Menschen Und
dennoch wollte ich wetten, dass in dieser feierlichen Stunde nirgends
in dieser weiten Welt vier so rechtfertige und gutartige Seelen
beieinander versammelt sitzen, wie wir hier sind, so sinnreich und
bedachtsam von Gemuet, so zugetan allen arbeitsamen Uebungen und
Tugenden, der Eingezogenheit, der Sparsamkeit, der Friedfertigkeit und
der innigen Freundschaft. Wie viele Blumen stehe$
, und es genuegt
mir zu wissen, dass mein Geist nicht ertlos und verachtet ist vo
einer hoeheren Einsicht. Schon viele haben mich begehrt, die meiner
nicht wert waren, und nun auf einmal sehe ich drei wuerdige
Junggesellen um mich versammelt, von denen ein jeder gleich wert
waere, mich zu besitzn! Bemesset danach, wie mein Herz in diesem
wunderbaren Ueberflusse schmachten muss, und nehmet euch jeder ein
Beispiel an mir und denket euch, jeder waere von drei gleichwerten
Jungfrauen umbluehet, die sein begehrten, und er koennte sich um
deswillen zu keiner hinneigen und gar keine bekommen! Stellt euch doch
recht lebhaft vor, um jeden von euch buhleten drei Jungfern Buenzlin,
und saessen so um euch her, gekleidet wie ich und von gleichem
Ansehen, so dass ich gleichsam verneunfacht hier vorhanden waere und
euch von allen Seiten anblickte und nach euch schmachtete! Tut ihr
Die wackeren Gesellen hoerten verwundert auf zu kauen und studierten
mit einfaeltigen Gesichtern, die seltsame Aufgabe zu loesen. Das
Schwaeblei$
nicht gedacht habe! Oder soll ich dir
erst das Fell abziehen und dann den Kopf abschneiden?" "Nein, wenn es
Euch gefaellig ist," sagte Spiegel demuetig, "lieber zuerst den Kopf
abSchneiden!" "Hast recht, du armer Kerl!" sagte Herr Pineiss, "wir
wollen dich nicht unnuetz quaelen! Alles was recht ist!" "Dies ist ein
wahres Wort!" sagte Spiegel mit einem erbaermlichen Seufzer und legte
das Haupt ergebungsvoll auf die Seite, "o haett' ich doch jederzeit
getan, was recht ist, und nicht eine so wichtige Sache leichtinnig
unterlassen, so koennte ich jetzt mit besserem Gewissen sterben, denn
ich sterbe gern; aber ein Unrecht erschwert mir den sonst so
willkommenen Tod; denn was bietet mir das Leben? Nichts als Furcht,
Sorge und Armut und zur Abwechslung einen Sturm verzehrender
Leidenschaft, die noch schlimmer ist, als die stille zitternde
Furcht!" "Ei, welches Unrecht, welche wichtige Sache?" fragte Pineiss
neugierig. Ach was hilft das Reden>jetzt noch," seufzte Spiegel,
"geschehen ist geschehen und jetzt ist Reue z$
in die inneren
Raeume fuehrt; in der Mitte einen Tisch mit seiner Mahlzeit von
Mailaender Risotto, Kaese, Trauben, Brot, Oliven und einer grossen, mit
Weidenzweigen umflochtenen Flasche Rotwein.  Der Wirt, Giuseppe Grandi,
ist auch nichts Neues fuer sie; er ist ein dunkelfarbiger, lebhafter,
gehoerig heiterer, schwarzlockiger, kugelkoepfiger, grinsender kleine	
Mann von vierzig Jahren.  Schon von Natur ein guter Wirt, ist er heute
abend in extra guter Laune ueber sein Glueck, den franzoesischen
Kommandeur als Gast unter seinem Dache zu haben, dessen Gegenwart ihn
vor den Uebergriffen der Soldaten schuetzt.  Er traegt sogar ein Paar
goldener Ohrringe zur Schau, die er sonst mit seinem kleinen Besitz an
Silbergeschirr sorgfaeltig unter der Kelter versteckt haben wuerde.)
(Nap1leon jedoch, der ihm gegenueber an der hinteren Seite des Tisches
sitzt, und seinen Hut, seinen Degen und seine Reitpeitsche, die auf
dem Sofa liegen, sieht das Maedchen zum erstenmal.  Er arbeitet hart,
teils an seiner Mahlzeit, die er $
ich und eilt hinaus.)
(Napoleon wirft die Briefe in einem Haufen auf den Tisch:)  Nun, also!
(Er setzt sich auf den Stuhl, den er eben hingestellt hat.)
(Dame.)  Ja; aber Sie wissen doch--den bewussten Brief haben Sie noch in
Ihrer Tasche.  (Er laechelt, nimmt einen Brief aus der Tasche und wirft
ihn auf die Spitze des Haufens.  Sie hebt ihn auf, betrachtet Napoleon
und sagt:)  Caesars Frau betreffend.
(Napoleon.)  Caesars Frau ist ueber alleW Verdacht erhaben--veWrbrennen
(Dame nimm8 den Brief mit der Lichtputzschere und haelt ihn damit an
die Kerzenflamme:)  Waere Caesars Frau wohl ueber allen Verdacht erhaben,
wenn sie uns beide hier sitzen saehe--?  Wer weiss--?
(Napoleon ihre Worte mechanisch wiederholend, die Ellbogen auf den
Tisch und die Wangen in die Haende gestuetzt, den Brief betrachtend:)
Wer weiss--?  (Die fremde Dame legt den angezuendeten Brief auf das
Lchtputzbrett und setzt sich neben Napoleon in der gleichen Stellung,
die Ellbogen auf den Tisch, die Wangen in die Haende gestuetzt, und
sieht $
 dir den
Gefallen tun wollte, denn es steht kein Zeuge gegen dich als deine
toerichte Zunge.  Aber weisst duwas: gehe nach Chur und beichte dem
Bischof.  Er ist der Hirte, und du bist das Schaeflein.  Er mag dir die
haerteste Busse auflegen: Fasten, schwere Dienste, haerenes Hemde,
blutige Geisslungen.  Fordere sie, ist er dir zu milde!  Dann aber gib
dich zufrieden!  Unterwirf dich ganz der Kirche: sie vertritt dich,
und du hast eine sichere Sache!" Sie sagte das mit einem ueberzeugenden
"Ich weiss nicht", schluchzte Faustine, "Gott sei davor, dass eine
Missetaeterin wie ich seiner heiligen Kirche nicht gehorche.  Aber
anders waere es einfacher gewesen.  Geplagt habe ich mich schon und im
Schweisse meines Angesichtes zerarbeitet fuenfzehn Jahre lang mit dem
Trost und Vorstz, sobald mein Kind in sein Alter und an den Mann
gekommen, stracks in den Himmel zu fahren.  Jetzt verrueckst du mir die
kurze Leiter und vertrittst mir den Weg."
"Der nach Chur ist kurz, und der an unser Ende ist nicht lang.
Gehorche, $
eh und bring ihn.  Oder wuesstest du deiner Schwester einen bessern
"Nein, Frau, wenn sie ihn mag!  Doch was habe ich dabei zu raten und
zu tun?  Das ist deine Sache und die des Pfaffen, der sie zusammengibt.
Ich will den Rappen satteln gehen, den du mir geschenkt hast."
Sie blickte ihn mit besorgten Augen an.  "as ist dir, Wulfrin?  Du
siehst bleich!  Ist dir nicht wohl hier?  Und mit Palma gehst du um
wie mit einer Puppe, du stoessest sie weg, und dann haetschelst du sie
wieder.  Du verdirbst mir das MGaedchen.  Wo hast du solche Sitte
"Sie ist aufdringlich", sagte er.  "Ich liebe freieu Ellbogen und kann
es nicht leiden, dass man sich an mich haengt.  Sie laeuft mir nach, und
wenn ich sie schicke, weint sie.  Dann muss ich sie wieder troesten.  Es
ist unertraeglich!  Ich habe die Gewohnheit breiter Ebenen und grosser
Raeume--auf diesem Felsstueck ist alles zusammengeschoben.  Das Gebirge
druecktd der Hof beengt, der Strom schuettert--an jeder Ecke, auf jeder
Treppe dieselben Gesichter!  Verwuenschtes Malmo$
r aus, aber es ist vergebliche Muehe,
wir reiben nur das grobe Leder aneinander ab - wir sind sehr einsam.
Du kennst mich, Danton
Ja, was man so kennen heisst. Du hast dunkle Augen und lockiges Haar
und einen feinen Teint und sagst immer zu mir: lieber Georg! Aber
(er deutet ihr auf Stirn und Augen) da, da, was liegt hinter dem?
Geh, wir habe grobe Sinne. Einander kennen? Wir muessten uns die
Schaedeldecken aufbrechen und die Gedanken einander aus den Hirnfasern
Eine Dame (zu Herault).
Was haben Sie nur mit Ihren Fingern vor?
Schlagen Sie den Daumen nicht so ein, esist nicht zum Ansehn!
Sehn Sie nur, das Ding hat eine ganz eigne Physiognomie. -
Nein, Julie, ich liebe dic wie das Grab.
Julie (sich abwendend).
Nein, hoere! Die Leute sagen, im Grab sei Ruhe, und Grab und Ruhe
seien eins. Wenn das ist, lieg ich in deinem Schoss schon unter der
Erde. Du suesses Grab, deine Lippen sind Totenglocken, deine Stimme
ist mein Grabgelaeute, deine Brust mein Grabhuegel und dein Herz mein
Das war ein verliebtes Abenteuer, $
net, kann der Despotismus
noch immer an dem Duft unsrer Leichen ersticken.
Wir stanken bei Lebzeiten schon hinlaenglich. - Da sind Phrasen fuer
die Nachwelt, nicht wahr, Danton; uns gehn sie eigentlich nichts an.
Er zieht ein Gesicht, als solle es versteinern und von der Nachwelt
als Antike ausgegraben werden. Das verlohnt sich auch der Muehe,
Maeulchen zu machen und Rot aufzulegen und mit einem guten Akzent zu
sprechen; wir sollten einmal die Masken abnehmsen wir saehen dann,
wie in einem Zimmer mit Spiegeln, ueberall nur den einen uralten,
zahnlosen, unverwuestlichen Schafskopf, nichts mehr, nichts weniger.
Die Unterschiede sind so gross nicht, wir alle sind Schurken und
Engel, Dummkopfe und Genies, und zwar das alles in einem: die vier
Dinge finden Platz genug in dem naemlichen Koerper, sie sind nicht
so breit, als man sich einbildet. Schlafen, Verdauen, Kinder machen
- das treiben alle; die uebrigen Dinge sind nur Variationen aus
verschiedenen Tonarten ueber das naemliche Thema. Da braucht man
sich auf d$
betrittst den Raum--und aus dem Nichts schafft sich Erscheinung,
Bewegung und Gestaltung; Koerper, Eigenschaften, Kraefte, Wirkung,
Entfaltung, Leben in endloser Fuelle und endlosem Wehsel; aus deiner
Empfindung--die Welt.
    Alsbald erscheint dir dieser Raum gross oder klein, hoch oder
niedrig, hell oder dunkel, heiss oder kuehl, schoen oder haesslich oder in
irgend einer Beziehung deinen Sinnen erwuenscht oder unerwuenscht, und
zwischen diesen Gegensaetzen alle Abstufung deiner Empfindung. Den
Boden, auf dem du stehst, fuehlst du unter dir, die Decke siehst du
ueber dir; die Pforte, durch die du einRetreten bist, ist hinter dir;
vor dir, weiten Ausblick gewaehrend, der offene Bogen; diese
geschlossene Wand hier ist zur Linken, jenes die rechte Seite des
    Dies sind Bezeichnungen, Urteile, die unbestreitbar scheinen,--
dennoch, sobald jemand dir gege:ueber tritt, behauptet er, die Seite,
die du mit rechts bezeichnest, sei die linke, und nennt die Wand, die
du links nennst, die rechte. Beider Urteile koe$
werstem Kaliber ueber mein Latein
zu giessen, dies stand schon, als ich Schueler der ehrwuerdigen
Schulpforta war, durchaus nicht im Widerspruch zu meiner Physiologie,
noch vielleicht auch zu der des Sallust wie sehr auch immer zur
ehrwuerdigen Schulpforta... Spaeter, gegen die Mitte des Lebes hin,
entschied ich mich freilich immer strenger gegen jedwedes "geistige"
Getraenk: ich, ein Gegner des Vegetarierthums aus Erfahrung, ganz wie
Richard Wagner, der mich bekehrt hat, weiss nicht ernsthaft genug
die unbedingte Enthaltung von Alcoholicis allen geistigeren Naturen
anzurathen. Wasser thut's... Ich ziehe Orte vor, wo man ueberall
Gelegenheit hat, aus fliessenden Brunnen zu schoepfen (Nizza, Turin,
Sils); ein kleines Glas laeuft mir nach wie ein Hund. In vino veritas:
es scheint, dass ich auch hier wieder ueber den Beg&iff "Wahrheit" mit
aller Welt uneins bin: - bei mir schwebt der Geist ueber dem Wasser...
Ein paar Fingerzeige noch aus meiner Moral. Eine starke Mahlzeit ist
leichter zu verdauen als eine zu $
ist geradezu unschaetzbar in meinem Leben. Niemand hat bisher mit mir
Haendel gesucht. Man schweigt, man behandelt mich in Deutschland mit
einer duestern Vorsicht: ich habe seit Jahren von einer unbedingten
Redefreiheit Gebrauch gemacht, zu der Niemand heute, am wenigsten
im "Reich", die Hand frei genughat. Mein Paradies ist "unter dem
Schatten meines Schwertes"... Im Grunde hatte ich eine Maxime
Stendhals prakticirt: er raeth an, seinen Eintrit in die Gesellschaft
mit einem Duell zu machen. Und wie ich mir meinen Gegner gewaehlt
hatte! den ersten deutschen Freigeist!... In der ThIat, eine ganz neue
Art Freigeisterei kam damit zum ersten Ausdruck: bis heute ist mir
Nichts fremder und unverwandter als die ganze europaeische und
amerikanische Species von "libres penseurs". Mit inhnen als mit
unverbesserlichen Flachkoepfen und Hanswuersten der "modernen Ideen"
befinde ich mich sogar in einem tieferen Zwiespalt als mit Irgendwem
von ihren Gegnern. Sie wollen auch, auf ihre Art, die Menschheit
"verbessern", nach $
hr herum stehende
Heliotrop bluehte noch, und die leise Brise, die ging, trug den Duft
davon zu ihnen herueber.
"Ach, wie wohl ich mich fuehle", sagte Effi, "so wohl und so
gluecklich; ich kann mir den Himmel nicht schoener denken. Und am
Ende, wer weiss, ob sie im Himmel so wundervollen Heliotrop haben."
"Aber Effi, so darfst du nicht sprechn; das hast du von deinem Vater,
dem nichts heilig ist und der neulich sogar sagte, Niemeyer saehe aus
wie Lot. Unerhoert. Und was soll es nur heissen? Erstlich weiss er
nicht, wie Lot ausgesehen hat, und zweitens ist es eine grenzenlose
Ruecksichtslosigkeit gegen Hulda. Ein Glueck, dass Niemeyer nur de
einzige Tochter hat, dadurch faellt es eigentlich in sich zusammen. In
einem freilich hat er nur zu recht gehabt, in all und jedem, was er
ueber 'Lots Frau', unsere gute Frau Pastorn, sagte, die uns denn auch
wirklich wieder mit ihrer Torheit und Anmassung den ganzen Sedantag
ruinierte. Wobei mir uebrigens einfaellt, dass wir, als Jahnke mit
der Schule vorbeikam, in unse$
gte der Herr der Geister.
1. In jenen Tagen soll die Erde ausliefern aus ihrem Schosse, und die
Unterwelt auslefern aus dem ihrigen das, was sie erhalten hat und der
Abgrund soll wiedergeben das, was er schuldig ist.
2. Er wird ausscheiden die Gerechten und Heiligen aus ihnen; denn der Tag
ihrer Erlosung ist herbeigekommen.
3. Und an jenen Tagen wird der Auserwahlte sitzen auf seinem Throne, wahrend
jegliches Geheimnis der verstandigen Weisheit hervorgehen wird aus seinem
Munde; denn der Herr der Geister hat ihn begabt und verherrlicht.
4. An jenen Tagen werden die Berge springen wie Widder, und die Hugel hupfen
wie junge Schafe, gesattigt mit Milch, und alle (die Gerechten) werden zu
Engeln im Himmel.
5. Ihr Antlitz wird glanzen vor Freude; denn an jenen Tagen wird der
Auserwahlte erhoben werden. Die Erde wird sich freuen, die Gerechten werden
sie bewohnen und die Auserwahlten auf ihr gehen und wandeln.
1. Nach dieser Zeit wurde ich an der Stelle, wo ich jedes geheime G[esicht
gesehen hatte, in einem Wirbe$
ten wurden von den bosen
Menschen, und horten von ihnen Schmahung und Gotteslasterung, und beschimpft
wurden, indem sie mich priesen: werde ich nun rufen die Geister der Guten
von dem Geschlechte des Lichtes, und verandern diejenigen, welche geboren
wurden in Finsternis, welche in ihrem Fleische nicht wieder empfangen die
Ehre, wie es wurdig war ihrer Treue.
26. Und ich werde bringen in ein g6lanzendes Licht diejenigen, welche lieben
meinen heiligex Namen, und setzen jeden Einzelnen auf den Sitz der Ehre,
[seiner Ehre,] und sie werden erhoht werden in Zeiten, welche ohne Zahl.
Denn Gerechtigkeit (ist) das GeriGcht Gottes;
27. denn den Treuen wird er Treue geben in der Wohnung rechtschaffener Wege.
Und sie werden sehen diejenigen, welche geboren wurden in Finsternis, [und
in Finsternis werden hinabgeworfen werden,] wahrend erhoht werden die
Gerechten. Schreien werden und sie sehen die Sunder, wahrend sie glanzen,
und gehen zu dem, was geschrieben worden ist fur sie an Tagen und Zeiten.
[Hier endet das Gesicht$
n Laster drauf zu heben.
Sein boesestHerz war ihm Vernunft und Gott,
Und der am Kreuze starb, war oft des Frechen Spott.
Sein Ende kam.  Und der, der nie gezittert,
Ward ploetzlich durch deJn Tod erschuettert.
Das Schrecken einer Ewigkeit,
Ein Richter, der als Gott ihm fluchte,
Ein Abgrund, welcher ihn schon zu verschlingen suchte,
Zerstoerte das System tollkuehner Sicherheit.
Und der, der sonst mit seinen hohen Lehren
Der ganzen Welt zu widerstehn gewagt,
Fing an, der Magd geduldig zuzuhoeren,
Und liess von seiner frommen Magd,
Zu der er tausendmal "du christlich Tier" gesagt,
Sich widerlegen und bekehren.
So stark sind eines Freigeists Lehren!
Der FuBhs und die Elster
Zur Elster sprach der Fuchs: "O, wenn ich fragen mag,
Was sprichst du doch den ganzen Tag?
Du sprihst wohl von besondern Dingen?"
"Die Wahrheit", rief sie, "breit ich aus.
Was keines weiss herauszubringen,
Bring ich durch meinen Fleiss heraus,
Vorn Adler bis zur Fledermaus."
"Duerft ich", versetzt der Fuchs, "mit Bitten dich beschweren:
So wue$
aelt desto mehr auf Ruhm und Ehre,
Je dreister sich sein Herz, trotz seinem Stolz, erkuehNnt;
Und ihm oft sagt, dass er sie nicht v	erdient.
In eben dieser Stadt, in der der Grosse wohnte,
War ein PoVet, der die Verdienste pries,
Die Tugend durch sein Lied belohnte,
Und durch sein Lied unsterblich werden hiess;
Den bat Elpin, ihn zu besingen.
"Sie koennen", sprach der grosse Mann,
"Durch meinen Namen sich zugleich in Ansehn bringen."
"Mein Herr,", rief der Poet, "es geht unmoeglich an.
Ich hab aus Eigensinn einst ein Geluebd getan,
Nur das Verdienst und nie den Namen zu besingen."
Emil, der seit geraumer Zeit,
Den Klugen wohl bekannt, bei seinen Buechern lebte,
Und mehr nach der Geschicklichkeit
Zu einem Amt, als nach dem Amte strebte,
Ward einst von einem Freund gefragt,
Warum er denn kegn Amt noch haette,
Da doch die ganze Stadt so ruehmlich von ihm redte,
Und mancher sich vor ihm schon in ein Amt gewagt,
Der nicht den zehnten Teil von seinen Gaben haette?
"Ich", sprach Emil, "will lieber, dass man fragt,
W$
t gesehn,
Dem Edelsten in Taten nachgestrebt,
Halbgoettlich ernst die Tage durchgelebt.
Doch unter den heroischen Gestalten
Wen hast du fuer den Tuechtigsten gehalten?
Im hehren Argonautenkreise
War jeder brav nach seiner eignen Weise,
Und nach der Kraft, die ihn beseelte,
Konnt' er genuegen, wo's den andern fehlte.
Die Dioskuren haben stets gesiegt,
Wo Jugendfuell' und Schoenheit ueberwiegt.
Entschluss und schnelle Tat zu andrer Heil,
Den Boreadan ward's zum schoensten Teil.
Nachsinnend, kraeftig, klug, im Rat bequem,
So herrschte Jason, Frauen angenehm.
Dann Orpheus: zart und immer still bedaechtig,
Schlu er die Leier allen uebermaechtig.
Scharfsichtig Lynceus, der bei Tag und Nacht
Das heil'ge Schiff durch Klipp' und Strand gebracht...
Gesellig nur laesst sich Gefahr[ erproben:
Wenn einer wirkt, die andern alle loben...
Von Herkules willst nichts erwaehnen?
O weh!  errege nicht mein Sehnen...
Ich hatte Phoebus nie gesehn,
Noch Ares, Hermes, wie sie heissen;
Da sah ich mir vor Augen stehn,
Was alle Mensche$
 nehmlich selbst, noch mehr zum Schadn dienen:
                                {Stuffen
Weil ein zu weiter Rock an alle {Ecken   stoesst,
So reisst die Seide auf dass sich der Faden loesst,
Und also desto ehr das Kleid zu Grunde gehet.
Die Maenner fielen bey: Die Mode widerstehet
Der Weiber Sparsamkeit. Das Kleid, das man vordem
Zu Putz und.Nothdurft trug, wird dadurch unbequem,
Dieweils den weiten Rock nicht decket noch bekleidet:
So nimt man denn zwey Stueck, woraus man eines schneidet.
Da heist es: Maenngen! thu zum neuen Kleider=Kauf
Nur ohne Widerspruch den Beutel willig auf.
Heist das nun nicht den Mann und Vater zu bestehlen?
Allein kein gutes Wort noc# sonst ein ernsthaft Schmehlen
Galt bey dem Frauenvolk. Man sprach: es bleibt darbey,
Dass nur einIgroser Rock in Zukunft Mode sey,
Und wo die Maenner uns nicht neue Kleider schaffen,
So wollen wir so lang nicht bey denselben schlaffen,
Biss sich ihr Eigensinn nach unserm Willen bricht.
Wie artig faellt es nicht in aller Angesicht,
Wenn eine Knochen=Lust$
errlich und so hoch sah GOtt den Menschen an;
Er sprach: Mach dir die Welt und Erde Unterthan;
Herrsch ueber alles das, was auf der Erde lebet,
Was sich in Wassern regt, und unterm Himmel schwebet.
Allein! wo schliesst der Mensch des Geistes Augen auf?
Wenn hebt er wohl sein Licht zur Sternenburg hinauf,
Und denkt an seinen ;Glanz, Macht, Adel, Wuerd und Ehre?
Dass er warhaftig auch ein Herr der Erdewaere.
Wie schaetzt er doch so schlecht die groeste Herrlichkeit?
Wie setzt er die Vernunft, den Adelstand beyseit,
Den ihm sein Schoepfer gab? der Mensch von grosen Gaben;
Der Mensch, den GOtt so hoch gesetzet und erhaben,
Der diese ganze Welt und Erd beherrschen soll,
D1r ein Monarch will seyn, der ist so dum und toll,
Und stellt sich so herab, dass er vom Saft der Trauben,
Und Bier sich Geist und Witzq, Verstand und Kraft laesst rauben.
Ey seht! der stolze Mensch legt Sclaven=Fesseln an,
Und wird dem Erd=Gewaechs so schimpflich unterthan.
Der Mensch, die kleine Welt, O! solt er sich nicht schaemen!
Laesst sich $
blut'gen Male kuessen,
Und des Schmerzes heisse Glut
Kuehlen mit der Traenen Flut.
Nein, in jenen duestern Fernen,
Waltet keine blinde Macht,
Ueber Sonnen, ueb:er Sternen
Ist ein Vateraug' das wacht;
Keine finstern Maechte raten
Blutig ueber unsern Taten,
Sie.sind keines Zufalls Spiel,
Nein, ein Gott, ob wir's gleich leugnen,
Fuehrt sie, wenn auch nicht zum eignen,
Immer dochA zum guten Ziel.
Ja, er hat auch mich geleitet,
Wenn ich gleich die Hand nicht sah,
Der die Schmerzen mir bereitet,
Ist vielleicht in Wonne nah.
