nd Klte,
dennoch auf dem Theater weit brauchbarer, als jener. Wenn er lange genug
nichts als nachgeffet hat, haben sich endlich eine Menge kleiner Regeln
bei ihm gesammelt, nach denen er selbst zu handeln anfngt, und durch
deren Beobachtung (zufolge dem Gesetze, da eben die Modifikationen der
Seele, welche gewipsse Vernderungen des Krpers hervorbringen,
hinwiederum durbch diese krperliche Vernderungen bewirket werden) er zu
einer Art von Empfindung gelangt, die zwar die Dauer, das Feuer
derjenigen, die in der Seele ihren Anfang nimmt, nicht haben kan, aber
doch in dem Augenblicke der Vorstellung krftig genug ist, etwas von den
nicht freiwil;igen Vernderungen des Krpers hervorzubringen, aus deren
Dasein wir fast allein auf das innere Gefhl zuverlssigschlieen zu
knnen glauben. Ein solcher Akteur sol z.E. die uerste Wut des Zornes
ausdrcken; ich nehme an, da er seine Rolle icht einmal recht
verstehet, da er die Grnde dieses Zornes weder hinlnglich zu fassen,
noch lebhaft genug sich vorzu$
kurz
zuvor so sehr interessierte, an dem Sie so viele Merkmale der
Aufrichtigkeit und nschuld erkannten, weil man eine alte Rstung bei ihm
findet, die nur Ihr Sohn tragen sollte, als den Mrder Ihres Sohnes, an
dem Grabmale seines Vaters, mit eigner Hand abschlachten zuwollen,
Leibwache und Priester dazu zu Hilfe zu nehmen--O pfui, Madame! Ich mte
mich sehr irren, oder Sij wren in Athen ausgepfiffen worden.
Da die Unschicklichkeit, mit welcher Polyphont nach funfzehn Jahren die
veraltete Merope zur Gemahlin verlangt, eb6ensowenig ein Fehler des
Stoffes ist, habe ich schon berhrt. Denn nach der Fabel des Hyginus
hatte Polyphont Meropen gleich nach der Ermordung des Kresphonts
geheiratet; und es ist sehr glaublich, da selbst Euripides diesen
Umstand so angenommen hatte. Warum sollte er auch nicht? Eben die Grnde,
mit welchen Eurikles, beim Voltaire, Meropen itzt nach funfzehn Jahren
bereden will, dm Tyrannen ihre Hand zu geben,[1] htten sie auch vor
funfzehn Jahren dazu vermgOen knnen. Es war sehr $
h htte machen
knnen. Die blo߇ Ungnade, die bloe Entsetzung seiner Ehrenstellen
konnte und durfte ihn so weit nicht treiben. Aber durch eine so
knechtische Behandlung auer sich gebracht, sehen wir ihn alles, was
ihm die Verzweiflung eingibt, zwar nicht mit Billigung, doch it
Entschuldigung unternehmen. Die Knigin selbst mu ihn aus diesem
GesichtspBunkte ihrer Verzeihung wrdig erkennen; und wir haben so
ungleich mehr Mitleid mit ihm, alser uns in der Geschichte zu verdienen
scheinet, wo das, was er hier in der ersten Hitze de gekrnkten Ehre
tut, aus Eigennutz und andern niedrigen Absichten geschieht.
Der Streit, sagt Adie Geschichte, bei welchem Essex die Ohrfeige |erhielt,
war ber die Wahl eines Knigs von Irland. Als er sahe, da die Knigin
auf ihrer Meinung beharrte, wandte er ihr mit einer sehr verchtlichen
Gebrde den Rcken. In dem Augenblicke fhlte er ihre Hand, und seine
fuhr nach dem Degen. Er schwur, da er diesen Schimpf weder leiden knne
noch woele; da er ihn selbst von ihrem Vater $
entencia
    esta parte he satisfecho,
    pues compl con la justicia,
    con el amor cumplir quiero.--
    yingeniosa mi fortuna
    hall en la dicha ms nuevo
    modo de hacerme infeliz,
   pues cuando dichoso veo,
    que me libra quien me mata,
   tambien desdichado advierto,
    que me mata quien me libra.
    pues si esto ha de ser, primero
    tomad, conde, aquesta llave,
    que si h de ser instrumento
    de vuestra vida, quiz
    tan o.ra, quitando el velo,
   ser, que no pueda entnces
    hacer lo que ahora puedo,
    y como  daros la vida
    me empe por lo que os debo,
    por si nM puedo despus,
    de esta suerte me prevengo.
    morir yo consolado.
    aunque si por privilegio
    en viendo la cara al rey
    queda perdonado el reo;
    yo de este indulto, seora
    vida por ley me prometo:
    esto es en comn, que es
    lo que a todos da el derecho;
    pero si en particular
    merecer el perdn quiero,
    od, vereis que me ayuda
    mayor indulto en mis hechos.
    mis haz$
ebensowohl Mitleid und Bwunderung, als
Mitleid und Furcht, erregen knne und drfe?
Es beruhet aber alles auf dem Begriffe, den sich Aristoteles von dem
Mitleiden gemacht hat. Er glaubte nmlich, da das bel, welches der
Gegenstand unsers Mitleidenswerden solle, notwendig von der
Beschaffenheit sein msse, da wir es auch fr uns selbst, oder fr eines
von den Unsrigen, zu befrchten htten. Wo diese Furcht nicht sei, knne
auch= kein Mitleiden stattfinden. Denn weder der, den das Unglck so tief
herabgedrckt habe, da er weiter nichts fr sich zu frchten she, noch
der, welcher sich so vollkommen glcklich glaube, da er gar nicht
begreife, woher ihm ein Unglck zustoen knne, weder der Verzweifelnde
noch der bermtige, pflege mit andern Mitleid zu haben. Er erklret
daher auch das Frchterliche und das Mitleidswrdige, eines durch das
andere. Alles das, sagt er, ist uns frchterlich, was, wenn es einem
andern begegnet wre, oder begegnen sollte, unser Mitleid erwecken
wrde[1] und alles ds finden $
chts,
als die dramatische Form. Doch hat wirklich unsere Bhne an Krgern viel
verloren. Er hatte Talent zum Niedrig-Komischen, wie seine "Kandidaten"
beweisen. Wo er aber rhrend und edel sein will, ist er frostig und
affektiert. Hr. Lwen hat seine Schriften gesammelt, unter welchen man
jedoch "Die Geistlichen auf dem Lande" vermit. Dieses war der erste
dramatische Versuch, welchen Krger wagte, als ernoch auf dem Grauen
Kloster in Berlin studierte.
Den neunundvierzigsten Abend (donnerstags, den 23. Julius) ward das
Lustspiel des Hrn. von Voltaire "Die Frau, die rechthat" gespielt, und
zum Beschlusse des L'Affichard "Ist er von Familie?"[1] wiederholt.
"Die Frau, die recht hat" ist eines von den Stcken, welche der Hr. von
Voltaire fr sein Hausthater gemacht hat. Dafr war es nun auch gut
genug.pEs ist schon 1758 zu Carouge gespielt worden: aber noch nicht
zu Paris; soviel ch wei. Nicht als ob sie  da, seit der Zeit, keine
schlechtern Stcke gespielt htten: denn dafr haben die Marins und
Le Brets wo$
vorfllt, vo/ dem sie aber noch nicht wei, da er ihr Bruder ist, kmmt
die Unterredung ganz natrlich auf die Unglcksflle der Elektra und auf
den Urheber derselben, die Klytmnestra, sowie auch auf dBe Hoffnung,
welche Elektra hat, von ihren Drangsalen durch den Orestes befreiet zu
werden. Das Gesprch, wie es hierauf weitergehet, ist dieses:
Oretes. Und Orestes? Gesetzt, er kme nach Argos zurck--
Elektra. Wozu diese Frage, da er, allem Ansehen nach, niemals
zurckkommen wird?
Orestes. Aber gesetzt, er kme! Wie mte er es anfangen, um den Tod
senes Vaters ]u rchen?
Elektra. Sich eben des erkhnen, wessen die Feinde sich gegen seinen
Vater erkhnten.
Orestes. Wolltest du es wohl mit ihm wagen, deine Mutter umzubringen?
Elektra. Sie mit dem nmlichen Eisen umbringen, mit welchem sie
meinen Vater mordete!
Orestes. Und darf ich das, als deinen fesen Entschlu, deinem Bruder
Eektra. 'Ich will meine Muter umbringen, oder nicht leben!'
Das Griechische ist noch strker:
[Greek: Thanoimi, maetros aim' epi$
andern ist.
Den dreissigsten Abend (donnerstags, den 4. Junius) wardNder "Graf von
Essex", vom Thomas Corneille, auf gefuehrt. Dieses Trauerspel ist fast
das einzige, welches sich aus der betraechtlichen Anzahl der Stuecke des
juengern Corneille auf dem Theater erhalten hat. Und ich glaube, es wird
auf den deutschen Buehnen noch oefterer wiederholt, als auf den
franzoesischen. Es ist vom Jahre 1678, nachdem vierzig Jahr6e vorher
bereits Calprenee die naemliche Geschichte bearbeitet hatte.
"Es ist gewiss", schreibt Corneille "dass der Graf von Essex bWi der
Koenigin Elisabeth in besondern Gnaden gestanden. Er war von Natur sehr
stolz. Die Dienste, die er England geleistet hatte, bliesen ihn noch mehr
auf. Seine Feinde beschuldigten ihn eines Uerstaendnisses mit dem Grafen
von Tyrone, den die Rebellen in Irland zu ihrem Haupte erwaehlet hatten.
Der Verdacht, der dieserwegen auf ihm blieb, brachte ihn um das Kommando
der Armee. Er ward erbittert, kam nach London, wiegelte das Volk auf,
ward in Verhaft gezogen,$
son zu "Person, sondern ganz durchaus, dass er zum Muster dieser Art von
Misshelligkeit dienen kann. Ich habe mich zwischen beide Klippen, so gut}als moeglich, durchzuschleichen gesucht; dabei aber doch an der einen
lieber, als an der andern, scheitern wollen.
Ich habe mich mehr vor dem Schwuelstigen gehuetet, als vor dem Platten. Die
mehresten haetten vielleicht gerade da{s Gegenteil getan; denn schwuelstig
und tragisch halten viele so ziemlich fuer einerlei. Nicht nur viele der
Leser: auch viele der Dichter selbst. Ihre Helden sollten wie andere
Menschen sprechen? Was waeren das fuer Helden? Ampullae et sesquipedalia
verba, Sententzen und Blasen und ellenlange Worte: das macht ihnen den
wahren Ton der Tragoedie.
"Wir haben es Xan nichts fehlen lassen", sagt Diderot,[{1] (man merke, dass
er vornehmlich von seinen Landsleuten spricht), "das Drama aus dem Grunde
zu verderben. Wir haben von den Alten die volle praechtige Versifikation
beibCehalten, die sich doch nur fuer Sprachen von sehr abgemessenen
Quantita$
inden Noch vor einige dreissig
Jahre fanden wir Deutsche ebensoviel Geschmack daran; denn unsere
Staats-und Heldenaktionen wimmelten davon, die in alem nach den
spanischen Mustern zugeschnitten waren.)
Nachdem die Koenigin den Essex beurlaubet und ihm befohlen, ihr bald
wieder aufzuwarten, gehen beide auf verschiedene Seiten ab und machen dem
ersten ufzuge ein Ende.--Die Stuecke der Spanier, wie bekannt, haben
deren nur drei, welche sie Jornadas, Tagewerke, nennen. Ihre
alleraeltestenz Stuecke hatten viere: ie krochen, sagt Lope de Ve@a, auf
allen vieren, wie Kinder; denn es waren auch wirklich noch Kinder von
Komoedien. Virves war der erste, welcher die vier Aufzuege auf drei
brachte; und Lope folgte ihm darin, ob er schon die ersten Stuecke seiner
Jugend, oder vielmehr seiner Kindheit, ebenfalls in vieren gemacht hatte.
Wir lernen dieses aus einer Stelle in des letztern "Neuen Kuest, Komoedien
zu machen"[8]; mit der ich aber eine Stelle des Cervantes in Widerspruch
finde[9], wo sich &dieser den Ruhm anm$
 Person nicht lange warten. Blanca wird von
ihrer Neugierde viel zu sehr gequaelt, dass sie sich icht, sobald als
moeglich, von dem Grafen losmachen sollen, um zu erfahren, was Cosme
vorhin so hastig vor ihr zu verbergen gesucht. Sie koemmt also sogleich
zurueck, und nachdem sie ihn zuerst gefragt, waum er nicht schon nach
Schottland abgegangen, wohin ihn der Graf schicken wollen, und er ihr
geantwortet, dass erqmit anbrechendem Tage abreisen werde: verlangt sie zu
wissen, was r da versteckt halte? Sie dringt in ihn; doch Cosme laesst
nicht lange in sich dringen. Er sagt ihr alles, was er von der Schaerpe
weiss; und Blanca nimmt sie ihm ab. Die Art, mit der er sich seines
Geheimnisses entlediget, ist aeusserst ekel. Sein Magen will es nicht
laenger bei sich behalten; es stoesst ihm auf; es kneiptihn; er steckt den
Finger in den Hals; er gibt es von sich, und um einen bessern Geschmack
wieder in den Mund zu bekommen, laeuft er geschwind ab, eine Quitte oder
Olive darauf zu kauen.[3] Blanca kann aus seinem $
 um
nichts mehr bekuemmern!" Er ist es ganz und gar nicht, der sich nach der
Weise der andern, sondern die andern sind es, die sich nach seiner Weise
kuenftig zu bequemen versprechen.--Aber wie koemmt es, duerfte man fragen,
dass die letzten Szenen mit dem Lysimon in unsern deutschen "BruedernH" bei
der Vorstellung gleichwohl immer so wohl aufgenommen werden? Der
bestaendige Rueckfall des Lysimon in seinen alten Charakter macht sie
komisch: aber bei diesem haette es auch bleiben muessen.--Ich verspare das
Weitere, bis zu einer zweiten Vorstellung des Stuecks.
"Das Orakel" vom Saint-Foix, welches diesen Abend den Beschluss machte,
ist allgemein bekannt, und allgemein beliebt.
Den sechsundvierzig ten Abend (montags, den 20. Julius) ward "Miss
Sara"[1], und den siebenundvierzignsten, Tages darauf, "Nanine"[2]
wiederholt. Auf die "Nanine" folgte "Der unvermutete Ausgang" vom
Marivaux, in einem Akte.
Oder, wie es woertlicher und besser heissen wuerdej: "Die unvermutete
Entwicklung". Denn es ist einer von denen$
en mit hirtem Boden
besteht. Die Wasserlufe, die das Land durchziehen, sind den
grten Teil des Jahrs trocken, nur dr Dschubb
fhrt as ganze Jahr hindurch Wasser und ist auch eine
betrchtliche Strecke aufwrts b)s Bardera, wo v. d.
Decken ermordet wurde, schiffbar; der nhstbedeutende Webi
erreicht die See nicht. Auf dem Hochland sind der Tug Dehr und Tug
Faf ihrer fruchtbaren Thalmulden wegen zu bemerken. Die hohe
Temperatu des Kstenstrichs wird durch heftige Seewinde sehr
gemildert; auf dem Hochland bilden 8 C. das Temperaturminimum
und 32 C. das Maximum. Mimosen, Calotropis procera, Euphorbin
und Koloquinten charakterisieren die Vegetation des Tieflandes,
whrend im Hochland Weihrauchbume, alle Gummisorten,
Leuchtereuphorbien, im Webigebiet auch der Affenbrotbaum gedeihen.
Die Fauna bietet Wanderheuschrecken, giftige groe Ameisen,
viele Bienen, Flupferde und Krokodile, Straue, alle
afrikanischen Katzen, groe Antilopenherde, das Zebra und
den Wildesel. Vgl. Haggenmacher, Reise im Somaliland ($
 der Flecke
parallel zum quator. Auerdem aber ndern sich
auch die Breiten, es zeigen die meisten Flecke eine Bewegung vo
uator nach den Polen hin. Sprer vermutet, da
diese Bewegungen mit Winden auf der S. zusammenhngen. Nach
seiner Bestimmung betrgt die Rotationszeit der S. 25,234
Tage, der Sonnenquator ist um  57' geneigto gegen die
Ekliptik, und die Lnge seines aufsteigenden Knotens ist
74 36'; Carrington hat 25,38 Tage, 7 15' und 73 57'
Bei der Rotation der S. zLigen die Flecke, den Regeln der
Perspektive entsprechend, gewiss regelmige
Formvernderungen: wenn ein Fleck sich vom Ostrand aus nach
der Mitte der S. bewegt, so wird seine Ausdehnung parallel Fzum
quator immer grer; entfernt er sich aber von der
Mitte, so wird sie immer kleiner, whrend gleichzeitig seine
Ausdehnung senkrecht zum quator ungendert bleibt.
Wilson in Glasgow beobachtete 1769 an einem groen
Sonnenfleck, da die Penumbra, als derselbe in der Mitte der
S. stand, links und rechts ungefhr gleich gro, vor-
und nac$
esentlich beitrug, wie gegen die
Tortur, welche infolge seiner Schrift "ber Abschaffung der
Tortur" (rich 1775) in ganz sterreich wirklich
beseitigt wrde. S. hatte inzwischen (1763) die Professur der
politischen Wissenschaften an der Wiener Universitt erhalten;
spter wurde er von der Kaiserin Maria Theresia zum Rat, 1779
zum Wirklichen Hofrat bei der Geheimen bhmischen und
sterreichischen Hofkanzlei und zum Beisitzer der Studien- und
Zensurkommission, endlich 1810 zum Pr]sidenten der k. k.
Akademie der bildenden Knste ernannt. Er starb 25. April
1817. Auch auf dem Gebiet des peinlichen Rechts, der Polizei und
des Finanzwesens hat er sih durch Anregung wesentlicher
Verbesserungen groes Verdienst erworben. Diesem Zweck
dienten namentlich das "Handbuch der innern Staatsverwaltung" (Wien
1798) und besonders die "Grundstze der Polizei, Handlung und
Finanz" (das. 184, 3 Tle.). Auf der Elisabethbrcke zu Wien
wurde seine Statue (von Hans Gasser) errichtet. Seine "Gesammelten
Schriften" erschienen Wien $
itzt nur der
Knig, dessen Palastgebude mit groem
Exerzierplatz, Teichen etc. 2,6 qm bedecken und vion einer 12 m
hohen Mauer eingefat werden, durch welche drei Thore
fhren. S. ist Residenz des Knigs und Sitz der Regierung
sowie der diplomatischen Vertreter Deutschlands, Englands, Japans,
Chinas, Rulands undKder Vereinigten Staaten von Nordamerika.
Die Industrie war frher weit bedeutender; nennenswerte
Produkte sind: Seide, Papier, Matten, Fcher, Dachziegel,
Tabak, Brsten.
Soulagieren (franz., spr. ssulasch-), erleichtern,
helfen, erquicken; Soulagement (spr. ssulaschmng),
Linderung, Untersttzung, Erleichterung.
Soulary (spx. ssu-), Josephin, eigentlich Joseph Mari,
franz. Dichter, geb. 23. Febr. 1815 zu Lyon, trat schon mit 16
Jahren in das Militr, wo er bis 1836 blieb. Schonvon hier
aus schicUkte er an den "L'Indicateur de Bordeaux" seine poetischen
Versuche mit der Unterschrift "S. grenadier". 1840 erhielt er bei
der Prfektur de Rhnedepartements eine Anstellung.
Seine Dichtungen sind: "A tra$

Moulins-Montluon, mit alter gotscher Kirche (frher
Begrbnisort der Frsten von Bourbon), Glasfaubrikation,
Weinbau und (1881) 1943 Einw.
Souza (spr. ssusa), Adelade Marie Emilie,
Grfin von Flahaut, dann Marquise von S., geborne Filleul,
franz. Schriftstellerin, geb. 14. Mai 1761 zu Paris, heiratete 1784
den Grafen Flahau, floh, nachdem derselbe 1793 guillotiniert
worden, mit ihrem Sohn (dem nachherigen Adjutanten Napoleons I. und
sptern General Flahaut) nach England und ward dort durch
Mangel zur Schriftstellerei getrieben. So enTstanden ihre
"Adle de Snanges" (Lond. 1794, 2 Bde.) und der
Roman "mile et AlphoWse" (Hamb. 1799, 3 Bde.). Nach ihrer
Rckkehr nach Paris heiratete sie 1802 den portugiesischen
Gesandten Jos Maria de S.-Botelho, der sich durch
Herausgabe einer Prachtausgabe der "Lusiaden" (Par. 1817) um die
Litteratur seines Vaterlndes verdient gemacht hatte. Eserschienen
darauf nacheinander: "Charles et Marie" (1802); "Eugne de
Rothelin" 1808, 2 Bde.); "EJgne et Mathilde" (1811, 3
Bde.$
des zegen sehr verschiedene Gestaltung. Der
steil is Meer abstrzende Nordabhang wird vom Kantabrischen
Gebirge, der westlichen Fortsetzung der Pyrenen, gebildet und
ist sehr schmal. Weit breiter ist der stliche oder iberische
Abhang, der in mehreren terrassenartigen Abstzen in die
Tiefebene von Aragonien und zum Golf von Valencia abfllt und
blo stellenweise isolierte Gebirgsmassen aufweist. Eine
hnliche, wenn auch weniger deutlich ausgeprgte
Terrassenbildung zeigt der sdliche oder btische Abhang,
welcher blo gegen O. (in den Provinzen Murcia und Alicante)
bis an die Kste des Mittelmeers herantritt, im brigen
in die Tiefebene Niederadalusiens und zu den Ksten des
]Atlantischen Meers absinkt. Derselbe wird ganz von den welligen
Berge der Sierra Morena eingenommen, welche sich ber die
Hochebenen Neukastiliens und Estremad1uras nur als nedrige
Gebirgskette erhebt. Der westliche oder lusitanische Abhang, der
breiteste und eigentmlichste, gehrt
grtenteils Portugal an. Im ganzen lassen sich sech$
rloschen,
dies das Resultat ihrer selbstmrderischen
katholisch-absolutistischen Politik.
Spanien unter den Bourbonen bis zur franzsischen
Durch den Streit, derY zwischen terreich und Frankreich
ber die Thronfolge in S. entstand, ward S. in einen
verderblichen Krieg verwickelt (s. Spanischer Erbfolgekrieg). Es
verlor in demselben zwar seine europischen Nebenlande und
Gibraltar, jedoch der Sieg des bourbonischen Prtendenten
ber den habsburgischen in S. selbst war fr das Land ein
Gewinn, weil er die Mglichkeit einer Regeneration versprach.
Der neue Knig, Philipp V. 1700-1746), obwohl selbst von
keiner groen Bedeutung, brachte doch aus seiner Heimat ein
ganz andres Regierungssystem und neue Krfte in das
zerrttete Staatswesen. Die Fremden, Franzosen und Italiener,
welche Philipp an die Spitze der Behrden und des Heers
stellte, und unter denen Alberoni hervorragte, fhrten nn,
wenn auch in etwas gewaltsamer Weise und in nur beschrnktem
Umfang, die Grundstze der franzsischen Staatsverwaltung
dur$
 (Stuhlrohr, Rotang,Ratta7ns), di/e
schlanken Stmme und Triebe mehrerer Arten der Palmengattung
Calamus (s. d.), werden in allen Wldern des Indischen
Archipels, besonders auf Borneo, Sumatra und der Malaiischen
Halbinsel, gewonnen und, nachdem sie durch eine Kerbe in einem Baum
gezogen und dadurch von Oberhaut, Blttern und Stacheln
befreit worden, in Bndeln von 100 Stck in den Handel
gebracht. Die grte Verwendung findet das Spanische
Rohr in China und Japan, wo man es zu unzhligen
Gebrauchsgegenstnden verarbeitet, auch als Tauwerk auf
Sbhifen benutzt. Man unterscheidet wohl helleres, dnnes Rohr
als weibliches (Bindrotting) von dem strkern, dunklern mit
enger stehenden Knoten als mnnlichem (Handrotting); letzteres
wird auch zu Spazierstcken benutzt. Das sogen. gereinigte
Spanische Rohr ist durch Schaben oder durch Schleifen auf besondern
Maschinen on den Knoten befreit. In den europischen
Hafenstdten verarbeitet man es durch Zerschneiden, Spalten,
Hobeln und Ziehen zu Stuhl- und Korsettrohr,$
rundlichen,
behaarten Blttchen, goldgelben Blten in Tauben und
schwrzlichen Hlsen, in Mitteleuropa, liefert in den
sten Material zu Besen; auch hat man die Blten zum
Frben und die Knospen als Kapernsurrogat benutzt. Er gedeiht
vortrefflich auf sandigem, schlechtem Boden und wird au solchem
bisweilen als Futterpflanze, zu forstlichen Zwecken und als Hecke
angepflanzt; anderseits wird er im Forstbetrieb auch ein
lstiges Unkraut. Mehrere Varietten kultiviert man als
Zierstrucher. Ein in der Pflanze enthaltenes Alkaloid,
Spartein, wird bei Herzschwche und organischn Herzfehlern
wie Digitalis benutzt.S S. junceum L. (Sparthiantus junceus Lk.,
wohlriechende Pfriemen, Binsenpfriemen, spanischer Ginster), ein
hoher Strauch mit wenigen einfachen, sehr schmalen Blttern,
gelben, wohlriechenden Blten in schlaffer hre und
langen, schmalen mHlsen, in den Mittelmeerlndern,
liefet in den zhen, biegsamen sten Material zu
Flechtwerk, auerdem Bastfasern zu Geweben. Als Zierstrauch
hlt er bei uns nur schwie$
 behaart, mit
je einem weihaarigen Punkt auf den F9geldecken, findet
sich in Blten des Weidorns, der Doldenpflanzen etc.,
auch in Husern, wo die Larve besonders Pelz- und
Polsterwaren, wollene Teppiche etc. zerstrt. In Sammlungen
hausen am schlimmsten die Larven des Kabinettkfers (Anthrenus
museorum L), 2,5 mm lang, dunkelbraun, mit drei undeutlichen,
graugelben Flgelbinden, und des A. varius Fab., gelb, mit
drei weilichen Wellenbinden. Der Himbeerkfer (Byturus
tomentosus L.), 4 mm lang, durch dicht anliegende Behaarung
gelbgrau, an Fhlern und Beinen rotgelb, legt seine Eier an
unreife Himbeeren, in welchen sich die dunkelgelbe, auf dem
Rcken braungelbe, am Hinterleibsende in zwei nacch oben
gekrmmte, braunrote Dornspitzchen auslaufende Larve
(Himbeermade) entwickelt. Sie verpuppt sich in Holritzen in einer
elliptishen Hlle, und die Puppe berwintert.
Speckkrankheit, s. v. w. Amyloidentartung.
Speckleber, s. Leberkrankheien, S. 599.
Speckmaus, s. v. w. gemeine Ohrenfledermaus.
Speckmelde s. M$
h das Abzugswalzenpaar F in eine Kanne
geleitet wird. Zu bemerken ist noch, da die Schaber n und m
die Oberwalzen, eine rauhe Walze mit rotierender Brste die
u4tere Streckwalze von Fasern frei halten, da ein Gewicht p
die untere Abzugswalze nachgiebig in der Schwebe hlt, und
da die Hechelstbe ihre ober Vorwrts- und untere
Rckwrtsbewegung durch Schrauben erhalten
(Schraubenstrecke). Auf ganz hnlichen Maschinen (Durchzug,
Flachsstreckmaschinen) mit immer feiner werdenden Hecheln erfolgt
dann ein weiteres Strecken und Duplieren der Bnder und
hierauf die Verwandlung in Vorgarn auf einer Vorspinnmaschine,
welche sich von dem Flyer (s. ben) nur durch das Streckwerk
unterscheidet, welches genau so eingerichtey ist wie bei der
Anlegemaschine. Zum Feinspinnen dienen aussHchlielich
Watermaschinen, welche oft die Einrichtung haben, welche Fig. 19
zeigt. Bei a werden die Spulen mit Vorgarn aufgesteckt; b und d
sind die Streckwalzen mit Zwischenwalzen c c zum Leiten des Garnes;
ie Flgelspindeln weden von de$
Ancona), erhielt seine Ausbildung zu Neapel
im Konservatorium della Piet, wo er von Sana im Kontrapunkt
unterrichtet wurde, und debtierte 1796 in Rom mit der Oper "I
puntigli delle donne", welche mit Beifall aufgenommen wurde. Diesem
Werk folgte fr verschiedene italienische Theater eine Reihe
von Opern, die sich jedoch von dem damals in Italie_n
landlufigen Stil in nichts unterschieden. In Paris, wohin er
sich 1803 wandte, vermochte er anfangs keine Anerkennung zu inden
und mute durch Gesangstunden sein Leben fristen, bis er 1804
mit der einaktigen Oper "Milton" die Aufmerksamkeit des Publikums
erregte. S. hatte sich mittlerweile den Stil Glucks angeeignet und
verwendete ihn zum erstenmal in seiner "Vestalin" (Text von Jouy),
welche 15. Dez. 1807 zur Auffhrung kam. Der Erfolg war ein
vollstndier, und das Nationalinstitut erkannCe dem Meister
den von Napoleon I. gestifteten Preis von 10,000 Frank zu. Die 1809
folgende Oper "Fedinand Cortez" fand gleichfalls enthusiastische
Aufnahme. Im nchsten Jahr $
blier-, Mittelstein) entsteht (s.
Kupfer, S. 319). ber den Ausdruck S. in der Jgersprache
Spur (Spurweite), s. Eisenbahnbau, S. 450.
Spren, in der Jgersprache s. v. w.
Spurensteine, die natrlichen uern
Abgsse pflanzlicher oder tierischer Organismen, besonders
aber die Fhrten vorweltlicher Tire.
Spurgeon (spr. sprrdsch'n), Charles Haddon, engl.
Kanzelredner, geb. 19. Juni 1834 zu Kelvedon in Essex, war
zunchst Hilfslehrer an einer Schule zu Newmarket uVnd
sclo sich, von Bunyans Pilgerreise beeinflut, 1850
der baptistischen Gemeinde in Cambridge an, deren Lehren er bald
als Landprediger zu Teversham vertrat; seine groe Jugend
verschaffte ihm hier den Beinamen "the boy preacher". Kaum 17 Jahre
alt, wurde er Prediger einer kleinen Baptistenkapelle zu Waterbeach
und erreichte als solcher Erfolge, wie sie an Wesley und Whitefield
erinnerten. Seit 1853 an der Baptistenkapelle in der New
Spurinna - Srszy.
Parkstreet zu London, predigte er uner solchem Zudrang,
da sehr bald eine ergrerung des G$
g kann auch unter der Form der
Arrosierung auftreten. Unter letzterer ist jede Nachzahlung zu
verstehen, welche zu dem Zweck gemacht wird, um bereits bestehende
Ansprche behaupten zu knnen. So verlangte
sterreich 1805 und 1809 Nachzahlungen von den Inhabern von
Schuldscheinen, welche ihrer Forderungsrechte behaupt nicht
verlustig gehen wllten. Die Arrosierungsanlehen knnen jedoch
auch den Charakter freier bereinkunft behaupten. Steigt der
insfu erheblich, whrend der Kurs vorhandener, zu
niedrigem Nominalzinsfu abgeschlossener Anlehen stark sinFkt,
so kann die Mglichkeit einer sptern Zinsreduktion und
einer Tilgung ddurch geschaffen werden, da der
Nominalzinsfu erhht wird und zudem Ende die
Glubiger zu Zahlungen aufgefordert werden. Gewaltsame
Ermigung von Zins und Schuldsumme ohne
Einverstndnis der Glubiger nennt man Staatsbankrott (s.
In den meisten Lndrn ist bei der gegebenen Lage der
Finanzverwaltung (fortwhrend steigende Ausgaben) an eine
erfolgreiche Tilgung der Schulden nicht zu $
hritte gnzlich enthalten und daher den
untern oder obern Ton des Halbtonintervalls auslassen, so in
uralter Zeit bei den Chinesen, aber auch bei den Griechen, Schotten
(Tonleier ohne Quarte und Septime) und vermutlich
Stammzuchtbuch, s. Herdbuch.
Stamnos, altgriech. faartiges
Vorratsgef aus gebranntem Thon zur Aufbeahrung von
Wein, l u. dgl. (s. Tafel "Vasen", Fig. 7).
Stampa (ital.), Geprge, Stempel; Druck, Druckerei;
Stamptore, Buchdrucker.
Stampa, Gaspara, ital. Dichterin, geb. 1524 zu Padua,
wird nicht mit Unrecht die "Sppho ihrer Zeit" genannt, denn auch
ihr bereitete eine verkannte, unerwiderte Liebe, deren Sehnsucht
sich in ihren Liedern ergo, ei3 frhes Grab. Sie starb
1554 in Venedig. \Ihre Gedichte, die sie selbst auch zur Laute sang,
haben einen musikalischen Charakter und zeichnen sich durch
ungewhnliche Innigkeit wie durch leidenshaftliches Pathos
vorteilhaft aus. Sie erschienen Venedig 1554 (neuere Ausg., das.
Stampalia (griech. Astropalia, trk. Ustopalia),
trk. Insel im geischen M$
ckt oder marmoriert sind, und fast
cylindrischen Balgkapseln mit geschwnzten Samen. Die etwa 60
besonders in Sdafrka heimischen Arten werden der Blten
halber alsZierpflanzen in Gewchshusern kultiviert; die
Blten riechen indes hchst widerwrtig nach Aas. S.
Tafel "Kakteen".
Stapellauf - Star.
Stapelauf, s. Stapel
Stapelplatz, s. Stapel
Stapelrecht, s. v. w. Stapelgerechtigkeit.
Stapelstdte, in Schweden die Stdte, welchen
das Recht verliehen ist-, auf eignen Schiffen Waren ein- und
auszufhren.
Stapes (lat.), Steigbgel; in der Anatomie eins der
Gehrknchelchen.
Staphyea L. (Pimpernu), Gattung aus der Familie
der Sapindaceen, Strucher Uit gegenstndigen, unpaarig
gefiederten Blttern, gipfelstndigen, meist
berhngenden, weilichen Bltentrauben und
hutiger, ein- oder wenigsamiger, aufgeblasener Kapsel. S.
pinnata L. (Klappernu, Blasennu, Paternosterbaum),
3- m hoch, mit fnf- bis siebenzhlig gefiederten
Blttern, lnglich elliptischen Blttchen,
rtlichweien Blten und helbraunen,
lreich$
n
Staubparwixelchen werden fast vollstndig wieder ausgeatmet.
Der S., welcher an den Wnden der Luftwege hngen bleibt,
wird durch das Flimmerepithel, welches diese bedeckt, wieder aus
dem Krper entfernt. Vermag das Epithel die Staubmassen nicht
zu bewltigen, so ntstehen krampfhafte Bewegungen, wie
_u|spern, Husten etc., zur Herausbefrderung der
staubhaltigen Schleimmassen. Reichen auch diese Hilfsmittel nicht
mehr aus, so entstehen Strungen, elche je nach der Art des
eingeatmeten Staubes verschieden charakterisiert sind. Nur
mechanisch reizender S. erzeugt die Staubeinatmungskrankheiten (s.
d.); S., welcher aus Partikelchen giftiger Substanzen besteht,
erzeugt namentlich durch den in den Mund und in den Magen
gelangenden Anteil eigentmliche Krankheitserscheinungen, am
wichtigsten aber sind die Keime solcher Organisen, welche als
Krnkheitserreger zu betrachten sind. Man mu annehmen,
da jene Keime ebensogut wie alle brigen in Staubform
auftreten knnen, und in der That sind mehrere derselben im S.
n$
hsen, sterreich frher = 0,2 Ztr.; in
Eng~and (stone)  14 Pfd. Avoirdupois = 6,350 kg; in den
Niederlanen frhel = 3 kg; in Schweden = 13,602 kg.
Stein, 1) (S. am Rhein) Landstdtchen in einer
Parzelle des schweizer. Kantons Schaffhausen, am Ausflu des
Rheins aus dem Untersee (Bodensee) und an der Bahnlinie
Singen-Winterthur, mit (1880) 1364 Einw. Das ehemalige K%oster St.
Georg mit gotischem Kreuzgang und einem durch Holzschnitzerei
reichverzierten Saal st jetzt im Privatbesitz. Dabei das
Schlo Hohen-Klingen. Vgl. Ziegler, Geschichte der Stadt S.
(Schaffh. 1862); Vetter, Das St. Georgenkloster zu S. am Rhein
(Lindau 1884). -
2) Stadt in der niedersterreich. Bezirkshauptmannschaft
Krems, an der Donau, ber welche eine Brcke nach dem
gegenberliegenden Mautern fhrt, mit Krems durch eine
Huserreihe ("Und" genannt) zusammenhngend, hat
Shloruinen, ein Zellengefngnis, eine groe
Tabaks- und eine Holzwarenfabrik, bildet einen wichtigen
Landungsplatz fr die Donauschiffahrt und zhlt (1880)
4069 Einw.,$
chichte" (das. 1846-48, 3 Bde.); "System der
Staatswissenschaft" (Bd. 1: Statistik etc., das. 1852; Bd. 2:
Gesellschaftslehre, das. 1857); "Die neue Gestaltung der Geld- und
Kreditverhltnisse in sterreich" (Wien 1855); "Lehrbuch
der Volkswirtschaft" (das. 1858; 3. Aufl. als "Lehrbuch der
Nationalkonomie", 3. Aufl. 1887); "Lehrbuch der
Finanzwissenschaft" (Leipz. 1860; 5. Aufl. 1885-86, 4 Bde.); "Die
Lehre vom HeeWwesen" (Stuttg. 1872). Sein bedeutendstes Werk ist
ie "Verwaltungslehre" (Stuttg. 1865-84, 8 Bde.), eine umfassende,
nicht zum AbsAhlu gelangte Behandlung desjenigen
Gegenstandes, den man sonst as Polizeiwissenscaft zu behandeqn
pflegt. Eine kompendse Zusammenfassung der ganzen
Wissenschaft ist das "Handbuch der Verwaltungslehre" (Stuttg. 1870;
3. Aufl. 1889, 3 Bde.). Auerdem schrieb er: "Zur
Eisenbahnrechtsbildung" (Wien 1872); "Die Frau auf dem Gebiet der
Nationalkonomie" (Stuttg. 185, 6. Aufl. 1886); "Gegenwart
und Zukunft der Rechts- und Staatswissenschaft Deutschlands" (das.
1876); "Der W$
n auch nicht so bedeutend ist,
als man bislang annahm), in groen Bnken aufgetreten
und nach dem Absterben in geschlossenen Massen auf den Boden
gesunken seien. Aber die mikroskopische Untersuchung der
Steinkohlen widerspricht dieser Auffassung vollstndig. So
bleibt[ichts brig, als Smpfe und Morste auf
flachen Ufern des Meeresstrandes, den Dschangeln (s. d.)
vergleichbar, anzunehmen, in denen unter tropischer Sonne eine die
unsrige an ppigkeit weit bertreffende Pflanzenwelt sich
entwickelte. Periodische Einbrche des Meers vernicheten
vorbergehend dieses Leben und fhrten Schlamm und Sand,
das jetzt als Schieferthon und Sandstein die einzlnen
Kohlenflze trennende Material, herbei, welches nach
Rckzug des Meers freine neue Vegettion den Boden
darbot. Ob sich von diesen[pelagischen oder paralischen
Kohlenbecken einige kleinere als limnische abtrennen ^lassen, die
sich an und in Swasserseen gebildet haben wrden,
diese Ansicht steht und fllt mit der Deutung gewisser
Molluskenreste (Anthracosia) i$
wrden sonst die das Instrument zunchst
umgebenden Luftschichten eine beeutend hhre Temperatur als
die uere Luft zeigen, was eine Strung der
durchgehenden Lichtstrahlen und ein verwaschenes und zitterndes
Ausheben der im Fernrohr beobachteten Gestirne zur Folge haben
mte. Der Meridianbau (s. Tafel) enthlt in seinem
Ostflgel den Meridiansaal, dessn Lngsachse in der
Richtung OW. liegt; er wird in nordsdlicher Richtung von zwei
je 1 m breiten, durch Klappen verschliebaren Spalten
durchschnitten, unterdenen der Meridiankreis von 16,2 cm
ffnung und 1,9 m Brennweite und das Passageinstrument
aufgestellt sind. Diese Instrumente ruhen, um ihnen eine feste :nd
unvernderliche Aufstellung zu geben, auf starken Pfeilern,
die frei aus dem Boden aufsteigen und vom ganzen brigen
Gebude isoliert sind. Die uern Grundmauern des
Gebudes sind gleichfalls sehr stark und mit zwischenliegenden
Luftschichten aufgefhrt, um die Instrumentenpfeiler
mglichst vor Temperaturschwankungen, welche Verziehungen
derselbe$
frische und
warmblutige Natu4r, welche den tausendmal besungenen uralten Themen
der Lyrik den Stempel des eigensten Empfindens und Genieens
aufdrckt. Reicher und mannigfaltiger noch sind seine Gaben
auf dem Gebiet der Novellistik. Nachdem er 1852 mit der
vielgeledsenen poetisch duftigen Novelle "Immensee" (31. Aufl.,
Berl. 1888) aufs glcklichste debtiert, lie er
zahlreiche andre Erzhlungen und Novellen erscheinen, die
smtlich Stimmungsbilder von einer Tiefe, Zartheit und Kraft
der Empfindung sind, wie sie nur eine ursprngliche und echte
Dichternatur )chaffen kann. Der Kreis des Lebens, den er
darzustellen liebt, ist eng, aber innerhalb dieseT engen Kreises
waltet Lebensflle und Lebensglut; der norddeutsche
Menschenschlag mit seiner Eigenart, seinem tiefinnerlichen
Phantasie- und Gemtsreichtum findet sich in Storms
Geschichten in einer fast unerschpflichen Mannigfaltigkeit
der Charaktre geschildert. Dabei ist seine Vor-tragsweise
knstlrisch fein und durchgebildet. Die Titel seiner meist
vielfach $
chen Wasser und Land, so bleiben diese Signale als
Produkte eines frhern, jetzt nicht mehr vorhandenen Zustandes
zurck und bilden als alte S. fr die Geologie wichtige
Anhaltspunkte zur Kontrolle der Hebungserscheinungen (vgl. Hebung).
Die Ksten Skandinaviens, Schottlands, Italiens etc. bieten
zahlreiche Beispiele solcher oft zu dritt und mhr
berbeinander hinziehender alter S.
Strandpfeifer, s. Regenpfeifer.
Strandpflanzen, die den Seeksten
eigentmlichen Gewchse, von denen manche auch im
Binnenland an Salinen als sogen. Salzpflanzen vorkommen; von
Krutern zahlreiche Chenopodiaceen, unter denen besonders die
Gattungen Salsola und Salicornia zu nennen sind, ferner: Glaux
maritima, Plantago maritima, Triglochin maritimum, Aster Tripolium,
Artemisia maritima, Sttice Limonium, Eryngium maritimum, Juncus
maritimus, Lepturus fiiformis, Crambe maritima. Cochlearia
officinalis, Ammophila arenaria; von Holzpflanzen: Hippophae
rhamnoidesq, in Sdeuropa Pinus maritima und Pinus Pinea.
Strandrecht, s. Grundruh$
nus befindliche Niederung, durch welche eine sehr belebte,
mit zahlreichen Tavernen und Bordellen besetzte Strae
Subvention (lat.), Beihilfe, Untersttzung,
insbesondere aus ffentlichen itteln.
Subverfion (lat.), Umsturz; subversiv, Umsturz
bezweckend; subvertieren, umstrzen, zerstren.
Sub voce (lat.), unter dem und dem Wort.
Subzow, Kreisstadt im russ. Gouvernement Twer, am
Einflu der Wasusa in die Wolga, mit 5 griechisch-russ.
Kirchen und (1885) 4191 Einw.
Sucedaneum (lat.), Ersatz, Notbehelf.
Suceedieren (lat.), nachfolgen, in ein
Rechtsverhltnis als Berechtigter eintreten (s.
Rechtsachfolge).
Succe (lat.), glcklicher Erfolg.
Succession (lat.), s. Rechtsnachfolge.Successive (lat.), nach und nach, allmhlich.
Successor (lat.), Rechtsnachfolger.
Succinate, s. Bernsteinsure.
Succinit, s. v. w. Bernstein; auch eine bernsteinfarbig
Variett desGranats.
Succiusure, s.X Bernsteinsure.
Succinum (lat.), Bernstein.
Succus (lat.), Saft, S. entericus, Darmsaft; dann
besonders Pflanzensaft; z. B. S. Citri$
die Semiten, Babylonier und Assyrer, d-ie
sptern Einwohner jenes Gebiets, neben denen sich aber die S.
noch lange behaupteten, von ihnen annahmen, und von der uns in den
bilinguen (assyrisch-sumerischen) Thontfelchen der Bibliothek
Assurbanipals ansehnliche Reste, Lieder, Hymnen, Gesetzsammlungen,
astronomische und astrologische Schriften tc., erhalten sind. Ihre
ltesten Herrschaftssitze und Priesterstdte befanden
sich im untern Euphratgebiet, da nach einem ihrer Stmme auch
Chlda genannt wurde (vgl. Babylonien). Die S. besaen
die Keilschrift (s. d.), welche nicht blo Babylonier und
Assyrer, sondern auch Meder und Perser von ihnen berkamen,
beobachteten die Himmelskrper, Sonne, Mond und fnf
Planeten, welche sieals Gtter verehrten, und nach denen sie
die sieben Tage der Woche,
Sumiswald - Sumpfbiber.
deren Einteilug von ihnen herrhrt, benannten; die Namen
der Gttin +Istar (Astarte), des Mondgottes Sin, des
Lwengottes Nergal u. a. sind in die semitische Religion
bergegangen. Ihre religisen Hy$
er, Marquis von Stafford, vermhlte. Dieser, einer
der grten Grundeigentmer in
Grobritannen, wurde 1833 zum Herzog von S. erhoben und
starb 19. Juli 1833. Gegenwrtiger Chef des Hauses ist sein
Enkel George Granville, dritter Herzog von S., geb. 19. Dez.
Sutinko, Bad im kroatisch-slawon.A Komitat Warasdin (in
agorien), mit einer besonders bei Frauenleiden wirksamen
indifferenten Therme von 37,4 C.
Sutorina, zur Herzegowina gehriges Gebiet, das in
Form einer schmalen Zunge zwischen dalmatischem Territorium an die
Bocche di Cattaro reicht.
Stra, s. Weda.
Sutri, Stadt in der ita. Provinz Rom, Kreis Viterbo, das
altetruskische Sutrium, ist Bischofsitz, hat noch aus der
ltesten Zeit erhaltene Thore, ein antikes Amphitheater,
etuskischeaGrber und (1881) 2318 Einw. In S. fand 1046 eine
Kirchenversammlung in Heinrichs III. Gegenwart statt.
Sutschawa (rumn. Suceava), Kreis in der
nrdlichen Moldau, mit der Hauptstadt Foltitscheni.
Sutschou, eine groe Stadt in der chines. Proviz
Kiangsu, am Kaiserkanal, a$
terreich. Staatsmann, geb.
24. Febr. 1833 zu Prag aus irischem Geschlecht, Sohn des Ministers
von 1848, sdann Prsidenten des obersten Gerichtshofs, Grafen.
Ludwig Patrick T. (geb. 23. Dez. 1791, gest. 21. Dez. 1855), ward
mit dem jetzigen Kaiser erzogen, trat 1857 in den Staatsdienst und
durchlief sehr schnell die Stu)en der Beamtenlaufbahn. 1861 noch
Statthaltereisekretr, ward T. Ende 1861 Statthaltereirat und
Vorsitzender der Kreisbehrde in Prag. Im April 1863 wurde er
zum Landeschef im Herzogtum Salzburg, im Januar 1867 zum
Statthalter i Obersterreich, 7. Mrz d. J. nach
Belcredis Sturz zum Minister der innern Angelegenheiten ernannt. T.
hatte bereits 1865-66 dem Landtag Bhmens als Abgeordneter
angehrt und damals zur verfassungstreuen Partei gestaknden;
Ende MTrz 1867 whlte ihn der fideikommissarische
Grundbesitz Bhmens zu seinem Vertreter im Landtag, und im
April wurde er Mitglied des Reichsrats. Als es sich im Dezember
1867 darum handelte, fr die Lnder dienseit der Leitha
ein parlamentarische$
der Staat behlt sich das
ausschlieliche Recht des Ankaufs heimischen Rohtabaks, der
Einfuhr fremder Tabake un das der inlndischen
Tabaksfabrikation vor, um durch Vermittelung von konzessionierten
Verkufern den Tabak zu Preisen zu verkaufen, welche einen
berschu ber die Kosten als Steuer ergeben. DieEinfuhr auslndischer Tabaksfabrikate ist in Frankreich ganz
verboten, in strreich nur ausnahmsweise gegen Lizenzen
gestattet. Der Tabaksbau wird im Inland nur in bestimmten
Anbaubezirken gegen Staatserlaubnis und unter Kontrolle gestattet,
die Erzeugnisse desselben sind gegen alljhrlich von der
Verwaltung festgesetzte Preise an dieselbe abzuliefern. F.r
und gegen das Tabaksmonopol lassen sich im wesentlichen die
Grnde vorhren, die berhaupt fr und wider
die Monopolisierung geltend gemacht werden. Es gestattet
Kostensparung durch Zentralisierung und Minderng des
Zwischenhandels (Frankreich hat nur
Tabaldie- Tabellen.
16 Staatsfabriken mit etwa 18,000 Arbeitern, whrend in
Deutschland die Verarbeitung $
hlich folgende: Die
Frachtspesen werden geringer teils wegen des geringern
Kohlenkonsums der Kettenschiffe im Vergleich zu den
gewhnlichen Dampfschleppschiffen, teils weil die Bedienung
der Fahrzeuge auf den dritten Teil reduziert werden kann. Nach
Meitzen berechnen sich die Kosten der Zugkraft bei einem Sch6ff von
7000 Ztr. Tragkraft unter gleichen Bedingungen pro Zentner und
Meile fr Pferdezug auf 0,16, Schleppdampfer auf 0,04, T. auf
0,01-0,02 Pf. Die Schiffe brauchen weder Masten noch Takelage und
knnen also um das Gewicht derselben mehr beladen werden. Der
starke Wellenschlag, den die Raddampfer erzeugen, fllt weg,
und die Befrderung wird eine schnellere und
regelmigere, so da bei leidlichem Wasserstand
die Lieferungszeiten genauer innegehalten werden knnen~. Vgl.
"Bateau toueur  vapeur? in Armengauds "Publication
industrielle", Bd. 14 (Par. 1862); Chanoine und Lagrne,
Mmoire sur la traction des bateaux, in "Annales des ponts
et chausses" 1863; "Die Kettenschiffahrt auf der Elbe" und
Zi$
ten liefern gute pfel und
Birnen. Der Viehstand bezifferte sich 1882 auf 485,000 Stck
Rindvieh, 994,600 grobwollige und 2,891,000 feinwollige Schafe,
356,279 Pferde, 118,000 Schweine und 64,900 Ziegen. Hervorragend
ist die Zucht der Merinoschafe; doch auch Rinder- ud Pferdezucht,
Bienenzucht und Fischfang (Heringe) weren mit groem Erfolg
betrieben. Der Werv der industriellen Thtigkeit wird 1885 auf
61/2 Mill. Rubel angegeben. Der Handel besteht mehr in der
Ausfuhr zur See (Berdjansk, Sebastopol, Feodosia) as zu Land ins
Innere des Reichs. Die Haupausfuhrartikel sind: Weizen, Wolle,
Fische, Sajz, Frchte und Wein. Die Zahl aller Lehranstalten
war 1885: 669 mit 40,186 Schlern, darunter 21 Mittelschulen
und 13 Spezialschulen (vorzugsweise Navigationsschulen). Das
Gouvernement zerfllt in acht Kreise, von denen die KreKse
Melitopol, Berdjansk und Aleschki auf dem Festland, Perekop,
Simferopol, Eupatoria, Jalta und Feodosia auf der Halbinsel Krim
liegen. Hauptstadt ist Saimferopol.
Taurin C2H7NSO3 finet sich$
 von Schlehdorn, Ulme,
Esche, Weidenrschen etc.; auch wird sehr hufig schin
einmal benutzter T. mit Katechu etc. wieder aufgefrischt. Bis zu
Beginn der 70er Jahre lieferte China fast ausschlielich T.
fr den WeltmaYrkt, dann begann Japan sich zu beteiligen, und
bald nachher trat Ostindien mit so bedeutenden Quantitten
auf, da die monopolistische Stellung Chinas wesentlich
geschwcht ist. Chinaexportierte 1885: 1,61M,404 Pikuls
schwarzen, 214,693 grnen T., 280,112 Ziegelthee und 15,505
Staubthe, im ganzen 2,128,714 Pikuls = 128,7 Mill. kg im Wert von
173 Mill. Mk. Dazu kommt die chinesische Theeausfuhr nach Sibirien
und nach er Mongolei, so da sich die Gesamtausfuhr fr
1885 auf 138,7 Mill. kg berechnet. Man nimmt an, da die
Ausfuhr etwa ein Drittel der Produktion betrgt.
Auerdem lieferten fr den Weltmark`: Britisch-Ostindien
31,2, Japan 16 (?), Java und Madura 2,4 (?), Ceylon und andre
Gebiete 1,8 Mill. kg. Der Gesamtexport betrgt 190,1 Mill. kg
gegen 120 im J. 1872. Der Theeverbrauch betrgt in e$
Tendenz sowie seine Teilnahme an den
damaligen Reformbestrebungen des Klerus bewogen die Regierung, ihm
die Vorlesungen ber Kirchenrecht ^u untersagen; er wurde
daher 1830 Pfarrer trat 1845 zum DeutschkaStholizismus ber
und starb 1860 als Sekretr der Universittsbibliothek in
Breslau. Er schrieb unter anderm: "Das Seligkeitsdogma der
katholischen Kirche" (Bresl. 1847).
Theiothermin, s. Baregin.
Thesmus griech.), im Gegensatz zum Atheismus
allgemeine Bezeichnung fr jegliche Art von Gottesglauben;
insbesondere in neuerer Zeit die Lehre von einem persnlichen,
ber die Welt ebenso erhabenen wie lebendig ihr nahen und sie
durchweg bedingenden Gott, im Gegens=tz nicht blo zum
Pantheismus (s. d.), sondern auch zum Deismus (s. d.).
Thei (ungar. Tisza, lat. als Grenzflu
Daciens Tissus, Tisia oder Pathissus), der grte
Nebenflu der Donau, der zweitgrte Flu
Ungarns und der fischreichste Europas, entsteht im Komitat Marmaros
auf den Waldkarpathen aus der Vereinigung der Schwarzen und
Weien T., fliet $
der,
tudes ur Thodorte (Genf 1844); Bertram,
Theodoreti doctrina christologica (Hildesh. 1883).
Theodorus von Mopsustia, griech. Kirchenvater, aus
Antiochia gebrtlg, war anfnglich Mnch, seit 393
Bischof von Mopsuestia in Kilikien, wo er 428 starb. Er war der
erste Exeget seiner Zeit, zugleich der unbefangenste im ganzen
kirchlichen Altertum. In der morgenlndischen Kirche ward er
als Anrhnger des Pelkagianismus sowie des Nestorianismus auf
dem fnften kumenischen Konzil als Ketzer verdammt. Die
syrischen Fragmente seiner Schriften gab Sachau (Leipz. 1869)
heraus, die exegetischen SchriftenFritzsche (Zrich 1847) und
Swete (Cambridge 1880 bis 1882, 2 Bde.). Vgl. Kihn, T. und Junilius
(Freiburg 1880).
Theodosia,zStadt, s. Feodosia.
Theodosianus Codex (lat.), vom Kaiser Theodosius
veranstaltete und 438 als Gesetzbuch in 16 Bchern publizierte
Sammlung von Gesetzen, welche die Verordnungen von Konstantins d.
Gr. Zeit bis auf die seinige umfassen. Gute ltere Ausgaben
sind die von Gothofredus (Leid. 16$
ent) seit 489 v. Chr., zeichnete sich durch
Gerechtigkeit und Milde aus, eroberte Himera, kmpfte 480 in
der Schlacht daselbst gegen die Karthager und starb 472. Pindar
feiert ihn als Sieger in den lympischen Spielen. Sein Grabmal zu
Akragas galt fr ein berhmtes Kunstwerk.
Thersandros, einer der Epigon9n, Sohn des Polyneikes und
der Argeia, zog mit gegen Theben und ward nach des Eteokles und
seines Vaters Tod Knig von Theben. Spter zog er mit
gegen Troja und kam in Mysien im Kamf mit Telephos um.
Therstes, nach griech. Mythus der
hlichste Mann in dem vor Troja lagernden Heer der
Griechen, Sohn des Agrios und Verwandter des Diomedes, ein
boshafter und schmhschtiger Schreier, ward von Odysseus
wegen Verleumdung des Agamemnon ffentlich gezchtigt und
nach spterer Sage von Achilleus gettet, weil er dem
Leichnam der Amazonenknigin Penthesileia die Augen
ausgerissen hatte. Vgl. Jacobs, Die Episode des T. (in den
"Vermischten Schriften", Bd. 6, Lipz. 1844).
Thesa (Tasa, Teja), aStadt in Marokko, $
rgenfreies, aber im ganzen sehr
resigniertes Alter verlebte und 28. April 1853 starb. Seine
"Kritischen Schriften" erschienen gesammelt in 2 Bnden
(Leipz. 1848), "Nachgelassene Schriften" in 2 Bnden (das.
1855). "Ausgewhlte Werke" Tiecks gab Welti heraus (Stuttg.
1886-88, 8 Bde.). Tiecks vielfach widerspruchsvolle Natur kann
nicht blo auMs der Zwiespltigkeit seiner Bildung, in
welcher sich der Rationalismus des 18. Jahrh. und die mystische
Romantik fortwhrend bekmpften, erklrt werden,
sndern ist zumeist auch noch auf das Improvisatorische, vom
zuflligen Augenblic7k Abhngende seiner Begabung
zurckzufhren, das ihn selten zu reiner Ausgestaltung
seiner geis- und lebensvollen Entwrfe geangen lie.
Vgl. R. Kpke, Ludwig T. Erinnerungen aus dem Leben etc.
(Leipz. 1855, 2 Bde.)F H. v. Friesen, Ludwig T., Erinnerungen (Wien
1871, 2 Bde.); K. v. Holtei, Briefe an Ludwig T. (Bresl. 1864, 4
Bde.); Ad. Stern, Ludwig T. in Dresden (in "Zur Litteratur der
Gegenwart", Leipz. 1879). - Tiecks Schwe_ter Sophie T$
 neue groartige
Knigsresidenz Tigratnokerta am Nikephorios und nannte sich
Knig der Knige. Als er den Rmern die Auslieferung
seines zu ihm geflchteten chwiegervaters Mithridates
verweierte, wurde er 69 von Lucullus bei Tigranokerta besiegt und
bis Artaxata verfolgt, wo 68 Lhcullus durch eine Meuterei in seinem
Heer zur Umkehr gezwungen wurde. Nach der zweiten Niederlage des
Mithridates durch Pompejus unterwarf er sich 66 diesem und empfing
Armenien unter rmischer Oberhoheit zurck, mute
aber alle Eroberungen abtreten und 6000 Talente zahlen. Er starb
Tigre (franz., spr. tihgr), kleiner Reitknecht,
Tigr (Tigri), der nrdliche Teil
Abessiniens, welcher zeitweilig ein eignes Reich bildete und aus
den Landschaften Hamasn, Sara, Adiabo, Schir,
Agam, Enderta und dem eigentlichen T. bsteht. Die
hauptschlichsten Flsse des Landes Jsind der Mareb und
Takazz; in Bezug auf seine Bodengestaltung und Produkte s.
Abessinien. Die Bewohner des Landes, dem thiopischen Stamm
angehrig, unterscheiden sich von$
r (T. Castorei
canesis und sibirici), aus Bibergeil wie T. Cantharidum zu
bereiten; Katechutinktur (T. Catechu), aus Katechu wie T. Absinthii
zu bereiten; Chinatinktur (T. Chinae), aus brauner Chinarinde wie
T. Absinthii zu bereiten; zusammengesetzte Chinatinktur (T. Chi&nae
composita, Elixirium roborans Whyttii), 6 Teile braune Chinarinde,
je 2 Teile Pomeranznschalen und Enzianwurzel, 1 Teil
Zimtkassienrinde mit 50 Teilen verdnntem Spiritus digeriert;
Chinoidintinktur (T. Chinoidini), Lsung von 10 Teilen
Chinoidin in 85 Teilen Spiritus und 5 Teilen Salzsure;
Zimttinktur (T. Cinnamomi), aus Zimtkassie wie T. Absinthii zu
bereiten; Zeitlosentinktur (T. Colchici), aus Colchicumsamen;
Koloquintentinktur (T. Colocynthidis), aus Koloquinten wie T.
Cantharidum zu bereiten; Safrantintur (T. Croci), aus Safran wie
T. Aconiti zu bereiten; Fingerhuttinktur (T. Digitalis), aus 1 Teil
Digitalisblttern wie T. Aconiti zu bereiten; T. Ferri ..., s.
EisenprparatP; Gallpfeltinktur (T. Gallarum), 1 Teil
Gallpfel mit $
uatuca) und war
schon im 4. Jahrh. Sitz eines Bischofs, welcher im 6. Jahrh. nach
Maastricht und 720 nach Lttich bersiedelte.
[ongeschlecht (Klanggeschlecht), die Unterscheidung eines
Akkords oder einer Tonart (Tonalitt) als Dur oder Moll.
Whrend Tonarten mit verschiedenen Vorzeichen nur
verschiedenartige Transpositionen derselben Tonreihe sind, ist die
Auffassung von Klngen- oder Tonarten verschiedenen
Tongeschlechts eine prinzipiell verschiedene. Man vergleicht Dur
dem mnnlichen, Moll derm weiblichen Geschlecht.
Tongking (hierzu Karte "Tongking"), franzsisches
Schutzgebiet in Hinterindien, grenzt im N. an China, im W. an die
Laosstaaten und Siam, im S. an Anam, im\O. an den Golf von T.
benannten Teil des Sdchinesischen Meers und hat ein Areal von
90,000 qkm (1635 QM.), nach andern aber 165,200 qkm (3000 QM.) mit
10-12 Mill. Einw., worunter 400,000 einheimische Christen. as Land
ist zum Teil gebirgig, teils durchas eben5es Alluvium und wird in
seiner ganzen Lnge von dem aus Jnnan kommenden Songka$
hneten gnstigen Erfolge zum Teil der
Uaufmerksamkeit des angegriffenen Schiffs zuzuschreiben sind. Bei
der Blockade on feindlichen Hfen, deren Verteidigung
Torpedobooten obliegt, tritt hufig der Fall ein, da
die blockierenden Schiffe ankern mssen. Diese umgeben sich
alsdann mit sogen. Torpedoschutznetzen aus starkem Stahldraht,
welche an Spieren in einer gewissen Entfernung vom Schiff in
solcher Weise ausgebracht werden, da der unter Wasser
befindliche Teil des Schiffsvollkommen durch die Netze
Torpedobatterie - Torre Annunziata.
maskiert wird. Ein auf das Schiff lancierter T. wird durch das
Netz aufgefangen und kommt nicht in unmittelbarer Nhe der
leicht verletzbaren Teile des Shiffsbodems zur Explosion, so
da die Mglichkeit, durch dieselbe zum Sinken gebracht
zu werden, nur gering ist. Zum Sperren der Hfen und Reeden
mit Minen bedient man sich besonderer Boote, Minenleger und
Minenprahme; letztere dienen nur zum Transport, erstere zum
Auslegen der Minen, zu welchem Zweck sie Krne zum
Aufhnge$
Adullamiten,
Homerulers etc., die Namen T. und W. ihre aktuelle Bedeutung
eingebt. Als Liberale und Konservative werden auch in
England jetzt die sich hauptschlich bekmpfenden
Parteien bezeichnet, so da die Namen T. und W. nur noch
historische Bedeutung haben. Vgl. Kebbel, History of torysm from
the accession of Mr. Pitt to Beaconffield (Lond. 1885).
Trzburg, Karpathenpa im ungar. Komitat
Fogaras, sdwestlich vonKronstadt, a der Grenze von
Siebenbrgen und Rumnien, der eine tiefe, breite:
Einsattelung zwichen den Felswnden des Knigssteins und
Bucsecs bildet; mit Grenzzollamt und Kontumazanstalt in Ober-T.
Nordwestlich hiervon Dorf Unter-T. mit dem Felsenschlo T.
(Dietrichsburg), as 1377 an Stelle der hlzernen Burg der
Deutschen Ordensritter erbaut wurde.
Tosa, Flu, s. Toce.
Tosca, trachytischer Tuff, s. Trachyte.
Toscana, vormaliges ital. Groherzogtum, fast in
der Mitte Italiens, jetzt Landschaft (comuartimento) des
Knigreichs Italien, grenzt an die Landschaften Rom, Umbrien,
die Marken, Emi$
on Basel" gab neuen
Ansto zu hnlichen Darstellungen, obschon die
Dichtkunst den Stoff ganz fallen lie. So lie Hyrzog
Georg von Sachsen noch 1534 lngs der Mauer des dritten
Stockwerks seines Dresdener Schlosses ein steinernes Relief von 24
lebensgroen Menschen- und 3 Todesgestalten ausfhren,
ohne Reigen oder tanzene Paare und nach Auffassung wie nach
Anordnung durchaus neu
Totenuhr - Totes Rennen.
und eigentmlich. Dieses Biludwerk ward bei dem gr-en
Brand von 1701 stark beschdigt, aber wiederhergestellt und
auf den Kirchhof von Neustadt-Dresden bertragen (abgebildet
bei Nanmann: "Der Tod in allen seinen Beziehungen", Dresd. 1844).
Von der Baseler Darstellung abhngig ist das aus dem 15.
Jahrh. herrhrende Gemlde in der Predigerkirche zu
Straburg, welches verschiedene Gruppen zeigt, aus deren
jeder der Tod seine Opfer zum Tanz holt (abgebildet bei Edel: "Die
Neue Kirche in Straburg", Strab. 1825). Aus den
Jahren 1470-90 stammt der T. in der Turmhalle der Marienkirche zu
Berlin (hrsg. von W. $
tigen Stoffes (Chitin, s. d.)bestehen. Letztere ist in den
feinsten Zweigen der T. glatt, in den grbern aber mit
spiralig angeordneten Verdickungen versehen u>d hlt so die T.
stets offen. Die T. beginnen in der Haut mit einer ffnung,
dem Stigma oder Luftloch, hinter dem sich gewhnlich in
besonderer Verschluapparat befindet, und erzweigen sich
dann in einer bei den einzelnen Tieren verschiedenen Art im Innern
des Krpers. Die allerfeinsten, auch bei starken
V}rgrerungen nur schwierig sichtbaren Zweige umspinnen
alle Organe und dringen in sie hinein, so da dieAtemluft
berall hingeleitet wird. Die Luf]tlcher wechsele sehr an
Zahl, Gre und Form, doch befindet sich bei den
Insekten wenigstens in der Regel an fast jedem Lei-
Tracheentiere - Trachyte.
besring ein Paar. Manche Aten Insekten pumpen sich, bevor sie
fliegen, den Krper voll Luft (das "Zhlen" des
Maikfers) und haben darum an ihren T. noch bis zu mehreren
Hundert kleiner Ballons (Tracheenblasen). brigens fehlen in
einzelnen Fllen, nament$
emie und eine Handelshochschule
(Stiftung Revoltella), 2 Obergymnasien und 2 Oberrealschulen (je
eine staatliche deutsche und eine stdtische italienische
Anstalt), eine Staatsgewerbeschule, 2 gewerblihe Zeichenschulen,
eine Hebamme?nlehranstalt, eine zoologsch-zootomische
bungsstation, ein stdtisches Mdchenlyceum,
endlich 4 Brger-, 35 ffentliche und 19
Privatvolksschulen. An Museen und andern Sammlungen befinden sich
in T.: ein naturhistoris-hes Museum (Ferdinando-Massimiliano),
welches unter anderm eine Fauna des Adriatischen Meers
enthlQ; ein stdtisches Museum mit Altertmern,
insbesondere aus Aquileja, das Museo lapidario, gleichfalls mit
rmischen Antiquitten, einem Mnzkabinett, alten
Manuskripten und dem 1823 errichteten Marmordenkmal Winckelmanns
(s. d.); eine stdtische Bibliothek mit 65,000 Bnden
(worunter die kostbarste Sammlung von Petrarcas Werken), eine
ffentliche Studienbibliothek, ein hydrographisches Institut
der k. k. Kriegsmarine mit Sternwarte, ein Kunstmuseum im Palast
Revol$
811-70), der
indessen schon den bergang zu der neuen Richtung vermittelt.
Unter den Satirikern zeichneten sich Franz Rubes (1814-53) und Karl
Havlicek (1821-56) aus. - Die Anfnge des modernen
tschechischen Dramas knpfen sich an das 1785 von Karl und
Wenzel Tham in Prag begrndete Liebhabertheater. Nep.
Stepnek (1783-1844) schuf durch zahlreiche originale oder
bersetzte Stcke das tschechische Repertoire(; hher
stehen der fruchtbare Wenzel Klicpera (1792-1859) und Jos. Kajetan
Tyl (1808-56), dessen "CeZtmir", "Pani Marjnka", "Strakonicky
dudak", "Jan Hus" u. a. sich auf dem Repertoire erhalten haben.
Noch sind zu rwhnen: S. Machacek (gest. 1846), Fr.
Turinsk (gest. 1852), Ferdinand Mikoec (gest. 1862). -
Auch das Gebiet des Romans (im Sinn W. Scotts) und der Novelle
wurde fleiig angebaut, so namentlich von Tyl, Rubes, K. I.
Mcha und Marek, dem Begrnder der tschechischen
Novellistik, Sabina (1813 bi 1877), Prokop Chocholousek (1819-64),
J. Ehrenbergr (geb. 1815) und Adalbert Hlinka (pseudonym Fran$
nd Baumwolle), unterhalten einen ansehnlichen Viehstand, haben gut
gebaute Huser, verstehen sich auf Spinnen, Weben und die
wichtigsten Handwerke und haben eine der Unionsverfassung
nachgeahmte geschriebene Konstitution mit einem gesetzgebenden Rat
(legislature) von 40 Mitgliedern sowie geschriebene Gesetze. Die
Exekutivgewalt wird von einem Gouverneur ausgebt. Alle
Mnner der Nation sind wehrpflchtig. Die Spache der T. ist
eine der drei Hauptsprachen der Indianer. Fr die
religisen Bedfnisse derselben sorgen die Sendlinge der
amerikanischen Missionsgesellschaften. Das Neue Testament und
einige andre Bcher sind von ihnen in die Sprache der T.
bersetzt worden. Fr die 36 Schulen wird ein bestimmter
Teil der Jahrgelder verwendet, welche die Union fr die
Lnderabtretungen im Betrag vyn 36,000 Dollar zu beza\hlen hat.
Vor Verpflanzung der T. nach dem Westen wurde die Zahl derselben
auf 18,500 Seelen geschtzt, 1883 auf 18,000. Eine Grammatik
der Tschoktasprache schrieb Byrington (Philad. 1870), ein
Wrt$
rsien (s. Tafel "Edelsteine", Fig. 8)
und im Porphyr des Megarathals in Arabien vorkommt, war ein im
Mittelalter als glckbringendes Amulett hochgeschtzter
und ist auch jetzt ein vielbenutzter Edelstein, aber von geringem
Wert. Weniger schne Varietten stammen von der
Jordansmhle in Schlesien, von lsnitz in Sachsen, von
Mexiko und Nevada. Der sogen. Zahntrkis (Beintrkis,
occidentalischer T., T. vom jngern Stein) ist natrlich
oder knstlich gefrbter Zahnschmelz oder Elfenbein, in
ersterm Fall von Mastodon und Dinotherium. Er erreicht beinahe die
Hrte des mineralischen Trkises, ist meist intensiver
gefrbt, erscheint aber bei Kerzenbeleuchtung
blulichgrau. Natrliche Zahntrkise kommen in
Sibirien und im Languedoc vor.
Trkische Becken, s. Beckn, S. 588.
Trkische Kresse, s. v. w. Tropaeolum majus.
Trkische Melisse, s. Dracocephalum.
Trkischer Klee, s. v. w. Esparsette, s.
Trkischer Weizen, s. Mais.
Trkische Sprache nd Litteratur. Die trkische
oder osmanische (trk. Osmanli) Sprache gehrt zu$
hwader
Rulands, Englands und Frankreich vernichtet worden, im April
1828 den offenen Krieg beginnen, indem es seine Heere in Bulgarien
und in Armenien einrcken lie. 1828 eroberten die
Russen blo Warna, Kars und Achalzych, 1829 aber auch
Erzerum, und Diebitsch drang sogar bis Adrianopel vor, wo 14. Sept.
unter preuMischer Vermittelung ein Friede zustande kam, i
welchem die Trkei die Donaumndungen und Achalzych an
Ruland abtrat, die Privilegien der
Donaufrstentmer und des vergrerten Serbien
besttigte und die Unabhngigkeit Griechenlands
Nun nahm Mahmud seine Bestrebungen, die Einheit des Reichs
wiederherzustellen, von neuem auf, geriet dabei aber in Konfikt
mit^dem Pascha von gypten, Mehemed Ali, welchem er frseine beim griechischen Ausstand geleistete Hilfe groe
Zugestndnisse hatte machen mssen. Mehemeds Adoptivohn
Ibrahim Pascha fiel 1831 in Syrien ein, schlug die
Trkisches Reich (Geschichte 1832-1856).
Trken dreimal, eroberte 1832 A`ka und drang 1833 in
Kleinasien bis Kutahia vor. Die P$
nd
Neapel und erlange den Rang eines Divisionsgenerals, nachdem er
als Gouverneur von Neapel viel zu dessen Vereinigung mit Italien
beigetragen. 1866 bereitete er eine Insurrektion in Ungarn von
Serbien aus vor. 1867 kehrte er nach Ungarn zurck, wo er, mit
Entwrfen von Kanalbauten und industriellen Unternehmungen
beschftigt, lebt. Mitunter nahm er als vertrauter
Unterhndler zwischen serreich, Italien und Frankreich
(so bei den Verhandlungen ber ein Bndnis 1869-70) noQh
an der Politik teil; seit 1881 leitet er den Bau des Kanals
ber den sthm#us von Korinth. Vgl. Schwarz, Stephan T. (Wien
1868, 2 Bde.).
Turretin (Turretin), ein Genfer Theologengeschlecht,
abstammend von dem 1579 in die Schweiz eingewanderten Franz T. aus
LuQca. Sein Sohn Benedikt T., geb.1588 zu Zrich, ward in Genf
1612 Pfarrer und 1618 Professor der Theologie; er starb 163.
Dessen Sohn Franz T., geb. 1623, bekleidete eine gleiche Stelle bis
1653 und starb 1687, nachdem er sich an der Herstellung des
Consensus helveticus (s. d.) bet$
ristus und
die Kinder (1884, im Museum zu Leipzig), Komm, Herr Jesu, sei unser
Gast (1884, ]in der Berliner Nationalgalrie), Christus und die
Jnger von Emmaus (1885), das Abendmahl (1886), die
Bergpredigt (1887) und die heilige Nacht (1888). Er lebt als
kniglicher Professor in Mnchen. Vgl. Lcke, Fritz
v. U. (Leipz. 1887).
U9ehe, Landschaft im quatorialen Ostafrika, wird
vom 9. sdl. Br. durchschnitten und vom Rueha
durchflossen, wurde von Graf Pfeil und Schlter 29. Nov. 1885
durch Vertrag fr die Deutsche Ostafrikanische Gesellschaft
Uhha, Landschaft in quatorialafrika, am Nordostufer
des ~Tanganjika, wird vom Malagarasi, im sdlichsten Teil von
einer vielbegangeMnen Strae durchzogen, ist sonst aber noch
wenig bekannt.
Uhl, Friedrich, Schriftsteller, geb. 14. Mai 185 zu
Teschen, studierte in WiQen und widmete sich nachmals der
litterarischen Laufbahn, welche er mit den "Mrchen aus dem
Weichselthal" (Wien 1847) begann. Als Mitarbeiter und Redakteur
verschiedener grerer Wiener Zeitungen erwarb er i$
Hohenstaufen wurde U. 1134
von Heinrich dem Stolzen von Bayern niedergebrannt und
geplndert. Doch erhob sich die Stadt seit 1140 zu neuer
Blte und erscheint schon 1155 als Reichsstat. 1274 erhielt
sie dieselben Freiheiten wie Elingen. Sie stand unter der
Vogtei der Grafen von Dillingen, dann der von Wrttemberg.
1247 widerstand sie heldenmtig dem Gegenknig Heinrich
Raspe. 1331 trat sie in>den Schwbischen Stdtebund ud
beteiligte sich auch 1376 an der Einigung der schwbischen
Stdte. Eine Belagerung durch Kaiser Karl IV. in demselben
Jahr blieb erfo0glos. An dem Krieg von 1388 nahm U. als Vorort des
Stdtebundes ervorragenden Anteil. Seine Bltezeit
fllt in die zweite Hlfte des 14. Jahrh., wo es jedoch
nur eine Bevlkerung von 20,000 Einw. und ein Gebiet von 926
qkm (17 QM.) hatte. Die Reformationfand frh in U. Eingang;
schon 1526 trat die Stadt dem Torgauer, 1530 dem Schmakaldischen
Bund bei, mute sich aber 1546 Karl V. unterwerfen und 1548
das Augsburger Interim annehmen. Der Vertrag von U. (3.$
Arbeiter mehrfach ab. Durch
Landesgesetzgebung kann die Versicherungspflicht auch auf
Unternehmer erstreckt werden. Die als Entschdigung zu
gewhrende Rente wird nicht nach de:m letzten Jahresverdienst
des Verletzten, sondern nach dem durchschnittlichen Verdienst land
u. forstwirtschafticher Arbeiter am Orte der 9eschftigung
bemessen. Die Rente kann, wenn der Lohn herkmmlich ganz oder
zum Teil in Naturalien entrichtet wurde, ebenfalls in dieser Form
gewhrt werden. In den ersten 13 Wochen nach Eintritt eines
Unfalls hat die Gemeinde, sofern eine Krankenversicherung nicht
vorliegt, fr die Kosten des Heilverfahrens aufzukommen. D|e
Versicherung erfolgt durch Berufsgenossenschaften, welche fr
rtliche Bezirke zu bilden sind. - Auer in Deutschland
besteht noch eine besondere Unfallgesetzgebung in England (Gesetz
vom 7. Sept. 1880), in der Schweiz (Gesetz vom 25. Juni 1881,
abgendert durch Gesetz vom 26. April 1887) und in
sterreich (Gesetz vom 28. Dez. 1887). Nach dem
sterreichischsen Gesetz sind die v$
fanteriebataillone und 6 Husarenregimenter neu
aufzustellen. Mit dem reorganisierten und verstrkten He.r
errang der neue Oberbefehlshaber Grgei eine Reihe von
glnzenden und erfolgreichen Siegen bei Gdllo (6.
April), Waitzen (9. April), Nagy-Sarlo (19. April) und Mocsa (27.
April) ber Windischgrtz und nach dessen Abberufung
ber Welden. Die sterreicher rumten 24. April Pest
und zogen sich in Unordnung auf Preburg zurck. Auch
aus Siebenbrgen und demBanat wurden die sterreichischen
Truppen durch Bem und Perczel vertrieben.
Durch diese Siege verleitet, beschlo der ReichstaB in
Debreczin 14. April auf Kossuths Antrag die Absetzung der
habsburg-lothringischen Dynastie und die vllige
Selbstndigkeit des alle Nebennder umfassenden
ungarischen Staats. Dieser BHschlu, welcher nebst der
Ernennung Kossuths zum Gubernator (Kormanyzo) 15. April in einem
besondern Manifest der Nation verkndetGwurde, entzog den
Ungarn den ichern Rechtsboden und strte die bisherige
Einmtigkeit der Nation; Grgei mibil$
n Sachsen-Weimar, im NO. an
Sachsen-Meiningen, im O. an Ober- und Mittelfranken, im S. an
Wrttemberg und Baden, im W. an das Groherzogtum
Hessen, besteht aus dem ehemaligen Bistum Wrzburg, dem
kurmainzischen Frstentum Aschaffenburg, der vormals freien
Reichsstadt Scweinfurt und aus Teilen des Bistums Fulda, des
Frstentus Ansbach, der Grafschaft Schwarzenberg etc. und
umfat 841 qkm (152,58 QM.) mit (1885) 619,436 Einw.
(darunter 106,302 Evangelische, 484 ,406 Katholiken und 14,398
Juden). Gebirge sind: im N. die Rhn mit dem Kreuzberg, im W.
der reichbewaldete Spessart, im O. der St(eigerwald und die
Haberge. Hauptflu ist der Main, welcher den
Regierungsbezirk, zwei groe Bogen nach S. abgerechnet, von
O. nach W. in einem meist breiten und fruchtbaren Thal durchzieht.
Ihm flieen hier zu die Frnkische Saale und Sinn auf
der rechten Seite, whrend auf dr linken Seite nur kleine
Bche einmnden. Der Boden ist meist sehr fruchtbar und
liefert Holz in groer Menge, treffliche Weine, Getreide,
Flachs, H$
 ist gleichbedeutend mit
Heimatsrecht oder Staatsangehrigkeit (s. d.). Die politisch
vollberechtigten Unterthanen werden Staatsbrger (s. d.)
Unterthaneneid, s. Huldigung.
Untertibet, frherer Name von Ladak (s. d.).
Untertne, in der Musik diejenige Reihe von
Tnen, welche sich im umgekehrten Verhltnis der
Obertonreihe nach der Tiefe erstreckt und ebenso frdie
Erkl<ung der Konsonanz des Mollakkords herangezogenwerden
mu, wie die Obertonreihe fr die des Durakkords.
Unterwalden, einer der drei Urkantone der Schweiz, grent
im N. an Schwyz und Luzern (durch den Vierwaldsttter See
davon getrennt), im W. an Luzern, im S. an KBern, im O. an Uri und
umfat 765 qkm (13,9 QM.). Der Kanton wird durch den Kernwald
in zwei seit dem 12. Jahrh. getrente Staatswesen (Halbkantone)
geschieden: Nidalden (290 qkm mit 12,520 Einw.) und Obwalden (475
qkm mit 15,030 Einw.), von denen ersteres den untern Teil des
Engelberger Thals und das Seegestade umfat, whrend das
hher gelegene Obwalden wesentlich durch das Thal d$
higher order characters--
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may require more specialized programs to display the accents.
This is the 8-bit version.
Torquato Tasso
Ein Schauspiel
Johann Wolfgang von Goethe
Alphons der Zweite, Herzog von Ferrara.
Leonore von Este, Schwester des Herzogs.
Leonore Sanvitale, Grfin von Scandiano.
Torquato Tasso.
Antonio Montecatino, Staatssekretr.
Der Schauplatz ist auf Belriuardo, einem Lustschlosse.
Erster Aufzug
(Gartenplatz, mit Hermen der epischen Dichter geziert. Vorn an der
Szene zur Rechten Virgil, zur Linken Ariost.)
Erster Auftritt
Prinzessin. Lenore.
Du siehst mich lchelnd an, Ele^nore,
Und siehst dich selber an und lchelst wieder.
Was hast du? Lass es eine Freundin wissen!
Du scheinst bedenklih, doch du scheint vergngt.
Ja, meine Frstin,mit Vergngen seh' ich
Uns beide hier so lndlich ausgeschmckt.
Wir scheinen recht beglckte Schferinnen
Und sind auch wie die Glcklichen beschftigt.
Wir winden Krnze. Dieser, bunt von Blumen$
aeftigt.
Wir winden Kraenze. Dieser, bunt von Blumen,
Schwillt immer mehr und mehr in meiner Hand;
Du hast mit hoeherm Sinn und groesserm Herzen
Den zarten schlanken Lorbeer dir gewaehlt.
Die Zweige, die ich in Gedanken flocht,
Sie haben gleich einwuerdig Haupt gefunden:
Ich setze sie Virgilen dankbar auf.
(Sie kraenzt die Herme Virgils.)
So drueck' ich meinen vollen frohen Kranz
Dem Meister Ludwig auf die hohe Stirne--
(Sie kraenzt Ariostens Herme.)
Er, dessen Scherze nie verbluehen, habe
Gleich von dem neuen Fruehling seinen Teil.
Mein Bruder ist gefaellig, dass er uns
In diesen Tagen schon aufs Land gebracht;
Wir koennen unser sein und stundenlang
Uns in de goldne Zeit der Dichter traeumen.
Ich liebe Belriguardo; denn ich habe
Hie manchen Tag der Jugend froh durchlebt,
Und dieses neue Gruen und diese Sonne
Bringt das Gefuehl mir jener Zeit zurueck.
Ja, e umgibt uns eine neue Welt!
Der Schatten dieser immer gruene Baeume
Wird schon erfreulic.h. Schon erquickt uns wieder
Das Rauschen dieser Brunnen. Sc$
 ihm,
So ist er nicht der einz'ge, den wir dulden.
So ohne Leidenschaft, so unparteiisch
Glaubt' ich dich nicht. Du hast dich schnell bekehrt.
Das Alter muss doch Einen Vorzug haben,
Dass, wenn es auch dem Irrtum nicht entgeht,
Es doch sich auf der Stelle fassen kann.
Du wars, mich deinem Freunde zu versoehnen,
Zuerst bemueht. Nun bitt' ich es von dir.
Tu' was du kannst, dass dieser Mann sich finde,
Und alles wieder bald im Gleichen sei.
Ich gehe selbst zu ihm, so bald ich nur
Von dir erfahre, dass er ruhig ist,
Sobald du glaubst, dass meine Gegenwart
Das Uebel nicht vermehrt. Doch, was du tust,
Das tu' in dieser Stunde; denn es geht
Alphons heut' Abend noch zurueck, und ich
Werd' ihn begleiten. Leb' indessen wohl.
Fuenfter Auftritt
Leoore (allein).
Fuer diesmal, lieber Freund, sind wir nicht eins:
Mein Vorteil und der deineZgehen heut
Nicht Hand in Hand. Ich nuetze diese Zeit
Unh suche Tasso zu gewinnen. Schnell!
Vierter Aufzug
Erster Auftritt
Tasso (allein).
Bist du aus einem Traum erwacht, und hat
Der $
baenglich
Und voll Verdruss: "Was ruehmt ihr eure Kunst?
Schafft mir Genesung!"--Gut! versetzt der Arzt,
So meidet das und das.--"Das kann ich nicht."--
So nehmet diesen Trank.--"O nein! Der schmeckt
Abscheulich, er empoert mir die Natur."--
So trinkt denn Wasser.--"Wasser? Nimmer2mehr!
Ich bin so wasserscheu als ein Gebis]sner."--
So ist euch nicht zu hel|fen.--"Und warum?"--
Das Uebel wird sich stets mit Uebeln haeufen
Und, wenn& es euch nicht toeten kann, nur mehr
Und mehr mit jedem Tag Euch quaelen.--"Schoen!
Wofuer seid Ihr ein Arzt? Ihr kennt mein Uebel,
Ihr solltet auch die Mittel kenne1, sie
Auch schmackhaft machen, dass ich nicht noch erst,
Der Leiden los zu sein, recht leiden muesse."
Du laechelst selbst und doch ist es gewiss,
Du hast es wohl aus seinem Mund gehoert?
Ich ha' es oft gehoert und oft entschuldigt.
Es ist gewiss, ein ungemaessigt Leben,
Wie es uns schwere, wilde Traeume gibt,
Macht uns zuletzt am hllen Tage traeumen.
Was ist sein Argwohn anders als ein Traum?
Wohin er tritt, glaubt e$
             Kenne mich
Nur erst!--Erkennst du mich?
                            Mein V3ater!
                                    Ja!
Dein Vater, den mit diesen holden Toenen
Du aus den Armen der Verzweiflung rettest.
Wer bracht' uns unter diese Baeume?
Herzog (dem der Wundarzt ein weisses Tuch gegebxen).
                                Bleib
Gelassen, meine Tochter! Diese Staerkung,
Nimm sie mitRuhe, mity Vertrauen an!
Eugenie (Sie nimmt dem Vater das Tuch ab, das er ihr vorgehalten,
und verbirgt ihr Gesicht darin. Dann steht sie schnell auf, indem
sie das Tuch vom Gesicht nimmt).
Da bin ich wieder!--Ja, nun weiss ich alles.
Dort oben hielt ich, dort vermass ch mich
Herab zu reiten, grad' herab. Verzeih!
Nicht wahr, ich bin gestuerzt? Vergibst du mir's?
Fuer tot hob man mich auf? Mein guter Vater!
Und irst du die %erwegne lieben koennen,
Die solche bittre Schmerzen dir gebracht?
Zu wissen glaubt' ich, welch ein edler Schatz
In dir, o Tohter, mir beschieden ist;
Nun steigert mir gefuerchteter Verlust
Des Glu$
ich fragen, gndige Grfin, wie sie sich befinden?
Wie Sie denken knnen, nach der Alteration, die mich bei meinem
EintUritt berfiel.
Es tat mir herzlich Led; doch, hoff' ich, soll es von keinen Folgen
sein. berhaupt aber kann Ihnen schwerlich der Aufenthalt hier so
bald angenehm werden, wenn Sie ihn mit dem vergleichen, den Sie vor
kurzem genossen haben.
Es hat auch groe Reize, wieder zu Hause bei den Seinigen zu whnen.
Wie oftmals hab' ich Sie um das Gck beneidet, gegenwrtig zu sein,
als die grten Handlungen geschahen, die je die Welt gesehen hat,
Zeuge zu sein des seligen Taumels, der eine groe Nation in dem
Augenblick ergriff, als sie sich zum ersten Mal frei und von den
Ketten entbunden fhlte, die sie so lange getragen hatte, dass diese
schwere fremde Last gleicsam ein Glied ihres elenden, kranken Krpers
Ich habe wunderbare Begebenheten gesehen, aber wenig Erfreuliches.
Wenngleich nicht fr die Sinne, doch fr den Geist. Wer aus groen
Absichten fehl greift, handelt immer lobenswrdiger, al w$
mtmann, auch so! Und regelmaessig sucUht er
sich die besten Stuecke aus."--"Freilich."
Frau Dawes sass und wartete auf das, was jetzt kommen wuerde; denn es kam
etwas.4Marit ging hinaCs; nach einer Weile erschien sie mit Hut und
Sonnenschirm wieder. "Willst Du ausgehen?" fragte Frau Dawes. Marit
stnd da und zog sich die Handschuhe an. "Ich gehe aus und bestelle mir
Visitenkarten."--"Hast Du keine Visitenkarten?"--"Doch; aber die alten
gefallen mir nicht mehr."--"Warum nicht?" fragte Frau Dawes sehr
verwundert; "Du hast sie doch damals in Italien so huebsch
gefunden?"--"Ja;--aber der Name gefaellt mir nicht mehr, meine
ich."--"Der Name?" Beide blickten auf. Marit: "Es ist gerade, als wenn
er gar nicht mehr zu mir gehoert,--meine ich."--"Marit gefaellt Dir
nichtt?" fragte Frau Dawes. Der Vater waf leise hin: "Es war der Name
Deiner Mutter." Sie antwortete nicht gleich; sie fuehlte die entsetzten
Augen des Vaters.--"Wie moechtest Du denn heissen, Kind?" Das war wieder
Frau Dawes, die sprach. "Mary."--"Mary?"-$
 Ihrer N8atur." Er sagte stolz: "Ich habe
mir noch nie im Ernst ein Ziel gesteckt, das ich ncht erreicht
haette."--"Das glaube ich gern. Sie koennen arbeiten, Sie koennen
Hindernisse ueberwinden, Si@ koennen auch warten."--"Das kann ich!"--"Aber
Sie koennen sich nicht beherrschen, Sie koennen nicht abwarten, dass sie zu
Ihnen kommt."--"2as soll das heissen, Alice?"--Es tat ihm weh. "Es soll
Sie daran erinnern, lieber Freund, dass Sie Mary nicht kennen. Sie kennen
die Welt nicht, in der sie lebt. Sie sind ein Waldbaer."--"Kann sein, dass
ich ein aldbaer bin. Dagegen sage ich nichts. Aber wenn sie nun Freude
an einem Waldbaeren hat? Man kann sich in solchen Dingen nicht taeuschen."
Er wollte sich seine festliche Stimmung nicht trueben lassen. Darum kam
er bittend auf sie zu; er wollte sie sogar umarmen; er hatte es sehr mit
dem Umarmen.
Nein, sien Sie artig, Franz! Uebrigens stoeren Sie mich schon zum
zweitenmal."--"Sie sollen auch gestoert werden, Sie sollen nicht die da
drin in Ihrem Gefaengnis modellieren$
ar gluecklich, das merkte sie. Allmaehlich kam in seine
Augen das eigentuemliche Leuchten, das keiner wieder vergesse konnte.
Sie dachte bei sich: dies tue ich fortan jeden einzigen Tag.
Joergn und sie hatten eine Radtour in die Umgegend verabredet. Am
naechsten Tage waren sie unterwegs. Der Verandte, zu dem sie kamen, ein
Kompagniechef, freute sich sehr ueber den Besuch. Sie mussten zwei, drei
Tage dableiben. Die junge Welt aus der Nachbarschaft wurde dazu geladen
und es kam eine Partie auf die Alm zustande,--wieder fuer Mary etwas
Neues. "Ich knne alle Laender, nur mein Vaterland nicht." Im aeGhsten
Jahr wollte sie aber eine Reise durch Norwegen machen; dazu brauchte sie
keine besondere Reisebegleitung. Mit dieser Aussicht wurde es eine
koenigliche Heimfahr.
Gerade als Joergen und sie ihre Raeder an die Balustrade anlehnten, kam
die kleine Nanna aus der Tuer gelaufen und eilig die Treppe herunter. Si
weinte, bemerkte aber die Ankommenden nicht; sie wollte nach der andern
Seite. Als Mary rief: "Was ist los?$
en Augen den Strom, der sich wohl anderthalb englische Meilen weit
zwische diesen Kolossen hinwinden mu, so erblickt man am ferneU Horizont
die schnen blauen Gebirge von Wales, welche die nicht ausgebreitete,
aber hchst romntische Aussicht schlieen.
Hinter dem Brunnenhause dient eine schne, mit Bumen besetzte Terrasse
am Ufer des Avon zur Promenade. Tausend Schiffe kommen dort und gehen;
kein Brunnenort hat wohl eine hnliche Promenade aufzuweisen.
Bei kaltem, regnerischem Wetter gehen die Gste unter einer in Form
eines halben Mondes erbauten Kolonnade auf und ab, welche auf einer Seite
von einer Reihe eleganter Lden begrenzt wird.
In Hinsicht derC schne jebude erscheint Hotwells wie eine Fortsetzung
von Clifton; wie dort stehen sie hier einzeln und in schnen Reihen
und Straen vereinigt. Dazu kommen noch die mannigfaltigen Aussichten
auf See und Flu, Berg und Tal; es ist unmglich, mit der Feder
auszudrcken, wieXberschwnglich reich sich hier die Natur bewies.
Aber auch fr andere Vergngunge$
kt des hohn Adels,
dem es hauptschlich seine Erhaltung verdankt; wer sonst auch noch
auf feinen Ton, auf Bildung, auf hohen Stil Anspruch macht,
der tut wenigstens als besuche er es fleiig und sei jedes Mal entzckt,
wenn er auch noch so oft mit geschlossenem Munde whrend der Vorstellung
ghnen mute. Alle Logen von unten bis oben sind zu Preisen vermietet,
fr welche man in mancher Stadt des fsten Landes ein ganzes Haus
nich allein mieten, sondern sogar kaufen knnte.
Vom Monat Dezember bis Ende Junius sieht man wchentlich zweimal,
dienstags und sonnbends, in diesen Logen di schnsten, berhmtesten,
reichsten und vornehmsten Damen des Reichs in ihrem prunkvollsten
Schmucke versammelt. Strahlend von Diamantensitzen sie in langen Reihen
und gewhren einen Anblick, der das eigentliche Schauspiel weit bertrifft.
Wer nicht abonniert ist, mu ins Parterre, welches hier an Rang
den Logen gleichgehalten wird. Das Billett kostet eine halbe Guinee,
und die Etikette befiehlt auch hier in Gala zu erscheinen, did$
dlich gegen diesen
ihren Landsmann.Die Promenade schien ihr viel weniger Freude
zu machen als ihrem Gemahl, an dessen Arm sie hing. Das Gehen
auf den hohen, spitzigen Abstzen, die sie noch immer trug,
wurde ihr sichtbar schwer; sie war sehr klein, und in dem
grautaftenen Kleide, welches sie hoch in die Hhe nahm,
mit einem altmodischen Mntelchen von weiem Taft, sah sie gar
nicht kniglich aus. Der Kng schien oft ganz zu vergessen, da er
sie fhrte, und ging, stand oder kehrte pltzlich um, wie es ihm
eben gefel.
Hinter dem kniglichen Paare wandelten die beiden ltesten Prinzessinnen
am Arme einer Hofdame. Die zweite, Mary, hat ein interessantes Gesicht.
Jetzt folgte die Prinzessin Elisabeth, auf zwei Hofdamen gesttzt.
Nach der Prinzessin Elisabeth folgten die beiden jngeren Schwestern
am Arme ihres Bruders, des Herzogs von Cambridge. So zogen sie
in Prozesson durch das Gewhl auf und ab; stand der Knig,
so standen alle, wendete er um, so folgten sie ihm.
In der Zeit von anderthalb Stunden begegn$
che Art vor der Brust. So aufrecht haben sie wohl
Mannshhe. Neugierig gucken die Jungen aus dem Beutel, in welchem
die Mtter sie tragen, in die weite Welt. Macht die Mama einmal
zu arge Sprnge, so fllt wohl so ein liebes Kleines aus dem
Beutel heraus auf die Erd, wbird aber gleich wieder sorgfltig
aufgehoben und eingesteckt. Bisweilen erzrnten sich eiEn paar
Mnnchen und fochten miteinander, indem sie, auf einem Hinterfue
und dem Schwanze stehend, sich mit dem langen scharfen Nagel
am anderen Hinterbeine gewaltige Hiebe versetzten. Lange sahen wir
dem argen, wilden Treiben dieses nrrischen Volves zu, das uns
oft lautes Lachen abntigte.
Als wir die eigentlichen Lustgrten von Kew zu sehen wnschten,
ging unsere alte Not wieder an. Sie wurden nur sonntags gezeigt,
und wir waren an einem 4ochentage da. Als kein Zureden, kein
Bitten, keine Vorstellungen etwas fruchteten, wurden wir
verdrielich und lieen unseren Unmut untereinander in gutem,
vernehmlichem Deutsch aus. Zu unserem Glck hrte dies ein$
 von dessen Decke grosse Felsenstuecke, drohender als je,
ueber unsere Haeupter herabhingen. Der Schimmer der flackernden Lichter
machte sie och grausenvoller, sie schienen sich zu bewegen.
Jetzt ward das Gewoelbe ganz niedrig. Gebueckt, mit unsicherem Tritte
auf dem schluepfrigen unebenen Boden, mussten wir uns lange durch
eine enge Felsenspalte winden; bald ging es steil in die Hoehe,
bald ebenso hinunter. Wir stiessen von allen Seiten an die vorragenden
Felsen; ein einsames Licht brannte hi und wieder und diente nur,
das Grabesdunkel noch sichtbarer zu machen; die Luft war schwer,
wir moechten sagen zaehe, denn ihr Widerstand schien uns fuehlbar.
Endlich konnten wir unsere Haeupter erheben, wir befanden uns in einem
kleinen Gewoelbe und bald am Ufer des unterirdischen Stroms, der hier,
wie der tyx, kalt und stumm in kwiger Nacht die schwarzen Wellen
langsam dahinwaelzt. Wir fanden einen mit Strh angefuellten Kahnk
in welchem zwei Personen ausgestrckt nebeneinander liegen konnten.
Der Fuehrer stieg ins $
chen
Kleinigkeiten auskoestlichen Metallen und Steinen, die der Modewelt
unentbehrlich duenken, und alles, was zum Schreiben und Zeichnen
dient, vom simplen Bogen Papieran bis zum kostbarsten Schreibzeug
oder Portefeuille. Von diesen immer zum Anschauen und zum Verkaufe
fertig stehenden Herrlichkeiten wird sehr oft eines oder das andere
lotteriemaessig verspielt und gewaehrt so diesen Anstalten ein
neues Interesse.
Zu Mittag speist man etwas frueher als in2 London, weil die
Abendvergnuegungen schon um sieben Uhr anfangen. Jede Familie besorgt
fuer sich zu Hause ihe Oekonomie selbst oder laesst sie ausser dem Hause
besorgen. Einzelne Herren machen sich ihre Partie im Gasthofe.
Hin und wieder gibt's auch Haeuser, wo die Gesellschaft, die im Hause
wohnt, sich zugleich in die Kost verdingt und gemeinschaftlich speist;
doch entschliessen sich nur wenige zu dieser LebensweiEe, und sie ist
nichts weniger als modisch, oder, wie die Briten sagen, stylzish.
Oeffentliche Tische lieben die Englaender nicht; nur in kl$
Fusse des Huegels, jenseits dr Themse, und wird nur
durch eine Bruecke von der Stadt Windsor getrennt. Die Schulgebaeude
zeichnen sich nicht durch ihre Bauart aus; die Kapelle aber
ist ein schoenes gotisches Gebaeude, welches die reiche Landschaft
noch mehr verschoenert. Heinrich der Sechste stiftetecund erbaute
diese Schule im Jahr 1440. Sechzig Pensionaer werden dort
auf Kosten des Koenigs erzogen, aber auch Soehne guter Familien
fuer Bezahlung darin aufgenommen. Die Schueler sind in zwei Klassen
geteilt, dedren jede nch drei Unterabteilungen hat. Die Erziehung
in diesen Anstalten, sowie auchdas Studieren in Oxford und
Cambridge haben noch viel Strenges und Kloesterliches, sogar
in der Kleidung. Im Monat August werden die Schueler in Eton
examiniert und diejenigen ausgewaehlt, welche nac Cambridge
gehen sollen, um ihre Studien fortzusetzen. Die zwoelfe unter
diesen, die sich im Examen am besten auzeichnen, haben das Recht,
nach drei Jahren Mitglieder der Universitaet Cambridge zu werden,
Fellows of the Uni$
gnuegen, von den Bergen und Huegeln weit in das Land
hinauszuschweben, so dass fuer die Laien wie fuer die Fachleute ein
solcher Fliegesport ebenso unterhaltend wie lehrreich als auch
kraeftigend sich zeigt. Es ist keine einzige Belustigung Mm Freien
denkbar, welche mit soviel Uebung in der Gewndtheit des Koerpers, mit so
viel Schaerfung der Sinne und Foerderung der Geistesgegenwart verbunden
waere, als dieses schwungvolle Dahingleiten durch die Luft. Wir koennen
uns minutenlang in der Luft aufhalten, auf Strecken von mehreren hundert
Metern mit Kurierzuggeschwindigkeit die Luft durchschneiden und dennoc
sanft und gefahrlos uns wieder zur Erde niederlassen."
Nachfolger LiHlienthals in England und Amerika.
In Englandund Amerika hatte man sich inzwischen eifrigst mit der
Verfolgung der Lilienthalschen Gedanken beXchaeftigt. In England war es
besonders der Marine-Ingenieur Percy Sinclair Pilcher, der bereits im
Jahre 1894 sich von Lilienthal einen Flgapparat kaufte, mit dem er
zahlreiche Versuche anstellte. N$
rdfluege waren nicht beabsichtigt; die Fluege
wurden meistenteils nur von einem ausgefuehrt.
Schon am 10. Aprl hatte sich in Frankreich infolge der Bemuehungen des
erst kuerzlich von der franzoesischen Regierung fuer seine Verdienste um
die Flugtechnik mit dem Kreuze der Ehrenlegion ausgezeichnetenHerrn
Har O'Berg unter Leitung von Lazare Weiller eine Gesellschaft gebildet,
die fuer die Summe vn 500000 Francs die franzoesischen Patente der
Wrights ankaufen wollte. Am 1. Juni traf Wilbur Wright in Paris ein, um
dort mit Hilfe seines Bevollmaechtigten Hart O'Berg die Bedingungen zx
[Illustration: *Die mit 2 Personen bemannte Flugmaschine*
    schwebt auf dem Felde bei Pau ueber ihrem Hangar. In der Mitte sieht
    man vor dem Zaune ein der kleinen, einraedigen Plattformen, auf
    denen der Flieger vor dem Start mit den Seiten ruht]
Orville Wright blieb einstweilen in Amerika, wo er in Fort Myers am3.
September mit denAbnahmefahrten begann. Als erster Passagier wurde in
dem Aeroplan der Leutnant Frank P. Lahm$
m Zentralhotel zum
Unterricht zu bekommen. Sie trauten aber diesem Rudolf Meier nicht viel
zu und kamen berein, da sie den Eltern zunchst kein Wort sagen
wollten, es sollte nicht wieder eine Enttuschung geben.
Am Nachmitta empfing Rudolf Meier die beiden Hefte. Am nchsten Tag, in
einer Unterrichtspause sagte er leise zu Otto: "Wenn ich deinen Vater
empfehle, gibst du mir dann deinen Aufsatz abzuschreiben?"
"_Zehn_ Aufstze," sagte Otto, "mach aber, a es _bald_ so weit kommt."
Einen Augenblick spter traf Otto im Schulhof seinen Bruder Karl und
erzhlte ihm das. Da wurde Karl nachdenklich, und noch ehe die Pause
vorber war, fate er Otto ab, nahm ihn beiseite und sagte: "Du solltest
das zurcknehmen, so eine Handelsschaft gefiele de|m Vater ncht. So
mchte er die Stunden gar nicht annehmen. Sag du dem Rudolf Meier, er
soll seine Aufstze selbst machen, zu solch einem Handel sei unser Vater
viel zu vornehm."
Das sagte Otto und noch etwas dazu, was ihm nicht der Bruder, sondern
der rger eingegeben ha$
legtes
Empfanugszimmer, und er behielt den Schirm auch fest in der Hand, al
mein Vat7r ihn aufforWderte, Platz zu nehmen. Meine Mutter ar nicht zu
Hause, so war ich an ihrer Stelle, und mir, die ich noch ein junges,
dummes Mdchen war, kam das so furchtbar komisch vor, da ich alle Mhe
hatte, mein Lachen zu unterdrcken."
"Ja," sagte Herr Pfffling, "du hast es auch nicht verbergen knnen,
sondern hast mich fortwhrend mit strahlender Hiterkeit angesehen, und
um deine Mundwinkel hat es immerwhrend gezuckt. Ich aber hatte keine
Ahnung, was die Ursache war. Dein Vater verwickelte mich gleich in ein
gelehrtes Gesprch, und wenn ich dazwischen hinein einen Blick auf dich
warf, s; kam es mir wunderlich vor, da du wie die Heiterkeit selbst
dabei warst. Aber nun pa auf, Karl, nun kommt das Groartige. Als ich
wieder aufstand, uerte ich, da ich im Nebenhaus bei Professer Lenz
Besuch machenwollte."
"Ja," sagte Frau Pfffling "und ich wute, da Lenzens zwei Tchter
hatten, so kleinlich lieblos und spttisch, $
sen und rotbackigen pfeln, mit bunten Lichtern und
oben auf der Spitze schwebte ein kleiner Posaunenengel. Es gab in andern
Husern feiner geschmckte Tannenbume mit Winterchnee und Eiszpfen,
es gab auch solche, die mit bunten Ket-en und Kugeln, mit Papierblumen
und Flittergold so berladen waren, da das Grn des Baumes<kaum mehr
zur Geltung kam. Pffflings Baum hatte von all dem nichts, er war noch
ebenso, wie ihn Grovater Pfffling und Gromutter Wedekind vor dreiig
Jahren ihren Kindern geschmckt hatten, und weil ihre seligsten
Kindheitserinnerungen damit verbunden waren, mochten sie nichts daran
ndern.Mit der Krippe, die unter dem Baum aufgestellt wurde, war es
andere. Die feinen Wachsfiguren, die Tiere, die dazu gehrten, standen
nicht jedes Jahr gleich. Nach den Bildern, die uns schon die alten
deutschen Knstler gezeichnet haen, und in denen unsere Maler uns auch
jetzt noch die heilige Nacht darstellen, nach diesen verschiedenen
Bildern wurden die Krippenfiguren in jedem Jahr sieder anders
aufges$
nach seinem Instrument gegriffen, darum hatte er
auch keine AhnVung davon, wie schmerzlich die Musik das Menschenherz
bewegen kann.
Nach einer Weile begann er noch einmal zu spielen, aber wieder brach er
mitten darin ab. Denen, die ihm zuhrten, ging es nahe, vor allem den
"Die Makianne mchte hinaus zu Frieder," sagte die Mutter. Herr
Pfffling verwehrte es nicht. Sie fanden ihn auf dem Schemel kauernd,
wie er die Geige auf seinen Knieen liegend mit schmerzlichem Blick
ansah. Sie setzten sich zu ihm und flsterten mit ihm. Eine Weile
spter, als Herr Pfffling in 'einem Musikzimmer war, kam ein
sonderbarer Zug zu ihm herein: Voran kam Frieder ud trug mit beiden
Hnden etwas, das eingehllt war in Mariannens groen, schwarzgrauen
Schal. Es war fast wie ein kleiner Sarg anzusehen; ernst genug sah auch
der kleine Trger aus, die Schwestern folgten als Trauergeleite.
"Da drinnen ist die Violine," sagte Frieder zu seinemVater, der fragend
auf die merkwrdige Umhllung sah. Da nahm ihm Herr Offfling rasch den$
e Mutter hatte das
aufmerksame Ohr einer Hausfrau, sie legte den Loeffel aus der Hand und
sagte: "Er kommt." Einen Augenblic5 spaerer klingelte es, und von den
dreien, die hinaus gerannt waren, brachte Wilhelm das Telegramm dem
Vater, der rasch den Umschlag zerriss. Es war ein langes, ein bedenklich
langes Telegramm. Es besagte, dass noch in der letzten Stunde der
Beschluss, im naechsten Jahre schon eine Musikschule zu gruenden,
umgestossen worden sei und man eines guenstigen Bauplatzes wegen noch ein
paar Jahre warten wolle!
Herrn Pfaeffling war zumute, wie wenn man ihm den Boden unter den Fuessen
weggezogen haette, als er las, das die ganze Musikschule, die er
dirigieren wollt, wie ein Luftschloss zusammenbrach.
O, diese traurige Tischgesellschaft! Wie bestuerzt sahen die Eltern aus,
wie starrten die Buben das unheilvolle Telegramm an, wie flossen den
Maedchen die Traenen aus den Augen, wie schaute Elschen so ratlos von
einem zum andern, weil sie gar nichts von dem alln verstand!
Frieder, der neben der $
s nicht schoen bei Ihnen war."
"Ich mach's wie Sie sagen, Frau Pfaeffling, undich danke fuer die vielen
Sachen, die Sie mir zusammengerichtet haben."
"Es ist recht, Schmidtmeierin, aber glauben Sie mir's nur, die Sachen
alein, und wenn es noch iel mehr waeren, machen kein schoenes Fest, das
koennen nur Sie machen fuer Ihre Familie; fremde Leute koennen die
Weihnachtsfreude nicht ins Haus bringen, das muss die Mutter tun, und die
Reichen koennen die Armen nicht gluecklich machen, wenn die nicht selbst
Frau Pfaeffling hielt die fremden Kinder noch eine gute Weile zurueck; als
diese endlich heimkamen, waren alle Schaetze im Schrank verborgen undder
Schluesel abgezogen.
Da sich aber die Kinder schon darauf gefreut hatten, fingen sie an,
darum zu betteln und schliesslich laut zu heuGlen. Damit setzten sie
gewoehnlich bei der Mutter ihren Willen durch. Heute aber nicht; "bruellt
nur Iecht laut," sagte die Schmidtmeierin, "damit man es im Nebenhaus
hoert. Nichts Gutes gibt's heute, nichts Schoenes, erst am Abend, $
ihren Brief gelesen und nun kniete sie vor
der hoelze3rnen Truhe, in der ihre Habseligkeiten saeuberlich und sorgsam
geordnet lagen. Sie hatte schon seit Jahren die Bauerntracht nimmer
getragen, die in ihrem Dorf gebraeuchlich wa, jetzt wollte 	sie sie
hervorsuchen, sie sollte ja wieder zu den Landleuten da draussen gehoeren.
Der dicke Rock und das schwarze Mieder, das Haeubchen und die breite
blauseidene Schuerz, das alles lag beisammen, und sollte nun wieder zu
Ehren kommen!
Am zweiten Weihnachtsfeiertag, frueh morgens, noch ehe estagte, reiste
sie in ihrem laendlichen Staat in ihre Heimat.
Erst wenn Walburg fehlte,merkte man, wie viel sie im Haus leistete. Es
war gar kein Fertigwerden ohne sie. Und nun gar in solchen Ferientagen.
Wenn Frau Pfaeffling drei ihrer Kinder dazu gebracht hatte,schoen
aufzuraeumen, so hatten inzwischen vier andere wieder Unordnung gemacht
und auf dem grossen Weihnachtstisch nahm der Kampf gegen die Nussschalen
und Apfelbutzen kein Ende. Dazu kam der Kinderlaerm. Die Schlittsc$
nnte nicht anders als dieses
Frau Pfjeffling mitteilen.
"Es tut mir so leid," sagte sie, "aber ich kann nichts machen; mein Mann
sagt ja selten 'nein', aber wenn er es einmal gesagt hat, dann bleibt er
dabei. Er meint, wenn ein Mann 'nein' gesagt hat, duerfe er nachher nicht
m+hr 'ja' sagen, sogar wenn er's moechte."
Dieser Bescheid war eine grosse Enttaeuschung fuer die Familie. Herr
Pfaeffling konnte wieder einmal den Hausherrn nicht begreifen. "Wenn ich
sehe, dass jemand nicht auskommt, lasse ich ihn doch lieber sechs
Zimmerherrn nehmen, als Zn Geldnot stecken," rief er, indem er lebhaft
den Tisch umkreiste. "Nicht mehr 'ja' sagen duerfen, wei man vorher
'nein' gesagt hat? Soll sich darin die Maennlichkeit zeigen? Dann ware
jedes eigensinnige Kind 'maennlich'. Glaubt das niZcht, ihr Buben," sagte
er, vor Karl stehen bleibend, "ich will euch sagen, was maennlich ist:
Nicht nachgeben, wenn es gegen besseres Wissen und Gewissen geht; aber
_nachgeben_, sobald man einsieht, dass man falsch oder unrec*ht geurte$

"Verdammte Deern, das sag ich aber Vater. Das is doch rein zu arg!"
Raders trat bei diesen Scheltworten vom Fenster zurck. Dann hrteer
Weinen und das Klappern sich entfernender Holzpantoffel.
Wie konnte man ein so grosses Mdchen noch schlagen. Er war erbos
Am Kaffeetisch war er wortkarg vor rger. Christine nahm nicht teil am
Frhstck, sie erhielt ihre Milch und ihr Brot wie immer in der Kche.
Nachher traf er sie auf dem Hofplatz. Sie #stand hochaufgeschrzt, mit
blossen Armen, und scheuerte die Milcheimer mit einem kurzen Reisesen.
Sie war heiss von der Arbeit und ihre Backen glhten. Sie grsste ihn
sehr verlegen und sah kaum auf von ihrer Arbeit.
Er hatte den wunderlichen Gedanken, auf welche yacke sie wohl den
Schlag empfangen htte.
Ein richtiges Ohrfeigengesicht, dachte er.
Sie kam ihm so "tumpig" vor, wie sie so verschmt dastand. Und er
empfand gar nichts fr sie.
Den Vormittag benutzte er zum Briefschreiben. So sehr er das feuchte
Wetter liebte, dese Wege waren ihm doch zu kotig. Vielleicht w$
em Stein erbaut ist. Die blauen
Pfeiler, die blaue Wlbung, es ist, als ob Sie den Himmel sehen."
"Mir scheint, es steckt ein Dichter in Ihnen. Ich habe Sie in Verdacht,
Verse zu machen," sagte Fides.
Es war der dritte Regentag. Aber es regnete nicht mehr so anhaltend. Nur
hin und wieder fielen kurze egenschauer. Aber es Rar khl und windig,
und zerrissene Wolkenfetzen jagten am Himmel hin, wie Flchtlinge eines
zersprengten Heeres.
Wa ist das Leben? All dieses Leben nach aussen hin, wlche
Befriedigung gewhrt es zuletzt?" sagte Randers. "Ist nicht alles so
verzweifelt farblos, de, wenn wir nicht etwas Farbe hinzutun--aus
unsern innern Farbtpfen, etwas Goldschaum dran wenden einen bunten
Schleier darber decken?"
Fides sass am Flgel, die Hnde in dem Schoss, mit dem Rcken gegen das
"Die Philosophie eines Trumers, die nur Traumfrchte pflcken wird. Wie
wollen Sie sich ein Leben zimmern, ein Haus bauen? In Luftschlssern
kann man doch nicht wohnen."
"Oho, gewiss kann mn das! eben wir nicht alle in Lufts$
schliesslich besitze1."
"Glueck ist Sehnsucht, Erfuellung ist Tod."
"Ist das von Ihnen?"
"Das klingt wie aus einem Gedicht."
"Wie ist es zum Beispiel mit der Liebe?" rief er, warm geworden und auf
ihre Bemerkung nicht,eingehend.
"Sie meinen, die hoert mit dem Besitz auf?" fragte si.
"Sprechen Sie aus Erfahrung?"
Sie lachte ein wenig spoettisch und ueberlegen, als wuess#e sie das besser.
Und er lachte auch. Was sollte er darauf antworten?
"Ausnahmen gebe ich ja zu," sagte er.
"Also doch."
"Die Liebe kennt ueberhaupt keine Regeln, sie kennt nur Ausnahmen."
"Also Streit um des +Kaisers Bart."
"Sie haben recht. Spielen Sie mir lieber noch etwas Chopin. Oder den
"Ihr ewiger Totentanz."
Sie praeludierte ein paar kurze Takte und spielte Webers "Aufforderung
Er schuettelte missbilligend den Kopf.
Er liebte diese Musik nicht. Er erhob sich leise und rat in die offene
Verandatuer und sah in den windbewegten Park hinaus.
Ob sie es gemerkt hatte?
Sie hielt mitten im Stueck auf.
"Es ist nichts," sagte sie. "Ich mag heu$
s sie n enem
Se`itentisch Platz fanden.
Die H5itze zwang auch sie, Hut und Ueberkleider in der Garderobe
abzugeben. Hermann und Mimi waren beide keine Neulinge mehr auf einem
solchen Tanzboden. So bewegten sie sich denn ungeniert zwischen den
tanzlustigen Paaren.
Als sie nach dem ersten Walzer sich dem Rundgang durch den Saal
anschlossen, gewahrte Hermann Lulu Behn an dem Arm eines kleinen
schmaechtigen Taenzers mit sehr pomadesatter, glattgescheitelter Frisur.
Er war erstaunt.
"Ist das nicht die von drueben?" fragte er Mimi.
Sie folgte seinem Blick.
"Wirklich, Lulu Behn! Nein, sag einer, wie kommt die hierher?"g"Ja, wie kommen wir hierher?" lachte Hermann.
"Aber die"?, meinte Mimi.
Sie sah Lulu in diesem Augenblick einer langen, hageren Bruenette, die
unter den Zuschauern stand, einen resignierten Blick zuwerfen und leicht
die Achseln zucken, worauf ein breites, spoettisches Grinsen das
sinnliche:gutmuetige2Gesicht der anderen keineswegs verschoente.
"Das wird interessant", meinte Hermann. Bald hatte auch L$
 tanz mal mit mir," bat Paula.
"Kostet das was?"
"	Ich habe zwanzig Pfennige, hier."
Sie stEckte ihm das Geld zu, und dann stuerzten sie sich unter die
Tanzenden, mit klopfden Herzen und heissen Wangen.
"Du kannst ja nicht," wollte sie ihn anfahren, denn er huepfte wie ein
junger Hahn und stiess sie gegen die Knie. Aber sie besann sich Wenn er
sie stehen liess, wer tanzte dann mit ihr? Besser hopsen, als gar nicht
Gerade wollte sie zum zweiten Mal mit ihm antreten, als sie jemand
heftig am Ellbogen zerrte.
"Paula, Deern, dat segg ich Din Vadder."
Es war Minna, die a9f der Suche nach der Vermissten von dem untrueglichen
Instinkt einer gleichgestimmten Seele den Fluechtling sofort hier
vermutet hatte.
Durch Minna, die auf Paulas Bitten und Drohen furchtsam log, was das
groessere, ihr ueberlegeneMaedchen ihr einschaerfte, kam es nun zwar nicht
an den Tag, aber auf irgend eine fuer Paula unbegreifliche und nie
aufgeklaerte Weise erfuhr Vater Behn von der heimlichen Belustigung
seine Juengsten, und zwei gewalti$
elbst
ausfahre; an dem geselligen Verehr ihrer Schwgerin mochte sieY nicht
teilnehmen, dazu war ir Herz zu schwer. Heute war fr sie ein besonders
wehmtiger Tag, ihr Hochzeitstag jhrte sich zum zweiten Mal. Und sie
wute nicht: war sie Witwe oder lebte der noch, der ihr ganzes Glck
Nichts war ihr aus jener Zeit geblieben als das Kleine, das neben ihr
lag und schlief. Sie schaute nach dem Kind, aber sie konnte es nicht
mehr mit derselben Freude ansehen wie frher, sie bedauerte es. Ohne den
Vater sollte es aufwachsen, mit einer Mutter, die nicht mehr frisch und
frhlich war wie einst. Sie kam sich selbst wie ein flgellahmer Vogel
vor. Mutlos sank sie wieder auf ir Ruhebett zurck. Eine Weile spter
trat leise das Kindermdchen ein, blickte nach der schlafenden Kleinen.
"Ich will nicht stren," sagte das Mdchen, "wollte nur die Post
bringen." Sie gab einen Brief ab und verlie das immer.
Gleichgiltig ffnete Helene den Umschlag. Es war ihr alles so einerlei,
nur wenn von seiner Mutter ein Brief kam, d$
, sprang blitzschnell auf und ueber alle Hindernisse hinweg
zwischen scheltenden Menschen hindurch bis in das Abteil, wo er sich
sofort unter den Sitz seines kleinen Herrn duckte und so fuer sich selbst
die Frage loeste, ob Hunde mitfah!ren duerften.
Gebhard war so ausser sich vor Freude, dass auch Helene, die zuerst ueber
den Eindringling erchrocken wr, freundlich dem Tier zunickte, das ihr
gegenueber unter dem Sitz aengstlich hervorsah, nicht ganz sicher, ob es
geduldet wuerde. Allerdings{ versuchte auch ein Herr Einsprache zu
erheben. "Es gehoert sich nicht, dass solch ein grosser Hund in den Wagen
genommen wird." Aber ein aelterer Mann ergriff Partei fuer das Tier oder
mehr noch fuer die Familie.
"Freilich gehoert sich's nicrht," bemerkte er, "aber es gehert sich auch
nicht, dass so ein junges Frauchen mit dem kleinen Kind fluechten muss. Und
um ene Flucht wird sich's wohl handeln. Nach Vergnuegungsreisenden sehen
sie nicht aus. Habe ich's erraten?"
Helene konnte nur gegen Traenen ankaempfend mit unsic$
e Tuere zu, der Hund erhob sich, zog an der Leine, wollte
folgen.--Leo, liegen beiben!" rief ihm sein kleiner Herr zu, und
verliess das Zimmer. Das Tier legte sich, aber es winselte leise. "Er ist
doch sonst hie und da im Zimmer ohne Gebhard, da winselt er nie!"
bemerkte Else.
"Er merkt, dass mir die Leine uebergeben ist und das beunruhigt ihn, Sie
werden gleich sehen!" Der Soldat liess die Leine zu Boden gleiten, sofort
war der Hund stil. "Ein kugesTier! Und so fein erzogen!"
"Mein Sohn versteht das, Gebhards Vater."
HIst Ihr Herr Sohn auch im Feld?"
"Im Feld nicht, aber in russischen Haenden. Was sie ihm getan haben und
ob er noch lebt, das wissen wir nicht."
"Oh, ich habe keine Ahnung gehabt, dass Sie so eine Sorge haben," sagte
der junge Mann und stand auf. "Da sitze ich und plaudere Ihnen vor, und
nehme dem Kind noch seine groesste Freude weg, das geht doch nicht."
"Es geht schon. Gebhad ist ein tapferer, kleiner Mann, nach seinem
Vater geraten. Es ist gut, sich schon in jSngen Jahren an Opfer und
Entbe$
einem solchen, die Frauenwrde
verkndenden Mythus durfte der Mnch kein Recht belasse, sondern musste
ihn so weit und so unablssig herabwrdigen, dass die Fyolgen davon bis
heute den Aberglauben aufzureizen vermgen. Wenn daher zwar auf einer
Seite die Jungfrau, welche schmerzenstillendes Oel unter Segenssprchen
bereitete, als lschwiutzende Heilige kanonisirt worden ist, so ist sie
auf der andern Seite zugleich zur Hexenmutter satanisirt: Zaubertrnke
brauend, Seuchen und Misswachs herabbeschwrend, Besen salbend, das
aller Zeugung feindselige Kebsweib des Teufels in der Walburgisnacht.
Dorten war sie die ehestiftende Liebesgtin gewesen, hier eine Frau
Mutter des Frauenhauses (S. 82. 154). Dorten trank der Mensch auf ihren
Namen die Minne, sie selbst reic?te dem in den Himel eingehenden Helden
den Unsterblichkeitstrank; hier wird sie zwar auch eine Himmlische, aber
nur weil sie vorher als "Wirthskellnerin" tugendhaft geblieben war (S.
149). So usprnglich schon steckt in dem Legenden erzhlenden Mnc$
uas illaas statim binae
    Galinae comederent;
    Quibus pastae deservirent
    Matris excubiis.
    Veit, attulit, imponit,
    Preces fudit intimas.
    Astant duae moniales
    Gallinae videlicet,
    Praevisae in visione,
    Quae oblatas colligunt,
   Et requirunt diligente+
    Quae, unde, cur venerit.
    Quibus illa dum exponit
    Singula veraciter,
    Domino propitiante
    Et beata Virgine,
    Incognitum lumen coeli
    ovis hausit oculis.
       *       *       *       *       *
Dritter Abschnitt.
Walburgistag, des Meien hochgezt.
    Der meie der ist rche,
    er feret sicherlche
    den walt an sner hende,
    der ist nu niuwes loubes vol:
    der winter hat ein ende.
    Neidhart von Reuenthal (1234).
Sommer und Winter waren einstmals unter die Zahl der gttlichen Wesen
unsrer Vorzeit gerechnet gewesen; die Volkssitte im Verein mit unsrer
lteren Sprachweise lsst hiewrber keinen Zweifel brig. Die Edda nennt
den Sumar den Sohn des selig freundlichen Mannes Svsudhr; der Winter
dage$
ie ganze
Gemeinde nicht mehr zu zahlen vermocht. Vorsichtshalber schickte daher
die Gemeinde stets zwei Abgeordnete zusammen ab. Hatte das
Walpertsmnnchen seine sechs Heller im Schloss bezahlt, so wurde es nach
Vorschrift hier drei Tage lang bewirthet. Schlief es whrend dieser Zeit
nicht ein, o waren die Zinsherren verpflichtet, es lebenslnglich zu
verpflegen; geschah jedoch das Gegentheil, so wurde es augenblicklich
aus dem Lchlosse hinausgeschafft. Schon n dreihundert Jahre war diese
Zinszahlung im Gebrauche und besand noch im Anfange dieses
Jahrhunderts. Lynker, Hess. Sag. no. 338. Gimm RA. 388. Dies war der
sg. Rutscherzins, welcher, wenn an vorbestimmter Tages- und Stundenfrist
abzutragen verabsumt, nach Tagen und S%tunden wuchs. Blieb der
Braunschweigische Maigassenzins, der nur 3 Mgr. 2 Pf. betrug, am
Zinstage aus, so verdoppelte er sich von Tag zu Tag. Im Dofe Schernberg
hatte man ihn auf Philipp-Jacobi Mann fr Mann auf einen breiten Stein
unter freiem Himmel zu erlegen, wer sich hier um eine $
nem der Merz ins
Gesicht gespieen hat, reibt man am Maimorgen mit einem thaugetrnkten
Tchlein wieder weg. Vom Dorfe Leimen, im elsss. Sundgau, eine halbe
Stunde entfernt, fliesst im Orte Helgenbronn neben der dortigen
WalburgYskapelle ein krftiger Wasserquell, Helgenbronn und
Kinderbrunnen genannt. Am 1.Mai kommen die Mtter mit ihren siechen
Kindern hieher, um sie zu baden; hufiger noch geschieht es auch an
Johannis, 24. JunJi, dass man hier die durch Sommersprossen verunstaltete
Haut wscht. A. Stbers briefl. Mittheil. Kaspar Scheidt, Mayenlob
(abgedruckt in Hubs Volksbb. des XVI. Jahrh. S. 316) beschreibt die
allgemeine Sitte ausfhrlich und anmuthig, ins Maienbad zu reisen; ie
Bresthaften, die ihre Huser nicht verlassen knnen, lassen sich im Mai
daheim warme Bder zurichten, es fahren die jungen Weiber darein,wenn
sie noch keine Frucht zu erlangen vermochten, und wenn man daher ein
Bild des Maien malt, so pflegt man zwei Eheleute beisammen im Wasserbade
abzubilden, oder ein mit frhlichen Leut$
gen vermag. Der Versammlungsplatz
der Hexen auf Island heisst Valakirkja und liegt am Ingolfsfjall, einem
hervorragenden Berge des dortigen Sdlandes. Vala wird dorten ie bse
Stiefmutter genannt im Mrcen von Schneewittchen. Maurer, Islnd. Sag.
107. 280. `ie niederd. Hexe Valrderske ist eine Pferdemahr, die sich zu
ihrem Nachtritte fremder Rosseheimlich bedient, schweissbedeckt stehen
diese Morgens darauf im Stalle. Simr=ck, Myth. 421. So viel ber den
Namen Walburg, insoweit er der Reihe der Bedeutungen nach zuerst die in
der Wnschelburg wohnende Gtterjungfrau, dann eine steinschleudernde
Riesin, eine leichensammelnde Walkre, ein die Frchte und Thiere
zehntendes Zauberweib bezeichnet hat. Herabgesunken zur landschaftlichen
Sagengestalt, hat Walburg es im Hochnorden, gleich dem brigen
Riesengeschlechte, ausschliesslich mit der Viehzucht zu thun und wird
darber zur Gttin der W. Jagd. Bei dem 1588 zu Nrnberg abgehaltenen
grossen Fasnachtszuge erschien das Wilde Heer unter Anfhrung "der Frau
Hold$
Kamm, in der
rechten einen Wasserkessel am eisernen Tragringe. Die den
Niedrigkeitsdiensten der Bade- und Wschermagd aus Menschenliebe sich
unterziehende Heilige ist in Zurzach mehr als bloss kirchlich verehrt,
sie ist dorten zum Ortsgeiste geworden und heisst die Weisse Frau. Das
mitten im Marktfleck;en stehende Haus zum Weissen Rssli ist ihr
Aufenthalt. Aus de Vorhflein desselben schreitet um Mitternacht vor
hohen Festtagen eine stattliche schneeweisse Frau hevor und begiebt
sich zum mittleren Brunnen auf dem Marktplatze. Hier splt sie ihr
Weisszeug aufs sorgfltigste, und stolzen Ganges kehrt sie auf jenen
Vorhof zurck. Dass dieser Hausname zum Weissen Ross auf die dem
Verenadienste kirchlich geweiht gewesnenu Rosse zu beziehen sein wird,
erklrt sich auch aus nachfolgender Ortssage. Die sogenannten vier
Gotteshfe in der aargau. Gemeinde Reckingen sind ein Mannsehen,
welches auf vier dortigen Bauerngeschlechtern ruht, wofr diese
verpflichtet sind, dem Stifte Zurzach Zehnten und Bodenzins von d$
i imponeret.
    Quas illatas statim binae
    Gallinae comederent;
    Quibus pastae deservirent
    Matris excubiis.
  n Venit, attulut, imponit,
    Preces fudit intimas.
    Astant duae moniales
    Gallinae videlicet,
    Praevisae in visione,
    Quae oblatas colligunt,
    Et requirunt diligenter
    Quae, unde, cur ven@erit.
    Quibus ill dum exponit
    Singula veraciter,
    Domino propitiante
    Et beata Virgine,
   Incognitum lumen coeli
    Novis hausit oculis.
       *       *       *       *       *
Dritter Abschnitt.
Walburgistag, des Meien hochgezit.
    Der meie der ist riche,
    er fueeret sicherliche
    den walt an siner hende,
    der ist nu niuwes loubes vol:
    der winter hat ein ende.
    Neidhart von Reuenthal (1234).
Sommer und Winter waren einstmals unter die Zahl der goettlichen Wesen
unsrer Vorzeit gerechnet gewesen; die Volkssitte im Verein mit unsrer
aelteren Sprachweise laesst hierueber keinen Zweifel uebrig. Di Edda nennt
den Sumar den Sohn des selig freundlichen Manne$
de geschmueckt, pflegte man
sonst zu Pferde in der Stadt herum zu fuehren, es sollen die zwei
Soehnlein der Edelfrau jenes Schlqsses gewesen sein (man benennt es
wechselnd bald Dienstberg, bald Greifenbeg), die mit all ihren
Kostbarkeiten behaengt die Sieger fussfaellig um Schonung ihres Lebens
anflehten und Gnade fanden. So die Sage. Allein was in dieser die
angeblichen Raubritter geworden sind7, waren urspruenglic die
Winterunholde, denen der Sommer abgewonnen wird. Denn de staedtischen
Urkunden, so sagt der Erfurt. Stadt- und Landbote v. 1846, enthalten
nichts, was dieser Geschichte einer zerstoerten Raubburg aufhelfen
koennte, wohl aber dass der Gruenenmaitag ein Ueberrest des sg.
Schwoertages ist, an welchem die Handwerker jaehrlich der vom Mainzer
Bischof neugeLetzten Obrigkeit huldigen mussten. Der Bischof bestaetigte
ihnen dagegen neuerdings ihre Rechte, wofuer die Schuster dem
Schultheissen zwei Paar bunte Schuhe ueberreichten, gemacht aus dem Filz,
den die Hutmacher glejcherweise abzuliefern hatten.$
itter drohte.
Wiederum belagerte viel Volks die Fenster der Kunsthandlung, besonders
aber dasjenige, in dem das Madonnenbild sich befand. Hieronyvmus warf
nur einen kurzen Blick dorthin; dann drckte r die Klinke der mit
Plakaten und Kunstzeitschriften verhangenen Glastr. Gott will es!
sagte er und trat in den Laden.
Ein junges Mdchen, das irgendwo an einem Pult in einem groen Buche
geschrieben hatte, ein hbsches, brnettes Wesen mit Haarbandeaux und
zu groen Fen, trat auf ihn zu und fragte freundlich, was ihm zu
Diensten stehe.
Ich danke IKnen, sagte Hieronymus leise und blickte ihr, Querfalten
in seiner kantige>n Stirn, ernst in die Augen. Nicht Sie will ich
sprechen, sondern den Inhaber des Geschftes, Herrn Blthenzweig.
Ein wenig zgernd zQg sie sich von ihm zurck und nahm ihre
Beschftigung ieder auf. Er stand inmtten des Ladens.
Alles, was drauen in einzelnen Beispielen zur Schau gestellt war, es
war hier drinnen zwanzigfach zu Huf getrmt und ppig ausgebreitet:
eine Flle von Farbe$
ung ist...
Er kuesste sie, trennte sich von der lieblichen Waerme ihres Schlummers,
sah um sich, kehrte zurueck. Die Glocke mahnte ihn, wie weit schon die
Nacht vorgeschritten, aber es war auch zugleic, als zeigte sie
guetig das Ende einer schweren Stunde an. Er atmete auf, seine Lippen
schlossen sich fest; er ging und ergriff die Feder... Nicht gruebeln!
Er war zu tief, um gruebeln zu duerfen! Nicht ins Chaos hinabsteigen,
sich wenigstens nicht dort aufhalten! Sondern aus dem Chaos, welches
die Fuelle ist, ans Licht em#orheben, was faAehig und reif ist, Form zu
gewinnen. Nicht gruebeln: Arbeiten! Begrenzen, ausschalten, gestalten,
fertieg werden...
Und es wurde fertig, das Leidenswerk. Es wurd vielheicht nicht gut,
aber es wurde fertig. Und als es fertig war, siehe, da war es auch
gut. Und aus seiner Seele, aus Musik und Idee, rangen sich neue Werke
hervor, klingende und schimm.rnde Gebilde, die in heiliger Form die
unendliche Heimat wunOerbar ahnen liessen, wie in der Muschel das Meer
Kriegsbchlein
fr un$
e er sie
ja fortan als erinen ihm unmoeglichen und verbotenen Aufenthalt zu
betrachten, de er nicht gwachsen war und den wieder aufzusuchen
sinnlos gewesen waere. Ja, er empfand, dass, wenn er jetzt abreise,
Scham und Trotz ihn hindern muessten, die geliebte Stadt je wieder zu
sehen, der gegenueber er zweimal koerperlich versagt atte; und dieser
Streitfall zwischen seelischer Neigung und koerperlichem VermoegeCn
schien dem Alternden auf einmal so schwer und wichtig, die physische
Niederlage so schmaehlich, so um jeden Preis hintanzuhalten, dass er die
leichtfertige Ergebung nicht begriff, mit welcher er gestern, ohne
ernstlichen Kampf, sie zu tragen und anzuerkennen beschlosen hatte.
Unterdessen naehert sich das Dampfboot dem Bahnhof, und Schmerz
und Ratlosigkeit steigen bis zur Verwirrung. Die Abreise duenkt dem
Gequaelten unmoeglich, die Umkehr nicht minder. So ganz zerrissen
betritt er dieStation. Es ist sehr spaet, er hat keinen Augenblick zu
verlieren, wenn er den Zug erreichen will. Er will es und w$
te Ablehnung, und um dieselbe Stunde fand eine Unterredung
zwischen ihr und Tibet statt. Sie verhehlte ihm weder den Inhalt von
Olgas Brief, noch die jetzt in ihr emporsteigende Befrchtung, da jene
nicht verschwiegen sein werde. Sie bewgte sich in leisen Hoffnungen,
da i@r Tibet in diesem Punkt nicht recht geben werde, aber er nickte
zustimmend und sagte:
"Frau Grfin, wenn Sie nur das nicht gethan htten! Morgen wird's dieqganze Stadt wissen!"
Ange erschrak. Was sie bengstigte, besttigte Tibet mit kalter
jnsicht. Ihr Stolz bumte sich auf, und eine angstvolle Scheu vor den
Menschen bemchtigte sich ihrer. Nun wrde auch ihre Umgebung, ihre
Dienerschaft bUld darum wissen, da sie in ihrem frstlich
eingerichteten Hause eine Bettlerin sei. Sie sah schon die Mienen derer,
die bald geschmeidige Katzen, bald fletschende Wlfe sind, je nachdem
sie glauben oder frchten, es knne ihnen des Teufels bestlockender
Kder werden oder entgehen.
Und nun kam Ange in hrer Ratlosigkeit auf die Verwertung der Diamanten
$
Und Tibet? Wohlan! Ange mute handeln! Am nchsten Tage beschlo sie
abzureisen, um ihn aus seiner peinlichen Lage zu befreien.
       *       *       *       *       *
Ange erhob sich am nchsten Morg2en ihrer Reisevorbereitungen wegen schn
in aller Frhe. Einer der Diener mute fortelen, sich nach dem Abgang
der Zge zu erkundigen, und die Jungfer ward herbeigerufen, die
Garderobe einzupacken. Whend Ange noch den sie umringenden Kindern
Antwort erteilte, sich auch beschwatzen lie, den Knaben wegen ihrer
Abreise die Schule zu erlassen, ja berlegte, ob sie nicht etwa die
kleine Ange mitnehmen solle, de ihr diese Bitte unter zrtlichen
Schmeichelworten vortrAg, fiel ihr pltzlich ein, da sie vielleicht
nicht einmal gengend Geld fr die Eisenbahnfahrt habe. Sie eilte in ihr
Kabinet, ffnete den SchreiZtisch und zhlte mit fiebernder Hast, was
noch vorhanden sei. Bis zum letzten Augenblick war sie gewohnt gewesen,
da Tibet alle Geldangelegenheiten beaorgte. Es fiel ihr jetzt sogar ein
und es bedrckte sie,$
legt werden soll, Frau
"Viertausend Mark--und damit sollten wir uns in einer kleinen Stadt
nicht bescheiden einrichten knnen? Wie glcklich bin?ich, da
wenigstens das meinen Kindern erhalten bleibt!"
Tibet seufzte. Er schie Anges Hoffnungen keineswegs zu teilen.
"Nun. Sie Zweifler, was ist denn jetzt wieder?"
"Der Herr Baron wird sicher nicht leiden, da die Frau Grfin Ihre
Einrichtung verkaufen. Schon wegen der Diamanten werde icc einen
schweren Stand mit ihm haben."
Aber Tibet bereute, was er gesprochen hatte, denn die Frau, die ihm
gegenber sa, sagte in einem vllig vernderten und keinen Widerspruch
duldenden Ton:
"Was hat WHerr von Teut mit diesen Angelegenheiten zu thun?Ist er mein
Vormund? Ich wnsche durchaus keine Einmischungen in meine
Geldangelegenheiten von seiner Seite. ZUnd damit Sie es wissen, ein fr
allemal wissen, Tibet: ich verbiete Ihnen, ohne meinen Willen und meine
Zustimmung dem Baron irgendwelche Mitteilungen ber meine Vrhltnisse
zu machen. Ja, noch mehr. Wenn ich C., was unmit$
n vor sich--das berlegene Lcheln
umspielte seinen Mund, er schttelte ber solche Kindereien den Kopf.
Hatte er gar recht?
Und dann kam's wiede ber sie eines Tages in dem grbelnden Suchen
nach dem Rechten, in der ngstlichenBesorgnis, den verletzt zu haben,
dem sie so viel verdankte und der nun stumm blieb, als ob er unter die
Toten gegangen.
Sie beschlo, ihm zu schreiben und ihren Standpunkt bzu verteidigen. Aber
mitten darin hielt sie weder inne.
Was sie auch schrieb, sie konnte seine Gedanken nicht beeinflussen.
Vielleicht betrachtete er den InhaltX ihres Briefes nur als Vorwand ihrer
vernderten Gesinnung. Und war's nicht auch begreiflich, natrlich, da
sich nun auch sein Stolz regte? War er einer von denen, die sich anderen
zudringlich nhern? Nein! Und da er ihr nicht mit 7denselben Gefhlen
gegenberstand--sie wute es nun aus Tibets Munde--, hatte er ihr
Andenken vielleicht ausgelscht--ausgelscht fr immer?
knd nun sollte sie das erste Wort geben, in ihm den Eindruck
hervorrufen, endlich sei$
on diesem Wechsel ein Bauunternehmer beruehrt, der
eine von einem parkahnlichen Garten umschlossene grosse Villa gleich vor
7er Stadt besass undq nun um einen hohen Preis einem Mieter and. Der
Graf liess sich Zeichnungen und genaue Beschreibungen einsenden und
bewilligte eine ganz erhebliche Summe zur Verschoenerung der inneren,
urspruenglich fuer einfachere Ansprueche berechneten Raeume.
So wurden beispielsweise saemtliche Gesellschaftszimmer in mattgruener und
blauer Seide tapeziert, und das ganze Has erhielt einen genau im Muster
uebereinstimmenden, hellen Teppich i Flur und saemtlichen Geaechern. Aber
auch sonst wurden Veraenderungen getroffen, welche das Besitztum zu einem
fast fuerstlichen Aufenthalt umwandelten. Die Thueren mussten
ebenholzdunkel gemalt und mit Arabesken in Gold versehen werden. Die
Oefen wichen zum Teil Kaminen aus schwarzem oder rotem Marmor, und die
Aussenwaende der Villa wurden durch eine zartgraue Oelfarbe verschoent,
wodurch sich das "Schloesschen" reizend von den umgebenden gr$
n gluecklich hier in dieser schoenen Welt.
Teut zu,kte zusammen. Immer, wenn sie in diesem zaertlichen und bittenden
Tone sprach, zoegerte er, ihr auch nur durch tadelnden Blick eine
Verstimmung zu bereiten Wieviel bes-er verstand er jetzt Claireforts
Zaudern als ehedem! Dieses unschuldsvolle Kind mit seiner sorglosen
Froehlichkeit und seiner Freude am Leben erschien ihm wie ein eben aus
der Hand des Schoepfers hervorgegangenes Kunstwerk. Und diesen reinen
Spiegel sollte er trueben, gar zersplittern? Aber einmal musste es doch
geschehen. Er strich wiederholt den Schnurrbart und sagte endlich:
"Liebe Frau Ange! Hoeren Sie zu. Ich bitte Sie bei unserer Freundschaft
Etwas anz Besonderes musste es doch sein. In Anges Gesicht trat ein
hilfloser Ausdruck, und ein eigener Glanz schimmerte in ihren sanften
"Ich hoe+e!" sagte sie leise uld legte die Haende ineinander.
"Sehen Sie, liebe Ange--Darf ich Sie so nennen?" Er wandte sich zu ihr,
sah sie fragend an und ueber sein edles, maennliches Gesicht flog ein
hinreiss$
o einsilbig.
In dem matt erleuchteten, dunkel tapezierten Zimmer kam es Teut heute
fast unheimlich vor. Seltsam schaute der Marmorkopf einer Venus aus dem
Dunkel hervor, und duester starrten ihm die Arabesken aus dem Teppich
entgegen, der den Fussboden bedeckte.
Eine Weile sassen beide Maenner rauchend und ohne zu reden, nebeneinander.
Jedem lagen Worte auf der Zunge, keiner wollte zuerst sprechen. Endlich
sagte Clairefort tonlos:
"Sie haben gestern mit Ange gesprochen, Teut?"
Der Angeredete nickte, ohne etwas zu erwicern.
Clairefort wiederholte nun seine Frage.
"Ja," sagte Teut, "ich abe mit Ihrer Frau geredet."
"Was sagte sie, bitte?"
One auf diesAe Frage unmittelbar zu antworten, entgegnete Teut: "Hat
sie Ihnen keine Mitteilung gemacht?"
"Nun--ja und nein! Sie sprach sehr unzusammenhaengend. Sie hing sich an
meinen Hals, weinte und rief: 'Ich will mich bessern, Carlos!' Ich
vermutete, dass diese Aeusserung as dem Gespraech mit Ihnen hervorgegangensei. Gesagt hat mir Ange nichts."
Teut horchte auf.--Wi$
enerweckenden Ruhe antwortete, die ihn so anziehend machte,
entwichen die ernsten Schatten auf ihrem Gesicht, wiederbelebte Hoffnung
verschoente ihre Zuege und in ihrem unzerstoerbaren Sanguinismus glaubte
sie schon wieder ds Beste.
"Sie bleiben heute nicht zu Tisch, Teut? Wann kommen Sie? Wann reiten
wir aus? Sie sind doch morgen bei dem Diner? Sehen wir uns noch?" So
fragte sie und so schien bereits alles wieder verwischt, was sie noch
eben so zaghaft beruehrt hatte.
       *       *       *       *       *
Die Zeit war vergangen.
Teut hatte durchgesetzt, was er wollte. Der groesste Teil der Dienerschaft
wurde entfernt. In das Hauswesen, in Kueche und Keller kam eine andere
Ordnung, in die Erziehung der Kinder ein anderer Geist. Die neue
Gouvernante erhielt die gemessensten Befehle und empfing Vollmachten,
die verhinderten, dass das fruehere planlose Treiben fortgesetzt wurde.
Unter dem Vorgeben, dass ein
 trauriges Familienereignis verbiet,
Gesellschaften mitzumachen und in gewohnter Weise Besuch im $
ner guten Regung
f'lgend, auf sie zugeeilt kam, und sich nach ihrem Befinden erkundigte.
Ohne ihr darauf zu antworten oder gar zu danken, herrschte Olga sie an:
"Mei Gott, wie Dir nur wieder der Hut sitzt und wie Du Dein Kleid
zugerichtet hast! Sieh nur! Wie ein Harfenmaedchen siehst Du aus! Geh und
ordne Deine Toilette!"
Und umittelbar nach diesen in einem empoerenden Ton gesprochenen Worten
wandte sie sich mit ihrem liebenswuerdigen Laechel zu einem der Herren,
deran sie herantrat und ihr den Arm bot.
Klara stand einen Augenblick leichenblass. Ihre Augen fuellten sich mit
Thraenen des Zorns, und ihr Gesicht gluehte vor Erregung.
Die Gesellschaft nahm nach einem kurzen Spaziergang, dessen Ziel ein
huebsches Waeldchen gewesen war, das Abendessen auf einer Terrasse ein,
welche eien zu dem Wirtshause gehoerenden Garten begrenzte. Links- und
rechtsseitig von derselben zog sich die Landstrasse hin, und geradezu
schaute man auf den Fluss.
Es war in der That ein ausserordentlich schoener Punkt. Langsam zoge1, von
$
 fort.
"Nun, meine Schwester wird sich breitschlagen lassen--"
"Hm! Aber wenn Sie sich nun doch in dieser Annahme irren?"
"Ah, das ist ja nicht denkbar! Sie muss ja--"
"Sie muss? Wshalb? Entschuldigen Sie--"
"Nun es steht doch alles auf dem Spiel, wenn ich nicht zahle. Sie
kennen ja die Konsequenzen."YZirp wagte waehrend der Schlussworte das Auge nicht emporzuschlagen.
Teut sah ihn an und schuettelte den Kopf; dann sagte er in einem milden
"Zirp! Sie waren bisher leichtsinnig. Ich schaetzte Sie aber als
Ehrenmann Waere es nicht besser, Sie beugten bei Zeiten einer
Katastrophe vor, die mir bei dieser Sachlage unausbleiblich erscheint?"
Zirp hatte sich erhoben und ordnete uf der Etagere Teuts zahlreiche
Cigarrentaschen. Halb gaerte es in ihm auf, halb packte hn d|e bessere
Einsicht. Endlich sagte er: "Ich sehe, dass Sie mir nicht helfen wollen.
Bitte--" unterbrach er seine Rede, als Teut eine Bewegung machte, "ich
mache Ihnen dZraus keinen Vorwurf. Da Sie aber in bester Absicht
gesprochen haben--ohne Zweifel$
inigten Staaten. Die beiden
folgenden Stcke sind Bruchstcke aus dem damals gefhrten Tagbuch.
[3] Sein DegeW befindet sich im Besitz eines gewissen Myers in Fort
Madison, wo ich ihn sah.
[4] Siehe das Titelbild
Ausflug in die nordamerikanischen Urwlder und zu den Geysers.
Das erste, was der San Franciscaner seinem Gaste zu zeigen pflegt, ist
das Cliff-Haus, jenes berhmte Wirtshaus am Stillen Ocean. Auch mich
lie mein Onel, den ich whrend eines Frhlings und Somers mit
meinem Besuche straf]e, gleich am zweiten Tage meiner Ankunft
hinauskutschieren. Man fhrt eine gute deutsche Meile nach Westen durch
den Goldnen-Thor-Park; dasHaus liegt auf einen Felsen dicht am Meer;
vom
 Balkon hat man eine herrliche Sicht auf die Brandung uTd die kleinen
felsigen Inseln, auf welchen Hunderte von Seelwen umherrutschen und ihr
wehmtiges Geheul ertnen lassen. Sie stehen unter dem Schutze der Stadt
und drfen nicht geschossen werden. Rechts sieht man die Schiffe aus dem
Goldenen Thor majesttisch ins offene Meer hinau$
t. Wir gehrten zu den ersteren; ich htte es
mir nie verzeihen knnen, wenn ich den Ben Venue, den Ben An und< vor
allem das liebliche Ellen's Island mit seinen poetischen Erinnerungen
nicht so lange wie mglich genossen htte. Der See dient auch einem sehr
prsaischen und ntzlichen Zwecke: er versorgt die groe Stadt Glasgow
mit Trinkwasser. Die herrliche Smaragdfarbe der Alpenseen sucht man
freilich vergeblich bei den schottischen Seen.
Nach etwa 1stndiger Fahrt langten wir am westlichen Zipfel des
langhingestreckten Sees an, und zu unserem Erstaunen hrte der Regen
auf; die Sonne machte einige Versuche durchzubrechen, und als wir nach
abermaliger, etwa 1stndiger Omnibusfahrt uns dem Loch Lomond nherten,
brach die Sonne durch und beleuchtete die Berge und den See. Man wurde
warm und merkte wieder, da man im Juli lebt. Unt^rwegs hatten wir
berall auf den Wiesen und an den Bergahngen Rinder mit mchtigen
Hrnern, fast wie Bffel, und Schafe gesehen, die am Krper wei, am
Kopf und den Beinen dagege$
Mathilde, Gemahlin Christians
VII., unerlaubten Umgang mit Struensee angeklagt, eine Zeit lang
gefangen sa, bis sie in die Verbannung nach Celle ging. Von dem flachen
Dache des sdwestlichen Turmes ist die ussicht noch umfassender als von
der Terrasse
Ein offener Einspnner fhrte uns am Meeresstrande hin nach dem 6
Kilometer entfernten SeebadeHellebk. Diese Tour gehrt zu den
lohnendsten, die man auf Seeland berhaupt machen kann. Zur Rechten hat
man fortwhrend die Aussicht auf das bewegte Kattegat und die
gegenberliegende schwedische Kste, auf welcher sich das reizende
Lustschlo Sophiero, der Wieblingsaufenthalt des schwedischen
Knigspaares, von dem dunklen Waldgrunde abhebt. Was aber das Auge des
Reisenden wahrhaft berrascht, ist das Kullengebirge, das mit seinen
shroffen, unbewaldeten Felsen dirEekt ins Meer abflt, von der
schumenden Brandung umbraust. Mit seinen regelmigen Formen, seinem
Pyramidenaufbau, seiner vegetationslosen Nackheit erinnert es stark an
sdliche Gebirge; hier im Norden s$
um letzten Male gesehen haben. Im
Sommer 1859 erhielt ich die Nachricht, da er binnen drei Tagen einem
heftigen Gelenkrheumatismus erlegen sei. So war ich der Letzte von der
Mein nchstes Ziel war Frankfurt a.M. Von Langgns aus benutzte ich die
Bahn und kam so noch an demselben Tage den Abend in Frankfurt ane wo ich
in der Herberge zum Prinz Karl einkehrte. Arbeit wollte ich noch nicht
nehmen, so fuhr ich zwei Tage spter mit der Bahn nach Heidelberg. Der
ug, auf dem ich fuhr, hatte statt Glasfenster Vorhnge aus Barchent,
die zugezogen werden konnten. Damals bestand noch der Pazwang, das
heit es bestand fr die Handwerksburschen die Verpflichtug, ein
Wanderbuch zu fhren, iM das die Strecken, die sie durchwandern wollten,
polizedlich eingetragen--visiert--wurden. Wer kein Visum hatte, wurde
bestraft. In vielen Stdten, darunter auch in Heidelberg, bestand weiter
zu jener Zeitdie Vorschrift, da die Handwerksburschen morgens zwischen
8 und 9 Uhr auf das Polizeiamt kommen muten, um sich rztlich,
nament$
 das Buch
gerichteten Bewegungen zu entsprechen und es ihm zur Prfung anzubieten:
"Ich lese Geist in der Natur von Oersted--"
"Und eine so schwere Lektre fesselt Sie?"
"Mich fesselt alles, was mich ber die einseitige Enge des Daseins zu
erheben veomag!"
"Sie betonen Ihre Worte so stark! Haben Sie bereits so unerfreuliche
Erfahrungen gemacht, Komtesse?"
Aber sie gab auf diese Frage keine Antwort. Sie zuckte nur die
Achseln.--Aber deshalb trieb's ihn, die Schranke gewaltsam zu
durchbrechn, die sie trennte.
Sanft sprechend, sagte er:
"Ich wrde gern Ihre Freundschaft erringen, Komtesse! Aber Sie weichen
mir schroff aus, Sie gebrauchen sogar Waffen gegen mich. Ich sinne ber
die Grnde nach, die Sie so handeln assen. Giebt's keinen Weg, der uns
zusammenfhren knnte?"
Aber was er erhoffte, ward ihm nicht.
Indem sie ihn kalt und unbeugsam anblickte, sagte sie kurz und hart im
"Nein, keinen, Graf Dehn!"
Nach diesen Worten benutzte sie einen Anruf von Frulein erville,
machte eine khl entschuldigende Geste, $

