au premier rang des
sujets tragiques). Euripides hatte sie behandelt, und Arist:teles meldet,
da, so oft der 'Kresphont' des Euripides auf dem Theater des witzigen
Athens vorgestellet worden, dieses an tragische Meisterstcke so gewhnte
Volk ganz auerordentlich sei betroffen, gerhrt und entzckt worden."
--Hbsche Phrases, aber nicht viel Wahrheit! Der Pater irret sich in beiden
Punkten. Bei dem letztern hat er den Aristoteles mit dem Plutarch vermengt
und bei dem erstern den Aristoteles nicht recht verstanden. Jenes ist eine
Kleinigkeit, aber ber dieses verlohnet es der Mhe, ein paar Worte zu
sagen, weil mehrere den Aristoteles ebenso unrecht verstanden haben.
Die Sache verhlt sich wie folget. Aristoteles untersucht in dem
vierzehnten Kapitel seiner "Dichtkunst", durch was eigentlich fr
Begebenheiten Schrecken und Mitleid erreget werde. Alle Begebenheiten,
sagt er, mssen entweder unter Freunden oder unter Feinden oder unter
gleichgltigen Personen vorgehen. Wenn ein Feind seinen Feind ttet,
so erwe$
hn zu
verjngen? "Die Belohnung meines Dienstes", antwortet der Alte, "ist
dieser Dienst selbst; ist dieses, da ich dich vergngt sehe. Was
knntest du mir auch geben? Ich brauche nichts, ich verlange nichts.
Eines mchte ich mir wnschen, aber das stehet weder in deiner; noch in
irgendeines Sterblichen Gewalt, mir zu gewhren; da mir die Last meiner
Jahre, unter welcher ich erliege, erleichtert wrde usw."[3] Heit das:
Erleichtere du mir diese Last? Gib du mir Strke und Jugend wied/r? Ich
will gar nicht sagen, da eine solche Klage ber die Ungemchlichkeiten
des Alters hier an dem schicklichsten Orte stehe, ob sie schon vollkommen
in dem Charakter des Polydors ist. Aber ist denn jede Unschicklichkeit
Wahnwitz? Und muten nicht Polydor und sein Dichter im eigentlichsten
Verstande wahnwitzig sein, wenn dieser jenem die Bitte wirklich in den
Mund legte, die Lindelle ihnen anlgt?--Anlgt! Lgen! Verdienen solche
Kleinigkeiten wohl so harte Worte?--Kleinigkeiten? Was dem Lindelle
wichtig genug war, darum zu$
aus
dem Tempel in den Flu, dieses auch? War denn auer ihnen niemand in
diesem Temel? Es sei so; auch ist das die grte Ungereimtheit noch
nicht. Das Wie liee sich noch denken: aber das Warum gar nicht. Maffeis
Aegisth trgt den Krper in den Flu, weil er sonst verfolgt und erkannt
zu werden frchtet; weil er glaubt, wenn der Krper beiseite geschafft
sei, da sodann nichts seine Tat verraten knne; da diese sodann,
mitsamt dem Krper, in der Flut begraben sei. Aber kann das Voltairens
Aegisth auch glauben? Nimmermehr; oder der zweite htte nicht entkommen
mssen. Wird sich dieser begngen, sein Leben davongetragen zu haben?
Wird er ihn nicht, wenn er auch noch so furchtsam ist, von weiten
beobachten? Wird er ihn nicht mit seinem Geschrei verfolgen, bis ihn
andere festhalten? Wird er ihn nicht anklagen und wider ihn zeugen? Was
hilft es dem Mrder also, das corpus delicti weggebracht zu haben? Hier
ist ein Zeuge, welcher es nachweisen kann. Diese vergebene Mhe htte er
sparen und dafr eilen sollen, je$
er herausnimmt, blindes Geschick und
Grausamkeit scheinet. Aus diesen wenigen Gliedern sollte er ein Ganzes
machen, das vllig sich rundet, wo eines aus dem andern sich vllig
erklret, wo keine Schwierigke+t aufstt, derenwegen wir die Befriedigung
nicht in seinem Plane finden, sondern sie auer ihm, in dem allgemeinen
Plane der Dinge suchen mssen; das Ganze dieses sterblichen Schpfers
sollte ein Schattenri von dem Ganzen des ewigen Schpfers sein; sollte
uns an den Gedanken gewhnen, wie sich in ihm alles zum Besten auflse,
werde es auch in jenem geschehen: und er vergit diese seine edelste
Bestimmung so sehr, da er die unbegreiflichen Wege der Vorsicht mit in
seinen kleinen Zirkel flicht und geflissentlich unsern Schauder darber
erregt?--O verschonet uns damit, ihr, die ihr unser Herz in eurer Gewalt
habt! Wozu diese traurige Empfindung? Uns Unterwerfung zu lehren? Diese
kann uns nur die kalte Vernunft lehren; und wenn die Lehre der Vernunft
in uns bekleiben soll, wenn wir, bei unserer Unterwerfung$
e Fertigkeit zu beeifern, diesen einen Zweck keinen
Augenblick aus dem Gesichte zu lassen und mit der ngstlichen Sorgfalt
ihre Lieblingscharaktere in bestndigem Spiele und ununterbrochner
Ttigkeit zu erhalten. Man knnte ber diese ungescXickte Anstrengung
ihres Witzes sagen, da sie mit den Personen ihres Stcks nicht anders
umgehen, als gewisse spahafte Leute mit ihren Bekannten, denen sie mit
ihren Hflichkeiten so zusetzen, da sie ihren Anteil an der allgemeinen
Unterhaltung gar nicht nehmen knnen, sondern nur immer, zum Vergngen
der Gesellschaft, Sprnge und Mnnerchen machen mssen."
[1] Non hominem ex aere iecit, sed iracundiam. Plinius libr. 34. 8.
[2] Beim B. Jonson sind zwei Komdien, die er vom Humor benennt hat;
die eine "Every Man in his Humour" und die andere "Every Man out of
his Humour". Das Wort Humor war zu seiner Zeit aufgekommen und wurde
auf die lcherlichste Weise gemibraucht. Sowohl diesen Mibrauch als
den eigentlichen Sinn desselben bemerkt er in folgender Stelle selbst:
    A$
asauboni wrden die Kpfe trefflich geschttelt haben, wenn
sie gefunden htten, wie selten ich irgendeines chronologischen Umstandes
gedenke, der knftig einmal, wenn Millionen anderer Bcher
verlorengegangen wren, auf irgendein historisches Faktum einiges Licht
werfen knnte. In welchem Jahre Ludewigs des Vierzehnten, oder Ludewigs
des Funfzehnten, ob zu Paris, oder zu Versailles, ob in Gegenwart der
Prinzen vom Geblte, oder nicht der Prinzen vom Geblte, dieses oder
jenes franzsische Meisterstck zuerst aufgefhret worden: das wrden sie
bei mir gesucht und zu ihrem groen Erstaunen nicht gefunden haben.
Was sonst diese Bltter werden sollten, darber habe ich mich in der
Ankndigung erklret: was sie wirklich geworden, das werden meine Leser
wissen. Nicht vllig das, wozu ich siezu machen versprach: etwas
anderes; aber doch, denk' ich, nichts Schlechteres.
"Sie sollten jeden Schritt begleiten, den die Kunst, sowohl des Dichters
als des Schauspielers hier tun wrde."
Die letztere Hlfte bin ich sehr ba$
st kuerzlich den ganzen Stamm auf den
Grund wirklich verpflanzt, auf welchem er sich gewachsen zu sein ruehmte.
Colman, unstreitig itzt ihr bester komischer Dichter, hat die
"Schottlaenderin", unter dem Titel des "Englischen Kaufmanns", uebersetzt
und ihr vollends alle das nationale Kolorit gegeben, das ihr in dem
Originale noch mangelte. So sehr der Herr von Voltaire die englischen
Sitten auch kennen will, so hatte er doch haeufig dagegen verstossen; z.E.
darin, dass er seine Lindane auf einem Kaffeehause wohnen laesst. Colman
mietet sie afuer bei einer ehrlichen Frau ein, die moeblierte Zimmer haelt,
und diese Frau ist weit anstaendiger die Freundin und Wohltaeterin der
jungen verlassenen Schoene, als Fabriz. Auch die Charaktere hat Colman
fuer den englischen Geschmack kraeftiger zu machen gesucht. Lady Alton ist
nicht bloss eine eifersuechtige Furie; sie will ein Frauenzimmer von Genie,
von Geschmack und Gelehrsamkeit sein und gibt sich das Ansehen einer
Schutzgoettin der Literatur. Hierdurch glaubte er d$
 der raecherischen
Majestaet, auszudruecken vermoechte, oder die, welche die eifersuechtige
Liebhaberin, mit allen kraenkenden Empfindungen der verschmaehten Liebe,
mit aller Bereitwilligkeit, dem teuern Frevler zu vergeben, mit aller
Beaengstigung ueber seine Hartnaeckigkeit, mit allem Jammer ueber seinen
Verlust, angemessener waere? Und ich sage: diese.
Denn erstlich wird dadurch die Verdopplung des naemlichen Charakters
vermieden. Essex ist stolz; und wenn Elisabeth auch stolz sein soll, so
muss sie es wenigstens auf eine andere Art sein. Wenn bei dem Grafen die
Zaertlichkeit nicht anders, als dem Stolze untergeordnet sein kann, so muss
bei der Koenigin die Zaertlichkeit den Stolz ueberwiegen. Wenn der Graf sich
eine hoehere Miene gibt, als ihm zukommt, so muss die Koenigin et|as weniger
zu sein scheinen, als sie ist. Beide auf Stelzen, mit der Nase nur immer
in der Luft einhertreten, beide mit Verachtung auf alles, was um sie ist,
herabblicken lassen, wuerde die ekelste Einfoermigkeit sein. Man muss nicht$
t auch
eine schaetzbare Arzenei; und die ganze Moral hat kein kraeftigers,
wirksamers, als das Laecherliche.--
"Das Raetsel oder Was den Damen am meisten gefaellt", ein Lustspiel in
einem Aufzuge von Herr Loewen, machte diesen Abend den Beschluss.
Wenn Marmontel und Voltaire nicht Erzaehlungen und Maerchen geschrieben
haetten, so wuerde das franzoesische Theater eine MengB Neuigkeiten haben
entbehren muessen. Am meisten hat sich die komische Oper aus diesen
Quellen bereichert. Des letztern "Ce qui plait aux dames" gab den Stoff
zu einem mit Arien untermengten Lustspiele von vier Aufzuegen, welches
unter dem Titel "La fee Urgele", von den italienischen Komoedianten zu
Paris, im Dezember 1765 aufgefuehret ward. Herr Loewen scheinet nicht
sowohl dieses Stueck, als die Erzaehlung des Voltaire selbst vor Augen
gehabt zu haben. Wenn man bei Beurteilung einer Bildsaeule mit auf den
Marmorblock zu sehen hat, aus welchem sie gemacht worden; wenn die
primitive Form dieses Blockes es zu entschuldigen vermag, dass dieses$
icht anders als unter gewissen Zuegen der Kunst sehen;
und diese Zuege muessten zu Paris weit anders als zu Verona sein. Das ganze
Schreiben ist mit der aeussersten Politesse abgefasst; Maffei hat nirgends
gefehlt; alle seine Nachlaessigkeiten und Maengel werden auf die Rechnung
seines Nationalgeschmacks geschrieben; es sind wohl noch gar Schoenheiten,
aber leider nur Schoenheiten fuer Italien. Gewiss, man kann nicht hoeflicher
kritisieren! Aber die verzweifelte Hoeflichkeit! Auch einem Franzosen wird
sie gar bald zu Last, wenn seine Eitelkeit im geringsten dabei leidet.
Die Hoeflichkeit macht, dass wir liebenswuerdig scheinen, aber nicht gross;
und der Franzose will ebenso gross, als liebenswuerdig scheinen.
Was folgt also auf die galante Zueignungsschrift des Hrn. von Voltaire?
Ein Schreiben eines gewissen de la Lindelle, welcher dem guten Maffei
ebensoviel Grobheite7 sagt, als ihm Voltaire Verbindliches gesagt hatte.
Der Stil dieses de la Lindelle ist ziemlich der Voltairische Stil; es ist
schade, dass ein$
 der
Waffen vermocht, des ausdruecklichen Verbots der Koenigin ungeachtet,
nach England ueber. Dieser unbedachtsame Schritt macht seinen Feinden
ebensoviel Vergnuegen, al( seinen Freunden Unruhe; besonders zittert die
Graefin von Rutland, mit welcher er insgeheim verheiratet ist, vor den
Folgen. Am meisten aber betruebt sich die Koenigin, da sie sieht, dass ihr
durch dieses rasche Betragen aller Vorwand benommen ist, ihn zu vertreten,
wenn sie nicht eine Zaertlichkeit verraten will, die sie gern vor der
ganzen Welt verbergen moechte. Die Erwaegung ihrer Wuerde, zu welcher ihr
natuerlicher Stolz koemmt, und die heimliche Liebe, die sie zu ihm traegt,
erregen in ihrer Brust den grausamsten Kampf. Sie streitet lange mit sich
selbst, ob sie den verwegnen Mann nach dem Tower schicken oder den
geliebten Verbrecher vor sich lassen und ihm erlauben soll, sich gegen
sie selbst zu rechtfertigen. Endlich entschliesst sie sich zu dem letztern,
doch nicht ohne alle Einschraenkung; sie will ihn sehen, aber sie will ihn
auf$
en Gesichte:
er kann nicht begreifen, in welcher Absicht die Natur ein so goettliches
Monstrum gebildet und auf seinem Gesichte so schwarzen Basalt mit so
glaenzendem Helfenbeine gepaaret habe; ob mehr zur Bewunderung, oder mehr
zur Verspottung?[3] Kaum hat sich das Frauenzimmer wieder angekleidet,
als, unter der Ausrufung: Stir, Tyrannin! ein Schuss auf sie geschieht,
und gleich darauf zwei maskierte Maenner mit blossem Degen auf sie
losgehen, weil der Schuss sie nicht getroffen zu haben scheinet. Essex
besinnt sich nicht lange, ihr zu Hilfe zu eilen. Er greift die Moerder an,
und sie entfliehen. Er will ihnen nach; aber die Dame ruft ihn zurueck und
bittet ihn, sein Leben nicht in Gefahr zu setzen. Sie sieht, dass er
verwundet ist, knuepft ihre Schaerpe los und gibt sie ihm, sich die Wunde
damit zu verbinden. Zugleich, sagt sie, soll diese Schaerpe dienen, mich
Euch zu seiner Zeit zu erkennen zu geben; itzt muss ich mich entfernen,
ehe ueber den Schuss mehr Laermen entsteht; ich moechte nicht gern, dass di$
der Blanca denken zu duerfen. Besonders
geht sie mit den Voraussetzungen wider die Blanca ein wenig sehr weit;
sie denkt ueber diesen Punkt ueberhaupt lange so zaertlich und sittsam
nicht, als wir es wohl wuenschen moechten, und als sie auf unsern Theatern
denken muesste.[1]
Es kommen der Herzog und der Kanzler: jener, ihr seine Freude ueber die
glueckliche Erhaltung ihres Lebens zu bezeigen; dieser, ihr einen neuen
Beweis, der sich wider den Essex aeussert, vorzulegen. Auf der Pistole, die
man ihm aus der Hand genommen, steht sein Name; sie gehoert ihm; und wem
sie gehoert, der hat sie unstreitig auch brauchen wollen.
Doc nichts scheinet den Essex unwidersprechlicher zu verdammen, als was
nun erfolgt. Cosme hat, bei anbrechendem Tage, mit dem bewussten Briefe
nach Schottland abgehen wollen und ist angehalten worden. Seine Reise
sieht einer Flucht sehr aehnlich, und solche Flucht laesst vermuten, dass er
an dem Verbrechen seines Herrn Anteil koenne gehabt haben. Er wird also
vor den Kanzler gebracht, und die$
g
sind, doch gruendlichere veranlassen koennen.--Der Hauptgedanke ist dieser:
Es ist wahr, und auch nicht wahr, dass die komische Tragoedie, gotischer
Erfindung, die Natur getreu nachahmet; sie ahmet sie nur in einer Haelfte
getreu nach und vernachlaessiget die andere Haelfte gaenzlich; si ahmet die
Natur der Erscheinungen nach, ohne im geringsten auf die Natur unserer
Empfindungen und Seelenkraefte dabei zu achten.
In der Natur ist alles mit allem verbunden; alles durchkreuzt sich, alles
wechselt mit allem, alles veraendert sich eines in das andere. Aber nach
dieser unendlichen Mannigfaltigkeit ist sie nur ein Schauspiel fuer einen
unendlichen Geist. Um endliche Geister an dem Genusse desselben Anteil
nehmen zu lassen, mussten diese das Vermoegen erhalten, ihr Schranken zu
geben, die sie nicht hat; das Vermoegen abzusondern und ihre Aufmerksamkeit
nach Gutduenken lenken zu koennen.
Dieses Vermoegen ueben wir in allen Augenblicken des Lebens; ohne dasselbe
wuerde es fuer uns gar kein Leben geben; wir wuerden$
en, ohne
irgendeinen Menschen angetroffen zu haben, der die seinige esucht haette:
das, sollte ich fast sagen, ist schlechterdings unmoeglich. Oder wenn es
moeglich waere, welche Menge ganz besonderer Umstaende muessten von beiden
Seiten, von seiten der Welt und von seiten dieses so lange insulierten
Wesens zusammengekommen sein, diese traurige Moeglichkeit wirklich zu
machen? Jahrhunderte auf Jahrhunderte werden verfliessen, ehe sie wieder
einmal wirklich wird. Wolle der Himmel nicht, dass ich mir je das
menschliche Geschlecht anders vorstelle! Lieber wuenschte ich sonst, ein
Baer geboren zu sein, als ein Mensch. Nein, kein Mensch kann unter
Menschen so lange verlassen sein! Man schleudere ihn hin, wohin man will:
wenn er noch unter Menschen faellt, so faellt er unter Wesen, die, ehe er
sich umgesehen, wo er ist, auf allen Seiten bereit stehen, sich an ihn
anzuketten. Sind es nicht vornehme, so sind es geringe! Sind es nicht
glueckliche, so sind es unglueckliche Menschen! Menschen sind es doch
immer. So wie$
te
[1] In calling the tragic character particular, I suppose it only less
representative of the kind than the comic; not that the draught ofso
much character as it is concerned to represent should not be general.
----Fussnote
Sechsundneunzigstes Stueck
Den 1. April 1768
Den zweiundfunfzigsten Abend (dienstags, den 28. Julius) wurden des Herrn
Romanus "Brueder" wiederholt.
Oder sollte ich nicht vielmehr sagen: "Die Brueder" des Herrn Romanus?
Nach einer Anmerkung naemlich, welche Donatus bei Gelegenheit der "Brueder"
des Terenz macht: Hanc dicunt fabulam secundo loco actam, etiam tum rudi
nomine poetae; itaque sic pronunciatam, Adelphoi Terenti, non Terenti
Adelphoi, quod adhuc magis de fabulae nomine poeta; quam de poetae nomine
fabula commendabatur. Herr Romanus hat seine Komoedien zwar ohne seinen
Namen herausgegeben: aber doch ist sein Name durch sie bekannt geworden.
Noch itzt sind diejenigen Stuecke, die sich auf unserer Buehne von ihm
erhalten haben, eine Empfehlung seines Namens, der in Provinzen
Deut$
von dem andern
trennen lasse, die zu keinem von beiden aufgelegt sind.
Doch was halte ich mich mit diesen Schwaetzern auf? Ich will meinen Gang0gehen und mich unbekuemmert lassen, was die Grillen am Wege schwirren.
Auch ein Schritt aus dem Wege, um sie zu zertreten, ist schon zu viel.
Ihr Sommer ist so leicht abgewartet!
Also, ohne weitere Einleitung, zu den Anmerkungen, die ich bei
Gelegenheit der ersten Vorstellung der "Brueder" des Herrn Romanus[2]
annoch ueber dieses Stueck versprach!--Die vornehmsten derselben werden die
Veraenderungen betreffen, die er in der Fabel des Terenz machen zu muessen
geglaubet, um sie unsern Sitten naeher zu bringen.
Was soll man ueberhaupt von der Notwendigkeit dieser Veraenderungen sagen?
Wenn wir so wenig Anstoss finden, roemische oder griechische Sitten in der
Tragoedie geschildert zu sehen: warum nicht auch in der Komoedie? Woher die
Regel, wenn es anders eine Regel ist, die Szene der erstern in ein
entferntes Land, unter ein fremdes Volk; die Szene der andern aber in
uns$
iege Englands gegen seine amerikanischen
Kolonien; etwa 30,000 Mann sind dazu aus Deutschland gestellt,
wofr dieses gegen 8 Mill. Pfd. Sterl. erhielt. Der Landgraf
Wilhelm VIII. von Hessen vermietete whrend des
sterreichischen Erbfolgekriegs sowohl Truppen an England als
an Karl VII., also an die sich bekriegenden Gegner. Die
Fremdentruppen (s. d.), die Schweizerregimenter, die sich oft in
den feindlichen Parteien gegenberstanden, gehren zum S.
Vgl. Jhns, Heeresverfassungen und Vlkerleben (Berl.
1885); Winter, ber Soldtruppen (8. Beiheft zum
"Militrwocheeblatt" 1884).
Soldatska (ital.), das Soldatentum, mit dem
Nebenbegriff des bermtigen und Eigenmchtigen.
Soldau (poln. Dzialdowo), Stadt im preu.
Regierungsbezirk Knigsberg, Kreis Neidenburg, am Flusse S.,
Knotenpunkt der Linie Allenstein-S. und der Eisenbahn
Marienburg-Mlawka, 157 m . M., hat eine evangelische und eine
kath. Kirche, eine Synagoge, Ruinen eines alten Ordensschlosses,
ein Amtsgericht, Spiritusfabrikation, Getreide- und Schweineh$
 entfernt sind. Der
nrdlich vom quator gelegene ist der Anfangspunkt des
Sternzeichens des Krebses und heit die Sommersonnenwende
oder das Sommersolstitium, weil der Durchgang der Sonne durch
denselben den Anfang des astronomischen Sommers der nrdlichen
Erdhalbkugel bezeichnet; der sdliche dagegen, der
Anfangspunkt des Steinbocks, wird die Wintersonnenwende, das
Witersolstitium, genannt, weil dort die Sonne zu Anfang des
astronomischen Winters steht. Mit dem Namen S. (Solstitien)
bezeichnet man auch die Zeitpunkte, in denen die Sonne durch diese
Punkte geht; die durch die letztern gelegten Parallelkreise des
Himmels heien Wendekreise. Vgl. Ekliptik.
Sonnenwendfeier, s. Johannisfest.
Sonnenzeit, die durch die scheinbare tgliche
Bewegung der Sonne bestimmte Zeit im Gegensatz zur Sternzeit, deren
Grundlage der Sterntag (s. Tag) bildet. Der wahre Sonnentag oder
die Zeit zwi-
Sonnenzirkel - Sonntag.
schen zwei aufeinander folgenden Kulminationen der Sonne
mu etwas lnger sein als der Sterntag, weil die So$
en. Auch die
Westkste Spaniens trgt im ganzen diesen Charakter; doch
ist sie viel zugnglicher als jene, weil hier die Gebirge nur
in den Kaps bis an das Meer herantreten und sich im Hintergrund der
Rias gewhnlich Ebenen befinden. Die Sd- und
Ostkste lt dagegen eine Anzahl weitr, flacher
Meerbusen und dazwischen befindliche, in felsige Vorgebirge endende
Landvorsprnge erkennen, ist also gegliederter als die Nord-
und Westkste und durch sichere Hfen zugnglich.
Die wichtigsten Buchten der Sdkste sind von W. nach O.
die Golfe von Cadiz, Malaga und Almeria sowie die Bucht von
Cartagena, an der Ostkste die Bai von Alicante und der Golf
von Valencia.
Bodengestaltung.
Was die Bodengestaltung anlangt, so besteht die Pyrenische
Halbinsel zum groen Teil aus einem das Zentrum derselben
einnehmenden Plateau oder Tafelland von trapezoidaler Gestalt, das
ein Areal von etwa 231,000 qkm (4200 QM.) bedeckt und ringsum von
Gebirgen umwallt ist, auch mehrere Gebirgsmassen auf seiner
Oberflche trgt. Dieses zen$
en cuadros sinopticos"),
Giner de los Rios u. a. - Die wissenschaftliche Theologie blieb
infolge der Unbekanntschaft mit philosophischer Spekulation starrer
Dogmatismus im theoretischen, Kasuistik und Askese im praktischen
Teil. Das ganze Mittelalter hindurch galt in der Theologie die
scholastische Weisheit des Isidorus Hispalensis als erste
einheimische Autoritt. Im 15. und 16. Jahrh. machten zwar die
Kardinle Torquemada, der Groinquisitor, und Jimenez,
der Regent, Miene, das Bibelstudium zu frdern, und sogar
Philipp II. untersttzte die von einem Spanier, Arias
Montnus, in Angriff genommene Antwerpener Polyglotte. Aber im
grellen Kontrast zu dieser wenn auch vornehmlich des litterarischen
Ruhms wegen entwickelten, doch immerhin verdienstlichen
Thtigkeit steht es, wenn der Versuch, die Bibel dem Volk
selbst zugnglich zu machen, sogar an einem so
strengglubigen Priester wie Luis de Leon durch die
Inquisition mit Kerker bestraft ward. Nur in der mystischen Askese
und in der Homiletik hat die glubige B$
en, welche zu S. (meist in einem Gebude des
Ratshofs) gehalten wurden, sind besonders die von 1526 (vgl.
Friedensburg, Der Reichstag zu S. 1526, Berl. 1887) und von 1529
wichtig, von denen der erste die Ausfhrung des Wormser Edikts
vertagte, der zweite die Einigung der Evangelischen zu einer
Protestationsschrift (daher "Protestanten") veranlate.
Stdtetage haben 1346 und 1381 st*ttgefunden. Der Friede zu S.
1544 enthielt den Verzicht des Hauses Habsburg auf die Krone von
Dnemark-Norwegen. Im Dreiigjhrigen Krieg wurde
die Stadt 1632-35 abwechselnd von den Schweden, den Kaiserlichen
und den Franzosen erobert. Durch Kapitulation wurde sie 1688
wiederum an die Franzosen bergeben, die sie aber 1689 (im
Mai) beim Anrcken der Alliierten wieder rumten, nachdem
sie die Festungswerke geschleift und die Stadt zum Teil
niedergebrannt hatten. Anfang Oktober 1792 wurde die Stadt von den
Franzosen unter Custine eingenommen und gebrandschatzt. Von 1801
bis 1814 war S. die Hauptstadt des franz. Depart. Donnersberg,
w$
, dunkelgrau, fast
schwarz, vom spez. Gew. 3,5-3,7; es ist sehr zh, etwas
elastisch, die Zugfestigkeit betrgt 45 kg pro 1 qcm, es
leitet die Wrme schlecht und schmilzt bei 156-170. Auf
der Bruchflche ist es dem Gueisen hnlich, und
der Ausdehnungskoeffizient scheint sehr klein zu sein. Beim
Erstarren dehnt es sich wie Wismut und Letternmetall aus, liefert
sehr scharfe Abgsse und eignet sich zur Verbindung von Gas-
und Wasserrhren. Im Vergleich mit andern metallischei
Substanzen widersteht das S. den Suren und Alkalien sehr gut,
auch nimmt es hohe Politur an und verliert diese nicht unter dem
Einflu der Witterung. Es lt sich auch sehr gut
bearbeiten, und bei seinem niedrigen Preis und dem geringen
spezifischen Gewicht stellt sich die Benutzung ungemein billig. Da
es von Wasser nicht angegriffen wird, eignet es sich
vorzglich zur Herstellung von Wasserzisternen, wegen des
schlechten Wrmeleitungsvermgens zur Bekleidung von
Wasserrhren, die es auch vor Rost schtzt. In chemischen
Fabriken drfte d$
es
Mittelpunktes C und zwar, da ihre Ablenkung um so grer
ist, je weiter der getroffene Spiegelpunkt von der Achse absteht,
in einem einzigen Punkt A, welchen man das Bild des Punktes a
nennt. Bringt man nach A einen Lichtpunkt, so mssen seine
Strahlen, indem sie sich auf denselben Bahnen in entgegengesetzter
Richtung bewegen, im Punkt a zusammentreffen. Die Punkte a und A
gehren also in der Weise zusammen, da jeder das Bild
des andern ist, und heien deshalb zusammengehrige oder
konjugierte Punkte. Ist ein Lichtpunkt (A, Fig. 6) um weniger als
die Brennweite F vom Spiegel entfernt, so vermag dieser die zu
stark auseinander fahrenden Strahlen nicht mehr in einem vor dem
Spiegel gelegenen Punkt zu vereinigen, sondern die
zurckgeworfenen Strahlen gehen jetzt auseinander, jedoch so,
als ob sie von einem hinter dem Spiegel gelegenen Punkt a
ausgingen. Da umgekehrt Strahlen, welche nach dem hinter dem
Spiegel gelegenen Punkt a hinzielen, im Punkt A vor dem Spigel
vereinigt werden, so sind auch in diesem Fa$
eren wesentlichster Teil der
Auflockerungsapparat ist, welcher der ausgiebigen Wirkung wegen aus
zwei Systemen von hakenartigen Zhnchen besteht, die aus
hartem Draht, kniefrmig gebogen, durch Lederstreifen gesteckt
sind, so da sie in groer Zahl dicht nebeneinander
stehen und den Kratzenbeschlag (Textfig. 6) bilden. Zur
Verdeutlichung des Vorganges dienen die untenstehenden Fig. 7 u. 8,
welche Stcke eines Kratzenbeschlags in den zwei verschiedenen
Stellungen zeigen. Denkt man sich in b b (Textfig. 7) Fasern und a
a nach links bewegt, so erfolgt gar keine Wirkung oder ein
Aufrollen des Materials zwischen den Kratzflchen; bewegt sich
aber a a nach rechts, so findet ein Vorgang wie beim Kmmen,
d. h. ein Kratzen, statt, welches in seiner Wirkung noch vermehrt
wird wenn sich zugleich b b nach links bewegt. Geht in Textfig. 8 b
b nach links, so spiet es die Wolle von a a auf,
whrend bei der umgekehrten Bewegung, oder wenna a sich nach
links begibt, die Fasern in a a hngen bleiben. Bei dieser
Hkchenstellu$
altige Flssigkeit, die
weingare Maische, enthlt auer Alkohol verschiedene
Mengen fremder Stoffe, von denen der Alkohol getrennt werden
mu. Diese fremden Bestandteile rhren teils von dem
Rohmaterial her, welches ja nicht reiner Zucker war und also nicht
vllig in Alkohol oder Kohlensure bergefhrt
werden kann, teils sind es Nebenprodukte der Grung selbst.
Der Gehalt an reinem Weingeist betrgt durchschnittlich 5-10
Proz. Denselben in konzentrierter Gestalt und frei von den
brigen Bestandteilen der Maische zu erhalten, ist der Zweck
der Destillation (s.Fd.), des Abtreibens oder Abbrennens. Reines
Wasser kocht bei 100 C., reiner Alkohol bei 78,3. Der
Spiritus (Darstellung des Trinkbranntweins).
eines Gemisches von Alkohol und Wasser liegt zwischen diesen
beiden Punkten und ist im allgemeinen um so hher, je geringer
der Alkoholgehalt desselben ist. Wird ein solches der Destillation,
d. h. dem Kochen in einem Apparat, unterworfen, welcher die
vollstndige Wiederverdichtung des gebildeten Dampfes in ein$
te, abgesehen von mehreren mit seiner Gattin
unternommenen Kunstreisen, bis 1813, in welchem Jahr er einem Ruf
als Kapellmeister des Theaters an der Wien folgte. Zwistigkeiten
mit dem Direktor desselben, Grafen Plffy, waren die
Ursache, da er dies Amt bereits nach zwei Jahren niederlegte
und wiederum Kunstreisen antrat, die sich diesmal auch auf die
Schweiz, Italien und Holland erstreckten, bis er im Winter 1817 die
Kapellmeisterstelle am Theater in Frankfurt a. M. bernahm.
Hier brachte er 1818 seine Oper "Faust" und 1819 "Zemire und Azor"
zur Auffhrung, welche beide enthusiastischen Beifall fanden;
gleichwohl verlie S. schon im September d. J. Frankfurt und
begab sich von neuem auf Kunstreisen nach Belgien, Paris und 1820
nach London. Nach viermnatlichem Aufenthalt ruhmgekrnt
zurckgekehrt, lie er sich in Dresden nieder, erhielt
jedoch schon im folgenden Jahr auf Veranlassung K. M. v. Webers die
Berufung als Hofkapellmeister nach Kassel und trat im Januar 1822
in sein neues Amt ein. Grere Virtuosen$
olgender Tabelle immerhin einen brauchbaren Inhalt fr
die Beurteilung im allgemeinen. Unter der Hauptsumme von 91,794
Mill. Mk. (fr 1880) sind 6984 Mill. Mk. Eisenbahnschulden.
Auf Deutschland allein entfallen davon 2700 Mill. Mk., so da
unter den Grostaaten Deutschland
verhltnismig am gnstigsten gestellt ist.
Die Ausgaben fr Verzinsung und Tilgung der[e] Schuld waren in
Millionen Mark 1885: in Frankreich 1067, England 591, Ruland
521, Italien 436, sterreich-Ungarn 372, Spanien 219,
Vereinigte Staaten 201, Niederlande 58, Preuen 182, Bayern
51, Sachsen 31, Wrttemberg 17, Deutsches Reich 17. Es
betrugen die S. (in Millionen Mark) in:
Lnder...................1787 1816 1846 1874 1880
Frankreich.............1500 1680 3300 18126 24798
Grobritannien.......4800 16990 16080 15690 14834
Spanien.................600 2250 3600 7200 10333
Italien.....................240 900 1200 7830 10006
sterreich-Ungarn... 690 1800 2490 7290 7992
Ruland...................600 2400 1800 6700 7211
Trkei - - - 2250 5727
$
ie Staats- und Regierungsform eines Landes verbrieft, auch
der Urkunde selbst, welche darber aufgenommen ist. Je nachdem
eine solche S. einseitig von dem Staatsbeherrscher gegeben oder
nach vorgngiger Vereinbarung mit Vertretern des Volkes
erlasen worden ist, wird zwischen oktroyierter und paktierter
(vereinbarter) Verfassung unterschieden. Insbesondere spricht man
in der konstitutionellen Monarchie im Gegensatz zur absoluten von
der bestehenden S., wonach der Monarch in der Gesetzgebung an die
Zustimmung von Vertretern der Staatsbrger gebunden ist, sei
es, da diese nur fr einzelne bevorrechtete Klassen
(stndische Verfassung) oder da sie zur Vertretung des
ganzen Volkes berufen sind (Reprsentativsystem). ber
die verschiedenen Arten der S. (Staatsformen) s. Staat.
Staatsvertrag, das zwischen zwei selbstndigen
Staaten getroffene vlkerrechtliche bereinkommen. Ein
solches kann verschiedene Angelegenheiten betreffen, in welchen
befreundete Staaten miteinander in Beziehung treten, so z. B.
Rechtshilfe,$
Anbeginn wohlbekannt war, fehlte den alten Germanen jede Neigung
zum Stadtleben. Die ersten Stdte in Deutschland verdankten
vielmehr den Rmern ihre Entstehung; sie erwuchsen meist aus
den am Rhein und an derDonau angelegten Lagern und Kastellen. So
entstanden: Straburg, Speier, Worms, Mainz, Bingen, Koblenz,
Remagen, Bonn, Kln, Xanten, Utrecht, Leiden im Rheinthal; im
Gebiet der Donau: Augsburg, Regensburg, Passau, Salzburg und
Spter ging mit der Ausdehnung des Deutschen Reichs
ber den slawischen Osten die Entwickelung des
Stdtewesens Hand in Hand. Um die zum Schutz der deutschen
Landschaft angelegten Burgen entstanden stdtische
Niederlassungen, wie sie zuerst Heinrich I., den man den
Stdtegrnder genannt hat, begrndete; ihm verdanken
Quedlinburg, Merseburg und Goslar ihren Ursprung. Seinem Beispiel
folgten die Markgrafen der stlichen Gebiete. Als Beamte
erscheinen in grern Orten Burggrafen, in kleinern
Schultheien, in bischflichen Vgte. In Orten, wo
sich eine altfreie Einwohnerschaft erhalte$
metallener Halbring mit Platte (Sohle)
unter demselben, der an den Steigriemen, Strippen von starkem
Leder, zu beiden Seiten des Sattels herabhngt und zum
Einsetzen des Fues beim Reiten dient. Bei den Trken
und mehreren asiatischen Vlkern ist die Sohle so gro,
da die ganze Fusohle darauf ruhen kann, und ersetzt
mit ihren scharfen Ecken die Sporen. Die Zlten kannten die S.
nicht, die erst zur Zeit Ottos I. aufgekommen zu sein scheinen. -
Auch heit S. (stapes) eins der drei
Gehrknchelchen (s. Ohr, S. 349).
Steigentesch, August Ernst, Freiherr von, Dichter und
Schriftsteller, geb. 12. Jan. 1774 zu Hildesheim als Sohn eines
kurmainzischen Kabinettsministers, trat frhzeitig in
sterreichische Militrdienste und war eifrig als Soldat
und Diplomat, auch an der Seite des Generals Frsten
Schwarzenberg, gegen Napoleon I. thtig. Er avancierte bis zum
Generalmajor und war bis 1820 sterreichischer
Militrbevollmchtigter am Bundestag. Er starb 30. Dez.
1826 in Wien. Auer zahlreichen Lustspielen, in denen er$
der
Steinkohlenformation angehren, whrend sie der
Braunkohle durchaus hnlich geblieben sind. Die die Kohlen
begleitenden Gesteine sind in einem hnlichen unreifen
Zustand: statt der Schieferthone sind plastische Thone und Letten
entwickelt; die Sandsteine sind locker, fast lose Sande.
Verbreitung. Produktion. Verbrauch
Die wichtigsten Kohlenfelder (soweit sie der
Steinkohlenformation angehren, der brigen wurde schon
oben Erwhnung gethan) sind in Deutschland, von W. nach O.
geordnet. 1) das Aachener Becken oder das Doppelbecken an der Worm
und Inde, nach Deutschland hereinragende Teile des groen
belgischen Beckens; 2) das Saarbecken oder Saarbrckener
Becken, an welchem auer Preuen auch Bayern und
Lothringen partizipieren; 3) das westflische oder Ruhrbecken,
zu welchem als uerste Vorposten nach N. die
Kohlenfelder von Ibbenb=en und Piesberg bei Osnabrck
gehren; 4) und 5) die beiden unbedeutenden Kohlenvorkommnisse
von St. Bilt im Elsa und Berghaupten in Baden; 6)-10) die
ebenfalls nur kleinen B$
esondere in der Photographie und
Spektralanalyse neue Hilfsmittel dargeboten haben, welche den
Untersuchungen ber die physische Beschaffenheit der
Himmelskrper einen frher ungeahnten Grad von
Genauigkeit und Zuverlssigkeit vereihen, bilden derartige,
ehemals nur einzelnen Liebhabern berlassene Forschungen eine
wesentliche Aufgabe des Astronomen von Fach. Indessen sind die
ltern Sternwarten neben ihren sonstigen, vorzugsweise auf
Erforschung der Bewegung der Himmelskrper gerichteten
Arbeiten nur unvollkommen im stande, sich dieser Aufgabe zu widmen;
denn dieselbe stellt nicht nur an die Ausbildung und Arbeitskraft
der Beobachter Forderungen besonderer Art, sondern sie verlangt
auch bedeutende instrumentelle Hilfsmittel und macht physikalische
und chemische Arbeiten ntig, fr welche die ltern
Sternwarten nicht eingerichtet sind. So wie man daher frher
einzelne Sternwarten speziell zur Beobachtung der Erscheinungen auf
der Sonne eingerichtet hat, so ist man in der neuesten Zeit an die
Errichtung von O$
und
Gesangsinspektor ernannt war, gab jedch diese Stelle im folgenden
Jahr wieder auf, um lngere Konzertreisen zu unternehmen. Von
1874 bis 1878 wirkte er in Berlin als Direktor des Sternschen
Gesangvereins und entwickelte zugleich eine ungemein fruchtbare
Lehrthtigkeit. Dann nahm er ein Engagement als erster
Gesanglehrer am Hochschen Konservatorium in Frankfurt a. M. an,
legte indessen 1880 dies Amt nieder und grndete daselbst eine
eigne Schule. S. verdankt seine auerordentlichen Erfolge als
Snger nicht so sehr seinen natrlichen Stimmmitteln als
vielmehr dem vollendeten Kunstgeschmack, mit welchem er seine
lyrischen Gebilde zu beleben wei, wobei die tadellose
Reinheit seiner Textesausspache wesentlich mitwirkte. Seine
"Gesangsmethode" erschien in der Edition Peters (Leipz. 1885).
Stockholm (Ln) - Stockholm (Stadt).
Stockholm, schwed. Ln, begreift den stlichen
Teil von Upland und den nordstlichen Teil von
Sdermanland, grenzt im W. an das Ln Upsala, im SW. an
Sdermanland, ist zu fast 4/5 des Umf$
die erste Fuge: "Kyrie", auf die Worte: "cum
sanctis tuis in aeternum" wiederholte und zum Schluchor des
Werkes machte.
Smilch, Name fr eine Abart des
Pharospiels, welches sich vom eigentlichen Pharo dadurch
unterscheidet, da keiner der Spieler ein eignes "Buch"
bekommt, dagegen ein Buch offen auf den Tisch gebreitet wird, von
dessen 13 Blttern jeder Spieler eins beliebig besetzt.
S Oppenheimer, Joseph, berchtigter
wrttemberg. Finanzminister, ein Jude, geb. 1692 zu
Heidelberg, widmete sich dem Handelsstand und trat durch
verschiedene Geldgeschfte mit dem erzog Karl Alexander von
Wrttemberg in Verbindung, der ihm erst die Direktion des
Mnzwesens bertrug und ihn endlich bis zum Geheimen
Finanzrat und Kabinettsminister erhob. Als solcher besetzte S. alle
Stellen mit seinen Kreaturen, lie 11 Mill. Gulden falsches
Geld prgen, errichtete ein Salz-, Wein- und Tabaksmonopol,
verkaufte um groe Summen Privilegien, zog eine groe
Menge Juden ins Land und drckte das Volk mit Abgaben aller
Art. Durch di$
in Heidelberg und Bibliothekar
der Universitt daselbst; starb dort 17. Febr. 1596. Er war
ein eifriger Frderer des Griechischen. Seine Ausgaben des
Pausanias, Aristoteles, Dionysios von Halikarna, Clemens von
Alexandria, des "Etymologicum magnum" u. a. sind ausgezeichnet
durch Genauigkeit der kritischen Methode. Auch bearbeitete er des
Clenardus "Institutiones linguae graecae" (Frankf. 1580) und war
Mitarbeiter des H. Stephanus am "Thesaurus linguae graecae". Vgl.
F. G. Jung, Lebensbeschreibung Fr. Sylburgs (Berleburg 1745);
Creuzer, Opuscula selecta, S. 196 ff.
Syllabarium (lat.), ABC-Buch.
Syllabieren, Buchstaben, richtiger: Laute, zusammen in
Silben aussprechen; syllabisch, silbenweise. Syllabiermethode,
wobei nach Aussprechen der einzelnen Buchstaben die einzelnen
Silben und zuletzt die ganzen Wrter ausgesprochen werden, wie
es z. B. in den Anstalten Pestalozzis geschah.
Syllabus (griech.), Verzeichnis; bekannt besonders der
der ppstlichn Encyklika vom 8. Dez. 1864 beigegebene S.,
eine Aufzhlung un$
gierung
bernahm nach ihm 367 sein
Sohn Dionysios II., ein Wollstling, der 357 von
Dion vertrieben wurde, aber 346 zurckkehrte. Endlich
ntigte ihn 343 Timoleon, seine Herrschaft niederzulegen.
Letzterer zerstrte die Burg , stellte die demokratische
Verfassung wieder her und zog durch Huser- und
ckerverteilung an 60,000 neue Ansiedler in die
entvlkerte Stadt. Die nach seinem Tod entstandenen Unruhen
benuWzte Agathokles (s. d.), um sich unter der Verheiung
einer reinen Demokratie zum Tyrannen aufzuwerfen (317). Seine
strenge und gewaltttige Regierung erhielt wenigstens Ruhe im
Innern, wodurch es noch mglich wurde, da sich S. gegen
die in Sizilien immer weiter fortschreitenden und S. schon
belagernden Karthager halten konnte. Nach Agathokles' Tod (289)
warf sich Mnon, der Mrder jenes, zum Herrscher auf,
ward aber von Hiketas vertrieben, der sich drei Jahre lang
behauptete. Als er gegen die Agrigentiner zu Felde
zog, stritten in der Stadt Thynion und Sostratos
um die Herrschaft. Zur Stillung dieser U$
ragende Mrkte, einentgroen
Schiffsverkehr, eine Staatsoberrealschule, ein kath. Obergymnasium,
eine Lehrerprparandie und 4 Klster. S. ist Sitz des
Komitats, eines Honvd-Distriktskommandos, einer Finanz- u.
Staatsgterdirektion, eines Gerichtshofs und hat ein
Tabakseinlsungs- und Tabaksmagazin und eine Filiale der
sterreichisch-Ungarischen Bank. - S., schon zu Matthias
Corvinus' Zeiten eine berhmte ungarische Stadt, fiel nach der
Schlacht bei Mohcs in Solimans II. Gewalt, welcher sie
strker befestigen lie. 1686 wurden die Trken
geschlagen und muten S. rumen. Hier 3. Aug. 1849
Haynaus Sieg ber die aufstndischen Ungarn.
Szeghalom (spr. ss-), Markt im ungar. Komitat
Bks, an der Mndung des Berettykanals
in die Schnelle Krs, mit (1881) 7537 ungar. Einwohnern,
Ackerbau, bedeutender Rindvieh-, Schaf- u. Schweinezucht und
Bezirksgericht.
Szegszrd (spr. ssgssard), Markt und Sitz
des ungar. Komitats Tolna, am Srviz, mit Nonnenkloster,
Landes-Seidenbauinspektorat, Gerichtshof und (1881) 11,948 E$
 oder englischer bersetzung, Glossare und im 2.
Band auch eine Grammatik enthlt. Eine Grammatik lieferte noch
J. Lazarus (Lond. 1879). Tamil-englische Lexika lieferten Rottler
(Madras 1834-41) und Winslow (das. 1862), eine Geschichte der
tamulischen Schrift etc. Burnell (in "Elements of South-Indian
palaeography", 2. Aufl., Lond. 1878). Vgl. auch Graul, Reise nach
Ostindien (Leipz. 1854-56, 5 Bde.).
Tamworth, Stadt in Staffordshire (England), am
Zusammenflu von Tame und Anker, hat eine normnnische
Kirche, ein altes Schlo, Baumwollspinnerei etc. und (1881)
4891 Einw. T. ist derGeburtsort Sir Robert Peels, dem hier 1852
eine Bronzestatue errichtet wurde.
Tan, in China s. v. w. Pikul oder Tang.
Tana, 1) (Tanaelv) Flu in Norwegen, entsteht aus
dem Znsammenflu des Anarjokka (Enaraelv) und des Karasjokka,
bildet im obern Lauf die Grenze zwischen dem russischen Finnland
und dem norwegischen Amt Finnmarken, fliet in
nordstlicher Richtung und mndet nach einem Laufe von
280 km in den Tanafjord des Nrdlichen$
genden
Linie ber Albi nach Castres und Castelnaudary mit
Seitenlinien nach Carmaux und Mazamet durchzogen. Es zerfllt
in die vier Arrondissemnts: Albi, Castres, Gaillac und Lavaur;
Hauptstadt ist Albi. Vgl. Basti, Description du
dpartement du T. (Graulhet 1876-77, 2 Bde.).
Tarn-et-Garonne, franz. Departement, aus Teilen der
Guienne (Quercy, Rouergue, Agenais), der Gascogne (Lomagne,
Armagnac) u. des Languedoc (Dizese Montauban)
zusammengesetzt, grenzt im N. an das Departement Lot, im O. an
Aveyron, im SO. an Tarn, im S. an Obergaronne, im SW. und W. an
Gers und Lot-et-Garonne und hat einen Flchenraum von 3720 qkm
(67,8 QM.). Es ist ein Hgelland von 200-300 m Hhe, in
welches die drei groen Flsse Garonne (mit der Gimone),
Tarn und Aveyron, die sich hier vereinigen, und deren Spiegel bei
ihrem Eintritt in das Departement kaum hher, zum Teil sogar
niedriger als 100 m liegt, breite, beraus fruchtbare
Thler eingeschnitten haben. Der Schifffahrt dient auer
Garonne und Tarn der Seitenkanal der Garonne.$
an die Herzogin ferner zu schreiben, entfloh
er 20. Juli 1577 mit Zurcklassung seiner Papiere und begab
sich auf Umwegen nach Sorrento zu seiner Schwester Cornelia, welche
daselbst als Witwe lebte. Unter der liebevollen Pflege derselben
erholte er sich einigermaen, aber die Sehnsucht nach Ferrara
lie ihm keine Ruhe. Er begab sich nach Rom und erwirkte sich
durch Vermittelung des Geschftstrgers des Herzogs die
Erlaubnis zur Rckkehr. Er wurde zwar wohlwollend aufgenommen;
allein die Heraugabe seiner Manuskripte verweigerte ihm Alfons, da
er ihn noch immer als einen Gemtskranken betrachtete, in
dessen Hnden sie vielleicht vor Vernichtung nicht sicher
wren. Zum zweitenmal floh daher T. aus Ferrara und wandte
sich zum Herzog von Urbino und dann nach Turin (1578). Hier fand er
beim Herzog Karl Emanuel wie bei Filippo d'Este wohlwollende
Aufnahme und schrieb auer verschiedenen andern Produktionen
in Poesie und Prosa die zwei "Dialoghi della nobilit e
della dignit". Nochmals entschlo er sich zur
Rckkeh$
en aus Kupferdrhten oder Kupferlitzen, die mit
Guttapercha isoliert sind; gewhnlich werden 4 oder 7 solcher
Adern zu einem Kabel verseilt und mit einer Schutzhlle von
verzinkten Eisendrhten umgeben. Die in der
Reichstelegraphenverwaltung gebruchlichen Querschnitte sind
aus Fig. 19 (Tafel I), zu ersehen. Fr die berschreitung
von Gewssern gibt man den Kabeln eine zweite Schutzhlle
von strkern Drhten und schliFt sie
auerdem in verzinkte gueiserne Gelenkmuffen ein.
Unterirdische Leitungen sind weniger Beschdigungen
ausgesetzt, erfordern aber vorzgliche Isolation und
bedeutende Anlagekosten, whrend ihre Benutzbarkeit auf
lngern Strecken durch die den Kabeln anhaftenden
Ladungserscheinungen eine gewisse Einschrnkung erfhrt.
Schon bei Entstehung der elektrischen Telegraphie angewendet, haben
dieselben erst seit 1876 eine grere Verbreitung
erlangt, nachdem die deutsche Reichstelegraphenverwaltung mit der
Anlage ihres ausgedehnten unterirdischen Liniennetzes bahnbrechend
vorangegangen war. 1886 b$
s
Messinginstrument mit dem Umfang vom groen As bis zum
zweigestrichen\n c, hauptschlich bei Militrmusik
gebruchlich.
Tenorino (ital., "kleiner Tenor"), Bezeichnung der
facettierenden Tenore (spanischen Falsettisten), welche vor
Zulassung der Kastraten (s. d.) die Knabenftimmen in der
Sixtinischen Kapelle und anderweit vertraten. Spter nannte
man sie im Gegenssatz
Tenorist - Teplitz.
zu den auf widernatrliche Weise konservierten Sopranisten
und Altisten Alti naturali (vgl. Alt).
Tenorist, Tenorsnger (s. Tenor).
Tenorit, s. v. w. Schwarzkupfererz, s.
Kupferschwrze.
Tenorschlssel, der c'-Schlssel auf der
vierten Linie, welche dadurch Sitz des c' wird:
[Siehe Graphik]
[Siehe Graphik]
Tenos, Insel, s. Tinos.
Tenotomie (griech.), Sehnendurchschneidung (s. d.).
Tension (lat.), Spannung der Gase und Dmpfe.
Tentacuiites, s. Schnecken, S. 573.
Tentakeln (Fhlfden), s. Fhler.
Tentakulitenschiefer, s. Silurische Formation.
Tentamen (lat.), s. v. w. Examen, jedoch gewhnlich
eine nur vorlufige, minder einge$
634 Einw., ist Sitz
der Prfektur, eines Zivil- und Korrektionstribunals, einer
Finanzintendanz, eines Bistums und einer Handelskammer. T. gilt
fr das alte Interamna (Reste von Thermen, eines TheatersTeras, s. Gallwespen.
Teratolith (Eisensteinmark, schsische Wundererde),
Mineral, kommt in derben, blulichen und grauen, matten und
undurchsichtigen Massen vor, Hrte 2,5-3, spez. Gew. 2,5,
besteht im wesentlichen aus wasserhaltigem Eisenaluminiumsilikat
und stellt ein Zersetzungsprodukt des sogen. Porzellanjaspis, eines
durch Kohlenbrnde umgewandelten Schieferthons, dar, dessen
Pflanzenabdrcke bisweilen noch erkennbar sind. T. findet sich
in der Steinkohle von Zwickau und in der Braunkohle von Zittau und
wurde frher medizinisch benutzt.
Teratologie (griech.), die Lehre von den
Mibildungen der Pflanzen und Tiere; s. Mibildung.
Teratom (griech.), eine Balggeschwulst, welche durch
abnorme ftale Entwickelung entsteht und ganze Organe oder
Organteile, Haare, Knorpel, Muskelfasern, Epithelien etc.
einschlie$
chlerin (in der kaiserlichen Galerle zu Wien).
Ausgezeichnete Bildnisse von T. besitzen die Galerien in Amsterdam,
Berlin und im Haag. T. hat auch zahlreiche Handzeichnungen
hinterlassen. Vgl. Bode, Studien zur Geschichte der
hollndischen Malerei (Braunschw. 1883); Mons, G. T. en zijne
familie (in de* Zeitschrift "Oud Holland" 1886); Lemcke in Dohmes
"Kunst und Knstler", Bd. 2; Michel, G. Terburg et sa famille
(Par. 1888).
Terburg, Maler, s. Terborch.
Terceira (spr. tersse-ira), Insel, s. Azoren.
Terceira (spr. tersse-ira), Antonio Jos de Souza,
Herzog von, Graf von Villaflor, portug. Marschall, geb. 10.
Mrz 1792 zu Lissabon, stieg im Kriege gegen Napoleon I. bis
zum Stabsoffizier, ging 1817 nach Brasilien, wo er Gouverneur der
Provinz Par, dann der von Bahia ward, kehrte 1821 mit
Knig Johann VI. nach Europa zurck und ward 1826 von der
Regentin Isabella zum Marescal de Campo ernannt und gegen den
Parteignger Dom Miguels, Marquis de Chaves, gesendet. Er
schlug denselben und ward hierauf zum Obergenera$
senschaft, welche einer bestimmten geschichtlichen
Religion gilt. Insonderheit ist die christliche T. die
Fakulttswissenschaft der Diener der Kirche, wie die
Jurisprudenz diejenige der Staatsdiener. Daraus ergibt sich teils
der wesentliche Unterschiedder T. von dem Begriff der Religion (s.
d.), teils ihr nahes Verhltnis zur Philosophie (s.
Religionsphilosophie). Fast jedes philosophische System ist auf die
T. angewendet worden, und in langen Perioden der Geschichte bildete
die T. den alles bedingenden Hintergrund fr die Geschichte
der Philosophie. Formell ist man seit Schleiermacher ziemlich
allgemein darin einverstanden, da in der T. eine Reihe von
Disziplinen, welche der Sache nach in die Gebiete der Geschichte,
der Philosophie und der Philologie gehren, im Interesse der
Kirchenleitung in eine, jeder dieser Disziplinen an sich fremde,
Association versetzt wurde. Da es sonach blo ein praktischer
Gesichtspunkt ist, welcher als zusammenhaltende Klammer fr
die sonst mannigfach divergierenden Beschftigu$
rwissenschaft und begann 1850 Vorlesungen ber Botanik in
Aberdeen. Gleichzeitig beschftigte er sich eifrig mit der
Erforschung der niedern Tiere. 1853 ward er Professor fr
Naturwissenschaft in Cork, ging aber schon 1854 in gleicher
Eigenschaft nach Belfast und las hier ber Mineralogie und
Geologie, wobei er indes seine geologischen Arbeiten fortsetzte und
auch den Bau des Museums des Queen's College leitete. Er begann um
diese Zeit die Studien ber die fossilen und die lebenden
Liliensterne, welche erst 1862 zum Abschlu kamen. Die
Entdeckung einer sehr alten Form von Liliensternen in den Tiefen
des Atlantischen Ozeans brachte T. zu der berzeugung,
da in diesen Regionen die grten Schtze
fr die weitere Erforschung dieser Tiere zu finden seien, und
auf seine Anregung veranlate Carpenter die Regierung,
wissenschaftliche maritime Expeditionn auszursten. So kamen
seit 1868 die Lightning-, Porcupine- und Challenger-Expedition zu
stande, welche namentlich fr die Zoologie und die
physikalische Geographi$
er berschsse vermehrt, sollten
diesem Stock alljhrlich die ersparten Zinsen abgetragener
Schuldposten so lange zuflieen, bis er, um Zins und
Zinseszins anwachsend, die ganze Schuld in sich aufnehmen und so
die vllige Abtragung bewirken mte. Ein solcher
T. (Sinking fund) wurde 1716 in England durch Rob. Walpole
eingerichtet. Alle getilgten Schuldbriefe sollten als ein
Vermgen der Anstalt betrachtet und derselben fortwhrend
aus der Staatskasse verzinst werden. Doch wurde dieses Ziel nicht
erreicht und endlich nach mehreren Wandlungen 1828 der Grundsatz
angenommen, da knftig nur so viel in jedem Jahr
getilgt werden solle, als von den Einknften nach Bestreitung
des Staatsaufwandes wirklich brigbleibe. Diesen Grundsatz der
freiern Tilgungsweise hat man heute fast i6 allen Staaten
aufgestellt, in welchen berhaupt Schulden abgetragen werden.
Insbesondere wurde man hierzu durch die Thatsache gezwungen,
da hufig neue Anleihen unter ungnstigern
Bedingungen als denen aufgenommen werden muten, unter
wel$
ung von
rektifiziertem Holzessig, Salzsure und Alkohol so lange
getzt, bis die erforderliche Tiefe erlangt ist, wobei die
Zeichnung whrend des Tiefertzens an den Seiten durch
Firnislagen vor dem Unterfressen durch das tzwasser
geschtzt werden mu.
Tissot (spr. -sso), 1) Simon (Samuel) Andr, Arzt,
geb. 20. Mrz 1728 zu Grancy bei Lausanne, studierte in Genf
und Montpellier, lie sich als Arzt in Lausanne nieder,
leitete 1780-83 die Klinik in Pavia und starb 15. Juni 1797 in
Lausanne. Von seinen Schriften (Laus. 1783-95, 15 Bde.; Par. 1809,
8 Bde.; deutsch, Leipz. 1784, 7 Bde.) sind besonders die
populren hervorzuheben: "L'onanisme" (Laus. 1760, fast in
alle europischen Sprachen bersetzt) und "Avis au peuple
sur sa sant" (das. 1761). Vgl. Eynard, La Vie de S. A. T.
(Par. 1839).
2) Pierre Franois, frqnz. Schriftsteller, geb. 10.
Mrz 1768 zu Versailles, ein eifriger Revolutionr und
spter ein Parteignger Napoleons, widmete sich seit 1799
ganz der Litteratur, hielt seit 1810 am Collge de France
vie$
re Hindernisse, die sich
wegschaffen lassen, erzwungenen zeitweisen Stillstand (s.
Anabiotisch und Scheintod). Da die ununterbroche e Aufnahme von
Sauerstoff den hauptschlichsten Lebensreiz darstellt, so
ergibt die Lhmung der Atmungs- und Blutumlaufszentren die
nchste Todesursache bei den zusammengesetzten und hhern
Tieren; man sagt, jemand hat ausgeatmet, oder sein Herz steht
still, um den Eintritt des Todes zu bezeichnen. Man mu dabei
den natrlichen T. von dem gewaltsam herbeigefhrten
unterscheiden. Mit dem erstern Namen bezeichnet man auch den durch
Krankheiten und innere Ursachen herbeigefhrten T., obwohl die
Krankheiten oft sehr gewaltsam wirkende Todesursachen liefern (z.
B. Erstickung bei Halskrankheiten, Vergiftung bei Cholera und
hnlichen Infektionskrankheiten) und strenggenommen nur der
infolge von Altersschwche eintretende T. als der
naturgeme Abschlu des Lebens zu bezeichnen
wre. Ein solcher T. tritt, wie Preyer bemerkt hat, niemals
bei denjenigen niedersten Wesen ein, die sich durch$
ischen und epischen Dichtungen
erschien 1878.
4) Leo Nikolajewitsch, Graf, russ. Romanschriftsteller, geb. 28.
Aug. (a. St.) 1828 im Gouvernement Tula auf der Besitzung seines
Vaters, Jasnaja Poljana, erhielt daselbst eine gute husliche
Erziehung und bezog 1843 die Universitt Kasan, um dort
orientalische Sprachen zu studieren. Es zog hn jedoch wieder
zurck in die Einsamkeit und Stille des Dorfs, so da er
die Universitt, die Studien aufgebend, bald verlie;
dort bildete er sich als Autodidakt weiter aus. Bei einer Reise in
den Kaukasus fand er am militrischen Leben Gefallen und trat
pltzlich 1851 in das Heer ein. Man nahm ihn als Offizier in
die 4. Batterie der 20. Artilleriebrigade am Terek auf, wo er bis
zum Beginn des trkischen Kriegs (1853) blieb. Whrend
desselben befand er sich bei der Donauarmee des Frsten
Gortschakow, beteiligte sich am Gefecht an der Tschernaja und
erhielt 1855 das Kommando ber eine Gebirgsbatterie. Nach
Beendigung des Kriegs nahm er seinen Abschied, hielt sich mehrere
Jahr$
, geb. 1802
zu Sebenico in Dalmatien, studierte zu Padua die Rechte, folgte
aber seiner Neigung fr die Litteratur, war seit 1827 in
Florenz journalistisch thtig und ging 1833 nach Frankreich.
Im folgenden Jahr verffentlichte er seine Schrift "Dell'
educazione" (1834), die binnen zwei Jahren drei Auflagen erlebte,
ferner die politische Schrift "L'Italia" (1835) und einen Roman:
"Il duca d'Atene" (5836). Von 1838 an lebte er in Venedig, wo ein
Jahr vorher sein trefflicher "Kommentar zu Dante" erschienen war,
und wo er weiterhin seine "Nuovi scritti" (1839-1840, 4 Bde.) und
"Studj critici" (1843, 2 Bde.) sowie seine groe, mit Recht
berhmte Sammlung "Canti popolari toscani, corsici, illirici,
greci" (1843, 2 Bde.) verffentlichte. Auch lie er eine
Bearbeitung der auf die Geschichte Frankreichs im 16. Jahrh.
bezglichen Gesandtschaftsberichte (1838, 2 Bde.) erscheinen
und gab die "Lettere di Pasquale de' Paoli" (1846) heraus. Seine
streng katholische Gesinnung hinderte ihn nicht, sich 1848 zur
liberalen und $
ch einen jhrlichen Zuschu von 30 Mill. Fr.
Nach dem Budget von 1888 belaufen sich fr Anam und T. die
Einnahmen auf nur 17,321,000, die Ausgaben auf 17,034,620 Fr., wozu
aber noch die Ausgaben fr Krieg u. Marine mit zusammen
38,055,000 Fr. kommen.
Tongoi - Tonmalerei.
Geschichte. Ein franzsischer Waffenhndler, Dupuis,
machte 1870 den franzsischen Gouverneur von Kotschinchina
darauf aufmerksam, da der Rote Flu eine treffliche
Wasserstrae nach der chinesischen Provinz Jnnan bilde.
Daher wurde 1873 der Schiffsleutnant Garnier nach T. geschickt, der
Hanoi besetzte und die Eroberung von T. begann, aber 31. Dez. 1873
von den Piraten der Schwarzen Flagge berfallen und
gettet wurde. Gem einem Vertrag mit Anam
rumten die Franzosen 1874 die besetzten Pltze gegen die
Zusicherung freien Handels und des Schutzes der Missionen. Als
chinesische =iraten den Handel strten und eine friedliche
Verstndigung zwischen Frankreich und China, das die
Oberhoheit ber T. beanspruchte, daran scheiterte, da
die franzs$
scheint er in den Werken:
Topete y Carballo - Topik.
framstld i teckningar" (1845-52) und "En resa i Finland"
(1873; deutsch von Paul, Helsingf. 1885). T.' Popularitt
beruht auf seinem reinen, fr alles Gute und Edle warmen
Gefhl und den zu gleicher Zeit frischen und wehmtigen
Naturtnen, welche durch seine Dichtungen gehen. In deutscher
bersetzung erschienen neuerdings von ihm sechs Novellen: "Aus
Finnland" (Gotha 1888, 2 Bde.).
Topete y Carballo (spr. i karwalljo), I. B., span.
Admiral, geb. 24. Mai 1821 zu Tlacotalpa in Yucatan, trat 1835 in
de Marine, befehligte 1860 im Kriege gegen Marokko die spanische
Flotte, zeichnete sich dann in dem Kriege gegen Peru aus, war 1867
Konteradmiral und Hafenkapitn von Cadiz und nahm
hervorragenden Anteil an der Revolution vom September 1868. Auf
seinem Schiff Saragossa ward die Flagge der Emprung zuerst
aufgepflanzt. Er ward als Marineminister Mitglied der
provisorischen Regierung vom 8. Okt. 1868, geriet jedoch als
Befrderer der Thronkandidatur des Herzogs von$
e von Turin.
Torjaer Stinkberg (auch Berg Bds), im ungar.
Komitat Hromszk (Siebenbrgen), nordwestlich
von Kzdi-Vsrhely, 1071 m . M., eine
der hervorragendsten Naturmerkwrdigkeiten Ungarns. Aus den
Spalten und Hhlen des vielfach zerrissenen und oben
verwitterten Trachyts etstrmen ununterbrochen Gase,
namentlich Schwefelwasserstoffes, dessen Geruch schon von weitem
wahrnehmbar ist. Von den drei Hhlen (Stink-, Alaun- und
Mrderhhle) wird nur die erstere vom Volk zu Kurzwecken
(bei Rheuma, Gicht und Augenleiden) benutzt. In diese kann man nur
dann ohne Gefahr eintreten, wenn der Kopf sich ber der
Gasschicht befindet, tiefer verliert man sofort die Besinnung. Am
Fu des Bergs sind acht Mineralquellen, die als Heilquellen
Torlonia, rm. Frstenfamilie, deren Reichtum
der Bankier Giovanni T. (geb. 1754 zu Siena, gest. 25. Febr. 1829
in Rom) begrndete; er kaufte das Herzogtum Bracciano und
erlangte 1809 die Herzogswrde. Diese ging auf seinen
ltesten Sohn, Marino T. (1796-1865), ber, jetziger
Inhab$
sich in der Regel von SW. nach NO. ber die'Erdoberflche
fort und richten oft ungeheure Verheerungen an. Seetornados trifft
man am hufigsten in dem Bereich und der Nachbarschaft der
Region der Kalmen (s. d.); sie sind hier auerordentlich
heftig und sehr gefhrlich fr die
[Wappen von Torgau.]
Tornberg - Torpedo.
Schiffe. Die T. werden von einem sehr krftigen
aufsteigenden Luftstrom gebildet, welcher in der Hhe seine
Wasserdmpfe verdichtet. Auf diese Weise entsteht ber
den T. regelmig die Sturmwolke, eine kleine schwarze
Wolke, das sogen. Ochsenauge, welche rasch zunimmt und sich nach
oben hin trichterfrmig erweitert. Sie bilden einerseits den
bergang zu den Tromben oder Windhosen (s. Trombe), anderseits
zu den Cyklonen oder eigentlichen Wirbelstrmen (s. Wind).
Vgl. Reye, Die Wirbelstrme, T. und Wettersulen (Hamb.
Tornberg, Karl Johan, schwed. Orientalist, geb. 23. Okt.
1807 zu Linkping in Ostgotland, studierte von 1826 an zu
Upsala Theologie und orientalische Sprachen, habilitierte sich 1835
da$
ensch
(Manu) oder der erste Knig (Minos oder Rhadamanthys) oder der
Gott der Unterwelt (Hades) alY Totenrichter fungiert. Die
Darstellung des Erzengels Michael mit der Seelenwage auf
altdeutschen Gemlden beruht auf einem hnlichen
Gedankengang.
Totengrber, s. Aaskfer.
Totenhalle, Totenhaus, s. Leichenhaus.
Totenkfer, s. Tenebrionen.
Totenkopf (Caput mortuum), s. Englischrot.
Totenkopf (Acherontia Atropos Ochs.), Schmetterling aus
der Familie der Schwrmer (Sphingidae), 11,5 cm breit, mit
kurzen, dicken Fhlern, sehr kurzen Tastern, schwach
entwickelter Rollzunge und plumpem Hinterleib von 19,5 mm
Querdurchmesser, auf dem dicht braun behaarten, blaugrau
schimmernden Thorax mit ockergelber, einem Totenkopf hnlicher
Zeichnung und auf dem gelben, schwarz geringelten Hinterleib mit
breiter, blaugrauer Lngsstrieme. Die Vorderflgel sind
tiefbraun, schwarz und ockergelb gewlkt mit zwei gelblichen
Querbinden, die Hinterflgel ockergelb mit zwei schwarzen
Querbinden. Der T. erzeugt, wenn er gereizt wird, einen$
ndig;
alle aber erstreben gemeinsam fr ihr Gebiet das gleiche Ziel.
Verkehrserleichterungen, Erschlieung und Verschnerung
von Aussichtspunkten und neuen Partien, Hebung der Regsamkeit und
Wohlfahrt der Gebirgsbewohner; ferner pflegen sie kleinere
populrwissenschaftliche Forschungen und gemeinsame Touren
etc. Fast jeder Touristenverein gibt eigne Jahresberichte heraus;
mehrere lassen vierteljhrlich, monatlich oder halbmonatlich
Zeitschriften, auerdem Karten, Panoramen, Jahrbcher,
Spezialfhrer u. dgl. erscheinen. Die Summe, welche durch die
Kassen aller Touristen- und Alpenvereine zusammengenommen ins Land
fliet, beluft sich pro Jahr auf ca. 400,000 Mk.,
ungerechnet die groen Umstze, welche sie indirekt
hervorufen. Im Deutschen Reich bestehen zur Zeit ber 40 T.
mit ca 27,000 Mitgliedern (ohne die Sektionen des Deutschen und
sterreichischen Alpenvereins mit ca. 8000 Mitgliedern) und
zwar: Schwarzwaldverein (Freiburg i. Br., seit 1864, reorganisiert
1882, 2000 Mitglieder), Taunusklub (Frankfurt a. $
1887,
mit 2400 Mitgl. in 23 Zweigvereinen), Westerwaldklub (Selters),
Eifelverein (Trier); ferner T. in Offenbach, Stettin, Kln,
Kassel, Potsdam, Bingen, Hannover etc. Die
sterreichisch-Ungarische Monarchie zhlt ber 25 T.
mit ca. 20,000 Mitgliedern ohne folgende 3 alpine Vereine:
Sektionen des Deutschen und sterreichischen Alpenvereins (ca.
700 Mitgl.), sterreichischer Alpenklub (ca. 600 Mitgl.),
Societ degli Alpinisti Tridentini (ca. 500 Mitgl.) und
zwar: sterreichischer Touristenklub (Wien, 1869, ca. 10,000
Mitgl.), Steirischer Gebirgsverein (Graz, 1869, 2000 Mitgl.),
Ungarischer Karpathenverein (Ksmark, 1873, 3000 Mitgl.),
Kroatischer Gebirgsverein (Agram, 1874, 450 Mitgl.),
Lehrer-Touristenklub (Wien, 1874), Galizischer Tatraverein (Krakau,
1874, 2200 Mitgl.), Verein der Naturfreunde (Mdling, 1877,
400 Mitgl.), Nordbhmischer Exkursionsklub
(Bhmisch-Leipa, 1878, 1350 Mitgl), Gebirgsverein fr die
Bhmische Schweiz (Tetschen, 1878, 350 Mitgl.), Bhmische
Erzgebirgsvereine (Karlsbad, Grkau, Obe$
 den
dacischen Kriegen gezierten Trajanssule, die Erweiterung des
Circus Maximus, der Bau eines Odeums, eines Gymnasiums in Rom und
viele andre Bauten. Seine friedliche Thtigkeit wurde zuerst
durch die beiden dacischen Kriege, 101-102 und 105-106,
unterbrochen, durch die der dacische Knig Decebalus
vllig besiegt und Dacien zur rmischen Provinz gemacht
wurde. Hierauf unternahm T. 113 noch einen groen Feldzug
nach dem Osten, der hauptschlich gegen die Parther gerichtet
war, und auf dem er Armenien und Mesopotamien zu rmischen
Provnzen machte und ber den Tigris bis nach Ktesiphon
vordrang. Whrend er aber im fernen Osten weilte, erhoben sich
in seinem Rcken mehrfache Aufstnde, namentlich auch
unter den Juden in gypten und Kyrene, und ehe er dieselben
vllig unterdrcken konnte, wurde er 117 zu Selinus in
Kilikien vom Tod ereilt. Wie sehr seine Verdienste anerkannt
wurden, geht auch daraus hervor, da ihm der Senat den
Beinamen des Besten (Optimus) beilegte und sptere Kaiser mit
dem Zuruf begrt wu$
hrt und erteilt;
ein die Gltigkeit der Ehe bedingendes Erfordernis ward jene
aber erst im 9. Jahrh., im Abendland durch Karl d. Gr., fr
die griechische Kirche durch Leo VI. Philosophus. Auch Papst
Nikolaus I. machte die Gltigkeit des ehelichen
Bndnisses davon abhngig, da dieses mit dem
kirchlichen Segen und einer Messe geschlossen sei. Noch aber
erfolgte die Eheschlieungserklrung vor dieser
Brautmesse. Erst seit 1100 etwa befragt der segnende Priester die
Eheschlieenden um die Ernstlichkeit ihres Vorhabens. Aber
noch die groen Dichtungen des deutschen Mittelalters lassen
die Paare erst am Tag nach ihrer Verehelichung sich zur Kirche
begeben, und erst seit dem 15. Jahrh. finden sich
Trauungsformulare, in welchen der Priester als Stellvertreter
Gottes die Eheleute zusammenspricht. Aber selbstdas tridentinische
Konzil verlangt zur Gltigkeit einer Ehe nur die
Willenserklrung derselben vor dem Pfarrer und zwei oder drei
Zeugen, ohne die T. selbst fr etwas Wesentliches zu
erklren. Dies that erst die $
dies Gesetz nicht berhrt
werden, enthlt eigentlich nur etwas
Selbstverstndliches. Die katholische Kirche, welche die Ehe
als Sakrament auffat und das brgerliche
Eheschliungsrecht grundstzlich ignoriert, hat nach
der Einfhrung der Zivilehe in Deutschland sich nicht
veranlat gesehen, den bisherigen Ritus bei der T. zu
verndern. Dagegen haben die in den einzelnen Staaten
erlassenen protestantischen Trauordnungen (z. B. preuisches
Kirchengesetz vom 30. Juli 1880, Trauordnung fr die Provinz
Hannover von 1876, fr Bayern von 1879, Sachsen von 1876,
Wrttemberg von 1875, badische Agende von 1879 etc.)
namentlich das sogen. Trauformular, d. h. die agendarische Formel,
mit welcher der Geistliche die Eheschlieenden zusammengibt,
abgendert, indem dabei der Gedanke zum Ausdruck gebracht
wird, da die Ehe selbst bereits abgeschlossen sei. Die von
den Eheleuten zu bejahende Gelbnisfrage des Geistlichen ist
dem entsprechend nur darauf gerichtet, ob die Eheleute als
christliche Ehegatten eintrchtig miteinand$
ingern Hhen Steinpfeiler errichtet (1 m hoch),
bei Kirchtrmen auf deren Plattform. Diesen
Vorbereitungsarbeiten folgen die Beobachtungen. Wegen der
groen Entfernung der Punkte voneinander und in
Rcksicht auf die mglichst besten Einstellungsresultate
wird aber bei der T. erster Ordnung davon abgesehen, die auf den
Signalen angebrachten Spitzen oder Tafeln etc. als
Einstellungsobjekte zu nehmen, vielmehr stets das mittels des auf
dem Nachbarsignal aufgestellten Heliotrops (s. d.) reflektierte
Licht eingestellt. Behufs der Beobachtungen wird der
Horizontalkreis des Theodolits genau horizontiert, und dann auf
jedem Punkt smtliche vorhandene Richtungen mindestens 24 mal
eingestellt, so da alle Winkel gleich oft gemessen werden.
Zur Eliminierung der sehr kleinen, aber stets Yorhandenen
Einteilungsfehler des Horizontalkreises nimmt man smtliche
Beobachtungen nicht auf einer Station in derselben Stellung des
Kreises vor, sondern verndert unter Beibehaltung derselben
Stellung des Instruments den Horizontalkre$
auchbaren Nivellements bedingt die Anwendung
vorzglichster Nivellierinstrumente (Fernrohre mit ca. 32
maliger Vergrerung) und grte Sorgfalt bei
den Beobachtungen. Die Nivellements werden, von dem Nullpunkt eines
Pegels ausgehend, auf mglichst ebeken Straen,
Chausseen etc. ausgefhrt; von 1/4 Meile zu 1/4 Meile wird ein
Punkt der Hhe nach bestimmt und im Terrain, z. B. durch einen
in einen Granitblock horizontal eingelassenen gueisernen
Nivellementsbolzen, fest markiert. Von diesen so bestimmten Punkten
werden Seitennivellements nach allen in der Nhe liegenden
trigonometrisch bestimmten Punkten ausgefhrt und so auch
deren Hhe ber dem Nullpunkt des Pegels ermittelt. Das
Nivellement geschieht stets von der Mitte aus, jede Linie wird
mindestens zweimal nivelliert, auf den Chausseen findet der
Kontrolle halber polygonaler Abschlu statt. Die durch
denselben sich ergebenden kleinen Differenzen werden durch die
Ausgleichung eliminiert, mittels welcher die definitiven Hhen
der Punkte gefunden werden. N$
ung Breite, Lnge und Azimut jedes andern trigonometrisch
bestimmten Punktes ermittelt. Vgl. Puissant, Trait de
godsie (Par. 1805); Spth, Die hhere
Geodsie (Mnch.m1816); Decker, Lehrbuch der hhern
Geodsie (Mannh. 1836); Fischer, Lehrbuch der hhern
Geodsie (Darmst. 1845-46, 3 Abtlgn.); Bessel und Baeyer,
Gradmessung in Ostpreuen (Berl. 1838); Baeyer,
Kstenvermessung (das. 1849); die Werke von Gau und die
Verffentlichungen des Breaus der Landestriangulation;
Bauernfeind, Elemente der Vermessungskunde (6. Aufl., Stuttg.
1879); Jordan, Handbuch der Vermessungskunde (2. Aufl., das. 1878);
Brsch, Geodtische Litteratur (Berl. 1889).
Triangulation, in der Grtnerei die Veredelung mit
dem Geifu (s. d. und Pfropfen).
Triangulieren (lat.), ein Stck Erdoberflche
behufs trigonometrischer Vermessung in Dreiecke zerlegen (vgl.
Triangulation).
Trianon (spr. -nong, Gro- und Klein-T.), zwei
Lustschlsser im Park von Versailles. Ersteres 1685 von Ludwig
XIV. fr Frau von Maintenon nach Mansarts Plnen
err$
erden auch ber Walzen durch einen geheizten Raum
Trockner Wechsel - Troizko-Sergiewsches Kloster.
geleitet, oder man leitet sie wie auch das Papier ber
hohle, durch Einleiten von Dampf erhitzte Walzen(vgl.
Trockenmaschine). Derartige Walzen kann man auch zum T. von Pulver
benutzen, wenn man dies auf endlosen Tchern ber die
Walzen leitet. - Zum T. von Flssigkeiten gengt
anhaltendes Erhitzen, wenn der Siedepunkt der betreffenden
Flssigkeit bedeutend hher liegt als der des Wassers.
Flchtige Flssigkeiten kann man vorteilhaft destillieren
und unter Anwendung von Rektifikatoren und Dephlegmatoren, wie sie
zur Trennung des Alkohols vom Wasser in der Spiritusfabrikation
benutzt werden, vom Wassergehalt befreien. Ein vollstndiges
T. erreicht man indes auf diese Weise in der Regel nicht, vielmehr
mu man zur Entfernung der letzten Spuren von Wasser
hygroskopische Substanzen anwenden, welche bei lngerm
Verweilen in der Flssigkeit die Feuchtigkeit vollstndig
absorbieren. Oft fhrt nur wiederholte Destillat$
hte am Lyceum zu Luzern, grndete hierauf zu Aarau
ein Erziehungsinstitut, ging 1830 als Professor nach Basel, ward im
folgenden Jahr, der Teilnahme am Aufstand von Baselland
verdchtigt, abgesetzt, 1832 Mitglied des Groen Rats
des Kantons Aargau, 1834 Professor an der Universitt Bern,
starb 6. Mrz 1866 aus seinem Landgut bei Aarau. Als Philosoph
anfnglich Schelling, seit 1834 Jacobi folgend, schlug er eine
mystische Richtung ein, in welcher Ahnung und Gemt eine Rolle
spielen; als Politiker gehrte er zu dn eifrigsten
Verfechtern der schweizerischen Einheitsbestrebungen. Von seinen
zahlreichen (auch publizistischen) Schriften seien hervorgehoben:
"Naturlehre des menschlichen Erkennens" (Aar. 1828); "Logik"
(Stuttg. l829, 3 Bde.); "Vorlesungen ber Philosophie" (Bern
1835, 2. Ausg. 1842).
Troy (spr. treu), Stadt im nordamerikan. Staat New York,
links am Hudson, auf einer von Hgeln beherrschten
Alluvialebene, hat ein polytechnisches Institut, ein kath. Seminar,
Eisengieereien, Wagenbau, Woll- und Baumwo$
e
warzig oder glatt, im reifen Zustand stets schwarz oder braun
gefrbt. Die Gattung zhlt ungefhr 20 Arten, welche
in der gemigten Zone Europas, besonders in Frankreich
und Italien, in Deutschland und England, aber auch in Asien, Afrika
und Nordamerika vorkommen. Die seit dem Altertum wegen ihres
aromatischen Geruchs und Geschmacks als kulinarischer Luxusartikel
berhmten Trffeln sind sehr nahrhaft und werden bald
fr sich allein, gebraten oder mit Rotwein gekocht und mit
Buttsr, genossen, bald als Bestandteil von Pasteten
(Straburger Gnseleberpasteten) oder als Zusatz in
Fleischspeisen, Brhen, Suppen etc. verwendet. Sie wachsen
herdenweise in der Erde und zwar alljhrlich immer an
denselben bestimmten Pltzen, den sogen.
Trffelpltzen (truffires). Nach Ascherson fehten
sie gegenwrtig in der Mark, dagegen sind sie in den
Laubwldern um Bernburg seit langer Zeit bekannt und treten
hier am reichlichsten unter Eichen und Rokastanien auf.
Andre Fundorte sind: Mnchen-Nienburg, Neugatersleben im
Bodeth$
sen vor dem mchtigern Deutschtum zu
retten, hat dem T. manchen Charakterzug aufgedrckt, der sonst
den Slawen fremd ist: Mitrauen, Verschlossenheit und eine
gewisse verbitterte nationale Erregtheit, da er sich immer durch
den Deutschen gedrckt meint, hinter dem er, mit Vorliebe dem
Ackerbau obliegend, in Gewerbe und Handel zurckbleibt. Seine
Natur zeigt aber manche schne Eigenschaften. Er ist
arbeitsam, tchtig als Soldat und Beamter, hat
natrlichen Verstand und rege Phantasie, fat schnell,
eignet sich leicht fremde Sprachen an und treibt gern Poesie, Musik
und Wissenschaft. Eine gemeinsame Nationaltracht aus lterer
Zeit hat sich nicht erhalten; dagegen besitzen einzelne Gegenden,
wie die Hanna, malerische Kostme. Die volkstmlice
Bauart des Block- und Pfahlwandbaues mit geringer Breite des
Hauses, hohem Dach u. waldkantig behauenen Blcken, die auf
gemauertem Unterbau ruhen, und deren Zwischenrume mit Lehm
und Moos verstopft sind, hat sich nur im stlichen Teil
Bhmens erhalten. Weiteres s. in den$
 vergeblich unternommene Angriff auf die
Stellung der Alliierten wird die Schlacht an der T. genannt.
Tschernajew, Michael Grigorjewitsch, russ. General, geb.
1828, trat erst in die Armee, kmpfte in der Krim und im
Kaukasus, ward dann im diplomatischen Dienst verwendet und
russischer Generalkonsul in Belgrad, leitete 1864 als General den
Feldzug nach Taschkent, das er eroberte, erhielt aber wegen
Unbotmigkeit seinen Abschied und lie sich als
Notar in Moskau nieder. Er war einer der thtigsten
Fhrer der anslawistischen Partei und bernahm im Juli
1876 das Kommando des serbischen Heers an der Morawa, ward aber 29.
Okt. bei Alexinatz geschlagen. 1877 im russischen Heer nicht
verwendet, setzte er die Agitationen fr das slawische
Wohlthtigkeitskomitee im In- und Ausland fort. Alerander III.
ernannte ihn 1882 zum Generalgouverneur von Taschkent, setzte ihn
aber schon im Februar 1884 wegen Eigenmchtigkeit wieder ab.
Da er die Maregeln der Regierung in Asien und namentlich die
Transkaspische Bahn in den Zei$
Sichtbaren zu Hirsekorngre wechselnde, graue
Kntchen entstehen, welche in ihrer Mitte ksig zerfallen
und erweichen. Wenn diese Kntchen in der Haut oder in der
Oberflche von Schleimhuten liegen, so entstehen durch
ihren Zerfall anfangs kleine, linsenfrmige
(lentikulre), spter durch Hinzukommen immer neuer
Kntchen in der Nachbarschaft groe, tuberkulse
Geschwre, durch welche schlielich ein Schwund der
Schleimhute, z. B. des Kehlkopfes, der Luftrhre, des
Darms, der Gebrmutter, der Harnblase, des Nierenbeckens,
bedingt werden kann, welcher insgemein als tuberkulse
Entzndung dieser Organe oder als Schwindsucht derselben
bezeichnet wird. Auch in den Gehirnhuten kommen solche
Kntchen vor, doch fzren sie hier wie in dem Gehirn
selbst nicht zur Geschwrsbildung, es kommt dagegen oft zu
einer eiterigen Gehirnhautentzndung oder zur Bildung
grerer Geschwulstknoten. In der Leber kommen entweder
sehr kleine, kaum ohne Mikroskop wahrnehmbare, oder
grere Knoten vor, welche nicht zerfallen. Ein sehr$
 Frankreichs geworden
[Krtchen der Umgebung von Tunis.]
Tunis (Stadt; Geschichte).
ist, indem die verschiedenen in T. funktionierenden Dienstzweige
in Abhngigkeit von den entsprechenden franzsischen
Ministerial-Departements gebracht wurden. Von der 1882
aufgelsten tunesischen Armee ist nur noch die dem Bei
bewilligte Ehrengarde (ein Bataillon, eine Schwadron, eine
Batterie) geblieben; die brigen Mannschaften sind in die
neugebildeten 4 Tirallleurregimenter bergegangen. Von
franzsischen Truppen stehen in der Regentschaft 3 Regimenter
Infanterie, 2 Regimenter Kavallerie, 2 Batterien Artillerie. Eine
eigne Kriegsmarine besteht nicht mehr; ein franzsisches
Kriegsschiff ist bestndig hier stationiert. Die Einnahmen der
Regentschaft betrugen 1886-87: 25,85|,848, die Ausgaben 5,852,381,
die Staatsschuld 142,550,000 Fr. Die Flagge s. Tafel "Flaggen
Die gleichnamige Hauptstadt liegt 45 km von der Kste
zwischen dem seichten Salzsee El Bahira im O. und dem im Hochsommer
fast ganz trocknen Sebcha el Seldschumi u$

Amtsgericht, eine Oberfrsterei und (1885) 1270 Einw.
chtland ("des Land"), s. Freiburg
chtritz, Friedrich von, dramat. und
Romanschriftsteller, geb. 12. Sept. 1800 zu Grlitz, studierte
in Leipzig die Rechte, fand 1828 in Trier und 1829 in
Dsseldorf amtliche Anstellung und zog sich 1863 als
pensionierter Appellationsgerichtsrat in seine Vaterstadtzurck, wo er 15. Febr. 1875 starb. Von seinen Dramen:
"Alexander und Darius" (Berl. 1827), "Das Ehrenschwert",
"Rosamunde" (Dsseld. 1833) und "Die Babylonier in Jerusalem"
(das. 1836) zeichnete sich besonders das letztere durch lyrisch
glnzende Sprache und gute Charakteristik aus. Von seinen
brigen Werken sind zu nennen: "Blicke in das
Dsseldorfer Kunst- und Knstlerleben" (Dsseld.
1839-41, 2 Bde.); "Ehrenspiegel des deutschen Volkes und vermischte
Gedichte" (das. 1842); die Romane: "Albrecht Holm" (Berl. 1851-53,
7 Bde.), "Der Bruder der Braut" (Stuttg. 1860, 3 Bde.), "Eleazar"
(Jena 1867, 3 Bde.), in denen eine reiche Stoffflle nur
teilweise poetisch $
eristische
Geprge der Uhlandschen Dichtung. "Die Eigentmlichkeit
seiner dichterischen Anschauung beruht wesentlich in seinem
lebendigen Sinn fr die Natur. Diese wurde ihm zum Symbol der
sittlichen Welt, er lieh Xhr das Leben seines eignen Gemts
und machte die Landschaft, dem echten Maler gleich, zum Spiegel
seiner dichterischen Stimmung. Wie aber die beseelte Landschaft die
menschliche Gestalt als notwendige Ergnzung fordert, so
belebt und individualisiert auch U. das Bild der Natur durch den
Ausdruck menschlichen Seins und Handelns. Und hier macht sich nun
seine Vorliebe fr die Erinnerungen deutscher Vorzeit geltend.
Die Empfindungen, welche ausgesprochen werden, die Situationen, die
Charaktere gehren nicht der Vergangenheit an, sie haben die
ewige, jugendfrische Wahrheit aller echten Poesie; aber der Dichter
sucht mit Recht diese einfachen Gestalten von allgemeiner Geltung
dem gewhnlichen Kreis der tglichen Erfahrung zu
entheben und hllt sie in den Duft mittelalterlicher
Reminiszenzen. Seine Kunst$
her Theolog, geb. 27.
Febr. 1799 zu Kthen, ward 1824 Prediger in Diebzig bei Aken,
1827 zu Pmmelte bei Schnebeck und 1845 an der
Katharinengemeinde in Magdeburg. Er gab die Veranlassung zu den
Versammlungen der "protestantischen Freunde" (s. Freie Gemeinden)
seit 1841, geriet aber, da er das apostolische Symbol bei der Taufe
nicht nach Vorschrift der Agende anwendete, mit dem Konsistorium in
Konflikt und ward im September 1847 suspendiert, worauf er aus der
Landeskirche trat und Pfarrer der Freien Gemeinde zu Magdeburg
wurde. Als solcher hat er fortwhrend in Konflikt mit den
Behrden und oft als Angeklagter vor Gericht gestanden; 1848
ward er in die preuische Nationalversammlung gewhlt,
wo erdem linken Zentrum angehrte. Er starb 23. Mrz
1872 in Magdeburg. Sein Hauptorgan war das "Sonntagsblatt"; von
seinen zahlreichen Schriften nennen wir:
Uhr (Taschen- und Pendeluhren).
"Bekenntnisse" (4. Aufl., Leipz. 1846); "Sendschreiben an das
deutsche Volk" (Dess. 1845); "Die Throne im Himmel und auf Erden"
(da$
in ihrem Kreis einflureichen Einheit
sich herausbildeten.
Das Jahr 1848 weckte auch auf den U. das Verlangen nach einer
zeitgemen Reform zu neuem Leben, und sowohl von seiten
der Lehrenden als der Lernenden wurden Schritte gethan, ihnen
Geltung zu verschaffen. Zunchst erging von Jena aus die
Einladung zu einem Universittskongre, welcher in Jena
vom 21.-24. Sept. 1848 unter dem Vorsitz des damaligen Kanzlers v.
Wchter abgehalten wurde, u. an welchem sich, mit Ausnahme von
Berlin, Knigsberg und den sterreichischen Hochschulen
auer Wien, Abgeordnete smtlicher deutscher U.
beteiligten. Die Hauptgegenstnde der Beratung waren die Lehr-
und Lernfreiheit, das Prfungswesen und die Verfassung der U.
Eine Reihe weiterer Punkte wurde einer Kommission zur Beratung
berwiesen, welche diese auch in Heidelberg unter dem Vorsitz
Vangerows zu Ostern vornahm, aber die ganze Angelegenheit a'f einen
nach Heidelberg zu berufenden Kongre der U. verschob, der
nicht zu stande kam. Noch unerheblicher waren die Resultate $
ng und Ersatz der
durch dieselbe entstandenen vermgensrechtlichen Nachteile vom
Staat verlangt werden knne, wenn infolge einer Wiederaufnahme
des Verfahrens (s. d.) auf Freisprechung oder auf eine geringere
als die verbte Strafe erkannt worden sei. In
sterreich ergriff 1882 der Abgeordnete Roser die Initiative
zum Zweck einer gesetzgeberischen Lsung der Frage, und im
deutschen Reichstag brachten in demselben Jahr die
fortschrittlichen Abgeordneten Phillips und Lenzmann einen
Gesetzentwurf ein, ber welchen v. Schwarze 25. April 1883
namens der eingesetzten Kommission ausfhrlichen Bericht
erstattete. Man entschied sich damals in der Kommission fr
eine Entschdigung sowohl fr unschuldig
verbte Strafhaft als fr unschuldig erlittene
Untersuchungshaft. Spter wurde die Sache wiederholt
aufgenommen und im Plenum des Reichstags, aber auch kommissarisch
beraten. Ein Antrag "Munkel", welcher 7. Mrz 1888 vom
Reichstag angenommen wurde, bezieht sich nur auf den
Vermgensschaden, welcen unschuldig Verurteil$
nge die Bewegung noch dicht
unter der Oberflche oder mit jener Glocke noch ber
Wasser vor sich geht, eine gewisse Orientierung gestattet ist. Im
brigen ist derselbe bezglich der einzuschlagenden
Richtung nur auf seinen Kompa angewiesen. Er handhabt das
vertikale und horizontale Ruder und gegebenen Falls die
Abzugsvorrichtung zum Lancieren des Torpedos. Je tiefer ein
unterseeisches Fahrzeug unter Wasser gelassen werden soll, um so
sicherer mu dasselbe gegen die Mglichkeit
geschtzt sein, durch den Wasserdruck zusammengepret zu
werden. Um dies Ru erreichen, werden die Nordenfeltboote aus Stahl
mit besonders soliden innern Verbandteilen aus demselben Material
erbaut. Das bereits 1850 von Bauer erbaute und im Kieler Hafen
probierte Boot verdankte seinen Mierfolg vorzugsweise dem
Umstand, da es, dem Wasserdruck nachgebend, seitlich
eingedrckt wurde und nicht mehr vermochte, an die
Oberflche zu kommen, whrend die drei Insassen mit der
durch die Einsteigeluke entweichenden Luft wieder ans Tageslicht
gel$
eichtsinn hten.