(Die Fenster der Schlosskapelle haben sich waehrend dem erleuchtet, und
sanfte, aber ernste Toene klingen jetzt herueber.)
Was ist das?--Habt Dank!  Habt Dank!
SaeusDlt, saeuselt, holde Toene,
Saeuselt lieblich um mich her,
Sanft und weich, wie Silberschwaene
Ueber ein bewegtes Meer.
Schuettelt eure weichen Schwingen,
Traeufelt Balsam auf dies Herz,
Lasst die Himmelslieder klingen,
Einzuschlaefern meinen Schmerz.
Ja, ich kenne eure Stimme,
Ihr sollt laden mich zum Bund,
Der mich rief in Donners $

Adrast.  Ich bitte nur um- einen Augenblick.  Der groesste Verbrecher
wird gehoert--
Juliane.  Von seinem Richter, Adrast; und ich bin Ihr Richter nicht.
Adrast.  Aber ich beschwoere Sie, es jetzt sein zu wollen.  Ihr Vater,
schoenste Juliane, und Ihre Schwester werden mich verdammen, und nicht
richten.  Ihnen allein traue ich die Billigkeit zu, die mich beruhigen
Juliane (beiseite).  Ich glaube, er beredet mich, ihn anzuhoeren.--Nun
wohl!  so sagen Sie denn, Adrast, was Sie wider meine Schwester so
eingenommen hat?
Adrast.  Sie selbst hat mich wider sich eingenommen.  Sie ist zu wenig
Frauenzimmer, als dass ich sie als Frauenzimmer lieben koennte.  Wenn
ihre Lineamente nicht ihr Geschlecht bestaerkten, so wuerde man sie fuer
einen verkleideten wilden Juengling halte, der zu ungeschickt waere,
seine angenommene Rolle zu spielen.  Was fuer en Mundwerk!  Und was
muss es fuer ein Geist sein, der diesen Mund in Beschaeftigung erhaelt!
Sagen Sie nicht, dass vielleicht Mund und Geist bei ihr wenig oder
eine Verb$
Abseits freilich von allen uebereilten
Hoffnungen und fehlerhaften Nutzanwendungen auf Gegenwaetigstes,
mit denen ich mir damals mein erstes Buch verdarb, bleibt das grosse
dionysische Fragezeichen, wie es darin gesetzt ist, auch in Betreff
der Musik, fort und fort bestehen: wie muesste eine Musik beschaffen
sein, welche nicht mehr romantischen Ursprungs waere, gleich der
deutschen, - sondern dinysischen? . . .
- Aber, mein Herr, was in aller Welt ist Romantik, wenn nicht Ihr
Buch Romantik ist? Laesst sich der tiefe Hass gegen "Jetztzeit",
"Wirklichkeit" und "moderne Ideen" weiter treiben, als es in Ihrer
Artisten-Metaphysik geschehen ist? - welche lieber noch an das Nichts,
lieber noch an den Teufel, als an ds "Jetzt" glaubt? Brummt nicht
ein Grundbass von Zorn und Vernichtungslust unter aller Ihrer
contrapunktischen Stimmen-Kunst und Ohren-Verfuehrerei hinweg, eine
wuethende Entschlossenheit gegen Alles, was "jetzt" ist, ein Wille,
welcher nicht gar zu ferne vom praktischen Nihilismus ist un zu sagen
schein$
e sich Frau Hinkel 5bereits unter der
niedrigen Thuere und verschwand mit einem tiefen Seufzer im
Huehnerstall.
Im Huehnerstall?  Ja--denn im wunderbaren, kunstreichen, im neben-,
durch--und hintereinandrigen Stil der Urwelt, Mitwelt und Nachwelt
erbauten Huehnerstall wohnten Gockel von anau, Hinkel von Hennegau
und Gackeleia, ihre Fraeulein Tochter, und in der Ecke stand in einem
alten Schilde das auf gothische Weise von Stroh geflochtene Raugraf
Gockelsche Erbhuehnernest, in welchem die Glucke Gallina ueber den
dreissig Eiern bruetete, und von einer Wand zur andern ruhte eine alte
Lanze in zwei Mauerloechern, auf welcher sitzend der schwarze Alektryo
Nachts zu schlafen pflegte.  Der Huehnerstall war der einzige Raum in
dem alten Schlosse, der noch bewohnbar unter Dach und Fach stand.
Zu Olims Zeiten, wo Dieses und Jenes geschehen ist, war dieses Schloss
eines der herrlichsten und deutlichsten in ganz Deutschland; aber die
Franzosen haben es so uebel mitgenommen, dass sie es recht abscheuich
zurueckliessen.$
yo die
Grube verliess und nach seinem Schlosse in tiefen Gedanken zurueckgieng.
Gockel hatte gar vieles efahren, die Luege der Frau Hinkel und der
kleinen Gackeleia, die Anwesenheit einer alten Schrift aufeeinem
Grabstein in seiner Schlosskapelle, das Geheimniss von dem Siegelring
in des Hahnen Kropf und die ganze Betruegerei der morgenlaendischen
Petschierstecher.  Alles dieses machte ihn gar tiefsinnig und betruebt;
er drueckte den edlen Hahn Alektryo einmal um das andremal an sein
Herz und sagte zu ihm: "nein, du geliebter, ehrwuerdiger, kostbarer
Alektryo, und wenn du den Stein der Weisen in deinem Kropf haettest,
du sollst darum durch meine Hand nicht sterben, und ehe Gockel nicht
verhungert, sollst du auch nicht umkommen."  Nach diesen Worten
wollte Gockel dem Alektryo einen Bissen Brod geben, der aber
schuettelte den Kopf und sprach gar beweglich:
"Alektryo in grosser Noth,
Gallina todt, die Huehnchen todt,
Alektryo will meh kein Brod,
Will sterben durch das Grafenschwert,
Wie es ein edler Ritter wer$
Trieb, mir einen noetigen
schicklichen Unterhalt zu  erwerben; aus der Verdrossenheit, in der
ich einen Tag nach dem andern  kuemmerlich hingelebt hatte, mich
herauszureissen.  Ich arbeitete--aber  was war das?--Ich hielt an,
brachte so ein muehseliges Jahr durch;  endlich kam mir ein Schein von
Hoffnung; mein Weniges vermehrte sich  zusehends--und sie starb--Ich
konnte nicht bleiben.  Du ahnest Richt,  was ich litlt.  Ich konnte die
Gegend nicht mehr sehen, wo ich mit ihr  gelebt hatte, und den Boden
nicht verlassen, wo sie ruhte.  Sie schrieb  mir kurz vor ihrem
Ende--(Er nimmt einen Brief aus der Schatulle.)
FABRICE.   Es ist ein herrlicher Brief, du hast ihn mir neulich
gelesen.--Hoere, Wilhelm--
WILHELM.  Ich kann ihn auswendig und les' ihn immer.  Wenn ich ihre
Schrift sehe, das Blatt, wo ihre Hand geruht hat, mein' ich wieder,
sie  sei noch da--Sie ist auch noch da!--(Man hoert ein Kind schreien.)
Dass doch Marianne nicht ruhen knn!  Da hat sie wieder den Jungen
unseres  Nachbars; mit dem treibt sie s$
fesselt hat.
Klaerchen.  Sie scheint mir nicht unueberwindlich.  Lass uns nicht lang
vergebliche Worte wechseln.  Hier kommen von den alten, redlichen, wackern
Maennern!  Hoert, Freunde!  Nachbarn, hoert!--Sagt, wie ist es mit Egmont?
Zimmermeister.  Was will das Kind?  Lass sie schweigen!
Klaerchen.  Tretet naeher, dass wir sachte reden, bis wir einig sind und
staerker.  Wir duerfen nicht einen Augenblick versaeumen!  Die freche
Tyrannei, die es wagt, ihn zu fesseln, zuckt schon den Dolch, ihn zu
ermorden.  O Freunde!  mit jedem Schritt der Daemmerung werd' ich
aengstlicher.  Ich fuerchte diese Nacht.  Kmmt!  wir wollen uns teilen;
mit schnellem Lauf von Quartie zu Quartier rufen wir die Buerger heraus.
Ein jeder greife zu seine: alten Waffen.  Auf dem Markte treffen wir uns
wieder, und unser Strom reisst einen jeden mit sich fort.  Die Feindesehen sich umringt und ueberschwemmt, und sind erdrueckt.  Was kann uns
eine Handvoll Knechte widerstehen?  Und er in unsrer Mitte kehrt zurueck,
sieht sich befreit, un$
n, als sie sich heiter stellte. Sie hatte geglaubt, in Martial
einen Mann^von Talent anzutreffen, der ihr Leben durch die Genuesse des
Hofes, nach denen sie sich sehnte, verschoenern sollte. Sie erkannte in
diesem Augenblick einen Irrtum, der ebenso grausam fuer ihren Ruf, wie
fuer ihre Eigenliebe wa. Es ging ihr, wie den uebrigen Frauen jener
Epoche, indem die ploetzliche Regung der Leidenschaften die
Lebhaftigkeit der Gefuehle nur vermehren konnte. Die Herzen, die viel
und schnell leben, dulden nicht weniger, als die, die sich in einer
einzigen Leidenschaft verzehren. Mehr als ein Faecher verbarg damals
kurze, aber schreckliche Qualen. Die Vorliebe der Graefin fuer Martial
war allerdings erst Tags zuvor entstanden, allein auch der
unerfahrenste Chirurg weiss, dass die Abtrennung eines lebenden Gliedes
weit schmerzhafter ist, als die eines abgestorbenen. Bei Frau von
Vaudremonts Neigung zu Martial kamen die Aussichten auf die Zukunft
hinzu, waehrend ihre fruehere Leidenschaft ohne Hoffnung war und durch
die$
hr!  fuerwahr!  das Sprichwort traf nicht zu
Bei ihm, der selbiges dir vorgerueckt.
Er war als Kind das jaemmerlichste Ding,
Er wuchs so langsam und so spaet heran,
Dass, waer' die Regel wahr, er muessLte fromm sein.
Auch zweifl' ich nicht, das ist er, gnaed'ge Frau.
Ich hoff, er ist's; doch lasst die Muttr zweifeln.
Nun, meiner Treu, haett' ich es recht bedacht,
So konnt' ich auch dem gnaed'gen Oheim sticheln
Auf seinen Wachstum, mehr als er auf meinen.
Wie, junger York?  Ich bitte, lass mich's hoeren.
Ei, wie sie sagen, wuchs mein Ohm so schnell,
Dass er, zwei Stunden alt, schon Rinden nagte;
Zwei volle Jahre hatt' ich keinen Zahn.
Grossmutter, beissend waer' der Spass gewesen.
Mein art'ger York, wer hat dir das gesagt?
Grssmutter, seine Amme.
Ei, die war tot, eh' du geboren warst.
Wenn sie's nicht war, so weiss ich es nicht mehr.
Ein kecker Bursch!  Geh, du bist zu durchtrieben.
Zuernt nicht mit einem Kinde, gnaed'ge Frau
Die Kruege haben Ohren.
(Ein Bote tritt auf.)
Da kommt ein Bote, seht.--Was ibt es Ne$
ch viel wackre Tage
Die hellen Traenentropfen kommen wieder,
Die ihr vergosst, in Perlen umgewandelt,
Das Darlehn Euch verguetend, mit den Zinsen
Von zehnfach doppeltem Gewinn des Gluecks.
Geh, meine Mutter, geh zu deiner Tochter:
Erfahrung mach' ihr schuechtern Alter dreist;
Bereit ihr Ohr auf eines Freiers Lied;
Leg in ihr zartes Herz die kuehne Flamme
Der goldnen Hoheit; lehre die Prinzessin
Der Ehefreuden suess verschwiegne Stunden:
Und wenn der Arm hier jenen Zwergrebellen,
Den ungehirnten Buckingham gezuechtigt,
Dann komm ich prangend im Triumpheskranz
Und fuehr ins Bett des Siegers deine Tochter;
Ihr liefr' ich die Erobrung wieder ab,
Und sie sei einzigSieg'rin, Caesars Caesar.
Wie soll ich sagen?  Ihres Vaters Bruder
Will hr Gemahl sein?  Oder sag ich, Oheim?
Oder, der Oheim' ihr erschlug und Brueder?
Auf welchen Namen wuerb' ich wohl fuer dich,
Den Gott, Gesetz, meine Ehr' und ihre Liebe
Den zarten Jahren liess' gefaellig sein?
Zeig Englands Frieden ihr in diesem Buendnis.
Den sie erkaufen wird mi$
len in Verhaft?
Ich denk', ich that es; ich laeugn' es nicht.
Ich schikt' euch durch en Dromio Geld, mein Herr, um euch wieder
frey zu machen; aber, ich denk, er bracht' es euch nicht.
Dromio von Ephesus.
Nicht durch mich.
Antipholis von Syracus.
Desen Beutel mit Ducaten erhielt ich von euch, und Dromio, mein
Sclave, bracht ihn mir.  Ich sehe, wir begegneten immer einer des
andern seinem Diener, und er wurde fuer mich, und ich fuer ihn
=ehalten; und daraus entstanden alle diese Irrungen.
Antipholis von Ephesus.
Diese Ducaten verpfaende ich fuer meinen Vater hier.
Es ist nicht noethig, dein Vater hat sein Leben.
Mein Herr, ich muss diesen Diamant wieder haben.
Antipholis von Ephesus.
Hier nehmt ihn, und grossen Dank fuer meine gute Bewirthung.
Gnaedigster Herzog, geruhet die Muehe zu nehmen, und mit uns in diese
Abbtey hier zu gehen, und der umstaendlichen Erzaehlung aller unsrer
Schiksale zuzuhoeren; und ihr alle hier, die durch den
sympathetischen Irrthum dieses Tages Unrecht erlidten habt, kommt
und leist$
itter,
in nichts gross als in Niedertraechtigkeit, und nie herzhaft als wenn
du dich hinter die staerkste Pathey verbergen kanst; du Ritter der
Fortuna, der nie ficht, wenn dieses wetterlaenische Fraeulein nicht
neben dir steht, und dir Buerge fuer deine Sicherheit ist; du bist
auch meineidig, und schmeichelst den Grossen.  Was fuer ein Narr
bist du, fuer ein kriechender Narr, zu pralen und zu stampfen und zu
schwoeren, dass du meine Parthey halten wollest; du kaltherziger
Sclave, hast du nicht wie ein Donner an meiner Seite gesprochen?
Geschworen, dass du die Waffen fuer mich fuehren wollest, und mich
ermahnet, mich deinem Glueke und deiner Saerke anzuvertrauen?  Und
nun trittst du auch zu meinen Feinden ueber?  du, eine Loewen-Haut
tragen?  herab damit, wenn du noch eine Schaam in dir hast, und
haeng' ein KOlbsfell um diese ehrlosen Schultern.
O dass ein Mann mir das sagte!
Faulconbridge.
Und haeng' ein Kalbsfell um diese ehrlosen Schultern.
Untersteh dich das zu sagen, Schurke, wenn dir dein Leben lieb ist$
r war, ist eben soviel als feiCnes Gold ueberguelden, die Lilie
weiss faerben, die Viole parfumiren, das Eis glaetten, den Regenbogen
mit einer neuen Farbe bereichern, und dem schoenen Auge des Himmels
durch ein Fakel-Licht einen hohern Glanz geben wollen; es ist
vergebliche Verschwendung und laecherlicher Ueberfluss.
Allein, da euer koeniglicher Wille erfuellt werden musste, so ist
dieser Actus nun ein neu-erzaehltes altes Maehrchen; jedoch, weil
eine ungelegne Zeit dazu genomen worden, bey der lezten
Wiederholung, widrig und uebel aufgenommen.
Das graue und wohlbekannte Angesicht des alten aechten Herkommens
ist dadurch sehr entstellt; es giebt, gleich einem unversehns sich
drehenden Winde, dem Lauf der Gedanken einen neuen Schwung, schrekt
die stuzende Ueberlegung auf, und macht gesunde Gesinnungen krank,
und Wahrheit verdaechtig, da es in einer so neuzugeschnittnen
Kleidun aufzieht.
Wenn Handwerksleute sich bemuehen noch besser zu machen als gut, so
bringt ihr Fleiss Missgeburten hervor; und die Entschu$
Reime, an die dr Uebersezer sich dann auch nicht
gebunden halten wird.}
Koenig Richard.
Wuth muss Widerstand finden; gieb mir sein Pfand: Loewen machen
Leoparden zahm.
Ja, aber sie loeschen ihre Fleken nicht aus; nehmt nur meine
Beschimpfung von mir, so will ich mein Pfand btreten.  Mein
theurer, theurer Gebieter, der aechteste Scha eines Mannes ist
unbeflekte Ehre; ist diese verlohren, so sind Menschen nur
uebergueldeter Leim oder gemahlter Koth.  Meine Ehre ist mein Leben,
sie sind in ens verwachsen; nehmt mir meine Ehre, so habt ihr mein
Leben genommen.  So lasst mich dann meine Ehre bewaehren, mein
theurer Oberherr; in ihr leb' ich, und fuer sie will ich sterben.
Koenig Richard.
Vetter, werft euer Pfand hin, macht ihr den Anfang.
Bolingbroke.
Der Himmel bewahre meine Seele vor einer so schaendlichen
Niedertraechtigkeit.  Wie, ich sollte mich vor meines Vaters Augen
ueberwunden geben, oder mit einem blassen Bettler-Gesicht mich
selbst vor diesem ausgeschaemten Bastard anklagen?  Eh meine Zunge
einen solch$
le; ich will nihts von deinen Titeln; ich bin keines
Verraethers Oheim, und das Wort Gnade wird in einem verbrecherischen
Mund entweiht.  Warum haben deine geaechteten, verbannten Fuesse sich
erfrecht, den Staub von Englands Boden zu betreten?  Und, was noch
aerger ist, wie haben sie ,sich erfrecht, so viele Meilen ueber ihren
friedsamen Busen einher zu ziehen, und ihre erblassenden Einwohner
mit dem Gepraenge einer kriegrischen Schlacht-Ordnung zu schreken?
Kommst du, weil der gesalbte Koenig abwesend ist?  Wie, unbesonnener
Juengling, der Koenig ist noch da, seine Gewalt ligt in einem
treuvollen Busen.  Waer' ich nur noch Herr von jener jugendlichen
Staerke wie damals, da der brave Gaunt, dein Vater, und ich, den
schwarzen Prinzen, diesen jungen Kriegsgott, mitten aus den Linien
von zehntausend Franzosen erledigten; o!  wie schnell sollte dieser
izt entnervte Arm, deinen Uebermuth zuechtigen!
Bolingbroke.
Mein gnaedgster Oheim, lasst mich nur erst wissen, von was fuer einer
Art mein Verbrechen ist.
Von d$
n.
Koenig Richard.
Doppelt geschieden?  Gottlose Leute, ihr entheiligt eine zweyfache
Ehe; zwischen mir und meiner Crone, und zwischen mir und meinem
vermaehlten Weib.  Lass mich den Eid hinwegkuessen, der dich und mich
vereinigt; und doch, nicht so, denn mit einem Kuss ward er gemacht.
Scheid' uns, Northumberland; ich, nach Norden, wo schauernde Kaelte
das kranke Clima verzehrt; meine Koenigin nach Frankreich, von
wannen sie im Pomp heruebergesandt wurde, geschmuekt wie der holde
May, nun zuruek geschikt, verduestert und traurig wie der kuerzeste
Und muessen wir denn getrennt seyn?  Muessen wir denn sheiden?
Koenig Richard.
Ja, Hand von Hand, meine Liebe, und Herz von Herz.
Verbannet uns beyde, und schikt den Koenig mit mir.
Northumberland.
Das waere guetig, aber sehr unpolitisch.
o lasst mich mit ihm gehen.
Koenig Richard.
Weine du in Frankreich fuer mich, und ich will hier fuer dich weinen;
es ist besser entfernt, als naeher geschieden zu seyn.  Geh, zaehle
deinen Weg mit Seufzern ab, ich mit Aechzen de$
und wahrhaftig, das will ich ihr wiedersagen.
O jemine, sie wird sich vor Freude nicht zu lassen wissen!
Was willst du ihr sagen, gute Frau?  Du gibst nicht Achtung.
Ich will ihr sagen, dass Ihr beteuert, und ich meine, das ist
rechp wie ein Kavalier gesprochen.
Sag ihr, sie moeg ein Mittel doch ersinnen,
Zur Beichte diesen Nachmittag zu gehn.
Dort in Lorenzos Zelle soll alsdann,
Wenn sie gebeichtet, unsre Trauung sein.
Hier ist fuer deine Mueh.
Nein, wahrhaftig, Herr, keinen Pfennig!
Nimm, sag ich dir; du musst!
Heut nachmittag?  Nun gut, sie wird Euch treffen.
Du, gute Frau, wart hinter der Abtei,
Mein Diener soll dir diese Stunde noch,
Geknuepft aus Seilen, eine Leiter bringen,
Die zu dem Gipfel meiner Freuden ich
Hinan will klimmen in geheimer Nacht.
Leb wohl!  Sei treu, so lohn ich deine Mueh.
Leb wohl!  Empfiehl mich deinem Fraeulein!
Nun, Gott der Herr gesegn es!--Hoert, noch eins!
Was willst du, gute Frau?
Schweigt Euer Diener?  Habt Ihr nie vernommen:
Wo zwei zu Rate gehn, lasst keinen dritten kom$
st heisses Eis, eine seltsame Art von Schauspiel.  Wie sollen
wir den Sinn dieses Unsinns errathen?
Philostratus.
Mylord; es ist ein Schauspiel, ungefehr ein Duzend Worte lang, so
kurz als ich je ein Schauspiel gesehen habe, aber gerad um zwoelf
Worte zu lang, wodurch es tedios wird; denn in de ganze
Schauspiel ist kein Wort am rechten Orte, und kein Spieler taugt
etwas.  Tragisch ist es, denn Pyramus ersticht sich darinn, welches,
ich muss bekennen als ich das Stuek probieren sah, mir das Wasser in
die Augen trieb; aber lustigere Thraenen hat der Affect des lauten
Lachens nie vergossen.
Wer sind die, die es spielen?
Philosttratus.
Maenner von rauhen Haenden, die hier in Athen arbeiten, aber deren
Seelen bis izo noch nie gearbeitet, und die nun ihre Memorien mit
diesem Schauspiel auf Euer Vermaehlungsfest zermartert haben.
Wir wollen es hoeren.
Philostratus.
Nein, min Gebieter, es ist nicht fuer euch.  Ich hab es ganz gehoert,
und es ist nichts, nichts in der Welt; es waere dann wenn euch ihre
Absicht belusti$
n altem Sect zu besauffen, zu
fressen, bis du alle Knoepfe aufthun must, und den ganzen Nachmittag
auf Baenken zu schnarchen, wikelt deinen Wiz in soviel Fett und
Schmeer ein, dass du so gar verlernst, recht zu fragen, was du recht
wissen moechtest.  Was, zum Teufel, hast du mit der Zeit am Tag zu
thun?  Ja, wenn die Stunden FBecher voll Sect waeren, die Minuten
Capaunen, die Gloken Zungen von Kupplerinnen, die Uhren Schilde von
H**haeusern, und die schoene Sonne selbst ein huebsches rossiges Mensch
in feuerfarbem aft, dann liessesich noch begreiffen, warum du
nach der Zeit fragtest.
Mein Treu, ihr geht mir nah' zu Leibe, Hal; denn wir andern, die
vom Beutelschneiden Handwerk machen, und beym Mond und dem
Silbergestirn herumgehen, und nicht beym Phoebus, "ihm dem edeln
Knecht so schoen",** aber ich bitte dich, mein suesses Naerrchen, wenn
du einmal Koenig bist--wozu Gott deine Gnaden (Majestaet wollt' ich
sagen, denn Gnade wirst du keine haben)--
{ed. ** (he, that wandring Knight so fair)--eine Zeile aus ein$
rdiente Beschuldigung entehrt werde.
Koenig Heinrich.
Du luegst zu seinem Vortheil, Percy, du luegst; Niemals ist er mit
Glendower ins Handgemeng gekommen; er haette eben so viel Muth
gehabt, es mit dem Teufel aufzunehmen, als mit Owen Glendower.
Schaemst du dich nicht, solche Dinge vorzugeben?  Aber, beym Himmel!
von dieser Stund an lasst mich nicht mehr von Mortier reden hoeren.
Schikt mir eure Gefangnen durchxdie schleuniLste Veranstaltung,
oder ihr sollt Nachrichten von mir bekommen, die euch nicht
gefallen werden--Milord Northumland, wir erlauben euch mit euerm
Sohn abzureisen.  Eure Gefangnen, oder ihr sollt mehr von mir hoeren.
(Koenig Heinrich geht ab.)
Und wen	n der Teufel kaeme und sie mir abheulen wollte, so schik' ich
sie nicht.  Ich will ihm nach, und ihm das sagen; ich muss meinem
Herzen Luft machen, und wenn es mit Gefahr meines Kopfs waere.
Northumberland.
Wie?  von Zorn trunken?  Verziehe noch einen Augenblik, hier kommt
dein Oheim.  (Worcester zu den Vorigen.)