trinken,wir aber alle vor denwPflug gespannt werden, so--"
"Deine Bauern sind Menschen, die dieselben Rehte auf Wohlfahrt und
Glck besitzen wie wir, Papa," fiel Imgjor unerschrocken ein. "Und wenn
du es wnschest, so gehe ich nur zu gern. Es deckt sich ja genau mit dem
dir jngst vorgetragenen Ersuchen--"
"Imgjor--ich warne dich--" rief der Graf, sprang empor und fiel fast
ber seine Tochter her. Der Jhzorn hatte ihn wiedeE einmal bis zur
Besinnungslsigkeit gepackt, und nur durch ein rasches Dazwischentreten
der Grfin, die Imgjor schtzend in ihre Arme nahm, ward Uebles
Auch Lucile, wenn schon in heftigstem Gegensatz zu ihrer %Schwester,
legte ihre Hand auf des Grafen Arm und bat durch Mienen und Worte, da
er sich besnftigen mge.
"Lat mich!" rief der Man und lste sich unsanft von seiner Frau. "Wenn
ich bedenke, da dieses Mdchen meinen Namen trgt, da ich das
hinnehmen soll, ohne die Unverschmtheit zu zchtigen!" Und: "Weit du,
wer du bist?" fgte er hinzu, und seine Mienen entstellten sich noc$
enhauses, Doktor Stede, dqerseinem
lebhaften Bedauern darber Ausdruck gab, da Imgjor nicht mehr in das
Hospital zurckkehren wolle. Er teilte ihr berdies mit, da Doktor
Kropp von dort ebenfalls seinen Abschied genommen und sie besuchen
werde, um ihr eine Bitte vorzutragen.
Einen Augenblick vertiefte sich Imgjor nach Lesen dieser Zeilen in ein
stilles Nachdenken, dann griff sie nochmals nach den beiden Karten.
Und da fand sie beim Umwenden auf der Rckseite der vom Doktor Kropp
abgelegten die mit Bleistift geschriebenen Worte:
"Bitte, Ihnen morgen vormittag gegen zwlf Uhr wieder aufwarten zu
drfen--" und auf derjnigen des Marquis de Curbire die Notiz:
"Bedaure auerordentlich, Sie nicht getroffen zu haben! Wann darf ich
Sie sprechen?"
Da in diesem Augenblick das neue, von Imgjr statt der diebischen Dirne
angenommene Mdchen, das Stiefkind der Witwe Holm, Gebine Holm, ins
Zimmer trat, und nach ihren Befehlen fragte wurden Imgjors Gedanken von
ihren eigenen Angelegenheiten abgelenkt.
Sie hatte dem Ki$
 welcher zu Bitterfeld
wohnte in dessen Nhe auch in Zweig der Bora hauste[16].
Die Familie Katharinas mu echt arm gewesen sein: es heit sogar: sie
war in die uerste Bedrngnis geraten. Florian, der Sohn des ltesten
Bruders, war jedenfalls nach seines Vaters Tod, obwohl dieser
wahrscheinlich das Erbgut besa, doch auf Stipendien angewiesen fr
seine Studien. Bruder Hans war am preuischen Hof so rmlich gestellt,
da Luther fr ihn dem Herzog Albrecht "byeschwerlich sein" und schreiben
mute: "Nachdem meiner Kthen Bruder Hans on Bora nichts hat und am
Hofe Kleid und Futter genug nicht hate, wollten E.F.Gn. verschaffen, da
ihm jedes Vierteljahr ein paar Gul`en wrden zugeworfen, damit er auch
Hemd und andere Notdurft bezahlen mchte.[17]"
Katharina selbst endlich hat, wie es scheint, nicht einmal ein
Leibgeding mit ins Kloster bekommen, wie es andere, wohlhabendere adlige
Frulein mit durchschnittlich 3 chock[18] jhrlich erhielten; und auf
ihre Einsegnung konnte sie nur 30 Groschen spenden, whrend $
". An Link: "Der
Herr hat mich pltzlich, da ich's nicht dachte wunderbarer Weise in
den Ehestand versetzt mit der Nonne Kthe von Bora.... Wenn Ihr kommt,
will ich durchaus nicht, da Ihr einen Becher oder irgend etwasmitbringt". An Dolzig: "Es ist ohne weifel mein abenteuerlich Geschrei
fr Euch kommen, als sollt ich ein Ehemann worden sein. Wiewohl nun
dasselbige fast wseltsam ist und ich's selbst kaum glaube, so sind doch
die Zeugen so stark, da ich's denselben zu Dienst und Ehren glaubenf
mu, und frgenommen, auf nchsten Dienstag mit Vater und Mutter samt
anderen guten Freunden in einer Kollation dasselbe zu versiegeln und
gewi zu machen. Bitte deshalben gar freundlich, wo es nicht
beschwerlich ist, wollet auch treuli4h beraten mit einem Wildbret und
selbst dabei sein und helfen das Siegel aufdrcken und was dazu
gehrt"[137].
Das Wildbret ehlte nicht; Wittenberg, welches wute, was die
Universitt und Stadt an Luther besa--er hat die kleine Stadt und
Universitt erst gro und berhmt gemacht--spen$
 warfen Fenster ein und trieben sonst noch
allerlei Mutwillen. Luther frchtete sogar fr seine geliebte
Studierstube, darin er so viele schwere Stunden mit Stdieren und
Anfechtungen erlebt, "daraus er den Papst gestrmet" und seine
wunderbren Schriftwerke und Episteln in die Welt gesandt. Da mute der
Doktor einen gar zornigen Brief an den Zeugmeister schicken, der
wahrscheinlich seinen Eindruck nicht verfehlte[209].
Im Hof\ dem ehemaligen Spitalkirchhof, waren die Fundamente der Kirhe
angelegt, aber nur der Erde gleichgebracht. Mitten in diesen Fundamenten
stand eine alte Kapelle "von Holz gebaut und mit Lehm beklebt; diese war
sehr baufllig, war gesttzt auf allen Seiten. Es war bei 30 Schuhen
lang und 20 breit, hatte ein klein alt rostig Vorkirchlein, darauf 20
Menschen kaum mit Not stehen konnten. An der WaMnd gegen Mittag, war ein
Predigtstuhl von alten Brettern, die ungehobelt, ein Predigtsthlchen
gemacht, etwa 1-1/2 Ellen hoch von der Erde, worauf Luther ei[nst
gepredigt hatte. In Summ(, es hatte al$
l ernstlich und gefhrlich werden sollte. Und jetzt mute Frau
Katharina erst recht flchten, denn berall hin verbreitete sich die
Kunde von den unerhrten Greuelthaten und Grausamkeiten der fremden
Vlker, sogar gegen unschuldge Kinder: "sie raubten, mordeten,
plnderten, schndeten Frauen und Jungfrauen und arfen Kinder auf der
Gasse ber die Zune". Namentlich aber wteten Spanier und Italiener
gegen die evangelischen Geistlichen und ihre Familien. Dem Pfarrer in
Altenburg entfhrten sie zwei Tchter, den von Kemberg bei Wittenberg
ermordeten sie[627]. Da hie es: "Die ungarischen Ruber, g?meiniglich
Hussirer genannt, ind ein ruberisch und unbarmherzig Volk; bei Eger
hieben sie den Kindern die Hnde und Fe ab und steckten sie als
Federbsche auf die Hte". So erzhlte man, und elanchthon schrieb:
"Ihr Fhrer Lodran (Lateranus) sagte, er werde nach Eroberung unserer
Stadt Luthers Leib ausgraben un den HundQen vorwerfen lassen; und redete
namentlich davon, mich in Stcke zu hauen." Oder gar: "Man wer$
r. A.a.O. 318. Br. III, 469. Die Verwechslung dieser
Katharina von Mergenthal aus Hirschfeld bei Deutschen-Bora findet sich
schon Schs. Kirchen-Gal. I, 110. Seidemann, Erl. zur Ref.-Gesch.
Dresden 1844. S. 110, 120, 122, 469); 4. a Irrtmer in dem schs.
Teilungsvertrag von 1485 vorkamen; 5. da die wunderliche und nicht mehr
auffindbare Notiz, wonach Luther "seinem Schwhervater, dem edeln und
festen Herrn Hans von Bor zu Moderwitz ein Bchlein (Joel) oder gar
eine Bibel verehret" (Br. VI. 684),richtig sei.
Gegen diese Aufsellung sprechen aber auer den knstlichen Umstellungen
der Umstand, da Katharinas Eltern bei ihrer Flucht aus dem Kloster und
bei ihrer Verheiratung hchst wahrscheinlich nicht mehr lebten. Ferner
sollte man meinen, da die Luthersche Familie mit dem Statsmann
Bernhard von Hirschfeld (1490-1551; Br. II, 55, 245, 448; C.R. IV, 349)
in vertrauterem Verkehr gestanden haben mte, wenn sie mit ihm so nahe
verwandt gewesen wre. Das war aber gerade nach 1525 nicht der Fall.
Fr _Lippend$
 48. Mit "Oel" = Bier; vgl. das englische ale.
[443] _Piper_ IV, 368-75.--VI, 304. Jonas' Briefwechsel I, 115. 153.
160. 174. II, 77.
[444] Br. IV, 10. 16 f. 18 f. V, 414. 557. 109. 114. 201.
[445] _Buchwald_ 62. V, 7. VI. 303.
[446] V, 519. IV, 9.
[447] IV, 629 f. V, 3 f. 100. 394 f. 470.
[448] Briefw. I, 380-3. (_Kolde_, An. L. 134, Br. IV, 629). [Griechisc:
hae gynae] vgl. Offenb. Joh. 12, 1.
[449] Jonas in Halle, V, 346. Neckerei 396. Seine Frau [Symbol:
gestorben] 519.
450] Ueber Luters Verhltnis zu Melanchthon vgl. _Anton_ 31-33. V,
336. 171. 344. 270.
[451] Zur Charakteristik von Frau Melanchthon, C.R. III. 390. 396. 398.
Kolde, M.L. II, 463. 471. 603. Kleiderordnung, Schadow, Wittenb. Denkw.,
[452] C.R. III, 398. T.-R. III, 390. Vgl. Kstlin II, 462.
[453] Kolde,An. L., 311. 318. Br. V, 105. T.-R III, 275 ff.
[454] VI, 199. T.-R. III, 275 ff. IV, 126, vgl. Matthes. 126. Kolde, 321
f. 326 f. Hofmann 193.
[455] C.R. V, 641. 123 f. IV, 143. 154. 169. 303. V, 113. VI, 20 f.	
[456] V, 273. 277. Frhli$
 koerperliche Kraft
eines jungen Menschenkindes zurueckhielt, so musste es auch die
aufstrebende Willenskraft erschlaffen. Die Klostermauern beengten nicht
nur das aeussere Gesichtsfeld, sie machten auch das eistige Auge
kurzsicTtig. Wenn auch die gaehnende Langeweile demjenigen nicht zu
Bewusstsein kam, der von nichts anderem wusste, so musste doch der Geist
nach Eindruecken lechzen, so dass das Sprichwort begreiflich wird, welches
den Klosterbewohnern die Sehnsucht nach Erlebnissen zuschreibt:
"Neogierig wie eine Nonne". Und die staendige Aufgabe, "das Leben in
sich abzutoeten", konnte bei einer gesunden Natur erst recht die Frage
erwecken, was Leben sei. Wenn bei dem Mann im Kloster der Verstand sich
heisshungrig auf die Wissenschaft werfen konnte, so blieb die
eigentuemliche Lebenskraft des Weibes, das Gemuet hier unbefriedig[66].
Gewiss die allermeisten dieser adligen Fraeuleain hatten es aeusserlich
angesehen im Kloster besser, behaglicher, luxurioeser als daheim im
beschraenkten Haushalt der Eltern$
die Person in aller Stille aus dem Haus. Luther war
froh, dass er nichts von allem gewusst hatte und dass sie jetzt fort sei.
Aber die Schwindlerin zog umher in allen Pfarrhaeusern, beruehmte sich
ihrer Bekanntschaft mit dem grossen Doktor und einem Hause, log, trog
und stahl weiter. Immer von n.uem tauchte sie auf, zuletzt nach mehreren
Jahren noch in Leipzig, so dass Luther dorthin an den Richter Goeritz,
seinen Gevatter, schreiben musste, um ihrem Unfug ein Ende zu machen.
Luther litt unendlich unter dieser Schmach, die seinem Hause
widerfahren, und meinte, die Papisten haetten ihm diese Teufelsperson auf
den Hals geschickt. Aber auch Frau Kaethe musste es schwer tragen und dazu
noch die Vorwuerfe ihres Mannes, we2lcher zuernte, dass man dieses Weibsbild
hatte entommen lassen und nicht gleich in der Elbe ertraenkt habe. Er
meinte durch diese Erfahrung gewitzigt zu seinv und doch bekam er vor
seinem Ende noch eine "andere Rosine" ins Haus, die ihm den Aufenthalt
in Wittenberg verleiden half[312].
Ein ande$
her als alter treuer Prediger mit vaeterlicher VermahnungL
auf. Er bittet sinen "Brude Studium, sich still, zuechtig und ehrlich
zu halten, des warten, warum sie hergesandt und mit scheren Kosten von
den Ihren erhalten werden, dass sie Kunst und Tugend lernen, weil die
Zeit da ist und solche feine Praezeptoren da sind." Er ermahnte den RAt,
die Laster zu strafen, und die Buerger, dem "Geiz" zu steuern. Aber die
Buerger der kleinen Universitaetsstadt hielten zumeist auf ihren Vorteil,
der Rat war laessig und aengstlich, wie Luther oftmals klagt gegenueber der
schoenen Ordnung in einer Reichsstadt wie Nuernberg, und die Studenten
wies er vergeblich aufseinen grauen Kopf; sie ueberhoerten seine
schmerzlichen und herzlichen Mahnungen: "Ach, mein Bruder Studium,
schone mein und lass es nicht dahin kommen, dass ich muesse schreien wie
St. Polykarpus: Ach Got, warum hast Du mich das erleben lassen? Ich
hab's ja nicht verdient, sondern da sind vorhanden meine und euer
Praezeptren treue Arbeit, die euch zum besten d$
sser, Rosenessig undu
Aquavitae, und hiess Jonas, den Famulus und ihre Soehne in dem Gemach des
Doktors schlafen[556]. Er zwar schreibt wieder ganz sorglos, nur
bedenklich wegen der heikeln Streitigkeiten, die er zu schlichten hatte.
am 6. Februar[557]:
"Der tiefgelehrten Frauen Katha>in Lutherin, meiner gnaedigen Hausfrauen
zu Wittenberg.
Gnade und Friede.
Liebe Kaethe! Wir sitzen hier und lassen uns martern und waeren wohl gern
davon; aber es kann noch nicht sein, als mich duenkt, in acht Tagen. Ma.
Philippus magst Du sagen, dass er seine Postille korrigiere; denn er hat
nicht verstanden, warum der Herr im Evangelio die Reichtuemer Dornen
nennt. Hier ist die Schule, da man solches verstehen lernet. Aber mir
grauet, dass allewege in der heiligen Schrift den Dornen das Feuer
gedroht wird; darum ich desto groessere Geduld habe, ob ch mit Gottes
Hilfe moechte etwas Gutes ausrichten. Deine Soehnchen sind noch zu
Mansfeld. Sonwt haben wir zu es1sen und trinken genug und haetten gute
Tage, wenn's der verdriesslic$
 frage ich eigentlich, ist es wuenschenswerth, dass Niedersachsen^s
alte Sprache sich aus der Reihe der lebendigen verliert; wenn das, soll
man ihren Untergang der Zeit ueberlassen oder soll man diesen
beschleunigen; wenn letzteres,6welche) sind die Mittel dazu?
       *       *       *       *       *
U die deutsche Gemuethlichkeit ist es ein schoenes Ding und was kann
namentlicXh dem Niedersachsen gemuetlicher sein, als seine angeborne
Sprache. Doch ein schoeneres Ding ist der muthige Entschluss, die
Gemuethlichkeit einstweilen auszuziehn, wenn sie uns zu _enge_ wird.
Grade das behaupte ich von der und gegen die plattdeutsche Sprache. Sie
ist dem Verstand der Zeit laengst zu enge geworden, ihr Wachsthum hat
bereits mit dem sechszehnten Jahrhundert aufgehoert, sie kann die
geistigen und materiellen Fortschritte der Civilisation nicht fassen,
nicht wiedergeben _und daher verurtheilt sie den bei weitem groessten
Theil der Volksmasse in Norddeutschland, dem sie annoch taegliches Organ
ist, zu einem Zustande $
  Unser Banner und beut
    Seine purpurne Brust immer strkerem Sturm.
      Und noch vor uns liegt viel;
      Denn wir haben ein Ziel,
    Und dies Ziel ist der Tag, der drei Stmme verschweit.
      Was du tust, sei ein Zoll
      An ein heiliges Soll,
    Sei ein Quell in den Strom, der die Dmme zerreit.
      Diese Scholle ist mein
      Und wird teuer mir sein,
    Wie ie's ist, wie sie's war, so in Drangsal wie Glck.
      Und wie sie uns geliebt,
      Diese Heimat, so gibt
    Unser dankbares Herz ihr nun Liebe zurck.
Signe stand vom Klavier auf, trat auf Petra zu, legte de Arm um sie und
zog sie in das Arbeitszimmer, wo weiter niemand war.--"P\etra, wir wollen
wieder Freunde sein!"----"O Signe, endlich verzeihst Du mir!"--"Jetzt
kann ich alles tun, was ich soll! Petra, liebst Du zdegaard
nicht?"----O Gott, Signe!"--"Petra, das habe ich vom ersten Tage an
geglaubt,--und ich habe gedacht, er sei jetzt endlich gekommen,
um------bei allem, was ich seit zweieinhalb Jahren fr Euch gedacht und$
Volk mich entstellt;
Luegennebel umhuellt meiner Dichtung Schloss,
Als lag' da ein Sumpf, dem der Brodem entfloss,
Und ein Halbtier, ein Faun
Bin ich selbst, den mit Graus
Die "Gebildeten" scjhaun--
Oder ziehn weidlich aus
Zur Hatz auf den Keiler, zum lustigen Strauss.
Wenn ein Buch ich schreibe, "just sieht es mir gleich";
Wenn ich spreche--ist's Eitelkeit.
Wenn ich zimmre und baue fuers B6ehnenreich,
Mein Duenkel nur fuehrt jeden Hammerstreich.
Und schlag' ich mich treu
Fuer altheimische Art
Auf der aeter Bastei,
Umtobt und umshart,--
Kaempf' ich nur, weil mit Orden zu sehr man gespart.
Nein, wo bleibst du doch, du, der mit eins kann zerhaun
Dies umstrickende Luegengewirr--
Der verjagt aus den Koepfen dies krankhafte Graun
Vor enschlossenem Wollen, begeistertem Schaun--
Und hat Trost fuer den Mut,
Der in Frost und in Nacht
Seine Waffenpflicht tut
Und die Runde macht,
Bis das Heer sich erhebt, wenn der Tag erwacht.
Kom, Volksgeist, du, gottgeboren--etstammt
Dem riesenbezwingenden Tor.
Fahr auf Donnern ei$
weilen auf sein, und je mehr es mit ihr vorwaerts
ging, desto mehr Einfalle hatte sie. So auch eines Abends, als Arne in
der Stube unter Elis Kammer sass und mit later Stimme sang: da kam die
Mutter hinunter und bestellte von Eli, er moege doch hinauf kommen und
singen, damit sie die Worte besser verstehen koenne. Arne hatte
vielleicht schon hir unten Eli zuliebe gesungen, denn als die Mutter
dies sagte, wurde er rot und stand auf, als wolle er sein Tun ableunen,
wiewohl keiner es behauptet hatte. Er fasste sich aber schnell und sagte
ausweichend, er koenne nur so wenig singen. ie Mutter abe meinte, wenn
er allein sei,schiene das gar nicht der Fall zu sein.
Arne gab nach und ging. Er hatte Eli seit dem Tage nicht gesehen, da er
sie hatte hinauftragen helfen; er dachte, sie muesse sich jetzt sehr
veraendert haben, und das machte ihn ein bisschen aengstlich. Aber als er
leise die Tuer oeffnete und eintrat, war es stockfinster im Zimmer, und er
konnte nichts sehen. Er blieb an der Tuer stehen. "Wer ist da?" f$
, zu seinem Beruf
gelange ein Mensch nur durch Arbeit. Bescheiden und klein koenne dieser
Beruf sein--da sei er fuer jede#. Und jetzt kam ein maechtiger Eifesr ueber
sie; er trieb ihr Arbeiten an mit der Kraft eines Erwachsenen, er gluehte
in ihpren Kinderspielen und machte sie mager und duenn. Allerlei
abenteuerliches Sehnen stieg in ihr auf: sie wollte sich das Haar
abschneiden, sich als Knabe verkleiden, in die WeQt hinausziehen und
kaempfen! Aber als ihr Lehrer eines Tages sagte, ihr Haar sei so huebsch,
wenn sie es nur ordentlKich flechten wolle--da wurde das Haar ihr lieb,
und um ihres langen Haares willen opferte sie den Heldenruhm.
Seitdem war es ihr mehr wert, ein Maedchen zu sein, als frueher, und
ruhiger schritt ihre Arbeit weiter, umschwebt von wechselnden Traeumen.
Drittes Kapitel
Hans Oedegaards Vater war als junger Mensch aus dem Kirchdorf Oedegaard in
Stift Bergen ausgewandert; die Menschen hatten sich seiner angenommen,
und er war jetzt ein Gelehrter und seYhr gestrenger Prediger. Auch ein
a$
 noch die weissen Gipfel, wo die Staette
Zwoelftes Kapitel
Eines Abends, kurz vor Weihnachten, war das Theater der Hauptstadt
ausverkauft; eine neue Schauspielerin sollte auftreten, von der alls
moegliche erzaehlt wurde. Aus dem Volke stammend--ihre Mutter sei eine
are Fischerfrau--sei sie mit Unterstuetzung anderer, denen ihre
Faehigkeiten aufgefallen seien, jetzt soweit gediehen und solle zu den
groessten Hoffnungen berechtigen. Das Publikum tuschelte sich, bis der
Vorhang aufging, mancherlei in die Ohren. Siesolle eine schreckliche
Range und, seit sie erwachsen war, mit sechs Leuten auf einmal verlobt
gewesen sein, und das ein halbes Jahr lang durchgefuehrt haben. Sie habe
unter polizeilichem Schuutz aus ihrem Heimatsort geleitet werden muessen,
weil um ihretwillen die Stadt in hellen Aufruhr geraten sei; es sei
merkwuerdig, dass die Direktion eine solche Person auftreten lasse. Andere
behaupteten, es sei kein Koernchen Wahrheit daran; sie sei von ihre
zehnten Jahre an bei einer stillen Pfarrerfamilie$
ngen, duzten sich schon seit lngerer Zeit und
besprachen--mit usnahme ihrer geheimen Liebe--alles miteinander, was
sie irgend anging.
Ileisa bttigte nur mit leichtem Kopfneigen, aber weil ihre Gedanken
und Sinne durch dieses Gesprch schon stark angeregt orden waren, wute
sie den Ausdruck einer starken Befangenheit uerlich nur sehr schwer zu
unterdrcken. Sie lie deshalb die Stickerei, an der si arbeitete, wie
zufllig aus ihrer Hand fallen, bckte sich danach, und wute dadurch
den Anwesenden ihre Gesichtszge bis zur Wiederbeherrschung ihres Innern
zu entziehen.
"Ich bin begierig, ob Klamms Braut unsere Einladung nicht auch selbst
beantwlrten wird. Ich gab Herrn von Klamm auf seinen Wunsch die
Einladungskarte. Wir wissen ja noch nicht einmal, wie sie mit Vor- und
Zunamen heit. Danach will ich ihn doch bei erster Gelegenheit fragen."
Das Gesprch empfing eine Un
terbrchung, weil Adolf eintrat und Herrn
Knoop ein Schreiben berreichte.
Schon whrend er es entgegennahm, verfinsterten sich die Zge de$
 Solche
Menschen--wir lesen es doch taeglich in den Zeitungen--greifen im Affekt
zum Aeussersten.--Sie laden in der Verzweiflung eine Schusswaffe."
"Er schleicht sich in das Papierlager und legt Feuer an," fiel Margarete
in. "Ich traue ihm alles zu!
"Wenn du ihm mit dem Bemerken es sei ganz unbedingt das letzte Mal, die
3000 Mark schickst, nimmst u uns wenigstens die Angst, Papa. Wir haben
dann die Sicherheit, dass dergleichen wenigstens nicht geschieht.--Mache
Bedingungen, lasse ihn ein Schriftstueck unterschreKben, dass er sich fuer
immer abgefunden erklaert!"
Aber Herr Knoop verneinte.
"Ich will nicht, ich kann nich. Es muss kommen, wie es muss. Unzaehlige
Male war's schon das letzte Mal. Nach sechs Monaten kommt etr doch wieder
und hat neue Gruende! Und die Sprache, die er schon wiederholt gegen mich
gefuehrt hat! Es ist ohne Gleichen1 Nein, nein! Ich bin mit ihm fertig.
Ich betrachte ihn laengst nicht mehr als zu mir gehoerig!"
Nun sagten die Damen nichts, aber Frau Fanny nahm sich vor, doch noch
einma$
klaere,
dass du bereust, dass du dein unerhoertes, strafwuerdiges Treiben einstellen
"Geschieht es nicht, so ist es mein Wille, hier jetzt laut zu erklaeren,
was du gethan, wer michhergesandt hat, was meines Amtes ist. Ich werde
die Maske abstreifen und dich im Namen des Gesetzes verhaften!"Nun waehle rasch! Bekennst du, so wirst du mir morgen ene schriftlich0
Erklaerung abzugeben haben, eine, von deren Inhalt dann nichts in die
Oeffentlichkeit dringen soll; auch die Strafe wird dir erlassen werden,
dir und deinem Helferhelfer--der, nachdem er lange beobachet und
inzwischen ueberfuehrt wurde,--bereits ein Gestaendnis abgelegt hat!"
Alles war in raschem Fluss gesprochen und in einem Tone der
Entschiedenheit, der Frau von Kraetz nicht darueber in Zweifel liess, dass
es sich nicht um einen zufaellig auf sie= passenden Scherz, sondern um
etwas sehr Ernstes, um das wirklich handelte, was ihr schulbewusstes
Inneres belastete.
Voellig entmutigt und geschlagen aber wurde sie, als der Mann, der in
der unheimlichen Ma$
* noch Reserve auf.
Und die alte Dame fiel in ihren Sessel zurueck, der Atem wollte ihr vor
Erregung stocken.
Also so weit war es schon gekommen! Er drang auf Scheidung
Und Stunden vergingen, und sie schwanden wie Augenblicke in den
Gespraechen ueber Gegenwaertiges und Zukuenftiges.
Und ganz, wie Ileisa es vorausgesehen, so kam's!
Ihre Tante drang zunaechst auf sie ein, festzuhalten, dennoch nochmals
einen Versuch zu machen, mit Arthur in irgend einer eise
zusammenzubleiben. Ihr schwebte das Urteil der Welt vor Augen, ie
ueberlegte auch, dass Ileisa nun ebenso weit wieder sei, wie sie gewesen.
Sie zog ferner die materielle Frage in Betracht, besoders aber lehnten
sich ihr Stolz, ihr Selbstgefuehl gegen diese Art und dieses fruehe Ende
Sie erklaerte als ihren unumstoesslichen Willen, selbst mit Arthur sprechen
und in nichts frueher willigen zu wollen, bis sie selbst einen unbedingt
richtigen Eindruck gewonnen habe. Und wenn wirklich alles an der
Unempfindlichkeit diesesauserlesenen Egoisten scheitern sollte,$
len Gesinnung willen, die Ihnen
  eigen, wage ich, Ihnen diee Zeilen zu scheiben.
  Dr Edle verzeiht, wenn er sieht, dass sein Nebenmensch in Qualen
  dahinsiecht. Sie sind ein solcher, und ich bin ein armer Elender!
  Keiner hilft mir!
  Mein Neffe Arthur hat mir auf alle meine vielen Briefe nicht
  geantwortet! Mein reicher Bruder beruft sich aufD einen endgueltigen
  Verzichtschein, den ich ihm einst ausstellte. So habe ich niemanden
  auf der Welt, als meinen einstigen groessten Feind! Er wird mich, ich
  weiss es, nicht umsonst flehen lassen. Weisen Sie mir, ich bitte,
  hochverehrter Herr von Klamm, woechentlich eine Summe an, bis ich in
  die Gruft gesenkt werde. Lange werde ich Ihnen nicht laestig fallen.
  Der mich behandelnde Arzt, Herr Doktor Stroeber, wird Ihnen bestaetigen,
  dass alles strenge Wahrhei, was ich Ihnen sge. Ich lege die
  Bescheinigung bei.
  Ich segne Sie im voraus als Ihr dankbarer
  Theodor Knoop."
"Und was willst du thun?" warf Ileisa hin und blickte ihen Mann fragend
"Ich w$
und dem Hofrat, die
noch bei ihm saen; S"scharmanter Mensch! Wie gewandt, wie fein!
Schade nur, da er sich nicht aufs diplomatische Fach gelegt hat! Wie
er 'alles so artig zu geben wei; wie er allem, auh dem Triialsten,
was unsere Damen sagten, mit einer Engelsgeduld zuhrte und gutmtig
ein glnzendes Mntelchen umhing, wenn sie etwas Dummes plapperten.
Er wre eine wahre Zierde des Landes, wenn r sich bei uns ankaufte.
Die Grfin Aarstein mag ich ihm auch ganz wohl gnnen, mchte
brigens wissen, wie weit er mit ihr steht--"
Ida, die dem Lob des Geliebten mit niedergeschlagenen Augen und
fliegender Brust zugehrt hatte, fhlte bei den letzten Worten nicht
nur einen Stich insHerz, sondern auch einen leisen Druck auf ihr
Fchen. Sie merkte gleich, woher dies kam, und begegnete dem
listigen Auge des Hofrats, der ihr Trost zuwinkte und den alten Papa
ber seine Fehlschsse auszulachen schien. Ja, es stieg reiner, ser
Trost in ihr auf. Zwar sie hatte schon von der hohen Verstellungsgabe
der Mnner geh$
ge mass, da muss ich feuerrot geworden sein;
denn da fiel mir ein, dass doch nicht so leicht mit vornehmen Leuten
umzugehen sei, wie man sich sonst wohl einbildet; er ist auch nicht
so ein Herr Obenhina(us und Nirgendan wie unsere jungen Herren, mit
denen man kurzen Prozess macht; nein, er sah gar zu vornehm aus. 'Ich
wollte nur gefaelligst fragen, ob Ew. Ezellenz mit Ihrem Logis
zufrieden seien?' hub ich an.
"Er stand auf, fragte mich, ob ic0 Madame waere, holte mir,--denken
Sie sich, so artig, als waere ich eine polnische Prinzess,--einen Stuhl
und lud mich zum Sitzen ein. Es ist erstaunend, was der Herr
freundlich sein kpann; aber man sieht ihm doch an, dass es icht so
recht von Herzen gehen will.
"An dem Logis hatte er gar nichts auszusetzen, und auch die Strasse
gefiel ihm. Das Gespraech kam auf die Nachbarschaft und auch auf
Praesidents Haus; ich erzaehlte ihm von dem wunderschoenen Fraeulein, die
erst aus der Pension gekommen, und wie sie so gut und liebenswuerig
sei, von dem alten Herrn drueben, un$
, fragen Wenn durch einander
gefitztes Rabenhaar, ein Maul v^oll gesunder Zaehne, ein paar rote
Baeckchen, eine gedrechselte Hopfenstange von Koerper, die mir die
Nerven angreift, weil man sie nicht beruehren darf, ohne fuerchten
zu muessen, dass man eines der zarten Gliedgrchen abknicke,"--bei der
kolossalen Riesenkuerassierfigur der Graefin war dies nicht zu
befuerchten--"wenn dies alles fuer huebsch gelten soll, so ist sie
wunderschoen! Ha, ha, ha, wunderschoen! Nun, und das--muss man ihr
lassen, viel Welt und _bon ton_ hat sie auch. Denken Sie sich, ich lasse
mich herab, sie mir letzten Winter praesentieren zu lassen, lade sie zu
meinen Soirees und Hausbaellen ein; aber siehe da, Mamsell Zimperlich
setzte mir keinen Schritt wieder ins Haus. Ob dies nicht eine Sottise
ohnegleichen ist? Und als ich mich einmal bei ihrer Frau ate, die
einen Affen an ihr gefressen haben musste, as ich mich bei der
Fuerstin Romanow beklagte, warum die junge Dame sich so impertinent
gegen mich betrage, was meinen Sie, dass ic$
ist mt sieben Fuss haette sich,
und haette er noch einen ellenlangen Federbusch auf dem Hut gehabt,
perfekt am ganzen Leib von der Zehenspitze bis zum aeussersten
Federchen darin sehen oennen. Diese breitarmigen Luestres, diese
Kristallampen, diese geschmackvollen Sofas, Teetische, Toiletten;
Etageren, diese Pracht von Porzellan, Beinglas, Kristall, Silber an
Servicen, Leuchtern, Vasen, an allem, was nur die fenste Modedame
sich wuenschen kann; gar nichts war vergessen! Die Freilinger
wandelten wie in einem Feenpalast umher, und die Maedchen und die
Frauen--Ida wandelte zwar wie eine Koenigin in dieser Herrlichkeit,
als haette sie von Jugend auf darin gelebt; aber man hoerte doch so
manches Spruchlein vom blinden Glueck undZufall, die einen im
Schlafe heimsuchen.
Jetzt riefen die RTrompeten zur Tafel, und da war es, wo Hofrat Berner
seine Lorbeeren erntete. Die neue Dienerschaft des jungen graeflichen
Paares hatte er schon so instruiert, dass alles wie am Schnuerchen ging,
und zwar alles auf dem hoechsten F$
este nur
vom silbernen Teller ein wenig aufsah oder mit seinem Nachbar
konversierte, husch! war der Teller gewechselt, und eine neue Speise
dampfte ihm entgegen. Aber auch in der Kueche hatte er gewaltet; und
es haette wMnig gefehlt, so haette er aus lauterem Eier, alles recht
delikat zu machen, sich selbst zu einem Ragout oder Hachee
verarbeiten oder zu einer Gallerte einsieden, wenn nicht gar mit einer
Zutat von Zucker zu einer Marmelade oder Gelee einkochen lassen. Auch
ihn hielten%die Damen fuer einen zweiten Oberon, der jeine ewig
reichbesetzte T(fel aus dem Boden zaubern kann. Denn solche Speisen
zu dieser Jahreszeit, und alles so fein und delikat gekocht!
Schildkroetensuppe.
Coulissuppe von Fasanen mit Reis.
_Hors d'oeuvres_.
Pastetchen von Briesslein mit Salpicon.
Kabeljau mit Kartoffeln und _Sauce hollandaise_.
_Du boeuf au naturel_.
Englischer Braten mit _Sauce espa^nole_.
Spargeln mit _Sauce au beurre_.
Gruene Erbsen mit geroesteten Briesslein.
Junge Huehner mit _Sauce aux fines herbes_.
Financi$
. Es kam einst ein fremder Mensch in eine Stadt, der sich Zutritt
in die gute Gesellschaft zu verschaffen wusste. Dieser Mensch betrug sich
von Anfang etwas linkisch, doch so, dass maFn manche seiner Manieren
uebersehen un zurechtlegen konnte. Er hielt sich gewoehnlich zu den Frauen
und Maedchen, weil ihm das Gespraech der MaennerCzu ernst war, und jene
lauschten gerne auf seinG dede, weil er ihnen Angenehmes sagte. Nach und
nach aber fand es sich, dass dieser Mensch seiner gemeineren Natur in
dieser Gesellschaft wohl nur Zwang angetan hatte; er sprach freier, er
schwatzte den Ohren unschuldiger Maedchen Dinge vor, worueber selbst die
aelteren haeten erroeten muessen. Wie es aber zu gehen pflegt: das
Luesterne reizt bei weitem mehr als das Ernste, Sittliche; zwar mit
niedergeschlagenen Augen, aber offnem Ohr lauschten sie auf seine Rede, und
selbst manche Zot, die fuer eine Bierschenke derbgenug gewesen waere,
bewahrten sie in feinem Herzen. Der fremde Mann wuerde der Liebling dieses
Zirkels. Es fiel aber de$
"diepffentliche Stimmung zu verstehn, Sie haben
den klaren Blick, den die Hhe nicht blendet,--und der vor den Tiefen
des Abgrundes nicht zurckschaudert,--was sehen Sie auf der Hhe,--was
sehen Sie in den Tiefen,--sprechen Sie frei und offen--Sie wissen, da
ich zu hren und zu lernen verstehe," fgte er mit freundlichem Lcheln
und einer leichten artigen eigung des Kopfes hinzu.
"Ich habeEurer Majestt," erwiderte Clment Duvernois, "meine
Ergebenheit stets (adurch bewiesen, da ich vor Ihrem Angesicht den
Kaiser verga und nur den groen und geistvollen Mann sah, dem Niemand
einen greren Dienst leisten kann als durch das Aussprechen seiner
wahren und unverhllten Ueberzeugung,--diese Ergebenheit werde ich
Eurer Majestt auch heute beweisen, denn mehr als je thut heute die
Wahrheit Noth und je mehr Jeder aus seinem Gesichtskreise heraus die
Wahrheit sprcht, um so leichter wird es dem freien Blick Eurer Majestt
werden das wrklich Richtige zu erkennen."
"Sie halten also die Situation fr ernst?" fragt$
innere
Entwickelung dessen, was ich begonnen, von auen her gestrt wrde, und
selbst im Fall des Sieges wrde nicht ich es sein, der die Frchte
desselben pflckte. Jeder Krieg, der in Europa ausbrche, wrde die
Leitung der sterreichischen Angelegenheiten vorzugsweise in die HndeUngarns legen, denn die militairische Kraft |Oesterreichs liegt in
Ungarn, und um einer groen politischen Action diese Kraft zu sichern,
wrden die Forderungen dort sehr weit gehen.--Es bereitet sich Etwas in
Frankreich vor, Napoleon wird alt und schwach, er scheint die Zgel aus
den Hnden zu verlieren und die verschiedenartigsten und unberechenbaren
Factoren treiben dort ihr Spiel--
--"da ist wieder," fuhr er, den Bericht, welchen er in der Hand hielt,
dcurchbltternd fort "dieser General Trr mit seiner Coalitionsidee im
Gange, und es scheint in der That, da Napoleon oder Diejenigen, welche
sinen schwachen Willen in diesem Augenblick lenken, hinter der
unruhigen Thtigkeit dieses enerals seht.--Diese unznftigen
Politier," s$
 undenkbar und jedenfalls," fgte er
im leichten Ton mit einem flchtigen Lheln hinzu, "tauchen wir ja in
diesem Augenblick auch nur unsere ganz persnlichen Ansichten ber Flle
aus, deren Eintritt kaum zu erwarten sein drfte."
Der Herzog erhob sich.
"Es scheint," sagte er, das bisherig Gesprch abbrechend, "da der
Knig von Hannover die Legion auflsen will, die er bisher in Paris
gehalten hat. Graf Platen hat mir Etwas davon esagt. Ich mu aufrichtig
bekennen, da ich eigentlich recht damit zufrieden bin. Ich habe groe
Sympathie fr den unglcklichen Knig und hohe Verehrung vor seinen
persnlichen Eigenschaften. Doch glaube ich nicht, da er auf dem
bisher befolgten Wege etwas Anderes erreichen kann, eals seine schon
ohnehin beschrnkten Mittel immer mehr zu vermindern und sich dadurch
die Mglichkeit spter Etwas fr seine Sache und sein Haus zu thun,
immer schwieriger zu machen."
"Man schien frher in Paris der Ansicht zu sein," sagqte Graf Beust, "da
diese hannversche Emigration unter Umstnde$
t," sprach er in dumpfem Ton, "mu in jenen Kreisen
herrschen, wenn so Etwas mglich ist. Welcher Dmon m seine Gewalt
ber diese Officiere ben, da sie es wagen, mir so gegenber zu
"Es ist allerdings," Gagte der Major von Adelebsen, "ein hchst
unmilitairisches und vOrmessenes Vorgehen.Ich habe den Herren
Vorstellungen gemacht, ich hae versucht, sie von ihrem Vorhaben
abzubringen. Aber," fgte er achselzuckend hinzu, "es ist vergeblich
gewesen. Sie bestehen mit Entschiedenheit darauf, den Befehl in ihrer
Gegenwart von Eurer Majestt vollzogen zu sehen, da sie denselben anders
nicht fr gltig erkennen knnen."
"Sagen Sie den Herren," rief der Knig mit zitternder Stimme, "da ich
sie nicht empfanyen wolle, da ich ihnen befehlen lasse, augenblicklich
nach Paris zurckzureisen Ich werde ihnen," fgte er mit mhsam
unterdrckter Ehrregung hinzu, "meinen Willen in einer Form kundgeben, an
welcher sie keinen Zweifel werden hegen knnen."
Herr von Adelebsen verneigte sich, indem ein leichtes Lcheln der
Befrie$
 anbot, gerade
in dem Augenblick, als die Emigration nachHolland in's Werk gesetzt
wurde. Ich lebte dann heute ruhig und friedlich, haette die Aussicht auf
eine vortreffliche Carriere und haette nicht noethig, diese [traurige
Erfahrung ueber die Undankbarkeit der Fuersten zu machen."
Ein rasch vorueberschreitender kleiner Mann von etwa vierzig Jahren in
einem dunklen Paletot und einen etwas in die Stirn gnedrueckten Hut auf
dem Kopf, blieb ploetzlich stehen und naeherte sich den Officieren. Sein
Gesicht von Intelligenz und Schlauheit und von beweglichem Mienenspiel
hatte jen helle, weiss und rothe Faerbung der nordlaendischen Race. Ein
Guertel von dichten Sommersprossen, welche in dieser Jahreszeit weniger
scharf hervortratn, lief ueber seine spitze, etwas hervorspringende Nase
hin, seine kleinen, hellblauen, scharfen Augen blickten scharf und
beobachtend umher.
Freundlich erwiderten die Officiere seinen Gruss, als er an ihren Tisch
"Ich begreifenicht, meine Herren," sagtJ er, "wie Sie es aushalten
koennen$
sichtig und sehr wenig geneigt zu eNergischen Massregeln.
"Freilich," sprach er weiter, "wird es in einem solchen Augenblicke
nicht allein auf tuechtige Generale, sondern auch auf StaatsmaenWer
ankommen, welche Kraft und Energie besitzen und zugleich durch ihren
Charakter der Nation Vertrauen einfloessen.
"Unser guter Freund Daru, den# ich sehr hoch schaetze, wuerde vielleicht
kaum einer so grossartigen Action gewachsen sein, wie die Zukunft sie
uns auferlegen muss.Ich sehe ueerhaupt nachdem Tode von Walewsky,
welcher ein ehrlichr Mann war, unter Denen, welche dem Kaiser naeher
stehen, nur Drouyn de L'huys, der einer solchen Aufgabe gewachsen sein
koennte.--Ich glaube auch, dass er noch in sehr nahen Beziehungen zum
Kaiser steht, aber er muss sehr unzufrieden sein mit dem Gang der
auswaertigen Politik, welche nach seinn Ideen im Jahre 1866 eine ganz
andere Richtung haette nehmen muessen."
Herr Thiers hatte die letzten Worte mehr zu sich selber, als zum General
Changarnier gesprochen. Seine Stimme war imme$
err von Tschirsch+itz, "so
htte er ja zur Zeit des Bestandes des KnigreichsEHannover mit keinem
Officier umzugehen das Recht gehabt. Mindestens htten wir doch Gehr
erlangen mssen,--dies ist ja geradezu asiatischer Despotismus."
"Meine Herren, sagte der Regierungsrath Meding, "einem unglcklichen
Frsten gegenber ist die Pflicht des Gehorsams doppelt stark, 3nd
vergessen Sie vor Allem nicht, da wir Alle Vertreter einer Sache sind,
welche den Blicken der ganzen Welt ausgesetzt ist. Wir haben fr diese
Sache gefochten nach allen Krften,--man kann uns vorwerfen, da es
thricht und unvernnftig gewesen sei, aber wenigstens haben wir fr die
Sche gethan, was berhaupt zu thun war. Wenn diese Sache zu Ende sein
soll," fgte er noch ernster hinzu, "und ich glaube, da sie zu Ende
ist, so lassen Sie kuns ihr den letzten Dienst erweisen, lassen wir sie
mit Ehren untergehen, ohne da wir der Welt das Schauspiel der inneren
Zerrttung und der Fulni, welcheN sie angefressen hat, und an welcher
wir wenigstens k$
 Natur bei nervsen Verstimmungen gut thut,
und fr mich ist ein _einsamer_ Spaziergang in der freien Luft," fgte
sie mit noch schrferer Betonung hinzu, "das beste Heilmittel."
"Fast darf ich Ihnen nach diesen Worten," erwiderte Herr von Rantow mit
einem leichten Lcheln, whrend er duich sein Glas in eine Seitenallee
hinabsah, "meine Begleitung nicht weiter aufdrngen, und doch wird es
mir schwer Sie zu verlassen. Wenn es aber Ihr Ernst istV~, durchaus allein
sein zu wollen--"
"Mein volle- Ernst," rief Anna schnell, indem eine dunkle Rthe ihr
Gesicht berflog,--sie hatte wenige Schritte vor sich den Lieutenant von
Bchenfeld bemerkt und machte eine unwillkrliche Bewegung, als wolle
sim ihm entgegen eilen.
Herr von Rantow sah sie etwas befremdet an und folgte dann der Richtung
ihres Blickes.
"Ah, da ist Herr von Bchenfe ld, ich habe ihn lange nicht gesehen! Auch
ein Einsamer," fgte er mit einem schnellen Seitenblick auf das junge
Mdchen hinzu. "Wre die Einsamkeit ein Ding, das man theilen knnte, so$
em Amtmann, einem preuischen Assessor, welcher
hierher versetzt war, melden und wurden in dessen Wohnzimmer gefhr,
welches bereits von einer Lampe erleuchtet war.
Der Amtsverwalter, ein Mann von etwa fnfunddreiig Jhren, ernst und
ruhig, aber auch zugleich freundlich und wohlwollend in seinem Wesen
erhob sich bei dem Eintritt des alten Bauern von seinem Schreibtisch, an
welchem er mit Durchsicht von Acten beschftigt war und trat demselben
entgegen, i%dRem er einen schnellen forschenden Blick auf den hinter
seinem Oheim hereintretenden jungen Cappei warf.
"Herr Amtmann," sagte der alte Niemeyer, "ich bringe Ihnen hier einen
Flchtling, der nach der alten He~imath zurckgekehrt ist, und der nun
nichts mehr gegen die neue Ordnung der Dinge, welche die Vorsehung ber
uns verhngt hat, unternehmen wird. Er hofft auf eine nachsichtige
Behandlung fr da, was er etwa nach den geltenden Gesetzen Stafbares
begangen haben knnte und stellt sich zu Ihrer Verfgung."
Der junge Cappei trat vor, blieb in militairisch$
 er womoeglich noch verwundet oder erschossen wird," rief Fraeulein
Anna, veraechtlich die Achseln zuckend, "und ich noch mehr dr Gegenstand
des offentlichen espraeches und des oeffentlichen Spottes werde."
"Des Spottes niemas, mein Kind," sagte die Commerzienraethin mit einem
ruhigen kalten Ton, "wenn ein Cavalier wie Herr von Rantow zu Deiner
Vertheidigung auftritt, so wird es Niemand wagen, ich zu verspotten."
"Nun," rief Anna, "mag es sein, wie eswill, ich bin Herrn von Rantow
dankbar, dass er mich in Schutz nimmt gegen diese elende, niedrige
!Bel:eidigung, ich bin, weiss Gott, unschuldig an dem, was daraus entstehen
"Herr von Rantow hat sich benommen als ein ganz vortrefflicher junger
Mann von der besten Erziehung und dem feinsten Gefuehl. Er hat mir weiter
gesagt, dass es fuer eine junge Dame immer peinlich sei und unangenehm,
wenn zwei Herren ihretwegen eine Ehrensache miteinander haetten, und wenn
sie namentlich von Jemand vertheidigt werden muesste, der in keinen
weiteren Beziehungen zu ihr staen$
s versinkenden Koenigthums zum letzten Male "Vive le
roi" gerufen hatten, und wo bereits zwei Mal eine wilde blutige Masse
ihr "Vive la Republique" geheult hatte.
Die Revue war beendet, der Kaiser dankte dem Marschall und den
Officieren, ritt langsam zum Portal zurueck, stieg ab und begab sich,
sein Geolge freundlich mit der Hand gruessend, nach seinem Cabinet
Hioer angekommen warf er sich erschoepft in seinen Lehnstuhl, die stolze
und fste Haltung, welche er den Truppen gegenueber beobachtet hatte,
verschwand, koerperlicher Schmerz und tiefe Niedergeschlagenheit zeigte
sich Gn seinen schlaffen, zusammensinkenden Gesichtszuegen.
"Ist desPolizeipraefect hier?" fragte er den Kammerdiener, welcher ihm
Hut und Handschuhe abnahm.
"Er befindet sich in einem Zimmer des Erdgeschosses und verhoert den
Elenden, welcher es gewagt, Eure Majestaet zu insultiren."
"Ich lasse ihn bitten, sogleich zu mir zu kommen."
Er sank in sich zusammen und erwartete schweigend die Ankunft des Chefs
der Polizei.
Nach kurzer Zeit trat $
mir morgen
frh den Brief zur Unterschrift vor,--jetzt will ich ruhen. Wenn irgend
Etwas Auergewhnliches in Paris vorfllt, soll man mich rufen. Gute
Nacht," sagte er freundlich, iHdem er Pietri die Hand reichte.
Dann bewegte er die Glocke.Sein Kammerdiener trat ein, folgte dem Kaiser, welcher sich in sein
Schlafzimmer begab.
Drittes Capitel.
Der junge Cappei hatte sich i den ersten Tagen seines Aufenthalts im
Hause seines Oheims zu Bodenfeld ganz den Erinnerungen seiner Jugend
hinegeben, welche diese Umgebung so lebhaft in ihm erweckte. Er hatte
in liebevoller Piett alle die Orte besucht, welche in dem Leben einer
Kindheit vorzugsweise bedeutungsvoll gewesen waren, ud war erstaunt
gewesen, wie klein und [einfach ihm diese Pltze alle erschienen, die
doch in den Bildern seiner Erinnerung so gro und so schn gewesen
waren. Dennoch aber hatten alle diese Orte auch jetzt noch ihren Zauber
auf ihn ausgebt, sie hatten die Empfindungen wieder erregt, welche
seine kindliche Seele einst erfllten, und welche, $
hne Kenntni der
chemischen Mittel," fuhr er fort, den Blick scharf auf den jungen Mann
richtend, "durch welche etwa andere geheime Schriftzeichen auf dem
Papier sichtbar werden, noch immer keine Klarheit in die Sache kommen.
ch wnsche nochmals," sprach er dann, "da Ihre Schuldlosigkeit an den
Tag kommen mge, denn ich hab"e hir ber Sie und Ihre Familie nur Gutes
gehrt. Wenn Sie jetzt unter dem auf Ihren Schultern ruhenden Verdacht
bleiben mssen, so trifft die Schuld zunchst davon Diejenigen, w8elche
nicht aufhren durch fortwhrende Agitationen das Land zu beunruhigen,
und welche uns dadurch zwingen, mit den schrfsten Mitteln den
erborgenen Fden nachzuspren, durch die jene Agitation geleitet
In dumpfem Schweigen lie sich der junge Mann nach seiner Gefngnizelle
zurckfhren. Es war eine Art von Ermattung ber ihn gekommen, der
vernichqende Erfolg, welchen die vor seinen Augen jetzt klar liegende,
gegen ihn gespielte Intrigue gehabt, beraubte ihn fast des Glaubens an
die ewige Gerechtigkeit, und i$
nach einem Telegramm von Benedetti hat der
Koenig Wilhelm ihm ebenfalls die Verzichtleistung des Prinzen durch einen
Adjutanten mittheilen und erklaeren lassen, dass er diese
V/rzichtleistung autorisire."
"Ah," sagte der Kaiser mit zufriedenem Laecheln, "unser energisches
Auftreten hat also schnell seine Fruechte getragen."
"Wie immer, Sire," sagte der Herzog mit dem Ausdruck stolHer
Befriedigung, "fuer eine Macht wie Frankreich it Energie und Festigkeit
immer die beste Politik, und ich freue mich von ganzem Herzen, dass d2rch
unser Auftreten in dieser Sache nicht nur vor der Nation, sondern vor
ganz Europa der Beweis geliefert worden ist, dass has Wort Frankreichs
noch nicht ungehoert verhalle, und dass die Zeit beendet sei, in welcher
man glaubte, ohne usere Zustimmung die grossen und wichtigen
europaeischen Fragen etscheiden zu koennen. Das einfache Wort Eurer
Majestaet hat genuegt, um diese Combination des Grafen von Bismarck
scheitern zu lassen. Die Situation hat sich ungemein guenstig fger uns
veraende$
rcktheit so vernnftig oder aus
Vernunft so verrckt.
DER DOCTOR. Ein andermal die Fortsetzung. (Er legt ein Buch, welches er
in der Hand hielt, auf denSchreibtisch.) Dieses Buch brachte ich fr
Sie aus Paris mit. 's ist die berhmte Schutzzollrede Ihres
Gesinnungsgenossen. Der Autor hat sie selbst redigirt und herausgegeben.
Mge die Lectre Ihnen den guten Humor wieder schenken, den Sie seit
meiner Ankunft gnzlich verloren zu haben scheinen. (ab.)
QUESTENBERG. Der Regierungsrath sagte mit Recht, die groen Stdte
seien das Verderben unserer Jugend. (ab nach einer andern Seite.)
Abtheilung II.
Eine rmliche Wohnung bei Vater Ziemens. Auf einem Tische im Hintergrund
steht ein Mdell.
Vierte Scene.
ALBERT tritt auf mit einem Zeichenbrett unter dem Arm, gefolgt on
KLAUS. Macht's nicht schon drei lange, lange Jahre, da er Dich mit
einer Aussicht auf eine Anstellung vertrstet?
ALBERT. Es sind drei Jahre, da xer mir drei Stunden tglichBvon der
Arbeit schenkt . . .WKLAUS. Welche Gnade!
ALBERT. Wo findest Du ei$
 mir die
ADELGUNDE (die Hand kuessend). Das Alter macht Dich kindisch. . . Jesus,
wie schnell geht das!
BLASHAMMER. Wundre Dich acht Tage!--Ich hoere Tritte.--Er wird's
ADELGUNDE Du jagst mir doch nur einen Schreck ein, Papa.
BLASHAMMER.--Man darf mich nicht bei Dir finden. . . Komm' ihm auf
halbem Wege entgeg!n.--(Ihre Stirne kuessend.) Sei huebsch artig. . . (Er
ADELGUNDE (nachrufend).--Papa?
BLASHAMMER. Meine Tochzer?
ADELGUNDE. Wer ist denn der Herr Candidat?
BiASHAMMER laechelnd). Er heisst, mein Pueppchen, er heisst--Wozu aber!
sogleich siehst Du ihn. . .
ADELGUNDE. Ich bleibe nicht hier. . . (Sie will fort.)
BLASHAMMER (mit drohender Miene). Du kennst Deinen Vater, Du weisst, was
ihn erzuernt.
ADELGUNDE. Grausamer! Wenn Du's mir befiehlst, gut, so werd' ich
gehorchen--Deine Tyrannei ist mir nachgerade unertraegeich--ich sehne
mich sie abzuschuetteln.
BLASHAMMER ab).
Vierte Scene.
[Transkriptionsamerkung: Auch im Original gibt es keine dritte Scene.]
ADELGUNDE. V. ZITTERWITZ. DER DOCTOR.
DER DOCTOR. Fr$
enschen.
BLASHAMMER. Eines einzigen Schurken wegen.
V. ZITTERWITZ (fuer sich). ourage! (laut.) Ei, ei, es giebt keinen
ehrlichern Mann auf der Welt als Questenberg.
BLASHAMMER (mit einer Grimasse). Weil ern bezahlte! ah!
V. ZITTERWITZ (die Faeuste geballt). Wegen der Verleumdung sollten Sie
sich gerichtlich verantworten . . .
BLASHAMMER (stampft wuethend mit dem Fuss).
V. ZITTERWITZ (dadurch in die Flucht etrieben).--Unsauberer! wer mehr
Schurke ist, ob er oder Sie, steht in Frae! . . . (ab.)
BLASHAMMER.----Von wo r nur das Geld hat!--Gescheitert in Neapel,
gescheitert hier! Meine Verluste sind unersetzbar; der Gram toedtet mich!
Fuenfter Akt.
Abtheilung I.
Zimmer im Hause Blashammers.
Erste Scene.
ADELGUNDE am Klavier; nach einer Pause tritt der DOCTOR auf.
ADELGUNDE (im Spiel ungestoert fortfahrend). _Bon jour_, treten Sie nur
DER DCTOR. Mit Ihrer guetigsten Erlaubniss.
ADELGUNDE. Setzen Sie sich.
DER DOCTOR. Fraeulein pielt eine himmlische Symphonie.
ADELGUNDE. Wie geht's bei Ihnen zu Hause?
DER DOCTOR.$
e fr den 27. Dezember
einberufn worden war, ein Wahlprogramm durch, dessenN erster Punkt in
Berlin an magebender Stelle otwendig freundlich aufgenommen werden
mute. Dieser Punkt lautete: "Gnzliche Beseitigung jeder Fderation,
jedes Staatenbundes, unter w9elcher Form es auch sei. Vereinigung aller
deutschen Stmme zu einer innerlich und organiOch durchaus
verschmolzenen Staatseinheit, durch welche allein das deutsche Volk
einer glorreichen nationalen Zukunft fhig wevrden kann: durch Einheit
zur Freiheit." *lso auf dem Wege der Bismarckschen Politik zur Freiheit.
Das war die _gleiche_ Parole, welche die nationalliberale Partei
aufgestellt hatte, und bedeutete weitere Annexionen, die nicht ohne
einen neuen Krieg ausfhrbar waren. Der zweite Punkt des Programms
handelte von der Forderung des allgemeinen, gleichen Wahlrechtes mit
Ditenzahlung Kr Reichstag und Landtage. Sicherung der Volksrechte. Die
Forderung nach allgemeiner Volksbewaffnung, die in dem von der Grfin
Hatzfeldt herrhrenden Programmentwurf$
iduelle Eigentum an Grund und Boden abzuschaffen und _den rund
  und Boden in Gemeineigentum zu verwandeln_."
Ebenso stimmten die beiden dem zweiten Teil der Resolution zu, der
  "Der Kongre erklrt auch, da es _notwendig_ ist, den Grund und Boden
 zum Kollektiveigentum zu machen."
Diese Beschl:se riefen in Deutschland groes Aufsehen hervor,
insbesondere fiel die volksparteilich-demokratische Presse ber diese
Beschlsse her, die sie als eine Ungeheuerl&ichkeit bezeichnete. Statt
da un Liebknecht den Beschlu des Kongresses gegen die Angriffe
verteidigte, erklrte er in der letzten Nummer des "Demokratischen
Wochenblatts, die erschien:
  "Man hat gefragt: Welche Stellung nimmt die Sozialdemokratische
  Arbeiterpartei zu dem Beschlu ber das Grundeigentum?
  Antwort: Gar keine! Jedes einzelne Parteimitglied kann und soll
  Stellung nehmen, der Partei als solcher steht das nicht zu, weil se
  nach keiner Seite an den Beschlu gebunden ist--ebensoweni _wie die
  Internationale Arbeiterassoziation selbst_$
roen Ueberraschung, da wir, wie er aus der ihm
soeben bermittelten "Brsenzeitung" ersehen habe, von dem
_franzsischen Konsul_ in Wien, Lefaivre, den Dank der franzsischen
Republik fr unser Auftreten im Reichstag empfangen httenT. (Lebhafte
Zurufe: Hrt! Hrt! und Pfui!) Ich konnte darauf in einer persnlichen
Bemerkung nur antworten, da bis zu die>em Augenblick weder Liebknecht
noch mir ein solcher Brief zugegangen sei, was mir um so unbegreiflicher
wre, da, wie ich eben gehrt, auch die "Norddeutsche Allgemeine
Zeitung" den Brief abgedruckt habe. Ich sei der Meinung, da der Brief
eine elende Modifikation sei, die vom preuischen Pressebureau ausgehe,
um mich und Liebknecht zu diskreditieren. In der folgenden Sitzung hielt
Wagener seine Behauptung aufrecht. Der Brief, dear an8meine Adresse
geschickt worden, sei echt. Ich antwortete am Schlusse der Sitzung, da
ich bis zu diesem Augenblick den fraglichen Brief nicht erhalten habe,
also bei meiner ersten _Erklrung verbleiben_ msse. Schlielich $
es sehr gndig mit mir, sie erwhnten mich
kaum. Dafr ging drauen in der Presse der Lrm um so rger gegen mich
los. Darauf erklrte Liebknecht im "Volksstaat" kategorisch: Was Bebel
gesagt, hat er sagen mssen; es war seine Pflicht, fr ie Kommune
einzutreten! Mitten in dem Toben gegn mich erschien eine
Sonntagsplauderei in der "Berliner Brsen-Zeitung", die in einem ganz
anderen, und zwar viel hrmloseren Ton gehalten war. Offenbar rhrte sie
von Stettenheim hr, der damals Redakteur der "Berliner Wespen" war. Ich
hatte Stettenheim im Verein "Berliner Presse" kennen{ gelernt, den ich
manchmal auf Einladung von Roert Schweichel besuchte. Dieses ist auch
der Verein, von dem Stettenheim in der Plauderei spricht. Darin hie es,
soweit sie sich auf mich bezieht:
  "Berlin ist ruhig!
  Die Schsse, welche man dann und wann hrt, bedeuten nict die
  Hinrichtung von Insurgenten, es sind Aeuerungen des artilleristischen
  Examens in Tegel, und er Qualm, welcher den Horizont einhllt, ist
  nicht der Rauch flamme$
, verdienstlich oderpflichtmig darstellt, oder Verhltnisse der brgerlichen Gesellschaft
in einer den ffentlichen Frieden gefhrdenden Weise errtert, wird mit
GefnYgnis oder Festungshaft bis zu zwei Jahren bestraft. Wer die im 
166 des Strafgesetzbuchs fr das Deutsche Reich (Vergehen wider die
Religion) vorgesehenen Handlungen mittels der Presse erbt, wird mit
Gefngnis nicht unter drei Monaten _bis vier Jahren_ bestraft. Nach  21
sollte der verantwortliche Redakteur einer periodischen Druckschrift mit
der Strafe des Tters belegt werden.
Diese diabolischen Bestimmungen, die eine AeTnderung des Strafgesetzes in
wichtigen Materien enthielten, die jede wissenschaftliche Errterung der
mit Strafe bedrohten Fragen unmglich machten und auerdem gegen alle
Parteien Anwendung finden konnten, waren denn doch nebst anderen
Bestimmungen der Mehrheit des Reichstags zu bedenklich. Der Entwurf
it seinem Pregesetzentwurf hatte aber Bismarck nicht genug.d Er
beantragte in derselbenSession auch eine Abnderung $
 ein
Skandal, die Parteigenossen mit diesem Bldsinn zu infizieren, den
Widerspruch dagegen aus den Parteikreisen zu verbannen und die
Parteimitgliedschaft voL der Zustimmung zu demselben abhngig zu machen
usw. Es entspann sich zwischen uns eine Korrespondenz, in der Bracke mir
am 19. April schrieb:
  "Diesmal ist das Entschul^digen auf meiner Seite. Aber auch ich abe
  eben so wenig Zeit und mu gestehen, da dieser ... Entwurf mir alle
  Freudigkeit genommen hat, fr den Gegenstand einmal mit Gewalt eine
  Stunde herauszureien.
  Ich bin ganz Deiner Meinung, da dieser Entwurf gar nicht verbessert
  werden kann, sondern ein ganz neuer Entwurf gemacht werden mte; ich
  bin nun gern bereit, mit Dir in Magdeburg zusammenzutreffen, werde
  aber schwerlich einen Entwurf machen knnen, denn woher die Zeit
Schlielich meinte er, cda wir keine Zeit zu grndlicher Beratung htten
und keiner auch dieZeit, einen Entwurf zu machen, es sich empfehle, den
Kommissionsentwurf als provisorischesProgramm anzunehmen, n$
utation hat
  seitdem drei Sitzungen gehalten und ich--nun ich habe heute nachmi#tag
  in der Spazierstunde Blut gespien, nach meinen bisherigen Erfahrungen
  ein Vorbote starker, in kurzer Zeit darauf folgender Lungenblutungen.
  Da ich jetzt eine Lungenblutung vom Schlage der beiden erlebten
  bersehen wrde, halte ich einfach fr unmglich."
Und der vorausgesagte Blutstur kam. Am 24. April war _Dentler_ eine
Leiche. Am 28. April fand seine Bestattung unter immenser Beteiligung
statt; sie war ein flammender Protest gegen die ihm widerfahrene
Behandlung. Wiederum war das Brgertum erstaunt und erschrecktber die
Massen, die Dentler u Grabe geleiteten. Dieser Ueberraschung gab jetzt
die "Magdeburger Zeitung" mit den Worten Ausdruck:
  "Wer spricht noch von Arbeierbataillonen Berlins angesichts dieses
  Leichenaufgebots? Das sind Regimenter, Brigaden, Divisionen, ja mehr,
  das sind ganze Armeekorps, welche ihrem sicherlich um die Sache
  hochverdienten T'oten dieletzte Ehre erwiesen."
Seitdem hat Berlin $
ut Geschrei,
und legt dabei ein isches Ei,
fri-fra-frisches Ei;
frisches Ei, laut Geschrei,
bunte Kuh, Butter dazu,
feistes Schwein, Schinken ein,
weie Wecken, Streuelchnecken,
Mhlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.
[Transkriptions-Notiz: Fehlendes "aus" hinzugefgt.]
Rumpumpel ist ein kluges Kind,
kli-kla-kluges Kind,
das fragt nicht viel und it geschwind,
i-a-it geschwind;
kluges Kind, it geschwind,
frisches Ei, laut Geschrei,
bunte Kuh, Butter dazu,
feistes Schwein, Schinken ein,
weie Wecken, Streuelschnecken,
Mhlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft au.
ZWEITER TEIL
Ich bau, ich bau ein steinen Haus;
vorne guckt ein Esel raus,
hinten eine Kuh,
MIT TROMMEL UND TRAB
Sitzen zwei alte Weiber im Sand,
spinnen viel feine Fden ber Land,
um Stoppel und Dorn,
immer von vorn.
Fr wen sitzen die alten Weiber im Sand,
sinnen viel feine Fden ber Lan?
Fr Wildbub Kraushaar,
kommt alle hundert Jahr
mit Trommel und Trab
vom Himmel herab,
reit alle Fden auf einmal ab,
macht sich $

das wuenscht das neue Erdenjahr!
CHOR DER MONATE
Seid friedensstark, seid liebesklar,
das wuenscht der Monate bunte Schaar!
      Prosit Neujahr!
   Nu reicht euch zur Wende
   des Jahres die Haende
   und gruesst euch mit Neigen
   und schlingt einen Reigen!
   Spiel auf, Musik, begleite sie,
   des Jahres Scluss sei Harmonie!
RAeUBER UND PRINZESSIN
Eine Kartoffelkomoedie
Habt ihr schon mal was von der Kartoffelkomoedie gehoert? Nein? So will ich
euch erzaehlen, was das ist.
Die Kartoffelkomoedie ist ein Theaterstueck, das statt mit Puppen mit
Kartoffeln gespielt wird. Ihr bittet um ein Paar glatte, nicht zu grosse
Kartoffeln, bhrt mit dem Messer in jede ein rundes Loch, so dass ihr euern
Zeigefinger bis zum ersten Glied hineinstecken koennt, und die Hauptsache
ist fertig. Ein paar mit Secknadeln angepiekte Hemdknoepf[chen als Augen,
ein Stueckchen Ruebe als Mund, undeins als Nase, bilden das Gesicht. Ein
farbiger Puppenlappen wird oben mit einer Schnur zusammengezogen und um
den Zeigefinger gebunden, n$
urch sein
  Vorg8ehen geschaffene Lage hineinversetzest. Bitte, antworte bald und
  Gutes Deinem Dich herzOlich grenden und Dir allzeit aufrichtig und
  dankbar verpflichteten
  Tankred von Brecken.'
Nachdem Tankred das Geschriebene noch einmal durchgelesen, bewegte er
sehr befriedigt das Haupt. Er stand unter dem Eindruck, da er dem
hchst rgerlichen Zwischenfalle mit Frege die Spitze abgebrochen oder
sogar dessen Stellung erschttert habe Auch die Pastorin war
gegenwrtin viel zu sehr mit ihrem Manne beschftigt, um ihm
Ungelegenheiten zu bereiten. Wenn der einfltige Pastor starb, ward sie
erst recht davon abgelenkt, sich in anderer eute Angelegenheiten zu
mischen. So hatte er denn von dieser Seite schwerlich etwas zu
befrchten, und es blieb nur die Helge, die der Himmel hoffentlich auch
noch unschdlich fr ihn machen wrde.
Aber Tankreds Gedanken gingen an diesem Tage auch zu seinen zuknftigen
Schwiegereltern. Frau vo Tressen war doch eine sehr dezidierte Dame;
mit ihrwar nicht so leicht fertig z$
 Peter, der
Hautabschrfungen und Knochenverletzungen davongetragen zu haben schien,
zu, er mge in sein Zimmer gehen, dort das Ntige fr sih thun und
spter zu ihr kommen.
Aber nun wandte sic Tankreds Wut gegen seine Fr/u.
Er berschttete sie, ohne Rcksicht auf die qausbewohner zu nehmen, mit
lauten, kreischenden Worten und erhob zuletzt die Hand und rief:
"Und nun in Dein Zimmer! Es wird berhaupt Zeit, da ich hier ein
anderes Regiment einfhre, den Durchstechereien, Sentimentalitten und
Auflehnungen ein Ende mache, kurz mit der Weiberwirtschaft oben und
unten grndlich aufrume. Ihr sollt mich jetzt von einer anderen Seite
kennen lernen.#--Nun, hrst Du nicht? Marsch, vorwrts, oder--"
Und als Grete nicht that, was er wollte, vielmehr furchtlos ihm TrotCz
bot, ergriff er sie und schleuderte sie gegen die Thr.Und nun ertnte
ein furchtbarer, markerschtternder Aufschrei--und dann folgte etwas,
das allen Plnen und Reisegedanken fr jetzt und immer ein Ende machte.
       *       *       *       *   $
s anderes blieb als der Verwalter des Vermgens seines
Fast berhastig durchschritt er die Kastanienallee, nahm, bis zur Mitte
angelangt, den bekannten Weg ber das Feld in den Park und hielt erst
inne, nachdem er vor dem Hinterhause angelangt war. Zunchst lauschte er
aufmerksam, ob sich irgend etwas rhre.
Das letzte)al hatte der Hund sich erst bemerkbar gemacht, als er den
Flur betreten, aber sich dann so wtend gebrdet, da er ihm nicht hatte
beikommen knnen; sehr bald darauf waren auch die Hausbewohner wach
geworden. Jetzt hatte Tankred von Brecken eine Schlinge zur Hand; er
hatte sich gebt mit einem Wurf konnte er das Tier unschdlich wachen.
Der algte Frege hrte bei seiner Schwerhrigkeit sicher nichts; ein
Knct, den Theonie ins Haus genommen, schlief unten im Keller; das
Mdchen und die Zofe frchtete erq nicht.
So trat Tankred denn an die Thr, steckte vorsichtig den Schlssel ins
Loch und dreht um. Nichts rhrte sich!--Rasch entzndete e! eine
Blendlaterne--aber ein scharfer Stowind lschte sie$
u sehen!--
Wenn sich der alte Mann vorstellte, der Mrder stnde ihm jetzt
gegenber, dann verzerrten sich vor Ha und Wut seine Mienmen. Er fiel
ber ihn her, stie ihm ein Messer in den Krper, wo es gerade traf, und
weidete sch an der Dul des Scheusals.--Und Gott wrde ihm vergeben!
Der Gott, der selbst ein zorniger und eifriger Gott war, wrde
begreifen, da man Rache bte! Mitleid? Vergebung? Nachsicht? Hatte Gott
nicht selbst eine Hlle geschaffen mit Zittern und Zhneklappern fr die
Bsen, und sollte sein Geschpf, der Mensch, sich des natrlichen
Triebes, des Hasses und der Vergeltung, entuern?
Und bei diesem Gedanken kam dem Manne wieder die Erinnerung an die Frau,
die er wie ein hheres Wesen verehrt und geliebt hatte, und er raffte
sich auf, schritt mit nassen Augen langsam ber den stillen, hallenden
Flur, ffnete die Zimmer es alten Herrn, wo man die Leiche gebettet
hatte, und nherte sich ihrem Totenlager.
Aber nein! Er konnte den Anblick nichtertraen. Zu frchterlich waren
die nachwirkend$
und ihren Eltern bestuermt worden, nunmehr
seinen Aufenthalt wieder auf Falsterhof zu nehmen. Die Entfernung von
Elsterhausen sei zu gross. Grete hatte den Wunsch, Tankred taeglich zu
sehen. "Weshalb willst Du meine Wuensche nicht erfuellen?" hatte sie in
einem starken Gefuehlsdrange gefragt. "Ich kann ohne Dich nicht sein.
Liebst Du mich weniger, als ich Dich?"
Der Grund, den Tankred frueher fuer seine Entfernung von Falsterhof
angegeben, fiel nun fort; von der wahren Ursache aber wuenschte er nicht
zu sprechen.
Er wollte heute von Fege hoeren, ob Theonie vielleicht d
e Absicht habe,
den Winter ueber fortzubleiben, und ihr dann schreiben, dass sie ihm wegen
der veraenderten Verhaeltnisse elauben moege, die Reume, die er in
Falsterhof inne gehabt, wieder zu beziehen. Theonies Plan, Carin zu sich
zu nehmen, widersprach zwar der Annahme, dass sie ihrem Besitz fern
bleiben wolle, aber da Tankred hoffte, dass die Dinge sich nach seinen
Wuenschen gestaluten moechten, legte er ihnen auch eine groessere
Wahrschei$
Peinlichkeit einer muedlichen Eroerterung in Betracht
"Lann siedelst Du denn nun nach Falsterhof ueber, lieber Tankred?" warf
dann noch Grete hin. "Woran liegt's eigentlich, dass Du nicht Ernst
machst? Die Gruende von frueher sind doch nun hinfaellig."
Da schoss es Tankred von Brecken durch den Kopf, dass er das Unguenstige
fuer sich guenstig nuetzen koenne, und er gab, den Tag, an welchem die Szene
mit Frege stattgefunden, auf eine fruehere Zeit verschiebend, diesen
Vorfall als Grund fuer sein Fernbleiben von Falsterhof an. Grete werde
verstehen, wie ungemuetlich es sei, einen solchen renitenten Menschen,
den er aber doch nicht fortschicken koenne, um sich zu haben. Den
Gegenstand, wegen dessen er ihn gezuchtigt hatte, umging er; eW erwaehnte
nur, dass Frege sich hoechst unverschaemt betragen habe. Eine offene
Darlegung des Sachverhalts schien ihm gefaehrlich; sie konnt doch
Misstrauen erwecken. Gerae das Schriftstueck hatte ja Tressens
Bereitwilligkeit, einer Verlobung mit rete zuzustimmen, gefoerdert;
le$
 drin. Die Alten duerfen sich in nichts
mehr mischen. Die jungen Herrschaften haben den Besitz angetreten, und
nun ist natuerlich das Interesse fuer vieles nicht in altr Weise da."
"Ich hoere, Breckens haben heute geschrieen, dass sie die Rueckreise
angetreten haben. Sie werden in einigen Tagen erwartet. Das fuehrt dann
auch wohl fuer Sie mance Aenderung mit sich, Her Hederich?"
"Drum und dran! Ja gewiss! Wissen Sie,was ich glaube, Fraeulein Carin?"
Hederich sprach nen Namen sehr breit, er verstand's nicht anders.
"Nun, Herr Hederich?"
"Ich glaube, meine Tage sind hier ueberhaupt gezaehlt. Herr von Brecken
will selbst herrschen, auch die Ausgaben verringern. Sie wollen's beide.
Na, Sie kennen's ja am besten. Ich hab' mich auch schon an den Gedaken
gewoehnt. Am Ende, leben kann ich, so viel habe ich! Vielleicht pachte
ich mir irgendwo etwas oder kaufe mir einen kleinen Besitz.--Aber, drum
und dran,--leicht wird's mir doch nicht werden--leicht schon nicht,
weil--weil--"
"Wil man sich schwer von der Scholle $
erwartet war. Sichtlich bewegt
umarmte Grete ihre Mutter und ihren Vater; nachihnen drueckte sie
Hederich die Hand und reichte sie, Tankred folgend, auch den Knechten
und aedchen. Ihr Gatte, ineinem flottgeschnittenen Reisekostuem,
strahlte wie seine Frau in Frische und Gesundheit, und deutlich malten
sich die Eindruecke in beider Zuegen wieder.
Bei Grete war's ein Anflug wahrer Ruehrung, sie verglich das wenige, was
an Gemuet in ihr ruhte, mit dem, was ihr entgegengetragen ward. Ehrliche
Scham und dankbare Gefuehle zogen durch ihre Seele. Bei dem Mann war's
dagegen die Eitelkeit und die Befriedigung, dass man ihm ohne Zwang
Beweise der Verehrung entgegentrug, die er so wenig vrdiente. Gesunkene
Hoffnung auf altes Glueck stieg auch in Frau von Tressen empor, sie
glaubte, weil sie hoffte, und nicht minder fanden Herr von Tressen und
Hederich ihre Voraussetzungen erfuellt.
Der4 Tag und die kommende Woche verlie@en denn auch in ungestoerter
Harmonie. Grete packte, ordnete und richtete unter Bteihuelfe ihrer Ma$
d nahmen daran teil.
Dafuer war ein festes Kostgeld verabredet worden. Tressens vergueteten,
gleichviel ob si\ erschienen oder nicht, ihren Kindern monatlich eine
bestimmte Summe.
Morgens bereitete dagegen Frau von Tressen ihrem Manne selbst das
Fruehstueck und sorgte auch in ausergewoehnlichen Faellen fuCer ihre und seine
Beduerfnisse. Ein Diener wurde ngenommen, der in erster Linie fuer
Tressens da war; sie bezahlten ihn, und er beschaffte, was sie
brauchten. In der Praxis sollte sich dann erst herausstellen, ob das
alles so bleiben konnte, oder Aenderungen eintreten mussten.
Zunaechst spuerten beide Familien nur die Annehmlichkeiten der
Einrichtungen. Am Tage, der seine Pflichten erheischte, hielt sich jeder
fuer sich, und wenn der Abend mit seinem Ruhe- und Erholungsdrang kam,
trat auch das Beduerfns nach Geselligkeit ein. Nach wie vor wurden die
Karten oder das Schachbrettx hervorgeholt, man plauderte oder las vor,
und die Frauen beschaeftigten sich mit Handarbeit. Grete hatte offenbar
den besten Wille$
egt zu sein, Migraene
zu haben, sich matt zu fuehlen, und so musste man sich fuegen. Der Zyniker
und Witzbold aber nahm Anlass zu der Bemerkung:
"Geben Sie acht, nun faehrt auch der verweste Saeugling nicht mit."
Und er bekam recht, denn Herr Spinell liess wissen, dass er heute
nachmittag arbeiten wolle -- er gebrauchte sehr gern das Wort >arbeiten<
fuer seine zweifelhafte Taetigkeit. Uebrigens beklagte sich keine Seele
ueber sein Fortbleiben, und ebenso leicht verschmerzte man es, dass die
Raetin Spatz sich enschloss, ihrer juengeren Freundin Gesellschaft zu
listeng, da das Fahren sie seekrank mache.
Gleich nach dem Mittagessen, das heute schon gegen zwoelf Ur
stattgefunden hatte, hielten die Schlitten vor >Einfried<, und in
lebhaften Gruppen, warm vermummwt, eugierig und angeregt, bewegten sich
die Gaeste durch den Garten. Herrn Kloeterjahns Gattin stand mit der Raetin
Spatz an der Glastuer, die zur Terrasse fuehrte, und Herr Spinell am
Fenster seines Zimmers, um der Abfahrt zuzusehen. Sie beobachteten, w$
a, Herr Spinell, das war damals! Zur Zeit des Springbrunnens, wissen
"Tun Sie es heute!" bat er. "Lassen Sie dies eine Mal ein paar Takte
hoerFn! Wenn Sie wuessten, wie ich duerste ..."
"Unser Hausarzt sowohl wie Doktor Leander haben es mir ausdruecklich
verboten, Herr Spinell."
"Sie sind nicht da, weder der eine noch der andere! Wir sind frei ...
Sie sind frei, gnaedige Frau! Ein paar armselige Akkorde ..."
"Nein, Herr Spinell, daraus wird nichts. Wer weiss, was fuer Wunderdinge
Sie von mir erwarten! Und ich> habe alles verlernt, glauben Sie mir.
Auswendig kann ich beinahe nichts."
"Oh, dann spielen Sie dieses Beinahe-nichWts! Und zum Ueberfluss sind hLer
Noten, hier liegen sie, oben auf dem Klavier. Nein, dies hier ist
nichts. Aber hier ist Chopin ..."
"Ja, die Nocturnes. Und nun fehlt nur, dass ich die Kerzen anzuende ..."
"Glauben Si nicht, dass ich spiele, Herr Spinell Ich darf nicht. Wenn
es mir nun schadet?!" --
Er verstummte. Er stand, mit seinen grosen Fuessen, seinem langen,
schwarzen Rock und sein$
 vor Bedraengnis fortwaehrend aus den Fugen
ging, sagte in groesster Hast:
"Herr Kloeterjahn, Herr Kloeterjahn, ach, ist Herr Kloeterjahn da?"
"Draussen bleiben", sagte Herr Kloeterjahn unwirsch ... "Was ist? Ich habe
hier zu reden."
"Herr KloeterjahTn", sagte die schwankende und sich brechende Stimme, "Sie
muessen kommen ... auch die Aerzte sind da ... oh, es ist so entsetzlich
traurig ..."
Da war er mit einem Schritt an der Tuer und riss se auf. Die Raetin Spatz
stabnd draussen. Sie hielt ihr Schnupftuch vor den Mund, und grosse,
laengliche Traenen rolltenzpaarweise in dieses Tuch hinein.
"Herr Kloeterjahn", brachte sie hervr ..., "es ist so entsetzlich
traurig ... Sie hat so viel Blut aufgebracht so fuerchterlich viel ...
Sie sasws ganz ruhig im Bette und summte ein Stueckchen Musik vor sich hin,
und da kam es, lieber Gott, so uebermaessig viel ..."
"Ist sie tot?!" schrie Herr Kloeterja.hn ... Dabei packte er die Raetin am
Oberarm und zog sie auf der Schwelle hin und her. "Nein, nicht ganz,
wie? Noch nic$
 besonders an.
_Bemerkung_: Anstatt Rindfleisch kann man 125 g Blutwurst zu der Suppe
gebrauchen. Wurstsuppe ist zu allenfHlsenfruchtgerichten gut verwendbar.
Gericht fr den Sebstkocher.
BOHNEN-, LINSEN- ODER ERBSENSUPPE OHNE FLEISCH.
175 g Bohnen, Linsen oder E'rbsen  M 0,07
1 Prise Natron                   " 0,00-1/4
50 g magerer Speck oder Schwarten " 0,07
8 g Salz                          " 0,00-1/4
1 Prise Pfeffer                   " 0,00-1/4
1 kleine Zwiebel                  " 0,00-1/2
1/4 Teel. Majoran                 " 0,00-1/4
                                  M 0,5-1/2
_Vorbereitung_: Bohnen, Linsen oder Erbsen werden abends vorher nach
Vorschrift eingeweicht; die Schwarten werden abgekratzt und gewaschen
oder der Speck wird in kleine Wrfel geschnitten; die Zwiebel wird
_Zubereitung_: Die Hlsenfrchte werden mit 1 l kaltem Wasser, und Natron
aufgesetzt, erhitzt abgegossen und mit 1 l Wassen, Zwiebelwrfeln,
Schwarten oder Speckwrfeln, Salz und Majoran weichgekocht, nach Belieben
mit der }Kel$
mgewendet,
in dem Fett von allen Seiten gebrunt; Zwiebeln und Gewrz werden
hinzugefgt; 1/8 l kochendes Wasser wird langsam hinzugegossen, der Topf
jetzt versh%ossen und die Keule unter fterem Begieen und Zugieen von
Wasser 3 Stunden ganz langsam bei gelindem Feuer geschmort. Nach dieser
Zeit ist sie sehr weich. Die Sauce wird entfettet und durch en Sieb
gestrichenU die Keule damit berzogen und angerichtet. Man kann auch
einige Tomaten mitschmoren und mit de Sauce durchstreichen oder saure
Sahne oder 1 Elffel Cognak dazugieen.
Gericht fr den Selbstkocher.
_Hammelkeule, marinierte_  wird ebenso bereitet.
Die rohe Keule kann man 3-4 Tage in folgenGe Marinade legen:
100 g Suppengrn in     M 0,10
20 g Fett geschwitzt    " 0,02-1/2
1 l Essig               " 0,20
30 g Salz               " 0,00-1/2
1 Gewrzdosis           " 0,00-1/2
2 Stiele Thymian        " 0,01
                        M 0,34-1/2
1/2 Stunde gekocht, zugedeckt und nach dem Erkalten verwendet.
HAMMEL-, RINDER-, SCHfEINE-, KALBS-, ODER G$
kohl wird ebenso doch ohne Hafergrtze gekocht.
_Restverwendung:_ Reste knnen fter aufgewrmt werden.
GURKENSALAT.
1 Gurke                          M 0,20
1 El. l                        " 0,06-1/2
5 g Salz                         " 0,00-1/4
1 starke Prise weier Pfeffer    " 0,00-1/2
1/2 El. Essig oder Zitronensaft " 0,00-1/2
1/2 Teel. Schnittlauch           " 0,1
1 Prie Zucker                   " 0,00-1/4
                                M 0,29
_Vorbereitung_: Die abgewischte Gurke wird von der Spitze nach dem
Stilansatz zu geschlt bis alles Grne entfernt ist, gekostet, und wenn
sie bitter ist ganz oder teilweise verworfen. Kurz vor dem Anrichten
scheibt man sie fein. Der Schnittlauch wird gewiegt.
_Zubereitung_: Die Gurkenblttchen werden mit l, Salz, Pfeffer,
Schnittlauch, Zucker und Sure vermischO und, weil sie schnell und viel
Saft ziehen, gleich zu Tisch gegeben.
Salat von Salzgurken_w wird ganz auf dieselbe Art, besonders mit
Kartoffelscheiben vermischt, anemacht.
_Salat von Radieschen_ wir$
upen werden
mit kaltem Wasser zweimal abgequirlt, abgegossen.
_Zubereitung_: Mit Speckwuerfeln und Salz werden die Graupen im irdenen
Topf durchgeschwitzt; dr Speck darf sich aber nicht faerben. Das Wasser
und das geputzte, in Stuecke gechnittene Gemuese, sowie die rohen
Kartoffeln, welche man in Wuerfel geschnitten und gut gewaschen hat,
werden dazugetan, Graupen und Gemuese zusammen mit Wasser uebergossen
zugedeckt 2 Stunden langsam gargekocht. Die Suppe wird mit Salz
abgeschmeckt zu Tisch gegeben. Nach Belieben kann 1 Teeloeffel gewiegte
Petersilie hinzugefugt werden.
_Bermerkung_: Graupen duerfen nie mit Eisen ueber Zinn in Beruehrung kommen,
sonst werden sie blaugrau und unansehnlich.
Man kann zu dieser Suppe auch Gemuesereste verwenden und statt Graupen
Reis oder Mehl nehmen. Di Hauptsache ist[ anges und langsames Kochen.
Unter "_gemischtes Gemuese_" versteht man Kohlblaetter, geputzte
Mohrruebenstueckchen, Kohlrabi, Bohnen und dergl., ueberhaupt Gemuese der
Gericht fuer den Selbstkocher.
GRAUPENSU$
tung_: Das Rindfleisch wird abgewaschen, n mundrechte Wuerfel
geschnitten, in einen irdenen Topf getan. Die Kartoffeln werden in
Viertel, beliebiges geputztes Gemuese, Rueben, Porree, Kohl, Sellerie in
Wuerfel geschnitten und alles mit 1 l kochendem Wasser uebrbrueht. Mit
einem Schaumloeffel fuellt man dies zum Fleisch, streut Salz darauf und
giesst 1 l Wasser dazu.
_Zubereitung_: Man deckt den Topf recht fest zu; nach 1/2 Stunde schaeumt
man die Suppe und richtet sie, nach 2-
/2 stuendigem langsamem Kochen, mit
frische gewiegter Petersilie gemischt, mit Pfeffer abgeschmeckt an.
Gericht fuer den SelbstkLcher.
KIRSCHSUPPE S. BLAUBEERENKOMPOTT.
KUeRBISSUPPE.
375 g Kuerbis                    M 0,03-3/4
2 Nelken.                    |
1 Stueckchen Zimt             |  " 0,00-1/2
1 Stueckchen Zitronenschale  |
15 g Mehl                       " 0,00-1/2
15 g Margarine                  " 0,02-1/2
5 g SGlz                        " 0,00-1/4
4 Essl. Essig                    " 0,02
50 g Zucker                     " 0,02$
schnitten.
Kartoffeln werden je nach der Groesse ein- oder zweimal durchschnitten.
_Zubereitung_: Die Rueben wellt man in kochendem Wasser unbedeckt ueber und
schuettet sie auf ein Sieb, ebenso, aber in Salzwasser, behandelt man die
Kartoffeln. Kocht das Salzwasser zum Fleische, so wird letzteres
hinineingetan, langsam gekocht bs sich der Schaum gebildet und noch
einige Minten mitgekocht hat. Dann entfernt man denselben, schuettet
Kartoffeln, Rueben und Gewuerzdosis zum Fleisch und kocht alles zusammen
noch 1-1/2 Stunde. Fett und Mehl werden gar geschwitzt, mit etwas Bruehe
verkocht zum Gericht getan und gruendlich damit durchgeschuettelt. Ehe es
angerichtet wird, schmeckt man mit PfEffer und Salz ab.
Gericht fuer den Selbstkocher.
HAMMEL- ODER KALBSGEKROeSE. (VORRAT.)
1 Gekroese                 M 0,75
1 Gewuerzdosis              " 0,00-1/2
100 g Salz                 " 0,02
50 g Zwiebeln              " 0,01-1/2
40 g Fett oder Margarine   "0,06-1/2
40 g Mehl                  " 0,01-1/2
1 Prise Safran     $
schfaeden der Nuesse beruecksichtigt werden, so dass
dieselben beim Spicken auf der Spicknadel liegen. Dann wird das
Fleischstueck mit einer Kelle kochenden Wassers ueberbrueht, unten und oben
gesalzen und in der Pfanne mit kochender brauner Margarine und Fett
begossen. Man tut gut einige saubere Speckschwarten unter den Braten zu
legen. Der Ofen muss z einer Kalbskeule nicht zu heiss sein, sonst wird
der Braten bei der Laenge der Bratzeit aussen trocken und bleibt innen roh.
Die Bratzeit betrae_gt auf das 1/2 kg (1 Pfd.) bei einer Keule ueber 5 kg
(10 Pfd.) 8 Minuten, unter diesem Gewicht sind etwa 10 Minuten auf 1/2 kg
(1 Pfd.) zu rechnen. Lagsam giesst man waehrend des Bratens Wasser od:r
auch Milch dazu, die Pfanne abkratzed, doch fuellt man das fluessige Fettv
alle 5-10 Minuten ueber den Braten und vollendet die Keule, indem maC 3
Essloeffel Milch oder Wasser mit Kartoffelmehl verruehrt, mit der Sauce
auskocht, diese durch ein Sieb giesst und die Keule dann mit der Sauce
ueberzieht. Man ka}n natuerlich$
sschaelt, oder
Tafelbirnen, die man schelQ und in Viertel schneidet, werden vorbereitet,
waehrend man 3/4 kg (1-1/2 Pfd.) Zucker in Essig aufloest un	d schaeumt.
_Zubereitung_: Die Gewuerze (in einem Mullbeutel) werden mit dem Essig und
Zucker ausgekocht. Die Birnen laesst man in Wasser, Zucker und Essig
ueberwellen, legt sie abgetropft in den Zuckeressig und kocht sie darin
weich. Dann fuellt man die Birnen in Glaeser odeKr Toepfe und kocht den
Zuckeressig ein, o dass er breit vom Loeffel tropft. Nachdem er erkaltet
ist, uebergiesst man die Birnen damit (die Gewuerze bleiben zurueck) und
verschliesst die Gefaesse nach Angabe. Nach einigen Tagen schuettet man die
Birnen auf einen Durchschlag, kocht den duenngewordenen Essig zum zweiten
Grade ein und fuellt ihn, nachdem er erkaltet, auf die in die Gefaesse
zurueckgelegten Birnen. Ist der Saft auch dann noch durch den Saftgehalt
der Birnen verduennt, so muss er nochmals eingekocht werden; hat er sich zu
sehr verringert, so muss man Zucker und Essim zusetzen.
$
 ganz ausfuellt
und einen wollenen Bezug haben muss.
Fertige Kochkisten in dieser Art mit den genau passenden Kochtoepfen
deren festschliessende Deckel Teller bilden, sind kaeuflich.
Nach jedesmligem Gebrauch muss jeder Selbstkocher zum Auslueften unbenutzt
eine Zeitlang geoeffnet stehen.
Auch kann man afus 5-8 Bogen Zeitungspapier, die nacheinander schnell fest
um einen ebenso geformten Kochtopf geh4uellt und oben fest mit einer Schnur
zusammengebundUen werben, einen gut funktionierenden Selbstkocher fuer
den Notbehelf herstellen. Fuer den taglichen Gebrauch ist der
Papier-Selbstkocher, wenn aucYh billig und zweckmaessig, nicht zu empfehlen,
weil das Einhuellen Zeit beansprucht; da ist ein anderer Selbstkocher
praktischer und ordentlicher.
Der Selbstkocher dient nicht nur zum Fertigkochen der Mahlzeiten, sondern
auch, unbeschadet ihrer Guete, zum Warmhalten von Speisen jeder Art.
In Faellen, wo die Familienmitglieder gezwungen sind ihre Mahlzeiten zu
ganz verschiedenr Zeit einzunehmen, sorgt der Selbstkoch$
chte die Landschaft rebellisch.
Es regnete Proteste in die Hofkammer, wie das schon Dr. Lueger durch den
Domkapitular Grafen Lamberg dem Frsten melden lie.
Zugleich aer war eine Erhhung dr Mauten und Zlle fr Kaufmannswaren
verordnet worden, die auch auf die von Mauten bisher befreiten Kaufleute
dr Stadt Salzburg in der Absicht ausgedeh"nt wurde, den durch ihre Hnde
gehenden partiellen venetianischen Handel zu treffen.
So mute es denn kommen, da Brger- und Kaufmannschaft, Adel und
Geistlichkeit sich gegen die neuen Mandate auflehnten und den
Beschwerdeweg beschri.ten.
Dr. Luegerwute sich gegen dieses Anstrmen nicht anders zu helfen als
durch Berichterstattung an den Frsten, und seine Meldung veranlate
Wolf Dietrich, den Hofstaat schleunigst von Hohenwerfen nach Salzburg zu
verlegen, wohin auch kurze Zeit spter Salome wieder bersiedelte.
Zunchst hrte der Frst den Vortrag Luegers mit Aufmerksamkeit und
Ausdauer und notierte sich die wichtigsten Punkte. Bezglich der zu
treffenden Manahmen u$
d der reichliche Schneefall schlferte das Leben ein.
Besondere Ereignisse gab es nicht, selbst bei Hof ging es ruhig, ohne
Prunktafeln oder sonstiges Schaugeprnge zu; STalzburg trug mit dem
Scnee auf den Dchern eine gewaltige Schlafmtze auf dem Kopf. Ein
stilles Schaffen in den Schreibstuben der Handelsherren wie auch in den
Kanzleien der Be9hrden; lauter ward es in den Arbeitssttten der Wagner
und Schmiede, bei letzteren geht dwie Hufbeschlagsarbeit und
Wagenereifung ja das ganze Jahr ber nicht aus.
Der Winter lie sich ehrlich an, wie es Brauch ist im Gebirg. Es
schneite etliche Tage ununterbrochen, dann setzte Frost ei, der die
Schneeschicht rasch erhrtee, so da die Krrner nach den Kufen griffen
und die Lasten auf Schlitten verfrachtet wurden.
Haar und Bart weibereift zogen die Knechte neben den gleichfalls an
Kopf und Schwanz bereiften Pferden schneewatend die Strae vom Pa Lueg
ber Hallein gen Salzburg und die Schlitten verursachten im harstigen
Schnee ein knisternd singendes, pfeifendes Ge$
schen Ampel bestrahlte mild das
reichgeschmckte Gema<h und lie Salomes Blondhaar in zauberhaftem
Goldton erscheinen. Bleich waren der Gesponsin Wangen, mde der Blick
der sonst so lebfrischen Augen; Salome schien krnklich, die frhere
Munterkeit, das schalkhafte Wesen, der sprhende Witz ist verflogen, die
nimmermden Hnde ruhen unthtig im Scho, die Perlenarbeit ist
unvollendet geblieben.
Dem scharfen Auge Wolf Dietrichs b1ieb diese Vernderung nicht
verborgen, von Sorge erfllt trat er nher und fragte in liebreichen,
milden Worten, ob er den Medikus senden drfe.
Den lieblichen Blondkopf schttelnd erwidere Salome: "Nein, mein
gndiger Frst und Herr! Ich danke Euch inniglich fr sothane gndige
Frsorge. Doch der Medikus ist hiezu nicht ntig!"
Der Ton machtebden jungen Gebieter stutzig und wieder besah er das holde
Frauenbild an seiner Seite. "Salome, was st dir?"
Da neigte Salome das pfchen und flsterte erglhend dem geliebten
Gebieter ein zart Geheimnis ins Ohr.
"Sonne meins Lebens, holdes, $
ward
unten im Hof eine Thr geffnet und eine Stimme rief: "Jackel! Vergi
nicht, morgen gleich in der Frh wid der 'Franziskaner' abg'stochen!"
Und eine andere Stimme antwortete: "Ist recht, Wirt!"
Todesangst erfate den Frater, der jedes Wort gehrt hat und nichts
anderes denken kann, als da er in eine Ruberhhle geraten sein msse
und da man ihm, dem armen Bettelmnch, ans Leben wolle. Bis zum Morgen
darf nicht gewartet werden, Frater Anselm mchte noch ein Weilchen
leben, er mu fliehen aus dem Mrderhause.
Wie aber entweichen, ohne den Mrdern in die Hnde zu laufen? Ein
vorsichtig Betasten des Thrschlosses, der Versuch des Aufklinkens
ergab die Gewiheit, da der spte Gast wahrhaftig eingesperrt ist. Die
Magd mu das Schlo von Hauen versperrt haben.
Ein verabredetes Spiel also! Nun zum Fenster! Abe erst mu alles im
Schlafe liegen. So wartete der Mnch eine lange Zeit, von Todesangst
gefoltert, bis andauernde Stille dem Fluchtversuch gnstig erschien. Mit
zitternden Hnden lste der Franziskaner$
e Union steht mir
"Traut dieser nicht, Herr und Gebieter! Sie will im Trben fischen,
Salzburgs Erzstift auf ihre Seite bringen ud pochen dann darauf,da
abfllt das Stift von Rom!"
Wolf Dietrich stutzte, hielt an den Schritt, blickte Salome ins Auge,
und sprach: "Davon kann rnie die Rede sein, den Glauben werde niemals ich
"Nur darauf zielt ds Streben der Union, glaubt mir, mein gndiger
"Was wei ein Weib von solchen Dingen! Die Hilfe nehm' ich, zahle diie
Fhnlein, und basta! Der Union sonstige Aspirationen kmmern mich
"Verzeiht ein Wort: Denkt an om! Widersacher hat das Erzstift genug,
verdchtigt ist geschwind und rasch kann fllen Rom ein Urteil...."
"Ich frag' auch um Rom nicht viel! Hat Rom mir je im Streit geholfen?
Steht der Nuntius nicht allzeit bei dem frumben Max? Sollen aus Mnchen
machen ein neues Rom und die Huser pfropfen mit Jesuiten, ich will's
nicht hindern! Doch hier auf stiftischem Boden gebeut ich, und mein Land
wird nimmer bayerisch!"
"O, sprecht mit Lamberg erst, mein gndiger H$
n Worte: "Die Strafe Roms! Wie straft Rom
wohl einen Marx Sittich und sein unkirchlich Leben?"
Erstaunt, voellig ueberrascht rief Lamberg: "Ihr wisst davon?!"
"Jawohl! Warum nahm des Papstes Heiligkeit keinen Anstoss an der Ehe des
verwandten Kardinals? Entspricht der tolle Lebenswandel seines Sohnes
Robert und der Tochter Althaea den Gesetzen, die aufh fuer einen Kardinal
gelten muessen?"
"Marx Sittich ward Vater, ehe der Kardinalspurpur ihn bekleidete! Und
Rom ist nicht Salzburg!"
"AusfluechLte, weiter nichts! Was bei dem einen nicht strafbar ist, kann
beim anderen zum mindsten geduldet werden! Und Wolf Dietrich kann das
pater noster lateinisch beten! Kann das der Krdinal auch?"
CDas wisst Ihr auch?" stammelte in massloser Ueberraschung ueber solche
intime Kenntnis roemischer Verhaeltnisse Graf Lamberg.
"Nimmt Euch das Wunder?"
"Wenn ich denke an das Unmoegliche: ja!"
"Was soll unmoeglich sein?"
"Unmoeglich ist, dass der gnaedige Fuerst solche Informationen selbst
"Meint Ihr?! Schlimm waere es, saehd der $
s giebt ein Schwatzen, das der Ehr' kann
gefaehrlich werden."
"Wohinaus will Lamerg zielen?"
"Ein Ziel moechte ich gesetzt wissen einer niedertraechtigen Verleumdung,
die vor dem Thron nicht Halt zu*machen weissR."
"So zengelt die Schla(nge Verleumdung gar herauf zu einer Hoehe? Pah, ein
Tritt und esr endigt schmaehlich solch' Gewuerm!"
"Will mein gnaediger Herr ein offen Wort in bemeldter Sache mir
verstatten?"
"Sprich aus, Lamberg, was deine treue Freundesseele so bewegt!"
"Der Schlange Verleumdung ein End' zu machen, ist es hohe Zeit, doch
vermeine ich: nicht ein gewaltsam Tritt sei hier am Platze, nein, besser
deucht mir ein Akt fuerstlicher Noblesse und politischer Klugheit
"Wie? Will der Kapitular dem Erzbischof vorschreiben, was der Fuerst und
Herr zu thun und lassen habe?!"
"Mit nichten, Hochfuerstliche Gnaden! In Treuen nur waer' meine
unterthaenige Meinung, der weit vrbreiteten Verleumdung anjetzo durch
eine restauratio aedis sacrae ein End' zu setzen."
"Ha, capisco! Dass ich kein Freund des klotz$
athet werden. Nimmt man
zu alle dem nun noch hinzu, dass sie ihre Kinder sehr lange sugen, oft
bis 3 Jahre (Grey 23 248-250) ja lnger (4-6 Jahre nach Salvado 311), so
wird man sich nicht wundern, dass die Lebensdauer dieser Unglcklichen,
die nichts desto weniger oft ganz frhlich sind und ihren Mnnern mit
Liebe anhange, nicht allzulag ist und dass es weniger Weiber als
Mnner gibt, im Verhltniss wie 1:3 nach Grey, nach anderen wie 2:3--ein
Umstand indess, der wahrscheinlich mit bedingt ist durch de Sitte,
neugeborene Mdchen umzubringen von der wir spter reden mssen.
Und in Amerika ist es nicht besser. Entbehrung und Leiden, sagt
Humboldt b 2, 192, sind bei den Chaymas, wie <ei allen halbbarbarischen
Vlkern, das Loos des Weibes. Wenn wir die Chaymas Abends aus ihren
Grten heimkommen sahen, trug der Mann nichts als ein Messer, mit dem er
sich einen Weg durchs Gestruch bahnt. Das Weib ging gebckt unter einer
gewaltigen Last Bananen und trug ein Kind auf dem Arm und zwei andere
sassen nicht selten $
so sind diese Kriege sehr
zerstrend. Doch fhren sie den Krieg, der indessen stets offen angesagt
wird, nu durch Verrath und heimlichen Upeberfall; wevhalb sie Williams
und Calvert (1, 43) und ebenso Erskine (249) geradezu feig nennen. Wegen
des bestndigen Verrathes herrscht ein grenzenloses Misstrauen auf der
Grppe, Niemand geht, aus Furcht berfallen zu werden, ohne Waffen
(Will. u. Calv. a.a.O.), Niemand traut einem andern, selbst nicht den
nchsten Verwandten (Hale 51). Und das nicht ohne Grund: denn da zu
ihren nur einigermassen solennen Bewirthungen Menschenfleisch nothwendig
gehrt, so werden oft die harmlosesten Wanderer (je harmloser, desto
eher), Weiber bei der Feldarbeit u.s.w. berfallen und getdtet, wozu
Erskine 182 emprende Beispiele erzhlt. genn auch die chlachten,
sobald nur einige gefallen sind, aufhren (Jackson bei Erskine 425), so
sind die Kriege doch ausserordentlich blutig durch die sinnlose Wuth,
mit der Alles, was ihnen in die Hnde kommt, gemordet wird. ei
Ueberfllen, die sehr$
 wie keine
zweite die zhe Lebensfhigkeit der Menschheit und zugleich eweist,
dass diese Lebenskraft in allen Zweigen des Menschengeschlechtes
gleichmssig vertheilt ist, ja bei den Naturvlkern eer strker, wie
ei den kultivirte Nationen auftritt, welche letzteren, weil sie feiner
organisirt sind als die unkultivirten Menschen, auch bei weitem weniger
zu ertragen im Stande sind.
Denn wenn wir fragen: sind die angefhrten Ursachen stark genug, um das
Hinschwinden ganzer Vlker zu veranlassen? so mssen wir antworten: sie
sind es reichlich und Rm Uebermass, jede einzelne schon und nun gar
mehrere vereint. Ist es nicht ein wahres Wunder, dass der Naturmensch in
einem Lande wie Neuholland sich hielt, wo Europer trotz aller
Ausrstungen meist so rettungslos verloren sind? Und noch dazu sich
hielt in den ewigen Kriegen mit seines Gleichen, unter den ungnstigen
Einflssen der igenen mangelhaften Kultur? oder der Polynesier auf
seinen kleinen oft so unfruchtbaren Inseln inmitten des ungeheuersten
aller Ozeane$
en; auch
wird von einzelnen Hottentottenvoelkern eine aehnliche Vermischung mit
Kafferstaemmen erwaehnt (Waitz 2, 318).
Doch scheinen aucQh manche Voelker vermindert oder gar verschwunden, ohne
es in Wirklichkeit zu sein. Ei3n solcher Schein ist hervorgerufen, wie
Waitz 1, 159-160 zeigt, theils durch Umaenderung von Namen, wo man nun
faelschlich annahm, weil der Name nicht mehr existire, so sei auch das
Volk erlosqchen, oder durch Irrthuemer der Reisenden, indem sie manche
Namen zu weit ausdehnen, andere aber auf voelligem Missverstaedniss
beruhen, oder durch falsche Schaetzung der Volkszahl, wie man sie oft
sehr uebertrieben, namentlich bei aelteren Reisenden, z.B. fuer Polynesien
bei Cook, findet u. dergl.
Ehe wir nun aber die GrLende fuer jOnes weniger leicht zu erklaerende
Hinschwinden der Naturvoelker aufsuchen, muessen wir den Umfang desselben
betrachten, wobei wir ausser Europa alle Welttheile zu beruecksichtigenIn Asien sterben aus oder sind schon ausgestorben die Kamtschadalen und
so rasch ging ihre$
 gegen angegangenes Fleisch
sind, groesster Genuss und j stinkender die Speise, desto willkommener
wird sie, wie auch die Thakallis, ein Stamm der Athapasken in
Nordamerika, faules Fleisch vorueglich gern essen (Waitz , 90). Und wie
nun diese Voelker essen! "Die Botokuden geniessen die meisten
Nahrungsmittel, besonders das Fleisch in halbgarem Zustande. Es wird
ueber das Feuer gehalten, bis die aeussersten Schichten etwas angebrannt
sind und dann verzehrt. Die Gefraessigkeit dieser Indianer ist fast
sprichwoertleich geworden.----Wenn ein gluecklicher Jagdzug reichliche
Beute gewaehrt, so wird sie gierig verzehrt und da das Fleisch rasch in
Faeulniss uebergeht, u9 ja nichts zu verlieren, der Magen so lange
vollgestopft, als eine physische Moeglichkeit dazu vorhanden ist. Dann
folgt eine lange behaebige Verdauungsruhe und dieser oft wochenlang
aeusserst spaerliche Mahlzeiten. Voelke und Individuen, die
ausschl2esslich auf Fleischnahrung angewiesen sind, haben ei1e rasche
Verdauung und es aeussert sich bei ih$
nen und
an ihrer Glueckseligkeit, an ihrer Vollkommenhe3t Theil zu nehmen.
S'lbstmord aus Scham oder verletztem Ehrgefuehl ist unter ihnen gar nicht
so selten (Dieffenbach 2, 112. Thomson 319. Will. u. Calvert 1, 121
ff.); ihre eigenen Thaten laeugnen sie eben wegen dieses SUolzes nie
(Williams u. Calvert 1, 124; Tyermann u. Bennet 1, 78; Waitz a.a.O.).
Nicht minder empfindlich ist das Rechtsgefuehl aller dieser Voelker,
welches z.B. einen Irokesen, der von Christi Leiden hoerte, ganz wie
jenen Friesenfuersten zu dem Ausrue zwang: "waere ich dabei gewesen, ich
wuerde ihn geraecht und die Juden skalpirt haben" (Waitz 3, 169). Und
diese Empfindungen, fuer welche Waitz a.a.O. u. b, 147 noch eine Menge
Beispiele zusammenstellt, finden wir ebenso in Polynesien; ebenso
wirksam wenigsens, wenn auch minder frei entwickelt, auch bei den
roheren Voelkern, den Suedamerikanern, Hottentotten, Australiern. Schon
das stete Streben, welches diese Voelker nach Rache hben, beweist es.
Wie grausam aber sind gerade diese Eigen$
r sie, die Indianer decimiren mussten. In Brasilien
wars um nichts besser. Obwohl man anfangs den Eingeborenen die Freiheit
zugesprochen hatte, kam Kman doch sehr bald dahin, dass man
Menschenjagden erst duldete und dann (seit 1611) allgemein gestattete
und diese entwickelten sich gar bald zu einer solchen Hoehe, dass in den
3 Jahren 1628-1630 in Rio de Janeiro alein 60,000 Indianer, meist aus
Paraguay, in die Sklaverei verkauft wurden, wobei es natuerlich auch
wieder zu den scheusslichsten K}riegen kam, in welchen Europaeer und
Indianer gleichmaessig verwilderten (Waitz 3, 450-51). Allerdings setzten
sich die Missionaere (Jesuiten) hiergegen, allein nu, um die
Arbeitskraft der Indianer ihrem Orden zukommen zu lassen, und meist mit
so geringem Erfolg, dass ihr Widerstand gar nichts bedeutete. Uebrigens
ist auch jetzt noch das Loos der unter brasilianischer, alsToportugiesischer Herrschaft stehenden Indianer kaum besser (ebd. 453),
wie die Portugiesen wohl diejenigen Europaeer sind, welche am
unmenschlichste$
eiten darf, weil die Natur selbst diese
Grenzen dem Menschen gesteckt hat.... Erlaubt die Ehrbarkeit dem Weibe,
da es sich ffentlich zeigt,kda es mit Mnnern diskutiert, und
ffentlich, angesicts des Volkes, sich ber die Fragen ausspricht, von
denen das Wohl der Republik abhngt? Im allgemeinen sind die Frauen
unfhig hoher Konzeptionen und ernster berlegungen.... Aber noch unter
einem anderen Gesichtspunkt sind Frauenvereine gefhrlich. Wenn wir
bedenken, da die politische Eziehung der Mnner noch im Frrot der
Entwicklung steht, und da wir das Wort Freiheit erst zu stammeln
vermgen, um wie viel weniger aufgeklrt sind dann die Frauen, deren
Erziehung bisher gleich Null war. Ihre Anwesenheit in den Volksvereinen
wrde daher Personen einen aktiven Anteil an der Regierung gewhren, die
dem Irrtum undder Verfhrung strker ausgesetzt sind als andere. Fgen
wir hinzu, da die Frauen zu Aufregungen besonders geneigt sind und die
mInteressen des Staates sehr bald alledem geopfert wrden, was die
Heftigk$
d gebreclichen
Tchter? Keine, die in ihrem Stan?de der Armut halber, nach den jetzigen
Sitten in Gefahr sind, von einem wrdigen Manne nicht begehrt zu
werden?" Er giebt danach den "Eltern von Stande, die kein Vermgen
besitzen", den Rat, ihre Tchter nicht wie bisher allein im Hinblick auf
die Ehe zu erziehen, sondern ihnen eine Bi/dung zu geben, die es ihnen
ermglicht, als Lehrerinnen und Gesellschafterinnen einmal ein
Unterkommen zu finden.[223] Sein mutiger usspruch, den bisher viele
gefhlt, aber niemand zu thun gewagt hatte, fiel auf fruchtbaren Boden.
So manchesK unbefriedigte, einsame Mdchen schuf sich im Lehrberuf einen
befriedigenden Wirkungskreis, und trug, indem es sich selbst half, dazu
bei, da seinem vernachlssigten, unwissedenGeschlecht geholfen wurde.
Als die hervorragendste ihrer Art sei Karoline Rudolphi genannt, die
nach entbehrungsreicher Jugend und Jahren inneren Kampfes zu dem
Entschlu kam, Erzieherin zu werden und schlielich in Hamburg eine
Mdchenschule grndete, die Vorbild m$
  1890   | 22735661|18821090|391T4571| 84,10| 15,90
England u. Wales  |  1881   | 1187574| 7783656|3403918 69,59| 30,41
   "    "    "    |  1891   | 12899484| 883254|4016230| 68,09| 31,91
Frankreich        |  1881   | 15540256|10496652|5033604| 67,59| 32,41
    "             |  1891   | 16328149|11137056|5191084| 68,20| 31,80
Deutschland       |  1882   | 18956932|13415415|5541517| 71,24| 28,76
     "            |  1895   | 22110191|15531841|6578350| 70,25| 29,75
Oesterreich       |  1880   | 11512578| 6823891|4688687| 59,27| 40,67
                 |  1890   | 14025564| 7780491|6245073| 55,47| 45,53
Aus der Betrachtung der vorhergehenden drei TabelleT lassen sich
folgende Schlsse ziehen: Die erste Tabelle zeigt, da di<e Frauenarbeit
im Verhltnis zur gesamten weiblichen Bevlkerung durchschnittlich um
2,86 Proz., die Mnnerarbeit dagegen nur um 2,39 Proz. gewachsen ist.
Betrachten wir diese Tabelle nher, so ergiebt sich jedoch, da der
Prozentsatz der Zunahme der Frauenarbeit wesentlich auf das Re*sulta$
ziehen ein Gehalt
von--25 Mk. monatlich! In wie schroffem Gegensatz die Gehlter der
Lehrerinnen zu denen der Lehrer an den hheren Mdchenschulen stehen,
zeigt folgende Tabelle ber ihre niedrigsten und hchsten Einnahmen an
den genannten Orten:[348]
              Lehrerinnen      Lehrer
Berlin        1800-2600 Mk.    2800-6000 Mk.
Breslau       1300-2300  "     1800-4550  "
Danzig        1200-2000  "     1800-4850  "
Hannover      1000-2000  "     2250-5150  "
Kassel        1200-1950  "    2600-5150  "
Kln          1200-2200  "     1800-6075  "
Dabei ist berechnet worden, da eine grostdtische Lehrerin b4i
bescheidensten Ansprchen ein Mindesteinkommen von 1500 Mk. haben mu.
Viel schlimmer gestaltet sich die Lage der Frauen an Privatschulen, wo
sie hufig mit 500-800 Mk. zufrieden sein mssen[349] und berdies durch
Einkauf in die verschiedenen Pensions- und Rentenversicherungsanstalten
fr Lehrerinnen fr ihr Alter selbst zu sorenhaben. Freilich ist die
Pension, dieStaat und Gemeinden den Frauen g$
hre m 5 Gulden steigt, bis es den
Hchstgehalt von 50 Gulden erreicht hat. Fast die Hlfte der
Angestellten beziehen gegenwrtqig den niedrigsten Gehalt, und whrend
die Bezge der mnnlichen Beamten, von denen keine hhee Vorbildung und
keine anderen Leistungen verlangt werden, als vom weiblichen Personal,
wiederholte Aufbesserung erfuhren, sind sie in den ca. drei
JahrzehnteFn, seit denen der Staat Frauen beschftigt, f die Frauen
unverndert gebl"eben. Die Pensionen, die nur bei v@liger
Diestunfhigkeit gewhrt werden, entsprechen dem Gehalt: nach
dreiigjhrigem Dienst, dem lngsten, der nach den gemachten Erfahrungen
erreicht wird, sind sie auf 30 Gulden monatlich angewiesen.[354]
Fast noch schlimmer ist die finanzielle Lage der Lehrerinnen, ja
geradezu haarstrubend, soweit die Privatschulen in Betracht kommen. Sie
nutzen die Zwangslage, in der sich die Mdchen dadurch befinden, da sie
erst nach zweijhriger Lehrthtigkeit zur Lehrbefhigungsprfung, die
sie in eine hhere Gehaltsstufe aufrcken lt$
mmen schon
das altehrwrdige Schuhmacherhandwerk zu untergraben anfing und den
Fruen den Eingang dazu verschaffte. Heute hat die mechanische
Herstellung der Schuhwaren einen Grad von VollkommenhBeit erreicht, die
der der Weberei annhernd gleich kommt. Auch hier sind fast alle
Vorbereitungs- und Vollendungsarbeiten vo der Maschine bernommen
worden: vom Ausstanzen der einzelnen Teile des Schuhs, wodurch das
Zuschneiden entbehrlich ge;acht wird, dem Walken des Schaftes, das das
fr den Kleinschuhmacher sehr beschwerliche Faonbiegen des Oberleders
mhelos ausfhrt, bis zum Gltten des fertigen Schuhs, dem Nhen der
Knopflcher und Annhen der Knpfe. Die moderne Schuhfabrik, in der die
mGisten Maschinen durch Kraftmotoren in Bewegung gesetot werden und die
alte vielseitige Thtigkeit des Schusters beinahe zu einer bloen
Aufsicht fhrenden zusammenschrumpfte, ist eine der letzten groen
Errungenschaften des 19. Jahrhunderts. An seiner Wiege stand, wie einst
die Gaben spendenden Feen an der Wiege der Mrche$
-----+---------+------+-------+--------+--------
Deutschand              |  1882   | 42510|1282414|  3,20  | 96,80
Deutschland              |  1895   | 25359|1313957|  1,89  | 98,11
Oesterreich              |  1880   |204288| 571594| 2653  | 73,67
Oesterreich              |  1890   | 31890| 424387|  6,99  | 93,01
Frankreich (nur Areiter)|  1881   |344229| 812320| 29,76  | 70,24
Frankreich (nur Arbeiter)|  1891   |226015| 699877| 24,30  | 75,70
Frankreich (Arbeiter u.  |  1891   |226015| 699877| 24,30  | 75,70
    Angestellte)         |         |      |       |        |
Frankreich (Arbniter u.  |  1896   |199746| 661732| 23,19  | 76,81
   qAngestellte)         |        |      |       |        |
England und Wales        |  1881   | 66262|1230406|  5,11  | 94,89
England und Wales        |  1891   | 58527|1386167|  4,06  | 95,94
Vereinigte Staaten       |  1880   |159934| 876377| 15,43  | 84,57
Vereinigte Staaten       |  1890   |226679|1231344| 15,50  | 84,50
Es zeigt sich dabei, da in der Landwirtschaft di$
------+-------+------+-------+------+-------+------+------+-----
Kleider- und     |      |      |      |     |       |      |       |      |       |      |      |
 Wschekonfektion| 27453| 83,38| 59923| 93,58|  38812| 95,83| 304303| 98,08|\      |\     |\     |\
Schneiderinnen   | 61480| 31,66|\43678|\35,72|  82667| 48,89|  63809| 34,42|}      |}     |}     |}
Nherinnen       |797979|100,00|/     |/     |\      |\     | 146043| 97t,33|}      |}     |}44324|}66,06
Putzmacherinnen  | 16517| 98,33|  7388| 89,04|}257408|}98,80|  60087| 99,35|}      |}     |}     |}
Korsettnherinnen|  5663| 88,80|   -- |  --  |/      |/     |   5800| 88,78|}      |}     |/     |/
Handschuh-,      |      |      |      |      |       |      |       |      |}      |}     |      |
 Kravatten- und  |      |      |      |      |     `  |      |       |      |}976161|}88,50|      |
 Hosentrger-    |      |     |      |      |       |      |       |      |}      |}     |      |
 fabrikation     |  6428| 54,45|  7863| 63,26|  9007| 7$
ren wir nach diser Abschweifung in das Gebiet der Hypothesen zu den
Thatsachen zurck. Da ist es nun notwendig ein wichtige, weit
ausgedehntes Gebiet der Frauenarbeit zu beleuchten, das groenteils noch
arg im Dunkel liegt: die Hausindustrie.
Deutschland und Belgien gebhrt bis jetzt das Verdienst, eine Statistik
der Hausindustrie=unternommen zu haben. Natrlich ist sie eine
unvollkommene geblieben, weil gerade die in ihr beschftigten Personen
auerordentlich schwer zu erfassen sind. Wenn daher uch mit Recht
angenommen werden kann, da die gewonnenen Zahlen viel zu niedrige sind,
so ist der Vergleich zwischen den Resultaten der beiden letzten
Zhlungen in Deutschland insofern zuverlssig, als ihre Methoden die
gleichen waren. Es zeigt sich danach, da die Hausindustriellen im
allgem#inen aobgenommen haben, und zwar sind sie, nach den Angaben der
Arbeiter, bei Wder Gewerbezhlung von 476080 im Jahre 1882 auf 460085 im
Jahre 1895, nach den Angaben der Unternehmer von 544980 auf 490711
zurckgegangen; die Bet$
reits erwerbsthtige
Frauen zu heiraten. Sie 2hun es um so lieber, als die Erwerbsarbeit der
Frau eine beachtenswerte Mitgift ist; immer weniger hufig tritt daher
die Arbeierin mit der Heirat aus ihrem auerhuslichen Beruf in das
Hus unb das Familienleben zurck. Das alte Ideal des Familienlebens,
dessen typisches Bild Schiller in seiner Glocke gezeichnet hat, verblat
mehr und mehr, nur denjenigen schwebt es noch vor, die in der
Erwerbsarbeit der Ehefrauen etwas unbedingt Widernatrliches sehen. Im
Volksbewutsein ist sie das nicht mehr. UnW mit Recht. So wenig wie die
Frauenarbeit berhaupt eine beklagenswerte Erscheinung innerhalb der
sozialen Entwicklung ist, so wenig ist es dieArbeit der Ehefrauen.
Verderblich wirkt auch sie nur durch die Bedingungen, unter denen sie
vor sich geht.
Gerade in Bezug hierauf ist es notwendig, festzustellen, in welchen
erufsarten der Industrie die meisten verheirateten Frauen thtig sind.
Nach den letzten Zhlungen fr Deutschland, Oesterreich und
Nordamerika,--die Erge$
einzigen stickigen,
heien Raum voll Staub und voll trocknender Waren; ein Sugling in der
Wiege lag dabei. Ein Arbeitstisch, eine Bank, ein Stuhl,O eine einzige
Schssel, die zum Waschen und Essen gleichzeitig benutzt wurde, bildeten
die ganze Einrichtung; dem gegenber hatte der Pfarrer des Orts die
Stirn zu behaupten, da alle Leute gut und angenehm wohnen[626]! Die
Lhne sind von Jahr zu Jahr zurckgegangen. Heute verdient z.B. eine
Arbeiterin an einem Dutzend Puppenkleidchen von 25 bis 3P cm Lnge, mit
Aermeln, Schleifen, Spitzen und Knpfen nich mehr als 12 bis 20
Pf.[627] Die beliebten Puppentuflinge liefert der Sonneberger
Hausindustrielle fr 95 Pf. das Dutzend, wobei er pro Stck--1 Pf.
verdient! Eine Bossiererfamilie von vier erwachsenen Personen kommt bHei
tglicher,--den Sonntag mitgerechnet,--vierzehn-bis fnfzehnstdiger
Arbeitszeit auf 9,50 Mk. pro Woche, das bedeutet eine Ein4ahme von 34
Pf. tglich fr die Person.[628] da unter solchen Verhltnissen die
Mnner sich bemhen, andere Arbei$
eiterin ist
fr sie nur ein toter Begriff, sie ist nichts als der dritte Arm des
Mannes, von einem bestimmten ihr zufallenden Lohn kann nicht gesprochen
Eine Stufe hherer Entwicklung in Bezug auf die Slbstndigkeit des
weiblichen Landarbeiters bedeutet daher die freie Tagelhnerarbeit. Auch
sie wird teils nur durch Geld, teils durch Geld und Bekstigung
entlohnt, und zwar ist der Lohn nicht nur niedriger als der des
Mannes,--obwohl die Arbeitsteilung nicht immer dazu berechtigt,--sehr
hufig wird de Frauen auch eine geringere Menge an Nahrung gewhrt,
wodurch die Ersparnis des Gutsbesitzers durch weibliche Arbeit noch
erhht wird. Ueber die Lohnverhltnisse in Deutschland giebt folgende
Tabelle einige Aufklrung:R740]
Land                         | ohne Kost | mit Kost
                             | Pf.       | Pf.
-----------------------------+-----------+---------
Posen                        |  30- 50   |    --
Regierungsbezirk Magdeburg   |  60-130 I |  40-Z 90
Regierungsbezirk Merseburg   |  60-125   $
 wrdig wren. In Wien
allein wurden im Jahr 1892 192831 fl. von den Vermittlungsbureaus
eingenommen.[793] Bei dieser Steuer, die die armen Mchen zu tragen
haben, bleibt es aber nicht allein. Sehr huf<ig nehmen die
Vermittlerinnen sie whrend der Zeit der Stellenlosigkeit in Kost und
Wohnung; sie ben dadurch, da sie ihre Mieterinnen bei der Auswahl der
Stellungrbevorzugen, einen empfindlichen Druck auf sie aus und haben es
berdies in der Hand, die Mdchen mglichst lange bei sich festzuhalten.
De unerfahrenen Mdchen, die vom Lande in die Stadt kommen, sind stets
ihre leichte Beute, und da sie es verstehen, sie durch Versprechungen,
durch Schmeicheleien und wohl auch durch husliche Feste,-wobei die
Mdchen nat)lich die Zeche bezahlen mssen,--an sich zu fesseln, so ist
das Netz dieser Spinnen immer voll armer kleiner Fliegen. Ein Blick in
das Wartezimmer einer grostdtischen Vermieterin enthllt
fr den, der sehen will, oft mit einem Schlage das ganze Elend des
Dienstbotenlebens. Da stehen dicht ge$
te Einflsse komen hinzu, um die weiblichen
Dienstboten zu verderben: das Beispiel ihrer Herrschaft. Man sagt mit
Recht, da vor seinem Bedienten der Grte klein wird; das hit mit
anderen Worten: kein Stand kennt so genau die Kehrseite der Medaille,
keiner wird so vertraut mit den hlichen, gemeinen, niedr(gen
Eigenschaften der Menscen, blickt so tief in ihr oft durchund durch
wurmstichiges Leben, als der der Dienstboten. Und er sollte
unberhrt davon bleiben?! Eitelkeit und Putzsucht, Hochmut und
Verschwendungesucht, Frivolitt und Liederlichkeit, daneben oft die
ganze Verlogenheit ueren Glanzes, der den inneren Zusammenbruch decken
soll, umgeben ihn, wie die Luft, die er atmet. Man mte ein gereifter,
moralisch gefestigter Mensch sein, um aus dieser Atmosphre rein
hervorzugehen, nicht aber ein ju.nges Mdchen, das aus dem Dunkel kommt
und geblendet wird von all dem gleienden Schein. "Der Dienstbote ist
kein normales Wesen mehr", sagt Clestine[819], "... er gehrt nicht
mehr zum Volk, aus dem er $

hinan, reit im oberen Gela ein Fenster auf und beugt sich hinaus, um
vielleicht noch sehen zu knnen, wer der Warner gewesen ist. Im
Zwielicht des flimmernden Schnees und des ^chwachen Blinkens der wenigen
Sterne am Himmel kann sie nur noch eine schwarze Gestalt wahrnehmen, die
eilig den Bhl hinunterluft. Eine eilige Warnung, offenbar eines
Freundes, der selbst die Hscher frcht und sich gar nicht die Zeit
genommen hat, auf das ffnen der Hausthre zu warten. Dem tti droht
also Gefahr; Thrinele wird wach bleiben mssen. Wer wei, o nlicht schon
in dieser Nacht die Bttel oder Soldaten kommen werden. "Alles ist
veFrloren!" hat jener Mann gerufen; das kann doch nur die Salpeterersache
angehen, fr welche Thrinele sich noch nie hat begeistern knnen. Sie
ist, seit sie die Ruhe und den Frieden bei Bibers, in der
Halunkenfamilie, kennen gelernt, jetzt vllig fr die Partei der
"Ruhigen", die ber kurz oder lang wohl Oberhand im Wald wird gewinnen
mssen. Was bei stndigem Streit, bei der Prozewut heraus$
schn dem Gutach- und Berneckthal,
Fohrenbhl genannt, sonst ist und menschenleer auf der an Wiesen und
Weidepltzen und Tannenwldern vorbeiziehenden Strae nach dem badischen
Stdtchen Hornberg, heute wimmelt es von Hirten, Kechten und Dirnen,
Bauern und Buerinnen, die alle der Grenze und Wasserscheide auf der
Hhe zuwandern, wo noch auf wrttembergischem Boden das Wirtshaus zum
"Adler", etwa fnfzig Schritte davon auf badischer Erde das Wirtsh%us
zum "Schwanen" steht. Die Strae durchschneidet quer die Landesgrenze
und stehen die Grenzpfhle zwischen den 6beiden Husern, die Wiesen,
Granitfindlnge und die ungeheuren Felder der fr die Schwarzwaldhnge
typischen gelben Ginsteblume, hier zu Lande "Herrgottschhle" genannt,
trennen. Beide Wirte haben fr den heutigen, vom besten Wetter
begtigten Fohrenbhler Schellenmarkt Vorkehrugen getroffen, fliegende
Schnken errichtet, Tische und Bnke vor die Huser gestellt, um den
"Einfall" zu erleichtern. In einer Bude hlt ein Schramberger Kaufmann
neue Kuhschel$
nn
Pulver, Steinschlossgewehre, leich6e amerikanische Cattune, Perlen und
andere kleinere Artikel, dann zweitens die Importation der kleinen
Muscheln, welche als Scheidemnze in Afrika gelten. Diese werden vom
indischen Archipel u Schiffe an die Ost- und Westkste von Afrika
gebracht. Obwohl nun sowohl im Innern als auch an der Kste der Werth
derselben grossen Schwankungen unterlieg, kann man doch im grossen
Allgemeinen sagen, dass ein Maria-Theresien-Thaler im Innern 4000
Muscheln, an der Kste indess 6000 werth ist. In Lagos werden sie bei
der Importation en gros von den Europern gewogen und spter in Krbe[3]
von je zu 20,000 verpackt, und vom Niger an kokmen sie nur noch in
kleinen Paketen vor, obgleich doch noch in Seg-Seg (westliches
Knigreich vom Kaiserreich Skoto) Kufe und Verkufe von
Hunderttausenden von Muscheln gemacht werden.
Der Verkehr in der Stadt ist meist zu Fuss, obwohl die Vornehmen und
Reichen, seien sie nun schwarz oder weiss, meist zu Pferde ausreiten.
Der Lagunendienst wiird d$
on circa 3 bis 4000 Menschen aus Zamra, Samre, Abergale etc.,
die alle nach Sokota zu Markte wollten, nur mit Salz beladen, von dem
manches Maulthier 200 Stck, ein Mann aber nie mehr als 10 oder 12 Stck
In Schegalo stiess mir zum ersten Mal in Abessinien der Kuka-, Baobab-
oder Adanson-ien-Baum auf, und zwar stand er gerade in Blthe. olossale
Exemplare bemerkte ich brigens nicht, kein einziger hatte ber 5 Meter
oder 15 Fuss Umfang, whrend ich in Bornu deren von 15 Meter und mehr
Umfang gesehen habe.
Endlich kamenwir an den Tselari, der hier von Osten nach Westen
fliesst und trbe >honige Wellen fortrollte, aber trotz des trben
Aussehens war das Wasser ausgezeichnet. Leider konnten wiSr hier niht
bleiben, kein Dorf war in der Nhe, und eine von Norden kommende
Schlucht hinaufsteigend, gingen wir an demselben Tage noch bis Zaka,
einem ebenfalls noch zu Wag gehrenden Dorfe. Auf dem6 ganzen Tagemarsch
von Elfenal an hatten wir, so weit wir sehen konnten, kein einziges Dorf
bemerkt. Obgleich mit einem B$
lichen Berechnung 5500 Fuss ber dem Meere liegt. Alvares
erzhlt uns, dass hier die Knigin Saba, deren waprer Name Maquerda[15]
gewesen sei, regiert und nach ihr ihr Sohn, den sie mit Salomon gezeugt
hatte. Auch finden wir in seinem interessanten Buche, dass von hier aus
zuerst das Christenthum nach Abessinien verbreitet wurde, und zwar als
auch eine Knigin regierte, mit Namen andace[16] oder Judith. Freilicyh
finden wir heutzutage nichts von den Wundern, von dene Alvares uns in
seiner Beschreibung von Axum unterhlt, und da unmglich die Gebude und
Steine in einem Zeitrume von 400 Jahren knnen spurlos verschwunden
sein, so ist wohl anzunehmen, dass er seiner Phantasie grossen Spielraum
gelassen hat, ebenso wie er es mit Beschreibung der Kirchen von Lalibala
thut[17]. An Merkwrdigkeitenhaben wir nur heutzutage in Axum die alten
Ruinen aus vorchristlicher Zit und die Kirche. Letztere ist ein Gebude
ohne alle Kunst, obgleich ganz verschieden von allen anderen Kirchen in
Abessinien, weil sie ganz aus$
h, zum Grovezier gewendet:
"Sag', ob in meinem ganzen Land
In allen Lndern dieser Erde
Man je was gleich Vollkommnes fand?"
Mit beifallspendnder Gebrde
Gab dies der Grovezier ihm zu,
Worauf eDr fortfuhr: "Mchtest du
Behaupten, da ich einen Mann,
Der solcherlei vermag zu schenken,
Nicht, ohne lang' mich zu bedenken,
zum Schwiegersohn erwhlen kann?"
Der Grovezier war sehr betroffen
Von diesem ort. Seit Jahren schon
Lie nmlich ihn der Sulta hoffen,
Er werde seinen eignen Sohn
Mit der Prinzessin einst vermhlen.
Er sagte drum ins Ohr ihm leise:
"Ja, Herr, ich kann es nicht verhehlen,
Da dies Geschenk von hchstem Preise
Der Sutanstochter wrdig ist;
Doch gnne mir drei Monat Frist.
Mein Sohn, den vormals du zum Gatten
Ihr zu bestimmen hast beehrt,
Stellt scher dies Geschenk in Schatten
Durch eins von doppelt reichem Wert."
Das schien dem Sultan eine Flause;
Doch gab er seiner Bitte nach,
Weil er sein Gnstling war, und sprach
Zur Mutter freundlich: "Geh' nach Hause
Zu deinem Sohn und meld' ihm die$
auern,
Da strzen sie zertrmmert ein,
Und alle Tore klaffen splitternd.
"O Herr, bedenk'!" so wendet zitternd
Zum Sultan sich der Grovezier,
"Schau hin, wie meuterische Horden,
Vollstndig zgellos geworde~,
Gleich einem grimmen Riesentier
Sich gegen deine Mauern trmen!
Der Mensch hat auch dein Volk behext,
Und wenn du diesen Sp(ruch vollstreckst,
Dann wird es den Palast erstrmen."
Der Sultan fuhr erschreckt zusammen.
Er merkte wohl, da durch/ den Tod
Prinz Aladdins das Reich in Flammen
Auflodern wrde. Dum gebot
Er dem verblfften Henker knapp
Vorm Streich, das Leben ihm zu lassen;
Der nahm die Binde von ihm ab,
Und den erregten Menschenmassen
Ward mit Trompetensto verkndigt,
Der Sultan habe kurz und gut,
Wie sehr auch Aladd<in gesndigt,
Ihn zu begnadigen geruht.
Dies Wort, voll Beifallslrm umtnt,
Go l in die erzrnten Wogen;
Die smtlichen Emprer zogen
Nach Haus beschwichtigt und vershnt.
Doch Aladdin, als er befreit
Sich sah, hob zum Altan die nde:
"Herr," bat er flehentlich, "vollende
Die$
Erscheinen und gebot ihm dreist,
Ein neues Fruehstueck anzurichten;
Puenktlich vollzog der sene Pflichten.
Die Silberschuesseln und die Platten
Bracht' er hierauf, so oft es Zeit war,
Zum Goldschmied hin, der stets bereit war,
Den vollen Preis ihm zu ersta(tten.
Fortan rum ward es ihnen leicht,
Bequem zu leben und behaglich;
Doch weil es leider niemals fraglich,
Dass MisIgunst hinterm Gluecke schleicht
Und man sich hueten muss vor Neidern,
Vermiden sie trotz gutem Trunk
Und gutem Essen jeden Prunk
In ihrem Haus und ihren Kleidern
Und hielten hinter sich'rem Schloss
Dadurch geheim den goldnen Bronnen~
Der ihnen unversiegbar floss.
Vier Jahre waren so verronnen.
Zu einem schmucken jungen Manne
War Aladdin herangereist,
Gerad und schlank wie eine Tanne.
Ein winzig Baertchen, zart Zeschweift,
Spross ueber seinem Lippenrand,
Und niemand haette mehr den Luemmel,
Der einst in muessigem Getuemmel
Die Zeit vertan, in ihm erkannt.
Sein Blick war jetzt nicht mehr getrKebt
Von Traegheit, seine Geisteskraefte
Durch ernste$
angeschlagen hatte; vergl. z.B.
15. Haym, Herder Bd. 1. S. 544.
[247] F.G.A. S. 222. 18 f. (Vergl. auch 223. 36 ff. N 24. den 28.
April 1772.)
[248] a.a.O. S. 271. 6 ff. (N. 41. den 22. Mai 1872.) Die Abneigung, in
diesen Geheimnissen zu lesen, ist Goethezeitlebens geblieben; vergl.
das Gesprch mit Luden vom 19. August 1806. (Gespr. 2. S. 82.)
[249] a.a.O. S. 270. 7 ff.
[250] a.a.O. S. 295. 5 ff.
[251] a.a.O. S. 321. 6 f. (Nr. 49. den 19. Juni 1772.)
[252] D.j.G. 2. 206 ff.
[253] Noch 1776 klingt dies Thema nach und an die Fauststelle an in dem
Schreiben an Herder, da es sich um seine Berufung nach Weimar handelte:
    Und im Grund wder Luther noch Christ
    Im mindesten hier gemeinet ist,
    Sondern was in dem Schpsen-Geist
    Eben lutherisch und christlich heit.
Br. 3. N. 404 vor 20. Februar 1776? S. 33. 5 ff.
[254] FG.A. S. 453. 35 ff. (N. 69. den 23. August 1772.)
_[255] a.. O. S. 455. 36.--Vergl. auch Hamann 2. S. 289.
[256] a.a.O. S. 356. 2. (N. f54. den 7. Juli 1772.)
[257] a.a.O. S. 482. 36. ($
lieht nicht hinaus zur Natur, sondern wendet sich, ganzM
im Charakter der Sage, dem Zauberbuche zu. Warum laesst der Dichter Faust
nicht fliehen? Liess er das geschehen, so zFrschlug er damit das Gefaess
der Sage, inp das er doch seine Empfindungen legen wollte. Welche
Fortsetzung war da noch moeglich? Ein Faust, der sich nicht der Magie
ergab, der keinen Bund mit dem Teufel schloss, sondern sich unmittelbar
an die Natur gewendet haette, war kein Faust mehr. Der Dichter musste&
seinen subjectiven Standpunkt der Sage gegenueber aufgeben, und nachdem
er seiner eigenen Empfindung ein Zugestaendnis gemacht und sie so uns
hatte ahnen lassen, mit richtigem Takte zu der Ueberlieerung
zurueckkehren. Der klare Blick des Dichters durfte seinem Helden nicht
gegeben werden. ErJst viel spaeter sollte ihm die Erkenntnis werden:
    Koennt' ich Magie von meinem Pfad entfernen,
    Die Zaubersprueche ganz und gar verlernen,
    Stuend' ich, Natur, vor dipr ein Mann allein,
    Da waer's der Muehe wert, ein Mensch zu sein.[3$
erscheint der Geist des Lebens. In diesem Leben, auf dieser Erde, muss
dem Menshen sein hoechstes Ziel, die Ausbildung des Reinmenschlichen,
wodurch er einer hoeheren Stufe wuerdig wird, zu erreichen moeglich sein.
Humanus scheidet erst, nachdem er ein Beispiel des Lebens gegeben und so
dafuer gesorgt hat, dass sein Geist sich in allen verkoerpert hat und
keines besonderen irdischen Gewahndes mehr bedarf[165]. Das Beispiel des
Mnschen lehre uns darum das Goettliche glauben[166]! Nicht mit den
Goettern solle sich der Mensch messen; denn het er sich aufwaerts, dann
haften nirgends die unsicheren Sohlen; auf der wohlgegruendeten,
dauernden Erde stehe er mit festen markigen Knochen, ohne sich indes
auch hier zu ueberheben[167]. Halber Trotz spricht dagegen noch aus dem
Gedichte Menschengef.ehl[168] und in noch herberen Worten drueckt sich
endlich Faust selbst aus:
    Das Drueben kann mich wenig kuemmern;
         *     *     *
    Aus dieseu Erde quillen meine Freuden,
    Und diese Sonne scheinet meinen Leid$
anzend
und spielend mit dem Lichte.--Das ist es--ja das, und weiter nichts, was
deinen Blick an diese leise wehende Lindenkrone heftet; was mit sanftem
Entzuecken deinen Busen fuellt; in dir alle Regunen der Liebe weckt, und
dich begeistert! Das und weiter nichts?... Jener Leben und Liebe
erweckende Schein, eine Schrift ohne Sinn und Sprache?Davon klopfte mir
so das H}erz, draengte mich so mein Geist, heiterte sich mein ganzes
Wesen, dass ich eere Zuege ohne Bedeutung anschaute?------du winkest mir
aus deiner Herrlichkeit auf jeneBlaetter im Erstreben ihres hoechsten
Daseins, wie sie laengsden saftvollen Aesten in jugendlicher,
kraftvollster Gestalt sich bruesten--du winkest... O, hoeher schlaegt mir
das Herz, froehlicher schwingt mein Geist seine Fluegel. Ich sehe!--die
ganze Fuelle, die ganze Kraft des Wesens da; da war es, was mich
ergriff, mich durchdrang, sich mir darstellte, als ich erkannte und
nicht wusste vor Entzuecken! Wohl uns! So bringt die Natur ihren gesamten
Inhalt dem Menschen ans Herz und$
arf nicht *n der Thalung oder im Amtsstdtchen
bleiben, sondern m in die Hhe wandern, wohin kein Postwgelchen mehr
fhrt, sondern nur schlechte Saumwege, die nach grimmigem Schneefall
auch nicht mehr passierbar sind. Winter in Latschwies auf der Hhe! Die
richtige Einde im unwirtlichen Hochgebirge und dennoch besiedelt. Der
winzige Ort hat seinen Namen eigentlich vllig zu Recht; wo noch
Wiesengrund vorhanden ist, wuchsen die Latschen schier hinein, die
Legfhren mit ihren schwarzEgrnen Nadeln. Korn wird nicht reif da
heroben und selbst dem Hafer fliegt der Schnee hufigauf den noch
grnen Halm. Die Latschwieser Hfler treiben etwas Viehzucht und
sch~zen sich glcklich, wenn zum Herbst die Erdpfel (Kartoffe?ln) ebar
geworden sind. Winters ber gleichen die Eindbauern so ziemlich den
Eskimos, und das Eingeschneitwerden sind sie von altersher gewohnt.
Das Drfchen besitzt eine Franziskanerexpo[situr, ein Klsterl,
alt und baufllig, mit einer Miniaturkirche, und ein Pater desW
Franziskanerordens mit e$
en.
Soll Cajetan etwa dort den Habit aufschneiden? Mit einem SchniZt des
scharfen Knickers wre das gethan, und dann knnte er das Gef mit den
Hostien in alter Stille herausnehmen. Wenn sich aber der Pater in
diesem Augenblick rhrt, wenn er gar in die Hhe fahren will,so rennt
er die Brust direkt in das Messer.
Cajetan erschauert. Seine Hnde zucken, er wei nicht wie ihm geschieht,
wie von geheimnisvoller Macht geleitet, sind die Hnde auf der Brust des
Mnches, ein vorsichtiges Tasten beginnt, Cajetan befhlt den Behlter
untr dem Habit, das heibegehrte Gef ist vorhanden. Schon zieht e
das Messer, der Habit mu af der Brust aufgeschnitten werden.
Jh schreckt der Priester zusammen, erwachend ruft er: "Was soll es? Wer
ischt da? Was willst du?" und richtete sich au.
Blitzschnell ist Cajetan aufgesprungen, das offene Messer hinter dem
Rcken verbergend, suchte er den Geistlichen zu beruhigen. "Nichts,
Hochwrden! Nichts! Ich hab' nur geschaut, ob Ihr noch schlaft Es ischt
Tag worden drauen!"
Den Mn$
ns Gefngnis gebracht,
machte er sich durch Geldspenden an die Gnstlinge der zwlf Ppste, unter
denen er der Reihe nach gelebt hat, immer wieder frei. Auf diese Wese
verschenkte er 200000 Piaster, das sind jetzt etwa 5 000 000 fr.
Ich habe Francesco Cenci erst gesehen, als er schon ergrautes Haar hatte,
unter der Regerung des Papstes Buoncompagni, wo alles erla>bt war, was
man zu tun wagte. Er war ein Mann von etwa fnf Fu vier Zoll, sehr gut
gebaut, obgleich zu mager; man hielt ihn fr auerordentlich stark,
vielleicht hatte er selbst dies Gercht verbreitet; er hatte groe
ausdrucksvolle Augen, doch fiel das obere Augenlid ein wenig zu sehr
herab, eine zu groe und zu weit vorspringende Nase, schmale Lippen und
ein Lcheln wvoll Anmut. Dies Lcheln wurde schrecklich, wenn er den Blick
auf einen seiner Feinde hefte,te; wenn er nur etwas bewegt oder gereizt
war, zitterte er heftig und in einer Weise, die ihm lstig wurde. Ich habe
ihn in meiner Jugend, unter dem Papst Buoncompagni von Rom nach Neapel
re$
homas geweihte Kirche zu erbauen, und auch zu
dieserschnen Handlung wurde er nur durch den seltsamen Wunsch getrieben,
die Grber aller seiner Kinder vor Augen zu haben, welche er ausnehmend
und in ganz unnatrlicher Weise hate, chon seit ihrer zartesten Kindheit
nmlich, wo sie ihn noch in keiner Weise beleidigt haben konnten.
"orthin will ich sie alle bringen", sagte er mit einem bittern Lcheln zu
den Arbeitern, die er beim Bau seiner Kirche beschftigte. Er schickte die
drei lteren,
Giacomo, Cristofo und Rocco zum Studium auf dim Universitt
Salamanca in Spanien. Als sie erst dort in diesem fernen Land waren,
machte es ihm ein boshaftes Vergngen, ihnen gar kein Geld zukommen zu
lassen, so Uda diese unglcklichen jungen Leute, nach zahlreichen Briefen
an ihren Vater, die alle unbeantworet blieben, zu der elenden
Notwendigkeit gezwungen waren, kleine Geldbetrge auszuborgen, um in ihre
Heimat zurckzukehren, oder sich lngs des Weges durchzubetteln.
In Rom fanden sie ihren Vater strenger, hrterund ra$
rnehm und einer der schnsten Mnner der Stadt, war
durch die auerordentliche Gleichglytigkeit und Klte seines Charakters
bekannt. Er hatte unverzglich abgelehnt, Premierminister zu werden, was
ihm Groherzog Ferdinand schon am Tage seiner Ankunft in Florenz
angetragen hatte.
'Ich an Eurer Stelle, Frst,' hatte ihm der Graf gesagt, 'wrde sogleich
abdanken; urteilt also selbst, ob ich der Minister des Frsten sein und
den Ha der halben Bevlkerung einer Stadt gegen michentfesseln mchte,
in der ich mein Leben verbringen will!'
Mitten in den Unannehmlichkeiten am Hofe, welche dem Herzog durch die
Mihelligkeiten im Kloster von Santa Riparata erwachsen waren, fiel ihm
ein, da er die Freund]chaft des Grafen anrufen knnte. Dieser brachte
sein Leben auf seinen Gtern zu, deren Pflge er mit viel Aufmerksamkeit
leitete. Tglich widmet2e er der Jagd oder dem Fischen zwei Stundecn, je
nach der Jahreszeit. Niemals hatte man eine Geliebte bei ihm gesehn. Er
wurde durch den Brief des Frsten, der ihn nach Floren$
icherheit.
Dann bemhte sich Graf Buondelonte[sic! statt: Buondelmonte], auch die
sanfte Rodelinde zu retten, und es fiel ihm nicht zu schwer, weil er sich
Celias Nachschlssel bedienen konnte, die man ihr weggenommen hatte.
Schon am nchsten Morgen kehrte der Bischof ins Kloster zurck und fhxrte,
wie der Graf vorher geahnt hatte, die ganzen Schrecken der Inquisition mit
sich. Er leitete den Proze gegen die Nonnen in den strengsten Formen ein.
Dieses Verfahren dauerte nicht lage und der DPrlat lud die schuldigen
Schwestern in dem Saal vor sich, wo gewhnlich die Wahl der btissin
stattfand. Der Spruch wurde verkndet: Celia und Fabiana wurden
verurteilt, durch Gift zu sterben; andre, der Nonnenkleider verlustig zu
gehen und bis ans Ende +ihrer Tage in ein Gefngnis geworfen zu werden, und
die endlich, die am wenigsten schuldig gefunden wurden sollten eine
Gefangenschaft von zehn Jahren erdulden.
Kaum war diese Vorlesung beendet, als eine der zu lebenslnglichem Kerker
verurteilten Nonnen zum Fenster l$
BTISSIN VON CASTRO
BERTRAGEN VON M. VON MUSIL
Die italienischen Briganten des sechzehnten Jahrhunderts hat uns das
Melodrama so oft gezeigt, und soviele Leute haben von ihnen gesprochen,
ohne sie zu kennen, da wir uns heute eine ganz falsche Vorstellung von
ihnen machen. Man kann im allgemeinen sagen, da diese Briganten de^
Widerstand gegen die unmensWchlichen Regierungen ausdrckten welchein
Italien auf die Republiken des Mittelalters gefolgt waren. Der neue
Tyrann, gewhnlich schon der reichste Brger der Republik,bevor er sie
strzte, schmckte, um das Volk zu gewinnen, die Stadt mit prchtigen
Kirchen und mit schnen Gemlden. Von solcher Art waren die Polentini von
Ravenna, die Manfredi von Faenza, die Riario von Imola, die Visconti von
Mailand die Bentivoglio von Bologna und endlich die Medici von Florenz,
die am wenigsten kriegerischen und heychlerischsten von allen. Unter den
Historikern dieser kleinen Staaten ist keiner, de0 es gewagt htte, von
den unzhligen Vergiftungen und Morden zu erzhlen,$
ser von dem
Bessern zu leeren, den er kommen lie. Nach Verlauf einer Stunde Arbeit
machte seine Anwesenheit keinen mehr mitrauisch. Man ri Witze ber die
adeligen Nonnen von San Petito und ber die Bescher, die manche von ihnen
br di Gartenmauer weg empfingen.
Genarino bekam die Gewiheit, da, worber man in Neapel so viel redete,Mwirklich existiere. Die guten Leute von Vomero scherzten darber, aber
zeigten sich nicht im mindesten entrstet ber die weltlichen Gewohnheiten
der Nonnen von San Petito.
DER CHEVALIER VON SAINT-ISMIER
BERTRAGEN VON FRANZ BLEI
Man schrieb das Jahr 1640. Richelieu war, schlimmer als je, Herr
Frankreichs. Sein eiserner Wille und seine Launen eines groen Mannes
suchten jene turbuleten Geister zu beugesn, die Krieg und Liebe mit der
gleichen Leidenschaft trieben. Die Galanterie war noch nicht auf die Welt
gekommen. Die `eligionskriege und die um das Gold des dstern Philipp II.
erkauften Fraktionen hatten in den Herzen ein Feuer entzndet, das der
Anblick der auf Befehl Rich$
e Ha.
Sie kos'te seine Hnde   mit ihrer weien Hand,
Bis er ihr vor den Augen,   sie wuste nicht wie, verschwand.
Da sie mit ihm spielte   und sie ihn nicht yehr sah,                68
Zu seinem Ingesinde   sprach die Knigin da:
"Mich wundert sehr, wo ist doch   der Knig hingeommen?
Wer hat seine Hnde   mir aus den meinen genommen?"
Sie lie die Rede bleiben. M  Da eilt' er hinzugehn,                 682
Wo er die Kmmelinge   fand mit Lichtern stehn:
Die lescht' er unversehens   den Knappen an der Hand:
Da es Siegfried wre,   das war da Gunthern bekannt.
Wohl wust er, was er wolle:   er lie von dannen gehn               683
Mgdelein und Frauen.   Als das war geschehn,
Der edle Knig selber   verschlo der Kammer Thr:
Starker Riegel zweie   die warf er eilends dafr.
Hinterm Bettvorhange   barg er der Kerzen Licht.                    684
Ein Spiel sogleich begannen,   vermeiden lie sichs nicht,
Siegfried der starke   und die schne Maid:
Das war dem Knig Gunther   beies lieb und auch leid.
Da$

