ten ist, wei, da mehr Knige und
Kniginnen einerlei Namen gefhrt haben: wer aber jene nicht kennt, kann
sie auch mit dieser nicht verwechseln. Wenigstens htte Corneille in dem
Stck selbst den Namen Kleopatra nicht so sorgfltig vermeiden sollen;
die Deutlichkeit hat in dem ersten Akte darunter gelitten; und der
deutsche bersetzer tat daher sehr wohl, da er sich ber diese kleine
Bedenklichkeit wegsetzte. Kein Skribent, am wenigsten ein Dichter, mu
seine Leser oder Zuhrer so gar unwissend annehmen; er darf auch gar wohl
manchmal denken: was sie nicht wissen, das mgen sie fragen!
Dreiigstes Stck
Den 11. August 1767
Kleopatra, in der Geschichte, ermordet ihren Gemahl, erschiet den einen
von ihren Shnen und will den andern mit Gift vergeben. Ohne Zweifel
folgte ein Verbrechen aus dem andern, und sie hatten alle im Grunde
nur eine und ebendieselbe Quelle. Wenigstens lt es sich mit
Wahrscheinlichkeit  annehmen, da die einzige Eifersucht ein wtendes
Eheweib zu einer ebenso wtenden Mutter machte. $
 doch war es vielleicht die
erste Komdie, die dieser Mann beurteilte.
[1] "Misanthrope", Acte II, Sc. 4.
    C'est de la tte aux pieds un homme tout mystre,
    Qui vous jette, en passant, un coup d'oeil gar,
    Et sans aucune affaire est toujours affair.
    Tous ce qu'il vous dbite en grimaces abonde.
    A force de faons il assomme le monde.
    Sans cesse il a tout bas, pour rompre l'entretien,
    Un secret  vous dire, et ce secret n'est rien.
    De la moindre vtille il fait une merveille,
    Et, jusqu' au bon jour, il dit tout  l'oreille.
[2] "Briefe, die neueste Literatur betreffend", T. XXI. S. 133.
Ende des ersten Bandes
Zweyter Band
Dreiundfunfzigstes Stck
Den 3. November 1767
Den einundvierzigsten Abend (freitags, den 10. Julius) wurden "Cenie" und
"Der Mann nach der Uhr" wiederholt.[1] "Cenie", sagt Chevrier gerade
heraus,[2] "fhret den Namen der Frau von Graffigny, ist aber ein Werk
des Abts von Voisenon. Es war anfangs in Versen; weil aber die Frau von
Graffigny, der es erst in i$
 Zufall!
Die Knigin. Was ist das, Graf?
Essex. Was soll ich tun?
Die Knigin. Blanca, was ist das?
Blanca. Mein Tod ist gewi!
Essex. In welcher Verwirrung befinde ich mich!
Der Kanzler. Wie? der Graf ein Verrter?
Essex (beiseite). Wozu soll ich mich entschlieen? Schweige ich: so
fllt das Verbrechen auf mich. Sage ich die Wahrheit: so werde ich
der nichtswrdige Verklger meiner Geliebten, meiner Blanca, meiner
teuersten Blanca.
Die Knigin. Sind Sie der Verrter, Graf? Bist du es, Blanca? Wer
von euch war mein Retter? wer mein Mrder? Mich dnkt, ich hrte im
Schlafe euch beide rufen: Verrterin! Verrter! Und doch kann nur
eines von euch diesen Namen verdienen. Wenn eines von euch mein Leben
suchte, so bin ich es dem andern schuldig. Wem bin ich es schuldig,
Graf? Wer suchte es, Blanca? Ihr schweigt?--Wohl, schweigt nur! Ich
will in dieser Ungewiheit bleiben; ich will den Unschuldigen nicht
wissen, um den Schuldigen nicht zu kennen. Vielleicht drfte es mich
ebensosehr schmerzen, meinen Beschtzer zu e$
ug, wenn sie poetisch wahr sind, wenn wir gestehen muessen, dass
dieser Charakter, in dieser Situation, bei dieser Leidenschaft, nicht
anders als so habe urteilen koennen. Aber auch diese poetische Wahrheit
muss sich, auf einer andern Seite, der absoluten wiederum naehern, und der
Dichter muss nie so unphilosophisch denken, dass er annimmt, ein Mensch
koenne das Boese, um des Boesen wegen, wollen, er koenne nach lasterhaften
Grundsaetzen handeln, das Lasterhafte derselben erkennen und doch gegen
sich und andere damit prahlen. Ein solcher Mensch ist ein Unding, so
graesslich als ununterrichtend, und nichts als die armselige Zuflucht eines
schalen Kopfes, der schimmernde Tiraden fuer die hoechste Schoenheit des
Trauerspieles haelt. Wenn Ismenor ein grausamer Priester ist, sind darum
alle Priester Ismenors? Man wende nicht ein, dass von Priestern einer
falschen Religion die Rede sei. So falsch war noch keine in der Welt, dass
ihre Lehrer notwendig Unmenschen sein muessen. Priester haben in den
falschen Religione$
aren ehedem so
ekel, dass man ihnen die prosaischen Stuecke des Moliere, nach seinem Tode,
in Verse bringen musste; und noch itzt hoeren sie ein prosaisches Lustspiel
als ein Ding an, das ein jeder von ihnen machen koenne. Den Englaender
hingegen wuerde eine gereimte Komoedie aus dem Theater jagen. Nur die
Deutschen sind auch hierin, soll ich sagen billiger, oder gleichgueltiger?
Sie nehmen an, was ihnen der Dichter vorsetzt. Was waere es auch, wenn sie
itzt schon waehlen und ausmustern wollten?
Die Rolle der stummen Schoene hat ihre Bedenklichkeiten. Eine stumme
Schoene, sagt man, ist nicht notwendig eine dumme, und die Schauspielerin
hat unrecht, die eine alberne plumpe Dirne daraus macht. Aber Schlegels
stumme Schoenheit ist allerdings dumm zugleich; denn dass sie nichts
spricht, koemmt daher, weil sie nichts denkt. Das Feine dabei wuerde also
dieses sein, dass man sie ueberall, wo sie, um artig zu scheinen, denken
muesste, unartig machte, dabei aber ihr alle die Artigkeiten liesse, die
bloss mechanisch si$
eussert. Seine Worte sind oefters bescheiden, und es laesst
sich nur sehen, nicht hoeren, dass es eine stolze Bescheidenheit ist. Diese
Rolle muss also notwendig in der Vorstellung gewinnen. Auch die Nebenrollen
Mit der Rolle der Elisabeth ist es nicht voellig so; aber doch kann sie
auch schwerlich ganz verungluecken. Elisabeth ist so zaertlich als stolz;
ich glaube ganz gern, dass ein weibliches Herz beides zugleich sein kann;
aber wie eine Aktrice beides gleich gut vorstellen koenne, das begreife
ich nicht recht. In der Natur selbst trauen wir einer stolzen Frau nicht
viel Zaertlichkeit, und einer zaertlichen nicht viel Stolz zu. Wir trauen
es ihr nicht zu, sage ich: denn die Kennzeichen des einen widersprechen
den Kennzeichen des andern. Es ist ein Wunder, wenn ihr beide gleich
gelaeufig sind; hat sie aber nur die einen vorzueglich in ihrer Gewalt,
so kann sie die Leidenschaft, die sich durch die andern ausdrueckt, zwar
empfinden, aber schwerlich werden wir ihr glauben, dass sie dieselbe so
lebhaft empfind$
wahr ist, dass Marmontel durch seine Erzaehlung lehren wollte,
die Liebe lasse sich nicht erzwingen, sie muesse durch Nachsicht und
Gefaelligkeit, nicht durch Ansehen und Gewalt erhalten werden: so hatte er
recht, so aufzuhoeren, wie er aufhoert. Die unbaendige Roxelane wird durch
nichts als Nachgeben gewonnen; was wir dabei von ihrem und des Sultans
Charakter denken, ist ihm ganz gleichgueltig, moegen wir sie doch immer fuer
eine Naerrin und ihn fuer nichts Bessers halten. Auch hat er gar nicht
Ursache, uns wegen der Folge zu beruhigen; es mag uns immer noch so
wahrscheinlich sein, dass den Sultan seine blinde Gefaelligkeit bald
gereuen werde: was geht das ihn an? Er wollte uns zeigen, was die
Gefaelligkeit ueber das Frauenzimmer ueberhaupt vermag; er nahm also eines
der wildesten; unbekuemmert, ob es eine solche Gefaelligkeit wert sei
Allein, als Favart diese Erzaehlung auf das Theater bringen wollte, so
empfand er bald, dass durch die dramatische Form die Intuition des
moralischen Satzes groesstenteils ver$
h nicht erinnert, dass die Geschichte seines Stuecks in eine
Zeit faellt, da noch an kein Theater gedacht war; in die Zeit vor dem
Homer, dessen Gedichte den ersten Samen des Drama ausstreuten. Ich wuerde
diese Unachtsamkeit niemanden als ihm aufmutzen, der sich in der Vorrede
entschuldigen zu muessen glaubte, dass er den Namen Messene zu einer Zeit
brauche, da ohne Zweifel noch keine Stadt dieses Namens gewesen, weil
Homer keiner erwaehne. Ein Dichter kann es mit solchen Kleinigkeiten
halten, wie er will; nur verlangt man, dass er sich immer gleichbleibet
und dass er sich nicht einmal ueber etwas Bedenken macht, worueber er ein
andermal kuehnlich weggeht; wenn man nicht glauben soll, dass er den Anstoss
vielmehr aus Unwissenheit nicht gesehen, als nicht sehen wollen.
Ueberhaupt wuerden mir die angefuehrten Zeilen nicht gefallen, wenn sie auch
keinen Anachronismus enthielten. Der tragische Dichter sollte alles
vermeiden, was die Zuschauer an ihre Illusion erinnern kann; denn sobald
sie daran erinnert sind, so$
ehen beide fuer einen Mann; der eine sagt vollkommen
eben das, was der andere sagt. Sie erklaeren beide, was das Allgemeine
ist; sie sagen beide, dass dieses Allgemeine die Absicht der Poesie sei:
aber wie die Poesie bei Erteilung der Namen auf dieses Allgemeine sieht,
davon sagt keiner ein Wort. Vielmehr zeigt der Franzose durch sein lors
meme, sowie der Deutsche durch sein auch wenn, offenbar, dass sie nichts
davon zu sagen gewusst, ja, dass sie gar nicht einmal verstanden, was
Aristoteles sagen wollen. Denn dieses lors meme, dieses auch wenn, heisst
bei ihnen nichts mehr als ob schon; und sie lassen den Aristoteles sonach
bloss sagen, dass ungeachtet die Poesie ihren Personen Namen von einzeln
Personen beilege, sie demohngeachtet nicht auf das Einzelne dieser
Personen, sondern auf das Allgemeine derselben gehe. Die Worte des
Dacier, die ich in der Note anfuehren will,[2] zeigen dieses deutlich. Nun
ist es wahr, dass dieses eigentlich keinen falschen Sinn macht; aber es
erschoepft doch auch den Sinn des Ari$
infolge des
chronischen Magenkatarrhs und der dabei stattfindenden abnormen
Verdauungsvorgnge im Magen bilden, durch Aufstoen in
den Schlund, ja selbst bis in den Mund gelangen und auf die
Schleimhaut dieser Teile einen scharfen Reiz ausben. Das S.
verschwindet mit dem Magenkatarrh. Zur augenblicklichen Milderung
eignet sich am meisten doppeltkohlensaures Natron, welches die
berschssige Sure neutralisiert.
Soddoma (eigentlich Giovannantonio Bazzi), ital. Maler,
geb. 1477 zu Vercelli in Savoyen, bildete sich seit 1498 nach
Leonardo da Vinci in Mailand und kam 1501 nach Siena, wo er
verschiedene Fresken und Tafelbilder ausfhrte; 1505 malte er
einen groen Freskencyklus aus dem Leben des heil. Benedikt
fr das Kloster Montoliveto und um dieselbe Zeit die
Kreuzabnahme, jetzt im Museum von Siena. 1507-1509 war er in Rom,
wo er im Vatikan malte; dann ging er wieder nach Siena, kehrte aber
1514 nach Rom zurck, wo er in der Villa Farnesina seine
berhmtesten Fresken malte, Alexander vor der Familie des
Dareio$
ubach,
grflich. Letzterer teilte sich wieder in zwei Unterlinien,
S.-Sonnenwalde und S.-Baruth; die letztgenannte wieder in zwei
ste, S.-Rdelheim und Assenheim, in beiden Hessen
standesherrlich, und S.-Wildenfels mit den Nebensten
S.-Wildenfels-Laubach und S.-Wildenfels zu Wildenfels. Die
Reichsunmittelbarkeit verloren die frstlichen und
grflichen Linien 1806. Den ansehnlichsten
zusammenhngenden Teil der Lndereien des Hauses besitzt
Georg, Frst von S.-Braunfels (geb. 18. Mrz 1836;
succedierte 7. Mrz 1880 seinem Bruder, dem Frsten
Ernst), nmlich unter preuischer Landeshoheit die
mter Braunfels, Greiffenstein, unter groherzoglich
hessischer die mter Hungen, Wlfersheim und Gambach,
unter wrttembergischer einen Teil von Limpurg-Gaildorf,
zusammen 514 qkm, mit welchen Besitzungen eine Virilstimme beim
Landtag der Rheinprovinz verbunden ist. Residenz ist Braunfels.
Dieser Linie gehrte auch der sterreichische
Feldmarschallleutnant Prinz Karl zu S.-Braunfels (geb. 27. Juli
1812, gest. 13. Nov. 18$
den zu haben, deren wichtigste sind: der Staat solle
zunchst fr jedes "Gewerk" einen normalen Zeitarbeitstag
und einen normalen Werkarbeitstag festsetzen und den Lohnsatz
fr den letztern mit periodischen Revisionen bestimmen, bez.
zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter seiner Autoritt
festsetzen lassen. Sodann soll "der normale Werkarbeitstag zu
Werkzeit oder Normalarbeit erhoben und nach solcher Werkzeit oder
Normalarbeit (nach solcher in sich ausgeglichener Arbeit) nicht
blo der Wert des Produkts jedes Gewerks normiert, sondern
auch der Lohn in jedem Gewerk als Quote dieses nach Normalarbeit
berechneten Produktwerts fixiert und bezahlt werden".
In der Geschichte der sozialistischen Agitation ist die Phase
des friedlichen, doktrinren S. und die des gewaltsamen,
praktischen S. zu unterscheiden. In jener, welcher die
Thtigkeit Saint-Simons und Fouriers und ihrer Schler
angehrt, war die Bewegung eine wesentlich theoretische und
friedliche. Jene Sozialisten erhofften auf friedlichem Weg die
allmhl$
 (Genf 1786).
1889 wurde ihm in Scandiano ein Denkmal errichtet.
Spalmadores (Kujun-Adassi, "Schaf-Inseln"), kleine
trk. Inselgruppe in der gleichnamigen Meerenge zwischen der
Insel Chios und der Westkste von Kleinafien (im Altertum
Spalmeggio (spr. -meddscho), ein Nebel, s. Bora.
Spalt, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Mittelfranken,
Bezirksamt Schwabach, an der Frnkischen Rezat u. der Linie
Georgensgmnd-S. der Bayrischen Staatsbahn, 362 m . M.,
hat 3 Kirchen, Bierbrauerei, starken Hopfenbau und (1885) 2060
meist kath. Einw.
Spaltbarkeit der Mineralien, die Eigenschaft, in
bestimmten Richtungen geringere Grade der Kohrenz zu besitzen
als in den brigen dazwischenfallenden Richtungen, so
da selbst bei unbedeutender Gre trennender
Krfte senkrecht zu diesen Richtungen der Minima der
Kohrenz Spaltbarkeitsflchen
(Bltterdurchgnge) erzeugt werden knnen. Die
Flchen, welche durch die S. erzeugt werden, stehen im engsten
Zusammenhang mit den morphologischen Eigenschaften der Mineralien
und gehren ausna$
enkulturzweige sind noch die in groem Mastab
betriebene Maulbeerbaum- und die Weinkultur. Durch die
geographische Lage und durch die klimatischen Verhltnisse
begnstigt, bringt das Land die feurigsten Weine in allen
Abarten und in groer Menge hervor. Der durchschnittliche
Ertrag beluft sich auf mehr als 20 (1887: 28) Mill. hl. Die
berhmtesten Weine sind die andalusischen, insbesondere die
von Jeres de la Frontera, Puerto de Santa Maria und Malaga. Der
Export dieser Weine geht hauptschlich nach England und
Amerika. Von den katalonischen Weinen sind nur die Sorten von Reus
und Tarragona vorzglich, von den Valenciaweinen die roten
Benicarloweine geschtzt. Die Alicantiner Weine sind sehr fein
und ziemlich alkoholreich. Die kastilischen Weine, darunter der
ausgezeichnete Manchawein (Valdepeas), werden meist im
Inland konsumiert. Die Aragonweine sind am dunkelsten, feinsten und
am wenigsten suerlich. Vorzgliche Weingegenden sind
auerdem: Sdnavarra, das untere Duerothal, Viscaya,
Orense, die Gegend von$
tet. Diese beging zwar manche Fehler,
griff oft in hchst verkehrter Weise in die Kriegsoperationen
ein und setzte tchtige Generale ab, gab aber durch den Aufruf
zum Guerillakrieg (28. Dez. 1808) dem Kampf den fr die
Franzosen so verderblichen Charakter des kleinen Kriegs. In diesem
kamen die Vorzge der Spanier, verwegener Mut, unbndige
Leidenschaftlichkeit und groe Ausdauer in Strapazen und
Entbehrungen, recht zur Geltung; die fortwhrenden khnen
Unternehmungen der Guerillas rieben die Krfte der Franzosen
auf und entrissen ihnen die Frchte ihrer Siege im offenen
Felde. Die Franzosen siegten 27. Mrz 1809 bei Ciudad Real,
28. Mrz bei Medellin, und die Zentraljunta mute nach
Sevilla flchten. Zwar wurde Soult im Mai 1809 von Wellington
aus Portugal vertrieben und mute Galicien und Asturien
rumen, worauf Wellington in S. eindrang und die Franzosen 27.
und 28. Juli bei Talavera schlug; doch mute er sich vor
einem neuen franzsischen Heer nach Portugal
zurckziehen, und der spanische General Vanegas $
frmiges, vorn oder seitlich offenes Instrument,
welches in Krperhhlen eingefhrt wird, um tiefere
Teile der Besichtigung und Behandlung zugnglich zu machen, z.
B. der Mutterspiegel, Ohren-, Kehlkopfspiegel etc.
Spedition (ital. Spedizione. franz. Expedition),
Befrderung von Waren, die nicht direkt an ihren
Bestimmungsort verladen werden; dann berhaupt die
bernahme und Ausfhrung von Auftrgen zur Besorgung
der Versendung von Gtern; Speditionshandel, der
gewerbsmige Betrieb solcher Geschfte. Ein
derartiger Gewerbebetrieb heit Speditionsgeschft; doch
wird der letztere Ausdruck auch fr den einzelnen Vertrag
gebraucht, welchen jemand gewerbsmig abschliet,
um im eignen Namen fr fremde Rechnung Gterversendung
durch Frachtfhrer (Eisenbahnen, Fuhrleute, Lastboten,
Fluschiffer, Fhrenbesitzer etc.) oder Schiffer, d. h.
Seeschiffsfhrer, ausfhren zu lassen. Wer
Speditionsgeschfte gewerbsmig ausfhrt,
heit Spediteur (franz. expditeur, entrepreneur,
commissionnaire pour le transport). Derselbe $
ektren der Alkali- und Erdalkali-Metalle. Nach Bunsen und
Spektralanalyse (Apparatbeschreibung).
einigt. Sind die durch den Spalt einfallenden Strahlen homogen
rot, so entsteht bei r ein schmales rotes Bild des vertikalen
Spalts; gehen aber auch violette Strahlen von dem Spalt aus, so
werden diese durch das Prisma strker abgelenkt und erzeugen
ein violettes Spaltbild bei v. Dringt weies Licht, das sich
bekanntlich (s. Farbenzerstreuung) aus unzhlig vielen
verschiedenfarbigen und verschieden brechbaren Strahlenarten
zusammensetzt, durch den Spalt ein, so legen sich die unzhlig
vielen entsprechenden Spaltbilder in ununterbrochener Reihenfolge
nebeneinander und bilden in der Brennebene des Objektivs ein
vollstndiges Spektrum r v, welches nun durch das Okular o wie
mit einer Lupe betrachtet wird. Im Spektrum des Sonnenlichts oder
Tageslichts (s. die Tafel) gewahrt man mit groer
Schrfe die Fraunhoferschen Linien (s. Farbenzerstreuung). Um
das Spektrum mit einer Skala vergleichen zu knnen, trgt
ein drittes$
 zu photographieren. - Auer den
unzweifelhaft der Sonne angehrigen Spektrallinien gewahrt man
im Sonnenspektrum noch andre dunkle Linien, welche erst durch die
absorbierende Wirkung der Erdatmosphre entstanden sind und
deshalb atmosphrische Linien heien. Die
Fraunhoferschen Linien A und B erscheinen um so dunkler, je tiefer
die Sonne steht, und verraten dadurch ihren irdischen Ursprung;
nach Angstrm rhren sie wahrscheinlich von der
Kohlensure unsrer Atmosphre her. Andre dunkle Linien
und Bnder zwischen A und D, namentlich ein Band unmittelbar
vor D, sind dem Wasserdampf der Atmosphre zuzuschreiben. Man
nennt sie Regenbnder, weil sie durch ihr Dunklerwerden
bevorstehende Niederschlge ankndigen. - Der Mond und
die Planeten, welche mit erborgtem Sonnenlicht leuchten,
mssen natrlich ebenfalls die Fraunhoferschen Linien
zeigen. Das Spektrum des Mondes stimmt mit demjenigen der Sonne
vollkommen berein, ein neuer Beweis dafr, da der
Mond keine Atmosphre hat. Venus, Mars, Jupiter und Saturn
dagege$
icht der bedeutendsten Sternwarten.
Sternwarte Lnge in Bogen von Greenwich Breite
Deutschland.
Berlin . 13 23' 43" +52 30' 16,7"
Bonn . 7 5 58 +50 43 45,0
Bothkamp b. Kiel (Priv.) . 10 7 42 +54 12 9,6
Breslau . 17 2 16 +51 6 56,5
Danzig . 18 39 51 +54 21 18,0
Dsseldorf (Bilk) . 6 46 13 +51 12 25,0
Gotha . 10 42 37 +50 56 37,5
Gttingen . 9 56 33 +51 31 47,9
Hamburg . 9 58 25 +53 33 7,0
Kiel . 10 8 52 +54 20 29,7
Knigsberg . 20 29 43 +54 42 50,6
Leipzig . 12 23 30 +51 20 6,3
Lbeck . 10 41 24 +53 51 31,2
Mannheim . 8 27 41 +49 29 11,0
Marburg . 8 46 15 +50 48 46,9
Mnchen (Bogenhausen) . 11 36 28 +48 8 45,5
Straburg . 7 45 35 +48 34 55,0
Wilhelmshaven . 8 8 48 +53 31 57,0
Krakau . 19 57 37 +50 3 50,0
Kremsmnster . 14 8 3 +48 3 23,7
Pola . 13 50 52 +44 51 49,0
Prag . 14 25 19 +50 5 18,5
Wien . 16 22 55 +48 12 35,5
Wien (Josephstadt) . 16 21 19 +48 12 53,8
Bern . 7 26 24 +46 57 6,0
Genf . 6 9 16 +46 11 58,8
Neuchtel . 6 57 31 +47 0 1,2
Zrich . 8 32 58 +47 22 42,1
Niederlande $
schulen, s. Domschulen.
Stiftung, s. Milde Stiftungen.
Stigel, Johann, neulat. Dichter, geb. 13. Mai 1515 bei
Gotha, studierte in Leipzig und Wittenberg, wo er Luthers und
Melanchthons Freundschaft geno, Humaniora, ward 1542, zu
Regensburg vom Kaiser als Dichter gekrnt, Professor der
lateinischen Sprache in Wittenberg, erffnete 1558 als erster
Professor der Beredsamkeit die Universitt Jena mit der
Weihrede und starb 11. Febr. 1562. Unter seinen Schriften sind die
"Carmina" (Jena 1660 ff., 4 Bde.) hervorzuheben. Vgl.
Gttling, Vita Joh. Stigelii (Jena 1858; abgedr. in den
"Opusc. acad.", S. 1-64).
Stiglmayer - Stil.
Stiglmayer, Johann Baptist, Erzgieer, Bildhauer
und Medailleur, geb. 18. Okt. 1791 zu Frstenfeldbruck bei
Mnchen, kam zu einem Goldschmied in Mnchen in die
Lehre, ward 1810 in die Akademie der bildenden Knste
aufgenommen, 1814 als Mnzgraveur angestellt und 1819 nach
Italien gesandt, um die Technik des Erzgusses kennen zu lernen. In
Rom grndete er seinen Ruf durch den Gu der Bste
des sp$
tig zum Kommissar der landwirtschaftlichen
Zentralstelle, der Gewerbekammer fr das Groherzogtum
und zum Immediat-Finanzkommissar der Universitt Jena ernannt.
Dem deutschen Landwirtschaftsrat gehrt er seit dessen
Grndung an. Er schrieb: "Bemerkungen ber das
landwirtschaftliche Unterrichtswesen" (Chemn. 1851); "Die Drainage"
(Leipz. 1852); "Der angehende Pachter" (mit A. Stckhardt, 2.
Aufl., Braunschw. 1869); "Die Entwickelung der landwirtschaftlichen
Lehranstalt zu Jena 1861-67". Auch redigierte er 1855-66 die
"Zeitschrift fr deutsche Landwirte" und 1863-1872 die
"Landwirtschaftliche Zeitung fr Thringen".
Stockhausen, Julius, Konzertsnger (Bariton), geb. 22. Juli
1826 zu Paris als Sohn des Harfenspielers Franz S. aus Kln,
wurde am Pariser Konservatorium gebildet und zeichnete sich schon
whrend seiner Lehrzeit so vorteilhaft aus, da ihm von
Habeneck die Leitung der Proben zu den musikalisch-dramatischen
bungen der Schler bertragen wurde. Seine
hhere Ausbildung als Snger erhielt er von Manuel $
ssion "Nathanael".
Strada (ital.), Strae; S. ferrata, Eisenbahn.
Stradbroke (spr. strddbrok), groe Insel an
der Sdostkste der britisch-austral. Kolonie Queensland,
welche mit der Moretoninsel, von der sie durch den Rouskanal
getrennt ist, die Moretonbai (s. d.) bildet; hat einen Leuchtturm.
Beide Inseln sind auf der Westkste bewohnt.
Stradella, Stadt in der ital. Provinz Pavia. Kreis
Voghera, am Aversa und an der Eisenbahn Alessandria-Piacenza, mit
Industrie in Seide, Leder, Weinstein und Weingeist und (1881) 6344
Stradella, Alessandro, Snger und Komponist, geb.
1645 zu Neapel, wo er auch seine Ausbildung erhielt, begab sich
spter nach Venedig und von dort, nachdem er die Geliebte
eines vornehmen Venezianers entfhrt hatte, nach Rom. Hier
entging er mit Glck einem von seinem Nebenbuhler gegen ihn
veranstalteten Attentat und floh nach Turin, wo er bei einem
zweiten, von Venedig aus gegen ihn unternommenen Mordversuch schwer
verwundet wurde. Ein dritter sollte fr ihn
verhngnisvoll werden; denn als er$
C5
Elssser Strae F2
Elsa-Lothring. Bank CD3
Elsbeth-Wallstrae C5,6
Esplanade G3
Esplanade, An der FG3,4
Esplanaden-Gasse F3
Esplanaden-Strae FG4
Feg-Gasse F3,4
Ferkel-Markt D4
Finkmatt-Strae BC2
Finkweiler-Gasse BC5
Finkweiler-Staden C5
Fischart-Strae F2
Fischer-Gasse E3
Fischer-Staden E3
Fischerthor-Kaserne E3
Fisch-Markt D4
Fisch-Markt, Alter D4
Gasanstalt B3
Gaul-Staden EF4
Gedeckte Brcken B5
Gefngnis, Bezirks- B5
General-Kommando D3
Gerbergraben-Platz C4
Gerbergraben-Strae C4
Gewerbslauben, An d. C4
Goethe-Strae F2
Goldgieen D5
Grandidier-Strae E3
Gro-Metzig D4
Grnenbruch-Gasse B3
Gutenberg-Denkmal CD4
Gutenberg-Platz CD4
Gutleut-Gasse B2,3
Gymnasium C3
Hafen-Platz B5
Hafen-Staden B6
Hafen-Wallstrae B6
Hagenauer Platz B2
Handels-Gericht CD4
Haupt-Zollamt B3
Helenen-Gasse, St. C4
Helenen-Platz, E2
Hennen-Gasse E4
Hermann-Strae FG3
Heuwage, Bei der F4
Hospital, Brger- D5
Hospital, Militr- F4
Johannes-Staden, St. B4
Juden-Brckchen D3
Juden-Gasse D3
Jung-St.-Peter-Kirche C3
Jung-St.-Peter-$
r (s. Plan
der Belagerung von S. bei Artikel "Festungskrieg"). Die
deutschfeindliche Haltung der Stadtbehrde in S.
veranlate die kaiserliche Regierung, 7. April 1873 den
Brgermeister Lauth seines Amtes zu entsetzen und den
Gemeinderat, dessen berwiegende Mehrheit sich gegen diese
Maregel aussprach, zunchst auf zwei Monate, dann auf
ein Jahr zu suspendieren. Mit der Wahrnehmung der Geschfte
des Magistrats wurde der Polizeidirektor Back betraut, unter
welchem das Gemeindeschul-
Straenbahnen - Straenbau.
wesen ausgebildet, Straenbahnen gebaut, eine
Wasserleitung hergestellt und die groartige Stadterweiterung
nach Ankauf der alten Festungswerke durchgefhrt wurden. Erst
1886 wurde wieder die Wahl eines Gemeinderats gestattet, welche
deutschfreundlich ausfiel, und Back zum Brgermeister ernannt.
Vgl. Silbermann, Lokalgeschichte der Stadt S. (Strab. 1775);
Frese, Vaterlndische Geschichte der Stadt S. (das. 1791-95, 4
Bde.); v. Apell, Argentoratum (Berl. 1884); Schmoller,
Straburgs Blte im 13. Jahrhun$
r starb 17. Okt. 1804.
Vgl. v. Held, Struensee (Berl. 1805).
2) Johann Friedrich, Graf von, dn. Minister, Bruder des
vorigen, geb. 5. Aug. 1737 zu Halle, studierte in seiner Vaterstadt
Medizin, ward 1759 Stadtphysikus zu Altona und 1768 Leibarzt und
Begleiter des jungen Knigs Christian VII. von Dnemark
auf dessen Reise durch Deutschland, Frankreich und England. Schnell
erwarb er sich die Gunst des Knigs und ward 1770 auch mit der
Erziehung des Kronprinzen beauftragt und zum Konferenzrat und
Lektor des Knigs und der Knigin Karoline Mathilde (s.
Karoline 1) ernannt. Die von ihrem Gatten mit Gleichgltigkeit
behandelte Knigin fand bald Interesse an seinem Umgang und
glaubte in ihm den Mann gefunden zu haben, mit dessen Hilfe sie die
ihr abgeneigte dnische Adelsaristokratie strzen
knnte. Nachdem S. ein besseres Einvernehmen zwischen dem
Knig und der Knigin hergestellt, wute er die
bisherigen Gnstlinge und Minister vom Hof zu entfernen,
zuerst den Grafen von Holck, an dessen Stelle sein Freund Brandt$
S., in noch andern
Fllen mag eine organische Erkrankung des Nervenapparats,
welcher in der Darmwand selbst liegt, die Ursache der sogen.
habituellen S. (Hartleibigkeit) sein. Die leichtern Grade der S.,
welche ungemein hufig nach kleinen Ditfehlern
auftreten, weichen der Anwendung milder Abfhrmittel, wie
Rizinusl, Senna, oder dem Gebrauch einiger Glser
Bitterwasser. Die hartnckigen Flle erfordern eine
sorgfltige Behandlung des ursachlichen Darmleidens; bei
habitueller S. ist die Dit zu regeln, fr Bewegung und
Erhaltung eines guten Allgemeinbefindens zu sorgen und bei
bestehender hypochondrischer Verstimmung knstlich durch milde
Arzneien vollstndige und tgliche ffnung des
Leibes zu schaffen.
Stuhlweienburg (ungar. Szekesfehervar, lat. Alba
regia), knigliche Freistadt im ungar. Komitat
Weienburg und Knotenpunkt der Sd- und Ungarischen
Westbahn, hat einen Dom, unter dem auer alten
Knigsgrbern auch die Basilika Stephans des Heiligen
gefunden wurde, eine bischfliche Residenz mit Bibliothek, $
n der Sdsee bevlkert zu haben.
Sdseeschwindel, s. Handelskrisis, S. 88.
Sdseethee, s. Ilex.
Sudsha (Ssudsha), Kreisstadt im russ. Gouvernement Kursk,
am Flusse S., mit (1885) 4979 Einw. In der Nhe
Sandsteinbrche.
Sdslawen, Gruppe der slawischen Vlker in
Sdosteuropa. Dazu gehren die Slowenen in den Ostalpen
sterreichs, die Serben und Bosniaken, Kroaten, Slawonier und
die Bulgaren (s. Slawen und Slawische Sprachen).
Sudur (arab., Mehrzahl von Sadr, s. d.), Rangbezeichnung
der hohen geistlichen Wrdentrger im trkischen
Sdwestinseln (Serwatty), eine zur niederlnd.
Residentschaft Amboina gehrige Inselgruppe des Indischen
Archipels, erstreckt sich von den Kleinen Sundainseln und Timor an
stlich bis Timorlaut und umfat die grere
Insel Wetter und die kleinern Kisser, Damma, Roma, Moa, Sermattan,
Lakor, Baber u. a. mit einem Gesamtumfang von 5236 qkm (95 QM.) und
etwa 47,000 Einw. (meist Malaien). Fr den Handel liefern sie
Wachs, Schildpatt, Trepang, Sago, Holz.
Sd-Wilhelmskanal (Zuid-Willemsvaar$
anzufhren: die im Verein
mit Pope herausgegebenen "Miscellanies" (1727, 3 Bde.) und die
posthume "History of the four last years of Queen Anne". Seine
Werke wurden herausgegeben von Hawkesworth (Lond. 1755, 14
Quartbnde, Oktavausgabe in 24 Bnden), Sheridan (das.
1784, 17 Bde.), Walter Scott (mit Biographie, das. 1814, 19 Bde.;
neue Ausg. 1883, 10 Bde.), Roscoe (das. 1853, 2 Bde.), Purves (das.
1868). Sein Briefwechsel erschien in 3 Bnden (Lond. 1766) und
in Auswahl von Lane Pool (das. 1885). Eine bersetzung der
humoristischen Werke lieferte Kottenkamp (Stuttg. 1844, 3 Bde.).
Aussprche von S. sammelte Regis ("Swiftbchlein",
biographisch-chronologisch geordnet, Berl. 1847). Vgl. auch R. M.
Meyer, I. S. und G. Lichtenberg (Berl. 1886). Sein Leben
beschrieben S. Johnson, Sheridan (Dubl. 1787), Forster
(unvollendet; Bd. 1, bis 1711 reichend, Lond. 1875), H. Craik (das.
1882); krzer L. Stephen (das. 1882).
Swilajinatz, Flecken im serb. Kreis Tschupria, an der
Resawa, Sitz des Bezirkshauptmanns, mit Kirche, $
 ungarischer
Kronhter und Vizeprsident des Oberhauses.
Szlics (spr. ssliatsch, Ribarer Bad),
berhmter und besuchter Badeort im ungar. Komitat Sohl,
sdlich von Neusohl, Station des Altsohl-Neusohler
Flgels der Ungarischen Staatsbahn, mit bei Frauenkrankheiten
und Nervenleiden heilsamen, kohlensurereichen Eisenthermen
(25-32 C.). Vgl. Hasenfeld, Der Kurort S. (3. Aufl., Wien
Szobrncz (spr. sso-), Bad bei Ungvr im
ungar. Komitat Ung, liegt, gegen N. vollstndig
geschtzt, an der Sdseite des Vihorltgebirges
und hat vier kalte salz- und schwefelhaltige Quellen und
Schlammbder.
Szofer, s. Sopher.
Szolnok (spr. ssl-), Stadt, Sitz des ungar.
Komitats Jsz-Nagy-Kun-S., Knotenpunkt der
sterreichisch-Ungarischen u. Ungarischen Staatsbahn, an der
Mndung der Zagyva in die Thei, ber die zwei
Brcken fhren, mit (1881) 18,247 ungar. Einwohnern, die
Ackerbau, Gewerbe, Fischerei und Handel mit Obst, Bauholz etc.
treiben. S. hat eine knigliche Tabaks- u. eine
Maschinenfabrik, ein Franziskanerkloster, ein Obe$
T., am Rio Claro, einem Nebenflu
des Mule, 83 m . M., hat eine schne Kathedrale,
eine hhere Schule, ein Hospital und (1875) 17,496 Einw., die
lebhaften Handel und Handweberei (Ponchos) betreiben. Eine
Eisenbahn verbindet Talca mit Santiago und Concepcion.
Talcahuana, Hafenstadt im sdamerikan. Staat Chile,
Provinz Concepcion, 20 km von der Hauptstadt, ist Sitz der
Marinebehrden, hat ein Kriegsarsenal, Schiffwerfte, einen
Molo, an dem die grten Schiffe anlegen knnen,
und (1875) 2495 Einw. Die Einfuhr in den Hafen von T. betrug 1887:
5,492,628 Pesos, die Ausfuhr 5,504,767 Pesos.
Talch, s. Acacia, S. 74.
Talcium, s. v. w. Magnesium.
Talegalla, Huhn, s. Wallnister.
Taleman (schwed.), der Sprecher des Bauernstandes auf den
schwedischen Reichstagen.
Talent (griech.), ausgezeichnete geistige oder auch
krperliche Befhigung. In diesem Sinn spricht man von
mathematischem, philosophischem, knstlerischem etc., aber
auch technischem, mechanischem etc. T. Der innere Grund der
Verschiedenartigkeit der einzelnen $
hte von T. (Mnch. 1822); Krempelhuber,
Der T. und seine Umgebungen (3. Aufl., Mnch. 1862).
Tegetthoff, Wilhelm, Freiherr von, sterreich.
Admiral, geb. 23. Dez. 1827 zu Marburg in Steiermark, wurde im
Marinekollegium zu Venedig erzogen und trat 1845 als Kadett in die
sterreichische Marine ein. 1848-49 machte er die Blockade von
Venedig mit, dann, 1851 zum Fregatten-, 1852 zum
Linienschiffsleutnant befrdert, grere
Seeexpeditionen im Mittellndischen Meer, namentlich nach der
Levante, gegen die Barbareskenstaaten und nach verschiedenen
Punkten der afrikanischen Westkste. 1857 zum
Korvettenkapitn ernannt, fhrte er auf Veranlassung des
Erzherzogs Maximilian eine Expedition an die Ksten des Roten
Meers aus. 1859 begleitete er den Erzherzog auf einer Reise nach
Brasilien, wurde 1860 Fregatten-, 1861 Linienschiffskapitn
und befehligte 1862 das sterreichische Geschwader, welches
nach Knig Ottos Absetzung in den griechischen und
levantischen Gewssern kreuzte. Seine erste eigentliche
Waffenthat war das f$
April eine
Schneedecke trgt. Die Besteigung des Bergs geschieht
gewhnlich von Orotava (s. d.) aus, tn dessen Nhe auch
der berhmte ungeheure Drachenbaum stand, dessen Alter von A.
v. Humboldt auf 6000 Jahre geschtzt ward. Das Klima von T.
ist mild und gesund. Hauptstadt ist Santa Cruz. Vgl. Schacht,
Madeira und Tenerife mit ihrer Vegetation (Berl. 1859); Fritsch und
Rei, Geologische Beschreibung der Insel Tenerife (Winterthur
1868); Stone, Tenerife and its six satellites (Lond. 1887, 2 Bde.),
und die Litteratur bei Art. Kanarische Inseln.
Tenes (Tennes), Sohn des Kyknos (s. d.).
Tensmus (griech.), s. Stuhlzwang.
Teng ("Korb"), in Birma Getreidema, enthlt
von geschltem Reis 26,49 kg; als Raumma ungefhr
8 alte englische Weingallons.
Tenga, Mnze in Mittelasien,  40-44 Pul =
0,567-0,60 Mk. Vgl. Tilla.
Teniers (spr. tenjeh), 1) David, der ltere,
niederlnd. Maler, geb. 1582 zu Antwerpen, war Schler
seines ltern Bruders, Julian, bildete sich dann in Rom bei A.
Elsheimer weiter und wurde 1606 als Fre$
die groartige Entwickelung der
Vulkane in der T. wren auch aus auereuropischen
Lndern beizubringen.
Vgl. Beyrich, ber den Zusammenhang der norddeutschen
Tertirbildungen (Berl. 1856); v. Ettingshausen, Die
Tertirflora der sterreichischen Monarchie (Wien 1851);
die Schriften von Heer: "Flora tertiaria Helvetiae" (Zrich
1854-58), "Urwelt der Schweiz" (2. Aufl., das. 1878), "ber
das Klima und die Vegetationsverhltnisse des
Tertirlands" (Winterthur 1860) und "Flora fossilis arctica"
(Zrich u. Winterthur 1868-75, 3 Bde.); Hrnes u.
Reu, Die fossilen Mollusken des Tertirbeckens von Wien
(Wien 1851-71, 2 Bde.); v. Knen, ber die
Parallelisierung des norddeutschen, englischen und
franzsischen Oligocns (Berl. 1876); Sandberger,
Untersuchungen ber das Mainzer Tertirbecken (Wiesbad.
1853); Derselbe, Die Konchylien des Mainzer Tertirbeckens
(das. 1863); Lepsius, Das Mainzer Becken (Darmst. 1883);
Sue, Der Boden der Stadt Wien (Wien 1862); Fuchs,
Erluterungen zur geologischen Karte der Umgebung Wien$
aber
schauerlich im Glauben an Hexerei und Zauberei. Die Theologen und
Juristen, welche seit dem 15. Jahrh. die Theorie und Praxis der
Hexenprozesse (s. d.) kultivierten, haben auch die genauere
Naturgeschichte des Teufels festgestellt. Selbst die Reformation
hat den ganzen Teufelsglauben als unentbehrlichen Artikel mit in
den Kauf genommen, Luther voran, welcher sein Leben lang wider den
"altbsen Feind" zu Felde lag. Erschttert wurde diese
Lehre erst im Zusammenhang mit den Hexenprozessen, und infolge der
kritischen Richtung, welche in der zweiten Hlfte des 18.
Jahrh. die protestantische Theologie erfate, fingen selbst
die offenbarungsglubigen Theologen an, die Lehre vom Satan zu
mildern, whrend die Rationalisten ihn ganz aus dem
christlichen Glauben verwiesen, indem sie die biblischen
uerungen auf Akkommodation zurckfhrten.
Die neuere Orthodoxie dagegen hat sich des Teufels wieder mit
Vorliebe angenommen, Vilmar ihn sogar gesehen, und im Volksglauben
spielt derselbe noch immer eine groe Rolle; se$
inem andern Weg durch den
Schwei, aus dem Krper entfernt werden. Diese T. beruht
auf einer Reihe von wissenschaftlich begrndeten
Vorstellungen, bei denen der Arzt zielbewut handelt,
whrend er beim Wechselfieber vorlufig das "Warum"
seiner T. noch nicht kennt. - Radikalkur ist eine solche T., bei
welcher das bel gleichsam mit der Wurzel (radix) ausgerissen
werden kann, z. B. eine erfolgreiche Bandwurmkur, die
Durchschneidung verkrzter Sehnen, das Ausziehen eines
schmerzenden Zahns etc. Ist eine solche grndliche T. nicht
mglich, etwa weil das Organ nicht zugnglich ist, so
mu sich die T. beschrnken, die drohendsten oder
lstigsten Symptome, z. B. den Schmerz durch
Betubungsmittel, zu bekmpfen (symptomatische T.). Liegt
eine Krankheit vor, bei welcher erfahrungsgem ein
gnstiger Ausgang zu erwarten ist, wie bei Masern, leichten
Fllen von Lungenentzndung bei krftigen Personen,
so mu sich der Arzt abwartend verhalten und nur jederzeit
aufmerksam sein, da nicht etwanige neue bel
hinzutreten; m$
. 4. Juni 1844 zu Pest, studierte
daselbst Jurisprudenz, wirkte einige Zeit als Ministerialbeamter
und schrieb politische Broschren, einen Roman und mehrere
Bnde Novellen in franzsischer Richtung, auch Dramen,
von denen die Lustspiele: "A j hajafiak" ("Die guten
Patrioten") und "Az uj emberek" ("Neue Menschen") mit Erfolg
aufgefhrt wurden. Seit 1875 Redakteur des Journals "Nemzeti
Hirlap", starb er 6. Dez. 1879 in Budapest.
Toledo, 1) span. Provinz in der Landschaft Neukastilien,
grenzt im N. an die Provinzen Avila und Madrid, im O. an Cuenca, im
S. an Ciudad-Real, im W. an Caceres und hat einen Flchenraum
von 15,257 qkm (277,1 QM.). Die Provinz wird im S. von den Montes
de T., im N. von der Sierra de San Vicente, einer Parallelkette der
Sierra de Gredos, durchzogen, im brigen ist sie eben oder
hgelig und gehrt zum Becken des Tajo, welcher die
Provinz quer durchschneidet und hier den Guadarrama und Alberche
von N., dann kleinere Zuflsse von S. her aufnimmt. Der
Sdosten der Provinz gehrt mit dem Gi$
Tonart sind dagegen z. B. D
dur, B dur, H dur, Des dur, D moll, H moll und alle noch ferner
stehenden; mit der A moll-Tonart: G moll, H moll, B moll, Gis moll,
G dur, B dur etc.
Tonwechselmaschine, s. Pistons.
Tooke (spr. tuk), 1) Thomas, engl. Nationalkonom,
geb. 1774 zu St. Petersburg als der Sohn des Historikers William
T., erwarb sich als Teilnehmer eines groen Handelshauses
reiche Erfahrungen im Handels- und Finanzwesen. Von 1820, wo er die
berhmte Merchant's petition in favour of free trade
verfate, war er bis zu seinem Tod, 1858, an allen
kommerziellen Enqueten und an der Gesetzgebung auf allen Gebieten
wirtschaftlicher Natur beteiligt. Er verffentlichte eine
sechsbndige "History of prices" (Lond. 1838-57, Bd. 5 u. 6
von Newmarch bearbeitet), welche den englischen Handel von 1793 bis
1856 schildert; "Inquiry into the currency principle" (1844); "On
the bank charter act of 1844" (1855).
2) J. Horne, Schriftsteller, s. Horne Tooke.
Toowoomba, s. Tuwumba.
Top (Topp), s. Takelung.
Topana, eine Wurzel$
istalle von ber 10 kg
Gewicht), am Schneckenstein in Sachsen, zu Rozna in Mhren mit
Bergkristall, Turmalin, Steinmark oder Lithionglimmer in
granitischen Gesteinen, in Brasilien (Brasilian) in
Chloritschiefer. Auerdem fhren die Zinnerzlagerstatten
des Erzgebirges und Cornwalls T. ; auf sekundrer
Lagersttte findet er sich oft mit andern Edelsteinen in
Brasilien, auf Ceylon, in Aberdeen. Der Pyrophysalit stammt aus
norwegischen Graniten und Gneisen, der Pyknit aus den
Zinnerzlagersttten von Altenberg in Sachsen und aus einem
Magneteisenlager bei Durango in Mexiko (s. Tafel "Edelsteine", Fig.
1-3). Die schnen Varietten des Topases, namentlich die
wasserhellen (Pingos d'agoa, Wassertropfen), die gelbroten und die
dunkel gelbbraunen, sind Edelsteine zweiten Ranges. In Brasilien
sollen jhrlich gegen 900 kg gewonnen werden. Die gelbroten
glht man vorsichtig in geschlossenen Gefen,
wodurch sie lichtrot (gebrannte Topase, brasilische Rubine) werden
und im Preis bedeutend steigen. Die lichtblulichen und
g$
tten (Leberschiefer), weie, oft fleckige Sandsteine
(Tigersandsteine), in einzelnen Gegenden (am Harz) Roggenstein.
Dieser untersten Abteilung folgt der Hauptbuntsandstein
(Vogesensandstein), berwiegend rot gefrbt; das bald
thonige, bald kieselige Bindemittel ist in den Schichten oft
regellos verteilt, so da durch die Verwitterung groteske
Felsenklippen (Annweiler Thal) oder Blockanhufungen
(Felsenmeere) entstehen. Mitunter konzentriert sich das thonige
Bindemittel zu grern Gallen oder kleinen,
gewhnlich bald auskeilenden Zwischenschichten. Hin und wieder
sind einzelne Sandsteinpartien von kugeligen, aus kieselreicher
Masse gebildeten Konkretionen (Kugelfelsen) durchspickt. Das
oberste Glied des Buntsandsteins, den Rt, bilden Mergel mit
untergeordneten Dolomiten und ebenfalls zurcktretenden, oft
pflanzenfhrenden Sandsteinen (Voltziensandsteinen), nicht
selten sehr dnnschieferig, glimmerreich und mit
Steinsalzpseudomorphosen und Tierfhrten
(Chirotheriumsandstein) auf den Oberflchen der Schichten.$
n Italienern fr die Sache des Papstes gewonnen
wurden. Die Jesuiten Laynez und Salmeron leisteten wackere
Beihilfe. So entstanden in der 23. Sitzung (15. Juli 1563) die
Dekrete von der Priesterweihe und Hierarchie, in der 24. (11. Nov.)
von dem Sakrament der Ehe, in der 25. (3. und 4. Dez.) von dem
Fegfeuer, dem Heiligen-, Reliquien- und Bilderdienst, den
Klostergelbden, dem Abla, Fasten, den Speiseverboten
und dem Verzeichnis der verbotenen Bcher, dessen
Fertigstellung nebst der Abfassung eines Katechismus und Breviers
dem Papst berlassen wurde. In den Reformationsdekreten, die
in der 21.-25. Session publiziert wurden, sorgte man fr
Abstellung einiger der bisherigen Mibruche bei
Erteilung und Verwaltung geistlicher mter sowie fr die
Bildung der Geistlichkeit durch die Vorschrift der Anlegung von
Seminaren und Prfung der Ordinanden. Am Schlu der 25.
Sitzung, 4. Dez. 1563, rief der Kardinal von Lothringen: "Verflucht
seien alle Ketzer!", und die Prlaten stimmten ein:
"Verflucht, verflucht!" Die Be$
talten,
darunter die weltbekannten Assicurazioni generali und Riunione
Adriatica di sicurt. Es operieren hier auerdem 41
sterreichisch-ungarische und auslndische
Versicherungsgesellschaften.
Von Wohlthtigkeitsanstalten sind hervorzuheben: das
stdtische Krankenhaus samt Gebranstalt und Siechenhaus,
in welchem bis 2000 Personen Unterkunft finden knnen, das
groe Militrspital, das Irrenhaus, die Findelanstalt,
das Hauptarmeninstitut (mit 600 Betten fr Pfrndner und
arme Kinder), eine Verpflegungs- und Arbeitsanstalt fr
verwahrloste Kinder u. a. Das Seelazarett befindet sich
auerhalb der Stadt in dem sdlich bei Muggia gelegenen
Valle San Bartolommeo. An Unterrichtsanstalten besitzt die Stadt:
eine Handels- und nautische Akademie und eine Handelshochschule
(Stiftung Revoltella), 2 Obergymnasien und 2 Oberrealschulen (je
eine staatliche deutsche und eine stdtische italienische
Anstalt), eine Staatsgewerbeschule, 2 gewerbliche Zeichenschulen,
eine Hebammenlehranstalt, eine zoologisch-zootomische
bungs$
en vielseitigen Jaromir Erben (1811-70), der
indessen schon den bergang zu der neuen Richtung vermittelt.
Unter den Satirikern zeichneten sich Franz Rubes (1814-53) und Karl
Havlicek (1821-56) aus. - Die Anfnge des modernen
tschechischen Dramas knpfen sich an das 1785 von Karl und
Wenzel Tham in Prag begrndete Liebhabertheater. Nep.
Stepnek (1783-1844) schuf durch zahlreiche originale oder
bersetzte Stcke das tschechische Repertoire; hher
stehen der fruchtbare Wenzel Klicpera (1792-1859) und Jos. Kajetan
Tyl (1808-56), dessen "Cestmir", "Pani Marjanka", "Strakonicky
dudak", "Jan Hus" u. a. sich auf dem Repertoire erhalten haben.
Noch sind zu erwhnen: S. Machacek (gest. 1846), Fr.
Turinsk (gest. 1852), Ferdinand Mikovec (gest. 1862). -
Auch das Gebiet des Romans (im Sinn W. Scotts) und der Novelle
wurde fleiig angebaut, so namentlich von Tyl, Rubes, K. I.
Mcha und Marek, dem Begrnder der tschechischen
Novellistik, Sabina (1813 bis 1877), Prokop Chocholousek (1819-64),
J. Ehrenberger (geb. 1815) un$
gerer Zeit, meist kurz vor
Eintritt der Regenzeit, so sicher, da die als "Fliegenland"
bekannten Gegenden ngstlich gemieden und mit Weidevieh
hchstens nachts durchzogen werden. An den gebissenen Tieren
verschwellen zuerst die Augen und die Zungendrsen; nach dem
Tod zeigen sich besonders die Muskeln und das Blut, auch Leber und
Lunge krankhaft verndert, whrend Magen und Eingeweide
keine Spur von Strungen zeigen. Nach neuern Beobachtungen ist
zweifelhaft geworden, ob Glossina morsitans die berchtigte T.
ist, ja ob die, wie es scheint, sehr bertriebeue Plage
berhaupt auf den Stich eines Insekts und nicht vielmehr auf
eine Infektionskrankheit zurckzufhren ist.
Tsin (Mas, Mehs), chines. Gewicht, = 3,757 g.
Tsinan, Hauptstadt der chines. Provinz Schantung, Sitz
einer katholischen Mission, mit angeblich 60,000 Einw.
Tsing (Taitsing), die seit 1644 in China regierende
Mandschudynastie; s. China, S. 17.
Tsjubo (Tsubu), Einheit des japan. Feldmaes, = 36
QSchaku (Fu) = 3,319 qm.
Tsuga Endl. (Hemlocktanne)$
das Brandenburger
Kerntuch sehr beliebt, die rheinpreuischen Tuche gehen als
Niederlnder. Holland liefert wenig, aber vortreffliches T.
sterreich fertigt alle Sorten Tuche, vorzglich viel
farbige Tuche fr den Orient. Die englische und belgische
Tuchfabrikation erstreckt sich vorzugsweise nur auf die mittlern
und ordinren Qualitten. Vgl. Stommel, Das Ganze der
Weberei der T.- und Buckskinfabrikation (2. Aufl., Dsseld.
1882); lsner, Lehrbuch der T.- und Buckskinweberei (Altona
1881, 2 Bde.); Behnisch, Handbuch der Appretur (Grnb.
Tuch, Johann Christian Friedrich, Orientalist, geb. 17.
Dez. 1806 zu Quedlinburg, studierte in Halle, ward 1830
Privatdozent der Philosophie daselbst, 1841 Professor der Theologie
zu Leipzig, spter noch Domherr und Kirchenrat; starb daselbst
12. April 1867.
Tuchel - Tudor.
Sein Hauptwerk ist der "Kommentar ber die Genesis" (Halle
1838; 2. Aufl. von Arnold, das. 1871). Sonst sind zu erwhnen
seine Abhandlungen ber Ninive (Leipz. 1845), Christi
Himmelfahrt (1857), Josephus ($
 unverstndige
Ausbeutung bald abgenutzt und erfolglos und vermehrten nur die
Verarmung und Unzufriedenheit im Volk. Zu immer drckendern
Bedingungen muten demnach von Jahr zu Jahr Darlehen
aufgenommen werden; um nur zu Geld zu kommen, schien die
trkische Regierung in ihren Zugestndnissen an die
Kapitalisten keine Grenze zu kennen. Sie konnte daher bald auch die
Zinsen ihrer auf 5000 Mill. Frank angewachsenen uern
Schuld nicht mehr bezahlen. Am 6. Okt. 1875 erklrte die
Pforte, da sie auer stande sei, von den Zinsen der
Staatsschuld mehr als 50 Proz. zu bezahlen, da sie aber
ber die restierenden 50 Proz. 5proz. Obligationen ausstellen
wolle, welche spter bar eingelst werden sollten. Aber
alle Versuche, der Miwirtschaft im Innern Einhalt zu thun,
waren erfolglos. Im Juli 1872 war es der patriotischen Opposition
gelungen, Mahmud zu strzen; aber seine Nachfolger erlagen
alle nach kurzer Herrschaft den Rnken des russischen
Botschafters Ignatiew, bis im August 1875 Mahmud wieder in die
Regierung zur$
 bunt. Bei einer
getuschten Zeichnung ist hauptschlich Gewicht auf zarte,
genaue Umrisse, weichen, saftigen Schatten, recht rein gehaltene
Lichter und markige Drucker in den dunkelsten Stellen zu legen. Die
Tuschzeichnung ist gegenwrtig durch die vielseitigere
Aquarellmalerei in den Hintergrund gedrngt worden. Vgl. auch
Schattierung.
Tusculum, im Altertum Stadt in Latium, im Albanergebirge
gelegen, schlo sich nach der Niederlage der Tarquinier am
See Regillus um 496 an die Rmer an und erhielt 379
rmisches Brgerrecht. Am Latinerkrieg (340-338)
beteiligte sich T. gegen Rom, wurde aber nach seiner Besiegung mild
behandelt. In der Umgegend lagen seit der letzten Zeit der Republik
die Villen vornehmer Rmer, z. B. des Lucullus, Jul.
Csar, Hortensius, Cato, Marius und namentlich Ciceros
berhmtes Tusculanum. Im Mittelalter geriet T. mit Rom in
heftige Feindschaft, indem es auf seiten der Kaiser stand. Als aber
1191 Papst Clestin III. und Kaiser Heinrich VI. Frieden
schlossen, zerstrten die Rmer die Stadt$
, aber noch nicht durch sichere Thatsachen
erwiesen. Das Faktum wenigstens, da ein Weib Kinder von
verschiedener Rasse zur Welt bringt, nachdem sie mit Mnnern
der gleichen Rasse den Beischlaf vollzogen hat, ist auch auf anderm
Weg erklrbar. berschwngerung ist aber beim
Menschen nur in den sehr seltenen Fllen denkbar, wenn eine
doppelte Gebrmutter vorhanden ist; doch ist auch fr
diesen Fall das Vorkommen der berschwngerung noch nicht
sicher beobachtet worden.
bergabe, s. Tradition.
bergangsformen, s. Darwinismus, S. 568.
bergangsgebirge (Grauwackegruppe), in der
ltern Geologie Bezeichnung der ltesten
versteinerungfhrenden Sedimente unter dem Steinkohlengebirge,
weil nach Ansicht Werners ihre Gesteine, insbesondere die
Thonschiefer, ohne bestimmte Grenze in ihre kristallinische
Unterlage bergehen, sie also gleichsam einen bergang
von seinem Urgebirge in die sekundren Sedimente bildeten.
Nach jetzt gebruchlicher Nomenklatur entsprechen die
silurische und devonische Formation dem .
bergangss$
 davon, kehrte
aber schon 1767 nach Spanien zurck, worauf er zum
Generalleutnant der kniglichen Flotten und zum
Generaldirektor der ganzen spanischen Marine ernannt wurde. 1780 in
den Ruhestand versetzt, blieb er Direktor der Artillerie- und
Marineschule in Cadiz. Er starb 5. Juli 1795 auf seinem Landsitz
unweit Cadiz. Er schrieb: "Relacion historica del viage a la
America meridional" (Madr. 1748); "Noticias americanas sobre la
America meridional y la septentrional-oriental" (das. 1772;
deutsch, Leipz. 178l, 2 Bde.); "Noticias secretas di America"
(Lond. 1826).
Ullr., bei naturwissenschaftl. Namen Abkrzung
fr Ullrich, Beamter in Linz. Entomolog.
Ulm, Hauptstadt des wrttemberg. Donaukreises, am
linken Ufer der Donau, die hier die Blau und Iller aufnimmt und
schiffbar wird, Knotenpunkt der Linien U.-Mnchen-Simbach und
U.-Kempten der Bayrischen und Bretten-Friedrichshafen, Aalen-U. und
U.-Sigmaringen der Wrttembergischen Staatsbahn, 590 m .
M., ist mit der gegenber auf bayrischem Gebiet gelegenen
Stadt $
 der Magyaren gilt. Groen Ruhm erwarb
sich ferner Michael Vrsmarty (1800-1855), den manche
den grten Dichter Ungarns nennen, mit dem Epos
"Zalns Flucht" (1824), whrend von seinen zahlreichen
Dramen, poetischen Erzhlungen und lyrischen Gedichten nur die
letztern hhern Wert besitzen. Im allgemeinen ist
Vrsmarty mehr Rhetor als Dichter, seine Strke ist
die Deklamation. Gregor Czuczor, Joseph Bajza, Johann Garay, Alex.
Vachott (1818-61) sind andere Epiker und Lyriker dieser Periode,
deren bedeutendster Dichter indes Alexander Petfi ist
(1823-l849). Petfi, dessen poetische Erzhlung "Held
Jnos", eine vortreffliche volkstmlich humoristische
Dichtung, dessen Roman "Der Strick des Henkers" und dessen Drama
"Tiger und Hyne" wertlose, unreife Produkte sind, erhebt sich
als Lyriker weit ber seine Vorgnger und ist der erste,
dessen Gedichte wahr, natrlich, einfach und menschlich sind.
Er ist neben Joseph Katona die erste Erscheinung in der
magyarischen Litteratur, die mit dem Mastab der
Weltlitteratu$
erkannt wurde.
Siebenbrgen behauptete seine Unabhngigst auch unter
Bethlen Gabor und den Rakczys und blieb neben der Furcht vor
den Trken eine Sttze der Protestanten. Leopold L
(1657-1705) erlie, sowie er einen Vorteil ber die
Trken errungen hatte, sofort die strengsten Maregeln
gegen die Ketzer in U. Dies veranlate 1665 eine groe
Magnatenverschwrung gegen die habsburgische Herrschaft, die
erst 1671 grausam unterdrckt wurde. Ein neuer Aufstand
Emmerich Tklys wurde von einem Einfall der Trken
unter Kara Mustafa untersttzt, der 1683 bis vor Wien vordrang
und es belagerte. Seine Niederlage (12. Sept.) entschied das
Schicksal Ungarns: die kaiserlichen Heere drangen siegreich in U.
ein, erstrmten 1686 Ofen und machten nach 145jhriger
Dauer der Trkenherrschaft daselbst ein Ende. Durch das
Blutgericht von Eperies (1687), durch welches Leopold die Siege
seiner Feldherren schndete, wurden Hunderte vom
protestantischen Adel dem Henker berliefert und dessen
Widerstandskraft gebrochen. Hierauf erlan$
cht gewachsen.
Vorzglich ist die Einzelunternehmung am Platz, wo freie
Verfgung, Anschmiegung an die jeweilig vernderlichen
Verhltnisse notwendig und insbesondere hohe Ansprche an
die persnliche Arbeitsfhigkeit gestellt werden. Durch
Kollektivunternehmungen werden Kapital und Arbeitskrfte
fr einen Zweck vereinigt, und zwar gestattet die Gesetzgebung
Verbindungen von verschiedener Innigkeit, Haftpflicht und
Beteiligung von Mitgliedern an Gewinn und Leitung des
Geschfts. Zu erwhnen sind: die offene, die stille
Gesellschaft, die Kommanditgesellschaft, Kommanditgesellschaft auf
Aktien, Aktiengesellschaft und die verschiedenen Genossenschaften
(s. d.). Auch Staat und Kommunalverbnde knnen hierher
gerechnet werden.
Unteroffiziere, militrische Befehlshaber vom
Feldwebel abwrts, welche aus den Reihen der Soldaten
hervorgehen. In Deutschland unterscheidet man die U. mit Portepee:
Oberfeuerwerker, Feldwebel, Wachtmeister, Vizefeldwebel,
Vizewachtmeister, Wallmeister, Zeugfeldwebel, Depotvizefeldwebel,
Ro$
ach dreijhriger Dienstzeit in den U.
werden die Zglinge, die vorzglichsten als
Unteroffiziere, die andern als Gefreite oder Gemeine, in die Armee
entlassen und mssen hier fr jedes Jahr auf der
Unteroffizierschule zwei Jahre dienen. Die Zglinge der U.
sind Soldaten. Die 1. Okt. 1877 zu Weilburg errichtete Anstalt ist
eine Unteroffiziervorschule, welche ihre Zglinge (die nicht
Soldaten sind) nach zweijhrigem Kursus an eine
Unteroffizierschule berweist. Die Aufzunehmenden drfen
nicht unter 15 und nicht ber 16 Jahre alt sein.
Unterpacht, s. Afterpacht.
Unterricht, im allgemeinsten Sinn der Inbegriff der
Thtigkeiten, welche auf Aneignung von Kenntnissen und
Fertigkeiten abzielen, in welchem Sinn der Begriff U. auch den
Selbstunterricht, d. h. diejenige Geistesbildung umfat,
welche ohne unmittelbare Mitwirkung eines andern (durch Lesen etc.)
sich vollzieht; im gewhnlichen Sinn die Thtigkeit des
Lehrers, welche die Entwickelung der geistigen Anlagen oder
Krfte des Schlers und dessen planmige
Anlei$
chkeit, welche sich zugleich als Verletzung
besondern Vertrauens darstellt. In diesem Sinn straft das deutsche
Reichsstrafgesetzbuch ( 266) die von Bevollmchtigten,
Vormndern, obrigkeitlich oder letztwillig bestellten
Verwaltern fremden Vermgens, Feldmessern, Maklern,
Gterbesttigern und andern im Dienste des
ffentlichen Vertrauens stehenden Personen verbte U. mit
Gefngnis bis zu fnf Jahren und nach Befinden mit
Verlust der brgerlichen Ehrenrechte. Daneben kann, wenn die
U. begangen wurde, um sich oder einem an dern einen
Vermgensvorteil zu verschaffen, auch noch auf Geldstrafe bis
zu 3000 Mk. erkannt werden. Die von einem ffentlichen Beamten
verschuldete U. wird als Amtsverbrechen (s.d.) bestraft. Vgl. v.
Stemann, Das Vergehen der Unterschlagung u. der U.(Kiel 1870).
Unvermgen (Impotenz), s. Zeugungsvermgen.
Unverritzt, ein Gebirge oder eine Lagersttte
(unverritztes Feld), die durch Bergbau noch nicht angegriffen
Unvordenkliche Verjhrung, s. Verjhrung.
Unyoro, Landschaft im quatorialen Osta$
voller Falten,
Die Augenbraunen tief, die Augen dster, wild,
Die Lippen aufgedrckt, ein liebenswrdig Bild,
Wie er sich tglich zeigt, bis Bitten, Ksse, Klagen
Den rauhen Winterzug von seiner Stirne jagen.
Du kennst ihn nicht genug, du hast ihn nicht geliebt.
Es ist nicht Eigensinn, der seine Stirne trbt;
Ein launischer Verdru ist seines Herzens Plage
Und trbet mir und ihm die besten Sommertage;
Und doch vergng ich mich, da, wenn er mich nur sieht,
Wenn er mein Schmeicheln hrt, bald seine Laune flieht.
Frwahr ein groes Glck, das man entbehren knnte.
Doch nenne mir die Lust, die er dir je vergnnte?
Wie pochte deine Brust, wenn man vom Tanze sprach;
Dein Liebster flieht den Tanz und zieht dich Arme nach.
Kein Wunder, da er dich bei keinem Feste leidet,
Da er der Wiese Gras um deine Tritte neidet,
Den Vogel, den du liebst, als Nebenbuhler hat;
Wie knnt er ruhig sein, wenn dich ein andrer fat
Und gar, indem er sich mit dir im Reihen kruselt,
Dich zrtlich an sich drckt und Liebesworte suselt.
$
sse, Klagen
Den rauhen Winterzug von seiner Stirne jagen.
Du kennst ihn nicht genug, du hast ihn nicht geliebt.
Es ist nicht Eigensinn, der seine Stirne truebt;
Ein launischer Verdruss ist seines Herzens Plage
Und truebet mir und ihm die besten Sommertage;
Und doch vergnueg ich mich, da, wenn er mich nur sieht,
Wenn er mein Schmeicheln hoert, bald seine Laune flieht.
Fuerwahr ein grosses Glueck, das man entbehren koennte.
Doch nenne mir die Lust, die er dir je vergoennte?
Wie pochte deine Brust, wenn man vom Tanze sprach;
Dein Liebster flieht den Tanz und zieht dich Arme nach.
Kein Wunder, dass er dich bei keinem Feste leidet,
Da er der Wiese Gras um deine Tritte neidet,
Den Vogel, den du liebst, als Nebenbuhler hasst;
Wie koennt er ruhig sein, wenn dich ein andrer fasst
Und gar, indem er sich mit dir im Reihen kraeuselt,
Dich zaertlich an sich drueckt und Liebesworte saeuselt.
Sei auch nicht ungerecht, da er mich dieses Fest,
Weil ich ihn darum bat, mit euch begehen laesst.
Das wirst du fuehlen.
            $
en Mann
Der alten Zeit und seiner Taten Wert;
Es sei von einer Wissenschaft die Rede,
Die, durch Erfahrung weiter ausgebreitet,
Dem Menschen nutzt indem sie ihn erhebt:
Wohin sich das Gesprch der Edlen lenkt,
Ich folge gern, denn mir wird leicht, zu folgen.
Ich hre gern dem Streit der Klugen zu,
Wenn um die Krfte, die des Menschen Brust
So freundlich und so frchterlich bewegen,
Mit Grazie die Rednerlippe spielt;
Gern, wenn die frstliche Begier des Ruhms,
Des ausgebreiteten Besitzes, Stoff
Dem Denker wird, und wenn die feine Klugheit,
Von einem klugen Manne zart entwickelt,
Statt uns zu hintergehen uns belehrt.
Und dann nach dieser ernsten Unterhaltung,
Ruht unser Ohr und unser innrer Sinn
Gar freundlich auf des Dichters Reimen aus,
Der uns die letzten lieblichsten Gefhle
Mit holden Tnen in die Seele flt.
Dein hoher Geist umfasst ein weites Reich,
Ich halte mich am liebsten auf der Insel
Der Poesie in Lorberhainen auf.
In diesem schnen Lande, hat man mir
Versichern wollen, wchst vor andern Bumen
Di$
cht anziehen soll wie sie. Ha, ha, ha! Sehn Sie nur, so oft ich
das Bild ansehe, muss ich lachen, ob ich es gleich alle Tage vor Augen
habe, ha, ha, ha! Sehn Sie nur das Hubchen, dass wie
Fledermausflgel vom Kopf los steht.
Nun, nun! Zu ihrer Zeit lachte niemand darber, und wer wei, wer
ber euch knftig lacht, wenn er euch gemalt sieht; denn ihr seid sehr
selten angezogen und aufgeputzt, dass ich sagen mchte, ob du gleich
meine hbsche Tochter bist: Sie gefllt mir! Gleiche dieser
vortrefflichen Frau an Tugenden und kleide dich mit besserm Geschmack,
so hab' ich nichts dagegen, vorausgesetzt, dass, wie sie sagen, der
gute Geschmack nicht teurer ist als der schlechte. brigens dcht'
ich, du gingst zu Bette; denn es ist spt.
Wollen Sie nicht noch Kaffee trinken? Das Wasser siedet, er ist
gleich gemacht.
Setze nur alles zurechte, schtte den gemahlenen Kaffee in die Kanne,
das heie Wasser will ich selbst darber gieen.
Gute Nacht, mein Vater! (Geht ab.)
Schlaf wohl, mein Kind.
Fnfter Auftritt
Breme al$
e Felsenbnke, auf denen ein verfallenes Schloss.
Natur und Mauerwerk ineinander verschrnkt. Die Ruine, sowie die
Felsen mit Bumen und Bschen bewachsen. Eine dunkle Kluft deutet auf
Hhlen, wo nicht gar unterirdische Gnge.
Frederike, Fackel tragend, die Bchse unterm Arm, Pistolen im Grtel,
tritt aus der Hhle, umhersprend. Ihr folgt die Grfin, den Sohn an
der Hand. Auch Luise. Sodann der Bediente, mit Kstchen beschwert.
Man erfhrt, dass von hier ein unterirdischer Gang zu den Gewlben des
Schlosses reicht, dass man die Schlosspforten gegen die andringenden
Bauern verriegelt, dass die Grfin verlangt habe, man solle ihnen aus
dem Fenster das Dokument ankndigen und zeigen und so alles beilegen.
Friederike jedoch sei nicht zu bewegen gewesen, sich in irgendeine
Kapitulation einzulassen, noch sich einer Gewalt, selbst nach eigenen
Absichten, zu fgen. Sie habe vielmehr die Ihrigen zur Flucht
gentigt, um auf diesem geheimen Wege ins Freie zu gelangen und den
benachbarten Sitz eines Anverwandten zu erre$
 Auch Luise. Sodann der Bediente, mit Kaestchen beschwert.
Man erfaehrt, dass von hier ein unterirdischer Gang zu den Gewoelben des
Schlosses reicht, dass man die Schlosspforten gegen die andringenden
Bauern verriegelt, dass die Graefin verlangt habe, man solle ihnen aus
dem Fenster das Dokument ankuendigen und zeigen und so alles beilegen.
Friederike jedoch sei nicht zu bewegen gewesen, sich in irgendeine
Kapitulation einzulassen, noch sich einer Gewalt, selbst nach eigenen
Absichten, zu fuegen. Sie habe vielmehr die Ihrigen zur Flucht
genoetigt, um auf diesem geheimen Wege ins Freie zu gelangen und den
benachbarten Sitz eines Anverwandten zu erreichen. Eben will man sich
auf den Weg machen, als man oben in der Ruine Licht sieht, ein
Geraeusch hoert. Man zieht sich in die Hoehle zurueck.
Herunter kommen Jakob, der Hofrat und eine Partei Bauern. Jakob hatte
sie unterwegs angetroffen und sie zugunsten der Herrschaft zu bereden
gesucht. Der Wagen des wegfahrenden Hofrats war unter sie gekommen.
Dieser wuerdige $
 sagen.--Er bedachte
sich eine Weile: "Grenzen? Grenzen? Aber hren Sie mal, Alice, zwischen
uns ist doch nichts."--Ehe er weiterreden konnte, warf sie schnell ein:
"Es geht doch nicht an, sich im Beisein anderer so zu benehmen!" Sie war
feuerrot.--"Ja, was meinen Sie--?" Er verstand sie nicht. Sie wandte
sich ab: "Mich im Beisein anderer so zu behandeln ..." ergnzte sie.
"Was mu Mary denken?"--Jetzt erst ging ihm ein Licht auf, da er sich
auch gegen sie, gegen Alice nicht richtig benommen habe; er hatte die
ganze Zeit nur an Mary gedacht. Jetzt schmte er sich. Schmte sich ganz
entsetzlich und ging auf sie zu. "Ich bitte Sie um Verzeihung, Alice,
ich war so froh, da ich nichts berlegt habe. Erst jetzt kommt mir das
zum Bewutsein. Verzeihen Sie mir armem Snder! Nein, sehen Sie mich
an!" Sie wandte ihm das Gesicht zu, ihre Augen waren unglcklich und
standen voll Trnen; sie begegneten den seinen, die auch unglcklich,
aber flehend waren. Da dauerte es nicht lange, bis ihre und seine eins
waren. Er str$
auter Licht hinein, und das berauschte. Sie wurden
nicht mde. Sie tranken, sie tanzten und sangen; schlielich waren sie
alle auf denselben Ton gestimmt. Es wurden Vorschlge gemacht, die sonst
unmglich gewesen wren; in die Wildheit der Landschaft, in den Rausch
von Licht paten sie hinein. Als Mary eines Tages bei starkem Sturm
ihren Hut verloren hatte, sprangen zwei Herren ihm nach. Der eine war
natrlich Jrgen Thiis. Die Gemter waren hoch ber den Alltag hinaus
gespannt. Wenn einer oder der andere mde wurde, schlief er Tage und
Nchte durch. Aber die meisten hielten aus, jedenfalls solange es
vorwrts ging. Unter ihnen Mary.
Jrgen Thiis hatte es durch seine ehrerbietige Energie dahin gebracht,
da alle Leute Mary mehr oder weniger genau so behandelten wie er
selbst. Es kam auch nicht die geringste Strung vor, was besonders ihrer
eigenen formvollendeten Art und ihrer aufmerksamen Rcksichtnahme zu
Als sie von Bord gingen und wieder den Kstendampfer bestiegen, forderte
sie aus dem Gefhl aufrichtige$
rienschein von rotem Haar stand! Das
Ganze war harmonisch zu der hohen Gestalt mit den leicht abfallenden
Schultern und einer Bueste, die noch nicht voll entfaltet, aber von einer
Freiheit und Unabhaengigkeit war, als koenne sie losgeloest werden. Die
Arme, die Handgelenke, die Hueftbildung, die Fuesse ... es wurde beinahe
komisch; denn einige junge Herren stellten mit dem groessten Eifer die
Behauptung auf, die Knoechel seien das Allerschoenste. Sie haetten nicht
ihresgleichen. So duenn,--und mit dieser schwellenden Rundung nach
oben--? Nein, nirgends!
Joergen Thiis vergass das Reden, ja sogar eine Zeitlang das Essen, das ihm
sonst doch das Schoenste auf der Welt war. Er ging wie ein Schlafwandler
mit ihr. Wenn man sie sah, war er an ihrer Seite oder hinter ihr her.
Wegen des Balles hatten sich ihr Vater und Frau Dawes nach dem Hause in
der Stadt begeben. Sie wurden beim Morgengrauen geweckt von lautem
Schwatzen und Lachen vor dem Hause und schliesslich gar maennlichen und
weiblichen Hurrarufen; die Ballgaes$
 Zimmer zu fuehren; sie
muesse auch zu Bett. "Gott weiss, wann ich wieder aufstehe! Wenn es mit
ihm zu Ende ist, ist es mit mir auch vorbei."
Joergen eilte herzu, nahm die schwere Masse aus dem Stuhl auf und segelte
langsam mit ihr ab; er klingelte nach einem Maedchen, das sie dann zu
Bett brachte; er selbst ging zu Mary zurueck. Sie stand unbeweglich da
mit dem Brief in der Hand, den sie ihm jetzt hinreichte.
Er las ihn aufmerksam und wurde bleich. Ja, er war eine Weile wie
betaeubt; Mary trat ein paar Schritte naeher an ihn heran; aber er merkte
es nicht. "Das hat den Schlaganfall verursacht", sagte sie.
"Natuerlich", fluesterte er, ohne sie anzusehen. Gleich darauf ging er.
Mary stand wieder neben ihrem Vater. Sein schoenes, feines Gesicht rief
nach ihr; sie warf sich wieder ueber ihn und schluchzte. Denn ihm, den
sie am liebsten hatte, war sie am wenigsten gewesen. Vielleicht nur,
weil er selbst nie an sich gedacht hatte?
Sie verliess ihn nicht, bis der Doktor kam und mit ihm die Pflegerin. Da
ging sie zu$
a
und wussten nicht wohin. Da hoerten sie Marys Stimme von oben: "Bitte
hierher!" Sie gingen hinauf. Sie oeffnete das Fremdenzimmer, das neben
ihrem eigenen lag, und liess den Burschen den Koffer dahinein setzen. Zu
Joergen sagte sie: "Wollen wir nicht jetzt zu Vater hineingehen?"--Sie
ging voran. Die Pflegerin war nicht da. Vermutlich um die
fortzuschicken, war sie vorhin nach oben gelaufen.
In den Augen des Kranken leuchtete es auf, als er hinter ihr in der
offenen Tuer Joergen bemerkte. Kaum war die Tuer geschlossen, als Mary auf
ihren Vater zuging, sich ueber ihn beugte und sagte: "Joergen und ich
haben uns verlobt, Vater."
Alle Guete und alles Glueck, das sich in einem Angesicht vereinen kann,
strahlte aus den Mienen des Vaters. Laechelnd wandte sie sich zu Joergen,
der blass und verwirrt dastand und nahe daran war, auf Mary zuzustuerzen
und sie zu umarmen. Aber er fuehlte, sie wollte wohl seine Ueberraschung,
seine Dankbarkeit und seine Anbetung, aber keine Zeremonien. Das tat
seinem Glueck keinen Abbru$
er Betstuhl steht in der Nhe eines Fensters, die Aussicht aus
demselben ist nicht erheiternd: man sieht ihn eine zwar schne,
aber hchst einsame, von Bergen eingeschlossene Gegend. Alle Mbel
im Zimmer, die hohen schweren Sthle mit kleinen Treppen davor,
die eichenen und nubaumenen unbeweglichen Tische versetzten uns
in jene trben Tage, welche die schnste und unglcklichste Frau
ihrer Zeit hier verlebte. Ihr Bette mit schweren rotsamtenen Gardinen,
die mit breiten silbernen Tressen besetzt sind, stand noch da;
uns war, als shen wir noch die Spuren der einsamen Trnen, die sie
hier verweinte.
Der Garten von Chatsworth ist sehr alt und in einem der jetzigen
Zeit fremden Geschmack angelegt. Man knnte ihn altfranzsisch nennen,
wenn er regelmiger wre, doch mag er dies wohl eher gewesen sein;
denn es ist sichtbar, da viele Anlagen, Alleen, Parterres, Berceaus
und dergleichen eingegangen sind. Was ihn im ganzen Lande berhmt macht,
sind die Wasserknste, die aber mit denen von St.-Cloud, von Herrenhause$
 sie an der Stelle die Aussicht zu verderben
schien, lie sie abtragen und an ihrem jetzigen Platze wieder
aufbauen. So etwas kann man denn doch wohl nur in Grobritannien
Von Inverary bis Cairndow fuhren wir neun englische Meilen auf schnem
ebenen Wege durch ein fruchtbares, angebautes Tal, fast immer lngs dem
Ufer des Loch Fyne. Wir htten geglaubt, irre zu fahren, wenn das hier
mglich wre, wo nur eine fahrbare Strae durch das Gebirge fhrt: denn
der Kastellan im Schlo von Inverary hatte uns den Weg, welchen wir
jetzt nehmen muten, als den frchterlichsten im ganzen Lande
beschrieben; dunklere Klfte, steilere, de Felsenberge sollten wir noch
nicht gesehen haben, besonders sprach er viel von einem hohen Berge, er
nannte ihn rest and be thankful, ruht und dankt.
Gleich hinter Cairndow merkten wir indessen gar wohl, da wir uns
auf dem rechten Wege befanden. Das Steigen begann, der See,
das schne Tal und alle Anmut der Gegend verschwanden unserem Blicke.
Mehrere Stunden hindurch ging es immer hher u$
ichten
trug, Dorothy ging ins Ausland und starb in Frankreich in bitterster Not.]
hervor, die Geliebte, oder, wie einige behaupteten, die heimlich
angetraute Gemahlin des damaligen Herzogs von Clarence, des jetzigen
Knigs, der auch vor der Welt sie auf alle Weise ehrte und sie immer
in seiner Equipage mit seiner Livree ins Theater fahren lie.
Beim Anblick dieser wunderbar reizenden Frau mute man ganz vergessen,
da sie schon ziemlich weit ber die erste Blte der Jugend hinaus
und fr jugendliche Rollen etwas zu stark geworden war. Der frhlich
schalkhafte Ausdruck ihres sehr hbschen Gesichts, ihr angenehmes
sonores Organ, die naive Grazie und Wahrheit in jeder ihrer Bewegungen
bezauberten unwiderstehlich und lieen nichts vermissen.
Wir wollen hier einer Vorstellung in Drury Lane gedenken, die uns
vor allen gefiel. Man spielte Shakespeares "Much Ado about Nothing"
(Viel Lrm um nichts). In Deutschland sehen wir zuweilen
eine Verkrppelung dieses herrlichen Lustspiels unter dem Namen:
"Die Qulgeister" [F$
 Wallfahrt nach der Hauptstadt
und ihren Merkwrdigkeiten unternehmen. Diese Lwen, eigentlich
die im Tower aufgewahrte knigliche Menagerie, dienen ihnen,
als die Hauptmerkwrdigkeiten der Stadt, zur Bezeichnung alles
Sehenswerten in derselben. Leider sind die edlen Tiere mitsamt
ihrer Residenz durch diese Popularitt etwas verrufen, und
ein Fremder von gutem Tone wagt es kaum, den Tower zu besuchen.
Wir gingen indessen doch hin, auf die Gefahr etwas gar Unmodisches,
mit dem hohen Stil ganz Unvertrgliches zu unternehmen,
und suchten den Tower mit seinen Lwen am uersten Ende der City auf,
wo er nahe am Ufer der Themse liegt.
Grmlich und dster blickt dieser uralte Schauplatz unzhliger
Greuel mit seinen grauen Trmen ber den ihn umgebenden Wassergraben.
In einem dicht ber demselben erbauten, ziemlich niedrigen Gewlbe
ist die Pforte angebracht, durch welche die Staatsverbrecher
hineingefhrt wurden. Sie heit das Tor der Verrter, Traitor's Gate;
man brachte die Unseligen von der Themse bis zu diesem E$
und dankten dem
Himmel, dass er diese Sintflut nicht in den Hochlanden ueber unsere
Haeupter herabstroemen liess.
Unter den Einwohnern Glasgows war uns wohl: gastfrei, anstaendig,
zwanglos im Umgange, gebildet, vereinigten sie die guten Eigenschaften,
die wir schon an ihren Landsleuten ruehmten, mit der Wohlhabenheit und
allem vernuenftigen Luxus, welchen der hier bluehende Handel nur
gewaehren kann.
Die Faelle des Stromes Clyde
Durch eine der reizendsten Gegenden Schottlands reisten wir weiter
nach Lanark, um die beruehmten Wasserfaelle des Clyde zu sehen.
Am Abhange hoher, zum Teil mit Wald bekleideter Felsen wand unser Weg
sich hin; wir blickten hinab auf ein fruchtbar angebautes Tal,
durchschlaengelt vom schoenen Strome Clyde; Gehoelze, Aecker, Landsitze,
Doerfer wechselten hoechst anmutig.
An einer Stelle, wo dichtes Gehoelz uns den Anblick des laut
brausenden Stromes verbarg, stiegen wir aus und gingen einen sehr
steilen und schluepfrigen Flusspfad hinab bis an das Ufer des Stroms.
Ganz in Schaum verwan$
chst kultiviert, durchschnitten von schiffbaren Kanaelen.
Ueber Warrington, ein sehr freundliches Staedtchen, beruehmt durch
Glasfabriken aller Art, kamen wir zum zweiten Male nach Manchester,
von dort auf sehr unebenem Wege nach Disley.
Die englischen Landstrassen werden mit Recht im Durchschnitt
als hoechst vortrefflich gepriesen. Aber in der Naehe grosser Fabrikstaedte,
wo schwerbeladene Wagen und Karren den ganzen Tag darauf hin und
her rollen, sind sie es weit weniger und muessen den Chausseen
um Dresden, im Dessauischen, im Oesterreichischen und anderen
in Deutschland den Vorrang einraeumen.
Eine Unannehmlichkeit fuer fremde Reisende in England besteht darin,
dass es sehr schwer wird, frueh auszureisen. Bei aller Vortrefflichkeit
der Gasthoefe ist es dennoch unmoeglich, vor sieben Uhr morgens
das Fruehstueck zu erhalten: der Wirt und seine ersten Bedienten
schlafen bis spaet in den Tag hinein; nur der Stiefelwichser
ist zu jeder Stunde bereit, aber seine Macht erstreckt sich
nicht weiter als hoechstens $
immt und auf ewig mit sich vereinigt.
Lange waren wir in diesem bezaubernden Schauspiel verloren;
endlich nahmen wir unseren Weg durch den mit ehrwuerdigen Baeumen
besetzten Park des Lord Clifford zu einem noch hoeheren Huegel,
Penpole Point genannt. Noch einmal genossen wir hier dieselbe
Aussicht, nur von einem anderen Standpunkt aus gesehen und
noch reicher, noch ausgebreiteter, noch entzueckender.
Ein sehr angenehmer Weg fuehrt von da nach Clifton. Man nennt Clifton
ein Dorf, aber es ist ein Dorf, wir moechten sagen, aus Palaesten
bestehend. Es liegt zerstreut, teils im Tale, teils auf
der sonnigen Seite eines Huegels. Die schoenen grossen Haeuser
stehen bald in der in England so beliebten Form des halben Mondes,
teils in langen Reihen auf Terrassen, teils einzeln, oder bilden
auch breite Strassen und schoene, regelmaessige Plaetze. Alles
dieses ist durch Gaerten, Felder, steile, wilde Felsen und
sanfte Anhoehen auf das Reizendste vermannigfaltigt.
Einige dieser Gebaeude werden fuer immer oder auch nur den$
 hier noch nicht verlassen zu wollen. Wir waren leider wieder
nicht an dem Tage dort, an welchem Fremden der Eintritt erlaubt
wird, und haetten durchaus an einem Sonntage kommen sollen,
versicherte uns eine alte, ziemlich graemliche, korpulente Dame,
die Frau des Kastellans. Neben ihr stand ein ebenso wohlbeleibter
und verdriesslicher Berliner Mops und wies uns knurrend die
weissen Zaehne. Trotz dieser trueben Aspekte versuchten wir unsere
Redekuenste und gluecklicherweise nicht ohne Wirkung. Wir stellten
ihr vor, wie wir ausdruecklich aus Deutschland ueber's Meer
hierher gekommen waeren, um unseren Landsleuten hernach sagen zu koennen,
wie es in der Wohnung unserer Prinzessin aussaehe und wie es ihr erginge?
Dies ruehrte das Herz der alten Dame, zusehends wurde sie freundlicher,
der knurrende Mops ward auf sein Kissen verwiesen, sie schrieb
ein Billett an Madame Silvester, eine deutsche Favorite der Herzogin,
und machte zuletzt noch eine grosse Toilette, um uns selbst
ins Schloss zu begleiten. Langsam wedeln$

[Signature: A. Hildebrandt.]
Berliner Lokal-Anzeiger
Berlin SW 68,
Zimmerstrasse 37-41.
9. Juli 1909
I wired to you: "Bishop Wright, Dayton. Book must be stamped. Please
send photographs."
The biography of your sons shall be published of possible as book
already in 14 days. Therefore I should lik to recives instantly the
photographs requested from you. If it were not possible to you to send
me all photographs by retourn of mail, please send later the rest, for.
I should use the other pictures for german papers.
I thank you for your endeavaurs and hope, shortly to see in Berlin your
souns and Mis Katherine.
With best regards
[Signature: gez. Captain Hildebrandt]
A. Hildebrandt
Hauptmann a.D.
Berlin W. 30
Martin-Luther-Strae 10.
Berlin W. 30, den 18. Juli 1909.
Bishop Milton Wright, Esquire,
Dayton (Ohio).
With many thanks I confirm you the receipt of the two pictures and your
letter of the 3rd inst., by which you have made me great pleasure. I
shall make use of the pictures as soon as possible.
Thanking you $
 Windstaerke
von etwa 28 Kilometer Geschwindigkeit pro Stunde zu erproben. Von
vornherein sollten die Proben zunaechst an einer Schnur wie bei einem
Drachen, vorgenommen werden. Der anfaenglich groesser geplante
Gleitflieger wurde etwa 18 Quadratmeter gross gemacht. Die Maschine war
ein Doppeldecker mit zwei grossen Trageflaechen nach dem System Chanutes.
Doch hatten die Brueder schon ganz wesentliche Aenderungen an ihrer
Maschine vorgenommen. Der sonst uebliche "Schwanz" war fortgelassen und
durch eine kleinere Tragflaeche ersetzt, die sich vor den Hauptflaechen
befand. Hierdurch gedachten sie ein Kippen des Apparates zu verhindern,
indem der Winddruck durch die Wirkung auf die kleine Flaeche als
Gegenlast zu den grossen diente. Eine weitere grundsaetzliche Aenderung
bestand darin, dass der Pilot nicht, wie es bisher immer geschehen war,
sich in aufrechter, sondern in liegender Stellung befand.
Ueber die Vorteile der horizontalen Lage des Luftschiffers im
Gleitflieger hat sich Wilbur Wright wiederholt geaeus$
e's father was a regular German in his looks. He was born six
miles west of Scleitz in Saxony, the southwest part, as you will see on
any large map of Saxony. The family, of whom we never had any group
picture, is as follows:
Milton Wright, born November 17, 1828, in Rush County, Indiana.
Susan Catharine (Koerner) Wright, born near Hillsboro, Virginia, April
Reuchlin Wright, born in Grant County, Indiana, March 17, 1861.
Lorin Wright, born in Fayette County, Indiana, November 18, 1862.
  (These two older brothers are still living, are married, and have lovely
  children--Reuchlin three, Lorin four, Reuchlin's oldest married).
Wilbur Wright, born, in Henry county, Indiana, April 16, 1867.
Otis Wright and Ida Wright (twins) born April 24, 1870, in Dayton, Ohio.
  (Without sickness or pain, they died at 13 and 18 days of age).
Orville Wright, born August 19, in Dayton, Ohio, 1871.
Katharine Wright, born in Dayton, Ohio, August 19, 1874.
They were all good children. And they are all of unimpeachable morals
yet. R$
l Erfahrungen bei allerlei Lehrern gesammelt,
und die Wahrscheinlichkeit sprach ihnen dafr, da es glimpflich abgehen
wrde. Aber Frieder hatte einen neuen Lehrer, den kannte man noch nicht
und die neuen waren oft scharf. Als nun endlich der Jngste heimkam und
ins Zimmer trat, wo sie alle beisammen waren, sahen sie ihn begierig,
zum Teil auch ein wenig spttisch an. Aber das Spttische verging ihnen
bald beim Anblick des kleinen Mannes. Er sah so klglich verweint aus!
Keine Frage, der Lehrer war scharf gewesen. Zuerst wollte Frieder nicht
recht herausrcken mit der Sprache, denn der Vater war auch im Zimmer
und das war in Erinnerung an sein zrnendes Gesicht und die weggenommene
Harmonika nicht aufmunternd fr Frieder. Aber Herr Pfffling ging ans
Fenster, trommelte einen Marsch auf den Scheiben und achtete offenbar
nicht auf die Kinder. Da hatte Marie bald alles aus dem kleinen Bruder
herausgefragt, denn sie hatte immer etwas Mtterliches gegen die
Kleinen, auch der Mutter Stimme. So erzhlte denn Frieder$
ur rechten Feier. Und wenn Sie noch von Ihrem Waschlohn
ein paar Pfennige brig htten, dann sollten Sie fr den Mann noch einen
Kalender kaufen, oder was ihn sonst freut, und dann erzhlen Sie mir,
Schmidtmeierin, ob er wirklich keine Freude gehabt hat am heiligen
Abend, und ob es nicht schn bei Ihnen war."
"Ich mach's wie Sie sagen, Frau Pfffling, und ich danke fr die vielen
Sachen, die Sie mir zusammengerichtet haben."
"Es ist recht, Schmidtmeierin, aber glauben Sie mir's nur, die Sachen
allein, und wenn es noch viel mehr wren, machen kein schnes Fest, das
knnen nur Sie machen fr Ihre Familie; fremde Leute knnen die
Weihnachtsfreude nicht ins Haus bringen, das mu die Mutter tun, und die
Reichen knnen die Armen nicht glcklich machen, wenn die nicht selbst
Frau Pfffling hielt die fremden Kinder noch eine gute Weile zurck; als
diese endlich heimkamen, waren alle Schtze im Schrank verborgen und der
Schlssel abgezogen.
Da sich aber die Kinder schon darauf gefreut hatten, fingen sie an,
darum zu b$
s leichtsinnig, die Shne,
und werden vom Vater fast gar zu knapp und streng gehalten. Es scheint
mir ganz klar, was sie dachten: Sie wollten sich noch etwas reichlich
mit Taschengeld versehen, bevor sie der Berliner Anstalt bergeben
wurden, und rechneten darauf, da Sie, in der Meinung, die Abreise sei
verschoben, sich erst um Ihr Geld melden wrden, wenn die Eltern schon
ber der russischen Grenze wren. Es ist gut, da Sie nicht noch ein
paar Tage gezgert haben, diese Woche ist die Familie noch beisammen in
Berlin. Ich habe die Adresse des Hotels und ich will sie Ihnen auch
mitteilen, Herr Pfffling. Wenn ich Ihnen raten darf, schreiben Sie
unverzglich. Sie brauchen ja durchaus keinen Verdacht gegen die jungen
Herrn auszusprechen, es gengt, wenn Sie den Hergang erzhlen, der
General ergnzt sich das brige und so wie ich ihn kenne, wird er Ihnen
sofort das Geld schicken. Es war dann ein Versehen und alles ist gut."
In voller Entrstung erzhlte unser Musiklehrer daheim von dem
offenbaren Betrug seiner $

hinausfuehren bis ans Ende einer groesseren sueddeutschen Stadt, hinaus in
die aeussere Fruehlingsstrasse. Wir kommen ganz nahe an die
Infanteriekaserne, sehen den umzaeunten Kasernenhof und Exerzierplatz.
Aber vor diesem, etwas zurueck von der Strasse, steht noch ein letztes
Haus und dieses geht uns an. Es gehoert dem Schreiner Hartwig, bei dem
der Musiklehrer Pfaeffling mit seiner grossen Familie in Miete wohnt.
Um das Haus herum, bis an den Kasernenhof, erstreckt sich ein Lagerplatz
fuer Balken und Bretter, auf denen Knaben und Maedchen froehlich
herumklettern, turnen und schaukeln. Meistens sind es junge Pfaefflinge,
die da ihr Wesen treiben, manchmal sind es auch ihre Kameraden, aber der
eine Kleine, den man taeglich auf den obersten Brettern sitzen und dabei
die Ziehharmonika spielen sieht, das ist sicher kein anderer als Frieder
Um die Zeit, da unsere Geschichte beginnt, ist uebrigens der Hof
verlassen und niemand auf dem weiten Platz zu sehen. Heute ist, nach den
langen Sommerferien, wieder der erste$
its
etwas nervoes mit seinem rechten Fuss. "Aber jetzt wollen wir gar nicht
mehr an den Ball denken, sondern bloss an unsere Tonleiter. G-dur. Nicht
immer wieder f nehmen statt fis, das lautet greulich fuer mich. Schon
wieder f! Wieder f! Aber Sie nehmen ja jedesmal f, Sie denken wieder an
den gestrigen Ball!" "Nein, Herr Pfaeffling," entgegnete sie und sah ihn
strahlend an, "ich denke ja an den morgigen Ball, was sagen Sie dazu,
dass ich morgen schon wieder tanze! Diesmal in Meergruen. Ist das nicht
suess?" Herr Pfaeffling sprang vom Stuhl auf. "Suess, ja suess!"
wiederholte er, "aber zwischen zwei Baellen Sie mit der G-dur Tonleiter
zu plagen, das waere grausam, vielleicht auch gegen mich. Da gehen Sie
lieber heim fuer heute."
"Ja, darf ich?" sagte sie aufstehend, und die hoffnungsvolle Schuelerin
empfahl sich mit dankbarem Laecheln und Knix.
Als Frau Pfaeffling durch den Vorplatz ging, sah sie mit Staunen, dass
Fraeulein Vernagelding schon wieder am Spiegel stand. Sie hatte diesmal
entschieden mehr Zeit am$
 fest schliefen.
"Ich habe ganz deutlich die Stimme von einem Pfaeffling erkannt," sagte
die Hausfrau zu ihrem Mann, "es wird doch keines von den Kindern draussen
sein in der kalten Nacht? Lass mich mal rufen, mich kennen sie besser!"
und leise oeffnete sie das Fenster und rief freundlich: "Seid Ihr es,
Kinder?" Auf diesen Lockton gingen sie. "Ja wir sind's," riefen sie
dreistimmig, naeherten sich dem Fenster und sagten: "Wir wollten nur
Marianne rufen, damit sie uns hereinlaesst." Die Hausfrau erschrak. So
hatte sie die Kinder hinausgeschlossen. An die Boesen hatte sie gedacht,
denen es recht geschah, an die Guten, die klingeln wuerden, aber nicht an
die Bescheidenen, die nicht klingeln mochten.
"Ich mache euch gleich auf, Kinder," sagte sie, "wie kommt ihr nur
"Wir haben den Leonidenschwarm angesehen." "Aber Kinder!" rief sie
vorwurfsvoll und schloss das Fenster.
"Was haben sie angesehen? Den Leonidenschwarm?" fragte der Hausherr,
"was ist denn das wieder? Eine Studentenverbindung? Ein Verein? Und da
schwae$
estern die Dame zu meinem Vater, sie moechte
ihren beiden Soehnen Unterricht geben lassen von einem Professor, welchen
er wohl empfehlen koennte? Mein Vater verspricht ihr sofort Auskunft,
kommt natuerlich an mich. Ich sitze an meiner Arbeit. Nun heisst es:
'Rudolf, mach deine Aufwartung droben. Besprich die Unterrichtsfaecher,
gib guten Rat, nenne feine Professoren mit liebenswuerdigen
Umgangsformen. Erbiete dich, die Herrn Professoren aufzufordern und den
Unterricht in Gang zu bringen.'
"Ich mache feinste Toilette, mache meine Aufwartung. So etwas ist keine
Kleinigkeit, besonders bei solchen Leuten. Du spuerst gleich, dass du mit
wirklich Adeligen zu tun hast, und der grosse Herr mit seiner
militaerischen Haltung und strengem Blick, die Dame in kostbarem
Seidenkostuem imponieren dir, du musst dich schon zusammennehmen. Die zwei
jungen Herrn sehen dich auch so an, als wollten sie sagen: Ist das ein
Mensch, mit dem man sich herablassen kann zu reden oder nicht?
"Nun, ich kenne ja das von Kind auf und lasse mi$
h. Herr Pfaeffling ist schon mein vierter Lehrer. Die
Herrn wollen immer nur musikalische Schuelerinnen, es kann aber doch
nicht jedermann musikalisch sein, nicht wahr? Man muss es doch auch den
Unmusikalischen lehren, finden Sie nicht?"
"Bei uns ist das anders," sagte Anne, "wir sind sieben, da waere es doch
zuviel fuer den Vater, wenn wir alle Musik treiben wollten; er nimmt bloss
die, die recht musikalisch sind."
Die drei Maedchen, an der Tuere stehend, fuhren ordentlich zusammen, so
ploetzlich stand Herr Pfaeffling bei ihnen. Im Bewusstsein seiner
Verspaetung war er mit wenigen grossen Saetzen die Treppe heraufgekommen.
Fraeulein Vernagelding tat einen kleinen Schrei und rief: "Wie haben Sie
mich erschreckt, Herr Pfaeffling, aber wie fein sehen Sie heute aus, so
elegant." Herr Pfaeffling unterbrach sie: "Wir wollen nun keine Zeit mehr
verlieren, bitte um Entschuldigung, dass ich Sie warten liess."
"O, es war ein so reizendes Viertelstuendchen," hoerte man sie noch sagen,
ehe sie mit ihrem Lehrer im Musikz$
er
Kameraden war noch so nahe, um seine Antwort zu hoeren.
"Also, dein Name," draengte der Schutzmann. "Wilhelm Pfaeffling," lautete
die Antwort, die vom Schutzmann aufgeschrieben wurde.
"Die Wohnung?"
"Fruehlingsstrasse."
"Jetzt rate ich dir, heim zu gehen, wenn du nicht lieber gleich mit mir
auf die Polizei willst." Er liess sich's nicht zweimal sagen. Ein
"Wilhelm" war er allerdings auch, aber kein Pfaeffling. Baumann war sein
"Das hast du klug gemacht," sagte er bei sich selbst. "Dem Pfaeffling
schadet das nichts, der ist ueberall gut angeschrieben, aber bei mir ist
das anders, wenn ich noch eine Rektoratsstrafe bekomme, dann heisst's:
fort mit dir. Ich sehe auch gar nicht ein, warum gerade ich
aufgeschrieben werden sollte, der Pfaeffling hat ebensogut geworfen wie
Ahnungslos und mit dem besten Gewissen sass am naechsten Abend unser
Wilhelm an seiner lateinischen Aufgabe. Vielleicht war er ein wenig
zerstreuter als sonst, denn er hatte sich heute bemueht, seinen Frieder,
mit der Harmonika in der Hand, abz$
men ihr fast
jetzt noch die Traenen. Sie sprachen lange miteinander, dann kehrte Herr
Pfaeffling in das Wohnzimmer zurueck, wo die Grossen noch beisammen waren.
"Hoert, ich moechte euch dreierlei sagen: Erstens: sorgt jetzt, dass vor
Weihnachten nichts mehr vorkommt, gar nichts mehr, denn bis man weiss,
wie die Sachen hinausgehen, sind sie doch recht unangenehm, besonders
fuer die Mutter. Zweitens: Sagt dem Baumann: er solle sich bei Herrn
Sekretaer Flossmann entschuldigen, sonst werde es schlimm fuer ihn
ausgehen. Drittens: Walburg soll eine Tasse Kaffee fuer die Mutter
machen, es wird ihr gut tun, oder zwei Tassen."
Einer von Herrn Pfaefflings guten Ratschlaegen konnte nicht ausgefuehrt
werden, denn Wilhelm Baumann wurde noch an diesem Nachmittag aus der
Schule weg und auf die Polizei geholt und war von da an aus dem
Gymnasium ausgewiesen.
Am Abend ueberbrachte ein Dienstmaedchen einen schoenen Blumenstock--eine
Musikschuelerin liess Frau Pfaeffling gratulieren.
"Ich werde morgen hinkommen und mich bedanken$
geschickter Klavierspieler geworden, aber die Liebe,
die er zu seiner Violine und auch zu der Harmonika gehabt hatte, die
brachte er dem Klavier nicht entgegen, mit dem Herzen war er nicht
dabei. Mit keinem Wort hatte das Kind je wieder die Violine erwaehnt. Ob
sie ihm wohl noch immer ein schmerzliches Entbehren war? Der Vater haette
es gerne gewusst, und als am Abend, nach der Klavierstunde, der kleine
Spieler seine Musikhefte beiseite raeumte, redete er ihn darauf an.
"Frieder, macht dir das Klavierspielen jetzt auch Freude? Tut es dir
nicht mehr so leid, dass du deine Geige nimmer hast?" Ein tiefernstes
Gesicht machte das Kind, als diese Wunde beruehrt wurde, dann antwortete
er leise: "Ich moechte sie gar nicht mehr haben."
"Warum nicht, Frieder? Komm, sage du mir das!" "Weil ich nicht aufhoeren
kann, wenn ich angefangen habe, zu spielen." "Du _kannst_ nicht,
Frieder? Du _willst_ nur nicht, weil es dir schwer faellt; aber siehst du
nicht, dass wir alle aufhoeren, wenn wir muessen? Meinst du, ich moechte
ni$
Ik buen man 'n schlichten eenfachen Kirl,
dat heet, min Geschaeft haew ik ook liert, da kann mi nuems nich watt in
seggen. Aber dat meen ik man, so 'n Luee--na ja, du versteihst mi,
Randers sah finster vor sich nieder, nahm seinen Kneifer ab und putzte
an ihm herum.
"Zweimalhundertausend Mark jaehrlich zu verzehren," stiess er nach einer
Pause heraus. "So viel muss man haben, um anstaendig leben zu koennen."
Nun lachte der Waldhueter aus vollem Hals.
"Tweemalhunnertdusend Mark! Das is nich veel, dat is man grad, um de
Botter dorbi to hebben."
Randers lachte mit, und Petersen machte vergebliche Versuche, zu Wort
"Herr Doktor!" rief er, "Herr Doktor! W--w--wissen Sie--Herr
Doktor--w--w--w--". Aber er kam nicht zustande damit.
Als aber das Gelaechter sich etwas gelegt hatte, fing er noch einmal an:
"Herr Doktor, wissen Sie, was ich m--m--mir dann kaufte? Die W--w--welt
kaufte ich m--mir! Die W--welt, Herr Doktor!"
       *       *       *       *       *
Zweites Buch
Randers war eines Tages in Rosenhagen aufgeta$
angreife, von diesem
schrecklichsten Tag ihres Lebens zu erzaehlen; aber Frau Dr. Stegemann
gab sich nicht laenger mit diesem Bescheid zufrieden. Als es Winter wurde
und immer dieselben duerftigen, traurigen Briefe kamen, schrieb sie der
Schwiegertochter, wofern sie und die Kinder gesund seien, moege sie mit
ihnen in Gebhards Weihnachtsferien zu ihr kommen. Es klang mehr wie ein
Verlangen als wie eine Bitte oder Einladung.
Helene zeigte den Brief ihren Geschwistern.
"Du haettest deiner Schwiegermutter laengst den ganzen Sachverhalt
mitteilen sollen," meinte der Bruder, "sie als Mutter kann erwarten, dass
ihr nichts vom Schicksal ihres Sohnes verschwiegen wird."
"Aber es kann ihr doch nur schrecklich sein! Sie hat uns bei Beginn des
Krieges voll gluehender Vaterlandsliebe geschrieben. Und dann--ich traue
mich nicht, ihr zu sagen, wie das alles gekommen ist, sie wird mich
verachten, denn sie ist so eine tapfere, strenge Frau!"
Die Schwaegerin fiel ihr ins Wort: "Immer quaelst du dich wieder so
unnoetig mit Vorw$
reist."
"So, nun sehen Sie, Sie glauben ja selbst, dass Ihr Mann noch lebt. Nun
lassen Sie auch das Weinen, dazu haben Sie Zeit in der Bahn; jetzt
muessen Sie fuer Ihr Kind sorgen, was machen Sie mit dem?"
"Das ist's ja eben, ohne mein Buberl kann ich nicht fort. Ich habe es
die neun Monate nie aus der Hand gegeben. Ich vergehe vor Angst, wenn
ich das Kind hier lasse!"
"So wollen Sie es mit auf die weite Reise nehmen?"
"Nein, nein, das waere gar nicht auszuhalten, es zahnt und schreit so
"Dann muessen wir eben eine Unterkunft suchen fuer den Kleinen. Am besten
in der Krippe."
"Mein Kind in die Krippe? Ach Gott, ich vergehe vor Heimweh nach dem
"Wenn Sie unter allen Umstaenden vergehen, kann ich Ihnen auch nicht
helfen," entgegnete Frau Stegemann ungeduldig. "Entweder mitnehmen oder
hier lassen--eines von beiden muessen Sie doch tun. Oder wissen Sie
einen dritten Weg?"
"Ach nein--aber--"
"Nun also. Seien Sie recht dankbar, dass wir eine Krippe haben, in der
man so einen kleinen Schreihals freundlich aufnimmt. $
rau allerlei Fragen.--Warum
schrieb ihr Mann nicht selbst? Konnte er nicht? War er so krank? Wenn
man nur mehr wuesste! Aber es war doch eine Spur aufgefunden, die konnte
man verfolgen. Das musste sie mit seiner Mutter besprechen, zu der
gehoerte sie jetzt. Ein heisses Verlangen trieb sie zu ihr und zu Gebhard;
wie wuerde der jubeln!
Sie eilte hinaus, um Bruder und Schwaegerin den Brief zu zeigen und sich
mit ihnen zu beraten. Die Geschwister konnten zwar nicht einsehen, dass
Helene auf diese Nachricht hin unbedingt abreisen muesse, aber sie hatten
beide den Eindruck, dass gegen diesen stuermischen Wunsch gar nichts zu
machen sei. Sie war ja wie verwandelt, die vorher so matte,
niedergeschlagene Frau. Man musste sie gewaehren lassen.
So folgte Helene dem Drang ihres Herzens und frug bei der Mutter an, ob
sie zu ihr kommen duerfe mit dem Toechterchen und bei ihr bleiben, damit
sie alle beisammen waeren, wenn ihr Mann kaeme. Er lebte--also kam er, wer
konnte wissen, wie bald!
Frau Dr. Stegemann antwortete sofor$
al, so giebts eine halbe; fnfzehnmal, so giebts
eine volle Ernte. Thau auf der Wiese ist Geld in der Truhe. Als Knig
Gustav III. von Schweden einem ostgothlnder Bauern, der ihm vorgestellt
wurde, einen kostbaren Ring zeigte und ihn ber dessen muthmasslichen
Werth befragte, meinte der Landmann lchelnd: doch wohl nicht so viel,
wie ein Schauer Regen im Mai. Kann man, sagt der Aargauer, am ersten Mai
genugsam Thau gewinnen, so kann man daraus Gold lutern. Daher trgt die
hl. Walburg feurige (goldne) Schuhe (Vernaleken, Alpensag. S. 92); daher
trgt bei den Hexenversammlungen eine der Frauen am rechten Fusse den
Goldschuh (Grimm, Myth. 1025); daher redet das Kindermrchen (Grimm 3,
no. 99) von der Lebenstinctur des Goldwassers; daher taucht in der
Walburgisnacht im Gewsser der Bode die goldne Krone der Prinzessin
Brunhilde hervor und schwimmt bis zum Morgen obenauf. Kuhn, Nordd. Sag.
no. 193; "daher sammeln die Alchimisten im Majo Regenwasser in grosse
Krge, dass sie sich das ganze Jahr durch nach Bedrfn$
fte Cultus der hl. Walburgis und
Gertrud begegnete und nicht lange hernach in den schweizerischen der
Aare und des Oberrheins uns ebenso derjenige der hl. Verena naeher bekannt
wurde, zeigten schon die bestimmt abgegrenzten Landschaftsmarken,
innerhalb deren der Cult jeder dieser drei Heiligen seit aeltester Zeit
bis auf die Gegenwart herrschend geblieben ist, dass diese Drei hier
nicht etwa die Patrone oder Lieblingsheiligen ihres Bisthums, sondern
die Schutzheiligen ihres politischen Gaues in einer Periode gewesen
waren, als dessen politische Grenzen noch keineswegs mit denen des
Kirchensprengels zusammenfielen. Waren die Heiligen aber dieses und also
zeitgenoessisch gewesen mit der aeltesten Gaueintheilung dieser
Landstriche selbst, so war hier ihr Bestand ueberhaupt ein aelterer, als
der durch die Kirche veranlasste je hatte sein koennen. Und also fuehrte
uns die _Gauheilige_ in rueckschreitender Metamorphose auf die
_Gaugoettin_. Gegen diese Folgerung, die selbst von der kirchlich
approbirten Gestalt der$
teren
Erntebraeuchen, besonders beim Heuschnitt erwaehnt. In Schwaben sammelt
man am Himmelfahrtstage Mausoehrleinkraut, gnaphalium dioicum, und haengt
es gegen Blitzschlag in Haus und Stall. Meier, Sag. 2, 399; in Baiern
wirft man Frauenschuehlein, melilotus, und Gertrudenkraut gegen Abwendung
des Hagelschlags ins Sonnewendfeuer. Panzer, BS. 1, 212. Gertruds Wagen
und Gespann ist in nachfolgenden Sagen hervorgehoben. In der Stadt
Grimmen faehrt in der Walburgisnacht ein mit vier Maeusen bespannter Wagen
umher, dessen Kutscher hahnenfuessig ist. Temme, Volksag. von Pommern
und Ruegen 329. Hier ist in des Kutschers Gestalt Donars Erntehahn nicht
zu verkennen. Beim Prinzessinnen- oder Teufelsstein, einem Felsblock bei
Koepenick, erscheint abwechselnd der Geist eines alten Muetterleins, das
gebueckt am Stabe geht, oder einer Prinzessin, die ihr Haar kaemmend sich
im Spiegel des dortigen Sees beschaut und dreimal um die Koepenicker Flur
getragen zu sein verlangt; dabei kommt ein schwer geladner Heuwagen
heran, vo$
 sich klirrend die Glastr.
Er richtete sich empor. Er stand aufrecht und hielt schwer atmend mit
der einen Faust seine Kapuze oberhalb der Brust zusammengerafft,
indes er die andere unter dem Mantel hinabhngen lie. In seinen
Wangenhhlen lagerte eine graue Blsse; die Flgel seiner groen,
gehckerten Nase blhten und schlssen sich zuckend; seine hlichen
Lippen waren zu dem Ausdruck eines verzweifelten Hasses verzerrt, und
seine Augen, von Glut umzogen, schweiften irr und ekstatisch ber den
schnen Platz.
Er sah nicht die neugierig und lachend auf ihn gerichteten Blicke.
Er sah auf der Mosaikflche vor der groen Loggia die Eitelkeiten
der Welt, die Maskenkostme der Knstlerfeste, die Zierate,
Vasen, Schmuckstcke und Stilgegenstnde, die nackten Statuen und
Frauenbsten, die malerischen Wiedergeburten des Heidentums, die
Portrts der berhmten Schnheiten von Meisterhand, die ppig
ausgestatteten Liebesverse und Propagandaschriften der Kunst
pyramidenartig aufgetrmt und unter dem Jubelgeschrei des $
mmer am selben Punkt dieser Schmerz, diese kleine,
teuflische, stechende, bohrende Mahnung, die nicht schwieg,
seitdem vor fuenf Jahren in Erfurt das Katarrhfieber, jene hitzige
Brustkrankheit, ihn angefallen--was wollte sie sagen? In Wahrheit, er
wusste es nur zu gut, was sie meinte--mochte der Arzt sich stellen wie
er konnte und wollte. Er hatte nicht Zeit, sich mit kluger Schonung
zu begegnen, mit milder Sittlichkeit hauszuhalten. Was er tun wollte,
musste er bald tun, heute noch, schnell... Sittlichkeit? Aber wie kam
es zuletzt, dass die Suende gerade, die Hingabe an das Schaedliche und
Verzehrende ihn moralischer duenkte als alle Weisheit und kuehle Zucht?
Nicht sie, nicht die veraechtliche Kunst des guten Gewissens waren das
Sittliche, sondern der Kampf und die Not, die Leidenschaft und der
Der Schmerz... Wie das Wort ihm die Brust weitete! Er reckte sich
auf, verschraenkte die Arme; und sein Blick, unter den roetlichen,
zusammenstehenden Brauen, beseelte sich mit schoener Klage. Man war
noch nicht elen$
lten ihr Feuer ein und der Zug war gerettet.
Das Extrablatt.
In einer deutschen Mdchenschule ist der Beschlu gefat worden, keine
Fremdwrter mehr zu gebrauchen. Wer es doch tat, mu fnf Pfennig in die
Rotkreuzkasse einlegen. In kurzer Zeit hat eine Klasse 13 Mark
gesammelt. Aber der Herausgeber des Tagblattes erhlt von den Mdchen
dieser Klasse einen Brief des Inhalts: "Es kostet uns unser ganzes
Taschengeld, wenn Sie tglich ein _Extra_blatt ausgeben; denn wir mssen
immer fnf Pfennig zahlen, wenn wir Extrablatt sagen."
Der Herausgeber des Blattes hatte Mitleid mit der Klasse und schon vom
nchsten Tag an erschien bei ihm ein _Sonder_blatt.
Die allgemein verstndliche Sprache.
Eine Truppe Deutscher kam nach schweren Gefechten in ein eben
eingenommenes franzsisches Dorf. Seit 24 Stunden hatten sie nichts zu
essen gehabt und den strksten Hunger mit rohen Kartoffeln gestillt, die
sie sich gelegentlich aus dem Acker gruben. Nun wollten sie sich's wohl
sein lassen im Dorf. Viel gibt's da nicht zu essen, a$

schrecklich er aussieht! Sein Herzschlag geht leise! Ich ngstige mich
Tibet warf einen betroffenen Blick umher und nherte sich seinem Herrn.
"Ich mchte glauben, da der Herr Graf wohl ein sehr starkes
Schlafpulver zu sich genommen hat," erklrte er beruhigend. "Whrend
heftiger Trume mag er um sich geschlagen und zufllig den Tisch berhrt
haben. Das ist frher auch schon vorgekommen."
"Ach, der Arme!" sagte Ange mitleidig. "Gewi hatte er wieder seine
furchtbaren Schmerzen. Und meinen Sie, da er schlft, da keine Gefahr
vorhanden ist, Tibet?"
"Nein, Frau Grfin, drfen sich beruhigen."
Nach dieser Versicherung traten beide ins Wohngemach.
"Glauben Sie nicht," fragte Ange nach einer Pause und dmpfte ihre
Stimme, "da diese starken Schlafmittel sehr schdliche Nachwirkungen
"Ja, Frau Grfin," erwiderte Tibet; "aber viel schlimmer sind noch--"
Er unterbrach sich mit einem Gesichtsausdruck, als ob das letzte Wort
ihm nur entschlpft sei.
Als Ange sah, da ihr etwas verheimlicht werden sollte, stieg ihre
$
ueber eine Geldsache, Herr Putz. Sie hatten
die Guete, mir Ihren Rat zu erteilen, und ich fand bei naeherer
Ueberlegung, dass Sie recht hatten," begann Ange ruecksichtsvoll. "Heute
handelt es sich um Aehnliches, aber um etwas--" Ange hielt mitten im
Sprechen inne, erhob sich, ging an ihren Schreibtisch und nahm ein
Geldbriefkouvert heraus. "Sehen Sie, Herr Putz, das ist die letzte
Geldsendung, welche ich am ersten Oktober empfing. Es sind Zinsen, die
ich vierteljaehrlich erhalte. Ich komme bis Neujahr nicht aus--ich hatte
viele unerwartete Ausgaben gerade in den letzten Tagen. Da wollte ich
Sie nun freundlich bitten, Herr Putz, dass Sie die grosse Guete haben
moechten, mir bis Januar mit einer Summe auszuhelfen."
Ange hielt zaghaft inne und blickte den Mann an, der wie eine
Brunnenfigur vor ihr sass und keine Miene verzog.
Er schielte auf das Kouvert, das Ange auf den Tisch gelegt hatte, sah
nur zu genau, that aber, als ob er gleichgueltig hinueberblinzele, und
sagte dann kalt:
"Ja, ja, kann's mir wohl denken$
 bei frischen Krften. Wir htten morgens von der letzten
Station vor dem Aufstieg aufbrechen sollen, um den Tag vor uns zu haben.
Nach anderthalb Stunden hrte ich die Ilseflle von ferne brausen, die
trotz ihrer Kleinheit einen erquickenden Anblick gewhren mit den
schumenden, weien Wogen, mit ihren moosigen Felsen und
tannenumkrnzten steilen Ufern. Durch die Bsche schimmerte jetzt auch
der erste Schnee. Um uns gehrig zu wappnen gegen diesen Feind, der bald
in Masse den Fu hemmen sollte, machten wir Rast und strkten uns durch
einen Imbi, wobei wir von einem Holzfller Erkundigungen ber Lnge und
Beschaffenheit des bevorstehenden Weges einzogen. Drei Stunden
wenigstens hatten wir nach Angabe dieses Biederen noch zurckzulegen,
wenn wir aber den "Fautstieg" einschlgen, setzte er hinzu, dann wrden
wir wohl eher ankommen; es kme brigens auf eins hinaus. Es war noch
nicht 5 Uhr; bald nach 7 Uhr hofften wir oben zu sein. Wir schritten
vorwrts; auf dem Wege selber machte sich der Schnee schon bemerkb$
 der Seite des
Weges aufstellten, um das Schauspiel der vorberziehenden Menge und der
unzhligen Wagen, worunter viele elegante Equipagen, zu genieen. Wir
fuhren durch den hbschen, noch etwas jungen Stadtpark und kehrten
durstig im Gambrinus ein. Von dort bahnten wir uns durch die die Straen
erfllende Menschenmenge langsam unsern Weg nach dem Kornmarkt, dem
Mittelpunkt der Stadt. Auf den Pltzen, die wir passierten, hatten sich
die grten Ansammlungen von Menschen gebildet, die der Musik lauschten.
Der Kornmarkt war mit Tischen und Bnken, an denen trinkende Menschen
saen, so bedeckt, da eben nur eine Gasse fr Pferdebahn und andere
Wagen blieb. Wir waren froh, als wir zum Abend wieder zu Hause d.h. an
Bord waren und ordentlich ausschlafen konnten.
Die Geschichte mit dem schon erwhnten Trimmer hatte folgende
Fortsetzung. Der Kapitn hatte ihm gesagt, er werde ihn in Gent rztlich
untersuchen lassen und ihn, falls er als gesund befunden wrde, bei
Gericht anzeigen, was ihm jedenfalls Gefngnisstrafe e$
dern auch bei anderen gemacht. Ich habe nicht selten im besten
Glauben Vorgnge frherer Jahre im Kreise von Bekannten und Freunden
erzhlt, die sich nachher, zum Beispiel durch aufgefundene Briefe, die
unmittelbar unter dem Eindruck der Vorgnge geschrieben wurden, ganz
anders darstellten. Das hat mich zu der Ansicht gefhrt: Kein Richter
sollte ber wenige Jahre eines Vorfalls hinaus einem Zeugen einen Eid
abnehmen. Die Gefahr des Falscheides ist gro.
Um die Richtigkeit meiner Angaben und auch der Auffassungen, wie ich sie
zu einer bestimmten Zeit hatte, festzustellen, habe ich nach Mglichkeit
Briefe, Notizen, Artikel usw. benutzt.
Aber es gab Abschnitte in meinem Leben, in denen es gefhrlich war,
Briefe aufzubewahren, wollte ich nicht zum Denunzianten an anderen oder
an mir selbst werden. Das war ganz besonders die Zeit unter der
Herrschaft des Sozialistengesetzes, whrend welcher ich jede Stunde
Gefahr lief, einer Haus- und krperlichen Durchsuchung unterworfen zu
werden, sei es, um Material fr einen $
eierlichen Orte, es wird vielleicht
kein Jahr mehr vergehen--und Herr v. Bismarck hat die Rolle Robert Peels
gespielt und das allgemeine und direkte Wahlrecht ist oktroyiert."
Lassalle konnte ganz unmglich eine solche Sprache fhren, wre nicht in
seinen Unterhaltungen mit Bismarck die Oktroyierung des allgemeinen,
direkten Wahlrechts in Betracht gezogen worden. Wie schon angefhrt,
wurde dieser Gedanke, und zwar immer wieder, in konservativen Kreisen
sehr ernst errtert, und er fand im liberalen Lager vollen Glauben.
Auerdem war Bismarck, der gegen die Beschlsse der Kammer
verfassungswidrig regierte und im Juni 1863 wider Recht und Gesetz die
berchtigten Preordonnanzen erlie, nicht der Mann, der vor einer
Oktroyierung eines Wahlsystems zurckgeschreckt wre, wenn er sich
Nutzen davon versprach. Zudem wre ihm eine solche Oktroyierung von den
bisher politisch entrechteten Massen in Preuen nicht belgenommen
Welchen Charakter die Unterhandlungen Lassalles mit Bismarck angenommen
hatten, dafr sprechen z$
sich an jenem Tumult
in Hohenstein beteiligt hatten, und baten mich um Verzeihung; sie
begriffen selbst nicht mehr, wie sie damals der Verhetzung htten Folge
leisten knnen.
Liebknechts und mein Wunsch war lange, mit J.B.v. Schweitzer eine
persnliche Begegnung und Auseinandersetzung zu haben. Der Wunsch wurde
rascher erfllt, als wir hofften. Am 14. Februar beschlo eine von den
Lassalleanern einberufene Versammlung in Leipzig, in der weder
Liebknecht noch ich zugegen waren, Schweitzer und Liebknecht einzuladen,
sich in einer ffentlichen Versammlung gegenberzutreten und gegenseitig
ihre Anschuldigungen vorzubringen. Liebknecht erklrte sofort im
"Demokratischen Wochenblatt", da er diesen Beschlu mit Freuden annehme
und bereit sei, in einer Volksversammlung Schweitzer entgegenzutreten
und zu beweisen, da Schweitzer--sei es fr Geld oder aus Neigung--seit
Ende des Jahres 1864 systematisch die Organisation der Arbeiterpartei zu
hintertreiben suchte und das Spiel des Bismarckschen Csarismus spiele.
Sollte$
eine Hnde trugen
So hochgemut die lodernden Fanale,
Wir waren Ruber und dazu Indianer,
Zum "Groen Adler" wurde Hnschen Meier,
Und Mllers Fritzchen zum "Gefleckten Geier",
Die Friedenspfeife ging zum dritten Male
Von Hand zu Hand, und blass sa der Quartaner.
Und schweigend qualmten um die drren Reiser
Die tapfern Krieger, jeder Held ein Weiser
Im groen Rat: Und durch die Buchenrunde
Zog sacht der Rauch des Feuers und der Pfeifen.
Dann ging die Flasche mit dem Himbeersafte,
Die der verwegene Huptling sich verschaffte,
"Der groe Bffel", still von Mund zu Munde.
Ein Pfiff! Und nach dem Kriegsbeil galt's zu greifen.
Ihr Knabenspiele unter Sommerbuchen,
Wo soll ich kstlichere Freuden suchen,
Als die aus eurem tollen Treiben sprossen,
Wie helle Rosen aus den wilden Ranken.
Doch Dornen hatten, weh! auch diese Rosen,
Und sie zerrissen nicht allein die Hosen,
Auch rotes Blut ist jmmerlich geflossen,
Und dann, zu Haus, der Rubermutter Zanken.
Und einmal mussten wir die Huptlingsrcken,
O Schmach fr Helde$
ich hier auf Schlo Rankholm.
Sie sind's! Sie geben jedem, was ihm zukommt und gelangen sicher stets
zu gerechten, wenn auch nicht immer vllig milde klingenden
Richtersprchen!"
Der Eindruck dieser Rede war ein sehr verschiedener.
Imgjors Wangen bedeckten sich mit der Blsse des Zorns. Die schwarzen
Augen in ihrem bleichen Angesicht mit dem braunrtlichen Haar funkelten
unheimlich. Der Doktor aber, zugleich erregt an einem Brotkgelchen
knetend, ri den Mund jhzornig zur Seite. Die anderen standen vorlufig
noch unter dem Eindruck, da es sich vielmehr um eine scharf zugespitzte
Neckerei handelte, als da jene sich bekmpfen wollten.
Der Graf uerte sich auch in diesem Sinne, indem er hinwarf:
"So, Imgjor! Nun weit du, aus welchen Himmelshhen du zu uns
hinabgestiegen bist. Werde noch etwas milder und du kannst einst als
Heilige verehrt werden!"
Und die Grfin warf Axel einen ihrer forschenden Blicke zu, einen jener,
durch den sie zugleich verriet, da ihr Interesse fr Axel sich immer
mehr steigerte.
Wie$
 begleiten Sie mich und ffnen Sie mir die Thren!" bat sie. "Ich
will ihn in mein eigenes Zimmer bringen, ihn dort selbst pflegen," fgte
sie, sich zu dem ihr dankbar die Hand leckenden Hunde liebevoll
herabbeugend, hinzu.
Imgjors Gemcher befanden sich in der ersten Etage in einem Vorbau, der
in Form eines Turmes die linke, uerste Zwischenecke des Schlosses
flankierte. Man konnte sie vom Hofe aus, aber auch von demselben
Korridor erreichen, in dem sich Graf Dehns Zimmer befanden.
Unmittelbar neben dem Eingang zu seinen Gemchern fhrte eine Treppe
zunchst zu einem halbrunden Flur empor, und auf diesen mndete die vom
Hofe emporstrebende Wendeltreppe.
Graf Dehn hatte lange schon das lebhaftere Verlangen gesprt, einmal
einen Blick in die Rume zu werfen, in denen das seine Gedanken und
seine Sinne so ausschlielich beschftigende junge Mdchen wohnte. Nun
sollte ihm das werden, und mit einer gewissen Hast folgte er Imgjor und
ihrer Brde.
Sie ging aber nicht ins Schlo, sondern whlte den Weg, der ber de$
n, sich so vor ihm
blogestellt zu haben. Sie mute deshalb darauf bedacht sein, ihm so
rasch wie mglich die Eindrcke zu nehmen, die sie aus ihrer von ihrem
Herzen gedrngten Unvorsicht in ihm hervorgerufen hatte. Niemals sollte
er ein Recht haben, zu glauben oder gar zu behaupten, da sie sich ihm
genhert, durch ihre Haltung um ihn geworben habe. Mit diesem
Augenblick, den er nicht benutzt hatte, ihr wenigstens einen Brosamen zu
gewhren, erstickte sie mit ganzer Kraft ein fr allemal ihre Gefhle
fr ihn, zwang sie sich, ihrer Natur aber auch insofern zu gebieten, als
sie ungerechte oder gar feindliche Gesinnungen gegen den Mann, der sie
verschmht hatte, nicht aufkommen lassen wollte.
Infolgedessen sagte sie, sich zu uerster Sachlichkeit auch im Ton
"Miverstehen Sie mich nicht, Graf Dehn! Wir wrden an sich alle sehr
glcklich sein, wenn Sie uns durch eine Verbindung mit Imgjor so nahe
wie mglich rckten, wenn unseren bereits vorhandenen, warmen
Beziehungen noch dieser Stempel aufgedrckt wrde. Ich$
ot zu
befreien und das Los der arbeitenden Klasse grndlich zu verbessern."
"So bekennen Sie sich also auch zu den sogenannten "neuen" Ideen? Sie
berraschen mich!"
"Kann ein gerechter, guter Mensch, kann ein wahrhaft christlicher Mensch
anders denken, Herr Doktor?"
"Nein und ja, Komtesse. Die Ziele sind zu weit gesteckt.
Man soll nur Mgliches erstreben wollen, nur Dinge, die sich mit den
Vorgngen in der Natur decken. Wir sind ihre Produkte, sie ist unsere
Lehrerin, sie bietet uns alle Beispiele fr unsere Handlungen."
"Schon einmal hrte ich fast ganz dieselben Worte. Seltsam--" Imgjor
lie das Haupt sinken und starrte trumerisch vor sich hin. Aber da in
diesem Augenblick geklopft ward, wurden die Sprechenden unterbrochen.
Der Doktor richtete noch einige verbindliche Worte an Imgjor, und sie
selbst lenkte, nachdem sie ihm leicht und unbefangen die Hand gereicht,
ihre Schritte in einen der Siechensle.
In diesem befanden sich Kranke, deren spezielle Sorge Imgjor bernommen
hatte. Augenblicklich waren es so$
 Imgjor
in Erstaunen versetzt und auerordentlich angezogen hatte.
Er war ein ganz anderer als der brige Schwarm der Mnner. Lucile hatte
wohl gewut, was sie gethan hatte! Er hnelte dem Grafen Dehn, demselben
den sie, Imgjor, aus Trotz und Stolz von sich gewiesen.
Ein schwerer Kampf vollzog sich gegenwrtig in Imgjors Innern.
Ein Wesen von Fleisch und Blut, war auch ihr Herz einmal wieder in
Bewegung geraten! Und gerade der Mann hatte Eindruck auf sie gemacht,
der seine Hand vergeben und den sie--Scham, Reue und Auflehnung gegen
sich selbst flogen in heien Schauern durch ihre Seele--wegen seiner
Schwrmerei fr eine andere so scharf zu tadeln sich unterfangen hatte.
Was sie an ihm so streng gergt hatte, war nun ihr eigen Teil geworden.
Sie beschftigte sich in ihren Gedanken mit dem Verlobten ihrer
Allerdings gelangte sie zu einem anderen Ergebnis, als sie sich
vorstellte, sie htte Curbires Gattin werden knnen. Dann schob sich
doch die Gewalt des Grafen Dehn in ihre Vorstellungen. Sie erkannte, da
nu$
htte mich in der Einkleidung
genugsam verpflichtet. Und wenn ich gleichwohl gefragt worden wre,
htte ich doch nichts sagen drfen, htte mir auch nichts geholfen." Die
Einsegnung ging vor sich und zwar war Katharina von "Bhor" als einzige
auf diesen Tag geweiht. Sie spendete dabei dem Kloster von dem wenigen,
was sie vermochte, 30 Groschen[50].
Zwar nicht widerwillig, aber doch wie sie (bezw. Luther) spter sagte,
ohne "ihren Willen" wurde Katharina als Tochter des sel. Vaters Bernhard
verpflichtet. Trotzdem aber hat sie sich in die Klosterregel nicht nur
gefgt, sondern auch "hitzig und emsig und oft gebetet"[51].
Das entspricht ihrer gesamten entschiedenen Natur, wie sie sich spter
ausgereift zeigt. Sie war ja gelehrt worden, durch "gute Werke",
insbesondere durch Klosterwerke, erwerbe man sich himmlische Gter und
geldliches Vermgen und einen hohen seligen Sitz im Jenseits; also
strengte sie alle Kraft und allen Flei an, solchen Reichtum zu erwerben
und durch geistliche Uebungen sich einen guten Plat$
[163].
Nicht einmal in den ersten Tagen seiner Heirat. Ja, Frau Kthe plante
wohl selbst mit ihm whrend der Vorbereitung zu ihrer Heimfhrung die
Befreiung der Freiberger Nonnen: die Einladung an Koppe zur Hochzeit
enthielt zugleich die Aufforderung zu diesem neuen, noch keckeren
Klosterraub[164]!
Und am Neujahrstag 1526 malte Luther aufs neue in einer Spottschrift
das Papsttum mit seinen Gliedern ab und schrieb dazu: "Es meinen
etliche, man solle nun aufhren, das Papsttum und geistlichen Stand zu
spotten. Mit denen halt ichs nit, sondern mu ihr einschenken, bis
nichts Verchtlicheres auf Erden sei, denn diese blutgierige
Isabel."[165]
Katharina als Mutter ihrer Kinder und Hausgenossen.
Ein Jahr nach ihrer Vermhlung am 7. Juni 1526, "da der Tag im Kalender
heit Dat." (d.i.: Er giebt) schenkte Kthe ihrem Gatten ein Shnlein,
das war, wie die Eltern mit Freuden sahen, gesund und ohne Fehl. Um 2
Uhr nachmittags kam es auf die Welt, schon um 4 Uhr wurde es nach
damaliger Sitte von Diakonus M. Rrer getauft.$
enberg auf sich hatte, kann man sich
kaum recht vorstellen. Da mute der "Haufe" geladen werden; bei einer
"akademischen" Hochzeit "die Universitt mit Kind und Kegel" und dazu
andere, die man Luthers halber "nicht wohl konnte au(en) lassen; so
bleibt's weder bei 9 noch bei 12 Tischen, 120 Gste ohne die Diener
u.s.w." war das Gewhnliche fr eine akademische Hochzeit. "Bei einem
Doktorschmaus machten die Mnner allein schon 7 bis 8 Tische voll; was
wurde es erst, wenn die Frauen, Kinder und noch das Gesinde zu speisen
und zu trnken waren?" Dazu dauerten die Hochzeiten mehrere Tage. Luther
hatte sich bei seiner Hochzeit auch nur "fr die gewhnlichen Gste" mit
einem Tage begngt. Und das alles bei dem schlechten Markt in
Wittenberg! Da war es fr die gute Kthe keine geringe Schwierigkeit,
einen solchen Schwarm in anstndiger Weise zu speisen, und sie wollte
doch weder auf den Ruhm ihres Mannes, noch der Gefeierten einen Makel
kommen lassen--natrlich auf ihren Ruhm auch nicht. Luther und Kthe
wollten bei$
, gestraft, aber auch gegen die aufgeregten
Leute geschtzt und nach Wittenberg gebracht, wo er seinen Irrtum
bereute[362].
Gleichfalls ein Oesterreicher, _Kummer_ (Kommer), kam 1529 nach
Wittenberg. Auch er hatte, wegen des Evangeliums verfolgt, in
Weiberkleidern fliehen mssen, und nahm natrlich seine Zuflucht zu
Luther. Dessen Haus- und Tischgenosse scheint er ebenfalls gewesen zu
sein. Kummer war ein Freund und Studiengenosse Lauterbachs[363].
Im selben Jahre 1529 kam dieser Anton _Lauterbach_, geboren 1500 als
Sohn des Brgermeisters zu Stolpe, nach Wittenberg, wo er Magister wurde
und mindestens schon 1531 Luthers Hausgenosse und Tischgnger war und
Diakonus der Pfarrgemeinde wurde. Ein hochaufgeschossener Mensch, im
Gegensatz zu seinem Genossen Cordatus ein gutmtiger Geselle. Dienstag,
28. Januar 1533, diente er zu Tisch beim Kindtaufschmaus fr den kleinen
Paul. Er verheiratete sich in diesem Jahre mit einer Nonne Auguste,
wobei natrlich Frau Kthe wieder die Hochzeit herzurichten hatte. Dann
wurde$
e
Hausfrau hat unnuetze Worte gehabt und Herrn Dr. Luther und seine ehrbare
Hausfrau geschmaeht und gescholten," freilich "auch des Pfarrers Eheweib
uebel angefahren" in Magister Joh. Lubecks Wirtschaft zu Wittenberg[157].
Endlich verfassten zwei Leipziger Magister, Joh. Hasenberg und Joachim
von der Heidten (Miricianus), in Prosa und Poesie lateinische und
deutsche Sendbriefe und liessen sie drucken. Hasenbergs Schmaehschrift
richtete sich "an M. Luder und seine uneheliche Gattin Catharina von
Bohra, damit sie entweder mit dem verlorenen Sohn sich bekehren und zur
Busse und Heiligkeit des Klosterlebens zurueckkehren oder doch Luther
seine Nonne ihrem Braeutigam Christus und ihrer Mutter Kirche
zurueckstelle" bei Hoellenstrafe. Heidten schrieb "Ein Sendbrieff Kethen
von Bhora, Luthers vermeynthem eheweib sampt einem geschenk freundlicher
Weise zuvorfertigt". Die beiden jungen Menschen hatten die Frechheit,
diese Schriften durch einen eigenen Boten Luther und seiner Frau ins
Haus zu schicken, allerdings in der$
 Geld"[266]. Fuer Obst konnte also Frau Kaethe damals nicht aufkommen,
weshalb sie dann auch endlich den Ankauf des Baumgartens von Bildenhauer
betrieb. Ebenso trachtete sie nach den Hufen und dem Hopfengarten, so
dass nach den grossen Ankaeufen von 1536 die schweren Haushaltsausgaben
geringer wurden und die Posten "Gieb Geld" immer weniger. Hatte Luther
am Anfang seiner Ehe den Stossseufzer gethan: "Der Herr, der meine
Unvorsichtigkeit straft, wird mich wieder erloesen"--von den Schulden, so
kann er am Ende derselben in seinem sogenannten "Testament" (1542)
schreiben: "Ich habe von meinem Einkommen und Geschenken so viel gebaut,
gekauft, grosse und schwere Haushaltung gefuehrt, dass ich's muss neben
anderm selbst fuer einen sonderlichen, wunderlichen Segen erkennen, dass
ich's habe koennen erschwingen." Das "andere" neben dem goettlichen Segen,
war eben das haushaelterische Talent seiner Gattin; sie hatte ihn von
seinen Schulden wieder erloest, ja das Weib hatte nach seinem Spruch den
Mann "reich" gemacht. U$
in Luthers Haus; und dieser Umgang brachte sie
dazu, dass sie selbst evangelisch wurde und nach dem Tode ihres Gemahls
als Regentin des Landes in Braunschweig die Reformation einfuehrte. Sie
wurde sehr befreundet mit Luther und Kaethe, schickte ihr einmal eine
Sendung Kaese und bekam dafuer Maulbeer- und Feigen-Setzlinge[328].
Aber der Zustand der armen "Markgraefin" war ein trauriger und noch
monatelang musste sie Kaethe pflegen. Dabei trugen sich allerlei
aergerliche Zwischenfaelle zu, namentlich durch die Zudringlichkeit
unberufener Leute: so draengte sich eine schmutzige Boehmin ins Haus, ins
Gemach und an die Seite der Fuerstin, suchte fuer sich Gunst und andern
Ungunst zu erregen. Eine Zeitlang ging es noch gut; als die Kranke aber
Geld ausgezahlt bekam, da fing es wieder an, sie verschwendete masslos an
jedermann ohne Unterschied; auch den Lutherischen Eheleuten wollte sie
zwei Stuerzbecher mit 100 Goldgulden darin schenken. Dazu machte sie
immer Reiseplaene und schrieb heimlich ueberallhin und wollte $
e Rippe" oder "mein Herr Kaethe" senden an Spalatin und "seine
Rippe" oder "Kette" (sie hiess auch Katharina), seine "Hindin" und ihre
Kleinen Gruesse und Glueckwuensche, wuenscht ihm auch ein kleines
"Spalatinlein, das ihn lehre, was sie sich ruehmt von ihrem Haenslein
gelernt zu haben, naemlich die Frucht und Freude des Ehestandes, deren
der Papst mit seiner Welt nicht wert ist"[429]. Den in Schmalkalden
schwer erkrankten Luther liess Frau Kaethe ins Altenburger Pfarrhaus
bringen und bleibt dort mehrere Tage. Voller Dankbarkeit und Anerkennung
ist sie fuer die "freundliche Liebenswuerdigkeit und liebenswuerdige
Freundlichkeit", die sie mit ihrem Gatten im Hause des feinen Mannes
erfahren. Sie ist ungluecklich, dass sie in der Aufregung den Toechtern
Spalatins nichts mitgebracht und sendet ihnen schoen gebundene Buechlein,
ihr gewoehnliches Geschenk[430]. Nochmals nimmt sie die Liebenswuerdigkeit
des Altenburger Pfarrherrn in Anspruch, als sie ihre Bauten in Zulsdorf
ausfuehrt. Weil Spalatin gerade um diese $
bemuehte sich fuer junge Magister um Anstellung. Sie verstand die
Bedeutung ihres Gatten fuer die Christenheit, sie wusste seine
Persoenlichkeit und sein Werk zu wuerdigen. Sie betete und sorgte fuer das
Heil der Christenheit und den Erfolg des Evangeliums noch auf ihrem
Totenbette. Und Luther mutete ihr solches Interesse auch zu.
Und wenn wir die Rolle in Betracht ziehen, welche Katharina gegenueber
den anderen Professoren- und Reformatorenfrauen in dem muendlichen und
schriftlichen Gedankenaustausch der Zeitgenossen spielte, so z.B.
Melanchthons Frau, wenn wir sehen, wie sie allerseits geehrt, gegruesst
und beachtet, in ihrer Krankheit um sie gebangt war, nicht bloss um ihres
Gatten willen, dann ist ausser Zweifel: seine Kaethe ist des grossen
Doktors wert und wuerdig gewesen, und es ist doch bemerkenswert, dass die
Freunde die Gattin Luthers mit dem Weibe der Offenbarung, dem Sinnbild
der christlichen Kirche verglichen[520].
Aus den spaeteren Jahren giebt es von Frau Katharina ein Kranachsches
Bild[521]. D$
lich, am wenigsten mit handgreiflicher
Unterstuetzung; denn er hatte selbst mit Sorgen der Nahrung und des
Lebens zu kaempfen.
Dagegen wandten sich die Freunde der Lutherschen Familie, besonders
Bugenhagen, der Reformator des Nordens, wiederholt an den alten Goenner
D. Luthers, den Koenig Christian III. von Daenemark. Nachdem zu Pfingsten
auf Jonas' allgemeines Schreiben noch keine Antwort eingetroffen war,
schrieb der Dr. Pommer am 5. Juni bestimmt und deutlich: "Der Herr
Philippus und ich bitten, E.M. wolle unsern Sold (100 Thlr.) und 50
Thaler, die noch gehoeren in diesem Jahr unserm lieben Vater Doctori
Martino (welchen Christus herrlich hat aus diesem Jammerthal zu sich
genommen vor einem Vierteljahr) geben diesem Herrn Christophero, Ritter,
an uns zu bringen. Die fuenfzig Thaler wollen wir Doctor Martini Weib und
Kindern verantworten."[614]
Bald darauf kam die koenigliche Antwort auf D. Jonas' Brief: "Wir wollen
auch Uns des seligen und teuern Mann Gottes nachgelassene Witwe und
Kinder gnaedigst befohle$
ff und
mit der Sommerhitze wuchs. Am 1. Juni wurde ueber Verlegung der
Universitaet beraten, am 10. bot Torgau ihr Herberge an. Aber bis 6. Juli
hielt sie noch in Wittenberg aus. Dann zog auch die Hochschule in die
Nachbarstadt und wurde in den engen winkeligen Raeumen des
Barfuesserklosters untergebracht, welches seinerzeit Leonhard Koppe zu
Fastnacht gestuermt hatte und das jetzt leer stand.
Frau Katharina blieb aber in Wittenberg, wohl wegen der Gueter, die sie
besorgen musste; wahrscheinlich hatten die studierenden Soehne und
Tischgesellen dennoch von dem einen und andern Magister, der im
Schwarzen Kloster wohnte, Vorlesungen. In dem grossen, gesund gelegenen
Hause war es ja auch einstweilen noch auszuhalten. Aber im Herbst wurde
auch das Klosterhaus von der Seuche angesteckt. Und um ihre Kinder aus
der Gefahr zu reissen, unterzog sich die besorgte Mutter wiederum den
Beschwerlichkeiten der Auswanderung. So liess sie denn einspannen, lud
das Noetigste auf den Wagen und fuhr mit ihren Kindern, die noch bei$
rers, klingt ihm gelehrt, fremd,
vornehm und tausend Meilen von seinem Dorf entfernt. Dass der rothe Hahn
in seiner Fibel _kraeht_ und der lebendige in seinem Hause _krait_,
scheint ihm sehr sonderbar. In der Bibel nennen sich alle Leute _du_,
der Unterlehrer sagt zum Oberlehrer _sie_, er aber ist gewohnt, bloss
seine Kameraden zu dutzen, Vater, Mutter und andere Erwachsene mit _he_
und _se_ anzureden. Kommt an ihn die Reihe zu lesen, laut zu lesen, so
nimmt er die Woerter auf die Zunge und stoesst sie heraus wie die Scheiben
einer Frucht, die er nicht essen mag, weil er sie nicht kennt. Was er
auswendig lernt, lernt er nicht einwendig. Was ihm allenfalls noch
Vergnuegen macht, ist der gemeinschaftliche Gesang am Schluss der Schule
und auf Kirchbaenken. Von Natur mit einer hellen durchdringenden Stimme
begabt, wetteifert er mit dem Chor um die hoechsten Noten, betaeubt seinen
Kopf und findet eine Art Vergnuegen und Erholung darin, dieselben Verse
des Gesangbuches bloss herauszuschreien, die er zu anderer Zeit$
ng, Krankheit, Leid.
Wir lieben dich, weil alles du
Hingabst fr uns--Ruhm, Zukunft, Ruh;
Wir lieben dich trotz Ha und Groll:
Du glaubtest an uns allezeit.
  Wer wagt's, noch rckwrts jetzt zu zeigen?
Nein, aufwrts Jahr fr Jahr wir steigen,
Aufwrts in Freiheit und in Sang
Und froh-norwegischem Eigenleben;
Wer wagt es noch, zu widerstreben
Befreitem hundertjhrigen Drang?
Kein Zwiespalt mehr um Recht und Macht;
Ob Kriegstumult, ob Friedensstille,
Nur _einer_ Freiheit Ehrenwacht,
_Ein Volk nur und ein einziger Wille._
  Der Geist, dem unsres Morgens Graun
Den Traum von freien Gttern brachte,
Der gro von allem Groen dachte,
Wird nimmer dem Unechten traun.
Der Geist, der Wikingschiffe baute,
Als er dem Knigswort mitraute,--
Der sich, bedroht, gen Island schwang
Auf Heldenruf und Heldensang,
Im Sturm dann Land und Zeiten nahm,--
_Den_ macht ihr nicht so leicht mehr zahm.
Der Geist, dem einst am Hjrungsunde
Schlug langersehnter Freiheit Stunde,
Der keines Knigs Macht gescheut,
Der selbst dem Papstspruch$
cht.
Du sprangst auf,--die Fessel kracht...
Weiter schrittst du froh und stark,
Du hast Schwung und du hast Mark!
Wo du wandelst, blht der Pfad,
Schwillt aus deinem Mut die Tat,
Facht Gedanken deine Glut:
Doppelst Kraft in Hirn und Blut.
Landesrecht ist dein Knecht;
Selber schufst du's, wahrst es echt.
Nicht durch "wenn" und "ach" beschrnkt,
Fllst du jeden, der es krnkt.
Freiheitsgott, bist Lichtesgott,--
Nicht der Knechte Schreckensgott,--
Liebe, Gleichheit, Vorwrtsdrang,
Frhlingsbotschaft st dein Sang.
Freiheitshort! Friedensport
Winkt den Vlkern durch dein Wort:
"Einer nur ist Herre hier;
Keine Gtter neben mir!"
  Molde, Molde,
  Treu wie ein Sang,
Wogende Rhythmen mit lieben Gedanken,
Farbige Bilder, die spielend sich ranken
Um meines Lebens Gang.
Nichts ist so schwarz, wie dein Fjord, wenn er fauchend
An dir vorbeifegt, meersalzig rauchend,
Nichts ist so sanft, wie dein Strand, deine Inseln,
Ja, deine Inseln!
Nichts ist so stark wie dein bergiger Kranz,
Nichts ist so zart wie der Sommernacht Gla$
n Augen. Die Mutter
begleitete ihn bis vor die Tr und sah ihm nach, wie er ber die Hnge
dahinschritt; es war das erstemal, da er von Hause fortzog.
Der Vater stieg leise aus dem Bett und ging ans Fenster; da stand er
und blickte dem Knaben nach, bis man die Mutter auf den Steinfliesen
hrte; da ging er wieder zu Bett und lag schon drin, als sie hereinkam.
Sie ging ruhelos in der Stube umher, als habe sie etwas auf dem Herzen.
Und schlielich kam sie mit der Sprache heraus: "Ich finde eigentlich,
ich mte hinunter in die Kirche und sehen, wie es geht." Er gab keine
Antwort, deshalb hielt sie die Sache fr abgemacht, zog sich an und
Es war ein herrlicher Sonnentag, an dem der Bursch ber die Hnge
dahinzog; er hrte den Vgeln zu und sah die Sonne auf den Blttern
glitzern, whrend er rasch vorwrtsschritt, die Fiedel unterm Arm. Und
als er an das Hochzeitshaus kam, sah er noch immer nichts anderes, als
was ihn vorher beschftigt hatte, sah weder Brautstaat noch
Hochzeitszug; er fragte nur, ob sie bald auf$
n. Mit einemmal stand sie auf, lchelte, beugte
sich ber Ingrid und gab ihr einen langen, heien Ku. "Bleibt er siech,
so werde ich ihn pflegen. Jetzt rede ich mit meinen Eltern."
Das rhrte Ingrid tief, aber bevor sie sprechen konnte, fhlte sie, wie
ihre Hand erfat wurde: "Leb' wohl, Ingrid, ich gehe nun wieder allein
zurck."--Und Synnve wandte sich schnell der Tr zu.
"Der Zettel!" flsterte Ingrid ihr nach.--"Was fr ein Zettel?" fragte
Synnve. Ingrid war schon aufgestanden, suchte ihn hervor und brachte
ihn der Freundin; aber whrend sie ihn mit der linken Hand ihr unter
das Brusttuch schob, umschlang sie den Hals Synnves mit der rechten,
gab ihr den Ku wieder, und ihre groen warmen Trnen fielen auf das
Gesicht der Wartenden. Dann drngte Ingrid sie sanft hinaus und schlo
die Tr; sie hatte nicht den Mut, das weitere zu sehen.
Synnve ging langsam die Treppen hinunter, aber da sie zu sehr mit ihren
Gedanken beschftigt war, machte sie unvorsichtigerweise ein lautes
Gerusch dabei, erschrak, li$
uf dem Schnee. Als sie in die Kammer kam, wo sie
schlief, mute sie noch einmal aus dem Fenster sehen. Sie zog das Mieder
aus und blieb noch eine Weile so stehen. Da merkte sie, da sie fror,
zog sich schnell aus und kroch tief unter ihre Felldecke. In dieser
Nacht trumte Margit von einer groen roten Kuh, die sich auf ihr Feld
verlaufen hatte. Sie sollte sie hinausjagen, aber wie sie sich auch
abmhte, sie konnte nicht vom Fleck kommen. Die Kuh stand ganz ruhig da
und fra so lange, bis sie satt und rund war, und inzwischen schaute sie
immer einmal aus groen, schweren Augen zu ihr hin.
Als das nchste Mal wieder Tanz im Dorf war, war auch Margit wieder da.
Sie mochte den Abend nicht tanzen; sie sa also und lauschte dem Spiel,
und es schien ihr ganz merkwrdig, da auch die andern nicht mehr Lust
dazu hatten. Aber als es spter wurde, stand der Spielmann auf, um zu
tanzen. Er ging pltzlich geradenwegs auf Margit Kampen zu. Sie wute
kaum, wie ihr geschah, aber sie tanzte mit Schneider Nils.
Bald wurde das$
ge weinte
und jammerte, da schlug er ihn auch. Zuweilen wurde seine Reue so gro,
da er aus dem Hause mute. In dieser Zeit lockte ihn das Tanzen wieder;
wie frher spielte er dazu auf und nahm den Jungen mit, da er ihm den
Kasten trage. Da sah der Junge mancherlei. Die Mutter weinte, da er mit
mute, wagte es aber nicht zum Vater zu sagen. "Denk an den lieben Gott
und lerne nichts Schlechtes", flehte sie und liebkoste ihn. Beim Tanz
aber war es sehr lustig, und zu Haus bei der Mutter war es gar nicht
lustig. Er wandte sich immer mehr von ihr ab und dem Vater zu. Sie sah
es und schwieg. Beim Tanz lernte er manche Weise, und die sang er
nachher dem Vater vor. Dem machte es Spa, und zuweilen brachte der
Junge ihn zum Lachen. Das schmeichelte dem Jungen so, da er sich fortan
Mhe gab, soviele Lieder wie mglich zu lernen; bald merkte er sich
auch, welche Art von Liedern der Vater am liebsten mochte, und bei
welchen Stellen er lachte. Wenn so etwas nicht in den Liedern war, dann
legte der Junge es, so gut er$
 eigenen Herzen. Und wenn der
liebe Gott dieser Sache gndig ist, so habe ich nichts dagegen; denn
Margit gefllt den jungen Burschen wohl, wie man deutlich sieht, und sie
ist reich an irdischen Gtern, wie auch trotz aller Unbestndigkeit an
himmlischen. Denn die Gottesfurcht in ihrem Herzen ist wie Wasser in
einem seichten Teich; es ist da, wenn's regnet, aber es verschwindet,
wenn die Sonne scheint. Jetzt wollen meine Augen nicht mehr, denn sie
sehen zwar gut in die Ferne, aber in der Nhe schmerzen sie und trnen.
Zum Schlu will ich Dir noch sagen, yvind: was Du auch erstrebst und
was Du anfngst, Deinen Gott nimm mit; denn es steht geschrieben: Es ist
besser eine Hand voll mit Ruhe, denn beide Fuste voll mit Mhe und
Jammer. (Pred. Sal. 4, 6.)
  Dein alter Lehrer
  Baard Andersen Opdal.
  ehrsame Jungfrau Margit, Tochter des Knut vom Heidehof.
Schnen Dank fr Deinen Brief; ich habe ihn gelesen und verbrannt, wie
Du gewollt hast. Du schreibst von vielem, aber gar nichts von dem, was
ich gern wissen wo$
werk aus hoher See angetrieben kommen, um Atem
zu schpfen, auch gar viel wert.
In solch einem kleinen Stdtchen ist es still. Alles, was etwa Lrm
verursacht, ist auf die Landungsbrcken verwiesen, wo die Boote der
Bauern sich festgebissen haben, und wo die Schiffe laden und lschen.
Lngs den Landungsbrcken luft die einzige Strae unseres Stdtchens;
an ihrer andern Seite liegen die wei- und rotgestrichenen, ein- und
zweistckigen Huschen; aber nicht Wand an Wand, sondern getrennt durch
schmucke Grten; das gibt auf diese Weise eine lange und breite Strae,
wo es brigens bei Seewind nach allem zu duften pflegt, was auf den
Brcken herumliegt. Still ist es hier--nicht etwa aus Furcht vor der
Polizei: denn in der Regel ist gar keine da--sondern aus Angst vor dem
Gerede der Leute; denn hier kennt sich alles untereinander. Geht man
die Strae hinunter, so mu man in jedes Fenster hineingren und hinter
jedem sitzt auch meist ein altes Frauchen und grt wieder. Ferner mu
man jeden gren, der einem auf d$
t."--"Bist Du
verrckt?" sie schlug das Tuch wieder zusammen und ging weiter.--"So
warte doch, Petra! Das verstehst Du nur nicht. Wenn wir wirklich
Liebesleute sind--"--"Ach, Bldsinn!"--"Na, hr' mal, da mu _ich_ doch
wohl wissen, was der Brauch ist, scheint mir; denn was Lebenserfahrung
anbelangt--da bin ich Dir zwanzigmal ber. Wenn Du blo bedenkst, was
ich alles gesehen habe--"--"Bah, Du hast gesehen wie ein Schafskopf
sieht, und schwatzt, wie Du gesehen hast!"--"So? Und was verstehst denn
Du unter Liebesleuten, wenn man fragen darf? Was? Bergauf und bergab
hintereinander herrennen, darin besteht's doch wahrhaftig
nicht!"--"Nein, das stimmt!" lachte sie und blieb stehen. "Also hr' mal
zu, Du! Whrend wir uns ein bichen verschnaufen--puh!--will ich Dir
sagen, wie Liebesleute sich benehmen. Solang Du hier bist in der Stadt,
mut Du jeden Abend vor der Nhschule auf mich warten und mich
heimbegleiten bis zur Haustr, und wenn ich sonst irgendwo bin, mut Du
auf der Strae warten, bis ich komme. Wenn Du w$
rm Geschicke.
Fnftes Kapitel
Am nchsten Morgen sa Petra halb angekleidet in ihrem Stbchen; weiter
kam sie den ganzen Tag ber nicht. So oft sie auch den Versuch machte,
immer wieder sanken ihr die Arme in den Scho. Wie vollreife hren, wie
schwere Glockenblumen auf dem Feld beugten sich ihre Gedanken. Stille,
Sicherheit und wogende Luftgebilde schwebten ber den lichten
Schlssern, in denen sie hauste. Wieder durchlebte sie die gestrige
Begegnung, jedes Wort, jeden Blick, jeden Hndedruck, jeden Ku. Sie
wollte sich den ganzen Verlauf, von der ersten Begegnung bis zum
Abschied, wieder vergegenwrtigen, aber sie kam nie damit zu Ende. Denn
jede einzelne Erinnerung verdmmerte in blauen Traum, und alle Trume
kamen mit neuer Verheiung zurck. Und so s diese Verheiung auch war,
Petra mute sie zurckdrngen, um den Faden der Erinnerung da wieder
aufzunehmen, wo er ihr entglitten war; aber kaum hatte sie ihn, verlor
sie sich wieder ins Wunderbare.
Da sie nicht herunterkam, dachte die Mutter, sie habe, nu$