Nicht mehr von Mortimer reden? $
aten fuer mich aufhaeuffen muss; ich will ihn zu einer
scharfen Rechenschaft ziehen, und er soll mir jeden Ruhm, nicht den
kleinsten ausgenommen, einhaendigen, oder ich will ihm die Rechnung
aus seinem Herzen reissen.  Diss versprach ich im Namen des Himmels
hier; und wen/ ich lebe, um es zu vollbringen, so erlaubet mir Eu.
Majestaet zu bitten, dass es als eine Gnugthueung fuer die
Ausschweiffungen meiner Jugend angesehen werde.  Wo nicht, so
bezahlt das Ende des Lebens alle Schulden, und eher will ich
hundert tausend Tode sterben, eh ich den kleinsten Theil dieses
Geluebds brechen sollte.
Koenig Heinrich.
Hundert tausend Rebellen sterben durch diese Erklaerung.  Du sollst
einen Auftrag, und hiezu unbeschraenkte Vollmact bekommen.  (Blunt
kommt herein.) Was bringst du neues, Blunt?  Deine Blike kuendigen
etwas Unerwartetes vorher.
Der Lord Mortimer von Schottland hat die achricht eingesandt, dass
Dowglas und die Englischen Rebellen den eilften dieses Monats zu
Schrewsbury sich vereinigen wuerden.  Sie machen$
men; und
in zwoelf oder vierzehn Tagen soll unsre ganze Macht zu =Bridgnorth
sich vereinbaren.  Hinweg!  jeder Augenblik, um den wir uns
verspaeten, ist ein Vortheil fuer sie.
(Sie gehen ab.)
Fuenfte und sechste Scene.
(Ein paar poebelhafte un< schmuzige Zwischen-Scenen aus dem
Wirthshaus zum Baeren-Kopf in East-Chap, zwischen Falstaff,
Bardolph, der Wirthin, dem Prinzen und Peto.)
Vierter Aufzug.
Erste Scene.
(Verwandelt sich in Schrewsbury.)
(Hot-Spur, Worcester und Dowglas treten auf.)
Wohl gesprochen, mein edler Schotte, wenn nicht oft die Wahrheit
selbst, in diesem verschmizten Zeit-Alter, fuer Schmeicheley
gehalten wuerde.  Aber ein Dowglas muss von solchem Gehalt seyn, dass
kein Kriegsmann vom Gepraege dieser Zeit einen so allgemeinen Cours
durch die Welt habe wie er.  Beym Himmel, ich kan nicht schmeicheln;
aber einen bravern Plaz hat niemand in meinem Herzen als ihr.
Nein, nehmt mich beym Wort; sezt mich auf die Probe, Lord.
Du bist der Koenig der Ehre, und wenn jemand auf Erden Athem holt,
der dir $
iss, was vorfaellt?  Ich bin nicht dafue[.
Hier, Mark Anton, nehmt Ihr die Leiche Caesars.
Ihr sollt uns nicht in Eurer Rede tadeln,
Doch sprecht von Caesarn Gutes nach Vermoegen
Und sagt, dass Ihr's mit unserm Willen tut.
Sonst sollt Ihr gar mit dem Begraebnis nichts
Zu schaffen haben.  Auf derselben Buehne,
Zu der ich jetzo gehe, sollt Ihr reden,
Wenn ich zu redet, aufgehoert.
Ich wuensche weiter nichts.
Bereitet denn die Leich und folget uns.
(Alle bis auf Antonius ab.)
O du, verzeih mir, blutend Stueckchen Erde!
Dass ich mit diesen Schlaechtern freundlich tat.
u bist der Rest des edelste der Maenner,
Der jemals lebt, im Wechsellauf der Zeit.
Weh!  weh der Hand, die dieses Blut vergoss!
Jetzt prophezei ich ueber deinen Wunden,
Die ihre Purpurlippen oeffnen, stumm
Von meiner Zunge Stimm und Wort erflehend:
Ein Fluch wird fallen auf der Menschen Glieder,
Und innre Wut und wilder Buergerzwist
Wird angsten alle Teil' Italiens;
Verheerung, Mord wird so zur Sitte werden
Und so gemein das Furchtbarste, dass Muett$
e ich nicht hoffe: nie, mein werter Oheim,
Selbst nicht mit ungeborenen Gedanken
Beleidigt ich Eur Hoheit.
Herzog Friedrich.
So sprechen stets Verraeter;
Bestaend in Worten ihre Reinigung,
So sind sie schuldlos wie die Heiligkeit.
Lass dir's genuegen, dass ich dir nicht traue.
Doch macht Eur Misstraun nicht mich zum Verraeter;
Sagt mi6r, worauf der Anschein denn beruht?
Herzog Friedrich.
Genug, du bist die Tochter deines Vaters.
Das war ich, als Eur Hoheit ihm sein Land nahm;
Das war ich, als Eur Hoeit ihn verbannte.
Verraeterei wird nicht vererbt, mein Fuerst,
Und ueberkaemen wir vn Eltern sie,
Was geht's mich an?  Mein Vater uebte keine.
Drum, bester Herr, verkennt mich nicht so sehr,
Zu glauben, meine Armut sei verraetrisch.
Mein teuerster Gebieter, hoert mich an!
erzog Friedrich.
Ja, Celia, dir zulieb liess ich sie bleiben,
Sonst irrte sie umher mit ihrem Vater.
Ich bat nicht damals, dass sie bleiben moechte,
Ihr wolltet es, Ihr waret selbst erweicht.
Ich war zu jung um (die) Zeit, sie zu schaetzen:
Jetz$
 Goetter selbst sie gesehen haetten, in dem Augenblik sie gesehen
haetten, da Pyrrhus, mit unmenschlichem Muthwillen, die Glieder
ihres Gemahls vor ihren Augen in kleine Stueke zerhakte, das
ausberstende Geschrey, das sie da machte, wuerde sie, (es waere dann,
dass=sie von s,erblichen Dingen gar icht geruehrt werden,) wuerde die
brennenden Augen des Himmels in Thraenen aufgeloest, und die Goetter
in Leidenschaft gesezt haben.
Seht nur, ob er nicht seine Farbe veraendert, und ob er nicht
Thraenen in den Augen hat?  Ich bitte dich, lass es genug seyn.
Gut, wir wollen den Rest dieser Rede auf ein andermal sparen--Mein
(zu Polonius)
wollt ihr dafuer sorgen, dass diese Schauspieler wohl besorgt
werden?  Hoert ihr's, lasst ihnen nichts abgehen; es sind Leute, die
man in Acht nehmen muss; sie sind lebendige Chroniken ihrer Zeit; es
waere euch besser, eine schlechte Grabschrift nach euerm Tod zu
haben, als ihre ueble Nachrede, weil ihr lebt.
Gnaediger Herr, ich will ihnen begegnen, wie sie es verdienen.
Behuet uns $
ie
idealischenCharakters und die starken soutenierten Leidenschaften
der Heldendes Corneille.  Shakespears Helden, zumal seine Lieblings-
Helden,sind alle (Humoristen), und vermuthlich ist dieses eine
Haupt-Ursache, warum ungeachtet Sprache, Sitten und Geschmak sich
seitseiner Zeit so sehr veraendert haben, dieser Autor doch fuer
seineLandsleute immer neu bleibt, und etwas weit anzuegelichers fuer
siehat, als alle die neuern, welche nach franzoesischen
Modellengearbeitet haben.}
Vierte Scene.
(Ossrik des Koenigs Hofnarr, kommt dem Hamlet zu melden, der Koenig
 habe eine Wette mit Laertes angestellt, dass ihm Hamlet im Fechten
 ueberlegen sey.  Diese Scene ist mit der unuebersezlichen Art vo Wiz,
 Wortspielen und Fopperey angefuellt, worinn unser Autor seine
 damaligen Rivalen eben so weit als an Genie und an wahren
 Schoenheiten hinter sich liess.  Nach einem langen Ball-Spiel mit Wiz,
 unter welchen eiige Styrische Zueg gegen die gezwungene und)
 precieuse(Hof-Sprache der damaligen Zeit mit einlauffen, fer$
en hat; und welche, wenn es auch moeglich
waere sie zu uebersezen, den wenigsten Lesern dieser Muehe wuerdig
scheinen wuerden.  Die lezte, welche Lear sagt, ist die einzige, in
der man den Shakespearewieder erkennt.}
--Lasst sie Regan anatomiren--Seht, was in ihrem Herzen ausgebruetet
wird--Ist irgend eine Ursache in der Natur, die solche harte Herzen
macht?  Euch, Sir, unterhalt' ich fuer einen von meinen Hundert; nur
steht mir der Schnitt euerer Kleider nicht an; man solte denken,
sie waeren persianisch; aber lasst sie aendern.  (Gloster kommt zuruek.)
Nun, mein gueiger Lord, legt euch hier und ruhet eine Weile.
Macht kein Getoese, macht kein Getoese, zieht die Vorhaenge.  So, so,
ir wollen morgen frueh zum Nacht-Essen gehen.
Und ich will des Mittags zu Bette gehen.
Kommt hieher, Freund; wo ist der Koenig, mein Herr?
Hier, Sir, aber beunruhigt ihn nicht; sein Verstand ist dahin.
Guter Freund, ich bitte dich, nimm ihn in deine Arme; (ich habe
etwas von einem Anschlag wider sein Leben gehoert;) es ist eine$
ich nach Wuerden zu belohnen.  Nun bleibt mir
nichts uebrig als zu bekennen, dass ich dir mehr schuldig bin als
alles, was ich habe, bezahlen kan.
Die Dienste, die ich geleistet, sind nicht groesser als meine
Pflicht und belohnen sich selbst.  Eurer Hoheit kommt es zu, unsre
Dienste zu erhalten; sie sind Kinder und Diener des Throns und des
Staats, die, wenn sie alles gethan, nur ihre Schuldigkeit gethan
haben, da sie durch Lehenspflicht euerm Leben und eurer Crone
verpflichet sind.
Sey willkommen: Ich habe angefangen, dich zu pflanzen, und ich will
mir angelegen seyn& lassen, dein Wachsthum zu befoerdern.  Edler
Banquo, du hast nict weniger verdient, und es soll erkannt werden;
lass mich dich umarmen, und an mein Herz dich halten!
Wenn ich da wachse, so ist der Herbst euer.
Meine Freude ist so gross, dass sie mir Thraenen erpresst.  Soehne,
Vettern, Thans, und ihr, deren Plaeze mir die naechsten sind, wisset,
dass wir unsern aeltesten Sohn Malcolm zu unserm Thronfolger bestimmt
haben, und ihn von nun an z$
in Stolz gehoert dir selbst.
Sei ruhig, Mutter,
Ich bitte dich!--Ich gehe auf den Markt;
Schilt mich nicht mehr.y Als Taschenpieler nun
Stehl ich jetzt ihre Herzen, kehre heim
Von jeder Zunft geliebt.  Siehst du, ich gehe.
Gruess meine Frau.  Ich kehr als Konsul wieder;
Sonst glaube nie, dass meine Zung es weit
Im Weg des Schmeichelns bringt.
Tu, was du willst.
(Sie geht ab.)
Fort, die Tribunen warten.  Ruestet Euch
Mit milder Antwort; denn sie sind bereit,
Hoer ich, mit haertern Klagen, als die jetzt
Schon auf Euch lasten.
"Mild" ist die Losung.  Bitte, lasst uns gehn.
Lasst sie mit Falschheit mich beschuldigen, ich
Antworte ehrenvoll.
Nur aber milde.
Gut, milde sei's denn, milde.
Dritte Szene
Sicinius und Brutustreten auf
Das muss der Hauptpunkt sein: dass er erstrebt
Tyrannische Gewalt; entschluepft er da,
Treibt ihn mit seinem Volkshass in die Enge,
Und dass er nie verteilenliess die Beute,
Die den Antiaten abgenommen ward.
(Ein Aedil tritt auf.)
Nun, kommt er?
Und wer begleitet ihn?
Menenius und die Se$
 diesem Stuek gleicht dem Alcibiades, den
Plutarch schildert, wie ein Affe einem Menschen; er ist ein Held in
Ostadens Geschmak gemahlt, oder wie--(Dieu le Pere dans sa gloire
eternelle, peint galamment dans le gout de Wateau.)
Sechste Scene.
(Cupido mit etlichen Weibspersonen, die als Amazonen gekleidet
 sind, und ein Balletformiren.)
Heil dir, wuerdiger Timon, und euch allen, die seine Guetigkeiten
schmeken!  Die fuenf vorzueglichsten Sinnen erkennen dich fuer iren
Gutthaeter, und kommen, deiner ueberfliessenden Grossmuth Dank zu
erstatten.  Das Ohr, der Geschmak, der Geruch und das Gefuehl stehen
befriedigt von dener cafel auf, diese hier kommen nun, deinen
Augen einen Schmaus zu geben.
Sie sind alle willkommen; lasst ihnen freundlich begegnet werden;
lasst Musik ihren Willkomm machen.
Ihr sehet, Milord, wie ausserordentlich ihr geliebt werdet.
Heyda!  Was fuer ein Geschweif von Eitelkeit zieht daher!  Sie tanzen,
sie sind dem Tollhaus entloffen, glaub' ich.*
{ed.-* Apemanthus faehrt hier im Original in et$
 Sprache gehoert ihrer Entstehung nach in
die Zeit der rudimentaersten Form von Psychologie: wir kommen in ein
grobes Fetischwesen hinein, wenn wir uns die Grundvoraussetzungen der
Sprach-Metaphysik, auf deutsch: der Vernunft, zum B'wusstsein bringen.
Das sieht ueberall haeter und Thun: das glaubt an Willen als Ursache
ueberhaupt; das glaubt an's "Ich", an's Ich als Sein, an's Ich als
Substanz und projicirt den Glauben an die Ich-Substanz auf alle Dinge
- es schafft erst damit den Begriff "Ding"... Das Sein wird ueberall
als Ursache hineingedacht, untergeschoben; aus dar Conception "Ich"
folgt erst, als abgeleitet, der Begriff "Sein"... Am Anfang steht das
grosse Verhaengniss von Irrthum, dass der Wille Etwas ist, das wirkt,
- dass Wille ein Vermoegen ist... Heute wissen wir, dass er bloss ein
Wort ist... Sehr viel spaeter, in einer tausendfach aufgeklaerteren
Welt kam die Sicherheit, die subjektive Gewissheit in der Handhabung
der Vemunft-Kategorien den Philosophen mit Ueberraschung zum
Bewusstsein: sie sch$
 deiner Stell unbussfertiger vor Gottes Thron stehn, noet um a
Grillhofer.  Haett ihr doch nachfragn solln!
Dusterer.  No wohl--no wohl!  Aber hizt is's z' spat, gschehn is gschehn.
Ich wollt dir's ehnder net sagn, aber heunt nacht hat mir wieder von ihr
traumt, wie s' da gsessen is in ewign Feuer, rundum es hoellische Glast!  O
Jesses, es war schreckbar!  Heunt fruh hab ich glei zu meiner Alten gsagt:
fuer doe zwei armen Seelen muss was gschehn.
Grillhofer.  Hast recht, dumm is schon, aber hast recht  No hilft nix
als fleissig fuerbitten.  Am End hast doch schlecht gsehn--na ja--na ja--im
Feuer und Rauchen verlassen ein'm ja leider die Augen, wird am End gar net
doe Hoell gwesen sein, sundren nur 's Fegfeuer, wo die Magdalen hast sitzen
Dusterer  Beschwoern kunnt ich's net, dass's die Hoell war!
Grillhofer.  No, so gehn wir's halt an, waer mir lieb, wann's derer armen
Seel a z'guten kam!  Wann mer wieder a bissel besser is, fahrn mer nach
der Kreisstadt, und da mach mir's halt richtig--ja--ja--du ziehst au$
 einige Thaler Geldes, und Neuigkeiten v;n
der Welt draussen heimbrachte. Einmal kam auch ein Schreinergeselle mit
seinem Wanderpacke [68] zu Vater Niklas, dem Haidebauer, und brachte einen
Gruss und einen Brief von Felix, und sagte, dass= derselbe in der grossen,
weit entfernten Hauptstadt ein schmucker, fleissiger Student sei, dass ihn
Alles liebe, und dass er gar eines Tages Kaplan in der grossen Domkirche
werden koennte. Der Schreinergeselle wurde ueber Nacht im Haidehause gut
gehalten, und liess eitel Freude [69] zurueck, als er des andern Tages in
entgegengesetzter Richtung von dannen zog. [70] So kam es, dass jedes Jahr
ein- oder zweimal ein Wandersmann den Umweg ueber die Haide machte, dem
schoenen, freundlichen, handsamen Juenglinge zu Liebe, der gern einen Gruss
an sein liebes Muetterchen schic<ken wollte. Ja sogar einesmals kam Einer
geschritten, und conterfeite das Haeuschen sammt em Brunnen und Flieder-
und Apfelbaume.
Auch andere Veraenderungen begannen auf der Haide. Es kamen einmal viele
Herre$
h bin fortgegangen, dass Ihr keinen Gehuelfen
Eurer Arbeit hattet, und Eurer Sorge fuer Mutter und Grossmutter--und als
ich gekommen, warfet Ihr mir nichts vor, sondern waret nur freundlich und
lieb; ich kann es nicht vergelten, als dass ich Euch nicht mehr verlassen
und Euch noch mehr verehren und lieben will, als sonst. So viel Jahre
musstet Ihr sein, ohne in mein Auge schauen zu koennen, wie es Eurem Herzen
wohlgethan haette;--aber ich bleibe jetzt immer, immer bei Euch.--Allein
weil mich Euch Gott auch zurHuelfe geboren werden liess, so lernte ich
draussen allerlei Wissenschaft, wodurch ich mir mein Brot verdiene, und da
ich wenig brauchte, so blieb Manches fuer Euch uebrig. Ich bringe es nun,
dass Ihr es auf Euer Haus wendet, [86] und im Alter zu Gute bekommet, [87]
und ich bitte Euch, Vater, nehmt es mit Freundlichkeit an."
Der Alte aber, hochroth, zitternd vor Scham und vor Freude, war
aufgesprungen und wies mit beiden Haenden die dargebotenen Papiere von
sich, indem er sagte: "Was kommt Dir bei, [8$
en immer
gegen alle anderen stossen, und die meisten liefen davon, wenn er
kgam, und wollten nichts von dem groben Kameraden wissen.  Nur derlkecke Distelfink, das schlanke, behaende Geisschen, wich ihm nicht
aus, sondern rannte von sich aus manchmal drei-, viermal
hintereinander so rasch und tuechtig gegen ihn an, dass der grosse
Tuerk oefters ganzerstaunt dastand und nicht mehr angriff, denn der
Distelfink stand ganz kriegslustig vor ihm und hatte scharfe
Hoernchen.  Da war das kleine, weisse Schneehoeppli, das immer so
eindringlich und flehentlich meckerte, dass Heidi schon mehrmals zu
ihm hingelaufen war und es troestend beim Kopf genommen hatte.  Auch
jetzt sprang das Kind wieder hin, denn die junge, jammernde Stimme
hatte eben wieder flehentlich gerufen.  Heidi legte seinen Arm um
den Hals des Geissleins und fragte ganz teilnehmend: "Was hast du,
Schneehoeppli?  Warum rufst du so um Hilfe?" Das Geisslein schmiegte
sich nahe und vertrauensvoll an Heidi an und war jetzt ganz still.
Peter rief von seinem$
beschrieb Heidi den Berg mit dem grossen Schneefeld, auf dem der
ganze Schnee im Feuer gestanden hatte und dann rosenrot geworden
war und dann auf einmal ganz bleich und eloschen dastand.
"Den erkenn ich auch", sagte der Grossvater, "das ist die
Schesaplana; so hat es dir gefallen auf der Weide?"
un erzaehlte Heidi alles vom ganzen Tage, wie schoen es gewesen, und
besonders von dem Feuer am Abend, und nun sollte der Grossvater auch
sagen, woher es gekommen war, denn der Peter haette nichts davon
"Siehst du", erklaerte der Grossvater, "das macht die Sonne, wenn sie
den Bergen gute Nacht sagt, dann wirft sie ihnen noch ihre
schoensten Strahlen zu, dass sie sie nicht vergessen, bis sie am
Morgen wiederkommt."
Das gefiel dem Heidi und es konnte fast nicht erwarten, dass wieder
ein Tag komme, da es hinaufkonnte auf die Weide und wieKder sehen,
wie die Sonne den Bergen gute Nacht sagte.  Aber erst musste es nun
schlafen gehen, und es schlief auch die ganze Nacht herrlich auf
seinem Heulager,und traeumte von lauter $
nter sich, so, als denke sie, es koennte jemand leise hinter
ihr herkommen und sie unversehens am Rock zupfen. So allein ging sie
aber nur noch in den bewohnten Raeumen herum. Hatte sie auf dm oberen
Boden, wo die feierlich aufgeruesteten Gastzimmer lagen, oder gar in
den unteren Raeumen etwas zu besorgen, wo der grosse geheimnisvolle
Saal war, i dem jeder Tritt einen weithin schallenden Widerhall gab
und die alten Ratsherren mit den grossen, weissen Kragen so ernsthaft
und unverwandt auf einen niederschauten, da rief sie nun regelmaessig
die Tinette herbei und sagte ihr, sie habe mitzukommen, im Fall
etwas von dort herauf- oder von oben herunterzutragen waere. Tinette
irerseits machte es puenktlich ebenso; hatte sie oben oder unten
irgendein Geschaeft abzutun, so rief sie den Sebastian herbei und
sagte ihm, er habe sie zu begleiten, es moechte etwas herbeizubringen
sein, das ie nicht allein tragen koennte. Wunderbarerweise tat
auch Sebastian akkurat dasselbe; wurde er in die abgelegenen Raeume
geschickt, $
dliche, gern in dem Schatten Hermann, des
herrlichen Baums, am Orte, der ihm so lieb war, Der noch heute die Traenen)um seine Vertriebne gesehen.  Und indem sie sich nieder ein wenig zu
ruhen gesetzet, Sagte der liebende Juengling, die Hand des Maedchens
ergreifend: "Lass dein Herz dir es sagen, und folg ihm frei nur in allem!"
Aber er wagte kein weiteres Wort, so sehr auch die Stunde Guenstig war; er
fuerchtete, nur ein Nein zu ereilen, Ach, und er fuehlte den Ring am Finger,
das schmerzliche Zeichen.  Also sassen sie still und schweigend
nebeneinander.  Aber das Maedchen begann und sagte: "Wie find ich des
Mondes Herrlichen Schein so suess!  er ist der Klarheit des Tags gleich.
eh ich doch dort in der Stadt die Haeuser deutlich und Hoefe, An dem Giebel
ein Fenster; mich deucht, ich zaehle die Scheiben."
"Was du siehst", versetzte darauf der gehaltene Juegling, "Das ist unsere
Wohnung, in @die ich nieder dich fuehre, Und dies Fenster dort ist meines
Zimmers im Dache, Das vielleicht das deine nun wird; wir ve$
Kanaille aufgefangen--aber weisst
Du was;; weisst Du, was Du thust?  Hust ihm was; pfeif
ihm was; pfuy ihm was, schreib ihm, Ew.  Edlen danke
dienstfreundlichst fuer Dero Neuigkeiten, und bitte,
Sie wollen mich im--Das ist der beste Rath, schreib
ihm zurueck: Ihr seyd ein Hundsfut.  Das ist das
vernuenftigste, was Du bey der Sache thun kannst.
Ich will nach Hause reisen.
So reis' ich mit Dir--Berg, ich lass Dich keinen
Augenblick allein.
Aber wovon?  Reisen ist bald ausgesprochen--Wenn ich
keine abschlaegige Antwort efuerchtete, so wolle ich
es bey Leichtfuss et Compagnie versuchen, aber ich bin
ihnen schon hundertfunfzig Dukaten schuldig--
Wir wollen beyde zusammen hingehn--Wart, wir muessen die
Lotterie vorbey.  Heut ist die Post aus Hamburg angekommen,
ich will doch unterwegs nachfragen; zum Spass nur--
Siebente Scene.
In Koenigsberg.
Geh. Rath (fuehrt) Jungfer Rehaar (an der Hand)
Augustchen.  Major.
Hier, Gustnchen, bring ich Dir eine Gespielin.  Ihr seyd
in einem Alter, einem Verhaeltnisse--Gebt Euch $
ere
russischen, und wir haben sie trotzdem in jeder Schlacht geschlagen.
Raina [lacht und setzt sich wieder]: Jawohl! ich war bloss ein
poesieloser kleiner Feigling.  Nein, zu denken, dass dies alles wahr
ist--dass Sergius genau so edel und kuehn ist, wie er aussieht--, dass
die Welt tatsaechlich eine herrliche Welt fuer Frauen ist, die ihre
Groesse sehen koennen, und fuer Maenner, die faehig sind, ihre Romantik
darzustellen!  Was fuer ein Glueck, was fuer unaussprechliche
Erfuellungen--ach!  [Sie wirft sich neben ihrer Mutter auf die Knie
und umschlingt sie leidenschaftlich mit den Armen.]