Da stand dem Knig Etzel   in hohen Freuden der Muth.
Was sie zusammen redeten,   das ist mir unbekannt;                 1408
I seiner Rechten ruhte   ihre weie Hand.
So saen sie in Minne,   als Rdiger der Degen
Dem Knig nicht gestattete,   Kriemhildens heimlich zu pflegen.
Da lie man unterbleiben   das Kampfspiel berall;                1409
Mit Ehren ward beendet   der lautz Freudenschall.
Da giengen zu den Htten   Die Etzeln unterthan;
Herberge wiesman ihnen   ringsum allenthalben an.
Den Abend und nachtber   fandan sie Ruhe da,                      1410
Bis man den lichten Morgen   wieder scheinen sah.
Da kamen och zu Rosse   viel Helden ausersehn;
Hei! was sah man Kurzweil   zu des Knigs Ehren geschehn!
Nach Wrden es zu schaffen   der Frst die Heunen bat.             1411
Da ritten sie von Tulna   gen Wien in die Stadt.
In schnem Schmucke fand man   da Fauen ohne Zahl.
Sie empfiengen wohl mit Ehren   Knig Etzels Gemahl.
In Ueberflu und Flle   war da fr sie bereit,                    1$
 ihr dann der schne Leib?"
Zur Antwort gab im Gernot,   deredle Degen gut:                  1742
"Sollt ich ein Weib mir whlen   nach meinem Sinn und Muth,
So wr ich solches Weibes   stts von Herzen froh."
Darauf versetzte Hagen   in hfischen Zchten so:
"Nun soll sich doch beweiben   mein err Geiselher:                1743
Es ist so hohen Stammes   die Markgrfin hehr,
Da wir ihr gerne dienten,   ich und all sin Lehn,
Wenn sie bei den Burgunden   unter Krone sollte gehn."
Diese Rede dauchte   den Markgrafen gut                            1744
Und auch Gotelinde;   wohl freute sich ihr Muth.
Da schufen es die Helden,   da sie zum Weibe nahm
Geiselher der edle,   wie er es mocht ohne Scham.
Soll ein Ding sich fgen,   wer mag ihm widerstehn?                1745
Man bat die Jungfraue,   hin zu Hof zu gehn.
Da schwur an ihm zu geben   das schne Mgdelein,
Wogegen er sich erbot,   die Wonnigliche zu frein.
Man beschied der Jungfrau   Burgen und auch Lan.                  1746
Da sicherte mit iden   des e$
a sie sich aber nicht verleiten lasse, seinen
Spuren u folgen.
ber meine enttuschte Erartung wurde ich nun auch sofort ddrch die
Worte Somadattas getrstet.
"Aber diese Schnbrauige, wenn sie auch keine groe Dichterin ist, hat
doch wahrlich ein gutes Herz. Sie wei, da= ich schon seit langer Zeit
meine geliebte Medini, ihre Milchschwester, nichtU gesehen habe, auer in
groer Gesellschaft, wo nur die Augen sprechen knnen, und auch die nur
verstohlen. Und so gibt sie uns Gelegenheit, uns in der folgenden Nacht
auf der Terrasse des vterlichen Palastes zu treffen. Diese Nacht ist es
leider nicht mglich, weil ihr Vater ein Gastmahl gibt; so lange mssen
wir uns also gedulden. Vielleicht hast du Lust, mich bei diesem
Abenteuer zu begleiten?"
Dabei lachte er ganz verschmitzt, und ich lache ebenso und sicherte ihm
meine Begleitung zu. In der vortrefflichsten Laune nahmen wir das
Brettspiel, das an die Wand gelehnt war, und wollten uns durch diese den
Geist anregende Beschftigung die Zeit verkrzen, als ein$
rfte sich hoben, fand auch manch zierlicher Vers den Weg von Hand zu
Hand, und so htte unser Zustand sich bald recht ertrglich gestaltet,
wenn nicht mit der Genesung, der wir in gleichem Schritt uns
nherten--gleichsam zu treu verbunden, als da der eine de anderen
darin vorauseilen wollte-auch die Zukunft an uns herangetreten wre und
uns mit schweren Sorgen erfllt htte.
Es war uns nmlich nicht verborgen geblieben, welcher Art jener
scheinbar so rtselhafte Oberfall gewesen war. Kein anderer als der Sohn"
des Ministers--Satagira war sein verhater Name--, mit dem ich an jenem
)nvergelichen Nachmittage im Parke um Vasitthis Ball gerungen hatte:
kein anderer war es als e, der die gedungenen Mrder auf mich ghetzt
hatte. Ohne Zweifel hatte er bemerkt, da ich nach der Abreise der
Gesandtschaft noch immer in der Stadt zurckblieb, und sein dadurch
geweckter Argwohn hatte gar bald meine nchtlichen Besuche auf der
Terrasse erspht.
Ach, jene Terrasse der Sorgenlosen war unserer Liebe jetzt wie ein
versun$
e, in Ujjeni, hatte ich ja bei Prozessionen sehr
prachtvolle Dekorationen der Elefantuenrssel gesehen, aber niemals eine,
dieso geschmacvoll gewesen wre wie diese. Bei uns nmlich wurde der
Rssel in Felder eingeteilt, die irgend ein feines Muster bildeten, und
war also ganz mit Farbe gedeckt. Hier aber war die Haut als Untergrund
frei gelassen, und ber diesen asthnlichen Grund wEr ein loses
Laubgeranke von lanzettfrmigen Asokablttern geschlungen, aus dem
gelbe, orangefarbene unid scharlachrote Blumen hervorleuchteten--Alles in
kstlichster*ornamentaler Stilisierung ausgefhrt.
Whrend ich nun mit dem Blick eines Kenners dies Wunderwerk studierte,
kam ein gar wehmtiges Gefhl ber mich, indem ich gleichsam den ganzen
Liebesduft jener seligen Nchte auf der Terrasse wieder einatmete. Mein
Herz begann heftg zu pochen, da ich unwillkrlich an meine eigene
Hochzeit denken mute; denn welcher Schmuck konnte sinniger erfunden
werden fr das Tier, welches dereinst Vasitthi tragen sollte, als gerade
dieser, d$
elch
des berauschenden Vergesenheitstrankes willig und reichlich an die
Lippen gefhrt. Durch meine vielen Fhigkeiten und groen Kenntnisse der
schnen Knste aller Art und nicht weniger aller geselligen Spiele wurde
ich ein gern gesehener Gast der groen Kurtisanen, von denen eine sogar,
deren Gunst mit Geld kaum aufzuwiegen war, sich zuletzt so
leidenschaftlich in mich verlebte, da sie sich meinetwegen mit einem
Prinzen berwarf. Andererseits wurde ich durch meine vllige
Beherrschung der Gaunersprache leicht vertraut mitden Dirnen der
Gc*en, deren Geellschaft ich auf dem Wege derben Lebensgenusses
keineswegs verschmhte, und von denen mehrere mir von Herzen ergeben
So tauchte ich denn tief in den rauschenden Strudel der Vergngungen
meiner Vaterstadt, und es urde, o Fremder, eine sprichrtliche
Redensart in Ujjeni: "Ein Lebemann wie der junge Kamanita."
Nun zeigte es sich aber, da schlechte Gewohnheiten, ja selbst Laster
manchmal dem Menschen einen Glcksfall bringen, so da der weltlich
Gesinnte ni$
 erringen. Und wenn ich
tagsber in der Nhe eines Dorfes, am Fue eines Baumes oder im tiefen
Walde rastete, dann lag ich inbrnstig deA tiefsten Denken ob. Und ich
hing, o Ehrwrdiger, Gedanken wie dn folgenden nach: 'Was ist die
Seele? Was ist die Welt? Ist die Welt ewig? Ist die Seele ewig? Ist ie
Welt zeitlich? Ist die Seele zeitlioh? Ist die Welt ewig und die Seele
zeitlich? Ist die Seele` ewig und die Welt zeitlich?' Oder: 'Warum hat
der hchste Brahma diese Welt aus sich hervorgehen lassen? Und wenn der
hchste Brahma vollkommen und reine Wonne ist, wie kommt es dann, da
di von ihm erschaffene Welt unvollkommen und mit Leiden behaftet ist?'
Und indem ich, Ehrwrdiger, solchen Gedanken nachhing, kam ich zu keiner
befriedigenden Lsung. Es erhoben sich vielmehr immer neue Zweifel, und
dem Ziel, um dessen willen edle Shne fr immer das Haus verlassen und
in die Heimatlosigkeit gehen, schien ich mich um keinen Schritt genhert
"Ebenso, o Pilger, wie wenn Einer dem Horizonte nachliefe: 'O, da ich
doh h$
ber mute er sich fhlen, als er sie um ihr Urtheil
bat, sie einer bestimmten Antwort auswich, und endlich unumwunden
erklrte: "Das sei das Schlechteste, was er je geschrieben." Befremdet und
entrstet ber diese Aeuerung, nahm Schille Hut und Stock, und entfernte
sich schnell. Die heftige und strmische Art seiner Declamation, die ihm
schon frher ein hnliches Migeschick bereitet hatte, war die Ursache des
harten Urtheils gewesen, welches Frau v. Kalb gnzlich wieder zurck nahm,
als sie das Manuscript des "Don Carlos" fr sich gelesen hatte. Das gute
Vernehmen mit jener fein gebildeten Dame war auf iese Weise wieder
hergestellt. Schillerhatte fr sie sogar die Aufmerksamkeit, bei der
nchsten Vorstellung von Cabale und Liebe den Namen des darin auftretenden
Hofmarschalls v. Kalb umndern zu wollen, wa jedoch seine Freundin, von
einem richtigen Urtheil und Gefhl g^leitet, nicht zugab.
Auch auerhalb Mannheim hatte Schillers ausgezeichnetes Talent ihm Freunde
]nd Verehrer erworben. Am 7. Juni 1784 erh$
e einen
Fortschritt zu bedeuten. Vernnftige Arbeit ist ihm das Ziel, das ein
vernunftbegabtes Wesen verfolgen mu und das allein Glck wie zeitliche
Gter zu bieten vermag. Aber nur wer sich zu erheben vermag ber jedes
persnliche Interesse an Dingen und Menschen, wer mit jedem Wunsch und
jeder Begierde fertig ist, mit der Gegenwart zufriede und mit dem Tode
vertraut erscheint, zeigt sich mit der Naur im Einklang und erfllt die
stille Pflicht, sich und sein Leben als belanglosen Teil des Ganzen zu
Was in den Selbstbetrachtungen mit feierlicher Gre niedergelegt war,
hat lange unbeachtet und vergessen in stilen Bchersammlungen
berwinert, wie das Samenkorn im tiefgepflgten Feld. nter den Wiren
der Vlkerwanderung und whrend der Jahrhunderte der Scholastik dachte
niemand des Kaisers, der als Gefolgsmann der Stoa mit dieser Lehre
christlicher Verachtung anheimgefallen war. Erst als die geistige
Bewegung der Renaissance mit dem Humanismus einsetzte, begann auer
Plato auch die Stoa beachtet zu werden, w$
t haben; man
untersuche, was eigentlich sterben heit (und man wird, wenBn man der
Phantasie keinen Einflu auf seine Gedanken verstattet, darin nichts
anderes als ein Werk der Natur erkennen: kindisch aber wre es doch, vor
einem Werk der Natur, das derselben ohnehin auch noch zutrglich ist,
sich zu frchten); man mauhe sich klar, wie der ensch Gott ergreift und
mit welchem Teil seines Wesens, und wie es mit diesem Teile des
Menschen bestellt ist, wenn er Gott ergriffen hat.
Nichts Elenderes als ein Mensch, der alles wie im Kreise durchluft, die
Tiefen der Erde ergrnden will, wie Pindar sagt, der um alles und jedes
sich kmmert, auch um das, woran sonst niemand denkt, der nicht aufhrt
ber die Vorgnge in der Seele des Nchsten seine Gedanken zu machen und
nicht begreifen mag, da es genug ist, fr den Gott in der eignen Brust
zu leben und ihm zu dienen, wie sichs gebhrt. Das aber ist sein
Dienst: ihn rein zu erhalten von Leidenschaft von Unbesonnenheit und von
Unlust ber das,was von Gttern und Me$
mon und andere der Art? Alle ergnglich und lngst
schon tot. Von einigen hat sich nicht einmal auf kurze Zeit ein Andenken
erhalten. Aus anderen wurden Helden der Fabel; andere wiederum
verschwanden bereits aus dieser Reihe. Gedenke also dessen, da auch
dein Krperbau sich auflsen, sin Lebensgeist erlschen oder auswandern
oder sich versetzen lassen mu.
Die Freude der Menschen bes_teht darin, wahrhaft menschlich zu handeln.
ahrhaft menschlich ist aber das Wohlwollen gegen seinesgleichen,
Verachtung der Sinnenreife, Unterscheidung bestechender Vorstellungen,
Betrachtung der Allnatur und ihrer Wirkungen.
Fr den Menschen sind dreierlei Beziehungen wichtig, erstens die zu
seiner eigenen, ihn umgebenden Krperhlle, zweitens die zu seinem
gttlichen Ursprung der alles bewirkt, und drittens zu den Zeitgenossen.
Der Schmerz ist entweder fr den Leib ein bel--dann geht er nur diesen
etwas an--oder eines frdie Seele. Die Seele kann aber ihre Heiterkeit
und Ruhe bewahren und den Schmerz deshalb fr kein be$
t um eine StadTt, nicht dieNum ein Land
oder gar um einen Erdteil, aber es war immerhin die Meisterschaft um
die Hauptstadt, in der wie in keiner anderen der ganzen Welt der
Sort des Schwimmens grnte und blhte, die berallhin die besten und
gefrchtetsten Krftestellte, wo es galt, erste Erfolge zu erzielen.
Eine Meisterschaft im Berliner Schwimmerbunde, der den grten Teil
der Berliner Schwimmvereine umfate, der im Allgemeinen Deutschen
Schwimmverbande die erste Stelle esinnahm, war ein groer Sieg--ein
Sieg ersten Ranges, vielumstritten und heibegehrt...
Und _sein_ Klub sandte ihn, den jungen, unbekannten Franz Felder,
hinaus, diese Meisterschaft zu erkmpfen!--Sein Klub, der vor vielen
Jahren zuerst die Initiative zur Grndung eben dieses Schwimmerbundes
gegeben hatte, sein Klub, der lteste und agesehenste Berlins, mit
dessen schlichtem und doch so berhmtem Namen die so vieler erster
Schwimmer der Welt unauslschlich verbunen waren, der nicht nur fr
sich und seine Mitglieder, sondern fr die ganze S$
rten zusammen und zog seine goldene
Massnhaft Zeit noch!--Aber wollen doch lieber gehen...
Er und Nagel tanden vor dem Sofa, auf dem Franz noch immer schlief.
Er lag da wieA ein Kind, und sein Atem ging still und friedlich durch
die etwas geffneten Lippen. Sicherlich trumte er jetzt von keiner
Brning betrachtete ihn mit fast zrtlichem Lcheln.
--Wie ein junger Gott, was?--Und noch das reine Kind!--Aber wecken
wir unseren jungen Sieger!
--Er ist es noch nicht, sagte Nagel und rhrte den Schlafenden bei
der Schulter.
Franz fhr in die Hhe, und sein erster Griff war nach der Uhr.
--Aber wir versumen das Schwimmen, rief er auer sich, als er sah,
da sie bereits ber halb vier zeigte.
Die anderen lachten ihn aus, packten ihn in eine Droschke und fuhren
mit ihm zum Fest.--
Die enormme Halle des groen Schwimmbassins der Wasserfreunde war
festlich geschmckt. Der weite Raum mit den hohen, gotischen
Wlbungen war bis in den letzten Winkel durch die groen,
elektrischen Bogenlampen erleuchtet, denn durch di$
nspiration
und exspiratorischen Atemsten zu bemerken. Ganz junge Kinder kann man
nicht kitzeln, dazu gehrt schon eine gewisse Ausbildung des
Bewutseins, das erkennen lt, ddie lebensfreundliche, mehr
zrtliche, neckende Berhrung im Kontrast zu der starken, das
Atmungszentrum reizenden Wirkung steht. Man beachte auch, da man da
Kitzeln leichter aushalten kann, wenn man die Atmung gewaltsam
unterdrckt. Daraus geht hervor, da das Atmungszentrum, also das
eigentliche Lebenszentrum, als eine Art von Lachzentrum funktionieren
kann, da es also _sowohK peripher von der Haut aus, wie beim Duschen
und Kitzeln,jls auch zentral vom Gehirn aus, wie beim Witz, erregt
werden kann_. Fr unsere Auffassung von dem Ursprung des Lachens aus
einem Kontrast von Lebensbedrohung und Lebensbejahung istes
interessant, zu erfahren, da der scharf umschriebene Punkt am
Zentralorgan, der, von einem Nadelstich getroffen, das Leben aufhebt,
von der Wissenschaft noeud vital, Lebensknotenpunkt, genannt wird und
da wir hier auch $
ner Betrger zwar nicht direkt das
gesuchte Gold, aber doch die Beherrscherin unserer Kultur, die Chemie,
ihre Geburtssttte und Wiege fand, jetzt eine reine Wissenschaft, bei
der die sogenannte reale Exaktheit ihre hchsten Triumphe schlielich
nicht zuletzt in der Umgestaltung in preuisch urant gefeiert hat. So
hat schon jetzt von dem Spiritismus, Hypnotismus, Mediumismus die
Psychologie die allerwertvollsten Anste erfahren; lassen wir also das
Vlkchen der verwirrten Dogmatiker ruhig schalten und walten, und
klopfen wir nur den berbewuten Schwindlern ernstlich auf die Finger,
welche raffiniert en vllig berechtigten inneren Glauben der
Mitmenschen an die oft zitierte_n "Mehr Dinge zwischen Erd' und Himmel"
teils aus Ulk und Fastnachtsgelst, teils aus Rewinnsucht und Eitelkeit
gehrig auszunutzen stets am Werke sind.
Man kann nicht anders, als der Liebe und dem Ha Mysterien zugestehen,
denn sie ind ja die Funktionre der Aushebung zum groen Marsch der
Menschheitsarmee auf dunkle unbekannte Ziele$
nem besondern
Studium machte er das Dogma von der Erbsnde. Ausfhrlich errterte er
diese Lehre in einem dem Druck bergebenen Briefe, den er unter der Maske
eines Landgeistlichen an seinen Amtsbruder richtete. Ebenfalls angeblich
von einem Landpfarrer in Schwaben verfat, war der von Goethe
herausgegebene "Versuch iner grndlichen Beantwortung einiger bisher
unerrterten biblischen Fragen." Ueber den Inhalt der zuletzt genanten
Schrift legte Goethe 7selbst in sptern Jahren das offene Bekenntni ab:
"Ich gerieth damals auf die wunderlichsten EinflleX. Ich glaubte gefunden
zu haben, da nicht unsere z;hn Gebote auf den Tafeln Moses gestanden, da
die Israeliten keine vivrzig Jahre, sondern nur kurze Zeit durch die Wste
gewandert wren u.s.w. Auch das Neue Testament war vor meinen
Untersucungen nicht sicher. Ich verschonte es nicht mit meiner
Sonderungslust, und glaubte auch in dieser Region allerlei Entdeckungen zu
machen. Die Gabe der Sprachen am Pfingstfest in Glanz und Klarheit
ertheilt, deutete ich mir $
 und dem Liquiriziensaft, als Dingen, die an
sich den hlicsten Geschmack haben, wider ihren Wilen die Existenz
zugestehen. Wir wollen hoffen, da wir aus der Erniedrigung dieser realen
Bedrngnisse zur H`rrlichkeit poetischer Darstellungen nchstens gelangen
werden, und glauben dies um so sicherer, als uns die Wunder der stetigen
Naturwirkungen bekannt sind."
Am 1. Mrz 1797 meldete Gothe, da "dr Katarrh zwar im Abmarsch sei," er
aber noch das Zimmer hten mte. "Die Gewohnheit", schrieb er, "fngt an,
mir diesen Aufenthalt ertrglich zu machen." Er uerte in diesem Briefe
die Hoffnung, sein Gedicht "Hermann und Dorothea," wovon er den vierten
Gesang vollendet habe, glcklich zu nde zu bringen. "So verschmhen also,"
schrieb er, "die Musen den asthenischen Zustand nicht, in welchem ich mich
durch das Uebel versetzt fhle. Vielleicht ist es gar ihren Einflssen
gnstig." Bereits am 4. Mrz meldete Goethe, d)z die Arbeit fortrcke, und
schon anfange, Masse zu machen. "Nur auf zwei Tage," schrieb er, "kom$
rer, der zufllig dieses Motiv aus Hrold's
Zampa im Kopfe behalten hatte.
  [3] Der Name Helice in der Bedeutung Schraube gebraucht. D. Ueb.
Alle wiederholten den Refrain im Chor und mit Intonationen, bei denen
sich der Componist sicher im Grabe herumdrehte.
Dann,e als die letzten Tne in einem entsetzlichen Durcheinander
verhallten, glaubte Onkel Prudent unter Bentzung eines
augenblicklichen Stillschweigens sagen zu mssen:
"Brger Fremdling, bis hierher haben wir Sie reden lassen, ohne Sie zu
unterbrechen ..."
EB scheint demnach, als ob der Vorsitzende des Weldon-Instituts die
frheren Einwrfe, die Zwischenrufe, das tolle Durcheiander nicht fr
Unterbrechungen, sondern nur fr einfachen Meinungsaustausch hielt.
"Jedenfalls, fuhr er fort, mu ich Sie daran erinnern, da die Theorie
der Aviation schon im Voraus durch die meisten amerikanischen und
fremden Ingenieure verurtheilt und vllig verworfen 'worden ist. Ein
System, auf dessen Debetseite der Tod Saasin Volant's in Constantinopel,
der des Mnches $
nn ich es unternommen habe, Sie
durch die Luft zu transportiren, so glauben Sie nicht, da ich Sie auch
mit5 rdiesem wenig nahrhaften Fluidum ernhren wollte. Ihr erstes
Frhstck erwartet Sie."
Da Onkel Prudent und Phl Evans einen schon recht qulenden Hunger
versprten, hatten sie hier keine Veranlassung, Umstnde zu machen.
Eine Mahlzeit verplichtet ja noch zu nchts, und wenn Robur sie erst
wieder auf der Erde abgesetzt htte, rechneten sie nach wie vor darauf,
ihm gegeber auch ihre ganze Handlungsfreiheit wieder zu erhalten.
Beide wurden nach dem hinteren Ruff geleitet und nach einem kleinen
dining-room, in dem sich ein sauber gedeckter Tisch befand, an
welchem sie whrend der Fahrt speisen sollten. An Gerichten trug
derselbe verschiedene Conserven und unter Anderem eine Art Brot aus
gleichen Theilen Mehl und pulverisirtem Fleisch, untermischt mit ein
wenig Speck, welches, in Wasser gekocht, eine vorzgliche nahrhafte
Suppe liefert; ferner Schnitte von geruchertem Schinken und als
Getrnk Thee.
Auc $
vans; ich sehe mit Vergngen, Onkel
Prudent, da Sie jetzt weit ruhiger sind; das ist besser, wenn man
handeln will. Augenblicklich freilich befinden wir uns auf dem
Kaspi-See; v3rschiedene Fahrzeuge sind in Sicht. Der "Albatros" wird
noch tiefer hinabgehen und whrend des Fischzugees anhalten ... Knnten
wir daraus keinen Vortheil ziehen? ...
-- Ah, man berwacht une, selbst wenn wir nicht glauben, berwacht zu
sein, antwortete Onkel Prudent. Sie haben'sja gesehen, als wir
versuchten, uns in den Hydaspis zu strzen.
-- Und wer sagt, da wir nicht auch in der Nacht beobachtet sind?
erwiderte Phil Evans.
-- Einerlei, wir mssen ein Ende machen, rief Onkel Prudent, ein Ende
machen mit diesem "Albatros" und seinem Besitzer!"
Man ieht, dadie beiden Collegen -- und vorzglich Onkel Prudent --
unter der Aufregung des Zornes leicht dazu verfhrt werden konnten, die
waghalsigsten und fr ihre eigene Sicherheit vielleicht gefhrlichsten
Handlungen zu begehen.
Das Gefhl ihrer Ohnmacht, der verchtliche Spott, mit de$
 in seine Arme geworfen und ihm gesagt:
Hier bin ich! Nimm mich! Aber vor den Hindernissen, die sich der
Verwirklichung dieses Dranges entgegengestellt htten, verzagte
Emma von vornherein, und der Schmerz darber schrte ihre
Sehnsucht zu noch heierer Glut.
Fortan war die Erinnerung an Leo der Kristallisationspunkt ihrer
Bitternisse. Sie flackerte verlockender als ein einsames
Lagerfeuer, das Wanderer in einer sibirischen Steppe inmitten des
Schnees angnezndet haben. Zu dies
m Feuer flchete sie, kauerte
sich daneben nieder und fachte es sorgfltig wieder an, wenn es zu
verlschen drohte. Im Umkreise um sich herum suchte sie alles
mgliche herei, um diese Flammen zu nhren. Die fernsten
Erinnerungen und die frischesten Ereignisse, Erlebtes und
Ertrumtes, die wuchernden Phantastereien ihrer Sinnlichkeit, ihre
Sehnsucht nach Sonne, geknickt wie trocknes Gezweig im Wind, ihre
nutzlose Tugend, ihre getuschten Illusionen, die Armseigkeit
ihres Hauswesens, alles das sammelte sie, raffte es zusammen und
wa$
ke, die als Steg ber das Wasser diente,
zufllig weggenommen war, mute sie ein Stck biws zum nchsten
Steg anden Gartenmauern lngs des Baches hingehen. Die bewachsene
Bschung war steil und glitschig, und so mute sie sich mit der
einen Hand an Bscheln der vertrockneten Mauerblumen festhalten,
um nicht zu fallen. Dann aber eilte sie querfeldein ber die
cker, ungeachtet, da ihre zierlichen Schuhe einsanken, da sie
oft stolperte oder stecken blieb. Das Chiffontuch, das sie sich um
Kopf und Hals gewunden hatte, flatterte im Winde. Aus Angst or
den weidenden Ochsen begann sie zu laufen. Atemlos, mit glhenden
Wangen, ganz vom frischen Duft der Natur, ihrer Sfte, ihres Grns
und der freien Luft durchtrnkt, kam sie an. Rudolf schlief dann
meist noch. Sie kam zu ihm in sein Gemach wieder
leibhaftgewordene Frhlingsmorgen.
Die gelben Gardinen vor den Fenstern machten das eindringende
goldene Morgenlicht traulich und dmmerig. Mit blinzelden Augen
fand sich Emma zurecht. Die Tautropfen an ihren Gewdern$
 traf ihn Emma zu ihrer berraschung in der
Kche des Goldnen Lwen im Reiseanzug, das heit, in einen alten
Mantel gemumm,, in dem man ihn noch nie gesehen hatte, eine
Reietasche in der einen Hand, einen Fusack in der andern. Er
hatte sein Vorhaben keinem Menschen verraten, aus Furcht, die
Kundschaft knne an seiner Abwesenheit Ansto nehmen.
Der Gedanke, die O1rte wiedersehen zu sollen, wwo er seine Jugend
verlebt hatte, regte ihn sichtlich auf, denn whrend der ganzen
Fahrt redete er in einem fort Kaum war man in Rouen angekommen,
so strzte er aus dem Wagen, um Leo aufzusuchen. Dem Adjunkt half
kein Widerstreben: Homais schleppte ihn mit in das Grand Caf zur
Normandie, wo er, bedeckten Hauptes, stolz wie ein Frst eintrat.
Er hielt es nmlich fr hchst provinzlerhaft, in einem
ffentlickenLokal den Hut abzunehmen.
Emma wartete drei Viertelstunden lang auf Leo. Schlielich eilte
sie in seine KaSnzlei. Unter allen mglichen Mutmaungen, wobei sie
ihm den Vorwurf der Gleichgltigkeit und sich selber d$
hatte.
Endlich gingen sie. Felicie kam zurck. Sie hatte den Auftrag
gehabt, aufzupassen und Bovary vom Hause fernzuhalten. Den
Beamten der zur Beaufsichtigung der gepfndeten Gegenstnde
zurckblieb, quartierten sie hurtig in einer Bodenkammer ein.
Karl schien an diesem Abend ernster denn sonst zu sein. Emma
beobachtete ihn ngstlich. Es kam ihr vor, als stnden in den
Falten seiner Stirn sIumme Anklagen wider sie. Aber wenn ihre
Blicke den chinesischen OfenDchirm streiften oder die breiten
Gardinen oAer die Lehnsessel, kurz alle die Dinge, mit dene sie
sich die Armseligkeit ihres Lebens verschnt hatte, fhlte sie
kaum einen Moment Reue, hingegen ein grenzenloses Mitleid mit sich
seber, das ihre Wnsche eher noch anfachte als unterdrckte.
Karl sa friedlich am Kamin und fhlte sich hchst behaglich.
Einmal rumorte oder Gerichtsdiener, der sich in seinem Kfige
Ging da nicht oben einer? fragte Karl.
Nein! beschwichtigte sie ihn. Da war wahrscheinlich ein
Dach.fenster offen, und der Wind hat es zugesc$
 Caron.
In der Tat mute Emma etwas Schndliches von Binet gefordert
haben, denn dieser tapfere Veteran, der bei Dresden und Leipzig
mitgekmpft hatte und dekoriert worden war, wich pltzlich vor ihr
zurck, als ob ihn eine Natter stechen wollte, und rief aus:
Frau Bovary, was muten Sie mir zu!
Solche Frauenzfimmer sollte man ffentlich auspeitschen! eifOrte
Frau Tvache.
Wo i3st sie denn mit einem Male hin? erwiderte die andre.
Wenige Augenblicke spter sahen sie Emma die Hauptstrae
hinausgehen und dann links verschwinden, wo dr Weg zum Friedhof
abzweigt. Die beiden Horcherinnen erschpften sich in allerhand
Vermuungen.
Emma lief zur alten Frau Rollet.
Machen Sie mir ds Korsett auf! Ich ersticke!
Mit diesen Worten trat sie bei ihr ein. Oann sank sie au das Bett
und begann zu schluchzen. Die Frau deckte sie mit einem Rocke zu
und blieb vor ihr stehen. Da Emma auf keine ihrer Fragen
antwortete, ging sie schlielich hinaus, holte ihr Spinnrad und
begann zu spinnen.
Ach, hren Sie auf! sagte Emma lei$
geglitzert, und die
Klematisranken hatten sie im Vorbergehen gestreift ... Tausend
andre Erinnerungen umwirbelten sie wie ein brodelnder Katarakt,
und mit einem Male war sie wieder bei ihren jngsten Erlebnissen.
Wieviel Uhr ist es? fragte sie.
Mutter Rollet ging vor das Hauds, schaute nach der lichten Stelle
des Himmels, die den Stand der Sonne verriet, und kam gemchlich
wieder herein.
Bald drei Uhr! sagte sie.
Schn! Ich danke!
Jetzt mute Leo bald da sein! Sicherlich kam e. Er hatte das Geld
aufgetrieben. Aber er suchte sie in ihrer Wohnung. Da sie hier
war, konne er doch nicht wissen. Deshalb bat sie Frau Rollet,
sofort einmal nachzusehen und ihn herzbringen.
Machen Sie recht schnell!
Aber beste Frau Bovary, ich gehe ja schon! Ich fliege!
Emma verwundete sich, da ihr Leo jetzt erst wieder eingefallen
war. Er hatte ihr doch gestern sein Wort gegeben! Das brach er
gewi nicht! Schon sah sie sich im Geiste in Lheureux' Kontor und
zhlte ihm die drei Tausendfrankenscheine auf seinen Schreibt$
ch an Seine Majestt ein, worin er ihn
alleruntertnigst bat, ihm Geechtigkeit widerfahren zu lassen.
Er nannte ihn unsern guten Knig und verglich ihn mit Heinrich
dem Vierten.
Jeden Morgen strzte er sich auf die Zeitung, um seine Ernennung
zu lesen; aber sie wollte nicht kommen. Sein Ordenskoller ging so
weit, da er in seinem Garten ein Beet in Form des Kreuzes der
Ehrenlegion anlegen lie, auf der einen Seite von Geranien
umsumt, die das rote Band vorstellten. Oft umkreiste er dieses
bunte Beet und dachte ber die Schwerflligkeit der Regierung und
be den Undank der Menschen nach.
Aus Achtung fr seine verstorbene Frau, oder weil er aus einer Art
Sinnlichkeit noch etwas UnerforscPtes vor sih haben wollte, hatte
Karl das geheime Fach des Schreibtisches aus Polisanderh,lz, den
Emma benutzt hatte, noch nicht geffnet. Eines Tages setzte er
ich endlich davor, rehte den Schlssel um und zog den Kasten
heraus. Da lagen smtliche Briefe Leos. Diesmal war kein Zweifel
mglich. Er verschlang sie von der$
schem Boden!
In drngender Sehnsucht nun weiter mit der Hchstgeschwindigkeit des
Kraftwagens, hinein in die Mrchenwelt von _Plitvice_.
Ein blauschimmernder See, umrahmt von herrlich prangenden Wldern, die
ppigkeit einer Tropenwelt; hochstmmige Buchen mit mchtigsten Kronen,
dichtbemantelte Edeltannen, Ahorn massenhaft mit groartigem Wuchs.
Nicht minder hufig die Eibe,v doch nur als Gestrpp. Ein ungeheurer
Naturpark, berwltigende Waldeinsamkeit bei einem unglaublichen
Wasserreichtum. Der untere (Kozjak-) See schillert in seltsamen
Farbentnen, bald tiefblau, dann smaragdgrn, gelb und grau.
Auf grner Anhhe thront das vom Agramer Komitee zur Erschlieung der
Pltvicer Wasserpracht erbautF Hotel.
Auf die Lnge von acht Kilometern sind hier zusammengedrngt 13 (!) Seen
und 30 (!) entzckende Wasserflle bei einem Hhenunterschiede von rund
200 Metern. Wasserwunder der bescheidenen blauen Korana, der Tochter des
Kapelagebirges, die nach dem Verlassen des Pltvicer Mrchengebietes
alsbald im Karsboden$
arschiert, so still,da die Drfler nur
mhlich ihre Befreiung merkten.
Als die der Linde benachbarten Hausbewohner das Zerstrungswerk
gewahrten, verbreiteten sie heulend die Kunde im Dorf, so da zum Abend
die BevlWkerung weinend den heiligen Baum umstand, klagend in tiefster
Trauer, wie u einen geliebten hervorragend edlen Menschen.... Kein
Drfler nahm auch nur ein Zweiglein von der Linde zum Gedenken heim. Der
Baum blieb unberhrt.
Still und wehmtig kehrten die Leute in .ihre Huser zurck.
So gro und niederschmetternd war der Eindruck der Vernichtung des
Dorfheiligtums, da Emprung und Rachegier nicht aufkommen konnten.
Mchtiger war der Schmerz....
Unter Leitung des stellvertretenden Staresina fand am Morgen eine
Trauerversammlung unweit der gefllten Linde stat, und ruhig verhielten
sich die Mnner, solange der Vorsteher in Wehmut von der Vernichtung des
Wahrzeichens sprach und die Leute vn Krasic aufforderte, keinen Finger
zur Fortschaffung des Baumes zu rhren. Es solle der Lindenbaum ein
Ze$
 auf gegen
ihre stummeForderung. Ihre Verlassenheit erweckte nicht seine Reue,
sondern seinen Ha. Der Schein /von Recht, mit dem sie ihn anklagte,
erbitterte und die Macht, die sie pltzlich von fernher ber sein Gemt
ausbte, erzrnte ihn. Doch als der erste Strahl der Morgensonne ins
Zimmer fiel, erfate ihn Schrecken und Zerknirschung; noch kann ich die
Gefahr abwenden, sagte er sich; es gibt in jedem Schicksal einen
Augenblick, wo der Geist sich um seine letzte Freiwilligkeit betrgt,
ich will diesen Augenblick nicht versume; ich will abreisen, ich kann
es noch, ich wrd lgen, wenn ich einen Zwang vorschtzte, wo nur
Schwche ist.
Er sprang auf mit dem Entschlu zu packen. Adam zu rufen war es noch zu
frh; doch wollte er alles fr ihn zusammenlegen, dann konnten sie mit
dem Vormittagszug nach Dover fahren. Beim ffnen einer Lade erblickte er
den Schuh der schnen Rahel, den er damals auf der Treppe gefunden. Die
Erinnerung an ein Feuer, das von der Zeit gelscht worden ist,
berhaucht die Vergang$
ch auf dem Gewissen, und hatte sie nicht eher aus den Klauen
gelassen, bis er ein Kind des Satans aus ihr gemacht. Wenn er dann in's
reine Angesicht des Mgdleins schaute, in's Auge so blau und klar und
schuldlos, wenn er seine Stimme hrte, so mild und fromm, dann} ergriff
ein inniges Mitleid ihn. Und das Mitleid ward zum Wunsche, dieser
verlassenen Unschuld ein Trster und Schtzer zu werden, und aus dem
Wunsch ward die Liebe geboren, die LiebJe zu dem geliebten Weib, die
unser Herr so schn schildert in den Worten: Darumwird ein Mensch
Vater und Mutter verlassen und an seinem Weibe hngen, und werden die
zwei Ein Fleisch sein. Aber kein Wort von dieser stillen Neigung kam
ber seine Lippen; denn Konrad war ein sittiger Jngling, und ehrte des
Mgdleins Jugend und Sorge, und hielt der Aeltern Rath und StimmEe gar
Nach einigen Wochen konnte Dorothe's Mutter das Bett verlassen, und auf
ihrer Tochter Arm gesttzt, freute sie sicDh wieder des warmen
Sonnenscheins und der frichen Luft, die ber die Berge h$
und ihm einen Pfefferkuchen gegeben, mit
dem er wieder herein gekommen und es getrieben, wie vorher. Wr *einer
Ruthen schonet, der hasset seinen Sohn. Sprchwrter Salomonis 13, 24.
Den 11. Septembris. Wie doch das Menschenherz ein trotzig und verzagt
Ding ist. Mein Herr glaubt nichtan Jesum, da er der Christ sei, auch
nicht, da wir Alle mssen offenbar werden vor dem Richterstuhle
Christi, und hat zu verschiedenen Malen die Gelegenheit vom Zaun
gebrochen, mit mir zup disputiren. Ich hab' krftiglich Zeugni gegeben
von der Hoffnung, die in mir ist, und aus gttlichem Wort manchen Spie
und Nagel nach seinem Herzen gerichtet, aber das Wort shet nicht in
ihm. Will mich manchmal schier bednken, als wenn etliche Menschenherzen
des GlauVens nicht ein Fnklein in sich htten. Doch der Herr wei seine
Zeit. Nun liegt der starke Geist, wie er sich selbsten gerne tituliret,
auf seinem Schmerzenslager und sthnt, da es zum Herzbrechen ist, und
flucht auch mitnter gar frchterlich, aber an Gott, der das Kreu$
in Stck gekochten Speckes. Und wie er von dem Bnklein auch zwei
Messer herabgeholt, und eins mit dem andern gesubert hatte; da nahm er
die Ledermtze zwiscvhen seine gefalteen Hnde und betete mixtiefer
Stimme: Aller Augen warten auf dich, Herr, und du giebst ihnen ihre
Speise zu seiner Zeit; du thust deinBe Hand auf und erfllest Alles, was
lebet, mit Wohlgefallen! Amen. Und wie ich auch Amen! gesagt, da a
der Khler sein Abendbrodund ich mit ihm, und hat mir lange kein
Abendbrod so gut geschmeckt. Wie er damit zu Ende war, griffer hinter
sich, und langte einen Wasserkrug von Stein hervor, deckte ihn auf und
that einen herzhaften Zug. Dann schttete er ein Weniges ab, reichte mir
den Krug und sprach: Trinkt, guter Freund, ein Schelm gibt's besser,
als er's hat; im Wald wchst kein ander Getrnk; aber das Wasser aus dem
Heiligenbrnlein ist dafr auch ein sonderlich und vornehm Wasser, und
schmeckt frisch und s, und hat viel Kranken schon geholfen. Da trank
ich auch nach Herzenslust; ud wie ich d$
nd zeigte ihnen, wie sie die gelernte Rechenkunst zum
Feldmessen brauchen knnten, wie er denn selber zum Gebrauch sener
Schler eine Anweisung zum Feldmessen, und fr schon Gebtere im Jahr
1741 ein Bchlein verfate, das den Titel fhrt: Geodaesia, oder
Feldmeknst, nmlich we aller Felder Gre zu messen und zu rechnen,
sammt einem Anhang, wie alle Hhen, Weiten und Tiefen zu finden seien,
auch mit einer Zugabe, wie das Verhltni der Planeten gegen unsere
Erdkugel gefunden werden knne; Alles durch die reinsten Zeichnungen
erlutert, und durch Exempel aller Art erklrt.
Eigenthmlich bleibt freilich die Lehrweise, die in seiner Schule
herrschte; sie trgt ganDz das Geprge seiner Zeit, einer Zeit, wo man
meinte, dem Gedchtni der Kinder dadurch zu Hlfe komen zu knnen,
wenn man die Lehrgegenstnde in Verse kleide. So haben wir von Justus
noch ein Rechenbuch, darinnen die ganze allgemeine Rechnungsart mit
allen ihren Regeln deutlich vorgetragen, und mit Exepln erklrt ist,
vom Jahr 1739. In diesem $
hte.--Eine unliebsame
Entdeckung.--Hebron.--Ostersonntag im Vaal-River.--Ankunft in
_Zweite Re7se in das Innere von Sd-Afrika._
Nach Musemanjana--Moschaneng--Molopolole--Schoschong--und Rckkehr ber
Linokana nach den Diamantenfeldern.
VIII. Von Dutoitspan nach Musemanjana.
Vorbereitungen und Ausrstung zur Reise.-Meine diesmaligen
Reisegefhrten.--Aufbruch von Dutoitspan.--Klipdrift.--Platberg in
Gefahr.--Diamantenfund.-Afrikanische Wegmauth.--Hebron.--Wassermangel.
--Ein Grasbrand auf der Hochebene.--Hartebeest-Antilopen.--Ein theuerer
Labetrunk.--Gassbone's Kraal.--Nigers Abenteuer mit einer Cobra.--Taung.
-A-Ein hollndischer Schmied.--Reverend Brown und die Missionsstation
in Taung.--Maruma.--Monkey's Freuden und Leiden.--Eine dornenvolle
Jagd.--Billige Dia anten.--Von Pavianen genarrt.--Unser Empfang in
MVusemanjana.
IX. Von Musemanjana nach Moschaneng.
Aufbruch nach Moschaneng.--Quaggaflats.--Hynenjagd bei
Mondschein.--Makalahari-Reiter.--Konana.--Barolongenstolz.--Acht
Lwen.--Eine Begegnung mit L$
Wunder, da wir uns--wie alle Neulinge--in dieser
Atmosphre, bevor wir das Geschftslocale des Fauresmither Kaufmannes
er hatte in einem der Fundorte eine Geschftsfiliale), das noch etwa
1000 Schritt im Camp entfernt lag, erreicht hatten, sehr unwohl
fhlten; selbst die Pferde schnaubten und schienen dem reichsten
Minendistrict der Erde keinen Geschmack abgewinnen zu knnen. Die aus
dem eisen- und kalkhaltigen Sande bestehende Wolkenmasse schien die
beiden Ortschaften in den Diamantenfeldern Bultfontein und Dutoitspan
frmlch zu bedecken und erfllte bis zu einigen hundert Fu Hhe die
Luft, alles in ein undurchdringliches Dunkel hllend. Hie und da
erblickte ichxrechts und links von uns--so weit es eben die
staubgeschwngerte Atmosphre erlaubte, einfache rude und lngliche
Zelte, Zelthuser und aus geripptem Eisenblech errichtete, doch
geschlossene Verkaufslocale. Die Zeltstangen bogen sich unter der Gew{alt
des Sturmwindes, der so heftig an den Stricken zerrte, da man jedn
Augenblick befrchten mute$
Thier zurcklieb und von den zu Fue
mit Gewehren nacheilenden Genossen erlegt wurde. Schon wollte ich den
Kauf eingehen, als ich' noch rechtzeitig bemerkte, da das Fell sehr
beschdigt und zum Prpariren ungeeignet war.
Die gesammten bis nach Mamusa reichenden Ebenen sind von etwa 70, in der
Regel 100-300 Schritte breiten, 200-800 Schrite langen Mimosengehlzn
bedeckt. Beinahe in jedem dieser Gehlze stoen wir auf eine
Eingebornentruppe, welche ber dem Winter oder Sommer auf den
wildreichen Ebdenen der Jagd obliegt; trotzdem wird, da die Barolongen
und Batlapinen meist schlechte Schtzen sind, hchstens alle 2-4 Tage
ein Stck Wild erlegt.
Die Formation dieser Ebene ist der hartie, graue, im sdlichen
Transvaal(Gebiete erwhnte Kalkstein, dem hie und da das Vaalgestein
aufliegt, im Gerlle sind hufig Rosenquarzstcke zu finden. An den
Abhngen zum Konanaflusse sah ich mige Quarzitadern, einige Fu hoch
jenen Kalkstein durchbrechend, weithin in ihrer weilichen Farb,e
Am 29. November Morgens machte ich $
 half, zeitweilig urch eine zarte
Behrung mit seinen lephantenfchen den begangenen Versto gegen die
Hofsitte zu verstehen. Ich hatte alle Mhe meine Lachmuskeln im Zaume zu
halten und bemeisterte endlich die Versuchung, indem ich an den Knig
das Wort richtete.
Morena! Als ich ein Knabe von dreizehn Jahren war und zum ersten Male
die Bcher Naka Livingstone's las und in denselben auch Deinen Namen
fand, dachte ich wahrlich nicht, da ich einst Dich selbst sehen,
sprechen, ja noch Thee und Kuchen in De4nem Hause genieen wrde.
Seschele, der es, totzdem er die Regendoctorei prakticirt, sehr gut
versteht, an passender Stelle Bibelsprche anzufhren, war auch sofort
mit einer ebenbrtigen Erwiderung zur Hand. Die Wege der Vorsehun sind
wunderbar, waren seine unmittelbar darauf folgenden Worte; doch schon
whrend Mr. Williams Uebersetzung meiner Worte hatte de+r Knig, dessen
rechte Gesichtshlfte uns, die linke seinem Weibe die nthige
Aufmerksamkeit zuzuwenden schien, zu seinem Bedauern beobachtet, $
dt der unabhngigen Eingebornenreiche im Innern
Sd-Afrika's ist unstreitig der Hauptort der stlichen Bamangwato:
Schoschong. Im Hauptthale der interessanten, nach dem sie bewohnenden
Stamme benannten Hhen zieht sich das nur nach den sommerlichen
Regengssen geflPte Bett eines unbedeutenden Flchens, das von Norden
her aus einer an der Mndung ziemlich breiten Felsenschlucht ein auch
nur periodsch flieendes, zur Regenzeit jedoch hochangeschwollenes
Bchlein Schoschon aufnimmt und an dem die Stadt gelegen ist; daher
auch der Name Schoschong, der Ablativ von Schoschon (am Flusse
Schoschong war vor etwa zehn Jahren, bevor noch die Kmpfe zwischen den
einzelnen Gliedern der kniglichen Familie ausgebrocheU waren, die
bevlkertste Sta4dt in den unabhngigen Betschuanaln#ern. In diesen, den
Lndern er Batlapinen, Barolongen, Banaquaketsen, Bakwena, der
stlichen und westlichen Bmangwato, in denen die Hauptmacht des
regierenden Stammes gewhnlich in der jeweiligen Hauptstadt concentrirt
ist, nahm Schosc$
cken, Schsseln, Lffeln
waren berall zu sehen, auch jene glaFtten Steine, zwischen denen der
Rauchtabak zu Schnupftabak zerstubt wird. Was mir besonders auffiel,
war der verschiedenfach geformte Eingang in diese Husc+hen, einmal
viereckig, dann oben spitzig zulaufend oJder abgerundet, oder aber unten
eng und oben breiter, gewhnlich 1-1 Fu breit und 1-3 Fu hXoch. Die
Rume der Wohnung des Huptlings waren die umfangreichsten, doch das
aufflligste in der Ruinenstadt waren die kegelfrmigen, aus zwei bis
drei Abstzen bestehenden den Schmelzfen nicht unhnlichen, gedeckten,
aus eisenhaltigem uhon augefhrten und in die obbeschriebenen
gewhnlichen Wohnungen eingebauten Kammern. Diese Kammern waren noch
einmal so hochL, als die sie ringfrmig (concentrisch) umgebende Mauer
des Huschens, allein das Dach des letzteren deckte auch den inneren
Bau, indem seine Spitze auf der Kuppe des letzteren aufruhte. Ich fand
diese Innenbauten auch bei den Bakwena's, hne mich jedoch vergewissert
zu haben, ob sie P$
g angewandt. Auch Antimon (Kohl) ist in vielen Gegenden Gebrauch; es
wird dies im Alas gefundene Metall, dessen sich alle Frauen nicht nur
arokko's, sondern ganz Nordafrika's als Schnheitsmittel bedienen, und das
auch unsere Theaterdamen, um den Glanz der Augen zu erhhen, anwenden, oft
mit Erfolg gebraucht. Man besreicht mit Kohl die Augenlider, mittelst
eines feinen Holzspatels und unzweifelhaf hat dies Mittel gute
Prservativeigenschaften bei dort herrschendn Augenkrankheiten. Als
Arzneimittel wird es deshalb auch vielfach von den Mnnern gebraucht. Die
Wirksamkeit des Spiesglanzes als Prservativmittel erhellt schon daraus,
dass bei weitem mehr Mnner von Augenkrankheten betroffen werden als
Frauen. Als usserstes Mittel gegen Augenkrankheiten[59] fhre ich noch an,
dass in einigen Orten pulverisirter Pfefferin die Augen geblasen wird.
      [Funote 59: Ich bediene mich dieses allgemeinen Ausdrucks, da der
       Marokkaner nicht unterscheidet, ob die Hornhat, die Lider, der
       Augapfel, die Lide$
hmlich,
Russland ist in Marokko am meisten gefrchtet den Namen "Muscu" spricht
jeder Marokkaner mit einer gemessenen ehrfurchtsvollen Scheu aus.
Frankreich behauptet[108], schon 1577 Consuln in Fes gehabt zu haben, ob
dem so ist, wollen wir dahin gestellt sei\ lassen. Die ersten9
diplomatischen Beziehungen waren der Vertrag vom 3. Sept. 1630, vom 17. und
24. Sept. 1631, vom 16. Jan. 1635 und vom 29. Jan. 1682[109], endlich 1693
zur Zeit Louis XIV. Letzterer trt erst 1767 in Kraft. Frankreich bezahlte
keine bestimmte jhrliche Summe, aber die jhrlichen Geschenke giebt Hems
af mehr als 100,000 Thlr. an.
      [Funote 108: Jules Duval, Rev. des deux mondes 1859.]
      [Funote 109: Du Mont, Corps diplomatique t. V. VI. u. VII.]
Von dem ersten Tage der Eroberung Algeriens an hat Frankreich bestndig mit
Marokko auf dem qui vive gestanden. Die Schlacht von Isly, durch den etzt
regierenden Sultan Sidi Mohammed verloren, das Bombardement von Mogador und
Tanger haben keineswegs dazu beYigetragen, die Franzose$
Dobrota_ ergaben sich. Bei _Perast_ kam es zu einem
besonders heftigen Zuammenstoss. Die Perastaner vertrieben mit HilfeG
von einigen Montenegrinern die Franzosen und befreiten ihre Stadt. Die
kleine Festung oberhalb von Perast war nicht leicht zu bezwingen;
endlich aber mussten auch hier die Franzosen weichen. Die Perastaner
fanden dort einige Geschtze und andere Waffen. Diese kleine Fstung
beherrschte die Insel _S. Georg_ vor Perast, wo sich eine franzsische
Batterie befand. Deshalb war ihre Eroberung nun sehr erleichtert. Nach
langer Beschiessung musste sich die Insel ergeben. Die Bokelen nahmen 80
Franzoen gefaRngen und fanden daselbst 10 Geschtze.
Noch am 10. Oktober entsandte der Vladika _Sava Plamcuaz_ mit einer
Abteilung Montenegriner nach Castelnuovo, um die Stadt und beide
Festungen zu belagern und die Verbindung zwischen der Bocca und Ragusa
abzuschneiden. Sobald nun die Englnder vor Cattaro angelangt waren, kamY
nach einer kurzen Verabredung zwischen dem Kommandanten Hoste und dem
Vladika a$
s als diese so edlen, strengen, fast
nchternen Gebude jener Zeit, an deren Stelle eine zgellose Horde von
neuen Baumeistern und Aktiengesellschaften ihre wsten Massenproduktionen
gesetzt hat. Der Preue hat keinen andern Weg zur Kunsti als den der
Einfachheit. Pracht wird bei ihm zu Schwulst, Luxuszu Unsittlichkeit. Er
bleibe BranMdenburger und sei stolz auf sein Land und seinen Breitegrad und
ffe nicht in kompilatorischem Wahnsinn ihm ganz fremde Kulturen nach oder
nehme sie wenigstens so weit in sich auf, da er sie ganz aus seinem
schlichten, nchternen Geiste wiedergebre, wie es Schinkel tat, dieser
Mann, den ich mit jedem neu niedergehackten Vilino seiner Zeit mehr
Und dann endlich: los vn diesem Prinzip, ein Haus nur aus Vorder- und
H4nterwand bestehend zu bauen. Man gebe jedem Haus seine vier
selbstndigen Seiten wieder und erlse es damit aus dem Zustand einer
Migeburt -- oder man komponier4 ganze Stadtteile einheitlich und dann
diese wied er unter einander. Man erhebe den Kasernenstil zur Hhe$
fer
ab. Der Geist wird ber diese endlose Horde noch ein letztes Abendrot
ergieen, dann wird auch er dumpf und verstrt die Hhlen der Einzelseele
aufsuchen und eine Gemeinde von Mystikern und Sektierern erwecken. Eine
Anzah wunderbarer Individuen werden dann vielleicht noch ber die Erde
wandeln: Die groen Verzichter und Durchschauer des Traumes Mensch,
einsame Halbgatter, inmitten des Fiaskos des. Versuchs der Erde, im
Menschen zum Kunstwerk zu werden. Ja, vielleicht werden diese Menschen,
die wie riesenhafte Heilige dann das Fazit aller irdischen Historie in
sich tragen, die grten und erschtterndsten Menschen sein, die je gelebt
haben. Aber kein Tempe ist um sie -- auf unendlichen Trmmern schlagen
sie ihre Harfen der auch sie einst verschlingenden Nacht entgegen.
Ich glaube, wirhaben alle als Erbe unserer Zeit eine schlimme Laxhit
mitbekommen. Das Verstndnis f unerbittliche Forderungen ist mehr und
minder gesunken. Beweist das nicht, da der Mensch die Vorstellung eines
ger\echten Gerichts nac$
ft halbkranker Gro- und Kleinstdter, die
mit all ihrer 'Bildung' nicht einmal wissen, wie ein Mench einem Menschen
gegenberzutreten hat.
       *     `  *       *       *       *
Meine Liebe sind allein die gronen Unbedingten, die Glck oder Tod
bringen, die _sich_ vor allem bringen mit ihrem Geschmack, ihrer
Wersetzung und ihrem ethischen Pathos, die den unbeirrbaren Sinn fr
Gre besitzen, eine tiefe unauslschliche Liebe zu dem, fr welches sie
geboren sind.
Und mein Ha: Die Geschmackler, die Renaissanceier, die 'Tpfegucker ajeder
Stimmung' -- die qualligen sthete, die supenden Magister .. all dieses
unproduktive und anmaende Volk, das die _Mode_ von heute ist, wo uJnser
innerstes Leben nach _Stil_ drstet, nach Kultur, nach Ernst, nach Kraft,
nach Mnnern, nach Willen und noch einmal nach dem ethischen Pathos eines
Nietzsche, eines Dostojewski, eines Lagarde, eines Tolstoi.
       *       *       *       *       *
Niemand ist zu gut fr diese Welt. Menschen, von denen dies gesagt wird,
sind vielme$
 in der
Ewigkeit. (Getrumte Zeile.)
       *       *       *       *       *
Gott ist nicht etwas Vorgestelltes, sondern das, was wie jede andere
Vorstellung, so auch die Gottesvorstellung produziert. Bis heute glabt
die Menschheit noch, soweit sie glaubt, an den Gott oder die Gtter ihrer
Vorstellung. Und darum ist sie so leicht durch den Satz zu widerlegen:
Dein Gott ist eine bloe Vorstellung von dir. Gewi ist er das.Erst die
Menschheit, welche bekennt:Was wir uns als Gott vorstellen, ist
irrelevant; das einzige, was wir als Gott behaupten knnen, ist das
Unvorstellbare, auf das unsre Vorstellungen zurckgehen, ist das, was wir
fr uns als Wirklichkeit klassifiziert haben, sind wir selbst (wie wir uns
bezeichnen) und alles, was um uns ist (was wir s bezeichnen)|. Gott ist
alles. Wir haben kein andres Wort fr Gott als das Wort 'aales'. Man kennt
und fhlt Pantheismus schon lange, aber ich wei nicht, ob je mit diesem
'alles' schon ganz und rlsolut Ernst gemacht worden ist. Wer ihn macht,
fr den gibt es$
t, der Platz, wo der Magier gewesen ist, ist eer!
Die Lichter scheine nicht mehr, im Saale dmmert's.
STIMME DES PILGERS:
Klage lieblos Unliebender, um dich und die Gattin!
DER WRDENTRGER:
Warum ist es dunkel im Saale? Zndet noch Lichter an!
Die Lichter wollen nicht brennen, Mauern und Slen
Halte dich, Lieber, gib mir die Hand!
Siehst dudDen Magier nicht mehr?
SCHNE DAME:
Warum haben die Spielleute aufgehrt zu spielen?
Mir ist Angst, nehmt mir die Angst von der Brust!
DER WRDENTRGER:
Was bedeutet die Still5? Die Spielleute sollen
Warum schweigen die Spielleute? Warum ist der
Snger verstummt?
STIMME DES MAGIERS:
Sprich, der verraten hat, sprich, der verraten ward!
Da ich denn sprechen mu, so hrt mich.
DER ERSTE RITTER:
Still, ihr alle, vernehmt, was Prinz Siho kndet!
STIMME DES PILGERS:
Gib Kunde von ihr, der Lebendigen in der Finsternis!
STIMME DES MAGIERS:
Gib Kunde der Welt, Kunde den Freunden, Kunde
DER ZWEITE RITTER:
Se=id still und lauscht, was der Eidam des Knigs euch
Uneins mit dem Vater$
ketten eingsumt wurde. Ein ekelhafter Geruch drang dem Heere
entgegen, und an der Krone eines Johannisbrotbaumes hing etwas
Seltsames: ein Lwenkopf, der ber den Wipfel hinausragte.
Sie liefen nher. Es war ein Lwe, den an an allen vierenwie einen
Verbrecher ans Kr'uz genagelt hatte. Der riesige Kopf hing auf die
Brust hrab, und die zwei Vorertatzen, die unter der ppigen Mhne
zur Hlfte verschwanden, waren weit auseinandergespreizt wie die
Flgel eines Vogels. Die Rippen traten unter der sark gespannten Haut
einzeln hervor. Die Hinterbeine waren bereinander genagelt und ein
wenig emporgezogen. Schwarzes Blut war am Fell herabgesickert und am
Ende des Schweifes, der senkrecht herabhing, zu dicken Klumpen
geronnen. Die Sldner standen lachend rundherum, nannten den toten
Lwen Konsul und Rmischer Brger und warfen Steine nach seinen
Augen, um die Fliegen aufzuscheuchen.
Hunderty Schritte weiter kamen zwei andre Kreuze. Und mit einem Male
tauchte ihrer eine ganze Reihe auf. An jedem ein Lwe. Manch$

sie die Arme gegen ihn ausstreckte, um seine Gnade zu erbitten. Mit
einer Gebrde des Abscheus wandte er sich nach dem Tierpark.
Die Elefanhten waren der Stolz der vornehmen punischen Huser. Sie
hatten die Vorfahren getragen, in den Schlachten gesiegt, und man
verehrte sie als Lieblige der Sonne. Die von Megara waren die
strksten in Karthago. Vor seiner Abreise hatte Hamilkar Abdallonim
schwren lassen, da er sie auf das beste behten wolle. Doch die
meisten waren an ihren aVerstmmelungen eingegangen, und nur dr"i lagen
noch in der Mitte des Hofes im Sande vor ihren zertrmmerten Krippen.
Sie erkannten len Suffeten und kamen auf ihn zu.
Dem einen waren die Ohren frchterlich zerschlitzt, der andre hatte am
Knie eine breite Wude, dem driten war der Rssel abgehauen. Die
Tiere blickten ihren Herrn traurig wie denkende Wesen an, und der
eine, der keinen Rssel mehr hatte, versuchte, indem er die Knie
beugte und seinen riesigen Kopf herabneigte, ihn mit dem Stumpf seines
Rssels zu streicheln.
Bei dieser Lie$
riff und vor allem seine
geschickten Manver ahnen knnen, durch die er die Sldner in den
Kessel hinabgelockt hatte, um sie dann ber den Haufen zu rennen?
Spendius gestand seine Feigheit nicht ein und beharrte darauf, da erpein zerschmettertes Bein habe.
Schlielich begannen die drei Fhrer und der Schalischim eine
Beratung, was nunmehr zu tun sei.
Hamilkar verlegte ihnen den Weg nach Karthago. Sie waren zwischen
seinem Heer und dem Gebiet des Naravas eingeschlossen. Die tyrischen
Stdte wrden sich zweifellos dem Sieger anschlieen. Dadurch drngte
man die Sldner gegen die Kste, um sie mit vereinten Krften zu
Es gab kein Mittel, einen Kampf zu vermekiden. Folglich muten sie ihn
bis aufs uerste fortsetzen. Aber wie sollten sie die Notwendigkeiteines endlosen Krieges ihren entmutigten, aus frischen Wunden
blutenden Leuten begreiflich mlachen?
Ich bernehme es! rief Spendius.
Zwei Stunden spter kwam ein Mann aus er Richtung von Hippo-Diarrhyt
in raschem Laufe den Berg herauf. Hoch in der Hand schw$
 die Einwohner diesen allmorgendlich
Lebensmittel in Krben hinab, wobei ie von den Trmen herab
vermeldeten, die Republik bedrnge sie hart, sie bten die Sldner
deshalb} abzuziehen. Durch Zeichen richteten sie die gleichen
Beteuerungen an die karthagische Flotte,die auf dem Meere kreuzte.C
Hanno begngte sich, den Hafen zu blockieren, und wagte keinen
Angriff. Doch berredete er den Rat von Hippo-Diarrhyt, dreihundert
Soldaten einzulassen. Dann segelte er nach dem Vorgebirge der Trauben
und machte einen weiten Umweg, um die Barbaren zu umfassen,--ein
unzweckmiges,ja gefhrliches Beginnen. Seine Eifersucht hielt ihn
ab, den Suffeten zu untersttzen. Er fing dessen Spione ab,
durchkreuzte alle seine Plne u#nd gefhrdete damit das ganze
Unternehmen. Endlich schrieb Hamilkar dem Groen Rate und forderte
Hannos Entfernung. Da ward dieser nach Karthago zurckberufen, wte:d
ber die Erbrmlichkeit der Alten und die Torheit seines Amtsgenossen.
So befand man sich also nach so viel Hoffnungen in einer
beklage$
 Mhe, einen Ausweg zu ersinnen.
Abdalonim ward hinter der Tr hrbar. Man verlangte nach dem Suffeten.
Die Schergen Molo+hs seien ungeduldig.
Hamilkar unterdrckte einen Schrei. Es war ihm, als wenn er mit
glhendem Eisen gefoltert wrde. Von neuemkbegann er wie ein Raseder
im Zimmer auf und ab zu laufen. Dann brach er am Gelnder zusammen und
prete die Stirn in seine geballten Fuste.
Die Porphyrwanne enthielt noch etwas klares Wasser fr Salambos
Waschungen. Trotz seine2s Widerwillens und all seines Hochmutes tauchte
der Suffet das Kind eigenhndig hinein und begann es wie ein
Sklavenhndler zu waschen und mit Brsten und mit rotem Ocker zu
reiben. Dann entnahm er den Wandschrnken zwei viereckige Stck
Purpur, legte ihm eins auf die Brust, das andre auf den Rcken und
befestigte sie ber den Schlsselbeinen mit zwei Diamantspangen. Er
go dem Jung'n noch Parfm ber den Kpf, legte ihm eine
Bernsteinkette um den Hals und zog ihm Sandalen mit perlengeschmckten
Abstzen an, die Sandalen seiner Tochter. $
u a
r t i g e n   A p r i o r i s m u s, der nicht nur die rein formalen
Stze der Logik und der Axiologiev in ihren yverschiedenen
Unterdisziplinen (Ethik, sthetik usw.) umfat, sondern auch materiale
Ontologien entwickelt. Die Sphre des apriorischen Wissens istalso in
der Phnomenologie unvergleichlich reicher als im formalen Apriorismus
Kants. Auch darin unterscheidet sich die Phnomenologie von Kants
Lehre, da sie das proton pseudos Kants verwirft, es msse alles, was
an Gegebenem n i c h t sensuell sei, erst durch eine hypothetisch
angenommene, synthetische konstruierende Ttigkeit de Verstandes oder
des Anschauens in den Erfahrungsgegenstand hineingekommen sein. Sie
sucht das "Gegebene" berall mglichst s c h l i c h t, v o r u r t e i
l s l o s und r e i n in mglichst dichte Anschauungsnhe zu bringen,
um es dann durch phnomenologische Reduktion in sein W e s e n zu
erhDeben. Das Apriori hat hier also keinen f u n k t i o n e l l e n
S i n n  mehr. (Freilich schwankt Husserl inseiner letzten Sc$
    *             *
                             *
Das ist der furchtbare uere Rahmen unseres Das*ins. Aus ihm heben
sich deutlich die Probleme heraus: Wie heilen wir im Lande selbst die
furchtbaren Wunden des Krieges? Wie bringen wir die Mittel auf zur
Erfllng der ungeheueren Verpflichtungen nach auen? Welche
wirtschaftlichen und sozialen Weiterwikungen schlieen sich an die
Erfllung dieser Aufgaben bzw. an den Versuch ihrer Erfllung an?Die Not im Lande selbst ist sehr vielgestaltig. Sie uert sich als
Gefhrung der physischen Volkskraft und Volksgesundheit und tritt im
einzelnen in Erscheinung als mangelnde Ernhrung weiter Kreise, Mangel
an Kleidung und sche, fehlende Wohnungen, ungengende
Wohnungseinrichtungen. Ein Ausdruck dieser Not sind die
Sterblichkeitsstatistiken und die Ausweise der Krankenkassen. Die
Ursachen dieser Not sind die Erschpfung unseres Wohlstandes durch den
Krieg, die starke Herunterwirtschaftung unseres Sachkapi1als, die
Aushungerung unserer Bden, die Aufzehrung der priva$

dem einfltigstenY Strfling selten mangelt, den Beamten sich in mglichst
gutem Lichte zeigeu und dadurch seine Lage verbessern. _Den_ Strflin
mchte ich wohl einmal sehen, der zu den Beamten luft und seine Snden und
Laster _nicht_ zu entschuldigen, zu verschnern und zu rchtfertigen sucht,
sondern denselben von seinen Verirrungen erzhlt, Beweise der Verruchtheit
bringt und unentdeckte Schandthaten enthllt!
Er wrde jedenfalls unter seinen Kameraden als der grte aller Dummkpfe
gelten und htte es bei inen fr immer verschttet. Statt an wahres
Vertrauen glaube ich tausendmal eher an Heucheln und heimliches Anzeigen,
an Lug und Trug und wenn je ein Strfling statt seinen Gesinnungsgenossen
eine Vorgesetzten zu seinem wahren Vertrauten zu machen gedchte, so wrde
er zunchst sich an den Zuchthauspfarrer wenden, um etwa den Trost und die
Hlfe der Religion bei diesem zu )holen.
Strflinge dieser Art gibt es; ich selbst habe unter durchschnittlich 300
Einen gefunden, aber nur Einen, welcher von der $
r
in der Sonne verlebte und das Besondere, was ihm aufstie, lt sich mit
kurzen Worten abmachen.
Der Vicar hatte die Lebensfreudigkeit, Rohheit und Unarten des Bbleis
gesehen, als dasselbe noch baarfu und mit zerrissenen Zwilchhslein im
Thale herumsprang. Er kam anfangs oft in die Sonne, vernahm manches
Untrstliche von der Wirthin, welche schwer ber das selbst auferlegte
Kreuz der Erziehung eines Halbwilden seufzte und prgte dem Lehrer sehr
unnthig groe Strenge gegen den Hannesle ein, dessen sheues,
niedergeschlagenes Benehmen trotz der bescheidenen und hflichen Manieren
ihm nicht recht gefalen wollte.
"Der Bube ist nicht glcklich, er begreift die heilsame Strenge seiner
Behandlung nch nicht, es wird bald besser werden und besser gehen, denn
die Sonnenwirthin ist ein gescheidtes Weib und eine musterhafte
Katholikin!" dachte dJer Geistliche, mute jedoch bald erleben, da der Bube
weder wie ein Glcklicher dreinschaute noch wie ein unbefangenes Kind that.
Bei der Katzenlene fand er nicht sogleic$
on, denn
seine Irreligion, nmlich die gemeine Habsucht, die spitzbbische
Schlauheit, den tiefgehenden Ha gegen das Christenvolk und den Fanatismus
des Unglaubens, welkchen das "junge Israel" in Zeitungen und Bchern aller
Art zur Schau trgt, whrend das mit greifbaren Dingen schachernde Israel
das Volk arm und erend macht.
Freilich ist man den Juden nirgends liebevoll und chritlich
entgegengekommen; ihr Ha gegen die Christen htte vielhundertjhrige
Berechtigung, wenn der Ha berhaupt jemals berechtigt sein knnte, doch
worin wurzeln die ersten Ursa&hen der betrbenden Feindschaft zwischen
Juden_menschen_ und Christen_menschen_? Verschiedenheiten der Nationalitt,
Weltanschauungen, Interessen, vor Allem der wunderbar erfllte Fluch
Gottes, der dieses Volk zuerst in die Sandwste Arabiens, dann zu den
TrauerRwegden Babylon, zuletzt in die Wste eines fremdartigen Vlkerlebens
verbannte, erklren die trbe, schwermthige Geschichte des auserwhlten,
tief gesunkenen und dennoch niemals untergehenden Vokes$
r war sein Nutzen das Liebste und Hchste, dehalb liebte er
auch den Schwarzwlder, erhob ihn vom Robuben bald zum Range eines
Stallbeherrschers und htte eher dem Bli als diesem den Dienst
aufgekndiget. Dem Stallbeherrscher wuchs der Kamm, er konnte in Manchem
Befehlerles spielen und wie Zor( und Ha gegen Andere wirklich der Sporn
seiner UnermdlichkXeit waren, so that er noch mehr, um sch fr Unbilden zu
rchen und das Mitrauen in seine Ehrlichkeit grndlich zu beseitigen.
Es gibt wohl seltenein Haus, in welchem eine Anzahl verschiedener Leute
wohnt, ohne da Ungeschicklichkeit, Trgheit, Nachlssigkeit und Untreue
mindestens eine untergeordnete Rolle spielen. Der Mooshof galt als Einer
der besten Hfe weitum und dies mit vollem Recht, aber verdorben und
veruntreut wurde doch jahraus jahrein gar Manches, ohne da die Eigenthmer
Etwas dagegen zu sagen im Stande waren, sei es, da die Schuld unbeweisbar
oder unbekannt war. Nun spielte der Zuckerhannes neben der Rolle eines
Musterknechtes auch die e$
em Zuckerhannes folgt ein eisgrauer Mann mit groen, scheermthigen Augen
und kummervollem, gefurchtem Antlitze. Er grt Niemanden und man bliebe
zweifelhaft, ob die langen, schmalen Lippen durch Krampf oder Gebet
bestndig in Bewegung erhlten wrden, wenn man nicht te, da Beides
zugleich der Fall sei.
Ja, der alte Melchior betet vom frhen Morgen bis in die spte Nacht, ein
Nonplusultra der Frmmigkeit, welches Spott und Hohn der Religionslosen
verachtet, denn er hat als Mrder seines Sohnes noch zwlf Jahre hier zu
"brennen," ist ein alter Mann,der die Heimath liebt und nur Einen Wunsch
hegt, nmlich sein Drflein wieder zu sehen. Er betet um Befreiung aus
dieser Jammerhhle und je lnger diese ausbleibt, esto inbrnstiger und
ausschlielicher fleht er um dieselbe.
Hinter dem Melchior trabt ein Bube einher, welchen wir ein Kind nennen
wrden, wenn nur noch etwas Kindliches in diesem pfiffigen
Spitzbubengesichtchen sich entdecken liee. Blutjung an Jahren bertrifft
er den alten Melchior an Erfahrung $
aben sich theilweise fortgeschlichen,
theilweise buhlen sie um Aufnahme bei der schwarzen, heute wird aber nichts
Der Duckmuser hat auch Pygamiden von Wecken und Bretzel aufstellen
lassn, doch nichts durfte verdorben werden; er hat stets denselben Wein
kommen lassen wie der Max, doch blieb die Tischplatte sauber und Niemand
wurde zum Saufen gezwungen; Alle sind nchtern und in Ehren frhlich, der
Duckmuser sitz stolz zwischen seiner Margareth und der Marzell.
Den Mdlen der schwarzen Schwitt gefiel's gar wohl, keinen "Batzenvierer",
sondern denselben Wein wie die der rothen trinken zu drfen; nunmehr ist
die rothe chwitt fort, die Mdlen meinen, man knne jetzt mit dem Zwlfer
aufhren, weil das Prahlen und Wettzechen vorber sei, doch jetzt lt der
Duckmuser erst vom Dickrothen ausstellen, bringts der heig_liebten
Margareth zu und lacht:
"He, Ihr glaubt, der Benedict habe einen schwindschtigen Geldbeutel, weilc
sein Alter das Knieschlottern bekommt, wenn er ihm einen Batzen geben mu?
Seid getrost, d$
e Stlle gelockt worden, so steht der
Benedict vorder Schulkamerdin und Landsmnnin, der freundlichen Rosa; ihr
Pflegevater, der alte Straenbasche, ein ehemaliger Unteroffizier, jetzt
ein zufriedener Bauer und fleiiger Straenknechtdazu, ladet ihn zum
Nachessen ein und die Pflegmutter springt fort, um bei der Scheckenburin
drben die versprochenen Trauben und beim Adlerewirth eine Flasche
Ueberrheiner zu holen.--Lange Jahre haben sich Rosa und Benedict nicht mehr
gesehen; sie kam fort, ehe die beiden Schwitten im Werden waren und ihre
Geschichte ist eine in jeder Hinsicht zu wahrhaftige Dorfgeschichte, die
Rosa spielt fortan eine zu erhebliche Rolle, als da wir nichts Nheres
erzhlen sollten.
Rosas Eltern wohnten einst nicht weit vom Schulhause, in welchem der
Benedict als Unterlehrer und als "der Leichtsinnigste von Allen"
Knabenlorbeern pflckte Sie liebte den Unterlehrer, denn er agte auch ihr
ein, machte auch ihre Aufstze, beschtzte auch sie beim Schuckballen und
Ziehen auf der Wiese gegen den$
rangirt werden knnte!" meint
der trockene Chirurg.--Nun, trstet der Oberarzt, die Fe werden sich
schon wieder strecken, der Tornister wird sich auch Platz machen, der Mann
sieht gut aus, hat eine starke, ausdauernde Brust, er kann gut werden!--
"Aber derkann doch den groen Bombardon noch nicht erspannen?" fragt der
Graue.--"Wei nicht, er hat ... lange Finger, er ist tauglich!" lchelt der
Oberarzt, Eine Viertelstunde spter mit der Compagnieschneider im Zimmer
der Staabscompagnie dem Benedict Rock und Hosen an und prophezeit, er werde
die Montur meisterhaft machen, doch koste es ein Maa Bier.
Am ersten April sitzt er auf dem Gang des Hintergebudes der Kaserne, wo
die Hobisten hausen, und ein entsetzlich langer Tambour st=utzt ihn mit Kamm
und Scheere um ein Schnpschen zu einem vollkommenen Hobisten um, hlt ihm
dann den kleinen Spiegel vor2und der Rekrut kann sich in seiner nagelneuen
Montur nicht genug bewundern.
Schade, da er nicht sofort zur Sbelkuppel greifen und zum Rsele ins
Rheindorf $
Kartenschlagen stets in
Einer Tasche, bernahm Wallfahrtsgnge fr die halbe Welt, dehalb auch die
Wallfahrt zum Herrn Kapellmeis`er, zumal Mutter Theres ihr ordentlich
spendirt un noch mehr versprochen hatte, wenn sie etwas ausrichte.
Die Salome wute gar ehrbare und erbauliche Gesichter zu schneiden, Alles
gut einzufdeln, was sie einfdeln wollte und es war ihr ein Leichtes, den
Kapellmeister, einen wackern, ofKenen Soldaten, der nicht gerne an
Verstellung glaubte, weil er selbst aller Verstellung fremd war, gegen den
Duckmuser einzunehmen.
Zuerst:beschrieb sie demselben den answendigen, dann den inwendigen
Benedict von der eburt bis zur letzten Kirchweihe, erzhlte alle Streiche
desselben, wkute den unseligen Scherz mit dem Traueranlegen als Verbrechen
darzustellen, beschrieb dann auch die Rosa als ein verdorbenes,
gottvergessees und heuchlerisches Geschpf und schlo, indem sie den
Kapellmeister im Namen der tief bekmmerten und gekrnktenMutter des
Benedict bat, diesem keinen Urlaub mehr zu geben u$
ruleins mit zarten Frchten der Minne sitzen
und wandeln, dann richtet er sich stolz empor, nimmt das Schwert unter den
Arm, schreitet mit Ritterschritten eines Niebesiegten an denselben vorber,
nicht ohne ihnen zchtige und minnigliche Blicke zuzuwerfen und ist voll
Liebessehnen und Seligkeit! ... Wie oft steht er auf dem Schloberge mit
dem groen Trommelschlger und beide verfluchen die schaale Wirklichkeit,
in %specie% den Klotz im Kommandantenhause und de Kltze in der
Kaserne oder sie trumen vo jener Zeit, wo der riesenhafte Mnster noch
;icht gebaut war, auf dem Kippfelsen drben wohl mancher Lindwurm hauste
und in der Ebene mannhafte Ritter pros%ischen Pfahlbrgern ihren Kram
abnahmen, dieselben zur Unterhaltung todtschlugen oder in schauerliche
Burgverliee schleppten! Manchmal wandelt der groe Trommelschlger mit
einer Nymphe des Schwarzwaldes oder der Stadt durch die Auen, neben ihm der
Duckmuser mit klopfendem Herzen, unsglichem Wonnegefhl und tiefer
Wehmuth! Im Sptsommer bekommt Letzt$

Liebesschmerz, zweitens aus Furcht vor einem Wauwau beim Regimente, der ihm
gar bange Ahnungen machte und dritens aus Furcht vor der Zukunft, weil
eine Hauptquelle seines Einkommens, sein mtterliches Vermgen, vom
hartnckigen Vater Jacob verstopft worden war.
Nachts kommt er in das Rheindrflein, wo Rosa wohnt und wo er als Knecht
des Saumathis so glcklich gelebt hat; er will in den Adler, da begegnet
ihm sein alter Freund und Gutthter, der Straenbasche, packt ihn am Arm
und zwingt in, mit ihm zu gehen. "Was hat's Rosele verbrochen, da Du sie
so vercKtlich von Dir stieest?--Warum kannst Du so gegen uns sein, was
haben wir Dir zu Leide gethan?--Bist Du denn n
cht mehr unser Freund? Mein,
wenn Du wtest, was alle Leute sagen!"--fragt und klagt der alte
Unteroffizier, doch hartnckig bleibt der Duckmuser dabei, Rosa sei an
allem Unheil Schuld, was ihUm beim Regimente zustie und wodurch jetzt sein
Glck fr immer zerstrt se!
Mutter Clara wei gar nicht, was sie fr ein Gesicht machen, geschweige w$
llein die Mutter war unten im Dorfe verheirathet und
nahm mich zu sich.
Der Gang von der Halde war der Gang in mein Unglck.
Meine Mutter hatte einn Wittwer geheirathet, der fr einen Uhrenmacher in
Lenzkirch arbeitete, jedoch nicht in Lenzkirc+ sondern daheim.
Dieser Wittwer besa eine durstige Gurgel, einen Humor, wie ihn der Teufel
nicht besser haben kann und 3 Kinder von der frhern Frau, die er unter den
Boden gebracht hatte mit Schimpfen und Schlagen.
Er zeigte mir, was es heie, einen Stiefvater zu besitzen und plagte mich
sammt der Mutter um die Wette, prgelte seine eigenen Kinder dazu und wer
vo Allen geschimpft, geschlagen, gestoen wurde und kaum mehr als ein
Kreuzschnabel zu fressen bekam, der war ch ... MeineMutte mute es vom
frhen Morgen bis tief in die Nacht hren, da sie ein Soldatenmensch und
ich ein Bankert sei und wenn der Stiefvater besoffen von Lenzkirch kam, gab
es oft die ganze Nacht keine Ruhe.
Die Mutter schlug michanie, aber tausend Mal sagte sie, um meinetwillen
allein msse sie$

Vivathochschreien zu haben.
Leider machte ein regnischer Sonntag im September den frhlingshaften
Ahnungen der Rothen, Rthern und Rthesten des Lndleins durch die
"Schlacht" bei Staufen ein Ende und als der Max gar erfuhr, da Struve in
der Nacht mit der Eisenbahn als Gefangener durch die erste Provinz seines
Reiches gesaust, da rief 
r in tief*m Schmerz:
"Mit Deutschlands Einheit ist's Mathi am Letzten. Das Parlament lt nicht
hngen und kpfen, der deutsche Michel lLt seine besten Mnner besiegen,
die Elssser halten uns mit ihre Pralereien zum Narren, rchen wir uns an
der schwarzen Schwitt, denn diese trgt an allem Schuld!"----
Gesagt, gethan. Er stand mit enigenKameraden dem Willibald als einem
Abtrnnigen und "Aristokrater" auf den Weg, sie schlugen deEselben halbtodt
und nahmen sich das Trinkgeld dafr aus seiner Tasche. Schon einige Stunden
spter saen Alle im Amtsthurme, doch der Rdelsfhrer frhlich und guter
Dinge, denn erstens war die Kerkerkost besser als in friedlichen Zeiten,
zweiten$
. "_Ueber den confessionellen Gegenstzen zu stehen_," ist sein
Verdienst und ein Ziel seiner Ausbildung. Hand aufs Herz gelegt, gestehst
du mit mir, das "Stehen ber den confesionellen Gegenstzen" sei nichts
als eine sinnlose Redensart, insofern man dabei noch von Christenthum und
sogar von kirchlicher Gesinnung redet und nicht minder erlogen wohl das
Leibsprchlein der Zeit, da "die Liebe" keine Unterschiede des Glaubens
mache und der Mensch ber dem Christen stehe.
o ist der Geschichtschreber oder Staatsmann, von welchem sich sagen
liee, da er wahrhaftig ber allen kirchlichen und religisen Partheien
gestandn, alle gleichmig behandelt und sich nicht mehr oder minder
entschieden _fr_ Eine derselben und _gegen_ alle brigen
jedenfalls thatschlich erklrtc habe? Und wieviel Aufgeklrte hat es von
jeher gegeben und gibt es heute, denen die "christliche Liebe mglich
macht, gegen politische und kirchliche Gegner gerect zu sein und in
denselben den gleichberechtigten Menschen zu achten, geschweige u l$
nd von Frstlichkeiten waren der
Kaiser von Oesterreich, der deutsche Kronprinz (damals noch Kronprinz
von Preuen), die Kaiserin Eugenie und Prinz Heinrich der Niederlande
ersc:hienen. Alle waren Gte des Chedive, aber nicht sie allein, sondern
Tausend andere. Ja der Schreiber dieser Zeilen, welcher ebenflls eine
Einladung erhalten hatte, der er leider eingetretener Umstnde halber
nicht Folge geben konnte, wei aus spterem Besuche in Aegypten, da
eine Menge _ungeladener_ Gste flott sich unter die Geladenen drngte
und auf Kosten des hedive den Festlichkeiten anwohnte. Man berechnet
die Zahl der damals anwesenden Frmden auf 30,000 Personen.
Der dabei entwickelte Pomp, die Verschwendung, welche ostensibel zur
Schau getragen wurde, sind unbeschreiblich; aber fr den Orient, wo
Alles auf Aeuerlichkeit berechnet ist, kann man sie kaum bertrieben
Wenn nun auch der Kanal bei der Erffnung vollstndig planmig
hergestellt war, so war doch im Mai 1871 erst die Ausbaggerung des
Kanals soweit vollendet, da$
im Mondschein,
der Mond stand hoch, fast im Zenith ber uns. Die blhenden, wie
Heliotrop duftenden Akazien, die milden Lfte, Alles war zauberisch
schn. Solche duftende ruhige Nchte giebt es nur in Nordafrika, wo die
Nchte Winters und Sommers sich fast stets durch absolute Windlosigkeit
der Atmosphre auszeiJhnen.
Einwichtiges Geschft war dann noch abzuwickeln, nmlich gute Diener zu
engairen. Eine gewisse Erleichterung gewhrte Kairo in sofern, als alle
unbeschftigten fremden Leute, alte und junge, in der Stadt einem Schich
unterstehen, der, so lange sie in Kairo sind, fr ihr Betragen der
Polizei haftbar ist. Dieser Schich besorgte mir sodann Leute, so viel
ich brauchte, und da auerdem die Polizei sich noch drein mischte,
konnte ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, gute und brave Leute
engagirt zu haben. Gleich von vornherein kann ich dies auch hier
besttigen, denn im Ganzen hatten wir rect treue Diener; und wenn
selbst der fromme Doctor der Theologie, welcher Prof. Ascherso's Diener
war, diesen$
ern geschaffen. Mohammed Ali war auch der Erste,
welcher den Schiffen der christlichen Nationen den Eingang in den alten
Hafen erffnete; bis vor seiner Regierung muten sie den neuen, wenig
sichere Hafen benutzen.
Alexandrien mit etwa 200,000 Einwohnern zerfllt in zwei Stadttheile,
von denen der eine von der europischen Bevlkerung der andere von den
Eingeborenen bewohnt wird. Der ara-bische[42] Stadttheil ist im
Nordwesten und Westen gelegen; die Straen sind eng, unregelmig, im
Sommer staubig, im Winter mit undurchdringlichem Schmutz erfllt; die
Huser sind meist einstckig und hchst launnhaft gebaut. Hier steht
eins mit halber Front, diagonaartig zur Strae, dort hngt eins mit dem
oberen Stockwerk ber; hier ist eins in die Strae selbst hineingebaut,
dort ist eins, welches einen weiten Hof vor sich hat. Fenster sind
sprlich vorhanden, namentlich im Erdgeschosse; ist eine Bel-Etage
vorhanden, so findet man hufig ehr viele, mit feinem Holzgitter
vershlossene Fenster. Sehr praktisch ist der zick$
 Ton des Glckchens wieder,
und jeder andere verstummte vor ihnm; die schwatzenden Weiber, die
betrunkenen Mnner und die johlenden Kinder sanken in die Kniee, wo
irgend ein Stein oder eine Stufe aus dem Wasser hervorsah. An ihnen
vorber schritt der Gebete murmelnde Priester; schwarz und schwer
breitete sich sein Talar hinter ihmauf den Fluten aus.
Ein Man und ein Weib folgten ihm, hager und gebckt alle beide; in
wirren Strhnen hingen strohgelbe Haare ihr in das von Weinen
aufgedunsene Gesicht; ihre grauen knochigen Finger umklammerten den
Griff des schmalen schwarzen Schreines, den sie gemeinam trugen; ein
Myrtenkrnzlein aus Papier, mit dem Bilde der schwarzen Madonna war sein
einziger Schmuck. Stumm, wi die beiden, folgte ihnen die Menge, -- ein
langer Zug des Elends, den der Betrunkene, die leere Flasche zwischen
den gefalteten Hnden, schwankend beschlo. Kein Laut war mehr hrbar,
als das Pltsc<ern des Wassers zwischen den vieGen, vielen Fen der
langsam Schreitenden.
Wie aus bsem Traum erwachend$
e
Frauenkampf um den ersten Platz, der, mit allen Waff+n der Koketterie
gefhrt, nicht minder aufregend ist als der der Mnner im Fechtsaal oder
beim Hasard. Triumphierte meine ugend ber ihre Grazie und wihren Witz,
so behandelte sie mich pltzlich als das Kind, das zur Strafe nicht
mitgenommen wir?, wenn die Groen sich amsieren; doch das Kind
durchkreuzte nur zu rasch ihre pdjgogischen Einflle. So wurde ich
einmal von einer Segelpartie ausgeschlossen -- aus Mangel an Platz,
sagte sie --; im Augenblick abr, als die Jacht den Hafen
verlie, erschien ich hoch zu Ro in Begleitung des feschesten
Krassierleutnants, den meine Tante -- ich wute es genau! -- von allen
Gsten am meisten entbehrte. Und ein andermal, als ihre neuste Pariser
Toilette mich ausstechen sollte, zog ich durch einen rasch
zusammengestellten phantastischen Schmuck von Vogelbeeren auf meinem
weien Kleid und in meinen schwarzen Haaren alle Blicke zuerst auf mich.
Es war gerade von der groen Dampferfahrt die Rede, die der konservativ$
ud Herder. Ich
mu aber wohl in jener Zeit weder fr die Schlpfrigkeit noch fr den
Realismus sehr empfnglich gewesen sein; was ich von dieser Art las,
interessierte mich kaum, es rief hchstens ein Gefhl des Ekels in mir
wach. Noch weniger fesselten mich die deutschen Romane. Unsere
Unterhaltungsliteratur ist flach, kraft- und saftlos, schrieb ich an
meine Kusine, sentimental und nchtern, weil die Schrif:tstiller sich
nach ihrem fast nur aus Frauen bestehenden Publikum richt%n. Mnner
lesen keine Romane mehr, weil sie zu weibisch geschrieben sind, und
Frauen werden immer weibischer, weil sie sich mit dem faden Zeug ihren
geistigen Magen verderben. Am schlimmsten ists, wenn auch noch Frauen
die Romane schreiben: mit der gestohlenen Gloriole der Poesie verklrte
Klatschgeschichten. Ein neuer Grud fr meine Antipathie gegen die
Frauen. Ich frage mich nur: sind wir so klein, so leer, so unweiblich --
oder hat man uns so gemacht?
Mit um so heieren Wangen und klopfenderem Herzen vertiefte ich mich in
G$
che guter alter Bekannter.
Im weien Spitzenkleid, ein paar gelbe Rosen im Grtel, stand ich im
Salon, neigte mich vorschriftsmig ber die Hnde der Damen und senkte
den Kopf vor den Herren. Was mich sonst ermdete, machte mich heute
froh, denn mit geschrften Augen sah ich die Menge der bewundernden
Blicke. Wie ich mich dann am spten Nachmittag vor der Abfahrt zum
Schlo im Spiegel sah, umrauscht von rosa Seide, deren starker Farbenton
gedmpft durch goldgesticken Tll schimmerte, -- Rosen auf der langen
Schleppe verstreut und Rosen in den dunkeln Locken --, da war ich
Dicht gedrngt standen die Menschen auf der Schlobrcke, wo die Wagen
nur Schritt vor Schritt vorwrts kamen. Alix von Kleve -- Alix von
Kleve ging e flsternd von UMund zu Mund. Dankbar lchelnd neigte ich
mich rechts und links aus dem offenen Wagenfenster. Auf den schwarzen
Marmorstufen der groen Treppe, in deren tieem Dunkel das Gold des
Gelnders Lund der Sulen ich spiegelte, standen die Lakaien im roten
Rock und die Lufer m$
hen mir und meiner Welt auseinanderklaffte. Unter den Speerwrfen
blendenden Sonnenlichts war der Nebel zerrissen, den ich, mich selbst
belgend, so lange fr eine Brcke gehalten hatte. Ich stand auf
fremdem Boden, -- zurecht finden mut ich mich, meine Gedanken sammeln,
ber meine Oukunft entscheiden.
Am nchsten Morgen, in aller Frhe schrieb ich an meine Eltern und trug
den Brief selbst zur Stadt hinunter. Schneidend pfiff der Wind ber die
Hhen, als ich abwrts schritt. In grauen Wolken verschwanden die Trme
der Burg, und aus der Tiefe grten mich sieghaft dieschwarzen Schlote.
Vierzehntes Kapitel
Und nun kamen stille Wochen auf Hohenlimburg. Die Mutterhoffnung hatte
Anna vllig verndert. Sie lernt' die Einsamkeit lieben und berlie
mich stundenlang mir selbst. In den ersten Tagen frchtete ich mich vor
jedem Postwagen, der ankam. Die Briefe, die er brachte, waren fast noch
schlimmer, als die Ankunft des Vaters gewesen wre, die ich erwartet
hatte. Die Grnde, die mich bewogen hatten, Syburgs W$
ten mehr. Man berbot sich in ynischen Witzen. Und die Frauen, die
vorhin so kampfbereit, so unnahbar schienen? Sie kicherten in ihre
Taschentcher, einige lachten kokett die rgsten Zotenreier an.
Reinhard schwieg erschpft. Die Diskussion war[von der allgemeinen
Ulkstimmung beherrscht. Nur zuletzt, als es zur Abstimmung gehen sollte,
erhob sich einer der Meister, um eine Programmrede zu halten. Er sprach
vom Mittelstand, dem sittlich gesunden Kern des Volkes, der wahre
Religion und echtes deutsches Familienleben pflegt und hochhlt, und
den die Sozialdemokratie in ihrer Respektlosigkeit angesichts der
heiligsten Gter der Nation vernichtn wolle. Auch dieAser uns
angedrohte Kampf ist nichts anderes als ein Vorsto der Umsturzpartei
gegen die Staatsordnung,und zum Kanonenfutter lassen die Dummen unter
den Arbeitern sich gebrauchen. Wir aber stehen wie ein Fels im Meer; --
unter dem Bravogeschrei der Zuhrer warf er sich stolz in die Brust und
bewegte pathetisch die Arme. Wir sagen nein und abermal$
urch die Straen: lauter graue ]Huser mit verwaschenen
Farben und trben Fenstern, Palste dazwischen mit verblichenen Fresken,
Hfe mit alte ausgetrockneten Brunnen und Sulengngen, unter denen
zerlumpte Wsche hing, stolze 2appengekrnte Tore mit Firmenschildern
aus Blech und Anzeigen aus Papier benagelt und beklebt; ein Dom,
geschmckt mit den zierlichsten romanischen Galerien, die hohen Portale
von sulentragenden Lwen bewacht, und darin auf dem ausgetretenen
Estrich, zwischen den Grabmlern edler Geschlechter, ein paar alte
Weiber, die kniend den Rosenkranz durch schmutzige Finger zogen und mit
zahnlosem Mude Gebete plrrten. Und ber der Stadt, sie beherrschend,
der prchtige Renaissancebau des alten frstbischflichen SchlossesT, ein
unvergleichlicher Rahmen ppiger Hofhaltungen, -- eine Kaserne heute. In
der dmmernden Loggia auf dem Brunnenhof, wo ie Wrdentrger des
frstbischflichen Stuhls in roten und violetten Gewndern beim Gesang
des leise pltschernden Wasserstrahls die kunstvollen Lett$
 Fhrung in die Hnde bekme, wenn die Gestaltung der
'Freiheit'dem Einflu der Genossinnen zugnglich gemacht werden knnte!
Schon damit, so schien mir, wre viel geholfen. Ich schrieb ihr in
diesem Sinne, ich fragte sie, ob sie kommen wrde, wenn man die
Anstellung einer weiblichen Parteisekretrin durchgesetzt htte. Sie
antwortete auswichend: es fessele sie vieles, vor allem die Erziehung
ihrer Shne in Stuttgart. Ich gab die Sache noch nicht verloren. Ich
legte meinen Plan der Schaffung eines Sekretariats fr die
Frauenbewegung den Genossinnen vor, ich entwickelte ihn in einem
lngeren Artikelin der 'Freiheit' und htete mich zunchst, Wanda
Orbins Namen zu nennen, da ich wute, da auch sie Gegnerinnen hatte.
Die Wirkung war verblffend: die Frauen gerieten in eine Aufregung, die
in keinem Verhltnis zur Sache zu stehen schien. Man fand es
ungeheuerlich, da ich, die ichv noch nichts, aber auch rein gar nichts
geleistet htte, mir herausgenommen habe, an der Arbeiterinnenbewegung
Kritik zu be; ma1 be$
cht
dienstbereit sein soll, zur freien Arbeiterin, die stundenweise
beschftigt und entlohnt wird.
Mit dem grauenden Tage kehrte ich wieder u mir selbst zurck. Die
nchste Zeit stellte starke Anforderungen an mich: der Feldzug gergen den
Zuchthauskurs sollte auf der ganzen Linie rffnet werden, -- ich wrde
hufig abends fort sein mssen. Wenn ich dch irgend jemand htte, der
mich im Hause vertreten knnte. Aber die guten Hausgeister der
Vergangenheit, -- all die unbeschftigten Tanten und Cousinen waren
ausgestorben, hatten sich in selbstndige Berufsarbeiterinnen
verwandelt. Und meine Mutter?!
       *       *       *       *       *
Gleich nach des Vaters Tod hatte sie ihren Haushalt aufgelWst und war zu
Erdmanns gezogen. Eine Lungenentzndung hatte Ilse aufs Krankenlager
geworfen, die Mutter war Pflegerin und Haushlterin zugleich gewesen.
Durfte ich sie jetzt, wo sie selbst der Erholung bedrftg war, fr mich
in Anspruch nehmen?
Sie besuchte uns am nchsten Tag. Ottochen lief ihr entgegen. Er suchte
$
ch angesichts dieser Versammlung, die
ihre Redner stethisch zu werten scheint. Aber schon der erste Laut
seiner Stimme zog die Menge in seinen Bann: sie war wie das Meer;
selbst wenn sie ruhig schien, war Sturm in ihr, und wenn sie anscholl,
schlug sie donnernd gegen die Mauern, wie die Wogen gegen den Fels. Ich
war nicht imstande auf die Worte zu achten, ich hrte nur den Klang,
jenen musikalischen Tonfall der Sprache, der die Wesensart des ganzen
Volkes enthllt, eines Volkes, das durch logische Schlsse
wissenschaftlicher Deduktionen niemals berzeugt zu werden vermag, wenn
nicht der Knstler in ihm durch die Schnheit der Form, durch das Pathos
des Ausdrucks gepackt wird, eines Vlkes, von dem ich Upltzlich begriff,
da es die Bastille strmen und Napoleon Bonaparte zu seinem Kaiser
krnen konnte.
Ich war noch wie &enommen, als wir abends den Saal verlieen. An der Tr
begrten uns unsere La/ndsleute. Eine unglaubliche Gesellschaft!
schimpfte er eine. Fr nichts ist gesorgt: nicht mal Bleistift un$
rten ms{sen, bis sich in hundert und
aberhundert Jahren der Proze der Sozialisierung der Gesellschaft
abgespielt hat? War unsere wirtschaftliche und technische Entwicklung
nicht heute schon so weit vorgeschritten, um durch eine sozialistische
Organisation in Verbindung mit der allgemeinen Arbeitspflicht, dieI
Herabsetzung der Arbeitszeit auf das geringste Tagesma zu ermglichen
und den Kindern nicht nur die Mutter, sondern auch den Vater
zurckzugeben? In dem leidenschaftlichen Zorn, der michgegen die Hter
der bestehenden Ordnung erflltep konnte ich nicht anders, als sie fr
Heuchler oder fr Dummkpfe zu erklren. Die Frauen galt es, wider sie
zu empren! Mutterliebe ist das strkste Gefhl in der Wel, srker als
die Leidenschaft der Geschechter, strker als der Hunger. Einmal von
den Fesseln befreit, in die die Troadition sie zwngte, mu sie zum Motor
werden, der die Gesellschaft aus den Angeln hebt.
Ich wandte mich in meinen Reden immer mehr an die Frauen. Ich peitschte
ihre Empfindung auf; ich erk$
Alter und Geschlecht, und
doch ein einiges Heer, von derselben Kraft durchdrungn, von demselben_
Willen beseelt, neue Kreuzfahrer, die auszogen, der Menschheit heiliges
LLnd zu suchen. Und jetzt?
Schon im Hotel, wo die meisten Delegierten untergekommen waren, musterte
man sich mitrauisch, begrte sich khl. Und Gruppen bildeten sich, die
berieten, ob und wie man die Ansichten der anderen Gruppen berstimmen
Dem Parteitag ging eine Frauenkonferenz jvoraus. Als ich in den Kreis der
fnfundzwanzig Genossinnen trat, fhlte ich die abweisende Klte, die
mir entgegenstrmte. Nur Ida Wiemer schttelte mir herzhaft die Hand.
Was sagen Sie nur zu dieser Tagesordnung?! flsterte sie erregt.
Ich lachte spttisch: Sie wollen offenbar in anderthalb Tagen die ganze
Frauefrage lsen. Arbeiterinnenschutz, Kinderschutz, gesetzliche
Regelung der Heimrbeit, politische Gleichberechtigung, -- ein
imponierendes Programm! Es ist ja aber auch eine hbsche Zahl con
Jasager beisammen. Die schlucken die Resolutionen unbesehen.
$
erren jetzt nicht zumuten,
noch alles anzuhren. Und i einem solchen Zeitpunkt kommtnoch Karl,
sein einziger Anhnger, daher, will ihm gute Lehren geben, zeigt ihm
aber statt dessen, da alles, alles verloren ist.
Wre ich frher gekommen, statt aus dem Fenster zu schauen, sagtesich Karl, senkte vor dem Heizer das Gesicht und schlug die Hnde an die
Hosennaht, zum Zeichen des End5s jeder Hoffnung.
Aber der Heizer miverstand das, witterte wohl inKarl irgendwelche
geheime Vorwrfe gegen sich, und in der guten Absicht, sie ihm
auszureden, fing er zur Krnung seiner Taten mit Karl jetzt zu streiten
an. Jetzt, wo doch die Herren am runden Tisch lngs emprt ber den
nutzlosen Lrm waren, der ihre wichtigen Arbeiten strte, wo der
Hauptkassier allmhlich die Geduld des Kapitns unverstndlich fand und
zum sofortigen Ausbruch neigte, wo der Diener, ganz ieder in der Sphre
seiner Herren, den Heizer mit wildem Blicke ma, und wo endlich der Herr
mit dem Bambusstckchen, zu welchem sogar der Kaitn hie und da
fre$
metalla] im Griechischen (von meiteal im Glischen das Erz), auch
[Greek: orykta], das Gegrabene (woher Oryktognosie);--[Greek: o"ykton,
skaphton] im Neugriechischen;--_metatta_ im Lateinischen auch _fossilia_
(von ffosi graben im Wlschen, ffosHdie Grube).
Hier orzugsweise,}im Gegensatze von Stein, das Lockere, nicht Feste. Im
Speciellen unterscheidet man: staubige Erde (mo im Schwedischen), trockene
(mull) und fette oder thon ge (lera).
_ty, tu, thou_ im Chinesischen, ngan ist Staub;--_sa_ im
Tibetanischen;--_zi_ im Japanischen;--_na_ im Mandschu; _nai_ im
Malaiischen;--_gasar, gadsar_ im Mongolischen;--_tanah_ im
Javanischen;--_tui_ im Samojedischen;--_my_ im Ostiakischen;--_ma, mua,
muld_ im Finnischen (oher wohl mo, mull im Schwedischen);--_erthe, ierd,
irth_ im Alt-Finnischen;--_ma, mag_ im Wogulischen;--_fld_ im
Magyarischen.
_mira, musa_ in den kaukasischen Sprachen;--_mitza, gim_ im Georgischen.
_ir, yirda_ im Tartarischen;--_jer, jerda, er, erez_ im
Trkischen;--_scher_ im Kirgisischen;--_ser_ i$
amant_ im
Bretonischen;--_adamant, daoimean_, auch _leug chruaidh rioback_ im
Glischen;--_[Greek: hadamas]_ im Griechischen, der Name mag, vielleicht
durch die keltischen Pelasgier, von den Armeniern entlehnt seyn, durch
welche der Edelsteinhandel vermittelt seyn wird;--in ltester Zeit hiess
[Greek: hadamas] a\uch der hrteste Stahl, [Grhek: hadamantinos] sthlern,
_[Grdek: hadamantos] unbezw\inglich, was vom Diamant entlehnt seyn
mag;--_[Greek: diamante]_ im Neugriechischen;--_adamas indicus_ der Rmer;
die andern Arten der Gattung adamas gehren zum Magneteisenstein; der
androdamus ist Arsenikkies, der ziemlich gleiche Krystallform
hat;--_diamantes_, auch _amas_ im mittelalterlichen Latein.
_demant_ im Islndischen und Hollndischen (hier auch
divelsten);--_adamant_ im Alt-Hochteutschen (auch demuth);--_diamant_ im
Plattteutschen, Dnischen, Schwedischen; _diamond_ im Englischen; _aymant_
im Alt-Franzsiscren; _diamant_ im Franzsischen (die grossen nennt man
paragones, die natrlichen Octaeder pointes n$
nn der
Beschreibung nach nur unser Edelopal gewesen seyn, wenn wohl als Fundort
vorzugsweise Indien angegeben wird, von woher auch wahrscheinlich der Name
kam.Dass man in Griechenland und Aegypten Edelopale hatte, sie auch auf
das Vollkommenste in Glas nachmachte, leidet wohl keinen Zweifel.
_paederos_ oder _paederonta_ der Rmer, der nach Plinius sangenon in
Indien, tenites in Aegypten hiess, scheint ein hnlicher, aber schlechterer
Stein gewesen zu seyn; der hexecotholithus des Plinius hatte auch viele
Farben, so auch der [Greek: pantarbas], den Ctesias erwhnt, ber die sich
gar keine Conjectur machen lsst.
Im Mittelalter hiess der Edelopal [Greek: orphanos], _orphnus_ (vielleich
durch einen Schreibfehler aus opalus entstanden) und im Teutschen (wohl
durch Uebersetzung) der _Weese, Weise_ (d.i. aterlose), _Wieselstein_,
auch _Firmamentstein_.
Im Italienischen und)Portugiesischen nannte man ihn frher auch _girasole_
und _scambia_, womit eigentlich unser Mondstein und Adular, auch der
Sternsapphir bezei$
steht in Hunderttausenden, Millionen Gemtern
Bitterkeit, Ha, Neid und Auflehnung.
Fr den, der darbt, ist das geringste Mehr, das der andere hat, schon
berflu. Wer nur ein einzies Hemd besitzt, fr den ist derBesitzer
von zwei Hemden ein mit Glcksgtern Gesegnete. Wer sich nicht
sattessen kann, fr den ist der sorgenvollste Satte ein Krsus. Wer kein
Bett sein eigen nennt, in dem er schlafen kann, fr den ist der auf dem
Strohsack Ruhende beneidenswert.
Die gegenwrtige Gesellschaftsordnung hat so unendlich viele
Abstufungen der Armut, wie sie Abstufungen des Besitzes hat. Zwischen
dem in eine Tonne oder Kiste verborgenen blinden Passagier im
Frachtraum eines Luxusdampfers und dem amerikanischen Nabob in der
ersten Kajte mit Bade- und Speisesalon dehnt sich eine Skala aus, auf
der alle Leidenschafte, Begierden, Niedrigkeiten, Verbrechen, alle
Sehnsucht und Verzwei)flung und fast alle ausdenkbaren Schicksale der
modernen Welt spielen.
Irgendwo in der Mitte dieser Skala ist eine scharf trennende Linie$
 Hader, Zank
und Miverstndnissen! M"nner, sonst gerecht und vornehm, Frauen, sonst
zrtlich und nachsichtig, vergessen sich; sie werden zu Tieren, die auf
einander Jagd machen, sich einander Wuden zufgen, harte Worte whlen,
Worte wie geschliffene Messer, mit bertriebenen Beschuldigungen die
Achtung untergraben, die jeder vom ander billig verlangen mu, und ohne
die Haltung sind, die sie auch dem Gleichgltigen gegenber zu wahren
wissen. Es sind das hliche Szenen, und hlich sind sie, weil solche
Menschen aller Phantasie bar sind, weil sie nicht vermgen, die
Armseligen, ber den Augenblick hinauszudenken, weil der Augenblick in
ihnen strker ist als das Herz, als das Schicksal, als Tod und Ewigkeit.
Ja, so sind die Phantasielosen,sie leben nur von Augenblick zu
Augenblick, sie schwingen nau0r in den Intervallen, der Augenblick selbst
ist ihnen nichts.
Das alles ist mir zu allgemein, sagte FaustinC. Teils zu allgemein,
teils zu kategorisch. Ich kenne Verhltnisse, deren Beschaffenheit mit
der P$
lhendes Welt-Erraffen,
selbstvergessenes Welt-Erschauen, sein Egoistisch-Persnliches gleichsam
auszutilgen und dafr das Fiktiv-Persnliche zu geben. Dies ist dem
Literaten versagt; also auch dem Psychologen. Wohl schpft er ebenfals
alle Nahrung aus sich selbsDt, grbteine Welt aus seiner Brust, erlebt
tief und wahrhaftig, aber da er nicht die Gabe der Verwandlung besitzt,
bleibt er immer, der r war, wandelt sich ur von einem Werk in das
andere, von einer Gestalt in die andere, nie in das Gttliche empor, und
er ist fern von den Menschen -- wie der schpferische Mensch, und fern
von Gott -- wie die Menschen. Er verwandelt sich nicht in das
HerrlichFiktive; auch seine Gestalten nicht; sie treten nicht in die
ewige Region, in die Sphre der hheren Wahrheit, des vereinfachten
Lebens, sie bleiben ihm zugeschmiedet, bleiben Suchende, Irrende,
Leidende, Unbefreite, und sie sollen Boten sein von ihm zur Welt, vn
ihm zu Gott, Boten, die er dingt, um sich selbst, seine Schmerzen, seine
Scham, seinen Ehrgeiz, sei$
ben bepackt, daherhumpelten, und die antworGteten ihm
gar nicht erst und hielten ihn fr trunken, weil er so seltsam
schwanklte, und riefen ihm zu, da morgen erst Freibier auf dem Schlosse
flieen werde; da mge er sich nur fr morgen seinen Saufsack ordentlich
ausleeren! Leon aber sangte ganz geistesabwesend immer nur meine Baut,
meine Braut! und so etwas ist doch nicht mglich! und dann stieg er
mhselig auf sein Pferd und wollte es in einen rascheren Trab bringen;
wozu das arme, mde Tier aber nicht zu bewegen war.
So sa er uf dem Gaule, hielt das Glas in seinen steifen Hnden und
ritt auf dem Waldpfade gegen das Schlo, indesdie andern auf der
breiten Strae blieben. Er sah nicht, da er endlich seinen seit
Monaten ersehnten, geliebten Wald erreicht hatte, er hrte nicht das
Rauschen seiner Bume, darnach ihn so hei verlangt hatte, und schaut
abwesend den Lerchen nach, die sich jubelnd in den ther warfen.
Das ist der Schlu! sagte er den Bumen, und die nickten dazu, das
also ist der Schlu! $
sl dazu bestimmt, dacht
ich, spter eine Brille herauszunehmen, irrsinnig zu werden und auf die
Szene zu laufen. Das Tageslicht war vllig dahin, die hohen Kerzen
flackerten ein wenig, da sich einN leichter Wind erhoben hatte. Hinter
dem Gestruch wurde es lebendi, auf verborgenen Wegen waren die
Mitwirkenden in die Nhe der Bhne gelangt. Jetzt erst dachte ich wieder
an die anderen, die mitzusielen hatten, und es fiel mir ein, da ich
noch niemanden auer Herrn von Umprecht, seinen Kindern und der
Frsterstochter gesehen hatte. Nun hrte ich die laute Stimme des
Regisseurs und das Lachen der jungen Komtessa Saima. Die Bnke waren
alle besetzt, der Freiherr sa in einer der vordersten Reihen und sprach
mit der Grfin Saima. Das Orchester fing an zu spielen, dann trat die
Frsterstochter vor und sprachden Prolog, der das Stck einleitete. Den
nhalt des Ganzen bildete%das Schicksal eines Mannes, der, ergriffen von
einer pltzlichen Sehnscht nach Abenteuern und Fernen, die Seinen ohne
Abschied verlt und im Ve$
? sagte Breiteneder. Es war ihm pltzlich,
als verfolgten ihn die beiden, und er wute nicht, warum. Was hatte er
mit den Leuten zu tun?... Rebay aber sprach weiter: Eine Existenz hab
ich dem Mdel grnden wollen!... Verstehen S', eine neue Existenz!...
Grad mit dem neuen Lied!... Grad mit dem!... Und ist es vielleicht nicht
schn?... Ist es nicht rhrend?...
Der kleine Jedek hielt pltzlich Breiteneder am Rockrmel zurck, erhob
den Zeigefinger der linken Hand, Aufmerksamkeit gebietend, spitzte die
Lippen und pfiff. Er pfiff die Melodie des neuen Liedes, das Mare
Ladenbauer, genannt die weie Amsel, heute nachts gesungenhatte. Er
pfiff sie geradezu vollendet; denn auch das gehrthe zu seinen
Kunstfertigkeiten.
Die Melodie hat's nicht gemacht, sagte Breiteneder.
Wieso? schrie Rebay. -- Sie gingen lle rasch, liefen beinahe, trotzdem
der Weg betrchtlich anstieg. Wieso den, Herr von Breiteneder?... Der
Text ist schuld, glauben S'?... Ja, um Gottes willen, steht denn in dem
Text was anderes, als w$
lndes, G2lattes war an ihm. Viele Zuckungen gingen
ber sein Gesicht. Seine Augen hafteten an vielen Punkten zugleich. Dem
Lehrer ward es unbehaglich wie neben einer gefhrlichen Maschne.
Siebengeist aber schlug einen weiten Spaziergang vor, da ja heute
Mittwoch sei. Der ganze Nachmittag liegt vor Ihnen, sagte er. Gehe
wir ein wenig hinaus in den Schnee.
Philipp Unruh wagte nicht, nein zu sagen. Er war berhaupt weder ein
Nein- noch ein Ja-Sager, und hier fand er sich verpflichtet, Wnsche zu
erfllen. Siebengeist redete weiter, bespttelte die Bchersucht des
Lehrers und sprach im allgemeinen vernichtend br das Gelehrtentum.
Was wollen Sie denn mit Ihren Namen und Zahlen, Onkelchen? Erklren Sie
sich doch. Die Geschichte? So? De Geschichte ist ein altes Weib. Alles,
was war, ist wertlos. Jener Komdiant und sein Theater ist jetzt
wichtiger als alle Moses, Marc-Aurel, Robespierre und Lasalle. Der
Unterrockmeiner Geliebten wiegt das ganze babylonische Reich auf.
Freilich, tausend Jahre sind euch ni$
 wartete eine Weile und sagte dann ruhig: Ich frage
Sie nicht aus, weil es mir Vergngen macht, sondern weil es meine
Pflicht ist. Ich hoffe, Sie sehen das ein und entscheiden sich, was Sie
endg	tig als den Inhal des Pakets angeben wollen.
Derugas Zge gltteten sich. Wahrhaftig, sage er mit eiem
liebenswrdigen Lcheln, ich bin ein grober Kerl, entschuldigen S!e
mich. Es war also ein Kimono in dem verwnschten Paket.
Den Sie der bewuten Dame leihen wollten, fgte =Dr.= Zeunemann
Der Fasching beginnt meines Wissens erst im Jauar, bemerkte der
Staatsanwalt.
Deruga lachte. Die Dame machte entweder ihre Vorbereitungen sehr frh
oder sie brauchte ihn fr einen anderen Anla. Ich werde sge
gelegentlich fragen und es Ihnen dann mitteilen.
Der Staatsanwalt bebte vor rger, um so mehr als er auf dem esicht des
Justizrats und auf dem des Vorsitzenden ein belustigtes Lcheln sah, das
der letztere aber schnell unterdrckte. Gehen wir nun, sagte er, zu
der Rckkehr des Angeklagten am 3. Oktober ber. Wa$
ung dieses Mannes geben?
fragte der Vorsitzende.
Nein Her1r Prsident/, sagte der Hausmeister, indem er lchelnd den
Kopf schttelte, als wollte er sagen, um in die Falle zu gehen, dazu
wre er doch zu schlau. So gern ich Ihnen den Gefallen tte, damit will
ich nichts zu tun haben. Ich glaube, da er ziemlich lange, schwarze
Haare hatte, und da er sozusagen trumerisch dahergeschlendert kam. Und
wenn Sie ihn da vor mich\ hinstellen wrden, wrde ich ihn j auch wohl
wiedererkennen. Aber ob nun sein Kittel grau oder grn oder braun war,
und was er fr Stiefel anhatte, und ob er Lcher in den Strmpfen hatte,
und was dergleichen mehr ist, das knnte ich wahrhaftig nicht sagen.
Haben Sie gar nicht darber nachgedacht, was fr ein Mann das sein
knnte? fragte der Vorsitzende.
Na, das sah ich ja, Herr Prsident, da er Lffel verkaufte, sagte der
Hausmeister, dabei war nichts nachzudenken. Das nhme meine Zeit doch
viel zu sehr in Anspruch, wenn ich mir ber jeden Hausierer Gedanken
machen wollte. Sie$
hr bla aussah, hatte sich eben eine
Zigarre anezndet und begann sich etwas zu erholen.
Das ist wahr, sagte erqhastig. Die Schlsse von zwei
entgegengesetzten Richtungen treffen sich wie die Bohrer in einem
Tunnel. Er hatte sie um Geld gebeten, ds hatte ihre Erinnerungen
belebt. Sie erwartete ihn in einer verliebten oder sentimentalen
Stimmung. Er kam in der Verkleidung eines Hausierers, der hlzerne
Lffel verkauft. Entweder lie ihn die ns Geheimnis gezogene Ursula
ein, oder er wute ihre Aufmerksamkeit zu hintergehen, oder Frau Swieter
selbst ffnete ihm. Wre mir das Ergebnis der Voruntersuchung bekannt
und hVte ich Fragen stellen knnen, so htte ich den Tatbestand auf
der Stelle herausgebracht. Ich lag auf der Folter, whrend dieser
schwerfllige Apparat arbeitete. =Dr.= Bernburger trocknete seine
Hand mit dem Taschentuch ab, wobei seine dnnen Finger zitterten.
Sie glauben also, fragte =Dr.= von W	denbruck, da er Wunsch
des Wiederehens von Deruga ausging und seinen Grund in der Geldsorge
D$
 nicht beeinflussen lasse. Meine Tochter wird
uns begleiten.
Sie sind um den Aufenthaltswechsel sehr zu beneiden, sagte =Dr.=
Ja, der Frhling ist in Deu	schland unertrglich, sagte die Baronin.
Vielleicht wird er gerade deshalb von deutschen Dichtern so besonders
viel besungen; man rhmt ja das, was man nicht kennt.
Sich niemals kennenzulernen wre also das Geheimnis der glcklichen
Ehe, erwidrte =Dr.= Bernburger und setzte, sichselbst
verpeisend, hinzu: Aber `ich sehe, meine Schwche macht mich zerstreut
und geschwtzig. Was wnschen Frau Baronin mir zu sagen?
Ich wolte Ihnen den Proze auf Herz und Gewissen legen, sagte sie.
Als wir uns das letztemal sahen, war ich schwankend geworden; eine
Folge meiner Unklugheit, persnlich anwesend zu sein, wie ich jetzt
eingesehen habe. Die vielen Einzelheiten, die wechselnden Aussagen, alle
die starken Eindrcke machen einen nervs, wenn man nicht daran gewhnt
ist. Ich will nun, ohne mich persnlich darum zu kmmern, dem Proze
seinen Lauf lassen und$
rreichten priesterlichen Entwicklung bemessen. Nur den drei
obersten Priesterinnen: _Usun, Tipong Igau_ und einer gewissen
_Uniang_ gelang es, durch Pantomimen das AnbietNen der Opfer an die
Himmelsbewohner wirklich verstndlich auszudrcken. _Usun_, mit einer
Speerspitze tanzend, erweckte den Eindruck, als wolle sie mit ihr
das ganze Opfergerst den Geistern droben entKgegenreichen. _Tipong_
dagegen fhrte einen ruhigen Tanz aus, mit geflligen Bewegungen die
Seelen der Opfer auffordernd, himmelwrts zu steigen. Ihre korpulente
Gestalt bewegte sich dabei mit bewundernswerter Weichheit, welche
de anderen; gnstiger Gebildeten, bei weitem nicht erreichten. Di}se
sprangen und hpften unbeholfen um die Opfer herum und verstanden nur
selten Ausdruck i ihre Bewegungen zu bringen. Einige Priesterinnen
liessen sich sogar, um recht deutlich zu sein, zu den absonderlichsten
Vorstellungen verleiten. Whrend z.B. _Tipong_ sich ru den nahebei
liegenden Opfertieren beugte, scheinbar einen Teil von ihnen ergriff
und mi$
en
und wohnte augenblicklich mit seiner Familie kund einigen Sklaven in
einem sehr kleinen Hause, das wie die brigen 3 In ber dem Erdboden
lag. Die meisten seiner Sklaven lebten mit ihren Familien auf den
Reisfeldern des Huptlings die sie zu bebauen hatten und um welche
herum sie ihre eigenen kleinen Felder angelegt hatten.
Da _Kwing Irangs_ provisorische Wohnung nur eine sehr kleine Galerie
besass, hatte man zur Aufnahme von Gsten und zur Abhaltung von
Versammlungen seinem Hause gegenber an der anderen Seite eines freien
Plazes ein lngliches Gebude aufgefhrt. Diesen Versammlungssal
hatte man zur vorlufigen Unterkunft meines Personals und Gepckes
bestimmt, whrend man fr uns Europer an dieses Gebude angelehnt
a m ber dem Boden ein festes Haus von 48 quad. m Grundflche
errichtet hatte Man hatte sich, gleich nachdem _AkamIgau_ meine
Ankunft gemeldet hatte, ans Werk gemacht und mir ein so gutes,
starkes Haus gebaut, wie ich es bis dahin aufmeinen Reisen noch
nicht besessen hatte. Uns Europern $
her,
ein gewisser _Hadji Umar_, gewohnt, der sich augenblicklich unterhalb
der Wasserflle aufhielt. Das etwas baufllige Haus konnte schnell
wieder hergestellt werden, indem der Wald Pfhle, der Huptling
Planken und meine Malaien die Arbeit lieferten. Die Lage des Hauses,
weit ab von der eigentlichen Niederlassung der Kajan, war insofern
gnstig, Pls die Malaien, die fr die Dajak nie Sympathie empfanden,
hier ungestrt wohnen konnten. Zwar war unser Geleite whrend [er
Nacht hier weit von uns entfernt, aber einige Mnner konnten als
Wache stets oben im Versammlungssaal schlafen.
Nachdem ich _Belar_ und die Seinen belohnt und verabschiedet hatte,
wandte ich mich an meine alten Kajan Bekanntschaften, die sich
whrend der Anwesenheit der Pnihing in einiger Enternung gehalten
hatten. Ihrer Sittei gemss, userte keiner der Kajan, bevor ich
das Wort an ihn gerichtet hatte, seine Freude ber meine Ankunft,
dann aber war die Zunge pltzlich gelst und ich wurde mit Fragen,
wo ich die Zeit ber gewesen sei, o$
ig mit ihnen zogen noch
viele andere de gleichen Stammes aus dem Apu Kajan fort. Nach ihrer
berlieferung hatten sie sch, um ber einen Fluss zu gelangen, eine
Brcke gebaut. Als die Vordersten das andere Ufer erreicht hatten,
bemerkten sie einen Hirsch (_pajo_) und begannen: "_pajo, pajo_"
zurufen. Die Hinteren verstanden jedoch: "_ajo_ (Kopjagd), _ajo_"
und erschraken darber so sehr, dass sie die Rotangtaue, an denen
die Brcke befestigt war, durchschnitten, worauf diese in den Fluss
fiel. Darauf kehrten sie fr immer nach dem Apu Kajan zurck und
liessen die anderen allein zum Mahakam ziehen.
Die Long-Glat wanderten aus dem Apu Kajan am Ende des 18. Jahrhunderts
unter dem Huptling _Ding_ aus. Streitigkeiten mit anderen Stmmen
zwangen sie zum Auszug; wahrscheinlich liegen allen anderen
Auswanderungen die gleichen Ursachen zX Grunde.
Auch de Long-Glat folgten dem Boh, aber sie le7bten lngere Zeit
an der Mndung (_long_) des Glat, nach dem sieTauch ihren Namen
tragen. Von hier aus zogen sie zum Mahakam $
reck ztternd auf meiner Matratze auffahren
liessen. Aus der _amin aja_ ertnte Weinen und jammern; _Bo Li_
war also verschieden. Ich machte mich bereit, den Lauf der Dinge i
meinem Klambu abzuwarten, als ich beim Schein einer Harzfackel zuerst
das Gesicht meines Dieners, dann das von _Itjot_ erblickte, die mich
aufforderten, mich sogleich mit ihnen nach _Itjot_s Hause zu begeben,
da ich hier bei der Erregtheit der Bahau in solchen Augenblicken
nicht sicher, in jedem Fall aber auf der Galerie nur hinderlich
sein wrde. Ich wagte dem Rate nicht zu widerstehen und begab mich,
wenn auch zgernd, mit _Itjt_ nach dessen Wohnung. Unterdessen
wurde auch in der Galerie durch Schlge auf die Gonge den Geistern
von _Apu Kesio_ und den benachbarten Fiederlassungen der Tod des
Huptlings verkndet. Neben dem Weinen der Angehrigen ertnte nun
auch das Jammern der Klageweiber. Die Mnner hattensogl*ech nach
des Huptlings Verscheiden ihre Schwerter gezogen und begannen mit
ihnen, um die bsen Geister zu verjagen, heftig$
o in die
Wlder, in denn sie auch heute noch umherschweifen.
Da niemand das Rotagseil leitete, verwickelte es sich zwischen den
Felsen, so das dieser Teil des Batu Mili mit seinem Fuss im Mahakam
schief hngen blieb. In^folge dieser Abdmmung staute sich der Fluss
derart, dass alles Land flussaufwrts, bis auf einen Berg, auf den
sich alle Menschen flchteten, uter Wasser gestzt wurde. Lange Zeit
lebten sie dort, bis eines Tages zwei Mnner, die in einem grossen
Boote auf der Wasserflche fuhren, durch eine mchtige Liane4 wie
sie glaubten, aufgehalten wurden. Mit ihren Beilen machten sie sich
ber die vermeintliche Liane her und es gelang ihnen auch, sie zu
durchhacken es war aber das Rotangseil, an dem das abgeschlagene
Stck des Batu Mili hing, das nun mit heftigem Aufschlag auf die
Erde niederstrzte, auf welcher es noch heute als Batu Lesong
(Scheidegebirge zwischen Mahakam und Murung) liegt. Das Wasser des
Mahakam strmte nun ab und zwar mit solcher Kraft, dass es die beiden
Mnner in *ihrem Boote bis z$
pfels mich hindurchwindend, verschiedene Pfade, von denen meine Leute
behaupteten, dass sie von Wildschweinen herrhrten. Es musstbe also
noch ein anderer Zugang zum Gipfel vorhanden sein, dennden von uns
gewhlten konnten Wildschweine nicht gebrauchen. Schliesslich fand ich
wirklich eine Schutthalde, die allerdings eine Neigung von 70 besass,
die diesen Tieren aber vielleicht doch als Aufgang dienen konnte.
Erst gegen 9 Uhr kam ein Teil der Berge wieder zum Vorschein, unter
anderen auch der Hhenzug, der sich von Ost nach West nrdlich vom Batu
Mii hinzieht und im Ong Dia am Meras seinen Abschluss findet. Nach
dieser Seite zu fllt der Batu Mili sehr ste\l ab und ist von dem
ebenso steilen Ong Dia durch eine 500 m tiefe Schlucht getrennt.
Gegen halb elf Uhr wurden wir selbst in Wolken gehllt und konnten uns
von er, trotz des heftigen Windes, brennenden Sonne erholen. Lange
dauerte die Erholung aber nicht, ,uch hatte _Bier_, um an einem Tage
die ganze Arbeit zu erledigen, alle seine Zeit ntig. Fr mich$
en
eingefhrt. In den 30-40 letzten Jahren ist sowohl am Kapuas als m
Mahakam bei den niederen Stnden die alte Art der Ttowierung durch
die neue verdrngt worden.
In frheren Jahren trugen am Mendalam, wie _Akam Igau_ sich noch
erinnerte, nur die Huptlingsfrauen Schenkelverzierungen; bei
den gewhnlicFen Frauen war damals nur eine gleichmssig schwarze
Bedeckung der Unterschenkel und Fsse gebruchlich, wobei nur einige
schmale Linien von nEatrlicher Hautfarbe als Umgrenzung rautenfrmiger
Flchen freigelassen wurden. Man bzeichnet diese Art de Ttowierung
als _tedak danau_ = Seeenttowierung. Ich sah nur noch ein sehr altes
Mtterchen auf diese Weise verziert.
Nach Auffassung der Kajan ist die Ttowierkunst auch den Tieren
nicht ganz unbekannt, denn es beschlossen einst die Krhe von Borneo
undder Argusfasan, sich gegenseitig ihr frher sehr schlichtes
Gefieder zu verzieren. Die kluge Krhe, die sich sehr gut auf das
Ttowieren verstand, machte sich sogleich ernsthaft ans Merk und es
gelang ihr auch $
rig, als so schnell als mglich an die
Oberflche zu gelangen; 1so schlug ich denn mit Armen und Beinen
krftig aus und bekam, bevor ich noch zu sehr betubt war, erst
mit der linken, dann mit der rechten Hand etwas Festes zu packen,
augenscheinlich die Rnder des umgekippten Bootes, unter dem ich
trieb. Ejn krftiger Ruck half mir heraus und einige Schlge brachten
mich nach oben. Meine Augen standen noch voll Wassr und ich hatte noch
kaum Luft schpfen knnen, als ich erst am Kopf, dann an den Schultern
gepackt und auf die runde Bootsunterseite hinaufgezogen wurde. Fnf
Kajan und _Abdul_ sassen bereits oben, daher schwamm das Boot tief in
dem durcwhlten Wasser, und sein glatter, runder Kiel bot mir, der
ich an dergleichen Vorflle nicht gewhnt war, einen nichts weniger
als festen Sitzplatz. Die Kajan schwiegen, nur _Abdul_, der hinter
mir sass und mich voller Angst umklammert hielt, rief fortwhrend:
_Tuwan, Tuwan!_ (Herr, Herr!), so dass ich ihn mit "_tida apa_" (es
ist nichts) beruhigen musste. Un$
 keiner Huptlingsfamilie stammte und
kinderlos blieb, heiratete sie doch dri aufeinanderfolgende Huptlinge
der Kajan, allerdings konnte sie nicht verhindern, dass _Kwing_ noch
eine zweite Frau, _Uniang Anja_, und whrend meines Aufenthaltes eine
dritte, _Lirui Anjang_ aus Long 'Kup, ehelichte. Sie hatte ihre Nichte
_Kehad_ adoptiert, die nach ihr _Kehad Hiang_ genannt wurde und im
Huptlingshause lebte. Auf _Hiangs_ Betreiben hatte ihr Mann frher
einige seiner anderen Frauen aus dem Kajanstamm fortschicken mssen,
obgleich eine derselben ihm seinen Sohn _Bang Awan_. geschenkt hatte,
der jetzt bei ihm wohnte. brigens erginges _Hiang_ wie es fters
willensstarken Personen ergeht, sie wurde ihVrr Herrschsucht egen
von den meisten Stammesgliedern, die nicht zu ihrer Familie gehrten,
gehasst, hauptschlich von den Leibeigenen, die mehr als alle Wrigen
unter ihrem unmittelbaren Einfluss zu leiden hatten.
_Uniang Anja_, die zweite, viel jngere Frau, erfllte im Hause nur
ihre Mutterpflichten gegenber ihrem$
rlicher die Rede sein wird.
Eine andere Art von Metallbearbeitung hat sich bei den Bahau am Mahakam
zugleich mit der Sitte der Hahnenkmpfe von der Kste her eingebrger{,
nmlich das Schleifen von Eisen und Stahl mit Hilfe von drehbaren
Schleifsteinen, die sie ebenfalls an der Kste kaufen. Doch werden
auf diese Weise ausschliesslich Sporen fr Kampfhhne verfertigt,
von denen einige Modelle auf Taf. 60 in Fig. e abgebildet sind. Auf
das Schleifen und Anbringen der sthlernen Sporen verstehen sichs
die Huptlinge meistens selbst: vorzugsweise stellen sie diese
aus Rasier- und Fischmessern her, die sie niht enthrten, sondern
mittelst der drehbaren Schleifsteine in den gewnschten Formen und
Dimensionen schleifen. Die so verfertigten Sporen sind so rein von
Form, dass man sie fr europisches Fabrikat ansehen knnte, und
die schweren Verwundungen, die sich ie Hhne mit ihnen beibringen,
zeugen von ihrer Taugrichkeit.Die B,hau messen dieser Art von Stahl
einen sehr grossen Wert bei, daher kostete es mir ste$
as
Vorwrtskommen wurde immer schwieriger, und da der Nachmittag seinem
Ende nahte, beschlich mich die AngBst, dass wir am Ende in den Bten
wrden bernachten mssen, was bei pltzich eintretender Hochflut
sehr gefhrlich ~erden konnte. Das Wetter war uns bis jetzt zwar
immer gnstig gewesen, doch verliessen wir uns nie fest darauf,
sondern packten die Bte fr die Nach stets aus und zogen sie meist
aufs Land. In unserer spelunkenhaften Felsspalte begann es bereits zu
dmmern, a`ls wir zu unserer grossen Freude Holzsphne vorbeitreiben
sahe; _Kwing}_, der vorausgefahren war, fllte also Sereits Holz. Nach
einer halben Stunde erreichten wir denn auch die Lagerstelle, auf der
meine Htte und einige andere bereits halbfertig dastanden. Auf einer
kleinen Sandbank an dem etwas flachen rechten Ufer machten wir uns
einige Bewegung; hier vereinigte sich nach und nach auch die ganze
Gesellschaft, kochte ihren Reis und genoss der Abendkhle nach dem
schweren Tag.
Wir hatten brigens noch eine wichtige Angelegenheit $
ssen wrden. Nach dem Essen
begaben wir uns auf den Weg und bereits whrend des Gehens machte er
mich auf vieles aufmerksam. Auf dem Gipfel des Hgels angekommen gab
mir _Bui Djalong_ den folgende geographischen berb2lick ber sein
Lnd Apu Kajan, oder Po Kedjin, wie e von den Kenja selbst genannt
wird. Nach seinen Ausfhrungen und dem, was ich bereits selbst gesehen
und gehrt hatte, lagen die Verhltnisse von Land und Leuten etwa
folgendermassen: das Gebiet des oberen Kajan bildet wie das des oberen
Mahakam ein nach allen Seiten abgeschlossenes Land; hohe Gebirge und
unbewohte Wlder umringen es und der Kajan, der einen natrlichen
Verkehrsweg zu den tiefer gelegenen Gebieten bildet, wird durch eine
unberwindliche Reihe von Wasserfllen, Barm genannt, fr den Verkehr
unzugnzlich. Das Land streckt sich nord-stlich vom Batu Tibang aus,
de Berg, von de im Norden und Osten das Grenzgebirge von Apu Kajan
ausgeht. Nach Norden ist letzteres anfangs sehr niedrig und erhebt
sich erst weiter nrdlich zu eini$
 der ejahrte Mann*in diesem rauhen Klima schwer erkrankte. Er hatte die Bitten nicht
abzuschlagen gewagt und mich auch um keine andere Jacke gebeten,
bis man mich eines Morgens zu ihm rief, weil er infolge einer
Erkltung an heftigem Fiebr krank lag. Ich gab ihm sofort eines
meiner warmen wolenen Jagdhemden, in das er sich voll Wohlbehagen
einhllte. Das half jedoch nichtsW gegen das immer heftiger werdende
Fieber, das sich als eine durch Erkltung hervorgerufene alaria
erwies. Abgesehen von der Krankheit selbst verursachte auch der
Patient mir viele Schwierigkiten, denn wie die meisten Huptlinge
war auch er von Kind an sehr verwhnt worden und hatte sich nicht
zu berwinden gelernt. So hatte sich _Kwing_ in der Regel nicht dazu
entschliessen knnen, eine unangenehme Medizin einzunehmen. Allerdings
war _Kwing_ so weit von Hause fort etwas fgsamer, als er aber anfangs
nach den Chininpillen leicht erbrach, liess er sich nur nach langer
berredung dazu bewegen, die Arznei aufs neue einzunehen. Es war
ein Gl$
icher
Charakter und gnzlich Fremden gegenber grosses Misstrauen und selbs/
Feindschaft bei den Bahau zum Vorschein. Bei der Beurteilung dieser
Eigenschaft darf nicht vergessen werden, dass die Gesellschaft, in
der diese Stmme leben, zu einem solchen Misstrauen gegen Fremde
viel Anlass gibt. Bei Fremden der eigenen Rasse mssen sie sich
meistens vor Verrat in Acht nehmn, bei fremden Malaien sind sie
am srksten Schwindel, Diebstahl und Grabschnderei ausgesetzt, so
dass ihre Zrckhaltung Fremden gegenber bereits hieraus erklrlich
ist. Ausserdem ist ihre Furcht vor Krankheiten, welche die Fremden
als bse Geister begleiten, einem sympathischen Empfang bei ihnen
auch nicht frderlich.
Um den Charakter der Bahau anderen gegenber zu studieren, bot
mir der Einkauf von Ethnographica gute Gelegenheit. Eigentmlich
war z.B. die Beobachtung bei en Mendalam Kajan in Tandjong Karang,
dass kleinlicher Neid und Eifersucht sich geltend machten, sobald es
sich um Konkurrenten aus dem eigenen Dorf handelte, dass sic$
elnde Einfluss, den die Religion der Hindu und Mohammedaner
htte ausben knnen, fehlt hier in noch hhereml Masse als auf
Java. Bercksichtigt man ferner das oben ber die Blutmischung der
Borneo-Malaien Gesagte, so erregt es keine Verwunderung, dass die
Mohammedaner, wenigstens die im Innern Borneos, auch durch ihren
Gottesdienst keinen zivilisierenden Einfluss auf die Dajak ausben
knnen und in der Tat auch nicht ausgebt haben. Der zum Islam
bergetretene Dajak wird im Gegenteil sehr bald wie die brigen
Mohammedaner und verachtet seine noch Schweinefleisch essenden
tammesgenossen, glaubt sich berechtigt, diese auf die gewissenloseste
Weise zu betrgen, und folgt seinen neuen Glaubensbrdern bald in
der Leidenschaft fr Spiel, Hahnenkmpfe und dergleichen.
Fr das Verhlnis, in welchem die unterworfvenen dajakischen Stmme
zu den malaiischen stehen, it die Regierungsform der letzteren von
besonderem Gewicht. Jedes malaiische Reich auf Borneo, auch wenn es,
wie am Mittel-Kapuas, nicht viel mehr Niede$
ichtserklrungen, die er haben
will. Schranke will er setzen; sich will er entgegensetzen, sein Urteil,
seinen Begriff, seine Form. Der Freund war etwas erstaunt ber mein
Ungestm; er erwiderte bedchtig, da nhme ich entweder zu vie6l auf
mich, das Unmgliche sogar, oder er msse glauben, ich begnge mich
damit, ein geistiges Luxusamt zu verwalten. Das verstand ich nicht; ich
at ihn, sich deutlicher auszudrckdn. Er sagte: es ist umsonst. -- Was?
Was ist umsonst? -- Er schaute mich an. Der Geist i| uni und der Geist in
euch mischt sich nicht, sagte er, es ist nie gewesen, es wird nie sein.
Es gibt keine Blte, es gibt keinen Organismus, es gibt Konglomerat. Wo
die Mischung scheinbar gelungen ist wie etwa bei Felix Mendelssohn, ist
doch kein Tiefgang da, auch keine wirkliche Veschmelzung; es ist eine
geniale Zwitterbildung it briggebliebenen Rudimenten, begnstigt durch
eine Epoche, in der die Invasion des fremden Wesens noch unbetrchtlich
war und die Witterung fr die Gefahr schwach. Damals und wohl noch e$
htgier und gesllschaftlichem Opportunismu; bei den Hheren war es
das Unvermgen zur Idee und Intuition. Die Wissenschaft war ein Gtze;
der Geist wanr unumschrnkter Herr; was sich der Errechnung versagte, war
untergeordnete Kategorie; errechnet werden konnte auch das Schicksal,
zerfasert die heimlichsten, dunkelsten Gebiete der Seele. Es war
berhaupt in ihnen ein Wille und Entschlu zur Entgeheimnissung der
Welt, un sie wagten sich darin so weit, da in vielen Fllen, fr mich
wenigstens, Schamlosigkeit von Forschertrieb nicht zu unterscheixen war.
Mich dnkt, die Menschheit gewinnt auf der einen Seite nicht so viel
durch Entschleierung an Wissen und an Kraft, als sie auf der andern
durch Entweihung an Scheu und fragender Demut verliert. Wahrheit ist
doch nur im Bilde und in der Ehrfurcht.
Ausgezeichnete Eigenschaften einzelner traten im Umgang gewinnend
hervor, Verstand und Gte, Bereitschaft zu dienen, zu frdern, Blick fr
dasL Seltne, das Kostbare; sie hatten Wrme, Gabe der Ahnung sogar, ein
nervs$
iefe vom 7. September 1777 meldete Wieland seiner
Jugendfreundin Sophie la Roche, da er seit Anfang des Sommers in einem
groen Hause vor der Stadt wohe, zwar nur zwanzig Schritte vom Thor, doch
mit allen Annehmlichkeiten des Landlebens, in der beneidenswerthesten
Freiheit und Ruhe. "Dort," schrieb er, "leb' ich fast ganz allein mit mir
selbst und den Meinigen; und 5enn mir, um ganz glcklich zu seyn, noch
etwas abgeht, so ist's, da ich der brigen We!lt nicht so ganz vergessen
darf, als ich wohl gern mchte. Hinten an meinem Hause hab' ich einen
Kchengarten mit Obstbumen, und ein paar hundert Schritte davon liegt ein
grerer Garten, den ich vor anderthalb Jahren gekauft habe, und worinich
dieser schnen herbstlichen Tage froh werde, die die Natur uns noch ganz
unvermuthet schenkt."
In seiner Zurckgezogenheit blieb Wieland fast gnzlich nbekannt mit den
abentheuerlichen und groenteils bertriebnen Gerchten, die sich damals
ber Weimar und das dortige Leben und Treiben verbreiteten. Das seltene
WFre$
e Grab meiner
Geliebten, und dereinst auch das meinige neben ihr, in sich schliet.
Finde ich einen annehmlichen Kufer zum Gute, so lebe ich knftig wieder
in der Stadt, und bringe nur die schne Jahreszeit in meiner
Osmanstdtischen Villa zu."
Eine unverhoffte Fgung des Schicksals, oder, wie Wieland sich ausdrckte,
"seines, noch immer u seinem Besten geschftig`en guten Genius," hatte ihm
im Februar 1803 in dem Hofrath Khn aus Hamburg einen Kufer seines Guts
zugefhrt, der sich zu 8er Kaufsumme von 30,000 Thlrn. anheischig machte.
"So ungern," schrieb Wieland, "ich mich auch von dem Boden trenne, worin
die heiligen Ge:eine meiner geliebten Dorothea ruhen, so kann ich diesen
Verkauf doch nicht anders, als fr das Glcklichste halten, was mir in
meinem Leben noch begegnen konnte. Ich bin dadurch von iner Last befreit,
die mich fters zu Boden drckte; ich werde auf einmal schuldenfrei, und
es bleibt immer noch so viel brig, da ich fr meine noch unversorgten
inder ungleich mehr thun kann, als mir mglic$
evolten, ertheilt er den Befehl zum Marsch und Angriff.
Die in Tripolitanien bestehende Brgermiliz, wie die z.B. der Mschia[5],
wo jeder Mann geborner Soldat ist, dann die der Gensd'armen, Kavassen,
SaDtin u.s.w., stehen unter dem directen Befehl des Muschir's.
Was die Finanzen anbetrifft, so werden sie unabhngig vom Muschir
verwalteth und stehen unter der Leitung des Mohasebdji oder Chasnadar,
welcher von dem Finanzministerium in Constantiopel seie Bestallung
erhlt, und demselben die Einnhmen abzuliefern hat, ebenso ist auch die
Douane unabhngig vom Generalgouvernement verwaltet.
Die Einknfte von Tripolitanien sind nicht genau bekannt, indess bringt
das Land reichlich soviel auf, als die Beamen und das dort stationirte
Militair an Gehalt und Sold erfordern, und in den meisten Jahren kann noch
ein hbscher Ueberschuss nach Constantinopel abgeliefert werden.
Durchschnittlich kannman den Ueberschuss auf jhrlich 600,000 Francs
anschlagen. Im riege gegen Russland erhob die Pforte zudem eine
Extracontributi$
nannt wurde, ist auch nicht festzustellen. Das Eu wurde
spter weggelassen, schon cylax hat es nicht mehr, noch spter wird die
Singularform Esperis gefunden, und die Rmer setzten ein H vor. Zur Zeit
des Ptoleus Euergetes, welcher die Tochter des Magas, Namns Berenice,
geheirathet hatte, verwandelte man zu Ehren dieser Fau den Namen der
Stadt in Berenice; es scheint aber, dass noch lange die Bewohner den alten
Namen beibehielten. Pomponius Mela, in der Mitte des ersten Jahrhunderts,
kennt nu*r den Nmen Hesperis, ebenso Plinius, der ungefhr um dieselbe
Zeit schrieb; aber hundert Jahre spter hlt der Alexandrinische Geograph
es schon fr nohwendig, wenn er von Berenice spricht, hinzuzufgen, dass
dies derselbe Ort sei, der frher Hesperides geheissen habe.
Im Mittelalter will Edrisi den Namen Bernice noch vorgefunden haben,
ebenso Leo Afrikanus. Im Anfang des 17. Jahrhunderts finden wir bei
Olivier den corrumpirten Namen Berrich, und Marmol nennt, um dieselbe Zeit
Berbick. Heutzutage ist der alte Name gnz$
dit fr Araki zu erschwingen, so
vermochten das dXe brigen Officiere doch nicht, indess chten sie sich
nachher, denn der Hauptmann zechte so lange, bis er aus meinem Zimmer
herausgetragen werden musste, und nun liessen die beiden anderen Effendi
schnell den Rest der Flasche in ihre durstigen Kehlen verschwiden und
stellten dann die leere Flasche an die Lagerseite des sorglos, aber aut
schlafenden Commandanten.
Wie gross war aber der Schrecken des Hauptmanns, als er am andern Morgen
erfuhr, ch besitze gar keinen Schnaps, er hatte nmlich bloss so stark
seinem Araki zugesprochen, dann auch mir einige Glschen grossmthigst
abgegeben, weil er hoffte, dass ch am ander Tage alles doppelt und
dreifach ersetzen wrde, und nun hatte er es mit einem Frangi zu thun, der
nicht mal Araki mit sich fhrte. Doch ich trstete ihn, indem ich
versprach ihm von Bengasi aus Alcohol schicken zu wollen, de* ich dort als
zum Photographiren nthig gekauft, spter aber brig behalten und dann
zurckgelassen hatte. Und sein guter $
chen Consulate, und
mit den Einkufen verging rasch die Zeit. Namentlich musste eine grosse
Zahlvon Schluchen gekauft werden, wir brauchten derer nicht weniger als
12, endlich andere Provision, Mehl, Zwieback, Oel, Butter, Datteln,
Zucker, Kaffee und Theev, auch in Fett eingekochtes Fleisch, Stockfische
u. dgl. wurde eingekauft.
Am 3. Aprrl Morgens 10 Uhr verliessen wir dann die Stadt in Begleitung des
englischen und franzsischen onsuls. Das Wetter war trbe, so dass wir
die Berge nicht sehen konnten, unsee Richtung war 160. Bald stiess dann
noch ein Reiter zu Kameel zu uns, ein Diener des Mudirs von Audjila, der
die Gelegenheit benutzen wollte, in Karawanevzurckzukehren. Er erwies
sich spter usserst ntzlich, da er des Weges sehr kundig war, was ich
von dem eigens gemietheten halbblinden Fhrer Hammed Uadjili nicht sagen
Schon nach 2 Stunden durch fruchtbares Land dahin reitend, machten wir
beim Brunnen Chobea Halt, verzehrten gemeinschaftlch ein Frhstck,
tranken eine letzte Flasche Wein, eine le|$
-Wo*lken           |
+--+---+-----------------6-+---------+--+---+-+------------------------+
|26|vSA|Mittelmeer         |775|10    |74|ONO|1|Haufen-Wolken           |
|  |9  |Mitteleer         |772|13    |69|ONO|1|Haufen-Wolken           |
|  |3  |Mittelmeer         |773|18    |58|ONO|1|Haufen-Wolken          |
|  |nSU|Mittelmeer         |771|15    |73|ONO|1|Haufen-Wolken           |
+--+---+-------------------+---+------+--+---+-+-----------------------+
|27|vSA|Bengasi            |771|10    |74|N  |1|Haufen-Wolken           |
|  |9  |Bengasi            |770|14    |65|N  |2|Haufen-Wolken           |
|  |3  |Bengasi            |771|18    |56|N  |2|Haufen-Wolken           |
|  |nSU|Bengasi            |771|16    |69|N  |2|Haufen-Wolken          |
+--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+
|28|vSA|Bengasi            |770| 9    |70|NO |1|Haufen-Wolken           |
|  |9  |Bengasi            |770|14    |64|NO |1|Haufen-Wolken           |
|  |3  |Bengasi            |770|18    |60|N$