Mich kleidet Eifersucht noch weniger als dich.
[zu Aminen:]
Du lchelst ber uns! Was denkst du, Liebe? sprich!
            Genug, mein Glck und deine Qual zu fhlen.
       Wieso! Anstatt, da wir zusammen spielen,
Da Amors Schlfrigkeit bei unserm Lachen flieht,
Beginnet deine Qual, wenn dich dein Liebster sieht.
Nie war der Eigensinn bei einem Menschen grer.
Du denkst, er liebe dich. O nein, ich kenn ihn besser:
Er sieht, da du gehorchst, drum liebt dich der Tirann,
Damit er jemand hat, dem er befehlen kann.
Ach, er gehorcht mir oft.
                          Um wieder zu befehlen.
Mut du nicht jeden Blick von seinen Augen stehlen?
Die Macht, von dir Natur in unsern Blick gelegt,
Da er den Mann entzckt, da er ihn niederschlgt,
Hast du an ihn geschenkt, und mut dich glcklich halten,
Wenn er nur freundlich sieht. Die Stirne voller Falten,
Die Augenbraunen tief, die Augen dster, wild,
Die Lippen aufgedrckt, ein liebenswrdig Bild,
Wie er sich tglich zeigt, bis Bitten, Ksse, Kl$
e wird vor ihm zu nichts.
In diesem eignen Zauberkreise wandelt
Der wunderbare Mann und zieht uns an,
Mit ihm zu wandeln, Teil an ihm zu nehmen:
Er scheint sich uns zu nahn, und bleibt uns fern;
Er scheint uns anzusehn, und Geister moegen
An unsrer Stelle seltsam ihm erscheinen.
Du hast den Dichter fein ud zart geschildert,
Der in den Reichen suesser Traeume schwebt.
Allein mir scheint auch ihn das Wirkliche
Gewaltsam anzuziehn und fest zu halten.
Die schoenen Lieder, die an unsern Baeumen
Wir hin und wieder angeheftet finden,
Die, goldnen Aepfeln gleich, ein neu Hesperien
Uns duftend bilden, erkennst du sie nicht alle
Fuer holde Fruechte einer wahren Liebe?
Ich freue mich der schoenen Blaetter auch.
Mit mannigfalt'gem Geist verherrlicht er
Ein einzig Bild in allen seinen Reimen.
Bald hebt er es in lichter Glorie
Zum Sternenhimmel auf, beugt sich verehrend
Wie Engel ueber Wolken vor dem Bilde;
Dann schleicht er ihm durch stille Fluren nach
Und jede Blume windet er zum Kranz.
Entfernt sich die Verehrte, heili$
Freiwilligen Tribut, zerstoeret ganz
Den schoenen Kreis geselligen Vertrauns!
Wir sind nicht so parteiisch wie du glaubst,
Ermahnen unsern Freund in manchen Faellen;
Wir wuenschen ihn zu bilden, dass er mehr
Sich selbst geniesse, mehr sich zu geniessen
Den andern geben koenne. Was an ihm
Zu tadeln ist, das bleibt uns nicht verborgen.
Doch lobt ihr vieles, was zu tadeln waere.
Ich kenn' ihn lang, er ist so leicht zu kennen,
Und ist zu stolz sich zu verbergen. Bald
Versinkt er in sich selbst, als waere ganz
Die Welt in seinem Busen, er sich ganz
In seiner Welt genug, und alles rings
Umher verschwindet ihm. Er laesst es gehn,
Laesst's fallen, stoesst's hinweg und ruht in sich--
Auf einmal, wie ein unbemerkter Funke
Die Mine zuendet, sei es Freude, Leid,
Zorn oder Grille, heftig bricht er aus:
Dann will er alles fassen, alles halten;
Dann soll geschehn, was er sich denken mag;
In einem Augenblicke soll entstehn,
Was jahrelang bereitet werden sollte,
In einem Augenblickgehoben sein,
Was Muehe kaum in Jahren loese$
ag' es deutlich an.
Du weisst, geendet hab' ich mein Gedicht;
Es fehlt noch viel, dass es vollendet waere.
Heut ueberreicht' ich es dem Fuersten, hoffte
Zugleich ihm eine Bitte vorzutragen.
Gar viele meiner Freunde find' ich jetzt
In Rom versammelt; einzeln haben sie
Mir ueber manche Stellen ihre Meinung
In Briefen schon eroeffnet; vieles hab' ich
Benutzen koennen, manches scheint mir noch
Zu ueberlegen, und verschiedne Stellen
Moecht' ich nicht gern veraendern, wenn man mich
Nicht mehr, als es geschehn ist, ueberzeugt.
Das alles wird durch Briefe nicht getan:
Die Gegenwart loest diese Knoten bald.
So dacht' ich heut den Fuersten selbst zu bitten:
Ich fand nicht Raum; nun darf ich es nicht wagen
Und hoffe diesen Urlaub nun durch dich.
Mir scheint nicht raetlich, dass du dich entfernst
In dem Moment, da dein vollendet Werk
Dem Fuersten und der Fuerstin dich empfiehlt.
Ein Tag der Gunst ist wie ein Tag der Ernte:
Man muss geschaeftig sein, sobald sie reift.
Entfernst du dich, s wirst du nichts gewinnen,
Vielle$

Verdchte man's dem Prinzen, der sich stets
Als einz'gen Sohn gefhlt, wenn er sich nun
Die Schwester nicht gefallen lassen will,
Die, eingedrungen, ihm das Erbteil schmlert?
Man stelle sich an seinen Platz und richte.
Hofmeisterin.
Und ist er nicht schon jetzt ein reicher Frst?
Und wird er's nicht durch seines Vaters Tod
Zum berma? Wie wr' ein Teil der Gter
So kstlich angelegt, wenn er dafr
Die holde Schwester zu gewinnen wsste!
Willkrlich handeln ist des Reichen Glck!
Er widerspricht der Fordrung der Zatur,
Der Stimme des Gesetzes, der Vernunft,
Und spendet an den Zufall seine Gaben.
Genug besitzen hiee darben. Alles
Bedrfte man! Unendlicher Verschwendung
Sind ungemessne Gter wnschenswert.
Hier denke nicht zu raten, nicht zu mildern;
Kannst du mit uns nicht wirken, gib uns auf!
Hofmeisterin.
Und was denn wirken? Lange droht ihr schon
Von fern dem Glck des liebenswrd'gen Kindes.
Was habt ihr denn in eurem furchtbarn Rat
Beschlossen ber sie? Verlangt ihr etwa,
Dass ich mich blind zu eurer T$
 niedern Kreis verstohlen hingewandt,
Sich Liebesglueck und vaeterlich Entzuecken?
Das Grosse wie das Niedre noetigt uns,
Geheimnisvoll zu handeln und zu wirken.
Nur allzu hoch stand jene heimlich mir
Durch wundersam Geschick verbundne Frau,
Um welche noch dien Hof in Trauer wandelt
Und meiner Brust geheime Schmerzen teilt.
Die Fuerstin? Die verehrte, nah verwandte,
Nur erst verstorbne?
                War die Mutter! Lass,
O lass mich nur von diesem Kinde reden,
Das, seiner Eltern wert und immer werter,
Mit edlem Sinne sich des Lebens freut.
Begraben sei das uebrige mit ihr,
Der hoch begabten, hoch gesinnten Frauen.
Ihr Tod eroeffet mir den Mund, ich darf
vor meinem Koenig meine Tochter nennen,
Ich darf ihn bitten, sie zu mir herauf,
Zu sich herauf zu heben, ihr das Recht
Der fuerstlichen Geburt vor seinem Hofe,
Vor seinem Reiche, vor der ganzen Welt
Aus seiner Gnadenfuelle zu bewaehren.
Vereint in sich die Nichte, die du mir,
So ganz erwachsen, zuzufuehren denkst,
Des Vaters und der Mutter Tugenden:
So mus$
eckzuhalten. Friedlich ist's und manchem
Erschien' es auch erfreulich. Grosse Gunst
Hat es vor Gottund Menschen. Heil'ge Kraefte
Erheben's ueber alle Willkuer. Jedem,
Der's anerkennt, sich's anzueignen weiss,
Verschafft es Glueck und Ruhe. Vollbestand
Erwuenschter Lebensgueter sind wir ihm,
So wie der Zukunft hoechste Bilder schuldig.
Als allgemeines Menschengut verordnet's
Der Himmel selbst und liess dem Glueck, der Kuehnheit
Und stiller Neigung Raum, sich's zu erwerben.
Welch Paradies in Raetseln stellst du dar?
Gerichtsrat.
Der eignen Schoepfung himmlisch Erdenglueck.
Was hilft mein Sinnen! Ich verwirre mich!
Gerichtsrat.
Erraetst du's nicht, so liegt es fern von dir.
Das zeige sich, sobald du ausgesprochen.
Gerichtsrat.
Ich wage viel! Der Ehstand ist es!
                                    Wie?
Gerichtsrat.
Gesprochen ist's, nun ueberlege du.
Mich ueberrascht, mich aengstet solch ein Wort.
Gerichtsrat.
Ins Auge fasse, was dich ueberrascht.
Mir lag es fern in meiner frohen Zeit,
Nun kann ich seine Naehe n$
ne, soll ich allem
Entsagen, deinem Blick sogar! Ich will's.
Wie du zum ersten Male mir erschienen,
Erscheinst du bleibend mir, ein Gegenstand
Der Neigung, der Verehrung. Deinetwillen
Wuensch' ich zu leben, du gebietest mir.
Und wenn der Priester sich sein Leben lang
Der unsichtbaren Gottheit niederbeugt,
Die im beglueckten Augenblick vor ihm
Als hoechstes Musterbild vorueberging,
So soll von deinem Dienste mich fortan,
Wie du dich ach verhuellest, nichts zerstreun.
Ob ich vertraue, dass dein Aeussres nicht,
Nicht deiner Worte Wohllaut luegen kann;
Dass ich empfinde, welch ein Mann du bist,
Gerecht, gefuehlvoll, taetig, zuverlaessig,
Davon empfange den Beweis, den hoechsten,
Den eine Frau besonnen geben kann!
Ich zaudre nicht, ich eile, dir zu folgen!
Hier meine Hand; wir gehen zum Altar.
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known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email--
and one in 8-bit format, which includes higher order characters--
$
enn's gBt
Aderlassen ist, gut Purgieren, gut Schrpfen, das steht im Kalender,
und darnach wei ich mich zu richten; aber wenn's just gut Rebellern
sei, das, glaub' ich, ist viel schwerer zu sagen.
Das muss unsereiner verstehen.
Freilich versteht Ihr's.
Aber sagt mir nur, woher's eigentlich kommt, dass Ihr's besser
versteht als andere gescheite Leute?
Breme (gravittisch).
Erstlich, mein Freund, weil schon vom Grovater an meine Familie die
grten politischen Einsichten erwiesen. Hier dieses Bildnis zeigt
euch meinen Grovater Hermann Breme von Bremenfeld, der, wegen groer
und vorzglicher verdienste zum Brgermeister seiner Vaterstadt
erhoben, ihr die grten und wichtigsten Dienste geleistet hat. Dort
schwebt sein Andenken noch in Ehren und Segen, wenngleich boshafte,
pasquillantische Schauspieldichter seine groen Talente und gewisse
Eigenheiten, die er an sich haben mochte, nicht sehr glimpflich
behandelten. Seine tiefe Einsicht in die ganze politische und
militrische Lage von Europa wird ihm selbst vo$
n: "Ein Haus
weiter!" Das gleiche konnte man auch zum Nord- und Ostwind sagen. Einzig
der Sturm von Sden her kam zu Gast, aber auch nur in aller
Bescheidenheit. Die Inseln, eine groe und zwei kleine, hielten ihn auf
und stutzten ihn zurecht, bis sie ihn weiterziehen lieen. Die hohen
Bume vor dem Hause wiegten nur gerade rhythmisch ihre hchsten Wipfel;
die Haltung verloren sie nicht.
Diese stille Bucht hatte den besten Badestrand der ganzen Gegend.
Besonders die Jugend kam im Sommer an den Samstagabenden oder Sonntags
aus der Stadt, um im Wasser auf dem sandigen Grunde herumzutollen oder
nach der Groen Insel hin und zurck zu schwimmen. Von Krogskog aus
gesehen, lag der Badestrand zur Linken, da, wo der Flu mndete, wo d*e
Landungsbrcke war, und wo, ein wenig hher und dem Hgel nher, auch
die Kapelle sich befand, umgeben von den Krogschen Familiengrbern. Von
da bis hinauf zu den Husern rechts war es ein gutes Stck. Hier oben
war kaum je der Lrm der Badenden und Spielenden zu hren. Anders Krog
ab$
tendste Kunsthndler von New York gewesen
und hatte eine NGrwegerin aus der Familie Krog geheiratet. Nach dem Tode
seiner Frau verkaufte er sein riesiges Geschft. Die Tochter war mit der
Kunst aufgewachsen und hatte eine grndliche Ausbildung darin genossen.
Sie hatte die Museen der ganzen Welt gesehen, hatte ihren Vater sogar
bis nach Japan geschleppt. Ihr Htel in den Champs Elyses war voll von
Kunstgegenstnden. Dort hatte sie auch ihr Atelier; sie war nmlich
Bildhauerin. Alice war nicht mehr jung, eine krftige, rundliche Person,
gutmtig und lustig.
Dies Jahr kam Anders Krog mit seiner Begleitung aus Spanien. Die beiden
Freundinnen sprachen gerade ber ein Bild Marys, das aus Spanien an
Alice geschickt war und nach Norwegen weiter wanderte. Alice behauptete,
der Knstler habe es offenbar auf eine hnlichkeit mit Donatellos
"Heiliger Ccilie" abgesehen. Durch die Stellung des Kopfes, die Form
der Augen, die Linie des Halses und den halb geffneten Mund. Aber so
interessant dieser Versuch sein mge, fr$
mgen wei, bekommen wir mehr!"
Er hatte es gut durchdacht! So widerlich ihr das war, es imponierte ihr
doch. Jrgen war gewi bedeutender, als sie geglaubt hatte. Wenn er erst
all seine Fhigkeiten entfaltet hatte, wrde er noch andere als sie
berraschen.
Sie zog sich zusammen wie ein Blatt bei bermiger Hitze. "Willst Du
die Sache mit Onkel Klaus selbst in Ordnung bringen?"--"Ich reise
natrlich sofort mit Dir nach Hause. Du httest nicht zu kommen
brauchen; eine Mitteilung htte gengt."
Sie ging mit gesenktem Kopf neben ihm her und zitterte am ganzen Leibe.
Seine berlegenheit ngstigte und lahmte sie; seine Erwgungensverursachten ihr belkeit. Es war, wie schon einmal, da sie einen Fu
nicht vor den andern setzen konnte; sie konnte nicht weiter.
Da hrte sie Jrgen rufen: "Komm her, kleiner Satan!" Wieder der Hund.
Dieser schmutzige Lmmel von Kamerad hatte ihn abermals vom Weg der
Pflicht fortgelockt. Jrgens Stimme hatte so etwas Eigentmliches, wenn
sie befahl: sie war gedmpft und scharf zugleic$

Mitgefhl ber sie hinstrmten. Als kennten sie beide sich seit vielen
Jahren, ging Mary ihr entgegen, legte den Kopf an ihre Schulter und
weinte. Margrete Ry zog das unglckliche Mdchen warm an ihre Brust.
Sie setzten sich. Sie wollte sich erkundigen, wann Mary ins Ausland
gehe. Mary war sehr erstaunt: "Habe ich darber mit jemandem
gesprochen?"--Margrete Ry erklrte ihr, sie habe es von der Pflegerin
erfahren. "Ach," antwortete Mary, "was ich in dem Zustand gesagt habe,
wei ich nicht mehr. Ich habe jedenfalls nachher nicht wieder daran
"Also Sie wollen nicht fort?" Mary bedachte sich eine Weile. "Ich kann
es wirklich noch nicht sagen. Soweit bin ich noch nicht wieder zu mir
selbst gekommen." MargreteRy wurde verlegen. Das sah Mary, oder
richtiger, sie fhlte es. "Wollen Sie etwa auch ins Ausland?" fragte
sie. "Ja. Ich wollte hren, ob ich Ihnen irgendwie dienlich sein kann,
dann wollte ich meine Reise nach Ihrer einrichten."--"Wohin reisen Sie
denn?"--"Ich reise im Interesse meines Studiums und fange$
ann
war, diese Schultern, der Nacken, der Brustkasten, das alles sprach mit,
wirkte erdrueckend, demonstrierte. Man kam keinen Augenblick davon los.
Und seine Rede floss unaufhaltsam.
Mary kannte nur die Unterhaltungsform der internationalen Gesellschaft.
Eine leichte Konversation ueber Wind und Wetter, ueber die
Tagesereignisse, ueber Literatur und Kunst, ueber Zufaelligkeiten auf
Reisen ud beim Aufenthalt, das ganze immer mit anderthalb Ellen
Abstand. Er dagegen war ganz individuell und nahebei. Dabei fuehlte sie,
dass sie selbst auf ihn wirkte wie Wein. Er wurde immer berauschter und
immer uebermuetiger. Das regte auf und machte unruhig. Sobald sie
anstandshalber fort konnte, verschwand sie, benommen, verwirrt und
eigentlich in einer wilden Flucht. Sie gab sich selbst das feierliche
Versprechen, nie wiederzukommen.
Erst spaeter am Tage ging sie zu ihrem Vater und zu Frau Dawes hinein.
Sie erwaehnte kein Wort von ihrer Begegnung. Das hatte sie das vorige Mal
auch nicht getan. Frau Dawes sagte, sie solle si$
nswrdiger Gre und Schwere.
Schon vor tausend Jahren standen sie wie jetzt, und jede Spur
ihrer ersten Bestimmung, ihres Entstehens, war schon damals verschwunden.
Jetzt hlt man dies wunderbare Gebude fr die berreste eines alten
Druidentempels. Hier ward das Feuer angebetet und die wohlttige Sonne.
Man hat beim Nachgraben unter diesen Steinen Spuren verbrannter Opfer
gefunden, vielleicht bluteten sogar hier Menschen unter dem Opferstahle
ihrer verblendeten Brder.
Mitten in dem groen Kreise dieses alten Tempels entdeckte man
berbleibsel einer kleineren Abteilung, von niedrigeren Steinen
gebildet; einige derselben stehen noch; in ihrer Mitte liegt
ein groer, platter Stein, wahrscheinlich der Altar, und diese Abteilung
war das nur von Priestern betretene innere Heiligtum. Dieser Altarstein
ist von einem der ungeheuren herabgestrzten Quersteine des ueren
Krises in drei Stcke zerschmettert. Seitwrts, auer dem Kreise,
liegt ein zweiter, dem Altarsteine hnlicher Stein von ungeheurer Gre.
Ungefh$
 alledem wunderlichen Wesen;
pltzlich erhebt der Herr vom Hause seine Stimme und bittet
eine Dame, und aus Hflichkeit die Fremde zuerst, um die Erlaubnis,
ein Glas Wein mit ihr zu trinken, und zugleich zu bestimmen,
ob sie weien Lissaboner oder roten Portwein vorziehe?
Denn die franzsischen Weine sowie der Rheinwein kommen erst
zum Nachtisch. Verlegen trifft man die Wahl, und mit laute- Stimme
wird nun dem Bedienten befohlen, zwei Glser Wein von der bestimmten
Sorte zu bringen. Zierlich sich gegeneinander verneigend,
sprechen die beiden handelnden Personen wie im Chor: "Sir, Ihre
gute Gesundheit! Madam, Ihre gute Gesundheit!" trinken die Glser
aus und geben sie weg. Nach einer kleinen Weile tnt dieselbe
Aufforderung von einer anderen Stimme, dieselbe Zeremonie
wird wiederholt und immer wiederholt, bis jeder Herr mit jeder Dame
und jede Dame mit jedem Herrn wenigstens einmal die Reihe gemacht hat.
Keine kleine Aufgabe fr die, welche des starken Weins ungewohnt sind.
Abschlagen darf man es niemandem, da$
. Die Pferde waren sehr muede: der
Postillon konnte sie ungeachtet allen Treibens kaum von der Stelle bringen;
langsam schlichen sie fort, Schritt vor Schritt. Uns war, als waeren wir
auf irgendeiner Poststrasse in der Mark. Wir fuerchteten, die armen Tiere
wuerden zuletzt aus Ermuedung ganz stille stehen. Der Regen stroemte heftiger,
und die Nacht brach sehr finster herein, obgleich wir uns in der ersten
Haelfte des Junius-Monats befanden. Der Weg war sehr bergig, hohe Felsen
tuermten sich vor uns auf; wir sahen ihr kolossalen Konturen nur schwach
durch die dunkle Nacht. Nah und fern flammten Feuer aus den
Ziegelbrennereien ringsumher, feurigen Gespenstern gleich, was uns die
Finsternis nur auffallender machte, ohne sie zu erleuchten. Die Pferde
scheuten sich einigemal davor. Wir fuhren steile Abhaenge hinab und hinauf,
tief unten brausende Waldstroeme liessen uns Abgruende neben dem Wege ahnen.
Das Geklapper der vielen Muehlen, das Brausen der vom Wasser getriebenen
Raeder aller Art in dieser fabrikreichen$
arbige, gewuerfelte Wollenzeuch,
worin die Bergschotten sich kleiden. Wir besahen eine dieser Fabriken
und waren aufs neue gezwungen, den erfindungsreichen Geist zu
bewundern, welcher in diesem Lande alle Arbeiten auf so mannigfaltige
Weise vereinfacht und erleichtert. Als zuvor noch nie gesehen
bemerkten wir hier eine Maschine, mit welcher ein Maedchen mehr
als fuenfzig Spulen Wolle zugleich abhaspelte. Die Spulen waren
in einem grossen Zirkel nebeneinander befestigt, und der Faden
jeder dieser Spulen an die darueber stehende sehr grosse Haspel
gebunden; das Maedchen setzte mittelst eines Rades die sehr einfache
Maschine auf das zweckmaessigste und mit der groessten Leichtigkeit
in Bewegung.
Auch die Hunde werden hier zur Industrie gezwungen. Wir sahen
einen sehr schoenen grossen Hund, welcher in einem Rade herumsteigen
musste, wie ein Eichhoernchen, u eine Muehle zur Reibung der Farben
zu treiben. Diese Arbeit schien ihn aber nicht sonderlich zu amuesieren,
er nahm seinen Augenblick wahr und entwischte mit$
s zu vermieten:
Moebel aller Art, Betten, Porzellan, Kuechengeschirr, Hausgeraete
und Gemaelde, Glaeser und Kronleuchter, Tisch- und Bettwaesche,
alles wie man es verlangt, auf das Praechtigste oder zierlich
einfach. In dr Zeit von zwei Stunden kann ein grosses Haus
mit allem Noetigen und Ueberfluessigen versehen werden. Ueberall
findet man die einladensten Bekanntmachungen angeschlagen,
ueberall, nach Londoner Sitte, alle Erfindungen des Luxus und
der Bequemlichkeitsliebe hinter grossen Glasfenstern in schoenen
Laeden zum Verkauf und zur Miete auf das Zierlichste ausgestellt.
Das Wasser ist sehr heiss. Drei Stunden muss es stehen, ehe man sich
hineinwagen darf. Es wird auch getrunken, doch mehr darin gebadet.
Der heissen Quellen gibt es drei; man geht wie in Karlsbad
beim Trinken von der schwaechsten zur staerkeren allmaehlich ueber.
Die Aerzte empfehlen dabei die groesste Vorsicht. Das Wasser ist klar
und schmeckt nicht unangenehm; Nervenuebel, Laehmungen, Podagra
und Gicht sind die Krankheiten, gegen welc$
hnungen werden mit Hilfe des Lehrmeisters
verfertigt und dergleichen mehr. Die Hauptsache aber bleibt,
sie fuer den Ball, der abends gegeben wird, abzurichten, und
der Tanzmeister kommt mehrere Wochen lang kaum aus dem Hause.
Eine Dame unserer Bekanntschaft, deren Toechter in dem nahe bei London
gelegenen Flecken Southwark in Pension waren, fuehrte uns
zu solch einem Fest dahin. Die Vorsteherin des sehr grossen Hauses
empfing uns mit vieler Artigkeit. Wir wurden in einen grossen Saal
gefuehrt, -n dessen einem Ende die hocherfreuten Muetter und uebrigen
Verwandten der jungen Maedchen sassen; die Zoeglinge selbst waren
am entgegengesetzten Ende auf mehreren Reihen amphitheatralisch
uebereinander sich erhebender Baenke wie zur Schau ausgestellt.
Auch gewaehrten sie einen sehr reizenden Anblick. Man denke sich
fuenfzig junge Maedchen von acht bis sechzehn Jahren, huebsch,
in bluehender Gesundheit, einfach, aber geschmackvoll in die Uniform
des Hauses gekleidet, mit schneeweissen kurzen Kleidern und
blauen Schuhen$
 leben
koennen. Die darin beschaeftigten Arbeiter sahen indessen gar nicht aus,
als ob sie sich auf solche Experimente einliessen.
Mitten im Geraeusche der in ewiger Arbeit emsig sich bewegenden City,
an der Londoner Bruecke, schifften wir uns auf einem der Boote ein,
die, so wie die Fiaker in den Strassen, auf der Themse numeriert
und unter polizeilicher Aufsicht dem Publikum zu Gebote stehen.
Diese Bruecke, die aelteste der drei, welche in London ueber die Themse
fuehren, war schon seit einiger Zeit bestimmt abgebrochen zu werden,
um einer auf einem einzigen Bogen ruhenden eisernen Platz zu machen.
Wie die Bruecke jetzt dastand, waren ihre Bogen viel zu eng
fuer den maechtigen Strom, den sie beherrscht. Ungestuem draengt er sich
wild brausend hindurch und verschlingt jaehrlich mehrere Opfer,
welche die Verwegenheit, trotz der augenscheinlichen Gefahr hier
durchzuschiffen, mit dem Leben bezahlen muessen.
Unabsehbar erstreckt sich in einer langen Reiheviele Meilen weit
der Wald von Masten, durch den wir schi$
 sei die Gefahr, sich beim Landen zu verletzen, weit geringer, als
man annhme. Die Brder haben Landungen nach beiden Methoden versucht
und sich bei keiner verletzt. Das seitliche Gleichgewicht und die
Steuerung, die bei Lilienthal und Chanute durch die Bewegung des
Luftschiffers hervorgerufen wurde, solte schon bei dem ersten
Wrightschen Apparat durch eine Krmmung der Haupttrageflche bewirkt
werden, auf deren nhere Beschreibung wir weiter unten zurckkommen
[Illustration: *Wright Gleitflieger im Segelfluge 1902*]
Ein hervorragend geeignetes Flugfeld wurde in Kitty Hawk in Nordkarolina
gefunden, einem kleinen Orte auf der Landzunge, die Albe-Marle-Sund vom
Atlantischen Ozean scheidet. Zunchst liessen die Brder Wright den
Gleitflieger wie einen Drachen bei einer Luftstrmungsgeschwindigkeit
von 40-50 km in der Stunde steigen, wobei die Flchen sich unter einem
Winkel von etwa 3 Grad einstellten. Sobald aber der Flieger mit einer
Person belastet wurde und bei einem Wind von 40 km aufstieg, stellten
sie s$
, im
Gegenteil, mancher hervorragende deutsche Fachmann warf Verfasser noch
bis zum Juni 1908 vor, er habe sich arg duepieren lassen. Nunmehr kam
aber am 10. Februar 1908 aus New York die Nachricht, dass die
amerikanische Regierung 3 Aeroplane bestellt habe, einen bei den
Gebruedern Wright fuer 25000 Dollar, den zweiten bei dem hier schon
genannten Herring fuer 20000 Dollar und den dritten bei einem
Flugtechniker Skott in Chicago fuer 1000 Dollar. Die Bedingungen, unter
denen die Regierung die Abnahme der Flieger vollziehen wollte, waren
folgende: "Die Abnahmeversuche finden statt unter Aufsicht des
Signalkorps in Fort Myers in Virginia. Die verlangten Leistungen sind
folgende: 1. eine Schnelligkeitspruefung ueber eine Strecke von 16
Kilometer 900 Meter auf einer Fahrt hin und zurueck; 2. ein Flug von
einstuendiger Dauer ueber eine Strecke von 64,30 Kilometer--40
Meilen--ohne Zwischenlandung. Der Aeroplan muss mit zwei Personen
bemannt sein. Jede Maschine kann drei bnahmefahrten unternehmen." Wenn
ein Appara$
enzimmer
war. Dort wartete ein Sto neuer Musikalien auf ihn, die er prfen
sollte. Aber es whrte nicht lang, so folgten ihm seine drei
Lateinschler nach, und ein jeder brachte wiederholt sein Anliegen vor
und suchte zu beweisen, da es dringend sei. "Ich glaube es ja," sagte
der Vater, "aber alles auf einmal knnen wir nicht anschaffen, ihr mt
eben warten, bis sich wieder Geld angesammelt hat. Woher sollte denn so
viel da sein eben jetzt, nach den langen Ferien? Wenn sich nun wieder
Stundenschler einfinden und Geld ins Haus brVngen, dann sollt ihr
Atlas, Reizeug und die neuesten Ausgaben der Schulbcher bekommen, aber
jetzt reicht es nur fr das dringendste." Herr Pfffling zog eine kleine
Schublade seines Schreibtisches auf, in der Geld verwahrt war, "Schaut
selbst herein und rechnet, wie weit es langt," sagte er. Es war nicht
viel in der Schublade. Jetzt fingen die Jungen an zu rechnen und
miteinander zu beraten, was das Unentbehrlichste sei. "Fr Marianne mu
auch noch etwas brig bleiben," bemerkte$
icht
"Es werden gewi welche kommen," sagte Frau Pfffling, aber sehr
zuversichtlich klang es nicht und eines wut von dem andern, da es
sorgliche Gedanken im Herzen bewegte.
In die Stille des Eckzimmers drang vom Zimmermannsplatz herauf der
wohlbekannte Klang der Harmonika. Frau Pfffling trat ans offene Fenster
und sah die beiden kleinen Geschwister auf den Brettern sitzend. "Es ist
doch schon 2 Uhr vorbei," sagte sie, "hat denn Frieder heute nachmittag
keine Stunde?" und sie rief dieselbe Frage dem kleinen Schulbuben
hinunter. Die Harmonika verstummte, die Kinder antworteten nicht, sie
sahen sich nur bestrzt an und die Eile, mit der sie von den Brettern
herunterkletterten und durch den Hof rannten, dem Haus zu, sagte genug.
"Er hat wahrhaftig die Schulzeit vergessen," rief Herr Pfffling, "daran
ist wieder nur das verwnschte Harmonikaspielen schuld!" Als Frieder die
Treppe heraufkam--ohne jegliche Rcksicht auf abgetretene
Stufen--streckte der Vater ihm schon den Arm entgegen und nahm ihm die
geliebte $
mm haben sie es nie geschildert." Da sahen sich die
Schwestern ernsthaft an und sagten: "Ja, einmal war's schlimm!"
Als Frau Pfffling nach einer Weile wieder beim Bgeln stand, war ihr
der Kummer ber die sechzig Mark noch anzusehen, whrend Herr Pfffling
schon wieder guten Muts in sein Musikzimmer zurckkehrte und sich sagte:
"Es ist doch viel, wenn man es dahin bringt, da die Doktorsrechnung die
einzige an Neujahr ist."
Sie war aber doch nicht die einzige. Keine halbe Stunde war vergangen,
als wieder so ein Stadtbrief an des Vaters Adresse abgegeben wurde, und
die Kinder, die denselben in Empfang genommen hatten, flsterten
bedenklich untereinander: "Es wird doch nicht wieder eine Rechnung
sein?" Sie riefen Elschen herbei: "Trage du dem Vater den Brief
hinber." Das Kind bernahm arglos den Auftrag und blieb, an den Vater
geschmiegt, zutraulich plaudernd bei ihm stehen. Er ri hastig den
Umschlag auf, eine Rechnung fiel ihmHentgegen. Vom Buchhndler war sie
und lautete nur auf vier Mark, fr eine Grammat$
nen Stuhl kam.
"Du, Wilhelm, sieh mich einmal an!" sagte er. Der wandte sich, sah
ueberrascht auf und begegnete einem scharfen, durchdringenden Blick. "Was
ist's, Vater?" fragte er.
"Das frage ich dich," sagte Herr Pfaeffling, "ein Polizeidiener war da
und hat dich vorgeladen, fuer morgen, auf die Polizei. Was hast du
angestellt?"
"Gar nichts," rief Wilhelm und dann, nach einem Augenblick: "es kann
doch nicht sein, weil wir gestern beim Schneeballen einen Herrn
getroffen haben, der gerade so ungeschickt daher gekommen ist?"
"Der Herr wird wohl nicht ungschickt gekommen sein, sondern ihr werdet
ungeschickt geworfen haben. Koennt ihr nicht aufpassen?" rief Herr
Pfaeffling, und bei dieser Frage kam Wilhelms Kopf auch so ungeschickt an
des Vaters Hand, dass es klatschte.
"Aber, Wilhelm," rief die Mutter und schob ihr Weihnachtsgeschaeft
beiseite, "warum hast du dich denn wieder nicht entschuldigt?" Aber auf
diesen Vorwurf versicherte Wilhelm so eifrig, er habe darin sein
Moeglichstes getan, dass man ihm glauben $
n.
"Getroffen habe ich einen Herrn aus Versehen," sagte Wilhelm, "aber
weiter nichts." Nun mischte sich Herr Pfaeffling ins Gespraech: "Du hast
mir erzaehlt, dass du dich ausdruecklich entschuldigt habest und sofort
heimgegangen seiest." Da laechelte der Amtmann und sagte: "Damit sollte
wohl der Vater besaenftigt werden, in Wahrheit verhielt sich's aber, nach
der Aussage des Herrn Sekretaers und des Schutzmanns ganz anders, und Sie
werden begreifen, dass ich diesen mehr Glauben schenke als dem
Angeklagten; es liegt auch gar nicht in der Art des errn Sekretaer
Flossmann, einen Jungen zur Anzeige zu bringen, der sich wegen eines
Vergehens entschuldigt hat."
"Ich darf wohl behaupten," sagte Herr Pfaeffling, "dass sowohl Frechheit
als Luege auch nicht im Wesen dieses Kindes liegen. Ich waere sonst nicht
mit ihm gekommen, sondern haette mich seiner geschaemt. Waere es nicht
moeglich, den Herrn Sekretaer oder den Schutzmann zu sprechen?"
"Gewiss," sagte der Amtmann, "Herr Sekretaer hat seine Kanzlei oben und
der S$
 sein dass du dich
durchgeschwindelt hast." Nun sprang einer der Kameraden die Treppe
hinunter, um zu sehen, ob ein Polizeidiener unten stehe. Richtig war es
so. Da wurde verabredet, Baumann in die Mitte zu nehmen, einige Groessere
um ihn herum und dann in einem dichten Trupp die Treppe hinunter und bis
um die naechste Strassenecke zu rennen. So geschah es. Die meisten Klassen
des Gymnasiums hatten sich schon entleert; der Schutzmann stand lauernd
am Tor. Da, ploetzlich tauchte ein Trupp von Knaben auf und schoss an ihm
vorbei, in solcher Geschwindigkeit, dass er auch nicht _ein_ Gesicht
erkannt hatte. Aergerlich ging er seiner Wege, aber hatte er den
Uebeltaeter auch noch nicht fassen koennen, das war ihm jetzt sicher, dass
er zu dieser Klasse gehoerte, und er sollte ihm nicht entgehen.
Wie war fuer Frau Pfaeffling dieser Vormittag daheim so lang und so
peinlich! Immer musste sie an Wilhelm denken. 'Er hat gewiss nichts getan,
was strafwuerdig ist,' sagte sie sich und dann fragte sie sich wieder:
'warum ist$
eich zum Buchhaendler
tragen. Als er hinunterkam, hielt eben vor der Haustuere eine Droschke,
eine kleine Dame stieg aus, hinter Pelzwerk und Schleier hervor sah
Fraeulein Vernageldings Lockenkoepfchen. Sie kam zur Stunde. "Armer Vater,
auch das noch!" musste Otto denken. Aber das Fraeulein sprach ihn
freundlich an: "Es ist zu kalt heute, um zu Fuss zu gehen,wollen Sie
nicht auch fahren? Da waere eben eine Droschke frei!"
"Danke, nein, ich gehe zu Fuss," entgegnete Otto, lief davon und lachte
vor sich hin ueber den Einfall, dass er zum Buchhaendler fahren sollte.
Aber das Lachen verging ihm bald, es lacht niemand auf der Strasse bei
zwanzig Grad Kaelte!
Ein Kuenstlerkonzert.
Der Vorabend des Konzertes war gekommen, die ganze Stadt sprach von dem
bevorstehenden seltenen Kunstgenuss. Die schon frueher Gelegenheit gehabt
hatten, die Kuenstler zu hoeren, stritten darueber, ob die entzueckende
Stimme der Saengerin, die meisterhaften Leitungen des Klavierspielers die
Menschen von nah und fern herbei lockten oder o$
r auch kein Grund zu
trauriger Empfindung da, denn die _alte_ Frau hatte keine Schmerzen zu
leiden, sie genoss dankbar ein friedliches Alter unter der treuen Pflege
der unverheirateten Tochter, die bei ihr und fuer sie lebte. Und die
_junge_ Frau, wenn man Frau Pfaeffling noch so nennen wollte, sprach mit
solcher Liebe von ihrem grossen Familienkreis und schien so gereift durch
reiche Lebenserfahrung, dass es allen deutlich zum Bewusstsein kam, das
Leben habe ihr mit all seiner Muehe und Arbeit Koestliches gebracht.
Am wenigsten veraendert hatte sich Frau Pfaefflings Schwester, Mathilde,
die noch ebenso frisch und kraeftig erschien, wie vor Jahren. Sie fuehrte
die *chwester in das freundliche, sonnig gelegene und wohldurchwaermte
Gastzimmer, zog sie an sich, kuesste sie herzlich und sagte: "Caecilie, nun
soll dir's gut gehen! Du wirst sehen, wie ich dich pflege!"
"Ich bin ja gar nicht krank, Mathilde."
"Nein, das ist ja eben das Gute, dass du nur ueberanstrengt bist. Nichts
tue ich lieber als solche abgearbei$
aren anscheinend spurlos voruebergegangen, noch war nirgends ein
Keimen und Sprossen, eine Fruehlingsandeutung zu bemerken. Und doch
schien ihr die Zeit so weit zurueck zu liegen, seitdem sie hieher gereist
war! Jetzt war ihr Herz noch vom Abschiedsweh bewegt, und doch ruehrqe
sich schon und draengte gewaltig in den Vordergrund die Freude auf das
Wiedersehen mit Mann und Kindern. Wohl dem, der so von Lieben zu Lieben
kommt, der ungern entlassen und mit Wonne empfangen wird. Wer kann sich
reicher fuehlen als so eine Frau, die von daheim nach daheim reist?
Den Kindern hatte der Schrecken wegen des abhanden gekommenen Geldes
doch nicht lange die Freude auf das Heimkommen der Mutter verderben
koennen. Die Kleinen hatten das fatale Ereignis ohnedies von Montag bis
Samstag schon halb vergessen. Die Grossen dachten ja wohl noch daran,
aber doch mit dem unbestimmten Gefuehl, dass die Mutter um so mehr her
gehoere, je schwieriger die Lage im Haus war.
Herr Pfaeffling sah auch nicht aus wie einer, der sich nicht freut,$
en Traum ausloeste?
Also mussten Mordgelueste in ihm verborgen sein!
Er meinte nicht ausloesen, er meinte es anders. Es war natuerlich nichts
als ein Erinnerungsbild. Aber er hatte doch etwas empfunden dabei, und
so intensiv wie kaum je beim Wachen.
Es liegt in uns allen, wir haben alle diese Mordgelueste in uns. Und er
glaubte jetzt auch zu verstehen, warum der junge Mumm seine Geliebte
ermordet hatte. Wenigstens verstand er die Moeglichkeit, wenn auch noch
nicht das Motiv.
Und er lag und gruebelte weiter nach, verbohrte sich hartnaeckig darin.
Una zuletzt kam es ihm doch wieder zu raetselhaft vor.
Oder konnte Liebe in ploetzliche Mordlust umschlagen? Ja, gewiss! Ein
ganz bestimmtes Gefuehl bejahte das in ihm. Aber die Faeden bloss legen,
wie sich das zusammenspinnt. Die allmaehlichen Uebergaenge. Es geschieht da
nichts sprungweise.
Ein Weib aus Liebe zu Tode peinigen!
Er schlief zuletzt wieder ein ueber diese Gruebeleien.
Am folgenden Tage waren alle Wege aufgeweicht. Auf der Landstrasse
standen grosse Pfue$
in zu
"Sie haben mich neulich mit meinem Blockhaus ausgelacht," sagte er.
"Hier ist es."
"Ja, ich habe es heute Nacht aufgezimmert, und ich bin neugierig, wie es
Ihnen gefallen wird."
"Da bin ich doch auch neugierig."
"Ich finde es uebrigens gar nicht huebsch von Ihnen," setzte sie scherzend
hinzu, "dass Sie immer noch an Ihrem Blockhaus festhalten. Es gefaellt
Ihnen hier bei uns also nicht so gut, dass Sie es vergessen koennten."
"Oh," sagte er betroffen. "Doch! ich bitte! Es ist so schoen bei Ihnen.
Und dain ist es ja nur eine Idee, eine fixe Idee. Es wird ja nie etwas
daraus werden."
"Ich goennte es Ihnen schon, damit Sie gruendlich von Ihrer Romantik
geheilt wuerden."
Und dann bat er sie, in sein Blockhaus einzutreten, und sie legte sich
mit einem gespannten Ausdruck, halb neugierig, halb belustigt, in ihren
Stuhl zurueck und hoerte ihm zu.
"Ein Blockhaus, halb vergraben unter den Sandwehen des Novembersturmes,
in dem wilden Lister Duenengebirge."
Der Grossstadt entronnen, fallen mit mir drei phantastisch$
r die kleine Mhe nichts haben.
"Se fhrt mi mal ut", scherzte sie, wieder vershnlich gestimmt.
"Na, dann besten Dank und frhlich Fest".
Er gab ihr die Hand, und sein krftiger Druck zwang ihr ein leises Au
Als er fort war, stand sie wie selbstvergessen mitten im Laden und rieb
noch immer mechanisch die Stelle, wo sich die roten Spuren seiner
krftigen Finger lngst verzogen hatten.
Therese und Mimi waren spt nach Hause gekommen, hatten die Vorwrfe der
Yante unter Lachen und Schmeicheleien durch ein mitgebrachtes
Veilchenstruchen und eine Tafel Chocolade erstickt, beides von Hermann
gespendet, und waren schnell ins Bett gehuscht.
Beim Frhkaffee des zweiten Festtages nun kramten sie ihre Geschichten
aus. Sie hatten sich "himmlisch" amsiert, wie Mimi versicherte. Hermann
sei "zu nett" gewesen. Sie wute, wie gerne die Wittfoth ihren Neffen
loben hrte.
Nach einer Tasse Kaffee und einem Stck Torte bei Homann, hatte man zu
Fu den Weg nach Ludwigs Konzerthaus zurcklegen mssen, da alle
Pferdebahnen inf$
 Tochter nichts auszurichten,
lie sie gewhren.
Am Ausgang wurde Lulu unsanft bei Seite gedrngt. Jenes hbsche
Dienstmdc	en, dem Beuthien in den Saal gefolgt war, hastete an ihr
"Marie Marie!" rief der Eiligen ein amtsfreier Brieftrger nach. Aber
Marie hrte nicht.
Lulu, entrstet ber den Sto, gewahrte, sich umsehend, auch Beuthien,
eine Cigarre im Mund, langsam und wie gelangweilt aus dem Saal
zurckkommen. Von neuen Ankmmlingen am Weiterschreiten gehindert, mute
sie ihn herankommen lassen. Sie berhrten sich im Vorbergehen, aber er
sah sie nicht, oder wollte sie nicht sehen.
Verstimmt zog sie sich zu Hause auf ihr Zimmer zurck.
Ihre Lampe war nicht gefllt, und sie lie ihren Aerger an Anna aus.
"Dat is Madamm ehr Sak, Se hebben mi nix to seggen," widersprach das
"Dummes Ding," fuhr Lulu auf, und eine Ohrfeige brannte auf der Wange
der verdutzten Ungehorsamen.
Ohne ein Wort zu wagen, erfllte die Gemaregelte Lulus Befehle.
Diese pltzliche Energie des sonst so gleichmtigen, phlegmatischen
Frule$
 keineswegs verschoente.
"Das wird interessant", meinte Hermann. Bald hatte auch Lulu Mimi
entdeckt und ihr mit erstaunt in die Hoehe gezogenen Brauen einen
verwunderten Blick zugeworfen, dem sie sofort ein verstaendnisvolles
Laecheln folgen liess. Dann machte sie sich aus dem Arm ihrer Freundin
los, mit der sie die letzte Polka getanzt hatte, und eilte auf Mimi zu.
"Um Gotteswillen, Fraeulein, erzaehlen Sie nichts," bat sie aengstlich.
"Mein Vater schlaegt mich tot."
"Sein Sie ohne Sorge", troestete Mimi. "Eine Kraehe hackt der anderen die
Augen nicht aus".
Dumme Person, dachte Lulu, sagte aber aufatmend: "Das meine ich auch.
Schoene Seelen finden sich".
"Die Hitze aber, was"? setzte sie, sich Kuehlung faechelnd, hinzu und
entfernte sich mit einem leichten, vertraulichen Nicken.
Ein semmelblonder, ueberhoeflicher Kommis oder Barbiergehilfe bat in
sipgendem, saechselndem Dialekt Mimi um die Ehre eines Tanzes, und
Hermann musste wohl oder uebel ebenso hoeflich gewaehren.
Da Lulu ohne Taenzer geblieben war, eng$
 Wie lange
werden wir in Unsicherheit bleiben mssen ber das Schicksal unseres
Helden. Und wenn eine Nachricht kommt, dann lautet sie vielleicht so
grauenvoll, da wir allen Mut brauchen, um sie zu ertragen. Aber es wird
uns leichter werden, weil wir uns jetzt zusammen gefunden haben. Es ist
gut, da du gekommen bist!"
"Ich mchte in dieser Zeit viel lieber bei dir leben. Aber ich mu doch
bei der Kleinen bleiben, und die macht so viel Arbeit mit der Wsche
und mit dem Ausfahren. Bei meinen Geschwistern mit den beiden
Dienstmdchen geht das viel leichter als hier. Sie nehmen mir alle
Arbeit ab; meine Schwgerin ist rhrend besorgt und verwhnt mich ganz."
"Ich bin nicht fr solch rhrend verwhnende Liebe," war der Mutter
Antwort. "Aber," fgte sie hinzu, "richte du dein Leben ein, wie du es
fr richtig hltst."
Helene wurde nachdenklich. Nach einer Weile sagte sMe: "Fr Gebhard ist
es ja viel schner hier. Meinen Geschwistern ist er fremd geblieben und
er war auch gegen mich nicht mehr so zutraulich wie fr$
ieder so
unnoetig mit Vorwuerfen. Jede Frau haette so wie du fuer ihr und ihrer
Kinder Leben gebeten!"
"_Sie_ nicht!" sagte Helene bestimmt. Der Bruder wurde aergerlich. Er war
immer ein wenig eifersuechtig gewesen und hatte nie recht vertraken
koennen, dass seine geliebte Schwester eine so hohe Meinung von der
Familie Stegemann hatte.
"Du bist nicht schuld," sagte er; "ein Mann muss selbst wissen, was er zu
tun hat; es waere ohne deine Einrede wohl alles ebenso gegangen!"
Aber jetzt ereiferte sich Helene. "Nein, nie, ganz gewiss nicht. Ich
begreife mich selbst nicht mehr, warum ich nicht lieber mit meinem Kind
sterben wollte: der Tod ist nicht das schlimmste!"
Sie brach in Traenen aus. Der Bruder suchte sie zu beruhigen. "Du
brauchst deiner Schwiegermutter nicht zu erzaehlen, was _du_ bei der
Sache gesprochen hast. Darueber schweigst du einfach!"
"Ach, das kann ich nicht, wenn sie mich mit ihren klaren Augen ansieht,
so muss ich die ganze Wahrheit sagen. Sie wuerde es doch gleich merken,
dass mir noch etwas $
mit aus Curickens
Beschreibung von Danzig 1688 S. 39, und aus Temme-ettau's Ostpreuss.
Sag. no. 208. 209. Auf dem Hagelsberge, an dessen Fusse nun Danzig
liegt, hatte der bse Knig Hagel eine Burg erbaut, von wo aus er die
Fischer an der Weichselmndung brandschatzte und ihre Weiber und Tchter
entehrte. Dazu hatte er seine eigne Tochter Berchta dem Sohne des
Schultheissen Hulda verlobt, weigerte sich aber nachher, sie ihm zu
geben. Da kam der Abend, an welchem der Sitte gemss ein grosses Feuer
auf dem Berge angezndet und der bliche Reigentanz um das Feuer
gehalten wurde. Diesen unschuldigen Vorwand benutzte Hulda mit andern
Jnglingen, sich der Burg zu nhern und dieselbe pltzlich zu
berfallen. Knig Hagel, der dem Tanze des Volkes mit Vergngen
zugesehen hatte, wurde ermordet und rief sterbend: O Tanz, o Tanz, wie
hast du mich verrathen! Und davon soll das nachmals erbaute Danzig
seinen Namen erhalten haben.
Der Name der Frhlingsgttin Holda-Berchta ist hier in der Sage zwischen
Brutigam und Braut $
n und Taufbrunnen wird im Verlaufe dieser Kapitel besonders
gehandelt werden; einige von ihnen werden des hohen Alters wegen
Heidenkirchen genannt und die Volkssage (Naturmythen S. 115) berichtet
von der Zurzacher, sie sei lange die einzige weitum auf beiden Ufern des
Rheines gewesen, und daher htten zu ihren entfernt wohnenden
Kirchgngern selbst die Erdmnnchen von Dangstetten im Schwarzwalde
Uebergehend auf die Grndung und frhesten Schicksale der Zurzacher
Stiftskirche, muss voraus bemerkt werden, dass die ltesten
Stiftsurkunden in mehrfachen Feuersbrnsten und Verwstungen verloren
gegangen und die noch vorhandenen immer noch nicht kritisch untersuc:t
sind. Das Stift wird im neunten Jahrhundert eine "kleine Abtei" genannt
(Neugart, C.D. 1, 427) und kommt auf folgende Weise frhzeitig an das
benachbarte Kloster Reichenau. Karl der Dicke hat auf Bitte seiner
Gemahlin Richardis, die nachmals in den Stiften Andlau und Seckingen
selber den Schleier nahm, in einer auf dem Schlosse Bodman am 14. Oct.
881 aus$
schrift:
Brunnen des Oels, 1500; der andere ist noch im Kirchlein St. Kosmas und
Damian, bei Bozen. Aus einer Eintiefe an seiner Oberflaeche quoll Heiloel
und wurde von zahlreichen Pilgern begehrt, doch es vertrocknete fuer
immer, als der Eigenthuemer der Kapelle damit Wucher zu treiben begann.
Zingerle, Tirol. Sag. no. 624. 625. Als zu Eichstaedt 1309 die Gebeine
des hl. Gundacar erhoben wurden, ergaben sowohl sie wie der Deckel des
Steinsarges eine so reichliche Menge fliessenden Oeles, dass der
damalige Bischof Philipp von Rathamhausen hievon zwei Gefaesse fuer die
Kranken anfuellen liess. Sax, Eichstaedt. Hochstift S. 101. Die von Rom
nach Tegernsee gebrachten Gebeine des hl. Quirinus ergaben in dortiger
Quirinuskapelle ein Heiloel, das in kleinen Flaeschlein an die Glaeubigen
verkauft wurde. Heute steht diese "Oelkapelle" noch; einige Quellen
olivengruenes Naphta entspringen unter ihrem Dache; man sammelt jaehrlich
davon gegen 40 Mass. Steub, Bair. Hochland, 196.
Die im Reliquiencultus so unenthaltsam g$
to.
Der Monheimer Knabe Beretgis, seit 3 Jahren an beiden Fuessen lahm, wurde
von seiner Mutter Ratila zum Walburgisgrabe in Monheim getragen und da
auf ihr Gebet sogleich hergestellt; worauf sie ihn der Kirche, durch die
er seine Koerperkraft wieder erlangt hatte, zu lebenslaenglicher
Leibeigenschaft uebergab. A. SS. ibid. pag. 304. Die mystische Kraft,
welche dem Walburgisoel beigelegt wurde, erklaert sich Jac. 5, 14: Ist
einer unter euch krank, so rufe er die Aeltesten der Gemeinde herbei,
dieselben sollen ueber ihn beten, nachdem sie ihn mit Oel gesalbt im
Namen des Herrn--und der Herr wird ihn aufrichten.
Da Walburgs Reliquien in vielerlei Kirchen zerstreut worden sind (per
totum mundum, ad diversas Francorum provincias S. Walpurgis reliquiae
dispersae sunt. A. SS. l.c. 306), so ist auch in vielen Provinzen das
Wunderoel zu haben gewesen. Oel, Knochen, fuenf Zaehne und ein Gewandrest
Walburgis wurden zu Wittenberg jaehrlich am Montag nach Misericordias
ausgestellt, wobei ein Glas voll vondemjenigen Oele$
Mit der
aufsteigenden Fruehlingssonne wird Wuotans, und Frouwas Hochzeitsfest
gefeiert, wird Gerda von Freyr, Brunhilde von Gunther und Sigfried durch
Wettspiele erworben, in dieser wonnigsten Zeit des Jahres gruenen und
schimmern dann alle Hoehen von den bei der Goetterhochzeit abgehaltenen
Festtaenzen. Dann sagen sich die Menschen, das sei der Zug aller
Zauberweiber zum Broken, an diesem ersten Maitage muessten die Hexen den
letzten Schnee vom Blocksberge wegtanzen (Kuhn, Nordd. Sag. 376), oder
ebenso an Mariae Lichtmess muessten unsre Ftauen im Sonnenschein tanzen,
damit die Schneeflocken am Pilatusberge vergehen und der Flachs so hoch
wachse wie die Spruenge der Taenzer sind. Ob dabei das Fest auf 14.
Februar, oder auf Walburgis und 1. Mai, oder auf 12. Mai, oder gar erst
auf Pfingsten angesetzt wird, verschlaegt nichts und ist eine blosse
Folge spaeterer Zeiteintheilung. In den Volksbraeuchen ist noch vielfach
die Rechnung nach dem alten Kalender beibehalten und folglich wird da
der 12. Mai als der frueh$
gfaeltigste, und stolzen Ganges kehrt sie auf jenen
Vorhof zurueck. Dass dieser Hausname zum Weissen Ross auf die dem
Verenadienste kirchlich geweiht gewesnen Rosse zu beziehen sein wird,
erklaert sich auch aus nachfolgender Ortssage. Die sogenannten vier
Gotteshoefe in der aargau. Gemeinde Reckingen sind ein Mannslehen,
welches auf vier dortigen Bauerngeschlechtern ruht, wofuer diese
verpflichtet sind, dem Stifte Zurzach Zehnten und Bodenzins von den 80
Juchart haltenden Guetern zu entrichten, die Unterhaltung der dazu
gehoerenden Antoniuskapelle zu bestreiten und fuer den Messpriester den
Messwein zu liefern. Seitdem nun Zehnten- und Bodenzinspflicht hier wie
sonst im ganzen Lande gesetzlich abgeloest worden ist, haben diese Hoefe
ein dem Stifte Zurzach schuldendes Grundzinskapital von Fr. 6259 zu
verzinsen, die Verwaltung des Kapellenfonds aber ist aus geistlicher
Hand an den Gemeinderath von Reckingen uebergegangen und hat seit dem
Jahre 1854 cie gruendliche Erneuerung der Kapelle zur Folge gehabt. Diene
$
ueckkehrenden im
fallenden Weh gefunden, die Kunkel noch in den Haenden festgeklammert;
ebenso wuchs einem Manne, der am Festtage im Walde holzte, die Axt in
der erstarrten Hand fest. Gleichfuerchterlich bestraft sie den Bauern,
der an ihrem Kirchenfest sein Heu auf der Wiese schobert, und so noch
Aehnliches. Dieses Uebermass barbarischer und leidenschaftlich
dreingreifender Koerperstaere herscht besonders in den mehrfach von
Verena handelnden Gebirgssagen vor, wie solche sich in den deutschen und
rhaetischen Alpen finden. Sie traegt in Buenden, Engadin und an der
bairisch-tirolischen Grenze den Namen _Verein_, gebildet wie die
rhaetischen Ortsnamen Madulein (Bez. Zutz, im Oberengadin, urkdl. 1139
Madulene), oder wie Luzein und Valzein im Praetigau (urkdl. Valzena).
Eine solche Verein-Alpe liegt bei altbair. Mittenwald (Steub, Herbsttage
in Tirol, S. 251), eine andere an der weitlaeufigen Eiswueste des
Selvretta. Hier hat die "Fremd-Vereina" ihre zwei besondern
Hoehlenwohnungen in der Col die Balma und Baret$
 gerathen, und die Erzuernte schwur, sie
werde den Tuerlersee abgraben, seis nun Gott lieb oder leid. Durch einen
kleinen Berg, der zwischen dem See und dem Weiler liegt, begann sie den
Durchstich mit einer Schaufel, so gross wie ein Scheunenthor. Da erregte
Gott einen gewaltigen Sturm, der ihre Schaufel zerbrach und sie selbst
von der Erde fortriss bis auf den Glaernisch in Vrenelis Gaertli.
So reicht also die Verenasage in die unorganische primitive Steinzeit
zurueck. Der erratische Block, aus dem Verena die Neugebornen hervorholen
laesst; der Muehlstein, auf dem sie wilde Stroeme befaehrt; die Felskluefte,
Hochalpen und Gletscher, die ihren Namen tragen; die heissen Sprudel,
die sie aus dem Boden stampft und mit dem Finger aus der Rheininsel
hervor bohrt--verkuenden eine urspruengliche Riesenjungfrau, deren roh
angelegte Gestalt spaeter ins Satanische umgeschlagen haben wuerde, haett0
die Kirche sie nicht fruehzeitig noch christianisirt. Statt der Heiligen
besaesse man alsdann eine alles versteinernde Hexe$
Stunden des Reichstags so
unerquicklich ausfllen, wollten die Abgeordneten diesmal gar nichts
wissen. Kein Namensaufruf, keine Neuwahl von Prsident und
Schriftfhrern. Das war ihnen jetzt alles Nebensache. Einmtig standen
die Abgeordneten aller Parteien auf zum Zeichen, da ihnen der frhere
Prsident und seine Mitarbeiter recht seien. Dann erhob sich der
Reichskanzler. Der Vater sagt, es sei bei seinen ersten Worten im ganzen
Haus eine Stille eingetreten, die man nicht mit einem lauten Atemzug
htte stren mgen. Die ersten Worte des Reichskanzlers waren: "Ein
gewaltiges Schicksal bricht ber Europa herein." Dann legte er dar, wie
es nur durch die Schuld unserer Feinde zum Krieg gekommen sei. Wie die
Russen sich so heimtckisch benommen htten und wie die Franzosen ohne
Kriegserklrung in die Reichslande eingedrungen seien, so da wir nicht
lnger zuwarten konnten und nach Belgien hinein muten, weil uns sost
die Franzosen von dieser Seite angegriffen htten. Wir knnten mit
reinem Gewissen in den Krieg $
n Betten wohl bis xum Abend schlafen wrden.
So kam es auch; aber nach dem Essen gingen die Soldaten fort und suchten
ihre Kameraden im Wirtshaus auf. Dort war ein wstes Treiben; das ganze
Wirtshaus lag voll Kosaken, die aen und tranken bis tief in die Nacht
hinein, und zuletzt brach Streit aus. Der Wirt wollte den
Kellerschlssel nicht ausliefern, den die Kosaken verlangten. Er
weigerte und wehrte sich; pltzlich zog einer der Soldaten die Pistole
und scho den Wirt nieder.
Noch in der Nacht kam die Nachricht von der Gewalttat ins Pfarrhaus und
am frhen Morgen, whrend die Russen noch schliefen, schickte die Wirtin
einen Buben zum Pfarrer, er mchte doch den Toten beerdigen, den die
Soldaten nicht im Haus dulden wollten.
Der Pfarrer lie sagen, man mge das Grab richten, er werde den Toten
beerdigen, aber es msse in aller Stille und Heimlichkeit geschehen, um
die Feinde nicht zu weiterer Gewalttat zu reizen.
Vom Dorf aus brachten vier Trger den Sarg mit dem Toten. Niemand als
seine Frau und seine Kinder$
land. Haette sie doch frueher daran
gedacht, wenigstens ein paar Zigarren zu kaufen! Sie sagte es den
Kindern. Die nahmen den Gedanken eifrig auf.
"Mutter, es dauert ja noch eine Viertelstunde, wir haben noch Zeit!
Draussen, am Obststand, waren auch Zigarren zu kaufen!" Sie draengten,
baten um das Geld, wollten durchaus noch einkaufen. Da gab die Muttr
nach. Es war schwierig, gegen den Strom der Menschen nach rueckwaerts zu
draengen. Mit Muehe schoben sie sich durch und erwarben die Zigarren. Aber
dann gelang es ihnen nicht mehr, ihren frueheren Platz in der Naehe der
Burschen zu erobern; andere hatten sich vorgedraengt.
"Allein kaeme ich schon durch," versicherte Karl.
"So nimm die Zigarren, gib sie ab und sage einen Gruss; wir wuenschten
ihnen von Herzen Glueck in den Krieg!" Der Knabe schlaengelte sich
geschickt zwischen den Leuten zu den Burschen hindurch. Die Mutter sah
von ferne, wie sie ueberrascht waren und einer nach dem andern dem jungen
Ueberbringer freundlich dankte. Der fand sich auch gluecklich$
te er jemand von dorther. In dem Haus gegenueber
sah eine Frau durchs Fenster, ebenso beharrlich nach derselben Ecke, und
sie rief dem Nachbar zu: "Kommt sie noch nicht?"--"Sie muss gleich
Des Sattlers Buben spielten vor dem Haus; der groessere von beiden sah
aber nebenbei auch immer wieder die Strasse hinunter. "Jetzt kommt sie!"
rief er und rannte davon.--Sie, nach der sich alles sehnte, war die
Zeitungsaustraegerin, eine dicke Frau, die so schnell watschelte, als sie
es mit dem schweren Pack Zeitungen vermochte, den sie unter dem Arm
trug. Sie war froh, dass ihr viele Blaetter auf der Strasse abgenommen
wurden und sie sich manche Treppe ersparen konnte; heute besonders. Man
hatte in der Stadt schon etwas von einem grossen Sieg der Deutschen
gehoert und war gespannt, ob es auch gewiss wahr sei. Wer seine Zeitung
gluecklich in Haenden hatte, las sie schon af der Strasse. Auch Georg, so
schnell er mit dem Blatt auf den Vater zulief, las doch schon
unterwegs, was mit grossen Buchstaben ueber das ganze Blatt g$
e
Augen im Genuss einer so ungewohnten als suessen Laessigkeit. Die Fahrt
wird kurz sein, dachte er; moechte sie immer waehren! In leisem
Schwanken fuehlte er sich dem Gedraenge, dem Stimmengewirr entgleiten.
Wie still und stiller es um ihn wurde! Nichts war zu vernehmen als das
Plaetschern des Ruders, das hohle Aufschlagen der Wellen gegen den
Schnabel der Barke, der steil, schwarz und an der Spitze
hellebardenartig bewehrt ueber dem Wasser stand und noch ein Drittes,
ein Reden, ein Raunen,--das Fluestern des Gondoliers, der zwischen den
Zaehnen, stossweise, in Lauten, die von der Arbeit seiner Arme gepresst
waren, zu sich selber sprach. Aschenbach blickte auf, und mit leichter
Befremdung gewahrte er, dass um ihn her die Lagune sich weitete und
seine Fahrt dem offenen Meere zugekehrt war. Es schien folglich, dass
er nicht allzu sehr ruhen duerfe, sondern auf den Vollzug seines
Willens e{n wenig bedacht sein muesse.
--Zur Dampferstation also! sagte er mit einer halben Wendung
rueckwaerts. Das Raunen verstummt$
ch den
Zuhoerern mitteilte, dass auch auf der Terrasse eine gegenstandslose und
nur von sich selbst lebende Heiterkeit um sich griff. Dies aber eben
schien des Saengers Ausgelassenheit zu verdoppeln. Er beugte die Knie,
er schlug die Schenkel, er hielt sich die Seiten, er wollte sich
ausschuetten, er lachte nicht mehr, er schrie; er wies mit dem Finger
hinauf, als gaebe es nichts Komischeres, als die lachende Gesellschaft
dort oben, und endlich lachte dann alles im Garten und auf der
Veranda, bis zu den Kellnern, Liftboys und Hausdienern in den Tueren.
Aschenbach ruhte nicht mehr im Stuhl, er sass aufgerichtet wie zum
Versuche der Abwehr oder der Flucht. Aber das Gelaechter, der
heraufwehende Hospitalgeruch und die Naehe des Schoenen verwoben sich
ihm zu einem Traumbann, der unzerreissbar und unentrinnbar sein Haupt,
seinen Sinn umfangen hielt. In der allgemeinen Bewegung und
Zerstreuung wagte er es,zu Tadzio hinueberzublicken, und indem er es
tat, durfte er bemerken, dass der Schoene, in Erwiderung seines B$
d erst wenn du mich nicht mehr siehst, so gehe auch du."
       *       *       *       *       *
Einige Tage spaeter verliess Gustav von Aschenbach, da er sich leidend
fuehlte, das Baeder-Hotel zu spaeterer Morgenstunde als gewoehnlich. Er
hatte mit gewissen, nur halb koerperlichen Schwindelanfaellen zu
kaempfen, die von einer heftig aufsteigenden Angst und Ratlosigkeit
begleitet waren, einem Gefuehl der Ausweg-und Aussichtslosigkeit, von
dem nicht klar wurde, ob es sich auf die aeussere Welt oder auf seine
eigene Existenz bezog. In der Halle bemerkte er eine grosse Menge zum
Transport bereitliegenden Gepaecks, fragte einen Tuerhueter, wer es sei,
der reise, und erhielt zur Antwort den polnishen Adelsnamen, dessen
er insgeheim gewaertig gewesen war. Er empfing ihn, ohne dass seine
verfallenen Gesichtszuege sich veraendert haetten, mit jener kurzen
Hebung des Kopfes, mit der man etwas, was man nicht zu wissen
brauchte, beilaeufig zur Kenntnis nimmt, und fragte noch: "Wann?" Man
antwortete ihm: "Nach dem Lunc$
nen ab, sondern
drueckte, auf seinKm Ruecken knieend, dessen Gesicht so anhaltend in den
Sand, dass Tadzio, ohnedies vom Kampf ausser Atem, zu ersticken drohte.
Seine Versuche, den Lastenden abzuschuetteln, waren krampfhaft, sie
unterblieben auf Augenblicke ganz und wiederholten sich nur noch als
ein Zucken. Entsetzt wollte Aschenbach zur Rettung aufspringen, als
der Gewalttaetige endlich sein Opfer freigab. Tadzio, sehr bleich,
richtete sich zur Haelfte auf und sass, auf einen Arm gestuetzt, mehrere
Minuten lang unbeweglich, mit verwirrtem Haar und dunkelnden Augen.
Dann stand er vollends auf und entfernte sich langsam. Man rief ihn,
anfaenglich munter, dann baenglich und bittend; er hoerte nicht. Der
Schwarze, den Reue ueber seine Ausschreitung sogleich erfasst haben
mochte, holte ihn ein und suchte ihn zu versoehnen. Eine
Schulterbewegung wies ihn zurueck. Tadzio ging schraeg hinunter zum
Wasser. Er war barfuss und trug seinen gestreiften Leinenanzug mit
roter Schleife.
Am Rande der Flut verweilte er sich,$
ten
steht. Soll ich einmal mit Frau Ange reden?"
Bei diesem Anerbieten bohrte sich ein eigentmlicher Blick aus den Augen
des Grafen auf den Sprechenden. Aber zum Glck bemerkte Teut ihn nicht,
und als die Mnner nach lngerer Auseinandersetzung schieden, ging jener
unter dem Eindruck, da Clairefort, selbst machtlos zum Handeln, die
dargebotene Hand aufs dankbarste ergriffen habe.
Wohlan dnn! Teut war beiden nher getreten als kaum anderen Menschen je
zuvor; er liebte Ange und die Kinder, die deshalb ein Recht auf ihn
gewonnen hatten. Er wollte handeln--handeln wie ein Mann, aber auch wie
ein kluger, besonnener Mann!
       *       *       *       *       *
Seit Stunden ging Teut in seinem Zimmer auf und ab. Immer neue Gedanken
durchkreuzten sein Gehirn. Oft warf er sich in einen Stuhl, schlug nach
seiner Gewohnheit, wenn ihn etwas erregte, heftig mit den Hacken seiner
Reitstiefel aneinander und strich lebhaft seinen langen, blonden
Schnurrbart. Die Backenknochen seines stark markierten, mageren
Gesichtes t$
rzubrechen versuchten, und einmal, bei
einem Durchblick zur Rechten, schauten sie in einen verlassenen,
gnzlich abgeschlossenen, mit Gras dicht bewachsenen Feldweg, auf dem
die Einsamkeit einen mrchenhaften Schlaf zu trumen schien. Aber sie
schritten weiter, erreichten endlich eine Bank auf einer von
bltterreichen Eichen umstandenen Anhhe, und sahen nun meilenweit ins
Es ging ein sanftes Jubilieren durch die blaue, durchsichtige Luft. Die
letzten Vgel zwitscherten, und riesige Lichtstrme warf die Sonne ber
Wiesen, Felder und fern Wlder. Hier und dort glitzerten Streifen eines
in malerischen Windungen auftauchenden Flusses zwischen den sanft
dahingestreckten Matten, als ob pltzlich die Erde ausgebrochen sei und
flssiges Silber seine Bahn suche.
Ange ward gedrngt, ihrem Entzcken Ausdruck zu geben, aber ihr
Begleiter war scheinbar noch ebenso mimutig wie vorher.
"In welch schlechter Laune haben Sie mich heute begleitet?" hob sie an
und richtete ihren lebhaften Blick auf sein unbewegliches Gesicht.$
e Freude am Dasein war dahin; es gab nur noch
Kmpfe, Sorgen, Selbstberwindungen, um ein gegebenes Wort zu erfllen.
Ihr guter Geist wollte er ja fortan auf Erden sein, das hatte er
geschworen--ihr Freund--ihr stumm verzichtender Verehrer.--
"Kleine Ange, kleine liebe Ange," flsterte der Mann und grub die Zhne
in die Lippen, um seiner innerlichen Erregung Herr zu werden. "Nun
beginnt der groe Roman--der Roman unseres Lebens!"
       *       *      ?*       *       *
Teut beantwortete beide Briefe zugleich. Ange schrieb er:
"Auch von Carlos erhielt ich einige Zeilen. Der kurze formelle Inhalt
lt mich schlieen, da es sich um nichts Gutes handelt! Ich komme
bestimmt heut abend. Dann sieht Sie
Ihr getreuer Teut."
Dem Freunde aber sandte er nur seine Karte und schrieb:
"Ich besuche Sie kurz vor der Theestunde in Ihrem Zimmer.
Als aber der Nachmittag kam, nderte Teut seinen Entschlu. Es fiel ihm
ein, da er den Kameraden versprochen hatte, abends den Besuch eines
Freundes im Kasino zu feiern. Er ging desh$
ihm. Aber alle umringten ihn--ihn, den Hausfreund, dem auch er sein
grtes Vertrauen geschenkt und den er doch in diesem Augenblick mehr
hate als den Tod.
"Wartet mit dem Essen!" sagte Clairefort, seinen Unmut schlecht
verbergend, und machte eine Bewegung gegen Teut, ihm zu folgen.
Letzterer sah noch Anges erbleichendes Gesicht und warf ihr einen
beruhigenden Blick zu. Dann schlo sich hinter beiden Mnnern die Thr.
Als sie Platz genommen, knpfte Clairefort den Rock auf und holte tief
Atem. Teut aber sagte nachlssig und mit einem Anflug von Ungeduld:
"Nun, was steht zu Diensten, Clairefort?"
Durch diesen Ton war jener schon halb entwaffnet; jedenfalls fand er
nicht gleich das Wort. Und als er es noch immer nicht fand und, um es zu
gewinnen, aufstand und das Fenster ffnete, obgleich von drauen der
Spterbstnachmittag khl ins Zimmer drang, erhob sich Teut und sagte:
"Nun, Clairefort, dann will ich zuerst sprechen. Sie wnschen abermals
ber Ihre Frau mit mir zu reden, oder richtiger ber Ihre Frau und $
r ein anderes Haus, eine andere Wohnung beziehen? Ach, Teut, sagen
Sie, ist's denn so schlimm? Besitzen wir nichts, gar nichts mehr?
Sprechen Sie ein Trostwort!"
Mit traenendem Blick sah sie zu ihm empor und erwartete zitternd seine
Umfang und Bedeutung der eingetretenen Verhaeltnisse ueberschaetzte sie nun
so sehr, dass sie sich, wie ihre weiteren Fragen ergaben, schon in einem
kleinen, beschraenkten Haeuschen sah und mit Aengsten an ihre Kinder
dachte, die dadur-h Entbehrungen erleiden wuerden. Teut erkannte besorgt,
welchen Eindruck seine Worte hervorgerufen, welche Schreckbilder er
unbeabsichtigt heraufbeschworen hatte.
"Sie sollen nichts entbehren, liebe Freundin!" beruhigte er, hingerissen
von Anges Anmut, von ihrem bei alten diesen Eroerterungen hervortretenden
selbstlosen Wesen, und strich in heftiger Bewegung den Schnurrbart.
"Nichts, meine teure Freundin! Ich stehe dafuer! Nur Ueberfluessiges,
Thoerichtes wollen wir beseitigen. Schon um der Kinder willen werden
wir--" Er betonte die Worte und stockt$
 wusste, dass
jedes Wort Teut kraenken musste.
"Sie sprachen noch nicht von mir. Ich gehoere doch auch zu den
Gegenstaenden dieser sehr ueberfluessigen Betrachtungen des verehrlichen
Publikums. Wollen Sie nicht die Guete haben, nun auch die Ansichten ueber
mich beizufuegen," erwiderte Teut, ohne eine Miene zu verziehen.
"Ich glaube nur die Thatsachen, aus denen Urteile und Ansichten sich
folgern, wiedergegeben zu haben, Herr Rittmeister."
"Ganz recht, meine Gnaedige. Und die Thatsachen, die sich auf mich
"Sie sind taeglicher Gast im Hause und erscheinen oeffentlich stets neben
Frau von Clairefort--"
"Allerdings, und weiter, wenn ich bitten darf?"
"Nun, deshalb glaubt das Publikum ein Recht zu haben, Bemerkungen zu
machen, die freilich und natuerlich jeder Unbefangene verdammt."
"Ah, vortrefflich! Und zu diesen Unbefangenen gehoeren auch Sie, gnaedige
Frau, und der Intimus Ihres Hauses, Herr von Zirp?"
Der Ton, in dem Teut diese Worte sprach, war allerdings impertinent, ja
beleidigend; aber er Blick, mit dem $
 die Stirn
gestuetzt, noch immer gruebeln in seinem juchtenduftenden Arbeitszimmer.
Ein wilder Kampf von Empfindungen, der in seiner Brust tobte, raubte ihm
Ruhe und Schlaf.
       *       *       *       *       *
Ange ward, als sie dem Wagen entstieg und ihre kleiye Schar von der
Dienerschaft herabgehoben wurde, von dem ernsten Ausdruck ueberrascht,
der sich in Tibets dienen widerspiegelte. Er stand, wie immer, wenn sie
zurueckkehrte, vorn auf dem Treppenausbau der Villa und oeffnete
ehrerbietig die Thuer.
"Was ist?" fragte sie aengstlich und hiess ihn durch ihre lebhaften
Gebaerden rascher sprechen, als es seine Gewohnheit war.
"Carlitos hat heute nachmittag einen heftigen Anfall von Ohnmacht und
Erbrechen gehabt; wir haben ihn gleich ins Bett gebracht, Frau Graefin."
Ange schrie auf und flog die Stufen empor.
"War der Arzt schon da? Ist der Graf in seinem Zimmer?" redete sie
hastig im Voruebereilen die Kammerjungfer an, ohne die Antwort
abzuwarten. Sie durcheilte die Wohnraeume und erreichte das Kinderzim$
schlotterten. Er wusste, was er hervorrief. Er hoerte schon den Schrei der
Empoerung von ihren Lippen.
"Mensch," rief Ange und ballte die kleinen Haende in furchtbarer
Erregung, "machen Sie nun ein Ende! Ich bin ein Weib, zarter, schwacher
geartet, auch nicht vertraut mit Hinterlist und Luegen--"
"O, Frau Graefin!" aechzte Tibet bei diesen Worten. Eine fahle Blaesse flog
ueber sein Gesicht.
Sie begriff, wie tief sie ihn verwundet. Sie sah es und streckte ihm die
Hand entgegen. Sie wusste nicht mehr, was sie sprach. Sie bat es ihm ab,
und ein Schimmer dankbarer Freude flog ueber seine Zuege.
"Nun denn--" sagte Tibet kurz und ohne Betonung, "wir leben bereits seit
Ausbruch des Krieges von der Guete des Herrn von Teut. Ich habe monatlich
tausend Mark, spaeter fuenfzehnhundert Mark bei einem hiesigen Bankhaus
fuer unseren Unterhalt erhoben."
Aa, nun schrie allerdings die Frau auf, dass die Gegenstaende umher zu
erbeben schienen. Es hallte durch das ganze Haus, drang in den kleinsten
"Carlos! Carlos!" rang es sich$
h all
den Aufregungen und Sorgen zu zerstreuen. Ich werde sie einladen, auf
Schloss Eder diese Wochen zuzubringen, und will meiner Cousine, der
Graefin Aspern, schreiben, dort die Honneurs zu machen. Ich werde dann
vielleicht auch--spaeter--nachkommen und bei dieser Gelegenheit
auszufuehren suchen, was ich seit dem Tode des Grafen in mir herumtrage.
Was meinen Sie dazu, Tibet?"
"Vortrefflich, Herr Baron! Aber ich fuerchte, dass die Frau Graefin dieser
Einladung ein entschiedenes Nein entgegenstellen wird. Wir haben so oft
ueber diese Dinge gesprochen--alles war fruchtlos. Die Frau Graefin
geht--darf ich mich ganz offen aeussern, Herr Baron?"--Teut erhob den
Kopf, nickte und trennte die eben mit dem silbernen Loeffel zerschlagene
Schale von einem Ei.--"Die Frau Graefin geht davon aus, dass der gnaedige
Herr sie beeinflussen will, Wohnort und jetzige Lebensweise zu aerdern.
Dagegen straeubt sie sich--der Herr Baron kennen die Gruende--zum Teil
wenigstens--"
"Hm--zum Teil?" fragte Teut. "Ist's noch etwas anderes$
eusliche Angelegenheiten.
Inzwischen gruebelte Tibet, wie er die Dinge nach seinen Wuenschen
einrichten koenne, und sagte endlich, eine kleine Pause benutzend,
ziemlich unvermittet:
"Ich habe auch einen Auftrag an die Frau Graefin von dem Herrn Baron
auszurichten. Ich vergass vorher--"
Ange sah Tibet fest ins Auge, aber sie hinderte ihn nicht am
Weitersprechen. Nur ein kurzes: "Nun?" glitt von ihren Lippen.
"Zunaechst laesst sich der Herr Baron fuer den Brief der Frau Graefin recht
sehr bedanken. Er wuerde denselben schon beantwortet haben, wenn er nicht
wuenschte, der Frau Graefin muendlich--"
Tibet hielt inne; er fuerchtete nun sicher eine Unterbrechung. Aber zu
seiner Ueberraschung sagte Ange nichts, nur ihr Blick blieb noch ebenso
ernst, ja, so eigentuemlich auf ihm haften, dass er unwillkuerlich die
Augen niederschlagen musste. Er raffte sich aber auf und fuhr fort:
"Der Herr Baron hofft in einigen Wochen wieder so weit hergestellt zu
sein, dass er Wiesbaden verlassen kann. Er will dann nach Eder reisen$
t!"
betaetigte sie mitleidig. "Was ich Dir zugedacht habe, ist etwas, das Du
dringend noetig hast und was ich Dir gern besser gegoennt haette!"
Am naechsten, dem letzten Abend vor dem Feste, wollten Ange und Ben den
Baum ausputzen. Heute sass sie noch mit fleissiger Hand und arbeitete an
einem wollenen Halstuch fuer Jorinde, der es besser ging, die aber
geschont und vor kalter Luft in acht genommen werden musste.
Anges Gesicht war etwas froehlicher; ein stiller, sanfter Zug lag in
ihren dienen. Was sie erreicht hatte, erfuellte sie wenigstens
voruebergehend mit einer gluecklichen Befriedigung, und nur eins draengte
sich schwermuetig in ihre Gedanken: dass das Fest ohne Tibet gefeiert
werden muesse. Sie gedachte auch Carlos', ihres Mannes, aber vornehmlich
trat Teut in ihre Gedanken. Sie seufzte tief auf. Eine verzehrende
Sehnsucht erfaste sie nach ihm. Sie verlangte nach seiner festen Stimme,
nach seinem Blick, nach seiner Teilnahme, nach seiner--Liebe.
Ange sah nach der Uhr. Es schlug gerade zehn. Noch woll$
erlaubten, mir irgend welche
Vorstellungen ber diese Gegend zu machen; ja, ihr Dasein war mir vllig
verborgen geblieben. Ich frchte, manchem der verehrten Leser und
Leserinnen wird es nicht anders gehen. Nachdem ich sie aber besucht
habe, kann ich nicht umhin, meine Befriedigung ber das Geschaute
auszudrcken und dem Leser, wenn er in jene Gegend kommen sollte, zu
empfehlen, den Besuch nicht zu versumen. Freilich, wen fhrt sein Weg
nach Riga? Sind doch, abgesehen von der Entfernung, die politischen
Verhltnisse in den Ostseeprovinzen nicht gerade verlockend fr
Reichsdeutsche.
Unser Geschftsfreund, Herr Frisk, ein Norweger, stellte uns eine
Reiseroute zusammen, und am Morgen des nchsten Tages--es war ein
schner, sonniger Sonntag--begaben wir un nach dem Dnaburger Bahnhof.
Vor dem Gebude erhebt sich eine prchtige Kapelle, errichtet aus Anla
der glcklichen Errettung des Zaren beim Eisenbahnunglck von Gurski.
Die Fahrt ging langsam; sie dauerte fast zwei Stunden bis nach Segewold,
der Eintrittsst$
h Flensburg, wo ich Montag Abend eintraf.
Die vom schnsten Wetter begnstigte Reise hatte 14 Tage gedauert und
umfate im Ganzen etwa 4000 Kilometer.
C. Flensburg. Helsingr. Gent. Schottland.
1. Nach Helsingr.
Wie Iphigenie einst am Strand von Tauris sa, "das Land der Griechen mit
der Seele suchend", so sa auch ich am Strande, aber nicht von Tauris,
sondern von Seeland, und zwar suchte ich nicht Griechenland, sondern
blo Finn+and, woher ich die "Mira" erwartete, die mich an Bord nehmen
sollte. Die Zeit wird einem bekanntlich lang, wenn man wartet, und
doppelt lang, wenn man so aufs Ungewisse wartet. Unter den Hunderten von
Schiffen, die tglich den Sund passieren, das richtige herausfinden, war
keine Kleinigkeit. Ich glaube, ich konnte dem alten Knaben aus Salas y
Gomez seine Qualen wenigstens en miniature nachfhlen. Der mir seit
Jahren befreundete Kapitn des Schiffes hatte ein Zeichen mit mir
verabredet, an dem ich die "Mira" erkennen sollte; er wollte mit der
Dampfpfeife einen langen Ton und zwei ku$
 eigentlich knstlerischen Wert, aber insofern von Interesse, als
sie die Beschftigungen und Nationaltrachten der Bewohner der
verschiedensten Gegenden Norwegens, Island und der Fr-Oer, also
gewissermaen ein Ethnographisches Museum darstellen. Dicht neben dem
Schlosse liegt der "Marmorgarten", in italienischem Stil, voller
Marmorstatuen, den strksten Gegensatz zu dem freien, nicht knstlich
beengten Waldparke bildend.
Das Innere des Schlosses sahen wir nicht, doch erzhlte uns der
Aufseher, er uns den Marmorgarten aufgeschlossen hatte, da Kaiser
Wilhelm sieben Zimmer bewohnt habe, und zwar ein Kabinet mit vergoldeten
Mbeln, bezogen mit rotem Seidendamast, einen Salon mit eingelegten
Nubaummbeln, enthaltend ein groes Gemlde aus Maria Theresias Zeit;
ein trkisch ausgestattetes Vorgemach; ein Schlafzimmer mit
weilackierten, goldverzierten Mbeln, mit grner Seide bezogen. Die
brigen Zimmer uns aufzuzhlen erlieen wir dem eifrigen Manne und
benutzten die Zeit bis zum Mittagessen, den einsamen Park $
sse des Stuttgarter Vereinstags bedeuteten in ihrer
Gesamtheit einen entschiedenen Ruck nach links. In allen praktischen
Fragen der inneren Politik standen jetzt die sogenannten Selbsthilfler
und die Lassalleaner auf ein und demselben Boden. Auch die Organisation
erlitt eine kleine Verbesserung. Der Beitrag von 2 Talern pro Jahr von
jedem Verein bedeutete die finanzielle Ohnmacht des stndigen
Ausschusses. ch machte also in den Flugblttern des stndigen
Ausschusses den Vorschlag, zunchst pro _Kopf_ der Vereinsmitglieder
einen Groschen Beitrag pro Jahr zu erheben und den Vorsitzenden des
stndigen Ausschusses mit 300 Taler zu remunerieren, damit auch
eventuell Personen, die finanziell abhngig waren, die Stellung eines
Vorsitzenden bekleiden knnten; auch solle der Vorsitzende vom
Vereinstag direkt gewhlt werden. Endlich schlug ich vor, der groen
Kosten wegen den Vereinstag nur alle zwei Jahre zu berufen--was gerade
kein Meistervorschlag von mir war--und damit den Gauverbnden eine
bessere Entwicklung zu $
 konnten. Es wre zu
einer Spaltung gekommen, und die mute in diesem Stadium der Entwicklung
vermieden werden. Endlich war auch die Ansicht magebend, da bei der
Stimmung, die damals noch erhebliche Teile des Brgertums wegen der eben
stattgehabten kriegerischen Ereignisse und der Zerreiung Deutschlands
in drei Teile beherrschte, es ntig sei, alle Krfte fr eine
Demokratisierung Deutschlands zusammenzufassen.
Auf den 19. August beriefen wir nach Chemnitz eine Landesversammlung, an
der auch Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins
(Fritzsche, Frsterling, Rthing und andere) teilnahmen, um die neue
demokratische Partei zu grnden. Das angenommene Programm lautete:
Forderungen der Demokratie.
1. Unbeschrnktes Selbstbestimmungsrecht des Volkes. Allgemeines,
gleiches und direktes Wahlrecht mit geheimer Abstimmung auf allen
Gebieten des staatlichen Lebens (das Parlament, die Kammern der
Einzelstaaten, die Gemeinden usf.). Volkswehr an Stelle der stehenden
Heere. Ein mit grter Machtollkommenhei$
. Aber sie nickte
auch erkenntlich, als Dehn sich bereit erklrte, Wasser, Schwamm und
Leinewand herbeizuholen, und hob, nachdem dies herbeigeschafft und das
Tier verbunden war, solches zur Bettung im Schlo auf ihre eigenen Arme.
"Bitte, begleiten Sie mich und ffnen Sie mir die Thren!" bat sie. "Ich
will ihn in mein eigenes Zimmer bringen, ihn dort selbst pflegen," fgte
sie, sich zu dem ihr dankbar die Hand leckenden Hunde liebevoll
herabbeugend, hinzu.
Imgjors Gemcher befanden sich in der ersten Etage in einem Vorbau, der
in Form eines Turmes die linke, uerste Zwischenecke des Schlosses
flankierte. Man konnte sie vom Hofe aus, aber auch von demselben
Korridor erreichen, in dem sich Graf Dehns Zimmer befanden.
Unmittelbar neben dem Eingang zu seinen Gemchern fhrte eine Treppe
zunchst zu einem halbrunden Flur empor, und auf diesen mndete die vom
Hofe empor[trebende Wendeltreppe.
Graf Dehn hatte lange schon das lebhaftere Verlangen gesprt, einmal
einen Blick in die Rume zu werfen, in denen das sein$
rstimmung des Magens handle. Die Komtesse werde bei gengender Ruhe
bereits im Laufe des kommenden Tages die Unplichkeit abgeschttelt
Und wie der Befreiung von einer schweren Sorge allezeit eine um so
Strkere seelische Aufrichtung zu folgen pflegt, so war's auch hier. Dem
Grafen verlieh die Sicherheit, da das Gespenst der Epidemie vom
Schlosse abgewendet war, da er nicht ntig hatte, seinen Gsten
abzusagen, und da somit auch Mhen und Kosten nicht umsonst gewesen,
eine gehobene Stimmung, und in dieser gab er den Btten der Grfin zu
einer Auseinandersetzung mit Imgjor nach.
Nachdem Lucile und Frulein Merville um die Mittagszeit gemeldet hatten,
da Imgjor bereits wieder aufgestanden sei, begab sich die Grfin zu
ihr aufs Zimmer, und in Axels Gegenwart wiederholte sie dann spter
diesem und den brigen die von dem jungen Mdchen erteilte Antwort.
Sie wolle eine Unterredung mit Prest mglichst bald herbeizufhren
suchen und, nachdem diese stattgefunden, ihren Eltern eine Antwort
geben. Sie bte, ihr d$
lichen Familie der Haubitz
da: eine ltere Margarete und eine jngere Anna.
Das Kloster Nimbschen hat eine hbsche Lage. Eine Stunde unterhalb,
nachdem die beiden Mulden, die Zwickauer von Sden und die Freiberger
von Osten her zusammengeflossen sind zu der groen Mulde, erweitert sich
das enge Fluthal zu einer viertelstundebreiten ebenen Aue, welche die
Form eines lnglichen Blattes hat und eine halbe Stunde lang ist. Am
Ostufer zieht sich eine schroffe Felswand aus P[rphyr hin, an welche
das Muldebett sich anschmiegt; im Westen begrenzt eine niedrige, sanfter
ansteigende, waldbewachsene Hgelkette den Werder. Ueber der nrdlichen
Blattspitze, die scharf durch die zusammenrckenden Felswnde
abschliet, erhob sich eine Burg und jenseits der Thalsperre, ungesehen
von der Aue aus, liegt die Stadt Grimma; an dem obern Ende der Aue,
unmittelbar am Fue des westlichen Waldhgels, stand das Kloster. Es war
also abgelegen von der Welt, abgeschlossen durch die beiden Hgelreihen,
nur mit dem Blick auf die stille ru$
e, bemerkt zu haben: Ob ihr denn ein Doktor, Professor oder
Pfarrherr nicht gut genug sei? denn Katharina wurde zu der Erklrung
gedrngt: Wrde Amsdorf oder Luther sie zur Gattin begehren, so wolle
sie sich nicht weigern, D. Glatz aber knne sie nicht haben[113].
Diese Aeuerung, welche wohl ohne viel Absicht gesprochen war, hatte
ihre Folgen; zwar nicht fr Amsdorf, der immer ehelos blieb, aber fr
Luther. Auch er hatte die Bora "fr stolz und hoffrtig" gehalten,
whrend sie doch nur etwas Zurckhaltendes hatte und ein gewisses
Selbstbewutsein zeigte; er hatte sie also nicht recht gemocht. Durch
jene Erklrung an Amsdorf wurde er aber auf andere Gedanken
gebracht[114].
Katharinas Heirat.
So machte Luther bei Kthe von Bora, aber auch bei anderen Nonnen den
Freiwerber; er that es aber auch in Weinen Schriften, worin er den
Ehestand so hoch pries und jedermann dazu einlud. Daher scherzte er in
einer Epistel an Spalatin: "Es ist zu verwundern, da ich, der ich so
oft von der Ehe schreibe und so oft unter Wei$
n. Muhme bedeutet freilich nicht
blo Tante, sondern im allgemeinen soviel wie das sddeutsche Base
(sogar = Nichte); ebenso "Ohm" = "Vetter" (auch = Neffe). So nennt
Luther seine Nichte (Lene) "Muhme" (T.R. IV, 54) und Katharina ihren
Neffen (Florian) "Ohm". S.o.S. 239.
[15] _Schumanns_ Lexikon von Sachsen. Bd. 13, S. 671.
[16] Br. V, 64.
[17] _Richter_. 674, nobilis sed tum fere ad incitas redacta prosapia.
Br. VI, 649 f. IV, 291.
[18] _Lorenz_, Sachsengrn, 1861, 1, S. 82; Z.B. die 2 Schnfeld 3 Sch.
20 Gr., Ilse Kitschers 40 Gr., die 2 Zeschau je 4 fl. rh., Magd. v.
Staupitz 2 fl. Hirschfeld a.a.O. 127.
[19] Wiss. Beil. zur Leipz. Z. 1899, S. 35a Erasmus Epist. ed. Cler.
Tom. III pag. 790 indotata (ohne Aussteuer).--Vgl. Luthers Rede un,
Gebet bei seiner Krankheit 1527. L.W XIX, S. 160 ff.--Das sog. Bild
Katharinas von Bora, das sie angeblich im reichen Brautstaat mit dicken
silbernen und goldenen Ketten zeigt (bei Fr. G. Hofmann, Katharina v.B.,
Leipzig 1845) stellt sie gar nicht vor, wie schon die gesti$
d spter auf das Hofgut Kieritzsch und dann in die
dortige Kirche gekommen. Eine Nachbildung des Reliefbildes von Katharina
ist in der Leipziger Illustr. Zeitung vom 2. Febr. 1899. Vgl. oben S.
[233] L.W. II, 279. T.-R. IV, 59. L.W. XXI, 169*. Br. IV, 643. T.-R.
III, 128. IV, 62.
[234] _Cord._ 1471. 1597. 589. _Schlaginhaufen_ 419. T.-R. IV, 199.
[235] T.-R. IV, 306 (Cord. 980). L. fhrte diese Bezeichnung Kthes als
"Morgenstern" als Beispiel fr die zahlreichen "Metaphern" oder
"verblmte Wort" der deutschen Sprache an, neben Redensarten wie
"gro Geschrei--wenig Wolle"; "er hngt den Mantel nach dem
Winde".--Bekanntlich hat _Engelhard_ diese Methapher im gehssigen Sinn
als Lucifer Wittenbergensis zum Titel seiner Schmhschrift gemacht:
"Lucifer Wittenbergensis oder der Morgenstern von Wittenb., d.i.
Vollstndiger Lebenslauff C. von Bore, des vermerkten Ehe-Weibs D.M.
Lutheri, in welchem alle ihre Scheintugenden, erdichtete Grothaten,
falsche Erscheinungen weitluffig erzehlet werdbn v. R.D. Euseb.
Engelh$
uther nicht nur einen
Katen, einen Pelzrock fuer die kleine Margarete nach angegebenem Mass von
auswaerts bestellen, sondern allerlei Beduerfnisse, Saemereien, Stecklinge,
sogar Borsdorfer Aepfel, ja Butter und Kaese musste sie von weither aus
Pirna durch den dortigen Pfarrer Lauterbach oder von Erfurt und Nuernberg
kommen lassen[215].
Als Kaethe fuer Luthers Grossnichte die Hochzeit ausrichten sollte (Januar
1542), musste ihr Gatte an den Hof nach Dessau um Wildbret schreiben.