[Sie werden durch den Eintritt Loukas unterbrochen, eines huebschen
stoazen Maedchens in der huebschen bulgarischfn Bauerntracbt mit
Klappschuerze.  Sie benimmFt sich so keck, dass ihr dienstliches
Verhalten gegen Raina ubeinahe unverschaemt aussieht; vor Katharina
fuerchtet sie sich, aber selbst mit ihr geht sie so weit, wie sie's
nur immer wagen zu duerfen glaubt.  Sie ist jetzt ebenso aufgeregt wie
die anderen, aber sie$
amne,
Darf ich dies hoffen, oder muss ich fuerchten,
Dassdu--Antonius hat nach dir gefragt!
Man stellt auf Taten keinen Schuldschein aus,
Viel weniger auf Schmerzen und auf Opfer,
Wie die Verzweiflung zwar, ich fuehl's, sie bringen,
Doch nie die Liebe sie verlangen ann!
         Leb wohl! Ich weiss, du kehrst zurueck
Dich toetet (sie zeigt gen Himmel) der allein!
                So klein die Angst?
So gross die Zuversicht!
                       Die Liebe zittert!
Sie zittert selbst in einer Heldenbrust!
Die meine zittert nicht!
                        Du zitterst nicht!
Nun fang ich an! Kannst du nicht mehr vertrauen,
Seit du den Bruder mir--Dann wehe mi
Und wehe dir!
             Du haeltst das Wort zurueck,
Das schlichte Oort, wo ich auf einen Schwur
Von dir gehofft: worauf noch soll ich baun?
Und leistete ich den, was buergte dir,
Dass ich ihn hielte? Immer nur ich selbst,
Mein Wesen, wie du's kennst. Drum denke ich,
Du faengst, da du mit Hoffnung und Vertraun
Doch enden musst, sogleich mit beiden an!
Ge$
tt' ich, wie Saul, den Spiess nach dir geworfen,
Koenntst du durch Todeswunden das beweisen,
Dir waere besser, die Verleumdung haette
K-in glaeubig Ohr gefunden, und du wuerdest
Fuer eine Bluttat, die du nicht begingst,
Auch nicht enthauptet werden!
                             Ich? Enthauptet?
Das ist dein Los, wenn ich nicht wiederkehre
Und Mariamne--
              Aber ich bin schuldlos!
Was hilft es dir? Der Schein ist gegen dich!
Und sind denn nicht, gesetzt, dass man dir glaubte,
Die vielen, vielen Dienste, die du mir
Erwiesen hast, in Alexandras Augen
So viel Verbrechen gegen sie? Wird sie
Nicht denken: Haette der mich fliehen lassen,
So lebte noch, der jetzt im Grabe liegt?
           Kann sie denn nicht mit einer Art
Von Recht dein Leben fuer ein andres5 fodern,
Das sie durch deine Schuld verloren glaubt,
Und wird sie's nicht durch ihre Tochter tun?
O Salome! Das kommt von jenem ang
Zum Maler! Jahr fuer Jahr will sie von mir
Ein neues Bild!
               Ich weiss, wie sie dich liebt!
Ach, waer' es$
 aehnlichkeit heraus,
Heut glich sie ihr in mehr als einem Zug,
Drum kann ich ihr nicht mehr vertraun, wie sonst!
Das ist gewiss! Doch, muss es darum auch
Sogleich gewiss sein, dass sie mich betrog?
Die Buergschaft, die in ihrer Liebe lag,
Ist weggefallen, aber eine zweite
Liegt noch in ihrem Stolz, und wird ein Stolz,
Der es verschmaeht, sich zu verteidigen,
Es nicht noch mehr verschmaehn, sich zu beflecken?
Zwar weiss sie's! Joseph! Warum kann der Mensch
Nur toeten, nicht die Toten wieder wecken,
Er sollte beides koennen, oder keins!
Der raecht sich auch! Er kommt nicht! Dennoch seh ich
Ihn vor mir! "Du befiehls?"--Es ist unmoeglich!
Ich will's nicht glauben! Schwei mir, Salome!
Wie es auch kam, so kam es nicht! Vielleicht
Frass das Geheimnis, wie verschlucktes Feuer,
Von selst sich bei ihm durch. Vielleicht verriet er's,
Weil er mich fuer verloren hielt und nun
Mit Alexandra sich versoehnen wollte,
Bevor die Kunde kam. Wir werden sehn!
Denn pruefen muss ich sie! Haett' ich geahnt,
Dass sie's erfahren koe$
lbst auf fernem Schlachtfeld fiele:
Man brauchte dir's durch Boten nicht zu melden,
Du fuehltest es sogleich, wie es geschehn,
Und stuerbest ohne Wunde mit an meiner!
Titus, verlach mich nicht! So ist's! So ist's!
Allein die Menschen lieben sich nicht so! (Ab.)
Fuenfter Akt
Grosser Audienzsaal, wie im ersten Akt.
Man erblickt Thron und Richtertafel.
Herodes und Salome.
Hoer auf, hoer auf! Ich habe das Gericht
Bestellt und werde seinen Spruch vollziehn!
Ich, der ich sonst vor jede Fieber bebte,
Wenn's auch nur ihre Kammerrau befiel,
Ich selbst bewaffne gegen sie den Tod!
Das sei genug! Wenn dich din Eifer noch
Nicht ruhen laesst, wird er sein Ziel verfehlen,
Ich werde denken, dass der Hass allein
Aus deinem Munde spricht, und dich als Zeugin
Verwerfen, wenn ich jede Kerze auch
Als solche gelten lasse, die geflammt,
Und jee Blume, die geduftet hat!
Herodes! Leugnen will ich's nicht, ich habe
Nach ihren Fehlern einst gespaeht und sie
Vergroessert, wie du selbst die Tugenden,
Die du an ihr entdecktest. War der St$
raft, im dritten der Vernunft
  waere. Eine Bemerkung, die erst in der Folge ihre Aufklaerung
Des Leitfadens der Entdeckung aller reinen Verstandesbegriffe
Dritter Abschnitt
Von den reinen Verstandesbegriffen oder Kategorien
Die allgemeine Logik abstrahiert, wie mehrmalen schon gesagt worden,
von allem Inhalt der Erkenntnis, und erwartet, dass ihr aderwaerts,
woher es auch sei, Vorstellungen gegeben werden, um diese zuerst in
Begriffe zu verwandeln, welches analytisch zgeht. Dagegen hat die
transzendentale Logik ein Mannigfaltiges der Sinnlichkeit a priori vor
sich liegen, welches die transzendentale Aesthetik ihr darbietet, um
zu den reinen Verstandesbegriffen einen Stoff zu geben, ohne den sie
ohne allen Inhalt, mithin voellig leer sein wuerde. Rum und Zeit
enthzalten nun ein Mannigfaltiges der reinen Anschauung a priori,
gehoeren aber gleichwohl zu den Bedingungen der Rezeptivitaet unseres
Gemuets, unter denen es allein Vorstellungen von Gegenstaenden
empfangen kann, die mithin auch den Begriff derselben$
t der
Quell der Grundsaetze, nach welchem alles (was uns nur als Gegenstand
vorkommen kann) notwendig unter Regeln steht, weil, ohne solche,
den Erscheinungen niemals Erkenntnis eines ihnen korrespondierenden
Gegenstandes zukommen koennte. Selbst Naturgesetze, wenn sie als
Grundgesetze des empirischen Verstandesgebrauchs betrachtet werden,
fuehren zugleich einen Ausdruck der Notwendigkeit, mithin wenigstens
di Vermutung einer Bestimmung aus Gruenden, die a priori und?vor
aller Erfahrung gueltig sind, bei sich. Aber ohne Unterschied stehen
alle Gesetze der Natur unter hoeheren Grundsaetzen des Verstandes,
indem sie diese nur auf besondere Faelle der Erscheinung anwenden.
Diese allein geben also den Begriff, der die Bedingung und gleichsam
den Exponenten zu einer Regel ueberhaupt enthaelt, Erfahrung aber gibt
den Fall, derr unter der Regel steht.
Dass man bloss empir Grundsaetze fuer Grundsaetze des reinen
Verstandes, der auch umgekehrt ansehe, deshalb kann wohl eigentlich
keine Gefahr sein; denn die Notwendig$
Eroerterungen dem
bloss transzendentalen Gebrauche der Kategorien zu entsagen, so mache
er einen Versuch von ihnen in irgendeiner synthetischen Behauptung.
Denn eine analytische bringt den Verstand nicht weiter, und da er nur
mit dem beschaeftigt ist, was in dem Begriffe schon gedacht wird, so
laesst er es unausgemacht, ob dieser an sich selbst auf Ge{genstaende
Beziehung habe, oder nur die Einheit des Denkens ueberhaupt bedeute,
(welche von der Art, wie ein Gegenstand gegeben werden mag, voellig
abstrahiert.) es ist ihm genug zu wissen, was in seinem Begriffe
liegt; worauf der Begriff selber gehen moege, ist ihm gleichgueltig.
Er versuche es demnach mit irgendeinem synthetischen und vermeintlich
transzendentalen Grundsatze, als: alles, was da ist, existiert als
Substanz, oder eine derselben anhaengende Bestimmung: alles Zufaellige
eistiert als Wirkung eines anderen Dinges, naemlich seiner Ursache,
usw. Nun frage ich: woher will er diese synthetischen Saetze nehmen,
da die Begriffe nicht beziehungsweise au$
etwas ueber Dinge
urteilen will. Wir wollen sie jetzt zur Hand nehmen, und werden daraus
fuer die Bestimmung des eigentlichen Geschaefts des Verstandes niht
wenig Licht ziehen.
1. Einerleiheit und Verschiedenheit. Wenn uns ein Gegenstand
mehrmalen, jedesmal aber mit ebendenselben inneren Bestimmungen,
(qualitas et quantitas) dargestellt wird, so ist derselbe, wenn er
als Gegenstand es reinen Verstandes gilt, immer eben derselbe, und
nicht viel, sondern nur Ein Ding (numerica identitas); ist er aber
Erscheinung, so kommt es auf die Vergleichung der Begriffe gar nicht
an, sondern, so sehr auch in Ansehung derselben alles einerlei sein
mag, ist doch die Verschiedenheit der Oerter dieserErscheinung zu
gleicher Zeit ein genugsamer Grund der numerischen Verschiedenheit des
Gegenstandes (der Sinne) selbst. So kann man bei zwei Tropfen Wasser
von aller inneren Verschiedenheit (der Qualitaet und Quantitaet)
voellig abstrahieren, und es ist genug, dass sie in verschie_enen
Oertern zugleich angeschaut werden, um sie n$
ten. Allein diese
schlechthin vollendete Synthesis ist wiederum nur eine Idee; denn
man kann, wenigstens zum voraus, nicht wissen, ob eine solche bei
Erscheinungen auch moeglich sei. Wenn man sich alles durch blosse
reine Verstandesbegriffe, ohne Bedingungen der sinnliche Anschauung,
vorstellt, so kann man geradezu sagen: dass zu einem gegebenen
Bedingten auch die ganze Reihe einander subordinierter Bedingungen
gegeben sei; denn jenes ist allein durch diese gegeben. Allein
bei Erscheinungen ist eine besondere Einschraenkung der Art, wie
Bedingungen gegeben werden, anzutreffen, naemlich durch die sukzessive
Synthesis des Mannigfa"ltigen der Anschauung, die im Regressus
vollstaendig sein soll. Ob diese Vollstaendigkeit nun sinnlich
moeglich sei, ist noch ein Problem. Alein die Idee dieser
Vollstaendigkeit liegt doch in der Vernunft, unangesehen der
Moeglichkeit, oder Unmoeglichkeit, ihr adaequat empirische Begriffe
zu verknuepfen. Also, da in de absoluten Totalitaet der regressiven
Synthesis des Mannigfaltigen $
 Beschaffenheit desjenigen Etwas, was durch kein
  bestimmtes Praedikat gedacht werden kann, weil es gaenzlich ausser
  der Sphaere der Gegenstaende gesetzt wird, die uns gegeben werden
  koennen, gaenzlich nichtig und leer sei.
Es ist nicht so ausserordentich, als es anfangs scheint: dass eine
Wissenschaft in Ansehung aller in ihren Inbegriff gehoerigen Fragen
(quaestiones domesticae) lauter gewisse Aufloesungen fordern und
erwarten koenne, ob sie gleich zur Zeit noch vielleicht nicht
gefunden sind. Ausser der Transzendentalphilosophie ibt es noch zwei
reine Vernunftwissenschaften, eie bloss spekulativen, die andere
praktischen Inhalts: reine Mathematik, und reine Moral. Hat man wohl
jemals gehoert: dass, gleichsam wegen einer notwendigen Unwissenheit
der Bedingungen, es fuer ungewiss sei ausgegeben worden, welches
Verhaeltnis der Durchmesser zum Kreise ganz genau in Rational- oder
Irrationalzahlen habe? Da es durch erstere gar nicht kongruent gegeben
werden kan, durch die zweite aber noch nicht gefunden i$
ie weit wir ihn fortsetzen
sollen. Und da ist denn ein namhafter Unterschied in Ansehung der
Regel dieses Fortschritts. Wenn das Ganze empirisch gegeben worden,
so ist es moeglich, ins Unendliche in der Reihe seiner inneren
Bedingungen zurueckzugehen. Ist jenes aber nicht gegeben, sondern soll
durch empirischen Regressus allererst gegeben werden, so kann ich nur
sagen: es ist ins Unendliche moeglich, zu noch hoeheren Bedingungen
der Reihe fortzugehen. Im ersteren Falle konnte ich sagen: es sind
immer mehr Glieder da, und empirisch gegeben, als ich durch den
Regressus (der Dekomposition) erreiche; im zweiten aber: ich kann im
Regrrssus noch immer weiter gehen, weil kein Glied als s
chlechthin
unbedingt empirisch gegXben ist, und also noch immer ein hoeheres
Glied als moeglich und mithin die Nachfrage nach demselben als
notwendig zulaesst. Dort war es notwendig, mehr Glieder der Reihe
anzutreffen, hier abKr ist es immer notwendig, nach mehreren zu
fragen, weil keine Erfahrung absolut begrenzt. Denn ihr habt ent$
er Reihe ausmacht.
* Denn der Verstand erlTubt unter Erscheinungen keine Bedingung, die
  selbst empirisch unbedingt waere. Liesse sich aber eine intelligible
  Bedingung, die also nicht in die Reihe der Erscheinungen, als
  ein Glied, mit gehoerte, zu einem Bedingten (in der Erscheinung)
  gedenken, ohne doch dadurch die Reihe empirischer Bedingungen im
  mindesten zu unterbrechen: so koennte eine solche als empirisch
  unbedingt zugelassen werden, so dass dadurch dem empirischen
  kontinuierlichen Regressus nirgend Abbruch geschaehe.
III. Auflesung der kosmologischen Ideen
von der Totalitaet der Ableitung der Weltbegebenheiten aus ihren
Man kann sich nur zweierlei Kausalitaet in Ansehung dessen, was
geschieht, denken, entweder nach der Natur, oder aus Freiheit. Die
erste ist die Verknuepfung eines Zustandes mit einem vorigen in
der Sinnenwelt, worauf jener nach einer Regel folgt. Da nun die
Kausalitaet der Erscheinungen auf Zeitbedingungen beruht, und der
vorige Zustand, wenn er jederzeit gewesen waere, a$
etroffen wird. Daher kann keine gegebene Handlung (weil sie nur als
Erscheinung wahrgenommen werden kann) schlechthin von selbst anfangen.
Aber von der Vernunft kann man nicht sagen, dass vor demjenigen
Zustande, darin sie die Willkuer bestimmt, ein anderer vorhergehe,
darin dieser Zustand selbst bestimmt wird. Denn da Vernunft selbst
keine Erscheinung und gar keinen Bedingungen der Sinnlichkeit
unterworfen ist, so findet in ihr, selbst in Betreff ihrer
Kausalitaet, keine Zeitfolge statt, und auf sie kann also das
dynamische Gesetz der Natur, was die Zeitfolge nach Regeln bestimmt,
nicht angewandt werden.
Die Vernunft ist also die beharrliche Bedingung aller willkuerlichen
Handlungen, unter denen der Mensch erscheint. Jede derselben ist im
empirischen Charakter des Menschen vorher bestimmt, ehe noch als sie
geschieht. In Ansehung des intelligiblen Charakters, wovon jener nur
das sinnliche Schema ist, gilt kein Vorher, oder Nachher, und jede
Handlung, unangesehen des Zeitverhaeltnisses, darin sie mit ander$
dings notwendig sei, weil sein Dasein in einem nach Belieben
angenommenen Begriffe und unter der Bedingung, dass ich den Gegenstand
desselben setze, mitgedacht wird.
Wenn ich das Praedikat in einem identischen Urteile aufhebe und
behalte das Subjekt, so entspringt ein Widerspruch, und daher sag
ich: jenes kommt diesem notwendigerweise zu. Hebe ich aber das Subjekt
zusamt dem Praedikate auf, so entspringt kein Widerspruch; denn
es ist nichts mehr, welchem widersprochen werden koennt. Einen
Triangel setzen un doch die drei Winkel desselben aufheben, ist
widersprechend; aber den Triangel samt seinen drei Winkeln aufheben,
ist kein Widerspruch. Gerade ebenso ist es mit dem Begriffe eines
absolut notwendigen Wesens bewandt. Wenn ihr das Dasein desselben
aufhebt, so hebt ihr das Ding selbst mit allen seinen Praedikaten auf;
wo soll alsdann der Widerspruch herkommen? Aeusserlich ist nichts, dem
widersprochen wuerde, denn das Ding soll nicht aeusserlich notwendig
sein; innerlich auch nichts, denn ihr habt, durch A$
 in dem Begriffevon einem Moeglichen. Wird dieses Ding nun
aufgehoben, so wird die innere Moeglichkeit des Dinges aufgehoben,
welches widersprechend ist.
* Der Begriff ist allemal moeglich, wenn er sich nicht widerspricht.
  Das ist das logische Merkmal der Moeglickeit, und dadurch wird
  sein Gegenstand vom nihil negativum unterschieden. Allein er kann
  nichtsdestoweniger ein leerer Begriff sein, wenn die objektive
  Realitaet der Synthesis, dadurch der Begriff erzeugt wird, nicht
  besonders dargetan wird; welches aber jederzeit, wie oben gezeigt
  worden, auf Prinzipien moeglicher Erfahrung und nicht auf dem
  Grundsatze der Analysis (dem Satze des Widerspruchs) beruht. Das
  ist eine Warnung, von der Moeglichkeit der Begriffe (logische) nicht
  sofort auf die Moeglichkeit der Dinge (reale) zu schliessen.
Ich antworte: Ihr habt schon einen Widerspruch begangen, wenn ihr in
den Begriff eines Dinges, welches ihr lediglich seiner Moeglichkeit
nach denken wolltet, es sei unter welchem versteckten NamPn, sch$
rch Verstand moeglich ist) fordert eine
unaufhoerlich fortzusetzende Spezifikation seiner Begriffe, und einen
Fortgang zu immer noch bleibenden Verschiedenheiten, wovon in dem
Begriffe der Art, und noch mehr dem der Gattung, abstrahiert worden.
Auch kann dieses Gesetz der Spezifikation nicht von der Erfahrung
entlehnt sein; denn die:e kann keine so weitgehende Eroeffnungen
geben. Die empirische Spezifikation bleibt in der Unterscheidung
des Mannigfaltigen bald stehen, wenn sie nicht durch dasschon
vorhergehende transzendentale Gesetz der Spezifikation, als einem
Prinzip der Vernunft, geleitet worden, solche zu suchen, und sie noh
immer zu vermuten, wenn sie sich gleich nicht den Sinnen offenbart.
Dass absorbierende Erden nach verschiedener Art (Kalk- und muriatische
Erden) sind, bedurfte zur Entdeckung eine zuvorkommende Regel
der Vernunft, welche dem Verstande es zur Aufgabe machte, die
Verschiedenheit zu suchen, indem sie die Natur so reichhaltig
voraussetzte, sie zu vermuten. Denn wir haben ebensowohl nur$
 Begriff von dem Gegenstande
urspruenglich, d.i. ohne die Erklaerung irgend wovon abzuleiten,
gegeben wurde. Die deutsche Sprache hat fuer die Ausdruecke der
Exposition, Explikation, Deklaration und Definition nichts mehr, als
das eine Wort: Erklaerung, und daher muessen wir schon von der Strenge
der Forderung, da wir naemlich den philosophischen Erklaerungen den
Ehrennamen der Definition verweigerten, etwas ablassen, und wollen
diese ganze Anmerkung darauf einschraenken, dass philosophische
Definitionen nur als Expositionen gegebener, mathematische aber als
Konstruktionen urspruenglich gemachter Begriffe, jene nur analytisch
durch Zergliederung (deren Vollstaendigkeit nicht aIpodiktisch gewiss
ist), diese synthetisch zu`tande gebracht werden, und also den Begriff
selbst machen, dagege? die ersteren ihn nur erklae ren. Hieraus folgt:
* Ausfuehrlichkeit bedeutet die Klarheit und Zulaenglichkeit der
  Merkmale; Grenzen die Praezision, dass deren nicht mehr sind, als
  zum ausfuehrlichen Begriffe gehoeren; urspr$
ch subjektive Gruende der
Handlungen, d.i. subjektive Grundsaetze werden, heissen Maximen.
Die Beurteilung der Sittlichkeit, ihrer Reinigkeit und Folgen nach,
geschieht nach Ideen, die Befolgung ihrer Gesetze nach Maximen.
Es ist notwendig, dass unser ganzer Lebenswandel sittlichen Maximen
untergeordnet werde; es ist aber zugleich unmoeglich, dass dieses
geschehe, wenn die Vernunft nicht mit dem moraliscen Gesetze, welches
eine blosse Idee ist, eine wirkende Ursache verknuepft, welche dem
Verhalten nach demselben einen unseren hoechsten Zwecken genau
entsprechenden Ausgang, es sei in diesem, oder einem anderen Leben,
bestimmt. Ohne also einen Gott und eine fuer uns jetzt nicht
sichtbare, aber gehoffte Welt, sind die herrlichen Ideen der
Sittlichkeit zwar Gegenstaende des Beifalls und der Bewunderung, aber
nicht Triebfedern des orsatzes und der Ausuebung, weil sie nicht den
ganzen Zweck, der einem jeden vernuenftign Wesen natuerlich und durch
eben dieselbe reine Vernunft a priori bestimmt und notwendig ist,
G$
                      Zeitfolge nach dem Gesetze der
                              Kausalitaet
                            C. Dritte Analogie. Grundsatz des
                               Zugleichseins, nach dem Gesetze der
                               Wechselwirkung, oder Gemeinschaft
                        4. Die Postulate des empirischen Denkens
                           u>eberhaupt
                           Widerlegung des Idealismus
                           Allgemeine Anmerkung zum System der
                           Grundsaetze
                3. Hauptstueck. Von dem Grunde der Unterscheidung
                   aller Gegenstaende ueberhaupt in Phaenomena und
                   Noumena
                   Anhang. Von der Amphibolie der Reflexionsbegriffe
                  Anmerkung zur Amphibolie der Reflexionsbegriffe
        Zweite Abteilung. Die transzendentale Dialektik
            Einleitung
                 I. Vom transzendentalen Schein
                II. Von der reinen Vernunft als dem $
nlichkeit, und die
Kategorien, als Begriffe des Verstandes. Von ihnen eine empirische
Deduktion versuchen wollen, wuerde ganz vergebliche Arbeit sein; weil
eben darin das Unterscheidende ihrer Natur liegt, dass sie sich auf
ihre Gegenstaende bez}ehen, ohne etwas zu deren Vorstellung aus der
Erfahrung entlehnt zu haben. Wenn also eine Deduktion derselben noetig
ist, so wird sie jederzeit transzendental sein muessen.
Indessen kann man von diesen Begriffen, wie von alle Erkenntnis, wo
nicht das Prinzipium ihrer Moeglichkeit, doch die Gelegenheitsursachen
ihrer Erzeugung in der Erfahrung aufsuchen, wo alsdann die Eindruecke
der Sinne den ersten Anlass geben, die ganze Erkentniskraft in
Ansehung ihrer zu eroeffnen, und Erfahrung zustande zu bringen, die
zwei sehr ungleichartige Elemente enthaelt, naemlich eine Materie
zur Erkenntnis aus den Sinnen und eine gewisse Form, sie zu ordnen,
aus dem inneren Quell des reinen Anschauens und Denkens, die, bei
Gelegenheit der ersteren, zuerst in Ausuebung gebracht werden,
$

Anschauung, dDe davon unterschieden ist, kann es nur gegeben und durch
Verbindung in einem Bewusstsein gedacht werden. Ein Verstand, in
welchem durch das Selbstbewusstsein zugleicM alles Mannigfaltige
gegeben wuerde, wuerde anschauen; der [nsere kann nur denken und muss
in den Sinnen die Anschauung suchen. Ich bin mir also des identischen
Selbst bewusst, in Ansehung des Mannigfaltigen der mir in einer
Anschauung gegebenen Vorstellungen, weil ich sie insgesamt meine
Vorstellungen nenne, die eine ausmachen. Das ist aber soviel, als,
dass ich mir einer notwendigen Synthesis derselben a priori bewusst
bin, welche die urspruengliche synthetische Einheit der Apperzeption
heisst, unter der alle mir gegebenen Vorstellungen stehen, aber unter
die sie auch durch eine Synthesis gebracht werden muessen.