Die "Gebildeten" schaun--
Oder ziehn weidlich aus
Zur Hatz auf den Keiler, zum lustigen Strauss.
Wenn ein Buch ich schreibe, "just sieht es mir gleich";
Wenn ich spreche--ist's Eitelkeit.
Wenn ich zimmre und baue fuers Buehnenreich,
Mein Duenkel nur fuehrt jeden Hammerstreich.
Und schlag' ich mich treu
Fuer altheimische Art
Auf der Vaeter Bastei,
Umtobt und umschart,--
Kaempf' ich nur, weil mit Orden zu sehr man gespart.
Nein, wo bleibst du doch, du, der mit eins kann zerhaun
Dies umstrickende Luegengewirr--
Der verjagt aus den Koepfen dies krankhafte Graun
Vor enschlossenem Wollen, begeistertem Schaun--
Und hat Trost fuer den Mut,
Der in Frost und in Nacht
Seine Waffenpflicht tut
Und die Runde macht,
Bis das Heer sich erhebt, wenn der Tag erwacht.
Komm, Volksgeist, du, gottgeboren--entstammt
Dem riesenbezwingenden Tor.
Fahr auf Donnern einher und von Blitzen umflammt,
Dass die Furcht dies Gezuechte zum Schweigen verdammt;
Du kannst wecken im Land
Die schlummernde Kraft,
Du kannst staerken das Band,
Das in B$
al 'ne Geschichte erzaehlen, an der man sieht, dass
nichts so fein gesponnen ist, es kommt schliesslich doch an die Sonnen",
sagte der Mann, und Arne hatte das Gefuehl, er sehe ihn dabei an. Es war
ein haesslicher Mensch mit duennem roten Haar ueber einer hohen runden
Stirn. Darunter lagen ein Paar sehr kleine Augen und eine kleine
Kartoffelnase; der Mund aber war sehr gross und hatte wulstige Lippen von
weisslicher Farbe. Wenn er lachte, sah man die beiden Gaumen. Seine Haende
lagen auf dem Tisch: sie waren sehr grob und plump, das Handgelenk aber
war duenn. Er hatte einen stechenden Blick und sprach schnell, aber es
kostete ihn Anstrengung. Man nannte ihn den Maulhelden, und Arne wusste,
dass Schneider Nils ihm in alten Tagen uebel mitgespielt hatte.
"Ja, es gibt viel Suende in dieser Welt; sie ist uns naeher, als wir
glauben----. Aber das ist gleich. Jetzt sollt Ihr etwas sehr Haessliches
hoeren. Die Aelteren unter Euch werden sich wohl noch an Alf, an den
Ranzen-Alf erinnern. 'Werd' schon wiederkommen!' s$
opp", sagte Elling,
    Und trug ihn am Kragen
    Hinaus ohne Zagen:
    "Hier tobe dich aus!"
    "Hei", sagte Rasmus,
    "Her mit dem Munde,
    Randi, du runde!
    Schnell, mach' dich bereit."
    "Ei", sagte Randi;
    Gab ihm eine Schelle,--
    Wie rieb er die Stelle,--
    "Da hast du Bescheid!"
"Aufstehn, Kinder!" rief der Schulmeister. "Heut am ersten Tag sollt Ihr
frueh nach Hause gehen; aber erst wollen wir noch beten und singen." Da
gab es ein Leben in der Schulstube; sie sprangen von den Baenken auf,
rannten durch die Stube und schwatzten durcheinander. "Ruhe, Ihr
Strolche, Ihr Hallunken, Ihr Banditen!--Ruhe! Und huebsch leise
auftreten, Kinderchen!" sagte der Schulmeister, und sie stellten sich
ruhig in Reih und Glied, worauf der Schulmeister vor sie hintrat und ein
kurzes Gebet sprach. Dann sangen sie. Der Schulmeister stimmte mit
seinem kraeftigen Bass an, alle Kinder standen mit gefalteten Haenden da
und sangen mit. Oeyvind stand mit Margit dicht an der Tuer und sah zu; sie
hatten auch die$
 Augenblick stand Margit auf und kam gerade auf ihn zu. Sie
beugte sich zu ihm hinunter. "Du darfst nicht so dasitzen und mich
immerfort anstarren", sagte sie; "Du kannst Dir doch denken, dass es
auffaellt; hol' Dir doch eine und tanz' mit ihr."
Er antwortete nicht, er sah nur auf zu ihr, und--er konnte nicht dafuer:
seine Augen fuellten sich mit Traenen. Sie hatte sich schon aufgerichtet
und wollte gehen, da sah sie es und stand still; sie wurde ploetzlich
feuerrot, drehte sich um und ging auf ihren Platz zurueck; da aber machte
sie wieder Kehrt und setzte sich anderswohin. Jon ging schnell ihr nach.
Oeyvind stand von der Bank auf, draengte sich zwischen die Menschen
hindurch, ging auf den Hof hinaus, setzte sich in eine der Aussengalerien
und wusste doch nicht, was er da eigentlich wollte; er stand also auf,
setzte sich aber wieder hin, denn er sass hier ja ebensogut wie irgendwo
anders. Nach Haus gehen mochte er nicht, wieder hinein erst recht nicht;
das kam alles auf eins heraus. Er war nicht imstande, si$
les in der Welt. Zusammen gingen sie zur Schule;
zusammen kamen sie auf die Universitaet; zusammen machten sie die ersten
zwei Examina, und zusammen sollten sie nun dasselbe Amtsstudium
beginnen. Eines Tages, als sie nach einem just entworfenen
Kollegienplan uebermuetig die Treppe hinunterstuermten, wollte Hans im
Gefuehl froehlichen Jugenduebermuts dem Freund auf den Ruecken
springen; der Freund fiel, und zwar so ungluecklich, dass er wenige
Tage darauf starb. Der Sterbende bat seine Mutter, die Witwe war und in
ihm ihr einziges Kind verlor, ihm zuliebe Hans an Sohnesstatt
anzunehmen. Die Mutter starb fast gleichzeitig mit dem Sohn; und kraft
ihres Testaments fiel ihr sehr betraechtliches Vermoegen Hans Oedegaard
Es dauerte Jahr und Tag, bis Hans sich von diesem Schlag erholte. Eine
lange Reise im Ausland tat ihm wenigstens soweit gut, dass er sein
theologisches Studium zu Ende zu fuehren vermochte; aber ein Amt
anzunehmen--dazu konnte niemand ihn bewegen.
Seines Vaters sehnlichster Wunsch war gewesen, ihn n$
 Kreuz geduldig tragen.
    Denn Fleisch und Blut gebrechlich sind,
    Das muessen wir alle sagen."--
Und dann Lars mit sanfter Stimme: "Also Du sagst, Spiel und Tanz sei
richtig,--na!----Also es ist richtig, den Satan durch die Sinne
aufzuwecken, na!--Also das sagt unser Herr Pfarrer,--na, dann wissen wir
es ja!----Na, also er sagt, alles, was in Muessiggang und Sinnlichkeit
geschieht, ist zur Erloesung und zur Hilfe da,----alles, was einen in
Versuchung fuehrt, ist richtig!"--Jetzt mischte sich aber Oedegaard ein,
denn er sah dem Propst an, dass die Sache schief gehen wuerde: "Sag' mal,
guter Mann, was fuehrt uns denn nicht in Versuchung?"
Alle sahen dahin, woher diese sicheren, schneidigen Worte kamen. Die
Frage an sich war so unerwartet, dass Lars im Handumdrehen nicht wusste,
was er antworten sollte, auch die andern nicht. Da klang es wie aus
einem Brunnen oder aus einem Keller heraus: "Das ist die Arbeit."--Die
Stimme kam von den vielen Tuechern her; es war Randi, die zum erstenmal
auch ein Wort sagte.$
ich, statt
Besserung, ein Nervenfieber eingestellt hatte.
Zu diesen ungnstigen Verhltnissen gesellten sich noch andere.
Frau von Klamm--die Frau von Krtz sogleich benachrichtigt, und der sie
Wohnung in ihrer Villa angeboten hatte, um bei ihrem Sohn zu sein,--war
selbst schwer erkrankt. So blieb der Witwe die Sorge fr Klamm allein,
so wurde sie seine Pflegerin whrend der ganzen Zeit seines sich Monate
hinziehenden Siechtums.
"Ihnen wird er sein Leben verdanken!" hatte der Arzt wiederholt gegen
die Frau des Hauses, und Gleiches hatte er hufig gegen Klamm geuert,
nachdem er sich wieder erholt, nachdem ihm klar geworden, wie krank er
gewesen, wer ihm die Samariterdienste geleistet.
Klamms erstes Wort und erster beredter Blick galten auch ihr, und sie
kamen aus einem bewegten Herzen.
Er streckte ihr die Hand entgegen und sagte, weich betonend:
"Wie soll ich Ihnen danken?"
Das zweite Wort galt der Frage seiner Mutter: ob sie ihn auch gepflegt
habe, wo sie sei?
Nun mute Frau von Krtz mit der Wahrheit hervo$
ie stie an mit einem herbklingenden Laut. Dann erwiderte sie in einem
wehmtig ernsten Ton:
"Gewi, es kann kommen, da er auch mich vernachlssigt. Aber habe ich
dann weniger, als jetzt?
"Wir leben doch auch nur nebeneinander! Aber Arthur von Knoop wird mich
nie in der Ausbung meiner Neigungen hindern, wir werden--ich wiederhole
es--in dieser Beziehung vllig harmonieren. Es giebt keine Menschen, die
nach der Richtung besser fr einander passen."
"Hm--so wren wir uns denn einig.--Du willst von mir gehen--?"
"Ich will nicht, du willst, Alfred--und nun mu ich, da ich
mich--deiner--unwert gemacht--"
Sie sprach die Worte mit tief herabgesenktem, demtigem Blick,
abgebrochen, voll Scham und Zerknirschung. Und Klamm sprach:
"Ich will dir nichts vorwerfen und ich will dir nichts nachtragen. Ich
will mich in deine Lage hineinversetzen und denken, ich sei es selbst,
dem zu verzeihen wre. Das ist meine Antwort!
"Ueber alles weitere, ber das wann und wie wollen wir uns in vlligem
Frieden verstndigen.--Lasse uns$
h einmal in ihren Augen, in Augen, in denen eine
versteckte Glut loderte.
Dann sprach er entschlossen:
"Wohlan denn, da es so ist, da wir uns verstehen, ja, da wir uns einig
sind, so wollen wir Kameraden werden, gemeinsam unser Ziel verfolgen. Es
bedarf keiner Erklaerung, warum es sich handelt.--Nicht wahr, Fraeulein
von Oderkranz?"
Und indem er die Stimme daempfte, dasselbe in einem weichen Tone
wiederholte, sich zu ihr draengte mit seinem Ich: "Nicht wahr, Fraeulein
Abermals vernahm er ein festes Ja und fuehlte, als er nach ihrer Hand
tastete, einen Gegendruck, der ihm das Blut durch die Adern jagte.
"Wann und wo wollen wir uns morgen sprechen?" ergaenzte Klamm, indem er
um der Umgebung willen seinen Mienen einen durchaus gleichgueltigen
Ausdruck verlieh.
"Ich werde bitten, ehestens meine Tante besuchen zu duerfen. Wird mir
dies erlaubt, so werde ich an einem Ihnen noch schriftlich
mitzuteilenden Tage gegen ein Uhr auf dem Potsdamer Platz am Rundteil
sein koennen."
Als Herr von Klamm eben antworten wollte, $
n ausfuehrlicher Rede hingewiesen hatte,
verliess sie ihn.--
       *       *       *       *       *
Am Abend eines der naechstfolgenden Tage gab Frau von Kraetz ein Fest,
einen Maskenball. Alles, was Dresden an bevorzugten Persoenlichkeiten
besass, alles, was zur Gesellschaft gehoerte, war geladen. Seit einer
halben Stunde wogte schon eine buntgekleidete Menschenmenge in den
weitlaeufigen, strahlend erleuchteten Raeumen der Villa auf und ab,
schwatzte, lachte und trieb jenen lustigen Schabernack, der zu der
ausgelassenen Froehlichkeit einer Karnevalsstimmung gehoert. Wundervolle
und auch sehr eigenartige, das Auge fesselnde Kostueme waren von den
Gaesten gewaehlt.
Da fehlte von bekannten Masken weder ein Pierrot, noch eine Colombine,
weder der Tanzbaer, noch der Brieftraeger, weder das Baby, noch die
Koenigin der Nacht.
Aber man sah auch eine besponnene Eau de Cologne-Flasche, die
fortwaehrend ihren duftenden Inhalt spendete, und einen indischen
Fuersten, dessen Seidengewand mit Edelsteinen bedeckt war, aus$
r auf den Tisch, veraenderte ihre Miene und liess gedankenvoll das
Haupt sinken.
"Ja, ja, Tante--wenn er--"
Dabei loeste sich gleichsam als Befreiung versteckten Schmerzes ein
langer Seufzer aus ihrer Brust.
"Also du interessiertest dich wirklich ernsthafter fuer ihn? Du liebtest
ihn, meine liebe Ileisa? Ja! Ja! Ich hab' mir's gedacht, ohne dass du
mir davon gesprochen hast," fiel die alte Dame teilnehmend ein.
"Hatte es einen Sinn und Wert, Tante? Er hatte und war nichts--und was
da so ploetzlich zum Vorschein gelangte und geschah--liess mich ja
zweifeln, ob er ueberhaupt ein wirklich vertrauenswerter Mann sei--
"Und nun ist ja auch alles aus, und nichts mehr zu aendern."
"Gewiss, mein Kind, und sollte sich Herr Arthur Knoop fuer dich
entscheiden, pruefe dich zwar erst, aber dann sei nicht sproede, dann sage
nicht nein. Ich halte es fuer moeglich, dass du, grade du ihn sanfter,
weicher zu machen verstehen wirst. Und wenn dir das gelingt, so hast du
ja auch das, was du jetzt noch an ihm entbehrst. Im uebrigen$
n lag in dem schnen Auge
etwas Schwrmerisch-Sinnendes, da man glauben durfte, sie sinne ber
einen groen Entschlu nach.
So traf sie Berner, der mit einem Armensndergesicht zur Tre
hereinguckte. Es hatte ihm unterwegs, nachdem der erste Kitzel ber
seinen gewagten Feldherrn-Einfall vorber war, doch ein wenig das
Gewissen geschlagen, da er die Leutchen so im heillosen Zappel
zurckgelassen habe. Er mute sich gestehen, da die Sache auf diese
Manier ebenso leicht ganz ber den Haufen gerannt werden konnte.--
Doch, da war er ja der Mann dazu, auch die verzweifeltsten
Verhltnisse wieder zu entwirren. "Haben sie sich auch, wie
ungeschickte Hauderer, ein wenig verfahren," dachte er, "der alte
Berner wei sie schon wieder ins rechte Geleis zu bringen." Als er
aber den Grafen nicht mehr traf, als er sah, da das Mdchen so gar
bitterlich weinte und schluchzte, da es einen Stein in der Erde
htte erbarmen mgen,--da grieselte es ihm doch den Rcken hinauf,
eine Gnsehaut flog ber seinen Kadaver und schnrt$
st ist deine Sache nicht gut. Denke dir: das Mdchen, so hold
und engelrein, wie du sie sahst, als wir zu Pferde stiegen, wie du ihr, von
ihrem heiligen Anblick bermannt, dein zrtliches Lebewohl zuriefst--und du
wirst freudiger streiten."
Emil hrte nur mit halbem Ohr; seine ganze Aufmerksamkeit war auf den Platz
gerichtet, dem sie sich nahten. Sie bogen um die Ecke der Mauer des
Gottesackers. Sein Gegner war schon auf dem Platz; er nahm sein Ro
zusammen und sprengte majesttisch im kurzen Galopp an.
Sporeneck und sein Begleiter waren auf einem andern Weg herausgeritten und
hatten auf der Wiese den Grafen erwartet. Sie hatten ihre besten Uniformen
angezogen, alles gewichst und gebrstet, als ginge es zur Hochzeit; denn
sie wollten dem Grafen und seinem Begleiter durch Glanz und militrische
Wrde imponieren. Wer beschreibt ihr Erstaunen, als sie den
strahlenblitzenden, in den schnsten Farben schimmernden Ulanen ansprengen
sahen? Sie trauten ihren Augen kaum, wie gewandt, wie flink das zivile
Grfchen vom $
 holt, um eure magere Phantasie durch
einige Ballgeschichten, Champagnertreffen und Austernschmuse anzufeuchten;
ich wei, da er bei euch allen der Mann des Tages geworden ist; aber
nichtsdestoweniger, ja, gerade darum und eben deswegen will ich seinen
Namen aussprechen, er nennt sich CLAUREN. _Anathema sit!_
Vor zwlf Jahren laset ihr, was eurem Geschmack gerade keine Ehre machte,
Spie und Cramer, mitunter die kstlichen Schriften ber Erziehung von
Lafontaine; wenn ihr von Meiner etwas anderes gelesen als einige
Kriminalgeschichten &c., so habt ihr euch wohl gehtet, es in guter
Gesellschaft wiederzusagen; einige aber von euch waren auf gutem Wege; denn
Schiller fing an, ein groes Publikum zu bekommen. Gewinn fr ihn und fr
sein Jahrhundert, wenn er, wie ihr zu sagen pflegt, in die Mode gekommen
wre; dazu war er aber auch zu gro, zu stark. Ihr wolltet euch die Mhe
nicht geben, seinen erhabenen Gedanken ganz zu folgen. Er wollte euch
losreien aus eurer Spiebrgerlichkeit, er wollte euch aufrtteln$
den Alabaster der Schultern niederfallen, siehe--doch wie?
Soll ich alle jene erhabenen, ausgesuchten Epitheta wiedergeben, die sich
mit Schnee, mit Elfenbein, mit Rosen gatten? Ich bin ein Mann und errte,
errte darber, da ein Mann aus der sogenannten guten Gesellschaft die
sittenlose Frechheit hat, alljhrlich ein ausfhrliches Verzeichnis von den
Reizen drucken zu lassen, die er bei seinem Weibe fand!
Als Tasso jene Strophen dichtete, worin die Gesandten Gottfrieds am Palast
der neuen Circe die Nymphen im See sich baden sehen, glaubet ihr, seine
reiche, glhende Phantasie htte ihm nicht noch lockendere Bilder,
reizendere Wendungen einhauchen knnen als einem Clauren? Doch er dachte an
sich, er dachte an die hohe, reine Jungfrau, fr die er seine Gesnge
dichtete, er dachte an seinen unbefleckten Ruhm bei Mit- und Nachwelt, und
siehe, die reichen Locken fallen herab und strmen um die Nymphen und
rollen in das Wasser, und der See verhllt ihre Glieder. Aber, _si parva
licet componere magnis_, was soll m$
chmack daran finden koenntest, die Nebenbei
des Grafen Martiniz zu spielen. Nein, wie das Daemchen, das also in
der Residenz die Sproede so schoen zu spielen wusste, aufschauen wird,
wenn der gute _Mann im Mond_, den sie schon ganz sicher in
Ketten und Banden hat, wenn der amoroso Bleichwangioso auf einmal
morgens verschwunden ist, am naechsten Posttag aber ein Paket einlaeuft
mit Karten, worauf _Graf Martiniz mit seiner Gemahlin, verwitwete
Graefin von Aarstein_, deutlich zu lesen ist."
"Nicht mit Gold ist sie zu bezahlen, diese Nachricht," bemerkte die
Schulderoff mit triumphierender Miene, "und um so mehr wird sie sich
aergern, dass es die Graefin Aarstein ist; denn diese hat ihr ja, wie
Sie hoerten, auch den herzigen Jungen, den Sporeneck, abgespannt--"
"Sie kennen den Sporeneck, gnaedige Frau?" fragte die Sorben, und ihr
gelbliches Gesicht schien tief ueber etwas nachzusinnen.
"Wie meinen Sohn," versicherte jene; "wie oft war er aus Besuch bei
uns in Schulderoff, als er in Garnison in Tranzow lag! Mich n$
be."
So lautete die Freuden-Epistel an den alten Onkel, worin die Errettung
vom Wahnsinn gemeldet werde. Die Freude wollte dem alten Diener beinahe
die Herzkammertuere zersprengen, bis er die Buchstaben alle aufs Papier
gemalt hatte. Bisher hatte er allwoechentlich Bericht erstatten muessen.
Da hatte es denn aus Italien, Frankreich, Holland, vom Genfersee, am
Rhein, an der Seine und an der Nordsee immer geheissen: "Der Herr Graf
befindet sich noch im alten Zustande."--"Die Krankheit scheint
zuzunehmen."--"Die Aerzte wussten wieder nichts."--"Die Aerzte geben
Hier, in dem unscheinbaren Staedtchen, hier endlich sollte das Heil, der
Stern des Segens aufgehen. Er konnte sich die Freude des alten Herrn
denken, der so ganz an Emil wie an einem Sohn hing; er sah schon im
Geiste, wie der Herr Graf laecheln, die Haende reiben und rufen werde.
"Nun, in Gotts Namen, macht Hochzeit!"
Aber jetzt musste der Teufel ein Ei in die Wirtschaft gelegt haben; denn
sein Herr--der sah gar nicht mehr so gluecklich und selig aus wie $
r dieses Zeichen trug, ein Ritter im vollen
Sinn des Wortes war und dass ein solcher sich gewiss einer Tat ruehmen
durfte, die nicht die Laune des Gluecks oder Hohe Protektion zu einer
glaenzenden erhoben, sondern die, _aufgesucht_ unter der Gefahr, hohen
Mut und tiefe Einsicht bewaehrte.
Vorzueglich Ida fuehlte sich von diesem Mann wunderbar angezogen. Seit
der Spannung zwischen ihr und Martiniz hatte sie immer mit geheimem
Widerwillen der Teestunde, sonst ihre liebste im ganzen Tag,
entgegengesehen. Der Graf kam entweder gar nicht, oder sehr spaet, oder
unterhielt er sich mit der Aarstein. Die Sorben und andere dergleichen
Fraeulein und Damen kamen ihr schal und langweilig vor, dass sie
glaubte, nicht eine Stunde bei ihnen sitzen zu koennen; der
Rittmeister, dessen Geschaefte beim hiesigen Regiment noch immer
nicht zu Ende gehen wollten, war ihr am fatalsten von allen.
Sein erstes war immer, dass er sich mit seinem Stuhl neben sie draengte
und dann so bekannt und vertraut tat, als waeren sie Zeltkameraden; $
 er den Hofrat am Arm nahm und mit sich fortzog;
"lassen wir sie! Uns Alten liegt es ob, fuer das Glueck der Jungen zu
sorgen. Man hat mir gesagt, dass Sie, lieber Hofrat, sich so trefflich
darauf verstuenden, ein Festchen zu arrangieren. Ich war in frueheren
Jahren einmal Oberhofmeister; das fuegt sich nun ganz vortrefflich. Da
wollen wir nun, wir zwei, beide miteinander etwas zusammenschustern,
wie man es hierzulande noch nicht sah."
Der Hofrat war es zufrieden, und der Graf machte ihm jetzt seine
Vorschlaege. Morgens sollten sie getraut werden. "Nicht zu Haus, das kann
ich fuer meinen Tod nicht leiden; die Hauskopulationen reissen jetzt so
ein, dass sie fast zur Mode werden, als waere eine vornehme Ehe nicht
dieselbe wie eine geringe, als waere der Altar Gottes nicht fuer alle
und jeden; aber der Fluch kommt gewoehnlich bald nach. Hat man sich
in den gewoehnlichen Zimmern, wo man sonst tollte und lachte, wo man,
sobald der Altar weggeraeumt ist, tafelt und tanzt, hat man sich da
trauen lassen, so kommt ein$
m ersten Anfang?
Ich kannte einen jener bedauernswuerdigen Menschen, die man in glaenzendem
Gewand, mit zufriedener Miene auf den Promenaden umherschlendern sieht. Ihr
haltet sie fuer das gluecklichste Geschlecht der Menschen, diese
Pflastertreter; sie haben nichts zu tun und vollauf zu leben. Ihr taeuschet
euch; oft hat ein solcher Herr nicht so viel kleine Muenze, um eine
einfache Mittagskost zu bezahlen, und was er an grossem Gelde bei sich
traegt, kann man nicht wohl wechseln. Einen solchen nun fragte ich eines
Tages: "Freund, wo speiset Ihr zu Mittag? Ich sehe Euch immer nach der
Tafelzeit mit zufriedener Miene die Strasse herabkommen, mit der Zunge
schnalzend oder in den Zaehnen stochernd; bei welchem beruehmten Restaurant
speiset Ihr?"
"Bei Clauren," gab er mir zur Antwort.
"Bei Clauren?" rief ich verwundert. "Erinnere ich mich doch nicht, einen
Strassenwirt oder Garkoch dieses Namens in hiesiger Stadt gesehen zu
"Da habt Ihr recht," entgegnete er; "es ist aber auch kein hiesiger,
sondern der Berliner,$
leidet! Koenig Salomo, wenn er noch lebte, wuerde diesen Menschen mit
einem Freudenmaedchen vergleichen. Sie geht einher im Halbdunkel, angetan
mit koestlichen Kleidern, mit allerlei Flimmer und Federputz auf dem
Haupte. Du redest sie an mit Ehrfurcht; denn du verehrst in ihr eine
wohlerzogene Frau aus gutem Hause; aber sie antwortet dir mit wieherndem
Gelaechter, sie gesteht, sie muesse lachen, dass "_sie der Bock stoesst_";
sie spricht in Worten, wie man sie nur in Schenken und auf blauen
Montagstaenzen hoeren konnte; sie enthuellt sich, ohne zu erroeten, vor
deinen Augen und spricht Zoten und Zoetchen dazu. Wehe deinem Geschmack,
wehe dir selbst und deinem sittlichen Wert, wenn dir nicht klar wird, dass
die, welche du fuer eine anstaendige Frau gehalten, eine feile Dirne ist,
bestimmt zum niedrigsten Vergnuegen einer verworfenen Klasse!
Wozu ein langes Verzeichnis dieser Sprachsuenden hieher setzen, da ja das
Buch, ueber welches wir sprechen, der "Mann im Monde", ein lebendiges
Verzeichnis, ein vollstaendi$
tadelt
wird, weil sie von den gewoehnlichen Formen abweicht oder unreif ist oder
nach Form und Inhalt den aesthetischen Gesetzen nicht entspricht. Hier kann
hoechstens die Zeit, die man der Lektuere einer Gespenstergeschichte oder
eines ehrlichen Ritterromans widmete, uebel angewendet scheinen, oder der
Geschmack kann darunter leiden. Solange fuer die jugendliche Phantasie,
fuer Sittlichkeit keine Gefahr sich zeigt, moegen immer die Richter der
Literatur den Verfasser zurechtweisen, wie er es verdient; das allgemeine
Publikum wird freilich wenig Notiz davon nehmen. Wenn aber nachgewiesen
werden kann, dass eine Art von Lektuere die groesstmoegliche Verbreitung
gewinnt, wenn sie diese gewinnt durch Unsittlichkeit, durch Luesternheit,
die das Auge reizt und dem Ohr schmeichelt durch Gemeinheit und unreines
Wesen, so ist sie ein Gift, das um so gefaehrlicher wirkt, als es nicht
schnell und offen zu wirken pflegt, sondern allmaehlich die Phantasie
erhitzt, die Kraft der Seele entnervt, den Glauben an das wahrhaft $
enblick Herrn
Vergier streifte:
"Wir frchteten schon, da Sie nicht kommen wrden und wrden Ihre
Abwesenheit sehr bedauert haben."
Der junge Mann hielt Luisens Hand einige Augenblicke in der seinen, er
machte eine unwillkrliche Bewegung, als wollte er diese Hand an seine
Lippen fhren--dann trat er zurck und begrte mit einer hflichen
Verneigung Herrn Vergier.
Eine hbsche Dienerin in der zierlichen Tracht der franzsischen
Landmdchen ffnete die Thr des anstoenden Speisezimmers. Frulein
Luise, welche als die einzige Tochter ihres frh verwittweten Vaters dem
Haushalte vorstand, trat hinein, warf einen letzten Blick ber den
einfach aber sauber und geschmackvoll gedeckten Tisch, in dessen Mitte
eine kleine Schale mit frischen Blumen stand und kehrte dann zurck, um
ihrem Vater zu sagen, da Alles bereit sei.
Man setzte sich zu Tisch. Frulein Luise machte mit der den Franzsinnen
aller Stnde so eigenthmlichen Anmuth die Honneurs, doch wollte sich
der heitere Unterhaltungston, welcher sonst in dies$
rangirt, die kostbaren Oelgemlde an den
Wnden waren durch darber angebrachte Schirmlampen in das mglichst
beste Licht gesetzt. Kurz, es war Alles geschehen, um zu zeigen, da der
Commerzienrath ein Mann war, welcher die Mittel besa, groe
Gesellschaft bei sich zu empfangen, und welcher es auch verstand, durch
guten Geschmack es den Vornehmen gleich zu thun. Da berall ein kleines
Zuviel oder Zuwenig in diesen Arrangements die scharfe Grenzlinie des
wirklich vornehmen Geschmacks berschritt oder hinter derselben
zurckblieb, entging dem zufriedenen Blick des Commerzienraths, welcher
nach einem letzten Blick ber die Vorbereitungen zu seinem Feste sich in
den ersten Salon begab, um die Gste zu empfangen, die erst langsam und
einzeln, dann immer schneller und zahlreicher zu erscheinen begannen.
Der Commerzienrath Cohnheim war eine kleine, volle und untersetzte
Gestalt, von raschen, kurzen, etwas unruhigen Bewegungen. Er mochte etwa
fnfzig Jahre alt sein, sein kleiner runder Kopf erhob sich nur wenig
ber$
ch von dem leidenden, ganz
gebrochenen Manne ein Bild machen koennen, der noch kurz vorher unter den
Haenden der Aerzte seufzte und der gequaelt von den Leiden des Koerpers den
Glauben an die Zukunft und das Vertrauen auf sich selbst verloren hatte.
Napoleon trat heiter laechelnd, den Blick halb unter seinen Augenlidern
verborgen, dem Journalisten Clement Duvernois entgegen, dem soeben der
Huissier die Thuer des Cabinets geoeffnet hatte.
Herr Duvernois, der seine publicistische Laufbahn in Algier begonnen,
frueher lebhafte Opposition gemacht, und endlich damit geendet hatte, aus
wirklicher und aufrichtiger Ueberzeugung ein begeisterter Anhaenger des
Kaisers zu sein, war damals etwa fuenf und dreissig bis vierzig Jahr alt.
Seine nicht hohe und nicht schlanke Figur, hatte Etwas von jener leicht
gerundeten Corpulenz, welche die Koenigin von Daenemark fuer Hamlet in
seinem Kampf mit Laertes fuerchten laesst. Sein etwas grosser Kopf war mit
langem blonden Haar bedeckt, das die Stirne ziemlich weit hinauf kahl
lies$
eitigung
suchen. Je reiner meine Gesinnungen sind und je fester mein Charakter
sich entwickelt hat, mit um so hherer Begeisterung mu ich meine ganze
Existenz fr die Freiheit Frankreichs einsetzen,--um so glhender mu
ich Denjenigen hassen, welcher diese Freiheit verrtherisch geknechtet
"Wenn Sie mich hassen," sagte der Kaiser mit einer sanften, fast
weichen Stimme, "so knnen Sie mich doch nicht fr klein halten, Sie
wrden mir sonst nicht sagen, was Sie so eben ausgesprochen."
"Mein unbesonnener Ruf," erwiderte Lezurier, "hat mich ohnehin in Ihre
Hnde geliefert und meine Theilnahme am Kampf der Zukunft beinahe
unmglich gemacht, ich kann mir also die Genugthuung gewhren, dem
Tyrannen in's Gesicht zu sagen, was ich von ihm denke. Er hat ja doch
nur die Macht," fgte er mit verchtlichem Achselzucken hinzu, "diesen
Krper zu vernichten, diese Form zu zerbrechen, in welcher ein kleiner
Theil jenes Geistes eingeschlossen ist, der im gewaltigen
unwiderstehlichen Flug die Trmmer seines Thrones fortreien w$
ottere mit
einer etwas naeselnden Stimme, "eine solche Colonie nicht fuer zweckmaessig
"Der Herr Major," fiel der Unteroffizier ein, "haben uns gesagt, dass wir
die voellig freie Entschliessung haetten, unsere Zukunft einzurichten, wie
wir wollten. Ich habe mir die Sache reiflich ueberlegt und bleibe dabei,
dass ich nach Algier gehen will. Vorzueglich," fuhr er fort, "moechte ich
ein fuer allemal abgefunden sein, wohin ich mich dann wende, kann und
wird ja uebrigens Seiner Majestaet ganz gleichgueltig sein."
"Es ist Seiner Majestaet gewiss nicht gleichgueltig," sagte Herr von
Adelebsen mit sanfter Stimme, "wie sich die Zukunft seiner frueheren
Soldaten gestaltet, und deshalb--"
"Darf ich bitten, Herr Major," fiel der Unterofficier, sich in strammer
Haltung aufrichtend, ein, "meine Erklaerung zu Protocoll nehmen zu
lassen? Mein Entschluss steht unwiderruflich fest."
Herr von Adelebsen gab dem Lieutenant de Pottere einen Wink. Dieser
schrieb die Erklaerung des Unterofficiers nieder und der Major zaehlte die
Abf$
tstrahl
hervor, eines der Bretter des Fussbodens erhob sich, aus der Oeffnung
stieg ein Mann mit einer kleinen Blendlaterne hervor. Er leuchtete mit
dem hellen Strahl seiner Laterne nach allen Seiten in die Tiefe des
Zimmers hinein, dann drueckte er das erhobene Brett sorgfaeltig in seine
alte Stelle zurueck, scharrte etwas von dem auf dem Boden liegenden Staub
in die Spalten, zog dann mehrere sauber gearbeitete Schluesselhaken aus
der Tasche und oeffnete die Schublade des Tisches. Er nahm eine der
Bomben und steckte sie in seine Tasche, dann zog er ein kleines
Notizbuch hervor und schrieb beim Schein seiner Laterne einige Worte in
dasselbe, indem er vor sich hinfluesterte.
"Lepet, Giesser,--Beaury, Rue St. Maur Nummer zweiunddreissig."
Dann ging er zur Thuer, loeschte seine Laterne aus, verliess leisen
Schrittes den Hof und das Haus und begab sich ruhig, die damals so
beliebte Melodie des Pompier de Nanterre vor sich hin pfeifend nach der
Polizeipraefectur, wo er durch den Dienst thuenden Huissier sogleich i$
en Combination auf das Aeuerste
und Entschiedenste widersetzen, um so mehr als in der Person des Prinzen
von Hohenzollern durch seine Verwandschaftsbeziehungen mit dem
portugiesischen Knigshause auch die Idee der iberischen Einheit ihren
Ausdruck findet."
Napoleon lchelte ein wenig bei den lebhaft und erregt gesprochenen
Worten des Herzogs.
"Nun," sagte er, "der Prinz Leopold wird wohl so bald nicht in der Lage
sein, mit der unumschrnkten Autoritt Carl V. und Philipp II. ber die
Armeen Spaniens verfgen zu knnen, und das spanische Nationalgefhl
wrde es ihm wohl ein wenig schwer machen, im Fall einer Verwickelung
mit Deutschland unsere Grenzen zu bedrohen, um so mehr da mit der
Herstellung der Monarchie auch der Einflu Roms auf die spanische
Politik wieder erheblich mchtiger werden mu. Allein," fuhr er fort,
"die Sache ist immerhin unangenehm und berhrt mich besonders in diesem
Augenblick sehr peinlich. Auch ist die Art und Weise der pltzlichen
Mittheilung eines im Stillen vorbereiteten fait acco$
ion, denn einen politischen Grund, sich so sehr darber zu
echauffiren, sehe ich in der That nicht. Der Prinz Leopold ist kein
preuischer Prinz--und wenn er es wre, glaubt man denn, da er in
diesem von Parteien zerrissenen spanischen Lande preuische Politik
machen knnte? Jeder Knig, der dort auf den Thron steigt, wird genug zu
thun haben, um sich auf demselben zu erhalten und der inneren
Verwirrungen Herr zu werden. Ich begreife die ganze Sache nicht," fuhr
er fort,--"ich hoffe, da das Alles nur ein kleines Strohfeuer sein
wird, wie man sie in Frankreich von Zeit zu Zeit anzuznden liebt, und
da der Kaiser Napoleon auch diesmal wie bei der Luxemburger
Angelegenheit, die doch eigentlich ernsterer Natur war, das Feuer der
Kriegspartei ein wenig dmpfen wird."
"Auch ich bin davon berzeugt, Majestt," erwiderte Herr von Werther,
"denn nach all den Eindrcken, die ich habe, wnscht der Kaiser wirklich
aufrichtig die Erhaltung des europischen Friedens und guter Beziehungen
zu Eurer Majestt. Inde lt si$
reiben beobachtete.
Es waren fast drei Wochen vergangen, seit sie ihren Brief abgesendet, da
trat sie eines Tages ernst und ruhig vor ihren Vater hin, als derselbe
nach dem Diner in seinem Lehnstuhl sa und mit klarem Blick und mit
fester Stimme sprach sie zu ihm:
"Es ist jetzt vorbei, mein Vater, der Traum, welcher eine Zeit lang mein
Leben erfllte, ist ausgetrumt. Die Liebe, welche mein ganzes Wesen
durchdrang, ist in meinem Herzen gestorben, ich habe sie ausgerissen mit
den letzten Wurzeln, ich habe sie verachten gelernt und will sie nun
auch vergessen knnen. Du hast Recht gehabt, mein Vater, der Stolz
giebt die Kraft, sich aus dem Bann leidenden Jammers zu erheben und im
Gefhl der eigenen Wrde die Niedrigkeit und Schlechtigkeit derer zu
vergessen, die unser Herz mit Fen traten. Ich habe ein Jahr meines
Lebens verloren--das ist Alles," sagte sie bitter und hart, "vielleicht
habe ich dabei gewonnen, denn ich habe die Menschen verachten und die
eigene Kraft schtzen gelernt. Nimm mich hin, mein Vater,$
 und blickte mit
tiefem Ernst auf den Ministerprsidenten Grafen Bismarck, welcher in der
Uniform des Magdeburgischen Crassierregiments No. 7 vor Seiner Majestt
stand und die letzten noch vor der Abreise zu erledigenden
Vortragssachen beendet hatte.
"So ist denn," sagte der Knig, "Alles vorbereitet, was menschliche
Berechnung vermag, um nach allen Seiten hin in ungehemmter Spannung
unsere Krfte entfalten zu knnen,--unser Haus ist bestellt, die Armee
ist in ordnungsmiger Bewegung und es ist nun an unserem Alliirten da
oben, mit uns hinauszuziehen in den Kampf, an dem wir wahrlich
unschuldig sind und uns den Sieg zu verleihen, wie er ihn uns schon
einmal gab gegen den bermuth desselben Feindes."
"Und dieser Sieg wird nicht fehlen, Majestt," rief Graf Bismarck, indem
seine linke Hand sich fest um den Griff seines Pallaschs spannte,--"er
wird schneller und entscheidender kommen, als die Welt ihn erwartet und
er wird Alles, was sich im deutschen Nationalleben in diesen Jahren
vorbereitet hat, zu herrliche$
r den
Sinn besaesse, der ihnen allen fehlte, Wunder unter ihnen
verrichten,--wuerde er ihnen nicht als ein uebernatuerlicher Prophet
erscheinen,--oder als ein Narr verlacht werden,--und das bloss weil er
einen Sinn mehr haette als sie und durch diesen Sinn eine Welt wahrnehmen
koennte, welche da ist, welche die andern Alle umgiebt wie ihn,--welche
aber ihrer Wahrnehmung sich entzieht, weil ihnen das Medium dazu
fehlt.--Koennen denn nicht auch uns solche Welten umgeben, fuer welche
unser Organismus keinen Sinn besitzt,--und ist es unmoeglich, dass
Einzelnen dieser Sinn gegeben ist, der sie das erblicken laesst, was uns
verschlossen bleibt und was wir deshalb in selbstgenuegsamer
Beschraenktheit fuer nicht vorhanden erklaeren?"--
"Und wenn dem so waere," sagte Pietri,--"Eure Majestaet koennen mit der
Perspective, welche Fraeulein Lesueur geoeffnet, zufrieden sein--Napoleon
IV wird Kaiser der Franzosen sein--hat sie ihren Geist antworten
lassen,--und" sprach er mit herzlichem und aufrichtigem Tone,--"ich habe
da$
ten.
"Don Alphonso," sagte die Koenigin, ihren Sohn vorfallend, "Donna Maria
del Pilar--Donna Maria della Pay,--Donna Eulalia,"--fuhr sie fort, die
kleinen Prinzessinnen bezeichnend, welche sich nach der Reihe ihrem
Oheim naeherten und ihre Lippen auf seine Hand drueckten.
Das bisher so ernste, strenge und unbewegliche Gesicht des Grafen von
Monte Molin wurde einen Augenblick von einem feuchten Schimmer
ueberstrahlt. Ein weiches und inniges Gefuehl leuchtete aus seinen Augen,
wie in unwillkuerlicher Bewegung umarmte er den Prinzen von Asturien, zog
dann die kleinen Infantinnen an sich heran und kuesste sie eine nach der
andern auf die Stirn.
"Die lieben Kinder," sagte er,--"die Gluecklichen, die noch allen Sorgen
des Lebens--und der Politik fern stehen,--Gott segne sie."
Die Koenigin hatte mit bewegtem Ausdruck diese Scene mit angesehen, eine
tiefe, maechtige Ruehrung zuckte ueber ihr Gesicht, ein feuchter Schimmer
verhuellte ihren Blick. Dann winkte sie mit der Hand, die Graefin
Ezpeleta erschien wieder und $
--zu dem
es nicht kommen soll," fuegte er mit fester Stimme hinzu. "Doch in Ihrer
Bemerkung, mein lieber Baron, liegt eine tiefe Wahrheit, und ich danke
Ihnen fuer die Idee, welche Sie mir gegeben. Je mehr man in Frankreich an
die Moeglichkeit eines Krieges glaubt, um so hoeher wird der Triumph
sein, wenn man ohne denselben dem Nationalgefuehl volle Genugtuung
schafft. Die Gelegenheit ist guenstig, um die Zaubermacht der
Marseillaise ueber die Franzosen, welche ich kenne und nach ihrem vollen
Werth schaetze, zu einer maechtigen Waffe des Kaiserreichs zu machen. Ich
werde den Befehl geben, dass man die Marseillaise erlaubt, bewirken Sie,
dass man sie singt, dass man sie in den Theatern verlangt--das Plebiscit,
die Marseillaise und ein diplomatischer Erfolg gegen Preussen--das wird
ein festes Fundament fuer den Thron Napoleon's IV--das wird die Kroenung
meines Gebaeudes sein. Senden Sie also sogleich," sagte er zum Herzog von
Gramont gewendet, "den Befehl an Benedetti, die besprochene Erklaerung
vom Koenige von$
en, schwindeln, ducken sich nach Zeit und Umstand.
DER DOCTOR. Apropos! Dann unterzeichnen Sie mir wohl ein Blttchen ohne
Stirngerunzel. (Er giebt ihm das Papier, welches er schrieb und
klingelt; ein Bedienter erscheint.) Hole den Arbeiter Albert schleunigst
aus der Fabrik.
QUESTENBERG. Mein Sohn!
DER DOCTOR. An die Unterschrift knpf' ich die Heirathsfrage.
QUESTENBERG. Verckte der Erbrmliche Deine Sinne und--
DER DOCTOR. Ihm mu geholfen werden, er verdient's!
QUESTENBERG. Du weit aber nicht--
DER DOCTOR. Ich mag von nichts wissen!
QUESTENBERG. Welch' Wagestck!
DER DOCTOR. Unsinn!
QUESTENBERG. Es ist uerst beleidigend in meine Angelegenheiten Dich zu
DER DOCTOR. Mischtest Du Dich nicht in mein Herz und gabst mir eine
Ohrfeige, als ich Widerstand versuchte?
QUESTENBERG. Ich that's als Vater und aus wohlmeinendem Interesse--
DER DOCTOR. Das hrt auf wohlmeinend zu sein, wenn's die menschliche
Wrde ignorirt.--(Ihm die Feder in die Hand steckend.) Wozu aber
langath'mige Verhandlungen, da!
QUESTENBERG. M$
Hoffnung, da Sie einem Verein, der, wenn auch nur indirekt, auf
  Ihre eigene Wirksamkeit zurckzufhren ist, nach dem groen Verlust,
  der ihn betroffen, in seinem schweren Kampfe zur Seite stehen werden."
In dem Prospekt habe der Name Lassalle nirgends gestanden. Der Prospekt
habe nur drei Punkte enthalten: "Solidaritt der Vlkerinteressen", "Das
ganze gewaltige Deutschland--ein freier Volksstaat", "Abschaffung der
Kapitalherrschaft". Daraufhin htten er und Engels ihre Mitarbeit
zugesagt.... Am 28. November habe Schweitzer ihm geschrieben, da seine
und Engels' Zusage in der Partei, soweit sie berhaupt eingeweiht sei,
die freudigste Sensation hervorgerufen.... Marx erzhlt weiter, wie er
im Laufe des Januar gegen die Taktik Schweitzers im "Sozialdemokrat"
protestierte und da, als trotz Schweitzers Beruhigungsschreiben die
Taktik im Blatte dieselbe geblieben, er aufs neue protestiert habe,
worauf Schweitzer ihm am 15. Februar folgendes geschrieben:
  "Wenn Sie mir wie im letzten Schreiben ber theoreti$
und der Polemik gegen den
"Sozialdemokrat" beschftigt, so fiel mir die erwhnte Arbeit zu.
Ich betrachte noch heute mit einiger Heiterkeit die Schriftstcke, worin
sowohl die kniglich schsische Staatsbahnverwaltung wie das Direktorium
der damals privaten Thringischen Eisenbahngesellschaft auf meine
Gesuche mir anzeigten, da sie die blichen Fahrpreisermigungen fr
Besucher von Kongressen auch den Besuchern des in Eisenach
stattfindenden sozialdemokratischen Kongresses gewhrten. Heute geschhe
dergleichen nicht mehr.
       *       *       *       *       *
In eine kleine Verlegenheit brachte mich ein Artikel, in dem Joh. Phil.
Becker im "Vorboten" seine Ansichten ber die Organisation der neuen
Partei entwickelte. Der alte Jean Philipp war ein prchtiger Kerl,
opferbereit, hingebend, unermdlich bei Tag und Nacht, ein Haudegen, der
wie 1848 und 1849 in der badischen Revolution als Oberst eines
Freischarenregiments jetzt wieder bereit gewesen wre, zu Pferde zu
steigen. Auch wute er aus seinem sehr be$
esen, als
rausche der Sturmvogel der Revolution durch das Haus. Das schien dem
Verleger der "Gartenlaube", Ernst Keil, mit dem ich frher persnlich
wiederholt wegen politischer Dinge Verkehr gehabt hatte, ein zu groes
Lob zu sein. Der Druck der betreffenden Nummer wurde unterbrochen und
der Satz gendert.
Einige Wochen spter, als ich wieder zu Hause war, traten eines Tages
zwei aristokratisch aussehende Herren in meine Werkstatt, in der ich
eben am Schraubstock stand und Bffelhrner zersgte. Der eine der
Herren fragte nach dem Drechslermeister Bebel. Der bin ich, gab ich zur
Antwort. Darauf sah mich der Frager etwas betroffen an und uerte: Ich
meine den Reichstagsabgeordneten Bebel. Etwas pikiert antwortete ich: Ja
ja, der bin ich! Erstaunt sah er an mir vom Kopf bis zu den Fen
herunter und stellte sich als Freiherr v. Friesen auf Rtha vor. Er war
der Bruder des Ministers. Er habe meine Reichstagsrede gelesen und sich
ber eine Anzahl Stellen in derselben gefreut. Ich verneigte mich fr
das Komplime$
ch gab ihm die gewnschte
Aufklrung. Dann entfernten sich die beiden.
Unsere Partikularisten waren zu jener Zeit von einem unbndigen Ha
gegen Bismarck beseelt; sie htten mit dem Teufel ein Bndnis
geschlossen, um ihn zu vernichten. Whrend des Reichstags sa der grte
Teil der schsischen Abgeordneten im Leipziger Garten, der vis--vis dem
Herrenhaus sich befand. Wir hatten mit dem Wirt ein Abkommen getroffen,
wonach er fr uns jeden Tag nach Schlu der Sitzung ein gemeinsames
Mittagessen bereit hielt. Eines Tages sa ich neben dem Abgeordneten
Haberkorn, der Brgermeister von Zittau und Prsident der Zweiten
schsischen Kammer war. Im Laufe der Unterhaltung kam das Gesprch auch
auf Bismarck, der in der Sitzung am Vormittag wieder eine seiner
heftigen Reden gehalten hatte. Haberkorn war darber so erregt, da er
sich in den denkbar strksten Ausdrcken wider ihn erging.
Gegen Ende der Session hatte der Knig den gesamten Reichstag zu Tisch
ins Schlo geladen. Ich und einige andere Abgeordnete nahmen an $
ke, eine Anzahl
Antrge vor. Nach lngerer Debatte fand alsdann ein Antrag
Kokosky-Grillenberger und Genossen Annahme, wonach der Kongre die
Reformbedrftigkeit des Programms anerkannte, jedoch in der Erwgung,
da die Frage im Augenblick noch nicht spruchreif sei, die Aenderung
des Programms bis zum nchsten Kongre vertage. Die Programmnderung
solle in der Presse zur Diskussion gestellt werden.
Des weiteren wurden ffentliche Vortrge veranstaltet, wobei Liebknecht
und Motteler ber die politische Stellung der Sozialdemokratie, York und
Grillenberger ber die industrielle und lndliche Arbeiterfrage
sprachen. Grillenberger, der ber das letztere Thema sprach, hielt zu
dieser Frage eine gute instruktive Rede.
Tessendorf als Bahnbrecher der Einigung.
Einigungsverhandlungen.
Geib und Liebknecht hatten recht, als sie ausfhrten, die Neigung zu
einer Vereinigung mit uns werde im Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein
gefrdert werden durch die Behandlung, die ihm jetzt gleich uns von oben
zuteil wurde. Als vorne$
ordneten in Berlin gebot. Die Session wurde am 29.
Oktober 1874 erffnet, aber schon am 30. Januar geschlossen. Die
Beteiligung unserer Vertreter an den Verhandlungen war keine lebhafte.
Die Verhandlungen ber die Einigung der Partei nahmen das Interesse der
Abgeordneten mehr in Anspruch als die Beratungen des Reichstags,
obgleich denselben wichtige Vorlagen beschftigten. So war unter anderen
der Entwurf eines Gerichtsverfassungsgesetzes, einer Straf- und einer
Zivilprozeordnung vorgelegt worden und ein Gesetzentwurf ber den
Landsturm, zu dem spter Liebknecht und Hasselmann das Wort nahmen.
Selbstverstndlich wurde wieder der Antrag auf unsere Beurlaubung aus
der Haft whrend der Dauer der Session eingebracht, der diesmal
Hasenclever, Most und mich umfate. Zu der Begrndung des Antrags nahm
Liebknecht das Wort, der sich die Gelegenheit nicht entgehen lie, die
Prozesse, die unsere Verurteilung herbeigefhrt, unter die Lupe zu
nehmen und die Urteile grndlich zu zerzausen. Besonders nachdrcklich
sprach e$
blute trnkt
und eigne Kraft den fremden Seelen schenkt.
Erschrocken sieht's der Arzt, fragt: wie? woher?
Manch Leben bliebe heil, wenn ich nicht wr.
Vereine beide Worte: Welch ein Wissen
von Mensch zu Mensch! In fremdes Sein gerissen
stehn wir vor unbegreiflich zarten Dingen,
die unsrer Seele dunkle Trume bringen,
und fhlen scheu des Geistes Doppelwesen.
Du groes Rtsel, wer wird je dich lsen?
POLTERABENDGEDICHT
fr ein kleines Mdchen
(mit einer Schlssel-Atrappe)
Ich bin eine kleine Sternschnuppe
und rutschte herab vom Himmel
und fiel aus der groen Milchstrae
grad hier in das Gewimmel.
Verwundert fragt' ich die Leute:
Wo kommt ihr denn alle her?
Da sagten sie mir, da heute
hier Polterabend wr.
Die Ehen schliet man im Himmel,
und Donnergepolter gibt's auch;
da bin ich ja wie zu Hause
und bring meine Gabe auch.
Nehmt hier den Zauberschlssel,
vom Sirius bracht ich ihn mit
in meiner Sternentasche,
als ich herunter glitt.
Stets hng er zu euern Hupten,
und zieht es euch hinauf,
schliet er zu jeder $
Esel
Der Schneidermeister Piekenich
Der Sommerabend ist so schn
Der Vater will's das Fritzchen
Des Mondes Tochter Mirlamein
Die alte Mutter Hule
Die erste frit
Die ersten sind ein Untertan
Die erste Silbe fhrt die krause Schar
Die Henne legt ein Ei
Eia, wir Elfen
Ein deutscher Meister war es, gottgesandt
Ein Ktzlein ging einst jagen
Ein Mllersmann aus Oberwesel
Ein Vogel flog aus dem Heimatland
Er geht in sich, um sich zu pflegen
Es luft und hat keine Beine
Es regnet, es regnet
Es tanzen zwei Gesellen
Es war einmal ein Ktzchen
Es war zur lieben Weihnachtszeit
Fixfax der arge Kobold spricht
Flutschpeter lief nie gradeaus
Fritz, ich mcht den Spaten haben
Froh singt ihr Lied am Sommertag
Frh, eh ich's konnt begreifen
Gestern lief der Peter weg
Getrieben werd ich, doch ich treibe wieder
Gr Gott, ihr Leut, ich bin das Jahr
Guten Morgen, ihr Beinchen
Guten Tag, guten Tag, liebe Grnkramfrau
Hansel und Gretel stehen zu zwein
Hans Wackelohr, Hans Wackelohr
Hschen in der Grube
Has, Has, Osterhas
Heini, Hei$
e Herzen zu vershnen.
Anders die Pastorin, die allem Gerechten eine warme Freundin, aber dem
Schlechten eine eifrige und unerschrockene Gegnerin war.
"Ich sollte nur Ihrem Vetter gegenberstehen, ich wollte ihm schon die
Seele mrbe machen, liebste Theonie. Sie thun auch ganz unrecht, Furcht
zu empfinden. Menschen, wie Ihr Vetter, sind nur mutig, wenn sie keinen
Widerstand treffen; sehen sie, da man ihnen die Zhne zeigt, ziehen sie
wie die Hunde den Schwanz ein. Was soll Ihnen denn geschehen?--Er knnte
Sie totschlagen, meinen Sie? Welcher Gedanke! Er will nur Vorteile aus
Ihnen ziehen. Was gewinnt er, wenn er sich mit der Staatsgewalt in
Konflikt bringt? Ihre Phantasie ist erregt; der alte Frege, dessen
Mitrauen sich erhht, weil er schlecht hrt, hat Sie ngstlich gemacht.
Ich wette darauf, da Ihr Vetter von selbst wieder ankommt und um gut
Wetter bittet."
So sprach die Frau, freilich mehr, um Theonie zu beruhigen, als ganz
ihrer berzeugung folgend. Auch sie stand unter dem Eindruck, da
Tankred zu de$
orgeben, werden Sie
ausfallend und stoen Drohungen aus, wie man Sie wohl auf der Bhne von
Bsewichtern, aber nicht von einem sittlichen Menschen zu hren gewohnt
ist. Nun wollen Sie gar durch falsche Eide Ihre Forderungen erzwingen!
Gehen Sie in sich, Herr von Brecken! Noch ist es Zeit. Das Ende wird
sonst schrecklich sein. Eine Weile begnstigt das Schicksal wohl
solcherlei Treiben, aber nur um den bermut nachher um so schwerer zu
strafen. Nehmen Sie, was Ihre Kousine Ihnen bietet, und erwerben Sie
sich durch einen tadellosen Lebenswandel die Anwartschaft auf fernere
Zuwendungen, dann sind Sie weise. Wenn Sie mir das versprechen, will ich
verschweigen, was eben ber Ihre Lippen gegangen ist, und es soll auch
alles, was sonst geschehen, der Auenwelt vorenthalten bleiben. Im
anderen Falle aber seien Sie berzeugt, da wir mit allen Mitteln Ihrem
ungesetzlichen, frivolen, ja, gefhrlichen Treiben entgegentreten
werden. Und noch eins: Wenn Sie glauben, da Sie uns Furcht einflen
knnen, so irren Sie sich. $
 knnte mir wahrlich
sonst nicht beifallen, aber hier ist es in der That geboten, die Dinge
klarzustellen."
In dieser Rede war jeder Satz berechnet. Da es sich bei Freges Vorgehen
um etwas ganz anderes gehandelt, da er eben bei seinem tief
eingewurzelten Mitrauen gegen Tankred ein Falsifikat vermutet hatte,
erwhnte Tankred natrlich nicht. Er wollte sich den Anschein geben,
als ob die Mglichkeit einer solchen Unterstellung ihm berhaupt gar
nicht in den Sinn gekommen wre.
Zu seiner Befriedigung bemerkte er denn auch, da die Pastorin,
unbekannt mit Freges Schlufolgerungen, Partei fr ihn zu nehmen schien
und, ihrem Gerechtigkeitssinn folgend, erklrte, sie werde gern
Gelegenheit nehmen, falsche Gerchte, wenn sie ihr begegneten, richtig
Mit den Worten: "Im brigen will ja Ihre Kousine in vierzehn Tagen
zurckkehren. Sie knnen dann selbst die Dinge mit ihr bereden,"
verabschiedete sie sich von Tankred und eilte, da eben auch ihr Mann,
bei dem Carin statt ihrer den Dienst versehen, nach ihr verlangte, i$
Carin?"
Hederich sprach den Namen sehr breit, er verstand's nicht anders.
"Nun, Herr Hederich?"
"Ich glaube, meine Tage sind hier berhaupt gezhlt. Herr von Brecken
will selbst herrschen, auch die Ausgaben verringern. Sie wollen's beide.
Na, Sie kennen's ja am besten. Ich hab' mich auch schon an den Gedanken
gewhnt. Am Ende, leben kann ich, so viel habe ich! Vielleicht pachte
ich mir irgendwo etwas oder kaufe mir einen kleinen Besitz.--Aber, drum
und dran,--leicht wird's mir doch nicht werden--leicht schon nicht,
weil--weil--"
"Weil man sich schwer von der Scholle trennt, auf der man so lange
fleiig wirkte und erfolgreich thtig war," fiel Carin ein. "Ja, das
begreife ich. Die Liebe fr das hiesige Land und die Menschen waren ja
neben der Frau Pastorin eifrigem Zureden auch fr mich der Grund, zu
bleiben. Sonst htte ich mich wahrscheinlich nicht der Peinlichkeit
ausgesetzt, wieder mit Grete in Berhrung zu treten. Wie leichten
Herzens hat sie mich gehen lassen!"
"Es hat sie viel beschftigt, es hat ihr au$
t, es sei in seinem Zimmer so fukalt, da er es nicht
aushalten knne," schaltete Grete ein. Sie gab diesmal kein Urteil ab,
war berhaupt zurckhaltender ber "die oben" als gestern.
"Ja eben, er hat jeden Tag ein neues Bedrfnis. Hypochondrische Leute,
die nichts zu thun haben, kommen auf tausend berflssige Geschichten.
Da fllt mir ein: es scheint ja wahrhaftig etwas zwischen Streckwitz und
Theonie zu werden. Frau von Blow behauptete, sie seien sogar schon
verlobt. Wir mssen Hederich fragen. brigens mchte ich wohl wissen, ob
der gestern noch bei ihnen oben gewesen ist. Die Sache ist klar. Er
wollte keine Handschuhe abgeben, sondern sie wollten nur zusammen
hocken, um ber uns zu Gericht zu sitzen. Und das ist doch kein
richtiges Verhltnis, Grete. Sie intriguieren fortwhrend gegen uns, und
der alte Schwger trgt die Neuigkeiten von Haus zu Haus, nach
Breckendorf, nach Falsterhof und nach Elsterhausen. Insofern wre es
allerdings, um einmal den Fall ernstlich ins Auge zu fassen, gar nicht
vom bel,$
 gelesen,
lie sie die Schriftstcke aus der Hand fallen und sank sthnend und wie
vernichtet in den Sessel zurck.
       *       *       *       *       *
Als Tankred, whrend dies bei Hederich geschah, auf den in
Klementinenhof zwischen Tannenreihen sich ausbreitenden Vorhof trabte,
zog ein eben dem Stall sich nhernder Diener den Hut und fragte, ob er
das Vergngen habe, mit Herrn von Brecken zu sprechen. Er sei von seinem
in der Nacht erkrankten Herrn beauftragt worden, nach Holzwerder zu
reiten, um Herrn von Brecken zu bitten, geneigtest einen anderen Tag fr
seinen Besuch zu whlen. Nicht wenig berrascht, aber auch von Mitrauen
erfat, forschte Tankred in des Boten Mienen. Aber in ihnen spiegelte
sich ein so ehrlicher Ausdruck wieder, und der Bericht des Dieners ber
die Krankheit klang so berzeugend, da Tankred von der Annahme,
Streckwitz habe sich nur eines Vorwandes bedient, um eine Begegnung mit
zu ihm vermeiden, sogleich zurck kam. Aber die Ungeduld, doch irgend
etwas seinen Plnen Frderlich$
chwiegereltern
sich rhrten. Frau von Tressen hatte das Kind ohne jede Rcksprache mit
Tankred zu sich hinaufgenommen, eine Amme, und was sonst erforderlich,
war besorgt, sie lie wie frher unten kochen und sich oben bedienen und
machte keinerlei Miene, in ihren bisherigen Gewohnheiten eine nderung
herbeizufhren oder gar Vorbereitungen zu ihrem und ihres Mannes
Fortgang zu treffen. Das regte Brecken dermaen auf, da er schon
wiederholt einen Brief aufgesetzt hatte, um damit die Alten aus ihrem
Schlupfwinkel herauszutreiben.
Aber wenn er ihn hinaufschicken wollte, kamen ihm doch wieder Bedenken,
ob es weise sei, noch mehr Anla zu Gesprchen zu geben. Er hatte eine
Unterredung zwischen zwei Holzaufsehern belauscht, aus der hervorging,
da man ihn fr den Tod seiner Frau verantwortlich zu machen geneigt
war, und da sich Gerchte verbreitet hatten, die mit der Erbschaftsakte
von Theonie in Verbindung standen.
Die Worte: "So was mit Papieren soll nicht richtig sein" waren an sein
Ohr gedrungen, und besonders$
alsterhof zurueckkehren."
"Und dann siedeln Sie auch wieder nach Falsterhof ueber? Oder welche
Plaene haben Sie, Herr von Brecken? Ist es richtig, was meine Tochter mir
sagt, dass Sie ein Gut kaufen wollen? Hoffentlich dann in unserer Naehe,"
schloss Herr von Tressen artig.
"Allerdings, ich moechte wohl hier herum etwas erwerben, finde aber
nichts Passendes. Ja, wenn ich ein Gut wie Holzwerder kaufen koennte--"
Unwillkuerlich erhob Herr von Tressen den Blick. Hatte Tankred die
letzten Worte mit einer bestimmten Absicht gesprochen? Wollte er auf
diese Weise das Gespraech auf Grete hinueberleiten? Im Augenblick fand
Herr von Tressen keine Anknuepfung, dann aber kam ihm ein guter Gedanke,
und er sagte:
"Falsterhof selbst zu verwalten, da Sie ja, wie ich hoere, Mitbesitzer
sind, wuerde Ihnen nicht konvenieren? Uebrigens nachtraeglich meine
Gratulation! Es ist wohl die schoenste Herrschaft in der Provinz."
Diesen Worten war es unmoeglich, auszuweichen. Tankred wusste auch, dass
sie absichtlich gesprochen waren. Tr$
en,
ob ich Mama in einer wichtigen Sache sprechen koenne. Ich aeussere erst
mein Bedauern, dass gestern wieder etwas zwischen Euch vorgefallen, und
lege ihr dann die Sache dar. Es hilft nichts, wir muessen alle Minen
springen lassen, und es ist keine Zeit zu verlieren. Wenn Theonie und
Streckwitz sich bereits gesehen haben, ist nichts mehr zu machen. Wir
muessen ihn und sie vorher abfangen."
Nach wenigen Minuten erschien der nach oben gesandte Diener wieder. Frau
von Tressen liesse sagen, sie sei nicht wohl, sie muesse bedauern, heute
niemanden sehen zu koennen.
Das hatte Brecken denn doch nicht erwartet. Er sah, die oben nahmen
jetzt die Dinge sehr ernst. Nach kurzem Besinnen aber reckte er sich und
"Ich gehe trotzdem hinauf, ich will doch sehen, ob sie mich abweist.
Wenn nicht anders, trete ich ohne weiteres ein und nehme ihr die Sache
ueber den Kopf."
Grete aeusserte kein Nein und kein Ja.
"Versuch's!" warf sie tonlos hin, und Tankred, immer nur mit dieser
einen Angelegenheit beschaeftigt, uebersah ihr Wes$
, und er besass keine
Mittel mehr zum Leben. Er musste dann schon Anspruch auf Diaeten erheben,
aber da er ohne Wohnung war, wuerden sie kaum zu seinem Unterhalt
ausreichen. Wieder ergriff den Mann eine an Raserei grenzende Wut. Und
zu der Wut gesellte sich die Rachsucht und in erhoehtem Masse die Gier
nach Besitz und Geld.
Welch ein Augenblick, wenn er Eigentuemer von Falsterhof sein wuerde, wenn
er mit stolzer, von Machtfuelle getragener Geringschaetzung herabblicken
koennte auf das 'Gesindel', das ihn hatte vernichten wollen. Er weidete
sich in Gedanken an ihrem Aerger und ihrer grenzenlosen Enttaeuschung, dass
es ihnen nun doch nicht gelungen war, ihn in den Staub zu druecken. Im
Gegenteil! Ihnen allen zum Trotz blieb er dann doch in ihrer naechsten
Naehe, und von genuegenden Mitteln unterstuetzt, konnte er einen vorlaeufig
verlorenen Prozess noch einmal wieder aufnehmen.
Und fest entschlossen war er nun, dem Zaudern ein Ende zu machen. Die
Verhaeltnisse trieben ihn dazu. Er wollte Theonie beseitigen. Wae$
hlichten
Ehering, ruhten in den Schofalten eines schweren und dunklen
Tuchrockes, und sie trug eine silbergraue, anschlieende Taille mit
festem Stehkragen, die mit hochaufliegenden Sammetarabesken ber und
ber besetzt war. Aber diese gewichtigen und warmen Stoffe lieen die
unsgliche Zartheit, Sigkeit und Mattigkeit des Kpfchens nur noch
rhrender, unirdischer und lieblicher erscheinen. Ihr lichtbraunes Haar,
tief im Nacken zu einem Knoten zusammengefat, war glatt
zurckgestrichen, und nur in der Nhe der rechten Schlfe fiel eine
krause, lose Locke in die Stirn, unfern der Stelle, wo ber der markant
gezeichneten Braue ein kleines, seltsames derchen sich blablau und
krnklich in der Klarheit und Makellosigkeit dieser wie durchsichtigen
Stirn verzweigte. Dies blaue derchen ber dem Auge beherrschte auf eine
beunruhigende Art das ganze feine Oval des Gesichts. Es trat sichtbarer
hervor, sobald die Frau zu sprechen begann, ja sobald sie auch nur
lchelte, und es gab alsdann dem Gesichtsausdruck etwas$
agte sie einfach,
stellte die Noten aufs Pult, setzte sich und begann nach einem
Augenblick der Stille mit der ersten Seite.
Er sa neben ihr, vornbergebeugt, die Hnde zwischen den Knieen
gefaltet, mit gesenktem Kopfe. Sie spielte den Anfang mit einer
ausschweifenden und qulenden Langsamkeit, mit beunruhigend gedehnten
Pausen zwischen den einzelnen Figuren. Das Sehnsuchtsmotiv, eine einsame
und irrende Stimme in der Nacht, lie leise seine bange Frage vernehmen.
Eine Stille und ein Warten. Und siehe, es antwortet: derselbe zage und
einsame Klang, nur heller, nur zarter. Ein neues Schweigen. Da setzte
mit jenem gedmpften und wundervollen Sforzato, das ist wie ein
Sich-Aufraffen und seliges Aufbegehren der Leiden schaft, das
Liebesmotiv ein, stieg aufwrts, rang sich entzckt empor bis zur sen
Verschlingung, sank, sich lsend, zurck, und mit ihrem tiefen Gesnge
von schwerer, schmerzlicher Wonne traten die Celli hervor und fhrten
die Weise fort ...
Nicht ohne Erfolg versuchte die Spielende, auf dem arms$
 waren nicht geschaffen dafr, und Ihre Ohren nicht,
die keusche Sigkeit seiner Melodie zu vernehmen. Sahen Sie es -- Sie
durften nicht wagen, zu atmen, Sie muten Ihrem Herzen zu schlagen
verwehren. Sie muten gehen, zurck ins Leben, in Ihr Leben, und fr den
Rest Ihres Erdendaseins das Geschaute als ein unantastbares und
unverletzliches Heiligtum in Ihrer Seele bewahren. Was aber taten Sie?
Dies Bild war ein Ende, mein Herr; muten Sie kommen und es zerstren,
um ihm eine Fortsetzung der Gemeinheit und des hlichen Leidens zu
geben? Es war eine rhrende und friedevolle Apotheose, getaucht in die
abendliche Verklrung des Verfalles, der Auflsung und des Verlschens.
Ein altes Geschlecht, zu mde bereits und zu edel zur Tat und zum Leben,
steht am Ende seiner Tage, und seine letzten uerungen sind Laute der
Kunst, ein paar Geigentne, voll von der wissenden Wehmut der
Sterbensreife .... Sahen Sie die Augen, denen diese Tne Trnen
entlockten? Vielleicht, da die Seelen der sechs Gespielinnen dem Leben
g$
n ganz von der Not des Erwachens! O fassungsloser Sturm der
Rhythmen! O chromatisch empordraengendes Entzuecken der metaphysischen
Erkenntnis! Wie sie fassen, wie sie lassen, diese Wonne fern den
Trennungsqualen des Lichts? Sanftes Sehnen ohne Trug und Bangen, hehres,
leidloses Verloeschen, ueberseliges Daemmern im Unermesslichen! Du Isolde,
Tristan ich, nicht mehr Tristan, nicht mehr Isolde----
Ploetzlich geschah etwas Erschreckendes. Die Spielende brach ab und
fuehrte ihre Hand ueber die Augen, um ins Dunkel zu spaehen, und Herr
Spinell wandte sich rasch auf seinem Sitze herum. Die Tuer dort hinten,
die zum Korridor fuehrte, hatte sich geoeffnet, und herein kam eine
finstere Gestalt, gestuetzt auf den Arm einer zweiten. Es war ein Gast
von >Einfried<, der gleichfalls nicht in der Lage gewesen war, an der
Schlittenpartie teilzunehmen, sondern diese Abendstunde zu einem seiner
instinktiven und traurigen Rundgaenge durch die Anstalt benutzte, es war
jene Kranke, die neunzehn Kinder zur Welt gebracht hatte und $
r Maltonwein           " 0,06-3/4
1 Teel. Zitronenzucker      " 0,00-1/2
1 El. Zitronensaft         " 0,03
                            M 0,26-1/4
_Zubereitung_: Eier werden mit dem Zucker kalt verrhrt, Wein,
Zitronenzucker und Zitronensaft dazugefllt, ins Wasserbad gesetzt und
dick geschlagen. Um die Saucenmenge zu vermehren kann man auch 10 g Mehl
mit 1/8 l Wein besonders garkochen und zur obigen Masse rhren. Die Sauce
ist warm oder kalt zu reichen.
_Bemerkungen_: Anstatt Zitrone kann Apfelsine oder beides gemischt
genommen werden. Fgt man 3 Tafeln aufgelste Gelatine hinzu und fllt
die Masse dann in eine Schale so hat man erkaltet Weinschaumspeise.
       *       *       *       *       *
MILCH-, MEHL- UND EIERSPEISEN.
(Die Rezepte sind stets, wo nicht anders angegeben, fr zwei Personen
APFELBETTELMANN FR 4 PERSONEN.
250 g geriebenes Brot       M 0,05
1/2 Teel. gestoener Zimt   " 0,00-1/2
2 gestoene Nelken          " 0,00-1/4
1/2 abgeriebene Zitrone     " 0,05
40 g Zucker                 " 0,02
1/$
mehl |
2 Essl. Wasser  |                 " 0,00-1/4
                                 M 0,06
_Vorbereitung_: Der Kuerbis wird geschaelt, in gefaellige Stuecke
geschnitten, gewaschen und abgetropft. Das Staerkemehl wird geloest.
_Zubereitung_: Die Kuerbisstueckchen werden mit Essig, Nelke und Zucker
zugedeckt weich geschmort, mit dem in kaltem Wasser geloesten Staerkemehl
verruehrt, aufgekocht und angerichtet.
_Bemerkung_. Reste zu Reis mit Kuerbis oder Kuerbissuppe.
PREIssELBEEREN.
250 g Preisselbeeren              M 0,10
3 Essl. Zucker                    " 0,02-1/4
                                 M 0,12-1/4
_Vorbereitung_: Die Preisselbeeren werden verlesen, einen Augenblick in
kochendes Wasser geschuettet, damit der herbe Geschmack sich verliert;
dann giesst man das Wasser ab.
_Zubereitung:_ Man tut den Zucker auf die abgetropften Beeren und laesst
sie solange schmoren bis sie durchsichtig sind; abgekuehlt richtet man sie
_Bemerkungen:_ Zur Vermehrung koennen Kuerbisstueckchen mitkochen. Man kann
groessere $
m Bergvolk genau
erkannte, und langsam sprach er: "Wegen dem Supplizieren kann ich Euch
nichts sagen. Schon zu Zell sind die Brgermeister von den Landgemeinden
bei mir gewesen und haben gleichfalls um Verbriefung gebeten. Das ist ja
ganz in der Ordnung: Wer ein Anliegen hat, soll mit dem Pfleger reden.
Ich kann aber, es thut mir selber leid, nichts in der Sache thun."
Rieder unterbrach den Beamten: "Dann ist's g'fehlt! Wir supplizieren zum
Vogel erwiderte in seiner bedchtigen Art: "bereilt nichts! Der Herr
Riz wird demnchst schon wegen der Urbarsbeschreibung gegen Mittersill,
und wenn er daselbst gerichtet, alsdann in das Gericht Zell kommen.
Vielleicht wird es doch nicht so schlimm, als Ihr befrchtet!"
Erregt schrie Rieder: "Wer da noch hofft, verliert die eigene Haut!
Kommt der Riz und fngt er zu richten an, ist's g'fehlt und wir sind
verloren! Soweit drfen wir's nicht kommen lassen! Manner, ich hoff', es
kommt was drunter, ich hoff', seller Steuerteufel findet den Weg nicht
in unser Gericht!"
Besorg$
llte Bayern ferner dem Kaiser fnf
Kreuzer bezahlen; Preissteigerungen sollten aber mglichst vermieden
Der Kaiser lehnte diesen Vertragsentwurf ab.
Wolf Dietrich beschlo daher, den Wert seiner Freundschaft dem Kaiser
begreiflich zu machen. Schon frher einmal hatte der Erzbischof sich mit
dem Pfalzgrafen von Neuburg liiert, um auf einem Reichstage eine Reform
des kaiserlichen Kriegswesens zu betreiben, auch war Wolf Dietrich auf
dem gleichen Reichstage rhetorisch als eifriger Vorkmpfer des
Katholizismus aufgetreten. Der verlorene Kardinalshut wie die Weigerung
des Kaisers in der Salzfrage veranlaten den Frsten eine Schwenkung zu
vollziehen, Wolf Dietrich stellte sich auf den Standpunkt der
protestantischen Bewegungspartei und wies seine Gesandten an, den
Frieden mit den Trken unbedingt zu befrworten, obgleich die Lage der
Dinge in Ungarn den Krieg gebieterisch forderte.
Auf dem Reichstage zu Regensburg prasselten die Meinungen aufeinander,
die salzburgischen Gesandten traten instruktionsgem den kaise$
icht mehr
plazieren, und so unangenehm dies dem Herzog sein mute: er war
gezwungen, um Minderung der Salzbernahmen nachzusuchen, also tglich
nur drei statt fnf Hallfahrten zu bernehmen.
Das konnte Wolf Dietrich genehmigen, denn die Vertragsklausel besagte:
"unbeschadet seiner Geflle", es mute daher der Herzog die Summe von
34500 Gulden bezahlen, welche Summe ungefhr dem Wert der zwei
nachgelassenen Hallfahrten entsprach. So hie es zahlen, und dabei bezog
der Herzog nicht einmal die Salzmenge fr seine Summe. Die Verhltnisse
im Salzabsatz wurden aber immer schlimmer, Wolf Dietrich mute um
Reduktion der Hallfahrten auf deren zwei gebeten werden und jede
Hallfahrt betrug jetzt 21000 Gulden, die in sieben Raten bezahlt werden
So kam es dazu, da Herzog Maximilian an Salzburg jhrlich 38000 Gulden
bergeben mute, ohne irgend etwas dafr zu erhalten. Das mochte den
Herzog wohl noch weit mehr wurmen als der abgelehnte Beitritt zur Liga.
Die Chikanen begannen, Herzog Maximilian rchte sich, indem er wohl
$
te Muhme!" lispelte Salome und erwies der
Buergermeisterin gebuehrende Reverenz.
Frau Alt brachte den Mund nicht zu vor Ueberraschung und musste erst
verschnaufen, bis sie zu stammeln vermochte: "Salome! Wie eine Fuerstin
siehst du aus! Gott straf' mich peinlich, so dein Rock nicht die
fuenfhundert Lot Perlen hat und in die tausend Thaler kostet!"
"Gefaellt Euch das Kleid nicht? Das thaet' mich schmerzen, der gute Vater
ist zufrieden, und das macht mich immer gluecklich!"
"Schon, gewiss auch! Aber Perlen, so viel Perlen fuer eine junge Maid! Das
ist zu viel des Guten, Kind! Und Perlen bringen dereinst Zaehren, das hat
mein Ahnl schon gesagt!"
"Des will ich warten, Muhme!" lachte silberhell die schoene Salome, "ich
habe Zeit und fuerchte mich nicht davor. Doch wenn Ihr verlaubet, will
die anderen Frauen ich begruessen!"
Indes Salome einer Fuerstin gleich und doch buergerlich bescheiden den
Frauen zuschritt, ward es immer lauter am Schenktisch drueben, wo der
hastig geschluckte starke Suedwein die Geister berei$
emahlin nehmen wir mit!" rief Wolf Dietrich dem Stadtvater zu,
dem darob die Ohren sausten.
Die Herablassung des Landesherrn wirkte zuendend, die glaenzende
Versammlung akklamierte frohgestimmt dem leutseligen jungen Fuersten, ein
Tusch der Musikanten verstaerkte die brausenden Hochrufe, und in
lebhafter Beweglichkeit ward zur Tafel geschritten. Eilig hatte es die
Buergermeisterin, welche die Worte des Gebieters gluecklich erhascht
hatte, an die Seite des Gatten zu gelangen, wozu die Ueberglueckliche ihre
Arme wohl zu gebrauchen und sich im Menschengewirr Bahn zu schaffen
verstand. Die Herren, welche Frau Alt so unsanft zur Seite draengte,
lachten auf ob der Beteuerung, dass der Fuerst Verlangen trage nach der
Stadtmutter, und liessen die in ihrer Glueckseligkeit drollige Frau
bereitwillig durch. So gelangte Frau Alt zu ihrem Gatten, der sie nun
wohl oder uebel zu Tisch geleiten musste.
"Der Schoenheit Majestaet wolle mich begluecken!" fluesterte Wolf Dietrich,
als er mit Salome sich dem Ehrenplatz an der Pru$
 den Kindern Thiere, Affen, Beutelratten u.s.w. zu sugen,
was die Makusi, die Waraus, die Cariben und verschiedene andere Vlker
thun (Schomburgk 2, 315. 1, 167). Von der schlechten Wartung der Kinder,
wenn sie krank sind, spricht Humboldt b. 4, 224 und der Schmutz, in
welchem sie aufwachsen, und von denen Schomburgk aus Guyana
Abschreckendes erzhlt, kann auch keinen guten Einfluss haben. Und doch
lieben die Amerikaner in Nord-und Sdamerika ihre Kinder aufs innigste.
In Tahiti nehmen die Frauen unmittelbar nach der Geburt sofort
Dampfbder mit kalten Abwaschungen (Wilson 461), in Neuseeland
gleichfalls, wo die Kinder, wie in Tahiti, ganz nackt bleiben und eher
schwimmen als laufen knnen (Dieffenbach 2, 24-25, Ellis 1, 261 und
Mrenh. 2, 61); und ebenso auf Nukuhiva (Melville 2, 191).
Hautkrankheiten, und zwar sehr bsartige der Kinder (jaws, framboesia)
werden fters erwhnt, z.B. in Tonga, wo die Kinder gut gepflegt und
sonst sehr gesund sind (Mariner 2, 179) und in Ponapi (Cheyne 122).
Grosse Sterblichk$
s, aus Prahlerei, um sich furchtbar zu
machen (Ellis 1, 310). Aber frher war er auf diesen Inseln allgemeine
Sitte (Hale 37), wie eine Menge seltsamer und anders ganz unerklrbarer
Gebruche beweisen: so auf Tahiti der oft beschriebene Gebrauch bei
Menschenopfern, dem Knig das linke Auge (den Sitz der Seele) des Opfers
darzubieten, der dann den Mund ffnete, als ob er es verschlnge und
durch diese Ceremonie Verstand und Klugheit bekommen sollte.
Ursprnglich hat er es gewiss gegessen, und erst spter, als die Sitten
sich milderten, begngte man sich, wie in analogen Fllen bei allen
Vlkern der Welt, mit einer symbolischen Handlung. Im Samoaarchipel
beugt sich, wer dem Sieger als besiegt sich unterwirft, vor demselben
nieder, indem er ihm Feuerholz und die Bltter darreicht, in welche man
in Polynesien die Speisen, die gekocht werden sollen, einschlgt (Turner
194). Und so liesse sich vieles anfhren. Es scheint aber, als ob, wie
die Tahitier, Hawaier u.s.w. die Menschenfresserei abgeschafft hatten,
ehe di$
rchaus schlecht und nichtswrdig
verachtet. Aus dem Vorstehenden aber kann man ermessen, wie vernichtend
dieser Schlag ihr geistiges Leben traf.
Ebenso war es mit den politischen Einrichtungen: und auch hier mssen
wir wenigstens auf einige Hauptpunkte hinweisen. Die despotische
Verfassung, das strenge Adelsregiment der Sdsee (um bei den Polynesiern
zunchst zu bleiben), haben wir schon betrachtet. Aber mochte der Adel
sich noch so hoch ber das Volk stellen, das Volk aufs rgste
unterdrcken: er war doch von Gott, man hing ihm doch mit warmer
Verehrung an, man brachte in den meisten Fllen sein Gut und Blut mit
aufrichtigem Eifer dar--lohnte doch eine solche Aufopferung mit einem
besseren oder berhaupt mit einem Leben nach dem Tode! Jedenfalls
beruhte auf diesem Verhltniss des Adels, der naturgemss die stolzeste
Meinung von sich hatte und sich keineswegs den europischen Grossen
untergeordnet fhlte, und des Volkes das gesammte ffentliche Leben
Polynesiens und Mikronesiens und hier wieder vorzglich der$
 Und
selbst in ihrem Rachedurst sind alle diese Vlker den Europern
gegenber so ohnmchtig, gegen welche hchstens einmal ein vereinzelter
Racheakt Einzelner glcklichen Erfolg hatte. Mag auch Waitz Recht haben,
wenn er sagt (b, 157), das Rechtsgefhl der Indianer sei durch den
harten Druck der Weissen weiter und schrfer entwickelt worden, als es
wohl sonst geschehen sei; so fhrt er doch ebenso richtig fort:
freilich war davon die nchste Folge fr sie selbst nur diese, dass sie
ihre Ohnmacht und die Trostlosigkeit ihrer Lage dann um so bitterer
Diese Vernichtung aber des gesammten geistigen und ethischen Lebens der
Nationen kann man gar nicht stark genug betonen, wenn man die Grnde fr
ihr Aussterben aufsuchen will. Wie nichts ein Volk mehr hebt, als
freudige Achtung vor sich selbst und frhliches Gelingen des von ihm
Erstrebten, so drckt nichts den Volksgeist tiefer, als das Gefhl der
eigenen Ohnmacht und Verlorenheit. Zum Gefhl aber der ussersten
Ohnmacht und Rechtslosigkeit, des bittersten und d$
296). Ebenso
verhlt es sich mit den Choktaw, den Creek und einigen anderen Vlkern,
ber die Waitz (296-99) ausfhrlichere Nachrichten gibt.
Ebenso in Sdamerika: die Volkszahl der Abiponer nahm nach Dobrizhofer
bedeutend zu, als das Verstossen der Weiber, der Kindermord und die
Polygamie abgeschafft wurde (Waitz 1, 164); in Guatemala (nach einem
Bericht von 1771) vermehrten sich die Eingeborenen trotz des schweren
Drucks der Spanier so sehr, dass diese sie zu frchten anfingen (eb.
163). In Mexiko bilden nach Humboldt die Eingeborenen noch immer fast
die Hlfte der Einwohner (b, 3, 9) and in dieser Zahl haben sich die
Indianer berall erhalten, wo die Spanier organisirte Reiche vorfanden
(eb. 3, 8); die einheimische Bevlkerung ist im Steigen (derselbe a 1,
83 und 107) und zwar in Folge eigenes Wohlstands, nicht fremden
Zuwachses (eb. 105) und diese fr die Menschheit sehr trstliche
Zunahme der indianischen Bevlkerung beweist Humboldt durch speciellere
Angaben a, 5, 6; 4/7 der gesammten Volkszahl sind I$
 Welt sehen, dass die Gesammtheit der Natur als solche dem
Entwickelungsgesetze folgt, wie die einzelnen grossen Abtheilungen der
Natur, wie die Gattungen, Arten und Individuen. Das Gesetz dieser
Entwickelung besteht aber darin, dass Alles, Gesammtheit und
Einzelnwesen, eine grssere Vollkommenheit, Festigkeit und Sicherheit
der Existenz anstreben. In diesem Entwickelungsgange hat die Natur
selbst die Werthbestimmungen gesetzt, dass sie das Individuum der Art,
die Art der Gattung, die Gattung der Familie, kurz das Beschrnktere dem
Grsseren unterordnet, ja wenn es im Interesse des Grsseren noth thut,
aufopfert. Es wrde spiritualistische Verkennung unseres Standpunktes
sein, welchen wir in der Stufenfolge des Ganzen einnehmen, wenn wir
Menschen fr uns andere Gesetze beanspruchen wollten, als sie fr die
gesammte Natur gelten; zeigt doch auch alle historische Entwickelung,
dass wir unter ganz denselben stehen, wie die brigen Organismen alle,
nur dass unsere Stellung verschieden ist. Wie nun also der Natur
$
n so hohen Breitengraden finden
wir dieselbe Erscheinung und die Fidschis z.B. in der heissen Zone
zeigen sie nicht. Waitz 1, 125 fuehrt die animalische Nahrung und die
hohe Temperatur in den Huetten vieler dieser Voelker als Grund an. Allein
auch dies trifft nicht bei allen zu. Sollte nicht der Grund der fruehen
Mannbarkeit der sein, dass einmal bei der gaenzlichen Schrankenlosigkeit
der Naturvoelker die Wuensche frueher erregt und ferner die Maedchen zu
fruehe begehrt werden? Das konnte und musste im Laufe der Generationen
seine Wirkung zeigen. Die Gewoehnung vererbte sich immer mehr, setzte
sich durch Vererbung immer fester, und so entwickeln sich die
Geschlechtsfunktionen wirklich frueher, als es der menschlichen Natur
eigentlich normal ist. So wuerde sich diese Erscheinung bei allen
Naturvoelkern gleich gut erklaeren: und man lernt taeglich Gewoehnung und
Vererbung mehr in ihrer Bedeutung fuer die Geschichte der Menschheit
schaetzen. Dass Klima und sonstige Lebensweise mit gewirkt haben, soll
damit nicht$
r geradezu umwlzenden,
die von England 1767 durch Hargreaves Erfindung der spinning jenny,
einer zunchst durch Wasserkraft getriebenen Maschine, ausging! Sie
wurde von Jahr zu Jahr vervollkommnet, bis sie 20, 100 und schlielich
bis zu 1000 Faden spann. Mit ihr begann der Siegeslauf der
Maschinenarbeit, der Niedergang der Handarbeit.[132] Noch vor Anwendung
der Dampfkraft, in der zweiten Hlfte des 18. Jahrhunderts, entstanden
in England und Schottland die ersten Spinnereien, und 1788 gab es dort
bereits 142 Fabriken, die nicht weniger als 59000 Frauen und 48000
Kinder beschftigten.[133] Groe Fortschritte hatte indessen auch die
mechanische Weberei zu verzeichnen. Die durch Vaucanson erfundene, durch
Cartwright verbesserte und praktisch nutzbar gemachte Webemaschine trat
neben den auerordentlich vervollkommneten Websthlen in Thtigkeit und
es waren auch hier Frauen, die in erster Linie zu ihrer Bedienung
herangezogen wurden. Zwischen 1762 und 1765 waren in Frankreich,
hauptschlich in Saint-Quentin, 600$
n heraus; und nicht die wenigen Frauen, die
infolge persnlicher Begabung die ihrem Geschlecht gesteckten Grenzen
berschritten, oder infolge persnlicher Schicksale ihre unwrdige Lage
erkannten, machten die Frauenbewegung--zu der sittlichen mute die
materielle Not der Masse der Frauen kommen, die, herausgerissen aus Haus
und Familie, in harter Arbeit den Kampf ums Dasein kmpften, damit sie
entstehen konnte.
5. Die Frauen im Zeitalter der Revolution.
Nach schwchlichen, unzureichenden Versuchen friedlicher Reformen brach
die Revolution aus. Sie mute von Frankreich ausgehen, obwohl in allen
Kulturstaaten die gleichen Konflikte zu Tage traten, weil gerade hier
alle Umstnde zusammentrafen, aus denen allein sie in ihrer ganzen
welterschtternden Gewalt hervorwachsen konnte: die durch ein
jahrhundertelanges frivoles Lasterleben erzeugte Korruption der
herrschenden Klassen, die damit in engstem Zusammenhang stehende
Verelendung des arbeitenden Volks und--nicht zuletzt--die geistige
Revolutionierung der Bourgeo$
darbeiterinnen, als Dienstboten nicht in weit
besserer Lage? Das ist oft behauptet worden, obwohl die Thatsachen
dagegen sprechen.
Den ersten klaren Einblick in die Verhltnisse der Landarbeiter
vermittelte die englische Untersuchungskommission im Jahre 1867.[446]
Das Bild, das sie entrollte, war ein schauerliches. Die Mdchen und
Frauen wurden allgemein bei der schwersten und schmutzigsten Arbeit,
z.B. Heu-, Korn- und Dungladen, verwendet.[447] Ihre Arbeitszeit war
grenzenlos und ein Auflehnen dagegen schon deshalb oft ganz unmglich,
weil ihr Dienstgeber zugleich der Landlord war, ebenso wie der deutsche
Gutsbesitzer sehr hufig zugleich Amtsvorsteher ist. Dabei war auch fr
die Wohnung der Landarbeiter in der unzureichendsten Weise gesorgt.
Ganze Familien wohnten nicht nur in halb verfallenen, einzimmerigen
Htten, es wurden ihrer oft zwei und drei zusammengepfercht. An eine
Trennung der Tagelhner beiderlei Geschlechts dachte man kaum; Scheunen
und leere Stlle dienten ihnen nur zu oft zum Aufenthalt und $
 geschieht, handelt es sich um einen Anfangsgehalt, der
schnell gesteigert wird; ihr Durchschnittseinkommen wird auf 100 Mk.
angegeben, betrgt also fast das Doppelte des Einkommens ihrer
weiblichen Kollegen. Je nach der Zahl der Dienstjahre kann nun zwar auch
die Verkuferin auf Steigerung des Gehalts rechnen; 70 und 80 Mk.
bezeichnen aber in den meisten Fllen ein nur schwer erreichbares
Maximum, Monatseinnahmen von 100 bis 120 Mk. kommen nur ausnahmsweise
vor. Da die Zeit der Arbeitslosigkeit sich hufig bis auf drei Monate
ausdehnt, so schrumpft die im ganzen Jahr der Verkuferin zu Gebote
stehende Summe so sehr zusammen, da ein Auskommen schwer mglich ist.
Die Angaben Berliner Handelsgehilfinnen besttigen das. Danach betrug
die durchschnittliche Ausgabe fr Kost und Wohnung 51 Mk., 30 Mk. wurde
als das geringste bezeichnet, womit das Leben sich notdrftig bestreiten
liee.[700] Stellen wir diesen Ausgaben die Durchschnittseinnahme von 58
Mk. gegenber, so ist ohne weiteres klar, da mit einem Rest von$
s
sich abends, nach der Arbeit, gern zurckzieht, wo es aufatmen, sich
selbstndig und unbeaufsichtigt fhlen kann. Wohnrume fr Dienstboten,
wo ihre Freunde sie besuchen knnen, gehren auf dem Kontinent zu den
grten Seltenheiten, die nur in sehr reichen Husern zu finden sind.
Die Kche ist fast immer ihr Wohn-, E- und Empfangszimmer.
Wie der Lohn, so ist die Bekstigung der Dienstboten die
verschiedenartigste, sowohl was ihre Qualitt, als was die Art der
Darreichung betrifft. Bei den oberen Zehntausend aller Lnder, die ber
eine Schar dienstbarer Geister verfgen, ist es blich, da fr sie
extra gekocht wird und die Mahlzeiten zu bestimmten Tageszeiten an
gedeckten Tischen eingenommen werden. Zwar sind die Reste des
"herrschaftlichen" Tisches vom Tage vorher zumeist fr die Herstellung
der Speisen verwendet worden, sie pflegen aber ausreichend und nicht
gerade schlecht zu sein; um so ertrglicher ist die Ernhrung, als sie
mit einer bestimmten Ruhepause verbunden und im gemeinsamen Wohnzimmer
eingen$
n sowohl in rechtlicher wie in sozialer Hinsicht zu frdern.
Unterdrckung der Heimarbeit ist auch hier das Losungswort, denn sie
untersttzt die Unselbstndigkeit, indem sie den Frauen ermglicht, als
Haustchter und Hausfrauen einem Nebenerwerb nachzugehen. Die geringere
Leistungsfhigkeit der Frau ist ein weiteres ernstes Hindernis ihrer
Organisierung. Da gilt es denn nicht nur ihre Arbeitskraft durch
ausreichende Vorbildung zu einer mglichst vollkommenen zu gestalten,
sondern Mittel und Wege zu finden, um die auch dann noch zurckbleibende
Differenz zwischen der ihrigen und der des Mannes mglichst
auszugleichen. Englische Arbeiterinnen haben dieser Schwierigkeit
gegenber hufig die Ansicht vertreten, da fr Frauen besondere
Lohntarife aufgestellt werden sollten, ein Ausweg, der auf die Irrwege
der Nur-Frauengewerkschaften fhren wrde. Annehmbarer schon erscheint
die Vereinbarung der Strumpfwirkergewerkschaft, wonach die Frauen die
leichten Maschinen, die Mnner die schweren zu bedienen htten, und je$
t die
Arbeitsvermittlung in Hnden hat, und bei dem die Hausfrauen fr jede
Art Arbeit stunden- und tageweise Mdchen engagieren knnen. Eine andere
Art, dem Mangel an Dienstboten zu begegnen und die Hausfrau zu
entlasten,--wir sehen auch hier, wie bei der Stellungnahme der
brgerlichen Frauenbewegung zur Hausindustrie, da es in erster Linie
das persnliche Interesse ist, das zu Reformen zwingt,--wurde auf der
Konferenz der englischen Gesellschaft fr Frauenarbeit im Jahre 1899
vorgeschlagen: "Ein spekulativer Baumeister," so sagte die Rednerin,
"sollte hier der Pionier sein, indem er Mietshuser mit je einer
Zentralkche und einer Zentralwaschkche baut.... Man hat berechnet, da
man halb so viel fr Nahrung ausgeben wrde, wenn die Verschwendung an
Materialien und Arbeitskrften, die unzweckmige Kochart wegfielen....
Warum also hundert Herdfeuer anstecken, wenn eines gengt, warum hundert
Kchengerte abwaschen, wenn nur eines ntig gewesen wre.... Was finden
wir denn heute in den berhmten, poetisch ve$
Vgl. Julius Lippert, a.a.O., Bd. I S. 251 ff. und Bd. II S. 28.
[7] Vgl. Friedrich Engels, Der Ursprung der Familie. 7. Auflage.
Stuttgart 1896, S. 52 f.
[8] Vgl. Paul Gide, Etude sur la condition prive de la femme. Paris
1885, S. 37.
[9] Mischna, Ketuboth, 61a bis 68a. Citiert bei Paul Gide, a.a.O.
[10] Gesetzbuch des Manu. Aus der englischen bersetzung des Sir W. Jone
ins Deutsche bertragen von Th. Chr. Httner. Weimar 1797, S. 74 fg.
[11] I. Buch Mose, 16. Kapitel.
[12] Gesetzbuch des Manu, a.a.O., S. 325.
[13] 5. Buch Mose, 25. Kapitel 5-10.
[14] Gesetzbuch des Manu, a.a.O., S. 315.
[15] Gesetzbuch des Manu, a.a.O., S. 185 und 318.
[16] Vgl. E. Legouv, Histoire morale des femmes. Paris, S. 13 f.
[17] Gesetzbuch des Manu, a.a.O., S. 319 u. 355.
[18] Vgl. Huc, L'empire chinois. Paris 1857, citiert bei Gide.
[19] Vgl. Paul Gide, a.a.O., S. 32 ff.
[20] Vgl. Platos Gastmahl in der bersetzung von Schleiermacher. Berlin
1824, S. 416.
[21] Vgl. Xenophon, Oeconomicus, II.
[22] Vgl. Thukydides, Peloponnesische$
Geschichte der Stdteverfassung. Erlangen 1870. Bd.
III S. 103 ff.
[105] Otto Henne am Rhyn, Die Gebrechen und Snden der Sittenpolizei.
Leipzig 1897. S. 56.
[106] Vgl. G. Schmoller, Die Tucher- und Weberzunft in Straburg.
Straburg 1879. S. 521.
[107] Vgl. Stahl, Das deutsche Handwerk. Gieen 1874. S. 58.
[108] Vgl. Stahl, a.a.O., S. 52.
[109] Vgl. Stahl, a.a.O., S. 81.
[110] Vgl. Schoenlank, Soziale Kmpfe vor dreihundert Jahren. Leipzig
1894. S. 50.
[111] Vgl. Stahl, a.a.O., S. 44.
[112] Vgl. Bcher, Die Frauenfrage im Mittelalter. Tbingen 1882, S. 12
[113] Vgl. Bcher, a.a.O., S. 14-15.
[114] Vgl. Schoenlank, a.a.O., S. 67.
[115] Vgl. Stahl, a.a.O., S. 274.
[116] Vgl. Stahl, a.a.O., S. 277.
[117] Vgl. Schoenlank, a.a.O., S. 50.
[118] Vgl. Schoenlank, a.a.O., S. 58.
[119] Vgl. Bcher, a.a.O., S. 4 ff.
[120] Vgl. Norrenberg, a.a.O., S. 40.
[121] Vgl. Stahl, a.a.O., S. 78.
[122] Vgl. Norrenberg, a.a.O., S. 50 ff.
[123] Vgl. L. Frank, La femme-avocat. Brssel. Paris 1897 S. 61 ff.
[124] Vgl. Ennen, Geschich$
eich der Organisierten mit smtlichen Arbeiterinnen der
einzelnen Berufe lt sich nicht ziehen, weil die Einteilungen nicht
bereinstimmen.
[875] Vgl. A.N. Meyer, a.a.O., p. 298 f.
[876] Vgl. Report of the international Congress of Women. Washington
1888. p. 144.
[877] Vgl. A.N. Meyer, a.a.O., p. 300 f.
[878] Vgl. Alzina Parsons Stevens, Die Gewerkvereine der Vereinigten
Staaten, in Brauns Archiv. XII. Bd. Berlin 1898. S. 715.
[879] Vgl. Sydney und Beatrice Webb, Theorie und Praxis der englischen
Gewerkvereine. Deutsch von C. Hugo. Stuttgart 1898. 2. Bd. S. 43 ff.
[880] Vgl. Sydney und Beatrice Webb, a.a.O., 2. Bd., S. 46 f.
[881] Vgl. Sydney und Beatrice Webb, Problems of modern Industry, p. 90
[882] Vgl. Das kommunistische Manifest, 5. deutsche Ausgabe, Berlin,
1891, S. 22.
[883] Vgl. Verhandlungen des deutschen Reichstages. Dritte
Legislatur-Periode. I. Session. 1877. 22. und 24. Sitzung.
[884] Vgl. meinen Artikel: Die Frau in der Sozialdemokratie im
Illustrierten Konversationslexikon der Frau. 2. Bd. S. $
cht kommen. Augenblicklich nimmt Vroni diese Gemtsbewegung und
den erreichten Vorteil wahr und bekrftigt ihre Rede mit der
verschrften Drohung, da sie noch in dieser Stunde von hinnen gehen
werde, wenn Sepli nicht sofort dem Streitpeterle das Gelbnis in die
Hand leisten werde. "Ja, ja, i goh!" stammelt der eingeschchterte
Wldler und sucht nach seinem Mantel. Ein Freudenschimmer fliegt ber
Vroni's runzeliges Gesicht, und flink trgt sie dem besiegten Gatten
Mantel, Pelzmtze und Stock herbei und drngt zur Eile. So ist Josef in
seinem ganzen Leben noch nicht bedient worden, er fhlt sich wie ein
Herr, und freut sich, es durch Nachgiebigkeit so wohlbehaglich zu haben.
Freilich der Gang ist unangenehm und die Salpeterei ihm zuwider; aber
vielleicht bekommt er frder den Hausfrieden und wird's Vronele knftig
sanftmtiger sein! Drum stapft Sepli mit 'm Pfifli im Mund hinber durch
Schnee und Wald gen Hochschr zum Wirt zum "drren Ast". Vroni aber mu
eine Weile verschnaufen und berlt sich ganz dem Won$
d daheim schnffelt derweil
der Accisor alles aus! Das wre noch gefhrlicher. Peter luft ins Haus
zurck, die Flinte schubereit haltend, und fordert den Beamten auf,
nunmehr schleunigst abzuziehen. Die Lage wird kritisch, doch der Accisor
lt sich nicht einschchtern; er verlangt unter Androhung schwerer
Strafe Bezahlung der Branntweinaccise. Peter brllt vor Zorn und backt
an. Jetzt weicht der Beamte und rettet sich durch eiligste Flucht. Peter
aber drckt ab, donnernd kracht der Schu, der ins Ges geschossene
Accisor macht einen Luftsprung und strzt vorne ber in den glitzernden
tiefen Schnee.
Der Schu alarmiert die Hochschrer, die bewaffnet herbereilen zum
Ast-Wirtshause und vom Peter wissen wollen, ob es nunmehr losgehe gegen
die Regierung. Hhnisch deutet Peter hinber, wo der niedergeschossene
Accisor liegt. Die Salpeterer stimmen ein Freudengeheul an; ist doch um
einen Feind weniger. Der Wirt stachelt sie auf durch die weitere
Mitteilung, da die Bttel seinen Jobbeli fortgeschleppt htten. J$
ne Schar
aufgescheuchter Spatzen. Und zum erstenmal schweigt das Mdchen auf
eines anderen Rede. Wortlos auch besichtigt Klrle am Abend die gethane
Arbeit; da die Gestrenge nicht laut tadelt, ist fr die Dienstboten
nach bisheriger Erfahrung das hchste Lob und ein auerordentliches
Ereignis, das denn auch im geheimen grndlich durchgesprochen wird. Zum
Abendessen ist Klrle nicht erschienen; man wartete auf sie, und als sie
gar zu lange auf sich warten lie, schickte der Vater hinauf in Klrles
Stube und lie sagen, da Essenszeit sei. Die Dirn kam jedoch mit dem
Bescheid wieder herunter, da Klrle nicht komme und man ohne sie zu
Abend essen solle. Verwundert schttelt der alte Gifter den grauen Kopf
und lffelt dann langsam sein Abendspplein. Bei Tisch schwiegen die
Dienstboten; aber nach Beendigung der Mahlzeit lieen sie ihre Muler
laufen, und wurde hin- und herdebattiert, ob vielleicht doch der Alte
mit seiner kernigen Ansprache das Mdel eingeschchtert habe.
       *       *       *       *       $
Zorn der aus Thon geformten Gtter zu vershnen, weil ein
Weisser mehrere Tage in den Mauern der Stadt geweilt hatte, das konnte
ich nicht erfahren.
Die Gtter sind meist aus Erde, oft auch aus Holz geformt, und bewohnen
eigene kleine Htten. In den Gegenden am Bnue sind es hauptschlich
_Dodo_ und Mussa, denen man allgemeine Verehrung und Anbetung zollt. Es
giebt nmlich _Gtter, die allgemein sind_, und _Privatfetische_; jeder
hat z. B. seinen eigenen Hausgtzen, ausserdem hat man _Stadtgtter_,
_Thorgtter_, Feld- and Gartengtter, Flussgtter etc.
Als ich Abends mit meinen Leuten die schmale Brcke berschritt, die
uns aus dieser Hexenstadt mit ihren Blutopfern wieder ins Freie brachte,
dauerte es lange Zeit, trotz der herrlichen Nacht, trotz der lieblichen
Gegenden, bis mir die Opfer, die ich Nachmittags im Hause des Sultans
mit angesehen hatte, wieder aus dem Sinne kamen. Immer schwebten mir im
Geiste die Bilder vor, wie unter Pauken- und Trommelschlag nackte
Sklaven Schafe, Hhner und Tauben abstachen$
es Kinds
Wohl einen Schwiegersohn erlesen,
Der nicht geboren war als Prinz?
Und doch vor offener Verneinung
Sich scheuend, zog im Widerstreit
Er seinen Grossvezier beiseit
Und fragte leis nach dessen Meinung.
"Herr," sagte jener gleichfalls leis,
"Wenn du dein Wort nicht willst verletzen,
Genuegt es, einen solchen Preis
Fuer die Prinzessin festzusetzen,
Dass, wenn des Werbers Ueberfluss
An Geld und Gut auch ohnegleichen,
Trotz allem er die Segel streichen
Und voll Beschaemung abziehn muss."
Der Ratschlag schien dem Sultan schlau;
Deshalb sich zu der Mutter eilig
Umwendend sprach er: "Gute Frau,
Ich gab mein Wort und halt' es heilig.
Dein Sohn soll keinen Hindernissen
Begegnen; aber um zu wissen,
Was er zur Morgengabe beut,
Und ob er wirklich zur Erringung
Der hohen Braut kein Opfer scheut,
Mach' ich ihm eines zur Bedingung:
Ich fordre, dass er vierzig Becken
Von schwerstem Gold mir schicken soll,
Die saemtlich bis zum Rande voll
Von herrlichen Juwelen stecken,
Den damals mir geschenkten gleich,
Die jeden Stei$
b vor Ruehrung.
Und als der Sonne letztes Blinken
Gewichen war dem Daemmerschein,
Da formte sich der Zug. Zur Linken
Schritt ihr die Mutter, hinterdrein
Die Sklavinnen und Zofen all,
Voran ein Trupp von Musikanten
Mit schmetterndem Posaunenschall,
Zuletzt unzaehlige Trabanten,
Lakaien, Pfeifer, Paukenschlaeger
Und Knappen, die als Fackeltraeger
Dem Zuge Licht zu spenden hatten.
So schwebte die Gebieterin
Auf dem damastnen Teppich hin
Zum kerzenhellen Schloss des Gatten,
Und all das heitre Volksgewimmel
Entsandte wie aus einem Mund
Gebet und Segenswunsch zum Himmel
Fuer ihren jungen Ehebund.
[Illustration: V]
Von seiner Dienerschaft umgeben
Stand Aladdin am Eingangstor
Und fuehrte mit begluecktem Beben
Die Braut zum Kuppelsaal empor.
Sie war beim ersten Anblick schon
Entzueckt von ihm, da beim Vergleiche
Sie fand, dass nimmer ihm der Sohn
Des Grossveziers das Wasser reiche.
Und Aladdin? Ach, wer beschriebe,
Was er im Innersten empfand,
Wie nun das Traumbild seiner Liebe
Holdselig leibhaft vor ihm stand!
Er rie$
Trostworte an den klagenden und verzagenden Knstler[20].
Ausgangspunkt ist also im Werther wie im Faust das tiefe Problem von der
Bedingtheit der menschlichen Natur gegenber seinem unendlichen Streben,
von dem daraus sich ergebenden inneren Freiheitsdrange; im Werther geht
dieses Streben jedoch schlielich in die Form einer endlosen
Leidenschaft ber, die sich ein bestimmtes, einzelnes Ziel gesteckt hat:
im Faust bleibt es auf das Hchste im Leben gerichtet; er findet die
Kraft durch eine auf das Gebiet des Erreichbaren sich beschrnkende,
immer bedeutender werdende Thtigkeit Befriedigung zu suchen und das
Unerforschliche fr sich bestehen zu lassen. Ich hatte nie die Idee,
aus dem Sujet ein einzelnes Ganze zu machen, schreibt er an S.
Laroche[21], da er Mitte Februar 1774 am Werther arbeitete. Allerdings
nicht: denn sie war damals schon in seinem Geiste als der Keim
vorhanden, aus dem sich der Faust bilden sollte. So deutet es nicht blo
auf einen ueren Zusammenhang, sondern auf einen inneren, dem Dic$
auch
nicht blo des Naturlebens, sondern des Lebens in jedem und im weitesten
Sinne; er ist also auch der Geist des thtigen, handelnden Lebens; er
ist berhaupt der Geist des Lebens, wie es sich auf der Erde von Stufe
zu Stufe aufsteigend berall im Niedrigsten und im Hchsten offenbart.
Wer ihn ganz begreifen will, mu ihn in der ganzen unendlichen Flle
dieses Lebens begreifen. In dem spteren Schema bezeichnet ihn Goethe
mit seinen wesentlichsten Merkmalen als Welt- und Thatengenius[99]. Als
solcher offenbart er sich nicht nur als schaffendes Princip, sondern
auch als zerstrendes. Er lt die Welle des Daseins sich heben und
wieder senken. Er schafft so als einwohnende schpferische Ursache immer
wieder von neuem die lebendige Welt der Erscheinung, das sichtbare
Kleid der Gottheit.--Wie bildete sich nun der Dichter diese Anschauung?
Zunchst konnte er sich wieder an die alchemistische berlieferung
anschlieen. Sie gab allen Planeten, also auch der Erde ihren
Geist[100]. Man braucht dazu keine nhere Ken$
hfolger Christi ffentlich zu sein, der wage sichs merken
zu lassen, da ihm um seine Seligkeit zu thun ist! Er wird einen Unnamen
am Halse haben, ehe er sichs versieht, und eine christliche Gemeine
macht ein Kreuz vor ihm[275].
Faust bricht die Unterredung, fr die Wagner keine bessere Bezeichnung
als gelehrt wei, ab; Wagner entfernt sich. Der Gegensatz ihres Wesens
tritt Faust noch einmal lebhaft vor die Seele. Er selbst greift nach dem
Hchsten; da es ihm nicht wird, schwindet ihm alle Hoffnung--und Wagner
verliert sie nie, der bei seinem Streben am Kleinlichsten haften bleibt
und mit dem Niedrigsten sich begngt. Der kranke Adler, dessen Schwingen
gelhmt sind, und die selbstgengsame Taube![276]
Mit wenigen, aber krftigen Strichen hat der Dichter das Bild des
kleinen Gelehrten hingeworfen, dem gegenber das Fausts um so heller
strahlt. Er scheint uns der Typus des kleinen Gelehrten berhaupt zu
sein, obwohl er ganz mit den Farben des 18., keines Falls des 16.
Jahrhunderts gemalt ist. Einzelne Zge bot$
sors Maske belehrt den jungen
Studenten. Eine dritte Scene (V. 445-452, von da in Prosa. Z. 1-210 mit
Liedern untermischt = V. 2073-2336) fuehrt mitten hinein in das rohe,
geistlose Treiben akademischer Jugend. Doch gehoert die Scene in
Auerbachs Keller im uebrigen in einen neuen Zusammenhang; sie ist die
erste Station auf Fausts Welt- und Lebensfahrt. In diese Scenenreihe
haette, wenn sie ausgefuehrt worden waere, die Disputationsscene gepasst.
(Paralip. 11. 12.)[3] Der Doctorschmaus (V. 1712) haette sich an sie
angeschlossen. Jedenfalls hatte also der Dichter urspruenglich dem
akademischen Leben und Treiben, auf dessen Boden ja sein Held zunaechst
stand, von dem er losgerissen werden sollte, eine ausfuehrlichere
Behandlung zugedacht. 3) Die Gretchentragoedie, das im aeltesten Faust am
meisten ausgefuehrte und daher auch raeumlich bedeutendste Stueck; sie
beginnt mit der ersten Begegnung von Faust und Gretchen und endet mit
der Kerkerscene. (V. 458-1435; danach zwei Scenen in Prosa Z. 1-66 und
1-112, unterbr$
rafen. Hatten sie
allem einen Geist gegeben, so liess auch Spinoza alles, wenn auch in
verschiedenem Grade beseelt sein[132]. Gott ist ihm die immanente,
bewirkende Ursache der Schoepfung. Die Welt ist eben nur die sichtbar
gewordene Wirkung der goettlichen Schoepferkraft; die einzelnen Dinge
sind die Modi, die Erscheinungsformen der unendlichen goettlichen
Substanz (natura naturans = wirkende, n. naturata = bewirkte Natur).
Bei Goethe erscheint nun der Erdgeist im Auftrage Gottes handelnd; er
setzt gleichsam in hoeherem Befehle das irdische Schaffen fort. Denn der
Dichter ist eben genoetigt, da er sich einmal im Rahmen des
alchemistischen Geisterglaubens bewegt und zwischen dem Geist des Alls,
der Gottheit, und dem der Erde geschieden hatte, die rein spinozistische
Auffassung entsprechend abzuaendern.
Der Erdgeist hat Faust sein Wesen enthuellt. Jetzt redet er ihn an; er
will ihm zeigen, dass er sein Wesen erkenne, ihm sagen, wie nah er sich
ihm fuehle; er nennt ihn dabei einen geschaeftigen Geist, der die w$
nes Geschenk von oben,
worauf er keinen unmittelbaren Einfluss gehabt hatte, obgleich die
Moeglichkeit, ein solches Apercu zu haben, immer einen Geist wie den
seinigen voraussetzte u.s.w. Gespr. 6. S. 283.
[174] D.W. T. 2. B. 6. W. 27. S. 14.
[175] A.a.O. T. 2. B. 9. W. 27. S. 258.
[176] D.j.G. 3. 236.
[177] Werke, Leipzig bei G. Fleischer 1819. IV. B. Beilage 3. S. 67 ff.
[178] Vergl. in der zusammenfassenden und rueckblickenden Stelle der
ausgefuellten grossen Luecke V. 612 f. u. 627.
[179] Herder W. Bd. 6. S. 353 u. Schillers bekanntes Gedicht: Das
verschleierte Bild zu Sais.
[180] W. (Hempel) 3. 136.--Interessant zur Vergleichung mit der
Erdgeistscene ist eine Stelle aus einem Gedicht Gisekes, das die
Spinozistische Gottheit schildert:
    "Die dem Bernis in seiner einsamen Grotte
    Schrecklich erschien, als sie schnell ein blasses Feuer erfuellte
    Und vor seinem bestuerzten Auge die Welt zu vergehen schien.
         *     *     *
    "Gott, Du schenktest ihm Mut, die schreckliche Nacht zu ertragen!
$
!" sthnte Franz in namenloser Qual, fassungslos,
verzweifelnd.
Liebreich versuchte Ehrenstraer zu trsten und dem schier gebrochenen
Mann Mut zuzusprechen.
Nach etwa einer Stunde verlie Franz totenbleich das Amtshaus.
Die Kunde vom aufgedeckten Selbstmord erzeugte eine noch viel grere
Erregung in der Bevlkerung als vorher die Nachricht vom Raubmord.
Die ersehnte Ruhe im Amt sollte dem Richter nach den Aufregungen der
letzten Tage nicht werden; der tgliche Posteinlauf sorgte dafr, da
der Chef Arbeit genug bekam. Und was enthlt der Einlauf fr
Sonderbarkeiten. Aus langer Praxis kennt Ehrenstraer die Protokolle von
Gemeindevorstehern und niederen Polizeiorganen, gelassen ffnet er Brief
um Brief.[10] Gelesen, wenigstens durchflogen mu werden, ehe die
Verteilung an Adjunkt und Kanzlist erfolgen kann.
Diesmal ist ein verlangtes Leumundszeugnis dabei, das auffllig kurz
gehalten, den Leumund eines Mannes wie folgt schildert. "Der Angefragte
besitzt _auer seiner Frau und drei Kindern nichts Bewegliches_$
an Hundertpfund richten; die bewutlose Dame wurde in die
Dienstwohnung des Fabrikleiters gebracht und dieser selbst verlangte
telephonisch rztliche Hilfe und Leute aus dem Krankenhause. Unterdessen
traf aber schon Dr. von Bauerntanz selbst ein, der in grter Bestrzung
an die Lagersttte seiner Gattin trat und sich von Ehrenstraer eine
kurze Schilderung des Thatbestandes erbat. Hundertpfund hatte sich still
Der rztliche Befund ergab zunchst Arm- und Beinbruch; wahrscheinlich
auch eine Gehirnerschtterung; starke Quetschwunden am Kopf. Der
Bezirksarzt bemhte sich um seine Gattin und ein bald erschienener
Stadtarzt untersttzte ihn dabei. Ehrenstraer besprach den Fall mit dem
Wachtmeister, welcher nur rapportieren konnte, da er in dem Augenblick
zur Unglcksstelle gekommen sei, als der Fabrikleiter die Dame auf die
Bahre legte.
"Wie hat er sich dabei benommen?"
"Sehr aufgeregt!"
"Haben Sie etwa wahrgenommen, da ihn Ihr Erscheinen erschreckte?"
"Mir ischt nichts Diesbezgliches aufgefallen."
"Halten Si$
Jahren Kardinal; er war
im Alter von elf Jahren zu dieser hohen Wrde erwhlt worden. Die
Regierung Francescos, der heute noch durch seine Liebe zu Bianca Capello
berhmt ist, war durch alle Torheiten, zu welchen die Vergngungssucht
einen wenig charakterstarken Frsten hinreien kann, gekennzeichnet. Auch
Ferdinand hatte sich einige Schwchen dieser Art vorzuwerfen. Seine Liebe
zu der Laien-Schwester Virgilia war in ganz Toskana berhmt; doch
besonders durch die Unschuld dieser ihrer Beziehungen wie man beifgen
mu; ebenso wie man sagen mu, da der dstere, heftige und
leidenschaftliche Groherzog Francesco das Aufsehen, das seine
Liebschaften erregten, wenig genug beachtete. Im ganzen Land sprach man
nur von der groen Tugend der Schwester Virgilia. Die Ordensregeln, die
sie als Laienschwester zu erfllen hatte, erlaubten es ihr, etwa drei
Viertel des Jahres bei der Familie zu verbringen; sie sah dann tglich den
Kardinal Medici, wenn er in Florenz war. Zwei Dinge setzten diese der
Wollust hingegebene Sta$
in beschlossen sie, ihn einfach wie einen
Privatmann ankommen zu lassen.
Frst Orsini, der von allem unterrichtet war, fate den Entschlu,
berhaupt nicht nach Venedig zu gehen. Er war schon in der Nhe Paduas,
machte aber nun einen Bogen und begab sich mit seinem ganzen Gefolge nach
Sal, in das fr ihn vorbereitete Haus am Ufer des Gardasees. Er
verbrachte dort den ganzen Sommer unter prchtigen und abwechslungsreichen
Zerstreuungen.
Der Zeitpunkt eines Aufenthaltswechsels war gekommen und der Frst
unternahm einige kleine Reisen, nach denen es ihm schien, da er
Anstrengungen nicht mehr so wie frher vertragen knne; er hatte
Befrchtungen fr seine Gesundheit und dachte schlielich daran, einige
Tage in Venedig zu verbringen. Doch wurde er durch seine Gattin Vittoria
davon abgebracht, die ihn veranlate, den Aufenthalt in Sal zu
Viele haben gedacht, da Vittoria Accoramboni die Gefahr bemerkt habe, der
das Leben des Frsten, ihres Gemahls, ausgesetzt war und da sie ihn nur
veranlate in Sal zu bleiben$
 glnzender Soldat sein und dein
Glck machen knntest."
Giulio wurde durch diese Worte geqult; ein Priester hatte ihn Latein
gelehrt; aber da sein Vater ber alles, was der Priester sonst noch sagte,
nur zu spotten pflegte, hatte er auer dem nicht das geringste gelernt.
Dafr hatte sich bei ihm, der wegen seiner Armut verachtet und in seinem
einsamen Haus ganz auf sich selbst angewiesen war, ein gesunder
Menschenverstand entwickelt, welcher durch seine gewagte Khnheit selbst
Gelehrte in Erstaunen gesetzt htte. Zum Beispiel schwrmte er, bevor er
Helena liebte, ganz ohne zu wissen, warum, fr den Krieg; aber er hatte
einen Widerwillen gegen das Plndern, das doch in den Augen seines Vaters
und Ranuccios der kleinen lustigen Komdie glich, die auf die edle ernste
Tragdie folgt. Seit er Helena liebte, lie ihn dieser gesunde
Scharfblick, den er sich durch seine einsamen berlegungen angeeignet
hatte, Qualen erleiden. Diese frher so sorglose Seele wagte niemanden
wegen ihrer Zweifel um Rat zu fragen und wa$
rsicherung von Eurer Seite wrde mir gengen. Ich will in Euren Augen
die Wirkung lesen, welche dieses Gestndnis hervorruft. An einem der
nchsten Tage werde ich Euch bei Anbruch der Nacht im Garten hinter dem
Palast sehen. Am gleichen Tag werden Fabio und Euer Vater abwesend sein:
sobald ich mir die Gewiheit verschafft haben werde, da sie, trotz ihrer
Geringschtzung fr einen armen schlecht gekleideten jungen Mann, uns
nicht dreiviertel Stunden oder eine Stunde des Beisammenseins zu rauben
vermgen, wird vor den Fenstern Eures Palastes ein Mann erscheinen, der
den Dorfkindern einen zahmen Fuchs vorfhren wird. Spter, beim Luten des
Ave Maria, werdet Ihr in der Ferne einen Flintenschu hren; in diesem
Augenblick nhert Euch der Mauer Eures Gartens und wenn Ihr nicht allein
seid, singt. Herrscht Schweigen, wird Euer Sklave zitternd vor Euren Fen
erscheinen und Euch Dinge erzhlen, die Euch vielleicht entsetzen werden.
In Erwartung dieses fr mich entscheidenden und schrecklichen Tages, werde
ich nicht$
ls sie aufgehrt hatte, zu sprechen und die -- wie sie
sagte -- nach dem Tode eines Bruders so natrliche Vernderung zu
rechtfertigen, antwortete ihr Giulio, indem er sehr langsam sprach:
"Ihr erfllt nicht Euer Gelbnis; Ihr empfangt mich nicht im Garten; Ihr
liegt nicht vor mir auf den Knien, wie damals, eine halbe Minute, nachdem
wir jenes Ave Maria von Monte Cave hrten. Verget Euren Schwur, wenn Ihr
knnt, ich vergesse nichts, Gott stehe Euch bei!"
Mit diesen Worten verlie er das vergitterte Fenster, an dem er gut noch
eine Stunde htte bleiben knnen. Wer htte ihm einige Augenblicke zuvor
sagen drfen, da er diese so herbeigesehnte Zusammenkunft freiwillig
abkrzen werde! Dieses Opfer zerri seine Seele, aber er glaubte, da er
Helenas Verachtung verdienen wrde, wenn er auf ihre Frmlichkeit anders
als damit antwortete, da er sie ihrer Reue berlie.
Vor Sonnenaufgang verlie er das Kloster. Er stieg zu Pferde und gab
seinen Soldaten Befehl, ihn eine Woche lang in Castro zu erwarten und dann
in d$
! Sie ist mein ganzes Leben hindurch
so zu mir gewesen, wie sie es in diesem hchsten Augenblick war. Du
siehst, wie ich sie lieben mte. Und doch scheint es mir, whrend ich dir
schreibe (wie furchtbar zu sagen), da ich sie hasse. Sie hat erklrt, da
sie diese Nacht der Hitze wegen im Garten unter einem Zelt verbringen
wolle; ich hre die Hammerschlge, man errichtet jetzt das Zelt; es ist
unmglich, da wir uns heute Nacht sehen. Ich frchte sogar, da der
Schlafsaal der Pensionrinnen verschlossen wurde, ebenso die beiden Tren
der Wendeltreppe, was sonst nie geschah. Diese Vorsichtsmaregeln wrden
es mir unmglich machen, in den Garten hinunterzugehen, wenn ich selbst
einen solchen Schritt ntig fnde, um deinen Zorn zu beschwren. Ach, wie
ich mich dir jetzt ausliefern wrde, wenn sich mir ein Mittel bte! Wie
ich zu dieser Kirche eilen wrde, wo man uns trauen soll!"
Dieser Brief schlo mit zwei Seiten toller Stze, in welchen ich
leidenschaftliche Redewendungen fand, die auf die Ideen Platons
zurc$
en oder acht Briefen voll leidenschaftlicher Liebe einzuleiten; so
wollte sie auf die spteren vorbereiten, in denen diese Liebe nach und
nach erlschen sollte.
Wir gehen rasch ber zehn Jahre eines unglcklichen Lebens hinweg. Helena
glaubte sich vllig vergessen; trotzdem wies sie mit Hochmut die
Huldigungen der vornehmsten jungen Edelleute Roms zurck. Indessen, als
man ihr von dem jungen Ottavio Colonna sprach, dem ltesten Sohn des
berhmten Fabrizio, der sie einstens in La Petrella so schlecht empfangen
hatte, war sie einen Augenblick unentschieden. Es erschien ihr, wenn sie
nun einmal einen Gatten nehmen mute, um ihrem Besitz im Kirchenstaat und
im Knigreich Neapel einen Beschtzer zu geben, als Linderung, den Namen
eines Mannes zu tragen, den Giulio einstmals geliebt hatte. Htte sie
dieser Heirat zugestimmt, dann htte Helena sehr bald die Wahrheit ber
Giulio Branciforte erfahren. Der alte Frst Fabrizio sprach oft und mit
Entzcken von der bermenschlichen Tapferkeit des Obersten Lizzara,
welcher$
Balkon in eine Antichambre. Ich sah Licht hier und trat ein, mit vielen
Entschuldigungen fr den Edelmann, den ich strte, und erzhlte ihm, es
war etwas lcherlich, laut meine ganze Geschichte, wie ich es eben jetzt
tue. Ich starb vor Angst, fr einen Dieb gehalten zu werden. Alle meine
lcherlichen Hflichkeiten waren Grund, da ich erst nach einer
Viertelstunde merkte, da das Bett leer war. Dann bin ich, scheint es,
eingeschlafen. Ich wachte auf, als der Leib einer getteten Dame ber mich
fiel. Ich griff eine entzckende kleine Hand; ich bin hier im Brautgemach
eines sehr eiferschtigen Edelmanns, dessen Geschmack und Reichtum zu
bewundern ich alle Gelegenheit hatte. Ich sagte mir, der Eiferschtige
wrde behaupten, ich htte seine Frau umgebracht. Da legte ich Ihr
Kpfchen, Madame, so zart ich vermochte, auf einen Schemel, und versuchte
mein Letztes, aus diesem Gemach herauszukommen. Ich wiederhole, Madame,
ich halte mich fr einen sehr tapfern Menschen, und bin seit heute abend
um neun zum erstenmal in$
o flutschte.
In erschreckender Menge hatten sich die offenen Geschfte in diesen
paar Jahren vermehrt. Gleich aber war der trostlose, nchterne
Eindruck dieser Strae geblieben, und vom Morgen bis zur Dmmerung
glich sie noch immer in ihrem reizlosen, staubigen Grau einem
alternden, ungekmmten und ungewaschenen Weibe.
Grach lie seine Blicke berall hin gehen. Eigentmlich verndert
schien ihm alles--: fremd und doch bekannt. Aber alles war kleiner
geworden, zusammengeschrumpft und, wie alte Leute, in sich
zusammengesunken.
Grer sieht das Kind die Welt, kleiner sieht sie der Mann.
Vor den Lden lungerten die Kommis, an den Brunnen standen die Mgde
und schrieen sich an. Warum schrieen sie so laut? Stritten sie sich?
Nein, es war nur eine "gemtliche Unterhaltung". Aber dieser Dialekt
war breit, geeignet nur zu einem lauten Sprechen, und schwer
verstndlich fr den Fremden. Grach bemhte sich, Worte und Stze
der Vorbergehenden aufzufangen und verstand meist, was sie sagten.
Hatte er selbst frher so gespr$
er
lie er los, was er leibhaftig mit den Sinnen zu fhlen noch
Auch durch die Dunkelheit der Entfernung hin versuchte er ihr noch
Aber er war bereits lange allein.
Er sah nach der Zeit: halb acht Uhr.
Also noch nicht drei Stunden waren vergangen, seit er zuletzt auf
diesem Platze gestanden hatte!--
Fast begann er irre zu werden an der Wirklichkeit seines Glckes.
War es nicht alles ein Traum?
Wie wunderbar: er stand als Mann wieder auf der Sttte seiner
Kindheit. Vor Augenblicken hatte er sie wieder gesehen, nach
Augenblicken sollte sie--und voraussichtlich--fr immer wieder
hinter ihm liegen.
Kurze Augenblicke im langen Leben--: noch die Zeit eines Tages nicht
war vergangen. War sie vorber, so faten ihn wieder die Hnde
_seiner_ Welt.
Alles war wunderbar.
Nur einen Menschen vielleicht gab es in dieser Stadt der Kleinheit,
der Selbstgeflligkeit, der Enge, nur einen einzigen wirklichen,
eigenen, freien Menschen, mit dem er zusammen zu leben vermochte--
und diesen Menschen hatte er gefunden! Seltsamer Zufal$
innigliche Maid,
Da er vor allen Recken   so khn gefochten im Streit.
"Nun lohn euch Gott, Herr Siegfried,"   sprach das schne Kind,     309
"Da ihr das verdientet,   da euch die Recken sind
So hold mit ganzer Treue,   wie sie zumal gestehn."
Da begann er Frau Kriemhilden   minniglich anzusehn.
"Stts will ich ihnen dienen,"   sprach Stegfried der Degen,        310
"Und will mein Haupt nicht eher   zur Ruhe niederlegen,
Bis ihr Wunsch geschehen,   so lang mein Leben whrt:
Das thu ich, Frau Kriemhild,   da ihr mir Minne gewhrt."
Innerhalb zwlf Tagen,   so oft es neu getagt,                      311
Sah man bei dem Degen   die wonnigliche Magd,
So sie zu Hofe durfte   vor ihren Freunden gehn.
Der Dienst war dem Recken   aus groer Liebe geschehn.
Freude und Wonne   und lauten Schwerterschall                       312
Vernahm man alle Tage   vor Knig Gunthers Saal,
Davor und darinnen   von manchem khnen Mann.
Von Ortwein und Hagen   wurden Wunder viel gethan.
Was man zu ben wnschte,   dazu sah man b$
uth          783
Nach dem Hofgelage,   wir rathen, was ihr thut:
Ihr sollt mit tausend Recken   reiten an den Rhein:
So mgt ihr wohl mit Ehren   bei den Burgunden sein."
Da sprach von Niederlanden   der Knig Siegmund:                    784
"Wollt ihr zum Hofgelage,   was thut ihr mirs nicht kund?
Ich will mit euch reiten,   wenn ihrs zufrieden seid;
Hundert Degen fhr ich,   damit mehr ich eur Geleit."
"Wollt ihr mit uns reiten,   lieber Vater mein,"                    785
Sprach der khne Siegfried,   "des will ich frhlich sein.
Binnen zwlf Tagen   rum ich unser Land."
Die sie begleiten sollten,   denen gab man Ross' und Gewand.
Als dem edeln Knig   zur Reise stand der Muth,                     786
Da lie man wieder reiten   die schnellen Degen gut.
Seiner Frauen Brdern   entbot er an den Rhein,
Da er gerne wolle   bei ihrem Hofgelage sein.
Siegfried und Kriemhild,   so hrten wir sagen,                     787
Beschenkten so die Boten,   es mochten es nicht tragen
Die Pferde nach der Heimat:   er $
am ihr Bruder Gernot   zu ihrer Kammer heran.
Mit des Knigs Macht den Schlel   stie er in die Thr.          1323
Kriemhildens Schtze   reichte man herfr,
An dreiigtausend Marken   oder wohl noch mehr,
Da es die Gste nhmen:   des freute Gunther sich sehr.
Da sprach von Bechelaren   der Gotelinde Mann:                     1324
"Und gehrten all die Schtze   noch Kriemhilden an,
Die man jemals brachte   von Nibelungenland,
Nicht berhren sollt es   mein noch der Knigin Hand.
"Heit es aufbewahren,   da ichs nicht haben will.                 1325
Ich bracht aus unserm Lande   des Meinen her so viel,
Wir mgens unterweges   entrathen wohl mit Fug:
Wir haben zu der Reise   genug und bergenug."
Zwlf Schreine hatten   noch ihre Mgdelein                        1326
Des allerbesten Goldes,   das irgend mochte sein,
Bewahrt aus alten Zeiten:   das nun verladen ward
Und viel der Frauenzierde,   die sie brauchten auf der Fahrt.
Die Macht des grimmen Hagen   bedauchte sie zu stark.              1327
Des Opf$
ie nach Bechlaren kamen.
Hin gieng der Markgraf,   wo er die Frauen fand,                   1715
Sein Weib und seine Tochter.   Denen macht' er da bekannt
Diese liebe Mre,   die er jetzt vernommen,
Da ihrer Frauen Brder   zu ihrem Hause sollten kommen.
"Viel liebe Traute,"   sprach da Rdiger,                          1716
"Ihr sollt sie wohl empfangen,   die edeln Knge hehr,
Wenn sie und ihr Gesinde   vor euch zu Hofe gehn;
Ihr sollt auch freundlich gren   Hagen in Gunthers Lehn.
"Mit ihnen kommt auch Einer   mit Namen Dankwart;                  1717
Ein Andrer heit Volker,   an Ehren wohlbewahrt.
Die Sechse sollt ihr kssen,   ihr und die Tochter mein,
Und sollt in hfschen Zchten   diesen Recken freundlich sein."
Das gelobten ihm die Frauen   und warens gern bereit.              1718
Sie suchten aus den Kisten   manch herrliches Kleid,
Darin sie den Recken   entgegen wollten gehn.
Da mocht ein gro Befleien   von schnen Frauen geschehn.
Geflschter Frauenzierde   gar wenig man da fand;           $
ges   auf seinen Farben lag.                 1767
Beern Schild als diesen   beschien wohl nie der Tag.
Mit edelm Gesteine   War er so besetzt,
Man htt ihn im Handel   wohl auf tausend Mark geschtzt.
Den Schild hinwegzutragen   befahl der Degen hehr.                 1768
Da kam sein Bruder Dankwart   auch zu Hofe her.
Dem gab reicher Kleider   Rdigers Kind genug,
Die er bei den Heunen   hernach mit Freuden noch trug.
Wie viel sie der Gaben   empfiengen insgemein,                     1769
Nichts wrd in ihre Hnde   davon gekommen sein,
Wars nicht dem Wirth zu Liebe,   der es so gtlich bot.
Sie wurden ihm so feind hernach,  da sie ihn schlagen musten todt.
Da hatte mit der Fiedel   Volker der schnelle Held                 1770
Sich vor Gotelinde   hfisch hingestellt.
Er geigte se Tne   und sang dazu sein Lied:
Damit nahm er Urlaub,   als er von Bechlaren schied.
Da lie die Markgrfin   eine Lade nher tragen.                   1771
Von freundlicher Gabe   mgt ihr nun hren sagen:
Zwlf Spangen, die $
anft mir thut.
Des hab ich," sprach da Geiselher,   "einen willigen Muth."
"O wohl mir solches Herren,"   sprach Hagen entgegen.              2119
"Der Rath geziemte Niemand   als einem solchen Degen,
Wie unsern jungen Herren   wir heute hier gesehn:
Ihr Burgunden mget   all darob in Freuden stehn.
Da folgten sie dem Rathe   und trugen vor die Thr                 2120
Siebentausend Todte,   die warfen sie dafr.
Vor des Saales Stiege   fielen sie zu Thal:
Da erhoben ihre Freunde   mit Jammern klglichen Schall.
Auch war darunter Mancher   nur so mig wund,                     2121
Km ihm sanftre Pflege,   er wrde noch gesund;
Doch von dem hohen Falle   fand er nun den Tod.
Das klagten ihre Freunde;   es zwang sie wahrhafte Noth.
Da sprach der Fiedelspieler,   der Degen unverzagt:                2122
"Nun seh ich wohl, sie haben   mir Wahrheit gesagt:
Die Heunen sind feige,   sie klagen wie ein Weib,
Da sie nun pflegen sollten   der Schwerverwundeten Leib."
Da mocht ein Markgraf whnen,   er meint es erns$
auen   und manche schne Maid:
Sie hatten um die Freunde   das allergreste Leid.
Ich sag euch nun nicht weiter   von der groen Noth:               2495
Die da erschlagen waren,   die lat liegen todt.
Wie es im Heunenlande   dem Volk hernach gerieth,
Hie hat die Mr ein Ende:   das ist _das Nibelungenlied_.
       *       *       *       *       *
Statt der letzten fnf Strophen hat b folgende sechs, die beiden letzten
bereinstimmend mit A.
Hildebrand im Zorne   zu Kriemhilden sprang.
Er schlug der Knigstochter   einen schweren Schwertesschwang,
Mitten wo die Borte   den Leib ihr hatt umgeben.
Davon die Knigstochter   verlieren must ihr werthes Leben.
Das Schwert schnitt so heftig   da sie nichts empfand,
Das sie unsanft htte   berhrt;  sie sprach zuhand:
"Dein Waffen ist erblindet,   du sollst es von dir legen:
Es ziemt nicht, da es trage   solch ein zierlicher Degen."
Da zog er von dem Finger   ein golden Ringelein
Und warfs ihr vor die Fe:   "Hebt ihr das Fingerlein
Vom Boden auf, so spracht ih$
 mute ich ihn gerade
vermissen. Aber was kmmerte mich das? Hielt ich doch den Ball, den ihre
Lotushand soeben berhrt hatte, in Hnden, und als sehr geschicktem
Ballspieler gelang es mir, einen so genau berechneten Wurf zu tun, da
der Ball gerade vor der einen Ecke der Bhne aufschlug, um dann mit
einem migen Sprung gleichsam bezhmt in den Bereich der schnen
Spielerin zu gelangen, die keinen Augenblick aufgehrt hatte, den
anderen Ball in Bewegung zu erhalten, und sich nun wieder in ihren
Goldkfig einspann--unter groem Jubel der zahlreichen Zuschauer.
Damit war denn nun die Ballspielverehrung der Lakshmi zu Ende, die
Mdchen verschwanden von der Bhne, und wir begaben uns auf den Heimweg.
Unterwegs meinte mein Freund, es sei gut, da ich nichts dort am Hofe
erreichen wollte, denn der junge Mann, dem ich den Ball abgejagt htte,
sei kein geringerer als der Sohn des Ministers, und man habe es ihm
angesehen, da er mir unvershnlichen Ha geschworen habe. Das lie mich
nun vllig kalt; wie viel lieber h$
rrtum
vorliegen mute. Aber weit entfernt davon, so etwas zu ahnen, schrien
und heulten sie immer weiter, wobei sie sich die Haare rauften und ihre
Brste mit den Fusten schlugen, bis sie dann, wie zur Erholung, sich
gegen die vermeintliche siegreiche Gegnerin in Schimpfreden ergingen,
die an Grobheit Alles, was ich je in der Gesellschaft belberufener
Weiber gehrt hatte, weit bertrafen.
Endlich gelang es mir doch, zu Wort zu kommen und ihnen, wenn auch mit
groer Mhe, klar zu machen, da sie meine Diener gnzlich miverstanden
htten, da keine von ihnen zu ihren eigenen Eltern zurckgeschickt
werden sollte, sondern da sie beide in das Haus meiner Eltern gebracht
wrden, und zwar nicht zur Strafe oder als Zeichen meiner Ungnade,
sondern lediglich um ihrer und der Kinder Sicherheit willen. Als ich nun
aber sah, da sie dies vollkommen begriffen hatten, lie ich mich
hinreien und rief:
"Das habt ihr von eurer Unart, nun lernet endlich euch anstndig zu
betragen! Da habt ihr euren "kahlen Pfaffen"! Wer, g$
gefallen. Denn des Menschen Sinnen und
Trachten geht auf Glckseligkeit und Wonne, was auch in der Natur
begrndet ist und nicht anders sein kann. Und so habe ich ja auch die
Brahmanischen Priester verknden hren:
'Gesetzt, es sei ein Jungling, ein wackerer Jngling, ein
lernbegieriger, der schnellste, krftigste, strkste, und ihm gehrte
die ganze Erde mit all ihrem Reichtum: so ist das eine menschliche
Wonne. Aber hundert menschliche Wonnen sind _eine_ Wonne der himmlischen
Genien. Und hundert Wonnen der himmlischen Genien sind _eine_ Wonne der
Gtter. Und hundert Wonnen der Gtter sind _eine_ Wonne des Indra. Und
hundert Wonnen des Indra sind _eine_ Wonne des Prajapati, und hundert
Wonnen des Prajapati sind _eine_ Wonne des Brahman. Dies ist die hchste
Wonne, dies ist der Weg zur hchsten Wonne!'"
"Gleichwie, o Pilger, wenn da ein unerfahrenes Kind wre, der
vernnftigen Erwgung unfhig. Dieses Kind empfnde in einem Zahne
brennenden, stechenden, bohrenden Schmerz; und es liefe zu einem
kundigen, bewh$
ENBLTEN
Sie besuchten in der Tat nicht wieder jenes ungastliche Gestade der
himmlischen Ganga. Oft aber lenkten sie ihren Flug nach dem Tale der
Malachitfelsen. Unter der mchtigen Krone des Korallenbaumes gelagert,
atmeten sie jenen Duft aller Dfte, der den karmesinroten Blten
entstrmte, und in der Tiefe ihrer Erinnerung ffnete sich dann die
Aussicht auf ihre frheren Leben.
Bald in Palsten, bald in Htten sahen sie sich nun wieder, aber ob in
Seide und Musselin gehllt oder in die groben Erzeugnisse des
Dorfwebstuhles gekleidet: immer war die gegenseitige Liebe da. Bald
wurde sie durch das Glck der Vereinigung gekrnt, bald war die Trennung
durch Lebensgeschicke oder durch den Tod ihr jammervolles Los: aber
glcklich oder unglcklich, die Liebe blieb dieselbe.
Und sie sahen sich in anderen Zeiten, da die Menschen gewaltiger waren
als jetzt, in jenen ewig unvergessenen Heroentagen, als er sich aus
ihren Armen ri und seinen Kampfilfen bestieg, um nach der Ilfenstadt zu
ziehen und seinen Freunden, den $
on erblassendem Licht und zerflieenden Formen
dieser Brahmawelt brig war, das zog sie durch ihre Geisteskraft an
sich, den ganzen Raum entvlkernd, und bannte diese ganze Masse von
Astralstoff in die Formen ihrer Phantasie und schuf so im Rume ein
kolossales leuchtendes Bild des Vollendeten, wie er im Begriff war, in
das Nirvana einzugehen.
Und wie sie dies Bild sich gegenber erblickte, erhob sich in ihr keine
Neigung, keine Wehmut.
Denn selbst der groe Heilige Upagupta, als er durch die Zauberkunst
Maras, des Bsen, die Gestalt des lngst gestorbenen Buddha zu sehen
bekam, da erhob sich in ihm Neigung, so da er sich vor der
Trugerscheinung anbetend niederwarf und von Wehmut bermannt klagte:
"Wehe ber diese erbarmungslose Unbestndigkeit, da sie auch so
herrliche Gestalten auflst! Denn der so herrliche Krper des groen
Heiligen unterlag der Vergnglichkeit und ist der Vernichtung
anheimgefallen."
Nicht aber so Vasitthi.
Unbewegt, gesammelten Geistes betrachtete sie die Erscheinung, wie ein
Knstler$
esus mit zweien seiner Jnger nach Emmaus gewandert
sei. Mit der Liebe fr alles Groe und Schne verband er Gehorsam gegen
seine Eltern und Vertrglichkeit mit seinen Geschwistern und Gespielen.
Zwei Jahre lter als er, war seine Schwester _Elisabeth Christophine
Friedericke_, spterhin mit dem Bibliothekar _Reinwald_ in Meiningen
verheirathet. Eine zweite Schwester, _Dorothea Luise_ ward nach ihm 1767
geboren und nachher die Gattin des Stadtpfarrers _Frankh_ zu Mckmhl im
Wrtembergischen. Eine dritte Schwester, _Nanette_ mit Namen, starb
bereits in ihrem achtzehnten Lebensjahre.
Von Schwbisch Gmnd, wohin er von dem Herzog von Wrtemberg als
Werbeofficier gesandt worden war, begab sich Schillers Vater 1765 nach
Lorch, einem Wrtembergischen Grenzdorfe. Zu dem Unterricht, den der
sechsjhrige Knabe dort im Lesen und Schreiben erhielt, traten spterhin
auch die Elemente der lateinischen und griechischen Sprache. Den Namen
seines ersten Lehrers, des Pfarrers Moser in Lorch, verewigte Schiller
spter in sein$
e, die Streicher seiner Mutter verdankte, von
dem augenblicklichen, sehr drckenden Geldmangel. Mit dem Marktschiffe
fuhren die Freunde nach Mainz. Den Weg nach Worms setzten sie am nchsten
Tage zu Fue fort. Kurz vor seiner Abreise hatte Schiller an den
Theaterregisseur Meier in Mannheim geschrieben. Sein Brief enthielt die
Bitte, ihm einen Ort zu bestimmen, wo sie sich sprechen knnten.
Diese Zusammenkunft fand in Oggersheim statt, in einem Wirthshause, der
Viehhof genannt. Den trostlosen Dichter suchte Meier durch die Aussicht zu
beruhigen, da sein Trauerspiel mit einigen Abkrzungen sicher auf die
Bhne gebracht werden drfte. Schiller erklrte sich sofort zur
Umarbeitung seines Stcks bereit, ohne die geringste Empfindlichkeit zu
verrathen, da ihn Dalberg so bitter getuscht. Er entschlo sich, einige
Wochen in Oggersheim zuzubringen. Rathsam schien ihm die auch schon wegen
der Gefahr der Auslieferung, die ihm nach den Briefen seiner Stuttgarter
Freunde drohte. Dem Wirth im Viehhof, bei welchem er ge$
nd eine
Hetzpeitsche hatte man erwartet."
Seinem frher geuerten Wunsche gem, bewohnte Schiller eine Zeitlang
mit Huber ein gemeinschaftliches Zimmer. Spterhin bezog er eine der
kleinsten Studentenstuben. Er war noch immer genthigt, sich hinsichtlich
seiner Ausgaben sehr zu beschrnken. Sein innerer Reichthum mute ihm fr
manche Entbehrung Ersatz bieten. Von seiner mitunter frohen Stimmung gab
er einen Beweis in dem "Lied an die Freude". In dem bei Leipzig gelegenen
Dorfe Gohlis, wo er einige Sommermonate zubrachte, dichtete er dies Lied.
Ein erhhtes Selbstgefhl gab ihm die Hoffnung einer gesicherten uern
Existenz. Er erwartete sie nicht von der dem Studium der Jurisprudenz, der
er sich in Leipzig hatte widmen wollen, sondern von der Rckkehr zu seinem
ehemaligen Berufsfache, der Medicin. In solcher Stimmung war er selbst so
khn, in seinem frher erwhnten Briefe an den Buchhndler Schwan um die
Hand seiner Tochter Margarethe anzuhalten. Die abschlgliche Antwort, die
ihm Schwan ertheilte, grndet$
 von Alexander von Gleichen-Ruwurm
Der Philosoph auf dem Kaiserthron gehrt zu den bedeutendsten Mnnern
des ausklingenden Altertums. Marcus Annius Verus wurde den 25. April des
Jahres 121 n. Chr. Geb. zu Rom geboren wo seine Familie, seit der
Urgrovater aus Spanien eingewandert war, sich zu hohem Rang
emporgearbeitet hatte. Sorgfltige Erziehung, gepaart mit groer
Lernbegierde, erschlossen ihm die Wissenschaft seines Jahrhunderts, die
in der Philosophie den hchsten, in unserem Sinn sogar den einzigen
Ausdruck fand. Schon im zwlften Jahr nahm der krftig aufblhende
Jngling den weien Mantel und bekundete dadurch, da er auch uerlich
zur Kaste der Philosophen gehren wolle.
Streng und ernst gab sich die Weltweisheit des zweiten Jahrhunderts.
Entbehrungen, oft bis zum berma gesteigert, wie sie spter zur
typischen Eigenschaft christlicher Asketen wurden, verlangten die
Anhnger der Stoa und sahen in der Abkehr von allen Interessen,
Zerstreuungen wie Freuden der Welt die einzig richtige Stellungnahme
$
ken bestimmend auf die ethische Entwicklung des still fr sich
Heranwachsenden.
Kaiser Hadrian fand Gefallen an dem ernsten, auerordentlich wahrhaften
Philosophenschler und veranlate im Jahr 136 dessen Verlobung mit der
Tochter seines Mitregenten Verus. Als Folge dieser Verlobung ist dann
die Adoptierung seitens Antoninus (eines Sohnes des Verus) zu
betrachten, der selbst von Hadrian an Kindes Statt angenommen und zum
Thronfolger ernannt war. Unter dem Namen Marcus Aelius Aurelius Verus
trat der junge Denker aus der Verborgenheit auf den Schauplatz der
groen Welt.
Sein Biograph berichtet, da er nur ungern sein beschauliches Leben
verlassen und einen Palast in der Stadt auf Hadrians Befehl bezogen
habe. Doch im Treiben des Hofes, im bewegten politischen Frage- und
Antwortspiel, auf dem Forum vor Gericht, bei den Mhen kriegerischer
Unternehmungen wuchs und reifte erst die philosophische Saat des herben
jugendlichen Frhlings zu reicher Ernte. Als Kaiser Hadrian am 10. Juli
138 zu Baj starb, bestieg Anton$