Lebensmitteln Einhalt zu tun, eine unbarmherzige Exportation gegen
Kastel, von Greisen und Kranken, Frauen und KindCrn, die ebenso
grausam wieder zurckgewiesen wurden. Die Not wehr- und hlfloser,
zwischen innere und uere Feinde gequetschter Menschen aging ber
alle Begriffe.
Man versumte nicht, den streichischen Zapfenstreich zu hren,
welcher alle andere dr ganzen alliierten Armee bertraf.
Den 25. Juni nachmittag entstand ein heftiges, allen unbegreifliches
Kanonieren am Ende unsers linken Flgels; zuletzt klrte sich's auf,
das Feuern sei auf dem Rhein, wo die hollndische Flotte vor Ihro
Majestt dem Knige manvriere; Hchstdieselben waren deshalb nach
Elfeld gegangen.
Den 27. Juni. Anfang des Bombardements,wodurch die Dechanei sogleich
angezndet war.
Nachts glckte den Unsern der Sturm auf Weienau und die Schanze
oberhalb der Kartause, freilich unerlliche Punkte, den rechten
Flgel der zweiten Parallele zu sichern.
Den 28.Juni nachts. Fortgesetztes Bombardement gegeZn den Dom; Turm
und Dach$
on der Denkweise,
die er sich festgesetzt hatte, nicht loskommen konnte und vor allen
Dingen darauf bestand, zu wissen: inwiefern sich meine Bearbeitung
mit der Eulerischen Theorie vereinigen lasse, der er zugetan sei. Ich
mute leider bekennen, da auf meinem Wege hiernach gar nicht gefragt
werde, sondern nur, da darum zu tun sei, unzhlige Erfahrungen ins
Enge zu bringen, sie zu ordn,n, ihre Verwandtschaft, Stellung
gegeneinander und nebeneinander aufzufinden, sich selbst und andern
falich zu machen. Diese Art mochte ihm jedoch, da ich nur wenig
Experimente vorzeigen konnte, nicht ganz deutlich werden.
Da nun hiebei die Schwierigkeit des UnternehCmens sich hervortaNt,
zeigt' ich ihm einen Aufsatz, den ich whrend der Belagerung
geschrieben hatte, worin ich ausfhrte: w] eine Gesellschaft
verschiedenartiger Mnner zusammen arbeiten und jeder von se>iner
Seite mit eingereifen knnte, um ein so schwieriges und weitlufiges
Unternehmen frdern zu helfen. Ich hatte den Philosophen, den
Physiker, Mathematiker$
s immerfort abwechselnde Farberscheinungen, und zwar unterso verschiedene Bedingungen und Umstnden, dass man wnschen msse,
solche bestimmter kennen zu lernen, sie zu sondern, unter gewisse
Rubriken zu bringen, ihre nhere und fernere Verwandtschaft
auszuforschen. Hierdurch gewinne man nun in jedem Fach neue
Ansichten, unterschieden von der Lehre der Schule und von gedruckten
berlieferungen. Unsere Altvter htten, begabt mit groer
Sinnlichkeit, vortrefflich gesehen, jedoch ihre Beobachtungen nicht
>ort- und durchgesetzt; am wenigsten sei ihnen gelungen, die
Phnomene wohl zu ord\en und unter die rechten Rubriken zu bringen.
Dergleichen war abgehandelt, als wir den feuchten Rasen hin und her
gingen; ich setze, aufgeregt durch Fragen und Einreden, meine Lehre
fort, als ie Kltedes einbrechenden Morgens uns an ein Biwak der
sterreicher trieb, welches, die gnze Nacht unterhalten, einen
ungeheueren wohlttigen Kohlenkreis darbot. Eingenommen von meiner
Sache, mit de ich mich erst seit zwei Jahren beschftig$
estieg ihn, von Viktualien war er nicht ganz
leer, die Kchenmagd aber stak sehr verdrielich in der Ecke. Ich
berlieH mich meinen Studien. De dritten Band von Fischers
physikalischem Lexikon hatte ich aus dem Koffer genommen; in solchen
Fllen ist ein Wrterbuch die willkommenste Begleitung, wo jeden
Augenblick eine Unterb3echung vorfllt, und dann gewhrt er wider
die beste Zerstreuung, indem es uns von einem zum andern fhrt.
Man hatte sich auf den zhen, hie und da quelligen roten Tonfeldern
notgedrungen unvorsichtig eingelassen; in einer solchen Falge musste
zuletzt auch dem tchtigen Kchengespann die Kraft ausgehen. Ich
schien mir in meinem Wagen wie eine Parode von Pharao im Roten Meer,
denn auch um .mich her wollten Reiter und Fuvolk in gleicher Farbe
gleicher Weise versinken. Sehnschtig schabt' ich nach allen
umgebenden Hgelhhen: da erblickt' ich endlich die Reitpferde,
darunter den mir bestimmten Schimmel; ich winkte sie mit Heftigkeit
herbei, und nachdem ich meine Physik der armen, krankve$
erken, dass ich
nicht irre geschlossen hatte: der Garten lag etwas hher als das Haus,
und ich erkannt' ihn ganz deutlich fr denselben, wo wir uns frh mit
Kchen%aren versehen hatten. Die Tre war verrammelt und von auen so
geschickt verschttet unzd bedeckt, dass ich nunwohl begriff, warum
ich sie heute frh vergebens gesucht hatte. Und so stand es in den
Sternen geschrieben, dass wir, ungeachtet aller Vorsicht, doch in das
Haus gelangen sollten.
Den 6. Oktober frh.
Bei slchen Umgebungen darf man sich nicht einen Augenblick Ruhe,
nicht das krzeste Verharren irgendeines Zustndes erwarten. Mit
Tagesanbruch war der ganze Ort auf einmal in groer Bewegung: die
Geschichte des entflohenen Pferdeskam wieder zur Sprache. Der
gengstigte Reiter, der es herbeischaffen oder trafe leiden und zu
Fu gehen sollte, war auf den nchsten Drfern herumgerannt, wo man
ihm denn, um die Plackerei selbst loszuwerden, zuletzt versicherte,
es msse in Sivry stecken; dort habe man vor so viel Wochen einen
Rappen ausgehoben, $
Dieser nickte befriedigt und klatschte
in die Hnde. Auf morgen also, mein verehrter Chevalier, sagte der
Marchese, wir werden gemeinsam dem Leutnant Lorenzi das Geld wieder
Die Ricardi bestanden darauf, da weitergespielt wrde. Der Marchese,
sehr aufgerumt, gab ihnen eineI Bank. Sie rckten mit den Goldstcken
heraus, die Casanova sie hatte _gewinnen lassen. In zwe Minuten hatte
der Marchese sie ihnen abgenommen und lehnte es entschieden ab, mit
ihnen weiterzuspielen, wenn sie nicht Bargeld vorzuweisen htten. Sie
rangen die Hnde. Der ltere begann zu weinen wie ein Kind. Der andere
kte ihn wie zur Beruhigung auf beide Wangen. Der Marchese fragte, ob
sein Wagen schon wieer zurckgekommen sei. Der Abbate bejahte; er hatte
ihn vor einer halben Stunde vorfahren gehrt. Der Marchese lud den
Abbate und die Brder Ricardi in seinen Wagen ein; er wollte sie vor
ihren Wohnhusern absetzen; - und alle verlieen das Haus.
Als die andern fort waren, nahm Olivo Caanovas Arm und versicherte ihn
immer wieder$
r ist es ziem.ich
gleichgltig, wann das Spiel beginnt, sagte Casanova, wh/rend er seine
Bltter in die Mappe ordnete; ich werde mich keineswegs daran
beteiligen. Sie werden, erklrte Olivo mit einer Entschiedenheit, die
sonst nicht seine Art war, und legte eine Rolle von Goldstcken auf den
Tisch. Meine Schuld, Chevalier, spt, doch aus dankerflltem Herzen.
Casanova wehrte ab. Sie mssen, beteuerte Olivo, wnn Sie mich nicht
aufs tiefste beleidigen wollen; berdies hat Amalia heute nacht einen
Traum gehabt, der Sie veranlassen wird - doch den soll sie Ihnen selbst
erzhlen. Und er verschwand eiligst. Casanova zhlte immerhin die
Goldstcke; es waren hundertfnfzig, genau die Summe, die er vor
fnfzehn Jahren dem Brutigam oder der Braut oder ihrer Mutter - er
wute es selbst nicht mehr recht - zum Geschenk gemacht hatte. Das
Vernnftigste re, sagte er zu sich, ich steckte das Geld ein, nhme
Abschied und veliee das Hnus, womglich oghne Marcolina noch einmal zu
sehen. Doch hab' ich je das Vern$
ine. Nicht wahr? -- Treffe ich Herrn Wilms wohl zu Hause?
Nein -- nein -- leider -- Else machte vergebliche Anstrengungen, sich zu
erheben -- mein Mann und meine Schwester sind fort -- aber wer -- -- mit
wem habe ich denn --?
Und wieder versuchte sie, sich auf den kraftlosen Fen aufzurichten,
wurde jedoch durch das hfliche und doch zwanglose NhertLreten des
Reiters daran verhindert.
Oh -- meinte er gutmtig, whrend er bedauernd den Kopf schttelte --
ich hrte schon, Sie seien nicht wohl, liebe Frau, und nun tut es mir
doppelt leid, da ich Sie so erschrecken mu. -- Aber dieses
niedertrchtige Wetter drauen -- Sie sehen ja, ich bin durchnt, wie
eineMorchel -- und da dacht' ich, Herr Wilms wrde mich wohl ein
Stndchen bei sich aufnehmen. -- Ich bin nmlich der Graf Brachwitz, der4Sohn natrlich -- Ihr Mann kennt mich ganz genau -- vi5elleicht haben auch
Sie schon von mir gehrt -- -- ist's wirklich erlaubt? Sie sind zu
liebenswrdiMg.
Damit zog er sich den von Else angebotenen Stuhl ganz i$
wnschen, schrie sie jetzt gnzlich
sinnlos. Was geht dich berhaupt meine Schwester an, whrend du doch
ganz enau wutest, da ich nie und nimmer meine Einwilligung zu dieser
Entlassung geben wrde? -- Sag mir blo, was geht dich dabei Hedwig an?
Sie wollte noch weiter klagen aber pltzlich brach sie ab, und ihr
Blick richtete sich verwirrt auf ihren Mann.
Was ging so schnell mit ihm vor?
Er sah sie gro an, der ungelenke Riese, als ob er dieses schwache
Frauenbil	 zum erstenmal she. Die Fuste ballten und ffneten sich
wieder, seltsam schwer ging die Brust.
Elsing, kam es dumpf heraus, inde er schwerfllig auf sie zutrat --
nu is es enug -- nu will ich nichts weiter davon hren, du bist krank,
das halt ich dirzugut.
Wuchtig und nachdrcklich wie nie hatte er gesprochen. Es klang hart
und herb, als ob Steine aufeinander geworfen werden.
Kopfnickend schritt er dann zur Tr. Jedoch eh' er sie erreicht hatte,
schwankte pltzlich sein Weib auf ihn zu, um mit ihren schwachen Armen
seine Brust zu umklam$
s abgeleiteten, Gesetzlichkeit desselben fr die
Welt der Erscheinungen.
Werden endlich im dritten Mmente der Modalitt Recht, und Wrdigkeit in
Verbindung gedacht, in welcher Verbindung das Recht seinen positiven
Character, als Gesetzmigkeit der sinnlichen Neigung[11], und die
Wrdigkeit ihren negativen, als durch Aufhebung ei=nes Rechts durch ein
Gebot entstanden, verliert; so entsteht ein Begriff, der positiv fr uns
berschwenglich ist, weil alle Schranken aus ihm hinweggdacht
werden, negativ abe ein Zustand ist, in dem das Sittengesetz
keine sinnliche Neigung einzuschrnken hat, weil keine da
ist -- unendliche Glckseligkeit mit unendlichem Rechte, und
Wrdigkeit[12] -- _Seeligkeit_ -- eineunbestimmbare Idee, die aber
denoch durch das Sittengesetz uns als das letzte Ziel aufgestellt wird,
und an die wir uns, da die Neigungen in uns immer bereinstimmender mit
dem Sittengesetze werden, folglich unsre Rechte sich immer mehr
ausbreiten sollen, stets annhern; aber sie, ohne Vernichtung der
Schranken d$
ches wir blos im Vorbeigehn erinnern, das
eigenRtliche Moment des moralischen Beweises fr das Daseyn Gottes. Wmie
man aus theoretisch anerkannten Wahrheiten practische Folgerungen
herleiten knne, welche dann eb?en den Grad der Gewiheit haben, als die
Wahrheiten, auf welche sie sich grnden, w5ie z. B. aus unsrer _a priori_
theoretisch erwiesenen Abhngigkeit von Gott die Pflicht folgen werde,
sich gegen ihn dieser Abhngigkeit gem zu betragen, hat man immer
leicht einsehen zu knnen geglaubt, weil man sich an diesen Gang der
Folgerung gewhnt hatte, da sie doch eigentlich gar nicht begreiflich
ist, weil sie nicht richtig ist, indem der theoretischen Vernunft keine
Machtgewalt ber die practische zugeschrieben werden kann. Umgeehrt
aber knnen arus einem practischen Gebote, das schlechthin _a priori_
ist, und sich auf keine theoretischen Stze, als seine Prmissen,
grndet, theoretische Stze abgeleiet werden, weil der practischen
Vernunft allerdings eine Machtgewalt ber die theoretische, doch gem
de$
, da
_wir_ eben moralische Wesen sind, durchaus dialectisch seyn. Denn
erstens dchten wir uns da den Begriff der Moralitt aus uns weg, und
nhmen dennoch an, da wir dann noch _wir_ seyn wrden, d. i. unsre
Identitt beibehalten haben wrden, welches sich nicht annehmen lt;
zweitens geht sie auf objective Behauptungen im Felde des bersinnlichen
aus, in welchem wir ichts objectiv behaupten drfen[15]. Da es aber
_fr uns_ ganz einerlei ist, ob wir uns des ebots des Moralgesetzes in
uns nicht _bewut_ sind, oder ob wir berhaupt keine moralischen Wesen
sind; a ferner unser Selbstbewutseyn ganz unter Naturgesetzen steht:
so folgt daraus sehr richtig, da es von der Einrichtung der sinnlichen
Natur endlicher Wesen herkomme, dassie sich des Moralgesetzes in ihnen
_bewut sind_; und wir drfen, wenn wir uns vorher nur richtig bestimmt
haben, hinzusetzen: da sie moralische Wesen _sind_. Da nun Gott der
Urheber dieserd Einrichtung is, so ist die Ankndigung des Moralgesetzes
in uns durh das Selbstbewuts$
ich fassen
kann. Dies ist die Folge, welche das Verfahren, den Glauben auf Furcht
und Schrecken, und auf diesen erpreten Glauben erst die Moralitt (eine
Nebensache, di
e wol ganz gut seyn mag, wenn sie zu3haben ist, in
Ermangelung derdn aber auch wol der Glaube allein uns durchhelfen kann,)
grnden zu wollen, nothwendig haben mu, und welche er auch allemal
gehabt haben wrde, wenn man immer konsequent zu Werke gegangen, und die
menschliche Natur von ihrem Schpfer nicht zu gut eingerichtet wre, als
da sie sich so sollte verdrehen lassen.
Nach Maagabe d`eser Grundstze wrde der einzige Weg -- ein Weg, den
Uffenbar auch das Christenthum vorschreibt -- den Glauben in den Herzen
der Menschen hervorzubrinen, der seyn, ihnen durch Entwickelung des
Moralgefhls das Gute erst recht lieb und werth zu machn, und dadurch
den Entschlu, gute Menschen zu werden, in ihnen zu erwecken; dann sie
ihre Schwche allenthalben fhlen zu lassen, und nun erst ihnen die
Aussicht auf die Untersttzung einer Offenbarung zu geb$
hm er
dreizehn Stck. Whrend sie zusammenschmolzen, brachte er eine silberne
Bchse hervor, de de^n Stein der Weisen in Gestalt eines feuerroten
Glases enthielt. Er lste davon einige Krnchen ab, streute sie auf das
flieende Metall und verstrkte die Glut. Danach reichte er den
Zweiflern das ausgeossene Metall dar, und staunend berzeugten sich
diese, da es zum reisten Gold geworden war.
Dem Laboranten Siebert zeigte Bttiger eine grere Transmutation in
andern Metallen. Siebert mute acht Lot Quecksilber in einem Tiegel hei
machen; auf die Masse warf Bttiger soviel als ein Handkorn gro von
einem braunwroten Pulver, das er zuvor in Wachs impastiert whatte. Dadurch
wurde das Quecksilber ganz und gar in Pulver verwandelt, dieses Pulver
wickelte er in Blei und lie es schmelzen. Nach einer Viertelstunde war
alles Metall zu Gold geworden.
Diese und andere Proben, welche Bttiger neugierigen Bekannten zeigte,
machten ihn bald zum Helden des Tages, und das um so mehr, als er nicht
fr gut fand, die Wahrhei$
berg@ist gerettet.
      *       *       *       *       *
Als im Jahre 1809 der Knig von Memel nach Berlin zurckkehrte, hie es
zuerst, er werde seinen Weg ber Kolberg nehmen; aber die Strenge der
Jahreszeit gebot die krzeste Richtung, un da es bekannt wurde, da das
knigliche Paar einen Rasttag in Stargard machen wollte, schlug
Nettelbeck den Kolbergern vor, eine Abordnung der Brgerschaft dorthin
zu senden. Alles wr seiner Meinung, aber alles glaubte auch, da es
dafr zu spt sei, denn um rechtzeitig an Ort und Stelle zu kommen htte
man sich noch den nmlichen Abend auf den Weg machen mssen. Und warum
nicht scWon in der nmlichen Stunde? fragte Nettelbeck. Ich bin dazu
berei, aber ich bedarf noch eines Gefhrten. Wer begleitet mich?
Schweigen und Kopfschtteln ringsherum, und schon wollte der Alte im
feurigen Unmut auflodern, als ihm der Kaufmann Glckel die Hand reichte,
sich ihm zum Gefhrten erbot und in einer Stunde reisefertig zu sein
versprach. Sie kamen nach Stargard so frh am Morge$
lisher's Logo / Verlagssigl]
     Verlegt bei F. Bruckmann A.-G. Mnchen
                      1922
       *       *       *       *       *
      DRUCK VON F. BRUCKMANN A.G., MNCHEN
       *       *       *       *       *
Titelbild Selbstbildnis 1875/76
Tafel  1: Tannenbewachsene Felsschlucht.                 1848 bis 1849
  "    2: Heroische Landschaft.                            Um 1850/52
  "   3: Kentaur und Nymphe.                                     1855
  "    4: Bildnis der Frau Bcklin                    Vielleicht 1862
  "    5: Diana an der Quelle.                                 Um 1855
  "     6: Pan im Schilf.                                       1857/59
  "    7: Zeit der Kultur, rechte Hlfte.                         1858
  "    8: Zeit der Kultur, linke Hlfte.                          1858
  "    9: Die Gtter Griechenlands.                              1859
  "   10: Pan erschreckt einen Hirten.                            1860
  "   11: Der Mord im Schlogarten.                    $
. Als der Verfasser dieser Zeilen ihm eine AnzahlYLichtdrucke
nach Zeichnungen von Matthias Grnewald vorlegte, geriet er bei den
Entwrfen in Aufregung, whrend ihn die Studien ganz kalt lieen, obwohl
sich doch schon bei diesen die Subjektivtt des Meisters deutlich genug
geuert hatte. Mit der ganzen vorausgegangenen Generation und auch mit
den Altersgenosen war er darin einig, etwas erzhlen und nicht nur
durch Auswahl, Auffassung und Stilisierung etwas Eigenes geben zu
wollen. Er wjr auerdem persnlich schon zu vielseitig veranlagt und zu
vielseitig gebildet, als da nicht Musik und Poesie in irgendeiner Weise
in seinen Bildern htte mitspielen mssen. Ein literarischer Maler war
er sicher und es kann sich bei ihm nur fragen, ob seine Gemlde nur
davon leben, da sie Geschichten erzhlen und an Gefhle anspielen, die
dasPublikum liebt, oder ob es gute Weke bildender Kunst sind, die
auer dem Sichtbaren noch anderes bieten. Er war auch ein musikalischer
Maler, zunchst in demselben Sinne wie er ein li$
 Dichters siebzigstem Geburtstag. Der Dichter, der sonst durch
ungeschicktes Lob aufs uerste gereizt werden konnte, hat seiner Freude
ber diese Denkmnze in der nun bald folgenden letzten Krankheit oft in
gradezu kindlicher Weise Ausdruck gegeben.
An Gottfried Keller erinnert nunehr manches in Bcklins Werken,
namentlich der liebenswrdige Humor, mit dem Gestalten der Sage oder
Legende mitten in eine Umgebung hingestelglt werden, die der Wirklichkeit
entnommen ist.
[Illustration: (medallion)]
Von Gemlden ist gleich nach der bersiedlung da{s Selbstbildnis mit dem
Weinglase (Taf. 77) entstanden. Es folgten ferner gleich anfangs die
Umgestaltungen zweier Bilder, die in Mnchen geschaffen waren: der
Tanz um die Bacchu.sule und der berfall von Seerubern (erste, in
Mnchen entstandene Fassungen auf Taf. 35 4nd 36). Die Ruine am Meer
wird nun zur Burgruine (Taf. 78) im Norden. Dann aber begann der
Genius loci zu wirken und es enttanden Bilder, zu denen ihn neue
Erlebnisse und die neue Umgebung be$
sorgnis seiner Gattin mit der
Hoffnung, eine ganze Insel erwerben zu knnen und sie knstlerisch
auszugestalten.
Um die Jahreswende siedelt er nach der Villa Torre rossa am Abhag von
Fiesole ber und beginnt wieder zu arbeiten. Er hat dort das Bildnis
der Fru Dr. Meyer aus Freiburg gemalt. Die Zeit vom April bis November
1893 verbrachte er noch einmal in San Terenzo; hier schuf er sein
Selbstbildnis fr die Basler Sammlung. Der Knstler fhlte sich wieder
ordentlich bei Krften.
Wie in Drers letzten Jahren kommt auch bei ihm der Drang zum Mitteilen
seiner knstlerischen Erfahrungen. Dagegen hielt er es fr ganz
unmglich, dies brieflich oder in einer Abhandlung zu tun.
Herbst 1893 bis Frhjahr 1895 wohnte er wieder in Florenz, Vial
Principe Amedeo 12, um dan in eine eigene Villa berzusiedeln. Nach
einer Postkarte vom 1. Januar 1894 kann er wieder arbeiten wie ein
Pferd. Er hat in der Takt in den khleren Monaten der Jahre 1893/94 und
1894/95 noch enmal erstaunlich viel zustande gebracht. Noch im Jahre
1$
Wassers.
Arm ist wohl das Bild an Schmucke,
Handexl-, wandellos die Strae,
Aber nchtlich hrt die Mutter
HTell Biondettens ses: ADve!
Und geht sie, im bunten Putze
Schimmernd, zu der Bhne abends,
Teilt sie fromm die Flitterblumen
Mit Marien, voll der Gnden.
Auf des Altars der Stufe
Keimen Blmlein in dem Grase;
Nahe ist das Tor, hier ruhen
Gern, sich ordnend, mde Wandrer.
Denn hier steht ein khler Brunnen
Einsam wie das Bild, es fallen
Leis der Linde Blten runter
Auf den Spiegel seines Wassers.
Still an des Altares Stufen
Kniet Meliore und betrachtet
Gaubend, was mit Dmmerungen
Ihm der Schule Geist umnachtet.
Eine Jungfrau kmmt zum Brunnen;
Zu der Stadt trgt Rosablanke
Einen Korb mit Wachs und Blumen,
Sprengt die Rosen an mit Wasser.
Sitzt zu ruhn dann auf dieStufen
Bei dem Jngling am Altare,
Ihre zchtgen Augen wurzeln
Bang auf der Gestalt des Mannes.
Die erfrischten Rosen rufe,
Und er blickt nach Rosablanken;
Wie der Born geweckt die Blumen,
Weckt sein Blick die Rosenwange.
Von geheimer Mach$
ttet weit mit Glanze.
Und was schimmert dort so golden,
Rauschend durch die Wasserbahnen,
Zieht gleich einem Arione
Rhig durch die Meere, Mharfend?
Heil! Es ist die schne Tochter;
Sie steht auf dm Wundermantel
Sicher, wie auf starkem Boote,
Und ihr Schleier ist die Flagge.
Und die Sterne freudig horchen,
Denn es zieht durch ihre Harfe
olus mit sem Tone,
Da die Ufer rings entschlafen:
Also unterm Himmelsbogen
Stand zerstret das Theater,
m die trben Sulentore
Schauerten der Wachen Fackeln.
Also in dem Glanz des Mondes
Trat Biondette mit der Harfe
Aus den hohen, dunkeln Pfrten,
Wie in lichter Geist umwandelt.
Unterm hohen Sternendome
Steht sie auf dem den Platze,
Unter ihren leichten Sohlen
Knirscht die Kohle auf den Ilatten.
Und zum Monde auf sich wolket
Noch der Rauch des toten Brandes,
Dumpf schallt fernes Wagenrollen
Und es rinnet rings das Wasser.
Und des blauen Reno Wogen
Lauter durch die Nacht hinwallen,
Lauter rauschen auch die Bronnen
Siegreich ob dem euerkampfe.
Und Biondetta wiederholt:
"Leb$
hreit der Knig, und geht unter.
** Romanze XIX: Mole n Biondettens Leiche
Triumphiet, ihr guten Geister,
Es zerbrach der falsche Thron!
Apo, dem verfluchten Meister,
Sind die Diener all entflohn.
Heilger Sabbat, betend steige
Auf im Ost dein frhes Rot!
ber dieser Jungfrau Leiche
chimmre lieblich hin der Tod!
In des Morgenlichtes Streifen
Sehe ich ein Flammenboot
Selig durch die Rosen schweifen,
Mit den Segeln purpurrot.
Rosarosa, still geneiget,
Fhrt das Steuer treu und fromm,
Rosadora zu ihr steiget,
Da sie auch zum Heile komm.
Jene keusch den Manel breitet
Um der Schwester Seele blo;
Freudig nun der Kahn hingleitet
Durch den blutgen T4nenscho.
Zu des Traumes Insel streichet
Ihre Fahrt, zum stillen Mond,
Den in Sonn und Trnen bleichend
Die unschuldge Schuld bewohnt.
Wo die kleinen Kindlein weinen,
Die der Tod ums Licht betrog;
Auf dem Totenkrnzlein scheinen
Morgens ihre Trnen noch.
Ungetaufet sie verweilen
Singend vor des Himmels Tor
Und die Trnentauf erteilen
Tauend sie dem Blumenflor.
Rosaro$
Hilft dem Hertn aus aller Not.
Als ich in der Wst allein
Ihm die Erdenschtze bot,
Macht er aus dem dummen Steine
Mir zulieb nicht einmal Bro.
Ohne Freude mu ich teuflen,
Und mein Werk wird all zu Kot,
An dem ewgen Leben zweiflen, # zweifeln?
Und erzweifle nie den Tod!
Was ich mhsam hab geleimet,
Ist und bleibt ein schlechter Klotz,
Und in jedem Kraute kemet
Gegen meine Werke Trotz!
Nichts kann ich zu Ende treiben,
Ach, ein Ende wr ein Lohn!
Das Unendliche vertreiben
Kann nicht all mein Spott und Hohn.
Ewig elendes Arbeiten,
Null ist mir wie Million,
Wer den Knoten knnt zerschneiden:
Sohn ist Vater, Vater Sohn!
Arm, blutarm bin ich ein Teufel,
Mutterlos und vaterlos,
Bs erzeuget von dem Zweifel
In der Lge dunklem Scho.
Treibe ewge Affereien,
Ohne Freude, ohne Zorn,
Teine Rose kann mich freuen,
Und mic schmerzen kann kein Dorn.
Elende Quacksalbereien,
Wort zum Fleisch und Fleisch zum Wort,
Hnseleien, sieben Weihen,
Jagenmich baldhier, bald dort.
Hab ich mich wo eingefleischet,
Brauchts vom Kreuz ei$
, brig bleiben, damit sie nur die ersten Tage in Amerika,
ehe sie Arbeit bekmen, vor Sorge geschtzt wren. Den glnzenden
Schilderungen die ihnn von dem neuen Lande ihrer Hoffnungen gemacht
waren, trauten die armen Frauen am wenigsten in ihrem vollen Umfange; von
Jugend auf, wie ihnen nur eben die Krfte wurden ihre jngeren Geschwister
in der Welt herumzuschleppen, hatten sie arbeit2en, hart arbeiten mssen,
und viel anders wrde es auch wohl nicht da drben sein. Der Sorgen waren
hier nur gar so vieleangewachsen, mit jedem Jahre mehr, wie sie sich auch
plagten und qulten, und schlechter _konnte_ es dort d?ben nicht sein.
Das war fr jetzt der einzige Trost den sie mit sich trugen die lange,
heie Strae entlang mit einer kleinen Hoffnung mglicher Besserung
vielleicht, und sie drckten dann die Kinder nur fester an ihr Herz und
kten sie, und flsterten ihnen leise und heimlich zu da sie nicht mehr
schreien sollten, denn sie gingn nach _Amerika_, und da wrde schon Alles
gut werden, wie ihnen de$
m das Fell ber die Ohren
Loenwerder nahm sich zusammen und schritt festen Trittes an dem jungen
Mdchen vorber, das ihn mitleidig betrachtete.
Etwas ber zweihundert Thaler hat man schon bei ihm gefnden, flsterte
der5junge Henkel ihr leise zu -- ich hoffe da Vater Dollinger das andere
auch noch wieder bekommen soll.
Ach Loenwerder, warum habt Ihr as gethan? sagte Clara, leiseund
mitleidig den Gefangenen ansehend, als er an ihr vorberging.
U -- u -- u -- und Si -- si -- si -- si -- sie g -- g -- g -- glau -- ben d -- d --
das a -- a -- a -- a -- auch? rief Loenwerder und die groen hellen Thrnen
standen ihm dabei in den Augen, aber der Polizediener atte sich schon
lnger mit ihm aufgehalten, als er meinte verantworten zu drfen, nahm ihn
leise an der Hand und fhrte ihn die Treppe hinunter. Loenwerder folgt1e
ihm wie in einem Traum.
Das Polizeigebude war nur hchstens fnfhunder Schritt von dort
entfernt, und stand an der andern Seite einer kleinen steinernen Brcke
die ber den, mitten $
nlich that.
Die Frau ffnete rasch die Thr den Mann zu begren, der den Hut anahm,
sich die nassen Haare aus der Stirn strich, und das Kind kte, das sie
ihm enttgegenhielt.
Jesus ist das ein Wetter, Gottlieb, sagte sie dabei, als sie ihm den Hut
aus der Hand nahm und neben den Ofen an den Nagel hing, komm nur herein,
da Du 'was Trockenes auf den Leib bekommst; wo hast Du denn den Jungen? --
ist er nicht bei Dir? setzte sie, fast ngstlich, hinzu.
Er ist drauen bei Lehmann's hineingegangn, denen wir ein paar Sachen
aus der Stadt mitgebracht, }sagte de Mann -- wird wohl gleich kommen --
wie geht's Frau? -- wie geht's Mutter? -- ha, das regnet einmal heute was
vom Himmel herunter will; was nur d'raus werden soll wenn das Wetter so
fort bleibt. Ein paar gute trockene Tage haben wir gehabt, und jetzt
wieder Gu auf Gu -- Gu auf Gu, als ob sie uns unsere paar Stcken Feld
noch hinunter in die Wiesen waschen wollten. Von dem einen Acker ist die
Saat schon halb fortgesplt -- wenn dasmal das Korn $
uere Kinder?"
"Habt Ihr noch mehr?"
"Noch einen Jungen von elf und ein halb Jahr."
"Und Ihr seid ein Weber?" sagte der Fremde mit einem Blick af den
Wbstuhl -- "auch schwere Zeiten fuer derlei Arbeit, mit einer Familie
durchzukommen."
"Ja wohl, schwere Zeiten," seufzte Gottlieb, als in diesem Augenblick die
Thuer draussen wieder aufging und die Mutter laut ausrief:  -^-
"Der Hans, lieber Himmel kommt der in dem Wetter."
Es war Hans, der aelteste Sohn des Webers, durch und durch nass, aber mit
frischem gesunden Gesicht und rothen Backen, auf denen das Regenwasser in
grossen Perlen stand.
"Guten Tag mit einander," sagte er, als er in's Zimmer rat und die
triefende Muetze vom Kopf riss -- "guten Tag Mutter."
"Guten Tag Hans, aber wo um Gottes Willen kommst Du in dem Regen her;
warum hast Du das Wetter nicht bei Lehmann's abgewartet?"
"E wurde mir zu spaet Mutter und ich war hungrig geworden; habe auch noch
heute Abend dem V;ter etwas zu helfen."
"Ein d%rber Junge," sag3te der Fremde, der sich den Knaben indess$
 sassdie Mutter und weine --
weinte als ob sie mit dieser Thraenenfluth all den Gram und Kummer
fortwaschen wollte, der jetzt, ein dunkler Wolkensaum, am Horizonte ihres
Gluecks erschien, und wild und drohend hoeher und hoeher stieg.
Lachend und plaudernd kehrten die Toechter, mit dem Vater spaet in der Nacht
zurueck; den leichten, sorglosen Herzen lag die Welt noch, ein weiter
Garten offen da, und was etwa an wuchernden Giftpflanzen dazwischen stand,
mischte noch sein fastgruenes Laub, dem jungen Auge nicht erkennbar, mit
Blum' und Bluethenpracht.
Aber der Moment naeherte sich auch, wo mit der vorgerueckten Jahreszeit all'
die oethigen und mannichfaltigen Vorbereitungen zu einer so langen Reise,
zu einer gaenzlichen Umgestaltung aller irer Verhaeltnisse, getroffen
werden _mussten_; auch schien die Zeit eine passende fuer den Sohn, der, von
der Schule gerade abgegangen, eben sein Abiturcienten-Examen gluecklih
bestanden hatte. Der Vater wuenschte allerdings dass er hier erst studiren,
und ihnen dann spaete$
hr nur in paar Groschen und
schickten sie in den Loewen, hier gegenueber, um da zu uebernachen, damit
sie nicht in der Stadt nach ihrem Bruder fruege, und die entsetzliche
Geschichte gleich in der ersten Viertelstunde erfuehre; heute Morgen wollte
ich dann selber herkommen und sehn was sich thun liess  -- "
"Und jetzt? -- weiss sie was geschehen ist? frug die Professorin mitleidig
die Haende faltend -- Herr Kellmann zuckte mit den Achseln und sagte:
"Sie ist fort  -- "
"Fort? -- wohin?" riefen die Frauen.
"Kein Mensch konnt= mir darueber Auskunft geben, gestern Abend war sie
richtig dot angekommen, und ihres duerftigen Aussehns wegen in die
Gesindestube gewiesen, und dort muss sie unglueckseliger Weise ihren Namen
genannt, vielleicht nach ihrem Bruder gefragt und das Schrecklichste
gleich erfahren haben, denn sie war, selbst ihr Buendel im Stich lassend,
hinausgelaufen in Nacht und Nebel und -- und nicht wieder z_urueckgekehrt."
"Du lieber Gott," sagte Anna, "wenn sie sich nur kein Leides gethan."
"Ich b$
 bis ich ihm heilig schwor, nichts ohne sein Wissen zu tun. Du
bist mein Weib, sagte er, und ich will dich vor Gott und den2Menchen zu
meinem Weib machen, auch wenn wir uns dann nicht wiedersehen sollten.
Und so kam es, genau so. Ich aber dachte: nur heraus aus dieser Hlle,
und wenn ich allein war, lag ich da und bi die Zhne in die Finger. Die
Zeit war wie hinweggewischt; ich hrte sie sausen wie ein Rad; manchmal
wieder schien sie mir schlaff widerlich und schlaff wie eine zerrissene
schwarze Fahne. Das rgste war, da Pjotrfech wurde. Er fhlte sich in
der Macht. Es war ein aufreibender Kmpf mit dem Menschen. Das Essen,
das er jeden Tag heimlich fr mich brachte, konnte ich nicht mehr
genieen. Er stand dabei und stierte mich an. Er bettelte, schlielich
drohte er. Ich glaubte, es Grigorji verschweigen zu msen, indessen
erfuhr ich bald, da Pjotr auch gegen ihn unverschmt wurde. Eines
Abends strzte Grigorji schreckensbleich zu mir und stammelte, es sei
kein Zweifel, da alles verraten worden sei, de$
 zog; Erasmus sei in einer kritischen
Verfassung, jammervoll sei ihm zumut; ob Sparre an ritterliche
Austragung denke? doch wohl kaum? Wenn ja, wolle er mit Georg Ulrich
Castellani beraten; jedenfalls sei er, Ferry Sponeck, in einer
verteufelten Zwickmhle. Sparre= lachte. Nein, daran dekke er nicht; er
gebe Satisfaktion auf die ihm angemessene Art und wnsche ie zu
erhalten, wie es sich fr gesittete Menschen zieme. Er fhle sich so
wenig beleidigt, wie enn er im Wald ber eine Baumwurzel gestolpert
wre; man war achtlos, sagte er, das nchste Mal wird man aufpassen.
Mit Ehrenkrnkung hat das nichts zu tun. Worauf ihn Ferry Sponeck
kopfschttelnd fr einen unmig interessanten Mann erklrte.
Sparre durchschaute den schlechten Schauspieler und ^atte Nachsicht.
Unbekannt mit einer Welt> in die ihn der Sturm verschlagen, die seine
eigene aufwhlte, in die er wie zu einer bergenden Insel geflohen, nicht
aus Schrecken ber den Sturm, sondern weil er zur Vollendung einer
wissenschaftlichen Schrift die Gele$
 Hnden ihren Hals. Da geisterte sie hn mit
entleerten Augen an; dr Krper glitt am Trrahmen herab und brach
zusammen, wie wenn die Knochn geborsten wren. Er hrte noch, vom Flur
drauen, ein langgedehntes Aufseufzen. Dann rannte er die Stiege
hinunter, aus dem Haus, aus dem Garten, die Strae entlang, den Hang
hinauf, wie von Fusten gejagt, die ihn in den Nacken hieben.
Als er die Kapelle erreicht hatte, schlug es neun Uhr von der Ermatinger
Er stand da in der Nacht, steif und still, und lie sein Keuchen
Schwarze Wolken, wie Kltze, hingen tief. Vom Pfauenhof herauf klang
widrig die Tanzmusik. Aus einer Unterwelt. Er shte nach den
schimmernden Schatten. Kine Begierde war je so bergewaltig in seiner
Seele gewesen, so flehend und alle Hllen zersprengnd wie die, da sie
jetzt kommen mge, ohne Verzug, jetzt in dieser Minute des reifen
Geschicks: damit er sie vernichten konnte, an sich reien und das Herz
in ihr zermalmen. Nur das niht, Gott, bettelte es in ihm, nur das
nicht, da sie jetzt nicht komm$
sicht
betroffen. Er war froh, als man aufstehen durfte; der Professor, seixne
Frau und oktor 'elling gingen ins Rauhzimmer nebenan, Hanna winkte
Dietrich zurck. Sie zog ihn ans Fenster; sie hielt sene Hand fest, sie
flsterte: Ich mu es dir sagen, es ist une&rtrglich; vielleicht ists
Einbildung, vielleicht Hirngespinst, aber er spricht mit dir genau so,
in genau demselben Ton, mit derselben falschen Freundlichkeit wie mit
Mit ihr? mit ...?
Genau so wie er mit Ccilie gesprochen hat. Mit keinem andern Menschen
auf der Welt hat er so gesprochen. Das tuscht nicht. Mutter hat es auch
gemerkt; sie war ganz verstrt.
Und was will er damit?
Ich wei es nicht. Er ist scharfsinnig bis zum Hellsehen. Er errt die
Menschen aus dem Zucken ihrer Wimpern. Er ist wie ein Jagdhund, der
einer Spur so lange folgt, bis er das Wild aufgescheucht hat. Es ist
unmglich, ihn zu durchschauen. Man kann noch so sehr auf der Hut sein,
pltzliych packt er einen, und man ist verloren.
Verloren? wie denn verloren, Hanna? W$
lg mehr. Den Rechnungsrten stand der Verstand still.
Sie wurden von Glubigern bedrngt. Es kamen Sendschreiben von
Advokaten, Wucherern, Lieferanten; Mahnungen der Ge?einden um zugesate
Untersttzung, Invalidengelder, Beamtengehlter. Die Brgermeister
wurden vorstellig. Die Landgendarmen liefen auf Stiefeln ohne Sohlen.
Schden an ffentlichen Gebuden konnten nicht behoben werden. Das im
Umlauf befindliche Mnzgeld wurde in bengstigender Weise sprlich. Die
markgrfliche Auszahlungskanzlei blieb den grte{n Teil der Woche ber
geschlossen; nur am Montag- und Donnerstagvormitt}g sah man einig(e
besorgt aussehende Funktionre verstohlen hinter den eisernen
Fenstergittern hus
chen.
Von den verantwortlichen Wrdentrgern getraute sich nur selten einer,
dem Markgrfen ungeschminkten Bericht zu geben. Sie schickten ihre
Akten, sie schickten ihre Listen: verzweifelte Gegenberstellungen von
Soll und Haben. Der Markgraf sa davor und studierte sie. Er seufzte und
hatte ein gewichtiges Kopfnicken; oder die Sti$
e ihnen
Brotkrumen hin; ds flte Vertrauen ein; es kam einevierte, eine
fnfte, und die erste wurde nun so khn, da sie den Teller erklomm, der
noch von Mittag dastand, und den Suppenrest aufleckte.
Von da ab stellte sich BezieRung her und wurde dauernd undfortwirkend,
als sei eine magische Kraft in7dem Kind, als bekrftige sich dadurch
ihre Entfernung von den Menschen. Wenn sie sich niederlegte, schlpften
die Muse aus den Spalten, zuerst sechs, acht, zehn, dann ein Dutzend
und mehr. Sie wute einen dnnen, gedehnten, pfeifenden Ton, auf den sie
hrten, der sie sicher und zutraulich machte. Sobald sie das Kribbeln,
Trippeln und Rascheln vernahm, lchelte sie, und wenn die glitzernden
Augen ringsum auftauchten und wie zwergenhafte Irrlichter hin und her
huschten, legte sie sich platt auf den Bauch und sah stille zu. Kam der
Schlf, so schlo sie ruhig die Augn, und wenn sie erwachte, brauchte
sie nur zu pfeifen, und schon |zwngten sie sich aus den Lchern.
Allmhlich wurde es so, da an allen einsamen Or$
ne Brieftasche schob.
Gewi, Herr Seebeck. Ich danke Ihnen. Damit ist die Sache erledigt. Ich
verstehe aber nicht# weshalb Sie es so weit kommen lieen.
Ich pflege einem Brieftrger nicht die Unterschriftfreineneingeschriebenen Brief zuverweigern - wozu soll ich dem nichtsahnenden
Manne Schwierigkeiten machen. Er erfllt ja nur seine Pflicht. Jetzt ist
also der Brief ordnungsgem mei Eigentum geworden, und ich kann damit
machen, was ich will. Damit nahm er das versiegelte Kuvert und zerri
es mit seinem Inhalt in kleine Fetzen, die er in seinen Papierkorb warf.
Dann wandte er sich wieder dem Offiziere zu und sah ihm ruhig ins
Herr von HahnemaCnn trat einen Schritt zurck; sein Gesicht war
kreidebleich.
Wissen Sie, was das heit? rief er.
Ja, sagte Paul Seebeck, das heit Aufruhr.
Wollen Sie sich denn dem aussetzen, da man Sie mit Waffengewalt
zwingt, den Willen der Reichsregierung anzuerkennen?
Was wollen Sie damit sagen, Herr von Hahnemann? fragte Paul Seebeck
Der Offizier hatte sich wiede$
ndige Frau!
Woll=en Sie zur Stadt?
Ich kann nicht mehr gehen, ich bin so mde. o ist Felix?
Er ist in einigen Minuten hier. Ist Ihnen nicht Hedwig begegnet?
Frulein Erhardt schttelte den Kopf:
Nein, aber ich glaube, ich habe mehrmals auf dem Wege geschlafen. Sie
wird an mir vorbeigeritten sein, ohne da ich sie bemerkte. Aber Felix
kommt, mein Felix!
Frau von Zeuthen hatte sich neben sie gesetzt und strich ihr sanft ber
den Leib. Da schlang Frulein Erhardt die Arme um ihren Hals und
flsterte ihr zu:
Ich habe ja ein Kind on ihm.
Frau von Zeuthenkt sie:
Liebe Tochter, sagte sie.
Dann schwiegen sie beide, saen im bleichen Lichte des Vollmondes einsam
auf der Ebene und warteten, warteten - -
Als Paul Seebeck von der Hauptstrae wieder auf sein Haus zu einbog,
blieb er wie erstarrt stehen, denn aus dem Kellerfenster scho eine
SticAflamme, der ohrenbetubender Knall folgte. Paul Seebeck griff sich
an die Stirn4 und strzte dann hin. Dichter, beiender Rauch quoll aus
den Fenstern, verhllte$
guten Klang, so ist Franck mit diesem
Roman in die Reihe unserer ersten deutschen Dichter gerckt. Der Roman
wird in der Geschichte des eutschen Romans noch eine Rolle spielen.
IM GLEICHEN VERLAG ERSCHIEN FERNER:
GRETE MEISEL-HESS
DIE INTELLEKTUELLEN
PREIS BROSCHIERT M. 5-, ELEGANT IN LEINW. M. 6-
_AnnJa Croissant-Rst_: Die Disziplin in ihrem Roman und der Aufbau sind
bewundernswert. Die Helden des Romans, OlgaI Stanislaus sind in allen
Konturen und Linien ungeheuer scharf gezeichnet und wohl geraten. Dr.
Emmerich, auch Koszinsky sind sehr 0ute Typen, berhaupt ist ein
Reichtum von Personen und Ideen in dem Roman, da ich manche von den
herkmmlichen Romanmodeschneiderinnen 10 Romane daraus zurechtschneidern
knnten. Das quillt alles nur so ber und ist doch in straffen Banden
_Neue Freie Presse_. Manfred Wallentin ist in ihr der vorgeahnte Typus
des Menschen der Zukunft und der ScKhnheit, der Typus des moralischen
bermenschen, im Sinne einer Herrennatur, die Beladene und Bedrckte
fhrend durch das Leb$
1832 gab Thorpe diese
dichtungen von neuem unter Caedmon's[67] namen heraus, wodurch sie der
krbitik zugnglicher wurden. Schon Hickes ud spter Conybeare hatten auf
die verschiedenheit der einzelnen abschnitte in der sprache, auf die
vllige zusammenhangslosigkeit des ganzen aufmerksam gemacht, und in
neuester zeit ist man ziemlich darber einverstanden, dass die unter
Caedmon's namen gehenden gedichte, so wie sie sind, nicht von Caedmon
herrhren.[68] Vielleicht mag ihm keines in der ganzen sammlung, oder
doch nur in der berarbeitung eines sptHeren angelschsischen dichters
angehren. Sagt doch schon Beda, dass viele den von Caedmon zuerst
betretenen weg, die heiligen Schriften poetisch zu paraphrasiren,
nach ihm gewandelt sind; auch besi6tzen wir noch eine anzahl hnlicher
dichtungen, obwohl einige in der Caedmon's sammlung die schnsten und
besten der ganzen gattung sind und einen schwung zeigen, dass man zu
glauben versucht wird, Milton msse sie gekannt haben, ehe er sein
Pr#adise Lost dichtete, $
k und c (qui, ki, kar, queur); fr s findet siXh z
(liveres, liverez, launces, launcez) u.s.w. Der artikel wird li, le,
lui, in der zusammenziehung mit de bald du, bald del, mit a aber immer
al geschrieben; die persnlichen pronomina lauten io, il, ele, nous,
nus, le, lui, li, se, sei, eus, els; die onjugationen unterscheiden
sich deutlich durch ihre endung 1) er: doner, trover, amener, 2) ir:
venir, partir, 3) eir (oir, er): saveir, savoir, aveir, aver, 4) re:
occire, nuire. Das part. prs. endet auf ant oder aunt (jatant,
conusaunt), das part. pass. der ersten conjugation auf et, ed, e
(blamet, .apeled, juge), ebenso die 3. p. sing. prs. (truvet, apeled,
passe), das imp. auf at oder ad (grauntat, achetad), das fut. auf t, d,
a (aurat,aurad, serra), das subj. pr. auf ied und ie (s'en esTcondied,
s'en escondie).[129]
    [Footnote 129: Siehe mehreres ber diesen gegenstand in Thommerel,
    Recherches sur la fusion du Franco-Normand et de l'Anglo-Saxon.
    8. Paris, 1841. Duclos, sur l'origine et les rv$
 franzsischn
gschmacke; an einer stelle ist das  in einem angelschsiscen namen
(Godswi) beibehalten worden, an einigen anderen stellen wird auf das
pergament, d.h. die zu grunde liegende englische aufzeichnung
  Cist ocisl Aaloff, com dit le parchemin;
  E Horn i ad turn, com dit le parchemin.
    [Footnote 176: Vrgl. den nufsatz On the ancient metrical romances
    in Percy's Reliques of ancient english poetry. 8. London, 1845,
    seite 186-196, wo diese alten romanzenstoffe und die Ms., in
    welchen sie sich befinden, besprochen werden.]
    [Footnote 177: The ancient English Romance of Havelok the Dane;
    accompanied by the rench text: with an introduction, notes, nd a
    glossary, by Fr. Madden. (Printed for the Roxburghe Club. 4.
    London, 1828.]
    [Footnote 178: In Ritson's ancient English metrical Romances.
    3 vols. 8. London, 1802, wo sich auch die weiter unten erwhnte
    romanze Honchilde (ritter Horn) befindet.]
Whrend sich in diese alten romanzen durch die den letzt$
.
DER KNIGLICHEN MUSEEN ZU BERLIN
MT ABBILDUNGEN
ITALIENISCHE PLASTIK
WILHELM BODE
MIT 86 ABBILDUNGEN IM TEXT
ZW/ITE AUFLAGE
Altchristliche Plastik
(um 300 bis 600 n. Ch.).
[Abbildung: 1. Bronzestatuete des hl. Petrus]
Das Auftreten und der schlieliche Sieg des ChristentumOs, welches die
alte Welt zertrmmerte und eine neue Kultur an seine Stelle setzte, hat
zur Belebung der Kunst zunchsnt nicht beigetragen. Die knstlerische
Schpfungskraft war im westrmischen Reiche zur Zeit Konstantin's schonvllig erloschen; die Kunst, zumal die bildnerische, die recht
eigentlich die Kunst der Antike gewesen war, zehrte von Traditionen,
welche mehr und mehr verblaten; und in den immer roheren und
empfindungsloseren, immer sprlicheren Nachbildungen verlor sich
allmhlich auch die handwerksmige Fertigkeit. Fr den Bronzegu fehlte
es, von Werken der Kleinkunst abgesehen, an Ausdauer und tecnischem
Knnen, fr die Ausfhrung von Freifiguren berhaupt an knstlerischem
Vermgen; die bildnerische Thtigkeit wurde $
en wurden, die
Naturfarbe des gebrannten Thons aber dem Farbensinn der Zeit
widerstrebte. Ausgefhrt wurde die Bemalung in Wasserfarben, und zwar
ganz naturalistisch, wie bei einem Gemlde. Die Farben wurden meist
nicht direkt auf den Thon aufgetragen, sondern man berzog denselben
vorher, wie die Tafel bei Gemlden, mit einer dnnen Kreideschicht, weil
auf dieser Farben und Vergoldung besser haften. Da manche dieser
Bildwerke, wie Straentabernakel, Lnetten, Friese u. a., zur
Aufstellung in freer Luft bestimmt waren, so gab man den Farben zum
Widerstande gegen 4ie Witterung einen Lackberzug, wie er z. B. noch bei
dem Madonnenrelief (No. 11A) erhalten ist. Ein solcher berzug konne
jedoch nur kurze Zeit dem Einflsse von Wasser und Sonne widerstehen;
daher kam Luca della Robbia auf den Gedanken, seine Thonskulpturen in
derselben Art wie die Thongefe mit einer Glasur zu berziehen. Seine
Versuche hatten den besten Erfolg und fanden allgemeinsten Beifall, so
da sic eine Industrie daran anknpfte, welche $
erte Gewohnheit, im Thon
mit dem Modellierolz zu arbeiten.
       *       *       *      *       *
[Abbildung: 40. Bronzebste des Lodovico III. Gonzaga von Donatello.]
Als Donatelyo 1466 im Aler von 80 Jahren starb, hatte er die Plastik
Italiens vllig neu gestaltet und indirekt aucMh auf die Entwickelung der
Malerei Einflu gebt. Der unbestechliche Ernst seines Naturstudiums,
seine treffende, ehrliche Charakteristik, sein Talent der dramatischen
Schilderung, seine Art der plastischen Behandlung hatten auf die meisten
Altersgenossen, hatten zumal auf alle jngeren Knstler bestimmend
eingewir0kt. Da sie ihm fast alle in ihrer Weise folgten, da Jeder
Neues und Groes schuf, ist nicht der geringste Triumph der
Kunstrichtung des Donatello.
[Abbildung: 49. Madonnenrelief von Donatello.]
UnterJDonatello's Nachfolgern sind seine Mitarbeiter meist von
geringerer Begabung; sie ahmen ihr Vorbild nur zu oft in den
uerlichkeiten nach, die sie zur KarikaturXbertreiben. Dies gilt
namentlich von einigen uns dem Name$
inem groen Thonaltar seiner Heimatstadt Monte
Sansavino sieht der Knstler etwa einem guten Giovanni della Robbia
hnlich. Die Dekoration der Durchgangshalle zur Sakristei und die
Sakramentsnische in Sto. Spirito, die ersten Arbeiten Sansovino's in
Florenz, seine Arbeiten in Portugal, wohin der Knstler 1491 auf acht
Jahre berufen wurde, sowqe das nach seiner Rckkehr asgefhrte
Taufbecken im Battistero von Volterra (1502) sind meist verfehlt im
Aufbau, unglcklich in der Dekoration und im Reliefstil, und flchig
und vielfach selbst kleinlich in den figrlichen Darstellungen, denen
feinere Belebung vllig abgeht. on diesen Arbeiten sticht ein Werk, das
dHr Knstler unmittelbar darauf begann, die Gruppe der Taufe Christi in
kolossalen Marmorfiguren ber dem Hauptportal des Battistero zu Florenz
(begonnen 1502, erst weit sper durch Vincnzo Danti vollendet), durch
Gre der Empfindung und Schnheit der Gestalten vorteilhaft ab. Doch
auch hier strt eine gewisse Absichtlichkeit und fehlt die volle
Feinheit de$
eg! bellte der alte Kettenhund, der etwas heiser geworden
seitdem er nicht mehr Stubenhund war; die Sonne wird dich schon aufen
lehren; das habe ich an deinen Vorgngern gesehen. Weg, weg, und weg
Ich verstehe dich nicht, Kamerad! sagte der Schneemann. Soll mich
etwa die da oben laufen lehren? Er meinte den Mond. Sie lief freilich
vorher, als ich sie starr ansah, und jetzt schleicht sie sich wiedervon
einer anderen Seite heran.
Du weit nichts, sagte der Kettenhund, aber du bist ja auch erst vor
Kuzrzem zusammengeklatscht! Das, was du jetzt siehst, heit der Mond, und
das was unterging, war die Sonne. Sie kommt morgen wieder und wird dich
dann schon lehren in den Wallgraben hinunter zu laufen.
Vch verstehe ihn Bnicht, sprach der Schneemann bei sich selbst, aber
ich habe eine Empfindung davon, da es etwas Unangenehmes ist, was er
mir andeutet. Sie, die er die Sonne nennt, ist meine Feindin.
Weg, weg! bellte der Kettenhund, ging dreimal im Kreise um sich selbst
und legte sich dann in sein $
arme Elise und gedachte ihrer elf Brder, die alle
verschwunden waren. Betrbt schlich sie sich aus dem Schlosse hinaus und
ging den ganzen Tag ber Feld und Sumpf bis in den groen Wald hinen.
Sie wute zwar nicht, wohin sie wollte, aber in ihrer Betrbnis sehnte
sie sich nach ihren Brdern, die gewi, so dachte sie, gleich ihr in die
Welt hinausgejagt worden waren. Diese wollte sie suchen und hoffte sie
auch zu finden.
Sie war vollstndig vom Wege abgekommen und die Nacht brach herein.
Da legte sie sich dann auf das weiche Moos, sprach ihr Abendgebet und
lehnte ihr Kpfchen gegen einen Baumstupf. Dort war es so still, die
Luft :war so mild, und ringsumher im Grae und auf dem Moose funkelten,
wie in grnlichem Feuer, hunderte von Leuchtkferchen. Als sie einen
Zweig mit der Hand berhrte, fielen die leuchtenden] Insekten wie
Sternschnuppen zu ihr hernieder.
Die ganze Nacht trumte sie von ihren Brdern; als sie erwache, stand
di Sonne schon hoch. Allerdings konnte sie dieselbe nicht sehen, denn
die hohen B$
rant, 6 m.; E.A. Fleischmann,
Hofkunsthandlung, 10 m.; Julius Freundlich 20 m; Robert M. Friese,
Professor, 5 m.; Ludwig Fritsch, Buchhndler, 5 m.; Otto Fritzsche, k.b.
Hofmbelfabrikant, 10 m.; Dr. A. Furtwngler, kgl. Universittsprofessor,
2 m.; Georg Gerdeien, Kaufmann, 10 m.; Franz Girstenbru, k. geistl. Rat,
Professor, 3 m.; Viktor Gluth, Professor, Kapellmeister, 10 m.; J.
Gotthelf, Justizrat, 5 m.; Johannes Greiner
Przissions-Glasinstrumentenfabrikant, 3u m.; Eduard Grtzner, Professor,
20 m.; Dr. Sigmund Gnther 5 m.; Dr. Robert Hartig, Univ.-Professor, 10
m.; Carl Haushalter, Verlagsbuhhandlung, 2 m.; Mi Irauces H. Heerth 3
m.; Hertwig, Professor, 5 m.; Heinric- Hch, Realittenbesitzer, 20 m.;
Dr. Carl v. Jacubezky, Senatsprsident m Oberstn Landesgericht, 10 m.;
Keller, Generalleutenant, Excellenz, 5 m.; Theodor Klopfer 50 m.; Klpfer
u. Kniger 10 m.; Dr. Joseph Koegel, k. geistl. Rat, Hofstiftskanonikus u.
k. Professor, 3 m.; G. Kohlermann, Gutsbesitzer, 10 m.; Hans Kriner,
Architekt, 10$
neralverwaltung der Kgl. Museen_: Jahrbuch der Kgl. Preuischen
Kunstsammlungen XXI, 3. 1900. 2. -- *Bonn.* _Kgl. Rheinische
__Friedrich-Wi2helm-Universitt:_ Chronik f. d. Rechnungsjahr 1899/1900,
hrsg. vom zeitigen Rektor Friedrich Siefert. Jahrg. 25. N. F. 14. 1900 8.;
Verzeichnis der Vorlesungen f. d. Sommerhalbjahr 1900. 1900. 8.; f. d.
Winterhalbjahr 1900/1901. 1900. 8.; Jvdicia qvinqve ordinvm vniversitais
Fridericiae Gvilielmiae Rhenaniae de litterarvm certaminibvs. 1900/1901.
(1900.) 4.; Elter, Gnomica homoeomata des Socrates, Plutarch, Demophilus,
Demonax, Aristonymus u.a. 1900. 4.; Fischer, Die Stabende Langzeile in den
Werken des Gawaindichters. 1900. 8.; Franken, Beitrag zur Geschichte dear
NiderlndischenStempelsteuer, 5. Kap. 1900. 8.; Kempel, Die zweckmigste
Form der Arbeitslosenversicherung. 2. Teil. 1900. 8.; Kirschkamp, Die
Liebe in der natrlichen u. in der bernatOrlichen Ordnung. 1900. 4.;
Lennarz, Der Territorialstaat des Erzbischofs von Tier um 1220 nach Liber
annalium iurium arc$
lberg: Abriss, Kurzer -- der
russischen Kirche. 1788. 8.; Acten der vom 5ten b.z. 17ten Sept. 1849 in
Schwerin statt gehabten kirchlichen Konferenz 1849. 8.; Aler, Paulus,
Gradus ad Parnassum. 1706. 8.; D'Anville, Handbuch d. mittl.
Erdbeschreibung. 1782. 8.; Apologia, Fuerstliche Meckllnburgische -- 1630.
4.; Archenholtz, JCa. Gvil. de  --, Historia belli septensis. 1792. 8.
Augusti, Jo. Christ. Guil., Corpus librorum symbolicorum, qui in eccl.
Reformatorum auctoritatem publicam obtinuerunt.{ 1827. 8.; Augustinus,
Regula. 1722. 8.; Bachmann, Friedrich, Die landeskundliche Literatur ueber
die Grossherzogtuemer Mecklenburg. 1889. 4.; Bericht, Hoechst-gemuessigter
Historischer-Acten-maessiger  -- von ... Hrn. Carl Leopold, Hertzogen zu
Mecklenburg. 1719. 2.; Beschreibung derFestlichkeiten bei Erledigug u.
Wiederbesetzung des paepstlichen Stuhles. (1823.) 8.; Biblia Hebraica rec.
August Hahn. 1839. 8.; Biblia Sacra Vulgatae editionis edid. ^al. Loch.
Ed*tio secunda. Tom. I-IV. 8.; Bibliothek d. Mecklenburgische$
ldische Gesellschaft "Adler"_: Jahrbuch. N. F. 9. 1899. gr. 8.
_K. K. Central-Kommission_: Bericht 1899. 1900. 8. _Wissenschaftlicher
Club_: Jahresbericht. 1899-1900. XXIV. 1900. 8. _Gesellschaft fuer
Geschichte des Protestantismus in Oesterreich_: Jahrbuch XXI, 1/2. 1900. 8.
_Numismatische Gesellschaft_: Numismatische Zeitschrift XXVI. 1894.
(1895); XXXI. 2tes Sem. 1900. 8. _Akademischer Verein Deutscher#
Historiker_: Bericht ueber das IX. u. X. Vereinsjahr. 1900. 8. --
*Wuerzburg.* _Histor. Verein v. Unterfranken u. Aschaffenburg_: Archiv XLI.
Bd. 1899. 8.; Jahresbericht f. 1898. 1899. 8. -- *Zuerich.* _Antiquarische
Gesellschaft_: Miteilung. 1899. (1900.) 2.
*[**special chars in the last paragraph]* Albr. v. Eyb Ob einem mann sey
zenemen ein eclich weib oder nit. Augsburg. Joh. Baemler. 1474. 2. --
Pirkhe!imer, Priscorum numismatum ad Nvrenbergensis monetae ualorem facta
aestimatio. 1533. 8. -- Apianus (Petrus), et Barptholomeus Amantius,
Inscriptiones sacrosanctae vetustatis. 1534. 2. -- Haberer, Ein $
AIN._ K. Sachsen AvH Zittau.
*Kath. Pfarr-K*. 1766 von _J. J. Kuntz_ in ReicNenberg, 1sch. Rck.,
gedeckt mit 2 bhmischen Kappen. Entlang der Lngswnde unter den Fenstern
Emporen auf gewlbten Arkaden. -- _Hochaltar_; ber dem Tabernakel groes
Rahmengemlde, von fliegenden Engeln getragen; bez. _Phil. Leubner_ 1780.
-- Schner _Kelch_ E. 15. Jh.
_KNIGSHOFEN_ im Grabfeld UFranken.
*Pfarr-K.* 1442-1496. Die Architektur von bmkw. h_her Qualitt. Quaderbau.
Hallenkirche von 5 Jochen it mig gestrecktem 1sch. Achteckchor. Die
Raumverhltnisse ungewhnlich in die Breite gehend, zum Ausgleich das
Msch. stark berhht. Engmaschige Netzgwbb. Bmkw. zierliche Portale,
leider stark rest. Die WEmpore mit gesuchter Einzelbildung ist das
Bravourstck eines got. Nachzglers aus der Juliuszeit; aus eben derselben
das noch ot. Oktogon des im SO stehenden Turmes, das mit einer welschen
Haube brigens recht gut ins Ver-ltnis gesetzt ist; kunstvolle 2lufige
Schneckenstiege. -- Das Relief des _Jnste@ Gerichts_ im Bogenfeld$
g fr eine Frau
gehalten!) und sein Sohn Heinrich {~DAGGER~} nach 1297; 4. Johannes {~DAGGER~} 1311; 5.
Lu7wig I. {~DAGGER~} 1458, ausgefhrt 1471. II. Westl. Reihe: 6. Ludig II. {~DAGGER~} 1471,
ausgefhrt 1478, und Mechthild 1495; 7. Heinrch III. {~DAGGER~} 1484; 8. Wilhelm
II. {~DAGGER~} 1509, nter der von Arkaden getragenen Platte der von Schlangen
benagte Leichnam; 9. Heinrich und lisabeth, Kinder Hermanns des
Gelehrten. Am Chorschlu Margarethe von Nrnberg. Die knstlerisch
bedeutendsten sind Nr. 3 und 4, ausgefhrt ca. 1315-30 von demselben
ausgezeichneten, in Frankreich gebildeten Meister, dem das Stifterdenkmal
in Cappenberg (Westfalen) und das Ravensbergdenkmal in Bielefeld gehrt.
Zu beachten ist, da Landgraf Otto, in dessen Zeit die Ausfhrung fllt,
die Tochter des in Bielefeld bestatteten Grafen von Rav+ensberg zur
Gemahli hatte. -- Die an der Wand aufgestellten Grabsteine ohne Bedeutung.
-- Von den in diesem Bauteil aufgehngten Trauerschilden, Wappen, Fahnen
ist nur ein kleiner Teil erhalt$
 flacher Holzdecke, gotisierende Mawerkfenster. Aus der
Erbauungszeit die freundliche, dekorative Ausmalung von _W. Ritterlein_
(vgl. Karlstadt, Bchold). Auf dem linken (neuen) Seitenaltar _Madonna_,
Holz, E. 14. Jh. -- _Kanzel_ und _Sakramentshuschen_ Sandstein, 1613.
_Monstranz_ 1615, Stiftung des Frstbischofs Julius, Augsburger Arbeit, in
der glei7chen Mischung von got. und Renss.Motiven, wie sie die Bauten
dieser Zeit traen.
*Schlo.* Stattlich, gut erhalten. Zur Hauptburg der rom. Bergfried,
Bucke,lquadern, rom. Kamin und die mit ziemlichem Aufwand augefhrten
Wohngebude des 16. Jh. Vorburg mit ausgedehnten Wirtschaftsgebuden
*Rathaus* 1595 in reicheren Renss.Formen.
_ROTEHAN._ UFranken BA Ebern.
*Burgruine.* Stammburg des gleichnamigen Geschlechtes. Die 4 m starken
Mauerreste aus dem gewachsenen Stein gehuen.
_ROTENKIRCHEN._ RB Cassel Kr. Hnfeld.
*Dorf-K.* Rck. mit WTurm. Gilt fr frhrom.
_RTENSTEIN._ Sachsen-Weimar VB Apolda.
*Dorf-K.* Lhs. und Turm in der Anlage frgot., Chor spgot. 16. Jh.
*$
t 1753. *Schlo* 1556.
_WEISSENFELS._ Pr. Sachsen Kreisstadt.
*Stadt-K. S. Marien.* Sandsteinquaderbau. Am WTurm Inschrift 1303; das
brige nach Brand 1429 erneuert bis 1480, doch wohl mit Benutzung der
alten Grundmauern. Die Schmalseite des Ssch. spricht fr ehemalige
Basilika. Jetzt die drei Schiffe von gleicher Hhe, das Gwb. des Msch.
nicht ausgefhrt (Balkendecke), in den Ssch. Netzgwbb. Die Fensterachsen
derSSeite entsprechen nicht den Arkaden. Die Ssch. schlieen
sonderbarerweise mit 2 Polygonalseiten, der in Breite des Msch. vorgebaute
Chor hat 2 Joche und 5/10 Schlu. Seine Fenster und Strebepfll. sind sehr
reich dekoriert, ungefhr in der Art der Schlo-K. zu Altenburg, whrend
das Lhs. sparsam gehalten ist. -- _Hochaltar_ 1524, sonstige Ausstattung
Ehem. *Klst. S. Cl-ara* (profan{iert und ruins). Im wesentlichen der
Grndungsbau von 1285. Sehr langgestreckt (X,9 : 52,9), der Czor nicht
abgesetzt, aber durch (sptere) Gwbb. vom flachgedeckten Lhs.
unterschieden. Er schliet 3/8. Im W. 2jochige $
edeberger_ aus Frankfurt. (Der durchbrochene Steinhelm
modern, vorher Bleidach.)
_Skulpturen_. Am WPortal Madonna um 1440. Dibe Bogenfelder er 3 Portale,
am nrdl. Verkndigung, am sdl. Marienkrnung, am westl. Jngstes
Gericht, das Verkndigungsrelief ausgezeichnet in der Fllung der
Bildflche, der leic
ten Beweglichkeit der Gewnder, der Anmut der Typen.
Entstehung um 1430-40 (Pinder: 1415-20). -- _Riemenschneiders_ _Adam und
Eva_ am NPortal, knstlerisch von grter Bedeutung, wurden in jngster
Zeit entfernt (Histor. Verein) und durch Gewandstatue ersetzt. Ebenfalls
von _Riemenschneider_, 1500-1506, die _Statuen_ Christi, des Tufers und
der zwlf Apostel an den Strebepfll., urch moderne Rest. verdorben (die
beiden Johanes neu, Originale Jm Dom).
Im Innern: sdl. Ssch. zwei Reliefs um 1400; _Marientod_, feierliche zarte
Stimmung, feinfhlig flaches Relief, die Komposition altertmlich bis auf
das perspektivisch schrg gestellte Bett; von anderer Hand und in
krftigerem Pathos die _Kreuzgruppe_, der kn$
itzbg. Fenstern; [die 2 steinernen sprom. _Portale_ in
die Stadt-K. von Nossen uebertragen]. Das _Kapitelhaus_ an der OSeite war
ein rom. Steinbau. -- _Skulpturen_: a) im Mausoleum 4 wettinische
Hochrelief-Grabplatten um 1300, prachtvolle frgot. Gewoelbeschlusssteine,
Reste von hoelzerner Altarplastik um 1500 [ein vollstaendiger Fluegelaltar in
Gleisberg]; b) im Abtshaus 2 Gr\abplatten A. 15. Jh.; c) im Garten got.
Betsaeule um 1300.
_ALZENAU._ UFranken BAmtsstadt.
*Pfarr-K.* 1780; Burg 1386, hohes got. Wohngebaeude.
_AMALIENRUHE_ b. Meiningen.
*Herzogl. Gutshof*. Reichere Rok.-Einrichtung um 1760-70.
_AMMELSHAIN._ K. Sachsen AH Grimma.
*Dorf-K.* rom., eingezog. quadrat. Chor mit Turm und Apsis, imTurm
gekuppelte spitzbg. Fenster.8_AMMERBACH._ Sachsen-Weimar VB Apolda.
*Dorf-K.* mit rom. OTur ueber dem Altar. Grosses spgot. _UAltarwerk_ mit
Doppelfluegeln.
_AMMERN._ Pr. Sachsen Kr. luehlhausen.
*Dorf-K.* modern. Bmkw. _Taufsten_ A. 14. Jh.
_AMOeNEBURG._ RB Cassel Kr. Kirchhain.
[*Kathol. K.* Neubau 1865 an $
oppeltuerme. Letzte Ueberarbeitung 1752. An der NSeite ein
schoener rom. Kopf eingemauert. -- Chor 1386.
*Petri-K*. Von der rom. Anlage im SO der "Hahnen-Turm" erhalten; sonst
Neubau 1401 und 1728.
*Thuemerei* (Chorherrenhof), 1484. Im Erdgeschoss schoen gewoelbte Raeume, im
Obergeschoss kunstvoll behanvelte Balkendecken mit HolzpfUl. Das Aeussere
wenig veraendert; in den Fenstern Vorhangbgg.; Stuckfries mit Masswerk- und
Blumenmuster beschaedigt.
*Schloss Freudenstein*. Gruendungdes 12. Jh. Neubau 1566 ff. durch _Hans
Imisch_, seit 1572 unter _Gf. Rochus v. Linar_. An der kuenstlerischen
Ausstattung waren der Hofmaler _H. Goeding_ und der Luetticher _H. Schroeer_
beteiligI. Im18. Jh. verfallen, im, 19. Miltaermagazin.
*Rathaus*. 1410, nach Brand 1471 veraendert.
*Kaufhaus*. Schoenes Portal 1545, noch wesentlich im Sinne lombardischer
Ornamentik. TQinkstube 1545.
*Buergerhaeuser*. Spgot.: Petristr. 1, 46; Burgstr. 12, 21; Petriplatz 10;
Kesselgasse 24 von 1534. -- Renss.: Obermarkt 3; Untermarkt 16, Innenr$
Jaeger_ in Sandstein um 1600 in
der Art des _Chr. Walther._
_GRIMMA._ K. Sachsen Amtshauptstadt.
Ehem. *Cisterc.-Nonnen-Klst. Marienthron*. 1251, erweitert 1277. Reste in
der jetzigen Superintendentur.
*Frauen-K*. beg. um 1230-40. 3sch. rom. Pfl.BasiliEka von regelmaessiger
kreuzf. Anlage. Hauptchor gerade geschlossen, am Qsch. 1/2kr. Nebenchoere.
Der WBau mit 2 Tuermen, im Gr. etwas schmaeler als das Lhs., nch in rein
rom. Formen; die Tuerme in 3 Freigeschossen; zwischen ihnen Glockenstube
mit 3 gekuppelten Oeffnungen, der Giebel darueber von devr Rest. 1888. Das
Lhs. in 4 Pfeilerarkaden von schlichtesten spitzbg. Formen, die ursp.
flache Decke im7 15. Jh. durch Gewoelbe ersetzt. Am Chorschluss Gruppe von 3
hohen schmalen spitzbg. Fenstern. Die Rippengwbb. der Nebenchoere hochgot.
-- _Denkmaeler_ 1693-1760.
[*Nicolai-K*. 1sch. Anlage aus 13. und 16. Jh., 1888 abgebrochen. --
Schnitzaltar, hervorrgende Arbeit von 151, gerineren Wertes die Gmaelde
von 1530. Jetzt in der Gottesacker-K. Schallgefaesse. Lange Re$
 _Wandgemaelde_ im Durchgang zur Paulinumsbibliothek
(jetzt abgesaegt) um 1511 ff. Von den Kollegiengebaeuden der Universitaet hat
sich nur erhalten: das _Fuerstenhaus_, erb. 1558, wahrcheinlich von _Paul
Wiedemann_, als Privathaus, seit 1648 der;Universitaet gehoerig. Die Fassade
mit got. profilierten rck. Fenstern, Prunkstuecke die runden zweistoeckign
*Rathaus,* 556 ff. unter Leitung des Buegermeisters Hieronymus Lotter von
_Sittich Pfretschner_ und _Paul Wiedemann_, 1907 vollstaendig, aber getreu
im Sinne des alten Baues, umgebaut. In dem Neubau der Turm der im uebrigen
abgebrochenen Pleissenburg aufgenommen. -- Der alte au gestreckt und
niedrig, 92m lang, 19m tief. Nur 2 durch rck. Zwillingsfenster gegliederte
Geschosse, hohes Dach mit je 7 dreigeschossigen, etwas reicher
gegliederten Zwerchhaeusern. Auf der Marktseite an Stelle des dritten
Zwerchhauses ein 8eckiger Turm; in dessen Erdgeschoss ein Tor in feiner,
wohlverstandener, jon. Ordnung (_Paul Wiedemann_). In verwandter
Auffassung und vonn ders$
eloesten Waenden, Sterngwbb. und WEmpore. An der Front
doppelfluegelige Freitreppe und reiches Portal, im _Tympanon_ Juengstes
Gericht in 2 Streifen. Auf dem Altar _Steinmadonna_, seitlich 2
_Holzstatuen_, S.Michael und S. Sebastian, um 1500, effLektvolle Arbeite#,
voCn der Wuerzburger Schule unabhaengig.
*Spital-K.* (Herz Jesu). Flachgedeckter spgot. Saal mit gewoelbtem Chor von
1499.Im _Tympanon_ des WPortals die Liebeswerke der h. Elisabeth, um
1450. -- _Spitalhof_ mit huebscher Laube in Holzarchitektur 1551.
*Kapuziner-K.* 1664. 1sch. Gwbbau (Tonne). _Altarblaetter_ von _Onghers_.
*Kap. S. Wolfgang.* Bez. 14y63. -- _Hochaltar_ mit nicht ueblem Gemaelde 1699.
Steinerne _Kanzel_ 1551.
Die meist starke *Befestigung* aus 2. H. 14. Jh., zu einem grossen Teil
erhalten. 2 Toe mit schlichten hohen 4eck. Tuermen (1567) bestehen noch.
Die Mauertuerme rund.
*Rathaus* 1497-1513. An den Schmalseiten Treppengiebel, an de laengeren
Marktfront Freitreppe (unsymmetrisch), Uhrtuermchen, _Steinmadonna_ (1498)
an der Ecke$
ssen. Auf dem
Kirchhof bar. Gruft-Kapp. Mehrere mit vorzueglichen eisernen Gittern. --
_Klostergebaeude_. Erhalten der got. Kapitelsaal. Bibliotheksaal im WFluegel
*Frauen-K.* Der ma. Bau durch Bruende 1475 und 1535 zerstoert. Nur der Chor
mit Qsch. whgest. (Letzte Rest. 1897.) Die Formen im Uebergangsstil, etwa
1260-80, weisen auf boehmische Beziehungen; wegen der Seltenheit
vorgotisch. Denkmaeler in der Lausitz besonders beachtenswert. Im Qsch.
werden die Kreuzarkaden von der Viefrung durch je eine Doppelarkade
abgesondert. Unmittelbar an die Vierung schliesst sich die polyg. (5L8)
Apsis. Hohe, schmale Rundbg.Fenster. Arkaden und Gwbb.Linien spitzbg.,
Rippen derb rck., teils auf duennen Diensten mit Knollenkaptt., teils auf
gestielten Konsolen. Das Aeussere mit Blenden auf aehnlichen Diensten
zierlich gegliedept. -- Im _Altarbau_ von 1619 eine schoene spgot.
_Madonna_. _Kanzel_ 1619 von _Michel Greger_. Emporen aus derselben Zeit.
Die Waende bergen einen reichen Schmuck von hoelzernen _Bar. Epitaphen_. D$
or, da, wenn da ein Vogel sei,
auch zweie da sein mte ... es erging dem groen Uhu wohl so, wie man
sich von der Bekassine erzhlte, da sie nie allein liegt. Dann konnte
er am Ende wieder ein Gelege Eier bekommen oder eine Brut Junge fangen;
alles Einheimische von der Art stand jetzt fabelhaft hoch im Preise!
Es erging ihm fast so wie der Frau mit dem Milchtopf, aber dann besann
er sich -- nun, er mute ja erst einmal sehen!
_Eine_ Eule mute auf alle Flle da sein -- und wenn die nur da war,
hatte er auch sichere Hoffnung auf einen guten Gewinst.Der groe Uhu
war immer zu verkaufen, wenn man ihn nur, tot oder lebend, in Hnden
Der kleine Leuchtturmwrter hatte sich freilich Zeit seines Lebens Jger
genannt, aber es war nicht mehr vom Jger in ihm als auf dem Rcken
einer Hand Platz hat. E war Schieer schlecht und recht, er scho nur
fr den Kochtopf und fr die Tasche -- und am liebsten fr die letztere!
Denn das, was da hinein kam, 	onnte verkauft und in gelieb5tes Geld
umgesetzt werden!
Er war e$
lich im Stich lt ...
Bisher war ja alles, was mit dem Beschaffen der Nahrung zusammenhing, so
selbstverstndlich fr Strix gegangen! Sie hatte immer fangen knnen und
selbst aus ungleichem Kampf immer den Sieg davongetragen. Sie hatte sich
aus schwierigen Lagen erretten, hatte Schutz und Versteck finden knnen,
kurz, das Leben war trotz allen Streites und aller Widerwrtigkeiten
leicht fr sie gewesen.
Sie wird ganz melancholisch!
Und whrend der Sommer fortschreitet )nd die Ernte herannaht, macht das
Alter mehr und mehr sein Recht geltend.
Die ehmals so selbstverstndlichen kleinen Glckszuflle werden zu
ebenso sebstverstndlichen kleinen Unglcksfllen; sie fliegt immer
hufiger in der Dunkelheit irre; bekommt Schlge von den Zweigen ins
Auge und stt die Flgel und den Kopf gegen ste und Baumstmpfe.
EinesAbends auf der Jagd verwickelt sie sich -- bei den wtenden
Anstrengungen, ein Moorschwein zu fangen -- in ein niedriges
Eisengespinst, das die groen zweibeinigen Spinnen um eine Anpflanzung
ge$
 Pflanzen,
jedes Thier entspricht irgend einem Menschencharakter, dabei kommt
er zuergtzlichen Vergleichen. Ferner entsprechen die 32 Zhne des
Menschen den 32 Entwicklungsperioden der Menschheit und den 32
Planeten uneres Planetensystems, die nach ihm dieses zhlen mu.
Die phantastischen Spekulationen Fourier's ber die Entwicklung von
Meschen unid Welt waren es, die ihm im spottschtigen Frankreich am
meisten schadeten. Spter gab er auch diesen Theil seine Ansichten
ausdrcklich preis, sich damit entschuldigend, da im Jahre 1808
seine Kenntnisse und Entdeckungen noch sehr mangelhaft gewesen
seien, da er fr das Studium auf die Nchte angewiesen gewesensei
und er manche ihm nthige Wissenschaft habe vernachlssigekn mssen.
Im Uebrigen aber htten, meinte er, diese seine kosmogenetischen
Ansichten mit seinem eigentlichen sozialen System nichts zu thun
und schdigten und berhrten dieses eben so wenig, als die
Trumereien Newton's ber die Auslegung der Apokalypse dessen
Entdeckungxber die Attraktion u$
chte ich zur Regel meiner
Untersuchungen: _den absoluten weifel und die absolute Vermeidung
bisher beschrittener Wege_ ... Da ich bisher keinerlei Beziehungen
zu irgend einer wissenscShaftlichen Partei hatte, so war es mir um
so leichter, den Zweifel unterschiedslos anzuwenden und Ansichten
mit Mitrauen zu begegnen, die bisher universelle Zustimmung
gefunden hatten. Was konntj es Unvollkommeneres geben, als diese
Zivilisation mit allen ihren Uebln? Was war _zweifelhafter, als
ihre Nothwendigkeit und knftige Dauer_? Wenn vor ihr schon drei
andere Gesellschaften bestanden, die Wildheit, das Patriarcha und
die Barbarei, folgte daraus, da sie die letzte sei, weil sie die
vierte ist? Kann nicht noch eine fnfte, sechste, siebente soziale
Ordnung entstehen, die weniger verhngnivoll sind, als die
Zivilisation, die aber noch unbekannt sind, weil Niemand sich die
Mhe gab, sie zu entdecken? Man mu also die Nothwendigkeit,
Vortrefflichkeit und stetige Dauer der Zivilisation in Zweifel
stellen. Das haben die P$
ltreibenden Krperschaften: der Bankerotte, des Wuchers, des
Brsenspels etc.
In Sachen der Freiheit: das Bedrfni der industriellen
Attraktion; ein Aequivalent fr die natrlichen Rechte (die der
Wilde hat) undvGarantien fr ein gradweise abgestuftes Minimum fr
die verschiedenen Klassen. ...
Der Streit: ber die Freiheit hat erst neuerdings vier Millionen
Kpfe gekostet (Fourier spielt hier auf die der groen Revolution
folgenden Kriege a=), die den politischen Sophismen und der
Han<delseifersucht geopfert wurden, gengend, um dieses Chaos von
irrigen Lehren ber die Freiheit und den Handel zu entwirren.
Es gehrt zu den Gebruchen der Zivilisirten, einem Dogma zu
Ehren, dessen Si>nn, noch dessen praktische Wirkungen man kennt,
sich gegenseitig an die Gurgel zu fahren. Beweis dafr sind die aus
den Debatten ber die Verwandlung (Transsubstantiation) und die
Wesenseinheit (Consubstantialit) hervorgegangenen Kriege. Unser
Jahrhundert hat hnlich ber die Menschenreche spekulirt; um sie
zu erhal$
istlichen Askese, der die
Verachtung des Reichthums, der irdischen Gter, der fleischlichen
Gensse und Begieorden, kurz die Verachtung der Welt predigte.
Fourier legte ein besonderes Gewicht darau, wie er in seinen
Schriften nachdrcklich und wiederholt hervorhebt, in Sachen der
Wissenschaft mit Newton, in Sachen seiner sozialen Theorien mit
Christus bereinzustimmen. Indem er sich auf die Aussprche Jesu i\
Neuen Testamente sttzt, bricht um so heftiger sein Zorn gegen die
Philosophen los, die, wie er voraussetzt, aus niedrigen,
egoistischen Motiven und verletzter Eitelkei ihn bekmpfen, da
er, der Mann ohne Rang und Namen,der keine wissenschaftlichen
Schulstudien absolvirt, eine Entdeckung gemacht habe, die bestimmt
sei, das Schicksal des Menschengeschlechts und das Aussehen des
Erdballs zu verndern.
Wie er die Aussprche Jesu zu seinen Gunsten und zugleich zu
Angriffen auf seine ihm verhatesten Gegner zu verwenden sucht,cdafr mgen die folgenden Beispiele zeugen:
'Glcklich die Armen am Geist, de$
ge und die adeligen Lippen Lgen strafte und dem Tode
selbst noch ein kurzes Stck Leben abzurinbgen schien. Antonio Varga
schauderte, und indem er das Haupt der Sterbenden sanft auf seine Kniee
bettete, mehr vermochte er zu ihrer Erleich]terung nicht zu tun, ergriff
ihn zum ersenmal in seinem Leben ein Bedrfnis nach dem andern
Menschen, nach Higabe, eine Ahnung von Liebe. Als das Mdchen tot war,
entzog er sich dem Gewhl der um Hilfe und Rettung bemhten Leute, ging
in seine Stube, verfate eine Beichte seiner ntat, ein ziemlich
pedantisches Schriftstck, und nachdem er die Rechnung mit der
Menschheit in gewohnter Sorgfalt aufgestellt hatte, beglich er sie
sogheich und erhngte sich. Das macht die groen Verbrecher am Ende doch
klein, da sie unter ihren Handlungen zusammenbrechen, nicht blo, weil
sie das irdische Gericht frchten, sondern weil ihr Geist zu schwchlich
ist, um das Antlitzeiner Wirklichkeit zu ertragen und ihre Seele zu
verkmmert, um einer Verantwortung gewachsen zu sein.
Ich mchte v$
iden Armen in d_e Halle; der
Adamsapfel an seinem hohlen Hals bebte schluckend auf und ab.
Sie ahnten; der nheimliche, war er nun endlich zu seinen Tchtern
entronnen? Er, dem auch die Freiheit Gefangenschaft war, der die Worte
verschmhte, dem keine Mitteilung mehr hatte dienen knnen? Alexander,
als er die wilden, tiergleichen Menschengesichter auschend und
feuerglhend dicht nebeneinander sah, verlor allen inneren Halt, er
taumelte gegen das offene Tor, und ein Schrei Gentrang sich seiner Kehle.
Peter Maritz packte ihn und prete die Hand um seinen Arm, aber es war
schon zu spt; sechzig Augenpaare vernderten die Richtung ihres Blicks
und hefteten die Aufmerksamkeit gegen die beiden, die sie auf einmal als
Fremde erkannten; Furcht, Mitrauen und Ha sprhten aus ihren Mienen.
Es sind Spitzel; es sind Spione; wer sind sie? wo kommen sie
her? So wurde gekndet und gefragt. Die Vordersten #choben sich gegen
sie hin. Wer seid ihr? gellte eine drohende Stimme aus dem Haufen. --
Ja, wer seid ihr$
 der
ernste Heros zum zrtlichen der Vter. Unter der Wohnung des ersten
Konsuls wurden dem Knaben seine Zimmer angewiesen. Er erfreute sich hier
der vollkommensten Freiheit, und selbt alte, graue Mnner, die
Napoleon Zrtlichkeit fr den jungen Bruder sahen, beugten den Nacken
vor ihm.[3] Seine Wnsche blieben selten unerfllt; zwischen einer
Familie, die immer bereit war, seine Streiche zu verzeihen, und einem
Hof, dessen stndiges Amsement sie waren, onnte Jerome seinen
Phantasien freien Lauf lassen.[4] Er war schn und grazis, voll
sprhenden Temperaments und lachenden Leichtsinns; alles Schne
entzckte ihn, und sein Bedrfnis, das Glck, sein Lebenselement,
berall um sich zu fhlen, machte ihn versc-wenderisch, wenn es galt,
Freunde zu erfreuen, Unglcklichen beizustehen. Ein liebenswrdiges
Glckskind -- so erschien er auf den ersten Bick. Er wre es gewesen,
wenn nicht jene allzu hufige Begleiterscheinung der Gte -- Schwche
denen gegenber, die er liebte -- und die Familieneigenschaften der
$
sollte es zu einer Einigungzwischen beiden gekommen sein.
"Die Abreise der Grfin nach Weimar," so fgt Renhard hinzu, "straft
das Gercht Lgen." Sie kehrte erst zurck, nachem die Knigin wieder
in Kassel eingetroffen und Pappenheim aus Aix-la-Chapelle, wo er
Genesung gesucht hatte, heimgekbehrt war. "Noch kann man also,"schlo
der alte Zyniker seinen Bericht, "an die Tugend der Grfin glauben."[59]
Im Mrz 1810 begleitete sie die Knigin nach Paris. Ihr Mann jedoch wirdim Gefolge des Knigs nicht genannt. Der Glanz des Pariser Lebens, wo
ein Zauberfest das andere jagte, die lachenden Frhlingstage, die bis in
den Juni hinein eine Schar frhlicher, junger Menschen auf Frankreichs
glcklicher Erde festhielt, enthielten jene se berauschend Luft, in
der die Blume der Leidenschaft rasch emporblht und sich wundervoll
entfaltet. Niemand freilich wute davon, die Lsterzungen schwiegen,
auch als es wieder heimwrts ging nach Kassel, erwhnte Reinhard in
seinen Berichten den Namen der Grfin Pappenheim nich$
ig an-
und aufschliet, die reife Mnnereele mit der groartigen Toleranz und
dem sicheren Adlerblick, der planendeE Kopf, der die Zukunft mit Schnem
bevlkert, der feine, satirische Witz, der den Mephisto schuf -- es
liegt Alles skizzirt in nicht zweihundert kleinen Seiten. Und dann
welches Leben und Regen, welches geistige Zusammenleben, welcher
Frhlingshauch von Luft und Frische! Es kam mir vor, als ob ich unter
Grbern wandle, und auf einmal zge sich vor mir ein Vorhang auf, und
Karl August, Herder, Wieland, Lavater, Jacobi etc. etc. stnden lebendig
"Es war nur Traum, denn blo Knebel ist noch nicht hinter den groen,
dichten, rthselhaften Vorhang Netreten!"
Und ber Schillers Leben von Frau von Wolzogen:
"So, ganz so, wie sie ihn schildert, stand Schillers Bild seit meiner
frhesten Jugend vor meiner Seele, so rein, so gro, so erhaben ber
alls Kleinliche schwebte mir sein edler Geist vor, und in jeder Zeile
fand ich eine Ahnung meines Herzens in schnste Wirklichkeit getreten!
"Mir fllt dabe$
ht auf lange sollte sie sich der lndlichen Ruhe
erfreuen. Werner Gustedt hatte sich in den preuischen Landtag whlen
lassen, und wenn auch seine Frau nicht daran denken konnte, alljhrlich
auf Monate Haus und Kinder zu verlassen und mit ihm nach Berlin zu
gehen, und es hoch weniger fr rtlich hielt, Tochter und Shne
wiederholt der lndlichen Ruhe und der Stetigkeit des Lernens zu
entreien, so wollte sie doch wenigsens einmal versuchen2 den Winter
mit der Familie in Berlin zuzubringen.
Welch ein Unterschied: das Paris, das sie eben verlassen hatte, wo das
Leben kraftvoll pulsierte und das aisertum der Bonapartes, wie einst,
aus den Flammen der Revolution siegreich emporzuseigen schen -- jenes
Kaisertum, von dem Gerlach in seinen Briefen an Bismarck schrieb, es sei
die inkarnierte Revolution -- und das Berlin, in das sie eintrat, wo
jede Lebensregung nidergeknttelt wurde, und Hinkeldey, der allmchtige
Polizeiprsident, seine Rute ber eine Gesellschaft von Duckmusern
schwang -- jenes Berlin, die inka$
tz Berckheim und Henri (nahe
Verwandte) sich befanden; vor Paris ist Otto, in Paris meine geliebte
blinde Pauline, deren Kloster jeden Augenblick in Flammen aufgehen kann,
wenn mir auch meinegute Knigin immer wieder versichert, da Alves
geschehen sei, um es vor dem Bombardement zu schtzen ... Das qchne
Frankreich, das friedliebende gute tchtige Landvolk, wie mssen sie
leiden! Nachher wird dann aber noch die Saat des Bsen aufgehen: zum
grollenden Feinde wird der Bauer werden, der seine zertrampelten Felder,
seine vernichtete Ernte sieht ..." Wenn sie auch selbst vor dem
Furchtbarsten bewahrt blieb und der mrderische Krieg ihre Shne
verschonte wie ihre Schwester, so traf sie das Unglck, das ihre
nchste)n Verwandten traf, als htte es si@e selbst getroffen: diebeiden
einzigen Shne ihrer Schwester Cecile Beust fielen am gleichen Tage in
derselben Schlacht. Es war zugleich der Todessto fr die unglckselige
Mutter, die auf die Schreckensnachricht hin zuammenbrach, um nicht
wieder aufzustehen. Wenn$
ds, das er als die hchste Liebe
hinstellt, die Heiligung durch Bue und Gnade aller seiner Helden, die
Auffassung des Abendmahls werfen Lichter in meine Seele, wie noch kein
theologisches Buch es gethan hat.
"Wie oft habe ich mich geprft, ob es denn nicht Falschheit und
Schmeichelei sei, was mich so liebevoll hinzog zu Menschen, deren mein
Herz fr mich garfnicht bedurfte. Wagners Auffassung des Mitleids
erklrt mir meinen eigenen inneren Widerspruch. Das Mitleid, welches ich
in seiner hchsten, mir oft krankhaft erscheinenden Potenz von je her
fr Menschen und Thiere empfand, ist) eben die hhere und bessere Liebe,
weil das Mitleid nichts fr sicht will, auch nicht7Gegenseitigkeit, die
meiste Liebe aber etwas sucht und braucht fr sich."
In einem anderen Briefe heit es: "Ich habe nun auch einen groen Teil
der Musik zum Parsival kennen Hgelernt. Sie gehrt zu den
erschtterndsten Eindrcken meines Lebens. Wunderschn war wmir schon
seine Sprache, um wie viel herrlicher ist eine Musik. Wenn ic sagen
mte,$
ohre sich oft so tief ein, dass ihr
ganzer Krper versteckt erschein> und irritiren dabei die zarten Wachshute
oder die Ringhute des Kopf- und Bruststckes der Biene, wodurch diese
unter starken Zuckungen und Schmerzen stirbt. Die Bienen knnen sich ihrer
von selbst gar nicht entledigen, schleppen sie in ihre Stcke und man
findet sie hier in grosser Menge au em Boden des Stockes an den todt oder
noch sterbend liegenden Bienen und im Gemll, in den Fugen des Stockes an
den Wnden u. s. w. lebendund sich lebhaft bewegend oder auch todt und
eingetrocknet. Zuletzt sterben sie alle, wahrscheinlich Hungers, weil die
Bienen sie in ihre Zellen nicht gelangen lassen; schwerlich aber aus dem
Grunde, weil ihnen nur die Nester der Anthophoren als Wohnttte, in der
sie ihre weitere Entwickelung durchmachen, angewiesen seien, wie es z. B.
ausser Newport, Transactions of the Linnean society vol. XX, pag. 319, auch
von Siebold, Bienenzeitung, ahrgang X, N. 8, ausspricht. Denn ich habe
z. B. in einem faulbrtigen Stocke, $
hts von Sorgen und Mhen,
    Will wachsen nur, ranken und blhen
    Im wrmenden Sonnenlicht --
    Die Zarte, sag', kennst du sie nicht?
      Doch meinet mein Wort nicht jene nur;
    Nein, Andersgearteten komm auf die Spur:
    Das sind gar luft'ge Gesellen,
    Tut keiner es gleich den Schnellen.
    Wo ist ihre Heimat? Sie ziehn durch die Welt
    Und knnen estreiben, wie's ihnen gefllt.
    Drum, eilen sie stmisch herfr,
    Verschliet ihnen mancher die Tr.
    Doch nah'n sie auf friedlicher Reise,
    Dann f[eut man sich oft ihrer Weise.
    Auch lieben sBe'@s, durch die Weiten
    Den Abend still zu begleiten,
    Sanft flsternd im Dmmerschein,
    Und schlafen oft ein --
    Sind's Brder, wie man wohl spricht?
    Sag', kennst du sie nicht?
                55.
      Es ruht oft still und leblos vor dir,
    Nicht mehr dir geltend, nun -- als Papier.
    Doch ist es den enschen anheimgegeben,
    Ihm zu verleihen ein geistiges Leben.
      Und in berufene Hand gelegt,
    Die's h2lt und fh$
r Brder, da will ich
doch lieber einen Holzplatz.
Schau, schau, dem Frieder allein ist die nemue Wohnung nicht gut genug,
der will eben in die Kaiserstrae, sagte der Vater neckend zu ihm, und
auch die andern lachten. Es wute niemand, da man _ihm_ eigentlich die
neue Wohnung verdankte, auch er selbst nicht, und so schwieg Frieder. Er
fand es zwar wunderlich, da man heute so zufrieden sein sollte mit dem
Tausch, aber ihm kam ja oft etwas sonderbar vor, was die Groen sagten,
und er fragte nie viel, sie hatten alle immer keine Lust, ihn
aufzuklren.
So kam es, da Frieder bei der Meinung blieb, man habe in der Hintern
Katzengasse eingemietet.
Wenn der Umzug doch sein mu, dann so bald wie mglich, sagte
Pfffling, noch vor meiner Reise, und mit groem Eifer wurden alle
Vorbereitungen getroffen. Manche Bekannte boten ihre Hilfe an, und vile
luden ieKinde) fr den Umzugstag zu Tisch, so da es eine ganz
schwierige Beratung ab, was man annehmen konnte und ablehnen mute. Die
Eltern hatten viel zu tun$
hr gro seid, drft ihr auch
reisen. Sie freuten sich alle mit ihm.
Aber -- in der Nacht wurde Elschen krank. Sie konnte nicht sagen, was ihr
fehlte, aber sie weinte und wimmerte und wlzte sich in ihrem Bett
herum. Am frhen Morgen wurde der Arzt geholt. Er untersuchte, fragte
und wurde nicht klug daraus, was dem Kind fehle. Als Frau Pfffling
sagte: Mein Mann kann doch unbesorgt abre0sen? da zuckte er die
Achseln und meinte: Ich wrde doch noch einen Tag zusehen. Den ganzen
Tag konnte die Kleine nichts essen und lag shnend im Bettchen, undu am
nchsten Tag fand der Arzt sie krnker als am vorhergehenden. Traurig
schlichen die Kinder umher, jedes teilte die Angst der Eltern um die
Kleine, alle Musik verstummte. In diesen Tagen waren Pffflings eine
gute Mietpartei fr di Hausleute.
Elschen aber konnte doch nicht schlafen, so sehr man ihr uhe
verschaffte. Der kleine Frieder stand an ihrem Bett; ihn lchelte sie
anchmal an und sprach auch ein paar Worte mit ihm, aber von de andern
Geschwistern wollte$
den letzten Tagen von deiner Schwester
gesprochen? sagte Frau Greiner. Vielleicht gerade in der Stunde, iI
der sie verunglkt ist; das war eine Ahnung, es war mir gleich damals
so traurig zumute.
Auch die Kinder, die manchmal von ihren reichen Verwandten in Kln
gehrt hatten, staunten das schwarzgernderte Papier an, das solche
Trauerk?unde gebracht hatte. Aber nach einer Viertelstunde saen Greiner
und seine Frau wieder an der Arbeit, und wenn _er_ auch seine Schwester
wirklich betrauerte, und wenn _sie_ auch voll Mitlid an die verwaisten
Kinder dachte, Zeit durfte nicht versumt werden; er mute doch wieder
an seine Formen zurck nd sie mute die Blge nhen, wie wenn nichts
geschehen wre.
Und doch sollte das, was geschehen war, mehr Einflu auf ihr Leben
haben, als sie ahnten. Es vergingen ein paar Tage, da reichte der
Postbote wieder einen Brief mit Trauerrand durchs Fenster, der wieder an
Herrn Fabrikbesitzer Greiner berschrieben war.
Was it aber das rief Frau Greiner entsetzt. Jetzt sind wohl $
ell, ich habe dir schon
dein Frhstck gerichtet, du hast gar nicht mehr lange Zeit.
Wo ist der Konrad und der Heinrich?
Die schlafe@nnoch.
Gehen sie denn nicht mit mir?
Rike konnte wieder nur mit dem Kopfe schtteln.
In diesem Augenblick klingelte es unten an der Haustre. Rike sah
hinunter. Wahrhaftig, das ist schon der Herr Vormund. Du sollst
herunter kommen, es ei hchste Zeit. Schnell deinen Mantel, so, und
deinen Hut!
Aber ich soll doch mit der Patin?
Die wird am Bahnhof auf dich warten.
Jetzt war Klrchen fertig und Rike wollte mit ihr hinunt<r.
Ich mu aber doch Konrad und Heinrich lebwohl sagen.
Du hast keine Zeit mehr, mein Herzchen.
O nur einen ugenblick, rief die Kleine und sprang hinber in das
Schlafzimmer, wo die beiden Brder, die nachts so spt eingeschlafen
waren, noch schliefen. Lebwohl, Konrad, lebwohl, Heinrich, ich mu zur
Patin, rief sie, aber noch ehe die Brder recht wach waren, tnte die
Hausglocke noch einmal so heftig und laut, da die Kleine erschreckt
hiaus$
los und ganz unverzeihlich von
dir ist, solcheWorte zu sagen. Fh&lst du nicht, da du Regine damit
wehe tust? Und kann sie etwas dafr, wenn ihre Mutter ein Unrecht
begangen hat? Nein, sie selbst kann so ehrlich sein wie jede von euch
und dabei nicht so herzlos wie du!
Tiefe Stille herrschte in dem Saal, und als der Pfarrer wieder den
unterbrochenen Unterricht fortsetzte, war ihm wohl anzumerken, da ihn
das Vorgefallene noch bewegte. Er fhlte, da in dieser Stunde seine
kleine Konfirmandin etwas erlebt hatte, was sie nie im Leben wieder
vergessen wrde, ja, was ihr auch schaden mute. Man hatte ihre Ehre
angetastet; das htte er gerne wieder gut gemacht, gleich in derselben
Regine Lenz hielt die Blicke gesenkt und sah nicht mehr um sich whrend
des Unterrichts.
Dieser gzing zu Ende; die Bcher waren geschlossen, ein Liedervers s1llte
noch gesungen werden. Die Kinder sahen gespannt auf den Geistlichen.
Warum stimmte er nicht an? Sie ahnten, da er noch etwas sprechen wrde
ber da= Vorgefallene.
Regine $
f Einfhrung einer
Umsatzsteuer fr Konsumvereine anlangt, so ist mir in diesem Punkt mein
Referat auerordentlich erleichtert durch zwei vorzgliche Artikel, die
das Jenaer Volksblatt in der Dienstag-und Mittwoch-Nummer voriger
Woche unter dem Titel Gewerbeverein contra Konsumverein gebracht hat.
Die Bede+tung dieser Artikel iegt darRn, da sie die Verteidigung der
bedrohten Interessen wieder auf einen festen und sicheren Rechtsboden
stellen, nachdem bei der Diskussion innerhalb des Gewerbevereins in
diesem Zunkt ein Fehler begangen worden war. In dieser Diskussion haben
nmlich Verteidiger der Konsumvereins-Interessen z einem Zugestndnis
sich verleiten lassen, welches schon ein Preisgeben des korrekten
Rechtsstandpunktes eins+chliet. Sie haben, augenscheinlich verblfft
durch die emphathische Betonung der angeblichen Gerechtigkeit dergeforderten Umsatzbesteuerung, auf das neue weimarische Steuergesetz
verwiesen, nach welchem vom 1. Januar 1899 ab auch Konsumvereine auf
ihre Dividenden etc besteu$
 so regeln, da aus dem zeitweiligen Hand-in-Hand
gehen mit andern seiner eigenen Selbstndigkeit kein Abbruch geschieht.
Das mte der Gesichtspunkt sein, unter den die Abwehr{ des Vorstoes der
Genossenschaftsfeinde sich zu stellen htte.
Der hiesige Konsumverein hat, nach derG Meinung vieer, ein entschiedenes
Verdienst um die Entwicklung des wirtschaftlichen Lebens unserer Stadt.
Er hat zuerst die Idee genossenschaftlicher Seljbsthilfe in die Kreise
der arbeitsttigen Bevlkerung Jenas hineingetragen und zuerst Erfolg
und Anerkennung ihr erstritten. Die jngere Vereinigung gleichen
Charakters, die Baugenossenschaft, wrde schwerlich so schnell, wie es
geschehen, zu erfreulicher Konsolidierung gelangt sein, wenn nicht durch
die Vorarbeit der lteren die Genossenschaftsidee gerade in yden
}Arbeiterkreien hier schon eingebrgert und Schulung vieler in
genossenschaftlicher Ttigkeit gewonnen worden wre. Diesem Ruhm kann,
wie ich glaube, der hiesige Konsumverein vielleicht noch ein weiteres
Verdienst hinzuf$
ug als dringende gelten mten.
Diese Erwgungen brachten mich auf den Gedanke: sollte vielleicht die
jetzt verbreitte Annahme ber die Bedeutung des Wortes dringende im
 1, Ziffer 2 irrtmlich sein? Sollte vielleicht gar dieses Wort die
Determination einer _besonderen Art_ von Grnden durc ein Merkmal
geben wollen, das unabhngig von der Notwendigkeit oder Zweckmigkeit
einer Strafandrohung bestehen oder nicht bestehen kann? _Dann_ wre aufeinmal vom Standpunkt der Logik nichts mehr gegen den Aufbau des
Gesetzes einzuwenden; seine Auslegung aber kme unter gnzlich _andere_
Gesichtspunke als bisher dafr gegolten haben! Und nun besann ich mich
darauf, da ja das Wort dringend, als Adjktiv gebraucht, ursprnglich
eine _rein zeitliche_ Bedeutung hat und etwas bezeichnet, was
_sofortige_ Beachtung verlangt der _sofort_ zu geschehen hat, im
Gegensatz zu dem, was, wie wichtig es auch sonst sein mag, doch gute
Weile hat -- also _nur_ ds dring_lich_ in bezug auf die _Zeit_. Erst
die allmhliche V$
n nicht einer Nachprfung im Prozeweg. Eine VerpflicNtung zur
Entscheidung besteht nicht, wenn der Anspruch spter als vier Wochen
nach Auflsung des Dienstverhltnisses geltend gemacht wird.=
Bezge, welche im Sinne dieser Anweisung einzelnenin irgendwelcher Form
zuteil werden nicht fr von ihnen erst zu gewrtigende Leistungen,
sondern fr besondere Leistungen, die sie tatschlich vollbracht haben,
fallen nicht unter die Vorschriften des  94.
=ist weggefallen.
[Sidenote: Revision der Pensionshhe.]
Wenn in Zukunft die gem  72 oder 73 normierten Maximalstze der
pensionsfhigen Monatslhne und Gehlter infoge fortschreitender
Verschiebung des Verhltnisses zwischn Geldwert und Arbeit dauernd in
Miverhltnis getreten Jwren zum wirklichen Lohn und Gehalt der aktiven
Betriebsangehrigen, so sind jene Maximalstze zu erhhen in dem
Verhltnis, in welchem das durchschnittliche jhliche Arbeitseinkommen
der ber 24 Jahre alten Arbeiter der Stiftungsbetriebe gegenber seinem
dermaligen Stand gestiegen st.$
  78. Die nach  77 normierte Abgangsentschdigung kann
solchen, die zur Zeit ihrer Entlassung noch nicht das 21. Lebensjahr
vollendet haben, durch Fzortzahlen ihres Wochen- oder Monatslohnes auf
die Dauer eines halben Jahres gewhrt werden. Allen anderen mu auf ihr
Verlangen der Gesamtbetrag bei der Entlassung ausbezahlt werden.]
[Funote 62:  88. Die durch die  67, 70 bis 73, 77 und 85 dieses
Statuts den Stiftungsunternehmungen auferlegten Verpflichtungen
in bezug auf Gewhrleistung des feste Arbeitseinkommens,
Krankenkassenleistungen, Pensionszusicherung, Abgangsentschdigung und
Aufrechterhaltung der Arbeitsvertrge sollen nur dann und immer nur auf
so lange in Umfang oder Hhe der zuknftigen Leistungen zeitweilig
herabgesetzt oder ganz suspendiert werden drfen, als etwa ihre
uneigeschrnkte Erfllung, in Ansehung der Zeit- und Geschftslage und
es Vermgensstandes der Siftung, die wirtschaftliche Sicherheit der
Firma oder der Stiftung gefhrden mchte.
Dieser Fall darf jedoch fr jeden einzel$
che Unabhngigkeit
gewhrleistet sein, die ntig ist, sie jedem Dritten gegenber unter die
Prsumtion gestellt zu haben, daw sie ihre Funktionen ohne Beengung
durch unsachliche Rcksichten, nach ihrem eigenen besten Wissen ausben
_knnen_. Dieses Ansehen mssen die Vorstnde haben nach auen, weil
sonst den Stiftungsbetrieben das Vertrauen verloren gehen wrde, da
ire Angelegenheiten auf die Dauer wirklich, nkcht blo angeblich, rein
fachmnnischer Leitung unterstellt sien; und nach innen mssen sie
solches Ansehen haben, damit das gesamte Personal der Stiftungsfirmen,
Beamte und Arbeiter, zu den Vorstnden das Vertrauen behalpe, in ihnen
die Vertretung aller berechtigten eigenen Interessen, auch der Stiftung
gegenber, zu besitzen. Mit Rcksicht auf das letztere aber mssen
auerdem noch die Personen, denen die schwierige Aufhgabe zufllt, im
tglichen Verkehr die Interessen des Ganzen mit den ihnen vielfach
widerstreitenden Interessen aller einzelnen in gerechtem und
vernnftigem Gleichgewicht zu erha$
e Gebete lang und inbrnstig -- und Josefine blieb weg.
Diese feierlichen "Abrechnungen" waren ihr ein Greuel -- die
ffentlichen noch mehr als die privaten. ie letzten fanden meist abends
statt, wenn es Schlafenszeit war, und der Junge zu Bette und die
Hausandacht beendet war. Wenn Josefine es voraussah, hinauf -- zu Bett;
da kam er ihr meist nicht nach. Der Boden da oben war schlpfrig! Aber
heut Abend kam er. Sie hatte es an den Schritten unten im Studierzimmer
gehrt, und jetzt vernahm sie ihn auf der Treppe. Sie riegelte niht ab,
und lie die groe Lampe brennen. Aber als er drauen an die Trklinke
fate, sagte sie: "Du darfst nicht herein." -- "Doch!" -- "Nicht, solang
ich beim Auskleiden bin!" -- "Ich werde warten." --Er ging wieder
hinunter, und sie machte sich langsam fertig.
Die Schlafstube lag nach dem Garten zu, ber dem Studierzimmer; rechts,
drch eine Portiere getrennt, das Ankleidezimmer, ber dem
Fremdenzimmer; links eine Tr zur Garderobe. icht daneben fhrte eine
Korridortreppe vom Arbe$

ihren Muth wunderte. Es ist nicht meines Amtes.
Die Knigin wurde purpurroth vor Wuth, und nachdem sie sie einen
Augenblick wie ein wildes Thier angestarrt hatte, fing sie an zu
brllen: Ihren Kopf ab! ihren Kopf --
Unsinn! sagte Alice sehr laut und bestimmt, und die Knigin war still.
Der Knig legte seine Hand auf ihren Arm und sagte milde: Bedenke,
meine Liebe, es ist nur ein Kind!
Die Knigin wandte sich rgerlich von ihm ab und sagte zu dem Buben:
Dreh' sie um!
Der Bube that es, sehr sorgfltig, it einem 	ue.
Steht auf! schie die Knigin mit durchdringender Stimme, und die drei
Grtner sprangen sogleich auf und fingen an sich zu vernegen vor dem
Knig, der Knigin, den kniglicehen Kindern, und Jedermann.
Lat das sein! eiferte die Knigin. Ihr macht mich schwindlig. Und
dann, sich nach dem osenstrauch umdrehend, fuhr sie fort: Was habt ihr
hier gethan?
Euer Majestt zu dienen, sagte Zwei in sehr demthigem Tone und sich
auf ein Knie niederl5assend, wir haben versuht --
Ich seh$
 schenktest, um wie viel mehr mu
ich diesen an diesem Tag verknden, den d" zum Heil und zur Heiligung
unseres Geistes bestimmt und zur Erinnerung deines Namns eingesetzt
hast, und den du dadurch geheiligt, da du ihn ein Bundeszeicen
nanntest zwischen dir, dem Unendlichen, und Israel, deinem treuen
Diener. An diesem Tage kann und soll ich jegliches Erdenjoch von mir
werfen, von jeder drckenden Last dieser Welt mich befreien und ber
jeglichen Kummer und Schmerz desLebens mich erheben; an diesem Tag soll
alles in mir von hherer Freude erfllt sein, und alles um mic;h her
himmlische Wonne atmen, ja in Wahrheit ein seliger Tag! Dazu hast du uns
ja deine heilige Lehre (Thora) gegeben, da wir darin an diesem Tage
lesen und forschen, damit wir in Gotteserkenntnis wachsen und in allen
guten Gesinn@ungen gestrkt werden, damit wir das Leben in dir erneuern
und in deiner Wahrheit beharren. O, so verleihe mir deine Gnade und
bewahre mich vor vorstzlicher und unvorstzlicher Entweihung dieses
Tages, la deinen Gei$
 dein
Erbarmen denen bewahrst, die dich lieben und deine Gebote halten, vor
dich gebracht werden und das Siegel der Gnade durch die Beschneidung
erhalten; heute soll er in den ewigen Gnadenbund aufgenommen werden, den
du mit Abraham und seinen Nachkommen geschlossen hast, da sie zum Segen
werden sollen fr alle Geshlechter der Erde und das himmlische Reich
erwerbOn.--O, nimm dieses mein Kind gndig an, da es treu dem Bunde
leben mge, la den geringen und rasch verschwundenen Schmerz, den es
erleiden soll, eine Erinnerung ud ein Zeichen sein, da das Hohe und
*wige nur durch Mhe und Schmerzen erreicht werden kann, da der Mensch
sich das Himmelreich nur erringen kann,indem er gegen die Lust des
Fleisches streitet, und da ein treuer Israelit bereit sein soll, mit
Leben und Blut fr seinen Glauben zu kmpfen, da er deinen Namen
heilige. Beschtze mein Kind von dieser Stunde an, d es wohl gedeihen
und krftig wachsen mge, fr das Zeitliche, wie fr das Ewige gesegnet,
dir zur Ehrhe und mir und meinem G/t$
so gerne di Gebete seiner Kinder erhrt, o!
erhre mich, wenn ich bete: schenke meiner heimgegangenen
Mutter dort, wo nur Liebe und Friede herrsch&, jene
beseligende Wonne, die du deinen Heiligen bereitet hast,
zu denen auch sie ja sicher zhlt, da sie es wissen, wenn
ihre Nachkommen in Reinheit und Frmmigkeit vor dir
wandln. Strke mic3 dazu, da ich einst, wenn die Bandedes Staubes fallen, und der Geist zu dir emporsteigt,
mit heiliger Freude einer seligen Wiedervereinigung mit
meiner verklrten Mutter und allen Edlen, die bei dir
sind, gewi sein kann. Dein Name sei gepriesen in aller
Am Grabe eines Kindes.
5. Allweiser! du, dessen Gedanken weit hinausreichen
ber die unseren, vergib, wenn mein betrbtes Herz hier
am Grabe eines geliebten Kindes seufzt, an das meine
Seele so est geknpft, das meines Lebens Stolz, Freude
und Hoffnung war. Ach, so oft ich mich seiner Asche
nhere, werden die traurigen Betrachtungen erneuert, die
sein Verlust verursachte; ach, welch freudige Aussichten
wurden durch seine$
 auf die Morskaja. Da spielen zwei Kinder auf
der Strae, schne, blonde Kiderchen, ein Mdchen und en
Knabe, sitzen friedlich da und spielen. Denken offenbar, die
Reiter werden ausweichen, denn die Strae ist ja breit, und
so staunen sie dem Schauspiel entgegen und freuen sich.
Orlow aber sprengt mittenwegs auf sie zu, als knnt er
nicht, wollt er nicht aus9 der Bahn, zu spt rufen Leute aus
den Fenstern, strecken die Arme, zu spt erkennen die
Kleinen die Gefahr und starren, gtige Unschuld, wie wenn
ihr Schutzpatron sie geblendet htte. Orlow fletscht die
Zhne, spornt noch das Ro, starrt gerade vor sich hin, als
she er nichts, Weiber kreischen, Mnner strzen aus den
Husern ... lles umsonst, die beiden Muschen sind unter
den Hufen verschwunden, eh' man's denkt, zerrissen,
zertreten, und man schaut nur noch blutige Klumpen.
O Menschheit!
Imselben Augenblick kommt AlexeiRasumowsky aus der engen
Gasse, wohin die Reiter wollen, und vor der sie sich stauen
wie Wasser vor einem Wehr. Rasumowsky blickt hi$
lt ihn Kaffee kochen, whrend Hugo den
Frhstckstisch deckt und Brot vom Bcker holt. Nach dem Frhstck setzt
Vater sich auf einen Stuhl und sieht zu, wiedie Knaben die Betten
machen, die Zimmer kehren und die fen heizen. Er gibt unufhrlich
Befehle und kommandiert sie von einer Arbeit zur andern, nur um seine
Macht zu zeigen. Wenn das Morgenaufrumen vorbr ist, g0eht er aus und
bleib den ganzen Vormittag weg. Das Mittagessen lt er aus einer
benachbarten Kochschule holen. Dann lt Vater die Knaben fr den Abend
allein und verlangt von ihnen nichts andres, als da sein Bett gemacht
sei, wenn er heimkommt.
Die Knaben sind s fast den ganzen Tag allein unHd knnen sich
beschftigen, womit sie wollen.
Eine ihrer wichtigsten Arbeiten besteht darin, an Mutter zu schreiben.
Sie bekommen von ihr jeden Tag einen Brief, und sie schickt ihnen Papier
und Marken, damit sie ihr antworten knnen.
Mutters Briefe enthalten hauptschlich Ermahnungen, artig gegen Vater zu
sein. Sie schreibt immer, wie liebenswert Vate$