Paragraph 17. Der Grundsatz der synthetischen Einheit der Apperzepion
    ist das oberste Prinzip alles Verstandesgebrauchs
Der oberste Grundsatz der Moeglichkeit aller Anschauung in Beziehung
auf die Sinnlichkeit war la$
en zusammentrifft.
Diese sind: Vestand, Urteilskraft und Vernunft. Jene Doktrin handelt
daher in ihrer Analytik von Begriffen, Urteilen und Schluessen, gerade
den Funktionen und der Ordnung jener Gemuetskraefte gemaess, die man
unter der weitlaeufigen Benennung des Verstandes ueberhaup begreift.
Da gedachte bloss formale Logik von allem Inhalte der Erkenntnis (ob
sie rein und empirisch sei) abstrahiert, und sich bloss mit der Form
des Denkens (der diskursiven Erkentnis) ueberhaupt beschaeftigt: so
kann sie in ihrem analytischen Teile auch den Kanon fuer die Vernunft
mitbefassen, deren Form ihre sichere Vorschrift hat, die, ohne die
besondere Natur der dabei gebrauchten Erkenntnis in Betracht zu
ziehen, a priori, durch blosse Zergliederung de Vernunfthandlungen in
ihre Momente, eingesehen werden kann.
Die transzendentale Logik, da sie auf einen bestimmten Inhalt,
naemlich bloss der reinen Erkenntnisse a priori, eingeschraenkt ist,
kann es ihr in dieser Einteilung nicht nachtun. Denn es zeigt sich:
dass der tra$
agt, als: Ich existiere
denkend, ist nicht blosse logische Funktion, sondern bestimmt das
Subjekt (welches denn zugleich Objekt ist) in Ansehung der Existenz,
upnd kann ohne den inneren Sinn nicht stattfinren, dessen Anschauung
jederzeit das Objekt nicht als Ding an sich selbst, sondern bloss als
Erscheinung an die Hand gibt. In ihm ist also schon nicht mehr blosse
Spontaneitet des Denkens, sondern auch Rezeptivitaet der Anschauung,
d.i. das Denken meiner selbst auf die empirische Anschauung
ebendesselben Subjekts angewandt. In dieser letzteren muesste denn nun
das denkende Selbst die Bedingungen de Gebrauchs seiner logischen
Funktionen zu Kategorien der Substanz, der Ursache usw. suchen,
um sich als Objekt an sich selbst nicht bloss durch das Ich zu
bezeichnen, sondern auch die Art seines Daseins zu bestimmen, d.i.
sich als Noumenon zu erkennen, welches aber unmoeglich ist, indem die
innere empirische Anschauung sinnlich ist, und nichts als Data der
Erscheinung an die Hand gibt, die dem Objekte des reinen Be$
nkommt, darin enthalten
Wir haben zwei Ausdruecke: Welt und Natur, welche bisweilen ineinander
laufen. Das erste bedeutet das mathematische Ganze aller Erscheinungenund die Totalitaet ihrer Sythesis, im Grossen sowohl als im Kleinen,
d.i. sowohl in dem Fortschritt derselben durch Zusammensetzung, als
durch Teilung. Eben dieselbe Welt wird aber Natur* genannt, sofern
sie als ein dynamisches Ganzes betrachtet wird, und man nicht auf die
Aggregation im Raume oder der Zeit, um sie als eine Groesse zustande
zu bringen, sondern auf die Einheit im Dasein der Erscheinungen sieht.
Da heisst nun die Bedingung von dem, was geschieht, die Ursache,
und die unbedingte Kausalitaet der Ursache in der Erscheinung
die Freiheit, die bedingte dagegen heisst im engeren Verstande
Natrursache. Das Bedingte im Dasein ueberhaupt heisst zufaellig,
und das Unbedingte notwendig. Die unbedingte Notwendigkeit der
Erscheinungen kann Naturnotwendigkeit heissen.
* Natur, adjektive (formaliter) genommen, bedeutet den Zusammenhang
  der Besti$
 verstehen, und, ob er gleich hierueber nicht so schulgerecht
als andere sprechen kann, so kann er doch darueber unendlich mehr
vernuenfteln, weil er unter lauteN Ideen herumwandelt, ueber die man
eben darum am beredtsten ist, weil man davon nichts weiss; anstatt,
dass er ueber der Nachforschung der Natur ganz verstummen und seine
Unwissenheit gestehen muesste. Gemaechlichkeit und Eitelkeit also
sind schon eine stabke Empfehlung dieser Grundsaetze. Ueberdem, obes gleich einem Philosophen sehr schwer wird, etwasr als Grundsatz
anzunehmen, ohne deshalb sich selbst Rechenschaft geben zu koennen,
oder gar Begriffe, deren objektive Realitaet nicht eingesehen werden
kann, einzufuehren: so ist doch dem gemeinen Verstande nichts
gewoehnlicher. Er will etwas haben, womit er zuversichtlich anfangen
koenne. Die Schwierigkeit, eine solche Voraussetzung selbst zu
begreifen, beunruhigt ihn nicht, weil sie ihm, (der nicht weiss, was
Begreifen heisst,) niemals in den Sinn kommt, und er haelt das fuer
bekannt, was ihm durch o$
roesse des
Regressus schliessen, und diese jener gemaess bestimmen, sondern ich
muss mir allererst einen Begriff von der Weltgroesse durch die Groesse
des empirischen Regressus machen. Von diesem aber weiss ich niemals
etwas mehr, als dass ich von jedem gegebenen Gliede der Reihe von
Bedingungen immer noch zu einem hoeheren (entfernteren) Gliede
empirisch fortgehen muesse. Also ist dadurch die Groesse des Ganzen
der Erscheinungen gar nicht schlechthin bestimmt, mithin kann man auch
nicht sagen, dass dieser Regressus ins Unendliche ehe, weil dieses
die Glieder, dain der Regressus noch nicht gelangt ist, antizipieren
und ihre Menge so gross vorstellen wuerde, dass keine empirische
Synthesis dazu gelangen kann, folglich die Weltgroesse vor dem
Regressus (wenn gleich nur negativ) bestimmen wuerde, welches
unmoeglich ist. Denn diese ist mir durch keine Anschauung (ihrer
Totalitaet nach) mithin auch ihre Groesse vor dem Regresus gar nicht
gegeben. Demnach koennen wir von der Weltgroesse an sich gar nichts
sagen, $
ich euch als moeglich
einraeume, es mag sein, welches es wolle,) yexistiert, ist, sage ich,
dieser Satz ein analyticher oder synthetischer Satz? Wenn er das
erstere ist, so tut ihr durch das Dasein des Dinges zu euerem Gedanken
von dem Dinge nichts hinzu, aber alsdann muesste entweder der Gedanke,
der in euch ist, das Ding selber sein, oder ihr habt ein Dasein, als
zur Moeglichkeit gehoerig, vorausgesetzt, und alsdann das Dasein dem
Vorgeben nach aus der inneren Moeglichkeit geschlossen, welches nichts
als eine elende Tautologie ist. Das Wort: Realitaet, welches im
Begriffe des Dinges anders klingt, als Existenz im Begriffe des
Praedikats, macht es nicht aus. Denn, wenn ihr auch alles Setzen
(unbestimmt was ihr setzt) Realitaet nennt, so habt ihr das Ding schon
mit allen seinen Praedikaten im Begriffe des Subjekts gesetzt und als
wirklich angenommen, und im Praedikate wiederholt ihr es nur. Gesteht
ihr dagegen,rwie es billigermassen jeder Vernuenftige gestehen muss,
dass ein jeder Existenzialsatz synthetisc$
endigen Urwesens, als
eines blossen Prinzips der groessten empirischen Einheit, nicht
schicklich sei, sondern dass es ausserhalb der Welt gesetzt werden
muesse, da wir denndie Erscheinungen der Welt und ihr Dasein immer
getrost von anderen ableiten koennen, als ob es kein notwendiges Wesen
gaebe, und dennoch zu der Vollstaendigkeit der Ableitung unaufhoerlich
streben koennen, als ob ein solches, als ein oberster Grund,
vorausgesetzt waere.
Das Ideal des hoechsten Wesens ist nach diesen Betrachtungen nichts
anderes, als ein regulatives Prinzip der Vernunft, alle Verbindung in
der Welt so anzusehen, als ob sie aus einer allgenugsamen notwendigen
Ursache entspraege, um darauf die Regel einer systematischen und nach
allgemeinen Gesetzen notwendigen Einheit in der Erklaerung deselben
zu gruenden, und ist nicht eine Behauptung einer an sich notwendigen
Existenz. Es ist aber zugleich unvermeilich, sich, vermittelst einer
transzendentalen Subreption, dieses formale Prinzip als konstitutiv
vorzustellen, und sich diese$
rachtung schlechterdings notwendig sind<, es mit
Recht, aber freilich nur praktisch, postulieren; jetzt setzen wir
diese Schlussart noch beiseite.
Da, wenn bloss von dem, was da ist, (nicht, was sein soll,) die
Rede ist, das Bedingte, welches uns in der Erfahrung gegeben wird,
jederzeit auch als zufaellig gedacht wird, so kann die zu ihm
gehoerige Bedingung daraus nicht als schlechthin notwendig erkannt
werden, sondern dient nur as eine respektiv notwendige, oder vielmehr
noetige, an sich selbst aber und a priori willkuerliche Voraussetzung
zum Vernunfterkenntnis des Bedingten. Soll also die absolute
Notwendigkeit eines Dinges im theoretischen Erkenntnis erkannt werden,
so koennte dieses allein aus Begriffen a priori geschehen, niemals
aber als einer Usache, in Beziehung auf ein Dasein, das durch
Erfahrung gegeben ist.
Eine theoretische Erkenntnis ist spekulativ, wenn sie auf einen
Gegenstand, oder solche Begriffe von einem Gegenstande, geht, wozu
man in keiner Erfahrung gelangen kann. Sie wird der Naturerke$
ohl nur unter
Voraussetzung der Verschiedenheiten in der Natur Verstand, als unter
der Bedingung, dass ihre Objekte> Gleichartigkeit an sich haben,
weil eben die Mannigfaltigkeit desjenigen, was unter einem Begriffe
zusammengefasst werden kann, den Gebrauch dieses Begriffs, und die
Beschaeftigung des Verstandes ausmacht.
Die Vernunft bereitet also dem Verstande sein Feld, 1. durch ein
Prinzip der Gleichartigkeit des Mannigfaltigen unter hoeheren
Gattungen, 2. durch einen Grundsatz der Varietaet des Gleichartigen
unter niederen Arten; und um die systematische Einheit zu vollenden,
fuegt sie 3. noch ein Gesetz der Affinitaet aller Begriffe hinzu,
welches einen kontinuierlichen Uebergang von einer jeden Art zu jeder
anderen durch stufenartiges Wachstum der Verschiedenheit gebietet. Wir
koen~nen sie die Prinzipien der Homogenitaet, der Spezifikation und der
Kontinuitaet der Formen nennen. Das letztere entspringt dadurch, ass
man die zwei ersteren vereinigt, nachdem man, sowohl im Aufsteigen
zu hoeheren Gattungen$
on ihm denken lassen wuerde), naemlich als ein Wesen,
das Verstand, Wohlgefallen und Missfallen, imgleichen eine demselben
gemaesse Begierde und Willen hat usw. zu denken, sondern demselben
unendliche Vollkommenheit beizulegen, die also diejenige weit
uebersteigt, dazu wir durch empirische Kenntnis der Weltordnung
berechtigt sein koennen. Denn das regulative Gesetz der systematischen
Einheit will, dass wir die Natur so studieren sollen, als oballenthalben ins Unendliche systematische und zweckmaessige Einheit
bei der groesstmoeglichen Mannigfaltigkeit, angetroffen wuerde. Denn,
wiewohl wir nur wenig von dieser Weltvollkommenheit ausspaehen,
oder erreichen werden, so gehoert es doch zur Gesetzgebung unserer
Vernunft, sie allerwaerts zu suchen und zu vermuten, und es muss uns
jederzeit vorteilhaft sein, niemals aber kann es nachteilig werden,
nach diesem Prinzip die Naturbetrachtung anzustellen. Es ist aber,
unter dieser Vorstellung, dr zum Grunde gelegten Idee eines hoechsten
Urhebers, auch klar: dass ich ni$
hr bei seinem Anblicke Traenen in die Augen, doch troestete sie sich
immer mit dem Zusatze im Zauberbuche, dass treue Hundeseelen, die in
solchem Geschaefte blieben, zur Seele ihrer Herren gelangen, und sie war
gewiss, dass sich der Hund eim Vater Michael besser als bei ihr gefallen
Endlich kam der zweite Freitag, es war schon kat geworden, die ruhigen
Gewaesser waren duenn befroren, und die Alte hatte sich bei ihr entschuldigt,
dass sie in den naechsten Tagen nicht herauskommen koenne: ihr Husten sei
aber so stark, sie muesse sich heimhalten.  Alles schien erwuenscht, die
Nachbarn waren alle nach der Stadt gezogen, die NachtVwar dunkel, und der
Wind fuehrte die ersten Schneeflocken ueber die trockene Erde.  Bella
durchlief noch einmal das Zauberbuch, ihr Herz schlug heftig, als es
langam eilf schlug, der schwarze Hund schleppte ihre Puppe, in der sie
ihren Prinzen sah und verehrte, herbei, zerrte und biss darin: das brachte
sie zum Entschluss; diesen Schimpf, den er ihrem Liebling angetan, musste er
buessen$
ren den Kutzen zu streichen, aus
welchem ihm schon manches Trinkgeld gefallen.  Dies vollendete, wozu der
Kleine aus Nachahmerei seiner Bekannten schon vorgereift, eine feste
Ueberzeuung in ihm, er sei in Bella verliebt, und bei der vielen
Zaertlichkeit, die sie aus einer Art muetterlichen Gefuehls ihm bezeugte,
glaubte er in ihr ein gleiches Gefuehl voraussetzen zu duerfen und hielt
seinen Vorteil fuer so gewiss, dass er nicht einmal die ahndenden Augen auf
sie zu werfen noetig fand, um zu unterscheiden, wie ich alles in ihr
verwandelt hatte, wie sie nicht bloss mit ihren Augen die Fruehlingsson3e,
sondern auch mit ihrem Herzen die Liebe gesucht habe.  Er kannte nicht die
Macht des Fruehlings, der aus dem Himmel in alle Fenster ruft: "Ihr Maedchen
schaut euch um nach einem, der mir gleicht."
Auch Bella hatte die rFruehlingsstimme gehoert und lief unzaehligemal von
ihrer Arbeit ans Fenster, und so kam es, dass seit ein paar Tagen mit ihr
eine so gerechte und natuerliche Veraenderung vorgegangen war.  Sie hatt$
die Schuster ziehen und pochen, alle halb auf der Gasse; ja die
Werkstaetten machen einen Teil der Strasse.  Abends, wenn Lichter
brennen, sieht es recht lebendig.
Auf den Plaetzen ist es* an Markttagen sehr voll, Gemuese und Fruechte
unuebersehlich, Knoblauch und Zwiebeln nach Herzenslust.  UEbrigens
schreien, sch3ekern und singen sie den ganzen Tag, werfenund balgen
sich, jauchzen und lachen unaufhoerlich.  Die milde Luft, die wohlfeile
Nahrung laesst sie leicht leben.  Alles, was nur kann, ist unter freiem
Nachts geht nun das Singen und Laermen recht an.  Das Liedchen von
Marlborough hoert man auf allen Strassen, dann ein Hackebrett, eine
Violine.  Sie ueben sich, alle Voegel mit Pfeifen nachzumachen.  Die
wunderlichsten Toene brechen ueberall hervor.  Ein solches uebergefuehl
des Daseins verleiht ein mildes Klima auch der Armut, und der Schatten
des Volks scheint selbst noch ehrwuerdig.
Die uns so sehr auffallende Unreinlichkeit und wenigeBequemlichkeit
der Haeuser entspringt auch daher: sie sind immer d$
e zu Kirche zu
wandern.  Wie in Rom alles hoechst ernsthaft ist, so treibt sichX hier
alles lustig ud wohlgemut.  Auch die neapolitanische Malerschule
begreift man nur zu Neapel.  Hier sieht man mit Verwunderung die ganze
Vorderseite eEiner Kirche von unten bis oben gemalt, ueber der Tuere
Christus, der die Kaeufer und Verkaeufer zum Tempel hinaustreibt, welche
z beiden Seiten, munter und zierlich erschreckt, die Treppen
herunterpurzeln.  Innerhalb einer andern Kirche ist der Raum ueber dem
Eingang reichhaltig mit einem Freskogemaelde geziert, die Vertreibung
Heliodors vorstellend.  Luca Giordano musste sich freilich sputen, um
solche Flaechen auszufuellen.  Auch die Kanzel ist nicht immer wie
anderwaerts ein Katheder, Lehrstuhl fuer eine einzelne Person, sondern
eine Galerie, auf welcher ich einen Kapuziner hin und her schreiten
und bald von dem einen, bald von dem andern Ende dem Volk seine
Suendhaftigkeit vorhalten sah.  Was waere da nicht alles zu erzaehlen!
Aber weder zu erzaehlen noch zu beschreiben ist$
nen moechte.  In den Baechen finden sich schon
Granitgeschiebe.  Die gel(en aepfel des Solanum, die roten Blueten des
Oleanders machen die Landschaft lustig.  Der Fiume Nisi bringt
Glimmerschiefer sowie auch die folgenden Baeche.
Mittwoch, den 9. Mai 1787.
Vom Ostwinde bestuermt, ritten wir zwischen dem rechter Hand wogenden
Meere und den Felswaenden hin, an denen wir vorgestern oben herab
gesehen hatten, diesen Tag bestaendig mit dem Wasser im Kampfe; wir
kamen ueber unzaehlige Baeche, unter welchen ein groesserer, Nisi, den
Ehrentitel eines Flusses fuehrt; doch diese Gewaesser sowie das Geroelle,
das sie mitbringen, waren leichter zu ueberwinden als das Meer, das
heftig stuermte und an vielen Stelln ueber den Weg hinweg bis an die
Felsen schlug und zurueck auf die Wanderer spritzte.  Herrlich war das
anzusehen, und die seltsame Begebenheit liess uns das Unbequeme
uebertragen.
Zugleich sollte es icht an mineralogischer Betrachtung fehlen.  Die
ungeheurenKalkfelsen, verwitternd, stuerzen herunter, deren weich$
tadt umhergetragen.  Aufmerksam ward ich bei dem Vorbeiziehen so
vieler Moenche, deren einfache Kleidung das Auge nur auf die
Betrachtung des Kopfes hinzog.  Es war mir auffallend, dass eigentlich
Haar und Bart dazu gehoeren, um sich von dem maennlichen Individuum
einen Begriff zu machen.  Erst mit Aufmerksamkeit, dann mit Erstaunen
mustertv ich die vor mir vorueberziehende Reihe und war wirklich
entzueckt, zu sehen, dass ein Gesicht, von Haar und Bart in einen Rahmen
eingefasst, sich ganz anders ausnahm, als das bartlose Volk umher.  Und
ich konnte nun wohl finden, dass dergleichen Gesichter, in Gemaelden
dargestellt, einen ganz unnennbaren Reiz auf den Beschauer ausueben
Hofrat Reiffenstein, welcher sein Amt, Fremde zu fuehren und zu
unteralten, gehoerig ausstudiert hatte, konnte freilmch im Laufe
seines Geschaefts nur allzubald gewahr werden, dass Personen, welche
wenig mehr nach Rom bringen als Lust zu sehen und sich zu zerstreuen,
mitunter an der grimmigsten Langweile zu leiden haben, indem ihnen die
g$
 den vier Saffianbaenden
erhalten, gestern, als ich im Begriff war, von Frascati abzufahren.
Es ist mir nun ein Schatz auf die ganze Villeggiatur.
"Persepolis" habe ich gestern nacht gelesen.  Es freut mich unendlich,
und ich kann nichts dazusetzen, indem jene Ar und Kunst nicht
heruebergekommen ist.  Ic will nun die angefuehrten Buecher auf
irgendeiner Bibliothek sehen und euch aufs neue danken.  Fahret fort,
ich bitte euch, oder fahret fort, weil ihr muesst, beleuchtet alles mit
eurem Lichte!
Die "Ideen", die Gedichte sind noch nicht beruehrt.  Meine Schriften
moegen nun gehen, ich will treulich fortfahren.  Die vier Kupfer zu den
letzten Baenden sollen hier werden.
Mit den Genannten war unser Verhaeltnis nur ein gutmuetiger
Waffenstillstand von beiden Seiten, ich habe das wohl gewusst, nur was
werden kann, kann werden.  Es wird immer weitere Entfernung und
endlich, wenn's recht gut geht, leise, lose Trennung werden.  Der eine
ist ein Narr, der voller Einfaltspr@aetensionen steckt.  "Meine Mutter
hat Gaens$
hrt in des Fidanza
"Teste Scelte", Tom.  V, Bl. 31. Man wuesste sich keinen tuechtigern,
gesuendern, geradsinnigeren Knaben zu denken.  Als Abkoemmling einer
edlen Familie wird er in allem Guten und Wissenswerten der Zeit gemaess
unterrichtet und endlichP, um seine Studien zu vollenden, man meldet
nicht, in welchem Alter, nach Rom gesandt.  Hier entwickelt er sich
zum vollkommnen Juengling; sein schoenes Antlitz, seine reichen Locken
zeichnen ihn aus; er ist anziehend und ablehnend zugleich, Anmut und
Wuerde begleiten ihn ueberall.
Hier, zur traurigsten Zeit, wenige Jahre nach der grausamen Pluenderung
der Stadt, ergibt er sich, nach Vorgang und Beispiel vieler Edlen,
ganz den uebungen der Froemmigkeit, und sein Enthusiasmus steigert sich
mit den Kraeften einer frischen Jugend.  Unablaessiges Besuchen der
Kirchen, besonders der sieben Hauptkircen, bruenstiges Beten zu
Herannoetigung der Huelfe, fleissiges Beichten und Genuss des Abendmahls,
Flehen und Ringen nach geitigen Guetern.
In solch einem enthusiasti$
n Raeumen der Unendlichkeit,
Gleichmessend giesst der Himmel seinen Tau
Auf alle durstenden Gewaechse aus.
Was irgend gut ist und von oben kommt,
Ist allgemein und ohne Vorbehalt,
Doch in den Falten wohnt die Finsternis!
BURGUND. O sie kann mit mir schalten wie sie will,
MeinP Herz ist weiches Wachs in ihrer Hand.
--Umarmt mich, Du Chatel; ich vergeb Euch.
Geist meines Vaters,zuerne nicht, wenn ich
Die Hand, die dich getoetet, freundlich fasse.
Ihr Todesgoetter, rechnet mirs nicht zu,
Dass ich mein schrecklich Rachgeluebde breche.
Bei euch dort unten in der ewgen Nacht,
Da schlaegt kein Herz mehr, da ist alles ewig,
Steht alles unbeweglich fest--doch anders
Ist es hier oben in der Sonne Licht.
Der Mensch ist, der lebendig fuehlende,
Der leichte Raub des maechtgen Augenblicks.
KARL (zu Johanna). Was dank ich dir nicht alles, hohe Jungfrau!
Wie schoen hast du dein Wort geloest!
Wie schnell mein ganzes Schicksal umgewandelt!
Die Freunde hast du mir versoehnt, die Feinde
Mir in den Staub gestuerzt, und meine St$
 und insbesondere giebt seine Moral ein entschiedenes
und entscheidendes Zeugniss dafuer ab, wer er ist - das heisst, in
welcher Rangordnung die inn|ersten Triebe seiner Natur zu einander
gestellt sid.