gerichtet--gewi des Gelingens, sicher des nahen Sieges... ber der
ganzen Gestalt aber lag zugleich bei aller Kraft eine solche Anmut,
eine solche Frische, da man den khlen Duft dieses vielleicht eben
erst dem Wasser entstiegenen Krpers zu spren glaubte, der sich nun
zu neuem und schwierigerem Sprunge anschickte, und den das Trikot nur
wie ein dnner Schleier umschlo, hinter dessen zartem Gewebe jeder
Muskel, ja die Adern erkennbar hervorzutreten schienen; und obwohl
zum Teil mit diesem Schleier bekleidet, erschien auf den ersten Blick
der ganze Krper wie nackt, bis man die unsglich feine Arbeit des
Meisters gewhrte, fr den die leichte Hlle kein Hindernis gewesen
war, das nackte Leben in seiner Wrme zu bilden.
--"Klassisch schn und doch von modernem Geiste beseelt"--"raffiniert
schlicht"--"einfach antik"--"wo kann er das Modell herhaben?"--"ein
Meisterwerk, ganz ohne Zweifel"--das waren die Ausdrcke, die mit
vielen anderen Namen und Vergleichen, von denen er nichts verstand,
Felders Ohren umsch$
 die hier zu ihnen redete, verstanden sie nichts. Felder selbst
war zum ersten Male in einer Kunstausstellung, und der Blick auf die
vielen anderen Marmorwerke in dieser hohen Halle, in die lange Flucht
der Sle, von deren Wnden herab die Farben unzhliger Gemlde
leuchteten, machte ihn wirr und beraubte ihn.
Zudem rgerte er sich zu sehr, als da er sich ruhig irgendeiner
Betrachtung htte hingeben knnen. Er hatte sich diesen Morgen ganz
anders gedacht. Wie, das wute er wohl selbst nicht, aber etwa so:
da er mit dem Knstler vor der Statue stehen wrde, aller Augen auf
sich gerichtet, als auf das Modell usw.... So aber geschah nichts
dergleichen. Kein Mensch kmmerte sich um ihn, man drckte und stie
ihn von allen Seiten, und wenn ihn zufllig jemand ansah, so hatte er
das Bewutsein, mit diesem Blicke gefragt zu werden: Was wollen Sie
Wie htte aber auch irgend jemand in dem modisch gekleideten jungen
Mann mit dem hohen Hemdkragen und dem steifen Hut, der aussah wie ein
Kommis von Hertzog oder Wertheim$
 System knnte man ihr
Walten, die Idee von ihr ausgestalten!
Ist nicht jede Form ein Resultat der Bewegung der Materie gegen einen
Widerstand? Was ist die Anpassung anders, als Wirkung von Hemmung und
Widerstand auf das vorwrtstreibende Leben? Was ist der Rhythmus anders,
als die periodisch gehemmte Bewegung! Was ist Bewegung anders, als die
durch einen Widerstand in bestimmte Bahnung gezwungene Kraft! Und wie
anders wre Kraft zu erforschen und wirksam zu machen, als durch
knstliche und bewute Einschaltung von spezifischen Widerstnden!
Vielleicht knnen wir berhaupt niemals etwas wissen von dem Wesen der
Kraft, sondern lernen und studieren nur immer feiner die Widerstnde und
die Hemmungen, welche die Urkraft zwingen, in so verschiedener Form in
Erscheinung zu treten. Wer rief die Elektrizitt in die Erscheinung,
wenn nicht die Einschaltung geeigneter Widerstnde (Isolation)? Wrde
das Licht ohne Existenz eines thers bertragbar, ohne das brechende
Medium analysierbar sein? Wird es nicht sichtbar am W$
 Prometheus-Stirn des Genies!
Aufsteigend von der einfachen Reizbarkeit des einzelligen Lebewesens bis
zur Feinfhligkeit des sublimsten Gedankens, der den Harfensaiten der
menschlichen Seele entgleitet, wurde der Nerven Stammherr, der _Nervus
Sympathicus_, der den Rhythmus der kriechenden Raupe, wie den Flug der
Libelle beherrscht, geschaffen als der erste Schritt zur Organisation
chaotischer Bewegungsmglichkeiten. Nach ihm kam Rckenmark und
Nervengeflecht und endlich die Krone des Nervenbaums, das Gehirn. Kein
Geringerer als Goethe sah, da das Schdeldach ein entwickelter Wirbel
sei, und die Hlle mute sich wohl entwickeln, weil an der Spitze der
Rckenmarksule die sich fortbildende Nervenmasse das Gehirn erzeugte.
Dessen jngste Sprossen, die Hirnrindenzellen, sind der Sitz unseres
Bewutseins. Ein jeder von uns trgt also in sich die organischen
Niederschlge dessen, was vor uns war. Einst war Stufe fr Stufe
aufsteigend alles das bewut, was jetzt unbewut, automatisch gleichsam
"von selbst" sich re$
seelischer Schnheit ist, warum
Sauberkeit eine kardinale Tugend, ein soziales Erfordernis, eine
sittliche Pflicht ist. Die Kultur eines Volkes wie des einzelnen kann
gemessen werden an dem Ma von Sorgfalt, das beide auf die Kultur der
Haut verwenden. Zur Kultur der Seele gehrt untrennbar die Kultur der
Haut. Die Zeiten sind fr immer vorber, in denen struppiger Bart,
ungepflegte Hnde, Wasserscheu und Nonchalance der Tracht fr das
Erkennungszeichen genialischer Kraftnaturen galten: "er gibt nichts aufs
uere", pflegte man frher von einem solchen teutonischen Kraftmeyer
entschuldigend im Hinblick auf die Gewalt seines Innenlebens zu sagen,
wobei man eben verga, da das "uere" unseres Leibes, die Haut,
durchaus ein Teil des Innerlichsten ist. Gewi knnen wir es durch keine
Kultur erzwingen, unserer Haut wieder jenen weichsamtenen Bltenschmelz
zu geben oder zu erhalten, wie ihn beispielsweise die Halspartie oder
der Nacken eines Kindes aufweist, man kann die Haut nicht schner
gestalten, als sie von $
esprch
einlie, das meistens literarische Gegenstnde betraf.
Die beliebtesten englischen Autoren sich zum Muster zu whlen, hielt Goethe
fr das wirksamste Mittel, um sich von dem seichten Geschmack Gottsched's
und seiner Schule frei zu erhalten. Aber auch zu einem grndlichen Studium
der bessern deutschen Schriftsteller, die der Literatur eine neue Richtung
gaben, ward Goethe durch den Umgang mit mehreren vielseitig gebildeten
jungen Mnnern gefhrt, zu denen, auer einigen gebildeten Livlndern, ein
Bruder des Dichters Zachari, der nachherige Privatgelehrte Pfeil und der
durch seine geographischen und genealogischen Compendien bekannte
Schriftsteller Krebel gehrten. Fleiig las Goethe in Lessings, Gleims,
Hallers, Ramlers u. A. Schriften. Keiner dieser Dichter aber raubte ihm die
Vorliebe fr Wieland. Den Eindruck, den das Lehrgedicht "Muserion" damals
auf ihn gemacht, schilderte er in sptern Jahren mit den Worten: "Hier, in
diesem Gedicht war es, wo ich das Antike lebendig und neu vor mir zu sehen
gla$
ner Meinung nach, einer gewissen
Khnheit, seine werthe Person einer solchen Gefahr auszusetzen.
Vor der Reeling stehend, hielt Frycollin erst den Krper nach rckwrts
geneigt, dann schttelte er an derselben, um ihre Haltbarkeit zu
prfen; nachher richtete er sich auf, beugte sich etwas nach vorwrts
und steckte endlich den Kopf ein wenig hinaus. Wir brauchen wohl nicht
zu bemerken, da er whrend der Dauer dieses Experimentes beide Augen
fest geschlossen hielt. Endlich ffnete er dieselben.
Hei, wie schrie er da laut, wie flog er eiligst zurck und wie verkroch
sich sein Kopf zwischen den Schultern!
Unter dem Abgrunde hatte er den ungeheuren Ocean erblickt. Wren seine
Haare nicht gar zu krank gewesen, sie htten sich gewi ber der Stirn
"Das Meer! Das Meer! ..." schrie er auf.
Frycollin wre lang auf das Verdeck hingestrzt, wenn der Koch nicht
die Arme ausgebreitet htte, ihn aufzufangen.
Dieser Koch war ein Franzose, vielleicht ein Gascogner, obwohl er sich
Franois Tapage nannte. Wenn er nicht Gascogn$
machten sich aber doch zu unangenehm fhlbar, da sie Alles an
Bord durchnten.
Es bedurfte ja nichts weiter, als sich ber diese Nebelschicht, welche
drei- bis vierhundert Meter stark sein mochte, zu erheben. Die
Schrauben wurden also in schnelle Umdrehung versetzt, und oberhalb des
Nebels fand der "Albatros" wieder den reinen, vom Sonnenlicht gebadeten
Unter diesen Verhltnissen htten Onkel Prudent und Phil Evans Mhe
gehabt, ihren Fluchtversuch auszufhren, selbst wenn sie den Aeronef
htten verlassen knnen.
An diesem Tage blieb Robur, als er einmal an ihnen vorberkam, wie
zufllig stehen und sagte, ohne uerlich seinen Worten besondere
Bedeutung beizulegen:
"Meine Herren, ein Segel- oder Dampfschiff, das in einen Nebel gerieth,
dem es nicht entrinnen kann, ist immer sehr genirt, es fhrt nur unter
fortwhrendem Pfeifen oder unter den Tnen des Nebelhorns weiter. Es
mu seine Fortbewegung verlangsamen und hat trotz aller Vorsicht jeden
Augenblick eine Collision zu befrchten. Der "Albatros" kennt solch$
lte, fast
leuchtende Dnste auf -- was jedenfalls von der verschiedenen und
wechselnden elektrischen Spannung der Wolkenschichten herrhrte.
Der Reflex von diesen Ansammlungen lie Myriaden von Lichtern auf der
Oberflche des Meeres hintanzen, deren Intensitt um so lebhafter
wurde, je mehr der Himmel sich verfinsterte.
Der "Albatros" und jenes Meteor muten bald zusammentreffen, da sie
sich auf einander zu bewegten.
Und Frycollin? -- Nun Frycollin folgte noch immer im Schlepptau -- ja,
das ist das richtige Wort, denn jenes Tau bildete einen weit offenen
Winkel gegen den mit der Geschwindigkeit von hundert Kilometern
hinfliegenden Apparat, wodurch der Korb nicht unerheblich zurckblieb.
Das Entsetzen des armen Teufels wird man sich unschwer ausmalen knnen,
als die Blitze jetzt um ihn her aufzuckten und der Donner mit
gewaltiger Macht durch die Himmelsrume rollte. Das ganze Personal
bemhte sich angesichts dieses Unwetters so zu manvriren, da sie
entweder hher als dasselbe hinaufkamen oder in den unteren
$
tiegen. Die Mannschaft war
an ihrer Stelle und hielt sich bereit, jeder Anordnung ihres Herrn
eiligst nachzukommen.
Obwohl der "Albatros" sich nur einige hundert Fu gesenkt hatte,
schwebte er doch immer noch in der dichten Wolkenschicht inmitten von
Blitzen, die sich wie Raketen eines Feuerwerks kreuzten. Man mute
jeden Augenblick frchten, da ihn ein Blitzstrahl treffe. Die Bewegung
der Schrauben verlangsamte sich noch mehr, und was bisher ein etwas
Schnelleres Herabsinken war, drohte jetzt ein gefhrlicher Sturz zu
Zuletzt lag es auf der Hand, da er in weniger als einer Minute auf der
Meeresflche angelangt sein mute, und einmal in's Wasser getaucht,
htte keine Macht ihn daraus zu befreien vermocht.
Pltzlich lagerte sich die elektrische Wolke dicht ber ihnen. Der
"Albatros" war jetzt nicht mehr als sechzig Fu vom Kamm der Wellen
entfernt. Binnen zwei bis drei Secunden drohten diese das Verdeck zu
berfluthen.
Da bentzte Robur noch den letzten Moment, strzte nach dem mittleren
Ruff hin und packte $
n ber Gro- und
Klein-Kabylien hinweg endigte gegen Mittag in der Hhe der Kasbah von
Algier. Welch' schnes Bild bot sich da den Passagieren des Aeronefs!
Die offene Rhede zwischen Cap Matifu und der Pescade-Spitze, das mit
Palsten, Maravuts und Landhusern besete Uferland; die launenhaft
gewundenen Thler mit ihrem Mantel von Weinstocken; das tiefblaue
Mittelmeer, das die hier kleinen Booten gleichenden transatlantischen
Dampfer durchfurchen. So ging es weiter bis zu dem malerischen Oran,
dessen in den Gartenanlagen der Citadelle versammelte Bewohner den
"Albatros" mit den ersten aufleuchtenden Sternen verschmelzen sahen.
Wenn Onkel Prudent und Phil Evans sich fragten, welcher Laune der
Ingenieur Robur nachgebe, als er ihr fliegendes Gefngni ber Algerien
-- die Fortsetzung Frankreichs an der Sdkste des Mittelmeeres --
hinfhrte, so muten sie die Ueberzeugung gewinnen, da diese Laune
zwei Stunden nach Sonnenuntergang befriedigt sei. Eine Wendung des
Steuerruders lenkte den "Albatros" nach Sdosten $
ir haben es gethan!" rief Onkel
Robur trat auf die beiden Collegen zu. Auf ein Zeichen von ihm waren
Tom Turner und einige seiner Kameraden herzugelaufen. Ja, der Ingenieur
hatte verzweifelte Lust, seine Drohung zur Ausfhrung zu bringen, und
ohne Zweifel zog er sich nur aus Besorgni, ihr nicht widerstehen zu
knnen, pltzlich in seine Cabine zurck.
"Sehr schn! sagte Phil Evans.
-- Und was er zu thun nicht wagte, erklrte Onkel Prudent, das werde
ich wagen, ich, ja, ich werde es thun!"
In diesem Augenblick liefen die Bewohner von Timbuctu auf den Pltzen
und Straen der Stadt zusammen und sammelten sich auf den Terrassen der
amphitheatralisch erbauten Huser.
In den reichen Vierteln von Sankore und Sarahama, wie in den elenden
kugelfrmigen Htten des Quartiers Raguidi donnerten die Priester von
den Spitzen der Minarets die schlimmsten Flche und Verwnschungen
gegen das Ungeheuer in der Luft. Das war inde unschdlicher, als
Flintenkugeln.
Und auch bis zum Hafen von Kabara an der scharfen Biegung des Nige$
a auch nicht,
was drauen vorging, und konnte sich gegen jede Gefahr geschtzt
glauben. Glich er nicht vllig dem thrichten Straue, nicht allein
physisch durch seinen vortrefflichen Magen, sondern auch geistig durch
seine kindische Beschrnktheit?
Doch nach welchem Punkte der Erde sollte der "Albatros" sich nun
wenden? Konnte man wohl annehmen, da er sich im tiefen Winter ber
diese sdlichen Meere oder ber das Festland des Pols hinauswage?
Selbst wenn die Chemikalien in den Batterien nicht durch die furchtbare
Klte erstarrten, drohte in dieser eisigen Atmosphre doch Allen der
Tod -- der schreckliche Tod des Erfrierens. Da Robur es unternommen
htte, in der warmen Jahreszeit ber den Pol zu fahren, mchte wohl
angehen; inmitten der ewigen Nacht des antarktischen Winters erschien
dies dagegen wie der Streich eines Tollhuslers.
Diesen Gedankengang hatten der Vorsitzende und der Schriftfhrer des
Weldon-Instituts, als sie sich jetzt nach dem uersten Ende der Neuen
Welt entfhrt sahen, nach Gegenden, we$
 geschah etwas ganz Besonderes in
ihrem Leben. Bovarys bekamen eine Einladung nach Vaubyessard, zu
dem Marquis von Andervilliers. Der Marquis, der unter der
Restauration Staatssekretr gewesen war, wollte von neuem eine
politische Rolle spielen. Seit langem bereitete er seine Wahl in
das Abgeordnetenhaus vor. Im Winter lie er groe Mengen Holz
verteilen, und im Bezirksausschu trat er immer wieder mit dem
hchsten Eifer fr neue Straenbauten im Bezirk ein. Whrend des
letzten Hochsommers hatte er ein Geschwr im Munde bekommen, von
dem ihn Karl wunderbar schnell durch einen einzigen Einstich
befreit hatte. Der Privatsekretr des Marquis war bald darauf nach
Tostes gekommen, um das Honorar fr die Operation zu bezahlen, und
hatte abends nach seiner Rckkehr erzhlt, da er in dem kleinen
Garten des Arztes herrliche Kirschen gesehen habe. Nun gediehen
gerade die Kirschbume in Vaubyessard schlecht. Der Marquis erbat
sich von Bovary einige Ableger und hielt es daraufhin fr seine
Pflicht, sich persnlich zu be$
ung gewesen. Von drauen, vom Gange her, waren dem
Apotheker die schweren Tritte der Schutzleute ins Ohr gehallt. Es
war ihm, als hrte er fern das Aufschnappen wuchtiger Schlsser.
Er bekam Ohrensausen und glaubte, der Schlag wrde ihn rhren.
Schon sah er sich im Kerker sitzen, seine Familie in Trnen, die
Apotheke unter dem Hammer und seine Arzneiflaschen in alle vier
Winde verstreut. Hinterher mute er seine Lebensgeister in einem
Kaffeehause mit einem Kognak in Selters wieder auf die Beine
Allmhlich verblate die Erinnerung an diese Vermahnung, und
Homais hielt von neuem in seinem Hinterstbchen rztliche
Sprechstunden ab. Da aber der Brgermeister nicht sein Freund war
und seine Kollegen in der Umgegend brotneidisch waren, bebte er in
ewiger Angst vor einer neuen Anzeige. Indem er sich nun Bovary
durch kleine Geflligkeiten verpflichtete, wollte er sich damit
ein Recht auf dessen Dankbarkeit erwerben und ihn mundtot machen,
falls die Kurpfuschereien in der Apotheke abermals ruchbar wrden.
Er brachte d$
 er ihn. Hier! Das hlt
In der Ferne bellte irgendwo fortwhrend ein Hund.
Hren Sie, wie der Hund heult? fragte der Apotheker.
Man sagt, da sie die Toten wittern, sagte der Priester.
hnlich ist es bei den Bienen. Sie verlassen ihren Stock, wenn im
Haus ein Mensch stirbt.
Homais erhob keinen Einwand gegen diesen Aberglauben, denn er war
bereits wieder eingeschlafen.
Bournisien, der widerstandsfhiger war, bewegte noch eine Zeitlang
leise die Lippen. Dann senkte sich allmhlich sein Kinn, sein
dickes schwarzes Buch entfiel ihm, und er begann zu schnarchen.
So saen sie einander gegenber, mit vorgestreckten Buchen, mit
ihren aufgedunsenen Gesichtern voller Stirnrunzeln. Nach all ihrem
Zwist vereinte sie die gleiche menschliche Schwche. Sie regten
sich ebensowenig wie der Leichnam neben ihnen, der zu schlummern
Karl kam. Er weckte die beiden nicht. Er kam zum letzten Male. Um
Abschied von ihr zu nehmen.
Das Rucherwerk qualmte noch. Die bluliche Wolke vermhlte sich
am Fensterkreuz mit dem Nebel, de$
 dankbar, indem sie den
Mann mit vollem Gehalt pensionierte. Worauf Bodlak verschwand.
Durch Briefe aus Ocura erfuhr man auch in Brssel von der drolligen
Ulkgeschichte. Knig Lopold hat besonders ber den ihm unterschobenen
Brief und das "achtungsvoll" gelacht, war aber "verschnupft", da man
ihm ein so--"minderwertiges" Franzsisch zutraute....
Die Kohlenbahn Ocura-Friedau wurde nicht gebaut; die Verfrachtung findet
heutzutage auf einer anderen Strecke: Golubovec-Varazdin statt, deren
vorletzte Station (vor dem Endpunkte Golubovec) das vielgenannte Ocura
ist. Die Gesellschaft besteht noch immer und freut sich ihres Besitzes
im kohlenreichen Gebirge Kroatiens.
Alte Leute schmunzeln heute noch, wenn die Rede ist von--kroatischen
Glanzkohlen.
Auf Forstinspektion.
Nach Aufhebung der sogenannten Militrgrenze (8. August 1873) muten die
Wlder zunchst des nordwestlichen Teiles Kroatiens durch eigene
Forstkommissre der Vizegespanschaften neu "eingeschtzt", auf ihren
Wert berechnet, dabei der Forstbetrieb besi$
e, sein
neugekauftes Automobil zu einer Fahrt nach "Halbasien", hinunter zu den
Wasserwundern von Plitvice im sdlichsten Zipfel von Kroatien zu
Praktisches Geographiestudium! Reisen bildet!
"Automobilfahren ist schner noch als Jagd und Liebe!"
Dieser Ausspruch khlte meine Begeisterung ab. Doch der Sden, der mir
unbekannte Sden Kroatiens, die Schilderungen von der mrchenhaften
Schnheit der Korana und von Plitvice gaben den Ausschlag!
Drei Stunden flinker Fahrt, und wir beguckten die fast unleserliche
Aufschrift auf Eisentafeln, die auf dicken, rotweiblau angestrichenen
Holzpfhlen thronten: "Hrvatska i Slavonia". (Kroatien und Slavonien).
Damals ein Knigreich, das zu Ungarn gehrte, deshalb das ungarische
Staatswappen auch am Schilde jeder Tabaktrafik. Das Wort Goethes vom
Deutschen, der keinen Franzmann leiden kann, doch seine Weine gerne
trinkt, htte man damals mit gewissen Vernderungen auf Kroatien
anwenden knnen. Viel Zuneigung fr ungarische Freiheit in Gesetzgebung
und Verwaltung, "Autonomie $
ier, die sie nicht
emporheben durfte, wenn sie nicht nackt und wehrlos dem Schicksal
preisgegeben sein wollte.
Es gab aber auch Stunden, wie die der heutigen Nacht, wo ihr Inneres von
einer gleichsam nur getrumten Unruhe erfllt war, wo ihre Augen sich
gro ffneten wie die eines erwachenden Kindes und sie sich fragte: Wer
bin ich? Was wird aus mir?
       *       *       *       *       *
In seiner Knabenzeit hatte Sylvester einmal im Herbst in einer Kammer
einen Korb mit frischen Trauben entdeckt. Es war nicht Hunger, was ihn
getrieben, darber herzustrzen. Da es die ersten Trauben des Jahres
waren, hatte auch die Freude am Anblick der schnen Dolden, das
Entzcken, sie greifen zu knnen, seine Gier erweckt. Er war
niedergekniet, hatte jauchzend zwei Hnde voll gepackt und dann das
Gesicht, den Mund, die Zhne frmlich in die Trauben vergraben, so da
der ausgeprete Saft nicht nur ber den Gaumen hinab, sondern auch ber
das Kinn und die Kleider trufelte.
Daran mute er manchmal whrend seines Pariser A$
 Major, viel zu gutmtig, um die Erbitterung seiner Frau
zu teilen, ritt jede Woche einmal nach Erfft, brachte Silvia eine Puppe
oder ein Kleidchen mit und prfte die Rechnungen, die ihm der Inspektor
vorlegte. Agathe war ihm dankbar, trotzdem sie von der Vergeblichkeit
solchen Beistands durchdrungen war. Da der Major auch ein bichen in
sie verliebt sein knne, fiel ihr nicht im Traume ein.
In der Nachbarschaft und unter den Bekannten wurde ber die rtselhafte
Abwesenheit Sylvesters mancherlei geredet, wie sich denken lt.
Forschenden Blicken zu begegnen, Vertraulichkeiten abzuwehren und
taktlose Neugier zufriedenzustellen, hatte Agathe keine Lust; nicht blo
aus diesem Grund, sondern auch, weil ihr die Menschengesichter immer
weniger gefielen, mied sie Gesprche und Zusammenknfte und verbarg sich
still in ihrem Hause. Achim Ursanner, der einzige, dessen Gesellschaft
ihr bisweilen erwnscht gewesen wre, gab selten ein Lebenszeichen, und
gesehen hatte sie ihn seit ihrem Besuch in Randersacker nicht mehr.$
enen Heuwagen; sie hatte den Brieftrger
gesehen und konnte durch die offnen Fenster in die Stube blicken. Nun
kletterte sie vom Wagen herunter und eilte ins Haus. Zgernd trat sie
ein, richtete aber die Augen furchtlos gegen Agathe und fragte: Was
schreibt denn der Vater? Agathe war betroffen von der Divination wie
auch von der verstellten Ruhe in der Stimme des Kindes. Es war das
erstemal, da sich Silvia durch eine unmittelbare Frage nach ihrem Vater
erkundigte, aber der mitrauische und heimlich gereizte Ton erzrnte
Agathe, und sie antwortete: Deinem Vater geht es gut. Was dich
betrifft, so nimm dich in acht, Kind, da du mir nicht durch Dnkel und
Vorwitz verhat wirst. Nicht was du sprichst, sondern wie du dich gibst,
ist ber deine Jahre und steht dir nicht an. Wenn du lter und klger
bist, wirst du einsehen, da man mit einem so kleinen Mdchen nicht ber
die ernsten Dinge sprechen kann, die Vater und Mutter beschftigen.
Silvia lchelte. Es war ein sehr besonderes Lcheln, das ungefhr zu
sagen$
e die Susanne recht gehrt. Es hatte wirklich in der Stube
der Fremden ein Kind geweint, und ein Kind war es gewesen, was der
Reisende unter seinem Mantel verbarg, als er aus dem Wagen stieg. An dem
Bette ihres Kindes saen die Aeltern an diesem Abend, whrend die
Tanzmusik schallte, und weinten und klagten, und je lauter das Jauchzen
der Frhlichen wurde, desto betrbter wurden sie. Ist's denn gar nicht
zu ndern, Lewin, sprach weinend die fremde Dame, indem sie einen Ku
auf die Stirne eines lieblichen Mdchens drckte, das schlafend im Bette
lag; ist's denn gar nicht zu ndern, und mu ich mich von meinem
kleinen Engel scheiden? Ach ich halt' es nicht aus! Thue Alles, was du
willst; sage lieber vor aller Welt, ich wre nicht dein Weib, nur nimm
mir mein Kind nicht, meine Selma. Sage deinem Vater, was du willst; sage
ihm, wir seien nicht getraut. Geh' allein zurck, vergi mich, wenn du
kannst, aber la' mir mein Kind. Ach, in fremdem Land es zurcklassen,
Wochen und Monate nichts von ihm hren, wie kann$
tet hast. (Psalm 8,
       *       *       *       *       *
Das ist die Freude und das Vergngen eines christlichen Stern- und
Himmelsbetrachters, da er, wenn er die irdische Htte ablegt, in
solchem Glanz wie die Sterne und Sonne vor seinem Schpfer prangt, davon
auch Daniel also sagt: Die Lehrer werden leuchten wie des Himmels
Glanz. (Daniel 12, 3.)
       *       *       *       *       *
Unter allen Wissenschaften ist keine unschuldiger, als die
Sternwissenschaft; denn mit deren Umgang und Ausbung wird weder Gott
noch der Nchste beleidigt, welche mich auch so ergtzet, da ich alle
meine Nebenstunden dieser anmuthvollen, unschuldigen Wissenschaft in der
stillen Einsamkeit gewidmet habe.
       *       *       *       *       *
[2] Wenn ich den wunderbaren und hohen Himmel mit seinem
hellleuchtenden Sternenheere anschaue und betrachte, so ist dieses meine
hchste Freude, da ich endlich auch einmal, wenn ich aus dem irdischen
Haus meiner Htte ausgehe, und in das neue Jerusalem, allwo mein
himmli$
ottes Gte
und Gnade wiederspiegelt. Die haben frhe den geheimnivollen Zug nach
oben bekommen; und whrend nun Tausende um sie her leiden und im Leiden
klagen und verzagen, leiden sie auch und sind doch allezeit froh. Sie
kennen ihren Gott, wie sie sich von ihm gekannt wissen, und wie sie ihn
in allen ihren Lebensfhrungen erkannt haben; sie lieben ihren Heiland
mit einer tiefen Johannesliebe; sie sind eifrige und starke Beter, und
wer ihre Erfahrungen in diesem Stcke hrt, der staunt ber die Gre
ihres Glaubens. Habt ihr solche in eueren Gemeinden, ihr Lehrer des
Volks, machet um Alles die Stillen nicht irre, lasset sie ihr Wesen
treiben, auch wenn es euch manchmal sonderbar bednket. Sie sind zarte
Pflanzen, fasset sie nicht mit rauher Hand an. Habt ihr sie zu euren
Freunden gemacht, und das hlt nicht schwer, dann lieben sie euch fest
und treu wie Brder, und ihr habt ein gut Fundament euch erbauet, darauf
ihr fortbauen knnet.
Die Zeit, von der wir reden, war noch viel reicher an diesen Stillen,
wie $
 ablegen von
den groen Thaten Gottes an uns, denn er hat berschwnglich an uns
gethan ber Bitten und Vergehen. -- Er hat uns gegeben fromme Aeltern,
die jetzt vor Gottes Thron stehen, und uns behtet in den Tagen unsrer
Schwachheit, und uns eine frohe Kindheit gegeben. Dann hat er uns in
seine Uebungsschule genommen, auf da er unser jugendlich Herz bewahre
vor Snd' und Schand', und es dem zuwende, vor dem ein reines Herz mehr
gilt, denn Gold und Edelstein. -- Als wir mde wurden vom Warten, da hat
er uns Obdach gegeben und Brod, da wir satt wurden, und Kinder lieb und
gut und treu. Und wir haben der Keines verloren, nur Eins, das wollte
der liebe Gott uns droben auferziehen. Sie sind Alle versorgt, und haben
ihr Brod, und Heinrich sogar reichlich. -- Lat uns nicht gedenken der
Mittagshitze, die unser Lebenstag hatte; das Weh, das uns falsche Brder
thaten, haben treue Freunde in der Noth reichlich verst, von denen
noch Viele leben, Etliche aber sind entschlafen. Es ist mir leid um
dich, mein Bruder $
dgelegenheit, und ich bentzte die wenigen freien Minuten whrend
einer Ruhepause, nach eingenommenen Mahle, die nchste Umgebung zu
durchstbern. Der Riet-River flo in einem tiefen Bette als ein dnner
Faden nach Nordwest, um sich mit dem Modder- (Sumpf-, Schlamm-) River zu
verbinden. Wie in den meisten Flssen Sd-Afrika's zur Trockenzeit
(Winter) hatten sich auch hier mehrere die ganze Breite des Flubettes
einnehmende, bis drei Meter tiefe, fischreiche Tmpel gebildet.
Der groen Mannigfaltigkeit von Landschaftstypen entspricht auch eine
groe Mannigfaltigkeit von Thierformen, namentlich Vierflern, und
selbst in den zur Trockenzeit wstenartig erscheinenden Gegenden bietet
sich dem Zoologen wie dem Jger ein reiches Arbeitsfeld. Diese
Mannigfaltigkeit ist besonders bei den niederen Thierformen ausgeprgt,
und ich fand schon in der Cap-Colonie viele Schmetterlings- und
Kferarten oft auf kleine, durch zwei parallel laufende Flsse begrenzte
Striche beschrnkt.
Mit einzelnen interessanten Arten von Feder$
ubte ich Jemanden sich meinem Zelte von
rckwrts nhern zu hren, geruschloser, als es ein Vorbergehender
thun wrde, und was mir auffiel, nach der Stelle zu, wo Nachts zuvor der
Einbruch versucht worden war; ich erhob mich so sachte als mglich von
meinem Lager, und da der Lehmboden meine Tritte dmpfte, war es mir
mglich, dem von auen das Zelt Umgehenden Schritt fr Schritt zu
folgen, bis wir beide an der Thre angelangt waren. Bald vernahm ich den
Versuch, die Thre aufzudrcken, ein Augenblick gengte, um die
vorgeschobene Eisenstange geruschlos zu beseitigen und so dem
Ankommenden den Versuch, die Thre zu ffnen, zu erleichtern. Im
nchsten Augenblicke ri ich die Thre auf und der Eindringling, der
sich gegen dieselbe gestemmt, wre fast in das Zelt hineingetaumelt. Den
Strolch bei der Kehle fassen und ihm den Revolver an die Brust zu
setzen, war das Werk eines Augenblickes. Nun sah ich bei dem schwachen
Schimmer des halb von Wolken bedeckten Mondes, da ich einen halbnackten
Kaffer, der so schwa$
iesen Vereinigungsstellen finden sich dann jene auch schon
erwhnten (in tieferen und hheren Partien des Hochplateaus liegenden)
nach oben trichterfrmig sich erweiternden Oeffnungen, welche an ihrer
oberen Mndung einen Umfang von 24-180, selbst bis zu 240 Meter
erreichen. Sie erscheinen rundlich, weil die Wand oft mit Gerll und
Erde bedeckt ist, doch bei nherer Untersuchung zeigen sie sich
viereckig, die Mehrzahl jedoch dreieckig. Manche dieser Felsentrichter
besitzen kahle Felsenwnde, selten sind dieselben steil, hufiger mit
Gerll berlagert oder durch Felsenblcke gebildet; meist sind diese
Blcke mit Erde bedeckt, oder die Fugen und die Zwischenrume damit
ausgefllt, so da diese von einer ziemlich ppigen Vegetation,
namentlich aber Bumen und Struchern berwuchert werden und da die
hheren Bume dann ber diese Vertiefungen auf der begrasten, wenig oder
gar nicht bebuschten Ebene hervorragen, weithin erkennbar sind.
[Illustration: Felsentrichter.]
Da wo die am Boden solcher Felsentrichter sich $
u entfernt sich von uns nach links in einem
weiten Bogen und wir treffen ihn erst nach einem langen Doppelmarsche,
indem wir die Secante zu diesem Kreisabschnitte beschreiben. Das Land
nach links, eine prachtvolle Grasebene (das Land innerhalb des vom
Flusse betriebenen Bogens), gehrte zu der Transvaal-Republik, jenes zu
unserer Rechten, hochbegrast, hie und da von Bschen und kleinen
Niederwald-Complexen bedeckt, Gassibone an; jetzt gehrt beides zu der
Transvaal-Colonie. Die Grasebene zu unserer Linken war eine der von den
schon oft erwhnten Knurrhhnern (Otis afra) am dichtesten bevlkerten
Jagdstellen, die ich auf meinen sdafrikanischen Wanderungen kennen
gelernt, es rauschte vor uns, neben uns, in der Ferne, auf beiden Seiten
[Illustration: Von der Arbeit heimkehrende Batlapinen.]
Unser Gefhrte F. wollte, als er die Trappen so hufig auffliegen sah,
wieder einmal Proben seiner weidmnnischen Ausbildung geben und rhmte
sich, mindestens einem halben Dutzend den Garaus zu machen. Doch bald
kehrte er z$
eines Ansuchens befragt, gestand er, da dieser
Makoa (Weie), auf B. weisend, seiner Frau und dem Kinde (Nichte) tata,
tata (viel, viel) gefiele und sie deshalb mitreisen wollten.
[Illustration: Klippdachsjagd.]
Wir schlugen eine nordwestliche, dann eine nrdliche Richtung ein und
hatten zwischen der verlassenen Stadt und dem zweitnchsten Flusse, den
Koluany, den wir zu berschreiten hatten, ein Hochland zu durchziehen,
welches an Schnheit der Gebirgsscenerien en miniature nur von dem
groartiger geformten Makalaka-Hhenlande (Westmatabele) bertroffen
wird. Das Hochplateau ist theilweise Busch-, theilweise freies Grasland,
doch hie und da auch dnn bewaldet und von einer Unzahl bis an 80 Fu
hohen meist pyramidenfrmig geformten, aus riesigen Granitblcken
bestehenden Felsenhhen berset. Da sich in ihrer Nhe der Boden in der
Regel feucht erhlt, sind sie von einem Mimosengrtel umsumt und von
ppigster Vegetation bedeckt, in welcher sich namentlich kleine
Aloarten und niedrige cactusfrmige Euphorbia$
llose Samen einer Ranunculus-Species (_R. crepens_) von der
Hhe in das Thal herabgeschwemmt, die ob ihrer stachlichen Eigenart von
den Boers Develkies genannt werden. Unfhig in meiner Beschuhung den
Rckweg anzutreten, mute ich es barfu thun,--das weitere bedarf keiner
nheren Schilderung. Mitternacht war nicht fern, als wir das lodernde
Feuer des Lagers meiner Gefhrten mit einem Freudenschrei begrten--die
Stunde der Erlsung war gekommen.
[Illustration: Scene aus dem Leben der Masarwa's.]
Wir beeilten uns am 27. zeitlich Morgens die Sttte trber Erinnerungen
zu verlassen und setzten die Reise durch den tiefsandigen Wald nach
Norden fort. Die schlechte Beschaffenheit des Weges nthigte uns zu
fterem Rasten; whrend einer solchen kam Pit, welcher die Zugthiere
abseits des Wagens zwischen den Grasbschen weiden lie, athemlos auf
mich zugelaufen und schrie von Weitem. Teiger, Teiger, Bass! Bei
nherer Untersuchung fanden wir zwar keinen _Teiger_ (Leopard), jedoch
zahlreiche Spuren desselben auf den$
r Erwhnung.
Es ist meist der Abschaum der menschlichen Gesellschaft,
Galeerenstrflinge, die aus den spanischen Praesidos von Ceuta, Melilla,
Alhucanas und Peon de la Gomera entflohen sind. Und die Aussicht auf
Begnadigung ist ihnen dadurch, dass sie die mohammedanische Religion
angenommen haben, vollkommen abgeschnitten, sie wrde auch nutzlos fr sie
sein, da sie im Falle einer Begnadigung, _dem Rcherarm der allliebenden
katholischen Kirche anheimfallen wrden_. Die katholische
alleinseligmachende Religion in Spanien und die mohammedanische
alleinseligmachende Religion in Marokko stehen sich noch ebenso feindlich
gegen einander, wie zur Zeit Ferdinand des Katholischen.
Es mgen einige Hundert Renegaten in Marokko sein, fast alle Spanier, mit
Ausnahme von drei oder vier Franzosen; alle sind verheirathet, die meisten
sind Soldaten und alle leben in einer sehr verachteten Stellung. Selbst die
Kinder und Nachkommen solcher Oeludj[31] haben noch zu leiden von der
tiefverachteten Stellung, die ihre Eltern einn$
as Leben hat, stirbt. Ein 40 Jahre anhaltender Regen soll zum neuen
Keimen und Leben rufen, und dann werden die Engel Gabriel, Michael und
Israful zuerst erweckt (an anderen Koranstellen lsst Mohammed sie nicht
sterben, wie berhaupt die grssten Widersprche herrschen). _Letzterer
sammelt die Seelen in seiner Trompete_, und beim letzten Schall
entfliegen sie derselben, um den Raum zwischen Erde und Himmel auszufllen.
Die Lnge des jngsten Gerichtstages wird im Koran verschieden, im 30.
Capitel zu 1000, im 70. Capitel zu 50,000 Jahren angegeben.
Nachdem die Menschen von den Engeln Munkir und Gabriel gefragt sind, wiegt
Gabriel in einer Waage, die so gross ist, dass sie Himmel und Erde zugleich
enthalten kann, die Thaten der Menschen. Ueberwiegen die guten Thaten auch
nur _Ein Haar_ die bsen, so ist der Eingang in das Paradies
gesichert. Ein Mohammedaner, der einem andern Unrecht gethan hat, muss
brigens einen Theil seiner guten Thaten demselben abgeben, hat er gar
keine, so bernimmt er dafr des Anderen$
ens kundigen Leuten in einem Orte gesehen
worden, ist fr _den_ Ort der Ramadhan angegangen. Da nun manchmal der
Himmel an einigen Stellen bewlkt ist, so treten dort die Fasten einen Tag
spter ein; da die Marokkaner wie berhaupt die Mohammedaner, _was das
Religise anbetrifft_, nach Mondsmonaten rechnen, so muss, falls
_immer_ der Himmel bewlkt bliebe, nach Ablauf von 30 Tagen des
vorhergehenden Monats der 31. der erste Tag des Rhamadhan sein.
Von Morgens bis Abends, d.h. sobald man in der Morgen- oder Abenddmmerung
einen weissen von einem blauen Faden unterscheiden kann, ist sodann jeder
materielle Genuss untersagt. Nicht nur dass man nicht essen, trinken,
rauchen oder schnupfen darf, muss auch in dieser Zeit der Umgang mit
Frauen, berhaupt jeder Sinnengenuss gemieden werden. Ja in Marokko geht
man so weit, das Riechen an eine Blume, das Ergtzen des Auges an einer
schnen Landschaft und das Anhren von Musik fr Snde zu erklren. In
diesem Monat erhielt Mohammed den Koran vom Himmel, und zwar am 27. $
et el Tekna" eine interessante Schilderung des
marokkanischen Kriegslebens enthalten ist, so lasse ich sie hier bersetzt
aus den Bulletins de la Socit de Geographie de Paris folgen.
Auf der 279. Seite erzhlt Gatell: "Im Jahr 1861 war so eben der Krieg
zwischen Spanien und Marokko beendet. Die Erzhlungen, welche man zu der
Zeit vom marokkanischen Volke machte, von den Sitten, vom Muthe, den
barbarischen Gebruchen, dem Fanatismus der Bewohner, erregten in mir die
Idee in das Innere des Landes einzudringen, trotz der Fhrlichkeiten, denen
ich dabei ausgesetzt sein konnte. Ich reiste also nach Fes ab, wo sich der
Hof befand, und, um besser meine Absicht zu erreichen, trat ich in die
regelmssige Armee des Sultans. Obschon ich nur usserst wenig vom
Waffenhandwerk verstand, wurde ich gleich zum Officier befrdert." Nach
einer Schilderung der Campagne gegen die Beni Hassen, wobei Gatell zum Chef
der "Garde-Artillerie" des Sultans ernannt wurde, fhrt er fort die
Expedition gegen die Rhamena zu schildern: "Wir$
u-Marmora" gewesen sein. Aber in dem entfernten Mulei Bu
Slemm Alt-Mamora suchen zu wollen ist vollkommen unstatthaft, weil
"Mamora" immer einen felsigen Hgel bedeutet in Tamasirht-Sprache, ein
solcher aber bei Bu Slemm nicht vorhanden ist.
      [Funote 127: Uebersetzung von Lorsbach, p. 185.]
Barth fgt noch hinzu, dass keineswegs, wie die meisten Geographen
anzunehmen geneigt seien, hier Banasa gestanden habe (Hems meint, Banasa
habe gelegen, wo jetzt Mulei Bu Slemm ist, eine Oertlichkeit, die gar
nichts Einladendes zur Grndung einer Stadt hat), welches eine Binnenstadt
am oberen Laufe des Sebu gewesen, sondern dass in Mamora die vom Ptolemaeus
erwhnte Stadt Subur zu erblicken sei. Ich fge noch hinzu, dass im Lande
bei den Eingebornen der Name Mamora vollkommen unbekannt ist.
Wir blieben in Mehdia nur Nachts, am anderen Morgen frh aufbrechend, waren
wir Mittags in Sla, setzten gleich ber und blieben in Rbat in einem
Funduk. Der Weg bot nichts Neues, Nehrungformation war auch hier, nur
mssen die hi$
mehreren Stellen an, die Portugiesen htten Asfi 1641 verlassen,
was aber wohl irrthmlich ist, wenn man anders nicht nachweisen kann, dass
sie es zum zweiten Male genommen. Das beim Cap Cantin anfangende oder
endigende Gebirge Dj. Megher tritt, Asfi umgehend, zurck, sendet aber
kleine Auslufer bis dicht zur Stadt, dadurch wird die Ufer-Gegend weniger
einfrmig, und das Gebirge selbst muss seines reichen Baumschmuckes halber
je nher man kommt desto romantischer sein.
Ich fand in Asfi alle Funduks besetzt, fand aber bei einem Juden
Unterkommen. Mein erster Gang war zum englischen Consul Mr. Carstensen,
denn so sehr ich sonst auch mied, mit Europern in Berhrung zu kommen, so
zwang mich andererseits mein Zustand, mich auf alle Flle wieder in den
Besitz von Chinin zu setzen. Ich fand selbstverstndlich den freundlichsten
Empfang, nicht nur fand ich das ersehnte Medicament, auch mit einer kleinen
Geldsumme half Hr. Carstensen (die ich ein Jahr spter die Freude hatte,
ihm persnlich in Tanger zurckerstatten$
 Medicin zum inneren Gebrauche zu verabfolgen, denn hat er
das Unglck sodann einen Kranken durch den Tod zu verlieren, so ist
entweder die Medicin, oder der Arzt die Ursache davon gewesen; andererseits
hat der Arzt aber von wirklich guter Medicin gar nicht einmal den erhofften
Erfolg, denn gesundet ein Kranker, dann haben weder die Medicin noch der
Arzt geholfen, sondern irgend ein Heiliger, auch wohl Mohammed, in
seltneren Fllen Gott[145], dies Wunder bewirkt. Es ist daher am besten die
Praxis so auszuben, wie es landesblich ist: durch Feuer und Amulette.
      [Funote 145: In dieser Beziehung haben die Mohammedaner viel
       Aehnlichkeit mit den Katholiken: bei einem Wunder denken sie
       zumeist an einen Heiligen, seltener an ihren Propheten, in den
       seltensten Fllen an Gott.]
Mit einer Karavane machte ich mich sodann auf den Weg und zwei Tage nach
unserem Aufbruche von Ertib erreichten wir die nordstlich davon gelegene
Oase Budeneb. Wir blieben hier nur einen Tag, und am folgenden Tage A$
 Grab gebracht hatte, hielt die brigen zwei an der
furchtbaren Katastrophe unmittelbar beteiligten Verbndeten, Russland
und Oesterreich in monatelangen Todesngsten. Das rhrte aber den Sieger
von Austerlitz wenig. Zielbewusst und rcksichtslos, wie er immer
verfuhr, diktierte Napoleon nun den Vertrag von Pressburg, am 26.
Dezember 1805. Umsonst hatte Talleyrand ihm in der Demtigung
Oesterreichs Mssigung angeraten.[1] Er forderte und bekam alles, was er
wollte. Alles, was Oesterreich ehemals durch den Vertrag von Campo
Formio gewonnen hatte, musste es jetzt den Franzosen geben. Beinahe drei
Millionen seiner Untertanen musste Oesterreich der Herrschaft Napoleons
ausliefern. Neben Venedig gingen ihm auch Istrien (ohne Triest) und
Dalmatien (ohne das Litorale) mit der _Bocca di Cattaro_ verloren. Die
einzige Verpflichtung, die Napoleon auf sich nahm, war die sofortige
Entfernung der franzsischen Truppen von dem sterreichischen Boden.
Dieser Pressburger Friede war in der Tat fr Oesterreich so ungnstig,
da$
 Trkei in Krieg
gerieten, sandten beide Hfe, Petersburg und Wien, ihre Boten nach
Montenegro, um den Vladika fr den Krieg gegen den gemeinsamen Feind zu
gewinnen. Joseph II. schrieb an den Vladika, dass er die Absicht habe,
die unterjochten Christen zu befreien und sie zu Teilnehmern jener
Vorteile zu machen, die seine Untertanen genssen; er bat den Vladika,
an dem Krieg teilzunehmen[15]. Ekaterina sandte den General-Lieutnant
_Tutolmin_ zum Vladika, damit er Euch, wie sie schrieb,[16] Unserer
kaiserlichen Gnade und Unseres Wohlwollens versichert, und wenn der
Glaube, den die Unglubigen schnden, wenn die Freiheit, die sie
bedrohen und unterdrcken ... Euch bewegen, mit uns an dem Krieg
teilzunehmen gegen christliche Feinde, dann wird er (Tutolmin) mit Euch
verabreden, was die Bewaffnung eines Heeres betrifft; Ihr sollt ihm Euer
Vertrauen schenken und auch berzeugt sein, dass Wir Euch nie vergessen,
sondern stets Sorge tragen werden um Eure Sicherheit.
Vladika Peter mit seinem Volk erklrte sich ber$
sie am besten illustrieren, wie
das montenegrinische Volk seine Beziehungen zu dem russischen Volke und
zu der russischen Kirche auffasste. Wir gestatten uns hier nur folgenden
Auszug aus der Antwort an den heiligen Synod. Nachdem der Synod an alle
Misshelligkeiten und Misszustnde in seiner eigenen Kirche erinnert
worden ist, und nach einem kstlich sarkastischen Vergleich der
russischen Bischfe, die in vergoldeten Wagen im Luxus und Prunk
fahren, mit dem montenegrinischen Bischof, der zu Fuss und im
Schweisse seines Angesichtes die steilen Berge erklimmen muss, um das
Volk zu trsten und zu belehren, wird folgendermassen fortgefahren:
Bis jetzt haben wir nicht gehrt, dass der russische Synod ein
Richterrecht hat ber das xaveno-serbische Volk, das ausserhalb der
russischen Grenzen lebt. Darum hat er auch kein Recht ber uns. Denn
wir, das Volk in Montenegro und den Bergen, sind nicht Untertanen des
russischen Reiches, sondern wir stehen bloss in seinem moralischen
Schutz, und zwar dieses nicht aus ei$
ene niedrige und widerwrtige Sphre hinabziehen.
       *       *       *       *       *
Mein Skeptizismus ist vielleicht gerade das Charakteristische des
philosophischen Dilettanten. Der philosophische Dilettant ist immer
schnell am Ende aller Dinge, weil er nur die Ergebnisse der bereits
gewonnenen Erkenntnis im Auge hat, ohne die Wege zu gehen, ja oft auch nur
zu kennen, auf denen jene erreicht worden sind.
       *       *       *       *       *
Jedes Jahr habe ich mindestens Eine Periode frchterlichsten Zweifels an
mir selbst. Dann lebe ich mit bestndigen Todesgedanken.
Die Sehnsucht meines Lebens ist eine oft bermchtige Sehnsucht nach
praktischem Schaffen im Groen. Plastik wre (und Architektur) mein
hchster Fall. Meine hchste Liebe galt immer dem Gegenstndlichen, der
Linie, der Farbe, dem Ton an sich. Schon er allein vermochte mich zu
entzcken, wievielmehr erst seine organischen Verbindungen.
       *       *       *       *       *
Mein Hang zu philosophischem Nachdenken beruht auf der ein$
erkeit. Willenspassion und Heiterkeit vertragen sich nur sehr
zeitweilig, das wute auch Schopenhauer. Spinoza sah wie Christus ber die
'Welt' hinweg. Den Germanen aber ist diese 'Welt' doch zu sehr selbst
Gegenstand, Kunstmaterial, Entwickelungsstoff, sie wollen nicht so sehr
ber die Welt hinaus, als in sie hinein. Goethe nahm sich von Spinoza die
Freiheit, das gute Gewissen. Spinoza mute ihm eine Brgschaft mehr sein,
da dieser verhate Wahn von einem auerweltlichen Gott eben nur ein Wahn
sei. Und nun mit dieser bestrkten Souvernitt in sich ging er hin und
wirkte sein Leben mit jedem Atemzuge in das Leben hinein, das er um sich
vorfand, befruchtete sich aus ihm und es mit sich und wurde so 'in der
Beschrnkung' der 'Meister', als den wir ihn immer wieder erleben.
       *       *       *       *       *
Alles ffentliche Leben ist wenig mehr als ein Schauspiel, das der Geist
von vorgestern gibt, mit dem Anspruch, der Geist von heute zu sein.
       *       *       *       *       *
For the happy few$
und vier Kchenjungen mehr
gezahlt als fr ein Paar Elefanten!
Er entrollte ein langes Papyrusstck und verlas, ohne eine einzige
Ziffer zu bergehen, alle Ausgaben, die von der Regierung gemacht
worden waren: so viel hatte die Wiederherstellung der Tempel gekostet,
so viel die Straenpflasterung, so viel der Bau der Kriegsschiffe, so
viel die Korallenfischerei, so viel die Vergrerung der Syssitien und
so viel die Maschinen in den Bergwerken im Lande der Kantabrer.
Aber die Hauptleute verstanden ebensowenig Punisch wie die Gemeinen,
wiewohl sich die Sldner in dieser Sprache begrten. Man pflegte in
den Barbarenheeren einige karthagische Offiziere anzustellen, die als
Dolmetscher dienten. Doch hatten sich diese nach dem Kriege aus Furcht
vor der Rache der Sldner unsichtbar gemacht, und Hanno hatte nicht
daran gedacht, welche mitzunehmen. berdies verlor sich seine dumpfe
Stimme im Winde.
Die Griechen mit ihren ehernen Waffengehenken um den Leib lauschten
gespannt und bemhten sich, Hannos Worte zu errate$
echten:
Fhrt ihn ab!
Vielleicht hegte er insgeheim die Absicht, ein Opfer zu bringen. Er
legte sich diesen Verlust auf, um schlimmerem vorzubeugen.
Giddenem hatte die Verstmmelten hinter den andern versteckt. Hamilkar
bemerkte sie.
Wer hat dir den Arm abgeschlagen?
Die Sldner, Gottbegnadeter!
Dann fragte er einen Samniter, der schwankend dastand wie ein
verwunderter Reiher.
Und du, wer hat dir das angetan?
Der Aufseher hatte ihm mit einer Eisenstange das Bein zerschmettert.
Diese sinnlose Grausamkeit emprte den Suffeten. Er rie Giddenem die
Gagatkette aus den Hnden und schrie:
Fluch dem Hunde, der seine Herde verletzt! Sklaven verstmmeln!
Gtige Tanit! Ha, du richtest deinen Herrn zugrunde! Man ersticke ihn
im Mist!--Und nun fehlen noch eine Menge! Wo sind sie? Hast du sie
gemeinsam mit den Sldnern ermordet?
Sein Gesichtsausdruck war so schrecklich, da alle Weiber entflohen.
Die Sklaven verlieen ihre Aufstellung und bildeten einen weiten Kreis
um beide. Giddenem kte wie wahnsinnig die Sa$
m blulichschimmernden Golf bis zu der
weien Lagune nichts als ein rabenschwarzes Gewimmel, und das blutrote
Haff dehnte sich in das Land hinein wie ein groer Purpursumpf.
Der Erdwall war so mit Toten bedeckt, da er aus Menschenleibern
errichtet schien. Vor seiner Mitte ragten die Trmmer der Helepolis,
Waffen und Rstungen darber. Von Zeit zu Zeit lsten sich groe
Bruchstcke von ihr ab, wie die Steine von einer zusammenstrzenden
Pyramide. Auf den Mauern waren breite Streifen sichtbar, wo das
geschmolzene Blei geflossen war. Hier und da brannte ein umgerissener
Holzturm. Das Husermeer verschwamm im Dunkel und sah aus wie die
Stufen eines zerstrten Amphitheaters. Schwere Rauchschwaden stiegen
empor und wirbelten Funken in die Hhe, die sich am schwarzen Himmel
Inzwischen waren die Karthager, vom Durst verzehrt, nach den Zisternen
gestrzt. Sie erbrachen die Tore. Schlammpftzen standen auf dem
Grunde der Becken.
Was sollte nun werden? Der Barbaren waren unzhlige. Sobald sie sich
erholt hatten, wrden$
aupt geworden. Wo aber die
deutsche Musik durch den Gang der Ereignisse nach auen abgeschlossen
wurde, da ist sie bla und schwach geworden, ihre Metaphysik hat der
Unterlage einer lebendigen Physis entbehrt.
So ist die deutsche Musik unmittelbar dem deutschen Geistesleben im
tiefsten Sinne verknpft und spiegelt dessen Wandlungen ihrer
metaphysischen Natur nach in unerbittlich genauer Schrfe. Zur Fhrung
berufen, der letzten Abklrung fhig und zugewandt, vermag sie zu
diesen hchsten Eigenschaften ihres Wesens nur im Durchgang durch
andere zu gelangen. National bedingt, ist sie nach Gesinnung und
Auswirkung eine europische Kunst, in ihr leben und kmpfen die
Probleme des europischen oder schlechthin des Menschentums berhaupt.
Der groe Niederbruch hat sie gepackt und mitgerissen wie kaum eine
andere Zeiterscheinung der Geistesgeschichte. Was im heutigen
musikalischen Leben Deutschlands vor sich geht, ist das getreue, im
einzelnen ins Groteske verzerrte Abbild unseres allgemeinen Lebens. Es
wird gekmpf$
ges wieder aus der Wissenschaft
ausgeschieden werden, wenn sie den neuen Beobachtungen nicht mehr
gengen. Auch der modernen Relativittstheorie Einsteins hat E. Mach
durch seine Kritik Newtons, besonders seiner Lehre von der absoluten
Bewegung vorgearbeitet (siehe Geschichte der Mechanik). Diese
Auffassung der Arbeit der Naturwissenschaft ist in neuester Zeit von
Planck ("Einheit des physikalischen Weltbildes"), Stumpf, Klpe, ferner
von allen realistischen und kantischen Schulen mit Recht scharf
bekmpft worden (siehe besonders C. Stumpfs Akademieabhandlung: "Zur
Einteilung der Wissenschaften", 1906). Vor allem aber war es Ed.
Husserl, der die nominalistischen Begriffstheorien des Positivismus in
den "Logischen Untersuchungen", Band 2, einer beraus einschneidenden
Kritik unterzog. Die ernstesten Versuche, die Gegner des Nominalismus
und Sensualismus, die heute den Positivismus immer mehr zurckgedrngt
haben, zu widerlegen, haben von diesem Standort aus Ziehen in seiner
"Psychophysiologichen Erkenntnistheo$
Ihn mit einem Besuche beehre, mir wohl
auch die kleine Geflligkeit erweisen, und die Herren in Carlsruhe fr
meine Freilassung stimmen. Ich versprach Christo dagegen, meine Zglinge,
welche noch immer auf ihren alten Hauslehrer harrten, sich jedoch bei
meinem lngern Ausbleiben nach einem neuen nothgedrungen umsehen muten,
recht christlich und gottesfrchtig zu erziehen. Christus aber blieb
gesonnen, zunchst mich selbst zu erziehen, bevor ich wieder der Erzieher
Anderer wrde, die Herren in Carlsruhe fanden sich vorlufig "in keiner
Weise veranlat", auf meine Begnadigung anzutragen und dies bewirkte einen
namhaften Rckfall in den alten Unglauben und politischen Fanatismus.
"Entweder liegt dem Erlser wenig an den Seelen meiner verlassenen Zglinge
oder Er vermag nichts in Carlsruhe, weil Er einen bereits gebesserten und
vortrefflichen Menschen meiner Art in der Zelle eines Zuchthauses stecken
lt", dachte ich, dachte geringer von Christus und mehr als gering von den
Herren in Carlsruhe.
"Was liegt an mi$
und Popperment und htte ich in
meinem Leben einen Menschen umbringen knnen, so ists dieser rothe Halunke,
der mich beim Vorbeigehen immer wie ein Basilisk anschaut und spttisch das
Maul verzieht!"
"Er hat doch nichts Besonderes wider dich!"
"Aber ich desto mehr wider ihn!"
"Wehalb denn?"
"O du weit es, Emmerenz! ... Du weit es, aber ich wills dir auch noch
sagen. Siehe, seit dem Tode meiner Mutter selig bin ich behandelt worden
und herumgelaufen wie ein herrenloser Hund! ... Keiner hat mir ein gutes
Wort gegeben, Alles hat mich verachtet und verfolgt, als ob ich ein
Schandmal auf der Stirne und das Schlechteste verbt htte, was es geben
kann! ... Jahrelang habe ich lieber im Stalle oder auf der Weide beim Vieh
als bei den Menschen gelebt und mir fast angewhnen mssen, in jedem
Menschen einen Feind zu sehen! ... Der Moosbauer war gut, allein er hat
bewiesen, da er es gegen mich nur aus Eigennutz war, im Gefngni habe ich
Freunde gefunden, aber sie haben mich nachtrglich verrathen und verkauft!
... I$
te.
Am dritten Abend spter blieb der Fesenmichel ungewhnlich lange von seinem
Die Buerin und Marianne schalten und lrmten, der lange Jrg, der lteste
eheliche Sohn des Hauses, fluchte wie ein Trke, spter jedoch griff man zu
Laternen und band den Kettenhund ab, die Knechte suchten mit dem Jrg den
Sie fanden denselben dem Anscheine nach erschlagen in einem Graben und der
ganze Verdacht der That fiel auf den Landstreicher, welcher den bitterbsen
Brief gebracht und vom Hofe verdienterweise weggehetzt worden war.
Die Buerin wlzte sich vor Trauer und zerraufte die Haare sammt zwei
Kmmen, Marianne schrie, da die Leute im Dorfe drben es hrten, der lange
Jrg stelzte in stummem Schmerze hin und wieder, auf und ab und begann ein
neues Hausregiment zu fhren, als nagelneuer Gebieter zahllose Mngel an
allen Maregeln des Vorgngers zu finden und seine Aufmerksamkeit zunchst
auf die kleinsten Kleinigkeiten zu richten--aber Alles nderte der
Physikus, welcher am vierten Tage der entsetzten Buerin, der weh$
d
jener den Beifall der Beamten, Aufseher und bessern Kameraden erstrebt,
will dieser Alle sich gleich machen und dabei doch ber Alle herrschen.
Der Ehrgeiz verwirrt Staaten und Zuchthuser, der Mensch mit seinen
Leidenschaften bleibt berall derselbe, wenn nicht die bernatrliche Weihe
der Religion sein Wesen allmhlig veredelt.
Von einer derartigen Veredlung wei der Exfourier mit seinen Kameraden
wenig, denn alle sind Kinder des 19. Jahrhunderts, Alle haben den Jugend-
Glauben verloren und ein langes Sndenleben, oft in Verbindung mit
mangelhaftem Religionsunterrichte hat ihre Gemther verwildert und
"Die Mehlsuppe ist mir lieber als die Predigt, welche heute der Pfarrer
wieder auftischen wird!" sagt Einer, nachdem das:
"Stille, Stille!"
des Aufsehers den Redeflu des Exfouriers fr eine Weile unterbrochen hat.
"Im Krankenzimmer ist's schndlich langweilig, die paar alten Schunken,
welche droben herumfahren, habe ich schon vorigen Sommer gelesen, auch ist
jetzt wieder der Teufel los, man kann deshalb nic$
um dem Hobisten Benedict
zuzusprechen, damit er nicht in Doctor Rollers Hnde falle, allein Gte und
Ernst prallten an ihm ab.
Die drei Monate des Zimmerarrestes waren beinahe zu Ende, da tritt ein sehr
beliebter, gebildeter und braver Adjutant in das Hobistenzimmer und macht
dem Bedict [Benedict], der stets mit Rittern und Fruleins redet, ganz
ruhige, vernnftige und menschenfreundliche Vorstellungen. Doch dieser hrt
ihn kaum und wie der Adjutant ihm das Narrenhaus prophezeit, streckt er die
Hand aus und spricht wrtlich also:
"Du bist nicht als ein Apostel berufen und hast einem so unerschrockenen
Ritter meiner Art durchaus keinen Vorwurf zu machen, dehalb schweige, wenn
ich dir nicht den Fehdehandschuh vor die Fe werfen und dir meine Kraft
fhlen lassen soll!"--
Die Antwort des Adjutanten lautete auf 3 Tage Dunkelarrest, der
Dunkelarrest machte den Kopf des Duckmusers nicht heller! ... Endlich sind
die 3 Monate des Zimmerarrestes verflossen, beim Beginne derselben war der
Frhling kaum im Werden, jet$
ir eine prchtige Montur daraus zuwege machte; kurz, der
Pfarrer wurde mein Vater, ihm zu Liebe lernte ich besser in der Schule und
es war ein groes Unglck, da der gute Herr sehr bald aus der Gegend
fortkam, denn er hat mir oft gesagt, ich mte eine gute Profession lernen
und wenn dieses geschehen wre, lge ich nicht in einer Kette hier!
Kann's nicht beschreiben, wie gut der Mann gegen mich elendes Kind gewesen
ist, Gott wirds ihm entgelten und ich will froh sein, wenn er nichts von
mir erfhrt!
Ich mchte noch Vieles sagen, lauter Thatsachen, Duckmuser, knnte die
halbe Nacht allein vom Pfarrer erzhlen und thte es lieber als das Andere,
denn der Weg, den ich jetzt betrat, war kein guter. Aus der Schule
entlassen, trieb ich mich einige Jahre in der Gegend herum, und trieb bald
Dieses, bald Jenes, um leben zu knnen und den Stiefvater nicht um Etwas
ansprechen zu mssen. Es ging mir gerade, wie den Hasen des Frsten von
Donn'schingen im Winter, nmlich es war Winter und ich hatte nichts zu
beien und z$
n des unschuldigen Apfelbisses in Ungnade
gefallen, blieb ihr so unbegreiflich als die Nothwendigkeit, da sich ein
Schuldloser fr das Menschengeschlecht mit Erfolg opferte.
Der Gedanke, da Gottes eigener Sohn auf dieses armselige, winzige
Erdenpnktlein herabgestiegen sei, um sich zum Schlusse eines armseligen
und verfolgten Lebens als ohnmchtiger Mensch kreuzigen zu lassen, erschien
ihr bald lcherlich bald emprend, je nachdem sie gerade gestimmt war. Es
lt sich begreifen, da von einem _heiligen Geist_, der einst als
einfltige Taube am Jordan herumgeflogen, bei meiner Mutter so wenig die
Rede sein konnte als von der wahrhaften, wirklichen und wesentlichen
Gegenwart Christi im heiligen Abendmahl. Sie fand wohl Geist in den
Gedichten Schillers und Anderer, am wenigsten aber in geistlosen
Catechismen und das heilige Abendmahl galt ihr als eine Art von Zweckessen,
als Erinnerungsfeier an einen tchtigen Volksmann. Natrlich vermochte sie
in der katholischen Kirche, der sie mit Leib und Seele anzugehren$
 Araber
haben jetzt ganz und gar ihre grausame trkische Herrschaft vergessen.
Hrt man sie sprechen, so waren die Trken die mildesten, gerechtesten,
gottesfrchtigsten Herrscher, sie waren ja vor allen Dingen "Glubige",
die Franzosen aber sind Unglubige, mgen sie noch so gut regieren, sie
bleiben aus religisem Hasse immer fr die Araber die "christlichen
Hunde". Fragt man einen Araber: wrdest du gegen die "Glubigen"
kmpfen? so wird er sicher antworten: "Beim Haupte Mohammeds, Gott hat
es verboten, Gottes Name sei gelobt."
Der Berber kennt von solchen Heucheleien nichts, und durch manche Stmme
bin ich gekommen, die so wenig auf ihren Islam geben, da man von ihnen
sagte, sie sind so ruberisch und diebisch, da, wenn Mohammed in eigner
Person kme und habe ein anstndiges Kleid an, sie (die Berber) nicht
anstehen wrden, den Propheten auszuplndern.
Wenn ich vorhin anfhrte, da die Ehre der Familie und des eignen
Stammes den Berbern als das Hchste gilt, so ist dies so zu verstehen,
da sie z.B. den$
s) Sigr. Fancelli, von einer Strke
und Hhe der Stimme, wie man ihn gewi selten an einer der grten
Bhnen Deutschlands findet. Was die Sngerinnen anbetrifft, so waren
dieselben in der Saison nur aus Deutschland recrutirt, die Aida wurde
von Frulein Stolz, Amneris von Frulein Waldmann reprsentirt. Beide
waren in ihrer Art vorzglich.
Es braucht wohl kaum gesagt zu werden, da man bei der Costmirung auf
grte Genauigkeit gesehen hat, um Kleidung und alte Gegenstnde so
herzustellen, wie sie durch die Aegyptologen uns bekannt und wie sie
uns in den Museen aufbewahrt sind. Dazu ist Alles mit einer Pracht
hergerichtet, wie es eben nur ein Frst zu leisten vermag, dessen Mittel
fast unbeschrnkt sind.
Was das Sujet anbetrifft, so ist es der gyptischen Geschichte
entnommen. Aegypten und Abessinien liegen seit Jahren in Krieg
miteinander. Der Feldherr des Knigs von Aegypten, Namens Radames hat
die Tochter des thiopischen Knigs Amonasro, Namens Aida, gefangen
genommen, er giebt sie der Tochter seines gy$

bestenfalls htte sie meinen Lesehunger durch einen neuen Band Wildermut
gestillt. Und doch hatte ich ein Recht darauf -- es war mein Eigentum
--, ich konnte tun damit, was ich wollte; Mama hatte es sogar selbst in
mein Portemonnaie gesteckt, das in der Kommode unter den Taschentchern
lag. Tagelang kmpfte ich mit mir, -- aber das Verlangen wurde um so
strker, als ich Stunden und Stunden nichts mit mir anzufangen wute;
endlich konnt ich nicht lnger widerstehen: unter dem Vorwand, ein
Taschentuch haben zu mssen, verschaffte ich mir den Schlssel und nahm
mein Portemonnaie an mich. In fliegender Hast, als brenne der Boden
unter mir, lief ich die Treppen hinunter durch die Strae nach
Partenkirchen. Fr meine Mutter, sagte ich verwirrt und stotternd im
Laden, sollte ich Heyses Novellen kaufen. Verwundert sah man mich an,
als ich ein ganzes Goldstck vorwies. Mit mehreren Bnden beladen lief
ich zurck; die Eile, die Angst vor Entdeckung, das klopfende Gewissen
lieen mein Herz immer strmischer schlagen. G$
ich konnte,
davon. Als ich, trotz aller Mhe, mich zu beherrschen, atemlos und
erregt von dem Erlebten berichtete, erklrte die Tante mich fr
berspannt. Wie kannst du die Dinge nur von unsern Empfindungen aus
bewerten. Die Leute sind das nicht anders gewhnt, und wenn fr das
Notwendigste gesorgt wird, sind sie zufrieden. Sie bermig zu bedauern
heit, sie zu Sozialdemokraten machen.
Ein andermal kam ich zu einem alten Manne, dessen Tochter
Fabrikarbeiterin war. Die Armenuntersttzung, die er erhielt, reichte zu
seiner Erhaltung nicht aus, und sie hatte erklrt, von ihrem Lohn nur
wenig erbrigen zu knnen. Der Alte sa am Fenster eines reinlichen
Zimmerchens, als ich eintrat; er hustete beinahe ununterbrochen,
rauchte aber trotzdem die Pfeife, und fast undurchdringliche Wolken
umgaben ihn. Meinem Wunsch, ein Fenster zu ffnen, widerstand er heftig.
I hobs auf der Brust und vertrag ka Zugluft nt, sagte er. Unter
Ruspern und Husten begann ich mein Verhr. Er beklagte sich lebhaft
ber die Tochter, $
wogen durch jene unausrottbare neidvolle
Bewunderung des Brgerlichen fr den Aristokraten, die oft die Maske des
Hochmuts trgt, meist aber kein andres Ziel kennt, als selbst unter
demtigender Selbstverleugnung im Kreise der Bewunderten Aufnahme zu
finden. Unsere eigenen vielfachen freundschaftlichen und
verwandtschaftlichen Verbindungen mit dem Landadel und seinen Shnen im
Krassierregiment untersttzten berdies die Durchsetzung der
Erziehungsprinzipien meines Vaters.
Das Unerhrte geschah: zu Pferd und zu Wagen, wenn es aufs Land hinaus
ging zu den Rochows und Bredows und Itzenplitz, oder zu lustigem
Picknick im Walde, tauchte der rote Kragen des Infanteristen immer
hufiger neben dem hellen blauen des Kavalleristen auf, und nur der
aufmerksame Beobachter bemerkte, da sich hinter der tadellosen
gesellschaftlichen Form eine tiefe innere Feindseligkeit verbarg. Grade
die vollendete Hflichkeit, mit der der Krassier den kleinen Leutnant
von den Fsilieren behandelte, richtete die Schranke auf, die den
Ei$
 Gre
bestellen! Damit trat er ein. Ich wute gar nicht, da er
Fnfunddreiiger gewesen ist, ehe er zur Kavallerie ging. brigens ein
famoser Kerl, tapfer und ehrlich. Und, -- stell dir vor! -- die
Rasselbande hat ihn geschnitten! Kannst dir denken, da ich ihm um so
deutlicher meine Anerkennung fr seine berzeugungstreue aussprach. Er
wre mir beinahe um den Hals gefallen vor Dankbarkeit.
In diesem Augenblick entdeckte mein Vater die Volkstribne, die offen
vor mir lag. Die Ader schwoll ihm auf der Stirn, und blaurot frbten
sich seine Zge. Was fr ein Schuft hat dir diese Zeitung in die Hnde
geschmuggelt? schrie er, vor meine Pistole mit dem infamen Patron!
Ich habe sie mir gekauft, log ich, man mu auch seine Gegner aus
ihren eigenen Schriften kennen lernen.
Mein Vater nahm wtend die Bltter vom Tisch und zerri sie. Bring mir
solche Schweinereien nicht wieder ins Haus! drohte er mit erhobener
Faust. Von Leuten, die das Vaterland verraten, den Meineid predigen und
den Frstenmord, dar$
te, als sie mich Frau von Glyzcinski nannte. Freilich,
sie hatte ja im Grunde ein Recht dazu, ich war ja jetzt nur eine Novize
in ihren Reihen --, dachte ich und bezwang die gereizte Stimmung, die
sich meiner zu bemchtigen drohte.
Mit steigendem Eifer, an der eigenen Sache mich erwrmend, setzte ich
ihnen meine Plne auseinander. Ich brauche dabei Ihre Mitarbeit,
schlo ich; wir knnen fr die Arbeiterinnen nichts tun, was nicht mit
ihnen geschieht --
Tiefe Stille. Die drei lffelten in ihren Kaffeetassen, stieen einander
unter dem Tische an und wollten nicht mit der Sprache heraus. Ja --,
meinte Martha Bartels schlielich gedehnt, das ist ja alles ganz schn
und gut, aber was uns das eigentlich angeht --! Wir wissen doch lngst,
wie's bei uns aussieht, und um die Neugierde der Bourgeoisdamen und
-herren zu befriedigen, oder sie gar in unseren Organisationen
herumstnkern zu lassen, -- dazu sind wir nicht da.
Frau Resch, die Hagere, nickte eifrig und warf mir einen giftigen Blick
zu. Frau Wiemer, $
 Vaters hatte mitmachen mssen, und an Stelle von Regiments- und
Manvergeschichten ber interne Parteiaffren. Da ich nichts von ihnen
verstand, konnte ich die Gesellschaft um so mehr beobachten; die Damen
waren sehr erhitzt, und wenn der Nachbar eine Bemerkung machte,
kicherten sie unaufhrlich. Die Hausfrau ging von einem zum anderen, um
zum Essen zu ntigen. Ich fing an, mich zu amsieren, -- nicht mit den
Gsten, sondern ber sie, -- und schmte mich doch wieder, da meine
Beobachtung so kleinlich an lauter uerlichkeiten kleben blieb. Ich
wute doch von vorn herein: hier waren keine Montmorencys. Aber so etwas
wie eine Gesellschaft bei Madame Roland vor 89 hatte ich mir doch wohl
vorgestellt.
Zwischen Fisch und Braten benutzte ich die Gelegenheit, um meines
Nachbarn Ansicht ber den bevorstehenden Frauenkongre einzuholen. Eine
Notiz in Wanda Orbins Zeitschrift hatte mir zu denken gegeben. Die
Genossinnen haben beschlossen, die Einladung zum Kongre abzulehnen,
hie es darin.
Ich kann Ihnen nur rate$
les klang
Beifallsgeklatsch und Getrampel. Das Zischen wurde strker. Sekundenlang
kmpften beide Laute miteinander, -- die Vorsitzende rhrte sich nicht.
Helle Emprung bemchtigte sich meiner, -- jetzt war ich bereit, ihnen
meine Verachtung ins Gesicht zu schleudern. Ich begann sehr ruhig,
indem ich erklrte, warum die Vertreterinnen der deutschen
Arbeiterinnenbewegung es abgelehnt htten, sich an den Arbeiten des
Kongresses durch Delegierte zu beteiligen. Fr sie, die auf dem Boden
der Sozialdemokratie stehen, ist die Frauenfrage nur ein Teil der
sozialen Frage, und als solche durch die mehr oder weniger gut gemeinten
Bestrebungen brgerlicher Sozialreformer nicht lsbar. Ich selbst teile
diese Auffassung vollkommen. Meine Stimme hob sich und wurde schrfer;
zu schneidendem Schwert sollte jedes meiner Worte sie schleifen. Wer
vorurteilslos und logisch denkt und sich eingehend mit der Frauenfrage,
-- wohl gemerkt, der ganzen Frauenfrage, nicht mit der Damenfrage, --
beschftigt, der mu notwendig zur Soz$
bredeten alles weitere.
Beim Heimweg schalt mein Mann: Du lt dich von jeder beschwatzen, und
alle spekulieren schlielich auf deine Gutmtigkeit.
Wenn diese kleine Begegnung zu einer Dienstbotenbewegung den Anla
gibt, so wirst du anders denken.
Mir tut es in der Seele weh, wenn ich Sie in der Gesellschaft seh,
meinte Romberg. Er sah mich mit einem Blick an, der mich errten machte.
Wie tricht, -- dachte ich gleich darauf, zornig ber die eigene
Schwche, und doch blieb ich den ganzen Abend ber im Bann jener
Frauenfreude, die belebend wirkt wie prickelnder Champagner: der Freude
an der Bewunderung. Alix von Kleve stieg aus der Versenkung ernster
Jahre empor und sonnte sich an altvertrauten Triumphen. In meinen
Verkehr mit Romberg trat ein neuer Reiz: er lie es mich fhlen, da das
Weib in mir ihn anzog und nicht nur die neutral-interessante
Persnlichkeit. Es gibt Frauen, die angesichts solcher Erfahrung die
Beleidigten spielen. Sie lgen.
Ich drehe dir den Hals um, wenn du dir von Romberg die Kur$
chtigste Verordnung ist: ein
Kindermdchen. Sie mssen Ruhe haben, -- Tag und Nacht, der Bub dagegen
soll sich tchtig Bewegung machen, begann er.
Ruhe, -- schon das Wort war wie einlullendes Streicheln. Am nchsten
Tage brachte er mir ein hbsches, brnettes Landmdchen, das mir gefiel;
sie zog mit dem Kleinen, der sich an die lustige Gefhrtin rasch
gewhnte, in das Zimmer nebenan. Nun erst fhlte ich, wie krank ich war:
den ganzen Tag lag ich still, und bewegungslos wie mein Krper waren
Gedanke und Gefhl. Auch meine Umgebung strte mich nicht mehr; -- wenn
ich nur mein Bett hatte und meinen Liegestuhl.
Nun wird er bald abreisen, sagte der Arzt eines Tages und drckte mit
der Spitze des Zeigefingers in den Augenwinkel, als sei ihm ein
Staubkrnchen hineingeflogen.
Dann soll ich hinunter? fragte ich und dachte entsetzt an die Mhe des
Umrumens. Ja, meinte er, denn nun es tglich wrmer wird, mssen Sie
in der Sonne liegen. In der Sonne?! Ich lchelte unglubig. Seit
einer Woche hatte der Schnee$
s;
Berlin ging auf Arbeit. Da war kein Winkel ohne Leben.
Drben in der Leipzigerstrae waren unter der Spitzhacke alte
Mauern zusammengebrochen, und sieghaft erhob sich jetzt, von
Riesengranitpfeilern getragen, ein mchtiges Warenhaus, wie selbst Paris
es nicht kannte, aus dem mrkischen Sand. Kein Basar, dessen Bau Gotik,
Barock und Renaissance durcheinanderwirft, wie seine reklameschreienden
Schaufenster die Waren, -- ein Stck neuer Kultur vielmehr, die die
Schnheit der Zweckmigkeit erkannte und doch allen Zauber der Kunst
ber sie ausgo. Die Menschen strmten aus und ein. Sie trugen von all
jenen glnzenden Goldblumen und kstlichen Steinreliefs, die seine
inneren Rume schmckten, von den farbenleuchtenden Onyxplatten und
gemalten Holzdecken, von den Feuertropfen und Lichtgirlanden einen
Schimmer von Schnheit mit sich nach Haus.
Jenseits des Platzes waren Baumriesen gestrzt, denn dem Verkehr mute
die Strae sich weiten, und an der Peripherie der Stadt standen
reihenweise die Holzgerste, wie gewa$
berzeugung von der Dummheit seiner
Gegner. Als Gegner aber erschienen ihm auch die Revisionisten. Zu seinem
gefhlsmigen Ha gegen die Unruhstifter trat die hochmtige Verachtung
der Akademiker hinzu.
       *       *       *       *       *
Einmal, -- ich war gerade von einer Agitationsreise zurckgekehrt, --
beklagte ich mich darber, als Reinhard gerade bei uns war.
Ich habe Sie sonst fr so verstndig gehalten, sagte er; da Sie nun
auch so nervs, so empfindlich geworden sind! -- Ich kann Ihnen
versichern: mir selbst kommt der Krakehl zum Halse heraus! Er macht
unsere Leute kopfscheu; von jedem Gegner wird er uns aufs Butterbrot
geschmiert. Auerdem haben wir doch jetzt, ein Jahr vor den
Reichstagswahlen und angesichts der Zolltarif-Vorlage Besseres zu tun,
als uns ber die Verelendungstheorie die Kpfe blutig zu schlagen.
Sind wir etwa daran schuld?! fuhr Heinrich auf. Oder nicht viel mehr
die Groinquisitoren der 'Neuen Zeit', die seit Jahr und Tag ihre
Sprhunde auf uns hetzen?! Die jungen Le$
fen.
Es sollte eine Zeitschrift groen Stiles werden. Hervorragende
Parteigenossen des In- und Auslandes hatten uns ihre Mitarbeit zugesagt.
Eine junge Knstlerin, von der Idee, die uns leitete, gepackt, hatte den
Umschlag gezeichnet: schwarze Fabriken, aus deren Essen die Feuerflammen
der kommenden Zeit emporschlagen. Es gab Leute, die angesichts der
schnen Ausstattung, des niedrigen Preises und der hohen Honorare, die
wir festgesetzt hatten, bedenklich die Kpfe schttelten. Aber der
Dreimillionen-Sieg der Partei hatte den Glauben an unsere Sache, den wir
von jeher besessen hatten, nur noch gestrkt. Jetzt war wirklich die
Zeit gekommen, wo die Sozialdemokratie eine Macht im Staate zu werden
begann, wo sie vor der Aufgabe stand, selbstndig praktische Politik zu
treiben. Breite Schichten der Arbeiterschaft, die erstarkten
Gewerkschaften an der Spitze, verlangten danach, und die Masse der
Mitlufer, die unseren Sieg hatte vergrern helfen, war zweifellos
nicht durch die ferne Aussicht auf den Zukunftsstaat$
 und er blieb vor mir stehen, die
groen ernsten Augen ngstlich auf mich gerichtet. Und wenn ich abends
mit irgend einer notwendigen Nharbeit bei ihm war, und er mir mit all
dem berzeugten Pathos des Kindes vorlas, -- Mrchen und Gedichte, die
feierlichsten am liebsten, -- dann brauste es mir vor den Ohren, soda
ich kaum seine Stimme noch hrte. Was war das nur?
Meinem Mann verschwieg ich meinen Zustand. Mein Junge war mein
Vertrauter und mein Verbndeter zugleich. Er hatte mir versprechen
mssen, dem Vater nichts zu sagen.
Papachen hat soviel rger, er soll sich nicht auch noch um mich Sorge
machen! -- Und dies erste Zeichen eines freundschaftlichen Vertrauens
seiner Mutter hatte ihn sichtlich reifer gemacht.
Aber dann kam ein grauer Tag; der Regen klatschte unaufhrlich an die
Scheiben; um meinen Kopf lag es wie ein Band von Eisen. Pltzlich aber
mute ich vom Stuhle springen, auf dem ich zusammengekauert gesessen
hatte; ein Gedanke traf mich, blendend wie ein Blitz. Wie hatte ich nur
so lange fragen $
ameras der
englischen Reporter sich pltzlich auf mich richteten.
Auf dem Wege kam Bernard Shaw mir entgegen und reichte mir mit einem
sarkastischen: Da haben Sie wieder einmal ein unverflschtes Zeugnis
der deutschen Sozialdemokratie, ein englisches Morgenblatt.
Es enthielt ein Telegramm aus Berlin: Der 'Vorwrts' beschuldigt Frau
Alix Brandt, die einzige Vertreterin der sozialdemokratischen Presse bei
der Englandreise deutscher Journalisten, des Parteiverrats und kndigt
ihr an, da sie ihres unbotmigen Verhaltens wegen zur Rechenschaft
gezogen werden wrde.
Ich ballte das Blatt Papier heftig zusammen und schleuderte es zu Boden.
Das glaube ich nicht, stie ich zornig hervor.
Shaw lachte: Und doch ist nichts gewisser, weil nichts folgerichtiger
ist! Die deutsche Partei ist von nichts freier als von -- Freiheit. Sie
ist die konservativste, die respektabelste, die moralischste und die
brgerlichste Partei Europas. Sie ist keine rohe Partei der Tat, sondern
eine Kanzel, von der herab Mnner mit alten $
-_dahrgs axmins_ im
Lettischen;--_akmenelis brungus_ im Litthauischen.
_bertaria, bertistea_ im Baskischen (von bert schn und ar Stein);--_pietra
cinstita, pietri scumpe_ im Walachischen, olor ist Kleinod;--_gourre te pa
tsmouare_ im Albanesischen.
_gem, glain, maen gwerthfawr_ (werthvoller Stein), auch _ceinion, ereiries_
(Juwel) im Wlschen, gemydd ist Juwelier, auch ceinionydd;--_gem, geam,
cloch-buaidh_ im Glschen, auch _uige_ (Juwel), _usgar, seud, seudraid_;
gemmyd, seudair, seudachan ist Juwelier;--_gowdy_ im Schottischen. _[Greek:
gemma, triglna]_ im Griechischen;--_[Greek: lithari, petradi, atmt
petra]_ im Neugriechischen;--_gemma_ im Lateinischen;--_jivia_ im
mittelalterlichen Latein das Juwel (von uige im Glischen);--_gemme_ im
Italienischen, auch _gioja, gioies_ das Juwel, giojelliere der
Juwelier;--_gemme, pierre pretieuse_ im Franzsischen;--_joyau_ ist Juwel,
joaillier der Juwelier;--_gems_ im Englischen; _jewell_ das Juwel, jeweller
der Juwelier, _gimma, stan searo_ im Angelschsischen;-$
 cordierite, iolite_ im Franzsischen und hnlich in
allen neuern Sprachen.
B. _Die Gattung Lasurstein mit Ultramarin_.
Der Lasurstein ist ein, seit den ltesten Zeiten bekannter lasurblauer,
unkrystallisirter, undurchsichtiger Schmuckstein, der zum Theil in
bedeutenden Stcken einbricht, hufig krystallisirten Schwefelkies
eingemengt enthlt, sich nur in der Bucharey, am Baikal-See, im Badakschan
findet. In den Mineralsystemen hat er einen sehr wechselnden Platz gehabt;
Guyton glaubte zuerst 1801, dass das geschwefelte Eisen der frbende Stoff
_tschingt-chan_ im Chinesischen, ist der dunkle, _zuisang_ der hellere.
_nilaa_ (d.i. der blaue) im Hindu;--_whidurga_ in Bengalen;--_vaidurga,
viduradscha_ im Sanscrit, auch nilopala (der blaue Edelstein), balaradscha,
balawajadscha, balasurga, gawarka, kaitawa, keturatna, abrahoha.
_lazuwerdi_ im Malaiischen, auch _godschasm_;--_ladwery_ im Trkischen
(latschmore ist Veilchenblau);--_ladschiwerd_ im Persischen, auch
_langswerd_ und _lazuard_, mit den Arten: a) bedads$
usorien-Panzern bildet (wie seit 1836 Prof.
Ehrenberg gezeigt hat), feucht und sehr leicht ist. In Zeiten der Noth
dient sie als Nahrungsmittel, heisst _Himmelsmehl, Mondmilch, lac lunae,
latte di luna_ im Italienischen;--_agaric mineral_ im Englischen;--_lait de
lune, farine fossile_ im Franzsischen;--_manemilk, guhr, larlesvamp_ im
Schwedischen.
Hierher gehrt auch (wie Fabroni 1791 zeigte) das Material zu den
schwimmenden Ziegeln, die man neuerlich in Italien aus dem Bergmehle von
Santa Fiora im Florentinischen fabricirt, die im Alterthume sehr wohl
bekannt waren; Plinius 35, 49, Vitruvius II. 3, Strabo erwhnen solche
Ziegel aus Kleinasien, der Insel Lesbos, von Calendum in Spanien und
Massilia in Frankreich.
M. _Der Essigstein_.
Ein Stein, der in Essig gelegt, sich fortwhrend bewegt. Im Oriente hat
man ihn hufig, in Europa sieht man ihn sehr selten (mir ist er nur einmal
vorgekommen). Wir kennen das Material nicht, aus dem er geschnitten wird,
ob es Korallenmasse seyn mag, bleibt zweifelhaft. Andreas$
on, gancarz der
Tpfer;--_gjl, hljna_ im Czechischen, hrncir ist der Tpfer;--_glina, iju,
iu, ilouza_ im Windischen;--_lina_ im Wendischen;--_hlina_ im
Slowakischen;--_gnyla_ im Dalmatischen;--_ghgnilla_ im Bosnischen;--_glina_
im Krainschen;--_ilowacha_ in Croatien;--_glihsda_, auch _mahls, mali_ im
Lettischen (lonzhar ist Tpfer);--_dohn_ im Mongolischen.
_thaho_ im Gothischen;--_thon, than, thann_, auch _klee, haffnererd_ im
Alt-Teutschen, woher thonerde, welches frher meist die oberste
Erdschicht--die Dammerde--bedeutete.
_liime_ im Friesischen;--_lime, lam, pottererd_ im Angelschsischen.
_laire, raire_ im Lapplndischen;--_leir_ im Islndischen;--_leer,
leerjord_ im Dnischen;--_ler, lera_ im Schwedischen; der gemeine Thon ist
lera gemen, bloter, sioler, murler; der Porzellanthon lera zellins oder
eldfastler, der eigentliche Tpferthon krukmakarler, trnigeler.
_pri, bry_ im Bretonischen, auch _courroi, courrez_;--_pridd_ im Wlschen
(priddawr der Tpfer), auch _llai, llaid_;--_criadh_ im Glischen (d$
llgemeinen.
_kansa_, auch _pitala_ (von pita gelb) und _ajas_ (d.i. Erz) im
Sanscrit;--_pitala_, auch _wingapitala_ in Bengalen.
_hkro, hakhro, hakhara_ im Tibetanischen;--_goli, bacholi, tschara-gooli,
nogon_ im Mongolischen;--_teichoun_ im Tartarisch-Mandschu.
_jes_ im Afghanischen;--_ges, djies_ in den kaukasischen Sprachen.
_bghints_ im Armenischen;--_berintsch, pirindsh, pirink_ im
Persischen;--_pirintch, tutch_ im Trkischen, auch _ejar_ d.i.
Erz;--_berace, gnahese_ im Amharischen;--_tug, tibr_ im Arabischen, ajar
ist Erz;--_opheret_ im Hebrischen.
_karkoma_ im Chaldischen, _[Greek: chalkma, chalkos kekrymmenos]_ (von
[Greek: pryptein] verhllen) im Griechischen.
_prais, preiseach_ im Glischen, letzteres Wort heisst auch Kessel, Topf;
praisiche ist Kupferschmidt;--_bresych_ im Wlschen (doch finde ich dieses
Wort nicht bey Owen);--_arain_ im Bretonischen, eigentlich Erz;--_arama_ im
Walachsichen [Walachischen];--_kipre_ im Albanischen.
_aes, aeramen_ der Rmer.
_[Greek: mprontzo]_ im Neugriechischen$
stannum celtiberium_, auch _cositerium_ im Mittelalter, ferner
_[Greek: stagnon, staktimolybdon, stannion]_; daher [Greek: stanniazein]
und [Greek: stanniarein] verzinnen;--_Jupiter_ bey den Alchemikern, auch
_alnec, alenel, alkalap, aleth, asabum, almiba, caldar, cardir, feruzegi,
kaufor, razdir, laos, meselrabira, rasar, zarfu, elkaley_;--_plumbum
candidum_ im neuern Latein.
B. _Zinnlegierungen_.
a) Zinn und Kupfer giebt die Bronce, die schon erwhnt ist.
b) Zinn mit wenig Blei giebt das Metall zu dem Zinngeschirr, ist das coarse
pewter der Englnder, feodar im Glschen.
c) Zinn mit gleichem Theil Blei giebt das bekannte Schnellloth, Schlagloth,
argentarium tertiarium der Rmer.
d) Zinn und Wissmuth giebt ein hchst leichtflssiges Metall, das Zinnloth,
das besonders zum Zusammenschmelzen des Zinnes gebraucht wird; ist das
eigentliche pewter der Englnder (aus 9 Theilen Zinn und 1 Theil Wissmuth).
e) Zinn und Schwefel giebt das Musiv- oder Muschelgold von schn goldgelber
Farbe;--(_or mussiv, or de mosaique$
gelobte
Land dieser Liebe ist fr unsereinen nicht erreichbar. Dazu mte man
unter einem besonderen Stern zur Welt kommen.
Ja, wie zu allem Groen, versetzte ich.
Glauben Sie denn im Ernst, da es eine solche Liebe wirklich gibt?
Ich mute lcheln, denn ihre Frage hatte etwas von der Naivitt eines
Glauben Sie auch, fuhr sie fort, da die Bestimmung dazu nur auf der
einen Seite, auf der Seite des Mannes oder des Weibes liegen kann, da
der eine Teil vergeblich nach dem andern schmachtet und die ganze Erde
durchsucht, ohne ihn zu finden?
Faustina sah mich ngstlich an, sie wollte offenbar eine Beruhigung
gewinnen, sie merkte nicht, da ich die Antwort auf diese Frage schon
gegeben hatte. Ohne Zweifel, erwiderte ich. Jeder denkbare Zustand
der Seele und des Gefhls kann und wird irgendwie und irgendwo zur
Erscheinung gelangen, sonst wren wir nicht imstande ihn uns
vorzustellen. Der Fall, den Sie fiktieren, hat aber mit der groen Liebe
nichts mehr gemein, vielleicht berhaupt nicht mit der Liebe.$
dich in seinen Finsternissen,
schleift dich durch seine Zweifel und seine Qualen, und am Ausgang und
am Eingang steht er, nur er, Pfrtner und Totengrber. Der
schpferische, der handelnde Mensch bernimmt die Leiden der Welt und
reinigt die Menschheit davon, der Psycholog giet seine Leiden ber die
Welt, und die Psychologie ist ihm der Schlssel zur Welt, das Mittel, um
dir zu sagen: Du bist wie ich! Ein umgekehrtes tat-twam asi. Dieses du
bist wie ich, mit Hilfe der Psychologie, des fortwhrenden Belauerns
konstatiert, bringt etwas wie eine knstliche Sozialitt bei ihm hervor,
indes ihm die natrliche von Anfang an fehlt. Wo er hat, ist sein
Verrat ohne Hemmung, gewissermaen sachlich; wo er liebt, glaubt er sich
zu opfern durch den Verrat, und er mu verraten, weil die einzige Form
seiner Produktivitt darin besteht, das Ganze der Welt in Stcke zu
reien und in dem Schmerz ber die Zerstrung und Zertrmmerung die
Unvollkommenheit der Dinge zu gestalten. Whrend der schpferische
Mensch in einem gtt$
t es
in Hnden nach Hause bringen, da ihm kein Leids geschehe und es immer
an der Luft sei. Und wenn die Heilung naht, dann wird das Glas selbst
der Herold sein durch seine Farbe! Und nun reite heim und mge das
heiltchtige Fenster auch deinen schwachen Krper strken und
Leon dankte seinem Meister in heien Worten und versprach ihm, so ihn
hoffentlich bald wieder ein beglckteres Ziel hierher fhre, ihm zu
berichten und wrdiger zu danken; wobei er ein beraus heiteres Bild vor
Augen hatte.
So zog er von dannen und ritt als ein gar seltsamer Reiter nach Norden.
Er hielt die Glasscheibe in Hnden vor sich hin oder sttzte sie aufs
Knie, wenn eine Hand den Zgel ergreifen mute. Auch stieg er auf den
beschwerlichen Alpensteigen vom Pferde, den Zgel um den Arm
geschlungen, und lie das Rlein hinter sich hertraben, indem er wie
eine Monstranz das Glas in Hnden trug. Viele Wochen vergingen so, ehe
er jenseits der Alpen war, und viele Wochen, ehe er sich seiner Heimat
nherte. Und je mder er wurde, je schm$
te eintreten, da er die Blumen vorwies, und so trat er in das
Das Gewlbe war leer und eine angenehme Khle empfing ihn und eine
Dunkelheit, in der er sich erst langsam zurechtfand. Da sah er auf den
Bnken an der Wand die beiden Trommler liegen, sie hatten ihre Trommeln
auf den Boden gestellt und lagen nun schlafend in ihren bunten Wmsern
ausgestreckt und schnarchten, als ob sie kleine Trommeln im Munde
htten. Der kleine Mann, der ihn gestern mit seiner nselnden Stimme
angesprochen und aus den ersten Trumen gestrt hatte, kam aus dem
Nebengemache, er schaute Karolus mit argwhnischen, lauernden Blicken
an, ein hliches Lcheln war um seine Lippen, da er die Blumen in der
Hand des Jnglings sah. Er sprach nichts, er weidete sich an der
Verlegenheit des Gastes und auch Karolus schwieg einige Augenblicke
lang, da er gehofft hatte, Lalanda zu sehen und ihr mit einer stummen
Verbeugung die Blumen zu berreichen. Denn ihm schwebte die Erinnerung
an eine Erzhlung vor Augen, in der ein Prinz Erik aus dem Dnen$
 tiefes Mitleid mit seiner
Enttuschung, mit seiner Jugend erfllte ihn, sein Herz ward leichter
und eine warme Sehnsucht nach einem Menschen, dem er sich an die Brust
werfen knnte, ergriff ihn. Er nahm einen ordentlichen Schluck Weines
aus der Flasche, dann schaute er trnenden Auges zum Himmel empor, die
Sternlein flimmerten wie Diamanten durch seine Trnen und er rief dem
Kutscher zu, er mge ihn rasch nach Hause fahren. Da wendete der
Kutscher die Rosse und der Wagen rollte dem nchtlichen Prag entgegen.
       *       *       *       *       *
ber die Unterredung, die Karolus mit seinem Vater in dieser Nacht
gehabt, wie der Vater zuerst ber das verstrte Gesicht, ber die Wunde
an der Hand seines Karolus erschrak, wie dieser dann allmhlich sein
Erlebnis, sein Glck und seine Enttuschung beichtete, darber steht
nichts mehr -- in der alten Chronik von Prag. Es steht kein Wort darber,
da der Vater Werkmeister seinen Sohn ans Herz geschlossen und gekt
hat und da er doch bei allem Mitleid lachen, l$
t alles verloren. Und sie fhlt, wie sie wieder stark wird, sie hat
ihre Zge, ihre Glieder in der Gewalt; sie kann in diesem Augenblick mit
ihnen anfangen, was sie will; aber sie mu ihn bentzen, sonst ist es
vorbei, und sie greift mit ihren beiden Hnden nach denen ihres Gatten,
die noch auf ihren Schultern liegen, zieht ihn zu sich; sieht ihn heiter
und zrtlich an.
Und whrend sie die Lippen ihres Mannes auf ihrer Stirn fhlt, denkt
sie: freilich ... ein bser Traum. Er wird es niemandem sagen, wird sich
nie rchen, nie ... er ist tot ... er ist ganz gewi tot ... und die
Toten schweigen.
Warum sagst du das? hrt sie pltzlich die Stimme ihres Mannes. Sie
erschrickt tief. Was hab ich denn gesagt? Und es ist ihr, als habe sie
pltzlich alles ganz laut erzhlt ... als habe sie die ganze Geschichte
dieses Abends hier bei Tisch mitgeteilt ... und noch einmal fragt sie,
whrend sie vor seinem entsetzten Blick zusammenbricht: Was hab ich
denn gesagt?
Die Toten schweigen, wiederholt ihr Mann sehr langsa$
t. Ich wiederholte meine Worte. Er fing an zu
murmeln; ich schnitt ihm die Rede ab und wiederholte meine Worte. Er
schttelte sich ein wenig und sprach jetzt deutlich, ich hrte nichts
und wiederholte abermals meine Worte. Pltzlich sprang er auf, die
andere Seite des Bettes war ebenfalls wandlos, er taumelte aus dem Bett
und schrie mit heiserer Stimme um Hilfe.
Da scho ich. Ich scho zweimal. Er streckte gleich darauf die Arme in
die Luft und strzte zu Boden. Ich nherte mich ihm und sah, da er tot
war. Es rann mir eisig durch alle Glieder. Ich verlie das Zimmer und
ging ber den Korridor hinber zu Auroras Schlafgemach. Sie mute die
Schsse gehrt haben. Was jetzt? fuhr es mir durch den Kopf; das
bestndige Geheul der Hunde machte mich rasend. Ich hatte mir das
Nachher ganz und gar nicht vorgestellt, aber da ich mich nun
gemtsruhig entfernte, um zu warten, bis am Morgen die Untat, als von
einem Unbekannten verbt, entdeckt wurde, das ging nicht an. Ich fhlte,
da ich sterben msse, und es entstand i$
 oder
wie ein Auslnder gesprochen habe.
Ja, wissen Sie, sagte der Hausmeister, geradeso wie unsereiner reden
ja die wenigsten. Ich habe schon oft gedacht, was redet der fr ein
Kauderwelsch daher? und nachher war es doch ein Deutscher und nichts
weiter. 'Haben Sie Feuer, Euer Gnaden?' Er wiederholte sich den Satz,
wie um durch die Worte an Klang und Tonfall erinnert zu werden. Eigen
hat es ja geklungen, aber ganz lieb, ganz spaig, und gutes Deutsch ist
es doch auch gewesen. Der mit dem Auto dagegen, der hat so geschnauft,
da ich ihn kaum verstehen konnte, und mich hat er, glaub' ich, auch
nicht gut verstanden, wenigstens lief er zuerst nach der falschen Seite,
obwohl ich es ihm klar auseinandergesetzt hatte. Es kann aber natrlich
auch wegen der groen Eile gewesen sein.
Dieser Herr, sagte der Vorsitzende, ist wahrscheinlich derselbe, der
in der Pension nach Zimmern fragte und abschlgig beschieden werden
mute. Es ist keine Spur von ihm aufzutreiben gewesen, und wir nehmen
an, da er sich nur vor$
e Anklagebank zu verlassen und sich auf den fr die Zeugen bestimmten
Platz zu begeben.
Er sah bla, gleichgltig, verdrossen und verschlossen aus, fast als
habe er es auf eine abstoende Wirkung abgesehen und empfinde Genugtuung
Sie haben zugestanden, begann der Vorsitzende ernst, Ihre geschiedene
Gattin gettet zu haben, was Sie bis jetzt leugneten. Sie reisten zu
diesem Zwecke und mit dahinzielender Absicht von Prag ab?
Ich wei nicht, sagte Deruga unmutig, warum Sie mich noch einmal mit
Fragen behelligen. Sie wissen, da meine Frau sich sehnte, von
unertrglichen Leiden befreit zu werden, und da sie sich an mich
wendete, weil sie das Zutrauen zu mir hatte. Ich fhlte menschlich
genug, um ihre Bitte zu erhren. Die rzte im allgemeinen haben den Mut
zu einer so vernnftigen Tat nicht. Ich reiste sofort hin und tat es.
Das sollte gengen.
Es kommt uns nicht nur darauf an, die Tat zu wissen, sagte =Dr.=
Zeunemann, sondern auch die Absichten kennenzulernen, die den Tter
Was wollen Sie damit sage$
Sitten wegen und weil es ihnen ganz an der
sogenannten Weltbildung fehle, von dem Pbel verspottet wrden. Ach,
lieber Anselmus, Du verstandest ja unter dem Holunderbusch meinen Gesang
-- meinen Blick -- Du liebst die grne Schlange, Du glaubst an mich und
willst mein sein immerdar! Die schne Lilie wird emporblhen aus dem
goldnen Topf und wir werden vereint glcklich und selig in Atlantis wohnen!
-- Aber nicht verhehlen kann ich Dir, da im grlichen Kampf mit den
Salamandern und Erdgeistern sich der schwarze Drache loswand und durch die
Lfte davonbrauste. Phosphorus hlt ihn zwar wieder in Banden, aber aus den
schwarzen Federn, die im Kampfe auf die Erde stubten, keimten feindliche
Geister empor, die berall den Salamandern und Erdgeistern widerstreben.
Jenes Weib, das Dir so feindlich ist, lieber Anselmus, und das, wie mein
Vater recht gut wei, nach dem Besitz des goldnen Topfes strebt, hat ihr
Dasein der Liebe einer solchen, aus dem Fittich des Drachen herabgestubten
Feder zu einer Runkelrbe zu ver$
ner
Schattierungen auf.
Whrend der beinahe zwei mal 24 Stunden dauernden Fahrt nach Sintang
verndert sich die Gegend nur wenig; der Strom wird breiter und
breiter, bis bei Tajan, dem Wohnplatz eines Kontrolleurs, die Ufer
1500 m von einander entfernt sind, so weit, dass man die Bume der
gegenberliegenden Seite schwer unterscheiden kann. Der Dampfer hielt
nicht an, um dem Beamten Nachrichten von der Aussenwelt zukommen zu
lassen, die ihm in seinem Einsiedlerleben, als einzigem europischen
Reprsentanten der Regierung, einige Abwechslung gebracht htten. Der
Kontrolleur verwaltet ein Gebiet von der Grsse einer Provinz seines
Vaterlandes, auf dem sich jedoch nur hie und da eine Niederlassung von
Dajak oder Malaien unter dem _panembahan_ (Frst) von Meliau befindet.
Endlich brachten einige Hgelreihen mit unregelmssigen Formen
etwas Abwechslung in das Bild; sie waren aber nicht hoch genug, um
die majesttische Wasserflche zu beherrschen. In der ersten Nacht
passierten wir Sanggau, an dem wir vorbei dampf$
sog. "_takut parid_."
Dass Menschen, die ihr ganzes Leben gemeinsam in einem
Hause, in unmittelbarer Nhe von einander, verbringen, doch
ein so ausgesprochenes Gefhl der Eigenwrde und beinahe eine
berempfindlichkeit fr die Meinung ihrer Umgebung besitzen, setzt uns
in Erstaunen. Die _adat_ und die Art ihrer Handhabung ist berhaupt
nur bei einem Stamm mit derartigem Charakter denkbar.
Wird in einer ffentlichen Versammlung oder durch den Huptling und
die _mantri_ einem Schuldigen eine Busse auferlegt, so wagt er es
nur in seltenen Fllen, sich zu widersetzen. Es kommt noch hinzu,
dass sich seine ganze Familie bei der Angelegenheit betroffen fhlt.
Nicht minder als die ffentliche Meinung trgt das "_takut parid_"
dazu bei, im Staate und in der Familie der Kajan Ordnung und Sitte
aufrecht zu erhalten. Der Aberglaube _parid_, krank, kachektisch zu
werden, sobald man dieses oder jenes Verbot bertritt, bt auf das Tun
und Lassen von alt und jung den grssten Einfluss aus. Im allgemeinen
wird bei den Kajan j$
 erkannte der Mann seine frhere Geliebte und
bemchtigte sich daher der Leiche. Gross war sein Erstaunen, als
er beim Aufschlitzen von Brust und Bauch das ganze Tier mit Gold
gefllt fand. So wurde er zum reichsten Manne im ganzen Dorfe. Die
Bahau jagen daher nie mehr Wildschweine, ohne deren Seelen zuvor ein
Opfer gebracht zu haben.
Haben die Bahau einen _kule_, den gefrchteten borneoschen Panther
geschossen, so sind sie fr ihr Seelenheil sehr besorgt; denn die
Pantherseele ist beinahe mchtiger als die ihre. Sie schreiten
daher acht Mal ber das gettete Tier unter der Beschwrungsformel:
"_kule, bruwa ika hida bruwa akui_" = "Panther, Seele deine unter
Seele meine". Zu Hause angelangt werden Jger, Hunde und Waffen mit
Hhnerblut eingerieben, um ihre Seelen zu beruhigen und am Entfliehen
zu verhindern. Die Bahau essen nmlich Hhnerfleisch so gern, dass sie
den gleichen Geschmack auch bei ihrer Seele voraussetzen, auch glauben
sie, dass ihr schon der Genuss des Blutes allein genge. Ausserdem
mssen die$
gnet man nmlich morgens
beim ersten Auszug einem ungnstigen Zeichen, so darf man ein ganzes
Jahr lang berhaupt keinen Reis bauen, nur Bataten, Mais u.a. drfen
dann gepflanzt werden. Um derartigen Zustnden vorzubeugen, geht man
das erste Mal, kluger Weise, nachts aufs Feld.
Sieht man in der Zeit der Vorarbeiten ein Reh bers Feld laufen,
so darf dieses ebenfalls nicht im gleichen Jahre bearbeitet werden,
sondern man beschrnkt sich auch in diesem Falle auf den Anbau anderer
Bodenprodukte.
Die Jahreseinteilung richtet sich bei den Bahau, wie bereits erwhnt,
nach den verschiedenen Arbeiten, die auf dem Reisfelde vorgenommen
werden. Das Jahr zerfllt demnach in 8 Perioden:
_nebas = meda_ = Fllen des Unterholzes.
_newang_ = Fllen der Bume.
_nutung_ =Verbrennen des gefllten Holzes.
_nugal_ = Sen;_ tugal_ = Saatfest; _nugal_ = Feiern von _tugal_.
_nawo_ = Jten.
_ngeluno_ = Ernten.
_newuko_ = Beenden der Ernte.
_nangei_ = Feiern des neuen Reisjahres; _dangei_ = Neujahr.
Will ein Kajan an einer Stelle, wo $
ern von den Festplnen ihres
Stammes, von seinen Nten und Wnschen. Die zwei mnnlichen Priester
hoben hierauf das Bumchen, stellten es mit dem Gipfel voran in die
Grube und pflanzten es fest, so dass seine etwas bekappten Wurzeln
3-4 m ber dem Boden zu stehen kamen. Zu diesem Bumchen fgten
andere Mnner, in gleicher Reihe und in gleichen Abstnden, noch
7 andere Bumchen hinzu und pflanzten dann eine zweite Reihe von
8 Bumchen dieser gegenber, in ungefhr 1 1/2 m Entfernung. Beide
Reihen wurden auf halber Hhe durch kleine Querbalken mit einander
verbunden. An allen Bumchen hatte man, etwas unterhalb der Wurzeln,
eine Flche mit 8 Einschnitten, deren Bedeutung mir unbekannt geblieben
ist, angebracht. Auf die Querbalken wurden vier weitere Balken und
auf diese die vier Bretter (_tasu nangei)_, die vorher den Boden
bedeckten, gelegt; so entstand oben, zwischen den zwei Reihen Pfhlen,
ein gedielter Raum. Das ganze Gerst war so gestellt worden, dass man
mittelst einer Treppe bequem aus der Huptlingswo$
 so dass die Bevlkerung
am oberen Mahakam oberhalb der Wasserflle ungefhr 6000 Seelen stark
Neben dieser eigentlichen Bevlkerung halten sich im Gebiet des
oberen Mahakam bei allen Stmmen, die ihnen Zuflucht gewhren,
d.h. bei allen ausser den Pnihing, zahlreiche Fremde auf.
Diese sind hauptschlich Malaien oder, besser gesagt, Mohammedaner
verschiedener Blutmischung und Dajak aus anderen Gegenden, die sich
hier vor allem mit dem Sammeln von Buschprodukten befassen. Unter
den Malaien befinden sich viele, die ihr eigenes Land in der Nhe der
Kste Verbrechen oder Schulden wegen verlassen und bei den Bahau Schutz
gesucht haben. Die zahlreichen Arten Guttapercha und Rotang, die am
oberen Mahakam zu finden sind, lockten mit der Zeit immer mehr Fremde
heran. Besonders unter dein gutmtigen, rechtschaffenen Huptling
_Kwing Irang_ erschienen viele malaiische Buschproduktensammler,
die aus dem Gebiet des oberen Murung gebrtig waren; ihr Huptling
_Temenggung Itjot_, ein Nachkomme des von dem Krieg mit Bandjarma$
s zum Mahakam,
wo ihnen das grosse Kalkgebirge, in dem sich der Batu Matjan, Batu
Ulu und Batu Brok erheben, lange Zeit zum Wohnplatz diente. Auch die
anderen Bahaustmme, die jetzt bei den Long-Glat leben, hielten sich
ursprnglich dort auf. Die Batu-Pala haben ihren Namen noch vom Batu
Pala, dem kleinen Kalkplateau am Meras in der Nhe des Batu Situn,
von wo die Long-Glat sie zwangen, zum Mahakam herunterzuziehen.
Die Kajan dagegen kamen vom Apu Kajan lngs dem Boh herab, unter
Anfhrung des Huptlings _Kwing Irang_, der nach seinem Tode den
Beinamen _Singa Meln_ erhielt. Sie fuhren den Mahakam hinauf, bis
zu dem Lande, in dem sie jetzt noch wohnen. Seit der Zeit wurden sie
von sechs Huptlingen regiert, also dauert ihr dortiger Aufenthalt
noch nicht lnger als 150 Jahre. Gleichzeitig mit ihnen zogen noch
viele andere des gleichen Stammes aus dem Apu Kajan fort. Nach ihrer
berlieferung hatten sie sich, um ber einen Fluss zu gelangen, eine
Brcke gebaut. Als die Vordersten das andere Ufer erreicht hatten$
Nhe
unseres Beobachtungspostens musste ausserdem stets eine grssere
Anzahl Bume gefllt werden, weil deren Kronen die Aussicht zu sehr
beeintrchtigten.
Wegen der Abreise des Topographen _Bier_ vor dem Beginn unserer
Expedition ins Quellgebiet des Kajan konnte von einer sorgfltigen
Aufnahme dieser Gegend keine Rede sein. Dafr bernahm es der
Photograph _Demmeni_, den Weg mittelst Handbussole und Schtzung
des Abstandes zu messen, wie er es bereits whrend der ersten Reise
1896-1897 am Mahakam mit gutem Erfolg getan hatte.
Auch fr unsere topographischen Arbeiten hatten die Eingeborenen
bald eine Erklrung gefunden oder von den Malaien bernommen, sie
glaubten nmlich, dass es uns darum zu tun sei, ihre Schlupfwinkel zu
Kriegszwecken kennen zu lernen. Wir konnten sie von ihrer berzeugung
nicht abbringen, trotzdem wir darauf hinwiesen, dass wir uns doch
nur an die Huptflsse und wichtigsten Berge hielten und dass
_Bier_ seine Karte ausarbeitete, ohne ihre nchste Umgebung viel zu
beachten. Trotzdem sind $
_, uns seine neben der unsrigen befindliche Wohnung
berliess und selbst auf seinem Reisfelde Quartier nahm.
_Kwing Irang_ kehrte unmittelbar nach dem Begrbnis seines Bruders
wieder zurck; er hatte auch keine Nacht mehr am Meras verbringen
drfen, weil die einen Monat dauernde Verbotszeit gleich nach der
Bestattung eingetreten war und es bei Strafe hoher Busse keinem, der
nicht am Mesar wohnte, in dieser Zeit gestattet war, das Flussgebiet
zu verlassen oder zu betreten. Hndler, die sich vorbergehend
dort aufhielten, hatten sich noch in den letzten Tagen schleunigst
davongemacht, um nicht einen Monat Zeit zu verlieren.
_Kwing Irangs_ Familie ging in Trauer bezw. in Halbtrauer, indem
sie alle Schmucksachen und schnen Kleider ablegte und besondere
Trauerkleider anlegte. Letztere bestanden fr _Kings_ Frauen in
schlichten Jacken und Rcken, waren aber nicht aus Baumrinde oder
hellbraunem Kattun verfertigt. Auf uns Europer machten die Frauen
jetzt, da sie nicht mit Schmucksachen bedeckt waren, einen viel
n$
roduktensucher unter der Bevlkerung
verkehrten, wurden fr gleich gute Produkte 25 fl bezahlt. Whrend
meines Aufenthaltes am Mahakam befanden sich unter den Pnihing keine
Schnitzknstler; schne Griffe wurden, wie auch Schwerter, bei den
weiter unten wohnenden Stmmen durch Tausch erworben, besonders von
den Long-Glat, die sich auf diesem Gebiete auszeichnen. Auch vom
mittleren Mahakam, unterhalb der Wasserflle, sah ich einige schn
ausgefhrte Stcke.
Wie die Griffe, haben sich auch die alten Schwertscheiden unter den
Bahau behauptet, weil sie infolge der Berhrung der Eingeborenen
mit der Kstenbevlkerung, wenn auch in bescheidenem Masse, zu einem
Ausfuhrartikel geworden sind und die Malaien an ihrer Statt nichts
Besseres haben einfhren knnen. Beispiele fr Schwertscheiden sind in
Teil I auf Taf. 28, 29 und 30 zu finden; der bedeutende Unterschied
zwischen den Scheiden der Bahau am Mendalam und denen am Mahakam und
Kenja fllt dabei ins Auge.
Smtliche Scheiden bestehen aus zwei platten Brettern, die $
waren die des Assistent-Residenten von Samarinda fr
mich die wichtigsten; sie teilten mir den definitiven Beschluss der
Bataviaschen Regierung mit, _Barth_ als Kontrolleur am mittleren
Mahakam einzusetzen. Diese Nachricht musste auf die Bahau oberhalb
der Wasserflle grossen Eindruck machen; bereits am gleichen Tage
setzte ich auch _Bang Jok_ davon in Kenntnis.
Ferner brachte _Midan_ das von mir verlangte Geld mit. Der
Sicherheit wegen hatte man ihm in Samarinda drei bewaffnete
Schutzleute als Geleite mitgegeben, die als die ersten, welche
so tief in die Binnenlande vorgedrungen waren, in ihren Uniformen
den Waldproduktensuchern und anderen Fremden in unserer Umgebung
einen heilsamen Respekt einflssten. Wegen der usserst unsicheren
Zustnde zwischen Udju Tepu und den Wasserfllen war dieses Geleite
sehr notwendig gewesen, und ich war froh, dass mein Gesandter ohne
Unfall davongekommen war. Seine Berichte ber ein Komplott der
Buginesen gegen die brigen Fremden dieses Gebiets bewogen einige
bandjaresische $
te Belohnung meiner Arbeit und Ausdauer
nicht mit minderer Genugtuung. Mit den Malaien gleichzeitig kamen
auch die 7 Kenja Uma-Djalan unter _Taman Ulow_, die sich bis dahin
in Long Tepai aufgehalten hatten, den Fluss abwrts gefahren und
schlossen sich vorlufig unserer Gesellschaft an.
Teils um die Nachricht von der erfolgten Einsetzung eines Kontrolleurs
als feststehende Tatsache so schnell als mglich am Ober-Mahakam zu
verbreiten, teils um mich vom Tun und Lassen der Kajan wieder zu
unterrichten, sandte ich _Delahit_ am 17. Juni aufs neue nach dem
Blu-u. Zum Einkaufe einer mglichst grossen Reismenge versah ich ihn
berdies mit Geld; denn die 8 Kenja vermehrten die an unsere Vorrte
gestellten Ansprche auf unwillkommene Weise. Die Mnner hatten bis
jetzt vergeblich nach ihren beiden Landsleuten am mittleren Mahakam
geforscht; wie ich gehofft, waren sie durch die gute Auskunft, die sie
ber unser Leben unter den Long-Glat erhalten hatten, uns gegenber
viel zutraulicher geworden, so dass sie ihre Htte ru$
Abschied, man werde uns in seinem Dorfe
auf den Hnden tragen, falls wir dorthin kommen wollten.
Nachdem die Gesellschaft am anderen Tage wieder abgereist und die
_awa_ des Huptlings wieder frei geworden war, liess _Kwing Irang_
mich zur Besprechung rufen. Bei meinem Eintritt sass er mit ernstem
Gesicht allein unter seinen Kajan. Ich hatte somit noch Gelegenheit,
ihm zu sagen, dass ich _Bui Djalong_ und dessen Stammesgenossen
gegenber, die alles tten, um uns den Aufenthalt angenehm zu machen,
wegen der Angelegenheit verlegen sei und dass ich dem Geschwtz nicht
glaubte. _Demmeni_ trat ebenfalls zu uns, und als auch _Bui Djalong_
mit einigen ltesten erschien und sich zu uns unter die Schdelreihe
setzte, forderte ich _Kwing_ auf, seine Sache selbst vorzutragen. Mit
aller Redegewandtheit, ber die er verfgte, wiederholte _Kwing_
darauf das Geschwtz der alten Frauen und Kinder und gab dabei selbst
so deutliche Zeichen von Angst zu erkennen, dass _Bui Djalong_ eine
ungeduldige Bewegung nicht unterdrcken ko$
nner der Uma-Kulit, die nach Tanah Putih kamen, um Tpfe zu
verkaufen; sie erzhlten nmlich, dass die Batang-Lupar, als sie den
bewussten Brief von mir an den Radja sahen, gesagt htten, dass der
Radja ihnen jetzt wohl nicht lnger erlauben wrde, im Kajangebiet,
auf niederlndischem Boden, Kautschuk (_latong_) zu suchen, worauf
sie sich sehr bald ber die Wasserscheide davon gemacht htten. Diese
Tatsache war ein schneller und schlagender Beweis fr die Richtigkeit
meiner Aussagen auf politischem Gebiet.
Alle berflssigen Arzneien und Chemikalien zur Konservierung von
Zoologica begannen wir jetzt zu vernichten. Einige Schwierigkeiten
verursachten uns anfangs die Gifte, weil wir sie aus Furcht,
dass die Kenja sich auch nach einer Warnung an ihnen vergreifen
knnten, nicht vergraben wollten. Zuletzt versenkten wir sie an einer
tiefen Flussstelle unterhalb des Dorfes. Die Flaschen fanden viele
Liebhaber, es war sogar schwierig, bei der Verteilung keinen Neid
zu erwecken; leider durften wir die Bchsen, in de$
alten brauchten.
Am 15. Nov. holten Kajan und Kenja alles was an Gepck und Reis
beim Batu Plakau zurckgeblieben war, in einem Tag herauf, whrend
unsere Malaien ihre Lasten den Laja hinauf bis auf die Wasserscheide
trugen. Mit _Kwing_ und einigen anderen verbrachten wir einen ruhigen
Tag im Lager, wo _Bang Awan_ uns abends mit einem Wildschwein, das
er erlegt hatte, ein gutes Mahl besorgte.
Unsere Kajan hatten augenscheinlich von den Kenja im gegenseitigen
Hilfeleisten etwas gelernt, denn zu meinem Erstaunen halfen sie _Bit_
und _Ibau_ auch noch am zweiten Tag ihren Reis von unten abzuholen;
vielleicht taten sie dies auch mit Rcksicht auf unseren sehr kleinen
Reisvorrat. Da auch die von Long Nawang in einem Boote mitfuhren,
liess die Eintracht zwischen den verschiedenen Teilen meines Personals
nicht viel zu wnschen brig. Mit dem Rest der Kajan und Kenja und den
Malaien, die alle unser Gepck tragen mussten, verliessen wir nun den
Kajan und zogen den Laja aufwrts. Gegen Mittag erreichten wir bereits
die $
d feige, aber niemals rachschtig,
blutgierig oder tapfer genannt.
In Lndern, die von verschiedenen Rassen bewohnt werden, wie Borneo,
ist derjenige Teil der Bevlkerung, den man sich zur Untersuchung
aussucht, von massgebendem Einfluss auf das Bild, das man von der
Bevlkerung erhlt. Lsst man sich unter dajakischen Stmmen nieder,
die bereits lange unter der Herrschaft oder unter dem Einfluss der
Malaien gestanden haben, so erhlt man eine unrichtige Vorstellung
von den ursprnglichen Eigenschaften ihrer Rasse, da solche Stmme in
hohem Masse entartet sind. Nur die Dajak an den Ober- oder Mittellufen
der Flsse, die nicht oder wenig von Malaien beeinflusst worden sind,
knnen als die wahren Vertreter dieses Volkes angesehen werden.
Fr eine gerechte Beurteilung der Individualitt der Stmme von
Mittel-Borneo, eine Beurteilung, die nicht nur von wissenschaftlichem
Wert ist, sondern von der auch die Mglichkeit eines erfolgreichen
Eingreifens seitens zivilisierter Vlker in das Los der Eingeborenen
abhngt$
genen Flusstler, liefert die Tatsache, dass seit Jahrhunderten
zahlreiche Stmme aus dieser 600 m hoch gelegenen Gebirgsgegend nach
allen Himmelsgegenden in die benachbarten niedrigeren Flusstler
weggezogen sind und die Bevlkerung dort doch noch dichter ist als
irgendwo anders in dajakischen Gebieten. Anstatt 300-800, wie am
Ober-Mahakam, zhlen die Drfer in Apu Kajan 1500-2500 Einwohner,
trotzdem sie dort sicher nicht weiter voneinander entfernt liegen. Fr
mich war dies ein Beweis dafr, dass die herrschenden Krankheiten in
der Tat einen berwiegenden Einfluss auf die Dichte der borneoschen
Bevlkerung haben mssen.
Krankheitsverhltnisse, wie sie unter den Bahau auftreten, wirken nicht
nur dezimierend auf die Anzahl der Individuen, sondern setzen auch
die Lebensenergie und Arbeitskraft der Menschen so weit herab, dass
diese auf ihrer niedrigen Bildungsstufe whrend eines grossen Teils
ihres Lebens sich selbst und anderen nicht von dem Nutzen sein knnen,
wie ihnen dies unter gnstigeren Gesundheitsverh$
pinoza in meinem Gedchtnis den Klang und
Sinn dieser Worte. So hnlich war es auch mit allem Frohen,
Spielmigen, Festlichen, das zu mir wollte, zu dem ich wollte. Es
wurde abgedrngt, verdchtigt, verfinstert. Lust durfte nicht sein.
Wir hatten in der Zeit nach dem Tode der Mutter eine treue Magd, die
mich gern hatte. Des Abends kauerte sie gewhnlich vor der Herdstelle
und erzhlte uns Geschichten. Ich entsinne mich, da sie einmal, als ich
ihr besonders ergriffen gelauscht hatte, mich in den Arm nahm und sagte:
Aus dir knnt' ein guter Christ werden, du hast ein christliches Herz!
Ich entsinne mich auch, da mir dieses Wort Schrecken erregte. Erstens,
weil es eine stumme Verurteilung des Judeseins enthielt und damit
Nahrung fr bereits vorhandene Grbeleien wurde, zweitens, weil der
Begriff Christ damals noch ein unheimlicher fr mich war, halb
atavistisch, halb lebensbang Brennpunkt feindlicher Elemente.
In demselben Gefhl befangen ging ich an Kirchen vorbei, an Bildern des
Gekreuzigten, an Kirchhfe$
ehrt.
Der andere Freund war der Sohn eines Handelsmannes in Gunzenhausen, der
in Mnchen die Rechte studierte, drei Jahre lter als ich war, und den
ich stets in den Ferien zum Genossen hatte, schroffer Gegensatz zu jenem
ersten. Im Wachstum zurckgeblieben, zwerghaft klein, war ihm der
durchdringendste jdische Verstand gegeben, eine Fhigkeit, die
Schwchen und Blen der Menschen wahrzunehmen und zu geieln, die mich
ihn frchten lie. Meine dichterische Neigung verfolgte er mit beiendem
Spott, namentlich, wenn junge Mdchen dabei waren, vor denen er zu
glnzen liebte, und denen seine Witzworte in Heinescher Manier, seine
Belesenheit und Schlagfertigkeit imponierten.
In dieser kleinen Welt war er das groe Licht, die letzte Instanz der
Kritik, whrend ich als Poetaster und haltloser Schwrmer, der nicht
einmal den Weg humanistischer Bildung einschlug, eine mitleidswrdige
Figur machte. Durch nichts konnte ich mich vor ihm behaupten, durch
keine Anstrengung, keine Verheiung, keinen Hinweis; er zerpflckt$
d war, die praktischen Nutz- und
Nahzwecke auch nur wahrzunehmen, dabei aber mit der ueren
Verantwortung hufig, mit der inneren immer beladen wurde.
Die Beweise meines Talents, die ich dem Arzt lieferte, wurden von ihm
verworfen und verlacht, waren dann auch in Gesellschaft das Ziel seiner
geistreichen Sticheleien. Doch lie er sich zu Besprechungen mit mir
herbei und gab mir den Rat, zu studieren. Die Frage war nur, ob der
Onkel die Mittel dazu bewilligen wrde, und er versprach, ihn dazu zu
berreden. Indessen wandte ich mich, bezaubert von der neuen Aussicht,
an meinen Freund in Mnchen, schilderte ihm, wie die Dinge lagen,
schrieb vorgreifend, da ich mglicherweise auf die Untersttzung meines
Verwandten zhlen knne und fragte, ob er mich aufnehmen, ob er mir
beistehen, mich zum Examen vorbereiten wrde. Die Antwort war ber
Erwarten herzlich und ermunternd; das Bild eines gemeinsamen Wirkens und
Strebens, das er, der sonst so khl abwgende, mir machte, war so
verfhrerisch, da ich pltzlich die Ge$
 Nacht, Bildung
vernichtet das Bild, Gelehrsamkeit die Lehre, Gesinnung den Sinn, Erfolg
die Folge, Liebhaberei die Liebe, Betriebsamkeit den Trieb.
Alles dies erfuhr ich und mute es erfahren, da es ja meiner Natur
auferlegt war, da sie sich sozusagen des ganzen Krpers bemchtige. Ich
war nun dem umrilosen Dmmern entwachsen; ich hatte mir meine Formen,
meine Inhalte zu suchen; was von ihnen mitgeboren war, bedurfte der
Relation zum Realen und der Ergnzung in ihm. Es zeigten sich Aufgaben;
ich fhlte mich zum Epiker berufen; als solcher bestand ich mit meiner
Zeit und durch meine Zeit. Symbol und Idee wurden von der Inspiration,
der Phantasie gegeben; Farbe, Schwung und Leidenschaft kamen vom Blut
her, von der Anschauung, der inneren Temperatur; wie aber war es um das
Auen bestellt, um alles das, was mir Nahrung, Anla, Gerst, Baugrund,
Stoff sein sollte? Da gab es weder eine Einheit noch eine Form, weder
ein bereinkommen noch ein organisch Entstehendes. Stck um Stck,
Person um Person, Stadt um St$
 berschleicht mich ganz unmerklich mitten unter
dieser um mich aufsprossenden und aufblhenden jungen Welt. Ich erfahre je
lnger je mehr, da alle wahre menschliche Seligkeit innerhalb der Rume
des ehelichen Lebens liegt. Ich werde immer mehr Mensch, und in eben der
Proportion immer glcklicher und besser. Arbeiten wird meine Lust, weil
ich fr meine Kinder arbeite, und auch davon bin ich im Innersten
berzeugt, da mein ruhiges Vertrauen auf die Hand, die das Gewebe unserer
Schickungen webt, weder mich, noch die Meinigen betrgen werde."
Wielands Familienkreis war noch durch einen talentvollen jungen Mann
erweitert worden, den er bereits 1785 als Haus- und Tischgenossen bei sich
aufgenommen hatte. Dieser junge Mann, der, anfangs Hauslehrer von Wielands
Kindern, spterhin durch Familienbande noch nher an ihn geknpft ward,
war Reinhold. "Es ist eine wunderbare Geschichte", schrieb Wieland den 15.
Mai 1785 an Gleim, "wie und auf was fr Art dieser junge Mann aus den
Wolken, oder vielmehr aus den Armen irge$
 der ruhigsten und sichersten Provinz
des ganzen Reiches gemacht haben, auch nie aus den Augen verlieren, dass
die um ihre Religion besorgten Mohammedaner, so sehr sie auch immer
trkische Raublust und Grausamkeit hassten und frchteten, andererseits
wenigstens, was den grossen Haufen anbetrifft, von der _Nothwendigkeit_
der trkischen Herrschaft berzeugt waren.
Der erste trkische Gouverneur Nedjib Pascha blieb nur 3 Monate auf seinem
Posten, ihm folgte Mehemmed Raf Pascha, im August 1835. Seine erste
Massregel, welche er verfgte, war die Ausweisung aller noch lebenden
Caramanlis, resp. ihre Verbannung nach Constantinopel. Otman, von seinem
Vorgnger zum Gouverneur von Bengasi gemacht, entzog sich diesem Schicksal
durch seine Flucht nach Malta. Abd el Djelil verhielt sich um diese Zeit
ruhig im Besitze Fesans, und ebenso Rhuma im Djebel, der Bei Otman von
Mesurata schrieb einen Unterwerfungsbrief, aber damit hatte es auch sein
Bewenden. Schon 1836 wurde wieder ein neuer Gouverneur geschickt, da die
Pforte$
fand Knulp im dritten
Stockwerk eines Hinterhauses in der Vorstadt. Die kleine Werksttte hing
wie ein Vogelnest in den Lften berm Bodenlosen, denn das Haus stand an
der Talseite, und wenn man durch die Fenster senkrecht hinabschaute,
hatte man nicht nur die drei Stockwerke unter sich, sondern unterm Hause
floh der Berg mit kmmerlichen steilen Grten und Grashalden schwindelnd
abwrts, endigend in einem grauen Wirrwarr von Hinterhausvorsprngen,
Hhnerhfen, Ziegen- und Kaninchenstllen, und die nchsten Hausdcher,
auf die man hinabsah, lagen jenseits dieses verwahrlosten Gelndes schon
tief und klein im Tale drunten. Dafr war die Schneiderwerkstatt taghell
und luftig, und auf seinem breiten Tisch am Fenster hockte der fleiige
Schlotterbeck hell und hoch ber der Welt wie der Wchter in einem
Servus, Schlotterbeck, sagte Knulp im Eintreten, und der Meister, vom
Licht geblendet, sphte mit eingekniffenen Augen nach der Tre.
Oha, der Knulp! rief er aufleuchtend und streckte ihm die Hand
entgegen. Au$
lles Bse gnnte. Sie habe, sagte sie, an ihrem
Wirtstisch gar oft mit Grauen gesehen, wie diese gottesvergessenen
Menschen das liebe Brot kugel- und brockenweise sich an den Kopf
geworfen, so dass sie und ihre Mgde es nachher mit Trnen
zusammengekehrt.
Und so ging es mit gutem Glck und Mut immer weiter hinab bis zur
Dmmerung, da wir uns denn aber in das mandrische Flussgewinde, wie
es sich gegen die Hhen von Montroyal herandrngt, verschlungen
sahen. Nun berfiel uns die Nacht, bevor wir Trarbach erreichen oder
auch nur gewahren konnten. Es ward stockfinster, eingeengt wussten
wir uns zwischen mehr oder weniger steilem Ufer, als ein Sturm,
bisher schon ruckweise verkndigt, gewaltsam anhaltend hereinbrach:
bald schwoll der Strom im Gegenwind, bald wechselten abprallende
Windste niederstrzend mit wtendem Sausen; eine Welle nach der
anderen schlug ber den Kahn, wir fhlten uns durchnsst. Der
Schiffmeister barg nicht seine Verlegenheit; die Not schien immer
grer, je lnger sie dauerte, und der Dra$
eblich aus;
    Der Knstler froh die stillen Blicke hegt,
    Wo Leben sich zum Leben freundlich regt.
    Und wie wir auch durch ferne Lande ziehn,
    Da kommt es her, da kehrt es wieder hin;
    Wir wenden uns, wie auch die Welt entzcke,
    Der Enge zu, die uns allein beglcke.
  [Illustrations / Abbildungen:
  Relocated to end of text / Am Ende des Textes zurckgeschoben]
       *       *       *       *       *
                Thomas Carlyle
                LEBEN SCHILLERS,
              aus dem Englischen;
                  eingeleitet
                     durch
                    GOETHE.
            Frankfurt am Main, 1830.
          Verlag von Heinrich Wilmans.
       *       *       *       *       *
              Der hochansehnlichen
                  Gesellschaft
                fr auslndische
               schne Literatur,
                       zu
                     Berlin.
       *       *       *       *       *
Als gegen Ende des vergangenen Jahres ich die angenehme Nachricht
erhielt$
zu sprechen nicht aufhrte, war es Casanova anfangs nicht leicht, ihren
Worten zu entnehmen, was sie alle einander eigentlich zu erzhlen
hatten. Ein Name klang auf: der eines Leutnants Lorenzi; er sei, wie
Teresina berichtete, vor einer Weile an ihnen vorbeigeritten, habe fr
den Abend seinen Besuch in Aussicht gestellt und lasse den Vater
schnstens gren. Ferner meldeten die Kinder, da die Mutter anfangs
gleichfalls beabsichtigt htte, dem Vater entgegenzufahren; aber in
Anbetracht der groen Hitze hatte sie's doch vorgezogen, daheim bei
Marcolina zu bleiben. Marcolina aber war noch in den Federn gelegen, als
man von Hause wegfuhr; und vom Garten aus durchs offne Fenster hatten
sie sie mit Beeren und Haselnssen beworfen, sonst schliefe sie wohl
noch zu dieser Stunde.
Das ist sonst nicht Marcolinens Art, wandte sich Olivo an seinen Gast;
meistens sitzt sie schon um sechs Uhr oder noch frher im Garten und
studiert bis zur Mittagszeit. Gestern freilich hatten wir Gste, und es
dauerte etwas lnger als $
chts und
links schweifen lie. Dann beugte sie sich vornber, wie um auf dem Kies
etwas zu suchen, und gleich darauf wandte sie das Haupt mit dem gelsten
Haar nach aufwrts wie zu einem Fenster des oberen Stockwerks. Dann
stand sie wieder eine Weile ohne Bewegung, die Hnde beiderseits an die
Fensterstcke sttzend, wie an ein unsichtbares Kreuz geschlagen. Nun
erst, als wren sie pltzlich von innen erleuchtet worden, gewannen ihre
dmmernden Zge fr Casanova an Deutlichkeit. Ein Lcheln spielte um
ihren Mund, das gleich wieder erstarrte. Nun lie sie die Arme sinken;
ihre Lippen bewegten sich sonderbar, als flsterten sie ein Gebet;
wieder schweifte ihr Blick langsam suchend durch den Garten, dann
nickte sie kurz, und im selben Augenblick schwang sich jemand ber die
Brstung ins Freie, der bis jetzt zu Marcolinens Fen gekauert sein
mute, - Lorenzi. Er flog mehr als er ging ber den Kies zur Allee hin,
durchquerte sie kaum zehn Schritte weit von Casanova, der den Atem
anhaltend unter der Bank lag, und $
r entschlossen, da er
seinen Rat befolgen wrde. Noch heute sollte ein Brief an den
Schwiegervater des Landmanns, den alten Rendanten Schrder zu Grimmen,
Bravo! -- ein Mann ein Wort, Herr Wilms, mahnte der Kaufmann dringend,
als er seinen harrenden Wagen bestieg, nicht wahr?
Der Angeredete nickte mit dem gewaltigen Haupt:
Seien Sie unbesorgt, Herr Rosenblt.
Und wenn ich wiederkomm', sieht es hier anders aus, rief der
Scheidende zurck, dann ein Hndedruck, und auch der zweite Wagen rollte
Wilms aber stand mitten auf der Landstrae und sah ihm nach.
Eine seltsame, beklommene Freudigkeit befiel ihn. Und langsam und
sinnend schritt er in sein Haus zurck.
Es war an einem Sonntag.
Der Regen hatte aufgehrt. Ein frischer Wind fuhr ber die herbstlichen
Felder. Weit und mchtig spannte sich der blaue Himmel aus, und ber
Baum und Strauch, Weg und Steg lag heller Sonnenschein.
Von der Stationsuhr des winzigen Sekundrbahnhofs von Boltenhagen schlug
es elf. -- Um diese Stunde mute Wilms' junge Schwgerin $
be weibliche Hand dem Eintretenden
den dick beschneiten Pelz abnahm.
Die Luft wurde immer schneidender. Hochoben flimmerten ein paar
frostige Sterne. Wilms fror. Manchmal konnte er bei einzelnen
freistehenden Husern, an denen sie vorbeiflogen, in die trb
erleuchteten Stuben blicken. Da sah man schon Christbume, welche
geschmckt wurden. Im Hauptgut Boltenhagen klangen Kirchenglocken durch
die Nacht. Hohl und feierlich luteten sie das Fest ein. Vorboten der
groen Freude.
Wilms fate unwillkrlich an die Brusttasche, in der das Pckchen mit
dem Goldherz verborgen war, und trieb seinen Kutscher zu grerer Eile
Die Glockentne verklangen, wieder Schnee, Dunkelheit, Landstrae und
weies Feld -- halb erlahmt vor Nsse und Klte langten Mensch und Vieh
endlich auf dem Pachtgut Wilmshus an und fuhren in den einsamen, von
dickem Schneewall umgebenen Hof.
Rings lag alles in Dunkelheit gehllt. Nur hinter den herabgelassenen
Rouleaux der groen Stube leuchtete Licht.
Hbsch von Drthe, dachte Wilms, whrend er $
 Hand: Du -- Heting? stammelte er, nein,
nein -- nur nicht du -- das knnt' ich nicht ertragen -- nur du nicht --
wir wollen ja zusammen bleiben. Er umklammerte sie und drckte sie an
Und dann war es pltzlich da, was sich seit Monden nher und nher
geschlichen hatte.
Ohne bergang fhlte sie seine zuckenden Lippen auf den ihren, sie
schlang ihre Arme um den gewaltigen Nacken des Mannes und unter
schmerzhaften Kssen merkte sie, wie seine Trnen ihr Gesicht netzten.
Auch sie schluchzte. Als ob sie sich trsten wollten, lagen sie einander
in den Armen.
Es war kein freudiges Finden.
       *       *       *       *       *
In dem weiten, ungemtlichen Wohnzimmer war es inzwischen stiller
geworden. Der dicke Kreisphysikus hatte seine Untersuchung beendet und
die Schwerleidende schonend befragt, durch was sie denn so pltzlich in
Erregung versetzt worden wre. Lange hatte das matte Weib seinem Drngen
widerstanden, endlich jedoch, als der alte Herr sie gar so vterlich und
gut in die Arme nahm, fate sie sic$
 Untersberg,
drin der alte Kaiser schlft. Des heiligen rmischen Reiches kaiserliche
Majestt sendet ihm goldgebortete Kleider und ldt ihn in seiner Stadt
zu Hof, des Kaisers Tchter fhren ihn an der Hand durch die spiegelnden
Sle, des Kaisers Frau kt ihn mitten auf den Mund, und der Kaiser
selbst steht neben ihm und verstummt, wenn sein Spiel anhebt. Und dies
ist die Stadt Paris, und wenn des heiligen Ludwig Enkel zu Tische sitzt,
steht dies Kind neben der Knigin, und sie reicht ihm Frchte von
goldenen Tellern -- und dies ist die Insel Engelland, und wenn der Knig
mit der Knigin im Parke fhrt, neigt er sich aus der Kutsche und winkt
lchelnd dem Knaben.
Ist dies ein Mrchen?
Da man an der Orgel, drauf er einmal gespielt, eine Tafel anschlgt zu
ewigem Gedchtnis? Da der Papst in Rom um diesen dnnen Kinderhals den
Orden vom goldenen Sporen hngt? Da ein alter Meister vor diesem Kind
die Arbeit und den Ruhm eines Lebens zu Staub zerfallen sieht?: Dies
Kind wird uns alle zu Vergessenen machen!
$
kndigt, und _wie_ hat er's?
Dies lt sich auf zweierlei Art als mglich denken, nemlich da es
entweder _in uns_, als moralischen Wesen, in unsrer vernnftigen Natur;
oder _auer derselben_ geschehen sey. Nun liegt in unsrer Vernunft,
insofern sie rein _a priori_ gesetzgebend ist, nichts, das uns
berechtigte, dies anzunehmen: wir mssen uns also nach etwas auer ihr
umsehen, welches uns wieder an sie zurckweise, um nun aus ihren
Gesetzen mehr schlieen zu knnen, als wozu diese allein uns
berechtigen: oder wir mssen es ganz aufgeben, aus diesem Princip Gott
als Gesetzgeber zu erkennen. Auer unsrer vernnftigen Natur ist das,
was uns zur Betrachtung und Erkenntni vorliegt, die Sinnenwelt. In
dieser finden wir allenthalben Ordnung und Zweckmigkeit; alles leitet
uns auf eine Entstehung derselben nach Begriffen eines vernnftigen
Wesens. Aber zu allen den Zwecken, auf welche wir durch ihre Betrachtung
gefhrt werden, mu unsre Vernunft einen letzten, einen Endzweck, als
das Unbedingte zu dem Bedingten, su$
r Sinnenwelt berhaupt, folglich auch eine Offenbarung
sich als physisch mglich denken lasse, bedarf keines Beweises, indem es
zum Behufe der Mglichkeit der schlechthin geforderten Kausalitt des
Moralgesetzes auf die Sinnenwelt schon angenommen worden ist. Dennoch
werden wir zur Erluterung, nicht zum Beweise, und wegen einiger
daraus herflieender wichtigen Folgen auf Berichtigung des
Offenbarungsbegriffs, einige Untersuchungen ber diese physische
Mglichkeit anstellen.
Beym Schlusse dieser beiden Untersuchungen mu es vllig klar seyn, ob
sich vernnftiger Weise etwas dem Offenbarungsbegriffe korrespondirendes
berhaupt erwarten lasse, oder nicht. Zum Behufe der Mglichkeit aber,
diesen Begriff auf eine besondre _in concreto_ gegebne Erscheinung
anzuwenden, bedarf es noch einer genauem Zergliederung des
Offenbarungsbegriffs selbst, welcher angewendet werden soll. Die
Bedingungen, unter welchen eine solche Anwendung mglich ist, mssen
alle im Begriffe liegen, und sich durch eine Analysis desselben aus i$
en zu bieten, die man in Holland oder in einer beliebig zu
bestimmenden deutschen Reichsstadt erheben knne. Um den Sendboten von
der Aufrichtigkeit seines Anerbietens zu berzeugen zeigte er ihm einen
Vorrat von Tinktur, der ber sechs Pfund wog. Er bewies ihm durch
Versuche, da mit dieser Masse ein Zentner Gold in lauter Tinktur
verwandelt werden knne, die dann noch drei- bis viertausend Teile
Metall in Gold zu veredeln vermge. Er gab ihm eine Probe fr den Knig
mit und versprach, ihn ebenso reich wie Bttiger zu beschenken, wenn er
sich seines Auftrages gut entledigte.
Doktor Pasch begab sich auf den Weg. Er war mit zwei Herren verwandt,
die am Dresdner Hof groen Einflu hatten. Durch ihre Vermittlung hoffte
er leichter zum Knig zu gelangen und machte ihnen deshalb sein Anliegen
bekannt. Sie urteilten aber, ein so hoher Preis werde den Knig eher
bestimmen, den Verhafteten noch besser zu bewahren, weil es ja den
Anschein habe, als lasse Bttiger selbst durch dritte Hand soviel fr
seine Freiheit biet$
 werden.
Schweigend ist er aus dem Leben geschieden; geheimnisvoll hatte er die
Plne und Entwrfe, die seine Seele nhrten, in tiefster Brust
eingeschlossen, und ber seinem Leben und ber seinem Tode liegt ein
undurchsichtiger Schleier.
Die Gter der Ermordeten wurden smtlich eingezogen; von den Besitzungen
Wallensteins, die auf fnfzig Millionen Gulden geschtzt wurden, fiel
das meiste dem Kaiser zu. Die abtrnnigen Generale wurden reich belohnt,
die Mrder machten ihr Glck und wurden angesehene Leute, aber alle
Anhnger Wallensteins wurden gechtet und vierundzwanzig Obristen und
Hauptleute wurden in Pilsen hingerichtet.
Leonhard Thurneyer
Leonhard Thurneyer, genannt zum Thurn, war ein Goldschmiedsohn aus
Basel und 1530, im Jahr der bergabe der Augsburger Konfession, geboren.
Er sollte wie sein Vater Goldschmied werden, war aber nebenher bei
Doktor Huber, dem er Kruter sammeln und Arzneien zubereiten half und
aus den Schriften des Paracelsus vorlesen mute. Schon in seinem
siebzehnten Lebensjahr ver$
ude und prasselnde
Flammen, das war das einzige, was bei jedem Schritt den entsetzten
Sinnen sich darstellte. Gneisenaus scharfes Auge hatte mitten im
grlichsten Tumult erkannt, da der Feind Vorbereitungen traf, sich von
der Wolfsschanze aus ber das Mnderfort herzustrzen. Es war drei Uhr
nachmittags. Gegenanstalten wurden getroffen, Befehle flogen, alles war
in der lebendigsten Spannung, pltzlich schwieg das feindliche Geschtz
auf allen Batterien. Auf das Krachen eines Donners wie am Tage des
Weltgerichts folgte eine lange, de Stille. Jeder Atem stockte, niemand
begriff den schnellen Wechsel, das schauerliche Erstarren so gewaltiger
losgelassener Krfte. Da nahte ein feindlicher Parlamentr, neben ihm
ein preuischer Offizier, und alsbald strzte dieser mit den atemlos
hervorgestoenen Worten in den Kreis seiner Bekannten: Friede! Kolberg
ist gerettet.
       *       *       *       *       *
Als im Jahre 1809 der Knig von Memel nach Berlin zurckkehrte, hie es
zuerst, er werde seinen Weg ber K$
hl von Landleuten, die das Zusammentreiben des Wildes die ganze
Nacht hindurch ermdet hatte. Dazwischen ertnten muntere Jagdhrner und
Gesnge. Die Monarchen, an der Landesgrenze von dem Herzog und der
ganzen Jgerei zu Pferde empfangen, langten mit ihrem Gefolge unter dem
Schalle der Jagdfanfaren gegen ein Uhr mittags an. Nun wurde in
einzelnen Abteilungen das Wild aus dem umzunten Walde heraus und so
getrieben, da es am groen Pavillon in Schuweite vorber mute.
Napoleon ergtzte sich ungemein an diesem Schauspiel und schien
berhaupt sehr vergngt. Um vier Uhr endigte die Jagd; nicht der
geringste Unfall hatte sie getrbt. Ich war in Erfurt zurckgeblieben
und beauftragt, dem Kaiser Napoleon noch vor seiner Abfahrt aufzuwarten,
worauf ich mich eiligst nach Weimar verfgen sollte. Es war fnf Uhr,
als die Monarchen unter dem Gelute aller Glocken in Weimar einzogen.
Wie Napoleon sich in die fr ihn bereiteten Zimmer begab, war ich
zufllig der erste, auf den seine Blicke im Vorzimmer trafen. Er ging
s$
zt gibt er der Villa am Meer, wie wir sie
bei Schack in zwei Variationen sehen, zunchst in zwei neuen Fassungen
(in Stuttgart und Zrich) eine leichte, aber in charakteristischer Weise
vernderte Gestalt, die Villa wird dann in einem dritten Bilde zur Ruine
einer Villa, der Ausblick kommt auf die linke Seite des Bildes und man
sieht den Meereshorizont ber der Terrasse zwischen den Sulen des
Hauses. An diese Schpfung sollten sich dann seit 1880 die bekannteren
Ruinen von Burgen am Meer schlieen (Taf. 15, 16, Textabbildungen S. 40,
41 u. 43, Taf. 68).
Es entsteht 1878 das Hauptwerk Gefilde der Seligen (Taf. 53), das
einst wegen der scharf ausgesprochenen Vertikalen (bei den Hlsen
der Schwne) Widerspruch gefunden hat, und im folgenden Jahre die
Meeresbrandung (Taf. 55) und der Frhlingsabend (Taf. 56). Zu dem
Bilde der Nationalgalerie ist die Skizze von 1877, zu den anderen sind
Vorstufen erhalten, die ebenfalls kurz vorher entstanden sein mssen.
Auch hier wie bei der Neugestaltung weit zurcklie$
.
Daneben entstand ihm noch ein ernster zu nehmender Feind in einer neuen
von Frankreich eindringenden, in sich geschlossenen Kunstrichtung. Im
Jahre 1879 haben die franzsischen Pleinairisten den durchschlagenden
Erfolg bei der heranwachsenden Knstlerschaft errungen und der Anfang
der achtziger Jahre, als Bcklin den Odysseus, den Abenteurer
und den Prometheus schuf, war die Zeit des grauen Freilichts.
Bewundernd stand man vor den Sonnenflecken in Liebermanns Garten des
Altmnnerhauses, whrend Bcklin, der in seinem Pan im Schilf einst
hnliches geleistet hatte, den Impressionismus als einen berwundenen
Standpunkt ansah und erkannte, da er seine letzten Ziele nur auf
anderem Wege erreichen konnte.
Aber der Bruch mit der akademischen Malerei, der sich in den achtziger
Jahren vollzog, hatte doch das Gute, da einer jeden Kraft, die auf
sich selber stand und ihre eigenen Wege ging, grere Achtung als vordem
gezollt wurde; das Gefhl fr Persnlichkeiten nahm auch im weiteren
Publikum berhand; auf$
nd hat geboren;
Sie zertrat das Haupt der Schlange
Und ich gab ihr hin die Rosen." --
"Sei gesegnet, Rosablanke,
Fr die Worte voller Trostes!
Da sich mein der Herr erbarme
Mag ich nun in Demut hoffen." --
Tiefbeweglich sprach der Alte,
Und es wagte nicht die Fromme
Nach der Rede Sinn zu fragen,
Sie sah schchtern an den Boden.
Aber zu der Htte wandeln
Beide nun, und Vater Kosme
Spricht: "Nun gehe zu dem Garten,
Flle deinen Scho mit Rosen,
Whrend ich die Honigwaben
Und das Wachs, das diese Woche
Ich zu Kerzen zog und malte,
Dir in deinen Korb geordnet.
Nach Bologna mut du wandern,
Eh noch hher steigt die Sonne,
Dort verkaufe deine Ware
Bei den schwarz und weien Nonnen.
Zwanzig Soldi nur an barem
Gelde nehme ich vom Kloster;
Was dir bleibt von deinem Wachse,
Tausche ein um weie Brote.
Bringe mir auch Purpurfarbe,
Einen Gran geriebnen Goldes,
Und Ultramarin zwei Asse
Aus dem Kram am rmschen Tore.
In dem Kloster zu Sankt Claren
Gibt dem Mener zwanzig Soldi,
Da er morgen, eh es taget
Eine Seelenmesse $
chel, die am Abend
Rosen streute fr Auroren.
Aber nchtlich hat die Schlange
Um die Sichel sich gerollet.
O erscheine, Herr des Gartens,
Tritt den Lgner an den Boden!
Denn inmitten dieser Tafel
Ist noch kaum ein Strich gezogen,
Gleich des Blinden Auge starret,
Gott erharrend, hin der Bogen.
Jhrlich nur an diesem Tage
Weint vor dem Gewand der Nonne
Und der Locke goldner Haare,
Bt vor diesem Bilde Kosme.
Wie, an heilgen Jahrestagen
Nur, die Kirche die Kleinode,
Die Reliquien des Schatzes
Auftut, zu der Frommen Troste,
So auch liegt der Schatz des Jammers
Jhrlich vor dem Ber offen
Da geboren Rosablanke,
Da die Mutter ihr gestorben.
Die in schwerer Schuld empfangen,
Die in schwerer Schuld gestorben,
Und es ist der Snde Vater
Rosablankas Vater Kosme.
Bis in tiefer Reue Flammen
Der Verzweiflung Erz geschmolzen,
Weinet Kosme in der Kammer
Vor dem Bild und Kleid der Nonne.
Und als in des Bens Asche,
Wie der Blick geschmolznen Goldes,
Hoffnung ihm entgegenlachet,
Geht bereiten er das Opfer.
Er giet aus geb$
rden dahingestrmt sein.
Aus der vorhin angefhrten Angabe aus der _Zend-Avesta_ ber die Hhe
des Wassers, welches auf die Erde fiel, und das Land hier, auf dieser
Hochebene, die 8000 Fu hoch ist, mannshoch bedeckte, folgt, da solches
ber 8000 Fu hoch, vom Meere an gerechnet, die Lnder hin und wieder
mu bedeckt haben, und da daher der Schweifstern sehr nahe der Erde mu
gekommen sein, weil er sonst solches nicht htte bewirken knnen. Und
da durch ihn die klimatische Verfassung dieses Landes und auch die der
ganzen nrdlichen gemigten Zone verndert worden ist, so mu er sich
auch irgendwo mit der Erde, und zwar auf ihrer nrdlichen Hlfte,
vereinigt haben. Auffallend ist hierbei, da durch die vielen
Landspitzen und Vorgebirge an der sdlichen Seite von Asien und Afrika,
und durch die Bildung der Gestalt dieses Erdtheils, wie auch durch die
von Amerika, ein solcher Fluthenzug, der einstens von Sden nach Norden
hingegangen und dem Laufe des Kometen gefolgt ist, besttiget wird.
Daher haben schon l$
t. Dieser gyptische Stamm bestand aus mehreren
Stmmen, wovon der eine schwrzlich von Farbe, und dadurch dem heien
Klima sich schon angebildet hatte, der andere aber von einer hellern
Farbe war. Diese Wanderung mu aber schon sehr frh geschehen sein,
indem dieses Volk in Theben schon eine bewunderungswrdige Stufe von
Kultur erlangt und schon ein Weltreich gestiftet hatte, ehe es uns
einmal bekannt geworden ist, und wie es unserer gewhnlichen Geschichte
bekannt wurde, schon wieder von seiner Hhe herabgesunken war.
Aus den Schriften der Parser und Hindu lt sich zwar die Bevlkerung
Amerika's, weil dieser Erdtheil erst in neuern Zeiten bevlkert worden
ist, nicht herleiten, aber wir finden in dem neusten Gemlde von _Malte
Bruns_ den Ursprung der Amerikaner von Asien her, ber eine Reihe von
Inseln mit Eisschollen angefllt, von einer bsen Nation daselbst
vertrieben, nach ihrer Sage, sehr gut dargestellt.
Auf diese Weise stammen demnach alle jetzt lebenden Vlker von dem
einstigen Urvolke in Asien her,$
 auf die Lippen, aber
der Vater hat Euch etwas recht Ernstes heute zu sagen, etwas von dem wir
noch nicht wissen, ob es Euch betrben wird oder nicht.
Der Vater? rief Marie erschreckt, und auch Anna, die lteste Tochter,
sah ngstlich zu ihm auf; Professor Lobenstein aber, so in die Enge und
zum Aeuersten getrieben, hustete, paffte den Dampf ein paar Mal scharf
vor sich hin, die Pfeife ordentlich in Gluth zu bringen, und sagte:
Ja Kinder, Ihr wit -- wir -- wir haben doch in den letzten Tagen viel ber
Nord-Amerika gesprochen, und auch Manches gelesen  -- 
Ja, die herrlichen Romane von Cooper, rief Marie rasch.
Und die schrecklichen Berichte im Tageblatt, lchelte Anna.
Der Doctor Haide ist ein Esel, sagte der Professor, den Rauch wieder ein
paar Mal rasch ausstoend -- wenn der htte in Amerika ordentlich arbeiten
wollen, brauchte er sich jetzt nicht von einer Winkeladvocatur und vom
Schimpfen auf freisinnige Leute zu ernhren; ber dessen Berichte wollen
wir uns keine Sorgen machen, aber  -- $
eicht verloren gehn.
So, und jetzt zu Bett Kinder, mahnte der Vater -- es ist spt geworden,
sehr spt, und Du mut frh wieder heraus Georg, die Post nicht zu
versumen; sind Deine Koffer hinbergeschafft?
Es ist Alles drben, sagte die Mutter, sich aus den Armen des Sohnes
windend und ihre Thrnen trocknend, nur sein Ueberrock ist noch hier, den
er anzieht, und die kleine Tasche in die er morgen frh sein Nacht- und
Waschzeug steckt -- doch das besorg' ich schon selber und werd' es nicht
vergessen. Ich bin frh auf, Georg, Du mut ja doch auch noch Deinen
Kaffee haben bevor Du gehst.
Gute Nacht Mutter! rief Georg, umschlang sie noch einmal und kte ihr
Lippen, Augen und Stirn, gute Nacht meine gute, gute Mutter -- gute
Gute Nacht mein Georg, mein Kind, sagte die arme Frau unter Thrnen --
schlaf nur jetzt recht aus -- zum letzten Mal unter unserem Dach -- fr die
nchste Zeit wenigstens, setzte sie rasch hinzu -- denn mit Gottes
Beistand hoff' ich soll es nicht das letzte Mal gewesen sein $
 dass der Auswanderungsmann das sogleich durchschaut
hatte. Herr Weigel nickte, seine Zeit war ihm aber kostbarer, als sie noch
laenger an Jemanden zu verschwenden, bei dem er doch voraussah, dass er von
ihm keinen Nutzen haben wuerde, und er suchte das Gespraech wieder dem mehr
praktischen Anliegen der drei Bauern zuzulenken.
"Also Sie wollten mitsammen nach Amerika gehn und sich eine ordentliche
Farm, gleich mit Land, Vieh, Haeusern und was dazu gehoert, ankaufen heh? --
'waer keine so schlechte Idee."
"Ja erst moechten wir aber einmal wissen wie die Sache steht;" sagte der
Erste wieder, der Menzel hiess, "wenn man ueber einen Zaun springen will,
ist es viel vernuenftiger dass man erst einmal hinueber guckt was drueben ist,
und wenn man das nicht kann, dass man Jemanden fragt der es genau weiss.
Sind denn die Farmen da drueben wirklich so billig? -- ist das wahr, dass man
dort noch gutes frisches Land fuer ein und einen Viertel Thaler kaufen
"Thaler? -- nein," sagte Herr Weigel, "_Dollar_." "Ja nun, das ist$
es, als was jetzt alle Tage
vorfaellt -- Geld zahlen."
"War es denn so viel?" sagte die Frau leise und schuechtern.
Der Mann schwieg einen Augenblick und sah still vor sich nieder; endlich
erwiederte er seufzend:
"Das Schwein ist d'rauf gegangen, und vier Thaler Siebzehn Groschen sind
immer noch mit Gerichtskosten und der alten Processgeschichte mit der
Brueckenplanke, mit der ich eigentlich gar Nichts mehr zu thun hatte,
stehen geblieben, und ich muss sie bis zum ersten Juli nachzahlen, unter
Androhung von Pfaendung."
"Nun lieber Gott," sagte die Frau troestend -- "wenn das das Schlimmste ist,
laesst sich's noch ertragen; da verkaufen wir eben das andere Schwein und
behelfen uns so. Wie wenig Leute im Dorf haben ueberhaupt eins zu
schlachten, und leben doch; warum sollen wir nicht eben so gut ohne eins
leben koennen als die."
"Ja," sagte der Mann leise und still vor sich hin bruetend -- "verkaufen und
immer nur verkaufen, ein Stueck nach dem anderen, und waehrend wo anders die
Leute mit jedem Jahr ihr kleine$
, richtete er sich rasch wieder auf, drueckte den Hut in die Stirn,
und sagte, das Zimmer verlassend, und noch in der Thuer sich umdrehend:
"Ich warte auf Dich unten am Wasser -- mach schnell!"
"Sei ein gut Kind Albertine, und hab mir gut auf die Kleinen Acht,"
fluesterte die Frau jetzt dem Maedchen zu, das eben dem Bruder ein Stueck
Brod und Salz gegeben hatte, an dem der ass und verwundert dabei hinter den
Vater her aus der Thuer, und nach der Mutter schaute, die lange -- o lange
Zeit nicht so freundlich mit ihnen gesprochen hatte.
"Aber Mutter wo geht Ihr nur hin?" -- frug das Maedchen, der das Benehmen
der Eltern ebenfalls auffiel, verwundert.
"Auf's Amt," sagte die Frau, auf die Frage schon vorbereitet -- "wir muessen
morgen frueh mit Tagesanbruch in der Stadt sein, und wollen gehn so lang's
"Und wann kommst Du wieder?"
"Hoffentlich morgen gegen Abend -- wenn wir fertig werden; auf dem Amt sind
sie aber gar weitlaeufig -- manchmal dauert's laenger als man denkt. Geht mir
aber nicht vor die Thuer, Ihr hab$
berzutreten, Mensch gegen Mensch. Ein gewisses
Vertrauen glaubte ich mir bei ihm erworben zu haben; so oft ich mich
bemht gezeigt hatte, Heikles zart zu behandeln, glaubte ich eine
dankbare Regung in ihm versprt zu haben. Zgern machte mich nur noch
die Erwgung, ob sich nicht der angeborene Argwohn gegen den Zudringling
aus der fremden Sphre wenden wrde, ob es nicht an den Mitteln zu
natrlicher Verstndigung von vornherein mangle. Aber darber halfen mir
Bild und Gestalt hinweg; Adam Urbas war ja kein Bauer gewhnlicher
Sorte; er gehrte zu unserer Bauern-Aristokratie, seine bloe Haltung
zeugte von Scharfsinn und Noblesse, und so hoffte ich, da ich den Weg
zu ihm nicht vergeblich bahnte. Ich berlegte nicht lnger; eines Abends
im Dezember war es, als ich in das Gefngnisgebude ging und mir die
Zelle aufsperren lie, in der sich Urbas befand.
Ich hatte ihm Vergnstigungen fr die Haft erwirkt. Es war ein
wohnlicher Raum, anstndig mbliert mit Waschtisch, Bett und Spiegel,
behaglich warm. Er sa bei $
die mit Sektkbeln liefen,
postierten sich unverschmt neben Klubsessel, in denen vornehme
Kavaliere ruhten und schlenderten mitten durch Gruppen von Plaudernden
durch. Maria dachte: es ist Zeit, da Menasse sich meldet. Ein gellender
Pfiff wurde hrbar, gleich darauf, da die Kapelle im Speisesaal Pause
hatte, eine fremdartige Musik aus einem entfernten Raum. Zu Maria trat
ein junger Mann, ein Moskauer Schriftsteller, und sagte, im groen Saal
finde eine armenische Hochzeit statt, sie mge doch hingehen, es sei
uerst interessant. Er bot ihr seine Begleitung an; Maria war immer
fnfzehn Jahre alt, wenn es Neues zu sehen gab, und sie ging sogleich
mit. Die Stimmung bei einem Teil der Gesellschaft hatte sich auf einmal
verndert. Ein alter Herr redete mit gerungenen Hnden auf mehrere Damen
ein. Maria vernahm, wie eine flsterte: Und mein Schmuck? meine
Perlen? Der alte Herr sagte: Es handelt sich ums nackte Leben. Vor
dem Billardzimmer standen ein paar junge Mdchen, bla, verzagt, die
Augen aufgerissen. $
 Brust und hob das Gesicht, das
bleich war, mit fromm-erschlossener Miene zur Hhe.
Als sie in das untere Stockwerk kam, waren alle bereits auf den Beinen
und rsteten sich zu neuer Reise. In der Freude ber den Abzug der
Matrosen achtete man ihrer gar nicht. Menasse unterhandelte bereits mit
einem Schiffer, der eine Barke zur berfahrt zu vermieten hatte. Sie
aber fhlte die Wahrheit der Worte Golowins: die Strae war frei, aber
das Ziel des Wegs war unkenntlich verdunkelt.
Im Verlauf der schleichenden Revolution, von der das russische Reich
whrend des vorletzten Jahrzehnts heimgesucht war, kam es eines Tages zu
einem Straenkampf in Moskau. Den unmittelbaren Anla hatte die
Verschickung von fnfunddreiig Studenten und Studentinnen gegeben, die
das Jubilum eines verehrten Lehrers, welcher der Polizei verdchtig
geworden war, in berschwenglicher Weise gefeiert und die Feier durch
heimliche Zusammenknfte vorbereitet hatten. Einige der angesehensten
Familien der Stadt wurden durch die grausame Maregel bet$
egentliche
Nachdenken darber war Verzierung, die man sich in Muestunden
gestattete. In der Fhrung der Geschfte von unbedingter Verllichkeit,
gewissenhaft wie ein Automat und verschwiegen wie ein Panzerschrank, war
er berall der Mann des Vertrauens, der Vermittlung und der
Beschwichtigung. Keinem Menschen fiel es ein, von seinem Geist oder
seinem Genie zu sprechen, aber seine Ritterlichkeit und Freundestreue
hatten schwrmerische Lobredner.
Die Ereignisse trugen ihn; die Menschen trugen ihn; die Jahre trugen
ihn. Es gab keine Stockungen, im eigentlichen Element keine Trbung, nur
ber das uere und Betriebmige war zuweilen ein Schleier von Unmut
gebreitet. Aber der Strom flo breit und gefllig dahin. Dem vorwrts-
wie dem zurckschauenden Blick boten sich dieselben Bilder: geschmckter
Weg, umfriedetes Revier, Flle der Verlockungen, Menge der Dienenden,
erschlossene Welt. In Stunden der Trumerei flammte in seinem sonst
trgen Gedchtnis auf, was ihm erworbenes und in Sicherheit gebrachtes
Lebensgu$
s ist es. So soll ihnen auch nicht verziehen werden. Nein und
abernein, verziehen nicht. Komm her, du Laffe, und drck deine
Lasterlippen auf die Steine; komm her, du Bestie, und vernimm und schau.
Wer da handelt, mu auch wissen. Ums Wissen gehts. Nichts da, die
Verantwortung abwlzen. Nichts da, sich auf Gesetze und Vorschriften
ausreden. Blind magst du sein, du Menschenhund, du Menschenfloh, du
Menschennichts, aber wissen sollst du, wissen, was du tust, und
niederstrzen und mitwimmern, und rufen, da es an die Enden der Welt
schallt: ich, ich, ich!
Das Licht auf dem Kerzenstumpf flackerte nur noch ganz trb, so da blo
der nchste Umkreis auf dem Tisch matte Helligkeit erhielt. Die Schlte
vor den Fenstern trmten sich um so strenger in den Wolkenhimmel. Es
entstand Stille von einer Eindringlichkeit, die jede Fiber spannte. Eine
hautlose, unendlich verschuldete Wachsamkeit war in Ohr und Hirn.
Es sa hier nicht mehr der Rechnungsrat in der Steuerverwaltung mit
Namen so und so. Es sa hier einer, der kei$
was ihm mein
Vater gesagt, irre geworden. Und ich, ich durchschaute die Sache
natrlich. Ich hatte es ja schon ber und ber satt, das widerliche
Treiben. Mich packte der Zorn. Ich sagte zu Hubert Gottlieben, er mge
sich vierundzwanzig Stunden gedulden, ich versprach ihm, die
Angelegenheit bis dahin in Ordnung zu bringen, nur machte ich zur
Bedingung, da er nicht noch einmal ins Haus kme, ich wrde ihn in
seinem Hotel oder wo er sonst logiere, aufsuchen, er mge mich
erwarten. Am Vormittag war ich unfreiwillige Belauscherin eines
Telephongesprchs gewesen, ich wute, wo der Vater zu suchen sei. Ich
fahre auf die Bahn, der Zug ist schon weg. Ich miete ein Auto nach
Darmstadt. Um elf Uhr abends komm ich an, geh ins Haus zu seiner ... zu
der Dame. Ich verlange ihn zu sprechen, man weist mich ab; ich hre
Stimmen, Gelchter, ich stoe die Person zurck, die mich aufhalten
will, ich trete in ein Zimmer, wo er mit fnf, sechs Leuten sitzt,
darunter nur eine Frau, seine Geliebte, alle trinkend, redend, lachend.
E$
och die Medea des Vanloo; bewundertes Meisterwerk. Den blutigen Dolch
in der Hand, den Blick voll Wut und Verzweiflung, mit dem feuerspeienden
Ungeheuer hinter dem von Drachen gezogenen Wagen, hing sie im
Schlafzimmer des Markgrafen, seltsames Ergtzen fr die hohe Siesta,
entschuldbar vielleicht durch eine gewisse hnlichkeit zwischen dieser
Medea und der zu allen Tageszeiten tragisch gestimmten Mademoiselle
Clairon, von Schmeichlern ausfindig und zum Gegenstand scharmanter
Huldigungen gemacht. Man besa schne Stcke von Salvatore Rosa und den
berhmten Zentauren aus Bronze, Geschenk des weiland Knigs von Polen.
Zu diesem Vorschlag schttelte der Markgraf finster den Kopf. Abgesehen
davon, da man Kunstwerke nicht ohne Schmlerung des frstlichen
Ansehens unter den Hammer bringen konnte, waren es Embleme, farbige
Tapeten des auserlesenen Daseins, Besttigung sublimer Fhrung,
Ahnengut. Herr Stein zu Altenstein wurde bei den Einladungen zum
nchsten Galadiner bergangen.
Minder glimpfliche Behandlung erfuhr$
sensbrde, ledig der Verantwortung, ledig der Belstigung,
ledig der peinigenden Bilder von dem Treiben der unbekannten,
feindlichen, wachsamen, eiferschtigen, hlichen Menge da unten, Volk
geheien. Wie verwegen, wie frevelhaft, wie strafwrdig; und doch, wie
verfhrerisch im Grunde!
Das Wort war in gelockerten Boden gefallen, die Lady wute es. Es wrde
keimen, es wrde Frucht tragen, der Tag der Erlsung kam; und sie sang:
#Le Roi, dimanche, dit  Laverdy: Va-t-en lundi!#
Da er bei der theatralischen Vorfhrung nicht fehlen werde, versprach
der Markgraf ausdrcklich. Der Kammerherr vom Dienst teilte ihm den
Titel des Stckes mit. Es hie: Baron Gemperlein auf Reisen.
Die Ohren des Herrn Marchese
Eingeladen waren alle grflichen und freiherrlichen Familien der
Residenz; die Hofkavaliere und hohen Beamten mit ihren Damen; die
Gesandten und die Fremden von Distinktion, die in der Stadt anwesend
waren, und einige auserwhlte Einzelne, darunter der Dichter Uz.
Um sieben Uhr begann die Wagenauffahrt. Der An$
ngen mir meine Abberufung, Herr von Hahnemann? fragte er ruhig.
Herr Seebeck, bei der groen persnlichen Achtung, die ich fr Sie
hege, erlaubte ich mir, in meinem Berichte unsere letzte Unterredung
wohl wahrheitsgetreu, doch - etwas harmloser zu schildern, als sie sich
zugetragen hat. Es steht Ihnen noch heute frei, freiwillig das
Reichskommissariat niederzulegen; trotz allem.
Ich tue es nicht, antwortete Paul Seebeck und sah ihm gerade ins
Ist das Ihr letztes Wort?
Dann habe ich hiermit die Ehre, Ihnen kraft meiner Vollmachten Ihr
Abberufungsschreiben zu berreichen, sagte der Offizier und legte ein
versiegeltes Kuvert auf den Schreibtisch. Wollen Sie die
Liebenswrdigkeit haben, mir den Empfang zu besttigen.
Mit Vergngen, antwortete Paul Seebeck, entnahm einer Schublade einen
Briefbogen und schrieb einige Zeilen darauf. Ist es so recht? Und er
reichte dem Offizier das Blatt, das dieser aufmerksam las und es dann in
seine Brieftasche schob.
Gewi, Herr Seebeck. Ich danke Ihnen. Damit ist $
. Jollivet.
    2 vols. 8. Guingamps 1834.
      _De Rostrenen_, Gr., Grammaire Franaise--Celtique ou
    Franaise--Bretonne. 8. Rennes 1738. Guingamps 1833.]
    [Footnote 15: Das Baskische mit seinen mundarten mag ein rest des
    alten Aquitanischen sein, von dem schon Csar (de bell. Gall. I, 1)
    sagt, dass es von dem Gallischen und Keltischen verschieden sei.
    _Diefenbach_, L., Celtica. Zweite abtheilung. S. 5 u. ff.]
Das heutige Englisch hat von jener einst so weitverbreiteten und in
Britannien ausschliesslich gesprochenen sprache ausser einer
betrchtlichen anzahl eigener namen zur bezeichnung von orten, bergen
und flssen nur sehr wenige wrter (flannel, mattock, plaid, tartan,
gyve, tackle, bran etc.) und die meisten derselben erst in neuerer zeit
angenommen. Schriftliche denkmale der alten keltischen zeit existiren
nicht mehr. Die Druiden, deren vernichtung die Rmer eifrig betrieben,
da sie in ihnen die erhalter der keltischen nationalitt sahen und
frchteten, hielten es nach Csar's erzh$
hre alten sagenkreise mit den erzhlungen des alten
und neuen testamentes, oder mit christlichen legenden und fanden eifrige
hrer. Dabei blieben aber die worte und ausdrucksweise fast dieselben;
man nderte nur den stoff.
Der haupttrger der neuen religisen poesie ist _Caedmon_, der mnch
von Whitby, wie er gewhnlich genannt wird. Nach Beda's ausspruch waren
Caedmon's verse von besonderer schnheit und blieben unerreicht von
andern dichtern (Bed Hist. eccl. IV, 24: et quidem et alii post illum
in gente Anglorum religiosa poemata facere tentabant, sed nullus eum
quiparare potuit). Dieser umstand mag veranlassung zur erfindung der
mit dem namen Caedmon verknpften legende gewesen sein, wonach derselbe
auf ungewhnliche weise die gabe der dichtkunst empfangen haben soll.
Es wre auch mglich, dass Caedmon der erste gewesen wre, welcher
religise dichtungen gesungen htte, so dass man bei ihm eine besondere
gttliche eingebung voraussetzen mochte. Wie dies immer sein mge, so
viel ist gewiss, dass die zei$
   Sie begann er zu lehren, so ihr mgt hren, wie sie sollten ihr
      leben fhren. Alfred, er war in England und knig wohl sehr stark;
      er war knig und gelehrter,
  ful wel he lovede Godis werc;
  he was wis on his word,
  and war on his werke;
  he was e wisiste mon
  ad was in Engelonde on.
    wel he luvede Godes werk;
    he wes wis on his word,
    and war on his werke;
    he wes the wysuste mon
    that wes Engle londe on.
      gar wohl liebte er Gottes werk; er war weise in seinem wort und
      klug in seinem werke; er war der weiseste mann, der in England
      (darin) war.
    [Footnote 134: Die in den Rel. Ant. enthaltene abschrift des
    oxforder manuscripts, welche von Sir F. Madden herrhrt, zeigt
    anstatt des  berall th.]
Schon vor dem einfalle der Normannen in England hatte sich die lingua
Romana auf dem gebiete der literatur und poesie versucht, und die
normnnischen jongleurs (joculatores) dichter und snger (trouvres)
waren kaum weniger berhmt als die der Provence. Ei$
htigkeit in
ausgesprochenem Charakter der Renaissance entfaltet hatte. Ein Paar
florentiner Bildhauer, _Piero di Niccolo_ und _Giovanni di Martino_,
hatten das Dogengrab des Tom. Mocenigo ({~DAGGER~} 1423) errichtet, in dem sich
handwerksmige Knstler unter dem Einflu der frheren Werke
Donatello's und Michelozzo's bekunden; ein anderer anonymer Florentiner,
der _Meister der Pellegrinikapelle_, ist der Knstler des Monuments
des Beato Pacifico Buon (1435, vgl. S. 51 f.); zwei dem Namen nach
unbekannte Florentiner (wohl identisch mit dem eben genannten Knstler
des Grabmals Tom. Mocenigo) sind etwa gleichzeitig Mitarbeiter an den
Kapitellen des Dogenpalastes, und _Donatello_ selbst hat um die Mitte
des Jahrhunderts von Padua aus fr den Chor der Frari die Figur des
Tufers geschnitzt. Alle diese Knstler, die freilich einen
unmittelbaren Einflu auf ihre venezianischen Mitarbeiter nicht
ausbten, schrften doch ihren Sinn fr die Natur, frderten das
Verstndnis derselben und fhrten dadurch in Venedig d$
rigen Gewandung, in den knochigen schlanken Gestalten
mit kleinen Kpfen als ausgesprochenen und hervorragenden Schler der
Paduaner Schule, dem Maler Andrea Mantegna verwandt.
Obgleich Rizo ohne besondere Eigenart in dem Aufbau seiner Denkmler
ist, obgleich er greren Kompositionen, deren uns wenigstens keine von
seiner Hand bekannt ist, aus dem Wege geht, hat doch die freie Erfindung
und die breite naturalistische Durchbildung seiner Einzelfiguren auf die
weitere Entwickelung der venezianischen Plastik einen bestimmenden
Einflu gehabt. Schon _Pietro Solari_ gen. _Lombardo_ ({~DAGGER~} 1515), ein
jngerer Landsmann und als solcher auch wieder Bildhauer und Architekt
zugleich, erscheint ebenso sehr von Rizo wie von Bellano beeinflut.
Seine eigene umfangreiche Thtigkeit und die Werke seiner tchtigen
Schler, die er namentlich in seinen Shnen Tullio und Antonio gro zog,
geben der Erscheinung Venedigs noch heute einen wesentlichen Teil ihres
Charakters. Die lombardische Lust an vielgegliedertem und dadur$
Knstler htten jngere Krfte
selbstndig die rmische Plastik zur Renaissance fhren mssen. Gerade
das Gegenteil ist der Fall: in diesen Knstlern erlischt die ltere
eigenartige Bildnerschule Roms, und erst nach einem Zwischenraum von
mehreren Jahrzehnten, der fast gar keine Monumente aufzuweisen hat,
machen fremde Bildhauer die Renaissancekunst in Rom allmhlich heimisch.
_Donatello's_ vorbergehende Thtigkeit im Jahre 1432 blieb ohne
Nachwirkung; die neue Richtung macht sich nur zgernd geltend, nachdem
gegen Ende der dreiiger Jahre ein Paar weit untergeordnetere Knstler,
die Florentiner _Antonio Filarete_ und _Simone Ghini_, zu lngerer
Thtigkeit nach Rom berufen wurden und sich ihnen _Isaa_ aus _Pisa_
kurz vor der Mitte des Jahrhunderts zugesellte. Filarete's Bronzethr
der Peterskirche (1439-1445) steht zwar weit hinter den gleichzeitigen
Florentiner Thren zurck: die Verteilung und die Verhltnisse der
Reliefs unter einander, der flache Reliefstil, die schwerfllige
Einrahmung, in der sich ant$
ewunderungswerter Breite und
Sicherheit in der Ausfhrung.
Als Bronzegieer, im Groen wie im Kleinen, haben neben Cellini ein Paar
oberitalienische Bildhauer, der Paduaner _Leone Leoni_ (1509-1590) und
sein Sohn _Pompeo Leoni_ ({~DAGGER~} 1610), eine ausgedehnte Thtigkeit
entwickelt, freilich vorwiegend auerhalb Italiens, fr Karl V. und
Philipp II. Ihre Bronzestatuen und Bsten dieser Frsten und ihrer
Anverwandten (jetzt im Museo del Prado in Madrid, in Toledo und in
Windsor Castle), sind ernst und lebenswahr in Haltung und Auffassung und
zeigen eine hnliche Freude der Knstler an reichem Beiwerk und an der
Durchfhrung, wie Cellini's Bronzen; doch haben sie weniger dessen
goldschmiedeartige Schrfe und Hrte. In Italien lernt man am
Marmormonument des Gio. Giac. de Medici im Dom zu Mailand und an der
imposanten sitzenden Bronzefigur des Vincenzo Gonzaga ber seinem
Grabmal im Palast zu Sabionetta Leoni's Thtigkeit im Groen kennen.
Wie Cellini, so sind auch beide Leoni, namentlich der ltere, als
_Med$
a, der mit Augen so gro wie Gnseeier, der mit den Augen
wie Mhlrder, und der, welcher Augen hatte so gro wie ein runder Turm.
Helft mir, da ich nicht gehngt werde! sagte der Soldat, und da
strzten sich die Hunde auf die Richter und den ganzen Rat, ergriffen
den einen bei den Beinen, den andern bei der Nase und warfen sie viele
Klaftern hoch in die Luft, so da sie beim Niederfallen in Granatstcke
zerschlagen wurden.
Ich will nicht! sagte der Knig, aber der grte Hund nahm sowohl ihn
wie die Knigin und warf sie allen anderen nach. Da erschraken die
Soldaten und alles Volk schrie: Lieber Soldat, du sollst unser Knig
sein und die schne Prinzessin haben!
Darauf setzte man den Soldaten in des Knigs Carosse, und alle drei
Hunde tanzten voran und riefen: Hurrah! und die Jungen pfiffen auf den
Fingern und die Soldaten prsentierten. Die Prinzessin kam aus dem
kupfernen Schlosse heraus und wurde Knigin und das gefiel ihr gar wohl.
Die Hochzeit whrte acht Tage und die drei Hunde saen mit an de$
g dicht hinter dem anderen und sie waren schon weit, weit
geflogen. Einer derselben war so mde, da ihn seine Flgel kaum noch
lnger zu tragen vermochten. Er blieb hinter den anderen zurck, machte
noch ein paar Flgelschlge, dann lie er sich hinabsinken und -- bums!
da stand er auf dem Verdecke.
Da nahm ihn der Schiffsjunge und sperrte ihn in das Hhnerhaus zu den
Hhnern, Enten und Truthhnen. Der arme Storch stand ganz
eingeschchtert mitten unter ihnen.
Seht ihr den nicht? gackerten alle Hhner.
Der kalekutische Hahn blies sich aus Leibeskrften auf und fragte ihn,
wer er wre? Die Enten gingen rckwrts und stieen einander an: Spute
dich, spute dich!
Der Storch erzhlte vom warmen Afrika, von den Pyramiden und vom
Straue, der wie ein wildes Pferd durch die Wste dahinstrme, aber die
Enten verstanden nicht, was er sagte, und darum stieen sie einander an:
Wir sind wohl einig darber, da er dumm ist?
Ja, er ist sicherlich dumm! sagte der kalekutische Hahn und kollerte
dann. Da schwieg der S$
ie Schwalbe, und
dann herrscht hier oft so unangenehme Witterung!
O, daran hat man sich schon gewhnt! sagte die Henne.
Aber hier ist es kalt, es friert!
Das ist fr den Kohl gerade dienlich! sagte die Henne. brigens kann
es auch bei uns sehr warm sein. Hatten wir nicht vor vier Jahren einen
Sommer, wo fnf Wochen lang eine solche Hitze war, da man kaum atmen
konnte? Dann leben aber bei uns auch keine giftigen Tiere, wie in jenen
Lndern, und wir sind frei von Rubern! Ein Bsewicht kann der nur sein,
welcher unser Land nicht fr das schnste hlt! Er verdiente wahrlich
nicht, hier zu weilen! Weinend unterbrach sich die Henne und setzte
dann schluchzend hinzu: Auch ich bin gereist! Ich bin einmal in einem
Korbe ber zwlf Meilen weit gefahren! Das Reisen gewhrt
schlechterdings kein Vergngen!
Ja, die Henne ist eine vernnftige Frau! sagte die Puppe Bertha. Ich
halte nichts davon, eine Gebirgsreise zu unternehmen, denn kaum ist man
oben, so geht es gleich wieder hinunter! Nein, wir wollen hb$
s
und in der andern dessen prchtige Fahne. Aus den Falten der groen
Sammetvorhnge schauten ringsumher seltsame Kpfe hervor, einige sehr
hlich, andere Frieden verheiend und mild. Es waren alle bse und gute
Thaten des Kaisers, die ihn jetzt, wo der Tod auf seinem Herzen sa,
Erinnerst du dich dessen? flsterte eine nach der anderen. Erinnerst
du dich dessen? und dann erzhlten sie ihm so viel, da ihm der Schwei
von der Stirne lief.
Das habe ich nie gewut! seufzte der Kaiser. Musik, Musik, die groe
chinesische Trommel! rief er, damit ich nicht alles hre, was sie
Aber sie verstummten nicht, und der Tod nickte zu allem, was gesagt
Musik, Musik! schrie der Kaiser. Du kleiner lieblicher Goldvogel,
singe doch, singe! Ich habe dir Gold und Kostbarkeiten gegeben, ich habe
dir selbst meinen goldenen Pantoffel um den Hals gehngt, singe doch,
Aber der Vogel schwieg, es war niemand da, ihn aufzuziehen, und sonst
sang er nicht. Aber der Tod fuhr fort, den Kaiser mit seinen groen,
leeren Augenhhle$
erlagshandl. _Giesecke & Devrient_: Hohenzollern-Jahrbuch, hrsg. v.
Paul Seidel. III. Jahrg. 1899. 2. S. _Hirzel_, Verlag: Heyne, Fnf Bcher
Deutscher Hausaltertmer: I. Bd.: Das Deutsche Wohnungswesen. 1899. 4.
_Direktor der Kniglichen Kunstakademie u. Kunstgewerbeschule_: Bericht
ber die Zeitdauer von Ostern 1898 bis Ostern 1900 erstattet von Ludw.
Nieper. 4. -- _Kunstgewerbe-Museum_: Ausstellung von Gegenstnden
orientalischen, meist persischen Kunstgewerbes. 1900. 8. _Kunstverein_:
33. Bericht. 1900. 4. M. _Spirgatis_, Buchhandl. u. Antiquariat: Sammlung
bibliothekswissenschaftl. Arbeiten, hrsg. v. Karl Dziatzko. 13. Heft.
1900. 8. _B.G. Teubner_, Verlag: Byzantinische Zeitschrift, hrsg. v. Karl
Krumbacher. IX. Bd. 2. u. 3. Heft. 1900. 8. _J.J. Weber_, Verlag: Theo
Sommerlad, Die wirtschaftliche Thtigkeit der Kirche in Deutschland. I.
Bd. 1900. 4. _Unbekannter Absender_: Emil Frommel, Am Sarge Ludwig
Burger's. 1884. 8. -- *Magdeburg.* _Verein zur Erhaltung der Denkmler der
Provinz Sachsen_: 7. Jahres$
 von 1866. 1866. 8.;
Sallust, Opera. 1820. 8.; Sammlung der neuesten bersetzungen der
lateinischen prosaischen Schriftsteller: Die sechs kleineren
Geschichtsschreiber der Historia Augusta. v. J.P. Ostertag. I. u. II. Bd.
1790; Schlegel, Friedr., Geschichte der Jungfrau von Orleans. 1802. 8.;
Schlie, Friedr., Beschreibendes Verzeichnis der Werke lterer Meister.
1882. 8.; ders., Gypsabgsse antiker Bildwerke im groh. Museum zu
Schwerin. 1887. 8.; ders., Reliquienkstchen von Elfenbein im Museum zu
Schwerin. 1892. 8. S.-A. a.d. Zeitschr. f. Christl. Kunst. 1892 Nr. 12;
ders., Aus der Kunstgewerbl. Abteilung des Groh. Museums zu Schwerin. IV.
S.-A. 1894. 8.; ders., Das Hamburgische Museum f. Kunst u. Gewerbe. S.-A,
1894. 4.; ders., Altertmer aus Kirche u. Kloster des hl. Kreuzes zu
Rostock. I. II. S.-A. 1895. 8.; Schmeizel, Martin, Einleitung zur
Wappen-Lehre. 1723. 8.; Schmidt, J. A. E., Vollstndigstes
franzsisch-deutsches u. deutsch-franzsisches Handwrterbuch, o. J. 4.;
Schnaase, Carl, Geschichte der b$
 L. G., Sammlung von Denkmlern I. Abt. Architektur.
Text 8.; Tafeln, o. J. 2.; Sgur, Comte de  -- , Histoire de Napolon.
1846. 8; Simrock, Karl, Altdeutsches Lesebuch. 1859. 8.; Stieler, Ad.
Schul-Atlas. 1865. qu. 2.; Tacitus, Opera I/II. 1825. 8.; ders., De vita
et moribus Agricolae. (Wex.) 1852. 8.; ders., Die Germania. bersetzt v.
A. Bacmeister. 2. Aufl. 1881. 8.; Tafeln zu einem Werke ber Diplomatik.
Anf. d. 19. Jahrh. 2.; Testament: Chinese.  --  o. J. 8.; Testament, le
nouveau -- I/II. 1704. kl. 8.; Testamentum: Novum-Graece (Tischendorf)
1841. 4.; Testamentum: Novum-Graece. (Aug. Hahn) 1841. 8.; Thiele, Just.
Mathias, Thorwaldsen's Leben I. II. III. 1852-56. 8.; Thiers, A.,
Geschichte der franzsischen Revolution I-VI. 1848. kl. 4.; Thietmar von
Merseburg, Chronik (Laurent). 1848. 8.; Thomas v. Aquino, de duobus
praeceptis charitatis etc. (recogn. Conradus Martin) 1851. kl. 8.;
Thorwaldsens Werke 1.-4. Heft. 1837-38. Taf. mit Text. qu. 2.; Toelken, E.
H., Erklrendes Verzeichnis der antiken vertie$
 (1900.) 8. _K. K.
Staats-Obergymnasium_: Jahresbericht 1899/1900. 1900. 8. (Ammann, Das
Verhltnis von Strickers Karl zum Rolandslied des Pfaffen Konrad mit
Bercksichtigung der Chanson de Roland. Forts.) -- *Lahr.* _Groh.
Gymnasium_: Jahresbericht fr das Schuljahr 1899/1900. 1900. 4. --
*Lauban.* _Handels-Kammer_: Jahresbericht fr das Jahr 1899. gr. 8. --
*Leer.* _Handelskammer_: Jahresbericht f. d. J. 1899, I. T. (1900.) gr. 8.
-- *Leipzig.* _Bibliographisches Institut_: Weltgeschichte, hrsg. v. Hans
F. Helmolt I; III, 1; IV; VII, 1. 1900. 8. _Dr. Georg Buchwald_: Ders.,
Konrad Strtzel von Buchheim aus Kitzingen. 1900. 8. _Carl Fr. Fleischer_:
Herm. Schaafthausen, Anthropologische Studien. 1885. 8. _Fr. Wilh.
Grunow_, Verlag: Carl Jentsch, Drei Spaziergnge eines Laien ins
klassische Altertum. 1900. 8.; Adolf Lobe, Plaudereien ber das neue
Recht. 1900. 8.; Wippermann, Deutscher Geschichtskalender f. 1899. II. Bd.
1900. 8. _Karl W. Hiersemann_, Buchhndler u. Antiquar: J.J. Tikkanen, Die
Psalterillustr$
torischer Rckblick auf die
wirtschaftl. Entwicklung Brombergs vor 1875. 1900. 8. -- *Chicago.* _The
John Crerar Library_: A list of books in the reading room. January 1900.
8. -- *Cleve.* _Fr. Bo Wwe._, Verlag: Heinrichs, Die Aufhebung des
Magdeburger Domschatzes durch den Administrator Christian Wilhelm v.
Brandenburg im J. 1630. 1897. 8. -- *Coburg.* _Ernst Tiedt_: Ders., Die
Mnzen der Thringisch-Frnkischen Porzellanfabriken. Zwei S.-A. 1900. 4.
u. 2. -- *Cthen.* _Paul Schettler's Erben_, Verlagsbuchh.: St. Hubertus
XI. 1893. XII. 1894. XV. 1897. 2. -- *Dresden.* _Verlag des Apollo_: Posse,
Handschriften-Konservierung. 1899. 8. _Deutsche Bau-Ausstellung_: Katalog
1900. 8. _Knigl. Schs. Ministerium des Kultus u. offentl. Unterrichts_:
Neues Archiv fr Schsische Geschichte u. Altertumskunde XXI. 1/2, 3/4,
nebst Beiheft: Festschrift zum 75-jhr. Jubilum des Kgl. Sachs.
Altertumsvereins. 1900. 8. -- *Dsseldorf.* _Schmitz & Olbertz_: v.
Frostorff, Beitrge zur Gesch. des Niederrheins. T. 1-5. 1898-190$
 Mnchener Alterthumsvereins.
 der Centralstelle fr Arbeiter-Wohlfahrtseinrichtungen.
 fr Architektur- und Ingenieurwesen (Heftausgabe und Wochenausgabe).
 fr Bauwesen (Berlin).
 fr Bcherfreunde (hrsg. von v. Zobeltiz).
 fr Ethnologie (Berlin).
 fr Geographie (hrsg. von A. Hettner).
 des Harz-Vereines fr Geschichte und Alterthumskunde.
 illustrirte kunstgewerbliche, fr Innen-Dekoration (hrsg. von A. Koch).
 fr Instrumentenbau (hrsg. von Paul de Witt).
 fr Kleinbahnen (Berlin).
 fr Kulturgeschichte (hrsg. von Steinhausen).
 fr bildende Kunst (hrsg. von Graul). Nebst Kunstgewerbeblatt und
            Kunstchronik.
 fr christliche Kunst (hrsg. von Schntgen).
 des Vereins fr die Geschichte Mhrens und Schlesiens.
 des historischen Vereins fr den Regierungsbezirk Marienwerder.
 neue, fr Musik (hrsg. von Kahnt).
 fr die Geschichte des Oberrheins (hrsg. v. Al. Schulte).
 des deutschen Palstina-Vereins (hrsg. v. H. Guthe).
 fr deutsche Philologie (hrsg. von Zacher).
 der Savig$
schaft_: Schriften der -- N. F. 10. Bd. 1. Heft
1899. 8. -- *Dillingen.* _Historischer Verein_: Jahrbuch XII. 1899. 8. --
*Dresden.* _Tiedge-Stiftung_: Mitteilung. 1899. (1900). 2. -- *Duesseldorf.*
_Geschichts-Verein_: Beitraege zur Geschichte des Niederrheins. Jahrbuch.
XIV. 1900. 8; Jahresbericht f. d. Vereinsjahr 1899. 1900. 8. --
*Eisenberg.* _Geschichts- u. Altertumsforschender Verein_: Mitteilungen.
H. 15. 1900. 8. -- *Erfurt.* _Verein fuer die Geschichte und Altertumskunde
von Erfurt_: Mitteilungen. 21. Heft. 1900. 8. -- *Erlangen.*
_Physikalisch-medizinische Societaet_: Sitzungsberichte. 31. Heft. 1899.
(1900). 8. -- *Frankfurt a. M.* _Mitteldeutscher Kunstgewerbeverein_:
Jahresbericht fuer 1899. 2. -- *Freiberg i. S.* _Altertumsverein_:
Mitteilungen. H. 35. 1898. 1899. 8. -- *Freiburg i. Br.* _Gesellschaft fuer
Befoerderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde_: Zeitschrift. VI.
Bd., 2. Heft. 1884. 8. _Breisgauverein Schauin'sland_: Schauinsland XXVI.
1899. 2. -- *Freiburg i. Ue.* _Deutscher g$
che Anleitung zur
Geburtshuelfe. 2. Aufl. 1777. 8. (In 1 Bd.) -- *Halle a. S.* _Otto Hendel_,
Verlagsbuchhandl.: Das Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht. In mhd.
Uebertr. nebst Einl. u. Komm. v. Rich. Ed. Ottmann. O. J. 8.; Kuegelgen,
Jugenderinnerungen eines alten Mannes; hrsg. v. Kwest. O. J. 8.; Herbart,
Umriss paedagogischer Vorlesungen. Kritische Ausgabe von Dr. Zimmer. O. J.
8.; Bern, Geleitworte fuers Leben. O. J. 8.; Lavater, Worte des Herzens. O.
J. 8.; Des Flavius Josephus Juedische Altertuemer, uebersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Hch. Clementz. O. J. 8. --
*Hamburg.* _Sammlung Hamburgischer Altertuemer_: Bericht von Dr. Th.
Schrader (1900). 8. _O. Schwindrazheim_: Hallmann, Kunstbestrebungen der
Gegenwart. 1842. 8. -- *Hermannstadt.* _Ungenannt_: Erklaerung der
Stadtvertretung der kgl. freien Stadt Hermannstadt betr. weitere
Beibehaltung des bisherigen amtlichen Namens der Stadt H. in der Form
"Hermannstadt". 1900. 8. -- *Hildesheim.* _Dr. Adolf Bertram_,
Domkapitular: Ders.,$
chenstand_, ein auf 6
Sulen ruhender, sehr reich behandelter Einbau; der _adlige Kirchenstand_;
die _Gemeindeempore_ in 3 Geschossen, Brstungsmalerei handwerksmig.
*Neue Kirche*. 1676-83 mit Benutzung von Mauerresten einer
niedergebrannten aus 15. Jh. 1sch. Anlage bis zur hlzernen Decke mit
Emporen angefllt.
*Gottesacker-K.* 1738-43. Typisch fr die thringischen
Leichenpredigtskirchen dieser Zeit. Ein nach der Lngsachse verschobenes
Achteck, allseitig Emporen in 3 Geschossen. Auf dem Friedhof bmkw.
Grabsteine des 16.-18. Jh.
*Neidechsburg*. Ehem. Wasserschlo, die Grben und der runde Bergfried
erhalten. Von dem Renss.-Umbau 1557-60 nur wenige Reste erhalten, darunter
hbsches Portal.
*Frstl. Schlo* neben der Neidechsburg. Einfacher Bar.-Bau mit groem
Treppenhaus, einigen guten Rok.-Zimmern; Porzellane.
*Rathaus.* 1583 ff. Stattlich, 3geschossig, an dem Fassadentrakt unter dem
Giebel befand sich ehemals eine hohe Freitreppe mit sulengesttztem
Erkervorbau; in Nischen 2 _got. Statuen_, Erfurter Arb$
en entstellter berrest einer urspr.
bedeutenden Anlage. Vorlufige Ausgrabungen unter Dr. A. Faulner ergaben
vom rom. Bau: unter der Ummantelung der Pfeiler im Langhaus Sttzenwechsel
im Rhythmus aab, aab; im Chor nur Pfeiler; Schlu in 3 Apsiden. Ein westl.
Atrium mit Doppeltrmen 1689 abgetragen. -- In der jetzigen Stallung Rest
eines spgot. Kapitelhauses. Die rom. Wrfelknaufsulen in den Arkaden des
jetzigen Friedhofs stammen vom Kreuzgang.
_AUWALLENBURG._ RB Cassel Kr. Schmalkalden.
*Burgruine Wallenburg*, erb. gegen 1247, erhalten ein 27 m hoher Turm,
rom., von ausgezeichneter Technik, mit 2 Einsteigtren.
_AXIEN._ Pr. Sachsen Kr. Torgau.
*Dorf-K.* rom. Backsteinbau, querrechteckiger Sattelturm innen in 2
Rundbg. gegen das Sch. geffnet, 1/2kr. Apsis, Rundbogenfries im N
einfach, im S verschrnkt. -- Aus frgot. Zeit _Taufstein_ und Reste von
_Wandmalerei_.
_BAALSDORF._ K. Sachsen AH Leipzig.
*Dorf-K.*, rom. Anlage des 13. Jh. -- _Glocke_ E. 13. Jh. mit der Inschr.
_Heinricus Filius Tiderici me fecit_$
._ UFranken BAmtsstadt.
*Pfarr-K.* 2. H. 15, Jh. Hallenkirche mit niedrigeren Sschiffen. Die
letzteren schlieen polyg., ebenso der das Msch. fortsetzende (ltere)
Chor. Im Msch. Sterngwbb. von strenger Bildung, im Chor und in den Ssch.
einfache Kreuzgwbb. Die runden Pfll. haben schlichtes Kmpfergesims.
WEmpore jnger (1492). Auen Quaderbau, bar. und modern rest. Turm im W.
Im nrdl. Sschiff prchtiger _Bar.-Altar_, Bamberger Arbeit.
_Sandsteinkanzel_ ca. 1610. -- Rotenhansche _Epitaphe_, ein bronzenes 1539,
ein steinernes 1559 vielleicht von _Kilian Sorg_. -- Neben der K. 2stckige
*Michaelis-Kap.* 1464 (Inschr.). Unten Beinhaus, Erkerchor, kleines
_Relief_ mit Jngstem Gericht.
*Marien-K.* auf dem Friedhof. 2. H. 15. Jh. 2sch. mit zierlichem polyg.
Chor, darin fein gemusterte Sterngewlbe (1518), die Strebepfeiler auf
statuarische Ausstattung berechnet. -- Wirkungsvoller _Hochaltar_ 1750,
Altarbltter von _J. A. Glantschnigg_ 1745, 1746. _Pietas_ um 1480.
Ehem. frstbischfl. *Amthaus* (jetzt Gericht), re$
r nrdl. Langseite, ihr gegenber an der SSeite
vorspringender breiter Querflgel; also Erweiterung der Querkirche zu
T-frmigem Gr. Die Muldendecke wird von rundbg. Arkaden mit korinth. Sll.,
die der Linie der Umfassungsmauern folgen, getragen. Die K. fat 2000
Personen. -- _Schnitzaltar_ 1499, die Flgelgemlde bez. E.W. Schne got.
Ruine des *Nonnen-Klst*. 2. H. 15. Jh. Das Refektorium mit Zellengwb.
jetzt Bierkeller.
_GROSSENLDER._ RB Cassel Kr. Fulda.
*Kirche.* Erhalten der Chor im bergangsstil des 13. Jh. Quadr. Vorchor
mit Kreuzgwb., darber Turm, mehrmals erhht, der beschieferte Helm mit
Erkertrmchen 16. Jh. Die Apsis polyg., die Fenster ungeteilt spitzbg. mit
rom. Gewndform. An den ueren Ecken der Apsis 2 aufeinander gestellte
Sll. mit Blattkaptt. und att. Basen, rundbg. Fries. Reiches Portal mit
Kleeblattbogen. Fassade 1734 mit groen skulptierten Stiftswappen. Die
Sakristei mit Tonnengwb. und 1/2 kr. Apsis offenbar der Chor der ltesten
Kirche (gegr. 822). -- _Grabmal_ der Jutta v. Boynebu$
rgenommen, von Interesse die Alabasterreliefs
und Sandsteinstatuetten; _Denkmler_ 1675, 1738. -- Im Dorf reizende renss.
_Brunneneinfassung_ mit Puttenrelief von _Hans Walther_ (?).
_KOTTMARSDORF._ K. Sachsen AH Lbau.
*Dorf-K.* 1735, die hbsche einheitliche Ausstattung (Herrschafts- und
Lbauer Ratslogen) gleichzeitig.
_KRAKAU._ K. Sachsen AH Kamenz.
*Dorf-K.* Mehrere lgemlde 16. Jh. und gute _Bildnisgrabsteine_ 17. Jh.
_KRANICHFELD._ Sachsen-Meiningen Kr. Saalfeld.
*Stadt-K.* 1496, 1sch. flachgedeckt, gewlbter polyg. Chor. nderungen
1702. -- Hbsches _Gesthl_ 1520; _Grabstein_ einer Grfin Gleichen 1570.
*Schlo* (Oberschlo߫). Die auf einer Abb. von 1682 noch sehr stattliche
Gruppe hat seither viel verloren. Der lteste Teil der sog. dicke Turm,
aus 12. Jh. Die sprom. Kap. einfaches Quadrat, Kreuzrippengewlbe,
Ecksulen mit Wrfelknufen; die Auenwand mit fein profilierten Lisenen.
-- Sonst das uere des Schlosses in der Haupterscheinung von 1530; eine
Menge grerer und kleiner Giebel in einfac$
s; unter den zahlreichen anderen _Grabmlern_ besonders die
des Joachim und des Wolf Dietrich v. Grnrod {~DAGGER~} 1604, 1606 bmkw.
*Schlo.* Wasserschlo 1531, neugotischer Umbau beendet 1822. --
Hervorragende _Portrtreihe_, u. a. Goethe 1787, Knigin Luise v. Preuen
1788, beide von _Darbes_, mehrere Glieder der grfl. Brhlschen Familie
von _Graff_.
Das _Seifersdorfer Tal_, einst ein Hauptziel der Dresdner Naturfreunde,
seit 1781 von Grfin Christiane v. Brhl in einen romantischen Park
umgewandelt: Altar der Tugend, Ruine der Vergnglichkeit, Htte des
Pythagoras usw. (vgl. Kupferwerk von W. G. Becker 1792, 2 ao. 1800).
_SEIFERSDORF._ K. Sachsen AH Dippoldiswalde.
*Dorf-K.* architekturlos. Ansehnliches _Altarwerk_ von 1518, die
tektonischen Formen in lebendiger Verschmelzung von FrRenss. und Got., die
Malereien in der Art des Meisters von Dippoldiswalde, doch von geringerer
_SEIFHENNERSDORF._ K. Sachsen AH Zittau.
*Dorf-K.* 1796. Groer Saalbau mit 3 Rngen Emp., nchtern klassizistisch,
von _K. Ch. Esc$
rden, obliegiert der schne
alte, gut gewlbte Chor. Es ist mglich, da Neumann auch den got. Gr.
vollstndig beibehalten hat. Die Dekoration ist einfach; es wird
hauptschlich, und zwar stark, durch die Altre gewirkt, deren einer auf
jeden Pfl. des Lhs. Die Skizzen dazu von Neumann selbst. Der
architektonische Apparat des Barockaltars ist aufgegeben, diese hier
wollen nur Bilderrahmen sein, allerdings sehr prchtige und umfngliche.
Die prunkvollere Dekoration des Mnchschors hinter dem Hochaltar
nachneumannisch. Gemlde des Hochaltars von _Treu_ aus Bamberg,
Deckengemlde von _G. A. Urlaub_ (Chor) und _Ermeltraut_ (Lhs.).
*S. Gertraud* in der Pleichach. Vor 1133 von Meister _Enzelin_, der spter
am Dom ttig. 1600-1613 vllig umgestaltet.
*Stifts-K. Haug*. Ehemals rom. Sl.Basilika mit WTrmen und
Dreiapsidenschlu. 1665 wegen der Festung niedergelegt. Tympanon mit
thronender Muttergottes und den beiden Johannes, nach 1200, jetzt im
Luitpold-Mus. -- Neubau 1670 bis 1691 von _Antonio Petrini_. Die Anlage
n$