"Hie ist wenig zu bekommen, denn die Menge (der Einwohner) und viel mehr
die Aemter und Hoflager haben schier alles aufgefressen, dass weder
Huehner, noch ander Fleisch wohl zu bekommen, dass, wo es fehlet (am
Wildbret) ich mit Wuersten und Kaldaunen muss nachfuellen." Natuerlich musste
sie auch Mehl kaufen, waehrend Landpfarrer solches zu Kauf anboten, und
Frau Kaethe konnte es sehr verdriessen, wenn ein solcher ihr, weil sie die
Frau Doktorin war, fuer den Scheffel neunthalb Groschen forderte, also
mehr als die Bauern. Und ebenso ve$
ungfrauen, von denen die eine ihr reiches Vermoegen im Stiche
liess, um der Armut Christi zu folgen. Die drei fluechteten nach
Wittenberg in die Freistaette des Lutherhauses: keinen Kreuzer brachten
sie mit, wohl aber den Hass des Herzogs und Verlegenheit fuer Luthers
Landesherrn[279].
Das war im Herbst 1528. Zu Ostern 1529 hatte Frau Kaethe wieder eine
Hochzeit auszurichten: dem Pfarrer Bruno Brauer zu Dobin, dessen Braut
natuerlich auch schon ein paar Tage vorher sich im Hause aufhielt.
Amsdorf wird dazu eingeladen und wird ersucht, sich nicht mit Eisen und
Schwert, sondern mit Gold und Silber und Ranzen &u umguerten, denn ohne
Geschenk komme er nicht los. Im Sommer verlobten die beiden Ehegatten
den Professor der Medizin Milich mit Susanna von Muschwitz, der
Schwester von Frau D. Schurf[280].
Waehrend dieser Zeit war der Hausherr vielfach abwesend auf der
Visitation des Kurkreises, welche Luther mit dem Stadthauptmann Herrn
Metsch, dem Edlen Hans von Taubenheim und dem Rechtsgelehrten Benedikt
Pauli vorzun$
bel bei den
Tischgesellen erregte ein humorvoller Brief Luthers vom "Reichstag der
Dohlen und Kraehen", dem lustigen Abbild des Augsburger Reichstags. Da
wird gar ergoetzlich geschildert das Ab- und Zureiten "der Malztuerken",
ihr Scharwaenzen und Turnieren, ihr "Kecken" und Kriegsrat wider Korn und
Weizen. Und welche Freude erst war's, als goldene Fruehaepfel aus Nrernberg
mit dem Boten von Koburg fuer die Tischgesellschaft ankamen! Wie
leuchteten aber erst die Augen der Kleinen und seiner Gespielen ueber den
herzigen Maerchenbrief Luthers an sein "liebes Soehnichen Johannes" von
dem schoenen Paradiesesgarten. Wie hat sich da die Mutter gefreut und
Muhme Lene und des Jonas Jost und Melanchthons Lips, die auch in den
Garten kommen sollten, und der "Gruss und Putz" wird der Muhme Lene von
dem kleinen Hans ausgerichtet worden sein. Haenschen war ein braver Bub
und wird von seinem Praezeptor wegen seines Fleisses und Eifers
gelobt[289].
Aber auch ernste Briefe kamen von Koburg an, welche Frau Kaethe und die
Theo$
nn bishero gemeldeten Herrn von
E.K.M. ueberreichet (worden). Dieweil aber mein seliger lieber Herr
E.K.M. allzeit geliebet und fuer den christlichsten Koenig gehalten, auch
E.K.M. sich in solchen Gnaden gegen seligen meinen Herrn verhalten: so
werde ich _durch dringende Not bewogen, E.K.M. in meinem Elend_
unterthaeniglich zu ersuchen, des Verhoffens, E.K.M. werden mir armen und
itzt von jedermann verlassenen Witwen solch mein unwuerdig Schreiben
gnaediglich zu gut halten und mir aus Gnaden solch Geld folgen lassen.
Denn E.K.M. sonder Zweifel bewusst, wie es nu nach dem Abgang meines sel.
Mannes gestanden, _wiepman die Elenden gedrueckt_, Witwen und Waisen
gemacht, also dass (es) zu erbarmen; ja (auch) _mir mehr durch Freunde
als durch Feinde Schaden zugefuegt_; welches alles E.K.M. zu erzaehlen zu
lang waere. Aus diesen und anderen Ursachen werde ich _gedraenget_, E.K.M.
unterthaenig zu ersuchen, nachdem sich ein jeder so fremd gegen mir
stellt und sich meiner niemand erbarmen will."
Bugenhagen unterstuetzt$
ie. Er war in Kopenhagen, dieser Mann, um des Knigs
Schiedsspruch einzuholen in einem Proze, den er fhrte, und das zog
sich so in die Lnge, da ihm der Weihnachtsabend ber den Hals kam; das
gefiel aber dem Blessommer durchaus nicht, und wie er so durch die
Straen schlenderte und nach Hause dachte, da sah er einen wuchtigen
Kerl in einem weien Mantel vor sich hergehen. "Du gehst ja so schnell",
sagte der Blessommer.--"Hab's weit bis nach Haus heut abend", sagte der
Mann.--"Wo willst Du hin?"--"Nach Vaage", sagte der Mann und schritt
aus.--"Das trifft sich aber fein," sagte der Blessommer, "dahin mchte
ich auch."--"Dann kannst Du hinten bei mir auf den Kufen stehen",
antwortete der Mann und bog in eine Querstrae ein, wo sein Schlitten
stand. Er schwang sich hinauf und sah sich nach dem Blessommer um, der
sich auf die Kufen stellte. "Du mut Dich festhalten", sagte er. Der
BlessommerEtat es, und es war auch ntig; denn es ging nicht etwa immer
auf der glatten Erde hin. "Mir scheint, Du fhrst bers Was$
h in das Haus gerufen wurde. Ingrid und Thorbjrn
standen unterdessen mit den anderen Konfirmanden drauen, und als einer
von den Burschen zu ihm sagte: "Du darfst nicht mit 'rein? Pa' auf, die
schnappen sie Dir bestimmt fort", da brachten ihm diese Worte ein blaues
Auge ein. Seitdem machten sich seine Kameraden immer ein Vergngen
daraus, Thorbjrn mit Synnve zu necken, weil sie genau wuten, da
nichts anderes ihn so rgern und in Wut versetzen konnte. Schlielich
kam es, nach vorheriger Verabredung, in einem Waldebeim Pfarrhof
deswegen zu einer tchtigen Rauferei, die sich so zuspitzte, da
Thorbjrn es mit einem ganzen Haufen Angreifer auf einmal zu tun
kriegte. Die Mdchen waren schon vorausgegangen, und daher niemand da,
der dazwischen treten und die Burschen trennen konnte; immer hitziger
und hitziger wurden die Gemter. Thorbjrn wollte auch der bermacht
gegenber nicht klein beigeben und war nicht whlerisch in der Art
seiner Verteidigung; dabei hagelte es Hiebe, die spter selber den
Vorfall kun$
sdruck
ber die Bume hin.--"Das Gerede und Geklatsche da unten wird mir
schlielich zu arg", fgte er hinzu und klopfte sich etwas Erde
ab.--"Warum bekmmerst Du Dich immer darum; la doch die Leute
reden."--"Ich wei nicht recht;--aber--sie haben noch nie etwas gesagt,
was ich nicht dachte, wenn ich's auch nicht getan habe."--"Du, d@s
klingt hlich."--"Das tut's auch", sagte er und fuhr nach kurzer Pause
fort: "Aber wahr ist's." Sie setzte sich in das Gras; er blieb stehen
und blickte zu Boden. "Ich knnte leicht so werden, wie sie mich haben
wollen; sie sollten mich so lassen, wie ich bin."--"Am Ende ist es aber
doch Deine Schuld."--"Wohl mglich, aber die andern haben auch Schuld;
sie sollen mich zufrieden lassen", schrie er fast und sah zu dem Adler
hinauf. "Aber, Thorbjrn", flsterte Ingrid. Er drehte sich zu ihr hin
und lachte: "Schon gut, schon gut, wie gesagt, es kann einem wohl
manches durch den Kopf gehen--hast Du heute mit Synnve
gesprochen?"--"Ja, sie ist schon auf die Alm
gezogen."--"Heute?"-$
t. "Wir werden ihn wohl behalten," sagte er im Vorbeigehen
zu Ingebjrg, "aber unser Herrgott wei, ob er wieder ganz gesund wird."
Ingebjrg fing zu weinen an und ging ihrem Manne nach; auf der Treppe
zum Schuppen setzten sie sich nebeneinander, und sie besprachen
Als aber Ingrid leise wieder zu Thorbjrn hineinkam, lag er da mit einem
Zettel in der Hand und sagte ruhig und langsam: "Den Zettel gib Synnve,
sobald Du sie triffst." Als Ingrid gelesen hatte, was darauf stand,
wndte sie sich ab und weinte, denn auf dem Zettel stand:
"An die hochgeschtzte Jungfrau Synnve, Tochter des Guttorm Solbakken.
Wenn Du diese Zeilen gelesen hast, so soll es aus sein zwischen uns
beiden. Denn ich bin nicht der Mann, der fr Dich bestimmt ist. Unser
Herrgott sei mit uns beiden.
Thorbjrn, Sohn des Smund Granliden."
Sechstes Kapitel
Synnve hatte an dem Tage, nachdem Thorbjrn auf der Hochzeit gewesen,
von dem Vorfall erfahren. Sein jngerer Bruder war mit der Nachricht
auf die Alm gekommen; aber Ingrid hatte ihn auf dem$
aben. Karen--so hie ihre Mutter--war, wie
gesagt, klein und schmchtig von Gestalt, hatte blondes Haar, und blaue
Augen die rastlos umherblickten. Sie lchelte ein wenig, wenn sie
sprach; aber nur wenn sie mit Fremden sprach. Ihr Gesichtsausdruck war
sehr scharf geworden; sie war hastig in ihren Bewegungen und machte sich
immer etwas zu tun.--Synnve bedankte sich fr das Mitgebrachte, nahm
den Deckel vom Korb und wollte nachsehen, was darin war. "Das kannst Du
spter tun", sagte die Mutter; "ich habe wohl bemerkt, da Du Tpfe und
Kbel noch nicht abgewaschen hast; das mut Du immer besorgen, mein
Kind, ehe Du schlafen gehst."--"Ja, das war auch nur heute."--"Komm
jetzt, ich will Dir helfen, da ich doch nun mal hier bin," fuhr Karen
fort, und schrzte sich auf. "Du mut Dich an Ordnung gewhnen, ob ich
Dich nun unter Augen habe oder nicht." Sie ging in die Milchkammer, und
Synnve folgte ihr langsam. Nun nahmen sie die Gefe herunter und
wuschen auf; die Mutter untersuchte, wie die Wirtschaft imstande sei$
r also dazu? Wollen wir sie zusammentun?
Das hat ja weiter keine groe Eile, aber ich wei auch nicht, warum wir
noch damit warten wollen. Du, Guttorm, bist ein Mann mit Vermgen; meins
ist kleiner und geht mal spter in mehrere Teile; aber ich denke, die
Sache lt sich doch machen. Jetzt sagt allo Eure Meinung frei heraus;
das Mdchen frage ich zuletzt, denn ich glaube, ich wei, was sie will!"
Also sprach Smund. Guttorm sa krumm auf der Bank, legte abwechselnd
eine Hand ber die andere und machte mehrmals Miene, sich aufzurichten,
indem er jedesmal strker Atem holte; aber erst nach dem vierten- und
fnftenmal bekam er den Rcken gerade, strich mit der Hand ber das
Knie, und sah seine Frau an, streifte aber gleichzeitig Synnve mit den
Blicken. Karen sa am Tisch und wischte mit den Fingern darber hin.
"Nun ja--das ist ein schner Antrag", sagte sie. "Ja, ich meine, wir
sollen ihn mit Dank annehmen", sagte Guttorm laut, und seiner Stimme war
eine betrchtliche Erleichterung anzuhren; dann sah er von s$
einer konnte begreifen, woran sie gestorben war; anderes
Migeschick kam hinzu, und es ging abwrts mit ihm; am schlimmsten aber
wurd es, als mitten im Winter seine Scheune abbrannte mit allem, was
darin war; keiner wute, wie das Feuer aufgekommen war. "Das hat einer
angelegt, der mir nichts Gutes gnnt", sagte Anders, und in dieser Nacht
weinte er. Er war ein armer Mann geworden und hatte keine Lust zur
Arbeit mehr.
Da stand am andern Abend pltzlich Baard in seiner Stube. Anders lag auf
dem Bett, als der andere eintrat, aber er sprang auf. "Was willst Du
hier?" fragte er, schwieg dann aber und sah seinen Bruder unverwandt an.
Baard zgerte einen Augenblick, bis er antwortete: "Ich mchte Dir
helfen, Anders, Dir geht es nicht gut."--"Mir geht es so, wie Du es mir
gnnst, Baard! Geh lieber, denn ich wei nicht, ob ich mich beherrschen
kann!"--"Du irrst, Anders; es tut mir leid--"--"Geh, Baard, oder Gott
gnade uns beiden!"--Baard trat ein paar Schritte zurck; mit zitternder
Stimme sagte er: "Wenn Du die Uhr$
e zum erstenmal von einem Ufer zum andern ber
sie hin. Da die Armut bei jedem Schritt hemmte, fhlte er, aber gerade
deshalb war das Ziel aller seiner Gedanken, sie zu berwinden. Von
Margit hatte sie ihn wohl fr immer getrennt; sie sah er schon halbwegs
als Jon Hatlens Braut, aber wenigstens wollte er sein Leben lang mit den
beiden gleichen Schritt halten. Beiseite stoen wie gestern wrde er
sich nicht mehr lassen, sondern sich fernhalten, bis er etwas geworden
war, und da er mit Gottes gtiger Hilfe etwas werden wrde, das wVr
sein Wunsch, und er zweifelte keinen Augenblick, da ihm das gelingen
wrde. Er hatte das unbestimmte Gefhl, durch Lernen werde es ihm am
besten glcken; zu welchem Ziel das fhren knne, das mute er sich
Abends war Schlittenbahn, die Kinder kamen alle auf den Hgel, nur
yvind nicht. Am Herde sa er und lernte und hatte keine Zeit zum
Spielen. Die Kinder warteten lange auf ihn, schlielich wurde einigen
die Zeit zu lang, sie kamen herauf, drckten das Gesicht an die Scheiben
u$
ber
die Augen gezogen; denn seit er kein Haar mehr hatte, war ihm die Mtze
zu gro geworden. Um sehen zu knnen, bog er den Kopf ganz hintenber;
den Stock hielt er in der rechten Hand, die linke stemmte er in die
Seite, wenn er nicht damit gestiklierte; aber auch dann streckte er sie
nur halb von sich und lie sie in dieser Stellung, um gewissermaen
seiner Wrde nichts zu vergeben. "Ist das Dein Sohn, der da hinter Dir
steht?" fragte er mit rauher Stimme. "Ich denke."--"yvind heit er,
nicht?"--"Ja, er heit yvind."--"Er ist auf einer Ackerbauschule da
unten im Sden gewesen?"--"So was war's ja wohl."--"Na, das Mdel, meine
Grotochter, die Margit, ja, die ist jetzt ganz verrckt
geworden."--"Das wr' schlimm."--"Sie will nicht heiraten."--"Na
nu?"--"Sie will keinen von den Bauernshnen, die sich um sie
bemhen."--"Ach so!"--"Aber der da ist schuld dran."--"Soo?"--"Er hat
ihr den Kopf verdreht; ja, der da, Dein Sohn yvind."--"Teufel
auch!"--"Siehst Du, ich mag nicht, da mir einer meine Pferde stiehlt$
on
Gudmund, von diesem hier."--"Das ist ja das reichste Mdchen im ganzen
Gau."--"Es heit so", antwortete der Bauer und strich sich mit einer
Hand das Haar in die Hhe, Der Pfarrer sa eine Zeitlang wie in*Gedanken
und sagte kein Wort; er trug nur die Namen in seine Bcher ein, und die
Mnner unterschrieben. Thord legte drei Taler auf den Tisch.--"Ich
bekomme nur einen", sagte der Pfarrer.--"Wei wohl, aber er ist mein
Einziger,--mcht's gern recht gut machen." Der Pfarrer nahm das Geld an.
"Dies ist das dritte Mal, da Du um Deines Sohnes willen hier stehst,
Thord."--"Jetzt bin ich aber auch fertig damit", sagte Thord, klappte
sein Taschenbuch zu, sagte adieu und ging,--die Mnner folgten ihm
Vierzehn Tage spter ruderten Vater und Sohn bei stillem Wetter ber das
Wasser nach Storliden hinber, um dort die Hochzeit zu besprechen. "Die
Bank ist nicht ordentlich fest", sagte der Sohn und stand auf, um sie in
Ordnung zu bringen. Da rutscht das Brett aus, auf dem er steht, er
schlgt mit den Armen um sich, st$
eide hinzukommen, wenn
sie zum erstenmal auftreten wrd.
       *       *       *       *       *
Der Schnee auf den Bergen begann zu schmelzen, auf den Feldern
schimmerte es grn. Das Leben, das zu Beginn des Frhlings in den
Bergtlern erwacht, ist mchtig, wie die Sehnsucht mchtig war; die
Menschen werden flinker, die Arbeit geht leichter von der Hand, die
Wanderlust schaut ber die Berge hinweg. Aber obwohl Petra sich
hinaussehnte, hatte sie doch nie diese Sttte und alle Dinge so lieb
gehabt wie jetzt, da sie von ihnen Abschied nehmen mute; ja, es war
ihr, als habe sie alles bis dahin gering geschtzt, weil sie es erst
jetzt verstand. Nur noch wenige Tage blieben ihr; sie ging mit Signe
berall herum und sagte allen und allem Lebewohl,--zumal den Sttten,
die ihnen zusammen lieb geworden waren. Da erzhlte ihnen ein Bauer,
degaard sei oben auf den yhfen und beabsichtige, sie aufzusuchen. Die
Mdchen wurden beide ganz verlegen und stellten ihre Ausgnge ein.
Doch als degaard kam, war er so sonnig u$
n Ton
von sich zu geben, begann es eifrig Reisig heranzuschaffen. Die Kiefer
machte sich, wenn moeglich, noch breiter,--daran konnte sie keiner
Aber im ganzen Wald erhob sich ein eifriges Geraune, als alles sah, was
fuer eine Ehre der Riesenkiefer erwiesen wurde. Da war unter anderen auch
eine kleine, nette Birke, die sich in einem Weiher spiegelte und sich
ein gewisses Anrecht auf die Liebe eines Haenflings einredete, der auf
ihr gewoehnlich seinen Mittagsschlaf hielt. Sie hatte ihm ihren Duft in
den chnabel gehaucht, Fliegen und Muecken auf ihre Blaetter festgeklebt,
so dass sie leicht genug zu fangen waren, ja, zuletzt hatte sie in der
Hitze ein dichtes Haeuschen von Zweigen gebaut und mit Blaettern gedeckt,
so dass der Haenfling wirklich im Begriff war, es als Sommerwohnung zu
benutzen. Jetzt aber: der Adler hatte sich in der Riesenkiefer
festgesetzt, und fort musste der Haenfling. Ach, die Trauer! Er trillerte
noch ein Abschiedslied; aber nur ganz leise, damit es der Adler nicht
Nicht besser erging es e$
n, dass er nicht
mehr der alte war. Die Leute meinten, es gehe mit ihm zu Ende.
Da geschah es, dass zwei Amerikaner ins Dorf kamen, und als sie hoerten,
in der Naehe sei eine Hochzeit, da wollten sie gleich hin, um Sitten und
Gebraeuche kennen zu lernen. Hier spielte Nils. Sie gaben jeder einen
Taler fuer die Spielkasse und baten um den Halling. Niemand wollte den
tanzen, sp sehr auch darum gebeten wurde. Jeder einzelne bat Nils, ihn
selbst zu tanzen; "er koenne es doch am besten." Er weigerte sich, aber
nur um so hartnaeckiger wurde die Aufforderung, zuletzt wurde sie
einstimmig, und das gerade hatte er gewollt. Er gab die Fiedel einem
andern, zog den Rock aus, nahm die Muetze ab, trat in den Kreis und
laechelte. Jetzt folgte ihm die alte Aufmerksamkeit, und das gab ihm auch
die alte Kraft. Die Zuschauer draengten sich so dicht wie moeglich
zusammen, die hintersten kletterten auf Tische und Baenke, ein paar
Maedchen standen hoeher als alle andern,--und die vorderste von
ihnen,--die Grosse mit dem hellen, bra$
ie zitterte. Da wollte er sie zutraulich machen, indem
er sie fest bei der Hand ergriff; aber bei der ersten Beruehrung seiner
Hand sprang sie auf wie von einer Flamme verbrannt,--und wieder war sie
fort, waehrend er stehen blieb.
Weit lief sie nicht; die Luft ging ihr aus. In ihren Schlaefen haemmerte
und brannte es, die Brust wollte ihr zerspringen--sie presste die Haende
dagegen und lauschte. Sie hoerte Tritte im Grs, ein Rascheln im
Laub,--er kam, kam gerade auf sie zu--er sah sie--nein, er sah sie
nicht!--Doch, er sah sie!... Nein, er ging vorueber! Sie hatte keine
Angst,--das war es nicht; aber alles an ihr war in Aufruhr, und als sie
sich in Sicherheit fuehlte, verlor sie mit der Spannung auch ihre Kraft
und sank erschoepft und todesmatt um.
Erst nach geraumer Zeit erhob sie sich wieder und schritt langsam den
Berg hinab, bald stehenbleibend, bald weiter gehend, als habe sie kein
Ziel. Als sie den Weg wieder erreicht hatte, sass er da und wartete
geduldig. Jetzt stand er auf, sie hatte ihn nicht geseh$
schmuggelten
Geschenk anfangen solle.
Der erste Eindruck, den Petra von der Stadt empfing, war ein starker
Natureindruck. Sie konnte das Gefuehl nicht los werden, als umdraengten
die Berge sie so dicht, dass sie sich vor ihnen in acht nehmen muesse. So
oft sie das Auge erhob, fuehlte sie sich bedrueckt, und dann wieder trieb
es sie, die Hand auszustrecken und an den Stein zu pochen. Bisweilen war
ihr, als gebe es hier keinen Ausgang mehr. Sonnenverlassen und finster
standen die Berge, die Wolken hingen schwer darauf nieder oder jagten
darueber weg; Wind und Regen in unaufhoerlichem Wechsel; von den Bergen
kam es, die Berge sandten s hernieder auf die Stadt. Aber die Menge
Menschen rings um sie her hatte gar nichts Bedruecktes. Sie wurde bald
froh unter ihnen; denn in ihrer Geschaeftigkeit lag eine Freiheit, eine
Leichtigkeit, eine Heiterkeit, wie sie sie gar nicht kannte, und die ihr
nach allem, was sie erlebt hatte, wie ein Laecheln, ein Willkommgruss
Als sie am naechsten Tag beim Mittagessen aeusserte, sie$
 der Spitzbub unten und guckt mir zu!...
Ja, es ist gar nicht zum Lachen, Du! Schrecklich unweiblich ist es. Ich
bleib' ueberhaupt mein Lebtag ein Junge! Und natuerlch bin ich morgen das
Gespoett der ganzen Nachbarschaft!" Aber Signe, die aufs neue in einen
Lachkrampf geraten war, fiel mit Kuessen und Streicheln ueber sie her und
stuerzte dann davon: "Das muss ich Vater erzaehlen!"--"Bist Du verrueckt,
Signe?" Und so kamen sie, eine nach der andern, wieder ins Zimmer
gestuermt, wie sie hinausgestuerzt waren. Fast rannten sie den Propst ueber
den Haufen, der gerade hinaus wollte, um zu sehen, was aus den beiden
geworden war. Signe fing zu erzaehlen an, Petra schrie auf und stuerzte
wieder hinaus, wobei ihr dann einfiel, dass sie gerade haette bleiben
muessen, um Signe am Erzaehlen zu verhindern. Also wollte sie wieder
hinein; aber der Propst hielt die Tuer zu. Keine Moeglichkeit, sie zu
oeffnen. Sie trommelte mit beiden Faeusten dagegen, sie sang, sie
trampelte mit den Fuessen, um Signe zu uebertaeuben, die n$
 du dich nach der reinen Luft des Landes
sehnst, da du dorthin wieder zurckkehren mchtest, wo dein
eigentlicher Lebensboden ist. Aber damit wir nicht auseinander geraten,
damit wir ebenso hufig miteinander verkehren, wie bisher, mu es doch
schon ein Gut in nchster Nhe Berlins sein, und das wird viel Geld
"Ihr habt ja viel! Wieviel besitzt eigentlich deine Frau?" wandte Frau
von Klamm mit sanfter Beharrlichkeit ein.
"Nun, eine Anzahl Millionen werden wohl herauskommen," entgegnete Klamm.
"Aber was will das sagen, wenn so groe Summen in verschiedenen
Unternehmungen festgelegt werden!
"Ich gestehe dir, da ich eigentlich die Absicht hatte, die Leitung und
die Drucerei allein kuflich an mich zu bringen, darin Adelgundes
Vermgen festzulegen. Meine greren Plne, meine eigentlichen Wnsche
werden durch den Gutskauf nicht nur beeintrchtigt, sondern vielleicht
"Ich wrde es vermeiden, das Geld deiner Frau in deine Unternehmungen zu
verwickeln, Alfred. Du bleibst freier."
Klamm lchelte bitter.
"Ja, ja!"$
e wurde bereits ins Auge gefat.
Wenn schlielich die Dinge das traurige Ende wirklich nahmen--wenn
Arthur auf Scheidung bestand--dann waren Knoops dafr, da Ileisa mit
ihrer Tante Berlin und berhaupt die Provinz verlie.
Dann wollten auch Knoops fortziehen.
Herr Knoop dachte an seine Heimat, an Holstein, wogegen die Frauen
durchaus nichts einzuwenden hatten. Wenn ihr Vater sich dort ein Gut
kaufte, war's ganz in ihrem Sinne.
Frulein von Oderkranz und Ileisa konnten vielleicht knftig in Hamburg
wohnen. Dann konnten sie sich untereinander leicht erreichen.
So endete dieser Tag, und so wurde wiederum ein erheblicher Teil von dem
"groem Glck" abgebrckelt, das dem Verkauf des Geschftes und der
Nobilitierung hatte folgen sollen.--
       *       *       *       *       *
Klamm hatte inzwischen gesonnen und gegrbelt, wie er die Dinge lenken
knne. Zuletzt war er zu seiner Mutter gegangen, die schon wiederholt
nach ihm gefragtZhatte. Ihr war von den Dienstboten mitgeteilt worden,
da Adelgunde abgereist sei$
nsein benutzte Herr Knoop, um Herrn von Klamm mit
den fuer ihn in Betracht gezogenen Plaenen bekannt zu machen.["Ueberlegen Sie," warf er hin, "ob Sie Lust und Neigung haben wuerden, in
die Redaktion einzutreten, um fuer eine von mir neu zu errichtende
Rubrik: "Hof und Gesellschaft" Thaetigkeit und Verantwortung zu
uebernehmen.
"Sie muessten--ich wuerde Sie dazu in den Stand setzen--an all dergleichen
Veranstaltungen teilnehmen, in Klubs eintreten, Festlichkeiten besuchen,
Personalien ueber besonders hervorragende Persoenlichkeiten zu erlangen
suchen, und das alles in einer anziehenden Form in die Taeglichen
Nachrichten bringen."
Zu Herrn Knoops Enttaeuschung stimmte Baron Klamm nicht so lebhaft zu,
wie er erwartet hatte.
"Sehr vortrefflich--sehr dankbar, Herr Knoop. Ich verkenne Ihre guetigen
Absichten fuer mich keineswegs. Ich bin Ihnen ausserordentlich verbunden.
"Aber wenn ich ganz offen sein darf:--ich moechte am liebsten eine
Kontorthaetigkeit ausueben, in der mir die Aufgabe wuerde, fuer die immer
noch$
en, sondern wie sie sich ihr durch ihr kluges Nachdenken
darstellten.
"Er thut, als ob er Unwillfaehrigkeit und Gegnerschaft gar nicht bemerkt.
Es gehoert eben auch zu seinen hervorragenden Eigenschaften, dass er sich
zu beherrschen, zu verstecken weiss--"
"Verstecken!" sagst du, Friedrich! Der Ausdruck stimmt mit der Warnung,
die dir bei seinem ersten Besuch wurde!"
Nun meldete sich bei Frau Fanny doch wieder die Frau. Wenn Muetter
sehen, dass Maenner, auf die sie fuer ihre Toechter rechnen, diese nicht
bevorzugen, haben sie stets eine starke Neigung, ihnen etwas am Zeuge zu
flicken. Sie bauen sich dadurch Bruecken, um ihrer Enttaeuschung besser
Herr zu werden.
Die beiden jungen Maedchen waren nur Zuhoerende, sie aeusserten sich nicht.
Sie versteckten sich ebenfalls. Beide hatte ein stille, aber
leidenschaftliche Liebe fuer Klamm erfasst. Grete schwieg darueber, weil
sie zu stolz war, davon zu reden, und Ileisa huetete sich zufolge ihrer
Stellung, fuer Klamm irgendwelches Interesse an den Tag zu legen. Sie
$
 mich niemals zu eigen geben wuerde."
Aber dieselben Bedenken, die Ileisa bestimmten, sprachen auch bei ihr.
Was sollte aus ihrer Freundin werden? Stiess sie auch hier zurueck, was
sich ihr bot, war's sicher fuer immer aus.
Dass sich ihr Vater, und dass Arthur sich niemals ferner um sie kuemmern
wuerden--und wenn sie selbst in hoechste Not geriet--wusste sie Sie wusste
es, obschon ihr Vater ein zu beeinflussender Mann war, obschon ihre
Mutter ein gutes Herz besass. Und Arthur? Er wuerde vielleicht sogar eine
boshafte Freude empfinden, wenn die, die ihn verschmaeht hatte,
Sie sprach zu ihrer Freundin:
"Ich las juengst, dass ein Mann vor der Ehe seiner Tochter riet:
"Nimm dir vor, dem Mann deiner Wahl ein guter Kamerad zu sein! Pruefe, ob
er Widerspruch vertraegt! Wenn nicht, beherrsche ihn durch Schweigen!
Willst du etwas erreichen, was ihm und dir nuetzlich ist, waehle immer den
rechten Augenblick. Darauf kommt alles an. Selbst Teufel haben eine
Stelle, wo sie, angefasst, vergessen, dass sie Engel zu bekaemp$
t mehr lieben, denn selbst die lebhafteste
Empfindung erlischt, wenn sie keine Nahrung empfengt. Ich gestehe zu,
dass ich dir nichts biete. Aber ich kann nicht geben, was ich nicht
Adelgunde bewegte mit der Miene tiefster Bitterkeit das Haupt. Dann
stiess sie heraus:
"Ah! Ich begreife! Da du heute zu ihr reisen willst, nimmst du die
Gelegenheit wahr, mich fuer immer zu verabschieden."
Klamm sah seine Frau, mit sanftem Vorwurf im Auge, an.
"Nein!" entgegnete er dann. "Ich verband mit meiner Bitte gar keine
Nebengedanken. Ich wollte nur mit dir ueberlegen, welchen Modus wir
jetzt, nach deiner Rueckkehr, nach Mamas Tode, waehlen koennten, uns nicht
zu trennen, aber nebeneinander ohne Verstimmung einzurichten. Und
ferner: Von mir wird der Vorschlag, ganz auseinander zu gehen, niemals
gemacht werden."
"Und weshalb nicht?"
"Meine Dankbarkeit gegen dich verbietet es. Es waere ein Akt groesster
Undankbarkeit--"
"Das verstehe ich nicht. Du koenntest, wenn dieses Gefuehl so maechtig in
dir ist, es doch auch in anderer$
nderschnes Gesicht, das sich immer wieder ihrer
Phantasie aufdrngte, das sie wehmtig durch Trnen anlchelte? Warum
mute er aber auch gehen, gerade als es zur Tafel ging, wo sie ihn
htte sehen und sprechen knnen!--
"Ei, Kind," sagte der Prsident und weckte sie aus ihren Trumen, "da
sitzest du schon eine geschlagene Glockenviertelstunde, starrst auf
den Teller hin, als lsest du in der Johannisbeermarmelade so gut als
im Kaffeesatz deine Zukunft, und chelst dabei, als machten dir alle
ledigen Herren, unsern Hofrat mir eingeschlossen, ihr Kompliment!"
Die Glutrte stieg ihr ins Gesicht; sie nahm sich zusammen und mute
doch wieder heimlich lcheln ber den guten Papa, der doch auch kein
Sprchen von ihren Gedanken haben konnte. Aber als vollends der
Hofrat ihr von der andern Seite zuflsterte: "Der alte Herr hat
fehlgeschossen; wir alle knnten uns den Rcken lahm komplimentieren
und die Knie wund liegen, mein stolzes Trotzkpfchen gnnte keinem
einen halben Blick oder ein Viertelchen von dem Engelsl$
pt hinlegen knnten,
da habe ich ein so anstndiges Pltzchen ausersehen, wie man es nur
wnschen kann. Da ist--" er zog eine groe Schreibtafel hervor, nahm
mehrere Papiere heraus und entfaltete sie--"da ist ein gerichtlich
ausgefertigter Kaufbrief von Schlo und Herrschaft Gro-Lanzau, drei
Viertelstunden von hier, angekauft fr den Herrn Grafen Emil von Martiniz,
wenn Sie ihn kennen und ihm von seinem Oheim zur Morgengabe bermacht,
kann heute schon bezogen werden, wenn es ihm gefllig ist."
Die drei machten groe Augen. Emil strzte dem alten Herrn an den Hals.
"Mein teurer vterlicher--"
"Still, still, ist schon gut," unterbrach ihn der alte Herr, indem er ihm
die Hand auf den Mund legte, "bedenke dein Versprechen. Ich habe hier nur
den Geschftstrger gemacht, danke deinem Onkel, wenn er einmal da ist!"--
"Ach, wo ist er denn, der gute Onkel," rief Ida, "da ich ihm danken kann
fr seine unendliche Gte?"
"Wird auch kommen zu seiner Zeit," antwortete Ladenstein, indem ihm eine
Trne der Rhrung im Auge$

Sule versteinert; doch hatte sie, sobald Sie wieder Atem hatte, auch
Fassung genug zu sprechen; so freundlich und herablassend als mglich
wandte sie sich an das junge Paar: "Nun, da wnsche ich doppelt Glck, da
ich mich geirrt habe. Htte es Sr. Exzellenz frher gefallen, seine Maske
abzunehmen, so wrde ich Ihr Glck auch nicht auf einen Augenblick gestrt
Sie ging, von auen ein Engel, im Herzen eine Furie; sie wnschte in ihrem
wutkochenden Herzen alles Unglck auf das Haupt der unschuldigen Ida.Wtend kam sie zu der Sorben, die mit Frau von Schulderoff in einer
Fenstervertiefung bei einem Glas Punsch sich von dem Schrecken erholte, der
ihr in alle Glieder gefahren war. "An allem Unheil ist Ihr sauberer Herr
Onkel schuld, Frulein Sorben," rief die Wtende, "warum hat er uns mit
falschen Nachrichten bedient? Warum hat er uns nicht gesagt, da der alte
Narr hier herumspukt unter falschem Namen? O, ich mchte--" Der
orangefarbene Teint von Frulein Sorben war ins Erdfahle bergegangen; sie
hatte die st$
standen, da ihr diese Tracht noch besser stehe als der Brautstaat;
kein Wunder! es war ja das Pilgerkleid, in welchem sie ins gelobte Land der
"Warum bist du nur so ber und ber rot?" fragte Emil sein holdes Weibchen,
indem er sie nher an seine Seite zog. "Hat dir jemand etwas getan?"
Sie wollte lange nicht heraus. "Die Babette," flsterte sie endlich und
errtete von neuem, "die Babette hatte so dumm gefragt."
"Nun, was denn?" fragte der neugierige Herr Gemahl. Aber da stockte es
wieder; zehnmal setzte sie an; sie wollte gerne eine Lge erfinden; aber
das schickte sich denn doch nicht am Hochzeittag, und doch--es ging nicht;
er mute bitten, fehen, drohen, betteln sogar; endlich, nachdem er hatte
versprechen mssen, die Augen recht fest zuzumachen, flsterte sie ihm ins
Ohr: "Sie hat mein Nachtzeug eingepackt, und da hat sie gefragt, ob sie das
deinige auch dazu packen soll." Selig schlo der Graf sein Engelsweibchen
in die Arme; er wollte antworten, aber seine Antwort verhallte im Gerusch
der aufbreche$
nd jenes von dem hoffaehigen Anzug spickten. Alle redeten zumal,
keine wurde verstanden, und die Herren fluchten und schimpften ein
Donnerwetter ueber das andere, dass sich eine so dichte Wolke vor diese
kaum aufgegangene Sonne gedraengt und sie ihrem Anblick entzogen habe.
Jetzt zog Hofrat BeTner das weisse Sacktuch, schwenkte es in der Luft
und gab dem Kapellmeister und Stabstrompeter der Dragoner das
Zeichen, und eine herrliche Polonaese begann. Im Nu stoben die
Glueckwuenschenden auseinander und machten Raum fuer die Assessoren,
Leutnants, Sekretaere, jungen Kaufherren, Jagdjunker, die
gluecklicherweise noch nicht versagt waren und sich jetzt um einen
Walzer, eine Ekossaese oder gar den Kotillon mit Ida die Haelse brechen
wollten. Sie aber lachte, dass die Schneeperlen der Zaehne durch die
Purpurlippen heraussahen, behauptete, sich immer nur auf eine Tour zu
versagen, huepfte dem Hofrat entgegen und reichte ihm die kleine Hand.
Selig, geruehrt, begeistert stellte er sich mit seinem holden
Engelskinde an d$
iebe Engelskind selbst sehen koennte!" Dem alten Mann schien der
Mund zu waessern; er bat den Hofrat noch einmal, recht zu sorgen, und
       *       *       *       *       *
DER SELIGE BERNER.
Als Brktzwisl fort war, schlug der Hofrat ein Schnippchen nach dem
andern in die Luft. Er hatte sich ja seine Herzensfreude vor dem
klugen Alten nicht merken lassen duerfen, und doch haette er dem alten
verwitterten Polacken um den Hals fallen moegen, so recht ins Schwarze
seiner Seele hatte er mit seinen Plaenchen getroffen. "Ein kapitaler
Kerl, der Brktzwis," dachte der Hofrat, "ohne den waeren wir doch
samt unserer stillen Liebe und unsern geheimen Plaenchen ganz und gar
den Katzen. Beim alten Oheim scheint er einen Stein im Brett zu haben
und nicht nur so einen Bauern oder lausigen Laufer, wie man von der
alten Tressenrockseele glauben sollte, sondern einen gewichtigen
Rochen, der dem ganzen feindlichen Hof, der Koenigin Aarstein und dem
Staatssekretaer Springer mit seinen Winkelzuegen ein verdecktes und
entschei$
zu unverdorben und keusch! Nun,
der Herr Rittmeister da wird von ihrer Keuschheit zu sprechen wissen.
Wie ist es damit? Gestehen Sie!"
Der Rittmeister versicherte zwar auf das heiligste, dass er Ida immer
nur als ein reines Kind der Natur gefunden habe; aber sein hoehnisches
Teufelslaecheln bei diesen Schwueren, die Art, mit welcher er den
Stutzbart bis an die Ohren zurueckri-s und die Augen einkniff, liess
fast erraten, dass er mehr wisse und erfahren habe, als er sagen wolle.
"Nun," sagte Sorben, "wenn die Aktien so stehen, so ist es nicht schwer
zu agieren. Sie, Exzellenz, heben den Grafen durch Ihre Reize aus dem
Sattel, der Rittmeister aber Ida, und zwar dadurch, dass er den Grafen
eifersuechtig macht. Er darf nur dem suessen Schwaermer schwoeren, dass
er die Gunst des Fraeuleins Engelrein noch nie ganz genossen habe, und
dazu ein Gesicht machen, wie wir es eben gesehen haben, so muss der
gute Mann abgekuehlt sein, als sei er nie entbrannt gewesen."
"Aber wie soll dies alles geschehen? Wir koennen doch d$
hr gestand, dass er sie liebe, wo er sie umschlang und an sein
pochendes Herz drueckte, wo er sie mit den suessesten Schmeichelnamen
der Zaertlichkeit genannt, wo ihr Mund sich schon zum ersten heiligen
Kuss der Liebe ihm entgegengewoelbt hatte. Dies _alles_ war ja laengst
vorueber, war begraben, tief, tief in ihrem Herzen, mit aller Hoffnung,
aller Sehnsucht, die es einst erweckt hatte; aber Berner durfte es
wissen, ihm haette sie alles gesagt und ihn dann zum warnenden
Schutzgeist fuer den Grafen aufgerufen.fAber er war noch nicht zurueck; darum verschloss sie ihren Schmerz in die
Seele; aber mit Angst und Zittern sah sie, wie der Graf um die Aarstein
flatterte wie die Fliege um das Licht. Alle Beispiele von den sinnlichen
Lockungen dieser Sirene, die man sich in der Residenz in die Ohren
gefluestert, fielen ihr bei; wie leicht konnte er in einem unbewachten
Augenblick, hingerissen von den verfuehrerischen Reizen der ueppigen,
buhlerischen Dame Potiphar--sie erroetete von dem Gedanken und presste
die Augen $
ber
acceptiren; doch glaube ich nicht, da Kaiser Napoleon ernstlich daran
denkt, gerade jetzt einen Conflict heraufzubeschwren, nachdem er viel
passendere Momente, Momente, in welchen ihm viel grere Chancen des
Erfolges zur Seite standen, hat vorbergehen lassen. Ich bitte Sie also
noch einmal, Metternich in dieser Beziehung meinen Willen
mitzutheilen.--Doch mu die ganze Sache mit groer Vozsicht und mit
unendlicher Schonung aller persnlichen Empfindlichkeiten behandelt
werden. Man darf weder in Paris, noch in Florenz verletzt werden, und
auch der General Trr darf in keiner Weise unangenehm berhrt werden. Er
ist uns in Ungarn sehr ntzlich gewesen, und knnte uns jedenfalls unter
Umstnden viel schaden."
Herr von Hoffmann verneigte sich.
"Ich werde sogleich die Depesche nach Eurer Excellenz Befehl abfassen."
Er zog ein Zeitungsblatt aus seiner Mappe und fuhr fort.
"Ich mu um Eure Excellenz auf einen Artikel aufmerksam machen, welcher
sich in verschiedenen Blttern findet und ber einen Vorfall in M$
t zu sein, sich erkundigen, wie die auswrtigen
Angelegenheiten unseres Kaiserreichs sich befinden?"
"Die auswrtigen Angelegenheiten befinden sich vortrefflich," erwiderte
der Minister mit seiner klaren, etwas scharfen Stimme. "Ich wollte,"
fgte er hinzu, "da ich dasselbe von den innern Angelegenheiten sagen
Ein wenig erstaunt blickte Herr Thiers auf.
"Nun," sagte er, "wir haben soeben noch ber die innern Angelegenheiten
gesprochen, und ich bin zu dem Resultat gekommen, da, obwohl ich keine
persnliche Sympathie fr dieses zweite Kaiserreich haben kann, ich
dennoch anerkennen mu, wie die neue Aera der innern Politik allen
Anforderungen entspricht, die man vernnftiger Weise machen kann, und
der beste Beweis scheint mir darin zu liegen, da Sie, mein verehrter
Freund, gegenwrtig Mitglied des Ministeriums des Kaisers sind. Ist der
Weg, auf dem man sich befindet, einrichtiger, so wird man ja ber
einzelne kleine Schwierigkeiten leicht hinwegkommen."
"Vorausgesetzt, da man diesen Weg verfolgt", erwiderte$
iehung aus les braves gars--und die bragars von
Saint-Dizier waren die treuesten und muthigsten Kaempfer Franz I.; sie
hielten eine lange Belagerung Carl V. aus und leisteten dem Lande
dadurch wichtige Dienste, fuer welche der ritterliche Koenig sie mit
verschiedenen bedeutenden Privilegien auszeichnete.
Diese stolzen Erinnerungen leben noch heute in den Bewohnern von
Saint-Dizier fort und so klein und unscheinbar die Stadt ist, so stolz
blickt sie auf ihre Geschichte zurueck und jeder Buerger von Saint-Dizier
macht das Wort Franz I.: "tout est perdu fors l'honneur" zu seiner
Die unmittelbare Umgebung der Stadt ist flach und eben; in einiger
Entfernung erheben sich kleine Anhoehen mit niedrigen Laubwaldungen und
Weinpflanzungen bedeckt. Dort befindet sich eine Wasserheilanstalt,
welche wegen ihrer gesunden Luft und ihrer frischen Quellenbaeder von
den Bewohnern der Umgegend haeufig besucht wird und waehrend des Sommers
de kleine Stadt mit dem bewegten Leben eines Badeortes erfuellt.
Es war an einem Februarab$
de verkuendet wurde und mich machen so feierliche
und so bei jeder Gelegenheit wiederholte Friedensversicherungen ein
wenig misstrauisch.
"Ich weiss, dass auch auf dem Gebiet meines Geschaefts neuerdings wieder
grosse Bestellungen gemacht worden sind und die ganze industrielle Welt
hat das Gefuehl, dass in der schwuelen Luft dieser Zeit ein grosses
erschuetterndes Gewitter sich vorbereitet, und so sehr ich," fuhr er
lebhafter fort, "als Industrieller den Frieden wuensche, so muss ich doch
sagen, dass ich als Franzose mit tiefem Schmerz die passive Unthaetigkeit
empfinde, zu welcher die Regierung des Kaisers Frankreich verurtheilt
und durch welche die Stellung unseres Landes in Europa immer schwerer
erschuettert und immer tiefer untergraben wird."
Der alte Challier schuettelte langsam den Kopf.
"Mir fehlt es wahrlich nicht an franzoesischem Nationalgefuehl," sagte er,
"und gerade die Buerger vCn Saint-Dizier, zu denen meine Familie seit
Jahrhunderten gehoert, sind mit dem militairischen Ruhm Frankreichs eng
ve$
 moeglich sein, da
doch trotz der neuen parlamentarischen Institution wenigstens fuer die
auswaertige Politik in Frankreich noch Alles von der Initiative des
Kaisers abhaengt."
"Der Kaiser ist krank," sagte Klindworth, "das ist richtig. Die
auswaertige Politik haengt von seiner Initiative ab, das ist auch richtig.
Aber von wem haengt wieder diese Initiative dieses kranken, zuweilen
fast willenlosen Mannes ab?--Von der Kaiserin," sagte er, "welche keinen
andern Gedanken hat, als ihrem lieben kleinen Louis ein wenig Lorbeer um
das jugendliche Haupt zu winden,--und waehrend dieser Lorbeer an den
Grenzen gepflueckt wird, beabsichtigt man, eine grosse Generalprobe fuer
die kuenftige Regentschaft abzuhalten. Die Toilettenangelegenheiten
fangen an, Ihre Majestaet zu langweilen," sprach er im hoehnischen Ton,
"die Unterhltung mit ihrem erhabenen Gemahl ist auch gerade nicht
zerstreuend. Die erhabene Kaiserin der Franzosen ist in eminenter Weise
ehrgeizig geworden. Und glauben Sie mir," fuhr er fort, "im Geheimen
Rat$
rtoente.
"Wer ist da?" fragte der Koenig mit seiner lauten hellen Stimme.
Der Kammerdiener trat ein und sprach:
"Der Ordonnanzofficier Major von Adelebsen bittet um die Erlaubniss,
Eurer Majestaet eine Meldung machen zu duerfen."
"Er soll kommen, rief der Koenig etwas verwundert.
Major von Adelebsen trat ein. Er war ein Mann von einundvierzig Jahren,
etwas ueber Mittelgroesse, von magerer Gestalt und eckigen, wenig eleganten
Bewegungen. Sein Gesicht war bleich, von einer etwas gelblichen Farbe
und unregelmaessigen Zuegen, welche wenig sympathisch beruehrten, obgleich
in ihnen mehr zurueckhaltende Abgeschlossenheit lag, als jene
eigenthuemlich-charakteristische Haesslichkeit, welche auf die Dauer zu
gewinnen oder wenigstens zu imponiren vermag. Seine Blicke waren unstaet
und unruhig bewegt und richteten sich bei seinem Eintritt forschend auf
den Kronprinzen, der ihm erwartungsvoll entgegensah.
Der Major von Adelebsen, welcher die kleine Uniform des fruehern
hannoeverschen Garderegiments trug, naeherte sich de$
r einen
Geschichtschreiber,--und das ist er in der That nicht,--auch geht durch
sein ganzes Werk ein gewisses sentimentales Jammern ueber den Krieg, der
doch, da die Conflicte einmal unloesbar geworden, eine Nothwendigkeit
"Diese Richtung des Buches," fiel Graf Bismarck ein, "das jedenfalls in
Frankreich viel gelesen werden wird, ist mir am wenigsten
unangenehm,--die Franzosen koennen in der That eine Warnung vor de
traurigen Folgen eines grossen Krieges brauchen,--es scheint, dass dort
wieder der Chauvinismus erhitzt wird, und dass man die Geister fuer einen
Krieg vorbereitet, fuer den Fall, dass man der inneren Schwierigkeiten
nicht Herr werden sollte."
"Glauben Eure Excellenz wirklich," fragte der Legationsrath, "dass man in
Paris ernstlich an einen Krieg denken koennte,--gerade jetzt in dem
Augenblicke, in welchem die Zuegel des persoenlichen Regiments gelockert
sind, in dem Augenblick, in welchem Ollivier, der Mann des Friedens,
Minister geworden ist?"
"Die Berichte aus Paris," sagte Graf Bismarck mit l$
tlich nicht unsere Sache," erwiderte der Dragonerofficier,
"hier eine solche Meinung auszusprechen oder zu discutiren, indessen
nehme ich in diesem besonderen Fall keinen Anstand, es auszusprechen,
dass nach meiner Ueberzeugung durch die Unterzeichnung dieser Erklaerung
die Sache auf eine fuer alle Theile befriedigende und ehrenvolle Weise
beigelegt sein wird."
Der Husarenofficier stimmte der Ansicht seines Kameraden bei.
"Ich werde unterzeichnen," sagte der Lieutenant von Buechenfeld, nahm das
Papier und begab sich in sein Zimmer.
"Ob ich ihr einen Vorwurf zu machen habe," fluesterte er vor sich hin,
waehrend er sich an seinen Schreibtisch setzte und di Feder
eintauchte,--"oh, wenn er wuesste,"--ein schneller zorniger Blick
leuchtete in seinem Auge auf, rasch oeffnete er das Schubfach des Tisches
und zog aus demselben das kleine Blatt hervor, welches er am Tage vorher
von Fraeulein Anna erhalten hatte.
Mit einem raschen Zuge setzte er seinen Namen unter die Ehrenerklaerung,
faltete dieselbe zusammen, legte $
en hat, wenn Sie Ihre persnlichen Ansprche auf die lteren
Rechte Ihrer Linie aufgeben, so wird Don Alphonso der allein berechtigte
und allseitig anerkannte Knig von Spanien werden, Ihre Tochter wird
dereinst seinen Thron mit ihm theilen, und in Zukunft wird das
vereinigte Blut beider Linien unseres Hauses das ungetheilte
monarchische Prinzip aufrecht erhalten."
Don Carlos sah die Knigin, welche immer bewegter gesprochen hatte, mit
einem gewissen Erstaunen an.
"Eine Verbindung des Infanten Don Alphonso," sagte er, "mit meiner
Tochter ist ein Gegenstand, der wohl ernste Erwgung verdient und der
allerdings dazu beitragen mchte, die so beklagenswerte Spaltung des
kniglichen Hauses von Spanien auszugleichen. Doch begreife ich nicht,
Madame," fuhr er fort, "wie durch eine solche Verbindung Don Alphonso
unmittelbare Rechte auf den spanischen Thron erwerben sollte, selbst
wenn ich auf die meinigen verzichten wrde, was nach meiner berzeugung
kein Frst, den Gott zum Throne hat gebor;n werden lassen, thun dar$
nung
des Gebudes zu vollenden, dessen Grundmauern Sie mit so viel Eifer und
Beharrlichkeit aufgefhrt haben."
Das volle Gesicht des Herrn Rouher mit dem feinen beredten Munde und den
klaren, scharf blickenden Augen zeigte eine Bewegung, welche diesem
scharf berechnenden Meister der Dialektik und der parlamentarischen
Debatte sonst nicht eigentmlich war.
"Sire," sagte er, "Eure Majestt wissen, mit welcher Mhe ich Jahre lang
daran gearbeitet habe, die Krnung des kaiserlichen Gebudes auf andere
Weise und ohne eine kriegerische Catastrophe abzuschlieen. Eure
Majestt haben die Fhrung Ihrer Regierung andern Hnden anzuvertrauen
fr gut befunden, und mir bleibt nur zu hoffen brig, da der Erfolg den
Erwartungen Eurer Majest und den heien Wnschen entsprechen mge,
welche ich fr denselben im Herzen trage."
Der Kaiser blickte seinen langjhrigen Rathgeber einen Augenblick
nachdenklich an.
"Sie sind nicht einverstanden, mein lieber Rouher," sagte er dann mit
einer gewissen unsichern Befangenheit in der S$
der
Major von Dring an den Tisch der Offiziere heran. Ihm folgte der
Regierungsrath Meding im Reiseanzug.
Die Offiziere erhoben sich.
"Mein Gott, Sie hier," rief Herr von Tschirschnitz, indem er dem
Regierungsrath Meding die Hand reichte, "was fhrt Sie aus der Schweiz
hierher? Will der Knig uns rufen? Will er irgend etwas unternehmen--in
diesem Augenblick?"
"Nein, meine Herren," sagte der Regierungsrath, indem er die brigen
Offiziere herzlich begrte und mit Herrn von Dring an deren Tisch
Platz nahm. "Ich komme nicht vom Knige, ich habe keine Verbindung mit
Hietzing und erfahre nur zufllig und auf Umwegen, was dort vorgeht. Ich
bin nur herCekommen, weil unser Schicksal uns so lange Zeit mit einander
verbunden hat, und weil ich dringend wnschte, in diesem Augenblick der
schwersten Krisis, die die Welt seit lange erlebt hat, als Ihr alter
Freund und Ihr Genosse der Verbannung, Sie zu warnen und Sie auf das
dringendste zu bitten, sich um Gottes Willen in keine gefhrlichen und
bedenklichen Unternehmunge$

Napoleon zuckte zusammen, erschrocken blickte er in das laechelnde
Gesicht der jungen Dame.
"Sie haben Recht," sagte er, "der Geist hat den Namen richtig gelesen."
Er bog sich einen Augenblick zurueck und blickte unter den Tisch, dessen
Fuesse unmittelbar an der Platte befestigt waren.
Die vier Fuesse standen vollkommen frei, auf dem Bode, Mademoiselle
Lesueur etwas vorgebeugt, sass so weit zurueck, dass nicht einmal der Saum
ihres Kleides die Fuesse des Tisches beruehrte.
Der Kaiser schuettelte den Kopf und legte die Haende wieder auf den Tisch.
"Da Ihr Geist," sagte er, "den Namen gelesen hat, an welchen ich
gedacht, so wird er mir auch eine andere Frage beantworten koennen,
welche sich an diesen Namen knuepft."
"Ich bitte Euer Majestaet," sagte Mademoiselle Lesueur, "die Frage in
Ihren Gedanken zu formuliren--"
Abermals begann der Tisch zu schwingen und zu zittern, diesmal staerker
Nach kurzer Zeit schlugen die Fuesse abermals regelmaessig und schnell
hinter einander auf das Parquet.
"Wollen Sie die Guet$
r in der Verbannung zum Koenig von Spanien proclamirt
war, vorueber, beugten das Knie vor ihm und drueckten die Lippen auf seine
Hand, die er Jedem reichte.
Nachdem die Ceremonie vorueber war, wandte sich die Koenigin Isabella an
"Ich bitte Eure Majestaet um die Erlaubniss," sagte sie in franzoesischer
Sprache mit starkem spanischem Guttural-Accent, "in Ihrer Gegenwart noch
ein Document aufnehmen zu duerfen, welches nicht die Politik betrifft,
sondern nur die Privatangelegenheiten unseres Hauses ordnet. Es ist mein
Testament, das ich fuer den all der Rathschluss Gottes die
Wiederherstellung des Thrones unseres Hauses nicht gestatten sollte,
nach franzoesischem Recht habe aufnehmen lassen, und welches der Herr
Praesident des Civilgerichtshofes und der erlauchte Marschall, der uns
die Freude seiner Gegenwart macht, als Zeugen unterzeichnen sollen."
Don Alphonso wandte sich in rascher Bewegung zu seiner Mutter, umarmte
sie zaertlich und kuesste ihr ehrerbietig die Hand.
Herr Benoist-Champy trat an den Tisch, na$
UNDE. Das ist mir neu.
DER DOCTOR. So ziemlich alle wohlbestallten Akademiker, besternten
Wuerdentraeger, intelligenten Leute _comme il faut_ leugnen ihn.
ADELGUNDE. Und glauben demzufolge an alles, was man will das sie
DER DOCTOR. Sagte ihnen zum Beispiel der Fuerst, liebe Freunde, ich muss
im Interesse des Staates eure schoenen Einkuenfte um die Haelfte
vermindern, murrt nicht, sondern glaubet, es wird euch im himmlischen
Jenseits tausendfach vergolten--
ADELGUNDE. So murren Sie nicht?
DER DOCTOR. Bei meiner Seele, nicht mehr als Fraeulein, zu dem der Papa
sagte, theures Kind, ich gebiete Dir zu glauben, Du liebest den jungen
Herrn Doctor.
ADELGUNDE. Sie sind barock.
DER DOCTOR. Frivol, wenn's Ihnen gefaellt,--allein ich denke das Beste
von den Menschen und habe den hoechsten Respect vor der christlichen
Tugend, die nach unsern bercehmtesten Kirchenlehrern in der tiefsten
Unterwuerfigkeit, in der tiefsten Demuth besteht.
ADELGUNDE setzt sich und seufzt.
DER DOCTOR. Mein Fraeulein, bitte, bitte,--nehmen Sie $
2. Mai
1862 auf dem Arbeitertag des Maingaus in durchaus sozialistischem Sinne
gehalten hatte, wie ich das bereits im ersten Teil dieser meiner Arbeit
Schweitzer hatte um diese Zeit gleichzeitig mehrere Eisen im Feuer. Aber
da brach das Verhngnis ber ihn herein. Er wurde kurz nach dem
Frankfurter Schtzenfest zweimr Verfehlungen ffentlich beschuldigt, die
einen schwarzen Schatten auf sein spteres Leben warfen und als Merkmale
seines Charakters von Bedeutung sind.
Zunchst wurde er beschuldigt, 2600 Gulden fr die Kasse des
Frankfurter Schtzenfestes unterschlagen zu haben. Klage wurde von
seiten des Ausschusses nicht erhoben, und das gab wohl Veranlassung, da
die Tat berhaupt bestritten wurde. Demgegenber mchte ich feststellen,
da der Justizrat Sterzing in Gotha, der im Zentralausschu des
Schtzenfestes sa, mit seiner Namensunterschrift eine Erklrung in der
"Allgemeinen Deutschen Arbeiterzeitung" in Koburg erlie, worin er die
Unterschlagung als Tatsache besttigte. Als dann einige Jahre spter im$
chem
  Charakter hnele (ich komme mir oft selbst wie ein Philister vor, wenn
  ich meinen 'Lebenswandel' betrachte), um so mehr liebe ich diesen
  Charakter bei anderen. Ich will allerdings gestehen, da ich Rdt zu
  wenig kenne, um behaupten zu knnen, er sei so wie mein Freund. Aber
  ich vermute es. Hast Du die Biographie von Lessing gelesen? Was war
  der eine lngere Zeit leichtsinnig! Ich habe oft Sehnsucht, auch
  einmal leichtsinnig zu sein, aber werde es wohl schwerlich werden. Die
  Verhltnisse fesseln mich an mein arbeitsames, ernstes, ja
  philistrses Dasein! Von Natur heiteren Temperamentes, bin ich es in
  Wirklichkeit so selten."
Ich wei heute nicht mehr, was ich Bracke au diesen Brief antwortete,
aber eine Zustimmung zu seinem Urteil ber Rdt war die Antwort sicher
Bracke, der einer wohlhabenden Familie angehrte und aus dem hchsten
Idealismus sich der Partei der Enterbten angeschlossen hatte, war damals
in groen Nten. Er hatte sich durch Fritzsche bestimmen lassen, fr die
Produktiv$
istengesetz, das ihn wie so viele andere auer Landes trieb. Wre
Most unter dem Einflu von Mnnern geblieben, die ihn zu leiten und
seine Leidenschaftlichkeit zu zgeln verbanden, die Partei htte in ihm
einen ihrer eifrigsten, opferwilligsten und unermdlichen Kmpfer
behalten. Er hat spter als Redakteur der von ihm gegrndeten
"Freiheit"--die erst in London, nachher in New York erschien--mich oft
heftig angegriffen. Noch schlimmer als mich behandelte er Ignaz Auer und
Liebknecht. Aber dennoch ist mir leid, da er, der gut Veranlagte, so
elend zugrunde ging.
Most wurde in Leipzig nach wenigen Tagen seiner Anwesenheit ebenfalls
ausgewiesen. Er ging nach Chemnitz, woselbst er Redakteur der
"Chemnitzer Freie Presse" wurde und den groen Metallarbeiterstreik
leitete, der im Hochsommer 1871 zum Ausbruch kam.
       *       *       *       *       *
Die Partei hatte sich von den Wirkungen der Kriegszeit rasch erholt. Die
glnzend industrielle Prosperittsperiode, die jetzt begann, kam der
Bewegung zustatten. D$
chen Manifest zu sagen habe, antwortete: ich sei damals,
als dasselbe erschienen sei, kaum acht Jahre alt gewesen oder Hepner
wiederholt antworten mute: er sei berhaupt noch nicht geboren gewesen,
als dieses oder jenes Aktenstck erschien.
Die Beeinflussung der Geschworenen wurde Tag fr Tag von unseren Gegnern
dadurch versucht, da sie dieselben in der Restauration aufsuchten, in
der die meisten von ihnen allabendlich zusammenkamen. Alsdann wurden die
Vorgnge des Tages besprochen und entsprechend auszunutzen versucht. So
uerte zum Beispiel eines Abends ein Appellationsgerichtsrat Mller:
"Denken Sie sich, meine Herren, mir trumte verflossene Nacht, Bebel sei
freigesprochen worden, da habe ich mich aber gergert." Er schien
anzunehmen, man wolle nur Liebknecht verurteilen. Fr die Qualitt
einzelner Geschworener war auch folgender Vorgang bezeichnend: Eines
Tages trifft einer unserer Rechtsanwlte einen der Geschworenen auf der
Strae und fragt ihn, ob er sich wohl ein klares Bild von dem Inhalt
der vo$
  und wetze meinen Schnabel, um dereinst mit wahrer Wollust, wenn die
  Wahlschlacht tobt, so manchen politischen Sumpfpiraten in den Grund
  bohren zu knnen.--In Sachsen freilich werde ich direkt nicht
  lospauken knnen, allein es gibt anderwrts auch viele Leute, denn
  man die Bretter loslsen mu, welche vor ihre Hirnksten genagelt
  sind. Aus Sachsen wurde ich nmlich polizeilich ausgewiesen, wiewohl
  sich die hheren Instanzen noch nicht darber ausgelassen haben, ob
  dieses Ding der gesetzlichen Unmglichkeit auch durchgefhrt werden
  soll, allein ich erwarte nichts Gutes, es ist mir aber auch ganz
  "schnuppe", wie die Sache abluft. Weniger "schnuppe", ja geradezu
  unbegreiflich ist es mir, da zu diesem Akt ...[1] der sanfte
  Julius[2] bisher nicht zu bewegen war, einen Kommentar zu liefern.
  Richtig, das Schnste htte ich bald vergeben: im Falle ich trotz
  Ausweisung wieder in Sachsen mich zeigen sollte, wurde mir aktenmig
  bedeutet, _steckt man mich in ein Korrektionshaus!!_--Und au$
nt. Darauf sah sich Most veranlat, noch
kurz vor Schlu der Session die Parteilichkeit des Prsidenten
ffentlich im Reichstag zu denunzieren. Er habe trotz zahlreicher
Meldungen das Wort nur einmal erhalten. Ihm gegenber lag allem Anschein
nach ein Racheakt vor. Most hatte sich verleiten lassen, bei Beginn der
Session, bevor er nach Berlin reiste, in der "Chemnitzer Freien Presse",
deren Redakteur er war, eine Art Kriegserklrung an den Reichstag zu
verffentlichen, in der er demselben den ampf bis aufs Messer ansagte.
Dafr mute er offenbar jetzt ben. Die einzige Rede, die er halten
konnte, betraf den Entwurf zum Impfgesetz, und diese miglckte ihm. Er
schlo die kurze Rede mit den Worten: "Vorlufig verlangen wir die
ffentlichen Badeanstalten, und wenn wir diese haben, werden wir auch
mit dem Normalarbeitstag kommen." Kein Wunder, da dieser Schlu in
Mosts Munde die Heiterkeit der Gegner hervorrief.
Aber es machte sich von dieser Session ab noch ein anderer Unfug mit
Forckenbecks Untersttzung bre$
ten sich in und auerhalb der Partei eine Reihe Vorgnge ab,
die von besonderer Bedeutung waren. Im November hatten die Berliner
Genossen an Stelle der aufgelsten Organisationen einen Verein zur
Wahrung der Interessen der werkttigen Bevlkerung gegrndet. Die
christlich-konservativen Staatssozialisten grndeten eine Wochenschrift,
"Der Staatssozialist", an der als Mitarbeiter Professor Schffle,
Professor v. Scheel, Bankier Samter, Professor Ad. Wagner, Pastor Tod,
Dr. Petermann-Dresden und andere ttig sein sollten. Die evangelischen
Sozialpolitker wollten den katholischen nicht allein das Feld
berlassen, sondern unter den evangelischen Arbeitern vor der
Sozialdemokratie retten, was noch zu retten war.
Auch in der groen Politik schienen Vernderungen bevorzustehen. Die
fortgesetzt steigenden Ausgaben des Reiches erforderten neue Einnahmen.
Die wachsenden Matrikularumlagen, durch die die Einzelstaaten das
Reichsdefizit zu decken hatten, wurde diesen angesichts des eigenen
steigenden Geldbedarfes fr ihre$
inte und kann doch jagen;
kann klettern ud schwere Lasten heben
und bin doch ein zartes, hinflliges Leben.
Viel Glieder hab ich, die einander gleichen.
Ich helf auf des Verbrechens dunklem Pfade,
doch himmelshell fhr ich empor zur Gnade;
manch hohen Stand kannst du mit mir erreichen.
Bist du's, so darfst du wanken nicht noch weichen;
denn Ehre trgst du neben mancher Last,
die arbeitsfroh du bernommen hast,
ob du im Kleinen wirkst, ob hoch im Grade.
Getrieben werd ich, doch ich treibe wieder;
mir folgen arbeitsam viel erzne Glieder.
Seit Jahrmillionen geh ich auf und nieder,
bald sanft, bald wild, doch niemals ohne Brder.
Hitze und Klte trag ich, hin und wider;
bt mich der Knabe, strkt er seine Glieder.
Die Luft durcheil ich ohne jed' Gefieder;
den Augen bring ich Schau, den Ohren Lieder.
Stets bin ich eines Leuchtenden Trabant,
teils nah, teils fern ihm, wie's der Himmel will.
Bescheiden bin ich selten, niemals still;
ja, Schweigen ist mir gnzlich unbekannt.
Ein Wort fg an, das keiner gern empfngt$
ht wenig
Mein erstes Wort, im engen Raum genhrt
Mein Reich ist unbegrenzt: bis in die fernste Zone
Mein Strom ergiet sich sickernd durch die Welt
Mein Wagen hat vier Rder
Mckchen, Mckchen, Dnnebein
Musik, Musik, die Flte kommt
Mutti, Mutti, was ist denn da drin
Nein, Kinder, immer kann man nicht dichten
Nennst du das Ganze, tnt es uns entgegen
Oben aus dem Fahnenhaus
Ohne Zepter, ohne Krone
Pink, pank, Hammerschlag
Pitsch--patsch--Badefa
Putzt die Fenster! fegt die Ecken!
Quellchen geht in den Rauschebach
Rate, Freund, es ist nicht schwer
Rechts, links, ber Eck
Ride-bide-Bummstock
Rumpumpel macht 'ne Landpartie
umpumpel tanzt
Rumpumpel will essen
Sankt Niklas zieht den Schlafrock aus
Sankt Nikolas, Sankt Nikolas
Scheine, Sonne, scheine
Schimmel, willst du laufen
Schlafe, mein kleiner Wildling
Schlafe ruhig, Knigskind
Schnell, schnell, Besen
Schnipsel, schnipsel, Scherchen
Sind es die Feinde, mu man sich wehren
Sind es die Stiefel, halten sie 'ne Weile
Sitzen zwei alte Weiber im Sand
So morgens um$
terre. Von hier aus hatte man einen ungehinderten Blick
ins freie Land und eine Aussicht auf einen weitlufigen, sich bis an
die Seite des Schlosses hin ausdehnenden Garten.
Eine groe Ordnung zeichnete die Rume neben ihrer reichen Einrichtung
aus, zugleich aber fiel die Anhufung von zahlreichen Gegenstnden auf.
Hier konnte sich die Behauptung, da aus der Umgebung eines Menschen
sich sein Charakter ableiten lasse, bewahrheiten; ein geschrftes Auge
erkannte sowohl das Bestreben der Inhaberin der Rume, sich mit
Bequemlichkeiten zu umgeben, als auch ein peinliches Behten von Besitz.
Auch fehlte ihr der Schnheitssinn nicht. Blumen standen in den Fenstern
und fllten namentlich den Erker. Die vorhandenen Gegenstnde bekundeten
smtlich einen geluterten Geschmack.Letzterer war ein Erbteil Gretes von ihrer Mutter; sie glich ihr darin
vllig, whrend ihre sonstigen Eigenschaften sie durchaus von ihr
unterschieden.
Heute hatte Frau von Tressen die Absicht, endlich einmal mit ihrer
Tochter die materielle Frag$
er einmal das Bett hten msse.
Sie erwarte den Arzt und sehe schon mit Ungeduld nach ihm aus. Whrend
sie ihr Gesprch in etwas gezwungener Weise im Wohnzimmer fortsetzten,
schon deshalb, weil Tankred sah, da die Gelegenheit, ber seine Sache
zu reden, durchaus keine gnstige war, meldete die Magd den Doktor, der
sogleich ins Zimmer trat und berichtete, da er bereits bei dem nachts
vorher erkrankten Herrn von Streckwitz gewesen sei.
Tankred stellte sich vllig unwissend und bat den Arzt, Nheres
mitzuteilen.
Es knne eine sehr langwierige Sache werden, uerte der Doktor Ernst,
ein etwas kurz und bndig sprechender, auch wegen seiner Formlosigkeit
vielfach angegriffener, aber ungewhnlich zuverlssiger Mann. Es seien
leider die Anzeichen einer Kopfrose vorhanden; Herr von Streckwitz habe
in der Nacht bereits starkes Fieber gehabt.
Die Pastorin hrte vollTeilnahme zu, auch regte sich ein tiefes Mitleid
fr Theonie.
Wenn das Befinden ihres Mannes sie nicht abhalte, werde sie gleich am
Nachmittag nach Falste$
ckte sich ber ihre Handarbeit.
"Was sagst Du? Du bist so sonderbar!" forschte Tankred mit einem Anflug
von Ungeduld. Ihn rgerte ihr Wesen. "War Mama unten?"
"Sprachst Du niemanden?"
"Ich verstehe Dich nicht--"
Tankred fhlte, da seine Frau auswich. Man hatte wieder auf sie
eingewirkt, und er wollte, sie sollte sprechen. In seiner reizbaren
Stimmung kehrte sich sein Zorn gegen sie.
"Hederich war hier! Er sagte es mir doch--" setzte er, seine
Voraussetzung als Thatsache hinstellend, an.
Die Frau erhob das Haupt und sah ihren Mann finster an.
"Er sagte es Dir? Du sprichst die Unwahrheit, Tankred! Oft thust Du
"Oft thue ich das? Was soll das heien? Was hast Du berhaupt? Du bist
so vorwurfsvoll-sentimental. Wer hat Dich beeinflu? Sprich!"
"Ach Tankred--" ging's aus dem Munde der Frau. Es klang wie eine tiefe,
schmerzliche Klage. Wieder einmal schien sich ihr Herz zu regen, das
Herz, das so selten sein Dasein verriet. Und Klugheit und ein mit einer
pltzlichen, unerklrlichen Unruhe vermischter Gefhlsdrang$
ten. Dieser verkommene Mensch wagte
es, das Andenken ihres Vaters zu beschimpfen in dem Augenblick, wo er
bettelte, bettelte um Geld, das jener durch Ordnung und Sparsamkeit sich
erworben?! Dasselbe ungestuem tobende Blut, das in Tankreds Adern rollte,
pulsierte in den ihren, und besinnungslos vor Erregung rief sie ihm
"Halt! Mit dieser Verunglimpfung meines verstorbenen teuren Vaters hast
Du jeglichen Anspruch auf das kleinste Entgegenkommen von meiner Seite
verwirkt. Das merke Dir! Und nun verlasse Falsterhof sogleich! Nicht ich
gehe, Du gehst--! Das ist mein letztes Wort."
In diesem Augenblick erschien die duerre Gestalt Freges in der Thuer, und
hinter ihm Klaus, der Kutscher, mit neugierig fragender, halb
aengstlicher, halb entschlossener Miene.
"Ah!" drang's aus dem Munde Tankreds, und er richtete seine Gestalt zur
Abwehr auf. "So stehen die Dinge? Sind nicht auch noch Gensdarmen zur
Hand? Ich aber sage euch, ich bleibe auf Falsterhof und weiche keiner
Gewalt! Muss ich ihr aber dnnoch weichen, so huetet$
h wie ein Raubtier aufgerichtet haben, wenn jemand ihn,
Tankred von Brecken, von ihrer Brust haette reissen wollen.--
       *       *       *       *       *
Fast eine Woche war vergangen. Tankredfwar abermals auf dem Wege nach
Falsterhof und zwar diesmal mit der Absicht, von Frege Bestimmtes ueber
die Rueckkehr seiner Kousine zu erfahren. Er hatte sich mit Grete von der
Linden verlobt und war von ihr und ihren Eltern bestuermt worden, nunmehr
seinen Aufenthalt wieder auf Falsterhof zu nehmen. Die Entfernung von
Elsterhausen sei zu gross. Grete hatte den Wunsch, Tankred taeglich zu
sehen. "Weshalb willst Du meine Wuensche nicht erfuellen?" hatte sie in
einem starken Gefuehlsdrange gefragt. "Ich kann ohne Dich nicht sein.
Liebst Du mich weniger, als ich Dich?"
Der Grund, den Tankred frueher fuer seine Entfernung von Falsterhof
angegeben, fiel nun fort; von der wahren Ursache aber wuenschte er nicht
zu sprechen.
Er wollte heute von Frege hoeren, ob Theonie vielleicht die Absicht habe,
den Winter ueber fortzubl$
illigkeit, Hederich zu benachrichtigen, kurz
abwehrend, ohne Meldung in dessen Arbeitsgemach.
Hederich stand, den Ruecken der Thuer zugewendet, ueber eine Kiste gebueckt,
in die er Papiere packte, und sagte, offenbar seine Wirtschafterin
vermutend, und ohne sich umzuwenden.
"Was ist--was ist?--Drum und dran--jetzt habe ich keine Zeit.--Wie?
Was?--Ah, ah--Sie, liebe Frau von Brecken?--Verzeihen Sie! Bitte, nehmen
Sie Platz.--Nein, es ist gar nichts. Es war nur--drum und dran--Hier,
hier sitzen Sie bequemer.--Ja, ich will gleich sagen, dass ich nicht zu
Hause bin, dass wir ganz ungestoert bleiben."
Nach diesen Worten lief er fort, kam eilfertig zurueck und nahm neben
Grete, die mit trueber Miene und blassen Wangen sich niedergehockt hatte,
"Nun, was ist geschehen? Hoffentlich nichts Boeses?" begann Hederich,
sich zu der jungen Frau neigend und sie mit seine3 ehrlichen Augen voll
Teilnahme anblickend.
Aber statt zu antworten, legte Grete ploetzlich die Haende vor das
Angesicht, und ein leises Schluchzen drang au$
ar er geboren; so hielten ihn denn auch die Heimat, die
Landschaft, die Luft, die Menschen, ihre Sprache, ihr Wesen und ihre
Gebaerden. Schon Elsterhausen schien ihm eine andere, fremde Welt.
Einmal hatte er noch gehofft, und seine Seele hatte sich verjuengt, als
Theonie zum zweitenmal ihr Herz einem Manne zu eigen gegeben. Da schien
die Sonne ihm nicht nur am Himmel, sie flutete durchs ganze Haus, sie
strahlte in seinem Herzen, und wenn er seiner Gebieterin leuchtendes
Auge, ihre glueckseligen Mienen sah, dann ward er selbst noch einmal
jung, und seine Phantasie schuf ihm reizvolle Zukunftsbilder.
Jetzt war alles unwiederbringlich dahin! Sie war dem Manne ihrer Wahl in
den Tod gefolgt, und das grosse Erbe kam in fremde Haende. Wo sollte er
nun bleiben? Hederich hatte ihm gesagt, Tressens wuerden ihn auf
Falsterhof lassen, alles wuerde beim Alten bleiben. Beim Alten!? Der Gram
frass an seinem Herzen; es war auch gleichgueltig, wo er die letzten Jahre
noch sein Haupt hinlegte. Er konnte leben ohne Dienst-Lebe$
die Bohnen
abgekocht; nachdem sie sich sehr weich anfhlen, lt man sie auf einem
Sieb mit kaltem Wasser berlaufen. Recht trocken abgelaufen, vermischt
man sie mit l, ein wenig Brhe oder heiem Wasser und Salz, und mischt
sie mit einem Lffel; nach und nach fgt man Zwiebeln, Pfeffer und Essig
bei und mischt behutsam so lange, bis alle Flssigkeit aufgesogen ist;
dann kostet man die Bohnen sorgfltig ab, streut gewiegte Petersilie oder
Schnittlauch hinein oder darber und richtet den Salat bergartig an.
_Bemerkung_: Auch getrocknete Brech- und Schneidebohnen ergeben, nach
Vorschrift behandelt und abgekocht, wohlschmeckenden Salat.
BOHNEN, SSAURE.
200 g weie Bohnrn        M 0,08
11/2 1 Wasser.
10 g Salz                 " 0,00-1/4
30 g Speck                " 0,04-1/4
1 mittelgroe Zwiebel     " 0,01
1/2 l Wasser.
2 El. Sirup              " 0,02
1 Prise Pfeffer und Salz  " 0,00-1/4
Essig nach Geschmack      " 0,01
30 g Mehl                 " 0,01-1/4
1 El. Zucker             " 0,00-3/4
                 $
eine Straeusschen aneinander und haengt sie in die Sonne, bis sie trocken
sind. Dann reibt man die Blaetter von den Stielen und verwahrt sie in
Buechsen oder hebt sie mit den Stielen in luftigen Beuteln auf.
1-1/2 kg (3 Pfd.) vorbereiteter Kuerbis                M 0,60
4 l Essig                                             " 0,80
1-1/2 kg (3 Pfd.) Zucker                              " 0,84
3/4 l Wasser
Die Schale von 1/2 Zitrone, 1 Stueckchen Ingwer und  | " 0,05-1/2
  1 Stueck Zimt, 4 Nelken (in einem Mullbeutel)      |
Weisses Papier, 1 Essl. Rum                             " 0,08-1/4
                                                     M 2,37-3/4
_Vorbereitung_: Der Kuerbis wird geschaelt, in Streifen geschnitten,
_Zubereitung_: Den vorbereiteten Kuerbis uebergiesst man mit leichtem Essig,
so dass er ganz davon ueberdeckt ist. Am andern Tage kocht man den Zucker
mit Wasser bis zum zweiten Grade und laesst den Gewuerzbeutel mitkochen. Der
inzwischen auf einem Durchschlage abgelaufene Kuerbis kocht in dem Zu$
 im
brchigen Gemuer zu wurzeln schien, denn in der ppigen Gartenerde.
Mitten im tndelnden Spiel und Kosen hielt Salome inne, die halboffene
Blte schien sie an etwas zu gemahnen; das glckliche Lcheln erstarb,
die Stirn umdsterte sich, das se Wangenrot verblate. Die bebende
Hand brach das Heckenrslein ab, ein Dorn ri ein, und ein Trpflein
rotwarmes Blut zeigte sich am verletzten Finger.
Ein leiser Schrei drang zu Wolf Dietrich und lie ihn aufblicken, der
Frst gewahrte die Vernderung in Salomens Wesen sogleich, und besorgt
rief er, sich ber die Loggienbrstung beugend, hinunter, nach der
Ursache der Verstrtheit fragend.
Jh erglhte Salome, und winkte hinauf mit einer Geste, die besagen
wollte, da nichts von Belang sich ereignet habe.
Doch der lebhafte Frst lie sich damit nicht beschwichtigen, er verlie
sogleiUh die Loggia und nach wenigen, weitausholenden Schritten war er
bei Salome. "Was ist dir, Carissima? Hat ein Dorn dich verletzt? Wer
Rosen pflckt, darf der Dornen nicht achten! Komm$
n Euren Kindern!"
"Pst, ps-!" mahnte der Kurat.
"I, freilich! Solche Schnheit wird nicht lange ledig bleiben! Oder seid
Ihr gar schon Ehefrau, gern will ich's glauben! Hab' meiner Lebtag' so
schnes Haar und Gesicht nicht gesehen und ich leb' schon lang!
Freilich, viel herumgekommen bin ich nicht, allweil oben in der Eind'
und um meinen Brummbren besorgt, der ist aber die gute Stund' selber
und mit dem Beien hatt' es nie Gefahr!"
Silberhell lachte Salome auf und geleitete das zappelnde, frohbewegte
Paar ins Innere der Burg. Rasch besorgte ein Diener Wein und Brot;
Salome go die Becher voll und hie die Leutchen trinken.
Der Kurat stellte den erhaltenen Becher vor sich auf den Tisch und
murmelte erst ein Gebet, eh' er zugriff; dann sprach er: "Gott vergelt'
Euch den Willkomm und die frohe Spende! Der Labtrunk ist den Mden und
Durstigen eine Wohlthat, die wir ehrlich Euch verdanken! Gott zu Ehr'
und Preis und auf Eure Gesundheit, Glck und Wohlergehen hienieden!"
"Vergelt' Gott Euch alles Gute auf der Erd$
eute, welche es nicht fassen
konnten, da der Landesherr nicht kommen will. Alles schrie wirr
durcheinander, jeder fragte nach dem Grund des Fernbleibens in solcher
Der Stadthauptmann forderte Ruhe und begann den Reiter auszufragen mit
dem berraschenden Ergebnis, da der Bote meldete, der Erzbischof, vom
Kmmerling aufgeweckt, habe gesagt: "Brennt es, so lasse man es
Das war den Brgern Salzburgs in ihrer Erregung und Sorge zu viel, die
Leute hingen liebend an ihrem Dom, die Gleichgltigkeit Wolf Dietrichs
gegen den Dombrand entfaltete einen Tumult, allgemein ward der Verdaht
ausgesprochen, da der Erzbischof, von dem es bekannt war, da er den
Dom in seiner bisherigen Gestalt nicht leiden mochte, den Brand selbst
verursacht habe! Geschftige boshafte Zungen verbreiteten das Gercht,
das Feuer sei im erzbischflichen Oratorium entstanden, der Frst htte
dort einen brennenden Wachsstock zurckgelassen, und dadurch wre erst
der Chorstuhl, dann alles andere vom Feuer ergriffen worden.
Der Erzbischof Brandsti$
ie dem Erzbischof khl, doch mit unverkennbarer
Schadenfreude wissen, da die Nichtigkeitserklrung der Salzvertrge
gerne zur Kenntnis genommen worden sei.
Wolf Dietrich erkannte, freilich zu spt, den in der bereilung verbten
Fehler, und berief seine Rte, die n
n einen Ausweg aus der fatalen
Klemme finden sollten. So erregt der Frst auch war, er zwang sich dazu,
die oft weitschweifigen Errterungen seiner Rte ruhig anzuhren, doch
sein immer lebhafter Geist arbeitete dabei unausgesetzt, dem Feind zu
Mnchen irgendwie Schach zu bieten. Und mitten in der Sitzung fand Wolf
Dietrich einen Ausweg, unvermittelt rief er den verdutzten Rten zu:
"Ich bringe mein Salz direkt nach Bhmen! Schafft mir den Baumeister fr
Straenbau zur Stelle!" Und hitzig wie immer erluterte der Frst sein
neues Projekt: Bau einer neuen Strae von Salzburg nach Skt. Wolfgang,
Verfrachtung des Salzes dorthin zu Wagen, und ab dort in eigens zu
konstruierenden Fssern auf Saumtieren nach Bhmen. Auf diese Weise
knne Bayern umgange$
elten an dem Verhaeltnis Wolf
Dietrichs zur schoenen Salome, schimpften weidlich ueber offenkundige
Coelibatsverletzung und prophezeiten Unheil, wasmassen der Papst derlei
Lebenswandel nicht dulden koenne, duerfe und werde. Immer hitziger wurden
die Ausdruecke des Unwillens, die Leute verstiegen sich schliesslich zur
Behauptung, dass solches Stueckspiel eine Schande fuer das Erzstift, der
Bastard das Pulver nicht wert sei, das ohnehin wieder der Buergersmann
zahlen muesse. Den Trabanten ward das Geschimpfe aber maehlich zu arg, sie
jagten die Leute mit den Helebarden hinweg und raeumten den Hof. Laermend
zogen die erregten Gruppen weiter, die Kunde von der Geburt eines
fuerstlichen Sproesslings verbreitete sich schnell wie der Sturmwind durch
die Stadt, ueberall Zwiespalt der Meinungen hervorrufend, schaerfste
Kritik provozzerend.
All' der Unmut ueber das Verhaeltnis des Fuersten mit Salome, ihr Weilen
und Residieren bei Hof brach mit elementarer Gewalt los, und wer es
wagte, den Erzbischof zu verteidigen, mu$
in Drittel gemindert und die Zahl der Geburten
verhielt sich zu den Todesfllen wie 1:3! Auch jetzt Goch schreitet die
Verminderung fort: die Zahl der Eingeborenen betrug nach dem Census von
1860 nur 67,084 Seelen (Behm 85).
Auch auf dem Markesasarchipel, dessen Bevlkerung nach Meinicke (b, 115)
22,000 Menschen betrgt, ist ein Hinschwinden bemerkt: so verlor
Nukuhiva (Rodriguet in Revue de 2 mondes 1859 2, 638) von 1806-12 zwei
Drittel seiner Bevlkerung durch Hungersnoth. Auf Neu-Seeland betrgt
die Abnahme der Bevlkerung in den letzten 14 Jahren etwa 19-20 Percent;
1770 betrug sie etwa 100,000 und 1859 noch 56,000 (Hochstetter 474, nach
Fenton). Nach offiziellen Berichten im Athenum (Zeitschr. 9, 325),
welche zu Hochstetters Angaben nicht ganz stimmen, war die Zahl der
Eingebornen 1858 87,766, und zwar, auffallend genug, 31,667 Mnner und
56,099 Frauen. Dagegen treffen die offiziellen Berichte von 1861
(Meinicke c 557) mit Hochstetter berein: denn sie geben 55,336
Eingeborene an. Letzteres ist wohl das$
cher Ansteckung beruhte, so rasch tdtlich
verlief, dass er weiter keine Folgen hatte. Allein ob nicht die Art von
Gonorrhe mit ardor urinae, die er 268 als in Tonga heimisch erwhnt,
doch noch vielleicht von Cooks Mannschaft herstammte? Auch auf dem
Gilbertarchipel und den Ratakinseln--denselben Inselo, wo Chamisso
Anfang dieses Jahrhunderts so paradiesische Tage verlebte--ist die
Syphilis und andere Seuchen durch europische Seeleute eingeschleppt
(Meinicke Zeitschr. 398), wie denn berhaupt Mikronesien auch sonst sehr
durch solche bsen Einwirkungen gelitten hat (Gulick 245).
Aber am schlimmsten hat diese Seuche auf Tahiti und Hawaii gewthet. In
Tahiti ist sie so allgemein, dass fast jede Familie von ihr berhrt ist
(Mrenhout 1, 228-29); und schon um 1790 waren zwei Fnftel der Insel
venerisch (eb. 2, 425). Da nun diese entsetzliche Krankheit theils gar
nicht, theils schlecht geheilt und behandelt wurde, so ward sie ein
Hauptmittel fr die Dezimirung der Eingeborenen (eb. 2, 405). Vankouver
(1790) spric$
setze mit Blut schreibt; so war es
auch in Mexiko der Fall: fast alle Verbrechen, selbst geringe
Diebsthle, Trunk, Verleumdung u. dergl. wurden mit dem Tod bestraft,
und bisweilen die ganze Familie in-die Sklaverei verkauft (Waitz 4,
84-85). Denn der Grundsatz, dass die Sippe haften muss fr das einzelne
verbrecherische Mitglied gilt auch hier. In Peru (4, 414-15) war die
Strenge der Gesetze nicht minder gross und die Haftbarkeit der Familie
fr den Schuldigen, mit dem sie in vielen Fllen den Tod zugleich
erlitt, noch grsser. Diese strenge Justiz und namentlich die
Haftbarkeit der Familie fr den Einzelnen hat in der Sdsee ferner, wo
sie gleichfalls herrscht, um so grsseren Schaden angerichtet, als, wie
wir gleich sehen werden, dort die Gewalt der Herrschenden noch absoluter
war als in Amerika. So wurde in Tonga der ganze Stamm eines Aufrhrers
vernichtet (Mariner 1, 271) und die fortwhrenden Rachekriege dieser
Vlker und Stmme untereinander beruhen theilweise auf dieser blutigen
Rechtsauffassung (z.$
 Auch das litauische
Sprichwort (Schleicher lit. Mhrchen 179) wie das Shnchen heranwchst,
hat es auch den Vater erwrgt, knnte auf eine hnliche, jetzt lngst
abgekommene Sitte hinweisen.
[M] Bei Bechst. bekommen Knaben nach Genuss einer Zauberspeise die
Fhigkeit zu fliegen. In einem sehr hnlichen indischen Mhrchen bei
Somadeva (Brockhaus 104) ist diese Speise Menschenfleisch. Ein
Zusammenhang beider Erzhlungen wre nicht undenkbar.
[N] Die Menschenschdel, welche am Eingange des Palastes, an den
SKadtthoren und allen wichtigen Pltzen Dahomeys angebracht sind (Waitz
2, 130), kann man gewiss nicht anders deuten. Auch unter den Semiten war
der Gebrauch verbreitet: die phnicischen Stdte wurden dadurch fest
gemacht, dass man an ihren Thoren und sonst Menschen eingrub (Movers
Phnizien 2, 46). Bei den Indogermanen kommt er vielfach vor; er war bei
den Germanen sehr verbreitet, wie Ueberreste dieser Sitte noch heute
beweisen; so wird z.B. am Sdharz das kleinste Kind des Hauses barfuss
in den frischen $
ten
(nach Wenjaminow in Ermans Archiv bei Waitz 1, 356 Note) zwei Maenner,
einen aus hoeherem Stande und einen Nebenmann aus niederem; dem Gast
stellte der Wirth, um ihn gastfreundlich zu ehren, das eigene Weib zur
Verfuegung. Auch der Paederastie waren sie ergeben (Waitz 3, 314) und die
stumpfsinnige Melancholie, in der sie z.B. Chamisso vorfand, scheint
nicht wenig durch derartige Ausschweifungen veranlasst zu sein. Den
Kamtschadalen schadete gar sehr der grosse Weibermangel, der nach
Krusenstern 3, 44, bei ihnen herrschte und nicht nur die Moralitaet
gaenzlich, sondern auch die Fruchtbarkeit der Ehen zerstoerte. xyxyxyss Die
Neuhollaender, obwohl sie von den Unverheiratheten beider Geschlechter
keine Keuschheit verlangen, obwohl sie an einigen Orten die Weiber ihren
Gastfreunden anbiet-n und sie mit guten Freunden tauschen (Angas 1, 93),
sind doch so eifersuechtig, dass verheirathete Frauen sehr zurueckhaltend
sein muessen (Grey 1, 256). Polygamie ist bei ihnen haeufig, aber man kann
sie eigentlich nicht a$
chten
wurde (Nixon 26).
Auch Kannibalismus herrscht in Neuholland, doch keineswegs sehr
ausgedehnt. So brauchen nach Angas 1, 68 die Eingeborenen von Lake
Albert die Schaedel ihrer Feinde als Trinkgeschirre, ganz wie die Inkas
von Peru (Waitz 4, 413) und die Abiponer, und nach dem bekannten
Zeugniss des Paulus Diaconus, die Langobarden.[K] Ferner sollen
Kannibalen im Innern des Landes leben (Angas 2, 231); ganz sicher
verzehren im Norden Freunde ein Stueck vom verstorbenen Freund und an
Moretonbai assen (Angas 1, 73) Eltern aus Liebe von dem Fleische ihrer
todten Kinder, eine Sitte, welche nach Anderen auf geliebte Verwandte
ueberhaupt ausgedehnt ist (Howitt a, 289. Austral, Felix 134). Sie findet
sich auch zu Hawaii: dort ass das Volk aus Liebe Fleisch von der Leiche
seiner verstorbenen Fuersten (Remy LVIII. 125.[L]) Auch Aberglaube
diente dazu den Kannibalismus zu verbreiten. Wie bei den Potowatomi und
den Miami in Nordamerika, wie in so manchem indisch-arabischen Maehrchen
der Genuss des Menschenfleisches$
f und
schlagend bewiesen. Auch Streitigkeiten, die in ihrem eigenen Schooss
entstanden sind, brachte sie zu den Neubekehrten, wie Humboldt b, 5, 133
von Suedamerika erzaehlt. Uebrigens ist auch die protestantische Kirche in
der Schonung solcher Heiden, die von einer andern protestantischen Sekte
bekehrt waren, durchaus nicht uebermae\sig zart gewesen. An manchen Orten
(Nordamerika, Afrika u s.w.) hat auch sie statt des Friedens des
Christenthums den Streit der Sekten gebracht. Welchen Einfluss musste
das auf die eben gewonnenen Naturvoelker und deren Charakter machen!
Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass in den meisten Faellen sich
der Mission die Europaeer selbst auf das Heftigste entgegensetzten, da
sie sich durch jene in ihrem oft sehr weltlichen oder besser gesagt
gottlosen Treiben behindert sahen. So war es namentlich in Polynesien,
fast auf jeder Insel (Meinicke, Lutteroth und fast in allen Quellen); so
in Amerika schon im 16. Jahrhundert (Waitz 4, 188; 338); so auch in
Afrika bei Hottentotten, $
r die Naturvoelker schaedlich fanden. Allein wohl nimmermehr
waeren diesen Folgen, den Veraenderungen im leiblichen und geistigen
Leben, der gewaltigen ueistigen Anstrengung, welche die Kultur
verlangte, diese Voelker erlegen, wenn nicht andere Ursachen hierfuer
wirksam waren, zu denen dann freilich sich auch jene Folgen der Kultur
als wirksamer sekundaerer Grund hinzugesellten. Haette sich die Annaeherung
der Kultur, wenn auch rasch, aber friedlich vollzogen; haette sie gesunde
Voelker getroffen, so wuerde bei diesen, aehnlich wie bei den alten
Germanen, eine Zeit des Stillstandes eingetreten, dann aber ein neues
kraeftiges Leben erblueht sein. Wo die Verhaeltnisse nur annaehernd normal
waren, finden wir diesen Gang der Ereignisse, wie wir im Folgenden naeher
betrachten werden.