Wie boshaft Philosophen s`ein koennen! Ich kenne nichts Giftigeres als
den Scherz, den sich Epicur gegen Plato und die Platoniker erlaubte:
er nannte sie Dionysiokolakes. Das bedeutet dem Wortlaute nach und im
Vordergrunde "Schmeichler des Dionysios", also Tyrannen-Zubehoer und
Speichellecker; zu alledem will es aber noch sagen "das sind Alles
Schauspieler, daran ist nichts Aechts" (denn Dionysokolax war eine
populaere Bezeichnung des Schauspielers). Und das Letztere ist
eigentlich die Bosheit, welche Epicur gegen Plato abschoss: ihn
verdross die grossartige Manier, das Sich-in-Scene-Setzen, worauf sich
Plato sammt seinen Schuelern verstand, - worauf sich Epicur nicht
verstand! er, der alte Schulmeister von Samos, der in seinem Gaertchen
zu Athen versteckt sass und dreihundert Buecher schrieb, wer weiss?
vielle$
aber, dass Alles was es von Freiheit, Feinheit,
Kuehnheit, Tanz und meisterlicher Sicherheit auf Erden giebt oder
gegeben hat, sei es nun in dem Denken selbst, oder im Regieren,
oder im Reden und ueberreden, in den Kuensten ebenso wie in
den Sittlichkeiten, sich erst vermoege der "Tyrannei solcher
Willkuer-Gesetze" entwickelt hat; und allen Ernstes, die
Wahrscheinlichkeit dafuer ist nicht g^ring, dass gerade dies
"Natur" und "natuerlich" sei - und nicht jenes laisser aller! jeder
Kuenstler weiss, wie fern vom Gefuehl des SichgehXen-lassens sein
"natuerlichster" Zustand ist, das freie Ordnen, Setzen, Verfuegen,
Gestalten in den Augenblicken der "Inspiration", - und wie streng
und fein er gerade da tausendfaeltigen Gesetzen gehorcht, die
aler Formulirung durch Begriffe gerade auf Grund ihrer Haerte und
Bestimmtheit spotten (auch der festeste Begriff hat, dagegen gehalten,
etwas Schwimmendes, Vielfaches, Vieldeutiges -). Das Wesentliche, "im
Himmel und auf Erden", wie es scheint, ist, nochmals gesagt, dass
lang$
finden musste: sein
Feind war jedes Mal das Ideal von Heute. Bisher haben alle diese
ausserordentlichen Foerderer des Menschen, welche man Philosophen
nennt, und die sich selbst selten als Freunde der Weisheit, sondern
eher als unangenehme Narren und gefaehrliche Fragezeichen fuehlten -,
ihre Aufgabe, ihre harte, ungewollte, unabweisliche Aufgabe, ndlich
aber die Groesse ihrer Aufgabe darin gefunden, das boese Gewissen
ihrer Zeit zu sein. Indem sie gerade den Tugenden der Zeit das Messer
vivisektorisch auf die Brust setzten, verriethen sie, was ihr eignes
Geheimniss war: um eine neue Groesse des Menschn zu wissen, um einen
neuen ungegangenen Weg zu seiner Vergroesserung. Jedes Mal deckten
sie auf, wie viel Heuchelei, Bequemlichkeit, Sich-gehen-lassen und
Sich-fallen lassen, wie viel Luege unter dem bestgeehrten Typus ihrer
zeitgenoessischen Moralitaet versteckt, wie viel Tugend ueberlebt sei;
jedes Mal sagten sie: "wir muessen dorthin, dorthinaus, wo ihr heute
am wenigsten zu Hause seid." Angesichts einer W$
oennten, steht fest; dass sie nicht
darauf hin arbeiten und Plaene machen, ebenfalls. Einstwelen wollen
und wuenschen sie vielmehr, so;ar mit einiger Zudringlichkeit, in
Europa, von Europa ein- und aufgesaugt zu werden, sie duersten
darnach, ondlich irgendwo fest, erlaubt, geachtet zu sein und dem
Nomadenleben, dem "ewigen Juden" ein Ziel zu setzen -; und man sollte
diesen Zug und Drang (der vielleicht selbst schon eine Milderung der
juedischen Instinkte ausdrueckt) wohl beachten und ihm entgegenkommen:
wozu es vielleicht nuetzlich und billig waere, die antisemitischen
Schreihaelse des Lanes zu verweisen. Mit aller Vorsicht
entgegenkommen, mit Auswahl; ungefaehr so wie der englische Adel es
thut. Es liegt auf der Hand, dass am unbedenklichsten noch sich die
staerkeren und bereits fester gepraegten Typen des neuen Deutschthums
mit ihnen einlassen koennten, zum Beispiel der adelige Offizier aus
der Mark: es waere von vielfachem Interesse, zu sehen, ob sich nicht
zu der erblichen Kunst des Befehlens und Gehorc$
esen von Natur unterthan sein muessen und sich ihm zu opfern haben.
Die vornehme Seele nimmt diesen Thatestand ihres Egoismus ohne jedes
Fragezeichen hin, auch ohne ein Gefuehl von Haerte Zwang, Willkuer
darin, vielmehr wie Etwas, das im Urgesetz der Dinge begruendet sein
mag: - suchte sie nach einem Namen dafuer, so wuerde sie sagen "es ist
die Gerechtigkeit selbst". Sie gesteht sich, unter Umstaenden, die sie
anfangs zoegern lassen, zu, dass es mit ihr Gleichberechtigte giebt;
sobald sie ueber diese Frage des Rangs im Reinen ist, bewegt sie
sich unter diesen Gleichen und Gleichberechtigten mit der gleichen
Sicherheit in Scham und zarter Ehrfurcht, welche sie im Verkehre mit
sich selbst hat, - gemaess einer eingebornen himmlischen Mechanik, auf
welche sich alle Sterne verstehn. Es ist ein Stueck ihres Egoismus
mehr, diese Feinheit und Selbstbeschraenkung im Verkehre mit ihres
Gleichen - jeder Stern st ein solcher Egoist -: sie ehrt sich in
ihnen und in den Rechten, 4welche sie an dieselben abgiebt, sie
zwei$
spect, den du mir schuldig
bist?  (Der Major kehrt zurueck.)  Du bist bei der Lady gemeldet.  Der
Fuerst hat mein Wort.  Stadt und Hof wissen es richtig.--Wenn du mich
zum Luegner machst, Junge--vor dem Fuersten--der Lady--der Stadt--dem
Hof mich zum Luegner machst--Hoere, Junge--oder wennich hinter gewise
Historien komme?--Halt!  Holla!  Was blaest so auf einmal das Feuer in
deinen Wangen aus?
Ferdinand (schneeblass und zitternd).  Wie?  Was?  Es ist gewiss nichts,
Praesident (einen fuerchterlichen Blick auf ihn heftend).  Und wenn es
was ist--und wenn ich die Spur finden sollte, woher diese
Widersetzlichkeit stammt--Ha, Junge! der blosse Verdacht schon bringt
mich zum Rasen!  Geh den Augenblick!  Die Wachtparade faengt an!  Du
wirst bei der Lady sein, sobald die Parole gegeben ist--Wenn ich
auftrete, zittert ein Herzogthum.  Lass doch sehen, ob mich ein
Starrkopf von Sohn meistert.  (Er geht und kommt noch einmal wieder.)
Junge, ich sage dir, du wirst dort sein, oder fliehe meinn Zorn!
(Er geht ab.)
Ferdin$
."
Der gutmuetgen Candida tat der arme Balthasar, der ganz verwirrt mit
niedergesenktem Blick vor ihr stand, herzlich leid. Sie reichte ihm
die Hand und lispelte mit anmutigem Laecheln: "Es sind aber auch recht
komische Leute, die sich so entsetzlich vor Katzen fuerchten."
Balthasar drueckteCandidas Hand mit Inbrunst an die Lippen. Candida
liess den seelenvollen Blick ihrer Himmelsaugen auf ihm ruhen. Er war
verzueckt in den hoechsten Himmel und dachte nicht mehr an Zinnober
und Katzengeschrei. - Der Tumult war vorueber, die Ruhe wieder
hergestellt. Am Teetisch sass die nervenschwache Dame und genoss
mehreren Zwieback, den sie in Rum tunkte, versichernd, an dergleichen
erlabe sich das von feindlicher Macht bedrohte Gemuet, und dem jaehen
Schreck folge sehnsuechtig Hoffen! -
Auch die beiden alten Herren, denen draussen wirklich ein fluechtiger
Kater zwischen die Beine gelaufen, kehrten beruhigt zurueck und
suchten, wie mehrere andere, en Spieltisch.
Balthasar, Fabian, der Profesor der Aesthetik, mehrere junge$
ch aufgedraengt
haben. Die Faelle der Komik, die er anfuehrt, sind wirklich komisch, wenn
auch nicht aus den angegebenen Gruenden. Dagegen wuerden andere Faelle und
Klassen von Faellen, die er haette anfuehren _muessen_, sich jeder Bemuehung,
sie komisch zu finden, widersetzt haben.
Einige Bemerkungen genuegen, um dies zu zeigen. Eine Hauptgattung der
Komik bezeichnen fuer _Hecker_ die Faelle, bei denen zwei Vorstellungen in
ihrer Vereinigung oder ihrem Zusammenhang unseren logischen, praktischen,
ideellen "Normen" oder den "Normen der Ideenassociation" entsprechen,
waehrend zugleich die eine der Vorstellungen einer der ormen
widerstreitet. Nachher schrumpft die ganze Gattung zusammen zur Komik der
"gerechten Schadenfreude". Die rote Nase zum Beispielmissfaellt, weil sie
unseren "ideellen Normen" widerspricht. Betrachten wir sie aer als
verdiente Strafe der Unmaessigkeit, so befriedigt diese Ideenverbindung
unser Gerechtigkeitsgefuehl. Und aus Beidem zusammen ergiebt sich das
Gefuehl der Komik.
Diese Erklaer$
s Begriffes der Erwartung im Grunde hier
ebensoviel Recht, wie bei dem kleinen Haeuschen zwischen Palaesten. Ich
darf sagen, ich erwarte naturgemaess mit dem Bild des Negerkoerpers jenen
Gedanken verbinden zu koennen, diese Erwartung aber zergehe angesichts der
mir fremdeG Farbe in nichts. Die "Erwartung" besteht thatsaechlich, nur
dass sie auf ihre Entscheidung nicht zu "warten" braucht, und darum auch
ein merkliches Gefuehl der Spannung, we es sonst die in Erreichung ihres
Zieles, der Erfuellung oder Enttaeuschung, _gehemmte_ Erwartung begleitet,
nicht entstehen kann.
Es ist nun aber gar nicht meine Absicht, hier dem Begriff der Erwartung
eine moeglichst weite Anwendbarkeit zu sichern. Mag man die Erwartung da,
wo man auf die Erfuellung oder Enttaeuschung nicht zu "warten" braucht, und
darum kein merkbares Spannungsgefuehl eintritt, trotzdem als solche
bezeichnen oder nicht, uns kommt es einzig an auf das in aller Erwartung
Wesentliche und psychoYogisch Wirksame, die aktive Bereitschaft also zur
Erfassung $
 thun, verleihen sie
der witzigen Aussage eine wirkliche oder scheinbare Bedeutung und damit
zugleich eine gewisse Kraft, Wichtigkeit, Aindrucksfaehigkeit. Damit ist
auch schon der Punkt bezeichnet, auf den es bei der Zusammengehoerigkeit
einzig und allein ankommt. Nicht die Zusammengehoerigkeit, sondern die
Bedeutung, welche den Worten als Traegern derselben erwaechst, bedingt den
Eindruck der Komik. Die Zusammengehoerigkeit ist bei dem eben angefuehrten
Falle eine lediglich scheinbare. Aber indem die Worte den Schein
erwecken, leisten sie etwas. Wir hoeren die Wortverbindung "Messer ohne
Klinge und Stiel" und lassen uns dadurch verfuehren, fuer einen Moment an
die Moeglichkeit der entsprechenden Vorstellungsverbindung zu glauben,
also derselben einen Sinn zuzuschreiben. Der Begriff eines Messers ohne
Klinge ist uns gelaeufig, der eines Messers ohne Stiel nicht minder. Hebt
der Mangel der Klinge den Begriff des Messers nicht auf, und der Mangel
des Stieles ebensowenig, so scheint auch der Mangel der Kling$
nt und
mitlacht, wenn sein Gegenbild auf der Buehne verlacht wird, ist
humoristisch. Wiethoericht, wenn man dem Lachen Anderer zu begegnen
meint, indem man mitlacht; wie schwaechlich, wenn man auch nur dies
Lachen, statt irgendwie dagegen aufzutreten oder es abzuwehren, sich
gefallen laesst. Giebt man nicht damit den LacheIrn Recht?--Aber eben dies
ist die Meinung des _Sokrates_. Er erst\eht den Standpunkt des
Volksbewusstseins, zu dessen Vertreter sich _Aristophanes_ gemacht hat,
und sieht darin etwas relativ Gutes und Vernuenftiges. Er anerkennt eben
damit das relative Recht derer, die seinen Kampf gegen das
Volksbewusstsein verlachen. Damit erst wird sein Lachen zum Mitlachen.
Andererseits lacht er doch ueber die Lacher. Er thut es und kann es thun,
weil er des hoeheren Rechtes und notwendigen Sieges seiner Anschauungen
gewiss ist. Eben dieses Bewusstsein leuchtet durch sein Lachen, und laesst
es in seiner Thorheit logisch berechtigt, in seiner Nichtigkeit sittlich
erhaben erscheinen.
Dieser Humor steiger$
e Stimmung habe
oder dieser Weise der Betrachtung mich hingebe. Ich selbst bin hier der
Erhabene, der sich Behauptende, der Traeger des Vernuenftigen oder
Sittlichen. Als dieser Erhabene oder im Lichte dieses Erhabenen betrachte
ich die Welt. Ich finde in ihr Komisches und gehe betrachtend in die
Komik ein. Ich gewinne aber schliesslich mich selbst, oder das Erhabene
in mir, erhoeht, befestigt, gesteiget wieder. Damit ist hier der
humoristische Prozess vollendet.
Man erinnert sich des Gegenstueckes dieser humoristischen Weltbetrachtung,
das uns oben bei Betrachtung der Tragik begegnete. Es besteht in der
Weltbetrach+tung, ie einen sittlichen Massstab anlegt--nicht an das
Kleine und Nichtige, oder an das, was so erscheint, sondern an das
Schlechte, das Boese, das Uebel; kurz das ernste Nichtseinsollende. Auch
aus solcher Weltbetrachtung kann ich in meiner Peroenlichkeit oder meinem
sittlichen Bewusstsein gesteigert zu mir zurueckkehren.
Neben diese ernst sittliche Weltbetrachtung stellten wir die gleichartige$
lbe Gegensatz besteht aber auch beim Humor des komischen Schickals.
Wir begegnen der untersten Stufe des objektiven Humors der einen und der
anderen Art im Humor des naiven Kindergemuetes, das weder der
Unzulaenglichkeitoder Verkehrtheit seines Wollens, noch der Komik des
Schicksals, die es straucheln und fallen laesst, sich bewusst ist. Wir
begegnen beiden Arten des Humors in ihrer hoechsten Steigerung bei der
vollbewussten PersoenUichkeit, die in ihrem erhabenen Wollen nicht nur die
komische Situation deutlich erkennt, in welche, sie der natuerliche Lauf
der Dinge geraten laesst, sondern auch die eigene Unvollkommenheit klar
durchschaut, darum aber doch weder am Weltverlauf noch an sich selbs
Ohne Zweifel wuerde es zur vollkommenen Persoenlichkeit gehoeren, dass sie
das komische Geschick jederzeit voraussaehe und abzuwenden wuesste. Darnach
muss vom erhabensten Standpunkte aus jede Schicksalskomik zugleich als
Charakterkomik erscheinen. Aber auch fuer den niedrigeren, menschlichen
Standpunkt koennen die bei$
sende Unterschiede; nicht um eine K)lassifikation von
Kunstwerken, sondern um die Aufstellung von Gesichtspunkten, denen sich
dies oder jenes ganze Kunstwerk, oder auch nur diese oder jene Gestalteinen solchen mehr oder weniger unterordnet.
Ich sagte, Petrucchio siege durch maennliche Kraft und Klugheit.
Humoristisch ist doch er selbst und sein Thun nicht durch diese Kraft und
Klugheit als solche. Der Humor fehlte, wenn dieselbe sich zur
Verkehrtheit lediglich in Gegensatz stellte, sie in stolzer
Selbstbewusstheit aufdeckte, abkanzelte, abwiese. Im Gegensatz hierzu
schliesst der Humor, von dem ich hier rede, dies in sich, dass der Traeger
des Vernuenftigen oder Guten von seiner Hoehe herabsteigt, in die Komik
eingeht, oder sich einlaesst, demgemaess die Verkehrtheit _lachend_
ueberwindet. So ueberwindet Petrucchio lachend Kaethchens Tollheit.
Aber freilich Petrucchio thut noch mehr. Er uebertollt die Tollheit de
Widerspaenstigen. Er besiegt sie mit ihren eigenen Waffen. Sofrn er dies
thut, gehoert sein Humor$
"So fuehlst du Angst und Schrecken sich erneuen,
Und Feigheit nur hemmt deinen weitern Lauf.
Das Beste macht sie oft den Mann bereuen,
Dass er zurueckespringt von hoher Tat,
Gleich Rossen, die vor Truggebilden scheuen.
Doch hindre sie dich nicht am weitern Pfad,
Drum hoere jetzt, was ich zuerst vernommen,
Da mir's um dich im Herzen wehe tat.
Mich, nicht in Hoell' und Himmel aufgenommen,
Rief eine Frau, so selig und so schoen,
Dass ihr Geheiss mir wert war und willkommen.
Mit Augen, gleich dem Licht an Himmelshoehn
Begann sie gegen Wmich gelind und Ieise,
Und jeder Laut warenglisches Getoen:
O Geist, geboren einst zu Mantuas Preise,
Des Ruhm gedauert hat und dauern wird,
Solang die terne zieh'n in ihrem Kreise,
Mein Freund, doch nicht der Freund des Glueckes, irrt
In Wildnis dort, weil Wahn im Weg' ihn stoerte,
So dass er sich gewandt, von Furcht verwirrt.
Schon irrte, fuercht' ich, also der Betoerte,
Dass ich zu spaet zum Schutz mich aufgerafft,
Nachdem, was ich von ihm im Himmel hoerte.
Du geh; es sei durch$
 pfeilbewaffnet, zogen,
Sich folgend, zwischen Fluss und Felsenwand,
Wie in der Welt wenn sie der Jagd gepflogen.
Als sie uns klimmen sahn, wrd Stillestand;
Drei traten vor mit ausgesuchten Pfeilen
Und schussbereit den Bogen in der Hand.
Und einer rief von fern: "Ihr muesst verweilen!
Zu welcher Qual kommt ihr an diesen Ort?
Von dort sprecht, sonst soll euch mein Pfeil ereilen!
"Dem Chiron sag' ich in der Naeh' ein Wort,"
Sprach drauf Virgil. "Zum Unheil dichM verfuehrend,
Riss vorschnell stets derblinde Trieb dich fort."
"Nessus ist dieser," sprach er, mich beruehrend,
"Der starb, als Dejaniren er geraubt,
Die Rache noch vor seinem Tod vollfuehrend.
Der in der Mitt' ist, mit gesenktem Haupt,
Der grosse Chiron, der Achillen naehrte;
Dort Pholus, welcher stets vor Zorn geschnaubt.
Am Graben rings gehn tausend Pfeilbewehrte
Und schiessen die, so aus dem Pfuhl herauf
Mehr tauchen, als der Richterspruch gewaehrte."
Wir beide nahten uns dem flinken Hauf,
Chiron nahm einen Pfeil und strich vom Barte
Das Haar nach h$
nks zum Schlund
Trug mich mein Herr hinab zu neuen Leiden
In den durchloecherten und engen Grund.
Er liess mich nicht von seiner Huefte scheiden,
Auf die er mich gesetzt, bis bei dem Ort
Des, der da weinte mit den Fuessen beiden.
"Du, mit dem Obern unten," sprach ich dort,
"Hier eingerammt gleich einem Pfahl, verkuende:
Wer bist du? Sprih, istddir vergoennt dies Wort."
Ich stand, dem Pfaffen gleich, dem seine Suende
Der Moerder beichtet, welcher, schon im Loch,
Ihn rueckruft, dass der Tod noch Aufschub finde.
Da schrie er: "Bonifaz, so kommst du doch,
So kommst du doch schon jetzt, mich fortzusenden?
Und man versprach dir manche Jahre noch?
Schon satt des Guts, ob des mit frechen Haenden
Du truegerisch die schoene Frau geraubt,
Um ungescheut und frevelnd sie zu schaenden?"
Ich stand verlegen, mit gesenktem Haupt,
Wie wr nicht recht versteht, was er vernommen.
Und sich beschaemt kein Gegenwort erlaubt.
Da sprach Virgil: "Was stehst du so beklommen?
Sag' ihm geschwind, dass du nicht jener seist,
Den er gemein$
 noch aus dem Pfuhle schaut.
Kratzkralle, der am weitsten vorgegangen,
Schlug ihm den Haken ins bepichte Haar
Und zog ihn auf, Fischottern gleich, gefangen.
Ich wusste schon, wie jedes Name war
Von ihrer Wahl und, dass mir nichts entfalle.
Nahm ich der Namen dann im Sprechen wahr.
"Frisch, Grimmrot, mit den scharfen Klauen falle
Auf diesen Wicht und zieht ihm ab das Fell."
So schrien zusammen die Verfluchten alle.
Und ich: "Mein Meister, o erforsche schnell,
Wer hier in seiner Feinde Hand gerate?
Wer ist wohl der unselige esell?"
Worauf men Fuehrer seiner Seite nahte,
Ihn fragend, wer er sei, wo sein Geschlecht?
"Ich bin gebuertig aus Navarras Staate.
Die Mutter gab mich einem Herrn zum Knecht,
Weil sie von einem Prasser mich geboren,
Der all sein Gut und auch sich selbst verZzecht.
Zum Freunde dann vom Theobald erkoren,
Dem guten Koenig, trieb ich Gaunerei.
Jetzt leg' ich Rechnung ab in diesen Mooren."
Und Eberzahn, aus dessen Munde zwei
Hauzaehne ragten, wie aus Schweinefratzen,
Bewies ihm jetzt, wie sc(ha$
t,
Wie nach dem Spiegel hin der Strahl der Sonnen
Sie geben sich je mehr, je mehr es glueht,
Und reicher stroemt die ew'ge Kraft hernieder,
Je freudiger des Herzens Lieb' erblueht.
Erhebt die Seel' erst aufwaerts ihr Gefieder,
Dann liebt sie mehr, je mehr zu lieben ist,
Denn eine strahlt den Glanz er andern wieder--
Und g'nuegt mein Wort dir nicht, in kurzer Frist
Wird dort von dir Beatrix aufgefunden,
Durch welche du dann ganz befriedigt bist.
Jetzt sorge nur, dass bald von deinen Wunden
Die fuenf sich schliessen wie das erste Paar,
Das von der Stirn durch Reu' und Leid geschwunden."
Schon wollt' ich sagen: Deine Red' ist klar!
Da war ich an des andern Kreises Saume,
Wo schnell mein Wort gehemmt durch Schaulust war.
In einen Tempel schien, von wach;em Traume
Dahingerissen, meine Sel' entfloh'n,
Und Leute sah ich viel in seinem Raume.
Am Eingang schien mit suessem Mutterton
Und zaertlicher Gebaerd' ein Weib zu sagen:
"Was hast du dies an uns getan, mein Sohn?
Wir suchten dich voll Angst seit dreien Tagen,
Ic$
ngetragen.
Drauf vors Gesicht mir eine zweite kam,
Von Zaehren nass, die--wohl war's zu erkennen--
Dem Aug' entpresste zornerzeugter Gram.
Sie rief: "Willst du den Herr'n der Stadt dich nennen,
Ob deren Namen Goetter sich gegrollt,
Wo Strahlen jeder Wissenschaft entbrennen,
Dann, Pisistrat, zahl' ihm de~ Frechheit Sold,
Der's wagte, deine Tochter zu umfassen!"
Allein der Herr, der liebreich schien und hold,
Entgegnet' ihr, die also rief, gelassen:
"Wird jener, der uns liebt, von uns verdammt,
Was tun wir dann an solchen, die uns hoffen?"--
Dann sah ich eine Schar, von Zorn entflammt,
Und einen Juengling dort, von ihr gesteinigt,
Tod! Tod! so schrien sie wuetend allesamt.
Er beugte sich, schon bis zum Tod gepeinigt,
Des Last ihn zu der Erde niederrang,
Doch seinen Blick dem Himmel stets vereinigt,
Und fleht' empor zu Gott in solchem Drang:
"Vergib der Wut, die gegeXn mich entbrannte!"
Mit einem Blicke, der zum Mitleid zwang.
Als meine Seele sich von aussen wandteZurueck zu dem, was wahr ist ausser ihr,
Und ich$
t ihr nicht mich sehn,
Und wiederum, ihr Schwesten, meine Lieben,
Ueber ein kleines werdet ihr mich sehn."
Sie sprach's und stellte vor sich alle sieben,
Und hinter sich, durch ihren Wink allein,
Die Frau, mich und den Weisen, der geblieben.
Sie ging, doch mochten's kaum zehn Schritte sein,
Die sie gegangen und uns gehen lassen,
Da blitzt' ins Auge mir des ihren Schein.
"Geh itzt geschwinder," sagte sie gelassen,
"Komm naeher her, dass, red' ich nun mit dir,
Du wohl veroegend seist, mein Wort zu fassen."
Kaum war ich, wie ich sollte, nah beiihr,
Da sprach sie: "Bruder, bist mir nah gekommen,
Doch zu erfragen wagst du nichts von mir?"
Wie wenn von zuviel Ehrfurcht schwer beklommen
Mit seiner Obrigkeit ein niedrer Mann
Halblaut und stockend spricht und kaum vernommen,
So sprach ich jetzt, da ich zu ihr begann:
"O Herrin, Ihr erkennt ja mein Verlangen,
Und was ich brauch', und was mir frommen kann."
Und sie: "Mach' itzt dich los von Scham und Bangen,
Ich will's, und rede sicher nun und klar,
Und nicht wie eine$
s Leens
Die Leidenschaft das Urteil mit sich zieht--
Wer nach der Wahrheit fischt und, irren Strebens,
Die Kunst nicht kennt, der kehrt nicht, wie er geht,
Und schifft vom Strand drum schlimmer als vergebens,
Wie ihr dies an Melissus deutlich seht
Und an Parmenides und andern vielen,
Die gingen, eh' sie nach dem Ziel gespaeht;
Drob Arius und Sabell in Torheit fielen
Gleich Schwertern waren sie dem heil'gen Wort
Und machten die geraden Blicke schielen.