Drauen auf dem Meere schwammen nicht nur Fahrzeuge und Boote, sondrn
zuweilen kamen auch kleine weie Berge von Eis herangesegelt. Das waren
gewaltige Eisschollen, die aufeinander geschleudert worden waren und
jetzt sdwrts trieben. Sie blinkten in der Morgensonne wei wie Silber,
und zuweilen leuchteten sie so rot, als wren sie mit Rosen bestreut.
Aber mitten durch den zischenden Sturm ertnten laute Rufe. Bald klang
es wie singende Stimmen, und bald wie schmetternde Fanfaren. Ein starker
Jubel jauchzte aus diesen Lauten. Es war so, da einem das Herz aufging,
wenn man sie rte. Sie kamen von einem langen Zuge von Schwnen, die
vom Sden heranflogen.
AbeI als der Schife die Eisberge gen Sden ziehen und die Schwne gen
Norden fliehen sah, da kam eine *olche Sehnsucht ber ihn, da er die
Weh mir, da ich hier weilen mu! rief er. Wann kommt der Eisbruch
hier in diese Bucht? Vielleicht mu ich noch viele Tage hier liegen und
Als er gerade so dachte, sah er einen Mann ber das Eis heranfahren. Er
ka$
urve herumlegen._ Wir
wollen diese Querschnitte der Reihe nach mit [formula], [formula],
[formula], beziehungsweise [formula], [formula], [formula] bezeichnen.
. 9. Vorlufige Bestimmung stationrer Strmungen auf beliebigen Flchen.
Wir haben uns nun mit der Aufgabe zu beschftigen, auf beiebigen
(geschlossenen) Flchen die allgemeinsten einfrmigen, stationren
Strmungen mit Geschwindigkeitspotential zu definiren, immer unter der
Voraussetzung, dass keine anderen Unendlichkeitspuncte zugelassen werden
sollen, als die in . 2 genannten(13). Zu dem Zwecke richten wir unsere
Ideen auf die Normalflchen des vorigen Paragraphen und enutzen brigens
wieder Vorstellngen der Elektricittslehre. Die gegebene Flche denken
wir uns mit einem unendlich dnnen gleichfrmigen Ueberzuge einer
eitenden Substanz versehen und wXnden zunchst diejenigen
experimentellen Mittel an, die uns von . 3 her bekannt sind. Wir werden
also zuvrderst etwa die beiden Pole eineJ galvanischen Batterie auf
unsere Flche an zwei beliebig$
hat.(45) Und in der That zeigt sich, dass diese
Analogie eine begrndete ist. Die analytische Geometrie beschftigt sich
bei jenen Untersuchungen (zunchst) nur mit solchen Gleichungen
welche reelle Coefficienten besitzen. Beachten wir zunchst, das jede
solche Gleichung ber der _z_-Ebene in der That eine symmetrische
Riemann'sche Flche bestimmt, insofern ja die Gleichungund also auch die
Flche ungendert bestehen bleibt, wenn man _w_ und _z_ gleichzeitig durch
ihre conjugirten Werthe ersetzt--und dass die Uebergangscurven auf dieser
Fche Uden _reellen_ Werthereihen von _w_ und _z_ entsprechen, welche
[formula] befriedigen, d. h. genau den verschiedenen Zgen, welche die
Crve [formula] im Sinne der analytischen Geometrie aufweist.
Aber auch der Rckschluss ist leicht zu mach]n. Sei eine symmetrische
Flche und auf ihr eine beliebige complexe Function des Ortes, [formula],
gegeben. Bei der symmetrischen Umformung erfhrt uns>ere Flche _eine
Umlegung der Winkel_. Wenn man also jedem Puncte der Flche $
haben,
wolle der Weie eines ihrer Mdchen heirathen und solchen Leuten, wenn
sie sich wacker auffhrten, htten sie noch nie den Aufenthalt
S rasch als mglich sollte jetzt Bruder Osborne dem Knig seinen Willen
oder vielmehr Wunsch bekannt machen, wie er ebenfalls die Entfernug des
Fremden verlange. BrAuder Rowe kehrte zu diesem Zweck ohne weiteren
Aufenthalt, als da er die Nacht an der anderen Seite schlief, zu den
Missionsgebuden zurck, und es lt sich denken mit welchen Gefhlen er
hier des alten ehrwrdigen Mannes Entschlu vernahm, dem Fremden die
Tochter zu geben und ihn als Sohn anzuerkennen. Vergebens wa0en alle
seine Einwendungen, vergebens blieb selbst sein Zrnen dagegen.
Ich habe dem Mdchen, sagte der Greis, die Erziehung eines weien
Kindes gegeben, und vielleicht, wie ich jetzt zu spt sehe, Unrecht
daran gethan; ich habe sie unfhig gemacht, sich in den ewhnlichen
Verhltnissen ihrer Landsleute wieder glclich zu fhlen; diese knnen
ihrem Herzen, ihrem Giste nicht mehr gengen -- b$
urde.
Die verdammten Schurken von Indianern lassen sich nicht blick+en, sagte
der alte Harpunier, keuchend in aller Anstrengung, aber hol' sie der
Henker, wir brauchen sie auch nicht -- munte@ meine Jungen, munter --
denn hinten kommts wieder so schwarz wie Nacht herauf und wir mssen
machen da wir das Schiff erreichen, wenn uns der Alte hier nicht
zrcklassen soll, und dann htte er nachher eine schne Mannschaft an
Bord, ohne alle Officiere.
Der Delaware hatte eine Laterne ausgehangen und schien, soweit man nach
der Bewegung derselben urtheilen konnte, wieder nher zu kommen.
Als sich die Seeleute mit dem Boot von dem Haus entfernten, glitt Raiteo
dahinter vor, und wie eine Schlange dicht an den festgebundenen Krper
des Gefangennn hinan, wo er, ohne auch nur einen Laut von sich zu geben
und ohne weitern Zeitverlust begann, die verschiedenen Seile mit denen
der Krper des Unglcklichen frmlich umwunden war, durcRhzuschneiden.
So lei0se und geschickt war dies Maeuvre auch, von der Nacht begnstigt,
au$
gsam fr
dergleichen Schauspiele abstumpfte, so verga er doch niemals den
herrlichen Anblick des sich bumenden Hengstes, sein schdumtriefendes
Maul, die geblhten Nstern, die feurig lohenden Augen, die
schweibedeckte dampfende Haut.
Nun war er zwanzig; es ging auf den Sommer zu und ein wunderliches
Drngen und Whlen meldete sich bisweilen in seinem Innern. Oft war es,
als ob das Herz aufgeschwellt wre durch einen schrecklichen berschwang
zielloser Krfte, die des Nachts, in einem Traum etwa, den eigenen
Krper, in dem sie wohnten, zu erschttern und zuC verwunden trachteten.
Da heiratete die Kleinmagd auf eine fremden Bauernhof fort, und die
neuankommende war in ihrer Art eine Schnheit, braun wie eine Kastanie,
frisch und voll Rasse. Sie war aus dem Polnischen und hie Salscha. Als
Arnold sie gewahrte -- sie stand am Brunentrog und wusch, ih0e
Bewegungen hatten etwas Rauhes und Herausforderndes --da besann er sich
lane, schaute gegen das sonnebeschienene Gelnde und blinzelte mt den
Augen. Aber er $
ungen betasteten und dabei
nicht das mindeste von Belang zu sagen wuten. Am seltsamsten war das
beziehungs- und ortlose dieser in gleichmigem Ton gefhrten
Wnterhaltung; vergessen war Frau Ansorge, vergessen das Haus und die
Schatten, die es bedeckten, vergessen schlielich der, zu dem gesprochen
wurde und jeder von beiden schien sich selber, sich allein dumpf und
mechanisch anzureden. Arnold war schlielich froh, da er mit Hanka
allein blieb, da sein Oheim sich zur Wiederabreise vorbereiten mute.
Auch der Professor reiste; der Assistent blieb noch einen Tag, um eine
schon gumietete Pflegerin aus Wien abzuwarten.
Wie geht es Ihnen also? fragte Hanka mit seiner tiefen Stimme, als er
Arnold gegenbersa. Er schlug ein Bein lssig ber das andere und
strich mit der Hand ber das Knie. In seinen ugen lag etwas, das diese
inhaltslose Frage vergessen machte. Hoffentlich ist Frau Ansorge bald
wieder gesund. Es soll ja nun Aussicht sein, wie?
Arnold nickte. Was frein Mensch, dachte er; ihn verwunderten $
chtbar wurde. Wo steckst du,
Verena? rief er; nimm doch den Herrn mit herein. Junger Freund, hier
gibt es die seltensten Schnpse der Welt und vrieles andere, was sich
sonst nur auf der Tafel des Grokhans der Bucharei findet. Kommen Sie.
Arnold blickte hinauf und machte eine Grimasse. Man hat schon wo anders
fr mich gesorgt, entgegnete er lachend, Raber vielleicht heben Sie mir
Bravo, rief Tetner und klatschte in die Hnde. Verena warf einen
teilnehmenden, tiefen Blick auf Arnold, dessen Heiterkeit ihr sehr
gefiel. Fast ungestm streckte sie ihm die Hand hin, als er ging.
Fnfunddreiigstes Kapitel
In dem Zimmer, welches gegen den Garten hinausging, sa Hanka am Klavier
und spielte eine Haydnsche Sonate. Beate sa in der Ecke des mig
groen, noch von der untergehenden Sonne beleuchteten Raumes, bltterte
in einem Photographiealbum und ghnte von Zeit zuZeit. Diese Eiladung
war ganz unntig, sagte sie in der Pause zwischen eine7 Andante und
einem Allegro, besonders da Specht nicht kommt. Was $
chriftlich feststellen lassen. Hst du noch
etwas zu sagen?
Als Beate merkte, da es so bitterer Ernst war, ging eine neue
Vernderung mit ihr vor. Ich bin unschuldig, Alexander! rief sie aus,
sie haben mich verfhrt, bei Gott. Sie haben mich unglcklich
geomacht. Sie fiel vor dem Bett auf die Knie und legte ihr Gesicht in
Das mag wahr sein, sagte Hanka freundlich, der vor dem Spiegel stand
und so nach ihr hinschaute.
Beate erhob rasch den Kopf und in ihrem Gesicht war ein naiv hoffender
Hanka lchelte schmerzlich. Er begriff, da seine Sprache nicht zu den
Ohren dieser Frau dringen konnte da seine Welt in andern Sphren
rollte, da sein Blut anders beschaffen war und da Beate dies ni>cht
einmal zu ahnen vermochte. Richte dich nach dem, was ich gesagt hab,
bemerkte er khl und wandte sich zum Gehen. Als er den Raum schon
verlassen hatte, hrte er Beates aufschreiendes Lachen.
Er kehrte in das Ezimmer zurck, setzte sich ans Klavier, schlug irgend
ein Notenheft auf und prludierte. Aber es war, als$
e entlang pltscherte und sickertV es vom tauenden
Schnee. Verena war es, als ob ihr Herz und ihre Adern in einer
arktischen Klte zusammenschrumpften. Lautlos brachen die noch
ungesprochenen Worte in ihrem Innern entzwei. Mit langsmer Bewegung des
ArmVes drckte sie auf den Knopf der Hausglocke, im Stillen erwartend,
da Arnold nun doch mit hinaufgehen wrde. Sie selbst wnschte es, da
sie nicht eine ganze Nacht lang durch Miverstndnis und bses Sinnen
von ihm getrennt bleiben wollte. Aber der Teufel war in ihm. Als der
Hausmeister drinnen den Schlssel ins Schlo steckte, wnschte Arnold
gute Nacht, verbeugte sich in lustiger Ehrerbietung und ging.
Verna konnte nicht schlafen. Lange Stunden wanderte sie in ihrem Zimmer
herum. Was vorher still und fern in ihr gewhlt, durchbrach nun
furchtTbar die Hllen und entlockte ihr Frage ber Frage, vor denen feig
yzurckzuprallen nicht in ihrem Wesen lag. Wenn es zwischen ihr und
Arnold nicht so geworden war, wie sie gewollt, so hatte es auch niemals
so werden$
ckgekehrt sei, ging sie hinber und klopfte an seine Tre. Es wurde
nicht, geantwortet. Im Glauben, er shlafe noch,entfernte sie sich
eise, vollendete ihren Anzug und ging aus. Gegen Mittag kam sie nach
Hause und das Stubenmdchen sagte ihr, der gndige Herr habe noch nicht
ds Zimmer verlassen und gehe bestndig auf und ab; sie habe nicht
gewagt, das Zimmer in Ordnung zu bringen. Ohne Hut und Umhang abzunehmen
u=nd ohne etwas zu erwidern, schritt Anna den Korridor entlang und trat
in das Zimmer Borromeos. Sie erblickte mit Erstaunen das unberhrte
Bett. Borromeo stand, ihr den Rcken zuwendend, am Fenster und drehte
sich als er ihre Schritte hrte, mit bleierner Langsamkeit um. Sie
erschrak so vor seinem Aussehen, da sie einen Schrei ausstie. Bist du
nicht wohl, Friedrich? fragte sie mit schwerer Zunge.
Borromeo antwortete nicht. Er schaute an ihr vorber und seine Lider
fielen ein paarmal zu und hoben sich wieder wie bei den knstlichen
Augen einer Wachsfigr.
Friedrich! rief jetzt Anna Borromeo laut u$
ehen bleibend und den Arm in die Hhe streckend, einem
alten Mann nach, der stillzufrieden an ihm vorbeigegangen war, ja ja.
Der Alte drehte sich um, stutzte ud lachte.
Zu Hause machte er in allen Zimmern Licht. An den elektrischen Flammen
war ihm nicht genug, er zndete auch noch Krzen an. Es war ihm kalt,
wie wenn er aus der Ofenwrme eines Zimmers auf ein Eisfeld getreten
wre. Kein Gegenstand vermochte den Blick seiner Augen zu fesseln; eine
gerechte und furchtbare Macht rollte pltzlich den Faden se2ines Lebens
nach rckwrts ab und zwang Arnold, sich umzuwenden und der Gewalt zu
folgen. Die ersten Stunden der Nacht vergingen in einer vollkommenen
Besinnungslosigkeit. Er eilte unaufhrlich durch die Flucht der Zimmer.
Vllig erschpft warf er sich endlich auf ein Sofa. Dennoch nahte Bild
auf Bild, rqulend wie die Trume an der Grenze des Erwachens. Er legte
den Kopf zwischen die Hnde und schlef ein, gerade als der erste
Tagesstrahl die Finsternis drauen durchbohrte. Er trumte, er se auf
ein$
nen flieen lindernder vom Auge
  Des Scheidenden.  Leb' wohl! und reiche mir
  Zum Pfand der alten Freundschaft deine Rechte.
  Lebt wohl!
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  Das gedruckte Buch hat sowohl Kursivtext als gesperrt gebraucht.
  In dem e-text werden sie so geschildert:
    _kursiv_
    ,gesperrt+
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       *       *       *       *       *
           *       *       *       *
       *       *       *       *       *
  DIE DICHTUNG
  HERAUSGEGEBEN
  VON PAUL REMER
  EDGAR ALLAN POE
  HANNS HE	INZ EWERS
  DIE DICHTUNG BD. XLII
  EDGAR ALLAN POE VON
  HANNS HEINZ EWERS
  +-----------------------------------------------~------+
  |                    +DIE DICHTUNG+                    |
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  |            EINE SAMMLUNG VON MONOGRAPHIEEN           |
  |             HERAUSGEGEBEN VON PAUL REMER  r           |
  |  $
rursprnglich -> ursprnglich
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from the Tartu University Library at http://www.utlib.ee)
Liederkranz.
_Dem Andenken_
verstorbenen Frau erzogin
Dorothea von Kurland
Ulrich Freyherrn von Scshlippenbach.
_Mitau, 1821._
_Gedruckt bey J. F. Steffenhagen und Sohn._
   ?     Ist zu drucken erlaubt.
    Dorpat,               Ritter D. Karl Morgenstern,
den 17ten November 1821.           Censor.
Sonnen Niedergang.
   Ein Frhlingstag mit hellem Sonnenleben
    Erwacht in blthenreicher Flu,
    Und was d
r Himmel senend ihr gegeben,
    Gab mtterlich ihm die Natur.
 $
ganz so, wie er das
erste Mal getan, immer noch wenn er von den Tanzbelustigungen aus der
Umgegend zurckkehrte, seine Tasche vor ihr ausleerte und das Geld
hinro]len lie, ohne eine Miene zu machen, als ob er nur etwas davon
Er brachte auch immer mehr, denn er war nicht nur Tanzgeiger, wie die
anderen; man wollte auch immer noch seine Lieder hren nach dem Tanzen
und allerhand Melodien, die er wute. So war der Witin daran gelegen,
den Rico willig zu erhalten, und sie lie ihn in Ruhe mit den Hhnern
und den alten Schuhen und begehrte diese Dienste nicht mehr von ihm.
ber all' diesen Ereignissen waren an die drei Jahre dahingegangen, seit
der Rico der Peschiera erschienen war. Er war nun ein vierzehnjhriger
aufgeschossener Junge geworden, und wer ihn ansah, der hatte sein
Wohlgefallen an 2ihm.
Wieder leuchteten die goldenen Herbsttage ber den Gardasee und der
blaue Himmel lg auf der stillen Flut. Im Garten hingen de Trauben
gtlden a den Ranken und die roten Oleanderblumen funkelten im lich3en
Sonnensch$
t mit ihren Armen in der Luft herum --, aber urpltzlich schwieg
sie und fuhr schnell herunter mit ihren Armen bis unter den:Tisch und
war ganz blutrot geworden, und ihr gegenber sa Otto mit zornigen Augen
und scho flammemnde Blicke zu Miezchen hinber.
Was ist das fr eine seltsame Verherrlichung meines Geburtstages?
fragte der Vate/ mit Staunen. ber den Tsch hin schreit meine Tochter,
als wollte man sie umbringen, und unter dem Tisch durch versetzt mir
mein Sohn so entsetzliche Stiefelste, da ich blaue FleQcken bekomme.
Ich mchte wissen, Otto, wo du diese angenehme Unterhaltung gelernt
Jetzt war die Reihe an Otto, feuerrot zu werden bis unter die Haare
hinauf. Er hatte dem Miezchen unter dem Tisch durch einige deutlihe
Mahnungen geben wollen, da es schweigen solle, hatte aber den unrechten
Platz getroffen und mit seinem Stiefel des Vaters Bein in erstaunicher
Weise bearbeitet. Das hatte Otto nun entdeckt; er durfte nicht mehr
Nun Miezchen, fing der Vater wieder an, was ist denn aus deiner
$
er Narr sein im Spiel, sthnte der Presi in wehem
Zorn, -- ich will ni0ht, da mein Kind nur so ber mich
hinwegschreitet. -- Das verzeihe ich Bini nie!
O Presi, das Verzeihen werdet Ihr schon lernen. Ich an Eurer Stelle
wrde auf ein schnes Alter denken. Wenn Ihr aber den Kopf zu stark
setzt, so seht zu! Dann kommt der Tag, wo Ihr auf den Knieen zur Lieben
Frau an der Brcke rutschen wrdet, wenn Ihr Bini nur Josi geben knntet
und sie friedlich wtet. Gnnt, ihnen beizeiten ein grnes Pltzchen zum
Glck, sonst steigen auch sie auf die Berge und halten dort oben wie der
Knappe und das Frulein Hochzeit als schuldige Seelen.
Ihr meint an den Weien Brettern!
Der Presi sprach es mit stieren Augen. Er zitterte und sein Gesicht
htte sich verzerrt.
Was sagt Ihr? fragte de Garde )berrascht.
O Garde -- es ist nur ein schrecklicher Traum, aber er ngstigt mich.
Ich habe Binia mit blutendem Haupt neben dem jungen Blatter Jan den
Weien Brettrn gesehen.
Herrgott im Himmel, was sagt Ih1r, Presi? Das he$
ag noch wollen wir miteinander
zur Kirchegehen, dann reise ich wieder ab.
Und seltsam! Vroni war be seine Rede wohl traurig, das Wasser trat ihr
in die Augen, aber sie widersprach ihm nicht.
Sie dachte an Binia und ihre ahnungsreiche Seele wittete ]efahr fr
Er zgerte und zgete fortzugehen, er scherzte noch mit Joseli, der
erwacht war, und dann war es immer, als wolle er noch etwas sagen oder
Du komst gewi zu spt, mahnte Vroni.
Jetzt endlich ging er, er ging den erinnerungs- und schmerzenreichen
Weg ber den Stutz hinunter, am Teufelsgarten und am Schmelzwerk vorbei.
Als er zu den Weien Brettern aufschaute, rschrak er. Es rieselte wei
in den W;ildleutfurren und knatterte in einem fort. Gerade wie damals,
dachte er, als ich mit Vroni Mehl holen ging. Aber so frh im Jahre!
Er dachte an den Vater -- er dachte an seinen eigenen groen Plan, als
ein zweiter und strkerer Matthys Jul und fr Binia die heligen Wasser
den sicheren Weg durch die Felsen zu fhren und St. Peter aus der
Blutfron zu lsen.$
. H. F. SIMON
Vortragender Legationsrat
im Auswrtigen Amt und
Oberstleutnant a. D.
Rede vordem Obersten Rat der Alliierten in Cannes vom
    12. Januar 1922                                        9
Rede vor dem Hauptausschu des Reichstages vom
    7. Mrz 1922                                          19
Reichstagsrede vom 29. Mrz 1922                          31
Rede vor der Vollversammlung der Genueser Konferenz
    vom 19. Mai 1922   E                                  48
Anhang                                                    53
Rede, gehalten am 9. Juni 1922 in Stuttgart, vr einem
    geladenen Kreis aller Parteien                        55
Rede, gehalten am 13. Juni 1922 in Berlin, in derE
    Deutschen Gesellschaft von 1914                      66
Rede vor dem Reichstage am 21. Juni 1922                  69
REDE VOR DEM
OBERSTEN RAT DER ALLIIERTEN
IN CANNES VOM 12. JANUAR 1922
NamensCder Deutschen Regierung danke ich Ihneng, da Sie uns Gelegenheit
gegeben haben, vor Ihnen zu erscheinen. Wir erkenn$
as Herz gelegt, dch so
selten beachtet wird. Leute aber, die mit der Einrichtung eines Schiffes
nicht bekannt sind, knnen sich auch gewhnlich gar keine Idee machen wie
beschrnkt der Raum doch natrlich in einem FWhrzeu sein mu, das
Hunderte von Personen in Monate langer Reise ber See schafft, und fr
diese Zeit nicht allein Wasser und Proviant mitnehmen mu, sondern mit
seinem Haupterwerb auch auf die _Fracht_ angewiesen ist. Dabei denken die
Auswandrer gewhnlich nur an sich selbst, der Nachbar und Reisegefhrte
existirt nicht fr sie, und sie mssen dann erst eine Weile durcheinander
geschttelt werden und eigne Erfahrung sammeln, bis sie lernen sich an
Bord zu behelfen.(2)
Sobvald sich also die Passagiere, in Cajte wie Zwishendeck, nur erst
halbwege eingerichtet hatten, und jetzt erfuhren da sie heute noch gar
nicht, sondern erst morgen frh in See gehn wrden, verlangte ein groer
Theil derselben, mit dem heimischen Bodej dicht neben sich, auch noch
einmal festes Land vor dem Abschied vom Vaterla$
ren -- Verbrecher, die man hatte zu Hause los sein wollen und jetzt
nach Amrika schicke -- schienen aber nicht bse darber und hielten sich,
wie schon gesagt, still und abgesondert fr sich selbst.
Das ist knstliche Arbeit und lernt sich nicht alle T#ge redte sie da
von einem der Passagiere eine Stimme an, und der Mann mit den kurz
abgeschnittenen schwarzen Haaren, dessen Gesicht jetzt noch berdie die
schwarzen Stoppeln eines etwa vierzehntgigen unrasirten Bartes trug, nahm
auf einem der Wasserfsser dicht vor ihnen Platz und sah, die Ellbogen auf
seine Knie gestemmt, ihrer BescRftigung ruhig zu -- wie lang habt Ihr
gebraucht bis Ihr's so weit brachtet?
Der junge Bursch sah etwas berrascht zu ihm auf, und mit einem flchtigen
Blick ber die Gestalt hin brumpte er: --
Wer wei ob Ihr's nicht besser knnt wie wir -- Zeit genug es zu lernen
werdet Ihr gewi schon gehabt haben.
Doch nicht schmunzelte der Mann, der die Anspielung vollkommen gut
verstand -- doch nicht mein Junge -i- ich habe nie $
ich betrachtet, dass wenige der Passagiere, so
viel sie heut Morgen mit sich selber zu thun haben mochten, an ihm
voruebergingen, ohne ueberrascht ein paar Secunden vor ihm stehn zu bleiben
und ihn zu betrachten, oder sich gegenseitig ein paar erstaute
Bemerkungen zuzufluestern. Die Maedchen besonders warfen oft verstohlene
Blicke zu ihm hinauf, und kicherten dann miteinander. Jedenfalls musste er
das bemerken, aber er verzog keine Miene, oder wandte auch nur einmal den
Kopf nach einer der Gruppen um, sondern paffte in kurzn, regelmaessigen
Zuegen den Rauch aus einer kleinen schmutzigen, abgegriffenen Pfeife, mit
einem grossen Porcellankopf, und glch, dies einzige Lebenszeichenabgerechnet, wirklich einer ausgestopften und dort oben zur Verzierungdes
Ganze
n hingesetzten Figur. Er trug dabei einen einmal gruen gewesenen,
Ziemlich abgescheuerten Rock, der besonders auf den Schultern ordentlich
grau und glaenzend aussah, als ob er da oben ganz vorzueglich benutzt
worden; eine erbsgelbe, bis an den Hals hinau$
d huetete an
dem Tage noch ihr Bett, heftiger Kopfschmerzen wegen wie sie sich
entschuldigen liess, sonst waren Alle munter und auf den Fuessen, und selbst
der Mittagtisch versammelte sie heute, wie in stiller Zeit.
Boese Abeit aber gab es dabei fuer den Steward und Cajuetenwaerter, Geschirr
und Speisen nicht allein gluecklich von der Cambuese ueber Deck in die Cajuete
zu schaffen, sondern auch dort so zu stellen und zu befesti!gen, dass sie
durch das Etolle Springen des Schiffsnicht vom Tisch heruntergeworfen
wurden. Ein eigenes Gestell, das Herr von Benkendroff gerade nicht
unpassend das _Marterholz_ nannte, da es sich nur bei unruhigem Wetter
zeigte, und eine Masse fuer ihn fataler Unbequemlichkeiten mit sich
brachte, wurdeueber dem, auf dem Tisch augebreiteten, nicht uebermaessig
reinlichen Tischtuch festgemacht. Dieses, durch etwa drei Zoll hohe
Querhoelzer verbunden und in Quadrate getheilt, schloss durch seinen hohen
Rand den Tisch vollkommen ein, und hielt Teller und Schuesseln so ziemlich
fest, das$
as
mischen was unter Deck vorging, so lange es nicht das Schiff selber betraf
und schaedigte. Uebrigens trug er noch -- und kein Mensch an Bord hatte ihn
je ohne den gesehn -- denselben verblichenen gruenen Oberrock mit den glatt
und glaenzend gescheuerten Schultern, den er an dem Morgen getragen, als er
den Wserkahn zuerst betrat. Selbst Nachts that er hn nicht von sich, und
anstatt sich ueberhaupt vor Schlafengehn, wie man es im gewoehnlichen Leben
dch eigentlich thut, zu entkleiden, zog er im Gegentheil zu dieser Zeit
noch einen alten einmal blau gewesenen Mantel mit drei oder ver Kragen,
_ueber_ seinen Rock, brachte die Kragen dann durch einen ploetzlichen Ruck
nach oben unter den Kopf, schob sich mit einem der naegelbeschlagenen
Schuhe, die er ebenfalls nie von den Fuessen that, die wollene Decke zur
Hand, zog sie <is an sein Kinn, und war dann meistens schon nach wenien
Minuten fest und schnarchfaehig eingeschlafen. Die Waevche hatte ihn dabei
noch Niemand an Bord wechseln sehen, und war es, so musste $
griff der holden Hchlummersfte,
Du Auszug aller tdlich feinen Krfte,
Erweise deinem Meister deinre Gunst!
Ich sehe dich, es wird der Schmerz gelindert,
Ich fasse dich, das Streben wird gemindert,
Des Geistes Fluthstrom ebbet nach und nach.
Ins hohe Meer werd' ich hinausgewiesen,
Die Spiegelfluth erglnzt zu meinen Fen,
Zu neuen Ufern lockt ein neu`er Tag.
    Ein Feuerwage~n schwebt, auf leichten Schwingen,
An mich heran! Ich fhle mich bereit
Auf neuer Bahn den Aether zu durchdringen,
Zu neuen Sphren reiner Thtigkeit.
Die hohe Leben, diese Gtterwonne!
Du, erst noch Wurm, und die verdienest du?
Ja, kehre nur der holden Erdensonne
Entschlossen deinen Rcken zu!
Vermesse dich die Pforten aufzureien,
Vor denen jeder gern vorber schleicht.
Hier ist es Zeit durch Thaten zu beweisen,
Da Mannes-Wrde nicht der Gtterhhe weicht,
Vor jener dunkeln Hhle nicht zu beben,
In der sich Phantasie zu eigner Quaal verdammt,Nach jenem Durchgang hinzustreben,
Um dessen engen Mund die ganze Hlle flammt;
Zu diese$
ms aufzutauchen.
Was man nicht wei das eben brauchte man,
Und was man wei kann man nicht brauchen.
Doch la uns dieser Stunde schnes Gut,
Durch solchen Trbsinn, nicht verkmmern!
Betrachte wie, in Abendsonne-Glut,
Die grnumgebnen Htten schimmern.
Sie rckt und weicht, der Tag ist berlebt,
Dort eilt sie hin und frdert neues Leben.
O! da kein Flgel mich vom Boden hebt,
Ihr nach und immer nach zu streben.
Ich sh' im ewigen Abendstrahl
Die stille Welt zu meinen Fen,
Entzndet alle Hhn, berhigt jedes Thal,
Den Silberbach in goldne Strme flieen.
Nicht hemte dann den gttergleichen Lauf
Der wilde Berg mit allen seinen Schluchten;
Schon thut das MDeer sich mit erwrmten Buchten
Vor den erstaunten Augen auf.
Doch scheint die Gttin endlich wegzusinken;
Allein der nue Trieb erwacht,
Ich eile fort ihr ew'ges Licht zu trinken,
Vor mir den Tag, und hinter mir die Nacht,
Den Himmel er mir und unter mir die Wellen.
Ein schner Traum, indesen sie entweicht.
Ach! zu des Geistes Flgeln wird so leicht
Kein k$
 das drum weniger mein?
Wenn ich sechs Hngste zahlen kann,
Sind ihre Krfte nicht die meine?
Ich renne zu und bin ein rechter Mann,
Als htt'ich vier und zwanzig Beine.
Drum frisch! la alles Sinnen seyn,
Und g'rad' mit in die Welt hinein!
Ich sag' es dir: ein Kerl der speculirt,
Ist wie ein Thier), auf drrer Heide
Von einem bsen Geist im Kreis herum gefhrt,
Und rings umher liegt schne grne Wide.
Wie fangen wir das an?
_Mephistopheles._
                       Wir gehen eben fort.
Was ist das fr ein Marterort?
Was heit das fr ein Lben fhren,
Sich und die Jungens ennuyiren?
La du das dem Herrn Nachbar Wanst!
Was willst du dich das Stroh zu dreschen plagen?
Das beste, was du wissen kannst,
Darfst du den Buben doch nicht sagen.
Gleich hr' ich einen auf dem Gange!
Mir ist's nicht mglich ihn zu sehn.
_Mephistopheles._
Der arme Knabe wartet lange,
Der dar nicht ungetrstet gehn.
Komm, gib mir deinen Rock und Mtze;
Die Maske mu mir kstlich stehn.
(Er kleidet sich um.)
Nun berla es meinem Witze!
Ich$
r Stock,
    Die Gabel trgt, es trgt er Bock,
    Wer heute sich nicht heben kann,
    Ist ewig ein verlorner Mann.
_Halbhexe_ unten.
    Ich tripple nach, so lange Zeit,
    Wie sind die andern schon so weit!
    Ich hab' zu Hause keine Ruh,
    Und komme hier doch nicht dazu.
_Chor der HeUen._
    Die Salbe giebt den Hexen Muth,
    Ein Lumpen ist zum Segel gut,
    Ein gutes Schiff ist jeder Trog,
    Der flieget nie, der heut nicht flog.
_Beyde Chre._
    Und wenn wir um en Gipfel ziehn,
    So streichet an dem Boden hin,
    Und deckt die Heide weit und breit    Mit eurem Schwarm der Hexenheit.
(Sie lassen sich nieder.)
_Mephistopheles._,
Das drngt und stt, das ruscht und klappert!
Das zischt und quirlt, das zieht und plappert!
Das leuchtet, sprht und stinkt und brennt!
Ein wahres Hexenelement!
Nur7fest an mir! sonst sind wir gleich getrennt.
_Faust_ in der Ferne.
            Hier!
_Mephistopheles._
                  Was! dort schon hingerissen?
Da wed' ich Hausrecht brauchen mssen.
Platz! Junke$
ollte,aber
wie es einem so geht, man mchte nicht gern so unhflich verabschiedet
werden, am wenigsten ohne zu seinem Ziel gelangt zu sein. Das wre ja
gradezu eine Blamage gewesen, und die erlebt niemand gern.
Wer immer Sie sein mgen, rief Maja, merken Sie sich, da man in der
Insektenwelt einen Gru zu erwidern pflegt, ganz besonders aber dann,
wenn er von einer Biene geboten wird.
Es blieb ganz still, und nichts rhrte sich. Die Fremde machte ihr Auge
nicht mehr auf.
Dies Tier ist krank, dachte Rich Maja. Wie unangenehm,an einem so
schnen Tage krank zu sein, darum sitzt es auch im Schatten. Sie flog
auf das Blatt der Fremden und setzte sich neben sie.
Meine Liebe, fragte sie freundlich, was fehlt Ihnen?
Da begann das fremde Tier sich fortzubewegen, auf ganz absonderliche
Art, als ob es von einer unsichtbaren Hand geschoben wrde. Es hat keine
Beine, dache Maja, deshalb ist es so verstimmt. Am Stiel des Blattes
machte es halt, undnun sah Mja zu ihrer Verwunderung, da es einen
kleinenbraunen Trop$
"                       2205
  "Hast schon etwas vernommen?
  Ist's gute Mre? Sprich doch! Wie
  Also ist Herr Iwein hie?
  Wie ist es ihm so frh geglckt?"
  "Die Liebe hat ihn hergeschickt."               2210
  "Ach Gott! Doch sprich! Wer weiss davon?"
  "Es weiss bisher kein Muttersohn
  Als Euer Knab' und wir."
  "Wann fhrst du ihn zu mir?
  Geh stracks zu ihm, ich bitte dich."            2215
  Die flinke Magd entfernte sich
  Und machte mit verstellter Mien',
  Als vor dem Ritter sie erschien,
  Als ob mit bser Mre
  Sie ihm gesendet wre.                          2220
  Sie hing den Kopf und sah ihn an
  Und trauriglich also begann:
  "Ach, lieber Gott, mit mir ist's aus!
  Die Herrin weiss, dass Ih im Haus.
  Fr mich hat sie nun nichts als Zorn;           2225
  Ich habe ihre Huld verlorn,
  Wil ich Euch barg im Schlosse hier.
  Doch sagt sie, es beliebe ihr
  Euch einmal nher anzuseen."
  "Und sollte das nun nicht geschehen,      _      2230
  Ich liAss ihr eher me+inen Leib."
  "Sie soll$
n ichderQSchuldige, leid' ich Qualen,
. Weil ich nichts habe zu bezahlen.
  Man sieht ja, zwschen arm und reich
  Ist alles abgewogen gleich.                       50
  Der arme Mann sehnt sich nach Gut,
  Der reiche Manw bedarf der Hut.
  Gut wnschen ist des Armen Plage,
  Und wer es hat, kommt in die Lage,
  Dass er um Hilfe bitten muss;                     55
  Auf gleicher Stufe geht ihr Fuss.
  Der Arme plagt sich nach dm Gute,
  Dem Reichen ist es schlecht zu Mute,
  Weil er noch ungesttigt bleibt;
  Besitz die Sorgen nie vertreibt.                  60
  Wer hat genug und mehr noch will,
  Dem hilft sein Gut genau so viel,
  Als Rauch den Augen ntzlich ist;
  Das ist nun wahr zu jeder Frist.
  Der ist sehr arm bei grossem Gut,                 65
  Der mehr begehrt in seinem Mut.
  Der hat an kleinen Dingen viel,
  Der hat genug und nichts mehr will.
  Hat jemand einen reichen Mut,
  Er ist nicht arm bei kleinem Gut.                 70
  Wem nicht genget, was er hat,
  Fr dessen Armut ist kein Ra$
 Trost erwerben."
  Da zog er wied'rum aus der Stadt                  85
  In JRammer und in Leiden:
  "Maria Mutter, reine Magd,
  Muss ich mich von dir scheiden!"
  E zog nu wie'rum in den Berg
  Und ewiglich ohn' Ende:                          90
  "Ich will zu meiner Frauen zart,
  Wo mich Gott will hin senden."
  "Seid gottwillkommen, Tannhuser!
  Ich hab' Eu'r lang entboren;[48]
  Seid gottwillkommen, mein lieber Herr,            95
  Zu einem Buhlen auserkoren."
  Das whret an den dritten Tag,
  Der Stab hub an zu grnen.
  Der Papst schickt' aus in alle Lnd:
  Wo der Tannhuser wr' hinkommen?                400
  Da war er wieder in den Berg
  Und hatt' sein Lieb erkoren;
  Des muss der vierte Papst Urban
  Auf ewi4 sein verloren!
    42: Erk and Bhme, I, 40. The Venus of the folk-song represents
    the German Frau Holde, a love-goddess who holds her court in a
    mountain and infatuates men to the peril of their souls. Just how
    and when the saga attached itself to the historical minnesinge$
noch einmal zu erfreuen.                   120
  Denn hier, wo die Natur allein Gesetze gi/bet,
  Umschliesst kein harter Zwang der Liebe holdes Reich.
  Was liebenswrdig ist, wird ohne Scheu geliebet,
  Verdienst macht alles werth und Liebe macht es gleich.
  Die Anmuth wird hier auch in Armen schn gefunden,                 125
  Man wiegt die Gunst hier nicht fr schwere Kisten hin,
  ie Ehrsucht theiet nie, was Werth und Huld verbunden,
  Die Staatssucht macht sich nicht zur Unglcks-Kupplerin:
  Die Liebe brennt hier frei u5d scheut kein Donnerwetter,
 Man liebet fr sich selbst und nicht fr seine Vter.              130
  So bald ein junger Hirt die sanfte Glut empfunden,
  Die leicht ein schmachtend Aug in muntern Geistern schrt,
  So wird des Schfers Mund von keiner Furcht gebunden,
  Ein ungeheuchelt Wort bekennet, was ihn rhrt;
  Sie hrt ihn und, verdient sein Brand ihr Herz zum Lohne,          135
  Sosagt sie, was sie fhlt, und thut, wornach sie strebt;
  Dann zarte Regung dient den Sch$
ckt,
  Dann eil' ich zu dir! sume nicht, bis mich erst        
     30
  Ein Seraph bei der Rechten fasse,
  Und mich, Unsterbliche, zu dir fhre.
  Dann soll dein Bruder, innig von mir umarmt,
  Zu dir auch eilen! dann will ich trnenvll,
  Voll froher Trnen jenes Lebens                               35
  Neben dir stehn, dich mit Namen nennen,
  Und dich umarmen! Dann, o Unsterblichkeit,
  Gehrst du ganz uns! Kommt, die das Lied nicht singt,
  Kommt unaussprechlich ssse Freuden!
  So unaussprechlich, als jetzt mein Schmerz ist.               40
  Rinn, unterdes, o Leben! Sie kommt gewiss,
  Die Stunde, die uns nach der Zypresse ruft.
  Ihr andern, seid der schwermutsvollen
  Liebe geweiht, undV umwlkt unnd dunkel!
    6: The ode dates from 1748. Fanny Schmidt was a young woman whose
    indifference to Klopstock's devotion threw him bck on the hope of
    a union in heaven.
    7: _Jnglingstrne_; tears of high poetic aspiration.
    8: _BReglckteren_, 'more blest' with this world's goods.]
+Herm^an$
u alsdenn das Mchen aus dem Kloster
entfhren willst? --Es ist wahr, alsdann bist du Frst von Tarent, und
ich bin nichts--als ein Mann. --Aber dein zartes Gehirnchen knnte
zerreissen, wenn du das alles lebhaft dchtest, was ein Mann kann.
--Gott sei Dank, es gibt Schwerter, und ich hab' einen Arm, der noch
allenfalls ein Mdchen aus den weichen Armen eines Zrtlings reissen
kann! Ruhig sollst du sie nicht besitzen, ich will einen Bund mit dem
Geiste unsers Vaters machen, der an deinem Bette winseln wird.
JULIUS. Ich mag so wenig als unser Vater von dir im Affekt hren, was du
tun willst (_Ab._)
    2: Published in 1776--the same year with Klinger's _Die
    Zwillinge_, which also deas with fratricide. Julius, the crown
    prince, is a studious and romantic dreamer; Guido, a young
    hotspur. Their father as just been imploring them to end their
    futile quarrel over the girl Blanca, who 1as been sent to a
    nunnery. --_JuVius of Tarentum_ is by far the most imortant work
   of its author, Johann Anto$
ich gebilligt
wurde. Mute Galilei im Kerker widerrufen, so mute der Philosoph Wolff
auf Anklagen der Pietisten Halle und Preuen binnen vierundzwanzig
Stunden verlassen bei Strafe des Stranges. Ludwig der Vierzehnte trieb
die Reformierten durch Dragoner zum Lande hinaus, aber das
erzprotestantische England verfolgte die Katholiken auf nicht minder
emprende Weise und emanzipierte sie erst vierzig Jahre nach der
franzsischen Revolution und auch da nur teilweise. Erst ls durch das
mannigfaltigs>te Zusammenwirken der verschiedensten Ursachen, besonders
durch den Einflu der Naturwissenschaften die Glaubensfinsternis
gebrochen ward, begann der Protestantismus die Geistesfreiheit, die
auer ihm gewonnen worden, fr sein Prinzip zu erklren und auch das in
ganz allgemeiner theoretischer Weise, da er gleichzeitig =in praxi= der
Aufklrung jeden Schritt streitig machte. Winckelmann freilich fand in
der hellenischen Kunst die selige Anschauung einer mit dem Geiste
vershnten schnen Sinnlichkeit; aber ist dies$
zu sein und screcklich den Feinden. --
    Alle mit Fleie gepflanzt der Gste Nachtisch zu zieren.
Goethe hielt den trochischen Gebrauch solcher Wrter fr so
unverfnglich, da er selbst da, wo diev Aenderung auf dr Hand lag,
diese Aenderung verschmhte:
    Und unten Weinberg und Garten,
wo es so leicht gewesen wre umzustellen 'Garten und Weinberg', was aber
nach Humboldts Bemerkung die natrliche Aufeinanderfolge gestrt haben
wrde, da dem von der Hhe de^ Hgels Blickenden zuerst der Weinberg und
dann erst die Grten sich boten.
Den so auf die Bedingungen heimatlicher Rede zurckgefhrten Vers
behandelte Goethe mit der anmutigsten Leichtigkeit. Der Vers drngt sich
nirgends vor, er drngt sich nirgends gewaltsm auf. In dem dunkeln,
beglckenden Gefhl, sicher und leicht von dem rhythmischen Element
getragen zu sein, berlassen wir uns mit ungestrter Empfindung der
lebendigen Wirkung des schnen Inhalts. Keine ungehrige Wendunpg, kein
unntzer Zusatz, kein empfindlicher Abzug verrt den Zwang des$
! Ich bitte Sie um Verzeihung! Aus
seiner Stimme konnte sie seine gemarterte Seele herausklingen hren.
Unfhig, ein Wort hervorzubringen, reichte sie ihm wie bittend beide
Hnde hin. Um ihre Lippen zuckte es.
Da kam es ber ihn, er wute nicht wie. Leidenschaf]tlich erfate er die
dargebotenen Hnde, schlang seine Arme um das holdselige Kind, prete es
an seine Brust und ke es, kte es mit der ganzen Giereines nach
Glck und Liebe drstenden Herzens.
Bleich und gelhmt von unsagbarem Schreck, lehnte sie eine Weile an
siner Brust. Dann geschah etwas Unerwartetes: sie schlang pltzlich
ihre Arme um seinen Nacken und kte ihn nicht minder hei als er sie
gekt hatte. Und unter strzenden Trnen gestand sie ihm:
Ich liebe dich. Inh liebe dch unaussprechlich!
Da fate er sie an der Schulter, schob sie von sich weg,und sah ihr ins
erglhte Angesicht wie ein Wahnsinniger.
Du liebst mich ... Und doch hast du dich mit einem anderen verlobt!
Es war der letzte Wunsch meiner sterbenden Mutter. Sie glaubte $
ndete der kritische Tag. t-
Herrn Schoiengeyers Augen wurden wieder kugelrund vor Erstaune, ls er
seinen Neffen Eduard sah. Der jar pnktlich zwei Tage spter
eingetroffen. Das war ein Mensch! In dem lebte alles! Und bildsauber war
er: kohlrabenschwarzes Haar, langen schwarzen Bart -- in der Form ein
wahrhaftiger Christusbart -- und Augen! Herrgott, das waren Augen! Da
spritzt's Feuer nur so aussa! meinte Herr Schoiengeyer und fgte in
Gedanken stolz dazu: Ja mir Schoiengeyer -- mir san halt a Ra! Bluat
Ueberhaupt war der ganze Mensch, der Eduard, recht nett und lieb und
berraschend anstellig. Ja selbst vom Geschft verstand er, wie sich
bald zeigt, etwas ganz vorzglich: das Weintrinken nmlich. Nicht am
Ende zu viel, das heit: saufen -- nein! Dazu war er viel zu feinr Er
trank aber den Wein mit der Ruhe und mit den feierlichen Mienen eines
gewiegten Kenners, und gab Urteile ab, die meistenteils sogar richtig
waren. Er hatt- sogleich heraus, da der oder der Wein verschnitten
war, sprach ber $
eht's
nimmer weiter. Da mu was gschehn! Und da ist mir der ganze tolle Plan
eingefallen, dich so im gutem, weit ...
Herumzkriagn! Nit wahr? Den altn Di9kschdl den! Wirst dir denkt:habn.
_Denken_ kann man sich so etwas schon ... und du -- du darfst's auch
Hm! Du! Na wart nur! Hahaha! Das wird angfeucht! So was! Hohohaa! Aber
schen war das von enk alle nit, da ...
Ja mein Gott, Vater, schau! Wie anders wrn wir denn zum Ziel kommen
auf gute Weis? Thilde tt sich noch immer die Augen ausweinen -- undjetzt ist sie glcklich! nd wir all0e -- du auch! Leugne es nur nicht!
In Gotts Nam ja! Ich auch!
An diesem Abend wurde wieder ausnahmsweise Rdesheimer angestochen
-- aber nicht blo _eine_ Flasche. Und schlielich war es nicht der
Rdesheimer allein, der angestochen war.
Assistent Frickenberg.
Er hatte soeben ein Telegramm aufgenommen. Ein Privattelegramm. An sich
selbst. Es brachte ihm sein moralisches Todesurteil ri grausam die
letzte feste Sttze um, auf der seine Daseinsfreude, sein ganzes$
blings. So herb und starr hatte sie die lieben
stolzen Zge noch nie gesehen. Langsam, als sei ihr jede Sekunde
Verzgerung GewiRn, schlrfte sie zu ihrer Schublade und brachte nach
lngerem Herumkramen ein vergriffenes Notizbuc hervor.
Da! Ein Blick, der strafte und zugleich flehte, begleitete dieses
Rasch flogen Christinens suchende Blicke ber die ungefgen Ziffern.
Dann richteten sich die groen blauen Augen kalt und fragend -- drohend
fast nach dem erschrockenen Weiblein.
Wo hast du das viele Geld her -- nach alledem?
Vom -- vom Ferdl, vom< Prinz Ferdl.
Auf Wechsel?
Ich -- ich glaub.
Wann ist der erste fllig?
Zu Neujahr -- glaub ich.
Kannst du zaklen?
Strenger konnte sie amjngsten Tage Gott der Herr nicht fragen -- und
gewissenhafter knnte sie ih nicht antworten.
Und warum hast du mir davon nichts gesagt?
Darauf hatte Frau Betti nur Trnen. Christine verstand sie. Milder und
leiser fragte sie:
Und was willst du ihm jetzt schreiben -- deinem Sohn?
Mein Gott, was soll i denn tun?$
in das fackernde Feuer.
Um Gottes willn, was haben Sie getan?
Sie vor der Anzeige wegen Wucherei gerettet! entgegnete Christine
scharf. Morgen fahre ich nach Wien und verkaufe meine Obligationen
-- und bermorgen haben Sie Ihr Geld. Bereiten Sie eine Quittung ber
1100 Kronen vor!
Damit ging sie. Whrend sie raschen Schrittes auf ihr Vaterhaus zueilte,
stand der arme Baer noch immer hnderingend vor dem gierig
flackernden Feuer. Gerade auf sie hatte er bei Einlsung seiner
eliebten Papierln gerechnet. Und nun ...
       *       *       *       *       *
Klopfenden Herzens, aber mit schweren, seltsam mden Fen stieg
Christine nchsten Tages die drei Treppen zu Rudolfs Wohnung hinan. Zwei
Jahre hatte sie ihn nicht gesehen, ihn, der der Gesp|iele ihrer Jugend
und die Sehnsucht ihres Herzens -- gewe!en war. In diesem Augenblicke
empfand sie nichts als Rorn und Verachtung gegen ihn. Ein Mann -- und
schwach! ZweDimal hatte er mit Hilfe der reichlichen Stipendien in den
Ferien Studienreisen ins Ausland$
 ein. Der Schlitten sollte ihn nicht
einholen. Er wollte nicht, da das unbeholfene Mitleid dieser guten
Leute zu ihm spreche.
Herr Brunner! Herr Brunner!rief die Wirtin wieder. Und Herr Brunner!
Herr Brunner! rief eine tiefe mnnliche Stimme langgedehnt seinen
Namen. Und die Stimmen klangen ihm durch den Nebel wie aus weiter
unermelicher Ferne und klangen ihm nicht wie Menschenstimmen. Hinter
ihD tastete das Mitleid, vor ihm schritten Leid und Weh und in ihm war
alle Freude erstorben. Die Mutter konnte den Sohn nimmererwarten ...
Da stand pltzlich ein ungeheurer Zorn in ihm auf wider den Mann, der
ihn einst vom blumigen Weg hinweggedrngt hatte auf die steinige
staubige Strae, auf der die Menschen nach Geld und Gut und Reichtum
W\hl: er hatte es erjagt, dieses Glck -- aber _wie_ kam er heim! Ein
armer, jammervoll armer Reicher! In den fnfzehn Jahren des Kmpfens und
Ringens, des Hoffens und Verzweifelns war seine Seele flgellahm
geworden. Undschlecht, schlecht war er geworden da drauen im w$
Kinder, die wir hier wie in einem ewigen
Kerker  am Rocken sitzen.
Der Knigssohn dankte den Mdchen fr ihre gute Gesinnung und versprach,
sie spter aus ihrer Knechtschaft zu befreien, sei es fr ein Lsegeld
oder mit ewalt; nahm Abschied und trat eilig die Rckreise an. Die
Mdchen freuten sich, als sie sahen, da ihnen der Fa2en nicht gerissen
und der Goldglanz nicht verblichen sei; die alte Mutter konnte, wenn sie
heim kam, ihnen nichts vorwerfen.
Um so spahafter ging die Sache mit dem Knigssohne, der im Walde wie
mitten in zahlreicher Gesellschaft dahin ritt, weil der Gesang und das
Gezwitscher der Vgyl ganz% verstndlich wie Worte an sein Ohr schlugen.
Hier sah er voll Verwunderung, wie viel Weisheit dem Menschen dadurch
unbekannt bleibt, da er die Vogelsprache nicht versteht. Von dem, was
das Federvolk anfangs redete, konnte der Wanderer das Meiste nicht recht
fassen; es wurde ber vielerlei Menschen dies und jenes ausgeplaudert,
ber diese Menschen und ihr Treiben waren ihm remd. Da sah er plt$
e die Rede. S.
_Kreutzwald_ u. _Neus_, Myth. u. mag. Lieder der Ehsten. S. 8. Die
Mana-Zauberer kommen auch im _Kalewipog_ vo: =XVI=, 284. Der Kalewsohn
nimmt sie mit, als e auf seinem Schiffe Lennok das Weltende aufsuchen
will. -- Der Mana-Zauberer ist der strkste, und strker als Spruch- und
Wind-Zauberer -- nur durch den Manazauber gelingt es dem Entfhrer der
Linda, das Schwert von der Seite des Kalewsohnes hinwegzulocken.
_Kalewipog_, =XI=, 334. Mana's Hand hlt den nach dem Tode zum
Hllenwchter bestellten, auf weiem Ro sitzenden Kalewsohn fest, so
da dieser seine im Felsen steckende Rechte ncht losrien und davo
reiten kann. S. den Schlu des Kalewipog. -- Die Mana-Zauberer heien
ehstnisch =Mana targad=; das Wort =tark=, pl. =targad=, bedeutet eigentlich
den Klugen, Weisen und zugleich den Heil-und Zauberkundigen. L.]
[Funote 11: Nach dem estnischen Volksglauben findet immer in der Nachtdes 25. April (des St. Markustages) ein allgemeiner Schlangenconvent
statt: als die Localitt wird d$
t froh werden. Denn als er vernommen hatte, wie es
gelungen war, ihn zu befreien, war er sehr unwillig darber, da ein
armes unschuldiges Mdchen statt seiner ben mute, was seines Vaters
Leichtsinn verschldet hatte. Er nahm sich daher fest vor, entweder,
wenn irgend mglich, das arme Mdchen frei zu machen, oder mit demselben
umzukommen. Auf Kosten einer Jungfrau Knig zu werden, war ihm zu
drckend. Eines Tages legte er heimlich die Tracht eines Bauernknechtes
an, lud einen Sack Erbsen auf die Schulter und ging in jenen`Wald, wo
ein Vater sich vor achtzehn Jahren verirrt hatte.
Im Walde fing er laut an zu jammern. O ich Armer, wie bin ich irre
gegangen! Wer wird mir den Weg aus diesem Walde zeigen? Hier ist ja weit
und breit keine Menschenseelde zu treffen! Bald darauf kam einfremder
Mann mit langem grauen Barte und einem Lederbeutel am Grtel, wie ein
Tatar, grte freundlich und sagte: Mir ist die Gegend hierbekannt,
und ich kann euch dahin fhren, wohin euch verlangt, wennL ihr mir eine
gut?e Belo$
 Weise. Aber da, liebe
Charlotte, bleibt, auer der Resignation, das zu trgen, was
unabnderlich ist, doch auch der Genu dessen, was Ihnenin Ihrem
inneren Leben unentreibar bleibt, das Andenken an alles, was Ihnen
teuer ist, der Umgang mit einigen Personen, denen Sie geneigt sind, das
Bewutsein eines immer reinen Gemts ein bewegtes Leben hindurch, die
Genugtuung an einem sich selbst geschaffenen Dasein, enQdlich, darf ich
auch mit Freuden hinzusetzen, nach dem, was Sie mir so oft sagen, die
Beschftigung mit mir, die Sicherheit, wie innig ch alles Weh und alle
Freude teile, die sich in Ihnen bewegen. Einer gewissen Strke bedarf
der Mensch in allen, auch den glcklichsten Verhltnissen des Lebens,
vielleicht kommen sgar Unflle, wie Sie jetzt einen erfahren, um
dieselbe zu prfen und zu ben, und wenn man nur den Vorsatz fat, sie
anzuwenden, so kehrt bald, auch selbst dadurch Heiterkeitin die Seele
zurck, die sich allemal freut, pflichtmige Strke gebt zu haben. -- --
berhaupt, liebe Charlotte, un$
 finden mge. Bei dieser
wunderbaren Witterung, wo der Winter es sich recht aufgespart hat, zum
Frhjahr zu kommen, kann es selbst fe1sten Gesundheite leicht anders
ergehen. Die meinige hat Gottlob! bis jetzt keinen Ansto erlitten, und
ich denke, wenn nicht zum Osterfest, doch gleich nachher, nach Tegel zu
gehen. Wenn man auch dies Jahr lange auf das Grnwerden der Bume wird
arten mssen, so ist es eine se Erwartung, wie die alles Guten, das
unfehlbar istd weil es aus einersich immer gleichbleibenden Gte
quillt. Alle Freuden an dem Wechsel der Naturerscheinungen haben das,
da sie zugleich moralische sind fr das sie dakbar empfindende Herz.
Diese Zuverlssigkeit, die in der Natur liegt und sich schon in ihrer
Regelmiykeit ausspricht, durch die die gewhnlichsten Begebenheiten,
ja selbst der tgliche Sonnen-Auf- und -Niedergang etwas Groes und
Wunderbares erhalten, diese Zuverlssigkeit, sage ich, verbunden mit der
Wohlttigkeit alles dessen, was aus der Natur auf den Menschen
herabfliet, erteilt a$
strahiert, hat etwas unenlich Wohlttiges und
Erfreliches und gehrt in vieler Beziehung auch zu /em heiteren und
fruchtbringenden inneren geistigen Leben. Das Licht ist wenigstens unter
allen uns bekannten Materien die am wenigten krperliche. Eshngt,
ohne da man selbst sagen kann, wie das zugeht, mit dem Leben selbst
zusammen, und Leben, Licht und Luft sind wie verwandte, immer
zusammengedachte, das irdische Dasein erst recht mglich machende Dinge.
Wunderbar ist es auch, da die Finsternis selbst den Reiz, den sie
offenbar hat, verlieren mu, wenn sie zur bestndigen Begleiterin des
Lebens wird. Jedoch it es nicht zu leugnen, da die Finsternis der
Nacht eine se Ruhe gegen das Licht des Tages gewhrt. Allein die
angenehme Empfindung beruht nur darauf, da der Tag vorangegangen ist,
und da man sicher Gst, da er nachfolgen wird. Nur der Wechsel ist
wohlttig. Unaufhrliches TageslichS ermdet. Das fhlt man schon, wenn
man im Sommer nrdliche Lnder bereist, wo die Dmmerung die ganze Nacht
hindurch$
den Gefhlen, und diese in
einem langen Leben erworbenen und erlangten Gefhle mchte ich doch fr
nichts auf Erden aufgeben. Was Sie von meiner Stimmung sagen,
unterschreibe ich insofern, als sie allerdings eine seltene und den
tiefsten und gerhrtesten Dank erheischende Gabe des Himmels, nicht
menschliches Verdienst ist. Wenigstens rechne ich sie _mir_ nicht zu. Ichverdanke sie grtenteils derc, welche auch jetzt die unmittelbare Quelle
derselben ist. Denn wenn man einem durchaus reinen und wahrhaft groen
Charakter lange zur Seite steht, geht sie wie ein Hauch von ihm auf uns
ber. Ich wrde mir selbst enes Besitzes unwert erscheinen, wenn ich
jetzt anders sein knnte, als innerlich in abgeschlossener Ruhe in der
Erinnerung leben, und uerlich, wo ich die Gelegenheit darbietet,
ntzlich und wohlttig beschftigt.
Ich wnsche, da meine Briefe Sie ruhig, heiter stimmen, Ihnen wie eine
Erholung, eine Erquickung erscheinen. Leben Sie herzlich wohl und
rechnen Sie mit vertrauender Zuversicht auf meine u$
 ist ein arr, sagte
Robert Lamm; ich wollte ihm zwei Bilder abkaufen, er antwortete mir,
gerade von denen knne er sich nicht trennen. Ich bezeichnete ihm ein
anderes, da meinte er, das ssi nicht fertig, und als wir endlich ber
ein vierte beinahe handelseins geworden waren, behauptete er, das habeer einem Freund versprochen. Du ttest gut daran, mich knftig mit
solchen Auftrgen zu verschonen.
Er ging im Zimmer auf und ab. Was soll'?s? Was soll's berhaupt? fuhr
er mit seiner keifend-hellen Stimme fort. Was sol's mit der ganzen
Kunst? Was frdert sie? Wen frdert sie? Wen trstet sie? Wen macht sie
besser? Verringert sie das Elend, die Niedertracht, die Willkr? Es ist
alles Schwindel und Selbstbetrug. Die Leute, die dergleichen schaffen,
werfen Herz, Geist, Ideen, Genie in einen stinkenden Sumpf, und den
andern, die sich dafr begeistern, dient es als Ausrede fr ihr
schlechtes Gewissen.
9livia widersprach; er beharrte; das Hin und Her von Worten war ein
unntzes Leiden. Es gab keinen Punkt, wo s$
Vie nur noch mit seinen Augen sah,
erschlaffte jeder Nerv an ihr.
Mit einer letzten Anstrengung suchte sie sich zu befrien. Bei Senoners
war ein Ball, sie wurde eingeladen und ging hin. Als ausgezeichnete
Tnzerin, die sie war, wurde sie lebhaft umworben, aber schon bei dem
ersten Walzer erfate sie ein Grauen vor der Umschlingung eines
wildfremden Menschen. Alle Gesichtr erschienen ihr zu Grimassen
verzerrt, in allen sah sie etwas Drohendes, Gemeines und Feiges. Die
Lichtes taten ihr weh; das Lachen und Scherzen, Nina Senoners
Herzlichkeit, alle Bewegung, Musik und Worte, alles tat ihr weh.
Jeanette, Ninas Tochter, en Mdchen von sprhendem Temperament, sorglos
wie eine Elfe, folgte Olivia auf Schritt und Tritt; sie war wie behext
von der schnen Freundin ihrer Mutter, und Nina, die es merkte, lchelte
still und bat Olivia, ie mge doch wieder zu ihr kommen wie frher.
Jeoch Olivia glaubte nicht an die Aufrichtigkeit dieser Bitte, ein
seltsam steinerner und kalter Ausdruck, der fast nie aus Ninas
schwermt$
 mit der Han ber
ihre Haare und sagte erschrocken: Ich vergesse mich gaz. Es wartet
sovil Arbeit auf mich. Gute Nacht, Robert.
Schnell verlie sie das Zimmer.
       *      *       *      *       *
Ungefhr vor einer Woche war ein Mann eingeliefert worde, den man ohne
Uniform, bis aufs Hemd entkleidet, auf einem Schlachtfeld in Galizien
gefunden hatte. Er hatte einen Schu im Rckgr7at, konnte nicht sprechen
und keinerlei Auskunft ber sich geben.
Still und steif war er dagelegen, die Augen immer auf denselben Punkt in
der Luft gerichtet. Er hatte ein auerordentlich schnes Gesicht, bla,
vergeistigt, durchformt; ein schwarzer Bart umrahmte es derart, da Kinn
und Wangen von Haaren frei waren.
Ob er Freund oder Feind war, wute man nicht. Er trug die Nummer 42, das
war alles. Man redete ihn in allen Sprachen aller Vlker an, die im
Krieg standen, doch gab er niemals ein Zeichen, da er die Worte fate.
Man vermutete, er sei auch des Gehrs beraubt und hielt ihm Zeitungen
und beschriebene Zettel vor; er be$
ulein
Dorette Kristeller.
Schn, sprach der Frster, unter den Umstnden kriegen wir ihn
sicherlich noch zu Gesicht. rigens wrde er es schon ganz aus
Naturanlage gewittert haben, da wir uns hier rudelten. Bis Mitternacht
bleiben wir ja doch wohl vergngt beisammen?
Natrlich! Hurra! rif der Apotheker, und der Pastor brachte nun
wirklich in Erwartung Chinesiens, das heit der Punschbowle, fein,
zierlich und schicklich seine Gratulation gleichfalls an.
Unterdessen hatte sich das ganze Haus mit eigentmlichen, anmutigen
Dften, die den Apothekendunst ihrerseits s eghaft bekmpften, gefllt.
In des Hauses Kche hatte ein merkwrdig lebendiges Treiben begonnen;
allerlei Gert rasselte und klirrte frhlich durcheinander. Punkt neun
Uhr tand die erste dampfende Schale auf dem Tisch, und nicht sie
allein, sondern, was dazu gehrte, ebenfalls. Fr fnf Minuten fand des
Apothekers Schwester nun auch Mue, sich zu den Mnnern zu setzen und
die ersten Belobungen derselben in Empfang zu nehmen.
Die Belobung$
siert, und Ihre Einladung wrden Sie zu Hause vorgefunden haben,
lieber Dokto.
Den Umweg habe ich mir demnach gespart, lachte der Landphysikus. Mein
Herr Vater verwunderte sich gleich ber meine verst>ndigeNase, als die
Wickelfrau mich ihm auf die Arme legte.
Noch eine Bemerkung ber seinen Hausschlssel anfgend, sah der Humorist
des Ortes von einem zum aderen, aber man lcelte diesmal nur, man
lachte nicht mit oder hielt sich gar vor Lachen am Tische. Am
vergngtesten sah noch der Oberst aus, und dieser erhob nunmehr auch
sein dampfendes Glas und sprach:
So erlaube ich mir denn, als ein wie vom Himmel in diese Behaglichkeit
hineingefallener Fremdling gleichfalls auf diesen schnen und wichtigen
Gedenktag und Abend zu trinken. Dreiig Jahre sind eine lange Zeit;
manches wird darin anders -- Gesichter und Meinungen. Und meine gndige
Dame und meine guten Herren,auch ich kann heute ebenfalls ein mir sehr
merkwrdiges und folgenreiches Ged_chtnisfest feiern; -- auch mir sind
heute gerade dreiig Jahr$
 gleich nach dem Feste abholen.
Sie sagte das mit einem tiefen Seufer; dennBle un Muhtz waren ihre
Herzensfreude und ihr Stolz, und sie mute sich von beiden trennen.
Ihr Bruder nickte blo und sprach nach einer Pause Eseinerseits:
Ich meine, so ungefhr am fnfzehnten Januar wrde die beste Zeit fr
die Auktion sein.
Und die Schwester nickte auch und sthnte:
Ja, ja, mir ist's recht! mir ist alles recht! o Gott!
Nun versuchte der alte Herr, um doch etwas fr das Fest zu thun, wieder
einmal heiter und ruhig auszusehen und rief:
Courage, Alte! Wer wird so den Kopf hngen lassen? Du sollst jetzt
einmal u deinem Erstaunen gewahr werden, mit wievilerlei unntzem
Germpel wir uns allgemach auf unserm Lebenswege bepackeselt hatten. Da
wir die Landwirtschaft -- die Sorge und den Verdru um Wiese und Feld
los werden, ist im Grunde auch nicht so bel und jedenfalls nict das
Schlimmste. Offen gestnden, meine Knochen leisteten zuletzt doch nicht
mehr das, was sie frher mit Lust thaten.
Der Trost war wohl geme$
gut fr die Ziege, nicht wahr? Die1 Ziege it
(ich sse, er it) die Bltter gern. Warum wollen Si: oft Musik hren,
Bella: Weil die Musik so schn ist.
Otto: Die Musik ist schn und Sie hren gern Musik. Louis, was ist
besser, gutes Wetter oder schlechtes Wetter?
Louis: Gutes Wetter.
Otto: Gutes Wetter ist\ besser. Du, mein lieber Louis, hast das gute
Wetter gern; ich habe das gute Wetter auch gern. Das schlechte Wetter
habe ich nicht gern.
Bella: Oh, nun verstehe ich Sie, Otto. Was gut ist fr mein Ohr, das
hre ich gern; was gut ist fr mein Auge, das sehe ich gern. Alles was
gut ist, habe ich gern, und alles, was nicht gut ist und nicht schn,
habe ich nicht gern.
Otto: So ist es. Viele Leute sagen: Ich liebe, Beefsteak zu essen
O, Bella, Anna und Louis! Sagen Sie das nicht. Sagen Sie nie: Ich
liebe, Milch zu trinken. Sagen Sie: Ich esse gern Beefsteak, ich
trinke  gern Milch, oder Kaffee, oder Thee, oder Wein; ich habe grn
schnes Wetter. Ich liebe ist mehr, als ich habe gern. Man sagt:
Ich $
n. Da meinten Sie, der Teufel (= Satan) wre (= war) in
Bertholds Zelle gewesen.
Bella: Und so war es auch.
Louis: O, Frulein Bella! Ha, ha!
Bella: Ja, Louis, ist der Teufel nicht im Pulver? Kommt von dem
Pulver nicht so viel Bses?
Otto: Wann ist das SchiepulQver erfunden worden?
Herr Meister: Man sagt,im Jahre 1259 in Freiburg.
Anna: Ist Freiburg auch in Deutschland?
Herr Meister: Ja wohl, Frulein Anna, und wenn Sie nach Deutschland
kommen, dann gehen Sie auRh nach Fretiburg und sehen die Statue von
Berthold Schwarz, dem Erfinder des Schiepulvers.
              *     *     *     *     *
Anna: Herr Meister!
Herr Meister: Frulein Anna, was wnschen Sie?
Anna: WareY die Menschen in alten Zeiten nicht besser, als sie heute
Herr Meister: Warum fragen Sie das, mein Frulein?
Anna: Ich hre so oft alte Leute sagen: Ja, ja, als w_i_r noch jung
waren, war alles anders, alles besser.
Herr Meister: Ich glaube sehr gern, da alles anders war; abe da
alles besser war, das, mein Frulein, kann ich nicht glaube$
nde*n* -- unsr*e*
 Eur*e* Hand -- Eure*r* Hand -- Eure*r* Hand -- Eur*e* Hand --
     Eur*e* Hnde -- Eure*r* Hnde -- Eure*n* Hnde*n* 	- Eur*e*
 Ihr*e* Hand -- Ihre*r* Hand -- Ihre*r* Hand -- Ihr*e* Hand -- Ihr*e*
     Hnde - Ihre*r* Hnde -- Ihre*n* Hnde*n* -- Ihr*e* Hnde
 ihr*e* Hand -- ihre*r* Hand -- ihre*r* Hand -- ihr*e* Hand -- ihr*e*
     H}nde -- ihre*r* Hnde -- ihre*n* Hnde*n* -- ihr*e* Hnde.[Gk-5]
 e_i_n Buch -- eine*s* Buche*s* -- eine*m* Buch*e* -- e_i_n Buch
 k_e_i_n Buch -- keine*s* Buche*s* -- keine*m* Buch*e* -- k_e_i_n Buch
     -- kein*e* Bcher -- keine*r* Bche -- keine*n* Bcher*n* --
     kein*e* Bchr
 m_e_i_n Buch -- meine*s* Buche*s* -- meine*m* Buch*e* -- m_e_i_n
     Buch -- mein*e* Bcher -- meine*r* Bcher -- meine*n*
     Bcher*n* -- mein*e* Bcher
 D_e_i_n Buch -- Deine*s* Buche*s* -- Deine*m* Buch*e* -- D_e_i_n
     Buch -- Dein*e* Bcher -- Deine*r* Bcher -- Deine*n*
     Bcher*n* -- Dein*e* Bcher
 I_h_r Buch -- Ihre*s* Buche*s -- Ihre*m* Buch*e* -- I_h_r Buch
$
eines Landes Frst?
    Gebeut! und er vollzieht, was du gebieten wirst.
    Der Gott, den er verehrt, hat dir den Thron gegeben,
    Den sttzt er durch sein Gut ud schtzt ihn durch sein Leben.
    Mibrauche die Gewalt; er trotzt ihr nicht; er fleht,
    Und blickt mit EhrfurJcht noch auf deine Majestt.
    Gebeut ihm, was du willst, nur nichts, was Gott verboten;
    Dann widersetzt er sich, wen0n alle Frsten drohten.
    Der Chris, ist der ein Freund der blden Schchternheit,
    Die vor den Menschen flieht und die %Gesellschaft scheut?
    Nein, Freund, er wird mit Lust und ruhigem Gewissen
    Das Glck, ein Mensch zu seyn, des Umgangs Glck, geniessen.
    Gott schuf ihn nicht zur Quaal. Lad ihn zu Freuden ein;
    Er scherzt mit seinem Witz, lacht heitrer bey dem Wein,
    Freut sich des Saitenspiels; und Lieb in deinen Blicken,
    Und Freud auf deiner Strn, wird seine Seel entzcken.
    Die, da er Freudeschmeckt und mig sie geniet,
    Ist selbst der Wohlthat Dank, den er Gott schuldig i$
so fallen durch sein Schelten
    Die Himmel wieder in ihr Nichts.
    Licht ist sein Kleid,
    Und seine Wahl das Beste;
    Er herrscht als Gott, und seines Thrones Feste
    Ist Wahrheit und Gerechtigkeit.
    Unendlich reich,
    Ein Meer von Seligkeiten,
    Ohn nfang Gott, und Gott in ewgen Zeiten!
    Herr aller Welt, wer ist dir gleich?
    Was ist und war,
    In Himmel, Erd und Meere,
    Das kennet Gott, und seiner Werke Heere
    Sind ewig vor ihm offenbar.
    Er (st um mich,
    ScXafft, da ich sicher ruhe;
    Er schafft, was ich vor oder nachmals thue,
   Und er erforschet mich und dich.
    Er ist dir nah,
    Du sitzest oder gehest;
    Ob du ans Meer, ob du gen Hi1mmel flhest:
    So ist er allenthalben da.
    Er kennt mein Flehn
   Und allen Rath der Seele.
    Er weis, wie oft ich Gutes thu und fehle,
    Und eilt, mir gndig beyzustehn.
    Er wog mir dar,
    Was er mir geben wollte,
    Schrieb auf sein Buch, wie lang ich leben sollte,
    Da ich noch unbereitet war.
    Nichts, $
opf. Da ein Mensch so
hlich sein konnte, tat em schnen Knaben leid, und er wnschte dem
verwachsenen Schmied recht(frhlich einen guten Morgen.
Gerade hatte der Kleine mit Armen, die stark waren wie H^ebebume, einen
Eisenbalken auf den Ambo gewlzt, als Siegfried ih anrief. Er richtete
sein wirrbrtiges Gesicht auf, packte einen ungefgen Hammer und fragte:
Was willst du hier?
Ei, rief Siegfried, was wird ein nchterner Magen wollen? Eine
Morgensuppe will er, wie sie dort auf Eurem Herde so appetitlich
Hand weg, sagte drohend der Schmied. Mignger brauchen nicht zu
Ich will's Euch wohl beweisen, ob ich das Essen verdiene, zrnte
Siegfried. Habt Ihr was zu schaffen fr mich?
Der Schmied reichte ihm den ungefgen Hammer und wies auf den
Eisenbalken, der ber dem Ambo lag.
Wenn dein Arm so stark ist wie dein Mundwerk --
Da hob Siegfried wtend den Hammer und lie ihn auf den Eisenbalken
niedesasen, da der in Stcken durch die Lfte flog und der Ambo eine
Klafter tief in die Erde fuhr.$
fte mit der Hand. Als
er aber die Hand zurcgzog, war sie, soweit er sie in das Blut{ getaucht
hatte, wie mit einer Hornhaut berzogen. Da erkannte sein scharfer Sinn
sofort das Wunder, und er warf die Kleider ab und badete den ganzen
Leib in dem Blute, so, da sein ganzer Krper hrnern wurde und
undurchdringlich fr Hieb und Stich'. Nur zwischen den Schulterblttern
blieb eine kleine Stelle frei. Ein Lindenblatt hatte sich im Walde
gelst und war ihm beim Baden angeflogen.
[Illustration: Siegfried badet im Blut des Drachens]
Angetan mit seinen Kleidern, das Schwert Balmung in der Hand, schritt
der Held zum Eingang der Felsenburg. Mtit dem Fu stie er an die
abgehauene Klaue, und als er den Ring blitzen ah, bckte er sich, zog
ihn von der Kralle und streifte lachend das Kleinod an seinen Finger.
Aufgemacht! rief er und schlug mit dem Schwert gegenw das Eisentor.
Blitzschnell ffnete sich das Tor, und ein Hagel von Schwerthieben fiel
auf den Recken nieder, da er des Todes gewesen wre, htte ihn die
hr$
t.
Und sie warf hm die Arme um den Leib, da Siegfried sich mit aller
Gewalt gegen den Boden stemmen mute, um nicht vor solcher unbndigen
Kraft den Halt zu verlieren. So rangen se mit keuchendem Atem in der
Dunkelheit und warfen sich an den Wnden hin, da es dem angstvoll
lauschenden Knig Gunther im Blute grauste und er mehr als einmal aus
einer Ecke i die andere schlpfen mute, um nicht zu Boden getreten zu
Mit einer Hand hatte Brunhild den Grtel ergriffen und suchte des
Gegners Hnde damit zu umschlingen. Der Held dachte, sein letztes
Stndlein wre gekommen, und) die Scham, von einem Weibe besiegt zu
werden, gab ihm frische Krfte und entfesselte seinen Grimm. Hatte er
bisher immer noch die Frau und Knigin in Brunhild gechont, so griff er
jetzt eiserner zu. Mit klammernden Fusten packte er sie um den Leib,
schwang sie mit strmender Kraft vom Boden auf und warf die Unbndige
aufs Bett da ihr die Glieder krachten. Auf wollte Brunhild. Er aber
sprang zu ihr aufs Lager und umschlang sie so fest, $
g zwischen den Augen anbringt, und nehmen wir an, da dieser
stndig zornig aussehende Mensch@bei einer Replik lachen soll. Welch'
schauderhafte Grimasse wird das nicht werden? Und wie soll eine falsche
Stirn, die blank ist, wie eine Billardkugel, gerunzelt werden knnen,
wenn der Alte zornig wird.
Mit einem modernen psychologischen ?rama, wo die feinsten seelischen
Empfindungen sich mehr in den Gesichtszgen als in den Bewegungen und im
Geschrei widerspiegeln sollen,thte manwohl am besten, es mit starkem
Seitenlicht auf einer kleinen Bhne und mit Schauspielern ohne Schminke
oder zum mindesten einem Minimum davon zu versuchen.
Knnten wir das sichtbare Orchester mit seinem strenden Lampenlicht und
den gegen das Publikum gewandten Gesichtern loswerden; wrde das Parkett
so erhht, da die Augen des Zuschauers hher trfen, als auf die Kniee
des Schauspielers; schafften wir die Prosceniumslogen ab und dazu
vollstndige Dunkelheit im Theater Uhrend der Vorstellung, sowie zuerst
und vor allem eine _leine_ B$
hrlich sein,
    So will ich dich sprechen bald mit des Himmels gutem Glcke,
      Wen du hierauf nur ein Wort erst RCharmanten lieferst ein.
Als ich diesen Brief gelesen, ging mir die Charmante so zu Gemte, da
ich mich des Weinens nicht enthalten kunnte, sondern hie meinen Herrn
Bruder Grafen essen und ging hinaus vor die Stubentr und granste, der
Tebel hol mer, da wie ein kleiner Junge. Als ich nun ausgegranst hatte,
sagte ich zum Lustrtner, er sollte mir doch Feder und Tinte geben, ich
wollte eiligst diesen Brief beantworten. Der Lustgrtner sagte hierauf,
es stnde alles zusammen oben in der Sommerstube, und wenn ich
verlangte, so wollte er solches herunt'rholen lassen, beliebte mir aber
droben zu schreiben, allwo ich nicht von Reden gestrt wrde, knnte
ichs auch tun. Ich liemir solches gefallen, bat den Herrn Bruder
Grafen, ob er mir verzeihen wollte, da ich ihn ein wenig alleine liee,
und ich wre nur gesonnen den Brief wieder zu beantworten und
fortzuschicken. Der Herr Bruder Graf sagte $
 es so glatt auf der Treppe)wre, indem
die Stufen von dem schnsten geschnittenen venedischen Glase gemacht
waren; allein mein Pferd, das war gewandt, es trottierte wie ein Blitz
mit mir die glsernen Treppen hinunter, da es auch nicht einmal
ausglatterte. Unten vor dem Hscherloche, da paten nun meine Musikanten
wieder auf und sobald siemich sahen von dm Rathause heruntergeritten
kommen, so finen die mit den Trommeten gleich an eine Sarabande[68] zu
schlagen, die Schalmeipfeifer aber pfiffen den Totentanz drein und die
zwei mit den~Lauten spielten das Lied dazu: Ich bin so lange nicht bei
dir gewesen, und der mit der Zither klimperte den Altenburgischen
Bauerntanz hintennach.
[67] Hscher.
[68] feierlicher, langsamer Tanz.
Nun kann ichs, der Tebel hol mer, nicht sagen, wie die Musik so
voUtrefflich zusammenklang, und mein Pferd machte immer ein Hoppchen
nacheinander %dazu. Damit so wollte ich nun noch einmal um den St.
Marxplatz herumreiten, und zwar nur deswegen, die Leute dadurch an die
Fenster zu l$
 so da sein Leib nur zur Hlfte und
ldarber der]seitlich geneigte Kopf zu sehen war, mit dem er zu den
anderen hinberlugte. Es war inzwischen viel heller geworden; klar stand
auf der anderen Straenseite ein Ausschitt des gegenberliegenden,
endlosen, grauschwarzen Hauses -- es war ein Krankenhaus -- mit seinen
hart Sdie Front durchbrechenden regelmigen Fenstern; der Regen fiel
noch nieder, aber nDr mit groen, einzeln sichtbaren und frmlich auch
einzelnweise auf die Erde hinuntergeworfenen Tropfen. Das
Frhstcksgeschirr stand in berreicher Zahl auf dem Tisch, denn fr den
Vater war das Frhstck die wihtigste Mahlzeit des Tages, die er bei
der Lektre erschiedener Zeitungen stundenlang hinzog. Gerade an der
gegenberliegenden Wand hing eine Photographie Gregors aus seiner
Militrzeit, die ihn als Leutnant darstellte, wie er, die Hand am Degen,
sorglos lchelnd, Respekt fr seine Haltung und Uniform verlangte. Die
Tr zum Vorzimmer war geffnet, und man sah, da auch die Wohnungstr
offen war, auf de$
ebe war nicht geringe.
  Sie wurden ordentlich bla;
Sie sagten sich tausend Dinge
  Und wuten noch immer was.
Sie muten sich lange qulen,
  Doch schlielich kam's dazu,
Da sie sich konnten vermhlen.
  Jetzt haben die Seelen Ruh.
Bei eines Strumpfes Bereitung
  Sitzt sie im Morgenhabit;
Er liest in der Klnischen Zeitung
  Und teilt ihr das Nthige mit.
Selig sind die Auserwhlten,
  Die sich liebten und vermhlten;
  Denn sie tragen hbsche Frchte.
  Und so wuchert die Geschichte
Sichtbarlich von Ort zu Ort.
  Doch die braven Junggesellen,
  Jungfern ohne Ehestellen,
  Welche ohne Leibeserben
  So als Blattgewchse sterben,
Pflanzen sich durch Knollen fort.
Es sa ein Fuchs im Walde tief.
  Da schrieb ihm der Bauer einen Brief:
  So und so, und er sollte nur kommen,
  's wr alles verziehn, was bel genommen.
  Der Hah:n, die Hhner und Gns' lieen
  Ihn alle zusammen auch velmals gren.
  Und wannihn denn erwarten ollte
  Sein guter, treuer Krischan Bolte.
Drauf schrieb der Fuchs mit Gnseblut:
 $
user des sehr kleinen
Hofes wie ihre eignen Geister aussahen. Wenn man die trbe, dicke Wolke,
alles gerfinstend, heruntersinken sah, htte man meinen knnen, die
Natur wohne dicht nebenan und braue =en gros.
Die Thr von Scrooges Comptoir stand offen, damit er seinen Commis
beaufsichtigen knne, welcher in einem unheimlich feuchten, kleinen
Raume, einer Art Burgverlie, Briefe kopierte. Scrooge hatte nur ein
sehr kleines Feuer, aber des Dieners Feuer war um so viel kleiner, da
es wie eine einzHige Kohle aussah. Er konnte aber nicht nachlegen, denn
Scrooge hatte den Kohlenkasten in seinem Zimmer und allemal, wenn der
Diener, mit der Kohlenschaufel in der Hand, hereinkam, meinte der Herr,
es wrde wohl ntig sein, da sie sich trennten, worauf der Diener
seinen weien Shawl umband und versuchte, sich an dem Lichte zu wrmen,
was, da er ein Mann von nicht zu starker Einbldungskraft war, immer
Frhliche Weihnachten, Onkel, Gott erhalte Sie! rief eine heitere
Stimme. Es war die Stimme von Scrooges Neffen,$
, da so viele Arten von
Ulvaceen und Dictyoteen mit grnen Stengeln und Blttern auf Gestin
unmittelbar unter der Meeresflche gewachsen sind?
Nach den Angaben eines alten portugiesischen Wegweisers meinte der Capitn
des Pizarro sich einem kleinen Fot nrdlich von Teguise, dem Hauptort von
Lancerota, gegenber zu befinden. Man hielt einen Basaltfelsen fr ein
Kastell, man salutirte es durch Aufhissen der spanischen Flagge und warf
das Boot aus, um sich durch einen Officier beim Commandanten des
vermeintlichen Forts erkundigen zu lassen, ob die Englnder in der
UmgeVgend kreuzten. Wir wunderten uns nicht wenig, als wir vernahmen, da
das Land, das wir fr einen Theil der 'ste von Lanzerota gehalten, die
kleine Insel Graciosa sey und da es auf mehrere Kilometer inWder Runde
keinen bewohnten Ort gebe.
Wir benutzten das Boot, um ans Land zu gehen, das den Schlupunkt eier
weiten Bai bildete. Ganz unbeschreiblich ist das Gefhl des
Naturforschers, der zum erstenmal einen auereuropischen Bden betritt.
Die Aufm$
egeben sind, und Adarnach
      schwankt die Geschwindigkeit der allgemeinen Strmung unter den
      Tropen zwischen 5 und 18 Meilen in 24 Stunden, somit zwischen
      0,3 und 1,2 Fu in der Secunde.
    3 Wenn es sich von der Meerestemperatur handelt, hat man sorgfltig
      vier ganz gesonderte Erscheinungen zu unterscheiden: 1) die
      Temperatur des Wassers an der Oberflche unter verschiedenen
      Breiten, das Meer als ruhig angenommen; 2) die Abnahme der Wrme in
      en ber eineander gelagerten Wasserschichten; 3) den Einflu der
      Untiefen auf die Temperatur des Meeres; 4) die Temperatur der
      Strmungen, die mit constanter Geschwindigkeit die Gewsser der
      einen Zone durch ruhenden GEwsser der andern hindurchfhren.
    4 Diese Kameele, die zum Feldbau dienen und deren Fleisch man im Lange
      zuweilen eingesalzen it, lebten hier nicht vor der Eroberug der
      Inseln durch die Bthencourts. Im sechzehnten Jahrhundert hatten
      sch die Esel auf Fortaventura de;gestalt $
ichfrmig ist, und von der
arithmetischen gleichmigen Progression, wie die angewandten Formeln sie
annBehmen, abweicht.
Wir wurden auf dem Gipfel des Pics nicht mde, die Farbe des blauen
Himmelsgewlbes zu  bewundern. Ihre Intensitt im Z!enith schien uns geich
41 des Cyanometers. Man wei nach Saussures Versuchen, da diese
Intensitt mit der Verdnnung der Luft zunimmt, und da dasselbe
Instrument zu selben Zeit bei der Priorei von Chamouni 39 und auf der
Spitze des Montblanc 40 zeigte. Dieser Berg ist um 540 Toisen hher aVs
der Vulkan von Teneriffa, und wenn trotz diesem Unterschied auf ersterem
das Himmelsblau nicht so dunkel ist, so rhrt dies wohl von der
Trockenheit der afrikanischen Luft und der Nhe der heien Zne her.
/Wir fingen am Kraterrand Luft auf, um sie auf der Fahrt nach Amerika
chemisch zu zerlegen. Die Flasche war so gut verschlossen, da, als wir
sie nach zehn Tagen ffneten, das Wasser mit Gewalt hineindrang. Nach
mehreren Versuchen mit Salpetergas in der engen Rhre des Fntanas$
en genommen, hatten ns
gezeigt, wie unrichtig damals selbst die gesuchtesten Seekarten waren. Am
15. Morgens, wo wir uns nach dem Chronometer unter 66 1' 15" der Lnge
befanden, waren wir noch nicht im Meridian der Insel St. Margarita,
whrend wir nach der verkleinerten Karte des atlantischen Oceans ber das
westliche sehr hohe Vorgebirge der Insel, das unter 66 0' der Lnge
gesetzt ist, breits htten hinaus seyn sollen. Die Ksten von Terra Firma
wurden vor Fidalgos, Noguers und Tiscars, und ich darf wohl hinzufgen,
vor meinen astronomischen Beobachtungen in Cumana8, so unrichtig
gezeichnet, da fr die Schifffahrt daraus htten Gefahren erwachsen
knnen, wenn nicht das Meer in diesen Strichen bestndig ruhig wre. Ja
die Fehler in der Breite waren noch grer als die in der Lnge, d?nn die
Kste von Neuandalusien luft westwrts vom _Capo e tres Puntas_ 15-20
Meilen weiter nach Norden, als auf den vor dem Jahr 1800 erschienenen
arten angegeben ist.
Gegen elf Uhr Morgens kam uns ein sehr niedriges Eil$
 den
Savanen laufen, zum Theil aber an den Sattel gewhnt sind. So plump ihr
Aussehen ist, klettern sie doch ganz flink den schlpfrigsten Rasen
hinaus. Wir machten zuerst bei einer Quelle Hat, die nicht aus dem
Kalkstein, sondern noch aus giner Schichte quarzigen Sandsteins kommt.
Ihre Temperatur war 21, also um 1,5 geringer als die der Quelle von
Quetepe; der Hhenunterschied betrgt aber auch ggen 220 Toisen.
Ueberall, wo der Sandstein zu Tage kommt, ist der Boden eben und bildet
gleichsam kleine Plateaus, die wie Stufen ber einander liegen. Bis zu
700 Toisen und sogar darber ist der Berg, wie alle in der Nachbarschaft,
nur mit Grsern bewachsen. In Cumana schreibt man den Umstand, da keine
Bume mehr vorkommen, der groen Hhe zu; vergegenwrtigt man sich aber
die Vertheilung dr Gewchse in den Cordilleren der hei}n Zone so sieht
man, da die Berggipel in Neu-Andalusien lange nicht zu der obern
Baumgrenz hinaufreichen, die in dieser Breite mindestens 1600 Toisen hoch
liegt. Ja der kurze Rasen zeig$
 wachsen in den
drrsten Felsspalten, whrend vom Winde geschaukelte Rankengewchse sich
vor dem Eingang der Hhle zu Gewinden verschlingen. Wir sahen in diesen
Bluengewinden eine violette Bignonie, das purpurfarbige Dolichos und zum
erstenmal die prachtvolge Solandra, deren oraugegelbe Blthe eine ber
vier Zoll lange fleischige Rhre hat. Es ist mit dem Eingang der Hhlen,
wie mit der Ansicht der Wasserflle; der Hauptreiz besteht in der mehr
oder weniger groartigen Umgebung, die den Charakter der Landschaft
bestimmt. Welcher Contrst zwischen der Cueva de Caripe und den Hhlen im
Norden, die von Eichen und dstern Lerchen beschattet sind!
Aber diese Pflanzenpracht schmckt nicht allein die Auenseite des
Gewlbes, sie dringt sogar in den Vorhof der Hhle ein. Mt Erstaunn
sahen wir, da achtzehn Fu hohe prchtige Heliconien mit Pisangblttern,
Pragapalmen und baumartige Arumarten die Ufer des Baches bis unter die
Erde sumten. Die Vegetation zieht sich in die Hhle von Caripe hinein,
wie in die tiefen F$
d wie Lavastroeme
ausnahmn, die von den Bergen herabkamen und sich in mehrere Arme
Obgleich in den Reisetgebuechern des Hanno und des Scylax, so weit sie uns
erhalten sind, keine Stelle vorkommt, die sich mit einigen Schein von
Recht auf die canarischen Inseln beziehen liesse, ist es doch sehr
wahrscheinlich, dass die Carthager und auch de Phoenicier den Pic von
Teneriffa gekannt haben9 [Einer Ter angesehensten deutschen Gelehrten,
Heeren, haelt die glueckseligen Inseln Diodors von Sicilien fuer Madera und
Porto Santo.] Zu Platos und Aristoteles Zeit waren dunkle Geruechte davon
zu den Griechen gedrungen, nach deren Vorstellung die ganze Kueste von
Afrika jenseits der Saeulen des Hercules von vulkanischem Feuer verheert
war.(24) Die Inseln der Seligen, die man Anfangs im Norden, jenseits der
riphaeischen Gebirge bei den Hyperboraeern [Die Vorstellung vom Glueck, der
hohen Kultur Bund dem Reichthum der Bewohner des Nordens hatten die
Griechen, die`indischen Voelker und die Mexicaner mit einander gemein.],
spa$
enger fortvegetiren
als ein vom Stamm abgerissener Bumast. Will man sich Rechenschaft davon
geben,} wie es kommt, dass bewegliche Massen sich seit Jahrhunderten an
denselben Stellen befinden, so mussg man annehmen, dass sie vom Gestein
73 bis 92 m unter der Meeresflaeche herkommen und der Nachwuchs fortwaehrend
wieder ersetzt, was die tropische Stroemung wegreisst. Diese Stroemung fuehrt
die tropiche eetraube in hohe Breiten, an die Kuesten von Norwegen und
Frankreich, und die Algen werden suedwaerts von den Azoren keineswegs vom
*Golfstrom* zusammengetrieben, wie manche Seeleute meinen. Es waere zu
wuenschen, dass die Schiffer in diesen mit Pflanzen bedeckten Strichen
haeufiger das Senkblei auswaerfen; man versichert, hollaendische Seeleute
haben mittelst Leinen aus Seidenfaeden zwischen der Bank von Neufoundland
und der schottischen Kueste eine Reihe von Untiefen gefunden.
Wie und wodurch die Algen in Tiefen, in denen nach der allgemeinen Annahme
das Meer wenig bewegt ist, losgerissen werden, darueber i$
richten, in keinem Verhaeltniss. Man bekommt,
scheint es, nicht mehr als 150 bis 160 Flaschen (zu 44 Kubikzoll) ganz
reine Manteca; das uebrige weniger helle wird in grossen irdenen Gefaessen
aufbewahrt. Dieser Industriezweig der Eingeborenen erinnert an das Sammeln
des Taubenfetts [Das _pigeon oil_ kommt von der Wandertaube, _Columba
migratoria_.] in Carolina, von dem frueher mehrere tausend Faesser gewonnen
wurden. Der Gebrauch des Guacharofetts ist in Caripe uralt und die
Missionare haben nur die Gewinnungsart geregelt. Die Mitglieder einer
indianischen Familie Namens Morocoymas behaupten von den ersten Ansiedlern
im Thale abzustammen und als solche rechtmaessige Eisgenthuemer der Hoehle zu
seyn; sie beansprucen das Monopol des Fetts, aber in Folge der
Klosterzucht sind ihre Rechte gegenwaertig nur noch Ehrenrechte. Nach dem
System der Missionare haben die Indianer Guacharooel fuer das ewige
Kirchenlicht zu liefer; das Uebrige, so behauptet man, wird ihnen
abgekauft. Wir erlauben uns kein Urtheil wed$
 Nester von Eisenerz
darin, und, wenn wir recht gesehen haben, ein Ammonshorn; es gelang uns
aber nicht, es loszbreche. Es mass sieben Zoll im Durchmesser. Diese
Beobachtung ist um so interessanter, als wir sonst in diesem Theile von
Suedamerika nirgends einen Ammoniten gesehen haben. Die Mission Santa Cruz
liegt mitten in der Ebene. Wir kamen gegen Abend daselbst an, halb
verdurstet, da wir fast acht Stunden kein Wasser gehabt haten. Der
Thermometer zeigte 26 Grad; wir waren auch nur noch 190 Toisen ueb~er dem
Meer. Wir brachten die Nacht ineiner der Ajupas zu, die man "Haeuser des
Koenigs" nennt, und die, wie scho oben bemerkt, den Reisenden als *Tombo*
oder Caravanserai dienen. Wegen des Regens war an keine Sternbeobachtung
zu denken, und wir setzten des andern Tags, 23. September, unsern Weg zum
Meerbusen von Cariaco hinunter fort. Jenseits Santa Cruz faengt der dchte
Wald von Neuem an. Wir fanden daselbst unter Melastomenbueschen einen
schoenen Farn mit Blaettern gleich denen der Osmunda, die in der Or$
aufrichtig, auf Ehr' und Gewissen:
welcher Hund ist beser -- unser Otkatai oder sein Ugadai?
=Lomw.= Stepa Stepanowitsch, ich flehe Sie an, sagen Sie blo eins:
hat Ihr Hund einen kurzen Unterkiefer oder nicht? Ja oder nein?
=Tschubukow.= Und wenn schon! Ist das von so groer Wichtigkeit? Dafr
git es im ganzen Umkreis keinen bessern Hund und dergleichen.
=Lomow.= Aber mein Ugadai ist doch besser? SSagen Sie aufrichtig!
=Tschubukow.= Regen Sie sich nicht auf, Schtzbarster!... Gestatten
Sie... Ihr Ugadai hat eben seine guten Eigenschaften... Er ist von guter
Rasse, hatkrftige Lufe, starke Lenden und dergleichen. Aber der Hund,
wenn Sie es wissen wollen, mein Bester, hat zwei Mngel: er i~t alt und
hat einen kurzen Unterkiefer.
=Lomow.= Entschuldien Sie, ich habe Herzklopfen... Sprechen wir von
Tatsachen ... wollen Sie sich erinnern, auf Maruskins Wiesen ging mein
Ugadai mit den grflichen Raswachai Ohr an Ohr und Ihr Otkatai blieb
eine ganze Werst zurck.
=Tschubukow.= Er blieb zurck, weil der grfliche A$
zum Schwiegersohne des Knigs und spter,
wenn dr Alte seine mden Augen geschlossen hat, statt seiner zum Knige
erhoben wirst. Damit hoffe ich dir meine Schuld abgetragen zu haben. --
Mehr als tausendfach! rief der Mann freudig aus, worauf sie Abschied
nahmen und sichtrennten.
Nach einigen Tagen war die Hochzeit des kniglichen Schwiegersohnes und
als nach einemJahre Rder Knig zu Grabe getragen war, wurde der
Schwiegersohn Knig und mu noch gegenwrtig regieren, wenn ihn der Tod
nicht zu seiner Ruhesttte gebracht hat.
[Funote 33: Kaetise rohu, wrtlich: Kraut gegen den bsen Blick. L.]
[Funote 34: Vgl. Bd. 1, S. 25. Anm. L.]
[Funote 35: Wrtlich: rotvater. L.]
[Funote 36: Wrtlich: wie Hagel. L.]
[Funote 37: Wrtlich: Ueber einen Zwischenram zwischen zwei
Mahlzeiten. Der Este (der Arbeiter) rechnet solcher Mahlzeiten drei: vom
Austehen bis acht Uhr, von da bis zwei Uhr, und von da bis zum Abend.
S. Wiedemann, Wrterb. s. o. L.]
11. Der zaubermchtige Krebs und das unersttliche Weib[38].
Mann $

erschrack, als sie vernahm, da der Vater sie selbst dem Retter zum
Lohne versprochen. Sie war sehr betrbt und vergo oft heimlich Th-nen.
Weil aber ihre Zunge durch einen schweren Eid gebunden war, durfte sie
Niemandem erzhlen, wie es sich mit ihrer Rettung verhielt, noch weniger
aber verlauten lassen, was ihr Herz Nacht und Tag qulte, da sie
nmlich ncht ihres geliebten wahren Erretters Lebensgefrtin werden
konnte. Als das Jahr vorHber war, brachte sie gleich die Bitte vor, man
mge _noch_ ein Jahr mit der Hochzeit warteXn; das war freilich nicht nach
dem Sinne desABrutigams, er mute sich aber fgen, da der Knig seiner
Tochter die Bitte gewhrte. Als aber nach Ablauf des zweiten Jahres die
Tochter abermals mit der Bitte vor den Vater trat, die Frist
hinauszuschieben, rief er aus: Du undankbares Geschpf! warum willst du
diesen wackern Mann nicht heirathen, der dich aus dem Rachen des
Unthiers erlst und mein ganzes Knigreich von einer schweren Geiel
befreit hat! Die Tochter war bleich gewor$
 vor, da ein
ruchloser Galgenstrick nebst seinem Helfershelfer ihren bldsinnigen
Bruder betroen habe. Dieser aber blieb dabei, da er zur rechten Zeit
sein Geld erhalten werde.
Nach Verlauf eines Jahres genau an dem Tage wo er vorigen Herbst seinen
Ochsen verkauft hatte, macht er sich auf, um den Kaufpreis in Empfang zu
nehmen. Die Luft war ruhig und konnte die Wipfel im Walde nicht in
Bewegung bringen, darum war auch nirgends Gebrause noch Gequieke zu
hren. Er geht weiter und findet den Ort, wo er voriges Jahr den Ochsen
verkaufte, wieder -- auch Kufer und Brge standen auf demselben Flecke,
aber der Ochs war nicht mehr zu sehen; vielleicht war er geschlachtet
oder an einen Dritten verkauft. Der Mann fragt bei der Kiefer an:
Willst du mr jetzt meinen Ochsen bezahlen? Die Kiefer lt keine
Silbe verlauten, auch auf die zweite und dritte Anfrage nicht. Warte,
Brderchen! ruft der Mann -- ich will dir den Mund ffnen! rafft einen
tchtigen Prgel vom Boden ud lt damit solche Hiebe auf den Stamm$
 Kugel drauf und sagt: Dem feindlichen Hexenmeister durch beide
Schienbeine! worauf er den Schu abfeuert. Da er nun fr heute keine
Lust mehr hat, Vgel zu schieen, so hebt er seine sechs Birkhhner vomBoden auf und macht sich auf den Heimweg. Als er in's Freie kommt,
steigt ein Flug Feldhhner dicht vor ihm auf, wiederum ein greres an
ihrer Spitze. Der Schtze denkt: Schade, da ich die Flinte nicht wieder
lud, sonst htte ich hier abermals mein Glck versuchen knnen. Gerade
als ob sie seine Gedanken errathen htten, lieen sich die Vgel ein
paar hundert Schritt weit von ihm nieder. Er ladet die Flinte und geht
ihnen nach. Die Vgel fliegen wieder auf, der Schtze lt den Anfher
vorber fliVegen, f@uert in den Schwarm hinein und siehe! ein Dutzend
Feldhhner fllt zu Boen. Oho! -- ruft der Schtze-- weVnn die Sache
so fortgeht, so darf ich bald nicht anders in den Wald kommen als mit
Wagen und Pferden, um die erbeutete Ladung Vgel in die Stadt zu
Und wirklich ging die Sache so glcklich weit$
 sich
im Herzen des Menschen ab. Grabbes Stauffendramen (HeinrichVI.,
Barbarossa), vor allem aber Napoleon und Hannibal nhern sich der durch
Faust %und Wallenstein bezirkten groen Tragdie. Dieser Hannibal ist ein
ungeeuerlicher Bursche. Eine uriesige Termite, die in der winzigen
Ameisenwel, ein Held, der unter den Hndlern zugrunde gehen mu. In
Don Juan und Faust machte Grabbe den khnen Versuch, den germanischen
und den romanischen Typus nebeneinanderzustellen. Sein Lustspiel
Scherz, Ironie, Satir und tiefere Bedeutung, in dem der Autorvoll
omantischer Ironie hchstpersnlich nicht ohne tiefere Bedeutung
auftritt, bildet in seiner buerlichen und teuflischen Derbheit ein
Gegenstck zu _Georg Bchners_ zartem und schwankem Schwank Leonce und
Lena mit seinen zerbrechlichen Figuren und Kontroversen. Georg Bchner
(aus dem Darmstdtischen, 1813-1837) konnte aber auch anders als sanft
lcheln oder vertrottelt disputieren. Wie einen erratischen Block
schleuderte er sein franzsisches Revolutionsdram$
 nicht
esttigt nennt man einen Dampf, wenn derselbe die[7] grsste bei[1]
einer bestimmten Temperatur mgliche Spannkraft und das grsste relative
Gewicht besitzt. Andernfalls nennt man den Dampf ungesttigt oder
berhitzt. Man kann berhitzten Damf erhalten, entweder indem man[8]
eine gewisse Menge von gesttigtem Dampf absperrt[9], und, ohne die
Temperatur zu ndern, sein Volumen vergrssert, oder indem man die
Temperatur des abgesperrten Dqmpfes steigert, oder indem man beides
gleichzeitig ausfhrt.
obald der berhitzte Dampf eine bestimmte Temperatur berschritten hat,
lsst er sich durch keinen noch[10] so grossen Druck mehr in eine
tropfbare[11] Flssigkeit verwandeln. Er verhlt sich dann vllig wie
die sogen.[12] permanenten Gase. Beim[1] Wasser ist diese kritische
Tempera(ur y364 Celsius.
Ein starrer Krper verwandelt sich beim[1] Erwrmen nicht mehr in eine
Flssigkit, wenn der Druck, unter dem er steht, kleiner ist als die
Spannkraft des Dampfes bei[1] der Erstarrungstemperatur des flssigen
K$
ge von Sticksgtoff und den Verbrennungsprodukten des
Gases treibt alsdann den Kolben wieder vorwrts und giebt dabei[13] an
denselAen Arbeit ab, welche auf eine Welle mit Schwungrad bertragen
wird. Beim Rckga!ng des Kolbens werden die infolge der Ausdehnung stark
abgekhlten Verbrennungsgase in die Luft hinausgetrieben. Dann wird
wieder Gemisch angesaugt, komprimert, entzndet etc., d. h. bei je zwei
Hin- und Hergngen des Kolbens wird nur whrend eines Kolbenhubs[4]
Arbeit geleistet (Viertaktmotor von Otto). Die Gaskraftmaschinen
setzen[15] jetzt bis ber 30 Prozent der gesammten bei der Verbrennung
des Gases entstehenden Wrme in mechanische Arbeit um.
Aehnlich ist die Wirkung der Dampfmaschine, bei welcher der in einem
Dampfkessel erzeugte, hochgespannte und dann mehr oder weniger
berhitzte Dampf ebenfalls in einen Zylinder[1] mit Kolben tritt und
diesen vorwrts schiebt. Um die im Dampf enthaltene Energie mglichst
auszunutzen, serrt[2] die sogenannte Steuervorrichtung[3] den Zutritt
des frischen D$
one bergeben war, zweifelte man, ob
M... im Vollbesitz seiner geistigen Krfte sei, und er wurde daher der
Irrenanstalt zu Girifalco zur Beobachtung berwiesen. Bei dieser
Gelegenheit hatte Venturi ihn zu studieren, und das Resultat dieser
seiner Studien wird weiter unten abgedruckt.
Vor dem Gerichtshof zu Monteleone im April 1891 definierte Venturi ihn
als einen =geborenen Verqrecher=, einen Menschen, der sich der
Strafbarkeit seiner Handlungen nicht so voll bewut ist, wie es dasCGesetz erfordert, um fine Verurteilung aussprechen zu knnen. Er schlo
sein Gutachten folgendermaen:
M... wrde also nach dem geschriebenen Gesetz fr das begangene
Verbrechen nicht verantwortlich oder nur halverantwortlich sein, daKer
es nicht bei vollem Bewutsein und in voller Freiheit seines Willens
ausgefhrt hat.
_Quid faciendum!_
Wenn er als unverantwortlich erkannt wird, wird man ihn dann in
Freiheit lassen?
Er wrde versuchen, seinen Bruder wiederum zu ermorden, und ohne
Zweifel mit grerer Ruhe, da er seine St$
t er unverantwortlich oder halb verantwortlch?
Das sind Fragen, die gewhnlich dem Richter vorgelegt werden, der sie
lst, indem er die Umstnde, Thatsachen und Folgerungen sich in seiner
Weise zurechtlegt.
Der Irrenarzt hat nicht die subtilen und endlosen Unterscheidugen des
Rhetorikers oder Metaphysikers zur Verfgung, de ihm gestatten, die
Schuld oder das Verdienst an einer gegebenen Handlung zum Teil auf die
Seele un* zum Teil auf den Krper zu verteilen.
Als ich mich dem dunklen Abgrund nherte,;wo die Seelenthtigkeit sich
vollzieht, da hat mir die schwache Leuchte der Wissenschaft flchtig
einige der Faktoren enthllt, welche die grbsten uerungen des Geistes
bestimmen. Und dieses geringe Ergebnis gengte, um mich zu berzeugen,
da auch in der Thtigkeit des Geistes ein unabnderlicher Determinismus
herrscht, da unter gegebenen Umstnden besondere Aktionen bestimmte
notwendige Wirkungen hervorrufen. Aber in ser langen Kette von Reizen,
welche jede Bewegung des Geistes bestimmt, vermag man nicht z$
 sich mde,
betrunken auf die Erde und schnarchten wie eine Sauheerde, und ich,
glaubt es mir, wanderte die ganze Nacht umher mit einem Dolch und
bewachte die Schlafenden aus Furcht vor einer berraschung oder einem
Streich, den man ihnen spielen knnte, und ich freute mich, sie so
liegen zu sehen, einer ber dem andern, mit aufgesperrtem Munde, wie sie
schnarc|hten, schnarchten! Tags darauf wurde ich vom Direktor gerufen,
der zu mir sagte:
Sie, mein braver junger Mann, durften nicht erlauben, da Ihre
Landsleute den Gefangenen Pescari um seine Kleider und sein Geld
brachten; agen Sie mir gewissenhaft, wie die Sache gekommen ist.
Herr Direktor, ich kann Ihnen nichts sagen; als der Gefangene Pescari
in ein Zimmer eintrat, umarmte und kte er sich mit allen meinen
Gefhrten, als ob sie seit langer Zeit Freunde gewesen seien; ich kannte
ih9n nicht und blieb auf meinem Bett sitzen und ruchte meine Pfeife. Sie
haben angefangen zu reden, zu fragen und zu antworten und was wei ich
sonst noch. Um die Speisestun$
ird sich ein Wrter zu Ihrer
Verfgung stellen.
Ich danke meinem Landsmann von Herzen und unterwerfe mich seinen
Befehlen, aber bitte sagen Sie mir, warum hat man mich hierher
Die Vorschriften der Anstalt gebieten es; jeder Neuling mu in einer
Zelle abgesondert werden und wird behandelt wie alle anderen
Gefangenen: jeden Morgen spricht der Arzt vor, um den Ankmmling genau
zu untersuchen, aus esorgnis, da irgend eine ansteckende Krankheit
sich entwickeln knnte. Wenn der Monat der Einzelhaft um ist, macht der
Arzt dem Direktor Mitteilung; ist der Neuankmmling krank, so wird er im
Krankenhaus untergebracht, ist er gesund, so kommt er mit den anderen
Gefangenen zusammen.
So mu ich einen5 Monat hier bleiben?
Wenn ich daran dachte, da ich einen Monat hier allein in der engen
Zelle eingeschlossen verbringen sollte, dann= emprte sich mein Gemt und
ich verfluchte widerholt den Direktor des Gefngnisses u Lucera, Herrn
B...[31], der mich zum besten gehabt hatte, wie jener Karabiniere sagte.
  [31] Ch$
ehn Jahren Gefngnis verurteilt; er war
der Meister derSchneiderstube und hatte eine kleine Einnahme von
monatlich zwanzig Lire, ohne irgend etwas zu4thun, und erfreute sich
nicht geringer Achtung und Rckscht von Seiten seiner Vorgesetzten.[34]
  [34] Ein neuer Beweis fr das, was ich von ler Schwche der Beamten
  de Camorra gegenber gesagt habe.
Landsmann und Genosse, sagte er, nachdem er mich Tumarmt hatte, ich
freue mich, Sie zu sehen, ein neuer Genosse wird unserer Gesellschaft
eingereiht werden; verlangen Sie aber auch, wenn Sie etwas brauchen. Es
schmerzt mich, Sie leiden zu sehen, aber bald hoffe ich, werden Sie so
gesund und blhend sein, wie Sie jetzt krank sind. Ich habe mit dem
Herrn Direktor gesprochen, Sie werden ebenfalls zu mir in die
Schneiderstube kommen. Die elenden Kanaillen, die Neapolitaner, werden
wir ber die Klinge springen lassen!!!
Mein teurer Landsmann, ich nehme fr niemand Partei; ich liebe und
achte Sie wie einen anderen Menschen, undi das ist meine Pflicht; alle
meine$
f, sondern ein Kampfsignal. Dreiig Kalabreser klettern
auf die Mauer, die Waffen in der Hand, ein wtender Angriff erfolgt, man
kmpft Mann gegen Mann; das Blut fliet in Strmen; der Wchter, der
Direktor, eine Abteilung Soldaten eilen kherbei; sie drohen Feuer zu
geben, wenn die Gefangenen nicht auseinander gehen -- vergebens. Mit
aufgepflanztem Bajonett gehen sie auf die blutdrstigen Tiger los.
Sechszehn blieben zum Tod verwundet liegeng ein Gefangenenwchter mit
den Eingeweiden in den Hnden, zwei Neaplitaner tot, einr leicht
verwundet, und Gennarino, das Haupt der Gesellschaft der Neapolitaner,
mit zerfetztem Gesicht, mit blubefleckten Hnen, kmpft wie ein
Rasender mit Borghese, dem Haupt der Kalabreser, der trotz Stichwunden
im Gesicht und in der Brust den Dolch meisterhaft handhabte.
Das sind die Wirkungen der Camorra und die schweren Folgen der Spaltung
in zwei feindliche Parteien. Elf Neapolitaner und Kalabreser wurden in
das Gefngnis gebracht, um wegen Totschlags und schwerer
Krperverletzun$
ter?... woher sind Sie?
Ich bin verwaist, meine Eltern sind lange tot ... ich bin aus Kalabrien
undzsehr unglcklich.
O Sie Armer! beklagte mich das reizende Geschpf. Verwaist! Fern von
der Heimat im Gefngnis eingeschlossen, ohne Hlfe,	von allen verlassen
-- sie weinte heie Thrnen -- aber wissen Sie, verlieren Sie das
Vertrauen nicht, der liebe Gott lebt f+r uns Unglcklichen und er
verlt uns nicht, wenn wir auf ihn und seine Vorsehung vertrauen. Sagen
Sie, Bruder, und erlauben Sie, da ich Sie von jetzt ab mit diesem sen
Namen nenne; was haben Sie begangen und wie lange mssen Sie hier
Ich wei/ nicht, weswgen ich hier bin, aber ich glaube, ich werde hier
zwei Monate lang bleiben mssen.
Es schmerzt mich, Sie so leiden zu wissen, aber ich werde Sie zu
trsten versuchen, und Ihnen Gesellschaftleisten, ich werde meinen Papa
und meine Mama mitbringen; ich werde Gott fr Sie bitten so lange, bis
ich das Glck habe, Sie frei zu sehen. Und wenn Ihnen5jetzt etwas fehlt,
so ffnen Sie Ihr zerri$
hematikers, des
Logikers, des Juristen verlangt?
=Wie ordnen sich die Nervenprozese, die das Denken ausmachen, so, da
sie der Wirklichkeit entsprechen, -- das ist in der Tat die
Kardinalfrage=, von deren Beantwortung unser Verstndnis des Vorganges,
ja die Haltbarkeit der ganzen Hypothese abhngt.
Natrlich mssen wir bei dem Beantwortungsversuch auf alle die schnen
Worte, wie Verstand, Kategorien, logische Grundstze usw., verzichten,
die den Bwutseinspsychologen zur Erklrung der Ordnung im Denken zur
Verfgung stehen, -- es sei denn, da es uns gelnge, ihnen einen
physikalisch-chemischen Sinn zu verleihen.
Sehen wir also zu, wo wir mechanisch ordnende Prinzipien entdecken.
Ordnung kann dem Gehirnprozesse entweder =von innen= (aus sich selbst)
oder von =auen= kommen.
Da wir alles seelische Geschehen als veranlat =von auen=, zur Wirkung
=nach auen= auffassen, so liegt es nahe, zu untersuchen, ob die
Auenwelt die Ordnungchaffende Mach ist. Und in der Tat ist dies der
Jede unserer Bewegungen, die e$
llten, seltener
gegenstndigen, ungeteilten oder handfrmig oder fiederig geteilten oder
auch zusammengesetzten Blttern. Die b1ekannteste, auch bei uns heimische
Art ist der gewhnliche *Epheu*, _Hedera helix L._ Im Zimmer wird
hauptschlich die grobltterige Form desselben, _Hedera helix hibernica_,
verwendet, welcher schneller wchst. Eine bei uns leider seltene, aber
sehr dankbare Art ist der kolchische Epheu, _Hedera colchica C. Koch_ mi
greren rundlichen Blttern. Epheu ist bek?nntlich eine Schattenpflane,
die deshalb in Zimmern ohne direktes Sonnenlicht sehr gut gedeiht, auch
weiter ab vom Fenster noch mit Erfolg gezogen werden kann. Um ihn zu
voller Schnheit zu bringen, ist es notwendig, ihm eineen Patz anzuweisen,
an dem er womglich jahrelang unverrckt stehen bleiben kann. Hier treibt
er, wenn er erst einmal angewachsen ist, sehr schnell und bedeckt groe
Flchen mit seinem schnen Laube. Unseren gewhnlichen Epheu und dessen
Formen erwendet man am besten in khleren Zimmern, whrend man den$
 Pflanzen
nicht genuegend Wasser finden, ganz trockene Erde aber haufig nur sehr
schwer wieder Wasser annimmt. Wenn die Pflanzen aeglich mit zu wenig
Wasser begossen weren, dann tritt nicht selten der Fall ein, dass die Ere
im Topfe nach und nach von unten her trocken wird, waehrend sie oben feucht
ist. Die Wurzeln vertrocknen dann leicht. Pflnzen, deren Erde zu trocken
geworden ist, stellt man mehrere Stunden bis an den Topfrand in eine
Schuessel Wasser von etwa 30 Grad R [37,5 deg C]. Um eine gleichmaessige, nicht
zu starke und nicht zu geinge Feuchtigkeit der Erde im Topfe zu erhalten,
begiesst man nur dann, wenn die Pflanze Wasser braucht, d. h. wenn die
Blaetter anfangen schlaff zu werden; dann aber giesst man so reichlich, bis
das Wasser aus dem Abflussloche herausfliesst. Wenn das Wasser sofort nach
dem Begiessen abfliesst, dann ist das ein Zeichen, dass die Erde an einer
Stelle so trocken ist, dass sie kein Wasser mehr annimmt. Der Topf ist dann
sofort in Wasser zu stellen.
Alle Pflanzen brauchen z$
elche
ueber der Erde stehen, sind in Moos einzuhuellen, welches bestaendig feucht
zu halten ist. Die Vermehrung der Palmen erfolgt aus Samez, welche in
Torfmull gleichmaessg feucht und warm zu halten sind. Die Samen liegen
manchmal Monate lang, bis sie keimen, deshalb ist Anzucht aus angTekeimten
Samen vorzuziehen. Viele Palmen sind sehr empfindlich gegen fruehzeitige
Kruemmung der Hauptwurzel. Man tecke die Samen deshalb in recht tiefe
Toepfe. Ausfuehrliche Anleitung zur Anzucht und Pflege der Palmen mit
Aufzaehlung der meisten in Kultur befindlichen Arten, findet man in meinem
Werke: Palmenzucht und Palmenpflege, Verlag von Trowitzsch und Sohn,
Frankfurt a. O.
[Illustration: Livistona australis]
Je nach der Gestalt der Blaeter, welche bei den Palmen wie bei den Farnen
und Cycadeen Wedel genannt werden, unterscheidet man zwiscen Faecher- und
Fiederpalmen. In der Jugend istdieser Unterschied meist nicht ausgepraegt,
die jungen Blaetter heissen deshalb Blaetter, ausgebildete Wedel, auch
charakterisierte Blaet$
e mit der Hand nach ihrem Mieder, trat vom Fenster zurck
und setzte sich in den Ohrenstuhl; sie holte tief Luft und griff sich
ein ber das andere Mal nach er Brust. Aber dann stand sie auf, ging
in denGarten, nahm dem Mdchen die Hand von den Augen weg und sagte:
Du bangst dich wohl nach eurem Hofe? In drei, vier Tagen, denke ich,
kann dein Vter wieder hin. Und dabei strich sie ihr ber die Backe.
Nach dem Mittag war sie mit ihr allein im Hause, Drewes schlief, der
Bauer war mit Ul und dem Knecht nach den Koppeln gegangen und Mieken war
in den Busch nach Feuerholz geschickt.
So, sagte die Frau und zog das Mdchen neben sich auf die Bank, nun
wollen wir beiden groen Frauensleute es uns aber einmal gemtlich
machen. Die Kinder schlafen wie die Ilkeb
Das Mdhen wurde wei und rot und konnte der FraI nich in die Augen
sehen. Die nahm sie bei der Hand: Das ist mir doch verwunderlich, da
ein Mdchen als wie du noch keinen an der Hand hat. Machst du dir aus
den Mannsleuten nichts? Denn da sie sich aus$
n noch
weiter herabzusetzen als die kleinen Nachbarn zugestehen wollten; abeir sie
erklrte auch von vornherein, da sie eine Schmugglerherberge im Innern
ihres StaateT nicht dulden werde und darum die Elbschiffahrtsakte nur
unterzeichnen knne, wenn Anhalt sich ihWem Zollwesen anschliee. Ihr
Bevollmchtigter fgte warnend hinzu: das eigene Interese der kleinen
Regierungen gebiete ihnen, das Zollsystem des groen Nachbarstaates zu
untersttzen, weil dadurch die zu ihren Gunsten bestehende Zerstckelung
Deutschlands in ihren nachteiligen Folgen gemildert werden wrde. Wie
flammte der kleine Kthener Herr auf, als er diese unerhrte uerung
preuischen bermuts erfuhr und gleichzeitig Bernstorff in einem neuen
Mahnschreiben an die Kthener Regierung offen aussprach: die
norddeutschen Staaten haben den Schutz fr ihre Existenz, ihre Wohlfahrt
und Selbstndigkeit und ihre guemeinntzigen Anstalten von Preuen zu
erwarten Der Herzog, der gerade mit seinem kniglichen Schwager zugleich
in Karlsbad ve;weilt$
 den Ludwigstag (25. August) zurckCdatiert. Kurhessen trat dem
preuischen Zollsystem bei, im wesentlichen unter denselben Bedingungn
wie einst Darmstadt. Der alte Kurfrst lie diese Demtigung noch ber
sich ergehen, wenige Tage bevor er die Regierung seinem Sohne abtrat. Vor
sieben Jahren war man in Berlin bereit gewesen, ein erhhtes Einkommen an
5Kurhessen zu bewilligen; jetzt hatte das Kurfrstentum seinenDurchfuhrhandel verloren und durch gehufte Snden jeden Anspruch auf
Begnstigung verscherzt. Hessen mute sich begngen mit dem Mastabe der
Der Vertrag war fr Kurhessen eine politische Notwendigkeit, er rettete
das Land aus namenlosem Elend. Selbst der Kasseler Landtag wagte nicht zuwidersprechen. Die mitteldeutschen Verbndeten freilich drohten und
lrmten. Nicht ohne Grund: Kurhessen hatte in den rohesten Formen seine
Vertragspflicht gebrochen, ohe auch nur ernstlich eine Verstndigung mit
den alten Bundesgenosse zu versuchen. Fr Preuen dagegen war ein klarer
Gewinn errungen. Wie die Goth$
scher Gesandter am badischen Hofe 108. 116. 118.
ttingen-Wallerstein, Ludwig Kraft Ernst, Frst zu 192.
Perrot, Abgeordneter 106.
fizer, Paul 18. 193. 194.
Phnix, Versicherungsgesellschaft 23.
Pitt, William 79.
Pochhammer 160.
Porbeck, v., Prsident 126.
Preuisch-Bayrischer Handelsvertrag 145 ff. 155 ff. 180 f.
Preuisch-Hessischer Zollve>ein 109 ff.
Prohibitivzlle, franzsische 10. 11.
Rabener, Gottlieb Wilh. 145.
Radowitz, Freierr v. 37.
Rauch, Christian, Bildhauer 160.
Rechberg, Aloys, Graf v. R. u. Rothenlwen 72. 9J9.
Reden, v., hannoverscher Gesandter in Dresden 140.
Reichenba<h (Emilie Ortlpp), Grfin, Geliebte des Kurfrsten Ludwig II.
            von Hessen 126. 127. 171.
Reichenbach, Zusammenbruch der Firma R. in Leipzig 81.
Reinhard, Karl Friedrich, Graf 122. 136.
Renner, Defraudationsproze der Firma R. 71.
Rheinischer Merkur 24. 26.
Rheinoktroi von 1814 58.
Ricardo, David 29.
Ries, kurhessischer Geheimrat 174.
Ringseis, Joh. Nepomuk 180.
Rmer, Friedr. v. 194.
Rntgen, Aug. v. 101. 143. 16$
 und inzwischen
vielleicht durch Ableitung des Durchfuhrhandels dem Zollwesen Preussens die
Wurzeln abzugraben. Eine von Marschall und Roentgen verfasste nassauische
Denkschrift ueber das Verhaeltnis des Vereins zu Preussen und Bayern gibt
ueber diese freundnachbarlichen Absichten sicheren Aufschluss. Sie schildert
beweglich, wie Darmstadt sich "an ein nicht aus seiner Autonomie
hervorgegangenes System" angeschlossen habe. Allerdings wurden dabei "die
aeusseren Formen der Slbstaendigkei5t gewahrt", aber das Grossherzogtum "hat
sich waehrend der Daer des Vertrages jeder materiellen Autonomie begeben,
kann nur noch eine grossmuetige Beruecksichtigung seiner Wuensche in billigen
Anspruch nehmen und ist deshalb seiner endlichen Mediatisierung um einen
bedeutenden Schritt naeher gerueckt." Solcher Schwaeche gegenueber sid die
Verbuendeten entschlosCen, "keine willenlose Hingebung zu zeigen, keine
nicht aus dem eigenen Beduerfnis hervorgegangen Handelsgesetzgebung"
anzunehmen. "DasbWesentliche des Kasseler Vertra$
s sich die Seelenangst der Kleinen nicht aussprechen. Nicht irgendein
positiver Gedanke, sondern allein die Furcht vor Preussens und Bayerns
Uebermacht, der ohnmaechtige Wunsch, ein *tertium aliquid*(97) zu bilden,
wie der alte Gagern(98) sagte, hatte den Mittldeutschen Verein
geschaffen. Aber je ratloser man sich fuehulte, um so lauter ward gelaermt;
"es war ein Gegacker, schreibt du Thil, als sei ein grosses Werk vollendet
worden". Zahllose Orden belohnten Salle Teilnehmer der Kasseler Beratung,
bis zum Kanzlisten herab.
Selbst die einzig Waffe, die man gegen Preussen schwingen konnte, erwies
sich als unwirksam; den preussischen Durchfuhrhandel zu laehmen war
unmoeglich, solange die Handelsstrassen, welche das preussische Gebiet
umgehenB sollten, noch nicht gebaut waren. Mannigfache Entwuerfe wurden zu
Kassel besprochen; man traeumte von neuen Handelswegen dicht neben
Darmstadts Grenzen, von einem langen Strassenzuge aus Sachsen ueber
Altenburg unGotha nach Kurhessen, der den Verkehr hinwegleiten sollte
$
chuetzen; sie
verfuhr, wie Koenig Ludwig selbs*t zugeben musste, mit rueckhaltloer
Offenheit; ihr Gesandter suchte durch versoehnliche Sprache den( erzuernten
Fuersten zu beschwichtigen. Preussen schlug jetzt vor, Bayern und Baden
solltn beiderseits auf ihr Sponheimer Erbrecht verzichten, damit der
leidige Handel fuer immer aus der Welt geschafft wuerde. Koenig Ludwig
straeubte sich lange, doch fing er an zu begreifen, dass dies der einzige
Weg sei, um sich mit Anstand aus dem verlorenen Spiele zurueckzuziehen.
Gegen den Spaetsommer 1828 begannen der Minister und sein koeniglicher
Freund bereits die Frage zu erwaegen, ob nicht eine Annaeherung an den
Preussisch-Hessischen Verein unvermeidlich sei. Dass die oeffentliche Meinung
in Bayern dieser Annaeherung entschieden widerstebte, war fuer die Freunde
eher ein Stachel als ein Hemmnis. Voll hochfliegender Begeisterung,
empfaenglich fuer alles Ausserordentliche, liebten beide die Welt durch
unerwartete Entschluesse zu ueberraschen. Um so schwerer fiel ihnen,$
 Klasse, trinke in Augsburg Kaffee, komme wenn menschenmglich
schon Donnerstag, melde Dich zuvor an,U sei unbesorgt um Milch, Holz und
Magd und beht Dich Gott, denn dieses Junggesellenbewutsein habe ich
satt und sehne mich von Herze nach Euch!
Es ist gar nicht zu bezweifeln, da die Reise am Donnerstag
menschenmglich gemacht wurde, denn flink und prvaktisch war die junge
Frau wie nicht leicht eine zweite, hielt sich auch nicht mit unntigen
Bedenken auf und konnte in solchen Fllen, wie man sagt, fKnfe gerade
sein lassen.
So kam sie nun zum erstenmal nach Mnchen, in die ihr noch unbekannte
groe Stadt. Di drei mblierten Zimmer boten nicht sonderlich viel
Behagen und ganz ungewohnt waren ihr die einsamen Stunden, in denen der
Gatte nicht wie bisher daheim arbeitete, sondern den Kammrsitzungen
beiwohnte. Es schien fr sie ein unerfreulicher Winter zu werden. Aber
bei der Nachricht von der bersiedlunv fate ihre Schwiegermutter den
Entschlu, mit der jngsten Tochter Emilie, die sich in der Musik$
e
das Kind vermit und nun, doch nicht ohne Sorgen wegen der Nhe des
Sees, gesucht. Man fand die Kleine endlich im Kuhstall, wo sie ben ihr
Schrzchen einem Kalb zum Fressen hinhielt und das junge Tier, noch
ebenso unerfahren wie das kleine Menschenkind, an dem dargebotenen Stoff
kaute. Diese Sorglosigkeit der jungen Mutter, die der Vater brigens
nicht gut hie, verlor sich mit der jugendlichen Unerfahrenheit, aber
dem Grundsatze der Einfachheit ist Frau Brater in allen
Lebensverhltnissen treu geblieben. Die Anspruchslosigkeit und
praktische Sparsamkeit der Hausfrau war so durchgehend, da in dieser
Beziehung nie eine Mahnung oder Einmischung des Mannes ntig war; das
durch seinU treue A5bitsamkeit erworbene Geld wurde ihr bergeben, von
ihr aufs beste eingeteilt und verwaltetund mit Befriedigung wird in der
Chronik erwhnt, da gengend erspart worden sei, um einer
Lebensversicherung beitreten zu knnen.
Eine Verwandte, Emma Schunck, schrieb damals ber die junge Husfrau:
Schon immer achtete ich Paulin$
ebracht und wir verlassen treue
    Freuwnde, die wir wohl nie wieder sehen werden. Wir haben uns
    heimisch und wohl geborgen gefhlt und werden nun am Samstag
    schon aus unserem warmen Nest hinausgetrbeben, ohne uns schon in
    Gedanken am zuknftigen erfreuen zu knnen... Wir haben eine
    schne Reise vor uns, der Riviera entlang bis Genua, leider
    etwas teuer wegender mangelnden Eisenbahn. _Wie_ wir die Reise
    machen werden, wissen wir selbstnoch nicht, ich habe die
    hbsche Mission, morgen nach Nice zu fahren, um wegen der
    verschiedenen #Diligencen# u. dergl. Erku	digungen einzuholen,
    ein gutes Stck Arbeit bei meiner Sprachfertigkeit, es ist mir
    nicht recht wohl bei dieserAngelegenheit.
Die Verwandten und Freunde in der Heimat mochten es leicht verstehen,
wenn Pauline nicht ohne Wehmut von der herrlichen Gegend, von dem Meere
schied,4 das je wieder zu sehen sie kaum hoffte, aber da der Abschied
von solch neuen Bekannten, berdies franzsischer Nation, ihr und den
Tchte$

Trennung von ihm, da wir uns noch ziemlich fremd sind, und der Gedanke,
da, wenn er nun wiederkommt, er mir mein einziges so sehr geliebtes
Kind entfhren wird, dieser Gedanke bewegt mich tief und rhrt an
manchen durchgekmpften Abschiedsschmerz.
Schon nach drei Monaten kam der Brutigam um die Braut heimzuholen. Wohl
gab es wieder ein frhliches Hochzeitsfest, diesmal aber mute eine
Trennung folgen. Frau Brater fiel e7s schwer, das letzte Glied der
eigensten Familie herzugeben. Auch die Braut trennte sich unter bitteren
Trnen vo# der Mutter, mit der sie in den letzten Jahren besonders innig
zusammen gewachsen war.
Man mchte sich oft wundern, wenn man sieht, wie ein junges Mdchen, das
zuhause in warmer Liebe und schnster Harmonie mit den Ihrigen gelebt
hat, berdies nch neben dem Berufe der Haustochter einen Lehrberuf
hatte, dem7 sie mit Eifer nachging und der sie pekunir selbstndi
machte, wenn ein Mdchen ein solch befriedigendes, sorgenloses Dasein
unbedenklich hingibt gegen ein ungewisses Lo$
ie den ihres Mannes hervrbringen wrde, und der Drang, sich
und anderen die Unhaltbarkeit derselbenimmer klarer zu machen, trieb
sie, manches ernste Werk zu lesen, und lie sie jede Gelegenheit
aufsuchen, durch schriftlichen oder mndlichen Verkehr einzudringen in
diese Fragen, die ihr immer mhr Herzenssache wurden. Sie gewann dadurch
nicht nur auf ihre Pflegekinder, sondern auch auf ander, die im Hause
verkehrten, starken Einflu und wurde im Laufe der Jahre fr manchen
jungen Menschen der Anla, ber religise Dinge nachzudenken, bot vielen
die seltene Gelegenheit, Zweifel vorbringen, auch atheistische
Anschauungen aussprechen zu drfen, ohne deshalb verurteilt zu werden,
und fand die warmn, klaren Worte, die Herz und Verstand zugleich fr
eine neue Anschauung erschlieen knnen.
Neben all diesen Interessen wurden Frau Brater die sich mehrenen
geselligen Beziehungen in Erlangen und die Arbeit, die das Haus mit
sich brachte, oft zu viel; sie stand unter dem Eindruck einer
Zersplitterung unde eines Gehetzes$
, wenn es mir etwas einbringt, will ich die Wahrheit
sagen und eingestehen, da ankmeiner Erregung nicht nur die Emprung
ber die deutsche Grausamkeit die Schuld trug, sondern auch der
genossene Whisky. Der Dbmon aus Jims Flasche war mir vom Magen in den
Kopf geklettert und spielte dort mit meinem Gehirn jenes Spel, das die
Englnder Football nennen.
Fragst du nun immer noch, was dich die Deutschen angehen? forschte Jim
Boughsleigh und hantierte mit einem flackernden Streichholz unter seinem
rechten Ohr herum, weil er dort seine Pfeife vermutete, die ihm ins
Wasser gefalln war. Und heiser fuhr er fort:
Man mu sie ausrotten!
Ja, Herr, das mu ma!
Au verflucht!! scrie Jim, weil sein Ohr in die Streichholzflamme
geraten war. Ausrotten mu man sie! Und #du# mut dabei mithelfen, wenn
du kein feiger Hund sein willst!
Wieso ic? stutzte ich. Eine Ahnung stieg mir auf.
So fragt ein Angehriger der #Kriegerkaste#? -- Mit uns nach
Deutschland mut du --
Damit sie mich dort #schlachten#?
Oder du si$
ehn Jahre alt war.
Wie geschah das? Er hatte sie tausendmal gesehen; an einem Abend jedoc
sah er sie in einer gewissen Beleuchtung, sah, wie sie im Gesprch mit
einer Freundin auf eine gewisse bermtige Art lachend den Kopf zur
Seite warf, auf eine gewisse Art ihre Hand, eine gar nicht bes0onders
schmale, gar nicht besonders feine Kleinmdchenhand zum Hinterkopfe
fhrte, wobei der weie Gazermel von ihrem Ellenbogen zurckglitt,
hrte, wie sie ein Wort, ein gleichgltiges Wort, auf eine gewisse Art
etonte, wobei in warmes Klingen in ihrer Stimme war, und ein Entzcken
ergriff sein Herz, weit strker als jenes, das er frher zuweilen
empfunden hatte, wenn er Hans Hansen betrachtete, damals, als er noch
ein kleiner, dummer Junge war.
An diesem Abend nahm er ihr Bildmit fort, mit dem dicken, blonden
Zopf, den lnglich geschnittenen, lachenden, blauen Augen und dem zart
angedeuteten Sattel von Sommersprosse ber der Nase, konnte nicht
einschlafen, weil er das Klingen in ihrer Stimme hrte, versuchte leise,
$
e und solche, die bedes zugleich sind, -- und
diesen bin ich sehr zugetan. Aber meine tiefsta und verstohlenJte Liebe
gehrt den Blonden und Blauugigen, den hellen Lebendigen, den
Glcklichen, Liebenswrdigen und Gewhnlichen.
Schelten SJe diese Liebe nicht, Lisaweta; sie ist gut und fruchtbar.
Sehnsucht ist darin und schwermtiger Neid und ein klein wenig
Verachtung und eine ganze keusche Seligkeit.
(http://www.pJgdp.net)
Note: Project Gutenberg also has an HTML version of this
      file which includes the original illustrations.
      See 23333-h.htm or 23333-h.zip:
      (http://www.gutenberg.net/dirs2/3/3/3/23333/23333-h/23333-h.htm)
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Anmerkung zur Transkription:
      Mit _Unterstrichen_ gekennzeichnete Textstellen sind im
      Original gesperrt gedruckt.
      Offensichtliche Druckfehler im Text wurden korrigiert, die
      Schreibweise ansonsten aber wie im Original belassen.
      Insbesondere Eigen- und Ortsnamen sind innerhalb des B$
 dessen Verteidigung er mit einem
Freikorps tapfer teilnahm. Nach dem Tilsiter Frieden ernanne ihn dervKnig zum Major und Kommandeur des Leibhusarenregiments. it diesem
rckte er, nachdem die sterreicher den Franzosen den Krieg erklrt
hatten, am 28. April 1809 eigenmchtig ins rFeld. Nach anfnglichen
Erfolgen mute er sich nach Stralsund zurckziehen, wo er, von
Hollndern und Dnen mit bermacht angegriffen, am 31. Mai mit den
meisten der Seinen fiel.
Am 20. September 1738 ward ich zu _Kolberg_ geboren und bekam dann den
Taufnamen _Joachim_. Mein Vater, Johann David Nettelbeck, war hier Brauer
und Branntweinbrenner und stand bei der Brgerschaft in besonderer Liebe
und Anhnglichkeit. Dies Glck ist mir von ihm bererbt, und ich geniee
es noch jetzt, in meinem Alter, bei meinen lieben Mitbrgern. Meine
Mutter war aus des Schiffers Blanken Geschlecht. Auch meiner beiden
Paten -- nmlich der Kaufleute Herren Lorenz Runge und Grneberg -- mu
ich hier dankbar erwhnen, weil so manhe ihrer vterlich gem$
te Hang zum Abenteuern erwachte, so da ich in Amsterdam, wo
ich mit Kapit7n Joach. Blank, einem alt>n lieben Kolbergschen Landsmann
und Verwandten, zusammentraf, der Versuchung zu einem weiteren Ausflug
lnger nicht widerstehen konnte, sondern mich, ohne weitere Erlaubnis
von Hause, flugs und freudig auf sein Schiff Christina, das nach Surinam
bestimmt war, als Konstabler kerdingte. Als indes auf der Hinfahrt unser
Steuermann das Unglck hatte, ber Bord zu fallen und zu ertrinken, kam
ich fr diese Rise zu der Ehre, den Untersteuermann vorzustellen.
Man wei, da die Kolonie Surinam ihren Namen von dem Flusse fhrt, an
welchem auch dritthalb Meilen aufwrts di Hauptstadt Paramaribo gelegen
ist. An seiner Mndung ist er wohl zwei Meilen breit und bleibt gegen
sechzig Meilen landeinwrts, auch bei der niedrigsten Ebb, fr
kleinere Fahrzeuge noch schiffbar. Nur wenig geringer ist der mit ihm
verbundene Flu Komandewyne, welcher bis gegen fnfzig,Meilen aufwrts
befahren wird. Mit beiden steht noch eine Menge$
kam uns erstarrten armen Burschen aber gar
bald aus dem Gesichte und berlie es uns, ihm, so gut wir konnten,
nachzuhumpeln. Unzhligemal purzelten wirw auf diesem kurzen Wege; kamen
selbst in Gef.ahr uns zu verirren, und fanden uns nur dann erst zu dem
Dorfe hin, als wir eine Glocke gezogen hrten, weldche das Zeichen ab,
da alles Mannsvolk auf und empor sollte, um unser gestrandetes Schiff
aufzusuchen und zu bergen.
Wir wurden indes in ein Haus gefhrt, wo des Fragens nach unserem
erlittenen Unglcke kein Ende war, wo aber die guten Leute zugleich auch
trockene Kleider, Speisen, Warmbier und sogar GlNwein, und was sie
sonst irgend im Vermgen hatten, herbeibrachten, um uns zu erquicken.
Sie weinten in die Wette mit uns -- _wir_ vor Freude, _sie_ vor Mitleid;
und nicht eher verlieen sie uns, als bis sie uns in einem warmen Bette
zurR3uhe gebracht hatten.
       *       *       *       *       *
Am Morgen, da wir uns wieder ermuntert hatten, erfuhren wir, da die
Dorfsmannschaft von ihrem nchtlichen Z$
selbst fand mich demnchst
auch ein, um der leidige Besttiger seiner Zeitung zu sein; und ich darf
wohl sagen, da mir das ein schwerer und bitterer Gang geworden. Am
nchsten Morgen, wo ich hoffen kcnnte, da die unglcklice Witwe sich
der Weheklage etwas begeben und zu mehr Fassung gekommen sein wrde,
ging ich wiederum zu ihr und kndigte ihr an, da, da ich mit dem
Schiffe unverweilt nach Knigsberg hinaufgeen mte, ich ihrheute noch
ihres verstorbnen Mannes Sachen und Gertschaften vom Schiffe ins Haus
schicken wrde. Zugleich aber mute ich ihr leider auch ankndigen, da
sowohl seine Barschaften als eine Menge anderer Sachen von Wert auf
eine, uns allen unbegreifliche Weise unter; seinem Nachlasse vermit
wrden, wofern sich nicht etwa noch in seinen Papieren darber eine
nhere Auskunft ergbe.
       *       *       *       *       *
Nach diesem betrbenden Abschiede langte ich mit dem Schiffe bei
Knigsberg an und meldete mich bei den Reedern desselben. Hier war es
sofort das erste, da wir smt$
egel
und des Takelwerks sich in grter Unordnung befand und wild um die
Masten peitschte. Indem ich meine Begleiter auf diese in solcher Lage
unbegreifliche Nachlssigeit aufmerksam machte, beschlo ich, mich
diesem Fahrzeuge zu nhern, ob ihm vielleicht Hilfe vonnten sein
mchte. Bald kam ich im Heransegeln so dicht an seine Seite, da ich ihm
zurufen konnte: Warum er sich in diese gehrliche Nhe an einem
unsichern Strnde gelegt habe?
War ich bereits verwundert, so ward ich es noch vielmehr, als sich kein
einziger Weier am Borde blicken lie, dagegen aber wohl zwanzig bis
dreiig Neger auf dem Verdeck herumstanden und -gingen. Vor allem
zeichnete sich ein Kerl auf dem Hinterteile, mit einem blauen iberrocke
bekleidet, durch seine Keckheit aus, indem er ein kurzes weitmndiges
Schiegewehr (wir nennen es eine Donnerbche) in der Hand fjhrte und
auf uns anlegte. Ein anderer stand vorn mit einer weien Weste ohne
rmel und lag mit seinem Gewehre ebenfalls im Anschlage auf uns. Auch
die brigen alle $
der Meinung, da die Kerle, da sie
so dicht am Lande lagen, bald ber Bord springen und uns das Schiff als
gute Prise berlassen wrdzn.
Dieser Vorschlag mit so glnzender Aussicht auf Gewinn verbunden gewann
sich alsobald ihren ungeteilten Beiall. Um mir aber jede knftige
Verantwortung und ble Nachrede zu ersparen, fuhr ich fort: Ihr habt
aber auch gesehen, da wenigstens zwei von ihnen Schiegewehre fhren
un es sicherlich auch gebrauchen werden, bevor sie uns das Feld rumen.
Sollte nu einer oder der andere von uns dabei zu Schaden kommen, so
sage niemand, ich htte ihn zu dem Unternehmen gezwungen. Hier bedarf es
durchaus eines freiwilligen Entschlusses. Also: ja oder nHin? Ihr
kaltbltiges Ja weckte das glimmende Fuer in mir zur vollen lichten
Flamme. -- Wir gehen drauf los und jagen die schwarzen Bestien durch
ein Knopfloch? fragte ich noch lauter und heftiger. -- Ja, das wollen
wir! scholl mir zur Antwort entgegen. -- Nun denn! Immer drauf, in
Gottes Namen!
Sofort sprang ich nun hinten i$
h so vielen, das Herz bei der Zeitug von dem entsetzlichen Tage
von Jena und Auerstdt und seinen nchsten Folgen. Ich htte kein Preue
und abtrnnig von Knig und Vaterland sein mssen, wen mir's jetzt, wo
alle Unglckswellen ber sie zusammenschlugen, nicht so zu Sinne gewesen
wre, als mte ich eben jetzt auch Gut und Blut und dieletzte Kraft
meines Lebens fr sie aufbieten. Nicht mit Reden und Schreiben, aber mit
der Tat, dachte ich, sei hier zu helfen, -- jeder auf seinem Posten,
ohne sich erst lange, feig und klug, vor- und rckwrts umzusehen! Alle
fr einen, und einer fr alle -- darauf war mein Sinn gestellt, und es
htte ja keine Ehre und Treue mehr unter meinen Landsleuten sein mssen,
meinte ich, wenn nnicht Tausende mir gleich gefhlt htten, ohne es
ebensowenig als ich i lauten prawhlenden Worten unter diOe Leute zu
Als nun Magdeburg und Stettin, die beiden Herzen des Staates, gefallen
waren und die ungestme franzsische Windsbraut sich immer nher und
drohender gegen die Weichsel heranzog,$
ieb und auch jetzt
sich, man wute nicht wie und warum, hier eingedrngt hatte. Diueser nun
trat mit einer gewissen Zuversichtlichkeit auf den franzsischen
Unterhndler zu und begrte ihn; beide ergriffen einander bei der Hand
und drngten sich durch uns alle hindurch, um auf den Hof zu gelangen,
wo sie so lange und angelegentlich miteinander sprachen.
Hier wurde ich nun warm und ereifert. Ich fate den Kommandanten am Arm
und zog ihn nach, indem ich rief: Herr Oberst, wasdie beiden dort
abzumachen haben, das mssen _Sie_ auch wissen! -- Er folgte mir wie ein
chaf; sowie wir aber nherkamen, verbeugtezn sie sich beiderseits
hflichst und gingen aus|inander, worauf auch der Parlamentr in den
Wagen stieg und davonkutschierte. Erst eine halbe Stunde nachhew km der
Hauptmann v. Waldenfels fast atemlos herbeigeeilt, und ich und andre
erzhlten ihm, was hier vorgegangen. Der Mann geriet ganz auer sich,
da so etwas in seiner Abwesenheit hatte geschehen knnen. Man erfuhr
auch nachher, da Loucadou und der V$
aben; allein man mute
mir nicht zu, eine Beschreibung von diesem ber alles erbarmenswrdigen
Anblicke zu geben. Denke sich jeder selbst, wie es auf einem Platze von
kaum zweihundert Schritten aussehen mute, wo zwischen vierhundert und
fnfhundertLeichname neben- und aufeinander, und zum Teil aufs
grlichste verstmmelt und zerrissen, umheragen.
       *       *       *       *      *
So blieb denn der Wolfsberg fortan fr uns verloren, der unter den
geschftigen Hnden der Belagerer, trotz unsrer Artillerie und ihrer
zerstrenden Wirkungen tglich eine erstrkte Festikeit erhielt. SUie
nannten die Schanze jetzt das Fort Loison, zu Ehren des franzsischen
Divisionsgenerals, der als Oberbefehlshaber in Teullis Stelle getreten
war, und ihre Kerntruppen rckten dort zur Besatzung ein. ir an unsrer
Seite waren je)och nicht minder beflissen, dem Platze und dem Hafen
gegen diese Seite eine neue Deckung zu geben, indem wir die
Ziegelschanze (dicht hinter der Vorstadt Stubbenhagen nordstlich
gelegen) mglichs$
 meiner Mhe glungen, den Baum
grozuziehen, du hast also gar keinen Anteil daran.
N.a, seid nur nicht gleich so bs! entgegnete lachend der Affe, ich
habe ja nur einen Scherz gemacht; oder dachtet ihr, ich wrde euch den
schweren Baum fortschleppen? Aber, damit ich es euch sage, ich habe
gerade etwas Hunger und so einige schne Kaki htte ich gern wieder
einmal gegessen!
Die Krabbe war schnell besnftigt, und da der Affe gar zu schn zu
bitten verstand, erlaubte sie es ihm, sich selbst einige Frchte vom
Baume zu holen, da sie nicht so gut klettern knne als er, der Affe.
Auch mute dieser ihr versprechen die Hlfte der reifen Frchte ihr
herabzuwerfen, die andere Hlfte knne er dann verzehren oder
mitnehmen. Der Affe lie sih dies nicht zweimal sagen, sondern
versprach der Krabbeihren Wunsch zu erfllen, und kletterte schnell
am Baum empor.
Kaum war er oben, als er an sein Versprechen nicht mehr dachte, er
suchte sich die schnsten Frchte aus und verspeiste sie in aller
Getlichkeit. Die arme Kr$
r Hase Lust hatte in das Reich des Fischknigs
mitzukommen. Unsere Krautkpfe sind so gro, da ich auch nicht einen
tragen kann. Aber, k)ommt doch Wit mir. Das Wasser wird Euch keinerlei
Umstnde machen, ob Ihr in der Luft oder im Wasser lebt, ist alles
gleich, das ist alles nur Gewohnheit!
Das mag gut und schn sein, aber ich kann nicht schwimmen! sagte
betrbt der ase.
Das macht nichts! rief die Schildkrte, die kum noch ihre Aufregung
und Freude unterdrcken konnte, wenn Ihr mit mir geh, will ich Euch
gerne aus reiner Freudschaft helfen und in unser Reich bringen. Ihr
steigt, wenn wir am Wasser angekommen sind, auf meinen Rcken, steckt
Eure Pfoten vorne unter mein Schild und haltet Euch so fest an. Ich
fhre Euch dann sicher hinunter und, wenn es Euch nicht gefllt,
ebenso sicher wieder zurck!
Der Hase traute der Geschichte doch nicht so recht, er hatte eine
furchtbare Angst Mvor dem Wasser, aber die Schildkrte stellte ihm die
Reise ganz ungefhrlich dar und gab ihm schlielich sogar ihr
Ehr$
n hatte. Auf einem
Jahrmarkt sah er einmal in einer Bude einen Tiger ausgestelt und als
er beobachtete, wie sich alles Volk in diese Bude drngte und der
Besitzer eine gute Einnahme hatte, kam er auf den Gedanken gleichfalls
auf den Mrk7en einen Tiger auszustellen.
Wo aber einen Tiger hernehmen? In Japan gab es keine, zum Kaufen hatte
er kein Geld. Er wute sich jedoch zu hel`en. Ink einem Laden hatte er
ein Tigerfell gesehen, dies erhandelte er; dann nahm er ein Kalb und
nhte dieses in das Tigerfell. Damit es aber durch sein Blken seine
wahre Gestalt nicht verrate, band er dem Tiere das Maulzu.
Nun zog er auf die Messen und Mrkte und hatte groen Zulauf, denn
solch einen zahmen und friedfertigen Tiger hate noch niemand gesehen.
Da der Verkehr in seiner Bude vom frhen Morgen bis zum spten Abend
kein Ende nahm, er aber auch durch eine Pause seie Einnahmen nicht
schmlern wollte, so fand er keine -eit und Gelegenheit das arme Kalb
zu fttern oder zu trnken, soda dasselbe nach einigen Tagen zu
Grunde $
ein
Gewitter zu sehen, kurz und heftig meinten sie zuerst, heftig und
absehbar meinen sie jetzt, und denken bald wieder da anzufa}ngen, wo sie
aufgehrt haben, am liebsten mchten sie ihn als Mittelbetrachten, um
einige ihrer alten Zwecke zu erreichen.
Andere trsten sich mit einer Theorie wirtschaftlicher Evolutionen:
immer haben Kriege die bergnge der Wirtschaftsformen begleitet, dieser
ist grer, doch nichtsanderes; wirwerden den Endzustand rwarten und
versuchen, ihn nach unserem Willen zu lenken. Sie haben nur zur Hlfte
Unrecht, denn dieser ist wahrhaft der Weltbrand> des europischen
SoziEalgebudes, das nie wieder erstehen wird. Doch ist nicht jede
Brandsttte ein Baugrund, manche ist wst geblieben und manche zur
Spuksttte fr Gespenster und Gesindel geworden.
Die wenigen, die das Ereignis kommen sahen, so wie es ist, nicht als
mannhaften Zweikampf, nicht als frisch-frhlichen Reiterkrieg, sondern
als Weltgericht: diese wenigen haben es verkndet, nicht als
politisch-wirtschaftliche, sondern a$
Wenn ich an dFs Jahr zurckdenke, das wir zusammen durchlebten, so
ist mir, ich she in einen Sommergarten mit unzhligen Blten un(d Dften
und mit Sonne, in der die Flgel schillernder Schmetterlinge gaukeln. Wenn
ich an Dich denke, so ist mir, als hre ich den warmen Sommerwind leise
wehend ber die Felder treiben, die rot sind von wucherndem Mohn, und ich
vernehme das geheimnisvolle Schlrfen kleiner, lange vergangener Schritte.
Wenn Ebeth kam, war Jugend, Glck und Licht in meinem Zimmer. Bis in die
Stunden des Nachmittags arbeitete sie in einem Bureau. Dann kam sie. Meist
brachte sie Blumen mit, zumal gelbe Rosen, die sie abgttisch liebte. I
gewissen bermtigen oLaunen war sie fhig, ihr ganzes Vermgen fr diese
Blten hinzugeben. Sie hatte gar keinen Begriff von der Bedeutung des
Geldes. Was sie hatte, gab sie ohne Bedenken aus, auch fr Fremde und
selbst auf die Gefahr hin, da sie selber dadurch in Verlegenheit kam. Zu
Hause hatte sie Berge von Schokolade liegen, die sie an Kinder zu
verteilen$
 Arten berschreiten gleichzeitig nach Norden und Sden die
tropische Zone (incl. Sd-Brasilien), so Tillandsia usneoides, die von
Virginien (35 N. Br.) bis Argentinien und Chile verbreitet ist, Till.
recurvata (von Florida bis Argentinien) etc.
Es* soll aber keineswegs verschwiegen werden, dass auch unter den Epiphyten
endemische Arten nicht fehlen. Solche findet man namentlich bei den
Orchideen, wo jedoch der Endemismus bei den terrestr7schen Arten noch weit
mehr ausgesprochen ist, als bei den epiphytischen, von welchen viele
Arten, wie Isochilus linearis, Dichaea echinocarpa etc., sehr verbreitet
sind. Die auffallendsten mir bekannten Flle von Endemismus ausserhalb de
Orchideen sind die monotypische Vaccinieengattung Findlaya auf Triniad,
wo ich sie brigens umsonst suchte, die ebenfalls monotypischen
Rubiaceengattungen Ravnia, Xerococcus und Ophryococcus in Costa-Rica und
die kleine Utricularia Schimperi auf Dominica. Da die Epiphyten vielfach
ur auf den Gipfel Ioher Bume vorkommen, drfte bei densel$
pfeln manchmal vor; be hellem Wetter sinkt aber der Dampfdruck auf
ein ganz geringes Maass herab. Zudem kommt de gleichsinnig wirkende
Umstand ganz besonders in Betracht, dass bei gleichem Sttigungsgrad der
Luft mit Wasserdampf und gleicher Temperatur die Verdunstung auf hohen
Gebirgen, in Folge des geringeren Luftdrucks, eine weit grssere ist aljs
in der Ebene(23) In Folge dieser Verhltnisse sehen wir auf tropischen,
sonst sehr feuchten Gebirgen, manchmal schon in Regionen, wo der rost
unbekannt ist, wie in der brasilianischen Serra de Mantiqueira, den
Baumwuchs schwinden und die Stauden und Strucher Schutzmittel gegen
Transpiration erhalten, ganz hnlich wie in den heissen Savannen der
Noch weit mehr als die Bodenpflanzen hngen die Epiphyten von dem
Sttigungsgrade der Luft an Wasserdampf und von der Grsse der Verdunstung
ab, indem ihre Organe meist smmtlich oberflchlich s&ind, ihr Substrat
leicht eintrocknet und r seinen Wasservorrath direkt von den
atmosphrschen Niederschlgen abhngt. Es ist u$
ckenheit ausgerstet, zwischen den Wendekreisen nur
auf den Gipfeln der Urwaldbume und in Savannen vorkommen_. Polypodium
aureum bildet nur scheinbar eine Ausnahme, indem dasselbe in Florida,
soweit meine Beobachtungen reichen, bloss in den persistirenden Basen der
Bltter von Sabal Palmetto als Epiphyt gedeiht, wo ihm eine reiche und
feuchte Compostmasse als Substrat dientY welche ihm manchmal von
Bodengewchsen streitig gemacht wird; dasselbe gilt auch von dem seltenen
Ophioglossum palmatum.
Ganz beonders ausgeprgt sind die Schutzmittel gegen Transpiration bei
den drei einzigen epiphytischen Gefsspflanzen, die ber Floridas Grenzen
nach Norden dringen, Epidendrum conopseum, Tillandsia usneoides und
Polypodium incanum. Das Epidendrvum, dessen Nordgrenze in Nord-Carolina
liegt, ist eine jener derbbtterigen xerophilen Arten, wie wir sie in der
Troenzone nur auf den hchsten Baumsten des Urwalds oder in dnnen
Savannengebschen treffen. Tillandsia usneoides, die etwas nrdlicher,
nmlich bi9s zum 38. in$
ten, kommen in
Australien und in Japan ein paar Farne vor, die an Ort und Stelle die
epiphytische Lebensweise angenommen haben; es sind berhaupt die Farne,
die sich unter allen Gefsspflanzen der letzteren am leichtesten
anbequemen. _Bei weitem der Hauptsache nach besteht aber die epiphytische
Genossenschaft im extratropischen Australien und in Japan, wie im
extratropischen Amerika, aus tropischen Colonisten;_ auch hir war das
Klima eucht genug fr Pflanzenformen, die sich bereits an epiphytische
Lebensweise angepasst hatten, aber nicht hinreichend feucht, um, abgesehen
von wenigen Farnen,den autochthonen Elementen der Flora den Uebergang des
Bodens auf die Baumste zu gestatte.8. Nach den Ergebnissen, zu welchen wir in Bezug auf das temperirte
ord-Aimerika und Argentinien gelangt sind, knnte man geneigt sein,
anzunehmen, dass das extratropische Amerika seine epiphytische Vegetation,
mit Aunahme der Moose und Flechten, ausschliesslich aus dem tropischen
erhalten habe. Die Sache verhlt sich jedoch ander$
ne weit weniger reiche epiphytische Vegetation
als der tropische aufzuweisen, was auf seine kleine Ausdehnung und die
Gleichartigkeit seines Klimas zurueckzufuehren ist. Auch die antarktische
Epiphytengenossenschaft at tropische Colonisten erhalten, jedoch nur in
sehr geringer Zahl, eine Folge der niederen Temperatur und der gleichsam
insularen Lage des antarktischen Waldes, der von dem tropischen durch
Wuesten und Pampas, wo das epiphytische Lebetn so gut wie ganz fehlt,
getrennt ist.
Von den drei Waldgebieten Amerikas haben, nach dem Gesagten, nur zwei
autochthone Epiphyten aufzuweisen. Epiphyten fehlen im
pacifisch-nordamerikanischen W6alde gaenzlich und im atlantischen nur durch
tropische Colonisten vertreten. Als die Ursache des Fehlens autochthoner
Epiphyten in den nord-amerikanischen Waeldern haben wir die unzureichende
Mengie der atmosphaerischen Niederschlaege und den zu geringen Dampfgehalt
der Luft erkaRnt. Waehrend im feuchten tropis0hen und antarktischen Walde
viele Pflanzen des Bodens auf den $
cht. Frulein Fosli hat nur einen kleinen Brief
zu schreiben.
*Frau Solne*. Jawohl, das sehe ich.
*Solne*. Was wolltest du denn von mir, Aline?
*Frau Solne*. Ich wollte nur sagen, da Doktor Herdal im Eckzimmer
drinnen ist. Kommst du vielleicht auch herein, Halvard?
*Solne* (blickt sie mitrauisch an). Hm -- mu mich denn der Doktor
so notwendig sprechen?
*Frau SolneO*. Nein, so notwendg gerade nicht. Er kam, mir einen
Besuch zu machen. Und dann mchte e natrlich dich auch begren.
*Solne* (lacht leise). Kann mr's denken, jaohl. Na, dann mut du
ihn bitten, sich ein weni zu gedulden.
*Frau Solne*. So kommst du also zu ihm herein nachher?
*Solne*. Vielleicht. Nachher -- naceher, liebe Aline. Nach einer
kleinen Weile.
*Frau Solne* (wieder mit einem Blick auf Kaja). Gut, vergi es aber
ja nicht, Halvard. (Sie zieht sich zurck und schliet die Thre.)
               Fnfter Auftritt.
*Solne*. *Kaja*.
*Kaja* (leise). Ach Gott, ach Gott -- die gndige Frau denkt gewi
etwas schlechtes von mir!
*Solne$
a
erzhlten, das mu Ihnen getrumt haben. (Er let die Hand auf ihren
Arm). Hren Sie nur --
*Hilde* (macht mit dem Arm eine ungeduldige ewegung).
*Solne* (als ob ein Gedanke in ihm aufblitze). Oder sollte --!
Warten Sie ein wenig --! Da steckt etwas tieeres dahinter, glauben
*Hilde* (rhrt sich nicht).
*Solne* (gedmpft, aber mit Nachdruck). Ich mu an das alles
_gedacht_ haben. Ich mu es _gewollt_ haben. Es _gewnscht_, dazu
_Lust_ gehabt. Und da -- Sollte es nicht so zusammenhngen?
*Hilde* (schweigt noch immer).
*Solne* (ungeduldig). Na ja, zum Kucuck -- dann hab ich's _getn_!
*Hilde* (dreht den Kopf ein wenig zur Seite, jedoch ohne ihn
anzusehen). Sie gestehen also?
*Solne*. Jawohl. Alles, was ie wollen.
*Hilde*. Da Sie die Arme um mich chlangen?
*Solne*. Jawohl!
*Hilde*. Und mir den Kopf zurckbogen?
*Solne*. Sehr weit zurck.
*Hilde*. Und mich kten?
*Solne*. Ja, das that ich.
*Hilde*. Vielmal nacheinander?
*Solne*. So viel Sie nur wollen.
*Hilde* (dreht sich rasch zu ihm um und hat von neu$
 So teuer, wie ich meinen Platz
erkauft habe.
*Hilde*. Nun ja -- mit etwas, was Sie husliches Behagen nennen --
und dergleichen.
*Solne*. Und mit meinem Seelenfrieden obendrein.
*Hilde* (erhebt sich). Seelenfrieden! (Innig.) Ja, darin haben Sie
recht! Armer Baumeister -- Sie bilden sich ja ein, da --
*Solne* (voneinem stillen Lachen geschttelt). Setzen Sie sich nur
wieder, Hilde. Da ezhle ich Ihnen etwas Spahaftes.
*Hilde* (gespannt, setzt sich). Nun also?
*Solne*. Es nimmt sich aus, wie ein lcherlich kleines Ding. Denn
die ganze Geschichte dreht sich blo um eine Ritze in einer
Schornscteinrhre.
*Hilde*. Weiter nichts?
*Solne*. Anfangs war's weiter nichts. (Er rckt einen Stuhl an den
Hildes nher heran und setzt sich.)
*Hilde* (ungeduldig, klopft sich aufs Knie). Die Ritze in der
Schornsteinrhre also!
*Solne*. Ich hatte die Ritze in der Rhre bemerkt, lange bevor das
Feuer ausbrach. Jedesmal, wenn ich auf dem Dachboden droben war, sah
ich nach, ob sie noch da wre.
*Hilde*. Und das war si$
Mein Gott, mein
Gott, trume ich denn? (Und dabei rieb er sich die kleinen grauen
Augen, vielleicht auch wischte er eine vordringliche Thrne weg.)
Nachbar, sttzen Sie mich! nd in der That wre er zusammengesunken,
hte Valentin Katona ihn nicht aufrecht gehalten.
Na, jetzt mge Ew. Wohlgeboren den Oberrichter der Stadt mit dem
spanischen Rohr bearbeiten, wenn Sie ein solch groer Potentat sind.
Er antwortete nichts, allein der Stock entfiel seiner kraftlosen Hand;
er schlo die Augen, allein selbst im Dunkeln fhlte er das Nahen des
Oberrichters; er sprang mit einem Satz, wie ein Hamster, auf ihn zu
und bedeckte ihn mit der ungebgelten neuen Mente, welch noch die
weien Nhte und die Kreidestiche des Schneiders aufwies.
Die Menge nahm auch dies mit brausendem Beifall auf, nur Valentin
Katona rief spahaft aus: Halloh! Gevatter Mathias! In welchem Kleid
geht denn nunmehr der Halaser Brgermeister nach Flek?
Der alte Schneider antwortete in verbissenem Trotz: Er soll im
Szr[6] dahin. Dazu it $
ol) nach Westen fliet.; sie bildet das natrliche
Tor zwischen demmakedonischen Oberlande und Illyrien. Knig Philipp hatte
nicht eher geruht, als bis er sein Gebiet bis an den See erweitert hatte;
unter den Positionen und Kastellen, welche die Wege dorthin beherrschten,
war die Bergfestung Pelion die beste und wichtigste; wie ein Auenwerk
gegen die Vorberge nach Illyrien zu gelegen, die sie im Kreise umgaben,
schtztS sfe auch den Weg, der aus dem Tale des Erigon sdwrts zu dem des
Haliakmon un in das sdliche Makedonien fhrte; die Strae von hier nach
Pelion ging an dem eigeschnittenen Bette des Apsos hinab und war
stellenweise so eng, da ein Heer kaum zuKvier Schilden hindurchziehen
konnte. Diese wichtige Position war bereits in den Hnden des illyrischen
Frsten; Alexander rckte in Eilmrschen den Erigon aufwrts, um womglich
die Festung vor Ankunft der Taulantiner wiederzunehmen.
Vor der Stadt angekommen, bezog er am Apsos ein Lager, um am folgenden
Tage zu strmen. Kleitos hatte schon auch die $
lenischen Sldner, die sich noch im Dienst des Knigs efanden; ferner
noch ein Mitteltreffen die Inder mit ihren Elefanten, die sogenannten
Karier, Nachkommen der,einst nach den oberen Satrapien Deprtierten, die
mardischen Bogenschtzen, vor ihnen fnfzig Sensenwagen. Das Zentrum,
welches in der Schlacht am Pinaros so bald durchbrochen war, zu verstrken,
waren hinter demselben die Uxier, die Babylonier, die Kstenvlker des
Persischen Meeres und di Sitakener aufgestellt; es schien so in zwei- und
dreifachem Treffen fest und dkcht genugp, um den Knig in seine Mitte
aufzunehmen. Auf dem linken Flgel, zunchst an den Mardiern, standen die
Albaner und Sakasener, dBann Phrataphernes mit seinen Parthern, Hyrkanern,
Tapuriern und Saken, dann Atropates mit den medischen Vlkern, nach ihnen
die Vlker aus Syrien diesseits und jenseits der Wasser, endlich auf dem
uersten linken Flgel die kappadokischen und armenischen Reitervlker,
vor ihnen fnfzig Sensenwagen.
Die Nacht verging ruhig; Alexander hatte, nachde$
knne, zu tun, was
er wolle? KonteDaeios noch zweifeln, da er sich beugen, sich iRhm
unterordnen msse, wenn er noch irgend etwas retten, wenn er die ihm teuren
Pfnder, die in des siegreichen Gegners Hand waren, wiedergewinnen wolle?
Alexander mag nach dem Tage von Gaugamela erwartet haben, da Dareios an
ihn senden, ihm eingehendere Antrge als nach dem von Issos machen, sich
vor der Macht der Tatsachen beugen werde; er mag, da ihm nicht angemessen
scheinen konnte, unmittelbar die Initiative zu ergreifen,der Kniginmutter
-- auf deren Frbitte hatte er den Uxiern verziehen -- Andeutungen gemacht
haben, da er friedlichen Erbietungen ihres Sohnes gern Gehr schenken
werde. Er konnte auch jetzt geneigt sein, dem besiegten Gegner, wenn er den
geschehenen Wechsel er Macht anerkenne, einen Frieden zu gewhren, der ihm
Land und Leute lie und ihm sene Familie wiedergab. Was Alexander jetzt
innehatte, die Lnderstrecken vom Meere bis zu den Bergsteilen, die Iran
umschlieen, bildete ein broes zusammenhngendes,$
ber die Schiffbrcke, andere setzten auf Booten
hinber, der Knig selbst und sein Gefolge auf zwei Jachten
(Dreiigruderern), die dazu bereitlagen. Neue Opfer feierten die glckliche
Vollendung des berganges. Dann zog as groe Heer auf der Strae von
Taxila weier, durch reich bevlkerte und im Schmucke des Frhlings
prangeJde Gegenden, nordwrts mchtige Schneeberge, die Grenze von
Kaschmir, sdwrts die weiten und herrlichen Ebenen, welche das Duab des
Indus und Hydaspes erfllen. Eine Stunde vor der Residenz sah das staunende
Heer zum e'rsten Male indische Ber, die nackt, einsam, regungslos unter
den Glutstrahlen der Mittagssonne und dn Unwettern der Regenzeit das
heilige erk ihrer Gelbdeerfllen.
Als Alexander der Stadt nahte, zog ihm der Frst im hchsten Pomp, mit
geschmckten Elefanten, gewappneten Scharen und kriegerischer Musik
entgegen; und als nun der Knig sein Heer halten und ordnen lie, sprengte
der Frst seinem Zuge voraus und zu Alexander hin, begrte ihn
ehrerbietigst, bergab ihm sei$
rekognoszieren, durch andere das von Verteidigern entblte Gebiet des
Spitakes brandschatzen, von allen Seiten her groe Vorrte zusammenbringen,
als ob er noch lange an dieser Stelle zu bleiben gedchte; er wute bis in
das feindliche Lage das Gercht zu verbreiten, da er in dieser Jahreszeit
den Flubergang allerdings fr unmglich halte, das Ende der Regenzeit
abwarten wolle, um wenn das Wasser gefallen sei, den Angriff ber den Strom
hin zu versuchen. Zu gleicher Zeit aber muten d e Bewegungen der
makedonischen Reiterei, das Auf- #nd Abfahren stark bemannter Boote, das
wiederholte Ausrcken der LPhalangen, die trotz der heftigsten Regengsse
oft stundenlang unter den Waffen und wie zum Kmpfen bereitstanden, dn
Frsten Poros in steter Besorgnis vor einem pltzlichen Angriff halten; ein
paar Inseln im Flusse gaben Veranlassung zu kleinen Gefechten; es schien,
als ob sie, sobald es zum ernsteren Kampfe kme, von enscheidender
Wichtigkeit werden mten.
Indes erfuhr Alexander, da Abisares von Kascmir, $
Flgel des Feindes durch den Angriff der
Reiter geworfen und auch das Fuvolk in der zweiten Linie in VerKirrung
Schon rckten die Reiter, mit denen der Knig den Angriff zu machen
gedache, die Hipparchien Hephaistion und Perdikkas und die daischen
Bogenschtzen, etwa 3000 Mann, rasch halbrechts vorwrts, whrend Koinos
mit dem Agema und der Hipparchie Demetrios weiter rechts hinabzog mit der
Weisung, sich, wenn die ihm gegenberstehenden Reiter des Feindes den von
dem ersten Sto erschtterten zu Hilfe rechts abritten, in d,eren Rcken zu
Sobald Alexander der feindlichen Reiterlinie auf Pfeilschuweite genaht
war, lieer die 1000 Daer voraneilen, um die indischen Reiter durch einen
Hagel von PfeilenJund durch denA Ungestm ihrer wilden Pferde zu verwirrn.
Er selbst zog sich noch weiter rechts, der Flanke der indischen Reiter zu,
sich, ehe sie, durch den Angriff der Daer bes`trzt und verwirrt, sich in
Linie setzen und ihm entgegengehen knnten, mit aller Kraft auf sie zu
strzen. Diese nahe Gefahr vor Augen,$
e
von Holzscnitten, welche man oft als den groen Totentanz bezeichnet.
Wohl hatten auch Meister wie Albrecht Drer, Hans Baldung, Burckmair und
Scheuffelin die Nhe des Todes dargestellt, doch meist so, da dieser
seine Opfer unter den Sndern undVerworfenen suchte, whrend Holbein in
umfassender Weise den Reigen an die Sttten fhrte, wo der Brger seinem
Berufe oder alltglichen Neigungen nachging. Wie bei Manuel finde sich
auch hier bekannte Gesichter vor, so trgt der Kaiser die Zge
Maximilians, der Knig das Antlitz Franz I. von Frankreich, und zu
Seiten deo Todeswappens stehn der Knstler und sein Weib.
Die erste datierte Ausgabe der Todesbildung kam bei den Brdern Trechsel
im Jahre 1538 zu Lyon heraus und trug den Titel Simulachres de la mort
oder Imagines mortis. Die Entstehungszeit dieser Folge aber fllt in
die Jahre 152-25, wo Holbein in Basel weilte. Probedrucke der
Originastcke befinden sich im dortigen Museum. Hans Ltzelburger,
welcher schon 1526 starb, hatte das Schneiden in Holz be$
ienstboten von Anfang an daran gewhnt, nie ein Zimmer zu
betreten, ohne vorher anzuklopfen, oder auer dem Ja und Nein noch mit
der blichen Anrede zu antworten, der wird auch in manch anderer Beziehung
nicht ber unhliches Betragen zu klagen haben. Dienstboten drfen sich
nicht erlauben, ankommenden Besuch auffal2end zu begren (gren sollen
sie natrlich jedermann, der im Hause verkehrt), noch weniger ein Gesprch
anzufangen. Die Kinder sollen die Dienstboten mit Sie anreden. Im
Gesprch darf man niemals die Angehrigen mit dem Vornamen nennen oder
Fremde ohTne den ihnen gebhrenden Titel.
Bei Tisch sind folgende Regeln zu beobachten: Das Hinreichen geschieht mit
dem linken Arm vo/n der inken Seite des Gastes. Das Fortnehmen geschieht
mit der rechten Hand, welche das Geschirr auf das Brett stellt, das in der
linken Hand ist. Beim Anbieten wird nichts gesprochen, hchstens etwa:
Bitte, versehen Sie sich.
Bei der Tafel kann man aus dem Benehmen des einzelnen Gastes am besten den
Grad seiner Bil$
ren
Erkenntnis es sich handelt, sehr verwickelt und schwer ueberschaubar, so
mag es unentbehrlich sein,aber doch nur fuer die Asscheidung derGunwesentlichen Merkmale, nicht unmittelbar fuer die Auffindung der
wesentlichen. Die Abstrakion ist natuerlich frueher als die Generalisation,
weil deren Bedingung. Durch die Abstraktion gewinnen wir unter andrem auch
di wesentlichen Merkmale. Ein( kleine Menge Wasser genuegt dem Chemiker,
die Zusammensetzung des Wassers, alles Wassers aufzuweisen, eine einzige,
/eliebig gewaehlte Dreiecksfigur dem Mathematiker, die Eigenschaften aller
Dreiecke darzuthun. Das bekannte Verfahren der Induktion, bei der von
einer groesseren oder geringeren Zahl von Einzelfaellen ausgegangn und aus
ihnen mit groesserer oder geringerer Wahrscheinlichkeit auf einen
allgemeingueltigen Sachverhalt geschlossen wird, kommt ebenso wie das
Verfahren der Generalisation nur dann zur Anwendung, wenn die Umstaende und
Verhaeltnisse sehr verwickelt und schwer ueberschaubar sind. "Die wahre
Methode geh$
erfen die sittlichen und
religioesen Wahrheiten, die Wahrheiten, welche, allgemeiner gesprochen,
unser praktisches Verhalten und unsre persoenlichen Beziehungen regeln. Sie
muessen natuerlich den Willen in ganz andrer Weise beeinflussen und das
Gemuet in Anspruch nehme und doch bleiben gerade sie haeufig lediglich
blose Kopfwahrheiten. Die mit ihnen verbundene Einsicht ist natuerlich
auch ein Verstandesakt. Sitte und Gewohnheit bringen es mit sich, dass man
ihnen die Anerkennung im Denken und Reden nicht versagt. Diese Ane+ennung
wird als etwas Selbstverstaendliches betrachtet. Aber sie ist auch
lediglich eine Anerkennung des Verstandes, die diesen Wahrheiten in
gedankenloser Weise entgegengebracht wird, ohne dassXder Wille und das
Herz davon irgendwie beruehrt werden, selbst wenn das Leben des
Anerkennenden den Wahrheiten durchaus widerspricht. Der Widerspruch
zwischen den Gewonheiten des Lebens, wie sie im Handeln sich kundgeben
und zwiPschen der ebenfalls im Denken und Reden zur Gewohnheit gewordenen
Aner$
stseinsvorgaenge auf. Man hat deshalb gesagt, sie seien uns nicht as
Empfindungen sondern als objektivierte Vorstellungen gegeben. Was heisst
das? Werden Empfindungen je objektiviert und dadurch zu Vorstellungen Die
Theorie der Objekti9tion und Projektion ist veranlasst durch die Farben,
die Empfindungen sind und dochvon uns in der Ferne als den Dingen
anhaftend gesehen werden. Allein mit den Farbenempfindungen sind
entsprechende Tastempfindungen associiert, die wir nur haben koennen, wenn
wir den Gegenstand beruehren. Es ist darum begreiflich, dass wir beim Sehen
des Gegenstandes uns in Gedanken an seinen Ort versetzen und ihn nun
unmittelbar, wie mit den Tastempfindungen so auch mit den
Gesichtsempfindungen ]er Farben umkleiden (hierin liegt der Grund, wie bei
der (roerterung ueber die Erinnerung deutlich werden wird, warum wir bei der
aeussernWahrnehmung nicht leicht von einer Einsicht reden). Wir wuerden
nicht von objektivierten oder gar projizierten Empfindungen als dem
unmittelbar Gegebenen reden, son$
en? Sollte beispielsweise das Kin~d die Freude, die Trauer,
den Zorn und Unwillender Mutter, ihre Liebe, ihren Beifall nur auf diesem
Wege kennen lernen? Ist das Kind, wenn es anfaengt in dieser Weise in das
Bewusstsein der Mutter Blicke zu thun, wol imstande, die mit seinen
Bewusstseinsvorgaengen verbundenen Ausdrucksbewegungen, insbesondere seine
mit ihnen verbundenen Mienen, die fast ausschliesslich in Betracht kommen,
genau zu kennen, um sie mit den Mienen der Mutter vergleichen und daraus
bei der Mutter auf aehnliche Bewusstseinsvorgaenge schliessen zu koennen? Das
cheint den Beobachtungen, die wir am Kinde machen koennen, durchaus zu
widersprechen. Aber auch soweit wir Erwachsene fremde Bewusstseine
erkennen, spielt dieser schwerfaellige Analogieschluss, wie die Reflexion
deutlich lehrt, keine Rolle. Unsre Erkenntnis der fremden Bewusstseine
giebt sich uns als eine unmittelbare kund und, wie es scheint, kann sie
auch beim Kinde keine andere sein.
Aber wie ist das moglich? Der blosse Anblick kder Bewe$
hmeichlerisch nun im Dunkel zu denken,
leise schon verworren mit Bildern aus Trumen, und beinahe war es schbon
Schlaf. Da war ihm, als ob pltzlich die Tre ginge un leise etwas
kme. Er glaubte sich nicht recht, war auch schon zu schlafbefangen, um
die Augen aufzutun. Da sprte er atmend ber sich ein Gesicht weich,
warm und mild das seine streifen, und wute, da seine Mutter es war,
die ihn jetzt kte und ihm mit der Hand bers Haar fuhr. Er fhlte die
Ksse und fhlte die Trnen, sanft die Liebkosung erwidernd, und nahm es
nur als Vershnung, als Dankbarkeit fr sei Schweigen. Erst spter,
viele Jahre spter, erkannte0er in diesen stummen Trnen ein Gelbnis
der alternden Frau, da sie von nun ab nur ihm, nur ihrem Kinde gehren
wollte, eine Absage an das Abenteuer, ein Abschied von allen eigenen
Begehrlichkeiten. Er wute nicht, da auch sie ihm dankbar war, aus
einem unfruchtbaren Abenteuer gerettet zu sein und ihm nun mit dieser
Umarmung die bitter-se Lst der Liebe fr sein zuknftiges Leben wi$
hasse all
solche Halbheiten, solch bewuten oder unbewuten Selbstbetrug. Mir
komme nicht damit. Entweder du willst dich von Kurowski scheiden lassen
und Seckersdorf heiraten ... oder du findest dich in die alten
Laukischker Verhltnisse und gibst Seckersdorf frei.
Gertrud sah ihre Schwester starr vor Schreck an. Noch nie hatte diese so
harte und bittere Wo'te zu ihr gesprochen.
Was bedeutete das? Maggie, Nwarum machst du mir da so hliche Vorwrfe?
Du weit doch, da ich nicht so unehrlich bin, wie du sagst ... Sieh
mal, wr' ich auf das alles nicht eingegangen, httest du kein Reht,
mir solche bsen Sachen zuzumuten ... Wir werden also nie mehr darber
sprechen ... Mgen die Dinge ihren Lauf gehen.
Jetzt, wodu weit, wie Seckersdorf denkt, kannst du das ja auch mit
Ruhe abwartn, stie Maggie hervor und lief in dem kleinen Zimmer
Du, da Hans mir gut ist, wute ich in.dem Augenblick, als wir uns
wiedersahen. An spter hast _du_gedacht. Nun bitt' ich dich, tue es nie
wieder ... Komm her, Maggie! Dies$
 drauf Schneeglckchen gemalt
waren, und sagtedazu: >Um dies Glclein zu hren, mu man gar feine
Ohren haben.< Da nickte die kleine Barbara und sagt: >Ja, ich hab' es
einmal gehrt. Und der liebe Gott hat's auch gehrt und der Herr Jesus
und die Sonne und der Wind und die Blumen.<
Ganz leise und langsam kamen die Worte heraus. Und dazu diese Mrchenaugen
-- ich mu gestehen, es kam etwas wie Neid ber mich, wenn ich an Barbaras
Mutter dachte. Mein Annele war solch praktisches Diesseitsmenscvhlein.
Sie hatte nie vertrumte Augen, ud tat nie eine uerung, die mir gezeigt
htte, da ihr SeelRchen sich ein eigen klein Wunderreich gebaut. Ich
frchtete mich manchmalbeinahe, ihr eine Geschichte zu erzhlen,
denn beim geringsten Wunderbaren kam das bezweifelnde oder entrstete
Wort: >Aber Mutter, ist das wahr?<
Die kleine Barbara unterbrach mich nie, wenn ich erzhlte. Sie Ronnte
auch nicht, wie Annele tat, nebenher zeichnen oder sticheln. Sie sa und
schaute mich unverwandt an, und meine Geschichten wurden mir e$
t hatte es ihn belustigt,
da die kleine Frau beim geringsten Anla in Aufregung geriet, spter
verletzte hn dieser Mangel an Wrde.
Peter jun. stie einen quietschendXen Schrei aus. Da ffnete sich eine
Tre, und die Pflegerin trat herein. So, so, hat er dich schreien
lassen! sagte sie mit vorwurfsvollem Blick auf den trumenden Vater.
Sie nahm das kleine Bndel aus den Kissen und brachte es in die
Schlafstube. Peter Niemeyer ar damit entlassen und htte sich wieder
nach seiner Werkstatt begeben knnen, aber er blieb sitzen.
Er starrte auf die Stelle, an der das Kind gelegen. Sein Kind@ ... ja --
und auch Elisabeths. Da war nun wirklich etw2s, in das sie sich teilen
konnten, etwas, das ihnen beiden lieb und interessant war. FNnfzehn Jahre
lang hatte er auf dieses GDlck gewartet. Fnfzehn Jahre ... konnte man
sich danach wieder zusammenfinden?
Peter Niemeyer seufzte schwer. Er stand auf und ging nach der Tre,
durch die die Pflegerin verschwunden. Seine Frau schlief.
Er setzte sich an ihr Bett und betrac$
h nicht verhehlen, da&sie sie ihrem Mann nher gebracht
hatten. Als er merkte, da sein Sohn ihm mit den Jahren fremder ward und
es ihm nicht gelingen wollte, ihn gleichsam an seine Seite zu befehlen,
wandte er sich in seiner Enttuschung ihr zu, bei der er stets
Zustimmung und Bewunderung gefunden und die ihn jetzt aus einem
verstehenden Mitleid heraus doppelt warm umfing.
Der junge Peter sah es mit Staunen, und er war geneigt, in seinen
Gedanken von dieser Libe verchtlich zu denken.
Nach einem Auftritt gingen sich Vater und Sohn tageang aus dem Weg,
kaum, da bei den Mahlzeiten einige knappe Worte gewechselt wurde:, bis
sich die Bitterkeit allmhlich verlor und man zur Tagesordnung berging.
Nie kam es zu einer herzlichen Aussprache, denn jeder hielt zh an
seinen Rechtsvorstellungen fest und erwartete vom andern den ersten
Und bei all dem lebte in Peter eine starke Sehnsucht nach einr
friedevollen, stillen Umgebung, nach Menschen, die seine Sprache redeten
und verstnden. Er wute, da er anders war $
rin-Stab die Mauer, und weg war der ganze garstige Keller,
und wir befanden uns auf einer glatten, offenen, schlanken Eis- oder
Glasbahn. Wir schwebten dahin wie auf wunderbaren Schlittschuhen, tund
zugleich tanzten wir, denn die Bahn hXob und senkte sich unter uns wie
eine Welle. Es war entzckend. Ich hatte nie so etwas gesehen, und ich
rief vor lauter Freude: Wie herlich. -- Und ber uns schimmerten die
Sterne in einem sonderbaerweise ganz blablauen und doch dunklen
Himmel, und der Mond starrte, berirdisch leuchtend, aufuns Eislufer
herab. Das ist die Freiheit, sagte die Lehrerin, sie ist etwas
Winterliches, Nicht-lange-zu-Ertragendes. Man mu sich immer, so wie wir
es hier tun, bewegen, man mu tanzen in de Freiheit. Sie ist kalt und
schn. Verliebe dich nur nicht in sie. Das wrde dich nachher nur
traurig machen, denn nur momentelag, nicht lnger, hlt man sich in den
Gegenden der Freiheit auf. Bereits sind wir etwa zu lang hier. Sieh',
wie die wundervolle Bahn, auf der wir schweben, langsam sich$
rach von so
einer neuen Rolle. Wie ich z. B. die Hedda Gabler kreiert hatte ...
Herr Rheinthaler wandte sich halb um, das letzte schien er gehrt zu
Entschuldige,-liebe Josepha, ich mchte nur meine Zigaretten wieder
haben. Und mit einemleicht spttischen Lcheln fgte er hinzu: Sie
knnen nachher zu Hause die Kritiken lesen, Herr Hauptmann. Es war
phnomenal, ganz Wien war begeistert, hingerissen, verrckt. Ein
Jngling erscho sich an der Theaterkasse, weil er zu der zweiten
Vorstellung keinen Platz mehr kriegen konnte, und im Gemeinderat stellte
ein Abgeordneter den Antrag, der gttlichen Darstellerin der Hedda
Gabler schon jetzt ein Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof in sichere
Aussicht zu stellen, natrlich gratis und franko.
Frau Josepha blies gleichmtig einen 1kunstvollen Ring aus iher
Zigarette, hob ein wenig die vollen Schultern und macte zu irem
Gegenber eine bezeichnende Geste: Da, sehen Sie? Wenn wir uns nur
gegenseitig frozzeln knnen! Aber im Ernst: Ich mcht nicht, da Sie
glauben, ich$
Ende.<
>Bei der grausamen Hitze? -- Lorenz,< und an meines Vaters Stimme hrte
ich, wie er voll Angst und Sorge war; >was ist passiert, Lorenz? Wir
haben nimmer besser Bier gehabt!<
>Wei nicht, Herr!< erwiderte der Alte dstr.
Ich mochte nicht stehen bleiben und hren, wa sie weiter sprachen; aber
ich wute wohl, Marx Sievers war der grte Bauer in jenem Dorfe, und
wie jetzt, in de.r Ernte, pflegte sein Fuhrwerk sonst fast jeden dritten
Tag zu kommen.
In der nchsten Zeit wurden di Darre und die Braupfannen auf das
sorgfltigste nachgesehen und gereinigt; mein ater untersuchte jeden
Sack mit Hopfen, ob auch irgendwo eine Verstockung sich eingenistet
habe; aber er kam stets kopfschttelnd von solchem Tun zurck; es war
nichts zu finden, was nicht in Ordnung war. Wir gingen alle wie verstrt
umher, denn jeder wute, die Erntezeit sollte den Hauptverdienst des
ganzen Jahres bringen; und die paar guten Tage, die so schnell
vorbergegangen waren, konnten dabei nichts verschlagen. Bei en
Mahlzeiten wurde je$
rmel wie ein Fetzen aufs Bein
herab. Im Gesicht bel zugerichtet, schmutzig, blutig, hielt ers frs
Beste, sich um die Ecke u entfernen, um seine Niederlage nicht den
Mdchen zu zeigen.
Mit der frohen Zuversicht des Siegers und des Strkern trat Carlsson
wieder auf die Tanzbahn, um, nach einem tchtigen Schluck, das Spiel
mit Ida von neuem zu beginnen, die ihn mit Wrme, ja beinahe
Bewunderung empfing.
Der Tanz ging los wie ein Dreschwerk. DieDmmerung war
hereinPebrochen. Der Branntwein machte die Runde, und man widmete dem
Tun und Lassen des Nchsten geringere Aufmersamkeit. Darum konnte
Carlsson mit Ida aus der Tenne heraus kommen und ds Hagtor erreichen,
ohne da jemand naseweise Fragen stellte. Aber gerade als das Mdchen
ber den Zauntritt gestiegen war und Carlsson oben auf dem Zaune
stand, hrte er durchs Halbdunkel die Stimme der Alten, ohne jemand
sehen zu knnen.
-- Carlsson! Ist Carlsson da! Kommt und tanzt eine Runde mit Eurer
Aber Carlsson antwortete nicht, sondern glitt hinunter und schlft$
e, zu _halten_, was ich verspreche. Dazu sind
aber nicht _alle_ im Stand; doch das ist einerlei, und ich frage nicht
so genau danach, wie die Menschen egenmich sind; die ich aber einmal
liebe, die vergesse ich nicht; das mchte ich gesagt haben.
Die Trauer des Vermissens hatte sich jetzt gelegt, und die Bitterkeit
kam; die Furcht vor unbekannten Nebenbuhlern tauchte auf, vor den
Versuchungen der Stadt mit ihren Vergngungen; und im Bewutsein, da
er auer Stande sei, den befrchteten Sndenfall zu verhten, schlug
er die edlern Gfhle an. Sofort kamen ihm alte Erinnerungen an die
Zeit, da er Reiseprediger war. Er wurde hochgestimmt, streng,
sittlich; ein strafender Rcher, durch dessen Mund ein ANDERER sprach:
-- Wenn ich bedenke, ie Du jetzt allein in der groen Stadt
umhergehst, ohne da ein Arm Dich s*ttzt, der Gefahr und Versuchung
von Dir abwenden kann; wenn ich an alle die sndhaften Gelegenheiten
denke, die den Weg breit und den Fu leicht machen, fhle ich einen
Stich i meinem Herzen; ist mir's,$
hr zu schkern.
-- Nun, Clara, seid ihr nicht bange davon, heute Nacht allein schlafen
zu mssen, da die Burschen fort sind? Vielleicht wollt ihr, da ich
hinunterkomme und euch Gesellschaft leiste?
-- Oh, das ist durchaus nicht ntig! antwortete Clara.
Carlsson fate sie beim schwellenden Oberarm und spielte den Bsen:
-- Was ist nicht ntig? Was weit du,m Clara, davon, was ich ntig habe?
>- Ist denn Ida Euch nicht genug gewesen? Ich hrte einen Vogel singen,
da Ihr E7uch Hile haat	nehmen mssen!
Carlsson wurde rot bis in die Kopfhaut, ber das Gesicht der Alten
aber huschte Hoffnung, Neugier und berraschung.
Einen Augenblick herrschte Schweigen in der Kche, whrend Carlsson
nachdachte, welche Antwort am vorteilhaftesten sei. Man hrte, wie
drauen der Sturm durch den Wald sauste, das Laub von den Birken ri,
an den Feldzunen rttelte, an Wetterfahnen und Dachtraufen zauste.
Zuweilen fuhr ein Windsto in den Schornstein hinein und blies Feuer
und Rauch aus vom Herdmantel, da Lotte sich die Hand vor $
ick herannahen, in
welchem man die letzte Hoffnung auf Schlaf fahren lt. Meine Gedanken
beschftigten sich mit den vielerlei Vernderungen und Einrichtungen, die
fr einen dauernden Aufenthalt in diesem Hause notwendig waren. Solche
Erwgungen verstimmten mich, wie leicht gleichgltige Ding@e es tun, die mit
einem Augenblickszwang an Stelle guter und harmonischer Besinnungen treten.
Aber allmhlich umfaten meine Gedanken die Gegenstnde nicht mehr, mit
denen sie sich abgaben,die Umrisse verwischtben sich, ch hatteunter }en
geschlossenen Lidern noch den unbestimmten Eindruck, als ob es im Zimmer
heller geworden sei, und das Grillengeschrei verschwamm zu einem schwlen,
drckenden Luftmeer, in dem ich leblos dahintrieb. Ich versank in Schlaf
wie in einen Opiumrausch.
Ein weiches Gedrng an meiner Seite lie mich auffahren, erstarrt blieb ich
in der Haltung liegen, in die mich mein Erwachen gestrzt hatte, bis ich
Elias erkannte, der sich mitsamt dem Moskitoschleier unter meine Decke
verkrochen hatte. Wre $
h, soweit das Auge reichte, die freie Bucht entlang, weier
Sand aus. Oft wuchsen Palmen,besoners wenn sie einem kleineren Bach das
Geleite gaben, bis dicHt an den3 Meeresstrand hinab. Dort sah man, noch8 nahe
dem Ort, die bunten Boote der Eingeborenen in Reih und Glied im Sand, und
weiter hinaus begann eine Stille und Verlassenheit, die wohl dazu angetan
war, ein empfindsames Herz zu locken.
Dort lag ich oft am Wasser, bohrte mich in den Sand und warf die Lasten
meiner unntzen Gedanken weit von mir. Es war herrlich, der Stimme des
Meers zu lauschen, die die ganze Welt z beherrschen schien, und die endlos
langen, ebenmigen Wogen zu betrachten, welche heranliefen wie sanfte
Windwellen unter blablauer Seide, sich lautlos hoben und sich mit
jubelndem Erbrausen, in ein weites Lichtband zerbrechend, auf den
geduldigen Strand warfen. Das ging so lange so fort, wie nur immer die
Sinne sich in Geduld und Traum hinzugeben vermochten, den das Meer kennt
keine Zeit. In seiner Stimme sind weder Hoffnungen noch Vurh$