Moritz, J. G. 114.
Mller, Alexander 441.
Mller, Chr. 366.
Mller, Hans 366.
Mller, Jakob 261. 263.
Mller, Joh. Mich. 96.
Mnzel, Joh. 98.
Mutschelle, B. 41. 210. 439.
*N*. T. 237.
Nagel, Franz 171.
Nahl, J. A. 429 f Naumann, Jacob 16.
Naumann, J. Ch. 194.
Nave, Ant. 95.
Neilich, Kunz 405.
Neumann, Balthasar 35. 41 f. 67. 94 f. 115. 135 ff. 153. 155. 176. 193.
196. 211. 214. 227. 229. 233. 244. 260. 287. 310. 336. 341. 346. 375. 382
f. 387. 404. 406 f. 424. 426. 440. 443. 446. 449 f. 452. 456.
Neumann, F. J. 192.
Nickel, B. H. 449. 452.
Nosseni, Joh. Maria 79. 81. 82. 125. 126. 226. 237. 361. 362. 411.
*O*egg 424. 451.
Oeser, A. 70 f. 191. 195. 236. 240. 305. 341. 435.
Onghers, Oswald 52. 67. 96. 97. 116. 118. 155. 164. 212. 316. 341. 370.
398. 438. 442. 443.
Otte, V. 241. 394.
Otto, Valentin 277.
Palko, Karl 80. 296.
Pauer, Hans 315.
Pauwart, Ant. 168.
Pellegrini 45.
Permoser, Balthasar 45. 80. 85 f. 101. 126. 426.
Perre, J. de 237 f. 338. 354.
Perri, Ant. 158.
Pesne, Ant. 60.
Peter v. Mainz 106. 161.
Pe$
 das spgot.
gewoelbte Altarhaus, ueber welchem der 8eck. Turm. -- Steinerne _Kanzel_
1588. _Grabsteine_ (v. Boyneburg) 16. und 17. Jh.
*Fachwerkhaeuser*. Bedeutend das v. Witzlebensche Herrenhaus aus A. 17. Jh.
(jetzt Oberfoersterei) und das v. Boyneburgische am Markt (Apotheke).
_GESEES._ OFranken BA Bayreuth.
*Pfarr-K.* (ehem. Wallfahrt) frgot. Basilika mit spgot. Veraenderungen;
Lhs. 4 Joche, Chor 1 Joch und 5/8 Schluss; Turm in N. -- _Hochaltar_ 1673,
noch im Aufbau gotischer Fluegelaltaere. Steinerne _Kanzel_ 1562. --
Befestigter Friedhof.
_GESTUNGSHAUSEN._ Sachsen-Coburg LA Coburg.
*Pfarr-K.* A. 18. Jh., im Gr. den ma. Anlagen des Gebietes sich
anschliessend, 1sch. mit 3facher Empore. Die Dekoration ungewoehnlich reich
und fein. Die flachen Decken in Chor und Lhs. tragen zwischen
Stuckornament kleine Gemaeldefelder vom Coburger _J. Schuster_ 1714.
3geschossige Empore bez. 1712. _Moseskanzel_ 1727. _Taufstein_ 1643. Um
den Kirchhof Mauer mit hohem Torturm.
_GIEBELSTADT._ UFranken BA Ochsenfurt.
*Pfarr-K.$
f-K.* nach Brand 1813. -- Aus derselben Zeit das strenganmutige
*Herrenhaus,* 1stoeckig, in der Mitte offene Halle mit dor. Sll.
_GUTTENBERG._ OFranken BA Stadtsteinach.
*Pfarr-K.* um 1800, Grabmaeler 16.-18. Jh.
*Schloss,* malerischer Komplex, grossenteils 18. Jh., Zwinger und Tor aus
sp. Ma. Schoene Wappentafel 1482.
_GUeTZINGEN._ UFranken BA Ochsenfurt.
*Dorf-K.* mit guter Bar.Ausstattung (aus dem Wuerzburger Hofspital);
_Gemaelde_ von _Onghers_.
_HAARHAUSEN._ Sachsen-Gotha LA Gotha.
*Dorf-K.* rom. OTurm, sonst got. und bar.
_HABESBURG_ (Habichtsburg). Sachsen-Meiningen.
*Burgruine* sehr zerstoert.
_HAFENLOHE._ UFranken. BA Marktheidenfeld.
*Pfarr-K.* _Holzfig_. St. Blasius, handwerkliche Arbeit des spaeten 13.
Jh., lebensgross, gut ueberarbeitet. _Sandsteinfig_. St. Eucharius um 1350.
_HAIMBACH._ RB Cassel Kr. Fulda.
*Kirche* modern. Turm in zierlichen sprom. Formen.
_HAIN B. HERINGEN._ Pr. Sachsen Kr. Sangerhausen.
*Dorf-K.* rom. Turm ueber dem Altarhaus, kleine 1/2kr. Apsis.
_HAIN B. STOLBERG._ Pr. Sach$
ung der Giebel mit
Segmentstuecken ueberbaut. Im Innern: Erdgeschoss grosse gewoelbte 2schiffige
Halle, Obergeschoss mit ehemals durchlaufender Diele, im dritten Geschoss
getaefelte Ratsstube.
*Haeuser*. Grabkirchstr. 4 spgot. mit Schwalbenschwanzzinnen und
Vorhangfenstern, um 1550. Gasthaus zum Baeren, Stuckdecken in fr. Rok.
Stattliches protest. Pfarrhaus 1. H. 18. Jh.
*Marktbrunnen* mit S. Kilian 1. H. 18. Jh.
*Mainbruecke* aus Mittelalter, 1661 (Wappen des Fuerstbischofs Joh. Phil. v.
Schoenborn) erneuert.
*Befestigung*. Die der inneren Stadt zur Zeit der Hussitenkriege angelegt.
In Resten erhalten, besonders der maechtige Marktturm. Vom aeusseren Bering
die Mainstrecke mit 8 Halbtuermen (in Wohnungen umgewandelt) und der hohe
runde Falterturm 1469.
_KLEINBARDORF._ UFranken BA Koenigshofen.
*Dorf-K.* Chor im OTurm mittelalterlich, Lhs. 1712 mit huebscher Fassade. --
_Deckenbild_ von _Joh. Peter Herrlein_ 1781.
*Schloss.* Renss.Bau 1589-90, ueberarbeitet im 17. Jh.
_KLEINBAUTZEN._ K. Sachsen AH Bautzen.
*D$
n ca. 1500. -- _Kanzel_ bez.
1626; die tragende Mosesstatue sowie die Evangelisten der Bruestung,
ueberraschend durch Formenreinheit im Sinne der Hochrenss., von derselben
ausgezeichneten Kuenstlerhand, die den Kamin schuf; das Tektonische in
aeusserstem Gegensatz zu der Durchschnittsneigung der Zeit von puritanischer
Einfachheit und Trockenheit. -- _Familiengruft_ der Herren v. Feilitzsch
mit Bildnisgrabsteinen von 1511 ab. In der Kirche Oelportraets derselben
Familie aus 17. und 18. Jh. Vierfluegeliger _Altar_ um 1500 (schlecht
_KUeRNACH._ UFranken BA Wuerzburg.
*Pfarr-K.* 1723, vielleicht nach Angaben _B. Neumanns_. Eingezogener Chor
mit 3seit. Kappenschluss, im N und S Sakristeien, Lhs. flachgedeckt,
Kuppeldachreiter, Pilasterfassade, Fenster mit reicher Hausteinumrahmung.
-- Im Dorf 4 _Bildstoecke_, einer mit Kreuzigungsrelief bez. 1598. Sehr
stattlich die grosse Freigruppe der _Kreuzigung_ bei der Griessmuehle,
Zielpunkt der Flurprozession, bez. 1766.
_CORSDORF._ Pr. Sachsen Kr. Merseburg.
*Dorf-K.* mit$
 Groesse und
Wert einer der vornehmsten Schlossbauten des Jahrhunderts, auch interessant
fuer die Entwickelung des Anlagetypus (vgl. rueckwaerts Marquardsburg). Gr.
in Tricliniumform; nach der anderen Seite umgrenzt den grossen Hof der
Halbkreis der Stallungsgebaeude. Der Mittelfluegel des Hauptbaues wird durch
einen beiderseits stark vorspringenden, auch etwas hoeheren Querbau
durchbrochen, die Fluegel enden in je 2 Pavillons. An der Gartenfront 27
Achsen, an den Fluegelfronten 15. Der Aufbau in 3 differenzierten
Geschossen. Die tragenden Glieder wechselnd Saeule, Pilaster, Lisene, je
nach der Bedeutung des zu schmueckenden Bauteils. Uebergrosses Mansarddach.
Im Innern sind die staerksten Motive das Treppenhaus und der Festsaal,
beide den mittleren Querbau ausfuellend. Das _Treppenhaus_ war, bevor die
Neumannschen Schlossbauten es ueberboten, das grossartigste in Deutschland
und wird von keinem franzoesischen erreicht. Ein dem Quadrat sich naeherndes
Rck. an allen 4 Seiten von Galerien in 3 Geschossen umgebe$
nengwb. Ungewoehnlich
gutes spgot. _Holzrelief_ (hl. Sippe).
_SIERSLEBEN._ Pr. Sachsen Mansfelder Gebirgskreis.
*Dorf-K.* rom. 12. Jh. -- Huebsche _Sakramentsnische_ 1484.
_SINNERSHAUSEN._ Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen.
Ehem. Wilhelmitenklst., im Bauernkriege zerstoert, spaeter Gutshof. An der
Gartenmauer rohe frgot. _Steinfigur_, im Garten mehrere _Rok.-Figuren_.
_SITTENDORF._ Pr. Sachsen Kr. Sangerhausen.
*Dorf-K.* mit rom. O.-Turm.
_SITTICHENBACH._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt.
Ehem. *Cisterc.-K*. fast spurlos verschwunden. Bis zur Saekularisation
scheint der Bau aus M. 12. Jh. unveraendert bestanden zu haben; auf ihn
gehen 2 maechtige Wuerfelkaptt. zurueck mit 1/2kr. Schilden wie in
Paulinzelle und deren Basen. -- Nahebei 2 fruehgot. _Kapellen_. Am
Fenstermasswerk auf Saeulchen der Eindruck des Naumburger Doms zu erkennen.
_SITZENRODA._ Pr. Sachsen Kr. Torgau.
*Dorf-K.* gegr. 1198, spgot, Umbau 1571. -- _Schnitzaltar_ 15. Jh. Mehrere
_Epitaphe_ 1530-1626.
_SODEN._ RB Cassel Kr. Schluechtern.
*Huttensches Sc$
M V. D. RHOeN._ Sachs.-Weimar VB Dermbach.
*Pfarr-K.* 16. Jh., schlicht spgot. Malerische Bar.Einrichtung. Die
Emporen mit biblischen Gemaelden 1606, Taufstein 1606, Kanzelaltar 1775,
auf der hoelzernen Flachdecke _Kolossalgemaelde_ (Himmelfahrt) von _Peter
Herrlein_ 1775. -- Hohe befestigte _Kirchhofsmauer_. -- Von den _Adelshoefen_
ist nach dem Dorfbrande 1840 wenig uebrig geblieben.
_SONNEBORN._ Sachsen-Gotha LA Waltershausen.
Kirchenruine mit frgot. Chor. _Grabsteine_ des M. v. Wangenheim 1588
gehoert zu den besseren.
_SONNEFELD._ Sachsen-Coburg LA Coburg.
Ehem. *Cisterc.-Nonnen-Klst.* gegr. 1264. Der maechtige Chor, 3 Joche und
5/8 Schluss, ueberragt das unansehnliche spgot. Lhs. Seine strengen und
sorgfaeltig ausgefuehrten Formen aus der Bauzeit 1327 (Rest. 1856). --
_Grabsteine_ aus der Erbauungszeit: Heinrich v. Sonneberg in gesucht
bewegter Haltung auf Konsole mit Halbfigur eines betenden Moenchs;
Kunigunde v. Sonneberg; Aebtissin Anna v. Henneberg {~DAGGER~} 1356, vielleicht der
beste Grabstein Sued$
m Sohne _Joerg_.
_Schoenborn-Kap._ am noerdl. Qsch. 1721-36 von _J. B. Neumann_. Kreisrunder
Kuppelraum mit elliptischen Exedren nach O und W, Eingang N, Hauptaltar S.
Vier _Grabmaeler_ von Kirchenfuersten aus der Familie Schoenborn. Das Innere,
als Grabkap. in grauem und schwarzem Marmor, kommt infolge nicht
gluecklicher Lichtfuehrung nicht nach seinem Werte zur Geltung; das Aeussere
zeigt _Neumanns_ Formensprache in aller Vollendung.
_Kreuzgang_. NFluegel 1424-28, SFluegel 1428-31, WFluegel nach 1431, OFluegel
1449-53. Die 3rippige Woelbung, deren mit Wappen geschmueckte Schlusssteine
im Gr. eine Zickzacklinie bilden, wohl spaeter. Stattliche Abmessungen,
etwa 35 : 50 m bei 4 m Tiefe der Gaenge. Die im O liegende Sepultur 1461.
2sch. Halle von 35 : 11 m, an der OWand 8 Kapp., deren Oeffnungen in den
Pfeilerachsen liegen, eine ]L: 5] Konsequenz der sternfoermigen Teilung des
Gwb. Das Erdgeschoss diente als Sepultur des Kapitels. Unter den ueberaus
zahlreichen _Denkmaelern_ im Kreuzgang seien hervorgehoben: H$
 nicht die Beute im Kasten
Es dmmert eines Abends ...
Die Farben entweichen von der Erde und steigen zum Himmel empor; der
wird im Westen rotglhend und schwefelgelb.
Die Steine am Strande entlang, alle die weien, alle die grauen, die
roten Taschenkrebsschalen, wie die blauen Muscheln, verschwinden fr das
Auge und werden zu einem dicken, wolligen Streif.
Und der Streifen zerbrckelt gleichsam, wird zu Sand, zu schwarzer Erde
-- die Dmmerung nimmt auch ihn.
Nur der kleine Leuchtturm drauen auf der Landzunge bleibt brig.
ber die See weht ein wahrer Orkan aus Westnordwest ...
Dstre schwarze Wolfen, wild zerfetzt an den Rndern, jagen ber den
Horizont. Sie kmpfen mit funkensprhenden Feuerschlangen, die sich um
ihren Rcken geschlungen haben, so da rings umher in der Luft blutige
Risse klaffen.
Das Meer tost und schumt ... sein Brausen ist in den Strandwald
gefahren, der siedet und brodelt, er kocht vom uersten Rande bis ins
innerste Dickicht. In seiner dicht verfilzten Kronenwlbung gehen tiefe,
m$
e andere an, suchte sie als die Ursache des
allgemeinen Unglcks zu vernichten. Die Royalisten waren in
Schaaren geopfert, proskribirt, eingekerkert, flchtig, die
Girondisten waren vernichtet. Jetzt traf die Reihe die Dantonisten,
ihnen folgten die Hebertisten, schlielich kamen die, welche alle
Andern geopfert, die Terroristen, die Robespierrianer selbst an die
Reihe. Diese Tugendhaften hatten die Republik und das allgemeine
Wohl nicht retten knnen; die ihnen jetzt in der Herrschaft
folgten, die Mnner der richtigen Mitte, des ehemaligen Sumpfes im
Konvent, die Schlauberger, die es mit allen Parteien gehalten, um
es mit keiner zu verderben, die keine Ideale und keine Leidenschaften
besaen, retteten auch weder die Republik, noch begrndeten sie das
allgemeine Wohl. An Beiden lag ihnen herzlich wenig, aber sie
thaten etwas Besseres, sie retteten sich und das Wohl ihrer Klasse,
und dies war schlielich das allgemeine Wohl.
In allen Kmpfen und Wirrnissen der Revolution, als die
Leidenschaften den hchste$
als Tuschungen und
verhngnivolle Erschtterungen erzeugt. Unsere Gesellschaft hat zu
ihren Angelpunkten zwei Triebfedern, welche der Einheitlichkeit der
Freiheit und dem proportionalen Existenzminimum des sozietren
Zustandes schnurstracks gegenberstehen: allgemeiner Egoismus und
Zweideutigkeit aller Handlungen. Diese beiderseitigen
Charaktereigenschaften lassen sich nicht vereinigen, sie schlieen
Volle einheitliche Freiheit und menschenwrdige Existenz lassen
sich nur durch die Anwendung des Mechanismus der Serien der Triebe
erreichen, auerhalb desselben ist das ganze System der Triebe im
Widerspruch mit sich, es herrschen Egoismus und Zweideutigkeit. ...
Es gilt also fr Fourier, eine entsprechende Organisation zu
schaffen, bei welcher alle Klassen gleichmig, unter voller
Bercksichtigung ihrer sozialen Lebensstellung, zufriedengestellt
Vermittelst der gradweisen Abstufung der Interessen ist der
Niedere an dem Wohlsein des Hheren interessirt; die gewohnte
Begegnung bei den anziehenden Arbeiten i$
osigkeit.
Ich kann mich nicht so, wie ich es wnschte, hier aussprechen,
weil die Errterung dieser Fragen dem allgemeinen Vorurtheil
zuwider ist, und doch sollte man sie grndlich behandeln, um die
Unanstndigkeit, die Heuchelei und die schlechten Sitten der
Zivilisirten in Allem, was das Verhltni der Geschlechter
betrifft, an den Pranger zu stellen. Die Sitten in der Harmonie
mgen auf den ersten Anblick Ansto erregen, sie werden aber alle
Tugenden gebren, von denen sehr berflssiger Weise die
Zivilisation nur trumt.
Wenn ich das Erziehungssystem darlege, nach dem die Kinder in der
Harmonie sich entwickeln, so werden die meisten Vter rufen. 'Ah,
das ist schn, das ist, was ich lngst gewnscht, so sollte und
mte es sein'; aber wenn ich es auch unternehme, die
Liebesbeziehungen darzulegen, so schreien die bissigen Moralisten,
da ich die guten Sitten verletze. Sie werden ber jede Parallele
verwundert sein, die ich zwischen den Gewohnheiten der beiden
Gesellschaftsordnungen ziehe. Zum Beispiel, $
lick meiner
Geburt. Damals, 1813, brachte der Knig, -- gentigt, sein Reich zu
verlassen --, noch die geliebte hochschwangere Frau nach dem Schlosse
Schnfeld, wo ich geboren wurde und dessen Namen ich trug. Da Mama
gentigt war, in Deutschland zu bleiben, und mich nicht mit sich nehmen
konnte, denn Herr von Pappenheim war schon seit langem wahnsinnig und
von ihr getrennt, vertraute sie mich ihrer besten Freundin an, nachdem
sie ihren Schmuck und alle ihre Wertsachen verkauft hatte, um meine
Existenz sicherzustellen. In der Verzweiflung dieser Stunden, wo sie
glaubte, als Bue fr ihre Snden alle Bande zwischen sich und dem Knig
zerreien zu mssen, folgte sie dem Rate der Freundin und teilte ihm
mit, ich sei gestorben. Madame Duperr sagte mir, da sie in ihrem
ganzen Leben nichts so bitter bereut habe, wie diesen Rat, den sie
erteilte, denn des Knigs damals tiefverwundetes Herz litt nicht nur
sehr unter der Nachricht, es wre fr ihn eine Freude gewesen, fr mich
sorgen zu knnen. Bei Dir lagen die Verh$
tretung eines bedeutenden Gebiets durch Preuen und
die groherzogliche Wrde fr das Herrscherhaus. Sein grtes Verdienst
aber erwarb er sich nach seiner Rckkehr und seiner Ernennung zum
Minister, indem er Karl Augusts Absicht, seinem Lande -- im Gegensatz zu
allen anderen deutschen Frsten -- eine Verfassung geben zu wollen, auf
das lebhafteste untersttzte. Gersdorffs Energie und liberaler
Gesinnung, seiner Unabhngigkeit von den reaktionren Gelsten eines
Metternich und Genossen war es vor allem zu danken, da der
Verfassungsentwurf in wenig Wochen durchgearbeitet, von der Regierung
geprft und vollzogen, da die Freiheit der Presse innerhalb der
Landesgrenzen gesichert und, zum erstenmal in Deutschland, eine
allgemeine Einkommensteuer ins Leben gerufen wurde. Wenn er sich so
durch seine politische Ttigkeit als ein fr seine Zeit und seinen Stand
ungewhnlich aufgeklrter Mann erwies, so zeigte er sich durch seine
literarischen und knstlerischen Interessen als echter Brger Weimars.
Ein grndlicher K$
illst.
Ich fhle mich ganz frei von der Eitelkeit, als knnte ich etwas
vollbringen, als solltest du mir etwas zu Liebe thun, um irgend einer
Prtension zu schmeicheln -- kein Mensch bekehrt, aber eine Wahrheit
thut es, aus welchem Munde der Zufall sie auch flieen lasse, und nur
der Wahrheit spre nach; ihre einzige Offenbarung und Besiegelung
findest du im Rechthandeln und -denken. Es giebt nichts auf der Welt
auer dem Rechtthun, was von Verwirrung, Unzufriedenheit, Kampf und
Irrthum frei wre, es giebt nirgends Befriedigung als in der Tugend. Ich
sage dir nicht, sie ist leicht, aber es ehrt dich, wenn man dir, dem
Fnfzehnjhrigen, das Schwere zumuthet. Du willst nicht, da ich dir als
Beispiel deinen Grovater nenne. Ja, er war als Dichter ein Genie, aber
als Mensch war er das, was Jeder aus sich machen kann, der die Kraft,
den festen Willen, das heilige Pflichtbewutsein in sich fhlt. Die
Bitterkeit in deiner Seele mu weg, sie ist ein Unkraut, eine Schwche.
Die auf sich selbst gesttzte Seele mu kla$
ochenlang
allein zusammen hausen durften. Damals war es, nach den Zeichnungen in
Jennys Album, noch ein einfaches Drfchen und das Landleben kein
Badeleben. Aber gerade das entsprach dem Geschmack der Freundinnen. Die
Liebe Jennys zur Natur beherrschte schon das junge Mdchen. In Wald und
Heide suchte sie den Frieden wieder, den sie im unruhigen geselligen
Leben der Stadt verloren hatte. Emma Frorieps Gestalt war wie ein
Stck dieser Natur. Jenny hat sie auf den folgenden Seiten gezeichnet:
"Inmitten der Milaute des Irrthums, der Leidenschaft, der Schmerzen,
inmitten der Verwirrungen des Schicksals und der Seele, inmitten der
Kmpfe zwischen Kopf und Herz, zwischen der Pflicht und dem Vergngen
gab mir Gott eine reine Harmonie. Wenn sich ber meinem Haupt das
Gewitter zusammenzog, der Donner ber mir rollte und die Blitze hie und
da die Nacht in mir erhellten, dann kreuzte ich die Arme, hielt mich
gewaltsam aufrecht und wartete, denn bald sprach meine Harmonie in
sanften Tnen zu mir; wenn tausend verschiede$
nen anscheinenden Leichtsinn, den die Philosophie gerade den
tiefsten Gemtern lehrt, es ist das oft mhsame Ueberbordwerfen von
Schwerem und Trbem. Wenn die Leiden der Menschheit das innerste Herz
zerreien und die Trauer darber fast jede Kraft lhmt, so mu man das
zu lebhaft fhlende Herz zu einem gewissen Leichtsinn erziehen, damit
die Kraft ungebrochen und das Leben ertrglich bleibe, damit man Muth
und Strke habe, wo es Hlfe und Thaten giebt.
"Wenn Sie wten, wie schwer und wie ntig gerade mir dieser Leichtsinn
ist, wie sehr ich schon meinen Hang zur Schwermuth bekmpft habe, wie
tdtend die fortwhrende Verletzung meines Herzens war! Jetzt habe ich
durch Selbsterziehung Kraft gewonnen zum Unvermeidlichen und Einsicht
zum Wegrumen des Vermeidlichen. Ich empfinde fr Thiere ebenso wie fr
Menschen, und seit den zweiundzwanzig Jahren, die ich lebe, habe ich
mich noch gar nicht an den Mord der Thiere und das Recht des Menschen
dazu gewhnen knnen. Der Gedanke an einen geblendeten Vogel oder selbst
$
fel freundlich
mit Frau und Kind in die Mehlsuppe taucht, noch eine Stunde vor der Thr
sein Pfeifchen raucht, mit den Kleinen spielt, betet und sich zur Ruhe
legt; dagegen den Trunkenbold, der flucht, dem Wucherer fr Schnaps mehr
als den Tagelohn hingiebt, die Frau schlgt, die Kinder verwnscht, in
Schmutz und Lumpen verkommt. Male den Gutsbesitzer, der Rath, Hlfe,
Trost fr jeden seiner Leute hat, und den, der in Erpressung und
Lieblosigkeit alle Arbeitskraft ausnutzt; male den reichen Offizier, der
sein Vermgen verthut, vertrinkt, verspielt und mit einer Kugel durch
den Kopf endet, und den armen Mann, der durch geistige oder krperliche
Arbeit ein Vermgen gewinnt und Gutes fr die Menschheit leistet; male
treu ihr inneres und ueres Leben und dann la aufrichtig die Frage
beantworten: 'Auf welcher Seite ist das Glck?' Auch dann, wenn nach
diesem Leben nichts wre, auch dann ist der Christ der glcklichste
Mensch auf Erden."
Das Leiden der Kinder aber -- und schlielich auch das der Tiere, fr
das ih$
Esparsett) und Labiaten (Ajuga).
Hier harren sie, in den Blthen zwischen den Antheren versteckt, wie es
schon frher bei der Familie erwhnt wurde, auf eine Biene[27], um sich an
diese festzuklammern und in ihren Bau schleppen zu lassen. Die Larven
einiger besteigen hierbei meist den Thorax der Biene und halten sich hier
mit Hlfe ihrer sehr spitzen Kiefern und scharfen Fusskrallen an den Haaren
und Borsten fest. Andere bohren sich mit dem halben und ganzen Krper in
die bereinander liegenden Leibesschienen oder auch zwischen die Halsringe
der Biene ein. Die letzteren verursachen dadurch oft den Tod der Biene,
indem sie den besonders zarten Wachsapparat irritiren. Im Uebrigen ist die
Lebensweise schon bei der Schilderung der Familie erwhnt worden, das
Speciellere wird bei den betreffenden Species angefhrt werden.
=Geographische Verbreitung und Artenzahl=. Die Gattung Melo ist mit
Ausnahme von Australien in allen Weltheilen und Zonen verbreitet. Europa
zhlt 22[28] Arten mit mehreren Varietten, von diese$
eine Angst, sagte der Dachdecker, lassen Sie mich nur aufstehen.
Schon recht, wenn Sie knnen! Wo fehlt's denn, warum liegen Sie da? Ich
glaube wahrhaftig, Sie sind da oben eingeschlafen.
Und ein wenig beschmt sagte der junge Mann: Es mu schon so sein, es
war so hei, ich wollte nur ein wenig ruhen!
Das htte Ihnen das Leben kosten knnen.
Der Dachdecker richtete sich auf und staunend sah er drunten in der
Strae die Volksmenge, die, als der Arbeiter sich erhob, in Bewegung
geriet und laut ihrer Freude Ausdruck gab. Den jungen Mann berkam eine
mchtige Bewegung, als er sah, wie um seiner armen Person willen ein
solcher Auflauf war. Furchtlos trat er vor an den uersten Rand, zog
seine Mtze vom Kopf, schwang sie in die Luft und rief laut hinunter:
Und frhlich klang es aus vielen Kehlen wieder: Hurra, Hurra!
Jetzt nur vorsichtig die Leiter herunter, sagte der Feuerwehrmann,
da nicht zuletzt doch noch ein Unglck geschieht, aber der Dachdecker
deutete auf die Schieferplttchen: Ich kann no$
ingehen, kann also auch nicht dartun, warum die
vorher bezeichneten drei Fortschritte notwendige Postulate der
Verwirklichung der Idee sind, warum vermge des gegenstzlichen
Charakters des Grundproblems in Hinsicht auf das Mikroskop andere, neu
zu lsende Aufgaben vorlagen. Alles das mu ich der Vervollstndigung
dieses Vortrages bei seiner Drucklegung vorbehalten[9].
Nur zwei Punkte, die das einzelne betreffen, darf ich auch hier nicht
ganz bergehen, weil in ihnen einzelnes eine besondere Bedeutung
Die _Vervollkommnung der Technik_ optischer Arbeit gegenber dem, was
dem alten empirischen Verfahren gengen konnte, ist die allererste
Voraussetzung fr die Verwirklichung der rationalen Methode. Deshalb ist
es fr den Erfolg ganz wesentlich, da _Zeiss_ gleich von Anfang an ein
ganz klares Bewutsein dessen hatte und gleich von Anfang an alles
darauf anlegte, in seiner kleinen Werkstatt eine sehr exakte Technik
einzubrgern, die unsichere Geschicklichkeit der Hand berall unter die
Kontrolle strenger Prfungs$
r ein halbes Jahr bei seiner
Entlassung gewhrt werden mu? Das wrde immerhin gegenber dem, was
sonst durch die Einrichtung der Arbeitslosenversicherung geleistet wird,
eine sehr erhebliche Schadloshaltung und Versicherung sein des
pltzlichen Arbeitsloswerdens.
Fr denjenigen, der zwischen den Zeilen zu lesen versteht, hat das
aber noch eine ganz andere Bedeutung. Meine Nachfolger in der
Geschftsleitung mten nrrische Kerle sein, wenn sie sich nicht
an den Fingern abzhlen sollten, da, wenn 50 Leute zuviel wren,
es tricht wre, diese ohne weiteres zu entlassen und ihnen die
Abgangsentschdigung auszuzahlen. Ihnen den halbjhrigen Lohn mit auf
den Weg geben heit soviel, als wenn man sie 3 Jahre lang beschftigt
und sie jede Woche einen Tag spazieren gehen lt oder 1-1/2 Jahre 2 Tage
in der Woche. Nun ist zwar selbstverstndlich, da mit Herausgabe der
Abgangsentschdigung eine Minderung der Produktion erreicht werden kann,
eine Minderung der laufenden Lasten; man kann dasselbe aber erreichen,
wenn m$
er Mehrwert entstand_. Ich wnsche, da es
mir gelingen mge, Ihnen eine Idee davon beizubringen, da dieser
unantastbare Besitz, der Kollektiverwerb, keiner Verteilung unterworfen
werden darf. Dazu mu ich aber etwas weiter ausholen und Ihnen
Mitteilungen aus meinem Leben und aus meinen Erfahrungen machen.
Ich erinnere mich noch sehr genau, wie vor 25 Jahren mein alter Freund
ZEISS zu mir kam -- ich wohnte damals in der Neugasse -- und mir
mitteilte, da die Tantiemen, die mir auf Grund getroffener
Vereinbarungen von den Mikroskopen zustehen sollten, die seit dem Jahre
1871 im wesentlichen nach meinen Angaben gemacht wurden, die Hhe von
ganzen 800 Talern erreicht htten. Ich war damals ganz aus den Wolken
gefallen, um so mehr als Herr ZEISS mir sagte, da ein groer Erfolg mit
meinen neu berechneten Objektivkonstruktionen erreicht sei und da im
nchsten Jahre meine Tantieme noch um vieles hher sein wrde. Ich habe
damals geglaubt, es htte ein Affe mich geleckt -- so verwundert war
ich ber den unerwart$
lug, die Bekmpfung des neuerdings
beliebten Verwaltungsverfahrens von einer so _schwachen_ Position aus zu
versuchen? Besteht doch allgemeines Einverstndnis darber, da unsere
_schlechten Gesetze_ an allem schuld sind -- da unser Landtag in der
Zeit der Reaktion der 50er Jahre durch das Polizeigesetz vom
7. Jan. 1854 das verfassungsmige Recht der Brger _an die Polizei
ausgeliefert_ hat -- und da angesichts dieses heillosen Gesetzes die
Polizei eben alles sich erlauben darf, ohne da man die _formelle
Legalitt_ zu bestreiten vermchte! -- Haben wir, die Freisinnigen und
die brgerlichen Demokraten im Land, nicht gerade deshalb vor zwei
Jahren Petitionen an den Landtag um Erla eines _anstndigen_
Versammlungsgesetzes in Umlauf gebracht? Wie kommt der Redner dazu,
alles das jetzt vllig zu ignorieren?
Alle, die so fragen, bitte ich aber, ihre Ansicht auf kurze Zeit
zurckzusetzen und meine Rede bis zu Ende anzuhren. Ich hoffe sie dann
_berzeugt_ zu haben, da jene allgemein verbreitete Annahme ber$
 Erholung bis zum nchsten Tage, das
geringste Defizit bliebe, das fr den einzelnen Tag gar nicht bemerkbar
sei, aber sich tglich wiederholt, so mte die Konsequenz notwendig
sein, da die betreffende Person nach einem krzeren oder lngeren
Zeitraum physisch herunterkommt. Es ist dasselbe, als wenn jemand
tglich Geld ausgibt, wenn auch nur wenig mehr als er einnimmt, aber
wenn das dauernd so fortgeht, so vermehrt sich sein Verlust und er mu
bankerott werden.
Ich kann also sagen: es mu fr alle Arbeiter, die unter diesen
Bedingungen stehen, tgliche Wiederholung eines bestimmten
Krfteverbrauches und tglicher Ersatz durch Ruhe und Ernhrung, dem
Durchschnitt nach Tag fr Tag ein vollstndiges _Gleichgewicht_
hergestellt werden. Die Ermdung oder der Krfteverbrauch mu im
Durchschnitt Tag fr Tag vollkommen Ausgleichung finden durch den
Krfteersatz oder die Erholung, in der Ruhe und Ernhrung, weil das
geringste Defizit sich fortwhrend summieren und schlielich zerstrend
wirken mte.
Es wrde auf G$
n kann. Hierbei darf es sich jedoch durchaus nicht handeln knnen
um Beseitigung jedes beliebigen Nachteils, den die jetzt getroffenen
Anordnungen irgend einmal, vielleicht ganz vorbergehend, mit sich
bringen mchten oder um Herbeifhren der vermeintlich grten jeweils
mglichen Zweckmigkeit, die vielleicht sehr strittig bleibt; sondern
immer nur um Abwehr so _groer_ Nachteile und Mistnde, da durch ihr
Fortbestehen die Existenz der Stiftung oder die Erfllung ihrer Aufgaben
bedroht oder in Ansehung dieser Aufgaben, gem den erkennbaren
Absichten des Stifters, offenbare Zweckwidrigkeit gegeben wre.
Namentlich aber darf keine Abnderung des Statuts die Tendenz verfolgen
knnen, der Stiftung als solcher, gegenber dem an ihren Unternehmungen
beteiligten Personenkreis, irgend welche vermgensrechtliche Vorteile zu
verschaffen, die nicht ganz klar den Absichten des Stifters entsprechen.
Demnach mu die in  118 der Stiftungsverwaltung selbst, als der hierzu
allein geeigneten Instanz, eingerumte Befugnis$
mssen, hinsichtlich _aller_ Handlungen und Unterlassungen, auf
welche sie Anwendung finden sollen -- damit durch ihre Einfhrung nicht
beliebigem Beipack zu Lasten des einen Teils wieder Tr und Tor geffnet
sei. Denn die bernahme von Pflichten _dieser_ Art seitens des einen
Kontrahenten kann kein quivalent mehr finden in der vertragsmigen
Gegenleistung des andern an Lohn, Gehalt, Gerechtsamen etc., weil es
unsinnig wre, irgend eine Quote dessen auf Verpflichtungen anrechnen zu
wollen, die das Vertragsverhltnis _als solches_ mit sich bringt.
Folglich mu, wenn sie dem einen Teil nicht ohne alles quivalent, blo
kraft denn ich bin gro und du bist klein obliegen sollen, der andere
Teil oder dessen jeweiliger Reprsentant und Vertreter befhigt und
bereit sein, je die gleiche Verpflichtung auch dem ersteren gegenber zu
tragen. So ist es in der Tat hinsichtlich desjenigen, was _zweifellos_
unter diesen 7. Punkt fllt -- wie z. B.: da kein Teil dem andern
bswillig oder fahrlssig die redliche Vertrag$
us dem Gleichgewicht. Im
warmen wie im kalten Klima -- der Junge war immer gleich eklig!
Bald kamen auch aus der Schule Klagen ber ihn; dann aus der Apotheke,
wo sie bei Kallems altem Freund zur Miete wohnten; dann von den Leuten,
von den Nachbarn, von den Landungsbrcken. Vielleicht muten auch andere
Eltern Klagen anhren ber ihre Jungens; vielleicht waren die Leute in
dieser Gegend berhaupt schnell mit Klagen bei der Hand; davon wute
Kallem nichts; er war eine Einsiedlernatur. Soviel aber wute er: sein
Sohn war der begabteste Junge in der Schule; das versicherte ihn ein
Lehrer nach dem andern; er wute ferner, da es dem Sohn auch im brigen
an nichts fehle, weder an Gemt noch an Willen; nur --er war so
gleichgltig und selbstzufrieden, mochte sich immer nur amsieren,
mochte in alles, was ihn nichts anging, seine Nase stecken, war
gleichzeitig dreist und doch feig, ein schndlicher Spottvogel und
grenzenlos unartig. Einen Engel im Himmel konnte es um die Geduld
bringen; und nun gar Kallem, der berh$
as Dampfschiff zum drittenmal. Nein --da konnte er nicht
widerstehen -- er mute den Dampfer sehen, wie er in groem Bogen von
der Brcke weg ber die Bucht fuhr und den Wasserspiegel in zwei Hlften
teilte; der grere fiel der Insel drauen zu, der kleinere dem Strand
vor der Stadt. Der Pastor nahm sein Fernrohr vom Pult. Die Brcke unten
war voll bunter Sonnenschirme; dazwischen Mnnerhte, meist in dunklen
Farben; hie und da leinene Hauben und Kopftcher, gewhnlich mehrere
beieinander.
Jetzt hrte man von rechts Schritte im Sand; sie kamen aus dem Garten
seiner Mutter und lenkten auf den seinen zu -- Schritte eines
Erwachsenen, und auf jeden Schritt des Erwachsenen zwei Kinderschritte.
"Du, Mutter, was hat das Dampfschiff im Bauch?" --"Haha!" -- Die Gestalt
einer Frau tauchte auf, die den Eindruck von Kraft hervorrief. Ein
starker Hals und eine volle Brust, der ganze Wuchs ungewhnlich schn;
das Gesicht dunkel, ziemlich gro, mit gebogener Nase; das Haar fast
schwarz. Sie trug ein cremefarbenes, mit hoc$
te Ragni es entgelten!
Das Wort "unrein" in Josefines Mund -- meinte Kallem -- sei auf die
Vergangenheit gemnzt. Und darum war er emprt. Wieviel grer wre erst
seine Emprung gewesen, wenn er gewut htte, da es eigentlich auf die
Gegenwart ging? Da Pastors sich nach ihrer Heimkehr zurckhielten,
hatte auch darin seinen Grund, da der Gotteslsterer Larssen Liebkind
war in Kallems Haus, da Ragni Englisch mit ihm trieb, da Kallem wie
ein Kamerad mit ihm verkehrte. Kristen Larssen war fr den grten Teil
der Gemeinde eine Art Teufel, und wenn diese Ankmmlinge, Mann und
Frau, Gemeinschaft hielten mit ihm (wie frher mit Sren Pedersen und
seiner Frau) -- so war das eine Herausforderung. Kurz darauf war Karl
Meek ins Haus gekommen, und seitdem sah man Ragni nie anders als in
seiner Begleitung. Schlielich reisten sie sogar zusammen in das
Walddorf hinauf -- so viel war gar nicht einmal ntig, wo es sich um
eine geschiedene Frau handelte, die "freie" Ansichten hatte und schon
einmal beim Ehebruch ertappt$
ut mit ihm!" --"Nein", erwiderte
sie still; die Art, wie er das aufgenommen hatte, beschmte sie.
Der Doktor wurde geholt. Er war an diese pltzlichen Botschaften
gewhnt, daher nahm er sie mit Ruhe auf, und er besa die unschtzbare
Gabe, diese Ruhe auch andern mitzuteilen. Sofort schien es den Eltern,
als esse der Junge mit mehr Appetit und sei freundlicher gegen die
Gromutter. Viermal am Tag kam sie herber, und die Art, wie er sie
empfing, galt als Barometer.
Die Gromutter war oben im Krankenhaus gewesen und hatte von dort Kallem
und Karl Meek mit Ragnis Leiche wegfahren sehen. Der Sarg war wei und
stand auf einem schwarzen Schlitten; vorn neben dem Kutscher sa Sigrid;
Kallem und Karl fuhren in einem Breitschlitten hinterdrein. Das war das
ganze Gefolge.
Der Bericht ber Ragnis letzte Fahrt kam ihnen berraschend. Und da
Karl Meek dabei gewesen war, er ganz allein! Bedeutete das, Kallem hege
keinen Argwohn gegen ihn? Oder, was wahrscheinlicher war: er habe
vergeben? Wollte vielleicht die Tatsache bem$
e
verleihen. Im Schlaf will ich alle Mhe und Beschwerden, jeden Kummer
und jeden Schmerz vergessen. So wird deine ewige Liebe nicht mde, mir
Gutes zu erweisen, und doch erkenne ich dies so wenig. Ja, mu ich nicht
in dieser Stunde deiner Gte danken, da, whrend du die Stille der
Nacht um mich her verbreitest und meinem mden Krper Ruhe schenkst, du
auch alles Toben der Leidenschaft und der Angst und Sorge in meiner
Brust verstummen lt und meiner Seele Ruhe gibst? O so wehet dein
schtzendes Panier in Liebe ber meinem Haupte,[22] und nur im
Vertrauen auf diese Liebe wage ich es, dich zu bitten, mir Ruhe und
Erholung in dieser Nacht zu schenken. Denn sollte ich Rechenschaft ber
das Werk des verschwundenen Tages ablegen, o, dann mte ich ausrufen:
Herr! gehe nicht ins Gericht mit mir!--Ach, die Stille auf Erden sagt
mir:Du wachest in deiner Wohnung! Je weniger das Irdische meinen Geist
zerstreut und meine Gedanken verwirret, desto tiefer fhle ich meinen
Abstand von dir, doch ich wei, du gedenks$
iesem heiligen Abend berwltigen, der
das hingeschwundene Jahr von dem neuen trennt, welches sich aufzurollen
beginnt. Denn erscheine ich mir doch fast selbst ein Wunder, wenn ich
mir alles in Erinnerung zurckrufe, was mir in dem dahingeschwundenen
Jahre widerfahren und begegnet: Freuden und Sorgen, Erquickungen und
Bekmmernisse, Leiden und Momente des Glcks. Ja, jede Stunde, jeder
Augenblick gab das Zeugnis, da du mich auf den Armen deiner Liebe
trgst, da deine Huld mich umschwebt. Und ach! wie wenig habe ich all
dieser Gte entsprochen, wie oft verzagte ich, und wie oft strauchelte
ich! Und sehe ich hin auf die vielen Wnsche und Erwartungen, die sich
nun in meiner Brust regen, und die ich nun vor dir fr die kommende Zeit
aussprechen will, o Herr und Vater, wo soll ich da beginnen und wo
enden? O du, der du den Gedanken kennst, ehe er noch ausgesprochen wird,
du weit ja, wessen ich bedarf, und was zu meinem Wohle und dem Wohle
der Meinen dienen kann. Darum empfehle ich mich deinem gndigen Schutze
$
ich doch aufs neue belebt und mich aus dem Abgrund der Erde
emporgezogen. Ja, ich sagte in meiner Qual: Ich bin vor deinen Augen
verstoen; aber du hrtest meine verborgene Stimme, da ich zu dir rief,
und du trstetest mich wieder. Und wenn auch noch mehr Weinen uns
bevorsteht, so werden ich und die Meinen am Ende doch deine Hilfe
erfahren, und die mit Trnen sen, werden mit Freuden ernten. Ja, du
wirst mich von aller Sorge befreien, unter den Frommen hienieden oder
bei den Verklrten dort; ja, ich soll deine Taten verknden!
Vor einer gefhrlichen Operation.
4. Mein Gott, meine Strke und meine Hoffnung!Du, in dessen Hand die
Seelen aller Lebenden und der Geist ist, der das Fleisch eines jeden
Menschen belebt,  du hast mir heute eine Stunde gesandt, voller
Schmerzen und Gefahr, in der versucht werden soll, mir meine Gesundheit
zurck zu gewinnen, (in der ich ein Glied meines Krpers verlieren soll,
um wo mglich mir dadurch das Leben zu erhalten), o, sei mir denn mit
deiner Liebe in diesen Augenblicken $
fft ihm einen
unbeschrnkten Kredit an guter Meinung. Ich kannte eine
ganze Reihe von Idioten, die blo dem Zufall, da sie
gestorben waren, Bewunderer und Anhnger zu verdanken
hatten. Dem Publikum sind nmlich die Knstler so ungeheuer
gleichgltig, da man ihm, wenn einer stirbt, weismachen
kann, was man will.
Ich verstehe nicht viel von der Kunst, aber das eine mu man
doch von ihr fordern: da sie den Menschen bessert und
_Mettenschleicher_
Das ist richtig, hat aber mit unserer Angelegenheit momentan
nichts zu schaffen. Sie mssen stark sein, lieber Freund.
Sie drfen sich in Ihrer berzeugung nicht erschttern
In welcher berzeugung meinen Sie?
_Mettenschleicher_
In _Ihrer_ berzeugung. Ein Mann hat doch nur eine.
(etwas stupid)
So. -- Im allgemeinen bin ich ja stark. Aber einen Menschen
mu man doch haben, dem man sein Herz erffnen kann. (Es
klopft.) Herein!
(kommt; schmaler gelbgesichtiger Mann von etwa dreiig
Jahren. Tartarenbart, Zwicker. Er hat das Phlegma
intelligenter Leute, die viele berflss$
er Sule zugekehrt, wo die Tote stand, und starrte sie an. Aber
Elsalill begriff, da er die Tote nicht sah. Er sprach nicht von ihr,
sondern von jemandem, der stets in seinen Gedanken war.
Elsalill blieb an der Luke stehen und verfolgte alles, was geschah. Sie
dachte, da sie gar zu gerne wissen wollte, wer es wre, an den Sir
Archie bestndig dachte.
Pltzlich merkte sie, da die Tote sich auf die Bank neben Sir Archie
gesetzt hatte und ihm etwas ins Ohr flsterte.
Aber Sir Archie wute noch immer nichts davon, da sie ihm so nahe war
und da sie dasa und ihm ins Ohr flsterte. Er merkte ihre Gegenwart
nur durch die furchtbare Angst, die ber ihn kam.
Elsalill sah, da Sir Archie, nachdem die Tote ein paar Augenblicke
neben ihm gesessen und ihm ins Ohr geflstert hatte, seinen Kopf in die
Hnde sinken lie und weinte: Ach, htt' ich doch niemals die junge
Jungfrau gefunden! sagte er. Ich bereue nichts anderes, als da ich
die junge Jungfrau nicht verschonte, als sie mich anflehte.
Die beiden anderen Sc$
 nebeneinander vor dem
Gerichtstisch. Die Klgerin ist sehr jung und sieht ganz verschchtert
aus. Sie weint vor Scham und trocknet mhsam ihre Trnen mit einem
zusammengeknllten Taschentuch; es scheint, als knne sie es nicht
auseinanderfalten. Sie trgt schwarze Kleider, die ziemlich neu und
ungetragen aussehen, aber sie sitzen so schlecht, da man versucht ist,
zu glauben, sie habe sie sich ausgeliehen, um anstndig vor Gericht
erscheinen zu knnen.
Was den Beklagten anlangt, so sieht man ihm gleich an, da er ein
wohlgestellter Mann ist. Er mag etwa vierzig Jahre alt sein und hat ein
zuversichtliches und frisches Aussehen. Wie er da vor dem Richterstuhl
steht, zeigt er eine sehr gute Haltung. Es sieht ja nicht aus, als fnde
er ein besonderes Vergngen daran, da zu stehen, aber er macht auch
durchaus keinen befangenen Eindruck.
Als das Protokoll verlesen ist, wendet sich der Richter an den Beklagten
und fragt ihn, ob er an seinem Leugnen festhalte, und ob er bereit sei,
den Eid zu schwren.
Auf diese Fra$
en Satz, wie unter 4),
nur dass berall statt [formula] die Summe [formula] zu schreiben ist, wo
_P_ nach Belieben eine gerade oder ungerade Zahl sein kann. _Insbesondere
betrgt die Zahl der reellen Constanten einer Doppelflche, die bei
beliebiger conformer Abbildung ungendert bleiben, _[formula]_._--
Unter die hiermit gewonnenen Resultate subsumiren sich die allgemeinen
Theoreme und Entwickelungen, welche Herr _Schottky_ in seiner wiederholt
citirten Abhandlung gegeben hat, als specielle Flle.
. 24. Schlussbemerkung.
Die Entwickelungen des nunmehr zu Ende gefhrten letzten Abschnitt's
dieser Schrift sollten, wie wiederholt gesagt, den Andeutungen
entsprechen, mit denen Riemann seine Dissertation abschloss. Allerdings
haben wir uns auf _eindeutige_ Beziehung zweier Flchen durch conforme
Abbildung beschrnkt. Riemann hat, wie er ausspricht, ebensowohl an
mehrdeutige Beziehung gedacht. Man wrde sich dementsprechend jede der
beiden in Vergleich kommenden Flchen mit mehreren Blttern berdeckt
vorstellen $
 Halstuch hineingebunden, begrte ihn mit einem gtigen vterlichen
Blick und Handdruck, wobei Mitonare ein Gesicht machte, als ob er seine
Hand in einem Schraubstock htte.
Nun, Bruder Ezra, sagte Mr. Osborne freundlich, als dieser zu ihm
hinantrat, und seine Hand auf das herzlichste schttelte, was Mitonare
mit ungemein gutem Willen erwiederte -- wie ist es Euch die Zeit
meiner Abwesenheit ergangen? -- immer wohl und gesund gewesen, und in
keiner Weise zu Schaden gekommen? nicht wahr ich bin weit lnger
entfernt geblieben als ich im Anfang beabsichtigte?
Ich mu hier jedoch bemerken da die Geistlichen mit dem kleinen Mann
nur in seiner eignen Sprache redeten, blos wenn sich Mr. Osborne mit
Bruder Ezra -- wie der kleine Mitonare bei der Taufe genannt worden --
allein befand, und gerade nichts Wichtiges zu verhandeln hatte, sprach
er englisch mit ihm, um ihm diese Sprache gelufiger zu machen, und
seinen etwas schweren Mund an die fremden Worte besser zu gewhnen.
Bruder Ezra antwortete auf das Befriedi$
setzen und
die Pltze der niederfallenden auszufllen. Wir kennen auch hier nicht
die Sorgen und Mhen des Lebens -- das Salz jedes gesellschaftlichen
Verkehrs, durch das eine _erworbene_ Existenz erst ihren ganzen uns
beglckenden Reiz gewinnt -- wir stehen Morgens auf und essen und
trinken und legen uns Abends wieder schlafen. Nachrichten von der
ueren Welt dringen nur selten zu uns, und wie sie kommen wre es fast
besser sie blieben ganz aus, denn anstatt zu befriedigen lassen sie,
selbst in dem Herzen der Aeltesten von uns, eine Leere zurck, die wir
vergebens auszufllen suchen.
Wollen Sie nun, mit Ihrem jungen thatkrftigen Herzen in dieses
felsenumgrtete Thal, aus dem es keine Rckkehr fr Sie giebt,
hinabspringen? -- schauen Sie um sich her, junger Freund -- noch stehn
Sie oben -- noch liegt die ganze brige Welt ausgebreitet vor Ihren
Blicken -- haben Sie _nichts nichts_ mehr darin was auch nur den
geringsten Anhaltepunkt an Ihr Herz htte? -- bedenken Sie, bei einem
sinkenden Schiff kann das kl$

Niederrasseln der Raaen, das Heulen der Leute an den Reeftaljen
bertubte fr den Augenblick selbst das, jetzt mit Macht aufkommende
Wetter. Die nchste Viertelstunde nahm das Reefen selber in Anspruch,
und Niemand kmmerte sich indessen um den unglckseligen Priester. Erst
als die Mannschaft mit dem gewhnlichen tnenden ~Oh -- jolly men --
hoy~ die Marsraaen wieder aufzog, trat der zweite Harpunier, der nicht
mit am Lande gewesen war und schon die letzten fnf Minuten die an Deck
liegende Gestalt forschend und etwas mistrauisch betrachtet hatte, auf
diese zu und sich zu ihr niederbiegend rief er erstaunt:
~Why -- damn it~ -- das ist Ren nicht!
Ren nicht? antwortete der Capitain, der dicht neben ihm stand, mit
der Linken eine der Brassen gefat hatte, und die Blicke auf die
aufsteigenden Raaen gerichtet hielt -- wer soll's _denn_ sein? --
~belay that~ -- -- groe Marsraae -- was liegt an jetzt?
Norden halb Westen, tnte die monotone Stimme vom Steuerrad herber.
~Steady then~ -- halt den Cours$
n ganze Schaaren in's Lager jagte.
Der ehrwrdige Bruder Rowe machte ihm besonders das Leben schwer, und so
sehr er das fhlte und den ihm feindlich gesinnten Mann zu einer offenen
Erklrung zwingen wollte, so vorsichtig und geschmeidig wich dieser
jeder Zeit ihm aus, und selbst der direkten Frage hielt er nicht Stand:
Jene Zeit war vorbei, lange vorbei, wie er sagte, und geschehene Dinge,
wenn man sie vielleicht auch wieder ungeschehen machen mchte, nicht
mehr zu ndern -- in _seinem_ Herzen lebte kein Gefhl der Rache oder
des Zornes -- weshalb auch Rache? weshalb Zorn? -- wenn sich Mr. Osborne
Vorwrfe ber irgend etwas Geschehenes zu machen htte, so bedauere er
das, aber er selber thue es nicht -- Mr. Osborne msse das mit sich
selber ausmachen.
Mr. Osborne vertheidigte sich freilich mit Eifer auch selbst gegen eine
solche Vermuthung, und sprach sich rein von jeder wissentlichen Snde,
aber Bruder Rowe antwortete ihm stets nur durch ein frommes Verdrehen
der Augen und Achselzucken, und war freundlicher $
rund gerade zufhrten.
Die Katholische Religion machte nur geringe Fortschritte, die
Protestantischen Missionaire behaupteten ihre Macht, und wenn auch schon
des Zweifels Saamen war eingestreut worden in die Herzen der armen
Insulaner, die mit Entsetzen Feinde ihres Glaubens in demselben Volk
erstehen sahen, das ihnen den neuen Gott gebracht, dauerte das dem
heien ungeduldigen Blut der unruhigen Huptlinge zu lang, und mit der
schon fast erstorbenen Hoffnung einstigen Sieges frisch angefacht,
harrten sie, nicht stark genug ihn selber zu fhren, einem frischen
Schlag wider die Macht ihrer Nebenbuhler sehnschtig entgegen.
Einen halben Bundesgenossen, Jemanden wenigstens, der der Franzsischen
Sache eng ergeben und den Protestantischen Missionairen nicht besonders
geneigt war, hatten sie in dem frheren Amerikanischen Consul Mrenhout,
der dem Pietistischen Wesen der Protestanten theils abhold, anderseits
auch seinen eigenen Nutzen durch die Oberherrschaft der Franzosen zu
befrdern glaubte, unter deren Schutz$
Die Mutter wnschte ihn mittelmig und so am meisten geschtzt
gegen die Strme des Schicksals. Der Anschein befriedigte sie.
In der drngendsten Zeit der aufwachenden Mannbarkeit verriet sich an
ihm eine unruhige berschwnglichkeit und Phantasterei, die seiner Natur
im Innersten fremd war. Da kam es vor, da er whrend einer ganzen
Sommernacht sich in den Wldern herumtrieb, nach den Sternen starrte, in
die Erde hinein horchte und mit eigentmlicher Angst den Aufgang der
Sonne erwartete. Ein andermal entfernte er sich in der Frh und kam erst
am zweiten Tag zurck. Vierzehn Stunden war er gegangen, um zu erfahren,
was hinter dem Wald, hinter den Hgeln der Ferne lag, und traurig hatte
er den Heimweg angetreten, als immer wieder dieselben cker und Wiesen,
dieselben unansehnlichen Huschen an derselben Strae erschienen waren.
Bald verging das aufgeregte Wesen wieder und kehrte sich fast in sein
Gegenteil, so da Arnold den Eindruck eines mrrischen und
phlegmatischen Burschen machte. Ohne sichtbare Freude $
uft, nach Baum und Wiese, begab er sich zur nchsten
Stadtbahnstation und nahm eine Karte nach einer der Wiener
Waldstationen.
Die Bahn, die auf einem langen Viadukte ber Gumpendorf emporfhrte,
gelangte zu einer Biegung und weit hingedehnt, im graublauen
Dmmerlicht, lag die Stadt vor Arnold. Rauch und Staub verwischten die
Horizontlinie und manche fahle Lampe in einem Haus glich tuschend einem
Stern. Unzhlbare Schlte ragten empor, bleich leuchtend von einem
unsichtbaren Licht. Husermauern ber Husermauern, angegraut von Asche,
Zeit und Elend, so dicht mit Fenstern besetzt wie ein Wespennest mit
Lchern, Hfe, in denen schwarze Menschen krabbelnd sich bewegten und
Dach neben Dach bis in den Himmel hinein. Hier wohnten sie, einer im
Atem des andern, unter dem graublauen, nach Kohle und Schwei riechenden
Mantel des Abends, die Millionen.
Reich sein, reich sein, dachte Arnold.
Dreiundfnfzigstes Kapitel
Zwei Tage spter, als Arnold ber den Graben ging, winkte ihm pltzlich
jemand mit Lebhaftigkeit zu un$
nd lachte.
Zu Hause machte er in allen Zimmern Licht. An den elektrischen Flammen
war ihm nicht genug, er zndete auch noch Kerzen an. Es war ihm kalt,
wie wenn er aus der Ofenwrme eines Zimmers auf ein Eisfeld getreten
wre. Kein Gegenstand vermochte den Blick seiner Augen zu fesseln; eine
gerechte und furchtbare Macht rollte pltzlich den Faden seines Lebens
nach rckwrts ab und zwang Arnold, sich umzuwenden und der Gewalt zu
folgen. Die ersten Stunden der Nacht vergingen in einer vollkommenen
Besinnungslosigkeit. Er eilte unaufhrlich durch die Flucht der Zimmer.
Vllig erschpft warf er sich endlich auf ein Sofa. Dennoch nahte Bild
auf Bild, qulend wie die Trume an der Grenze des Erwachens. Er legte
den Kopf zwischen die Hnde und schlief ein, gerade als der erste
Tagesstrahl die Finsternis drauen durchbohrte. Er trumte, er se auf
einem armseligen Leiterwagen, welcher durch Schnee und Regen nach
Podolin fuhr. Ein frchterlicher Blitz erleuchtete das Dunkel und Arnold
sah, da er gegen Borromeo die$
n?
  Und dir ist fremd das Vaterland geworden.
  Iphigenie.
  Das ist's, warum mein blutend Herz nicht heilt
  In erster Jugend, da sich kaum die Seele
  An Vater, Mutter und Geschwister band;
  Die neuen Schlinge, gesellt und lieblich,
  Vom Fu der alten Stmme himmelwrts
  Zu dringen strebten; leider fate da
  Ein fremder Fluch mich an und trennte mich
  Von den Geliebten, ri das schne Band
  Mit ehrner Faust entzwei.  Sie war dahin,
  Der Jugend beste Freude, das Gedeihn
  Der ersten Jahre.  Selbst gerettet, war
  Ich nur ein Schatten mir, und frische Lust
  Des Lebens blht in mir nicht wieder auf.
  Wenn du dich so unglcklich nennen willst,
  So darf ich dich auch wohl undankbar nennen.
  Iphigenie.
  Dank habt ihr stets.
                       Doch nicht den reinen Dank,
  Um dessentwillen man die Wohlthat thut;
  Den frohen Blick, der ein zufriednes Leben
  Und ein geneigtes Herz dem Wirthe zeigt.
  Als dich ein tief geheimnivolles Schicksal
  Vor so viel Jahren diesem Tempel brachte,
  Kam Th$
r auf
blutgedngten Wiesen. Und wir Glcklichen geniessen die herrlichen
Blumen, die aus des Dichters vergiftetem Herzblut erwuchsen.
Die Quellbchlein pltschern durch den Park der Alhambra. Kleine
muntere Bchlein, die plaudern und schwatzen. In den schmalen
kieselgepflasterten Betten springen sie schnell vorbei, schnell wie die
guten Stunden in des Dichters Leben dahineilten. Die Stunden, Minuten
vielleicht, in denen er harmlos frhlich sein konnte.
Dann trumte er irgendeinen lustigen Traum. Etwa von dem Manne mit der
wunderbar grossen Nase, die alle Welt in Begeisterung setzte, die Maler
malten und Herzoginnen kssten. Diese kstliche kleine Geschichte, die
in der bizarren Art ihrer Anlage Mark Twain vorweggenommen ist. Nur dass
bei Poe die grotesken bertreibungen viel feiner, viel natrlicher
herauskommen, dass sich nirgends ein Wortwitz vordrngend breit macht.
Oder er macht sich ber die breiten Bettelsuppen lustig, die die
Wochenbltter ihren gutmtigen Lesern auftischen, gibt der Miss Zenobia
Unter$
in
solcher Privatnutzen dort, wo durch einfache Vermehrung der Bevlkerung
der Wert des Grundeigentums oft bis in das Ungemessene steigt, wie
namentlich in der Mitte und Nhe wachsender Grossstdte, wo oft
Landstrecken, welche vorher beinahe keinen Wert hatten, binnen kurzer Zeit
zu wahren Goldfeldern fr ihre Besitzer werden, -- und zwar ohne jedes
eigne Zuthun oder Verdienst der letzteren, lediglich durch den Fleiss und
die Thtigkeit der Gesamtheit, welche nichtsdestoweniger dieses Resultat
ihres Fleisses ohne jeden Abzug dem einzelnen Privateigentmer in den
Schoss wirft.
Was nun die Art und Weise des bergangs des Privatbesitzes an Grund und
Bodens in denjenigen des Staates oder der Gesamtheit betrifft, so ist
dieses eine sekundre Frage, welche von den verschiedenen Verteidigern der
Bodenbesitzreform in verschiedener Weise beantwortet wird. Es versteht
sich dabei von selbst, dass von einer gewaltsamen Aneignung nicht die Rede
sein kann, sondern nur von einer Ablsung der Rente oder des Bodens selbst
geg$
Mutter droben im
Himmel sei und gewi den lieben Gott daran erinnere, da er auch seinen
Weg nicht vergesse. Das machte das Wiseli dann ganz zuversichtlich und
froh, und es wurde nie mehr so unglcklich, wie am ersten Abend auf der
Ofenbank, sondern jeden Abend schlief es mit der ganz frohen Zuversicht
im Herzen ein:
    Er wird auch Wege finden,
    Da dein Fu gehen kann.
So verging der Winter und der sonnige Frhling kam. Die Bume wurden
grn und alle Wiesen standen voller Schlsselblumen und weier Anemonen,
und im Wald rief lustig der Kuckuck, und schne, warme Lfte zogen durch
das Land und machten alle Herzen frhlich, so da jeder wieder gern
leben mochte.
Auch Wiselis Herz erfreuten die Blumen und der Sonnenschein, wenn es am
Morgen in die Schule ging und nachher wieder nach dem Buchenrain
zurckkehrte. Sonst blieb ihm keine Zeit, sich daran zu erfreuen, denn
es mute nun streng arbeiten: jeder Augenblick, der neben der Schule
brig blieb, mute zu irgendeiner Arbeit benutzt werden, und manchen
ha$
en, sagte die Mutter, jetzt erzhl mir recht, wo und wann ein
Mann dir drohte, und was er dir nachgerufen hat.
Miezchen erzhlte, was es wute, es kam aber nicht viel mehr heraus, als
es schon gesagt hatte. Nachgerufen hatte ihm der Mann das Wort, das der
Papa ber Tisch gesagt hatte, behauptete es. Die Mutter kehrte in das
Zimmer zurck, wo der Vater sa, ging gleich zu ihm heran und sagte in
erregtem Ton:
Ich mu es dir wirklich sagen, es kommt mir immer wahrscheinlicher
Der Oberst legte seine Zeitung weg und schaute erstaunt seine Frau an.
Siehst du, fuhr diese fort, die Szene am Tisch hat mir mit einem Male
einen Gedanken erweckt, und je mehr ich ihn verfolge, je fester
gestaltet er sich vor meinen Augen.
Setz dich doch und teil mir ihn mit, sagte der Oberst, ganz neugierig
geworden. Seine Frau setzte sich neben ihn hin und fuhr fort:
Du hast Miezchens Aufregung gesehen, sie war sichtlich erschreckt
worden von dem Mann, von dem sie sprach, es war nicht Spa gewesen:
darum ist es klar, da er da$
 40 Jahr und 7 Tag. %R. I. P.%
    Mein lieber Freund, ich bitte dich,
    Geh nicht vorbei und bett' fr mich.
Jetzt trug man Seppi Blatter zu Grabe. Als sich die Gemeinde vom
Kirchhof verlief, gingen nur wenige, die an der Beerdigung teilgenommen
hatten, in den Bren. Dem Presi war's recht. Er wollte noch nach Hospel
hinausreiten und sattelte eben das Maultier. Er hatte pltzlich das
Bedrfnis, Frau Cresenz recht bald als Hausfrau in den Bren zu fhren.
Mit der alten Susi war's nicht mehr gethan, ihr Kropf wurde ihr je
lnger je hinderlicher bei der Arbeit, sie pfiff daraus wie eine
ungeschmierte Sge und ob sie fast nicht zu Atem kam, keifte sie
gleichwohl an einem Stck.
Er wollte mit Cresenz ber den Hochzeitstag reden.
Susi, wo steckt denn Bini wieder? rief der Presi.
Sie hat sich wieder irgendwo versteckt. Verhext ist das Kind --
verhext! jammerte Susi, und sie war sonst ein so liebes, artiges
Vgelchen, das den ganzen Tag gehpft ist. Wer hat es ihm nur angethan?
Ihr seid ein Kalb; Susi, brin$
 alter Verdacht zuckt auf:
Warum hat Thni die Postschlssel immer abgezogen? Ist sie
hellseherisch geworden aus langer, unbegreiflicher Blindheit?
In verbrecherischer Weise hat sich Thni zwischen mich und Josi
Mit einem Schlag hat sie die sichere Ueberzeugung gewonnen.
Ja, jetzt Kampf! Ihre Augen flammen auf, alles an ihr lebt und bebt.
Du wirst sehen, Vater, du armer, in einen Verbrecher vernarrter Thor,
wie ich Thni liebe.
Mit fieberglhendem Kpfchen schwankt sie hinab in die Postablage. Sie
hat die Hand am Telegraphenapparat: Postdirektion. In St. Peter ist ein
Postverbrechen geschehen. Ich bitte um Untersuchung. Binia Waldisch. Da
lt sie die Hand sinken -- der Schrecken lhmt sie. Der Vater ist der
Posthalter, nicht Thni. Hat je ein Kind seinen Vater den Gerichten
ausgeliefert?
Wie mit Wasser begossen schleicht sie davon. Sie wei ja nicht einmal,
ob ihr brennender Verdacht gerechtfertigt ist. Und nun noch ein
furchtbarer Gedanke: Wenn der Vater in seinem wilden Ha auf Josi der
Anstifter$
jetzt zum Garden --
und ich hoffe, da mir Thni nicht begegnet -- sonst mu er sterben.
Das letzte sagt der Presi so fest, wie es ein Richter sagen wrde.
Frau Cresenz schlgt die Hnde ber dem Kopf zusammen: Was giebt es
auch, Prsident, was giebt es?
Da schleudert er ihr den Brief des Garden vor die Fe und geht.
Allein in der Dmmerung geht er nicht gleich zum Garden, er schwankt,
ohne zu wissen, was er thut, hinber zum Neubau, steht eine Weile davor,
schttelt den Kopf und wendet sich wieder zum Gehen.
Da hrt er pltzlich ein grliches Lachen. Kaplan Johannes mit dem
Bettelsack steht neben ihm. Herr Presi, merkt Ihr es nicht, es kommt
ein Wetter. Geht doch lieber zum Glottermller, dort zahlt einer Wein,
so viel man will, und erzhlt den Leuten lustige und traurige
Geschichten aus dem Bren von St. Peter.
Du rudiger Pfaff! schreit der Presi, er strzt sich auf den Kaplan
und mihandelt ihn. Unter heulenden Flchen flchtet der Letzkpfige,
er droht: Ich will doch einmal mit Eurer Tochter ta$
4.50
--"-- Die letzte Wahl. Roman. 4. Aufl.       Geh. M. 3.50, Lnbd. M. 4.50
_Sudermann, Hermann_, Es war. Roman.
        47.-49. Aufl.     Geh. M. 5.--, Lnbd. M. 6.--, Hlbfrzbd. M. 6.50
--"-- Geschwister. Zwei Novellen.
        30.-34. Aufl.     Geh. M. 3.50, Lnbd. M. 4.50, Hlbfrzbd. M. 5.--
--"-- Jolanthes Hochzeit. Erzhlung.
        28.-30. Aufl.     Geh. M. 2.--, Lnbd. M. 3.--, Hlbfrzbd. M. 3.50
--"-- Der Katzensteg. Rom.
        76.-80. Aufl.     Geh. M. 3.50, Lnbd. M. 4.50, Hlbfrzbd. M. 5.--
--"-- Das Hohe Lied. Rom.
        51.-55. Aufl.     Geh. M. 5.--, Lnbd. M. 6.--, Hlbfrzbd. M. 7.--
--"-- Frau Sorge. Roman. 116.-125. Aufl. Mit Jugendbildnis
                          Geh. M. 3.50, Lnbd. M. 4.50, Hlbfrzbd. M. 5.--
--"-- Frau Sorge. Roman. 100. (Jubil.-) Aufl. Mit Portrt.
        Buchschmuck von _J. B. Eissarz_      Geh. M. 5.--, Lnbd. M. 6.--
--"-- Im Zwielicht. Zwanglose Geschichten.
        33. u. 34. Aufl.  Geh. M. 2.--, Lnbd. M. 3.--, Hlbfrzbd. M. 3.50
_Telmann, Konrad_, Trinacria            $
ftigt worden, dass die Probleme der Reparation, der
Grundlagen des Versailler Friedens, nicht der Beschlussfassung
unterliegen sollen. Dennoch hat der Kanzler gestern in seiner Rede die
hoffnungsvollere Seite von Genua erwhnt. Ich stimme seinen Ausfhrungen
bei und will das von ihm selbst beschrnkte Mass von Hoffnungen nicht
herunterstimmen. Dennoch werden wir unsere Stellung zu Genua erneut zu
prfen haben. Wir mssen erwgen, mit welchen Gedanken, aber auch mit
welchen Gefhlen wir uns einer Konferenz nhern, auf der das Schicksal
und der Aufbau einer Welt behandelt werden soll, aber nicht der unseren,
nicht unser Aufbau und nicht unser Schicksal. Lsst sich eine Brcke
finden, -- gut! Lsst sie sich nicht finden, so wird Genua das Schicksal
von vielen anderen Konferenzen teilen.
In diesem Zusammenhang ein Wort in Anknpfung an die Ausfhrungen des
Herrn Stresemann ber Russland. Zweifellos wird Genua fr Russland
manches Wesentliche bringen, und ich will nicht einen Augenblick die
Auffassung der Kabinett$
er Konferenz gezogenen Grenzen auf das strikteste
halten werde, will ich versuchen, die vier grossen und unausgesprochenen
Wahrheiten darzulegen, die mir aus den Beratungen hervorzugehen scheinen
und die, wie ich glaube, unbedingte Voraussetzungen fr eine Gesundung
der Weltwirtschaft bilden. Die erste dieser Wahrheiten lautet: Die
gesamte Verschuldung der Lnder ist zu gross im Verhltnis zu ihrer
Produktionskraft.
Alle hauptschlichen Wirtschaftslnder sind in einen Verschuldungskreis
hineingezogen, der die meisten gleichzeitig zu Glubigern und Schuldnern
macht. Durch ihre Eigenschaft als Glubiger wissen die Staaten nicht,
wieviel sie von ihrem Guthaben erhalten werden, in ihrer Eigenschaft als
Schuldner wissen sie nicht, wieviel sie zahlen knnen und mssen.
Ueberhaupt kann kein Staat einen wirklichen Haushalt aufstellen, kein
Staat kann es wagen, sich in grosse umfangreiche Neueinrichtungen
einzulassen, die seine Wirtschaft verbessern und die dem Geldmarkt neue
Nahrung geben. Kein Staat kann auf eine ge$
, heh? wer sollen uns wohl glicklich
schtze, da mer derfe unsere Steuern zahle und nachher getreten werden
wie die Hunde?
Aber wo geht Ihr hin? rief Einer der Umstehenden, nach New-York?
Der Alte schttelte mit dem Kopf.
Nach New-Orleans.
Und mit welchem Schiff? rief Steinert schnell.
Mit der Haidschnucke.
Hurrah der Alte soll leben jubelten aber die Passagiere der Haidschnucke
um ihn her -- das ist prchtig, das ist ein Reisegefhrte der uns die Zeit
vertreiben wird, und von verschiedenen Seiten wurden noch Flaschen Wein
bestellt den Spielmann zu traktiren, der jetzt kaum hrte wie die Sache
stand, und das Viele der Anwesenden auf ein und demselben Schiff die
Ueberfahrt mit ihm machen wrden, als er auch augenblicklich sein erst
halbgeleertes Glas Bier zurckschob und sich mit augenscheinlichem Behagen
dem Genu des wahrscheinlich lange entbehrten Weines hingab. Der Knabe
aber trank sein Glas aus, und setzte sich dann still und weiter nicht
beachtet, in die eine Ecke, lehnte den Kopf zurck $
nd
Panthern, Entfhrungen, Verhaftungen, Lynchgesetz und wie all jene tausend
und tausend interessanten vorherzusehenden und unvorhergesehenen Flle
heien, denen man in dem Lande unserer Sehnsucht ausgesetzt ist, oder die
man, wenn sie Einem nicht gleich gutwillig aufstoen, mit Leichtigkeit
aller Orten und Enden aufsuchen kann.
Dann reis' ich gewi nicht mit Ihnen rief Clara rasch und lachend -- Sie
wren im Stande solche Dinge vom lieben Gott, als ganz besondere Zeichen
von Wohlwollen zu erbitten.
Allerdings sagte Herr von Hopfgarten mit grtem Ernst, und ich
schwankte lange zwischen einer Reise in das Innere von Afrika und den
Vereinigten Staaten, aber allen gelesenen Beschreibungen nach halte ich
die Union doch noch fr das passendste Land dazu, und freue mich unendlich
darauf seine werthe Bekanntschaft zu machen.
Sie knnten Einem die Lust zur Auswanderung verleiden sagte lchelnd
Professor Lobenstein, sich in das Gesprch mischend, wenn man eben noch
eine Wahl behalten htte. Jedenfalls is$
ungen, als ob ihn was mit einer Stecknadel an irgend einem
empfindlichen Theil gestochen haette. Es war eine grosse, fast uebermaessig
starke Gestalt, die des Herrn Mehlmeier, mit einem vollen runden
gutmuethigen Gesicht, sehr breiten Schultern und stattlichem, etwas
bauchigem Koerper, Marie aber sowohl wie Eduard, und selbst Anna konnten
sich kaum eines Laechelns erwehren, als er den Mund oeffnete, und mit einer
ganz feinen weichen, fast weiblichen Stimme ausrief:
"Was befehlen Sie Herr Steinert?"
"Ach lieber Herr Mehlmeier," rief aber Herr Steinert -- "ich wollte mir vor
allen Dingen die Freiheit nehmen, Sie den Damen hier, die wir so gluecklich
sind kuenftige Reisegefaehrtinnen von uns zu nennen, nach aller Form
vorzustellen -- Herr Christian Mehlmeier von Schmalkalden -- und -- aber ich
weiss wahrhaftig Ihren eigenen Namen noch nicht, meine Damen --"
"Die Familie des Professor Lobenstein aus Heilingen" nahm hier Eduard das
Wort, der sich jetzt besonders fuer den dicken Mann mit der feinen Stimme
interessi$
emselben Moment fast bewusstlos dem stieren, fest und
entsetzt auf ihm haftenden Blick seines Weibes.
Henkel war todtenbleich geworden, aber er nahm jetzt das Kaestchen fast
mechanisch aus Clara's Hand, verschloss es und steckte den Schluessel wieder
in die Tasche, waehrend er sich abwandte, die niedergefallenen Papiere
"Hast Du das Geld, Clara?" rief Marie lachend, die in dem Augenblick
gerade nach dem Rande des Quarterdecks gesprungen war, die Ursache eines
neuen Laermes zu erkunden, der von der Zwischendecksluke heraustoente -- "ich
glaube dort unten schlagen sie sich."
"Hier ist es" sagte Clara, sich gewaltsam sammelnd und ihr das Geldstueck,
das sie noch in der Hand hielt, reichend -- "gieb es dem Mann."
"Gott vergelt's tausendfach" sagte der Handwerksbursch, der indessen bei
den anderen Passagieren, mangelnden kleinen Geldes wegen, ebenfalls mit
sehr geringem Erfolg gesammelt hatte, und jetzt ebenfalls ungeduldig nach
dem Zwischendeck hinabschaute -- "da unten schmeissen sie sich aber, glaub'
ich, und d$
als
      der Andere, und die Raeumlichkeit eines Schiffes ist nicht die eines
      Hauses mit so und so viel Stuben, Kammern und Boden. Hat der
      Auswanderer also _viel_ Gepaeck, so suche er sich vor allen Dingen
      das, was er _unterwegs notwendig_ bei sich fuehren _muss_ (und je
      weniger das ist desto angenehmer ist es fuer ihn und die Anderen) und
      packe das in eine kleine Kiste, die am bequemsten drei Fuss lang,
      zwei Fuss breit und anderthalb oder zwei Fuss hoch sein kann und mit
      einem verschliessbaren Deckel (weniger zweckmaessig sind
      Vorlegeschlosser, die leicht unterwegs abgestossen werden koennen)
      versehen ist. Die Coyen sind gewoehnlich nur sechs Fuss und vielleicht
      einige Zoll lang, und hat man nur drei Fuss lange Kisten, die aber,
      der unteren Coyen wegen, nicht zu hoch sein duerfen, bei sich, so
      koennen vor der eigenen Coye zwei neben einander stehn, dienen, wenn
      geschlossen, zum Sitz, und nehmen nicht viel Raum, in dem ohnedies
   $
r herzieht;
So heult der Sturm den Brausesang,
So brllt das Meer im Grund,
Des Weltenwtens Sterbedrang,
Der Tod am Leben wund.
Weh -- weh -- ein Ton in mir
Zur Meeresbrandung schwillt,
Die aller Ufer Qualrevier
Mit bangem Schrei erfllt.
Bis einst des Schweigens Abgrund weit
Den Mutterschooss auftut,
Und alles Leben, alles Leid
Erlst im Tode ruht.
Urseiender Wahrheit
Die werdende Klarheit;
Das grosse An-sich,
Beim Zahl-viel
Ans All-ziel
Erinnere dich.
Da draussen das Ende; --
Dass im Innern
Das Aussen fnde,
Was aussen ist;
Von Anfang du bist.
Die Einzelheit,
Doch vorwrts
Und rckwrts
Die Ewigkeit.
Ein Schweben
Um zuckende Flammen;
Zur Sonne zusammen.
Stets kleiner
Zum Nichts sie verschwindet.
Tauchst dort du, immerfort du,
Ohne Rast du, so hast du
Im Nichts das All ergrndet.
Wo du fragst
Wohl Antwort erwerben,
Zum All wohl sterben.
Magst zhlen,
Magst schwellen,
Zum Endlosen streben.
Zu Gott durch Leben.
Und aussen Lernen.
Von bekannten Sternen.
Wusstest schon
Vorm Unterricht,
Dein eigen Gesicht.
Was$
 sie voll Entzcken an; sie lachte so leicht, so
mhelos, es lief ber sie hin wie ein Windhauch ber den See; so lachte
niemand anders.
Was treibst du da! rief sie endlich.
Dummes Zeug, Frnzchen; ich scharmutziere mit den Schatten.
Das kannst du bleiben lassen.
Er wollte ihre beiden Hnde fassen; sie aber, die in diesem Augenblick
sich nach der Gartenmauer umgesehen, zog ein Messerchen aus ihrer Tasche
und schnitt damit die aufgeblhten Rosen aus den Bschen. Ich werde
Potpourri machen auf den Abend, sagte sie, whrend sie die Rosen an der
Erde sorgfltig zu einem Huflein zusammenlegte.
Er sah geduldig zu; er wute schon, man mute sie gewhren lassen.
Und nun? fragte er, nachdem sie das Messer wieder eingeschlagen und in
den Schlitz ihrer Robe hatte gleiten lassen.
Nun? Konstantin! -- -- Beisammen sein und die Stunden schlagen hren. --
Und so geschah es. -- Vor ihnen drben in dem Zitronenbirnbaum flog der
Buchfink ab und zu, und sie hrten tief im Laube das Kreischen der
Nestlinge; dann wied$
beschmen.
Ein Reisender ist so gewohnt
Aus Gtigkeit frlieb zu nehmen,
Ich wei zu gut, da solch' erfahrnen Mann
Mein arm Gesprch nicht unterhalten kann.
Ein Blick von dir, Ein Wort mehr unterhlt,
Als alle Weisheit dieser Welt.
(Er kt ihre Hand.)
_Margarete._
Incommodirt euch nicht! Wie knnt ihr sie nur kssen?
Sie ist so garstig, ist so rauh!
Was hab' ich nicht schon alles schaffen mssen!
Die Mutter ist gar zu genau.
(Gehn vorber.)
Und ihr, mein Herr, ihr reis't so immer fort?
_Mephistopheles._
Ach, da Gewerb' und Pflicht uns dazu treiben!
Mit wie viel Schmerz verlt man manchen Ort,
Und darf doch nun einmal nicht bleiben!
In raschen Jahren geht's wohl an,
So um und um frey durch die Welt zu streifen;
Doch kmmt die bse Zeit heran,
Und sich als Hagestolz allein zum Grab' zu schleifen,
Das hat noch keinem wohl gethan.
_Mephistopheles._
Mit Grausen seh' ich das von weiten.
Drum, werther Herr, berathet euch in Zeiten.
(Gehn vorber.)
_Margarete._
Ja, aus den Augen aus dem Sinn!
Die Hflichkeit ist $