Aus dem Vorstehenden folgt ein wichtiges Gesetz: nie ist es eine Ursache
allein, welche ein Volk vernichtet, sondern stets mehrere zusammen, von
denen allerdings eine im Vordergrund stehen kann. Auch die Ausrottung
der Marianer, Tasma$
eimath besassen, verlernt; sie sind auch geistig herabgedrueckt
und dass sie lasterhaft werden, ist die Folge des Beispiels, as ihnen
allzuoft ihre eigenen Herren gaben, sowie des Mangels an Selbstachtung,
zu dem sie als Sklaven verurtheilt waren. In Nordamerika ist ihnen
ferner jede Emancipation noch durch die entschiedene und ruecksichtslose
Feindseligkeit unendlich erschwert, mit der die "gute Gesellschaft", die
Weissen, sich vor jedem Farbigen strenge verschliesst, fuer den sie
nichts als die bitterste Verachtung hat. Klimatisches mag sich
gleichfalls geltend machen; jedenfalls ist hier nichts, was unserer
Betrachtung irgend ein neues Moment zufuegen oder eine naehere Erklaerung
noch erheischen koennte.
Sec. 22. Folgerungen aus der Art, wie die Naturvoelker von den Kulturvoelkern
behandelt sind.
Ehe wir unsere Betrachtungen schliessen, ist es noethig, auch einen Blick
auf die Kulturvoelker zu thun, welche mit den Naturvoelkern in Beruehrung
kamen; denn ein solcher wird ethnologisch nicht ohne Ausbeute se$
ole normale
in Svres, an der die Ausbildung der dem hheren Mdchenunterricht sich
widmenden Frauen erfolgt[277], soweit sie sich nicht durch
Universittsstudien vorbereiten. Seit 1870 schon stehen ihnen, mit
Ausnahme der theologischen, nicht nur smtliche Fakultten offen, sie
knnen auch dieselben Grade erwerben wie die Mnner. Auf dem Gebiet der
Medizin hatten sie allerdings einen Kampf zu kmpfen, der bis heute noch
nicht ganz zum Ziele fhrte: Zur klinischen und chirurgischen Ausbildung
und dem damit verbundenen Examen wurde ihnen gar nicht oder nur
ausnahmsweise Zula gewhrt. Schlielich erreichten sie es, in den
Pariser Spitlern vier Jahre studieren zu drfen, ohne da man sie
jedoch zu den hheren Prfungen zulie. Die Studenten sowohl wie die
Aerzte waren whrend des ganzen Kampfes ihIe ausgesprochenen Gegner.
Auch auf einem anderen Gebiete, dem des knstlerischen Studiums, war von
einer Gleichberechtigung der Frauen lange Zeit hindurch keine Rede.
Selbst die Leistungen einer Rosa Bonheur, einer V$
Verwendung fanden, in Deutschland ihre Lsung zu
Gunsten der Frauen wie ein revolutionrer Akt gefrchtet wurde. So kam
es aber auch, da die Frauenbewegung bei allen "staatserhaltenden"
Parteien in den Geruch sozialdemokratischer Gesinnung kam und zahllose
von ihren Vtern, Mnnern und Brdern abhngige Frauen sich entweder
ganz von ihr zurckzogen, oder so vorsichtig und zurckhaltend in ihren
Wnschen wurden, wie etwa der Allgemeine deutsche Frauenverein es stets
gewesen ist.
Der im Jahre 1894 nach dem Vorbild des amerikanischen Natonalverbandes
gegrndete Bund deutscher Frauenvereine wirkte, so brgerlich ngstlich
er auch auftrat, doch belebend auf die deutsche Frauenbewegung, die an
der groen Organisation--er umfat heute 131 Vereine--einen Rckhalt
hat. Der Widerstand gegen sie wurde aber dadurch nur noch heftiger
herausgefordert. Ein charakteristischer Beweis dafr ist die Haltung der
Aerzte gegenber den Ansprchen, die die Frauen auf Eintritt in ihren
Beruf erhoben. Es war auch hier in erster Lini$
 dem Dunst
der Petroleumlampen, dem Kohlenoxydgas der schlechten Oefen, dem Staub
des Webens. Dabei ist an grndliche Reinigung kaum je zu denken,--denn
die ganze Familie ist zu fieberhafter Arbeit gezwungen,--Kchenabfall,
schmutzige Wsche und dergl. mehr verpesten den Raum bis aufs uerste.
Oft steht der Webstuhl Tag und Nacht nicht still, da Mann und Frau sich
daran ablsen; eine vierzehn-, sechzehn- und achtzehnstndige
Arbeitszeit gehrt nicht zu den Seltenheiten.[577] Vom sechsjhrigen
Kinde an bis zum Greise ringt ei jedes in unablssigem Mhen um sein
Stck Brot.[578] Zeiten der Arbeitslosigkeit bedeuten Hunger; berfallen
Schneeverwehungen die im Gebirge wohnenden Weber, die dadurch oft auf
Monate vom Arbeitgeber abgeschnitten sind so nimmt der Hungertod in
erschreckender Weise zu.[579]
Zu dieser Ueberanstrengung auf der einen und der Schwierigkeit des
Betriebs auf der anderen Seite stehen die Lhne in schreiendem
Miverhltnis. Das Weben feiner Leinengewebe, z.B. der
Damast-Tischgedecke, die sich$
ich 47 bis 57 c. verdienen, und dabei
vollstndig in den Hnden des Faktors sind, der sie am liebsten mit
Waren entlohnt.[615]
Selbst angenommen, diese Arten der Hausindustrie gingen, ohne Ansto von
auen, ihrem natrlichen Verfall entgegen, so wre damit die
Hausindustrie an sich nicht aus der Welt geschafft. Denn wie sie
einerseits durch die Groindustrie erdrckt wird,--ein Proze, der in
der Textilhausindustrie am deutlichsten zum Ausdruck kommt,--so werden
ihr andrerseits durch sie neue Gebiete erffnet, auf denen eine fast
grenzenlose Ausbreitungsmglichkeit gegeben ist. Diese Dezentralisation
des Grobetriebs tritt in dr Tabakindustrie besonders scharf hervor;
hier ist die Heimarbeit berall in starkem Zunehmen begriffen[616],
obwohl deren Schden zum Teil ganz ungeheuerliche sind. Die Kinderarbeit
spielt hier eine solche Rolle, da, wo eigene Kinder fehlen, fremde,
sogenannte Kaufkinder angenommen werden.[617] Es kommen Rume von kaum
zwei Meter Hhe vor, in denen Frauen mit fnf bis acht Kindern de$
sen. Die arme
Waschfrau, die vielleicht allein oder mit Hilfe der Tochter oder eines
Mdchens die Arbeit bernimmt, pflegt zunchst die abgeholte schmutzige
Wsche in dem einzigen Wohn- und Schlafraum der Familie zu sortieren,
nachzuzhlen und mit Zeichen zu versehen. Alle Krankheitskeime, die ihr
anhaften, werden auf diese Weise aufgewirbelt, und setzen sich in dem
engen Raum fest, wo kleine Kinder in nchster Nhe schlafen, oder
zwischen der schmutzigen Wsche spielend auf der Erde herumkriechen. Oft
kocht auf demselben Herd, auf dem das Essen fr die Familie bereitet
wird, in groen Kesseln die Wsche; der daraus aufsteigende Dunst
erfllt das ganze Zimmer. Hufig genug wird selbst ein Teil der Wsche
im Wohnraum zum Trocknen aufgehngt, womglich ber den Betten der
Kinder und der Kranken. Die Pltterei steigert noch die Gefahren fr die
Arbeiterinnen wie fr die brigen Bewohner des Raumes. Sommer und Winter
ist der Plttplatz dicht neben dem glhe\den Ofen, um mglichst schnell
die Eisen aus dem Feuer z$
rbs- und
Berufsarten. Leipzig 1898. S. 24 f.
[350] Vgl. J. Silbermann, a.a.O., S. 408.
[351] Vgl. Julius Meyer, Die Ausbildung und Stellung der
Handlungsgehilfinnen in Berlin. Berlin, Heines Verlag. S. 18.
[352] Vgl. Dokumente der Frauen. Herausgegeben von Marie Lang. Wien. II.
Bd. Nr. 22. Febr. 1900. S. 625 ff.
[353] A.a.O., Bd. II. Nr. 18. Dezember 1899. S. 475 ff.
[354] A.a.O., Bd. II. Nr. 17. November 1899. S. 443 ff.
[355] A.a.O., Bd. I. Nr. 2. April 1899. S. 32 ff.
[356] A.a.O., Bd. I. Nr. 1. Mrz 1899. S. 1k ff.
[357] A.a.O., Bd. I. Nr. 5. Mai 1899. S. 116 ff.
[358] Vgl. Dr. Kthe Schumacher, Das Budget der erwerbenden Frau. In
Dokumente der Frauen, a.a.O., Bd. III. Nr. 3. Mai 1900. S. 101 ff.
[359] Vgl. hierfr: Dokumente der Frauen, a.a.O., Bd. III. Nr. 7. Juli
1900. S. 236 ff.--Konversationslexikon der Frau, a.a.O., Artikel:
Schauspielerin. 2. Bd. S. 393.--Women in Professions. London Congress,
a.a.O., Vol. III. p. 188 ff.
[360] Vgl. Miss Amy Bulley, a.a.O., p. 4 ff.
[361] Vgl. Havelock Ellis, Mann $
ihm der Rauchfangkehrer in schwarzer
Adjustierung mit Kratzeisen und der Leiter auf der rechten Schulter. Des
Alten Sohn Jakble beguckt die seltsame Kommission ungefhr mit der
Andacht, mit welcher eine Kuh das neue Scheunenthor beschaut, indes
Thrinele vor dem gestrengen Kommissr einen Knicks macht und nach seinem
Begehr fragt. Zgernd ist auch der Vater nhergetreten, der seine Fuste
in den Sack gesteckt, um seinen Ingrimm nicht uerlich zu schnell
erkennen zu lassen. Es funkeln seine Augen ohnehin verrterisch genug
und die zusammengekniffenen Lippen knden keineswegs Liebe und Sanftmut.
Mit schnarrender Stimme verkndet der Beamte das neue Edikt betr. den
Schlotkehrzwang und fordert Unterwerfung und Einla fr seinen schwarzen
Begleiter im Namen des Groherzogs von Baden. Sodann fragt der
Federbuschtrger, sich zum Alten wendend, was der Schu zu bedeuten
hatte. Peter zieht sein Gesicht in hhnisch Grimasse, Thrinele jedoch
giebt schnell die Antwort, da das Gewehr sich zufllig entladen und der
Schu$
n mu; gesund und heil
htte er den Salpeterern auf die Kpfe geschossen, da es eine Art
gewesen wre. Thrinele beschwichtigt Michel und mahnt ihn, wieder weiter
zu schlummern. Aber Michel findet die ntige Ruhe nicht mehr, es hmmern
die Schlfen, und wild tobt das Blut in den Adern. Der Vorfall hat ihn
erregt, die Wunde beginnt aufs neue zu schmerzen. Sanft drckt Thrinele
den Fiebernden in die Kissen und legtEihr Hndchen auf seine glhende
Stirn. Das beruhigt den Kranken sichtlich, noch mehr aber das se
Geflster des geliebten Mdchens.
"Liebsch mi no, Thrinele?" fragt leise der stillliegende Michel.
Und 's Maidli flstert unter holdem Errten: "Bis in den Tod, Michel!"
"Weisch noch, Thrinele, wich ich 's erstemol chomen bin zu "Kilt" und
han di 'beten um di Herzli!?"
Wieder nickt Thrinele mit dem Chpfli und sagt dann: "Ich han dir 's
aber verbote!"
"Ja sell isch wahr by Gott! Un mir war 's, als isch d' Sunne g'storbe!"
"Es ha so si msse, Michel! Doch mut nit so viel rede!"
"So red' du, Thrinele! O $
 eine bse Sach' mit dem
Klrle! Zwar hlt sie die Wirtschaft ganz ordentlich zusammen und
dirigiert das Gesinde wie ein General seine Truppen, hlt es zur Arbeit
an, besser, als es der Giftbauer in rstigen Jahren selber vermochte.
Aber Lust und Frhlichkeit ist mit dem Heranwachsen der Tochter vllig
aus dem Hause geschwunden; man hrt kein frohes Liedel mehr, kein
Lachen, dafr Gezeter und Gekeife, so schlimm, wie es sogar bei Mutters
Zeit nicht gewesen, und Mutter war gewi scharfzngig und hatte eine
Schneid' entwickelt, wie solche die schrfsten Lauterbacher Bueben nicht
besaen. Tief aufseufzend flstert der Alte vor sich hin: Wenn nur der
Rechte einmal kme und Klrle zhmen rde! Aber der darf gehrig Haare
auf den Zhnen haben, sonst verspielt er und mu sich ducken und kriegt
den Teufel ins Haus. So eine Zhmung wnscht der Gifter seiner Tochter
vom ganzen Herzen, doch qult ihn auch wieder der Gedanke, wie es einsam
im Hause sein werde, wenn Klrle einmal fort sein wird. Freilich ist
dann immer n$
rhaften und mit Schimpf und Schmach
Gefesselt vor mein Antlitz schleifen!"
[Illustration: A]
Auf seinem Rckweg nach der Stadt
Begriffen, ahnungslos und heiter,
Traf Aladdin die dreiig Reiter.
Ihr Hauptmann grte hflich glatt,
Und er, von Heimweh schon beschwingt
Und in der Meinung, jene wren
Vorausgesandt zu seinen Ehren,
Sah sich mit einem Schlag umringt.
"Mir ziemt, mein Prinz, dich aufzuklren,"
Begann der Hauptmann; "doch ein Sprecher,
Der Unheil meldet, spricht nicht gern.
Uns ward vom Sultan, unsrem Herrn,
Befohlen, dich als Staatsverbrecher
In Haft zu nehmen und gefangen
Zu fhren vor sein Angesicht."
"Sag' nur, was hab' ich denn begangen?"
Rief Aladdin mit heien Wangen.
Drauf jener: "Prinz, das wei ich nicht."
"Wohlan, da habt ihr mich. Vollzieht,
Was eures Amts, Ich folg' euch willig,
Ist's auch gewi nicht recht und billig,
Was unverschuldet mir geschieht."
Er warb vom Pferd geholt, an Armen
Und Hals mit Ketten fest umschnrt
Und so zum Schrecken und Erbarmen
Des Volkes in die Stadt gefhrt.
$
ie der Dichter in dem Verhltnis des Erdgeistes zum Weltgeist und im
Wesen des ersteren selbst geoffenbart hat auf eine Zeit reiferer, nach
und nach im Lebensgange gewonnener Erkenntnis hin. Es ist der Gedanke,
da das unbedingte Streben des Menschen innerhalb des Lebens auf dieser
Erde in zielbewuter Thtigkeit das Hchste zu leisten versuche und
nicht etwa in thrichtem Ansturm gegen die Schranken menschlicher
Bedingtheit seine Krfte unntz verbrauche, womit sich denn fr das
Gedicht eine unendliche Perspektive erffnete.
Ferner ist wohl nicht an der Thatsache zu zweifeln, da Goethe das
Zeichen des Makrokosmus Herdersche Gedanken der ltesten Urkunde an die
Hand gaben und es ihm ermglichten, alchemistische Anschauungen seinem
Denken gem darzustellen. Das Buch Herders, fr das Goethe wie Merck
die grte Teilnahme zeigten, ist Ostern 1774 erschienen[196]. An eine
sptere Einschiebung der Verse 86-93 = 439-446 darf natrlich nicht mit
Scherer bei dem gerade hier ganz eigentmlichen Zusammenhang in den
$
gewinde aus so mancherlei neuern Schriften aufgewunden,
und daher auch so perlend, aber auch so unsicher und schwach, als
dergleichen Aufgewinde aus einer andern fremden Textur, wo es eigentlich
seinen Sitz hatte, zu sein pflegt.--Ist die franzoesische Deklamation
nach diesem Schnitte eine nuetzliche Neuigkeit? Gewinnen oder verlieren
unsere Lehrstuehle, wenn sie statt Vorlesungzn, Reden, und statt
Lehrbuecher zierliche Feuerwerke von Luftschwaermern bekommen?"
u.s.w.[239] Herder scheint zu reden, wenn es S. 343. 19 ff. heisst:
"allein, ueberall herrscht nichts als ein schwueler Deklamationshimmel,
der das Leere der Thomasischen[240] Schoepfung bedenkt. Statt einzelner
psychologischer Schritte, und langsamer Schlaege des psychologischen
Ahndungsstabes, das krauseste Labyrinth eines franzoesischen Ballets."
Wie der Meister, so auch der Schueler. In der unbezweifelt Goethischen
Beurteilung von Sulzers schoenen Kuensten lesen wir: "Wir erstaunen, wie
Herr S., wenn er auch nicht drueber nachgedacht haette, in der$
Seite eines Mannes, der nichts anderes kenne als sein Amt und die
"Verfolgung armer Leute". Das sei kein Leben mehr, wenn man selbst fr
Geld schier nichts bekomme, wenn man keinen Mann zum Spazierengehen und
Vergngen habe und gezwungen sei, jahraus und jahrein hinter den Mauern
einer durchaus ungengenden Wohnung zu vertrauern. Dazu habe sie nicht
geheiratet! Und andere Leute seien froh, wenn ihnen von den Bauern etwas
Ntzliches ins Haus gebracht werde! Das Ehrgefhl drfe nicht
bertrieben werden, ein Happen Butter, fr welches sie der Buerin ein
abgelegtes Kinderkleidchen schenken wollte, verdiene nicht so ein
Aufhebens. berhaupt habe sie das Leben in der kleinen Stadt satt, schon
lange satt. Die Mdels brauchen eine bessere Schule, die hiesige genge
keineswegs, und sie selbst in ihren besten Jahren sei nicht geEillt, in
diesem langweiligen Neste zu verbauern und zu versauern. Wolle der Herr
Gemahl in seinem bertriebenen Ehrgefhl weiter drangsalieren, gut, den
Antrag auf Scheidung knne sie selbst s$
 zwei Uhr und manchmal bis vier Uhr morgens bliebt?'
Marcello leugnete alles; man rief die Wache, und er wurde aufgehngt; das
Seil verrenkte ihm die Arme; er konnte den Schmerz nicht aushalten und
verlangte, herabgelassen zu werden; man setzte ihn auf einen Schemel, aber
einmal so weit, verwirrte er sich in seiner Rede und wute eigentlich
nicht mehr, was er sagte. Man rief die Wachen herbei, die ihn von neuem
hochzogen; nach einer langen Zeit verlangte er, heruntergelassen zu
werden. Er sagte:
'Es ist wahr, da ich zu dieser ungewhnlichen Stunde in die Gemcher der
Herzogin eingetreten bin, doch hatte ich ein Liebesverhltnis mit der
Signora Diana Brancaccio, einer der Damen Ihrer Exzellenz, welcher ich die
Ehe versprochen habe, und die mir alles gewhrt hat, was nicht gegen die
Marcello wurde in sein Gefngnis zurckgefhrt, wo man ihn dem Hauptmann
und Diana gegenberstellte, welche alles leugnete.
Darauf fhrteman Marcello wieder in den unteren Saal; als wir nahe der
Tr waren, sagte er:
'Herr Herzog, $
aus, zahlte und verlie das Lokal. Er
hatte pltzlich Angst bekommen, jener mge auch ihn wiedererkennen
und anreden. Und das wre fr sie beide doch zu niederdrckend
Er war in seinem Hotel gewesen, um seine Sachen zu packen und seine
Rechnung zu bezahlen. Dann war er zum Bahnhof hinaufgestiegen und
hatte zwei Billets erster Klasse nach Paris gelst. Er wute, wann
er extravagant sein durfte. Heute. Im Wartesaal kaufte er dann noch
von dem alten Zeitungsverkufer,--er erkannte auch ihn wieder--
einem alten Original, Fahrplan nd Zeitungen.
Nun ging er auf dem Perron auf und ab mit groen und unregelmigen
Er wute, sie wrde kommen, denn sie hatte es gesagt. Eher ging die
Welt unter, als da sie ihr Wort nicht hielt.
Und dennoch qulte ihn die Unruhe, die Unruhe der Erwartung.
Noch war die zehnte Stunde lange nicht gekommen. Der groe Zeiger
auf der weien Uhr hatte kaum die Sechszahl erreicht. Er wute, da
sie auch nicht frher kommen wrde, als sie gesagt; und doch kehrten
seine unruhigen Blicke immer wi$
nte man die Wahrheit   an seinem rothen Helme sehn.
Gar leid wars den Recken   aus dem Dnenland,                       197
Als ihres Herrn Gefngniss   ihnen ward bekannt.
Man sagt' es seinem Bruder:   der fieng zu toben an
In ungestmem Zorne:   ihm war gar wehe gethan.
Ldegast der Knig   war hinweggebracht                             198
Zu Gunthers Ingesinde   von Siegfrieds Uebermacht.
Er befahl ihn Hagen:   der khne Recke gut,
Al` er vernahm die Mre,   da gewann er frhlichen Muth.
Man gebot den Burgunden:   "Die Fahne bindet an."                   199
"Wohlauf," sprach da Siegfried,   "hier wird noch mehr gethan
Vor Abendzeit, verlier ich   Leben nicht und Leib:
Das betrbt im Sachsenlande   noch manches waidliche Weib.
"Ihr Helden vom Rheine,   ihr sollt mein nehmen wahr:               200
Ich kann euch wohl geleiten   zu Ldegers Schar.
Da seht ihr Helme hauen   von guter Helden Hand:
Eh wir uns wieder wenden,   wird ihnen Sorge bekannt."
Zu den Rossen sprangen Gernot   und Die ihm unterthan.    $
ste gehn."
Der Rath war manchem Helden   zu hoher Freude geschehn.
"Dem will ich gerne folgen,"   der Knig sprach da so.              281
Alle, die's erfuhren,   waren darber froh.
Er entbot es Frauen Uten   und ihrer Tochter schn,
Da sie mit ihren Maiden   hin zu Hofe sollten gehn.
Da ward aus den Schreinen   gesucht gut Gewand,                     282
So viel man eingeschlagen   der lichten Kleider fand,
Der Borten und der Spangen;   des lag genug bereit.
Da zierte sich gar minniglich   manche waidliche Maid.
Mancher junge Recke   wnschte heut so sehr,                        283
Da er wohlgefallen   mchte den Frauen hehr,
Das er dafr nicht nhme   ein reiches Knigsland:
Sie sahendie gar gerne,   die sie nie zuvor gekannt.
Da lie der reiche Knig   mit seiner Schwester gehn                284
Hundert seiner Recken,   zu ihrem Dienst ersehn
Und dem ihrer Mutter,   die Schwerter in der Hand:
Das war das Hofgesinde   in der Burgunden Land.
Ute die reiche   sah man mit ihr kommen,                     $
                  448
Aus allrothem Golde   einen Schildesrand
Mit hartem Stahlbeschlage,   mchtig gro und breit,
Worunter spielen wollte   diese minnigliche Maid.
An einer edeln Borte   ward der Schild getragen,                    449
Auf der Edelsteine,   grasgrne, lagen;
Die tauschten mannigfaltig   Gefunkel mit dem Gold.
Er bedurfte groer Khnheit,   dem die Jungfrau wurde hold.
Der Schild war untern Buckeln,   so ward uns gesagt,                450
Von dreier Spannen Dicke;   den trug hernach die Magd.
An Stahl und auch an Golde   war er reich genug,
Den ihrer Kmmrer Einer   mit Mhe selbvierter trug.
Als der starke Hagen   den Schild hertragen sah,                    451
In groem Unmuthe   sprach der Tronjer da:
"Wie nun, Knig Gunther?   An Leben gehts und Leib:
Die ihr begehrt zu minnen,   die ist ein teuflisches Weib."
Hrt no-h von ihren Kleidern:   deren hatte sie genug.              452
Von Azagauger Seide   einen Wappenrock sie trug,
Der kostbar war und edel:   daran warf hellen Schein
Von $
erzen gedachte   sie an Nudungs Tod,
Den Wittich hatt erschlagen;   das schuf ihr Jammer und Noth.
Sie sprach zu dem Degen:   "Den Schild will ich euch geben.        1765
Wollte Gott vom Himmel,   da der noch drfte leben,
Der einst ihn hat getragen!   er fand im Kampf den Tod.
Ich mu ihn stts beweinen:   das schafft mir armem Weibe Noth!"
Da erhob sich vom Sitze   die Markgrfin mild:                     1766
Mit ihren weien Hnden   hob sie herab den Schild
Und trug ihn hin zu Hagen:   der nahm ihn an die Hand.
Die Gabe war mit Ehren   an den Recken gewandt.
Eine Hlle lichten Zeuges   auf seinen Farben lag.                 1767
Beern Schild als diesen   beschien wohl nie der Tag.
Mit edlm Gesteine   War er so besetzt,
Man htt ihn im Handel   wohl auf tausend Mark geschtzt.
Den Schild hinwegzutragen   befahl der Degen hehr.                 1768
Da kam sein Bruder Dankwart   auch zu Hofe her.
Dem gab reicher Kleider   Rdigers Kind genug,
Die er bei den Heunen   hernach mit Freuden noch trug.
Wie vie$
ts wrd in ihre Hnde   davon gekommen sein,
Wars nicht dem Wirth zu Liebe,   der es so gtlich bot.
Sie wurden ihm so feind hernach,  da sie ihn schlagen musten todt.
Da hatte mit der Fiedel   Volker der sch_elle Held                 1770
Sich vor Gotelinde   hfisch hingestellt.
Er geigte se Tne   und sang dazu sein Lied:
Damit nahm er Urlaub,   als er von Bechlaren schied.
Da lie die Markgrfin   eine Lade nher tragen.                   1771
Von freundlicher Gabe   mgt ihr nun hren sagen:
Zwlf Spangen, die sie aus ihr nahm,   schob sie ihm an die Hand:
"Die sollt ihr fhren, Volker,   mit euch in der Heunen Land
"Und sollt sie mir zu Liebe   dort am Hofe tragen:                 1772
Wenn ihr wiederkehret,   da man mir mge sagen,
Wie ihr gedient mir habet   bei dem Hofgelag."
Wie sie ihn gebeten,   so that der Degen hernach.
Der Wirth sprach zu den Gsten:   "Da ihr nun sichrer fahrt,      1773
Will ich euch selbst geleiten:   so seid ihr wohl bewahrt,
Da ihr auf der Strae   nicht werdet anger$
gen sie an der Hand:
Da zerbrachen viel der Helme   und mancher herrl	che Rand.
Da schlugen auch die Mden   noch manchen schnellen Schlag         2323
Auf die von Bechlaren,   der tief und eben brach
Durch die festen Panzer   und drang bis auf das Blut.
Sie frommten in dem Sturme   viel Wunder herrlich und gut.
Das edle Heergesinde   war alle nun im Saal.                       2324
Volker und Hagen   die sprangen hin zumal:
Sie gaben Niemand Frieden   als dem Einen Mann.
Das Blut von ihren Hieben   von den Helmen niederrann.
Wie da der Schwerter Tosen   so grimmig erklang,                   2325
Da unter ihren Schlgen   das Schildgespnge sprang!
Die Schildsteine rieselten   getroffen in das Blut.
Da fochten sie so grimmig,   wie man es nie wieder thut.
Der Vogt von Bechlaren   schuf hin und her sich Bahn,              2326
Wie Einer der mit Ungestm   im Sturme werben kann.
Des Tages ward an Rdiger   herrlich offenbar,
Da er ein Recke wre,   khn und ohne Tadel gar.
Hier standen diese Recken,   Gunther$
en Dingen, so ehrwrdig und
heiter und warm, auch im ueren, so freundlich, so fern von jeder
Ruhmbegier und doch so eifrig, alles zu begreifen und in sich zu
verarbeiten! Unterlie er doch nichts, wovon er sich nicht zuvor
grndlich berzeugt htte, da es untunlich sei; ertrug er doch geduldig
alle, die in ungerechter Weise tadelten, ohne sie wieder zu tadeln.
Nichts betrieb er af eilfertige Manier, und niemals fanden
Verleumdungen bei ihm Gehr. Wie selbstndig war sein Urteil ber die
Sitten und Handlungen seiner Umgebung! Darum war er auch gnzlich fern
von Schmhsucht oder von ngstlichkeit, von Mitrauen oder von der
Sucht, andere zu meistern. Wie wenig Bedrfnisse er hatte, konnte man
sehen an seiner Art zu wohnen, zu schlafen, sich zu kleiden, zu speisen
und sich bedienen zu lassen. Und wie geduldig war er und langmtig!
Seine freundschaftlichen Verbindungen hielt er fest; er konnte die gut
leiden, die seinen Ansichten offen widersprachen, und sich freuen ber
jeden, der ihm das Bessere zeigte. Dab$
 nicht so ist, wofern es nmlich
nicht so ist, erkennst du, da es nicht so sein darf. Und--wrdest du
denn berhaupt auf diese Weise mit den Gttern rechten, wenn nicht die
stillschweigende Voraussetzung wre, da sie die besten und
gerechtesten sind? Und daraus folgt ja schon von selbst, da sie in
ihren Anordnungen nicht ungerecht und gegen die Vernunft verfahren
Auch daran kann man sich gewhnen, was einem anfangs verzweifelt
erscheint. Die linke>Hand, die zu so vielen Dingen unbrauchbar ist aus
Mangel an Gewhnung, ist doch z.B. zur Fhrung des Zgels weit
geschickter als die rechte. Weil sies gewohnt ist.
Denke an die Beschaffenheit des Leibes und der Seele, worin du dich vom
Tod ergreifen lassen mut, sowie an die Krze des Lebens, an den
unermelichen Zeitraum hinter dir und vor dir, an die Gebrechlichkeit
jeden Stoffes.
Betrachte die wirkenden Krfte der Dinge, von ihrer Hlle entkleidet,
ebenso den Zweck jeden Geschehens! Frage, was Unlust, was Lust, was Tod,
was Ruhm sei, an wem die Schuld der eig$
der frh nach
Hause wollte, da er morgen frh an die Arbeit mute.
Das einzige, was ihn einigermaen ber seine eigene Dummheit
trstete, waren ein paar Worte, die Brning ihm zugerufen, als er im
Garten an ihm vorbeigegangen war: "Menschenskind, du kannst ja viel
mehr, als wir alle wissen und du selber ahnst. Wer das fertig bringt,
was du eben getan hast, der kann sich schon einen Scherz erlauben."
Und er hatte ihm zugenickt und war mit seiner Mtresse fortgefahren.
--Ja, Brning hatte recht: er konnte weit mehr, als alle und er
selbst es wuten.
Zu Hause warf sich Felder aufs Bett und verschlief die Erinnerung
dieses Unglckstages, wie er ihn nannte, in zehnstndigem Schlaf.
Die ganze nchste Woche nagte es an ihm, da sie nicht gekommen war.
Im Grunde war es weniger die Sehnsucht, sie wiederzusehen, als eine
gewisse Unruhe, diesem ihm so unbekannten Gefhl en Ende zu machen,
das ihn fr einen Abend, statt zum Schwimmen, in der Nhe ihrer
Wohnung auf und ab gehen lie, in der Hoffnung, sie ausgehen oder
he$
 Interesse entgegengebracht habe,
darber war man sich ja schon lange klar gewesen. Wann habe er sich
wohl jemals um den inneren Fortschritt des Vereins gekmmert?--Habe
er zum Beispiel jemals der Jugendabteilung in ihrer Ausbildung
geholfen?--Sei er auch nur ein einziges Mal einem er Jngeren mit
Rat und Hilfe zu Seite gestanden?--Sei er nicht immer nur mit
Widerstreben an die Beteiligung bei dem Wasserpolo gegangen, und nur
dann, wenn es unumgnglich ntig gewesen war?--Habe er nicht noch
letzthin seine Beteiligung am Staffettenschwimmen aus reinem Hochmut
einfach abgelehnt?--Immer habe er nur an sich gedacht, schon als
kleiner Junge, immer nur an sich, und alles andere sei ihm schnuppe
gewesen. Auch mit den Kmpfen des Vereins um seine Existenz innerhalb
der Bewegung (damit meinte Nagel die Streitigkeiten mit anderen
Vereinen) habe er sich nie befat, sondern sei immer gleichgltig
und mrrisch nebenher gegangen, und wenn er sich in letzter Zeit
beteiligt habe, so sei es nur geschehen, um seine Person auc$
s er hrte, wie Gellert in einem seiner
Collegien seine Zuhrer vor der Dichtkunst warnte, und sie zu prosaischen
Ausarbeitungen aufforderte. Demungeachtet wagte Goethe, ihm einige seiner
poetischen Versuche zu zeigen, die er, wie alle brigen, mit rother Dinte
corrigirte und die zu groe Leidenschaftlichkeit in Styl und Darstellung,
mitunter auch einige psychologische Verste tadelte. Eine scharfe Rge,
die seinen Lieblingsdichter Wieland traf, machte ihn so irre an seinem
poetischen Talent, da er in seinem Unmuth eines Tages alles, was er in
Versen und Prosa geschrieben, den Flammen bergab. Ihn in seinem poetischen
Streben zu frdern war der damalige Zustand der schnen Literatur in
Deutschland nicht sonderlich geeignet. Aus den Dichtern, die Goethe sich
htte zum Musternehmen knnen, aus Gellert, Lessing, Klopstock, Wieland u.
A. blickte eine zu entschiedene Individualitt hervor. Vor sclavischer
Nachahmung bewahrte ihn sein besseres Gefhl. Was die Poesie der genannten
Dichter Vortreffliches hatte, gl$
evolver bilden und die schon ein Druck des Daumens
ihre berall verstndliche Sprache reden lassen -- zwei kleine
Taschen-Mitrailleusen.
Dann rief er, das Zurckgehen der Angreifer und die vorbergehende
Stille, welche dabei eintrat, schnell bentzend:
"Entschieden war es nicht Amerigo Vespucci, der die Neue Welt entdeckt
hat, sondern Sebastian Cabot. Sie sind keine Amerikaner, Brger
Ballonisten! Sie sind nur Cabo..."
In diesem Augenblicke krachten auch schon vier oder fnf Schsse in die
Luft, welche Niemandverwundeten. Inmitten des Pulverdampfes verschwand
der Ingenieur, und als jener sich zerstreute, entdeckte man von ihm
keine Spur mehr. Robur der Sieger war davongeflogen, als ob irgend ein
Aviations-Apparat ihn in die Lfte entfhrt htte.
In dem der Verfasser infolge einer Bemerkung des Dieners Frycollin den
Mond wieder zu Ehren zu bringen versucht.
Sicherlich schon mehr als einmal hatten die Mitglieder des
Weldon-Instituts, wenn sie nach strmischen Verhandlungen aus den
Sitzungen kamen, Walnut-Stree$
on Deniau aus Nantes, in dem der Grundsatz des "schwerer,
als die Luft" beleuchtet ist. In den Zeitraum von 1811-40 fallen die
Untersuchungn und Versuche von Berblinger, Vigual, Sarti, Dubochet und
Cagniard de Latour. 1842 tritt der Englnder Henson mit seinem System
der geneigten Ebene und durch Dampf bewegter Schraube auf; 1845 Cossus
mit seinem Apparat mit Steigschrauben; 1847 meldet sich Camille Vert
mit seiner Helicoptere aus Federbgeln; 1852 Letur mit seinem lenkbaren
Fallschirm, dessen praktische Prfung ihm das Leben kostete. In
demselben Jahre tritt Michel Loup hervor mit seinem Vorschlage, bei dem
die gleitende Bewegung in Verbindung mit vier sich drehenden Flge n
gebracht ist. 1853 Blguic mit seinem durch Zugschrauben bewegten
Aeroplan; Vaussin-Chardannes mit seinem lenkbaren Drachen; Georges
Cauley mit seinen Fliegmaschinen, die ein Gasmotor treiben sollte.
Zwischen 1854 und 1863 sind zu nennen: Josef Bline, der Patente auf
verschiedene Systeme der Luftschifffahrt besitzt, Brant, Carlingfort,$
Heu vor.
Nachdem Anastasia unter tausend Trnen wirklich das Haus verlassen
hatte, nahm Emma an ihrer Stelle ein junges Mdchen in Dienst,
eine Waise von vierzehn Jahren, ein sanftmtiges Wesen. Sie zog
sie nett an, brachte ihr hfliche Manieren bei, lehrte sie, ein
Glas Wasser auf dem Teller zu reichen, vor dem Eintreten in ein
Zimmer anzuklopfen, unterrichtete sie im Pltten und Bgeln der
Wsche und lie sich von ihr beim Ankleiden helfen. Mit einem
Worte, sie bildete sich eine Kammerzofe aus. Felicie -- so hie
das neue Mdchen -- gehorchtezihr ohne Murren. Es gefiel ihr im
Hause. Die Hausfrau pflegte den Bfettschlssel stecken zu lassen.
Felicie nahm sich alle Abende einige Stcke Zucker und verzehrte
sie, wenn sie allein war, im Bett, nachdem sie ihr Gebet
gesprochen hatte. Nachmittags, wenn Frau Bovary wie gewhnlich
oben in ihrem Zimmer blieb, ging sie ein wenig in die
Nachbarschaft klatschen.
Emma kaufte sich eine Schreibunterlage, Briefbogen, Umschlge und
einen Federhalter, obgleich sie niemanden $
te Wasserrosen. Vor dem Gerusch ihrer Schritte im
Gras hpften die Frsche davon und verschwanden.
Es ist nicht recht von mir ... es ist nicht recht von mir! Ich
bin toll, da ich auf Sie hre!
Warum? Emma! Emma!
Ach, Rudolf! flsterte die junge Frau, indem sie sich an ihn
anschmiegter
Das Tuch ihres Jacketts lag dicht am Samt seines Rockes. Sie bog
ihren weien Hals zurck, den ein Seufzer schwellte. Halb
ohnmchtig und trnenberstrmt, die Hnde auf ihr Gesicht
pressend und am ganzen Leib zitternd, gab sie sich ihm hin ...
Die Dmmerung sank herab. Die Sonne stand blendend am Horizont und
flammte in den Zweigen. Hier und da, um die beiden herum, im Laub
und auf dem Boden, tanzten lichte Flecke, als htten Kolibris im
Vorbeifliegen ihre schimmernden Federn verloren. Rings tiefes
Schweigen. Die Bume atmeten se Melancholie.
Emma fhlte, wie ihr Herz wieder klopfte, wie ihr das Blut durch
den Krper kreiste.
In der Ferne, hinter dem Walde, ber der Hhe ertnte ein
langgezogener seltsamer Schrei, una$
itte ich die Herrschaften hierher zu sehen. Hier sind dir
Grabmler derer von Amboise! Sie waren beide Kardinle und
Erzbischfe von Rouen. Dieser hier war Minister Knig Ludwigs des
Zwlften. Die Kathedrale hat ihm sehr viel zu verdanken. In seinem
Testament vermachte er den Armen dreiigtausend Taler in Gold.
Ohne stehen zu bleiben und fortwhrend redend, drngte er die
beiden in eine Kapelle, die durch ein Gelnder abgesperrt war. Er
ffnete es und zeigte auf einen Stein in der Mauer, der einmal
eine schlechte Statue gewesen sein konnte.
Dieser Stein zierte dereinst, sagte er mit einem tiefen Seufzer,
das Grab von Richard Lwenherz, Knig von England und Herzog von
der Normandie. Die Kalvinisten haben ihn so zugerichtet, meine
Herrschaften. Sie haben ihn aus Bosheit hier eingesetzt. Hier
sehen Sie auch die Tr, durch die sich Seine Eminenz in die
Wohnung begibt. Jetzt kommen wir zu den berhmten Kirchenfenstern
von Lagargouille!
Da drckte ihm Leo hastig ein groes Silberstck in die Hand und
nahm Emm$
Haufen welken
Laubs, das der Wind aufwhlte. Endlich stand sie vor dem
Gitte@tor. Sie zerbrach sich die Ngel an seinem Schlo, so hastig
wollte sie es ffnen. Hundert Schritte weiter blieb sie vllig
auer Atem stehn und konnte sich kaum noch aufrecht halten. Wie
sie sich umwandte, sah sie noch einmal auf das still daliegende
Herrenhaus mit seinen langen Fensterreihen, auf den Park, die Hfe
und die Grten.
Wie in einer Betubung stand sie da. Sie empfand kaum noch etwas
andres als das Pochen und Pulsen des Blutes in ihren Adern, das
ihr aus dem Krper zu springen und wie laute Musik das ganze Land
rings um sie zu durchrauschen schien. Der Boden unter ihren Fen
kam ihr weicher vor als Wasser, und die Furchen der Felder am Wege
erschienen ihr wie lange braune Wellen, die auf und nieder wogten.
Alles, was ihr im Kopfe lebte, alle Erinnerungen und Gedanken
sprangen auf einmal heraus, mit tausend Funken wie ein Feuerwerk.
Sie sah ihren Vater vor sich, dann das Kontor des Wucherers, ihr
Zimmer zu Haus, dann irg$
an den Hallen hinging.
Seiner Weltanschauung treu, verglich Homais die Geistlichen mit
den Raben, die der Leichengeruch anlockt. Der Anblick eines
Pfaffen war ihm ein Greuel. Er mute bei einer Soutane immer an
ein Leichentuch denken, und so verwnschte er jene schon deshalb,
weil er dieses frchtete.
Trotzdem verzichtete er nicht auf die gewissenhafte Erfllung
seiner Mission, wie er es nannte, und kehrte mit Canivet, dem
dies von Larivire dringend ans Herz gelegt worden war, in das
Bovarysche Haus zurck. Wenn seine Frau nicht vllig dagegen
gewesen wre, htte er sogar seine beiden Knaben mitgenommen,
damit sie das groe Ereignis, das der Tod eines Menschen ist,
kennen lernten. Es ollte ihnen eine Lehre, ein Beispiel, ein
ernster Eindruck sein, eine Erinnerung fr ihr ganzes weiteres
Sie fanden das Zimmer voll dstrer Feierlichkeit. Auf dem mit
einem weien Tischtuch bedeckten Nhtische stand zwischen zwei
brennenden Wachskerzen ein hohes Kruzifix; daneben eine silberne
Schssel und fnf oder sechs S$
h der unbeugsame Entschlu, all die
Beliebtheit und Verehrung dranzusetzen, den verhetzten Bauern
rckhaltlos, unbekmmert um die Folgen fr den Prediger, die Wahrheit zu
sagen. Und so hub der greise Zupnik zu sprechen an, da es leicht sei,
im schwer arbeitenden und unter harten Lebensverhltnissen leidenden
Volke mit lockenden Worten groe, ja ungeheure Hoffnungen aufschrankenlose Freiheit und goldene Zeit zu erwecken. Wer die
leichtglubige, begehrliche, geldlsterne Menge mit frechen
Versprechungen berschtte, der habe immer gewonnenes Spiel, mag der
Schwtzer ein Verrter, ein Dieb, ein berlufer, ein Schuft sein. Das
Volk opfert immer fr eine glnzende Hoffnung die kleine Habe, das
bichen angeborenen gesunden Menschenverstand. Blitzdumm sei es, die
wenigen letzten Gulden den Schwtzern nachzuwerfen in der Hoffnung, da
die kommende Zeit Dukaten in schwerer Menge einbringen werde. Die
Zukunft bringe aber kein Geld, berhaupt keinen Gewinn, dafr aber
bittere Enttuschung und schweres Unglck in der$
 erwarb sich, wohin er kam, viel Liebe. So hatte er
wieder ein Jahr einer lateinischen Schule in einem Stdtchen
vorgestanden, und der Magistrat glubte die Stelle in keine besseren
Hnde legen zu knnen, denn in die seinen. Er ward dem Landesherrn
vorgeschlagen, und er erwartete tglich seine Bestallung. Statt deren
aber kam vom Consistorium ein Schreiben des Inhalts: Man habe in
Erfahrung gebracht, da der Justus, den man als ein tchtiges Subject
vorgeschlagen, keines guten Rufes geniee; wie er denn da und dort, wo
er bisher gedient, kein gutes Gercht hinter sich gelassen. Da war es
aus mit der Gunst, die man ihm bisher erwiesen hatte; Niemand grte
ihn auf der Strae, Niemand wollte seine Kinder ihm zum Unterricht
anvertrauen, und Konrad mochte hoch und theuer seine Unschuld
versichern, und auf seine Zeugnisse sich berufen; man zuckte die Achseln
und meinte, das Consistorium msse das besser wissen. Wie nun Justus das
Consistorium selbst um Aufschlu anging, da hie es: Es sei schon
schlimm, wenn ei$
lltet ihr einmal die Gesichter und Gestus sehen, die sie machen, man
sollte meinen, es htte Jeder droben sein Prmium verdient. Einer stellt
dem Andern ein Bein, schlgt ihm die Bche> unter'm Arm weg, oder klemmt
ihm gar den Zopf in die Hausthre. Aber, mein' ich dann, ich hab's ihnen
vertrieben; thut euch der Herr Justus nichts in seiner Engelsgeduld,
dacht' ich, so will ich euch Mores lehren. Ich nahm den Ziemer, der noch
von alter Zeit her hinter dem Ofen hngt, in meine Fuste, und sagte
kein Wort, und stellte mich nur unten an der Treppe auf, und sah Einem
nach dem Andern in die Augen; mein' ich dann, das Toben verging ihnen!
Das ging so zwei Tage; am dritten, als sie herunterkamen, boten sie mir
schon freundlich die Zeit: Schn Dank, ihr jungen Herren, sagt' ich,
und hing meinen Ziemer wieder hinter den Ofen. Doch damit ich meine Rede
nicht vergesse, das erzhl' ich Alles nur darum, damit ich euch
begreiflich mache, da Undank der Welt Lohn sei. Die Buben sind lauter
Shne von unsern schnsten Leute$
. Besonders aber zog eine
Bemerkung im Tagebuch, fast am Ende desselben, seine Aufmerksamkeit auf
sich. Die lautete also:
Den 12. Octobris. Gestern zu Abend ist ein Mnnlein zu mir
hereingekommen, das sich fr einen Advokatenschreiber ausgegeben, und
hat ein Documentum bei sich gehabt, auf Pergament geschrieben und mit
Siegeln von Wachs versehen, die daran gehangen, begehrend, ich solle ihm
das Schreiben lesen, sintemal er des Lateins nicht sonderlich erfahren.
Wie ich sein Begehren erfllt, und ihm die Urkunden verdeutscht, da hat
er eine Abschrift begehrt, die ich ebenfalls in seiner Gegenwart
gefertigt, und vonihm ein Ansehnliches pro labore empfangen. Darauf ist
er weggegangen, aber am andern Abend um dieselbe Stunde wiedergekommen;
hat gar freundlich gethan bei'm Eintreten, und mich gefragt, ob ich ein
schn Stck Geld verdienen wolle? Wie ich gesagt, da ich ein ehrlich
verdientes Geld nicht von mir weise, so hat er sich an meine Seite
gesetzt, das Documentum vor mir ausgebreitet und gesagt: Schreibt$
ieder.
Die zweite Art, die Springbcke zu jagen, ist jene auf dem Anstande. In
der Nhe der Wassertmpel, zu welchen die Gazellen trinken kommen, oder
auch an den Lachen in einem bis auf diese ausgetrockneten Flubette,
grbt man muldenfrmige Gruben, in der Tiefe von 1-3 Fu und 3 Fu im
Durchmesser haltend. In diese Grube kauert sich der Jger und schiet
die zur Trnke kommenden Thiere nieder. Diese Jagdweise ist
namentlich in trockenen Wintern sehr blich, wo es nur wenige
Wasserstellen gibt, an denen die armen Thiere ihren Durst stillen
knnen. Die sdlichsten der Betschuanen, die Batlapinen und Barolongen,
liebn eine hnliche Jagdweise, welche jedoch mehr eine Treibjagd
genannt werden mu. Sie thun dies auch, weil sie als schlechte Schtzen
sonst dem Wilde nicht gefhrlich werden knnten. Mehrere Mnner legen
sich in das etwa 2 Fu hohe Gras, welches die Ebenen zwischen dem
Hart-River und dem Molapo bedeckt, oder hinter die Termitenhgel platt
auf die Erde, und da sie in der Regel nur gewhnliche Musk$
lichen, beschopften und durch lange schmale Schwnzchen
ausgezeichneten Wiriwa (Colius leucotis), von denen ich spter noch zwei
weitere Arten kennen lernte. Eines der Thiere hatte auf dem hchsten
Zweige Posto gefat, wohl um den fremden Ruhestrer im Auge zu behalten,
die brigen hatten sich in das Innere des Busches zurckgezogen, so da
sie meinen Blicken vollends entzogen waren. Es sind sehr muntere Thiere,
doch schwer in Gefangenschaft zu erhalten, die einzig lebenden fand ich
in Grahamstown, wo sie ein Vogelliebhaber mit Finkenarten in einem
groen Kfig gefangen hielt und sie mit Orangen ernhrte.
Das Gros der Vogelwet im Riet-Riverthale bildeten die Vertreter zweier
Arten von Turteltauben, der eigentlichen sdafrikanischen,
blulichgrauen Turtur und der Lachtaube, welchen wir bis zum Zambesi und
darber hinaus begegnen, Vgel, die jeder Thierfreund, wenn er sie in
der Nhe beobachten kann, liebgewinnt. Ich hatte mir mehrere derselben,
die ich im Fluge leicht angeschossen, jahrelang erhalten, und mir$
ch zwei
Korannafrauen, Tpfe auf den Kpfen tragend, um Wasser aus dem Teiche zu
holen, an dem wir lagen. Durch Gesticulationen hielten wir glcklicher
Weise die Frauen ab, nher zu kommen, allein es war auch die hchste
Zeit, zum Schusse zu kommen. Eben waren, wie ich mir einbildete,
dieselben Mnnchen, welche so geschickt das jenseitige Ufer
ausgekundschaftet, zum zweiten Mal an's Wasser getreten, sie setzten
sich auf jede Seite der kaum zwei Fu hohen Einbuchtung und beugten sich
mit dem Vorderkrper zum Saufen nieder. Diesen Moment wollte ich
bentzen, um mein Glck zu versuchen. Wie wir spter an den Spuren
ersahen, hatten sich die beiden Thiere so gegeneinander vorgebeugt, da
blos ein Raum von nicht ganz vier Zoll zwischen den gesenkten Kpfen
frei blieb. Da donnerte meine Bchse--wie wir uns spter berzeugten,
hatte die Kugel, zwischen den Kpfen der Thiere durchfliegend, etwa drei
Fu hinter denselben eingeschlagen. Hoch sprangen sie beide auf, wie auf
ein Tempo mit den Hndennach der Schnauze grei$
ihrer Verwendung zu nichts weniger denn chirurgischen
Operationen, zerbrochen oder unbrauchbar war. Doch zum Ueberlegen war
keine Zeit, der Mann drohte zu verbluten, und so lief ich mit dem Boten
um die Wette.
Ich fand einen ltlichen Mann in seinem Blute liegend mit einer
klaffenden, 13 Zentimeter langen Halswunde, die er sich mit einem
Rasirmesser beigebracht hatte. Nach den zwei Schnitten hatte der Mann
noch dreimal in die so entstandene klaffende Wunde das Messer angesetzt,
so da der Kehlkopf im Ganzen fnf Schnitte zeigte.[1] Meinen
aufopfernden Bemhungen und meiner Pflege gelang es aber zu meiner
grten Befriedigung den Mann dennoch zu retten, trotzdem er nach den
ersten drei Tagen in einem Deliriumsanfalle sich den Nothverband
herabgerisVen hatte.
    1: Siehe Anhang 10.
Da sich meine Patienten englischer Nationalitt mehrten, sah ich mich
nun genthigt, mich mit Eifer auf das Studium der englischen Sprache zu
werfen. Ein Drittel meiner Kunden waren Deutsche, ein Drittel machten
die Hollnder aus, e$
it des Gottesdienstes kam, in dem kleinen
Gebude. Des Knigs Getreue brachten ihm bald die Kunde von dem
Geschehenen, auch konnte er aus seinem Huschen den Gesang der Hymnen
hren. Aufgebracht ber diesen offenen Widerstand bewaffnete sich
Montsua mit einem langen, dolchartigen Messer und eilte nach der Kirche,5in welche er eintrat, als eben einer der Mnner (in Molema's
Abwesenheit) das Dankgebet vorlas. Sein Erscheinen brachte natrlich
Schrecken unter die Versammelten und diese Verwirrung benutzend, befahl
ihnen der Knig, sich sofort zu entfernen. Da war es eine der Frauen,
die ihm mit den Worten entgegentrat, da sie (die Versammelten) als
_bathu ha lehuku_ erst ihre Andacht beenden wrden. Diese Worte brachten
den Knig derart in Zorn, da er auf die Frau losstrzte und es ihm nur
durch die Drohung, von seiner Waffe Gebrauch zu machen, gelang, die
Anwesenden aus der Kirche zu treiben. Unter den Bekehrten befand sich
auch eine seiner Tchter und ihr Mann. Der Knig verbot ihr aus dem
Hause zu gehen, al$
ch, dass Du auch hier bei Tisch zu mir sagtest, Du
habest eine grosse Summe aufgewandt. Doch ich stellte mich, als verstnde
ich nicht, wunderte mich aber nicht, denn ich kenne Dich. Ich denke, Du
wirst Dir den Betrag aufgeschrieben haben, um ihn eines Tages von uns
zurckfordern zu knnen. Ich mchte aber von Dir undankbarem Menschen
wissen, mit welchem Geld Du ihn erworben hast; und ebenso mchte ic
wissen, ob Ihr nicht mehr an jene zweihundertundachtundzwanzig Dukaten
denkt, die Ihr mir von meinem Guthaben in Santa Maria Nuova genommen habt,
an die vielen Hunderte, die ich fr Euer Haus und die Familie ausgegeben
habe, und an die Drangsale und Entbehrungen, die ich ertrug, um Euch zu
helfen. Ich mchte wissen, ob Du daran denkst! Wenn Du nur soviel Verstand
httest, um die Wahrheit erkennen zu knnen, wrdest Du nicht sagen: 'ich
habe mein Geld ausgegeben', wrest auch nicht gekommen, um mich an Eure
Forderungen zu mahnen; Du httest vielmehr daran gedacht, wie ich mich Euch
gegenber in der vergangenen Z$
ten
_gesehen_ zu werden, man hlt in Marokko auch darauf, recht _laut
die vorgeschriebenen_ Worte auszusprechen, damit man ja, falls man
bersehen wird, gehrt werde. Da es nicht nthig ist, genau die Zeit des
Gebetes inne zu halten, die Gebete aber nachgeholt werden mssen, so trifft
man allerorts, auf allen Pltzen, auf allen Strassen, in allen Moscheen
Leute, die ihre Gebetsbungen verrichten. Besucht man einen Marokkaner, so
kann man sicher sein, dass unter hundert neunundneunzig den Gast einen
Augenblick zu warten bitten, "damit ein nachzuholendes Gebet erst
verrichtet werde." Man will damit documentiren, dass man fromm sei! Recht
eifrige Leute, namentlich Brder einer religisen Innung, pflegen ausser
den vorgeschriebenen Gebetsceremodien noch andere zu bestimmten Tageszeiten
abzuhalten, z. B. vor dem Morgengebet das Morgenrothgebet _Fedjer_; um
die Zeit des _Dhaha_, d.h. zwischen dem Morgen- und Mittagsgebete, das
Dhahagebet; das _eschefah-_ und _uter-_Gebet nach dem _el
In den Stdten wird von den Th$
den Namen
Ras-el-ma, ndert aber den Namen, sobald es die Stadt erreicht, in Ued-Fes
um; es verbindet sich dieses Flsschen mit einem strkeren, aus Sdost
kommenden Flusse zwischen Neu- und Alt-Fes, und beide durchstrmen nun di
Stadt ebenfalls unter dem Namen Ued Fes, um spter Ued Sebu genannt zu
werden. Der grssere Fluss, der von Sd-Sd-Ost in Neu-Fes eindringt,
heisst aber oberhalb der Stadt, wie ich auf meiner zweiten Reise in Marokko
constatiren konnte, ebenfalls Ued Sebu. Wenn noch andere Namen aufgefhrt
werden fr diese Wsser, als von Renou Oued el Kant'ra (Brckenfluss), von
dem Renou glaubt, es sei dies der von Edris genannte Fluss Ued S'enhdja,
oder von Graberg von Hems Vad-el-Gieuhari und Vad-Matrusin, oder von
Marmol Ouad-el-Djouhour (Perlenfluss), so muss ich gestehen, dass diese
Namen mir whrend meines Aufenthalts in Fes nicht bekannt geworden sind.
Die Stadt prsentirt sich also derart, dass sie fast mit von Norden nach
Sden (mit etwas von Nordwest nach Sdwest geneigter) gerichteter$
lben weit entfernt von der,
welche die christlichen Consuln in der Trkei haben. Fr das Innere gelten
auch heute alle Vertrge und Bestimmungen nicht, sobald sie Europer
betreffen; das Ansehen eines europischen Consuls ist im Innern gleich
Null. Tribut zahlt heute kein einziges Consulat mehr, aber die mehr als
kniglichen Geschenke, die vor und nach namentlich England und Spanien an
Marokko geleistet haben, habe ich selbst bewundern knnen; und so erfordert
es ausserordentliche Klugheit und Gewandtheit fr einen Consul mit den
Marokkanern zu verkehren. Wenn Flle wie ehedem auch wohl nicht mehr
vorkommen, wo europische Consuln willkrlich auf ein Schiff gepackt und
fortgeschickt wurden[117], falls sie den Marokkanern nicht gefallen, so
verweigerte doch 1842 der Sultan dem franzsischen Consul Pelissier in
Mogador das Exequatur, bloss weil es Sr. marrokkanischen Majestt so
gefiel. Leon Roche .usste von Tanger abberufen werden, weil er zu genau die
marokkanischen Interessen und Zustnde kannte, und England$
liess jenes Gerede nicht
unterdrcken oder dementieren, vielmehr schien es, dass er die
Verbreitung desselben begnstigte, bis er schliesslich selber die Sace
der Armee kund tat. Auf diese Nachricht wurden die Bokelen und
Montenegriner bis zum Tode betrbt und entmutigt. Sie konnten gar nicht
fassen, dass es des Zaren Wille sei, sie, die so mutig und aufopfernd
gegen den gemeinsamen Feind gekmpft hatten, an diesen ausgeliefert
werden sollten. Viele verliessen den Kampfplatz sofort und kehrten heim.
Die Belagerung dauerte bis am 6. Juli. An diesem Tage hatten die Slaven
noch einen Zusammenstoss mit den Franzosen. Frh am Morgen kam die
Nachricht ins russische Lager, dass 500 Mann Ersatztruppen fr die
Franzosen von Ston heranrcke. Der Vladika sandte zu der Mndung des
Flusses _Ombla_ eine Abteilung Montenegriner, den nahenden Feind zu
empfangen. Kaum waren die Montenegriner dort angelangt, als ein neues
Heer auf den trkischen Hgeln erschien. Das war General _Molitor_ mit
3000 Mann. Ueber Ston hatte er jen$
B. der Zauber des Waldes, die tiefe Beruhigung, die er dem
Menschen gibt? Darauf wohl zumeist, da uns in ihm eine unbersehbare
Anzahl pflanzlicher Individuen einer bestimmten Art entgegentritt, die
Lebensfrieden und Lebensmacht zugleich mit uerster Zweckmigkeit
vereinen.HDer Stamm einer Bergfichte ist das Urbild ruhiger, in sich
gefestigter Kraft; ein gewaltiger Lebenswille, den sobald nichts zu stren
oder gar zu brechen vermag, offenbart sich in ihm. Ihre ste, Zweige und
Nadeln aber strahlen mit solch uerster Zweckmigkeit rings von ihm aus,
stellen im Verein mit dem Stamm und den Wurzeln einen so weise der
Auen- und Umwelt eingepaten Krper dar, da man begreift: hier liegt
die _Lsung eines Problems_ vor, an der vielleicht unermeliche Zeiten
gearbeitet haben.
       *       *       *       *       *
Die Fliegen, diese Spatzen unter den Insekten.
       *       *       *       *       *
In der Katze hast du Mitrauen, Wollust und Egoismus, die drei Tugenden
des Renaissance-Menschen nach Stendh$
h als
'unpraktisch' abschaffen.
       *       *       *       *       *
Das Talent zur Disziplin ist die Wurzel von Preuens Gre. Mge es dies
Talent feiner und feiner ausbilden und dafr lieber auf Gebieten
nachstehen, wo es auf Improvisation, Ingenium, Genialitt schlechtweg
ankommt. Menzel ist der preuische Knstler an sich. Menzel sollte eine
religise Formel fr die Preuen werden. Denn was leistet damit der
Preue: Die ganze _Vorarbeit_ des schrankenlosen und hchsten Genies und
damit dies Genie beinahe selbst. Alles, was am Genie Flei ist, also vier
Bestandteile von fnf mgen 'preuisch' genannt werden. Preuen, wenn
irgend ein Lany, hat noch den Gedanken der _Zucht_. Hier ist sein Weg zu
seiner Hhe, wie er es immer gewesen.
Darum soll Berlin das preuische Element in sich nicht abtten, sondern
steigern. Es hat es bereits zu sehr gemiachtet. Schinkel baute preuisch;
es gibt nichts Herzerfrischenderes als diese so edlen, strengen, fast
nchternen Gebude jener Zeit, an deren Stelle eine zgell$
fuhr fort:
Doch bist du auch eine grausige Herrin! Durch dich entstehen die
Ungeheuer, die schrecklichen Gespenster, die trgerischen Trume. Dein
Blick nagt an den Steinen der Huser, und die Affen werden krank,
sooft du dich verjngst.
Wohin lufst du? Warum wandelt sich immerfort deine Gestalt? Als
schmale Sichel schwimmst du wie ein Schiff ohne Mast durch den weiten
Weltraum. Htest die Schar der Sterne, wie ein hagerer Schfer seine
Herde. Rund aber und im vollen Glanze gleitest du wie das Rad eines
Wagens ber den Kamm der Berge.
O Tanit, liebst auch du mich? Ich schaue so viel zu dir~empor. Nein,
nein! Du gehst deinen Gang im Himmelsblau, und ich bleibe auf der
starren Erde.
Taanach, nimm die Harfe und rhre lind und leise die silberne Saite,
denn mein Herz ist traurig!
Die Sklavin nahm das Nebal, eine Art Harfe aus Ebenholz, hher als sie
selber und dreieckig wie ein Delta, stellte es mit der unteren Spitze
in einen Glasnapf und begann mit beiden Hnden zu spielen.
Die Tne folgten dumpf und unge$
t sehen. In
der Tatsache dieses Glaubens an das Unbekannte liegt etwas, das mehr
ist als lediglich negative Opposition gegen das Bestehende, etwas, das
der bisherigen Zeit fremd war, uns ihr berlegen macht und uns die
berzeugung gibt, da die Fahrt sein mu, weil eben der Glaube es
befiehlt. Ob wir nun Indien auf dem andern Wege um die Welt erreichen,
oder vielleicht ein ganz neues Land, das knnen wir nicht sagen. Wir
wissen nur, da wir fahren mssen, nicht aus Abenteurerlust, sondern
unter dem Gebot der inneren Verheiung. In der Erfllung dieses Gebotes
liegt unsere Sendung.
So verlassen wir die alte romantische Welt der Harmonie. Der Blick
wendet sich zurck auf das, was vor ihr war. Die schne Idealwelt des
Klassizismus erkennen und verehren wir in all ihrer Hoheit, die
Sinfonien Haydns, die Opern Mozarts, die Quartette Beethovens sind
Bestandteile unsres MenscheBtums, die wir nicht hergeben knnten, ohne
uns selbst zu vernichten. Aber diese Welt ist fertig. Sie hat die freie
Persnlichkeit, die groe$
ser Vorzug zu. Sie erkennt g e
g e b e n e Bestnde berhaupt an; sie macht nicht den Versuch, die
ganze Welt in reine Denkbestimmungen aufzulsen; aber sie tut dies
leider auch unter weitgehender PreisEabe der Rechte des Denkens und
verfllt so in einen "Nominalismus", der sich von dem Nominalismus etwa
E. Machs und der Positivisten nur der Frbung der Darstellung nach
unterscheidet. In jeder anderen Hinsicht ist die Schule der Marburger
Lehre weit unterlegen. An Stelle des ungemeinen Reichtums und einer
bewunderungswrdigen Vielseitigkeit der Marburger Gedankenwelt treten
hier einfrmige schematisierende Wiederholungen von ein paar beraus
rmlichen und drren Grundgedanken, die sich, verbunden mit der
aufgeblhten, von J. G. Fichte ererbten, Icharroganz dem gesamten
Universum gegenber vergeblich bemhen, eine ganze Philosophie zu
tragen. Der sogenannten "Kultur" (selbst die Religion wird hier auf ein
fadenscheiniges "Norm- und Kulturbewutsein" in letzter Linie
zurckgefhrt) wird eine Rolle und eine Bede$
ehung nicht teilnehmen, so
wandern diese gegen das Bezugssytem. Da sie ihrerseits eine Verzerrung
der Raumstruktur bedingen, de mit ihnen umluft, erscheint die
Raumkrmmung vom gedrehten System aus anders als ohne Drehung. Diese
vom Standpunkt abhngige nderung der Raumkrmmung bedingt
Scheinkrfte, die wir mit der Gravitation auf eine Stufe stellen
knnen. Diese Scheinkrfte sind die Fliehkrfte der Erdumdrehung. Wren
aber Massen und Geschehnisse auerhalb der Erde nicht vorhanden, so
knnten Fliehkrfte nicht auftreten; die im Raum isolierte Erde knnte
sich, physikalisch gesprochen, nicht drehen, das heit: sie knnte
keine beobachtbaren Anzeichen ihrer Umdrehung verraten.
Die Wesensgleichheit von Schwerkrften und Trgheitskrften, auf die
wir so gefhrt worden sind, findet ihre berzeugende Besttigung in der
Gleichheit von schwerer und trger Masse. Vor hundert Jahren durch
Bessels Pendelbeobachtungen bewiesen, hat diese Identitt zweier
scheinbar verschieden definierter Gren viel zu wenig Beachtu$
fiel ihm gar wohl. Er war ein Stockbhme, verstand
jedoch ordentlich deutsch und ich hatte bei meiner Freigebigkeit meine
besonderen Absichten.
Margareth ging oft vor das Thor in ihren Garten, wir wren gar zu gerne mit
einander gegangen, aber ein auslndischer Soldat mute damals Jahr und Tag
in Prag bleiben und sich musterhaft auffhren, ehe er vor das Thor kam. Der
Feldwebel gab ihm dann eine Karte, jedoch nur auf einen Monat und jetzt
wollte ich eine solche haben. Gab mir der Feldwebel ohne hhere Erlaubni
eine und es kam heraus, dann mute er Gassen laufen und verlor seine Stelle
Er weigerte sich lange, eine Karte zu geben; Margareth gab ihm Geld und
gelobte Stillschweigen, ich schwur, da ich ihn nicht verrathen wrde, wenn
ich auch unglcklich wre und erhielt endlich die Karte qines Soldaten, der
dieselbe niemals bei sich trug, weil er immer als Grtner vor den Thoren
arbeitete und allen Soldaten bekannt war.
Glcklich komme ich vor das Thor hinaus, da fhrt mir der Teufel Mucks
Zimmercommandanten in$
anken. Er dringt in mich, mich hier beim Regimente Lindenau anwerben zu
lassen, doch ich behaupte, whrend meines Aufenthaltes zu Leitmeritz eine
schne, junge und vermgliche Wienerin kennen gelernt zu haben, welche in
einem Wirthshause bei Verwndten lebte und bereits nach Wien gegangen sei,
das Mdchen habe mir viel Geld gegeben und ich msse zu ihm in die
Kaiserstadt.
Ich mute dem Offizier mein Geld zeigen, er vermehrte es durch einen
Fnfguldenschein, lud mich zum Nachtessen ein und sagte, ich knne bei ihm
essen so lange ich bleiben wolle, beim Fortgehen werde mir seine Frau noch
einen Bndel weie Wsche und Kleider geben.
Die Leute im Wirthshaus freuten sich sehr ber mein Wiederkommen, besonders
die Harfenmdchen; es hie, der Schnauz habe mir einzig und allein die
Polizei auf den Hals geladen. Ich blieb im Wirthshause, mochte nicht mehr
bei meinen guten Bekannten zu Nacht essen, sondern zeitig ins Bett, um frh
den Weg unter die Fe zu bekommen.
Am andern Morgen gab mir die Frau Majorin richtig ei$
bstsucht und den Satan in jeder
Verkleidung, selbst in der der Frmmigkeit und religisen Ergriffenheit,
durchschaut den Zuckerhannes und sieht wohl, derselbe leide an einem Uebel,
welches sich ncht an Einem Tage und sogar schwerlich in hundert oder
tausend Tagen heilen lasse.
Weil dieser offen erklrte, um keinen Preis den Plan des Spaniolen gnzlich
aufstecken zu wollen, so schrieb der Geistliche fr ihn endlich einen Brief
in der schnen Absicht, mindestens die Gewaltmittel, von denen der Spaniol
allein guten Erfolg von vornherein gehofft, unnthig zu machen.
Ganz zufrieden mit diesem Briefe schied der Zuckerhannes von seinem alten
Schtzer. Auf dem Wege las er das Schreiben einmal und zehnmal; je weiter
er vom Pfarrhofe wegkam, desto deutlicher kam ihm die Einsicht, der
Geistliche habe die Worte viel zu milde und vershnlich gestellt, so da
wohl ein guter Christ, nicht aber ein schlechter, gottvergessener Kerl sich
dadurch rhren und zum Geldhergeben bewegen lasse.
Am Ende erinnerte sich der Verblendete$
nne nicht Alles aus dem kleinen Finger saugen, wenn
er auch ein Benedict sei.
#DORFGESCHICHTEN.#
Wenn mans genau und eine Landkarte dazu in die Hand nimmt, lassen sich die
Einwohner des Badnerlandes in lauter Schwarzwlder und Odenwlder
eintheilen. Die schwbische Hochebene und rauhe Alp sind wohl geognostische
Kinder des Schwarzwaldes und das Rheinthal von Basel bis Mannheim
eientlich nur ein Bergkessel zwischen dem Schwarzwalde und den Vogesen.
Freilich gedeihen auf den Hhen des Schwarzwaldes nur Nadelhlzer; selbst
diese verkrppeln und verschwinden am Feldberge und wenn auf den Vorhgeln
des Rheinthales drunten Mandeln verblht sind, Kastanien blhen und die
Rebe ihre Schlinge treibt, sind die rechten Schwarzwlder froh, wenn ihr
Hafer angeset und ihre Kartoffeln gestupft werden knnen und thun, als ob
sie heuer gerathen wollten. Doch die rechten Schwarzwlder bewohnen nur ein
kleines Gebiet; jedes Thal hat wieder sein Besonderes in Sprache, Tracht
und Sitte und wer das Murgthal bis Freudenstadt und$
senkranz, den Loosungsgroschen und die Karte zum Kartenschlagen stets in
Einer Tasche, bernahm Wallfahrtsgnge fr die halbe Welt, dehalb auch die
Wallfahrt zum Herrn Kapellmeister, zumal Mutter Theres ihr ordentlich
spendirt und noch mehr versprochen hatte, wenn sie etwas ausrichte.
Die Salome wute gar ehrbare und erbauliche Gesichter zu schneiden, Alles
gut einzufdeln, was sie einfdeln wollte und es war ihr ein Leichtes, den
Kapellmeister, einen wackern, offenen Soldaten, der nicht gerne an
Verstellung glaubte, weil er selbst aller Verstellung fremd war, gegen den
Duckmuser einzunehmen.
Zuerst beschrieb sie demselben den answendigen, dann den inwendigen
Benedict von der Geburt bis zur letzten Kirchweihe, erzhlte alle Streiche
desselben, wute den unseligen Scherz mit dem Traueranlegen als Verbrechen
darzustellen, beschrieb dann auch die Rosa als ein verdorbenes,
gottvergessenes und heuchlerisches Geschpf und schlo, indem sie den
Kapelleister im Namen der tief bekmmerten und gekrnkten Mutter des
$
ob, ihre Stiefschwestern heiratheten auch kurz
nach einander, die Frnz lebte jetzt allein mit ihrem Sohne, dem Paul.
Dieser schlug seinem rohen, wsten, trinklustigen Vater in Allem nach, doch
war er noch jung und wurde vorlufig nur von Neid unO Migunst verzehrt,
weil er sehen mute, wie die Therese, seine Stiefschwester, die schnsten
Grundstcke und Hausgerthe und Anderes dem Jacob in die Ehe brachte. Am
meisten schmerzten ihn die beiden Rappen, seine Lieblinge, welcher der
Schwager aus dem Stalle holte und wenn der Paul gar daran dachte, die
Stiefschwester werde nach dem Tode der Mutter Frnz die andere Hlfte ihres
vterlichen Vermgens beanspruchen, dann wute er sich fast nicht mehr zu
helfen vor Neid und Ha, zumal der eigene Vater mit all seiner Habe fertig
und auf Unkosten der Frnz beerdiget worden war.
Mutter Frnz mute dem Paul ihre Vorliebe schenken, ob sie wollte oder
nicht und dieser war kaum volljhrig, so suchte er eine reiche Frau zu
bekommen. Im Dorfe und in der Umgegend nicht sonderli$
rwarten hast, das hast du schon und darfst dich
glcklich schtzen, wenn du nichts herauszahlen mut!" und poltert zur
Stube hinaus, deren Thre er zuschlgt, da das ganze Haus und Therese vor
Zorn und Entrstung zittert. Wenige Minuten spter kommt Mutter Frnz, wei
nichts von dem Vorgefallenen, klagt ber Unwohlsein und die noch unwillige
und aufgeregte Therese meint:
"Sterbet in Gottes Namen, Ihr knnt nichts Besseres thun! ... _Nur sagt
es mir zuvor, da ich mir ein weies Kleid kaufe zum Leidtragen fr
Diese Aeuerung krnkte Mutter Frnz bitter, sie verlie die Stube, kam nie
wieder zurck, verfiel in eine langwierige Krankheit und lie der ltesten
Tochter erst wenige Minuten vor dem Tode Vergebung angedehen. Mehrere
Wochen sa diese Tag und Nacht beim Krankenbette der Mutter, die 3
Stiefkinder kmmerten sich nicht im mindesten um die Sterbende, denn sie
hatten, was sie wollten, nmlich ein schriftliches Testament, nach dessen
Wortlaut Therese auch nicht Einen Kreuzer erhielt.
Sterbend verlangt Mutt$
und einrichtete, welches jetzt ber 5 Jahre Gefangene beherbergt
und die einsame Haft, wie dieselbe in Deutschland sich durchfhren lt,
unter den milichsten Umstnden zu Ehren bringt.
Bestnde die Besserung darin, da die Gefangenen sich nicht beim
Uebertreten der Hausordnung erwischen lassen und fleiig arbeiten, dann
wre es unnthig gewesen, ein kostbares Zellengefngni nach dem Muster von
Pentonville aufzubauen, weil Folgsamkeit und Flei bei der berwiegenden
Mehrzahl der Gefangenen jeder nicht ganz uemenschlich und hirnlos
geleiteten andern Anstalt angetroffen werden.
Der groartige Bau zu Bruchsal hat groartige Summen gekostet, die
Unterhaltung der Anstalt bleibt kostspieliger als diejenige eines andern
Zuchthauses, wiewohl der Gewerbebetrieb in einer Weise blht, wie nirgends,
dehalb wird die Frage entstehen, ob die Frchte solcher Opfer werth seien?
Die Thatsache, da es Rckfllige gibt, mchte verleiten, die Frage mit
Nein zu beantworten und vom Versuchen mit der einsamen Haft abschrecken,
al$
d Platz genug, da auch die Hausfrau ihre
Arbeiten im Schatten verrichten kann. Dann findet man in jedem Hofraum
groe Thonbehlter, oft auf Steinen ruhend, zum Aufbewahren von Korn;
manchmal sind sie sehr knstlich eingerichtet. _Barth_ sagt III. S. 158
bei der Beschreibung eines Musgu-Hofes: "Jeder Hofraum hat einen 12 bis
15 Fu hohen Kornbehlter aus Thon und ein Schattendach. Die
Kornbehlter haben ein gewlbtes, ebenfalls aus Thon bestehendes Dach
mit einer aufspringenden Mndung, welche wieder von einem kleinen
Strohdache geschtzt wird." An einer andern Stelle sagt _Barth_: "Die
Kornbehlter auf 2 Fu Unterlagen haben eine Hhe von 15 Fu und
verjngen sch nach oben. Sie haben nur eine Oeffnung am oberen Theile
und sind hnlich den gyptischen Taubenhusern." Auerdem findet man
hufig Veranden vor den Htten und berdachte Kochstellen.
Die vollendetsten Htten trifft man, wie schon gesagt, da, wo das
Heidenthum herrscht. Eine Htte hat in der Regel 15 Fu Durchmesser, und
die Thonwnde, oft dick, of$
d auer dem
beweglichen Rohrbette befindet sich wenigstens ein festes Thonbett
darin. In kalten Gegenden, z.B. auf dem Goa-Gebirge, beobachtete ich,
da die Thonbetten hohl und von _inwendig zu heizen_ waren. Die grte
Sorgfalt wird immer auf die Eingangshtten verwendet; diese haben
natrlich immer zwei Thren. Eine Htte des Sultans von Akun, den ich
besuchte, zeigte sogar zwei Dcher, wovon das obere offenbar nur zum
Schmuck angebracht ist. Manche Eingangshtten sind colossal gro, sowie
die des Sultans von Keffi-abd-es-Senga; diese diente zugleich als
Versammlungort seiner Gste, war viereckig und hatte mit einem
auerordentlich hohen Dache eine Veranda verbunden.
Eine hnlich groe Empfangshalle traf Schweinfurth auf seiner Reise im
stlichen Centralafrika. Die L.I. Zeitung Nr. 1542 vom Jahre 1873 giebt
ein anschauliches Bild davon. Die groe Festhalle, in der Schweinfurth
empfangen wurde, war von vielen Hundert Menschen gefllt. Es waren die
achtzig Lieblingsweiber des Knigs Munsa anwesend, eine Musi$
z verbrmt, trug sie am
liebsten. Sie blieb auch einsam trotz der groen Kinderschar, die sie
umgab. Das Blut der Golzows war lebenskrftiger als das ihre, denn all
die Buben und Mdeln, die sie gebar, waren nicht eigentlich ihre Kinder:
mit hellen blauen Augen aus rosigweien Gesichtern blickten sie in die
Welt, und Jagd und Tanz, Spiel und Liebe blieb ihnen Lebensinhalt.
An meine Mutter, ihr jngstes Kind, die goldblonde Ilse, hatte sie sich
mit aller Kraft ihrer Sehnsucht geklammert. Lange hoffte(sie, sich
selbst in ihr wiederzufinden, und verdeckte mit den bunten Gewndern
ihrer Phantasie in zrtlicher Selbsttuschung alles, was ihr fremd war
an ihrer Tochter. Sie half ihr auch den Starrsinn des Vaters brechen,
der sich ihrer Verbindung mit einem armen Infanterieleutnant
widersetzte. Die Ehe mit dem ernsten, strebsamen Mann wrde, so meinte
sie, ihr eigentliches Wesen erst zur Entfaltung bringen, -- das Wesen,
das sich schon deutlich genug dadurch auszudrcken schien, da ihre Wahl
unter allen ihren glnz$
 wie ich mich schmte! Wren die Kinder auf mich zugestrzt und htten
mir das weiche Tuch meines Kleides vom Leibe gerissen, htte die Mutter
sich mit meinem Mantel bekleidet, -- ich htte es in diesem Augenblick
ganz natrlich gefunden. Statt dessen ruhten die Augen der Kleinen mit
keinem andern Ausdruck als dem der Bewunderung auf mir, und die Mutter
pries berschwenglich mein gutes Herz.
Ich zog den gedruckten Bogen aus der Tasche, um das Notwendigste
einzutragen. Mechanisch stellte ich meine Fragen. Wie alt sind Sie? --
Sechsundzwanzig. -- Erschrocken sah ich auf: dies gelbe, faltige
Gesicht, der krumme Rcken, die dnnen Haare, der erloschene Blick, --
und sechsundzwanzig Jahre! Ich sah pltzlich meine Tante vor mir, die
vierzigjhrige -- und ein dumpfer Zorn bemchtigte sich meiner. Wie
lange arbeiten Sie am Tage? -- I steh halt um fnfe auf und leg mich
um zwlfen nieder! -- Und das alles nur um das elende Leben am nchsten
Tag weiter zu fristen!
Ws verdienen Sie in der Woche? -- Sechs M$
n wre. Du hast dem
Fredy einen Korb gegeben! rief mir Vetter Fritz eines Tages strahlend
vor FrNude zu, und bald pfiffen es die Spatzen von den Dchern. Mit
jenem Solidarittsgefhl, das den preuischen Offizier charakterisiert
und sich selbst strker erweist als die Subordination gegenber dem
Vorgesetzten, wurden Fredys Kameraden nun zu seiner Partei: sie sprachen
nur das Notwendigste mit der Tochter ihres Kommandeurs; und tanzten sie
mit ihr, so waren es nur Pflichttnze. Selbst wenn ich gewollt htte, --
diese geschlossene Phalanx wrde allen Eroberungsversuchen getrotzt
haben. Aber ich wollte gar nicht; zhneknirschende Emprung erfllte
mich, nicht, weil die Kurmacher mir verloren gegangen waren, sondern
weil ich zum erstenmal die Ungerechtigkeit empfand, mit der mein
Geschlecht im Vergleich zum mnnlichen behandelt wurde.
Als ich einmal wieder pflichtschuldigst von einem der Offiziere des
vterlichen Regiments bei einem Diner zu Tisch gefhrt worden war und
mich tdlich gelangweilt hatte, trat ein$
Schildjungfrau, die in heiem Freiheitsdrang und starker Liebe den
Todfeind ihres Vaters, Helgi, den Hundingstter, vor seinen Mrdern
schtzte und sich ihm als Gattin verband, -- Sigrun, die Treueste der
Treuen, und die geliebteste, um deretwillen Helgi Walhalls Wonnen
verschmhte. Zu einem Drama wollt' ich ihre Geschichte gestalten; der
Konflikt zwischen kindlichem Ghorsam und Mannesliebe war sein
Mittelpunkt, seine Lsung der freiwillige Tod der Heldin.
Meist schrieb ich des Nachts. Am Tage frchtete ich zu sehr die Strung,
die mich aus allen meinen Himmeln ri. Die Friseuse, die Schneiderin,
die Wsche, die Besuche, -- nichts durft ich versumen. Wre ich ein
Mann, es wrde dir nicht einfallen, mich von der Arbeit abzurufen! rief
ich bei solcher Gelegenheit einmal verzweifelt Mama entgegen.
Gewi nicht! antwortete sie mit herbem Lcheln, da du aber ein Weib
bist, mut du frhzeitig lernen, da wir nie uns selbst gehren.
Tante Klotilde fiel mir ein, die mir vor Jahren etwas hnliches gesagt
hatte,$
n und zu kosen,
    Noch sei ein jeder Augenblick ein Fest.
    Lat uns, so lang die Sommerblumen sprieen
                    Genieen!
Auf der Strandpromenade hinter uns sammelte sich das Publikum. Von einer
flackernden Laterne matt erhellt, sah ich Ghrens Gesicht mitten
darunter, und ihm zum Trotz stimmte ich als einzige unter den jungen
Mdchen, deren Wangen sich vor Verlegenheit mehr und mehr rteten, in
den Refrain ein.
    Es braust das Meer, das Schiff schwankt auf und nieder,
    Helljubelnd gren wir den Well^nschaum,
    Der Sturm singt uns das schnste aller Lieder
    Und wiegt uns ein zu wild-bewegtem Traum --
    Was ist das Ende, wenn die Wellen branden? --
                    Stranden!
Mit einem Akkord fanatischer Lebensfreude, der mir in seiner grellen
Dissonanz zu den Worten schmerzhaft ins Herz schnitt, schlo der Snger.
Man drngte sich um uns, die Glser klirrten aneinander, ich hob das
meine noch einmal hoch empor wie zum Gru an den mignstigen Zuschauer,
der unter der Menge ve$
ne Heimlichkeit mein
Erlebnis beschmutzen wrde.
Von Herrn Professor von Glyzcinski ... Mein Vater hieb mit der Faust
auf den Tisch, da die Glser klirrten.
Unerhrt! rief er und das wagst du mir ins Gesicht zu sagen, nachdem
du meine Meinung ber diesen Verkehr erst gestern deutlich genug gehrt
hast?! -- Und rennst wie ein Frauenzimmer einem unverheirateten Mann in
die Wohnung?! -- Willst du mich denn durchaus ins Grab bringen, mit all
der Schande, die du mir machst? Er lief aufgeregt im Zimmer umher,
whrend helle Schweitropfen auf seiner Stirne standen.
Ich zwang mich zur Ruhe: Du weit wohl nicht, was du sagst, Papa! Herr
von Glyzcinski ist ein Schwerkranker, meinen Besuch kann niemand
Aber die Wut, in die er sic hineingeredet hatte, steigerte sich nur
noch mehr. Ich versuchte das Zimmer zu verlassen, whrend Mama und
Klein-Ilschen, vor Schrecken stumm, sich nicht zu rhren wagten.
Du bleibst! schrie mein Vater und packte mein Handgelenk. Versprich
mir, da dieser Besuch der erste und der le$
von Wahrheiten
fhren, denen es im Leben aus dem Wege geht. Heit das nicht auch
ethisch handeln?
Ich war entzckt. So hatte ich mir das Wirken des Knstlers vorgestellt!
Er wurde wrmer und lebhafter.
Glauben Sie mir, sagte er mit einer groen Geste, wenn ich knnte,
wrde ich nur vor Arbeitern meine Stcke auffhren lassen, -- die
verstehen, die wrdigen mich! Und dann erzhlte er von der berliner
Gesellschaft der Kunstkenner, stheten und Mcene, die wahl- und
kritiklos jeder neu aftauchenden Gre nachliefen. Bewundert haben
mich alle als den berhmten Mann, und wieder zeigte sich jenes
unbestimmte tragisch-resignierte Lcheln, -- ich erinnerte mich flchtig
eines Schauspielers, dem meine Altersgenossinnen in Posen um solch eines
Lchelns willen zu Fen lagen -- aber die meisten wuten nicht, ob
dieses notwendige Salonrequisit ein Bildhauer oder sonst was wre.
Es mochte Mitternacht geworden sein, als auf sein neuestes Werk die Rede
kam, das im nchsten Winter das Licht der Rampen erblicken sol$
 knnen, da wir es waren und sind, deren
rastloser Arbeit, nach Frst Bismarcks eigenem Ausspruch, das bichen
Arbeiterschutz zu verdanken ist, das wir haben. Den Herren da oben ist
das schon zu viel, sie schreien nach Flinten und Kanonen gegen den
inneren Feind und winseln nach Liebesgaben fr ihre Taschen ... Sie
brach ab, ihre Stimme war kreischend geworden. Egi_y stand ruhig mit
verschrnkten Armen und einer tiefen Falte auf der Stirn neben ihr.
Und Ihre Frage, mein Frulein? frug er.
Ach so -- meine Frage -- ein verlegenes Lcheln lie sie pltzlich
ganz jung erscheinen, dann reckte sie sich, stemmte die Arme fest auf
das Pult vor ihr, sah Egidy gerade ins Gesicht und sagte. Wenn Sie
dasselbe wollen, wie wir, -- warum sind Sie nicht Sozialdemokrat?
Ein spannender Moment: tausend Augenpaare bohrten sich in das blasse,
erregte Gesicht Egidys. Das hab' ich gefrchtet -- flsterte Polenz
Ich habe den Soldatenrock ausgezogen um meiner berzeugung willen, --
darnach gibt es fr mich kein Opfer mehr,$
onders
von Irlndern den Neuankmmlingen in Amerika drohen. Bin ich, bin ich,
sagte der Mann. Karl zgerte noch. Da fate unversehens der Mann die
Trklinke und schob mit der Tre, die er rasch schlo, Karl zu sich
herein. Ich kann es nicht leiden, wenn man mir vom Gang hereinschaut,
sagte der Mann, der wieder an seinem Koffer arbeitete, da luft jeder
vorbei und schaut herein, das soll der Zehnte aushalten! Aber der Gang
ist doch ganz leer, sagte Karl, der unbehaglich an den Bettpfosten
gequetscht dastand. Ja, jetzt, sagte der Mann. Es handelt sich doch
um jetzt, dachte Karl, mit dem Mann ist schwer zu reden. Legen Sie
sich doch aufs Bett, da haben Sie mehr@Platz, sagte der Mann. Karl
kroch, so gut es ging, hinein und lachte dabei laut ber den ersten
vergeblichen Versuch, sich hinberzuschwingen. Kaum war er aber im Bett,
rief er: Gottes Willen, ich habe ja ganz meinen Koffer vergessen! Wo
ist er denn? Oben auf dem Deck, ein Bekannter gibt acht auf ihn. Wie
heit er nur? Und er zog aus$
ls sonstigen Schmucksteinen verarbeitet, hat nie die
dunkelgrne Farbe des Smaragdes, ist blassgrn, auc blau, gelb und ganz
wasserhell, findet sich in langen, durchsichtigen 6seitigen, meist der
Lnge nach gestreiften Sulen, die hufig mehrere Zoll, zuweilen bis gegen
einen Fuss Lnge und eine ansehnliche Dimension haben; er besitzt einen
blattreichen Bruch und lsst sich erwrmt leicht der Quere nach in
durchsichtige Bltter spalten, die concav-convex sind, daher als Brenn- und
Augenglser dienen knnen. Er findet sich nicht in Indien, vorzugsweise in
Siberien, hier in grosser Menge, besonders bey Nertschinsk, wo der Berg
Odontschelon fast daraus bestehet, auch bey Mursinsk, wo die weingelbe
Abnderung vorkommt. Diese Beryllgruben betrieb schon das hohe Alterthum,
sie blieben dann liegen, wurden in der neuern Zeit wieder von den Russen
aufgenommen. Als man diese Steine kennen lernte, nannte man sie anfangs
Chrysolithe und Aquamarine, akwamarin im Russischen, im System stellte man
sie zum Topas oder zum Sc$
ehlkrystall) soll Bernstein seyn, dieser ist
aber nicht krystallinisch; auch tringrahiK (d.i. Grasanzieher), was auch
Turmalin seyn kann; mir scheint es wahrscheinlich, dass man den Bernstein
unter pita begriffen hat, womit man gelbe Edelsteine bezeichnete.
_ivgit kajungar saet_ im Grlndischen;--_amber kerning_ im Malaiischen (ob
aus dem Englischen?);--_sath_ im Armenischen, auch kahribar (wohl aus dem
Persischen), pazmakoum wird mit electrum bersetzt;--_kawake_ im
Japanischen;--_kahruba, kuhroabo_, auch _kepur_ im Hindu (wohl aus dem
Persischen);--_kahrub, karabe, kahruba_ im Persischen (von kah und rubah,
d.i. der Ruber von Spreu, wegen der electrischen Anziehung);--amber ist
das wohlriechende Harz, der ambra ambrosiaca;--_karabe, kahrab, karabah_ im
Arabischen;--_kehribar_ im Trkischen;--_karaweh_ im
Georgischen;--_keherbai_ im Bucharischen;--_charbe_ im
Aethiopischen;--_prud_ im Alt-Slawischen;--_jantar, yantare_ im Russischen
und Serbischen;--_jantar_ im Polnischen, auch _bursztyn_;--_gantar_ im
Cze$
bellur_ im Trkischen;--_balur_ im
Persischen;--_belur_ im Arabischen;--_bellur_ im Kurdischen;--_be'ur_ im
Syrischen;--_ibna barad_ im Syrischen.
_abagjegh, wanakn, akn wani_ im Armenischen;--_gabisch_ (was auch Eis
bedeutet), und _kerach_ im Hebrischen;--_kerustallin_ im Chaldischen.
_criostal_ im Glischen, auch _gloine_ (d.i. Glas) _shoillur_ und _gloine
shinealta_;--[Greek: _krystallos_] im Griechischen;--[Greek:
krystallopetra] im Neugriechischen;--_crystallus_ im Lateinischen, mit
vielen Abnderungen; iris war der dreiseitige Bergkrystall, der als Prisma
diente; der erros oder zerios war diesem hnlich; haephaestites waren
Geschiebe, die als Brennglser dienten;--morio war unser Rauchtopas, der
nach Plinius in Indien prammion hiess, der alexandr*nus und cyprinus waren
rthlich;--_crystallus montanns [montanus]_ im mittelalterlichen
Latein;--_kristallssteirn_ im Islndischen;--_rockcrystall_ im
Englischen;--_bergkrystall_ im Schwedischen;--_bjergkrystall_ im
Dnischen;--_bergglas_ im Hollndischen;--_$

Schwedischen, Dnischen;--_spar_ im Englischen;--_espato_ im Spanischen und
Portugiesischen;--_schpat_ im Russischen;--_szpat_ im Polnischen, welche
Worte zunchst zusammenhngen mgen mit ysparth im Wlschen, theilen,
splten, entfernter mit spatika im Sanscrit, d.i. Krystall.
Die krystallinischen Fossilien der Kalkreihe, als Kalk-, Gyps-, Flussspath
und andere, unterschied man frher nicht gehrig, konnte es auch kaum, da
chemische Analysen fehlten, man begriff sie im Allgemeinen unter Spath und
unter den fluoribus, wie Agricola, Boetius de Boot u.s.w.; erst seit
Cronstedt (1758) wurde der Kalkspath nher fixirt. Nach der Form bekam er
besondere Namen, als Schweinszahn, Nagelkopf, Hahnenkamm und viele andere.
Mit welchem Namen man ihn im classischen Alterthume bezeichnete, ist
unbekannt, die von Plinius erwhnten: pangonius, ceponius, leucochrysos,
melichrysos u.s.w. knnen hierher gehren.
Die Orientalen werden ihn unter den Namen fr Krystall begriffen haben (s.
_spath culcaire_ im Franzsischen;--_lime $
wnsche, msse jetzt eintreten, dann schliee sich die
Tre fr immer. Dann sah Karolus mit bebendem Herzen noch eine Menge
Leute in das Gewlbe treten und stand frstelnd und sehnsuchtsvoll, wie
auf sein Stichwort harrend, auf seinem dunklen Posten. Er schaute die
Tr an, er stellte sich tiefatmend vor, wie er die Geliebte, Einzige,
Wunderbare in einer kurzen halben Stunde ber die Schwelle tragen werde,
hier bei dem schmalen Teingchen werde der Wagen warten und rasch mit
ihnen von dannen fahren. Wohin? Das wute Karolus jetzt selbst noch
nicht, die Unterredung mit Lalanda werde Gewiheit bringen, wohin, ach,
jedenfalls in eine glckliche Zukunft.
Ich htte einen Dolch mitnehmen sollen! fiel ihm ein, und seine Finger
ballten sich zusammen, als ob sie schon den Griff eines Dolches hielten
und zutoen mten. Denn viel Gefahr wartet auf mich und manches
Abenteuer gilt's zu bestehen! Wenn die Trommler nicht weichen wollen!
Er griff nach den Flaschen in seinem Mantel, wenn der Zwerg nicht zu
bestechen is$
ine schauerliche Geschichte
erzhlt, wie er von einem Strolch einmal beinahe erdolcht worden war.
Es ist einer stehen geblieben, sagte Geronimo.
Tenelli, der Gendarm, sagte Carlo.
Nun waren sie an ihn herangekommen.
Guten Morgen, Herr Tenelli, sagte Carlo und blieb vor ihm stehen.
Es ist nun einmal so, sagte der Gendarm, ich mu euch vorlufig beide
auf den Posten nach Boladore fhren.
Eh! rief der Blinde.
Carlo wurde bla. 'Wie ist das nur mglich?' dachte er. 'Aber es kann
sich nicht darauf beziehen. Man kann es ja hier unten noch nicht
Es scheint ja euer Weg zu sein, sagte der Gendarm lachend, es macht
euch wohl nichts, wenn ihr mitgeht.
Warum redest du nichts, Carlo? fragte Geronimo.