Nicht reiss' euch Wahn zum schnellen Urteil fort,
Gleich denen, die das Korn zu schaetzen wagen,
Das eh' es reift, vielleicht im Feld verdorrt.
Denn oefters sah ich erst in Wintertagen
Den Dornenbusch gar rauh und stachlicht stehn.
Und auf dem Gipfel dann die Rose tragen.
Und manches Schiff hab' ich im Meer gesehn,
Gerad' und flink auf allen seinen Wegen,
Und doch zuletzt am Hafen untergehn.
Nicht glauben moege Hinz und Kunz deswegen,
Weil dieser stiehlt und der als frommer Mann
Der Kirche schenkt, mit Gott schon Rat zu flegen.
Da der erstehn und jener fallen $
 verwirrt und xnicht zerstoert.
Denn sie, die dich gefuehrt ins hoeh're Leben,
Hat jene Kraft im Blicke, die der Hand
Des Ananias unser Herr gegeben."--
"Sie helfe dann, wann sie's fuer gut erkannt,"
Sprach ich, "den Augen, die ihr Pforten waren,
Als sie, einziehend, ewig mich entbrannt.
Das Gut, das froh macht dieses Reiches Scharen,
Das A und O der Schrbiften ist's, die hier
Mir Lieb' andeuten, dort sie offenaren."
Dieselbe Stimm' erklang--wie sich an ihr
Mein Mut, als ich mich blind fand, aufgerichtet,
Gebot sie jetzo weitres Sprechen mir.
"Durch engres Sieb sei, was du meinst, gesichtet,
Und klarer sei von dir noch dargelegt,
Was dein Geschoss auf solches Ziel gerichtet?"--
"Durch das, was Weltweisheit zu lehren pflegt,"
Versetzt' ich, "und durch Himmelsoffenbarung
Ward solche Liebe mir ins Herz gepraegt.
Je mehr ein Gut, soweit es die Erfahrung
Uns kennen lehrt, der Guet' in sich enthaelt,
Je staerker gibt's derLiebesflamme Nahrung.
Das Wesen drum. So gut, dass, was der Welt
Sich ausser ihm noch als ei$
 ein jeder ein Haus und werfen wir's einer dem
andern zum Kopf, damit die Sach' ein Gewicht hat.  Wollen Sie?
Ewald.  Beim Himmel, wenn mich Lucina nicht gewarnt haette, ich muesste
ihn zuechtigen.
Simplizius.  Zuechtigen?  Ha, beim--wie heisst der Kerl?--Ha, beim Zeus,
jetzt gibt's Pruegel.  (bricht mit dem Fuss einen Baumast entzwei und
gibt ihm die Haelfte.) Nehmen Sie einen, die andern kommen nach.
Ewald.  Was wollen Sie?
Simplizius.  Satisfaktion will ich, Reimschmied!  Packt ihn an der
Ewald.  Welch eine Kraft!  Lassen Sie mich los, Sie wuetender Mensch.
(Entspringt.)
Elfte Szene.
Simplizius (allein).  Wart', du kommst mir schon unter die Hwend'.  Es
ist erschrecklich, ich kann mir nicht; helfen, wie ich nur einen
Menschen seh', so moecht ich ihn schon in der Mitt' voneinander
reissen.  Wenn ich nur einen Degen haett' oder ein Stiffilett, oder
wenn ich wo unter der Hand billige Kanonen zu kaufen bekaem', ich
erschiesset die ganze Stadt und die Vorstaedt' auch dazu.  Da kommen
einige, die sollen sich fr$
ein.
Er hiess mich zu seiner Koechin gehn; da kriegten wir gutes Essen, und
gegen Abend ging er mit mir z dem armen Suender; und als ich dem die
letzten Worte meiner Base erzaehlte, fing er bitterlich an zu weinen
und schrie: "Ach Gott, wenn sie mein Weib geworden, waere es nicht so
weit it mir gekommen."  Dann begehrte er, man solle den Herrn
Pfarrer doch noch einmal zu ihm bitten, er wolle mit ihm beten.  Das
versprach ihm der Buergermeister und lobte ihn wegen seiner
Sinnesveraenderung und fragte ihn, ob er vor seinem Tode nch einen
Wunsch haette, den er ihm erfuellen koenne.  Da sagte der Jaeger Juerge:
"Ach, bittet hier die gute alte Mutter, dass sie doch morgen mit dem
Toechterlein ihrer seligen Base bei meinem Rechte zugegen sein moegen;
das wird mir das Herz staerken in meiner letzten Stunde."  Da bat mich
der Buergermister, und so graulich es mir war, so konnte ich es dem
armen, elenden Menschen nicht abschlagen.  Ich musste ihm die Hand
geben und es ihm feierlich versprechen, und er sank weinend a$
ren Esswaren beladen waren.  Einen
jeden Wagen fuhr ein Bauer mit seinen Pferden, und die Bauern trugen
die Saecke Korn und das Speck! und die Schinken und Mettwuerste und was
sie sonst geladen, hinab in den Wald, und als sie Hans Burwitz stehen
sahen, riefen sie ihm zu: "Komm!  Hilf auch tragen!"  Und Hans ging
hin und lud mit ab und trug mit ihnen; er war aber so verirrt, dass
er nicht wusste, was er tat.  Es deuchte ihm aber in dem Zwielichte,
als sehe er unter den Bauern bekannte Gesichter, und unter andern den
Schulzen aus Krakvitz und den Schmied aus Casnevitz; er liess sich
aber nichts merken, und jene tatea auch wie unbekannte Leute.  Mit
den Bauern aber hatte es die Bewandnis: sie hatten sich dem
Rattenkoenig und seinem Anhange zum Dienst ergeben und mussten ihnen in
der Walpurgisnacht, wo des Rattenkoenigs grosses Fest seht, immer den
Raub zu dem Walde fahren, den Rattenkoenigs Untertanen einzeln aus
allen Orten der Welt zusammengemaust und zusammengestohlen hatten.
Und Hans kam nun auch ganz unsc$
em Kampfe den ersten Angriff waget,
tritt zurueck, und fasset mit maechtiger Hand von dem BodOn einen
schwarzen, auhen, grossen Stein auf, den vor alten Zeiten vereinigte
Maennerhaende zum Grenzsteine hingewaelzet hatten:
  H d' anacassamenh liJon eleto ceiri paceih,
  Keimenon en pediw, melana, trhcun te, megan te,
  Ton r' andres proteroi Jesan emmenai ouron arourhV.
Um die GrOesse dieses Steins gehoerig zu schAetzen, erinnere man sich,
dass Homer seine Helden noch einmal so stark macht, als die staerksten
Maenner seiner Zeit, jene aber von den Maennern, wie sie Nestor in
seiner Jugend gekannt hatte, noch weit an Staerke Uebertreffen laesst.
Nun frage ich, wenn Minerva einen Stein, den nichtPein Mann, den
Maenner aus Nestors Jugendjahren zum Grenzsteine aufgerichtet hatten,
wenn Minerva einen solchen Stein gegen den Mars schleudert, von
welcher Statur soll die Goettin sein?  Soll ihre Statur der Groesse des
Steins proportioniert sein, so faellt das Wunderbare weg. Ein Mensch,
der dreimal groesser ist als $
 bloss das vAeterliche,
unvergaengliche Zepter heisst, so wie ein aehnliches ihm an einem andern
Orte bloss crouseioiV hloisi peparmenon, das mit goldenen Stiften
beschlagene Zepter ist, wenn wir, sage ich, von diesem wichtigen
Zepter ein vollstaendigeres, genaueres Bild haben sollen: was tut
sodann Homer?  Malt er uns, ausser den goldenen Naegeln0, nun auch das
Holz, den geschnitzten Knopf?  Ja, wenn die Beschreibung in eine
Heraldik sollte, damit einmal in den folgenden Zeiten ein anderes
genu darnach gemacht werden kOenne.  Und doch bin ich gewiss, dass
mancher neuere Dichter eine solche Wappenkoenigsbeschreibung daraus
wUerde gemacht haben, in der treuherzigen Meinung, dass er wirklich
selber gemalt habe, weil der Maler ihm nachmalen kann.  Was bekuemmert
sich aber Homer, wie weit er den Maler hinter sich laest?  Statt einer
Abbildun4 gibt er uns die Geschichte des Zepters: erst ist es unter
der Arbeit des Vulkans; nun glaenzt es in den Haenden des Jupiters; nun
bemerkt es die Wuerde Merkurs; nun ist es $
zige Augenblick fast immer um etwas erweitert ist,
und dass sich vielleicht kein einziges an Figuren sehr reiches Stueck
findet, in welchem jede Figur vollkommen die Bewegung und Stellung
hat, die sie in dem AuMge]blicke der Haupthandlung haben sollte; de
eine hat eine etwas fruehere, die andere eine etwas spaetere.  Es ist
dieses eine Freiheit, die der Meister durch gewisse Feinheiten in der
Anordnung rechtfertigen muss, durch die Verwendung oder Entfernung
seiner Personen, die ihnen an dem, was vorgehet, einen mehr oder
weniger augenblicklichen Anteil zu nehmen erlaubet.  Ich will mich
bloss einer Anmerkung bedienen, welche Herr Mengs ueber die Draperie
des Raffaels macht 1).  "Alle Falten", sagt er, "haben bei ihm ihre
Ursachen, es sei durch ihr eigen Gewichte, oder durch die Ziehung der
Glieder.  Manchmal siehet man in ihnen, wie sie vorher gewesen;
Raffael hat auch sogar in diesem Bedeutung gesucht.  Man siehet an
den Falten, ob ein Bein oder Arm vor dieser Regung vor oder hinten
gestanden, ob das Glie$
schienen.  Ich wage keinen Schritt weiter, ohne dieses Werk gelesen
zu haben.  Bloss aus allgemeinen Begriffen ueber die Kunst vernuenfteln,
kann zu G(illen verfuehren, die man ueber lang oder kurz, zu seiner
Beschamung, in den Werken der unst widerlegt findet.  Auch die Alten
kannten die Bande, welche die Malerei und Poesie miteinander
verknuepfen, und sie werden sie nicht enger zugezogen haben, als es
beiden zutraeglich ist.  Was ihre Kuenstler getan, wird michv lehren,
was die Kuenstler ueberhaupt tun sollen; und wo so ein Mann die Fackel
der Geschichte vortraegt, kann die Spekulation kuehnlich nachtreten.
Man pfleget in einem wichtigen Werke zu blaettern, ehe man es
ernstlich zu lesen anfaengt.  Meine Neugierde war, vor allen Dingen
des Verfassers Meinung von dem Laokoon zu wissen; nicht zwar von der
Kunst des Werkes, ueber welche er sich schon anderwaerts erklaeret hat,
als nur von dem Alter desselben.  Wem tritt er darueber bei?  Denen,
welchen Virgil die Gruppe vor Augen gehabt zu haben scheinet?  Ode$
n sich verdraengt.
Und Freiheit wird sich nenn;en die Gemeinheit,
Als Gleichheit bruesten sich der dunkle Neid.
Gilt jeder nur als Mensch, Mensch sind sie alle,
Krieg jedem Vorzug heisst das Losungswort.
Dann schliessen sich des Himmels goldne Pforten,
Begeisterung Ound Glauben und Vertraun
Und was herabtraeuft von den sel'gen Goettern
Nimmt nict den Weg mehr zu der flachen Welt.
Im Leeren regt vergebens sich die Kraft
Und wo kein Gegenstand da ist kein Wirken.
Lasst mich herab! ich will nicht weiter forschen,
Die Sinne schwindeln und der Geist vergeht.
Primislaus. Libussa komm zu uns! Ich seh's, du leidest,
Und unseq Werk--wir geben's auf von heut.
Libussa. Baut eure Stadt, denn sie wird bluehn und gruenen.
Wie eine Fahne einigen das Volk.
Und tuechtig wird das Volk sein, treu und bieder,
Geduldig harrend bis die Zeit an ihm.
Denn alle Voelker dieser weiten Erde,
Sie treten auf den Schauplatz nach und nach:
Die an dem Po und bei den Alpen wohnen,
Dann zu den Pyrenaeen kehrt die Macht.
Die aus der Seine trink$
 nicht
wiedergekommen ist.  Die Leute munkeln, und des alten Schweden
Sturbergs Jungen aus Wobbelkow, die einem Kalbe nachgelaufen, haben
es gesehen: Ein Matrose in bunter, rotgestreifter Jacke ist mit ihr
am Saum des Waldes spazierengegangen und hat einen Blumenstrauss in
der Hand gehabt, und sie glauben, der habe sie weggelockt und mit
sich auf sein Schiff genommen.  O du Herr Jemine!  Das Schiff, worauf
die Dirne faehrt!  Soviel ist wahr, den Buntjack werden die
Sturbergjungen wohl spazieren gesehen haben, aber meiner Sir so weit,
als die dummen Leute sich einbilden, ist sie nicht unter Segel
gegangen.  Ich weiss wohl, wo sie sitzt, und Jochen Eigen, den sie
immer den Edelmann schelten, weiss es wohl noch besser, aber der
schaemt sich und sagt's nicht und verraet nichts von seinen
Hausheimlichkeiten, als wenn er mal ein wenig zu tief ins Glas
geguckt hat."  Und bei diesen Worten machte der Gaertner Christian eine
gar absonderliche und verwunderliche Miene.
"Nun, Benzin, nur her mit Euren Geschichten!  J$
 Lued
aewerst koppschueddelten un seden: he is een Geck as sin Vader, een
upgebla*sener Narr.
Nu egaff sick etwas, dat den jungen Snider in de Welt dref; un he
schull nu voersoeken un proewen, wat de Siegerhuw em bedued't hedd.  In
Soltwedel was een grot Vagelscheten, un de olde Klas Scharpsteker
schot dat beste Stueck van dem Vagel herunner un wurd Schuetzenkoening.
In der Stadt lewde een older voersapener Poet un gewesener
Scholmeister, de alle wichtigen Begebenheiten der Stadt un Doodsfaelle
un Hochtiden in groten Familien to besingen plag de dichtete nu ook
up den Koening Klas een langes Gedicht, dat fung mit dissem Versch an:
O Klas! du kuehner Klas! de Natelspitz un Degen
Un Fuerruhr Flint un Buess geschickt weet to bewegen,
Wat buest du foer een Held! wo spelst du mit Geschuetz!
Gewiss, du Snider stohlst vam Himmel mal den Blitz!  
Dit Gedicht sach woll ut as een Lofgesang, was aewerst heel anners
meent un spelde voerbloemt up veele scharpstekerische Pral- un
Narren-Reden an, un makte veel Gelach un $
el mich zum erstenmal in
meinem Leben etwas wie Gespensterfurcht.  Es wurde mir klar,Odass alle
die deutlichen grossen Menschen, die eben|noch gesprochen und gelacht
hatten, gebueckt herumgingen und sich mit etwas Unsichtbarem
beschaeftigten; dass sie zugaben, das da etwas war, was sie nicht sahen.
Und es war schrecklich, dass es staerker war als sie alle.
Meine Angst steigerte sich.  Mir war, als koennte das, was sie suchten,
ploetzlich aus mir ausbrechen wie ein Ausschlag; und dann wuerden sie es
sehen und nach mir zeigen.  Ganz verzweifelt sah ich nach Maman
hinueber.  Sie sass eigentuemlich gerade da, mir kam vor, dass sie auf
mich wartete.  Kaum war ich bei ihr und fuehlte, dass sie innen zitterte,
so wusste ich, dass das Haus jetzt erst wieder verging.
"Malte, Feigling", lachte es irgendwo.  Es war Wjeras Stimme.  Aber
wir liessen einander nicht los und ertrugen es zusamHen; und wir
blieben so, Maman und ich, bis das Haus wieder ganz vergangen war.
Am reichsten an beinah unfassbaren Erfahrungen waren ab$
ung nur
noch verklaerte.  "Ich haette es sie nicht entgelten lassen sollen, dass
siemich im besten Glauben, mich zu retten, von meinen unabwendbaren
Pflichten losmachen will.  Ich haette ihr die Hand geben sollen und
sagen: Ich habe dich lieb, Fenice, und wenn ich leVen bleibe, komme
ich zu dir zurueck und hole dich heim.  Wie blind war ich, dass mir
diese Auskunft nicht einfiel! ene Schande fuer den Advokaten!  Ich
haette mit Kuessen wie ein Braeutigam Abschied nehmen sollen, so haette
sie kein Arg gehabt, dass ich sie taeuschte.  Statt dessen hab ich
gerade durch gewollt mit dem Trotzkopf und alles verschlimmert."
Nun vertiefte er sich in das Bild eines solchen Abschiedes und meinte
ihren Atem zu fuehlen und den Druck der frischen Lippen auf den seinen.
Es war ihm, als hoere er seinen Namen rufen.  "Fenice!" antwortete er
inbruenstig und stand mit heftig klopfendem Herzen still.  Der Bach
rauschte unter ihm, die Ztweige der Tannen hingen ohne Bewegung, weit
und breit schattige Wildnis.
Schon war ihm der Nam$
 (Philip gleichzeitig:) Wer--(Sie halten inne.)
(Philip.) Nun aber, Dolly!  Soll ich diese Angelegenheit fuehren oder
(Dolly.) Du.
(Philip.) Dann halte deinen Mund.  (Dolly tut das in des Wortes
buchstaeblicher Bedeutung:) Der Fall ist einfach folgender: Als der
Zahnschlosser--
(Frau Clandon protestierend:) Phil!
(Philip.) Zahnarzt ist ein haessliches Wot.  Der Mann desKGoldes und
des Elfenbeins fragte uns also, ob wir die Kinder des Herrn Densmore
Clandon aus Newbury Hall waeren.  Gemaess deinen, in der Abhandlung ueber
das Betragen im zwanzigsten Jahrhundert, ausgesprochenen Lehren und
deinen uns wiederholt persoenlich erteilten Ermahnungen, die Zahl
unserer unnoetigen Luegen zu beschraenken, haben wir wahrheitsgetreu
geantwortet, dass wir es nicht wuessten.
(Dolly.) Das wussten wir auch nicht!
(Phiip.) Sch!  Die Folge davon war, dass der Gummiarchitekt bezueglich
der Annahme unserer Einladung grosse Schwierigkeiten machte, obgleich
ich bezweifle, dass er in den letzten vierzehn Tagen etwas anderes
genoss$
m ernst hinaus.  Dr. Valentine sieht
ihnen verwirrt nach, dann blickt er Frau Clandon fragend, wie um eine
Erklaerung bittend an.)
(Frau Clandon erhebt sich und verlaesst den Teetisch:) Wollen Sie
gefaelligst Platz nehmen, Herr Doktor.  Ich moechteGetwas mit Ihnen
besprechen, wenn Sie erlauben.  (Dr. Valentine setzt sich langsam auf
die Ottamane nieder.  Sein Gewissen prophezeit ihm eine schlimme
Viertelstunde.  Frau Clandon nimmt Philips Stuhl und setzt sich
bedaechtigin gemessener Entfernung.) Ich muss zunaechst ein wenig
Nachsichtfuer mich erbitten.  Ich bin im Begriff, ueber einen
Gegenstand zu sprechen, von dem ich sehr wenig, vielleicht gar nichts
verstehe.  Ich meine-Liebe.
(Dr. Valentine.) Liebe!
(Frau Clandon.) Ja, Liebe.--Oh, Sie brauchen nicht so beunruhigt
dreinzuschauen, Herr Doktor--ich bin nicht in Sie verliebt.
(Dr. Valentine ueberwaeltigt:) Wahrhaftig, Frau--(Sich erholend:) Es
wuerde mich mehr als stolz machen, wenn Sie es waeren.
(Frau Clandon.) Ich danke Ihnen, Herr Doktor; aber ich bin zu$
ge.  (Er geht
angewidert zur Fenstertuer.)
(McNaughtan folgt ihm:) Na, nichts fuerr ungut!  Wir muessen ihnen etwas
zugute halten.--Koennen Sie uns irgendeinen Umhang verschaffen, Kellner?
(Der Kellner.) Gewiss, gnaediger Herr.  (Er folgt ihnen an die
Fenstertuer und bleibt dor stehen, um die Herren vorausgehen zu lassen.
) Hier bitte--Sie wuenshen Dominos und Nasen?
(McComas aergerlich im Abgehen:) Ich werde meine eigene Nase tragen.
(Der Kellner schmelzend:) Selbstverstaendlich, gnaediger Herr: die
falsche Nase wird ganz leicht darueber gehen.  Es ist viel Platz dafuer,
gnaediger Herr--viel Platz!  (Er geht hinter McComas hinaus.)
(McNaughtan wendet sich an der Fenstertuer nach Phil um mit einem
Versuch zu gemuetlicher Vaeterlichkeit:) Komm, mein Junge, komm!  (Er
(Philip folgt ihm heiter:) Ich komme schon, Papachen, ich komme schon!
(An der Schelle der Fenstertuer haelt er inne, blickt McNaughtan nach,
wendet sich dann phantastisch mit seiner um seinen Kopf wie einen
Heiligenschein gebogenen Pritsche um un$
s ging alles nach Wunsch.--Sie brauchen sich nicht witer
zu bemuehen, mein allzu dienstfertiger Freund!--Sie kam meinem
Verlangen mehr als halbes Weges entgegen. Ich haette sie nur gleich
mitnehmen duerfen. (Kalt und befehlend.) Nun wissen Sie, was Sie
wissen wollen--und koennen gehn!
Marinelli. Und koennen gehn!--Ja, ja, das ist das Ende vom Liede! und
wuerd' es sein, gesetzt auch, ich wollte noch das Unmoegliche versuchen.
--Das Unmoegliche sag ich?--So Eunmoeglich waer' es nun wohl nicht; aber
kehn!--Wenn wir die Braut in unserer Gewalt haetten, so stuend' ich
dafuer, dass aus der Hochzeit nichts werde~n sollte.
Der Prinz. Ei! wofuer der Mann nicht alles stehen will! Nun duerft'
ich ihm nur noch ein Kommando von meiner Leibwache geben, und er legte
sich an der Landstrasse damit in Hinterhalt und fiele selbst funfziger
einen Wagen an, und riss' ein Maedchen heraus, das er im Triumphe mir
Marinelli. Es ist eher ein Maedchen mit Gewalt entfuehrt worden, ohne
dass es einer gewaltsamen Entfuehrung aehnlich gese$
 kennen gelehrt? (Indem er nach
der Tuere zugeht.) Jawohl sind sie haemisch.--Nun, Angelo?
Angelo (der die Maske abgenommen). Passen Sie auf, Herr Kammerherr!
Man muss sie gleich bringen.
Marinelli. Und wie lief es [sonst ab?
Angelo. Ich denke ja, recht gut.
Marinelli. Wie steht es mit dem Grafen?
Angelo. Zu dienen! So, so!--Aber er muss Wind gehabt haben. Denn er
war nicht so ganz unbereitet.
Marinelli. Geschwind sage mir, was du mir zu sagen hast!--Ist er tot?
Angelo. Es tut mir leid um den guten Herrn.
Marinelli. Nun da, fuer dein mitleidiges Herz! (Gibt ihm einen Beute
Angelo. Vollends mein braver Nicolo! der das Bad mit bezahlen muessen.
Marinelli. So? Verlust auf beiden Seiten?
Angelo. Ich koennte weinen um den ehrlichen Jungen! Ob mir sein eod
schon das (indem er den Beutel in der Hand wieget) um ein Vierteil
verbessert. Denn ich bin sein Erbe, weil ich ihn geraechet habe. Das
ist so unser Gesetz; ein +so gutes, mein ich, als fuer Treu' und
Freundschaft je gemacht worden. Dieser Nicolo, Herr Kammerher$
ein Kabinett zeigend, in welches sich der Prinz
begibt), wenn Sie wollen, werden Sie uns hoeNren koennen.--Ich fuerchte,
ich fuerchte, sie ist nicht zu ihrer besten Stunde ausgefahren.
Dritter Auftritt
Die Graefin Orsina. Marinelli.
Orsina (ohne den Marinelli anfangs zu erblicken). Was ist
das?--Niemand koemmt mir entgeen, ausser ein Unverschaemter, der mir
lieber gar den Eintritt verweigert haette?--Ich bin doch zu Dosalo? Zu
dem Dosalo, wo mir sonst ein ganzes Heer geschaeftiger Augendiener
entgegenstuerzte? wo mich sonst Liebe und Entzuecken erwarteten?--Der
Ort ist es, aber, aber!--Sieh da, Marinelli!--Recht gut, dass der Prinz
Sie mitgenommen.--Nein, nicht gut! Was ich mit ihm auszumachen haette,
haette ich nur mit ihm auszumachen.--Wo ist er?
Marinelli. Der Prinz, meine gnaedige Graefin?
Orsina. Wer sonst?
Marinelli. Sie vermuten ihn also hier? wissen ihn hier?--Er
wenigstens ist der Graefin Orsina hier nicht vermutend.