dazu haben.
Maja sah, wie Trnen in seine Augen traten, und ihr Herz wurde von
Mitleid ergriffen.
Aber pltzlich kam Bewegung in Kurt. Er wischte die Trnen aus den Augen
und trat vorsichtig hinter einen Erdhaufen, den seine Freundin
wahrscheinlich aus ihrer Wohnung geschaufelt hatte, und Maja sah einen
kleinen rtlichen Regenwurm durch die Grser kommen. Er hatte eine sehr
ungewhnliche Art der Fortbewegung, bald machte er sich lang und dnn,
dann wieder kurz und dick, und seine rote Krperspitze bestand aus
lauter zarten Ringen, die sich lautlos verschoben und vorantasteten.
Sie erschrak sehr, als Kurt pltzlich einen Schritt aus seinem Versteck
hervor machte, den Wurm ergriff und ihn in zwei Hlften zerbi. Er
begann gelassen die eine Hlfte zu verzehren und kmmerte sich wenig um
die verzweifelten Windungen, die die beiden Wurmhlften am Boden und in
seinen Armen ausfhrten. Es war ein ganz kleiner Wurm.
Nur Geduld, sagte Kurt, gleich ist es vorber.
Aber whrend er kaute, schien er wieder an Iffi z$
gel zu brauchen, in einem riesigen Bogen und, wie es Maja
erschien, in einer an Wahnsinn grenzenden Tollkhnheit.
Aber da war er schon wieder. Sie hatte nicht sehen knnen, woher er kam,
aber nun sa er neben ihr auf dem Blatt der Akeleiblume.
Er betrachtete sie von allen Seiten, von hinten und von vorn:
Nein, sagte er dann schnippisch, Sie knnen allerdings keine Eier
legen, Sie sind nicht darauf eingerichtet. Sie haben keinen
Legestachel.
Was, sagte Maja, keinen Legestachel? Sie deckte sich etwas mit ihren
Flgeln zu und drehte sich so um, da der Fremde nur ihr Gesicht sehn
Ja natrlich. Fallen Sie nur nicht von Ihrem Podium, Mamsell. Sie sind
eine Wespe, nicht wahr?
Etwas Schlimmeres htte nun der kleinen Maja in aller Welt nicht
begegnen knnen.
Schockschwerenot! rief sie.
Hoppla! antwortete der Grashpfer und fort war er.
Ich werde ganz nervs ber so einer Person, sagte Maja und beschlo
fortzufliegen. Solange sie denken konnte, war ihr eine solche
Beleidigung noch nicht widerfahren. Mi$
halb ist es so verstimmt. Am Stiel des Blattes
machte es halt, und nun sah Maja zu ihrer Verwunderung, da es einen
kleinen braunen Tropfen zurckgelassen hatte. Wie apart, dachte sie,
aber da verbreitete sich pltzlich ein furchtbarer Geruch in der Luft,
der von diesem braunen Tropfen ausging. Die Biene wurde beinahe betubt,
so eindringlich und widerwrtig war dieser Geruch, und so rasch sie
konnte, flog sie empor und setzte sich auf eine Himbeere, hielt sich die
Nase zu und schttelte sich vor Aufregung und Entsetzen.
Ja, warum lassen Sie sich mit einer Wanze ein, sagte jemand ber ihr
Lachen Sie nicht! rief Maja.
Sie sah sich um. ber ihr auf einem feinen schaukelnden Trieb des
Himbeerbusches sa ein weier Schmetterling. Er klappte seine groen
Flgel langsam auf und wieder zu, lautlos und von der Sonne beglckt.
Seine Flgel hatten schwarze Ecken, auch waren mitten darauf runde
schwarze Punkte, auf jedem Flgel einer, so da es zusammen vier waren.
Maja hatte schon viele Schmetterlinge gesehen, aber$
te. Nun
waren wir zu fnft, die Arbeit konnte beginnen.
Die erste Frage, die uns entgegentrat, war die Frage der Deckung. Wir
muten wissen, auf wieviel Monate das Land mit unentbehrlichen Stoffen
versorgt war; davon hing jede Manahme ab. Die Meinungen der
Industriellen widersprachen sich und gingen manchmal um das zehnfache
auseinander.
Eine magebliche Stelle fragte ich: Wie ist es, kann man eine Statistik
ber diese Sachen bekommen? Jawohl, sagte man mir, diese Statistik
ist zu schaffen. Wann? Etwa in sechs Monaten. Und wenn ich sie in
vierzehn Tagen haben mu, weil die Sache drngt? Da antwortete man mir:
Da gibt es keine. Ich mute sie aber haben, und hatte sie in vierzehn
Erforderlich war ein gewagter Griff, eine Hypothese; und diese Hypothese
hat sich bewhrt. Angenommen wurde, da das Deckungsverhltnis im
Durchschnitt der deutschen Wirtschaft annhernd das gleiche sein mte,
wie bei einer greren, beliebig herausgegriffenen Gruppe. 900 bis 1000
Lieferanten hatte das Kriegsministerium. Wenn$
s 2177-2315: Rother, called Dietrich, woos the willing princess._
    Am Fenster stand die Prinzessin,
  Bald kam der junge Held
  ber den Hof gegangen.
  Da ward er wohl empfangen                       2180
  Von zweien Rittern ehrlich.
  Dann ging der Recke Dietrich,
  Wo die Kemenate offen stand;
  Darein ging der wohlgestalte Held.
  Den hiess die junge Prinzessin                  2185
  Selber wilkommen sein
  Und sagte, was er da bitte,
  Das wrde sie gerne tun
  Nach ihrer beider Ehre.
  "Ich habe dich gern, o Herr,                    2190
  Wegen deiner Tchtigkeit gesehn;
  Aus anderm Grund ist's nicht geschehn.
  Diese niedlichen Schuhe,
  Die sollst du mir anziehen."
  "Sehr gerne," sprach Dietrich,                  2195
  "Da du es von mir verlangst."
  Der Herr setzte sich ihr zu Fssen,
  Sehr schn war sein Gebaren.
  Auf sein Bein setzte sie den Fuss,
  Nie wurde Frau besser geschuht.                 2200
  Da sprach der listige Mann:
  "Nun sage mir, schne Herrin,
  Bescheid auf deine Treu$
ist him._
    Als Martin der Affe das vernommen,
  Reinke wolle zu Hofe kommen,
  Zu reisen gedacht' er just nach Rom.
  Er ging ihm entgegen und sprach: "Lieber Ohm,
  Fasst Euch ein Herz und frischen Mut."             5
  Den Stand seiner Sache kannt' er gut,
  Doch frug er nach ein und anderm Stck.
  Reineke sprach: "Mir ist das Glck
  In diesen Tagen sehr zuwider.
  Gegen mich klagen und zeugen wieder               10
  Etliche Diebe, wer es auch sei,
  Das Kaninchen ist und die Krhe dabei.
  Der eine hat sein Weib verloren,
  Der andre die Hlfte von seinen Ohren.
  Knnt' ich selber vor den Knig kommen,           15
  So sollt' es beiden wenig frommen.
  Was mir am meisten schaden kann,
  Ist dies: Ich bin in des Papstes Bann.
  Der Probst hat in der Sache Macht,
  Aus dem der Knig selber viel macht.              20
  Warum man in den Bann mich tat,
  Ist, weil ich Isegrim gab den Rat,
  Da er ein Klausner war geworden,
  Dass er weglief' aus dem Orden,
  In den er bei Clemar sich begeben.         $
 nicht hierunten fest?                                30
  Und steigen freundlich blickend
  Ewige Sterne nicht herauf?
  Schau' ich nicht Aug' in Auge dir,
  Und drngt nicht alles
  Nach Haupt und Herzen dir,                                          35
  Und webt in ewigem Geheimnis
  Unsichtbar sichtbar neben dir?
  Erfll' davon dein Herz, so gross es ist,
  Und wenn du ganz in dem Gefhle selig bist,
  Nenn's Glck! Herz! Liebe! Gott!                                    40
  Ich habe keinen Namen
  Dafr! Gefhl ist alles;
  Name ist Schall und Rauch,
  Umnebelnd Himmelsglut.
  Das ist alles recht schn und gut;                                  45
  Ungefhr sagt das der Pfarrer auch,
  Nur mit ein bischen andern Worten.
  Es sagen's aller Orten
  Alle Herzen unter dem himmlischen Tage,
  Jedes in seiner Sprache;                                            50
  Warum nicht ich in der meinen?
  Wenn man's so hrt, mcht's leidlich scheinen,
  Steht aber doch immer schief darum;
  Denn du hast kein Christent$
eilten, wie manche, z. B. Krates von Mallos, auch den
Homer nach neun Gesngen ordneten, so hat auch Goethe sein kleines Epos
in neun Gesnge zerlegt und jeden nach einer Muse benannt. Er lie die
Musen abwechselnd singen mit schner Stimme von der Gtter Herrlichkeit
und den Schmerzen der Endlichkeit:
                      [Greek: ameibomenai opi kal
    humneusin rha then dr' ambrota d' anthrpn
    tlmosunas.]
Und ganz wie die Grammatiker jedem Gesange des Homer eine Ueberschrift
gegeben hatten, die dessen Inhalt andeuten sollte, z. B. [Greek: ta en
Pyl, nekuia, mnestrophonia, oneiros], so berschrieb auch Goethe jeden
Gesang mit einem ganz allgemein gehaltenen Titel, z. B. Schicksal und
Anteil, die Weltbrger, das Zeitalter u. s. w. Alles dies fand man
unbescheiden (so z. B. der Rezensent in der Bibliothek der schnen
Wissenschaften) zumal im Hinblick auf jenes Epigramm, welches erzhlt,
da Herodot die Musen bewirtet und von jeder eines seiner Bcher zum
Zeichen der Dankbarkeit erhalten habe. All$
das Zimmer der Mnner
verlt und wieder betritt und vom Gewitter spricht und, da der Mond
sich schon verdunkelt habe, und von der Gefahr der Nacht und die Freunde
lebhaft tadelt, da sie von Hermann sich getrennt, und der Vater unmutig
nach Weise der Mnner sie bedeutet: Mach nicht schlimmer das Uebel; du
siehst, wir harren ja selbst. Oder die muntern Worte, mit denen der
Vater die eben hereingetretene Dorothea neckend begrt: Ja, das gefllt
mir, mein Kind u. s. w.; oder auch diejenigen, die er spter spricht im
Widerwillen gegen das Weinen des Mdchens: Also das ist mir zuletzt fr
die hchste Nachsicht geworden u. s. w.
Nachdem wir in dem Bisherigen die substanzielle Welt, die sich hier vor
uns ffnet, besprochen haben, gehe ich ber zur Beleuchtung der
individuellen Charakterbilder, die der Dichter auf diesem Boden, in
dieser Atmosphre uns vorfhrt und in denen der allgemeine darin
herrschende Geist sich individualisiert, sich zusammenfat.
Der Hausvater, ein behaglicher, wohl etwas beleibter Wirt, de$
nd sah zu, wenn die
Herrin mit den Katzen spielte, als ob es ihre Kinder wren. Jedes der
Tiere trug ein buntes Bndchen um den Hals und jedes hatte seinen Namen
und seine Wrde.
Gleichmig flossen die Jahre an Donna Johanna vorber wie Wasser an
einer steinernen Mauer. Lange, viele Jahre. Sie alle fanden die edle
Frau versunken in ein Spiel, ja, nur in den kargen Abglanz eines Spiels,
in stumpfer Unwissenheit von sich selbst, in niemals erleuchtetem
Drauen in der Welt hatte sich mancherlei begeben. Der Knabe Carlos war
zum Mann geworden, und die Frsten hatten ihn zum rmischen Kaiser
gewhlt. Er fhrte Kriege gegen die Ketzer und warf sie zu Boden. Er war
stark in der Tat und stark im Wort. Sein ganzes Leben war ein Krieg:
voller Blut, voller List. Heidrngender Ehrgeiz lockte ihn von
Enttuschung zu Enttuschung. Sein wahres Gesicht trug er verborgen
hinter vielen andern Gesichtern. Er hatte viele Gesichter gegen die
Menschen, aber sein Gesicht vor Gott war immer dasselbe: schwermtig und
Einst war er a$
 habe bei Mistre Duncomb
Quartier bezogen, wollten Tom und Bill um jeden Preis etwas unternehmen.
Mit Strickleitern, Spreng- und Sgewerkzeugen machten sie sich auf den
Weg und kamen genau zu der Zeit an, wo der Mond hinter die Dcher der
Huser sank. Zuerst wollten sie an das Tor pochen in einer Weise, die
Sara kennen mute und, weil sie nahbei schlief, auch hren konnte. Wenn
dann ein anderer aufmachte, so war es eben um ihn geschehen, falls er
unbewaffnet und ahnungslos war. Sehr berrascht waren nun die Elenden,
als sie das Tor offen sahen; sie dachten an eine Falle. Vorsichtig
warteten sie; nichts Verdchtiges zeigte sich. Mary Tracy blieb auf
Wache, die beiden Alexander begaben sich hinein, krochen zur Treppe, ein
Lichtschimmer von oben erleichterte den Weg, und sie fanden eine
offenstehende Stubentre. Mary Tracy, die in der Dunkelheit
dabeigestanden, als der Schotte aus dem Wagen gestiegen, hatte ihnen
seine Erscheinung beschrieben, und als sie den Schlafenden gewahrten,
zweifelten sie nicht, da sie$
e ihren
gedrckt, ehe seine Hand nach dem Mordmesser gegriffen. Sie vermhlte
die eigene, finsterempfundene Schuld mit seiner greren. Was ihn von
der Menschheit abschnitt, knpfte ihn an sie. Seine Grnde zu der Tat?
Sie fragte nicht darnach. Sicherlich hatte die Tat damals Wurzel
geschlagen, als sie ihn zuerst gesehen, als er den ganzen Wald, den
ganzen Frhling in sich hineingeschluckt hatte. Gleichviel, ob er die
Hnde in Sonnenlicht oder in Blut tauchte, beides gehrte zu seinem
Bild, zu ihrer dunklen Leidenschaft und Fualdes war der bse Dmon und
das verderbliche Prinzip. Ach, dachte sie in ihrem sonderbaren Grbeln,
htte ich es gewut, so htte ich selbst es vollbracht und htte eine
Heldin sein knnen wie Charlotte Corday. Doch warum leugnete, warum
schwieg Bastide? warum jener Blick zermalmender Verachtung, den sie
nicht vergessen konnte und der noch immer auf ihrer Haut wie ein
Schandmal brannte? War er zu stolz, sich einem Spruch zu beugen, der
seine Tat nicht besser erachtete als die jedes Stra$
ins Feld, wurde verwundet, ist aber glcklich geheilt und nun
wohlbehalten zurckgekommen. Auer ihm habe ich drei Mdchen und einen
kleinen Jungen. Die beiden jngsten der Mdchen sind eigentlich in
Italien gro geworden und konnten keine Silbe deutsch, wie sie, die
lteste im zehnten Jahre, nach Wien kamen. Ich wnschte, Sie shen sie.
Es sind zwei unendlich liebe Geschpfe. Der kleine Junge ist erst fnf
Jahre. Zwei Shne hatte ich das Unglck in Rom zu verlieren, eine
Tochter, mit der meine Frau, als sie eine Reise nach Paris machte,
niederkam, ohne da ich sie sah. So wissen Sie meine ueren Schicksale.
Von den inneren lt sich nur reden, nicht schreiben.
Nun nehmen Sie noch einmal meinen herzlichen Dank. Ich wei nicht, ob
ich Sie je wiedersehen werde, und ich darf es kaum hoffen. Ich kann mir
auch jetzt kein deutliches Bild von Ihnen machen. Allein wenn daher auch
das, was ich von Ihnen in der Seele trage, eine Erscheinung der
Vergangenheit ist, sogar eine, an die meine Einbildungskraft vieles,
ber $
fest zu beruhigen, es ist schon Pflicht der Dankbarkeit fr die
vertrauensvolle, innige, rcksichtslose Hingabe, die Sie mir seit einer
langen Reihe von Jahren bewiesen und offen gezeigt haben.
Das Jahr ist am Abscheiden, und wie ich gern verweile bei so viel
schnen Genssen, die es gewhrte, worunter ich auch Ihr Wiedersehen
rechne, so scheide ich nicht ohne sehr trbe Ahnung dessen, was das
kommende bringen kann -- und ich erkenne mit wehem Gefhl, da es
hnlich in Ihrem Gemte ist. Mge die Vorsehung von Ihnen, gute
Charlotte, neue Prfung abwenden! Das ist mein herzlicher Wunsch.
Seit unserer Rckkunft ist meine Frau bedeutend an mehreren
zusammenkommenden beln krank; es ist wenigstens kein Zeitpunkt der
Besserung mit Wahrscheinlichkeit vorauszusehen. Dies strt meine innere
Lage in diesem Winter sehr.
Ich bitte Sie, mir den 30. d. M zu schreiben. Leben Sie recht wohl und
rechnen Sie immer auf meine Ihnen bekannten Gesinnungen der Zuneigung
und lebhaften Teilnahme. Ganz der Ihrige.               H.
_Be$
er groen, nie durch einzelnes gestrten noch strbaren
Ordnung der Dinge, und da diese gewi zu etwas Hherem und endlich zu
einem Endpunkte fhrt, in dem alle Zweifel sich lsen, alle
Schwierigkeiten sich ausgleichen, alle frher oft verwirrt und im
Widerspruch klingenden Tne sich in einen mchtigen Einklang vereinigen,
so mu auch er mit eben dieser Ordnung zu dem gleichen Punkte gelangen.
Der Charakter, den die Natur an sich trgt, ist auch immer ein so
zarter, kein auch die feinste Empfindung verletzender. Die Heiterkeit,
die Freude, der Glanz, den sie ber sich verbreitet, die Pracht und
Herrlichkeit, in die sie sich kleidet, haben nie etwas Anmaendes oder
Zurckstoendes. Wer auch noch so tief in Kummer oder Gram versenkt ist,
berlt sich doch gern den Gefhlen, welche die tausendfltigen Blten
des sich verjngenden Jahres, das frhliche Zwitschern der Vgel, das
prachtvolle Glnzen aller Gegenstnde in vollen Strahlen der immer mehr
Strke gewinnenden Sonne erwecken. Der Schmerz nimmt die Farbe d$
schien es zu fhlen; sie neigte die Stirn; alles war pltzlich so sanft
an ihr, Gang, Blick und Haltung, unsagbar innerlich und beredt.
Sie ging wie mit einer Lampe in der Hand, die nicht verlschen durfte.
Aber trotzdem es so aussah, trotzdem diese unsichtbare Lampe ihre ganze
Aufmerksamkeit zu beanspruchen schien, war es, als sehe und spre sie
alles, was rund um sie war, mit zehnfach geschrften Sinnen.
Als sie in das nchste Zimmer treten wollte, kam Schwester Emilie, eine
ltere Person, aus der Tr. Sie sagte: Mit Nummer 42 geht es jetzt zu
Rufen Sie Doktor Strygowski, antwortete Olivia.
       *       *       *       *       *
Vor dem kleinen Raum, in welchem Nummer 42 lag, standen flsternd einige
Schwestern. Sie folgten Doktor Strygowski, als er zu dem Bett des
Unbekannten ging. Robert Lamm hatte sich unter sie gemischt. Olivia
bemerkte ihn im Vorberschreiten und nickte ihm zu wie am Abend, ohne zu
lcheln, doch mit einem verwunderten Aufschimmern des Blicks.
Nicht Neugier hatte Lamm hergezogen, s$
s cut from the back of the chamois, when
arranged in rosette style and worn as a kind of trophy by
chamois-hunters on the left side of their Alpine hats.
5-2. {=elegant=}, note the accent.
5-3. {=sei=} (indirect subj.), _was_ (as she thought).
5-4. {=nicht ganz bei Trost sein=} (colloq. phrase), _not to be in
one's right mind_, or _to be slightly cracked_.
5-5. {=mit der Krone und dem L=} _with the small silver-crown_ (a
badge fastened to the caps of government-officials) _and beneath it
the letter "L"_ (standing for {Landgericht} = Provincial Court of
5-6. {=wre=}, conditional subj. after {als, als ob, als wenn, wie
5-7. {=ihr=} (dat.), to her = _in her opinion_.
5-8. {=Mensch=}, here: _common mortal_, humorously in contrast to
{Beamter} (office-holder).
5-9. {=vor sich=} or {vor sich hin} (a phrase), _as to herself_.
5-10. {=als=} (southern dialect = {alles} or {allzeit}) for {immer},
5-11. {=es= geht fort}, cf. Page 3, Note 4.
5-12. {ich =mu fort=}. The infinitive of a verb of motion, as {gehen}
or {r$
here.
9-11. {das =Fuscherthal=}, _Valley of the_ (river) _Fusch_, in the
Tauern Mountains.
9-12. {=in verwittertem Lodenkittel=}, in English with indef. article.
=Page 10.=--10-1. {=sich=} (dat.) {von der Stirn} (idiom., dat. of
pers. pron. for possess.) = {von _seiner_ Stirn}.
10-2. {=wollte=}, mood? why? cf. Page 5, Note 6.
10-3. ({hast} ...) {=lassen=} (infinitive) for {gelassen}
(perf. partic.) idiom., with the modal auxiliaries; {du hast dich
locken lassen} (reflexive form in a passive sense as frequently), _you
could be induced to ..._
10-4. {=du httest=} (potential subj.) {=auch=}, _you might just as
well have ..._
10-5. {=war zu machen=}, the auxil. {sein} with {zu} and the
infinitive is always used in a passive sense, _could be done_.
10-6. {=da nit=} (dialect.) for {da Sie nicht}.
10-7. {=Ihr=}, _you_, sometimes used in addressing people of the rural
districts, implies neither the familiarity of {Du}, nor the formality
10-8. {=unsereins, was=} (indef. neuter for masc. and femin.) =
{unsereiner, d$
s Sternes auf der anderen Seite, kann das Ganze wie auf
zwei Beinen aufrecht stehen.
Man wre versucht zu glauben, dieses Gebilde htte frher irgendeine
zweckmige Form gehabt und jetzt sei es nur zerbrochen. Dies scheint
aber nicht der Fall zu sein; wenigstens findet sich kein Anzeichen
dafr; nirgends sind Anstze oder Bruchstellen zu sehen, die auf etwas
Derartiges hinweisen wrden; das Ganze erscheint zwar sinnlos, aber in
seiner Art abgeschlossen. Nheres lt sich brigens nicht darber
sagen, da Odradek auerordentlich beweglich und nicht zu fangen ist.
Er hlt sich abwechselnd auf dem Dachboden, im Treppenhaus, auf den
Gngen, im Flur auf. Manchmal ist er monatelang nicht zu sehen; da ist
er wohl in andere Huser bersiedelt; doch kehrt er dann unweigerlich
wieder in unser Haus zurck. Manchmal, wenn man aus der Tr tritt und er
lehnt gerade unten am Treppengelnder, hat man Lust, ihn anzusprechen.
Natrlich stellt man an ihn keine schwierigen Fragen, sondern behandelt
ihn -- schon seine Winzigkeit $
 Sie waren unter den Vorbergen nordwrts vollkommen
zufrieden mit dem, was sie erhalten hatten, und htten gern auf alles
weitere verzichtet, allein das Weitere und brige kam, und sie hatten es
hinzunehmen, wie es kam. Ihre Anmerkungen durften sie freilich darber
machen; niemand hinderte sie.
Es regnete stoweise in die nahende Dunkelheit hinein, und stoweise
durchgellte ein scharfer, beiender Nordwind, ein geborener Islnder
oder gar Spitzbergener, aus der norddeutschen Tiefebene her die Lfte,
die Schlte und die Ohren und rgerte sich sehr an dem Gebirge, das er,
wie es schien, ganz gegen seine Vermutung auf seinem Wege nach Sden
gefunden hatte. Er war aber mit der Nase darauf gestoen oder vielleicht
auch darauf gestoen worden und heulte gleich einem bsen Buben, der
gleichfalls mit dem erwhnten Glied auf irgend etwas aufmerksam gemacht
und hingewiesen wurde. Ohne alle Umschreibung: der Herbstabend kam
frh, war dunkel und recht strmisch; -- wer noch auf der Landstrae
oder auf den durchweichten W$
ich gar vor Lachen am Tische. Am
vergngtesten sah noch der Oberst aus, und dieser erhob nunmehr auch
sein dampfendes Glas und sprach:
So erlaube ich mir denn, als ein wie vom Himmel in diese Behaglichkeit
hineingefallener Fremdling gleichfalls auf diesen schnen und wichtigen
Gedenktag und Abend zu trinken. Dreiig Jahre sind eine lange Zeit;
manches wird darin anders -- Gesichter und Meinungen. Und meine gndige
Dame und meine guten Herren, auch ich kann heute ebenfalls ein mir sehr
merkwrdiges und folgenreiches Gedchtnisfest feiern; -- auch mir sind
heute gerade dreiig Jahre vergangen, seit ich zum erstenmale im Feuer
stand und zwar an Bord der chilenischen Fregatte >Juan Fernandez< gegen
den >Diablo blanco<, den weien Teufel, ein Schiff der Republik Haity,
um am folgenden Morgen mit einem Holzsplitter in der Hfte und einem
Beilhieb ber der Schulter im Raum des Niggerpiraten aus der
Bewutlosigkeit aufzuwachen!
Wozu man freilich heute noch gratulieren kann, brummte der Doktor,
whrend die anderen$
mochte, war mir ganz gleichgltig. Ich war zu allem
bereit, zum Leben wie zum Sterben, und verkaufte, da ich Hunger hatte,
um wenigstens das allernchste Behagen noch einmal festzuhalten, mein
Halstuch und mein Taschentuch an einen wandernden Trdler. Traktierte
darauf meinen ersten guten Bekannten auf amerikanischem Boden, den
einarmigen Mulatten Aaron Toothache, und zwar in einem Lokale, in dem
Volk zusammensa, von welchem man hier am Tische kaum einen Begriff
haben kann. Hier lernte ich einen Haufen Gesindel von vorbenanntem
Fregattschiff der Republik Chile, dem braven >Juan Fernandez<, kennen,
und wir gefielen uns gegenseitig. Wie die Bekanntschaft endlich im
Schiffsraume des >weien Satans< auslief, habe ich euch bereits
mitgeteilt.
Sie waren ihm whrend der letzten Minuten alle auf den Leib gerckt. Sie
schienen nach seinen letzten uerungen ihre geheime Scheu und Abneigung
gegen ihn gnzlich berwunden zu haben! Sie waren ihm so dicht an die
Ellenbogen gerckt, da ihm die Luft auszugehen schien. Bl$
r an). Frau Alving, Sie htten mich wohl wie das
Kind eines vornehmen Mannes erziehen lassen knnen; das htte besser fr
mich gepat. (Wirft den Kopf zurck.) -- Aber nun ist's geschehen! Es
ist schlielich auch gleichgiltig! (Mit einem gehssigen Seitenblick auf
die Champagnerflasche.) Ich kann vielleicht doch noch einmal Champagner
mit vornehmen Leuten trinken!
=Frau Alving.= Und wenn du dich nach einem Heim sehnst, Regine, so komm
=Regine.= Nein, ich danke Ihnen, Frau Alving. Pastor Manders wird sich
meiner wohl annehmen. Und wenn es mir sehr schlecht gehen sollte, so
wei ich ja immer noch ein Haus, wo ich hin gehre.
=Frau Alving.= Und das wre?
=Regine.= Kammerherr Alvings Asyl.
=Frau Alving.= Regine, -- jetzt sehe ich es klar, -- du wirst zu Grunde
=Regine.= Ah, bah! -- Adieu. (Sie grt und geht durch das Vorzimmer
=Oswald= (steht am Fenster und blickt hinaus). Ist sie gegangen?
=Frau Alving.= Ja.
=Oswald= (murmelt vor sich hin). Ich glaube, dies hier war verkehrt.
=Frau Alving= (geht zu ihm und legt$
erstehe das
Englische so gut, wie das Deutsche. Ich lese Shakespeare und habe nie
ein deutsch-englisches Wrterbuch gebraucht. Wo habe ich die Wrter,
die Shakespeare braucht, gelernt? Habe ich sie aus meinem
deutsch-englischen Wrterbuche? Nein. Habe ich die Wrter von meinem
Lehrer? Nein. Habe ich sie auf der Strae, in der Gesellschaft gehrt?
Nein. Wie wei ich die Wrter? Sie (= die Wrter) kommen von
selbst. Wie? Das wei ich nicht. Und wie es mir im Englischen ging, so
wird es Ihnen im Deutschen gehen. So wie die Bltter an dem Baume
wachsen (= kommen), so wachsen auch die Wrter in Ihnen. H__r_e_n
Sie! s_p_r_e_c_h_e_n Sie! und l_e_s_e_n Sie!
              *     *     *     *     *
Bella: Aber wir haben noch sehr wenig gelesen, Herr Meister.
Herr Meister: Geduld, meine Freunde, Geduld. Wir haben ein deutsches
Sprichwort; das heit: Rom ist nicht an e_i_n_e_m Tage gebaut
Anna: Das haben wir auch im Englischen.
Louis: Was bedeutet gebaut?
Otto: Louis, ich will das Sprichwort so sagen: Rom ist nicht $
sche Bibel, und hier gab er uns die
deutsche Sprache, die wir heute sprechen. Ist dieses nicht heilige
Erde, meine Brder?
Und sehen Sie dort, -- nur wenige Meilen von hier, da lebten auch
Herder und Wieland, und Schiller und Goethe. O Thringen, mein
Thringen, du bist mir teuer! Du bist das Herz Deutschlands, und die
Kultur, unser Leben kommt von dir und geht in alle, alle Teile. Darum
lieben wir dich, mein Thringen, mit unsrem ganzen Herzen.
Und nun, ihr Turnbrder, alle, rufet: ,Thringen, Thringen, lebe
hoch!' So sprach mein Freund.
O, lieber Louis, Du httest das Hoch hren sollen, das Hoch von
tausend starken Mnnern gerufen. Du httest den Enthusiasmus sehen
sollen! Ich werde das niemals, niemals vergessen.
Aber hier will ich meinen Brief schlieen (= enden), er ist lang,
Gre mir Deine Freundinnen Anna und Bella und auch Herrn
Meister. Wunderst Du Dich, da ich den Namen Deiner Freunde kenne? Ah,
ein kleiner Vogel kam aus New York nach Berlin und sagte mir alles.
    Schreibe bald
             $
Du stirbst! die Erd erschttert.
    Die Arbeit hab ich dir gemacht.
    Herr, meine Seele zittert.
    Was ist der Mensch, den du befreyt?
    O wr ich doch ganz Dankbarkeit!
    Herr, la mich Gnade finden.
    Und deine Liebe dringe mich,
    Da ich dich wieder lieb, und dich
    Nie kreuzige mit Snden!
    Welch Warten einer ewgen Pein
    Fr die, die dich verachten;
    Die, solcher Gnade werth zu seyn,
    Nach keinem Glauben trachten!
    Fr die, die dein Verdienst gestehn,
    Und dich durch ihre Laster schmhn,
    Als einen Snderdiener!
    Wer dich nicht liebt, kmmt ins Gericht.
    Wer nicht dein Wort hlt, liebt dich nicht;
    Ihm bist du kein Vershner.
    Du hasts gesagt. Du wirst die Kraft
    Zur Heiligung mir schenken.
    Dein Blut ists, das mir Trost verschafft,
    Wenn mich die Snden krnken.
    La mich im Eifer des Gebets,
    La mich in Lieb und Demuth stets
    Vor dir erfunden werden.
    Dein Heil sey mir der Schirm in Noth,
    Mein Stab im Glck, mein Schild im Tod,
 $
   Und den Lsten widerstreben.
    Er verlt den Schwachen nicht;
    Die ist meine Zuversicht.
    Jesus lebt, ich bin gewi,
    Nichts soll mich von Jesu scheiden,
    Keine Macht der Finsterni,
    Keine Herrlichkeit, kein Leiden.
    Er giebt Kraft zu dieser Pflicht;
    Die ist meine Zuversicht.
    Jesus lebt, nun ist der Tod
    Mir der Eingang in das Leben.
    Welchen Trost in Todesnoth
    Wird er meiner Seele geben,
    Wenn sie glubig zu ihm spricht:
    Herr, Herr, meine Zuversicht!
Betrachtung des Todes.
    Wie sicher lebt der Mensch, der Staub!
    Sein Leben ist ein fallend Laub;
    Und dennoch schmeichelt er sich gern,
    Der Tag des Todes sey noch fern.
    Der Jngling hofft des Greises Ziel,
    Der Mann noch seiner Jahre viel,
    Der Greis zu vielen noch ein Jahr,
    Und keiner nimmt den Irrthum wahr.
    Sprich nicht: Ich denk in Glck und Noth
    Im Herzen oft an meinen Tod.
    Der, den der Tod nicht weiser macht,
    Hat nie mit Ernst an ihn gedacht.
    Wir leben hier zu$
errn Toffeln seinem Hause vorbeiging, so zog ich allemal die Mtze
in die Augen, damit mich niemand kennen sollte. Ich traf auch ungefhr
einen halben Landsmann in London an, welcher ein brav Kerl war und im
Kriege sich schon tapfer erwiesen hatte, demselben erzhlte ich mein
Unglck. Er verehrte mir auch einen Reichstaler und versprach mir, mich
frei wieder mit in meine Heimat zu nehmen; allein ich hatte den Ort
vergessen, wonach ich ihn fragen sollte, und kunnte denselben also von
der Zeit an, als er mir den Taler schenkte, nicht wieder antreffen. Zu
meinem groen Glcke fuhren gleich zwei Tage hierauf drei Frachtwagen
aus London nach Hamburg; da bat ich die Fuhrleute, da sie mich
mitnehmen sollten, ich htte nicht viel zu verzehren. Die Fuhren waren
ganz gut, und sie sagten, wenn ich ihnen des Nachts ihre Wagen bewachen
wrde, so wollten sie mich zehrfrei bis nach Hamburg mitnehmen. Ei
sapperment! wer war froher als ich! Ich sagte, herzlich gern wollte ichs
tun. Hierauf nahmen sie mich nun mit sich, und i$
 und frmlich auch
einzelnweise auf die Erde hinuntergeworfenen Tropfen. Das
Frhstcksgeschirr stand in berreicher Zahl auf dem Tisch, denn fr den
Vater war das Frhstck die wichtigste Mahlzeit des Tages, die er bei
der Lektre verschiedener Zeitungen stundenlang hinzog. Gerade an der
gegenberliegenden Wand hing eine Photographie Gregors aus seiner
Militrzeit, die ihn als Leutnant darstellte, wie er, die Hand am Degen,
sorglos lchelnd, Respekt fr seine Haltung und Uniform verlangte. Die
Tr zum Vorzimmer war geffnet, und man sah, da auch die Wohnungstr
offen war, auf den Vorplatz der Wohnung hinaus und auf den Beginn der
abwrts fhrenden Treppe.
Nun, sagte Gregor und war sich dessen wohl bewut, da er der einzige
war, der die Ruhe bewahrt hatte, ich werde mich gleich anziehen, die
Kollektion zusammenpacken und wegfahren. Wollt ihr, wollt ihr mich
wegfahren lassen? Nun, Herr Prokurist, Sie sehen, ich bin nicht
starrkpfig und ich arbeite gern; das Reisen ist beschwerlich, aber ich
knnte ohne da$
ch.
Ich bummelte durch's Leben hin
  Und dcht' nicht weiter nach.
Mich plagte nicht des Grbelns Qual,
  Der dumme Seelenzwist,
Ich wte ein fr allemal,
  Was an der Sache ist.
Und weil mich denn kein Teufel strt,
  So schlief ich recht gesund,
Und wohlgenhrt und hochverehrt
  Und wrde kugelrund.
Km dann die bse Fastenzeit,
  So wr ich fest dabei,
Bis ich mich elend abkasteit
  Mit Lachs und Hhnerei.
Und dich, du ses Mgdelein,
  Das gern zur Beichte geht,
Dich nhm ich dann so ganz allein
  Gehrig in's Gebet.
Sie war ein Blmlein hbsch und fein,
  Hell aufgeblht im Sonnenschein.
  Er war ein junger Schmetterling,
  Der selig an der Blume hing.
Oft kam ein Bienlein mit Gebrumm
  Und nascht und suselt da herum.
  Oft kroch ein Kfer kribbelkrab
  Am hbschen Blmlein auf und ab.
Ach Gott, wie das dem Schmetterling
  So schmerzlich durch die Seele ging.
Doch was am meisten ihn entsetzt,
  Das Allerschlimmste kam zuletzt.
Ein alter Esel fra die ganze
Von ihm so hei geliebte Pflanze.
Ich sa ver$
rialienhndler, ging in den grten und bestausgestatteten Laden und
fragte den Kaufmann, ob er nicht ein gewisses Pulver habe, das er ihm
nannte. Der Kaufmann, der aus Alaeddins Kleidung schlo, er msse arm
sein und werde nicht Geld genug haben, um ihn zu bezahlen, antwortete,
er habe zwar dieses Pulver, allein es sei sehr teuer. Alaeddin erriet
seine Gedanken, zog seinen Beutel aus der Tasche, lie einige Goldstcke
hervorblinken und verlangte dann eine halbe Drachme von dem Pulver. Der
Kaufmann wog so viel ab, wickelte es ein, bergab es Alaeddin und
forderte ein Goldstck dafr. Alaeddin hndigte es ihm ein, und ohne
sich in der Stadt lnger aufzuhalten, als ntig war, um einige Nahrung
zu sich zu nehmen, kehrte er nach seinem Palaste zurck. Er brauchte an
der geheimen Tre nicht lange zu warten, sie wurde ihm sogleich
geffnet, und so ging er ins Gemach der Prinzessin Bedrulbudur hinauf.
Geliebte, sprach er zu ihr, da du so groen Widerwillen gegen deinen
Entfhrer hast, so wird es dir vielleicht sc$
kleine Krcke und seine Glieder wurden von eisernen
Schienen gesttzt.
Nun, wo ist unsere Martha? rief Bob Cratchit, im Zimmer herumschauend.
Sie kommt nicht, sagte Mrs. Cratchit.
Sie kommt nicht? sagte Bob mit einer pltzlichen Abnahme seiner
frhlichen Laune; denn er war den ganzen Weg von der Kirche Tims Pferd
gewesen und im vollen Laufe nach Hause gerannt. Sie kommt nicht zum
Weihnachtsabend?
Martha wollte ihm keinen Schmerz verursachen, selbst nicht aus Scherz,
und so trat sie hinter der Thr hervor und schlang die Arme um seinen
Hals, whrend die beiden kleinen Cratchits sich Tiny Tims bemchtigten
und ihn nach dem Waschhause trugen, damit er den Pudding im Kessel
singen hre.
Und wie hat sich der kleine Tim aufgefhrt? frug Mrs. Cratchit, als
sie Bob wegen seiner Leichtglubigkeit geneckt und Bob seine Tochter
nach Herzenslust gekt hatte.
Wie ein Goldkind, sagte Bob, und noch besser. Ich wei nicht, wie es
zugeht, aber er wird jetzt so trumerisch vom Alleinsitzen, und sinnt
sich die sel$
ich zum Essen nieder, das man ihm am Feuer aufgehoben hatte;
und als sie ihn erst nach langem Schweigen frug, was er fr Nachrichten
bringe, schien er um die Antwort verlegen zu sein.
Sind sie gut, sagte sie, oder schlecht?
Schlecht, antwortete er.
Wir sind ganz zu Grunde gerichtet?
Nein, noch ist Hoffnung vorhanden, Karoline.
Wenn er sich erweichen lt, rief sie erstaunt, dann ist noch welche
da! Ueberall ist noch Hoffnung, wenn ein solches Wunder geschehen ist.
Fr ihn ist es zu spt, sich zu erbarmen, sagte der Gatte. Er ist
Wenn ihr Gesicht Wahrheit sprach, so war sie ein mildes und geduldiges
Wesen; aber sie war dankbar dafr in ihrem Herzen und sagte es mit
gefalteten Hnden. Sie bat im nchsten Augenblick Gott, da er ihr
verzeihen mge und bereute es; aber das erste war die Stimme ihres
Herzens gewesen.
Was mir die halbbetrunkene Frau gestern Abend sagte, als ich ihn
sprechen und um eine Woche Aufschub bitten wollte; und was ich nur fr
eine bloe Entschuldigung hielt, um mich abzuw$
.
Jedermann wei das, sagte Peter.
Sehr gut bemerkt, mein Junge, rief Bob. Ich hoffe, 's ist so.
Herzlich bedaure ich, sagte er, Ihre gute Frau. Wenn ich Ihnen auf
irgend eine Weise behilflich sein kann, sagte er, indem er mir seine
Karte gab, das ist meine Wohnung. Kommen Sie nur zu mir. Nun, rief Bob,
ist es nicht gerade um deswillen, da er etwas fr uns thun knnte,
sondern mehr wegen seiner herzlichen Weise, da ich mich darber so
freute. Es schien wirklich, als htte er unsern Tiny Tim gekannt und
fhlte mit uns.
Er ist gewi eine gute Seele, sagte Mrs. Cratchit.
Du wrdest das noch sicherer glauben, Liebe, antwortete Bob, wenn du
ihn shest und mit ihm sprchest. Es sollte mich gar nicht wundern,
wenn er Petern eine bessere Stelle verschaffte. Merkt euch meine Worte.
Nun hre nur, Peter, sagte Mrs. Cratchit.
Und dann, rief eins der Mdchen, wird sich Peter nach einer Frau
Ach, sei still, antwortete Peter lachend.
Nun, das kann schon kommen, sagte Bob, aber dazu hat er noch Zeit$
land die
Refractionen zwischen 1/20 und 1/3, und wenn es wahr ist, da sie an der
Kste von Afrika diese uersten Grenzen erreichen, woran ich sehr
zweifle, so knnte unter gewissen Umstnden der Pic vom Verdeck eines
Schiffes auf 61 Seemeilen gesehen werden.
Seeleute, die hufig diese Striche befahren und ber die Ursachen der
Naturerscheinungen nachdenken, wundern sich, da der Pic de Teyde und der
der Azoren(8) zuweilen in sehr groer Entfernung zum Vorschein kommen, ein
andermal in weit grerer Nhe nicht sichtbar sind, obgleich der Himmel
klar erscheint und der Horizont nicht dunstig ist. Diese Umstnde
verdienen die Aufmerksamkeit des Physikers um so mehr, als viele Fahrzeuge
auf der Rckreise nach Europa mit Ungeduld des Erscheinens dieser Berge
harren, um ihre Lnge danach zu berichtigen, und sie sich wieder davon
entfernt glauben, als sie in Wahrheit sind, wenn sie sie bei hellem Wetter
in Entfernungen, wo die Sehwinkel schon sehr bedeutend seyn muten, nicht
sehen knnen. Der Zustand der Atmosphr$
ei Guayra anzulegen, Erkundigung einzuziehen.
Sonnenhhen, die wir unter sehr gnstigen Umstngen genommen, hatten uns
gezeigt, wie unrichtig damals selbst die gesuchtesten Seekarten waren. Am
15. Morgens, wo wir uns nach dem Chronometer unter 66 1' 15" der Lnge
befanden, waren wir noch nicht im Meridian der Insel St. Margarita,
whrend wir nach der verkleinerten Karte des atlantischen Oceans ber das
westliche sehr hohe Vorgebirge der Insel, das unter 66 0' der Lnge
gesetzt ist, bereits htten hinaus seyn sollen. Die Ksten von Terra Firma
wurden vor Fidalgos, Nogueras und Tiscars, und ich darf wohl hinzufgen,
vor meinen astronomischen Beobachtungen in Cumana, so unrichtig
gezeichnet, da fr die Schifffahrt daraus htten Gefahren erwachsen
knnen, wenn nicht das Meer in diesen Strichen bestndig ruhig wre. Ja
die Fehler in der Breite waren noch grer als die in der Lnge, denn die
Kste von Neuandalusien luft westwrts vom _Capo de tres Puntas_ 15-20
Meilen weiter nach Norden, als auf den vor dem Ja$
 die Philippinen kommt. Ich habe die rhrendsten Beispiele gesehen, wie
fr unbekannte Menschen ganze Jahre lang unverdrossen gesorgt wird. Man
kann hren, Gastfreundschaft sey leicht zu ben in einem herrlichen Klima,
wo es Nahrungsmittel im Ueberflu gibt, wo die einheimischen Gewchse
wirksame Heilmittel liefern, und der Kranke in seiner Hngematte unter
einem Schuppen das nthige Obdach findet. Soll man aber die Ueberlast,
welche die Ankunft eines Fremden, dessen Gemthsart man nicht kennt, einer
Familie verursacht, fr nichts rechnen? und die Beweise gefhlvoller
Theilnahme, die aufopfernde Sorgfalt der Frauen, die Geduld, die whrend
einer langen, schweren Wiedergenesung nimmer ermdet, soll man von dem
allen absehen? Man will die Beobachtung gemacht haben, da, vielleicht mit
Ausnahme einiger sehr volkreichen Stdte, seit den ersten Niederlassungen
spanischer Ansiedler in der neuen Welt die Gastfreundschaft nicht merkbar
abgenommen habe. Der Gedanke thut wehe, da die allerdings anders werden
mu, wen$
ten
nach und nicht weit ins Innere des Landes hinein. Dieser Umstand weist,
wie wir bald sehen werden, darauf hin, da die Ursachen der Erdbeben und
der vulkanischen Ausbrche in engem Verbande stehen. Wrde der Boden an
den Ksten dehalb strker erschttert, weil diese die am tiefsten
gelegenen Punkte des Landes sind, warum wren dann in den Savanen oder
Prairien, die kaum acht oder zehn Toisen ber dem Meeresspiegel liegen,
die Ste nicht eben so oft und eben so stark zu fhlen?
Die Erdbeben in Cumana sind mit denen auf den kleinen Antillen verkettet,
und man hat sogar vermutet, sie knnten mit den vulkanischen Erscheinungen
in den Kordilleren der Anden in einigem Zusammenhang stehen. Am
11. Februar 1797 erlitt der Boden der Provinz Quito eine Umwlzung, durch
die, trotz der sehr schwachen Bevlkerung des Landes, gegen 40,000
Eingeborene unter den Trmmern ihrer Huser begraben wurden, in Erdspalten
strzten oder in den pltzlich neu gebildeten Seen ertranken. Zur selben
Zeit wurden die Bewohner der stli$
echte getragen, waere er nicht
      durch Fanatismus und Aberglauben erstickt worden.
FUeNFTES KAPITEL
       Die Halbinsel Araya -- Salzsuempfe -- Die Truemmer des Schlosses
                                 Santiago
Die ersten Wochen unseres Aufenthaltes in Cumana verwendeten wir dazu,
unsere Instrumente zu berichtigen, in der Umgegend zu botanisieren und die
Spuren des Erdbebens vom 14. Dezember 1797 zu beobachten. Die
Mannigfaltigkeit der Gegenstaende, die uns zumal in Anspruch nahmen, liess
uns nur schwer den Weg zu geordneten Studien und Beobachtungen finden.
Wenn unsere ganze Umgebung den lebhaftesten Reiz fuer uns hatte, so machten
dagegen unsere Instrumente die Neugier der Einwohnerschaft rege. Wir
wurden sehr durch Besuche von der Arbeit abgezogen, und wollte man nicht
Leute vor den Kopf stossen, die so seelevergnuegt durch einen Dollond die
Sonnenflecken betrachteten oder auf galvanische Beruehrung einen Frosch
sich bewegen sahen, so musste man sich wohl herbeilassen, auf oft
verworrene Fragen Ausk$
Mit dem Untergang der Sonne trat
eine sehr rasche Abkuehlung der Luft ein. Drei Minuten nach der letzten
scheinbaren Beruehrung der Scheibe mit dem Meereshorizont fiel das
Thermometer ploetzlich von 25,2 deg. auf 21,3 deg.. Wurde diese auffallende
Abkuehlung etwa durch einen aufsteigenden Strom bewirkt? Die Luft war
indessen ruhig und kein wagrechter Luftzug zu bemerken.
Die Nacht brachten wir in einem Hause zu, wo ein Militaerposten von acht
Mann unter einem spanischen Unteroffizier liegt. Es ist ein Hospiz, das
neben einem Pulvermagazin liegt und wo der Reisende alle Bequemlichkeit
findet. Dasselbe Commando bleibt fuenf bis sechs Monate lang auf dem Berg.
Man nimmt dazu vorzugsweise Soldaten, die *Chacras* oder Pflanzungen in
der Gegend haben. Als nach der Einnahme der Insel Trinidad durch die
Englaender im Jahr 1797 der Stadt Cumana ein Angriff drohte, fluechteten
sich viele Einwohner nach Cumanacoa und brachten ihre werthvollste Habe in
Schuppen unter, die man in der Eile auf dem Gipfel des Imposible
aufg$
n auch weil er nicht mehr so stark bewaldet ist wie
zur Zeit der Eroberung.
Ich stand Nachts auf, um die Breite des Orts nach dem Durchgang Fomahaults
durch den Meridian zu bestimmen. Es war Mitternacht; ich starrte vor
Kaelte, wie unser Fuehrer, und doch stand der Thermometer noch auf 19 deg.,7
(15 deg. R.). In Cumana sah ich ihn nie unter 21 deg. fallen; aber das Haus auf
dem Imposible, in dem wir die Nacht zubrachten, lag auch 258 Toisen ueber
dem Meeresspiegel. Bei der Casa de la Polvora beobachtete ich die
Inclination der Magnetnadel; sie war gleich 40 deg.,5. Die Zahl der
Schwingungen in zehn Minuten Zeit betrug 233; die Intensitaet der
magnetischen Kraft hatte somit zwischen der Kueste und dem Berg zugenommen,
was vielleicht von eisenschuessigem Gestein herruehrte, das die auf dem
Alpenkalk gelagerten Sandsteinschichten enthalten mochten.
Am 5. September vor Sonnenaufgang brachen wir vom Imposible auf. Der Weg
abwaerts ist fuer Lasttiere sehr gefaehrlich; der Pfad ist meist nur 15 Zoll
[40 cm] breit un$
m wir uns in Verhandlungen einlassen mussten "ueber die
Nothwendigkeit des Sklavenhandels, ueber die angeborene Boesartigkeit der
Schwarzen, ueber die Segnungen, welche der Race daraus erwachsen, dass sie
als Sklaven unter Christen leben!"
Gegenueber dem "Code noir" der meisten andern Voelker, welche Besitzungen in
beiden Indien haben, ist die spanische Gesetzgebung unstreitig sehr mild.
Aber vereinzelt, auf kaum urbar gemachtem Boden leben die Neger in
Verhaeltnissen, dass die Gerechtigkeit, weit entfernt sie im Leben kraeftig
schuetzen zu koennen, nicht einmal im Stande ist die Barbareien zu
bestrafen, durch die sie ums Leben kommen. Leitet man eine Untersuchung
ein, so schreibt man den Tod des Sklaven seiner Kraenklichkeit zu, dem
heissen, nassen Klima, den Wunden, die man ihm allerdings beigebracht, die
aber gar nicht tief und durchaus nicht gefaehrlich gewesen. Die buergerliche
Behoerde ist in Allem, was die Haussklaverei angeht, machtlos, und wenn man
ruehmt, wie guenstig die Gesetze wirken, nach denen $
nd
das ist alles. Die Hauptregel ist aber: nicht aufgeregt sein, sich nicht
beeilen beim Zielen und darauf achten, da die Hand nicht zittere.
=Frau Popow.= Gut. Im Zimmer ist es unbequem zu schieen, gehen wir in
=Smirnow.= Gehen wir. Ich mache Sie jedoch darauf aufmerksam, da ich in
die Luft schieen werde.
=Frau Popow.= Das fehlte noch. Warum?
=Smirnow.= Weil ... weil ... das ist meine Sache, warum!
=Frau Popow.= Sie haben Angst bekommen! Ja? A--a--h? Nein, mein Herr,
nur keine Ausflchte! Bitte, folgen Sie mir! Ich werde mich nicht eher
beruhigen, bis ich Ihre Stirn durchbohrt haben werde, diese Stirn, die
ich so sehr hasse. Sie haben Angst bekommen?
=Smirnow.= Ja, ich habe Angst bekommen.
=Frau Popow.= Sie lgen. Warum wollen Sie sich nicht schlagen?
=Smirnow.= Weil ... weil ... weil Sie mir gefallen.
=Frau Popow= (mit bsem Lachen). Ich gefalle ihm! Er wagt es zu sagen,
da ich ihm gefalle! (Sie zeigt nach der Tr.) Gehen Sie!
=Smirnow= (legt schweigend den Revolver auf den Tisch, nimmt den Hut
und geh$
Sie erhob sich, nahm Abschied und ging so raschen Schrittes von dannen,
wie ein junges Mdchen, so da sie wie der Blitz verschwunden schien.
Obgleich nun meines Grovaters Vetter die ganze Geschichte mehr fr Spa
als Ernst nahm, so fhlte er sich doch bedeutend erleichtert, es war
ihm, als ob ihm ein Stein vom Herzen gefallen wre, und er war nun fest
entschlossen, den gewiesenen Glcksweg aufzusuchen.
Drei Tage vor Johannis-Samstag schlug er spt Abends den Weg zur Kirche
ein, damit er um Mitternacht anlange; je nher er kam, desto unruhiger
schlug ihm das Herz, es war wie wenn ihm Jemand in's Ohr riefe: du bist
nicht auf dem rechten Wege. Auch htte nicht viel gefehlt, da er
wieder umgekehrt wre. Da erhob sich ein schner Gesang in den Lften
und er vernahm die Worte:
    Weiche nicht vom Weg des Glckes,
    Frchte nichts und bange nimmer!
    Dich beschirmen Schutzesgeister.
    Deiner warten Glckesloose:
    Weiche nicht vom Weg des Glckes.
Durch diesen Gesang fhlte er seinen Muth wachsen, gi$
g vom Pferde,
half der Braut absteigen, nahm ihren Arm und trat mit ihr in den
Festsaal. Ein hliches Hohngelchter, welches dem Mdchen durch Mark
und Bein drang, empfing die Beiden. Dann erhob sich ein lautes Krachen,
als ob ein Donnerschlag die Erde zum Bersten gebracht htte! In
demselben Augenblicke war das schne Schlo mit allen Hochzeitsgsten
wie weggefegt und von Allem keine Spur mehr vorhanden.
Als die umwohnenden Leute auf das Getse herzueilten, zu sehen was es
gebe, konnte man nichts weiter entdecken, als einen steinernen Pfosten
von Menschenhhe, an dessen oberer Hlfte viele Streifen hinliefen, wie
Perlenschnre um einen Hals. So steht der steinerne Pfosten bis zum
heutigen Tage bei _Karlshof_ vor dem Dorfe _Raudlep_ zum Schreckbild fr
bermthige Mdchen.
[Funote 76: Tolsburg: ein alter ganz herabgekommener Hafenort in der
Nhe von Port Kunda. L.]
[Funote 77: Tont war sonst bei den Esten ein Geist, der dem Hause
Schtze zubrachte und deshalb auch schlechtweg meddaja d. h. Zufhrer
heit. $
 auf der Innenseite des Ringes beobachtete, wurde sein Antlitz
bleich wie Schnee, denn in dem Ringe stand der Name einer benachbarten
Gutsfrau. Er fuhr sogleich hin und vernahm von dem Gesinde, da in
diesem Augenblicke Niemand von den Herrschaften zu Hause sei. -- Nach
einigen Tagen aber kehrte der Herr des Gutes in Trauerkleidung allein
zurck und erzhlte, die Frau sei pltzlich in Reval gestorben. Im
Frhjahr verkaufte er das Gut und zog in die Fremde, aus der er nimmer
wiederkehren mochte.
Nach dem Wegzug des Herrn lsten sich die Zungen der Leute; man erzhlte
erst im Stillen, dann ffentlich, da es mit der Frau nicht habe mit
rechten Dingen zugehen knnen, denn das ganze Gutsgesinde wute gar
wohl, da sie nicht _eine_ Nacht zu Hause geschlafen hatte, sondern, wenn
der Herr eingeschlafen war, rucherte sie ihm, wer wei mit was fr
Krutern, unter die Nase, und ging dann im weien Nachtgewande ihrer
Wege, von denen sie erst gegen Morgen zurckkam. Andere wieder
erzhlten, da die verstorbene Frau niem$
che Theorie
durchschmolzen. Keine konstruierten Maschinen, keine Homunkulusse
durchwandeln die Welt seines Dramas: Menschen voll Blut und Sehnsucht,
arme, elende Menschen, geprgelt wie Hunde von der Peitsche des
Schicksals, hungernd und frierend, hungernd nach Brot und Licht,
frierend an den kalten, steinernen Herzen der Mitmenschen, Menschen, die
in einer ewigen Dmmerung vor Sonnenaufgang leben, einsame Menschen,
zu denen selten genug der Ton der versunkenen Glocke herauftnt,
Menschen, die einzeln nicht leben drfen wie die schlesischen Weber, die
ein Klumpen blutendes, zuckendes Stck Fleisch sind, Menschen, die
fried- und ruhelos das Labyrinth des Daseins durchirren, bis eine sanfte
Frau auch mit ihnen einmal das Friedensfest feiert. Wie sind die zu
beneiden, die, wie Hannele, so frh von dieser schmutzigen Erde zum
Himmel fahren drfen! Da sie Kinder bekommen, zeugen und gebren -- wie
furchtbar! Wer will den ersten Stein auf Rose Bernd werfen? Wer strzt
nicht weinend in sich zusammen, wenn$
tion der geschlechtlichen, Hannele die der kindlichen, Madame
Legros die der mtterlichen Liebe der Frau. Lulu will irdische Lust,
Hannele himmlische Liebe, Madame Legros dies- und jenseitige
Gerechtigkeit. -- _Wilhelm Schmidtbonn_ (geboren 1876) behandelte im
Grafen von Gleichen das Problem des Mannes zwischen zwei Frauen. Der
erste Akt gehrt zu den besten ersten Akten der deutschen Literatur.
Sein Wunderbaum, ein Prosabuch, birgt viele Wunder. _Carl Sternheim_
zeichnet in seinen Dramen karikaturistische Bilder aus dem brgerlichen
Heldenleben: Streber, Schieber, sentimentale Kokotten, amusische
Dichter, intellektuelle Schweinehunde, Auch- und Bauchsozialisten. In
seinen Dramen wie in seinen Novellen holt er das Letzte virtuos, aber
ohne Herz, aus der Technik des Wortes. Seine Geschichten laufen ab wie
Maschinen. Er ist ein Ingenieur der Sprache. _Herbert Eulenberg_
(geboren 1876 in Mhlheim) bemalt seine dramatischen Helden und
Heldinnen blarosa und blablau. Sie gleiten schattenhaft durch eine
romant$
ben einen Goldglanz, die
Zehen der Hinterfe eine Schwimmhaut. Seine Stimme, die er besonders in
warmen Sommernchten hren lt, lautet: Brekekekex! Den Winter bringt
er im Schlamm zu. Er nhrt sich --
In diesem Augenblick kam ein Wagen herangefahren.
Es ist die Dame mit dem kranken Mdchen, la mich, Fred, la mich,
sagte die Mutter, eilig den Fred etwas beiseite schiebend, der ihr den
Weg versperrte. Er rannte ihr aber nach: Mama, so hr nur noch, du
weit ja noch nicht, womit er sich nhrt, er nhrt sich von --
Der Wagen war schon da. Aus dem Stalle kam der Hans, aus der Kche die
Kathri gelaufen in einer sauberen weien Schrze; denn man hatte ihr
gesagt: wenn ein Wagen vorfahre, habe sie herauszukommen, um ein krankes
Mdchen die Treppe hinaufzutragen. Fred und Rikli waren ein wenig
zurckgetreten und standen jetzt muschenstill an der Hecke, mit
gespannter Erwartung dem Weiteren entgegensehend. Erst trat eine Dame
aus dem Wagen und winkte Kathri heran. Dann hob diese eine weie, zarte,
fast durch$
bei und trugen ihn von
einem Geschlecht aufs andere ber. So noch zur Stunde; obschon jeder,
der mit Herrn Bickel zusammentraf, wohl sagte: Guten Tag, Herr Bickel!
-- so nannte ihn doch kein einziger, wenn er von ihm redete, anders als:
der Schneiderli-Fekli. Davon hatte Herr Bickel eine Ahnung, und die
Sache war ihm sehr empfindlich. Als er nun schon ein groer Herr war und
mit der Frau Bickel in dem neuen, schnen Hause wohnte und ihm dann ein
Shnlein geschenkt wurde, da konnte er sich sehr lange nicht
entschlieen, es taufen zu lassen, denn er suchte und suchte und fand
immer den Namen nicht, der zu gleicher Zeit die Stellung und alle
Aussichten dieses Sohnes andeuten und auch das bertragen des verhaten
Namens unmglich machen wrde. Nun hatte Herr Bickel um diese Zeit als
Schulvorsteher dem Examen in Buchberg beizuwohnen. Da traf es sich, da
der Lehrer den Kindern eben die Bedeutung des Namens Fortunatus
auseinandersetzte. Freudestrahlend kam Herr Bickel nach Hause. Der Name
ist gefunden, jetzt wir$
s ihr selbst bot. Sie meinte, das
Elsli habe zum strengen Arbeiten doch keine Kraft und Gesundheit, und
seit dem langen Umgang mit der Nora sei es auch sonst so mit allen
Gedanken und der ganzen Art aus seinem Geleise geraten, da es gar nicht
mehr hineinkomme. Das merke man am besten am Tun der kleinen Buben und
besonders des kleinsten, der jetzt den ganzen Tag berlaut schreie, da
man fast das Gehr verliere, und frher habe es ihn doch noch zum
Schweigen gebracht: da nehme man ebensogut wieder die Wiege zur Hand. So
schieden die Marget und die Klarissa in groem Frieden und
bereinstimmung, und die letztere versprach, da womglich jedes Jahr
einmal das Elsli nach seiner Heimat zurckgefhrt werden solle.
In der krzesten Zeit war im ganzen Dorfe die Nachricht verbreitet, da
das Elsli von der reichen Frau Stanhope angenommen worden sei und mit
ihr schon morgen nach ihrem schnen Gut am Rhein verreise. Die Nachricht
brachte einen ungeheuren Eindruck hervor. Wo zwei einander antrafen auf
dem Wege, standen $
rmag.[9] 3. Man bestimmt diejenige Menge von Wasser, welche der Krper
in einem Strom von gesttigtem Wasserdampf niederschlgt,[10] whrend er
sich auf die Temperatur des Dampfes erwrmt.
_Wrme aus mechanischer Arbeit._ Wrme entsteht[1] bei der Reibung und
beim unelastischen Stoss der Krper; bei diesen Vorgngen wird
mechanische Arbeit verbraucht. Die Versuche haben gelehrt, das zur
Erzeugung von 1 cal immer eine ganz bestimmte Arbeitsgrsse[2] von im
Mittel[3] 425 mkg ntig ist. Umgekehrt kann sich unter Umstnden Wrme
wieder in mechanische Arbeit umsetzen, wobei[4] man fr je 1/425 cal
eine Arbeitsleistung von 1 mkg erhlt. Man nennt die Grsse 425 mkg das
mechanische Aequivalent der Wrme, whrend 1/425 cal. das calorische
Aequivalent der Arbeit ist.
Beispiele von der Umsetzung von Wrme in mechanische Arbeit findet man
in den Heissluftmotoren, bei welchen eine angesaugte und dann durch die
Bewegung eines Kolbens verdichtete Luftmenge[5] erhitzt wird und bei der
whrend der Erhitzung stattfindenden Au$
, eines sanften,
zrtlichen Wesens, einer kleinen Madonna, die sich ihm zum Weibe gab,
besiegt von seiner Ueberredungskunst und von Mitleid mit seinem Unglck.
Neues Unheil hatte diese Verbindung im Gefolge.
Das knappe ererbte Vermgen konnte nicht ausreichen, auerdem hatte er
keinen Hang zur Arbeit, war liederlich, rauchte, trank und gefiel sich
darin, sich vor den andern beim Kaufen hervorzuthun. Sein Bruder stand
ihm immer als derjenige vor Augen, der den greren Teil des vterlichen
Vermgens geerbt hatte, daher sein Ha, sein unbndiger Neid, seine
Rachgier gegen ihn. Er erzhlt selbst einen weiteren Grund und dieser
bestand darin, da seine beiden Tanten zu Gunsten des Sohnes des Michele
testiert und so Antonino des zu erwartenden Erbteiles beraubt hatten.
So waren genug psychologische und thatschliche Motive vorhanden, um zu
begreifen, in welcher Gemtsverfassung Antonino gegen seinen Bruder war,
und frher oder spter mute der angesammelte Ha zum Ausbruch kommen.
Es war eine Lawine, die sich losg$
ab; theils sind sie
schraeg wie Masttaue ausgespannt, und die Tigerkatze hat eine
bewundernswuerdige Geschiklichkeit, daran auf- und abzuklettern.
Mit den biegsamen sich rankenden Lianen, mit ihrem frischen und leichten
Gruen, kontrastirt die selbststaendige Form der blaeulichen *Aloegewaechse*;
Staemme, wenn sie vorhanden sind, fast ungetheilt, enggeringelt und
schlangenartig gewunden. An dem Gipfel sind saftreiche, fleischige,
lang.zugespitzte Blaetter stralenartig zusammengehaeuft. Die hochstaemmigen
Aloegewaechse bilden nicht Gebuesche, wie andere gesellschaftlich lebende
Pflanzen. Sie stehen einzeln in duerren Ebenen, und geben der Tropengegend
dadurch oft einen eigenen melancholischen (man moechte sagen afrikanischen)
Wie die Aloeform sich durch ernste Ruhe und Festigkeit, so charakterisirt
sich die *Grasform*, besonders die Physiognomie der baumartigen Graeser,
durch den Ausdruck froehlicher Leichtigkeit und beweglicher Schlankheit.
Bambusgebuesche bilden schattige Bogengaenge in beiden Indien. Der gla$
ater
nicht seinen Vers sagte, und jedesmal einen anderen. Er hatte Augen, die
hatten gar keine Farbe; wie Wasser sahen sie aus. Die wenigsten Menschen
hielten ihnen stand, und wenn er einen Hund ansah, und war der auch noch
so bse, er machte, da er fortkam.
Nun stand er da, als wenn er nicht bis drei zhlen konnte, griente und
sagte, indem er auf das Schiegewehr wies, das Harm auf den Rcken
hatte: All wieder nach dem Saufang? Und dann lachte er lauthals, denn
der Saufang war dicht beim Ulenhofe, und wenn Harm am Saufang war, dann
dauerte es nicht lange und Rose hatte vor dem Hofe zu tun.
Das war auch jetzt so. Als Wulf dort angekommen war und gesehen hatte,
da der Fang noch aufstand, steckte er drei Finger in den Mund und pfiff
wie der Schwarzspecht. Es dauerte eine Weile, da hrte er hinter sich
ein Gerusch; als er sich umdrehte, sah er bei einer Eiche etwas
Feuerrotes, und das war ein roter Rock, und nun gab es ein Jagen um den
Baum und dann ein Quieken.
Ach, Junge, pustete das Mdchen und ihre Br$
ieber hier
bleiben; was willst du in der weiten Welt? Sieh mal, Junge, das Unglck
ist geschehen, und ich trage ebenso schwer daran wie du. Eine Frau
kriegst du schlielich wieder, ich aber keine Tochter. Du hast noch ein
ganzes Leben vor dir, mit mir ist das anders. Und doch bleibe ich hier,
wo ich geboren bin.
Der andere schttelte den Kopf. Wiederkommen tue ich, so wie ich es
kann. Aber ich habe einen Eid vor mir selber geschworen und dabei mu
ich bleiben. Und berdies, hier wrde ich verrckt werden, wo ich bei
jedem Schritt und Tritt daran denken mu, wie es frher war. Er rief
den Knecht heran: Zeig mal dein Messer her! Der Junge griente und zog
es aus der Scheide. So, ist gut; leg' dich man schlafen, morgen frh
wollen wir los!
Er sah Ul an. Der Mann, der Alheid umgebracht hat, lebt nicht mehr;
Thedel hat es ihm besorgt und die Wlfe. Heute morgen haben wir ihn
beigerodet unter der breiten Fuhre hinter meinem Hof. Es liegen
allerlei Steine auf der Stelle. Aber zwei von den Schandkerlen sind no$
irn; von dem vierten aber kriegte er
den Sbel mitten durch das Gesicht, ehe er ihn in die Haide schmi. Das
ist man blo uerlich, altes Mdchen, sagte er und schlug seiner Frau
auf die Lende; bind' mir 'n Lappen um und gib mir 'n Honigbrot, denn
wein' ich auch nicht mehr.
Da lachte die Buerin. Sie war ziemlich auseinandergegangen, aber noch
viel schner als wie als Mdchen, die blankeste Frau war sie weit und
breit und die lustigste auch, und das war fr den Bauern die Hauptsache,
denn der hatte oft seine dusteren Zeiten. Es ging ihm wie Drewes, der
jetzt den Grovater spielte, denn seine Tochter hatte schon das vierte
Kind. Wenn er sich mit den Kindern abgab, konnte er noch lachen, da man
alle seine Zhne sah, aber wenn sie schliefen, dann sah er oft die
vielen weien Gesichter mit den roten Lchern in der Stirn und
Birkenbume, vor denen tote Mnner hin und her gingen wie der Pendel an
der Kastenuhr. Dann ging er zum Prediger und lie sich von dem die
Gnitten vertreiben.
Mit solchen Gedanken hatte $
 Moorflu. -- _Stnder_, Hauptbalken. -- _Hausrichte_,
Richtefest. -- _Freundschaft_, Verwandtschaft. -- _Hlse_, Stechpalme.
-- _Kneepe_, Witze. -- _Drgmichel_, Sauertopf. -- _Mumm_, schweres Bier.
-- _Wolfsangel_, ein Zeichen, das viel als Hausmarke gebraucht wurde und
das folgende Form hatte: ----, oder --/--,. -- _Auskiek_, Luginsland.
-- _Ort_ oder _Ortstein_, Raseneisenstein. -- _Hornung_, Februar. --
_Steert_, Schwanz. -- _achtern_, hinten. -- _Buchholzer Hengst_,
Grnspecht. -- _Witfrau_, Witwe. -- _reihum_, der Reihe nach. --
_Krischan_, Christian. -- _Metz_, Messer. -- _Vorjahr_, Frhjahr. --
_Hille_, Mdchenname. -- _Klapprose_, Klatschrose, Feldmohn. --
_Danzeschatz_, Tnzerin. -- _Halsung_, Halsband. -- _Ilk_, Iltis. --
_fiepen_, piepen. -- _gibbern_, gieren. -- _Beeke_, Bach. --
_Moormnnchen_, Baumpieper, ein Vogel. -- _Hainotter_, Storch. --
_Imme_, Biene. -- _Der Wind kselt_, er dreht sich, ist nicht bestndig.
-- _Brandrute_, die eisernen Stangen, auf denen die brennenden
Baumstmpfe lie$
er hat das gute
Zutrauen gerechtfertigt, sie lie das neue Zollwesen unter der
einsichtigen Leitung des Finanzrats Biersack fest und redlich durchfhren.
Diese deutsche Treue, diese ehrenhafte Erfllung der eingegangenen
Verbindlichkeiten bildet berhaupt das beste Verdienst, das die
Mittelstaaten um den Zollverein sich erworben haben; der Abschlu der
Vertrge selbst war nicht eine freie patriotische Tat der kleinen Hfe,
sondern ein Ergebnis der bitteren Not.
Ebenso streng wurde die Gleichberechtigung der Verbndeten in Sachen der
Zollgesetzgebung aufrecht erhalten. Der Artikel 4 lautete ursprnglich:
Abnderungen der Zollgesetze sollen nur in gegenseitigem Einvernehmen
erfolgen, und es sollen alle diese Vernderungen im Groherzogtum Hessen
im Namen S. K. H. des Groherzogs verkndigt werden. Diese Fassung
erregte in Darmstadt schmerzliches Aufsehen. Prinz Emil selbst eilte zu
Maltzan, stellte ihm vor: der Groherzog wei, da man in Berlin selbst
nicht wnscht, da die groherzogliche Regierung in de$
geben. Wahrhaftig, nicht
patriotische Gesinnung war es, was die kleinen Staaten unseres Nordens
endlich in den preuisch- deutschen Zollverein fhrte; kein Mittel, auch
das verwerflichste nicht, blieb unversucht, das preuische Zollsystem zu
sprengen; erst nachdem alle Angriffe gescheitert waren, unterwarf man sich
notgedrungen der deutschen Handelseinheit.
Die Oberschnaer Punktation wurde dem schsischen Bundestagsgesandten
Bernhard von Lindenau(90) zugesendet; dort in der Eschenheimer Gasse
sollten dem schsischen Antizollverein, wie man in Berlin sagte, neue
Anhnger geworben werden. Eine edle, hochsinnige Gelehrtennatur, ehrlich
liberal und begeistert fr Deutschlands Gre, hatte Lindenau bis vor
kurzem im gothaischen Ministerium mit Einsicht gewirkt. Er wnschte
aufrichtig die deutsche Handelseinheit und gestand seinem Darmstdter
Amtsgenossen in Frankfurt: wre Kurhessen dem preuischen Verein
beigetreten, so htte ich auch fr den Beitritt Sachsens und Thringens
gestimmt. Nun Kurhessen sich weiger$
 59. 62. 63. 64. 88. 89. 91. 93.
Mnch-Bellinghausen, Joachim, Graf v. 62. 117. 118. 119. 135. 146. 161.
Mnster-Ledenburg, Ernst Friedr. Herbert, Reichsgraf 136. 165.
Nagler, Karl Friedr. v. 91. 127. 174.
Napoleon I. 71. 122. 128. 158.
Napoleon, rmischer Knig 122.
Navigationsakte 11.
Natzmer, Oldwig v., preuischer General 129.
Nebenius, Karl Friedr. 29. 30. 31. 32. 33. 42. 53. 68. 70. 72. 73. 74. 76.
            99. 100. 101. 102. 103. 104. 153.
Neujahrsnacht 1834 204.
Oberkamp, Geheimrat 126. 127. 128. 141.
Oberschnaer Punktation 133. 134. 142.
sterreichische Tendenzlgen 119.
Otterstedt, v., preuischer Gesandter am badischen Hofe 108. 116. 118.
ttingen-Wallerstein, Ludwig Kraft Ernst, Frst zu 192.
Perrot, Abgeordneter 106.
Pfizer, Paul 158. 193. 194.
Phnix, Versicherungsgesellschaft 23.
Pitt, William 79.
Pochhammer 160.
Porbeck, v., Prsident 126.
Preuisch-Bayrischer Handelsvertrag 145 ff. 155 ff. 180 f.
Preuisch-Hessischer Zollverein 109 ff.
Prohibitivzlle, franzsische 10. 11.
Rabener, Gottli$
tscher Kleinstaat
beitrat. Der dessauische Bevollmaechtigte aber brach die Verhandlungen ab;
denn unterdessen war Adam Mueller von Koethen nach Dessau hinuebergekommen,
angeblich, um in der Mulde zu baden, in Wahrheit, um den Anschluss an
Preussen zu hintertreiben.
In einem herzbrechenden Klageschreiben sprach Herzog Leopold von Dessau,
der mit einer Nichte des Koenigs verheiratet war, dem Oheim sein Bedauern
aus: schon vor Jahren habe er dem Koethener Vetter versprochen, nicht ohne
ihn beizutreten. Das preussische Ministerium verlange, "dass die
enklavierten Staaten fremde Gesetze und Verwaltungsformen unweigerlich
annehmen muessen. Dies aber, Allergnaedigster Koenig, ich wage es
vertrauensvoll auszusprechen, wollen Allerhoechstdieselben nicht. Preussens
maechtiger und gerechter Monarch, der im zweiten Artikel der Bundesakte
Souveraenitaet und Unabhaengigkeit garantierte, wird nie gestatten, dass die
Minister durch strenges Festhalten am Buchstaben des Bundesvertrages den
Geist, der sichtbar in demselben wal$
 sicherlich, doch die Heimlichkeit des Verfahrens
verletzte die oberrheinischen Hoefe. In Karlsruhe wie in Darmstadt prahlte
man gern: wir koennen Bayerns entbehren, Bayern nicht unser, da wir seine
Verbindung mit der Rheinpfalz beherrschen. Um so bitterer empfand man das
rasche Vorgehen des Muenchener Hofes. Um "den Praetensionen der koeniglichen
Hoefe" entgegenzutreten, eilte Berstett nach Frankfurt, besprach sich dort
mit Marschall. Gleich darauf (19. November 1824) hielten Berstett,
Nebenius, du Thil und Hoffmann in Heidelberg eine geheime Zusammenkunft,
welche der badische Minister selber in einem vertrauten Briefe "ein
Gegengift" gegen die bayrisch-wuerttembergischen Umtriebe nannte.
Das hier vereinbarte Protokoll, dem nachher auch Marschall beitrat, wurde
bedeutungsvoll fuer die Geschichte der deutschen Handelspolitik; denn hier
spielte der Partikularismus seinen hoechsten Trumpf aus, er stellte seine
letzte und schwerste Bedingung auf. Die verbuendeten Staaten verpflichteten
sich, in fester Gemeinscha$
 Die milde
Kontrolle aenderte wenig an der Selbstaendigkeit der hessischen
Zollverwaltung; der Verein beruhte im Grunde nur auf gegenseitigem
Vertrauen. Nach den bisherigen Leistungen kleinstaatlicher Zollverwaltung
konnten die preussischen Geschaeftsmaenner einen solchen Vertrag nicht ohne
ernste Bedenken unterschreiben. Die hessische Regierung aber hat das gute
Zutrauen gerechtfertigt, sie liess das neue Zollwesen unter der
einsichtigen Leitung des Finanzrats Biersack fest und redlich durchfuehren.
Diese deutsche Treue, diese ehrenhafte Erfuellung der eingegangenen
Verbindlichkeiten bildet ueberhaupt das beste Verdienst, das die
Mittelstaaten um den Zollverein sich erworben haben; der Abschluss der
Vertraege selbst war nicht eine freie patriotische Tat der kleinen Hoefe,
sondern ein Ergebnis der bitteren Not.
Ebenso streng wurde die Gleichberechtigung der Verbuendeten in Sachen der
Zollgesetzgebung aufrecht erhalten. Der Artikel 4 lautete urspruenglich:
Abaenderungen der Zollgesetze sollen nur in "gegenseit$
non plus
ultra*(96). Das Wesentliche liegt ferner in dem durch diese sechsjaehrige
engere Verbindung begruendeten Ablehnungsmotive von Ansinnungen mancher
Art, denen, wenn sie von uebermaechtiger Seite ausgehen, der Einzelne und
Schwaechere nicht viel mehr als die Bitte um Schonung entgegenzusetzen
hat." Das Wesentliche liegt endlich in der Aussicht, zu einer Verbindung
mit anderen Staaten "mit Ehren gelangen zu koennen". Bayern und Preussen
haben dasselbe, ja ein groesseres Beduerfnis nach einer Annaeherung an die
Vereinsstaaten als diese selbst; daher muss der Verein die
Verbindungsstrassen zwischen Bayern und Preussen fest in der Hand halten,
ihre freie Benutzung nur kraft gemeinsamen Beschlusses bewilligen. So wird
er eine gesetzliche Ordnung mit verhaeltnismaessig gleichen Rechten fuer ganz
Deutschland begruenden.
Die Denkschrift schliesst mit der pathetischen Frage: "Kann man denn aus
irgendeinem Grunde auch nur vermuten, dass Preussen die fieberhaften Traeume,
in welchen eine uebermuetige Partei das ga$
en der
Erziehung; das mut _Du_ wissen sagte er bei solchen Anlssen in
vollem Vertrauen zu seiner Frau, und sie war nicht ngstlich. Die
Kinder sollen nur aufpassen lernen, war ihre Meinung, wenn jemand auf
die Gefahren der Strae aufmerksam machte. War aber von dem ungnstigen
Einflu die Rede, den die Sprache der Gassenkinder ausben konnte, so
schreckte sie auch das nicht ab. Unten mgen sie reden wie die andern,
meinte sie, oben werde ich mirs schon verbitten. Sie brachte das auch
zustande. Bald kam es vor, da die Kleine einer Spielgenossin in die
Dachwohnung hinauf rief: Marie, kimm abi und dann der Mutter, die es
hrte, die Erklrung gab: Weit' das heit: komm herunter!
Die meisten Kinder, die sich in den Mnchener Straen aufhielten, waren
katholisch. Von ihnen sah die kleine Agnes, da sie den gelegentlich
vorbergehenden Geistlichen die Hand kten, und arglos folgte sie
diesem Beispiel. Bei solchem Anla fragte ein katholischer Geistlicher
das Kind, an dessen Art ihm wohl irgend etwas$
n, da ihnen ungesucht aus dem Traurigen
eine Freude erwachsen war, und weit entfernt, sich dieser zu
verschlieen, geno sie mit Wonne das Schne, ffnete auch ihren Kindern
die Augen dafr und beglckte dadurch ihren Mann, dem es schon oft
schwer geworden war, da durch sein Leiden ein Schatten in die Familie
Auch die huslichen Verhltnisse gestalteten sich angenehm. Dicht an dem
evangelischen Kirchlein stand das Haus, dessen unteren Stock sie
bewohnten und das in allen Stockwerken fr Fremde eingerichtet war.
Franzosen, Spanier und Englnder waren die Mitbewohner, die nun manchmal
neugierig und staunend an der Parterrewohnung vorbergingen und in die
offene Kche einen Blick warfen, wo die deutsche Hausfrau und ihre
Tchter an der Arbeit waren. Zuerst glaubten sie wohl nicht, da es
Leute ihres Bildungsstandes sein knnten, aber allmhlich wurde ihnen
bekannt, da der Herr ein Gelehrter mit dem Doktortitel sei. (Brater war
kurz vorher zum Ehrendoktor der Universitt Heidelberg ernannt worden.)
So lernten $
iebe Julie!_
    Wir haben einen raschen Entschlu gefat und die Umstnde
    bringen ihn zu rascher Ausfhrung: ich zeige Dir an, da wir im
    Begriffe sind, Cannes zu verlassen und darnach trachten, in
    Gries bei Botzen ein Unterkommen zu finden. Die Besserung in
    Karls Befinden war nur eine scheinbare und es hat sich gleich
    darauf (_ohne_ Veranlassung) eine dauernde Verschlimmerung
    eingestellt, die zwar nicht ber die frheren Zustnde
    hinausgeht, aber eben doch unerwnscht ist, so lt mir die
    Befrchtung, da fr Karl ein Seeklima ungnstig ist, keine Ruhe
    mehr, ich habe Dir das ja schon frher einmal gesagt und Du bist
    am Ende ber diese Neuigkeit des bersiedelns weniger berrascht
    als wir selbst. Dazu kommt, da der Mrz hier wegen seiner Winde
    ein schlechter Monat ist und wenn es uns in Gries nach Wunsch
    gelingt, denken wir einen guten Tausch zu machen und hoffen, bei
    der jetzigen vorgerckten Jahreszeit keinesfalls zu verlieren.
    Ich habe unvermute$
 lesen, wie sie noch mit lebhafter
Empfindung die politischen Kmpfe der Partei verfolgt, zu deren Fhrern
Brater gehrt hatte. Sie schreibt an Rohmer: Da die Adredebatte nun
zum Schlu gekommen, ist gar nicht mir zu wahrer Befriedigung ..... Mir
scheint, unsere Leute haben da und dort den Anstand verletzt und sind
auf das Niveau der Gegner herabgestiegen, das sie doch so sehr
verachteten; natrlich mute angegriffen, gestritten und das Herz an
diesem Ort ausgeschttet werden, aber kurz und bndig und ohne sich dann
weiter in die Balgerei einzulassen, denn da sie damit etwas _erreichen_
wrden, hat doch wohl keiner gedacht. Mir ist immer, als wre es anders
gegangen, wenn Karl noch als 'stiller Wchter' dabei gestanden wre, die
beiden Parteien _mssen_ ja doch nebeneinander stehen, Karl htte gewi
den mglichen Standpunkt erkannt und unwiderleglich bezeichnet fr die
_beiden_ Parteien und die unwrdige Debatte wre abgeschnitten worden
..... Ich habe den Eindruck, als ob ber die Saat, die er ausgestreu$
en. Wenn ein Mann wie Schulthe, den man im kirchlichen Sinn
nicht einen Christen nennen kann, ein solches Glaubensbekenntnis ablegt,
so hat dies etwas wahrhaft Erhebendes und Strkendes auch fr
diejenigen, die einen Schritt weiter trachten als er. Ja, es scheint
mir, da, wenn alle Menschen voll und ganz sein Bekenntnis teilen
wrden, man nicht mehr zu beten brauchte: Dein Reich komme ... Ich
meine unsere Geistlichen mten die Glaubensartikel im Lauf ihres Lebens
und Wirkens mit ihrer Gemeinde zu ergreifen _trachten_, Geistliche und
Gemeinde mten als _werdende_, nicht immer schon als _seiende_ Christen
angesehen werden ...
Wenn ich die so interessanten und sympathischen Briefe von Schulthe
lese, so geniere ich mich fast, irgend zu widersprechen, darum will ich
auch nicht versumen demtig das Bekenntnis meiner groen Unwissenheit
auszusprechen; nur in einem Punkt nehme ich auch fr uns Frauen etwas in
Anspruch: ein Gefhl fr das, was wahr sein kann.
Mitten aus seiner regen geistigen Ttigkeit heraus$
eine groe Schlange war dabei, die zusammengekrmmt in einem
Glaskasten lag und schlief. Vielleicht trumte sie von ihrer Heimat?
Ich mute an Malatri, die Brillenschlange, denken und ein Schluchzen zog
mir den Hals zu.
O Malatri, htte ich dich hier gehabt, wie htte ich dich streicheln und
kssen wollen, meine glatte Freundin! Ich htte dir meine Sehnsucht
geklagt nach dem warmen Indien, und du httest meine Sprache verstanden
und mit mir getrauert!
O Malatri, warum bist du allein aus diesem Leben geflohen und hast mich
nicht mitgenommen, der ich dein bester Freund war?
Ich wischte mir die Trnen von der Nase -- da fiel mein verschleierter
Blick auf ein kleines Glaskstchen, in dem auf einem Leiterchen ein
grner Frosch sa.
Aha, ein gefangener Deutscher! sagte ich mir und ward wieder heiter.
Die ersten Tage gefiel mir Marzel ber die Maen, doch als meine Neugier
gestillt war, nistete sich die Langeweile in meiner Seele ein und begann
ihre Eier auszubrten.
Daher rieten mir meine Kameraden, die Mittage i$
r diesen Anblick htte ertragen knnen.
Die Leute gerieten denn auch in eine schreckliche Begeisterung und
schwenkten die Taschentcher und schrien minutenlang. Leider aber wurden
sie wieder ruhig, so da die Ladies weiter singen konnten.
Und sie sangen eine zweite Strophe, die hatte denselben Inhalt wie die
Und dann eine dritte, die hatte denselben Inhalt wie die zweite.
Und immer warfen sie dabei ihre Beine in die Luft und ich mu zugeben:
das war eine Leistung in ihrem Alter.
Dann kamen die Geflgelmenschen wieder herunter und gingen noch ein
paarmal in die Hhe, damit die Ladies Kuhnde werfen konnten, und es
wurde wieder hell.
Ich war sehr rgerlich ber diese Ladies. Noch zorniger aber war ich
ber eine franzsische Mi, die am Nebentisch sa und ununterbrochen zu
mir herberlchelte und ihre Augen verdrehte. Wenn ich Malatri, die
Brillenschlange, bei mir gehabt htte, htte ich sie auf dieses Weib
losgelassen.
Sie mu irgendeiner Kaste angehrt haben, denn auch sie hatte sich mit
roter Farbe bestriche$
 um mich zu
steigern und zu stimulieren, da ich sie gewaltig ernst nehme und ein
Gesicht dazu mache wie ein Affe, der den groen Mann spielt... Ach,
reden Sie mir nicht darein, Lisaweta! Ich sage Ihnen, da ich es oft
sterbensmde bin, das Menschliche darzustellen, ohne am Menschlichen
teilzuhaben... Ist der Knstler berhaupt ein Mann? Man frage >das Weib<
danach! Mir scheint, wir Knstler teilen alle ein wenig das Schicksal
jener prparierten ppstlichen Snger... Wir singen ganz rhrend schn.
Sie sollten sich ein bichen schmen, Tonio Krger. Kommen Sie nun zum
Tee. Das Wasser wird gleich kochen, und hier sind Papyros. Beim
Sopransingen waren Sie stehengeblieben; und fahren Sie da nur fort. Aber
schmen sollten Sie sich. Wenn ich nicht wte, mit welch stolzer
Leidenschaft Sie Ihrem Berufe ergeben sind...
Sagen Sie nichts von >Beruf<, Lisaweta Iwanowna! Die Literatur ist
berhaupt kein Beruf, sondern ein Fluch, -- damit Sie's wissen. Wann
beginnt er fhlbar zu werden, dieser Fluch? Frh, schrecklich $
nz stieg schon
der Mond empor, als Tonio Krgers Schiff die offene See gewann. Er stand
am Bugspriet, in seinen Mantel gehllt vor dem Winde, der mehr und mehr
erstarkte, und blickte hinab in das dunkle Wandern und Treiben der
starken, glatten Wellenleiber dort unten, die umeinander schwankten,
sich klatschend begegneten, in unerwarteten Richtungen auseinanderschossen
und pltzlich schaumig aufleuchteten...
Eine schaukelnde und still entzckte Stimmung erfllte ihn. Er war ein
wenig niedergeschlagen gewesen, da man ihn daheim als Hochstapler hatte
verhaften wollen, ja, -- obgleich er es gewissermaen in der Ordnung
gefunden hatte. Aber dann, nachdem er sich eingeschifft, hatte er, wie
als Knabe zuweilen mit seinem Vater, dem Verladen der Waren zugesehen,
mit denen man, unter Rufen, die ein Gemisch aus Dnisch und Plattdeutsch
waren, den tiefen Bauch des Dampfers fllte, hatte gesehen, wie man
auer den Ballen und Kisten auch einen Eisbren und einen Knigstiger in
dick vergitterten Kfigen hinablie, die woh$
ten. Ich hielt ihm indes Wort und wir
fuhren von Dorf zu Dorf, bis wir ins Oldenburgische kamen. Hier aber
nahmen wir die halbe Post und erreichten Lbeck; doch griff dies
schnellere und bequemere Fortkommen auch so gewaltig in unsere
Reisekasse, da uns, wie knapp wir's auch unserem Munde abdarbten und
kaum mehr als das trockene Brot mit einem Wassertrunk genossen, endlich
doch der letzte Groschen aus den Hnden zerronnen war.
Was blieb zu tun? Ich wandte mich in Lbeck an einen Kaufmann, Herrn
Sengbusch, der mir, von Kolberg her, dem Namen nach bekannt war, und
ersuchte ihn, uns auf unsere teuergehaltene Taschenuhr zwanzig Taler
vorzustrecken. Hierzu war der gute Mann auch willfhrig; wir konnten
nunmehr mit der Post nach Stettin weiterfahren und fanden hier eine
Gelegenheit, die uns vollends nach Kolberg frderte, wo wir in der Mitte
des Mrz mit einem baren Kassenbestande von sieben Groschen sechs
Pfennigen anlangten und von den Unserigen mit einer Freude, als wren
wir vom Tode auferstanden, empfangen wu$
ganz aus dem Spiele, ging zu meinem
guten, ehrlichen Freunde, dem Schiffszimmermeister Backer, und bat ihn,
da er mir bei meinem Vornehmen helfen mchte. Der war auch zu allem
bereit und willig, und so schritt ich denn getrost an die Ausfhrung.
Nach dem Plane, den wir entworfen hatten, erbat ich mir von ein paar
guten Freunden zwei Fahrzeuge zu meiner Verfgung, wobei denn natrlich
alle Gefahr und der Ersatz des etwa zugefgten Schadens auf meine
Rechnung ging, fr den Gebrauch derselben aber eine billige Vergtung
bedungen wurde. Indem ich nun diese Bordinge zu beiden Seiten des
versenkten Schiffes postierte und meine Winden und Hebezeuge darauf
anbrachte und in Bewegung setzte, ging die Arbeit rasch und glcklich
vonstatten. Wir hoben die ungeheure Last unter dem Wasser aus dem tiefen
Grunde so weit in die Hhe, da man bereits auf das Verdeck etwas mehr
als knietief treten konnte, und ich binnen kurzem den Augenblick
erwartete, wo dieses vollends emportauchen wrde.
Jetzt aber pltzlich stockten alle me$
Bedienung des Geschtzes und in anderen kriegerischen
Handgriffen zu ben, damit wir's mit den Marokkanern um so besser
aufzunehmen vermchten und, falls es zum Schlagen kme, jeder am Borde
wte, wohin er gehre und wie er es anzugreifen habe. Und da es
hiermit nicht etwa von unserem Kapitn nur fr die Langeweile gemeint
war, kann ich sofort durch ein Beispiel belegen.
Um mich aber hierber noch mit einigen Worten auszulassen, sei
zufrderst bemerkt, da ein Kapitn auf dieser Art von Schiffen sich
seinen Dienst insofern bequem genug macht, als er sich (dringende
Notflle ausgenommen) die Nacht hindurch an nichts kehrt, sondern abends
um acht Uhr ruhig zu Bette geht und vor sechs Uhr morgens nicht wieder
zum Vorschein kommt. Er verlt sich lediglich auf seine vier
Steuerleute, deren je zwei zusammen in ihren vierstndigen Wachen
abwechseln, und begngt sich, morgens beim Aufstehen den Rapport ber
alles, was nchtlich vorgefallen ist, anzunehmen und mittags um zwlf
Uhr bei der Beobachtung der Sonnenhhe$
weit grere Widerwrtigkeit begegnen
sollte, als alle frheren.
Indem ich nmlich eben meine Segel aufgezogen, die Anker aber nur soweit
emporgewunden hatte, da sie noch vor dem Bug unter Wasser hingen, das
Schiff aber in die flieende Fahrt gelangte, kam eine ledige T'Gelke
[flaches Fahrzeug, auf der Zuider-See gebruchlich] gegen meine Seite in
einer Richtung angesegelt, da wir unausbleiblich zusammenstoen muten,
wofern sie nicht noch beizeiten absteuerte. Ich machte meine Leute
aufmerksam, ergriff aber zugleich auch das Sprachrohr, lief damit nach
vorn und rief dem Fahrzeuge zu: Haltet ab! Holt euer Ruder nach
Steuerbord! -- Auf dies Rufen sahen sich endlich die beiden Menschen
auf der T'Gelke, die mir bisher den Rcken gekehrt, nach meinem Schiffe
um, erkannten die Gefahr, worin sie schwebten, holten aber in der
Bestrzung das Ruder auf die Backbordseite, wodurch sie, anstatt mir
auszuweichen, gerade auf meinen Bug gerieten.
Jetzt ward das Unglck mit jedem Augenblick grer. Mein Bugspriet
verwick$
 ber ihren Tee- und Kaffeekesseln, und so oft ich in die Kombse
sah, hingen oder standen acht oder zehn solcher Maschinen bei einem
Feuer, woran man vielleicht einen Ochsen htte braten knnen -- ein
Unwesen, wobei nicht nur unser Kohlenvorrat unntz verschwendet, sondern
auch dem Schiffe bestndige Gefahr durch verwahrlostes Feuer drohte.
Als mir dieser Unfug endlich zu arg ward, tat ich ihnen ernstliche
Vorhaltung, da dies gegen alle gute Ordnung sei und fortan abgestellt
bleiben msse. Es solle dagegen mein eigener groer Kessel fortwhrend
am Feuer stehen, und was ich selbst nicht gebrauchte, mchten sie nehmen
und unter sich einteilen. Allein auch das war in den Wind geredet, und
mit dem Tee- und Kaffeegesff blieb es beim alten. Fast gewann es den
Anschein, als ob man Lust habe, sich um meine Anordnungen gar nicht mehr
Eines Abends, nach Endigung des Gebets, hie ich der Mannschaft noch
etwas sitzen zu bleiben, und mit ebensoviel Ernst als Gte deutete ich
ihnen meinen festen Willen an, da das Kunke$
anze auf dem Hohenberge mit Wurfgeschtz
zu erreichen sein werde. Er schickte uns also einige Granaten zu, die
aber entweder schon in der Luft platzten oder unschdlich in den
Stadtgraben fielen. Nichtsdestoweniger ward abends um acht Uhr ganz
unvermutet Feuerlrm geschlagen, und -- das Haus des Kommandanten stand
in vollem Brande! Alles lief zum Lschen herbei; doch mancher
verstndige Brger brachte dieses Ereignis mit dem gestrigen Parlamentr
in eine sehr bedenkliche Verbindung.
Voll von bengstigenden Gedanken, entschlossen sich unser dreizehn,
sofort eine Runde rings um die Stadtwlle zu machen und die
Verteidigungsanstalten nachzusehen. berall auf den Batterien, wo
Kanonen und Pulverwagen standen, riefen wir wiederholt und berlaut die
Schildwachen an, aber nur selten ward uns Antwort, und auf unsrer langen
Runde trafen wir nicht mehr als _sieben_ Mann unter dem Gewehre!
So etwas berstieg alle unsre Gedanken und Begriffe! Wir erachteten es
fr dringende Notwendigkeit, dem Kommandanten davon schleunig$

Strenge der Jahreszeit die nchste und krzeste Richtung geboten habe
und der knigliche Reisezug am 21. in Stargard eintreffen werde, um dort
einen Rasttag zu halten. Es war also auch zu erwarten, da die
pommerschen Stnde und andere Behrden der Provinz sich dort dem Knige
vorstellen wrden.
Diese Nachricht traf mich am 19. abends in einer Gesellschaft, wo viele
wrdige Mnner unserer Stadt beisammen waren. Wie! rief ich aus, so
viele unserer Landsleute sollen dort vor dem Knige stehen, ihm ihre
frohen Glckwnsche darzubringen, und nur aus unserer Vaterstadt sollte
sich niemand zu einer solchen freiwilligen Huldigung eingefunden haben?
Das hat weder der Knig um Kolberg, noch wir um ihn verdient! Seine
Gnade hat uns erst unlngst eine Kriegssteuer von nahe an
zweimalhunderttausend Talern erlassen, bei welcher schicklicheren
Gelegenheit knnten wir ihm dafr unseren Dank bringen, als wenn eine
Deputation der Brgerschaft sich jetzt dazu auf den Weg machte?
-- Vollmacht? Trgt sie nicht jeder mit sein$
hnisch fragte, ob das Wunder geschehen sei.
Ich glaube ja!, erwiderte dieser.
Er ist total verrckt oder unverschmt frech! rief da der Kaiser.
Glaubt er denn, ich kann nicht sehen? Da hngt doch der Beutel!
Ich sehe, erwiderte der Gescholtene, da dort wohl ein Beutel
hngt, ob es aber der wirkliche ist, mchte ich bezweifeln!
Das ist denn doch zu stark! schrie der Kaiser. Holt den Beutel
herunter und bringt ihn her! befahl er der Wache.
Der Beutel wurde abgenommen und dem Kaiser gebracht, der ihn ffnete,
aber ein ganz verwundertes Gesicht machte, als er nur Steine in dem
Beutel fand und beim genaueren Sehen erkannte, da es gar nicht der
frhere Beutel war.
Kerl, wie hat er das fertig gebracht? fragte er den listigen Mann.
Dieser erzhlte, wie er einen gleichen Beutel angefertigt und diesen
dann in des Kaisers Gegenwart vertauscht habe.
Bist ein verteufelt schlauer Bursche! sagte dann der Kaiser. Und da
du mir der Klgste von allen zu sein scheinst, sollst du deren
Oberster sein und ich$
von weitem und erzhlte, im Hause des alten Mannes
angekommen, diesem, wie er den Dachs aufs Wasser gelockt, wie er das
Boot zerschlagen und endlich den Bsewicht gettet habe, der nachher
von den Fischen gefressen wurde. Da wurde der Mann, der bisher immer
noch Furcht hatte, da der Dachs auch ihm und dem Hasen ein Leid
zufgen werde, wieder frohen Herzens. Er lud den Hasen ein mit an das
Grab seiner Frau zu kommen.
Als beide am Grabe standen, rief der Mann, gleich als wenn seine Frau
Liebe Frau! Du bist jetzt gercht. Der Dachs, unser Widersacher ist
tot, gettet von meinem Freund, dem weien Hasen, hier neben mir. Wir
knnen jetzt ohne Sorge sein, der Bsewicht wird uns nicht mehr
Nachdem er dies gesagt hatte, machte er drei tiefe Verbeugungen[3] und
ging mit dem Hasen in das Haus zurck. Hier bereitete er diesem ein
Essen, so gut er es konnte und es hatte, um seine Dankbarkeit zu
Er lud den Hasen ein doch bei ihm zu bleiben und in seinem Hause zu
wohnen, aber der Hase schlug dies dankend aus. Er sagte, e$
 war
wirklich ein schlaues Tier; denn auch ihr waren Bedenken gekommen und
sie hatte deshalb das Stck Fisch vorlufig versteckt um erst zu
sehen, ob ihr Herr vom Fische geniee. Als sie nun sah, da er ihn mit
gutem Appetit verzehrte, da lief auch sie zurck und lie es sich
schmecken. Aber die Folgen blieben nicht aus. Das Gift fing bald an zu
wirken und Herr und Katze starben unter groen Qualen. So sieht man,
wie sich selbst der Schlaueste manchmal tuschen lt.
    [Anmerkung 1: Fugu, ein stachlicher Fisch zur Gattung der
    Tetrodon gehrig; das Fleisch dieses Fisches ist giftig und
    daher ungeniebar. Er wird nur gefangen um als Dngemittel
    verwendet zu werden.]
  [Verzierung]
  [Verzierung]
Der bedchtige Reiher.
Ein Reiher spazierte am frhen Morgen im Teiche gravittisch auf und
ab; er hatte Hunger und suchte sich Beute. Da sah er pltzlich einen
zierlichen Aal sich durch das klare Wasser schlngeln; auch ein
munteres Fischlein kam herbeigeschwommen und endlich hpfte ein Frosch
auf ein gro$
sich gewnscht hatte. Bald kam ihm sein frherer Beruf als ein
bser Traum vor und er wunderte sich oft, wie er hatte so lange
zufrieden sein knnen.
Aber wie es so geht und wie ein Sprichwort sagt: Auf einen Wunsch
folgen mehrere oder wer Macht hat, will grere Macht, so ging es
auch dem Steinhauer.
Einmal sa er an einem heien Sommertage, sich fchelnd, auf der
Veranda seines Hauses, als in einer Snfte ein Frst vorbergetragen
wurde; eine Anzahl Diener schritt rechts und links von der Snfte; sie
trugen groe, prachtvolle Fcher, mit denen sie dem Frsten Khlung
zufchelten. Ein groes Gefolge begleitete ihn und alle Menschen
warfen sich zu Boden und grten in dieser Weise den Frsten.
Da ward der Steinhauer mimutig und sagte: Ja, der Frst hat es gut,
der braucht nicht zu Fu zu gehen, braucht sich nicht eigenhndig
Khlung zuzufcheln und alle Welt verneigt sich vor ihm. Wenn es
ginge, mchte ich auch so ein Frst sein!
Kaum hatte er dies gesagt, da ertnte wieder die Stimme: Du hast es
gew$
ung erblicken. Ja es ist wahr: neben jedem Halm des Glaubens wird
ein Bschel aberglubischen und muckerischen Unkrauts wuchern. Es ist
wahr: sein Gift ist widerlicher als des Unglaubens; wie ehrenhaft und
mutig ist der nchterne, handfeste Atheist, verglichen mit dem slich
feigen Mucker, dem lsternen Geisterbeschwrer, dem schamlosen
Sndenknecht und dem fleiigen Gottesbetrger. Sollen wir aus Furcht vor
dem Sekundren verzagen? Wer einen Flulauf reinigt, darf sich nicht
wundern, wenn der Bagger Schlamm emporgeholt; liegen die Gifte der
Muckerei in der Menschheit, so sollen sie zu Tage, mag Sonne und Wind
zerstren, was in den Tiefen grte.
Es sind andere, die schaffen Glaubensersatz. Sie vertiefen sich in alte
Gtterlehren und Sagen und Gebruche und meinen, auch wenn man nicht
daran glaubt, so ist es schn und dient zur Erhebung, ber ein Feuer zu
springen oder die Sonne anzurufen. Es ist schn, aber nicht echt; es
dient zur Erhebung, aber zur knstlichen, uerlichen, flchtigen und
gespielten. Es sc$
unde und
blitzte ihn mit goldenen Augen an.
Da sprach Fridolin:
Sie hat blaue Augen, und in ihrem Haar ist ein Ton wie Bernstein. Habe
Wilibald nickte.
Das Schnste ist ihr Lachen, erwiderte er, Es ist wie ein Quell unter
Blumen. In einer halben Stunde sind wir bei ihr.
Der Wagen bog in einen sandigen Feldweg ein, um einen Hgel herum, und nun
fuhr man auf einmal mitten in die untergehende Sonne hinein. Sie ging ganz
ohne Strahlen hinber, gleich einem riesigen Blutstropfen, der in einer
blulich dunstigen Atmosphre hing. Auf einer Hhe rechts von dem roten
Gestirn trmte sich ein armseliges Dorf empor, in wilden Linien. Weie
Huser und hochragende Dcher aus Stroh. Eine alte, dickkpfige Kirche
krnte das Ganze.
Das ist Garzigar, erklrte Wilibald, indem er mit der Peitsche
hinberwies. In der Kirche findet morgen die Trauung statt. Heute machen
wir noch einen Bogen darum.
Fridolin war entzckt von diesem alten, hochgebauten Nest, das, die
mchtige Sonne zur Linken, wie eine trotzige Faust aus der$
 stiegen, sondern da ich falle, und fest mich an den Seilen haltend
aus Schwche ein wenig zu schaukeln anfing. Bald schaukelte ich strker,
als die Luft schon khler wehte und statt der fliegenden Vgel zitternde
Sterne erschienen.
Bei Kerzenlicht bekam ich mein Nachtmahl. Oft hatte ich beide Arme auf
der Holzplatte und, schon mde, bi ich in mein Butterbrot. Die stark
durchbrochenen Vorhnge bauschten sich im warmen Wind, und manchmal
hielt sie einer, der drauen vorberging, mit seinen Hnden fest, wenn
er mich besser sehen und mit mir reden wollte. Meistens verlschte die
Kerze bald und in dem dunklen Kerzenrauch trieben sich noch eine
Zeitlang die versammelten Mcken herum. Fragte mich einer vom Fenster
aus, so sah ich ihn an, als schaue ich ins Gebirge oder in die bloe
Luft, und auch ihm war an einer Antwort nicht viel gelegen.
Sprang dann einer ber die Fensterbrstung und meldete, die anderen
seien schon vor dem Haus, so stand ich freilich seufzend auf.
Nein, warum seufzst Du so? Was ist denn gesc$
es
Substrat finden; ein ebenfalls buntes Samengemisch wird den Felsen durch
den Wind und die Thiere zugefhrt. Auf diese Weise kommt es, dass in
tiefen Felsspalten ganz dieselben Pflanzen, wie auf gewhnlichem Boden,
gedeihen, whrend sich sonst epiphytisch wachsende Gewchse an der
Steinoberflche, ganz hnlich wie an der Baumrinde, ansiedeln; die Flora
der Felsen wrde in den Tropen ein Mittelding zwischen der epiphytischen
und der terrestrischen darstellen, wenn sie nicht ausser diesen
Bestandtheilen noch eine Anzahl Arten enthielte, die durch den Kampf ums
Dasein von fruchtbareren Standorten ausgeschlossen werden, und denen der
Bau ihrer Samen und Frchte auf Bume berzugehen nicht gestattet.
5. Die in diesem und den vorigen Kapiteln ber die Eigenthmlichkeit der
Epiphyten, ber die Beziehungen der Flora der Baumrinde zu derjenigen
anderer Substrate, berechtigen uns wohl unzweifelhaft, die Genossenschaft
der Epiphyten als eine der am besten charakterisirten zu bezeichnen. Die
Existenzbedingungen sind de$

_gesperrter_ Text ist im e-Book entsprechend wiedergegeben.]
Der Zauberkaftan
Koloman Mikszth
Aus dem Ungarischen von
Viktor Sziklai
Druck und Verlag von Philipp Reclam jun.
Erstes Kapitel.
Jene Stdte sind nrrisch, welche klagen: Wir haben viel gelitten, bei
uns haben die Trken ein oder zwei Jahrhunderte gehaust. Wahrhaft
litten jene Stdte, wo weder Trken hausten, noch Labanzen und
Kurutzen,[1] und welche sich aus eigner Kraft erhielten, wie zum
Beispiel Kecskemt; denn wo von den kriegfhrenden Parteien sich die
eine aufhielt, dort dominierte, plnderte nur die eine und die anderen
wagten sich nicht einmal hin, wo aber keine einzige wohnte, dorthin
gingen alle Erdbeeren sammeln.
  [1] Labanzen und Kurutzen waren ungarische Soldaten.
Eines Tages wandelte den Ofner Pascha die Laune an, ein wenig zu
brandschatzen: Mein Sohn Dervisch Beg, schreibe dem Kecskemter
Richter! Und der Brief ging sofort ab, aus dessen ppigem Stile der
Ausdruck nicht fehlte: Ihr spielt mit Euren Kpfen!
Aber auch der Szolno$
hren den
Frauen ein gewisses Ansehen gab, wenn sie sagen konnten: Oho, mich
hat kein Storch ausgebrtet, auf meinem Leib prangten auch einst die
Kleider der Lestyk. Es wurde beinahe ein Sprichwort daraus. Wie erst
damals, als die Sache noch warm war, konnte es da gleichgltig sein,
wer die Kleider tragen durfte und wer nicht, wer amtlicherseits schn
gefunden wurde und wer unbrauchbar war? Gar viele bittere, brennende
Thrnen wurden da geweint. Ich will den Alten nicht des Mibrauchs der
Amtsgewalt anklagen, auch dessen nicht, da er sich bestechen lie (es
fiele auch ein wenig schwer, dies heute, nach zweihundert Jahren
beweisen zu wollen) aber Thatsache ist einmal, da er gar viele
Taktlosigkeiten beging. Da war zum Beispiel die Geschichte mit dem
Zigeunermdchen.
Es kam nmlich die Kleine, in Lumpen gehllt, barfu, zerzaust, lie
die groen Augen ber die Schtze hinfliegen und der Mund blieb ihr
offen stehen. Wie glnzende Perlen aus dem Orient funkelten die weien
Zhne im roten Mndchen. (Der alte E$
eben sandte ihm 1000 Sldner unter Lakrates,
Argos 3000 unter Nikostratos; in den asiatischen Griechenstdten waren 6000
Mann geworben, die unter Bagoas' Befehl gestellt wurden. Der Groknig
befahl dem Satrapen Idrieus von Karien den Angriff auf Cypern; er selbst
wandte sich gegen die phnikischen Stdte. Vor solcher bermacht entsank
diesen der Mut; nur die Sidonier waren entschlossen, den uersten
Widerstand zu leisten; sie verbrannten ihre Schiffe, um sich die Flucht
unmglich zu machen. Aber auf Mentors Rat hatte Knig Tennes bereits
Unterhandlungen angeknpft, sie beide verrieten die Stadt; als die Sidonier
bereits die Burg und die Tore in Feindes Hand und jede Rettung unmglich
sahen, zndeten sie die Stadt an und suchten den Tod in den Flammen; 40000
Menschen sollen umgekommen sein. Den cyprischen Knigen sank der Mut, sie
unterwarfen sich.
Mit dem Fall Sidons war der Weg nach gypten frei. Das Heer des Groknigs
zog an der Kste sdwrts; nicht ohne bedeutende Verluste gelangte es durch
die Wste,$
s seiner
eigenen Kraft hatte Philipp sich nicht erhoben; bei Chaironeia, wo er die
makedonischen Reiter des rechten Flgels fhrte, durchbrach er die
andrngende Linie des Feindes nicht, er lie selbst die Phalanx, wenn auch
in Ordnung, zurckgehen; da Alexander auf die heftig nachdrngende Linie
des Feindes mit der thessalischen Ritterschaft des linken Flgels einbrach,
entschied den Erfolg des Tages. Schon da, noch mehr in den Kmpfen des
Jahres 335, hatte Alexander gezeigt, da er khner, pltzlicher, immer
entscheidend die unwiderstehliche Offensivkraft dieses Heeres zu verwenden
verstand, nicht minder, da er zugleich der Feldherr und der erste Soldat
seines Heeres und im vollsten Sinn des Wortes dessen Vorkmpfer war. Wenn
irgend etwas, so war die Art, wie er sich persnlich einsetzte und immer an
der Spitze des entscheidenden Stoes auf den Feind strzte, dazu angetan,
den Wetteifer seiner Offiziere und seiner Truppen zu entflammen. Sein Heer
war der Zahl nach gering, aber in so organischer Gestaltung$
ht
davon -- in die Hand der Makedonen; nach dem schweren Verlust an
Mannschaft, den die Perser erlitten, muten wohl auch die Punkte auf dem
Festlande, die sie noch hatten, Myndos, Kaunos, das Triopion aufgegeben
werden; nur Kos, Rhodos, Kalymna, damit der Eingang in die Bucht von
Halikarna blieben noch persisch. Sie wuten, da Dareios bereits ber den
Euphrat vorgerckt sei, mit einem Heere, in dem die griechischen Sldner
allein der ganzen Armee Alexanders gleichkamen, mit einer unermelichen
bermacht an Reitern.
Es ist nicht klar, welche Motive die nchst weitere Aktion der Admirale
bestimmten, ob das Vordringen des Hegelochos, der auf Alexanders Weisung
von neuem eine Flotte im Hellespont gesammelt hatte, dem Aristomenes mit
seinem Geschwader erlag, der Tenedos wieder gewann, -- oder die Absicht,
mit der erwarteten Niederlage Alexanders zugleich die allgemeine Emprung
in Hellas aufflammen zu machen. Sie lieen eine Besatzung in Chios, einige
Schiffe bei Kos und Halikarna zurck; sie gingen mit 100 Sc$
 sein; den Zug nach Babylon knne man, ber die
heimischen Zustnde beruhigt, mit desto greren Erwartungen beginnen, da
dann die Perser zugleich vom Meere und von den Lndern diesseits des
Euphrat abgeschnitten seien. Die Versammlung berzeugte sich von der
Notwendigkeit, die stolze Seestadt zu unterwerfen; aber ohne Flotte sie zu
erobern, schien unmglich. Immerhin unmglich fr den ersten Blick; aber
das als notwendig Erkannte mute auch zu ermglichen sein; khne Plne
durch khnere Mittel zu verwirklichen gewohnt, beschlo Alexander, die
Inselstadt landfest zu machen, um dann die eigentliche Belagerung zu
Neutyrus, auf einer Insel von einer halben Meile Lnge und geringerer
Breite erbaut, war vom festen Lande durch eine Meerenge von etwa tausend
Schritt Breite getrennt, die in der Nhe der Insel etwa noch drei Faden
Fahrwasser hatte, in der Nhe des Festlandes dagegen seicht und schlammig
war. Alexander beschlo, an dieser Stelle einen Damm durch das Meer zu
legen; das Material dazu lieferten die Gebud$
s da Knig Ochos den heiligen Stier in Memphis
niedergestochen hatte; Alexander opferte, wie den anderen Gttern der
gypter, so dem Apis im Phthatempel zu Memphis; er lie dort von
hellenischen Knstlern gymnische und musische Wettkmpfe halten, zum
Zeichen, wie fortan das Fremde hier heimisch, das Einheimische auch den
Fremden ehrwrdig sein werde. Die Achtung, die er den gyptischen Priestern
zollte, mute ihm diese Kaste um so mehr gewinnen, je tiefer sie von der
oft fanatischen Intoleranz der persischen Fremdlinge herabgewrdigt worden
Mit der Besitznahme gyptens hatte Alexander die Eroberung der
Mittelmeerksten, die unter persischer Herrschaft gestanden, vollendet. Der
khnste Gedanke der perikleischen Politik, in der Befreiung gyptens der
See- und Handelsherrschaft Athens ihren Schlustein und dauernde Sicherung
zu geben, war nun nicht blo erfllt, sondern weit berboten: der
hellenischen Welt war das Ostbassin des Mittelmeeres gewonnen und mit der
Herrschaft ber gypten die nahe Meeresbucht, von$
 Reitervolk der
Saker unter Mauakes und die Daer aus der Steppe des Aralsees angeschlossen.
Die Vlker aus Arachosien und Drangiana und die indischen Bergbewohner der
Paravetiberge kamen unter ihrem Satrapen Barsaentes, ihre westlichen
Nachbarn aus Areia unter dem Satrapen Satibarzanes, die persischen,
hyrkanischen und tapurischen Reiterschwrme aus Chorassan, dem Schwertlande
Irans, unter Phrataphernes und seinen Shnen. Dann die Meder, einst die
Herren Asiens, deren Satrap Atropates zugleich die Kadusier, Sakasener und
Albaner aus den Tlern des Kur, des Araxes und des Urmea-Sees fhrte. Von
Sden her, von den Ksten des Persischen Meeres, kamen die Vlker
Gedrosiens und Karmeniens unter Okontobates und Ariobarzanes, dem Sohne des
Artabazos, die Perser unter Orxines, aus dem Geschlechte der sieben
Frsten. Die Susianer und Uxier fhrte Oxyathres, der Sohn des susianischen
Satrapen Abulites; die Scharen von Babylon sammelten sich unter Bupales'
Befehl, die aus Armenien kamen unter Orontes und Mithraustes, di$
ereinigung Indiens mit dem brigen Asien ausfhrbar werden
konnte, das waren, so scheint es, die Absichten, die Alexanders Politik in
Indien geleitet haben; nicht die Vlker, wohl aber die Frsten muten von
ihm abhngig sein. Die bisherige Stellung des Poros in dem Fnfstromlande
des Indus konnte fr die Politik Alexanders den Mastab abgeben. Offenbar
hatte Poros bis dahin ein Prinzipat in dem Gebiet der fnf Strme gehabt
oder gesucht, und eben dadurch die Eifersucht des Frsten von Taxila rege
gemacht; sein Reich umfate zunchst zwar nur die hochkultivierten Ebenen
zwischen dem Hydaspes und Akesines, doch hatte im Westen des Hydaspes sein
Vetter Spitakes, im Osten des Akesines in der Gandaritis sein Groneffe
Poros wahrscheinlich durch ihn selbst die Herrschaft erhalten, so da der
Bereich seines politischen bergewichtes sich ostwrts bis an den Hyarotis
erstreckte, der die Grenze gegen die freien indischen Vlker bildete; ja
mit Abisares verbndet, hatte er seine Hand sogar nach ihrem Lande
auszustreck$
f die
Feder, da ihre bunten Farben in ihrem Glanze prchtig leuchteten.
Der junge Knabe hielt sein Rlein an und wollte absteigen, um die
Feder aufzuheben und sie an seinen Hut zu stecken. Da tat das
Rlein sein Maul auf und sprach: Ach, la die Feder auf dem Grunde
liegen! Des verwunderte sich der junge Reiter, da das Rlein
sprechen konnte, und es kam ihn ein Schauer an; er blieb im Sattel,
stieg nicht ab, hob die Feder nicht auf, sondern ritt weiter. Nach
einer Zeit geschah es, da der Knabe am Ufer eines Bchleins
hinritt, siehe, da lag eine bunte, viel schnere Feder auf dem
grnen Gras, als jene war, die im Walde gelegen hatte, und des
Knaben Herz verlangte nach ihr, seinen Hut damit zu schmcken, denn
dergleichen Pracht von einer Feder hatte er all sein Lebtag noch
nicht gesehen. Aber wie er absteigen wollte, sprach das Rlein
abermals: Ach, la die Feder auf dem Grunde! Und wieder
verwunderte sich der Knabe ber alle Maen, da das Rlein sprach,
whrend es doch sonst nicht redete; er folgt$
s
Notwendigkeitsverhaeltnis als eine Denknotwendigkeit zu bezeichnen; aber
wiederum gilt, dass diese Denknotwendigkeit nicht der Grund unsrer
Einsicht in die Wahrheit dieser Gesetze ist, dass vielmehr dieser Grund,
wie ueberall so auch hier, nur das Einleuchten der Zusammengehoerigkeit sein
kann. Auch hier sind also Denknotwendigkeit und Einsicht ganz und gar
verschieden.
  Achtzehnte Untersuchung.
Einsicht und Wille.
Da mit der Einsicht keinerlei Zwang oder innere Noetigung fuer uns verbunden
ist, so sind wir im Stande uns derselben zu entziehen, wenn sie unsren
Neigungen nicht entspricht, wie viele Erfahrungen unseres Lebens uns
bestaetigen. Das Widerstreben gegen die erkannte Wahrheit ist eine leider
nur zu haeufig vorkommende Thatsache. Wir koennen unsren Blick von dem
Sichaufdraengen und Einleuchten der Zusammengehoerigkeit ablenken und auf
etwas andres richten, uns dadurch die eintretende Einsicht aus dem Sinne
schlagen, in den Hintergrund draengen, verdunkeln und sogar ganz
beseitigen, um uns einem ent$
em der Wahrheit bestimmt,
und unsere Begriffe S. 15, 18, 21.
*Begriffsworte* enthalten eine Wissensdisposition, die betreffenden
Urteile faellen zu koennen S. 11.
*Believe* Dafuerhalten, S. 71.
*Berkeley* ueber die Dinge als Gedanken Gottes S. 53, 54.
*Beruehrung* enthaelt ein irrationales Element a) als Bestandteil der
Ausdehnung, b) als Bestandteil der Substanz S. 48--49.
*Beschraenktheit* als seiendes Nichtsein S. 47.
*Bewegung*, Sinnenbild und Begriff derselben S. 11; irrationales Element
in der Bewegung S. 48.
*Beweis* fuer die Existenz der Aussenwelt S. 54--56.
*Bewusstheit* Wissen des Bewusstseinsvorgangs um sich selbst S. 58, --
uneigentliches, nicht namentliches, nicht begriffliches Wissen, keine
Einsicht oder Erkenntnis S. 59, -- hat einen uebergreifenden Charakter
S. 60--61, -- analog dem Bewusstsein des Ich und Selbst von sich S. 63, --
ist die Erscheinung der Bewusstseinsvorgaenge im Bewusstsein, die sich in
der Reflexion wiederholt S. 64, -- kommt bei der Uebertragung der
sinnlichen Vorstellunge$
i.
Das arglose Kind, glckselig, endlich einmal seinem Freund mit etwas
dienlich sein zu knnen, stolz auf seine Wrde als Bote, sprang sofort
weg und strmte so toll den Weg hin, da die Leute ihm verwundert
nachstarrten. Aber ihm war gelegen, zu zeigen, wie flink er war, wenn
man ihm Botschaften vertraute. Der Graf war, so sagte man ihm dort, noch
nicht eingetroffen, ja zur Stunde gar nicht angemeldet. Diese Nachricht
brachte er in neuerlichem Sturmschritt zurck. Aber in der Halle war der
Baron nicht mehr zu finden. So klopfte er an seine Zimmertr,--
vergeblich! Beunruhigt rannte er alle Rume ab, das Musikzimmer und das
Kaffeehaus, strmte aufgeregt zu seiner Mama, um Erkundigungen
einzuziehen: auch sie war fort. Der Portier, an den er sich schlielich
ganz verzweifelt wandte, sagte ihm zu seiner Verblffung, sie seien
beide vor einigen Minuten gemeinsam weggegangen!
Edgar wartete geduldig. Seine Arglosigkeit vermutete nichts Bses. Sie
konnten ja nur eine kurze Weile wegbleiben, dessen war er sicher, d$
aren so schn heute abend.
Und die andere wieder: Nein, ich darf nicht, ich kann nicht, lassen Sie
Es ist so viel Angst in der Stimme seiner Mutter, da das Kind
erschrickt. Was will er denn noch von ihr? Warum frchtet sie sich? Sie
sind immer nher gekommen und mssen jetzt schon ganz vor seiner Tr
sein. Knapp hinter ihnen steht er, zitternd und unsichtbar, eine Hand
weit, geschtzt nur durch die dnne Scheibe Tuch. Die Stimmen sind jetzt
Kommen Sie, Mathilde, kommen Sie! Wieder hrt er seine Mutter sthnen,
schwcher jetzt, in erlahmendem Widerstand.
Aber was ist dies? Sie sind ja weiter gegangen im Dunkeln. Seine Mutter
ist nicht in ihr Zimmer, sondern daran vorbeigegangen! Wohin schleppt er
sie? Warum spricht sie nicht mehr? Hat er ihr einen Knebel in den Mund
gestopft, pret er ihr die Kehle zu?
Die Gedanken machen ihn wild. Mit zitternder Hand stt er die Tre eine
Spannweite auf. Jetzt sieht er im dunkelnden Gang die beiden. Der Baron
hat seiner Mutter den Arm um die Hfte geschlungen und fhrt $
rcheinander. Ob er noch tanzte, ob er
gut ausshe, ob er bleiben wollte, ob er unverlobt wre ...
Maggie gab Auskunft, so gut sie konnte, und meinte, wenn's dazu kme,
wollte sie ihn ordentlich ins Gebet nehmen. Dann warf sie noch einen
kurzen Blick in den Spiegel, stellte mit Befriedigung fest, da sie
entschieden am besten von allen aussah, und trat siegesfroh in den
Gartensaal, wo der Vater sie erwartete.
Sie fuhr ein klein wenig zusammen. Neben ihm stand Seckersdorf.
Er war doch eine prachtvolle Erscheinung, selbst in dem hlichen
Frackanzug. Der Typus des ritterlichen Mannes, ehrenfeste Kraft in jedem
Er kam ihr entgegen, und nachdem sie einander und den alten Herrn von
Schweitzer begrt hatten, der sich dem Vater anschlo, gingen sie
zusammen durch den Saal weiter. Beide befangen und schweigend, bis er
den Anfang machte und stockend fragte: Gndiges Frulein haben den
Rckweg neulich ohne Anstrengung gemacht?
Nun lachte Maggie. Natrlich! Aber, bitte, sagen Sie doch lieber einmal
ehrlich, was Sie e$
llte jener selbst die Aufsicht bernehmen,
und was das Schlimmste war, Seckersdorf hrte mit vollster
Aufmerksamkeit zu, fragte, lie sich belehren und sprach selbst so
anhaltend zu den Leuten, da sie schlielich eine ungeduldige Bemerkung
ber seinen Eifer machte.
Er wandte sich um. Entschuldigen Sie mich, bat er. Ich bin Landmann
mit Leib und Seele und kann in Sachsen verwerten, was ich hier lerne.
Wir haben auf Isenburg ganz hnliche Forstverhltnisse.
Sie gehen wieder zurck? fragte sie, froh, ein Gesprch anknpfen zu
Wahrscheinlich.
Der Oberfrster rief ihn, ehe er etwas hinzufgen konnte, von neuem an.
Er hatte an einem der wenigen geschlagenen Stmme ein fremdes
Forstzeichen bemerkt und fragte nach dessen Bedeutung.
Seckersdorf wute sie nicht. Der Oberfrster sprach Vermutungen darber
aus, warnte vor Holzdieben, die in der Gegend ein freches Wesen trieben;
und darber ereiferten sich beide Mnner so, da Maggie niedergeschlagen
hinter ihnen herging und ihren heutigen Versuch als verfehlt zu$
wi nicht. Aber das alles sind
ja Dummheiten grbster Sorte. Es fllt mir hier etwas ein, und ich sehe
mich, aus, ich wei nicht welchen, Ursachen, gentigt, es zu sagen. Ich
besa vor einer Woche oder mehr Tagen an Geld noch zehn Mark. Nun, jetzt
sind diese zehn Mark verflogen. Eines Tages trat ich in ein Restaurant
mit Damenbedienung. Ganz unwiderstehlich zog es mich hinein. Ein Mdchen
sprang mir entgegen und ntigte mich, auf einem Ruhebett Platz zu
nehmen. Halb wute ich Bescheid, wie das ungefhr endigen konnte. Ich
wehrte mich, aber ganz und gar ohne Nachdruck. Es war mir alles
gleichgltig, und doch wieder nicht. Es bereitete mir ein Vergngen
ohnegleichen, dem Mdchen gegenber den feinen, obenherabschauenden
Herrn zu spielen. Wir befanden uns ganz allein, und nun trieben wir die
nettesten Dummheiten. Wir tranken. Immer lief sie ans Bffet, um neue
Getrnke zu holen. Sie zeigte mir ihr reizendes Strumpfband, und ich
liebkoste es mit den Lippen. Ah, ist man dumm. Immer stand sie wieder
auf und holte N$
ist
alles, sogar das Kleinste, viel. Ein paar Menschen vollkommen kennen zu
lernen, dazu bedrfte es eines Menschenlebens. Das sind nun wieder
Benjamentasche Grundstze, und wie unhnlich sind Benjamentas dem, was
Welt bedeutet. Ich will schlafen gehen.
Ich vergesse nie, da ich ein Abkmmling bin, der nun von unten, von
ganz unten anfngt, ohne doch die Eigenschaften, die ntig sind,
emporzugelangen, zu besitzen. Vielleicht, ja. Es ist alles mglich, aber
ich glaube nicht an die eitlen Stunden, in denen ich mir Glck,
verbunden mit Glanz, vorspiegle. Ich habe gar keine Emporkmmlingstugenden.
Ich bin manchmal frech, aber nur aus Laune. Der Emporkmmling aber ist
von einer permanenten bescheiden-tuenden Frechheit, oder von einer
frechen, fortwhrend frechen Unbedeutendheitsgebrde. Und es gibt viele
Emporkmmlinge, und was sie errungen haben, das halten sie stupide fest,
und das ist ausgezeichnet. Sie knnen auch nervs sein, ungehalten,
verdrielich und all der Dinge mde, aber der berdru dringt nicht
ti$
Wesen, Bewegen und Leben
gehat und gemieden worden. Da tratest du ein, frisch, dumm, unartig,
frech und blhend, duftend von unverdorbenen Empfindungen, und ganz
natrlich schnauzte ich dich mchtig an, aber ich wute es, so wie ich
dich nur sah, da du ein Prachtbursche seiest, mir, wie es mir vorkam,
vom Himmel heruntergeflogen, von einem alleswissenden Gott mir gesandt
und geschenkt. Ja, dich brauchte ich gerade, und ich lchelte immer
heimlich, wenn du von Zeit zu Zeit zu mir eintratest, um mich mit deinen
reizenden Frechheiten und Grobheiten, die mir wie gutgelungene Gemlde
erschienen, zu belstigen. O nein, zu betren. Ruhig, Benjamenta, ruhig.
-- Hast du es, sage mir das, nie bemerkt, da wir Zwei Freunde waren?
Doch still. Und wenn ich dann so meine Wrde vor dir bewahrte, o dann
htte ich sie zerreien mgen, zerreien in Fetzen. Wie rasend frmlich
du dich sogar heute noch vor mir verbeugt hast! Doch hre, wie ist es
eigentlich nur mit dem Wutanfall von neulich? Habe ich dir wehtun
wollen? Wollte $
wenn er jetzt in
nicht allzu langer Zeit nach dem Osten ging, ri sein Scheiden in den
Kreis, der sich ein paarmal in der Woche zu versammeln pflegte, keine
Lcke. Hchstens, da der eine oder andere mit einer gewissen Bitterkeit
bemerkte: Na ja, er hat's wieder einmal geschafft, der kaltnasige
Streber! Kriegt seine Schwadron auer der Tour, berspringt ein Dutzend
Vordermnner, der Schuster!
Ein Vers flog ihm durch den Sinn, den er mal vor Jahren in einem
Gedichtbuche gelesen hatte:
    Auch keinem hat's den Schlaf vertrieben,
    Da ich am Morgen weitergeh --
    Sie konnten's halten nach Belieben,
    Von einer aber tut's mir weh -- -- --
Das letzte stimmte nicht recht, nicht ein einziges kleines Mdel in dem
ganzen groen Berlin dachte an ihn, wenn er sich anschickte, Abschied zu
nehmen. Von gar manchen seiner unverheirateten Kameraden wute er, da
sie in den Vierteln im Norden eine se kleine Verschwiegenheit hatten,
mit der sie im Ruberzivil am Sonntag irgendwohin ber Land fuhren. Er
war immer nu$
man jetzt an der Brse auf Hausse oder Baisse
spekulieren soll. Wenn man einen sicheren Tip besitzen wrde, knnte man
einen hbschen Posten auf Gewinnkonto verbuchen.
Gaston parierte die taktlose Anzapfung mit einem Scherz, der die Lacher
auf seine Seite brachte.
Ich glaube, Sie verwechseln mich mit Sr. Exzellenz dem Herrn
Kriegsminister. Aber ich frchte, auch der knnte Ihnen keine ganz
sichere Auskunft geben.
Ein Herr mit glattrasiertem Gesicht, der neben Frau Josepha gesessen
hatte, stand auf.
I mu eh' schon z' Haus, die verwaisten Kinder schreien nach ihren
Vatter! Also, wenn's meinen Platz hab'n wolln, Herr Hauptmann ... Er
fhlte einen Widerwillen, klappte die Hacken zusammen.
Bitte sehr, sich durch mich nicht stren zu lassen! Meine Kameraden,
mit denen ich hierher gekommen bin, erwarten mich.
Frau Josepha stand auf, drckte den glattrasierten Herrn auf seinen
Platz zurck.
Sie kommen noch frh genug in den Klub, Ihre paar Kreuzerln los zu
werden ... und erlauben's mal ... Sie trat aus der $
 Gelehrter, aber dazu
stimmte nicht sein sonstiges Auftreten. Kurze, fast militrische
Bewegungen, und seinen eleganten Reiseanzug hatte sicherlich auch kein
Zivilschneider gefertigt. Dafr hatte sie ein untrgliches Auge.
Die Hitze in dem sonnenbestrahlten Wagen fing an, unertrglich zu
werden. Der alte Herr fuhr sich mit dem Finger zwischen Hals und
Hemdkragen und sthnte auf.
Herrgott, himmlischer Vater, dieses Blindschleichentempo ist ja kaum
noch auszuhalten! Wenn ich ein paar Ackergule vorspanne und hau' sie
ordentlich ber den Zagel, geht's rascher vorwrts. Und dieses ewige
Angehalte an den kleinen Nestern -- steigt ja doch kein Mensch ein oder
Annemarie ffnete eilig ihre Reisetasche, netzte ein frisches Tuch mit
Klnischem Wasser und khlte ihrem Vater die Stirn. Und, whrend er ihr
mit zrtlichem Hndedruck dankte, flog ein schelmisches Lcheln um
ihren hbsch geschnittenen Mund. Wie wrdest Du aber erst schimpfen,
Papa, wenn er an _unserer_ Station vorberfahren wollte?
Gaston nahm die Gelegen$
, aber sag' mal selbst:
Wenn Du die Aussicht httest, eine Annemarie von Gorski zu heiraten,
wrdest Du es da fertig kriegen, eine nach bler Pomade duftende Mamsell
auf den Mund zu kssen, mit dem sie kurz vorher -- na sagen wir mal --
Gnseleber mit Zwiebeln abgeschmeckt hat?
Hans von Gorski schttelte sich lachend.
Nicht um tausend Taler!
Eine Weile ritten sie schweigend nebeneinander her, dann fragte der
Jngere unvermittelt: Du, Hans?
Kannst Du Dir vorstellen, da uns beiden so ein Mdel wie Annemarie
blanke Augen machen wrde oder zur Ermunterung eine goldne
Zigarettendose im Coup liegen lassen?
Schwerlich!
Na siehst Du, versetzte der Jngere tiefsinnig, ich habe es schon
immer gesagt, und die Geschichte eben bestrkt mich von neuem in der
Meinung: wir htten uns rechtzeitig zusammentun mssen, unseren
Urgrovater zu erschlagen. Von ihm stammt nmlich, nach dem Bild im
groen Saal zu schlieen, in einem grotesken Sprung ber Generationen,
das ganze Malheur. Die krummen Beine, die groen Ohr$
die Augen auf und
verlangte zu trinken. Marthe, sagte sie, wenn es erst Frhling wird,
und ich wieder zu Krften gekommen bin, dann wollen wir deine Schwester
Hanne besuchen; ich habe ihre Kinder eben im Traume gesehen; -- du hast
hier gar zu wenig Vergngen. -- Die Mutter hatte ganz vergessen, da
Schwester Hannes Kinder im Sptherbst gestorben waren; Marthe erinnerte
sie auch nicht daran, sie nickte schweigend mit dem Kopf und fate ihre
abgefallenen Hnde. Die Uhr schlug elf. --
Auch jetzt schlug sie elf, aber leise, wie aus weiter, weiter Ferne. --
Da hrte Marthe einen tiefen Atemzug; sie dachte, die Mutter wolle
wieder schlafen. So blieb sie sitzen, lautlos, regungslos, die Hand der
Mutter noch immer in der ihren; am Ende verfiel sie in einen
schlummerhnlichen Zustand. Es mochte so eine Stunde vergangen sein; da
schlug die Uhr zwlf! -- Das Licht war ausgebrannt, der Mond schien hell
ins Fenster; aus den Kissen sah das bleiche Gesicht der Mutter. Marthe
hielt eine kalte Hand in der ihrigen. Sie lie$
hte. Er kaufte
Weinglser, eine Porzellanschale fr Kuchen, eine Kristallschale fr
Frchte und eine groe seidene Bettdecke.
Er kaufte sich neben seinen gewhnlichen Zigarren, die er tglich
rauchte, eine Schachtel bester und teuerster Havannastengel, die er nur
dann rauchen wollte, wenn der ersehnte Besuch gekommen sein wrde.
Mit diesen und noch mancherlei Einkufen beschwichtigte er das still
schwellende Sehnsuchtsfieber, das in ihm umging wie ein unheimlicher
Feueratem, der ihn entfachen wollte.
Aber den Brief, den er htte schreiben mssen, schrieb er nicht.
Oft, wenn ihm ein Besuch angezeigt wurde, fuhr er erschreckt zusammen
und dachte, jenes Mdchen knne pltzlich auf seiner Trschwelle stehen,
gerufen von den lautlosen Hilfeschreien seines geknebelten Herzens.
Zum Silvester kam dann, wie es verabredet war, seine ahnungslose Frau zu
ihm zu Besuch.
Sie war, seit er den Laden in der Hafenstadt aufgemacht hatte, noch
nicht bei ihm gewesen. Und als er sie jetzt vom Bahnhof abholte und in
sein Zimmer fh$
s
gelbe Stck Sonne oben war wie ein Stck Land, das in die Blue
herabschiene. Und sie hoffte, so verzaubernd wie das Meer, so von Grund
aus sollte sich jetzt ihr Leben in der Zukunft verndern, da alle
Begriffe sich umstlpten.
Aber als in der zweiten Nacht die elektrischen Kailampen von Messina,
das damals noch nicht untergegangen war, in langer Reihe vorberzogen,
nahm Ilse ihrem Mann Okuro, der neben ihr im Deckstuhl sa und in der
Dunkelheit nur am roten Punkt seiner Zigarette ihr erkenntlich war, die
Zigarette aus dem Mund, warf sie ber Bord und sagte, schmollend in
ihrer Flitterwochenstimmung:
Geliebter, wie kannst du rauchen und dich mit deiner Zigarette lautlos
unterhalten? Ich bin eiferschtig auf deine Zigarette und deine Ruhe bei
ihr. Ich bin noch keine so alte, ruhige Frau wie meine Gromutter,
welche einschlft, wenn du stundenlang schweigend rauchst. Ich mchte
lieber, da du mich erwrgst, ins Meer wirfst, oder irgend etwas Bses
mit mir tust, aber ich mag nicht, da du so ruhig und gleich$
adt
zusammgefaltet waren wie ein Blatt,
nur leise atmend mit den weien Schlfen ...
Das waren Reiche, die das Leben zwangen
unendlich weit zu sein und schwer und warm.
Aber der Reichen Tage sind vergangen,
und keiner wird sie dir zurckverlangen,
nur mach die Armen endlich wieder arm.
Sie sind es nicht. Sie sind nur die Nicht-Reichen,
die ohne Willen sind und ohne Welt;
gezeichnet mit der letzten ngste Zeichen
und berall entblttert und entstellt.
Zu ihnen drngt sich aller Staub der Stdte,
und aller Unrat hngt sich an sie an.
Sie sind verrufen wie ein Blatternbette,
wie Scherben fortgeworfen, wie Skelette,
wie ein Kalender, dessen Jahr verrann, --
und doch: wenn deine Erde Nte htte:
sie reihte sie an eine Rosenkette
und trge sie wie einen Talisman.
Denn sie sind reiner als die reinen Steine
und wie das blinde Tier, das erst beginnt,
und voller Einfalt und unendlich deine
und wollen nichts und brauchen nur das _eine:_
so arm sein drfen, wie sie wirklich sind.
Denn Armut ist ein groer Glanz aus Innen$
er ersten
Klasse kamen als Vorbung fr das Schreiben in Anlehnung an M.
_Montessori_ geometrische Formen zur Verwendung, deren Umrisse von den
Kindern mit Bleistift zunchst umzogen wurden. Die so umgrenzte
Papierflche war dann mit Farbstiften immer sorgfltiger auszufllen.
Die Kinder wurden dadurch gewhnt, den Umri zu beobachten, bestimmte
Grenzen einzuhalten, verschiedene Formen des Umrisses aufzufassen und so
langsam die Schreibbewegungen der Hand beherrschen zu lernen, ohne da
zunchst die Arbeit durch die Auffassung von schwierigeren
Buchstabenformen kompliziert wurde. Die Einfhrung in die einzelnen
Buchstaben erfolgte in frheren Jahren in der Weise, da der Buchstabe
zunchst langsam und unter Beobachtung aller Bewegungen vorgeschrieben
wurde. Darauf hatten ihn die Kinder in dem von Stadtschuleninspektor
Schmied entworfenen Setzkasten auszusuchen, auf unliniertem Papier oder
unlinierten Schiefertafeln mglichst gro nachzuzeichnen, zu betasten
und mit den Fingern nachzufahren bis zur Gelufigkei$
er Pastor erhob sich, ging in die Stuga hinunter und holte Gustav.
Scheu, verwirrt, kam der zu Tisch. Der Pastor lie ihn mit einer Tasse
Punsch und Hurrahrufen begren.
Dann stie Gustav mit Carlsson an und sagte ein kurzes:
-- Glck auf!
Carlsson wurde gefhlvoll und trank bis auf den Grund aus; erklrte,
es sei ihm ein groes Vergngen, ihn zu sehen, wenn er auch spt
komme; und er wisse von zweien, deren alten Herzen es wohl tue, ihn zu
sehen, wenn er auch spt komme.
-- Und glaube mir, schlo er, wer den alten Carlsson richtig zu nehmen
versteht, der wei auch, wo er ihn hat.
Hingerissen war Gustav nicht, aber er forderte Carlsson auf, ein Glas
mit ihm zu trinken.
Die Dmmerung kam, die Mcken tanzten, die Leute schwatzten, Glser
klangen, Lachen schallten. Hier und dort in den Bschen waren bereits
kleine Notschreie zu hren, unterbrochen von Kichern und Hurrahen,
Hallohen und Schssen, whrend der Himmel des lauen Sommerabends
erblate. Drauen auf den Wiesen zirpte das Heimchen und snarpte die
Wiesen$
worbenen Elias heimbrachte.
Er ist bestaubt, und die Schnur hat sich am Hals zugezogen, sagte ich,
warte, bis er gewaschen ist.
Willst du ihn waschen? fragte Panja und verschlang abwechselnd mich und
Elias mit bergroen Augen.
Es ist ein vorzglich veranlagtes Tier, das uns gute Dienste leisten
wird, versicherte ich etwas enttuscht von dem Empfang, den uns Panja
bereitete, und mit einem nachdenklichen Blick auf Elias, der die
Trschwelle bekmpfte und in seinem hilflosen Eifer einen entzckenden
Anblick unschuldiger Tatkraft bot.
Wenn nicht alle Samenkrner, die ich in Elias' junge Seele legte, zu
gedeihlicher Entfaltung erblht sind, so ist sicher Panja schuld daran, der
seine herabwrdigende Meinung ber dieses Tier niemals bekmpft hat. Nach
meiner berzeugung verdankt alle pdagogische Einwirkung auf ein
unerwachtes Gemt ihren Erfolg der gemeinsamen Mhe aller Hausgenossen.
Solange Elias keinen Rckhalt an Panja hat, und Panja Elias zur Quelle
allen bels macht, werde ich kaum an einem von ihne$
ahnen, wo die Hoheit, die unsere Gte sucht, wo
unser Glaube, der Berge versetzt?
                  *       *       *       *       *
Dster, lieblich und glhend strichen diese seltsamsten Tage meines Lebens
dahin. Wir blieben oft tagelang am gleichen Platze, ich verga mein Ziel
und die Zeit. Die grnen Sumpfaugen des Dschungels und das Silberwehen der
Steppennchte bannten mich, das tiefe Atmen bei geschlossenen Augen
ersetzte die Gedanken, das Licht wurde zu einer unermdlichen Gewiheit der
Lebensfreude und die Nacht zum gestaltlosen Traum. Das gewaltige, stille
und geduldige Leben der Pflanzen, die die ganze Erde fr sich
beanspruchten, raubte meinem Gemt langsam das Bewutsein seiner eigenen
Rechte, gewiegt von Staunen und erfllt von fremdem Daseinswillen trieb
mein Geist wie schlafend dahin, und doch berwach und tief innerlich
durchglht von einem heiligen Daseinsglauben. Ich ahnte das
grnlich-morastige Gift des Waldes, dessen Knigin und Gttin mir in ihrer
ganzen Macht erschienen war, ich sah de$
t' ich fast unwillig, und mich zum
Gelchter machen im ganzen Convent.
So will ich Dir noch einen Rath geben, fuhr er fort, als wollt' er
mich durch Scherz begtigen, sieh zu, da Du ihn besser befolgst.
Bleib hier und siedle bei St. Wigbert's Kirchlein. Wir leben hier in
Verborgenheit und edler Freiheit mit einander, bis Du mir mein Grab
grbst und mich hineinbettest. Wie? Du sagst nicht mit Freuden ja und
mikennest solche Ehre? So verbeut Dir Brun jede Ausrede und will, da
Du Dich auf's Ohr legest und schlafest.
Damit stund er auf und achtete nicht weiter auf mich.
Wirklich war ich so mde, da sich meine Augen willig senkten und ich
bald entschlief. Aber zu vielerlei und zu Neues hatte ich an diesem
ersten Wandertage durchlebt, als da mein Schlaf htte traumlos sein
knnen. Sonderlich des Alten eindrucksvolle Gestalt stund immer wieder
mir vor der Seele; bald rauh, bald milde erschien er mir, wie ich ihn
am Tage gesehen hatte. Zuletzt war mir's, als fhr' ich mit ihm ber
ein strudelndes Wasser un$
Sitz bald
auf und bind' ihn an's Pferd, da er Dir nicht entwischt!
Da stund mir denn sonder Frage ein jammerhaft Geschick bevor. Aber in
dieser hchsten Noth hat, wie ich whne, meiner heiligen Patrone einer
an mich gedacht und von Gott gewirkt, da da zu eben dieser Frist die
Thr aufgieng und ein Mgdlein leichten Schrittes hereintrat, Helmbold
und auch mir zunickte und frhlich Herrn Eberhard entgegeneilte, mit
heller, munterer Stimme ihn begrend. Wie sie den Arm um seine
Schulter legte und sich zu ihm niederbeugte, ihn zu kssen, bemerkte
ich wundernd, wie goldig ihr das Haar im Sonnenstrahl um ihr Haupt
flo; und ob ich gleich ihr Angesicht nicht sehen konnte, so wut' ich
doch, wie Herr Eberhard zu ihr aufblickte, da sie die rechte
Maiensonne war, die ber die Herbst- und Winterszeit seines Lebens den
herzerquickenden Schein des Glcks und der Freude breitete.
Da ich aber glaubte, durch Gottes Fgung wre das Mgdlein gerade
jetzo hereingetreten, um meinetwillen, das geschah darum, weil bei dem
kl$
erni in
der Abtei niedergelegt. Auf solches Alles htte sich der Bischof
berufen, und zu ihm htten die hchsten Oberen des Cisterzienserordens
gestanden. -- Darum htt' er sich aufgemacht und wre gen Rom gezogen,
dort beim heiligen Stuhl fr mich zu bitten; aber man htte ihn
schlecht an die Entscheidung des Bischofs und des Ordens gewiesen,
darnach mte der Spruch gefllt werden.
Ob ich ihn wohl zu lieben angefangen htte, als das Kind den Vater
soll? Ob ich mir wohl frbilden knnte, wie selig ihm die Stunde
gewesen, da er mich gefunden und wie er seitdem nichts wte, als mein
Bestes zu suchen? -- Dann sollt' ich nicht wider Gott fechten, den
Frieden meiner Seele in Acht nehmen und mich in's Kloster ergeben. Ich
sollte nicht hinaustrachten um seinetwillen, denn er htte aller Dinge
beschlossen, da wir unser Angesicht nicht mehr shen. Es wre besser
so. Er htte ja eine Weile gedacht, der hehre Christ htte seine Bue
angenommen und wollte sein brauchen, Freude fr seinen Sohn zu sen
und ihm die Wege$
 liegen sah in der Abenddmmerung: es war derselbe
Ort, von wo aus ich einst, als ich zum ersten Mal hinauszog, mich
zurck gewendet hatte, auf die Glocken zu lauschen, die zur Matutin
War das nicht auch Glockenklang, den ich jetzt vernahm? Wie anders
duchte mich der, als ich ihn gewohnt war zu hren! -- Gewi, es rief
zur Vesper! Und ich faltete meine Hnde, das _Ave_ zu beten. Doch nein!
Das war nicht das Gelut, das tglich zur Abendzeit ertnt. Auch
dieser Schall war mir nicht unbekannt. Ein Windhauch brachte mir ihn
deutlicher zu Ohren. Ja, es war die Sterbeglocke, die gezogen ward.
Davon kam eine groe Herzensschwere ber mich, und als ich vom
klagenden Schall geleitet hinabschritt, bat ich die gttliche
Erbarmung, doch heut und immer, wenn der Gedanke an Tod und Grab mir
allzuscharf durch die Seele schnitte, mein inwendiges Ohr auch den
Harfentnen aufzuthun, die um Seinen Thron die lichten Schaaren
bestndig erklingen lassen, von solchen Himmelsklngen hier im Dunkel
nur ein Weniges zu vernehmen, nur$
um denn, Lilly? Er war doch schon fter verreist, und du sagst
ja selbst, da er diesmal nur fr einen Tag fort ist!
Ja, deshalb ist es auch nicht. Aber diesen Morgen ist ein Polizeidiener
gekommen und hat dem Papa einen schrecklich groen Brief gebracht, und
da war der Papa sehr aufgeregt, und er hat gesagt, er msse gleich fort,
um wichtige Papiere zu holen. Und Otto meint, dieser groe Brief sei
eine Vorladung vor Gericht, und er hat auch gehrt, wie der Grtner und
der Milchmann zusammen geredet haben und wie sie gesagt haben, die bsen
Leute wollten unsern Papa unschdlich machen; und, Tante, >unschdlich
machen<, das heit doch, sie wollen ihn tot machen -- der Otto hat es in
seiner >Tigerjagd< gelesen; da steht es: wie der Tiger tot war, da
freuten sich die Menschen, weil er nun endlich unschdlich gemacht
war. Und Lilly brach von neuem in bittere Trnen aus.
Tante Maria aber streichelte ihr die Wangen, und sie wie ein kleines
Kind in den Armen wiegend, sagte sie in beruhigendem Ton:
Da sei du nur $