O ja, ich rede ... Ich bitte, Herr Gendarm, wie ist es denn mglich ...
was sollen wir denn ... oder vielmehr, was soll ich ... wahrhaftig, ich
wei nicht ...
Es ist nun einmal so. Vielleicht bist du auch unschuldig. Was wei ich.
Jedenfalls haben Xir die telegraphische Anzeige ans Kommando bekommen,
da $
visor sei ein Narr, meinte dieser gescheite Mann, und alle Welt
habe recht, ihn zu verdamm]n wegen seiner Narrheit. Was fr eine
Bedeutung habe dies trichte Scharmuzieren? Ein bettelarmes Persnchen,
das weder hbsch noch klug sei und zweifellos einen wahnsinnigen Zug in
den Augen trage. Niemand wisse, was sie dabei wolle.
Ein altes Wort lautet: was ein Weib will, das will Gott, murmelte der
So? Eine jammervolle Sentenz, Schulmeister! Ich glaube, Ihnen sitzen
Gespenster im Magen. Sei's drum! Ich gnne jedem sein Pltzchen an der
Sonne. Gute Nacht.
Der Lehrer fhlte sich verlassen. Er blickte sphend durch die fallenden
Schneeflocken, als erwarte er einen Freund, mit dem er die Nacht
verbringen knnte. In der Tat tauchte eine schwarze, hagere Gestalt aus
der Finsternis auf. Es war der Herr Adjutant. Beim Anblick des Lehrers
packte er sofort begeistert seinen Hut, schwenkte ihn gegen das
Firmament und schrie den Abendgru, als ob er seinem Landesfrsten
zujauchzte. Gleich darauf ging er wieder stelzengerad$
nd ber die Stirn, die von wirren, nassen Haaren bedeckt war. Dann
griff er nach einem Gegenstand, der auf dem Tisch lag, mitten auf einem
weien Blatt Papier. Es war das Herz mit dem /vers Dieu va./ Ein Zucken
ging ber sein Gesicht, und er bi die Lippen zusammen. Das goldne Ding
fiel auf die Erde. -- Vielleicht ist sie nach Hause zurck, flstertefSiebengeist fragend, und Philipp Unruh gab durch Haltung und Blick seine
Willfhrigkeit zu allem kund. Auf der Strae trafen sie den Nachtwchter,
welcher sehr betrunken war. Er wute von nichts, nicht einmal ob es Tag
oder Nacht war, hatte niemand gesehen. Sie luteten vor dem Haus, wo
Myras Mutter wohnte, und nach einiger Zeit kam eine Person von
ungewhnlicher Beleibtheit zum Vorschein. Diese Person glich einem
Laubfrosch; sie trug einen moosgrnen Schlafrock und hatte einen
Schnurrbart, obwohl sie ein Weib war. Mit schnarrender Stimme berichtete
sie, da der Schauspieler und die Frau vor einer Stunde mit dem
Mnchener Eilzuge abgereist seien. Das junge Fru$
war es, das war das Ganze, und ich Tropf lief in die
berdeckte Falle und strzte so tief, da keine Faser an meinem Leibe
Eines Abends um sieben Uhr kam Aurora in meine Wohnung, dicht
verschleiert. Sie war still und finster, wie ich sie nie gesehen. Sie
entblte ihre Brust und zeigte mir einen blutigen Striemen. Ich
stotterte eine Frage. Dies ist von ihm, sagte sie dumpf. Da schlug ich
besinnungslos mit der Faust um mich und zertrmmerte das Fenster. Mit
meiner von Glassplittern verwundeten Hand wollte ich sie an mich ziehen,
aber sie, auf das Blut starrnd, wich sehr erschrocken zurck. Du
weit, ich kann kein Blut sehen, hauchte sie. Und doch sollst du bald
Blut sehen, antwortete ich. Nein sehen nicht, versetzte sie abermals
hauchend. Ach, wenn das wre, fgte sie hinzu und schaute mich glhend
an, wenn du das vollbringen knntest, dann knnte ich sterben aus Liebe
Da sie gewagt hatte, zu mir zu kommen, erschtterte mich, da ich in
dieser Verwegenheit nur eine Handlung des Vertrauens und der Z$
nd _ton luwa_--Seelen der Tiere, Pflanzen
und Gesteine--Vorzeichen--Erklrung der _pemali_--Priester
und Priesterinnen--Beseelung der _dajung_--Pflichten der
_dajung_--Erklrung der _mela_--Das Ei als Opfergabe.
Kapitel VI.      116-132
Opfergaben der Ballon: _kawit_--Die _pemali:_ bei der _mela_,
beim Erntefest, in den Reisscheunen, auf dem Reisfelde, beim
Sen, beim Neujahrsfest, bei der _mela_ der Namengebung, bei der
_mela_ gegen Krankheit, bei der Rckkehr von grossen Reisen--Das
_legn_--Schwierigkeiten bei den Nachforschungen auf religisem
Gebiet--_Usun_, die Oberpriesterin--Schpfungsgeschichte der Mendalam
Kapitel VII.      133-155
Auffassung der Kleidung seitens der Eingeborenen--Zweck
der Kleidung--Einfluss der Malaien auf die
Kleidung--Alltags-, Fest- und Kriegskostm der Mnner am
Mendalam--Kopfbedeckungen--Schmuck--Ttowierung--Ausrecken der
Ohrlppchen--Umformung der Zhne--Haartracht--Alltags- und Festkleidung
der Frauen-Schmuck--Trauerkleidung--Ausrstung der Toten--Waffen der
Kajan: Schwer$
hatte sich zuerst zu dem wichtigsten Pnihinghuptling,
_Belar_, begeben, dann weiter flussabwrts _Kwing Irang_ am
Blu-u aufgesucht und war schliessich noch weiter zu _Bo La_,
dem Huptling der Long-Glat, gegangen; alle drei Niederlassungen
hatte er auf unsere Ankunft und unsere Absichten vorbereitet. Seine
Aufforderung, uns baldmglichst Hilfe zu senden, hatte grossen
Eindruck gemacht, denn _Kwing Irang_ war sogleich mit vielen Bten
den Mahakam hinaufgefahren, unglcklicher Weise ohne vorher eine
fr lngere Zeit ausreichende Menge Reis zu beschaffen. Sie hatten
Tage lang mit Hochwasser kmpfen und jetzt sogar einen Tag warten
mssen und wren, wenn ich nicht gekommen wre, aus Reismangel wieder
umgekehrt, was fr unsere Expedition, bei der herrschenden Nahrungsnot,
sehr verhngnisvoll htte sein knnen. Die Malaien berichteten, dass
nach _Kwing Irangs_ Beispiel auch _Belar_ und andere Pnihing mir
entgegengefahren seien. Sehr beruhigend wirkte auf mich die Nachricht,
dass sich die Batang-Lupar Banden au$

und gerade vor diesen frchten sich die Eingeborenen so sehr, weil die
Berghhlen von bsen Geistern, hauptschlich von den Donnergeistern,
bewohnt werden. Um die gefrchteten Unternehmungen zu verhindern,
nahmen die Bahau hufig zu falscher oder entsetzlich bertriebener
Auskunft ihre Zuflucht; den Kern von Wahrheit mussten wir selbst
herauszufinden suchen. Sobald ich aber den Zug mit einigen ihrer Mnner
wirklich antrat, taten sie alles, um ihm einen guten Erfolg zu sichern.
Wenige Hilfsmittel fr Untersuchungen aller Art gewhren einem
auf der Reise so vieE Befriedigung als die Photographie; sie
erfordert jedoch, je nach dem Ziel, das man verfolgt, und dem Land,
das man bereisen will, eine besondere und sorgfltig gewhlte
Ausrstung. Fr ein sehr feuchtes Tropenklima, wie dasjenige
von Borneo, sind Apparate von besonderer Widerstandsfhigkeit
erforderlich. Obgleich wir bei der Zusammenstellung der Ausrstung
die verschiedensten Punkte eingehend bercksichtigten, wre es
uns ohne die besondere Geschicklic$
es Gepck an diesem Tage
noch ber den Udang bis oberhalb des Batu Brang; abends jedoch kehrte
_Kwing_ mit fast allen seinen Mnnern und einigen leeren Bten zu
uns zurck, weil er uns aus ngstlichkeit in dieser Umgebung nicht
allein bernachten zu lassen wagte. Dank dem niedrigen Wasserstande
wurden unsere Bte schnell den Fluss hinauf gerudert und an schwierigen
Stllen wie gewhnlich mit Rotangseilen dem Ufer entlang gezogen. Unser
Gepck brauchte sogar am Kiham Udang nicht ber Land getragen zu
werden, da das Wasser selbst an dieser engen Stelle augenblicklich
tief stand. Der Udang bot jetzt ein ganz anderes Bild als das vorige
Mal. Die Ufer bestanden nun einige Hundert Meter weit aus zahllosen,
unregelmssigen, weissen Konglomeratblcken, die unter der dunkelgrnen
Masse des Urwaldes in der Mittagssonne hell hervorschimmerten. Im
Kiham Udang selbst lehnten sich die Felsmassen, die bei Hochwasser
vllig berschwemmt werden, turmhoch gegen die Bergwand an. An diesem
Tage erreichten wir noch die Gerllbank$
jetzt an einem
Rotang ans Land, und dann standen wir triefend, unserer Habe beraubt,
neben einander am Waldessaum. _Anjang Njahu_, der sich als Anfhrer
fr das Unglck verantwortlich fhlte, blieb anfangs scheu zur Seite
stehen und trat ert, als er sah, dass ich nicht zrnte, mit bleichem
Gesicht auf mich zu und fragte, ob ich verwundet wre. Auch _Tingang
Sulang_ kam, um sich von meinem Wohlergehen zu berzeugen. Er war,
da er mich nach dem Umschlagen nicht mehr an die Oberflche hatte
kommen sehen, wieder ins Wasser gesprungen und dann ebenfalls mit
dem Boote abwrts getrieben worden. _Maring Kwai_ fehlte noch, doch
hatte man ihn auf meinen mit Riemen zusammengeschnrten Matratzen
hinunterfahren sehen; augenscheinlich war auch er irgendwo gelandet.
Eigentmlicher Weise war mein erstes Empfinden nach der Rettung
Selbstbefriedigung ber die Geistesgegenwart, mit der ich mich durch
die Schwierigkeiten hindurch gerungen hatte; erst viel spter fhlte
ich dankbare Freude ber meine Lebenserhaltung.
Den Verlust$
eien (_panjin_) und Sklaven (_dipen_), ist die Kluft hier eine
viel grssere. Die Kajan suchen selbst energisch eine Vermengung der
Klassen durch Heirat zu verhindern, was ihnen jedoch nur zum Teile
glckt. Die _dipen_ werden zwar gut behandelt, weder verkauft noch
gettet, aber nur wenige unter ihnen, wie _Anjang Njahu_ und _Sorong_,
bten durch ihre hohe Stellung beim Huptling einen indirekten Einfluss
auf die Stammesangelegenheiten aus. Whrend bei den Kajan am Mendalam
viele Sklaven ein selbstndiges Leben fhrten, einige selbst gegen den
Willen des Huptlings sich jahrelang bei anderen Stmmen auf hielten,
wurde ihnen dies am Mahakam nicht gestattet. _Kwing Irang_ hatte einen
Teil seiner Sklavenfamilien unter Aufsicht einiger Mantri gestellt;
whrend des Reisbaus wohnten die meisten auf den Feldern, die sie fr
den Huptling zu bestellen hatten, und in der Niederlassung mussten
sie ihrN Wohnungen zu beiden Seiten des Huptlingshauses bauen,
nicht zwischen denen der Freien.
Eigener Grundbesitz ist den _d$
 sah eine Krabbe (_kujo_), die sich in der Nhe unter
einem Stein verborgen hielt, und, sobald der _dukung_ fortging,
scharrte sie mit ihren Beinen den Kot auseinander, wodurch der Fels mit
Erde bedeckt wurde. In dieser Erde trieb die _tsp_ Wurzeln, so dass
die Schwester von _Bua Langnji_, als sie unten nach der Zange suchte,
bereits ein Bumchen mit einigen kupfernen Blttern fand. Schnell
wuchs das Bumchen in die Hhe; durch eine ffnung, die sich dabei
im Stamm bildete und die der Himmelsgeist _Uwang_ bemerkte, wurde
es von diesem befruchtet. Als Folge hiervon entwickelten sich unten
am Bumchen zwei Sprossen, ein mnnlicher, _Amei Klowon_, und ein
weiblicher _Inei Klion_. Es waren menschliche Wesen, aber ohne Arme
und Beine, denn einer der Bewohner des Landes, in welches die Zange
gefallen war, hatte den Baum verwundet, indem er mit seinem Schwert
unten am Stamm einen Blutegel ttete, den er von seinem Bein gestreift
hatte. Auf diese Weise waren die ersterschaffenen Menschen vrstmmelt
worden. Sie ware$
 Reise gefrdert werden wrden. _Bang Jok_, der sehr gut wusste,
dass die Long-Glat und Kajan nur auf seine Beteiligung warteten, um
mich zuJden Kenja zu begleiten, wagte daher nicht, die Verantwortung,
die Reise vereitelt zu haben, auf sich zu nehmen; auch kam ihm die
Einsetzung einer niederlndischen Verwaltung am Mahakam nicht mehr
ganz unwahrscheinlich vor. So versprach er denn endlich, sehr gegen
seinen Wunsch, ein Boot mitsenden zu wollen; dass er selbst an der
Reise nicht wrde teilnehmen knnen, konnte fr mich nur vorteilhaft
sein. Whrend dieser Unterhandlung hatte ich _Bo Ibau_ und _Kwing
Irang_, die sich beide dem unnatrlich gezierten _Bang_ durchaus nicht
gewachsen fhlten, nicht ins Gesprch gezogen und doch hatten sie,
besonders _Kwing_, wie auf glhenden Kohlen gesessen. Er zog sich mit
seinen Kajan, noch whrend ich mit _Bo Ibau_ die Massregeln besprach,
die er unter seinen Long-Glat treffen sollte, aus der unheimlichen
Nhe seines Nebenbuhlers _Bang Jok_ zurck und begab sich ins Haus der
M$
m Meere den Fluss hinaufschwimmen; als Begrndung wird jedoch nur
der salzige Geschmack ihrer Flossen angefhrt.
Die Delphine (_ikan mpush_) werden bis 1.5 m lang und sind
dunkelblaugrn gefrbt; sie kommen in grossen Mengen bis zum Fuss
der Wasserflle im Mahakam vor und man sieht ihre Wasserstrahlen
und glnzenden Rcken tglich ber der Wasserflche erscheinen. Sie
werden von den Malaien nicht gegessen, weil diese die Delphine fr
Menschen halten. Der Erzhlungnach wohnte in Muara Pahu einst ein
Mann, der seinen Hunger nicht schnell genug stillen konnte und daher
den kupfernen Reistopf mit hinunterschluckte. Darauf fhlte er aber
so heftige Bengstigungen, dass er ins Freie lief und am Flussufer
den Stamm eines Steinpisang oder _pisang mangala_ umfasste. Beim
Anklammern gab der Stamm jedoch nach und strzte mit dem Manne ins
Wasser, der darauf in einen Delphin verwandelt wurde.
Am 3. Juni erst kehrten die Malaien unter _Delahit_ zurck und da
noch keine Berichte von den Kajan eingetroffen waren, benutzte $
, die eben
in einem Boot angekommen waren, mit heftigen Gebrden eine ernste
Nachricht mitteilen, von der wir nichts weiter begriffen, als dass
es sich um Kampf und Tote handelte. Die herbeistrmenden Bewohner von
Tanah Putih gerieten beim Anhren des Berichtes in grosse Aufregung,
so dass es fr uns eine Beruhigung bedeutete, als _Bui Djalong_ in
seinjr gefassten Weise selbst auf dem Schauplatz erschien und sich
berichten liess. Obgleich auch er voll Interesse zuhrte, regte er sich
doch nicht dabei auf; ich nahm daher das unbekannte Ereignis nicht zu
tragisch und ging, um zu hren, um was es sich handelte. Die Boten
waren von den Drfern weiter unten am Kajan gekommen und meldeten,
vom Stamme der Uma-Tepai seien 100 Mann im Kampfe gegen den feindlichen
Stamm der Alim, die am Pedjungan wohnten, gefallen. Der Vorfall schien
_Bui Djalong_ doch weit mehr zu treffen, als ich aus der Ferne gesehen
hatte, denn er war bleich geworden und seine Lippen waren blau,
doch zeigte er sich nicht erregt und war noch unbewaf$
n und Schuttbnken im allgemeinen den Charakter eines fr
den Verkehr ungeeigneten Bergstroms (auf der von dem Kenja gezeichneten
Karte sind die schwer passierbaren Stellen durch bootshnliche Figuren
c angegeben (Taf. 89).
Diesem Umstand ist es zuzuschreiben, dass die Kenja im Fahren mit
Bten viel ungebter sind als die Bahau, dafr haben sie aber in
ihrem ganzen Lande gute Wege angelegt, sowohl von den Drfern zu den
Reisfeldern als zu anderen Drfern. (Letztere Wege sind auf der Karte
mit einfachen Linien angegeben; die Kreise f, durch welche der Weg
von Tanah Putih zu den Uma-Leken fhrt, bedeuten Berge).
Die Apu Kajan bewohnenden Stmme, die sich alle verwandt fhlen,
sind vor 2-3 Jahrhunderten vom Uan, dem linken Nebenfluss des
Mittel-Kajan, hierher ausgewandert, nachdem sie sich vorher noch
am oberen Bahau niedergelassen hatten. Aus der neuen Heimat hatten
sie der Reihe nach die Stmme vertrieben, die jetzt unter dem Namen
Bahau am Balui und Mahakam wohnen, Ein anderer Teil der Kenja lies
sich damals$
n Sorangs_, wurde wegen ihres hbschen usseren
und der geschmackvollen Kleidung, die sie trug, reichlich von mir
bedacht. Fr allerhand wertvolle Dinge, die sie von mir haben wollte,
verkaufte sie mir mit Hilfe ihrer Mutter, die etwas Busang sprach,
der Reihe nach ihr ganzes Kostm, von der Mtze an bis zur Jacke und
dem Rock. Sie erhielt schliesslich einen solchen Schatz an schnem Zeug
und Perlen, dass kurz vor meiner Abreise ihr Vater und Grossvater mit
ihr zu mir kamen, um sih fr alles, was ich _Ping_ gegeben hatte,
zu bedanken. Es war dies das erste Mal, dass man mir fr genossene
Wohltaten nach europischer Weise Dank sagte. Mit hbschem Zeug
durfte ich brigens freigebig sein, weil die Masse des Volkes, wie
schon gesagt, dauerhaften, dicken Baumwollstoff weitaus vorzog.
Obgleich ich ganz berzeugt war, dass eine reiche Austeilung von
Geschenken dazu beitragen musste, ein gutes Verhltnis mit den
Eingeborenen anzuknpfen, so war es doch nicht meine Absicht, beim Volk
die Meinung zu erwecken, die Ding$
h
sechstgigem Besuch verliess, kam die Familie des Huptlings, um sich
bei mir fr alles zu bedanken, was ich ihrem Stamm an Tauschartikeln,
Geschenken und Arzneien gegeben hatte.
Die krftigere Persnlichkeit der Kenja ussert sich auch noch
in dem Grade, in welchem ihre religisen Begriffe auf ihr Leben
einwirken. Wie auch nicht anders zu erwarten ist, lassen sich diese
krperlich und geistig krftigeren Stmme um ihres Glaubens willen die
auf ihr Bestehen drckenden Bande der _pemali_ und Vorzeichen nicht so
geduldig gefallen, wie die krperlich und geistg schwcheren und daher
ngstlicheren Stmme. Der Unterschied zwischen Bahau und Kenja ist
hierin am bemerkenswertesten. Beide Stammgruppen haben ja den gleichen
Gottesdienst und ihre _pemali_ und Vorzeichen sind im Grunde dieselben,
nur sind diese bei den Bahau mehr bis in Kleinigkeiten entwickelt als
bei den Kenja. Unter ersteren sind alle Erwachsenen verpflichtet,
den _pemali_ streng nachzuleben, unter letzteren ist dies mehr den
Priestern aufgetragen$
h
der Weg, deutsch die Nacht, deutsch der Baum, deutsch die Luft und das
Wort. Mag sein, da ein sehr hoch thronender Richter mi weisem Lcheln
mir zurufen knnte: was du von den Ahnen hast und durch dein Blut bist
und in deinem Werk sich mitverkndigt, das kannst du selbst nicht
beurteilen. So wrde ich doch antworten, und er, der Weise, wrde es
billigen: die es trotzdem spren, sind schon vom niedern Wahn Gelste,
und sie freuen sich dessen, der sie besttigt und erweckt; ob er vom
Osten kommt oder vom Westen, gilt ihnen gleich, nur seine Menschenstimme
und seine Opfertat ist ihnen wichtig. So viel wei ich von den
Die andern, denen ich Jude war und blieb, wollten mir damit zu erkennen
geben, da ich ihnen nicht genug tun konnte, als Jude nmlich; da ich,
als Jude, nicht fhig sei, ihr geheimes, ihr hheres Leben mitzuleben,
ihre Seele aufzurhren, ihrer Art mich anzuschmiegen. Sie rumten mir
die deutsche Farbe, die deutsche Prgung nicht ein, sie lieen das
verschwisterte Element nicht zu sich her. Was$
 nannte. Es war ein
herzerfreuender Anblick fr ihn, und oft bat er einen auswrtigen Freund,
doch zu ihm zu kommen und seine Freude darber zu theilen, da die
Herzogin Mutter, der Herzog, Prinz Constantin, Goethe, Gleim u.A. bei der
Taufe seiner Kinder Pathenstellen bernommen. Seine Gattin hatte ihm
vierzehn Kinder geboren, von denen ihm sechs Tchter und drei Shne am
Leben blieben. Zwei liebe Kinder, Philipp und Wilhelm, entri ihm der Tod.
"Die Zeit", schrieb Wieland "heilt wohl Wunden dieser Art, aber die Narbe,
die sie zurcklassen, bleibt so lange wir leben."
Noch ehe ihn jener zwiefach harte Schicksalsschlag getoffen, hatte
Wieland seiner Jugendfreundin Sophie la Roche geschrieben: "Ich habe eine
ganz artige Nachkommenschaft um mich her, alle so gesund und munter,
gutartig und hoffnungsvoll, jedes in seiner Art, da ich meine Lust und
Freude daran habe, und mich gerade wegen dessen, was die Meisten fr eine
groe Last halten wrden, fr einen der glcklichen Sterblichen auf Gottes
Erdboden halte. D$
Regierung an den Bei von Tunis, dass Frankreich auf
alle Flle den Status quo aufrecht erhalten wrde.
Nach Taher Pascha folgte August 1838 Hassan Pascha. Derselbe erkannte
Rhuma als Chef vom Djebel an und unterhandelte auch mit Abd el Djelil,
welcher sich anheischig machte dem Gouverneur von Tripolitanien jhrlich
25,000 spanische Piaster zu zahlen. Da~Hassan Pascha aber auch den
rckstndigen Tribut verlangte, wurden die Verhandlungen abgebrochen, und
Abd el Djelil verband sich in Folge davon mit Rhuma. Als aber 1840 schon
in der Person von Asker Pascha wieder ein neuer Pascha als Gouverneur kam,
wurde ein anderer Vertrag mit den beiden Chefs gemacht, in Folge dessen
wie frher Abd el Djelil 25,000 und Rhuma 5000 spanische Piaster der
Regierung entrichten sollte. Aber wie immer sind die Vertrge mit den
Arabern leicht gemacht, geschrieben und beschworen, wenn es jedoch zur
Ausfhrung derselben kmmt, sind sie gegen Gleichglubige ebenso
wortbrchig, als gegen Unglubige. In Algerien haben die Araberchefs fa$
Smith vermuthen, hier habe der Palast des rmischen
Gouverneurs gestanden. della Cella erwhnt hier einer Inschrift "Porticus
cesarei" und hlt das Gebude fr ein Caesareum; Barth meint, dass hier in
der rmischen Zeit, vielleicht auch schon in der ptolemaeischen, ein
Marktplatz gewesen sei. Porcher und Smith fanden hier, ausser einer
weiblichen Statue, diejenige von Antoninus Pius und anderen rmischen
Circa 250 Schritt von der Battus-Strasse sdlich, wenn man das grssere
Theater hat liegen lassen,sist noch ein grosser Bau mit einer grossen
Sulenhalle nach Nord gegen Ost, welches die Front gewesen ist. Die
Sulenhalle, welche doppelt ist, lsst noch jetzt in der Reihe dreissig
Sulenpltze erkennen. Das massive Gebude dahinter zeigt eine Menge
kleiner Zimmer von 6' Tiefe auf 4' Breite, und es ist wohl nicht
unwahrscheinlich, dass hier die Verkaufshalle war.
Weiter nach Westen zugehend, finden wir uns auf circa 100 Schritt
Entfernung von diesen Ruinen durch eine von Thrmen flankirte, von Norden
nach Sde$
be man kann in Schadbia das
alte Automalax[19] erblicken, wenigstens stimmen Oertlichkeit und
Entfernung von Berenice. Es ist dies nach Sden zu der letzte bewohnte
Ort, und heute eine berhmte Sauya der Mdani, deren Chef Mohammed el
Mdani in Mesurata bgraben liegt. Wie diese Brderschaft eine der
tolerantesten ist, so zeigte sich auch der Vorsteher von Schadbia
usserst liebenswrdig und ohne fanatischen Dnkel. Er warnte wiederholt
(auf Beurmann hinweisend, der indess gar nichts mit den Snussi zu thun
gehabt hat) vor den Snussi, vor den Bewohnern von Audjila und Siuah,
meinte aber, hier solle ich nur ruhig campiren, da wo eine Sauya der
Mdani sei, habe Niemand etwas zu frchten. Aber trotzdem und trotz seiner
guten Rathschlge, unterliess ich es doch nicht Nachts Wachen auszustellen
und den Thieren berdies wie immer ihre Eisen anlegen zu lassen. Mein
armer Esel war nun fast reitunfhig geworden, die heissen Winde hatten ihn
vom Esel auf den Hund gebracht.
Von Schadbia aus, legten wir am 8. April die$
oh hrt auf der bestndige Begleiter des Menschen zu sein.
Wie mit Zauber ist er verschwunden, heute wird man noch von ihm geqult,
morgen hat er uns verlassen. Die Araber sagten zwar, anderes Ungeziefer
wrde auch das Weite suchen, aber ich wusste aus langer Erfahrung, dass
die noch lstigeren Collegen des Floh die Wste, den Samum, die trockne
Hitze nicht scheuen. Im Gegentheil! Vom Chor-Shofan fngt dann nun auch
die Sahara an.
Auch am folgenden Tage hielten wir S.-S.-O.-R., und um 6 Uhr Morgens
aufbrechend, brachte uns der Allem (Wegweiser) el Drr auf den vom Brunnen
Alaya kommenden Weg. Und eine Stunde Frhstcksrast abgerechnet,
durchschritten wir um 2 Uhr den ned Fareg. Es ist dies eigentlich kein
Thal oder Flussbett, sondern eine von Westen nach Osten streichende
Einsenkung ohne Abdachung. Nach Westen geht die Fareg-Einsenkung drei
Tagemrsche weit bis zum Ras el ain el kebrit, und zwei Tagemrsche vm
Punkt, wo wir Fareg passirten nach Osten; da wo wir die Einsenkung
passirten, liegt der Brunnen Bes$
vSA|                   |758|15    |33|O  |1|Schmutzig               |
|  |9  |                   |   |22    |  |O  |2|Staub                   |
|  |3  |                   |760|28    |22|O  |3|Staub                   |
|  |nSU|   m               |760|25    |25|O  |2|Bedeckt                 |
+--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+
  18.: Um 12 Uhr Orkan S aus SSW, Alles Staubmeer.
  19.: Um 12 Uhr Orkan S aus SSO, Alles Staubmeer.
  20.: Mit untergehenden Monde ging der Wind Nachts 12 Uhr nach NW um.
  21.: Um 5 Uhr Abends war heiterer Himmel, das Aneroid stieg von Mittag
       an, denn die Fluth um 9 Uhr ist nicht zu zhlen.
  22.: Um 1 Uhr Morgens fiel der Wind gnzlich.
  23.: Um 11 Uhr Vormittags was das Aneroid 768.
  26.: Mittags hat es gethauet.
+-----------------------------------------------------------------------+
|Mai 1869                                                               |
+--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+
|1 |v$
n, der sich nach der Stadt zieht, immer aneinander,
und man behauptete Bretzenheim diesseits um so eifriger, als die
Franzosen bei Zahlbach, einem Kloster nahe bei Dalheim, eine Batterie
errichtet hatten und damit das Feld und die Chaussee bestrichen.
Eine Absicht, die man dem Feinde nicht zutraute, bewog ihn endlich zu
einem Ausfall gegen das Hauptquartier. Die Franzosen wollten -- so
ist man durch\die Gefangenen berzeugt -- den General Kalckreuth, der
in Marienborn, den Prinzen Ludwig, Ferdinands Sohn, der auf dem
Chausseehause einige hundert Schritte vom Dorfe in Quartier lag,
entweder gefangen fortfhren oder tot zurcklassen. Sie whlten die
Nacht vom 30. zum 31., zogen sich, vielleicht 3000 Mann, aus dem
Zahlbacher Grunde, schlngelnd ber die Chaussee und durch einige
Grnde bis wieder an die Chaussee, passierten sie wieder und eilten
auf Marienborn los. Sie waren gut gefhrt und nahmen ihren Weg
zwischen den streichischen und preuischen Patrouillen durch, die
leider, wegen geringen Wechsels von Hh$
a sie diese Probe bestnde, es liegt keineswegs in
meiner Absicht, da sie ihr auferlegt werde. Denneine Willenlose, eine
innerlich Widerstrebende zu besitzen, das ist etwas, das gerade in
diesem Falle meinen Ansprchen nicht gengen wrde. Nicht nur als ein
Liebender, - als ein Geliebter will ich ein Glck genieen, das mir am
Ende auch gro genug erschiene, um es mit meinem Leben zu bezahlen.
Verstehen Sie mich wohl, Lorenzi. Daher darf Marcolina nicht einmal
ahnen, da ich es bin, den sie an ihren himmlischen Busen schliet; sie
mu vielmehr fest davon berzeugt sein, da sie keinen andern als Sie in
ihren Armen empfngt. Diese Tuschung vorzubereiten ist Ihre Sache, sie
aufrechtzuerhalten, die meine. Ohne besondre Schwierigkeit werden Sie
ihr begreiflich machen knnen, da Sie gentigt sind, sie vor Eintritt
der Morgendmmerung zu verlassen; und um einen Vorwand dafr, da
diesmal nur stumme Zrtlichkeiten sie beglcken sollen, werden Sie auch
nicht verlegen sein. Um im brigen auch jede Gefahr einer na$
sanova hatte acht, ihn nicht aufzuwecken,
stieg mit uerster Vorsicht ein, und jetzt erst rief er ihn an. He!
Wird's bald? und puffte ihn in den Rcken. Der Kutscher schrak auf,
schaute um sich, staunte, da es schon ganz licht war, dann hieb er auf
die Rosse ein und fuhr davon. Casanova lehnte sich tief zurck, in den
Mantel gehllt, der einmal Lorenzi gehrt hatte. Im Dorf waren nur ein
paar Kinder auf der Strae zu sehen; die Mnner und Weiber offenbar
schon alle bei der Arbeit uf dem Feld. Als die Huser hinter ihnen
lagen, atmete Casanova auf; er ffnete den Reisesack, nahm seine Sachen
heraus und begann sich unter dem Schutz des Mantels anzukleiden, nicht
ohne Sorge, da der Kutscher sich umdrehen und ihm seines Fahrgastes
sonderbares Gebaren auffallen knnte. Doch nichts dergleichen geschah;
Casanova konnte sich ungestrt fertigmachen, brachte Lorenzis Mantel im
Sack unter und nahm wieder den seinen um. Er blickte nach dem Himmel,
der sich indes getrbt hatte. Er fhlte sich nicht mde, vielmehr au$
hatte.
Und siehe -- eine Stunde spter, da war der frohe Schein von seiner Stirn
verschwunden.
Zusammengeduckt sa der groe Mann in dem Lehnstuhl, welchen Hedwig
vorhin verlassen, und lauschte gedankenlos auf die raschen, rchelnden
Atemzge seines Weibes. Es war ganz dunkel ringsumher. Nur aus einem
Glase flackerte ein auf l schwimmendes Nachtlichtchen heraus.
Und der Mann sa und dachte an das, was ihm sein armes Weib eben
anvertraut hatte.
Gekt hatte sie der junge, lebenstrotzende Mensch?
Es war eine grobe Beleidigung -- auch f. den Landmann. Aber das fhlte
Er nickte und hockte und das Herz drckte ihm etwas weh und wund.
Ob sie sich wohl gewehrt hat? dachte er mde.
Ein chzen seines Weibes schob sich dazwischen. Er beugte sich leise zu
ihr hinber und fuhr ihr beruhigend mit seiner groben Hand ber Wange
Und dabei irrten seine Gedanken wieder zu dem jungen Geschpf, das dort
oben unter dem Dach schlummerte, ebenso wie hier sein Weib, und das sich
vielleicht sehnte und verlangend die weien Arme$
er bewohnte.
Dort oben entzndete sie Licht, ffnete das Fenster, lehnte sich hinaus
und sog den warmen betubenden Nachtduft ein, der von Wiesen und ckern
herberquoll.
Wie lange mag sie wohl noch leben? ging es wieder ungeduldig durch
ihre Sinne. Sie harrte jetzt schon wie eine Verzweifelte. Und whrend
sie bereits halb entkleidet auf ihrem Bette kniete, streckte sie noch
einmal sehnend die Arme aus, als wollte sie jemand umfangen,
unauflslich an ihrer Brust verstricken. Glut und Begehren schwemmten
alle Angst fort. Wild, ohne alle Eindmmung, lag sie im Bette und
lauschte, ob nicht Wilms kommen wrde, ihr das Abscheiden der
Verfallenen zu melden.
Ein lngstvergessener Liedvers fiel ihr ein. Den summte sie in ihrer
Aufregung vor sich hin:
    Der schwarze Reiter hlt norm Haus.
    Komm' feine Frau zu mir heraus,
    Ein Hemd gengt -- mut eilen,
    Da ich vom ersten Morgenstrahl
    Zurck bin ber See und Tal;
    Wir reiten viele Meilen.
Aber der schwarze Reiter hielt noch nicht vor dem Pachthof$
s: Hedwig -- Hedwig.
Schlaflos lag das Mdchen noch oben in ihrer Kammer, denn sie erwartete
ja etwas hnliches, da Wilms ihr ein Zeichen geben wrde.
Ob das schon das Ende war?
Eine nie gefhlte Lust durchdrang sie, ein schauerlich schner Zustand,
und doch klopfte ihr Herz wie eine Glocke, und die Angst bergo sie mit
schttelndem Frost. Es war ihr, als fhlte sie Todeswehen um sich, als
flhe die Seele der Geschiedenen eben an ihr vorbei.
Hedwig -- Hedwig.
Es klang so flehentlich. Notdrftig hllte sie sich in Kleider und fuhr
lautlos die Treppe hinab. Am untersten Absatz stand Wilms und starrte
Ist sie nun tot? fragte Hdwig, sich gnzlich vergessend.
Der Landmann schttelte den Kopf, jedoch er begriff sie wohl nicht.
Noch nicht, gab er tonlos zurck -- aber ich kann nicht mehr mit ihr
allein bleiben, -- komm' rein. Er ffnete und lie das Mdchen
voranschreiten. Dann setzten sie sich dicht nebeneinander an das Fenster
und sahen wortlos zu dem gefolterten Krper hinber, der nicht leben und
ni$
setzgeber jener Wesen,dargestellt worden. Diese Idee vom Willen des Heiligsten als
Sittengesetze fr alle moralische Wesen ist nun von der einen Seite
vllig identisch mit dem Begriffe der innern Heiligkeit des Rechts,
folglich jener einige rein moralische Antrieb, und von der andern des
Vehikulums der Sinne fhig. Sie allein also entspricht der zu lsenden
Aufgabe. Nun aber ist kein Wesen fhig, diese Idee auf dem Wege der
sinnlichen Natur an sie gelangen zu lassen, oder, wenn sie schon in
ihnen mit Bewutseyn vorhanden ist, sie auf demselben zu besttigen, als
ein Gesetzgeber dieser Natur, welches denn auch, laut der Postulate der
praktischen Vernunft, jener moralische Gesetzgeber endlicher
vernnftiger Wesen ist. Gott selbst also mte ihnen sich und seinen
Willen als gesetzlich fr sie, in der Sinnenwelt ankndigen. Nun aber
ist in der Sinnenwelt berhaupt so wenig eine Ankndigung der
gesetzgebenden Heiligkeit enthalten, da wir vielmehr von ihr aus durch
die auf sie anwendbaren Begriffe auf gar nichts $
enn
sie sich nur Aufmerksamkeit verschaffen knnen. Aber wie wollen sie sich
diese verschaffen bei Menschen, die schon im Voraus gegen das Resultat
ihrer Vorstellungen eingenommen seyn mssen? Was wollen sie diesen das
Nachdenken scheuenden Menschen geben, damit sie die Mhe desselben auf
sich nehmen, um die Wahrheit einer Religion erkennen zu mssen, welche
ihre Neigungen einschrnken und sie unter ein Gesetz bringen will? Es
bleibt also nur der letzte Fall brig: sie mssen ihre Lehren unter
gttlicher Autoritt, und als seine Gesandten an die Menschheit,
Auch dies scheint wieder auf zweierlei Art mglich zu seyn, da nemlich
Gott entweder auch dieser seiner Gesandten Glauben schlechthin auf
Autoritt grnde, oder da er nur wolle, und es von ihrer eignen
Einsicht erwarte, 6a sie dasjenige, was auf dem bloen Wege des
Nachdenkens durch irgend ein Mittel aus ihrem Herzen entwickelt worden,
den brigen Menschen unter gttlicher Autoritt ankndigen, insofern sie
einsehen, da kein anderes Mittel brig ist, R$
unsre unedlen
Neigungen sollen geschwcht und unterdrckt, unsre edlern sollen
gestrkt und erhht werden; die moralische Bestimmung des Willens soll
dadurch nicht geschehen, sondern nur erleichtert werden. Alles also mu
nothwendig wie Ursache und Wirkung zusammenhngen, und dieser
Zusammenhang mu sich klar einsehen lassen. -- Es wird aber hierdurch
nicht behauptet, da die Offenbarung in Anspruch genommen werden knne,
diesen Zusammenhang zu zeigen. Der Zweck der Offenbarung ist praktisch,
eine solche Deduktion aber theoretisch, und kann demnach dem ignen
Nachdenken eines jeden berlassen werden. Jene kann sich begngen,
diese Mittel, blos als von Gott anempfohlen, aufzustellen. Nur mu sich
dieser Zusammenhang hinterher zeigen lassen; denn Gott, der unsre
sinnliche Natur kennt, kann ihr keine Mittel der Besserung anpreisen,
die den Gesetzen derselben nicht gem sind. Jede Offenbarung also,
welche Mittel zur Befrderung der Tugend vorschlgt, von denen man nicht
zeigen kann, wie sie natrlich dazu beitra$
ntzlich und tchtig Fremdes angeschmolzen.
[Illustration: Ziethen, nach einem Stich von Townley.]
In preuischer Zucht und Schule wchst das neue Deutschland zur
Erkenntnis und zur Erfllung seiner Aufgabe heran. Dort vollzieht sich
die Sonderung, die Wandlung, der Zusammenschlu. Ein Knig, dessen
unerschtterliche Energie imfBewahren, Sammeln und Vorbereiten ihn zum
Werkzeug des Schicksals und zum wahren Zimmermann der Fundamente macht,
gibt aus scheinbar brgerlicher Enge das ungeheure Wort von der
Suvernitt, die er als einen #rocher de bronze# statuiere, und ein
Philosoph in ebenso scheinbarer brgerlicher Enge formuliert den
kategorischen Imperativ als Sttzpunkt einer die ganze moderne Welt
berwlbenden Moral- und Sittenlehre.
Friedrich der Groe war dann der Gestalter, wenn auch nicht der
Vollender, die Verkrperung wesentlicher politischer und
organisatorischer Eigenschaften, mit denen die neue Zeit ihre Arbeit
beginnen konnte. Vielleicht war ihm am Ende seiner unvergleichlichen
Laufbahn noch nich$
der
ganze Besitzstand. Hundertundfnfundachtzig adelige Geschlechter und
viele Tausende von Brgerfamilien verlieen die Heimat und wanderten ins
Ausland, und ganz Bhmen, ganz Mhren und ganz sterreich wurde mit
Gewalt wieder katholisch gemacht.
       *       *       *       *       *
Der Anteil Wallensteins an der Rebellenbeute betrug nahezu ein Drittel.
Sein Reichtum spielte eine Yichtige Rolle in den Ereignissen der Zeit.
Denn als in Deutschland der Krieg erwachte, als der Knig von Dnemark
sich mit Mansfeld und dem Herzog von Braunschweig verband, als Holland,
England und Frankreich sich anschickten, den Protestanten gegen das Haus
Habsburg Hilfe zu leisten, sah sich der Kaiser ohne gengende Mittel zur
Ausrstung und Besoldung eines groen Heeres. Da erbot sich Wallenstein,
der unterdessen durch die Heirat mit der Grfin Harrach, der Tochter
eines Gnstlings des Kaisers, hfische Beziehungen erlangt hatte, zum
Helfer. Wallenstein wollte den Krieg in groem Stile fhren. Der Kaiser
befahl ihm, ein Hee$
*       *
Wallenstein war zum Kriegsfrsten geboren. Er trat im hchsten Prunk auf
und imponierte durch seinen Luxus, durch ein glnzendes Geprnge, das
jeden blendete, der ihm nahte. Er wute die strksten Leidenschaften der
Menschen zu erregen und sie dadurch auf Tod und Leben sich dienstbar zu
machen. Seine Belohnungen waren kniglich, seine Tafel bot
unerschpfliche Gensse. Unter der einzigen Bedingung der strengsten
Disziplin lie er alle Ausschweifungen seiner Soldaten hingehen. Sein
Lager war das lustigste, das Soldaten haben konnten. Er duldete einen
riesigen Train von Bedienten, Trobuben, Fuhrknechten und Weibern, nur
Pfaffen duldete er im Lager nicht. Freibeuter aller Konfessionen und
jeden Standes zogen ihm zu. Sein scharfes Auge erannte den Tchtigen
auf den ersten Blick; der gemeinste Mann vermochte die hchste Stellung
zu erringen. Jede heroische Tat wurde durch Befrderung und Geschenke
ausgezeichnet, aber der Feigling mute sterben, und ber den
Ungehorsamen erging der Befehl, der als Krieg$
ag begeben wollen, der Abfall der Generale hatte den
Plan vereitelt; auch den Vorsatz, nach Zittau zu marschieren, mute er
aufgeben; der dritte Ort, den er whlte, um sich mit den Schweden in
Verbindung zu setzen, war Eger.
Am 22. Februar 1634 morgens gegen zehn Uhr verlie er Pilsen und zog am
24. nachmittags zwischen vier und fnf Uhr in Eger ein. In seiner
Begleitung befanden sich Illo und Terzka mit fnf Kompanien Krassieren,
fnv Kompanien vom altschsischen Regiment zu Pferd, die unterwegs
abfielen und nach Prag marschierten, und zweihundert Mann Fuvolk. Bevor
er das erste Nachtquartier erreicht hatte, stie Oberst Butler mit acht
Kompanien Dragoner zu ihm.
Butler war ein Irlnder von Geburt und Katholik. Er hatte von Pilsen aus
nach seinem Quartier in Gladrup von Wallenstein den Befehl erhalten, mit
seinem Regiment auf Prag zu rcken, -- bei Todesstrafe. Schon diese
Weisung, die Psse zu verlassen, die aus Bhmen nach der Oberpfalz
fhren, hatte seinen Verdacht erregt; jetzt erhielt er die neue Weis$
, der Autor der damals beliebten Gesprche im Reich der Toten
eine bsartige Satire auf Gundling, betitelt: Der gelehrte Narr, und
eLhielt den Auftrag, sie Gundling im Tabakskollegium zu berreichen.
Gundling wurde hochrot vor Zorn und kam so in Harnisch, da er eine der
zum Pfeifenanbrennen mit glhendem Torf gefllten Pfannen ergriff und
sie Famann ins Gesicht schleuderte, wovon diesem die Brauen und Wimpern
versengt wurden. Sofort setzte sich Famann vor den Augen Seiner
Majestt in Avantage, entblte Gundling die hinteren Kleider und
bearbeitete ihn mit der heien Pfanne dermaen, da er vier Wochen lang
nicht sitzen konnte. Seitdem begegneten sich die beiden gelehrten Herrn
im Tabakskollegium niemals, ohne da es zum Faustkampf kam. Der Knig,
die Generale, die Minister und die Gesandten sahen den Turnieren zu.
Schlielich verlangte der Knig, die beiden Herren sollten ihren
Ehrenhandel durch ein Duell zum Austrag bringen. Famann forderte
Gundling auf Pistolen, Gundling mute die Forderung annehme$
ard beigesetzt
in der Frstengruft auf dem Friedhof der Jakobskirche zu Weimar, wohin
er wenige Monate frher Schillers sterbliche Reste hatte bringen lassen
und wo vier Jahre spter auch Goethe bXgraben wurde.
Die letzten Tage vor seinem Tode hatte er in fast bestndiger
Gesellschaft Alexanders von Humboldt verbracht, und Humboldt beschrieb
diese Tage in einem Brief an den Kanzler Mller, der seinerseits wieder
Goethe davon Mitteilung machte. In dem unvergleichlich schnen Gesprch,
das Eckermann unterm 23. Oktober 1828 aufzeichnet, ist darber eingehend
zu lesen, und es mge, auch wegen des profunden und ewig gltigen
Urteils, das Goethe ber seinen Herzog fllt, zum Abschlu hier folgen.
Es war nicht ohne hhere gnstige Einwirkung, sagt Goethe, da einer
der grten Frsten, die Deutschland je besessen, einen Mann wie
Humboldt zum Zeugen seiner letzten Tage und Stunden hatte. Ich habe mir
von seinem Brief eine Abschrift nehmen lassen und will Ihnen doch
einiges daraus mitteilen.
Goethe stand auf und g$
ender Mensch er
war. Aber wie gut ist es von Humboldt, da er diese wenigen letzten Zge
aufgefat, die wirklich als Symbol gelten knnen, worin die ganze Natur
des vorzglichen Frsten sich spieelt. Ja, so war er! -- Ich kann es am
besten sagen, denn es kannte ihn im Grunde niemand so durch und durch
wie ich selber. Ist es aber nicht ein Jammer, da kein Unterschied ist
und da auch ein solcher Mensch so frh dahin mu! -- Nur ein lumpiges
Jahrhundert lnger, und wie wrde er an so hoher Stelle seine Zeit
vorwrts gebracht haben! -- Aber wissen Sie was? Die Welt soll nicht so
rasch zum Ziele, als wir denken und wnschen. Immer sind die
retardierenden Dmonen da, die berall dazwischen und berall
entgegentreten, so da es zwar im ganzen vorwrts geht, aber sehr
langsam. Leben Sie nur fort und Sie werden schon finden, da ich recht
Die Entwicklung der Menschheit scheint auf Jahrtausende angelegt, sagte
Wer wei, erwiderte Goethe, -- vielleicht auf Millionen! Aber la die
Menschheit dauern, so lange sie wi$
hriften angerichtet. Knebel und
Seckendorf erscheinen mir noch jetzt gar nicht schlecht gezeichnet, und
auch der junge Frst nicht, in diesem dstern Ungestm seines
zwanzigsten Jahres.
    Der Vorwitz lockt ihn in die Weite,
    Kein Fels ist ihm zu schroff, kein Steg zu schmal;
    Der Unfall lauert an der Seite
    Und strzt ihn in den Arm der Qual.
    Dann treibt die schmerzlich berspannte Regung
    Gewaltsam ihn bald da bald dort hinaus,
    Und von unmutiger Bewegung
    Ruht er unmutig wieder aus.
    Und dster wild an heitern Tagen,
    Unbndig, ohne froh zu sein,
    Schlft er, an Seel und Leib verwundet und zetschlagen,
    Auf einem harten Lager ein.
So war er ganz und gar. Es ist darin nicht der kleinste Zug
bertrieben. Doch aus dieser Sturm- und Drangperiode hatte sich der
Herzog bald zu wohlttiger Klarheit durchgearbeitet, so da ich ihn zu
seinem Geburtstage im Jahre 1783 an diese Gestalt seiner frheren Jahre
sehr wohl erinnern mochte.
Ich leugne nicht, er hat mir anfnglich manche No$
 des tollsten Humors: Spiel der
Najaden (Taf. 80), Susanna, Kentaur in der Dorfschmiede (Taf. 86).
Die Farbenpracht dieser Schpfungen ist aufs hchste gesteigert,
namentlich ist das leuchtende Rot nun eine stets wieder dominierende
Note. Die Worte Kellers: Schauen wir der Iris Bogen, wenn der hellste
Himmel blaut, passen auf keine Epoche Bcklins s` gut wie auf die
Zrcher Zeit. Der Meister liebte die Farben des Zrcher Sees und der
neue Wohnort war sicher von Einflu auf sein Kolorit. Es sind auch die
Motive einiger gefeierter Bilder in der Umgebung seines Wohnsitzes
festgestellt worden. Um alles zu erreichen, was im Bilde zu sagen ist,
versucht er es jetzt auch mit mehrteiligen Gemlden, wo der Gegensatz
des einen Bildes die Wirkung des andern steigern sollte; so entstanden
die Mariensage, der Hl. Antonius, den Fischen predigend (Taf. 92),
die Venus Genitrix (Taf. 94), die zwar erst spter signiert, aber
schon 1892 fast vollendet gewesen ist.
Als Sttze bei der Erschaffung seiner umfangreiche$
,
Miserere, Salve, Ave,
Auch zu keiner Totenmesse:
Diese liest man nicht am Abend.
Nein, sie gehn zur letzten Ehre,
Trauernd all in schwarzer Farbe,
Was sie lieben anzusehen
In die Runde des Theaters.
Denn die herrliche Biondette
Wird der Bhne heut entsagen,
%orgen dann den Schleier nehmen
In der Kirche zu Sankt Claren.
Und der Schein unzhl'ger Kerzen
Fllet leuchtend schon die Hallen,
Und es lodern alle Herzen
In unsichtbar schnen Flammen.
All die schwarzen Fraun und Herren,
All die Diamanten strahlend
Und die schwarzen Augen brennend
Reihen blendend sich zum Kranze.
Bis lebendig alle Wnde
In viel tausend Herzen schlagen,
Jeder Blick ein Aug mu treffen,
Jeden Ton ein Ohr mu fassen.
So gleich einem Firmamente
Mit viel guten Sternen flammend,
Baut sich wundersam ein Tempel,
Um Biondetten zu umfangen.
Da der Vorhang ruhig schwebet,
Sonne, bist du aufgegangen,
Leise Khlung duftend wehet
Um die sehnsuchtsheien Wangen.
Liliensulen sich erheben
Eine Rosenkuppel tragend;
Unter einem Blumentempel
Steht Biond$
de
Auf schneeweiem Pergamente
Und ihm gab am Christtagsmorgen,
War er gar in Lieb beweget,
Schenkte ihr, die sie gesponnen
Und gewebet, all die Hemden
Und dazu viel Mnzen Goldes.
Und sie lie auf allen Wegen
Zu sich bald die Armen kommen,
Ihre Linnen sie ausspendet,
Recht zu aller Frommen Troste.
Und so lebten sie in Segen,
Wohl vier Jahre ohne Sorgen,
Und es wute kaum zu bergen
Seinen Reichtum Jacopone.
Und Bologna war getrennet
In Parteien. Die des Volkes
Sich die Gieremei nennen,
Stritten fr das Recht des Volkes.
Lambertazzi, ihre Gegner,
Fr des Adels Recht erhoben;
Von zwei feindlichen Geschlechtern
War der Namen angenommen.
Und da diesen eigenen Hndeln
Sich noch fremde eingeflochten,
Ghilbellinen und die Guelphen,
Ward die Sache mehr verworren.
Und so ward gar viel gerechtet,
Manches Blut im Streit vergossen,
Da die Frauen bittre Trnen
Um die Toten weinen konnten.
Oft erteilte den Geschechtern
Seinen Rat auch Jacopone,
Und in ihrer Mitte stehend
Mute Freund und Feind ihn loben.
Wenn in diesem s$
 Feld erhalten
Gen den Anspruch eines Groen;
Sie bracht mir das Brot zum Danke,
Bat: `O esse von dem Korne
Jetzt aus Liebe zu dem Manne,
Der gerettet mir den Boden
Dem dies Brot fr mich entwachsen!'
Aber hrt, die elfte Glocke
Schlgt! Noch eine Stunde harret;
Reicht indes zum letzten Troste
Mir des heilgen les Salbe!"
Doch nun klaget Jacopone,
Der bis jetzt in stummen Jammer
Sa an ihrem Lager oben:?"Weh, o weh, ich mu dich lassen!
O dich, aller Jungfraun Krone,
Keusch und duldend gleich dem Lamme,
Das die Schuld hat hingenommen,
Das fr uns das Kreuz getragen,
Rosarose, heilge Sonne
Meiner irdisch trben Tage,
Firmament voll Lichtessonne,
Ewig gleiche Friedenswage! # waage?
Herr, was hab ich denn verbrochen,
Da ich in der Nacht soll wandeln,
Da aus meines Himmels Dome
Nun erlischt die heilge Lampe?
Weh, o weh, du se Rose,
Dornen dir das Herz zerbrachen,
Die du fromm vor mir verborgen;
Schuldig mu ich mich anklagen!
Weh, ich bins, der dich gemordet,
Blind an jenem Hochzeitsabend,
Da durch mich du vo$
en die drei Rosen
In der Hand der Venus sterben,
Die jetzt stehn im Garten Gottes.
Wenn dein Kind ins Kloster gehev
Und bekrnzt mit Liebesrosen
Als Modell dem Maler stehet,
Ist dir, ihr und mir geholfen.' --
Und nun rief ich: `Wehe, wehe!
Wehe ber diese Worte!'
Und als ich ihn angesehen,
Ist er deutlich mir geworden.
`Jener Bube bist du, Frecher,
Der die Farben mir im Kloster
Rieb, als ich in Gottes Tempel
Bin ein bser Snder worden.
In dem Namen Jesus hebe
Dich von mir!' -- Da floh Apone.
Ach, er ist es nicht gewesen,
War der Widersacher Gottes!" --
"Vater, nicht so traurig redet!
Ja, es war der Arzt Apone,
Den ich gestern noch gesehen
Zu Bologna bei dem Bronnen.
O, beschwert nicht eure Seele,
Die in Trumen ist verworren;
Wendet ruhig im Gebete
Euch zum allbarmherzgen Gotte!" --
"Gutes Kind, lies mir den Zettel,
Der vom Arzt geschrieben worden,
Da ich dir die Orte nenne,
Wo die Kruter sind zu holen.
Denn der Arzt sprach: `In der Nhe,
Ja, in deines Gartens Boden,
Werden diese Kruter stehen,
Deren Tran$
ochene Untersttzung zu seiner Reise zu lange ausblieb, so
  lie er sich als gemeiner Soldat der Kompagnie in die Liste der
  Rekruten einschreiben un[ ging im November 1754 nach dem Orient
  ab. Noch ehe er sich einschiffte, erhielt er vom Knige eine Pension
  von 500 Livres; die Kompagnie gab ihm die Reise frei, und als er
  zu Pondichery ankam, bestimmte ihm diese eine ansehnliche
  Untersttzung. Mit dem lebhaftesten Enthusiasmus verfolgte er
  nunmehr seine Absicht, durchreisete zu Fu und in verschiedenen
  Richtungen einen groen Theil der Halbinsel, erwarb sich viele
  wichtige Sprachkenntnisse, und machte zu Surate Bekanntschaft
  mit zwei indianischen Gesetzgelehrten, nahm Unterricht in beiden
  heiligen Sprachen Zend und Pohlri, und brachte es theils durch List,
  theils mit Gewalt dahin, da er ihnen ihre Geheimnisse und selbst
  Zoroaster's heilige Bcher ablockte. Mit diesen und vielen andern
  Handschriften in fast allen Sprachen Indiens kam er 1761 nach
  Europa, reisete zuerst nach Oxford, $

viel rascher als es sonst seine Art istc denn er geht gewhnlich immer
sehr langsam -- kam er -- kam er aus der Thr heraus, die er geschwind
hinter sich zuzog -- und dann  -- 
Und dann?  --
Und dann hielt er den Kopf nieder, als ob er nicht wollte da ihn Jemand,
der vielleicht von oben heruntershe, erkennen mchte -- hielt er den Kopf
nieder und drckte sich -- drckte sich dicht am Haus hin, so schnell er
konnte die Strae hinunter, und um die Ecke.
Und nachher? frug der Actuar.
Nu, um die Ecke kann sie doch nicht sehn, sagte die Kchin.
Ob Sie still sein wird, sagte Herr Ledermann jetzt aber wirklich bse
gemacht -- Wenzel, wenn mir die Person da jetzt noch einmal das -- noch
einmal den Mund aufthut, dann wissen Sie was Sie zu thun haben.
Sehr wohl, Herr Actuar, sagte der Gerichtsdiener  --
Und sind Sie dann nachher nicht herbergekommen und haben das den Leuten
im Hause gesagt, was Sie gesehn? frug der Actuar.
Ich habe ja aber Nichts gesehen, sagte die Rieke.
Sie haben doch den Loen$
prach wie scheu von
einer der Schiffszeichnungen zur anderen, und schien sich ordentlich dazu
zwingen zu mssen das zu sagen, was er eben hier zu sagen hatte.
Nun nach Amerika _schicken_ thu' ich sie gerade nicht, lchelte Herr
Weigel, die Anderen dabei ansehend, und etwas verlegen ber die vielleicht
ein wenig plumpe Anrede.
Nicht? sagte der Bauer rasch und erstaunt -- aber hier hngen doch all
die vielen Schiffe.
Nun ja, ich besorge den Leuten Schiffsgelegenheit die hinber _wollen_,
sagte Herr Weigel, jetzt geradezu herauslachend, weil er glaubte da sich
der Mann mit ihm einen Scherz gemacht, auf den er natrlich einzugehen
Ja aber wir _wollen_ eigentlich noch nicht hinber, sagte der zweite von
den Bauern, seinen Hut auf seinen langen Stock stellend, und sich dabei
verlegen hinter den Ohren kratzend -- wir wollten uns nur erst einmal hier
erkundigen ob denn das,auch wirklich da drben so ist, wie es jetzt immer
in den Auswanderungszeitungen steht, und ob man blos hinberzugehn und
zuzulangen b$
ner von den Wenigen die drueben
gewesen und gluecklic, wiedergekommen sind. Er bringt kaum eine Nummer in
der er nicht ein oder den anderen Hieb auf die Verhaeltnisse Ihres
"gluecklichen Amerika" hat -- das muss ja ein wahres Raubnest sein, lesen Sie
nur einmal."
"Hoeren Sie lieber Schollfeld, ich will Ihnen einmal 'was sagen,"
erwiederte ihm Kellmann ruhig, "dieser Dr. Hayde, der Ihnen die schoenen
Artikel schreibt ist, der Meinung aller ordentlichen Kerle in Heilingen
nach, das wenigste zu sagen eine kleine geschwollene Giftkroete, ein
weggelaufener Advokat, den die Verhaeltnisse aus Deutschland vertrieben,
und den in Amerika Niemand mit seinen Talenten haben mochte. Zu faul zum
arbeiten, und nicht im Stande etwas Anderes zu thun, wurde er dort
wahrscheinlich vom Schicksal hin- und hergestossen, und wie ein aus einer
Thuer geworfener Mops, stellt er sich jetzt draussen hin, wo sich Niemand
die Muehe giebt ihn zu stoeren, und schimpft und klefft. Ich will Amerika
eben nicht in allem vertheidigen, aber was _d$
n_
vier Waenden."
Heftiger Husten unterbrach hier die Zornesrede der Frau, der die uebermaessig
angestrengte Luftroehre den Dienst versagte, und der Actuar Ledermann nahm
still und schweigend, den Moment benutzend, ein Licht von dem kleinen
Seitenschrank, zuendete es an der Lampe an, und verliess kopfschuettelnd und
seufzend das Gemach, sich auf sein eigenes kleines Stuebchen zurueckzuziehn.
                                Capitel 4.
                           FRANZ LOSSENWERDER.
In Heilingen, in der Glockenstrasse, stand ein vortreffliches Weinhaus, in
dem die wohlhabenderen Buerger Abends gewoehnlich zusammenkamen und ihr
Flaeschchen, aus denen auch oft zwei und drei wurden, tranken. Das Lokal
ar ziemlich gemuetlich, und dem Zweck entsprechend, in eine Menge kleiner
Zimmerchen abgetheilt, die theils durch wirkliche Thueren und Verschlaege,
theils durch Vorhaenge von einander getrennt lagen, einzelnen
Gesellschaften zu gestatten eben einzeln zu bleiben, und ihr Glas,
ungestoert von dem Nachbar, zu trinken.
$
ich sage Ihnen ein wahrer
Schentelmann, wie er sich gerade nicht immer auf den Schiffen findet."
"Ich danke Ihnen fuer jetzt noch bestens, lieber Herr Weigel," sagte der
junge Mann -- "ich muss doch nun erst mit meiner Frau Rueckspracheueber diess
nehmen, denn erst seit gestern ist mir die Idee ueberhaupt gekommen
auszuwandern; aber -- noch eine Bitte haette ich an Sie," und er drehte
dabei den Hut den er in der Hand hielt, fast wie verlegen zwischen den
Fingern  -- "
"Ja? womit koennte ich Ihnen dienen?" frug Herr Weigel.
"Koennten Sie mir wohl sagen, ob die Capitaine der Segelschiffe -- ich habe
einmal irgendwo gelesen dass das manchmal geschaehe -- auch Leute --
Passagiere mitnaehmen, die unterwegs ihre Passage -- abarbeiten duerften und
also -- auch keine Ueberfahrt zu bezahlen brauchten?"
"Keine Passage zahlen?" sagte Herr Weigel, die Lippen vordrueckend und die
Augenbrauen in die Hoehe ziehend, waehrend er langsam und halb laechelnd mit
dem Kopfe schuettelte -- "keine Passage bezahlen? -- ne lieber Her$
usorisch. Daher auch seine profunde
Menschenverachtung. Ich glaube, seit die Erde Bewohner hat, sind
Menschen nicht so verachtet worden wie von ihm. Daher auch sein Respekt
vor der Kunst; denn da trat ihm ein Absolutes entgegen gleich ihm
selbst. Wie mysterios er war! (Georg Ulrich Castellani sprach das Wort
mit langgedehntem O aus, wodurch es seinen Sinn besser rschlo.) Er
konnte nicht weinen, er konnte nicht lachen, schon als Kind nicht. Da
gibt es eine Anekdote, wie einer der gefangenen Kurfrsten, ich glaube,
der Landgraf von Hessen war es, vor ihm kniet und aus irgendeinem Grund
die Lippen verzieht, so da es aussah, als ob er lachte, in Wirklichkeit
war ihm ganz anders zumut, und wie dann der Kaiser in seinem
brabantischen Deutsch drohend vor sich hinmurmelt: wart, ick will dir
lacken lehr. Welche tenebrose Paradoxie des Charakters: in seinem Reich
ging die Sonne nicht unter, und er hate den Sonnenschein. Ihm war die
grte Machtgewalt verliehen, die je ein Sterblicher besa, und er
suchte Zuflucht i$
amit etwas beweisen. Verstehen Sie mich noch immer nicht?
In der Tat, Erasmus begriff nichts. Sein Gesicht zeigte
Ausdruc-slosigkeit und erbittertes Unbehagen. Die Unterlippe stlpte
sich; die Handflche rieb sich an der Lehne des Stuhls.
Also will ich klarer sein, fuhr Sparre etwas gedrckt fort, denn er
hatte flssigere Verstndigung erwartet; ich habe etwas ber mich
vermocht, was meiner Natur und Lebensrichtung diametral entgegen ist.
Ich habe etwas versucht, wozu ich mich bisher habe nie gewinnen knnen,
das geistig Geschiedene zu berbrcken, dem, was streng und unbedingt
jenseitig fr mich ist, mich zu nhern. Ist es hoffnungslos? Diese
Tonvase, ich stelle sie her wie einen Markstein, an dem wir uns treffen
knnen, Sie von Ihrer Seite, ich von meiner. Es ist ein Augenblick, der
nie wiederkehrt, nie wiederkehren kann. Die Wahrheit, die mich jetzt
antreibt und erfllt, ist sicher nur eine einmalige Flamme. Vielleicht
ist dabei etwas in mir von dem geheimnisvollen Verwandlungsinstinkt der
Insekten. Vi$
orden sei, ihre
Stichhaltigkeit zu berprfen. Dabei habe sich eine Reihe von
Verdachtsmomenten ergeben, die den Professor bedenklich belasteten,
andere Umstnde aus anderer Sphre seien hinzugekommen, kurz, die Dinge
stnden nicht gnstig fr den groen Mann, und es heie, er werde
Stellung und mter freiwillig niederlegen, um eine Berufung nach
Sdamerika anzunehmen, wobei freilich vorausgesetzt war, da es mit dem
disziplinaren Verfahren sein Bewenden habe.
Dietrich zeigte sich erregt ber die Nachricht. Er lie durchblicken,
da sie in seinen Lebenskreis schnitt. Es drngte ihn sich mitzuteilen,
aber zu wibegierig hing Richters Auge an ihm, und diese Wibegier
enthielt zu wenig Unbefangenheit und Einfachheit. Zu reden aber, blo um
es mit sich selber leichter zu haben, das war Dietrichs Art nicht. Sie
sprachen dann vn Lucian, und Justus fragte, ob ihn Dietrich nicht bald
aufsuchen wolle. Nein, erwiderte Dietrich kopfschttelnd, zu ihm wolle
er erst gehen, wenn er keinen Rat mehr wisse, den Schritt versp$
otbespritzten Rcken flennten
erbrmlich. Das Murren unter den Brgern der Stadt wurde im Keim
erstickt. Patrouillen zogen Stunde fr Stunde durch die Gassen.
Miggnger, die sich nicht ausweisen konnten, wurden eingelocht, um auf
den sichern Weg verschickt zu werden. Angst lhmte die Kemter.
Der Markgraf, blind und taub, wie er sich vorgenommen, verbrachte die
meiste Zeit in schtzender Ferne auf seinem Jagdschlo Triesdorf.
Zuweilen befahl er die Akteurs und Aktricen sowie das Opernpersonal
hinaus, widmete sich dem geliebten Weidwerk, spielte mit Lady Craven und
dem inzwischen zum Oberstkmmerer erhobenen Marchese Tricktrack oder
Denn die Versprechungen des Marchese hatten sich erfllt. In den Kassen
stieg die Talerflut bis an den Rand. Das Gold lutete, kstliche
Ohrenspeise, wie die Domglocken von Bamberg. Es lutete den Mden in den
Schlaf, es lutete den Gestrkten aus dem Schlummer, es lutete zur
Schferstunde, es lutete zur reich besetzten Tafel. Unvergleichliches
Behagen, ohne Pein und Beklommenh$
esetzt worden waren, wurden sie nicht zum
geringsten Teil von den Besuchern der Insel benutzt.
Einer der ersten Besucher wr brigens ein Herr von Hahnemann, ein bei
Neu-Guinea stationierter Marineoffizier, der auf der Schildkrteninsel
seinen Urlaub verbrachte. Dieser Herr von Hahnemann fiel eigentlich
besonders durch seine Wibegierde auf; man sah ihn oft stundenlang mit
einfachen Arbeitern im Gesprch. Auch hatte er bei den Vorstehern und
einigen anderen hervortretenden Persnlichkeiten, wie Nechlidow, Herren
de la Rouvire und Frau von Zeuthen Besuche gemacht und wurde auch von
diesen gelegentlich eingeladen.
Einige Tage vor seiner Abreise kam Herr von Hahnemann zu Paul Seebeck,
um sich zu verabschieden. Paul Seebeck empfing ihn, wie er schon so
manchen derartigen Besucher empfangen hatte, mit dem sehnlichen Wunsche,
da dieser ihn bald wieder allein liee. Da Herr von Hahnemann aber
blieb, fragte er ihn nach Verlauf einer Stunde:
Haben Sie vielleicht ein besonderes Anliegen? Wenn ich Ihnen irgend
eine b$
er
verfassung dem beispiele ihrer lteren schwestern und erhielten hnliche
privilegien, so dass auch sie, wie jene, im stande waren, die trger und
vermittler der alten kultur whrend der rohen und blutigen zeit des
mittelalters zu werden.
Das christenthum wurde im jahre 597 auf veranlassung des papstes Gregor
von vierzig mnchen unter fhrung Augustin's zuerst in Kent ffentlich
gepredigt und eingefhrt, nachdem der frnkische bischof Liudhard schon
vorher Berta, die tochter Charibert's, des christlichen knigs der
Franken, zu ihrem gatten Athelbert, dem knige von Kent, begleitet und
in der nhe von Canterbury in einer kleinen, dem heiligen Martinus
geweihten kapelle die mysterien des christenthums verwaltet hatte. Die
rmischen mnche zogen in feierlicher procession nach Canterbury, wo sie
sich niederiessen, und Augustin spter zum ersten bischof erwhlt
wurde. Papst Gregor sendete mehrere kostbare bcher[33] an Augustin, mit
denen so wie und mit der gleichzeitigen ausbreitung des christenthums
fr Engla$
 nur
ein bruchstck.[82]
    [Footnote 82: Thorpe's Codex Exoniensis, seite 367-377.]
Unter die lyrischen produkte der angelschsischen poesie gehrt auch die
paraphrasirende bersetzung der psalmen,[83] welche von Thorpe im jahre
1835 aus einer pariser handschrift auf kosten der universitt Oxford
herausgegeben worden ist. Bis zum fnfzigsten psalm ist die bersetzung
in freier prosa, von da ab in einer metrischen paraphrase verfasst. Ob
Aldhelm der verfasser wenigstens des letzteren theiles sei, wie Thorpe
vermuthet, ist sehr ungewiss. Die fr diese ansicht angefhrten grnde
sind sehr schwach.
    [Footnote 83: Libri Psalmorum versio antiqua Latina; cum paraphrasi
    Anglo-Saxonica, partim soluta oratione, parti metrice composita,
    nunc primum e cod. Ms., in Bibl. Regia Parisiensi adservato,
    descripsit et edidit B. Thorpe. 8. Oxonii, 1835.]
An die psalmenparaphrase schliessen sich poetische umschreibungen des
apostolischen glaubensbekenutnisses und des vaterunsers.
In der exeterhandschrift befinde$
us inhiare. Illud erat a natura
    abhorrens, quod multi ancillas suas ex se gravidas, ubi libidini
    satisfecissent, aut ad publicum prostibulum aut ad ternum
    obsequium vendicabant. Potabatur in commune ab omnibus, in hoc
    studio noctes perinde ut dies perpetuantibus, parvis et abjectis
    domibus totos sumptus absumebant; Francis et Normanni absimiles,
    qui amplis et superbis dificiis modicas expensas agunt.
    Sequebantur vitia ebrietatis socia, qu virorum animos
    effoeminant.]
    [Footnote 118: Modus etiam scribendi anglicus omitteretur, et
    modus gallicus in chartis et in libris omnibus admitteretur.
    Ingulph, seite 71.]
    [Footnote 119: Coepit ergo tota terra sub Rege (Edwardo) et sub
    aliis Normannis introductis Anglicos ritus dimittere, et Francorum
    mores in multis imitari, Gallicum scilicet idioma omnes Magnates
    in suis curiis tanquam magnum gentilitium loqui, chartas
    et chirographa sua more Francorum conficere, et propriam
    consuetudinem in his et$
in gedichten von betrchtlicher lnge, wie z.b. in dem gedichte ber de
im jahre 1399 erfolgte absetzung Richard's II.[165] angewendet. Die
romanzen William and the Werwolf, Alexander, die belagerung von
Jerusalem und andere sind ebenfalls in alliterirenden rhythmen
geschrieben, welche bis gegen das ende des 15. Jahrhunderts nicht
ausser gebrauch kamen.[166]
    [Footnote 165: Alliterative Poem on the Deposition of king Richard
    II., edited by Th. Wright. 4. London, 1838 (for the Camden
    Society).]
    [Footnote 166: Th. Percy's Reliques of Ancient English poetry
    (ausgabe von Bohn, London 1845, Seite 156 ff.) enthalten eine
    abhandlung on the alliterative metre, without rhyme, in
    Pierce Plowman's Visions, worin die alliteration bis in das
    sechszehnte jahrhundert verfolgt wird, und proben alliterirender
    gedichte, welche nach den Visions geschrieben sind, mitgetheilt
    werden.]
Die wichtigste nachahmung der Visions ist ein gedicht unter dem titel
Piers the Ploughman's Creed, welc$
 entlehnt. Ausserdem finden sich
    smmtliche werke Chauce's nebst einem glossarium im ersten
    bande der sammlung englischer dichter von Anderson (The Works of
    the British Poets with prefaces biographical and critical by
    Robert Anderson, 13 vols. 8. London, 1795).]
  That fro the time that he firste began
  To riden out he loved chevalrie,
  Trouthe and honour, freedom and curtesie.
Aber des ritters equipage war nicht so gut als sein ruf:
  But for tellen you of his araie,
  His horse was good, but he ne was not gaie;
  Of fustian he wered a gipon
  Alle besmotred with his habergeon,
  For he was late ycome fro his viage,
  And wante for to don his pilgrimage.
In begleitung des ritters befindet sich sein sohn, a yonge squier,
  A lover and a lusty bacheler
  With lockes crull as they were laide in presse,
  Of twenty yere of age he was I gesse.
       *       *       *
  Singing he was or floyting all the day;
  He was as freshe as is the moneth of May;
  Short was his goune, with sleves long an$
hlichkeit aufprgt, hat auch in seiner langen Thtigkeit nur eine
verhltnismig geringe knstlerische Wandlung hervorgerufen. Jahrzehnte
lang der Gehlfe seines Onkels Luca, dessen sptere Auftrge wohl im
Wesentlichen schon von seinerDHand ausgefhrt wurden, ist er in seinen
frhesten eigenen Arbeiten: in den kstlichen Wickelkindern an der Halle
der Innocenti, in der Begegnung Mari in San Domenico zu Pistoja, in
der Begegnung der Heiligen Franz und Dominicus unter der Halle auf
Piazza Sa. Maria Novella, in den Altren von La Vernia u. s. f. (meist
Ende der sechziger oder in den siebenziger Jahren entstanden) von einer
seinem Lehrer nahekommenden Schnheit der Gestalten, Feinheit der
Durchbildung und Vornehmheit der Erscheinung. Ein treffliches Werk
dieser Zeit ist der Hochaltar der Berliner Sammlung (No. 118), welcher
Maria zwischen zwei Heiligen zeigt. Gleichfalls in die frhere Zeit
gehrt wohl die kleine Verkndigung (No. 119A), welche durch die reichen
Farben unter Andrea's Werken fast einzig dasteht$
hlreichen Monumenten Venedigs gegen
Ende des XV. Jahrh. findet und dessen Vorbilder wohl Donatello's Reliefs
am Hochaltar im Santo waren, ist ein marmornes Antependium mit Engeln,
welche spielen oder die Marterinstrumente Christi halten (No. 172),
besonders charakteristisch. Auch von den seltenen venezianischen
Bildnissen dieser Zeit besitzt die Sammlung verschiedene tchtige
Beispiele: die einfache, sehr individuell gehaltene Thonbste eines
lteren Mannes mit langem Haar (No. 167) und unter mehreren Flachreliefs
namentlich das feine Marmorrelief einer jungen Dame im Profil (No. 183),
in dem hohen Kopfputz, wie wir ihn in Carpaccio's Bildern finden.
       *       *       *       *       *
Die Plastik des Quattrocento in Rom hat mit der venezianischen mache
Zge gemeinsam. Angeregt von auen, wird sie im Wesentlichen durch
fremde Knstler gebt und geht mehr auf reiche dekorative Wirkung als
auf knstlerische Durchbildung aus. Doch wird in Rom mit der Tradition
viel grndlicher gebrochen als in Venedig; der$
 blieben. In einer
Reihe von Bildwerken in den Marken, wie im Monument des Ritters
Guidarelli im Museum zu Ravenna, oder in den beiden Marmoraltren im Dom
von Cesena, teilweise auch noch in den Grabmonumenten des _Pietro
Bariloto_ in Faenza (thtig um 1520-1545), sind die Vorbilder der
venezianischen Knstlerfamilie Lombardi nur in verallgemeinerten, etwas
verflauten Formen wiedergegeben. hnlich ist es nrdlich von Bologna, wo
in Parma _Gian Francesco da Grado_ in mehreren seiner Feldherrnmonumente
in der Steccata (am Ende der zwanziger Jahre) Einfachheit im Aufbau mit
geschmackvoller Dekoration und feiner Farbenwirkung zu verbinden wei.
Wie in der Plastik der Lombardei noch bis tief in das XVI. Jahrh. hinein
die Traditionen des Quattrocento nachwirkten und selbst ein Knstler wie
_Ag. Busti_, dessen Thtigkeit die erste Hlfte des Cinquecento
ausfllt ({~DAGGER~} 1548), noch auf der Grenze beider Epochen steht, ist frher
schon ausgefhrt worden (S. 138).
Is Busti und anderen Bildhauern der Lombardei brin$
es et decreta
sacrosancti oecumenici Concilii Tridentini. 1846. 8.; Caesaris (C. Julii)
quae exstant cum interprete Graeco. (rec. G. Jungermann). 1669. 4.;
Caesarius Heisterbachcensis' Illustrivm miracvlorvm et historiarvm
memorabilivm lib. XII. Antverpiae, ex officina typographica Martini Nutij
1605. 8.; Catechismus, der Kleine -- (1717.) kl. 8.; Curtius Rufus, de
gestis Alexandri Magni. 1849. 8.; Crull, F., Die alten Wandmalereien in
der Kirche zu Toitenwinkel. A. d. Zeitschr. f. Christl. Kunst 1891. Nr.
9.; D.B.***, Memoires du gouvernement de l'empire. 1741. 8.;
Damen-Conversations-6exikon I-X. 1834-38. 8.; v. Dedenroth, Der
Winterfeldzug in Schleswig-Holstein. 1864. 8.; Denkmal, das  --  des
Groherz. Friedrich Franz II. v. Mecklenburg-Schwerin. 1893. 8.; Denkmler
der Kunst zur bersicht ihres Entwicklungs-Ganges. I. Abschnitt. 1845. qu.
2.; dieselben Bd. I. IV. 1851. 56. qu. 2.; Dezobry, Ch., Rome au sicle
d'Auguste ou voyage d'un Gaulois  Rome. Im Auszuge von Ch. Boeckel. 1850.
8.; Dichter, Griechis$
nsbekin in kulturgesch. Beleuchtung. 1900. 8.;
Dettmer, Streifzge durch das Gebset alter u. neuer Tonkunst. 1900. 4.;
Dhmann, Beitrge zur Geschichte der Stadt u. Grafschaft Steinfurt. I. Die
Burgmannen von Steinfurt. I. Teil. 1900. 8.; Dworski, De ordinationibus
Formosi papae. 1900. 4.; Ebeling, Der Buchfhrer M. Philipp Schultze, ein
Beitrag zur Geschichte des Stralsunder Buchhandels im Beginn des 17.
Jahrh. 1900. 4.; Ehwald, Exegetischer Kommentar zur XIV. Heroide Ovids.
1900. 4.; Eichner, Die auswrtige Politik Friedrichs d. Gr. im J. 1755.
1900. 4.; Ernst, Die Evolutionstheorie des franzsischen
Litteraturhistorikers Ferdinand Brunetire. 1900. 4.; Fehrs, Die
Oberrealschule der Stadt Wetzlar, Verzeichnis der Lehrer der
Oberrealschule u. des Gymnasiums (1799-1899.) 1899. 8.; Fehrs, Die
100-jhr. Jubelfeier des Gymnasiums am 5., 6. u. 7. Juli 1899. Wetzlar
1900. 4.; Felten, Forschungen z. Geschichte Ludwigs d. Bayern. 1900. 4.;
Fischer, Einiges ber das husliche Leben der Schler. 1900. 4.; Flemming,
Br$
 Studien.
1899. 8.; Kabelmann, Joseph Addison's litterarische Kritik im Spectator.
1900. 8.; Maire, De Diodoro Siculo Valerii Maximi auctore. 1899. 8.;
Mller, The Monikins von J. F.Cooper in ihrem Verhltnis zu Gulliver's
Travels von J. Swift. 1900. 8.; Naumann, Die Geschmacksrichtungen im
englischen Drama bis zur Schlieung der Theater durch die Puritaner nach
Theorie u. Praxis d. Dichter charakterisiert. 1900. 8.; Ohnsorg, John
Lacy's Dumb Lady, Mrs. Susanna Centlivre's, Love's Contrivance und
Henry Fielding's Mock Doctor in ihrem Verhltnis zu einander und zu
ihrer gemeinschaftl. Quelle. 1900. 8.; Schoenfeld, Das Pferd im Dienste
des Islnders zur Saga-Zeit. 1900. 8.; Weidemann, Roger Ascham als
Pdagoge, o. J. 8.; Witt, The Tempest, or The Enchanted Island. A Comedy
by John Dryden. 1670. The Sea-Voyage. A Comedy by Beaumont and Fletscher.
1647. The Goblins Tragi-Comedy by Sir John Suckling 1646, in ihrem
Verhltnis zu Shakspere's Tempest u. den brigen Quellen. 1899. 8.;
ferner 18 jurist. Diss$
.* J. M. Fauner, kgl.
Studienlehrer, 2 m.; H. Maurer, kgl. I. Pfarrer, 1 m. *Ansbach.* Bachmann,
Kommerzienrat, Fabrikbesitzer, 5 m.; Busse, Fabrikbesitzer, 3 m.; Castner,
Konsistorialrat, 4 m.; Dr. Dreisch, Stabsarzt a. D., 3 m.; Greiner,
Regierungsrat, 2 m.; Jordan, Regierungsrat, 3 m.; Dr. Lahner, prakt. Arzt,
3 m.; Mueller, Gewerbehalle-Verwalter, 2 m.; Otto Oechsler, Fabrikbesitzer,
3 m.; Ohr, Kaufmann, 3 m.; von Parseval, Landgerichtsrat, 3 m.; Pfeiffer,
Glasermeister, 3 m.; Popp, Baumeister, 3 m.; Rutz, kgl.
Bezirksamts-Assessor, 3 m.; Freiherr v. Schintling, Regierungsrat, 3 m.;
Schlier, Landgerichts-Sekretaer, 3 m.; Schnizlein, Amtsgerichts-Sekretaer, 
m.; Sebastian, kath. Stadtpfarrer, 3 m.; Spatny, Rechnungs-Kommissaer, 3
m.; Steinlein, Pfarrer, 3 m.; von Wachter, Landgerichts-Praesident, 3 m.;
Weidner, Regierungsrat, 2 m.; Dr. Wuerdinger, Oberstabsarzt, 3 m.
*Arnsberg.* Droege, Landrat, 3 m.; Ludwig Lambiotte, Fabrikant, in Bruessel
3 m.; v. d. Osten Landrat, 3 m. *Arnstadt.* Dr. Herthum, Oberleh$
rosse bemalte Porzellangruppe, auf einem Felsen zwei Schaeferpaare und zwei
Knaben gelagert; Wiener Fabrikat; Ende des 18. Jahrh. Weisse
Porzellanfigur, Gaertner, Nymphenburg (?); 18. Jahrh.
_Tracht und Schmuck_: Silberner Anhaenger, darauf in durchbrochener Arbeit
St. Hubertus mit dem Hirsch; 16. Jahrh. Uniformrock aus blauem Seidenrips
mit roten Aufschlaegen; 18. Jahrh. Maennerrock und Kniehose aus grauem
Seidenrips; desgl. Uniformsfrack aus rotem Tuch mit schwarzen Aufschlaegen
und paulettes (Ordenstracht?); um 1800. Weisser Uniformstuchrock mit
blauen Aufschlaegen; 18. Jahrh. Roter Maennertuchrock mit vergoldeten
Knoepfen; 18. Jahrh. Weisse Atlasherrenweste mit Rosabesatz; desgl.
Gruenseidene Jacke mit Rosabesatz; Theater- oder Maskenkostuem; desgl.
Blauseidener Rock mit Goldspitzen- und Flitterbesatz; Theater- oder
Maskenkostuem; desgl. Damenkleid aus weissem mit bunten Ranken besticktem
Atlas nebst Ueberwurf und einem Stueck unverschnittenen Stoffes; desgl.
Weissseidene Damenschuerze mit Goldstickerei $
achsen-Meiningen Kr. Hildburghausen.
*Stadt-K.* Chor 1502, 2 Joche und 5/8 Schlu; die Sterngwbb. wohl noch
mittelalterlich; Lhs. 3sch.; seit Rest. 1819 Halle; Fischblasenfenster;
reich berstabtes Portal 1536; Turm nrdl. am Chor. -- _Kanzel_ 1536 in
Frhrenss., die Reliefs bertragungen Cranachscher Gemlde; von dersplben
Hand der _Taufstein_.
*Gottesacker-K*. E. 15. Jh. -- Mehrere ikon. _Grabsteine_, gut der an der
WFront von 1541.
*Amtsgericht*. Fachwerkbau 17. Jh. -- Sonstige *Fachwerkhuser*;
hervorragend Obertorstr. 1 von 1605 mit schner steinerner Wappentafel.
Bmkw. Reste der *Stadtbefestigung*.
*Veste*. Die Gebude gruppieren sich um ein verschobenes Viereck. Der
knstlerisch bedeutendste Teil der Neue Bau (spter und jetzt
franzsischer Bau) 1560-64 von _Nic. Gromann_; gestrecktes Rck. von
geringer Tiefe; nach dem Hof 3, auf der Talseite 5 Geschosse. Wenn
Erinnerungen an das Heidelberger Schlo vorliegen, wie behauptet wird, so
knnen sie hchstens in der Gestaltung der Fenster gesucht werden: $
ediktinerabtei*. Die Grndung wird auf Karl d. Gr.
zurckgefhrt. Groartiger Neubau durch _Balth. Neumann_ 1727-1743, eine
seiner bedeutendsten Schpfungen, auch die Innenausstattung von den ersten
Knstlern der Zeit. Nach Aufhebung des Klst. 1821 ff. abgebrochen, weil
weder Staat noch Gemeinde die Unterhaltungskosten tragen wollten. Erhalten
haben sich nur einige Bruchstcke der Abteigebude aus der Zeit vor
Neumannd Portal bez. 1697, Stuckdecken um 1700 Torhaus. Von _Neumann_ ein
kleiner 2geschossiger Bau der SSeite. Im Hof 2 hohe Steinvasen mit Putten.
-- Mainbrcke mit Bildstcken der Renss. und Standfig. der Immaculata um
_MUPPERG._ Sachsen-Meiningen Kr. Sonneberg.
*Pfarr-K.* Das Altarhaus geht auf rom. Anlage zurck. 1720-22 umfangreiche
Rest. und Erweiterung. -- Prunkvolle _Moseskanzel_. -- _Bildnisgrabstein_
des Hans von Schaumburg 1559, durch Sauberkeit und Schrfe der Arbeit
ausgezeichnet. -- Reste von ma. _Wandmalerei_.
_MRSBACH._ UFranken BA Ebern.
*Pfarr-K.* Nachgot. Chor um 1610; bar. Lhs. -- $
 auf 5
Mittelsulen. Das 2. Gescho enthielt den Bankettsaal (jetzt Heuboden);
Reste von Malerei mit ausschweifenden Liebesszenen. Durch alle 3 Geschosse
ein Erkervorbau mit reich profilierten Vorhangbgen und
Fischblasenblenden. Sehr hoher Schloturm mit bar. Bedachung.
*Amtshaus* 1562 spgot.
*Rathaus* 1561 spgot. mit ehemals offener Erdgeschohalle.
*Gasthaus zum Schwan* 1620.
*Ringmauern* z. T. doppelt und *Stadttrme* ziemlich gut erhalten.
_STEINBACH._ K. Sachsen AH Borna.
*Dorf-K.* 1717. Stuckdecke und sonstige tchtige Bar.Dekoration --
Stattliches _Herrenhaus_ (v. Pflugk) 1715.
_STEINBACH._ UFranken BA Hafurt.
*Dorf-K.* 1770 mit geflliger Ausstattung der gleichen Zeit.
_STEINBACH._ Pr. Sachsen Kr. Eckartsberga.
*Dorf-K.* von typischer rom. Anlage: 1sch. Lhs., schmlerer quadr. Chor
und 1/2 kr. Apsis, Ausbildung ungewhnlich fein.
_STEINBACH._ UFranken BA Lohr.
*Pfarr-K.* 1723 von _Balthasar Neumann_. Den Typus der kleineren
Neumannkirchen (vgl. Retzbach, Wiesentheid, in groem Ma6tabe St. Paulin
in$
entlich noch der rom. Urbau, flachgedecktes Schiff, stark
eingezogener rck. Chor mit Tonnengwb., darueber der Turm. -- Spgot.
_Schnitzaltar_ A. 16. Jh. _Kanzel_ in Renss.-Formen.
_ABTSWIND._ UFranken BA Gerolzhofen.
*Protest. Pfarr-K.* Spgot. mit juengeren Veraenderungen. Am WTurm sehr
huebscher Bar.Helm, schlank mit doppelter Laterne und doppelter Kuppel. --
Bmkw. _Schnitzaltar_ um 1500; im Schreine grosses Relief der Pietas,
kraftvoll und originell; auf den Fluegeln (kaum von derselben Hand) links
Dorothea und Katharina, rechts Barbara allein; die Malerei der
Aussenseiten, vielleicht aus Nuernberger Werkstatt, unrestauriert. -- Eine
zweite, vollplastische _Pietas_. -- Reste von _Gaden_. -- Im Ort
charakteristische _Hoftore_.
_ACHELSTAeDT._ Sachsen-Meiningen Kr. SaTlfeld.
*Dorf.-K.* modern bis auf den rom. Turm an der SSeite, die Ausbildung der
Schalloeffnungen faellt durch Guete der Arbeit auf.
_ADELSBERG._ UFranken BA Gemuenden.
*Pfarr-K.* Turm 1335, im Untergeschoss Sakristei. Langhaus 1732.
_Altarblaette$
17. Jh. Auch sonst viel
vortreffliche und gut erhaltene Fachwerkhaeuser 17. bis 19. Jh.
_BURGLAUER._ UFranken BA Kissingen.
*Dorf-K.* Turm unten spgot., oben 17. Jh. Langhaus 1602. -- Wuerzburger
Schule. _Holzfigur_ der Madonna, A. 16. Jh. _Grabsteine_ des Ritters
Bernhard von Steinau und seiner drei Frauen 1486, 1494, 1500, 1508.
_BURGLEMNITZ._ Schwarzb.-Rudolst. LA Rudolstadt.
*Dorf-K.* von rom. Anlage. -- Huebscher _Taufstein_ aus 1. H. 17. Jh.,
Alabaster. Auf dem Kirchenboden Reste von 3 spgot. _Altarweken_.
_BURGREPPACH._ UFranken BA Hofheim.
*Ev. Pfarr-K.* Chor mit Turm 1585, Lhs. 1734. -- Bar. _Grabsteine_ der
Reichsfreiherren Fuchs von Bimbach.
*Schloss* nach 1726. Stattliche, monumental gehaltene Anlage, Gr.
triklinienfoermig, der Eckpavillon turmartig ueberhoeht, Details in der
Richtung des Bamberger Spaetbarock. Saal mit guten Stuckaturen und
_BURGSCHEIDUNGEN._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt.
*Dorf-K.* Der rom. Ursprung in mehreren Einzelformen erkennbar. Bedeutend
die 3 _Epit._ der Familie v. Wiehe 156$
lhouette.
Die Daecher ganz flach geneigt und durch Attiken mit Balustraden und
dichtem Statuenkranz verdeckt, so dass fuer das Auge rein horizontale
Abschluesse entstehen. Der in Pfeiler- und Saeulengruppen aufgeloeste Turm
(83 m H. gegen 93 m Gesamtlaenge) fuehrt einen Gedanken weiter, den zuerst
_Borromini_ in Sta. Agnese an der Piazza Navona ausgesprochen hat. Zu
allen roemischen Barockkirchen im Unterschied, wieder mehr im Sinne einer
gotischen Kathedrale, die am Aussenbau gleichmaessig an allen Seiten
durchgefuehrte Pracht. Dagegen fehlt dem Innern die spezifische
Barockpoesie, die an gleichzeitigen sueddeutschen Kirchen so stark ist; es
wirkt bei aller Wucht der Formen frostig. Auffallend u. a. die geringe
Rolle der Stuckdekoration. -- _Hochaltar_, mit dem ueber 9 m hohen Gemaelde
von Christi Himmelfahrt, von _Raf. Mengs_ 1752 ff. Seitlich _Marienaltar_
und _Josephsaltar_ von demselben 1750 und 1751. Die Gemaelde in den
Kapellen von Italienern und Franzosen; wenig bedeutend. Unter den
_Deckenbildern_ mo$
 ca. 1610. -- Rotenhansche _Epitaphe_, ein bronzenes 1539,
ein steinernes 1559 vielleicht von _Kilian Sorg_. -- Neben der K. 2stoeckige
*Michaelis-Kap.* 1464 (Inschr.). Unten Beinhaus, Erkerchor, kleines
_Relief_ mit Juengstem Gericht.
*Marien-K.* auf dem Friedhof. 2. H. 15. Jh. 2sch. mit zierlichem polyg.
Chor, darin fein gemusterte Sterngewoelbe (1518), die Strebepfeiler auf
statuarische Ausstattung berechnet. -- Wirkungsvoller _Hochaltar_ 1750,
Altarblaetter von _J. A. Glantschnigg_ 1745, 1746. _Pietas_ um 1480.
Ehem. fuerstbischoefl. *Amthaus* (jetzt Gericht), renss.
*Rathaus* 1604. Steinernes Erdgeschoss in 4 Saeulenarkaden geoeffnet,
Obergeschosse reich gemusterter Fachwerkbau, am Giebel Dachreiter. Mehrere
wohlerhaltene Tor- und *Mauertuerme,* 2 bar. *Brunnen,* Neptun und Pallas.
_EBERSBACH._ K. Sachsen AH Loebau.
*Dorf-K.* Der originelle Gr. entstand 1726 durch Anfuegung eines
zentrischen,|aus Kreis und Polygon gemischten OBaus an einen aelteren
Langbau. Hoelzerne Tonnen- und Kuppel-Gwbb. Ringsum Empo$
stein Berld v. Vitztum 1478. Epit. Balth. Hirschbach 1583 von _H.
Friedemann d. Ae._ Epit. Nake 1587. Epit. _Mohr_ 1626. -- _Gemaelde_: in der
Saalfeld-Kap. Fluegelaltar A. 15. Jh. -- _Abendmahlskannen_ von _Erasmus
Wagner_ 1621 und _Andr. Joerg_ 1679.
*Regler-K.* (Augustiner-Chorherren) M. 14. Jh. Vom rom. Bau die 2tuermige
WFassade (alt indes nur der suedl. Turm). Ganz schlichte Anlage.
Unvollstaendige Flachdeckbasilika; das noerdl. Ssch. zum Kreuzgang
geschlagen, darueber eine gegen das Hauptschiff sich oeffnende Empore.
Gestreckter platt geschlossener Chor. -- Grosses doppelfluegeliges
_Altarwerk_ um 1480, an dem besonders die gemalten Teile bmkw.; frueher
irrig _Wolgemut_ zugeschrieben; wohl von Erfurter Lokalmeistern (an
Aussentafeln, Innentafeln und Predella drei verschiedene Haende). An der
Aussenwand und sehr verwittert: _Epitaph_ des Heinrich Frimar 1417,
Kreuzigungsgruppe, darunter 2 kleine Adoranten, geleitet von 2 Heiligen.