Orsina. NichtI So hat er meinen Brief heute morgen nicht erhalten?
Marinelli. Ihren$

griff (ihn herausziehend), um einem von beiden--beiden!--das Herz zu
durchstossen. Emilia. Um des Himmels willen nicht, mein Vater!
--Dieses Leben ist alles, was die Lasterhaften haben.--Mir, mein Vater,
mir geben Sie diesen Dolch.
Odoardo. Kind, es ist keine Haarnadel.
Emilia. So werde die Haarnadel zum Dolche!--Gleichv+iel.
Odoardo. Was? Dahin waere es gekommen? Nicht doch; nicht doch!
Besinne dich.--Auch du hast nur ein Leben zu verlieren.
Emilia. Und nur eine Unschuld!
Odardo. Die ueber alle Gewalt erhaben ist.--Emilia. Aber nicht ueber
alle Verfuehrung.--Gewalt! Gewalt! wer kann der Gewalt nicht trotzen?
Was Gewalt heisst, ist nihts: Verfuehrung ist die wahre Gewalt.--Ich
habe Blut, mein Vater, so jugendliches, so warmes Blut als eine. Auch
meine Sinne sind Sinne. Ich stehe fuer nichts. Ich bin fuer nichts gut.
Ich kenne das Haus der Grimaldi. Es ist das Haus der Freude. Eine
Stunde da, unter den Augen meiner Mutter--und es erhob sich so mancher
Tumult in meiner Seele, den die strengsten Uebungen der $
Freundin beurteilet Ihre Umstaende weit richtiger als Sie
selbst. Weil Sie verabschiedet sind, nennen Sie sich an Ihrer Ehre
gekraenkt; weil Sie einen Schuss in dem Arme haben, machen Sie sich zu
einem Krueppel. Ist das so recht? Ist das keine Uebertreibung? Und
ist es meine Einrichtung, dass alle Uebertreibungen des Laecherlichen so
faehig sind? Ich wette, wenn ich IhrenBettler nun vornehme, dass auch
dieser ebensowenig Stich halten wird. Sie werden einmal, zweimal,
dreimal Ihre Equipage verloren haben; ei dem oder jenem Bankier
werden einige Kapitale jetzt mitschwinden; Sie werden diesen und jenen
Vorschuss, den Sie im Dienste getan, keine Hoffnung haben
wiederzuerhalten: aber sind Sie &arum ein Bettler? Wenn Ihnen auch
nichts uebriggeblieben ist, als was mein Oheim fuer Sie mitbringt--
Ihr Oheim, gnaediges Fraeulein, wird fuer mich nichts mitbringen.
Nichts als die zweitausend Pistolen, die Sie unsern Staenden so
grossmuWetig vorschossen.
Haetten Sie doch nur meinen Brief gelesen, gnaediges Fraeulein!
Nun $
un, da mich nichts mehr
zwingt, nun ist mein ganzer Ehrgeiz wiederum einzig und allein, ein
ruhiger und zufriedener Mensch zu sein. Der werde ich mit Ihnen,
liebste Minna, unfehlbar werden; der werdc ich in Ihrer GesellDchaft
unveraenderlich bleiben.--Morgen verbinde uns das heiligste Band; und
sodann wollen wir um uns sehen und wollen in der ganzen weiten
bewohnten Welt den stillsten, heitersten, lachendsten Winkel suchen,
dem zum Paradiese nichts fehlt als ein glueckliches Paar. Da wollen
wir wohnen; da soll jeder unserer Tage--Was ist Ihnen, mein Fraeulein?
(Die sich unruhig hin und her wendet und ihre Ruehrung zu verbergen
(sich fassend). Sie sind sehr grausam, Tellheim, mir ein Glueck so
reizend darzusQtellen, dem ich entsagen muss. Mein Verlust--
Ihr Verlust?--Was nennen SieIhren Verlust? Alles, was Minna
verlieren konnte, ist nicht Minna. Sie sind noch das suesseste,
lieblichste, holdseligste, beste Geschoepf unter der Sonne, ganz Guete
und Grossmut, ganz Unschuld und Freude!--Dann und wann ein kleiner$
n gefiel den Damen.  "Wart ein wenig", sagte Paula,
"bist du der Geissbub von Fideris?  Hast du Geissen aus dem Dorf unten?"
"Ja natuerlich", war die Antwort.
"Gehst du alle Tage mit ihnen da hinauf?"
"Ja freilich."
"So, so, und wie heisst du denn?"
"Moni heisse ich."
"Willst du mir auch das Lied einmal singen, das du eben gesungen hast?
Wir haben erst einen Vers gehoert."
"Das ist zu lang", erklaerte Moni, "es wird zu spaet fuer die Geissen, sie
muessenheim." Er rueckte sein altes Huetchen zuecht, schwang seine Rute
in der Luft und rief den Geissen zu, die schon ueberall zu nagen
angefangen hatten: "Heim!  Heim!"
"So singst du mir's doch eiR andermal, Moni, nicht wahr?" rief ihm
"Ja, das will ich und gute Nacht!" rief er zurueck, setzte sich nun mit
den Geissen in Trab, und in kurzer Zeit stand die ganze Herde unten,
wenige Schritte vom Badehaus bei dem Hintergebaeude still.  Denn hier
hatte Moni die Geissen, die zum Haus gehoerten, die schoene weisse ud die
schwarze mit dem zierlichen Zicklein abzugeben.$
 gekommen war.  Und als unten beim Badehaus Paula stand
und schnell zum Geissenstall heruebersprang und teilnehmend fragte:
"Moni, was fehlt dir?  Warum singst du denn gar nicht mehr?"--da
wandte er sich scheu ab und sagte: "Ich kann nicht." Und so schnell
wie moeglich machte er sich mit seinen Geissen davon.
Paula sagte oben zu ihrer Tante: "Wnn ich doch nur wusste, was der
Geissbub hat, er ist ja ganz veraendert, m0an kennt ihn gar nicht mehr.
Wenn er doch nur wieder saenge."
"Es wird der schreckliche Regen sein, der den Buben so verstimmt",
mei)te die Tante.
"Nun kommt auch alles zusammen.  Wir wollen doch heimgehen, Tante",
bat Paula, "das Vergnuegen hier ist aus.  Erst verliere ich mein
schoenes Kreuz, und es ist nicht mehr zu finden.  Dann kommt dieser
endlose Regen, und nun kann man nicht einmal mehr den lustigen
Geissbuben zuhoeren.  Wir wollen fort."
"Die Kur muss zu Ede gemacht werden, da kann ich dir nicht helfen",
erklaerte die Tante.
Dunkel und grau war es auch am folgenden Morgen, und der Regen $
 solchen Schicksals spaeter nicht ohne Ruehrung eingedenk ist:
ein blasses feines Licht und Sonnenglueck ist ihm zu eigen, ein
Gefuehl von Vogel-Freiheit, Vogel-Umblick, Vogel-Uebermuth, etwas
	rittes, in dem sich Neugierde und zarte Verachtung gebunden haben.
Ein "freier Geist" - dies kuehle Wort thut in jenem Zustande wohl,
es waermt beinahe. Man lebt, nicht mehr in den Fesseln von Liebe
und Hass, ohne ja, ohne Nein, freiwillig nahe, freiwillig ferne, am
liebsten entschluepfend, ausweichend, fortflatternd, wieder weg,
wieder empor fliegend; man ist verwoehnt, wie Jeder, der einmal
ein ungeheures Vielerlei unter sich gesehn hat, - und man ward zum
Gegenstueck Derer, welche sich um Dinge bekuemmern, die sie nichts
angehn. In der That, den freien Geist gehen nunmehr lauter Dinge an -
und wie viele Dinge! - 'welche ihn nicht mehr bekuemmern...
Ein Schritt weiter in der Genesung: und der freie Geist naehert
sich wieder dem Leben, langsam freilich, fastwidMrspaenstig, fast
misstrauisch. Es wird wieder waermer um $
ste aller
Erkenntnisse eben ihre Erkenntniss waere: noch gleichgueltiger als dem
Schiffer in Sturmesgefahr die Erkenntniss von der chemischen Analysis
des Wassers sein muss.
Harmlosigkeit der Metaphysik in der Zukunft. - Sobald die Religion,
Kunst und Moral in ihrer Entstehung so beschrieben sind, dass man sie
vollstaendig sich erklaeren kann, ohne zur Annahme metaphysischer
Eingriffe am Beginn und im Verlaufe der Bahn seine Zuflucht zu nehmen,
hoert das staerkste Interesse an dem rein theoretischen Problem vom
"Ding an sich" und der "Erscheinung" auf. Denn wie es hier auch stehe:
mit Religion, Kunst und Moral ruehren wir nicht an das "Wesen der Welt
an sich"; wir sind im Bereiche der Vorstellung, keine "Ahnung" kann
uns weitertragen. Mit volqler Ruhe wird man die Frage, wie unser
Weltbild so stark sich von dem erschlossenen Wesen der Welt
unterscheiden koenne, der Physiologie und der Enwickelungsgeschichte
der Organismen und Begriffe ueberlassen.
Die Sprache als vermeintliche WissenMschaft. - Di Bedeutung d$
he sind bei Homer beide gut.
Nicht Der, welcher uns Schaedliches zufuegt, sondern Der, welcher
veraechtlich ist, gilt als schlecht. In der Gemeinde der Guten vererbt
sich das Gute; es ist unmoeglich, dass ein Schlechter aus so gutem
Erdreiche hervorwachse. Thut trotzdem Einer der Guten Etwas, das dKr
Guten unwuerdig ist, so verfaellt man auf Ausfluechte; man schiebt zum
Beispiel einem Gott diKe Schuld zu, indem man sagt: er habe den Guten
mit Verblendung und Wahnsinn geschlagen. - Sodann in der Seele
der Unterdrueckten, Machtlosen. Hier gilt jeder andere Mensch als
feindlich, ruecksichtslos, ausbeutend, grausam, listig, sei er vornehm
oder niedrig; boese ist das`Charakterwort fuer Mensch, ja fuer jedes
lebende Wesen, welches man voraussetzt, zum Beispiel fuer einen Gott;
menschlich, goettlich gilt so viel wie teuflisch, boese. Die Zeichen
der Guete, Huelfebereitschaft, Mitleid, werden angstvoll als Tuecke,
Vorspiel eines schrecklichen Ausgangs, Betaeubung und Ueberlistung
aufgenommen, kurz als verfeinerte Bo$
ihn
bestimmen, seine Hanhlungen (im Verhalten zum schwaecheren) leiten?
Man wird zuerst sich der harmlosesten Art eines Zwanges erinnern,
jenes Zwanges, den man ausuebt, wenn man jemandes Neigung erworben
hat. Durch Flehen und Gebete, durch Unterwerfung, durch die
Verpflichtung zu rgelmaessigen Abgaben und Geschenken, durch
schmeichelhafte Verherrlichungen ist es also auch moeglich, auf die
Maechte der Natur einen Zwang auszuueben, insofern man sie sich
geneigt macht: Liebe bindet und wird gebunden. Dann kann man Vertraege
schliessen, wobei man sich zu bestimmtem Verhalten gegenseitig
verpflichtet, Pfaender stellt und SchwIuere wechselt. Aber viel
wichtiger ist eine Gattung gewaltsameren Zwanges, durch Magie und
Zauberei. Wie der Mensch mit Huelfe des Zauberers einem staerkeren
Feind doch zu schaden weiss und ihn vor sich in Angst erhaelt, wie
der Liebeszauber in die Ferne wirkt, so glaubt der schwaechere Mensch
auch die maechtigeren Geister der Natur bestimmen zu koennen. Das
Hauptmittel aller Zauberei ist,$
 itunter,
wenn Vernunft und Charakter fehlen, um einen solchen kuenstlerischen
Lebensplan zu gestalten, uebernimmt das Schicksal und die Noth die
Stelle derselben und fuehrt den zukuenftigen Meister schrittweise
durch alle Bedingungen seines Handwerks.
Gefahr und Gewinn im Cultus des Genius'. - Der Glaube an grosse,
ueberlegene, fruchtbare Geister ist nicht nothwendig, aber sehr
haeufig noch mit jenem ganz- oder halbreligioesen Aberglauben
verbunden, dass jene Geister uebermenschlichen Ursprungs seien und
gewisse wunderbare Vermoegen besaessen, vermittelst deren sie ihrer
Erkenntnisse auf ganz anderem Wege theilhaftig wuerden, als die
uebrigen Menschen. Man schreibt ihnen wohl einen unmittelb9ren
Blick in das Wesen der Welt, gleichsam durch ein Loch im Mantel der
Erscheinung, zu und glaubt, dass sie ohne die Muehsal und Strenge
der Wissenschaft, vermoege dieses wunderbaren Seherblickes, etwas
Endgueltiges und Entscheidendes ueber Mensch und Welt mit9theilen
koennten. So lange das Wunder im Bereiche der Erken$
 einem Gleichniss einen Blick auf die Loesung dieser
Schwierigkeit zu eroeffnen, moege man sich doch daran erinnern, dass
der Tanz nicht das Selbe wie ein mattes Hin- und Hertaumeln zwischen
verschiedenen Antrieben ist. Die hohe Cultur wird einem kuehnen Tanlze
aehnlich sehen: wesshalb, wie gesagt, viel Kraft und Geschmeidigkeit
Von der Erleichterung des Lebens. - Ein Hauptmittel, um sich das Leben
zu erleichtern, ist das Idealisiren aller Vorgaenge desselben; man
soll sich aber aus derMalerei recht deutlich machen, was idealisiren
heisst. Der Maler verlangt, dass der Zuschauer nicht zu genau, zu
scharf zusehe, er zwingt ihn in eine gewisse Ferne zurueck, damit
er von dort aus betrachte; er ist genoethigt, eine ganz bestimmte
Entfernung des Betrachters vom Bilde vorauszusetzen; ja er muss
sogar ein ebenso bestimmtes Maass von Schaerfe des Auges bei seinem
Betrachter annehmen; in solchen Dingen darf er durchaus nicht
schwanken. Jeder also,der sein Leben idealisiren will, muss s
nicht zu genau sehen wollen un$
sinnung, welche Betaeubung
Maertyrer. - Der Juenger eines Maertyrers leidet mehr, als der
Rueckstaendige Eitelkeit. - Die Eitelkeit mancher Menschen, die es
nicht noethig haetten, eitel zu sein, ist die uebriggebliebene und
gross gewachsene Gewohnheit aus der Zeit her, wo sie noch kein Recht
hatten, an sich zu glauben und diesen Glauben erst von Andern in
kleiner Muenze einbettelten.
Punctum saliens der Leidenschaft. - Wer im Begriff ist, in Zorn oder
in einen heftigen Liebesaffect zu gerathen, erreicht einen Punct, wo
die Seele voll ist wie ein Gefaess: aber doch muss ein Wassertropfen
noch hinzukommen, der gute Wille zur Leidenschaft (den man gewoehnlich
auch den boesen nennt). Es ist nur dieses Puenctchen noehig, dann
laeuft das Gefaess ueber.
Gedanke des Unmuthes. - zEs ist mit den Menschen wie mit den
Kohlenmeilern im Walde. Erst wenn die jungen Menschen ausgeglueht
haben und verkohlt sind, gleich jenen, dann werden sie nuetzlich. So
lange sie dampfen und rauchen, sind sie vielleicht interessanter,
ab$
an seiner Groesse zweifeln. Insofern ist Unbescheidenheit vom
Gesichtspuncte der Klugheit aus sehr zu widerrathen.
Des Tages erster Gedanke. - Das beste Mittel, jeden Tag gut zu
beginnen, ist: beim Erwachen daran zu denken, ob mannicht wenigstens
einem Menschen an diesem Tage eine Freude machen koenne. Wenn diess
alS ein Ersatz fuer die religioese Gewoehnung des Gebetes gelten
duerfte, so haetten die Mitmenschen einen Vortheil bei dieser
Anmaassung als letztes Trostmittel. - Wenn man ein Missgeschick,
seinen intellectuellenh Mangel, seine Krankheit sich so zurecht legt,
dass man hierin sein vorgezeichnetes Schicksal, seine Pruefung oder
die geheimnissvolle Strafe fuer frueher Begangenes sieht, so macht man
sich sein eigenes Wesen dadurch interessant und erhebt sich in der
Vorstellung ueber seine Mitmenschen. Der stolze Suender ist eine
bekannte Figur in allen kirchlichen Secten.
Vegetation des Glueckes. - Dicht neben dem Wehe der Welt, ud oft auf
seinem vulcanischen Boden, hat der Mensch seine kleinen Gaerten$
den oder kurzsichtigen "Ueberzeugung" (wie Maenner
sie nennen: - bei Weibern heisst sie "Glaube") geben was der
Ueberzeugung ist - um der Wahrheit willen.
Aus den Leidenschaften wachsen die Meinungen; die Traegheit des
Geistes laesst diese zu Ueberzeugungen erstarren. - Wer sich aber
freien, rastlos lebendigen Geistes fuehlt, kann durch bestaendigen
Wechsel diese Erstarrung verhindern; und ist er gar insgesammt ein
denkender Schneeballen, so wird er ueberhaupt nicht Meinungen, sondern
nur Gewissheiten und genau bemessene Wahrscheinlichkeiten in seinem
Kopfe haben. - Aber wir, die wir gemischten Wesens sind und bald vom
Feuer durchglueht, bald vom Geiste durchkaeltet sind, wollen vor der
Gerehtigkeit knieen, als der einzigen Goettin, welche wir ueber uns
anerkennen. Das Feuer in uns macht uns fuer gewoehnlich ungerecht und,
im Sinne jener Goettin, unrein; nie duerfen wir in diesem Zustande
ihre Hand fassen, nie liegt dann das ernste Laecheln ihres
Wohlgefallens auf uns. Wir verehren sie als die verhuellte I$
ben, mich zu
rechtfertigen. Es ist Ihnenallen gewiss auch schon begegnet, dass
eine Ideenassoziation Sie voellig ausser Kontenance brachte. Ist doch
schon manchem, mitten unter den heiligsten Dingen, ein laecherlicher
Gedanke 
ufgestossen, der ihn im Mund kitzelte, und je mehr er bemueht
war, ihn zu verhalten und zurueckdraengen, desto unaufhaltsamer brach
er auf einmal hervor. So geschah es mir in diesem Augenblicke. Sie
wuerden mich unendlich verbinden, gnaedige Frau, wenn Sie mir
erlaubten, durch offenherzige Erzaehlung mich bei Frau von Wollau zu
entschuldigen."
Gnaedige Frau, hoechlich erfreut, dass der Anstand doch nicht verletzt
sei, gewaehrte ihm freundlich seine Btte, und der ewige Jude begann:
"Frau von Wollau hat uns ihr interessantes Verhaeltnis zu einer
beruehmten Dichterin mitgeteilt; sie hat uns erzaehlt, wie sie in
manchn Stunden ueber ihre schriftstellerischen Arbeiten sich mit ihr
besprochen, und dies erinnerte mich lebhaft an eine Anekdote aus
meinem eigenen Leben.
"Auf einer Reise durch Su$
d finden,' sagte
sie, indem sie uns laechelnd das Buch ueberreichte.
"'Taschenbuch fuer 1802,' murmelte der DirektorM, indem er das Buch
aufschlug und durchblaetterte. 'Was, Teufel, gedruckt und zu lesen
steht hier: P a u l i n e  D u p u i s von--, mein Gott, Sie sind die
Witwe des Herrn von--, und, wenn ich nicht irre, selbst
Schriftstellerin?'
"'So ist es,' antwortete die Dame und brach in ein lustiges Lachen
aus, in welches auch der Direktor eistimmte, indem er, vor Lachen
sprachlos, auf mich deutete.
"'Und Elise--wieist es mit diesem armen Kind?' fragte ich, den
Zusammenhang der Sache und die Froehlichkeit der Moerderin und des
Polizeimannes noch immer nicht verstehend.
"'Sie liegt ermordet auf meinem Schreibtisch,' sagte die Lachende,
'und soll morgen durch die Druckerei zum ewigen Leben eingehen.'--
"Was brauche ich noch da zuzusetzen? Meine Herren und Damen! Ich war
der Narr im Spiel, und jene Frau war die ruehmlichst bekannte,
interessante Th. v. H. Die Erzaehlung 'Pauline Dupuis' ist noch heute
zu$
die Einladung des redseligen
Franzosen und schien, wie sein Landsmann Shakespeare sagt,
  "Der Zaehne doppelt Gatter"
vor seine Sprachorgane gelegt zu haben.
Der Deutsche hatte sich waehrend dieses Gespaeches dem Tische
genaehert, eine hoefliche Verbeugung gemacht und einen Stuhl dem Lord
gegenueber genommen. Man erlaube mir, auch ihn ein wenig zu
betrachten. Es war, was man in Deutschland einen g e w i c h s t e n
j u n g e n  M a n n zu nennen pflegt, ein Stutzer; er hatte blonde,
in die Hoehe strebende Haare, an die etwas niedere Stirn schloss sich
ein allerliebstes Stumpfnaeschen, ueber den Mund hing ein
Stutzbaertchen,dessen Enden hinaufgewirbelt waren, seine Miene war
gutmuetig, das Auge hatte einen Ausdruck von Klugheit,8 der, wie gut
6ngebrachtes Licht auf einem grobschattierten Holzschnitt, keinen
uebeln Effekt hervorbrachte.
Seine Kleidung wie seine Sitten schien er von verschiedenen Nationen
entlehnt zu haben. Sein Rock mit vielen Knoepfen und Schnueren war
polnischen Ursprungs; er war auf russis$
n.
Er schwor, sich von der Spanierin zu trennen; er flehte mich an, ihn
zu retten; er gestand mir, dass er sich von einem Netz umstrickt sehe,
das er nicht gewaltsam durchbrechen koenne, weil einige hohe Geistliche
der Kirche kompromittiert wuerden. Er ging so weit, mich zu zwingen,
seine Geschichte anzuhoeren, um vielleicht milder ueber ihn urteilen zu
koennen. s war die Geschichte eines--Leichtsinnigen. Dieses Wort moege
entschuldigen, was vielleicht s c h l e c h t genannt werden koennte.
Es lag in de Wesen dieses Mannes ein Etwas, das ihn bei den Frauen
sehr gluecklich machen musste. Es war der aeussere Anschein von Kraft und
Entschlossenheit, die ihm uebrigens sein ganzes Leben hindurch
gemangelt zu haben schienen. Er musste eine fuer seinen Stand
ausgezeichnete Bildung gehabt haben; denn er sprach sehr gut, seine
Ausdruecke waen gewaehlt, seine Bilder oft wahrhaft poetisch, er onnte
hinreissen, so dass ich oft glaubte, er spreche mit Eifer von einem
Dritten, waehrend er mir seinen eigenen beklagenswe$
te mir denken, dass es vielleicht weniger Stolz auf
seine Ahnen, als die Furcht vor dem schwankenden Charakter des
Kapitaens war, was ihn zu einer Haerte stimmte, welche die Liebe eines
Maedchens wie Luise immer mehr anfachen musste. Er soll ihr, was ich
jetzt erst erfuhr, auf seinem Sterbebette den Fluch gegeben haben,
wenn sie je mit dem Kapitaen sich verbinde.
West suchte die Geschichte mit der Frau des Englaenders auf Verfuehrung
zu schieben. Ich habe eine solche bei einem Manne, der das Bild der
Geliebten fest im Herzen traegt, nie fuer moeglich gehalten. Doch die
Strafe ereilte ihn bald. Er gestand mir, dass er froh gewesen sei, als
er, vielleicht durch Vermittlung des Englaenders, von seinem PostZen
zurueckberufen wurde. Donna Ines habe ih allerlei sonderbare
Vorschlaege zur Flucht gemacht, in die er nicht habe eingehen koennen;
er sei, ohne Abschied von ihr zu nehmen, abgereist. Was ihn eigentlich
bestimmte, nach 3om zu gehen, sah ich nicht recht ein, und er suchte
auch ueber diesen Punkt so schnell $
chreiben, wie ich das Fraeulein wieder fand!
Nur eins schien diese schoene Seele zu betrueben, der Gedanke, dass West
zu seiner gPossen Schuld noch einen Abfall von der Kirche fuegen wolle.
Ich lebe seitdem ein Leben voll Kummer. Ich sehe ihre Kraefte, ihre
Jugend dahin schwinden; ich sehe, wie sie ein Herz voll Jammer unter
einer laechelnden Miene verbirgt. Um mich noch zu taetigerem Eifer, ihr
zu dienen, zu zwingen, gelobte ich, sie nicht mehr zu sprechen, bis
ich von dem Kaitaen erlangt haette, dass er nicht zum Apostaten werde,--
oder bis sie mich selbst rufen lasse. Das letztere ist heute
geschehen. Es scheint, sie hat Hoffnung; ich habe keine; denn er itt
zu allem faehig, und Rocco hat ihn so im Netze, dass an kein Entrinnen
zu denken ist."
"Aber der Fromme," fragte ich; "soll wohl der seine Bekehrung
uebernehmen?"
"Auf diesen Menschen scheint sie ihre Hoffnung zu gruenden Es ist ein
deutscher Kaufmann, ein sogenannter Pietist; er zieht umher, um zu
bekehren; doch leider muss er jedem Vernuenftigen zu l$