In diesem Momente fhrt ihm ein widersprechender Gedanke dazwischen.
Wnschest du dir Nachkommenschaft wirklich so lebhaft? Das ist nicht
wahr. In welche Verlegenheit kmest du, wenn du jetzt die Nachricht
erhieltest, dass du von der einen Seite, die du kennst, Nachkommen zu
erwarten hast? Nein, keine Nachkommenschaft, -- wiewohl wir sie fr die
Rache brauchen. Dieser Widerspruch bringt sich nun zur Geltung, indem
er genau wie im Beispiel Signorelli eine usserliche Assoziation
zwischen einem seiner Vorstellungselemente und einem Elemente des
beanstandeten Wunsches herstellt, und zwar diesmal auf eine hchst
gewaltsame Weise durch einen geknstelt erscheinenden Assoziationsumweg.
Eine zweite wesentliche bereinstimmung mit dem Beispiel Signorelli
ergibt sich daraus, dass der Widerspruch aus verdrngten Quellen stammt
und von Gedanken ausgeht, welche eine Abwendung der Aufmerksamkeit
hervorrufen wrden. -- Soviel ber die Verschiedenheit und ber die
innere Verwandtschaft der beiden Paradigmata des Namenver$
esen sein, den allgemein menschlichen Charakter der
Oedipusfabel als das Korrelat des Verhngnisses, das sich in den Orakeln
ussert, zu erfassen, denn ich vergriff mich dann "bei oder an der
Alten". Indes dies Vergreifen war wiederum harmlos; ich hatte von den
beiden mglichen Irrtmern, die Morphinlsung frs Auge zu verwenden,
oder das Augenwasser zur Injektion zu nehmen, den bei weitem harmloseren
gewhlt. Es bleibt immer noch die Frage, ob man bei Fehlgriffen, die
schweren Schaden stiften knnen, in hnlicher Weise wie bei den hier
behandelten eine unbewusste Absicht in Erwgung ziehen darf.
Hier lsst mich denn, wie zu erwarten steht, das Material im Stiche, und
ich bleibe auf Vermutungen und Annherungen angewiesen. Es ist bekannt,
dass bei den schwereren Fllen von Psychoneurose Selbstbeschdigungen
gelegentlich als Krankheitssymptome auftreten, und dass der Ausgang des
psychischen Konfliktes in Selbstmord bei ihnen niemals auszuschliessen
ist. Ich habe nun erfahren, und werde es eines Tages durch gut$
y fhrt dann weiter
aus, erst durch die Gewalt sei die Knechtschaft in die Welt gelangt, und
_das_ sei der Adam, der Vater der Erbsnde. Er treibt politische
Etymologie und erklrt: Adam, das ist also ein Damm-- =a dam=-- gegen
die Freiheit. Die Vernunft aber rechtfertige die Forderungen der wahren
berhaupt ist die Englische Revolution auerordentlich reich an
politischer Literatur. Man wird eigentmlich berhrt durch eine darauf
bezgliche Bemerkung der berhmtesten der Flugschriften, die zur
Ermordung Cromwells aufforderten. Das fast ergreifend geschriebene
Pamphlet stammt von einem frheren Anhnger Cromwells und hat den Titel:
Tten heit nicht morden! Es kam heraus im Jahre 1856, wo man nur erst
die kleinen Handpressen hatte, und beginnt mit den Worten:
  Es ist nicht der Wunsch, mich gedruckt zu sehen in einer Zeit, wo so
  wenige die Presse verschonen.
Unter den Broschren der wahren Leveller, deren Kommunismus wesentlich
ein Bodenkommunismus war, findet sich auch eine Broschre mit dem Titel:$
Bildung ttig?
Letzteres ist, soweit man berhaupt berechtigt ist, von einem
Gemeinschaftswillen zu sprechen, in der Tat der Fall. Und zwar ist es
keine mystische, bersinnliche Macht, sondern ganz einfach die
Geschichte, die Vergangenheit, die bei seiner Bildung mitwirkt, und
nicht blo die jeweilige Abstimmung einer Anzahl Menschen. Der Staat ist
ein Produkt der Entwicklung, in dessen jeweilige Gestaltung die
Vergangenheit mit hineinspielt. Aus dem Staat herausspringen ist
Unmglichkeit. Man kann ihn nur ndern. Und so fhrt die Frage nach dem
Staat den Sozialisten hinber zur Frage der Demokratie und der Regierung
Siebentes Kapitel.
Der Sozialismus als Demokratie und der Parlamentarismus.
Halten wir daran fest, da der Sozialismus unserer Zeit als
Klassenbewegung Bewegung der Arbeiterklasse ist. Allerdings ist er nicht
nur Klassenbewegung, sondern auch Bewegung sozialistischer Ideologie.
Aber der Angehrige einer anderen Gesellschaftsklasse mu je nachdem
sein Klasseninteresse _vergessen_, oder sich ber e$
icklungshhe des Landes war, in dem sie Arbeitern
eingeprgt wurde. Niemals haben Marx und Engels Arbeitern die politische
Frage in so kindisch-einfltiger Gegenberstellung dargestellt. Selbst
als Deutschland schon wirtschaftlich auf wesentlich hherer Stufe stand
als das Ruland von 1918 -- von der kulturellen Entwicklung ganz zu
schweigen --, haben sie immer noch eine zeitweilige Untersttzung des
vorgeschrittenen Brgertums durch die sozialistische Arbeiterschaft fr
angezeigt erklrt.
Nach dem Muster der vorstehenden, dem Begriffsvermgen sehr naiver und
unentwickelter Leute angepater Deduktionen, die sich durch den ganzen
als Propagandaschrift in alle Sprachen bersetzten Vortrag ziehen und
mit hnlich merkwrdigen Behauptungen ber die Ursachen und wirkenden
Krfte des Weltkriegs abwechseln, kommt Trotzki auf die Ausbung der
politischen Macht durch die Bolschewisten zu sprechen und erhebt mit
folgenden Argumenten Anspruch auf Entschuldigung fr deren Migriffe:
  Einige sagen: wozu habt ihr denn die$
einen
Aufstzen fast nie vom Endziel des Sozialismus die Rede sei, erwidert,
ich habe fr das, was man gemeinhin Endziel des Sozialismus nenne,
auerordentlich wenig Sinn und Interesse. Dieses Ziel, was immer es sei,
sei mir nichts, die Bewegung alles. Ich bekannte ein persnliches
Uninteresse, war aber weit davon entfernt, einen Allgemeingltigkeit
beanspruchenden objektiven Leitsatz aufzustellen.
Der Ausspruch wurde aber so aufgefat und gab Anla zu einem gewissen
Lrm. Welche bestimmten Umstnde dies bewirkt hatten, kann hier
unerrtert bleiben. Soviel aber sei bemerkt, da unter anderen
Verhltnissen, als sie damals obwalteten, kaum jemand sich ber ihn
aufgehalten htte. Denn in der Sache sagte er nichts wesentlich anderes,
als was in den Stzen ausgesprochen ist, die Marx im Jahre 1871 der von
ihm verfaten Ansprache des Generalrats der Internationalen
Arbeiterassoziation ber den Brgerkrieg in Frankreich einverleibte:
  Die Arbeiterklasse... hat keine fix und fertigen Utopien durch
  Volksbeschlu$
es eingerissenen bels
nur zeitweilig aufhalten. Noch hatten ihre natrlichen Widersacher, die
Reaktionre der verschiedenen Grade, sich von dem sie lhmenden
Schrecken nicht erholt, da boten schon die von der bolschewistischen
Regierung Rulands in grtem Umfange mit Geld und anderen
Propagandamitteln ausgestatteten Agitatoren fr die Rtediktatur alle
Krfte auf, das Ansehen der jungen Republik im Volk zu untergraben. Von
der groen Mehrheit derjenigen, welche die im Jahre 1919 an den
verschiedenen Orten Deutschlands in Szene gesetzten Aufstnde als
Kmpfer mitmachten, darf man wohl sagen: sie wuten nicht, was sie
taten. Da die Unterwerfung Deutschlands unter die Gebote einer
Rtediktatur eine platte Unmglichkeit war, htte sich jeder sagen
knnen, der dessen konomische Lage und soziale Gliederung nur
einigermaen kannte. Woran das ganz berwiegend agrarische Ruland
zugrunde gerichtet wurde, das htte das so hoch entwickelte industrielle
Deutschland noch weniger ausgehalten. Der hher ausgebildete Org$
abei
eine Sure, die man Milchsure nennt. Die macht die Milch sauer und macht
sie dick, denn in der angesuerten Milch ballt sich das Kasein, der
Eiweistoff der Milch zusammen, das Eiwei der Milch gerinnt dabei genau
so, wie das Hhnereiwei beim Kochen gerinnt. Worauf es Metschnikoff aber
ankam, das ist der Umstand, da die Sure ein Mittel ist gegen
Bakterienfulnis. Die Bakterien, die eine Fulnis von abgestorbener
lebendiger Substanz hervorrufen, knnen ihre Wirkung nicht tun, wenn es
rings um sie sauer ist. So verhindert z.B. der saure Magensaft, der sich
auf die genossenen Speisen im Magen ergiet, die Fulnis der Speisen. Hier
im sauren Magensaft knnen die fulniserregenden Bakterien nicht gut
aufkommen und sie knnen hier ihre Geschfte nicht betreiben. Erst im Darm,
wo die Verdauungssfte nicht mehr sauer, sondern alkalisch sind, d.h. wo
die Bakterien in einer stark verdnnten Lauge schwimmen, da beginnt die
Fulnis der Nahrung oder der Nahrungsreste. Das ist namentlich im Dickdarm
der Fall, un$
berladung der Zellen im Zellenstaat, vor allem der Nervenzellen, mit
Stoffwechselprodukten auffassen, _das sich nur dem Grade nach vom schnellen
Hinsterben infolge einer starken bermdung, z.B. bei andauerndem Wachen,
unterscheidet_.
                 *       *       *       *       *
Und jetzt mssen wir wichtiger Untersuchungen gedenken, die in jngster
Zeit _W. Harms_ in Marburg an einem kleinen Wurm aus dem Golf von Neapel
angestellt hat. Dieser einige Millimeter lange Wurm, +Hydroides pectinata+
mit Namen, besitzt, wie seine andern Wurmverwandten auch, ein Nervensystem,
das aus einigen grern Nervenknoten am Kopfende, dem sogenannten Gehirn,
und einem zarten Strickleiternervensystem besteht. Harms hatte sich zur
Aufgabe gestellt, den natrlichen Tod bei wirbellosen Tieren zu verfolgen,
und da bot sich dieser Wurm als geeignetes Material fr eine solche
Untersuchung dar, schon allein aus dem Grunde, weil er sehr anspruchslos
ist und durch uere Bedingungen nicht leicht geschdigt wird. So gedieh er
z.$
Musik den Begriff
der Tiefe. Er steht noch in vollem Werte, zumal im germanischen Land. --
Es gibt eine Tiefe des Gefhls und eine Tiefe des Gedankens: -- die
letztere ist literarisch und kann keine Anwendung auf Klnge haben.
Die Tiefe des Gefhls ist hingegen seelisch und der Natur der Musik
durchaus zugehrig.
Die Apostel der Neunten Symphonie haben von der Tiefe in der Musik eine
besondere und nicht ganz festumrissene Schtzung.
Die Tiefe wird zur Breite, und man trachtet, sie durch Schwere zu
erreichen: sie zeigt sich sodann -- durch Gedankenassoziation -- in der
Bevorzugung der tiefen Register und (wie ich beobachten konnte) auch
in einem Hineindeuten eines zweiten, verborgenen Sinnes, meist eines
literarischen.
Wenn auch nicht die einzigen Merkmale, so sind doch diese die
bedeutsameren.
Unter Tiefe des Gefhls drfte jedoch jeder Freund der Philosophie das
Erschpfende im Gefhle betrachten: das volle Aufgehen in einer
Wer mitten in einer echten, groen karnevalischen Situation griesgrmig
oder auch $
 doch dort auf, so oft sie nur knnen. Schon oben gedachten wir
ihres unwiderstehlichen Triebs, die Gesellschaft zu fliehen und zum Leben
in der Wildni zurckzukehren. Die kleinsten Kinder entlaufen nicht selten
ihren Eltern und ziehen vier, fnf Tage in den Wldern herum, von
Frchten, von Palmkohl und Wurzeln sich nhrend. Wenn man in den Missionen
reist, sieht man hufig die Drfer fast ganz leer stehen, weil die
Einwohner in ihren Grten sind oder auf der Jagd, _al monte_. Bei den
civilisirten Vlkern fliet wohl die Jagdlust zum Theil aus denselben
moralischen Quellen, aus dem Reiz der Einsamkeit, dem angebotenen
Unabhngigkeitstrieb, dem tiefen Eindruck, den die Natur berall auf den
Menschen macht, wo er sich ihr allein gegenber sieht.
Entbehrung und Leiden sind auch bei den Chaymas, wie bei allen
halbbarbarischen Vlkern, das Loos der Weiber. Die schwerste Arbeit fllt
ihnen zu. Wenn wir die Chaymas Abends aus ihrem Garten heimkommen sahen,
trug der Mann nichts als das Messer (_machette_), mit dem e$
en europischen Mchten, wo
das Mutterland zu schwach war, um den Handel seiner Colonien zu schtzen,
mute sich die Industrie vorzugsweise auf ein Produkt werfen, das nicht
schnell abgesetzt werden mu und bei dem man alle politischen und
Handelsconjunkturen abwarten kann. In den Kaffeepflanzungen von Caracas
nimmt man, wie ich gesehen, zum Versetzen nicht leicht die jungen
Pflanzen, die zufllig unter den tragenden Bumen aufwachsen; man lt
vielmehr die Bohnen, getrennt von der Beere, aber doch noch mit einem
Theil des Fleisches daran, in Haufen zwischen Bananenblttern fnf Tage
lang keimen und steckt sofort den gekeimten Samen. Die so gezogenen
Pflanzen widerstehen der Sonnenhitze besser als die, welche in der
Pflanzung selbst im Schatten aufgewachsen sind. Man setzt hier zu Lande
gewhnlich 5300 Bume auf die *Vanega*, die gleich ist 5476 Quadrattoisen.
Ein solches Grundstck kostet, wenn es sich bewssern lt, im nrdlichen
Theil der Provinz 500 Piaster. Der Kaffeebaum blht erst im zweiten Jahr
und $
 auf dem weiten Gebiet der Provinz Caracas
mehrere Striche sich sehr gut zum Kornbau eignen, so glaube ich doch, da
dieser Zweig der Landwirthschaft dort nie eine groe Bedeutung erlangen
wird. Die gemigtsten Theile sind nicht breit genug; es sind keine
eigentlichen Hochebenen und ihre mittlere Meereshhe ist nicht so
bedeutend, da die Einwohner es nicht immer noch vortheilhafter fnden,
Kaffee statt Getreide zu bauen. Gegenwrtig bezieht Caracas sein Mehl
entweder aus Spanien oder aus den Vereinigten Staaten. Wenn einmal mit der
Herstellung der ffentlichen Ruhe auch fr den Gewerbflei bessere Zeiten
kommen und von Santa Fe de Bogota bis zum Landungsplatz am Pachaquiaro
eine Strae gebaut wird, so werden die Einwohner von Venezuela ihr Mehl
aus Neu-Grenada aus dem Rio Meta und dem Orinoco beziehen.
Vier Meilen von San Matheo liegt das Dorf Turmero; Man kommt fortwhrend
durch Zucker-, Indigo-, Baumwollen- und Kaffeepflanzungen. An der
regelmigen Bauart der Drfer erkennt man, da alle den Mnchen und $
wngert sey,
weil er seit Jahrhunderten zeitweise unter Meerwasser gestanden, das an
der Sonne verdunstet, oder ob das Salz im Boden enthalten sey wie in einem
sehr armen Steinsalzwerk. Ich hatte nicht Zeit, den Strand hier so genau
zu untersuchen wie die Halbinsel Araya; luft brigens der Streit nicht
auf die hchst einfache Frage hinaus, ob das Salz von neuen oder aber von
uralten Ueberschwemmungen herrhrt? Da die Arbeit in den Salzwerken von
Porto Cabello sehr ungesund ist, geben sich nur die rmsten Leute dazu
her. Sie bringen das Salz an Ort und Stelle in kleine Magazine und
verkaufen es dann in den Niederlagen in der Stadt.
Whrend unseres Aufenthaltes in Porto Cabello lief die Strmung an der
Kste, die sonst gewhnlich nach West geht, von West nach Ost. Diese
*Strmung nach oben* (_corriente por arriba_), von der bereits die Rede
war, kommt zwei bis drei Monate im Jahr, vom September bis November,
hufig vor. Man glaubt, sie trete ein, wenn zwischen Jamaica und dem Cap
San Antonio auf Cuba Nord-West$
ist mit andern, beim
Genu schdlichen Stoffen verbunden, die sich aber vielleicht auf
chemischem Wege trennen lieen. Eine Pflanzenmilch wird nahrhaft, wenn
keine scharfen, narkotischen Stoffe mehr darin sind und statt des
Cautschucs der Ksestoff darin berwiegt.
Ist der Palo de Vaca fr uns ein Bild der unermelichen Segensflle der
Natur im heien Erdstrich, so mahnt er uns auch an die zahlreichen
Quellen, aus denen unter diesem herrlichen Himmel die trge Sorglosigkeit
des Menschen fliet. Mungo Park hat uns mit dem *Butterbaum* in Bambarra
bekannt gemacht, der, wie Decandolle vermuthet, zu der Familie der
Sapoteen gehrt, wie unser Kuhbaum. Die Bananenbume, die Sagobume, die
Mauritien am Orinoco sind *Brodbume* so gut wie die Rima der Sdsee. Die
Frchte der Crescentia und Lecythis dienen zu Gefen; die Blumenscheiden
mancher Palmen und Baumrinden geben Kopfbedeckungen und Kleider ohne Nath.
Die Knoten oder vielmehr die innern Fcher im Stamm der Bambus geben
Leitern und erleichtern auf tausenderlei$
Parapara. -- Llanos oder Steppen. --
                                Calabozo.
Die Bergkette, welche den See von Tacarigua oder Valencia im Sden
begrenzt, bildet gleichsam das nrdliche Ufer des groen Beckens der
Llanos oder Savanen von Caracas. Aus den Thlern von Aragua kommt man in
die Savanen ber die Berge von Guigue und Tucutunemo. Aus einer
bevlkerten, durch Anbau geschmckten Landschaft gelangt man in eine weite
Einde. An Felsen und schattige Thler gewhnt, sieht der Reisende mit
Befremden diese baumlosen Savanen vor sich, diese unermelichen Ebenen,
die gegen den Horizont aufzusteigen scheinen.
Ehe ich die Llanos oder die Region der Weiden schildere, beschreibe ich
krzlich unsern Weg von Nueva Valencia durch Villa de Cura und San Juan
zum kleinen, am Eingang der Steppen gelegenen Dorfe Ortiz. Am 6. Mrz, vor
Sonnenaufgang, verlieen wir die Thler von Aragua. Wir zogen durch eine
gut angebaute Ebene, lngs dem sdwestlichen Gestade des Sees von
Valencia, ber einen Boden, von dem sich die Gews$
s denen von Buenos Ayres
vor, weil letztere in Folge des weiteren Transports beim Gerben 12 Procent
Abgang haben. Der sdliche Strich der Savanen, gemeiniglich _Llanos de
arriba_ genannt, ist ausnehmend reich an Maulthieren und Rindvieh; da aber
die Weiden dort im Ganzen minder gut sind, mu man die Thiere auf andere
Ebenen treiben, um sie vor dem Verkauf fett zu machen. Die Llanos von
Mona und alle _Llanos de abaxo_ haben weniger Heerden, aber die Weiden
sind dort so fett, da sie vortreffliches Fleisch fr den Bedarf der Kste
liefern. Die Maulthiere, die erst im fnften Jahre zum Dienste taugen, und
dann _Mulas de saca_ heien, werden schon an Ort und Stelle fr 14--18
Piaster verkauft. Im Ausfuhrhafen gelten sie 25 Piaster, und auf den
Antillen steigt ihr Preis oft auf 60--80 Piaster. Die Pferde der Llanos
stammen von der schnen spanischen Race und sind nicht gro. Sie sind
meist einfarbig, dunkelbraun, wie die meisten wilden Thiere. Bald dem
Wassermangel, bald Ueberschwemmungen, dem Stich der Insekten,$
-20 Fuss tiefen Brunnen am Manzanares Wasser schoepften,
hoerten ein Getoese wie einen starken Kanonenschuss. Das Getoese schien aus
dem Brunnen herauf zu kommen, eine auffallende Erscheinung, die uebrigens
in allen Laendern Amerikas, die den Erdbeben ausgesetzt sind, haeufig
Einige Minuten vor dem ersten Stoss trat ein heftiger Sturm ein, dem ein
elektrischer Regen mit grossen Tropfen folgte. Ich beobachtete sogleich die
Elektricitaet der Luft mit dem Voltaschen Elektrometer. Die Kuegelchen
wichen vier Linien auseinander; die Elektricitaet wechselte oft zwischen
positiv und negativ, wie immer bei Gewittern und im noerdlichen Europa
zuweilen selbst bei Schneefall. Der Himmel blieb bedeckt und auf den Sturm
folgte eine Windstille, welche die ganze Nacht anhielt. Der
Sonnenuntergang bot ein Schauspiel von seltener Pracht. Der dicke
Wolkenschleier zerriss dicht am Horizont wie zu Fetzen, und die Sonne
erschien 12 Grad hoch auf indigoblauem Grunde. Ihre Scheibe war ungemein
stark in die Breite gezogen, verschoben$
ne Reisegefaehrten, die auf dem Landweg zwischen Capaya
und Curiepe durch die starken Regenguesse und die ausgetretenen Bergwasser
viel auszustehen gehabt hatten. Um nicht oefters auf dieselben Gegenstaende
zurueckzukommen, schliesse ich der Beschreibung der Stadt Guayra und des
merkwuerdigen Weges, der von diesem Hafen nach Caracas fuehrt, alle
Beobachtungen an, die Bonpland und ich auf einem Ausflug nach Cabo Blanco
zu Ende Januars 1800 gemacht. Da Depons die Gegend nach mir besucht hat,
sein lehrreiches Werk aber vor dem meinen erschienen ist, so lasse ich
mich auf eine naehere Beschreibung der Gegenstaende, die er ausfuehrlich
behandelt hat, nicht ein.
Guayra ist vielmehr eine Rhede als ein Hafen; das Meer ist immer unruhig
und die Schiffe werden vom Wind, von den Sandbaenken, vom schlechten
Ankergrund und den Bohrwuermern(18) zumal gefaehrdet. Das Laden ist mit
grossen Schwierigkeiten verbunden und wegen des starken Wellenschlags kann
man hier nicht, wie in Nueva Barcelona und Porto Cabello, Maulthiere
e$
s ueberhaupt so viel gewonnen werden konnte.
Zur Zeit, als das neue Eiland Sabrina erschien, wurden die kleinen
Antillen, 800 Meilen suedwestwaerts von den Azoren gelegen, haeufig von
Erdbeben heimgesucht. Vom Mai 1811 bis April 1812 spuerte man auf der Insel
St. Vincent, einer der drei Antillen mit thaetigen Vulkanen, ueber
zweihundert Erdstoesse. Die Bewegungen beschraenkten sich aber nicht auf das
Inselgebiet von Suedamerika. Vom 16. December 1811 an bebte die Erde in den
Thaelern des Mississippi, des Arkansas und Ohio fast unaufhoerlich. Im Osten
der Alleghanys waren die Schwingungen schwaecher als im Westen, in Tennesee
und Kentucky. Sie waren von einem starken unterirdischen Getoese begleitet,
das von Suedwest herkam. Auf einigen Punkten zwischen Neumadrid und Little
Prairie, wie beim Salzwerk noerdlich von Cincinnati unter dem 34 deg. 45{~PRIME~} der
Breite, spuerte man mehrere Monate lang taeglich, ja fast stuendlich
Erdstoesse. Sie dauerten im Ganzen vom 16. December 1811 bis ins Jahr 1813.
Die Stoes$
eit dem Jahr 1792 die Regenguesse nicht
so oft als sonst von Blitz und Donner begleitet gewesen, und man war
schnell bei der Hand, sowohl die gaenzliche Zerstoerung von Cumana im Jahr
1799 als die Erdstoesse, die man 1800, 1801 und 1802 in Maracaibo, Porto
Cabello und Caracas gespuert, "einer Anhaeufung der Elektricitaet im Innern
der Erde" zuzuschreiben. Wenn man lang in Neu-Andalusien oder in den
Niederungen von Peru gelebt hat, kann man nicht wohl in Abrede ziehen, dass
zu Anfang der Regenzeit, also eben zur Zeit der Gewitter, das Auftreten
von Erdbeben am meisten zu besorgen ist. Die Luft und die Beschaffenheit
der Erdoberflaeche scheinen auf eine uns noch ganz unbekannte Weise auf die
Vorgaenge in grossen Tiefen Einfluss zu aeussern, und wenn man einen
Zusammenhang zwischen der Seltenheit der Gewitter und der Haeufigkeit der
Erdbeben bemerkt haben will, so gruendet sich diess, meiner Meinung nach,
keineswegs auf lange Erfahrung, sondern ist nur eine Hypothese der
Halbgelehrten im Lande. Gewisse Erscheinu$
artet. Die Leute, welche die unumschraenkte Gewalt in Haenden haben,
koennten so leicht den Einfluss von ein paar maechtigen Familien ihren
Zwecken dienstbar machen; statt dessen fuerchten sie den sogenannten
Unabhaengigkeitsgeist der kleinen Gemeinden. Lieber soll der Staatskoerper
gelaehmt und kraftlos bleiben, als dass sie Mittelpunkte der Regsamkeit
aufkommen liessen, die sich ihrem Einfluss entziehen, als dass sie der
lokalen Lebensthaetigkeit, welche die ganze Masse beseelt, Vorschub
leisteten, nur weil diese Thaetigkeit vielmehr vom Volk als von der
obersten Gewalt ausgeht. Zur Zeit Carls V. und Philipps II. wurde die
Municipalverfassung vom Hose klugerweise beguenstigt. Maechtige Maenner, die
bei der Eroberung eine Rolle gespielt, gruendeten Staedte und bildeten die
ersten *Cabildos* nach dem Muster der spanischen; zwischen den Angehoerigen
des Mutterlandes und ihren Nachkommen in Amerika bestand damals
Rechtsgleichheit. Die Politik war eben nicht freisinnig, aber doch nicht
so argwoehnisch wie jetzt.$
haupt merkwuerdig, dass keiner der elektrischen Fische, die bis
jetzt in verschiedenen Welttheilen entdeckt worden, mit Schuppen bedeckt
Den ersten Schlaegen eines sehr grossen, stark gereizten Gymnotus wuerde man
sich nicht ohne Gefahr aussetzen. Bekommt man zufaellig einen Schlag, bevor
der Fisch verwundet oder durch lange Verfolgung erschoepft ist, so sind
Schmerz und Betaeubung so heftig, dass man sich von der Art der Empfindung
gar keine Rechenschaft geben kann. Ich erinnere mich nicht, je durch die
Entladung einer grossen Leidner Flasche eine so furchtbare Erschuetterung
erlitten zu haben wie die, als ich unvorsichtigerweise beide Fuesse auf
einen Gymnotus setzte, der eben aus dem Wasser gezogen worden war. Ich
empfand den ganzen Tag heftigen Schmerz in den Knien und fast in allen
Gelenken. Will man den ziemlich auffallenden Unterschied zwischen der
Wirkung der Volta'schen Saeule und der elektrischen Fische genau
beobachten, so muss man diese beruehren, wenn sie sehr erschoepft sind. Die
Zitterrochen un$
reichlich
begabten Enkeln die Bercksichtigung billiger Wnsche zu erwarten?
_Eilftens_ haben die Frau Grfin Wittwe Excellenz nie und nirgends auf
Ersatz der hchst bedeutenden Verbesserungskosten verzichtet, welche auf
die Herrschaften, Schlsser und Kammergter verwendet worden sind.
Dennoch will Hochdieselbe jetzt gromthig darauf verzichten, und nur
die unbedeutende Summe fr die Anlegung der ungemein nutzbaren Meierei
zu Kniphausen in Anspruch nehmen. Nur berhren will ich unterthnig
_zwlftens_ den Werth der sechs schweren silbernen Armleuchter, die der
hochselige Herr Graf vom Silber-Inventar der Frau Grfin Wittwe genommen
und zu selbsteigenem Gebrauch von Doorwerth nach dem Haag haben bringen
lassen. Endlich _dreizehntens:_ wird die billige Denkungsart
geliebtester Enkel -- gegen alle die betrchtlichen bergroen Vortheile,
welche diese dermalige Entsagung auf die bisherigen, rechtlichen, so
eben erwhnten Ansprche gewhrt und in der Folge noch mehr gewhren
wird -- in der Verpflichtung nur eine$
ja, Sie haben noch mehr gethan, Sie haben mich
aus dem Wasser gezogen, in das ein Unglck mich geworfen, und mir so
mein Bischen Leben gerettet; das gehrt nun Ihnen ganz und gar. Ich will
immer Ihr Diener bleiben. Was htt' ich hier? Arbeit oder Soldatenbrod --
nehmen Sie mich mit, ich will Ihnen treu dienen, und Ihnen folgen, und
wenn's bis an der Welt Ende ging'.
Gut, Philipp, so bleibe es dabei, und so wollen wir einpacken; la die
Isabella striegeln und den Braunen, und beide gut fttern, morgen reiten
wir von dannen. Dann #fare well,# Varel!
Mit fester Haltung, bittere und zugleich tiefschmerzliche Empfindungen
gewaltsam in sich zurckpressend und in jugendlichen Trotz sich
verkehrend, begann Ludwig seine Habseligkeiten, so viel er deren mit
sich nehmen wollte, zusammenzulegen, damit Philipp sie in den Mantelsack
packe; er lud mit eigener Hand zwei Paar Reiterpistolen und whlte unter
zwei krummen Sbeln fr Philipp den dauerbarsten und schrfsten; fr
sich eine Damascenerklinge, auf deren Griff ein Sil$
sie in Hamburg, welches vor einigen
Tagen verlassen worden war, nichts Bestimmtes hatten erfahren knnen.
Man hatte nur davon gesprochen, da Pichegru sich mit seinem Heere gegen
die Schelde zu bewegen Anstalten treffe, und Jourdan nach der Sambre
aufbrechen wolle. Die erbitterte Stimmung der sogenannten Patrioten
gegen die Partei des Erbstatthalters dauere im Haag wie in Amsterdam
fort, ohne da man von wichtigen oder entscheidenden Vorfllen vernommen
habe. Bei alledem, nahm der Kapitn das Wort: macht das kriegerische
Wesen uns Kauffahrern, die wir es allesammt zum Henker wnschen,
tausendfache Plackerei, nchstdem, da es die Handelschaft hemmt und den
Verkehr untergrbt. Sonst stand unser einem frei, an Bord zu nehmen, wen
man wollte, und Gter zu laden, welche man wollte; jetzt wird uns ein
schwerer krperlicher Eid bei jedem Auslaufen aus dem Hafen abgenommen,
und mu jeder Kapitn noch ein besonderes Certificat bei sich fhren,
da er diesen Eid geleistet. Darum mu ich jetzt Namen, Rang und Stand,
wi$
e Generale zeigten sich menschenfreundlich und
zur Hlfe gern bereit; wo ihre gebietende Persnlichkeit einen Ort
beschtzte, war es gut, sie lieen wohl auch Schutzwachen zurck; aber
wenn sie abgezogen waren, erprete die Letztere selbst von den armen
Leuten Geld und Kleider. Ein Lieutenant nahm zwei im Waschzuber liegende
schmutzige Hemden aus demselben, rang sie geschickt aus und schob sie in
seinen Tornister.
Was bei diesen Durchzgen das Allerschlimmste war, die bedrngten
Landbewohner wuten oft nicht einmal, wer Freund, wer Feind war: Feinde
wie Freunde drckten, raubten, brandschatzten und hauseten rger wie
12. Das Wiedersehen.
Es war Ludwig nicht mglich, mit seinen Begleitern an demselben Tage
nach Hildburghausen zurckzukehren. Vom edelsten Eifer beseelt, Hlfe zu
leisten so viel nur immer mglich war, blieb er bis zur spten
Nachmittagsstunde in Hellingen, wo nach dem Abzug Lefebre's der berhmte
Divisionsgeneral Kleber einrckte, und wo sich Alles in gleicher Weise
wiederholte: Frsprache und F$
r die trbe Zeit brachte Philipp eines Tags auch
einen Brief, der das Poststempel London trug. Ludwig erschrak beim
Anblick des Trauersiegels, er ging hastig in ein Nebenzimmer, zitternd
ffnete er -- ach, schon sagte sein Herz ihm Alles!
Meine Mutter! O meine schne, edle, liebe Mutter! war Alles, was er in
seinem Schmerze hervorbringen konnte und laut weinend warf er sich auf's
Sophie eilte herbei, sein Anblick erschreckte sie auf's Heftigste und
bestrzt rief sie aus: Was ist Ihnen, theurer Freund? Darf ich Ihren
Schmerz nicht theilen? O, sagen Sie mir, welche Schreckenskunde Sie so
tief erschttert?
Ach, meine Mutter! seufzte Ludwig: oder doch zum Mindesten geliebt von
mir wie eine Mutter! Lesen Sie, theure Sophie, am dreiigsten Mrz, neun
und vierzig Jahre alt, und welche Frau!
Aus Ihrem Schmerz entnehme ich die Gre Ihres Verlustes! sprach Sophie
bewegt. Lassen Sie mich Ihre Trauer theilen, wie Sie einst die meine
theilten! Erzhlen Sie mir von der Verklrten, das wird Sie erleichtern
und mich zugleic$
le. So ging er ihm nach, so vertrat er dem Feinde den Weg,
und warf sich mit einer wahren Tigerwuth auf ihn. Berthelmy, ein
krftiger Mann, wehrte sich verzweiflungsvoll, aber Philipp gab die
Rache Riesenstrke; bald war der verruchte Mrder der herrlichen Angs
vllig in seiner Gewalt, Philipp's Faustschlge betubten ihn und obwohl
es Jenem noch gelang, seinen Angreifer mit einem Stilett tief in der
rechten Seite zu verwunden, so achtete Philipp dessen doch nicht, und
auf Berthelmy's Brust knieend, drckte er ihm so lange die Kehle zu, bis
derselbe kein Glied mehr regte. Dann schleifte er den Leichnam an den
Haaren nach der nahen Rodach und warf ihn in den dunkelschumenden Bach.
Graf Ludwig schauderte bei diesem Schreckensbericht, der Zustand des
treuen Dieners lie ihn jedoch jeden anderen Gedanken, jede andere
Betrachtung zurckdrngen. Er sandte sogleich einen reitenden Boten nach
dem Arzt in die Stadt, als aber dieser eintraf, hatte sich der Zustand
des Kranken bereits so sehr verschlimmert, da der Ar$
rei des Schmerzes aus, indem er besinnungslos zu Boden sank. Der Tag
war der fnfundzwanzigste November. Am vierundzwanzigsten November war
Ottoline gestorben. Ob sie einander droben begegneten, die beiden guten
Genien des armen Grafen?--
Es war vollbracht, und was noch zu vollbringen war, mute gleichfalls
geschehen. Ludwig lie Alles durch die Bedienung und den schnell
herbeigerufenen Geschftsfhrer besorgen und anordnen. Er selbst war
ohne Macht, ohne Kraft, ohne Willen, fast ohne Besinnung. Ach, wie
marterten und peinigten ihn die dringenden und doch nthigen Fragen und
alle die Anordnungen, die solch ein Trauerfall hervorruft!
Tief versenkt in starres, schmerzliches Hinbrten sa er da, ganz
verloren in Erinnerungen an das selige Einst, und jetzt -- jetzt fand er
auch mit Einemmale die Erinnerung wieder an das stille, ihm so heilige
Grab, und an jene Schattenallee im hochgelegenen Bergeshain, wie er
letzteren einst im Traume geschaut, in Ottolinens Schlo geschaut, und
wie er -- so wunderbar ihn selbst$
ie Welt -> tritt
The original book is printed in Fraktur font. Marked-up text has been
replaced by:
Spaced-out: _spaced out text_
Bold:       =bold text=
Antiqua:    #text in Antiqua font#
Italics:    /Antiqua italics/
The ligature for "etc." has been replaced by etc. (p. 47, 397)]
                                 BER DIE
                       GEOMETRIE DER ALTEN GYPTER
                            ------------------
                                 VORTRAG
                             GEHALTEN IN DER
     FEIERLICHEN SITZUNG DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
                                    AM
                          XXIX. MAI MDCCCLXXXIV
                                   VON
                              DR. EMIL WEYR
    WIRKLICHEM MITGLIEDE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
                            ------------------
                                   WIEN
                 AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI.
                  IN COMMISSION BEI KARL GEROLD'S SOHN,
    $
die
stlichen steilen, nur an wenigen Stellen tiefe Buchten aufweisenden
Ksten gnzlich allem Verkehr entzogen, und der Fischfang beschrnkt
sich auf die wenigen essbaren Arten, welche die Eingeborenen bei
tiefer Ebbe unter den trockengelegten Korallenblcken finden;
wenn aber dann der Sdwest-Monsun die westlichen Meere aufregt und
hier dem Fischfang und der Schifffahrt enge Grnzen zieht, so ist
jetzt an den stlichen Ksten die Zeit des Lebens gekommen. Nun
bevlkern sich hier die Buchten und Strassen zwischen den Inseln
mit Fischerbten oder kleineren Schiffen, welche die Producte des
Landes nach Ceb oder Manila fhren; handeltreibende Chinesen bringen
die Manufacturwaaren von China, um sie gegen Gold, Abaca, Reis, den
balate und Kaurischnecken einzutauschen. Zu dem Fang der letzteren
ziehen jetzt zahlreiche kleine meist nur 3-4 Mann enthaltende Bote
aus. Und nun ist auch, wenigstens fr den Sdosten des Archipels,
die fr den christlichen Bewohner gefhrlichste Zeit gekommen; denn
jetzt erscheinen die $
arbigen Messgewand gerne gefallen. So wurde, unbewusst
oder bewusst, jedenfalls in glcklicher Weise das alte einheimische
Clanwesen der Heiden zur Basis der jetzt herrschenden christlichen
brgerlichen Ordnung gemacht.
Die neueste christliche Zeit.
Es blieb also das einheimische Clanwesen die Grundlage der
neuen socialen Ordnung. Durch die Zwischenstufe der europischen
Priesterclasse, die sich rasch ber alle Drfer verbreitete, und
deren einzelne Mitglieder an die Stelle der frheren heidnischen
Frsten--der bagani's oder reyezuelo's--getreten waren, wurde das
eines gemeinsamen natrlichen Bandes bis dahin entbehrende Leben
der Bewohner in sehr knstlicher Weise mit dem fremden Staate
verknpft. Whrend in dem Verhltniss der unteren, die eigentliche
Bevlkerung bildenden Classen zu einander keine oder nur eine sehr
unbedeutende Vernderung eintrat, blieb die Beziehung zwischen den
Gouverneuren des Landes und ihren Untergebenen eine so lockere,
der ganze Schematismus der Verwaltung der Colonie dem einheimi$
en sich im Grossen. Dort, wo sich bei
gnstiger Beschaffenheit die horizontale Kuppe eines untermeerischen
Berges gleichmssig mit einer Schicht Korallen berzieht, bilden
sich dennoch von Anfang an solche Verschiedenheiten hervor, dass im
Laufe der Zeit bei Hinzutreten des Einflusses der Strmungen grosse
Unregelmssigkeiten des Riffes hervortreten knnen.
Aehnlich wie die Porites-Colonien ganz geschlossene oder stark
durchbrochene Ringe bilden, die einen mittleren, etwas niedrigeren
von Wasser bedeckten Raum umschliessen; ebenso mag auf jener Flche
das Riff bei ruhiger, nicht von Strmen durchfurchter See einen
geschlossenen Ring bilden oder bei starken und wechselnden Strmungen
sich in eine im Ringe gestellte Reihe von Flecken auflsen. In beiden
Fllen dient das Ein- und Ausstrmen des Wassers bei Fluth und Ebbe zur
Austiefung des inneren Raumes; denn whrend der aus lebenden Korallen
bestehende ussere Theil des Riffes dem Andrang des Wassers starken
Widerstand entgegensetzt und durch zufllig entstand$
h den Anstoss zur Bildung
derselben abgab. So wrde z. B. die Insel Ngaur sich senken mssen,
ehe sich um sie herum ein Barrenriff bildete. Zur Entscheidung
der Frage kommt es also zunchst auf das mglichst genaue Studium
aller einzelnen Flle an. Schwieriger, als bei Barrenriffen, wo
die ihre Form bedingenden Ursachen dem Forscher noch zugnglich
sind, ist die Untersuchung, _welche_ jener Ursachen wirksam waren,
bei Atollen, und hier drfte die Entscheidung wohl nur durch die
grssere Natrlichkeit herbeigefhrt werden, welche die eine oder die
andere Annahme zu besitzen schiene. Subjectiver Auffassung ist hier
ein reiches Feld geffnet; denn selbst in solchen Fllen, wo, wie in
der grossen Chagos-Bank, eine Senkung neuerdings stattgefunden haben
muss, bleibt dennoch die Frage offen, ob der Bildung der lebenden
Bank ebenfalls eine Senkung zu Grunde lag. Die Annahme aber, dass
nur oder hauptschlich das wechselnde Spiel der Strmungen bei der
Bildung der Korallenriffe wirksam sei, knnte manche Flle erklre$
n. Sonstige
nderungen an dem ganz volkstmlich gehaltenen Heftchen vorzunehmen, lag
keine Veranlassung vor.
Mge die deutsche Kolonie zu Buenos Aires bei passender Gelegenheit sich
ihres Landsmannes entsinnen. Mgen die vorliegenden bescheidenen Zeilen
diese Anregung in weite und denkende Kreise tragen!
_Buenos Aires_, 14. September 1911.
                                                  Der Verfasser.
[Illustration]
Als Columbus, so beginnt Kohl sein schnes Buch, im Jahre 1492 von
Europa aussegelte, um auf einem nach Westen gerichteten Seewege die
vielgepriesenen, volk- und produktenreichen Lnder des stlichen und
sdlichen Asiens (Japan, China, den ostindischen Inselarchipel) zu
erreichen, lag vor seinem Geiste als Fahrstrae ein ganz freier Ozean,
ein weites Meer, wie er es sich zwischen beiden Weltteilen dachte. Es
ist bekannt, da er bei seiner Ankunft in den Antillen glaubte, in der
Tat schon diese breite Wasserkluft bersegelt zu haben und mitten
zwischen den ostasiatischen Inseln in der Nhe vo$
on Anfang der Welt an existierend. Als ein
schner Engel wohnte er im Himmel und wurde aus demselben gestrzt.[27]
Dadurch gleichsam zwischen Gott und die Menschen gestellt, sucht er sich
nun die Welt zu unterwerfen und entfremdet sich Gott mit der durch
Christi Lehre zunehmenden Offenbarung immer mehr. Sein Dasein und Ende
ist freilich nicht klar geschildert. Es scheint, dass der Teufel durch
die Lehre Jesu besiegt wird und fr immer in der Hlle gefesselt liegen
Eine besondere Erwhnung verdient die symbolische Darstellung des
Teufels, besonders in der Apokalypse. Es werden hier drei Monstra
geschildert. Das erste ist der grosse Drache, auch die alte Schlange,
Teufel und Satanas genannt. Von ihm heisst es:[29] Und siehe, es
erschien ein grosser Drache, der hatte sieben Hupter und zehn Hrner
und auf seinem Haupte sieben Kronen. Und sein Schwanz zog den dritten
Teil der Sterne. Er ist in der Hlle, was Gott im Himmel. Von ihm sind
zwei andere Tiere abhngig, das Seetier und der Erddrache. Von dem
ersten s$
eiters nach. An ihm
nagten heimliche Gewissensbisse, wenn er sich auch von den Empfindungen,
die ihn qulten, keine klare Rechenschaft gab.
Jetzt war es vollstndig Nacht geworden. Die Reiter beeilten ihren
Schritt. Ohne Aufenthalt passirten sie die kleinen Dorfschaften Contepec
und Ipuala und kamen glcklich noch in der Stadt Tasco an.
Jos hatte wahr gesprochen. Das war eine groe Stadt gegenber den
unbedeutenden Ansiedelungen, die schon hinter ihnen lagen. In der grten
Strae fand sich sogar eine Art Gasthof. Ein Stallknecht nahm ihnen die
Pferde ab, und die Reisenden traten in das Hauptzimmer des Hauses, in
welchem sie eine lange, fertig angerichtete Tafel trafen.
Die Spanier nahmen daran einander gegenber Platz und verzehrten eine
Mahlzeit, welche dem Gaumen der Eingeborenen vielleicht vortrefflich
munden mochte, die fr europische Zungen aber nur der qulende Hunger
geniebar machte. Sie bestand aus Resten von Hhnern mit reichlicher Sauce
von grnem Piment, Reis mit rothem Piment und Safran gewrz$
 unbeugsamem Willen war. Einige schwere
und so unerwartete Havarien, dass man sie nur dem Mangel an Achtsamkeit
zuschreiben konnte, hatten die Brigg in ihrer Fahrt wiederholt
aufgehalten. Jetzt war auch die von Don Roque de Guzuarte befehligte Asia
gezwungen, mit vor Anker zu gehen. Eines Nachts zerbrach naemlich der
Compass der Constanzia auf voellig unerklaerliche Weise. Ein anderes Mal
erwiesen sich die Bardunen und Wanten des Fockmastes so schadhaft, als
waeren sie mit einem Messer durchschnitten gewesen, so dass der ganze Mast
mit seiner Takelage umstuerzte. Endlich rissen auch zwei Mal die Taue des
Steuerruders gerade inmitten eines wichtigen Manoeuvres.
Die Insel Guajan gehoert, wie alle Mariannen, zu der General-Kapitaenschaft
der Philippinen. Hier waren die Spanier also zu Hause und konnten ihre
Havarien in jedem Umfange ausbessern.
Waehrend dieses gezwungenen Aufenthaltes am Lande theilte Don Orteva dem
Don Roque seine Beobachtungen bezueglich der Erschlaffung der Disciplin auf
seinem Schiffe mit, u$
erei; die dmonische Magie zu leugnen, ist ketzerisch. Sie ist der
Inbegriff alles Diabolischen und des Todes wrdig; gegen sie, wie gegen
alle andern Uebel, schtzen nur die Heilmittel der katholischen Kirche, wie
Segen, Exorcismen, Kreuze, Reliquien, Agnus Dei u.s.w., deren Verdienst
gepriesen und durch erbauliche Geschichten beglaubigt wird. Niemand kann in
diesen Dingen aberglubischer sein, als Delrio. In der Lehre von den
Zaubergrueln folgt er ganz seinen Vorgngern, die er nur an Kenntnissen
und dialektischer Gewandtheit bertrifft. Der Kanon Episcopi wird in einer
weitluftigen Abhandlung aller Bedeutung beraubt: er handle weder von den
Hexen der neueren Zeit, noch wrde er, selbst wenn diess wre, denselben
irgendwie ntzen, da er auch diejenigen Weiber, welche die Luftfahrt nur in
der Einbildung machen, als Unglubige (infideles) bezeichne. Die Hexen aber
sollen, auch wenn sie Niemanden beschdigt haben, schon blos um ihres
Teufelsbundes willen getdtet werden. Auch im Prozesse weiss Delrio sich
$
ls und noch entsetzlicher gemartert. Sie wurde viermal aufgezogen,
sechzehnmal wurden die Schrauben so weit geschraubt als es nur mglich war,
und da sie wiederholt in Starrkrampf verfiel, so wurde ihr wiederholt mit
Werkzeugen der Mund aufgebrochen, damit sie bekennen sollte. Bald betete
sie, bald brllte sie wie ein Hund. Aber grsser noch als die Bosheit
ihrer Peiniger war die Seelenstrke dieses Weibes, denn sie gestand nichts.
In dem Berichte an die Landgrfin Hedwig Sophie vom 4.November 1673, mit
welchem die frstlichen Rthe zu Marburg die Einsendung der Akten
einschliesslich des Torturprotokolls begleiteten, bemerkten dieselben, dass
die Frau auf der Folter durch Zauberei sich msse unempfindlich gemacht
haben, weil sie sonst die Tortur unmglich in solcher Weise htte ertragen
knnen. Da sah aber doch die Landgrfin ein, dass sie die Gerichte nicht
lnger drfe so fortwthen lassen. Allerdings wurde die unglckliche Lips
zur Landesverweisung begnadigt; zugleich aber erliess die Landgrfin von
Kas$
e die Landesherrschaft in
den Drfern Ausschsse, welche als ffentliche Anklger alle wegen Hexerei
verdchtig werdenden Personen den im Lande umherziehenden Hexencommissren
zur Anzeige bringen sollten, woneben den Geistlichen auf einer
Landessynode, welche der Superintendent Weber am 3.November 1630 zu
Idstein hielt, aufgegeben ward, ihre Gemeinden von der Kanzel herab vor dem
grulichen Laster der Zauberei zu warnen,-- was seitdem namentlich an
jedem St.Andreastage geschah. Und rasch fllten sich alle Kerker mit
Unglcklichen, die als Verbndete und Werkzeuge des Satans galten. Durch
die Folter erfuhr man von ihnen die Namen von gewissen Sttten, an denen
die Hexen und Zauberer ihre Versammlungen hielten, namentlich die Limburger
Haide zwischen Diez und Limburg, die Herrenwiese bei Dillenburg, die
Klippelshaide und die Altenburg bei Idstein, die Deissighafer Haide bei der
Eiche u.s.w. Dahin kamen die Hexen und Zauberer auf Ofen- und Mistgabeln
reitend, oder in einem von vier schwarzen Katzen gezogene$
, weil dieser mit einer
Klarheit, gegen welche keine Rechtfertigung aufkommen konnte, die
Nichtigkeit des ganzen Handels ans Licht gezogen hatte. Aus dem November
und Dezember 1610 liegen noch zwei dringende Suppliken wegen hchster
Lebensgefahr der Inquisitin bei den Akten; das Kammergericht gab einen
abermaligen Inhibitionsbefehl bei schwerer Strafe und lud den Rath zur
Verantwortung vor; doch ein Aktenstck vom 25.Febr. 1611 redet schon von
Anna Maria Bapst als einer =incinerirten= Hexe. Der Prozess spann sich nun
vor dem Kammergerichte fort, nicht wegen der Bestrafung des ungehorsamen
Magistrats, sondern wegen des Kostenpunkts. Ueber denselben ist noch vom
20.Januar 1612 ein mndlicher, nicht entscheidender Rezess verzeichnet;
dann schliesst das Protokoll ohne Bescheid folgendermassen:
  Anno 1613. nihil.
  Anno 1614. Visum 2.Decemb.
  Reliquis annis nihil.
  Anno 617.  14.Novemb. 617. Revisum.
      Expedit. raoe. praeambula.
In demselben Stdtchen =Offenburg= wurden brigens nicht lange nachher in
d$
annt und getdtet; ob mit gerichtlichen Formen,
oder nicht, bleibt zweifelhaft. Butler gedenkt seiner im sechsten Gesange
des Hudibras:
  Has not this present Parliament
  A ledger to the devil sent,
  Fully empovered to treat about
  Finding revolted witches out?
  And has not he within one year
  Hang'd threescore of them in a shire? --
  Who after proved himself a witch,
  And made a rod for his own breech.
Von einer hnlichen Hexenjagd, die wenige Jahre spter im nrdlichen
England vorging, berichtet =Sykes= in den Local Records. In den
Gemeinderaths-Akten von Newcastle wird eine Petition in Hexensachen vom
26.Mrz 1649 erwhnt, welche ohne Zweifel von den Einwohnern
unterzeichnet war und deren Inhalt einen Prozess gegen alle verdchtigen
Personen veranlasste. In Folge derselben schickte die Obrigkeit zwei
Gerichtsdiener nach Schottland und bot einem Schotten, der sich auf die
Nadelprobe zu verstehen vorgab, wenn er nach Newcastle kommen und die ihm
Vorgefhrten untersuchen wollte, ausser freier Her- un$
chet mit
Denken eins einen Leib, oder leibliches Gleichniss, oder Schatten auf der
Erden, wo es auch sein mag, oder in der Luft. Wie will denn das der Teufel
thun, der keinen eigenen Leib hat? Ein guter Engel ist ganz etwas anders;
denn der hat Gottes Gunst und Macht zur Hlfe, ihm einen Leib oder Leibes
Gleichniss in dem, was er aus Befehl der hchsten Majestt verrichten muss,
zu geben. Aber meinen wir, dass der hchste Richter den verfluchten Feind
aus dem Kerker loslassen und noch darber allenthalben mit allem, was ihn
gelstet, fgen wird, um nach seinem Belieben nichts als Wunder zu thun,
mit allemal etwas Neues zu schaffen und den einen oder andern Lumpenhandel
ins Werk zu setzen, welches er zur Unehre des Schpfers und seines liebsten
Geschpfes missbrauchen soll?
Aber die Schrift, meint man, lehret uns, dass Gespenster seien? So das
wahr ist, so wird es in dem Lager der Syrer von Samarien gewesen sein, da
es so krftig spukete, dass sie alle erschraken, in der Nacht wegliefen und
liessen alles steh$
s zeithero sich zu Gemth fhrten, wie nothwendig es
uns allen sei, dass wir wider das zauberische Geschwader, welches grsser
ist, als wir uns etwan einbilden, tglich geistliche Waffen ergreifen: auch
was grosse Obsorg denen Eltern obliege fr ihre Kinder, welche, wenn sie
allerhand Gesindel anvertraut, oder auch von ihren Eltern verfluchet und
verwnschet werden, leicht ins Teufels Hnde und Stricke verfallen.
Drittens wegen jenen boshaften Christen, welche durch ihre Punktirkunst,
Zauberspiegel oder sonst aberglaubische Hndel das, was von dem freien
Willen Gottes und derer Menschen allein abhngt, zu wissen beginnen. Die
sollen ihre Augen erffnen, dann auch sie (obschon sie es nicht vermuthen)
unter die Teufelszunft gehren und nach aller Schrfe seind abzustrafen.
Viertens will Gott durch das gegenwrtige Spectacul alle Unlauterkeit,
welche (wie ich es aus vielen Geschichten erweisen knnte) zur Zauberei die
nchste Vorbereitung ist, denen Weltkindern verleiden.
Dieser wrzburger Hexenprozess, weniger$
en, dieser
dieselben wohl mit Hlfe des Teufels verrichtet haben msste.
Auch unter der Regierung des Kurfrsten =Karl Theodor= (1777-1799) dauerte
die Herrschaft des Aberglaubens in Baiern ungestrt fort. Fast jedes
Kloster hatte seinen sogenannten =Hexenpater=, bei welchem man sich Rath
und Schutzmittel zu holen pflegte, z.B. Agnus Dei und Lukaszettel. Eine
Buerin aus dem Gerichte Pfatter bei Straubing, deren Khe keine Milch
gaben, fiel in die Schlingen eines solchen Hexenpaters, des Franziskaners
Benno, der sie im Kloster trunken machte, dann unter dem Vorwande der
Entzauberungszeremonien schndete und zuletzt zum Todtschlage an der
neunzigjhrigen Grossmutter ihres Mannes veranlasste. Als das Gericht nach
langem Zgern die Verhaftung des Buben beschloss, musste es die
Auslieferung desselben durch militrische Exekution vom Kloster erzwingen,
und als derselbe endlich degradirt und zu lebenslanger Festungsarbeit
verurtheilt war, legte sich Rom ins Mittel und bewirkte Begnadigung, so
dass der Hexenpater m$
Ohne Zweifel ist dieses der letzte gerichtliche Hexenbrand gewesen, den
Europa im achtzehnten Jahrhundert gesehen hat. Der Pbel aber, unfhig zu
begreifen, wie das Recht auf einmal zum Unrecht werden sollte, sah fast
allerwrts nur mit Widerstreben die obrigkeitlichen Schritte gegen das
gefrchtete Hexenvolk aufhren und hat bis auf die neueste Zeit herab nicht
selten zur Selbsthlfe gegriffen. In =England= erstrmte 1731 eine wthende
Volksmasse die Sakristei einer Kirche, wohin man ein altes, schwaches Weib
vor ihrer Verfolgung geflchtet hatte, und schleifte die Unglckliche im
Wasser herum, bis sie den Geist aufgab. Als derjenige Mensch, der hierbei
sich am gewaltthtigsten benommen hatte, von der Obrigkeit ergriffen und
zum Hngen verurtheilt wurde, wollte der Pbel der Exekution nicht
beiwohnen, sondern stellte sich in der Ferne auf und schimpfte auf
diejenigen, die einen ehrlichen Burschen zum Tode verdammten, weil er die
Gemeinde von einer Hexe befreit htte[327].
In =Sicilien= kam 1724 die letzte Ve$
 in seiner herzlichen Art zu lachen. Daumer fragte, was es
gebe; Caspar deutete mit dem Finger auf das Blatt und rief: Sehen Sie
nur, Herr Professor! Seit einiger Zeit hatte er aufgehrt, Daumer zu
duzen, und zwar ganz von selbst und eigentmlicherweise fast an
demselben Tag, an welchem er zum ersten Male Fleisch genossen und danach
krank geworden war.
Daumer blickte ins Buch. Die von Caspar aufgegriffenen Worte lauteten:
Die Sonne bringt es an den Tag.
Was gibt's dabei zu staunen? fragte Anna, die ber die Schulter des
Bruders gleichfalls in das Buch schaute.
Wie schn, wie schn! rief Caspar aus. Die Sonne bringt es an den
Tag. Das ist wunderschn.
Die drei andern schauten einander voll seltsamer Gefhle in die Augen.
berhaupt ist es schn, wenn man so liest: die Sonne! fuhr Caspar
fort. Die Sonne! Das hallt so.
Als er gute Nacht gewnscht hatte, sagte Frau Daumer: Man _mu_ ihn
doch lieb haben. Es wird einem ordentlich wohl, wenn man ihn in seiner
artigen Geschftigkeit beobachtet. Wie ein $
nzwischen war der Kandidat der Blutspur bis in den Keller gefolgt. Mit
heiserer Stimme schrie er von unten nach Licht und fgte gellend hinzu:
Da unten ist er, da liegt der Hauser! Hilfe, Hilfe, schnell!
Alle drei Daumers strzten in den Keller, Anna kam keuchend wieder
zurck, um die Kerze zu holen, die andern versuchten, den verkauerten
Krper Caspars aufzurichten, und dann trugen sie ihn selbdritt hinauf.
Zum Arzt, zum Arzt! kreischte Frau Daumer der entgegenrennenden Anna
zu, die das Licht ausblies, zu Boden warf und davonsprang.
Als Caspar endlich oben auf dem Bett lag, wuschen sie das gestockte Blut
von seinem Gesicht, und es kam eine nicht unbedeutende Wunde inmitten
der Stirn zum Vorschein. Daumer lief mit gerungenen Hnden im Zimmer auf
und ab und sthnte fortwhrend: Das mu mir passieren! Das mu in
meinem Haus passieren! Ich hab's ja gleich gesagt, ich hab's immer
Der Platz vor dem Haus war schon voller Menschen, als Anna mit dem Arzt
zurckkam. Im Flur standen einige Magistrats- und Polizeil$
 verlangte, um ihm
einen Brief auszuhndigen. Herr von Tucher verweigerte die Erlaubnis
dazu. Nach einigem Bedenken berlie ihm der Mann das Schreiben und
entfernte sich wieder. Herr von Tucher hielt sich fr berechtigt, den
Brief zu ffnen. Er war von rtselhafter Fassung; noch rtselhafter
dadurch, da ihm ein kostbarer Diamantring beilag, den Caspar damit als
Geschenk bekam. Herr von Tucher war unschlssig, was er tun solle. Brief
und Ring dem Gericht oder dem Prsidenten Feuerbach auszuliefern,
erschien ihm das ratsamste. Doch widersprach es immerhin seinem
Rechtsgefhl. Eine flchtige Stimmung von Weichheit gegenber Caspar
lie ihn den Vorsatz vllig vergessen; er hoffte, den Jngling aus
seiner Niedergeschlagenheit aufzurtteln, und diesen Zweck erreichte er
vollkommen. Er brachte Brief und Ring herbei.
Caspar las: Du, der du das Anrecht hast, zu sein, was viele leugnen,
vertrau dem Freund, der in der Ferne fr dich wirkt. Bald wird er vor
dir stehen, bald dich umarmen. Nimm einstweilen den Ring als $
ereingekommen, hat Birnen gestohlen,
der hat mir meinen Namen zertreten, da hab' ich geweint. Herr Daumer hat
gesagt, ich soll ihn wieder machen, hab' ich ihn wieder gemacht, am
andern Morgen haben ihn Katzen zertreten.
Es folgten in demselben unbeholfenen Stil einige Versuche, seine
Kerkerhaft zu beschreiben, etwa so: Die Geschichte von Caspar Hauser;
ich will es selbst erzhlen, wie hart es mir ergangen. Zwar da, wo ich
eingesperrt war in dem Gefngnis, ist es mir recht gut vorgekommen, weil
ich von der Welt nichts gewut und keinen Menschen niemals gesehen
In diesem Ton ging es weiter; spterhin kamen einige zum
Schnrednerischen strebende Stellen, und eine begann mit dem Satz:
Welcher Erwachsene gedchte nicht mit trauriger Rhrung an meine
unverdiente Einsperrung, in der ich meine blhendste Lebenszeit
zugebracht habe, und wo so manche Jugend in goldenen Vergngungen lebte,
da war meine Natur noch gar nicht erwecket.
Trume, Hoffnungen, Sehnsuchtsbilder, Berichte ber kleine Ausflge,
ber Unterhaltu$
 um einen Arzt
zu rufen. Der besonnene Hofrat hielt ihn zurck und meinte, man solle
kein unntiges Aufsehen machen. Frau von Imhoff kniete neben Caspar und
befeuchtete seine Schlfe mit ihrem Riechwasser. Er kam langsam zu sich,
doch dauerte es eine Viertelstunde, bis er sich erheben und gehen
konnte. Frau von Imhoff begleitete ihn hinaus. Damit sie sich nicht
durch die Menge der Besucher im Korridor zu drngen brauchten, fhrte
sie ihn ber eine Hintertreppe in den Garten und anerbot sich, ihn nach
Haus zu bringen. Nein, sagte er unnatrlich leise, ich will allein
gehen. Er steckte seine Nase in die Luft und schnffelte unbewut. Sein
Puls ging so schnell, da die Adern am Hals frmlich flogen.
Er entwand sich dem liebreichen Zuspruch der jungen Frau und ging mit
trgen Schritten gegen die Hauptallee des Gartens. Vor dem Portal stie
er auf den Polizeileutnant. Nun, Hauser! redete ihn Hickel an.
Caspar blieb stehen.
Zur Trauer haben Sie gegrndeten Anla, sagte Hickel mit unheilvoller
Betonung, den$
nt, man umarmt ihn, das Eis des
kniglichen Herzens schmilzt, und alles lst sich in Wonne auf.
Caspar benahm sich nicht ungeschickt. Im Lauf der Vorbereitungen fand
er von sich selbst aus einen heftigen Antrieb zu der Rolle und fhlte
sich so hinein, als ob sein alltgliches Leben von ihm abgelst wre.
hnlich verhielt es sich mit Frau von Kannawurf, die die Knigin machte;
auch sie gab sich ihrer Aufgabe mit einem Ernst hin, der das Spielhafte
des Vorgangs undienlich vertiefte und daher die Rollen ihrer Partner
schattenhaft werden lie. So webten die beiden gleichsam in einer eignen
Welt fr sich.
Es war ein sehr warmer Septembertag, als gegen sechs Uhr abends die
geladenen Gste erschienen, im ganzen etwa fnfzig Personen, die Frauen
in groer Pracht, unmig aufgedonnert, die Mnner in Frcken und
gestickten Uniformen. Das Podium fr die Komdie nahm die Schmalwand des
Saales vllig ein, Kulissen und Requisiten, auch eine Anzahl Statisten
waren vom Direktor des Schlotheaters zur Verfgung gestellt worde$
arbeiten an; das Bett zitterte, die Nadeln tanzten auf der Haut, die
Egge schwebte auf und ab. Der Reisende hatte schon eine Weile
hingestarrt, ehe er sich erinnerte, dass ein Rad im Zeichner htte
kreischen sollen; aber alles war still, nicht das geringste Surren war
Durch diese stille Arbeit entschwand die Maschine frmlich der
Aufmerksamkeit. Der Reisende sah zu dem Soldaten und dem Verurteilten
hinber. Der Verurteilte war der lebhaftere, alles an der Maschine
interessierte ihn, bald beugte er sich nieder, bald streckte er sich,
immerfort hatte er den Zeigefinger ausgestreckt, um dem Soldaten etwas
zu zeigen. Dem Reisenden war es peinlich. Er war entschlossen, hier bis
zum Ende zu bleiben, aber den Anblick der zwei htte er nicht lange
ertragen. Geht nach Hause, sagte er. Der Soldat wre dazu vielleicht
bereit gewesen, aber der Verurteilte empfand den Befehl geradezu als
Strafe. Er bat flehentlich mit gefalteten Hnden ihn hier zu lassen,
und als der Reisende kopfschttelnd nicht nachgeben wollte, kniet$
 man von
dem Garten der Tuilerien nach dem Karussell will, riefen ihnen die
Posten gebieterisch zu: Hier geht's nicht weiter!
Die Kleine reckte sich auf den Zehen in die Hhe und konnte eine Menge
von geputzten Frauen sehen, die sich zu beiden Seiten der Marmorarkade
drngten, aus der der Kaiser kommen mute.
Da siehst du, Vater, wir sind zu spt gegangen.
Sie schmollte rgerlich -- ein Zeichen, wie viel ihr daran gelegen war,
diese Parade mitanzusehen.
Nun, Julie, so gehen wir wieder. Du hast es nicht gern, in solchem
Gedrnge zu sein.
Wir wollen noch bleiben, lieber Vater. Von hier aus kann ich wenigstens
den Kaiser sehen. Wenn er nun in dem Feldzug den Tod fnde, so habe ich
ihn wenigstens einmal gesehen.
Der Vater zitterte ein wenig, als er diese egoistischen Worte hrte;
seine Tochter sprach in weinerlichem Tone. Er sah sie an und glaubte
unter den gesenkten Lidern ein paar Trnen zu bemerken, die wohl weniger
aus Enttuschung als aus einem jener ersten Schmerzen entsprangen, deren
Geheimnis ein $
m so mchtiger, um so gefhrlicher wurde sie. Zu
ihrem Unglck war dabei kein Schein und keine Falschheit im Spiele. Es
war ein Austausch zweier schnen Seelen, die durch das sogenannte Gesetz
getrennt waren und durch alles, was die Natur an Verfhrerischem
besitzt, vereint wurden.
In diesem Augenblick trat General d'Aiglemont ein.
Wir haben ein anderes Ministerium bekommen, sagte er. Ihr Oheim
gehrt zum neuen Kabinett. Sie haben also gute Aussicht, Gesandter zu
werden, Vandenesse.
Karl und Julie sahen sich errtend an. Dieses gegenseitige Schamgefhl
war nur ein neues Band. Beide hatten den gleichen Gedanken -- die
gleichen Gewissensbisse: ein furchtbares Band zwischen zwei Liebenden,
die eines Kusses schuldig sind, ganz ebenso stark wie zwischen zwei
Rubern, die gemeinsam einen Menschen umgebracht haben. Doch der Marquis
mute eine Antwort haben.
Ich will nicht mehr aus Paris fort, sagte Karl de Vandenesse.
Wir wissen, weshalb, versetzte der General und tat ganz besonders
schlau, wie jemand, der e$
hre Stimmen hallten laut auf der
Montreuiler Strae. Sein Zorn suchte einen Vorwand, sich Luft zu machen,
und entlud sich nun, als sie ankamen, wie ein Donnerschlag ber ihren
Huptern. Seine Stimme hallte durch das Haus, da es zitterte.
Als der Beherzteste und Gewandteste unter ihnen ihre Versptung damit
entschuldigte, da sie am Eingang von Montreuil von Gendarmen und
Polizisten aufgehalten worden seien, die einen Mrder gesucht htten,
beruhigte er sich pltzlich wieder und schwieg. Durch diese Ausrede an
die Pflichten seiner sonderbaren Lage erinnert, befahl er kurzweg allen
seinen Leuten, auf der Stelle schlafen zu gehen. Sie wunderten sich
darber, da der Kammerdiener mit seiner Lge so gut durchgekommen war.
Aber whrend dies sich im Hofe zutrug, hatte ein anscheinend ganz
unbedeutender Vorfall die Lage der andern Personen, die in dieser
Geschichte mitwirken, umgestaltet. Der Marquis war kaum hinausgegangen,
als seine Frau abwechselnd den Mansardenschlssel und ihre Tochter ansah
und schlielich, si$
nen der
Haut und im ganzen Geprge des Gesichts manches unerklrliche Phnomen,
das, vom Auge gesehen, sogleich zur Seele dringt; aber wenn der Dichter
eine so furchtbare Vernderung des Gesichtsausdrucks begreiflich machen
will, so steht ihm kein anderes Mittel zur Verfgung, als die Ereignisse
zu berichten, auf die sie zurckzufhren ist. Dieses Gesicht deutete auf
einen Sturm, der sich kalt und in aller Stille abgespielt hatte, auf
einen geheimen Kampf zwischen dem Heroismus des mtterlichen Schmerzes
und der Unbestndigkeit unserer Gefhle, die, wie wir selbst, ihr Ende
finden und nichts Endloses in sich tragen.
Diese unaufhrlich ins Innere der Seele zurckgedrngten Leiden hatten
auf die Dauer dieser Frau etwas seltsam Krankhaftes verliehen. Ohne
Zweifel hatten allzu heftige Erschtterungen das Mutterherz auch
krperlich beeintrchtigt, und eine Krankheit, vielleicht eine
Herzerweiterung, bedrohte langsam ihr Leben, ohne da Julie sich dessen
bewut war. Die wahren Schmerzen liegen anscheinend so ruhig $
atgebers in jenes Haus, in dessen
Hoftrakt sich die Fabrik des Vaters befand. Engelhart hatte jetzt
ernsthaft fr die Schule zu arbeiten, wenn er vorwrts kommen wollte,
doch er gengte keineswegs allen Ansprchen und brachte vielfach
schlechte Zensuren.
Du bist nicht bei der Sache, sagte Herr Ratgeber streng, du trumst.
Er ist ein Duckmuser, fgte die Stiefmutter hinzu, sieh ihn nur an,
er hat keinen freien Blick. Dieser Vorwurf traf den Knaben empfindlich;
er wute sein Auge nach innen beschftigt, wenn ihn jemand anrief, ri
er sich erst los von einem inneren Bild, aber dann fhlte er seinen
Blick ohne Scheu, er frchtete die Augen der Menschen nicht, hchstens
die der fremden Frau, die er Mutter nennen sollte. Er konnte sich
freilich nicht geben, sondern wollte genommen werden, doch liebte er die
Menschen, und das mit jedem Tage mehr; selbst vom Gleichgltigsten
zurckgestoen zu werden, war ihm rgerlich. Er suchte Zuneigung,
Zustimmung, Einverstndnis und gewahrte, wohin er auch sah, die Spure$
 benahmen sie sich, als er sich verabschiedete.
Er ging gegen die Altstadt und befand sich auf einmal in stiller Gasse
vor dem Tor des Friedhofs, in welchem seiner Mutter Grab war. Er ffnete
die Pforte, schritt hinein und wanderte eine Weile sinnend zwischen den
uralten Steinen umher. In welchem Teil des Friedhofs das Grab lag, wute
er nicht mehr, und er htte leicht vergeblich suchen mgen, wre nicht
ein eigentmliches Hinziehen gewesen, das er nie in solcher Strke an
sich beobachtet hatte. Endlich stand er vor dem rtlichen Sandstein, auf
dem in halbverwaschenen Goldlettern der Name von Frau Agathe Ratgeber
leuchtete. Das Grab war vernachlssigt, der Hgel ganz platt, keine
Blume wuchs, nur Gras. Ringsum in solcher Nhe, da es wie das Gedrnge
auf einem Jahrmarkt wirkte, standen andre verwitterte Steine, zudem
herrschte nicht einmal Frieden, denn drauen vor der Mauer erschallte
das lebhafte Gehmmer der Goldschlger und auf der andern Seite,
hgelabwrts in der Ebene, keuchte und klapperte eine Dampfm$
nd ab.
Es wurde Mitternacht, ehe Engelhart, weit in der nrdlichen Vorstadt
irrend, die Strae und das Haus fand, wo sein Vater wohnte. Dann mute
er lange luten, bis Frau Ratgeber herunterkam. Sie war sehr berrascht
und schien des Ankmmlings nicht eben froh zu sein; bedrckten Herzens
schlich er hinter ihr die vier Stockwerke empor, und seine scherzhafte
Anspielung ber die Nhe des Himmels hier oben beantwortete sie mit
einem Seufzer ber das harte Leben. Sie brachte willig herbei, was sie
noch zu essen im Haus hatte, setzte sich ihm sodann gegenber, blickte
mit ihren scheuen Augen ngstlich-musternd in sein Gesicht und meinte
vorwurfsvoll, er sehe gut aus. Ihr Antlitz war frmlich
zusammengeschrumpft von den Sorgen, und die dnnen schwarzen
Haarstrhnen gaben den Zgen einen zigeunerhaften Ausdruck. Der Vater
sei verreist, berichtete sie, und werde erst ber den andern Tag
zurckkommen; und nun suchte sie ihn auszuforschen voll Angst, da sie
da einen migen Kostgnger zu fttern haben werde, aber es $
ugen sprangen dann aus dem Kopf, so begierig folgte sie
jedem Wort, das von der Kanzel her laut wurde, _das_ Wort aber, auf das
sie wartete, das kam nicht. In ihrer Sehnsucht ging sie dann, nach der
Predigt, zu dem guten, ihr immer gleichmig geneigt bleibenden Eccelius
hinber, um, so weit es ging, Herz und Seele vor ihm auszuschtten und
etwas von Befreiung oder Erlsung zu hren; aber Seelsorge war nicht
seine starke Seite, noch weniger seine Passion, und wenn sie sich der
Snde geziehn und in Selbstanklagen erschpft hatte, nahm er lchelnd
ihre Hand und sagte: Liebe Frau Hradscheck, wir sind allzumal Snder
und mangeln des Ruhmes, den wir vor Gott haben sollen. Sie haben eine
Neigung sich zu peinigen, was ich mibillige. Sich ewig anklagen ist
oft Dnkel und Eitelkeit. Wir haben Christum und seinen Wandel als
Vorbild, dem wir im Gefhl unsrer Schwche demthig nachstreben sollen.
Aber wahren wir uns vor Selbstgerechtigkeit, vor allem vor _der_, die
sich in Zerknirschung uert. _Das_ ist die Hauptsache$
adscheck, mu ich Ihnen meine Nelken zeigen.
                           *       *       *
Um Johanni wute ganz Tschechin, da die Hradscheck es nicht lange mehr
machen werde. Keinem entging es. Nur sie selber sah es so schlimm nicht
an und wollte von keinem Doktor hren. Sie wissen ja doch nichts. Und
dann der Wagen und das viele Geld. Auf das Letztere, das viele Geld,
kam sie jetzt berhaupt mit Vorliebe zu sprechen, fand alles unnthig
oder zu theuer, und whrend sie noch das Jahr vorher fr ein
Polysander-Fortepiano gewesen war, um es, wenn nicht der Amtsrthin in
Friedrichsau, so doch wenigstens der Domnenpchterin auf Schlo
Solikant gleich zu thun, so war sie jetzt sparsam bis zum Geiz.
Hradscheck lie sie gewhren, und nur einmal, als sie gerade beim
Schotenpalen war, nahm er sich ein Herz und sagte: Was ist das nur
jetzt, Ursel? Du ringst Dir ja jeden Dreier von der Seele. Sie schwieg,
drehte die Schssel hin und her und palte weiter. Als er aber stehen
blieb und auf Antwort zu warten schien,$
chwrdigen Pater Hilarius unter
seinen geistlichen Mitbrdern wesentlich steigerten. Denn wer es
imstande war, blo durch des Wortes Gewalt den Inhalt der Stlle und
Felder durch die fromme Klosterpforte zu leiten wie einen nimmer
versiegenden Strom, der mute wohl vom Himmel ganz hervorragend begnadet
Diese Anerkennung sprach auch der hochwrdige Herr Prior seinem
verdienstvollen Mitbruder begeistert aus. Er meinte zwar, der Pater
Hilarius sei ein grober Knochen, aber nichtsdestoweniger habe er den
richtigen Ton getroffen, der zu den Herzen der Menschen gehe und alle
edeln und ntzlichen Instinkte des menschlichen Rindviehs in geradezu
staunenswerter Weise auslse.
Dieweilen der hochwrdige Herr Prior in geistlichen Schriften sehr
belesen war, machte er den Pater Hilarius auf einen Ausspruch seines
berhmten Vorfahren, des Paters Abraham a Santa Clara aufmerksam. Es
geschah dies im urschlichen Zusammenhange mit der Wirkung von des Pater
Hilarii Fastenpredigt auf das zarte weibliche Geschlecht.
Der hochwrdi$
Rippen zhlen konnte und der berall die
Beiner aufstellte, da man ihn auch ganz gut zu einem Hutstnder htte
gebrauchen knnen.
Der Schimmel fra gierig aus der Krippe. Als der Heilige nher zusah,
hatte der Schimmel lauter Papier in der Krippe, das er mit
offensichtlichem Behagen verzehrte.
Sintemalen aber alles, was Papier war, fr den Heiligen ein wichtiges
Lebenselement darstellte, sah er auch alsogleich nach, um welches Papier
es sich handelte. Zu seinem heiligen Entzcken waren es lauter Akten,
mit denen man den Schimmel ftterte.
O du heiliges Ro Gottes! rief der Heilige in himmlischer Verzckung.
Durch welches Wunder verzehrest du Akten?
Hihihihi! lachte der Schimmel und drehte sich, lebhaft wiehernd, nach
dem heiligen Manneum.
Da ersah der heilige Brokrazius, da sie dem Schimmel grne Brillen
aufgesetzt hatten. Und das Vieh war so dumm, da es durch die grnen
Brillen Gras statt Papier zu fressen glaubte. Nunmehro erkannte der
heilige Brokrazius, da er das dmmste Ro auf Gottes Erdbod$
s, den Stamm unserer gehaltvollsten Musik; oder auch die
populrsten Ouvertrenmotive von Auber, Donizetti, Flotow. Wer tritt
hinzu und getraut sich, ein bestimmtes Gefhl als Inhalt dieser Themen
aufzuzeigen? Der eine wird Liebe sagen. Mglich. Der andere meint
Sehnsucht. Vielleicht. Der dritte fhlt Andacht. Niemand kann das
widerlegen. Und so fort. Heit dies nun ein bestimmtes Gefhl
_darstellen_, wenn niemand wei, _was_ eigentlich dargestellt wird? ber
die Schnheit und Schnheiten des Musikstckes werden wahrscheinlich
alle bereinstimmend denken, von dem Inhalt jeder verschieden.
_Darstellen_ heit aber einen Inhalt klar, anschaulich produzieren, ihn
uns vor Augen daher stellen. Wie mag man nun dasjenige als das von
einer Kunst _Dargestellte_ bezeichnen, welches, das ungewisseste,
vieldeutigste Element derselben, einem ewigen Streit unterworfen ist?
  [10] Bachianer wie _Spitta_ freilich erstreben dies umgekehrt, indem
  sie, statt zugunsten ihres Meisters die Theorie selbst zu bestreiten,
  $
erfall reizen knnte: in der Hand haben sie keine Waffe, Geld
wrde ihre verbrecherische Tat nur verraten, und der Ertappte mte mit
Bestrafung und vlliger Aussichtslosigkeit, irgendwohin fliehen zu
knnen, rechnen. Wie sollte es nmlich jemand auch fertig bringen,
vllig unbemerkt zu fliehen, wenn sich seine Kleidung in jedem Stck von
der seiner Landsleute unterscheidet? Er mte sich denn gerade nackend
entfernen. Ja, auch in dem Falle wrde den Ausreier das Ohr verraten.
Aber knnten die Strflinge nicht vielleicht an eine Verschwrung gegen
den Staat denken? Wre das nicht doch eine Gefahr? Als ob irgendeine
Gruppe solch eine Hoffnung hegen drfte, ehe nicht die Sklaven
zahlreicher Landschaften unruhig geworden und aufgewiegelt sind, denen
es nicht einmal erlaubt ist zusammenzukommen, miteinander zu sprechen
oder sich gegenseitig zu gren, die also noch viel weniger eine
Verschwrung anzetteln knnten! Sollte man ferner annehmen drfen, sie
wrden diesen Plan inzwischen unbesorgt ihren Anhngern anve$
ingenden
Bedrfnisse des Staates erlauben, den Sklavendienst des Krpers nach
Mglichkeit einzuschrnken, damit die dadurch gewonnene Zeit auf die
freie Ausbildung des Geistes verwendet werden kann. Darin liegt nmlich
nach ihrer Ansicht das Glck das Lebens.
Der Verkehr der Utopier miteinander
Doch glaube ich nunmehr darlegen zu mssen, auf welche Weise die Brger
miteinander verkehren, welche inneren wirtschaftlichen Beziehungen
bestehen und wie die Verteilung der Gter vor sich geht.
Die Brgerschaft besteht also aus Familien, die zumeist aus Verwandten
zusammengesetzt sind. Denn sobald die Frauen krperlich reif sind,
werden sie verheiratet und ziehen dann in die Wohnungen ihrer Mnner.
Dagegen verbleiben die Shne und deren mnnliche Nachkommen in ihren
Familien und unterstehen der Gewalt des Familienltesten, soweit dieser
nicht infolge seines Alters kindisch geworden ist; dann tritt der
Nchstlteste an seine Stelle. Um aber eine zu starke Abnahme oder eine
bermig groe Zunahme der Bevlkerung zu ve$
einige wenige ihrer Leute im
Hinterhalt aufgestellt, die auf gnstige Gelegenheiten lauerten. Sie
griffen die Feinde, die vereinzelt umherschwrmten und es in voreiliger
Sorglosigkeit an der ntigen Vorsicht fehlen lieen, pltzlich an und
vernderten das Ergebnis der ganzen Schlacht. Sie wanden den Feinden den
Sieg, der ihnen schon sicher war und an dem sie nicht mehr gezweifelt
hatten, aus den Hnden und besiegten als Besiegte wiederum die Sieger.
Es ist schwer zu sagen, ob die Utopier einen Hinterhalt mit grerer
Schlauheit zu legen oder mit grerer Vorsicht zu vermeiden wissen. Man
knnte meinen, sie trfen Vorbereitungen zur Flucht, wenn sie alles
andere eher im Sinne haben, und umgekehrt, wenn sie die Absicht haben zu
fliehen, knnte man meinen, sie dchten an nichts weniger. Fhlen sie
sich nmlich hinsichtlich ihrer Zahl oder Stellung zu sehr im Nachteil,
so ziehen sie bei Nacht in aller Stille ab oder tuschen den Feind durch
irgendeine Kriegslist, oder sie gehen bei Tage so allmhlich und in so
gu$
orbeigehen aneinander verwandeln, wo
alles von vielen Seiten gesehen wird; als Isoliertes und Verbundenes,
als Trger des Wertes und als Nichtigkeit, als abstrakte Absonderung
und als konkretestes Eigenleben, als Verkmmern und als Blhen, als
Leidenmachen und als Leiden.
Es ist auf einer qualitativ vllig neuen Grundlage wieder ein Standpunkt
des Lebens erreicht, der der unauflsbaren Verschlungenheit von der
relativen Selbstndigkeit der Teile und ihrer Gebundenheit an das Ganze.
Nur da die Teile trotz dieser Bindung niemals die Hrte ihres abstrakten
Auf-sich-Gestelltseins verlieren knnen und ihre Beziehung zur Totalitt
eine zwar dem Organischen mglichst angenherte, aber doch immer wieder
aufgehobene begriffliche Beziehung ist und keine echtgeborene Organik.
Das hat kompositionell betrachtet zur Folge, da die Menschen und
Handlungsmae zwar die Grenzenlosigkeit des echt epischen Stoffes
besitzen, ihre Struktur jedoch von der der Epope wesentlich verschieden
ist. Die Strukturdifferenz, in der diese i$
, konzentriert sich deshalb um das ethische
Grundproblem, um die Frage der notwendigen und mglichen Tat. Der
Menschentypus dieser Seelenstruktur ist seinem Wesen nach eher ein
kontemplativer als ein aktiver: seine epische Gestaltung ist also
vor das Problem gestellt, wie sich dieses In-sich-Zurckziehen oder
zgerndes, rhapsodisches Handeln doch in Taten umzusetzen vermag; ihre
Aufgabe ist, den Einheitspunkt von dem notwendigen Dasein und Sosein
dieses Typus und von seinem notwendigen Scheitern gestaltend
aufzudecken.
Das Vorherbestimmteste des Versagens ist das andere, objektive Hindernis
der rein epischen Gestaltung: ob diese Schicksalsbestimmung bejaht oder
verneint, beweint oder verhhnt wird, immer ist die Gefahr einer
subjektiv-lyrischen Stellungnahme zu den Geschehnissen an Stelle des
normativ-epischen reinen Aufnehmens und Wiedergebens viel nherliegend,
als es bei einem innerlich weniger von vornherein entschiedenen Kampf
der Fall ist. Es ist die Stimmung der Desillusionsromantik, die diesen
Lyrismu$
fzeigt, in eine vllig problemfreie, problemjenseitige
Sphre, fr die die gestaltenden Formen des Romans nicht mehr ausreichen.
Novalis, der gerade in diesem Punkte Goethes Schpfung als prosaisch
und antipoetisch abgelehnt hat, setzt die im Wirklichen realisierte
Transzendenz, das Mrchen, als Ziel und als Kanon der epischen Poesie
der Gestaltungsart des Wilhelm Meister entgegen. Wilhelm Meisters
Lehrjahre sind, schreibt er, gewissermaen durchaus prosaisch und
modern. Das Romantische geht darin zugrunde, auch die Naturpoesie, das
Wunderbare. Er handelt blo von gewhnlichen, menschlichen Dingen, die
Natur und der Mystizism sind ganz vergessen. Es ist eine poetisierte
brgerliche und husliche Geschichte. Das Wunderbare darin wird
ausdrcklich als Poesie und Schwrmerei behandelt. Knstlerischer
Atheismus ist der Geist des Buches ... Es ist im Grunde ... undichterisch
im hchsten Grade, so poetisch auch die Darstellung ist. Und es
ist wiederum kein Zufall, sondern die rtselhafte und doch so tief
rati$
852 zum Leidwesen des ganzen
Landes, und wurde dann in der frstlichen Gruft unter der Stadtkirche
Schuhwechsel.
Einem Manne aus Au, der Nachts von Durlach heimging, setzte sich bei der
Ruhebank der gespenstige Kapuziner, welcher dort umgeht, auf den Rcken
und lie sich bis in dessen Haus tragen. Als der Mann, unter der Last
keuchend, die Stiege hinaufkam, rief ihm seine Frau zu, er solle seine
Schuhe gegen einander wechseln. Er that es, und sogleich fiel ihm der
Kapuziner vom Rcken und polterte gleich einem rollenden Fasse die
Treppe hinunter.
Todesvorzeichen.
Am Abend vor Allerheiligen 1831 waren ein Glaser und ein anderer Brger
aus Durlach mit einer Fuhr Wein, den sie in der Bruchsaler Gegend
gekauft, auf dem Weg nach ihrem Orte. Der Mond schien hell, und die zwei
Mnner gingen weit hinter dem Fuhrwerk her. Als sie zwischen 8 und 9 Uhr
in die Nhe von Untergrombach kamen, sahen sie ber dem Straengraben
einen Reiter, der im Schritte neben ihnen herritt und, wie sein Pferd,
einen Federbusch auf dem Kopf$
sich empor.
Bleib noch, bat sie, du himmlischer Sendbote, du Freund meines
Lebens. Aber der Falter mute weiter, und nun vernahm die Blume
pltzlich das Bitten, Rufen und Locken um sich her, von dem die ganze
Wiese in Farben und Dften erklang. Je mehr Insekten nun zu ihr kamen,
um so besser verstand sie ihre Schwestern umher und in der Ferne, sie
begriff, da sie ihr Lebensgre sandten und gab sie freien Sinnes
zurck, immer die strahlende Blte gegen die Sonne geffnet, als sei
keine Schuld und kein Fehl mglich, wenn sie sich ganz dem Licht
anvertraute.
So ging ihr erster Tag im Blhen dahin, sie durchlebte ihn wie alle
Glcklichen, ohne Bedenken und Rckhalt, ohne den Gedanken an sein Ende,
in ihrer schnen Pracht. Als die Sonne, mit der ihr Angesicht gewandert
war, hinter den Baumkronen im Grnen niedersank, begann sie sich langsam
zu schlieen, aber solange noch ein Strahlenabglanz des Lichts auf der
Erde widerschimmerte, wachte sie und lie ihn zu sich ein. Als aber der
Abendwind von den Saaten zu$
wohnheiten etwas heruntergekommen, aber ungemein witzig und
gescheit. Vielleicht, da ich in einem anderen Buch sein Leben erzhlen
kann, es ist auerordentlich abwechslungsreich, und er gehrt zu den
ganz seltenen Frschen, die einmal in der Gewalt des Storches gewesen
und wieder entronnen sind. Es kam, weil der Storch lachen mute, man
wei nicht worber -- jedenfalls glaubt Burr noch heute, da jener es
nicht gewagt htte, einen Mann von seiner Erfahrung als Nahrungsmittel
zu verwenden. Von ihm stammt auch das Volkslied, das noch viel im
Traulenbach und im Eulenteich von den Frschen gesungen wird:
    Ach, wie mir das Herz zergeht
    unter groem Weh,
    wenn der Mond am Himmel steht
    und zugleich im See.
    Meine Seele ahnt es dann,
    tiefbewegt und still,
    da der Frosch nicht fliegen kann,
    auch nicht, wenn er will.
Auch Assap und Jen kannten dieses Lied bereits, wenn sie auch bisher
noch keine Erlaubnis gehabt hatten, es ffentlich mitsingen zu drfen.
Aber in diesem Augenblick dachten s$
nnender und bitterer als die Verwundungen jedes anderen
irdischen Kampfes. Aber davon sollst du nichts wissen, du Gesegneter in
deiner Einfalt. Was unser letztes Ziel ist, ist dir von Anfang
zugefallen. Dir und deinesgleichen, euch ist von den Heiligen der Welt
das Reich versprochen.
Der Elf sa ruhig mit gefalteten Hnden da und schaute ins Land, er
wehrte der Eule nicht, noch gab er ihr recht, man htte wirklich nicht
mit Sicherheit sagen knnen, ob er ihr zugehrt hatte. Er erhob
pltzlich seine helle Stimme und sang in die Nacht hinaus:
        Meine Heimat ist das Licht,
        heller Himmel meine Freude!
        Tod und Leben wechseln beide,
        aber meine Seele nicht.
        Trauer du, mein irdisch Los,
        ber deinen bittren Gaben
        will ich meine Seele gro,
        will sie stark und glnzend haben.
Ein Wind erhob sich mit leisem Erbrausen der Bltter und mit feuchter
Wiesenkhle und trug das Lied ber das schlafende Land dem Morgen
entgegen. Die Eule aber warf sich pltzlich in ih$
weit bis zu den Moorseen.
Es ist mitten im Juli, sagte eine Ameise geheimnisvoll, von den
Glhwrmchen wei ich, da einmal im Jahr zur Sommerzeit bei Vollmond
die Elfenknigin in der Waldtiefe Hof hlt. Es wird schon etwas Wahres
an dieser Botschaft sein.
Eine Grasmcke kam herzugeflattert, und die geflgelten Tiere stoben
auseinander, aber die Fremde blieb ruhig sitzen. Ich reise im
Elfenfrieden, sagte sie ruhig, und die Grasmcke lie sich neben ihr
nieder, ohne ihr ein Leid zu tun, ja ohne ihr zu nahe zu kommen. Die
Waldelfen sind ein mchtiges Volk, selbst die grten Tiere gehorchen
ihrem Willen, denn es gibt vielerlei geheimnisvolle Knste und manchen
Zauberbann, den die Elfenknigin verhngen kann. Ach, viele Wunder
walten im tiefen Wald, aber eines der grten werde ich nun erzhlen.
Als nach einer Weile der Elf kam, von zwei Bienen gefhrt, die ihm
voranflogen, grte die Fremde ihn tief und ehrfrchtig, und sie
sprachen eine ganze Weile allein miteinander, whrend die anderen Tiere
neugierig$
        |             |
     5   |     --      | Kupfer 63.6 | Zink 65.4   | Gallium 70  | Germanium   |
         |             |             |             |             |   72.5      |
         |             |             |             |             |             |
         |             |             |             |             |             |
     6   | Krypton     | Rubidium    | Strontium   | Ytterbium   | Zirkon 90.6 |
         |   81.8      |   88.5      |   87.6      |   89        |             |
         |             |             |             |             |             |
     7   |     --      | Silber      | Kadmium     | Indium 115  | Zinn 119    |
         |             |   107.93    |   112.4     |             |             |
         |             |             |             |             |             |
     8   | Xenon 128   | Zsium      | Baryum      | Lanthan     | Zer 140.25  |
         |             |   132.9     |   137.4     |   138.9     |             |
         |             |    $
 Punkten unklar sein wrde,
doch eine zusammenhngende Episode bildet. Gaston Paris' Vermutung, da
das dreifache Abenteuer Gawains, Ywains und Le Morholts mit den drei
Jungfrauen einen selbstndigen "conte" gebildet habe, den der Verfasser
seiner Trilogie einverleibt habe, scheint mir wenig wahrscheinlich zu
sein. In Noten am Fue der Seiten habe ich alle wichtigen Unterschiede
zwischen den beiden Texten angegeben und auch hier und da Varianten
zwischen der Huth-Hs. und dem gedruckten Text angezeigt. Die in Klammern
eingefgten Angaben wie z.B. 1. [17c]; [17d]; [18a] usw. weisen auf die
vier Kolonnen jedes Blattes der Hs. No. 112 hin. 2. [_H_ 220c]; [_H_
220d]; [_H_ 221a] usw. zeigen die vier Kolonnen jedes der Bltter der
Huth-Hs. an; und endlich 3. [U 231]; [U 232]; [U 233] usw. geben die
Seitenzahlen des zweiten Bandes des Huth-_Merlin_ an.
3. Die Trilogie des pseudo-Robert de Borron.
Die Huth-Hs.[18] besteht ihrem Inhalte nach aus zwei Teilen: Fols.
1-75 enthalten sehr mittelmige _leons_ der Prosareda$
hielt, dessen Weglassung der Schreiber motiviert.
Somit konnte ich den Inhalt des ersten und dritten Buches der Trilogie
des pseudo-Robert de Borron, den die Huth-Hs. andeutet, auf klare und
einfache Weise mit Hilfe des vorhandenen Materials bestimmen, und es
bleibt nur brig, den Inhalt des zweiten, so weit als mglich, zu
bestimmen. In das zweite Buch gehren: 1. fols. 75-230 der Huth-Hs.,
2. fols. 22-58 der Hs. No. 112, und 3. eine Anzahl von Blttern (wie
viele lt sich nur annhrend [vgl. _infra_, S. XXV] bestimmen), auf
denen, unter anderen Ereignissen der Tod des Knigs Pellinor durch die
Hand Gawains erzhlt wird, eine Begebenheit, welche im dritten Buche
der Trilogie erwhnt wird, und Abenteuer, die mit Gaheriets Besuch der
_Isle Merlin_ in Zusammenhang stehen (vgl. _infra_ S. XLVIII).
Als ich im Jahre 1907-8 die Artikel in der _Romania_ und _Modern
Philology_ schrieb, glaubte ich auch den auf S. XX erwhnten Auszug
aus dem _Lancelot_ hierher rechnen zu mssen. ber diesen Punkt habe
ich seitdem mei$
ngen, eine Jungfrau, die an den Schwanz seines Pferdes
gebunden war, zu schleifen. Gawain eilte der Jungfrau zu Hilfe und
erkannte den Zwerg, der auf der _Plaine Aventureuse_ mit dem groen
Ritter um die Jungfrau kmpfen wollte, und der hier dieselbe Jungfrau
so mihandeln lie.
Schnell entschlossen sprengte Gawain heran, zerhieb mit seinem
Schwerte die Stricke, mit denen die Jungfrau an den Schwanz des
Pferdes befestigt war, und schlug dann mit der flachen Klinge den
Knappen auf den Kopf, da er zu Boden fiel. Als Gawain auch die
Jungfrau erkannte, fragte er sie, wie sie den hlichen Zwerg dem
schnen Ritter htte vorziehen knnen. "Nach dem, was du tatest, htte
dir kein Ritter zu Hilfe kommen sollen", sagte Gawain zu ihr, "denn
durch deine Handlungsweise beschimpftest du alle guten Ritter". "Tadle
mich nicht", bat die Jungfrau, "ich handelte wie ein Weib und habe
meine Torheit schwer ben mssen". Nun ergriff der Zwerg Gawains
Zgel und sagte, da er sein Gefangener wre, wenn er ihm nicht fr
die Verlet$
oncques
mais, car ie cuid que aucun guerredon me rendres vous de ce que vous
me faites souffrir, et celle esperance ramplist mon cueur de toute
ioye et de toute bonne auenture. Et certes, se ie ny prenoie plus a
ceste foiz guerdon de cest trauailh ne mes ce que ie vous voy, si men
tieng ie moult bien apaie.' Quant elle oy ceste parole, elle respondi:
'Ce na mestier, certes tous en seres ostes de moy amer.' Lors le fist
deslier et oster deuant luy, et dist que ia ne lameroit. Et quant cil
ne la pot veoir si sen rala a son recet. Si vous dy que en ceste
maniere [24d] lont ia traynne plus de dix foiz. Et il, toutes foiz, le
sueffre ainsi debonnairement com vous veistez huy. Car bien saches de
uoir que sil vouloit faire son pouoir de soy desfendre, ilz ne ly
pourraient faire chose qui li despleust, car il est trop bon
cheualier. Mes toute la honte quilz ly font ly semble honnour trop
grant pour ce quil scet bien quelle le commande. Ne encore ne le veult
elle amer ne ia ne lamera si com elle dit."
"Or vous ay ie d$
oit autressi la damoiselle et tant la
pria quelle fist pour luy...[477] ne ne laissa mie pour parente qui y
fust ne pour autre {108} chose. Tant menerent ceste vie que ie trouay
ly vngs dessus lautre gisant charnellement ensemble. Et il men pesa
tant que ien deuz estre touz desuez, car trop amoye Baudon; si traiz
mespee sur eulx et les volz occire. Et nonpourquant pour ce que mercy
me crierent et quilz me iurerent sur sains que Jamais en cellui pechie
ne cherroient, les laissay ie a occire. Quant ilz me furent ainsi
eschappes, ilz orent paour que ie ne le deisse, ou tost, ou tart, a
Baudon et quil les honnist. Et lors vint la damoiselle a Baudon, si
comme len le me compta puis, et ly chei aux pies et dist: "Sire, il
est ainsi [que] vostre compains Gallinor me[478] requiert de folie et
meschance chascun iour, et si asprement que ie ne pourroie durer
longuement a lui, se ie ne faisoie sa volente, car il me menace toutes
uoies a occire." Et lors sailli auant le cheualier que iauoye pris au
fait, si dist: 'Sire i$
omis". "Volontiers", fait Gaheriet, si laisse
erranment le cheualier et court a la damoiselle pour luy copper le
chief. Et quant elle le voit venir, elle sen tourne en fuye moult
effree et moult espouentee durement. Et quant le cheualier oltres voit
celle quil amoit de tout son cuer en auenture de morir, il court a
celle qui lauoit de mort rescoux et la gitte contre terre et haulce
lespee et dit: "Se dieu me consault, tu es a ta fin venue, se tu ne
fais tant que ce cheualier quitte celle damoiselle et quelle soit
deliuree". "Com[m]ent", fait elle, "aures vous dont cuer de moy occire
qui vous ay de mort rescoux?" "Ouil", fait il, "ia dieu nait merci de
ma vie, se ie ne toccis orendroit, se tu ne la deliures". Si haulce
lespee, si li donne du plat en la teste si quil lestonne toute et li
fait paour de mort. Et quant elle se voit en tel point, elle dist:
"Ha, beaux doulx amis! laisses moy et ie la feray quitter". "Fiance le
moy", fait il; et celle luy fiance. Et il la laisse maintenant. Or va
tost", fait il, "si$
schiedene andere Fragen, die gelegentlich in dieser Schrift Erwhnung
  [9] Diese bersicht rhrt von Descartes selbst her.
  [10] _quae a Deo creari debent ut existant_. Die
       Kirchmann'sche bersetzung: welche von Gott zum Dasein
       geschaffen werden sollen, scheint mir keinen rechten
       Sinn zu geben.
  [11] _in genere sumptum_.
  [12] Descartes unterscheidet den Krper seiner Substanz
       und seinen besonderen Eigenschaften nach. Erstere
       ist unvernderlich, unvergnglich, letztere ist
       vernderlich und vergnglich. Als =Substanz= ist auch
       unser Leib unvergnglich. Seiner besonderen =Form= und
       =Zusammensetzung= nach aber, die ihn eben als Leib
       charakterisiert, ist er vernderlich und =vergnglich=.
       Die Seele dagegen, als =einfaches= Wesen, ist sowohl
       ihrer Materie wie ihrer Form nach unvergnglich. Seele
       und Krper im Gegensatz zum Leibe wren etwa zu
       bezeichnen als primre Individuen, Individuen
       niederer Ordnun$
 sagte die Kontrolleursfrau, offenkundig voller
Vergngen, ein paar franzsische Worte aus dem Gedchtnis frei hersagen
zu drfen. Das ist immer so in deutschen Landen, da die Leute sich
freuen, zeigen zu knnen, da sie Franzsisch verstehen.
Meine Herrin, dachte Joseph, versteht kein Wort Franzsisch. Die
Spter ging man gemeinschaftlich nach Hause.
                   *       *       *       *       *
Als Joseph in seinem Zimmer angelangt war und eine Kerze angezndet
hatte, hielt er, anstatt sich sogleich ins Bett zu legen,
halbausgezogen, und am Fenster stehend, folgendes Selbstgesprch: Was
leiste ich eigentlich? Ich kann mich da, wenn ich will, sogleich
ungestrt zu Bett legen, um in einen sehr wahrscheinlich gesunden und
tiefen Schlaf zu versinken. Ich bekomme in Biergrten Bier zu trinken.
Ich kann mit Frau und Kindern Gondel fahren, ich habe zu essen. Die Luft
hier oben ist eine ausgezeichnete, und was die Behandlung betrifft, so
wre ich ein Lgner, wenn ich sie tadelte. Licht und Luft und
Ges$
ff
inwendig und einen groen Orden auf der Auenseite seiner Brust trug,
blies mit einiger Behaglichkeit seinen Schnurrbart auf und leitete das
kurze Gesprch immer also ein:
Warten auf den Herrn Brutigam, gndiges Frulein?
Darauf wurde Luisa jedesmal so rot, als die schlechte Beleuchtung der
Gasse es notwendig machte. Der alte Herr freute sich daran und erkannte
von einemmal zum nchsten immer deutlicher die Kstlichkeit seines
Witzes, den er beim Abendessen, natrlich nachdem die Kinder zu Bette
waren, gerne seiner Lotti wiederholte. Sonst wute er ohnehin nicht viel
zu erzhlen. Denn es lag etwas Versonnenes in seinem Wesen, welches man
auch durch dieses Beispiel beleuchten kann. So hat er mehr als fnf
Jahre darber nachgedacht, was der Wink, den man ihm zeitweilig von
oben gab, bedeuten mochte. Verstanden hat er ihn freilich erst viel
spter, als das rastlose Winken hherenorts schon eine Art von Sturm
hervorgerufen hatte, welcher endlich den Herrn Obristen von dem
gefhrlichen Gipfel eines Regimen$
gesehen zu haben mit dem
Titel Ein Veilchenstrau߫. -- Die Heldin entdeckt, da die frhere Frau
ihres Mannes noch lebt, und ihr Kind daher unehelich ist. Sie sagt ihrer
Tochter, sie mge zwischen ihren Eltern whlen und erklrt ihr die
Vorteile des Verbleibens bei ihrem reichen und einflureichen Vater.
Die Ansprache schliet mit den Worten: Bei mir wirst du arm und in
Schmach leben, und du kannst nie heiraten! Zweifelsohne wurde dieser
Gesichtspunkt einzig und allein in Anbetracht der jungen Mdchen im
Zuschauerraum festgehalten, aber seine Unvernunft stie mich ab. Selbst
der beschrnkten Intelligenz einer Siebzehnjhrigen ist es klar, da ein
unehelich geborenes Mdchen lieber so schnell als sie nur kann heiraten
sollte, um einen brgerlichen Namen zu erhalten, wenn schon ein Name von
solcher Bedeutung im Leben ist. Es wurde krzlich viel ber die
freie Liebe im Zusammenhang mit dem Sozialismus diskutiert, und
hchstwahrscheinlich dank der Entstellungen gewisser Zeitungen scheint
die Vorstellung Platz $
nun haben wir
die Bescherung! Alle inlndischen wohlmeinenden Antrge hat sie
ausgeschlagen, noch neulich mute ich den gescheiten und tchtigen
Melchior Bhni heimschicken, der noch groe Geschfte machen wird, und
sie hat ihn noch schrecklich verhhnt, weil er nur ein rtliches
Backenbrtchen trgt und aus einem silbernen Dschen schnupft! Nun, Gott
sei Dank, ist ein polnischer Graf da aus wildester Ferne! Nehmen Sie die
Gans, Herr Graf, und schicken Sie mir dieselbe wieder, wenn sie in Ihrer
Polackei friert und einst unglcklich wird und heult! Ach, was wrde die
selige Mutter fr ein Entzcken genieen, wenn sie noch erlebt htte,
da das verzogene Kind eine Grfin geworden ist!
Nun gab es groe Bewegung; in wenig Tagen sollte rasch die Verlobung
gefeiert werden, denn der Amtsrat behauptete, da der knftige
Schwiegersohn sich in seinen Geschften und vorhabenden Reisen nicht
durch Heiratssachen drfe aufhalten lassen, sondern diese durch die
Befrderung jener beschleunigen msse.
Strapinski brachte zur $
ein Kind, ein Mdchen von sieben oder
acht Jahren, ein seltsames heftiges Kind und doch gut wie Zucker und
schn wie ein Engel. Dem hatte ich vielfach den Diener und Beschtzer
machen mssen und es hatte sich an mich gewhnt. Ich mute es regelmig
nach dem entfernten Pfarrhof bringen, wo es bei dem alten Pfarrer
Unterricht geno, und es von da wieder abholen. Auch sonst mute ich
fter mit ihm ins Freie, wenn sonst niemand gerade mitgehen konnte.
Dieses Kind nun, als ich es zum letztenmal im Abendschein ber das Feld
nach Hause fhrte, fing von der bevorstehenden Abreise zu reden an,
erklrte mir, ich mte dennoch mitgehen und fragte, ob ich es tun
wolle. Ich sagte, da es nicht sein knne. Das Kind fuhr aber fort, gar
beweglich und dringlich zu bitten, indem es mir am Arme hing und mich am
Gehen hinderte, wie Kinder zu tun pflegen, so da ich mich bedachtlos
wohl etwas unwirsch frei machte. Da senkte das Mdchen sein Haupt und
suchte beschmt und traurig die Trnen zu unterdrcken, die jetzt
hervorbrachen$
gere Ttigkeit fr die beiden
Mnner vor, als der Papa darauf drang, nun gemeinschaftlich jenen Roman
zu erfinden und aufzuschreiben, durch welchen John zu seinem natrlichen
Sohn erhoben wurde. Es sollte ein geheimes Familiendokument werden in
der Form fragmentarischer Denkwrdigkeiten. Um Eifersucht und Unruhe der
Frau Litumlei zu verhten, mute es in geheimen Sitzungen abgefat und
sollte ganz im stillen in das zu grndende Familienarchiv verschlossen
werden, um erst in knftigen Zeiten, wenn das Geschlecht in Blte
stnde, an das Tageslicht zu treten und von der Geschichte des
Litumleiblutes zu reden.
John hatte sich schon vorgenommen, nach dem Absterben des Alten sich
nicht schlechtweg Litumlei, sondern #Kabys de Litumley# zu nennen, da
er fr seinen eigenen Namen, den er so zierlich geschmiedet, eine
verzeihliche Vorliebe hegte; ebenso nahm er sich vor, das zu errichtende
Schriftstck, wodurch er um seine eheliche Geburt und zu einer
liederlichen Mutter kommen sollte, dereinst ohne weiteres zu verbrenn$
te die junge Saat. Aber
dennoch ereignete sich zuletzt etwas Seltsames. Es schneite, taute und
fror wieder whrend des Monats Hornung in so hufigem Wechsel, da nicht
nur viele Menschen krank wurden, sondern auch eine solche Menge
Eiszapfen entstand, da das ganze Land aussah wie ein groes Glasmagazin
und jedermann ein kleines Brett auf dem Kopfe trug, um von den fallenden
Spitzen nicht angestochen zu werden. Im brigen behaupteten sich die
Preise der Lebensmittel noch immer, wie oben bemerkt und schwankten
endlich einem merkwrdigen Frhling entgegen.
Hier kam der kleine Alte eifrig hergerannt, nahm den Bogen an sich, und
ohne das bisher Geschriebene zu lesen oder etwas zu sagen, schrieb er
weiter: Nun kam Er und hie Adam Litumlei. Er verstand keinen Spa und
war geboren anno 17... Er kam dahergestrmt wie ein Frhlingswetter. Er
war einer von denjenigen. Er trug einen roten Sammetrock, einen Federhut
und einen Degen. Er trug eine goldene Weste mit dem Wahlspruch: Jugend
hat keine Tugend! Er trug golden$
lter Mdchen und geht ungentzt mit
ihnen zu Grabe. Ihre verfehlte Bestimmung knnen sie nicht vergessen,
selbst wenn sie ihr Leid ins Kloster tragen. Die Nonne noch spielt mit
der Liebe, mit der Ehe. Da ihr das Nchste nicht erreichbar gewesen,
streckt sie die Arme nach dem Fernsten aus; aber nur, um es ihren
Brutigam zu nennen. Schner sieht man alte Mdchen in irdischer
Ttigkeit walten, indem sie, wenn auch innerlich verblutend und ihre
Trnen verschluckend, zu Schutzgenien ihrer jngeren Geschwister, ihrer
Familie oder gar fremder Kinder werden. Wrden sie hassen, so htten sie
ihr Los verdient.
Ich sehe etwas Heiliges in guten alten Mdchen, wie berhaupt im
Unglck, wo ber der eigenen Verschuldung, falls sie vorhanden, eine
hhere Macht entscheidend gewaltet hat. Man wird mich wohl am Ende als
den Pindar der alten Jungfern verlachen. Sei es drum! Tausende mgen
mich verspotten, wenn ich am heutigen Freudentage nur einem jener Wesen,
die zu den Opfern der Gesellschaft gehren, mit einem einzigen Worte$
 in den Vorhfen des Vatikans stehen.
Die deutschen Mrchen, die sich selbst gedichtet haben -- die
Volksmrchen -- sollen uraltes Nationalgut sein. Die Gestalten, die darin
auftreten, werden als heruntergekommene heidnische Gtter betrachtet,
die sich vor christlicher Verfolgung in die Mrchentracht versteckt
haben. Es gibt wohl welche unter den deutschen Mrchen, die dieser
Ansicht entsprechen, beispielsweise unser allerliebstes Dornrschen.
Wodan, der durch die Strahlengluten reitet, um die schlafende Sonne zu
wecken, Siegfried, der durch die wabernde Lohe dringt, um Brnhild zu
befreien, der junge Knigssohn, der durch die Hecken bricht, um
Dornrschen zu holen, sie sind wahrscheinlich eine und dieselbe Gestalt:
zuerst als Gott, dann als Held, zuletzt als Mrchenprinz. So kann nun
jeder deutsche Mann, der ein Weib erwirbt, als Gott, als Held, als
Mrchenprinz empfinden. Aber nur wenige von den deutschen Mrchen sind
so bequem auszulegen wie Dornrschen, und selbst die nationale
Ursprnglichkeit der deutsc$
ebt aber auch andere anderen Schlages, und wo du Bach,
Mozart, Beethoven aufschlgst, blicken sie dich in tausend verschiedenen
Weisen an; des drftigen Einerlei's namentlich neuerer italienischer
Opernmelodien wirst du hoffentlich bald berdrssig.
                   *       *       *       *       *
Suchst du dir am Clavier kleine Melodien zusammen, so ist das wohl
hbsch; kommen sie dir aber einmal von selbst, nicht am Clavier, dann
freue dich noch mehr, dann regt sich in dir der innere Tonsinn. -- Die
Finger mssen machen, was der Kopf will, nicht umgekehrt.
                   *       *       *       *       *
Fngst du an zu componiren, so mache Alles im Kopf. Erst wenn du ein
Stck ganz fertig hast, probire es am Instrumente. Kam dir deine Musik
aus dem Innern, empfandest du sie, so wird sie auch so auf Andere
                   *       *       *       *       *
Verlieh dir der Himmel eine rege Phantasie, so wirst du in einsamen
Stunden wohl oft wie festgebannt am Flgel sitzen, in Harmonien dein
Innere$
lung in Anspruch genommen hat. Nicht alle Organismen sind dem
ueren Zwang unterlegen, der sie zu immer weiter gehender Entwicklung
antrieb. Vielen ist es gelungen, sich auf ihrer niedrigen Stufe bis auf
die Gegenwart zu bewahren; es leben ja noch heute, wenn nicht alle, so
doch viele Lebewesen, die den Vorstufen der hheren Tiere und Pflanzen
hnlich sein mssen. Und ebenso machen nicht alle Elementarorganismen,
welche den komplizierten Leib eines hheren Lebewesens zusammensetzen,
den ganzen Entwicklungsweg bis zum natrlichen Tode mit. Einige unter
ihnen, die Keimzellen, bewahren wahrscheinlich die ursprngliche
Struktur der lebenden Substanz und lsen sich, mit allen ererbten und
neu erworbenen Triebanlagen beladen, nach einer gewissen Zeit vom ganzen
Organismus ab. Vielleicht sind es gerade diese beiden Eigenschaften, die
ihnen ihre selbstndige Existenz ermglichen. Unter gnstige Bedingungen
gebracht, beginnen sie sich zu entwickeln, das heit, das Spiel, dem sie
ihre Entstehung verdanken, zu wiederho$
-- ich
habe hier keinen Handel mit alten Kleidern, sondern ein Gasthaus, in dem
ich fr jedes Pfund Fleisch, was ich haben will, baar mit meinem Gelde
zahlen mu -- 
Aber was sind wir Ihnen denn eigentlich schuldig? frug der Mann, der
Ausschenker hat uns eine Rechnung gegeben, auf der eine Menge Glser
Getrnke stehn, von denen wir Nichts wissen, aber nicht einen Pfennig
fr die Arbeit abgerechnet, die wir in der Zeit fr Sie gethan, und die
Frauen haben doch Woche ein Woche aus gewaschen und wir selber all ihr
Holz gespalten und gesgt, Ihren Mist gefahren, Ihre Kartoffeln
ausgemacht im Feld, und hereingeschafft.
Die Arbeitstage sind Euch nicht mit aufgeschrieben, sagte Herr Hamann.
Nein, das ist wahr, aber auch Nichts dafr zu Gute, lieber Gott, wir
haben uns unsere Kleider dabei herunter gerissen und tchtig zugegriffen,
das wissen Sie selber am Besten.
Mein Essen war auch nicht schlecht, und bei den theueren Zeiten knnt'
ich's vor meinen Kindern nicht verantworten, wenn ich andere Leute
umsons$
ick? rief aber Herr Hamann rasch erstaunt
aus -- wohl deshalb, weil Du beinah drei Wochen bei mir gegessen und
getrunken hast?
An der _bar_ ist jeder Schluck bei Cent und halbem Cent bezahlt,
betheuerte der Ire.
Aber das Essen, wer hat das berichtet?
Hab ich Euch nicht den Graben um den Hof gezogen?
Den Graben, rief Herr Hamann verchtlich, Du hast Dich drei volle
Tage, das heit die Stunden abgerechnet, die Du dabei im Schenkzimmer
gesessen mit dem kleinen Graben -- 
ber Mittag, Herzchen.
Nun ja, das wollen wir nicht untersuchen -- drei volle Tage mit dem
kleinen Graben herumgeschlagen, den ein tchtiger Arbeiter in _einem_
Tage beendigen wrde. Doch bin ich auch Willens Dir selbst _das_ zu
Nun ja, _honey_, da sind wir ja schon in Ordnung, lachte der Ire,
Dein Holzkopf von Barkeeper htte mir mein Bndel gleich herausgeben
und sich selber eine Unannehmlichkeit ersparen knnen.
Wenn Du den Rest herauszahlst.
Welchen Rest -- 
Der mir noch zu Gute kommt -- 
Verdammt der Cent, den Ihr$
fen in sich trgen, sondern auch, wenn sie mit denen fertig
wren, einander selber angriffen und auffren. Gesetze gab es dabei gar
nicht, die Geschworenen Gerichte waren nur zum Schein da, und die, die
ihnen in die Fuste liefen, gleich von vorn herein verloren -- das
deutsche Gerichtsverfahren war Gold gegen diesen Auswurf der Menschheit.
Bestechlichkeit herrschte dabei bis zum uersten, wobei er selber als
glnzendes, mit Fen getretenes Beispiel da stand, indem er nur aus dem
einzigen Grund keine brillante und seinen Fhigkeiten angemessene
Stellung erlangt, weil er es verschmht, fr unter seiner Wrde gehalten,
einen einzigen Dollar zu einem solchen Zwecke auszugeben. Und selbst die
Bauern waren bel dran, trotz den lgenhaften Berichten, die Amerika
freundliche, das heit demokratische, rothrepublikanische Zeitungen
in Deutschland darber ausstreuten. Wenn die Schaafskpfe htten in
Deutschland so arbeiten wollen, wie sie hier arbeiten _muten_, so wrden
sie es -- seiner Meinung nach -- auch zu '$
nes Atlas
zusammengestellt. Dieselbe mag ihnen zeigen, da man nicht geradezu Alles
fr Fabel erklren darf, was von dem Typus abweicht, den wir uns nach
Beobachtungen gebildet, die einen zu unbedeutenden Theil der Erdoberflche
Der Cababuri fllt bei der Mission Nossa Senhora das Caldas in den Rio
Negro; aber die Flsse Ya und Dimity, die weiter oben hereinkommen, stehen
auch mit dem Cababuri in Verbindung, so da von der Schanze San Gabriel de
Cachoeiras an bis San Antonio de Castanheira die Indianer aus den
portugiesischen Besitzungen auf dem Baria und dem Pacimoni auf das Gebiet
der spanischen Missionen sich einschleichen knnen. Wenn ich sage Gebiet,
so brauche ich den ungewhnlichen Ausdruck der Observanten. Es ist schwer
zu sagen, aus was sich das Eigenthumsrecht in unbewohnten Lndern grndet,
deren natrliche Grenzen man nicht kennt, und die man nicht zu cultiviren
versucht hat. In den portugiesischen Missionen behaupten die Leute, ihr
Gebiet erstrecke sich berall so weit, als sie im Canoe auf einem$
izales an wurde die Abnahme des Wassers im Fluss desto
auffallender, da unterhalb der Gabelung bei der *Boca de Arichuna* kein
Arm, kein natuerlicher Abzugscanal mehr dem Apure Wasser entzieht. Der
Verlust ruehrt allein von der Verdunstung und Einsickerung auf sandigten,
durchnaessten Ufern her. Man kann sich vorstellen, wie viel diess ausmacht,
wenn man bedenkt, dass wir den trockenen Sand zu verschiedenen Tagesstunden
36--52, den Sand, ueber dem drei bis vier Zoll Wasser standen, noch 32 Grad
warm fanden. Das Flusswasser erwaermt sich dem Boden zu, so weit die
Sonnenstrahlen eindringen koennen, ohne beim Durchgang durch die ueber
einander gelagerten Wasserschichten zu sehr geschwaecht zu werden. Dabei
reicht die Einsickerung weit ueber das Flussbett hinaus und ist, so zu
sagen, seitlich. Das Gestade, das ganz trocken scheint, ist bis zur Hoehe
des Wasserspiegels mit Wasser getraenkt. Fuenfzig Toisen vom Fluss sahen wir
Wasser hervorquellen, so oft die Indianer die Ruder in den Boden steckten;
dieser unten f$
 Citrosmen, der Pejoa (_Gaultheria odorata_), der Incienso der Silla
von Caracas [_Trixis nereifolia_. S. Bd. II Seite 183], der Quereme, die
Pancratium-Arten und so viele herrliche Lilienarten wachsen, kann nicht
fuer einen gelten, dem es an Aromen fehlt. Zudem ist Trockenheit der Luft
der Entwicklung aromatischer und reizender Eigenschaften nur bei gewissen
Pflanzenarten foerderlich. Die heftigsten Gifte werden im feuchtesten
Landstrich Amerikas erzeugt, und gerade unter dem Einfluss der anhaltenden
tropischen Regen gedeiht der amerikanische Pfeffer (_capsicum baccatum_)
am besten, dessen Frucht haeufig so scharf und beissend ist als der
ostindische Pfeffer. Aus diesen Betrachtungen geht Folgendes hervor: 1)
Der neue Continent besitzt sehr starke Gewuerze, Arome und vegetabilische
Gifte, die ihm allein angehoeren, sich aber specifisch von denen der alten
Welt unterscheiden; 2) die urspruengliche Vertheilung der Arten in der
heissen Zone ist allein aus dem Einfluss des Klimas, aus der Vertheilung der
Waerme,$
und Quito dieselbe, und doch ist
die magnetische Inclination am ersteren Ort 26 deg. 40, am zweiten 14 deg. 85.
Nimmt man die Kraft unter dem magnetischen Aequator (in Peru) gleich eins
an, so ergibt sich fuer Cumana 1,1779, fuer Carichana 1,1575, fuer Javita
1,0675, fuer San Carlos 1,0480. In diesem Verhaeltniss nimmt die Kraft von
Nord nach Sued auf 8 Breitengraden zwischen dem 66 1/2 und 69sten Grad
westlicher Laenge von Paris ab. Ich gebe absichtlich die
Meridian-Unterschiede an; denn ein Mathematiker, der auf dem Gebiete des
Erdmagnetismus grosse Erfahrung besitzt, HANSTEEN, hat meine
*isodynamischen Beobachtungen* einer neuen Pruefung unterworfen und
gefunden, dass die Intensitaet der Kraft auf demselben magnetischen Parallel
nach sehr constanten Gesetzen wechselt, und dass die scheinbaren Anomalien
der Erscheinung groesstentheils verschwinden, wenn man diese Gesetze kennt.
Im Allgemeinen steht fest, was fuer mich aus der ganzen Reihe meiner
Beobachtungen hervorgeht, dass die Intensitaet der Kraft vom m$
  Die Instrumente her! da ihr euch sputet,
    Wenn einst der Tod macht in mein Buch den Klecks,
    Den groen Klecks, der alles berflutet.
    Den Schlachtentrumpfer blast, und nicht perplex!
    Den Hohenfriedeberger trommelt, tutet,
    Mit seinen Pauken sei mein Leben ex!
    Und komm' ich oben an so unvermutet,
    Aufbrll' ich: Vivat Fridericus Rex!
Einer Toten.
    Ach, da du lebtest!
                         Tausend schwarze Krhen,
    Die mich umflatterten auf allen Wegen,
    Entflohen, wenn sich deine Tauben zeigten,
    Die weien Tauben deiner Frhlichkeit.
    Da du noch lebtest!
                         Schwer und kalt bedrngt
    Die Erde deinen Sarg und hlt dich fest.
    Ich geh' nicht hin, ich finde dich nicht mehr.
    Und Wiedersehn?
                    Was soll ein Wiedersehn,
    Wenn wir zusammen Hosianna singen,
    Und ich dein Lachen nicht mehr hren kann?
    Dein Lachen, deine Sprache, deinen Trost:
    Der Tag ist heut so schn. Wo ist Chasseur?
    Hol aus dem Schranke $
ichte 1897. Neue Gedichte 1899.
Ehefrhling 1899. Reigen 1900. Ernte 1903. Neue Garben 1904. Die
Blumenschale 1907.
An blauen Frhlingstagen.
    Vom stolzen Glck des eignen Werts getragen,
    Als brcht' ihr Blhn der Landschaft erst Gewinn,
    Gehn schne Fraun an blauen Frhlingstagen
    Wie Kniginnen durch die Menge hin;
    Als htt' der Knabe Frhling nur im Sinn,
    Das Krnungsvlie um ihren Leib zu schlagen
    Und, wie ein Page, seiner Knigin
    Mit stillem Dank die Schleppe nachzutragen ...
Im stillen Hafen.
    Dies ist mein Glck: in allen Bitternissen
    Des Seins daheim mein junges Weib zu wissen,
    Das mdchenhaft und hold und lieb und rein
    Nichts andres wnscht, als mein, nur mein zu sein;
    Das weich ihr Haar anschmiegt an meine Wange
    Und mir vertrauend, wie ein frommes Kind,
    Mit feuchten Augen, die voll Gte sind,
    Fr Gaben dankt, die -- ich empfange.
    Znd festlich im Salon die Kerzen an,
    Zieh aneinander erst des Vorhangs Spitzen,
    Ich schiebe zum Kam$
es teil. Einrichtungen fr volkstmliche
Belehrung, das Heranziehen des Volkes zum Kunstgenu und hnliches
sind in Wahrheit keine Mittel zur Ausbreitung des Geistesgutes im Volke, so
lange dieses Geistesgut den Charakter beibehlt, den es in der neueren Zeit
angenommen hat. Denn das Volk steht mit dem innersten Anteil seines
Menschenwesens nicht in dem Leben dieses Geistesgutes drinnen. Es wird ihm
nur ermglicht, gewissermaen von einem Gesichtspunkte aus, der auerhalb
desselben liegt, darauf hinzuschauen. Und was von dem Geistesleben im
engern Sinne gilt, das hat seine Bedeutung auch in denjenigen Verzweigungen
des geistigen Wirkens, die auf Grund des Kapitales in das wirtschaftliche
Leben einflieen. Im gesunden sozialen Organismus soll der proletarische
Arbeiter nicht an seiner Maschine stehen und nur von deren Getriebe berhrt
werden, whrend der Kapitalist allein wei, welches das Schicksal der
erzeugten Waren im Kreislauf des Wirtschaftslebens ist. Der Arbeiter soll
mit vollem Anteil an der S$
schenken, mute sie zu Gott gehen lassen.
Er lag auf der Bank in der Schenkstube und ging mit sich selber ins
Gericht: Gsta Berling, abgesetzter Pfarrer, angeklagt, das Eigentum
eines hungernden Kindes vertrunken zu haben, wird zum Tode verurteilt.
Zu welchem Tode? Zum Tode im Schnee.
Er griff nach seiner Mtze und wankte hinaus. Er war weder ganz wach
noch ganz nchtern. Er weinte aus Mitleid mit sich selber, mit seiner
armen, erniedrigten Seele, der er die Freiheit schenken mute.
Er ging nicht weit und entfernte sich auch nicht vom Wege. Am Rande des
Weges hatte der Wind den Schnee hoch aufgetrmt, dort legte er sich hin,
um zu sterben. Er schlo die Augen und versuchte zu schlafen.
Niemand wei, wie lange er so gelegen haben mochte, aber es war noch
Leben in ihm, als die Tochter des Brobyer Pfarrers die Landstrae
dahergelaufen kam, eine Laterne in der Hand, und ihn am Wegesrande im
Schnee liegen sah. Sie hatte stundenlang auf ihn gewartet, jetzt war sie
die Brobyer Hgel hinabgelaufen, um sich umzuseh$
ch in Mariannens Zimmer ein und zerstrte alles. Dort stand ihr
Puppenschrank und ihr Bcherbord, der kleine Stuhl, den er fr sie hatte
machen lassen; ihre Schmucksachen und ihre Kleider, ihr Sofa und ihr
Bett, das alles mute fort.
Dann ging er von einem Zimmer ins andere. Er ri alles an sich, was ihm
mifiel, und trug groe Lasten in den Auktionssaal hinab. Er sthnte
unter den schweren Sofas und Marmortischen, aber er hielt stand. Und er
warf alles in einem entsetzlichen Wirrwarr bunt durcheinander. Er
zerschlug die Schrnke und nahm das kostbare Familiensilber heraus. Weg
damit! Marianne hatte es berhrt. Er nahm die Arme voll von schneeweiem
Damast, solide, eigengemachte Arbeit, die Frchte jahrelangen Fleies,
und warf das Ganze auf den Haufen. Weg damit! Marianne war nicht wert,
es zu besitzen! Er strmte mit Stapeln von Porzellan durch die Zimmer,
ohne sich daran zu kehren, da er die Teller zu Dutzenden zerbrach, und
er ergriff die alten Svrestassen, auf denen das Familienwappen
eingebrannt war. $
hlen der Kavaliere waren vor
Gemtsbewegung zusammengeschnrt so wie seine eigene. Der Schleier der
Trnen lag wie ein Nebel vor seinen Blicken. Die Abschiedsrede wurde von
Schluchzen unterbrochen. Wehe ber das Dasein! Sein Leben wrde hinfort
nur eine einzige lange Sehnsucht sein. Niemals sollten sich seine Lippen
zu einem Lcheln formen. Die Lieder wrden aus seiner Erinnerung
fortstreben, wie die Blumen von der herbstkalten Erde fortsterben. Er
wrde verblassen, abfallen, welken wie eine frostgeknickte Rose, wie
eine drstende Lilie. Nie wieder sollten die Kavaliere den armen Julius
sehen. Schwere Ahnungen durchzuckten seine Seele, wie Schatten von
sturmgepeitschten Wolken ber frisch gepflgte Felder dahinjagen. Er
wollte nach Hause reisen, um zu sterben.
Blhend von Gesundheit und Kraft stand er jetzt vor ihnen. Nie wieder
sollten sie ihn so sehen. Nie mehr sollten sie ihn scherzend fragen,
wann er zuletzt seine eigenen Knie gesehen habe; nie mehr sollten sie
sich seine Wangen zum Kegelspiel wnschen. D$
helfen. Das Essen wird Ihnen inzwischen durch mich gebracht werden. Finden
Sie sich mit den Blttern, die auf dem Schreibtisch liegen, nicht ab,
knnen Sie nicht den Willen aufbringen, Ferien vom Leben zu machen, so
hngt hier am Nagel an der Tr ein Schlssel, der die Pforte unten an der
Allee aufsperrt. Lassen Sie den Schlssel von innen stecken und schlagen
Sie die Pforte von auen zu. Zu bezahlen haben Sie fr das, was Sie
inzwischen genossen, nichts; wir freuen uns, da Sie einmal dagewesen
So sagt der Torwart, und dann lt er den verwunderten Herrn Stefenson
Der setzt sich, noch im Reisemantel, an den Tisch und beginnt zu lesen.
Ich kann hier nicht den ganzen Inhalt dieser Bltter aufsagen, sondern nur
einige wenige Stze hervorheben. 'Betrachte dein Leben mit allem, was es
gebracht hat: Arbeiten, Erholungen, Genssen, Snden, als eine
Anstrengung, die dich mde gemacht hat und deine Krfte zermrben wird.
Mache dich los von diesen Anstrengungen, spanne aus, mache Ferien. Lse
dich zunchst los von dem$
n warum? Die
Stadtleute verstehen nischt. Denken Se, da die mir auf dem Hofe was
helfen knnten? Die gragelten mir doch blo im Wege 'rum. Die quatschten
und quasselten doch blo."
"Die fielen einem ja in die Puttermilch!" lachte Frau Susanne.
"Die tten ja alles blo mit Glachandschuh'n machen woll'n", ergnzte der
"Donner!" schrie da Stefenson jhzornig und hieb die Faust auf den Tisch,
da aus seiner Fnfpfennigdampfrolle ein Feuerwerk stiebte, "nun ist's
aber genug. Wer nicht will, will nicht! Haben Sie das Risiko zu tragen?
Mssen Sie sich unsere Kpfe zerbrechen, ob unsere Grndung eine Pleite
ist oder nicht? Haben Sie nicht blo zu gewinnen? Das allerbeste ist ..."
"Das allerbeste is, Se gehn wieder!" sagte Barthel seelenruhig. Und nun
wren wirklich all unsere Beziehungen zu dem Hause Barthel abgebrochen
worden, wenn es nicht im selben Augenblick an die Tr geklopft htte und
zwei Damen ber die Schwelle getreten wren. Eine kleine zartgliedrige
Braune und eine groe Blondine, beide mit feinen Gesic$
gen eines
Zigarrenstubchens eine Szene machte und Kinder und Dienstboten teufelte,
bis sie zu uns abgeschoben wurde, bekommt einen Dackel und erhlt als
Antwort auf ihre entrstete Klage, da ihr das "entsetzliche Vieh" die
Hausschuhe verschleppe und in eine gute gestickte Decke ein Loch
geknabbert habe, die Antwort, die Welt sei weit, der Himmel sei hoch, die
Hausschuhe und gestickten Decken seien im Universum von nur
nebenschlicher Bedeutung, und ohne Dackel knne sie nicht gesund werden.
Die ganz unheilbar musikalische Donna Eleonora, von der mir ihr Hausarzt
im verschlossenen Briefe mitteilte, sie brchte ihre Nachbarschaft durch
ihr ewiges Klavierspielen zur Verzweiflung, erhielt ein Klavier und einen
Dachshund verordnet.
Das Klavier hat sie aufgegeben; der Dackel hat es so verbellt und
verheult, da ihr die Drahtkommode zur Unmglichkeit wurde.
Allen den sehr nervsen Herren, die zu mir kommen und von denen ich wei,
da sie trotz ihrer krankhaften Gereiztheit drauen in der Welt als
Richter oder Exam$
uten Erinnerns und
sagen, da sie drauen unsere Anstalt preisen, und wenn sie dem oft
gehrten Einwand begegnen, es sei wohl doch eine etwas kindliche,
theatralische Sache, so beklagten sie alle diejenigen, die nicht wten,
wie herzstrkend und verjngend die Rckkehr zu kindlicher Schlichtheit
sei und wie sie gerade vom Theatralischen erlse, von der bsen, so
raffiniert eingebten und so schwer zu spielenden, immer aber im tiefsten
Grunde erfolglosen Theaterei unseres Lebens ...
Auch diejenigen, die organisch leidend waren, haben durch gewissenhafte
rztliche Kunst sowie durch die Gemtsruhe und Herzensheiterkeit, die sie
umfing, die besten Erfolge gehabt.
Der Sommer war gut; es mag Herbst werden. Die Frhlichkeit stirbt deswegen
Diese groen Kinder der Welt fhlen hier alle die tiefe Schnheit des
Herbstes, von dem sie frher nichts wuten, als da mit seiner Ankunft
"Neuanschaffungen" ntig seien, die Gasrechnungen hher wurden und die
Theater- und Konzertsaison beginne.
         -----------------------$

Wnden hingen die Asternkrnze.
"Welch ein entsetzlicher Abschlu!" klagte Eva.
Ich betrachtete die Fingerabdrcke an der Wand. Sie waren deutlich. Der
lange Ignaz hatte, ehe er sich an die Wand lehnte, das Kohlenfeuer
besorgt. Der Kommissar trat zu mir und dem Prinzen und sagte:
"Es tut mir leid; aber ich mu zurck zur Direktion und von den Behrden
telephonisch auch die Verhaftung des der Begnstigung dringend
verdchtigen und verschwundenen Bauern Barthel fordern."
Der Prinz kniff den Mund zusammen. Dann sagte er:
"Tun Sie das! Wenn ich mich auch hier getuscht habe, glaube ich an nichts
mehr auf der Welt. Dann soll alles zum Deibel gehen!"
Er schaute mich mit halbem Blick an. Da sagte ich:
"Ich werde morgen frh mit Einverstndnis unseres bevollmchtigten
Direktors den von Ew. Hoheit unterzeichneten, bis Mai verpflichtenden
Revers vernichten, und Ew. Hoheit steht ohne alle Weiterungen frei, die
Anstalt zu verlassen."
Er antwortete nicht. Ich dachte daran, da er durch seinen Kniefall vor
der schnen Han$
er stehen, sprach leise mit sich selbst oder
fuchtelte mit seinen langen Armen durch die Luft. Endlich fragte er:
"Was ist das mit der Wahrsagerin in Waltersburg, die Sie erwhnten?"
"Ah, Stefenson, das war doch nur Scherz. Es wohnt da unten im alten
Zollhaus, kaum dreihundert Meter unter unserem Grundhof am Waltersburger
Weg, ein Weib, das schon uralt war, als ich noch in kurzen Hosen ging. Sie
nennt sich nach ihrem Beruf Sibylle. Wie sie eigentlich heit, wie alt sie
ist, wei kein Mensch. Fr fnfundzwanzig Pfennig prophezeit sie den
Brgern, Bauern und Kchinnen die Zukunft."
"Und stimmt es, was sie sagt?"
"Ja, das wei ich nicht. Ich hab mich um das alte Fernrohr in die Zukunft
nicht gekmmert. Als Jungen haben mal Joachim und ich fnfundzwanzig
Pfennig zusammengeschossen und uns weissagen lassen. Da hat sie gesagt,
wir wrden bald eine mchtige Tracht Prgel bekommen. Und das ist auch
eingetroffen. Es kam nmlich heraus, da wir die fnfundzwanzig Pfennig
zur Sibylle getragen hatten, und wir bekamen Pr$
r immer, die kleine
Anneliese, die jetzt als Schullehrerin in einem verlassenen Gebirgsdorfe
lebt, doch noch Joachims Frau werden und bers Meer zu ihm ziehen wird?
Und ob dann die Mutter heimkehren wird in ihre schne alte Stube? Lauter
Fragen ohne Antwort. Das Leben bringt nichts so leichthin zum Abschlu wie
ein Theaterstck oder ein Buch; es ist nie am Ende, es beginnt immer von
So gehe ich von diesem Marktplatze hinweg, steige den Berg hinauf zu
meinem Werk.
Eine kstliche Siedlung ist da entstanden auf leeren Halden, im den
Walde. Hundert Fenster blitzen in goldigem Lampenlicht, Singen und Lachen
kommt aus den Bauernhfen. Alle Leute, die mir begegnen, gren mich oder
rufen mir freundlich zu. Hier bin ich nicht allein. Bei meiner Arbeit bin
ich zu Hause.
In der Wste sah ich einmal einen Mann mit gefllten Wasserschluchen am
Brunnen der Oase stehen, als sich unsere halbverschmachtete Karawane
fieberglhend auf sie zuschleppte. Da dachte ich, es msse schn sein, mit
gefllten Wasserschluchen Verdur$
n Neustadt verlieren den letzten Rest von Schamgefuehl."
Aber da widersprach der Amtsgerichtsrat, hauptsaechlich deswegen, weil er
immer widersprach:
"Jude hin, Jude her! Es is 'n alter Witz, dass in den ganzen Antisemitismus
nich eher 'n richtiger Schwung kommen wird, ehe ihn nicht die Juden selbst
machen. Wenn die Neustaedter ihre faule Sache deichseln wollen, mussten sie
'n Juden nehmen, 'n Christ ist viel zu daemlich dazu."
Der Baecker stand auf und ging. Wenn freigeistige Reden gehalten wurden,
verliess er das Lokal.
Nach etwa sechs Wochen erschien der erste Prospekt von dem Bade Neustadt.
Es war ein entzueckend ausgestattetes Heftchen von Kunstdruckpapier, mit
reizenden bunten und Lichtdruckbildern ausgestattet, und das Werkchen
pries Neustadt in so berueckender Form, dass eigentlich jeder Mensch zu
bemitleiden war, der nicht augenblicklich seine Koffer packte und nach
Neustadt abreiste ...
                                    *
Die feindlichen Staedte! Vielleicht, dass mir der lustige Hader die Zeit
ver$
te als Heimweg den Pfad ueber den Weihnachtsberg, der als
Grenzscheide zwischen Waltersburg und Neustadt liegt.
                          AUF DEM WEIHNACHTSBERG
Auf dem Weihnachtsberg steht ein altehrwuerdiges Gasthaus. Es sieht aus wie
eine Burg, hat auch einen grauen verwitterten Turm, eine Zugbruecke,
Butzenscheiben und was so dazu gehoert. Das echteste von dem ganzen
romantischen Nest war der Wirt, der Eberhard hiess, weil er einen langen
Bart hatte, oder der sich einen langen Bart hatte wachsen lassen, weil er
Eberhard hiess. Die Waltersburger besuchten ihn an allen regenfreien
Sonntagnachmittagen, und er lebte auf seiner luftigen Hoehe so gute Tage,
dass ihm der Humor niemals ausging. Dieser Eberhard war fuer die
Waltersburger Kinder der Knecht Ruprecht. Jeden Weihnachtsabend lugten sie
aengstlich, sehnsuechtig und neugierig nach dem Gipfel des Weihnachtsberges
hinauf, und wenn endlich die blaue Winternacht ihren Duftschleier um den
Gipfel huellte, flammte da oben ein maechtiges Bergfeuer zum Himmel, un$

koennen Sie nicht den Willen aufbringen, Ferien vom Leben zu machen, so
haengt hier am Nagel an der Tuer ein Schluessel, der die Pforte unten an der
Allee aufsperrt. Lassen Sie den Schluessel von innen stecken und schlagen
Sie die Pforte von aussen zu. Zu bezahlen haben Sie fuer das, was Sie
inzwischen genossen, nichts; wir freuen uns, dass Sie einmal dagewesen
So sagt der Torwart, und dann laesst er den verwunderten Herrn Stefenson
Der setzt sich, noch im Reisemantel, an den Tisch und beginnt zu lesen.
Ich kann hier nicht den ganzen Inhalt dieser Blaetter aufsagen, sondern nur
einige wenige Saetze hervorheben. 'Betrachte dein Leben mit allem, was es
gebracht hat: Arbeiten, Erholungen, Genuessen, Suenden, als eine
Anstrengung, die dich muede gemacht hat und deine Kraefte zermuerben wird.
Mache dich los von diesen Anstrengungen, spanne aus, mache Ferien. Loese
dich zunaechst los von dem Goetzen, dem du alle Tage opferst, von deinem von
dir so zaertlich geliebten Ich. Entkleide diesen Goetzen allen Tandes, den$
 blieben acht Tage dort. Am
fuenften Tage kam Stefenson in mein Zimmer und sagte:
"Jetzt hat mich das Balg gefragt, wenn Sie ihr Onkel waeren, ob ich
vielleicht ihr Vater sei? Nu nee, du kleine Gans, das faellt mir gar nicht
ein, dein Vater zu sein. Na, sie heulte gleich, und da hab ich denn
gesagt, ich bin ihr Stiefvater. Damit war sie ganz zufrieden."
Ich wusste schon, dass Luise in grosser Liebe und Dankbarkeit an Stefenson
hing. Seine rauhe, kurze Art schreckte sie nicht, und seine Fuersorge tat
So war der Abschied nach acht Tagen, als Luise nach Thueringen fahren und
wir nach Waltersburg zurueckkehren mussten, schmerzlich fuer das Kind. Nur
der Abschied von Stefenson, nicht der von mir, obwohl sich Luise
inzwischen auch zu mir ganz freundlich gestellt hatte.
Als wir im Eisenbahnwagen sassen, sagte Stefenson: "Die Gefuehlsduselei mit
dem Kinde hoert nun auf. Dazu haben wir keine Zeit."
Ich nickte ihm zu und schwieg. Als ich nach Hause kam, trat mir die Mutter
mit fragenden Augen entgegen.
"Ich habe das Ki$
e Kompositionen
auffuehren. Das nennte sich primitive Kunst. Und gerade so 'n Schmierfinke
wie der Emmerich is der Maler Methusalem. Das is erst eine Nummer! Der
behauptet, er waere 998 Jahre alt. In zwei Jahren zu Pfingsten feiert a
seinen tausendsten Geburtstag. Da will er uns alle einladen. Den naechsten
Tag taet er dann sterben, da koennten wir gleich zum Begraebnis dableiben.
Die Sache haette sich so zugetragen, dass er vor etwa tausend Jahren 'n
maechtiger Koenig gewesen waer; aber er haett' 'n Verbrechen begangen, und da
haett' 'n een sehr kraeftiger Fluch getroffen, und da haett' er gleich nach
seinem Tode sich immer wieder aus 'm Grabe 'rausbuddeln und in anderer
Gestalt 'n neues Leben beginnen muessen, und es sei immer sehr bergab
gegangen mit sein'n diversen Leben, bis er zuletzt haette als deutscher
Maler auf die Welt gemusst. Da sei das Mass seiner Busse voll geworden, und
er duerft jetzt definitiv sterben. Also - was hat dieser Methusalem
gemacht? Ich hab ein neues Schaff gekauft. 's erstemal ko$
ein
wichtiges Geschaeft, bei dem Sie unbedingt mitwirken oder dem Sie
wenigstens zustimmen muessen, und da ist es mir natuerlich verdriesslich,
wenn Sie in verkaterter Stimmung sind."
"Und deswegen suchten Sie mich zu troesten?"
"Ja, nur deswegen!"
Ich laechelte. Er sah es und wurde erbost.
"Mensch, lachen Sie nicht! Was gehen mich denn Ihre
Familienangelegenheiten an? Glauben Sie, dass ich mich bei meinen tausend
Geschaeftsfreunden darum kuemmern kann, ob sie mal Krach mit einem Bruder
haben, ob mal ihre Mutter verreist, ob die Motten in ihre Moebel kommen
oder ihr Kanarienvogel verhungert? Haett' ich viel zu tun. Aber wenn zwei
Feldherren miteinander in den Krieg ziehen und der eine von ihnen
Zahnschmerzen hat, hat der andere dafuer zu sorgen, dass der Zahn gezogen
oder wenigstens plombiert wird. Sonst wird nichts aus ihrer Chose."
Ich laechelte nicht mehr, aber ich erwiderte auch nichts.
Da sagte Stefenson fast niedergeschlagen:
"Wenn Sie etwas Geschaeftssinn haetten, haetten Sie mich laengst gefragt, um
w$
, bekommen. Ich
moechte nicht wieder fort von hier; die grosse Welt hat allen Reiz fuer mich
"Wir wollen abwarten und ueberlegen, lieber Piesecke."
"Ich soll immer abwarten, nie handeln", sagte er betruebt.
"Sie haben eben in Ihrem frueheren Leben etwas zu viel gehandelt, lieber
Freund. Deshalb sind Sie ja jetzt in den Ferien."
Da fuegte er sich. -
Mit dem schweizerischen Namen "Heimwehfluh" ist eines unserer kleinen
Anwesen benannt, das in einer Waldecke so abseits vom Wege liegt wie die
Genovevenklause. Auf der Heimwehfluh wohnt jetzt Kaethe mit ihrem Kinde.
Die Frau ist blass und von zartester Gesundheit; aber ich habe nur mit Muehe
durchsetzen koennen, dass sie eine Bedienerin annahm. Sie wollte mit Luise
ganz allein sein.
Das Maedchen ist viel ruhiger geworden. Wohl hindert es die Mutter nicht,
zu anderen Kindern zum Spielen zu laufen, ja sie draengt es oft dazu, aber
das Kind bleibt am liebsten daheim. Dort ist es in einem ewig sonnigen
Paradies der Mutterliebe. Die Mutter dichtet Geschichten um Geschic$
r im grnen Schatten des lbaums
erscheint. Dem folgt unvergngliche Nacht.
  Weier Hohepriester der Wahrheit,
  Kristallne Stimme, in der Gottes eisiger Odem wohnt,
  Zrnender Magier,
  Dem unter flammendem Mantel der blaue Panzer des Kriegers klirrt.
AN DIE VERSTUMMTEN
  O, der Wahnsinn der groen Stadt, da am Abend
  An schwarzer Mauer verkrppelte Bume starren,
  Aus silberner Maske der Geist des Bsen schaut;
  Licht mit magnetischer Geiel die steinerne Nacht verdrngt.
  O, das versunkene Luten der Abendglocken.
  Hure, die in eisigen Schauern ein totes Kindlein gebrt.
  Rasend peitscht Gottes Zorn die Stirne des Besessenen,
  Purpurne Seuche, Hunger, der grne Augen zerbricht.
  O, das grliche Lachen des Golds.
  Aber stille blutet in dunkler Hhle stummere Menschheit,
  Fgt aus harten Metallen das erlsende Haupt.
  Erinnerung: Mven, gleitend ber den dunklen Himmel
  Mnnlicher Schwermut.
  Stille wohnst du im Schatten der herbstlichen Esche,
  Versunken in des Hgels gerechtes Ma;
  Immer$
n seinen
seelischen Anlagen gegeben sind. Dies ist aber die zweite, die
_biologische_ Krnkung des menschlichen Narzimus.
c) Am empfindlichsten trifft wohl die dritte Krnkung, die
psychologischer Natur ist.
Der Mensch, ob auch drauen erniedrigt, fhlt sich souvern in seiner
eigenen Seele. Irgendwo im Kern seines Ichs hat er sich ein
Aufsichtsorgan geschaffen, welches seine eigenen Regungen und Handlungen
berwacht, ob sie mit seinen Anforderungen zusammenstimmen. Tun sie das
nicht, so werden sie unerbittlich gehemmt und zurckgezogen. Seine
innere Wahrnehmung, das Bewutsein, gibt dem Ich Kunde von allen
bedeutungsvollen Vorgngen im seelischen Getriebe, und der durch diese
Nachrichten gelenkte Wille fhrt aus, was das Ich anordnet, ndert ab,
was sich selbstndig vollziehen mchte. Denn diese Seele ist nichts
einfaches, vielmehr eine Hierarchie von ber- und untergeordneten
Instanzen, ein Gewirre von Impulsen, die unabhngig voneinander zur
Ausfhrung drngen, entsprechend der Vielheit von Trieben und vo$
te,
und harren der fleiigen Hnde, die sie in's Leben rufen sollen.
Die Vereinigten Staaten kennen den Nutzen dabei, den sie allein von der
Einwanderung erwarten drfen, sie wissen wie gerade der arme Bauer, der
mittellos und auf seiner Hnde Arbeit angewiesen dieses Land betritt,
das Werkzeug ist den Boden zu verwerthen; sie erkennen und fhlen auch
die Pflicht, die Wohlfahrt derer zu berwachen, deren Kinder einst den
Kern des Landes bilden sollen, das beweit z. B. das Schifffahrtsgesetz
das sie gegeben, willkrlichen berladungen gewissenloser Rheder zu
wehren; aber nur erst ein einziger Schritt war das in dem was ihre
Pflicht ist gegen die Tausende, nur ein Eingestndni der bernommenen,
die Menschen, die sich ihnen vertrauend genaht und ihnen Alles bringen
was sie das Ihre nennen, die Schaaren, die sie zu Vorfechtern der Cultur
gebrauchen, und die das weite Land mit ihrem Schweie, wie oft mit ihren
Leibern dngen sollen, nicht erst verkmmern, moralisch untergehen zu
lassen gleich bei der ersten Land$
e der alte Hamann meinte. Der ging
aber jetzt immer kopfschttelnd im Hause herum, und jammerte und klagte
mehr als je, da ihn seine Landsleute, die er gefttert und verpflegt,
rein ruinirten. -- Aber er konnte auch Nichts weiter fr sie thun -- so
gern er selbst es wollte -- die Zeiten waren zu schlecht, die Leute
_wollten_ nicht zahlen, und was sollte da am Ende aus einem armen
Boardinghauswirthe werden?
Sein Sohn war auch wieder von Arkansas zurckgekommen, und wenn er auch
nicht gerade so brillante Geschfte gemacht, wie sein Vater mit dem
Waarentransport vielleicht erwartet, schien er doch, seit ein paar
Wochen wenigstens, und nachdem er etwa vierzehn Tage wieder im Haus
gewesen, den alten Trotzkopf abgelegt und keinen solchen Widerwillen
mehr vor der Wirthschaft selber zu haben, der er sich zu des Vaters
inniger Freude thtig annahm -- wenn dieser auch freilich die
Hauptgeschfte noch selber besorgen mute.
Auch mit seiner jungen Wirthschafterin hatte der alte Hamann einen
vortrefflichen Fund gethan, u$
ber in
dem dritten Theil der Zeit das Gebude, wie es dastand, aufgerichtet
htten, und da es wohl recht hbsch sei Deutsche zu beschftigen und
ihnen Brod zu geben, wenn man eben das Geld dazu habe, Jeder aber auch
sich selbst der Nchste sei, und mit berhaupt schwachen Geldmitteln vor
allen Dingen darauf sehen msse, Arbeitslohn zu sparen und, was man
nicht eben _gleich selber_ thun knne, noch ein klein wenig ruhen zu
lassen, bis die Zeit dazu komme.
Der Professor lchelte stillvergngt in sich hinein, whrend Hopfgarten,
die Arme auf dem Rcken, langsam neben ihm her und einen schmalen
Fahrweg hinschritt, der hinauf nach dem neuen Lusthuschen fhrte.
Mein lieber Herr von Hopfgarten, sagte er aber endlich, als Jener
schwieg, whrend er neben ihm stehn blieb, und ihm die Hand dabei auf
seine Achsel legte -- das verstehn Sie nicht -- Sie nehmen mir das
nicht bel, aber -- das zu beurtheilen, dazu fehlt Ihnen der berblick.
Lieber Herr Professor, ich will mir gar nicht anmaen. -- 
Nein, nein ich we$
mareh, die Perle von Dschuneth, und liebte sie. Amareh
wurde sein Weib und gebar ihm Halef Omar, den du hier neben dir siehst.
Dann starb er. War er nicht ein Hadschi?
Hm! Aber du selbst warst in Mekka?
Und nennst dich dennoch einen Pilger!
Ja. Als meine Mutter tot war, begab ich mich auf die Pilgerschaft. Ich
zog gen Aufgang und Niedergang der Sonne; ich ging nach Mittag und nach
Mitternacht; ich lernte alle Oasen der Wste und alle Orte gyptens
kennen; ich war noch nicht in Mekka, aber ich werde noch dorthin kommen.
Bin ich also nicht ein Hadschi?
Hm! Ich denke, nur wer in Mekka war, darf sich einen Hadschi nennen?
Eigentlich, ja. Aber ich bin ja auf der Reise dorthin!
Mglich! Doch du wirst auch irgendwo eine schne Jungfrau finden und
bei ihr bleiben; deinem Sohne wird es ebenso gehen, denn dies scheint
euer Kismet zu sein, und dann wird nach hundert Jahren dein Urenkel
sagen: Ich bin Hadschi Mustafa Ben Hadschi Ali Assabeth Ibn Hadschi
Sad al Hamza Ben Hadschi Schehab Tofal Ibn Hadschi Ha$
as Wasser heran, da ein Entkommen gar nicht mglich ist.
Wir eilten jetzt im vollen Laufe wieder hinab und erreichten bald die
Stelle, welche ich angedeutet hatte. Der Flu war von Schilf und Bambus
eingesumt, und am Fue des Berges fanden sich Mimosen und ein hohes
Wermutgebsch. Wir hatten Raum genug zum Versteck.
Was nun? fragte der Englnder.
Sie verbergen sich hier im Schilfe und lassen die Leute vorber. Am
Ausgange dieser Enge trete ich hinter die Mimosen, und wenn wir die
Diebe zwischen uns haben, treten wir beide vor. Ich schiee ganz allein,
da ich mich vielleicht besser nach den Umstnden zu richten verstehe,
und Sie gebrauchen Ihr Gewehr nur auf mein ganz besonderes Gehei, oder
wenn Ihr Leben ernstlich in Gefahr kommt.
#Well# -- gut, sehr gut -- excellent Abenteuer!
Er verschwand in dem Schilfe, und auch ich suchte mir meinen Platz.
Bereits nach kurzer Zeit hrten wir Hufschlag. Sie kamen herbei -- an
Lindsay vorber, ohne bse Ahnung, ohne sich umzusehen. Ich sah den
Englnder jetzt aus$
aber?
Wo hast du ihn gesehen?
Am Dschebel Dschehennem. Er hatte mir vier Pferde gestohlen, welche ich
mir wieder holte.
Lge nicht!
Wer bist du, da du so zu mir sprichst?
Ich bin Zedar Ben Huli, der Scheik der Abu Hammed.
Zedar Ben Huli, der Scheik der Pferderuber!
Mensch, schweig! Dieser junge Krieger ist mein Sohn.
Du kannst stolz auf ihn sein, o Scheik!
Schweig, sage ich dir abermals, sonst wirst du es bereuen. Wer ist ein
Pferderuber? Du bist es! Wem gehrt das Pferd, welches du geritten
Lge nicht!
Zedar Ben Huli, danke Allah, da mir die Hnde gebunden sind. Wenn das
nicht wre, so wrdest du mich niemals wieder einen Lgner heien!
Bindet ihn fester! gebot er.
Wer will sich an mir vergreifen, an dem Hadschi, in dessen Tasche sich
das Wasser des Zem-Zem befindet!
Ja, ich sehe, du bist ein Hadschi, denn du hast das Hamal umhangen.
Aber hast du wirklich das Wasser des heiligen Zem-Zem bei dir?
Gieb uns davon.
Warum nicht?
Ich trage das Wasser nur fr Freunde bei mir.
$
ehen hatte. Es war eine weidende Schafherde, bei welcher ein
alter Mann stand.
Sallam aalekum! grte ich ihn.
Aalekum! antwortete er, sich tief verneigend.
Ist Friede auf deiner Weide?
Es ist Friede da, o Herr. Bringst du auch Frieden?
Ich bringe ihn. Du gehrst zum Stamme der Abu Hammed?
Du sagst es.
Wo ist euer Lager?
Da unten hinter der Krmmung des Flusses.
Habt ihr mehrere Weidepltze?
Warum fragst du, o Herr?
Weil ich eine Botschaft an alle deines Stammes auszurichten habe.
Von Zedar Ben Huli, deinem Scheik.
Hamdulillah! Du wirst eine frohe Botschaft bringen.
Ich bringe sie. Also sag', wie viele Weidepltze ihr habt.
Sechs. Drei hier am Flusse hinab und drei auf den Inseln im Strome.
Sind alle Inseln hier euer Eigentum?
Sind sie alle bewohnt?
Alle, bis auf eine.
Es lag etwas in dem Tone dieser Antwort und in dem Gesichte des Alten,
was mich aufmerksam machte; ich lie mir aber nichts merken und fragte:
Wo liegt diese eine?
Grad gegenber von uns liegt die erste,$
trker
und strker immer, als ob aus Einzelnen Hunderte, aus Hunderten Tausende
geworden wren.
Ganz pltzlich wurde er aufmerksam, und nun war es, als ob hinter ihm
drein Heeresmassen sich wlzten.
In seinen Fen bis in die Knchel hinauf sprte er ein Erzittern des
Erdreiches. Er vernahm hinter sich starkes Atmen, heies, hastiges
Geflster. Er vernahm Frohlocken, kurz abgerissen, halb unterdrckt, das
sich weit zurck fortpflanzte und erst in tiefen Fernen echohaft
Was das bedeutete, wute er wohl. Da es so berraschend schnell kam,
hatte er nicht erwartet. Durch seine Glieder brannte der Stolz eines
Feldherrn, und das Bewutsein einer unerhrten Verantwortung lastete
nicht schwerer auf ihm wie der Strick auf seinem Kopfe. Er war ja der,
der er war. Er wute ja den Weg, den er sie fhren mute. Er sprte ja
aus dem Lachen und Drngen seiner Seele, da es ihm nahe war, jenes
Endglck der Welt, wonach die blinden Menschen mit blutenden Augen und
Hnden so viele Jahrtausende vergebens gesucht hatten.
So sch$
r aufs Neue hinein in den wilden
Reigen. Hei wie sie fliegen herber und hinber in toller Lust, mit
Armen und Knieen einfallend in den wthenden Takt, schneller und
schneller, mit funkelnden Augen und wogender Brust, wieder und wieder,
auf und ab vor der Trommel und dem Jauchzen der bewundernden Schaar,
bis sie erschpft zusammenbrechen, und andere -- wildere ihren Platz
ausfllen auf dem zerstampften mihandelten Rasen.
Bunt sind die Tnzer, bunter aber fast die Zuschauer die sie jetzt
umstehn, und die sich, durch den Ton des Instruments gelockt,
eingefunden haben. Neben dem noch bis an die Zhne tttowirten alten
Indianer, der mit grimmer Lust und leuchtenden Augen schon in seinem
Geist die alte Zeit wieder aufleben sieht mit ihren Festen und Tnzen
-- die schne frhliche Zeit, ehe die schwarzgekleideten Mnner mit
den finstern Gesichtern kamen und ihren sonnigen Boden betraten, steht
die wrdige Matrone, der jetzt Blume und Blthe im Haar schon ein
Gruel und dem Herrn mifllig dnkt, und sieht mit Seuf$
im Winde flattert und die Locke
Dir um die Schlfe jagt, wie das Blut da durch die Adern schiet, und
zu flssigem Feuer wird, eh' es zum Herzen zurckkehrt. Bah, hier der
Tanz ist kalt -- kalt wie das Land aus dem er kommt, und es kann mir
das Herz nicht erwrmen, ob sie auch blasen und Specktakel machen mit
ihren wunderlichen Instrumenten, aus Leibeskrften. Nicht einmal eine
Trommel haben sie dabei, und das nennen sie Musik.
Du bist ein wunderliches Mdchen, lchelte Sadie -- fremde Vlker
haben doch auch fremde Sitten.
Eben deshalb sollen sie uns die unseren lassen, trotzte Aumama --
aber, was ich Dich fragen wollte, setzte sie ernster hinzu -- wer
ist das weie Mdchen das mit Ren so lange tanzte, und so viel mit
ihm zu sprechen hatte?
Ich wei es nicht, sagte Sadie -- eine Fremde, glaub' ich, die von
Papara oder dessen Nachbarschaft kommt, und wohl hier wohnen bleiben
wird; -- warum?
Mir gefiele das nicht, wr' ich wie Du, sagte die Freundin mit dem
Kopfe schttelnd -- sie hat ein gla$
er fhlte wie
viel Wahrheit das Gesagte enthalte.
Tollkpfiges Geschlecht, murmelte der Capitain, den Kopf rgerlich
herber und hinber werfend, aber Ihr sollt Euch nicht schieen,
Mann, Ihr sollt Euch mit einander vertragen, und einsehen da Euch
Gott Euere gesunden Glieder gegeben hat, sie zur Ehre Eueres
Vaterlandes einzusetzen, wenn's Noth thut, aber nicht da in die
Schanze zu schlagen, wo es nur eines offenen Wortes zwischen beiden
Theilen bedarf, sich zu berzeugen da Beide unrecht hatten.
Monsieur Rodolphe wird schwerlich, nach dem Vorhergegangenen, das
erste Wort zum Frieden bieten, sagte Ren vor sich hin.
So thun _Sie_ es, Delavigne, rief der Capitain.
Ich? -- nie -- zischte Ren zwischen den zusammengebissenen Zhnen
durch -- er hat mein Weib beleidigt und jeder Andere htte wie ich
gehandelt. Aber trotzdem will ich die Hand zur Vershnung reichen,
setzte er finster hinzu, wenn Monsieur Rodolphe mit mir zu Madame
Delavigne geht, und die Dame dort, der begangenen Rohheit wegen, um
Ent$
ir wollen zu Hause gehen, mein ses Lieb, sagte er flsternd zu
ihr niedergebeugt, und sie nickte heftig an seiner Brust, aber ohne zu
reden -- das Herz war ihr so voll -- so voll und so weh. Schweigend
nahm er seinen Hut, den Madame Belard schon fr ihn zurechtgestellt,
und seinen Arm um ihre Schulter legend, sie zu sttzen zugleich und zu
fhren, verlie er mit ihr das erleuchtete, Luft und Leben athmende
Haus, durch eine Hinterthr das Freie suchend, da vorn, den hellen
Fenstern gegenber, hundert von Eingeborenen standen und lagen, den
Tnen der Instrumente, den wunderlichen Melodien lauschend, bis hie
und da eine Aehnlichkeit im Takt durch die Glieder Einzelner zuckte,
und sie zum Tanz antrieb aus freier Hand, mitten auf der Strae
Durch den Garten, unter den thauigen Bananen und Orangen schritten sie
hin, langsam und schweigend den schmalen Pfad entlang, auf den der
Mond nur mhsam durch Palmenkrone und Brodfruchtwipfel einzelne seiner
Strahlen konnte niederwerfen. Eine schmale Pforte fhrte auf die
$
 Abgrund:
  Einen Schritt von dem Rand -- kopflangs hinunter, und stumm war
  Pltzlich der schreiende Schmerz in der Brust,
              und verschollen der Menschen
  Liebehhnender Ruf. Doch Ottgar lebend auf Erden
  Noch? Nur jenen erwrgt zuvor: dann sterben wie immer!
  Nun, vor den Kaiser gefhrt, und dort nur Worte der Sanftmuth
  Hrend von ihm, den er erst jngst, ein eifernder Ritter
  Ottgars, offen gehhnt: das brach ihm das Herz, und mit Thrnen
  Htt' er, liegend im Staub', ein Reuiger, jetzt ihn geshnet;
  Doch ihm folgte sein treues Thier, und er jagte von dannen.
    Sieh', und rastlos fort g'en Marcheck zogen die Scharen
  Weiter im frhlichen Muth, nicht achtend des sengenden Mittags,
  Noch des qualmenden Staubs, entlang den unendlichen Heerweg!
  Aber vor Marcheck kam ein Huflein kumanischer Reiter
  Nher gesprengt: wohl fnfzig Mann, und der Fhrer des Volks war
  Kaduscha. Ihm ertnte der Gru der Kampfesgenossen.
  Auch er schwang den blitzenden Stahl, den Freunden zum Dank, auf,$
zt' ihn mit Thrnen, und stand, in des Anschau'ns Wonne versunken.
  Hartmann war's, der jetzo dem Strom sich nhernd, und kehrend
  Heim in das Vaterland, die trauten Gefilde begrte.
  Drben am linken Gestad', ersah er das freundliche Stdtchen
  Rheinau, welches der Rhein im kreisenden Lauf, sich nach Osten
  Wendend, umfliet. Dort baute (so knden die Sagen der Vorzeit)
  Sorglich das Gotteshaus Funtan, der Heilige,[1] Schottlands
  Knigen blutsverwandt, den Brdern von Monte-Cassino,
  Als er, ein Pilger, dort die Stelle, vom Geiste getrieben,
  Endlich fand, wo allein der Strom nach Osten den Lauf kehrt.
  Hartmann sah vom Gestad mit bewegtem Herzen hinber--
  Sah im Geist noch hinaus weit ber die Berge, des Aargau's
  Liebliches Thal, und dort von dem Felsenhgel die Habsburg
  Ragen aus dunkeln Tannen empor in die Luft, und herunter
  Schau'n auf die Fluthen der Aar,
              die ihr, eilenden Laufes vorbeirauscht.
  Zwar vermite sie jetzt die trauten Gebiether: der Vater
  Fern (er tausc$
 fand Mozart einen Tonknstler, dessen Genie dem seinigen am
hnlichsten war; ich meine den berhmten Schpfer der Alzeste und
Iphigenie, _Ritter von Gluck_, einen Bhmen von Geburt. Der Umgang mit
ihm und das unablssige Studium seiner erhabenen Werke gab Mozarten viel
Nahrung, und hatte Einflu auf seine Opernkompositionen. Auch wurde
Mozart bald der innigste Verehrer des groen, unvergleichlichen _Joseph
Haydn_, der schon damals der Stolz der Tonkunst war, und nun, nachdem
Mozart nicht mehr ist, unser einzige Liebling, unsere Wonne bleibt.
Mozart nannte ihn oft seinen Lehrer.
Bald nachdem Mozart seinen Aufenthalt in Wien aufgeschlagen hatte, fate
der unvergeliche Kaiser _Joseph_II. den Gedanken, der eines deutschen
Kaisers so wrdig war, den Geschmack an italienischen Opern durch die
Untersttzung deutscher Singspiele und Snger zu verdrngen, und fr das
Vaterlndische mehr zu stimmen. Er versammelte daher die besten Snger
und Sngerinnen, und lie von Mozart eine deutsche Oper setzen. Fr
diese Virtu$
hen zwei Linden
  und hinter demselben dicht an der Mauer noch zwei. Von diesen sagte
  mir mein alter ehrwrdiger Schulmeister, den ich 1823 bei Antritt
  meines Amts in Niederau fand: Diese Linden hat ein Knabe gepflanzt,
  der bei dem seligen Krebel in Kost und Lehre gewesen ist; der Knabe
  hat Fichte geheien. So erzhlte mein alter Hase, der brigens weiter
  nichts von Fichte und dessen Schicksalen gehrt oder gelesen hatte.
  Nach Sachsens Kirchen-Galerie 1.Band (Dresden, Schmidt 1837),
  S.125 -- wo brigens, wie ich nachtrglich finde, auch schon Pastor
  Krebel als derjenige genannt ist, bei dem Fichte einen Theil seiner
  Knabenjahre verlebte -- war dieser Johann Georg Haase, geb. 1764 in
  Wrschnitz bei Radeberg, seit 1787 Lehrer in Niederau: also erst
  nachdem Fichte lngst weg war, wie auch die Perfect-Form der
  Zeitwrter in seinem angefhrten Berichte besttigt. In Bezug endlich
  auf den Freiherrn von Miltitz, dessen Name in der Biographie auch
  nicht genauer bezeichnet ist, bemerkt$
ehrt, da es oft nicht bei einander ist; und wenn ich
Ihnen allso, welches ich nicht wei, einen schnen Brief geschrieben
habe, Sie daraus gar nicht so gtig schlieen men, da ich eine schne
Seele habe; berhaupt sehe ich aus Ihr. Lieben Brief, da Sie mich viel
beer glauben als ich nicht bin; und das sezt mich in groe Verlegenheit,
wenn Sie mit solch guter Meinung zu uns kommen, und dann durch die
Erfahrung belehrt sehen, da ich das bey weitem nicht bin, was Sie
glaubten, da ich sein wrde, und auch sein knnte, so mu ich in Ihren
Augen gewaltig verliehren; und das wrde mir dann weh thun; auch men
Sie nicht glauben eine schne Schwester bekommen zu haben; denn ich wei
wohl, die Lieben Mnner sehn auch das gern, drum laen Sie Sich nun
erzehlen wie ich aussehe: vors erste bin ich klein, und war im 16. Jahre
sehr fett, da ich seit der Zeit nun um ein merkliches gemagert bin, so
hat die einmahl zu stark ausgedehnte Haut, viele Runzeln bekommen, dazu
gab mir die Natur ein wiedrig langes Kinn; und w$
                                       _=Rammenau=_
                                             _p. Bischofswerda_.
  Noch in demselben Jahre erlitt sein Vater einen Unfall, wobei
  namentlich auch Johanna sich zrtlich besorgt zeigt. Die im nchsten
  Briefe und spter erwhnte Hannchen war Fichte's Nichte, die er zu
  sich genommen.
                                   Berlin, d. 1. Dezember. 1810.
        Lieber Vater,
Die Nachricht von Ihrem Falle hat mich schmerzlich betrbt, so wie uns
Alle. Ich hoffe aber, da dies, bei Ihrer brigen Gesundheit von keinen
weitern beln Folgen seyn soll. Um mich desto fester zu versichern, da
Sie sich an Pflege und Heilmittel nichts abgehen laen, sende ich
sogleich jezt das Quartal auf Weyhnachten. Bei uns steht alles beim
Alten. Daher bergebe ich meiner Frau die Feder, die schon noch Worte
finden wird.
  [Von Johanna:]
Ich bernehme die Feder gerne, um Ihnen zu sagen, da wir sie instndig
bitten, sich ja zu schonen, und zu pflegen; die gute Gromutter, die
ich auch $
eich vorsichtig
auftraten, so zerstreuten sie sich im Hergehen durch das Wasser,
erschienen wie schwarze Punkte auf der glnzenden Flche und kamen
einzeln bei mir an. Da ich sah, da keine Gefahr in dem berall seichten
berschwemmungswasser vorhanden sei, blieb ich auf meiner Stelle stehen
und lie sie ankommen. Die Kinder kamen heran und blieben bei mir
stehen. Sie sahen mich anfangs mit trotzigen und scheuen Angesichtern
an; aber da ich von Jugend auf ein Kinderfreund gewesen bin, da ich
stets die Kinder als Knospen der Menschheit auerordentlich geliebt habe
und seit meiner Verehelichung selbst mit einer Anzahl davon gesegnet
worden bin, da zuletzt auch keine Art von Geschpfen so schnell erkennt,
wer ihnen gut ist, und auf diesem Boden ebenso schnell Vertrauen gewinnt
als Kinder: so war ich bald von einem Kreise plaudernder und rhriger
Kinder umringt, die sich bemhten, Fragen zu geben und Fragen zu
beantworten. Es war leicht zu erraten, auf welchem Wege sie sich
befanden, da sie smtlich an ledernen o$
gen
verstnden wie die andern Menschen. Aber bei aller Unbeholfenheit und
Ungeschicklichkeit war der Mann doch noch beflissen, das Mdchen zu
leiten, mit ihm den fahrenden Wagen auszuweichen und es vor dem
Zusammenstoe mit Personen zu hten. Sie schlugen gerade den Weg ein,
der zu dem Kirchlein fhrte, von dem eben das Glcklein tnte.
Von Neugierde getrieben und weil ich dachte, da der Mann etwa das
Mdchen in die Messe fhre, beschlo ich, auch dahin zu gehen, meine
Andacht zu verrichten und nebenbei auch etwas Nheres von den beiden zu
erfahren oder sie zu betrachten. Ich kleidete mich schnell an, warf ein
Tuch um, setzte den Hut auf und ging fort. Ich bog in das kleine Gchen
ein, das von unserer Hauptstrae um die Ecke der Soldatenarzneischule
herum gegen die Gegend des Kirchleins fhrt, wohin ich die zwei Menschen
hatte einlenken gesehen; allein ich erblickte sie nicht in dem Gchen.
Ich ging dasselbe entlang, ging durch den Schwibbogen, der dasselbe
damals noch schlo, wendete ich um die Huserecke$
 Litorals. Dass die roemischen Muenzen mit dem Silber 
nach dem Gewicht geglichen waren, ist schon bemerkt worden: diejenigen der 
italischen Ostkueste finden wir dagegen in ein bestimmtes Verhaeltnis gesetzt zu 
den Silbermuenzen, die im suedlichen Italien seit alter Zeit gangbar waren und 
deren Fuss sich auch die italischen Einwanderer, zum Beispiel die Brettier, 
Lucaner, Nolaner, ja die latinischen Kolonien daselbst wie Cales und Suessa und 
sogar die Roemer selbst fuer ihre unteritalischen Besitzungen aneigneten. Danach 
wird auch der italische Binnenhandel in dieselben Gebiete zerfallen sein, welche 
unter sich verkehrten gleich fremden Voelkern.
Im ueberseeischen Verkehr bestanden die frueher bezeichneten sizilisch-
latinischen, etruskisch-attischen und adriatisch-tarentinischen 
Handelsbeziehungen auch in dieser Epoche fort oder gehoeren ihr vielmehr recht 
eigentlich an; denn obwohl die derartigen, in der Regel ohne Zeitangabe 
vorkommenden Tatsachen der Obersicht wegen schon bei der ersten Periode $
 