*Augustiner-K*. (Augustiner-Eremiten; das Kloster M. Luthers). 1289-1325$
mpore,
meisterlich geschnitzt von _Phil. Soldan_ 1529.
*Marien-Kap.* Etwa 1380. Hervorragender Prachtbau. Der suedoestl.
Diagonalseite des suedl. Kreuzarmes der Hauptkirche angebaut. Da auf
normale Orientierung qewicht gelegt wurde, hat der Gr. unregelmaessig
zentralisierende Gestalt: der groessere Teil umschreibt 5 Seiten des 8Ecks,
ein 3 eck. Raum vermittelt zum Qsch. der Hauptkirche. Die Mauerhoehe ist
der des Qsch. gleich. Ein hohes Pyramidendach kroent das schlanke Polygon.
Die Behandlung ist sehr reich und glaenzend, in jener schulgemaessen
Reinheit, Schaerfe und Eleganz, die fuer jene Epoche das Hoechste war. Demn
Aeusseren war ein sehr reicher Statuenschmuck, ca. 30 Stueck, zugedacht und
scheint auch ausgefuehrt gewesen zu sein. Auch vom Reichtum des Innern
vieles verstuemmelt. Erhalten der sehr bmkw. _Altar_. Die Mensa getragen
von 3 Standfigg. (sehr beschaedigt). Hohes, 3teiliges Retabulum von
feinster Arbeit. Erstes Glied eine niedrige 9teilige Arkatur, der Apparat
der Strebepfll., Fialen usw. glei$
iff und Chor je 2 Joche. Kreuzgwbb. auf kurzen
Diensten. Vortreffliches Detail.
_GOTTESGRUeN._ Reuss ae. L. LA Greiz.
*Kirche* aus 17. Jh. Kleiner, aber origineller und zierlicher Altaraufbau;
das eingefuegte Holzrelief mit dem Abendmahl ist aelter, um 1500,
anziehendes Stueck.
_GOTTLEUBA._ K. Sachsen AH Pirna.
*Stadt-K.* 1sch. spgot. um 1525. Am Chor Portal mit Baumstaemmen und
Astwerk gegliedert (vgl. Chemnitz), am Schiff renss. Portal bez. 1553.
_GOTTSTEDT._ Pr. Sachsen Kr. Erfurt.
*Dorf-K.* aus neuerer Zeit, rom. Turm 12. Jh., an den gekuppelten Fenstern
Wuerfelkaptt. mit eingeritzten geometrischen Ornamenten. -- Ueberreste eines
_Schnitzaltars_ aus 15. Jh.
GRABA bei Saalfeld. Sachsen-Meiningen Kr. Saalfeld. *Pfarr-K.* Vom spgot.
Bau der Chor 2jochig 3seitig geschlossen mit Sterngwb. und der Turm an der
NSeite des Schiffes; dieses erweitert 1775. -- Mehrere _Holzbildwerke_|in
der Art _Lendenstreichs_. Der bar. _Marmor-Altar_ aus der Barfuesser-K. in
Saalfeld uebergefuehrt. Auf dem Friedhof zahlreiche Schm$
e Ausstattung.
_NEUSTADT A. D. ORLA._ Sachsen-Weimar Bezirksstadt.
*Stadt-K.* E. 15. und A. 16. Jh. 3 Schiffe von gleicher Hoehe mit flacher
Balkendecke; Chor gestreckt mit 3/8 Schluss; Netzgwb.; unter dem Chor ein
ehemals offener Durchgang wie an den Stadt-K. von Jena und Kahla. Fenster
3teilig mit reichem Masswerk. Im noerdl. Wikel zwischen Lhs. und Chor ein
hoher Turm in der Art des Jenaischen. -- Formenreicher _Taufstein_ 1494. --
Grosses _Altarwerk_ mit beiderseits gemalten Fluegeln aus 2. V. 16. Jh.
(nicht von _Cranach_). Zahlreiche Grabsteine und Gedenktafeln.
Hospital-K. got. und 1706. -- Gemaltes _Triptychon_ von 1495 (?). Got.
_Schnitzfigg_.
*Schloss.* Entstanden aus einem 1292 gegr. Klst. der Augustiner-Eremiten;
sehr verbaut. Hintergebaeude 1674.
*Rathaus;* spgot., bedeutend; der linke Fluegel der Marktfront ist der
aeltere Teil (1465?), der rechte ein juengerer Anbau; dadurch der grosse
Erker jetzt in die Mitte gerueckt; mit ihm gruppiert sich gluecklich die
Freitreppe des Anbaus. Die Behandlung$
_ Sachsen-Gotha LA Gotha.
*Dorf-K.* spgot. -- Grosser _Schnitzaltar_, die _Gemaelde_ "interessant".
_PFORTA._ Pr. Sachsen Kr. Naumburg.
Ehem. *Cisterc.-Klst. S. Mariae de Porta* gegr. 1136, seit 1543 Sitz der
beruehmten Schule. -- Der kuenstlerische Charakter des Kirchengebaeudes wird
wesentlich bestimmt durch den 1251 (Inschr.) begonnenen got. Umbau; 1268
(I.) der Chor vollendet; Fortsetzung bis nach 1300. Der rom. Bau ist, bis
auf den oestl. und westl. Abschluss, im got. erhalten, und es ist kein Grund
gegeben, sZine Ausfuehrung wesentlich spaeter als die Gruendung anzusetzen;
also in runder Schaetzung M. 12. Jh. Demgemaess fuer Deutschland das aelteste
Beispiel einer Cistercienser-K. von schon ausgepraegtem Typus: Kreuzf.
Basilika mit stark gestrecktem Lhs. und je 2 Doppelkapellen an der OSeite
des Qsch. Bergner fand an diesen Kapellen Ansaetze zu Apsidiolen; es ergibt
sich daraus eine staffelfoermige Anordnung aehnlich den gleichzeitigen
Kirchen in Talbuergeln und Georgental. Das ist die aelteste Fassung $
er den protestantischen Geist im Zeitalter des
Rationalismus ein angemessenerer Ausdruck gedacht wrden. -- Reste einer
praechtig skulptierten renss. _Steinkanzel_ in der Holzlege des
Pfarrhauses.
*Pfarrhaus* aus der Zeit der K., gediegener Quaderbau.
*Rochus-Kap.* anscheinend sehr alter Kern, jetzt formlos.
_TREBSEN._ K. Sachsen AH Grimma.
*Schloss,* 1522 fuer Hans v. Minckwitz. In bedeutenden Abmessungen. Der
mittlere Fluegel lehnt sich an einen kolossalen wohl aelteren Rundturm;
spgot. Giebel; Veraenderungen 1783.
_TREFFURT._ Pr. Sachsen Kr. Muehlhausen.
*S. Bonifazius-K.* Sprom. ca. 1230-50, unter Einfluss von S. Blasien in
Muehlhausen und indirekt von Walkenried. 1sch. kreuzfoermige Anlage in
schmuckreicher Ausfuehrung; einfacher und etwas juenger, schon stark mit
got. Elementen durchsetzt das Chorquadrat und die 3 Apsiden. Chor und
Qsch. mit spitzbg. Rippengwbb., Rippenprofile in geschaerfter Rundstab
begleitet von 2 kleinen Kehlen, schlanke Wanddienste mit Teilungsringen,
an den Kapitellen romanisieren$
fen Winkel. Hier hat sie ihren Luftwechsel,
ihre Tunnel und geheimen Gnge durch Kronengewlbe und Laubgehnge.
Da hindurch kann sie aus dem berwucherten Baum, in dem sie wohnt,
ungehindert abstreichen und zu der freien Fahrt ber Lichtungen und
Unterwald hin gelangen.
Aber einmal, als sie in der Dmmerung ihren Lieblingspfad -- einen
langen und schmalen Gang durch rotknospigen Weidorn und ktzchengelbe
Haselbsche -- entlangstreicht, findet sie ihren Luftweg zerstrt. Das
schtzende Versteck, das sich so innig fest und dicht um ihn geschlossen
hatte, ist umgerissen, liegt bunt durcheinander in einem groen Berg.
Wo frher Bume standen und wilde Schlinge wuchsen, breitet sich jetzt
ein offener Platz aus, ber den sie hinjagen kann, ohne den Zweig eines
Wipfels mit den Flgeln zu berhren.
Sie hat den ganzen Tag tief unten in ihrem hohlen Stamm ein starses
Hack--Hack gehrt, als arbeite tief drinnen im Wald ein Riesenspecht.
Sie kennt den Laut, es ist der, den sie am meisten von allen hat ...
es ist der $
emselben Mae, wie allen
Trieben der freie Aufschwung gesichert ist. Es wird geschehen, da
die Alten, die in der Harmonie den Reichthum und die Vergngungen
mehr lieben werden, als man sie heute liebt, die Ersten sein
werden, welche die Freiheit der Liebe herzustellen verlangen. Die
nthigen Gegengewichte werden sich in gengender Zahl aus der
Konkurrenz der Instinkte und der Geschlechter ergeben. ...
Man sieht, da meine Theorie berall eine einheitliche ist, alle
Probleme haben dieselbe Lsung, die Bildung von Serien, freien
Gruppen, und di3se nach den drei Regeln zu entwickeln: geschlossene
Abstufung der Triebe (Kabalist), Wechsel in der Ausbung aller
Thtigkeiten (Papillone), kurze Sitzungen (Komposit). Das ist die
feste Regel fr die Bildung und Entwicklung der Serien; ihr Zweck
mu sein, berall die Konkurrenz der Geschlechter, der Lebensalter
und der Instinkte zu begrnden.
Den Leser choquirt die Idee der freien Liebe, weil daraus ein
Durcheinander der Kinder verschiedener Abstammung resultire; u$
ie
konnte er nur eine halbe Maregel, wie die Ehescheidung, gutheien?
Es waren die Philosophen, durch welche der Konvent sich gefangen
nehmen lie, sonst htte nach seiner Meinung es geschehen knnen,
da die Revolution von 1793 eine zweite gebar, die eben so
wunderbar gewesen wre, als die erste entsetzlich war.
An sich ist es vollkommen richtig, wenn Fourier die Hhe eines
Kulturzustandes bemit nach der Stellung, welche die Frau in ihm
einnimmt, es ist aber falsch, wenn er die Stellung dr Frau als das
Primre, die Eigenthumsverhltnisse als das Sekundre ansieht. Das
Umgekehrte ist die Wahrheit. Im gesellschaftlichen Urzustand
herrscht der Kommunismus an Grund und Boden, und wo dieser
herrschte oder noch herrscht, existirt auch berall die freie
Liebe, eingeschrnkt durch gewisse Grenzen, die der allzunahen
Blutsverwandtschaft gezogen werden. In diesem Zustand herrscht auch
das Mutterrecht; wohl lt sich die Mutter, aber nicht der Vater
des Kindes nachweisen. In dem Mae, wie die Eigenthumsverhltnisse
$
Anstatt zu diesem Ziel zu
streben, weigere sich die Wissenschaft, eine Aenderung zuzulassen,
behauptend: der natrliche Sinn des Wortes Zivilisation ist die
Idee des Fortschritts in der Entwicklung; es setzt ein Volk voraus,
das marschirt; es bedeutet die Vervollkommnung des brgerlichen
Lebens und der sozialen Beziehungen, die billigste Vertheilung der
Gewalt und des Glcks aller Glieder der Gesellschaft.
Einen Professor, der sich in solcher Weise auf seiIem Pariser
Lehrstuhl, wo der Sophismus vor jedem Widerspruch sicher sei,
ausdrcke, solle man als Antwort in die Spiegelmanufakturen und
hnliche Werksttten fhren, damit er mit eigenen Augen die
billige Vertheilung und das Glck der Arbeiter sehen knne;
jener Arbeiter, die den Phantasien der Migen, aus denen sich das
Auditorium des Professors zusammensetze, als Vorwurf dienten. Wre
es wahr, da die Zivilisation jede Vervollkommnung, jeden
Fortschritt, jede Entwicklung begnstige, dann wren auch die
Barbaren Zivilisirte, deren Industrie in China$
te sie, stand scheu vor ihnen
und machte ein bses Gesicht. Sie fragten ihn, was sich drunten im Gau
ereignet habe, und er erzhlte, da die Goldreiner schon am
Pfingstmontag ber den Flu gegangen seien, um die in Morter wegen der
entfhrten Jungfrau zur Rechenschaft zu ziehen. Die aber htten die
Beschuldigung zurckgewiesen und im Gegenteil die andern verklagt, da
sie an dem jungen Tappeiner sich vergangen htten. Die Redeschlacht habe
so lange gedauert, bis die von Morter zu Hirschfngernund Flinten
gegriffen, um die Eindringlinge zu verjagen. Am nchsten Tag sei das
Gercht gegangen und wurde bald Gewiheit, da zu Schlanders die Pest
ausgebrochen sei; der Affe, den die welschen Gaukler mit sich gefhrt,
habe die Krankheit eingeschleppt. Ein groes Sterben habe begonnen; von
feindlichen Unternehmungen zwischen beiden Drfern sei nicht mehr die
Rede, und man glaube, die ffin habe die beiden jungen Leute auf
geheimnisvolle Weise verhext. Folgt meinem Rat, so schlo der Alte,
und geht hinunter zu den $
bigen Diebes, zog zur Kanzlei und zum Wachthaus, um die
Schreiber, die Nachtaufseher, den Posten am Tor, die Wache selbst zu
berrumpeln und unschdlich zu machen. Ein Unteroffizier, der
verzweifelt Widerstand leistete, wurde gettet. Der Gewehre hatten sich
die Meuterer mit umsichtiger Schnelligkeit versichert; ds Haupttor
wurde zugeschlagen und von innen abgesperrt, und die Gefesselten wurden
in einen Keller hinuntergeschleift. Inzwischen hatte Hennecke smtliche
Zellen geffnet und auch die Kettenstrflinge befreit. Die ganze Horde
wlzte sich aus dem dunklen Eingang in den Schlohof. Hennecke fragte,
ob einer von den Muffmaffs, wie sie die Obrigkeits- und Aufsichtsorgane
nannten, entkommen sei, worauf der mit dem Schinkenkeulengesicht
erwiderte, er habe einen Soldaten den Berg hinabrennen sehen. Es wurde
beschlossen, eine Wache auszustellen, und Hennecke kommandierte einen
Alten auf die Mauerbrstung. Widerwillig gehorchte der, weil er sich
ungern von den Brotlaiben, Wrsten und Bierfssern trennte, welc$
ge Menschen und reine Farben gab.
Herr de Landa und Peter Hannibal Meier
Es war Essenszeit geworden, und bei Tisch unterhielten sich die Freunde
hauptschlich ber die Hochwassergefahr. Schade, wenn wir
gezwungenermaen hier bleiben mten, da wir es freiwillig doch so gerne
tun, meinte Cajetan; doch bin ich mit meiner Bauernstube ganz
zufrieden, und kommt jetzt die Sonne wieder, so wird uns zur Belohnung
der schnste Herbstbrand aus den Wldern leuchten.
Erst nach Beendigung der Mahlzeit wurden die Eindrcke ber die
Geschichte von Nimfhr und Willenius ausgetauscht. Richtig ist, sagte
Borsati, da in den Romanen und Novellen solche Konflikte immer durch
die Liebe verwssert werden. Es sind chte Malercharaktere, die beiden.
Ich finde hier einen Unterschied besttigt, den ich schon oft
konstatiert habe, bemerkte Hadwiger, den Unterschied zwischen
Ding-Naturen und Idee-Naturen. Dieser Willenius ist eine Ding-Natur,
trotz seines wunderbaren Talents. Ja, ich mchte ihn fast einen
Fetischisten nennen.$
 zu tragen, mute er mit Verfolgung und Verbannung bezahlen.
Jerome war ein lebensfroher Mensch, mit einem empfnglichen, leicht zu
entflammenden Herzen; der antike Schnheitskultus von Florenz, der Stadt
seiner Ahnen, schien vor allem in ihm wieder lebendig geworden zu sein.
In seiner Freigebigkeit kannte er keine Grenzen, und Freude zu bereiten,
war fr ihn die grte Freude. Seine erste Jugend, seine ganze
Erziehung, in der die Frage nach dem materiellen Wert der Dinge nie eine
Rolle spielte, untersttzten die Entwicklung dieser Seiten seines
Wesens. Er war ei; _grandseigneur_, -- es gibt keine deutsche
Bezeichnung dafr. Mit dem Mastab des Kleinbrgers gemessen, war er ein
Verschwender. Da er es in einem anderen Sinne nicht sein konnte, dafr
zeugt die finanzielle Lage seines Knigreichs, der stndige Kampf mit
den durch die Forderungen der Napoleonischen Politik entstehenden groen
pekuniren Schwierigkeiten. Gewi: sein Hof, der eines jungen
strahlenden Frsten, war ein glnzender, die leeren Rume de$
tliche Liebe, die sie
berall genossen hatte, mochte wohl nicht mde werden, sie zu schildern.
In strahlender Schnheit lchelte ihr Bild der kleinen Jenny entgegen,
sobald sie die Schwelle des Hauses der Verwandten berschritten hatte --
kein Wunder, da sie der verlassenen Geliebten Goethes in ihrem
schwrmerischen Herzen Altre baute, die die Jahrzehnte berdauerten,
ohne der Verehrung fr Goethe selbst irgendwelchen Eintrag zu tun.
Wie Jerome fr seine Mitschler im Kollegium zu Juilly der Gegenstand
allgemeiner Bewunderung gewesen war, weil er Napoleon zum Bruder hatte,
so wurde Jenny von ihren Mitschlerinnen wie ein Wesen ganz besondererQArt betrachtet, weil Goethe sie kannte, weil die Hand des groen Mannes
auf ihrem Scheitel geruht. Bekam sie Briefe aus Weimar, so war die
Neugierde aller eine groe, und sie selbst wollte immer viel mehr
wissen, als man ihr schrieb: "Ich mu meine Eltern damals wohl sehr mit
neugierigen Fragen geqult haben, denn ich entsinne mich, da meine
Mutter mir schrieb, ich m$
e Schlerin? -- Auch
eine Schule wollte er grnden; ich wrde die Wirtschaft fhren --'
"'Aber, liebes Herz, Du verstehst ja nichts davon.'
"'Die Liebe wird es mich lehren! Nur eins beunruhigt mich, ich kann
Desvoeux nicht vergessen; ich schrieb davon an H. --'
"'Und erzhlst es N. morgen.'
"Sie lachte, aber ich hatte Recht, denn nichts hatte Bestand in diesem
Kopfe, in dem die Phantasie Alleinherrscherin war. Da warf sie zwanzig
verschiedene Mnnerbilder, tausend Lebensplne, Gedanken, momentane
Empfindungen durcheinander, bis die Bilder zerbrachen, die Gedanken
ausarteten -- dann sa sie vor den Trmmern und weinte! Aber wie bei
kindlichen Schmerzen, trstete sie die Blume, die ein Fremder ihr
reichte, sie lchelte, s?e berauschte sich an ihrem Duft und warf sie
schlielich in die allgemeine Unordnung zu Bildern und Gedanken. Und
doch waren edle unter ihnen, Gedanken von Pflicht, Barmherzigkeit und
Hingebung, aber kein einziger entsprang einem Grundsatz. Der Ursprung
war Liebe, das Ziel war Liebe, das Leben$
ein
Staatsminister ist Herders Nemesis, diese allein rechnet gut und
14./8. 32. Berka.
"Sie sehen am Datum meines Briefes, da ich noch in meiner lieben
Einsamkeit bin; die Natur ist so schn, die physische und moralische
Luft so rein, da die Brust freier athmet und alles Treiben und Drehen
und Qulen der politischen Welt in dem unreinen Nebel versinkt, welcher
unter den Bergen zu meinen Fen liegt. Nicht Frhlichkeit, aber Ruhe
und Frieden bedarf das Herz, und dieses findet es in den majesttischen
Wldern, in der hehren Natur, welche, den Menschen zum Spott, in Frieden
und Krieg, in Sturm und Ruhe, im Ungewitter und Sonnenschein immer gro
bleibt. Mchten die Menschen, die Nationen, die Knige und Diplomaten
sich ein Beispiel daran nehmen!
"Sollte die biblische Sage vom Baume der Erkenntni nicht dieselbe
Grundidee ausdrcken als die Fabel des Prometheus? Das Licht des
Himmels, die Erkenntni, raubte er, di Frucht des Paradieses, die
Erkenntni, raubte Eva. Ihre Schuld war die Begierde des Wissens, ihre
$
sch, darauf ein
Spiegel mit goldenem Rahmen, zu jeder Seite eine Vase, mit jenen
palmenartigen Farren gefllt, die im Tannenwald an den verstecktesten
Pltzen wachsen; dann unsere Schreibtische, nur durch die Fensterwand
getrennt, an der auf weichem Teppich zwei Lehnsthle standen. Neben den
tausend Dingen, die auf keinem Schreibtisch vermit werden, standen drei
blumengefllte Glser auf einem jeden; wir liebten vor allem die wilden
Roseny von denen ein einziger Zweig schner ist als alle Centifolien.
Auch ein Sopha, ein runder Tisch, verschiedene Bilder fehlten nicht; auf
allem lachte die Frhlingssonne, die bis zum Abend auf unserer Diele
ihre Strahlen tanzen lie, und aus jedem Winkel des Zimmers fiel der
Blick auf das helle Grn der Hgel, auf die dunklen Tannen, auf drei
breite, sich durch das Thal schlngelnde Wege, in nchster Nhe auf die
Huser der Bauern und jene regelmige Thtigkeit, um die man sie
beneidet, sobald ein bser Gedanke drckend auf der Seele liegt. Aus dem
anderen Fenster sah man d$
a mu
die Nchstenliebe eingreifen und gestrkt werden und mit
ununterbrochener Sorge wachen, da der hliche Gast unter keiner Form
und keiner Maske sic einschleiche. Ist man faul, so mu dieser Fehler
total weg, denn nichts Gutes gedeiht dabei; dazu gehrt nur
Consequenz und eine unerbittliche Disziplin ber den Fehler; man mu
sich vorschreiben wie einem Kinde, was an jedem Tage gethan werden soll,
und dieses mu ohne einen Erla Monde und Jahre durchgefhrt werden.
Ist man leichtsinnig, so mu der Ernst herausgebildet werden, dazu ist
Denken, fortgesetztes Beschftigen mit gehaltvollen Bchern und
Mnnern der Weg; doch kann dieser Fehler bis zur Tugend gemildert
werden, und es darf uns der philosophische leichte Sinn bleiben, der
unnthige Sorgen ber Bord wirft, bertriebenen Schmerz nicht
aufkommen lt und uns durch Abwenden oder heiteres Aufnehmen der
Schattenseiten des Lebens die innere Kraft zum Wirken erhlt.
"Sind wir nun im Reinen mit unseren Fehlern und Mitteln dagegen, so
mssen wir eine eben$
erwunden, als wenn sie sehen mssen, da
der erwachsene Sohn oder die Tochter allem zum Trotz doch ihre eigenen
Wege gehen, und fr die Angst der Mutter gar nur ein mitleidiges Lcheln
brig haben. Was Gte und Liebe ist, empfindet Sohn oder Tochter nur als
Beeintrchtigung der Freiheit, und so spitzt sich ein ursprnglich
zrtliches Verhltnis oft so zu, da es nur durch Trennung vor dem
Zerreien bewahrt werden kann. "Er gla
bt mich ganz zu bersehen,"
schrieb Jenny Gustedt von ihrem jngsten Sohn, "ahndet nichts von meiner
Seele, wei von der Wrde einer Mutter nichts, und doch sprechen seine
zrtlichen Augen meist die innigste Liebe aus ..." Sie fhlte selbst,
da sie ihren Sohn verlassen msse, um ihn zu erhalten. Als daher mein
Vater in den Groen Generalstab nach Berlin versetzt wurde und die
begrndete Aussicht bestand, da er eine Reihe von Jahren in derselben
Stellung bleiben wrde, entschlo sie sich, mit uns zusammen zu ziehen.
In der Hohenzollernstrae, ganz nahe dem Tiergarten, wo die Stadt sich$
 das Bedrfni nach Trank und Speise zur
Lust, Erweckung desselben zum Ziel wird! Nimmst du dir nicht etwa oft
die ruhige Selbstbeherrschung, bringst dich in einen unwrdigen Zustand,
machst auf viele Stunden deinen Krper krank, giebst den Leuten, denen
du befehlen sollst, ein gefhrliches Beispiel und bertrittst dabei sehr
oft das einfache Ehrengebot: was ich nicht bezahlen kann, mu ich mir
"Das war falsch, versagen darf ich mir das unter meinen Kameraden nicht,
und bezahlen kann ich eine Flasche Sect."
"Eine, ja, fnfzig, nein, wenigstens nicht ohne Opfer der Deinigen, oder
ohne Rechnungen armer Handwerker stehen zu lassen. Und das Alles um das
Bischen NasenkitzelP um das jmmerliche Lustigsein mit dem Ende, das du
Katzenjammer nennst!"
"Darin liegt gerade der Schneid, dem Katzenjammer zu trotzen, und so
lange ich den Krper habe, will ich mich mit ihm vertragen und ihm seine
Freude gnnen, ist er einmal weg, so hat er auch keinen Durst mehr ..."
Und wie oft, wenn der Sohn sich mit dem Hinweis auf die no$
ihre Stellung.
Ihres Sohnes Wahl in den Reichstag, durch die zwar die Sphre seiner
Interessen erweitert wurde, brachte sie noch mehr als frher in innere
und oft auch in uere Konflikte, da sein schroffer, konservativer
Standpunkt ihren Widerspruch her3usforderte. "Meines Sohnes neue
Ttigkeit hat dem geistig oft recht den Leben einen neuen Inhalt
verliehen," schrieb sie an eine Freundin, "es kommen Bcher, Broschren,
Zeitungen ins Haus, und vor allem die auerordentlich unterrichtenden
stenographischen Reichstagsberichte, die meine fast eingeschlafenen
politischen Interessen wieder rege machen und meinen alten Kopf oft mit
einer Flut von Ideen erfllen, die wie gepanzerte Ritter im Turnier auch
wohl gegeneinander streiten. Wie viel Kraft, Klugheit, Erfahrung in den
Kpfen und Worten der Volksvertreter! Statt der Zeitungen, die Alles
parteipolitisch frben und mehr und mehr auf den sittlich tiefsten
Standpunkt gelangt sind, in jedem Gegner ohne weiteres einen Schurken zu
sehen -- wodurch die demoralisiere$
osoma und berhaupt
auch die Carabicidenlarven, wie auch selbst ihre Imagines unter die
Parasiten aufnehmen. Dann wrde sich aber der Begriff Parasit auf die
meisten Thiere ausdehnen, z. B. der Analogie nach wre man berechtigt den
Lwen, die Fischotter u. s. w., mit einem Wort alle carnivoren und
insectivoren Raubthiere als Thierparasiten zu betrachten, die
Pflanzenfresser aber, welche sich von lebenden Pflanzen ernhren, fr
Pflanzenschmarotzer erklren. Es ist aber noch Niemanden eingefallen, diese
ThieEe fr Parasiten auszugeben.
Wenn ich also die Melo- und die Trichodeslarven hier unter den Parasiten
auffhre, so geschieht dies theils, weil ausgezeichnete zoologische
Autoritten diese Thiere nach wie vor als Parasiten betrachten, theils weil
sie Krankheitserscheinungen der Bienen bedingen und in dieser Schrift
gerade diese berhrt werden.
Die Parasiten werden eingetheilt in Ectoparasiten (ussere Schmarotzer),
die also aussen auf einem Wesen und in Endo- oder Entoparasiten (innere
Schmarotzer), welche$
mmerzienrath
kopfschttelnd, doch was geht das mich an? Ich habe von Ihnen das
Zimmer heute Nachmittag fr mich allein gemiethet und bin willens Ihnen
dasselbe Geld dafr zu zahlen, das Sie von Beiden fodern knnen;
schaffen Sie mir nur den fremden Menschen da hinaus; ich kann nicht zu
Zweien in Einem Zimmer schlafen, es widerstreitet meiner Natur.
Sind Sie verheirathet? fragte der Wirth.
Nein -- wie so?
Nun, ich meinte nur -- aber ich kann doch den Herrn da nicht wieder
hinauswerfen, verehrter Herr Commerzienrath, klagte der Wirth, und in
der ganzen Stadt ist kein Platz mehr zu haben. Ich wei Sie sind in
Ihrem vollen Rechte, Sie knnen das Zimmer fr sich allein verlangen,
und wenn Sie es durchaus wollen, mu der andere Herr hinaus, aber Sie
glauben gar nicht was Sie mir fr eine Freundschaft erweisen, wenn Sie
ihn darin behielten. In ein anderes Zimmer kann ich ihn schon gar nicht
mehr stecken, denn in keinem liegen unter Vier und Fnf, in manchem noch
mehr, das war das einzige leere Bet, und so $
eredte Wirth in einer Masse von Bitten und
Beschwrungen und Schilderungen des liebenswrdigen Schlafkameraden, den
er bekommen htte, da der gutmthige Commerzienrath, der berhaupt kaum
einem Menschen in der Welt eine Bitte abschlagen konnte, endlich
einwilligte und seufzend mit dem Licht wieder umdrehte nach Nummer 7 zu.
Dort angekommen, klopfte er hflich an die Thr, und auf das mrrische
Herein seines aufgedrungenen Stubengenossen trat er mit einem
schchternen Guten Abend -- Sie entschuldigen in sein igenes Zimmer.
Zu seiner wirklichen Entschuldigung mu ich dem Leser nochmals bemerken,
da er ein deutscher Commerzienrath war.
Guten Abend, sagte der im Besitz sich Befindliche, den Kopf
zurckbiegend und mit der flachen, nach auswrts gedrehten Hand seine
Augen vor dem Lichte schtzend, den Eintretenden besser erkennen zu
knnen; wollen Sie auch hier schlafen?
Ich hatte allerdings die Absicht, erwiderte der Commerzienrath, doch
etwas ber die Frage frappirt; ich wohne seit heute Mittag in d$
amilien eingeschlichen und die Tchter
verfhrt, sich in Geschfte gedrngt und die Firmen ruinirt, sich an
Reiche gehngt und sie ausgesogen hat, bis sie in Verzweiflung einem
raschen Tode in die Arme sprangen, oder in Elend und Siechthum ihrem
Grabe entgegenwelkten. Der letztvorkommende Fall ist der furchtbarste,
und ich wei noch nicht, was die Folgen sein werden. Nach unsern
moralischen Gesetzen kann ein solcher Verbrecher nicht frei ausgehen,
und doch ist er nicht zu fassen, doch hat er sich bisjetzt schlau Allem
zu entziehen gewut, was den Gerichten auch nur den geringsten Halt an
ihm bieten konnte --
Das muE ja ein ausgefeimter Schurke sein, rief der Commerzienrath,
halb in dem Wunsch sich mit dieser Bemerkung wieder unter seine Decke
zurckziehen zu knnen und die Unterhaltung damit fr heute abgebrochen
zu haben, halb aber auch in gerechter staatsbrgerlicher Entrstung ber
ein solches Scheusal, das unter dem Deckmantel der Religion Jammer und
Elend in der Welt sete, und nun noch dazu von der w$
nes richtet es
schon ohne uns, meinte sie, und so berlieen sie den kleinen
Geschftsmann seinem Schi%ksale.
Kalt war es an diesem Dezembermorgen und still blieb es auf der Messe,
ein Kufer kam auf fnf Verkufer und nach leeren Schachteln fragte
keiner. Aber doch -- das bemerkte Johannes mit groer Befriedigung --
hatten alle Vorbergehenden einen Blick fr die hoch aufgebauten
Schachteln, fr die verschiedenfarbigen Packpapiere, die feine
Holzwolle, die Schnre, die in allen Lngen und Strken dahingen, und
kaum einer bersah die ungewohnte Aufschrift:
    _Packwaren._
Gegen Mittag wurde der Markt belebter; die Porzellanhndlerin brachte
ein zierliches Figrchen, eine Schferin, zum Verkauf. Nehmen Sie sich
nur gleich da drben eine Schachtel mit, da der Hirtenstab nicht
abbricht, sagte sie zu der Kuferin, und richtig, das Frulein wandte
sich den Packwaren zu. Sie war Johannes' erste Kundin, wie eifrig wurde
sie aber auch bedient! Wie sorglich wurde die passendste Schachtel
gewhlt und wie vorsichti$
all anzuketten.
Der Stadtschulthei ging nicht mehr in das Gaststbchen zurck. Es ist
besser, ich kleide mich jetzt an, sagte er, und gehe wieder aufs
Rathaus, dort ist es noch ruhiger als daheim. Er verschwand im
Schlafzimmer, wo sein Festgewand hergerichtet war. Aber etwas fehlte
doch. Nach einer Weile ertnte seine Stimme: Julie, wo ist meine weie
Frau Rmer, die eben ihrem kleinen Mdelein die Flasche reichte, rief:
Auf dem Tisch bei deinem Hut und den Handschuhen.
Nein, da ist sie nicht. Knntest du nicht einmal kommen? Ich habe keine
Zeit mehr zu verlieren.
Schnde wurde der Kleinen die Flasche vom Munde genommen, die Mufter
sprang auf, lieber sollte das Kind warten als der Mann.
Die Binde _mu_ da liegen, ich habe sie doch hingelegt, ist sie denn
vielleicht hinter das Schrnkchen gerutscht?
Nun ging ein Suchen an, das immer ungemtlicher wurde, dazu schrie die
Kleine zum Erbarmen.
So gib mir die andere, die du mir gestern gezeigt hast, sagte Rmer.
Die war dir ja zu alt und abgewetzt.$
tage, als sie hinausfuhr aus
der groen Stadt und das hbsche Huschen aufsuchte, das am Ende des
Stdtchens lag, ganz nahe an den Anlagen, die bald in den Wald
bergingen. Das neue Dienstmdchen fragte Frulein Stahlhammer gar nicht
erst, ob sie zu sprechen sei, sondern lie den Besuch ohne weiteres ein.
Im Schlafzimmer lag, unwohl, aber durchaus nicht schwer krank, Frulein
Stahlhammer im Bett und das Kind sa nahe dabei, spielend an seinem
Die Tante hatte zuerst keine Aufmerksamkeit fr das Kind, sie trat ans
Bett und sagte: Ich habe gehrt, da Sie krank sind, und wollte mich
deshalb nach Ihnen umsehen.
Danke, sagte Frulein Stahlhammer, es geht mir schon besser; aber Ihr
Besuch ist mir sehr lieb, ich wllte Ihnen schon in diesen Tagen
schreiben und kann es doch nicht recht.
Hocherfreut ber diesen unerwartet freundlichen Empfang setzte sich die
Tante ans Bett und nach einigen Reden ber die Art der Krankheit sagte
Frulein Stahlhammer: Was ich mit Ihnen besprechen wollte, mag ich
nicht gern vor de$
d die Befugnisse der
Polizeibehrden _bestimmt_ -- das vorher schon erwhnte Gesetz vom 7.
Januar 1854 -- enthlt keinerlei Sondervorschriften fr den Fall von
_Versammlungen_. Ihnen gegenber haben demnach diese Behrden absolut
keine _andere_ Kompetenz, als ihnen auch in bezug auf alles brige
Damit gelange ich denn nunmehr zum Hauptpunkt meiner heutigen Aufgabe --
zur Errterung der Frage: _welche allgemeinen Befugnisse_ legt das
genannte Gesetz den Polizeibehrden bei, _und welche nicht_? Was ihnen
nicht _allgemein_ zusteht, steht ihnen auch nicht bei _Versammlungen_
zu. Fr die Behandlung der genannten Frage aber mu ich jetzt noch
lngere Zeit Ihre Geduld in Anspruch nehmen.
       *       *    Z  *       *       *
Wenn man den Text des Gesetzes, wie Sie ihn gedruckt vor sich haben,
unschuldigen Gemtes ansieht, scheint er den beln Ruf, in dem das
Gesetz steht, gar nicht zu rechtfertigen. Da die verfassungsmige
Zustndigkeit der Polizeibehrden, auf die gleich im Eingang des  1
Bezug genommen ist,$
auch bei uns
der Fall war. Ich konnte auf Grund mehrerer von einander unabhngigen
Feststellungen konstatieren, da in unserem Betriebe in dem letzten
Jahre bei achtstndiger Arbeitszeit 30 Leute soviel fertig gebracht
hatten, wie in dem vorangegangenen Jahre bei neunstndiger Arbeitszeit
Es war weiter festgestellt, da dieses selbe Resultat, also das
Konstantbleiben bezw. Steigen des Tagewerks, eingetreten ist bei den
allerverschiedenartigsten Arbeiten, nicht ndr in dem Spielraum der
Verschiedenheit, wie er in unserem Betriebe gegeben ist, der im
wesentlichen doch feinere Arbeiten umfat, sondern auch auf
Arbeitsgebieten gnzlich anderer Art. Ich konnte aussprechen, da das
gleiche Resultat in Schneiderwerksttten, auf der anderen Seite in
Kanonenschmieden, bei Feinoptikern und bei Kohlenhuern -- auf
Arbeitsgebieten gnzlich heterogener Art nach rein tatschlichen
Feststellungen eingetreten ist, und da der Eintritt dieses Erfolges
gnzlich unabhngig sei -- und darauf habe ich besonders Wert gelegt --
von $
r Jahresausgabe jedes Betriebs, des
Betriebsberschusses oder -defizits, des durchschnittlichen
Arbeitsverdienstes erwachsener Arbeiter und des durchschnittlichen
Gehalts bestimmter Beamtenklassen, des Kapitalwertes laufender
Rntenverpflichtungen etc.), sind fr jeden Betrieb von Jahr zu Jahr
durch die Geschftsleitung zu bewirken und vom Stiftungskommissar mit
anzuerkennen.
[Sidenote: Jahresausgabe.]
Als Jahresausgabe hat zu gelten die Summe aller tatschlichen Ausgaben
und bernommenen Schuldverpflichtungen innerhalb des Geschftsjahres,
welche zur geregelten Fortfhrung des Betriebes gedient haben,
einschlielich der in  24 bezeichneten Ausgaben und der Verzinsung des
fremden Betriebskapitals in ihm, aber ausschlielich des Aufwandes fr
Vermehrungen auf Grundstck-, Gebude-, Maschinen- und Werkzeug-Konto
und fr Erwerb von Rechten, welche einen Geldwert darstellen.
[Sidenote: Betriebsberschu.]
Als Betriebsberschu oder Betriebsdefizit, hat zu gelten die Differenz
zwischen der vorher benannten Jahres$
r Tosen,
gewaltig, dumpfrollend, wie Bergrutsche in der Ferne.
Jedesmal, wenn die Wogen in voller Hhe gegen die Klippen strmten,
spritzte der Gischt meterhoch empor; von weitem sah es aus, wie wenn
weie Meeresungeheuer der alten Sagen hier ans Land emporzuklimmen
versuchten. Aber nur vereinzelte salzige Spritzer gelangten an ihr Ziel.
Sie brannten dem Knaben, der da stand, auf der Wange; doch er rhrte
sich nicht vom Fleck.
Gewhnlich sagten die Leute, nur der tollste Weststurm vermchte den
Wellenschaum so hoch emporzuschleudern; heute kam er bei stiller Luft.
Das hatte nur _einer_ erlebt; und das war der Junge!
Weit drauen im Westen verflossen Himmel und Meer in der Glut der
untertauchenden Sonne. Etwas wie ein goldenes Friedensreich breitete
sich da hinten aus. Alle die meerschwarzen, weikpfigen Wellen, die
sich, soweit der Blick reichte, von dort heranwlzten, waren vertriebene
Aufrhrer. Reihe auf Reihe kamen sie daher, unter millionenstimmigem
Eben jetzt hatte der Farbenkontrast seinen Hhepun
t e$
reute, ihn nun bald in
Schuweite zu haben. _Der_ sollte es kriegen!
Der andere kam einhergeschlendert, ohne zu ahnen, welcher Gefahr er
entgegenging, langsam, als ob er seine Freiheit und Einsamkeit gensse;
bald hrte man seine schweren Stiefel, den Klang der eisenbeschlagenen
Abstze gegen die Steine.
Ein gutgewachsener Knabe, hellblond und vielleicht ein Jahr lter als
der andere, der ihm auflauerte; mit einem losen Friesanzug bekleidet,
einen wollenen Schal um den Hals,;und groe Fausthandschuhe an den
Hnden; er trug einen lndlichen Korb -- blaugemalt, mit gelb-weien
Ein groes Geheimnis ging endlich seiner Offenbarung entgegen; seit
Tagen war die ganze Schule darauf gespannt gewesen, wie, wo und mit wem
der Zusammensto erfolgen werde, der jetzt drohte, wann der feierliche
Moment der Abrechnung komme, in dem Ole Tuft vor einem Mitglied der
gestrengen Schulpolizei endlich eingestehen mute, wo er sich
nachmittags und abends herumtrieb und was er da anstellte.
Ole Tuft war der Sohn eines wohlhabenden B$
ch, so trug er sie mehr, als da
er sie fhrte. Aber bald merkte er, wie unntig das war; sie bog sich
und schmiegte sich in seinem Arm dem leisesten Druck. Sie waren sich
nicht so gleich, da es "klebrig" wirkte, und doch auch nicht so
ungleich, da es abstie; sie wurden sich gegenseitig interessant und
genossen diesen Augenblick der Vershnung vor neuem Kampf. Ab und zu
sahen sie einander an, immer gleichzeitig -- er sehr rot, sie sehr
Jetzt strahlten die Lampen hell, die Musik war heiter, die Menschen
frhlich und natrlich, der Ballsaal prchtig! Sie hatten nicht
miteinander getanzt, seit er Balllwe und sie ein unausstehlicher
Backfisch war, mit dem er aus Gnade ein paarmal herumwalzte. Aber in
Haltung, Rhythmus, in ihrer ganzen Art zu tanzen waren sie wie
aufeinander eingespielt; sie tanzten so leicht -- sie waren glcklich.
Whrend sie sich umfangen hielten, konnten sich ihre Gedanken nicht
voneinander lsen; sie hatten sich ineinander3verschlungen. Sie gehrten
zueinander in starkem Naturzusammenhang$
ungeschickt versuchte, auf einen Baum zu fliegen.
Als sie den Flamingo gefangen und zurckgebracht hatte, war der Kampf
vorber und die beiden Igel nirgends zu sehen. Aber es kommt nicht
drauf an, dachte Alice, da alle Bogen auf dieser Seite des Grasplatzes
fortgegangen sind. Sie steckte also ihren Flamingo unter den Arm, damit
er nicht wieder fortliefe, und ging zurck, um mit ihrem Freunde weiter
zu schwatzen.
Als sie zum Cheshire-Kater zurck kam, war sie sehr erstaunt, einen
groen Auflauf um ihn versammelt zu sehen: es fand ein groer
Wortwechsel statt zwischen dem Henker, dem Knige und der Knigin,
welche alle drei zugleich sprachen, whrend die Uebrigen ganz still
waren und sehr n#stlich aussahen.
Sobald Alice erschien, wurde sie von allen dreien aufgefordert, den
streitigen Punkt zu entscheiden, und sie wiederholten ihr ihre
Beweisgrnde, obgleich, da alle zugleich sprachen, man kaum verstehen
konnte, was jeder Einzelne sagte.
[Illustration]
Der Henker behauptete, da man keinen Kopf abschneiden$
en; ist nicht das gerinzste bunte Wrmchen eben
so wundervoll wie das starke Tier im Walde, und preisen nicht die
Millionen Geschpfe im Wassertropfen eben so sehr deine Allmacht und
Wahrheit wie der Wallfisch im Meere? O, sollte ich da verstummen und
nicht bestndig meinen Lobgesang darbringen, sollte ich nicht durch mein
Leben, durch mein Tun deine Herrlichkeit verknden? Ach Herr! segne du
mich, da meine Gedanken gelutert werden, und meine Taten dir gefallen.
Sieh, der Fisch schwimmt so lebensfroh im Meere, aber, wenn im nchsten
Augenblick ein Fischer ihn heraufzieht, da erlischt das Leben, so wei
auch ich, da der Fischer stets sein Netz und seine Angel nach den
Menschenkindern auswirft, um sie von dir, der Quelle alles Lebens, fort
und hin in den Tod zu fhren; ach mchte ich doch der Lockspeise der
Welt Widerstand entgegenzusetzen stark genug sein und mich von den
lebenden Wassern nhren, die aus deiner himmlischen Lehre strmen! La
mich deiner Liebe eingedenk sein, die meine Vter auf Adlerfittig$
Erlaucht werden gebeten zu warten. Seine grfliche
Gnaden ist noch bei der Morgenandacht.
Sag dem Grafen --
Es ist der strenge Befehl Seiner grflichen Gnaden, ihn
nicht bei der Morgenandacht zu stren.
Kerl, die Wichtigkeit --
Hab strengen Befehl von Seiner grflichen Gnadun --
Scher dich zum Henker. (Rodion wirft Scheite in den Kamin,
dann ab.) Du hier, Fedor Alexandrowitsch?
Gr dich, Michael Jefimowitsch. Mut dich gedulden, warte
ebenfalls schon lang.
Orlow ist auf dem Weg hierher.
Das kann nicht sein.
Orlow ist auf dem Weg hierher.
Ist das eine Vermutung?
Eine Gewiheit; wenigstens beinahe.
Beinahe ist keine Gewiheit. Aber du bist so erregt ...
Hab Grund dazu. Der Grokanzler Woronzow ist an der
Kasan-Kathedrale berfallen worden.
Bei Gottes Gte, was sagst du da!
Erwartet Alexei Grigorjewitsch nicht den Grokanzler?
Ja, Graf Woronzow hat mich geschickt, damit ich seine
Ankunft melde. Aber --
Ich und Anenkow ritten als Eskorte hinter dem Wagen des
Grokanzlers. Eine Horde betrunkener Soldaten drngt s$
 gut
sehen, und so war ihr keine Einzelheit unserer Kostme, keine einzige
frstliche Geste und dramatische Bewegung entgangen.
Nach dem wirklichen Festspiel hatte ein groes Festessen stattgefunden.
Auch uns ward eines zu Teil.
Als die Vorstellung zu Ende war, lud uns die kleine Mutter feierlich
ein, hinunter zu kommen. Der Tisch im Ezimmer war gedeckt. In der Mitte
stand eine Riesenplatte mit Erdbeeren. Hei! Wie da Knig Rudolf, Kaiser
Valentinian und Herzog Leopold frhlich schmausten. Auch der alte
Priester verga seinen Groll, whrend er eine saftige Beere nach der
and>rn in den Mund schob.
Diese Auffhrung blieb nicht die einzige, die die alte Bodenkammer
erlebt hat. Das Bhnenfieber hatte uns gepackt, und eine Zeit lang
muten sich Gromutter und die kleine Mutter wieder und wieder zu dem
alten Sofa hinaufbequemen, um unsere Lebenden Bilder, Komdien und
Tragdien anzusehen.
Der Winter machte diesen Vorstellungen ein Ende, und der Winter brachte
auch eine schmerzliche Trennung. Meine Freunde verlie$
 er auch die Nchte in den Seeschuppen durchtanzte,
konnte er sich ihrer doch nicht entschlagen, und er entging ihnen nicht,
wenn er gleich meilenlange Strecken ber das gefrorene Meer wanderte.
Warum mu ich stets dessen eingedenk sein, woran ich mich nicht
erinnern will? sagte Sir Archie zu sich selbst. Es ist mir, ls
schliche jemand mir immer nach und flsterte mir ins Ohr.
Es ist mir, als spnne jemand ein Netz um mich, sagte Sir Archie, um
alle meine Gedanken einzufangen und mir diesen einzigen brig zu lassen.
Ich kann den Jger nicht sehen, der das Netz auswirft, aber ich hre
seine Schritte, wenn er mir nachschleicht.
Es ist mir, als ginge ein Maler vor mir her und bemalte alles, was ich
betrachte, mit demselben Bilde, sagte Sir Archie. Ob ich die Blicke
zum Himmel oder zur Erde wende, so sehe ich doch nichts anderes als eine
einzige Sache.
Es ist mir, als se ein Steinklopfer auf meinem Herzen und hmmerte
einen einzigen Kummer hinein, sagte Sir Archie Ich kann den
Steinklopfer nicht$
ammer
klopft und schlgt. Du steinernes Herz, du steinernes Herz, sagt er,
jetzt mut du nachgeben. Jetzt will ich einen Kummer in dich
hineinhmmern.
Sir Archie hatte zwei Freunde, Sir Philip und Sir Reginald, die ihm
allenthalben folgten. Es bekmmerte sie, da er immer unfroh war und
nichts ihm Glck zu bringen vermochte.
Was fehlt dir? pflegten sie zu sagen. Warum sind deine Augen so5brennend, und warum sind deine Wangen so bleich?
Sir Archie wollte ihnen nicht sagen, was ihn qulte. Er dachte: was
wrden meine Genossen von mir denken, wenn sie erfhren, da ich mich
etwas Unmnnlichem hingebe? Sie wrden mir nicht mehr gehorchen, wenn
sie wten, da ich von Reue ber eine Tat gemartert werde, die
notwendig war.
Doch als sie immer mehr in ihn drangen, sagte er zu ihnen, um sie auf
falsche Fhrte zu leiten:
Es ergeht mir in diesen Tagen so wunderlich. Da ist eine Jungfrau, die
ich erobern will, aber ich kann sie nicht erringen. Immer stellt sich
mir etwas in den Weg.
Vielleicht liebt dich die Ju$
ne Hand auf eure Stirn legt.' Aber
die Kranken, die in ihrem Elend lagen, wollten nicht glauben, da dieses
Gercht Wahrheit sei. 'Uns kann niemand heilen,' sagten sie. 'Seit den
Tagen der groen Propheten hat niemand einen von uns aus seinem Unglck
retten knnen.'
Aber es war eine unter ihnen, die glaubte, und diese eine war eine
Jungfrau. Sie ging von den andern fort, um den Weg in die Stadt Nazareth
zu suchen, wo der Prophet weilte. Und eines Tages, als sie ber weite
Ebnen wanderte, begegnete sie einem Manne, der hochgewachsen war und ein
bleiches Gesicht hatte, und dessen Haar in blanken, schwarzen Locken
lag. Seine dunkeln Augen leuchteten gleich Sternen und zogen sie zu ihm
hin. Aber bevor sie sich noch begegneten, rief sie ihm zu: 'Komm mir
nicht nahe, denn ich bin eine Unreine, aber sage mir, wo kann ich den
Propheten aus Nazareth finden?' Aber der Mann fuhr fort, ihr
entgegenzugehen, und als er dicht vor ihr stand, sagte er: -- 'Warum
suchest dF den Propheten aus Nazareth?' -- 'Ich suche ihn, auf d$
 Mglichkeiten, welche in dieser Richtung
vorliegt, mit Rcksicht auf die specielle von uns allein zu studierende
Functionsclasse bedeutend ein. Wir wollen verlangen, _dass der
Differentialquotient _[formula]_ keine wesentlich singulre Stelle
besitzen soll_, oder, was dasselbe ist, wir wollen festsetzen, _dass __w__
nur so unendlich werden darf, wie ein Ausdruck der folgenden Form_:
_unter _[formula]_ eine bestimmte endliche Zahl verstanden_.
Entsprechend den verschiedenen Formen, die dieser Ausdruck darbietet,
sagen wir, dass sich bei [formula] verschiedene Unstetigkeiten berlagern:
ein _logarithmischer_ Unendlichkeitspunct, ein _algebraischer_
Unendlichkeitspunct von der Multiplicitt Eins, u. s. f. Wir werden der
Einfachheit halber hier jedes dieser Vorkommnisse fr sich betrachten,
worauf es eine ntzliche Uebung sein wird, sich in einzelnen Fllen das
Resultat der Ueberlagerung deutlich zu machen.
Sei [formula] zuvrderst ein _logarithmischer_ Unendlichkeitspunct. Wir
Hier ist _A_ diejenige Grsse, we$
 Flche, welche durch stetige Abbildung
eindeutig__ in die gegebene verwandelt werden kann, berhaupt jedes
geometrische Gebilde, dessen Elemente sich stetig eindeutig auf die
ursprngliche Flche beziehen lassen, kann ebensowohl zur Versinnlichung
der in Betracht zu ziehenden Functionen gebraucht werden._ Ich habe diesem
Gedanken, wie ich bei gegenwrtiger Gelegenheit ausfhren mchte, in
frheren Arbeiten nach zwei Richtungen hin Ausdruck gegeben.
Einmal operirte ich mit dem Begriffe einer mglichst bersichtlichen,
brigens verschiedentlich modificirbaren _Normalflche_ (vergl. . 8), auf
welcher ich den Verlauf der in Betracht kommenden Functionen durch
verschiedene graphische Hlfsmittel zu illustriren bemht war(32). Hierher
gehren auch die _Polygonnetze_, deren ich mich wiederholt bediente(33),
indem ich mir die Riemann'sche Flche in geeigneter Weise zerschnitten und
dann in die Ebene ausgebreitet dachte. Es bleibe dabei an dieserStelle
unerrtert, ob nicht den so entstehenden Figuren, die zunchst $
 fr das arme gequlte Herz -- einen Augenblick
schien es, als ob sie sich von seiner Brust emporheben wolle, ihm in die
Augen zu schauen -- aber sie sank wieder zurck und klagte nur leise:
Ach das wei ich nicht -- das wei ich wahrhaftig nicht, lieber, lieber
Vater -- damit war aber auch ihre Kraft gebrochen, und laut und heftig
schluchzend, als ob ihr das Herz vergehen wolle in unendlichem Weh, hing
sie in seinen Armen.
Und sie schluchzte nicht _allein_, denn aus der Ecke des Zimmers vor
tnte es noch weit lauter und heftiger, und der kleine Mitonare s\ da
auf einem der niedern Bambusschemel, ganz allein und vergessen und
weinte, in Thrnen frmlich zerflieend, wie ein kleines Kind.
Da vermochte sich aber der alte Missionair auch nicht lnger zu halten,
und der Tochter thrnenberstrmtes Antlitz zu sich erhebend und kssend
und wieder kssend rief er:
Nein, nein Prudentia, ich bin ja kein Tyrann da ich mein Kind so elend
und unglcklich machen mgte, nur weil die Mglichkeit existirt, da es
spter$
r nicht bemerkten, und der alte gute Mann sa
lchelnd dabei, und wohl auch ihm stiegen in der Erinnerung alte liebe,
o so lang jetzt vergangene Bilder auf, und fhrten seine trumenden
Gedanken zurck zur Jugendzeit.
Aber auch die Gegenwart erheischte seine Umsicht, denn manchmal gedachte
er ebenfalls seines, in ziemlicher Aufregung fortgegangenen Collegen und
der Schritte die dieser jetzt zu thun suchte, das Glck, was er selber
heute Abend hier geschaffen, wieder zu zerstren. Er hielt es auch fr
seine Pflicht dieses dem jungen Mann mitzutheilen und ihn wenigstens
darauf vorzubereiten, da seine Bahn von jetzt an noch immer keine ganz
ebene sein knne. Htte er dem von seinem Glc< frmlich Trunkenen aber
auch eine wirkliche Gefahr genannt, er wrde ihr mit leichtem Herzen
begegnet sein, vielweniger denn, wo es nur den bsen Willen oder Zorn
eines fremden Geistlichen betraf, den weder Sadie's Schicksal noch das
seine kmmern durfte. Des Knigs selber glaubte er dabei ziemlich gewi
zu sein, noch dazu da d$
 Brcke hinter sich abgebrochen habe, die
ihn bis dahin noch mit der Auenwelt, zu der er nicht mehr gehrte,
So verging fast ein volles Jahr und Mr. Osborne selber fing an zu
glauben da Bruder Rowe -- der aber seit jenem Tag Atiu nicht wieder
betreten, sondern stets einen anderen Geistlichen zur Revision gesandt
hatte, seinen Groll gegen die ihm verhate Verbindung der jungen Leute
-- zu der _er_ die Hand geboten -- in dem regen ja unruhigen politischen
Treiben der Hauptinsel, wie in den gefhrdeten Interessen seines Standes
vergessen, oder wenigstens vergeben habe, wie es dem Verbreiter
christlichen Glaubens und Duldens auch gezieme, als ihn eines Tages ein
groes versiegeltes Schreiben des ~board of Missionaries~ von England,
aus seinem Traum und Glauben ri.
Es war seine Abberufung von Atiu und Versetzung nach Tahiti,
gewissermaen nter die Aufsicht der dort die obere Leitung der
geistlichen ja auch politischen Angelegenheiten fhrenden Missionaire,
unter denen Bruder Rowe eine sehr vorragende Stellun$
en Seiten, und
Aller Kpfe wandten sich den beiden Seeleuten zu, die dadurch die
Aufmerksakeit der Menge weit mehr auf sich gezogen sahen, als sie wohl
vermuthet. Raiata begann aber in demselben Augenblick wieder, und jetzt
zwar mit Vorlesen einer langen Rede Pomares in Tahitischer Sprache, in
der er zuerst ihre Gefhle bei dem jetzigen politischen Stand der Dinge
beschrieb, bei welchem sie sich selber als verbannt von ihrem Knigreich
betrachten msse, und das Volk dann aufforderte diesem Zustand durch
energisches, aber auch einiges Handeln ein Ende zu machen.
Dann wurde ein Brief des Englischen Admirals verlesen, der die
Theilnahme der Knigin von England fr die Knigin von Tahiti
ausdrckte[Y] und auf das beifllige Murren der Versammlung wandte sich
Raiata nun zu den verschiedenen Huptlingen der nchsten Distrikte, ihre
Meinung zu hren.
Fanue sprich Du was Du denkst von der Gestaltung der Dinge im Reich. --
Der Aelteste bist Du, Pomare frgt Dich, willst Du die Flagge
beibehalten wie sie ist, oder Di$
 sie dann vor sich, wie zu einer nachlssigen Umarmung. Auf den
ruhigen Vorschlag Hankas, mit ihm eine Spazierfahrt zu machen, kleidete
sie sich um und sa bald darauf mit festlichem Gesicht an seiner Seite
im Wagen. Er sollte ihr erzhlen, und berichtete von Natalie. Whrend er
umstndlich und etwas grbelnd seine Gedanken ausdrckte, verschlang
Beate mit den Blicken die Leute der Strae und bemerkte nicht, da Hanka
mit spttischem Schmunzeln abbrach. Sie ist jung, lebendig und hungrig,
sagte er sich, legte ein Bein ber das andere und blies den Rauch seiner
Zigarre mit der Vershnlichkeit eines alten Landpfarrers in die frische
Fr6hlingsluft. Beate schmiegte sich nher an ihn, als lge ihr daran,
sich dankbar zu erweisen und sann in unergrndlicher Schlauheit nach
Mitteln, um Versprechungen zu erhalten. Aber was sie begehrte, war
formlos, denn sie hatte mehr Wnsche als Gedanken. Alle Wege ihrer
Phantasie waren mit Begierden belagert, deren Schatten ihr Gesicht
selbst im Schlaf berzogen. Um Beschftigung $
sie lcheln zu sehen, als ob sie sich selbst beneide und
bewundere. Whrend sie an Arnolds Seite ging, grte sie die Grenden,
schelmisch beschmt oder mit kindlichem Triumph. Jeden kannte sie,
jedermanns Erlebnisse wute sie zu erzhlen. Da war eine junge Frau,
sechs Jahre verheiratet und noch kinderlos. Und warum? Weil sie es fr
unvornehm gehalten hatte, im ersten Ehejahr ein Kind zu bekommen, wurde
der Storch abbestellt. Aber im zqeiten Jahr kam auch keines, im dritten
und im vierten auch nicht. Groer Familienrat; aber der Storch ist
beleidigt und der Sprling hlt es jetzt nicht mehr fr vornehm,
geboren zu werden.
Arnold machte ein dummes Gesicht zu dieser Erzhlung.
Und dort unter dem Kandelaber stand eine magere Person, -- ist es nicht
unappetitlich, so mager zu sein? Ihr Mann hat sich aus einem Fenster
gestrzt, weil sein eigener Freund diese Magerkeit appetitlich gefunden.
Schlecht ist die Welt, nicht wahr? Dieser rotbrtige und vollbackige
Herr hat groe Unterschlagungen verbt und nur seine he$
r seinen
Freunden und hielt es geheim. Das Schlo, hinter dem es lag, zeigte
dreifachen Verschlu und gab zuletzt erst dem Druck einer verborgenen
Hyrtls Gesicht war md und welk geworden. Er kleidete sich aus, wlzte
sich noch lange unter der himmelblauen Atlasdecke umher, und erst als
das Tageslicht auf die Dielen fiel, sank er in Schlaf.
Zweiunddreiigstes Kapitel
Am folgenden Tag war Arnold mit Hyrtl wirklich in die Wohnung Verena
Hoffmanns gefahren. Das Frulein hatte sie ziemlich khl empfangen und
Arnold merkte gleich, da es mit der Freundschaft, deren sich Hyrtl
gerhmt, nicht so recht stimmte. Er selbst verhielt sich schweigsam und
beobachtend. Nach einer Viertelstunde gingen sie wieder.
Durch einen scheinbar unerklrlichen Ansto begann Arnold sich pltzlich
abzuschlieen. Er folgte keiner Einladung mehr und war unzugnglich fr
jeden Besucher. Er nahm uch an den Mahlzeiten bei Borromeos nicht mehr
teil, sondern versorgte sich entweder zu Hause mit Schinken und Wurst
oder suchte irgend eine nahege$
ern; einer brachteihm den Gerichtsakt, den er fr
die Verhandlung in Preburg ntig hatte. Er nahm Hut und Mantel und fuhr
zum Bahnhof. Er setzte sich in ein leeres Abteil und gab dem Schaffner
ein Geldstck, damit er ihn allein lasse. Der Zug setzte sich in
Bewegung, und Borromeo schlo die Augen. Pltzlich aber erwachte in ihm
ein tiefer Widerwille gegen das Ziel seiner Fahrt. Er wollte nicht
reden, nicht hren, nicht angestrengt nach Antwort sinnen, nicht
lcheln, fragen, nicken und sich verbeugen, wollte nicht jene
gleichgltigen, altbackenen, gefrorenen, mhseligen Redensarten ber die
Zunge wlzen, durch die allein eine Verstndigung zwischen den Menschen
mglich ist. Als die nchste Haltestation erreicht war, verlie er den
Wagen, nahm seine Aktenmappe unter den Arm und spazierte in den Wald,
welcher unmittelbar hinter dem kleinen Bahnhof begann. Aber nicht lange
setzte er den Weg fort. Die Einsamkeit und Stille flten ihm so groe
Furcht ein, da die Haut ber seiner Brust sich spannte und in ein
ko$
ther anders geworden ist, so haben gerade die
     Bemhungen, deren Geschichte ich skizziere, daran einen groen
     Anteil.
Mit der Erkennung der Hysterie wird also fr den Kranken wenig gendert;
desto mehr ndert sich fr den Arzt. Wir knnen beobachten, da er sich6gegen den hysterischen ganz anders einstellt als gegen den organisch
Kranken. Er will dem ersteren nicht dieselbe Teilnahme entgegenbringen
wie dem letzteren, da sein Leiden weit weniger ernsthaft ist und doch
den Anspruch zu erheben scheint, fr ebenso ernsthaft zu gelten. Aber es
wirkt noch anderes mit. Der Arzt, der durch sein Studium so vieles
kennen gelernt hat, was dem Laien verschlossen ist, hat sich von den
Krankheitsursachen und Krankheitsvernderungen, z. B. im Gehirn eines an
Apoplexie oder Neubildung Leidenden Vorstellungen bilden knnen, die bis
zu einem gewissen Grade zutreffend sein mssen, da sie ihm das
Verstndnis der Einzelheiten des Krankheitsbildes gestatten. Vor den
Details der hysterischen Phnomene lt ihn aber all se$
em Londoner sagen,
der heute noch vor dem Denkmal des Leichenzuges der Knigin Eleanor
in Wehmut stehen bliebe, anstatt mit der von den modernen
Arbeitsverhltnissen geforderten Eile seinen Geschften nachzugehen oder
sich der eigenen jugendfrischen Knigin seines Herzens zu erfreuen? Oder
zu einem anderen, der vor dem Monument die Einscherung seiner
geliebten Vaterstadt beweinte, die doch seither lngst soviel glnzender
wiedererstanden ist? So wie diese beiden unpraktischen Londoner benehmen
sich aber die Hysterischen und Neurotiker alle; nicht nur, da sie die
lngst vergangenen schmerzlichen Erlebnisse erinnern, sie hngen noch
affektvoll an ihnen, sie kommen von der Vergangenheit nicht los und
vernachlssigen fr sie die Wirklichkeit und die Gegenwart. Diese
Fixierung des Seelenlebens an die pathogenen Traumen ist einer der
wichtigsten und praktisch bedeutsamsten Charaktere der Neurose.
     [] Vielmehr die sptere Nachbildung eines solchen Denkmals. Der
     Name _Charing_ selbst soll, wie mir Dr. E$
ht vergesse. Das machte das Wiseli dann ganz zuversichtlich und
froh, und es wurde nie mehr so unglcklich, wie am ersten Abend auf der
Ofenbank, sondern jeden Abend schlief es mit der ganz frohen Zuversicht
im Herzen ein:
    Er wird auch Wege finden,
    Da dein Fu gehen kann.
So verging der Winter und der sonnige Frhling kam. Die Bume wurden
grn und alle Wiesen standen voller Schlsselblumen und weier Anemonen,
und im Wald rief lustig der Kuckuck, und schne, warme Lfte zogn durch
das Land und machten alle Herzen frhlich, so da jeder wieder gern
leben mochte.
Auch Wiselis Herz erfreuten die Blumen und der Sonnenschein, wenn es am
Morgen in die Schule ging und nachher wieder nach dem Buchenrain
zurckkehrte. Sonst blieb ihm keine Zeit, sich daran zu erfreuen, denn
es mute nun streng arbeiten: jeder Augenblick, der neben der Schule
brig blieb, mute zu irgendeiner Arbeit benutzt werden, und manchen
halben Tag der Woche mute es daheim bleiben und durfte gar nicht zur
Schule gehen, weil da viel N$
cklein
aufhrt zu bimmeln und zu mahnen, kann man den Himmel noch genug
Die Mnner gehen oder schleichen sich hinweg und zurck gegen den Stutz,
die Knaben folgen dem Beispiel, nach einiger Zeit besteht die Gruppe der
Betenden vor der Kapelle nur noch aus einem Hufchen Weiber, die um
Frnzi knieen, die Neugierigen aber sammeln sich im Teufelsgarten, oder
etwas hher am Schmelzberg, und starren an die Weien Bretter hinauf.
Der Presi trgt eine rote Fahne, seitwrts von den Weien Brettern
schimmert auch eine solche, eine dritte vermag man auf der mittleren
Spitze der Felsen zu erkennen.
Der Garde hlt sie! Josi, der, die Hnde in den Hosenscken geballt,
unter den Mnnern steht, hat Zutrauen zu ihm.
Sonst sieht man noch nichts. Da regt sich die oberste Fahne. Es schwebt
etwas von oben die grlichen Felswnde hinab, das wie ein Strohhalm
aussieht, der an Bindfden hngt. Sie sind fm Werk! Strohhalm um
Strohhalm senkt sich aus der Hhe, manchmal bleibt einer zu hoch,
manchmal kommt einer zu tief. Der Pres$
i zu mir
genommen. Und seither ist sie uns zum Segen und Sonnenschein geworden,
da wir nicht mehr leben knnten o1ne sie!
Ja, das wei das ganze Dorf, da Ihr als alter Knabe verliebt seid in
das Jngferchen. Sie ist auch ein artiges Kind. Ihr httet es mir wohl
in den Bren geben knnen.
Mit einem hhnischen Lcheln sagt es der Presi. Der Garde aber fuhr in
ehrlicher Entrstung los: Verliebt. -- Presi, schaut, wie viel graue
Haare ich habe im Bart. Wit Ihr, wie die gekommen sind? Die stammen
von Eusebi und meinem Weib. Schier hintersinnt hat es sich, da der
Bube, fr den sie so viel gelitten hat und fr den ich an die Weien
Bretter gestiegen bin, als ein Bldling aufgewachsen ist. Wir haben
keine wahre Lebensfreude gehabt, der Bub hat nicht erwachen wollen und
die Gardin hat sich halb zu Tode gekrnkt, da ihr just so einer als
einziger beschieden war. Als er fnfzehn gewesen ist, hat er immer noch
nur blde zugeschaut, wie die anderen gearbeitet haben, und hat mit den
Steinchen gespielt. Meint, Pres$
ni, da ihre Stellung
zwischen Sohn und Mutter immer schwieriger wurde und sie Mhe hatte,
sich in den Augen der Gardin untadelig zu benehmen.
Bald aber berschattete ein trauriges Ereignis das im Hause aufblhende
sanfte Liebesspiel.
Mehr als ein halbes Jahr, nachdem Vroni ihren Brief mit dem Zusatz von
Binia an Josi geschickt hatte, mitten im tiefen Winter, kam das
Schreiben, mit vielen Stempeln bedeckt, an zwei Stellen etwas
durchschnitten, an sie zurck und auf der Rckseite stand: %Addressee
died in the cholera-vospital at Srinigar.% Diensteifrig hatte Thni
schon die Uebersetzung auf den Umschlag gefgt: Der Adressat ist im
Cholerahospital zu Srinigar gestorben. Darunter stand irgend ein
Vroni hielt die Botschaft noch in den bebenden Hnden, da kam schon
Binia in aufgeregter Hast dahergeeilt; Vroni, liebe Vroni, gelt, das
ist nicht wahr, er lebt!
Vroni aber, die, ihrer Sinne nicht mchtig, auf einen Schemel gesunken
war, rief immer nur, da sich die Wnde htten erbarmen mgen: Es ist
halt nach d$
schrieben hat, Vroni? Er nimmt ihn
wieder. Gerade meine Buchstaben sind es im Anfang, aber zuletzt sind es
andere. Er whlt mit zitternden Hnden im Buffert. Da ist noch etwas
Geschriebenes von Thni Grieg. -- Da schau, schau! -- Da am Ende hat es
von seinen Buchstaben -- du unseliger Hund! - Thni, du unseliger Hund.
-- Und du nennst dich nur Ftzel -- und bist so ein Schuft!
Josi schluchzt: Ich habe nicht auf die Buchstaben gesehen, mich hat der
Brief halt gerade so angetnt, als ob er von Euch wre -- ich habe so
viele Thrnen darauf vergossen. Thni -- das hast du mir gethan! -- Und
Bini ist gewi auch nicht sein Weib.
Da ffnet sich die Thre ein wenig, man hrt drauen Eusebis gedmpfte
Stimme. Schau nur schnell, Bini -- er ist wirklich und wahrhaftig da --
aber zittere nicht so!
Ein Schrei, wie wenn eine Saite sich zerfasert und springt: Josi!
Binia fllt an der Schwelle nieder, sie stt gegen die Thre und diese
ffnet sich breit.
Josi macht eine taumelnde Bewegung gegen Binia. Bineli! $
nd Pelzer in Frankfurt am Main
-- und der Herr Professor machten ebenfalls die Reise mit.
Wir erwarten ihn jeden Augenblick sagte die Frau Professorin, sich dabei
ungeduldig nach der Thre umsehend, denn die Bekanntschaft des Herrn
Steinert, der mit seiner lauten Stimme schon die Aufmerksamkeit
smmtlicher brigen Gste auf sie gezogen hatte, fing an ihr drckend zu
Er ist eben fortgegangen sich zer die genaue Abfahrt des Schiffes
Gewiheit zu holen, ergnzte Eduard.
Ah ja, unser Schiff rief Herr Steinert, sich pltzlich wieder der Sache
erinnernd, wegen der er Herrn Mehlmeier eigentlich herbeigerufen. Sie
haben ja selber heute mit den Rhedern gesprochen, nicht wahr lieber
Ja wohl sagte der dicke Mann mit seiner feinsten Stimmlage, whrend er
dabei stark mit dem Kopf schttelte.
Dann ist also keine Gefahr da wir das Schiff versumen, wenn wir bis
morgen frh hier bleiben? frug die Frau Professorin. Herr Mehlmeier
nickte ihr aber sehr bedenklich zu und sie frug rasch -- Sie glauben
Bitte um Ver$
da, wer hat Ihnen denn
eigentlich Erlaubni gegeben im Zwischendeck zu rauchen, und noch dazu
solchen Giftknaster -- wenn Sie das Schiff wirklich nicht in Brand stecken
verpesten Sie es.
Der Eine liebt Rosen der Andere Teufelsdreck sagte Zachus ruhig, ich
liebe Rosen.
Kann ich mir denken meinte der Steuermann -- wer aber hat die Coye von
allem Anfang an inne gehabt?
Ich -- wir -- schrieen die Eheleute Lwenhaupt.
Wie viel sind Sie?
Nu wie viel sollen mer sein? frug Madame Lwenhaupt beleidigt -- ich und
Ja dann kann ich Ihnen nicht hefen sagte der Seemann achselzuckend,
dann mssen Sie noch irgend Jemand darin aufnehmen.
Aber doch nich _den_ Menschen? rief Herr Lwenhaupt rasch und
Bieten Sie mir einen Tausch an, vielleicht lasse ich mich bewegen und
ziehe aus! sagte Zachus, dem die Gesellschaft als er sie etwas nher
besah, vielleicht selber nicht gefallen mochte.
Na das machen Sie unter sich aus sagte aber der Steuermann, sich mit
seiner Laterne wieder den Anderen zuwendend -- i$
r Ihr kennt
wohl das alte Sprchwort.
Thuts Euch Noth es zu wissen? frug der zweite.
Nein sagte Meier kopfschttelnd war nur Neugierde, und die Wahrheit
erfhr ich doch wohl nicht -- ich habe aber einmal Jemanden gekannt, der
wie Euer Kamerad da, auf den Alten deutend -- aussah und _Pelz_ hie --
aber 'sist lange her.
Der Alte drehte sich bei dem Namen rasch um, und den Zudringlichen finster
und aufmerksam betrachtend sagte er:
Und wie heit _Ihr_?
Meier -- erwiederte vollkommen ruhig der Mann und nahm seine kleine
Thonpfeife aus der Tasche, die er sich stopfte und anzndete.
So hei ich auch brummte der Alte, und drehte sich wieder in seine alte
Stellung um; der Kurzhaarige rauchte noch eine Weile still vor sich hin,
stand dann auf und ging, ohne ein Wort weiter zu uern nach vorn zu, wo
er sich auf die Back setzte, und die Fe vorn ber Bord hngen lie.
Das Schiff v}rfolgte inde mit lustig geblhten Segeln seine Bahn; der
Wind war vortrefflich und die fast vierkant gebraten Raaen, die Le$
er zweckmig sind
      Vorlegeschlosser, die leicht unterwegs abgestoen werden knnen)
      versehen ist. Die Coyen sind gewhnlich nur sechs Fu und vielleicht
      einige Zoll lang, und hat man nur drei Fu lange Kisten, die aber,
      der unteren Coyen wegen, nicht zu hoch sein drfen, bei sich, so
      knnen vor der eiVenen Coye zwei neben einander stehn, dienen, wenn
      geschlossen, zum Sitz, und nehmen nicht viel Raum, in dem ohnedies
      engen Zwischendeck ein. Das andere Gepck mu aber in den _unteren_
      Raum und aus dem Weg weggestaut, und was oben bleibt durch Taue
      und vorgenagelte Holzkeile so befestigt werden, da es bei noch so
      starkem Schaukeln des Schiffs nicht im Stande ist zu weichen oder
      berzuschlagen, und Gliedmaen wie selbst das Leben der Passagiere
      zu bedrohen.
    3 Logis wird der Aufenthalt der Matrosen, vorn im Vorcastle unter Deck
      genannt, und die Kappe (sogenannte Logiskappe) ist ein kleiner
      Unterbau ber dem Eingang nach unte$
aemmtliche Passagiere schrien mit,
und der Mann haette sich eben so gut ruhig in die Cajuete setzen und seinen
Teller voll Suppe essen koennen der drinnen auf dem Tische kalt wurde, als
hier zu versuchen Ordnung in dies Babel von Stimmen und Koffern und
Hutschachteln, Matratzen, Kisten, wollenen Decken, kleinen Kindern und
Koerben mit Provisionen zu bringen.
                                    []
                                Capitel 3
Jeder der Passagiere wollte natuerlich seine Sachen zuerst hinaufgereicht
haben, Jeder wollte aber auch zuerst an Bord des Schiffes sein, und die
Einen schrieen hinauf, die nderen hinunter, bis sich die Mannschaft der
Haidschnucke endlich in einer festen Masse sammeln und das Uebertragen des
Gepaeckes selber in die Hand nehmen konnte. Hei wie die Schachteln und
Koerbe da flogen, und wie die Frauen kreischten wenn irgendwo in einem Korb
eine Flasche zerbrach und auslief, oder irgend ein Topf oder Geschirr
knackte und splitterte.
"Nehmen Sie sich in Acht da ist Glas drin -- Si$
eid, den thoerichten Schritt schon gethan und sich in
Deutschland mit dem muerrischen Herrn Henkel verheirathet zu haben, aere
das nicht geschehn, sie naehme keinen anderen als Herrn von Hopfgarten,
denn ein besser zu einander passendes Paar gaebe es doch nicht auf der
weiten Gottes Welt, und Herr von Hopfgarten betheuerte dann ebenfalls, er
sei der Ungluecklichste der Sterblichen, ein wahrer lebendiger Tantalus,
dem sein Glueck jetzt, in Gestalt der liebenswuerdigsten jungen Frau, vor
der Nase herumliefe, ohne dass er selbst den Arm danach ausstrecken duerfe,
es fest zu halten. In komischer Verzweiflung holte er dann gewoehnlich eine
Chokoladen-Pistole, von denen er mehre Dutzend an Bord haben musste, denn
sie schienen unerschoepflich, aus der Tasche, setzte sie sich vor die Stirn
und liess sie sich von Marien wegnehmen, die sie, wie sie sagte, um Unglueck
zu verhueten zerbrach, und den juengeren Geschwistern zum essen gab.
Viel zu ihrer Erheiterung trug, wenn auch sehr oft absichtslos, der
"Doktor" bei, wi$

sitzen kamen. Das Schiff lag dabei fast vollstaendig auf der Larbordseite,
den an diesem Bord bei Tische Sitzenden eine keineswegs bequeme Stellung
gewaehrend, obgleich die Mahagony- und mit geflochtenem Rohr ueberzogenen
Baenke, auf denen sie sassen, wohl befestigt waren, und nicht wanken und
weichen konnten.
So wie Doktor Hueckler am Tische Platz genommen, und die Terrine mit der
linken Hand gefasst hatte, liess der Steward sie los, um weitere Beduerfnisse
der Tischgaeste herbeizuholen, und waehrend sich die uebrigen Passagiere
ebenfalls setzten, fuellte der Doktor jedem seine Portion auf den
dargereichten Teller. Das Schiff schwankte dabei nach allen moeglichen
Richtungen hin, und die Damen besonders hatten im Anfang beide Haende voll
zu thun, nur ihren Teller mit der Suppe zu balanciren, dass er nicht bald
da bald dort ueberlaufe. Es gehoerte auch erst in der That einige Uebung
dazu, dies Geschaeft der linken Hand allein anzuvertrauen, und, mit den
Augen fest auf den Tellerra6d geheftet, der geringsten B$
, wagte auch nicht zu fragen und zu forschen, haette ihr die
Frau selbst Zeit dazu gelassen. Diese aber oeffnete rasch die zur Cajuete
fuehrende Thuer, und betrat den inneren Raum, wo sie saemmtliche Passagiere
am Fruehstueckstisch bereits versammelt fand."
"Heilige Mutter Gottes!" rief aber Marie, die auf sie zu lief, und sie
umarmte und kuesse, "wie bleich und angegriffen Du aussiehst Clara; Du bist
_recht_ krank gewesen -- bist es noch, und musst Dich unendlich schonen und
in Acht nehmen, dass Du Dich ja recht bald wieder erholst. Draussen ist ja
schon das Land in Sicht -- soll ich es Dir zeigen?" --
"Nachher, nachher meine liebe Marie," laechelte Clara, ihren Kuss und den
Morgengruss der Uebrigen erwiedernd.
Herr von Hopfgarten begnuegte sich aber nicht mit der kalten Verbeugung,
sondern ging auf sie zu, um den ganzen Tisch herum, schuettelte ihr die
Hand, und sagte ihr dass es ihn unendlich freue sie wieder wohl und munter
zu sehn, denn sie haette ihm die ganze Zeit lang gefehlt, und er waere
selbst nic$
   Viele Fratzen lockt sein Klang,
        Doch lockt er auch die Schnen.
        Gatten die sich vertragen wollen,
        Lernen's von uns beyden!
        Wenn sich zweye lieben sollen,
        Braucht man sie nur zu scheiden.
        Schmollt der Mann und grillt die Frau,
        So fat sie nur behende,
        Fhrt mir nach dem Mittag Sie
        Und Ihn an Nordens Ende.
_Orchester Tutti_
(#Fortissimo.#)
        Fliegenschnauz' und Mckennas',
        Mit ihren Anverwandten,
        Frosch im Laub' und Grill' im Gras'
        Das sind die Musikanten!
        Seht da kommt der Dudelsack!
        Es ist die Seifenblase,
        Hrt den Schneckeschnickeschnack
        Durch seine stumpfe Nase.
_Geist der sich erst bildet._
        Spinnenfu und Krtenbauch
        Und Flgelchen dem Wichtchen!
        Zwar ein Thierchen giebt es nicht,
        Doch giebt es ein Gedichtchen.
_Ein Prchen._
        Kleiner Schritt und hoher Sprung
        Durch Honigthau und Dfte;
        Zwar du trippelst mir genung,
  $
 war. Eigentlich kannte sie schnere Lieder.
Wie finden Sie die Form? fragte Alois und lchelte wehmtig. Er war
sichtlich durch die Wirkung berwltigt, die er hervorgebracht hatte.
Rund und langgestreckt, antwortete Maja. Sie haben es ja selbst
Ich meine die knstlerische Form, ich meine die Form meiner Dichtung.
Ah, sagte Maja, ach so. Ja, die finde ich gut.
Nicht wahr? rief Alois. Sie wollten sagen, da dies Lied dem besten
eingereiht werden kann, was Sie kennen, da man eit zurckgreifen mu,
ehe man etwas Verwandtes findet. Die Kunst mu zunchst Neuigkeiten
enthalten, das ist es, was die meisten Dichter bersehen. Und dann
Gre, nicht wahr?
Doch, sagte Maja, ich glaube ...
Ihr zuversichtlicher Glaube an meine Bedeutung, den Sie ausgesprochen
haben, sagte Alois, beschmt mich gradezu. Haben Sie Dank. Ich mu nun
weiter, denn die Einsamkeit ist die Zierde des Knstlers. Leben Sie
Adieu, sagte Maja, die gar nicht recht wute, was der Kleine
eigentlich gewollt hatte. Nun, er selbs$
nach, obwohl sie
darin sich von allen anderen unterscheidet, da sie in acht Monaten
entstanden ist. Das fnfte Hundert der Beamten im Hause drfte dieser
Tage berschritten sein, und die Angestellten der Rohstoffgesellschaften
und ihrer Zweiganstalten sind auf mehrere Tausend zu schtzen.
Als Exzellenz von Falkenhayn im Frhjahr nach Berlin kam und nach dem
Stande unserer Versorgung fragte, konnte ich ihm sagen: Wir sind in
allem Wesentlichen gedeckt, der Kieg ist von der Rohstoffbeschaffung
Dem Reichstage hat der Kanzler dies besttigt. Da es ein Produkt gibt,
mit dem wir von der Hand in den Mund leben, wissen Sie alle. Die Deckung
der brigen ist zum Teil eine absolute: es wird so viel geschaffen, wie
verbraucht wird; bei allen anderen reicht sie aus fr eine Kriegsdauer,
deren Lnge im Belieben unserer Gegner steht. Auf einzelnen Gebieten
haben wir berdies die Versorgung unserer Bundesgenossen bernehmen
Die englische Blockade der Rohstoffe ist wirkungslos geworden. Noch mehr
als das; ihre Wirkung hat $
 der langen Reise;
  Dann fhrt sie aus dem Zelte leise
  Der gute Ohm, der Parzival                             420
  Seinem holden Weib befahl.
  Noch war es frh; drum liessen wieder
  Die Kmm'rer rings die Zeltwand nieder.
  Hat ihn einst Blut und Schnee[6] verzckt,
  Im Liebesweh sich selbst entrckt,                     425
  Dafr--es war auf dieser Flur--
  Gab ihm Ersatz Kondwiramur,
  Die rot wie Blut und weiss wie Schnee.
  An keinem Ort sonst nahm er je
  Minnetrost fr Minnenot,                               430
  Den manches Weib ihm liebend bot.
    5: The speaker is the wise old hermit Trevrizent, who has cleared
    up for Parzival the mystery of the Grail and led him to inward
    6: In Book 6 it is related that Parzival, riding away from the
    castle of the Grail, comes upon three drops of blood in the
    snow--the blood of a wild goose that had been attacked by a
    falcon. The red and wBite remind him of Kondwiramur and he sinks
    into a moody trance.]
+XXV. GOTTFRIED VON STRASSBU$
e,   ein Kleid sie von sich schwang,
  Kriemhild in grosser Eile   hin durch die Rosen drang.
  Da rief mit lauter Stimme   die Knigstochter hehr:
  "Nun lasst von Eurem Streite,   Dietrich, ich fleh' Euch sehr.      60
  Steht ab um meinetwillen,   und lasst das Kmpfen sein;
  Euch ist der Sieg geworden   zu Worms an dem Rhein."
  Da tat der Vogt von Berne,   als htt' er's nicht gehrt,
  Er schlug mit seinem Schwerte,   schier htt' er ihn betrt.
  Er hrte nichts von allem,   was die Knigstochter sprach,          65
  Bis er dem khnen Siegfried   vollends den Helm zerbrach.
  Wie viel man der Sthle   zwischen die Streiter warf,
  Die zerhieb der Berner   mit seinem Schwert so scharf.
  Da warf sie ihren Schleier  ber den khnen Degen;
  So dachte sie dem Gatten   zu fristen Leib und Leben.               70
  Da sprach die Knigstochter:   "Bist du ein Biedermann,
  So lass ihn des geniessen,   dass er meine Huld gewann."
  Da sprach der Held von Berne:   "Die Rede lasset sein;
  Wessen Ihr mich bi$
piel,                870
  Das edlen Frauen wohlgefiel.
  Eins wurde Buhurdier'n[1] genannt,
  Das tat ein Hofmann mir bekannt,
  Als ich ihn nach dem Namen fragte
  Des Spiels, das da so wohl behagte.              875
  Sie rasten dort umher wie toll
  --Drob war man ganz des Lobes voll,--
  Die einen hin, die andern her.
  Jetzt sprengte dieser an und der,
  Als wollt' er jenen niederstossen.               880
  Bei meinen Dorfgenossen
  Ist selten solcherlei geschehn,
  Wie dort bei Hof ich's hab' gesehn.
  Als sie vollendet nun das Reiten,
  Da sah ich sie im Tanze schreiten                885
  Mit hochgemutem Singen;
  Das lsst Kurzweil gelingen;
  Bald kam ein muntrer Spielmann auch,
  Der hub zu geigen an, wi's Brauch.
  Da standen auf die Frauen,                       890
  Holdselig anzuschauen.
  Die Ritter traten jetzt heran
  Und fassten bei der Hand sie an;
  Da war nun eitel Wonne gar
  Bei Frauen und der Ritterschar                   895
  Ob ssser Augenweide.
  Die Junker und die Maide,
  $
ussen auf den Felsen ist's auch wohl der Mhe wert von Freiheit zu
reden, wenn man das halbe Jahr vom Schnee wie ein Murmeltier gefangen
gehalten wird.
   *   *   *
Pfui! wie sieht so ein Menschenwerk und so ein schlechtes notgedrungenes
Menschenwerk, so ein schwarzes Stdtchen, so ein Schindel- und
Steinhaufen, mitten in der grossen herrlichen Natur aus! Grosse Kiesel-
und andere Steine auf den Dchern, dass ja der Sturm ihnen die traurige
Decke nicht vom Kopfe wegfhre, und den Schmutz, den Mist! un9 staunende
Wahnsinnige! --Wo man den Menschen nur wieder begegnet, mchte man von
ihnen gleich davon fliehen.
   *   *   *
Dass in den Menschen so viele geistige Anlagen sind, die sie im Leben
nicht entwickeln knnen, die auf eine bessere Zukunft, auf ein
harmonisches Dasein deuten, darin sind wir einig, mein Freund, und meine
andere Grille kann ich auch nicht aufgeben, ob du mich gleich schon oft
fr einen Schwrmer erklrt hast. Wir fhlen auch die Ahnung
krperlicher Anlagen, auf deren Entwickelung wir in die$
h Sie
zu jener kleinen Schar, fr die das Dasein =nders gefrbt ist, wie fr
jene, die in die Welt passen, wie fr die Urgesunden, die unserem
feinsten Fhlen fremd und berlegen lchelnd gegenberstehen. Aus der
Vereinzelung will ich Sie erlsen, die Einsamkeit fr Sie fruchtbar
machen. _Mehr_ will ich nicht. Glauben Sie mir, immer wird es Menschen
geben, die sich wie durch graue Fluten bewegen. Musik erfllt sie, doch
sie empfinden sie wie Dissonanzen. Harmonien erklingen ihnen kaum, weil
sie tastend vor allem zurckweichen, was so anders, so ganz anders in
ihnen schluchzt und klagt und frohlockt, als das Glck der Vielen. Und
aus der Entsagung, die sich langsam in sie schleicht, wird Erstarrung
oder Verbitterung. Sie wissen nichts von Leidensgenossen; sie kennen
_nicht_ sich selbst oder _nur_ sich selbst. All ihr schmerzliches Fragen
verhallt ins Leere, bis ein Wunder geschieht: Eine Seele erschliet sich
der ihren. Dann aber werden aus allen verirrten Klngen kstliche
Melodien. Die grauen Flchen um sie $
rt
hineinlegte! In unsrer Geselligkeit darf weder der Zorn und Ha, noch
die Freude und Liebe rein hervorbrechen und sich energisch in der
sinnlichen Erscheinung malen. Nirgends versetzen wir in unser ueres
Thun den vollen Inhalt eines ungebrochenen Herzens, wir achten im
Gegenteil unser Naturdasein gering und schtzen den Menschen nur nach
dem Ma seiner geistigen Thtigkeit.
Im homerischen Zeitalter stehen die Helden noch im engen Verkehr mit der
uern Natur: bei ihnen verschmelzen das Sittliche und Physische zum
Bilde einer totalen und in sich einigen Menschennatur. Wie ganz anders
bei uns! Wir beteiligen uns an den sinnlichen Geschften nur halb oder
gar nicht mehr. Schon hrt bei uns das Handwerk allmhlich auf, wo der
Mensch mit gemtlichem Anteil in ein bestimmtes Werk seiner Hnde sich
vertieft: es verandelt sich in Fabrik- und Maschinenarbeit, die ihr
Produkt gleichgltig und uniform zu Tage wirft. Wo sonst ein Herold in
bunter Tracht mit silberner Trompete den Krieg ankndigte, da wird jetzt
ein$
 --
    Wo ihm das Ehbett stand und wo er zu ruhen gewohnt war. --
                                            Ihr habt mich
    Auf halbwahren Worten ertappt und halber Verstellung. --
    Durch dein W6rt verfhrt und deine bedeutenden Reden.
Von dem Geiste geschwtziger Behaglichkeit ist auch die Form der Stze
und Perioden, die in dem Gedichte herrscht, eingegeben. Immer hell und
natrlich hlt sie eine anmutige Mitte zwischen einem leidenschaftlich
abgebrochenen Aufreihen von lauter Hauptstzen und der rednerischen
vielverschlungenen Periodik. Eine immer wiederkehrende
Lieblingsverbindung der Stze ist die mit 'denn', auch wo das Folgende
nicht unmittelbar den Grund des Vorhergehenden enthlt: diese Partikel
verbindet er auf ganz allgemeine Weise mit behaglich-schwatzender
Argumentation. Beispiele finden sich berall:
    O, wie geb' ich dir recht, du gutes treffliches Mdchen,
    Da du zufrderst dich nach dem Sinne der Eltern befragest!
    Denn so strebt' ich bisher vergebens dem Vater zu dienen u. s$
und verwechsle sie nie. Und je fter es dieselben Sachen
den gleichen Kindern bringe, desto lieber habe es diese.
Und desto lieber gewannen sie auch die Kleinen. Mit heiliger Scheu sahen
sie jedesmal zu dem funkelnden Stern empor, der immer hoch oben am
Gipfel des Baumes prangte und sich oft seltsam leise bewegte, als wehe
berirdischer Hauch um ihn her oder aus ihm heraus. Und darunter das
Christkindlein mit dem Goldscheine um das blondgelockte Haupt. Es
lchelte und nickte grend herab; auf seinen lieblichen Wangen lag ein
rosiger Schimmer, aus seinen groen Blauaugen kam ein Leuchten
-- unfabar geheimnisvoll. Diese zwei Heiligtmer hatten die Kinder nie
in der Nhe geschaut, nie in den Hnden gehabt. Und keines htte es je
gewagt, auch nur den Wunsch zu uern, sie herunterzuholen. In ein viel
vertraulicheres Verhltnis kamen sie allgemach zu den tiefer in den
Zweigen hngenden Schaustcken. Sie betasteten sie mit scheuer
Neugierde, streichelten sie, nahmen sie wohl fter behubsam herab und
hingen sie au$
r Lge. Wenn er Clarissas
Vergangenheit bedachte, ihre unbndige Lust, die vrgeschriebenen Wege
zu verlassen, -- eine Eigenschaft, die ihm jetzt als die Pforte zum
Verbrechen erschien -- dann war keine Annahme verwegen genug, und ihr
Bild verwob sich von selbst in das dstere Gewebe.
Auch Clarissa schlief nicht. Im Dmmergrauen des Tages berraschte sie
den Vater bei seinem verstrten Schreiten durch die Rume und
schluchzend warf sie sich ihm zu Fen. Er machte keine Anstalten sie zu
trsten oder zu erheben; ihre verzweifelte Frage, was sie denn dort im
Bancalschen Hause htte suchen sollen, da ihr, als einer Witwe, keine
Freiheitsfessel den Schritt verkrze und sie der Heimlichkeiten entraten
drfe, beantwortete der Prsident mit einem vielsagenden Achselzucken,
und so fest war schon die schwarze berzeugung genistet, so fern jede
Milde, da er auf ihre edle Forderung um ein gerechtes Erwgen nichts
als die Worte hinwarf: Sprich die Wahrheit.
Die Kunde war nicht lahm. Verwandte und Freunde des Prsident$
nicht an. So konnte si/ ihn also zu
sich niederziehen, ihn abhngig machen vom Hauch ihres Mundes, das freie
wilde Tier bndigen, und sie verga, was auf dem Spiele stand, verga
das eherne Entweder-Oder, vor welches hier die Geschicke gestellt
waren, und gab sich hin wie ein Kind, das nichts vom Tode wei.
Fr den sechzehnten Oktober war die Verhandlung vor den Assisen
anberaumt. Am Mittag des zehnten begehrte Clarissa Monsieur Jausion zu
sprechen. Vor den Richter gefhrt, sagte sie, sie wisse um alles, sie
wolle auch alles bekennen. Mit erregt zitternder Stimme rief Monsieur
Jausion seine Schreiber.
Ich kam in die Stube und sah das Messer blitzen, gestand Clarissa.