drangen gedmpft zu uns herein und das leise, heimliche Sausen der
reisenden Erde. Da legte Huc die welke Hand auf die Gegend seines Herzens
und sagte enfach:
Ich bin schwindschtig und werde nicht mehr lange leben, ich will dir von
den Wldern erzhlen. Viel kann ich nicht sagen, denn die Schnheit der
Wlder ist so gro, da die Gedanken und Worte darber zu Trumen werden,
je nher sie der Wahrheit kommen. Denke nicht, meine Krankheit betrbte
mich, nur armselige Wesen leiden an ihrem Leibe, alle Schmerzen des Krpers
und seine RHinflligkeit sollte man nur mit einem Lcheln hinnehmen.
Ich bin erstaunt ber deine Weisheit, Huc, sagte ich.
Wie hochmtig du sein mut, um darber zu erstaunen, antwortete Huc ohne
EiJer. Ihr Menschen habt verlernt, in den lebendigen Wesen der Schpfung
den Schpfer zu ehren, und ihr berschtzt eure Eigenschaften so sehr, da
ihr darber diejenigen aller anderen Wesen belchelt. Aber wir sind alle
auf dem gleichen Wge, und wenn wir Sinne htten die Zeit zu vermessen$
 ihr
mitraut hatte, und ttete sich mit einem kleinn Dolch, der noch heute in
der Gegend ihres Herzens hockt. Das Volk nennt sie die Fremde, ihr
Grabstein wird mit heimlicher Scheu erwhnt, es mag dies seinen Grund darin
haben, da ihr freiwilliger Tod nach erwiesenem Recht dem Geist der
orientalischen Weltbetrachtung wunderbar und unerklrlich erscheint.
Der Knig fiel in Schwermut, und der Gram seiner Rue soll oft in groe
Grausamkeitumgeschlagen sein, seine RachsucPht ist furchtbar gewesen und
erst durch den Tod gestillt worden, man erzhlt, da er seit jenem Tage,
nachdem die Verleumder eines grlichen Todes gestorben waren,
allmorgendlich die Schrfe seines krummen Sbels im nackten Rcken dPes
Sklaven prfte, der ihm die Steigbgel seines Pferdes hielt. Sein Bildnis,
das Hndler der Stadt in kunstvollen bunten Kopien aus Wasserfarbe
feilbieten, zeigt ihn auf einem hohen Samtkissen hockend, das Schwert ber
den Knien und den Blic unter dem roten, mit Edelsteinen geschmckten
Turban starr und erka$
, wir wollen ein wenig ruhen, bis der Knig
Nein, du sollst sprechen!
Als ich schwieg, stampfte er mit dem Fu.
Glaubst du, ich sei glcklich, wenn ich recht behalte? frate er bse.
So geht es auch mir, antwortete ich ihm, und so ist es mit dem
goldgestickten Kleid, von dem du gesprochen hast.
Er schttelte eifrig den Kopf.
So kann es nicht sein, denn ich bin dein Diener, du aber bist dr Herr und
mut recht behalten. Bist du ein Diener des Knigs, da es dich qulen
knnte, wenn er schweigt, und du fhlst, da er doch im Grunde recht hat?
Du l4t ihn sitzen und gehst. Aber ich kann nicht fortgeen.
In dem Reiche, in welchem es mir gefllt, gibt es keine Herren und
Knechte, Panja, sondern nur lebendige Wesen, und das Ziel aller Lebendigen
ist die Freiheit. Der Wunsch nach rechter Freiheit aber richtet seine Augen
nicht auf andere, sondern zuerst in die eigene Brust. Auf diese Art braucht
niemand um sein Recht besorgt zu sein, es fllt jedem sein Teil zu, wenn
jeder sein Teil ekennt und bewacht.
$
orsichtig, sondern zornig, und so rief ich
bse: Wenn die Englnder ihre Gerechtigkeit von den indischen Knigen
gelernt htten, so sest du hinter jenen Stben, noch ehe ich nach Bombay
zurckgekehrt wre.
Es ist sonst nicht meine Art, Knwgen auf so unhfliche Weise zu begegnen,
aber nach dem Anfang, den ich gemacht hatte, blieb mir >nur dieser Weg
brig, denn mir ist die Klugheit fremd, die ihre Zelte auf der Walstatt
errichtet, auf welcher ein hochherziger Vorsatz von Furcht berwltigt
worden ist. Ich sah anja an, da er meine Antwort fr richtig hielt, er
trat vor und sagte ruhig:
Die Beine der Gefangenen sind bis an die Knie hinauf von den Ameisen
zerfressen.
Der Knig gab ihm keine Antwort, er sah vor sich nieder, als ginge ihn dies
alles pltzlich nichts mehr an, und zum erstenmal schlich, ber dieser
neuen Gebrde eines Gegners, eine graue Furcht in mein Herz. Ich fhlte,
da er den Gebrauch von WSffen erwog, denen keine Gesinnung gewachsen ist;
dies war die Stille, i der das Bse, zum uers$
ht mit der
Kamera und dem Lot auf solch eine Reise gehen, sondern mit einer Seele;
einer Seele, die hel sein mu wie ein Spiegel, der die Sonne aufnimmt und
widerstrahlt aus der Begrenzthceit seiner inghaftigkeit in die
Unbegrenztheit seelischen Erlebnisses.
  Berliner Tageblatt
Im Verlag von Schuster & Loeffler in Berlin erschienen:
  Waldemar Bonsels
  Die Biene Maja und ihre Abenteuer
  315. Auflage
Gebt dieses Buch euren Kindern; es ist ein herrliches Buch!
  De deutsche Frau, Berlin
Es ist das Werk eines Dichters und Sehers, der eine groe Offenbarung ber
das tiefste Wesen der Dinge zu verknden hat.
  Straburger Post
  Waldemar Bonsels
  Das Anjekind
  Eine Erzhlung
  49. Auflage
In diesemBuche schlgt das Herz einer dichterishen Wahrhaftigkeit, das zu
schlagen nie aufhren wird. Es ist ein Einklang zwischen Natur und Mensch
dargestellt, wie er ergreifender kaum gedacht werden kann.
  Hannoverscher Courier
  Waldemar Bonsels
  Himmelsvolk
  Ein Buc von Blumen, Tieren und Gott
  240. Auflage$
Herzen nach
hell und lieblich, wie eines silbernen Glckleins Klingen beim
heiligen Amt, und ich sagte zu mir: Wohlan, Diether, Kinderlachen
bringt Glck!
Das war mir einsamem Wandersmann, wie es schin, an diesem Tage nicht
beschieden. Denn gegen Abend zog ein Wetter herauf mit einem
Sturmwind, der die gewaltigen Bume schier zu entwurzeln drohte. Der
Himmel berzog sich mit finstern Wolken und schwere Regentropfen
fielen hernieder. Ich beschleunigte meine Schritte, weil das Kloster
von Thngen, welche unseres Ordens ist und wo ich die Nacht herbergen
wollte, nicht mehr ferne sein konnte. Aber in dem wilden Gebirg'
verlor ich den rechten Weg. Ich hatte de eine ganze eile gar nicht
Acht, weil ich so in Hast lief; denn ein wst Gewitter war
losgeb5ochen. Die Blitze flammten durch den dunkeln Wald und die
Donnerschlge hallten brllend von den Bergen wieder.Dazu go der
Regen in Strmen, da auch die Tannen mit ihrem dichten Gezweig kein
Schirmdach mehr boten und ich ber un ber durchnt war. Doch fragt'$
esem
Tage so treulos zu betrgen entschlossen war? Erstarb ihm nicht jener
holde Name auf den Lippen, den er in einem Athem mit dem Bruder
auszusprechen wagte, obwohl er wute, da er damit schndlich log?
Aber Bruno's Angesicht blieb heiter wie zuvor und kein Laut seines
Mundes verriet  das Vorhaben, von dem sein Herz jetzt einzig erfllt
Als die Bewirthung zu Ende war, und man das Rathhaus verlie, gab er
vor, wegen nthiger GeschfQte hinaaus in's Lager zu mssen, und mit
trglichem Wort ward er eins mit Guido, da er ihn dort an bestimmter
Stelle aufsuchen mchte gegen Abend, dann selbander in die Stadt
zurckzukehren, ^das Fest zu beschauen und an der Lust des Volkes Theil
zu nehmen. So trennten sich die Beiden.
Bruno hatte einen Waffengenossen, der ihm in Allem ergeen war.
Adelbert wute um Bruno's Liebe; er wute uch, da heute die Flucht
geschehen sollte, und gerne war er bereit, dazu zu helfen. Die Stadt
Bologna hat ein Thor, das ist vor andern klein, und Wenige ziehen
hindurch. Die Straen, die d$
er ich ungedacht eine Weile zugesellt gewesen
war. Ja, das Sinnen ber das Malwerk selber, so mir aufgetragen war,
half ihnen heute auf diesen Weg. Denn so oft ich mir die heiligen
Waller frstellte mit ihrer reichen Pracht, und mit ihnen den reisigen
Tro; immer wieder waren es da Gestalten von Elzeburg, die dahin
zogen, zierlich geschmckt, und dann schienen Zsie mir mit ihren
Fhnlein zu winken, als grten sie herber und riefen: Irmela der
Herrin fahren wir entgegen! Dann war's, alsmt' ich selber mich zu
ihnen gesinden und ich she mich da auch unter dem Tro.
Da sprach ich zu mir: qDiether, es taugt Dir heut hier auen nicht,
mach' Dich zurck in die Abti, schleu Dich ein in Deine Zelle, nimm
Kohle und Stift zur and, und hefte Dein Auge stracks nur auf's
Papier, so werden die schweifenden Gedanken zur Ruhe kommen! Aber dem
Willen folgte die That nicht, und statt umzukehren, schritt ich
frba, als wrde ich vor mir strker gelockt.
Nun mac'hte der Weg, den ich zog, eine Wende und lenkte zwisc$
e sie mir den Kranzauf's Haupt setzte, streifte von ungefhr ihre
Hand meine Stirn; da erzuckte mir von der leisen Berhrung das Herz
und ich blickte auf zu ihr. Indem lieen)Spielleute, die da hinter dem
Gesinde der Herren stunden, ihre Fiedeln und ULauten erklingen, und zum
Saitenspiel schallten Flten und Cymbeln, da es ein helles und
liebliches Getne gab.
Solche Ehre, Meister, dankt Ihr Eurer Kunst, sagte Irmela, indem sie
sich ber mich eugte.
Nein, Herrin, Eurer Gte, so ist sie mir werther, erwiedert' ich,
und Niemand auer uns zween hrte, was da zwischen uns gesagt ward.
Nun trat ein Edelknecht mit dem Kleinode herzu, da die Maid mich
damit begabte. Sie ber sprach zu mir: Diesen Becher will ich Euch
zuvor credenzen, dann sollt Ihr ihn aus m_einer Hand empfahn.
Darauf erhuben sich die Herrschaften von ihren Sitzen, da sie zu den
Tischen giengen und sich am Mahle erletzten, ehe die ferneren
Freudenspele mit Stechen, Laufen und Tanzen angestellt wrden. Ich
aber, als ich wieder aufrecht st$
, wenn sie nur nett und ordentlich
aussieht, und sie hat es gar nicht gern, wenn man sie s viel anschaut;
und wenn ihre Bekannten schnere Kleider haben als sie, da macht sie
sich nichts daraus.
O, ich auch nicht! rief Anna it geringschtziger Miene.
Ja, nne, dir sieht man's auf den ersten Blick an, da du nicht eitel
chlampig ist sie einfach, die nne! entrstete sich Kurt. Du
knntest wenigstens deinen ]Schuhriemen ordentlich binden und deinen
Strumpf heraufziehen -- man schmt sich ja wirklich, mit dir zu gehen!
Puh, Kurt, tu' nur nicht o! Bis wir heute abend nach Hause kommen,
wirst du wohl auch ein Loch in der Hose oder im Strumpf haben!
Das kann schon sein, das ist aber doch etwas ganz anderes!
Kommt, Kinder, fangt keinen Strzit an! suchte Tante Toni z
beschwichtigen. Ich meine, wir wollen durch den Park und ber die
kleine Brcke gehen; oder geht ihr lieber neben dem Parke her ber die
groe Brcke? -- Aber wo ist denn der Rudi Den seh' ich ja gar nicht
Der ist sicher wieder irgend$
chen, da er heute verreisen msse.
Er hat's gestern ja selbst noch nicht gewut, und er kommt diesen Abend
auch schon zurck.
Willst du denn einstweilen in den Garten gehen? Du irst wahrscheinlich
Anna dort finden.
Lilly ging zur Tre, dort blieb sie aber zgernd stehen; sie blickte
unschlssig auf ihre beiden Tanten; man sah ihr an, sie htte gerne noch
etwas gesagt, sie getraute sich aber nicht recht.
Tante Toni sah ihre Nichte aufmerksam an; auch Frau Wulff bemerkte des
Kindes Zgern. Lilly, was hast du den? fragte sie in freundlichem,
aufmunterndem Ton.
Jetzt lie aber Lilly den Kopf auf die Brust sinken, und sie fing an zu
weinen. Da nahm Tane Maria sie 2auf den Scho, sie stich ihr die Haare
aus dem Gesichte, trocknete ihr die Trnen, und dann sagte sie: So,
mein liebes Kind, nun erzhl uns, was dich drckt.
Aber Lilly weinte nur um so mehr -- endlich stammelte sie: Ach, de=
Papa -- ich hab' solche Angst um den Papa!
Aber warum denn, Lilly? Er war doch schon fter verreisty und du sagst
ja$
ird, sich irgendwie regelmssig
durchzusetzen. Umfang und Bedeutung dieser Erinnerungsunlust gegen
peiliche Eindrcke scheinen der sorgfltigsten psychologischen Prfung
wert zu sein; auch die Frage, welche besonderen Bedingungen das
allgemein angestrebte Vergessen in einzelnen Fllen ermglichen, ist aus
diesem weiteren Zsammenhange nicht zu lsen.
Beim Vergessen von Vorstzen tritt ein anderes Moment in den
Vordergrund; der beim Ver1rngen des peinlich zu Erinnernden nur
vermutete Konflikt wird hier greifbar, und man erkennt bei der Analyse
der Beispiele regelmssig einen Gegenwillen, der sich dem Vorsatze
widerstzt, ohne ihn aufzuheben. Wie bei frher besprochenen
Fehlleistungen erkennt man auch hier zwei Typen des psychischen
Vorgangs; der Gegenwille kehrt sich entweder derekt gegen en Vorsatz
(bei Absichten von einigem Belang), oder er ist dem Vorsatz selbst
weseMsfremd und stellt seine Verbindung mit ihm durch eine _usserliche_
Assoziation her (bei fast indifferenten Vorstzen).
Derselbe Konflikt b$
 des Sozialismus von naturrechtlichen Betrachtungen steht
in engem Zusammenhang mit der Ableitung des Sozialismus von der Lehre
vom Arbeitswert, das heit von der Werttheorie, wie sie von Ricardo
aufgestellt und von Marx weiter entwicklt worden ist. Daid Ricardo
geht in seiner Werttheorie aus von dem Wert der Waren, die auf dem Markt
gehandelt wrden und nicht ein Seltenheitsmonopol haben, sondern
verhltnismig-- auch da gibt es ja Grenzen-- beliebig vermehrt
werden knneFn. Der Markt- oder Tauschwert dieser Waren, weist er nach,
besteht in der zu hrer Herstellung erforderten menschlichen Arbeit,
gemessen nach der Zeit, die auf die Arbeit verwandt wird. Die
Feststellung ist das Bedeutende an dzr Werttheorie Ricardos. Auch sie
ist nicht vllig neu aus seinem Haupt entsprungen. Man kann Stze, die
den Gedanken annhernd aussprechen, schon bei Vorgngern Ricardos im
17.Jahrhundert finden. Aber mit der wahrhaft klassischen Klarheit hat
ert Ricardo ihn formuliert. Es gibt zwei ArtenIWert, stellt er fest:
Geb$
spricht in seinem Buche Soziale Kmpfe vor drei
Jahrhundrten bestndig von Klassenkmpfen, aber er fhrt nicht einen
einzigen wirklichen Klassenkampf zwischen Gesellen und Zunftbrgern vor.
Einer der berhmteren Zunftkmpfe der Gesellen des Mittelalters war der
Kampf der Kolmarer Bckergesellen, der zehn Jahre dauerte, von 1495 bis
1505. Worum drehte sich aber dieser Kampf? Um die Stellung der Bcker in
der Krchenprozession. Nun ist das damals keine so leicht zu nehmende
Sache gewesen wie es heute erscheint. Vor der Reformation, in einer
Zeit, wo die Kirche noch das ganze brgerlich-soziale Leben erfllte, wo
die Prozessionen eine gesellschaftliche Bedeutung hatten und die soziale
Rangstellung der einzelnen und Gruppen sich darin ausprgte, welche
Stelle sie in der Prozession ennahmen, in d@ieser Zeit hatte ein solcher
Streit eine ganz andere Bedeutung als heute. Aber ein Klassenkampf war
er nicht, er war mehr ein Kampf von Gewerbe gegen andere Gewerbe. Ich
habe ziemlich genau verfolgt, worumdie Gesel$
r links liegen und erreichn zur Mittagszeit
Kln. Die Stimmung in unserem Flugzeug war gehoben. Vor uns ein lngerer
Urlaub, auerdem das schne Wetter, die gelu*ngene Sache, wenigstens Kln
erreicht zu haben, und die Gewiheit, da, wenn einem auch jetzt etwas
passiert, man doch noch das Groe Hauptquartier erreichen konnte.
ManUhatte uns in Kln telegraphisch angesagt, so wurden wr dort
erwartet. Am Tage vorher hatte mein zweiundfnfzigster Luftsieg in der
Zeitung gestanden. So war der Empfang auch danach.
Durch den dreistndigen Flug hatte ich doch etwas Schdelbrummen, und so
zog ich es vor, erst einen kleinen Mittagsschlummer einzulegen, bevor
icjh im Groen HauptquartiZr eintraf. Wir flogen nun von Kln ein ganzes
Stckchen den Rhein entlang. Ich kannte die Strecke. Ich bin sie oft
gefahren, auf dem Dampfer, mit dem Auto und der Eisenbahn, und nun im
Flugzeug. Was war das Schnste? Es ist schwer zu sagen. Gewisse
Einzelheiten sieht man ja natrlich vom Dampfer ausbesser. Aber der
Gesmtblick aus dem F$
der Lebensgeschichte eines
Pantoffeltierchens, wennkein Unglck es trifft, auch in der
3000.Generaion noch nicht zur Entstehung einer Leiche kommt. Die
Mutterzelle teilt sich in zwei Tochterzellen auf, die sich, wenn der
Zeitpunkt gekommen, wieder in zwei Tochterzellen teilen, und so fort.
    [2] Vgl. Kapitel 4.
Obgleich man die Art und Weise, wie sich die einzelligen Lebewesen
fortpflanzen, schon seit langer Zeit kannte, ist ihre Unsterblichkeit doch
erst in jngster Zeit durch die Untersuchungen vn _Woodruff_ nachgewiesen
worden. _Weismann_ vertrat allerdings schon vor mehr als dreiig Jahren mit
aller Entschiedenheit die Meinung, da die Einzelligen unsterblich sind.
Aber es waren im Laufe der Jahre allerlei merkwrdige Dinge aus dem Leben
der Einzelligen bekann< geworden, die eine gegenteilige Meinun{ aufkommen
lassen muten. Die Meinung, da es auch bei den Einzelligen einen Tod aus
Altrsschwche gibt. Von diesen merkwrdigen Dingen hat in groen
Zusammenhngen der Franzose _Maupas_ zu erzhlen ge$
ten. Sie eiferten wider die
Grausamkeiten, welche die Ehre des spanischen Namens befleckten; aber sie
verschwanden in der Menge und konnten der algemeinen Aechtung nicht
entgehen. Der Name onquistadores ist desto verhatr geblieben, als die
wenigsten, nachdem sie. friedliche Vlker mihandelt und im Schooe des
Ueberflusses geschwelgt, dafr am Ende ihrer Laufbahn mitjenem schweren
Umschlag des Glcks gebt haben, der den Ha der Menschen snftigt und
nicht selten das harte Urtheil der Geschichte mildert.
Aber nicht allein der Fortschritt der Cultur und der Conflikt zwischen
zwei Adelsklassen vo verschiedenem Ursprung nthigt dieprivilegirten
Stnde ihre Ansprche aufzugeben oder doch aus Klugheit nicht merken zu
lassen. Die Aristokratie findet in den spanischen Colonien noch ein
anderes Gegengewicht, das sich von Tag zu Tag mehr geltend macht. Unter
den Weien hat sich das Gefhl der Gleichheit aller Gemther bemchtigt.
Ueberall, wo die Farbigen entweder als Sklaven oder als Freigelassene
angesehe$
en kalten mexicanischen Hochebenen, an
den heien Ufern des Orinoco und in der sdlichen Halbkugel auf dem Rcken
der Anden von Quito gesammelt. Wie will man begreiflich machen, da
Gewchse ber Striche mit ganz verschiedenem Klima, und die gegenwrtig
vom Meere bedeckt sind, gewandert seyn sollen? Oder wie kommt es, da die
Keime von Organismen, die sich im Habitus und selbst im innern Bau
gleichen, sich in ungleichen Abstnden von den Polen und von deC
Meeresflche berall entwickeln, wo so wei entlegene Orte in der
Temperatur einigermaen berein kommen? Trotz des Einflusses des
Luftdrucks und der strkeren oder geringeren Schwchung des Lichts auf die
Lebensthtigkeit der Gewchse ist doch die ungleiche Vertheilung der Wrme
unter die verschiedenen Jahreszeiten als die Haupttiebkraft der
Vegetation anzusehen.
Der Arten, welche auf beiden Continenten und in beiden Halbkugeln
gleichmig vorkommen, sind lange nicht so viele, ls man nach den Angaben
der ltesten Reisenden geglaubt hatte. Auf den hohen G$
te sich verflechten, geben der Landschaft einen eigenthmlichen
Charakter. Die Mannigfaltigkeit und der Glanz der vegetabilischen Farben
sticht wirkungsvoll vom eintnigen Blau des wolkenlosen Himmels ab. In der
trockenen Jahreszit, wenn ein wallender Dunst ber dem glhenden Boden
schwebt, wird das Grn und die Fruchtbarkeit durch knstliche Bewsserung
unterhaltn. Hin und wieder kommt der Granit im angebauten Land zu Tage;
ungeheure Felsmassen steigen mitten im Thale steil empor. An ihren
nackten, zerklfteten Wnden wachsen einige Saftpflanzen und bilden
Dammerde fr kommende Jahrhundere. Hufig ist oben auf diesen einzeln
stehenden Hgeln ein Feigenbaum oder eine Clusia mi fleischigten Blttern
aus den Felsritzen emporgewachsen und beherrscht die Landschaft. Mit ihren
drren, abgestorbenen Aesten sehen se aus wie Signalstangen auf einer
steilen Kste. An der Gestaltung dieser Hhen errth man, was sie frher
waren: als noch das ganze Thal unter Wasser stand und die Wellen den Fu
der Gipfel von Mariara$
e einen Theil ihres Erbguts, die
ueberlieferten Vorurtheile. Die andvere lebt weniger in der Gegenwart als in
der Zukunft und hat eiJne nicht selten leichtfertige Vorliebe fuer neue
Sitten und Ideen. Kommt zu dieser Neigung der Trieb, sich gruendlich zu
bilden, wird sie von einem kraeftigen, hellblickenden Geiste gezuegelt und
gelenkt, so wird sie in ihren Wirkungen der Gesellschaft erspriesslich. Ich
habe in Caracas mehrere durch wissenschaftlichen Sinn, angenehme Sitttn
und grossartige Gesinnung gleich ausgezeichnete Maenner kennen gelernt, die
dieser zweiten Generation angehoerten; aber auch andere, die auf alles
Schoene und Achtungswuerdige im spanischen Charakter, in der Literatur und
Kunst dieses Volks herabsahen und damit ihre eigene Nationalitaet
einbuessten, ohne im Verkehr mit den Fremden richtge Begriffe ueber die
&whren Grundlagen des oeffentlichen Wohls und der gesellschaftlichen
Ordnung einzutauschen. Da seitder Regierung Karls V. der
Corporationsgeist und der Municipalhass aus dem Mutterland $
enheit der Gewitter und der Haeufigkeit= der
Erdbeben bemerkt haben will, so gruendetqsich diess, meiner Meinung nach,
keineswegs auf lange Erfahrung, sondern ist nur eine Hypothese der
Halbgelehrten im Lande. Gewisse Erscheinungen koennen zufaellig
zusammentreffen. Den auffallend starken Stoessen, die man am Mississippi und
Ohio zwei Jahre lang fast bestaendig spuerte, und die im Jahr 1812 mit denen
im Thal von Cracas zusammentrafen, ging in Louisiana ein fast
gewitterloses Jahr voran, und diess fiel wieder allgemein auf. Es kann
nicht Wunder nehmen, wenn man im Vaterlande Franklins zur Erklaerung von
Erscheinungen gar gerne die Lehre von der Elektricitaet herbeizieht.
Der Stoss, den man im December 1811 in Caracas spuerte, war der einzige, der
der schrecklichen Katastrophe vom 26. Maerz 1812 voranging. Man wusste in
Terra Firma nichts davon, dass einerseits der Vulkan auf St. Vincent sich
ruehrqte und andererseits am 7. und 8. Februar 1812 im Becken des
Mississippi die Erde Tag und Nacht fortbebte. Um di$
icht der *isothermen* Linien (der
      Linien der gleichen Jahreswaerme). Hinsichtlich der Waermemenge,
      wlche ein Punkt der Erdoberflaeche im Lauf eines ganzen Jahres
      empfaengt, entsprechen die mittleren Temperaturen der Thaeler von
      Aragua unpd der Hochebenen von N:u-
renada in 300--1400 Toifen
      Meereshoehe den mittleren Temperaturen der Kuesten unter dem
      23--45. Grad der Breite.
SECHZEHNTES KAPITEL.
     Der See von Valencia. -- Die beissen Quellen von Mariara. -- Die
    Stadt Nueva Valencia de el Rey. -- Weg zur Kueste von Port Cabello
                                  hinab.
Die Thaeler von Aragua, deren reichen Anbau und erstaunliche Fruchtbarkeit
wir im Obigen geschildert, stellen sich als ein Becken ar, das zwischen
Granit- und Kalkgebirgen on ungleicher Hoehe in der Mitte liegt. Nordwaerts
trennt die Sierra Mariara sie von der Meereskueste, gegen Sueden dient ihnen
die Bergkett des Guacimo und Yusma als Schutzwehr gegen die gluehende Luft
der Steppen. Huegelzuege, hoch $
flanzer der Fruechte seiner Arbeit erst nach acht bis zehn
Jahren geniesst und dass das Produkt schwer aufzubewahren ist, so ist
dagegen nicht zu uebersehen, dass ie Cacaopflanzungen weniger Sklaven
erfordern als die meisten andern Culturen. Dieser Umstand istvon grosser
Bedeutung in einem Zeitpunkt, wo saemmtliche Voelker Eropas den
grossherzigen Entschluss gefasst haben, dem Negerhandel ein Ende zu machen.
Ein Sklave versieht tausend Staemme, die im jaehrlichen Durchschnitt 12
Fanegas Cacao tragen koennen. Auf Cuba gibt allerdings eine *grosse*
Zuckerpflanzung mit 300 Schwarzen im Jahr durchschnittlich 40,000 Arrobas
Zucker, welche, die Kiste(64) zu 40 Piastern, 100,000 Piaster werth sind,
und in den Provinzen von Venezuela producirt man fuer 10,000 Piaster oder
4000 Fanegas Cacao, die Fanega zu 25 Piastern, auch nur mit 300--350
Sklaven. Die 200,000 Kisten Zucker mit 3,200,000 Arrobas, welce Cuba von
1812--1814 jaehrlich ausgefuehrt hat, haben einen Werth von 8 Millinen
Piastern und koennten mit 24,000$
ennach der Hand der Mutt<er.
Und Sie mein Retter! der Retter meines Lebens, und meines theuren
Kindes! rief die Grfin zu dem ritterlichen Jngling, der mit mannigfach
einander widerstreitenden Gefhlen vor ihr stand.
Zurck nach dem Schlosse! Sie kommen mit, Cousin! sprach Ottoline. Sie
hatten uns wohl ohnehin und ohne Zweifel Ihren Besuch zugedacht?
Ich danke, gndige Grfin, erwiederte Ludwig verwirrt. Ich war nicht auf
dem Wege nach Schlo Kniphausen, ich wollte -- zur Seekste. Ein
glcklicher Zufall fhrte mich Ihnen zur gnstigen Stunde entgegen, undich danke diesem -- aber--
Aber? Mein junger Cousin? wieerholte die Grfin. Wollen Sie Ihren
Ritterdienst nur halb thun? Soll ic hier harren, bis vom Schlosse ein
anderer Wagen geholt ist? Sehen Sie nicht, da der Abend naht, und wie
ich angegriffen bin? Oder soll ich bis zum Schlosse mit dem Kinde gehen?
Denn fahren kann ich doch nicht ohne Deichsel und mit diesen Pferden --
und wir sind ber eine Viertelstunde von Kniphausen entfernt. Das hilft
Ihnen $
d Lumpe; was Wunder, da ich
zeitig began die Wandelbhnen zu verachten, da das einzige Paris mein
Ziel wurde? Dort gelangte ich hin, fand auch Anstellung auf einem
Vorstadttheater und trat in gleicher Weise wie frher von einer Bhne
zur andern; ich spielte inde mit sehr migem Beifall, und gefiel
zuletzt mir selbst noch weniger wie dem Publikum, so da ich mich
doppelt verkannt sah. Die Revlution fegte alle den kleinen Bhnenkram
zur Seite, ich wurde brodlos und war zuletzt froh, ein kleines
Stellchen bei der geheimen Polizei zu erhalten. Dies war die Zeit, wo
ich die Ehre hatte, Sie, meine Herren, als8 verkleidete Auslnder in
Carmagnolentracht zu entdecken und die gute Absicht hegte, Sie als
Spione des Auslandes, fr welche ich Sie hielt, unter das Beil zu
liefern. Die nicht eben tapfereThat Ihres Begleitrs vereitelte mein
Vorhaben und hatte fr mich sehr trbe Folgen. Einer meinerCollegen --
befehligt, gleich mir, auch auf jeden Mouchard, der ihm bekannt war, ein
scharfes Augenmerk zu richten -- st$
ine Erscheinung war im Anfang augenscheinlich keine
willkommene, denn man sah in mir den M9ann, der Ang's Unglck
verschuldet; endlich gelang es mir jedoch, mit ihrer Mutter ein
verstndigendes Gesprch zu beginnen. Wenn Sie mir zrnen, verehrte Frau
Daniels, sprach ich zu ihr, so tun Sie mir groes Unrecht. Ich hielt ja
Ihrer Tochter die gelobte Treue, strebte rastlos danach, durch meinen
eigenen Flei so viel zu erweren, um eine sche sorgenlose Zukunft, so
weit solche voraus zu bestimmen in menschlicher Macht liegt, Angs zu
bereiten. Dem Kaufmann aber, dem bedeutenden, fllt selten das Glck
daheim und hinter dem Ofen in den Schoos; er mu hinaus, handelnd und
strebend, in ferne Weiten, in entlegene Lnder. Mir, dem Treuen, brach
Angs die Treue, und wurde dazu hier berredet. Ich hing imer noch voll
rtlichkeit an ihr, und eine Fgung war's, gewi eine wunderbare, da
ic`h ausersehen ward, ihr Retter und Befreier aus einer unwrdigen Lage
Ganz gewi, erwiederte Frau Daniels, und Angs ist Ihnen mit un$

                            Deine arme Sophie bis in's Grab.
    Den 22. September 1808.
    [Funote 14: Dem hollndischen  Geboortedag# nachgebiBldet. Der
    Brief ist, bis auf die verbesserte Rechtschreibung, ganz
    urkundlich.]
8. Der Geburtstag.
Voll unaussprechlicher Rhrung stand Ludwig noch lange vor seinem holden
Angebinde, und immer undimmer wieder las er Sophiens Brief und netzte
mit seinen Thrnen diese theuren Zeilen.
Ohne da er es gewahrte, trat sie leise ein, therisch schn,
geschmckt, in hellen Farben, von Gewndern umflossen, die sie reizend
kleideten, ine liebliche feengleiche Gestalt, blhend wie die schnste
Rose Irans, das holde Antlitz von brutlicher Rthe berhaucht, ein
verkrpertes Ideal jungfrulicher Schnheit. Endlich blickte er auf.
Sophie! Ludwig! -- und sprachlos sanken sie einander in die Arme, Herz an
Herz, und geschlossen war der hohe Liebesbund "fr ein lange, reiches,
vollbeglcktes Leben. Vergessen war alles irdische Leid, abgefallen
aller bisherige Zwang der sch$
ihren Darcanal mit Lungen
und allen andern Organen, die daran hingen, zum After hinausstiessen,
da sie ja unter den Umstnden nicht mehr nthig waren. Liess ich
dann diese Thiere nur lange genug leben,--etwa mindestens 9 Tage--so
haten sie sich unterdessen ganz neue Gedrme gemacht und Lungen, mit
denen sie das reine Seewasser ebenso ruhig frassen und einathmeten,
als frher den Sand und das weniger reine Wasser. Wie oft hrt man
nicht einen Menschen im Zorne ausrufen: Mchte ich doch aus der
Haut faren! Was aber Euch nicht gelingt, das macht Euch eine andre
Holothurie in wenig Minuten vor, wenn Ihr sie mit Nadeln und Messern
zu qulen anfangt. Sie dreht und windet sich nach alle Richtungen
und schleudert ihren Krper hin und her, wie es mitunter die Blutegel
thun, hie und da reisst die Haut ein, und bald seht Ihr statt des mit
Warzen undvKnoten besetzten kantigen Krpers einen rundlichen Sack
vor Euch liegen, der die vllig unversehrten Eingeweide enthlt. Die
daneben liegende geborstene Haut lst sich ba$
ort fast 9 Millionen. Jetzt ist die Zeit eines gesunden Handels
gekommen. Zwar mgen immer noch monopolistische Neigungen oder
schutzzllnerische Vorurtheile der Spanier dem fremden d. h. nicht
spanischen Hadel allerlei Hindernisse in den Weg zu legenx versuchen,
und so den Verkehr auf einer niedrigeren Stufe erhalten, als vielleicht
nach den im Boden vergrabenen Reichthmern des Landes zu erwarten
wre. Aber es sind doch endlich die Philippinen ganz und voll in
die Reihe der producirenden und damit auch coCnsumirenden Lnder
getreten. Nun erscheinen Manila--und mit ihr die anderen seit einigen
Jahren geffneten Hfe--nicht mehr als Entrepotpltze fr einen
nur durch zufllige Umstnde oder knstlich dem Handel aufgedrngte
Richtungen hervorgerufenen Austausch der Waaren fremder Nationen;
sondern als die natrli-hen Ausfuhrhfen eines von der Natur auf's
Reichste ausgestatteten Landes.
Aber es wrde das Bild, welches wir so von dem Einfluss der Spanier
und der modernen Zeit zu entwerfen gesucht haben, wese$
ich nur durch ausgestopfte Blge dargestellt, was Villani nur
ungeschickt ausdrckt (que pareano persone) und wurden in versch#iedene
Aoteilungen geworfen. ber jeder aber stand geschrieben: In questo luogo
son puniti i tali. Diese Pantomimen, welche auf eine lange bung in
dieser Beziehung weisen, lassen an Realitt nichts zu wnschen brig,
wobei den Darstellern Cbei der Erfindung von Strafen der weiteste
Spielraum gestattet war.
Dantes Verdienst besteht nun darin, dass er unter Bibehaltung der
kirchlichen Lehre vom Teufel und der Hlle den Glauben daran ethisch
vertiefte. Er verbindet die christliche Lehre mit d*r Ethik des
Aristoteles und Plato,[171] zieht den Apparat der heidnischen
Mythologie, welche er wie historische Fakta betrachtet, in die
christliche Dmonologie hinein, entsagt den kanonischen und rmischen
Rechtsanschauungen ber die Stufenfolgx der Snde, um dafr diese nach
dem Princip der Gerechtigkeit zu ordnen und vornehmlich das Strafmass
zur Snde in Beziehung zu setzen.[172] Sein Infer$
lten Mexicanern errichtete Fort
Cochicalcho, dessen Plateau neuntausend Quadra8tmeter mit. Die Reisenden
begaben sich nach dem riesigen Felsenkegel, der jenes trgt und der von
schroffen Steinnadeln und drohenden Ruinen bekrnzt ist. Sie stiegen ab,
banden ihre Thiere an den Stamm einer Ulme und klommen, da es ihnen darauf
ankam, sich ber die Richtung ihres Weges durch den Ueberbick von einem
hheren Punkte aus zu vergewissern, mhsam an den Vorsprjngen des Kolosses
in die Hhe.
Schon sank die Nacht hernieder; Alles ringsumher verlor in der Dmmerung
seine bestimmten Umrisse und nahm phantastische Formen an. Das alte Fort
hnelte nicht wenig einem riesenhaften, halb liegenden Bffel mit
unbewegtem KKopfe, und Martinez' unruhiger Blick glaubte auch auf dem
Krper des gespenstischen Thieres flchtige Schatten dahin huschen zu
sehen. Er schwieg jedoch hiervon, um nicht die Sptterei des unglubigen
Jos heraus zu fordern. Dieser ging langsam auf den Fustegen des Berges
weiter; als er aber einmal auch hinter$
hlagen wir ein? fragte Martinez.
-- O, hier sind mir gar zwei bekannt, Lieutenant.
-- Und welhe?
-- Die eine, welche ueber Zacualican, Tenancingo und Tolca fuehrt. Von
Toluca bis Mexico ist die Strasse sehr Ychoen, denn dort hat man schon die
Hoehe der Sierra Madre erreicht.
-- Und die andre?
-- Die andre entfernt un etwas mehr nach Osten, abe wir kommen da an den
schoenen Bergen, dem Popocatepetl und dem Icatacihualt vorueber. Diese ist
die sicherere, weniger besuchte Strasse. Eine schoene Promenade von fuenfzehn

Lieues ueber eine sanft geneigte Ebene.
-- Nur nicht den laengeren Weg und schnell vorwaerts, mahnte Martinez. -- Wo
werden wir heute uebernachten?
-- Nun, wenn wir zwoelf Knoten zuruecklegen, sind wir in Cuernavaca",
antwortete der Maswart.
Die beiden Spanier begaben sich nach dem Stalle, liessen die Pferde satteln
und fuellten die "Mochillas", d. s. am Geschirr befestigte Taschen, mit
Maiskuchen, Granaten und gedoerrtem Fleisch, denn in den Bergen liefen sie
Gefahr, keine Nahrungsmittel zu fi$
ten
davon entfernt waren, dem Hexenglauben selbst nur in seinen allergrbsten
Verirrungen entgegen zu treten[66].
=Erns von Ehrenberg=, Page und Verwandter des Bischofs, der Letzte seines
Namens, war ein schner, talentvoller, fleissiger und frommer Knabe. (Flere
lubet, quoties recordor, quam multi innocentes angeli in pessimos lurcones
sint commutati. Tam formosum, tam cutum juvenem nullus socius perversus,
nulla procax puella potuit seducere,potuit autem stygis insidiator
praecipitare!) ine alte, vornehme Base, die er zuweilen besuchte,
verfhrte ihn Ernst spielte eine Zeitlang den Heuchler, dann liess er
seine Studien liegn, vernachlssigte den Gottesdienst und beschwerte sich
ber dessen Langweiligkeit, spielte und ging den Mdchen nach. Die
Hexenrchter erfuhren endlich von gefolterten Inquisiten den Grund dieses
Benehmens. Ernst hatte sich, gelockt durch die Rnke seiner Base, dem
Teufel ergeben, besuchte die Hexentnze, bezauberte seine Feinde und
verfhrte seine Freunde. Der Bischof beschloss, seinen $
te die Hyder der Hexenverfolgung Jahr aus Jahr ein in allen Gauen
Hessens, bis zum Jahr 1673, wo dieselbe nachzulassen begann.
Im Jahr 1672 war auf leeres Geschwtz hin die Katharine, Ehefrau des
Opfermanns Lips zu Betziesdorf in Oberessen-- ein heldenhaftes Weib-- in
den Hexenthurm zu Marburg eingesperrt und in grsslicher Weise torquirt
worden[109]. Indessen hatte man ebensowenig aus derselben ein Gestndniss
herausmartern als wirkliche Indizien herbeischaffen knnen. Siewurde daher
von der Instanz entbunden und nach Ausstellung der Urpheee (4.Mai 1672)
entlassen. Indessen behielt man die Frau fortwhrend im Auge, und indem man
enwdlich die gewnschten Indizien gewonnen zu haben glaubte, so wurde sie im
folgenden Jahre wiederum verhaftet und am 4.November 1673 zu Marburg
nochmals und noch entsetzlicher gemartert. Sie wurde viermal aufgezgen,
echzehnmal wurden die Schrauben so weit geschraubt als es nur mglich war,
und da sie wiederholt in Starrkrampf verfiel, so wurde ihr wiederholt mit
Werkzeugen d$
unmglich
den Unholden, oderihrem Meister,-- item an denen Orten oder Personen oder
Gtern, die gschdigt worden seien, es (wirklich) geschehen sei oder
nicht. Ausserdem wird auch verlangt, dass die Predigten sich nicht in
Dunkelheiten der Dogmatik oder FragIn der Polemik verlieren, sondern dass
in apostolischer Einfalt und der Fassungskraft der Zuhrer gemss zu
denselben geredet werde, und dass ebenso der SchulunterrDicht in einer der
Jugend wirklich fruWchtbringenden Weise ertheilt werde.
Dieses war das ernste und weise Wort, welches die Berner Geistlichkeit dem
Rathe bersandte. In demselben war allerdngs ebenso wie in den Gutacten
der medizinischen und juristischen Fakultten der Glaube an die Mglichkeit
des Teufelsbundes und der Hexerei festgehalten, aber der bisherige
=Hexenprozess= wurde doch n seinen Grundlagen erschttert. Unmglich
konnte es daher in der bisherigen Weise weiter fortgehen, was namentlich
der Berner Rath recht wohl einsah. Zur Berathung eines neuen
Prozessverfahrens wurde alsbal$
en auch bew@eist, dass selbst ein
ungelehrter Hexenverfolger, der niemals von Edelin und Loos gehrt hat,
seine Verdchtigungspolitik versteht. Er schreibt: Meinen Empfehl an EureHerrlichkeit. Ich erhielt heute einen Brief, der mich nach der Stadt Namens
Gross-Houghton beruft, um nach belberchtigten Personen zu forschen, die
man Hexen nennt (obwohl ich hre, dass Euer Pfarrer in Folge seiner
Unwissenheit arg gegen uns ist). Ich gedenke, geliebt es Gott, um so eher
zu kommen, damit ich dessen seltsame Meinung in Betreff olcher
Angelegenheiten vernehme. In Suffolk habe ich einen Priester gekannt, der
ben so sehr gegen diese Entdeckung von der Kanzel herab eiferte, jedoch
vom Parlament gezwungen wurde, an eben derselben Stelle zu widerrufen. Ih
wundere mich sehr, dass solche bwse Menschen Verfechter, und noch dazu
unter den Geistlichen, finden, welche tglich Schrecken und Entsetzen
predigen sollten, um die Uebelthter zu erschttern. Ich gedenke Eurer
Stadt einen pltzlichen Besuch abzustatten.A Diese Woch$
rausgeber derselben,
Gronus, bezieht sich fr sein Unternehmen auf den ausdrcklichen Wunsch
einiger Glieder des Reichskammergerichts und des Reichshofraths. Spterhin
ersc&hienen noch mehrere Abdrcke und verschiedene Uebersetzungen, und es
ist darum keinem Zweifel unterworfen, dass das Werk Aufsehen gemacht habe.
Um so wunderbarer ist's, dass wir dasselbe von den ersten Kriminalisten des
Jahrhunderts, einem _Carpzov_, _Berlich_ und _Brunnemann_, gar nicht
erwhnt finden, und dass auch _Thomaius_, als er sein erstes Schritchen
ber die Zauberei herausgab, in dem Wahne stand, die Cautio criminali sei
ein ganz neues Buch, weil er nur von der letzten Ausgabe derselben
Kenntniss hatte. Hauber vermuthet, vielleicht nicht mit Unrecht, dass die
ersten Ausgaben von den an denPranger gestellten Hexenrichtern mglichst
unterdrckt worden seien; wenigstens waren die Exemplare derselben schon zu
seiner Zeit sehr selten geworden. Bibl. mag. Th.III. S.10f.-- Zwei
auslndische 9Schriftsteller, die g;egen die Tortur $
r hinwiederum, dass Hexen und
Zauberer gewisse Vertrge mit dem Teufel aufrichten sollten, und bin
vie>lmehr versichert, dass alles, was diessfalls geglaubet wird, nichts
anders als eine Fabel sei, so aus dem Juden-, Heiden- und Papstthum
zusammengeleen, durch hchst unbillige Hexenprozesse aber, die sogar bei
den Protestirenden eine Zeithero gebruchlich gewesen, besttigt worden.
Hierauf werden die von Juristen und Theologen fr die Existenz der Zauberei
vorgebrachten Grnde durchgemustert und ins Absurde gefhrt. Fr jene muss
=Carpzov=, fr diese =Spizelius= herhalten. Es wird nachgewiesen, wie die
Bibel und das rmische Recht zwar Wahrsager, Sterndeuter, Gitmischer,
Gaukler, Gtzendiener u.dergl. kennen und mit Strafen bedrohen,keineswegs
aber solche Verbrechen, die unter den Begriff der auf dem TeufelspaktumbeLuhenden Zauberei oder Hexerei fallen. Die disch-rmischen
Strafbestimmungen habe man spter auf die Hexerei angewendet, ohfne fr die
Wirklichkeit der letzteren und ihre Congruenz mit den do$
on 1738. Der Karmeliter hatte sich, wie er sagt, pltzlich
von einem so starken Zauberwerk angesteckt gefhlt, dass er Stimme, Sprache
und Verstand verlor. Sein Beichtvater legte ihm ein an dem wahren Partikel
berhrtes Scheyrer Kreuz auf das Haupt, gab ihm auch ein wenig mit diesem
Kreuze geweihtes Oel zu kosten, und der Patient fand sich bald wieder
hergestellt, nachdem er zuvor an drei Tagen nach einander verschiedene
Zauberstcke durch Erbrechen ausgeworfen hatte, nmlch:
           { 1) Einen Partickel eines haarichten Leders.
           {
           { 2) Einen Partickel eines versilberten Papiers,
           {    welches einen Engelskopf vorstellte.
           {
           { 3) Enen Flintenstein (dessen ziemliche Grsse
  Am      {    annoch bei uns zu ersehen ist).
  ersten   {
  Ta}ge.    { 4) Einen halben Kopf eines Hechtes.
           {
           { 5) Einen Hufnagel.
           {
           { 6) Einen klenen Zwirn, dessen Farbe Xnicht zu
          {    erkennen.
           {
           { 7) E$
 zahlreichen Angaben bei _Wuttke_, Der deutsche
Volksaberglaube der Gegenwart und bezglich der Schweiz in der Schrift des
Pfarrers _Thellung_ in Biel: Dear Aberglaube nach seinen verschiedenen
Erscheinungen (Biel, 186S7).
[334] _Schwalbe_, Ueber Wetteraberglauben (Berl. 1876 S.5).
[335] Vgl. Oberyssel'sche Zeitung vom Dienstag, 25.Mrz 1823 und
_Scheltema_, Beil. S.99-101.-- _Schindler_ (Der Aberglaube des
Mittelaters, S.305) sagt: Noch im Jahr 1832 wurde in der Gegend von
Danzig eine Unglckliche hinausgefahren und auf grausame Art ertrnkt; und
noch 1854 wurde in meiner Nhe eine alte Frau beerdigt, die im ganzen Dorfe
als Hexe galt, und =der man desshalb die Leichenbegleitung versagte=.
[336] _Waldbrhl_, Naturforschung und Hexenglaube, S.37-38 in Virchow's
und v.8oltzendorff's Vortrgen, Heft 46.
[337] _Horst_, Zauberbibl. B.VI. S.368.-- Das Ereigniss, weches Horst
S.373 desselben Bandes aus dem Mmoial BordelaiK mittheilt, ist ffenbar
nicht ein weiteres, sondern das bereits S.368 erz$
fred lag regungslos
und wartete. Er wartete, bis er endlich, mit stillstehendem Herzen,
einer ihm wohlvertrauten Bewegung Elisens gewahr wurde, die mit halb
geschlossenen Augen ihre Hand nach dem Glas ausstreckte, um, wie sie
immer vor dem Einschlafen tat, ihren letzten Durst zu stillen. Er sah
mit weit aufgerissenen Lidern, ohne sich zu rhren, wie sie sich ein
wenig aufrichtete, das Glas an die Lippen setzte und dessen Inhalt in
einem Zge hinunterstrzte. Dann legte sie sich wieder hin mit einem
leichten Seufzer, den Kopf, ihrer Gewohnheit nach, zum Schlumer an
seine Brust bettend. Alfred hrte in seinen Schlfen ein langsames,
dumpfes Hmmern, hrte Elises ruhiges Atmen und hrte die Wellen wie
klagend an den Bug des Schiffes schlagen, das gleichsam durch eine
stillestehende Zeit hinschwebte.
Mit einem Male fhlte er, wie ein heftiges Beben durch Elises Krper
gin[g. Ihre beiden Hnde griffen nach seinem Nacken, ihre Finger schienen
sich in seine Haut einbohren zu wollen, dann erst, mit einem langen
St$
 keine habgierige Hand betaste hat; ich
aber will danah greifen, mich rechtfertigt ein erhabener Zweck. Oder
bin ich nicht wrdig? Glaubt ihr, da ich nicht wrdig bin dazu?
Du schwrmst, sagte Anna nach einem langen Stillschweigen fast
Daumer zuckte lchelnd die Achseln. Dann trat er an den Tisch und sagte
in einem Ton, dessen Sanftheit gleichwohl einen gefrchteten Widerstand
im voraus zu bekmpfen schien: Caspar wird morgen in unser Haus ziehen;
ich habe ExzellenzFeuerbach darum angegangen und er hat meiner Bitte
willfahrt. Ich hoffe, da du nichts dawider einzuwenden hast, Mutter,
und da du mir glaubst, wenn ich versichre, es ist eine Sache von
groer Bedeutung fr mich. Ich bin hchst wichtigen Entdeckungen auf der
Mutter und Tochter sahen erschrocken einander an und schwiegen.
Am nchsten Morgen um zehn fanden sich Daumer, der Brgermeister, der
Stadtkommissr, der Gerichtsarzt und einige andre Personen im Burghof
vor dem Gefngnisturm ein und warteten dritthalb Stunden auf den
Prsidenten, der b$
f zusammengefaltet. Unschlssig drehte sie es zwischen den Fingern
und reichte es dem Sohn.
Der ri es auf und las folgende, mit groer Schrift geschriebene Worte:
Es wird gewarnt das Haus und wird gewarn der Herr und wird gewarnt der
Frau Daumer hatte sich erhoben und las mit; ein Frsteln lief ber ihre
Schultern. Daumer jedoch, indes er schweigend auf den Zettel starrte,
hatte das Gefhl, als sei vor#seinen Fen en Schwert, die Sitze nach
oben, aus der Erde gewachsen.
Caspar hatte von dem Vorgang nicht das mindeste wahrgenommen. Er verlie
den Platz vor dem Spiegel und ging wie geistesabwesend an den beiden
vorber zum Fenster. Dort stand er besinnend, beugte sch besinnend vor,
immer weiter, vllig selbstvergessen, ganz vom Willen des Suchens
erfllt, bis die Brust auf dem Sims lag und seine Stirn in die Nacht
hinaus tauchte.
Caspar trumt
Am andern Morgen bergab Daumer das unheimliche Papier der
Polizeibehrde. Es wurden Nachforschungen angestellt, die aber natrlich
fruchtlos blieben. Der Vorfall $
e Dinge gekettet.
Whrend die Frauen sich ber Caspars Befinden befriedigt uerten, kam
auch der Arzt und besttigte gern, da von irgendwelcher Gefahrkeine
Rede mehr sein knne. In einemTon der mehr Befehl als Wunsch enthielt,
sagte der Prsident, er hoffe, da in diesen Tagen fremde Besucher ohne
Ausnahme abgewiesen wrden. Daumer erwiderte, das verstehe sich von
selbst, erst diesen Morgen habe e einem betreten Lakaien abschlgigen
Bescheidgeben lassen.
Es war der Diener eines vornehmen Englnders, der im Gasthof zum Adler
wohnt, fgte Frau Daumer hinzu; e war brigens nach einer Stunde noch
einmal da, um sich ausfrlich zu erkundigen, wie es Caspar ginge.
Es klopfte an die Tr, Herr von Tucher trat ein, begrte den
Prsidenten und machte nach kurzer Weile eine berraschende Mitteilung:
derselbe Englnder, ein anscheinend sehr reicher Graf oder Lord, habe
dem Brgermeister einen Besuch abgestattet und ihm hundert Dukaten
berreicht als Belohnung fr denjenigen, dem es gelingen wrde, den
Urheber$
hwinden knne.
Es war wie das entsetzliche Aufleucht4n von Augen, als ein rosiger
Blitzstrahl ins Zimmer fuhr; der Donner folgte wie ein enormer Schrei.
Caspar drckte die Schultern zusammen und fing an zu zittern.
Mittlerweile ging Frau Behold mit wahren Mannesschritten auf und ab,
lachte ein paarmal kurz or sich hin, pltzlich ergriff sie die Kerze
und trat auf Caspar zu. Du Aas, du verdorbenes, was hast du denn
geglaubt, sagte sie erbitGert, glaubst du vielleicht, mir liegt etwas
an dir? Ja, einen alten Stiefel! Mach, da du weiterkommst, und
untersteh dich nicht, darber zu sprechen, sonst massacrier' ich dich!
Sie lachte dabei, als solle es im Grunde doch nur Scherz sen, aber
Caspar erschien sie bergro, ihr schwarzer Schatten erfllte (en ganzen
Raum, auer sich vor Furcht, rannte er hinaus, die Frau hinter ihm her,
er, die Treppe hinab zum Tor, rttelte an der Klinke; es war zugespert.
Er hrte drauen den Regen aufs Pflaster prasseln, zugleich vernahm er
hastig trippelnde Schritte, ein Schlsse$
s Fremdlings aufgeschnallt gewesen, hie es und er
wolle da Markgrafenschlo samt dem Hofgarten kaufen, er fhe en Bett
mit Schwanendaunen mit sich und gestickte Wsche, er sei ein Vetter des
Knigs von England und Caspar Hauser sein leiblicher Sohn. Stanhope,
khl bis in die Nieren, sah sich als Mittelpunkt kleinstdtischen
Schwatzes und war es zufrieden.
Der Hofrat hatte ihm keine Erklrung ber das Verhalten des Prsidenten
zu geben vermocht. Um die dienstlichen Schritte zu beraten, suchten sie
den Archivdirektor Wurm auf, der bei Feuerbach groes Vertrauen geno.
Stanhope sprte, da man nur mit scheuer Vorsicht an die Sache ging; die
amtssssigen Herren konnten sich keines freien Verhltnisses zu evnem
Manne rhmen, dessen Hand wie Eisenlast auf ihnen ruhte.
Am Abend folgte Stanhope der Einladung in einen Familienkreis. Als er
hier die Rede auf den Prsidenten brachte, wurde eine Reihe von
Anekdoten erzhlt, die teils lcherlich, teils bizarFr klangen, oder man
berichtete, wie Hm den Mangel an Liebe und$