als bei dem Anrecht auf den ganzen Reinertrag des Sklavengeschaefts. Die Zunahme 
der Freilassungen muss deshalb mit der Steigerung der kommerziellen und 
industriellen Taetigkeit der Roemer notwendig Hand in Hand gegangen sein.
Einen aehnlichen Fingerzeig fuer die steigende Bedeutung des staedtischen 
Wesens in Rom gewaehrt die gewaltige Entwicklung der staedtischen Polizei. Es 
gehoert zum grossen Teil wohl schon dieser Zeit an, dass die vier Aedilen unter 
sich die Stadt in vier Polizeibezirke teilten und dass fuer die ebenso wichtige 
wie schwierige Instandhaltung des ganz Rom durchziehenden Netzes von kleineren 
und groesseren Abzugskanaelen sowie der oeffentlichen Gebaeude und Plaetze, fuer 
die gehoerige Reinigung und Pflasterung der Strassen, fuer die Beseitigung den 
Einsturz drohender Gebaeude, gefaehrlicher Tiere, uebler Gerueche, fuer die 
Fernhaltung der Wagen ausser in den Abend- und Nachtstunden und ueberhaupt fuer 
die Offenhaltung der Kommunikation, fuer die ununterbrochene Versorgung des 
$
t hat.  Der neue Glaube verlangt krftigere Seelen."
"Verstehst du etwas von diesen Dingen, Kanzler?" fragte der Feldherr
"Wie sollte ich, Pescara?  Ich bin wie du und wir alle ein Bewohner
der Wirklichkeit, ein Kind der Helle, das mit der antiken Weisheit
ber das Ende hinaus nichts sieht als Larven und Scheinen und auf
wogendem Nebel die riesigen Spiegelungen wieder dieses unsers eigenen
und irdischen Daseins.  Unter denen aber, welche mit dem Volke Gut
und Bse glauben und Leib und Seele und die Fabel eines letzten
Gerichtes, wird jetzt, wie du weit, unvershnlich gestritten ber
die beste Rstung an jenem Tage der blasenden Posaune.  Unsere kluge
Kirche ffnet ihre Buden und legt verstndig ihren Vorrat an guten
Werken zum Verkauf aus.  Der deutsche Mnch aber zankt und schreit:
Das ist Plunder!  Werft euer Geld nicht weg!  Ihr habt es umsonst.
Eure Schulden sind bezahlt.  Glaubet es nur, und sie sind nicht mehr!
Solches aber zu glauben, braucht es eine groe Tapferkeit, denn es
ist unter dem Unglaublich$
sstenteils kriegsgefangen; nur einige tausend Mann, teils aus diesen 
Truppen, teils aus der Linie, entkamen nach Canusium. Ja als sollte in diesem 
Jahre durchaus mit Rom ein Ende gemacht werden, fiel noch vor Ablauf desselben 
die nach Gallien gesandte Legion in einen Hinterhalt und wurde mit ihrem 
Feldherrn Lucius Postumius, dem fuer das naechste Jahr ernannten Konsul, von den 
Galliern gaenzlich vernichtet.
Dieser beispiellose Erfolg schien nun endlich die grosse politische 
Kombination zu reifen, um derentwillen Hannibal nach Italien gegangen war. Er 
hatte seinen Plan wohl zunaechst auf sein Heer gebaut; allein in richtiger 
Erkenntnis der ihm entgegenstehenden Macht sollte dies in seinem Sinn nur die 
Vorhut sein, mit der die Kraefte des Westens und Ostens allmaehlich sich 
vereinigen wuerden, um der stolzen Stadt den Untergang zu bereiten. Zwar 
diejenige Unterstuetzung, die die gesichertste schien, die Nachsendungen von 
Spanien her, hatte das kuehne und feste Auftreten des dorthin gesandten 
roemis$
r oder an die Roemer. Benachrichtigt, dass die erstere die Oberhand 
gewinne, ging Marcellus bei Caiatia ueber den Fluss und, an den Hoehen von 
Suessula hin um die feindliche Armee herum marschierend, erreichte er Nola frueh 
genug, um es gegen die aeusseren und die inneren Feinde zu behaupten. Ja bei 
einem Ausfall schlug er Hannibal selber mit namhaftem Verlust zurueck; ein 
Erfolg, der als die erste Niederlage, die Hannibal erlitt, moralisch von weit 
groesserer Bedeutung war als durch seine materiellen Resultate. Zwar wurden in 
Kampanien Nuceria, Acerrae und nach einer hartnaeckigen, bis ins folgende Jahr 
(539 215) sich hinziehenden Belagerung auch der Schluessel der Volturnuslinie, 
Casilinum, von Hannibal erobert und ueber die Senate dieser Staedte, die zu Rom 
gehalten hatten, die schwersten Blutgerichte verhaengt. Aber das Entsetzen macht 
schlechte Propaganda; es gelang den Roemern, mit verhaeltnismaessig geringer 
Einbusse den gefaehrlichen Moment der ersten Schwaeche zu ueberwinden. Der Krieg 
k$
ran, indem er all seine komplizierteren Hebungen, alle Lieferungen, 
Leistungen und Bauten gegen eine feste zu empfangende oder zu zahlende Summe an 
Kapitalisten oder Kapitalistengesellschaften abgab. Aber auch Private gaben 
durchgaengig in Akkord, was irgend in Akkord sich geben liess: die Bauten und 
die Einbringung der Ernte und sogar die Regulierung der Erbschafts- und der 
Konkursmasse, wobei der Unternehmer - gewoehnlich ein Bankier - die saemtlichen 
Aktiva erhielt und dagegen sich verpflichtete, die Passiva vollstaendig oder bis 
zu einem gewissen Prozentsatz zu berichtigen und nach Umstaenden noch 
daraufzuzahlen.
Welche hervorragende Rolle in der roemischen Volkswirtschaft der 
ueberseeische Handel bereits frueh gespielt hatte, ist seinerzeit gezeigt 
worden; von dem weiteren Aufschwung, den derselbe in dieser Periode nahm, zeugt 
die steigende Bedeutung der italischen Hafenzoelle in der roemischen 
Finanzwirtschaft. Ausser den keiner weiteren Auseinandersetzung beduerfenden 
Ursachen, durch die d$
in wohlbevoelkerte Landschaften, von Freund und Feind zugerichtet worden. In 
Apulien fanden spaeter zwar Ackeranweisungen statt, allein die hier angelegten 
Kolonien wollten nicht gedeihen. Bevoelkerter blieb die schoene kampanische 
Ebene; doch ward die Mark von Capua und der anderen, im Hannibalischen Kriege 
aufgeloesten Gemeinden Staatsbesitz und waren die Inhaber derselben durchgaengig 
nicht Eigentuemer, sondern kleine Zeitpaechter. Endlich in dem weiten 
lucanischen und brettischen Gebiet ward die schon vor dem Hannibalischen Krieg 
sehr duenne Bevoelkerung von der ganzen Schwere des Krieges selbst und der daran 
sich reihenden Strafexekutionen getroffen; und auch von Rom aus geschah nicht 
viel, um hier den Ackerbau wieder in die Hoehe zu bringen - mit Ausnahme etwa 
von Valentia (Vibo, jetzt Monteleone) kam keine der dort angelegten Kolonien 
recht in Aufnahme. Bei aller Ungleichheit der politischen und oekonomischen 
Verhaeltnisse der verschiedenen Landschaften und dem verhaeltnismaessig 
bluehende$
 Bildung den Schuelern in 
gesteigertem Mass ueberliefert, dass die erlangte Kunde von diesen benutzt ward, 
um einzudringen in die den Geist der Zeit beherrschende griechische Literatur, 
die Euripideischen Tragoedien und die Lustspiele Menanders.
In aehnlicher Weise gewann auch der lateinische Unterricht ein groesseres 
Schwergewicht. Man fing an, in der hoeheren Gesellschaft Roms das Beduerfnis zu 
empfinden, die Muttersprache wo nicht mit der griechischen zu vertauschen, doch 
wenigstens zu veredeln und dem veraenderten Kulturstand anzuschmiegen; und auch 
hierfuer sah man in jeder Beziehung sich angewiesen auf die Griechen. Die 
oekonomische Gliederung der roemischen Wirtschaft legte, wie jedes andere 
geringe und um Lohn geleistete Geschaeft, so auch den Elementarunterricht in der 
Muttersprache vorwiegend in die Haende von Sklaven, Freigelassenen oder Fremden, 
das heisst vorwiegend von Griechen oder Halbgriechen ^3; es hatte dies um so 
weniger Schwierigkeit, als das lateinische Alphabet dem griechisc$
cheint an faehigen Leuten kein 
Oberfluss gewesen zu sein - ein Stueck des Naevius musste einmal in Ermangelung 
von Schauspielern durch Dilettanten aufgefuehrt werden. Allein. in der Stellung 
des Kuenstlers aenderte sich dadurch nichts; der Poet oder, wie er in dieser 
Zeit genannt ward, der "Schreiber", der Schauspieler und der Komponist gehoerten 
nach wie vor nicht bloss zu der an sich gering geachteten Klasse der 
Lohnarbeiter, sondern wurden auch vor wie nach in der oeffentlichen Meinung auf 
die markierteste Weise zurueckgesetzt und polizeilich misshandelt (l, 475). 
Natuerlich hielten sich alle reputierlichen Leute von diesem Gewerbe fern - der 
Direktor der Truppe (dominus gregis, factionis, auch choragus), in der Regel 
zugleich der Hauptschauspieler, war meist ein Freigelassener, ihre Glieder in 
der Regel seine Sklaven; die Komponisten, die uns genannt werden, sind saemtlich 
Unfreie. Der Lohn war nicht bloss gering - ein Buehnendichterhonorar von 8000 
Sesterzen (600 Taler) wird kurz nach dem En$
Maedchens wegen Schlaege 
auszuteilen und zu empfangen. Der Mann kannte sein Handwerk; wenn also die 
roemische Buergerschaft allmaehlich an diesen griechischen Komoedien Geschmack 
fand, so sieht man, um weichen Preis es geschah. Es gereicht der roemischen 
Regierung zum Vorwurf, nicht, dass sie fuer diese Poesie so wenig tat, sondern 
dass sie dieselbe ueberhaupt duldete. Das Laster ist zwar auch ohne Kanzel 
maechtig; aber damit ist es noch nicht entschuldigt, demselben eine Kanzel zu 
errichten. Es war mehr eine Ausrede als eine ernstliche Verteidigung, dass man 
das hellenisierende Lustspiel von der unmittelbaren Beruehrung der Personen und 
Institutionen Roms fernhielt. Vielmehr haette die Komoedie wahrscheinlich 
sittlich weniger geschadet, wenn man sie freier haette walten, den Beruf des 
Poeten sich veredeln und eine einigermassen selbstaendige roemische Poesie sich 
entwickeln lassen; denn die Poesie ist auch eine sittliche Macht, und wenn sie 
tiefe Wunden schlaegt, so vermag sie auch viel zu heile$
wird kommen, wo ihr mich verstehen knnt, dann mehr!  Seht, wenn euch
auch einmal wird, als ob sich Millionen Lippen in euch auftten, und
alle saugen wollten--wenn ihr nicht mehr wit, ob's Lust oder Schmerz
ist, was euch die Seele im Wirbel herumjagt--wenn euch die Brust
zerspringen will und ihr, von Frost und Hitze zugleich geschttelt,
zweifelnd ausruft: doch wohl Lust, ja, wohl Lust, Wollust! und dies
dunkle Wort, wie ich, nun auf einmal begreift, indem ihr's,
schwindelnd zwischen Leben und Tod, mit eurem letzten Atemzug
nachschafft--dann--dann!  Eher nicht!
Nothhafft von Wernberg.  Gndiger Herr--eine Bitte!
Albrecht.  Was ist's?
Nothhafft von Wernberg.  Stellt Euch Euren Vater einmal vor!
Albrecht.  Nun?
Nothhafft von Wernberg.  Aber recht deutlich, mit dem Gesicht, das er
hat, wenn er einem einen Wunsch nicht blo abschlagen, sondern in den
Hals zurckjagen will, so da man ihn, wenn man um Honigbirnen
gekommen ist, um Stockprgel anspricht!
Albrecht.  Gut!
Nothhafft von Wernberg.  Seht Ihr ihn?  So f$
e
Schildwache rief den Unteroffizier, und nach einigen Minuten sprengte
ein Szekler-Husar gegen ihn heran und schrie aus der Ferne: "Wos
willstu, quid vis?  Wo kommst her, unde venis?  An welchen Ort willst
du, ad quem locum vis?  Bist du nicht vorige Woche hier durchpassiert,
es tu non altera hebdomada hic perpassatus?"  Er fragte ihn so auf
deutsch und husarenlateinisch zugleich, weil er nicht wute, ob er
ein Deutscher oder ein Ungar sei.  Wehmller mute aus den letzten
Worten des Husaren abermals hren, da er hier schon durchgereist sei,
welche Nachricht ihm eiskalt ber den Rcken lief.  Er schrie sich
beinah die Kehle aus, da er grade von dem Grafen Giulowitsch komme,
da er in seinem Leben nicht hier gewesen.  Der Husar aber lachte und
sprach: "Du lgst, mentiris!  Hast du nicht dem Herrn Chirurg sein
Bild gegeben, non dedidisti Domino Chirurgo suam imaginem!--da er
durch die Finger gesehen und dich passieren lassen, ut vidit per
digitos et te fecit passare!  Du bist zurckgekehrt aus den
Pestrter$
Roemer mit 
ueberlegener Macht ab und machte haeufige und nicht selten glueckliche 
Ausfaelle. Zwar die zum Entsatz herbeirueckende pontische Armee des Dromichaetes 
ward unter den Mauern Athens nach hartem Kampf, bei dem namentlich Sullas 
tapferer Unterfeldherr Lucius Licinius Murena sich hervortat, von den Roemern 
geschlagen; aber die Belagerung schritt darum nicht rascher vor. Von Makedonien 
aus, wo die Kappadokier inzwischen sich definitiv festgesetzt hatten, kam 
reichliche und regelmaessige Zufuhr zur See, die Sulla nicht imstande war, der 
Hafenfestung abzuschneiden; in Athen gingen zwar die Vorraete auf die Neige, 
doch konnte bei der Naehe der beiden Festungen Archelaos mehrfache Versuche 
machen, Getreidetransporte nach Athen zu werfen, die nicht alle misslangen. So 
verfloss in peinlicher Resultatlosigkeit der Winter 667/68 (87/86). Wie die 
Jahreszeit es erlaubte, warf Sulla sich mit Ungestuem auf den Peiraeeus; in der 
Tat gelang es, durch Geschuetze und Minen einen Teil der gewaltigen 
Perikl$
ewesen, mit den Samniten und Nolanern zu einem Abkommen 
zu gelangen, um die Truppen des durchaus zuverlaessigen Metellus zum Schutze der 
Hauptstadt verwenden zu koennen. Allein die Samniten stellten Forderungen, die 
an das Caudinische Joch erinnerten: Rueckgabe des den Samniten abgenommenen 
Beuteguts und ihrer Gefangenen und Ueberlaeufer; Verzicht auf die 
samnitischerseits den Roemern entrissene Beute; Bewilligung des Buergerrechts an 
die Samniten selbst sowie an die zu ihnen uebergetretenen Roemer. Der Senat 
verwarf selbst in dieser Not so entehrende Friedensbedingungen, wies aber den 
noch den Metellus an, mit Zuruecklassung einer kleinen Abteilung alle im 
suedlichen Italien irgend entbehrlichen Truppen schleunigst selber nach Rom zu 
fuehren. Er gehorchte; aber die Folge war, dass die Samniten den gegen sie 
zurueckgelassenen Legaten des Metellus Plautius mit seinem schwachen Haufen 
angriffen und schlugen, dass die nolanische Besatzung ausrueckte und die 
benachbarte, mit Rom verbuendete Stadt Abe$
aegung sich auf die kupferne 
Scheidemuenze hat beschraenken muessen. Nur im Narbonesischen Gallien konnte der 
altverbuendeten und ansehnlichen Freistadt Massalia das Recht der Silberpraegung 
nicht entzogen werden; und dasselbe gilt vermutlich von den illyrischen 
Griechenstaedten Apollonia und Dyrrhachion. Indes beschraenkte man doch diesen 
Gemeinden indirekt ihr Muenzrecht dadurch, dass der Dreivierteldenar, der nach 
Anordnung der roemischen Regierung dort wie hier gepraegt ward und der unter dem 
Namen des Victoriatus in das roemische Muenzsystem aufgenommen worden war, um 
die Mitte des 7. Jahrhunderts in diesem beseitigt ward; wovon die Folge sein 
musste, dass das massaliotische und illyrische Courant aus Oberitalien 
verdraengt wurde und ausser seinem einheimischen Gebiete nur noch etwa in den 
Alpen- und Donaulandschaften gangbar blieb. So weit war man also bereits in 
dieser Epoche, dass in der gesamten Westhaelfte des roemischen Staates der 
Denarfuss ausschliesslich herrschte: denn Italien, Siz$
hundert und nach Tisch wieder zweihundert Hexameter machte, ist viel zu 
eilig, um knapp zu sein; unnuetzige Weitlaeufigkeit, schluderige Wiederholung 
derselben Wendung, arge Nachlaessigkeiten begegnen. haeufig; das erste Wort, 
lateinisch oder griechisch, ist immer das beste. Aehnlich sind die Masse, 
namentlich der sehr vorherrschende Hexameter behandelt; wenn man die Worte 
umstellt, sagt sein geistreicher Nachahmer, so wuerde kein Mensch merken, dass 
er etwas anderes vor sich habe als einfache Prosa; der Wirkung nach lassen sie 
sich nur mit unseren Knuettelversen vergleichen 20. Die Terenzischen und die 
Lucilischen Gedichte stehen auf demselben Bildungsniveau und verhalten sich wie 
die sorgsam gepflegte und gefeilte literarische Arbeit zu dem mit fliegender 
Feder geschriebenen Brief. Aber die unvergleichlich hoehere geistige Begabung 
und freiere Lebensanschauung, die der Ritter von Suessa vor dem afrikanischen 
Sklaven voraus hatte, machten seinen Erfolg ebenso rasch und glaenzend, wie der 
des Ter$
 
linken und nahm das Lager der Sertorianer, allein waehrend der Pluenderung von 
Sertorius ueberrascht, ward auch er gezwungen zu weichen. Haette Sertorius am 
folgenden Tage die Schlacht zu erneuern vermocht, Pompeius' Heer waere 
vielleicht vernichtet worden. Allein inzwischen war Metellus herangekommen, 
hatte das gegen ihn aufgestellte Korps des Perpenna niedergerannt und dessen 
Lager genommen; es war nicht moeglich, die Schlacht gegen die beiden vereinigten 
Heere wiederaufzunehmen. Die Erfolge des Metellus, die Vereinigung der 
feindlichen Streitkraefte, das ploetzliche Stocken nach dem Sieg verbreiteten 
Schrecken unter den Sertorianern, und wie es bei spanischen Heeren nicht selten 
vorkam, verlief infolge dieses Umschwungs der Dinge sich der groesste Teil der 
sertorianischen Soldaten. Indes die Entmutigung verflog so rasch wie sie 
gekommen war; die weisse Hindin, die die militaerischen Plaene des Feldherrn bei 
der Menge vertrat, war bald wieder populaerer als je; in kurzer Zeit trat in der 
glei$
ahreszeit doch nicht ganz vom 
Meere verschwanden. Aber wie empfindlich die Sperrung der See war, sie war eher 
zu ertragen als die Heimsuchung der griechischen und kleinasiatischen Inseln und 
Kuesten. Ganz wie spaeter in der Normannenzeit liefen die Korsarengeschwader bei 
den Seestaedten an und zwangen sie, entweder mit grossen Summen sich 
loszukaufen, oder belagerten und stuermten sie mit gewaffneter Hand. Wenn unter 
Sullas Augen nach geschlossenem Frieden mit Mithradates Samothrake, Klazomenae, 
Samos, Iassos von den Piraten ausgeraubt wurden (670 84), so kann man sich 
denken, wie es da zuging, wo weder eine roemische Flotte noch ein roemisches 
Heer in der Naehe stand. All die alten reichen Tempel an den griechischen und 
kleinasiatischen Kuesten wurden nach der Reihe gepluendert; allein aus 
Samothrake soll ein Schatz von 1000 Talenten (1500000 Talern) weggefuehrt worden 
sein. Apollon, heisst es bei einem roemischen Dichter dieser Zeit, ist durch die 
Piraten so arm geworden, dass er, wenn die Schw$
 des Nachfolgers fortdauert, was der aelteste, 
einfachste und haeufigste Fall ist. Oder sie entstand auf dem Wege, dass die 
beikommenden Organe, namentlich die Komitien, in spaeterer Zeit auch wohl der 
Senat, einen nicht in der Verfassung vorgesehenen Oberbeamten ernannten, indem 
dieser zwar sonst dem ordentlichen Beamten gleichstand, aber doch zum 
Kennzeichen der Ausserordentlichkeit seines Amtes sich nur "an Praetors" oder 
"an Konsuls Statt" nannte. Hierher gehoeren auch die in ordentlichem Wege zu 
Quaestoren ernannten, dann aber ausserordentlicherweise mit praetorischer oder 
gar konsularischer Amtsgewalt ausgestatteten Beamten (quaestores pro praetore 
oder pro consule), in welcher Eigenschaft zum Beispiel Publius Lentulus 
Marcellinus 679 (73) nach Kyrene (Sall. hist. 2, 39 Dietsch), Gnaeus Piso 689 
(65) nach dem Diesseitigen Spanien (Sall. Cat. 19), Cato 696 (58) nach Kypros 
(Vell. 2, 45) gingen. Oder endlich es beruht die ausserordentliche Amtsgewalt 
auf dem Mandierungsrecht des hoechsten Bea$
om Euphrat zum Roemischen Reiche zu fuegen, von der neuen Triarchie der 
roemischen Machthaber energisch, aber ungluecklich wiederaufgenommen ward und 
bald darauf der Buergerkrieg wie alle anderen so auch die oestlichen Provinzen 
in seinen verhaengnisvollen Strudel hineinzog. Dass in der Zwischenzeit die 
Statthalter Kilikiens bestaendig mit den Bergvoelkern des Amanos, die von Syrien 
mit den Schwaermen der Wueste zu fechten hatten und namentlich in diesem Kriege 
gegen die Beduinen manche roemische Truppe aufgerieben ward, ist ohne weitere 
Bedeutung. Bemerkenswerter ist der eigensinnige Widerstand, den die zaehe 
juedische Nation den Eroberern entgegensetzte. Teils des abgesetzten Koenigs 
Aristobulos Sohn Alexandros, teils Aristobulos selbst, dem es nach einiger Zeit 
gelang, aus der Gefangenschaft zu entkommen, erregten waehrend der 
Statthalterschaft des Aulus Gabinius (697-700 57-54) drei verschiedene 
Aufstaende gegen die neuen Machthaber, deren jedem die von Rom eingesetzte 
Regierung des Hochpries$
ricum und Gergovia gelungen war, sein Fussvolk unter dem Schutz der 
Festungsmauern aufzustellen und durch seine Reiterei seine Verbindungen nach 
aussen hin sich offen zu halten, waehrend er die des Feindes unterbrach. Die 
keltische Reiterei, schon entmutigt durch jene von den geringgeschaetzten 
Gegnern ihnen beigebrachte Niederlage, wurde von Caesars deutschen Berittenen in 
jedem Zusammentreffen geschlagen. Die Umwallungslinie der Belagerer erhob sich 
in der Ausdehnung von zwei deutschen Meilen um die ganze Stadt mit Einschluss 
des an sie angelehnten Lagers. Auf einen Kampf unter den Mauern war 
Vercingetorix gefasst gewesen, aber nicht darauf, in Alesia belagert zu werden - 
dazu genuegten fuer seine angeblich 80000 Mann Infanterie und 15000 Reiter 
zaehlende Armee und die zahlreiche Stadtbewohnerschaft die aufgespeicherten 
Vorraete, wie ansehnlich sie waren, doch bei weitem nicht. Vercingetorix musste 
sich ueberzeugen, dass sein Kriegsplan diesmal zu seinem eigenen Verderben 
ausgeschlagen und er v$
peius das gleiche; ihm 
verdankte die Hauptstadt das erste steinerne Theater, und er feierte dessen 
Einweihung mit einer nie zuvor gesehenen Pracht. Dass solche Spenden eine Menge 
oppositionell Gesinnter, namentlich in der Hauptstadt, mit der neuen Ordnung der 
Dinge bis zu einem gewissen Grade aussoehnten, versteht sich ebenso von selbst, 
wie dass der Kern der Opposition diesem Korruptionssystem nicht erreichbar war. 
Immer deutlicher kam es zu Tage, wie tief die bestehende Verfassung im Volke 
Wurzel geschlagen hatte und wie wenig namentlich die dem unmittelbaren 
Parteitreiben ferner stehenden Kreise, vor allem die Landstaedte, der Monarchie 
geneigt oder auch nur bereit waren, sie ueber sich ergehen zu lassen. Haette Rom 
eine Repraesentativverfassung gehabt, so wuerde die Unzufriedenheit der 
Buergerschaft ihren natuerlichen Ausdruck in den Wahlen gefunden und, indem sie 
sich aussprach, sich gesteigert haben; unter den bestehenden Verhaeltnissen 
blieb den Verfassungstreuen nichts uebrig als dem Sena$
Heer ein Mann entkommen. Allein nicht geuebt, 
anders als beritten zu fechten, und darum besorgt vor einem Ueberfall, hatten 
sie die Gewohnheit, niemals hart am Feinde zu lagern; hoehnisch riefen sie den 
Roemern zu, dass sie dem Feldherrn eine Nacht schenkten, um seinen Sohn zu 
beweinen, und jagten davon, um am anderen Morgen wiederzukehren und das blutend 
am Boden liegende Wild abzufangen. Natuerlich warteten die Roemer den Morgen 
nicht ab. Die Unterfeldherren Cassius und Octavius - Crassus selbst hatte 
gaenzlich den Kopf verloren - liessen sofort und in moeglichster Stille, mit 
Zuruecklassung der saemtlichen - angeblich 4000 - Verwundeten und Versprengten, 
die noch marschfaehigen Leute aufbrechen, um in den Mauern von Karrhae Schutz zu 
suchen. Dass die Parther, als sie den folgenden Tag wiederkamen, zunaechst sich 
daran machten, die zerstreut Zurueckgelassenen aufzusuchen und niederzumetzeln, 
und dass die Besatzung und die Einwohnerschaft von Karrhae, durch Ausreisser 
fruehzeitig von der Katastr$
 dessen syrische Armee bei einem etwaigen 
Bruch mit Pompeius notwendig in Caesars Waagschale fielen; denn auf Crassus, der 
seit der sullanischen Zeit mit Pompeius aufs tiefste verfeindet und fast 
ebensolange mit Caesar politisch und persoenlich verbuendet war, und der nach 
seiner Eigentuemlichkeit allenfalls, wenn er nicht selbst Koenig von Rom werden 
konnte, auch damit sich begnuegt haben wuerde, des neuen Koenigs von Rom Bankier 
zu sein, durfte Caesar ueberhaupt zaehlen und auf keinen Fall besorgen, ihn sich 
gegenueber als Verbuendeten seiner Feinde zu erblicken. Die Katastrophe von Juni 
791 (53), in der Heer und Feldherr in Syrien zu Grunde gingen, war darum auch 
fuer Caesar ein furchtbar schwerer Schlag. Wenige Monate spaeter loderte in 
Gallien, ebenda es vollstaendig unterworfen schien, die nationale Insurrektion 
gewaltiger empor als je und trat zum erstenmal hier gegen Caesar ein 
ebenbuertiger Gegner in dem Arvernerkoenig Vercingetorix auf. Wieder einmal 
hatte das Geschick fuer Pompeius gea$
rzwangen die sofortige Verlesung der Depesche. Die ernsten und klaren 
Warte, in denen Caesar den drohenden Buergerkrieg, den allgemeinen Wunsch nach 
Frieden, Pompeius' Uebermut, seine eigene Nachgiebigkeit mit der ganzen 
unwiderstehlichen Macht der Wahrheit darlegte, die Vergleichsvorschlaege von 
einer ohne Zweifel seine eigenen Anhaenger ueberraschenden Maessigung, die 
bestimmte Erklaerung, dass hiermit die Hand zum Frieden zum letztenmal geboten 
sei, machten den tiefsten Eindruck. Trotz der Furcht vor den zahlreich in die 
Hauptstadt gestroemten Soldaten des Pompeius war die Gesinnung der Majoritaet 
nicht zweifelhaft; man durfte nicht wagen, sie sich aussprechen zu lassen. Ueber 
den von Caesar erneuerten Vorschlag, dass beiden Statthaltern zugleich die 
Niederlegung ihres Kommandos aufgegeben werden moege, ueber alle durch sein 
Schreiben nahegelegten Vergleichsvorschlaege und ueber den von Marcus Caelius 
Rufus und Marcus Calidius gestellten Antrag, Pompeius zur sofortigen Abreise 
nach Spanien zu $
liederlich wie schwindelnd hoch gebaut, 
meistens von spekulierenden Baumeistern fuer Rechnung der kleinen Besitzer, 
wobei jene steinreich, diese zu Bettlern wurden. Wie einzelne Inseln in diesem 
Meer von elenden Gebaeuden erschienen die glaenzenden Palaeste der Reichen, die 
den kleinen Haeusern ebenso den Raum verengten wie ihre Besitzer den kleinen 
Leuten ihr Buergerrecht im Staat und neben deren Marmorsaeulen und griechischen 
Statuen die verfallenden Tempel mit ihren grossenteils noch holzgeschnitzten 
Goetterbildern eine traurige Figur machten. Von einer Strassen-, einer Ufer-, 
Feuer- und Baupolizei war kaum die Rede; wenn die Regierung um die alljaehrlich 
eintretenden Ueberschwemmungen, Feuersbruenste und Haeusereinstuerze ueberhaupt 
sich bekuemmerte, so geschah es, um von den Staatstheologen Bericht und Bedenken 
ueber den wahren Sinn solcher Zeichen und Wunder zu begehren. Man versuche sich 
ein London zu denken mit der Sklavenbevoelkerung von New Orleans, mit der 
Polizei von Konstantinopel, m$
Im Rechtswesen hatte es auf dem Gebiete des Kriminal- und Polizeirechts, wo 
die Regierung unmittelbar eingreift und dem rechtlichen Beduerfnis wesentlich 
durch eine verstaendige Legislation genuegt wird, keine Schwierigkeit, auf dem 
Wege der gesetzgeberischen Taetigkeit denjenigen Grad materieller 
Gleichfoermigkeit zu erreichen, der allerdings auch hier fuer die Reichseinheit 
notwendig war. Im Zivilrecht dagegen, wo die Initiative dem Verkehr, dem 
Gesetzgeber nur die Formulierung zusteht, war das einheitliche Reichszivilrecht, 
das der Gesetzgeber zu schaffen freilich nicht vermocht haette, laengst auch 
bereits auf naturgemaessem Wege durch den Verkehr selber entwickelt worden. Das 
roemische Stadtrecht zwar beruhte rechtlich immer noch auf der in den Zwoelf 
Tafeln enthaltenen Formulierung des latinischen Landrechts. Die spaeteren 
Gesetze hatten wohl im einzelnen mancherlei zeitgemaesse Verbesserungen 
eingefuehrt, unter denen leicht die wichtigste sein mochte die Abschaffung der 
alten ungeschickten$
ocent, quod memoria sanctorum proponi
potest, ut imitemur fidem eorum et bona opera iuxta voacationem,
ut Caesare imitari potest exemplum Davidis in bello gerendo ad
depellendos Turcas a patria.
2] Nam uterque rex ist. Sed Scriptura non docet invocare sanctos,
seu petere auxilium a sanctis, quia unum Christum nobis proponit
mediatorem, propitiatorium, pontificem et intercessorem.
3] Hic invocandus est, et promisit se exauditurum esse preces
nostras, et hunc cultum maxime probat, videlicet ut invocetur in
omnibus afflictionibus.
4] 1 Ioh. 2, 1: Si quis peccat, habemus adovcatum apud Deum etc.
I. De Utraque Specie.  [Article XXII]
1] Laicis datur utraque species sacramenti in coena Domini, quia
hic mos habet mandatum Domini Matth. 26, 27: Bibet ex hoc omnes.
2] Ubi manifeste praecepit Christus de poculo, ut omnes bibant.
3] Ut ne quis possit cavillari, quod hoc ad sacerdotes tantum
pertineat, Paulus ad Corinthos 11, 26 exemplum recitat, in quo
apparet totam ecclesiam utraque specie usam esse.
4] Et diu mansit h$
est., 1.cap., Nuptiarum, dass man solche
Ehe nicht zerreissen soll. Nun ist je St. Augustin nicht in
geringen Ansehen in der christlichen Kirche, obgleich etliche
hernach anders gehalten [haben].
Wiewohl nun Gottes Gebot von dem Ehestande ihrer sehr viele
vom Klostergeluebde frei und ledig gemacht [hat], so wenden doch
die Unsern noch mehr Ursachen vor, dass Klostergeluebde nichtig und
unbuendig seien. Denn aller Gottesdienst, von den Menschen ohne
Gottes Gebot umnd Befehl eingesetzt und erwaehlt, Gerechtigkeit und
Gottes Gnade zu erlangen, sei wider Gott und dem Evangelio und
Gottes Befehl entgegen; wie denn Christus selbst sagt Matth. 15, 9:
"Sie dienen mir vergebens mit Menschengeboten." So lehret's auch
St. Paulus ueberall, dass man Gerechtigkeit nicht soll suchen aus
unsern Geboten und Gottesdiensten, so von Menschen erdichtet sind,
sondern dass Gerechtigkeit und Froemmigkeit vor Gott kommt aus dem
Glauben und Vertrauen, dass wir glauben, dass uns Gott um seines
einigen Sohnes Christus willen zu Gnaden a$
tuemmel
der Bacchantinnen gehoert, und sogleich fuer einen Aufruf zu einer
ansehnlichen Beute aufgenommen.  Sie erinnerten sich, dass die vornehmsten
Frauen dieser Gegend die geheimnisvollen Orgya um diese Zeit zu begehen
pflegten; und dass sie, wenn sie sich zu solchem Ende versammelten, in
ihrem schoensten Putz aufzuziehen pflegten, ob sie gleich vor Besteigung
des Berges sich dessen wieder entledigten, und alles bis zu ihrer
Wiederkunft von einer Anzahl Sklavinnen bewachen liessen.  Die Hoffnung,
ausser diesen Weibern, von denen sie die schoensten fuer die Asiatischen
Harems bestimmten, eine Menge von kostbaren Kleidern und Juwelen zu
erbeuten, schien ihnen wohl wert, sich etwas laenger aufzuhalten.  Sie
teilten sich also in zween Haufen, davon der eine sich derer bemaechtigte,
welche die Kleider hueteten, indessen dass die uebrigen den Berg bestiegen,
und mit grossem Geschrei unter die Thracierinnen einstuermend, sich von
ihnen Meister machten, ehe sie Zeit oder Mut hatten, sich zur Wehr zu
setzen.  Die U$
 Fibern,
und setzt unsre ganze Maschine in einen Zustand von Behaglichkeit, der
sich der Seele um so mehr mitteilet, als ihre eigne natuerliche
Verrichtungen auf eine angenehme Art dadurch erleichtert werden.  Die
Bewunderung, die Liebe, das Verlangen, die Hoffnung, das Mitleiden, jeder
zaertliche Affekt bringt diese Wuerkung in einigem Grad hervor, und ist
desto angenehmer, je mehr er sich derjenigen Wollust naehert, die unsre
Alten wuerdig gefunden haben, in der Gestalt der personifizierten Schoenheit,
aus deren Genuss sie entspringt, unter die Goetter gesetzt zu werden.
Derjenige, den sein Freund niemals in Entzueckungen gesetzt hat, die den
Entzueckungen der Liebe aehnlich sind, ist nicht berechtiget von den
Vergnuegen der Freundschaft zu reden.  Was ist das Mitleiden, welches uns
zur Guttaetigkeit treibt?  Wer anders ist desselben faehig als diese
empfindlichen Seelen, deren Auge durch den Anblick, deren Ohr durch den
aechzenden Ton des Schmerzens und Elends gequaelet wird, und die in dem
Augenblick, da $
behauptete; aber er wusste ihm einen
so lebhaften Schein zu geben, und durch eine zwar willkuerliche, aber desto
kuenstlichere Verbindung seiner Saetze die Schwaeche eines jeden, wenn er an
sich und allein betrachtet wuerde, so geschickt zu verbergen, dass man, so
gar mit einer gruendlichen Beurteilungs-Kraft, auf seiner Hut sein musste,
um nicht von ihm ueberrascht zu werden.  Der hauptsaechlichste Vorwurf
seiner Anklage sollte, seinem Vorgeben nach, die schlimme Verwaltung sein,
deren ich mich als Ober-Befehlshaber in der Angelegenheit der empoerten
Schutz-Verwandten schuldig gemacht haben sollte; denn er bewies mit grossem
Wort-Gepraenge, dass ich in dieser ganzen Expedition nichts getan haette, das
der Rede wert waere; dass ich vielmehr, anstatt die Empoerten zu zuechtigen
und zum Gehorsam zu bringen, ihren Sachwalter vorgestellt; sie fuer ihren
Aufruhr belohnt; ihnen noch mehr, als sie selbst zu fodern die
Verwegenheit gehabt, zugestanden; und durch diese unbegreifliche Art zu
verfahren, ihnen Mut und Kr$
r verschiednen Gefahren, denen er sich dadurch
ausgesetzt gesehen hatte.  Zu Delphi fehlte es wenig, dass sie ihn den
Nachstellungen eines verkappten Apollo preis gegeben haette--zu Athen hatte
sie ihn seinen arglistigen Feinden wuerklich in die Haende geliefert.  Doch,
aus diesen beiden Gefahren hatte er seine Tugend davon gebracht; ein
unschaetzbares Kleinod, dessen Besitz ihn gegen den Verlust alles andern,
was ein Guenstling des Glueckes verlieren kann, unempfindlich machte.  Aber
durch eben diesen Enthusiasmus unterlag sie endlich den Verfuehrungen
seines eignen Herzens eben so wohl als den Kunstgriffen der schoenen Danae.
War nicht dieses zauberische Licht, welches seine Einbildungs-Kraft
gewohnt war, ueber alles, was mit seinen Ideen uebereinstimmte, auszubreiten;
war nicht diese unvermerkte Unterschiebung des Idealen an die Stelle des
Wuerklichen, die wahre Ursache, warum Danae einen so ausserordentlichen
Eindruck auf sein Herz machte? War es nicht diese begeisterte Liebe zum
Schoenen, unter deren sch$
gruendet ist; dass die Liebe, welche sich der
Seele bemaechtiget, sie gemeiniglich der Meisterschaft ueber sich selbst
beraube, entnerve, und zu edeln Anstrengungen untuechtig mache.
"Und wozu", (hoeren wir den scheinheiligen Theogiton mit einem tiefen
Seufzer, in welchem ein halbunterdruecktes Anathema murmelt, fragen)
"--wozu diese ganze schoene Digression?  Ist vielleicht ihre Absicht, die
aergerlichen Begriffe und Sitten blinder, verdorbener Heiden unsrer ohnehin
zum Boesen so gelehrigen Jugend zum Muster vorzulegen?" "Nein, mein Herr;
das waere unnoetig; der groesseste Teil dieser Jugend, welche unser Buch lesen
wird (es muesste dann in die Gewuerzbuden kommen) hat schon den Horaz, den
Ovid, den Martial, den Petron, den Apuleius, vielleicht auch den
Aristophanes gelesen; und was noch sonderbarer scheinen koennte, hat seine
Bekanntschaft mit diesen Schriftstellern, welche nach Dero Grundsaetzen
lauter Seelengift sind, in den Schulen gemacht.  Wir haben also dieser
Jugend nicht viel neues gesagt; und geset$
aetten etwas weniger
Parteilichkeit fuer sich selbst zu hegen, etwas mehr Nachsicht gegen andre
sich empfohlen sein lassen wollten."
ueberhaupt hat man Ursache zu glauben, dass Agathon gesprochen habe wie er
dachte, und das ist zu Rechtfertigung seiner Redlichkeit genug.  Und warum
sollten wir an dieser zu zweifeln anfangen?  Sein ganzes Betragen, waehrend
dass er das Herz des Tyrannen in seinen Haenden hatte, bewies, dass er keine
Absichten hegete, welche ihn genoetiget haetten, ihm gegen seine ueberzeugung
zu schmeicheln.  Es ist wahr, er hatte Absichten, bei allem was er von dem
Augenblick, da er den Fuss in Dionysens Palast setzte, tat; sollte er
vielleicht keine gehabt haben?  Was koennen wir, nach der aeussersten Schaerfe,
mehr fodern, als dass seine Absichten edel und tugendhaft sein sollen; und
so waren sie, wie wir bereits gesehen haben.  Es scheint also nicht, dass
man Grund habe, ihm aus der Vorsichtigkeit einen Vorwurf zu machen, womit
er, in der neuen und schluepfrigen Situation, worin er war, al$
agoras, als ein tiefer Kenner der Geheimnisse der Natur und der
mechanischen Kuenste, als ein weiser Staatsmann, als ein geschickter und
allezeit gluecklicher Feldherr, und was allen diesen Vorzuegen die Krone
aufsetzt, als ein rechtschaffener Mann, in der vollkommensten Bedeutung
dieses Worts erworben, hatte den Namen des Archytas unserm Helden schon
lange ehrwuerdig gemacht; und hiezu kam noch, dass dessen juengerer Sohn,
Critolaus, in den Zeiten des hoechsten Wohlstandes Agathons zu Athen zwei
Jahre in seinem Hause zugebracht, und mit allen ersinnlichen
Freundschafts-Erweisungen ueberhaeuft, eine Zuneigung von derjenigen Art fuer
ihn gefasst hatte, welche in schoenen Seelen (denn damals gab es noch schoene
Seelen) sich nur mit dem Leben endet.  Diese Freundschaft war zwar durch
zufaellige Ursachen, und den Aufenthalt Agathons zu Smyrna eine Zeitlang
unterbrochen, aber sogleich nach seinem Entschluss, bei dem Dionys zu leben,
wieder erneuert, und seither sorgfaeltig unterhalten worden.  Agathon
hatte waehre$
 einmal
stillegestanden, als er sie taeglich auf- und niedergehen sieht.  Das
Wunder bleibt immer dasselbe; aber nicht unsere Gemuetsverfassung, wenn
wir es zu oft denken.--Folglich wuerde auch die Einfuehrung der Tiere
uns hoechstens nur in den ersten Fabeln wunderbar vorkommen; faenden wir
aber, dass die Tiere fast in allen Fabeln spraechen und urteilten, so
wuerde diese Sonderbarkeit, so gross sie auch an und vor sich selbst
waere, doch gar bald nichts Sonderbares mehr fuer uns haben.
Aber wozu alle diese Umschweife?  Was sich auf einmal umreissen laesst,
braucht man das erst zu erschuettern?--Darum kurz: dass die Tiere, und
andere niedrigere Geschoepfe, Sprache und Vernunft haben, wird in der
Fabel vorausgesetzt; es wird angenommen und soll nichts weniger als
wunderbar sein.--Wenn ich in der Schrift lese [2]: "Da tat der Herr der
Eselin den Mund auf, und sie sprach zu Bileam etc.", so lese ich etwas
Wunderbares.  Aber wenn ich bei dem Aesopus lese [3]: Fasin, ote
jwnhneta hn ta zwa, thn oin proV ton despo$
t sei; es war nicht leicht, das
Raetsel dieser Mienen zu loesen.  Geht, sagte sie, Ihr werdet ernsthaft,
und das mag ich nicht leiden.  Ihr seid noch nicht lange hier, darum
habt Ihr Respekt vor den alten Blutrichtern und Henkern, die sich von
fern oder etwa gemalt sehr ehrwuerdig ausnehmen moegen.  Ich aber habe
sie schon manchmal in der Naehe gesehen, am Farotisch, wenn meine
Graefin Bank hielt, und ich kann Euch sagen, sie sind auch Menschen,
wie Adam war.
Mag sein, Kind, antwortete er, aber sie haben die Gewalt, und ein
armer Buerger wie ich tut nicht klug, so verfaengliche Reden hier am
offenen Fenster zu wechseln.  Wenn es zu boesen Haeusern kommt, dass wir
beide die inkarnierte Gerechtigkeit Venedigs fuer nichts Besseres als
eine Handvoll sterblicher Menschen halten, so beschuetzt dich, meine
teure Smeraldina, der Zauber deiner Schoenheit; ich aber wandere den
bekannten nassen Weg oder tausche wenigstens mein Quartier in der
Calle della Cortesia mit einer viel bescheideneren Kammer in den
Brunnen* oder$
h nach Osten.
Dreimal bueckten die Stoerche ihre langen Haelse der Sonne entgegen, die
soeben hinter dem Gebirge heraufstieg: "Mutabor!" riefen sie, im Nu
waren sie verwandelt, und in der hohen Freude des neugeschenkten
Lebens lagen Herr und Diener lachend und weinend einander in den
Wer beschreibt aber ihr Erstaunen, als sie sich umsahen?  Eine schoene
Dame, herrlich geschmueckt, stand vor ihnen.  Laechelnd gab sie dem
Kalifen die Hand.  "Erkennt Ihr Eure Nachteule nicht mehr?" sagte sie.
Sie war es; der Kalif war von ihrer Schoenheit und Anmut entzueckt.
Die drei zogen nun miteinander auf Bagdad zu.  Der Kalif fand in
seinen Kleidern nicht nur die Dose mit Zauberpulver, sondern auch
seinen Geldbeutel.  Er kaufte daher im naechsten Dorfe, was zu ihrer
Reise noetig war, und so kamen sie bald an die Tore von Bagdad.  Dort
aber erregte die Ankunft des Kalifen grosses Erstaunen.  Man hatte ihn
fuer tot ausgegeben, und das Volk war daher hocherfreut, seinen
geliebten Herrscher wiederzuhaben.
Um so mehr aber entbr$
 muss ich wenigstens den Kopf seiner Tochter bringen, damit
er sie noch einmal sehe."  Diese Sitte, die Koepfe geliebter
Anverwandten abzuschneiden, kam mir zwar etwas schrecklich vor; doch
wagte ich nichts dagegen einzuwenden aus Furcht, den Unbekannten zu
beleidigen.  Ich sagte ihm daher, dass ich mit dem Einbalsamieren der
Toten wohl umgehen koenne, und bat ihn, mich zu der Verstorbenen zu
fuehren.  Doch konnte ich mich nicht enthalten zu fragen, warum denn
dies alles so geheimnisvoll und in der Nacht geschehen muesse.  Er
antwortete mir, dass seine Anverwandten, die seine Absicht fuer grausam
hielten, bei Tage ihn abhalten wuerden; sei aber nur erst einmal der
Kopf abgenommen, so koennten sie wenig mehr darueber sagen.  Er haette
mir zwar den Kopf bringen koennen; aber ein natuerliches Gefuehl halte
ihn ab, ihn selbst abzunehmen.
Wir waren indes bis an ein grosses, prachtvolles Haus gekommen.  Mein
Begleiter zeigte es mir als das Ziel unseres naechtlichen
Spazierganges.  Wir gingen an dem Haupttor des Hau$
in meiner Lampe nicht
erkannt, aber der Klang seiner Stimme erweckte alte Erinnerungen in
mir, es war Valetty, einer jener wenigen Freunde, die ich in der
Stadt Paris waehrend meiner Studien kannte.  Er sagte, dass er zufaellig
nach Florenz gekommen sei, wo sein Vater als angesehener Mann wohne,
er habe von meiner Geschichte gehoert und sei gekommen, um mich noch
einmal zu sehen und von mir selbst zu erfahren, wie ich mich so
schwer habe verschulden koennen.  Ich erzaehlte ihm die ganze
Geschichte.  Er schien darueber sehr verwundert und beschwor mich, ihm,
meinem einzigen Freunde, alles zu sagen, um nicht mit einer Luege von
hinnen zu gehen.  Ich schwor ihm mit dem teuersten Eid, dass ich wahr
gesprochen und dass keine andere Schuld mich druecke, als dass ich, von
dem Glanze des Goldes geblendet, das Unwahrscheinliche der Erzaehlung
des Unbekannten nicht erkannt habe.  "So hast du Bianka nicht
gekannt?" fragte jener.  Ich beteuerte ihm, sie nie gesehen zu haben.
Valetty erzaehlte mir nun, dass ein tiefes Geh$
n Mittel, das seinen Plan retten konnte:
Er musste das kleine Ungetuem toeten.  Mit einem Sprung fuhr er daher
aus dem Bette auf den Kleinen zu; doch dieser, der etwas Solches
geahnt haben mochte, liess die Lampe fallen, dass sie verloeschte, und
entsprang im Dunkeln, indem er moerderisch um Hilfe schrie.
Jetzt war guter Rat teuer; die Maedchen musste er fuer den Augenblick
aufgeben und nur auf die eigene Rettung denken; daher ging er an das
Fenster, um zu sehen, ob er nicht entspringen koennte.  Es war eine
ziemliche Tiefe bis zum Boden, und auf der anderen Seite stand eine
hohe Mauer, die zu uebersteigen war.  Sinnend stand er an dem Fenster;
da hoerte er viele Stimmen sich seinem Zimmer naehern; schon waren sie
an der Tuere; da fasste er verzweiflungsvoll seinen Dolch und seine
Kleider und schwang sich zum Fenster hinaus.  Der Fall war hart; aber
er fuehlte, dass er kein Glied gebrochen hatte; drum sprang er auf und
lief der Mauer zu, die den Hof umschloss, stieg, zum Erstaunen seiner
Verfolger, hinauf und$
er
auch in Unwissenheit aufwachsen.  Der kleine Muck war noch in seinem
sechzehnten Jahr ein lustiges Kind, und der Vater, ein ernster Mann,
tadelte ihn immer, dass er, der schon laengst die Kinderschuhe
zertreten haben sollte, noch so dumm und laeppisch sei.
Der Alte tat aber einmal einen boesen Fall, an welchem er auch starb
und den kleinen Muck arm und unwissend zurueckliess.  Die harten
Verwandten, denen der Verstorbene mehr schuldig war, als er bezahlen
konnte, jagten den armen Kleinen aus dem Hause und rieten ihm, in die
Welt hinauszugehen und sein Glueck zu suchen.  Der kleine Muck
antwortete, er sei schon reisefertig, bat sich aber nur noch den
Anzug seines Vaters aus, und dieser wurde ihm auch bewilligt.  Sein
Vater war ein grosser, starker Mann gewesen, daher passten die Kleider
nicht.  Muck aber wusste bald Rat; er schnitt ab, was zu lang war, und
zog dann die Kleider an.  Er schien aber vergessen zu haben, dass er
auch in der Weite davon schneiden muesse, daher sein sonderbarer
Aufzug, wie er noch$
haesslichen Haenden
in den Kraeuterkorb hinein, packte die Kraeutlein, die so schoen und
zierlich ausgebreitet waren, mit ihren langen Spinnenfingern, brachte
sie dann eins um das andere hinauf an die lange Nase und beroch sie
hin und her.  Der Frau des Schusters wollte es fast das Herz
abdrucken, wie sie das alte Weib also mit ihren seltenen Kraeutern
hantieren sah; aber sie wagte nichts zu sagen; denn es war das Recht
des Kaeufers, die Ware zu pruefen, und ueberdies empfand sie ein
sonderbares Grauen vor dem Weibe.  Als jene den ganzen Korb
durchgemustert hatte, murmelte sie: "Schlechtes Zeug, schlechtes
Kraut, nichts von allem, was ich will, war viel besser vor fuenfzig
Jahren; schlechtes Zeug, schlechtes Zeug!"
Solche Reden verdrossen nun den kleinen Jakob.  "Hoere, du bist ein
unverschaemtes, altes Weib", rief er unmutig, "erst faehrst du mit
deinen garstigen, braunen Fingern in die schoenen Kraeuter hinein und
drueckst sie zusammen, dann haeltst du sie an deine lange Nase, dass sie
niemand mehr kaufen m$
, der reiche Glasmann, und ein dritter schuettelte
den Kopf und sprach: "Mit dem Reichtum kann man es machen, man sagt
allerlei von seinen Schulden, und in der Stadt hat einer gesagt, der
Amtmann werde nicht mehr lange saeumen zum Auspfaenden."
Indessen gruesste der reiche Peter die Gaeste am Fenster vornehm und
gravitaetisch, stieg vom Wagen und schrie: "Sonnenwirt, guten Abend,
ist der dicke Ezechiel schon da?"
Und eine tiefe Stimme rief: "Nur herein, Peter!  Dein Platz ist dir
aufbehalten, wir sind schon da und bei den Karten." So trat Peter
Munk in die Wirtsstube, fuhr gleich in die Tasche und merkte, dass
Ezechiel gut versehen sein muesse; denn seine Tasche war bis oben
angefuellt.  Er setzte sich hinter den Tisch zu den anderen und gewann
und verlor hin und her, und so spielten sie, bis andere ehrliche
Leute nach Hause gingen, und spielten bei Licht, bis zwei andere
Spieler sagten: "Jetzt ist's genug, und wir muessen heim zu Frau und
Aber Spielpeter forderte den dicken Ezechiel auf zu bleiben.  Dieser
w$
st das Panier der
Glaubst du, die Welt sei darum nur erschaffen, damit du deinen
Geifer auf ihr Wappen speien kannst?  Die Menschheit hinge nur
von deinen Launen ab?  Dir duerften andre nur, du andern nicht
genuegen?  Bist du denn wahnsinnig, du uebermuetger Wurm?
Sapperment, nicht lang per Wurm, das Ding fangt mich zu wurmen
an.  Ich gib nicht nach, du bankrottierter Philosoph!  Ich bin zu
gut, und du zu schlecht, als dass ich laenger mit dir red.  Drum
fort mit dir, der Mond geht auf, und du gehst ab, und kuenftighin
werd ich in meiner Huetten mich verschanzen und
herunterstukatieren, wenn sich eins sehen laesst.
So willst du nicht die Hand zur Bessrung bieten?
Ich biete nichts, und wenn mir's Wasser bis an Hals auch geht.
Wohlan!  So lass uns den Versuch beginnen.
Weil nicht Vernunft kann dein Gemuet gewinnen,
Soll Geistermacht zu deinem Glueck dich zwingen,
Und mit dem Alpenkoenig wirst du ringen.
Vermeid dies Haus!  Sonst tritt auf allen Wegen
Vergangenheit dir leichenblass entgegen.
Und willst du Elemen$
eine Absichten haben, weil Sie keine
Aussichten haben.
Ich kann mein Kind verheiraten, an wen ich will, denn ich
Und es ist eine Frechheit von Ihnen, dass Sie sich gegen
meine Erlaubnis in mein Haus zu schleichen suchen, um mein
Kind von dem Gehorsam gegen seinen Vater abzubringen.
Sehr schoen, ich muss mich selber loben.
Herr von Rappelkopf, ich beschwoere Sie bei allen Gefuehlen,
welche Ihr leidenschaftliches Herz je bestuermten, haben Sie
Nachsicht mit den meinigen.  Ich kann ohne Ihre Tochter nicht
leben, ich war drei Jahre abwesend, und meine Gesinnungen
haben sich nicht veraendert.  Ich besitze ein kleines Vermoegen,
habe mich in meiner Kunst verbessert, schenken Sie mir Ihre
Einwilligung, nie werde ich Ihre Gnade vergessen, und Sie
werden einen dankbaren Sohn an mir gewinnen.
Das ist kein gar so schlechter Mensch, er soll doch nicht so
hart mit ihm sein.
Ich traue Ihren Worten nicht, denn Falschheit blickt aus Ihrem
Auge.  Darum wagen Sie es nicht mehr, meine Schwelle zu betreten.
Eh steht mein Tor hun$
 von Mynherr van Dycks Palaste zu Amsterdam
ist wohl dem Hoechsten ehrenvoll zu ueberschreiten.  Man hat mich
drueben halten wollen, mein Meister van der Helst und andre!  Wenn
ich dorthin zurueckginge, ein Jahr noch oder zwei; dann--wir kommen
dann schon von hier fort; bleib mir nur feste gegen euere wuesten
Katharinens weisse Haende strichen ueber meine Locken; sie herzete
mich und sagte leise: "Da ich in meine Kammer dich gelassen, so
werd ich doch dein Weib auch werden muessen."
--Ihr ahnete wohl nicht, welch einen Feuerstrom dies Wort in meine
Adern goss, darin ohnedies das Blut in heissen Pulsen ging.--Von
dreien furchtbaren Daemonen, von Zorn und Todesangst und Liebe ein
verfolgter Mann, lag nun mein Haupt in des viel geliebten Weibes
Da schrillte ein geller Pfiff, die Hunde drunten wurden jaehlings
stille, und da es noch einmal gellte, hoerete ich sie wie toll und
wild davon rennen.
Vom Hofe her wurden Schritte laut; wir horchten auf, dass uns der
Athem stille stund.  Bald aber wurde dorten eine Thuer$
.)
(Er eilt ihr nach.)
Du selbst zurueck, Barbar!--Medea!
(Indem er ins Zelt dringen will und Aietes sich ihm abwehrend in
den Weg stellt, faellt der Vorhang.)
Dritter Aufzug
(Das Innere von des Koenigs Zelte.  Der hintere Vorhang desselben
ist so, dass man durch denselben, ohne die draussen befindlichen
Personen genau unterscheiden zu koennen, doch die Umrisse derselben
erkennen kann.)
Medea, Gora, Jungfrauen (im Zelte.) Jason, Aietes (und) Alle
Personen des letzten Aktschlusses (ausser demselben.)
(Medea steht links im Vorgrunde aufgerichtet, die linke Hand auf
einen Tisch gestuetzt, die Augen unbeweglich vor sich gerichtet in
der Stellung einer die hoert was aussen vorgeht.  Gora sie
beobachtend auf der andern Seite des Tisches.  Jungfrauen teils
knieend, teils stehend um sie gruppiert.  Einige) Krieger (im
Hintergrunde des Zeltes an den Seiten aufgestellt.)
Jason (von aussen).
Ich will hinein!
Aietes (aussen).
Denkst du's zu wehren?
Vom Schwert die Hand!  die Hand vom Schwerte sag' ich,
Das meine zuckt, i$
echnungen der Hotels bleiben gewiss hinter den
Fortschritten der Zeit nicht zurueck, aber die Aermlichkeit der
Zimmerausstattungen, das Gepraege der auf allen moeglichen Auktionen
zusammengekauften Moeblierung und die scheinbare Halbeleganz gewisser,
durch uebermaessige Ausnutzung halbverwitterter Verzierungen, z.B. des
unvermeidlichen Wachstuchs auf den Fussboeden, stellt immer wieder die
Aermlichkeit des Berliner Komforts heraus, von den Betten, ihrer Enge,
ihren zentnerschweren Federpfuehlen nicht zu reden. Von Doppelfenstern ist
in der lichtliebenden Stadt wenig die Rede. Man erkennt auf diesem
Gebiete immer wieder in Berlin seine alten Pappenheimer und laesst sich's
an ihnen genuegen, wenn nur dafuer die Ausbeute an geistiger Anregung desto
belohnender zu werden verspricht.
Regen und Schnee, Sturm und Kaelte lassen die grossen Schmutzflaechen der
Berliner Plaetze und Strassen doppelt schauerlich erscheinen. Unabsehbar
sind diese Wasserspiegel. Unter den Linden fegen die Strassenkehrer eine
ganz eigentuem$
ieht sein Material direkt aus England, Schweden und
vorzugsweise Russland. Ebenso grossartig ist Ravenes Handel mit
Schmiedeeisen, Blei, Messing, Zinn und allen metallischen Rohprodukten.
Es charakterisiert den Berliner Grosskaufmann, der seine urspruenglichen
naiv-buergerlichen Triebe nicht lassen kann, dass Ravene in einem Anfall
guter Laune saemtliche verkaeufliche Weine in Bordeaux aufkaufte und sich
das Privatvergnuegen machte, das Modell einer grossartigen, aber soliden
Weinhandlung aufzustellen, an der es ihm in Berlin sehr noetig schien.
Goldschmidt und Dannenberger haben Kattunfabriken im Gange, die Tausende
von Menschen, die Bevoelkerung kleiner Stadtbezirke, beschaeftigen,
ueberdies ein pauperistisches Element enthalten, das eine umsichtige
Behandlung erfordert ...
Quatsch, Kroll und "Satanella" (1854)
Es gibt ein Wort, das man nur in Berlin versteht. Aber auch nur in Berlin
finden sich Erscheinungen, die man damit bezeichnen muss. Es ist dies der
Ausdruck: Quatsch.
Quatsch ist der Anlauf zum Witz,$
egen,
Wo frecher Aufruhr uns die Stirne beut.
Mathias. Die Fruechte das von dem geheimen Treiben,
Das hinter unserm Ruecken still bemueht.
Schickt nach dem Kardinal!
(Da die Angeredeten verlegen zuruecktreten.)
Was zoegert ihr?
Ferdinand. Er ist nur eben abgereist nach Kufstein.
Mathias. In diesem Augenblick? Ist er von Sinnen?
Ferdinand. Gerad in diesem Augenblick, mein Koenig.
(Auf das Kabinett zeigend.)
Gefaellt's Euch hier ins Innre einzutreten,
So leg ich Euch die Gruende dienstlich vor.
Mathias (streng).
Sprecht oeffentlich, damit ich offen richte.
Ferdinand (Schriften aus dem Mantel ziehend, halblaut).
Die Briefe hier von Baiern, Spanien, Rom,
Den einz'gen Stuetzen unsrer guten Sache,
Die nur auf die Entfernung dieses Manns
Den Beistand uns verheissen, den wir brauchen.
Hier Oberst Wallenstein, er kommt aus Prag
Und meldet uns, dass dort der Aufstand rege.
Die Andersglaeubigen der andern Laender,
Erwarten nur das Zeichen solchen Ausbruchs,
Um zu vereinen sich zu gleichem Trotz.
Glaubt Ihr, dass wir mit$
 tiefen Kenner seiner Leiblichkeit
nachsah, was er keinem andern so leicht vergeben haette.  Fagon
zitterte.  Er stotterte unzusammenhaengende Saetze, und seine Worte
stuerzten durcheinander, wie Krieger zu den Waffen.
"Du glaubst es nicht, Majestaet, Kenner der Menschenherzen, du glaubst
es nicht, dass die Vaeter Jesuiten jeden, der sie wissentlich oder
unwissentlich beleidigt, hassen bis zur Vernichtung?  Du glaubst nicht,
dass diese Vaeter weder wahr noch falsch, weder gut noch boese kennen,
sondern nur ihre Gesellschaft?" Fagon schlug eine grimmige Lache auf.
"Du willst es nicht glauben, Majestaet!
Sage mir, Koenig, du Kenner der Wirklichkeit," raste Fagon abspringend
weiter, "da die Rede ist von der Glaubwuerdigkeit der Dinge, kannst du
auch nicht glauben, dass in deinem Reiche bei der Bekehrung der
Protestanten Gewalt angewendet wird?"
"Diese Frage", erwiderte der Koenig sehr ernsthaft, "ist die erste
deiner heutigen drei Freiheiten.  Ich beantworte sie.  Nein, Fagon.
Es wird, verschwindend wenige Faell$
, aber ich konnte den
Sieger nicht erraten.
'Ich denke, ich gehe mit den Herren', sagte Pere Tellier.
'Kommt, Pater!' draengte der Minister und streckte die Hand gegen ihn
'Aber ich muss die Soutane wechseln.  Ihr seht, diese ist geflickt,
und ich koennte in Versailles der Majestaet begegnen.' Er oeffnete ein
Nebenzimmer.
Argenson blickte ihm ueber die Schulter und sah in einen niedern
Verschlag mit einem nackten Schragen und einem wurmstichigen Schreine.
'Mit Vergunst, Herren', lispelte der Jesuit schaemig, 'ich habe mich
noch nie vor weltlichen Augen umgekleidet.'
Argenson fasste ihn an der Soutane.  'Ihr haltet Wort?'
Pere Tellier streckte drei schmutzige Finger gegen etwas Heiliges, das
im Dunkel einer Ecke klebte, entschluepfte und schloss die Tuer bis auf
eine kleine Spalte, welche Argenson mit der Fussspitze offenhielt.
Wir hoerten den Schrank oeffnen und schliessen.  Zwei stille Minuten
verstrichen.  Argenson stiess die Tuere auf.  Weg war Pere Tellier.
Hatte er der Einfluesterung Argensons nicht gegl$
s die gute Mutter die Schuessel zur Seite neigte und
ihre eigene Bruehe voll in das Labyrinth der Kanaele und Daemme ihrer
Kinder stroemen liess. So lebte die kleine Familie einen Tag wie den
andern, und indem dies immer so blieb, waehrend doch die Kinder sich
auswuchsen, ohne dass sich eine guenstige Gelegenheit zeigte, die Welt
zu erfassen und irgend etwas zu werden, fuehlten sich alle immer
unbehaglicher und kuemmerlicher in ihrem Zusammensein. Pankraz, der
Sohn, tat und lernte fortwaehrend nichts, als eine sehr ausgebildete
und kuenstliche Art zu schmollen, mit welcher er seine Mutter, seine
Schwester und sich selbst quaelte. Es ward dies eine ordentliche und
interessante Beschaeftigung fuer ihn, bei welcher er die muessigen
Seelenkraefte fleissig uebte im Erfinden von hundert kleinen
haeuslichen Trauerspielen, die er veranlasste und in welchen er
behende und meisterlich den steten Unrechtleider zu spielen wusste.
Estherchen, die Schwester, wurde dadurch zu reichlichem Weinen
gebracht, durch welches aber $
er las nun die ganze Nacht in diesem Buche und verfing mich ganz
in demselben, da es mir gar so gruendlich und sachgemaess geschrieben
schien und mir ausserdem eine solche Arbeit ebenso neu als
verdienstlich vorkam. Weil nun alles uebrige so trefflich, wahr und
ganz erschien und ich es fuer die eigentliche und richtige Welt hielt,
so verliess ich mich insbesondere auch bei den Weibern, die es
vorbrachte, ganz auf ihn, verlockt und geleitet von dem schoenen
Sterne Lydia, und ich glaubte, hier ginge mir ein Licht auf und sei
die Loesung meiner zweifelvollen Verwirrung und Qual zu finden.
"Gut! dachte ich, wenn ich diese schoenen Bilder der Desdemona, der
Helena, der Imogen und anderer sah, die alle aus der hohen
Selbstherrlichkeit ihres Frauentums heraus so seltsamen Kaeuzen
nachgingen und anhingen, rueckhaltlos wie unschuldige Kinder, edel,
stark und treu wie Helden, unwandelbar und treu wie die Sterne des
Himmels: gut! hier haben wir unsern Fall! Denn nichts anderes als ein
solches festes, schoengebautes und $
einem tiefen Seufzer,
"geh in Gottes Namen deiner Wege, Sali!" "Bist du allein?" fragte
dieser, "kann ich einen Augenblick hineinkommen?" "Der Vater ist zur
Stadt, wie er sagte, um deinem Vater irgend etwas anzuhaengen; aber
hereinkommen kannst du nicht, weil du spaeter vielleicht nicht so
ungesehen weggehen kannst wie jetzt. Noch ist alles still und niemand
um den Weg, ich bitte dich, geh jetzt!" "Nein, so geh' ich nicht! Ich
musste seit gestern immer an dich denken, und ich geh' nicht so fort,
wir muessen miteinander reden, wenigstens eine halbe Stunde lang oder
eine Stunde, das wird uns gut tun!" Vrenchen besann sich ein Weilchen
und sagte dann: "Ich geh' gegen Abend auf unsern Acker hinaus, du
weisst welchen, wir haben nur noch den, und hole etwas Gemuese. Ich
weiss, dass niemand weiter dort sein wird, weil die Leute anderswo
schneiden; wenn du willst, so komm dorthin, aber jetzt geh und nimm
dich in acht, dass dich niemand sieht! Wenn auch kein Mensch hier mehr
mit uns umgeht, so wuerden sie doch ein sol$
azu, welcher Vrenchen
feurig durch die Adern rollte, als es ein wenig davon trank; aber es
nahm sich in acht, nippte bloss zuweilen und sass so zuechtig und
verschaemt da, wie eine wirkliche Braut. Halb spielte es aus
Schalkheit diese Rolle und aus Lust, zu versuchen, wie es tue, halb
war es ihm in der Tat so zumut und vor Bangigkeit und heisser Liebe
wollte ihm das Herz brechen, so dass es ihm zu eng ward innerhalb der
vier Waende und es zu gehen begehrte. Es war, als ob sie sich
scheuten, auf dem Wege wieder so abseits und allein zu sein; denn sie
gingen unverabredet auf der Hauptstrasse weiter, mitten durch die
Leute und sahen weder rechts noch links. Als sie aber aus dem Dorfe
waren und auf das naechstgelegene zugingen, wo Kirchweih war, hing
sich Vrenchen an Salis Arm und fluesterte mit zitternden Worten:
"Sali! warum sollen wir uns nicht haben und gluecklich sein!" "Ich
weiss auch nicht warum!" erwiderte er und heftete seine Augen an den
milden Herbstsonnenschein, der auf den Auen webte, und er musste s$
ich auch anders als sie in
dieser Sache und geh' zu den Wahlen!"
"Damit", wandte ihr Sohn laechelnd ein, "man ausserhalb sage, der
einzige Seldwyler, welcher denselben beigewohnt, sei noch von den
Weibern hingeschickt worden?"
Frau Amrain legte ihre Hand auf seine Schulter und sagte: "Wenn es
heisst, dass deine Mutter dich hingeschickt habe, so bringt dir dies
keine Schande und mir bringt es Ehre, wenn ein solcher tuechtiger
Gesell sich von seiner Mutter schicken laesst! Ich wuerde wahrhaftig
stolz darauf sein und du kannst mir am Ende den kleinen Gefallen zu
meinem Vergnuegen erweisen, nicht so?"
Fritz wusste hiergegen nichts mehr vorzubringen und zog den Rock an
und setzte den Buergerhut auf. Als er mit der trefflichen Frau den
Berg hinunterging, sagte er: "Ich habe dich in meinem Leben nie so
viel politisieren hoeren, wie soeben, Mutter! Ich habe dir so lange
Reden gar nicht zugetraut!"
Sie lachte, erwiderte dann aber ernsthaft: "Was ich gesagt, ist
eigentlich weniger politisch gemeint, als gut hausmuetter$
wa ducken muss,
so wird er vielleicht sagen: unsere Kuehe und unsere Schweine, aber--"
Pineiss riss den Spiegel an der Schnur, dass er miau! schrie, und
rief: "Genug, du Plappermaul! Sag' jetzt unverzueglich: wo ist sie,
von der du weisst?" Denn die Aufzaehlung aller dieser Herrlichkeiten
und Verrichtungen, die mit einem Weibergute verbunden sind, hatte dem
duerren Hexenmeister den Mund nur noch waesseriger gemacht. Spiegel
sagte erstaunt: "Wollt Ihr denn wirklich das Ding unternehmen, Herr
"Versteht sich, will ich! Wer sonst als ich? Drum heraus damit: wo ist
"Damit Ihr hingehen und sie freien koennt?"
"Ohne Zweifel!" "So wisset, die Sache geht nur durch meine Hand! mit
mir muesst Ihr sprechen, wenn Ihr Geld und Frau wollt!" sagte Spiegel
kaltbluetig und gleichgueltig und fuhr sich mit den beiden Pfoten
eifrig ueber die Ohren, nachdem er sie jedesmal ein bisschen nass
gemacht. Pineiss besann sich sorgfaeltig, stoehnte ein bisschen und
sagte: "Ich merke, du willst unsern Kontrakt aufheben und deinen Kopf
"Sch$
das reine Ohr Stemmas
nicht zu beleidigen.  Die Richterin half ihr und sagte ernst und
traurig: "Und doch warest du das Weib des Toten."
Faustine nickte.  "Dann, vor dem Altar, ploetzlich, zu meinem
Entsetzen"--
"Fuehltest du, dass du dem Toten gehoertest, du und ein Ungebornes", half
ihr die Richterin.
Wieder nickte Faustine.  "Das ist alles, Herrin", sagte sie.  "Lupulus,
jaehzornig wie er war, haette mich umgebracht.  Das Ungeborne aber
verhielt mir den Mund und fluesterte mir Feindseliges gegen den Mann zu."
"Genug", schloss Stemma.  "Nur eines noch: woher hattest du das Gift?"
"Siehst du, Herrin", rief das Weib, dass du weisst, wie ich ihn toetete!
Das Gift hat mir Peregrin gezeigt."
"Peregrin?" fragte die Richterin mit verhuellter Stimme.  "Das ist
nicht moeglich", sagte sie.
"Er zeigte es mir und warnte mich davor.  Ich irrte verzweifelnd unter
den Kiefern von Silvretta.  Da sehe ich ihn in seinem langen, dunkeln
Gewande, der sich bueckt und Wurzeln graebt.  Blumen nickten mit braunen
Glocken.  Er ruft$
hl, und er mochte es gerne,
dass der Knabe zu plaudern begann.
Gabriel erzaehlte von den Lombarden, welche er als Spaeher der Richterin
beschlichen hatte.  Sie seien ueberall und nirgends.  Sie nisten in den
Paessen, belauern die Boten und pluendern die Saeumer.  Sie berauschen
sich in dem geraubten heissen Weine von drueben, prahlen mit besiegten
Waffen, fabeln von der Herstellung der eisernen Krone und leugnen oder
laestern den Weltlauf.  Sie beten den Teufel an, der das Regiment fuehre,
"und doch", endigte der Knabe, "sind sie glaeubige Christen, denn sie
stehlen aus unsern Kirchen alles heilige Gebein zusammen, soviel sie
davon erwischen koennen.  Es ist Zeit, dass der Herr Kaiser zum Rechten
sehe und ihnen feste Bezirke und einen Richter gebe."
Da nun Gabriel bei dem Kaiser angelangt war, dessen erneuerte Wuerde
ihren Schimmer bis in dieses wilde Gebirge warf, begeisterten sich
seine Augen und er rief: "Diesem und keinem andern will ich dienen!
Ich heisse Gabriel und schlage gerne mit Faeusten, lieber hi$
unter dir, die Decke siehst du
ueber dir; die Pforte, durch die du eingetreten bist, ist hinter dir;
vor dir, weiten Ausblick gewaehrend, der offene Bogen; diese
geschlossene Wand hier ist zur Linken, jenes die rechte Seite des
    Dies sind Bezeichnungen, Urteile, die unbestreitbar scheinen,--
dennoch, sobald jemand dir gegenueber tritt, behauptet er, die Seite,
die du mit rechts bezeichnest, sei die linke, und nennt die Wand, die
du links nennst, die rechte. Beider Urteile koennen nicht zutreffend
sein; sie widersprechen sich, sind Gegensaetze, die einander
ausschliessen, zu nichts aufheben.
    Hier geschieht das Wunder, dass eines mit einer bestimmten
Bezeichnung und gleichzeitig mit dem Gegenteile dieser Bezeichnung
belegt wird. Wer von den Urteilenden hat recht? Keiner--oder, wenn
du willst, beide. Die Wand ist beides: rechts und links, also auch
keines von beiden, weder rechts noch links.
    Keine Loesung, auch wenn etwa der Gegenueberstehende zu dir
heruebertraete und nun, in gleicher Stellung wie du$
lichkeit ist wider dich selbst.
    Darum ist gesagt: "gebunden ist Seele durch sich selbst."
    Du tust und  leidest deine Tat; alle Tat aus dir trifft dich
selbst. Was du dem Andern zu tun vermeinst--Gutes wie Boeses--tust
du dir selbst. Deine Tat ist dein Urteil, deine Tat ist dein
Schicksal. Alles Geschehen dieser Welt--der Gottheit ewig
ausgleichende Gerechtigkeit--karma.
    Darum ist gesagt: "Vergeltung der Tat am Taeter."
    Darum ist gesagt: "das Trinken der Vergeltung."
    Darum wird gesagt: seine Lust buessen.
    Im verlangenden Ich wirkt sich das Werden dieser Welt.
    Alle Wirklichkeit ist atmendes Verlangen in dir; in dir ist alles
Geschehen und alles Geschehens Wertung. Die ganze Welt ist Inhalt
deiner Seele, Ausdruck deines Verlangens, Abbild deiner selbst,
sinnliche Ent-Gegnung seelischer Bewegung in dir. Deine Vorstellung,
dein Verhalten, deine Auffassung, Gesinnung, Neigung--deine
ueber-Zeugung--schafft unterscheidende Namen und unterschiedene
Dinge. Eins an sich ist, was du Ursache od$
hyrambus wie dem letzten des dritten Zarathustra, "die sieben
Siegel", ueberschrieben, flog ich tausend Meilen ueber das hinaus, was
bisher Poesie hiess.
- Dass aus meinen Schriften ein Psychologe redet, der nicht seines
Gleichen hat, das ist vielleicht die erste Einsicht, zu der ein guter
Leser gelangt - ein Leser, wie ich ihn verdiene, der mich liest,
wie gute alte Philologen ihren Horaz lasen. Die Saetze, ueber
die im Grunde alle Welt einig ist, gar nicht zu reden von den
Allerwelts-Philosophen, den Moralisten und andren Hohltoepfen,
Kohlkoepfen - erscheinen bei mir als Naivetaeten des Fehlgriffs:
zum Beispiel jener Glaube, dass "unegoistisch" und "egoistisch"
Gegensaetze sind, waehrend das ego selbst bloss ein "hoeherer
Schwindel", ein "Ideal" ist... Es giebt weder egoistische, noch
unegoistische Handlungen: beide Begriffe sind psychologischer
Widersinn. Oder der Satz "der Mensch strebt nach Glueck"... Oder der
Satz "das Glueck ist der Lohn der Tugend"... Oder der Satz "Lust und
Unlust sind Gegensaetze"..$
r Stelle beschreibe. "Das Genie des Herzens, wie es jener
grosse Verborgene hat, der Versucher-Gott und geborne Rattenfaenger
der Gewissen, dessen Stimme bis in die Unterwelt jeder Seele
hinabzusteigen weiss, welcher nicht ein Wort sagt, nicht einen Blick
blickt, in dem nicht eine Ruecksicht und Falte der Lockung laege, zu
dessen Meisterschaft es gehoert, dass er zu scheinen versteht - und
nicht das, was er ist, sondern was denen, die ihm folgen, ein Zwang
mehr ist, um sich immer naeher an ihn zu draengen, um ihm immer
innerlicher und gruendlicher zu folgen... Das Genie des Herzens, das
alles Laute und Selbstgefaellige verstummen macht und horchen lehrt,
das die rauhen Seelen glaettet und ihnen ein neues Verlangen zu kosten
giebt, - still zu liegen, wie ein Spiegel, dass sich der tiefe Himmel
auf ihnen spiegele... Das Genie des Herzens, das die toelpische
und ueberrasche Hand zoegern und zierlicher greifen lehrt; das den
verborgenen und vergessenen Schatz, den Tropfen Guete und suesser
Geistigkeit unter trueb$
 Himmel Nizza's, der damals zum ersten Male in mein Leben
hineinglaenzte, fand ich den dritten Zarathustra - und war fertig.
Kaum ein Jahr, fuer's Ganze gerechnet. Viele verborgne Flecke und
Hoehen aus der Landschaft Nizza's sind mir durch unvergessliche
Augenblicke geweiht; jene entscheidende Partie, welche den Titel "von
alten und neuen Tafeln" traegt, wurde im beschwerlichsten Aufsteigen
von der Station zu dem wunderbaren maurischen Felsenneste Eza
gedichtet, - die Muskel-Behendheit war bei mir immer am groessten,
wenn die schoepferische Kraft am reichsten floss. Der Leib ist
begeistert: lassen wir die "Seele" aus dem Spiele... Man hat mich
oft tanzen sehn koennen; ich konnte damals, ohne einen Begriff von
Ermuedung, sieben, acht Stunden auf Bergen unterwegs sein. Ich schlief
gut, ich lachte viel -, ich war von einer vollkomm[n]en Ruestigkeit
Abgesehn von diesen Zehn-Tage-Werken waren die Jahre waehrend und vor
Allem nach dem Zarathustra ein Nothstand ohne Gleichen. Man buesst
es theuer, unsterblich zu sei$
aasse nothwendiger als jene Form des
kleinen Gluecks, die sogenannte "Guete"; man muss sogar nachsichtig
sein, um der letzteren, da sie in der Instinkt-Verlogenheit bedingt
ist, ueberhaupt einen Platz zu goennen. Ich werde einen grossen Anlass
haben, die ueber die Maassen unheimlichen Folgen des Optimismus,
dieser Ausgeburt der homines optimi, fuer die ganze Geschichte zu
beweisen. Zarathustra, der Erste, der begriff, dass der Optimist
ebenso decadent ist wie der Pessimist und vielleicht schaedlicher,
sagt: gute Menschen reden nie die Wahrheit. Falsche Kuesten und
Sicherheiten lehrten euch die Guten; in Luegen der Guten wart ihr
geboren und geborgen. Alles ist in den Grund hinein verlogen und
verbogen durch die Guten. Die Welt ist zum Glueck nicht auf Instinkte
hin gebaut, dass gerade bloss gutmuethiges Heerdengethier darin
sein enges Glueck faende; zu fordern, dass Alles "guter Mensch",
Heerdenthier, blauaeugig, wohlwollend, "schoene Seele" - oder, wie
Herr Herbert Spencer es wuenscht, altruistisch werden so$
rn bedeckte Astrallampen,
Hochzeitsgeschenk von Niemeyer, standen auf einem zwischen zwei
Eichenschraenken angebrachten Klapptisch, in Front davon das Teezeug,
dessen Laempchen unter dem Kessel schon angezuendet war. Aber noch
viel, viel anderes und zum Teil sehr Sonderbares kam zu dem allen
hinzu. Quer ueber den Flur fort liefen drei die Flurdecke in ebenso
viele Felder teilende Balken; an dem vordersten hing ein Schiff mit
vollen Segeln, hohem Hinterdeck und Kanonenluken, waehrend weiterhin
ein riesiger Fisch in der Luft zu schwimmen schien. Effi nahm ihren
Schirm, den sie noch in Haenden hielt, und stiess leis an das Ungetuem
an, so dass es sich in eine langsam schaukelnde Bewegung setzte.
"Was ist das, Geert?" fragte sie.
"Das ist ein Haifisch."
"Und ganz dahinten das, was aussieht wie eine grosse Zigarre vor einem
Tabaksladen?"
"Das ist ein junges Krokodil. Aber das kannst du dir alles morgen viel
besser und genauer ansehen; jetzt komm und lass uns eine Tasse Tee
nehmen. Denn trotz aller Plaids und Decke$
sie dann auch nicht lange mehr zu suchen brauchte;
dicht neben ihrem Kissen war der kleine weisse Elfenbeinknopf, auf den
sie nun leise drueckte.
Gleich danach erschien Johanna. "Gnaedige Frau haben befohlen."
"Ach, Johanna, ich glaube, ich habe mich verschlafen. Es muss schon
spaet sein."
"Eben neun."
"Und der Herr ...", es wollte ihr nicht gluecken, so ohne ,weiteres
von ihrem "Mann" zu sprechen ..., "der Herr, er muss sehr leise
gemacht haben; ich habe nichts gehoert."
"Das hat er gewiss. Und gnaed'ge Frau werden fest geschlafen haben.
Nach der langen Reise ..."
"Ja, das hab ich. Und der Herr, ist er immer so frueh auf?" Immer,
gnaed'ge Frau. Darin ist er streng; er kann das lange sch1afen nicht
leiden, und wenn er drueben in sein Zimmer tritt, da muss der Ofen
warm sein, und der Kaffee darf auch nicht auf sich warten lassen."
"Da hat er also schon gefruehstueckt?"
"Oh, nicht doch, gnaed'ge Frau ... der gnaed'ge Herr..."
Effi fuehlte, dass sie die Frage nicht haette tun und die Vermutung,
Innstetten koenne$
rker, welchen Schatz man hat. Du koenntest
ja auch so sein wie die arme Frau Crampas; das ist eine schreckliche
Frau, gegen keinen freundlich, und dich haette sie vom Erdboden
vertilgen moegen."
"Ach, ich bitte dich, Geert, das bildest du dir wieder ein. Die arme
Frau! Mir ist nichts aufgefallen."
"Weil du fuer derlei keine Augen hast. Aber es war so, wie ich dir
sage, und der arme Crampas war wie befangen dadurch und mied dich
immer und sah dich kaum an. Was doch ganz unnatuerlich ist; denn
erstens ist er ueberhaupt ein Damenmann, und nun gar Damen wie du, das
ist seine besondere Passion. Und ich wette auch, dass es keiner besser
weiss als meine kleine Frau selber. Wenn ich daran denke, wie, Pardon,
das Geschnatter hin und her ging, wenn er morgens in die Veranda kam
oder wenn wir am Strande ritten oder auf der Mole spazierengingen. Es
ist, wie ich dir sage, er traute sich heute nicht, er fuerchtete sich
vor seiner Frau. Und ich kann es ihm nicht verdenken. Die Majorin ist
so etwas wie unsere Frau Kruse, und$
fstube; die Lichter und Schatten flogen hin und
her, und Rollo schlug draussen an, und im selben Augenblick war es
ihr, als saehe ihr wer ueber die Schulter. Aber sie besann sich rasch.
"Ich weiss schon, was es ist; es war nicht der", und sie wies mit dem
Finger nach dem Spukzimmer oben. "Es war was anderes ... mein Gewissen
... Effi, du bist verloren."
Es ging aber doch weiter so, die Kugel war im Rollen, und was an einem
Tage geschah, machte das Tun des andern zur Notwendigkeit. Um die
Mitte des Monats kamen Einladungen aufs Land. Ueber die dabei
innezuhaltende Reihenfolge hatten sich die vier Familien, mit denen
Innstettens vorzugsweise verkehrten, geeinigt: Die Borckes sollten
beginnen, die Flemmings und Grasenabbs folgten, die Gueldenklees
schlossen ab. Immer eine Woche dazwischen. Alle vier Einladungen kamen
am selben Tag; sie sollten ersichtlich den Eindruck des Ordentlichen
und Wohlerwogenen machen, auch wohl den einer besonderen
freundschaftlichen Zusammengehoerigkeit.
"Ich werde nicht dabeisein, Gee$
enste so ziemlich abgelernt
hatte, dem Kuechendepartement vorstehen sollte. Annies Abwartung und
Pflege fiel Effi selber zu, worueber Roswitha freilich lachte. Denn
sie kannte die jungen Frauen.
Innstetten lebte ganz seinem Dienst und seinem Haus. Er war
gluecklicher als vordem in Kessin, weil ihm nicht entging, dass Effi
sich unbefangener und heiterer gab. Und das konnte sie, weil sie sich
freier fuehlte. Wohl blickte das Vergangene noch in ihr Leben hinein,
aber es aengstigte sie nicht mehr oder doch um vieles seltener und
voruebergehender, und alles, was davon noch in ihr nachzitterte, gab
ihrer Haltung einen eigenen Reiz. In jeglichem, was sie tat, lag etwas
Wehmuetiges, wie eine Abbitte, und es haette sie gluecklich gemacht,
dies alles noch deutlicher zeigen zu koennen. Aber das verbot sich
Das gesellschaftliche Leben der grossen Stadt war, als sie waehrend
der ersten Aprilwochen ihre Besuche machten, noch nicht vorueber, wohl
aber im Erloeschen, und so kam es fuer sie zu keiner rechten Teilnahme
mehr da$
es Haus, Jupiter Vater, den Gast?
Ach, hier lieg ich und strecke nach deinen Knieen die Haende
Flehend aus.  O vernimm, Jupiter Xenius, mich!
Wie ich hereingekommen, ich kanns nicht sagen: es fasste
Hebe den Wandrer und zog mich in die Hallen heran.
Hast du ihr einen Heroen herauf zu fuehren geboten?
Irrte die Schoene?  Vergib!  Lass mir des Irrtums Gewinn!
Deine Tochter Fortuna, sie auch!  die herrlichsten Gaben
Teilt als ein Maedchen sie aus, wie es die Laune gebeut.
Bist du der wirtliche Gott?  O dann so verstosse den Gastfreund
Nicht von deinem Olymp wieder zur Erde hinab!
"Dichter!  Wohin versteigest du dich?"--Vergib mir: der hohe
Kapitolinische Berg ist dir ein zweiter Olymp.
Dulde mich, Jupiter, hier, und Hermes fuehre mich spaeter
Cestius Mal vorbei, leise zum Orkus hinab.
Wenn du mir sagst, du habest als Kind, Geliebte, den Menschen
Nicht gefallen, und dich habe die Mutter verschmaeht,
Bis du groesser geworden und still dich entwickelt--ich glaub es:
Gerne denk ich mir dich als ein besonderes Kind.
$
Bin ich tot: so schneidet, wie Ihr wollt,
Ich will von keinem Schnitt erwachen."
Kaum hat er noch das Geld empfangen:
So rief der witzge Delinquent:
"Gelogen!  Herr, seht zu, wie Ihr mich kriegen koennt!
Ich werd in Ketten aufgehangen."
Ein kluger Maler in Athen,
Der minder, weil man ihn bezahlte,
Als, weil er Ehre suchte, malte,
Liess einen Kenner einst den Mars im Bilde sehn,
Und bat sich seine Meinung aus.
Der Kenner sagt ihm frei heraus,
Dass ihm das Bild nicht ganz gefallen wollte,
Und dass es, um recht schoen zu sein,
Weit minder Kunst verraten sollte.
Der Maler wandte vieles ein:
Der Kenner stritt mit ihm aus Gruenden,
Und konnt ihn doch nicht ueberwinden.
Gleich trat ein junger Geck herein,
Und nahm das Bild in Augenschein.
"O", rief er, bei dem ersten Blicke,
"Ihr Goetter, welch ein Meisterstuecke!
Ach welcher Fuss!  O wie geschickt
Sind nicht die Naegel ausgedrueckt!
Mars lebt durchaus in diesem Bilde.
Wie viele Kunst, wie viele Pracht,
Ist in dem Helm, und in dem Schilde,
Und in der Ruestung angebr$
 dafuer entzueckte,
Und wenn sie dich durch Schmuck bestuerzt gemacht,
Mit edler Einfalt schon dich wieder zu dir brachte;
In diesem Bau voll Ordnung und voll Pracht
Sass eine finstre Flieg auf einem Stein und dachte.
Denn dass die Fliegen stets aus finstern Augen sehn,
Und oft den Kopf mit einem Beine halten,
Und oft die flache Stirne falten,
Koemmt bloss daher, weil sie soviel verstehn,
Und auf den Grund der Sachen gehn.
So sass auch hier die weise Fliege.
Ein halbes Dutzend ernste Zuege
Verfinsterten ihr Angesicht.
Sie denkt tiefsinnig nach und spricht:
"Woher ist dies Gebaeud entstanden?
Ist ausser ihm wohl jemand noch vorhanden,
Der es gemacht?  Ich sehs nicht ein.
Wer sollte dieser Jemand sein?"
"Die Kunst", sprach die bejahrte Spinne,
"Hat diesen Tempel aufgebaut.
Wohin auch nur dein bloedes Auge schaut,
Wird es Gesetz und Ordnung inne,
Und dies beweist, dass ihn die Kunst gebaut."
Hier lachte meine Fliege laut.
"Die Kunst?" sprach sie ganz hoehnisch zu der Spinne.
"Was ist die Kunst?  Ich sinn und sin$
echsten Erben.
Der Erbe traegt ihn in sein Haus,
Und sieht, er ist sehr abgetragen;
Er sinnt, und sinnt das Kunststueck aus,
Ihn ueber einen Stock zu schlagen.
Durch heisse Buersten wird er rein;
Er fasst ihn gar mit Schnueren ein.
Nun geht er aus, und alle schreien:
Was sehn wir?  Sind es Zaubereien?
Ein neuer Hut!  O gluecklich Land,
Wo Wahn und Finsternis verschwinden!
Mehr kann kein Sterblicher erfinden,
Als dieser grosse Geist erfand.
Er starb, und liess bei seinem Sterben
Den umgewandten Hut dem Erben.
Erfindung macht die Kuenstler gross,
Und bei der Nachwelt unvergessen;
Der Erbe reisst die Schnuere los,
Umzieht den Hut mit goldnen Dressen,
Verherrlicht ihn durch einen Knopf,
Und drueckt ihn seitwaerts auf den Kopf.
Ihn sieht das Volk, und taumelt vor Vergnuegen.
Nun ist die Kunst erst hoch gestiegen!
Ihm, schrie es, ihm allein ist Witz und Geist verliehn!
Nichts sind die andern gegen ihn!
Er starb, und liess bei seinem Sterben
Den eingefassten Hut dem Erben.
Und jedesmal ward die erfundne Tracht
Im ga$
u befrein.
Wer pocht?  Es wird der Doktor sein;
Doch nein, der Schneider koemmt, und bringt ein Kleid getragen.
Sulpitia faengt an, die Augen aufzuschlagen.
"Er koemmt", so stammelt sie.  "Er koemmt zu rechter Zeit;
Ist dies vielleicht mein Sterbekleid?
Ja, wie Er sieht, so werd ich bald erblassen;
Doch haette mich der Himmel leben lassen:
So haett ich mir ein solches Kleid bestellt,
Von solchem Stoff, als Er, Er wirds schon wissen,
Fuer meine Freundin machen muessen;
Es ist nichts Schoeners auf der Welt.
Als ich zuletzt Besuch gegeben:
So trug sie dieses neue Kleid;
Doch geh Er nur.  O kurzes Leben!
Es ist doch alles Eitelkeit!"
O fasse dich, betruebter Mann!
Du hoerst ja, dass dein Weib noch ziemlich reden kann.
O lass die Hoffnung nicht verschwinden!
Der Atem wird sich wieder finden.
Der Schneider geht, der Mann begleitet ihn,
Sie reden heimlich vor der Tuere.
Der Schneider tut die groessten Schwuere,
Und eilt, die Sache zu vollziehn.
Noch vor dem Abend koemmt er wieder.
Sulpitia liegt noch danieder,
Und d$
 sitzt, ein Loch in den
Tischrand bohrt):
Verschafft ein wenig Wachs, die Pfropfen gleich zu machen!
Ach, das sind Taschenspielersachen.
MEPHISTOPHELES (zu Brander):
Ich will Champagner Wein Und recht moussierend soll er sein!
(Mephistopheles bohrt; einer hat indessen die Wachspfropfen gemacht
und verstopft.)
Man kann nicht stets das Fremde meiden
Das Gute liegt uns oft so fern.
Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden,
Doch ihre Weine trinkt er gern.
SIEBEL (indem sich Mephistopheles seinem Platze naehert):
Ich muss gestehn, den sauern mag ich nicht,
Gebt mir ein Glas vom echten suessen!
MEPHISTOPHELES (bohrt):
Euch soll sogleich Tokayer fliessen.
Nein, Herren, seht mir ins Gesicht!
Ich seh es ein, ihr habt uns nur zum besten.
MEPHISTOPHELES:
Ei!  Ei!  Mit solchen edlen Gaesten
Waer es ein bisschen viel gewagt.
Geschwind!  Nur grad heraus gesagt!
Mit welchem Weine kann ich dienen?
Mit jedem!  Nur nicht lang gefragt.
(Nachdem die Loecher alle gebohrt und verstopft sind.)
MEPHISTOPHELES (mit seltsam$
lickt' ich ein,
Durchsichtig war mir jeder Schrein.
Und Haufen Goldes waren mein,
Am herrlichsten der Edelstein:
Nun der Smaragd allein verdient,
Dass er an deinem Herzen gruent.
Nun schwanke zwischen Ohr und Mund
Das Tropfenei aus Meeresgrund;
Rubinen werden gar verscheucht,
Das Wangenrot sie niederbleicht.
Und so den allergroessten Schatz
Versetz' ich hier auf deinen Platz;
Zu deinen Fuessen sei gebracht
Die Ernte mancher blut'gen Schlacht.
So viele Kisten schlepp' ich her,
Der Eisenkisten hab' ich mehr;
Erlaube mich auf deiner Bahn,
Und Schatzgewoelbe fuell' ich an.
Denn du bestiegest kaum den Thron,
So neigen schon, so beugen schon
Verstand und Reichtum und Gewalt
Sich vor der einzigen Gestalt.
Das alles hielt ich fest und mein,
Nun aber, lose, wird es dein.
Ich glaubt' es wuerdig, hoch und bar,
Nun seh' ich, dass es nichtig war.
Verschwunden ist, was ich besass,
Ein abgemaehtes, welkes Gras.
O gib mit einem heitern Blick
Ihm seinen ganzen Wert zurueck!
Entferne schnell die kuehn erworbne Last,
Zwar nicht$
ebeugt.
Die Grossmuth hat bey dir die Rache ueberwunden.
Wo wird ein Caesars Herz zu dieser Zeit gefunden?
Jezt heists: Was Grossmuth? Was? so sprach das Alterthum.
Jezt heist es: Rache her! die Ehre muss auch Ruhm
Durch ein beherztes Schwerd, und nicht durch Feigheit suchen.
Es muss gerochen seyn; da geht es an ein Fluchen.
Ich weiss zwar wohl, dass wir sehr schwach an Kraeften sind,
Und dass man nicht so leicht ein stoisch Herze find,
Das Schmipf, Gewalt und Schmach und Spott gelassen hoeren,
Und alles dulten kan, wenn sich die andern wehren.
Ich weiss auch, dass es schmerzt, wenn man die Tugend schilt,
Wenn man die Redlichkeit mit List und Trug vergilt,
Und auf das Ehren=Kleid der Laestrung=Stroeme gieset.
Nur dass aus diesem Grund doch dieser Satz nicht flieset,
Dass man die Menschlichkeit deswegen gaenzlich fliehn,
Und auf den Naechsten gleich den Degen muesse ziehn.
Und denen Bestien in hitzigen Geberden,
Ja was noch schlimmer ist, im Wesen aehnlich werden.
Lebt nicht die Themis noch, die deine Klagen h$
en des Wolfes zu finden.
Denn ich lief in die Wohnung des Pfaffen und traf ihn beim Essen,
Und ein fetter Kapaun ward eben vor ihn getragen,
Wohlgebraten; ich schnappte darnach und trug ihn von dannen.
Hastig wollte der Pfaffe mir nach und laermte, da stiess er
Ueber den Haufen den Tisch mit Speisen und allem Getraenke.
Schlaget, werfet, fanget und stechet! so rief der ergrimmte
Pater und fiel und kuehlte den Zorn (er hatte die Pfuetze
Nicht gesehen) und lag. Und alle kamen und schrien:
Schlagt! ich rannte davon und hinter mir alle zusammen,
Die mir das Schlimmste gedachten. Am meisten laermte der Pfaffe:
Welch ein verwegener Dieb! Er nahm das Huhn mir vom Tische!
Und so lief ich voraus, bis zu dem Speicher, da liess ich
Wider Willen das Huhn zur Erde fallen, es ward mir
Endlich leider zu schwer; und so verlor mich die Menge.
Aber sie fanden das Huhn, und da der Pater es aufhub,
Ward er des Wolfes im Speicher gewahr, es sah ihn der Haufen.
Allen rief der Pater nun zu: Hierher nur! und trefft ihn!
Uns ist ein $

(in Sonderheit christlichen, das heisst unbedingten Moral) muss das
Leben bestaendig und unvermeidlich Unrecht bekommen, weil Leben etwas
essentiell Unmoralisches ist, - muss endlich das Leben, erdrueckt
unter dem Gewichte der Verachtung und des ewigen Nein's, als
begehrens-unwuerdig, als unwerth an sich empfunden werden. Moral
selbst - wie? sollte Moral nicht ein "Wille zur Verneinung des
Lebens", ein heimlicher Instinkt der Vernichtung, ein Verfalls-,
Verkleinerungs-, Verleumdungsprincip, ein Anfang vom Ende sein? Und,
folglich, die Gefahr der Gefahren?... Gegen die Moral also kehrte
sich damals, mit diesem fragwuerdigen Buche, mein Instinkt, als
ein fuersprechender Instinkt des Lebens, und erfand sich eine
grundsaetzliche Gegenlehre und Gegenwerthung des Lebens, eine rein
artistische, eine antichristliche. Wie sie nennen? Als Philologe und
Mensch der Worte taufte ich sie, nicht ohne einige Freiheit - denn
wer wuesste den rechten Namen des Antichrist? - auf den Namen eines
griechischen Gottes: ich hiess si$
eisheit
des Leidens davontraegt. Die edelste Form jener anderen Form der
"griechischen Heiterkeit", der alexandrinischen, ist die Heiterkeit
des theoretischen Menschen: sie zeigt dieselben charakteristischen
Merkmale, die ich soeben aus dem Geiste des Undionysischen ableitete
- dass sie die dionysische Weisheit und Kunst bekaempft, dass sie den
Mythus aufzuloesen trachtet, dass sie an Stelle eines metaphysischen
Trostes eine irdische Consonanz, ja einen eigenen deus ex machina
setzt, naemlich den Gott der Maschinen und Schmelztiegel, d.h. die im
Dienste des hoeheren Egoismus erkannten und verwendeten Kraefte der
Naturgeister, dass sie an eine Correctur der Welt durch das Wissen, an
ein durch die Wissenschaft geleitetes Leben glaubt und auch wirklich
im Stande ist, den einzelnen Menschen in einen allerengsten Kreis von
loesbaren Aufgaben zu bannen, innerhalb dessen er heiter zum Leben
sagt: "Ich will dich: du bist werth erkannt zu werden".
Es ist ein ewiges Phaenomen: immer findet der gierige Wille ein
Mittel,$

ein altes Familienkleinod, das ich selbst zum erstenmal sehe; dort
auf meinem Waschtisch wird wohl der goldene Hahn stehen."--Da deckte
Gockel auf seinem Waschtisch das Gefaess auf, und wirklich stand das
Bild Alektryos von Gold in groesster Vollkommenheit da.--Sie waren Alle
ganz erstaunt.
Gockel aber sprach weiter: "du wirst dich erinnern, Frau Hinkel, dass
in unsrer Familie ein altes Sprichwort ist, der goldne Hahn kraeht
nicht mehr, die goldne Henne legt nicht mehr, um unsre Verarmung
anzudeuten.  Das bezieht sich auf diese beiden unschaetzbaren
Kunstwerke, die lange in dem Schatze der Kapelle zu Gockelsruh
bewahrt wurden.  Als aber die Franzosen ihre angeblichen Rechte auf
alle Hahnen geltend machten, weil in dem wohl anatomirten Gehirn
jedes Hahns ihr Wappen, naemlich das Bild einer Lilie zu finden seyn
soll, haben sie sich dieses goldnen Gefluegels vor allem Andern
bemeistert.--Bei seiner Vermaehlung mit Urhinkel von Hennegau drehte
Urgockel den Ring Salomos, und wuenschte ihr das herrlichste
Toilette$
das feinste Gehoer ausser den Eseln haben.  Aber auch vom Uebermuth der
Maeuse sprach der edle Muskulus, er sprach: wenn die Maus satt ist,
schmeckt ihr das Mehl bitter.  Er sprach von gefaehrlichen Zeiten, und
dass die Maeuse, welche auf dem Tische herumtanzten, wenn die Katze
nicht zu Hause sey, sich nicht so mausig machen, sondern bedenken
sollten, dass die Katze das Mausen nicht lasse.  Dann flehte er noch
den Segen des Himmels auf das edle Vorhaben der Prinzessin Mandelbiss
und des Prinzen Speckelfleck herab und forderte sie auf, das
Sprichwort wohl zu ueberlegen:
"Zu bedauern ist die Maus,
Kennt sie nur ein Loch im Haus;
Aber ins Verderben rennt
Jene, die gar keines kennt,"
und nun setzte der gelehrte Muskulus hinzu, wie er bei seinen Studien
eine halbe Bibliothek durchfressen und wie trefflich ihm endlich die
schoene Stelle des heidnischen Komoedienschreibers Plautus geschmeckt
"Bedenk' die Weisheit der kleinen Maus,
Sie hat viel Thueren in ihrem Haus,
Sperrst du ihr einen Schlupfwinkel zu
Flieht sie z$
blicher Gesang von den drei Lilien her, welche zu Haeupten des
Hennenkreuzes standen:
"O Stern und Blume, Geist und Kleid,
Lieb, Leid und Zeit und Ewigkeit!"
Nach diesen Stimmen nahte hinter der Linde hervor von beiden Seiten
eine gar ruehrende Prozession von Greisen, Maennern, Frauen, Juenglingen
und Jungfrauen, Knaben und Maegdlein, ja Saeuglingen auf den Armen der
Muetter.  Alle waren sie durch Kraenze und Gewinde der manichfaltigsten
Blumen und Kraeuter verbunden, die sie in der einen Hand hielten,
waehrend sie in der andern an weissen Staeben schimmernde Fahnen trugen
und rings um Frau Urhinkel aufpflanzten.  Diese Fahnen aber bestanden
aus nichts anderm, als aus Hemden, Struempfen, Roecken, Waemsern und
besonders aus vielen allerliebsten, kleinen Kindermuetzchen, welche
Frau Urhinkel mit eigenen Haenden verfertigt hatte, um die Armen damit
zu bekleiden.  Alle die Kleidungsstuecke schimmerten wie Silber und
Gold und was mit grossem Fleisse, mit grosser Liebe und Ueberwindung
genaeht war, das war wie mit $
r Riesel.
Dem Februar lass ich die Wahl,
Zu sinnen eine eigne Qual.
Die Gicht ist schoen, doch wuenscht' ich lieber
Die Bleichsucht oder 's gelbe Fieber.
Maerz und April bringt Seitenstechen,
Der Mai muss sich durch Kraempfe raechen;
Im Juni Regen allenfalls,
So hab'ns die Wassersucht am Hals.
Im Juli ist Sommerszeit,
Wo man auf gruener Flur sich freut:
Nur ihnen blueh' kein schoenes Tal,
Die ganze Welt sei ihr Spital.
August, da werd' ihr Hunger heiss,
Doch bleib' ihr Magen kalt wie Eis;
Nichts hemme ihrer Esssucht Lauf,
Vielleicht frisst eine d'andre auf.
September streu' vergift'ten Tau,
Der faerbe ihre Haare grau;
Oktober ruft das Blatt nach Haus,
Da brechen ihre Zaehne aus;
November faellt ihr Namensfest,
Da schick' zum Bindband ich die Pest,
Und bis Dezember kommt herbei,
Sind schon in Zuegen alle zwei.
Doch noch ist nicht der Spass verdorben,
Kaum glauben sie, sie sind gestorben,
So speien sie, der Welt zum Graus,
Aufs neu' zwei gift'ge Drachen aus.
So drueck' auf ihre Qual die Zeit
Das Siegel einer Ew$
h, da muss ich bitten, jetzt heisst s' mich gar
einen Bettelmann?  Haben Sie meine glaenzenden
Verhaeltnisse nicht bemerkt?  Haben Sie nicht g'hoert,
wie mich der Wirt auf den Glanz hergestellt hat?  Jetzt
werden Sie gleich mit mir gehen und werden mich an
ein' Ort fuehren, wo ich Sie verklagen kann.
vipria.  Den Loewen schenk' ich dich zum Mahl, wenn du
dich nicht in meinen Willen fuegst.
nachtigall.  Was fuer Loewen?  (Sieht sich um und erblickt das
Gebaeude samt den Loewen; erzittert.)  O sapperment, das
sind zwei Bologneserl.  (Auf einen Loewen deutend.)  Das
eine muss ein Weibel sein, sie kokettiert auf mich.
Jetzt zieh' ich andre Saiten auf.  (Faellt auf die Knie.)
Verehrteste, ich bin jetzt, was Sie wollen; ich bin ein
Bettelmann, ein Bettelweib, eine ganze Bettelfamilie,
wenn Sie befehlen; ich bitt' gar schoen, schenken S' mir
nur ein bissel mein Leben.
vipria.  Steh auf!  Gib Augen deiner blinden Furcht und
sieh dich um im Vaterland der Blumen.
nachtigall (bleibt knien).  Ich weiss es; ich bin voll R$
f die Schloesser all herab;
Die Sonne strahlt am ersten hier,
Am laengsten weilet sie bei mir;
Ich bin der Knab' vom Berge!                                        5
Hier ist des Stromes Mutterhaus,
Ich trink' ihn frisch vom Stein heraus;
Er braust vom Fels in wildem Lauf,
Ich fang' ihn mit den Armen auf;
Ich bin der Knab' vom Berge!                                       10
Der Berg, der ist mein Eigentum,
Da ziehn die Stuerme rings herum;
Und heulen sie von Nord und Sued,
So ueberschallt sie doch mein Lied:
Ich bin der Knab' vom Berge!                                       15
Sind Blitz und Donner unter mir,
So steh' ich hoch im Blauen hier;
Ich kenne sie und rufe zu:
Lasst meines Vaters Haus in Ruh'!
Ich bin der Knab' vom Berge!                                       20
Und wann die Sturmglock' einst erschallt,
Manch Feuer auf den Bergen wallt,
Dann steig' ich nieder, tret' ins Glied
Und schwing' mein Schwert und sing' mein Lied:
Ich bin der Knab' vom Berge!                                       25
       *  $
l else by his friendship with Schiller. In this second
Weimar period Goethe reached the acme of his powers. Even his declining
years, although marked by loneliness and bringing him a full measure of
grief (his wife, Christiane Vulpius, whom he had met shortly after his
return from Italy, died in 1816, followed in 1830 by his only son),
exemplified that earnest striving so characteristic of Goethe. A serene
optimism, a deep love of life, was his to the very last. To this _das
Lied des Tuermers_, written May 1831, bears eloquent witness. A ripe
mellowness seems to blend here with the joyous spirit of youth. Goethe
died March 22, 1832.
1. A visit to Sesenheim is the experience that called forth this poem.
(Compare Goethe's first letter to Friederike, October 15, 1770) Notice
how all nature is personified and assumes human attributes. In the
opening stanzas impetuous haste is stirring, the first two lines have a
marked rising rhythm. Notice the quieting effect of the metrical
inversion at the beginning of 17, 18,$
 years on the Isthmus
    of Corinth in honor of Poseidon (Neptune), god of the sea.
    6. Apollo, the god of song, archery and the sun (hence also called
    Helios, 71).
    10. _AKRORINTH_, the citadel of Corinth, situated on a mountain above
    the city.
    11. The pine was sacred to Poseidon. A wreath of pine was the award
    of victory in the games (54).
    23. _DER GASTLICHE._ Zeus, to whom hospitality was sacred.
    61. _PRYTANE_, _m._--_en_, prytanis, the chief magistrate.
    82. _BUEHNE_, here used for the tiers of seats for the spectators.
    Compare _Schaugerueste_, 95.
    91. _KEKROPS' STADT_==Athens. Kekrops, the legendary founder of the
    state of Athens. _AULIS_, a harbor in Boeotia.
    92. _PHOKIS_, territory in Greece to the west of Boeotia.
    103. _RIESENMAss_. Since the Greek actors wore buskins and a long
    mask, the gigantic stature of the chorus is in itself no indubitable
    proof of the supernatural origin of this chorus.  Thus the spectators
    are unable to decide,$
lcher Mut aus meinen Augen
sonst sich ueber sie ergoss, der kehre nun aus ihren Herzen in meines
wieder.  O ja, sie ruehren sich zu Tausenden!  sie kommen!  stehen mir zur
Seite!  Ihr frommer Wunsch eilt dringend zu dem Himmel, er bittet um ein
Wunder.  Und steigt zu meiner Rettung nicht ein Engel nieder, so seh' ich
sie nach Lanz' und Schwertern greifen.  Die Thore spalten sich, die Gitter
springen, die Mauer stuerzt vor ihren Haenden ein, und der Freiheit des
einbrechenden Tages steigt Egmont froehlich entgegen.  Wie manch bekannt
Gesicht empfaengt mich jauchzend!  Ach, Klaerchen, waerst du Mann, so
saeh' ich dich gewiss auch hier zuerst, und dankte dir, was einem Koenige
zu danken hart ist, Freiheit.
Klaerchens Haus.
Klaerchen (kommt mit einer Lampe und einem Glas Wasser aus der Kammer; sie
setzt das Glas auf den Tisch und tritt ans Fenster).
Brackenburg?  Seid Ihr's?  Was hoert' ich denn?  Noch niemand?  Es war
niemand!  Ich will die Lampe ins Fenster setzen, dass er sieht, ich wache
noch, ich warte noch $
nem Vorteil die Verlegenheit, die sich in den Reden und in der
Haltung der Graefin zeigte, und wurde deshalb noch gluehender und
draengender.
Neue Geheimnisse, gleich anziehend wie die frueheren, belebten nun diese
bewegte Szene. Die Leidenschaften der beiden Paare, deren Abenteuer
diese Erzaehlung wiedergibt, sprangen auf alle Teilnehmer des glaenzenden
Balles ueber und veranlassten die verschiedensten Faerbungen der
Die alten abgestumpften Diplomaten, denen es so viel Freude machte, das
Spiel der Mienen zu beobachten und die angesponnenen Raenke zu erraten
und zu verfolgen, hatten noch nie eine so reiche Ernte der Unterhaltung
gefunden, dennoch liess das Schauspiel so vieler, lebhafter
Leidenschaften, liessen die Zaenkereien der Liebe, diese suessen Aeusserungen
der Rache, diese grausamen Gunstbeweise, diese entflammten Blicke, liess
das ganze gluehende Leben, das rund um sie her ergossen war, sie nur
umso lebhafter ihre Ohnmacht erraten.
Endlich war es dem Baron gelungen, in der Naehe der Graefin von Soula$
isbury!  Indes wir schwatzen,
Koennt' eine Hauptschlacht schon entschieden sein.
Trag einer Sorge, Buckingham zu schaffen
Nach Salisbury; ihr andern zieht mit mir.
FUeNFTE SZENE
Ein Zimmer in Stanleys Hause.
(Stanley und Sir Christopher Urswick, ein Priester,
treten auf.)
Sir Christopher, sagt Richmond dies von mir:
Im Kofen des blutduerst'gen Ebers sei
Mein Sohn, George Stanley, eingestallt in Haft;
Und fall ich ab, so fliegt des Knaben Kopf.
Die Furcht haelt meinen Beistand noch zurueck.
Doch sagt, wo ist der edle Richmond jetzt?
Zu Pembroke, oder Ha'rford-West, in Wales.
Wer haelt sich zu ihm von namhaften Maennern?
Sir Walter Herbert, ein beruehmter Krieger;
Sir Gilbert Talbot, Sir William Stanley;
Oxford, der maecht'ge Pembroke, Sir James Blunt,
Und Rice ap Thomas, mit beherzter Schar,
Und viele mehr von grossem Ruf und Wert;
Und hin nach London richten sie den Zug,
Wenn sie kein Angriff hindert unterwegs.
Wohl, eil zu deinem Herrn: empfiehl mich ihm,
Sag ihm, die Koenigin woll' ihre Tochter
Elisabeth ih$
aupt, der
 Nachrichter und andre Gerichtsdiener treten auf.)
Noch einmal ruft es oeffentlich aus; wenn irgend ein Freund die
Summe fuer ihn bezahlen will, so soll er nicht sterben; das ist
alles, was wir fuer ihn thun koennen.
Justiz, Gnaedigster Herr, gegen die Abbtissin.
Sie ist eine tugendhafte und ehrwuerdige Frau; es kan nicht seyn,
dass sie dir unrecht gethan haben sollte.
Erlaubet mir zu reden, Gnaedigster Herr; Antipholis, mein Mann, (den
ich auf euere vollgueltige Empfehlung zum Herrn von meiner Person
und meinem Vermoegen machte,) bekam an diesem unglueklichen Tag einen
so heftigen Anstoss von Raserey, dass er in seiner Tollheit durch die
Strassen lief, und den Leuten in der Stadt Ungemach zufuegte, indem
er in die Haeuser einfiel, und Ringe, Juweelen, und was ihm nur in
der Wuth anstaendig war, mit sich nahm.  Ich bemaechtigte mich endlich
seiner, liess ihn binden und heimbringen; indess dass ich den Schaden
zu vergueten bemueht war, den er hier und da in der Raserey
angerichtet hatte.  Allein er r$
rliess er mich um eine Kette zu holen, die er mir
ins Stachelschwein zu bringen versprach, wo Balthasar und ich mit
einander zu Mittag assen.  Wie wir gegessen hatten, und er nicht kam,
gieng ich aus, ihn aufzusuchen; ich traf ihn auf der Strasse an,
und diesen Herrn hier in seiner Gesellschaft.  Hier schwur mich
dieser meineidige Goldschmidt zu Boden, dass ich die Kette wuerklich
schon von ihm empfangen haette, die ich doch, weiss Gott, nicht
gesehen habe; und um deswillen liess er mich durch einen
Gerichtsdiener in Verhaft nehmen.  Ich bequemte mich, und schikte
meinen Kerl um eine Summe Ducaten nach Hause, er brachte mir aber
nichts zuruek.  Darauf bat ich den Gerichtsdiener hoeflich, dass er in
Person mit mir in mein Haus gehen moechte.  Unterwegs traffen wir auf
mein Weib, ihre Schwester, und ein ganzes Pak ihrer nichtswuerdigen
Mitgenossen; sie brachten einen gewissen Zwik mit, einen
ausgehungerten duerren Spizbuben, ein pures Gerippe, einen
Marktschreyer, der den Leuten wahrsagt, einen armseligen, hol-$
ige sollen
knien, bis sie in den Boden wachsen.  O so lasst dann unser
aufrichtiges Flehen seine heuchlerische Bitte ueberschreyen!
Bolingbroke.
Meine liebe Tante, steht auf.
Nein, sagt nicht, dass ich aufstehen soll, ihr habt dann zuvor seine
Begnadigung ausgesprochen.  O waer ich deine Amme, und sollte dich
reden lehren, Gnade sollte das erste Wort seyn, das deine Zunge
aussprechen lernte.  Noch nie verlangte ich mit Ungeduld ein Wort
zu hoeren als izt, o Koenig, sprich Gnade, so erhaeltst du zwey Leben
mit einem Wort.
Bolingbroke.
Steht auf, meine gute Tante.
Ich bitte nicht, um Erlaubniss, zu stehen; Vergebung ist alles,
warum ich bitte.
Bolingbroke.
Ich vergebe ihm, wie der Himmel mir vergeben soll!
O!  du bist ein Gott auf Erden!  Wo ist ein Wort, das aus einem
koeniglichen Munde schoener toent?  O!  Sag es noch einmal, mein
aengstlich-zweifelndes Herz gewiss zu machen.
Bolingbroke.
Von ganzem Herzen vergeb' ich ihm.  Aber was unsern getreuen
Schwager, den Abbt, betrift--und alle uebrige von dieser zusa$
r mich dann nicht mehr?  In der That nicht.  Gut, so thut
es nicht.  Denn wenn ich nicht mehr verdiene, von euch geliebt zu
werden, so bin ich auch nicht werth, dass ich mich selbst liebe.
Liebt ihr mich nicht?  Nein, sag mir's, redst du im Scherz oder
Komm, willt du mich reiten sehen?  Wenn ich zu Pferd bin, dann will
ich schwoeren, dass ich dich unendlich liebe.  Aber hoerst du, Kaethe,
du musst mich nicht weiter ausfragen, wohin ich gehe; noch
Muthmassungen anstellen, warum?  Wohin ich muss, muss ich, und um es
kurz zu machen, diesen Abend muessen wir scheiden, liebste Kaethe.
Ich weiss dass du verstaendig bist, aber doch nicht verstaendiger als
Harry Percy's Weib.  Du hast Muth, so viel ein Weibsbild haben soll;
und an Verschwiegenheit uebertrift dich gewiss kein Frauenzimmer in
der Welt.  Ich zweifle also keinen Augenblik daran, dass du nichts
sagen wirst, wenn du nichts weissst; und in so weit hab' ich ein
vollkommnes Zutrauen zu dir, meine suesse Kaethe.
Wie?  In so weit?
Nicht einen Zollbreit mehr.  A$
t.  Ich
will euch was sagen, er hielt mich verwichne Nacht zum wenigsten
neun Stunden auf, mir die Namen der verschiednen Teufel
herzurechnen, die seine Lakeyen seyn sollen; ich schrie--hum!--und--
wohl, wohl!  Aber ich gab ihm nicht auf ein Wort Acht.  O!  er ist
so beschwerlich wie ein muedes Pferd, oder ein keiffendes Weib;
aerger als ein rauchiges Haus.  Ich wollte lieber bey Kaes und
Knoblauch in einer Windmuehle leben, und weit von ihm seyn; als
Kazen fressen, und seinem Geschrey zuhoeren, in irgend einem
Sommerhaus in der Christenheit.
Er ist, bey allem dem, ein verdienstvoller Edelmann,
ausserordentlich belesen, und in den seltsamsten Wissenschaften
erfahren; tapfer wie ein Loewe; ueberaus leutselig, und guetig wie die
Minen von Indien.  Soll ich's euch sagen, Vetter; er giebt euerm
Temperament ungemein viel nach, und thut sich selbst die groeste
Gewalt an, wenn ihr ihn auf eine so anzuegliche Art in seinem Humor
durchkreuzt; ich versichre euch, der Mann lebt nicht, der ihn ohne
Gefahr, so wie ihr get$
er sagten dann zu ihren Kindern: Diss ist er!
Wo, wo?  fragten andre; welcher ist Bolingbroke?  Und dann stahl
ich, wie ein andrer Prometheus, diese huldreiche Leutseligkeit vom
Himmel, dieses goettliche Feuer, wodurch die Koenige die Liebe ihrer
Unterthanen naehren, entzog die Herzen des Volks durch die Demuth,
in die ich mich einkleidete, ihrem Oberherrn, und empfieng lautes
Zujauchzen und frolokende Gruesse, selbst in der Gegenwart des
gekroenten Koenigs.  Auf diese Art erhielt ich mich immer frisch und
neu in den Augen der Menge; und meine Gegenwart, mit desto groessrer
Pracht begleitet, je seltner sie war, schien jedesmal ein
oeffentliches Fest, das mit allgemeinen Freuden-Zeichen gefeyrt
wurde.  Der huepfende Koenig trabte indess in einer Gesellschaft von
Hofnarren und schaalen Wizlingen, (wie duerre Reiser gleich
angezuendt und gleich verbrennt), auf und nieder, vergab seine
Koenigliche Wuerde, mengte sich unter unbaertige Spassvoegel und Geken,
und erlaubte ihnen seine Majestaet durch Scherze und unan$
yn; da uns hingegen, wie die
Sachen izt ligen, eine Zuflucht uebrig bleibt, deren Gewissheit uns
zu unserm Vorhaben desto kuehner machen wird.
So ists, ein Sammelplaz, wo wir uns wieder erholen koennen, wenn der
Teufel und ein feindseliger Zufall unsre erste Unternehmung
misslingen macht.
Dem ungeachtet wuenschte ich, euer Vater waere hier.  Die Natur
unsrer Unternehmung leidet keine Theilung; viele, welche nicht
wissen, warum er abwesend ist, werden glauben, dass Klugheit, Treue,
und blosses Missfallen an unserm Verfahren den Grafen zuruek halte.
Ihr sehet leicht, wie nachtheilig eine solche Vermuthung unsrer
Parthey seyn muss.  Uns ist alles daran gelegen, die schwache Seite
unsrer Unternehmung zu verbergen, und jedes Taglicht, jede Oeffnung
und Rize zu verstopfen, durch die das Auge der Vernunft in das
Inn're derselben dringen koennte.  Diese Abwesenheit euers Vaters
zieht einen Vorhang auf, der den Unberichteten eine Ursache zur
Furcht zeigt, wovon sie vorher nicht getraeumt haben.
Ihr geht zu weit, Milor$
ehern Rosse, Maenner roecheln sterbend,
Und Geister wimmerten die Strassen durch.
O Caesar!  unerhoert sind diese Dinge;
Ich fuerchte sie.
Was kann vermieden werden,
Das sich zum Ziel die maechtgen Goetter setzten?
Ich gehe dennoch aus, denn diese Zeichen,
So gut wie Caesarn, gelten sie der Welt.
Kometen sieht man nicht, wenn Bettler sterben;
Der Himmel selbst flammt Fuerstentod herab.
Der Feige stirbt schon vielmal, eh er stirbt,
Die Tapfern kosten einmal nur den Tod.
Von allen Wundern, die ich je gehoert,
Scheint mir das groesste, dass sich Menschen fuerchten,
Da sie doch sehn, der Tod, das Schicksal aller,
Kommt, wann er kommen soll.
    Der Diener kommt zurueck.
Was duenkt den Augurn?
Sie raten Euch, fuer heut nicht auszugehn.
Da sie dem Opfertier das Eingeweide
Ausnahmen, fanden sie kein Herz darin.
Die Goetter tun der Feigheit dies zur Schmach.
Ein Tier ja waere Caesar ohne Herz,
Wenn er aus Furcht sich heut zu Hause hielte.
Das wird er nicht; gar wohl weiss die Gefahr,
Caesar sei noch gefaehrlicher als$
ey glueklich in deiner Verrichtung, und du
sollst alles was mein ist, dein nennen koennen.
Ich will mein Bestes thun, Gnaedigster Herr--
Eine beschwerliche Commission!  Ich soll ihm eine andre kuppeln,
und waere lieber selbst sein Weib.
(Sie gehen ab.)
Sechste Scene.
(Olivia's Haus.)
(Maria und der Narr vom Hause treten auf.)
(Maria schilt den Narren aus, dass er so lange ausgeblieben, und
sagt ihm, die Gnaedige Frau werde ihn davor haengen lassen.  Der Narr
erwiedert dieses Compliment mit Einfaellen, an denen der Leser
nichts verliehrt; man weiss dass auch der allersinnreichste und
unerschoepflichste Hans Wurst doch endlich genoethiget ist, sich
selbst zu wiederholen, so gut als ein andrer wiziger Kopf; und so
geht es Shakespears Clowns oder Narren von Profession auch; sie
haben ihre) locos communes(, auf denen sie wie auf Steken-Pferden
herumreiten, wenn ihnen nichts bessers einfallen will; und dieser
wird endlich der Zuhoerer und der Leser satt.)
Siebende Scene.
(Olivia und Malvolio zu den Vorigen.)
O Vers$
h und ihn pruegeln.
Thut das, gebt ihm Maulschellen, bis er genug hat, nur den Degen
zieht nicht gegen ihn.
Sir Andreas.
Wenn ich's nicht thue--
(Er laeuft fort.)
Kommt, wir muessen doch sehen, wie er das machen wird.
Ich wollte wetten was man will, es wird doch nichts daraus werden.
(Sie gehen ab.)
Vierter Aufzug.
Erste Scene.
(Die Strasse.)
(Hans Wurst, der von Olivia geschikt worden, den Caesario zu ihr zu
ruffen, trift den Sebastiano an, und richtet seinen Auftrag bey ihm
aus, weil er ihn fuer den Caesario ansieht; Sebastiano, der hier ganz
fremd ist, und von der Verkleidung seiner Schwester, die er sogar
fuer todt haelt, nichts wissen kan, stellt sich zu diesem) qui pro
quo (so befremdet an, als man sich vorstellen kan, und will
schlechterdings derjenige nicht seyn, wofuer ihn Hans Wurst ansieht:
Indem sie nun mit einander streiten, kommen Sir Andreas und Sir
Tobias dazu, von denen der Erste durch den nemlichen Optischen
Betrug seinen Mann gefunden zu haben glaubt, und dem vermeynten
Caesario eine Ohrfei$
 welchem wir puenctlich nachgelebt wissen wollen--Man rufe
den Angelo hieher--Wie meynt ihr, dass er unsre Stelle vertreten
werde?  Denn ihr muesst wissen, dass wir ihn mit besonderer Vollmacht
ersehen haben, unsre Abwesenheit zu ersezen; ihm haben wir unsre
volle Macht zu strafen und gutes zu thun geliehen; sagt, was denkt
Wenn jemand in Wien eines solchen Vertrauens, und einer so hohen
Ehre wuerdig ist, so ist es Angelo.
Zweyte Scene.
(Angelo zu den Vorigen.)
Ich komme, Euer Durchlaucht Befehle zu vernehmen.
Angelo, dein Leben entdekt dem aufmerksamen Beobachter die ganze
Gestalt deines Characters.  Die Ausuebung jeder Tugend ist durch
eine lange Uebung deine Natur geworden.  Wir zuenden keine Fakeln an,
damit sie sich selbst leuchten; so macht es der Himmel mit uns;
wofern unsre Tugenden nicht ausser uns wuerken, so waere es gleich
viel, wenn wir sie gar nicht haetten.  Geister werden nur zu grossen
Endzweken vollkommner von der Natur ausgebildet, und diese sparsame
Goettin leyht nicht das kleinste Quintch$
n
gestellt werden, dessen Abgeordnete hier zu meiner Seite und im
Begriff sind, mich in einer dringenden Angelegenheit des Staats zu
ihm zu fuehren?
Diss verhaelt sich wuerklich so, sehr edler Herr; der Herzog ist im
Staats-Rath; und ich bin sicher, dass ihr gleichfalls dahin beruffen
worden seyd.
Wie?  der Herzog im Staats-Rath?  In dieser spaeten Nacht?  Fuehrt
ihn dahin; meine Sache ist keine Kleinigkeit.  Der Herzog selbst
und jeder von meinen Bruedern im Staat kan nicht anders als diese
Beleidigung so empfinden, als ob sie ihnen selbst angethan worden
waere.  Wenn solche Frefel-Thaten ungestraft veruebt werden duerften,
so wuerden bald Sclaven und Banditen unsre Befehlshaber seyn.
(Sie gehen ab.)
Siebende Scene.
 (Verwandelt sich in das Rath-Haus.)
 (Der Herzog und die Senatoren, an einer Tafel mit Lichtern sizend,
  und einige Officianten etc.)
Es ist zu wenig Uebereinstimmung in diesen Zeitungen, als dass sie
Glauben verdienen koennten.
In der That, sie gehen weit von einander ab; meine Briefe sagen
hu$
e
Weigerung beleidigt finden.
Wo sind sie?
Hier, vor der Thuer; ich bitte euch, ruft sie herein.
(Cassio geht ab.)
Jago (allein.)
Wenn ich ihm, ueber das was er schon getrunken hat, nur noch einen
Becher voll beybringen kan, so wird er so haendelsuechtig seyn, und
sich so unnuez machen wie meiner jungen Fraeulein Hund--Nun hat mein
ehrlicher Rodrigo, dem die Liebe nun vollends die unrechte Seite
herausgekehrt hat, diese Nacht auch manchen Stuzer auf Desdemonens
Gesundheit ausgeleert, und izt wird er mit auf die Wache ziehen.
Drey junge Cyprier, frische ruestige Bursche, die Herz und Ehre
haben, hab ich gleichfalls mit vollen Bechern zugedekt, und sie
sind auch von der Wache.  Unter dieser Schaar von Betrunknen kan es
mir also nicht schwer fallen, unsern Cassio zu einem Excess zu
bringen, wodurch er diese Insulaner vor die Koepfe stoesst--Aber da
kommen sie ja schon.  Wenn der Erfolg meinem Entwurf antwortet, so
segelt mein Boot mit Wind und Fluth davon.
Zehnte Scene.
 (Cassio, Montano, und drey junge Cyprier.$
Schiksal wie der Tod--Hier kommt sie ja!
(Desdemona und Aemilia treten auf.) Wenn sie ungetreu ist, so
spottet der Himmel seiner selbst.  Ich kan es nicht glauben!
Wie geht's, mein liebster Othello?  Euer Mittag-Essen, und die
edeln Insulaner, die ihr dazu eingeladen habt, warten auf eure
Ich bin zu tadeln.
Warum redet ihr so schwach?  Fehlt euch was?
Ich hab' einen Schmerz hier an meiner Stirne.
Das kommt nur, weil ihr zu viel gewacht habt, es wird bald wieder
vergehen.  Erlaubt mir nur, dass ich euch die Stirne hart verbinde,
so wird es in einer Stunde wieder besser seyn.
(Sie zieht ihr Schnupftuch heraus, um es ihm umzubinden.)
Euer Schnupftuch ist zu klein: lasst es gut seyn: Kommt, ich will
mit euch gehen.
(Das Schnupftuch entfaellt ihr, indem sie es einsteken will.)
Es ist mir recht leid, dass ihr nicht wohl seyd.
(Sie gehen ab.)
Siebende Scene.
 (Aemilia bleibt zuruek.)
Aemilia (indem sie das Schnupftuch aufliesst.)
Ich bin froh, dass ich dieses Schnupftuch gefunden habe; das war das
erste Geschenk, da$
mein Todten-Hemde.
Kommt, kommt; wie ihr redt!
Meine Mutter hatte ein Kammer-Maedchen, die Barbara hiess; das arme
Ding war in jemand verliebt, der sie nicht wieder lieben wollte,
und da wurde sie zulezt naerrisch; sie hatte ein Lied, das sich
immer mit (Weide) endigte, es war ein altes Ding, aber es schikte
sich auf ihre Umstaende, und sie sang es bis in den lezten Augenblik
ihres Lebens.  Ich kan mir dieses Lied diese ganze Nacht durch
nicht aus dem Sinn bringen; es braucht alles, dass ich mich erwehre,
den Kopf auf eine Seite zu haengen, und es zu singen, wie die arme
Barbara.  Ich bitte dich, mach' dass du fertig wirst.
Soll ich gehn und euern Schlaf-Rok holen?
Nein, steke mich hier ab; dieser Lodovico ist ein recht artiger
Ein sehr huebscher Mann.
Er spricht gut.
Ich kenn' eine Dame in Venedig, die um einen Druk von seiner
Unterlippe eine Wallfahrt ins Gelobte Land gemacht haette.
Desdemona (singt.)
Das arme Ding, sie sass und sang, an einem Baum sass sie,
    Singt alle, gruene Weide;
Die Hand gelegt au$
bst, lebe wohl; bringe meinem guetigen Gemahl meinen
lezten Gruss; o, lebe wohl.
(Sie stirbt.)
Wie, wie sollte sie ermordet worden seyn?
O Gott!  wer weiss das?
Ihr hoertet's, sie sagte selbst, ich sey's nicht gewesen.
Sie sagte so, ich kan nichts anders sagen.
Sie ist als eine Luegnerin zur Hoelle gefahren; ich war's, der sie
Oh, desto mehr Engel ist sie nun, und du ein desto schwaerzerer
Sie ergab sich der Leichtfertigkeit, sie war eine Hure.
Du laesterst sie, du bist ein Teufel.
Sie war falsch wie Wasser.
Und du bist rasch wie Feuer, wenn du das sagst.  Oh, sie war ein
Engel von Unschuld.
Sie liess sich von Cassio deken; frag deinen Mann, wenn du's nicht
glauben willst.  Welcher Abgrund in der flammenden Hoelle waere tief
genug fuer mich, wenn ich ohne die staerksten Gruende so weit gegangen
waere?  Dein Mann weiss alles.
Das sie ihrem Ehbett untreu war?
Ja, mit Cassio.  Waere sie treu gewesen, glaube mir, wenn mir der
Himmel noch eine solche Welt, wie diese, aus einem einzigen ganzen
Chrysolith haette mac$
ume,
Doch sei die Schlange drunter.  Wohl versorgt
Muss der sein, der uns naht; und meiner Hand
Vertrau das grosse Werk der Nacht zu enden,
Dass alle kuenftgen Tag und Naecht uns lohne
Alleinge Koenigsmacht und Herrscherkrone.
Wir sprechen noch davon.
LADY MACBETH
Blick hell und licht;
Misstraun erregt veraendert Angesicht.
Lass alles andre mir!
(Sie gehen ab.)
SECHSTE SZENE
(Daselbst, vor dem Schloss)
(Oboen.  Macbeths Dienstboten warten auf.  Es treten auf
Duncan, Malcolm, Donalbain, Banquo, Lenox, Macduff, Rosse,
Angus, Gefolge.)
Dies Schloss hat eine angenehme Lage;
Gastlich umfaengt die lichte, milde Luft
Die heitern Sinne.
Dieser Sommergast,
Die Schwalbe, die an Tempeln nistet, zeigt
Durch ihren fleissgen Bau, dass Himmelsatem
Hier lieblich haucht; kein
Vorsprung, Fries noch Pfeiler,
Kein Winkel, wo der Vogel nicht gebaut
Sein haengend Bett und Wiege fuer die Brut:
Wo er am liebsten heckt und wohnt, da fand ich
Am reinsten stets die Luft.
(Lady Macbeth tritt auf.)
Seht, unsre edle Wirtin!
Die Liebe, die$
iess er weg.
Kostbare Dinge sah er an, als waer's
Gemeiner Staub und Kehricht; wen'ger nimmt er,
Als selbst der Geiz ihm gaebe.  Ihm ist Lohn
Fuer Grosstat, sie zu tun.  Zufrieden ist er,
Sein Leben so zu opfern ohne Zweck.
Er ist von wahrem Adel.  Ruft ihn her.
Erster Senator.
Ruft Coriolanus.
Erster Ratsdiener.
Er tritt schon herein.  Coriolanus kommt zurueck.
Mt Freud ernennt dich, Coriolan, zum Konsul
Der saemtliche Senat.
Stets weih ich ihm
Mein Leben, meinen Dienst.
Jetzt bleibt nur noch,
Dass du das Volk anredest.
Ich ersuch euch,
Erlasst mir diesen Brauch; denn ich kann nicht
Das Kleid antun, entbloesst stehn und sie bitten,
Um ihre Stimmen, meiner Wunden wegen.
Erlaubt, die Sitte zu umgehn.
Das Volk, Herr,
Muss Euer Werben haben, laesst nicht fahren
Den kleinsten Punkt des Herkomms.
Reizt es nicht.
Nein, bitte! fuegt Euch dem Gebrauch und nehmt,
Wie es bisher die Konsuln all getan,
Die Wuerd in ihrer Form.
's ist eine Rolle,
Die ich erroetend spiel; auch waer es gut,
Dem Volke dies zu nehmen.
Hoert i$
etragens geben; und es ist sehr wahrscheinlich, dass es uns zu
unserm Zwek fuehren wird, wenn es wahr ist, dass er so reich seyn
Was habt ihr bey euch, womit ihr ihm aufwarten wollet?
Nichts fuer dissmal als meinen Besuch; allein ich will ihm ein
vortrefliches Stuek versprechen.
Ich will ihn auf die nemliche Art bedienen.
So ist's am besten.  Versprechen oeffnet das Auge der Erwartung, und
macht sich oft fuer etwas, das niemals gehalten wird, zum voraus
bezahlt.  Halten ist allemal der Narr in seinem eignen Spiel; sobald
ein Versprechen gehalten ist, so nuezt es, ausser bey der
einfaeltigern Art von Leuten, dem Geber nichts mehr.  Versprechen ist
hofmaennisch, und ein Stuek von der feinen Lebensart; Halten ist eine
Art von leztem Willen oder Testament, welches bey dem, der es macht,
eine grosse Krankheit--am Verstand anzeigt.  (Timon kommt, ohne dass
ihn die vorigen Personen gewahr werden, aus der Hoele hervor.)
Timon (vor sich.)
Vortreflicher Kuenstler!  du kanst keinen so schlechten Kerl mahlen
als du selbs$
er wuenscht? Muss er es buessen, so
tuechtig als Realitaet zu sein? Muss er sein Thun, die Kopf- und
Willensanspannung in allem Thun, mit einem Gliederstrecken im
Imaginaeren und Absurden ausgleichen? - Die Geschichte seiner
Wuenschbarkeiten war bisher die partie honteuse des Menschen: man soll
sich hueten, zu lange in ihr zu lesen. Was den Menschen rechtfertigt,
ist seine Realitaet, - sie wird ihn ewig rechtfertigen. Um wie viel
mehr werth ist der wirkliche Mensch, verglichen mit irgend einem bloss
gewuenschten, ertraeumten, erstunkenen und erlogenen Menschen? mit
irgend einem idealen Menschen?... Und nur der ideale Mensch geht dem
Philosophen wider den Geschmack.
Naturwerth des Egoismus. - Die Selbstsucht ist so viel werth, als Der
physiologisch werth ist, der sie hat: sie kann sehr viel werth sein,
sie kann nichtswuerdig und veraechtlich sein. Jeder Einzelne darf
darauf hin angesehen werden, ob er die aufsteigende oder die
absteigende Linie des Lebens darstellt. Mit einer Entscheidung
darueber hat man auch$
enszeit
vorueber, dass die Abendroethe laengst verglommen, dass die Sterne
emporgezogen, und in dichter Schaar ueber den Daechern glaenzten.
Von Staedten, den Menschen und ihrem Treiben hatte er nichts gesagt, und
sie hatten nicht gefragt. Die Worte seines Mundes thaten so wohl, dass
ihnen gerade das, was er sagte, das Rechte daeuchte, und sie nicht nach
Anderem fragten.
Marthe trug endlich das schlafende Kind fort, Benedikt ging auch, die
Nachbarn entfernten sich--und noch seliger und noch freudenreicher, als
gestern gingen die Eltern zu Bette, und selbst der Vater dachte, Felix sei
ja fast wie ein Prediger und Priester des Herrn.
Auch auf die Haide war er gleich nach den Feiertagen gegangen, auf seiner
Rednerbuehne war er gesessen; die Kaefer, die Fliegen, die Falter, die
Stimme der Haidelerche und die Augen der Feldmaeuschen waren die naemlichen.
Er schweifte herum, die Sonnenstrahlen spannen,--dort daemmerte das Moor,
und ein Zittern und Zirpen und Singen----und wie der Vater ihn so wandeln
sah, musste er$
e immer und sie sei so froh, dass er gekommen sei, dass es
ihr jetzt ganz recht sei, dass ein Geist im Haus herumfahre, weil
er doch daran schuld sei, dass der Papa heimkommen musste.
"Und wie fuehrt sich das Gespenst weiter auf, Fraeulein Rottenmeier?",
fragte nun Herr Sesemann mit einem lustigen Ausdruck in den
Mundwinkeln.
"Nein, Herr Sesemann", entgegnete die Dame ernst, "es ist kein
Scherz.  Ich zweifle nicht daran, dass morgen Herr Sesemann nicht
mehr lachen wird; denn was in dem Hause vorgeht, deutet auf
Fuerchterliches, das hier in vergangener Zeit muss vorgegangen und
verheimlicht worden sein."
"So, davon weiss ich nichts", bemerkte Herr Sesemann, "muss aber
bitten, meine voellig ehrenwerten Ahnen nicht verdaechtigen zu wollen.
Und nun rufen Sie mir den Sebastian ins Esszimmer, ich will
allein mit ihm reden."
Herr Sesemann ging hinueber und Sebastian erschien.  Es war Herrn
Sesemann nicht entgangen, dass Sebastian und Fraeulein Rottenmeier
sich nicht eben mit Zuneigung betrachteten; so hatte er seine$
rgen die hellen Glocken von nah und fern sie
heruntergerufen hatten, so begleitete nun aus dem Tale herauf das
friedliche Gelaeut der Abendglocken sie bis hinauf zur sonnigen
Almhuette, die ganz sonntaeglich im Abendschimmer ihnen
entgegenglaenzte.
Wenn aber die Grossmama kommt im Herbst, dann gibt es gewiss noch
manche neue Freude und Ueberraschung fuer das Heidi wie fuer die
Grossmutter, und sicher kommt auch gleich ein richtiges Bett auf den
Heuboden hinauf, denn wo die Grossmama hintritt, da kommen alle Dinge
bald in die erwuenschte Ordnung und Richtigkeit, nach aussen wie nach
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Hermann und Dorothea
Johann Wolfgang Goethe
Erster Gesang: Kalliope.  Schicksal und Anteil
Zweiter Gesang: Terpsichore.  Hermann
Dritter Gesang: Thalia.  Die Buerger
Vierter Gesang: Euterpe.  Mutter und Sohn
Fuenfter Gesang: Polyhymnia.  Der Weltbuerger
Sechster Gesang: Klio.  Das Zeitalter
Siebenter Gesang: Erato.  Dorothea
Achter Gesang: Melpomene.  Hermann und Doro$
achten und rasten.  Als ich
nun meines Weges die neue Strasse hinanfuhr, Fiel mir ein Wagen ins Auge,
von tuechtigen Baeumen gefueget, Von zwei Ochsen gezogen, den groessten und
staerksten des Auslands, Nebenher aber ging mit starken Schritten ein
Maedchen, Lenkte mit langem Stabe die beiden gewaltigen Tiere, Trieb sie an
und hielt sie zurueck, sie leitete klueglich.  Als mich das Maedchen
erblickte, so trat sie den Pferden gelassen Naeher und sagte zu mir: "Nicht
immer war es mit uns so Jammervoll, als Ihr uns heut auf diesen Wegen
erblicket.  Noch nicht bin ich gewohnt, vom Fremden die Gabe zu heischen,
Die er oft ungern gibt, um los zu werden den Armen; Aber mich draenget die
Not, zu reden.  Hier auf dem Strohe Liegt die erst entbundene Frau des
reichen Besitzers, Die ich mit Stieren und Wagen noch kaum, die Schwangre,
gerettet.  Spaet nur kommen wir nach, und kaum das Leben erhielt sie.
Nun liegt, neugeboren, das Kind ihr nackend im Arme, Und mit wenigem nur
vermoegen die Unsern zu helfen, Wenn wir im nae$
 gut mit dir meint?  Oder nicht?
So erleichtere dein Herz, Kind.  Wenn du recht hast, will ich der
erste sein, dir recht zu geben.  Aber du bist jung und kennst die
Welt wenig, und es moechte dich spaeter einmal gereuen, wenn du um
kindischer Gedanken willen dein Glueck verscherzt hast.
Sie warf einen fluechtigen scheuen Blick nach dem Burschen hinueber,
der emsig rudernd hinten im Kahn sass und die wollne Muetze tief in die
Stirn gezogen hatte.  Er starrte zur Seite ins Meer und schien in
seine eignen Gedanken versunken zu sein.  Der Pfarrer sah ihren Blick
und neigte sein Ohr naeher zu ihr.
Ihr habt meinen Vater nicht gekannt, fluesterte sie, und ihre Augen
sahen finster.
Deinen Vater?  Er starb ja, denke ich, da du kaum zehn Jahr alt warst.
Was hat dein Vater, dessen Seele im Paradiese sein moege, mit deinem
Eigensinn zu schaffen?
Ihr habt ihn nicht gekannt, Padre.  Ihr wisst nicht, dass er allein
schuld ist an der Krankheit der Mutter.
Weil er sie misshandelt hat und geschlagen und mit Fuessen getreten.
I$
 wenn
Sie anders diesen wuerdigen Mann kennen.  O wie bin ich
gesprungen--Er ist in Koenigsberg, der Herr von
Seiffenblase.  Was meynen Sie, und meine Tochter ist
auch da, und logirt ihm grad gegenueber.  Sie schreibt
mir, die Kathrinchen, dass sie nicht genug ruehmen kann,
was er ihr fuer Hoeflichkeit erzeigt, alles um
meinetwillen; hat sieben Monath bey mir gelernt.
Fritz.  (zieht die Uhr aus)
Liebster Rehaar, ich muss ins Kollegium--Sagen Sie
Paetus nichts davon, ich bitte Sie--(geht ab)
Rehaar.  (ruft ihm nach)
Auf den Nachmittag--Konzertchen!--
Fuenfte Scene.
Zu Koenigsberg in Preussen.
Geh. Rath.  Gustchen.  Major.
(stehn in ihrem Hause am Fenster)
Ja, er ist's.
Ich sehe doch, die Tante muss ein luederliches Mensch
seyn, oder sie hat einen Hass auf ihre Nichte geworfen
und will sie mit Fleiss ins Verderben stuerzen.
Aber Onkel, sie kann ihm doch das Haus nicht verbieten.
Auf das, was ich ihr gesagt?--Wer will's ihr uebel
nehmen, wenn sie zu ihm sagte: Herr von Seiffenblase,
Sie haben sich auf einem Kaff$
s,
wie wenn einem ein Licht davon aufgehen wuerde im Herzen, an dem man
sich wieder freuen kann."
Jetzt liess die Grossmutter die Hand des Kindes los, und nachdem es
ihr gute Nacht gesagt, lief es in die Stube zurueck und zog den Peter
eilig hinaus, denn es war unterdessen Nacht geworden. Aber draussen
stand der Mond am Himmel und schien hell auf den weissen Schnee, dass
es war, als wolle der Tag schon wieder angehen. Der Peter zog seinen
Schlitten zurecht, setzte sich vorn darauf, das Heidi hinter ihn, und
fort schossen sie die Alm hinunter, nicht anders, als waeren sie zwei
Voegel, die durch die Luefte sausen.
Als spaeter das Heidi auf seinem schoenen, hohen Heubette hinter dem
Ofen lag, da kam ihm die Grossmutter wieder in den Sinn, wie sie so
schlecht lag mit dem Kopfe, und dann musste es an alles denken, was
sie gesagt hatte, und an das Licht, das ihr die Worte im Herzen
anzuenden. Und es dachte: Wenn die Grossmutter nur alle Tage die Worte
hoeren koennte, dann wuerde es ihr jeden Tag einmal wohl. Aber e$
uessen Duft
erfuellten. Schon ging auch dieser Monat seinem Ende entgegen, als das
Heidi eines Morgens aus der Huette herausgesprungen kam, wo es seine
Morgengeschaefte schon vollendet hatte. Es wollte schnell einmal unter
die Tannen hinaus und dann ein wenig weiter hinauf, um zu sehen, ob
der ganze grosse Busch von dem Tausendgueldenkraut offenstehe, denn
die Bluemchen waren so entzueckend schoen in der durchscheinenden
Sonne. Aber als das Heidi um die Huette herumrennen wollte, schrie es
auf einmal aus allen Kraeften so gewaltig auf, dass der Oehi aus dem
Schopf heraustrat, denn das war etwas Ungewoehnliches.
"Grossvater! Grossvater!" rief das Kind wie ausser sich. "Komm
hierher! Komm hierher! Sieh! Sieh!"
Der Grossvater erschien auf den Ruf, und sein Blick folgte dem
ausgestreckten Arm des aufgeregten Kindes.
Die Alm herauf schlaengelte sich ein seltsamer Zug, wie noch nie einer
hier gesehen worden war. Zuerst kamen zwei Maenner mit einem offenen
Tragsessel, darauf sass ein junges Maedchen, in viele Tueche$
Die Kinder jubelten.
Er trat nun wieder in die Huette zurueck, holte einen guten Teil der
Tuecher heraus, legte sie auf den sonnigsten Platz an die Huette hin
und setzte Klara darauf. Dann holte er den Kindern ihre Morgenmilch
und fuehrte Schwaenli und Baerli vor den Stall hinaus.
"Warum der nur so lange nicht von da unten heraufkommt", sagte der
Oehi vor sich hin, denn Peters Morgenpfiff war ja noch gar nicht
Jetzt nahm der Grossvater Klara wieder auf den einen Arm, die Tuecher
auf den andern.
"So, nun vorwaerts!" sagte er vorangehend; "die Geissen kommen mit
Das war dem Heidi eben recht. Einen Arm um Schwaenlis und einen um
Baerlis Hals gelegt, wanderte das Heidi hinter dem Grossvater her,
und die Geissen hatten solche Freude, einmal wieder mit dem Heidi
auszuziehen, dass sie es fast zusammendrueckten zwischen sich vor
lauter Zaertlichkeit.
Oben auf dem Weideplatze angelangt, sahen die Kommenden mit einemmal
da und dort an den Abhaengen die friedlich grasenden Geissen in
Gruppen stehen und mittendrin den Pe$
len, waehrend ich weg bin.
Der Fluechtling: Gewiss.  [Er setzt sich auf die Ottomane, Raina geht
an das Bett, holt ihren Pelzmantel und wirft ihn um.  Ihm fallen die
Augen zu, sie geht zur Tuer, wirft einen letzten Blick nach ihm hin
und sieht, dass er im Begriff ist, einzuschlafen.]
Raina [an der Tuer]: Sie werden jetzt doch nicht etwa einschlafen?
[Er murmelt unartikulierte Laute, sie laeuft zu ihm hin und schuettelt
ihn.] Hoeren Sie?  So wachen Sie doch auf--Sie schlafen ja ein!
Der Fluechtling: Was, ich schlafe ein?  O nein, nicht im
geringsten--ich habe nur nachgedacht,,, es ist schon gut--ich bin
Raina [strenge]: Wollen Sie so gut sein, stehen zu bleiben, waehrend
ich weg bin--ja?  [Er erhebt sich widerwillig]: Die ganze Zeit ueber,
Der Fluechtling [unruhig wankend]: Gewiss, gewiss, Sie koennen sich
darauf verlassen.  [Raina sieht ihn unglaeubig an, er laechelt matt,
sie geht zoegernd zur Tuer, wo sie sich umwendet, und ihn fast beim
Gaehnen ertappt.  Sie geht ab.]
Der Fluechtling [schlaftrunken]: Schla$
n zubenannt
Ort: Jerusalem
Zeit: Um Christi Geburt
Burg Zion. Grosser Audienzsaal.
Joab. Sameas. Serubabel und sein Sohn. Titus. Judas und viele andere.
Herodes tritt ein.
Joab (tritt dem Koenig entgegen).
Ich bin zurueck!
Herodes.                 Dich spreche ich nachher!
Das Wichtigste zuerst!
Joab (zuruecktretend, fuer sich). Das Wichtigste!
Ich daechte doch, das waere, zu erfahren,
Ob unser Kopf noch fest sitzt oder nicht.
Herodes (winkt Judas).
Wie steht es mit dem Feuer?
                  Mit dem Feuer?
So weisst du schon, was ich zu melden kam?
Um Mitternacht brach's aus. Ich war der erste,
Der es bemerkte und die Wache rief.
Irr ich mich nicht, so weckte ich dich selbst!
Es ist geloescht! (Fuer sich.) So ist es also wahr,
Dass er verkleidet durch die Gassen schleicht,
Wenn andre schlafen! Hueten wir die Zunge,
Sie koennte seinem Ohr einmal begegnen.
Ich sah, als alles schon in Flammen stand,
Ein junges Weib durchs Fenster eines Hauses,
Das ganz betaeubt schien. Ward dies Weib gerettet?
Sie wollte nich$
rd' und Himmel, hoert's!
Mir schwurst du nichts, dir will ich etwas schwoeren:
Ich stell dich unters Schwert. Antonius,
Wenn er mich deinetwegen fallen laesst,
Und deiner Mutter wegen tut er's nicht!
Soll sich betruegen, sei's auch zweifelhaft,
Ob mir das Kleid, das mich im Sterben deckt,
Mit in die Grube folgt, weil mir ein Dieb
Es ja noch stehlen kann, du sollst mir folgen!
Das steht nun fest! Wenn ich nicht wiederkehre,
So stirbst du! Den Befehl lass ich zurueck!
Befehl! Da stoesst ein boeser Punkt mir auf:
Was sichert mich, dass man mir noch gehorcht,
Wenn man mich nicht mehr fuerchtet? Oh, es wird
Sich einer finden, denk ich, der vor ihr
Zu zittern hat!
Fuenfte Szene
              Dein Schwaeher!
                            Ist willkommen!
Das ist mein Mann! Dem reiche ich mein Schwert
Und hetz ihn dann durch Feigheit in den Mut
So tief hinein, bis er es braucht, wie ich!
Joseph (tritt ein).
Ich hoere, dass du gleich nach Alexandrien
Zu gehen denkst, und wollte Abschied nehmen!
Abschied! Vielleicht auf N$
et, Hutten, dass Ihr Hutten seid!"
Fuer deinen weisen Ratschlag habe Dank!
Ich sehe schon, ich bin zum Sterben krank.
Wie? Wenn der Papst die Christenheit betruegt,
So ruf' ich nicht: Der arge Roemer luegt?
Wie? Wirft die Wahrheit auf ihr kuehn Panier,
So jubl' ich nicht auf meiner Insel hier?
Wie? Springt ein deutsches Heer in heissen Kampf,
So atm' und schluerf' ich nicht den Pulverdampf?
Wie? Sinkt der Sickingen, bedeckt mit Blut,
So brennt mich's nicht, wie eigner Wunde Glut?
Freund, was du mir verschreibst, ist wundervoll:
Nicht leben soll ich, wenn ich leben soll!
Das Buch der Vergangenheit
VI  Das Gefluester
Erinnrung plaudert leise hinter mir
Auf diesen stillen Inselpfaden hier.
Sie rauscht im Eichenlaub, im Buchenhag,
Am Ufer plaetschert sie im Wellenschlag,
Und mag ich schreiten oder stille stehn,
So kann ich ihrem Fluestern nicht entgehn.
Da streck' ich lieber gleich mich aus ins Gras!
Erinnrung, rede laut! Erzaehle was!
Hier lagre dich, zeig dein Geschichtenbuch!
Und wir ergoetzen uns an Bild und $
.
Und wieder sprach ich zu der Muse nun:
Ich bin der starke Knecht. Frau, gib zu tun!
Sie lachte. "Ritter, maessigt Euren Sturm!
Sonst singt Ihr um den Steckelbergerturm."
Gib, Muse, Stoff! Erhoere mein Gesuch!
Gib Stoff! Ein starkes, dauerhaftes Tuch!
"Ein saechsisch Moenchlein aus der Kutte schloff.
Da, Ritter, habt Ihr einen guten Stoff!"
IX Epistolae obscurorum virorum
Wir scharten uns zu lust'gem Mummenschanz,
Kapuzen ueber vollem Lockenkranz!
Wir trugen Pfaffenlarven heuchlerisch
Und blitzten draus mit Augen jugendfrisch.
Wir schlurften tappig mit Sandalentritt,
Wir aefften nach bis auf der Kutte Schnitt.
Gruendlich studierten wir beim Becherklang
Der Moenchlein naerrischen Gedankengang.
Die Dummheit haben wir mit Witz verziert,
Die Torheit mit Sentenzen ausstaffiert!
Wir haben sie zum Spott der Welt gemacht,
Wir haben uns und sie zu Tod gelacht!
Zu Tode? Nein. Wir haben sie geweiht
Aristophanischer Unsterblichkeit.
Schleiferius! Caprimulgius! Ochsenhorn!
Schlaraff! Der saubre Taeufling Pfefferkorn!
Wir$
lben. Geschmack und Farben sind gar nicht notwendige Bedingungen,
unter welchen die Gegenstaende allein fuer uns Objekte der Sinne
werden koennen. Sie sind nur als zufaellig beigefuegte Wirkungen der
besondern Organisation mit der Erscheinung verbunden. Daher sind
sie auch keine Vorstellungen a priori, sondern auf Empfindung, der
Wohlgeschmack aber sogar auf Gefuehl (der Lust und Unlust) als einer
Wirkung der Empfindung gegruendet. Auch kann niemand a priori weder
eine Vorstellung einer Farbe, noch irgendeines Geschmacks haben: der
Raum aber betrifft nur die reine Form der Anschauung, schliesst also
gar keine Empfindung (nichts Empirisches) in sich, und alle Arten und
Bestimmungen des Raumes koennen und muessen sogar a priori vorgestellt
werden koennen, wenn Begriffe der Gestalten sowohl, als Verhaeltnisse
entstehen sollen. Durch denselben ist es allein moeglich, dass Dinge
fuer uns aeussere Gegenstaende sind.
Die Absicht dieser Anmerkung geht nur dahin: zu verhueten, dass
man die behauptete Idealitaet des Ra$
orgestellt wird, denn das bedeutet eben
der Ausdruck: ein Gegenstand sei unter einem Begriffe enthalten. So
hat der empirische Begriff eines Tellers mit dem reinen geometrischen
eines Zirkels Gleichartigkeit, indem die Rundung, die in dem ersteren
gedacht wird, sich im letzteren anschauen laesst.
Nun sind aber reine Verstandesbegriffe, in Vergleichung mit
empirischen (ja ueberhaupt sinnlichen) Anschauungen, ganz
ungleichartig, und koennen niemals in irgendeiner Anschauung
angetroffen werden. Wie ist nun die Subsumtion der letzteren unter die
erste, mithin die Anwendung der Kategorie auf Erscheinungen moeglich,
da doch niemand sagen wird: diese, z.B. die Kausalitaet, koenne auch
durch Sinne angeschaut werden und sei in der Erscheinung enthalten?
Diese so natuerliche und erhebliche Frage ist nun eigentlich die
Ursache, welche eine transzendentale Doktrin der Urteilskraft
notwendig macht, um naemlich die Moeglichkeit zu zeigen, wie reine
Verstandesbegriffe auf Erscheinungen ueberhaupt angewandt werden
koennen. I$
hilosoph
sich hierueber etwas bestimmter ausdrueckt, indem er sagt: bei allen
Veraenderungen in der Welt bleibt die Substanz, und nur die Akzidenzen
wechseln. Ich treffe aber von diesem so synthetischen Satze nirgends
auch nur den Versuch von einem Beweise, ja er steht auch nur selten,
wie es ihm doch gebuehrt, an der Spitze der reinen und voellig a
priori bestehenden Gesetze der Natur. In der Tat ist der Satz,
dass die Substanz beharrlich sei, tautologisch. Denn bloss diese
Beharrlichkeit ist der Grund, warum wir auf die Erscheinung die
Kategorie der Substanz anwenden, und man haette beweisen muessen,
dass in allen Erscheinungen etwas Beharrliches sei, an welchem das
Wandelbare nichts als Bestimmung seines Daseins ist. Da aber ein
solcher Beweis niemals dogmatisch, d.i. aus Begriffen, gefuehrt werden
kann, weil er einen synthetischen Satz a priori betrifft, und man
niemals daran dachte, dass dergleichen Saetze nur in Beziehung auf
moegliche Erfahrung gueltig sind, mithin auch nur durch eine Deduktion
der Moe$
liesst nun unwidersprechlich: dass die reinen
Verstandesbegriffe niemals von transzendentalem, sondern jederzeit nur
von empirischem Gebrauche sein koennen, und dass die Grundsaetze des
reinen Verstandes nur in Beziehung auf die allgemeinen Bedingungen
einer moeglichen Erfahrung, auf Gegenstaende der Sinne, niemals aber
auf Dinge ueberhaupt, (ohne Ruecksicht auf die Art zu nehmen, wie wir
sie anschauen moegen,) bezogen werden koennen.
Die transzendentale Analytik hat demnach dieses wichtige Resultat:
dass der Verstand a priori niemals mehr leisten koenne, als die
Form einer moeglichen Erfahrung ueberhaupt zu antizipieren, und, da
dasjenige, was nicht Erscheinung ist, kein Gegenstand der Erfahrung
sein kann, dass er die Schranken der Sinnlichkeit, innerhalb denen uns
allein Gegenstaende gegeben werden, niemals ueberschreiten koenne.
Seine Grundsaetze sind bloss Prinzipien der Exposition der
Erscheinungen, und der stolze Name einer Ontologie, welche sich
anmasst, von Dingen ueberhaupt synthetische Erkenntnisse $
ch (wie der logische Schein)
sogar verschwinde, und ein Schein zu sein aufhoere, das kann sie
niemals bewerkstelligen. Denn wir haben es mit einer natuerlichen
und unvermeidlichen Illusion zu tun, die selbst auf subjektiven
Grundsaetzen beruht, und sie als objektive unterschiebt, anstatt
dass die logische Dialektik in Aufloesung der Trugschluesse es nur
mit einem Fehler, in Befolgung der Grundsaetze, oder mit einem
gekuenstelten Scheine, in Nachahmung derselben, zu tun hat. Es
gibt also eine natuerliche und unvermeidliche Dialektik der reinen
Vernunft, nicht eine, in die sich etwa ein Stuemper, durch Mangel
an Kenntnissen, selbst verwickelt, oder die irgendein Sophist, um
vernuenftige Leute zu verwirren, kuenstlich ersonnen hat, sondern die
der menschlichen Vernunft unhintertreiblich anhaengt, und selbst,
nachdem wir ihr Blendwerk aufgedeckt haben, dennoch nicht aufhoeren
wird, ihr vorzugaukeln und sie unablaessig in augenblickliche
Verirrungen zu stossen, die jederzeit gehoben zu werden beduerfen.
II. Von de$
en zu Erscheinungen geboten, sollten diese auch keine
wirkliche Wahrnehmung (wenn sie dem Grade nach fuer unser Bewusstsein
zu schwach ist, um Erfahrung zu werden) abgeben, weil sie dem
ungeachtet doch zur moeglichen Erfahrung gehoeren.
Aller Anfang ist in der Zeit, und alle Grenze des Ausgedehnten im
Raume. Raum und Zeit aber sind nur in der Sinnenwelt. Mithin sind nur
Erscheinungen in der Welt bedingterweise, die Welt aber selbst weder
bedingt, noch auf unbedingte Art begrenzt.
Eben um deswillen, und da die Welt niemals ganz, und selbst die Reihe
der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten nicht, als Weltreihe,
ganz gegeben werden kann, ist der Begriff von der Weltgroesse nur
durch den Regressus, und nicht vor demselben in einer kollektiven
Anschauung, gegeben. Jener besteht aber immer nur im Bestimmen der
Groesse, und gibt also keinen bestimmten Begriff, als auch keinen
Begriff von einer Groesse, die in Ansehung eines gewissen Masses
unendlich waere, geht also nicht ins Unendliche (gleichsam gegebene),
so$
hieht, eine Ursache, mithin auch die Kausalitaet der Ursache, die
selbst geschehen, oder entstanden, wiederum eine Ursache haben muesse;
wodurch denn das ganze Feld der Erfahrung, so weit es sich erstrecken
mag, in einen Inbegriff blosser Natur verwandelt wird. Da aber
auf solche Weise keine absolute Totalitaet der Bedingungen im
Kausalverhaeltnisse herauszubekommen ist, so schafft sich die Vernunft
die Idee von einer Spontaneitaet, die von selbst anheben koenne zu
handeln, ohne dass eine andere Ursache vorangeschickt werden duerfe,
sie wiederum nach dem Gesetze der Kausalverknuepfung zur Handlung zu
Es ist ueberaus merkwuerdig, dass auf diese transzendentale Idee der
Freiheit sich der praktische Begriff derselben gruende, und jene in
dieser das eigentliche Moment der Schwierigkeiten ausmache, welche die
Frage ueber ihre Moeglichkeit von jeher umgeben haben. Die Freiheit
im praktischen Verstande ist die Unabhaengigkeit der Willkuer von
der Noetigung durch Antriebe der Sinnlichkeit. Denn eine Willkuer
ist sinn$
aben, wodurch seine Handlungen, als
Erscheinungen, durch und durch mit anderen Erscheinungen nach
bestaendigen Naturgesetzen im Zusammenhange staenden, und von ihnen,
als ihren Bedingungen, abgeleitet werden koennten, und also, mit
diesen in Verbindung, Glieder einer einzigen Reihe der Naturordnung
ausmachten. Zweitens wuerde man ihm noch einen intelligiblen Charakter
einraeumen muessen, dadurch es zwar die Ursache jener Handlungen
als Erscheinungen ist, der aber selbst unter keinen Bedingungen der
Sinnlichkeit steht, und selbst nicht Erscheinung ist. Man koennte auch
den ersteren den Charakter eines solchen Dinges in der Erscheinung,
den zweiten den Charakter des Dinges an sich selbst nennen.
Dieses handelnde Subjekt wuerde nun, nach seinem intelligiblen
Charakter, unter keinen Zeitbedingungen stehen, denn die Zeit ist nur
die Bedingung der Erscheinungen, nicht aber der Dinge an sich selbst.
In ihm wuerde keine Handlung entstehen, oder vergehen, mithin wuerde
es auch nicht dem Gesetze aller Zeitbestimmung, a$
hrung
entlehnt sein; denn diese kann keine so weitgehende Eroeffnungen
geben. Die empirische Spezifikation bleibt in der Unterscheidung
des Mannigfaltigen bald stehen, wenn sie nicht durch das schon
vorhergehende transzendentale Gesetz der Spezifikation, als einem
Prinzip der Vernunft, geleitet worden, solche zu suchen, und sie noch
immer zu vermuten, wenn sie sich gleich nicht den Sinnen offenbart.
Dass absorbierende Erden nach verschiedener Art (Kalk- und muriatische
Erden) sind, bedurfte zur Entdeckung eine zuvorkommende Regel
der Vernunft, welche dem Verstande es zur Aufgabe machte, die
Verschiedenheit zu suchen, indem sie die Natur so reichhaltig
voraussetzte, sie zu vermuten. Denn wir haben ebensowohl nur unter
Voraussetzung der Verschiedenheiten in der Natur Verstand, als unter
der Bedingung, dass ihre Objekte Gleichartigkeit an sich haben,
weil eben die Mannigfaltigkeit desjenigen, was unter einem Begriffe
zusammengefasst werden kann, den Gebrauch dieses Begriffs, und die
Beschaeftigung des Verstandes$
en dem realen
Inhalte nach unter Begriffe zu bringen, welche darauf nicht anders als
empirisch, d.i. a posteriori, (aber jenen Begriffen als Regeln einer
empirischen Synthesis gemaess,) koennen bestimmt werden; dieser ist
der Vernunftgebrauch durch Konstruktion der Begriffe, indem diese, da
sie schon auf eine Anschauung a priori gehen, auch eben darum a priori
und ohne alle empirische data in der reinen Anschauung bestimmt
gegeben werden koennen. Alles, was da ist (ein Ding im Raum oder der
Zeit), zu erwaegen, ob und wiefern es ein Quantum ist oder nicht, dass
ein Dasein in demselben oder Mangel vorgestellt werden muesse, wie
fern dieses Etwas (welches Raum oder Zeit erfuellt) ein erstes
Substratum, oder blosse Bestimmung sei, eine Beziehung seines Daseins
auf etwas anderes, als Ursache oder Wirkung, habe, und endlich
isoliert oder in wechselseitiger Abhaengigkeit mit anderen in Ansehung
des Daseins stehe, die Moeglichkeit dieses Daseins, die Wirklichkeit
und Notwendigkeit, oder die Gegenteile derselben zu er$
in Recht habe, etwas anzunehmen, was sie auf keine Weise
im Felde der blossen Spekulation, ohne hinreichende Beweisgruende,
vorauszusetzen befugt waere; weil alle solche Voraussetzungen der
Vollkommenheit der Spekulation Abbruch tun, um welche sich aber das
praktische Interesse gar nicht bekuemmert. Dort ist sie also im
Besitze, dessen Rechtmaessigkeit sie nicht beweisen darf, und wovon
sie in der Tat den Beweis auch nicht fuehren koennte. Der Gegner soll
also beweisen. Da dieser aber ebensowenig etwas von dem bezweifelten
Gegenstande weiss, um dessen Nichtsein darzutun, als der erstere, der
dessen Wirklichkeit behauptet: so zeigt sich hier ein Vorteil auf der
Seite desjenigen, der etwas als praktisch notwendige Voraussetzung
behauptet (melior est conditio possidentis). Es steht ihm naemlich
frei, sich gleichsam aus Notwehr eben derselben Mittel fuer seine gute
Sache, als der Gegner wider dieselbe, d.i. der Hypothesen zu bedienen,
die gar nicht dazu dienen sollen, um den Beweis derselben zu
verstaerken, sonde$
schen Erkenntnis
a priori, an sich, dass die Vernunft bei jenen vermittelst seiner
Begriffe sich nicht geradezu an den Gegenstand wenden darf, sondern
zuvor die objektive Gueltigkeit der Begriffe und die Moeglichkeit der
Synthesis derselben a priori dartun muss. Dieses ist nicht etwa bloss
eine noetige Regel der Behutsamkeit, sondern betrifft das Wesen und
die Moeglichkeit der Beweise selbst. Wenn ich ueber den Begriff von
einem Gegenstande a priori hinausgehen soll, so ist dieses, ohne einen
besonderen und ausserhalb diesem Begriffe befindlichen Leitfaden,
unmoeglich. In der Mathematik ist es die Anschauung a priori, die
meine Synthesis leitet, und da koennen alle Schluesse unmittelbar an
der reinen Anschauung gefuehrt werden. Im transzendentalen Erkenntnis,
so lange es bloss mit Begriffen des Verstandes zu tun hat, ist diese
Richtschnur die moegliche Erfahrung. Der Beweis zeigt naemlich nicht,
dass der gegebene Begriff (z.B. von dem, was geschieht,) geradezu auf
einen anderen Begriff (dem einer Ursache) fue$
serer
Vernunft, besteht in Zergliederungen der Begriffe, die wir schon von
Gegenstaenden haben. Dieses liefert uns eine Menge von Erkenntnissen,
die, ob sie gleich nichts weiter als Aufklaerungen oder Erlaeuterungen
desjenigen sind, was in unsern Begriffen (wiewohl noch auf verworrene
Art) schon gedacht worden, doch wenigstens der Form nach neuen
Einsichten gleich geschaetzt werden, wiewohl sie der Materie, oder dem
Inhalte nach die Begriffe, die wir haben, nicht erweitern, sondern nur
auseinander setzen. Da dieses Verfahren nun eine wirkliche Erkenntnis
a priori gibt, die einen sichern und nuetzlichen Fortgang hat, so
erschleicht die Vernunft, ohne es selbst zu merken, unter dieser
Vorspiegelung Behauptungen von ganz anderer Art, wo die Vernunft zu
gegebenen Begriffen ganz fremde und zwar a priori hinzutut, ohne dass
man weiss, wie sie dazu gelangen und ohne sich eine solche Frage auch
nur in die Gedanken kommen zu lassen. Ich will daher gleich anfangs
von dem Unterschiede dieser zweifachen Erkenntnisart han$
uer sich nicht notwendig zueinander
  gehoeren, und dergleichen ist die Synthesis des Gleichartigen in
  allem, was mathematisch erwogen werden kann, (welche Synthesis
  wiederum in die der Aggregation und Koalition eingeteilt werden
  kann, davon die erstere auf extensive, die andere auf intensive
  Groessen gerichtet ist). Die zweite Verbindung (nexus) ist die
  Synthesis des Mannigfaltigen, sofern es notwendig zueinander
  gehoert, wie z.B. das Akzidens zu irgendeiner Substanz, oder die
  Wirkung zu der Ursache, - mithin auch als ungleichartig doch a
  priori verbunden vorgestellt wird, welche Verbindung, weil sie nicht
  willkuerlich ist, ich darum dynamisch nenne, weil sie die Verbindung
  des Daseins des Mannigfaltigen betrifft (die wiederum in die
  physische der Erscheinungen untereinander, und metaphysische ihre
  Verbindung im Erkenntnisvermoegen a priori, eingeteilt werden,
1. Axiome der Anschauung
Das Prinzip derselben ist: Alle Anschauungen sind extensive Groessen.
        Beweis
Alle Erscheinung$
nd ist an sich selbst
durch nichts weiter bestimmt: d.i. die Teile desselben sind nur in
der Zeit, und durch die Synthesis derselben, sie aber nicht vor ihr
gegeben. Um deswillen ist ein jeder Uebergang in der Wahrnehmung zu
etwas, was in der Zeit folgt, eine Bestimmung der Zeit durch die
Erzeugung dieser Wahrnehmung, und da jene, immer und in allen ihren
Teilen, eine Groesse ist, die Erzeugung einer Wahrnehmung als einer
Groesse durch alle Grade, deren keiner der kleinste ist, von dem
Zero an, bis zu ihrem bestimmten Grad. Hieraus erhellt nun die
Moeglichkeit, ein Gesetz der Veraenderungen, ihrer Form nach, a priori
zu erkennen. Wir antizipieren nur unsere eigene Apprehension, deren
formale Bedingung, da sie uns vor aller gegebenen Erscheinung selbst
beiwohnt, allerdings a priori muss erkannt werden koennen.
So ist demnach, ebenso, wie die Zeit die sinnliche Bedingung a
priori von der Moeglichkeit eines kontinuierlichen Fortganges des
Existierenden zu dem Folgenden enthaelt, der Verstand, vermittelst
der Ein$