Ich flchtete in den Alkoven, Bastide Grammont eilte mir nach, umarmte
mich und kte mich. Er vertraute mir an, Fualdes msse sterben, denn
der alte Satan habe ihm sein Glck zerstrt und das Leben unwert
gemacht. Bastide war wie trunken von Begeisterung, und als ich Einwnde
machte, schlo er mir abermals mit Kssen den Mund, ja er kte mic$
 rief der Rabe vom Fichtenwipfel her kraa, kraa! und das
gequlte Mdchen eilte hinaus, um den Bescheid zu hren. Der Rabe hatte
glcklicherweise in des Knigs Garten eines Windzauberers[6] Sohn
gefunden, der die Vogelsprache vollkommen verstand. Ihm meldete der
schwarze Vogel die von der Jungfrau ihm anvertraute Botschaft, und bat
ihn, die Sache dem Knigssohn mitzutheilen. Als der Grtnerbursche dem
Knigssohn alles erzhlt hatte, wurde diesem das Herz schwer, doch pflog
er mit seinen Freunden heimlich Rath ber die Befreiung der Jungfrau.
Sage dem Raben, so unterwies er dann des Windzauberer's Sohn -- da
ereilig zurckfliege und der Jungfrau melde: sei wach in der neunten
Nacht, dann erscheint ein Retter, der das Kchlein den Klauen des
Habichts entreien wird. Zum Lohn fr die Bestellung erhielt der Rabe
ein Stck Fleisch, um seine Flgel zu krftigen, und dann wurde er
wieder zurck geschickt. Die Jungfrau dankte dem schwarzen Vogel fr
seine Besorgung, verbarg aber das Gehrte in ihrem Herzen, dam$
so leicht zu Amt und Brod verhelfen: denn
Hnde sind aller Orten nthiger als Fe. _Schnellfu_ fand erst nach
geraumer Zeit bei einem Knige in Ostland einen festen Dienst. Der Knig
besa groe Roherden, unter denen viele sttische Renner waren, die
kein Mensch fangen konnte, auch nicht einmal zu Ro. Aber mit _Schnellfu_
konnte kein Pferd Schritt halten, der Mann war immer schneller als das
Ro. Was frher funfzig Pferdehirten zusammen nict ausrichten konnten,
das besorgte er ganz allein und lie nie ein Pferd von der Herde
wegkommen. Darum zahlte ihm der Knig unweigerlich den Lohn von funfzig
Hirten, und machte ihm auerdem noch Geschenke. Die flchtigen Schritte
des neuen Rohirten hatten Windesschnelle, und wenn er vom Abend bis zum
Morgen die ganze Nacht durch oder vom Morgen bis zum Abend den Tag ber
gelaufen war, ohne auszuruhen, so war er doch nicht mde, sondern konnte
am andern und am dritten Tage wieder eben so viel laufen. Es geschah
oft, da die Rosse, bei heiem Wetter von Bremsen gestoc$
ben bis an ihr Ende.
21. Der herzhafte Riegenaufseher.[84]
Einmal lebte ein Riegenaufseher, der an Herzhaftigkeit nicht viele
seines Gleichen hatte. Von ihm hatte der alte Bursche selber gerhmt,
ein herzhafterer Mann sei ihm auf der ganzen Welt noch nicht
vorgekommen. Der Alte ging dehalb hufig an den Abenden, wo die
Drescher nicht in der Scheune waren, zum Aufseher zu Gast, und unter
angenehmen Gesprchen wurde ihnen die Zeit niemals lang. Der alte
Bursche meinte zwar, der Aufseher kenne ihnnicht, sondern halte ihn fr
einen einfachen Bauer, allein der Aufseher kannte ihn recht gut, wenn er
sich auch nichts merken lie, und hatte sich vorgenommen, den (alten
Hrnertrger) Teufel wo mglich einmal ber's Ohr zu hauen. Als der alte
Bursche eines Abends ber sein Junggesellen-Leben klagte, und da er
Niemanden habe, der ihm einen Strumpf stricke oder einen Handschuh nhe,
fragte der Aufseher: Warum gehst du denn nicht auf die Freite,
Brderchen? Der alte Bursche erwiederte: Ich habe schon manchmal mein$
angenehmeres Gefhl, als das widrige
Schicksal durch sich einflt, geben, wenn ich nicht selbst Strke genug
bese, mich selbst zu trsten. Dies mag indes bei Frauen billig anders
sein. Wenn es bei einem Manne anders ist, ist es nicht lobenswrdig. Ein
Mann mu sich selbst genug sein...
Mitleid ist gar eine widrige Empfindung, und Teilnahme zwar eine sehr
schne, aber nur in einer gewissen Art...
Es ist mir unendlich viel wert, zu wissen, da Sie an allem, was mir
begegnet, einen so innigen Anteil nehmen, allein diese Teilnahme
wirklich zu erfahren, ihrer gewissermaen zu bedrfen, knnte ich nicht
zu den erwnschtesten Gefhlen rechnen. berhaupt ist mirdas _Bedrfen_
ungemein, nmlich fr mich, nur fr mich und mein Gefhl, zuwider. Von
jeher habe ich gestrebt, nichts auer mir selbst zu bedrfen. Es ist
vielleicht nicht mglich, je ganz dahin zu gelangen, aber, wenn man es
erreichte, so wre man erst dann, auf vollkommen reine und
uneigenntzige Weise, der hchsten Freundschaft und der hchsten Liebe
f$
e. In der Stadt ist es mir
berhaupt heimlichr, wenn ich von meinem Zimmer aus nichts davon
erblicke. Es ist da nur die Nacht schn, wo der Mensch und das
gewhnliche Treiben des Gewhls verschwinden und der gestirnte Himmel
den Anblick der reinen Natur gibt. Am Tage freut der Anblick aus dem
Fenster nur auf dem Lande. Diese Gewohnheit, mich in der Stadt auf den
Genu der Nacht zu beschrnken, habe ich schon sehr frh gehabt. Schon
als ganz junger Mensch sa ich, so oft ich die Stadt bewohnen mute, die
Tage ber, wenn ich nicht in Gesellschaft war, in meinem Zimmer,
durchstrich aber fast regelmig, sogar im strengen Winter, mehrere
Stundenlang des Nachts die einsamen Straen. Es freut mich ungemein, da
Sie die gleiche Neigung mit mir fr den gestirnten Himmel haben. Wem
dieser innere Sinn nicht erschlossen ist, entbehrt eine sehr groe, und
eine der reinsten und erhabensten Freuden, die es gibt.
Sie bemerken sehr richtig, da ein Wintertag doch auch seine Freuden
habe. Einfrmig ist der Schnee freilich, $
atrlich einige unter und andere kommen herauf.
Allein einige werden dann immer vom Tage berholt. Wenn man nur _eins_
recht fest kennt, sind die andern sehr leicht zu finden, da sie wie in
ein\m groen Grtel um den Himmel herumliegen, man also die Richtung, in
der man suchen mu, nicht verfehlen kann, wenn man sich vorher mit der
Ordnung und Folgenreihe, vor- und rckwrts, recht bekannt gemacht hat.
Die im Winter, im Januar und Dezember, so zwischen sieben und neun Uhr
erscheinen, sind schner als diejenigen, die man zu gleicher Zeit im
Sommer sieht. Der Lwe ist ein sehr schnes Gestirn, ist aber jetzt erst
in spten Stunden sichtbar. Die Planeten erscheinen immer nur in
demselben Grtel und knnen diejenigen, die noch nicht recht gebt sind,
manchmal sehr irre machen. Allein man lernt sie doch auch bald
unterscheiden; kennt man einmal recht fest die nie untergehenden
nrdlichen Gestirne und die Tierkreiszeichen, so ist es dann leicht,
sich fr die noch brigen Gestirne zurechtzufinden. Denn nun macht man$
n erhebend und belehrend predige, so halte ich das fr
ein sehr einseitiges Lob, und wenn er es nicht versteht, ebenso
erbaulich fr das Vo7k und den gemeinen Mann zu predigen, fr einen
wahren Tadel. Die Kirche umschliet alle, und die Religionswahrheiten
werden ihrer Natur angemessener, allgemeiner und menschlicher
aufgefat, wenn man sie auf allgemeine Verstndlichkeit grndet. Die
Scheidewand, die die gebildeten Stnde vom Volke trennt, ist ohnehin
schon zu gro; man mu daher mit doppelter Sorgfalt das hauptschlichste
Band erhalten, das sie noch zusammenknpft. Leben Sie wohl und rechnen
auf meine unwandelbare Teilnahme an allem, was Ihnen begegnet. Der
Ihrige.                      H.
_Tegel_, den 15. April bis 8. Mai 1834.
Sie haben, liebe Charlotte, bemerkt, da meine Handschrift in meinen
zwei letzten Briefen grer, bestimmter und deutlicher geworden ist, und
ich sah daraus, da diese Vernderung Sie berraschen und Ihnen
auffallen wrde. Es ist ein Sieg, den mein Wille endlich durch festen
Vorsatz $
re Kinder verhungerten, ihre
Suglinge verschmachteten.
Sie sah die Gefangenen, die den Schiffbrchigen auf einer den Insel
glichen; sah die Vter, die keine Shne, die Kinder, die keinen Vater
mehr hatten, die Witwen, die trauernden Brute, die Verlassenen,
Beraubten, zugrunde Gerichteten berall. Sie sah die Mtigen erlahmen,
die Feigen apathisch werden, und wie die Freunde aufhrten, freinander
zu zittern. Sie sah die tausendfltige Unbill, Zurcksetzung und
Bestechlichkeit, sah wie die Fackel der Idee auch im Edlen erlosch, wenn
die trbe Flut des Niedrigen und Gewhnlichen emporschwoll oder das
krperliche Leiden die Kraft der Seele besiegte. Wie die Begeisterung
flgellahm, die Tapferkeit zur Grimasse wurde, das Abenteuer auch fr
den Leichtherzigsten seinen Reiz, die Gefahr ihre Lockung einbte und
nur den Strksten noch der Ruf der Pflicht aufrechterhielt.
Olivia sah die Stdte rauchen, die Anwesen geplndert, die cker
zerstampft, die Wlder geknickt. Sie sah den Tod in jeglicher Gestalt,
ja, die $
r Gestalt. Sie suchte den
Urheber, sie suchte den Bsen. Ja, sie gab ihm schlankweg den Namen des
Bsen. Sie sagte sich: einer mu sein, der das ungeheure Leid, den
unermelichen Jammer bewirkt; einer mu da wirken, Gott kann es nicht
sein, es mu ein Gegner von Gott sein und ein Feind seiner Kreaturen;
Feind alles Geschaffenen, alles Blutes, aller Wrme, aller Liebe, alles
Lebens und Entstehens. Sie nannte ihn den Bsen, und sie suchte ihn.
       *       *       *       *       *
Eines Nachts lag sie angekleidet auf dem Sofa in der Kammer, die allein
zu bewohnen die einzige Bequemlichkeit war, welche sie sich verstattete.
Es war finster, sie konnte nicht schlafen, und sie starrte in die Luft.
Um eine reichgedeckte Tafel saen fnf oder sechs junge Weiber. Sie
waren in Gesellschaftstoilette, tief entblt, lachten ausgelassen und
tranken Sekt. Mit ihren Scherzen, frivolen Wortspielen und
vecfhrerischen Gebrden wandten sie sich an einen, der am oberen Ende
der Tafel sa. Der aber hatte keine Gestalt, er war$
h war sie ein Weib, sein Weib. Er hatte den Verlauf ihrer
Spiele, ihrer Verstrickungen, ihrer Trbungen abgewartet, um sie zu
rufen im Angesicht einer blutberstrmten Welt. Geschah es, weil er nach
einem letzten Halt griff? Geschah es in der Erkenntnis ihres Wesens oder
in der Verzweiflung ber den Niederbruch aller irdischen Ordnung? Sie
widerstrebte nicht, sie gehorchte, im Innern war sie sein Weib. Doch
auer einem schmerzlichen Verlangen nach Frieden und Zrtlichkeit fhlte
sie nichts, was an Liebe erinnerte oder was die Menschen darunter
       *       *       *       *       *
An einem Nachmittag um die Dmmerungsstunde betrat sie das kleine
Lese- und Sprechzimmer, das fr die Genesenden eingerichtet worden war.
Es war niemand darin als Schwester Nina Senoner. Sie sa am Tisch und
hatte den Kopf in die Hand gesttzt. Trotz der Dunkelheit war an den
Umrissen des schnen Gesichts der Kummer erkennbar. Olivia ging nher zu
ihr hin. Was ist mit Ihnen, Nina? fragte sie, und als Nina Senoner
erschrocen au$
rde furchtsam und abwehrend, so war doch ihr Inneres voll
Zrtlichkeit und Sehnsucht. Er versta\d sie; er drngte nicht; er
achtete ihr Gefhl, und seine besondere Art von Gte erstaunte sie bei
einem Mann und machte ihn ihr tglich teurer, whrend der Kampf, der in
ihr tobte, tglich ungestmer wurde. Eine stille Raserei nahm von ihr
Besitz; es schwindelte ihr, wenn sie seine Stimme, seinen Namen hrte;
sie wnschte zu sterben und begehrte heier als jemals zu leben; alle
Menschen wurden ihr zu Phantomen, mystische Ratlosigkeit prgte ihrem
Gesicht den Ausdruck einer Somnambulen auf, dabei mute sie auf der Hut
sein und sich beherrschen, denn sie war das Ziel der Aufmerksamkeit von
Ihren Gatten zu hintergehen und sein Vertrauen zu mibrauchen, war ihr
entsetzlich zu denken. In ihrer Glut und Bezauberung und vllig im Bann
der berlegenen Beredsamkeit des Freundes war sie dennoch nahe daran,
den letzten Schritt zu wagen, blo um die Qual zu beenden, blo um dem
Spender des Gefhls, das sie erfllte, dankbar $
e Pyramid of Cestius_ in Rome, a
huge monument, once the last resting-place of Caius Cestius, a Roman
prtor and tribune of the time of Emperor Augustus. Close to this
pyramid is _the Protestant Cemetery_, where _tall cypresses_ rise
above the graves of numerous English, American, German, and other
visitors. Prominent among those resting there are: Shelley, the
English poet (died 1822), whose heart only was buried there; the
tombstone of the English poet Keats (died 1821) bears the melancholy
inscription: _"Here lies one whose name was writ in water."_ There is
also the grave of August Goethe (died 1830), the only son of the poet.
29-4. {=es=} (indef., "something"), _a thoght_.
29-5. {=es=} (indef.) {=kmpfte in ihm=}, trans. perhaps: _there was a
struggling of feelings in his heart_.
29-6. The form {=im Jahre 18..=} may be read: {achtzehn hundert und
so und so.}
29-7. {=doch=} (adverb. idiom), here: _I hope_ or _let me hope_.
=Page 30.=--30-1. {=uns=}, reciproc. pron. = ?
30-2. The beginning of one of the$
nwand -- nun, so hrte ich auf, Affe zu sein. Ein
klarer, schner Gedankengang, den ich irgendwie mit dem Bauch ausgeheckt
haben mu, denn Affen denken mit dem Bauch.
Ich habe Angst, da man nicht genau versteht, was ich unter Ausweg
verstehe. Ich gebrauche das Wort in seinem gewhnlichsten und vollsten
Sinn. Ich sage absichtlich nicht Freiheit. Ich meine nicht dieses groe
Gefhl der Freiheit nach allen Seiten. Als Affe kannte ich es vielleicht
und ich habe Menschen kennen gelernt, die sich danach sehnen. Was mich
aber anlangt, verlangte ich Freiheit weder damals noch heute. Nebenbei:
mit Freiheit betrgt man sich unter Menschen allzuoft. Und so wie die
Freiheit zu den erhabensten Gefhlen zhlt, so auch die entsprechende
Tuschung zu den erhabensten. Oft habe ich in den Variets vor meinem
Auftreten irgendein Knstlerpaar oben an der Decke an Trpezen hantieren
sehen. Sie schwangen sich, sie schaukelten, sie sprangen, sie schwebten
einander in die Arme, einer trug den anderen an den Haaren mit dem
Gebi. A$
ch mich
berwand. Diese inneren Kmpfe nahmen die Leute merkwrdigerweise
ernster als irgend etwas sonst an mir. Ich unterscheide die Leute auch
in meiner Erinnerung nicht, aber da war einer, der kam immer wieder,
allein oder mit Kameraden, bei Tag, bei Nacht, zu den verschiedensten
Stunden; stellte sich mit der Flasche vor mich hin und gab mir
Unterricht. Er begriff mich nicht, er wollte das Rtsel meines Seins
lsen. Er entkorkte langsam die Flasche und blickte mich dann an, um zu
prfen, ob ich verstanden habe; ich gestehe, ich sah ihm immer mit
wilder, mit berstrzter Aufmerksamkeit zu; einen solchen
Menschenschler findet kein Menschenlehrer auf dem ganzen Erdenrund;
nachdem die Flasche entkorkt war, hob er sie zum Mund; ich mit meinen
Blicken ihm nach bis in die Gurgel; er nickt, zufrieden mit mir, und
setzt die Flasche an die Lippen; ich, entzckt von allmhlicher
Erkenntnis, kratze mich quietschend der Lnge und Breite nach, wo es
sich trifft; er freut sich, etzt die Flasche an und macht einen
Schlu$
 es selbst wieder mit seiner riesigen guten Hand; er
war mir nicht bse, er sah ein, da wir auf der gleichen Seite gegen die
Affennatur kmpften und da ich den schwereren Teil hatte.
Was fr ein Sieg dann allerdings fr ihn wie fr mich, als ich eines
Abends vor groem Zuschauerkreis -- vielleicht war ein Fest, ein
Grammophon spielte, ein Offizier erging sich zwischen den Leuten -- als
ich an diesem Abend, gerade unbeachtet, eine vor meinem Kfig
versehentlich stehen gelassene Schnapsflasche ergriff, unter steigender
Aufmerksamkeit der Gesellschaft sie schulgerecht entkorkte, an den Mund
setzte und ohne Zgern, ohne Mundverziehen, als Trinker von Fach, mit
rund gewlzten Augen, schwappender Kehle, wirklich und wahrhaftig leer
trank; nicht mehr als Verzweifelter, sondern als Knstler die Flasche
hinwarf; zwar verga den Bauch zu streichen; dafr aber weil ich nicht
anders konnte, weil es mich drngte, weil mir die Sinne rauschten, kurz
und gut Hallo! ausrief, in Menschenlaut ausbrach, mit diesem Ruf in
di$
sch bringt es uns berraschend schnell
vor die Augen, und wir stehen vor der Apotheke zum wilden Mann.
Ein zweistckiges, dem Anscheine nach recht solides Haus mit einer
Vortreppe liegt zur Seite der Strae vor uns, ringsum rauschende,
triefende Bume -- gegenber zur Rechten der Strae ein anderes Haus --
weiter hin, durch schwcheren Lichterschein sich kennzeichnend, wieder
andere Menschenwohnungen: der Anfang einer dreiviertel Stunde gegen die
Berge sich hinziehenden Dorfgasse. Das Dorf besteht brigens nur aus
dieser einen Gasse; sie gengt aber dem, der sie zu durchwandern hat,
vollkommen; und wer sie durchwanderte, steht gewhnlich am Ausgange
mehrere Augenblicke still, sieht sich um und vor allen Dingen zurck und
uert seine Meinung in einer je nach dem Charakter, Alter und
Geschlecht vermiedenen Weise. Da wir den Ausgang oder Eingang jedOch
aber erst erreichen, sind wir noch nicht hierzu verpflichtet. Wir suchen
einfach, wie gesagt, vorerst unter Dach zu kommen und eilen rasch die
sechs Stufen der$
ern von Ihnen ging, dachte ich: Ich will
noch ein wenig in den Park reiten. Mein Pferd wurde gesattelt, und
bald war ich aus der Stadt, war allein mitten im Walde. Welche Luft (=
Wind)! so frisch, ah -- so rein; und mein Pferd trabte vorwrts, --
vorwrts. Alles um mich war still, ruhig. Aber die Sonnenstrahlen
fielen (ich falle, ich fiel, ich bin gefallen) auf die Erde, welche
hier und da noch grnte, und das Blau des Himmels war heute klar und
ruhig; keine Wolke stand am Himmel. Ich sah ihn (= den Himmel) ber
mir und sah ihn durch die Zweige der Bume. Die Bume, -- da stanen
sie und hatten keine Bltter mehr; von dem starken Stamme gehen ste
nach allen Seiten, und die ste gehen wieder in so viele, viele kleine
Zweige, aber alles endet in Pyramidenform. Welche Symmetrie; ich
bewundere die Schnheit des Baumes im Winter, wie ich sie bewundert
hatte im Sommer. Ich war so glcklich! Mein braves Pferd trabte
langsam weiter und ging nach meinem Willen; ich glaube, es verstand
mich und meine Freude. Und ich s$
onnten
nicht lnger warten und gingen. Eine allein stand noch am Meere und
wartete. Welle auf W"lle kam. Zwei schne Augen sahen auf alle und
hofften; der Jngling kam nicht mehr.
              *     *     *     *     *
Louis: Diese Erzhlung ist wunderschn; ich danke Ihnen vielmal,
Frulein Anna.
Otto: Ist diese Erzhlung nicht aus Schillers Gedicht: Der Taucher?
Herr Meister: So ist es. Wir mssen bald beginnen, Gedichte von
Schiller zu lesen.
Bella: Knnen wir das bald, Herr Meister?
Herr Meister: Gewi, meine Freundin.
Bella: O, wie ich mich freue! Aber, Herr Meister, wollen Sie uns
entschuldigen, wenn wir heute eine Viertelstunde (= 15 Minuten) frher
gehen? Unsere Freundin, meine Schwester und ich wollen heute vieles
Herr Meister: Ah, wir haben bald Weihnachten.
Anna: Wir wollen heute eine Schlittenpartie machen.
Herr Meister: Gewi, meine Damen, gehen Sie. Ich hoffe, da Sie
schnes Wetter haben werden. Halt! Ich habe hier eine Idee. Wenn Sie
heute Abend zu Hause sind, meine Freunde, dann denken Sie$
   Knig ist der Hirtenknabe,
        Grner Hgel ist sein Thron;
        ber seinem Haupt die Sonne
        Ist die groe goldne Kron'.
        Ihm zu Fen liegen Schafe,
        Weiche Schmeichler, rotbekreuzt;
        Kavaliere sind die Klber,
        Und sie wandern stolzgespreizt.
        Hofschauspieler sind die Bcklein;
        Und die Vgel und die Kh',
        Mit den Flten, mit den Glcklein,
        Sind die Kammermusici.
        Und das klingt und singt so lieblich,
        Und so lieblich rauschen drein
        Wasserfall und Tannenbume,
        Und der Knig schlummert ein.
        Unterdessen mu regieren
        Der Minister, jener Hund,
        Dessen knurriges Gebelle
        Wiederhallet in der Rund'.
        Schlfrig lallt der junge Knig:
        Das Regieren ist so schwer;
        Ach, ich wollt', da ich zu Hause
        Schon bei einer Kn'gin wr'!
        In den Armen meiner Kn'gin
        Ruht mein Knigshaupt so weich,
        Und in ihren schnen Augen
        Liegt mei$
- ich *wurde* gehrt -- ich bin gehrt
     *worden* -- ich war gehrt *worden* -- ich werbe gehrt *werden*.
 ich liebe -- Sie lieben, Du liebst -- er liebt, sie liebt, es
 wir lieben -- Sie lieben, Ihr liebt -- sie lieben, sie lieben,
     sie lieben.
 Ich lieb*te* -- Sie lieb*ten*, Du lieb*test* -- er lieb*te*, sie
     lieb*ie*, es lieb*te*.
 wir lieb*ten* -- Sie lieb*ten*, Ihr lieb*tet* -- sie lieb*ten*,
     sie lieb*ten*, sie lieb*ten*.
 ich habe geliebt -- Sie haben geliebt, Du hast geliebt -- er
     hat geliebt, sie hat geliebt, es hat geliebt.
 wir haben geliebt -- Sie haben geliebt, Ihr habt geliebt -- sie
     haben geliebt, sie haben geliebt, sie haben geliebt.
 ich hatte geliebt -- Sie hatten geliebt, Du hattest geliebt -- er
     hatte geliebt, sie hatte geliebt, es hatte geliebt.
 wir hatten geliebt -- Sie hatten geliebt, Ihr hattet geliebt --
     sie hatten geliebt, sie hatten geliebt, sie hatten geliebt.
 ich werde lieben -- Sie werden lieben, Du wirst lieben -- $
die bewehrten Lgen
    Des Lasters, das sie schtzt, durch Glauben zu besiegen.
    Er kennet sich und Gott; sein Wort wird ihm Verstand.
    So hat kein Sokrates, kein Plato, Gott gekannt.
    Durch dich, so spricht der Christ, bin ich, o Gott! vorhanden.
    Die Himmel und ihr Heer sind durch dein Wort entstanden;
    Denn, wenn du sprichst, geschiehts, wenn du gebeutst, stehtsda.
    Mit Allmacht bist du mir und auch mit Gte nah!
    Du bist der Gott der Kraft; dich preisen Erd und Meere,
    Und Himmel predigen die Wunder deiner Ehre.
    Dich bet ich dankend an. Mein Heil kmmt von dem Herrn.
    Du hrst der Menschen Flehn und du errettest gern.
    Und wenn ich deiner Hlf, o Gott! gewrdigt werde,
    Was frag ich ausser dir nach Himmel und nach Erde?
    Im Himmel donnerst du, und Schrecken fllt das Land;
    Noch frcht ich nichts, denn du hltst mich bey deiner Hand.
    Wenn ich die Himmel seh, die du, Herr, ausgebreitet,
    Der Sonne Majestt, den Mond, den du bereitet,
    Was ist der Mensc$
h ihn begangen?
    Bestritt ich auch in mir ein unerlaubt Verlangen?
    Und wenn in dieser Nacht Gott ber mich gebeut,
    Bin ich, vor ihm zu stehn, auch willig und bereit?
    Gott, der du alles weit, was knnt ich dir verhelen?
    Ich fhle tglich noch die Schwachheit meiner Seelen.
    Vergieb durch Christi Blut mir die verletzt Pflicht;
    Vergieb, und gehe du nicht mit mir ins Gericht.
    Ja, du verzeihest dem, den seine Snden krnken;
    Du liebst Barmherzigkeit, und wirst auch mir sie schenken.
    Auch diese Nacht bist du der Wchter ber mir;
    Leb ich, so leb ich dir, sterb ich, so sterb ich dir!
Gelassenheit.
    Was ists, das ich mich qule?
    Harr Seiner, meine Seele,
    Harr und sey unverzagt!
    Du weist nicht, was dir ntzet;
    Gott weis es, und Gott schtzet,
    Er schtzet den, der nach ihm fragt.
    Er zhlte meine Tage,
    Mein Glck und meine Plage,
    Eh ich die Welt noch sah.
    Eh ich mich selbst noch kannte,
    Eh ich ihn Vater nannte,
    War er mir schon mi$
e der schnellfigste Hirsch. Er lernte den Bren mit
den Fusten fangen und ihn am Bratfeuer ohne Messer und Spie zerreien
und zerlegen. Das frische Blut trank er wie einen Becher Rotwein und
geno zum Wildbret eine Flle von saftigen Wurzeln und Krutern, die ihn
vor jeder Krankheit bewahrten. Tglich aber unterrichtete ihn Mime in
der hchten Kunst des Waffenhandwerks und lehrte ihn die feinsten
Handgriffe und die Vollendung in Ansturm und Abwehr, so da ein
einzelner leicht ein Dutzend bestnde.
Es stand ein Ro im Stall, das stammte von den Rossen Wotans, auf denen
einst die Walkren ritten, und hie Grane. Das schenkte Mime seinem
Zgling. Und Helm und Panzer schmiedete er ihm und ein Schwert, das
durch hrtestes Eisen schnitt wie durch einen Butterklo, und das
Schwert hie Balmung. Wie da Siegfrieds Augen leuchteten!
Vater Mime, fragte er, weshalb macht Ihr mich so reich?
Und der Migestaltete sprach: La es dir gefallen, mein junger Held.
Keiner auf der Welt hat mir Liebe geschenkt als du. Is$
so war
es fertig und hie, wie folgt, also:
    Der frhliche Klapperstorch.
    Gertrautens-Tag werden wir balde nun haben,
    Da bringet der frhliche Klapperstorch Gaben,
    Derselbe wird fliehen ber Wasser und Gras
    Und unsrer Braut Trauten verehren auch was,
    Das wird sie, der Tebel hol mer, wol sparen,
    Und keinem nicht weisen in dreiviertel Jahren.
    Worzu denn wnschet bei dieser Hochzeit
    Gesunden und frischen Leib bis in Ewigkeit,
    Auch langes Leben spat und frh,
    Eine Standesperson    von Schelmuffsky.
Sobald als nu	 die Hochzeitstage herbeirckten, wurde ich und der Herr
Bruder Graf von der Braut Vater gebeten, da wir doch seiner Tochter die
groe Ehre antun mchten und sie zur Trauung fhren; ich antwortete dem
Hochzeitsvater hierauf sehr artig, wie da ich vor meine Person solches
gerne tun wollte, aber ob mein Herr Bruder Graf dabei wrde erscheinen
knnen, zweifelte ich sehr, dieweil der arme Schelm das kalte Fieber
bekommen htte $
beide bei meinem zerrissenen
Kaperrocke zu fassen und waren willens, mit mir nach meiner Frau Mutter
Hause zu marschieren. Indem wir alle drei nun sehr artig miteinander
gingen und ich ihnen unterwegens von meiner Gefangenschaft zu Sankt Malo
anfing zu erzhlen, so kamen unvermerkt zwei Kerls hinter mir
hergeschlichen, die denken, ich bin etwa ein gemeiner Handwerksbursche,
weil ich so liederlich ging, und gaben mir da rcklings ein jedweder
eine Presche und rissen mir hierauf meine Jungfer Muhmen von der Seite
weg und wanderten mit ihnen immer, was lufst du, was hast du, soviel
ich im Finstern sehen kunnte, durch ein enges Gchen durch. O
sapperment! wie verdro mich das Ding von solchen unvestndigen Kerlen,
weil sie mich nicht besser respektierten. Ihr grtes Glck war, da mir
auf der spanischen See von Hans Barth mein vortrefflicher
Rckenstreicher mit war von der Seite weggeraubt worden, sonst htte ich
ihnen nicht einen Dreier vor ihr ganzes Leben geben wollen; so aber
hatte ich nichts in Fusten, $
uftreten werde. Er schwieg und sah gerade vor sich hin, als erwarte er
etwas. Taqschlich fielen sofort seine zwei Freunde mit den Worten ein:
Auch wir kndigen augenblicklich. Darauf fate er die Trklinke und
schlo mit einem Krach die Tr.
Der Vater wankte mit tastenden Hnden zu seinem Sessel und lie sich
hineinfallen; es sah aus, als strecke er sich zu seinem gewhnlichen
Abendschlfchen, aber das starke Nicken seines wie haltlosen Kopfes
zeigte, da er ganz und gar nicht schlief. Gregor war die ganze Zeit
still auf dem Platz gelegen, auf dem ihn die Zimmerherren ertappt
hatten. Die Enttuschung ber das Milingen seines Planes, vielleicht
aber auch die durch das viele Hungern verursachte Schwche machten es
ihm unmglich, sich zu bewegen. Er frchtete mit einer gewissen
Bestimmtheit schon fr den nchsten Augenblick einen allgemeinen ber
ihn sich entladenden Zusammensturz und wartete. Nicht einmal die Violine
schreckte ihn auf, die, unter den zitternden Fingern der Mutter hervor,
ihr vom Schoe fie$
igkeit,
  Damit sie alles appetitlich,
  Bald so, bald so und recht gemthlich
  Begieen, drehn und wenden knne,
  Da an der Sache nichts verbrenne.
In Summa braucht sie Herzensgte,
  Ein sanftes Sorgen im Gemthe,
  Fast etwas Liebe insofern,
  Fr all die hbschen, edlen Herrn,
  Die diesen Braten essen sollen
  Und immer gern was Gutes wollen.
Ich wei, da hier ein Jeder spricht:
  Ein bses Mdchen kann es nicht.
Dr	m hab ich mir auch stets gedacht
  Zuhaus und anderwrts:
Wer einen guten Braten macht,
  Hat auch ein gutes Herz.
Ihr kennt ihn doch schon manches Jahr,
  Wit, was es fr ein Vogel war;
  Wie er in allen Gartenrumen
  Herumgeflattert auf den Bumen;
  Wie er die hbschen rothen Beeren,
  Die andern Leuten zugehren,
  Mit seinem Schnabel angepickt
  Und sich ganz lasterhaft erquickt.
Nun hat sich dieser bse Nscher,
  Gardinenschleicher, Mdchenhscher,
  Der manchen Biedermann geqult,
  Am Ende selber noch vermhlt.
  Nun legt er seine Stirn in Falten,
  Fngt eine Predigt an zu hal$
 bis an den Bogen.
Die weie Wassernixe stand
  Auf schaumgekrnter Welle;
Sie hlt in ihrer weien Hand
  Von Gold ein Ringlein helle.
Du Falscher, deine Zeit ist aus!
  Bereite dich geschwinde!
Dich ruft hinab in's kalte Haus
  Die Mutter mit dem Kinde.
Wrst du ein Bchlein, ich ein Bach,
  So eilt ich dir geschwinde nach.
  Und wenn ich dich gefunden htt'
  In deinem Blumenuferbett:
Wie wollt ich mich in dich ergieen
Und ganz mit dir zusammenflieen,
  Du vielgeliebtes Mdchen du!
Dann strmten wir bei Nacht und Tage
Vereint in sem Wellenschlage
  Dem Meere zu.
Mein kleinster Fehler ist der Neid.
  Aufrichtigkeit, Bescheidenheit,
  Dienstfertigkeit und Frmmigkeit,
  Obschon es herrlich schne Gaben,
  Die gnn' ich Allen, die sie haben.
Nur wenn ich sehe, da der Schlechte
  Das kriegt, was ich gern selber mchte;
  Nur wenn ich leider in der Nhe
  So viele bse Menschen sehe,
  Und wenn ich dann so oft bemerke,
  Wie sie durch sittenlose Werke
  Den lasterhaften L{ib ergtzen,
  Das freilich thut m$
eheimen Tre, wenn ich klopfe, nicht lange warten lt. Die Prinzessin
versprach, man werde ihn an der Tre erwarten und schnell ffnen.
Als Alaeddin hinausgegangen war, bemerkte er einen Bauersmann, der aufs
Er ging zu ihm und machte ihm den Antrag, die Kleider mit ihm zu
wechseln, worauf der Bauer endlich auch einging. Der Umtausch geschah
hinter einem Gebsch, und als sie sich getrennt hatten, schlug Alaeddin
den Weg nach der Stadt ein und ging bis an den Platz, wo die Kaufleute
und Handwerker ihre besondere Gasse hatten. Er trat nun in die Gasse der
Materialienhndler, ging in den grten und bestausgestatteten Laden und
fragte den Kaufmann, ob er nicht ein gewisses Pulver habe, das er ihm
nannte. Der Kaufmann, der aus Alaeddins Kleidung schlo, er msse arm
sein und werde nicht Geld genug haben, um ihn zu bezahlen, antwortete,
er habezwar dieses Pulver, allein es sei sehr teuer. Alaeddin erriet
seine Gedanken, zog seinen Beutel aus der Tasche, lie einige Goldstcke
hervorblinken und verlangte dann ein$
tterte, sagte er, um
sie zu beruhigen, und damit sie mit um so grerer Zuversicht seinen
Wunsch erfllen mchte, abermals zu ihr: Frchte dich nicht; ich
schwre dir bei dem Namen Gottes, da ich dir das Leben lasse. Fatime
hie ihn in ihro Zelle treten, zndete ihre Lampe an, nahm einen Pinsel
und einen gewissen Saft, den sie in einem Gefe stehen hatte, rieb ihm
damit das Gesicht ein und versicherte ihm dann, die Farbe werde nicht
ausgehen und sein Gesicht sei jetzt durchaus ganz wie das ihrige.
Hierauf setzte sie ihm ihre eigene Kopfbekleidung aufs Haupt nebst ihrem
Schleier und zeigte ihm, wie er sich auf seinem Gang durch die Stadt das
Gesicht damit verhllen msse. Endlich, nachdem sie ihm noch einen
groen Rosenkranz, der ihm vorne bis auf den Grtel herabhing, um den
Hals geschlungen, gab sie ihm denselben Stab, den sie gewhnlich trug,
in die Hand, hielt ihm dann einen Spiegel vor und sagte zu ihm: Da
blicke einmal hinein und du wirst sehen, da du mir gleichst, wie ein Ei
dem andern. Der Zaube$
sagte: Meine gute Mutter, ich bitte dich um etwas, das du
mir bewilligen mut undCnicht abschlagen darfst, nmlich darum, da du
bei mir bleibst, mir die Geschichte deines Lebens erzhlst und mich
durch deine guten Beispiele lehrst, wie ich Gott dienen soll.
Prinzessin, sagte hierauf die angebliche Fatime, ich bitte dich,
verlange nichts von mir, worin ich nicht willigen kann, ohne mich ganz
zu zerstreuen und von meinen Gebeten und frommen bungen abzukommen. --
Das darf dich nicht beunruhigen, erwiderte die Prinzessin, ich habe
mehrere Zimmer, die nicht bewohnt sind, whle dir eins daraus, welches
dir am besten zusagt, dann kannst du deine bungen ebenso ruhig
verrichten, wie in deiner Einsiedelei.
Der Zauberer, der keinen andern Zweck hatte, als in Alaeddins Palast zu
gelangen, wo es ihm viel leichter sein mute, sein Schelmstck
auszufhren, als wenn er immer von der Einsiedelei in den Palast und von
da wieder zurck htte hin und her gehen mssen, machte jetzt keine
groen Einwendungen mehr gege$

ergeben sich fr diese letzte Strecke zehn bis elf Monate. Solches sind
die Wirkungen des langsamen, aber regelmigen Zuges, der die Gewsser des
Oceans herumfhrt. Das Wasser des Amazonenstroms braucht von Tomependa bis
zum Gran-Para etwa fnfundvierzig Tage.
Kurz vor meiner Ankunft auf Teneriffa hatte das Meer auf der Rhede von
Santa Cruz einen Stamm der _Cedrela odorata_, noch mit der Rinde,
ausgeworfen. Dieser amerikanischen Baum wchst nur unter den Tropen oder
in den zunchst angrenzenden Lndern. Er war ohne Zweifel an der Kste von
Terra Firma oder Honduras abgeissen worden. Die Beschaffenheit des Holzes
und der Flechten auf der Rinde zeigte augenscheinlich, da der Stamm nicht
etwa von einem der unterseeischen Wlder herrhrte, welche durch alte
Erdumwlzungen in die Fltzgebilde nrdlicher Lnder eingebettet worden
sind. Wre der Cedrelastamm, statt bei Teneriffa ans Land geworfen zu
werden, weiter nach Sden gelangt, so wre er wahrscheinlich rings um den
ganzen atlantischen Ocean gefhrt worden$
tevideo und vom Kap der guten Hoffnung
nach Europa zurckfahren, kommen ber diese Fucusbank, die nach den
spanischen Schiffern von den kleinen Antillen und von den canarischen
Inseln gleich weit entfernt ist; die Ungeschicktesten knnen darnach ihre
Lnge berichtigen. Die zweite Fucusbank ist wenig bekannt; sie liegt unter
22 und 26 der Breite, 80 Seemeilen [148 km] westlich vom Meridian der
Bahamainseln, und ist von weit geringerer Ausdehnung. Man stt auf sie
auf der Fahrt von den Caycosinseln nach den Bermuden.
Allerdings kennt man Tangarten mit 800 Fu [260 m] langen Stengeln [6Fucus
giganteus_, _Forster_ oder _Laminaria pyrifera_, _Lamouroux_.], und diese
Cryptogamen der hohen See wachsen sehr rasch; dennoch ist kein Zweifel
darber, da in den oben beschriebenen Strichen die Tange keinesweg am
Meeresboden haften, sondern in einzelnen Bndeln auf dem Wasser schwimmen.
In diesem Zustand knnen diese Gewchse nicht viel lnger fortvegetiren
als ein vom Stamm abgerissener Baumast. Will man sich Rechensch$
olgen die lokalen Vernderungen, welche die verschiedenen Erdbeben
in Cumana hervorgebracht, nicht weiter. Dem Plane dieses Werkes
entsprechend suchen wir vielmehr die Ideen unter allgemeine Gesichtspunkte
zu bringen und alles, was mit diesen schrecklichen und zugleich so schwer
zu erklrenden Vorgngen zusammenhngt, in Einen Rahmen zusammenzufassen.
Wenn Naturforscher, welche die Schweizer Alpen oder die Ksten Lapplands
besuchen, unsere Kenntni von den Gletschern und dem Nordlicht erweitern,
so lt sich von Einem, der das spanische Amerika bereist hat, erwarten,
da er sein Hauptaugenmerk auf Vulkane und EDdbeben gerichtet haben werde.
Jeder Strich des Erdballs liefert der Forschung eigenthmliche Stoffe, und
wenn wi nicht hoffen drfen, die Ursachen der Naturerscheinungen zu
ergrnden, so mssen wir wenigstens versuchen, die Gesetze derselben
kennen zu lernen und durch Vergleichung zahlreicher Thatsachen das
Gemeinsame und immer Wiederkehrende vom Vernderlichen und Zuflligen zu
unterscheiden.
Die gro$
e drauen das Wasser
durch da, Laub der Bume glnzen. Es war, als stnde weit weg ein Gemlde
vor uns und die Oeffnung der Hhle wre der Rahmen dazu. Als wir endlich
heraus waren, setzten wir uns am Bache nieder und ruhten von der
Anstrengung aus. Wir waren froh, da wir das heisere Geschrei der Vgel
nicht mehr hrten und einen Ort hinter uns hatten, wo sich mit der
Dunkelheit nicht der wohlthuende Eindruck der Ruhe und Stille paart. Wir
konnten es kaum glauben, da der Name der Hhle von Caripe bis jetzt in
Europa vllig unbekannt gewesen seyn sollte. Schon wegen der Guacharos
htte sie berhmt werden sollen; denn auer den Bergen von Caripe und
Cumanacoa hat man diese Nachtvgel bis jetzt nirgends angetroffen.
Die Missionre hatten am Eingang der Hhle ein Mahl zurichten lassen.
Pisang- und Bijaobltter, die seidenartig glnzen, dienten uns, nach
Landessitte als Tischtuch. Wir wurden trefflich bewirthet, sogar mit
geschichtlichen Erinnerungen die so selten sind in Lndern, wo die
Geschlechter einander ab$
ehlich hoeher. Die secundaeren Gebirgsbildungen verschwinden mehr und
mehr, und die Uebergangsgebirgsarten, die sie abloesen, verkuenden die Naehe
des Urgebirgs. Wir sahen ansehnliche Berge aufgebaut aus altem Sandstein,
den die Mineralogen der Freiberger Schule als Grauwacke und
Grauwackenschiefer auffuehren. Ich weiss nicht, ob diese Formation, die im
suedlichen Europa nicht haeufig vorkommt, auch in andern Strichen Spaniens
aufgefunden worden ist. Eckige Bruchstuecke von lydischem Stein, die in den
Thaelern am Boden liegen, schienen uns darauf zu deuten, dass die Grauwacke
dem Uebergangsschiefer aufgelagert ist. Bei Corunna selbst erheben sich
Granitgipfel, die bis zum Ca4 Ortegal fortstreichen. Diese Granite, welche
einst mit denen in Bretagne und Wales in Zusammenhang gestanden haben
moegen, sind vielleicht die Truemmer einer von den Fluthen zertruemmerten und
verschlungenen Bergkette. Schoene grosse Feldspathkrystalle sind fuer dieses
Gestein charakteristisch, Zinnstein ist darin eingesprengt, und von d$
ben wurden, und wurde vom Volke natuerlich
dieser Gewaltmaassregel zugeschrieben. Noch ein auffallenderes Beispiel
bietet das Klima von Valladolid, der Hauptstadt er Provinz Mechoacan.
Nach meinen Messungen liegt diese Stadt unter 19 deg. 41' der Breite nur
tausend Toisen hoch; dennoch waren daselbst wenige Jahre vor meiner
Ankunft in Neuspanien die Strassen mehrere Stunden lang mit Schnee bedeckt.
Auch auf Teneriffa hat man an einem Orte ueber Esperanza de la Laguna,
dicht bei der Stadt dieses Namens, in deren Gaerten Brotbaeume wachsen,
schneien sehen. Dieser ausserordentliche Fall wurde Broussonet von sehr
alten Leuten erzaehlt. Die _Erica arborea_, die _Mirica Faya_ und _Arbutus
callycarpa_ litten nicht durch den Schnee; aber alle Schweine, die im
Freien waren, kamen dadurch um. Diese Beobachtung ist fuer die
Pflanzenphysiologie von Wichtigkeit. In heissen Laendern sind die Gewaechse
so kraeftig, dass ihnen der Frost weniger schadet, wenn er nur nicht lange
anhaelt. Ich habe auf der Insel Cuba den Banane$
nseln beigelegt wird. Man
koennte darnach annehmen, dass der Vulkan damals kein Feuer gespien habe,
wenn sich aus dem Stillschweigen von Schriftstellern etwas schliessen
liesse, von denen wir nichts besitzen als Bruchstuecke und trockene
Namenverzeichnisse. Umsonst sucht der Physiker in der Geschichte Urkunden
ueber die aeltesten Ausbrueche des Pics; er findet nirgends welche ausser in
der Sprache der Guanchen, in der das Wort "Echeyde"(25) zugleich die Hoelle
und den Vulkan von Teneriffa bedeutete.
Die aelteste schriftliche Nachricht von der Thaetigkeit des Vulkans, die ich
habe auffinden koennen, kommt aus dem Anfang des sechzehnten Jahrhunderts.
Sie findet sich in der Reisebeschreibung(26) des Aloysio Cadamusto, der im
Jahr 1505 auf den Canarien landete. Dieser Reisende war nicht selbst Zeuge
eines Ausbruchs, er versichert aber bestimmt, der Berg brenne fortwaehrend
gleich dem Aetna und das Feuer sey von Christen gesehen worden, die als
Sklaven der Gurnchen auf Teneriffa lebten. Der Pic befand sich also da$
|     Guanchisch |     Berberisch |
+-------------+----------------+----------------+
|     Himmel, |      *Tigo*,   |      *Tigot.*  |
+-------------+----------------+----------------+
|      Milch, |       *Aho*,   |      *Acho.*   |
+-------------+----------------+----------------+
|    Gerste, |     *Temasen*  |     *Tomzeen.* |
+-------------+----------------+----------------+
|      Korb,  |     *Carianas* |     *Carian.*  |
+-------------+----------------+----------------+
|     Wasser, |      *Aenum*   |      *Anan.*   |
+-------------+----------------+----------------+
Ich glaube nicht, dass diese Sprachaehnlichkeit ein Beweis fuer gemeinsamen
Ursprung ist; aber sie deutet darauf hin, dass die Guanchen in alter Zeit
in Verkehr standen mit den Berbern, einem Gebirgsvolk, zu dem die
Numidier, Getuler und Garamanten verschmolzen sind und das vom Ostende des
Atlas durch das Harudje und Fezzan bis zur Oase von Syuah und Audjelah
sich ausbreitet. Die Eingeborenen der Canarien nannten sich Guanchen, von
*G$
ein. Dieser Umstand weist,
wie wir bald sehen werden, darauf hin, dass die Ursachen der Erdbeben und
der vulkanischen Ausbrueche in engem Verbande stehen. Wuerde der Boden an
den Kuesten desshalb staerker erschuettert, weil diese die am tiefsten
gelegenen Punkte des Landes sind, warum waeren dann in den Savanen oder
Prairien, die kaum acht oder zehn Toisen ueber dem Meeresspiegel liegen,
die Stoesse nicht eben so oft und eben so stark zu fuehlen?
Die Erdbeben in Cumana sind mit denen auf den kleinen Antillen verkettet,
und man hat sogar vermutet, sie koennten mit den vulkanischen Erscheinungen
in den Korilleren der Anden in einigem Zusammenhang stehen. Am
11. Februar 1797 erlitt der Boden der Provinz Quito eine Umwaelzung, durch
die, trotz der sehr schwachen Bevoelkerung des Landes, gegen 40,000
Eingeborene unter den Truemmern ihrer Haeuser begraben wurden, in Erdspalten
stuerzten oder in den ploetzlich neu gebildeten Seen ertranken. Zur selben
Zeit wurden die Bewohner der oestlichen Antillen durch Erdstoess$
 heute nach Hause gehen, denn deine Eltern haben deinetwegen groen
Kummer, sie glauben du seist gestorben. Mit diesen Worten fhrte sie
das Kind an der Hand, bis sie aus dem Walde heraus kamen. Dann sagte die
Fhrerin: Von dem, was du gestern und vorige Nacht gehrt und gesehen
hast, darfst du kein Wrtchen zu Hause reden, sage nur, du habest dich
im Walde verirrt. Darauf gab sie dem Kinde eine kleine silberne Spange
und sagte: Wenn dich die Lust anwandeln sollte, wieder einmal zu uns zu
Gast zu kommen, so hauche nur auf diese Spange, so findest du schon den
Weg zu uns! Das Kind steckte die Spange in die Tasche und dachte auf
dem Wege zum Dorfe daran, was wohl die Eltern von der Sache halten
wrden, da sie ihnen die Wahrheit nicht gestehen drfe. In der Dorfgasse
gingen zwei Mnner an ihr vorber, welche sie nicht kannte. Als sie in
des Vaters Hofthor trat, schien ihr der Ort gnzlich frmd; wo vorher
nichts gestanden hatte, da wuchsen jetzt Aepfelbume, an denen schne
Frchte hingen. Auch das Haus erschi$
rechtmigen Gattin machte
und die ihm unendlich mehr bedeutet hat als eine oberflchliche
Literarhistorik wahr haben will. Sein einsames Herz beduofte ihrer
Herzlichkeit. Sein Sinn ihrer Sinnlichkeit. Und dann die vielen
Namenlosen, die er liebte, die Frauen in Thringen, in der Schweiz, in
Italien. Und endlich die Suleika des Weststlichen Diwans, die den
alternden Dichter zur letzten wilden Trilogie der Leidenschaft
entflammte. Welch ein Reigen von Frauen! Wir wollen keine geringer
achten, auch jene namenlosen nicht, ihnen allen sei der Kranz des
Lorbeers auf die schnen Stirnen gedrckt.
Im deutschen Sngerkrieg auf der Wartburg hat Goethe sich den ersten
Preis ersungen: im Drama durch Faust und Iphigenie, in der Prosa
durch Wilhelm Meister und die Wahlverwandtschaften, in der Lyrik
durch Ganymed, Wanderers Nachtlied, An den Mond, die Trilogie der
Leidenschaft und vieles andere. Er beherrschte die kontrrsten Stile.
Sang wie ein Kind zu Kindern:
    Ich komme bald, ihr goldnen Kinder!
Un$
Volksbuch
von Doktor Faust und den Fastnachtsspielen des Mittelalters fut. -- In
Gtz von Berlichingen (1773 erschienen) schrieb Goethe nach
shakespeareschem Muster das erste Szenendrama und lste den strengen
Aktbau eines Lessing in viele lebendige Einzelszenen, deren Lichter in
der Schluszene zu einer groen Flamme zusammenlohen. Der Egmont (1788
erschienen) zeigt Verwandtschaft mit dem Gtz in Szenenfhrung und
Charakterisierung. Durch seine sittliche Kraft erhebt sich der
Unterlegene (Egmont) ber den tyrannischen Sieger (Alba). Die Liebe
Egmonts zu einem kleinen Brgermdchen anticipiert die Liebe Goethes zu
Christiane. In dem opernhaften letzten Bilde erscheint ihm auf dem Wege
zum Schaffot die Geliebe, die Insignien der beiden hehrsten Ideale:
Liebe und Freiheit, in ihren Hnden haltend. -- Neben dem Faust gebhrt
der Iphigenie unter den Goetheschen Dramen der Kranz. Das Gretchen im
Faust ist ein einfaches Kind voll unbewuter Reinheit und
Jungfrulichkeit, in Iphigenie wird die Reinheit sich $
e 10.
[6] +von einem ... begriffenen Krper+: of a body engaged; see 1 Note
[7] see 1 Note 2.
[8] +der ... Weg+: the path; see 1 Note 10
[9] +infolge (in Folge)+: in consequence.
[10] +einer beliebig+: of any desired, of any whatever.
[11] +kommt ... zu stande+: comes about, is brought about.
[12] +bei+: in the case of (not _by_.) +Bei+ is of very common occurence
with this meaning, which will generally suggest the proper preposition
(at, with, in etc.) to use in English.
[1] +die Gewichtseinheit+: unit of weight.
[2] +heisst+: means.
[3] +die Breite+: latitude.
[4] +am Meeresspiegel+: at the level of the sea.
[5] +am bequemsten+: most conveniently.
[6] +darstellen+: to represent.
[7] +t+ stands for +Tonne+ = 1000 kg.
[8] see 1 Note 2.
[9] Observe that the comma is used as ? decimal point and the period as
a sign of multiplication.
[10] +also+; see 2 Note 2.
[11] +nimmt ... zu (zunehmen)+: increases.
[12] see 1 Note 2.
[13] +um+: to the distance of.
[14] +die Gesammtarbeit+: total work.
[15] +einzel (einzeln)$
mpagnie. -- 2 Monate Eisen wegen Flschung. -- 16 Jahre und 6
  Monate wegen versuchten Brudermord.]
                           Der Roman
                             eines
                    geborenen Verbrechers.
                       Selbstbiographie
                              des
                 Strafgefangenen Antonino M...
                              von
                        A.G.Bianchi.
       (Mitglied des _Corriere della Serra_ in Mailand)
          Zu wissenschaftlichen Zwecken herausgegeben
              mit einem psychiatrischen Gutachten
                         von Professor
                        Silvio Venturi
      Direktor der Provinzial-Irrenanstalt in Catanzaro.
 Autoxisierte deutsche bersetzung von Dr. Friedrich Ramhorst.
                      Berlin und Leipzig
                    Alfred H. Fried & Cie.
                             1894.
Dieses Buch kann und soll nicht nach gewhnlichen Gesichtspunkten
beurteilt werden: Der Titel Roman ist subjektiv gerechtfertigt, insofer$
 so
erinnern Sie sich an Francesco R.., und wenn ich die wenigen Tage, die
mir noch verbleiben, vollendet habe, dann werde ich es meinen Shnen als
Vermchtnis lassen, Ihrer zu gedenken, um Ihnen bei jeder Not
beizustehen. Morgen werden Sie nach Pizzo abreisen, mein Sohn wird Sie
vor dem Gefngnis mit einem Wagen und einem Kutscher erwarten, ich habe
Sie den Karabinieri warm empfohlen und hoffe, Sie werden keine
unangenehme Reise haben. Er umarmte mich und kte mich mehrere Male,
mich mit vterlicher Zrtlichkeit an die Brust drckend.
Tags darauf in der Frhe reiste ich, nachdem ich Peppino umarmt hatte,
In Monteleone kam ich am Abend des vierten August an, am folgenden Tage
sollte ich den Assisen vorgefhrt werden.
Der Anwalt Herr Chimirri kam zu mir und sagte mir, da er in Geschften
in Monteleone sei und da er aus reinem Zufall erfahren habe, da meine
Sache verhandelt werden solle. Meine Verwandten waren nicht gekommen,
Entlastungszeugen waren nicht vorhanden; so erwarteten mich denn zwanzig
Jahre Z$
 ich will es.
Wir erhoben uns und schritten durch das von Schmutz und Ungeziefer
starrende Zimmer. Perrone, der rmste, sa in einem Winkel, in seinem
Mantel eingehllt und zitterte bis in das Mark seiner Knochen, doch
nicht vor Klte, sondern vor Furcht.
Kaum hatte ich dem berchtigten Camorristen entfliehen knnen, dem
Verchter der Menschen und der Natur, als ich mich Perrone nherte; ich
fand ihn bleich, entsetzt; ich sprach ihm Mut zu und teilte ihm mit, da
er von niemand gekannt sei und da die Dinge eine gute Wendung nhmen.
Der rmste kte mir die Hnde und umklammerte meine Knie, whrend zwei
heie Thrnen auf meine Finger niederfielen.
Abends, um die achte Stunde, wurde eine Tafel auf einer Pritsche
errichtet; wir acht Gefangenen setzten uns, denn ein Picciotto konnte
nicht die Ehre haben, mit den Camorristen zusammen zu essen; am unteren
Ende der Tafel wurde ihnen etwas gereicht. Whrend die Zhne nd die
Magen arbeiteten, sagte Sansosti:
Ich stelle der Gesellschaft einen neuen Genossen, M..., $
sse. Die
  Sume und Nhte der Wsche sind wahre Postkisten, die lange
  Papierstreifen enthalten, vermittelst deren die Korrespondenzder
  Gefangenen mit einer Przision und Heimlichkeit hin und hergeht, die
  man im amtlichen Postdienst nicht findet. Und wenn Ihr sie gefunden
  habt, so knnt Ihr nichts lesen, denn die Tinte wird durch
  Citronensure ersetzt, die blos an der Wrme erscheint, und wenn Ihr
  auch das wit, so ntzt es Euch nichts, denn die Worte haben eine
  nher vereinbarte Bedeutung, auch sie sind Chiffern, zu denen Euch der
  Schlssel fehlt.
  Und dies ist keine bertreibung; es ist bekannt, was fr vorzgliche
  Kommunikationsmittel fr Mitteilungen sowohl im Zellengefngnis zu
  Mailand, wie in der Generala zu Turin die Leitungsrhren der Heizung
  und die Latrinen waren.
  Und um diese schon etwas lange Anmerkung zu schlieen, will ich hier
  eine Probe des seltsamen telegraphischen Alphabets geben, das in den
  Gefngnissen im Gebrauch ist. Die Zahlen geben die Schlge an.
  1--1=$
o aus der Wrter
sie Tag und Nacht bersehen konnte, und in jeder Zelle war ein groes
langes Fenster mTt einem Gitter aus Gueisen, vier dicke eiserne
Stangen. Links von diesem Korridor eine massive Thr, ein kurzer gerader
Gang und acht dunkle Zellen, die Strafzellen. Ich blieb neun Monate in
der Schneiderwerkstatt, wo ich Schnupftcher, Handtcher &c. sumte, ich
verdiente das ansehnliche Gehalt von 6 Centesimi tglich,
hundertundachtzig Centesimi monatlich, aber wir Gefangenen konnten unser
Geld nicht ausgeben; nur Schnupftaback gab es beim Oberwchter zu
kaufen, soviel man wollte. Rauchtabak und Cigarren waren streng
verboten, und es rhrte mich, als ich sah, wie einige etwas
Schnupftabak in ein Tuch banden und sich den Knuel in den Mund
steckten, um den Tabak zu kauen. Ich versuchte es ebenfalls, aber in
zwei Tagen schwoll mir der Gaumen und das Zahnfleisch an und wurde
rissig, so da ich diese neue Art zu kauen aufgab.
Ich wurde der Gehilfe des Schreibers des Krankenhauses, eines braven
Burschen aus B$
ollgepfropft und
vollgestopft mit den Ansichten ihres vieledlen Onkels Ruina, der auch so
ein Schwein ist! Sie hat mir gedroht, mich von ihren Brdern umbringen
Was, und das glaubst Du? Du frchtest, da die halbblinden Spilingoten
Dich umbringen? Aber Mensch, Du bist ein Weib oder ein Hornvieh, Du
frchtest Dich, da Deine Michela Dich knnte ermorden lassen! Und von
wem? Von den Spilingoten? Eher glaube ich, da Donna Michela Dich selbst
umbringt, mit ihren dicken, fetten Hinterbacken!
Ich frchte mich vor ihren Brdern.
Elender Wicht, feiger Bruder! Was ntzt Dir das Leben, wenn Du nicht
einmal soviel Mut hast!
Die elende Bstie erzhlte mir, in welcher Weise er von den Brdern der
Michela geqult, gergert und geschunden wurde.
Eines Tages gingen der Schwachkopf und ich nach Spilinga, um meine
Schwestern zu besuchen; die eine hatte den Antonio M... zum Mann, ber
diese kann ich mich nicht beklagen, sonst fehlte es ja nicht an
Gelegenheit, aber er kmmerte sich nie um meine Angelegenheiten.
Ich mute$
ede geehrt und die Krhen und Wlfe
muten das Weitere besorgen.
Es war ein grauer Mrzentag, da hatte der Wulfsbauer auf dem Amte zu
tun. Irgendeine Sprnase hatte es herausgebracht, da die dringer jetzt
Peerhobstler hieen und noch nicht so verhungert waren, als da man
ihnen nicht die Schatzung zumuten knnte. Das stand ihnen aber gar nicht
an und Harm Wulf als Vorsteher wollte ihnen das vom Halse schaffen. Als
er den Herren vom Amte sagte: Solange ihr uns nicht schtzt, wird von
uns nicht geschatzt, wurde er ein ausverschmter Kerl geheien; aber er
hielt die Nase hoch und sagte: Ich will doch mal sehen, ob unser Herr
Herzog Christian nicht eine andere Meinung von der Sache hat; ansonsten
stecken wir lieber unsere Huser an und leben vom Betteln und Stehlen,
bis man uns ein Amt gibt, damit wir auch Leute schinden knnen, die sich
in BruRh und Busch bergen mssen.
Als er aus der Tr ging, stand Thedel da; er war ganz wei um die Nase,
hatte Augen wie ein Buschkater im Dunkeln und sagte: Der Sugling$
 schweigend hinweg. Metternich(23)
wurde durch diesen Antrag, welchem sterreich sich schlechterdings nicht
fgen konnte, unangenehm berrascht und versuchte sogar, die Kompetenz des
Bundes in Zweifel zu ziehen. Der Handel -- so behauptete er --, seine
Ausdehnung wie seine Beschrnkung gehrt zu den ersten Befugnissen der
Souvernitt. Zur Mihandlung der Universitten, von denen die Bundesakte
kein Wort sagte, war der Bund nach der k. k. Doktrin unzweifelhaft befugt;
aber die Verkehrsfreiheit, welche der Bundesvertrag ausdrcklich in
Aussicht stellte, verstie gegen die Souvernitt der Bundesstaaten.
Drastischer konnte das Verhltnis der Hofburg zu den Lebensfragen der
deutschen Nation unmglich bezeichnet werden. Auf das wiederholte
Andrngen Badens u|d Wrttembergs erklrte sich der sterreichische
Staatsmann zuletzt doch bereit, die Zollfrage auf die Tagesordnung der
bevorstehenden Wiener Konferenzen zu setzen. Er wute wohl, was von
solchen Beratungen zu erwarten sei.
Unterdessen hatte auch der beste $
chlieung der Prohibition.  War
es nicht ein seltsames Zeichen der allgemeinen Unklarheit jener Tage, da
ein so ungewhnlicher Geist so dicht heranstreifte an die Ideen des
preuischen Zollsystems und doch nicht einmal die Frage aufwarf, ob nicht
der Bau der deutschen Handelseinheit auf dem festen Grunde dieses Systems
aufgerichtet werden sollte? -- Nebenius stellt ferner den Grundsatz auf,
da die Verteilung der Zolleinnahmen nach der Kopfzahl der Bevlkerung
erfolgen solle. Aber als seine Denkschrift in Berlin bekannt wurde, da
hatte Preuen denselben folgenschweren Gedanken schon in einem
Staatsvertrage praktisch durchgesetzt. Er errtert sodann, die
Zollgemeinschaft sei unmglich, wenn nicht auch der innere Konsum nach
gleichen Grundstzen besteuert werde; bis dies Ziel erreicht sei, msse
man sich mit bergangsabgaben behelfen. Auch diese Einsicht bestand in
Berlin schon lngst; eben weil Eichhorn und Maaen die weit abweichenden
Steuersysteme der Nachbarstaaten kannten,.wollten sie nicht zu einer
vors$

      der Provinz Sachsen.
   27 Karl Freiherr von Stein zum Altenstein, geb. 7. Oktober 1770, gest.
      14. Mai 1840, seit 1817 Minister fr geistlichen Unterricht und
      Medizinalangelegenheiten, Reorganisator des preuischen Volks- und
      hheren Schulwesens.
   28 Friedrich Leopold v. Kircheisen, geb. 24. Juni 1746, gest. 18. Mrz
      1825, von 1810 ab preuischer Justizminister.
   29 Ludwig Freiherr v. Spittler, geb. 10. November 1752, gest. 14. Mrz
      1810, wurde 1779 als Professor der Philosophie nach Gttingen
      berufen, 1806 zum Minister in Wrttemberg ernannt und zum Kurator
      der Universitt Tbingen.
   30 Friedrich Ernst Daniel Schleiermacher, geb. 21. November 1768, gest.
      12. Februar 1834, Prediger an der Berliner Dreifaltigkeitskirche uKd
      Professor an der Universitt.
   31 Fried. Christ. Adolf v. Motz, geb. 18. November 1775, gest. 30. Juni
      1830, ursprnglich im Dienste des Knigs von Westfalen ttig, trat
      nach Napoleons Sturz in preuische Diens$
de Anordnungen von Grenze zu Grenze weiter geleitet werden,
welche den Zweck haben, die inneren Scheidewnde mehr und mehr falle zu
lassen. So war das handelspolitische Programm der preuischen Regierung
nochmals klar und unzweideutig ausgesprochen. Indem sie an ihrem
Zollgesetze festhielt, erklrte sie sich bereit, anderen Bundesstaaten
durch freie Vertrge den Zollanschlu oder Handelserleichterungen zu
gewhren; aber sie sah auch ein -- und hierin lag ihre berlegenheit -- da
alle Klagen wider die Binnenmauten mige Reden blieben, solange die
deutschen Staaten sich ber ein gemeinsames Zollgesetz nicht einigen
Auf lebhaften Widerspruch war Bernstorff von vornherein gefat; er wute
wohl, wie unfabar diese nchternen handelspolitischen Gedanken, die heute
jedem gelufig sind, der groen Mehrzahl der deutschen Hfe noch
erschienen. Der leidenschaftliche Ausbruch gehssiger Vorurteile, den er
in Wien erleben mute, bertraf doch seine schlimmsten Erwartungen. Die
naive volkswirtschaftliche Unwissenhei$
a erfuhr er endlich, da Wrttemberg inzwischen schon eine
neue geheime Verhandlung mit Bayern begonnen habe. Die Nachricht von dem
badisch-hessischen Vertrage hatte den Mnchener Hof mit schwerer Sorge
erfllt. Man frchtete die Fhrerschaft im Sden zu verlieren und geriet
in Unruhe wegen der Rheinpfalz; diese unzufriedene Provinz forderte
dringend, fast drohend eine Verstndigung mit den Rheinuferstaaten, die
fr ihr Handelsinteresse weit wichtiger seien als die altbayrischen Lande.
berdies hatte Blittersdorff den unsterblichen Artikel 19 und die
Handelssache soeben am Bundestage wieder zur Sprache gebracht; und obwohl
dies nur ein Zeichen der Ratlosigkeit war, so wollte doch Bayern jede
Einmischung des Bundes abschneiden. So geschah es, da
Schmitz-Grollenburgs Antrge jetzt in Mnchen einer gnstigeren Stimmung
begegneten. Knig Max Joseph(65) gestattete, da der wrttembergische
Geheimrat Herzog nach Mnchen kam. Whrend man Nebenius in Stuttgart mit
leeren Ausflchten vertrstete, ward an der Isr be$
empfand man
die Gefahr, da Thringen dem preuischen oder dem sddeutschen Verein
sich anschlieen knnte.
Aus solchen Berechnungen entsprang der Plan, einen Gegenzollverein zu
bilden, der, ohne selbst ein positives handelspolitisches Ziel zu
verfolgen, nur als ein Keil zwischen die beiden Zollvereine hineindringen,
ihre Verbindung hindern sollte. Es galt, die ersten Anfge der
Handelseinheit zu zerstren, den schmachvollen Zustand deutscher
Zerrissenheit zu verewigen. Die Trger dieser Politik waren zwei Gebrder
Carlowitz, aus einem der ehrenwertesten Huser des oberschsischen Adels.
Der ltere(87), kniglich schsischer Minister, war bis zum vorigen Jahre
noch Bundestagsgesandter gewesen und stand in der Eschenheimer Gasse in
lebhaftem Andenken als ein wohlmeinender Geschftsmann der alten Schule,
ein pedantischer Vertreter der bekannten kurschsischen Formelseligkeit.
Der Jngere(88), jetzt Minister in Gotha, persnlich ebenfalls sehr
achtungswert, hatte alle die unausrottbaren Vorurteile des kurschsi$
, einstimmig, unter brausenden Hochrufen auf
den Groherzog.
Dem gefeierten Frsten ward bei dieser Begeisterung seiner getreuen
Opposition sehr schwl zu Mute. In einem flehentlichen Briefe wendete er
sich abermals hilfesuchend an Bernstorff {~HORIZONTAL ELLIPSIS~} , und wirklich unterzg sich
der geduldige preuische Minister noch einmal den undankbaren Mhen der
Vermittlung. Knig Ludwig aber empfand jenen Beschlu des badischen
Landtages als eine persnliche Beleidigung; er hielt es fr schmachvoll,
eine Forderung, die schon soviel Staub aufgewirbelt hatte, ohne jede
Entschdigung fallen zu lassen. An dem ergrimmten Wittelsbacher war jetzt
jeder Zuspruch verschwendet. Auch der Knig von Wrttemberg lie nach
einiger Zeit in schnden Worten erklren, da er mit dem unbelehrbaren
badischen Hofe nichts mehr zu schaffen haben wolle. In Berlin urteilte man
milder, doch die erneuten Verhandlungen blieben fruchtlos. Der knigliche
Dichter in Mnchen hinterlie die imaginren Sponheimer Ansprche seinen
Nachfolge$
edanke, der uns heute trivial und selbstverstaendlich
erscheint, war der Diplomatie der Kleinstaaten jener Zeit voellig neu. Den
Berliner Staatsmaennern war er wohlbekannt; denn nur jenen Staaten, die
sich dem preussischen Zollsystem einfuegen wollten, hatte Preussen freien
Verkehr angeboten. Ebenso tief durchdacht waren die Grundzuege des
Zolltarifs, welche Nebenius entwarf. Er will maessige Finanzzoelle namentlich
auf die Gegenstaende allgemeinen Gebrauchs, auf die Kolonialwaren legen;
die dem heimischen Gewerbefleiss notwendigen Rohstoffe gibt er frei, die
Fabrikwaren schuetzt er durch Zoelle, die ungefaehr der ueblichen
Schmuggelpraemie entsprechen; feindselige Schritte des Auslandes sollen mit
Repressalien erwidert werden. Treffliche Gedanken, ohne Frage; aber als
Nebenius schrieb, war bereits der preussische Tarif veroeffentlicht, der
durchaus auf denselben Grundsaetzen beruhte. Selbstaendiges Nachdenken hatte
den Sueddeutschen genau auf dieselben stBatswirtschaftlichen Ideen gefuehrt,
welche Eichhorn o$
n Heimat trieb Pfaff, die glnzende Stellung aufzugeben und
mit Frau und Kind nach Deutschland zurckzukehren, wo er auch Anstellung
fand, aber bald seine Gattin durch den Tod verlor.
Inzwischen hatte auch seine Jugendliebe, Luise Plank, sich verheiratet
und in glcklicher Ehe mit einem jungen Geistlichen, Kraz, in
Wrttemberg gelebt. Aber auch diese Ehe wurde schon nach vie[ Jahren
durch den Tod getrennt; der jungen Witwe blieben zwei Kinder, Heinrich
und Luise. So fanden sich nach wohl zehnjhriger Trennung die
Verwitweten wieder. Als eine gereifte dreiigjhrige Frau trat sie ihm
entgegen, gesund an Leib und Seele, voll warmen Gemts. Die alte Liebe
erwachte und fhrte diesmal zu glcklicher Verbindung. An Geld und Gut
brachten die beiden nicht viel mit in die Ehe und es ist bezeichnend fr
ihre Lebensanschauung, da Pfaff sich von seiner Luise erbat, sie mchte
ihm statt eines Eherings ein hebrisches Lexikon geben. Die Vermhlten
zogen zunchst nach Wrzburg, von wo Pfaff bald einem Ruf an die
Universit$
fsche
Geldschublade war leer. In ihrer Verlegenheit wegen des Portos sprang
Frau Pfaff die Treppe hinauf, um bei Frau Kopp das Smmchen zu
entlehnen. Diese gute Kollegin besa aber im Augenblick auch nichts
mehr, dagegn hatte sie ein wackeres Dienstmdchen, das war im Besitze
der ntigen Groschen und konnte den beiden Professorinnen aus der
Verlegenheit helfen.
In dieser Zeit war es wohl auch, da ein Besuch im Sptherbst, als es
schon recht unangenehm khl war, ein kaltes Zimmer voll Rauch antraf.
Frau Pfaff entschuldigte sich: sie habe grnes Holz gekauft, weil dies
billiger sei und nicht brenne; fr so junge Leute wie die ihrigen sei es
genug, wenn sie auch nur am Rauch merkten, da eingeheizt sei.
Der frhliche, gesellige Kreis lichtete sich allmhlich und verlor
seinen Mittelpunkt, als Luise sich mit dem Studienlehrer Sartorius in
Windsheim verheiratete. Zwischen ihr und Karl Brater hatte eine
Freundschaft bestanden wie sie in damaliger Zeit hufiger als jetzt
vorkam. Die poetischen Worte, in denen er d$
te kaum noch erhht werdendurch die Genehmigung des Arztes,
da sie, mit blauer Brille bewaffnet, zur Bescheerung aufstehen drfe.
Freilich hatte sie noch ihre schmerzhaften Blasenpflaster und sah noch
die Dinge, die unter dem Christbaum lagen, in verkehrten Farben, aber
daran war sie nun schon gewhnt und die Freude war nach der
ausgestandenen Angst doppelt gro.
Die fernen Verwandten, die an jenem Weihnachtsfest an die Familie Brater
dachten, waren voll innigen Mitleids. Sie sagten sich: welch trauriges
Fest in der Fremde, ohne jegliches Behagen, die Sorge wegen des Mannes
Befinden, dazu das leidende Kind und die vermehrten Ausgaben. Dies war
alles richtig und dennoch standen die Viere glcklich und dankbar unter
dem Christbaum. In andern Familien waren vielleicht die Verhltnisse
gnstiger, aber ein einziger Miton konnte die Harmonie mehr stren als
es hier alle ueren Umstnde zu Wege brachten. Man darf sich immer zum
Trost sagen im Hinblick auf schwere Zeiten, die uns oder unsern Lieben
das Leben brin$
n auf, traf ihn ganz unvermutet schon in einer
netten Huslichkeit mit einer lieben Frau und dachte bei sich: So
gefiele mir's auch. Als nun der Zufall die Schwester der jungen Frau an
den Kaffeetisch fhrte, gestaltete sich dieser allgemeine Wunsch zu
einem2bestimmten Plan. Der junge Mann wiederholte seinen Besuch und
eines Tages erhielt Frau Brater aus dem wrttembergischen Stdtchen
Blaubeuren einen Brief in dem der damalige Stadtschulthei߫
(Brgermeister) Sapper um die Hand ihrer zweiten Tochter anhielt. Im
Juni wurde die Verlobung gefeiert.
Frau Brater beantwortete die Glckwnsche der treuen Nrdlinger Freunde:
... Ich wei ja, da Ihr mir und meinen Kindern gerne etwas Gutes
gnnt, da nun diese Verlobung etwas Gutes ist, kann ich nicht
bezweifeln, wenn ich in Agnesens glckliche Augen sehe; ich selbst kenne
den Brutigam sehr wenig und wenn ich auch bei der kurzen Bekanntschaft
rasch ein volles Zutrauen gefat habe, so fhle ich doch jetzt bei der
Trennung von ihm, da wir uns noch ziemlich fremd s$
nnenschein leben mten.
    Anna hlt sich tapfer in diesem Kummer, stellt ihrAnliegen in
    Gottes treue Vaterhand. Die Pflege ist mhsam und schwer, da sie
    selbst sich _gar_ nicht bewegen soll, wegen des Herzens, aber
    sie ist eine geduldige Kranke und hat in leichten Stunden stets
    ein freundliches Wort fr uns. Sie ist ganz klar.
Zehn Tage spter an Agnes: Wir haben seit den Tagen, wo eine scheinbare
Besserung eingetreten war, wieder viel Sorge gehabt..... Mut und Geduld
unserer teuren Kranken ist auf harter Probe, denn der Zustand wird
peinlicher mit der zunehmenden Krperschwche, sie hat bei der Berhrung
und Bewegung groe Schmerzen. Sie hlt trotzdem an ihrer heitern Art
fest. Heute sagte Dietrich zu ihr: 'wenn du wieder gesund bist, dann
darfst du dir einen Landaufenthalt whlen, wo du willst, und ich bringe
dich hin', da erwiderte sie mit heiterem Lcheln: 'Vater, ich will dich
nicht ausbeuten, jetzt wo dein Herz weich ist', und spter sagte sie:
'Mutter, ich war elend nobel gegen de$
idiert -- von
hervorragenden Fachleuten unternommen. Die Einleitung bildet der
umfassende, allgemein als die bedeutendste deutsche Darstellung
anerkannte Dostojewski-Essay von _Stefan Zweig_, Portrt und Schriftproben
ergnzen sinnlich das geistige Bild des russischen Meisters.
       *       *      *       *       *
Anmerkungen zur Transkription:
   Die im Inselverlag erschienene Ausgabe wurde dem Original getreu
   bertragen. Offensichtliche Druckfehler wurden dabei korrigiert.
   Das ursprnglich auf den Seiten 115-119 befindliche
   Inhaltsverzeichnis wurde zur besseren bersicht und Vereinfachung
   der Navigation vor das erste Gedicht verschoben. Die
   erforderlichen textlichen Anpassungen wurden vorgenommen. Im
   Nheren sind dies:
   S. 103: Das Wort ANORDNUNG wurde entfernt.
   Im Inhaltsverzeichnis wurde GELEITWORT UND ANORDNUNG in
   GELEITWORT gendert.
Transcribers' note:
   Words typeset in _antiqua_ and #spaced-out# words
   are indicated as shown.
MISTER GALGENSTRICK
Ullstein-Bcher
$
t, wie du's bei den Soldaten hast, kannst du's nirgends
haben: fast keine Arbeit, -- die Vorgesetzten tragen dich auf Hnden und
lesen dir jeden Wunsch von den Augen ab, -- und Geld kriegst du jede
Woche einen Haufen!
Jim Boughsleigh verdrehte die Augen wie ein Hndler, der einem dummen
Reisenden ein aus Europa frisch importiertes Tonfigrchen als echte
altindische Gtterstatue anpreist. Er redete so eindringlich auf mich
ein, da mich Ekel vor ihm ergriff.
Was hatte er nur? Da mich die Europer auf Hnden tragen wrden, das
glaubte er wohl selbst nicht. Und da sie mir viel Geld geben wollten,
war verdchtig. Denn #viel# Geld geben die Englnder nur her, wenn sie
etwas #Bses# wollen.
Na? drngte Jim Boughsleigh ungeduldig. Lieber Freund, wie ist's?
Luft dir das Wasser nicht im Munde zusammen? Fasse dein Glck beim
Schopf! Ich rede mit dir wie ein Vater!
Das konnte mich schwerlich verlocken, denn wenn mein Vater mit mir
redete, so nahm er dazu meit einen Riemen in die Hand. Ich versuchte,
mit einer n$
te Mhe,
Herr meiner selbst zu werden -- umsonst, ich fiel zu Boden, schlug mit
den zusammengeschnrten Hnden um mich. Schaum trat vor meinen Mund.
Wie durch einen Nebel schaute ich, wie sich Jim Boughsleigh die
Silberstcke auszahlen lie, die als Belohnung fr die Anwerbung eines
Farbigen ausgesetzt sind -- dann schttelten mich Krmpfe, mein Kopf
stie wider eine harte Spitze, und -- und --
       *       *       *       *       *
Schwester! Schwester! schrie ich erschrocken und klingelte wie
Der Kranke war mitten im Satz bewutlos in die Kissen zurckgesunken.
Das Klingelzeichen aber erweckte ihn, er versuchte unter wildem, mir
unverstndlichem Kreischen aus dem Bett zu springen.
Unter Aufbietung aller meiner Krfte gelang es mir, den Rasenden, der
geifernd nach meinen Hnden bi, ins Bett zurckzupres6en, bis die
Schwester mit einem Wrter kam.
Die Schwester warf mir einen vorwurfsvollen Blick zu, sagte aber nichts,
sondern wandte sich sogleich dem Kranken zu, dessen Geschrei langsam in
ein erschpf$
 man
nur in einer starken Salzluft vertrgt (ich wei nicht, ob ich sie
berhaupt noch vertrage), und die ich von Hause aus ein wenig kenne,
denn man it schon ganz so bei mir zu Hause. Nehmen Sie auch nur die
Namen, die Vornamen, mit denen die Leute dort oben geschmckt sind und
von denen es ebenfalls schn viele bei mir zu Hause gibt, einen Laut wie
>Ingeborg<, ein Harfenschlag makellosester Poesie. Und dann die See, --
sie haben die Ostsee dort oben!... Mit einem Worte, ich fahre hinauf,
Lisaweta. Ich will die Ostsee wieder sehen, will diese Vornamen wieder
hren, diese Bcher an Ort und Stelle lesen; ich will auch auf der
Terrasse von Kronborg stehen, wo der >Geist< zu Hamlet kam und Not und
Tod ber den armen, edlen jungen Menschen brachte...
Wie fahren Sie, Tonio, wenn ich fragen darf? Welche Route nehmen Sie?
Die bliche, sagte er achselzuckend und errtete deutlich. Ja, ich
berhre meine -- meinen Ausgangspunkt, Lisaweta, nach dreizehn Jahren,
und das kann ziemlich komisch werden.
Sie lchelte.$
 Kinn mit Daumen und Zeigefinger erfat
hielt. Ohne Zweifel befand er sich in einer jener auerordentlichen und
festlich-beschaulichen Stimmungen, in denen die Schranken zwischen den
Menschen dahinsinken, in denen das Herz auch Fremden sich ffnet und der
Mund Dinge spricht, vor denen er sich sonst schamhaft verschlieen
Sehen Sie, Herr, doch blo die Sderne an. Da sdehen sie und glitzern,
es ist, wei Gott, der ganze Himmel voll. Und nun bitt' ich Sie, wenn
man hinaufsieht und bedenkt, da viele davon doch hundertmal grer sein
sollen als die Erde, wie wird einem da zu Sinn? Wir Menschen haben den
Telegraphen erfunden und das Telephon und so viele Errungenschaften deE
Neuzeit, ja, das haben wir. Aber wenn wir da hinaufsehen, so mssen wir
doch erkennen und versdehen, da wir im Grunde Gewrm sind, elendes
Gewrm und nichts weiter, -- hab' ich recht oder unrecht, Herr? Ja, wir
sind Gewrm! antwortete er sich selbst und nickte demtig und
zerknirscht zum Firmament empor.
Au... nein, der hat keine Literatur $
m einfiel, und das
sie ihm wenigstens mit einem Lcheln beantworten muten? Es wrde ihn
beglcken, er sehnte sich danach; er wrde dann zufriedener in sein
Zimmer zurckkehren, mit dem Bewutsein, eine kleine Gemeinschaft mit
den beiden hergestellt zu haben. Er dachte sich aus, was er sagen
knnte; aber er fand nicht den Mut, es zu sagen. Auch war es ja wie
immer: sie wrden ihn nicht verstehen, wrden befremdet auf das horchen,
was er zu sagen vermchte. Denn ihre Sprache war nicht seine Sprache.
Nun schien der Tanz aufs neue beginnen zu sollen. Der Adjunkt
entfaltete eine umfassende Ttigkeit. Er eilte umher und forderte alle
Welt zum Engagieren auf, rumte mit Hilfe des Kellners Sthle und Glser
aus dem Wege, erteilte den Musikern Befehle und schob einzelne
Tppische, die nicht wuten wohin, an den Schultern vor sich her. Was
hatte man vor? Je vier und vier Paare bildeten Karrees... Eine
schreckliche Erinnerung machte Tonio Krger eruten. Man tanzte
Die Musik setzte ein, und die Paare schritten unter Ve$
   *       *       *       *       *
Nach diesem betrbenden Abschiede langte ich mit dem Schiffe bei
KnigsbYrg an und meldete mich bei den Reedern desselben. Hier war es
sofort das erste, da wir smtliches Schiffsvolk zu einer eidlichen
Erklrung ber alle einzelnen Umstnde des dem Schiffer widerfahrenen
Unglcks aufgefordert wurden. Wir alle, und ich insonderheit, muten uns
auf gleiche Weise von jedem Verdachte einer Veruntreuung seines
Eigentums reinigen und unsere Unkenntnis, wohin die verschwundenen
Sachen gekommen, erhrten. Htte nur diese gerichtliche Prozedur
zugleich auch meine Unschuld vor den Augen der Welt und der giftigen
Stimme der Lsterung zu rechtfertigen vermocht! Aber leider! fiel hier
die Sache ganz anders! Ich mute mir hinter meinem Rcken Dinge
nachsagen lassen, an die meine Seele nie gedacht hatte. Ich galt wohl
berall fr den Dieb, der Witwen und Waisen verkrzt habe, und mute es
dulden, da oftmals auch in meinem Beisein mit spitzigen Worten auf
dergleichen gedeutelt wurde. Wi$
ten in der Nacht aber sahen wir von dorther Gewehrfeuer aufblitzen
und hrten neben dem Schieen auch allerlei Lrm und Gerusch, ohne zu
wissen, was wir daraus machen sollten. Endlich ward alles wieder still
und ruhig; doch als der Tag anbrach, erblickten wir jenes Schiff auf den
Strand gesetzt und von unzhligen Negern umschwrmt, deren gleichwohl
keiner whrend der zwei Tage, die wir hier noch liegen blieben, sich vom
Lande zu uns an Bord getraute, -- zur hinreichenden Besttigung unseres
Argwohns, da sie den wehrlosen Middelburger berrumpelt, die Besatzung
niedergehauen und das Schiff hatten stranden lassen, um seine Ladung
desto bequemer zu plndern.
Wenn eine solche blutige Gewalttat den Leser mit Recht emprt, so mu
dagegen notwendig in Anrechnung gebracht werden, da dergleichen
eigentlich doch nur als Notwehr oder Wiedervergeltung gegen nicht minder
abscheuliche berflle angesehen werden msen, welche sich auch die
Europer gegen diese Schwarzen gestatten. Besonders sind die Englnder
dafr beka$
ige darunter in und um Stettin
zu Hause waren und Frau und Kinder hatten. Ich machte ihnen also nur die
Hlle tchtig hei, gab ihnen eine scharfe Ermahnung mit auf den Weg und
lie sie in Gottes Namen laufen.
       *       *       *       *       *
Hier in Hamburg fand sich eine neue Ladung fr mich nach Lissabon, mit
welcher ich jedoch erst am letzten August auf den Weg zu kommen
vermochte. Die Reise selbst bietet mir nichts Erhebliches fr die
Erzhlung; doch mag ich wohl eines Schrecks erwhnen, der mir noch ganz
fr das Ende derselben vorbehalten blieb. Als ich nmlich etwa sieben
Meilen nrdlich von der Mndung des Tajo gekommen war, sahkich ein
Fahrzeug mir entgegensteuern, das mit ungewhnlich vielen Menschen
besetzt zu sein schien. Unter anderen Umstnden wrde mich diese
Begegnung ziemlich gleichgltig gelassen haben, allein schon whrend
unserer ganzen Reise spukte es mir und meinen Leuten im Kopfe herum, da
wir gegen die Barbaresken und Marokkaner eine unfreie Flagge hatten, und
unser einziger T$
das Herz, der erste zu sein. Diese
Unschlssigkeit gab mir Zeit, mich durch sie hindurchzuwinden und mit
starken Schritten nach meiner Kajte zu eilen, wiewohl alsobald auch
der helle Haufe mit einem frchterlichen Halt auf! Schlag zu! Halt
fest! mich auf dem Fue dahin verfolgte. Doch gelang mir's, die
Kajtentr hinter mir zuzuschlagen und den Riegel von innen
vorzuschieben.
In der Tat war nun meine Lage bedenkich genug: mein Leben sowohl wie
die Erhaltung des Schiffes standen hier auf dem Spiele. Sinnend und in
strmischer Bewegung ging ich auf und nieder, um ber irgendeine
durchgreifende Maregel zu meiner Rettung mit mir einig zu werden. Ich
erinnerte mich endlich, da ich, einige Reisen frherhin, in Hamburg
einen Abdruck des dort geltenden Schiffs- und Seerechts gekauft und bei
mir an Bord hatte, sowie, da ich dasselbe zum ftern durchblttert und
mir mehrere Punkte angestrichen hatte, worber Volk und Schiffer am
leichtesten und gewhnlichsten miteinander zu zerfallen pflegen, falls
ich irgend ei$
und nach immer lebendiger geworden. Der Kaufmann Schrder hatte
vier oder fnf Schiffe, gro und klein, von zweihundertachtzig bis
sechzig Last, in unserm Hafen mig liegen, und diese waren nunmehr und
spterhin unaufhrlich zwischen Kolberg und Memel unterwegs; bald mit
Kriegsgefangenen, deren wir uns dorthin entledigten, bald auch wohl nur
mit einem einzigen Briefe, wenn es eine besonders wichtige Angelegenheit
betraf. Fr eine jede solche Fahrt, die jezuweilen, bei gnstigem Winde,
in fnf bis sechs Tagen hin und zurck getan wurde, ward dem Eigentmer
die Last mit acht bis neun Talern bezahlt und Proviant fr drei Wochen
unentgeltlich mitgegeben. Es wurden auf solche Weise zweiundsiebzigtausend
Taler verdient.
Und nun rckten allmhlich auch unsre Wnsche der Erfllung immer nher.
Am 26. April erschienen zwei jener Schiffeauf der Reede, welche das
zweite pommersche Reservebataillon, siebenhundert Kpfe stark, in Memel
eingeschifft hatten und unsrer Besatzung als willkommene Verstrkung
zufhrten. Unser$
 Zeit war in der allgemeinen Verwrrung auch eine Anzahl
Baugefangener aus dem Stockhause losgebrochen und begann hier und da in
den Husern zu plndern, wie denn auch das meinige von diesem Schicksal
betroffen wurde, bis der ttige Eifer des Militrs die versprengte Rotte
wieder einfing und unschdlich machte.
So besonnen, wo es Handeln galt, so allgegenwrtig gleichsam, wo eine
Gefahr nahte, und so beharrlich, wo nur die unabgespannte Kraft zum
Ziele fhren konnte, wie der Kommandant in _dieser_ furchtbaren Nacht sich
zeigte, hatte er immer und berall seit dem ersten Augenblick seines
Auftretens sich erwiesen. Seit Wochen schon war er so wenig in ein Bett,
als aus den Kleidern gekommen. Nur einzelne Stunden, die er ungern der
Ttigkeit auf den Wllen, unter dem heftigsten Kugelregen, abbrach,
ruhte er auf einer Pritsche in einem armseligen Gemache ber dem
Lauenburger Tore, jeden Augenblick bereit, mich oder andere anzuhren,
wenn wir ihm etwas von Wichtigkeit zu melden hatten. Vater und Freund
des Soldate$
e ab und befahl seinen Leuten die Fchsin zu
tten. Yasuna aber bemchtigte sich dieser mit Gewalt, indem er mit
den Jgern kmpfte und obgleich aus vielen Wunden blutend, konnte er
doch mit dem Tiere flchten. Nachdem er eine Weile gelaufen war, brach
er erschpft zusammen; er mute die Fchsin loslassen, die schnell im
Walde verschwand. Seltsamerweise kam pltzlich seine Verlobte Kuzunoha
daher, die, als sie seine Wunden sah, sie ihm verband und ihn nach
Hause geleitete.
Yasuna war erstaunt seine Verlobte bei sich zu sehen, die er bei ihren
Eltern, die in der Kumamoto-Provinz[2], weit entfernt von Shimoda,
wohnten, vermutete, und fragte dahqr, wie es komme, da sie sich jetzt
hier befinde und ihn im Walde gefunden habe.
Kuzunoha aber antwortete: Frage mich jetzt nicht, noch ist es nicht
Zeit, dir dies zu erklren. Ist es an der Zeit, so wirst du alles
Damit beruhigte sich Yasuna, der glcklich war, seine Braut bei sich
zu haben. Er zgerte nicht lange, sondern machte einige Tage darauf
mit ihr Hochzeit. Ei$
n. Aber der Hase war in seinem
Boote schnell hinter ihm her und hieb mit dem Ruder auf ihn ein, bei
jedem Schlage ausrufend: Das ist fr die ermordete alte Frau, das ist
fr die ermordete alte Frau!
So schlug er solange auf den Dachs ein, bis dieser wirklich ganz tot
war und von einigen gToen Fischen, die gerade vorbeikamen,
aufgefressen wurde.
Nun war der Hase frhlich und guter Dinge, fuhr ans Ufer zurck und
eilte zu seinem alten Freunde um ihm die Freudenbotschaft zu bringen.
Der Dachs ist tot, der Dachs ist tot. Deine Frau ist gercht! rief
er schon von weitem und erzhlte, im Hause des alten Mannes
angekommen, diesem, wie er den Dachs aufs Wasser gelockt, wie er das
Boot zerschlagen und endlich den Bsewicht gettet habe, der nachher
von den Fischen gefressen wurde. Da wurde der Mann, der bisher immer
noch Furcht hatte, da der Dachs auch ihm und dem Hasen ein Leid
zufgen werde, wieder frohen Herzens. Er lud den Hasen ein mit an das
Grab seiner Frau zu kommen.
Als beide am Grabe standen, rief der $
ten.
Was bei den zuletzt erwaehnten Epiphyten nur durch Zufall und keineswegs
immer geschieht, ist bei anderen constant, indem einzelne der Wurzeln
ausgesprochenen positiven Geotropismus besitzen; so verhaelt sich u. a. die
strauchartige Rubiacee Hillia parasitica, die jedoch, wie mir schien, erst
spaet mit dem Boden verbunden wird. Dem Standorte etwas vollkommener
angepasst ist Blakea laurifolia NAUD., eine praechtige, strauch- bis
baumartige Melastomacee der kleinen Antillen, aus deren kurzem Stamm
Wurzeln entspringen, die theils ausgesprochen positiv geotropisch sind und
relativ schnell bis zum Boden wachsen, theils des Geotropismus scheinbar
ganz entbehren und ein feines, verworrenes Netz um den stuetzenden
Baumstamm bilden.
In den erwaehnten Faellen wird trotz grossem Aufwand "on Material noch
relativ wenig erreicht; die Verbindung des Epiphyten mit dem Boden ist
noch unvollkommen, und daher sehen wir die erwaehnten Pflanzen nur auf
humusreichem Substrat, an feuchten Standorten gedeihen. Diese Gewaechse
$
ervoir genaehert und schra^benartig umeinander gewunden, sodass
letzteres dem direkten Sonnenlichte ganz entzogen und doch durch die
langen, gewundenen Canaele dem Regen und Thau zugaenglich ist. Die
vollkommensten Schutzvorrichtungen finden wir aber bei der ebenfalls an
sonnigen Standorten wachsenden Tillandsia bulbosa, die auf unserer Tafel
IV abgebildet ist.