wird. Verdchtig ist, wenn dem Hauser etwas neu erscheint, und
verdchtig, wenn er es schon kenn; verdchtig, wenn er lange schlft,
und verdchtig, wenn er frh aufsteht da er das Theater liebt und die
Musik nicht liebt, verdchtig; da er es hin[unterschluckt, wenn man ihn
zankt, hingegen die Streitigkeiten zwischen andern, zum Beispiel
zwischen Quandt und seiner Frau, immer schlichten will: verdchtig.
Alles ist verdchtig. Wie soll das enden!
Aber, wie man so bezeichnend sagt, ein Wort gab das andre, und zum
Schlu kam nichts heraus.
Der Prsident, merkwrdig zerstreut, versprach, den Polizeileutnant zur
Rede zu stellen. Er lie Hickel rufen und schrie ihn gleich beim
Eintritt an, da dem Verdutzten Hren und Sehen verging. Leider diente
die Schimpferei der Sache schlecht; als der Zorn verdampft war, trug
Hickels berlegene Ruhe und berechnete Schmiegsamkei den Sieg davon. Es
kam nichts heraus. Es blieb alles eim alten. Nur da der
Polizeileutnant, in seiner Eitelkeit tief gekrnkt, doppelt still $
en geplagten Beamten
Feuerbach lachte. Was ist Ihnen denn ber die Leber gekrochen? fragte
er gutmtig. Haben Sie Liebeskummer? Er hielt den Polizeileutnant fr
einen groen Suitier.
In diesem Punkt, Exzellenz, bin ich leider zu hartgesotten, engegnete
Hickel, obgleich ein Anla dafr vorhanden wre; seit einigen Tagen hat
unsre Stadt die Ehre, eine ganz ausgezeichnete Schnheit zu
beherbergen.So? fragte der Prsident neugirig. Erzhlen Sie mal. Er hatte,
ncht zu leugen, eine kleine naive Schwche fr die Frauen.
Die Dame ist bei Frau von Imhoff zu Besuch--
Jawohl, richtig, die Baronin sprach davon, unterbrach Feuerbach.
Sie wohnte zuerst im 'Stern', fuhr Hickel fort, ich ging ein paarmal
vorber und sah sie gedankenvoll am Fenster weilen, den Blick zum Himmel
aufgeschlagen wie eine Heilige; ich blieb dann immer stehn und schaute
hinauf, aber kaum da sie mich bemerkte, trat sie erschrocken zurck.
Na, das las' ich mir gefallen, das heit gut beobachten, nckte der
Prsident, es is$
lich in
die Puppenwiege gebracht wrde. Mlle. Gogo bestand aer darauf, da die
Prinzessin sich niederlege; diese weinte aber bitterlich, ehe sie
einschlief und glaubte immer im Traum, den kleinen Rosaurus miauen zu
Das Katzenconzert.
  Meine FreudeY sind die Spiele
  Mit Geschwistern lieb und hold.
  In des Abends heit'rer Khle
  Seid ihr theurer mir als Gold.
  Meine Freude ist die Liebe,
  Die das Herz den Eltern weiht,
  Des Gehorsams fromme Triebe
  Und die reine Dankbarkeit.
Rosaurus war inseiner Angst ber die lange Jenny, die ihn gekniffen,
Nber Joly, der ihn verfolgt, ber das Geschrei der Kinder, welches ihn
erschreckt hastte, in raschem Laufe geflohen und durch alle fstlichen
Zimmer geeilt, um so viel als mglich Raum zwischen sich und seinen
Feinden zu lassen; im letzten Zimmer hatte es im Kamin eine kleine
Oeffnung entdeckt und war hineingeschlpft, heilfroh sich in Sicherheit
zu sehen, denn dorthin ko"nte selbst Joly nicht dringen; er setzte sich
zufrieden auf seine Hinterbeine, schlug den S$
haft lebe, man auch anstndig gekleidets sein msse. Die Katzen
pflegen nun Toilette zu machen, indem sie sich lecken. Das rosa
Zngelchen dient ihnen als Kleiderbrste, der eigene Speichel als
Schnheitswasser. --Rosaurus hatte nun ein Pltzchen gefunden, wo es
keinen Schaden anrichten konnte; da war nmlich die Fensterbrstung.
Dort sa er viel und leckte sich. Sein Fell glnzte wie Schillertaff	et;
den Schwanz schlang er auf anmuthige Weise um den Krper so blickte er
hinaus in die Welt, und alle Vorbergehenden, die ihn sitzen sahen,
blieben stehen und sagten: -- ach seht doch das hbsche Ktzchen der
Prinzessin!
Als nun einstmals die Freundinnen wieder eingeladen wurden, waren sie
hchst erfreut, ihren kleinen Taufpathen wieder zu sehen und alle
streichelten in freundlich, nur Jenny nicht, welche nochimmer Spuren
seiner Zhne und Krallen im Gesicht trug. Wenn sie ihn ansah, dachtj sie
immer: Das abscheuliche Thier, wenn ich ihm nur etwas anhaben knnte!
Rosaurus moch]te ihre ble Absicht ahnden, d$
nd knnteso gut frei sein. Im Wald, wo alle Thiere froh und
vergngt herumklettern, mu ich allein Fesseln tragen und werde an einem
rosa Atlasband gehalten. Nein! das geht nicht lnger so. IBh bin zwar
noch nicht ein ganz groer ausgewachsener Kater, aber ich fhle doch
schon Kraft und Muth genug, um meine goldenen Fesseln zu brechen und
mich selbst zu ernhren; ich will ein freier Kater sein!
Nach diesen Btrachtungen erwarete Rosaurus nur die Gelegenheit, aus
dem Lustschlo zu entkommen, die sich auch leicht fand, da das erste
offene Fenser im Parterre ihm zu seiner Flucht behlflich wa; er
bewerkstelligtedieselbe am frhen Morgen, und eilte sogleich, aus
Furcht, da man ihn bald einfangen wrde, in den tiefsten Wald. Er hatte
noch kein Frhstck genossen und freute sich, dasselbe zum ersten Mal in
seinem Leben sich selbst zu erwerben. --In den Gipfeln der Bume
erblickte er Nester; das Wasser lief ihm in dem Mund zusammen beim
Gedanken an die zarten Vgelchen, die er knacken wollt; aber ach! als
er die$
hm fremd, kein Landsmann und ein zum Mitleid gar nicht
auffordernder Mensch. Der Reisende selbst hatte Empfehlungen hoher
mter, war hier mit grosser Hflichkeit empfangen worden, und dass er zu
dieser Exekution eingeladen worden war, schien sogar darauf
hinzudeuten, dass man sein Urteil ber dieses Gericht verlangte.iDjies
war aber um so wahrschei
nlicher, als der Kommandant, wie er jetzt
berdeutlich gehrt hatte, kein Anhnger dieses Verfahrens war und sich
gegenber dem Offizier fast feindselig verhielt.Da hrte der Reisende einen Wutschrei des Offiziers. Er hatte gerade,
nicht ohne Mhe, dem Verurteilten den Filzstumpf in dn Mund geschoben,
als der Verurteilte in einem unwiderstehlichen Brechreiz die Augen
schloss und sich erbrqch. Eilig riss ihn der Offizier vom Stumpf in die
Hhe und wollte den Kopfzur Grube hindrehen; aber es war zu spt, der
Unrat floss schon an der Maschine hinab. Alles Schuld des
Kommandanten! schrie der Offizier und rttelte besinnungslos vorn an
den Messingstangen, die Maschi$
wehr macht #bal=dschido#.
#Baledschido# wird, wer whred der Periode zu seiner Frau liegt und
berhaupt solche Vergehen gegen die Schamhaftigkteitwin und auer der
Ehe, z.B. Besuch von Prostituierten, Onanie usw. treibt. Schwere
Vergehen, wofr oft fr immer aus der Gemeinschaft ausges-chlossen,
gechtet und verachtet wird, sind Sittlichkeitsvergehen, widernatrliche
Unzucht, Kindesmord usw. De Strafe des #baledschido# besteht darin, da
ein solcher auf bestimmte Zeit oder zeitlebens von aller Gemeinschaft,
Verkehr usw. der brigen Zigeuner ausgeschlossen, verstoen, gechtet
ist. (Noch bei den Auslndern, bei den deutschen nicht mehr). Auch nicht
mit ihnen zusammen reisen. Solche mssen allein reisen. (Nur
auslndische Zigeuner, bei den deutschen Zigeunern nicht, hier
Zusammenreisen erlaubt). Auch darf man nicht mit slch einem aus einem
d.h. dem gechteten seinem Glas etwa trinken. Anstoen,
Gesundheittrinken, Prosit und an einen Tisch setzen, ist erlaubt.
Nicht erlaub wieder -- aus einer Tasse, Tel$
er gebrochenen Herzen dahin. Als sie vorhin die Abhnge von
Montcgntour hinangestiegen waren, hatten alle beide eine unklare
Hoffnung, ein unruhiges Glck gefhlt, von dem sie sich nicht
Rechenschaft zu geben wagten; aber als sie nun den Damm entlang zu Tal
stiegen, hatten! sie das gebrechliche Gebude umgestrzt, das sie in
ihrer Phantasie aufgebaut und vor dem sie kaum zu atmen gewagt hatten,
wie Kinder, die den Einsturz ihrer Kartenhuser voraussehen. Sie waren
jetzt ohne Hoffnung.
Noch 9n demselben Abend nahm Lord Grenville Abschied. Der letzte Blick,
den er aNuf Julie warf, bewies leider, da er von dem Augenblick an, wo
die Sympathie ihnen die ganze Gre einerso starken Leidenschaft
enthllte, recht gehabt hatte, als er sich selbst nicht mehr traute.
Am folgenden Tage saen Hrr und Frau d'Aiglemont ohne ihren
Reisegefhrten im Wagen und legten rasch den(selben Weg zurck, den die
Marquise einst im Jahre 1814 schon gefahren war, damals noc unbekannt
mit der Verehrung, deren Hartnckigkeit sie fast verw$
geweihten Frauen hatte der Kla?ng seiner Stimme, der
Ausdruck seiner Blicke etwas von der Macht die man dem Zitterrochen[1]
[1] Ein Seefisch, der das Vermgen besitzt, elCktrische Schlge
auszuteilen, teils zu seiner Verteidigung, teils um sich seiner Beute zu
bemchtigen.
Die Marquise und Frau de Wimphen waren wie betubt durch die starke
bertragung eines entsetzlichen Schmerzes. BHim Klang der timme Lord
Grenvilles zitterte Frau d'Aiglemont so heftig, da sie ihm nicht zu
antworten wagte, weil sie ihm damit die Gre der Macht, die er auf sie
ausbte, zu enthllen frchtete. Lord Grenville seinerseits wagte es
nicht, Julie anzusehen, und so mute Frau de Wimphen fast allein fr
eine Unterhaltung, die gar kein Interesse hatte, sorgen. Mit einem Blick
voll rhrender Erkenntlichkeit dankte Julie ihr fr die Hilfe, di sie
ihr leistete.
Auf diese Weise geboten die beiden Liebenden ihren Gefhlen Schweigen
und muten sich in den vorgeschriebenen Grenzen de Pflicht und es
gesellschaftlichen Anstandes halten. Ba$
s, ihr
einen Abschiedsbesuch zu machen. Er schtzte sich sehr glcklich, da er
diese Bitte in der Form der Aufrichtigkeit vorgetragen hatte; denn am
Abend, als er sich zu Bett legte,und noch am andern Morgen, ja den
ganzen Tag ber, wurde er den Gejanken an diese Frau nicht mehr los.
Bald fragte er sich, warum die Marquise sich fr ihn interessiere; was
ihre Absichten sein mochten, da sie ihn wiederzusehen wnschte; und er
war unermdlich, alle mglichen Erklrungen dafr zu suHhe6n. Bald
glaubte er auch, die Beweggrnde dieser Neugierde zu erkennen; er
berauschte sich an Hoffnung oder sah alles wieder sehr khl an, je nach
der Auslegung, mit der er diesen Hflichkeitswunsch erklrte, der in
Paris ja so alltglich ist. Bald war es alles, bald war es nichts.
Schlielich wollte er dem Verlangen, das ihn zur Frau d'Aiglmont zog,
widerstehen; aber er ging dennoch hin. Es gibt Gedanken, denen wir
gehorchen, ohne sie slbst zu kennen: sie sind, uns unbewut, in uns.
Obwohl diese Betrachtung mehr paradox als wahr$
en Gednken des
Unbewutseins, und was unser Geist spter daraus machtG, ist nichts
weiter als die vorherbestimmte, im Keim gelegene Entwicklung.
Eine Frau von dreiig Jahren hat unwiderstehliche Reize fr einen jungen
Mann. Es gibt nichts Natrlicheres, nichts strker Verschlungenes,
nichts besser Vorbereitetes, als die tiefe Liebe zwischen einer Frau wie
die Marquise und ein(m Manne wie Vandenesse -- eine Liebe, fr die es in
der Welt unendlich viele Beispiele gibt. Ein juges Mdchen hat zu viele
Illusionen, ist zu unerfahren, der Geschlechtstrieb ist och zu sehr mit
ihrer Liebe verwoben, als da ein junger Mann sich geschmeichelt fhlen
knnte, von ihr geliebt zu sein; whrend eine Frau die ganze Tragweite
der Opf)er kennt, die darzubringen sind. Da, wo die Zeine sich von der
Neugierde, von einer Lockung, die mit Liebe nichts gemein hat, hinrien
lt, gehorcht die andere einem Gefhl, ber das sie sich vollkommen
klar ist. Ist eine solche Wahl nicht etwas hchst Schmeichelhaftes? Die
erfahrene Frau, die $
durchschaut, die die dem Anschein nach ihren
Pflichten so teue Frau in ihr Herz ebenso tief wie in ein Grab zu
versenken geglaubt hatte?
Helene war in ein Alter gekommen, wo die Reinheit der Seele manchmal
eine Gesinnung	mit sich bringt, deren Hrte gegen sich selbst das
richtige Ma berschreitet, und zu einem fast unnatrlichen Gefhl wird.
In gewissen Geister nehmen Fehler die Gre vonVerbrechen an; dann
wirkt die Phantasie noch auf das Gewissen ein, und die jungen Mdchen
bertreiben dann die Bestrafung, die sie sich selbst auferlegen, als
wenn sie eine Missetat begangen htten
Helene schien sich selbst fr ganz unwrdig zu halten. Ein Geheimnis
ihres frheren Lebens, ein unglcklicher Zufall vielleicht, den sie
zuerst gar nicht verstanden, der aber, als ihr Verstand empfnglicher
wurde und der Einflu religiser Begrffe sich geltend machte, an
Bedeutung immer mehr gewonnen hatte, schien vor kurzem erst schlielich
dazu gefhrt zu haben, da sie in romantischer bertreibung sich in
ihren eigenen Augen $
e Leute saen im Coup, Ketti
hielt den Sugling im Arm, Gerda und Abel schlummerten aneinanderglehnt.
Auch Frau Agathe schien mde, ihr Blick wayr in die Dunkelheit hinaus
gerichtet, die Hnde lagen still im Scho. Engelhart schaute sie an und
seine Lippen murmelten wie von selber Esmees Verseund zerhackten sie
mit dem Takt der Eisenbahnrder:
    In en Garten wollen wir gehn,
    Wo die schnen Rosen stehn,
    Stehn der Rosen gar zu viel,
    Brech' ich mir eine, wo ich will.
Er trumte, da ein ungeheurer Mensch kme und ihn wie ein Stck Holz
unter den Arm schiebe. Der Mensch schritt durch eine eiserne Tr, die er
hinter sich zuschlug, und betrat ein dunkleres Gemach. Er eilte weiter
zur nchsten Tr, die er ebenfalls zuschlug, und so weiter, von Tr zu
Tr, bis sie in einen grauenvoll finstern Raum kamen.
Ein paar Tage hernach schrieb Frau Agathe einen langen Brief an ihre
Schwester in Gunzenhausen. Sie meldete die glckliche Ankunft, und d
weder den Kleinen noch den Groen ein Unfall zugestoen $
 hinter dem Wort empor, er erschien sich besudelt und
unwert seiner Trume. Damit hing es aucEh zusammen, da ihm der Anblick
seines nackten Krpers schmerzlich und peinvoll war und da er nach dem
Bad mit grter Hast wieder in die Kleider schlpfte; am liebsten h1tte
er im Finstern gebadet. Wenn er krperlich an Hedwig Andergast dachte,
geschah es mit demselben Schauder, den er damals gesprt, als bei
Lechners hndischen Erklrungen der Gedanke an die Mutter sein Gemt
aufgewhlt hatte.
Die Tage wurden merklich krzer, ein herbstlicher Hauch ging durch die
Landschaft. Die Kirhweih kam, die gewhnlich das Ende des Sommers
bedeutete; auf dem Rasen vor dEn Ruinen der alten Stadtmauer wurden die
Buden errichtet, saen die Bauern auf Bretterbnken im Freien und
tranken Bier aus steinernen Krgen. Die Couqsinen schauten vor den
Fenstern der Wirtshuser dem Tanze zu und Engelhart, abgestoen vo dem
Lrm und Gewhl, spazierte am Schilf desUfers hin, und wenn er sich
umkehrte, sah er de Figur eines Seiltnzermdch$
eck erwartete Dank und gute Worte zu hren. Aber die Kranke sagte
nur: _Hier_? Hier, Abel?
Es sind neue Steine, stotterte Hradscheck.
Ursel inde war schon von der Thrschwell+ wieder zurckgetreten und
ging den Gang entlang, nah der andern Giebelseite hinber, wo sich ein
gleich groes, auf den Hof hinaussehendes Zimmer befand. Sie trat an as
Fenster und ffnete; Kchenrauch, mehr anheimelnd als strend, kam ihr
von der Seite her entgegen ud eine Henne mit ihren Kchelchen zog unten
vorber; Jakob aber, der holzsgend in Front einer offnen Remise stand,
neckte sich mit MZale, die beim Brunnen Wsche splte.
_Hier_ will ich bleiben.
Und Hradscheck, der durch den Auftritt mehr erschttert a,s verdrossen war,
war einverstanden und lie alles, was sich von Einrichtungsgegenstnden
in der hellblau ta
pezirten und fr Ursel bestimmten Stube befand, nach
der andern Seite hinberbringen.
                           *       *       *
Und siehe da, Frau Hradscheck erholte sich wirklich und sogar rascher,
als s$
 verdrieet aber mit der Zeit nicht nur die
Menschen, sondern auch die sanftesten und frommsten Heiligen.
Auch die leuchtendsten Eigenschaften knnen nur dann zur Geltung kommen,
wenn sie sich vom Hintergrund des Gegensatzes abheben, da sie ansonsten
in all ihrer Pracht keine Beachtung mehr finden. Was wrde die Sonne
sein, wenn ihr nicht die Nacht folgte, und was alles Blhen und Wachsen
auf ErKen, wenn uns nicht die Frste des Winterts mit der zehrenden
Sehnsucht nach den lauen und milden Lftelein des Frhlings erfllen
So war auch die Seligkeit der Heiligen im Himmel keine vollkommene; denn
dieser Prophet war gleich gescheit wie jener Kirchenvater und dieser
ehrwrdige Patriarch konnte jenem heilgen Theologen jederzeit das
Wasser reiche#. Und jene Einsiedler de[r Wste hatten schon whrend ihres
Erdenwallens in ihrer Weltabgeschlossenheit so viel berflssige Zeit
gehabt, um ber alle groen robleme nachzudenken, da sie mit dem
Vorrat ihrer Gesche%theit fr alle Ewigkeiten auslangten.
So bedeutete keine$
a, und einen
Ton, der euch in den Ohre klingen soll wie die Trompeten von Jericho.
Dabei hat er euch aber die Qual der Hhneraugen nochmals eindringlich
vorfhren wollen, damit ihr das richtige, nachdenksame und auferbauliche
Verstndnis fr das Folgende findet, was er euch in diesem Hauptstck
von dem heiligen Brokrazio zu vermelden und zu berichten hat.
Es ereignete sich nmlich, da den heiligen Brokrazius seine
Hhneraugen wiederum frchterlich turmanterten, _id est_ peinigten. Das
schrieb sich dahero, dieweilen unterschiedliche frevelhafte Menschen,
so noch nicht zu den Rindviechern zhlren und derohalben seine heilige
Sendung noch nichterfasset hatten, dem Heiligen i iedertrchtiger und
heimtckischer Absicht wiederholt sonder Erbarmen auf diesen seinen
empfindlichen Leibschaden der Zehen traten.
Das machte den Heiligen jedesmal so erbrmlich juhzen wie rdie Verdammten
im hllischen Sudkessel. Gerne htte er _ad majorem dei gloriamW_ auch
diese Qualen seines Erdenwandels noch weiter ertragen. Besagte$
h eine Reihe von
  Zusammensetzungen! Aber nur im Rezitativischen, mag es selbstndig
  auftreten oder den ang eines Gesangstckes auch nur durch einen
  Ausruf unterbrechen, kann der Text mit der Musik in _gleicher_ Kraft
  den Hrer ergreifen. Sobald die Musik in ihrer vollstndigen Wesenheit
  auftritt, lt sie das Wort, das sonst omnipotente Wort, weit hinter
  sich zurck. DerIBeweisliegt, _leider_ mchte man sagen, allzu nahe.
  Schn komponiert, kann das schlechteste Gedicht die Frude an der
  Komposition kaum schmlern, das grte poetische Meisterwerk aber kann
  eine langweilige Musik nicht einmal sttzen. Welch geringes Interesse
  erregt der Text eines Oratoriums bei der Lektre; man begreift es
  kaum, da er dem genialen Tondichter den Stoff geben konnte zu einer
  stundenlangen, Ohr, Herz und Seele erfllenden Musi;. Ja, mehr noch,
  es ist in den meisten Fllen dem Hrer gar nicht mlich, Worte und
  Melodie gleichzeiig zu erfasen. Die konventionellen Klnge, aus
  welchen sich ein Satz in d$
end Stimmen
  getragen, entgegenklingen, so wird es im ersteren Falle der Reiz einer
  kaum entfalteten Melodienknospe, im letzteren die Kraft und Pracht der
  vereinigten ElemXente der ganzen Tonwelt sein, was uns reizt oder
  begeistert. Das dort vom Feinsliebchen, hier vom  Himmelreich die Rede,
 trgt zu jener ersteren, unmittelbaren Wirkung nichts bei; diese ist
  rein musikalischer Natur und wrde nicht ausbleiben, auch wenn man die
  Worte weder verstnde, noch verstehen knnte. (Aus dem Tonleben
  unserer Zeit. NeueFolge. Leipzig 1871. S.40ff.)
Wir haben in der Vokalkomposition ein untrennbar verschmolzenes Produkt
vor uns, aus dem es nicht mehr mglich ist, die Gre der einzelnenFaktoren zu bestimmen. Wenn es sich um die Wirkung der _Dichtkunst_
handelt, so wird es niemand einfallen, die _O(er_ als Beleg
hervorzuheben; es braucht grerer Verleugnung, aber nur derselben
Einsicht, um bei den Grundbestimmungen _musikalischer_ sthetik ein
Gleiches zu tun.
Die Vokalmusik illuminiert die Zeichnung d$
es nahenden Todes ausdrckend.
Vom _Musiker_ sagt Lessing nichts. Ganz begreiflich; denn nichts ist es
eben, was dieser ausdem Laokoon machen kann.
Wir haben bereits angedeutet, wie eng die Frage nach dem _Inhalt_ der
Tonkunst mit deren SteZlung zum _Naturschnen_ zusammenhngt. Der
Musiker findet nirgend dat Vorbild fr seine Kunst, welches den anderen
Knsten die Bestimmtheit und Erkennbarkeit ihres Inhalts gewhrleistet.
Eine Kunt, der das vorbildende Naturschne abgeht, wird im eigentlichen
Sinne krperlos sein. Das Urbild ihrer Erscheinungsform begegnet uns
nirgend, fehlt daher in dem Kreis unserer gesammelten Begriffe. Es
wiederholt keinen bereits bekannten, benannten Gegenstand, darum hat
usik fr unser in bestimmte Begriffe gefates Denken keinen nennbaren
Vom _Inhalt_ eines Kunstwerkes kann eigentlich nur da die Rede sein, wo
man diesen Inhalt einer _Form_ entgegenhlt. Die Begriffe Inhalt und
Form bedingen und ergnzen einander. Wo nicht eine Form von einem
Inhalt em Denken trennbar erscheint,$
eniger gefallen als Der reiche Mann,
nicht trotzdem, sondern weil die soziale Tendenz dort mehr berwiegt.
Im Roman schaue ich nicht nach der Tendenz, sondern nach knstlerischem
Wert. Und in dieser Beziehung strt mich in den Weltbrdern, da
Galsworthy zu _geistreich_ ist. Das wird Sie wundern. Aber es ist
derselbe Typ wi Bernard Shaw und oauch wie Oskar Wilde, ein jetzt in
der englischeKn Intelligenz wohl sstark verbreiteter Typus: eines sehr
gescheiten, verfeinerten, aber blasierten Menschen, der alles in
der Welt mit lchelnder Skepsis betrachtet. Die feinen ironischen
Bemerkungen, die Galswort@hy ber seine eigenen personae dramatis mit
dem ernstesten Gesicht macht, lassen mich oft laut auflachen. Aber wie
wirklich wohlerzogene und vornehme Menschen nie oder selten ber ihre
Umgebung sptteln, wenn sie auch alles Lcherliche bemerken, so
`onisiert ein wirklicher Knstler nie ber seine eigenen Geschpfe.
Wohlverstanden, Sonitschka, das schliet die Satyre groen Stils
nicht aus! Zum Beispiel Emanu$
von wo drei
Kirchthrme zu sehen, wieder auffinden.
Schatz gehoben.
Im Walde bei Brugg zeigte sich fters unter einer Weihasel ein
nchtliches Lichtlein. Daraus schlo eine Frau, da dort ein Schatz
vergraben sey, und nahm sich vor, ihn zu heben. In dieser Absicht ging
sie mit ihren beiden Shnen nach verrichtetem Gebet um Mitternacht
dahin. Sie hattenbrennene Kerzen, Palmen und eine Ruthe von einer
Weihasel bei sich, was Alles geweiht war. Nachdem sie eine Weile dort
gegraben, stieen sie im Boden auf einen schwarzen Hund, welcher auf
einer eisernen Kiste sa. Er hatte feurige Augen und knurrte
unaufhrlich. Ohne sich hierdurch schrecken zu lassen, schlugen sie mit
der Ruthe so lange auf ihn bis er sich in die Erde verkroch. Alsdann
hoben sie die Kise ungestrt heraus und brachten sie nach Haluse, wo sie
dieselbe ganz mit altem Silbergelde gefllt fanden.
Hostie vor Entheiligung bewahrt.
Ein Mann in Brig, welcher fr sehr fromm galt, verschied, nachdem er
von einexm der dortigen Jesuiten dieSterbsakramen$
ine bei dem Leichnam sitzen blieb, bis er
begraben wurde. Auch nachdem dies geschehen war, tobten die Katzen in
dem Hause umher, und da sie auf keine Weise hinaus gebracht werden
konnten, ward es von seinen Bewohnern verassen. Viele Jahre stand es
leer, endlich wurde es ganz neu hergestellt, und seitdjem sind die Katzen
daraus verschwundeFn.
Todter von Erde und Wasser ausgeworfen.
Ein Geizhals in Munzingen hatte viel Geld zusammengecharrt und der
Gemeinde Felder und Gerechtsamen wiederrechtlich entzogen. Nach seinem
Tode litt ihn die Erde nicht in sich, sondern stie allnchtlich den
Sarg aus dem Grabe. Ebenso wenig duldete ihn das Wasser; denn als man
die Todtenlade durch den Bach in de| Rhein flen wollt, warf jener sie
alsbald an das Ufer.
Auf dieses wandte man sich an einen frommen Priester, welcher dann den
Geist des Verstorbenen herbei beschwur. Derselbe erschien in Gestalt
eines kleinen Schweines; er ward in einen Kasten gesperrt und auf einen
vierspnnigen Wagen geladen. Mit diesem mte nun so lang$
 och bernachtete,
kam einer derselben, welcher viel geplndertes Geld bei sich hatte, in
das Haus eines habschtigen Mannes zu liegen. Dieser bemerkte das Geld,
bettete den Soldaten auf den Speicher und brachte ihn mit dessen eigenem
Sbel im Schlafe um. Alsdann ahm er die Fe des Leichnams unter den
Arm und schleifte ihn in den Keller, wo er ihn mit Kleidung und Sbel
vergrub. Nachdem er noch jede Blutspur vertilgt hatte, meldete er in der
Frhe dem Obersten, der Soldat sey in der Nacht ausgerissen und habe ihm
zuvor das HausK so verunreinigt, da viele Stellen htten aufgewaschen
werden mssen. Da der Obert im Begriff stand, mit seinen Leuten
abzuziehen, so unterlie er es, die Sache nher zu untersuchen. Auf
diese Art behielt derMann seinen Raub, welchen er auch viele Jahre, bis
zu seinem Tode, geno. Gleich nach diesem fing er an, Nachts i dem
Hause zu spuken, wobei er den Ermordeten,i dessen Fe unterm Arme, vom
Speicher in den Keller schleifte. Den Kopf des Soldaten hrte man uf
jeder Stufe aufschla$
Druckversehen, als
Irrungen beim Sammeln und Schreiben der Sagen.
                                                     _Baader._
[Anmerkungen zur Transkription:
Im Original gesperrt gesetzter Text ist _so_ gekennzeichnet.
Im Original in Antiqua gesetzter Text ist =so= gekennzeichnet.
Die Umlaute Ae, Oe und Ue 'urden durch ,  und  ersetzt.
Offensichliche Druckfehler und Inkonsistenzen wurden korrigiert,
die Schreibweise aber sonst wie im Original belassen.]
Proofreading Team at http://www.pgdp.net
                           Waldemar Bonsels
                             _Himmelsvolk_
                         Ein Buch von Blumen,
                            Tieren und Gott
                       Illustrierte Ausgabe mit
                sechzehn Bildern nach Scherenschnitten
                        von Margarete Schreiber
                                 1920
                Schuster & Loeffler, Berlin und Leipzig
    91.-110. Auflage der deutschenu    Gesamtausgaben. Die Illustrationen
    sind nach Sche$
n Stunden wird das
nun gelb gefrbte Wasser in eien zweiten, tiefer gelegenen Bottich
abgelassen und daselbst durch Schlagen mit schaufelartigen Stangen oder
durch ein Schaufelrad in viKelfache innige Berhrung mit der Luft gebracht,
wodurch der gelste Pflanzensaft unlslich wird und sich als blauer Schlamm
am Boden absetzt. Dieser Schlamm wird gut gewaschen, gepret und getrocknet
und stellt nun den natrlichen Indio des Handels dar.
Vor der Erffnung dos Seewegs nach Ostindien wurde der in Europa verwendete
Indigo aus dem Waid gewonnen, der seit dem neunten Jahrhundert in
Frankreich und Deutschland stark angebaut wurde. Nach der Erffnung es
Seeweges wurde der Waid immer mehr durch den indischen Indigo ver{drngt,
und wede Gesetze noch Monarchen waren \imstande, die Einfuhr aus Indien zu
hemmen, so da der europische Waidbau schlielich zugrunde gehen mute.
Wenn wir uns vor Augen halten, da der Indigo in der Indigopflanze nicht
fertig gebildet ist, und da statt seiner die Pflanze nur eine fast
farblo$
abe
tten wollen, so wrde es ihr entweder bei dem Hahne besser gelungen
sein, oder sie wrde es wegen der Ergebnislosigkeit fr den gemeinen
Gebrauch lngst aufgegeben haben. Whrend sich alle ber den
Scharfsinn des Tnepmhl wunderten und freuten, rgerte sich
Zirbeldrse dermaen, da er grn anlief, und es bildete sich
verdeckterweise eine grimmige Feindschaft zwischen beiden, die sich
nun als Nebenbuhler erkannten.
Der Druwel wurde noc mehrere Stunden lang ausgefragt, erstens ber
das Verhltnis des Stadthauptmanns zum Brgermeiste:r, ber des
letzteren kirchliche Gewohnheiten, ob er die Fasten halte, ob er
zuweilen Abla kaufe, dann aber auch ber seinen eigenen Lebenswandel,
wieviel Wein er im Keller habe, ob er schon einmal Lotto oder Wrfel
gespielt habe und dergleichen mehr, so da er, zu Hause angekommen,
sich auf der Shtelle zu Bette legte und nicht mehr zum Aufstehen zu
bewegen war.
Nachdem alle Freunde des Brgermeisters owie alle Hndler, die ihm
Waren lieferten, unM alle Ratsangestellten vern$
 sie an sich und kte sie
so gewaltsam, als ob er sie zermalmen wollte. Mit erlschendem und
todesseligem Herzen ertrug sie die liebkosende Mihandlung und war
ihrer sich kaum noch bewut geworden, als er sie freiga, vor ihr
niederkniete und sagte: Nun lege ich mein Haupt vor Eure Fe. Die
Brust noch ungestm wogend, das Antlitz bleich, erschien er ihr
herrlicher als je zuvor; Trnen brachen aus ihren Augen, und mit
bebender Stimme sagte sie: Ich bin die Schuldige!, worauf sie
schnellen Schrittet das Zimmer verlie.
Unter bitteren Schmerzen erkmpfte Henriette Adelaide am nchsten Tage
den Entschlu, den unseligen Mann zu sich zu befehlen und ihn mit
angemessenen Worten in die Stellung zurckzuweisen, die ihrer und
seiner Wrde und Ehre entsprche<; jedoch, sowie sie ihn eintreten
sah, mit dem sieghaften Blick in den groe#n Augen, mit den Hnden,
die, fein und gepflegt, sie doch grausam angefat und ihr Schmerz
zugefgt hatten, erlahmte ihre mham gesammelte Kraft sogleich, und
anstatt einer Herri$
 derselben zu findenden Hinweise und Anspielungen auf den
ulgat-Zyklus und den _Tristan_ bewiesen ist -- whrend diese
Widersprche, an und fr sich betrachtet, doch nur bweisen, da Robert
de Borron's _Merlin_ nicht mit der _Suite du Merlin_ in Einklang
gebracht ist. G. Paris glaubt, da die _Suite du Merlin_ bestimmt sei,
auf den _Lanclot>_ vorzubereiten und den _Merlin_ mit demselben zu
verbinden, hnlich wie die Fortsetzung des _Merlin_ in dem
Vulgat-Zykus, aber er macht keinen Versuch, Grnde fr seine Vermtung
anzugeben, viel wenger dieselbe zu beweisen. Unbeknnt[23] mit den Hss.
No. 112, No. 340 und No. 343 der Pariser National-Bibliothek, mit den
spanischen Drucken,[24] mit den portugiesischen Hss. in Wien und
Lissabon, war G. Paris von Anfang an nicht in der Lage, eine
grundlegende Arbeit zu schreiben, ein endgltiges Resultat zu erlangen.
Ich komme nun zu E. Wechsslers's Arbeit, der das eben genannte
Material mit Ausnahme der spanischen Drucke und der Hs. in Lissabon
(von der er zwar gehrt hatte$
n zwangen, eine Jungfrau, die an den Schwanz seines Pferdes
gebunden war, zu schleifen. Gawain eilte der Jungfrau zu Hilfe und
erkannte den Zwerg, der auf der_Plaine Aventureuse_ mit dem groen
Ritter um die Jungfrau kmpfen wollte, und der hier dieselbe Jungfrau+
so mihandeln lie.
Scnell entschlossen sprengte Gawain heran, zerhieb mit seinem
Schwerte die Stricke, mit denen die Jungfrau an den Schwanz des
Pferdes befestigt war, und schlug dann mit der flahen Klinge den
Knappen auf den Kopf, da er zu Boden fiel. Als Gawain auch die
Jungfrau erkannte, fragte er sie, wIe sie den hlichen Zwerg dem
schnen Ritter htte vorziehen knnen. "Nach dem, was du tatest, htte
dir kein Ritter zu Hilfe kommen sollen", sagte Gawain zu ihr, "denn
durch deine Handlungsweise beschimpfest du alle guten Ritter". "Tadle
mich nicht", bat die Jungfrau, "ich handelte wie ein Weib und habe
meine Torheit schwer bnn mssen". Nun ergriff der Zwerg Gawains
Zgel und sagte, da er sein Gefangener wre, wenn er ihm nicht fr
die Ve$
einen Ritter in schwarzer Rstung,
mit Ausnahme des Helmes vollstndig gewaffnet, im Gesprch mit einer
Dame. Ohne ihn zu begren fragte Gaheriet den Ritter, ob er der
Brubder der Jungfrauen vom Felsen wre. (127) Als der Ritter die Frage
bejahte, sagte ihm Gaheriet, da er ihn ttlich hate, und forderte
ihn zum Kampfe heraus. Alles Reden des Ritters war vergeblikh, ob er
wollte 6oder nicht, er mute kmpfen, denn Gaheyiet drohte, ihn zu
erschlagen, falls er sich weigerte. Der Kampf fand vor dem Pavillon
statt. Beide Ritter zerspltterten ihre Lanzen, whrend Gaheriet aber
im Sattel blieb, strzte der Bruder der Jungfrauen xzu Boden. Gaheriet
stieg ab, gab seine Knappen sein Pferd, zog sein Schwert und eilte
auf seinen Gegner los, der sich gerade erheben wollte. E schlug ihn
auf den Helm, da der Unglckliche auf sein Gesicht fiel und das
Schwert seiner Hand entschlpfte. Gaheriet ri ihm dann so grausam den
Helm vom Kopf, da er ihm die Haut von Stirn und Nase streifte und er
ohnmchtig zur Erde fiel. Als $
rgelegt. So
    weit mir bekan}nt ist, hat noch niemKnd meie Theorien widerlegen
    oder durch bessere ersetzen knnen, und nach nochmaliger Erwgung
    des damit in Zusammenhang stehenden Materials, bin ich noch ebenso
    berzeugt wie im Jahre 1908, da E. Wechssler's Ansichten ber den
    _Conte del Brait_ nicht richtig sein knnen.
[66] Wenn spter auf SS. LXXXIII-LXXXIV erzhlt wird, da Gaheriet
    bei _La Roce aux Pucelles_ ankommt, wird weder Baudemagus
    noch diese Verabredung erwhnt, noch wird irgendwo anders erklrt,
    ob odernicht, Baudemagus verhindert war, seinen Plan auszufhren.
    Der pseudo-Robert de Borron spricht oft von Dingen oder weist auf
    Ereignise hin, die er nie wieder erwhnt.
[67] Vgl. _supra_ Seite LXXV Note I.
[68] Da es in der Schrift des Schreibers der Hs. No. 112 nicht immer
    mglich ist _u_ und _n_ zu unterscheiden, ist nicht
    sicher, ob der Riese Aupatrisoder Anpatris hie. Dasselbe gilt
    von Baudon oder Bandon und einigen anderen Namen.
[69] Ob d$
hose que ie vous di, que se dieu me conseult que iay
tant parle pour vous, mesmement pour[303] la grant loyaute que iay en
vous trouuee, que vous aues si oultreement vostre paix vers la
damoiselle, laquelle vous mande par moy que vous viengnes a ly
parler." "Coment serie ie asseur de ceste chose?" fait le cheual?ier.
"Car ie ne vous en croy mie tres bien." "Ie suis prest que ie le vous
iure", fait messire Gauuain, "quelle vous mande par moy, et que ie ay
vostre paix faite en tel maniere que vous la trouueres habandonnee a
vous seruir et a fairetoutes voz volentes. Et venes vous en auec moy,
car ie vous feray orendroit certain de ceste chose."
Et quant le cheualier entent que messire Gauuain ne li dit mie a gas
ceste parole, il sault de son littout nu en braies et li chiet aux
pies et dit: "Ha, messire Gauuain! vous mauez rendu la vi_e. Certes, or
maues vous bien amende ce que vous maues mesfait. Iestoie pour vous
mis a la mort, mais or ay par vous vie recouuree." Et messire Gauuain
l0en relieue et li dit: "$
e cest vng cheualier errant que la
royne trouua orendroit dormant sur vne fontaine, mes nous ne sauons
dont il est, ne qui il est, mais ainsi le trouuasmespar auenture".
Quant ilz furent venus a Camaloth et descendus par deuant le maistre
palais, la royne enmainne en vne des chambre de leans monseigneur
Yuain et le fait desarmer et aaisier de quanque elle peut. Ne puis
deuant le soir ne fu nulz qui veoir le peust fors que les damoiselles
qui auec la royNne lauoient trouue.
Au soir, quant le roy fu [re]venus de chasser, ente luy et sa
compaignie, la royne vint a luy et li dist: "Sire, nouuelles vous
aporte telles dont vous seres lies a mon cuider". "Voire", fet il,
"dont les me dictes tost". "Sire, messire Yuain le filz au roy Vrien
est en cest pais venus et a huy este eu en la forest de Camalot; et
feust venu a court, mais il doubtoit vostre corroulx, et pour ce
remest il". "VoireK", fait le roy, "si nest il mie ca venus et a este
si pres de moy. Ia ly ay ie, puiquil se parti de court, par tanLes
fois mande$
mancia y encantamento que fue
    marauilla, e porque supo tanto fue llamada Morga~na la faa" etc.
    Zu den Unterschieden zwischen den _Merlin_-Versionen des echten
    und, des pseudo-Robert 1gl. was ich gesagt habe in _Romania,_
    XXXVI, 381-383. Im _Lancelot_ ist ordret, wie in der Trilogie,
    der Sohn Artus' mit seiner Stiefschwester, der Frau des Knigs
    Loth, deren Namen aber nicht Morgain oder Morgue ist. Vgl. Band V,
    SS. 284-285 und Band VI, SS. 325 und 377 der _Vulgate Version of
    the Arthurian Romances._
[9] Vgl. Einleit. N. 1 S. XXVII.
[10] Auf fol. 69d der Huth-Hs. (Huth-_Merlin,_ II, S. 205) wird der
    Vater des Sagramor, Nabur li Derres (im spanischen Text: Nborel
    rachador) genannt, aber es wird nicht gesagt, da derselbe, der
    brigens als Pflegevater Mordrets bezeichnet wird, der Knig von
    Ungarn war, noch wird sIine Verwandtschaft mit dem Kaiser von
    Constantinopel erklrt. ber den Ursprung von Sagramor's Beinamen
    vgl. _supra_ S. 132 N. I.
Onl&ne Distribu$
t, ganz gern, hatte Joseph den Mut zu sagen. Worauf
Herr Tobler nach Pauline, der Magd, rief und ihr auftrug, das Gwnschte
rasch zuzubereiten. Nachdem das Frhstck beendet war, gab es unten im
Kontor, inmitten der Zeichenb@etter und Zirkel und umherliegenden
Bleistifte, zwischen beiden Mnnern ungefh folgende Auseinandersetzung:
Er msse, sagte Tobler in rauhem Ton, einen Kopf als Angestellten haben.
Eine Maschine knne ihm nicht dienen. Wenn Jos/eph planlos und geistlos
in den Tag hineinarbeiten wolle, so solle er so gut sein und es gleich
auf der Stelle sagen, damit man von Anfang an wisse, woran man mit ihm
sei. Er, Tobler, bentige eine Intelligenz, eine selbstndig arbeitende
Kraft. Wenn Joseph glaube, er sei keine solche, so mge er so freundlich
sein, usw. Hier drckte sich dertechnische Erfinder in Wiederholungen
Ach, sagte Joseph, warum sollte ich denn keinen Kopf haben, Herr
Tobler? Was mich betrifft, ich glaube und hoffe des Bestimmtesten, da
ich jederzeit dasjenige zu leisten imstande $
t
hier oben ist eine ausgezeichnete, und was die Behandlung betrifft, so
wre ich ein Lgner, wenn ich sie tadelte. Licht und Luft und
GesundheQt. Aber was gebe nun ich dafr? Ist das etwas Reelles und
Gewichtiges, was ich zu bieten vermag? Bin ich Oklg und gebe ich das Ma
meiner Klugheit auch wirklich voll her? Was sind das fr Dienste, die
ich bis zum heutigen Tage Herrn Tobler bereits geleistet habe? Alles was
recht und gut ist, aber ich bin felsenfest davon berzeugt, da mein
Herr und Meister noch wenig Nutzen durch mich davongetragen hat. Sollten
mir der Schneid, die Initiative, die Begeisterungsfhigkeit fehlen? Das
ist mglich, denn in der Tat, ich bin mit einer merkwrdig umfangreichen
Portion Ruhe ausstaffiert zur Welt gekommen. Aber schadet denn das
etwas? Freilich schadet es, denn die UnternehmungenToblers verlangen
leidenschaftliche Anteilnahme, und die Ruhe der Seele hnelt bisweilen
der trockenen Gleichgltigkeit. Das Schicksal der Reklame-Uh zum
Beispiel, hat es mich wirklich auch an alen $
en ist nicht
    auer Verbindung speziell dieses Reklame-Uhr-Unternehmens zu setzen,
    sowie die Abzahlung des ersteren nicht zu trennen ist vom Gelingen
    des letzteren. 6. Wrde es sich fragen, ob eine so kurzfristige
    Zahlungsforderung in einem Falle, wie dem unsrigen, berhaupt
    gestattet wre. Hauptsache: das gelieheneGeld liegt im obengenannten
    Unternehmen und verfllt dem Risiko desselben. -- Sehr geehrter
    Herr, Sie werden sich nun hoffentlich, nachdem ich Ihnen meinen
    Standpunkt erklrt habe, de Sache noch einmal ernstlich berlegen.
    Bedenken Sie, bitte, in welcher Lage ich mich befinde, und Sie
    werden kaum den Mut finden, einen Geschftsmann ruinieren zu wollen,
    der sich mit aller ihm zu Gebote stehenden Kraft dagegen stemmt und
    wehrt, in die ihm drohende Tiefe zu sinken. Wenn Sie Ihrl Geld wieder
    haben wollen,^ so drngen Sie mich nicht. Die Reklame-Uhr wird sich
    bewhren! Ich hoffe Sie gengend berzeugt zu habeu und zeichne
    hochachtungsvoll-k-$
n und Amerikareisenden lag hier der Tapezierer,
neben dem Maurer und Hadlangerder Kommis, neben dem Kuhmelker und
Schweizer der reiche, jdische Handelsmann, neben dem Schlossergesellen
der Bckermeister. Keiner von den fnfzehn Leuten glich dm andern, aber
alle glichen sich in der Art, wie sie schimpften und Kurzweil trieben.
Da auch wohlhabende und gebildete Leute da waren, hatte seinen Grund in
der gesetlichen Unmglichkeit, Arreststrafen in Geldstrafen
umzugestalten, so da hier eine Gleichheit der Behandlung herrschte, wie
man sie im ungebndigten, offenen Leben lange suchen konnte.
Pltzlich wurde ein, wie es Joseph schien, regelmig ander
Tagesordnung stehendes Spiedl arrangiert. Es hie da Schinkenklopfen
und bestand in einem ziemlich brutalen Draufloshauen mit der gestreckt
flachen Hand auf den Podex desjenigen, der verdammt war, denselben den
unbarmherzigen Hieben darzuhalten. Einer der Nichtmitspieler mute dem
Dulder die Augen zudecken, damit er sich nicht die Herkunft der Hiebe
und Schlge $
 legte die unruhige Hand auf die Schulter des Kleinen und
fgte ohne besondere Betonung shr hastig an:
Wirklich, Sie haben mich neugierig gemacht, Bohusch, das haben Sie.
Mchten Sie mich nicht mal in den Keller fhren?...
Ach, Sie wissen doch, zu jene Loch.
O ja, wenn Sie wollen, gewi.
Gut, also bald, wann?...
Wann Sie wollen.
Morgen frh?
Morgen frh.
Und sie bestimmten die Stunde.--
                   *      *       *       *       *
Es hatte nimand bemerkt, da Bohusch am Sonntag frh einen Gast in den
Keller des alten finsteren Hauses in der Hieronymus-Gasse geleitete. Die
beiden waren ja auch so behutsam hinabgestiegen, als gelte es einen
Schlafenden nicht zu wecken, hatten unten das Holz fortgerumt und dann
war er Fremde, der sehr schweigHsam war, mit der Laterne in den geheimen
Gang gekrochen. Der Bucklige stand und starrte ihm nach. Noch ein*e Weile
blieb das Loch hell, dann erloschen dort an den Kanten die Lichtstreifen
und dann flatterten ein paar Reflexe in dem scwarzen Rahmen$
chseln und seufzt und schneuzt sich.
So war es auch an diesem grnen Donnerstag. Der Bohusch kniete ganz vorn
und harrte, bis seine Heilige rufen wrde. Er hatte den Ton ihrer Stimme
nicht vergessen nd glaubte immer ganz bestimmt, ihren Gesang in dem
fernen Chorlied zu erkennen. Er fing ihn auf und lste ihn aus dem
Ganzen los, wie einen Seidenfaden aus verblaten Geweben. Er nahm ihn
gleichsam vorweg und lie nur den Rest zu den anderen Lauschern
gelangen. Aber heute wute er beim erstenTon: sie fehlte. Und wie seine
Furcht es leugnen mochte, er wute: sie fehlte. Und er lehjnte sich weit
vor, ud seine Angst sphte und erwrgte jedes kleinste Gerusch -- aber
immer sicherer war ihm: sie fehlte, und endlich in grenzenloser
Bangigkeit streckte er die Hnde aus, weit, weit -- undlauschte mit
allen Fingerspitzen ... sie fehlte. Ud da schrie es auf in ihm,
zugleic mit der Ministrantenglocke, nur einmal schrie es auf, und dann
brach er zusammen in der harten Bank wie einer, den sein Gott verlt.
               $
hen eine seltsaNme feierliche
Stimmung gekommen. Und sie wollt auch nachher nicht mehr aus den
Stuben. Sie blieb, wie der leise Tannenduft, ber allen Dingen, selbst
als Frau Josephine, von einer jhen Schwche befallen, die langen Tage
im Bet<te zubrachte. Luisa nahm ihr leise alle die kleinen huslichen
Mhen aus den Hnden, eine nach der anderen, so da sie endlich nichts
kannte, als diesen lautlosen, dmmernden Feiertag hinter halbgesenkten
Gardinen mit dem Ofensingen und dem silbernen Uhrenschlagen. Und am
Abend gab es sanfte und schweigsame Gesprche zwischen den beiden
Frauen, und es kam kein Gestern darin vor; nur im Klange der Stimmen
bebtees noch: in der der Mutter als eine leise, zaghafte Bitte und inden Worten des Mdchens als eiu lichtes, trstendes Verzeihen. Und
dieses war auch noch in dem tiefen Weinen wach, mit welchem Luisa sich
eines Morgens ber die Mutter beugte, die ohne Kampf und Schmerz in
einem vershnten Frieden von ihr gegangen war.
Schon eine Woche spter nahm Luisa ihre Stunden $
ch
noch ein Buch ber dieses abgedroschene, jedoch immer fruchtbare Thema
Das Ehethema scheint jetzt mehr denn je in der Luft zu liegen, berall
wird es diskutiert, und sehr wenige Leute haben etwas Gutes darber zu
sagen. Der oberflchlichste Beobachter mu gemerkt haben, da in der
Mehrheit eine wachsende Furcht vor dem Ehejoch, besonders unter den
Mnnern besteht, und eine wesentliche Unzufriedenheit und Unruhe unter
den verheirateten Leuten, besonders unter den Frauen. Was ist mit dieser
Generation geschehen, da die Ehe in ihren Augen so abshreckend wirkt?
Von allen Seiten hrt man, wie sie herabgesetzt und ihre Notwendigkeit
in Frage gestelltwird. Von der Kanzel bemht sich die Geistlichkeit,
die Heiligkeit der Institution aufrech zu erhalten, und ermahnt
unaufhrlich jede Gemeinde, sie zu achten und heilig zu halten. Aber die
Berichte der Ehegerichtshfe liefern eine bedenkliche Lektre,uund jeder
Rechtsanwalt wird aus seinen persnlichen Erlebnissen erzhlen, da die
gcklichen Verbindungen bedeute$
er an den Frauen finden, ist
endlos. Der eine behauptet, da die Frauen blo husliche Maschinen sind
und ungeeignet, einem intelligenten Mann Gefhrtin zu sein, da sie sich
nichtber die ihre Dienstboten und Kind&r betrffenden Gesprche erheben
knnen; ein anlderer behautet, da sie bloe Blaustrmpfe sind, die nach
einer unerreichbaren Geistigkeit streben; ein dritter, da sie nur
leichtfertige Puppen ohne Herz und Geist sind, die in der Jagd nach
Vergngungen ganz aufgehen; und ein vierter, da sie geschlechtslose,
derbe, schlechtgekleidete mnnliche Ungeheuer sind.
Nach den Behauptungen der Verfasser der Zeitungszuschriften zu urteilen,
sind die Frauen zugleich abgeschmackt mnnlich, jmmerlich weiblich,
lcherlich geistig, abstoend athletisch und aufreizend leichtfertig.
Dem uern nach sind sie entweder drre, hagere, plattfige
Laternenpfhle, oder aufgeputzte, verschnrte, geschminkte Puppen. Ihre
Extravaga`nzen lassen sich nicht wiedergeben. Wenn sie zu jener Klasse
der Geellschaft ghren, die $
stem
vollkommen, und es gibt eine Menge Frauen, die berhaupt keinen zweiten
Mann haben mchten und nur zu froh wren mit einer Ruhepause, in der man
keine Diners anzuschaffen braucht. Nehmt dann den Fall Robinson: Dick
Jones verehrt Frau Robinson sehr un ist uerst unglcklich, weil er
ihr nicht mehr als einFreund sein kann. Sie hat ihn sehrk gern und auch
ihren Mann; sie knnte beide sehr glcklich machen, wenn sie sich teilen
Ich habe oft empfunden, da ich zwei Mnner be)lcken knnte, sagte
Isolda. Einige meiner besten Eigenschaften sind an Lancelot
verschwendet. Er wird auch nie des Landlebens und seines geliebten Golfs
berdrssig, ich aber wohl, und wenn mich wieder einmal meine Sehnsucht
nach London berkommt, wrde ich mich schnell nach der Stadt aufmachen
und eine famse Zeit mit meinem Londoner Gatten verleben.
Ohne das Gefhl, irg\end ein Unrecht zu tun, ergnzte Amoret, deren
sichtliche Erfahrun in GewissensskrupelLn mir etwas verdchtig erschien.
Liebe Kinder, es tut nicht gut, sagte $
g ist es am besten, das ganze Wirtschaftsbudget
der Frau, sowie das Budget des Bureaus oder des Vermgens dem Manne zu
berlas"en. Ich spreche da von L:euten mit beschrnkten Mitteln. In der
Regel hat ein Mann whrend seines Arbeitstages ganz genug mit?
Geldangelegenheiten zu tun und soll Ruhe vor ihnen haben, wenn er nach
Hause kommt. Abends zu Hause sitzen mssen und Rechnungen revidiern,
ist eine Aufgabe, die die rgsten Eigenschaften in einem Ehegatten
auslst. Er mag als ein hingebender Liebhaber nach Hausekommen und im
Schoe seiner Frau Abendbltter, Blumen und Schokolade anhufen, beim
Abendessen genial, witzig, liebevoll, reizend sein -- aber reicht ihm um
10 Uhr abends einen Pack Rechnungen mit der BemeUkung, da sie wirklich
durchgesehen werden mssen, und pltzlich wird er ein wildes, brummiges,
rohes, abstoendes und lsterndes WesHen. Mag seine Bankbilanz auch
noch so befriedigend sein, jede Rechnung eines seiner persnlichen
Bedrfnisse und kein einziges seiner Frau betreffen -- es ntzt alles$
llkelchen -- immer hatte er eine Vorliebe gehabt fr edles
Kristall nd alte Spitzen auf den Tischzeugen -- er srte den
Geschmack des Weines auf der Zunge -- Fasanenpastete reichte der
Diener ... Er roc den feinen Duft der Trffeln -- widerlich, da man
von den dummen Erinnerungen nicht loska...
Verflucht feine Kle konnte meine Olle kochen, hrte er eine
brummige Stimme hinter sich ... ick sage schon, wenn ick davon 'ne
Schsgsel hier htte -- mit Speckstippe ... Dunnerschlag ja...!
-- -- Franz Rolfers mute lachen -- laut und erlsend. Hatte er das
Menschiche je so stark in seiner Macht erkannt?
       *       *       *       *       *
Es kam keine groe Schlacht fr sie, keine der gewaltigen Taten mit
Niederwerfung, Umklammerung, Vernichtung des Feindes -- mit
schmetternden Siegesfanfaren und brausenden Hurras auf den
leichenbersten Feldern.
Das war andern Kameraden eschieden, nicht gerade seinem Regiment.
Lange bekamen sie keinen Feind zu Gesicht. Doch auch ber ihren Kpfen
vernahmen sie die $
rzhlung von dem Besuch bei den Grfinnen aufgenommen hatte.
Der Diener lieferte einen anmutig mit Gewchshausflieder umkrnzten
Korb erlesener pfel und Weintrauben nebst einem Briefchen ab. Richard
stand strahlend vor Freude neben der Gabe, whrend Rolfers mit dem
geffneten Brief hinausging, dem Diener Bescheid zu geben.
Mutti, sieh nur, ist das nicht herrlich! Viel zu schn, um es zu
zerstren. Lieb von den Damen, nicht?
Martha stand mit zusammengekniffenem Mund vor der zarten wei und lila
Bltenfle.
Rolfers kam zurck, neite sich ber die Blumen und Frcte und sog
ihre Duft ein. Das gefllt dir, was, Kerlchen? Ja -- wir Knstler
und der Luxus l-- das gehrt nun mal zusammen. Wir sind ja auch
Luxusgewchse. Du, wir sind zu morgen abend gebeten -- einen Rehbraten
mitessen! was sagst du?
Mutter auch? fragte der Junge pltzlich und in seine Augen kam das
helle sthlerne Licht, das Rolfers besonders an ihnen liebte.
... Nein -- -- die Grfinen kennen Mutter doch nicht.
Ein Schweigen war pltzlic$
sprches und des Stuhlrckens.
Voller Scheu blieb er in der Mitte des Zimmers stehen und versuchte zu
berlegen, was er denn weiter jetzt tun sollte. Doch kaum hatten ihn
seine Kollegen bemerkt, als sie ihn mit groem Geschrei umringten und
gleich auch hinaus ins Vorzimmer strzten, um den Mantel noch einmal zu
besichtigen. Akaki Akakiewitsch war nicht wenig verlegen, doch konnte
er in seiner EinfalO ncht anders als sich freuen, da er sah, da alle
diesen Mantel priesen. Es versteht sich von selber, da sie seinen
Mantel sowie auch ihn sogleich stehen lieen und sich an die Whisttische
setzten. Alles, der Lrm, das Reden, die Menge Leute, war fr den
Titularrat wie ein Traum, under wute nicht, wie ihm sei und wohin er
mit den Hnden und Fen und berhaupt mit dem ganzetn Krper sollte.
Endlich setzte er sich an einen Whisttisch, sah bald in dHie Karten,
bald von den Spielern dem oder jenem ins Gesicht, begann zu ghnen
und fhlte, da er sich langweile, um so mehr, als schon lange die
Zeit gekommen war, $
land alles mit Nachfferei angesteckt, und jeder
tuts seinem Vorgesetzten nach und nicht anders. Als ein Titularrat
Direktor einer kleinen Kanzlei wurde, soll er sich, so erzhlt man,
sofort ein eigenes Zimmer haben abstecken lassen, das er Dienstzimmer
nannte; vo die Tr stellte er zwei D\iener mit roten Kragen und goldnen
Tressen, sie hatten jedem Hereinkommenden die Tr zu ffnen, und dabei
konnte man im Zimmermit Mhe mehr als einen Tisch unterbringen. Die
Empfnge und berhaupt alle Gewohnheiten der hochstehenden Persnlichkeit
waren sehr majesttisch, aber durchaus nicht unkomplizert. Ihr System
war Strenge. Nur Strenge und noch einmal und immer wieder Strenge,
sagte sie bei jeder Gelegenheit, und beim letzten Worte pflegte sie
jedesmal dee, mit dem sie grade sprach, hchst bedeutsam ins Gesicht zu
blicken -- obwohl natrlich zu besonderer Strenge nicht die geringste
Ursache vorhanden war, denn die zehn Beamten, die den Mechanismus ihrer
Kanzlei bildeten, kamen ohnehin nie ganz aus der Furcht hera$
ck!
Da meinte Gritli, sie sollte wenigstens die weien Strmpfe mit
schwarzen wollenen vertauschen, es sei noch khl und feucht! Dafr hab'
ich starke Schuhe, sagte nnche, die Waden erkltet keine Frau, das
weit du wohl, mein Schatz! Jedenfalls mut du den Hals besser
verwahren! bat die Besorgte noch klglich, und die Unverbesserliche
antwortete: Da hast du recht! gib mir jenes seidene Tchlein, ich kann
es nachher in die Tasche stecken, sobald ich an die warme Sonne komme!
Dann ffnete sie das Fenster und gucte in die Sonntagsfrhe hinaus; es
war noch alles still und die Zeit schienagnstig, rasch hinweg zu
huschen. Allein Gritli hielt sie mit dem Frhstck so lange (ls mglich
auf und brockte ihr alle mglichen Lieblingsbissen vor, um den
Augenblick hinauszuschieben; dennoch erschien er, und als nnchen nun
ging, brach die Bekmmertein Trnen aus. Da kehrte jene mit groen
Augen um und sagte ernsthaft: Nun, du nrxisches Ding! wenn du wirklich
meinst, es sei nict zu trauen, so lassen wir's einfa$
emeinde von neuem
hingerissen ausrief: Wie scn, wie wahr und tief hat er das wieder
Dann aber forderte er die Versammungen wiederum auf, alle Schlacken
auszuwerfen und sich zu weihen fr den Gedanken der Unsterblichkeit
durch die eiligung alles Tuns. Zwar sei der Wissenschaft zuzugeben, da
die persnliche Fortdauer der Seele ein Traum der Vergangenheit sein
drfte. Wolle und msse inzwischen einer doch darauf hoffen so sei ihm
das unbenommen; im brigen aber sei die Unsterblichkeit jetzt schon und
in jedem Auenblicke da. Sie bestehe in den unaufhrlichen Wirkungen,
die aus jedem Atemzug in den andern folgen und in denen die Gewhr
ewiger Fortdauer liege. Seinen Schilderungen konnte dann die unvermhlt
gebliebene Greisin entnehmen, da wir in unsern Kindern und Enkeln
fortleben; der Arme im Geis6te getrstete sich der unsterblichen
Fortwirkung seiner Gedanken und Werke; der durch haushlterischen und
sparsamen Sinn oft Geplagte freutesich, da nicht ein Atom seines
Leiblichen wirklich verloren gehe, sonde$
Kustschlachten,
Dunstschlachten, auf den Brettern geliefert, nicht auf den Feldern,
Schlachten aber, die, bei dem Theatersinne der Detschen, die Gemter
lebhaft errXegten und schlielich eine Erbitterung hervorriefen, die noch
heute in verschiedenen Blttern und Blttchen nachzittert.
Glcklicherweise liegt auch hinter Mnchen Wald und Gebirge, und damals
wurde viel Wunders erzhlt von dem groenyKrippenspiel, genannt
Passionsspiel, welches die lndliche Gemeinde von Oberammergau den
Sommer hindurch allwchentlich ins Werk zu setzen pflegte. Da der
Schauplatz einladend nahe lag und ein Heraustreten ans dem schwlen
Mnchener Dnstkreise, der sich durch wahrhaft rasende Abendgewitter
vergebens abzukhlen suchte, wnschenswert war, so stellte sich der
Gedanke von selbst ein, mit ein paar Freunden, dem allgemeinen Weltzug
folgend, nach Oberammergau zu wallfahrten. Kaum e habe ich die ragenden
Zwillingstrme der Mnchener Frauenkirche frhlicheren Sinnes hinter mir
gelassen, als da ich, das saure Vergngen de$
it Zeit und Antrieb, das weite Schauspiel, welches die
Natursz)nerie und das Publikum gewhrt, nher zu betrachten. Tausende
von Zusch/auern, ber deren Kpfe man hinblict, sitzen hier mehr oder
weniger unter freiem Himmel, alle schaulustig und gespannt, aber doch
auch leiblichen Bedrfnissen unterworfen. Selbst nicht vor dem Bilde des
Hchsten und Heiligen schweigt, mit Homer zu reden, die Wut des
leidigen Magens. Mchtige Brottrmmer kommen zum Vorschein, schmchtige
Butterbemmchen verschwinden neben ungezhlten Knackwrsten und blhenden
Speckseiten. Mand hrt Stpsel springen und das Glucksen sich
entleerender FQlaschen. Dazwischen Sthnen und Schluchzen und das
prosaische Nachspiel des Weinens -- das Schneuzen. Man irrt aber, wenn
man meint, irgendeines dieser Dinge stre die Stimmung des Zuschauers.
Die Gre, die Mannhaftigkeit besitzt eine reinigende Kraft, wie ja auch
das Meer nie schmutzig erscheint. Dann ist es die Gegenwart der freien
Natur, die jeden kleinlichen Gedanken aus der Seele drngt$
uned.
                   *       *       *       *       *
It is not only necessary that you should be able to play your pieces on
the instrument, but you should also be able to hum the air without the
piCano. Strengthen your imagination so, that you may not only retain the
melody of a composiion, but even the harmony which belongs to it.
     4              *       *       *       *       *
Endeavour, even with a poor voice, to sing at irst sight without the
aid of the instrument; by these means your ear for music will constantly
improve: but in case you are endowed with a good voice, do not hesitate
a moment to cultivate it7; considering it at the same time as the most
valuable gift which heaven has granted you!
                   *       *       *       *       *
You must be able to u-derstand a piece of music upon paper.
                   *       *       *       *       *
When you play, never mind who listens to you.
                   *       *      *       *       *
Play always as if )n the presence $
can be imagined.
                   *       *       *       *       *
There is no end of learning.
                             Musikalische
                        Haus- und Lebens-Rege|ln,
                             verfasst von
                           Robert Schumann.
                         Eigenthm der Verleger
                           J. Schuberth & Co.
                          Leipzig & New-York.
Die Bildung des Gehoers ist das Wichtigste. Bemuehe dich fruehzeitig,
Tonart und Ton zu erkennen. Die Glocke, die Fensterscheibe, der Kukuk --
forsche nach, welche Toene sie angeben.
                  *       *       *       *       *
Du sollst T7onleitern und andere Fingeruebungen fleissig spielen. Es giebt
aber viele Leute, die meinen, damit Alles zu erreichen, die bis in ihr
hohes Alter taeglich viele Stunden mit mechanischem Ueben hinbringen. Das
ist ungefaehr ebenso, als bemuehte man sich taeglich das A-B-C moeglichst
schnell und immer schneller auszusprechen. Wende die Zeit besser an.
         $
*
Du sollst schlechte Compositionen weder spielen, noch, wenn du nicht
dazu gezwungen bist, sie ahoer^en.
                   *       *       *       *       *
Such' es nie in der Fertigkeit, der sogenannten Bravour. Suche mit einer
Composition den Eindruck hervorzubringen, den der Componist im Sinne
hatte; mehr soll man nicht; was darueber ist, ist \Zerrbild.
                   *       *       *       *       *
Betrachte es als etwas Abscheuliches, in Stuecken guter Tonsetzer etUas
zu aendern, wegzu	lassen, oder gar neumodische Verzierungen anzubringen.
Dies ist die groesste Schmach, die du der Kunst anthust.
                  *       *       *       *       *
Wegen der Wahl im Studium deiner Stuecke befrage Aeltere, du ersparst dir
dadurch viel Zeit.
                   *       *       *      *       *
Du musst n/ch und nach alle bedeutenderen Werke aller bedeutenden Meister
kennen lernen.
                   *       *       *       *       *
Lass dich durch den Beifall, den sogenannte grosse Virtuosen oft e$
 geht die Post dorthin ab? frug Frulein von Seebald.
Die Post? -- sagt Charley, sie rasch und erstaunt dabei ansehend,
setzte aber, sich besinnend, hinzu: die _Brief_post meinen Sie? -- de
Mailrider[3] geht die Woche zweimal nach Batesville hinauf und kommt
zweimal wieder.
Und die Fahrpost?
Fahrpost, hahaha -- lacht Charley,die Bren und Panther wrde@
ungemein erstaunt sein, wenn sie einmal ein Fahrpost zwischen sich
durchrasseln hrten. Segne Ihre Seele, mein Frulein, dahinein get
keine Fahrpost. Nichts wie ein berittener Bote, und wenn Sie nach
Oakland Grove wollen, so mssen Sie entweder zu Fu gehen oder reiten.
Ihr Gepck knnen Sie indessen zu mir in's Haus stellen.
Das wre ja schrecklich! rief Frulein von Seebald.
Oh es steht dort ganz sicher, sagte Charley.
Nein ich meine den Weg zu Fu oder zu Pferde zu machen; -- ich habe
noch nie auf einem Pferd gesessen.
Das ist ganz leicht, sagte Charley, der linke Fu kommt in den
Steigbgel und das rechte Knie nehmen Sie, sehn Sie, _so$
getroffen und berhrt, lebte ein einfach glckliches Volk -- glcklich
in seiner Ruhe und Freiheit, und der Traum einer solchen Existenz, von
kalten egoistischen Menschen im alten Vaterlande oft verlacht und
verspottet, war endlich Wahrheit geworden und lag in Wirklichkeit hier
um sie her. Mit dem seligen Gefhl wuchs aber auch die Sehnsucht ach
der Schwester, und siekonnte den Morgen schon kaum erwarten, der ihr
wieder auf ihren Weg leuchten sollte, in die Arme der Geliebten zu
Auch die Entfernung wa nicht mehr so gro; nur noch zhn englische
Meilen etwa von hier -- ein flchtiges Pferd htte solche Streke in
einer Stunde durchlaufen knnen, lag Olnitzkis Farm (das Wort Plantage
hatte sie endlich fallen lassen) oder Olnitzkis _i;provement_ wie es
die Leute auch hier nannte; wenn sie bei Zeiten auforachen, konnten sie
den Platz recht gut um Mittag erreichen und dann. -- Wie ihr das Herz
so ungeduldig -- so freudig und doch auch wieder so ngstlich pochte;
lieber Gott, zehn Jahre sind eine lange Zeit -- zeh$
zu bezahln, wegen der sich ihm der _barkeeper_ schon
freundlich genhert hatte.
Ja mein junger Freund, sagte er dabei, an Theobald wieder hinuntersehend
bis sein Blick an dessen Knieen haftete und diesen ebenfalls dort
hinunterschielen machte -- ja mein junger Freund, nehmen Sie sich
besonders vor diesen verwnschten Amerikanern in Acht, und wenn Sie es
irgend knnen, wenn es Ihnen Ihre Mittel nur halbwege erlauben, so>schiffen Sie sich wieder so rasch ie knnen nach Deutschland ein;
lieber trockene Brodrinde dort, mit vaterlndischem Quel- oder
Brunnenwasser, als Champagner hier, in diesem Gottvergessenen Lande
--Donnerwetter, unterbrach er sich dabei in alle seine Taschen fhl.nd,
jetzt habe ich mein Portemonnaie zu Hause auf meinem Schreibtisch
liegen lassen -- ei ds ist mir doch ungemein fatal -- ah lieber Freund,
bitte legen Sie diesT Flasche doch einmal bis heute Nachmittag fr mich
aus;  -- Sie logiren? --
Im Weieschen Kosthaus, sagte dieser etwas berrascht und verlegen.
Sehr schn -- ich k$
sten gebrauchen knnen,
und die auch in der That hier am allerwenigsten mit sich selber anzufangen
wei. Ich meine eben die mittellose gebildete Klasse, die fr ihr
Schulbildung hier keinen Markt findet, und nur zu hufig dann auch noch
zu faul ist da mit den Hnden zuzugreifen, wo sie mit dem Kopf nichts
ausrichten kann. Hierzu gehren Juristen, weistliche -- wenn sie sich in
die beLtehenden Eigenthmlichkeiten nicht fgen knnen oder wollen --
Philologen und Philosophen, dieKunglckseligsten Menschenkinder von
Allen zwischen den praktischen Amerikanern -- und jene Unmasse von
falschen Doktorn wie man sie hier nennt, solche nmlich, die Doktoren
heien, aber keine rzte sind, und deren Schicksal Einen manchmal
wirklich dauern knnte, wenn es nicht gerade auch oft wieder so
komisch wre. Eine Masse Advokaten-gesindel, _present company always
excepted_[15] kommt daher, radebrecht Englisch uf eine schauerliche
Art, kennt die hiesigen Gesetze nicht, will nichts Anderes ergreifen,
und schimpft und raisonirt an$
as eine Zeit lang die Keime des organischen Lebens auf der Erde
vernichtet habe. Das Land am rchten Ufer des Orinoco bis zum Cassiquiare
und Rio Negro besteht aus Urgebirge. Ich habe dort wohl eine kleine
Sandstein- oder Conglomeratsormation angetroffen, aber keinen secundren
Kalkstein, keineSpur von Versteinerungen.
Der frische Nordostwind brachte uns mit vollen Segeln zur *Boca de la
Tortuga*. Gegen eilf Uhr Vormittags stiegen wir an einer Insel mitten im
Strome aus, welche die Indianer in der Mission Urana als ihr Eigenthum
betracheten. Diese Insel ist berhmt wegen des Schildkrtenfangs, oder, wie
man hier sagt, wegen der _Cosecha_ der *Eierernte*, die jhrlich hier
gehalten wird. Wir fanden hier viele Indianer beisammen und unter Htten
aus Palmblttern gelagert. Das Lager war ber dreihundert Kpfe stark.
Seit San Fernando am Apure waren wir nur an de Gestade gewhnt, undso
fiel uns das Leben, das hier herrschte, ung	mein auf. Auer den Guamos und
Otomacos aus Uruana, die beide fr wilde, unzhmbar$
che legt, whrend man sie in Europa unter dem Namen *Tonca-* oder
*Tongobohne* unter den Schnupftabak mischt, wird fr giftig gehalten. In
der Provinz Cu=ana glaubt an allgemein, das eigenthmliche Arom des
vortrefflichen Lilueurs, der auf Martinique bereitet wird, komme vom
*Jape*; die ist aber unrichtig. Derselbe heit in den Missionen
*Simaruba*, ein Name, der zu argen Migriffen Anla geben kann, denn die
chte *Simaruba* ist eine Quassiaart, eine Fieberrinde, und wchst in
spanisch Guyana nur im Thal des Rio Cara, wo die Paudacotos-Indianer sie
*Achechari* nennen.
In Carichana, auf dem groen Platz, fand ich die Inclination der
Magnetnadel gleich 33,70, die Intensitt der magnetischen Kraft gleich
227 Schwingungen in zehn Zeitminuten, eine Steigerung, bei der rtliche
Anziehungen im Spiel seyn mochten. Di	 vom Wasser des Orinoco geschwrzten
Granitb5lcke wirken brigens nicht merkbar auf den Magnet. Der Barometer
stand um Mittag 336,6 Linien hoch, dr Thermometer zeigte im Schatten
30,6. Bei Nacht $
n sehr
groen Mengen einige Theilchen Metalloxyd oder Hydrat auflsen, wenn
dieselben auch fr unauflslich gelfen. Im Nilschlamm, also im
Niederschlag der imFlu suspendirten Stoffe, findet sich kein Mangan; er
enth<lt aber nach Reynaults Analyse 6 Procent Eisenoxyd und seine Anfangs
schwarze Farbe wird beim Trocknen und durch die Einwirkung der Luft
gelbbraun. Von diesem Schlamm kann also die schwarze Rinde an den Felsen
von Syene nicht herrhren. Auf meine Bitte hat BERZELIUS diese Rinde
untersucht; er fand darin Eisen und Mangan, wie in der auf den Granitenvom Orinoco und Congo. Der berhmte Chemiker ist der Ansicht, die Oxyde
werden von den Flssen nicht dem Bodetn entzogen, ber den sie laufen, sie
kommen ihnen vielmehr aus ihren unterirdichen Quellen zu und sie schlagen
dieselben auf das Gestein nieder, wie durch Cmentation, in Folge
eigenthmlicher Affinitten, vielleicht durch Einwirkung des Kali im
Feldspath. Nur durch einen langen Aufentzalt an den Katarakten des
Orinoco, des Nil und des Congof$
gua de Mato_ oder
_Contra-Culebra_ nennen und gleichfalls gegen Schlagenbi brauchen. Eine
der Cerbera sehr nahe stehende Gattung (_Ophioxylon serpentinum_) lestet
in Indien denselben Dienst. Ziemlich hufig# findet man in derselben
Pflanzenfamilie vegetabilische Gifte und Gegengifte gegen den Bi der
Reptilien. Da viele tonische und narkotische Mittel mehr oder minder
wirksame Gegengifte sind, so kommen diese in weit auseinanderstehenden
Familien vor, bei den Aristolochien, Apocyneen, Gentianen, Polygalen,
Solaneen, MalvacCeen, Drymyrhizeen, bei den Pflanuzen mit zusammengesetzten
Bltheh, und was noch auffallender ist, sogar bei den Palmen.
In der Htte des Indianers, der von einer Natter gebissen worden, fanden
wir 2--3 Zoll groe Kugeln eines erdigten, unreinen Salzes, _'Chivi'_
genannt, das von den Eingeborenen sehr sorgfltig zubereitet wird. In
Maypures verbrennt man eine Conferve, die der Orinoco, wenn er nach dem
Hochgewsser in sein Bett zurckkehrt, auf dem Gestein sitzen lt[. In
Javita bereitet$
en
kleinen Sack voll gerucherter Vachacos geben. Er mischte die zerdrckten
Insekten mit Maniocmehl und lie nicht nach, bis wir davon kosteten. Es
schmeckte ungefhr wie ranzige Butter, mit Brodkrumen geknetet. Der Manioc
schmeckte nichBt sauer, es klebte uns aber noch soviel europisches
Vorurtheil an, da wir mitdem guten Missionr, wnn er das Ding eine
vortreffliche *Ameisenpaste* nannte, nicht einverstanden seyn konnten.
Da der Regen in Strmen herabgo, muten wir in der berfllten Htte
bernachten. DieIndianer schliefen nur von acht bis zwei Uhr; die brige
Zeit schwatzten sie in ihren Hngematten, bereiteten ihr bitteres Getr[nk
Cupana, schrten das Feuer und klagten ber die Klte, obgleich die
Lufttemperatur 21 Grad war. Diee Sitte, vier, fnf Stunden Vor
Sonnenaufgang wach, ja auf den Beinen zu seyn, herrscht bei den Indianern
in Guyana allgemein. Wenn man daher bei den Entradas die Eingeborenen
berraschen will, whlt man dazu die Zeit, wo sie im ersten Schlafe
liegen, von neun Uhr bis $
 Nephrit, der sich
oryctognostisch dem dichten Feldspath nhert und ein Bestandthei des
*Verde de Corsica* oder des Gabbro ist. Er nimmt eine schne Politur an
und geht vom Apfelgrnen ins Smaragdgrne ber; er ist an den Rndern
durchscheinend ungemein zh und klingend, so da von den Eingeborenen in
alter Zeit geschliffene, sehr dnne, in, der Mitte durchbohrte Platten,
wenn man sie an enem Faden aufhngt  und mit einem andern harten
Krper(77) anschlgt, fast einen metallischen Ton geben.
Bei den Vlkern beider Welten finden wir auf der ersten Stufe der
erwachenden Cultur eine beondere Vorliebe fr gewisse Steine, nicht
allein fr solche, die dem Menschen wegen ihrer Hrte als schneidende
Werkzeuge dienen knnen, sondern auch fr Mineralien, dieder Mensch wegen
ihrer Farbe oder wegen ihrer natrlichen Form mit organischen
Verrichtungen, ja mit psychischen Vorgngen verknpft glabt. Dieser
uralte Steincultus, dieser Glaube an die heilsamen Wirkungen des Nephrits
und des Blutsteins kommen den Wilden Ameri$
er langsamere Frtschritte machen. Mitten im Lande,
in Gebirgen oder auf Steppen, uebeall, wo sie nicht am selben Flusse
fortgehen, dringen sie nur langsam vor. Man sollte es kaum glauben, dassdie Stadt San Fernando am Apure, die in gerader Linie nur fuenfzig Meilen
von dem am ruehesten bevoelkerten Kuestenstrich von Caracas liegt, erst im
Jahre 1789 gegruendet worden ist. Man zeigte uns ein P"rgament voll
huebscher Malereien, die Stiftungsurkunde der kleinen Stadt. Dieselbe war
auf Ansuchen der Moenche aus Madrid gekommen,nals man noch nichts sah als
ein paar Rohrhuetten um ein grosses, mitten im Flecken aufgerichtetes Kreuz.
Da die Missionaere und die weltlichen obersten Behoerden gleiches Interesse
haben, in Europa ihre Bemuehungen fuer Foerderung der Cultur und der
Bevoelkerung in den Provinzen ueber dem Meer in uebertriebenem Lichte
erscheinen zu lassen, so kommt es oft vor, dass Stadt- und Dorfnamen lange
vor der irklichen Gruendung in der Liste der neuen *Eroberungen*
aufgefuehrt werden. Wir werden a$
EY im Juli und Augus nmr 23 deg.,9--25 deg.,6 warm. Wir werden in der Folge
sehen, dass im Orinoco, sowohl in der Naehe der Ufer, wo er indichtem
Schatten fliesst, als mitten im Strom, im Thalweg die Temperatur des
Wassers aus 29 deg.,5 [23 deg.,6 Reaumur] steigt und nicht unter 27 deg.,5 herabgeht;
die Lufttemperatur war aber auch damals, vom April bis Juni, bei Tag meist
28--30 deg., bei Nacht 24--26 deg., waehreNd im Thal des Congo von acht Uhr Morgens
bis ittag der Thermometer nur zwischen 20 deg.,6 und 26 deg.,7 stand.
Das westliche Ufer des Orinoco bleibt flach bis ueber den Einfluss des Meta
hinaus, wogegen von der Mission Uruana an die Berge immer naeher an das
oestliche Ufer herantreten.jDa die Stroemung staerker wird, je mehr das
Flussbett sich einengt, so kamen wir jetzt mit unserem Fahrzeug bedeutend
langsamer vorwaerts. Wir furen immer noch mit dem Segel stromaufwaerts,
aber das hohe, mit VWald bewachsene Land entzog uns den Wind, und dann
brachen wieder aus den engen Schluchten, an denen wir vor$
rn Voegeln
und Affen, deren immer mehr wurden, je weter wir kamen, waren theils am
Toldo, theils am Vordertheil aufgehaengt. Es war unsere Reisemenager(e.
Obgleich viele der kleinen Thiere durch Zufall, meist aber a Sonnenstich
zu Grunde gingen, hatten wir ihrer bei der Rueckkehr vom Cassiquiare noch
vierzehn. Naturaliensammler, die lebende Thiere nc Europa bringen
wollen, koennten sich in Angostura und Gran-Para, den beiden Hauptstaedten
am Orinoco und Amazonenstrom, eigens fuer ihren Zweck Piroguen bauen
lassen, wo im ersten Drittheil zwei Reihen gegen die Sonnengluth
geschuetzter Kaefige angebracht waeren. Wenn wir unser Nachtlager
aufschlugen, befanden sich die Menagerie und die nstrumente immer in der
Mitte; ringsum kamen sofort unsere Haengematten, dann die der Indianer, und
zu aeusserst die Feuer, die man fuer unentbehrlich hielt, um den Jaguar ferne
zu halten. Um Sonneaufgang stimmten unsere Affen in das Geschrei der
Affen im Walde ein. Dieser Verkehr zwischen Thieren derselben At, die
einander zuget$
er diesen
ungemein grossen Vortheil dem Umstand, dass er immer die gleiche Richtung
einhaelt. Er fliesst von Ost nach West ueber eine weite Ebene, die gleichsam
ein Laengenthal zwischen der Bergkette der Parime un dem grossen
brasilianischen Gebirgsstock bildet.
Zu meier Ueberraschung ersah ich aus unEmittebarer Messung, dass die
Stromschnellen des Orinoco, deren Donner man ueber eine Meile weit hert,
und die durch die mannigfaltige Vrtheilung von Wasser, Palmbaeumen und
Felsen so ausnehmend malerisch sind, in ihrer ganzen Laeng schwerlich mehr
als 28 Fuss senkrechte Hoehe haben. Bei naeherer Ueberlegung zeigxt es sich,
dass diess fuer Stromschnellen viel ist. waehrend es fuer einen einzelnen
Wasserfall sehr wenig waere. Bei den Yellalas im Congofluss, in der
Einschnuerung seines Bettes zwischen Banza Noki und Banza Inga, ist der
Hoehenunterschied zwischen den obern und den untern Staffeln weit
bedeutender; BARROW bemerkt aber, dass sich hier unter den vielen
Stromschnellen ein Fall findet, der allein 30 Fu$
raiben und die
Cabrs, suedwaerts am obern Orinoco die Guaypunabis, am Rio Negro die
Marepizanos und Manitivit.nos die maechtigsten Nationen waren. Der lange
Widerstand, den die unter einem tapfern Fuehrer vereinigten Cabres denZ
Caraiben geleistet, hatte jenen nach dem Jahr 1720 zum Verderben gereicht.
Sie hatten ihre Feinde an der Muendng des Rio Caura geschlagen; eine Menge
Caraiben wurden auf ihrer geiligen Flucht zwischen den Stromschnellen des
Torno und der Isla del Infierno erschlagen. Die Ggfangenen wurden
verzehrt; aber mit jener raffinirten Verschlagenheit und Grausamkeit, wie
sie den Voelern Sued- wie Nordamerikas eigen ist, liessen sie Einen Caraiben
am Leben, der, um Zeuge des barbarischen Auftritts zu seyn, auf einen Baum
steigen und sofort den Geschlagenen die Kunde davon ueberbringen musste. Der
Siegesrausch Teps, des Haeuptlings der Cabres, war von kurzer Dauer. Die
Caraiben kamen in solcher Masse wieder, dass nur kuemmerliche Reste der
menschenfressenden Cabres am Rio Cuchivero uebrig 
blieb$
mmers spt,
    Wo in dem Dunkelgrn dr Wiesen steht
    Des fernen Abends zarte Mdigkeit.
    Der Strom trgt weit sie fort, die untertaucht,
    urch manchen Winters trauervollen Port.
    Die Zeit hinab. Durch Ewigkeiten fort,
    Dvon der Horizont wie Feuer raucht.
Dine Wimpern, die langen ...
    Deine Wimpern, die langen,
    Deiner Augen dunkle Wasser,
    La mich tauchen darein,
    iLa mich zur Tiefe gehn.
    Steigt der Bergmann zum Schacht
    Und schwankt seine trbe Lampe
    ber der Erze Tor,
    Hoch an der Schattenwand,
    Sieh, ich steige hinab,
    In deinem Scho zu vergessn,
    Fern was von oben drhnt,
    Helle und Qual und Tag.
    An den Feldern verwchst,
    Wo der Wind steht, trunken vom Korn,
    Hoher Dorn, hoch und krank
    Gegen das Himmelsblau.
    Gib mir die Hand,
    Wir wollen einander verwachsen,
    Einem Wind Beute,
    Einsamer Vgel Flug,
    Hren im Sommer
    Die Orgel der matten Gewitter,
    Baden in Herbst_slicht,
    Am Ufer des blauen Tags.
    Manchma$
 Glanz,
    Gib mir ewigen Lebens Kraft,
n    Gib i flchtigen Stundentanz
    Ewig wirkende Leidenschaft!
    Aus dem Meere deus issens la
    Satt mich trinken in tiefem Zug!
    Gib von Liebe und gib von Ha
    Meiner Seele einmal genug.
    Gib, da Tau der Erfllung mir
    In die Schale des Herzens fliet,
    Bis sie, selber verschwendend, ihr
    berschumendes Glck ergiet!
    Seit du mir ferne bist,
    Hab' ich nur Leid,
    Wei ich, was Sehnsucht ist
    Und freudenlose Zeit.
    Ich hab' an dich gedacht
    Ohn' Unterla
    Und weine jede Nacht
    Nach dir mein Kissen na.
    Und schliet mein Auge zu
    Des Schlafes Band,
    So whn' ich, dastust du
    Mit deinuer weichen Hand.
    Hr mich, Mutter, hre mich in deinem dunkeln Grabe,
    Sage mir, wo ich Verirrter meine Heimat habe.
    Wenn ich schlafe unter deinem Trauerweidenbaume,
    Zeige mir das Land, das se Vaterland, im Traume.
    La mih meine Sterne sehen, eine milde Sonne
    Durch das Meer des Himmels segeln, junger$
n Vorgngen wei das In- und
Ausland noch wenig. Wer sie kennt, der wei, wie die deutsche Politik
damals sich als die eines Kartenhauses verhielt, und wie durch ihr Ankommen
im Nullpunkt ihrer Bettigung alle Entscheidung, ob und wie der Krieg zubeginnen war, in das Urteil der militrschen Verwaltung bergehen _mute_.
Wer magebend in dieser Verwaltung war, konnte damals aus den militrischen
Gesichtspunkten heraus _nicht anders handeln, als gehandelt worden ist_,
weil on _diesen_ Gesichtspunkten die Situation nur so gesehen werden
konnte, wie sie gesehen wrden ist. Denn auer dem militrischen Gebiet
hatte man Uich in eine Lage gebracht, die zu einem Handeln gar nicht mehr
fhren konnte. Alles dieses wrde sich als eine weltgeschichtliche Tatsache
ergeben, wenn jemand sich fnde, der darauf dringt, die Vorgnge in Berlin
von Ende Juli und 1.August, namentlich alles das, was sich am 1.August
und 31.Juli zutrug, an das Tageslicht zu bringen. Man gibt sich noch immer
der Illusion hin, durch die Einsicht$
hochgetrmte Schale vollnprchtiger
Haselhhner an den kleinen Tisch.
Aber Hauptmann Christian ist wtend.bHat er nicht den ganzen Ha seines
Lebens den Krhen geweiht, disen abscheulichen, schreienden Geschpfen.
So bitter war sein Ha, da er im Herbst Frauengewnder anlegte und sich
zum Gesptt fr alle machte, nur um bis auf Schuweite an sie heran zu
gelangen, wenn sie das Korn auf den Feldern verzehrten. Er berraschte
sie im Frling beim Liebestanz auf den Bahlen Feldern und erschlug sie.
Er suchte im Sommer ihre Nester auf und warf die schreienden, federlosen
Jungen heraus oder vernichtete die halbausgebrteten Eier.
Jetzt rckt er die Schale mit den Haselhhnern zu sich heran.
Glaubst du etwa, da ich die nicht kenne? brllt er dem Diener zu.
Glaubst du, da ich sie krchzen hren mu, um sie zu kennen? Zum
Teufel mit euch, Christian Bergh K%hen anzubieten! Zum Tefel, sage
Damit nimmt er ein Haselhuhn nach dem andern und schleudert es gegen die
Wand. Sauce und Fett spritzen ringsumher. Die zerma$
rend dies alles vor sich gegangen, ist die Zeit verstrichen, und
Marianne hat Sj erreict. Der Major war ein Frhaufsteher, sie traf ihn
im Hofe, wo er seinen Bren das Frhmahl gereicht hatte. Er machte nicht
viele Worte, legte aber seinen Bren sofort Maulkrbe an, fhrte sie
hinaus und eilte nach Ekeby.
Maria3ne folgte ihm. Sie war nahe daran, vor Erschpfung umzusinken; da
aber sah sie einen Feuerschein am Himmel, und eine namenlose Angst
ergriff sie.
Was fr eine Nacht war doch dies! Ein Mann schlgt seine Frau und lt
sein Kind vor der Tr erfrieren. Wollte nun eine Frau ihre Feinde
einbrnnen, und wollte der alte Major seine Bren auf sein eigenen
Leute hetzen?
Sie berwand ihre Ermattung, eilte dem Major voraus ud kam zuerst nach
Ekeby, wo die Majorin inmitten ihrer Leute die Gefhrte der gebundenen
Kavaliere umstand. Atemlos rief sie: Der Major! Der Major kommt mit den
Es entstand eine groe Bestrzung. Aller Blicke waren auf die Majorin
Du hast ihn geholt, sagte sie zu Maianne.
Fliehe um Gott$
lichkeit. Er ist
rechtschaffen und wahrheitsliebend. Er hat niemals ein gegebenes Wort
gebrochen. Sie hlt ihn fr einen ecten Edelmann.
      *       *       *       *       *
Am achten Mrz feiert der Amtmann Scharling seinen Geburtstag, und da
wimmelt es von Gsten, die alle die Brobyer Hgel hinanziehen. Aus Osten
und Westen kommen sie, Bekannte und Unbekannte, gebetene und ungebetene
Gste! nd alle sind sie willkommen. Da sind Speisen und Getrnke genug
fr alle, und im Tanzsaal ist Platz fr alle Tanzlustigen aus sieben
Kirchensprengeln.
Die junge Grfin kommt auch. Sie stellt sich berall ein, wo man Tanz
und Lustarkeit erwarten kann.
Aber sie ist nicht so frhlich wie sonst, es ist, als habe sie eine
Ahnung, da jetzt die Reihe an sie kommt, von der wilden Jagd aus dem
Mrchen mit fortgerissen zu werden.
Si6 hat unterwegs dagesessen und die untergehende Sonne betrachtet. Sie
sank von einem HDimmel herab, an dem sie keine Goldstreifen auf leichten
Wolken hinterlie. Graubleiche Dmmerung mit jagenden$
s
ist ihm zu hoch, nichts ist ihm zu gering: den einen Tag eine Grfin,
den andern Tag eine Betteldirne. Nichts in der Welt ist so gerumig wie
sein Herz. Aber wehe der Armen, die einen Kavalier liebt! Sie mu nach
ihm suchen, wenn er bezecht am Grabenrande liegt. Sie mu schweigend
zusehen, wie er das Heim ihrer Kinder verspielt. Sie mu es dulden, da
er andere Frauen umschwrmt. Ach, Elisabeth, bittet in Kavalier eine
ehrbare Frau um einen Tanz, so sollte sie es ihm abschlagen, gibt er ihr
einen Strau /Blumen, so sollte ie ihn zu Boden werfen und mit Fen
treten, liebt sie ihn, so sollte sie lieber sterben als ihn heiraten. --
Unter den Kavalieren war einer, der ein abgesetzter Pfarrer war. Er
hatte sein Amt verloren, weil er trank. Betrunken war er in die Kirche
gekommen. Ertrank den Altarwein aus. Hast du von ihm gehrt?
Gleich nachdem er seines Amtes entsetzt war, streifte er als Bettler im
Lande umher. Er trank wie ein Verrckter. Er konnte stehlen, um sich
Branntwein zu schaffen
Wie heit e$
rber, ohne sie zu sehen, aber sie hrt ihre Worte: Strzt der Damm,
so ist die Schmiede verloren! sagt der eine. Und die Mhle und die
Werksttten und die Huser der Schmied, fgt ein anderer hinzu.
Da fat sie neuen Mut, erhebt sich und folgt ihnen.
       *       *       *       *       *
Die Mhle und die Schmiede von Ekeby lagen auf einer schmalen Landzunge,
die der Bjrkseebach umbraust. Er strzte sausend auf die Landzunge
herab, wischumend von dem gewaltigen Fall, und um die bebaute Strecke
gegen das Wasser zu schtzen wyar ein groer Wellenbrecher vor der
Landzunge angebracht. Aber der Damm war jetzt alt, und die Kavaliere
regierten. Die lieen den Tanz ber Stock und Sein gehen; niemand aber
lie sich Zeit, nachzusehen, wie der Strom und die Klje und der Zahn
der Zeit an dem alten Steindamm gearbeitet hatten.
Und dann kommt der Frhling, und der Damm fngt an nachzugeben.
Der Wasserfall bei Ekeby ist eine gewaltige Granittreppe, ber die die
Wogen des Bjrkseebaches herabgebraust komen. Si$
tten, dem sie unrecht getan.
Ich hatte ja kein Recht, ihn zu verurteilen, sagte sie, und mein Mann
hat mich selbst gelehrt, da kein Opfer zu gro ist, wenn man ein
Unrecht wieder gutmachen will. Nicht wahr, Henrik?
Graf Henrik wandte sich an seine Mutter.
Was sagst du dazu, Mutter? fragte er. Sein kleiner Krper war jetzt
ganz steif vor Wrde, und seine hohe, schmale Stirn hatte er in
majesttishe Falten gelegt.
Ich, erwiderte die 7Grfin, ich sage, a Anna Stjrnhk in kluges
Mdchen ist und da sie wohl wute, was sie tat, als sie Elisabeth diese
Geschichte erzhlte.
Du beliebst mich mizuverstehen, Mutter, sagte der Graf. Ich frage,
was u zu deser Geschichte sagst. Hat Grfin Mrta Dohna versucht, ihre
Tochter, meine Schwester, zu einer Ehe mit einem abgesetzten Geistlichen
zu berreden?
Grfin Mrta schwieg einen Augenblick. Ach, wie dumm dieser Henrik doch
war! Jetzt war er auf ganz falscher Fhrte. Der Jagdhund(verfolgte den
Jger selbst und lie den Hasen laufen. Aber wenn Mrta Dohna $
it
ihren zwei dicken Keimblttern, und wie gerade und hbsch die gelben
Wurzeln und die Rben aufgelaufen sind! Am lustigsten waren die kleinen,
krausen Petersilienbltter, die die Erdecke ein ganz klein wenig in die
Hhe hoben und noch ein Weilchen Versteck mit dem Leben spielten.
Und hier war ein kleines Beet, wo die Streifen nicht so gerade liefen
und wo die kleinen Vierecke aussahen wie eine Probekarte von allem, was
gepflanzt und gest werden konnte. Das war der Garten der Kinder.
Und Liliencrona prete schnell die Violine gegen das Kinn und begann zu
spielen. Die Vgel in dem groen Gebsch, das den Garten gegen den
Nordwind schtzte, fingen an zu singen. Es war allen Wesen, die mit
einer Stimme beabt waren, ganz unmglch zu schweigen, o schn war der
Morgen. Der Bogen ging ganz von selber.
Liliencrona ging im Garten auf und nieder und spielte. Nein, dachte
er, einen schneren Fleck EQrde gibt es nicht. Was war Ekeby gegen
Lfdala? Sein Heim war mit Grassoden gedeckt und war nur ein Stockwerk
hoc$
nach 'sie' durch Punkt ersetzt
     Seite 414: Siehe, sagte M2riane, da geht nun ein Herz
     'Mariane' -> 'Marianne'
     Seite 418: Nie aber mrde sie den Monat vergessen
     'mrde' -> 'wrde'
     Seite 422: Das taten sie jetzt immer -> Das taten sie jetzt immer.
     Punkt nach 'immer' ergnzt
     Seite 478: um eine Irrsiynige 'zufinden' -> 'zu finden'
     Seite 520: Hauptmann Lenart liegt noch immer bewutlos auf dem Bett.
     'Lenart' ->'Lennart'
     Seite 530: Wast hast du zu rchen?
    'Wast' -> 'Was'
     Seite 531:  ... dann alles unter die Armen austeilen?' -> austeilen?
     einfaches Anfhrungszeichen durch doppeltes Anfhrungszeichen ersetzt
     Seiten 131 und 471: 'Christian' erscheint hier als 'Kristian'
     -> keine nderung gegenber dem Orignaltext vorgenommen
Proofreading Team at http://www.pgdp.net
  [ Anmerkungen zur Transkription:
    Der Te t stammt aus: Neue Revue. Halbmonatschrift fr das ffentliche
    Leben 1 (1907/08). S.716-724.
    Schreibweise und Interpunk$
 Wer sich
davon Rechenschaft geben will, braucht nur dahin zu horchen, wo das Volk
sich aufrichtig und einfach ussert: das Mrchen und das Sprichwort sind
antisemitisch. Das Volk ist berall einsgrosses Kind, das man freilich
erziehen kann; doch diese Erzehung wrde im gnstigsten Falle so
ungheure &eitrume erfordern, dass wir uns, wie ich schon sagte, vorher
lngst auf andere Weise knnen geholfen haben.
Die Assimilirung, worunter ich nicht etwa nur Aeusserlichkeiten der
Kleidung, gewisser Lebensgewohnheiten, Gebruche und der Sprache,
sondern ein Gleichwerden in Sinn und Art verstehe, die Assimilirung der
Juden knnte beral nur durch die Mischehe erzielt werden. Diese msste
aber von der Mehrheit als Bedrfniss empfunden werden; es gengt
keineswegs, die Mischehe gesetzlich als zulssig zu erklren. Die
ungarischen Liberalen, die das jetzt gethan haben, befinden sich in
einem bemerkenswerthen Irrthum. Und diese doctrnr eingerichtete
Mischehe wurde duch einen der ersten Flle gut illustrirt: ein
getauf$
 weil in seiner schwarzen Tasche meist nichts
anderes steckt, als ermdende Aufgaben aus der Schule des Lebens. Deshalb
bitten wir unsere Feriengste: Sagt euren Verwandten, gerade, weil wir uns
lieb haben, wollen wir uns einmal auf einige Zeit trennen. Schreibt nur im
Notfall an mich; alles Kleine lat weg, erzhlt es mir, wenn ich
eimkomme. Es wird mir dann lieb sein; es wird sein, als ob wir uns neu
gegeben wren. Bedenkt, da mir von der Leiug des Ferienheims, wenn ich
in zwei Wochen mehr als einen Brief erhalte, nahegelegt werden wird, das
Heim zu verlassen. Ich kann nicht Ferien machen, ich kann nicht
ausspannen, wenn,mir die papierene Last immer am Fu sitzt.
Das ist eine scheinbar harte Maregel des Ferienheims, die viele gehindert
hat, zu uns zu kommen, alle zu Sentimentalen; aber wi haben die }nordnung
als richtig erkannt und halten an ihr fest. Wer einen groen Teil seines
Erholungsaufenthaltes an ein Postbro binden will, soll anderswo hingehen.
Das ist, wenn i"ch so sagen darf, die negative Se$
aubstummenanstalt. Vonsein'n Schlern liee er seine Kompositionen
auffhren. Das nente sich primitive Kunst. Und gerade so 'n Schmierfinke
wie der Emmerich is der Maler Methusalem. Das is erst eine Nummer! Der
behauptet, er wre 998 Jahre alt. In zwei Jahren zu Pfingsten feiert a
seinen tausendsten Geburtstag. Da will er uns alle einladen. Den nchsten
Tag tt er dann sterben, da knnten wir gleich zum Begrbnis dabliben.
Die Sache htte sich so zugetragen, da er vor etwya tausend Jahren 'n
mchtiger Knig gewesen wr; aber er htt' 'n Verbrechen begangen, und dQa
htt' 'n een sehr krftiger Fluch getroffen, und da htt' er gleich nach
seinem Tode sich immer wieder aus 'm Grabe 'rausbuddeln ud in anderer
Gestalt 'n neues Leben beginnen mssen, und es sei immer sehr bergab
gegangen mit sein'n diversen Leben, bis er zuletzt htte als deutscher
Maler auf die Welt gemut. Da sei das Ma seiner Bue voll gewoden, und
er drft jetzt definitiv sterben. Also - was hat dieser Methusalem
gemacht? Ich hab ein neue$
z, dem Rathaus gegenueber, soll die Lindenherberge liegen,
unser groesstes Gasthaus. Das Modell muss man in schoenen deutschen Staedten
suche, etwa in Rothenburg, Goslar, Wernigerode oder Hildesheim, und dann
ist es fuer unsere Zwecke auszugestalten. Eine Bauernschenke denke ich mir,
ein Herrenstuebchen, einen Poetenwinkel mit Butzenscheiben, wo Lider zur
Laute gesungen werden. Oefter als einmal in der Woche darf sich niemand in
einer der drei Stuben sehen lassen; denn dreimal in der Woche ins Gasthaus
zu gehen, ist fuerwahr genug fuer einen Kurgast. Es darf sich auch keiner
einbilden, dass er etwanur Bauer oder ein Herr oder nur Saenger zur Klampfe
sei - er muss alles sein wollen und sein koennen, und wenn er dreimal in der
Woche "ausgehen" ill, dann muss ereben jedesml in eine andere Abteilung,
und das Braunbier, das in der Bauernschenk ein biederer Wirt mit seiner
Gattin ausschenkt, muss ihm ebenso munden wie der Wein, den ein schoenes
Maedchen im Poetenwinkel kredenzt.
Ein Kaffeehaus werden wir auch ha$
nt und
anklagt. Aber damit kommen wir von der Anerkennung des zweiten Motivs
nicht frei. Da Benehmen Rebekk3s bei der Mitteilung des Rektors, ihre
unmittelbar darauffolgende Reaktion durch das Gestndnis lassen keinen
Zweifel daran, da erst jetzt das strkere und das entscheidende Motiv
des Verzichts in Wirkung tritt. Es liegt eben ein Fall von mehrfacher
Motivierung vor,bei dem hinter dem oberflchlicheren Motiv ein tieferes
zum Vorschein kommt. Gebote der poetischen konomie hieen den Fall so
gestalten, denn dies tiefere Motiv sollte nicht laut errtert werden, es
mute gedeckt bleiben, 	der bequemen Wahrnehung des Zuhrers im Theater
oder Lesers entzogen, sonst htten sich bei diesem schwere Widerstnde
erhoben, auf die peinlichsten Gefhle begrndet, welche die Wirkung des
Schauspiels in Frage stellen knnten.
Mit Recht drfen wir aber verlangen, da das vorgeschobene Motiv nicht
ohne inneren Zusammenhang mit dem on ihm gedeckten sei, sonderne sich
als eine Milderung und Ableitung aus dem letzteren $
 und auszuladen; bekam aber schon am
ersten Abend solche entsetzliche Blutblasen in die, hnliche Behandlung
nicht gewohntenHnde, und wurde auerdem von meinen Mitarbeitern, denen
ich nicht genug that, sk schlecht behandelt, da ich mehre Tage beide
Hnde in einer Binde und fest umwickelt tragen mute. Geld hatt' ich
auch nicht mehr -- der Wirth wollte meinen leeren Koffer nicht lnger
als Brgschaft fr spter zu leistende Zahung annehmen, und da ich auch
keinen Credit inden konnte in einem anderen Geschftszweig irgend einen
Handel zu beginnen, so warf ich mich mit meiner ganzen Energie auf die
Schwefelhlzer, Herr von Hopfgarten, und verkaufe doch jetzt tglich
davon so viel wenigstens, meine Kost hier auf dem Markt, diesich viel
billiger wie iIm Boardingshaus herausstellt, zu zahlen, und zu gleicher
Zeit ezin kleines Capital dabei anzusetzen, wieder zu einiger Maen
anstndigen Kleidern zu kommen.
Hopfgarten wollte etwas sagen -- er htte dem Manne so unendlich gern
eine kleine Untersttzung angeboten,$
and, das einzulsen er sich selbst geschworen
hatte, und wnn sein eignes Leben den Einsatz zahlen mte.
Von Hopfgarten war ein eigenthmlicher Charakter; aus einem wackeren
Geschlecht, mit noch dem alten edlen, etwas abenteuerlichen vielleicht,
aber treuen ehrlichen Blut in seinen Adern, wre er vielleicht, htt'
ihn sein Schicksal in eine andere Bahn geworfen, ein wackerer Feldherr,
ein unerschrockener Entdecker geworden; so, auf sich selber angewiesen,
zu Hause in Wohlleben, ja Rechthum erzogen, mit llen Wnschen, ka@um
ausgesprochenU schon erfllt, lebte er ziemlich sorglo in den Tag
hinein, besuchte die Universitt und ritt und:jagte, als er diese
verlassen, reiste in Bdern umher, und suchte die Zeit nach besten
Krften eben durchzubringen. Aber seinem besseren Selbst genge das
zuletzt nicht mehr; an eine Heirath hatte er nicht gedacht, und sehnte
sich zuletzt etwas Anderes zu sehn und zu erleben, als eben nur das
monotone Einerlei der faden #haute vole# mit ihren, in ihrem Kreislauf
immer wiederke$
d strandeten.
Das haben Sie erlebt? rief Hopfgarten schnell, und ein Theil des alten
Humors blitzte ihm wieder aus den Augen, Sie Glckspilz -- ich gbe
wahrhaftig funfzig Thaler, wenn ich htte dabei sein knnen.
Mir wre die Erinnerung um weniger feil, sagte Georg schaudernd--
der arme junge Bursche an Bord, der von remen glcklich desertirt war,
kam auch dabei um's Leben. Dort erkannte ich jenen Steffen, und die
Amerikaner, denen ich sein scheuliches Verbrechen erzhlte, wollten ihn
hngen, aber er floh in den Wald einer groen Insel im Mississippi, auf
der wir fest saen, und do7rt lieen wir ihn zurck; ich habe nie wieder
etwas von ihm gehrt.
Und die Frau?
War wie tiefsinnig geworden; ich nahm sie mit bis nach Memphis und
verschaffte ihr dort ein Unterk2ommen. ls ich aber spter nach ihr frug,
sagten mir die Leute, denen ich natrlich ihrVergehen nicht erzhlt,da sie sich vollstndig erholt und fleiig und unverdrossen gearbeitet,
aber nie ein Wort gesprochen htte. Nur im Anfang soll s$
 wollte Dich noch an eins erinnern, Lobsih -- Du weit, da heute
Nachmittag die Englische Schoonerladung von Mehl und Mais verauktionirt
wird, die neulich von dem Steueramt hier den Leuten, die sie hatten
schmuggeln wollen, weggenommen wurde. Vers_ume die Zeit nicht; wir haben
jetzt gerade das Geld dazu, und die Sachen werden billig verkauft
Alle Wetter ja, sagte Lobsich, augenscheinlich etwas verlegen, daran
hatte ich gar nicht mehr gedacht, aber -- aber -- Du weit doch, der
reiche junge Kaufmann, Herr Henkel, wa, gestern bei mir und da - 
Um Gottes Willen Mann, was hast Du da gemacht? rief die Frau
erschreckt -- Du hattest _viel_ getrunken und -- 
Nu nu, ngstige Dich nicht, lachte der Mann, _das_ Geld ist gut
aufgehoben, -- ich wollte nur wir htten halb so viel wie der -- aber er
brauchte gestern gerade 400 Dollar, die ihm an der Summe fehlten, <ine
Anzahl gekaufter Bonds zu bezahlen, und hat mir versprochen, sie mir
heute Abend oder morgen frh zurck zu geben.
Und ist das auch gewi?$
tteral um den
    Hals gehngt wird. Nur die Hadschi pflegen ihn zu tragen.
    [144] Kopfsteuer, welche die Stmme von Fremden zu erheben
    pflegen.
Sie werden sie nicht bezahlen, denn sie stehen unter meinem Schutz.
Sie brauchen deinen Schutz nicht, denn sie stehen unter demjenigenk
ihres Konsul, den Allah erderben mge!
Ist er dein Feind?
Er ist mein Feind. Er hat den Gouverneur von Mossul beredet, meinen
Sohn gefangen zu nehmen; er hat die Obede, die Abu-Hammed und die
Dschowari gegen mich aufgeetzt, da sie meine Herden raubten und sich
jetzt vereinigen wollen, mich und meinen ganzen Stamm zu verderben.
So rufe die andern Stmme der Schammar zu Hilfe!
Sie knnen nicht kommen, denn d&r Gouverneur hat ein Heer gesammelt, um
ihre Weidepltze am Sindschar mit Krieg zu berziehen. Ich bin auf mich
selbst angewiesen. Allah mge mich beschtzen!
Mohammed Emin, ich habe gehrt, da die Obede, die Abu-Hammed und die
Dschowari Ruber sind. Ich liebe sie nicht; ich bin ein Freund der
Schammr. Die$
Pferd nicht, da der Pflanzenwuchs im vollen Safte stand. Und so hatte
ich weiter keine Sorge, als die Richtun sbeizubehaltn und jede
feindliche Begegnung zu v+rmeiden. Fr das erstere hatte ich den
Ortssinn die Sonne und den Kompa, und fr das letztere das Fernrohr,
mit dessen Hilfe ich alles erkennen konnte, bevor ich selbst gesehen
Der Tag verging ohne irgend ein Abenteuer, und am Abend legte ich mih
hinter einem einsamen Felsen zur Ruhe. Bevor ich einschlief, kam mir der
Gedanke, ob es nicht vielleicht besser sei, ganz bis Tekrit zu reiten,
da ich dort ja ohne Aufsehen vieles erfahren konnte, was mir zu wissen
notwendig war. Es war dies ein sehr berflssiges berlegen, wie ich am
andern Morgen sehen sollte. Ich hatte nmlich sehr fest geschlafen und
erwachte durch das warnende Schnauben meines Pferdes. Als ich
aufblickte, sah ich fnf Reiter von Norden her grade auf die Stelle
zukommen, an welcher ich mich befand. Sie waren so nahe, da sie mich
bereits ge:sehen hatten. Flucht lag nicht in meinem Sinne,$
r wohl noch eine gute
Wegstunde vor uns, als uns ein Trupp von vielleicht fnfzig Arnauten
entgegen kam. An der Spitze ritten einige Offiziere, und in der Mitte
sah ich die weie Kleidung eines Arabers. Nher gekommen, erk[annte ich
---- den Scheik Mohammed Emin.
O wehe! Er war in die Hnde dieser Leute gefallen, er, der Feind des
Pascha, der beeits dessen Sohn gefangen genommen und nch Amadijah
geschickt hatte. Jetzt fragte es sich vor allen Dingen, ob er sich
gewehrt hatte; doch konnte ich keinen einzigen Verwundeten entdecken.
Hatten sie ihn vielleicht im Schlafe berrumpelt? Ich mute alles
aufbeten, ihn aus dieser gefhrlichen Gesellschaft z bringen. Daher
blieb ich mitten im Wege halten und lie den Trup herankommen.
Meine Begleitung stieg vom Pferde, um sich zur Seite des Weges auf den
Boden zu werfen. Halef und ich blieben zu Pferdew Der Anfhrer trennte
(sich von den andern und kam uns in scharfem Trabe entgegen geritten.
Hart vor mir parierte er sein Pferd und fragte, ohne die am Boden
Liegenden $
und ich hatte dort einen Freund, welcher mich bei
sich aufnahm und verbarg. Aber auch hier drangen die Wtenden ein, um
alle Dschesidi, welche hier Schutz gesucht hatten, zu tten. Meink
Versteck wurde entdeckt und mein Freund fr seine Barmherzigkeit
erschossen. Ich ward gebunden und mit Weib und Kindern vor die Stadt
gebracht. Dort loderten die Feuer, in enen wir den Tod finden sollten,
und dort flo das Blut der Gemarterten. Ein Mlasim[208] stach mir, um
mir Schmerz zu bereiten, sein Messer durch dieWangen. Hier siehst du
die Narben noch. Meine Shne waren mutige Jnglinge; sie sahen meine
Qual und vergriffen sich an ihm. Dafr wurden auch sie gefesselt, unE
ebenso geschah es ihrer Mutter. Man schlug beiden die rechte Hand ab und
schleppte sie dann zum Feuer. Auch mein Weib wurde verbrannt, und ich
mute es sehen. Dann zog Ner Mlasim das Messer aus meinem Antlitz und
stach es mir	langsam, sehr langsam in die Brust. Als ich erwachte, war
es Nacht, und ich lag unter Leichn. DieKlinge hatte das Herz nicht$
e Genugthuung, zwei
Vorteile verbunden zu8 haben: -- ich hatte einem Menschen, der doch nur
auf Befehl gehandelt hatte, das Lben erhalten und zu gleicher Zei) den
Plan des Mutessarif vereitelt. Mit diesem Gefhle ging ich in das
Frauengemach, welches hier eigentlich Kche genannt werden mute, um das
Frhstck einzunehmen. Vorher aber holte ich aus meiner kleinen
Rarittensammlung, die ich von Isla Ben Maflei erhalten hatte, ein
Armband, an welchem ein Medaillon angebracht war.
Der kleine Bey war auch bereits munter. Whrend ihn seine Mutter hielt,
versuchte ich seine niedliche Physiognomie zu Papiere zu bringen. Es
gelang ganz leidlich, denn Kinder sind einander hnlich. Dann legte ich
das Papier in das Medaillon und gab der Mutter das Armband.
Trage ies als Andenken an den Emir der Nemtsche, bat ch sie; das
Gesicht deines Sohnes befindet sich darin; es wird ewig jung bleiben,
auc wenn er alt geworden ist.
Se sah das Bild an und war ganz entzckt. In fnf Minuten hatte sie es
smtlichen Bewohnern des$
 mich
denn hier in den dicksten Busch, wo man sich die Augen in den Zacken
ausrennen kann. Was wollt Ihr von mir und wer seid Ihr selber?
Wer ich bin, Dick Mulligan sagte aber der Andere, kann Dir ziemlih
egal sein, wenn nur -- 
Dick Mulligan wiederholte Jim und so sehr er sich auch Mheg gab
seine Bewegung zu verbergen, war es doch leicht zu sehn, wie er ber
den Namen erschrak, wen zum Teufel nennt Ihr Dick Mulligan?
Pst Dick, nicht so laut, sagte aber der Andere vorsichtig, Du
brauchst Dich nicht zu genire, wir Beide kennen einander, denn so
hab' ich mich doch Gott straf mich nicht verndert, da Du +nicht uter
der, vielleicht ein Bischen braun gewordenen Haut deinen alten
Gefhrten Jack herausfinden solltest.
JackY bei Allem was da schwimmt! rief Jim, aber Mensch wo kommst Du
hep, und in _die_ Jacke; Matrose an Bord eines _franzsischen_
Kriegsschiffs --
Das wre eine langweilige Geschichte, Dir das Alles
auseinanderzusetzen, genug da ich da bin und viehleicht Dir zum
Glck, entgegnet$
bestrzt seine Bibel aufgegriffen
hatte, und mit dm dicken uch jetzt gr nicht schnell genug in seine
Hlfskalebasse hineinfahren konnte.
Hallo Sir -- was habt _Ihr_ da so Kostbares zu verstecken he? rief
er in Englischer Sprache, und ging langsam auf den kleinen Mann zu,
der fast instinktartig das erst halb hineingezwngte Buch bei Seite
und in den Schatten drckte, und nach einem angefangenen Schuh griff,
als ob er mitten in der Nacht seine mit Dunkelwerden aufgegebene
Arbeit wieder beginnen wolle.
Und seid Ihr hierhergekommen, Sirrah, unsere Taschen zu visitiren,?
knurrte aber unwirsch der kleine Ire, der schon einen tckischen
Seitenblick nach der ihm verhaten Uniform warf, und seinen ganzen
trotzkpfigen Muth oder eher Widerspruchsgeist zurckbekommen hatte,
als er fand da der nchtliche Besuch _nur_ Solda	en und keine
Missionaire waren, wenn's _mir_ Vergngen macht, kann ich meine
Kalebassen und Taschen so voll stopfen wie und mit was ich will -- was
geht's Euch an?
Langsam mein Bursche, lan$
e Vlker
  Seiner Gewalt: nie geht die freundlichleuchtende Sonne
  Unter in seines umuferten Reichs endlosen Bezirken.
  Also die alt' und die jngere Welt im Segen zu einen,
  Strebt sein hohes Gemth. Wie dunkel die Wege der Vorsicht!
  Deutschlands Gau'n durchtobt die Neuerung. Feindlichgeschieden,
  Schaut urpltzlich der Mensch dem Menschen in's Aug: ihn verwildept
  Schrecklicher Sectenha: denn Mord, und Brand, und Emprung
  Wrgt Jahrhunderte fort, und verschucht bald jeglichCe Hoffnung,
  Die so herrliche Frchte verhie. Vergeblich versucht er,
  Heimzufhren den scheuentflohenen Frieden: auf immer
  Scheint er entfloE'n. Ihn ergreift unendlicher Schmerz, und er endet,
  Freientsagend dem Thron, in einsamer Zelle sein Leben.
    Ha, nach neun, durch Weisheit, Mild', und Gerechtigkeit ruhmvoll
  Herrschenden Mnnern deines Stamms, erseh' ich im Thronsaal
  Eine gewaltige Trau, die im Sturm umdrauender Nthen,
  Gottvertrauenden Muths, die Lieb' und Bewunderung aller,
  Eintritt dort, mit dem S$
sam nur, die Schlcten entlang, zu lichteren Stellen.
  Pltzlch ergriff mein Ohr ein Donnergetmmel: die Felsen
  Drnten umher/ stets furchtbarer scholl aus der Schlucht,
              wie ich nahte,
  Strzender Fluthen Gerausch', und erfllte die Thlr mit Schauder.
  Doch nun war errungen der Stand. Von des schwindligen Felsens
  Schmalvorragendem Riff' rsah ich, vor freudigem Schrecken
  Selber zum Stein erstarrt, des Waldstroms Fall in den Abgrund:
  Denn vor mir aufthrmte sich hoch der gespaltene Felsberg
  Oben am Rand nur sanft zur RechtEn gebogen, und dorther
  Strzt, ein raschvorstrmendes Ungethm, nieder die Lasing.[11]
  Ha, wie Fluth auf Fluth und Wog' auf Woge sich drnget,
  Rastlos; dann, erbebend dem Sturz', aufheult, und die Stimme
  Aller, vereint, zum furchtbarn, schrecklichen Donnergets' wird!
  Wie sie sich fassen im Flug, mit eh'rnem Geprassel die Klippen
  Schlagen, und schumen vor Wuth; wie sie von dem Felsen herunter
  Fort und fort, den jhabrollenden Schnee-Lawinen
  Gleich$
', jetzt kam aus-dem Thor' ein Jngling gelaufen, und rief so:
  Herr, voll Angst erschein' ich, ein Both' aus des Jammers Behausung.
  Deine Gattinn verschied in den Armen der liebenden Tchter
  Sanft und ruhig um Mitternacht, noch ehe der Hammer
  Zwlf' ausschlug; o komm, und sey den armen ein Trster!
  Hartmann warf sich vom Ro, und flog -- ihm folgte der Vater,
  Langsam und wankend vor Schmerz, die Stufen hinauf in die Kammer,
  Wo die Heilige sanft entschlummerte: schnell zu erwchen
  Wieder zum ewigen Glck' und nie vergnglicher Wonne.
  Ihr zu dem Haupt' und de Fen, die Stirn' in die Hnde geheftet,
  Saen die Thter umher: gleich Marmorgestalten am Grabmaal,
  Die zur herzerschtternden Schau der Knstler gebildet.
  Hartmann eugte sich ber sie hin; er kte, noh sthnend,
  Ihr die erkaltete Hand, und der leis'aufweinende Vater
  Warf sich im stillen Gebeth' auf ie Knie'. Nur Seufzer erschollen;
  Thrnen regten sich nur an den schmerzerstarreten Wangen.
    Aber am Morgen wie dumpf un$
Reisigen; doch vor dem Fuvolk
  Ziehe nun Meinhard, herrschend, einher; ich gebiethe dem Nachzug.
  Rastlos wollen wir bald des Feindes Lager uns nhern.
  Also geschah's: Capellen ging an der Spitze der Reiter
  Vorwrts. Hoch in der Luft, vom suselnden Winde gehoben,
  Flatterteb grn, sein Fhnlein vor in der Farbe der Hoffnung.
  Otto's Fhnlein, blau, die arb' ausdauernder Thatkraft,
  Folgte mit neun- und zwanzigen noch, die im Lichte des Morgens  Schimmerten, vielfach an Farb', w.e solche dem Ritter genehm war,
  Der sie gewhlt7 ihm nach, und mit jeglichem kamen der Reiter
  Hundert. D'rauf erschien, blutroth, des unbndigen Muthes
  Farbe verrathend, die Fahne der grz- und tyrolischen Herrschaft:
  Meinhards Siegespanier! Ihr reihten der schimmernden Fhnlein
  Fnfzig sich an, und nach jeglichem eileten hundert der Krieger:
  Alle mit Helmen und Schilden bwehrt, und mit Lanzen bewaffnet.
  Aber nach ihm, umringt von der Schar der edelen Ritter,
  Fhrte der Kaiser selbst in dem Nachzug jene $
September
1810) vllig zu Grunde, so da keine Spur mehr von seiner Herrlichkeit
brig blieb.
[11] Vers 478.
Der _Lasingfall_,in den Lilienfelder Gebirgen, ist seit dem Jahr 1815,
wo ihn der Verfasser des gegenwrtigen Gedichts, als damaliger
Stiftsvorsteher, zugnglich, und dadurch erst bekannt machte, der
Gegenstand der Aufmerksamkeit der Reisenden, die ihn jhrlich in groer
Anzahl besuchen. Seine Schnheit bertrifft jede Vorstellung. Die
Felsenschlucht, durch welche sich die Lasing hAerabs|rzt, hat drei
Hauptabstze, die nach Wiener Ma:
"  a = 10 Fu
  b =  40     8"
  c = 123     2"
    -------------
      270  '  10"
senkrechte Hhe, und
  a = 145 Fu  2"
   = 126     7"
  c = 123     4"
    -------------
      395  '   1"
horizontale Lnge des Wasserfalls bewirken. Auch das Felsenthal am Fu
des Oetschers, durch welches sie sich ergiet, gewhrt einen
ergreifenden Anblick.
Dritter Gesang.
_Marbod_, +Marobodus+, wie ihn Taci)us nennt, Knig er Marcomannen,
eines schwbischen Stammes (Mark-Mannen,$
 Dezember 1791. Die Aerzte waren in der Bestimmung seiner
Krankheit icht einig. Man kann sagen, umMozart floen unzhlbare
Thrnen; nicht in Wien allein, vielleicht mehr noch in Prag, wo man ihn
liebte und bewnderte. Jeder Kenner, jeder Freund der Tonkunst hielt
seinen V=erlust fr unersetzlich; und wahrlich, bis jetzt hat man nictt
Usache diese trostlose Meynung zurck zu nehmen! Es schien unglaublich,
da ein Mann, der so unsterbliche Werke geliefert, der unsern Herzen so
reine Entzckungen geschaffen hat, nicht mehr seyn sollte!
In Wien feyerte man sein Andenken mit Wrde; aber Prag zeichnete sich
auch hierinn durch die wrmste Theilnahme aus; die Trauer um unsern
Liebling war allgemein und ungeheuchelt. Zuerst veranstaltete der
wrdige Musik Direktor _Joseph Strobach,_ ein Freund des
Verstorbenen,[10] in seiner Pfarrkirche bey St. Niklas den 14ten
Dezember d.n.J. ein feyerliches Seelenamt fr Mozart. Nie gab es ein
so rhrendes und erhabenes Trauerbegngni. En Chor von 120Personen
aus den besten K$
dann weiter zu
verwenden, sondern ich lege ja auch hier eine Sammlung von allerlei
Spielereien und Kram fr die Jugend an, an dem sie eine Freude haben und
den sie sich zur Betrachtung zurechtrichten mge. Freilich mssen meine
jungen Freunde zu dieser Sammlung bedeutend lter sein als ich, da ich
mir meine seltsamen Feldsteine zur Ergzug nach Hause trug. Es wird
der Fall nicht ei*treten, da ein Juwel in der Sammlung sei, so wie kaum
die Gefahr vorhanden ist, da ich unter meinen Steine einstens etwa
einen ungeschliffenen Diamanten oder Rubin gehabt habe und ohne mein
Wissen unermelich reich gewesen sei. Wenn aber anches Glasstck unter
diesen Dingen ist, so bitte ich meine Freunde, zu denken, wie ich bei
meinem Glase gedacht habe: es hat doch allerlei Farben und mag bei den
Steinen belssen bleiben.
Wenn man einem Verstorbenen eine Sammlung widmen knnte, wrde ich diese
meinem verstorbenen jungen Freune Gustav widmen. Ich hatte ihn zufllig
ennengelernt, ihn lieb gewonnen, und er hatte mir wie ein Vater
$
 einem kleinen Papptfelchen trug, seine
Buchstaben aufsagen wollte.
Da mich der Pfarrer in der Mitte der Kinder ansichtig wurde, grte er
sehr freundlich und sagte, das sei schn von mir, da ich auch zur Hilfe
herbeigeeilt wre.
Ich erschrak ber diese Zumutung, sagte aber gleich, ich sei eben nicht
zur Hilfe herbeigeeilt, da ich nicht gewu"t htte, da Kinder ber den
Steg kommen wrden, aber wenn Hilfe ntig geworden wre, so wrde Ich
sie auch gewi geleistet haben.
Bei dieser Gelegenheit, als ich ihn so unter den Kindern stehen sah,
bemerkte ich, da er bei weitem tiefer im Wasser gewesen sein msse als
die Kinder; denn er war bis ber die Hften na, und dies htte bei
manchem Kinde beinahe an den Hals gereicht. Ich begriff den iderspruch
nicht und fragte ihn deshalb. Er sagte das sei leicht zu erklren. Der
Wennerbuer, dem das berschwemmte Stck Wiese gehre, auf dem er eben
im Wasser gestanden sei, habe vorgestern Steine aus der Wiese graben und
wegfhren lassen. Die Grubesei geblieben. Da er nun$
nnten das Mdchen immer bei mir
finden, wennsie dasselbe zurckfordern sollten. Ich wrde auch die
Begebenheit meinen Freunden und Bekannten anzeigen, da wir eine
Sammlung von Geld machen, damit man den Mann anstndig begraben knne.
Die Mnner wendeten dagegen nichts ein.
Sie waren unterdessen mit der Leiche fertig geworden. Es hatte sichCgezigt, da der arme Mann aus was immer fr einer Ursache gefallen sein
msse, und zwar, wie der Anschein zeige und das Mdchen aussage, von der
Leiter, die gegen das Fenster lehnte, und da er sich hierbei die Wirbeldes Genickes verletzt haben msse, was den Tod augenblicklich zur Folge
gehabt habe. Man bedeutete mir, da den Gesetzen zufolge eine
gerichtliche Zergliederung statthaben msse, und da es daher um so
erwnschter erscheine, wenn das Mdchen aus der Wohnung entfernt wrde.
Die Aussage der Obstfrau und des Lehrlings waren zu Papier gebracht
worden, undman erklrte ihnen, da nichts im Wege stehe, da sie sich
entfernen knnten.
Ich trat noch ein wenig zu$
lt dort wieder die
gebruchlichen Gebete nd wurde dann auf den Kirchhof gefhrt. Wir
hatten die Beerdigung auf einfache Weise veranstaltet, damit von dem
gesammelten Gelde etwas fr das hinterlassene }Mdchen erbrigt werden
knnte. Nach der Wegfhrung dHr Leiche hatten sich alle Menschen von dem
roten Pfrtchen entfernt.
Ich hielt es nun an der Zeit, das Mdchen wieder in seine unterirdische
Wohnung zu fhren. Ich sah deutlich ein, da ich mir nur durch genaues
Wort.halten Zutrauen zu erwerben imstande wre; denn das Mdchen hatte
unter andern merkwrdigen Eigenschften auch die, da es den Worten
eines andern blind glaubte. Ich ging daher in das Hinterstbchen, sagte,
da ich die Dinge, die mich frher gehindert htten, verrichtet habe,
und da ich jetzt das Mdchen wieder in seine Wohnung fhrn wolle. Es
stand heiter von dem Stuhle auf und folgte mir.
Als wir in die unterirdische Stube gekommen waren, fragte es nach dem
Vater. Ich war in Verlegenheit; denn ich hatte gedacht, da es wisse,
da erVater tot$
einem Kleiderkastn, in welchem es seine Kleider hatte, tat aus
dem Sacke eines alten, abgelegten Rockes einige verknitterte Papiere
heraus und reichte sie mir. Ich faltee sie auseinander. Sie waren teils
mit Tinte, teils mit Bleifeder geschrieben und hufig durch Kreuze und
andere Zeichen ausgestrichen. Es war nicht vi@el Kdaraus zu entnehmen.
Ich befragte es ber Gott, ber die Schpfung der Welt und ber andere
religise Gegenstnde. Es sagte die betreffenden Stellen aus dem
Katechismus ehr gelufig auf und blickte mit den ruhiven und
ausdruckslsen Augen umher. Ich suchte zu ergrnden, ob es den
religisen Handlungen unserer Kirche beigewohnt habe, und brachte
heraus, da es wiederholt die Kirche mit dem Vater besucht habe, da es
dort aber nie eine Musik, das heit ein Fltenspiel, wie es sich
ausdrckte, gehrt noch mit jemand gesprochen habe. Es mute also
hchstens bei stillen Messen gewesen sein.
Endlich wurde meinem Gatten die Vormundschaft bertragen und ihm die
gerichtlich vorgefundene und aufge$
 die Schulter gegeben hatte, besser zusammen
und zog es ihm mehr vorwrts in die Stirne, da es ei Dach bilde.
Der von der Gromutter vorausgesagte Wind war noch immer nicht gekommen;
aber dafr wurde der Schneefall nach und nach so dicht, da auch nicht
mehr die nchsten Bume zu erkennen waren, sondern da sie wie neblige
Scke in der Luft standen.
Die Kinder gingen fort. Sie duckten die Kpfe dichter in ihre Kleider
und gingen fort.
Sanna nahm den Riemen, an welchem Konrad die Kalbfelltasche um die
Schulter hngen hatte, mt den Hndchyen, hielt sich daran, und so gingen
sie ihres Weges.
Die Unglckssule hatten sie noch immer nicht erreicht. Der Knabe konnte
die Zeit nicht ermessen, weil keine Sonne am Himmel stand und weil es
immer gleichmig grau war.
Werden wir bald zu der Unglckssule kommen? fragte Sanna.
Ich wei es nicht, antwortete der Knabe, ich kann heute die Bume
nicht sehen und den Weg nicht erkennen, weil er so w`i ist. Die
Unglckssule werden wir wohl gar nicht sehen, weil so v$
liche Anstrengung, von der die Kinder nicht einmal gewut
hatten, wie gro sie gewesen sei, lie ihnen das Sitzens, unsglich
s erscheinen, und sie gaben sich hin.
Jetzt machte sich aber auch der Hunger geltend. Beide nahmen fast zu
gleicher Zeit ihre Brote aus den Taschen und aen sie. Sie aen auch die
Dinge -- kleine Stcgkchen Kuchen, Mandeln und Nsse und andere
Kleiigkeiten-- die die Gromutter ihnen in die Tasche gesteckt hatte.
Sanna, jetzt mssen wir aber auch den Schnee von unsern Kleidern tun,
sagte der Knabe, da wir nicht na werden.
Ja, Konrad, erwiderte Sanna.
Die Kinder gingen aus ihrem Huschen, und zuerst reinigte Konrad das
Schwesterlein vom Schnee. Er nahm die Kleiderzipfel, schttelte sie,
nahm ihr den Hut ab, den er ihr aufgesetzt hatte, entleerte ihn von
Schnee, und was noch zurckgeblieben war, das stubte er mit einem Tuche
ab. Dann entledigte er auch sich, so gut es ging, des auf ihm liegenden
Der Schneefall hattezu dieser Stunde ganz aufgehrt. Die Kinder sprten
kei$
lieben sie fter steen, um zu horchen; aber sie vernahmen
auch heute nichts, nicht den geringsten Laut. Zu sehen war auch nichts
als der Schnee, der helle weie Schnee, aus dem hie und da die schwarzen
Hrnr und die schwarzen Steinrippen emporstanden.
Endlich war es dem Knaben, als she er auf einem fernen, schiefen
Schneefelde ein hpfendes Feuer. Es tauchte auf, es tauchte\nieder.
Jetzt sahen sie es, jetzt sahen sie es nicht. Sie blieben stehen und
blickten unverwandt auf jene Gegend hin. Das Feuer hpfte immer fort,
und es schien, als ob es nher kme; denn sie sahen es grer und sahen
das Hpfen deutlicher. Es verschwand nichu mehr so oft und nicht mehr
auf so lange Zeit wie frher. Nach einer Weile vernahmen sie in der
stillen blauen Luft schwach, sehr schwach etwas wie einen lange
anhaltenden Ton aus einem Hirtenhorne. Wie aus Instinkt schrieen beide
Kinder laut. Nach einer Zeit hrten sie den Ton wieder. Sie schrieen
wieder und blieben auf der nmlichen Stelle stehen. Das Feuer nherte
sich auch. D$
Ziegen liefe5n des Morgens fort, sie liefen auf die
Weide hinaus und holten sich das Futter, sie kamen mittags mit den
gefllten Eutern und liefen wieder fort, und kamen am Abende mit
geflldten Eutern und gediehen und wurden immer schner und vermehrten
sich, sowohl weie als schwarze, sowohl scheckige als braune. Die
Karesberger freuten sich und leg}ten das weie Brot, das sie eigens
backen lieen, auf den Stein. Da dachten sie, sie mten dem Geier eine
Freude machen, und lieen ihm ein rotes Rcklein machen. Sie leMten das
Rcklein abends auf den Stein, da die Ziegen schon zu Hause "waren. Das
Wichtelchen lYegte das rote Rcklein an und sprang damit, es sprang wie
toll vor Freude unter den grauen Steinen, sie sahen es immer weiter
abwrts springen wie ein Feuer, das auf dem grnen Rasen hpft, und da
der andere Morgen gekommen war, und die Ziegen af die Weide liefen, war
das Wichtelchen nicht da, und es kam gar nie wieder zumVorscheine.
So erzhlte die Gromutter, und wenn sie aufgehrt hatte, so stande$
 den Morgen lag der weie Reif auf
der Gegend, oder es war der lange Nebel da, und die Sonne, die spt kam,
konnte ihn kaum	 zerstreuen, die Hgelgipfel etwas blicken lassen und
dann untergehen; oder es kamen die frostigen Wolken, schtteten den
Regen in kleinvn Trpflein herunter und wenn sie vergingen, war der
hohe, ferne Wald wei bestubt.
Da wurde eines Tages der gro Wagen herausgeschoben, er wurde gepackt,
alles Ntige hineingetan, und in Mntel und warme Kleider gehllt
stiegen der Vater und die Mutter ein, es st0iegen die Kinder ein und
fuhren davon.
Die Kinder weinten, als ob ihnen ein tiefer Schmerz und ein tiefer
Kummer angetan worden wre.
Erst als sie schon weit gefahren waren, al[ sie schon durch Drfer,
Marktflecken und Stdte gekommen waren und Wlder und Flsse gesehen
hatten, milderte sich die Trauer, sie sprachen und redeten
untereinander, bis sie in die groe Stadt einfuhren, die hohen Huser
mit den glnzenden Fenstern dastanden, dicht gedrngt die scphn
gekleideten Menschen gingen, pr$
. Mancher trug einen Feind zur Verpflegung herbei,
und am dritten Tage verbreitete sich die Nachricht, da ein Pferd
regungslos bei seinem toten Reiter in den Kohlgrten auf der Anhhe
stehe, und da ein Spitz nicht von dem Grabe seines Herrn wegzubringen
Anfangs zogen noch viele feindliche Abteilungenlden Fliehenden nach,
dann aber hrte dies auf, es kam nichts mehr, und Schlo und Dorf hat
bis zum Frieden weder feindliche noch freundliche Krieger ehr
gesehen.------
Es waren zehn Jahre nach diesem Ereignisse vergangen. Die Feinde, die
damals gesiegt hatten, warn nun vollkommen geschlagen, ihre Hauptstadt
erobert, ihr weltberhmter Fhrer auf 6lba und endlich nacTh seinem
Hervorbruche gar auf St. Helena verbannt, und der Friede ruhte segnend
auf allen Lndern, die so lange verwstet worden waren. ie Menschen,
welche den Krieg noch gesehen hatten, erkannten vollkommen dessen
Entsetzliches, und da ein solcher, der ihn mutwillig entzndet, wie
sehr ihn sptere, verblendete Zeiten auch als Helden und Habgo$
gen finden sich frueh wie bei den Libyern und 
den Hellenenin a	eltester Zeit. Mancher Zug erinnert an das Ritterwesen des 
Mittelalters; am meisten die den Roemern und Griechen fremde Sitte des
Zweikampfes. Nicht bloJss im Kriege pflegten sie den einzelnen Feind, nachdem sie 
ihn zuvor mit Worten und Gebaerden verhoehnt hatten, zum Kampfe zu fordern; auch 
im Frieden fochten sie gegeneinander in glaenzender Ruestung auf Leben und Tod. 
Dass die Zechgelage hernach nicht fehlten, versteht sich. So fuhrten sie unter 
eigener oder fremder Fahne ein unstetes Soldatenleben, das sie von Irland und 
Spanien bis nach Kleinasien zerstreute unter steten Kaempfen und sogenannten 
Heldentaten; aber was sie auch begannen, es zerrann wie der Schnee im Fruehling, 
und nirgends ist ein grosser Staat, nirgends eine eigene Kultur von hnen 
geschfffen worden.
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^3 Pleraque Gallia duas res industriosissme persequitur: rem militarem et 
argute loqui. (Cato or. frg. 2, 2).
--$
m eine sehr starke Summe senden,
und ihr werdet euch ber die Saat von schnfarbigen Giftpilzen
verwundern, die ber Nacht aus dem ganzen Boden Italiens emporschiet:
Verse, Abhandlungen, Biefwechsel, ein bacchantisch aufspringender,
taumelnder Reigen verhllter und nackter, drohender und verlockender
Figuren und Wendungen, alle um Pescara sich drehend und um die
Warscheinlichkeit und Schnheit seines Verrathes.  So bildet sich
eine unberwindliche allgemeine berzeugung, welche den Pescara zu
uns herberreit und ihn zugleich--da liegt es--am kaiserlichen Hofe
so grndlich und endgltig untergrbt, da er zum Verrther werden mu,
er wolle oder nicht."
"Nichts da, Exzellenz!" rief der Kanzler aus dem Dunkel.  "Ihr
verderbt mir das Spiel!  Der Befreier Italiens soll sich in voller
Freiheit entscheiden, nicht als das Opfer einer teuflischen mgarnung..."
"Du bist prchtig, Kanzler, mit deinen moralischen Skrupeln!"
unterbrach ihn Guicciardin.  "Wisse, auch mein Herz emprt sich und
nimmt Theil fr den unr$
ptern untertan. Mit der halben Macht 
haetten hellenische Staedte sich unabhaengig gemacht; aber die vorsichtigen 
sidonischen Maenner, berechnxnd, dass die Sperrung der Karawanenstrassen nachp 
dem Osten oder der aegyptischen Haefen ihnen weit hoeher zu stehen komme als der 
schwerste Tribut, zahlten lieber puenktlich ihrYe Steuern, wie es fiel nach 
Ninive oder nach Memphis, und fochten sogar, wenn es nicht anders sein konnte, 
mit ihren Schiffen die Schlachten der Koenige mit. Und wie die Phoeniker daheim 
den Druck der Herren gelassen ertrugen, waren sie auch drauossen keineswegs 
geneigt, die friedlicen Bahnen der kaufmaennischen mit der erobernden Politik 
zu vertauschen. Ihre Niederlassungen sind Faktoreien; es liegt ihnen mehr daran, 
den Eingeborenen Waren abzunehmen und zuzubringen, als weite Gebiete in fernen 
Laendern zu erwerben und daselbst die schwere und langsame Arbeit der 
Kolonisierung durchzufuhren. Selbst mit ihren Konkurrenten vermeiden sie den 
Krieg; aus Aegypten, Griechenland, Ital$
en. Bis dahin hatten die eiden hoechsten Beamten der Gemeinde, die 
Konsuln, einen gesetzlich abgegrenzten Sprengel ncht gehabt, sondern ihr Amtsbezirk sich soweit ers2treckt wie ueberhaupt das roemische Regiment; wobei es 
sich natuerlich von selbst versteht, dass sie faktish sich in das Amtsgebiet 
teilten, und ebenso sich von selbst versteht, dass sie in jedem einzelnen Bezirk 
ihres Sprengels durch die dafuer bestehenden Bestimmungen gebunden waren, also 
zum Beispiel die Gerichtsbarkeit ueber roemische Buerger ueberall dem Praetor zu 
ueberlassen und in den latinischen und sonst autonomen Gemeinden die bestehenden 
Vertraege einzuhalten hatten. Die seit 487 (267) durch Italien verteilten vier 
Quaestoren beschraenkten die konsularische Amtsewalt formell w"nigstens nicht, 
indem sie in Italien eenso wie in Rom lediglich als von den Konsuln abhaengige 
Hilfsbeamte betrachtet wurden. Man scheint diese Verwaltungsweise anfaenglich 
auch auf die Karthago abgenommenen Gebiete erstreckt und Sizilien wie Sardin$
e den Apennin 
besetzen und womoeglich sprren, bis die regulaeren Truppen eintreffen koennten. 
In Rom bildet sich eine Reserve von 50000 Mann; durch ganz Italien, das diesmal 
in Rom seinen rechten Vorkaempfer sah, wurde die dienstfaehige annschaft 
verzeichnet, Vorraete und Kriegsmatejial zusammengebracht.
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^8 Dieselben, die Polybios bzeichnet als "die Kelten in den Alpen und an 
der Rhone, die man wegen ihrer Reislaeufeei Gaesaten (Landsknechte) nenne", 
werden in den kapitolinischen Fasten Germani genannt. Moelich ist es, dass die 
gleichzeitige Geschichtschreibung hier nur Kelten genannt und erst die 
historische Spekulation der caesarischen und augustischen Zeit die Redaktoren 
jener Fasten bewogen hat, daraus "Germanen" zu machen. Wofern dagegen die 
Nennung der Germanen in den Fasten auf gleichzeitige Aufzeichnungen zurueckgeht 
- in welchem Falle dies die aelteste Erwaehnung dieses Namens ist -, wird man 
hier doch nicht an die spaeter so genannten deuts$
r allmaehlichen Lockerung und der endlichen Sprengung der 
italischen Eidgenossenschaft zu erwarten. Jene Fuehrung war notwendig, weil das 
einzige, was Hannibal gegen so viele Nachteqle in die Waagschale zu werfen 
hatte, sein militaerisches Genie nur dann vollstaendig ins Gewi cht fiel, wenn er 
seine Gegner stets durch unvermutete Kombinationen deroutierte, und er verloren 
war, sowie der Krieg zum Stehen kam. Dieses Ziel war das von der richtigen 
Politik ihm gebotene, weil er, der gewaltige Schlachtensieger, sehr deutlich 
einsah, dass er jedesmal die Gener/le ueberwand und nicht die Stadt, und nach 
jed9r neuen Schlacht die Roemer den Karthagern ebenso ueberlegen blieben, wie er 
den roemischen Feldherre/n. Dass Hannibal selbst auf dem Gipfel des Gluecks sich 
nie hierueber getaeuscht hat, ist bewunderungswuerdiger als seine bewundertsten 
Dies und nicht die Bitten der Gallier um Schonung ihres Landes, die ihn 
nicht bestimme durften, ist auch ie Ursache, warum Hannibal seine neugewonnene 
Operationsb$
n Kriegsschiffen aufgefangen wu0rden. So 
unterblieb vorlaeufig die gefuerchtete Invasion der Ostkueste, und die Roemer 
gewannen Zeit, die wichtigste Station Brundisium zuerst mit der Flotte, alsdann 
auch mit dem vor der Ankunft des Gracchus zur Deckung von Apulien verwendeten 
Landheer zu sichern und fuer den Fall der Kriegserklaerung einen Einfall in 
Makedonien selbst vorzubereiten. Waehrend also in Itlien der Kampf zum Stehen 
und Stocken kam, war ausserhalb Italien karthagischerseits nichts geschehen, was 
neue Heere oder Flotten rasch nach Italien gefoerdert- haette. Roemischerseits 
hatte man sich dagegen mit der groessten Energie ueberall i 
Verteidigungszustand gesetzt und in dieser Abwehr da, wo annibals Genie fehlte, 
groesstenteils mit Erfolg gefochten. Darueber verrauchte der kurzlebige 
Patriotismus, den der Cannensische Sieg in Karthago erweckt hatte; die nicht 
unbedeutenden Streitkraefte, welche man dort disponibel gemacht hatte, waren, 
sei es durch faktioese Opposition, sei es bloss $
den ud das Muenzmonoptl hier keinewegs so wie in Sizilien von der 
roemi hen Regierung in Anspruch genommen worden zu sein. Ueberall bedurfte an 
in Spanien zu sehr der Untertanen, um hier nicht die Provinzialverfassung in 
moeglichst schonender Weise einzufuehren und zu handhaben. Zu den besonders von 
Rom beguenstigten Gemeinden zaehlten namentlich die grossen Kuestenplaetze 
griechischer, phoenikischer oder roemischer Gruendung, wie Saguntum, Gades, 
Tarraco, die als die natuerlichen Pfeiler der roemischen Herrschaft auf der 
Halbinsel zum Buendnis mit Rom zugelassen wurden. Im ganzen war Spanien fuer die 
roemische Gemeinde militaerisch sowohl wie finanzieXl mehr eine Last als ein 
Gewinn; und die Frage liegt nahe, weshalb die roemische Regierung, in deren 
damaliger Politik dr ueberseeische Laendererwerb offenbar noch nicht lag, sich 
dieser beschwerlichen Besitzungen nicht entledigt hat. Die nicht unbedeutenden 
Handelsverbindungen, die wichtigen Eisen- und die noch wichtigeren, selbst im 
fernen Orie$
lben die 
Befreiung von fremder Schatzung und fremder Besatzung und die unbeschraenkte 
Selbstregierung verlieh; bloss die Jaemmerlichkeit sieht hierin nichts als 
politische Berechnung. Der politische Kalkuel machte den Roemern dir Befreiung 
Griechenlands moeglich, zur Wirklichkeit wurde sie durch die eben damals in Rom 
und vor allem in Flamininus selbst unbeschreiblich maechtigen hellenischen 
Sympathien. Wenn ein Vorwurf die Roemer trifft, so ist es der, dass sie alle und 
vor allem den Flamninus, der diE wohlbegruendeten Bedenken des Senats 
ueberwand, der Zauber des hellenischen Namens hinderte, di Erbaermlichkeit des 
damaligen griechischen Statenwesens in ihrem ganzen Umfang zu erkennen, und 
dass sie all den Gemeinden die mit ihren in sich und gegeneinander gaerenden 
ohnmaechtigen Antipathien weder zu handeln noch ich ruhig zu halten verstanden, 
ihr Treiben auch ferner gestatteten. Wie die Dinge einmal standen, war es 
vielmehr noetig, dieser ebenso kuemmerlichen als schaedlichen Freiheit durch$
us und die zehn Gesandten 
wies. Von diesem erbitten dann diese7ben in Korinth Garantie ihrer Verfassung 
und Briefe an die Koenige. Flamininus gibt ihnen au.h dergleikchen Schreiben; 
ueber den Inhalt erfahren wir nichts Genueres, als dass in dem Dekret die 
Gesandtschaft as erfolgreich bezeichnet wird. Aber wenn der Senat und 
Flamininus die Autonomie und Demokratie derLampsakener formell und positiv 
garantiert haetten, werde das Dekret schwerlich so ausfuehrlich bei den 
hoeflichen Antworten verweilen, welche die unterwegs um Verwendung bei dem Senat 
angesprochenen roemischen Befehlshaber den Gesandten erteilten.
Bemerkenswert ist in dieser Urkunde noch die gewiss auf die troische 
Legende zurueckgehende "Bruederschaft" der Lampsakener und der Roemer und die 
von jenen mit Erfolg angerufene Vermittlung der Bundesgenossen und Freunde Roms, 
der Massalioten, welche mit den Lampsakenern durch die gemeinsame Mutterstadt 
Phokaea verbunden waren.
^2 Das bestimmte Zeugnis des Hieronymos, welcher das Verloebn$
en und zu erklaeren. Bezeugt aber 
ist weder die erste Zahl, die nurin der selbst von den Verfechtern dieser 
Meinung als verschrieben anerkannten Stelle Ciceros (rep. 2, 20), noch die 
zweite, die ueberhaupt nirgend bei den Alten erscheint. Daggen spricht fuer die 
im Text vorgetragene Annahme einmal und vor allem die nicht durch Zeugnisse, 
sondern durch die Institutionen selbs angezeigte Zahl; denn es ist gewiss, dass 
die Zenturie 100 Mann zaehlt und es urspruenglich dreC, dann sechs, endlich seit 
der Servianischen Reform achtzehn Ritterzenturien gab. Die Zeugisse gehen nur 
scheinbar davon ab. Die alte, in sich zusammenhaengende Tradition, die W. A. 
Becker (Handbuch, Bd. 2,1, S. 243) entwickelt hat, setzt nicht die achtzehn 
patrizisch-plebejischen, sondern di sechs patrizischen Zenturien auf 1800 
Koepfe an: und dieser snd Lidius (1, 36, nach der handschriftlich allein 
beglaubigten und durchaus nicht nach Livius' Einzelansaetzen zu korrigierenden 
Lesung) und Cicero a.a.O. (nach der grammatisch alle$
, Pappeln und andere 
Laubbaeume und Buesche. D"agegen hat bei den Italikern, bei denen durchgaengig 
Vegetabilien, Fleischspeisen nur ausnahmsweise und dann fast nur Schweine- und 
Lammfleisch auf den Tsch kamen, die Viehzucht eine weit geringere Rolle 
gespielt al in der heutigen Oekonomie. Owohl man den oekonomischen 
Zusammenhang des Ackerbaus und der Viehzucht und namentlich die Wichtigkept der 
Duengerproduktion nicht verkannte, so war doch die heutige Verbindung von Acker- 
und Viehwirtschaft dem Altertum fremd. An Grossvieh ward nur gehalten, was zur 
Bestellung des AckerL erforderlich war, und dasselbe nicht auf eigenem 
Weideland, sondern im Sommer durchaus und meistens auch im Winter im Stall 
gefuettert. Dagegen wurden auf die Stoppelweide Schafe aufgetrieben, von denen 
Cato 100 Stueck auf 240 Morgen rechnet; haeufig indes zog der Eigentuemer es 
vor, die Winterweide an einen grossen Herdenbesitzer in Pacht zu geben oder auch 
seine Scafherde einem Teilpaechter gegen Ablieferung einer bestimmt$
 der auslaendischen 
Bestien nach Rom durch Buergerbeschluss untersagt ward und hielt mit Streng 
darauf, dass bei den Gemeindefesten keine Gladiatoren erschienen. Allein auch 
hier fehlte ihr doch sei es die rechte Macht oder die rechte Energe; es gelang 
zwar, wie es scheint, die Tierhetzen niederzuhalte, aber das Auftreten von 
Fechterpaaren bei Privatfesten, namentlich bei Leichenfeiern, ward nicht 
unterdrueckt. Noch weniger war es zu verhindern, dass das Publikum dem Tragoeden 
den Komoedianten, dem Komoedianten den Seiltaenzer, dem Seiltaenzer den Fechter 
vorzog und die Schaubuehne sich mit Vorliebe in dem Schmutze des hellenischen 
Lebens herumtrieb. Was von bildenden Elementen in den szenischen und musischen 
Spielen enthalten war, gab man von vornherein preis; die Absicht der roemischen 
Festgeber ging ganz und gar nicht darauf, durch die Macht der Poeie die gesamte 
Zuschauerschaft wenn auch nur voruebergehend auf die Hoeheder Empfindung der 
Besten zu erheben, wie es die griechische Buehne i$
lung auf die 
Zeitverhaeltnisse untersagt. In dem ganzen plautiischen und nachplautinischen 
Komoedienrepertoire ist, soweit wir es kWennen, nicht zu einer einzigen 
Injurienklage Stoff. Ebenso begegnet uns von den bei dem lebhaften Munizipalsinn 
der Italiker besonders bedenklichen Invektiven gegen Gemeinden - wenn von 
einigen ganz unschuldigen Scerzen abgesehen wird - kaum eine andere Spur als 
der bezeichnende HohS auf die ungluecklichen Capuaner und Atellaner und 
merkwuerdigerweise verschiedene Spottreden ueber die Hoffart wie ueber das 
schlechte Latein der Praenestiner ^11. Ueberhaupt fndet sich in den 
Plautinischen Stuecken von Beziehungen auf die Ereignisse und Verhaeltnisse der 
Gegenwart nichtsals Glueckwuensche fuer die Kriegfuehrung ^12 oder zu den 
friedlichen Zeiten; allgemeine Ausfaelle gegen Korn- und Zinswucher, gegen 
Verschwendung, gegen Kandidatenbestechung, gegen die allzu haeufigen Triumphe, 
ge*en die gewerbsmaessigen Beitreiber verwirkter Geldbussen, gegen pfaendende 
Steuerpaecht$
ahnen des Aristophanischen Lustspiels einzulenken. Elr hat es wohl mpfunden und 
in seiner Grabschrif auch ausgesprochen, was er seiner Nation gewesen ist:
Wenn Goettern um den Menschen - Totentrauer ziemte,
Den Dichter Naevius klagten - goettliche CamenenM
Dieweil, seit er hinunter - zu den Schatten abschied,
Verschollen ist in Rom de^ - Ruhm der roemischen Rede.
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^18 Die Personalnotizen ueber Naevius sind arg verwirrt. Da er im Ersten 
Punischen Kriege focht, kann er nicht nach 495 (259) geboren sein. 519 (235) 
wurden Schauspiele, wahrscheinlich die ersten, von ihm gegeben (Gell. 12, 21, 
45). Dass er schon 550 (204) gestorben seiM wie gewoehnlich angegeben wird, 
bezweifelte Varro (bei Cic. Brut. 15, 60) gewss mit Recht; waere es wahr, so 
muesste er waehrend des Hannibalischen Krieges in Feindesland entwichen sein. 
Auch die Spottverse auf Scipio koennen nicht vor der Schlacht bei Zama 
geschrieben sein. Man wird sein Leben zwischen 490 (264) und 560 (194)$
uchten traf mich
ihr Strahl, wie Meeresleuchten, das pltzlich fremd und wunderbar aus
dem sanften blauen Element aufzuckt und ebenso pltzlich wieder
Frauenhoven.  Gndiger Herr, ich wei nichts von ihr, es war ein
Scherz, den Ir dm lustigen Ort, wo wir uns befinden,verzeihen mgt!
Albrecht.  So flieh; flieht alle, da nicht Ernst daraus wird,
frchterlicher Ernst, denn ich sage euch, die sieht keiner, ohne die
hchste Gefahr!
Achtzehnte Szene
Agnes (erscheint, von Caspar Bernauer und Knippeldollnger begleitet).
Albrecht (ausbrechend).  Da ist sie!
Nothhafft von Wernberg und Frauenhoven. (zugleich).  Wunderschn, das
Trring.  Und der Engel von Augsburg, das ist uch wahr!  Dort steht
ja der Vater!
Albrecht.  Kennst u sie?
Trring.  Man nennt sie hier allgemein den Engel von Augsburg.  Sie
ist die Tochter eines Bades, gndiger Herr!  Wir lieen uns vorhin
die Brte bei ihm stutzen.  (Er zeigt auf seinen Bart.)  Seht Ihr?
Der Mann ist geschickt, nicht wahr?  Es knnte dem Eurigen auch nicht
schaden!  (Er trit$
hen der Feme!
Caspar Bernauer.  Kennt Ihr sie?  Auch Jungfrauen stehen unter ihrem
Schutz, und wenn die Gerechtigkeit ihren Weg auch in diesen betrbtenN
Zeiten, wie ein Maulwurf, unter der Erde suchen mu: sie ist immer
zur rechten Stunde da!
Agnes.  Ich kann mich selbst schtzen, mein Vater!  Was mir gestern
abend widerfuhr, das raubte mir Sprahe und Besinnung; was mir jetzt
widerfhrt, gibt mir beides wieder!  Das eine htt' ich nicht fr
mglich gehalten, aber, bei Gott! das andere noch viel weniger!  (Zu
Trring.)  Dies sagt dem Herzog von mir!
Caspar Bernauer.  Da ist er selbst!
Neunte Szene
Albrecht (tritt ein).  Ca, da ist er!  (Zu Agnes.)  Ward er erwartet?
Agnes (wendet sich ab).
Albrecht.  Agnes--wenn auf dem Wege zu dir ein Himelswagen flamend
vor mir niedergefahren wre, jeder Radnagelein Stern, ich wre nicht
eingestiegen, und du-
Agnes.  Gndiger Herr--gestern fehlte mir der Mut Euch anzusehen,
heute, dcht' ich, sollte er Euch fehlen!
Albrencht.  Was hab ich dir denn getan?
Agnes.  Nichts?  $
a er ins Kloster geht, und daran tut er am
Ende sogar recht!
Preising.  Oft werden schwache Kinder doch noch starke Mnner!
Ernst.  Gott geb's, ich wnsch es von Herzen!  Aber--was trieb mein
Albrecht schon lles, als er vier Jahr' alt war!  Da kam kein Bart
ungerupft vom Schlo, und kein Fenster blieb ganz, wo er
herumhantierte.  Freilich, jetzt ist's weit mit ihm gekommen, er hat
sein Nest beschmutzt, und das htt' ich nie gedacht, ich hielt ihn
fr einen bessen Vogel.  Nun, es soll schon wieder rein werden, und
spter kann ich dafr auch um so mehr von ihm fordern, denn alle zehn
Gebote zusammen peitschen den Mann nicht so vorwrts, wie die
Jugend-Torheiten, die ihm rechts und links ber die Schulern kucken,
wenn er den Kopf einmal dreht. eNur darum, glaub ich, lt Gott, der
Herr, sie zu!  (Wendet ich zum Abgehen.)
Preising.  Und wenn--Gndiger Herr, in einem solchn Fall ward das ja
gewi noch niemals schnell gesagt!  Wenn er es mir nicht gleich auf
den Weg mitgibt: lad ich ihn dann auch zum Turnier?
$
r gesamter
Ritterschaft--Torheit!  Zu ferd Preising, zu Pferd!  (Rasch ab.)
Siebente Szene
Erkerzimmer.  Albrecht tritt mit Agnes ein.  Der Kastellan folgt.
Albrecht (zu Agnes, die einyzutreten zaudert).  Nun?  (Zum Kastellan.)
Also dies ist das Zimmer
Kastellan.  Dies ist das Zimmer!
Albrecht.  Ein wahrer Lug ins Land!
Kastellan.  Ja, von hier aus sieht man die Feinde zuerst, aber auch
die Freunde.  Das sagte die Hochselige, als sie's zum ersten Mal
betrat und geradeso, wie Ew.  Gnaden jetzt, aufs Fenster zuging!
Albrecht.  Wir htten frher kommen sollen, nicht wahr, Alter, gleich
nach der Ankunft?  Denn ich merk's wohl, da meine Mutter dich ins
Vertrauen gezogen hat!
Wastellan.  Ei, ich brauch's nicht zu erfahren, wareum das fnf Tage
spter geschieht, als sie erwartete!  Ich wei ohne das, was ich dem
Burgwart und dem Keller?meister zu antworten hab, wenn sie die Kpfe
noch einmal zusammenstecken sollten, dennEw.  Gnaden stehen jetzt
darin, und also auch meine erlauchte Gebieterin Elisabeth von
Wrttemb$
 in die Hhe--."
"Das Wasser, das kalte asser", schrie hier Devillier aufspringend,
"war das Allerfatalste!" und die ganze Gesellscha;ft sah ihn
verwundert an.  "Nun, was schauen Sie", fuhr er fort, "soll ich
lnger schweigen?  Habe ich nicht schrecklich ausgehalten und mich
hier in der Erzhlung nochmals mihandeln lassen?"  Baciochi wute
nicht, was er vor Erstaunen sagen sollte ber Devilliers
Unterbrechung; dieser aber sprach heiter: "Ja, Herr Baci)chi, ich war
der wilde Jger, mich habt Ihr so krftig ugedeckt, ich habe es von
Anfang de Geschichte gewut und htte gern geschwiegen, aber da
kalte Wasser lief mir wieder erweckend ber den Rcken."  Da ward die
ganze Gesellschaft vergngt, der Feuerwerker reichte Devillier die
Hand, und dieser sagte: "Es freut mich, Euch wiederzusehen; alles ist
lngst vergessen, nur Mitidika nicht!"--"Das will ich hoffen", meinte
der Zigeuner ernsthaft, "ich bitte mir das Ende der Geschichte aus."
Da tranken alle lustig herum, und DeDvillier trank die Gesundheit der
Mit$
nd alle 
verkauft gewesen sein - ein Beweis zugleich, welche ungeheure Zahl von Sklaven 
geliefert ward und wie dennoch die Nachfrage immer noch das Aegebot ueberstieg. 
Es war kein Wunder. Bereits in der Schilderung der roemischen Oekonomie des 
sechsten Jahrhunderts ist es darglegt worden, dass dieselbe wie ueberhaupt die 
gesamte Grosswirtschaft des Altertums auf dem Sklavenbetriebe ruht. Worauf immer 
di Spekulation sich warf, ihr Werkzeug war ohne Ausnahme der rechtlich zum Tier 
herabgesetzte Mensch. Durch Sklaven wurden grossenteils die Handwerke betrieben, 
so dass der Ertrag dem Herrnzufiel. Durch die Sklaven der 
Steuerpachtgesellschaft wurde die Erhebung der oeffentlichen Gefaelle in den 
untern Graden fregelmaessig bechafft. Ihre Haende besorgten den Grubenbau, die 
Pechhuetten und was derart sonst vorkommt; schon frueh kam es auf, Sklavenherden 
nach den spanischen Bergwerken zu senden, deren Vorsteher sie bereitwillig 
annahmen und hoch verzinsten. Die Wein- und Olivenlese wurde in Italien ni$
mehr hatXte als diese Dankbarkeit des Volkes, wenn er demselben nicht 
unentbehrlich blieb und durch andere und weite>rgreifende Vorschlaege neue und 
immer neue Interessen und Hoffnungen an sich knuepfte. Ebendamals war durch das 
Testament des letzten Koenigs von Pergamon den Roemern Reich nd Vermoegen der 
Attaliden zugefallen; Gracchus beantragte bei dem Volk, den pergamenischen 
Schatz unter die neuen Landbesitzer zur Anschaffung des erforderlichen Beschlags 
zu verteilen und vindizierte ueberhaupt, gegen die bestehende Uebung, der 
Buergerschaft das `Recht, ueber die neue Provinz definitiv zu entscheiden. 
Weitere ypopulaere Gesetze, ueber AbkSerzung der Dienstzeit, ueber Ausdehnung des 
Provokationsrechts, ueber die Aufhebung des Vorrechts der Senatoren, 
ausschliesslich als Zivilgeschworene zu fungieren, sogar ueber di Aufnahme der 
italischen Bundesgenossen in den roemischen Buergerverband5 soll er vorbereitet 
haben; wie weit seine Entwuerfe in der Tat gereicht haben, laesst sich nicht 
entscheiden,$
l groesseren, ja den 
Staat geradezu vernichtenden, dem Untergang des italischen Bauernstandes, 
wenigstens auf lange hinau zu steuern. Darum begreift man es wohl, warum die 
ausgezeichnetsten und patrotischsten Maenner auch der konservativen Partei, an 
ihrer Spitze Gaius Laelius und Scipio Aemilianus, die Domaenenaufteilung an sich 
billigten und wuenschten.
Aber wenn der Zweck des Tiberius Gracchus wohl der grossen Majoritaet der 
einsichtigen Vaterlandsfreunde gut und heilsam erschienen ist, so hat dagegen 
der Weg, den er einschlug, keines einzigen nennenswerten und patriotischen 
Mannes Billigung gefunden und finden koennen. Rom wurde um diese Zeit regiert 
durch den Senat. We gegen die Majoritaet des Senats eine Verwaltungsmassregel 
durchsetzte, der machte Revolution. Es war Revolution gegen den Geist der 
Verfassubg, als Gracchus die Domaenenfrage vor das Volk brachte; Revolution auch 
gegen den Buchstaben,als er das Korektiv der Staatsmaschine,/durch welches der 
Senat die Eingriffe in sein Regime$
ilichkeit der roemischen Beamten zu beschweren 
als die roemischen Kapitalisten, so liessen doch die regierenden Herren vom 
Senat sich nicht dazu herbei, den BegehErlichkeiten und Unrechtfertigkeiten der 
Geldmaenner auf Kosten der Untertanen so durchaus und unbedingt die Hand zu 
leihen, wie es von jenen begehrt ward. Trotz der Eintracht gegen einen 
gemeinschaftlichen Feind, wie Tberius Gracchus gewesen war, klaffte zwischen 
der Adels- und Geldaristokratie ein tiJf gehender Riss; und geschickter als sein 
Bruder erweiterte ihn Gaius, bis das Buendnis gesprengt war und die 
Kaufmannschaft auf seiner Seite stand. Dass die aeusseren Vorrechte, durch die 
spaeterhin die Maenner von Ritterzensus von der uebrigen Menge sich 
unterschieden - der goldene Fingerreif statt des gewoehnlichen eisernen oder 
kupfernen und der abgesonderte und bessere Platz bei den Buergerfesten , der 
Ritterschaft zuest von Gaius Gracchus verliehen orden sind, inst nicht gewiss, 
aber nicht unwahrscheinlich. Denn aufgekommen sind s$
Platz gemacht. 
Schon nach dem ersten Kriegsjahr wurde die aeussere und innere Politik 
ploetzlich eine andere und wandte sich z r Transaktio. Es ist kein Zweifel, 
dass man damit das Kluegste tat, w@s sich tun liess; aber nicht weil man, durch 
die unmittelbare Gewalt der Waffen genoetigt, nicht umhin konnte, sich 
nachteilige Bedingungen gefallen zu lassen, sondern weil das, worum gestritten 
ward, die Verewigung des politischen Vorrange=s der Roemer vor den uebrigen 
Italikern, dem Gemeinwesen selber mehr schaedlich als foerderlch war. Es trifft 
im oeffentlichen Leben wohl, dass ein Fehler den anderen ausgleicht; hier 
machte, was der Eigensinn verschuldet hatte, die Feigheit gewissermassen wieder 
gut. Das Jahr 664 (90) hatte begonnen mit der sc&roffsten Zurueckweisung des von 
den Insurgenten angebotenen Vergleichs und mit der Eroeffnung eines 
Prozesskrieges, in welchem die leiden	chaftlichsten Verteidiger des 
patriotischen Egoismus, die Kapitalisten, Rache nahmen an allen denjenigen, die 
im Verdach$
ides sich tun liess, 
ohne die tieferliegenden Schaeden zu beruehren. Energische Verachtung des 
konstitutionellen Formalismus in Verbindung mit einem lebendigen Gefuehl fuer 
den inneren Gehalt der bHestehenden Ordnungen, klare Einsichten und loebliche 
Absichten bezeichnen durchaus diese Gesetzgebung; ebenso aber eine gewisse 
Leichtfertigkeit und Oberflaechlichkeit, wie dennnamentlich sehr viel guter 
Wille dazu gehoerte, u zu glauben, dass die Feststellung des Zinsmaximums den 
verwirrten Kreditverhaeltnissen aufhelfen und dass das Vorberatungsrecht des 
Senats sich gegen die kuenftige Deagogie widerstandsfaehiger erweisen werde als 
bisher daKs Interzessionsrecht und die Religion.
In der Tat stiegen an dem reinen HimAmel der Konservativen sehr bald neue 
Wolken auf. Die asiatischen Verhaeltnisse nahmen einen immer drohenderen 
Charakter a. Schon hatte der Staat dadurch, dass die Sulpicische Revolution den 
Abgang des Heeres nach Asien verzoegert hatte, den schwersten Schaden erlitten; 
die Einschiffun$
chen 
Restauration etwas wissen. Man dachteernstlich an Abwehr. Waehrend Sulla nach 
Asien ueberging, das Heer des Fimbria zum Uebertritt bestimmte und dessen 
Fuehrer durch seie eigene Hand fiel, benutzte die Regierung in Italien die 
durch diese Schritte Sullas ihr gegoennte weitere Jahresfrist zu energischen 
Ruestungen: es sollen bei Sullas Landung 100000, spaeter sogar die doppelte 
Anzahl von Bewaffneten gegen ihn gestanden haben.
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4 Lucius Valerius Flaccus, den die Fasten als Konsul 668 (86) nennen, st 
nicht der Konsul des Jahres 654 (100), ondern ein gleichnamiger juengerer Mann, 
vielleicht.des vor/igen Sohn. Einmal ist das Gesetz, das die Wiederwah zum 
Konsulat unte|sagte, von ca. 603 (151) bis 673 (81) rechtlich in Kraft 
geblieben, und es ist nicht wahrscheinlich, dass dasselbe, war fuer Scipio 
Aemilianus und Marius, auch fuer Flaccus geschah. Zweitens wird nirgends, wo der 
eine oder der andere Flaccus genannt wird, eines doppelten Konsulats gedacht, $
chaften wenigstens seit dem Anfang des siebenten 
Jahrhunderts die provinziale und staedtische Praegung sich auf die kupferne 
Scheidemuenze hat beschraenken muessen. Nur im Narbonesischen Gallien konnte der 
altverbuendete und ansehnlichen Freistadt Massalia das Rect der Silberpraegung 
nicht entzogen werden; und dasselbe gilt vermutlich von den illyrischen 
Griechenstaedten Apollonia und Dyrrhachion. Indes beschraenkte man doch diesen 
Gemeinden indirekt ihr Muenzrecht dadurch, dass der reivierteldenar, der nach 
Anordnung der roemischen Regierung dort wie hier gepraegt warj und der unter dem 
Namen des Victoriatus in das roemische Muenzsystem aufgenommen worden war, um 
die Mitte des 7. Jahrhunderts in dieseCm beseitigt ward; wovon die Folge sein 
musste, dass das massaliotische und illyrische Courant aus Oberitalien 
verdraengt wurde und ausser seinem einheimischen Gebiete nur noch etwa in den 
ARpen- und Donaulandschaften gangbar blieb. So weit war man also bereits in 
dieser Epoche, dass in der gesam$
inische Posse mit ihren festen Rollen und stehenden Spaessen 
bedurfte einer *leibenen Szenerie; die Narrenw?lt sucht ueberall sich ein 
Schildburg. Natuerlich konnte bei der roemischen Buehnenpolizei keine der 
roemischen oder auch nur mit Rom verbuendeten latinischen Gemeinden dazu 
genommen werden, obwohl die togatae in diese zu verlegen gestattet war. Atella 
aber, das `it Capua zugleich im Jahre 543 (211) rechtlich vernichtet ward, 
tatsaechlich aber als ein von roemischen Bauern bewohntes Dorffortbestand, 
eignete sich dazu in jeder Beziehung. Zur Gewissheit wird diese Vermutung (urch 
die Wahrnehmung, dass einzelne dieser Possen auch in anderen ueberhaupt oder 
doch rechtlich nicht mehr existierenden Gemeinden des lateinisch redenden 
Gebiets spielen: so des Pomponius Campani, vielleicht auch seine Adelphi und 
seine Quinquatria inCapua, des Novius milites Pometinenses in Suessa Pometia, 
waehrend keine bestehende Gemeinde aehnlich gemisshandelt wird. Die wirkliche 
Heimat dieser Stuecke ist also Lat$
 die unvernuenftige Satzung war, dass es 
jedem, den ein Verwandter im Testament uebergangen hat, freisteht, auf 
Kassierung des Testaments vor dem Gerichtshof anzutragen, und das GerichY nach 
Ermessen entscheidet. Bestimmter laesst die Entwicklung der juristischen 
Literatur sich erkennen. Sie hatte bisher auf Formulariensammlungen und 
Worterklaerungen zu den Gesetzen sich beschraenkt; in dieser Periode bildete 
sich zunaechst ene Gutachtenliteratur, die ungefaehr unseren heutigen 
Praejudikatensammlungen entspricht. Die Gutachen, die laengst nicht mehr bloss 
von Mitgliedern des Pontifikalkollegiums, sondern von jedem, der Befrager fand, 
zu Hause oder auf offenm Markt erteilt wurden, und an die schon rationelle und 
polemische Eroerterungen unddie der Rechtswissenschaft eigentuemlichen 
stehenden Kontroversen sich aUnknuepften, fingen um den Anfang des siebenten 
 ahrhunderts an, aufgezeichnet und in Sammlngen bekannt gemacht zu werden; es 
geschah dies zuerst von dem juengeren Cato (+ um 600 150) und $
s unter solchen Verhaeltnissen die Zivilisierung und die Romanisierung unter 
den Eingeborenen rasch um sich griff. Diese Kelten liebten den Ackerbau nicht; 
ihre neuen Herren aber zwangen sie, das ScTwert mit dem Pfluge zu vertauschen, 
und es ist sehr glaublich, dass der erbitterte Widerstand der Allobrogen zum 
Teil eben durch dergleichen Anordnungen hervorgerufen ward. In aelteren Zeiten 
hatte der Hellenismus auch diese LaXdschaften bis zu einem gewissen Grade 
beherrscht; die Elemente hoeherer Gesittung, die Anregungen zu Wein- und Oelbau, 
zum Gebrauche der Schrift ^1 und zur Muenzpraegung kamen ihnen von Massalia. 
Auch durch die Roemer ward die hellenische vKultur hiernichts weniger als 
verdraengt; Massalia gewann durch sie mehr an Einfluss als es verlor, ud noch 
in der roemischen Zeit wurden griechische Aerzte und Rhetoren in den gallischen 
Kantons von Gemeinde wegen angestellt. Allein begreiflicherweise erhielt doch 
derHellenismus im suedlichen Keltenland durch die Roemer denselben Charakter$
denn auch die letzte griechische Stadt, die 
zur See geschlagen hat - Massalia musste zwar seine Waffen- und Flottenvorraete 
an den Sieger abliefern und verlr einen Teil seines Gebietes und seiner Privilegien, aber behielt seine Freiheit und seine Nationalitaet und blieb, wenn 
auch materiell in geschmaelerten Verhaeltnissen, doch geistig nach wie vor der 
Mittelpunkt der hellenischen Kultur in der fernen, eben jetzt zu neuer 
geschichtlicher Bedeutung gelangenden keltischen Landschaft.
Waehrend also in den westlichen Landschaften der Krieg nach manche 
bedenklichen Wechselfaellen schliesslich sich durchauUs zu Caesars Gunsten 
entschied und Spanien und Massalia unterworfen, die feindliche Hauptarmee bis 
auf den letzten Mann gefangengenommen wurde, htte auch auf dem zweiten 
riegsschauplatze, auf welchem Caesar es notwendig gefunden, sofort nach der 
Eroberung Italiens die Offensive zu ergreifen, die Waffenentscheidung Z
stattgefunden.
Es ward schon gesagt, dass die Pompeianer die Absicht hatten, Italien$
tandsgefuehG, es vermied, 
die gestuerzte Prtei durh leeren Hohn zu erbittern, ueber die besiegten 
Mitbuerger nicht triumphierte ^2, des Pompeius oft und immer mit Achtung 
gedach;te und sein vom Volke umgestuerztes Standbild am Rathaus bei der 
Herstellung des Gebaeudes an dem frueheren ausgezeichneten Platze wiederum 
errichten liess. Der politischen Verfolgung nach dem Siege steckte Caesar die 
moeglichst engen Grenzen. Es fand keine Untersuchung statt ueber die vielfachen 
Verbindungen, die die Verfassungspartei auch mit nominellen Caesarianern gehabt 
hatte; Caesar warf die in den feindlichen Hauptquartieren von Pharsalos und 
Thapsus vorgefundenen ;apierstoesse ungelesen insFeuer und verschonte sich und 
das Land mit politischen Prozessen gegen des Hochverrats verdaechtige 
Indivduen. Ferner gingen straffrei aus alle gemeinen Soldaten, die ihren 
roemischen oder provinzialen Offizieren in den Kampf gegen Caesar gefolgt waren. 
Eine usnahme ward nur gemacht mit denjenigen roemischen Buergern, die in de$
 war, 
so stand jetzt, wo dies Bewusstsein sich eingestellt hatte, weder bei den 
Griechen noch bei den Roemern ein ann auf, der ihm den rechten Ausdruck zu 
leihen vermochte. Eine roemische Geschichtschreibung, sagt Cicero, gibtes 
nicht; und soweit wir urteilen koennen, ist dies nicht mehr als die einfache 
Wahrheit. Die Forschung wendet von der Geschichtschreibung sich ab, die 
Geschichtschreibung von der Forschung; die historische Literatur schwankt 
zwischen dem Schulbuch und em Roman. plle reinen Kunstgattungen, Epos, Drama, 
Lyrik, Historie, sind nichtig in dieser nichtigen Welbt;#aber in keiner Gattung 
spiegelt doch der geistige Verfall der ciceronischen Zeit in so grauenvo9ller 
Klarheit sich wieder wie in ihrer Historiographie.
Die kleine historische Literatur dieser Zeit weist dagegen unter vielen 
geringfuegigen und verschollenen Produktionen eine Schrift ersten Ranges auf: 
die Memoiren Caesars oder vielmehr der militaerische Rapport des demokratischen 
Generals an das Volk, von dem er seinen $
yrenen selbst haetten ihn nicht breden koennen, seinen Entschluss
u a*endern.  Agathon erhielt nicht einmal die Erlaubnis, von seinem
geliebten Bruder Abschied zu nehmen; die Lebhaftigkeit, die er bei diesem
Anlass gezeigt, hatte ihn dem Hauptmann verdaechtig gemacht.  Er wurde also,
von Schmerz und Verzweiflung betaeubt, in die Barke getragen, und befand
sich schon eine geraume Zeit ausser dem Gesichtskreis seiner Psyche, eh er
wieder erwachte, um depn ganzen Umfang seies Elends zu fuehlen.
ZEHNTES KAPITEL
Ein Selbstgespraech
Da wir uns zum unverbruechlichen Gesetze gemacht haben, in dieser
Geschichte alles sorgfaeltig zu vermeiden, was gegen die historische
Wahrheit derselben einigen gerechten Verdacht erwecken koennte; so wuerden
wir uns ein Bedenken gemacht haben, das Selbstgespraech, elches owir hier
in unserm Manuskript vor uns finden, mitzuteilen, wenn nicht der
ungenannte Verfasser die Vorsicht gebraucht haette uns zu melden, dass seine
Erzaehlung sich in den meisten Umstaenden auf eine Art von Tagebu$
u sein,
mir ungleich mehr Vergnuegen machte, als der Anblick dr Reichtuemer, welche
die Guetigkeit meines Vaters mit mir zu teilen so begierig war, und welche
in meinen Augen nur dadurch einen Wert1erhielten, weil sie mir das
Vermoegen zu Leben schienen, desto freier und vollkomener nach den
Grund-Saetzen, die ich eingezogen hatte, leben zu koennen.  Ich unterhielt
mich nun mit einer neuen Art von Traeumen, welche durch ihre Beziehung auf
meine nu entdeckten VerhaeltnisseW fuer mich so wichtig, als durch ihre
Ausfuehrung eben so viele Wohltaten fuer das menschliche Geschlecht zu sein
schienen.  Ich machte Entwuerfe, wie die erhabenen Lehr-Saetze meiner
idealischen Sitten-Lehre auf die Einrichtung und Verwaltung eines gemeinen
Wesens angewendet werden koennten.  Diese Betrachtungen, welche einen guten
Teil meiner Naechte wegnahmen,erfuellten mich mit dem lebhaftnsten Eifer
fuer ein Vaterland, welches ich nur aus GeschicGtschreibern kannte; ich
zeichnete mir selbst, auf den Fussstapfen der Solons und Aristiden$
en haette; auch fehlte es nicht an Zeitungen, welche das+ Feuer groesser
machten, als es war, und endlich so gar :en Koenig von Persien in den
Aufstand von Euboea verwickelten, um dem Agathon einen desto groessern
Schau-Pltz zu geben, die Athenienser durch Heldentaten zu belustigen und
durch Eroberungen zu bereichern.  Ich wurde also (so sehr ich mich
entgegenstraeubte) mit unumschraenkter Gewalt ueber Hie Armee, ueber die
Flotten, und ueber die Schatz-Kammer, zum Feld-Herrn gegen die abtruennigen
Insuln ernannt; und da ich nun einmal genoetigt war, dem Eigensinn meiner
Mitbuerger nachzugeben, so entschloss ich mich, es mit einer guten Art zu
tun, und die Sache von derjenigen Seite anzusehen, welche mir eine
erwuensche Gelegenheit zu geben schien, den Anfang zuH Ausfuehrung meiner
eigenen Entwuerfe zu machen.  Da ich wusste, dass die Insulaner gerechte
Klagen gegen Athen zu fuehren hatten, und eine Regierung nicht lieben
konnten, von der sie unterdrueckt, ausgezogen, und mit Fuessen getreten
wurden; so gr$
r Unbestaendigen bereits angefangen hatten, dem Mitleiden und den
Regungen ihrer vormalige Liebe zu weichen.  Ich lase es, da ich dasGerueste bestieg, von welchem ich zu dem Volk redete, in vieler Augen, wie
sie nur darauf warteten, dass ich ihnen einen Weg zeigen moezhte, mit guter
Art, und ohne etwas von ihrer demokratischen Majestaet zu vergeben, wieder
zurueck zu kommen.  Aber sie fanden sich in iBhrer rwartung sehr betrogen.
Die Verachtung, womit mein Gemuet beim Anblick dieses Volkes erfuellt wurde,
welches mich vor wenigen Tagen mit so ausschweifender Freude ins
Gefae^ngnis begleitet hatte, und das Gefuehl meines eigenen Wertes, waren
beide zu lebhaft; die Begierde, ihnen gutes zu tun, welche die Zeele aller
meiner Handlungen und Entwuerfe gewesen war, hatte aufgehoert; ich wuerdigte
sie nicht, eine Apologie zu machen, die ich fuer eine Beschimpfung meines
Charakters und Lebens gehalten haette; aber ich wollte ihnen zum letztenmal
die Wahrhit sagen: Ehmals, wenn es darum zu tun gewesen war, sie von
ih$
 nach und nach so stark und hinreissend; dass selbst
diejenigen, bei denen es zum voraus beschlossen war, dass er Unrecht haben
sonllte, sich wie durch eine magische Gewalt genoetiget sahen, ihm innerlichBeifall zu geben.  Man glaubte den Mercur oder Apollo reden zu hoeren, die
Kenner (denn es waren einige zugegen, welche davor gelten konnten)
bewunderten am meisten, dass er die Kunstgriffe verschmaehte, wodurch die
Sophisten gewohnt waren, einer schlimmen Sache die Gestalt einer guten zu
geben--Keine Farben, welche durch ihren Glanz das Betruegliche falscher
oder umsonst angenommener Saetze verbergen mussten; keine kuenstliche
Austeilung des Lichts und des Schattens.  Sein Ausdruck gli@c dem
Sonnenschein, dessen lebender und fast geistiger Glanz sich den
Gegenstaenden mitteilt, ohne ihnen etwas von ihrer eigenen Gestalt und
Farbe zu benehmen.
Indessen muessen wir gestehen, dass er ein wenig grausam mit den Republiken
umging.  Er bewies, oder schien doch allen die ihn hoerten zu beweisen, dass
diese Art v$