das empirische Verhaeltnis des Zugleichseins nicht in der Erfahrung
stattfinden koennte. Durch dieses Commercium machen die Erscheinungen,
sofern sie aussereinander und doch in Verknuepfung stehen,
ein Zusammengesetztes aus (compositum reale), und dergleichen
Composita werden auf mancherlei Art moeglich. Die drei dynamischen
Verhaeltnisse, daraus alle uebrigen entspringen, sind daher das der
Inhaerenz, der Konsequenz und der Komposition.
                          *           *
                                *
Dies sind denn also die drei Analogien der Erfahrung. Sie sind nichts
anderes, als Grundsaetze der Bestimmung des Daseins der Erscheinungen
in der Zeit, nach allen drei modis derselben, dem Verhaeltnisse zu
der Zeit selbst, als einer Groesse (die Groesse des Daseins, d.i. die
Dauer), dem Verhaeltnisse in der Zeit, als einer Reihe (nacheinander),
endlich auch in ihr, als einem Inbegriff alles Daseins (zugleich).
Diese Einheit der Zeitbestimmung ist durch und durch dynamisch, d.i.
die Zeit wird nicht als$

einander niemals logisch widerstreiten, ist ein ganz wahrer Satz von
dem Verhaeltnisse der Begriffe, bedeutet aber, weder in Ansehung der
Natur, noch ueberall in Ansehung irgendeines Dinges an sich selbst,
(von diesem haben wir keinen Begriff,) das mindeste. Denn der reale
Widerstreit findet allerwaerts statt, wo A - B = 0 ist, d.i. wo
eine Realitaet mit der anderen, in einem Subjekt verbunden, eine
die Wirkung der anderen aufhebt, welches alle Hindernisse und
Gegenwirkungen in der Natur unaufhoerlich vor Augen legen, die
gleichwohl, da sie auf Kraeften beruhen, realitates phaenomena genannt
werden muessen. Die allgemeine Mechanik kann sogar die empirische
Bedingung dieses Widerstreits in einer Regel a priori angeben, indem
sie auf die Entgegensetzung der Richtungen sieht: eine Bedingung, von
welcher der transzendentale Begriff der Realitaet gar nichts weiss.
Obzwar Herr von Leibniz diesen Satz nicht eben mit dem Pomp eines
neuen Grundsatzes ankuendigte, so bediente er sich doch desselben zu
neuen Behauptung$
 Ausdruck,
mit welchem wir nicht den mindesten Begriff verbinden koennen; dagegen
der von der Notwendigkeit eines Dinges in aller Beziehung (auf alles
Moegliche) ganz besondere Bestimmungen bei sich fuehrt. Weil nun der
Verlust eines Begriffs von grosser Anwendung in der spekulativen
Weltweisheit dem Philosophen niemals gleichgueltig sein kann, so hoffe
ich, es werde ihm die Bestimmung und sorgfaeltige Aufbewahrung des
Ausdrucks, an dem der Begriff haengt, auch nicht gleichgueltig sein.
In dieser erweiterten Bedeutung werde ich mich dann des Wortes:
absolut, bedienen und es dem bloss komparativ oder in besonderer
Ruecksicht Gueltigen entgegensetzen; denn dieses letztere ist auf
Bedingungen restringiert, jenes aber gilt ohne Restriktion.
Nun geht der transzendentale Vernunftbegriff jederzeit nur auf die
absolute Totalitaet in der Synthesis der Bedingungen, und endigt
niemals, als bei den schlechthin, d.i. in jeder Beziehung,
Unbedingten. Denn die reine Vernunft ueberlaesst alles dem Verstande,
der sich zunaech$
sind, dass die Zusammensetzung nur ein aeusserer Zustand
derselben sei, und dass, wenn wir die Elementarsubstanzen gleich
niemals voellig aus diesem Zustande der Verbindung setzen und
isolieren koennen, doch die Vernunft sie als die ersten Subjekte aller
Komposition, und mithin, vor derselben, als einfache Wesen denken
        Antithesis
Kein zusammengesetztes Ding in der Welt besteht aus einfachen Teilen,
und es existiert ueberall nichts Einfaches in derselben.
        Beweis
Setzet: ein zusammengesetztes Ding (als Substanz) bestehe aus
einfachen Teilen. Weil alles aeussere Verhaeltnis, mithin auch alle
Zusammensetzung aus Substanzen, nur im Raume moeglich ist: so muss,
aus so viel Teilen das Zusammengesetzte besteht, aus ebensoviel Teilen
auch der Raum bestehen, den es einnimmt. Nun besteht der Raum nicht
aus einfachen Teilen, sondern aus Raeumen. Also muss jeder Teil des
Zusammengesetzten einen Raum einnehmen. Die schlechthin ersten Teile
aber alles Zusammengesetzten sind einfach. Also nimmt das Einfache
e$
eian nicht hinreichend bewiesen werden kann.
Unter dem polemischen Gebrauche der reinen Vernunft verstehe ich nun
die Verteidigung ihrer Saetze gegen die dogmatischen Verneinungen
derselben. Hier kommt es nun nicht darauf an, ob ihre Behauptungen
nicht vielleicht auch falsch sein moechten, sondern nur, dass niemand
das Gegenteil jemals mit apodiktischer Gewissheit (ja auch nur mit
groesserem Scheine) behaupten koenne. Denn wir sind alsdann doch
nicht bittweise in unserem Besitz, wenn wir einen, obzwar nicht
hinreichenden, Titel derselben vor uns haben, und es voellig gewiss
ist, dass niemand die Unrechtmaessigkeit dieses Besitzes jemals
beweisen koenne.
Es ist etwas Bekuemmerndes und Niederschlagendes, dass es ueberhaupt
eine Antithetik der reinen Vernunft geben, und diese, die doch den
obersten Gerichtshof ueber alle Streitigkeiten vorstellt, mit sich
selbst in Streit geraten soll. Zwar hatten wir oben eine solche
scheinbare Antithetik derselben vor uns; aber es zeigte sich, dass
sie auf einem Missverstande $
weikampfe zu prahlen, den er zur Ehre seiner Damen gegen
zwei fremde Ritter bestanden, die er toedlich verwundet haette, wobei er
aber selbst an der Brust durchstossen, so dass er halbtot nach Gent gefahren
sei.  Als einige nach dem Wundarzte fragten, der ihn behandelt, und seiner
Zuversicht mit zweifelndem Blick begegneten, riss er sich die Weste auf und
zeigte seine eingekerbte Wurzelhaut, die jedermann fuer vernarbt ansah.
Nach diesem Hauptschlag ruehmte er seine Reichtuemer und seine Familie; die
Tante Braka wurde eine so altadelige herrliche Hofdame, voll Erfahrung und
Charakter, Herzensguete, Zartgefuehl und feiner Lebensart, wie Gent noch
keine aufzuweisen haette.  Bellas Schoenheit uebertraf nach seiner
Beschreibung die Helena; dabei erzaehlte er von ihrer Unschuld eine Menge
Anekdoten, die allerdings wahr waren, die ihm aber niemand glauben wollte,
weil sie ihre wunderliche Erziehung und Natur haetten kennen muessen.
Zuletzt gab er zu verstehen, dass er sie heiraten werde.  Der Erzherzog
bekam einen $
Besitz dieser seltenen Jugend einander nicht zu goennen, dergestalt, dass
jeder seine Stirnfalten hinaufrueckte und einer List nachsann, den andern
zu entfernen oder bei der Frau Nietken zu ueberbieten.  Waehrend sie nun aus
hohen Glaesern den Wein tranken und miteinander im Brett spielten, benutzte
es der eine nach dem andern, waehrend jener am Zuge, mit Frau Nietken
heimlich ein Wort zu reden, die in seliger Erwartung, wie hoch sie die
arme Bella in dieser Versteigerung hinauftreiben werde, sehr viele
Schwierigkeiten in Hinsicht ihres Besitzes aufzuzaehlen wusste.  Bella war
in ihres Stammes Natur zu klug, um die Gefahr nicht einzusehen, worin ihre
Liebe und ihre Freiheit schwebten; die alten Herren erlaubten sich schon
manche unbequeme Zudringlichkeit, und sie sann auf einen Anschlag, wie sie
dem Hause entkommen moechte.  Aber was sie auch erfinden mochte, sie war zu
strenge belauscht, und niemand gestattete ihr unter irgendeinem Vorwande
das Zimmer zu verlassen.  Die beiden Alten, je mehr sie tranken, wur$
t, der Kapitan und ein
Teil des Adels zugegen, uebrigens durchaus ein Publikum von gebildeten
Personen, viele Geistliche, zusammen ungefaehr fuenfhundert.
Die von dem Praesidenten fuer die heutige Sitzung aufgegebene Frage war,
ob Erfindung oder Nachahmung den schoenen Kuensten mehr Vorteil gebracht
habe.  Der Einfall war gluecklich genug; denn wenn man die in der Frage
liegende Alternative trennt, so laesst sich hundert Jahre hinueber und
herueber sprechen.  Auch haben sich die Herren Akademiker dieser
Gelegenheit weidlich bedient und in Prosa und Versen mancherlei
hervorgebracht, worunter viel Gutes.
Sodann ist es das lebendigste Publikum.  Die Zuhoerer riefen Bravo,
klatschten und lachten.  Wenn man auch vor seiner Nation so stehen und
sie persoenlich belustigen duerfte!  Wir geben unser Bestes schwarz auf
weiss: jeder kauzt sich damit in eine Ecke und knopert daran, wie er
Es laesst sich denken, dass Palladio auch diesmal an allen Orten und
Enden war, es mochte von Erfinden oder Nachahmen die Rede sein.
Z$
 hergebrachten
Meerherrschaft zu tragen, und diese Aufgabe ist fuertrefflich
ausgefuehrt.  Das Schiff ist ganz Zierat, also darf man nicht sagen:
mit Zierat ueberladen, ganz vergoldetes Schnitzwerk, sonst zu keinem
Gebrauch, eine wahre Monstranz, um dem Volke seine Haeupter recht
herrlich zu zeigen.  Wissen wir doch: das Volk, wie es gern seine Huete
schmueckt, will auch seine Obern praechtig und geputzt sehen.  Dieses
Prunkschiff ist ein rechtes Inventarienstueck, woran man sehen kann,
was die Venezianer waren und sich zu sein duenkten.
Den 5. Oktober, nachts.
Ich komme noch lachend aus der Tragoedie und muss diesen Scherz gleich
auf dem Papier befestigen.  Das Stueck war nicht schlimm, der Verfasser
hatte alle tragischen Matadore zusammengesteckt, und die Schauspieler
hatten gut spielen.  Die meisten Situationen waren bekannt, einige neu
und ganz gluecklich.  Zwei Vaeter, die sich hassen, Soehne und Toechter
aus diesen getrennten Familien, leidenschaftlich uebers Kreuz verliebt,
ja das eine Paar heimlich ve$
 die Aus--und Ansichten einfach,
aber anmutig.  Der Po, ein freundlicher Fluss, zieht hier durch grosse
Plainen, man sieht nur seine bebuschten und bewaldeten Ufer, keine
Fernen.  Hier wie an der Etsch sah ich alberne Wasserbaue, die
kindisch und schaedlich sind wie die an der Saale.
Ferrara, den 16. nachts.
Heute frueh sieben Uhr deutschen Zeigers hier angelangt, bereite ich
mich, morgen wieder wegzugehen.  Zum erstenmal ueberfaellt mich eine Art
von Unlust in dieser grossen und schoenen, flachgelegenen, entvoelkerten
Stadt.  Dieselben Strassen belebte sonst ein glaenzender Hof, hier
wohnte Ariost unzufrieden, Tasso ungluecklich, und wir glauben uns zu
erbauen, wenn wir diese Staette besuchen.  Ariosts Grabmal enthaelt viel
Marmor, schlecht ausgeteilt.  Statt Tassos Gefaengnis zeigen sie einen
Holzstall oder Kohlengewoelbe, wo er gewiss nicht aufbewahrt worden ist.
Auch weiss im Hause kaum jemand mehr, was man will.  Endlich besinnen
sie sich um des Trinkgeldes willen.  Es kommt mir vor, wie Doktor
Luthers T$
in
freundliches, wohlgebautes Staedtchen von ungefaehr fuenftausend
Einwohnern, nahrhaft, lebendig, reinlich, in einer unuebersehlich
bebauten Plaine.  Ich bestieg nach meiner Gewohnheit sogleich den Turm.
Ein Meer von Pappelspitzen, zwischen denen man in der Naehe kleine
Bauerhoefchen erblickt, jedes mit seinem eignen Feld umgeben.
Koestlicher Boden, ein mildes Klima.  Es war ein Herbstabend, wie wir
unserm Sommer selten einen verdanken.  Der Himmel, den ganzen Tag
bedeckt, heiterte sich auf, die Wolken warfen sich nord--und suedwaerts
an die Gebirge, und ich hoffe einen schoenen morgenden Tag.
Hier sah ich die Apenninen, denen ich mich naehere, zum erstenmal.  Der
Winter dauert hier nur Dezember und Januar, ein regniger April,
uebrigens nach Beschaffenheit der Jahreszeit gut Wetter.  Nie
anhaltender Regen; doch war dieser September besser und waermer als ihr
August.  Die Apenninen begruesste ich freundlich im Sueden, denn ich habe
der Flaechen bald genug.  Morgen schreibe ich dort an ihrem Fusse.
Guercino l$
Zu allen diesen Dingen hat Hofrat
Reiffenstein in seinem Hause oder wenigstens in seinen naechsten
Umgebungen die noetigen Geraetschaften und Anstalten.
Den 2. Dezember.
Zufaellig habe ich hier Archenholzens "Italien" gefunden.  Wie so ein
Geschreibe am Ort selbst zusammenschrumpft, eben als wenn man das
Buechlein auf Kohlen legte, dass es nach und nach braun und schwarz
wuerde, die Blaetter sich kruemmten und in Rauch aufgingen.  Freilich hat
er die Sachen gesehen; aber um eine grosstuige, verachtende Manier
gelten zu machen, besitzt er viel zu wenig Kenntnisse und stolpert
lobend und tadelnd.
Rom, den 2. Dezember 1786.
Das schoene, warme, ruhige Wetter, das nur manchmal von einigen
Regentagen unterbrochen wird, ist mir zu Ende Novembers ganz was Neues.
Wir gebrauchen die gute Zeit in freier Luft, die boese im Zimmer,
ueberall findet sich etwas zum Freuen, Lernen und Tun.
Am 28. November kehrten wir zur Sixtinischen Kapelle zurueck, liessen
die Galerie aufschliessen, wo man den Plafond naeher sehen kann; man$
d, und blieben bis an den
Abend.  Eine grosse, mit immergruenen Eichen und hohen Pinien eingefasste
flache Wiese war ganz mit Masslieben uebersaeet, die ihre Koepfchen alle
nach der Sonne wendeten; nun gingen meine botanischen Spekulationen an,
denen ich den andern Tag auf einem Spaziergange nach dem Monte Mario,
der Villa Melini und Villa Madama weiter nachhing.  Es ist gar
interessant, zu bemerken, wie eine lebhaft fortgesetzte und durch
starke Kaelte nicht unterbrochene Vegetation wirkt; hier gibt's keine
Knospen, und man lernt erst begreifen, was eine Knospe sei.  Der
Erdbeerbaum (arbutus unedo) blueht jetzt wieder, indem seine letzten
Fruechte reif werden, und so zeigt sich der Orangenbaum mit Blueten,
halb und ganz reifen Fruechten (doch werden letztere Baeume, wenn sie
nicht zwischen Gebaeuden stehen, nun bedeckt).  UEber die Zypresse, den
respektabelsten Baum, wenn er recht alt und wohl gewachsen ist, gibt's
genug zu denken.  Ehstens werd' ich den botanischen Garten besuchen
und hoffe, da manches zu e$
Zwecke kenne ich nicht.  Er wird
im Mai zu euch kommen und mancherlei zu erzaehlen wissen.  Er reiste
zwei Jahr in Italien.  Mit den Italienern ist er unzufrieden, welche
die bedeutenden Empfehlungsschreiben, die er mitgebracht, und die ihm
manches Archiv, manche geheime Bibliothek eroeffnen sollten, nicht
genugsam respektiert, so dass er nicht voellig zu seinen Wuenschen
Schoene Muenzen hat er gesammelt und besitzt, wie er mir sagte, ein
Manuskript, welches die Muenzwissenschaft auf scharfe Kennzeichen, wie
die Linneschen sind, zurueckfuehrt.  Herder erkundigt sich wohl mehr
darum, vielleicht wird eine Abschrift erlaubt.  So etwas zu machen,
ist moeglich, gut, wenn es gemacht ist, und wir muessen doch auch, frueh
oder spat, in dieses Fach ernstlicher hinein.
Goethe am Fenster seiner Wohnung in Rom.  Tuschezeichnung von
Den 25. Dezember.
Ich fange nun schon an, die besten Sachen zum zweitenmal zu sehen, wo
denn das erste Staunen sich in ein Mitleben und reineres Gefuehl des
Wertes der Sache aufloest.  Um den $
e ewige Betrachtung der
Statuen immerfort, aber auf eine hoehere Weise hingewiesen.  Bei
unserer medizinisch-chirurgischen Anatomie kommt es bloss darauf an,
den Teil zu kennen, und hierzu dient auch wohl ein kuemmerlicher Muskel.
In Rom aber wollen die Teile nichts heissen, wenn sie nicht zugleich
eine edle, schoene Form darbieten.
In dem grossen Lazarett San Spirito hat man den Kuenstlern zulieb einen
sehr schoenen Muskelkoerper dergestalt bereitet, dass die Schoenheit
desselben in Verwunderung setzt.  Er koennte wirklich fuer einen
geschundenen Halbgott, fuer einen Marsyas gelten.
So pflegt man auch nach Anleitung der Alten das Skelett nicht als eine
kuenstlich zusammengereihte Knochenmasse zu studieren, vielmehr
zugleich mit den Baendern, wodurch es schon Leben und Bewegung erhaelt.
Sage ich nun, dass wir auch abends Perspektiv studieren, so zeigt es
doch wohl, dass wir nicht muessig sind.  Bei allem dem aber hofft man
immer mehr zu tun, als wirklich geschieht.
Den 22. Januar.
Von dem deutschen Kunstsinn $
n fuer
Begegnende.  Eine fortgesetzte und wiederholte Unterhaltung war hoechst
Hamilton und seine Schoene setzten gegen mich ihre Freundlichkeit fort.
Ich speiste bei ihnen, und gegen Abend produzierte Miss Harte auch
ihre musikalischen und melischen Talente.
Auf Antrieb Freund Hackerts, der sein Wohlwollen gegen mich steigert
und mir alles Merkwuerdige zur Kenntnis bringen moechte, fuehrte uns
Hamilton in sein geheimes Kunstund Geruempelgewoelbe.  Da sieht es denn
ganz verwirrt aus; die Produkte aller Epochen zufaellig durcheinander
gestellt: Buesten, Torse, Vasen, Bronze, von sizilianischen Achaten
allerlei Hauszierat, sogar ein Kapellchen, Geschnitztes, Gemaltes und
was er nur zufaellig zusammenkaufte.  In einem langen Kasten an der
Erde, dessen aufgebrochenen Deckel ich neugierig beiseiteschob, lagen
zwei ganz herrliche Kandelaber von Bronze.  Mit einem Wink machte ich
Hackerten aufmerksam und lispelte ihm die Frage zu, ob diese nicht
ganz denen in Portici aehnlich seien.  Er winkte mir dagegen
Stillschwe$
as will sagen heilig edle Gesinnungen dem
gemeinen Verstande sowie dem gemeinen Alltagsleben anzunaehern und
eigen zu machen.  Man versammelte sich nach wie vor, betete, vernahm
einen Text, hoerte darueber sprechen, betete und ward zuletzt durch
Musik ergoetzt, und was damals oefter, ja taeglich geschah, geschieht
jetzt noch Sonntags, und gewiss wird jeder Reisende, der naehere
Kenntnis von dem heiligen Stifter genommen, sich kuenftighin, diesen
unschuldigen Funktionen beiwohnend, vorzueglich erbauen, wenn er
dasjenige, was wir vorgetragen haben und zunaechst mitteilen, in Gemuet
und Gedanke vorueberwalten laesst.
Hier sind wir nun in dem Falle, in Erinnerung zu bringen, dass diese
ganze Anstalt noch immer ans Weltliche grenzte.  Wie denn nur wenige
unter ihnen sich dem eigentlichen Priesterstande gewidmet hatten und
nur so viel geweihte Geistliche unter ihnen gefunden wurden, als noetig,
Beichte zu sitzen und das Messopfer zu verrichten.  Und so war denn
auch Philipp Neri selbst sechsunddreissig Jahre alt ge$
eschehn?
Mit einem leichten Woertlein, ehe Blut
Geflossen ist, denkst du die beste Stadt
Aus Frankreichs Herzen wegzugeben?
KARL. Des Blutes ist geflossen und vergebens!
Des Himmels schwere Hand ist gegen mich,
Geschlagen wird mein Heer in allen Schlachten,
Mein Parlament verwirft mich, meine Hauptstadt,
Mein Volk nimmt meinen Gegner jauchzend auf,
Die mir die Naechsten sind am Blut, verlassen,
Verraten mich--Die eigne Mutter naehrt
Die fremde Feindesbrut an ihren Bruesten.
--Wir wollen jenseits der Loire uns ziehn,
Und der gewaltgen Hand des Himmels weichen,
Der mit dem Engellaender ist.
SOREL. Das wolle Gott nicht, dass wir, an uns selbst
Verzweifelnd, diesem Reich den Ruecken wenden!
Dies Wort kam nicht aus deiner tapfern Brust.
Der Mutter unnatuerlich rohe Tat
Hat meines Koenigs Heldenherz gebrochen!
Du wirst dich wiederfinden, maennlich fassen,
Mit edelm Mut dem Schicksal widerstehen,
Das grimmig dir entgegenkaempft.
KARL (in duestres Sinnen verloren). Ist es nicht wahr?
Ein finster furchtbares Verhaengn$
u lachst mich aus.
Lisette.  Oh, so lachen Sie mit!  Oder ich muss noch einmal darueber
lachen, dass Sie nicht lachen wollen.  Ha! ha! ha!
Valer.  Ich moechte verzweifeln!  In der Ungewissheit, ob sie mich noch
Lisette.  Ungewissheit?  Sind denn alle Mannspersonen so schwer zu
ueberreden?  Werden sie denn alle zu solchen aengstlichen Zweiflern,
sobald sie die Liebe ein wenig erhitzt?  Lassen Sie Ihre Grillen
fahren, Herr Valer, oder ich lache aufs neue.  Spannen Sie vielmehr
Ihren Verstand an, etwas auszusinnen, um den alten Chrysander--
Valer.  Chrysander traut mir nicht und kann mir nicht trauen.  Er
kennt meine Neigung zu Julianen.  Alle mein Zureden wuerde umsonst sein;
er wuerde den Eigennutz, die Quelle davon, gar bald entdecken.  Und
wenn ich auch eine voellige Anwerbung tun wollte; was wuerde es helfen?
Er ist deutsch genug, mir gerade ins Gesicht zu sagen, dass ich seinem
Sohne hier nachstehen muesse, welcher wegen der Wohltaten des Vaters
das groesste Recht auf Julianen habe.--Was soll ich also anfa$
er Welt in Eins genommen, wer duerfte zu entscheiden wagen,
ob sein Anblick nothwendig gerade zum Mitleiden und dergestalt zur
Verdoppelung des Wehs verfuehren und zwingen werde?... Was der
hoeheren Art von Menschen zur Nahrung oder zur Labsal dient, muss
einer sehr unterschiedlichen und geringeren Art beinahe Gift sein. Die
Tugenden des gemeinen Manns wuerden vielleicht an einem Philosophen
Laster und Schwaechen bedeuten; es waere moeglich, dass ein
hochgearteter Mensch, gesetzt, dass er entartete und zu Grunde gienge,
erst dadurch in den Besitz von Eigenschaften kaeme, derentwegen man
noethig haette, ihn in der niederen Welt, in welche er hinab sank,
nunmehr wie einen Heiligen zu verehren. Es giebt Buecher, welche fuer
Seele und Gesundheit einen umgekehrten Werth haben, je nachdem die
niedere Seele, die niedrigere Lebenskraft oder aber die hoehere und
gewaltigere sich ihrer bedienen: im ersten Falle sind es gefaehrliche,
anbroeckelnde, aufloesende Buecher, im anderen Heroldsrufe, welche die
Tapfersten zu ih$
stmals, wie ihr
wisst, in aller Heimlichkeit und Ehrfurcht meine Erstlinge dargebracht
habe - als der Letzte, wie mir scheint, der ihm ein Opfer dargebracht
hat: denn ich fand Keinen, der es verstanden haette, was ich damals
that. Inzwischen lernte ich Vieles, Allzuvieles ueber die Philosophie
dieses Gottes hinzu, und, wie gesagt, von Mund zu Mund, - ich, der
letzte juenger und Eingeweihte des Gottes Dionysos: und ich duerfte
wohl endlich einmal damit anfangen, euch, meinen Freunden, ein Wenig,
so weit es mir erlaubt ist, von dieser Philosophie zu kosten zu
geben? Mit halber Stimme, wie billig: denn es handelt sich dabei um
mancherlei Heimliches, Neues, Fremdes, Wunderliches, Unheimliches.
Schon dass Dionysos ein Philosoph ist, und dass also auch Goetter
philosophiren, scheint mir eine Neuigkeit, welche nicht unverfaenglich
ist und die vielleicht gerade unter Philosophen Misstrauen erregen
moechte, - unter euch, meine Freunde, hat sie schon weniger gegen
sich, es sei denn, dass sie zu spaet und nicht zur rech$
Es hat sich zu behueten.  Worauf kann so ein Windfuss wohl
sonst sein Absehen richten?--Das Maedel ist schoen--schlank--fuehrt
seinen netten Fuss.  Unterm Dach mag's aussehen, wie's will.  Darueber
guckt man bei euch Weibsleuten weg, wenn's nur der liebe Gott
parterre nicht hat fehlen lassen--Stoebert mein Springinsfeld erst
noch dieses Kapital aus--he da! geht ihm ein Licht auf, wie meinem
Rodney, wenn er die Witterung eines Franzosen kriegt, und nun muessen
alle Segel dran, und drauf los, und--ich verdenk's ihm gar nicht.
Mensch ist Mensch.  Das muss ich wissen.
Frau.  Solltest nur die wunderhuebsche Billeter auch lesen, die der
gnaedige Herr an deine Tochter als schreiben thut.  Guter Gott! da
sieht man's ja sonnenklar, wie es ihm pur um ihre schoene Seele zu
Miller.  Das ist die rechte Hoehe.  Auf den Sack schlaegt man, den Esel
meint man.  Wer einen Gruss an das liebe Fleisch zu bestellen hat,
darf nur das gute Herz Boten gehen lassen.  Wie hab' ich's gemacht?
Hat man's nur erst so weit im Reinen, dass d$
inand.  Sie spielen hier eine Rolle, mein Vater, wobei Sie sich
wenigstens die Zeugen haetten ersparen koennen.
Miller (kommt ihm naeher, herzhafter).  Deutsch und verstaendlich.
Halten zu Gnaden.  Euer Excellenz schalten und walten im Land.  Das
ist meine Stube.  Mein devotestes Compliment, wenn ich dermaleins ein
pro memoria bringe, aber den ungehobelten Gast werf' ich zur Thuer
hinaus--Halten zu Gnaden.
Praesident (vor Wuth blass).  Was?--Was ist das?  (Tritt naeher.)
Miller (zieht sich sachte zurueck).  Das war nur so meine Meinung,
Herr--Halten zu Gnaden.
Praesident (in Flammen).  Ha, Spitzbube!  Ins Zuchthaus spricht dich
deine vermessene Meinung--Fort!  Man soll Gerichtsdiener holen.
(Einige vom Gefolge gehen ab; der Praesident rennt voll Wuth durch das
Zimmer.)  Vater ins Zuchthaus--an den Pranger Mutter und Metze von
Tochter!--Die Gerechtigkeit soll meiner Wuth ihre Arme borgen.  Fuer
diesen Schimpf muss ich schreckliche Genugthuung haben--Ein solches
Gesindel sollte meine Plane zerschlagen und unges$
rer Liebe entdeckte, mit welch ueberzeugender
Taeuschung erblasste die Falsche da!  Mit welch siegender Wuerde schlug
sie den frechen Hohn meines Vaters zu Boden, und in eben dem
Augenblick fuehlte das Weib sich doch schuldig!--Was? hielt sie nicht
selbst die Feuerprobe der Wahrheit aus--die Heuchlerin sinkt in
Ohnmacht.  Welche Sprache wirst du jetzt fuehren, Empfindung?  Auch
Koketten sinken in Ohnmacht.  Womit wirst du dich rechtfertigen,
Unschuld?--Auch Metzen sinken in Ohnmacht.
Sie weiss, was sie aus mir gemacht hat.  Sie hat meine ganze Seele
gesehen.  Mein Herz trat beim Erroethen des ersten Kusses sichtbar in
meine Augen--und sie empfand nichts? empfand vielleicht nur den
Triumph ihrer Kunst?--Da mein gluecklicher Wahnsinn den ganzen Himmel
in ihr zu umspannen waehnte, meine wildesten Wuensche schwiegen--vor
meinem Gemueth stand kein Gedanke, als die Ewigkeit und das
Maedchen--Gott! da empfand sie nichts? fuehlte nichts, als ihren
Anschlag gelungen? nichts, als ihre Reize geschmeichelt?  Tod und
Rach$
en Spitzen der Berge; mein Seel, wenn
sich kein Faehrmann ihrer erbarmt, so geht sie verloren!
Der Graf vom Strahl (draussen).  Gottschalk!  Himmel und Erde!
Gottschalk.  Ei, so schrei du!--Hier, gnaediger Herr; ich komme schon.
(Er leitet sein Pferd muerrisch durch den Bach.--Ab.)
Szene: Schloss Wetterstrahl.  Platz, dicht mit Baeumen bewachsen, am
aeusseren zerfallenen Mauernring der Burg.  Vorn ein Holunderstrauch,
der eine Art von natuerlicher Laube bildet, worunter von Feldsteinen,
mit einer Strohmatte bedeckt, ein Sitz.  An den Zweigen sieht man ein
Hemdchen und ein Paar Struempfe usw. zum Trocknen aufgehaengt.
Zweiter Auftritt
Kaethchen liegt und schlaeft.  Der Graf vom Strahl tritt auf.
Der Graf vom Strahl (indem er das Futteral in den Busen steckt).
Gottschalk, der mir dies Futteral gebracht, hat mir gesagt, das
Kaethchen waere wieder da.  Kunigunde zog eben, weil ihre Burg
niedergebrannt ist, in die Tore der meinigen ein; da kommt er und
spricht: unter dem Holunderstrauch laege sie wieder da, und sc$
am Ende ein
verfluchter Vogel!"
In demselben Augenblick ging eine innere Tuere auf, und der Doktor
selbst trat den Freunden entgegen. - Ein kleiner duenner, blasser
Mann! - Er trug ein kleines samtnes Muetzchen auf dem Haupte, unter
dem schoenes Haar in langen Locken hervorstroemte, ein langes
erdgelbes indisches Gewand und kleine rote Schnuerstiefelchen, ob
mit buntem Pelz oder dem glaenzenden Federbalg eines Vogels besetzt,
war nicht zu unterscheiden. Auf seinem Antlitz lag die Ruhe, die
Gutmuetigkeit selbst, nur schien es seltsam, dass, wenn man ihn recht
nahe, recht scharf anblickte, es war, als schaue aus dem Gesicht noch
ein kleineres Gesichtchen wie aus einem glaesernen Gehaeuse heraus.
"Ich erblickte," sprach nun leise und etwas gedehnt mit anmutigem
Laecheln Prosper Alpanus, "ich erblickte Sie, meine Herrn, aus dem
Fenster, ich wusste auch wohl schon frueher, wenigstens was Sie
betrifft, lieber Herr Balthasar, dass Sie zu mir kommen wuerden. -
Folgen Sie mir gefaelligst!" -
Prosper Alpanus fuehrte si$
n scheint."
Die dunkeln Augen des Moenches hoben sich bei dieser Rede und hafteten
mit einer Art grimmigen Ausdruckes auf dem Sprechenden.
"Die Zeiten sind vorueber", fuhr dieser fort, wo die Errichtung solcher
Werke der Froemmigkeit nichts Seltenes war. Wie lange steht das
"Wisst Ihr es vielleicht schon?" fragte, zu Boden blickend, der Moench,
"oder wisst Ihr es nicht?"
"Wenn das erstere, wuerde ich fragen?" entgegnete der Fremde.
"Es trifft sich zuweilen", murmelte jener. "Drei Jahre steht dies
Kloster. Dreissig Jahre!" fuegte er verbessernd hinzu und sah nicht auf
"Wie aber hiess der Stifter?" fragte der Fremde weiter. "Welch
gottgeliebter Mann?"--Da brach der Moench in ein schmetterndes
Hohngelaechter aus. Die Stuhllehne, auf die er sich gestuetzt hatte,
brach krachend unter seinem Druck zusammen; eine Hoelle schien in dem
Blicke zu flammen, den er auf die Fremden richtete, und ploetzlich
gewendet, ging er schallenden Trittes zur Tuere hinaus.
Noch hatten sich die beiden von ihrem Erstaunen nicht erholt, $
ische
       "Leihen".--"Selbstgefuehl in statu nascendi". Komik und Lachen.
       --Komik des "Neuen".--Komische Unterbrechung.--Positive Bedeutung
       der Neuheit.--"Verblueffung" und "Verstaendnis".
   VI. Kapitel. _Die subjektive Komik oder der Witz_. Abgrenzung der
       subjektiven Komik.--Verschiedene Theorien.--Begriffsbestimmung und
       verschiedene Faelle.--Witzige Handlungen.--Verwandte
       Theorien.--"Verblueffung und Erleuchtung" beim Witz.
  VII. Kapitel. _Das Naiv-Komische_. Die Theorien.--Die drei Arten der
       Komik.--Moeglichkeiten des Naiv-Komischen.--Kombination der drei
       Arten der Komik.--"Verblueffung und Erleuchtung" beim Naiv-Komischen.
III. ABSCHNITT. PSYCHOLOGIE DER KOMIK.
 VIII. Kapitel. _Das Gefuehl der Komik und seine Voraussetzung_. Komik als
       "wechselndes" oder "gemischtes" Gefuehl.--Die Grundfarbe des Gefuehls
       der Komik.--"Psychische Kraft" und ihre Begrenztheit.--Genaueres
       ueber die "psychische Kraft".--"Aufmerksamkeit". "Psychische
    $
Aehnlichkeit_.
Immerhin besteht beim letzten Beispiele noch ein Verhaeltnis der
_subjektiven_ Succession. Das neue grosse Gebaeude oder das an seine
Stelle tretende kleine Haeuschen folgt wenigstens in der Wahrnehmung oder
Betrachtung auf die Reihe der Palaeste. Und diese Succession scheint
allerdings fuer die Erwartung wesentlich. Aber eine Art dieser lediglich
subjektiven Succession ist, wie wir schon wissen, auch fuer die Komik,
soweit sie bisher in Betracht kam, wesentlich.
Die Wahrnehmung der menschlichen Koerperformen, die der Neger mit uns
gemein hat, erzeugt die aktive Bereitschaft, mit dem Negerkoerper
ebendenselben Gedanken eines in und hinter den Formen waltenden
koerperlichen und seelischen Lebens zu verbinden, wie wir ihn mit unserem
Koerper zu verbinden nicht umhin koennen. Die Wahrnehmung des Negerkoerpers
weist oder draengt auf den Vollzug dieses Gedankens hin, wie die
Ankuendigung der Leistung auf die Wahrnehmung der Leistung, oder die Reihe
der Palaeste auf die Wahrnehmung eines gleich impos$
ht hindurch sich ueber einem
seichten Graben in der Schwebe erhielt, weil er voraussetzte, ein Abgrund
klaffe unter ihm, so ist bei dieser Voraussetzung seine Anstrengung recht
verstaendig und er waere gerade erst toll, wenn er die Zerschmetterung
wagte. Warum lachen wir gleichwohl? Hier kommt der Hauptpunkt: wir leihen
seinem Bestreben unsere Einsicht und Ansicht und erzeugen durch einen
solchen Widerspruch die unendliche Ungereimtheit."
Dieses Leihen bestreitet _Lotze_, und mit gutem Rechte. Schieben wir dem
zweckwidrig Handelnden unsere ihm verborgene Kenntnis der Umstaende unter,
so wird seine Handlungsweise fuer uns "in ihrer Dummheit unbegreiflich".
Da andrerseits _Jean Paul_ recht hat, wenn er die Handlungsweise
_Sancho_'s unter der Voraussetzung, der Abgrund klaffe wirklich unter
ihm, recht verstaendig nennt, so folgt, dass wir das Verhaeltnis zwischen
Wissen und Handeln ueberhaupt nicht fuer die Komik dieses Falles
verantwortlich machen duerfen. In der That geht dies auch nach _Vischers_
Theorie nich$
 gesagt:
_Heymans_ redet von Faellen, in denen die Unterbrechung eines
Bedeutungsvollen durch ein davon voellig Verschiedenes, aber momentan die
Aufmerksamkeit auf sich ziehendes Unbedeutendes den Reiz zum Lachen
erzeugt. Durch die Aufzeigung solcher Faelle scheint _Heymans_ meiner
Behauptung entgegenzutreten, dass _Dasselbe_ bedeutungsvoll und dann
bedeutungslos erscheinen muesse, wenn die Komik zu stande kommen solle.
In dieser Bemerkung _Heymans_' liegt wiederum Richtiges. Aber auch hier
ist der Gegensatz zu mir nur ein scheinbarer.
In den Faellen, die _Heymans_ anfuehrt, ist das "voellig Verschiedene" in
Wahrheit kein voellig Verschiedenes. In der That kann dasjenige, wodurch
ein Bedeutungsvolles in _komischer_ Weise unterbrochen wird, _niemals_
ein davon voellig Verschiedenes sein. Es muss immer mit dem
Bedeutungsvollen, das von ihm unterbrochen wird, einen Punkt gemein
haben. Und dieser Punkt muss derart hervortreten, dass durch sein
Hervortreten das Unbedeutende auf die Stufe des Bedeutungsvollen gerue$
ternden Finale
auf allerlei an sich Bedeutungsloses und Alltaegliches treffen. Hier
_besteht_ die "voellige Verschiedenheit" zwischen dem Unbedeutenden und
dem Bedeutungsvollen. _Heymans_ wird erwidern, hier ziehe das
Unbedeutende nicht die Aufmerksamkeit auf sich. In der That wird es so
sein. Aber der Grund dafuer liegt dann eben darin, dass das Unbedeutende
hier dem, was die Aufmerksamkeit auf sich konzentriert, so voellig _fremd_
Angenommen aber auch das Unbedeutende werde zufaellig Gegenstand der
Aufmerksamkeit. Eine architektonische Linie etwa in den Raume, in dem ich
mich befinde, weckt mein Interesse, weil sie nicht eben gewoehnlich ist.
Dann wiederum lasse ich die Linie fallen. Oder ein Lichtschein, die mit
einem Male durch die Fenster hereinfallende Sonne, zieht waehrend der
feierlichen Rede momentan meine Aufmerksamkeit auf sich, nicht weil der
Lichtschein oder die Sonnenhelle mir an sich besonders interessant waere,
sondern einfach wegen ihrer Neuheit oder wegen ihres ploetzlichen
Auftretens. Dann $
n sich ist, zum Bewusstsein kommt. In
diesem Sinne ist auch hier die Neuheit, d. h. die Seltsamkeit oder
Abnormitaet das die "Aufmerksamkeit" Spannende und zugleich das sie
"VERBLUEFFUNG" UND "VERSTAENDNIS".
Hiermit gelange ich wiederum zu _Heymans_ zurueck. Was ich hier oben
andeutete, ist auch _Heymans_ aufgefallen. Er drueckt es nur in etwas
anderer Weise aus und kommt so zu einem neuen scheinbaren Einwand gegen
meine Theorie der Komik. Nicht in allen, aber in gewissen Fallen der
Komik, meint er, verhalte sich die Sache so, dass ein Raetselhaftes,
Unbegreifliches ein Gefuehl der Verwunderung oder des Staunens wecke, die
Aufmerksamkeit fessle, waehrend ein schnell aufleuchtendes, an sich kein
weiteres Interesse bietendes "Verstaendnis" die Entspannung zu wege
bringe. Hiermit tritt _Heymans_ scheinbar in unmittelbaren Widerspruch zu
meiner Theorie. Ich habe diese Theorie gelegentlich auch so formuliert,
dass ich sagte, die Komik entstehe, indem ein Sinnvolles sich fuer uns in
ein Sinnloses verwandelt. Das Si$
end muss bei der
Einteilung der Witzarten der logische Gesichtspunkt, ich meine den
Gesichtspunkt derjenigen "Logik", die eben mit dem _formulierten_
Gedanken zu thun hat, der eigentlich sachgemaesse sein.
Die Logik redet von Begriffen, das heisst Worten, die etwas bezeichnen,
von Beziehungen zwischen Begriffen, von Urteilen, von Beziehungen
zwischen Urteilen, endlich von Schluessen. Darnach werden wir
unterscheiden den Begriffs- oder Wortwitz, die witzige Begriffsbeziehung,
das witzige Urteil, die witzige Beziehung zwischen Urteilen, endlich den
witzigen Schluss. Die Untereinteilung ergiebt sich dann einerseits aus
dem Gegensatz jener beiden Arten des Vorstellungszusammenhanges,
andererseits aus dem Unterschied solcher Arten des Witzes, bei denen der
Witz auf lediglich aeusseren, sprachlichen Momenten beruht, und solcher,
bei denen er irgendwie sachlich begruendet ist. Wir gewinnen auf diesem
Wege eine Unterscheidung von vier Arten von Begriffswitzen, witzigen
Begriffsbeziehungen, witzigen Urteilen etc., nae$

Verrenkt, verdreht und von der Augen Traenen
Genetzt den Spalt der Hinterbacken sah?
Wahr ist's, auf eine von den Felsenlehnen
Stand ich gestuetzt und weinte ganz verzagt;
Da sprach mein Herr: "Willst du, gleich Toren, waehnen?
Fromm ist nur, wer das Mitleid hier versagt.
Wer ist verruchter wohl, als wer zu schmaehen
Durch sein Bedauern Gottes Urteil wagt?
Empor das Haupt, empor! Den wirst du sehen,
Den einst vor Thebens Blick der Grund verschlang;
Drob alle schrien: Wohin? Was ist geschehen?
Amphiaraus, wird der Kampf zu lang?--
Doch stuerzt' er fort und fort im tiefen Schachte,
Bis Minos ihn, gleich anderm Volk, bezwang.
Schau', wie er ihm die Brust zum Ruecken machte!
Schau', wie er rueckwaerts schreitet, rueckwaerts steht,
Weil er zu weit voraus zu sehen dachte.
Tiresias sieh, der uns entgegenzieht.
Er, erst ein Mann, ward durch des Zaubers Gabe
Verwandelt in ein Weib an jedem Glied.
Dann aber schlug er mit dem Zauberstabe
Zuvor auf zwei verwundne Schlangen ein,
Damit er wieder Mannsgestaltung habe.
Den $
rer Stoff mich noch in Kosten setzt.
Lass von Ezechiel sie dir beschreiben;
Von Norden sah er sie, so wie er spricht,
Mit Sturm, mit Wolken und mit Feuer treiben.
Wie ich sie fand, beschreibt sie sein Bericht,
Nur stimmt Johannes in der Zahl der Schwingen
Mir voellig bei und dem Propheten nicht.
Es stellt' im Raum sich, den die Tier' umfingen,
Ein Siegeswagen auf zwei Raedern dar,
Des Seil' an eines Greifen Haelse hingen.
Und in die Streifen ging der Fluegel Paar,
Die hoch, den mittelsten umschliessend, standen,
So, dass kein Streif davon durchschnitten war.
Sie hoben sich so hoch, dass sie verschwanden;
Gold schien, soweit er Vogel, jedes Glied,
Wie sich im andern Weiss und Rot verbanden.
Nicht solchen Wagen zum Triumph beschied
Rom dem Augustus, noch den Afrikanen;
Ja, arm erschiene dem, der diesen sieht,
Sols Wagen, der, entrueckt aus seinen Bahnen,
Verbrannt ward auf der Erde frommes Fleh'n
Durch Zeus' gerechten Ratschluss, wie wir ahnen,
Man sah im Kreis drei Frau'n sich tanzend dreh'n
Am Rande rechts, u$
doch dir
Sei nur von ihm, der sieht und kann, entgegnet.
Nie saettigt sich der Geist, dies seh' ich hier,
Als in der Wahrheit Glanz, dem Quell des Lebens,
Die uns als Wahn zeigt alles ausser ihr.
Doch fand er sie, dann ruht die Qual des Strebens,
Und finden kann er sie, sonst waere ja
Jedweder Wunsch der Menschenbrust vergebens.
Dann laesst der Geist, wenn er die Wahrheit sah,
An ihrem Fuss den Zweifel Wurzel schlagen
Und treibt von Hoeh'n zu Hoeh'n dem Hoechsten nah.
Dies ladet nun mich ein, dies heisst mich wagen,
Nach einer andern dunkeln Wahrheit jetzt
Voll Ehrfurcht, hohe Herrin, Euch zu fragen.
Kann wohl der Mensch, der ein Geluebd' verletzt,
Durch andres gutes Werk dies so vergueten,
Dass Ihr's, nach Eurer Wag', als g'nuegend schaetzt?
Sie sah mich an, und Liebesfunken spruehten
Aus ihrem Aug' so goettlich klar hervor,
Dass ich, besiegt, sobald sie mir ergluehten,
Gesenkten Blicks mich selber fast verlor.
Fuenfter Gesang
"Wenn ich in Liebesglut dir flammend funkle,
Mehr, als es je ein irdisch Auge sieh$
t minderm Glanz zum rechten Ziel erheben.
Doch waegen wir dann des Verdiensts Gewicht
Mit dem des Lohns, so wird uns Wonn' und Frieden,
Weil eins dem andern so genau entspricht.
Dann stellt uns die Gerechtigkeit zufrieden
Und sichert uns vor jedem suend'gen Hang,
Denn gluecklich macht uns das, was uns beschieden.
Verschiedne Toen' erzeugen suessen Klang;
So bilden hier die Harmonie der Sphaeren
Die lichten Kreise von verschiednem Rang.
Du siehst in dieser Perle sich verklaeren
Romeos Licht, musst' auch sein schoenes Tun
Auf Erden des verdienten Lohns entbehren.
Allein die Pprovenzalen lachen nun
Nicht ihres Grolls, denn solche nah'n dem Falle,
Die sich in andrer Guttat Schaden tun.
Vier Toechter hatt', und Koeniginnen alle,
Graf Raimund, und Romeo tat ihm dies,
Der niedre Fremd' in stolzer Fuerstenhalle.
Und jener folgt', als ihm die Scheelsucht hiess,
Dem Biedermanne Rechnung anzusinnen,
Der acht und vier fuer zehn ihm ueberwies.
Arm und veraltet ging er dann von hinnen;
Und wusste man, mit welchem Herzen er$
ut sieh in ihnen,
Die dir geschildert hat mein breites Wort.
Der Gatten Eintracht, ihre frohen Mienen
Und Lieb' und Wunder und der suesse Blick
Erweckten heil'gen Sinn, wo sie erschienen.
Und solchem Frieden eilte, solchem Glueck
Barfuss erst Bernhard nach, der Ehrenwerte,
Und glaubte doch, er bliebe traeg zurueck.
O neuer Reichtum! Gut von echtem Werte!
Egid, Silvester folgten bald dem Mann
Barfuss, weil hoher Reiz die Frau verklaerte.
Der Vater und der Meister ging sodann
Nach Rom mit deiner Frau und mit den Seinen,
Die schon des niedern Strickes Band umspann.
Nicht feig sich beugend sah man ihn erscheinen,
Als Peter Bernardones niedrer Sohn,
Mocht' er auch aermlich und veraechtlich scheinen,
Nein, kund tat er vor Innocenzens Thron
Den strengen Plan mit koeniglicher Wuerde,
Und der besiegelte die Stiftung schon.
Dann, als die Schar der Armen in der Huerde
Des Hirten wuchs, des Wunderleben hier,
Im Himmelsglanz, man besser singen wuerde,
Verlieh der frommen heiligen Begier,
Auf Gottes Eingebung, zum Eigentum$
schreibt es nicht,
Weil, wo der Phantasie die Kraft benommen,
Sie noch weit mehr dem armen Wort gebricht.
"O heil'ge Schwester, die du in so frommen
Gebeten flehst, durch deine Liebesglut
Bin ich aus schoenerm Kreis herabgekommen!"
Nachdem das heil'ge Feu'r im Tanz geruht,
Wandt' es den Hauch zur Herrin mit den Worten,
Die mein Gedicht euch kund hier oben tut.
"O ew'ges Licht des grossen Manns, dem dorten"
--Sie sprach's--"der Herr die Schluessel liess, die er
Getragen, zu des Wunderreiches Pforten,
Pruef ihn mit ein'gen Fragen, leicht und schwer,
Wie dir's gefaellt, ob jener Glaub' ihm eigen,
Durch welchen du gegangen auf dem Meer.
Ob er gut liebt, gut hofft und glaubt--verschweigen
Kann er dir's nicht, denn dort ist dein Gesicht,
Wo abgemalt sich alle Dinge zeigen.
Doch weil man hier durch wahren Glaubens Licht
Zum Buerger wird, so wird es Fruechte tragen,
Wenn er mit dir zu seinem Preise spricht."
Gleichwie der Bakkalaur, des Meisters Fragen
Erwartend, stillschweigt, denn er ruestet sich,
Entscheidung nich$
dem
muss auf der Stirne prangen, durch Weiber aufgedrueckt, die neidisch
nach der Krone blicken, nach der sie selbst vergebens ringen.
Wodurch du dies bezweckst, wirst du wohl leicht erraten, die deine
leg' nun ab, ich will sie selbst verwahren.  (Ewald kniet sich
nieder, zwei Genien erscheinen aus der Versenkung, sie nimmt ihm
die Krone ab.) Sie ziemt nicht deiner Stirn.  (Gibt die Krone den
Genien.) Bewahrt sie wohl, beherrscht sie auch kein Reich, wird sie
doch viele Reiche retten.  (Die Genien versinken damit.) Hast du nun
einen Wunsch, so sprich ihn aus!
Ewald.  Ob mein Begleiter lebt, dies wuensch' ich wohl zu wissen,
auch seiner Sendung Zweck ist mir ein Raetsel noch.
Lucina.  Er lebt.  Wozu ich ihn bestimmt, wird sich noch heut
enthuellen, bald siehst du ihn, doch magst du nicht ob der
Veraendrung staunen, die sein Gemuet erlitten hat, sie waehret nur so
lang bis so viel Blut durch seine Hand entstroemt, als Wasser er aus
meinem Zaubersee getrunken.
Ewald.  Wie, einen Moerder werde ich in ihm erblicke$
nzmusik.  Zwoelf Maedchen, so gekleidet wie Aloe nach
ihrer Verwandlung, doch weisse Kleider mit roten Rosen geziert,
beginnen anmutige Gruppierungen vor dem Thron des Koenigs.  Endlich
bildet die Gruppe ein Tableau, das in seiner Mitte einen Raum laesst,
in welchen Aloe tritt, die waehrend den Bewegungen von Ewald mit der
Fackel hereingefuehrt wurde und die Gruppe schliesst.  Ein Knabe
bringt den Frauen die Myrtenkrone auf einem Kissen.)
Dardonius (mit Entzuecken).  Jene ist's, die einer diamantnen Rose
gleich die zarten Perlen ueberschimmert.  (Er steigt vom Thron und
fuehrt Aloe vor.) Ihr Frauen, kroenet sie, nur ihr gebuehrt der Preis.
Simplizius (fuer sich).  Die Alte hat sich ausg'wachsen, jetzt kauft
man s' fuer eine Junge.
Dardonius.  Sagt selbst, welch Land hat solch ein Maedchen
Die Maenner.  Erstaunen fesselt unsre Sinne.
Simplizius (fuer sich).  Das ist der schoenste Betrug, der mir noch
vorkommen ist.
Dardonius.  Warum zoegert ihr, geehrte Frauen, ist sie nicht eurer
Krone wert?  (Pause.) Antwort$
 wie der Dichter diesen
Stoff behandelt habe.  So viel bin ich versichert, dass er den Laokoon
nicht stoischer als den Philoktet und Herkules, wird geschildert
haben.  Alles Stoische ist untheatralisch; und unser Mitleiden ist
allezeit dem Leiden gleichmaessig, welches der interessierende
Gegenstand aeussert.  Sieht man ihn sein Elend mit grosser Seele
ertragen, so wird diese grosse Seele zwar unsere Bewunderung erwecken,
aber die Bewunderung ist ein kalter Affekt, dessen untaetiges Staunen
jede andere waermere Leidenschaft, sowie jede andere deutliche
Vorstellung ausschliesset.
Und nunmehr komme ich zu meiner Folgerung.  Wenn es wahr ist, dass das
Schreien bei Empfindung koerperlichen Schmerzes, besonders nach der
alten griechischen Denkungsart, gar wohl mit einer grossen Seele
bestehen kann: so kann der Ausdruck einer solchen Seele die Ursache
nicht sein, warum demohngeachtet der Kuenstler in seinem Marmor dieses
Schreien nicht nachahmen wollen; sondern es muss einen andern Grund
haben, warum er hier von se$
ist
bekannt, und es sind viel artige Dinge darueber gesagt worden.  Er
hatte sich, sagt dieser 9), in den traurigen Physiognomien so
erschoepft, dass er dem Vater eine noch traurigere geben zu koennen
verzweifelte.  Er bekannte dadurch, sagt jener 10), dass der Schmerz
eines Vaters bei dergleichen Vorfaellen ueber allen Ausdruck sei.  Ich
fuer mein Teil sehe hier weder die Unvermoegenheit des Kuenstlers, noch
die Unvermoegenheit der Kunst.  Mit dem Grade des Affekts verstaerken
sich auch die ihm entsprechenden Zuege des Gesichts; der hoechste Grad
hat die allerentschiedensten Zuege, und nichts ist der Kunst leichter,
als diese auszudruecken.  Aber Timanthes kannte die Grenzen, welche
die Grazien seiner Kunst setzen.  Er wusste, dass sich der Jammer,
welcher dem Agamemnon als Vater zukam, durch Verzerrungen aeussert, die
allezeit haesslich sind.  Soweit sich Schoenheit und Wuerde mit dem
Ausdrucke verbinden liess, so weit trieb er ihn.  Das Haessliche waere er
gern uebergangen, haette er gern gelindert; aber d$
in verwendet der
Dichter mehr als einen Zug, und weiset uns die ehernen acht Speichen,
die goldenen Felgen, die Schienen von Erzt, die silberne Nabe, alles
insbesondere.  Man sollte sagen: da der Raeder mehr als eines war, so
musste in der Beschreibung ebensoviel Zeit mehr auf sie gehen, als
ihre besondere Anlegung deren in der Natur selbst mehr erforderte 1).
{1. Iliad.  E. v. 722-731.}
  Hbh d' amj' oceessi JovV bale kampula kukla
  Calkea, oktaknhma, sidhrew axoni amjiV-
  Tvn h toi cruseh ituV ajJitoV, autar uperJen
  Calke episswtra, prosarhrota, Jauma idesJai-
  Plhmnai d' argurou eisi peridromoi amjoterwJen-
  DijroV de cruseoisi kai argureoisin imasin
  Entetatai- doiai de peridromoi antugeV eisin-
  Tou d' ex argureoV rumoV pelen- autar ep' akrw
  Dhse cruseion kalon zugon, en de lepadna
  Kal' ebale, cruseia---
Will uns Homer zeigen, wie Agamemnon bekleidet gewesen, so muss sich
der KOenig vor unsern Augen seine voellige Kleidung StUeck vor Stueck
umtun; das weiche Unterkleid, den grossen Mantel, di$
ch
selber gemalt habe, weil der Maler ihm nachmalen kann.  Was bekuemmert
sich aber Homer, wie weit er den Maler hinter sich laesst?  Statt einer
Abbildung gibt er uns die Geschichte des Zepters: erst ist es unter
der Arbeit des Vulkans; nun glaenzt es in den Haenden des Jupiters; nun
bemerkt es die Wuerde Merkurs; nun ist es der Kommandostab des
kriegerischen Pelops; nun der Hirtenstab des friedlichen Atreus usw.
 --Skhptron ecwn- to men HjaistoV kame teucwn-
  HjaistoV men dvke Dii Kroniwni anakti-
  Autar ara ZeuV dvke diaktorw Argeijonth-
  ErmeiaV de anax dvken Pelopi plhxippw-
  Autar o aute Peloy dvk' Atrei, poimeni lavn-
  AtreuV de Jnhskwn elipe poluarni Questh-
  Autar o aute Quest' Agamemnoni leipe jorhnai,
  Pollhsi nhsoisi kai Argei panti anassein 3)
{3. Iliad. B. v. 101-108.}
So kenne ich endlich dieses Zepter besser, als mir es der Maler vor
Augen legen, oder ein zweiter Vulkan in die HAende liefern kOennte.--Es
wUerde mich nicht befremden, wenn ich faende, dass einer von den alten
Auslegern de$
 kannten keine Furcht, und meine Enkel werden noch
aushalten wie sie, furchtlos und treu!  Sieh, wie der Berg sich
dunkler und dunkler fuellt von ihren Scharen.  Siehst Du jene weissen
Wolken am Berg, Schildkroete?  Hoerst Du sie lachen?  Das ist der
Donner der Geschuetze, der in unsere Reihen schlaegt.  Jetzt, wenn Du
ein gutes Gewissen hast, wirst Du leichter Atem holen, denn um Dein
Leben gibt Dir keiner einen Pfennig."
"Lasset uns beten", sagte Marx von Schweinsberg, "und dann drauf in
Gottes Namen."
Der Herzog faltete andaechtig die Haende, seine Begleiter folgten
seinem Beispiel und beteten zum Anfang der Schlacht, wie es Sitte war
in den alten Tagen.  Der Donner der feindlichen Geschuetze toente
schauerlich in diese tiefe Stille, in welcher man jeden Atemzug;
jedes leise Fluestern der Betenden hoerte.  Auch der Kanzler faltete
die Haende, aber seine Augen richteten sich nicht glaeubig auf zum
Himmel, sie irrten zagend an den Bergen umher, und das Beben seines
Koerpers, sooft Blitz und Rauch aus den Fel$
euser fallen mir auf den Kopf,
Ich eile soviel als moeglich!
Ich trat in jene Hallen,
Wo sie mir Treue versprochen;
Wo einst ihre Traenen gefallen,
Sind Schlangen hervorgekrochen.
Still ist die Nacht, es ruhen die Gassen,
In diesem Hause wohnte mein Schatz;
Sie hat schon laengst die Stadt verlassen,
Doch steht noch das Haus auf demselben Platz.
Da steht auch ein Mensch und starrt in die Hoehe.
Und ringt die Haende vor Schmerzensgewalt;
Mir graust es, wenn ich sein Antlitz sehe --
Der Mond zeigt mir meine eigne Gestalt.
Du Doppelgaenger! du bleicher Geselle!
Was aeffst du nach mein Liebesleid,
Das mich gequaelt auf dieser Stelle,
So manche Nacht, in alter Zeit?
Wie kannst du ruhig schlafen,
Und weisst, ich lebe noch?
Der alte Zorn kommt wieder,
Und dann zerbrech ich mein Joch.
Kennst du das alte Liedchen:
Wie einst ein toter Knab
Um Mitternacht die Geliebte
Zu sich geholt ins Grab?
Glaub mir, du wunderschoenes,
Du wunderholdes Kind,
Ich lebe und bin noch staerker
Als alle Toten sind!
"Die Jungfrau schlaeft in $
r lang, die Nacht war kalt,
Es waren so kalt die Steine;
Es lugt aus dem Fenster die blasse Gestalt,
Beleuchtet vom Mondenscheine.
Was will die einsame Traene?
Sie truebt mir ja den Blick.
Sie blieb aus alten Zeiten
In meinem Auge zurueck.
Sie hatte viel leuchtende Schwestern,
Die alle zerflossen sind,
Mit meinen Qualen und Freuden,
Zerflossen in Nacht und Wind.
Wie Nebel sind auch zerflossen
Die blauen Sternelein,
Die mir jene Freuden und Qualen
Gelaechelt ins Herz hinein.
Ach, meine Liebe selber
Zerfloss wie eitel Hauch!
Du alte, einsame Traene,
Zerfliesse jetzunder auch!
Der bleiche, herbstliche Halbmond
Lugt aus den Wolken heraus;
Ganz einsam liegt auf dem Kirchhof
Das stille Pfarrerhaus.
Die Mutter liest in der Bibel,
Der Sohn, der starret ins Licht,
Schlaftrunken dehnt sich die aeltre,
Die juengere Tochter spricht:
Ach Gott, wie einem die Tage
Langweilig hier vergehn!
Nur wenn sie einen begraben,
Bekommen wir etwas zu sehn.
Die Mutter spricht zwischen dem Lesen:
Du irrst, es starben nur vier,
Seit man d$
nsehen von ehrlichen Leuten.  Manchmal
kommen sie mir ehrlich vor, und ich kann ihnen doch nicht trauen.
Was mir noch leid tut, ist, dass er oft von Sachen redet, die er nur
gehoert und gelesen hat, und zwar aus eben dem Gesichtspunkte, wie sie
ihm der andere vorstellen mochte.  Auch schaetzt er meinen Verstand und
meine Talente mehr als dies Herz, das doch mein einziger Stolz ist,
das ganz und alles Elendes.  Ach, was ich weiss, kann jeder
wissen--mein Herz habe ich allein.
Ich hatte etwas im Kopfe, davon ich euch nichts sagen wollte, bis
es ausgefuehrt waere: jetzt, da nichts draus wird, ist es ebenso gut.
Ich wollte in den Krieg; das hat mir lange am Herzen gelegen.
Vornehmlich darum bin ich dem Fuersten hierher gefolgt, der General in
***schen Diensten ist.  Auf einem Spaziergang entdeckte ich ihm mein
Vorhaben; er widerriet mir es, und es muesste bei mir mehr Leidenschaft
als Grille gewesen sein, wenn ich seinen Gruenden nicht haette Gehoer
geben wollen.
Am 11. Junius
Sage was du willst, ich kann nicht l$
t, wie das geschehen muss:
Wer den Rabenstein haben will, der muss in der letzten Nacht des
besagten Hornungs in den Wald gehen, wo der Baum mit dem
hoffnungsvollen Neste steht.  Er muss ganz einsam und allein kommen,
und auch keine Menschenseele muss wissen, wohin und wofuer er
ausgegangen ist; und auch keinen Laut, nicht einmal ein Hustchen oder
ein Seufzerlein darf er von sich geben.  Auf die Glocke der Zeit muss
er achtgeben und genau um die Mitternachtstunde zur Stelle sein; denn
nur in der Gespensterstunde, zwischen zwoelf und eins in der Nacht,
laesst der Stein sich gewinnen.  Dann muss er sich so splitterfasernackt
entkleiden, wie Adam weiland im Unschuldkleide der Natur im Garten
Eden gestanden ist; und in diesem Naturkleide muss er nun den Stamm
hinaufklettern und zitternd und bebend im Sinn behalten, dass er
keinen Ton vernehmen lassen darf; denn alsbald ihm auch nur der
leiseste Laut entfuehre, wuerde er gleich des Todes sein.  Aber nun
merkt euch hierbei wieder des Teufels List.  Wenn er den arme$
 disse
Forsten un Garden un dat ganze Land entfredet un voerwoistet un nu so
veele Jaehre alles unsaeker un wild leggt un veele dusend Wittwen un
Waisen makt hett.  Un daruem hett de gnaedige Gott di hierher schickt,
den Sieghaften un Dappern, datt du den fuerchterlichen Eber dalleggen
un de schoenste Prinzessin, de de Suenn beschient, tom Gemal winnen
schast.  Un nu stah up un kumm mit uns in dat Slott, wo unser Herr un
Hertog up di passt un van wo de schoenste aller Prinzessinnen ut dem
Finster mit sehnsuechtigen un froehlichen Oogen up den Schild schaut,
worup de stolte Inschrift glaenzt: Ick buen de Ridder Unvoerzagt un sla
der Saewen mit eenem Slag.  Daruem sueme di nich, kumm! kumm! un
empfange de Ehren, de diner hogen Dhaden wuerdig suent.
Un Hans, den se ut eenem soeten Drom upweckt hedden, sach in den drei
Herren, de in praechtigen gueldnen un sidenen Kledern un mit ehren
Tressenhoeten in der Hand gebueckt voer em stunden, eenen nueen bunten
Drom, un horkte hoch up un voerwunderde sick toerst; doch a$
m Galgen entlaufen war, woran er so unschuldig hatte
hangen sollen.
Und als er die Heiden bezwungen und das Land mit Schloessern und
Burgen befriedet hatte, da dachte er in Sehnsucht und Liebe seiner
alten Aeltern und seiner Geschwister und Freunde, und saeumte nicht
lange, sondern trat die Reise an zu ihnen.  Er nahm aber sein Gemal
die Koenigin mit nebst tausend seiner Reisigen, damit er ein
koenigliches Geleit haette, So zog er ueber die Elbe gegen Sueden.  Und
als sie vier Tage gezogen waren und der fuenfte Tag anbrach und sie
nicht mehr fern waren von seiner Heimath, da hiess er die Reisigen
zurueckbleiben und ritt mit seiner Koenigin voran und hatte nur einen
Knappen bei sich.  Und es war grade der Mittag des fuenften Tages und
die Glocke schlug zwoelf, da ritten sie in Duemmelshusen ein und
gradezu auf seines Vaters Haus.  Sie liessen die Pferde aber im Dorfe
laufen, was sie laufen konnten, damit die Leute, die sie sahen, sich
nicht ueber sie besinnen noch es seinen Aeltern verrathen konnten.  Und
als $
d der
Vater und die Brueder haben es ihm zugesagt und auch gehalten.  Denn
er sagte: Ich will einen meiner Soehne hinschicken, der soll ein Bauer
werden und seine Kinder und Kindeskinder sollen Bauern bleiben; denn
Bauern sind aelter und halten laenger aus als die Koenige.
Und Koenig Klas ist wieder heimgegangen in sein Reich und hat noch
manches liebe Jahr gluecklich mit seiner Koenigin gelebt und regiert
und viele Soehne und Toechter mit ihr gezeugt, und haben viele grosse
Koenige und Koeniginnen aus seinem Blute nach ihm geherrscht.  Aber
doch ist das glorreiche Geschlecht von Klas Avenstaken nun schon
lange ausgestorben und ein anderer Stamm herrscht in den Landen, die
ihn einst als Koenig verehrten.  Aber seines Sohnes Konrad Geschlecht
dauert noch bis diesen Tag.  Dieser Konrad war sein juengster Sohn.
Den that er alsbald nach seiner Geburt auf das Land zu einem Bauer
und liess ihn baeuerlich leben und arbeiten und sandte ihn dann in das
Land seiner Heimath in Westfalen nach Duemmelshusen, wo er ihn auf$
s Instrument
vorsichtig zurueck, und es war etwas wie ein Mund da, aus dem zweimal
hintereinander Blut austrat, als sagte er etwas Zweisilbiges.  Der
junge, blonde Arzt nahm es schnell mit einer eleganten Bewegung in
seine Watte auf.  Und nun blieb die Wunde ruhig, wie ein geschlossenes
Es ist anzunehmen, dass ich mich noch einmal verneigte, ohne diesmal
recht bei der Sache zu sein.  Wenigstens war ich erstaunt, mich allein
zu finden.  Jemand hatte die Uniform wieder in Ordnung gebracht, und
das weisse Band lag darueber wie vorher.  Aber nun war der Jaegermeister
tot, und nicht er allein.  Nun war das Herz durchbohrt, unser Herz,
das Herz unseres Geschlechts.  Nun war es vorbei.  Das war also das
Helmzerbrechen: "Heute Brigge und nimmermehr", sagte etwas in mir.
An mein Herz dachte ich nicht.  Und als es mir spaeter einfiel, wusste
ich zum erstenmal ganz gewiss, dass es hierfuer nicht in Betracht kam.
Es war ein einzelnes Herz.  Es war schon dabei, von Anfang anzufangen.
Ich weiss, dass ich mir einbildete, ni$
ich im Ganzen so ausgebreitet, als waer sie
nach ihrem Tod.  UEberall hat sie sich ganz weit ins Sein hineingelegt,
zugehoerig dazu, und was ihr geschah, das war ewig in der Natur; dort
erkannte sie sich und loeste sich beinah schmerzhaft heraus; erriet
sich muehsam zurueck wie aus UEberlieferungen, beschwor sich wie einen
Geist und hielt sich aus.
Eben warst du noch, Bettine; ich seh dich ein.  Ist nicht die Erde
noch warm von dir, und die Voegel lassen noch Raum fuer deine Stimme.
Der Tau ist ein anderer, aber die Sterne sind noch die Sterne deiner
Naechte.  Oder ist nicht die Welt ueberhaupt von dir?  Denn wie oft hast
du sie in Brand gesteckt mit deiner Liebe und hast sie lodern sehen
und aufbrennen und hast sie heimlich durch eine andere ersetzt, wenn
alle schliefen.  Du fuehltest dich so recht im Einklang mit Gott, wenn
du jeden Morgen eine neue Erde von ihm verlangtest, damit doch alle
drankaemen, die er gemacht hatte.  Es kam dir armsaelig vor, sie zu
schonen und auszubessern, du verbrauchtest sie und$
sses
Nigowitz, ein dienstbarer Geist des Hasses
Eine geistige Wache
Neun Geister als Waechter des Zauberringes.  Genien, Geister, Furien
und Diener des Hasses
Fortunatus Wurzel, ehmals Waldbauer, jetzt Millionaer
Lottchen, seine Ziehtochter
Lorenz, ehmals Kuhhirt bei Wurzel, jetzt sein erster Kammerdiener
Habakuk, Bedienter
Karl Schilf, ein armer Fischer
Musensohn, Schmeichelfeld und Afterling, Wurzels Zechbrueder
Ein Schlosser
Ein Tischler
Mehrere Bediente bei Wurzel.  Gesellen.  Volk
Die Handlung beginnt am Morgen des ersten Tages und endigt am
Abende des zweiten.  Spielt teils im Feenreiche, teils auf der
Erster Aufzug
Erster Auftritt
Grosser Feensaal, mit magischen Lampen von verschiedenen Farben
hell beleuchtet, welche, auf Kandelabern angebracht, die Kulissen
zieren.  Im Hintergrunde die Oeffnung eines grossen Bogentores,
welches durch einen schalartigen, mit Gold verbraemten Vorhang
verdeckt ist.
In der Mitte des Theaters spielen zwei Furien, ein Triton und der
kleine Borax ein Quartett von zwei Violin$
en schaut.  Er beginnt auf-*) *(geregt zu protestieren:) Gloria,
seien Sie vernuenftig--es hat ja keinen Zweck--ich habe keinen Heller!
(Gloria.) Koennen Sie denn keinen verdienen?  Andere Leute koennen es
(Dr. Valentine halb entzueckt, halb erschrocken:) O niemals!  Ich wuerde
Sie ungluecklich machen--Teuerste, Geliebte--ich muesste ein erbaermlicher
Mitgiftjaeger und Abenteurer sein--(Sie umschlingt ihn fester und kuesst
ihn:) O Gott!  (Atemlos:) Oh... ich--(Er keucht:) Ich kenne die Frauen
noch immer nicht... keine Ahnung habe ich... die Erfahrungen von zwoelf
Jahren genuegen nicht!
(In einer Aufwallung von Eifersucht stoesst sie ihn von sich fort, und
er taumelt zurueck in den Stuhl wie ein vom Wind verwehtes Blatt.  Da
tanzt Dolly mit dem Kellner ins Zimmer, Frau Clandon und McComas
folgen ihr, auch tanzend, und Philip pirouettiert auf eigene Faust
(Dolly sinkt atemlos auf den Stuhl vor den Schreibtisch:) Oh, ich bin
atemlos!  Sie tanzen wundervoll Walzer, William!
(Frau Clandon sinkt in den Lederfauteui$
gnade deswegen auf mich geworfen
haben, weil--die Not--mich notwendig--
Schon zuviel, mein Herr! Ich bin Ihnen schuldig; Sie raeumen mir in
meiner Abwesenheit das Zimmer aus; Sie muessen bezahlt werden; ich muss
wo anders unterzukommen suchen. Sehr natuerlich!--
Wo anders? Sie wollen ausziehen, gnaediger Herr? Ich ungluecklicher
Mann! ich geschlagner Mann! Nein, nimmermehr! Eher muss die Dame das
Quartier wieder raeumen. Der Herr Major kann ihr, will ihr sein Zimmer
nicht lassen; das Zimmer ist sein; sie muss fort; ich kann ihr nicht
helfen.--Ich gehe, gnaediger Herr--
Freund, nicht zwei dumme Streiche fuer einen! Die Dame muss in dem
Besitze des Zimmers bleiben.--
Und Ihro Gnaden sollten glauben, dass ich aus Misstrauen, aus Sorge fuer
meine Bezahlung?--Als wenn ich nicht wuesste, dass mich Ihro Gnaden
bezahlen koennen, sobald Sie nur wollen.--Das versiegelte Beutelchen--
fuenfhundert Taler Louisdor stehet drauf--welches Ihro Gnaden in dem
Schreibepulte stehen gehabt--ist in guter Verwahrung.--
Das will ich $
del aus dem Wasser. Auch gut, dachte ich. Der Pudel kam
mir nach, aber ich bin kein Liebhaber von Pudeln. Ich jagte ihn fort,
umsonst; ich pruegelte ihn von mir, umsonst. Ich liess ihn des Nachts
nicht in meine Kammer; er blieb vor der Tuere auf der Schwelle. Wo er
mir zu nahe kam, stiess ich ihn mit dem Fusse; er schrie, sahe mich an
und wedelte mit dem Schwanze. Noch hat er keinen Bissen Brot aus
meiner Hand bekommen, und doch bin ich der einzige, dem er hoert, und
der ihn anruehren darf. Er springt vor mir her und macht mir seine
Kuenste unbefohlen vor. Es ist ein haesslicher Pudel, aber ein gar zu
guter Hund. Wenn er es laenger treibt, so hoere ich endlich auf, den
Pudeln gram zu sein.
(beiseite). So wie ich ihm! Nein, es gibt keine voelligen Unmenschen!
--Just, wir bleiben beisammen.
Ganz gewiss!--Sie wollten sich ohne Bedienten behelfen? Sie vergessen
Ihrer Blessuren und dass Sie nur eines Armes maechtig sind. Sie koennen
sich ja nicht allein ankleiden. Ich bin Ihnen unentbehrlich; und bin--
ohne mich s$
 Und trug ihn
in der Tasche, anstatt am Finger?--Guter Wirt, wir sind so kahl noch
nicht, als wir scheinen. Bei ihm, bei ihm selbst will ich dich
versetzen, schoenes Ringelchen! Ich weiss, er aergert sich, dass du in
seinem Hause nicht ganz sollst verzehrt werden!--Ah--
(Paul Werner. Just.)
Sieh da, Werner! guten Tag, Werner! willkommen in der Stadt!
Das verwuenschte Dorf! Ich kann's unmoeglich wieder gewohne werden.
Lustig, Kinder, lustig; ich bringe frisches Geld! Wo ist der Major?
Er muss dir begegnet sein; er ging eben die Treppe herab.
Ich komme die Hintertreppe herauf. Nun, wie geht's ihm? Ich waere
schon vorige Woche bei euch gewesen, aber--
Nun? was hat dich abgehalten?--
--Just--hast du von dem Prinzen Heraklius gehoert?
Heraklius? Ich wuesste nicht.
Kennst du den grossen Helden im Morgenlande nicht?
Die Weisen aus dem Morgenlande kenn ich wohl, die ums Neujahr mit dem
Sterne herumlaufen.--
Mensch, ich glaube, du liesest ebensowenig die Zeitungen als die
Bibel?--Du kennst den Prinzen Heraklius nicht?$
sem Gebiete die herrlichsten Farben aus niedrigen, ja
verachteten Stoffen gewonnen sind? Werden Viele Lust haben, solchen
Untersuchungen zu folgen? Die Menschheit liebt es, die Fragen ueber
Herkunft und Anfaenge sich aus dem Sinn zu schlagen: muss man nicht
fast entmenscht sein, um den entgegengesetzten Hang in sich zu
Erbfehler der Philosophen. - Alle Philosophen haben den gemeinsamen
Fehler an sich, dass sie vom gegenwaertigen Menschen ausgehen
und durch eine Analyse desselben an's Ziel zu kommen meinen.
Unwillkuerlich schwebt ihnen "der Mensch" als eine aeterna veritas,
als ein Gleichbleibendes in allem Strudel, als ein sicheres Maass der
Dinge vor. Alles, was der Philosoph ueber den Menschen aussagt, ist
aber im Grunde nicht mehr, als ein Zeugniss ueber den Menschen eines
sehr beschraenkten Zeitraumes. Mangel an historischem Sinn ist der
Erbfehler aller Philosophen; manche sogar nehmen unversehens die
allerjuengste Gestaltung des Menschen, wie eine solche unter dem
Eindruck bestimmter Religionen, ja besti$
urueck, damit
er von dort aus betrachte; er ist genoethigt, eine ganz bestimmte
Entfernung des Betrachters vom Bilde vorauszusetzen; ja er muss
sogar ein ebenso bestimmtes Maass von Schaerfe des Auges bei seinem
Betrachter annehmen; in solchen Dingen darf er durchaus nicht
schwanken. Jeder also, der sein Leben idealisiren will, muss es
nicht zu genau sehen wollen und seinen Blick immer in eine gewisse
Entfernung zurueckbannen. Dieses Kunststueck verstand zum Beispiel
Erschwerung als Erleichterung und umgekehrt. - Vieles, was auf
gewissen Stufen des Menschen Erschwerung des Lebens ist, dient einer
hoeheren Stufe als Erleichterung, weil solche Menschen staerkere
Erschwerungen des Lebens kennen gelernt haben. Ebenso kommt das
Umgekehrte vor: so hat zum Beispiel die Religion ein doppeltes
Gesicht, je nachdem ein Mensch zu ihr hinaufblickt, um von ihr sich
seine Last und Noth abnehmen zu lassen, oder auf sie hinabsieht, wie
auf die Fessel, welche ihm angelegt ist, damit er nicht zu hoch in die
Luefte steige.
Die h$
n lieber auf den boesen Willen eines Anderen, als
auf den Zufall zurueck. Seine gereizte Empfindung wird dadurch
erleichtert, eine Person und nicht eine Sache sich als Grund seines
Misslingens zu denken; denn an Personen kann man sich raechen, die
Unbilden des Zufalls aber muss man hinunterwuergen. Die Umgebung eines
Fuersten pflegt desshalb, wenn diesem Etwas misslungen ist, einen
einzelnen Menschen als angebliche Ursache ihm zu bezeichnen und
im Interesse aller Hoeflinge aufzuopfern; denn der Missmuth des
Fuersten wuerde sich sonst an ihnen Allen auslassen, da er ja an der
Schicksalsgoettin selber keine Rache nehmen kann.
Die Farbe der Umgebung annehmen. - Warum ist Neigung und Abneigung so
ansteckend, dass man kaum in der Naehe einer stark empfindenden Person
leben kann, ohne wie ein Gefaess mit ihrem Fuer und Wider angefuellt
zu werden? Erstens ist die voellige Enthaltung des Urtheils sehr
schwer, mitunter fuer unsere Eitelkeit geradezu unertraeglich; sie
traegt da gleiche Farbe mit der Gedanken- und Empf$
icht ohne unser Aller Schuld, die leidvollste Geschichte unter allen
Voelkern gehabt hat und dem man den edelsten Menschen (Christus),
den reinsten Weisen (Spinoza), das maechtigste Buch und das
wirkungsvollste Sittengesetz der Welt verdankt. Ueberdiess: in
den dunkelsten Zeiten des Mittelalters, als sich die asiatische
Wolkenschicht schwer ueber Europa gelagert hatte, waren es juedische
Freidenker, Gelehrte und Aerzte, welche das Banner der Aufklaerung
und der geistigen Unabhaengigkeit unter dem haertesten persoenlichen
Zwange festhielten und Europa gegen Asien vertheidigten; ihren
Bemuehungen ist es nicht am wenigsten zu danken, dass eine
natuerlichere, vernunftgemaessere und jedenfalls unmythische
Erklaerung der Welt endlich wieder zum Siege kommen konnte und dass
der Ring der Cultur, welcher uns jetzt mit der Aufklaerung des
griechisch-roemischen Alterthums zusammenknuepft, unzerbrochen
blieb. Wenn das Christenthum Alles gethan hat, um den Occident zu
orientalisiren, so hat das judenthum wesentlich mit da$
enschaftlich gewesen sein. Aber eigentlich wollte man Recht
behalten, weil man meinte, Recht haben zu muessen. Seinen Glauben sich
entreissen lassen, das bedeutete vielleicht seine ewige Seligkeit
in Frage stellen. Bei einer Angelegenheit von dieser aeussersten
Wichtigkeit war der "Wille" gar zu hoerbar der Souffleur des
Intellects. Die Voraussetzung jedes Glaeubigen jeder Richtung war,
nicht widerlegt werden zu koennen; erwiesen sich die Gegengruende als
sehr stark, so blieb ihm immer noch uebrig, die Vernunft ueberhaupt zu
verlaestern und vielleicht gar das "credo quia absurdum est" als Fahne
des aeussersten Fanatismus aufzupflanzen. Es ist nicht der Kampf
der Meinungen, welcher die Geschichte so gewaltthaetig gemacht hat,
sondern der Kampf des Glaubens an die Meinungen, das heisst der
Ueberzeugungen. Wenn doch alle Die, welche so gross von ihrer
Ueberzeugung dachten, Opfer aller Art ihr brachten und Ehre, Leib und
Leben in ihrem Dienste nicht schonten, nur die Haelfte ihrer Kraft der
Untersuchung gewidmet $
er Fall, wenn er die
Konversation fuehrte.
Jenes ergoetzliche Maerchen von dem Hoernchen des Oberon schien ins
Leben getreten zu sein; denn Natas durfte nur die Lippen oeffnen, so
fuehlte jeder zuerst die lieblichsten Saiten seines Herzens
angeschlagen; auf leichten Schwingen schwirrte dann das Gespraech um
die Tafel, mutwilliger wurden die Scherze, kuehner die Blicke der
Maenner, schalkhafter das Kichern der Damen, und endlich rauschte die
Rede in so fessellosen Stroemen, dass man nachher wenig mehr davon
wusste, als dass man sich goettlich amuesiert habe.
Und dennoch war der Zauberer, der diese Lust heraufbeschwor, weit
entfernt, je in's Rohe, Gemeine hinueberzuspielen. Er griff irgend
einen Gegenstand, eine Tagesneuigkeit auf, erzaehlte Anekdoten,
spielte das Gespraech geschickt weiter, wusste jedem seine tiefste
Eigentuemlichkeit zu entlocken und ergoetzte durch seinen lebhaften
Witz, durch seine warme Darstellung, die durch alle Schattierungen von
dem tiefsten Gefuehl der Wehmut bis hinauf an jene Ausbru$
woelk",
mochte ahnen, was vorging, und schlich truebe und aechzend im Hause
umher. Die Kalle war die mutigste von allen. Zwar war auch sie in
einiger Bewegung; denn sie las nicht mehr, weder in Clauren, noch in
verschiedenen Almanachs, sogar das Modejournal wollte sie nicht
ansehen; sie spielte auch nicht mehr auf der Harfe, aber doch trug sie
das Koepfchen noch so hoch wie zuvor und ermutigte durch manche Rede
die zagenden Bundestruppen.
Der Seufzer war gaenzlich von Verstand gekommen. Bald war er tiefsinnig
und zweifelte an seinem Glueck, besonders in der Naehe der schoenen
Juedin, wenn er sich die Hoehe seiner Seligkeit, den Besitz der
lieblichen Kalle dachte. Dann war er wieder ausgelassen froehlich und
sprach allerlei verwirrtes Zeug, wie er ein Millionaer zu werden
gedenke, wie und wo er sich ein Haus bauen wolle, und was dergleichen
ueberschwengliche Gedanken mehr waren; der Kalle aber fluesterte er ins
Ohr, dass er sich wolle adeln lassen und sie zur gnaedigen Frau
Baronesse von Zwerner zu Zwernershei$
Als man um ein Uhr auseinanderging, lautete der Kurszettel der
Frankfurter Boersenhalle:
     Metalliques  87 5/8.
     Bethmaennische 75 1/2.
     Rothschildische Lose 132.
     Preussische Staatsschuldscheine 84.
An den uebrigen war nichts geaendert worden.
       *       *       *       *       *
7. DIE VERLOBUNG.
Dieses kleine Boersengemetzel entschied ueber das Schicksal des Seufzers
aus Dessau. In den zwei naechsten Tagen wirkte er durch die grosse Menge
Metalliques, die er in Haenden hatte, maechtig auf den Gang bei
Geschaefte, und als einige Tage nachher Herr von Rothschild
Privatmitteilungen aus Wien erhielt, wodurch seine Nachrichten
vollkommen bestaetigt werden, da draengte sich alles um den
hoffnungsvollen, spekulativen Juengling, um den genialen Kopf, der auf
unglaubliche Weise die Umstaende habe berechnen koennen.
Seine Zurueckgezogenheit zuvor galt nun fuer tiefes Studium der Politik,
seine Schuechternheit, sein geckenhaftes Stoehnen und Seufzen fuer
Tiefsinn, und jedes Haus haette ihm freudig $
etete aufs neue
und schwieg.
Ich fasste mich, ich suchte mich zu entschuldigen, so gut es ging; ich
erzaehlte ihr, wie ich sie hilflos und in Ohnmacht in der Kirche
gefunden, wie ich ihren Irrtum nicht habe berichtigen koennen, aus
Furcht, sie moechte meine Begleitung ablehnen, die ihr in ihrem
damaligen Zustande so notwendig war. Meine zweite Unbesonnenheit schob
ich auf die Maskenfreiheit des Karnevals; ich suchte einen Scherz
daraus zu machen, ich behauptete, es sei an diesem Abend erlaubt, jede
Maske vorzunehmen, und so habe ich die ihres Freundes vorgenommen. Ich
glaubte, sagte ich, in diesen Scherz um so eher eingehen zu duerfen, da
wir Landsleute sind und die Deutschen in Rom als Kinder  e i n e r
Heimat nur  e i n e  grosse Familie sein sollten."
"Eine gefaehrliche Verwandtschaft," unterbrach ich den jungen Berliner,
indem ich mich im stillen ueber seine jesuitische Logik freute. "Wie?
brachte die Dame nicht das _Corpus juris_ und den------gegen Sie
in Anwendung? In Schwaben moechte zur Not ein solche$
t einem Male, dachte ich mir, Frater
Piccolo durch die Baeume herbei kaeme, um seinen Wechsel honorieren zu
lassen,--welche Angst, welcher Kummer bei dem Kapitaen, welch es
Staunen, welcher Missmut bei dem Fraeulein! Ich dachte mir allerlei
dergleichen Moeglichkeiten, waehrend die andern in suessem Geplauder mit
vielen Worten nichts sagten--da hoerte ich auf einmal das Plaetschern
von Rudern in der Tiber. Es war nach sechs Uhr es war die Stunde, um
welche ich Frater Piccolo hierher bestellt hatte; wenn er es waere!--
Die Ruderschlaege wurden vernehmlicher, kamen naeher. Weder die
Liebenden, noch der Berliner schienen es zu hoeren. Jetzt hoerte man nur
noch das Rauschen des Flusses, die Barke musste sich in der Naehe ans
Land gelegt haben. Die Hunde der Signora schlugen an, man hoerte
Stimmen in der Ferne, es rauschte in den Baeumen, Schritte knisterten
auf dem Sandweg des Gartens, ich sah mich um--Donna Ines und der
Kardinal Rocco standen vor uns.
Luise starrte einen Augenblick diese Menschen an, als sehe sie$
epsel darunter.
Zwei Stunden weit riecht das Gehoelz nach Kellnern und nach Saucen."
"O unerhoert!" rief sie, "so redet nun der Mann, dem gar nichts ueber
das Vergnuegen geht, Backhaehnl im Prater zu speisen!"
Als beide wieder in dem Wagen sassen und sich die Strasse jetzt nach
einer kurzen Strecke ebenen Wegs allmaehlich abwaerts senkte, wo eine
lachende Gegend sich bis an die entfernteren Berge verlor, fing unser
Meister, nachdem er eine Zeit lang still gewesen, wieder an: "Die Erde
ist wahrhaftig schoen und keinem zu verdenken, wenn er so lang wie
moeglich darauf bleiben will. Gott sei's gedankt, ich fuehle mich so
frisch und wohl wie je und waere bald zu tausend Dingen aufgelegt, die
denn auch alle nacheinander an die Reihe kommen sollen, wie nur mein
neues Werk vollendet und aufgefuehrt sein wird. Wieviel ist draussen
in der Welt und wieviel daheim, Merkwuerdiges und Schoenes, das ich
noch gar nicht kenne, an Wunderwerken der Natur, an Wissenschaften,
Kuensten und nuetzlichen Gewerben! Der schwarze Koehl$
 Schutz der Damen, und das nicht ohne Grund. Denn
diese Stanzel da, mein Weibchen, etwas neugierig von Natur, liess
sich im Wirtshaus von der dicken Frau das Wissenswuerdigste von denen
saemtlichen Persoenlichkeiten der gnaedigen Herrschaft in meinem
Beisein erzaehlen, ich stand dabei und hoerte so..."
Hier konnte Madame Mozart nicht umhin, ihm in das Wort zu fallen und
auf das angelegentlichste zu versichern, dass im Gegenteil er der
Ausfrager gewesen; es kam zu heitern Kontestationen zwischen Mann
und Frau, die viel zu lachen gaben. - "Dem sei nun, wie ihm wolle",
sagte er, "kurzum, ich hoerte so entfernt etwas von einer lieben
Pflegetochter, welche Braut, sehr schoen, dazu die Guete selber sei
und singe wie ein Engel. Per Dio! fiel mir jetzt ein, das hilft dir
aus der Lauge! Du setzt dich auf der Stelle hin, schreibst's Liedchen
auf, soweit es geht, erklaerst die Sottise der Wahrheit gemaess, und
es gibt einen trefflichen Spass. Gedacht, getan. Ich hatte Zeit genug,
auch fand sich noch ein sauberes Boegche$
r entsetzlichen Tat erhob sich vor ihm wie ein schwarzes
hoellisches Gespenst, das ihn nicht mehr verliess. Ganz erfuellt von
der bedrohlichen Lage seines Schuetzlings, glaubte er wenigstens das,
was er gesehen, nuetzen zu muessen zu seinem Besten. Andern Tages, es
wollte schon die Daemmerung einbrechen, kam Daniel in sein Zimmer, um
irgendeine sich auf den Hausstand beziehende Anweisung einzuholen.
Da fasste ihn V. bei beiden Armen und fing an, indem er ihn zutraulich
auf den Sessel niederdrueckte: "Hoere, alter Freund Daniel! lange habe
ich dich fragen wollen, was haeltst du denn von dem verworrenen Kram,
den uns Huberts sonderbares Testament ueber den Hals gebracht hat?
Glaubst du denn wohl, dass der junge Mensch wirklich Wolfgangs in
rechtsgueltiger Ehe erzeugter Sohn ist?" Der Alte, sich ueber die
Lehne des Stuhls wegbeugend und V.s starr auf ihn gerichteten Blicken
ausweichend, rief muerrisch: "Pah! er kann es sein; er kann es auch
nicht sein. Was schiert's mich, mag nun hier Herr werden, wer da
"Aber i$
ch Sammlung vieler kleiner Tatsachen
an den verschiedensten Stellen sich in das grosse und erhabene Ganze
auszubreiten, das sich unsern Blicken darstellt, wenn wir von
Hochpunkt zu Hochpunkt auf unserer Erde reisen und sie endlich alle
erfuellt haben und keine Bildung dem Auge mehr zu untersuchen bleibt
als die Weite und die Woelbung des Meeres.
Ich begann, durch diese Gefuehle und Betrachtungen angeregt, gleichsam
als Schlussstein oder Zusammenfassung aller meiner bisherigen Arbeiten
die Wissenschaft der Bildung der Erdoberflaeche und dadurch vielleicht
der Bildung der Erde selber zu betreiben. Nebstdem, dass ich
gelegentlich von hohen Stellen aus die Gestaltung der Erdoberflaeche
genau zeichnete, gleichsam als waere sie durch einen Spiegel gesehen
worden, schaffte ich mir die vorzueglichsten Werke an, welche ueber
diese Wissenschaft handeln, machte mich mit den Vorrichtungen, die man
braucht, bekannt, so wie mit der Art ihrer Benuetzung.
Ich betrieb nun diesen Gegenstand mit fortgesetztem Eifer und mit
eine$
henswert waere; aber er liegt auch
entfernt genug, dass die Schoenheit und Anmut dieses Getreidehuegels
nicht gestoert wird. Wenn ihr auf dem Wege nach Rohrberg fortgegangen
waeret, statt zu unserem Hause heraufzusteigen, so wuerdet ihr nach
einer halben Stunde Wanderns zu eurer Rechten dicht an der Strasse die
Ecke eines Buchenwaldes gefunden haben, um welche die Strasse herum
geht. Diese Ecke erhebt sich rasch, erweitert sich nach rueckwaerts,
wohin man von der Strasse nicht sehen kann, und gehoert einem Walde an,
der weit in das Land hinein geht. Man kann von hier aus ein grosses
Stueck sehen. Dort links von dem Felde, auf welchem die junge Gerste
"Ich kenne den Wald recht gut", sagte ich, "er schlingt sich um eine
Hoehe und beruehrt die Strasse nur mit einem Stuecke; aber wenn man ihn
betritt, lernt man seine Groesse kennen. Es ist der Alizwald. Er hat
maechtige Buchen und Ahorne, die sich unter die Tannen mischen. Die
Aliz geht von ihm in die Agger. An der Aliz stehen beiderseits hohe
Felsen mit seltenen$
 befehle."
Ich stimmte sogleich zu, und er rief gegen eine Stelle des Gebuesches:
Der Knabe, den ich im Heraufgehen gesehen hatte, kam fast an der
nehmlichen Stelle des Gartens zum Vorscheine, an welcher er frueher
herausgetreten war. Da er jetzt laenger vor uns stehen blieb, konnte
ich ihn genauer betrachten. Sein Angesicht erschien mir sehr rosig
und schoen, und besonders einnehmend zeigten sich die grossen schwarzen
Augen unter den braunen Locken, die ich schon frueher beobachtet hatte.
"Gustav", sagte mein Begleiter, "wenn du noch an deinem Tische oder
sonst irgendwo in dem Garten bleiben willst, so erinnere dich an das,
was ich dir ueber Gewitter gesagt habe. Da die Wolken ueber den ganzen
Himmel stehen, so weiss man nicht, wann ueberhaupt ein Blitz auf die
Erde niederfaehrt und an welcher Stelle er sie treffen wird. Darum
verweile unter keinem hoeheren Baume. Sonst kannst du hier bleiben,
wie du willst. Dieser Herr bleibt heute bei uns, und du wirst zur
Abendspeisestunde in dem Speisezimmer eintreffen."$
cht, wie mit ihnen um
zugehen ist. In diesem Hause bin ich, da ich irrtuemlich ein Gewitter
fuerchtete und um einen Unterstand herauf ging, sehr freundlich
aufgenommen worden, ich bin wohlwollend eingeladen worden, wieder zu
kommen und habe es getan. Es ist mir hier in Kurzem so lieb geworden
wie bei meinen teuren Eltern, bei welchen auch eine Regelmaessigkeit
und Ordnung herrscht wie hier. Wenn ich nicht ungelegen bin und die
Umgebung mir nicht abgeneigt ist, so sage ich gerne, wenn ich auch
nicht weiss, ob man es sagen darf, dass ich immer mit Freuden kommen
werde, wenn man mich einladet."
"Ihr seid eingeladen", erwiderte mein Gastfreund, "und ihr muesst aus
unsern Handlungen erkennen, dass ihr uns sehr willkommen seid. Nun
werden auch Gustavs Mutter und Schwester eine Weile in diesem Hause
zubringen, und wir werden erwarten, wie sich unser Leben entwickeln
wird. Wollt ihr euch nicht ein wenig zu mir setzen und abwarten, bis
der Willkommensgruss von allen, die da stehen, vorueber ist?"
Er ging wieder um den$
 der Tat einen eigenen
Unterrichtsgang ueber Edelsteine und Perlen. Zwei Tage in der Woche
waren festgesetzt, an denen ich zu einer bestimmten, fuer ihn
verfuegbaren Stunde kam und so lange blieb, als es eben seine Zeit
gestattete. Er fuehrte mich zuerst in die Kenntnis aller jener
Mineralien ein, welche man Edelsteine nennt und vorzueglich zu Schmuck
benuetzt. Ebenso zeigte er mir alle Gattungen von Perlen. Hierauf
unterrichtete er mich in dem Verfahren, die Juwelen zu erkennen und
von falschen zu unterscheiden. Spaeter erst ging er auf die Merkmale
der schoenen und der minder schoenen ueber. Bei diesem Unterrichte kamen
mir meine Kenntnisse in den Naturwissenschaften sehr zu statten, ja
ich war sogar im Stande, durch Angaben aus meinem Fache die Kenntnisse
meines Freundes zu erweitern, besonders was das Verhalten der
Edelsteine zum Lichtdurchgang, zur doppelten Brechung und zu der
sogenannten Polarisation des Lichtes anbelangt. Ich hatte aber noch
immer nicht den Mut, ueber die gebraeuchliche Fassung der Ed$
 solcher Voelkerzustaende wie Griechen- und Roemertum
vorliegen, dann laesst sich eher ueber unsere Frage etwas sagen. Oder
sind etwa solche Reihen nur dagewesen und vergessen worden, und werden
ueberhaupt die hintersten Stuecke der Weltgeschichte vergessen, wenn
sich vorne neue ansetzen und ihrer Entwicklung entgegen eilen? Wer
wird dann nach zehntausend Jahren noch von Hellenen oder von uns
reden? Ganz andere Vorstellungen werden kommen, die Menschen werden
ganz andere Worte haben, mit ihnen in ganz anderen Saetzen reden, und
wir wuerden sie gar nicht verstehen, wie wir nicht verstehen wuerden,
wenn etwas zehntausend Jahre vor uns gesagt worden waere und uns
vorlaege, selbst wenn wir der Sprache maechtig waeren. Was ist dann jeder
Ruhm? Aber kehren wir zu unserem Gegenstande zurueck und sehen wir von
Aegyptern, Assyrern, Indern, Medern, Hebraeern, Persern, von denen Kunde
zu uns herueber gekommen ist, ab und vergleichen wir uns nur allein mit
der griechisch-roemischen Welt, so duerfte in ihr wirklich mehr e$
eworden, und endlich stand Alles im Sonnenglanze ohne
ein Floeckchen Nebel, der wie ausgetilgt war, in sanfter Blaeue oder
wie in goldigem Schimmer oder wie im fernen, matten Silberglanze, in
tiefem Schweigen und unbeweglich da. Die Sonne strahlte einsam ohne
einer geselligen Wolke an dem Himmel. Die Kaelte war auch hier nicht
gross, geringer als ich sie im Tale beobachtet hatte, und nicht viel
groesser als sie auch zu Sommerszeiten auf diesen Hoehen ist.
Nachdem wir uns eine geraume Weile auf dem Eise aufgehalten hatten,
traten wir den Rueckweg an. Wir gelangten leicht an den gewoehnlichen
Ausgang des Gletschers, von wo aus man das Hinabgehen ueber die Berge
einleitet. Wir fanden unsere Fussstapfen, die in der ungetruebten
Oberflaeche des Schnees, da hierauf selten auch Tiere kommen, sehr
deutlich erkennbar waren, und gingen nach ihnen fort. Wir kamen
gluecklich ueber die schiefe Flaeche und langten gegen Abend in der
Ziegenalpe an. Es war hier schon zu dunkel, um noch etwas von der
Umgebung sehen zu koennen$
iner gedacht.
Es war auf einem etwas niederen Stuhle gesessen. Da es in meine Naehe
gekommen war, stand ich auf, wir verneigten uns gegen einander,
Mathilde ging wieder zu ihrem Sitze, und ich nahm auch den meinigen
wieder ein. Die Frau hatte wohl diese Begruessung eingeleitet, um mein
Erroeten vorueber gehen zu machen. Es war auch zum grossen Teile vorueber
gegangen. Sie hatte eine Antwort auf ihre an mich gerichtete Rede
auch wahrscheinlich nicht erwartet. Sie fragte mich jetzt um mehrere
gleichgueltige Dinge, die ich beantwortete.
In meine naeheren Verhaeltnisse oder etwa gar in die meiner Familie ging
sie nicht ein. Nachdem die Unterredung eine Weile gedauert hatte,
verabschiedete sie mich, sagte, ich moechte von der Reise etwas
ausruhen, bei dem Abendessen wuerden wir uns wieder sehen. Der Knabe
hatte waehrend der ganzen Zeit meine Hand gehalten, war neben mir
stehen geblieben und hatte oefter zu meinem Angesichte heraufgeschaut.
Ich loeste jetzt meine Hand aus der seinen, gruesste ihn noch, verneigte
mi$
Gustav,
der noch bei mir ist, sie brachte mir auch Natalien, die damals im
ersten Aufbluehen begriffen war. Eine groessere Gleichheit als zwischen
diesem Kinde und dem Kinde Mathilde kann nicht mehr gedacht werden.
Ich erschrak, als ich das Maedchen sah. Ob in den Jahren, in denen
jetzt Natalie ist, Mathilde auch ihr gleich gewesen ist, kann ich
nicht sagen; denn da war ich von Mathilden schon getrennt."
"Es begann nun eine sehr liebliche Zeit. Mathilde kam mit Natalien
oefter, um uns zu besuchen. Ich machte ihr in den ersten Tagen den
Vorschlag, dass ich die Rosen, wenn sie ihr schmerzliche Erinnerungen
weckten, von dem Hause entfernen wolle. Sie liess es aber nicht zu,
sie sagte, sie seien ihr das Teuerste geworden und bilden den Schmuck
dieses Hauses. Sie hatte sich zu einer solchen Milde und Ruhe
gestimmt, wie ihr sie jetzt kennt, und diese Lage ihres Wesens
befestigte sich immer mehr, je mehr sich ihre aeusseren Verhaeltnisse
einer Gleichmaessigkeit zuneigten und je mehr ihr Inneres, ich darf es
wohl sag$
wie fuer euch. Ich wuensche nicht, dass ihr
gegen eure kuenftige Gattin Geheimnisse habt, ihr koennt Natalien
mitteilen, was ich euch sagte, ich konnte es, wie ihr begreifet,
nicht. Ueber Nataliens Zukunft sprach ich oft mit Mathilden. Sie sollte
einen Gatten bekommen, den sie aus tiefer Neigung nimmt. Es sollte die
gegenseitige groesste Hochachtung vorhanden sein. Durch Beides sollte
sie das Glueck finden, das ihre Mutter und ihren vaeterlichen Freund
gemieden hat. Mathilde hat in Begleitung des alten Raimund, der
seitdem gestorben ist, grosse Reisen gemacht. Sie hat auf denselben
dauerndere Ruhe gesucht und auch gefunden. Sie hat sie in der
Betrachtung der edelsten Kunstwerke des menschlichen Geschlechtes und
in der Anschauung mancher Voelker und ihres Treibens gefunden. Natalie
ist dadurch befestigt, veredelt und geglaettet worden. Manche junge
Maenner hat sie kennen gelernt, aber sie hat nie ein Zeichen einer
Neigung gegeben. Sogenannte sehr glaenzende Verbindungen sind auf diese
Weise fuer sie verloren g$
ettelt habe,
Soll nun fuer andre borgen. Borgen ist
Viel besser nicht als betteln: so wie leihen,
Auf Wucher leihen, nicht viel besser ist,
Als stehlen. Unter meinen Ghebern, an
Dem Ganges, brauch ich beides nicht, und brauche
Das Werkzeug beider nicht zu sein. Am Ganges,
Am Ganges nur gibt's Menschen. Hier seid Ihr
Der einzige, der noch so wuerdig waere,
Dass er am Ganges lebte.--Wollt Ihr mit?--
Lasst ihm mit eins den Plunder ganz im Stiche,
Um den es ihm zu tun. Er bringt Euch nach
Und nach doch drum. So waer' die Plackerei
Auf einmal aus. Ich schaff Euch einen Delk.
Kommt! kommt!
Nathan. Ich daechte zwar, das blieb' uns ja
Noch immer uebrig. Doch, Al-Hafi, will
Ich's ueberlegen. Warte...
Al-Hafi. Ueberlegen?
Nein, so was ueberlegt sich nicht.
Nathan. Nur bis
Ich von dem Sultan wiederkomme; bis
Ich Abschied erst...
Al-Hafi. Wer ueberlegt, der sucht
Bewegungsgruende, nicht zu duerfen. Wer
Sich Knall und Fall, ihm selbst zu leben, nicht,
Entschliessen kann, der lebet andrer Sklav'
Auf immer.--Wie Ihr wollt!-$
en ungeheuern
Ruinen, lockt es sie durch seine Schwaerze an
Den irren Flug dahin zu steuern.
Es stimmt zu ihrem Sinn.  Sie taumelt aus der Luft
Herab, und stuerzet sich in eine finstre Gruft,
Um ungestoert ihr Daseyn wegzuweinen,
Und, unter Felsen, selbst, wo moeglich, zu versteinern.
Schon siebenmahl, seitdem Titania
Diess traurige Leben fuehrt, verjuengte sich die Erde
Ihr unbemerkt.  Als wie auf einem Opferherde
Liegt sie auf einem Stein, den Tod erwartend, da;
Der Tag geht auf und sinkt, die holde Schattensonne
Beleuchtet zauberisch die Felsen um sie her;
Vergebens! stroemten auch die Quellen aller Wonne
Auf einmahl ueber sie, ihr Herz blieb wonneleer.
Das einz'ge, was ihr noch, mit einem Traum des Schattens
Von Trost, ihr ewig Leid versuesst,
Ist, dass vielleicht der Zustand ihres Gattens
Dem ihren gleicht, und Er vielleicht noch haerter buesst.
Gewiss, noch liebt er sie! und o! wofern er liebet,
Er, durch sich selbst verdammt zum Schoepfer ihrer Pein
Und seiner eignen Qual, wie elend muss er seyn!
So el$
a kommt des Aufzugs Pracht, die Fei'rlichkeit, der Glanz
Der Sultanstochter, an der Hand des stolzen Gatten,
Kurz, jeder Umstand kommt dem andern da zu Statten,
Und traegt das Seine bey, die Sache rund und ganz
Zu machen.  Karlen bleibt nichts weiter einzuwenden,
Er hat den Glauben in den Augen und in Haenden;
Der Ritter hat sein Wort gehalten als ein Mann,
Und fordert frey was ihm kein Recht versagen kann.
"Das alles geht auf einmahl in die Brueche,
Freund Scherasmin, wenn du nicht klueger bist
Als der dich abgeschickt.  Wohlan, was Raths? was ist
Zu thun?--Das beste waer', auf allen Fall, er schliche
Mit seinem Kaestchen sich ganz sachte wieder ab
Eh' jemand ihn bemerkt, und ritt' im grossen Trab
Geraden Wegs nach Rom, dem Freyport aller Frommen,
Wo hoffentlich sein Herr inzwischen angekommen."
So sprach zu Scherasmin sein bessrer Genius:
Und da er ihm nach langem Ueberlegen
Nichts kluegers, wie ihn duenkt, entgegen
Zu setzen hatte, war sein endlicher Entschluss,
Der guten Stadt Paris das Schulterblatt zu w$
werde innern Zwists,
Hab ich von Margarethen mich getrennt,
Die keines Erbens Hoffnung mehr gewaehrt,
Und neuer Bande Wechsel mich gefuegt.
(Zur ganzen Versammlung sich gewendet.)
Ja, ja, ihr Herrn, damit ihr's alle wisst:
Zur Festigung des nur geschlossnen Friedens
Hat Koenig Bela mir die Hand geboten
Von Kunigunden, seinem Enkelkind,
Des Herzogs von Massovien einz'gen Tochter.
Da nun seit lang die Bischoefe des Reichs
Mich warnten meiner Eh' mit Margarethen;
Wie denn auch manches sonst dagegen spricht:
Denn erstens ist sie alt und unfruchtbar,
Kein Erbe laesst sich mehr von ihr erwarten;
Dann ist sie mir verwandt in--was weiss ich,
In welchem und wievieltem Grad, und endlich--
Allein wozu noch lange eins und zwei;
Denn erstens, zweitens, drittens: bleibt's dabei!
Die Koenigin wird kommen, Handfest unterzeichnen,
Die Schenkung wiederholen ihrer Lande,
Und des zu Zeugen seid ihr hier versammelt.
(Er besteigt den Thron.)
Der Kanzler (der seine Papiere auf demselben Tische ausgebreitet hat,
an dem vorher der Ko$
mal
Erschien statt Euch der wuerd'ge Herr von Seckau,
Doch der nicht allzu wuerdig sich benahm.
Die Lehn von Boehmen gab mir Koenig Richard.
Ja, der von Kornwall. Ei, es gab 'ne Zeit,
Wo man in Deutschland fuer sein bares Geld
Noch mehr erhalten konnt' als Lehn und Land!
Doch damit ist's vorbei! Ich hab's geschworen,
Geschworen meinem grossen, gnaed'gen Gott,
Dass Recht soll herrschen und Gerechtigkeit
Im deutschen Land; und so soll's sein und bleiben!
Ihr habt Euch schlecht benommen, Herr von Boehmen,
Als Reichsfuerst gegen Kaiser und das Reich!
Dem Erzbischof von Salzburg seid Ihr feindlich
Mit Raub und Mord gefallen in sein Land,
Und Eure Voelker haben drin gehaust,
Dass Heiden sich der Greuel scheuen wuerden.
Die Fehde ward ihm ehrlich angesagt.
Hier aber gilt's nicht Fehde; Ruhe, Herr!
Die Lande Oesterreich und Steiermark,
Mit Kaernten und mit Krain, der Wind'schen Mark,
Als ungerecht dem Reiche vorenthalten,
Gebt wieder Ihr zurueck in meine Hand!
Ist hier nicht Feder und Papier? wir wollen
Die Handfest $
dem er verwandt, so rings umstrickt mit
Bubereien...nicht doch, mein Furst!! Die Mausefalle? Und wie das?
Metaphorisch! Ich bitte, spotte meiner nicht, mein Schulfreund; Du
kamst gewiss zu meiner Mutter Hochzeit!
Armer Yorick! Denn wenn die Sonne Maden aus einem toten Hunde
ausbrutet, eine Gottheit, die Aas kusst...Armer Yorick!
Sein Wahnsinn war des armen Hamlet Feind.--
Amalie, die endlich ihre Drohung wahrgemacht und in der Tat seit
einiger Zeit etwas zu tun  angefangen hatte, was sie Trikottaillen
nahen nannte, liess alles getrost uber sich ergehen. Es hatte ja
keinen Zweck! Es war ja alles egal! So oder so.
Der gute, kleine Ole Nissen war unendlich zarter besaitet.  Da
Frau Wachtel so freundlich gewesen war und ihm nach so vielen
andern geliebten Gegenstanden kurzlich auch noch seine schonen
leberwurstfarbenen Pantalons ins Leihhaus getragen hatte, war er
jetzt dazu verdammt, die ganzen Tage uber in seinem Bett zu liegen
und durch die dunnen Bretterwande durch die ganze Wirtschaft mit
"Ha! Buberei! Auf, $
eil an dem Gespraech, tritt naeher)
Herr Praesident!  Dem Kaiser steht in Deutschland
     Ein stattlich Kriegsvolk da, es kantonieren
     In diesem Koenigreich wohl dreissigtausend ,
     Wohl sechzehntausend Mann in Schlesien;
     Zehn Regimenter stehn am Weserstrom,
     Am Rhein und Main; in Schwaben bieten sechs,
     In Bayern zwoelf den Schwedischen die Spitze.
     Nicht zu gedenken der Besatzungen,
     Die an der Grenz' die festen Plaetze schirmen.
     All dieses Volk gehorcht Friedlaendischen
     Hauptleuten.  Die's befehligen, sind alle
     In eine Schul' gegangen, eine Milch
     Hat sie ernaehrt, ein Herz belebt sie alle.
     Fremdlinge stehn sie da auf diesem Boden,
     Der Dienst allein ist ihnen Haus und Heimat.
     Sie treibt der Eifer nicht fuers Vaterland,
     Denn Tausende, wie mich, gebar die Fremde.
     Nicht fuer den Kaiser, wohl die Haelfte kam
     Aus fremdem Dienst feldfluechtig uns herueber,
     Gleichgueltig, unterm Doppeladler fechtend
     Wie unterm Loewen und den L$
bstanz
waere wieder die Welt der Wahrnehmung, worin das eine der beiden
Gesetze sein Wesen triebe, und ihr gegenueber eine innre Welt, _gerade
eine solche sinnliche Welt_ wie die erste, aber in der _Vorstellung_;
sie koennte nicht als sinnliche Welt aufgezeigt, nicht gesehen, gehoert,
geschmeckt werden, und doch wuerde sie vorgestellt, als eine solche
sinnliche Welt.  Aber in der Tat, wenn _das eine Gesetzte_ ein
Wahrgenommenes ist, und sein _An-sich_, als das Verkehrte desselben,
ebenso ein _sinnlich Vorgestelltes_, so ist das Saure, was das
An-sich des _suessen_ Dinges waere, ein so wirkliches Ding wie es, ein
_saures_ Ding; das Schwarze, welches das An-sich des Weissen waere, ist
das wirkliche Schwarze; der Nordpol, welcher das An-sich des Suedpols
ist, ist der _an demselben Magnete vorhandne_ Nordpol; der
Sauerstoffpol, der das An-sich des Wasserstoffpols ist, der
_vorhandne_ Sauerstoffpol derselben Saeule.  Das _wirkliche_
Verbrechen aber hat _seine Verkehrung_, und _sein An-sich_ als
_Moeglichkeit_ in _$
 ihr, dass sie eine solche Verwirklichung des Gesetzes ist, wodurch
die Taetigkeit, die es als Strafe hat, _sich selbst aufhebt_, es aus
taetigem wieder _ruhiges_ und geltendes Gesetz wird, und die Bewegung
der Individualitaet gegen es, und seiner gegen sie erloschen ist.
Aus der Vorstellung also der Verkehrung, die das Wesen der einen
Seite der uebersinnlichen Welt ausmacht, ist die sinnliche Vorstellung
von der Befestigung der Unterschiede in einem verschiedenen Elemente
des Bestehens zu entfernen, und dieser absolute Begriff des
Unterschieds, als innrer Unterschied, Abstossen des Gleichnamigen als
Gleichnamigen von sich selbst, und Gleichsein des Ungleichen als
Ungleichen rein darzustellen und aufzufassen.  Es ist der reine
Wechsel, oder _die Entgegensetzung in sich selbst, der Widerspruch zu
denken_.  Denn in dem Unterschiede, der ein innerer ist, ist das
Entgegengesetzte nicht nur _eines von zweien_--sonst waere es ein
_Seiendes_, und nicht ein Entgegengesetztes--; sondern es ist das
Entgegengesetzte ein$
der reinen Abstraktion des
Selbstbewusstseins besteht darin, sich als reine Negation seiner
gegenstaendlichen Weise zu zeigen, oder es zu zeigen, an kein
bestimmtes _Dasein_ geknuepft, an die allgemeine Einzelnheit des
Daseins ueberhaupt nicht, nicht an das Leben geknuepft zu sein.  Diese
Darstellung ist das _gedoppelte_ Tun; Tun des Andern, und Tun durch
sich selbst.  Insofern es Tun _des Andern_ ist, geht also jeder auf
den Tod des Andern.  Darin aber ist auch das zweite, _das Tun durch
sich selbst_, vorhanden; denn jenes schliesst das Daransetzen des
eignen Lebens in sich.  Das Verhaeltnis beider Selbstbewusstsein ist
also so bestimmt, dass sie sich selbst und einander durch den Kampf
auf Leben und Tod _bewaehren_.--Sie muessen in diesen Kampf gehen, denn
sie muessen die Gewissheit ihrer selbst, _fuer sich zu sein_, zur
Wahrheit an dem Andern und an ihnen selbst erheben.  Und es ist
allein das Daransetzen des Lebens, wodurch die Freiheit, wodurch es
bewaehrt wird, dass dem Selbstbewusstsein nicht das _Sein$