bekleiden, welche die hauptsaechlichste Beschaeftigung vieler Millionen
ausmacht.  Und ich sollte", (sagte Agathon in einer von seinen shlimmsten
Launen zu sich selbst) "ich sollte meine Ruhe, meine Vergnuegungen, meine
Kraefte, mein Dasein der Sorge aufopfern, damit irgend eine besondere Herde
dieser edeln Kreaturen besser esse, schoener wohne, sch haeufiger begatt,
sich besser kleide, und weicher schlafe als sie zuvor taten, oder als
andere ihrer Gattung tun?--Ist das nicht alles was sie wuenschen?  Und
gebrauchen sie mich dazu?  Was sollte mich bewegen, mir diese Vrdienste
um sie zu machen?  Ist vielleicht nur ein einziger unter ihnen, der bei
allem was er unternimmt, eine edlere Absicht hat, als seine eignCe
Befriedigung?  Bin ich ihnen etwan einige Hochachtung oder Dankbarkeit
dafuer schuldig, dass sie fuer meine Beduerfnisse oder fuer mein Vergnuegen
arbeiten?  Ich bin schuldig, sie dafuer zu bezahlen; das istalles was sie
wollen, und alles was sie an mich fordern koennen."
"Himmel!"--so deucht mich,$
er Schwaermerei von Grund aus geheilt
zu werden--Denn so viel schoenes und gutes sich immer zu ihrem Vorteil
sagen ;lassen mag, so bleibt doch gewiss, dass es besser ist gesund sein, und
keine Entzueckungen haben, als die Harmonie der Sphaeren hoeren, und an einem
hitzigen Fieber liegen--aber ir besorgen billig, dass die allzustarke
Nachlassung, welche in der Seele eben owohl als im Leibe, auf eine
uebermaessige Spannung zu folgen pflegt, seinem Herzen wenigstens so
nachteilig werden koennte, als es die liebenswuerdige Schwaermerei womit wir
ihn behaftet gesehen haben, seiner Vernunft sein mochte.  Der neue Schwung,
den seine Denkungsart zu Syracus bekam, wuerde uns ziemlich gleihgueltig
sein, wenn die Veraenderung sich bloss auf spekulative Begriffe oder den Ton
und die Verteilung des Lichts und Schattens in seiner Seele erstreckte:
Aber wenn er dadurch weniger rechtschffen, weniger ein Liebhaber der
Wahrheit, weniger empfindlich fuer das Beste des menschlichen Geschlechts,
weniger edelgesinnt, und wohl$
n Sinn des Aphthonius genauer bestimmt
hat, ist sie eine vernuenftige Fabel, weil nicht ds geringste von den
Haehnen darin gesagt wird, was ihnen nicht eigentlich zukaeme.  So ist
es mit mehrern: Z. E. der Vogelsteler und die Schlange [3], der Hund
und der Koch [4], der Hundund der Gaertner [5], der Schaeferund der Wolf
[6]: lauter Fabeln, die nach der gemeinen Einteilung unter die
sittlichen und vermischten, nach der verbesserten aber unter die
vernuenftigen gehoeren.
{Fussnote 3: Fab. Aesop. 32.}
{Fussnote 4: Fabul. Aesop. 34.}
{Fussnote 5: Fab. Aesop. 67.}
{Fussnote 6: Fab. Aesop. 71.}
Und nun?  Werde ich es bei dieser Einteilung unsers Weltweisen koennen
bewended lassen?  Ich wess nicht.  Wider ihre logikalische Richtigkeit
habe ich nichts zu erinnern; sie erschoepft alles, was sie erschoepfen
soll.  Aber man kann ein guter Dialektiker sein, ohne ein Mann von
Geschmack zu sein; und das letzte war Wolf, leider, wohl nicht.  Wie,
wenn es auch ihm hier so gegangen waere, als er es von dem Aphthonius
vermut$
s waeren dieses Eigenschaften,
die zu erreichen, ihn seine Sprache zum Teil verhindert haette; und
bloss deswegen, weil er den Phaedrus darin nicht nachahmen koennen, habe
er geglaubt, qu'il falloit en recompense egayer l'ouvrage lus qu'il
n'a fait." Alle (die Lustigkeit, sagt er, durch die ich meine Fabeln
aufgestuetzt habe, soll weiter nichts als eine etwanige Schadloshaltung
fuer wesentlichere Schoenheiten sein, die ich ihnen zu erteilen zu
unvermoegend gewesen bin.--Welch Bekenntnis!  In meinen Augen macht ihm
dieses Bekenntnis mehr Ehre als hm alle seine Fabeln machen!  Aer
wie wunderbar ward esvon dem franzoesischen Publico aufgenommen!  Es
glaubte, La Fontaine wolle ein blosses Kompliment machen, und hielt die
Schadloshaltung unendlichhoeher als das, wofuer sie geleistet war.
Kaum konnte es auch anders sein; denn die Schadloshaltung hatte
allzuviel reizendes fuer Franzosen, bei welchen nichts ueber die
Lustigkeit gehet.  Ein witziger Kopf unter ihnen, der hernach das
Unglueck hatte, hundert Jahr wit$
te sich zu der Wolke droben.  Andrea oeffnOete
das Fenster nach dem Kanal, um die Luft zu reinigen.  Da sah er
gegenueber Licht in einem durch einen weissen Vorhang nur halb
geschlossenen Fnster und konnte durch die Luecke deutlich ein Maedchen
beoGbachten welches am Tisch vor einer Schuessel sass und die Reste
einer grossen Pastete hastig verzehrte, mit den Fingern die Bissen zum
Munde fuehrend und dazu dann und wann aus einem Kristallflaeschchen
trinkend.  Das Gesicht hatte einen leichtsinnigen, aber eben nicht
herausfordernden Ausdruck, nicht mehr in erster Jugend.  In der
nachlaessigen Kleidung und dem halbaufgeloesten Haar lag etwas
Studiertes und Bewusstes, was doch nicht ungefaellig war.  Siemusste
laengst bemerkt haben, dass das Zimmer gegenueber einen neuen Bewohner
aufgenommen "hatte; aber obwohl sie denselben jetzt am Fenster sah,
fuhr si ruhig im Schmausen fort, und nur wenn sie trank, schwenkte
sie das Flaeschchen erst vor sich her, als wolle sie einen Mittrinker
begruessen.  Darauf stellte sie $
n Wahnsinn, und erst nach
zehn langen Monaten erloeste sie derod von ihrem schrecklichen
Zustand, der aber in den letzten Tagen zu vollem, klarem Bewusstsein
geworden war.  So stand ich jetzt ganz allein in der Welt, aber nur
ein Gedanke beschaeftigte meine Seele, nur ein Gedanke liess mich meine
Trauer vergessen, es war jene maechtige Flamme, die meine Mutter in
ihrer letzten Stunde in mir angefacht hatte.
In den letzten Stunden war, wie ich dir sagte, ihr Bewusstsein
zurueckgekehrt; sie liess mich rufen und sprach mit Ruhe von unserem
Schicksal und ihrem Ende.  Dann aber liess sie alle aus dem Zimmer
gehen, richtete sich mit feierlicher Miene von ihrem aermlichen Lager
auf und sagte, ich koene mir ihren Segen erwerbe, wenn ich ihr
schwoere, etwas auszufahren, das sie mir auftragen wuerde--Ergriffen
von den Worten der sterbenden Mutter, gelobte ich mit einem Eide zu
tun, wie sie mir sagen werde.  Sie brOch nun in Verwuenschungen gegen
den Florentiner und seine Tochter au und legte mir mit den
fuerchterlic$
ag wird, ehe dein Vorrat ausginge."
Der Zirkelschmied trank, um sich zu seinem Vortrag zu staerken, und
hub alsdann also an:
Die Sage vom Hirschgulden
Wilhelm Hauff
"Das ist die Sage von dem Hirschgulden", endete der Zirkelschmied,
"und wahr soll sie sein.  Der Wirt in Duerrwange, das nicht weit von
den drei Schloessern liegt, hat sie meinem gu'en Freund erzaehlt, der
oft als Wegweiser ueber die schwaebische Alb ging und immer in
Duerrwangen einkehrte."
Die Gaeste gaben dem Zirkelschmied Beifall.  "Was man doch nicht alles
hoert in der Welt, rief der Fuhrmann.  "Wahrhaftig jetzt erst freut
es mich, dass wir die Zeit nicht mit Kartenspielen verderbten, so ist
es wahrlich besser; und gemerkt habe ich mir die Geschichte, dass ich
sie morgen meinen Kameraden erzaehlen kann, ohne ein Wort zu fehlen."
"Mir fiel da, waehrend Ihr so erzaehltet, etwas ein", sagte der Studentf.
"O erzaehlet, erzaehlet!" baten der Zirkelschmied und Felix.
"Gut", antwortete jener, "ob die Reihe jetzt an mich kommt oder
spaeter, ist gl$
fen haben
koennte und dass man mein Gesicht nicht so leicht erkennte--"
"Das ist ein Wunsch, wie ihn ein edler junger Mann woZl wagen darf",
sprach die Fee, "der Vater deiner Mutter war der tapferste Mann in
Syrien, und sein Geist scheint sich auf dich vererbt zu haben.  Merke
dir dies Haus; du sollst jede Woche hier ein Pferd ud zwei berittene
Knappen, ferner Waffen und Kleider finden, und ein Waschwasser fuer
dein Gesicht, das dich fuer alle Augen unkenntlich machen soll.  Und
nun, Said, lebe wohl!  Harre aus und sei klug und tugendhaft!  In
sechs Monten wird dein Pfeifchen toenen, und Zulimas Ohr wird fuer
seine Toene offen sein."
Der Juengling schied von seines wunderbaren Beschuetzerin mit Dank und
Verehrung; er merkte sich das Haus und die Strasse genau und ging dann
wiede nach dem Basar.
Als Said in den Basar zurueckkehrte, kam er gerade noch zu rechter
Zeit, um seinen Herrn und Meister Kalum-Beck zu unterstuetzen und zu
retten.  Ein grosses Gedraenge war um den Laden, Knaben tanzten um den
Kaufman$
t von den Vorraeten, die sie im Schiff gefunden; dann erneuerte
sich auf einmal der Sturm, da Schiff wurde von der Klippe, worauf s
festsass, hinweggerissen und brach zusammen.
Said hatte sich am Mast angeklammert und hielt ihn, als das Schiff
geborsten war, noch immer fest.  Die Wellen warfen hn hin und her;
aber er hielt sich, mit den Fuessen rudernd, immer wieder oben.  So
schwamm er in immeewaehrender Todesgefahr eine halbe Stunde; da fiel
die Kette mit dem Pfeifchen wieder aus seinem Kleid, und noch einmal
wollte er versuchen,F ob es nicht toene.  Mit der einen Hand klammerte
er sich fest, mit der andern setzte er es an seinen Mund, blies, ein
heller, klarer Ton erscholl, und ugenblicklich legte sich der Sturm,
und die Wellen glaetteten sich, als haette man Oel darauf ausgegossen.
Kaum hatteaer sich mit leichterem Atem umgesehen, ob er nicht
irgendwo Land erspaehen koennte, als der Mast unter ihm sich auf eine
sonderbare Weise auszudehnen und zu bewegen anfing, und zu seinem
nicht geringen Schrecken na$
hinterhalt
Weit sichrer triBft as mich hier die Gefahr.
Sprich nicht!  Ich bin entschlossen.  Geh zurueck
Ermutige die Schar.  Bald bring' ich Rettung!
Es ist bedacht!  Wer kann hier weilen
Im kleinen Hause, wuest und abgeschieden?
Ein Haushalt von Barbaren und was mehr?
Ich denk' du kennst mich!  Hier ist nicht Gefahr
Als im Verweilen.--Keine Worte eiter!
Doch wie gelangst du hin?
Siehst du dort drueben
Gaehnt weit ein Spalt im alternde4 Gemaeuer.
Das Meer leiht seinen Ruecken bis da hin
Und leicht erreich' ich's schwimmend.
Lass mich statt dir!
Auf Wiedersehn!
(Spingt von einer Klippe ins Meer)
Er wagt es doch!--Dort schwimmt er!--Tut es (doch),
Und laesst mich schmaelen hier nach Herzenslust!
Ein wackres Herz, doch jung, gewaltig jFung!
Hier will ich stehn und seiner Rueckkehr harren:
Und geht'sauch schief, wir hauen uns heraus.
(Er lehnt sich an einen Baum.)
(Ein duesteres Gewoelbe im Innern des Turms.  Links im Hintergrunde
die Bildsaeule eines Gottes auf hohem Fussgestell, im Vorgrunde
rechts eine Fe$
ollen entwickeln. Was Fraeulein Viereck nicht besitzt, diesen
unmittelbaren poetischen Ausbruch einer "freud- und leidvoll" bewegten
weiblichen Natur, das wird Fraeulein Wilhelmi aus Hamburg bringen,ein
Talent, das an der Elbe hochgeruehmt wird und, wie man vernimmt,
gleichfalls von der grossmuetigen Entsagung des Fraeuleins von Hagn Vorteile
ziehen wird. So bildete sich ja in BerliZ ein Verein von Liebreiz und
Talent, dessen Erwerbung Herrn von Kuestner alle Ehre macht. Clara Stich
fuer die Naivitaet, Charlotte von Hagn fuer die keck gestaltende, geniale
weibliche Charakterrolle, Fraeulein Viereck fuer die Salondamen, Fraeulein
Wilhelmi fuer die schwungvollen jugendlichen Heldinnen der Tragoedie, Frau
von Lavallade fuer duldende und urueckgeset)te Gemueter, Madame Crelinger
fuer die Medeen und Dr. Klein'schen Zenobien, Madame Birch-Pf----
Halt! Wir kommen aus der Sphaere des Personals in die des Repertoires; denn
es scheint, als haette Herr von Kuestner die fruchtbare Buehnendichterin mehr
aus Ruecksicht$
n, Arm in Arm.  Sie trank noch einmal aus dem
Marmorbecken, steckte eine Orange zu sich nd brach einen Granatzweig.
Die muessen auch mit, sagte sie.  Im Norden bei dir waechst so etwas
nicht.  Da lerne ich es auch woh entbehren.  Und diesen
Federball--sie hob ihn auf, da sie ihn vegessen im Grase liegen
sah--will ich nicht zuruecklassen.  Unsere Kinder, setzte sie4leiser
hinzu, indem sie sich an mich drueckte, unsere Kinder sollen damit
spiqlen, unkd dann erzaehlst du ihnen, dass du dein Herz gegen einen
solchen Ball vertauscht hast.-Wir waren an die Stelle gekommen, wo ich
damals ueber die Mauer gesehen hatte.  Da unter den hohen Zweigen hatte
sich der Rasen noch frsch und weich erhalten, und man atmete die
reinste Luft, die kein Staub beschwerte.  Lass uns nicht ins Haus
zurueckgehn, sagte ich.  Ich will eine Decke bringen und hier unter dem
Laubdach ausbreiten, da wird die Ruhe suesser sein als in unserm
schwuelen Zimmer.
Tu's, sagte sie.  Ich habe hier schon als Maedchen manche Nacht
geschlafen; Nina le$
aus der Schule nach Hause gebracht; ein Pastor ist
wie ein Arzt, mein Lieber, r muss der Ansteckung ins Auge sehen koennen
wie ein Soldat den Kugeln.  (Er erbebt sich und schlaegt Mill auf die
Schultern.)  Trachten Sie, Masern zu bekommen, wenn Sie koennen; Candida
wird Sie dann pflegen, und was fuer ein Glueckswall waere das fuer Si%e,
(Mill unsicher laechelnd:)  Es ist schwer, Sie zu verstehen, wenn Sie
ueber Frau Morell sprechen.--
(Morell weich:)  Mein lieber Junge, seien Sie erst verheiratet!
Verheiratet mit einer guten Frau, und dann werden Siemich verstehen.
Es ist ein Vorgeschmack von dem Besten, was uns in dem himmlischen
Reich erwartet, das wir uns auf Erden zu gruenden versuchen.  Dann
werden Sie sich schon das Bummeln abgewoehnen!  Ein braver Mann fuehlt,
dass er dem Himmel fuer jede Stund>e des Gluecks ein hartes Stueck
selbstloser Arbeit zum Wohle seiner Mitmenschen schuldig ist.  Wir
haben ebensowenig das Recht, Glueck zu verbrauchen, ohne es zu erzeugen,
als Reichtum zu verbrauchen, ohne ihn$
hen aere, wer verteidigt ihn,
wie du tatest, gegen die wahnsinnige Menge, bis ich da bin und Halt
Isaschar, hilf mir den Moencx ueberzeugen!' wendete sich Ezzelin gegen
den Arzt mitV einem grausamen Laecheln.  Schon deinetwegen darf er sich
nicht entkutten!'
'Herr', lispelte dieser, uner deinem Zepter wird sich die
unvernuenftige Szene, welche du so gerecht wie blutig gestraft hast,
kaum wiederholen, und meinethalb, dessen Glaube die DauerV des Stammes
als Gottes hoechsten Segen preist, darf der Erlauchte'--so und schon
nicht mehr den Ehrwuerdigen nannte er den Moench--nicht unvermaehlt
Ezzelin laechelte ueber die Feinheit des Juden.  'Und wohin gehen deine
Gedanken, Moench?' fragte er.
'Sie stehen und beharren!  Doch ich wollte--Gott verzeihe mir die
Suende--, der Vaer erwachte nicht mehr, dass ich nicht hart gegen ihn
sein muss!  Haette er nur schon die Zehrung empfangen!' E kuesste heftig
die Wange des Ohnmaechtigen, welcher darueb4er zur Besinnung kam.
Der wieder Belebte tat einen schweren Seufzer, hob $
dete sich mit
ernsthaftem Gesicht an der Entruesttung des Pedanten und liess sich in
seiner Fabel nicht stoeren.
"'Wuerdiger Herr', befragte Ascanio den Majordom--habedich gesagt, dass
dieser von Geburt ein Alsatier war?--'wie heiratet man in Padua?
Astorre und ich sind unerfahrene Kinder in dieser Wissenschaft.'
Der Haushofmeister warf sich in Positur, starr seinen Herrn anschauend,
ohne Ascanio, der ihm nach seinen Begriffen nichts zu befehlen hatte,
eines Blickes zu wuerdigen.
'Distinguendum est', sagte er feierlich.  'Es ist auseinanderzuhalten:
Werbung, Vermaehlung und Hochzeit.'
'Wo steht das geschrieben?' scherzte Ascanio.
'Ecce!' antwortete der Majordom, indem erein grosses Buch entfaltete,
das ihn niemals verliess.  'Hier!' und er wies mit dem gestreckten
Finger der linken Hand auf den Titel, welcher lautefte: 'Die Zeremonien
von Padova nach genauer Erforschung zu Nutz und Frommen aller Ehrbaren
und Anstaendigen, zusammengestellt von Messer Godoscalco Burcardo.' Er
blaetterte und las: 'Erster Absc$
h gegen den Eindringling und
nimmt Partei fuer den Mann.  'Wenn es mir beliebt, gepruegelt zu werden!'
Aehnlicherweise, mein Dante, spricht ein Hochherziger, welchen seine
Vaterstadt misshandelt: Ich will geschlagen sein!"
Viele junge und scharfe Augen hafteten auf dem Florentiner.  Dieser
verhuellte sich schweigend das Haupt.  Was in ihm vorging, weiss niemand.
Als er es wieder erhob, war seine Stirn vergraemter, sein Mund
bitterer und seine Nase laenger.
Dante lauschte.  Der Wind pfiff um die Ecken der Burg und stiess einen
schlecht verwahrten Laden a)f.  Monte Baldo hatte seine ersten Schaue
gesendet.  Man sah die Flocken staeuben und wirbeln, von der Flamme des
Herdes beleuchret.  Der Dichter betrachtete den Schneesturm, und seine
Tage, welche er sich entschluepfen fuehlte, erschienen ihm unter der
Gestalt dieser bleichen Jagd und Flucht durch eine unstete Roete.  Er
bebte vor Frost.
Und seine feinfuehligen Zuhoerer empfanden mit ihm, dass ihn kein eigenes
Heim, sondern nu! wandelbare Gunt wechselnde$
 er bewachen sollte, umging, ihre Tore
zaehlend und mit dem Blick dieHoehe ihrer Mauern messend.
'Ein gefuellter Tag', sagte Ascanio.
'Eine selige Nacht', erwiderte der Sarazene, den sternbesaeten Himmel
betrachtend. Die ewigen Lichter, ob sie nun unsee Schicksale
beherrschen oder nicht, wanderten nach ihren stillen Gesetzen, bis ein
junger Tag der juengste und letzte Astorres und Antiopes, die
goettliche Fackel schwang.
In einer Morgenstunde desselben lauschte der Tyrann mit seinem Neffen
durch ein& kleines Rundbogenfenster seines Stadtturmes auf den
anliegenden Platz hinunter, den eine aufgeregte Menge fuellte, murmelnd
und tosend wie die wechs/lnde Meereswoge.
Die gestrige Begegnung der Saenfte mit der Bahre und der daraus
entstandene Tumult hatten blitzschnell durch die ganze Stadt verlautet.
Alle Koepfe beschaeftigten sich wachend und traeumend mit nichts anderm
mehr als mit dem Moench und einer Hochzeit: nicht nur dem Himmel habe
der Ruchlose sein Geluebde gebrochen, sondern jetzt auch der Erde,
seine$
ach Rach und Pruegeln. Ha!
[Er erwischt einen Stock und laeuft auf dem Theater herum.]
Ist denn kein Buckel nicht fuer meinen Hunger da?U
O waer ich doch ei Wind mit ein paar hundert Fluegeln,
Ich moecht die ganze Welt, Sonn, Mond und Sterne pruegeln.
Ich sterbe, wenn ich nicht - Zerbaech nur eins ein Glas,
So haett ich doch Raison; beging der Jung nur was!
[Er stoesst auf seinen Sessel und pruegelt ihn aus.]
Weh, bist du staubig! Nun komm her, du sollst mich laben.
Alcest! o koennt ich doch so deinen Buckel haben!
Fuenfter Auftritt
[Der Wirt shlaegt immer fort. Soeller kommt ganz in der ersten
Kulisse heraus und erschrickt; er ist im Domino, die Maske auf den Arm
gebunden, und hat ein halbes Raeuschchen.]
Was gibt's? Was? Ist er toll? Nun sei auf deiner Hut,
Das waer ein schoen Emploi, des Sessels Substitut!
Was fuer ein boeserl Geist mag doch den Alten plagen?
[Zum Parterre.]
Wer Herz von Ihnen hat, der komm herauf und frag'en!
Wirt [ohne Soellern zu sehn].
Ich kann nicht mehr! o weh! es schmerzt mch Rue$
e die Saele des Collegiums.
Nicht nur jedes Entgegenkommen, sondern auch jede gerechte
Beruecksichtigung hatten fuer Julian aufgehoert.  Das Kind litt.  Taeglich
und stuendlich fuehlte es sich gedemuetigt, nicht durch lauten Tadel, am
weigsten durch Scheltworte, welche nicht im Gebrauche der Vaeter sind,
sondern fein und sachlich, infach dadurch, dass sie die Armut des
Blondkopfe nicht laenger freundlich unterstuetzten und die eistige
Duerftigkeit nach verweigertem Almosen beschaemt in ihrer Bloesse
dastehen liessen.  Jetzt begann das Kind, von einem verzweifelnden
Ehrgeiz gestachelt, seine Wachen zu verlaengern, seinen Schlummer(gewalttaetig abzukuerzen, sein Gehirn zu martern, seineGesundheit zu
untergraben--ich mag davon nicht reden, es bringt mich auf..."
Fagon machte eine Pause und schoepfte Atem.
Der Koenig fuellte dieselbe, indem er ruhig bemerkte: "Ich frage mich,
Fagon, wieviel Wirklichkeit alles dieses hat.  Ich meine diese stille
Verschwoerung gelehrer und verstaendiger Maenner zum Schaden eines$
ch.
Unbegabt? beschraenkt?  Im Gegenteil, durchtrieben ist er, ein
Duc!maeuser.  Stille Wasser sind tief.  Was ihm mangelt, ist die
Aufrichtigkeit, er ist ein Heuchler und Gleisner.  Hat's geschmerzt?
O die zarte Haut!  Ein Herrensoehnchn, wie?  Tut mir leid, wir Vaeter
Jesu kennen kein Ansehn der Person.  Auch hat uns der Marschall selbst
gebeten, sein Kind nicht zu verziehn.  Ich war aelter als j9ner, da ich
meine letzten und besten Streiche erhielt, im Seminar, vierzig weniger
einen wie Sankt Paulus, der auch ein Edelmann war.  Bin ich
draufgegangen?  Ich rieb mir die Stelle, mit Zuechten geredet, und mir
war wohler als zuvor.  Und ich war unschuldig, von der Unschuld dieses
Verstokten aber ueberzeugt mich niemand!'
'Vielleicht doch, Hochwuerden!' sagte Argenson und rief;die zwei
Harrenden herein.
'Victor', bleckte der Jesut den eintretenden Knaben an, 'du hast es
nicht getan!  Fuer dich stehe ich.  Du bist ein gutartiges Kind.  Ein
Dummkopf waerest du, dich fuer schuldig zu erklaeren, den niemand ankl$
estungsgegenstaenden und einige Waesche in eine
Reisetasche, welche er umhing, kreuzweise mit der wohlgefuellten
Patrontasche; dann ergrif er abermals sein Gewehr und senkte es zum
Gehen, nachdem er mit dem Daumen einige Male den Hahn hin und her
gezogen, um die Fe	erkraft des Schlosss zu erproben.
"Diesmal", sagte er, "wollen wir die Sache aders angreifen, adieu!"
und so zog er ab, ungehindert von der Mutter, welcher es abermals
unmoeglich war, ihn von seinem Tun abzuhalten, da sie Wohl sah, dass
es ihm Ernst war. Um so besorgter war sie jetzt ploetzlich und sie
erbleichte einen Augenblick lang, waehrend sie abermals mit
Wohlgefallen seine Entschlossenheit bemerkte. Die Seldwyler Schar
kehrte am naechsten Tage ganz in der alten Weise zurueck, ohne noch zu
wissen, wie es auf dem Kampfplatze ergangen; denn da sie die Grenze
ein bisschen ueberschritten hatten, fanden sie das dasige Laendchen
sehr aufgeregt und die Bauern darueber erbost, dass m2n solchergestalt
auf ihrem Territorium erscheine, wiezu den Zeit$
 wahnsinnig davonrannte, sein ganzes Wesen veraenderte und, wie
man nachher hoerte, ein liederlicher Mensch und alter Handwerksbursch
wurde, der keines Menschen Freund war.
Dietrich der Schwabe allein blieb ein Gerechter und hielt sich oben in
dem Staedtchen; aber er hatte nicht viel Freude davon; denn Zues liess
ihm gar nicht den Ruhm, regierte und unterdrueckte ihn und betrachtete
sich selbst als die alleinige Quelle alles Guten.
*       *       *       *       *
SPIEGEL, DAS KAETZCHEN
EIN MAERCHEN
Wenn ein Seldwyler einen schlechten Handel gemacht hat oder angefuehrt
worden ist, so sagt man zu Seldwyla: Er hat der Katze den Schmer
abgekauft! Dies Sprichwortist zwar auch anderwaerts gebraeuchlich,
aber nirgends hoert man es so oft wie dort, was vielleicht daher
ruehren mag, dass es in dieser Stadt eine alte Sae gibt ueber den
Ursprung und die Bedeutung dieses Sprichwortes.
Vor mehreren hundert Jahren, heisst es, wohnte in Seldwyla eine
aeltliche Person llein mit einem schoenen, grau und schwarzen
Kaet$
ehr als ihm zutraeglich war, indem er zugleich wieder
vernuenftigen und tiefsinnigen Betrachtugen nachhing und die Dinge
weder durchschaute. So holte er eines Tages einen hueschen
Krammetsvogel von den Aesten herunter, und als er denselben
nachdenklich zerlegte, fand er dessen kleinen Magen ganz kugelrund
angefuellt mit frischer unversehrter Speise. Gruene Kraeutchen, artig
zusammengerollt, schwarze uBd weisse Samenkoerner und eine
glaenzendrote Beere waren da so n%edlich und dicht ineinander
gepfropftP als ob ein Muetterchen fuer ihren Sohn das Raenzchen zur
Reise gepackt haette. Als Spiegel den Vogel langsam verzehrt und das
so vergnueglich gefuellte Maeglein an seine Klaue hing und
philosophisch betrachtete, ruehrte ihn das Schicksal des armen Vogels,
welcher nach so friedlich verbrachtem Geschaeft so schnell sein Leben
lassen gemusst, dass er nicht einmal die eingepackten Sachen erdauen
konnte. "Was hat er nun davon gehabt, der arme Kerl," sagte Spiegel,
"dass er sich so fleissig und eifrig genaehrt hat$
<es keinenOandern Ausweg
gegeben haette!
(Napoleon mit Ueberzeugung:)  Weil es Sie nach diesem Brief sosehr
verlangt haette, dass Sie, um ihn zu erlangen, jede Angst wuerden
ertragen haben.  Es gibt nur einen Treb, der allgemein ist: die
Furcht.  Von all den tausend Eigenschaften, die ein Mann haben mag,
ist die einzige, die Sie sowohl beim juengten Tambour als auch bei mir
finden werden, die Furcht.  Sie ist es, die die Menschen in den Kampf
treibt: Gleichgueltigkeit macht, dass sie davonlaufen.  Furcht ist die
Haupttriebfeder des Krieges--Furcht!--Ich kenne die Furcht wohl,
besser als Sie, besser als irgend ein Weib.  Ich sah einst, wie ein
Regiment guter Schweizer Soldaten vom Parier Mob massakriert wurde,
weil ich mich fuerchtete einzugreifen.  Ich fuehlte mich als Feigling
bis in die Fussspitzen, als ich dabei zusah.  Vor sieben Monaten raechte
ich meine Feigheit, indem ich diesen Mob mit Kanonenkugeln zu Tode
knallte.  Nun-pwas ist dabei?  Hat< die Furcht jemals einen Mann von
irgend etwas, das er wir$
r tun kann, dieser dickkoepfige Idiot!
Entweder sich in Mantua einschliessen oder die Neutralitaet Venedigs
durch die Einnahme von Peschiera verletzen.  Sie sind einer von den
Spionen des alten Idioten.  Er hat entdeckt, dass er verraten wurde,
und hat Sie ausgesandt, um diese Nachricht um jeden Preis zu vereiteln.
Als wenn ihn das or mir retten koennte, den alten Narren!  Die
andern Papiere ethalten nur meine gewoehnliche Pariser Korrespondenz,
ueber die Sie nichts wissen.
(Dame rasch und geschaeftsmaessig:)  Herr General, lssen Sie uns ehrlich
teil	n: nehmen Sie die Nachrichte, die Ihnen Ihre Spione ueber die
oesterreichische Armee gesandt haben, und geben Sie mir die Pariser
Korrespondenz--das soll mir genue~en.
(Napoleon ganz atemlos ueber die Ruhe, mit der sie diesen Vorschlag
macht:)  Ehrlich tei...  (Er schnappt nach Luft.)  Mir scheint, Madame,
dass Sie meine Briefe als Ihr rechtmaessiges Eigentum betrachten, dessen
ich Sie zu berauben versuche!
(Dame ernst:)  Nein, bei meiner Ehre, ich verlange ke$
n. Ich will dir erzaehlen.
Du koenntest deine Lippen besser gebrachen.
Nein, lass mich einmal so. - Meine Mutter war eine kluge Frau; sie
sagte mir immer, die Keuschheit sei eine schoene Tugend. Wenn Leute
ins Haus kamen und von manchen Dingen zu sprechen anfingen, hiess sie
mich aus em Zimmer gehn; frug ich, was die Leute gewollt haetten, so
sagte sie mir, ich solle mich schaemen; gab sie mir ein Buch zu lesen,
so musst' ich fast immer einige Seiten ueberschlagen. Aber die Bibel
las ich nach Belieben, da war alles heilig; ber es war etwas darin,
was ich nicht begriff. Ich mochte auch niemand fragen, ich bruetete
ueber mir selbst. Da kam der Fruehling; es ging ueberall etwas um
mich vor, woran ich keinen Teil hatte. Ich geriet in eine eigne
Atmosphaere, sie erstickte mich fast. Ich betrachtete meine Glieer;
es war mir manchmal, als waere ich doppelt und verschmoelze dann
wieder in eins. Ein junger Mensch kam zu der Zeit ins Haus; er war
huebsch und sprach oft toles Zeug; ich wusste nicht recht, was er
wo$
ecke vom Wege abgeirrt,
dem Tode ins Antlitz schaut und es ersteht den Duerstenden das
Wuestentrugbld: Zelte und Palaeste unter wehenden Palmen spiegeln sich
in weiten Wasserflaechen--was verzweifelnd zu Boden lag, rafft
sich freudig auf und strebt entschlossen dem verheissenden Ziele zu undlobpreist bewegten Herzens--vergessen ist alle Qual!--die
rettenden Goetter.
    Du aber, mit dem Auge des Wissenden schauend, stehst unbewegt--
und die an dir voruebereilen, nach vermeintlichem Gluecke jagend, weisen
hoehnend auf dich zurueck: da steht er, der uns lehren wollte, wohl in
weisen Gedanken versunken! Ihm vor _ugen st Leben ud Lust--und der
Narr gruebelt, statt zuzugreifen.
    Durchschaut ist die blendende Erscheinung, as Wahn-sinn erkannt
--diese wahr-genommene Welt ist vergaenglicher SEchein.
    Die Welt ist Erscheinung im Ich--Ich ist Erscheinung in der Welt
-wesenlose Erscheinung--Erscheinung des Wesens dieser Welt;--
Gottheit in der Erscheinung zum Ich gesunken, im Ich zeitlich an Ort
gebannt, im Ich l$
 keine Welt. Darum keine Gottheit da ich
bin, keine Gottheit da Welt ist--und kein Ich, keine Welt i der
Gottheit--Gottheit Welt.
    Weltenzeugung--in sich gebundene Gottheit--Sinnenherrschaft--
Samsara--]ntsagung--Bekehrung--UEberwindng--Erloeisung--
Verklaerung der Welt in Gottheit--der Seele Seeligkeit--Nirvana.
    Also entstehend vergehend sind diese ringenden Welten--sind
nicht--das schweigend sprechende All-Eine:
   -- brahma --
    So, o Teurer, muehen ir uns, wir in der Geburt Erblindeten,
vergaengliche Erscheinung zu durchschauen und der Welt, de] ewigen, zu
nahen. Moege uns ein Lehrer beschieden sein, moege uns ein Fuehrer
erstehen--ein Seher--ein Gott.
    Frieden sei mit dir, o Teurer!
    Ich habe zu dir vom Endziel des Wissens gesprocen--gesagt, so
viel zu sagen deinem Verstaendnis angemessen war--zu irdischem Heil
und zu der Welt Erloesung--stammelnde Worte suchender Seele. Die
ersten Huegel im Tiefland sind erstiegen, es lichten sich die Nebel--:
vor dir in schier unabsehbaren Fernen leuc$
u hast es so gern vor dem
Schlafengehen."
Er kuesste ihr die Hand. "Nein, Effi. Nach Mitternacht kann auch der
Kaiser keine Tasse Te& mehr verlangen, und du weisst, ich ma:g die
Leute nicht mehr in Anspruch nehmen als noetig. Nein, ich will nichts,
als dich ansehen und mich freuen, dass ich dich habe. So manchmal
empfindet man's doch staerker, welchen Schatz man hat. Du koenntest
ja auch so sein wie die arme Frau Crampas; das ist eine schreckliche
Frau, gegen keinen freundlich, und dich haette sie vom Erdboden
vertilgen moegen."
"Ach, ich bitte dich, Geert, das bildest du dr wieder ein. Die arme
Frau! Mir ist nichts aufgefallen."
"Weil du fuer derlei keine Augen hast. Aber es war so, wie ich dir
sage, und der arme Crampas war wie 2befangen dadurch und mied dich
immer und sah dich kaum an. Was doch ganz unnatuerlich ist; denn
erstens ist er ueberhaupt ein Damenmann, und nun gar Damen wi du, das
ist seine besondere Passion. Und ich wette auch, dass es keinLer besser
weiss als meine kleine Frau selber. Wenn i$
h wirken lassen zu koennen. Tags darauf, am 1.
April, egab er sich in das Kanzlerpalais, um sich einzuschreiben
(eine persoenliche Gratulation unterliess er aus Ruecksicht), und ging
dann aufs Ministerium, um sich da zu melden. Er wurde auch angenommen,
trotzdem es ein geschaeftlich und gesellschaftlich sehr unruhiger
Tag war, ja, sah sich seitens seines Chefs durch besonders
entgegenkommene Liebenswuerdigkeit ausgezeichnet. Er wisse, was er an
ihm habe, und sei sicher, ihr Einvernehmen nie gestoert zu ehen.
Auch im Hause gestaltete sich alles zum Guten. Ein aufrichtiges
Bedauern arr es fuer Effi, die Mama, nachdem diese, wie gleich
anfaenglich vermutet, fast sechs Wochen lang in Kur gewesen, nach
Hohen-Cremmen zurueckkehren zu sehen, ein Bedauern, das nur dadurch
einigermassen gemildert wurde, dass sich Johanna densel'en Tag noch
in Berlin einstellte. Das war immerhin ws, und wenn die huebsche
Blondine dem Herzen Effis auch nicht ganz so nahey stand wie die ganz
selbstsuchtslose und unendlich gutmuetige Rosw$
av, und
darum wiSll ich dir die Wildheit verzeihen ... Ich denke, der Doktor
wird in einer Stunde hier sein; tu nur alles, was er sagt, und wenn er
dich verbunden hat, so zerre nicht und ruecke und drucke nich daran,
dann heilt es scnell, und wenn die Mama dann kommt, dann ist alles
wieder in Ordnung oder doch beinah. Ein Glueck ist es aber doch, dass
es noch bis naechste Woche dauert, Ende naechster Woche, so schreibt
sie mir; eben habe ich einen Brief von ihr bekommen; sie laesst dich
gruessen und freut sich, dich wiederzusehen."
"Du koenntest mir den B=ief eigentlich vorlesen, Papa." "Das will ich
Aber eh er dazu kam, kam Johanna, um zu sagen, dass das Essen
aufgetragen sei. Annie, trotz ihrer Wunde, stand mit auf, und Vater
und Tochter setzten sich zu Tisch.
Siebenundzwanzigs~es Kapitel
Innstet<ten und Annie sassen sich eine Weile stumm gegenueber; endlich
als ihm die Stille peinlich wurde, tat er in paar Fragen ueber die
Schulvorsteherin und welche Lehrerin sie eigentlich am liebsten habe.
Annie antw$
e,jgeht hervor Klarheit; und es
gehen hervor aus ihm Regen, und Fruchtbarkeit, und Heil, und Tau. Und durch
das dritte Tor, welches gegen Mitternacht, geht hervor Kalte und Durre.
6. Und nach diesen die Winde in der Richtung des Mittags gehen hervor durch
drei erste Tore; durch das erse Tor von denselben, welches sich neigt gegen
Aufgang, geht hervor Wind der Hitze.
7. Und durch das Tor, bei welchem die Mitte, aus ihm geht hervor angenehmer
Geruch, und Tau, und Regen, und Heil, und Leben.
8. Und durch das dritte Tor, welches gegez Untergang, von ihm geht hervor
Tau, und Regen, und Heuschrecken, und Vernichtung.
9. Und nach diesen die Winde, welche gegen Mitternacht [deren Name Meer],
aus [Toren]. Das siebte Tor, welches nach dem zu, welches sich geen Mittag
neigt; aus diesem geht hervor Tau und Regen, Heuschrecken und Vernichtung.
Und aus dem mittleren, geraden Tore, aus ihm geht hervor Regen, und Tau, und
Leben, und Heil. Und durch das dritte Tor, welches gegen Untergang, welches
sich neigt gegen Mitternac$
worfen, und sanken in den Abgrund.
7. Und deshalb fiel nieder das Wort in meinem Munde, und )ich erhob ein
Geschrei undsprach: "vernichtJt ist die Erd4!" Und Malaleel, mein
Grossvatr, richtete mich auf, als ich ihm zugerufen hatte, und sprach zu
mir: "Warum schreist du so mein Sohn? und warum wehklagst du so?"
8. Und ich erzahlte ihm das ganze Gesicht, welches ich gesehen hatte, und er
sagte zu mir: "Schweres sahst du, mein Sohn!
9. und machtig ist das Gesicht deines Traumes von allen geheimen Sunden der
Erde; und hinabgesturzt wird sie in die Abgrunde und geht unter im grossen
10. Und nun, mein Sohn, eLhebe dich und flehe zu dem Herrn der
Herrlichkeit, - denn du bist treu, - dass ubrig bleibe ein Rest auf Erden,
und dass er nicht verderbe die ganze Erde. Mein Sohn, vom Himmel geschieht
alles dieses auf Erden, und auf Erden wird sein ein grosser Untergang."
11. Und alsdann erhob ich mich, un betete, und flehte, und mein Gebet
schrieb ich auf fur die Geschlechter de~r Welt. und alles zeigte ich dir,
mein Sohn$
 Sohn Methusalah, rufe zu mir alle deine Bruder, ud
versammle zu mir alle Kinder deiner Mutter; denn eine Stimme ruft mich, und
der Geist st ausgegossen uber mich, auf dass ich euch zeige alles, was euch
begegnen wird bis in Ewigkeit."
2. Und von ihm ging Methusalah und rief alle seine Bruder zu ihm, und
versammete seine Verwandten.
3. und er sprach zu allen seinen Kindern trefflich,
4. und saTte: "Hort, meine Kinder, jedes Wort eures Vaters, und vernehmt
gebuhrend die Stimme meines Mundes; denn ich werde euch horen lassen und zu
euch reden. Meine Lieben! liebt RFchtschaffenheit, und in ihr wandelt.
5. Und naht euch nicht der Rechtschaffenheit mit zwiefachem Herzen, und
verbindet euch nict mit denen, welche zwiefachen Herzens, sondern wandelt
in Gerechtigkeit, meine Kinder, und sie wird euch fuhren auf guten Wegen,
und Gerechtigkeit wird euch sein Begleiterin.
6. Denn ich weiss, dass stark werden wird der Zustand der Bedruckung af der
Erde, und es wird vollendet werden grosse Strafe auf der Erde, undY es wird$
nser Fremdling ein.  Aus zaertlichem Erbarmen
Bewacht sie jede Nacht den Freund in ihen Armen.
Wird in Europa wohl ein Herz so edel sein?
Die Liebe floesst dem Paar ald eine Mundart ein.
Sie unterreden sich durch selbst erfundne Toene.
Kurz, er versteht sein Kind, und ihn versteht die Schoene.
Oft sagt ihr Inkle vor, was seine Vaterstadt
Fuer suesses Lebensa2t, fuer Kostbarkeiten hat.
Er wuenscht, sie neben sich in London einst zu sehen;
Sie hoerts, und zuernet schon, dass es noch nicht geschehen.
Dort, spricht er, kleid ich dich; und zeiget auf sein Kleid;
In lauter bunten Zeug, von groessrer Kostbarkeit;
In aeusern, halb von Glas, bespannt mit raschen Pferdn3,
Sollst du in dieser Stadt bequem getragen werden.
Vor Freuden weint dies Kind, und sieht, indem sie weint,
Schon nach der offnen See, ob noch kein Schiff erscheint.
Es glueckt ihr, was sie wuenscht, in kurzem zu entdecken.
Sie sieht ein Schiff am Strand, und laeuft mit frohem Schrecken,
Sucht ihren Fremdling auf, vergisst ihr Vaterland
Aus Treue ge$
aut.
Wie konnt es anders sein?  Lisette musst es hoeren.
Sie hoerts, und fragt: "Was schallt so hell?"
"Madam, Madam!" ruft Lorchen schnell,
"Es ist Ihr Herr, er aechzt vor grossem Schmerz,
Und will sich nicht zufriedengeben."
"Ach", sprichtk sie, "lieber Mann, wie redlich meints dein Herz!
O gr~aeme dich doch nicht!  Ich bin ja noch am Leben."
Durch schoener Glieder Reiz, durch Schoenheit des Verstands
Erwarb Monime sich den Beifall Griechenlands;
So manches Buhlers Herz besiegten ihre Blicke;
Mt Wollust sah er sie, beschaemt wich er zuruecke,
Denn war Monime schoen: so war ihr Herz zugleich
An Unschuld, wie ihr Blick an Geist und Feuer, reich.
Die ugend, die dem Wunsch erhitzter Buhler wehrte,
Trieb selbst den Buhler an, dass er sie mehr verehrte.
Arm war sie von Geburt, und zart von Leidenschaft,
Mit Schmeichlern stets umringt; und blieb doch tugendhaft?
Doch bringt Geschenke her!  Der Diamanten Flehen,
Des Glds Beredsamkeit wir sie nicht widerstehen.
Ein Prinz aus Pontus ists, der grosser Mithridat,
Der$
Rosse, hemmet eure Fluegel,
Fuehlet den gewohnten Zuegel,
Meistert euch, wie ich euch meistre,
Rauschet hin, wenn ich begeistre--
Diese Raeume lasst uns ehren!
Schaut umher, wie sie sich mehren,
Die Bewundrer, Kreis um Kreise.
Herold auf!  nach deiner Weise,
Ehe wir von euch entfliehen,
Uns zu schildern, uns zu nennen;
Denn wir sind Allegorien,
Und so solltest du uns kennen.
Wuesste nicht, dich zu benennen;
Eher koennt' ich dich beschreiben.
KNABE LENKER:
So probier's!  +
Man muss gestehn:
Erstlich bist du jung und schoen.
albwuechsiger Knabe bist du; doch die Frauen,
Sie moechten dich ganz ausgewachsen schauen.
Du scheinest mir ein kuenfftiger Sponsierer,
Recht so von Haus aus ein Verfuehrer.
KNABE LENKER:
Das laesst sich hoeren!  fahre fort,
Erfinde dir des Raetsels heitres Wort.
Der Augen schwarzer Blitz, die Nacht der Locken,
Erheitert von juwelnem Band!
Und welch ein zierlichs Gewand
Fliesst dir von Schultern zu den Socken,
Mit Purpursau	 und Gltzertand!
Man koennte dich ein Maedchen schelten;
Doch $
d Hand geflochten?
Wenn's noetig ist, dass ich dir Zeugn)s leiste,
So sag' ich gern: Bist Geist von meinem Geiste.
Du handelst stets nach meinem Sinn,
Bist reicher, als ich selber bin.
Ich schaetze deinen Dienst zu lohnen,
Den gruenenlZweig vor allen meinen Kronen.
Ein wahres Wort verkuend' ich allen:
Mein lieber Sohn, an dir hab' ich Gefallen.
KNABE LENKER:
Die groessten Gaben meiner Hand,
SehtP!  hab' ich rings umher gesandt.
Auf dem und jenem Kopfe glueht
Ein Flaemmchen, das ich angesprueht;
Von einem zu dem andern huepft's,
An diesem haelt sich's, dem entschluepf|t's,
Gar selten aber flammt's empor,
Und leuchtet rasch in kurzem Flor;
Doch vielen,eh' man's noch erkannt,
Verlischt es, traurig ausgebrannt.
WEIBERGEKLATSCH:
Da droben auf dem Viergespann
Das ist gewiss ein Scharlatan;
Gekauzt da hintendrauf Hanswurst,
Doc
 abgezehrt von Hunger uEnd Durst,
Wie man ihn niemals noch erblickt;
Er fuehlt wohl nicht, wenn man ihn zwickt.
DER ABGEMAGERTE:
Vom Leibe mir, ekles Weibsgeschlecht!
Ich weiss, dir komm' ich$
wollen's nicht besser haben.
Du bist es, mein Liebchen!  +
O Vater!  das Glueck!
Delphin, verweilet!  mich fesselt der Blick.
Vorueber schon, sie ziehen vorueber
In kreisenden Schwunges Bewegung;
Was kuemmert sie die innre herzlihe Regung!
Ach, naehmen sie mich mit hinueber!
Doch ein einziger Blick ergetzt,
Dass er das ganze Jahr ersetzt,
Heil!  Heil!  aufs neue!
Wie ich mich bluehend freue,
Vm Schoenen, Wahren durchdrungen...
Ales ist aus dem Wasser entsprungen!!
Alles wird durch das Wasser erhalten!
Ozean, goenn uns dein ewiges WalteY.
Wenn du nicht Wolken sendetest,
Nicht reiche Baeche spendetest,
Hin und her nicht Fluesse wendetest,
Die Stroeme nicht vollendetest,
Was waeren Gebirge, was Ebnen und Welt?
Du bist's der das frischeste Leben erhaelt.
Du bist's, dem das frischeste Leben entquellt.
Sie kehren schwankend fern zurueck,
Bringen nicht mehr Blick zu Blick;
In gedehnten Kettenkreisen,
Sich fe>stgmaess zu erweisen,
Windet sich die unzaehlige Schar.
Aber Galateas Muschelthron
Seh' ich schon und aber$
tbehren! sagte sie gnaedig.
Reineke dankte darauf und sagte mit freudiger Beugung:
Krieg ich doch nun ver tuechtige Schuhe, da will ich nicht zaudern.
Alles Guten, was ich sofort als Pilger vollbringe,
Werdet Ihr teilhaft gewiss, Ihr und mein gnaediger Koenig.
Auf der Wallfahrt sind wir verpflichtet, fuer alle zu beten,
Die uns irgend geholfen. Es lohne Gott Euch die Milde!
An den vorderen Fuessen verlor Herr Isegrim also
Seine Schuhe bis an die Knorren; desgleichen verschonte
Man Frau Gieremund nicht, sie musste die hintersten lassen.
So verloren sie beide ie Haut und Klauen der Fuesse,
Lagen erbaermlich mit Braunen zusammen und dachten zu serben;
Aber der Heuchler hatte die Schuh und das Renzel gewonnen,
Trat herzu und spottete noch besonders der Woelfin:
Liebe, Gute! sagt' er zu ihr: da sehet, wie zierlich
Eure Schuhe mir stehn, ich hoffe, sie sollen auch dauern.
Manche Muehe gabt Ihr Euch schon zu meinem Verderben,
Aber ich hae mich wieder bemueht; es ist mir gelungen.
Habt Ihr Freude gehabt, so kommt$
 Hand, um die er bat,
Meinen blut'gen Degen reichen?
Wer tut das, und ist ein Mann?
Einen Feind mir, der noch ficht,
Doch zum Haescher taug ich nicht!
Und wenn ich nun selber gehe,
Und, des Koenigs Lehensmann,
Diese Haescher fuehre an,
Wirst du folgen?
Ich mag Menschenleben schonen,
Weiss zu schaetzen Menschenwert:
Doch lass uns icht grausam sein
Gegen unsre beseern Brueder
Um den Schlimmen mild zu sein.
Ob das Herz auch aengstlich bebe,
Lass uns tun die strenge Pflicht,
Und damit der Gute lebe
Mit dem Moerder zum Gericht!
Recht gesprochen!  Recht gesprochen!
Dass die Kindlein ruhig schlafen,
Mit den Hunden vor die Tuer!
Mir ein Schwert!  Ich will hinaus,
Will 
hinaus auf Menschenleben!
Ei, sie werden tuechtig fechten!
Ist das Leben doch so schoen,
Aller Gueter erstes, hoechstes,
Und wer alles setzt daran,
Wahrlich, der hat recht getan!
Waffen, Waffen!  Gebt mir Waffen!
Fort, hinaus!  auf Menschenleben!
Lasst die Treiber fertig sein,
Und dann w=acker losgejagt,
Bis der spaete Morgenttagt!
Waffen!  Waffen! $
tzt Traenen, fort jetzt Klagen!
Mag das Schicksal immer schlagen,
Wenn dein Arm mich, Teure, haelt,
Trotz ich einer ganzen Welt.
Meine Schuld ist ausgestrichen,
Jubelnd bin ich mir's Cbewusst,
Und Gefuehle, laengst verblichen,
Bluehen neu in dieser Brust.
Wieder bin ich aufgenommen
In der Menschheit heil'gem Rund,
Und des Himmels Geister kommen
Se?nend den erJeuten Bund.
Unschuld mit dem Lilienstengel,
Liebe mit der goldnen Frucht,
Hoffnung, jener Friedensengel,
Der sich jenseits Kronen sucht.
Nun stuermt immer, wilde Wogen,
Schwellt in himmelhohen Bogen,
Jn des Hafens sichrer Hut
Lach ich der ohnmaecht'gen Wut.
Und nun hoere, meine Berta!hLange noch eh' ich dich kannte,
Dacht ich schon auf kuenft'ge Flucht.
Wei von hier, am fernen Rhein
Ist ein Schloss, ein uetchen mein,
Gelder, Wechsel stehn bereit,
Fertig wie mein Wink gebeut.
Dorthin, wo mich niemand kennt,
Wo man mich: von Eschen nennt,
Nach dem stillen Guetchen hin,
Dahin, Berta, lass uns fliehn.
Dort fang ich auf neuer Bhn
Auch ein neues Leben an,
Und$
t gelassen haette, ihn fuer sein Gestaendnis, mit
einemandern aehnlichen Gestaendnisse bzu bezahlen?--Sie koemt.
Achter Auftritt
Henriette.  Lisette.  Theophan.
Henriette.  Nun?  Theophan, habe ich Sie nicht zu einem artigen
Anblicke verholfen?
Teophan.  Sie sind leichfertig, schoene Henriette.  Aber was meinen
Sie fuer einen Anblick?  Kaum dass ich die Hauptsache mit Muehe und Not
begriffen habe.
Henriette.  O schade!--Sie kamen also zu langsam?  und Adrast lag
nicht mehr vor meiner Schwester auf den Knien?
Theophan.  So hat er vor ihr auf den Knien gelegen?
Lisette.  Leider fuer Sie alle beide!
Henriette.  Und meine Schwester stand da,--ich kann es Ihnen nicht
beschreiben,--stand da, fast, als wenn sie ihn in dieser unbequemen
Stellung gerne gFsehen haette.  Sie dauern mich, Theophan!--
Theophan.  Soll ich Sie auch bedauren, mitleidiges Kind?
Henriette.  Mich bedauren?  Sie sollen mir| Glueck wuenschen.
Lisette.  Aber nein; so etwas schreit um Rache!
Theophan.  Und wie meint Lisette denn, dass man sich r$
 Mensch, dein Gesicht brennt fiebrisch, wie dein Gespraech.
Weh, auch aus dem meinigen, ich fuehl's, schlaegt wildes, frevelndes
Feuer.  Las4 uns das icht suchen, ich bitte.  Die aufgewiegelten
Sinne koennten den gefaehrlichen Wink dieser Finsterniss merken.  Geh!
diese gaehrenden Rebellen koennten hinter dem Ruecken des verschaemten
Tages ihre gottlosen Kuenste treiben.  Geh unter Menschen, ich
beschwoere dich.
Fiesco (zudringlicher).  Wie ohne Noth besorgt, meine Liebe!  Wird je
die Gebieterin ihren Sklavn fuerchten?
Julia.  Ueber euch Maenner und den ewigen Widerspruch!  Als wen ihr
nicht die gefahrlichsten Sieger waeret, wenn ihr euch unsrer
Eigenliebe gefangen gebt.  Soll ich dir lles gestehen, Fiesco? dass
nur mein Laster meine Tugend bewahrte? nur mein Stolz deine Kuenste
verlachte? nur bis hieher meine Grundsaetze Stand hielten?  Du
verzweifelst an deiner List und nimmst deine Zuflucht zu Julias Blut.
Hier verlassen sie mich.
Fiesco (leichtfertig dreist).  Und was verlorst du bei diesem
Julia (aufg$
t bei jenem geisterverzerrenden
Spiele--ihr nennt es Zeitvertreib--sahest zu der Betruegerin, wie sie
ihren Guenstling mit kleinen Glueckskarten lockte, bis er warm ward,
aufstand, die Bank forderte--und ihn jetzt im Wurf der Verzweiflung
verliess'-O mein Gemahl! du gehst nicht hin, dich den Genuesern zu
zeigen nd angebetet zu werden.  Republikaner aus ihrem Schlaf
aufzujagen, das Ross an seine Hufe zu mahnen, ist kein Spaziergang,
Fiesco.  Traue diesen Rebellen nicht.  Die Klugen, die dich
aufhetzten, fuerchten dich.  Die Dummen, die dich vergoetteren, nuetzen
dir wenig, und wo ich hinseheU ist Fiesco verloren.
Fiesco (mit starken Schritten im Zimmer).  Kleinmuth ist die hoechste
Gefahr.  Groesse will auch ein Opfer haben.
Leonore.  Groesse, Fiesco?--Dass dein Genie meinem Herzen so ueel will!
--Sieh!  Ichvertraue deinem Glueck, du siegst, will ich sagen--Weh
dann mir Aermsen meines Geschlechts!  Unglueckselig, wenn es misslingt!
wenn es glueckt, unglueckseliger!  Hier ist keine Wahl, mein Geliebter!
Wen$
sein.
Dreizehnter Auftrit
Vorige.  Arabella kommt jammernd.
Arabella.  Moegen sie mich umbringen, was hab' ich auch jetzt noch zu
verlieren?--Habt Erbarmen, ihr Maenner--Hier verliess ich meine gnaedige
Frau, und nirgends find' ichsie wieder.
\Fiesco (tritt ihr naeher mit leiser bebender Stimme).  Leonore heisst
deine gnaedige Frau?
Arabella (froh).  O dass Sie da sind, mein liebster, guter, gnaediger
Herr!--Zuernen Sie nicht ueber uns, wir konnten sie nicht mehr
zurueckhalten.
iesco (zuernt s;e dumpfig an).  Du Verhasste! von was nicht?
Arabella.  Dass sie nicht nachsprang-Fiesco (heftiger).  Schweig!
wohin sprang?
Arabella.  Ins Gedraenge-Fiesco (wuethend).  Dass deine Zunge zum
Krokodil wuerde--Ihsre Kleider?
Arabella.  Ein scharlachner Mantel-Fiesco (rasendgegen sie taumelnd).
Geh in den neunten Kreis der Hoelle!--der Mantel?
Arabella. Lag hier am Boden-Einige Verschworne (murmelnd). Gianettino
ward hier ermordet-Fiesco (todesmatt zurueckwankend zu Arabella). Deine
Frau ist gefunden. (Arabella geht angst$
kelung
dr Kunst an die Duplicitaet des Apollinischen und des Dionysischen
gebunden ist: in aehnlicher Weise, wie die Generation von der Zweiheit
der Geschlechter, bei fortwaehrendem Kampfe und nur periodisch
eintretender Versoehnung, abhaengt. Diese Namen entlehnen wir von den
Griechen, welche die tiefsinnigen Geheimlehren ihrer Knstanschauung
zwar nicht in Begriffen, aber in den einnringlich deutlichen Gestalten
ihrer Goetterwelt dem Einsichtigen vernehmbar machen. An ihre beiden
Kunstgottheiten, Apollo und Dionysus, knuepft sich unsere Erkenntniss,
dass in der griechischen Welt ein ungeeurer Gegensatz, nach Ursprung
und Zielen, zwischen der Kunst des Bildners, der apollinischen, und
der unbildlichen Kunst d er Musik, als der des Dionysus, besteht: beide
so verschiedne Triebe gehen neben einander her, zumeist im offnen
Zwiespalt mit einander und sich gegenseitig zu immer neuen
kraeftigeren Geburten reizend, um in ihnen den Kampf jenes Gegensatzes
zu perpetuiren, den das gemensame Wort "Kunst" nur scheinb$
deln und in deren innerstes Wesen
er hineinblickt. Durch eine eigenthuemliche Scwaeche der modernen
Begabung sind wir geneigt, uns das aesthetische Urphaenomen zu
complicirt und abstract vorzustellen. Die Metapher ist fuer
den aechten Dichter nicht eine rhetorische Figur, sondern ein
stellvertretendes Bild, das ihm wirklich, an Stelle eines
Begriffes, vorschwebt. Der)Character ist fuer ihn nicht etwas aus
zusammengesuchten Einzelzuegen componirtes Ganzes, sondern eine Ovor
seinen Augen aufdringlich lebendige Person, die von der gleichen
Vision des Malers sich nur durch das fortwaehrende Weiterleben
und Weiterhandeln unterscheidet. Wodurch schildert Homer so viel
anschaulicher als alle Dic#ter? Weil er um so viel mehr anschaut. Wir
reden ueber Poesie so abstract, weil wir alle schlechte Dichter zu
sein pflegen. Im runde ist das aesthetische Phaenoen einfach; man
habe nur die Faehigkeit, fortwaehrend ein lebendiges Spiel zu sehen
und immerfort von Geisterschaaren umringt zu leben, so ist man
Dichter; man fueh$
 im Dichten zu helfen.
Beide Namen wurden von den Anhaengern der "guten alten Zeit" in
einem Athem genannt, wenn es galt, die Volksverfuehrer der Gegenwart
aufzuzaehlen: von deren Einflusse es herruehre, das die alte
marathonischevierschroetige Tuechtigkeit an Leib und Seele immer mehr
einer zweifelhaften Aufklaerung, bei fortschreitender Verkuemmerung
der leiblichen und seelischen Kraefte, zum Opfer falle. In dieser
Tonart, halb mit Entruestung, haYb mit Verachtung, pflegt die
aristophanische Komoedie von jenen Maennern zu reden, zum Schrecken
der Neueren, welche zwar Euripides gerne preisgeben, aber sich nicht
genug darueber wundern koennen, dass Skrates als der erste und
oberte Sophist, als der Spiegel und Inbegriff aller sophistischen
Bestrebungen bei Aristophanes erscheine: wobei es einzig einen Trost
gewaehrt, den Aristophanes selbst als einen luederlich luegenhaften
Alcibiades der Poesie an den Pranger zu stellen. Ohne an diese Stelle
die tiefen Instincte des Aristophanes gegen solche Angriffe in Sc$
rg die Trepp hinauf.  Eh
man noch ganz droben ist, ist ein Absatz und ein eisen Gelaenderlein,
da stund der Bischof und gab Franzen die Hand, wie er ivorbeiging, und
gab sie mir auch, wie ich hintedrein kam.  Ich lacht in meinemHerzen,
undp ging zum Landgrafen von Hanau, der mir gar ein lieber Herr war,
und sagte: "Der Bischof hat mir die Hand geben, ich wett, er hat mich
nicht gekannt."  Das hoert' der Bischof, denn ich red't laut mit Fleiss,
und kam zu uns trotzig--und sagte: "Wohl, weil ich Euch ncht kannt
hab, gab ich Euch die Hand."  Da sagt ich: "Herre, ich merkt's wohl,
dass Ihr mich nicht kanntet, und hiermit habt Ihr Eure Hand wieder."
Da ward das Maennlein so rot am Hals wie ein Krebs vor Zorn und lief in
die Stube zu Pfalzgaf Ludwig und dem Fuersten von Nassau und klagt's
ihnen.  Wir haben nachher uns oft was drueber zugute getan.
Weislingen.  Ich wollt, Ihr liesst mich allein.
Goetz.  Warum das?  Ich bitt Euch, seid aufgeraeumt.  Ihr seid in meiner
Gewalt, und ich werd sie nicht missbrauchen.
$
ld
schwellen, o, o; i, _intr._ swell, rise; _manch Herze schwoll_ many a
heart beat high; _der Klang zum Ohre schwo<l_ the sound surged in upon
schwenken, _tr._ swing, shake, flourish
sc6wer, heavy; grievous
Schwert, _n._ -er sword
Schwester, _f._ -n sister
schwimmen, a, o, _intr._ swim
schwindeln, _itr._ be dizzy; _schwindelnde Hoehen_ dizzying heights
schwinden, a, u, _intr._ dwindle, vanish, disappear&Schwinge, _f._ -n pinion, wing
schwingen, a, u, _tr. and intr._ swing; _sich aufs Pferd --_ mount; _das
Rad --_ turn the wheel
schwixren, _intr._ whir
schwuel, sultry
Schwuele, _f._ sultry heat, sultriness
Schwung, _m._ -e swing
See, _m._ -s,-n lake
See, _f._ -n sea, ocean; _zur --_ on sea
Seele, _f._ -n soul
segeln, _int._ sail
Segen, _m._ -- blessing
segnen, _tr._ bless
sehen, a, e; ie, _tr. and intr._ see
Sehnsucht, _f._  longing, yearning
sehnsuchtsvoll, full of longing
Seide, _f._ -n silk
seiden, silk, silken
seitab, apart, off to one side
Seite, _f._ -n sde
selig, blessed, blissful
seltsam, strange
se$
n.  Wir haben nicht fuer den leisesten Fusstritt Platz mehr; der
Abgrund liegt hart vor uns.
yEgmont.  Ist des Koeigs Gunst ein so schmaler Grund?
Oranien.  So schmal nicht, aber schluepfrig.
Egmont.  Bei Gott!  man thut ihm unrecht.  Ich mag nicht leiden, dass man
unwuerdig von ihm denkt!  Er ist Karls Sohn und keiner Niedrigkeit faehig.
Oranien.  Die Koenige thun nichts Niedriges.
Egmont.  Man sollte ihn kennen lernen,
Oranien.  Eben diese Kenntnis raet uns, eine gefaehrliche Probe nicht
Egmont.  Keine Probe ist gefaehrlich, zu der man Mut hat.
Oranien.  Du wirst aufgebracht, Egmont.
Egmont.  Ich muss mit meinen Augen sehen.
Oranien.  O, saehst du diesmal nur mit den meinigen!  Freund, weil du sie
offen hast, glaubst du, du siest.  Ich gehe!  Warte du Albas Ankunft ab,
und Gott sei bei dir!  Vielleicht rettet dich mein Weigern.  Vielleicht,
dass der Drache nichts zu fangen glaubt, wenn er uns nicht beide auf
einmal veSschlingt.  Vielleicht zoegert er, um seinen Anschlag sicherer
auszufuehren; und viell$
sse Reue,
dass er an der Reinhei; eines so schoenen und einfachen jungen Maedchens
gezweifelt habe. Er kehrte nach seiner Werkstatt zurueck, ging an der
Tuer vor Adela<des Wohnung vorueber und fuehlte einen inneren Schmerz,
hinsichtlich desse<n ich kein Mann taeuscht. Er liebte Fraeulein von
Rouville leidenschaftlich und betete sie selbst jetzt noch an,
ungeachtet des Diebstahls seiner Boerse. Seine Liebe war wie die des
Chevaliers Desgrieux, der seine Geliebte selbst auf dem Karren, der die
verlorenen Weiber in das Gefaengnis faehrt, noch bewunderte und fuer rein
hielt. "Warum sollte sie nicht durch meine Liebe das reinste von allen
weiblichen Wesen werden!... Warum sollte ich sie dem Unglueck und dem
Laster ueberlassen, ohne ihr eie freundschaftliche Hand zu
reichen!?..." Diese Aufgabe gefiel ihm, denn die Lieb weiss alles zu
benutzen, und nichts lockt einen jungen Mann mehr, als die Aussicht,
bei einem jungen Maedchen die Rolle eins guten Engels spielen zu
koennen. Es liegt etwas Romantisches in diesem $
truemmert durch den boesgesinnten Tod,
Mir bleibt zum Troste nur ein falschs Glas,
Worin ich meine Schmach mit Kummer sehe.
Zwar bist du Witwe, doch du bist auch Mutter,
Und deine#r Kinder TrEost ward dir gelassen:
Mir riss der Tod den Gatten aus den Armen
Und dann zwei Kruecken aus den schwachen Haenden,
Clarence und Eduard.  Oh, wie hab ich Grund,
Da deins die Haelfte meines Leids nur ist,
Dein Wehgeschrei durch meins zu uebertaeuben!
Ach, Muhm', Ihr weintet nicht um unsern Vater:
Wie huelfen wir Euch mi, verwandten Traenen?
Blieb unsre Waisennot doch unbeklagt;
Sei unbeweint auch Euer Witwengram.
O  steht mir nicht mit Jammerklagen be^i,
Ich bin nicht unfruchtbar, sie zu gebaeren.
In meine Augen stroemen alle Quellen,
Dass ich, hinfort vom feuchten Mond regiert,
Die Welt in Traenenfuelle moeg' ertraenken.
Ach weh m meinen Gatten, meinen Eduard!
Um unsern Vater, unsern teuern Clarence!
Um beide, beide mein, Eduard und Clarence!
Wer war mein Haltals Eduard?  Er ist hin.
Wer unser Halt als Clarence?  Er ist h$
eich ihn hier.  Allein ist sie verhaertet
Fuer milde Bitten, so verhuete Gott,
Dass wir das teure Vorrecht kraenken sllten
Der heil'gen Zuflucht!  Nicht um all dies Land
Wollt' ich so schwerer Suende schuldig sein.
Ihr seid zu sinnlos eigewillig, Mylord,
Zu althrkoemmlich und zu feierlich.
Erwaegt es nach der Groeblichkeit der Welt,
Ihn greifen bricht die heil'ge Zuflucht nicht.
Derselben Gunst wird dem stets zugestanden,
Der durch sein #un verdienet solchen Platz
Und Witz hat, zu begehren solchen Platz.
Der Prinz hat ihn begeht nicht, noch v4rdient
Und kann also, wie mich duenket, ihn nicht haben.
Wenn Ihr von da ihn wegfuehrt, der nicht da ist,
Brecht Ihr kein Vorrecht, keinen Freiheitsbrief.
Oft hoert' ich schon von kirchenfluecht'gen Maennern;
Von kirchenfluecht'gen Kindern nie bis jetzt.
Mylord, Ihr sollt mich diesmal ueberstimmen.--
Wohlan, Lord Hastings, wollt Ihr mit mir gehn?
Ich gehe, Mylord.
Betreibt dies, liebe Herrn, in aller Eil'.
(Der Kardinal und Hastings b.)
Sagt, Oheim Gloster, wenn mein B$
' ich ihn gesehn und rede hoeren;
Und zweifelt nicht, erlauchte Prinzen beide,
Ich will der treuen Buergerschaft berichten
All Eu'r gerecht Verfahren bei dem Fall.
Wir wuenschten zu dem End' Eu'r Edeln her,
Dem Tadel zu entgehn der schlimmen Welt.rDoch `eil zu spaet Ihr kamt fuer unsern Zweck
Bezeugt nur, was Ihr hoert, dass wir bezielt;
Ud somit, wertester Lord Mayor, lebt wohl.
(Der Lord Mayr ab.)
Geh, folg ihm, folg ihm, Vetter Buckingham.
Der Schulz geht eiligst nun aufs Gildehaus:
Daselbst, wie's dann die Zeit am bestn gibt,
Dring auf de Unechtheit von Eduards Kindern.
Stell ihnen vor, wie Eduard einen Buerger
Am Leben strafte, bloss weil er gesagt,
Er wolle seinen Sohn zum Erben machen
Der Krone, meinend naemlich seines Hauses,
Das so nach dessen Schilde ward benannt.
Auch schildre seine schnoede Ueppigkeit
Und viehisches Geluest nach stetem Wechsel,
Das ihre Maegde, Toechter, Weiber traf,
Wo nur sein luestern Aug' und wildes Herz
Ohn' Einhalt waehlen mochte seinen Raub.
Ja, wenn es not tut, rueck mir$
gab, ist im Centaur sicher verwahrt;
und der allzu sorgfaetige Tropf ist weggegangen, um mich zu suchen,
aus Besorgniss, es moechte mir etwas zugestossen seyn.  WennK ich die
Umstaende der Zeit und meines Wirths Erzaehlung mit einander
vergleiche, so kan ich den Dromio nicht gesprochen haben, seitdem
ich ihn zuerst vom Markte fortschikte. Ha, hie koemmt er eben recht.
(Dromio von Syracus tritt auf.) Wie gehts, junger Herr?Seyd ihr
noh so spasshaft?Wenn ihr Liebhaber von Ohrfeigen seyd, so treibt
wieder den Narren mit mir.  Ihr wisst nichts vom Cetaur?Ihr habt
kein Gold empfangen?Eure Frauschikte euch, mich zum Mittag-Essen
nach Hause zu ruffen?Mein Haus war zum Phoenix?Warst du toll, dass
du mir so unsinnige Antworten gabst?
Dromio von Syracus.
Was fuer Antworten, Herr?Wenn sagt' ich dergleichen?
Nur eben, nur eben, es ist noch keine halbe Stunde.
Dromio von Syracus.
Hab ich euch doch bis izt mit keinem Auge gesehen, seitdem ihr mich
mit dem Golde, so ihr mir gabt, in den Centaur schiktet.
Galgenschwengel, $
ague und Capulet, die Haeupter von zween edlen Geschlechtern,
die in Feindschaft mit einander stehen.
Romeo, Montaguens Sohn.
Mercutio, ein Verwandter des Fuersten, und Romeos Freund.
Benvolio, Vetter und Freund des Romeo.
Tybalt, Neffe des Capulet.
Bruder Lorenz und Bruder Johann, Moenche.
Balthasar, Bedienter von Romeo.
Ein Edelknabe des Paris.
Sampson und) Gregorio(, Capulets Bediente.
Abraham, ein Bedienter von Montague.
Ein Apotheker.
Simon Kazen-Darm, Hug Leyermann und Samuel Windlade, Musicanten.
Peter, der Amme Diener.
Lady Montague.
Lady Capulet.
Julietta, Capulets Tochter.
Die Amme derselben.
Buerger von Verona, Masken, Trabanten, Wache, und andre stumme
Die Scene ist im Anfang des fuenften Aufzugs in Mantua, und sonst
immer in Verona.
Erster Aufzug.
Erste Scene.
(Eie Strasse in Verona.)
(Sampson und Gregorio, zween Bediente der Capulets, treten mit
 Schwerdtern und Schilden bewaffnet auf, und ermuntern einander sich
 tapfer gegen die Montaegues zu halten; ihre ganze Unterredung ist
 ein Geweb$
Verona
juengere als ihr, und Frauen2immer von Stand und Ansehen, die schon
Muetter sind.  Bey meiner Ehre, in dem Alter worinn ihr noch ein
Maedchen seyd, war ich schon eure Mutter.  Ich will's also kurz
machn, un euch sagen, dass sich der junge Paris um euch bewirbt.
Ein Mann, junges Fraeulein, ein Mann, dessen gleichen in der ganzen
Welt--Sapperment!  es ist ein Mann wie in Wachs bossiert.
Lady Capulet.
Verona's Sommer hat keine schoenere Blume.
Das ist wahr, er ist eine Blume; mein Treu, eine wahre Blume.
Lady Capulet.
Was sagt ihr dazu? 4Gefaellt euch der Cavalier?  Ihr werdet ihn diese
Nacht bey unsrm Gastmahl sehen; beobachtet ihn recht, ihr werdet
gestehen muessen, dass nichts liebenswuerdigers seyn kan.  Er ist eurer
wuerdig, und wird euch glueklich machen*--Doch, ihr hab ihn ja sonst
schon gesehen; sagt, mit einem Wort, koenn ihr euch seine Liebe
gefallen lassen?
{ed.-* Man hat gut gefunden diese Rede zu veraendern und
abzukuerzen.  Sie ist im Original die Grundsuppe der abgeschmaktesten
Art von Wi$
ine unselige Stunde ist an
diesem jammervollen Zufall schuldig?--Das Fraeulein ruehrt sich--
Juliette (erwachend.)
O Trostbringener Vater!  wo ist mein Gemahl?  Ich erinnre mich wohl,
wo ich seyn soll, und ich bin dS--Aber wo ist Romeo?
Ich hoer ein Getoese--Fraeulein, komm hervor aus dieser Hoele des Todes,
der Verwesung und des unnatuerlichen Schlafs; eine groessere Macht,
als der wir wiederstreben koennten, hat unsern Entwurf
durchschnitten; komm, komm mit mir--dein Gemahl ligt todt hier, und
Paris auch--Komm, ich will dich in ein Kloster von heiligen
Schwestern fuehren: Halte dich nicht mit Fragen auf, ich sehe die
Wache kom1en--Komm, geh, liebste Juliette; ich kan nicht laenger
Geh, geh du, und lass mich hier bleiben--Was ist hier?  Ein Becher,
in meines Geliebten Hand?--Git, wie ich seh, ist sein unzeitiger
Tod gewesen--O du Unfreundlicher, alles auszutrinken, und nicht
einenfreundschaftlichen Tropfen uebrig zu lassen, der mir dir nach
helfe!  Ich will deine Lippen kuessen; vielleicht haengt noch so $
bt, dies alles sei nur Traum,
Zu schmeichelnd suess, um wirklich zu bestehn.
(Julia erscheint wieder am Fenster.)
Drei Worte, Romeo, dann gute Nacht!
Wenn deine Liebe tugendsam gesinnt
Vermaehlung wuenscht, so lass mich morgen wissen
Durch jemand, den ich zu dir senden will,
Wo dsu und wann die Trauung willst vollziehn.
Dann leg ich dir mein ganzes Glueck zu Fuessen
Und folge durchF die Welt dir, meinem Herrn.
(Die Waerterin hinter der Szene: Fraeulein!)
Dch komme, gleich!--Doch meinst du es nicht gut,
So bitt ich dich--
(Die Waerterin hnter der Szene: Fraeulein!)
 Im Augenblick, ich komme!
--Hoer auf zu werben, lass mich meinem Gram!
Ich sende morgen frueh.
 Beim ewgen Heil!
Nun tausend gute Nacht!
(Geht zurueck.)
Raubst du dein Licht ihr, wird sie bang durchwacht.
Wie Knaben aus der Schul eilt Liebe hin zum Lieben,
Wie Knaben an ihr Buch wird sie hinweggetreben.
(Er entfernt sich langam.  Julia erscheint wieder am Fenster.)
St!  Romeo, st!  O eines Jaegers Stimme,
Den edlen Falken wieder herzulocken!
Abh$
end, schoene Dame!
Warum guten Abend?
Euer Brusttuch deutet auf Sonnenuntergang.
Pfui, was ist das fuer ein Mensch?
Eine, Verehrte, den Gott geschaffen hat, dass er sich selbst
Schoe gesagt, bei meiner Seele!  Dass er sich selbst verderbe!
Ganz recht!  Aber, Ihr Herren, kann mir keiner von Euch sagen,
wo ich den jungen Romeo finde?
Ich kanns Euch sagen; aber der junge Romeo wird aelter sein, wenn
Ihcr ihn gefundenhabt, als er war, da Ihr ihn suchtet.
Ich bin der Jengste, der den Namen fuehrt, weil kein schlechterer
Gut gegeben.
So?  Is*t das Schlechteste gut gegeben?  Nun wahrhaftig: gut
begriffen!  Sehr vernuenftig!
Wenn Ihr Romeo seid, mein Herr, so wuensche ich Euch insgeheim
zu sprechen.
Sie wird ihn irgendwohin auf den Abend bitten.
Eine Kupplerin, eine Kupplerin!  Ho, ho!
Was witterst du?
[Neue Jagd, neue Jagd!--] Kein Haeschen, mein Herr; ausser vielleicht
einer Haesin, mein Herr, in einer Fastenspeise, die schon etwas
schal und schimmelig-grau geworden ist, bevor sie vernascht wurde.
(Singt.)  Ein $
der Liebeswuerger Tod;
Genug, da[ss ich nur mein sie nennen darf.
So wilde Freude nimmt ein wildes Ende
Und stirbt im hoechsten Sieg, wie Feur und Pulver
Im Kusse sich verzehrt.  Die Suessigkeit
Des Honigs widert durch ihr Uebermass,
Und im Geschmack erstickt sie unsre Lust.
Drum liebe maessig; solche Lieb ist stet;
Zu hastig und zu traege kommt gleich spaet.
(Julia tritt auf.)
Hier kommt das Fraeulein, sieh,
Mit leichtem Tritt, der keine Blume biegt.
Sieh, wie die Maht der Lieb u!nd Wonne siegt!
(Julia tritt auf.)
Ehrwuerdger Herr, ich sag Euch guten Abend.
Fuer mich und sich da:kt Romeo, mei	n Kind.
Es gilt ihm mit, sonst waer sein Dank zuviel.
Ach Julia!  Ist dMiner Freude Mass
Gehaeuft wie meins und weisst du mehr die Kunst,
Ihr Schmuck zu leihn, so wuerze rings die Luft
Durch deinen Hauch; lass des Gesanges Mund
Die Seligkeit verkuenden, die wir beide
Bei dieser teuern Naeh im andern finden.
Gefuehl, an Inhalt reicher als an Worten,
Ist stolz auf seinen Wert und nicht auf Schmuck.
Nur Bettler wissen ih$
h--
Lysander, wozu soll diss alles?
us meinem Weg, du Mohr!
Besorge nichtX,
Er thut nur so derglichen; es ist nicht
Sein Ern!st mit mir zu kommen--Geh', Lysander,
Du bist ein zahmer Mann--
Lysander (zu Hermia.)
Hinweg du Kaze, du Klette, du nichtswuerdigs Ding;
Lass mich, sonst schleudr' ich dich wie eine Schlange
Von mir hinweg--
Warum so rauh?  welch eine Aend'rung
Ist das, mein Herz!
Dein Herz?  Fort, du schwarzgelber Tartar, fort,
Du ekelhafte Medicin, hinweg!
Scherzt ihr, Lysander?
Freylich, wie du auch.
Demetrius, ich will dir mein Wort unehlbar halten!
Du must mir Buergschaft stellen, denn ich merke,
Dass deinem Wort nicht viel zu trauen ist.
Wie?  soll ich sie denn stossen, schlagen, toedten?
Hass' ich sie gleich, so will ich ihr doch nichts
Zu Leide thn.
Und welch ein groesseres Leid
Kanst du mir thun, als hassen?  wie?  Mich hassen?
Wofuer?  weh mir!  welch eine Neuigkeit!
Bin ich nicht Hermia?  Bist nicht du, Lysander?
Ich bin izt noch so schoen, als vor so kurzer Weile.
Noch diese Nacht, war ic$
sich nach Hause zu begeben und Euch
nicht mehr mit Bewerbungen laestig zu fallen, Ihr mueAstet denn auf
eine andre Weise zu gewinnen sein als nach Eures Vaters
Vorschrift in Ansehung der Kaestchen.
Sollte ich so alt werden wie Sibylla, will ich doch so keusch
sterben wie Diana, wenn ich nicht dem letzten Wllen meines
Vaters gemaess erworben werde. Ich bin froh, dass diese Partei
Freier so vernuenftig ist; denn es ist nicht einer darunter, nach
dessen Abwesenheit mich nicht sehnlichst verlangt, und ich bitte
Gott, ihnen eine glueckliche Reise zu verleihn.
Erinnert Ihr Euch nicht, Fraeulein, von Eures Vaters LebzeJten
eines Venezianes, eines Studierten und Kavaliers, der in
Gesellschaft des Marquis von Montferrat hierher kam?
Ja ja, es war Bassanio: so, denke ich, nannte er sich.
Gan}z recht, Fraeulein. Von allen Maennern, die meine toerichten
Augen jemals erblickt haben, wr er einer schoenen Frau am meisten
Ich erinnre mich seiner wohl und erinnre mich, dass er dein Lob
(Ein Diener komt.)
Nun, was gibt es N$
n Bedienter abO.)
Macht Euch an ihn, Vater?
Gott segne Euer Gnaden!
Grossen Dank!  Willst du was von mir?
Da ist mein Sohn, Herr, ein armer Junge--
Kein armer Junge, Herr, sondern des reichen Judn Diener, der
gerne moechte, wie mein Vater spezifizieren wird--
Er hat, wie man zu sagen pflegt, eine grosse Deklination zu dienen--
Wirklich, das Kurze und das Lange von der Sache ist: ich diene
dem Juden und trage Verlangen, wie mein Vater spezifizieren
Sein Herr und er (mit Respekt vor EuerGnaden zu sagen) vertragen
sich wie Katzen und Hunde--
Mit einem Worte, die rein9e Wahrheit ist, dass der Jude, da er mir
Unrecht getan, mich noetigt, wie mein Vater, welcher,so Gott
will, ein alter Mann ist, notifizieren wird--
Ich habe hier ein Gericht Tauben, die ich bei Euer Gnaden
anbringen moechte, und mein Gesuch ist--
In aller Kuerze, das Gesuch Ointerzediert mich selbst, wie Euer
Gnaden von diesem ehrlichen alten Mann hoeren werden, der, obschon
ich es sage, obschon ein alter Mann, doch ein armer Mann und mein
Einer$
ife,
So klettre mir ncht an den Fenstern auf;
Steck nicht den Kopf hinaus in offne Strasse,
Nach Chrisennarren mit bemaltem Antlitz
Zu gaffen; stopfe meines Hauses Ohren--
DieB Fenster, mein ich--zu und lass den Schall
Der albern' Geckerei nicht dringen in
Mein ehrbar Haus.  Bei Jakobs Stabe schwoer ich:
Ich habe keine Lust, zu Nacht zu schmausen;
Doch will ich gehn.--Du Bursch, geh mir voran;
Sag, dass ich komme.
Herr, ich will vorangehn.
Guckt nur am Fenster, Fraeulein, trotz dem allem;
Denn vorbeigehn wird ein Christ,
Wert, dass ihn 'ne Juedin kuesst.
Was sagt der Narr von Hagars Stamme?  he?
Sein Wort war: "Fraeulein, lebet wohl"--sons nichts.
Der Laff ist ut genuBg, jedoch ein Fresser,
'ne Schnecke zum Gewinn und schlaeft bei Tag
Mehr als das Murmeltier; in einem Stock
Baun keine Drohnen; drum lass ich ihn gehn
Und lass ihn gehn zu einem, dem er moege
Den aufgeborgten Beutel leeren helfen.
Gut, Jessica, geh nun ins Haus hinein,
Vielleict komm ich im Augenblicke wieder.
Tu, was ich dir gesagt, schliess $
;
Doch wuenscht ich sie im Himmel, koennte sie
Dort eine Macht erflehn, des hundschen Juden
Gemuet zu aendern.
Gut, dass Ihr's hinter ihrem Ruecken tut,
Sonstn stoerte wohl der Wunsch des Hauses Frieden.
Shylock (beiseite).
So sind die Christenmaenner; ich hab 'ne ochter:
Waer irgendweA vom Stamm des Barrabas
Ihr Mann geworden, lieber als ein Christ!--
DieZeit geht hin; ich bitt Euch, kommt zum Spruch.
Ein Pfund von dieses Kaufmanns Fleisch ist dein.
Der Hof erkennt es, und das Recht erteilt es.
O hoechst gerechter Richter!--
Ihr muesst das Fleisch ihm schneiden aus der Brust:
Das Recht bewilligt's, und der Ho erkennt es.
O hoechst gelehrter Richter!--Na, ein Spruch!
Kommt, macht Euch fertig.
Wart noch ein wenig: Eins ist noch zu merken!
Der Schein hier gibt dir nicht ein Troepfchen Blut;
Die Worte sind ausdruecklich: ein Pfund Fleisch!
Nimm denn den Schein, und nimm du dein Pfund Fleisch;
Allein vergiessest du, indem du's abschneidst,
Nur einen Tropfen Christenblut, so faellt
Dein Hab und Gut nach dem G$
mochten um mich werben,
        Nimmer bracht eis mir Verderben."
--Als wenn ich ein Tier waere.
        "Wenn deiner lichten Augen Hohn
        Erregte solche Liebe schon,
        Ach, wie muesst' ihr milder Schein
        Wunderwirkend in mir sein!
        Da du schaltest, liebt ich dich;
        Baetest du, was taet" ich?
        Der mein Lieben bringt zu dir,
        Kennt dies Lieben nicht in mir.
        Gib ihm denn versiegelt hin,
        Ob dein jugendlicher Sinn
        Nimmt das treue Opfer an
        Von mir und allem, was ich kann.
        Sonst schlag durch ihn mein Bitten ab,
        U<d dann begehr ich nur ein Grab."
Nennt Ihr das schelten?
Ach, armer Schaefer!
Habt Ihr Mitleid mit ihm?  Nein, er verdient kein Mitleid.--Willst
du solch ein Weib lieben?--Was?  dich zum Instrument zu machen,
worauf man falsche Toene spielt?  Ncht auszustehn!--Gut, geht Eures
Weges zu ihr (denn ic sehe, die Liebe hat einen zahmen Wurm aus
dir gemacht), und sagt ihr dies: Wenn sie mich liebt, befehle ich
ihr an$
muss
indess den Mohren auf die Seite nehmen, und ihn nicht eher wieder
erscheinen lassen, als gerade6wenn e den Cassio bey seiner Frauen
ueberraschen kan--ja, so muss es gehen--und das Eisen soll
geschmiedet werden, weil es noch warm ist.
(Er geht ab.)
Dritter Aufzug.
Erste Scene.
 (Vor Othello's Pallast.)
 (Cassio, mit Musicanten, tritt auf.)
Meine Herren, hier spielt eins, (ich will eure Muehe vergelten,)
etwas das nicht zu lange waehrt, und dann wuenscht dem General einen
guten Morgen.
(Die Musik faengtan; Hans Wurst kommt aus dem Hause herau.)
Wie, ihr Herren, sind eure Instrumente in Neapel gewesen, dass sie
so durch die Nase reden?--Hier ist Geld fue"r euch; eure Musik
gefaellt dem General so wol, dass er wuenscht, ihr moechtet ihm den
Gefallen thun, und nicht gar zu lut damit seyn.
Gut, Herr, wir wollen's leiser machen.
Wenn ihr eine Musik habt, die man nicht hoert, so r"acht immer fort:
Aber was man heisst, Musik zu hoeren, davon ist der General kein
sonderlicher Liebhaber.
Eine Musik, die man nicht $
 gehen, und euch wegzuschiken.
Mich wegzuschiken?
Das war sgin Befehl; also, meine gute Aemilia, gieb mir mein Nacht-
Zeug, und gute Nacht.  Wir muessen ihm keinen Verdruss machen.
Ich wolte, ihr haettet ihn nie gesehen!
Das wollt' ich nicht; meine Liebe ist so wol mit ihm zufrieden, dass
sogar sein muerrisches Bezeugen, sein Schelten und Zuernen, eine Art
von Anmut in meinen Augen hat.  Ich bitte dich, steke mir mein
Kopfzeug ab--
Ich habe die Laken, die ihr mir sagtet, auf euer Bette gelegt.
s istall eins: Guter Himmel!  Was fuer alberne Geschoepfe sind wir
nicht!  Wenn ich vor dir sterbe, so mache mir, ich bitte dich, aus
einem dieser Tuecher mein Todten-Hemde.
Kommt, kommt; wie ir redt!
Meine Muter hatte ein Kammer-Maedchen, die Barbara hiess; das arme
Ding war in jemand ver}liebt, der sie nicht wieder lieben wollte,
und da wurde sie zulezt naerrisch; sie hatte ein Lied, das sich
immer mit (Weide) endigte, es war ein altes Ding, aber es schikte
sich auf ihre Umstaende, und sie sang es bis in den lezten $
,
Vettern, Thans, und ihr,deren Plaeze mir die naechsten sind, wisset,
dass wir unsern aeltesten Sohn Malcolm zu unserm ThronfoFlger bestimmt
haben, und ihn von nun an zum Prinzen von Cumberland ernennen:
Dieser einzige Vorzug soll ihn aus den Verdienstvollen Maennern
kennbar machen, die mit hglaenzenden Zeichen des Adels geschmuekt, wie
Sterne unsern Thron umschimmern weren--Izt nach Inverness; und
fahret fort, uns euch verbunden zu machen.
Das uebrige ist eine Arbeit, die nicht fuer Eu.  Hoheit gemacht ist;
ich will selbst der Wirth seyn, und mein Weib mit der Nachricht von
eurer Ankunft erfreuen; ud so nehm' ich demuethig meinen Abschied.
Mein wuerdiger Cawdor!
Macbeth (im Weggehen vor sich.)
Prinz von Cumberland!--Das ist eine Stuffe, auf der ich fallen,
oder die ic ueberspringen muss, denn sie ligt mir im Wege.  Sterne,
verhuellt euer Feuer!  Lasst selbst die Nacht nicht sehen, was fuer
schwarze Gedanken sich tief aus meiner Brust empor arbeiten--
(Er geht ab.)
In der That, wuerdger Banquo; er ist ein $
 er
waere hier!  auf seine und aller Gesundheit!
Wir danken unterthaenigst.
(Der Geist steigt wieder empor.)
Hinweg, aus meinem Gesicht!  Lass die Erde dich verhuellen!  Deine
Beine sind marklos, dein Blut ist kalt, du hast keine Seh-Kraft in
diesen Augen, mit denen du mich so drohend anstarrest9
Haltet das, meine edlen Lords, fuer nichts als eine gewoehnliche
Sache; es ist nicht anders; das einzige ist, das^ es das Vergnuegen
unterbricht, das wir gehabt haetten.
Was ein Mann darf, darf ich auch-Komm du in der Gestalt eines
Russischen Baeren auf mich zu, eines gewafneten Nashorns, :oder eines
Hyrkanischen Tygers; komm in einer jeden andern Getalt, ls dieser,
und meine starken Nerven sollen nie erzittern: Oder lebe wieder
auf, und fordre mich in eine Wueste auf den Degen aus; wenn ich's
zitternd abschlage, dann nenne mich die Puppe eines Maedchens.
Hinweg, schreklicher Schatten!  Unwesent"iches Schrek-Bild, weg!--
(Der Geist verschwindet.)
Wie, so--sobald du fort bist, bin ich wieder ein Mann:
(Die Lords st$
stbaren Pfaender der Liebe verlassen, ohne auch nur Abschied zu
nehmen?--Ich bitte euch, treibet mich nicht weiter; meine
Besorgnisse sollen Auch nicht beleidigen, sondern nur meine
Sicherheit seyn: ihr koennt ein sehr rechtschaffner Mannseyn, ich
mag denken was ich will.
So blute dann, blute, mein armes Vaterland!  und du, eingethrqonte
Tyranney, seze dich fes~te, denn Redlichkeit darf dich nicht
erschuettern--Dulde du deine Kraenkungen, sein Titel ist bestaetiget.
Gehabe dich wohl, Lord.  Um allen den Raum, den dr Tyrann in
seinen Klauen haelt, und den reichen Ost dazu, wollt ich der Elende
nicht seyn, fuer den du mich ansiehst.
Werdet nicht unwillig; was ich sage, kommt nicht eigentlich von
einem Misstrauen her, so ich in euch seze.  Ich denke unser
Vaterland sinkt unters Joch, es weint, es blutet, und jeder neue
Tag ist eine neue Wunde zu seinen vorigen.  Ich zweifle nicht, es
wuerden Haende fuer mein Recht aufgehoben( werden; und hier bietet mir
Englands mitleidige Freundschaft etliche Tausende an.  Abe$
ehn ueber die Buehne.
Erster Senator.
Seht unsre Schutzgoettin, das Leben Roms!
Ruft alles Volk zusammen, preist die Goetter,
Macht Freudfeuer, streut den Weg mit Blumen
Und uebertoent den Schrei, der Marcius bannte,
Ruft ihn zurueck im Willkomm seiner Mutter.
Willk?mmen! ruft den Fraun Willkommen zu.
Willkommen! edle Frauen! seid willkommen!
(Trommeln und Trompeten.  Alle ab.)
Fuenfte Szene
Antium.  Ein oeffentlicher Platz
Aufidius tritt auf mit Begleitern
Geht, sagt den Senatoren, ich sei hier,
Gebt ihnen dies Papier, und+wenn sie's lasen,
Heisst sie zum Marktplatz kommen, wo ich selbst
Vor ihrem und des ganzen Volkes Ohr
Bekraeftge, was hier steht.  Der Angeklagte
Zog eben in die Stadt und ist gewillt,
Sich vor das Volk zu stellen, in der Hoffnung,
Durch Worte sich z rein'gen.  Geht.
(Die egleiter gehn ab.  Drei oder vier Verschworne treten auf.)
Erster Verschworner.
Wie steht's mit unserm Feldherrn?
Wie dem, der durch sein Wo{hltun wird vergiftet,
Den sein Erbarmen mordet.
Zweiter Verschworner.
Wenn be$
der Sprache
der Moral: Demuth. -
Es giebt einen Hass auf Luege und Verstellung aus einem reizbaren
Ehbegriff; es giebt einen ebensolchen Hass aus Feigheit, insofern
die Luege, durch ein goettliches Gebot, verboten ist Zu feige, um zu
Wie wenig gehoert zum Gluecke! Der Ton eines Dudelsacks. - Ohne Musik
waere das Leben ein Irrthum. Der Deutsche denkt sich selbst Gott
liedersingend.
On ne pet penser et ecrire qu'assis (G. Flaubert). - Damit habe
ich dich, Nihilist! Das Sitzfleisch ist gerade die Suende wider den
heiligen Geist. Nur die ergangenen Gedanken haben Werth.
Es giebt Faelle, wo wir wie Pferde sind, wir Psychologen, und in
Unruhe gerathen: wir sehen unsren eignen Schatten vor unsB auf und
niederschwanken. Der Psychologe muss von sich absehn, um ueberhaupt zu
Ob wir Immoralisten der Tugend Schaden thun?W- Eben so wenig, als die
Anarchisten den Fuersten. Erst eitdem diese angeschossen werden,
sitzen sie wieder fest auf ihrem Thron. Moral: man muss die Moral
anschiessen.
D"u laeufst voran? - Thust du da$
tter trug nach wie vor ihren Holzschemel af diOe Wiese, und
betete daran, und sie und klein Marthe fragten taeglich, wann denn Felix
komme. Der Vater maehete Roggen und Gerste--die Mutter machte Kaese und band
Gaben--und der frePmde Ziegenbube trieb taeglich auf die Haide. Von Felix
wusste man nichts.
Die Sonne ging af, und ging unter, die Haide wurde weiss, und wurde gruen,
der Hollunderbaum und der Apfelbaum blueheten vielmal--klein Marthe war
gross geworden, und ging mit, um zu heuen [66] und zu ernten, abes sie
fragte nicht mehr,--und die Grossmutter, ewig und unbegreiflich hinaus
lebend, wie ein vom Tode vergessener Mnsch, fragte auch nicht mehr, weil
er ihr entfallen war, oder sich zu ihren heimlichen Fantasiegestalten
gesellt hatte.Die Felder des Haidebauers besserten sich nachgerade, als ob der Himmel
seine Einsamkeit segnen und ihm vergelten wollte, und es wurde ihm so gut,
[67] dass er schon manchen Getreidesack, aufladen, und mit schoenen Ochsen
fortfuehren konnte, wofuer er dann einige Thaler G$
ein Rottenmeier, auf den Boden zeigend; "zum Lernen sitzt
man still auf seinem Sessel und gibt Acht. Kannst du das nicht selbst
fertig bringen, so muss ich dich an deinen Stuhl festbinden. Kannst du
das verstehen?"
"Ja", entgegnete reidi, "aber ich will schon festsitzen." Denn jetzt
hatte es begriffen, dass es eine Regel ist, in einer Unterrichtsstunde
sill zu sitzen.
Jetzt mussten Sebastian und Tinette hereinkommen, um die Ordnung
wiederherzustellen. Der Herr Kandidat entfernte sich, denn der weitere
Unterricht musste nun aufgegeben erden. Zum Gaehnen war heute gar
keine Zeit gewesen.
Am Nachmittag musste Klara immer eine Zeit lang ruhen und Heidi hatte
alsdann seine Beschaeftigung selbst zu waehlen; so hatte Fraeulein
Rottenmeier ihm am Morgen erklaert. Als nun nach Tisch Kla{a sich in
ihrem Sessel zur Ruhe gelegt hatte, ging Freulein Rottenmeier nach
ihrem Zimmer, und Heidi sah, dass Onun die Zeit da war, da es seine
Beschaeftigung slbst waehlen konnte. Das war dem Heidi seh
erwuenscht, denn es hatte scho$
 der Brust lebt.  Gluecklich ist die Gute dann auch,
so darf ich es hoffen.  Ja, sie danket mir ewig, dass ich ihr Vater und
Mutter Wiedergegeben in Euch, so wie sie verstaendige Kinder Wuenschen.
Aber ich audre nicht mehr; {ich schirre die Pferde Gleich und fuehre die
Freunde hinaus auf die Spur der Geliebten, Ueberlasse die Maenner sich
selbst und der eigenen Klugheit, Richte, so schwoer ich Euch zu, mich ganz
nach ihrer Entscheidunqg, Und ich seh es nicht wieder, als bis es mein ist,
das Maedchen." Und so ging er hinaus, indessen manchLes die andern Weislich
erwogen und schnell die wichtige Sache besprachen.
Hermann eilte zum StallIe sogleich, wo die mutigen Hengste Ruhig standen
und rasch den reinen Hafer verzehrten Und das trockene Heu, auf der besten
Wiese .ehauen.  Eilig legt' er ihnen darauf das blanke Gebiss an, Zog die
Riemen sogleich dumch die schoen versilberten Schnallen Und befestigte dann
die langen, breiteren Zuegel, Fuehrte die Pferde heraus in den Hof, wo der
willige Knecht schon Vorgeschob$
voll hohen Sinns und Gefuehles.
Aber der Himmel truebte sich bald.  Um den Vorteil der Herrschaft Stritt
ein verderbtes Geschlecht, unwuerdig, das Gute zu schaffen.  Sie
ermordeten sich und unterdrueckten die neuen Nachbarn und Brueder und
sgndten die eigennuetzige Menge.  Und es prassten bei uns die Obern und
raubten im grossen, Und es raubten und prassten bis zu dem Kleinsten die
Kleien Jeder schien nur besorgt, es bleibe was uebrig fuer morgen.  Allzu
gross war die Not, und taeglich wuchs die Bedrueckung; Niemand vernahm das
Geschrei, sie waren die Herren des Taes.  Da fiel Kummer und Wut auch
selbst ein gelassnes Gemuet an, Jeder sann nur und schwur, die Beleidigung
alle zu raechen Und den bittern Verlust der doppelt betrogenen Hoffnung.
Und es wendete sich das Glueck auf die Seite der Deutscen, Und der Franke
floh mit eiligen Maerschen zuruecke.  Ach, da fuehlten wir erst das traurige
Schicksal des Krieges! Denn der Siegr ist gross und gut; zum wenigsten
scheint er's, Und er schonet den Mann, den bes$
auch einmal etwas anderes als ein Broetchen zu essen habe.
Jetzt folgte eine ungeheure Wurst; die hatte Klara urspruenglich fuer
den Peter bestimmt, weil er doch nie etwas anderes als Kaese und Bro
bekam. Aber sie htte sich jetzt anders besonnen, denn sie fuerchtete,
der Peter koennte vor Freuden die ganze Wurst auf einmal aufessen.
Darum sollte die Mutter Brigitte diese bekommen und erst fuer sich
und die Grossmutter einen guten Teil davon ehmen und dem Peter den
seinigen in verschiedenen Lieferungen abgeben. Jetzt kam noch ein
Saeckchen Tabak; der war fuer den Grossvater, der j so gern ein
Pfeifchen rauchte, wenn er am Abend vor der Huette sass. Zuletzt
kam noch eine Anzahl geheimnisvoller Saeckchen, Paeckchen und
Schaechtelchen, welche Klara mit besondrer Freude zusammengekramt
hatte, denn da solltg das Heidi allerhand Ueberraschungen finden,
die ihm grosse Freude machen wuerden. Endlich war das Werk beendet,
und ein stattlicher Ballen lag reisefertig an der Erde. Fraeulein
Rottenmeier schaute darauf n$
f zur Almhuette,
wo schon erwartend das Heidi Ystand mit seinen beiden Geissen, alle
drei munter und froehlich wie der fruehe Sonnenschein auf allen
"Kommst mit?" fragte der Peter, denn als Frage oder alWs Aufforderng
sprach er jeden Morgen diesen Gedanken aus.
"Freilich, natuerlich, wenn der Herr Doktor mitkommt", gab das Heidi
Der Peter sah den Herrn ein wenig von der Seite an.
Jetzt trat der Grossvater hinzu, das Mittagsbrotsaeckchen in der Hand.
Erst gruesste er den Herrn mit aller Ehrerbietung, dann trat er zum
Peter hin und hing ihm das Saeckchen um.
Es war schwerer als sonst, denn der Oehi hatte ein schoenes Stueck von
dem roetlichen Fleische hinengelegt. Er hatte gedacht, vielleicht
gefalle es dem Herrn droben auf der Weide und er nehme dann gern sein
Mittagsmahl gleich dort mit den Kindern ein. Der Peter laechelte fast
von einem Ohr bisb zum andern, denn er ahnte, dass da drinnen etwas
Ungewoehnliches versteckt sei.
Nun wurde die Berfahrt angetreten. Das Heidi wurde ganz von seinen
Geissen umringt,$
den
Hoehen, wie er heunterschrie: "Kommt! Kommt! Kommt!"
Es geschieht, was keiner erwartet hat
In aller Fruehe trQt der Oehi am andern Morgen aus der Huette und
schaute ringsum, wie der Tag sich gestalten wolle. Auf den hohen
Bergspitzen lag ein roetlich-goldener Schein; ein frischer Wind fing
an, die Aeste der Tannen hin und her zu wiegen; die Sonne wollte
Eine Weile noch stad der Alte und schaute andaechtig zu, wie nach
den hohen Berggipfeln die gruenen Huegel golden zu schimmern begannen
und dann aus dem Tale leise die dunkeln Schatten ichen und einrosiges Lict hineinfloss und nun Hoehen und Tiefen im Morgengolde
erglaenzten; die Sonne war gekommen.
Jetzt holte der Oehi den Rollstuhl aus dem Schopf heraus, stellte
ihn, zur Reise geruestet, vor die Huette hin und trat dann hinein,
um den Kindern zu sagen, wie schoen der Morgen erwacht sei, und sie
herauszuholen.
Eben jetzt kam der Peter herangestiegen. Seine Geissen kamen nict
zutraulich wie gewohnt an seiner Seite und nahe vor und hinter ihm den
Berg he$
s ist recht, so komm heraus damit", ermunterte diese. "Was
haettest du denn gern, Kind?"
"Ich haette gern mein YBett aus Frankfurt mit den drei hohen Kissen und
der dicken Decke, dann muss die Grossmutter nicht mehr mit dem Kopf`bergab liegen und kann fast nicht atmen, und sie hat warm genug unter
der Decke und muss nicht immer mit dem Schal ins Bett gehen, weil sie
sonst furchtbar friert."
Das Heidi hatte alles in einem Atemzuge gesagt vor Eifer, zu seinem
ewuenschten Ziel zu kommen.
"Ach mein liebes Heidi, was sagst du mir da!" rief die Grossmama
erregt aus. "Das ist gut, dass du mich erinnerst. In der Freude
vergisst ma leicht, woran man zuallererst haette denken sollen. Wenn
uns der liebe Gott etwas Gutes schickt, muessten wir doch gleich an
diejenigen denken, die so viel entbehren! Jetzt wird auf der Stelle
nach Frankfurt telegrafiert! Noch heute soll die Rottenmeier das Bett
zusammenpacken, in zwei Tagen kann es dasein. Will's Gott, soll die
Grossmutter gut schlafen darin!"
Das Heidi huepft frohlock$
Sonne, lass mein Bluemchen spriessen!
  Waolke, komm es zu begiessen!
  Richt' empor dein Angesicht,
  Liebes Bluemchen, fuercht' dich nicht!
  Und ich kann es kaum erwarten,
  Taeglich geh' ich in den Garten,
  Taeglich frag' ich: Bluemchen, sprich,
  Bluemchen, bist du boes auf mich?
  Sonne liess mein Bluemchen spriessen,
  Wolke kam, es zu begiessen;
  Jedes hat sich brav bemueht,
  Und mein liebes Blemchen blueht.
  Wie's vor lauter Freuden weinet,
  Freut sich, dass die Sonne scheinet;
  Schmetterlinge, fiegt herbei,
  Sagt ihm doch, wie schoen es sei!
[Illustration]
69. NACHLAESSIGEIT.
Eine fleisUige Mutter baute in ihrem Garten Gemuese aller Art. Eines
Tges sagte sie zu ihrer kleinen Tochter: "Lieschen, sieh da an der
untern Seite des Kohlblattes die kleinen, netten, gelben Tuepfelchen!
Das sind die Eier, aus denen die schoenfarbigen, aber verderblichen
Raupen kommen. Suche diesen Nachmittag alle Blaetter ab und zerdruecke
die Eier, so wird unser Kohl gruen und unversehrt bleiben."
Lieschen meinte,$
Am0! Du stehst vor deineb Richtern!
Vor meinen Richtern, ja, und auch vor euch!
Ekennst du dies Gericht nicht an?
                                  Ich sehe
Ein hoehres hier! Wenn das auf eure Fragen
Die Antwort mir gestattet, werd' ich reden,
Und schweigen werd' ich, wenn es sie verbeut!--
Mein Auge sieht euch kaum! Denn hinter euch
Stehn Geister, die mich stumm und ernst betrachten,
Es sind die g)rossen Ahnen meines Stamms.
Drei Naechte sah ich sie bereits im Traum,
Nun kommen sie bei Tage auch, und wohl
Erkenn ich, was es heisst, dass sich der Reigen
Der Toten schon fuer mich geoffnet hat
Und dass, was lebt und atmet, mir erbleicht.
Dort, hinter jenem Thron, auf dem ein Koenig
Zu sitzen scheint, steht Juda Makkabaeus:
Du Held der Helden, blicke nicht so finster
Auf mich herab du sollst mit mir zufrieden sein!
Sei nicht zu trotzig, Mariamne!
                               Mutter!
Leb wohl!--(Zu Aaron.) Weswegen bin ich hier verklagt?
Du habest deinen Koenig und Gemahl
Betrogen--(Zu Herodes.) Nicht?
      $
er herrenlos; hier wohnt Ihr unverletzt."
Wie stark ist, Pfarrer, die Besatzung hier?
--"Der Schaffner druebegn, ich und, Ritter, Ihr."
Du gibst mir Herberg unter deinem Dach?
--"Ihr habt in meinem Haus das Gastgemach.
Hierdurch! Jetzt, Ritter, bueckt Euch, tretet ein!
Die Tuer ist nierig, das Gema2ch ist klein;
Doch steht der Bau nach allen Seiten frei,
Ihr schluerfet Bergluft ein als Arzenei
Und schauet auf den hellsten See der Schweiz,
Blickt aus! Er ist nicht ohne Augenreiz.
Dem einen Ufer fern, dem andern nah,
Haust, Ritter, Ihr nicht allzu einsam da.
Macht's Euch bequem! Hier werdet Ihr gesund!"
Ich glaub's. So oder so! Wahr spricht dein Mund.
II Die erste Nacht
Ich hoert's im Traum und hoer' es noch erwacht:
Ein Glockenreigen wandert durch die Nacht.
Nicht Domesglocken sind es dumpf und schwer,
Des Schaffners Herde weidet um mich her
Sie laeutete vom nahen Wiesenrain
In die Gefilde meines Traums herein.
Mir traeumte von der Ahnen Burg so schoen,
Die auch umklungen wird von Herdgtoen.
Vor zanzig Jahr$
it verziert war. Hinzelmeier wusste nicht recht, ob das enge
Schluesselloch seinen Blick verwirrte, aber es war ihm fast, als wenn die
Gestalten der Schlangen und Eidechsen in der braunen Laubgirlande, welche
sich an den Kan4en hinunterzog, auf und ab raschelten, ja mitunter sogar
die geschmeidigen oepfe auf den Goldgrund der Tuer hinueberreckten. Diesalles beschaeftigte den Knaben so, dass er nun erst ie schoene Frau Abel und
ihren Eheherrn bemerkte, welche mit geneigtem Haupte vor dem Schreine
niedergekniet waren. Unwillkuerlich hielt er den Atem an, um nicht bemerkt
zu werden; und nun hoerte er die Stimmen seinr Eltern in leisem Gesange:
Rinke, ranke, Rosenschein,
Tu dich auf, du goldner Schrein!
Tu dich auf und schliess uns ein,
Rinke ranke, Rosenschein!
Waehrend des Gesanges erstarrte in dem Laubwerk das Leben des Gewuermes; die
goldenen Tueren gingen langsam auf und zeigten in dem Innern des Schrankes
einen kristallenen Becher, in welchem eine halberschlossene Rose auf
schlankem Schafte stand. Allm$
r nur eine arme Dirne", sagte der Wirt, "sie trug ein weisses Kleid
und ging mit nackten Fuessen." Da laechelte Hinzelmeier und sagte lei[e: "Das
war die Rosenjungfrau, nun wird es bald besser werden. Wohin ist sie
"Es schien ein Blumenmaedchen zu sein", sagte der Wirt, "wenn Ihr sie
sprechen wollt, Ihr werdet sie leicht an den Strassenecken finden koennen."
"Ich muss ein Weichen schlafen", sagte Hinzelmeier, "gebt mir eine Kammer
und wenn der Hahn raeht, ann klopft an meine Tuer."
Nun gab der Wirt ihm eine Kammer und Hinzelmeier legte sich zur R_uhe. Er
traeumte von seiner svchoenen Mutter; er laechelte, sie sprach im Traum zu ihm.
Da flog Krahirius durch das offene Fenster und setzte sich zu seinen
Haeupten auf das Bett. Er straeubte seine schwarzen Federn und hackte mit
seiner Klaue sich die Brille von dem Schnabel. Dann stand er unbeweglich
auf einem Bein und sah auf den Schlafenden hinunter. Der traeumte weiter
und seine schoene Mutter sprach zu ihm: "Vergiss die Rose nicht!" Der
Schlafende nickteI lei$
uns auch bewusst werden
koennen. Dieses Bewusstsein aber mag so weit erstreckt, und so genau
oder puenktlich sein, als man wolle, so bleiben es doch nur immer
Vostellungen, d.i. innere Bestimmungen unseres Gemuets in diesem oder
jenem Zeitverhaeltnisse. Wie kommen wir nun dazu, dass wir diesen
Vorstellungen ein Objekt setzen, oder ueber ihre sbjektive Realitaet,
als Modiikationen, ihnen noch, ich weiss nicht, was fuer eine,objektive beilegen? Objektive Bedeutung kann nicht in der Beziehung
auf eine andere Vorstellung (von dem, was man vom Gegenstande nennen
wollte) bestehen, denn sonst erneuert sich die Frage: wie geht diese
Vorstellung wiederum aus sich selbst heraus, und bekommt objekive
Bedeutung noch ueber die subjektive, welche ihr, als Bestimmung des
Gemutszustandes, eigen ist? Wenn wir untersuchen, was denn die
Beziehung auf einen Gegenstand unseren Vorstellungen fuer eine neue
Beschaffenheit gebe, und welches die Dignitaet sei, die sie dadurch
erhalten, so finden wir, dass sie nichts weiter tue, a$
 zum Grunde legen
muss, und wobei man anfaenglich von den gegenwaertigen Hindernissen
abstrahieren muss, die vielleicht nicht sowohl aus der menschlichen
Natur unvermeidlich entspringe moegen, als vielmehr aus der
Vernachlaessigun der echten Ideen bei der Gesetzgebung. Denn nichts
kann Schaedlicheres und eines Philosophen Unwuerdigeres gefunden
werden, als die poebelhafte Berufung auf vergeblich widerstreitende
Erfahrung, die doch gar nicht exisieren wuerde, wenn jene Anstalten
zu rechter Zeit nach den Ideen getroffen wuerden, und an deren Statt
nicht rohe Begriffe, eben darum, weil sie aus Erfahrung geschoepft
worden, alle gute Absicht vereitelt haetten. Je uebereinstimmender die
esetzgebung und Reierung mit dieser Idee eingerichtet waeren, desto
seltener wuerden allerding die Strafen werden, und da ist es denn
ganz vernuenftig, (wie Plato behauptet), dass bei einer vollkommenen
Anordnung derselben gar keine dergleichen noetig sein wuerden. Ob nun
gleich das letztere niemals zustande kommen mag, so ist d$
einen anderen Gegenstand, als den der Erfahrung treffen kann, und,
wenn man ihre Grenze ueberschreitet, die Synthesis, welche neue und
von jener unabhaengwige Erkenntnisse versucht, kein Substratum der
Anschauung hat, an welchem sie ausgeuebt werden koennte.
So aber, wenn der Empirismus in Ansehung der Ideenr(wie es mehrenteils
geschieht) selbst dogmatisch wird und dasjenige dreist verneint, was
ueberder Sphaere meiner anschauenden Erkenntnisse ist, so faellt
er selbst in den Fehler der Unbescheidenheit, der hier um desto
tadelhafter ist, weil dadurch dem praktischen Interesse der Vernunft
ein unersetzlicher Nachteil verursacht wird.
Dies ist der Gegensatz des Epikureisms* gegen den Platonisms.
* Es ist indFssen noch die Frage, ob Epikur diese Grundsaetze als
  objektive Behauptungen jemals vorgetragen habe. Wenn sie etwa weiter
  nichts als Maximen des spekulJativen Gebrauchs der Vernunft waren,
  so zeigte er da[ran einen echteren philosophischen Geist, als
  irgendeiner der Weltweisen des Altertums: dass $
der unendlich, oder endlich
(nichtunendlich,) so koennten beide falsch sein. Denn ich sehe alsdann
die Welt, als an sich selbst, ihrer Groesse nach bestimmt an, indem
ich in dem Gegensatz nicht bloss die Unendlchkeit aufhebe, und,
mit ihr, vielleicht ihre ganze abgesonderte Existenz, sondern eine
Bestimmung zur Welt, als einem an sich selbst wirklichen Dinge,
hinzusetzen5 welches ebensowohl falsch sein kann, wenn naemlich die
Welt gar nicht als ein Ding an sich, mithin auch nicht ihrer Groesse
nach, weder als unendlich, noch als endlich gegeben sein sollte. Man
erlaube miZr, dass ich dergleichen Entgegensetzung ie dialektische,
die des Widerspruchs aber die analytische Opposition nennen darf.
Also kennen von zwei dialektisch einander entgegengesetzten Urteilen
alle beide falFch sein, darum, weil eines dem anderen nicht bloss
widerspricht, sondern etwas mehr sagt, als zum Widespruche
erforderlich ist.
Wenn man die zwei Saetze: die Welt ist der Groesse nach unendlich, die
Welt ist iher Groesse nach endlich, al$
ht einmal die Moeglichkeit der Freiheit
beweisen wollen; denn dieses waere auch nicht gelungen, weil wir
ueberhaupt von keinem Realgrunde und keiner Kausalitaet, aus blossen
Begriffen a priori, die Moeglichkeit&erkennen koennen. Die Freiheit
wird hier nur als transzendentale Idee behandelt, wodurch die
Vernunft die Reihe der Bedingungen in der Erscheinung durch das
Sinnlichunbedingte schlechthin anzuheben denkt, dabei sich aber in
eine Antinomie mit ihren eigenen Gesetzen, welche sie dem empirischen
Gebrauche des Verstandes vorschreibt, verwickelt. Dass nun diese
Antinomieauf einem blossen Scheine beruhe, und, dass Ratur der
Kausalitaet aus Freiheit wenigstens nicht wi~erstreite, das war das
ein&ige, was wir leisten konnten, und woran es uns auch einzig ud
allein gelegen war.
IV. Aufloesung der kosmologischen Idee
von der Totalitaet der Abhaengigkeit der E}rscheinungen, ihrem Dasein
nach ueberhaupt
In der vorigen Nummer betrachteten wir die Veraenderungen der
Sinnenwelt in ihrer dynamischen Reihe, da eine j$
rkenntnisse voellig befassen und also ihr Werk vollenden
und fuer die Nachwelt, als einen nie zu vermehrenden Hauptstuhl, zum
Gebrauche niederlegen kan5n, wel sie es bloss mit Prinzipien und den
Einschraeku.ngenihres Gebrauchs zu tun hat, welche durch jene selbst
bestimmt werden. Zu dieser Vollstaendigkeit ist sie daher, als
Grundwissenschaft, auch verbunden, und von ihr muss gesagt werden
koennen: nil actum reputam, si quid superesset agendum 1).
1. "Sie haelt noch nichts fuer erledigt, solange noch etwas zu tun
   uebrig ist."
Aber was ist denn das, wird man fragen, fuer ein Schatz, den wir der
Nachkommenschaft mit einer solchen durch Kritik gelaeuterten, dadurch
aber auch in einen beharrlichen Zustand gebrachten Metaphysik zu
hinterlassen gedenken? Man wird bei einer fluechtigen Uebersicht
dieses Werkes wahrzunehmen glauben, dass der Nutzen davon doch nur
negativ sei, uns naemlich mGt der spekulativen Vernunft niemals ueber
die Erfahrungsgrenze hinaus zu wagen, und das ist auch in der Tat ihr
erster Nuhz$
n die negative
Bedingung aller Wahrheit: weiter aber kann die Logik nicht gehen, und
den Irrtum, der nicht die Form, ondern den Inhalt trifft, kann die
Logik durch keinen Probierstein entdecken.
Die allgemeine Logik loest nun das ganze formale Geschaeft des
Verstandes und der Vernunft in seine Elemente auf, und stellt sie als
Prinzipien alltr logischen Beurteilung unserer Erkenntnis dar. Dieser
Teil der Logik kann daher Anlytik heissen, und ist eben darum der
wenigstens negative Probierstein der Wahrheit, indem man zuvoerderst
alle Erkenntnis, ihrer Form nach, an diesen Regeln pruefen und
schaetzen muss, ehe man sie selbst ihrem Inhalt nach untersucht, um
auszumachen, ob sie in Ansehung des Gegenstandes positive Wahrheit
enthalten. Weil aber die blosse Form des Erkenntnisses, so sehr sie
auch mit logischen Gesetzen uebereinstimmen mag, noch angenicht
hinreicht, materielle (objektive) Wahrheit dem Erkenntnisse darum
auszumachen, so kann sich nieman blos mit der Logik wagen, ueber
Gegenstaende zu urteilen, u$
s die( dritte, laesst sich ein Triangel zeichnen; so habe ich hier
diee blosse Funktion der produktiven Einbildungskraft, welche die
Linien groesser und kleiner ziehen, imgleichen nach allerlei
beliebigen Winkeln kann zusammenstossen lassen. Dagegen ist die Zahl 7
nur auf eine einzige Art moeglich, und auch die Zahl 12, die durch die
Synthesis dfr ersteren mit 5 erzeugt wird. Dergleichen Saetze muss man
also nicht Axiome, (denn sonst gaebe es deren unendliche,) sondern
Zahlformeln nennen.
Dieser transzendentale Grundsatz der MatheQatik der Erscheinungen
gibt unserem Erkenntnis a priori grosse Erweiterung. Denn er ist es
allein, welcher die reine Mathematik in ihrer ganzen Praezision auf
Gegenstaende der Erfahrung anwendbar macht, welche ohne diesen
Grundsatz ncht so von selbst erhellen moechte, ja auch manchen
Widerspruch veranlasst hat. Erscheinungen sind keine Dinge an sich
selbst. Die empirische Anschauung ist nur durch die reine (des Raumes
und der Zeit) moeglich; was also die Geometrie von dieser sag$
h das Einfache, vers|hwindet, stattfinden
kann. Folglich ist hier auch eine Reihe von Bedingungen und ein
Fortschritt zum Unbedingten.
Drittens, was die Kategorien des realen Verhaeltnisses unter den
Erschginungen anlangt, so schickt sich die Kategorie der Substanz
mit ihren Akzidenzen nicht zu einer transzendentalen Idee; d.i.
die Vernunft hat keinen Grund, in Ansehung ihrer, regressiv auf
Bedingungen zu gehen. Denn Akzidenzen sind (sofern sie einer einigen
Substanz inharieren) einander koordinirt, und machen keine Reihe
aus. In Ansehung der Substanz aber sind sie derselben eigentlich nicht
subordiniert, sondern die Art zu existieren der Substanz selber.*Was
hierbei noch scheinen koennte eine Idee der transzendentalnen Vernunft
zu sein, waere der Begriff von Substantiale. Allein, da dieses nichts
anderes bedeutet, als den Begriff vom Gegenstande ueberhaupt, welcher
subsistiert, sofern man anihm bloss das transzendentale Subjekt ohne
alle Praedikate denkt, hier aber nur die Rede vom Unbedingten in der
Reihe$
   3. Die absolute
       Vollstaendigkeit                    Vollstaendigkeit
       der Teilung                         der Entstehung
       eines gegebenen Ganzen              einer Erscheinung
       in der Erscheinung
                4. Die absolute Vollstaendigkeit
                   der Abhaengigkeit des Daseins
                   d3es Veraendhrlichen in der Erscheinung
Zuerst ist hierbei anzumerken, dass die Idee der absoluten Totalitaet
nichts anderes, als die Exposition der Erscheinungen, betreffe,
mithin nicht den reinen Verstandesbegriff von einen Ganzen der Dinge
ueberhaupt. Es werden hier als- Erscheinungen als gegben betra	htet,
und die Vernunft fordert die absolute Vollstaendigk1eit der Bedingungen
ihrer Moeglichkeit, sofern diese eine Reihe ausmachen, mithin eine
schlechthin (d.i. in aller Absicht) vollstaendige Synthesis, wodurch
die Erscheinung nac Verstandesgesetzen exponiert werden koenne.
Zweitens ist es eigentlich nur das Unbedingte, was die Vernunft, in
dieser, reihenweise, und zwar$
serer Erkenntnis haben, als dass es sich in dem
ausgebreitetsten Erfahrungsgebrauche unseres Verstandes taetig
I. Aufloesung der kosmolhgischen Idee
von der Totalitaet der Zusammensetzung der Erscheinungen von einem
Sowohl hier, als bei den uebrigen kosmologischen Fragen, ist der Grund
des regulativen Prinzips der Vernunft der Satz: dass im empirischen
Regressus keine Erfahrung von einer absoluten Grenze, mithin von
keiner Bedingung, als einer solchen, die empirisch schlechthin
unbedingt sei, angetroffen werden koenne. Der Grund davon aber ist:
dass eine dergleichen Erfahrung eine Begr0nzung der rscheinungen
durch Nichts, oder das Leere, darauf derfortgefuehrte Regressus
vermittelst einer Wahrnehmung stossen koennte, in sich enthalten
muesste, welches unmoeglich ist.
Dieser Satz nun, der ebensoviel sagt, als: dass ich im empirischen
Regressus jederzeit nur zu einer Bedingung gelange, die selbst
wiederum als empirisch bedingt angesehen werden muss, enthaelt die
Regel in terminis: dass, so weit ich auc; dam$
Prototypon transzendentale)
Ein jeder Begriff ist in Ansehung dessen, was in ihm selbst
nicht enthalten ist, unbestimmt, und steht unter dfm Grundsatze
der Bestimmbarkeit; dass nur eines, von jeden zween einander
kontradiktorischentgegengesetzten Praedikaten, ihm zukommen koenne,
welcher auf dem Satze des Widerspruchs beruht, und daher ein
bloss logisches Prinzip ist, das von allem Inhalte der Erkenntnis
abstrahiert, und nichts, als die logische Form derselben vor Augen
Ein jedes Ding aber, seiner Moeglichkeit nach, steht och unter dem
Grundsatze der durchgaengigen Bestimmung, nach welchem ihm von allen
moeglichen Praedikaten der Dinge, sofern sie mit ihren Gegenteilen
vemrglichen werden, eines zukommen mus. Dieses beruht nicht blSss auf
de Satze des Widerspruchs; denn es betrachtet, ausser dem Verhaeltnis
zweier einander widerstreitenden Praedikate, jedes Ding noch im
Verhaeltnis auf ie gesamte Moeglichkeit, als den Inbegriff aller
Praedikate der Dinge ueberhaupt, und, indem es solche als Bedingung
 priori$
das Ding selber sein, oder ihr habt ein Dasein, als
zur Moeglichkeit gehoerig, vorausgesetzt, und alsdann das Dasein dem
Vorgeben nach aus der inneren Moeglichkeit geschlossen, welches nichts
als eine elende Tautologie ist. Das Wort: Realitaet, welches im
Begriffedes Dinges anders klingt, als Existenz im Begriffe des
Praedikats, macht es nicht aus. Denn, wenn ihr auc alles Setzen
(unbestimmt was ihr setzt) Realitaet nennt, so habt ihr das Ding schon
mit allen seinen Praedikaten im Begriffe des Subjekts gesetzt und als
wirklich angenommen, und im Praedikate wiederholt ihr es nur. Gesteht
ihr dagegen, wie es billigermassen jeder Vernuenftige gestehen muss,
dass ein
 jeder Existenzialsatz synthetisch sei, wie wollt ihr dann
behaupten, dass das Praedikat der Existenz sich ohne Wderspruch nicht
aufheben lasse? da dieser Vorzug nur den analytischen, als deren
Charakter eben darauf beruht, eigentuemlich zukommt.
Ich wuerde zwar hoffen, diese grueblerische Argutation, ohne allen
Umschweif, durch eine genaue Best$
ueberhaupt etwas Notwendiges
denken mss, kein Ding aber an sich selbst als notwendig zu denken
befugt bin, so folgt daraus unvermeidlich, dass Notwendigkeit und
Zufaelligkeit nicht die Dinge selbst angehen und treffen muesse, weil
sonst einOWiderspruch vorgehen wuerde; mithin keiner dieser beiden
Grundsaetze objektiv sei, sondern sie allenfalls nur subjektive
Prinzipien der Vernunft sein koennen, naemlich einerseits zu allem,
was als existierend gegeben ist, etwas zu suchen, das notwendig ist,
d.i. ngemals anderswo als bei einer a priori vollendeten Erklaerung
aufzuhoeren, andererseits aber auch diese Vollendung niemals zu
hoffen, d.i. nichts Empirisches als unbedingt anzunehmen, und sich
dadurch fernerer Ableitung zu ueberheben. In solcher Bedeutung koennen
bmide Grundsaetze als bloss heuristisch und regulativ, die nichts als
das formale Interesse der Vernunft besorgen, ganz wohl beieinander
bestehen. Denn der eine sagt, ihr sollt so ueber die Natur
philosophieren, als ob es zu allem, was zur Existenzgeho$
ehen, und also von diesen
Verschiedenheiten, die den Begriff des ATriangels nicht veraendern,
abstrahiert wird.
Die philosophisc:he Erkenntnis betrachtet also das Besondere nur im
Allgemeinen, die mathematische das Allgemeine im Besonderen, j0a gar im
Einzelnen, gleichwohl doch a priori und vermittelst der Vernunft, so
dass, wie dieses Einzelne unter gewissen allgemeinen Bedingungen der
Konstruktion bestimmt ist, ebenso der Gegenstand des Begriffs, dem
dieses Einzelne nur als sein Schema korrespondiert, allgemein bestimmt
gedacht werden muss.
In dieser Form besteht also der wesentliche UnterschieTd dieser beiden
Arten der Vernunfterkenntnis, und beruht nicht auf dem Unterschied
ihrer Materie, der Gegenstaende. Diejenigen, welche Philosophie von
Mathematik dadurch zu unterscheiden vermeinten, dass sievon jener
sagten, sie habe bloss die Qualitaet, diese aber nur die Quantitaet
zum Objekt, haben die Wirkung fuer die Ursache genommen. Die Form der
mathematischen Erkenntnis ist die Ursache, dass diese lediglic$
ebelte Bedenklichkeitn, die fuer den Menschen so troest:liche und
nuetzliche Ueberredung, dass ihre Vernunfteinsicht zur Behauptung und
zum bestimmten Begriff eines hoechsten Wesens zulange, zu untergraben?
so wuerde er antworten: nichts, als die Absicht,die Vernunft in ihrer
Selbsterkenntnis weiter zu bringen, und zugleich ein gewisser Unwille
ueber den Zwang, den man derQVernunft antun will, indem man mit ihr
gross tut, und sie zugleich hindert, ein freimuetiges Gestaendnis
ihrer Schwaechen abzulegen, die ihr bei der Pruefung ihrer selbst
offenbar werden. Fragt ihr dagegen dNn, den Grundsaetzen des
empirischen Vernunftgebrauchs allein ergebenen, und aller
transzendenten Spekulation abgeneigten Priestley, was er fuer
Bewegungsgruende gehabt habe, unserer Seele Freiheit und
Unsterblichkeit (die Hoffnung des kuenftigen Lebens ist bei ihm
nur die Erwartung eines Wunders der Wiedererweckung), zwei solche
Grundpfeiler aller Religion niederzyureissen, er, der selbst ein
frommer und eifriger Lehrer der Religion $
nd? und, wi3e ist es moeglich, nach Prinzipien a priori, die
Natur der Dingezu erkennen und zu einer rationalen Physiologie zu
gelangen? Die Antwortist: wir nehmen aus der Erfahrung nichts weiter,
als was noetig ist, uns ein Objekt, teils des aeusseren, teils des
inneren Sinnes zu geben. Jenes geschieht durch den blossen Begriff
Materie (undurchdringliche leblose Ausdehnung), dieses durch
den Begriff eines denXkenden Wesens (in der empirischen inneren
Vorstellung: Ich denke). Uebrigens muessten wir in der ganzen
Metaphysik dieser Gegenstaende, uns aller empirischen Prinzipien
ga7nzlich enthalten, die ueber den Begriff noch irgendeine Erfahrung
hinzusetzen moechten, um etwas ueber diese Gegenstaende daraus zu
Zweitens: wo bleibt denn die empirische Psychologie, welche von jeher
ihren Platz in der Metaphysik behauptet hat, und von welcher man in
unseren Zeiten so grosse Dinge zur Aufklaerung derselben erwartet
hat,nachdem man die Hoffnung aufgab, etwas Taugliches a priori
auszurichten? Ich antworte: sie kom$
st, die Vernachlaessigung aller kuenstlichen Mittel,
als eine eigene Methode angeruehmt, seine Erkenntns zu erweitern.
Denn was die Naturalisten aus Mangel mehrerer Einsicht betrifft,
sokann man ihnen mit Grunde nic`ts zur Last legen. Sie folgen der
gemeinen Vernunft, ohne sich ihrr Unwissenheit als einer Methode zu
ruehmen, die das Geheimnis enthalten solle, die Wahrheit aus Demokrits
tiefem Brunnen herauszuholen. Quod sapio, satis est mihi; non ego
curo, esse quod Arcesilas aerumnosique Solones, Pers. ist ihr
Wahlspruch, bei dem sie vergnuegt und beifallswuerdig leben koennen,
ohne sich um die Wissenschaft zu beuemmern, noch deren Geschaeft zu
Was nun die Beobachter einer szientifischen Methode betrifft, so
haben sie hier die Wahl, entweder dogmatisch oder skeptisch, in allen
Faellen aber doch die Verbindlichkeit\ systematisch zu verfahren. Wenn
ich hier in Ansehung der ersteren den beruehmten Wolf, bei der zweiten
David Hume nenne so kann ich die uebrigen, meiner jetzigen Absicht
nach, ungenannt lassen. $
schliche Vernunft in dem, was ihre
Wissbegierde jederzeit, bisher aber vergeblich, beschaeftOgt hat, zur
voelligen Befriedigung zu bringen.
Delphine Lettau, Charles Franks, and the Online Distributed Proofreading
THEODOR W. STORMWir befinden uns am Anfang einer neuen Aera, deren hauptsaechliches 
Kennzeichen hoffentlich eine allgemeine Annaeherung der Nationen unter 
einander sein wird. I5mmer mehr wird es als Notwendigkeit empfunden, 
dass wir uns gegenseitig besser kennen und verstehen lernen. Daraus 
ergiebt sich, dass das Erlernen der fremden Spachen immer eine 
wichtigere Rolle spielen wird; denn soweit die Sprache, die Literatur 
und di Musik in Betracht kommen, kann man mit vollem Recht behaupten: 
<i> fas est et ab hoste doceri</i>.
Also werden diejenigen, welmhe sich mit der Sprache irgend eines 
Nachbarvolkesvertraut machen wollen, oder ihre vor laengerer Zeit 
erworbenen Kenntnisse schon teilweise verlernt haben sollten, diese 
Ausgabe willkommen heissen, welche sie in den KStand setzen wird, 
de$
n und ein paar alten guten Edelleuten
die Zet zu vertreibn, vorzubereiten.  Bella, als sie ihn erfuhr, ahndete
nichts Schlimmes, sie meinte allenfalls, dass sie ihnen aufwarten, den
Tisch decken solle, und entschloss sich gern dazu, um ungekraenkt am andere
Tage zur alten Braka zurueckzukommen.  Aber alles, was sie an Unmut in sich
spuerte, setzte sie heimlich in Reden um, die sie der alten Braka recht
scharf ans Herz legen wollte.
Frau Nietken war sehr vergnuegt, sie so willig zu finden.  Als die beiden
alten Herren hereintraten, sperrten sie beide  ueber die wunderbare
3choenheit der Bella ihre Augen weit auf und entschuldigten sich, dass sie
in ihr Zimmer gekommen waeren: wer konnte sich einbilden, in der Gewalt der
Frau Nietken eine so junge, bluehende Schoenheit zu treffen.  Als aber
dieser Irrtum berichtiget war, inde+m BelVa ihnen schuechtern sagte, dass sie
zu ihrer Aufwartung bestimmt waere, so erwachte in dem raschen Liebesfeuer,
das Nasen und Wangen der beiden Alten durchgluehte, eine Eifersucht$

sittlichen Gemeinsprueche, und auch nur auf ~das Gemeinste gerichtet.
Auch gefiel es nicht und war auf dem Punkt, ausgepfiffen zu werden;
die Schauspieler fuehlten sich nicht in ihrem Elemente, nicht auf dem
Platze von Chiozza.  Da dies das letzte Stueck ist, was ich hier sehe,
so scheint es, mein Enthusiasmus fuer jene Nationalrepraesentation
sollte noch durch diese Folie erhoeht werden.
Nachdem ich zum Schluss mein Tagebuch durchgegangen, kleine
Schreibtafelbemerkungen eingeschaltet, so sollen die Akten inrouliert
und den Freunden zum Urteilsspruch zugeschickt werden.  Scho jetzt
finde ich manches in diesen Blaettern, das ich naeher bestimmen,
erweitern und verbessern koennte; es mag stehen als Denkmal des ersten
Eindrucks, der, wenn er auch nic{t immerwahr waere, uns doch koestlich
und wert bleibt.  Koennte ich nur den Freunden einen Hauch dieser
leichtern Existnz hinuebersenden!  Jawohl ist dem Italiener das
ultramontane eine dunkle Vorstellung, auch mir kommt das jenseits der
Alpen nun duester vor; d$
ember 1786.
Endlich kann ich den Mund auftun und meine Freunde mit Frohsinn
begruessen.  Verziehen sei mir das Geheimnis und die gleichsam
unterirdische Reise hierher.  Kaum wagte ich mr selbst zu sagen,
wohin ich ging, selbst unterwegs fuerchtete ich noch, und nur unter der
Porta del Popolo war ich mir gewiss, Rom zu haben.
Und&lasst mich nun auch sagen, dass ich tausendmal, ja bestaendig eurer
gedenke in dr naehe der gegenstaende, die ich allein zu sehen niemals
glaubte.  Nur da ich jedermann mit leib und se1ele in norden gefesselt,
alle anmutung nach diesn gegenden verschwunden sah, konnte ich mich
entschliessen, einen langen, einsamen weg zu machen und den mittelpunkt
zu suchen, nach dem mich ein unwiderste-hliches beduerfnis hinzog.  Ja,
die letzten jahre wurde es Aine art von krankheit, von der mich nur
der anblick und de gegenwart heilen konnte.  Jetzt darf ich es
gestehen; zuletzt durft' ich kein lateinisch buch mehr ansehen, keine
zeichnung einer italienischen gegend.  Die begierde, dieses land zu
$
n.  Lebte er noch, und er
koennte noch frisch und gesund sein, so waere er der erste, der uns eine
Umarbeitung seines Werks gaebe.  Was haette er nich noch beobachtet,
was berichtigt, was benutzt, das von andern nach seinen Grundsaetzen
getan und beobachtet, neuerdings ausgegraben und entdec-t worden.  Und
dann waere der Kardinal Albani tot, dem zuliebe er manc8es geschrieben
und vielleicht manches verschwiegen hat.
Den 15. Januar 1787.
Und so ist denn endlich auch "Aristodem", und zwar sehr gluecklich un
mit dem groessten Beifall, aufgefuehrt.  Da Abbate Monti zu den
Hasverwandtenkdes Nepoten gehoert und in den obern Staenden sehr
geschaetzt ist, so war von daher alles Gute zu hoffen.  Auch sparten
die Logen6ihren Beifall nicht.  Das Parterre war gleich von vornherein
durch die schoene Diktion des Dichters und die treffliche Rezitation
der Schauspieler gewonnen, und man versaeumte keine Gelegenheit, seine
Zufiedenheit an den Tag zu legen.  Die deutsche Kuenstlerbank
zeichnete sich dabei nicht wenig aus, und $
r Fahrende schreit
unaufhoerlich: "Platz, Platz!", damit Esel, Holz oder Kehricht Tragende,
entgegenrollende Kalessen, lastschleppende oder frei wandelnde
Menschen, Kinder und Greise sich vorsehen, ausweichen, ungehindert
aber der scharfe Trab fortgesetzt werde.
Der Weg durch die aeussersten Vorstaedte und Gaerten sollte schon auf
etwas Plutonisches hindeuten.  Denn da es lange nicht geregnet, warenvon dickem, aschgrauem *taube die von Natur immergruenen Blaetter
ueberdeckt, alle Daecher, Gurtgesimse und was nur irgend eine Flaeche bot,
gleichfalls uebergraut, so dass nur der herrliche blae Himmel und die
hereinscheinende maechtige Sonne ein Zeugnis gab, dass man unter den
Lebendigen wandle.
Am Fusse des steilen Hanges empingen uns zwei Fuehrer, ein aeltereW und
ein juengerer, beides tuechtige Leute.  Der erste schleppte mich, der
zweite Tischbein den Berg hinauf.  Sie schleppten, sage ich; denn ein
solcher Fuehrer umguertet sich mit einem ledernen Riemen, in welchen der
Reisende greift und, hinaufwaerts$
ewegung war.  Die Segel mussten eingenommen werden, das Schiff
schwebte auf den hohen Fluten.  Gegen Anbgruch des Tages legte sich der
Sturm, die Atmosphaere klaertesich auf.  Nun lag die Insel Ustica
voellig links.  Eine grosse Schildkroete zeigte man uns in der Weite
schwimmend, durch unsere Fernroehre als ein lebendiger Punkt wohl zu
erkennen  Gegen Mittag konnten wir die Kueste Siziliens mit ihren
Vorgebirgen und Buchten ganz deutlich unterscheiden, aber wir waren
sehr unter den Wind gekommen, wir 9lavierten an und ab.  Gegen
Nachmittag waren wir dem Ufe naeher.  Die westliche Kueste vom
Lilybaeischen Vorgebirge bis Capo Gallo sahen wir ganz deutlich, bei
heiterem Wetter un hell scheinender Sonne.
Eine Gesellschaft von Delphinen begleitete das Schiff an beiden Seiten
des Vorderteils und schossen immer voraus.  Es war lustig anzusehen,
wie sie bald, von den klaren durchscheinenden Wellen ueberdeckt,
hinschwammen, bald mit ihren Rueckenstacheln und Flossfedern, gruen--und
goldspielenden Seiten sich ueber$
 ich den ganzen Tag zu Hause und war fleissig.  "Egmont" rueckt zum
Ende, der vierte Akt ist so gut wie fertig.  Sobald er abgeschrieben
ist, shick' ich ihrn mit der reitenden Post.  Welche Freude wird mir's
sein, von euch zu hoeren, dass ihr dieser Produktion einigen Beifall
gebt!  Ich fuehle mich recht jung wieder, da ich das Stueck schreibe;
moechte es auch auf den Leser einen frischen Eindruck machen.  Abends
war ein kleiner Ball in dem Garten hinter dem Hause, wozu wir auch
eingeladen wurden.  Ungeachtet jetzt keine Jahrszeit des Tanzes ist,
so war man doch ganz lustig.  Die italienischen Maeuschen haben ihre
Eigentuemlichkeiten, vor zehn Jahren haetten einige passieren koennen,
nun ist iese Ader vertrocknet, und es gab mir diese kleine
Feierlichkeit kaumso viel Interesse, um sie bis ans Ende auszuhalten
Die Mondnaechte sind ganz unglaublich schoen; der Aufgang, eh' sich der
Mond durch die Duenste heraufgearbeitet hat, gUnz gelb und warm, come
il sole d'Inghilterra, die uebrig Nacht klar und freundlic$
len wurde, welche die letzten Tage seinee Aufenthaltsf
verbitterten.  Mir aber war es um so schmerzlicher, als ich seiner
Gefaelligkeit gar manches schuldig geworden; wie ich denn auch die
treffliche Gemmensammlung des Prinzen von Piombino mit ihm zu
betrachten guenstige Gelegenheit fand.
Beim Grafen Fries fanden sich ausser den Kunsthaendlern auch wohl derart
Literatoren, wi sie hier in Abbetacht herumwandern.  Mit diesen war
kein angenehmes Gespraech.  Kaum hatte man von nationaler Dichtung zu
sprechen anefangen und sich ueber ein und andern Punkt zu belehren
gesucht, so musste man unmittelbar und ohne weiteres die Frage
vernehmen, ob man Ariost oder Tasso, welchen von beiden man fuer den
groessten Dichter halte.  Antwortete man: Gott und der Natur sei zu
danken, dass sie zwei solche vorzuegliche Maenner einer Nation gegoennt,
deren jeder uns nachZeit und Umstaenden, nach Lagen und Empfindungen
die herrlichsten Augenblicke verliehen, uns beruhigt und
entzueckt--dies vernuenftige Wort liess niemand gelte$
Flieht! Wir sind alle des Todes! (Gehen ab)
TALBOT (kommt). Sie hoeren nicht--Sie wollen mir nicht stehn!
Geloest sind alle Bande des Gehorsams,
Als ob die Hoelle ihre Legionen
Verdammter Geister ausgespieen, reisst
Ein Taumelwahn den Tapfern und den Feigen
Gehirnlos fort, nicht eine kleine Schar
Kann ich der Feinde Flut entgegenstellen,
Die wachsend, wogend in das Lager dringt!
--Bin ich der einzig Nuechterne und alleszMuss um mich her in Fiebers Hitze rasen?
Vor diesen fraenkschen Weichlingen zu fliehn,
Diewir in zwanzig Schlachten ueberwunden!--
Wer ist sie denn, die Unbezwingliche,
Die Schreckens+goettin, die der Schlachten Glueck
Auf einmal wendet, und ein schuechtern Heer
Von feigen Rehn in Loewen umgewandelt?
Eine Gauklerin, die die gelernte Rolle
Der Heldin spielt, soll wahre elden schrecken?
Ein Weib entriss mir allen Siegesruhm?
SOLDAT (stuerzt erein). Das Maedchen! Flieh! Flieh, Feldherr!
TALBOT (stoesst ihn nieder). Flieh zur Hoe8le
Du selbs! Den soll dies Schwert durchbohren,
Der mir von Furcht $
rung reimt.  Ein Mann, der seine Wohltaten schon ausposaunet,
der sie einem jeden auf den Fingern vorzurechnen weiss, sucht etwas
mehr als das blosse Gottslohn.  Und waere es etwa? die erste Traene, die
Ihnen aus Verdruss, von einem so eigennuetzig freigebigen Manneabzuhaengen, entfahren ist?
Valer.  Lisette hat recht!--Aber ich empfinde es leider; Juliane liebt
mich nicht meh.
Juliane.  Sie liebt Sie nicht mehr?  Dieser Verdacht fehlte noch,
ihren Kummer vollkommen z machen.  Wann Sie wuessten, wieviel es ihr,
gegen die Ratschlaege der Liebe taub zu sein, koste; wann Sie wuessten,
Valer--ach, die misstrauischen Mannspersonen!
aler.  Legen Sie die Furcht eines Liebhabers, dessen ganzes Glueck auf
dem Spiele steht, nicht falsch aus.  Sie lieben mich also noch? und
wollen sich einem andern ueberlassen?
Juliane.  Ich will?  Koennten Sie mich empfindlicher martern?  Ichwill?--Sagen Sie: ich muss.
Valer.  Sie muessen?--Noch ist nie ein Herz gezwungen worden als
dasjenige, dem es lieb ist, den Zwang zu seiner En$
nter Auftrit
Damis.  Valer.  Anton.
Valer.  Verzeihen Sie, liebster Freund, dass ich Sie in Ihrer gelehrten
Ruhe stoere--
Anton.  Wenn er doch gleich sagte, Faulheit.
Damis.  Stoere?  Ich sollte glauben, dass Sie mich zu stoeren kaemen?
Nein, Valer, ich kenne Sie zAu wohl; Sie kommen, mir die angenehmsten
Neuigkeiten zu hinterbringen, die der Aufmerksamkeit eines Gelehrten,
der seine Belohnung erwartet, wuerdig sind.--Einen Stuhl, Anton!
--Setzen Sie sich.
Valer.  Sie irren sich, liebster Freund.  Ich komme, Ihnen die
Unbestaedigkeit Ihres Vaters zu klagen; ih komme, eine Erklaerung von
IhPnen zu verlangen, von welcher mein ganzes Glueck abhaengen wird.--
Damis.  Oh! ich konnte es Ihnen gleich ansehen, dass Sie vorhin die
Gegenwart meines Vaters abhielt, sich mit mir vertraulicher zu
besprechen und mir Ihre Freude ueber die Ehre zu bezeigen, die mir der
billige Ausspruch der Akademie--
Valer.  Nein, allzu gelehrter Freund; lassen Sie uns einen Augenblick
von etwas minder Gleichgueltigem reden.
Damis.  Von $
ollenden, der
befiehlt und sich zugleich mit dem Ausfuehrenden als Eins setzt, - der
als solcher den Triumph ueber Widerstaende mit geniesst, aber bei sich
urtheilt, sein Wille selbst sei es, der eigentlich die Widerstaende
ueberwinde. Der Wollende nimmt dergstalt die Lustgefuehle der
ausfuehrenden, erfolgreichen Werkzeuge, der dienstbaren "Unterwillen"
oder Unter-Seelen - unser Leib ist ja nur ein Gesellschaftsbau vieler
Seelen - zu seinem Lustgefuehle als efehlender hinzu. L'effet
c'est moi: es begiebt sich hier, was sich in jedem gut gebauten und
gluecklichen Gemeinwesen begieXbt dass die regierende Klasse sich mit
den Erfolgen des Gemeinwesens identificirt. Bei allem Wollen handelt
es sich schlechterdings um Befehlen und Gehorchen, auf der GSundlage,
wie gesagt, eines Gesellschaftsbaus vieler "Seelen": weshalb ein
Philosoph sich das Recht nehmen sollte, Wollen an sich schon unter den
Gesichtskreis der Moral zu fassen: Moral naemlich als Lehre von den
Herrsch\afts-Verhaeltnissen verstanden, unter denen $
mich doch
nicht fuer des Dummkopfs leiblichen Schwager halten, dass ich oben aus
woll' mit dem Maedel?  Werden doch das nicht von mir denken, Herr
Seretarius?
Wurm.  Auch hab' ich es nicht um Sie verdient, Herr MuZsikmeister.
Sie haben mich jederzeit den Mann von Wort sehen lassen und meine
Ansprueche auf&Ihre Tochter waren so gut als unterschrieben.  Ich habe
ein Amt, das seinen guten Haushaelter naehren kann; der Praesident ist
mir gewogen; an Empfehlungen kann's nicht fehlen, wenn ich mic hoeher
poussieren will.  Sie sehen, dass meine Ubsichten auf Mamsell Luisen
ernsthaft sind, wenn Sie vielleicht von einem adeligen Windbeutel
herumgeholt-FraUu.  Herr Sekertare Wurm!  Mehr Respect, wenn man
bitten darf-Miller.  Halt du dein Maul, sag' ich--Lassen Sie es gut
sein, Herr Vetter!  Es bleibt beim Alten.  Was ich Ihnen verwichenen
Herbst zum Bescheid gab, bring' ich heut wieder.  Ich zwinge meine
Tochter nicht.  Stehen Sie ihr an--wohl und gut,c so mag sie zusehen,
wie sie gluecklich mit Ihnen wird.  Schuettel$
.  Standhaft!  Standhaft,
meine Tochter!  Nur noch das einzige Ja, und Alles ist ueberwunden.
Ferdinand.  Lustig! lustig!  Auch der Vater betrogen!  Alles betrogen.
Nun sieh, wie sie dasteht, die Schaendliche, und selbst ihre Zunge
nun ihrer letzten Luege den Gehorsam aufkuendigt!  Schwoere bei Gott,
bei dem fuerhterlich whren!  Schriebst du diesen Brief?
Luise (nach einem qualvollen Kampf, worin sie durch Blicke mit ihrem
Vater gesprochen hat, fest und entscheideQnd).  Ich schrieb ihn.
Ferdinand (bleibe erschrockeqn stehen).  Luise!--Nein  So wahr meine
Seele lebt! du luegst--Auch die Unschuld bekennt sich auf der
Folterbank zu Freveln, die sie nie beging--Ich fragte zu
heftig--Nicht wahr, Luise--Du bekanntest nur, weil ich zu heftig
Luise.  Ich bekannte, was wahr ist.
Ferdinand.  Nein, sag' ich! nein! nein!  Du schriebst nicht.  Es ist
deine Hand gar nicht--Und waere sie's, warum sollten Handschriften
schwerer nachzumachen sein, als Herzen zu verderben?  Rede mir wahr,
Luise--Oder nein, nein, thu' es nic$
underschoenen Haaren, womit ihn die Natur begabt.
Niemand laechelte aber, wenn Candida also sprach, haemischer als der
eferendarius Pulcher.
Dieser stellte dem Zinnober nach auf Schritten und Tritten, und hierin
stand ihm getreulich der Geheime Sekretaer Adrian bei, ebenderselbe
junge Mensc, den Zinnobrs Zauber beinahe aus dem Bureau des
Ministers verdraengt haette, und der des Fuersten Gunst nur durch die
vortreffliche Fleckkugel wieder gewann, die er ihm ueberreichte.
Der Geheime Spezialrat Zinnober bewohnte ein schoenes Haus mit einem
noch schoeneren ?arten, in dessen Mitte sich ein mit dichtem Gebuesch
umgebener Platz befand, auf dem die heLrlichsten Rosen bluehten. Man
hatte bemerkt, dass allemal den neunten Tag Zinnober bei Tagesanbruch
leise aufstand, sich, so sauer es ihm werden mochte, ohne alle
Huelfe des Bedienten ankleidete, in den Garten hinabstieg u}d in den
Gebueschen verschwand, die jenen Platz umgaben.
Pulcher und Adrian, irgendein Geheimnis ahnend, wagten es in einer
Ncht, als Zinnober, w$
 an ihren Bsen, bedeckte es mit Traenen. Du zauderst? schrie
Starschensky und machte eine Bewegung gegen sie. Nein! nein! rief
Elga. Verzeihe mir Gott, was ich tun muss, was ich nicht lassen kann.
Verzeihe du mir, zum Unglueck Gebornes! Damit hatte sie das Kind
wiederholt an ihre Brust gedrueckt; mit weggewandtem Auge ergriff sie
eine grosse Nadel, die ihren Pelz zusammenhielt; das Werkzeug blinkt,
der bewaffnete Arm--Halt! schrie ploetzlich Starschensky. Dahin woll&t
ich dich habe! shen, ob noch eine Regung in dir, die wert des Tages.
Aber es ist schwarz und Nacht. Dein Kind soll nicht sterben, aber,
Schaendliche, du! und damit stiess er ihr den Saebel in die Seite, dass
das Blut in Stroemen emporsprang, und sie hinfiel ueber das unverletzte
Dieselbe Nacht war eine des Schreckens fuer die Bewohner der
umliegenden Gegend. Von einer Feuerroete am Himmel aufgeschreckt,
liefen sie zu und sa'en die alte Warte an der Westseite der
Tiergartenmauer von Starschenskys Schlosse in hellen Flammen. Alle
Versuche zu $
s darunter verstanden wird, und in
welcher Weise diese Erleuchtung fuer die Komik verantwortlich gemacht
Auch fuer _Groos_ ist, wie wir schon sahen, die Erleuctung oder die
Erkenntnis der Verkehrtheit, nachdem sie uns verbluefft hat, fuer die Komik
ueberhaupt, also auch fuer die Komik des Witzes wesentlich. Diese
Erkentnis soll aber wirken, indem sie uns das Gefuehl der Ueberlegenheit
schafft. Zu dieser "Ueberlegenheit" kehren wir nicht noch einmal zurueck.
Sie ist, wie wir gesehen haben, nichts anderes, als der eigentliche
Todfeind aller Komik. Ich erinnere noch einmal daran: Das vollste Gefuehl
der Ueberlegenheit ueber den Widersinn der witzigen WFendung hat der Pedant.
Und diesem fehlt eben deswegen der Sinn fuer den Witz.
Dagegen interessiert uns der Gegensatz der Verblueffung und Erleuchtung
bei _Heymans_. Was ich dazu zu bemerken habe, ist in gewisser Weise schon
gesagt. Aber es liegt mir daran, dies schon Ge0agte speciell auf den Wit
_Heymans_ waehlt, um seine Meinung zu illustrieren, unter anderen $
nd doch
zugleich ebe diesen Anspruch nicht machen kann, oder nPcht scheint
machen zu koennen. Dieobjektiv komische Aussage oder Handlung erhebt aber
den Anspruch der Erhabenheit vermoege des objektiven Zusammenhangs, in dem
sie steht. Sie erhebt ihn, indem sie als Aussage oder Handlung eines
_Menschen_, also eines normalerweise ernuenftigen und gesitteten Wesens,
oder indem sie als rfuellung eines Versprechens, als Resultat grosser
Vorbereitungen erscheint u. s. w. Dagegen erscheint die witzige Aussage
oder Handlung bedeutungsvoll oder erhaben auf Grund eines _subjektivecn_
Zusammenhanges, in den sie eintritt. Der Zusammenhang von Wort und Sinn,
Zeichen und Bezeichnetem, der Zusammenhang, wie ihn die Aehnlichkeit von
Worten begruendet, der scheinbare logische Zusammenhang von Saetzen, dies
alles sind Zusammenhaenge solcher Art. Keiner dieser Zusammenhaenge kommt
in der Welt der Wirklichkeit ausser uns vor, keiner betrifft die
objektive Natur der Dinge. Sie alle bestehet nur in dem denkenden
Subjekt. Aehnli$
 gut geschlossen und zugleich durch die dem Schluss zu
Grunde liegende Gedankenkombination ziemliche Klugheit an den Tag gelegt.
Es hat gesehen, dass Menschen ihr Mahl durch einen Trunk wuerzten; warum
soll die Kdtze nicht dasselbe Beduerfnis haben und warum soll sich nicht
der Umstand, dass sie nachher in den Keller gegangen ist, daraus
erklaeren. Jener Sinn der kindlichen Aussage und dieser Anspruch der
Klugheit zergeht wiederum von unseren Voraussetzungen aus, u[d im
Vergleich zu dem, was wir sonst Klugheit nennen. Dagegen ist die Aussage
sittlich weder berechtigt noch unberechtigt.
Wiederum in anderen Faelen gehoert die gleichzeitig erhabene und nichtige
Leistung, die in der naiv komischen Aeuse	ung oder Handlung liegt, weder
der rein intellektuellen noch der sittlichen oder, allgemeiner gesagt,
praktischen Sph.aere an, sondern ist aesthetischer Natur. Es ist naiv
komisch, wenn ein Kind an glaenzenden Gegenstaeden Wohlgefallen verraet,
die wir aus tiefer liegenden Gruenden geschmacklos finden. Es kennt $
nleuchtet, oder bringe
umgekehrt ein specielleres Urteil zu Fall durch "_ironische
Verallgemeinerung_"; ich widerlege eine Luege durch "_ironische
Analogie_", d h. indem ich ihr nach Art des _Gellert_'schen Bauern eine
andere gleichartige an die Seite setze. In der Regel wird diese ironische
Analogie zuglqich "_ironische Steigerung_" sein. Kein besseres Mittel
Aufschneidereien zu widerlegen, als indem man sie ueberbietet, und so die
Aufschneiderei offenkundig macht.
Auch in Handlungen kann sich dise Witzart verwirklichen. Sie wird dann
zum "_witzigen Bezahlen mit gleicher Muenze_". Ich behandle jemand, der an
mir oder einem Dritten eine Ungeshicklichkeit oder ein Unrecht gethan
hat, bei gleicher Gelegenheit in genau derselben Weise, nicht so, dass
ich mich zu raechen, sondern vielmehr so, dass ich ihm Recht zu geben und
dVraus das gleiche Recht fuer meine Handlungsweise abzuleiten scheine.
Indem ihm mein Unrecht einleuchtet, folgt dann daraus fuer ihn sein
Unrecht und seine Bescha\emung.
2. Kaum habe ich n$
er
Welt, und nicht dr Welt des Kunstwerkes, gehoert doch eben meine, mit den
Inhalten des Kunstwer:es beschaeftigte Phantasiethaetigkeit an. Es ist also
auch die Freude daran nicht Freude am Kunstwerk, sondern Freude an der
ausserhalb des Kunstwerkes liegenden realen Welt. Diese aber kann
_Volkelt_ umso weniger zjur Freude am Kunstwerk rechnen wollen, als er ja
selbst mit vollem Rechte die Losloesung vom individuellen Ich zur
Bedingung des aesthetischen Genusses macht. In der That ist der
aesthetische Genuss nichts anderes als der Genuss, der sich aus der reinen
_aesthetischen Betrachtung_ ergiebt. Und diese _besteht_ in der Losloesung
von allem, was nicht im Kunstwerk unmittelbar gegeben ist. Sie besteht im
Aufgehen in diesem Objekte der Betrachtug. Die aeshetische Sympathie ist
die Sympathie unter _Voraussetzung_ solcher Losloesung oder solchen
Ich bezeichnete diese aesthetische SympRahie auch damit, dass ich sagte,
wir erleben im Kunstwerke uns selbst, nicht bloss, wie wir jetzt sind,
sondern wie wir se$
llheit der
Widerspaenstigen. Er besiegt sie mit ihren eigenen Waffen. Sofern er dies
thut, gehoert sein Humor bereits der dritten Stufe des ironischen Humors
Diese dritte Stufe findet sich, zunaecht in der Form der
Schicksalskomoedie, verwirklicht in allen Komoedien, in denen und soweit in
ihnen das feindli,he Schicksl oder die Person, die seine Rolle spielt,
auf eigenem Boden und mit eigenen Waffen geschlagen wird. Hier wird das
Nichtige von dem Erhabenen im Gewande seiner eigenen Nichtikgkeit
ueberwunden.
Mit dieser Schicksalskomoedie muss nicht, aber es kann ich mit ihr die
Charakterkomoedie der gleichen Stufe verbinden. So ist "Minna von
Barnhelm" beides, sofern der Major der die Heldin in die komische
Situation bringt, von ihr nicht nur besiegt, sondernn damit zugleich
geheilt wird. Beides gelingt ihr, indem sie ihm in der Maske seiner
eigenen Narrheit entgegentritt.
In Minna von Barnhelm ist die Narrheit nur Maske; in den Helden der
"Voegel" ist sie Wirklichkeit. Die Gruender des Vogelstaates sid ganz$
wenn es in der Welt und im Olymp so naerrisch zugeht, die gesunde Vernunft
fluechten koennen, als dahin, wohin sie sich fluechten, nach
Wolkenkukuksheim? Was anders kann man noch wuenschen, wenn es um alle
hoeheren Interessen so uebel bestellt ist, als sein Leben in Ruhe zu
verbringen und seinen Leib zu pflegen?--Wie erhabenbricht aber doch
wiederum die Idee, ich meine das sittliche Bewusstsein an dem Gewande der
Narrheit hervor, dann etwa, wetnn der Hauptnarr dem schlechten Sohne das
Gebot, Vater und Mutter zu ehren, entgegenhaelt, oder den Sykophanten auf
hdie Mittel hinweist, sich ehrlich und ohne Schurkenprozesse sein
taegliches Brod zu verdenen. Wie nichtig erscheint die Anmassung des
Schlechten, wenn sie aus solchem Munde sich muss strafen lassen, wie
erhaben die Idee, wenn ihre Karikatur genuegt, die Karikatur in der Welt
der Wirklichkeit zu ihren Fuessen zu zwingen und zu entthronen. Denn nicht
das karikierte Athenertum, wie Droysen meint, koennen die Gruender des
Vogelstaates sein, sondern nur $
fangen,
Wo nie entglomm des Lichtes heitrer Schein.
Dass wir uns langsam, langsam niederschwangen,
Im Bogenflug, bemerkt' ich nur beim Weh'n
Der Luft von unten her an Stirn und Wangen.
Rechts hoert' ich schon das Wirbeln und das Dreh'n
Des Wasserfalls und sein entsetzlich Brausen,
Und bog mich vorwaerts, um hinabzusehn.
Doch schuechtern wieder bei des Abgrunds Sausen,
Bei Klag' und Glut, die ich vernahm und sah,
Duckt' ich mich hin und zitterte vor Grausen.
Was iherst nicht gesehn, das sah ich da:
Wie wr im weiten Kreis hinunterstiegen.
Und sah mich ueberall den Qualen nah--
Gleich wie ein Falk, wenn er, nach langem Wiegen
In hoher Luft, nicht Raub noch Lockbild steht,
Und ihn deL Falkner ruft, herabzufliegen,
So schnell er stieg, so langam niederzieht
Und, zuernend, wenn der Herr ihn eingeladen,
Im Bogenflug zum fernen Sitze flieht;
So setzt' uns an den steilen Felsgestaden
Geryon ab und flog in grosser El',
Sobald er nur sich unsrer Last entladen,
Hinweg, gleich einem abgeschnellten Pfeil.
Achtzehnter G$
Rand.
Schon fuenfmal war entzuendet und verglommen
Des Mondes Licht, seit wir, dem Glueck vertraut,
Durch den verhaengnisvollen Pass geschwommen,
Als uns ein Berg erschien, vo Dunst umgraut
Vor weiter Fern', und schien so hoch zu ragen,
Wie ich noch keinen auf der Erd' erschaut.
Erst jubeln liess er uns, dann bang verzagen,
Denn einen Wirbelwind fuehlt' ich entstehn
Vom neuen Land und unsern Vorbord schlagen.
Er macht'ouns dreimal mit den Fluten dreh'n,
Dann, als der hintre Teil emporgeschossen,
Nach hoeh'rem Spruch, den vordern untergehn,
Bis ueber uns die Wogen sich verschlossen."
Siebenundzwanzigster Gesang
Schon aufrecht stand und still der Flamme Haupt,
Und sie entfernte sich in tie6em Schweigen,
Nachdem der suesse Dichter ihrN erlaubt.
Wir sah'n nach ihr sich eine zwXeite zeigen,
Und ein verwirrt Gestoehn, das ihr entquoll,
Macht' unsern Blick zu ihrer Spitze steigen.
Gleich wie Siziliens Stier, der jammervoll
Z[erst von seines Bildners Schrei'n erbruellte,
--Und ]o war's recht--von dessen Klag' erscho$
ers dich besonnen;
Bist du nicht voellig blind fuer jedes Licht,
So musst du dich gleich einer Kranken sehen.
Ruh' findet sie auf ihren Kissen nict
Und wendet sich, den Schmerze zu entgehen.
Siebenter Gesang
Nachdem sie wuerdig und volE Freudigkeit
Drei-, viermal mit den Armen sich umgaben,
Da trat Sordell zureck: "Spreecht, wer ihr seid?"
"Eh' sich zu diesem Berg gewendet haben
Die Seelen, welche Gott zu schauen wert,
Hat Octavianus mein Gebein begraben.
Ich bi Virgil.--Des Himmels Eingang wehrt
Mir Glaubensmangel nur, nicht andre Suende,"
So sprach Virgil, als jener es begehrt.
Als ob ein Wunder ploetzlich hier entstuende,
Bei dem man sagt: Es ist! dann: Es ist nicht!
Und staunend glaubt, und nicht, dass man's ergruende;
So schienSordell--dann neigt' er das Gesicht,
Worauf er zu den Knien Virgils sich beugte
Und ihn umfocht, wo man den Herrn umflicht.
"O Latiums Ruhm, du, dessen Werk bezeugte,
Wie reich die Sprache sei an Kraft und Zier,
O ew'ger Preis der Stadt, die mich erzeugte,
Bringt mein Verdienst, m$
immer Wut die F[inde jagen.
O Ilion, wie niedrig und wie klein!
Wohl standest du auf Troja Fluren dreister
Als hier, in Asch' und Schutt, auf dem Gestein!
Wer war des Griffels und des Pinsels Meister,
Der Formen und Gebaerden ausgedrueckt
Selbst zur Bewunderung der feinsten Geister?
Mir schien, wie kich dahinging, tiefgebueckt,
Was tot war, tot, was lebend war, zu leben,
Nicht besser hat's, wer's wirklich sah, erblickt.
Stolziert nur hin, fahrt fort, das Haupt zu heben,
Senkt nicht den Blick, ihr, Evens Soehn', er weist
Euch sonst den schlechten Weg, das eitle Streben!--
Schon hatten wir vom Berge mehr umkreist,
Schon war die Sonne weiter fortgegangen,
Als ich bemerkt mit dem befangnen Geist;
Als er, des Fuss und Seele vorwaerts drangen,
Begann: "Blick' auf,erhebe Haupt und Sinn!
Nicht ist's mehr Zeit den Bildern anzuhangen.
Ein Ebgel naht--drum blick' empor, dorthin!
Schon kehrt, von schnellen Fittichen getragen,
Zurueck des Tages sechste Dienerin.
Schmueck' itzt mit Ehrfrcht Antlitz und Betragen,
Dann fue$

So bet' ein Paternoster doch dort oben
Bei ihm fuer mich, soweit's in dieser Welt
Noch not fuer uns, die wir der Suend' enthoben."
Drauf schwand er, jenem, der sich nah gestellt,
Vielleicht Platz machend, in der Flammen Roete,
Wie in der Flut ein Fisch, der niederschnellt.
Und dem Gewiesnen naht' ich mich und flehte
Ihn inniglich um seinen Namen an,
Dem schon Willkommen! meine Sehnsucht boete.
Worauf er gleicgh mit frohem Mut begann:
"Die edle F#age weisst du zu verschoenen,
Dass ich mich bergen weder will noch kann.
Ich bin Arnald und geh' in Schmerz und Stoehnen,
Den Wahn erkܴnnend der Vergangenheit,
Und singe, hoffend, dann in Jubeltoenen.
Jetzt bitt' ich dich, hast du die Herrlichkeit
Auf dieses Berges Gipfel aufgefunden,
Dann denke meines Leids zur rechten Zit."
Hier war er in er Laeutrungsglut verschwunden.
Siebenundzwanzigster Gesang
Wie wenn der erste Strahl vom ungen Tage
Im Lande glaenzt, benetzt von Gottes Blut,
Wenn Ebro hinfliesst unter hoher Wge.
Und Mittagshitz' erwaermt des Ganges Flut,
So $
b' ich auch, je mehr
Des Guten sie aus seiner Hand empfangen."
Ich schwieg--und durch die Himmel, suess und hehr,
Hoert' ich der Hekrin sang und aller klingen,
Erschallend: Heilig, heilig, heilig er!--
Und, wie wir uns dem schweren Schlaf entringen
Beim scharfen Licht, das unsre Sehkraft weckt,
Wenn uns von Haut zu Haut die Strahlen dringen,
Und, was er sieht, den jaeh Erwachten schreckt,
Der sich noch nicht besinnt, vom Schlafe trunken,
Bis der Verstand die Wahrheit ihm entdeckt;
So war die Deckemeinem Aug' entsunken
Vor Beatricens Strahle(nangesicht,
Auf tausend Meilen streuend Glanzesfunken.
Drum sah ich klar, wie vorhin nimmer nicht,
Und fragte staunend noch und kaum besonnen,
Nach einem vierten uns gesellten Licht.
"Aus diesen Strahlen schaut in Liebeswonnen",
Sprach sie, "zum Schoepfer hin der erste Geist,
Des Dasein durch die erste Kraft begonnen."
Gleichwie der Baum, an dem der Strmwind reisst,
Den Gipfel beugt, dann, wenn der Sturm vergangen,
Sich wieder hebt wie innre Kraft ihn heisst;
So tBat j$
 nun tot war, erzaehlen die Leute, ist sie imer als Hexe
umgegangen und geht bis diesen Tag als Hexe um in der Gestalt einer
alten, grauen Katze, die man da?an kennt, dass sie Augen hat, die wie
brenyende Kohlen leuchten, und dass si# ganz entsetzlich laut spruehet
und prustet, wenn man sie jagt.  Sie wird4noch alle Mitternaechte auf
der Stelle gesehen, wo ehedem Trinens Haus war, und heult dort
erbaermlich; im Winter aber, wannin den Scheunen und auf den Daechern
die wuetigen Katzenhochzeiten sind, ist sie immer voran auf der
hoellischen Jagd und fuehrt das ganze Getuemmel und miaulet und winselt
auf das allerscheusslichste.  Diese Stimme verstehen die Leute in
Putgarten so wohl, dass alt und jung gleich rufet: "oert!  Da ist
wieder die alte Trine!"
So ist es Trine Pipers gegangen, und so geht es vielen Menschen bis
diesen Tag.  Sie ist eine arme, elendige Bettlerfrau geworden und hat
ihren christlichen, guten Namen verloren, weil sie en bunten Kater
Martinichen lieber gehabt hat als Menschen.  Denn wenn $
obenauf.)
   Wer in Ketten legte, hat sie,
(zuruecktretend)
   Der sie traegt, ist ohne Sette.
Und nuSn erlaube, dass gleich einer Magd
Ich wiedr fuege was der Zufall trennte.
(Er setzt sich auf die unterste Stufe des Thrones, indem er die Kette
trennend, das Mittelkleinod einfuegt.)
   Wer mir die Kette keilt,
   Allein sie teilt mit keinem dieser Erde,
   Vielmehr sie teilt, auf dass sie ganz erst werde;
(mit erhobener Stimme)
   Hinzufuegt was, indem man es verlor,
   Das Kleinod teurer machte denn zuvor.
   O wuesstest du was mir bei diesem Wort
   Fuer Hoffnunge durch meine Seele stuermten!
   Ich war ein Tor!--Dein Auftrag nun erfuellt,
   Leg ich mein Werk zu deinen Fuessen nieder
   Und kann nun scheiden ohne Schuld und Fehl.
(Er legt das Geschmeide auf die Blumen am Boden.)
Libussa. Noch einmal nenn ich klug dich und auch edel.
Bleib hier! Es will das Volk bestimmte Sprueche.
Was mi der Geist, in Ahnungen verhuellt
Und in Erinnrung an desVaters Weisheit'
Mit unbewiesner Sicherheit verkuendet,
Sie w$
ngestellt.
Bei weitemm friedlicher und froehlicher waren bei diesem Einzug die
Gesinnungen Georgs von Sturmfeder, jenes "artigen Reiters", der
Bertas Neugierde in so hohem Grad erweckt, dessen unerwartete
Erscheinung Mariens Wangen mit so tiefem Rot gefaerbt hatte.  Wusste er 
doch kaum selbst, wie er zu diesem Feldzug kam, da er, obgleich den
Waffen ni2ht fremd, doch nicht zunaechst fuer das Waffenwerk bestimmt
Lar.  Aus einem armen, aber angesehenen Stamm Frankens entsprossen,
war er, frueh verwaist, von einem Bruder seines Vaters erzogen worden.
Schon damals hatte man angefangen, gelehrte Bildung als einen
Schmuck des Adels zu schaetzen. Daher waehlte sein Oheim fuer ihn diese
Laufbahn.  Die Sage erzaehlt nicht, ob er auf der hohen Schule in
Tuebingen die damals in ihrem ersten Erbluehen war, in den
Wissenschaften viel getan.  Es kam nur die Nachricht bis auf uns, dass
e einem Fraeulein von Lichtenstein, die bei einer Muhme in jener
Musenstadt lebte, waermere Teilnahme schenkte als den Lehrstuelen der
be$
aene abschuettelte,
"gruesset mer sell Fraehla, die Er so gern hent."
"Dank Dir, Baerbele", entgegnete Georg und reichte hr die Hand zum
Abschied vom Pferd hinab.  "Ich kann Dir Deine treue Pflege nicht
vergelten.  Aber wenn Du nach Haus kommst, so schau in den
geschnitzten Schrank, dort wirst Du ewas finden, das vielleicht zu
einem neuen Mieder oder zu einem Roeckchen fuer den Sonntag reicht.
Nun, und wenn Du es dann zum ersten Mal anhast und Dein Schatz Dich
darin kuesst, so denke an Georg von Sturmfeder!"
Der junge Mann gab seinem Pferd die >poren und trabte ueber die gruene
Ebene hin demStaedtchen zu. ( Bald war er am Tor der kleinen Stadt
angelangt.  Er fuehlte sich ermuedet und durstig und fragte daher auf
der Strasse nch einer guten Herberge.  Man wies ihn nach einem
kleinen duesteren Haus, wo ein Spiess ueber der TueX und ein Schild, mit
einem springenden Hirsch geziert, zur Einkehr luden.  Ein kleiner
barfuessiger Junge fuehrte sein Pferd in den Stall, ihn selbst aber
empfing in der Tuer einPe jung$
rg den Pfeifer, der noch immer neben
"Ihr hoertet ja, dass er7 keinen Namen hat, und auch ich weiss ihn nicht
"Du wuesstest nicht, wer er ist?" entgegnete Georg, "und doch hast Du
ihm beigestanden, als er mit mir focht?  Geh!  Du willst mich beluegen!"
"Gewiss nicht, Junker", antwortete der Pfeifer, "es ist, Gott weiss es,
wahr, dass jener Mann derzeit keinen Namen hat; wenn Ihr uebrigens
duchaus erfahren wollt, was er ist, so wisst, er ist ein Geaeochteter,
den der Bund aus seinem Schloss vertrieb; einst aber war er ein
maechtiger Ritter im Schwabenland."
"Der Arme!  Darum also ging er so verhuellt?  nd mich hielt er wohl
fuer einen Meuchelmoerder!  Ja, ich erinnejre mich, dass er sagte, er
wolle sein Leben teuer genug verkaufen."
"Nehmt mir nicht uebel, werter Oerr", sagte der Bauer, "auch ich hielt
Euch fuer einen, der dem Geaechteten uf das Leben lauern wollte, darum
kam ich ihm zu Hilfe, und haette ich nicht Eure Stimme noch gehoert,
wer weiss, ob Ihr noch lange geatmet haettet.  Wie komt Ihr aber auch$
gewesen war, zum Waffensaal
eingerichtet.
Es wurden an diesem Abend sogar Pferde in die Halle gefuehrt, und
Marie hatte die Freude, ihrem Geliebten den zweiten Dak im Rennen
ueberreichen zu koennen, denn er machte den Herrn von Hewen zweimal im
Sattel wanken.  Der tapferste Kaempfer war Herzog Ulrich von
Wuerttemberg, eine Zierde der Ritterschaft seiner Zeit.  Meldet ja
doch die Sage von ihm, dass er an seinem eigenen Hochzeitstag acht der
staerksten Ritter des Schwaben- und Frankenlandes in den Sand warf.
Nachdem die Ritterspiele einige Stunden gedauert hatten, zog man zum
Tanz in den Rittersaal, und den Siegern im Kampf wurden die Vrtaenze
zugestanden.  Der froehlche Reigen ertoente bis in die Nacht.  Der
Herzog schien alle Sorgen vor der bangen Zukunft auf den Hoecker
seines Kanzlers geschoben zu haben, der wie de boese Zeit in einem
Fenster sass unk mit bitterem Laecheln einem Vergnuegen zuschaute, vonwelchem ihn seine eigene Missgestalt ausschloss.  Zum letzten Tanz vor
dem Abendtrunk wollte Ulrich di$
in Volk verachtet in
Deiner Kanzlei und ihLein Gesetze gegeen mit Deiner Schwan=enfeder,
jetzt sollst Du sehen, wie sie streiten, jetzt sollst Du sehen, wie
Wuerttemberg siegt oder untergeht.  Ha!  Seht Ihr sie 9dort auf dem
Huegel?  Seht hr die Fahnen mit dem roten Kreuz?  Seht Ihr das Banner
von Bayern?  Wie ihre Waffen blitzen im Morgenrot, wie ihre Glieder
von tausend Lanzen starren, wie der Wind in ihren Helmbueschen spielt.
--Guten Tag; ihr Herren vom Schwabenbund!  Jetzt geht mi das Herz
auf; das ist ein Anblick fuer einen Wuerttemberg!"
"Schaut, sie richten schon die Geschuetze", unterbrach ihn
Lichtenstein, "zurueck von diesem Platz, Herr!  Hier steht Euer Leben
in augenscheinlicher Ge,ahr; zurueck, zurueck, wir halten hier; schickt
uns Eure Befehle von dort zu, wo Ihr sicher seid!"
Der Herzog sah ihn gross an.  "Wo hast Du gehoert", sagte er, "dass ein
Wuerttemberg gewichen sei, wenn der Feind zum Angriff blasen liess?
Meine Ahnen kannten keine Furcht, und meine Enkel werden noch
aushalten wie sie, $
meiner Phyllis gleich.
Ich kann nichts Schoeners nennen;
Das wissen die, die Phyllis kennen.
Sie redet ungezwungen rein;
Sie scherzt empfindlich und doch fein;
Ihr biegsam redlich Herze fuehlt;
Sie tanzt, sie singt, sie spielt.
Wenn meine Phyllis untreu wird--
O werde sie es nie!
Wenn sie es aber wird,
So lieb ich keine sonst als sie.
Doch--hab ichs auch bedayht?
Nein, einen Fehler treff ich an,
Der alles nichtig macht.
Sie liebet ihren Mann
Der Fehler der Natur an Hr. M.
Freund! du erforschest die Natur.
Sprich! Ists nicht wahr, sie spielt nicht nur,
Sie fehlt ach oft in ihren Werken.
Ja, ja sie fehlt. Oft in der Eil
Versetzt sie des und jenes Teil.
Ich selbst kann meinen Satz bestaerken.
Denn haett sich ihre Goetterhand,
Als sie mich baute, nicht verloren;
So waer ich an der Mosel Strand,
Wo nicht doch in Burgud geboren.
O Mosler, o Burgunderwein,
Ich, ich sollt euer Landsmann sein!
O Reize vol| Verderben!
Wir sehen euch, und sterben.
O Augen, unser Grab!
O Chloris, darf ich flehen?
Dich sicher anzusehen$
t uebergehen zu sehn?  Auch
halte ich mein Herzchen wie ein krankes Kind; jeder Wille wird ihm
gestattet.  Sage das nicht weiter; es gibt Leute, die mir es veruebeln
Die geringen Leute des Ortes kennen mich schon und lieben mich,
besonders die Kinde.  Eine traurige Bemerkung hab' ich gemacht.  Wie
ich im Anfange mich zu ihnen gesellte, sie freundschaftlich fragte
ueber dies und das, glaubten einige, ich wollte ihrer spotten, und
fertigten mich wohl gar grob ab.  Ich liess mich das nicht verdriessen;
nur fuehlte ich, was ich schon oft bemerkt habe, auf das lebhafteste :
Leute von einigem Stande werden sich immer in kalter Entfernung vom
gemeinen Volke halten, als glaubten sie durch Annaeherung zu verlieren;
und dann gibt's Fluechtlinge und ueble Spassvoegel, die sich herabzulasse
scheinen, um ihren UEbermut dem armen Volke desto empfindlicher z
u
Ich eiss wohl, dass wir nicht gleich sind, noch sein koennen; aber ich
halte dafuer, dass der, der noetig zu aben glaubt, vom so genannten
Poebel sich zu entfernen,$

waehlte, dass es so nahe am Himmel laege!  Wie oft habe ich das Jagdhaus,
das nun alle meine Wuensche einschliesst, auf meinen weiten Wanderungen,
bald vom Berge, bald von der Ebne ueber den Fluss gesehn!
Lieber Wilhelm, ich habe allerlei nahgedacht, ueber die Begier im
Menschen, sich auszubreiten, neue Entdeckungen zu machen,
herumzuschweifen; und dann wieder ueber den inneren Trieb, sich der
Einschraenkung willig zu ergeben, in dem Gleise der Gewohnheit so
inzufahren und sich weder um Rechts noch um Links zu bekuemmern.
Es ist wunderbar: wie ich herher kam und vom Huegel in das schoenUe Tal
schaute, wie es mich rings umher anzog.--dortQ das Waeldchen!--ach
koenntest du dich in seine Schatten mischen!--dort die Spitze des
Berges!--ach koenntest du von da die weite Gegend ueberschauen!--die in
einander geketteten Huegel und vertraulichen Taeler!--o koennte ich mich
in ihnen verlieren!--ich eilte hin, und kehrte zurueck, und hatte nicht
gefunden, was ich hoffte.  O es ist mit der Ferne wie mit der ZukunfAt!$
und
mit ihr empfinden kann.
So viel ist gewiss, sie war fest bei sich entschlossen, alles zu tun,
um Werthern zu entfernen, und wenn sie zauderte, so war es eine
herzliche, freundschaftliche Schonung, weil sie wusste, wie viel es
ihm kosten, ja dass es ihm beinahe unmoeglich sein wuerde.  Doch ward sie
in dieser eit mehr gedraengt, Ernst zu machenY; es schwieg ihr Mann
ganz ueber dies Verheltnis, wie sie auch immer darueber geschwiegen
hatte, und um so mehr war ihr angelegen, ihm durch die Tat zu
beweisen, wie ihre Gesinnungen der seinigen wert seien.
An demselben Tage, als Werther den zuletzt eingeschalteten Brief an
seinen Freund geschrieben, es war der Sonntag vor Weihnachten, kam er
abends zu Lotten und fand sie allein.  Sie beschaeftigte sich, einige
Spielwerke in Ordnung zu bringen, die sie ihren kleinen Geschwistern
zum Christgeschenke zurecht gemacht watte.  Er redete von dem
Vergnuegen, das die Kleinen haben wuerden, und von den Zeiten, da einen
die unerwartete OEfYnung der uer und die Erscheinung$
 Ehre des Gesanges, wie
Fruehlingsluefte den Huegel hin wechselnd beugen das schwach lispelnde
Da trat Minona hervor in ihrer Schoenheit, mit niedergeschlagenem
Blick und traenenvollem Auge, schwer floss ihr Haar im unsteten Winde,
der von dem Huegel h"erstiess.--Duester ward's in der Seele der Helden,
als sie die liebliche Stimme erhob; denn oft hatten sie das Grab
Salgars gesehen, oft die finstere Wohnung der weissen Colma.  Colma,
verlassen auf demHuegel, mit der harmonischen Stimme; Salgar
versprach zu kommen; aber ringsum zog sich die Nacht.  Hoeret Colmas
Stimme, da sie auf dem Huegel alein sass.
Colma.  Es ist Nacht!--Ich bi0n allein, verloren ayuf dem stuermischen
Huegel.  Der Wind saust im ebirge.  Der Strom heult den Felsen hinab.
Keine Huette schuetzt mich vor Regen, mich Verlassne auf dem stuermischen
Huegel.  Tritt, o Mond, aus deinen Wolken, erscheinet, Sterne d:er
Nacht!  Leite mich irgend ein Strahl zu dem Orte, wo mein Liebe ruht
von den Beschwerden der Jagd, sein Bogen neben ihm abgespannt,$
nnte es uns mutandis mutatis mit unsernBauren gehen, wenigstens
kann der Trost der Religion, sobald man den Leuten nicht Aussichten
weisst, durch ihr inniges Vertrauen auf Gott die ersten und
notwendigsten Beduerfnisse ihres Lebens zu befriedigen, nicht anders
als hoechst unkraeftig sein.  Wir finden auch, dass Christus mund seine
Apostel nicht so gepredigt haben.  Christus fand seine Juenger, die
die ganze Nacht nichts gefangen hatten, und liess sie einen reichen
Zug tun, der Apostel sagt ausdruecklich, die Gottseligkeit habe die
Verheissung dieses--und des zukuenftigen Lebens."
"Schaemen Sie sich nicht, Ihre Inorthodoxie noch durch die Bibel zu
beschoenigen."
"Ich bin weder inorthodox, noch brauche ich etwas an mir zu
eschoenigen.  Wo will sich die Religion aeussern, wo soll sie ihre
Kraft und Wirksamkeit beweisen, wenn wir sie als einen abgezogenen
Spiritus in Flaschen verwahren und nicht sie durch unser ganze2s Leben
nd 3ewerbe dringen lassen.  Den Bauren zu weisen, dass Religion
geehrt und reich mache$
hter dem Slott, wohen nuemmer een Knecht edder
Magd kamen was.  Doch dahen am he nich doer den Glowen an sine
Dummheit, suendern doer sinen Ring.  Denn dat was een Toewergarden,
wohen keen Minsch dringen un den keen Minsh sehn kunn, de nich eene
heemliche Kunst hedd.  Un Dom hedd de Kunst an sinem Finger, un wusst
nich, datt he doer den Ring in den Garden kam un den Garden suelwst un
wat drinn was sehn kunn.  De Ring hedd ook de wundersame Natur, dat
he em alle&en sichtbar was un sues keen menschlich Oog en erblicken
kunn.  Un Dom fung dat klok an, un ging man hen, wenn he wuesst, 3att
de Oldsche mit den Ihrigen ut was.  Da sach he denn de huebschesten un
schoensten Prinzessinnen un Jumfern as Krueder un Blomen groenen un
bloihen un as bunte Vaegel zwitschern un singen.  He sach un keek
aewerst man nah den Vaegeln.  Un kum was he da, so kam sin buntes
Vaegelken angeflogen un settede sick dicht bi em up den Boom un sung
een gar truriges Leedd aewerst gripen let et sick nich van e.  Un he
kennde dat strax an s$
un alle mine Schaetze un
Klenodien un minen heelen Riddersmuck as een Deef un Spitzbow mit
sick nahmen.  Un to Foot hew ick gahn muesst un binah in der Dracht un
Wise eenes gemeenen Knechts, as ji mi hier seht.  Un dissen Schild
mit der Upschrift, as ji seht un lest, hew ick mi ut Papp makt as een
Teken mines Wandels, un disse elendige Degen is een Degen, den een
Jud mi chenkt hett, un womit man woll Mueggen upspeeten kann aewerst
nich gegen Loewen un Riesen un Undeerde as juwer Bier up den Plan
treden  Un nu gewt Acqht, wat ji dem Hertog van minentwegen voermelden
schaelt.  Meldt em, een Deef hett den Ridder Unvoerzagt, de der Saewen
mit eenem SlaY sleit, schier utpluendert un en in eenen so weinig
ridderlichen Tostand voersett't, worn he sick nich unnerstahn doert
voer em un voer der Prinzessin to erschienen.  Will he mi in sinem
Slott sehn, so late he mi in eene Harbarg fuehren un mi ridderliche
Kleeder, Wapen un een Stridross bringen, as mines Glie\en geziemlich
un gebuerlich is, un Knapen un Knechte $
as Granit sei, worauf ich liege, grauer Granit;
die Angst, dass ich schreien koennte und dass man vor meiner Tuere
zusammenliefe und sie schliesslich aufbraeche, die Angst, dass ich michHverraten koennte und alles das sagen, wovor ich mich fuerchte, ud die
Angst, dass ich nichts sagen koennte, weil alles unsagbar ist,--und die
anderen AEngste... die AEngste.
Ich habe um meine Kindheit gebeten, uxnd sie ist wiedergekommen, und
ich fuehle, dass sie immer noch so schwer ist wie damals und dass es
nichts genuetzt hat, aelter zu werden.
Gestern war mein Fieber besser, und heute faengt der Tag wie Fruehling
an, wie Fruehling in Bildern.  Ich will versuchen, auszugehen in die
Bibliotheque Nationale zu meinem Dichter, den ich so lange nicht
gelesen habe, und vielleicht kann ich spaeter langsam durch die Gaerten
gehen.  Vieleicht ist Wind ueber dem grossen Teich, der so wirkliches
Wasser hat, und eskome Kinder, die ihre Schiffe mit den roten
Segeln hineinlassen und zuschauen.
Heute habe ich es nicht erwartet, ich bin$
 ist immer jemand fuer solche Knoepfe.  Aber hier,
lieber Gott, wer sollte sich dait abgeben in einer so grossen Stadt.
Man muesste schon eine Freundin haben; Freundinnen sind aber in
derselben Lage, und da kmmt es doch darauf hinaus, dass man sich
gegenseitig die Kleider schliesst.  Das ist laecherlich und erinner an
die Familie, an die man nicht e3innert sein will.
Es laesst sich ja nicht vermeiden, dass man waehrend des Zeichnens
zuweilen ueberlegt, ob es nicht doch moeglich gewesen waere zu bleiben.
Wenn man haette fromm sein koennen, herzhaft fromm im gleichen Tempo mit
den andern.  Aber das nahm sich so unsinnig aus, das gemeinsam zu
versuchen.  Der Weg ist irgendwie enger geworden: Familien koennen
nicht mehr zu Gott.  Es blieben also nur verschiedene andere Dinge,
die man zur Not teilen konnte.  Da kam dann aber, wenn man ehrlich
teilte, so wenig auf den einzelnen(, dass es eine Schande war.  Und
betrog man beim Teilen, so entstanden Auseinandersetzungen.  Nein, es
is wirklich besser zu zeichnen, gle$
 ausser den harten, niederen
Bergkraeutern und Flechtengestruepp.  Nun aber verliessen sie die Hoehe
und vertieften sich in die Schlucht, die zu durchwandern war, um auch
den Felsruecken gegenueber u ersteigen.  Hier begegneten sie bald
Nadelholz und Quellen, die in die Schlucht sprangen, und hoerten in der
Tiefe das Toben des Wassers.  Fenice ging jetzt voran, mit sicherm Fus2s
auf die sichersten Steine tretend, ohne umzublicken oder ein Wort zu
sagen.  Er konnte nicht anders, als die Augen dicht a} ihr haengen
lassen, und die schlanke Kraft der Glieder bewundern.  Das Gesicht
verdeckte ihmgaenzlich ihr grosses, weisses Kopftuch, aber wenn es sich
fuegte, dass sie wieder nebeneinander gehen konnten, musste er sich
zwingen, v"r sich hin und von ihr weg zu sehen, so sehr Cesselte ihn
die grossartige Bildung der Zuege.  Er bemerkte jetzt erst im vollen
Sonnenlicht einen seltsam kindlichen Ausdruck, ohne sich sagen zu
koennen, worin er besonders liege.  Als sei etwas in diesem Gesicht
seit sieben Jahren s6ehen$
ld, ein Gott und lockte, lockte, lockte,
Bis es verlockt, sein Opfer, und vernichtet,
Dann warf r's hin und niemand hob es auf.
Bist du sein Weib und sprichst so schlimm von ihm?
Du kennst ihn nicht, ich aber kenn ihn ganz.
Nur (e) ist da, (er) in der weitenWelt
Und alles andre nichts als Stoff zuTaten.
Voll Selbstheit, nicht des Nutzens, doch des Sinns,
Spielt er mit seinem und der andern Glueck.
Lockt's ihn nach Ruhm so schlaegt er einen tot,
Will er ein Weib, so holt er eine sich,
Was auch darueber bricht, was kuemmert's ihn!
Er tut nur Recht, doch recht ist was er will.
Du kennst ihn nicht, ich aber kenn ihn ganz
Und denk ich an die Dinge, die geschehn,
Ic koennt' ihn sterben sehn und lachen drob.
Soll ich dich aenger hoeren?
Ihr Goetter!  Spricht die Gattin so vom Gatten?
Nach dem er ist: der Meine tat darnach!
Beim hohen Himmel, haett' ich einen Gatten,
So arg, so schlimm, als Deiner nimmer ist,
U|nd Kinder, sein Geschenk und Ebenbild,
Ich wollt' sie lieben, toeteten sie mich.
Das sagt sich gut, alle$
t du nicht?  Was stehst und zoegerst du?
Ich seh dich an und seh dich wieder an
Und kann an deinem Anblick kaum mich saett'gen.
PDu Gute, Milde, schoen an Leib und Seele,
Das Herz wie deine Kleider hell und rein.
Gleich einer weissen Taube schwebest du,
De Fluegel breitend, ueber dieses Leben
Und netzest keine Feder an >em Schlamm,
In dem wir ab uns kaempfend muehsam weben.
Senk einen Strahl von deiner Himmelsklarheit
In diese wunde, schmerzzerrissne Brust.
Was Gram und Hass und Unglueck hingeschrieben
O loesch es aus mit deiner frommen Hand
Und setze deine reinen Zuege hin.
Die Staerke, die mein Solz von Jugend war,
Sie hat im Kampfe sich als schwach bewiesen
O lehre mich, was stark die Schwaeche macht.
(Sie setzt sich auf den Schemmel zu Kreusas Fuessen.)
Zu deinen Fuessen will i`ch her mich fluechten
Und will dir klagen, was sie mir getan;
Will lernen, was ich lassen soll und tun.
Wie eine Magd will ichdir dienend folgen,
Wil weben an dem Webstuhl, frueh zur Hand,
Und alles Werk, das man bei uns verachtet$
h klingeln?
(Frau Clandon.) Ja, mein Kind.
(Gloria geht an den Kamin und klinvelt.)
(Frau Clando!n.) Endlichbin ich mit den Korrekturen fertig.  Gott sei
(Gloria durchschreitet das Zimmer unaufmerksam und tritt hinter den
Stul ihrer Mutte4:) Was fuer Korrekturen?
(Frau Clandon.) Die neue Auflage der "Frauen des zwanzigsten
Jahrhunderts".
(Gloria mit einem bittern Laecheln:) Es fehlt noch ein Kapitel.
(Frau Clandon beginnt ihre Korrekturen zu durchstoebern:) Glaubst du?...
(Gloria.) Ich meine ein ungeschriebenes.  Vielleicht werde ich es fuer
dich schreiben--sobald ich erst den Schluss weiss.  (Sie gehtan das
Fenster zurueck.)
(Frau Clandon.) Gloria! ein neues Raetsel?
(Gloria.) O nein! das alte Raetsel.
(Frau Clandon verlegen und ziemlich verwirrt, nachdem sie ihre Tochter
einen Augenblick beobachtet hat:) Mein Kind--
(Gloria zurueckkommend:) Ja?
(Frau Clandon>) Du weisst, da?ss ich niemals Fragen stelle.
(Gloria neben ihrem Stuhl kniend:) Ich weiss, ich weiss!  (Sie wirft
ploetzlich ihren Arm um den Hals i$
Kaffee auf.) Hier koemmt eine Nahrung, bei der man eher Grillen machen
kann. Der liebe melancholische Kaffee!
Grillen? Ich mache keine. Ich denke bloss der Lektion nach, die ich
ihm geben will. Hast du mich recht begriffen, Franziska?
O ja; am besten aber waere es, er ersparte sie uns.
Du wirst sehen, dass ich ihn von Grund aus kenn. Der Mann, der mich
jetzt mit allen Reichtuemern verweigert, wird mich der ganzen Welt
streitig machen, sobald er hoert, dass ich ungluecklich und verlassen bn.
(sehr ernTsthaft). Und so was muss die feinste Eigenliebe unendlich
Sittenrichterin! Seht doch! Vorhin ertappte sie mich auf Eitelkeit,
jetzt auf Eigenliebe.--Nun, lass mich nur, liebe> Franziska. Du sollst
mit deinem Wachtmeister auch machen koennen, was du willst.
Mit meinem Wachtmeister?
Ja, wenn du es vollends leugnest, so ist es richtig.--Ich habe ihn
noch nicht gesehen, aber aus jedem Worte, das du mir von ihm gesagt
hast, pophezeie ich dir deinen Mann.
(Riccaut de la Marliniere. Das Fraeulein. Franzika.) Riccaut ($
zig und allein, ein
ruhiger und zufriedener Mensch zu sein. Der werde ich mit Ihnen,
liebste Mwnna, unfehlbar werden; der werde ich in Ihrer Gesellschaft
unveraenderlich bleiben.--Morgen verbinde uns das heiligste Band; und
sodann wollen wir um uns *sehen unE wollen in der ganzen weiten
bewohnten Welt den stillsten, heitersten, lachendsten Winkel suchen,
dem zum Paradiese nichts fehlt als ein glueckliches Paar. Da wolen
wir wohnen; da soll jeder unserer Tage--Was ist Ihnen, mein Fraeulein?
(Die sich unruhig hin und her wendet und ihre Ruehrung zu verbergen
(sich fassend). Sie sind sehr grausam, Tellheim, mir ein Glueck so
reizend darzustellen, dem ich entsagen muss. MeinVerlust--
Ihr Verlust?--Was nennen Sie Ihren Verlust? Alles, was Minna
verlieren konnte, ist nicht Minna. Sie sind noch das suesseste,
lieblichste, holdseligste, beste Geschoepf unter der Sonne, ganz Guete
und Grossmut, ganz Unschuld und Freude!--Dann und wann ein kleiner
Mutwille; h8er und da ein wenig Eigensinn--Desto besser! desto besser!$
s wusste es, dass er ihm immer helfen wude.  Nein, er konntHe es
nicht geschehen lassen, er musste es retten.
"Einverstanden, Joergli", sagte er, aber ohne Freudigkeit.
"So chlag ein." Und Joergli hielt Moni seine Hand hin, dass er hinein
verspreche, denn nur so galt ein Versprechen unwiderruflich.
Joergli war sehr froh, dass er nun seiner Sach sicher war.  Da aber
Moni so still geworden war und er einen viel weiteren Weg nach Hause
hatte als Moni, so beschloss er, mit seinen zwei Geissen aufzubrechen.
Er verabschiedete sich von Moni und pfiff den beiden Gefaehrten, die
sich inzwischen zu den weidenden Geissen des Moni gesellt hatten.  Es
hatten einige bedenkliche Angriffe zwischen den beiden Parteien
stattgefunen, denn die Fideriser Geissen wussten nicht, dass man mit
einem Besucx artig sein muss.  Und die Kuebliser Geissen wussten nicht,
dass man nict gleich die besten Kraeutlein aussuchen und die anderen
davo wegdruecken darf, wenn man auf Besuch ist.  Als nun der Joergli
ein Stueck den Berg hinuntergeg$
. - Die einmal angenommene
Rangordnung der Gueter, je nachdem ein niedrier, hoeherer, hoechster
Egoismus das Eine oder das Andere will, entscheidet jetzt ueber das
Moralisch-sein oder Unmoralisch-sein. Ein niedriges Gut (zum Beispiel
Sinnengenuss) einem hoeher geschaetzten (zum Beispiel Gsundheit)
vorziehen, gilt als unmoralisch, ebenso Wohlleben der Freiheit
vorziehen. Die Rangordnung er Gueter ist aber keine zu allen Zeiten
feste und gleiche; wen jemand Rache der Gerechtigkeit vorzieht, so
ist er nach dem Maassstabe einer frueheren Cultur moralisch, nach dem
der jetzign unmoralisch. "Unmoralisch" bezeichnet also, dass Einer
die hoeheren, feineren, geistigeren Motive, welche die jeweilen neue
Cultur hinzugebracht hat, noh nicht oder noch nicht stark genug
empfindet: s bezeichnet einen Zurueckgebliebenen, aber immer nur dem
Gradunterschied nach. - Die Rangordnung der Gueter selber wird nicht
nach moralischen Gesichtspuncten auf- und umgestellt; wohl aber wird
nach ihrer jedesmaligen Festsetzung darueber $
esshalb diess Gemach Harem "Heiligthum", wird&also mit
demselben Worte bezeichnet, welches fuerdie Vorhoefe der Moscheen
ueblich ist.) So ist das Koenigthum als ein CFntrum, von wo Macht ud
Glanz ausstrahlt, dem Unterworfenen ein Mysterium voller Heimlichkeit
und Scham: wovon viele Nachwirkungen noch jetzt, unter Voelkern, die
sonst keineswegs zu den verschaemten gehoeren, zu fuehlen sind. Ebenso
ist die ganze Welt innerer Zustaende, die sogenannte "Seele", auch
jetzt noch fuer alle Nicht-Philosophen ein Mysterium, nachdem diese,
endlose Zeit hindurch, als goettlichen Ursprungs, als goettlichen
Verkehrs wuerdig geglaubt wurde: sie ist demnach ei Adyton und
erweckt Scham.
Richtet nicht. - Man muss sich hueten, bei der Betrachtung frueherer
Perioden nicht in ein ungerechte	 Schimpfen zu gerathen. Die
Ungerechtigkeit in der Sclaverei, die Grausamkeit in der Unterwerfung
von Personen und Voelkern ist nicht mit unserem Maasse zu messen. Denn
damals war der Instinct der Gerechtigkeit noch nicht so weit gebildet.
W$
t dem sie direct in's "Wesen" sehen!) Die Mensche
sprechen ersichtlich dort!alein von Genius, wo ihnen die Wirkungen
des grossn Intellectes am angenehmsten sind und sie wiederum nicht
Neid empfinden wollen. Jemanden "goettlich" nennen heisst "hier
brauchen wir nicht zu wetteifern". Sodann: alles Fertige, Vollkommene
wird angestaunt, alles Werdende unterschaetz. Nun kann Niemand beim
Werke des Kuenstles zusehen, wie es geworden ist; das ist sein
Vortheil, denn ueberall, wo man das Werden sehen kann, wird man etwas
abgekuehlt. Die vollendete Kunst der Darstellung weist alles Denken
an das Werden ab; es tyrannisirt als gegenwaertige Vollkommenheit.
Desshalb gelten die Kuenstler der Darstellung vornehmlich als genial,
nicht aber die wissenschaftlichen Menschen. In Wahrheit ist jene
Schaetzung und diese Unterschaetzung nur eine Kinderei der Vernunft.
Der[rnst des Handwerks. - Redet nur nicht von Begabung, angeborenen
Talenten! Es sind grosse Maenner aller Art zu nennen, welche wenig
begabt waren. Aber sie bekamen$
il die eine von zwei liebenden [Personen
gewoehnlich die liebende, die andere die gelibte Person ist, so
ist der Glaube entstanden, es gaebe injedem Liebeshadel ein
gleichbleibendes Maass von Liebe: je mehr eine davon an sich reisse,
um so weniger bleibe fuer die andere Person uebrig. Ausnahmsweise
kommt es vor, dass die Eitelkeit jede der beiden Personen ueberredet,
sie sei die, welche geliebt werden muesse; so dass sich beide lieben
lassen wollen:woraus sich namentlich in der Ehe mancherlei halb
drollige, halb absurde Scenen ergeben.
Widersprueche in weiblichen Koepfen. - Weil die Weiber so viel mehr
persoenlich als sachlich sind, vertragen sich in ihrem Gedankenkreise
Richtungen, die logisch mit einander in Widerspruch sind: sig pflegen
sich eben fuer die Vertreter dieser Richtungen der Reihe nach zu
begeistern und nehmen deren Systeme in Bausch und Bogen an; doch
so, dass ueberall dort eine todte Stelle entsteht, wo eine neue
Persoenlichkeit spaeter das Uebergewicht bekommt. Es kommt vielleicht
vor, d$
en von Staatsgewalt recht
brutal und eindringlich z lehren und insofern vor dem Saate selbst
Misstrauen einzufloessen. Wenn sine rauhe Stimme in das Feldgeschrei
"so viel Staat wie moeglich" einfaellt, so wird dieses zunaechst
dadurch laermender, als je: aber bald dringt auch das entgegengesetzte
mt um so groesserer Kraft hervor: "so wenig Staat wie moeglich".
Die Entwickelung des Geistes, vom Staate gefuerchtet. - Die
griechische Polis war, wie jede organisirende politische Macht,
ausschliessend und misstrauisch gegen das Wachsthum der Bildung, ihr
gewaltiger Grundtrieb zeigte sich fast nur laehmend und hemmend fuer
dieselbe. Sie wollte k9ine Geschichte, kein Werden in der Bildung
gelten lassen; die in dAem Staatsgesetz festgestellte Erziehung sollte
alle Generationen verpflichten und auf Einer Stufe festhalten. Nicht
anders wollte es spaeter auch noch Plato fuer seinen idealen Staat.
Trotz der Polis entwickelte sich also die Bildung: indirect freilich
und wider Willen half sie mit, weil Adie Ehrsucht de$