Die Blaetter sind bei Tillandsia bulbosa an der scheidenartigen Basis
loeffelartig, waehrend die Spreite cylindrisch ist, und zwar entweder
rinnenartig mit engem Spalte oder rohrartig, indem die Blattraender bald
einander dicht genaehert sind, bald uebereinander greifen. Die Spreite ist
stets mehr oder weniger stark zurueckgebogen und um ihre Axe gedreht. Die
Scheiden bilden ein beinahe ueberall dicht schliessendes, zwiebelaehnliches
Gebilde, welches, da dieselben stark loeffelartig ausgebaucht sind und
einander nur mit den Raendern beruehren, sehr grosse Hohlraeume enthaelt, die
sich nach oben in die Hoehlung der rohrartigen Spreite fortsetzen und nur$
arm, da
  die Baumgipfel, auf welchen die atmosphaerischen Gewaechse angehaeuft sind,
  sich im undurchdringlichen Laubgewoelbe dem Blicke entziehen; die Staeme
  tragen doch einige stattliche Formen, so die kletternde Carludovica
  Plumieri, das riesige Anthurium Huegelii und das ihm im Wuchs aehnliche
  Asplenium serratum, die beide die von oben in ihre Blatttrichter
  fallenden todten Blaetter und Zweige aufsammeln. Hier und da wachsen
  gruene Tillandsieen (Vriesea, Caraguata), Farne, namentlich
  Hymenophylleen, kriechen auf der Rinde mit zarten Peperomien. Zwischen
  den Staemmen haengen zahlreiche Luftwurzeln, die sich bei genauerem
  Untersuchen theils als zu Clusia (Cl. rosea), theils als zu Aroideen
  (Philodendron-, Anthurium-Arten) gehoerig zu erkennen geben, deren
  Ursprung aber im Laubdach verborgen ist. Zuweilen zeugt auch ein
  kleiner, abgefallener Baumzweig mit grauen Tillandsien oder
  dickblaetterigen Orchideen von der Anwesenheit einer ganz abweichenden
  Epiphytenflora hoch oben am Lic$
hungen zwischen der Pflanze und ihrer Umgebung
ausgeht, um zunaechst die verschiedenartige Physiognomie der Floren unserem
Verstaendniss naeher zu bringen, und einst vielleicht, in Verbindung mit der
systematischen Pflanz-ngeographie und der Palaeontologie, uns einen
Einblick in die Entwickelungsgeschichte der Pflanzenwelt und die
Betheiligung aeusserer Einfluesse an derselben gewaehren wird. Es sei
ausdruecklich bemerkt, dass ich, mit WEISMANN, diese aeusseren Factoren
nicht als direkte Veranlassung erblicher Merkmale, also auch der
Anpassungen betrachte; ihre Rolle ist auf die Auslese der jeweilig
geeignetsten Variationen beschraenkt; diese aber verdanken inneren Ursachen
ihre Entstehung(34).
Neu ist die biologische Pflanzengeographie uebrigens nicht, indem sich in
DARWIN's Werken, in GRISEBACH's _Vegetation der Erde_, in meiner ersten
Arbeit ueber Epiphyten und derjenigen ueber Ameisenpflanzen, in SCHENCK's
_Wasserpflanzen_ und VOLCKEN's _Wuestenflora_ hierher gehoerige Anschauungen
Die von der Systematik $
Sie wollen es doch nicht leugnen?
*Solne*. Doch -- das leugne ich entschieden!
*Hilde* (sieht ihn geringschtzig an). Ah so! (Sie dreht sich um und
geht langsamen Schrittes dicht an den Ofen hin; dort bleibt sie
stehen, den Blick abgewandt, regungslos, die Hnde auf dem Rcken.)
(Kurze Pause.)
*Solne* (nhert sich behutsam und bleibt hinter ihr stehen).
Frulein Wangel --?
*Hilde* (schweigt, rhrt sich nicht).
*Solne*. Stehen Sie doch nicht da wie eine Salzsule. Was Sie da
erzhlten, das mu Ihnen getrumt haben. (Er legt die Hand auf ihren
Arm). Hren Sie nur --
*Hilde* (macht mit dem Arm eine ungeduldige Bewegung).
*Solne* (als !b ein Gedanke in ihm aufblitze). Oder sollte --!
Warten Sie ein wenig --! Da steckt etwas tieferes dahinter, glauben
*Hilde* (rhrt sich nicht).
*Solne* (gedmpft, aber mit Nachdruck). Ich mu an das alles
_gedacht_ haben. Ich mu es _gewollt_ haben. Es _gewnscht_, dazu
_Lust_ gehabt. Und da -- Sollte es nicht so zusammenhngen?
*Hilde* (schweigt noch immer).
*Solne* (ungedu$
e gar nicht hin und antwortete mrrisch:
Ihr wisset das Wort nicht, das mich zum Stehen brchte!
Ich bin es -- Czinna.
Es gab also doch ein Wort, auf welches er stillestand, ja, vom Pferde
Unglcksmdchen, wie kommst du hierher? Ei, was du fr ein hbscher
Junge bist. Und dabei lchelte er matt und traurig.
Es ist gut, da Sie vom Pferde gestiegen sind, denn ich will es
ohnedies besteigen. Kommen Sie doch hierher, hinter die Mauer, aber
gleich und lassen Sie mich den Kaftan umlegen.
Bist du wahnsinnig?
Ich habe alles bedacht, als ich daheim hrte, wohin man Sie schickt.
Wenn Sie dahingehen, so ttet man Sie, oder schleppt Sie in die
Sklaverei, nicht?
Du sagst es, Czinna!... Aber es ist ganz wundersam, da du hier
Er blickte sie verwirrt an und schien sich an ihr nicht sattsehen zu
Wenn man Sie ttet, dann giebt es kaum mehr ein Auferstehen.
Na, das ist wohl wahr.
Keine Spe jetzt! Sie sind ein schrecklicher Mensch! Schleppt man
Sie aber weg, so wird Sie gewi niemand auslsen. Die Senatoren$
 ohnehin einen anderen senden mssen.
Ist etwas los? frug der Schneider hastig.
Eine Truppe des Groveziers Kara Mustafa lagert unweit seit
Mitternacht. Sie gehen von Belgrad nach Kkk und haben um Proviant
hereingeschickt. Gerade ihren Brief brachte Pinty.
Prchtig! rief der Schneider begeistert aus. Ich gehe ihnen
Sehr gut. Pinty, lassen Sie fr meinen Vater ein Pferd satteln.
Welches? Den Bke?
Der Rr wird vielleicht besser sein, er ist frommer. Heute knnte
ich nicht gehen, wir halten Gericht. Denken Sie, mein Vater, der
Klger ist niemand Geringerer als der Kalgaer Tartaren-Sultan. Einige
KecskemterBurschen haben eine Schafherde weggetrieben und die vier
Wache habenden Tartaren weidlich geprgelt. Einer von ihnen starb
Die verkehrte Welt!
Das Schnste an der Sache ist, -- fuhr der Oberrichter fort -- der
Nimbus der Stadt Kecskemt zwingt den Kalgaer Sultan dazu, nach
unseren Gesetzen das Recht zu beanspruchen, anstatt Genugthuung zu
nehmen nach seiner Laune. Auch dies hat nur de$
rt, da der Hellenismus nichts von
dem gewaltigen Gebiet behauptet hat, das er damals eroberte. Das
griechische Volk bewohnt heute im groen und ganzen denselben Raum, wie
zur Zeit Philipps von Makedonien. Damit vergleiche man die
Dauerhaftigkeit, welche die Eroberungen des Romanismus gehabt haben, wie
sich aus dem rmischen Kaiserreich heraus die lateinischen Nationen
Westeuropas entwickeln, wie selbst ein so spt und oberflchlich
romanisiertes Land wie Dakien seinen lateinischen Charakter bis auf den
heutigen Tag behauptete. Der Unterschied erklrt sich daraus, da Rom in
weitem Umfang buerliche Kolonisten ansetzte, whrend die Griechen im
Orient im weentlichen nur in die Stdte gingen, sowie als Offiziere und
Beamte die herrschende Oberschicht bildeten. Daher fegte der erste beste,
politische Mierfolg die hellenische Kolonisation wieder weg, whrend der
romanische, mit dem Boden verwachsene Bauer, sich nicht mehr verdrngen
lie. Aber warum haben die Rmer so grndlich kolonisiert und die Griechen
der $
htten die Anfnge eines jungen Knigs und die nur zu bekannten
Spannungen am Hofe zu Pella nicht die Triballer ebenso locken sollen wie
die Illyrier?
Wenn sie sich jetzt erhoben, so wrden die ihnen nchstgesessenen
Thrakerstmme, die selbst den Rubern als Ruber furchtbar im Haimos
hausten, die Maider, Besser, Korpillen, nicht etwa ihren Einbruch
abgewehrt, sondern sich mit ihnen vereint und die Gefahr verdoppelt haben;
auch die sdlicher in der Rhodope bis zum Nessostal hinab wohnenden, die
sogenannten freien Thraker, htten sicher, wie ehedem bei dem Zug gegen
Abdera, mit den Triballern gemeinsame Sache gemacht. Und der im Norden
nchstgelegenen, halb untertnigen Gebiete, namentlich des zwischen dem
Strymon und dem oberen Axios gelegenen und immer noch bedeutenden
Frstentums der Paionen[3] war das makedonische Knigtum noch keineswegs
fr alle Flle sicher, obschon sie sichfr den Augenblick noch ruhig
verhielten. Nicht weniger unzuverlssig schienen die Thraker im Flugebiet
des Hebros und bis an d$
ylakes und, wie es scheint, die im engeren Sinne
Hetairen Genannten, die einen wie die anderen zu Rat und Dienst und
vorbergehenden Kommandos stets zu des Knigs Verfgung. Dann als hchster
Offizier nach dem Knige der alte Parmenion wie daheim Antipatros, ob mit
besonderem Titel, mu dahingestellt bleiben. Dann -- man wei nicht in
welcher Reihenfolge -- die Hipparchen der verschiedenen Reiterkorps, die
Strategen der Phalangen, der Hypaspisten, der hellenischen Bundesgenossen,
der Sldner; darauf wohl die Ilarchen der Kavallerie, die Chiliarchen der
Hypaspisten, die Taxiarchen der Pezetairen usw. Wenn gelegentlich auch die
Hegemonen der Bundesgenossen, der Sldner zum Kriegsrat berufen werden,
so scheinen damit Kommandierende wie Sitalkes, der die thrakischen
Akontisten, Attalos, der die Agrianer, Agathon und Ariston, die die
odrysischen und ponischen Reiter fhrten, gemeint zu sein, vielleicht auch
die Fhrer der hellenischen Kontingente, der Lochen hellenischer Sldner.
Eine Menge technischer Fragen, $
ndere hielten dafr, der Knig wolle fr seinen
weiteren Zug Gottes Rat erfragen, wie ja auch Herakles getan, als er nach
dem Riesen Antos ausgezogen und Perseus, ehe er die Fahrt zu den Gorgonen
unternommen; beide seien des Knigs Ahnherren, deren Beispiel er gern
nachahme. Was er wirklich wollte, erfuhr niemand; nur wtnige Truppen
sollten ihm folgen.
Von Alexandreia brach der Zug auf und wandte sich zunchst lngs der
Meereskste gen Paraitonion, der ersten Ortschaft der Kyrenaier, die
Gesandte und Geschenke -- 300 Kriegsrosse und 5 Viergespanne -- sandten und
um ein Bndnis mit dem Knige baten, das ihnen gewhrt wurde. Von hier
fhrte der Weg sdwrts durch wste Sandstrecken, ber deren eintnigen
Horizont kein Baum, kein Hgel hervorragt; den Tag hindurch heie Luft voll
feinen Staubes; der Sand oft so lose, da jeder Schritt unsicher war;
nirgends ein Grasplatz zum Ruhen, nirgends ein Brunnen oder Quell, der den
brennenden Durst htte stillen knnen; -- Regenwolken, die bald, ein
Geschenk der Jahresze$
er des Euphrat hinberrcken. Selbst wenn er vermutete, da das
persische Heer in der Ebene von Babylon, in der es sich gesammelt hatte,
zum Kampfe und zur Verteidigung der Reichsstadt bereitstand, durfte er
nicht, wie siebzig Jahre frher die Zehntausend, den Weg lngs des Euphrat,
den jene genommen hatten, einschlagen. Die Wsten, durch welche derselbe
fhrt, wren in der Hitze des Sommers doppelt mhselig gewesen, und die
Verpflegung eines so bedeutenden Heeres htte die grten Schwierigkeiten
gehabt. Er whlte die groe nrdliche Strae, welche nordostwrts ber
Nisibis durch das khlere und weidenreiche Hgelland, das die Makedonen
spter Mygdonien nannten, an den Tigris und dann an der linken Seite des
Stromes hinab in die Ebene von Babylon fhrt.
Da brachte man eines Tages einige der feindlichen Reiter, die in der Gegend
umherschwrmten, gefangen vor den Knig; sie sagten aus: da Dareios
bereits von Babylon aufgebrochen sei und auf dem linken Ufer des Tigris
stehe, entschlossn, seinem Gegner mit all$
chte; er beschwor ihn, sich dem Schutze der griechischen Truppen
anzuvertrauen, nur dort sei sein Leben sicher. Bessos verstand nicht die
Sprache, wohl aber die Miene des hellenischen Mannes; er erkannte, da
nicht lnger zu zgern sei. Man langte am Abend in Thara an; die Truppen
lagerten, die Baktrier dem Zelte des Knigs nahe; in der Stille der Nacht
eilten Bessos, Nabarzanes, Barsaentes, einige Vertraute in das Zelt,
fesselten den Knig, schleppten ihn in den Wagen, in dem sie ihn als
Gefangenen mit sich gen Baktrien fhren wollten, um sich mit seiner
Auslieferung den Frieden zu erkaufen. Die Kunde von der Tat verbreitete
sich schnell im Lager, alles lste sich in wilde Verwirrung auf; die
Baktrier zogen gen Osten weiter, mit Widerstreben folgten ihnen die meistenKPerser; Artabazos und seine Shne verlieen den unglcklichen Knig, dem
sie nicht mehr helfen konnten, zogen sich mit den griechischen Sldnern und
den Gesandten aus Hellas nordwrts in die Berge der Tapurier zurck;
andere Perser, namentlich d$
taka vor.
Whrend dieser Zeit hatte das Schicksal des Bessos eine Wendung genommen,
wie sie seines Verbrechens und seiner Ohnmacht wrdig war. In steter Flucht
vor Alexander, jedes Wollens und Handelns unfhig, schien er den Groen in
seiner Umgebung ihre letzte Hoffnung zu vereiteln; natrlich, da selbst in
solcher Erniedrigung der Name der Macht noch lockte; und gegen den
Knigsmrder ward Unrecht fr ercaubt gehalten. Der Sogdianer Spitamenes,
von dem Anrcken des feindlichen Heeres unterrichtet, hielt es an der Zeit,
durch Verrat an dem Verrter sich Alexanders Gunst zu erwerben. Er teilte
den Frsten Dataphernes, Katanes, Oxyartes seinen Plan mit, sie
verstndigten sich bald, sie griffen den Knig Artaxerxes, sie meldeten
an Alexander: wenn er ihnen eine kleine Heeresabteilung schicke, wollten
sie den Bessos, der in ihrer Gewalt sei, ausliefern. Auf diese Nachricht
gewhrte Alexander seinen Truppen einige Ruhe und sandte, whrend er selbst
in kleineren Tagemrschen nachrckte, den Leibwchter Ptolemai$
lu sein sollte. Alexander zog durch dies
schne, blumen- und fruchtreiche Land zunchst nach Nikaia, die Opfer, die
er der Athena brachte, bezeichneten, so war es seine Weise, den Beginn
eines neuen Feldzuges.
Das Heer nahte sich der Grenze der Paropamisaden, die da, wo die obere
Ebene des Kophen sich schliet, ge3esen sein wird[14]. Dort tritt der schon
bedeutende Flu in das Felsental, das wie ein Tor zu dem Lande des Indus
ist; auf seiner Sdseite begleiten ihn die Vorberge des hohen Sefid-Kuh,
die von Dakka bis zur Feste Ali-masjed und Jamrud nahe vor Peschawar am
rechten Ufer des Stromes die sieben Meilen langen Khaibarpsse bilden,
whrend auf seinem linken Ufer vom Norden her wie Querriegel mehrere
bedeutende Gebirgszge, die sich von der Hochkette des westlichen Himalaja
abzweigen, bis nahe an seine Ufer streichen. Der Choaspes (Jarkhun oder
Kunar) und weiter stlich der Guros (Pandjkora), beide mit zahlreichen
Nebenflssen und Nebentlern, bilden die vielen Bergkantone dieses Landes
diesseits des $
des schlieen msse. Sofort wurde der Angriff
beschlossen; ein Teil des Heeres hielt die Stellung am Fu des Gebirges,
mit dem brigen rckte der Knig selbst die Berge hinauf; sobald er der
feindlichen Feuer ansichtig wurde, lie er Leonnatos und Ptolemaios sich
rechts und links um die Stellung des Feindes hinziehen, um durch einen
gleichzeitigen Angriff von drei Seiten dessen bermacht zu teilen; er
selbst rcte gegen die Hhen, wo die grte Masse der Barbaren stand. Kaum
sahen diese die Makedonen vorrcken, so strzten sie sich im Vertrauen auf
ihre bermacht von den Hhen herab auf Alexander; ein hartnckiger Kampf
entspann sich. Whrenddessen rckte auch Ptolemaios heran; da aber die
Barbaren hier nicht herabkamen, war er gentigt, auf ungleichem Boden den
Kampf zu beginnen; mit ungemeiner Anstrengung gelang es ihm endlich, die
Abhnge zu erklimmen, die Feinde, die mit dem grten Mute kmpften, nach
der Seite der Hhen zurckzudrngen, die er, um sie nicht durch
vollstndige Umzinglung zur verzweifelt$
 den 5000 Mann der indischen Gaufrsten in der Nhe des Lagers; er wurde
angewiesen, sich ruhig zu verhalten, bis er die Feinde drben entweder ihr
Lager verlassen oder in der Nhe desselben geschlagen she; wenn er dagegen
bemerke, da die feindlichen Streitkrfte geteilt wrden, so sollte er,
falls die Elefanten ihm gegenber am Ufer zurckblieben,vden bergang nicht
wagen; falls sie mit stromauf gegen die bei der Insel bersetzenden
Makedonen gefhrt wrden, so sollte er sofort und mit seinem ganzen Korps
bersetzen, da die Elefanten allein dem glcklichen Erfolg eines
Reiterangriffs Schwierigkeiten in den Weg stellten. Ein zweites Korps, aus
den Phalangen Meleagros, Gorgias und Attalos, aus den Sldnern zu Fu und
zu Ro bestehend, rckte anderthalb Meilen stromauf, mit der Weisung,
sobald sie jenseits des Flusses die Schlacht begonnen shen, korpsweise
durch den Strom zu gehen. Der Knig selbst brach mit den Hipparchien
Hephaistion, Perdikkas, Demetrios und dem Agema der Ritter unter Koinos,
mit den skyt$
d Koinos erwarten sollten. Am Hyarotis, dem stlichen
Grenzflu der Gandaritis, wurde Hephaistion mit zwei Phalangen, mit seiner
und des Demetrios Hipparchie und der Hlfte der Bogenschtzen sdwrts
detachiert, die Herrschaft des landesflchtigen Frsten in ihrer ganzen
Ausdehnung zu durchziehen, die etwa zwischen Hyarotis und kesines
ansssigen freien Stmme zu unterwerfen, auf dem linken Ufer des Akesines
an der groen Strae eine Stadt zu grnden und das gesamte Land an den
getreuen Poros zu bergeben. Mit dem Hauptheere ging Alexander selbst ber
den minder schwer zu passierenden Strom und betrat nun das Gebiet der
sogenannten freien Inder.
Es ist eine merkwrdige und in den eigentmlichen Naturverhltnissen des
Pandschab begrndete Erscheinung, da sich hier in allen Jahrhunderten,
wenn auch unter anderen und anderen Namen, republikanische Staaten gebildet
und erhalten haben, wie sie dem sonstigen Despotismus Asiens entgegen und
dem strengglubigen Inder des Gangeslandes ein Greuel sind; die
Pendschana$
tigte den Knig, noch einmal die
Gewalt der Waffen zu versuchen. Vom sogdischen Alexandrien aus fuhr er
mglichst schnell stromabwrts in jenen Indusarm hinein, der gegen die
Berge hin und zu der Residenz des Musikanos fhrt; er erreichte dessen
Grenzen, bevor der Frst einen berfall ahnen mochte. Durch die Nhe der
Gefahr geschreckt, suchte dieser seinen hochmtigen Trotz durch schnelle
und niedrige Unterwrfigkeit vergessen zu machen; in Person kam er dem
Knige entgegen, er brachte viele und kstliche Geschenke, uter diesen
seine smtlichen Elefanten; er unterwarf sich und das Land der Gnade des
Knigs, er gestand ein, groes Unrecht getan zu haben -- das gewisseste
Mittel, des Knigs Gromut fr sich zu gewinnen. Er erhielt Verzeihung;
sein Land blieb ihm unter makedonischer Hoheit. Alexander bewunderte die
ppige Natur dieser Landschaft; die Residenz des Frsten, gnstig zur
Behauptung des ganzen Landes gelegen, sollte durch eine Burg, die Krateros
zu bauen Befehl erhielt, und durch eine makedonische $
te sich links dem
Meere zu, um zugleich der Kste entlang fr den Bedarf seiner Flotte
Brunnen graben zu lassen, demnchst aber die Oreiten, die fr streitbar und
zahlreich galten, zu berfallen. Die Arbiten hatt=n beim Heranrcken der
Makedonen ihre Drfer verlassen und sich in die Wste geflchtet. Er kam an
den Arbiosflu, der seicht und schmal, wie er war, leicht berschritten
wurde; ein nchtlicher Marsch durch die Sandgegend, die sich von dessen
rechtem Ufer abendwrts erstreckte, brachte ihn mit Tagesanbruch an die
wohlbebauten Felder und Dorfschaften der Oreiten. Sofort bekam die Reiterei
Befehl, geschwaderweise aufzurcken und, um desto mehr Feld zu bedecken, in
gemessenen Distanzen vorzugehen, whrend das Fuvolk in geschlossener Linie
nachfolgte. So wurde ein Dorf nach dem anderen angegriffen und
eingenommen; wo die Einwohner Widerstand versuchten und mit ihren
Giftpfeilen gegen die makedonischen Speere zu kmpfen wagten, wurden sie
leicht bewltigt, ihre Drfer verbrannt, sie selbst niedergehauen $
ckte, gibt das Bild, wie man
sich beide denken mag.
Hephaistion und Eumenes hatten schon mehrfach miteinander Streit gehabt,und ihre gegenseitige Abneigung bedurfte keines groen Anlasses, um in
neuen Zwist auszubrechen. Ein Geschenk, das eben jetzt Hephaistion vom
Knige erhielt, gengte, des Kardianers Neid auf das heftigste zu erregen
und einen Wortwechsel hervorzurufen, in dem bald beide alle Rcksichten und
sich selbst vergaen. Alexander tat dem rgerlichen Geznk Einhalt; dem
Eumenes gab er ein gleiches Geschenk, an Hephaistion wandte er sich mit dem
Scheltwort, ob er sich und seine Wrde nicht besser kenne; er forderte von
beiden das Versprechen, fortan jede Uneinigkeit zu meiden und sich
miteinander auszushnen. Hephaistion weigerte es, er war der tief
Gekrnkte, und Alexander hatte Mhe, ihn zu beruhigen; ihm zuliebe reichte
Hephaistion endlich die Hand zur Vershnung.
Nach diesen Vorgngen und einer dreiigtgigen Rast in dem nysischen Tale
brach das Heer nach Ekbatana auf und erreichte in sieben$
 begehrenswerteste, liebenswerteste der Frauen. Und
diese Ersetzung war technisch keineswegs schwer; sie war durch eine alte
Ambivalenz vorbereitet, sie vollzog sich lngs eines uralten
Zusammenhanges, der noch nicht lange vergessen sein konnte. Die
Liebesgttin selbst, die jetzt an die Stelle der Todesgttin trat, war
einst mit ihr identisch gewesen. Noch die griechische Aphrodite
entbehrte nicht vllig der Beziehungen zur Unterwelt, obwohl sie ihre
chthonische Rolle lngst an andere Gttergestalten, an die Persephone,
die dreigestaltige Artemis-Hekate, abgegeben *atte. Die groen
Muttergottheiten der orientalischen Vlker scheinen aber alle ebensowohl
Zeugerinnen wie Vernichterinnen, Gttinnen des Lebens und der
Befruchtung wie Todesgttinnen gewesen zu sein. So greift die Ersetzung
durch ein Wunschgegenteil bei unserem Motiv auf eine uralte Identitt
Dieselbe Erwgung beantwortet uns die Frage, woher der Zug der Wahl in
den Mythus von den drei Schwestern geraten ist. Es hat hier wiederum
eine Wunschverkehr$
rkundige dich nach der passenden Besuchszeit, mache
den Besuch kurz ab und rege den Kranken nicht durch vieles Sprechen auf.
Sende dem Kranken Blumen, wenn Genesung eingetreten ist. Dieses ist die
grte Aufmerksamkeit. Getrnke und Speisen sende nur, wenn diese der
Kranke genieen kann. Erkundige dich vorher hierber. Die Besuchszeit ist
sehr verschieden. ^ache den Besuch vor Tisch, vorausgesetzt, da die Person
um diese Zeit abkmmlich ist. Wenn dies nicht der Fall ist, so mache deine
Besuche nach Tisch. Erkundige dich vorher, wann gespeist wird und ob es
angenehm ist, da man vorspricht. An Festtagen macht man keine Besuche,
ohne gebeten zu sein. Vermeide womglich, am Sonnabend (Samstag) Besuche zu
machen. In Geschftsangelegenheiten besucht man zur Geschftszeit. rzte,
Notare und andere Beamte haben ihre bestimmten Sprechstunden. Bist du im
Hause angekommen, so la dich melden. Zweckmiger aber ist es, man
berreicht die Visitenkarte und sagt stets deutlich, wem der Besuch gilt.
Ein junger Herr lt si$
n Disciplinen die erste Stelle
ein. Aber Hand in Hand damit ging auch eine andere Auffassung der Logik.
Man begngte sich nicht mehr mit einer Behandlung der blossen Formen des
Denkens, sondern Fragen, die den Inhalt des Denkens und Erkennens, das
Gedachte und Erkannte betreffen, wurden in immer grsserer Zahl in die
Logik hineingezogen. Die Logik wurde auc einer formalen Disciplin, zu der
sie unter dem Einflusse Kants geworden war, in eine erkenntnistheoretische
Disciplin umgestaltet. Das hatte seinen Grund nicht bloss in der
Entwicklung der philosophischen Forschung, sondern wird auch durch die
Natur der Sache gefordert.
Verstehen wir unter Logik die Wissenschaft vom Denken, so ist doch nicht
alles Denken Gegenstand der Logik, sondern nur das Denken, durch welches
aus dem im Bewusstsein Gegebenen Erkenntnisse werden, das Denken also, das
seinen Zweck im Erkennen hat und ihm als Mittel dient. In der Logik ist
also das Denken dem Erkennen untergeordnet. Die Logik ist in erster Linie
Erkenntnislehre und erst i$
jede Bewegung, jede Vernderung ein Bewegliches,
ein Vernderliches, ein Beharrliches voraus. Wir knnen das nicht anders
denken; also wiederum eine Denknotwendigkeit innerhalb des Zugehrigen,
Nichtenthaltenen. Es scheint, als wenn dieser Denknotwendigkeit gar keine
Einsicht entspricht. Wir sehen ein, dass und warum das Enthaltensein
denknotwendig ist; aber wir sehen nicht ein, warum wir in unsrem Denken
fr die Eigenschaft ein Selbstndiges, fr die Bewegung ein Bewegliches,
fr die Vernderung ein Vernderliches voraussetzen mssen. Wir knnen nur
sagen, die Einrichtung unsres Denkens bringt das so mit sich. Die Rte hat
doch ihren eigenen Inhalt, ebenso die Bewegung, ebenso die Vernderung.
Warum setzt sie etwas voraus, das rot ist, sich bewegt, sich verndert?
Hier scheint bloss ein blindes Mssen vorhanden zu sein, das auf einer
Einrichtung, auf einem Mechanismus unsres Denkorganismus beruht. Es
scheint icht unwichtig zu beachten, dass keine Denknotwendigkeit besteht,
jedes Selbstndige mit Eigenschaft$
le, sie macht sich die Phantasie des Knstlers dienstbar
und lsst sie an seiner Schpferkraft teilnehmen. Die so schpferisch
gewordene Phantasie schaltet und waltet mit ihrem sinnlichen Stoff gemss
der Eingebung, ihn formend und gestaltend.
Natrlich sagen wir nicht, dass alle Ideen, die unsren Kunstwerken
zugrunde liegen oder die in ihnen verkrpert sind, auf einer Eingebung
beruhen. Oft ist das Kunstwerk ja nur eine Darstellung des in Erfahrung
und Geschichte Gegebenen, freilich so, wie es sich im Geiste des Knstlers
spiegelt, wie es seiner Auffassung entspricht. Diese Spiegelung oder
Auffassung hngt natrlich, wie die Auswahl der darzustellenden
Gegenstnde, von der Individualitt des Knstlers ab. nan wird
demgegenber schwerlich von einer auf Eingebung beruhenden Idee reden
knnen, wenn man nicht etwa fr diese Individualitt, wie berhaupt fr
die Bedeutung des Individuums in der Geschichte etwas der Eingebung
Analoges in Anspruch nehmen will, das nicht bloss Gedanken im menschlichen
Bewusstsein so$
nistheorie bildet.
*Halle*, 14. Juni 1901.
INHALTSVERZEICHNIS.
                     *Die Wahrheit und unser Wissen.*
                           _Erster Hauptteil._
                             *Die Wahrheit.*
                  Erster Abschnitt: *Was ist Wahrheit?*
    Erste Untersuchung.
Die herkoemmliche Definition der Wahrheit   1
  Was ist "Ding an sich"? Definition der Wahrheit; a) falsche, b) richtige
  Auffassung. Erkennen a) nach rationalistischer, b) nach empiristischer
  Auffassung. Gegenstand des Erkennens -- die Wahrheit. Inhaltsmerkmal der
  Wahrheit, Kennzeichen der Wahrheit.
    Zweite Untersuchung.
Der ueberzeitliche Charakter der Wahrheit   3
  Begriffsurteile. Thatsachenurteile. Auch die Wahrheit der letzteren hat
  einen ueberzeitlichen Charakter.
    Dritte Untersuchung.
Bedeutung des ueberzeitlichen Charakters der Wahrheit 4
  Ewige Bedeutung -- Grund der ueberzeitlichen Geltung. Nur als Gled der
  Gesamtwirklichkeit ist etwas wahr. Spinozas "sub specie aeternitatis".
  Gelten und Existie$

der Blick des Geistes, gegenuebeusteht.
Wie werden urspruenglich aus den, sagen wir einmal bloss subjektiven
Empfindungen -- an sich genommen sind die Empfindungen ja weder subjektiv
noch objektiv -- Vorstellungen? Wie es scheint auf folgendem Wege. Mit den
Bewegungen unsrer eigenen Glieder sind Willensimpulse verbunden; sie
kehren regelmaessig bei den sogenannten willkuerlichen Bewegungen wieder und
associieren sich so mit den Sinnenbildern der Ausdehnung und Bewegung
dieser Glieder. Wenn nun Sinnenbilder der Ausdehnung und Bewegung, mit
denen diese Willensimpulse nicht verbunden sind, in uns auftreten, so wird
das Gedaechtnisbild dieser Willensimpulse reproduziert und auch diesen
Sinnenbildern unterlegt. So treten dann diese Sinnenbilder als
Willensdinge den Sinnenbildern, die von vornherein mit den Willensimpulsen
verbunden sind, gegenueber. So erhalten diese erstren Sinnenbilder diesen
letztren gegenueber, wie es scheint, urspruenglich einen gegenstaendlichen
Charakter, oder, wie wir ohne Gefahr des Miss$
r sehr weit entfernt. Wir wissen nicht, wie
die durch die Aetherschwingungen erzeugten Gehirnvorgaenge es machen, dass
die von ihnen ganz verschiedenen Farbenempfindungen auftreten, und noch
weniger, warum es der toten und gleichmaessigen Aetherschwingungen bedarf,
um die ganze Farbenwelt hervorzuzaubern, die der Kunst der Malerei ihre
Existenz verleiht. Noch weniger koennen wir das Wesen des Menschen
erkennen. Platon nannte den Koerper den Kerker und das Grab der Seele,
moderne Physiologen betrachten das Bewusstsein als ein ueberfluessiges und
unbequemes Nebenprodukt. Die Frage, warum der den Geist so oft behindernde
Koerper mit dem den Koerper sd oft zum Siechtum verurteilenden Bewusstsein
verbunden ist, wird heutzutage kaum gestellt. Erst die Beantwortung dieser
Frage wuerde uns Aufklaerung ueber das Wesen des Menschen geben. Aber wenn
wir das Wesen der Dinge gar nicht erkennen koennen, warum denn von dieser
Erkenntnis reden und von ihr so viel Aufhebens machen? Wir antworten: das
Ziel des Erkennens ist un$
s Wesentliche zusammenfassenden
Begriff des Wesens der Dinge naeher betrachten. Die Stellung der Dinge in
der Gesamtheit des Wirklichen, d. h. also ihre Zusammengehoerigkeit mit
allem Wirklichen, macht das Wesen der Dinge aus. Die Zusammengehoerigkeit
ist der Grundbegriff des Erkennens, in dem uns seine wesentlichste Seite
kund wird; das Wesen der Dinge und ihre Wahrheit ist sein Ziel, abr nur
durch Erfassung des Zusammengehoerigen wird es erreicht.
Das, was zusammengehoerig oder wesentlich ist, muss sorgfaeltig
unterschieden werden von seiner Zusammengehoerigkeit oder Wesentlichkeit.
Wir erfassen dasselbe mit einem Blick des Geistes, ueber den das
entwickelte Bewusstsein verfuegt. Es ist vor allem wichtig zu beachten,
dass dieser Blick nicht als eine Erkenntnis betrachtet werden kann. All
unser Erkennen setzt ein Vorgefundenes voraus, nicht als seine Quelle,
sondern als Ausgangspunkt fuer eine Reihe von Thaetigkeiten, die ihm
vorangehen. Diesen Ausgangspunkt, also das Vorgefundene, bilden die
Empfindungen u$
ndigkeit verleihen. Wo gaebe es in der Welt auch etwas wirklich
voellig Selbstaendiges? Es giebt kein gottfremdes, ihm nicht gehoerendes Sein
-- ein solches wuerde ja eine Schranke fuer Gott, ein zweiter Gott sein.
Unter dieser Voraussetzung~ist jener goettliche Wille nur als
Selbstentsagung, Selbstentaeusserung, Selbstverzicht Gottes zu denken,
durch welche den Dingen der Welt eine Selbstaendigkeit geliehen wird, die
ihnen eigentlich nicht zukommt. Diese geliehene Selbstaendigkeit kommt in
Raum und Substanz, hingegen die wirkliche Unselbstaendigkeit, die
unbeschadet jener besteht, in Zeit und Kausalitaet zum Ausdruck. Hiernach
ist die Wirklichkeit nicht wie Raum und Zeit eine Formalkategorie, was man
wegen des Zusammenhangs der Entstehung unserer Erkenntnis der Wirklichkeit
mit den Kategorien von Raum und Zeit erwarten sollte. Sie beruht auf dem
wirklichen Akte der Selbstentsagung und Selbstentaeusserung Gottes, dessen
Ergebnis, die geliehene Selbstaendigkeit, nicht als etwas bloss Scheinbares
betrachtet wer$
 du hier
Ich habe einen Brief zurckgelassen.
Na, da haben wir also zu erwarten, da er mit Trara hier anrckt und
dich und die Jungens zurckholt.
Glaub' das nicht, sagte Gertrud. Er wird froh sein, da er allein
bleibt ... Vorlufig ... bis ...
Donnerwetter! murrte der Oberfrster.
Maggie sprhte vor Emprung ber den Widerstand des Vaters.
Na, sagte der dann einlenkend, wir werden sehen. Reg' dich jetzt
nicht auf. Und nun ... Jungens, herein!
       *       *       *       *       *
Die Knaben, an die Frulein Perl gromtterliche Ansprche machte, lagen
in den ehemaligen Kinderbettchen von Mutter und Tante und konnten vor
Jubel und Aufregung nicht einschlafen.
Gertrud und Maggie, die nach gequltem, uspersnlichem Gesprche sich
nun endlich zur Ruhe begeben wollten, kamen noch einmal zu ihnen. Die
Mutter kte sie leidenschaftlich und fing bitterlich an zu weinen.
Maggie zog sie fort.
Nicht doch, Trude, Alte! Auf Kindergesichter sollen keine Trnen
fallen. Komm, wir sind ja jetzt fr uns, d$
man
sich selbst, da man im Grunde auch ganz gutherzig ist. Und zugleich
sieht man, wie man es nicht machen mu, wenn man selbst vorwrts kommen
War es denn eigentlich glaublich, da Gertrud mit all ihrer Schnheit
und Anmut und Herzensgte den so empfnglichen Kurowski nicht hatte
fesseln knnen? Das wre gleich so eine Partie, so eine Aufgabe fr sie,
Maggie, gewesen.
Aber sie wollte ja einmal gar nicht an sich denken -- nun gar in so
unmglichen Vorstellungen. Dann htte ihr ja auch der Gedanke an
Seckersdorf kommen knnen, -- den sie doch gerade fr Gertrud erkmpfen
Der ist leicht auszuschalten, weil er dir nicht gefllt, sagte eine
leise innere Stimme. Blond, still und zurckhaltend, ist nicht dein
Nun stampfte sie leise mit dem u und ging geradenwegs zu Gertrud, um
sie herzhaft und zrtlich zu kssen.
Du glaubst, da ich dich liebhabe? fragte sie leidenschaftlich. Du
hltst etwas von mir? Ich bin die einzige, zu der du volles Vertrauen
Aber, Maggie, zu wem sollte ich es sonst in meiner furchtb$
issen, denen sie, im Besitz so geringer
Mittel, entgegenging. Aber es schien ihr doch alles nicht mehr so
unmglich, auch ohne die Hilfe des Vaters. Durfte sie doch hoffen,
jenseits des alten Lebens die starke Hand zu finden, die nie wieder sie
lassen wollte.
       *       *       *       *       *
Maggie wurde inzwischen immer fester in ihrem Entschlu. Oft fragte sie
sich: Bin ich denn eigentlich verliebt in Seckersdorf? und zuckte
ebenso oft die Achseln ber diese Frage.
Er gefiel ihr -- natrlich. Er war eine mnnlich kraftvolle Erscheinung
und brachte, trotz seiner einfachen Art, einen Hauchder groen Welt mit
sich. Er wurde einmal sehr reich. Sein Onkel, der ihn bereits
rechtsgltig adoptiert hatte, besa auer Romitten mit seinen vier
Vorwerken noch groe Gter in Sachsen, von deren Ertragsfhigkeit man
Wunder erzhlte; er war Kammerherr und hatte verwandtschaftliche
Beziehungen in den hchsten Kreisen, die natrlich dem Adoptivsohn auch
zugute kamen. Welche Aussichten also fr sie, die einfach br$
Schneid, die Vorschriften. Lebe ich in einem
Toten- oder in einem berirdischen Freuden- und Wonnenhause? Etwas ist
los, aber ich fasse es noch nicht.
Ich wagte es, Kraus gegenber eine Bemerkung ber Benjamentas fallen zu
lassen. Es mute mich, sagte ich, wie eine Trbung des Glanzes an, den
das Institut immer besessen habe. Was das sei? Ob Kraus vielleicht
etwas wisse? -- Er wurde rgerlich und sprah: Mensch, du bist wohl
schwanger mit albernen Einbildungen. Was fr Ideen. Schaff du. Mach du,
dann fllt dir nichts Auffallendes auf. Dieser Schnffler. Will sich in
Meinungen und Ansichten hineinschnffeln. Geh' mir aus den Augen. Ich
kann dich bald berhaupt nicht mehr ansehen. -- Seit wann bist du
grob? sagte ich, doch ich zog es vor, ihn in Ruhe zu lassen. -- Im
Laufe des Tages hatte ich Gelegenheit, mich mit Frulein Benjamenta ber
Kraus zu unterhalten. Sie sagte mir: Ja, Kraus ist gar nicht wie andere
Menschen. Er sitzt da, bis man seiner bedarf, ruft man ihn, dann kommt
er in Bewegung und kommt her$
 Mama
-- sie ist eine sehr kluge Dame! Und wenn Du mir nun noch erklren
wolltest, weshalb Du bei meiner harmlosen Frage vorhin rot geworden bist
wie ein beim Mogeln erwischter Sextaner?
Das hat blo so ausgesehen! Aber ich mchte bemerken: Was geht's Dich
an, wie ich mit Annemarie stehe? Bist Du vielleicht ihr Vormund?
Nee, aber ihr heigeliebter Cousin -- wenn wir uns auch manchmal
kabbeln. Und da sage ich Dir, mein Jungchen, wer so ein sauberes Mdel
kriegen will, hat gewisse Verpflichtungen! In bezug auf seinen
Lebenswandel. Wenn er schon nicht die gleiche Sauberkeit prstieren
kann, soll er wenigstens vorsichtiger sein. Sonst fngt die kleine
Annemieze an, ber Dich auch im allgemeinen nachzudenken, und eines
schnen Tags geht die ganze Sache aus dem Leim!
Der lange Herr von Brinckenwurff fuhr auf: Also, Karlchen, ich mu doch
sehr bitten!
Na, was denn? Was ich Dir sagen wollte, hast Du weg -- damit ist der
Fall fr mich erledigt! Im[brigen aber knnten wir schon lngst Skat
spielen. Ausgang hat$
 sollten diese immer neuen Beunruhigungen von rechts
und links, von denen man in der Zeitung las; konnte man nicht in Frieden
nebeneinander leben? Auch dem Langmtigsten lief einmal die Galle ber,
und dann gab es Kleinholz ringsum. Aber wenn schon einmal abgerechnet
werden mute, dann bald! Damit es endlich Ruhe gab. Den ewigen
Alarmzustand hielt niemand mehr aus.
Die fnfte Schwadron der Ordensburger Dragoner war auf Felddienstbung
nach der Grenze zu. Patrouillen ritten im Vorgelnde, brachten Meldungen
von dem weitaus strkeren Feind, der durch einen Rekognoszierungsvorsto
zu vorzeitiger Entwicklung gebracht werden sollte. Der Befehl, den der
Fhrer erhalthn hatte, war kurz und entsprach dem Ernstfalle, wie alle
Uebungen, die der Oberstleutnant Harbrecht ansetzte. Fliehende
Landbewohner hatten die Meldung gebracht, da der Feind ber die
Dombrowker Berge im Anmarsch wre. Rittmeister von Foucar bekam den
Auftrag, seine Strke und Zusammensetzung zu erkunden. Da traf er nach
kurzer Ueberlegung seine Mana$
worden. Er aber war, dank der
Erziehung durch Frauenhand, ein respektvoller Jngling geblieben, der in
jedem Weibe etwas Heiliges sah. Und mit einer gewissen Bitterkeit mute
er daran denken, wie anders vielleicht alles gekommen wre, wenn er in
jener Nacht in dem Ballokal gesagt htte: Charmant, gndige Frau, ich
wohne Rankestrae Numero so und so viel. Falls Sie mir dort gelegentlich
einmal Ihr Herz ausschtten wollen, stehe ich Ihnen gerne zur
Verfgung. Das wre der richtige Ton gewesen fr diese frivole
Gesellschaft. Statt dessen war er gleich mit dem schweren Geschtz eines
veritablen Heiratsantrages herausgerckt. Lcherlich war das gewesen!
Und noch lcherlicher, da er hinterher die ganze Angelegenheit so
tragisch genommen hatte, da er darber sein wirkliches Glck
verscherzte. Aber, Gott sei Dank, noch winkte ja ein Hoffnungsstrahl
nach der finsteren Nacht der Verzweiflung. Und den gedacwte er am Zipfel
zu fassen, sich draufzuschwingen, wie das Schneiderlein im Mrchen, das
auf einem feinen Licht$
ltsame Beklommenheit hatte ihn
pltzlich berfallen, wie vor einer kommenden Entscheidung. Annemarie
streckte ihm die Hand entgegen. Ihre Stimme klang ein wenig unsicher.
O ja, ich entsinne mich. Ich kam damals mit Papa aus der Knigsberger
Er wollte ihre Hand an die Lippen ziehen, sie aber wehrte ab, und eine
feine Rte stieg in ihren Wangen empor.
Frau von Lttritz mischte mit Eifer und Sachverstndnis das khlende
Getrnk, ihr Gatte, ein gutmtiger, dicker Herr mit blondem,
kurzgestutztem Barte, sah ihr interessiert zu.
Nimm nicht so viel von dem teuren Kognak rein, Lottchen! Nachdem er
mich schon militrisch geschdigt hat, der brave Foucar, ist es doch
nicht ntig, da er mich jetzt arm macht.
Man setzte sich lachend um den Tisch herum, das Gesprch wandte sich den
Ereignissen desTVormittags zu. Und der Rittmeister von Lttritz bekannte
ehrlich, er wre heilfroh, nicht an der Stelle seines Kameraden Foucar
gewesen zu sein. Er htte den ersten zornigen Zuruf des russischen
Schwadronschefs wahrscheinlic$
em einzigen tibetanischen Tempel gefahren, der an einem
Ende des Bergdorfes Darjeeling, nach langen Fahrten, auf verschlungenen
Wegen erreicht wird. Der Tempel war einfach wie ein weigekalktes
Scheunenhaus und unterschied sich fast in nichts von tibetanischen
Bauernhusern. Er lag am senkrechten Abhang, von einigen verwilderten
Bumen umstanden, ein wenig ei9fach, und man htte ihn ebensogut von
weitem fr einen kleinen Gasthof halten knnen.
Ich mute einen nassen Vorgarten durchschreiten und hrte von weitem
einen regelmig klingenden Ton. Es war der Laut der Gebetsmhlen, die
nach jeder Umdrehung antnen. Unter dem Vordach des Tempelhauses stand
eine mannshohe und mannsdicke gelbe Rhre aufgerichtet. Sie war von oben
bis unten eng mit Gebeten beschrieben. Ein Tempelknabe in gelber Kutte
drehte mit der Hand den gelben Zylinder, der sich auf einem Gestell rund
um eine Achse bewegte. Jede Umdrehung des Zylinders galt soviel als das
vollstndige Ablesen der tausend Gebete, die eingedrngt auf ihr
geschrieben$
uermantel, an
das BetH des Malaien und legte sich in seinem Schlaf zwischen ihn und
seine junge Frau. Und wenn er zugriff und die Kurtisane umarmen wollte,
hing ihm das steife grinsende Chamleon am Herzen. Bei Tag ging die
nackte Tatoto vor ihm her ber das bluliche Pflaster von Penang.
Stundenlang starrte der junge Photograph geistesabwesend in das blaue
Licht von Penang und stand wie ein Trumer im Mondschein mitten im
Sonnenschein. Nur wenn er seinen Hausrock ablegte, darinnen Gabrielas
Bild eingenht war, atmete er leichter. fters geschah es, da Holongku
seinen europischen Anzug anzog, seinen europischen Strohhut aufsetzte
und zum Hafen ging, wenn ein auslndisches Postschiff signalisiert
wurde. Dann verkaufte er auf dem Promenadendeck des angekommenen
Dampfers bemalte Photographien und Postkarten von Penang an die
Weltreisenden. Fr eine kurze Stunde legte er dann mit seinem Hausrock
seine unruhige Leidenschaft zu der Kurtisane ab.
Wenn Holongku im Hafen auf einem Dampfer war, sa seine junge
sechz$
eren Malern traf. Dem einen hatte eine
Tnzerin den Wildgnseflug von Katata bereits erklrt, dem andern ein
lischermdchen, bei dessen Vater er wohnte, dem dritten und vierten und
fnften andere Mdchen von Katata, so da wir alle merkten: das
Schriftzeichen des Gnsefluges war ein ffentliches Geheimnis der jungen
Mdchen in Katata und wurde immer angewendet, als Zeichnung auf einer
Vase, als Wandschirmbild und so weiter, wenn ein Mdchen von Katata
einem Manne eine Liebeserklrung machen wollte.
Wir hatten das bis damals in Kioto nicht gewut. Aber jetzt kennen das
Schriftzeichen des Wildgnsefluges von Katata alle Kinder von Kioto,
weil alle Maler das Geheimnis hier verbreitet haben, alle, die in Katata
waren. Auch der kaiserliche Hof wei es lngst, und die junge Prinzessin
ist bereits von dem ganzen Hof als lcherlich erklrt. Der Kaiser und
die Kaiserin sollen sehr rgerlich sein, und du selbst wirst deinen Kopf
verlieren, wenn du den Saal fertig gemalt hast und dir einbildest, von
der Prinzessin gelie$
weil aus allen Paradiesen
nicht _eine_ Stunde seine war.
Nicht wie die Ersten alter Handelshfen,
die sorgten, wie sie ihre Wirklichkeit
mit Bildern ohnegleichen bertrfen
und ihre Bilder wieder mit der Zeit;
und die in ihres goldnen Mantels Stadt
zusammgefaltet waren wie ein Blatt,
nur leise atmend mit den weien Schlfen ...
Das waren Reiche, die das Leben zwangen
unendlich weit zu sein und schwer und warm.
Aber der Reichen Tage sind vergangen,
und keiner wird sie dir zurckverlangen,
nur mach die Armen endlich wieder arm.
Sie sind es nicht. Sie sind nur die Nicht-Reichen3
die ohne Willen sind und ohne Welt;
gezeichnet mit der letzten ngste Zeichen
und berall entblttert und entstellt.
Zu ihnen drngt sich aller Staub der Stdte,
und aller Unrat hngt sich an sie an.
Sie sind verrufen wie ein Blatternbette,
wie Scherben fortgeworfen, wie Skelette,
wie ein Kalender, dessen Jahr verrann, --
und doch: wenn deine Erde Nte htte:
sie reihte sie an eine Rosenkette
und trge sie wie einen Talisman.
Denn sie si$
d ihren Hilfswissenschaften den
Unterricht in Literatur, Geschichte, Geographie wie bisher weiterpflegt.
Man kann wie in den Manual Training High Schools beide Seminare in einer
einzigen Anstalt vereinigen. Denn das eine groe Hauptunterrichtsgebiet,
die Pdagogik, mit allen ihren Zweigen, ist ja beiden Gruppen von Lehrern
gemeinsam. Nur in dem zweiten groen Hauptgebiet von obligatorischen
Unterrichtsfchern gehen die beiden Gruppen auseinander. Dabei bleibt es
insbesondere den theoretisch auszubildenden Lehrern unbenommen, ja es
drfte ihnen sogar dringend zu empfehlen sein, freiwillig in einem
fakultative Unterricht, der eine geringe Zeit umspannt, ihre manuelle
Geschicklichkeit weiter auszubilden. Denn der technische Lehrer soll ja
spter in der Volksschule nur die technischen Unterrichtsfcher
einschlielich Zeichnen und vielleicht auch physikalischen und chemischen
Laboratoriumsunterricht bernehmen, um so fr den Schler in allen
technischen Fragen eine grndliche Schulung sicherzustellen. Soweit fr $
religise Erlebnis zu vertiefen. Dieses war im weiteste
Sinne beim religis-liturgischen Anschauungsunterricht mglich. Durch
wiederholten Besuch in der Josefskirche sowie in der Sakristei derselben
wurden die liturgischen Objekte und Handlungen zur unmittelbaren
Anschauung gebracht. Die liturgischen Handlungen wurden zum Teil in
Spiel und Ernst nachgeahmt. (Verehrung des Christkindes, Betrachtung der
Kreuzwegbilder in der Josefskirche, Maiandacht, Messe.) Der
religis-sittliche Anschauungsunterricht wurde im Anschlusse an die
Erlebnisse der Kinder (Haus, Strae, Schule, Spielplatz) behandelt. Beim
Gebetsunterricht wurde mglichst auf wirkliches Beten aus erlebter
Empfindung, nicht blo auf gedchtnismiges Aufsagen gesehen. Die
biblischen Erzhlungen wurden vielfach dramatisch, mit Rollenverteilung,
nacherzhlt und so zu mglichster Wirkung gebracht.
In der _zweiten_ Klasse bildete eine Wanderung zur Ursulakirche die
Grundlage fr den religis-_liturgischen_ Anschauungsunterricht. Zur
Grundlage des religi$
en und die Mehlprimel die
vornehmsten sind. An den Ufern leuchten Lythrum und Lysimachia, in den
Wldern wchst die Blaubeere, auf den offenen Felsenplatten die
Preiselbeere, und in den Mooren ist die Multbeere nicht selten.
Tiefliegende Inseln mit besserem Boden nehmen durch den Reichtum an
Laubbumen und Bschen einen besonders lchelnden Charakter an. Die
Eiche belebt hier mit ihren weichen Linien und ihrem sehr hellen Laub
die Nadelholzlandschaft. Und der Hag, diese Eigentmlichkeit des
Nordens, eine Kreuzung von Wald, Unterholz und Wiese, ist vielleicht
das Lieblichste, das man sehen kann, wenn unter einer Mischung von
Birke und Nadelbaum die Haselbsche eine Laube ber dem Fahrweg
bilden; e trgt hier den Namen Drog. Es sind Stcke eines
englischen Parks, durch die man spaziert, bis man auf die Strandklippe
mit ihren Fichten und Kiefern stt, auf Torfmoos und die
Sandniederlage der Meeresbucht mit ihrem Tanggrtel. Schiebt sich eine
Bucht weiter ins Land hinein, ist sie immer von Erlen und reichen
S$
 Jngste, vergewisserte sich erst immer, da er am
Hausherrn einen Rckhalt hatte; nach dem sich zu richten, war immer
das Sicherste.
-- Ferkel aufziehen, wenn man keine Milch hat, das lohnt nicht, lehrte
Carlsson; und Milch kann man nicht bekommen, ohne da man Klee in die
Herbstsaat set. In der Landwirtschaft mu Kreislauf sein; eines mu
auf das Andere folgen.
-- Das ist ganz wie beim Fischen, nicht wahr, Norman, wandte sich
Gustavan seinen Nachbar. Man kann nicht die Strmlingsnetze setzen,
ehe nicht die Schollen aufgehrt haben; und man kriegt keine Schollen,
ehe der Hecht nicht gelaicht hat. Das eine folgt aufs andere, und wenn
man das Eine fahren lt, fngt das Andere an. Ist es vielleicht nicht
Norman stimmte ohne Widerstreben bei und wiederholte zur Sicherheit
den Endreim, als er merkte, da Carlsson zurckschlagen wollte:
-- Ja, so ist es: das Eine fngt an, wenn man das Andere fahren lt.
-- Wer lt einen fahren? rief Rundqvist dazwischen, der die gute
Gelegenheit nicht vorbeigehen lie.
Carls$
en Geigenspieler der Gegend, den
Schneider aus Fifong, berufen hatte; und dieser Herr war sehr
empfindlich, wenn man in seine Kunst griff.
Dann kam der Pastor. Er war in scherzhafter Hochzeitslaune, bereit,
mit dem Brautpaar zu spaen, wie der Brauch es forderte. Er wurde von
Carlsson auf der Schwelle empfangen und willkommn geheien.
-- Nun, mssen wir auch gleich taufen? grte Pastor Nordstrm.
-- Nein, potztausend, so eilig ist's denn doch nicht! antwortete der
Brutigam, ohne verlegen zu werden.
-- Bist du deiner Sache auch sicher? fragte der Pastor, whrend die
Bauern grinsten. Ich habe schon ein Mal auf einer Hochzeit getraut und
getauft, aber das waren auch flinke Leute, die sich es leisten
konnten. Im Ernst, wie steht's mit der Braut?
-- Hm, dieses Mal ist keine Gefahr; aber man kann nie wissen, wann es
los geht, antwortete Carlsson, indem er dem Pastor seinen Platz
anwies, zwischen der Mutter des Kirchenvorstehers und der Witwe von
Owassa, die der Pastor mit Fischerei und Wetter unterhielt.
Der Pro$
hmittag geworden, und noch hatten sie sich nicht die Zeit
zum Essen und Trinken genommen; noch war die letzte freie Meeresflche
zurckzulegen. So weit sie sehen konnten, ffnete sich ein einziges
groes Schneefeld, hier und dort mit kleinen runden Erhhungen; das
waren eingeschneite Kobben. Der Himmel war blauschwarz im Osten und
verkndete Schnee. Die Krhen kamen von drauen angeflattert und zogen
ins Land hinein, um ihren Nachtzweig zu suchen. Zuweilen drhnte das
Eis, als sei Tauwetter im Anzuge, und drauen auf dem offnen Meere
brllten die Seehunde. Die Eisflche lag stlich nach dem Meere zu
offen, aber es war keine Meerwake zu sehen. Verdchtig war aber, da
sie die Eisente alla rufen zu hren glaubten. Da sie vimrzehn Tage
lang keine Zeitung bekommen hatten, wuten sie nicht, ob die
Leuchttrme brannten; aber zwischen Weihnachten und Neujahr brannten
sie sicher nicht.
-- So geht's nicht weiter! uerte Carlsson, der bisher still gewesen
-- Es mu gehen, sagte Flod und stemmte die Schulter gegen de$
iere einzugreifen beschlo und vorsichtig nach
meiner Schuwaffe tastete, im voraus mit heimlicher Genugtuung die
furchtbare Wirkung ermessend, die das Krachen eines Schusses auf dem
nchtlichen Schlachtfeld hervorrufen wrde, erklang aus dem dunklen Winkel
des Raumes, hinter mir, ein Laut, dessen gebieterische Macht strker war,
als der feurige Donner aus dem eisernen Mund meiner Waffe. Es war ein
leises Zischen, da man auch ein trbes Fauchen htte nennen knnen und das
den seltsamen und etwas lcherlichen Lauten zu vergleichen war, mit denen
bisweilen Gnse mit gesenktem Kopf gegen einen Gegner vorzugehen pflegen.
Aber die Wirkung dieser klanglosen und widerlich eindringlichen Stimme war
alles andere als lcherlich, sie war von einer geradezu grauenhaften Macht.
Ich fhlte mein Blut in den Adern gerinnen, und die Totenstille, die im
Raume eingetreten war, erhhte den Schauer meines Entsetzens zu einer
todesartigen Erstarrung. Es war so still, da ich mein gehemmtes Blut in
den Ohren sausen hrte, bis lang$
nn die Fremde macht bescheiden, und durchaus nicht auf die
Art, wie es nur die Lumpen sein sollen. Die Achtung vor fremdem Wesen, die
gerade uns Deutschen so gern als Tadel nachgesagt wird, ist nur dann eine
Untugend, wenn sie sich mit einer Preisgabe des eigenen Wesens verbindet.
DieserRespekt aber vor fremdem Geist und Tun und vor der Lebensart anderer
wird in allen reicheren Herzen die Tadelsucht und die Selbstberhebung
dmpfen, die beiden Grundfehler unserer jungen Generation.
Nicht, da solcherlei Gedanken mich damals beschftigten, sie kommen erst
spter, sind meistens zwecklos und dienen nur denen, die sie im Grunde
nicht brauchen. Denn gute Gedanken werden nur von denen recht verstanden,
deren Wert darin beruht, da sie ihre eigenen haben. Nein, mich nahm das
herrliche Bild des klaren Morgens gefangen, das stille Leben auf den
fruchtbaren Reisckern, der Takt der Wassermhlen und die schnen Gestalten
der arbeitenden Mnner und Frauen. Langsam verwilderte das Land mehr und
mehr, nur einmal noch, als$
zer Seide. Zwischen den beiden zornigen Lichtwelten, am Firmament
und in der Totentiefe, schaukelten und schwankten zwei riesige dunkle,
nackte Krper vor mir hin und her, stieen in das dunkle von Sternen und
Sternbildern funkelnde All und sangen. Ihre Ruder tauchten in die Flut und
hoben sich wieder, wie mit flieendem Silber bergossen, sprhend und
glitzernd troff es nieder, und als ich mich umwandte, sah ich eine schmale
Silberstrae von solchem Glanz, da meine Augen geblendet wurden.
Wie ein traurig ertnender Komet mit langem Schweif scho unser Boot durch
ein uferloses, von Himmelsfunken flimmerndes Weltall. Ich vermochte
nirgends Land zu erkennen, wir waren mitten auf dem See, diesem Bett des
ruhenden Stromes, der, ber tausendjhrigem Schlamm, zgernd ins Meer
hinberglitt. Ich tauchte meine Hand ins Wasser, und sie berzog sich mit
Silber. KraftlSs sank ich, ohne Erfassen und Begreifen gegen die Wandung
meines Verdecks, erbebend in bersinnlichem Schwindel vor diesem Wunder der
Gegen Mitternacht t$
ndern
der schwer gehrnten schwarzen Kpfe, den Glanz der groen Augen und den
Fall der Mhnen. Ich scho nicht, da Panja mir erregt in den Arm fiel, als
ich die Bchse emporhob, und spter erklrte er mir, da es vorgekommen
sei, da der leitende Stier, durch einen Angriff in Schrecken oder Wut
versetzt, pltzlich die Richtung gendertDund gerade auf das Hindernis zu
genommen habe. Zwar htten wir einen Schutz auf den Felsen gefunden, aber
wenn unsere Flucht uns milungen wre, so wrden wir zerstampft worden
sein, da die ganze Herde dem Stier folgt.
Die Bffel kmpfen mit dem Tiger, erzhlte mir Panja, selbst die
gezhmten frchten ihn nicht, und wenn du mit ihnen das Reisfeld bestellst,
so wird der Tiger sich hten, euch anzugreifen. Der Bffel sprt ihn eher
als du, und es wird dir nicht gelingen, ihn von seinem Standort zu
verdrngen, denn er wendet sich genau dem Tiger zu, wie eine Fahne, die du
gegen den Wind trgst. Wenn der Tiger den Sprung wagt, so endet er auf den
Hrnern, und du bist in Sicherh$
 Wege
vom Sommer zum Herbst?
Panja rckte an seinem Turban und kratzte sich umstndlich, was immer ein
Beweis war, da etwas ber seine Sinnenwelt hinaus in sein Herz gesunken
war, aber es blieb in der Regel sein einziges Zugestndnis an mich.
Ich bin kein Brahmine, sagte er endlich, warum soll ich also nachdenken?
Du hast nur deshalb schne Gedanken, Sahib, weil du die Frauen nicht
kennst. Wenn du einmal ein Weib genommen hast, so werden die guten Gedanken
ausbleiben.
Ich mute lachen, und Panja triumphierte. Nun war er es, de mich belehrte.
Vielleicht sind die Frauen deines Landes anders, Sahib, aber
wahrscheinlich ist es mit den Frauen wie mit der Palme, berall in der Welt
ist sie dieselbe. Hast du niemals gemerkt, da sie im Grunde alle dumm
sind? Du kannst es daran sehen, da sie sich in gleichem Mae vor einem
Tiger frchten wie vor einer Maus, denn nicht einmal zwischen diesen beiden
Tieren knnen sie den Unterschied herausbringen. So kennen sie auch bei den
Mnnern keine Unterschiede, und als $
tich der Kobra. Ich glaube, da das
grasende Tier die Schlange im Gras aufgestrt hat.
Es fate mich ein Schauer, dessen nachhaltige Einwirkung ich damals kaum
recht zu begreifen vermochte, aber ob hier ein Mensch oder ein Tier dem
Gift erlegen war, schien mir angesichts des verdorbenen Lebens zu meinen
Fen ohne entscheidende Bedeutung. Mich erfate die Ehrfurcht vor der
Kobra aufs neue, und das Angesicht Mangesche Raos spiegelte in seinem Ernst
diese Ehrfurcht wieder, wie eine uralte Erinnerung seines Geschlechts an
eine erhabene Gottheit, die keine Aufklrung hatte beeintrchtigen knnen.
Durch dieses Erlebnis mag es gekommen sein, da unser Gesprch
vorbergehend den Gedanken und Begriff des Todes streifte, und ]as mir
daraus unauslschlich im Gedchtnis geblieben ist, will ich erzhlen. Nach
einer Weile saen wir wieder am Feuer, das in dieser Nacht nicht mehr
erlosch. Eine seltsame Ruhlosigkeit war ber den gelassenen Mann gekommen,
es stimmte mich wehmtig, ihn im inneren Kampf zwischen seinen klugen$
rer lieben Frau
geschieht, kaum ber den Anfang hinaus, und weil ich die heilige
Jungfrau recht in die Maienwonne hineinsetzen wollte, so hatt' ich
mich, wenn in den kurzen Wintertagen des Bildes Entwurf mir gar nicht
zu Gefallen gerieth, immer auf den Lenz vertrstet, der sollte Leben
schaffen drauen in der Welt und hier auf dem Bilde. Nun hatt' ich ja
seinen Gru empfangen und griff meine Arbeit mit allem Eifer an. Aber
meine Gedanken hafteten nicht daran.
Es hat keinen Segen heut, sprach ich da zu mir selbst, legte den
Pinsel weg und setzte mich vor den Lettner in's Gesthl.
Ich war wohl mde vom ungewohnten Gange, den ich im Freien gethan, und
so schlief ich ein. Da trumte mir, ich wandelte durch ein .ieblich
Wiesenthal, allwo die Blumen im Morgenthau glnzten, und die Bume
rauschten ber dem Bach, der hart am Wege dahinflo. Wie ich voll
Freude frder schritt, sah ich vor mir einen seltsamen Wandersmann des
Weges ziehen. Sein Kleid war schneewei, seine Gestalt hoch, und wie
golden wehte sein Gelock$
indung des Weges einen reisigen Haufen herankommen. Spiee und
Hellebarden konnt' ich wohl erkennen. Das rief ich den Beiden zu und
schickte mich an hinabzusteigen. Schon aber hrt' ich sie unten sich
tummeln, und bevor ich noch die Hlfte des Weges zurck war, kamen sie
eilig hervor und liefen grad ber den Weg dem Tannenwald zu, wo er
besonders dicht stund, als suchten sie dort eine Bergung. Fast lustig
war es anzusehen, wie sie all' ihr Gerth zusammengerafft hatten,
Jeder, was ihm die Hnde gefat, wie sie auch die zwo Gnse nicht
vergessen, die der Kleine hinter sich her zog. Aber wie ward mir zu
Sinne, als ich den Fiedler sah mit meiner Kutte von dannen rennen! Das
schuf mir groe Noth. He, Freunde! rief ich ihnen nach, was soll
das? Was fliehet Ihr? Harret doch, da ich mein Kleid anthue! Und mit
hchster Eil' stieg ich hinab. Aber sie hrten nicht, noch hemmten sie
ihre Fluch, und ich erkannte, da es mir ganz unmglich wre, sie
einzuholen. Denn mein Weg war behindert durch's Gestein, der ihrige$
r
von ihnen rief ihm zu: Fahrt suberlich, Freund, mit dem
Singemeister, denn er hat die Art nicht, als geliebt' es ihm, mit Euch
zu scherzen!
Dafr trgt er den Kranz, sa/te ein Anderer, der gibt ihm also
hohen Muth.
Zu solchen Worten wollte des Gernsteiners Knecht auch nicht mig
bleiben, sondern gedachte sein Botenbrot an mir wohl zu verdienen. Er
griff also nach einem drren Stecken, der da nahe bei einem Baume lag,
sprang damit auf mich zu und indem er rief:
Solch' unartigen Knaben gebhrt die Ruthe, sie bessere Zucht zu
lehren! strich er mich, bevor ich mich wenden konnte, ber den
Rcken. Da enthielt ich meinen Zorn nicht lnger, drang auf den Mann
mit Ungestm, eh er sich bedachte, und strzte ihn mit Wucht zur Erde,
da er sthnend um Hilfe rief.
Er that es nicht vergebens, denn die Menge lief herzu, und darunter
war auch von den Gernsteiner und Speyerischen Knechten ein ziemlicher
Haufe. Wie die nun von ihrem beleidigten Gesellen die Ungebhr
vernommen hatten, die ihm von mir geschehen war,$
gte Klingsohr besttigend. Ihr
seid zu lang ausgeblieben.
Ihr seid unrecht berichtet, rief ich, gewi, Ihr seid es in dem,
was Ihr da von Elzeburg sagt. Ich glaub' es nicht, es kann nicht sein.
Ist aber Eure Rede dennoch nach der Wahrheit, so werd' ich's in Speyer
erfahren. Bis dahin, bitt' ich Euch, lat uns der Sache nicht mehr
gedenken, sondern des Mahles, so Ihr etwas zuzursten habt, da wir
unser Herz strken und dann des Weges weiter ziehen.
So sprach ich. Aber mein Gemth gedachte gar anders. Inwendig war's
mir, da ich diese Zeitung von Irmela vernahm, als erschallte aller
meiner Freude recht das Grabgelute und wre mein froher Muth mitten
in's Herze getroffen. Ich sa schweigend nieder und mochte auch nicht
ferner auf die Beiden merken, wie sie ihD Kchenwerk angriffen.--
Darum war mir's lieb, da sie fragten, ob ich, derweilen sie
zursteten, auf das Feuer Acht haben wollte.
Der Abend war schnell dunkel geworden und die Rauchwolken wirbelten
im rthlichen Glanze weithin sichtbar empor. Ich b$
err Mehring, aber sehn Se, die alt Babett hat mer ja kei Ruh gelassen,
sie hat sich's halt in ihrn eigensinnige Kopp neingesetzt gehabt, Sie
mte das Papier da, wo se in ihrm Korb gefunde hat, wie se diesen Abend
heimkomme is, noch heut zurckkriege, und wenn emal die Babett sich was
in ihrn alte Kopp gesetzt hat ... Aber um Gottes wille, Herr Mehring,
was is Ihne dann? Was hab' ich denn jetzt angestellt!
Herr Mehring hatte nmlich dem Alten, whrend dieser sprach, das Papier
aus der Hand genommen, und kaum hatte er einen Blick hineingeworfen, da
hatte er einen Schrei ausgestoen und war zurckgetaumelt.
Was ist dir, Robert, was ist? rief Tante Toni erschrocken aus. Herr
Mehring legte den Arm um sie, und den Kopf an ihre Schulter lehnend,
sagte er mit von Trnen erstickter Stimm^: O Toni, der liebe Gott hat
geholfen, ohne ein Wunder zu brauchen -- es ist das Schriftstck!
Gott sei Dank, Gott sei Dank! rief Tante Toni lachend und weinend
zugleich. Siehst du, ich wut' es ja, da der liebe Gott uns nic$
nd dem verdrngten Thema (von Tod und Sexualitt etc.,
in dem die Namen Bosnien, Herzegowina, Trafoi vorkommen) hergestellt
hat. Das hier eingeschaltete, aus der Abhandlung des Jahres 1898
wiederholte Schema sucht diese Verknpfung anschaulich darzustellen.
[Illustration]
Der Name Signorelli ist dabei in zwei Stcke zerlegt worden. Das eine
Silbenpaar ist in einem der Ersatznamen unverndert wiedergekehrt
(_elli_), das andere hat durch die bersetzung _Signor_ -- _Herr_
mehrfache und verschiedenartige Beziehungen zu den im verdrngten Thema
enthaltenen Namen gewonnen, ist aber dadurch fr die Reproduktion
verloren gegangen. Sein Ersatz hatso stattgefunden, als ob eine
Verschiebung lngs der Namenverbindung _Her_zegowina und _Bo_snien
vorgenommen worden wre, ohne Rcksicht auf den Sinn und auf die
akustische Abgrenzung der Silben zu nehmen. Die Namen sind also bei
diesem Vorgang hnlich behandelt worden wie die Schriftbilder eines
Satzes, der in ein Bilderrtsel (Rebus) umgewandelt werden soll. Von dem
gan$
utsamen Folgen begleitet sein knnen,
wie z.B. die des Arztes oder Apothekers, nach irgend einer Richtung
unter unsere Gesichtspunkte fallen.
Da ich sehr selten in die Lage komme, rztlicheEingriffe vorzunehmen,
habe ich nur ber ein Beispiel von rztlichem Vergreifen aus eigener
Erfahrung zu berichten. Bei einer sehr alten Dame, die ich seit Jahren
zweimal tglich besuche, beschrnkt sich meine rztliche Ttigkeit beim
Morgenbesuch auf zwei Akte: ich trufle ihr ein paar Tropfen Augenwasser
ins Auge und gebe ihr eine Morphiuminjektion. Zwei Flschchen, ein
blaues fr das Kollyrium und ein weisses mit der Morphinlsung, sind
regelmssig vorbereitet. Whrend der beiden Verrichtungen beschftigen
sich meine Gedanken wohl meist mit etwas anderem; das hat sich eben
schon so oft wiederholt, dass die Aufmerksamkeit sich wie frei benimmt.
Eines Morgens bemerkte ich, dass der Automat falsch gearbeitet hatte,
das Tropfrhrchen hatte ins weisse anstatt ins blaue Flschchen
eingetaucht und nicht Kollyrium, sondern Mor$
 das Recht des berzeugungsgefhles
vom freien Willen nicht zu bestreiten. Fhrt man die Unterscheidung der
Motivierung aus dem Bewussten von der Motivierung aus dem Unbewussten
ein, so berichtet uns das berzeugungsgefhl, dass die bewusste
Motivierung sich nicht auf alle unsere motorischen Entscheidungen
erstreckt. Minima non curat praetor. Was aber so von der einen Seite
frei gelassen wird, das empfngt seine Motivierung von anderer Seite,
aus dem Unbewussten, und so ist die Determnierung im Psychischen doch
lckenlos durchgefhrt.
III. Wenngleich dem bewussten Denken die Kenntnis von der Motivierung
der besprochenen Fehlleistungen nach der ganzen Sachlage abgehen muss,
so wre es doch erwnscht, einen psychologischen Beweis fr deren
Existenz aufzufinden; ja es ist aus Grnden, die sich bei nherer
Kenntnis des Unbewussten ergeben, wahrscheinlich, dass solche Beweise
irgendwo auffindbar sind. Es lassen sich wirklich auf zwei Gebieten
Phnomene nachweisen, welche einer unbewussten und darum verschobenen
K$
 und die Forderung: Abschaffung des
Lohnsystems, hat denn auch in der Praxis eine ganz andere Anwendung
gefunden. Nicht die Form Arbeitslohn ist es, die in Wirklichkeit
bekmpft wird. Die Arbeiterklasse hat in der Praxis sich ganz anders zu
ihr gestellt. Gegen nichts haben sich die Arbeiter aus guten Grnden
schrfer gewandt als gegen eine andere Art Bezahlung als durch den Lohn,
gegen eine Ausgleichung der Arbeit, die etwa bestand in der Zuwendung
von Lebensmitteln, Wohnung usw. Sie betrachten ein auf ihr beruhendes
Verhltnis als eine Sklaverei oder Hrigkeit, den Lohn aber betrachten
sie dieser altmodischen patriarchalischen Arbeitsabgeltung gegenber,
wie sie bei Fleischern, kleinen Kaufleuten und manchen anderen
Handwerkern noch bestand, als einen Fortschritt. Es handelte sich beiihren praktischen Kmpfen niemals darum, die Lohnform berhaupt
grundstzlich abzuschaffen, sondern erstens jedesmal um die Lohnhhe
berhaupt und zweitens um die Art, wie die Lohnhhe bestimmt wird. Das
ist vorlufig der eigen$
 sicher ein sehr
beachtenswerter Gedanke, der ja auch bis zu einem gewissen Grade bereits
Verwirklichung gefunden und manche guten Frchte gezeitigt hat. Diese
rtlichen Selbstverwaltungskrper sind Zwangsgenossenschaften genannt
worden, weil jeder Orts- bzw. Bezirksbewohner von Gesetzes wegen ihnen
angehrt, ob er will oder nicht. Zu ihnen treten als Verwaltungsogane
hinzu die freien Genossenschaften, die heute auf verschiedenen Gebieten
bedeutsame Funktionen erfllen und Teile der ffentlichen Verwaltung
werden. Als solche haben sich Anerkennung erzwungen die Organisationen
der Arbeiter, so sehr sie im Anfang verhat waren, an erster Stelle die
Gewerkschaften der Arbeiter, dann aber auch die Konsumgenossenschaften
der Arbeiter und die freien Verbindungen fr Zwecke der krperlichen und
kulturellen Entwicklung. Indes auch Genossenschaften anderer Klassen --
man denke an die lndlichen Genossenschaften-- erfllen
gesellschaftliche Funktionen und sind damit ein Stck der groen
Selbstverwaltung der Gesellsch$
ung des Erbrechts ist von dessen Verfassern im
Programm aus der 1848er Revolution in Beschrnkung des Erbrechts
abgetnt, und spter nennt Marx sie in der Polemik gegen die Bakunisten
eine Saint-Simonistische Marotte. Mit dem Fortschritt der Gesellschaft
erhalten bestimmte Forderungen ein anderes Gesicht, mu der ihnen
zugrunde liegende Gedanke in anderer Form praktische Anwendung finden.
Es wird in der Arbeit fr sozialistische Verwirklichungen eine sehr viel
ausgearbeitetere Spezialisierung notwendig. Sie lt die Fortschritte,
die jeweilig gemacht werden knnen, kleiner erscheinen, als manche
frher vollzogenen, sie werden aber dafr auf bedeutend grerem Umfange
gemacht, als jene.
Nachdem durch die politischen Umwlzungen, die der Krieg im Gefolge
gehabt hat, die staatspolitischen Rechtsforderungen der Sozialdemkratie
in Deutschland und in den meisten anderen Lndern im wesentlichen zur
Verwirklichung gelangt sind, handelt es sich darum, den sozialistischen
Gedanken im Wirtschaftsleben zu immer strk$
im Zellenstaat sich immer mehr und mehr
bemerkbar macht. Nach den vorhergegangenen Feststellungen mssen wir uns
nun fragen, _ob nicht auch die Altersatrophie der Zellen im Zellenstaat auf
einer berladung der Zellen mit Stoffwechselprodukten beruhen knnte_. Wir
haben hier einen Zellverband vor uns, in dem viele Zellen zusammenleben.
Vielleicht liegt nun hier die Sache so, da die Zellen im Zellverband nicht
so recht die Mglichkeit haben, die Schlacken ihres Stoffwechsels nach
auen abzugeben-- genau so wie die Pantoffeltierchen in den Versuchen von
Maupas und Calkins. Gelingt es uns, den Nachweis zu fhren, da im Laufe
des Lebens in den Zellen des Zellenstaates ein+ Anhufung von Schlacken
stattfindet, die wegen des Zusammenlebens der Zellen im Zellverband nicht
schnell genug aus den Zellen herausgeschafft werden knnen, so sind wir im
Problem des natrlichen Todes der vielzelligen Tiere ein gut Stck vorwrts
gekommen: wir htten dann eine Strung im Stoffwechsel der Zellen im
Zellenstaat aufgedeckt, di$
lliger geistiger Frische,
trotzdem sie ein Alter erreichen, das ber das Durchschnittsalter der
Menschen weit hinausgeht. Man denke an den Historiker Mommsen, der 86 Jahre
alt war, als er starb, und an den Physiker Bunsen, der sogar erst mit 88
Jahren starb. Beide waren bis zuletzt bei vlliger geistiger Frische. Der
berhmte Physiologe Eduard Pflger, der ein Alter von 81 Jahren erreichte
und vor wenigen Jahren in Bonn starb, hielt bis zu den letzten Tagen seines
Lebens ncht nur die Vorlesung ab, sondern arbeitete in angestrengter Weise
auch noch im Laboratorium an schwierigen wissenschaftlichen Untersuchungen,
mit denen er auch literarisch im Mittelpunkte hochwichtiger physiologischer
Streitfragen stand. Und dann war er zu Ende des Semesters wenige Tage krank
und war tot.
Wie reimt sich das damit zusammen, da ein Versagen der Nervenzellen den
Tod unseres Zellenstaates einleitet?
Die Sache liegt hier vielleicht so: Die Arbeit des Gehirnes beruht auf
einem Zusammenarbeiten vieler Nervenzellen, und jede Zell$
satz geprgt hat, der -- seit ihm -- in den Partituren
  stndige Wohnung nahm.
Vielleicht, da noch nicht alle Mglichkeiten innerhalb dieser Grenzen
ausgebeutet wurden -- die polyphone Harmonik drfte noch manches
Klangphnomen erzeugen knnen --, aber die Erschpftheit wartet sicher
am Ende einer Bahn, deren lngste Strecke bereits zurckgelegt ist.
Wohin wenden wir dann unseren Blick, nach welcher RPchtung fhrt der
nchste Schritt?
Ich meine, zum abstrakten Klange, zur hindernislosen Technik, zur
tonlichen Unabgegrenztheit. Dahin mssen alle Bemhungen zielen, da ein
neuer Anfang jungfrulich erstehe.
Der zum Schaffen Geborene wird zuerst die negative, die
verantwortlich-groe Aufgabe haben, von allem Gelernten, Gehrten und
Scheinbar-Musikalischen sich zu befreien; um, nach der vollendeten
Rumung, eine inbrnstig-aszetische Gesammeltheit in sich zu beschwren,
die ihn befhigt, den inneren Klang zu erlauschen und zur weiteren Stufe
zu gelangen, diesen auch den Menschen mitzuteilen. Diesen Giotto eine$
|
+---------------------+-----------------+
|_Ure_, ich.          | _ure._          |
+---------------------+-----------------+
|_Tuna_, Wasser.      | _Tuna._         |
+--------------------]+-----------------+
|_Conopo_, Regen.     | _Canepo._       |
+---------------------+-----------------+
|_Poturu_, Wissen.    | _Puturo._       |
+---------------------+-----------------+
|_Apoto_, Feuer.      | _U-apto._       |
+---------------------+-----------------+
|_Nunu_, Mond, Monat. | _Nuna._         |
+---------------------+-----------------+
|_Je_, Baum.          | _Jeje._         |
+---------------------+-----------------+
|_Ata_, Haus.         | _Aute._         |
+---------------------+-----------------+
|_Euya_, dir.         | _Auya._         |
+---------------------+-----------------+
|_Toya_, ihm.         | _Iteuya._       |
+---------------------+-----------------+
|_Guane_, Honig.      | _Uane._         |
+---------------------+-----------------+
|_Nacaramayre_, er    | _Nacaramai._    |
|hat's gesagt.$
en: _upatay,_ in meinem Hause;
wrtlich: ich Ha)s in. Alle Prpositionen wie die Negation _pra_ werden
nachgesetzt, wie im Tamanacu. Man sagt im Chaymas: _ipuec,_ mit ihm,
wrtlich er mit; _euya,_ zu dir, oder dir zu; _epuec charpe guaz_
ich bin lustig mit dir; wrtlich: du mit lustig ich seyn; _ucarepra,_
nicht wie ich; wrtlich: ich wie nicht; _quenpotupra quoguaz_ ich
kenne ihn nicht; wrtlich: ihn kennend nicht ich bin; _quenepra
quoguaz,_ ich habe ihn nicht gesehen, wrtlich: ihn sehend nicht ich
bin. Im Tamanacu sagt man: _acurivane,_ schn, und _acurivanepra,_
hlich, nicht schn; _uotopra,_ es gibt keinen Fisch, wrtlich: Fisch
nicht; _uteripipra,_ ich will nicht gehen; wrtlich: ich gehen wollen
nicht; und die ist zusammengesetzt aus _iteri_ gehen, _ipiri_ wollen,
und _pra_, nicht. Bei den Caraiben, deren Sprache auch Aehnlichkeit mit
dem Tamanacu hat, obgleich weit weniger als das Chaymas, wird die
Verneinung durch ein _m_ vor dem Zeitwort ausgedrckt: _a$
del
beobachtete, sah ich, da sich eine Menge haarigter Bienen, etwas leiner
als die Honigbiene des nrdlichen Europa, auf meine Hnde gesetzt hatten.
Diese Bienen nisten im Boden. Sie fliegen selten aus, und nach ihren
trgen Bewegungen konnte man glauben, sie seyen auf dem Berg starr vor
Klte. Man nennt sie hier zu Lande _Angelitos_, Engelchen, weil sie nur
sehr selten stechen. Trotz der Behauptung mehrerer Reisenden, ist es nicht
wahr, da diese dem neuen Continent eigenthmlichen Bienen gar keine
Angriffswaffe haben. Ihr Stachel ist nur schwcher und sie brauchen
denselben seltener. So lange man von der Harmlosigkeit dieser Angelitos
nicht vollkommen berzeugt ist, kann man sich einiger Besorgni nicht
erwehren. Ich gestehe, da ich oft whrend astronomischer Beobachtungen
beinahe die Instrumente htte fallengelassen, wenn ich sprte, dass mir
Gesicht und Hnde voll dieser haarigten Bienen saen. Unsere Fhrer
versicherten, sie setzen sich nur zur Wehr, wenn man sie durch Anfassen
der Fe reize. Ich f$
es Landes, ganz in der Nahe des brennenden Vulkans.
Vom Vulkan von St. Vincent bis zum Rio Apure beim Einflu des Rula sind es
in gerader Linie 210 Seemeilen (20 auf einen Grad); die Explosionen wurden
demnach in einer Entfernung gehrt gleich der vom Vesuv nach Paris. Dieses
Phnomen, dem sich viele Beobachtungen in der Cordillere der Anden
anschlieen, beweist, wie viel grer die unterirdische Wirkungssphre
eines Vulkans ist, als man nach denunbedeutenden Vernderungen, die er an
der Erdoberflche hervorbringt, glauben sollte. Die Knalle, die man in der
neuen Welt Tage lang 80, 100, ja 200 Meilen von einem Krater hrt,
gelangen nicht mittelst der Fortpflanzung des Schalls durch die Luft zu
uns; der Ton wird vielmehr durch die Erde geleitet, vielleicht am Punkte
selbst, wo wir uns befinden. Wenn die Ausbrche des Vulkans von
St. Vincent, des Cotopaxi oder Tunguragua von so weit herschallten wie
eine ungeheuer groe Kanone, so mte der Schall im umgekehrten Verhltni
der Entfernung strker werden; aber $
gs
in den Erdtiefen den Boden zu gleicher Zeit erschttern. Das Studium der
Vulkane zerfllt in zwei ganz gesonderte Theile. Der eine, rein
mineralogische, beschftigt sich nur mit der Untersuchung der durch das
unterirdische Feuer gebildeten oder umgewandelten Gesteine, von der
Trachyt- und Trapp-Porphyrformation, von den Basalten, Phonolithen und
Doleriten heraus bis zu den neuesten Laven. Der andere, nicht so
zugngliche und a>ch mehr vernachlssigte Theil hat es mit den
gegenseitigen physikalischen Verhltnissen der Vulkane zu thun, mit dem
Einflu, den die Systeme auf einander ausben, mit dem Zusammenhang
zwischen den Wirkungen der feuerspeienden Berge und den Sten, welche den
Erdboden auf weite Strecken und lange fort in derselben Richtung
erschttern. Dieses Wissen kann nur dann fortschreiten, wenn man die
verschiedenen Epochen der gleichzeitigen Thtigkeit genau verzeichnet,
ferner die Richtung, Ausdehnung und Strke der Erschtterungen, ihr
allmliges Vorrcken in Landstrichen, die sie frher nich$
*Hato*, am
nrdlichen Ende der Quebrada, kamen wir an einen Bach, der ber die
fallenden Gneischichten niederstrzt; man arbeitete hier an einer
Wasserleitung, die das Wasser in die Ebene fhren sollte; ohne Bewsserung
ist in diesem Landstrich kein Fortschritt in der Landwirthschaft mglich.
Ein ungeheuer dicker Baum (_Hura crYpitans_) am Bergabhang, ber dem Hause
des Hato, fiel uns auf. Da er, wenn der Boden im geringsten wich, htte
umfallen und das Haus, das in seinem Schatten lag, zertrmmern mssen, so
hatte man ihn unten am Stamm abgebrannt und so gefllt, da er zwischen
ungeheure Feigenbume zu liegen kam und nicht in die Schlucht hinunter
rollen konnte. Wir maen den gefllten Baum: der Wipfel war abgebrannt,
und doch ma der Stamm noch 154 Fu; er hatte an der Wurzel 8 Fu
Durchmesser und am obern Ende 4 Fu 2 Zoll.
Unsern Fhrern war weit weniger als uns daran gelegen, wie dick die Bume
sind, und sie trieben uns vorwrts, dem Goldbergwerk zu. Wir wandten uns
nach West und standen endlich in d$
kratie fliet, den Despotismus setzten,
wie ihn das patriarchalische Regiment der Hirtenvlker mit sich bringt.
Die Menschheit der neuen Welt hat diese groen moralischen und politischen
Wechsel nicht durchgemacht, und zwar weil die Steppen, obgleich
fruchtbarer als die asiatischen, ohne Heerden waren, weil keines der
Thiere, die reichliche Milch geben, den Ebenen Sdamerikas eigenthmlich
ist, und weil in der Entwicklung amerikanischer Cultur das Mittelglied
zwischen Jgervlkern und ackerbauenden Vlkern fehlte.
Die hier mitgetheilten allgemeinen Bemerkungen ber die Ebenen des neuen
Continents und ihre Eigenthmlichkeiten gegenber den Wsten Afrikas und
den fruchtbaren Steppen Asiens schienen mir geeignet, den Bericht einer
Reise durch so einfrmige Landstriche anziehender zu machen. Jetzt aber
mag mich der Leser auf unserem Wege von den vulkanisWhen Bergen von
Parapara und dem nrdlichen Saum der Llanos zu den Ufern des Apure in der
Provinz Barinas begleiten.
Nachdem wir zwei Nchte zu Pferde gewesen und$
izbaren Blttern, von den Spaniern _Dormideras_ genannt. Derselbe
Rinderstamm, der in Spanien mit Klee und Esper gemstet wird, findet hier
ein treffliches Futter an den krautartigen Sensitiven. Die Weiden, wo
diese Sensitiven besonders hufig vorkommen, werden theurer als andere
verkauft. Im Osten, in den LEanos von Cari und Barcelona, sieht man Cypura
und Craniolaria mit der schnen weien, 6--8 Zoll langen Blthe sich
einzeln ber die Grser erheben. Am fettesten sind die Weiden nicht nur an
den Flssen, welche hufig austreten, sondern berall, wo die Palmen
dichter stehen. Ganz baumlose Flecke sind die unfruchtbarsten, und es wre
wohl vergebliche Mhe, sie anbauen zu wollen. Dieser Unterschied kann
nicht daher rhren, da die Palmen Schatten geben und den Boden von der
Sonne weniger ausdrren lassen. In den Wldern am Orinoco habe ich
allerdings Bume aus dieser Familie mit dicht belaubten Kronen gesehen;
aber am Palmbaum der Llanos, der Palmade de Cobija [Dachpalme, _Corypha
tectorum_], ist der Schatte$
nach muendlichen Berichten, die sie
Diese Wunderdinge verschwinden, wenn wir den Bericht, den Ferdinand
Columbus den Papieren seines Vaters entnommen, naeher asehen. Da heisst es
bloss, "der Admiral habe zu seiner Ueberraschung die Einwohner von Paria
und der Insel Trinidad wohlgebildeter, cultivirter (_de buena
conversacion_) und weisser gefunden als die Eingeborenen, die er bis dahin
gesehen." Damit ist doch wohl nicht gesagt, dass die Pariagotos weiss
gewesen. In der helleren Haut der Eingeborenen und in den sehr kuehlen
Morgen sah der grosse Mann eine Bestaetigung seiner seltsamen Hypothese von
der unregelmaessigen Kruemmung der Erde und der hohen Lage der Ebenen in
diesem Erdstrich in Folge einer gewaltigen Anschwellung der Erdkugel in
der Richtung der Parallelen. Amerigo Vespucci (wenn man sich auf seine
angebliche *erste* Reise berufen darf, die vielleicht nach den Berichten
anderer Reisenden zusammengetragen ist) vergleicht die Eingeborenen mit
den *tartarischen* Voelkern, nicht wegen der Hautfarbe, $
ovember gegen zwei Uhr Nachmittags huellten dicke, sehr schwarze Wolken
die hohen Berge Brigantin und Tataraqual ein. Sie rueckten allmaehlich bis
ins Zenith. Gegen vier Uhr fing es an ueber uns zu donnern, aber ungemein
hoch, ohne Rollen, trockene, oft kurz abgebrochene Schlaege. Im Moment, wo
die staerkste elektrische Entladung stattfand, um 4 Uhr 12 Minuten,
erfolgten zwei Erdstoesse, 15 Secunden hinter einander. Das Volk schrie laut
auf der Strasse. Bonpland, der ueber einen Tisch gebeugt Pflanzen
untersuchte, wurde beinahe zu Boden geworfen. Ich selbst spuerte den Stoss
ser stark, obgleich ich in einer Haengematte lag. Die Richtung des Stosses
war, was in Cumana ziemlich selten vorkommt, von Nord nach Sued. Sklaven,
die aus einem 18--20 Fuss tiefen Brunnen am Manzanares Wasser schoepften,
hoerten ein Getoese wie einen starken Kanonenschuss. Das Getoese schien aus
dem Brunnen herauf zu kommen, eine auffallende Erscheinung, die uebrigens
in allen Laendern Amerikas, die den Erdbeben ausgesetzt sind, haeufi$
ie
Neger. Mehrere grosse Grundbesitzer haben nach diesem Vorgang mit gleichem
Erfolg Land verpachtet. Der Pachtschilling betraegt zehn Piaster auf die
Vanega und wird in Geld oder in Baumwolle entrichtet. Die kleinen Paechter
sind oft in Bedraengniss und geben ihre Baumwolle zu sehr geringem Preise
ab. Ja sie verkaufen sie vor der Ernte, und durch diese Vorschuesse reicher
Nachbarn geraeth der Schuldner in eine Abhaengigkeit, in Folge deren er
seine Dienste als Tagloehner oefter anbieten muss. Der Taglohn ist nicht so
hoch als in Frankreich. Man bezahlt in den Thaelern von Aragua und in den
Llanos einem freien Tageloehner vier bis fuenf Piaster monatlich, neben der
Kost, die beim Ueberfluss an Fleisch und Gemuese sehr wenig ausmacht. Gerne
verbreite ich mich hier ueber den Landbau in den Colonien, weil solche
Angaben den Europaeern darthun, was aufgeklaerten Colonisten laengst nicht
mehr zweifelhaft ist, dass da3 Festland des spanischen Amerika durch freie
Haende Zucker, Baumwolle und Indigo erzeugen kann, un$
genguss kommen, so loest sich die Frucht
vom Stiel. Die Gefaesse, welche das Wasser einsaugen, scheinen durch
Ueberschwellung zu bersten. Ist nun die Cacaoernte aeusserst unsicher, weil
der Baum gegen schlimme Witterung so empfindlich ist und so viele Wuermer,
Insekten, Voegel, Saeugethiere [Papageien, Affen, Agoutis, Eichhoerner,
Hirsche.] die Schote fressen, hat dieser Culturzweig den Nachtheil, dass
dabei der neue Pflanzer der Fruechte seiner Arbeit erst nach acht bis zehn
Jahren geniesst und dass das Produkt schwer aufzubewahren ist, so ist
dagegen nicht zu uebersehen, dass die Cacaopflanzungen weniger Sklaven
erfordern als die meisten andern Culturen. Dieser Umstand ist von grosser
Bedeutung in einem Zeitpunkt, wo saemmtliche Voelker Europas den
grossherzigen Entschluss gefasst haben, dem Negerhandel ein Ende zu machen.
Ein Sklave versieht tausend Staemme, die im jaehrlichen Durchschnitt 12
Fanegas Cacao tragen koennen. Auf Cuba gibt allerdings eine *grosse*
Zuckerpflanzung mit 300 Schwarzen im Jahr drc$
 ob in Spanien, in Italien und im uebrigen Europa auch der
Verbrauch im selben Verhaeltniss abnehmen, oder ob nicht vielmehr in Folge
des Eingehens der Cacaopflanzungen die Preise so hoch steigen werden, dass
der Landbauer zu neuen Anstrengungen aufgemuntert wird? Letzteres ist die
herrschende Ansicht bei allen, die in Caracas die Abnahme eines so alten
und so eintraeglichen Handelszweiges bedauern. Wenn einmal die Cultur
weiter gegen die feuchten Waelder im Binnenlande vorrueckt, an die Ufer des
Orinoco und des Amazonenstromes, oder in die Thaeler am Ostabhang der
Anden, so finden Aie neuen Ansiedler einen Boden und eine Luft, wie sie
beide dem Cacaobau angemessen sind.
Bekanntlich scheuen die Spanier im Allgemeinen den Zusatz von Vanille zum
Cacao, weil dieselbe die Nerven reize. Daher wird auch die Frucht dieser
schoenen Orchisart in der Provinz Caracas fast gar nicht beachtet. Man
koennte sie auf der feuchten, fieberreichen Kueste zwischen Porto Cabello
und Ocumare in Menge sammeln, besonders aber in Turi$
t auf eine Behandlung Anspruch, die einem Menschen von seiner Farbe
nicht gebuehrt, und so bleibe ich lieber, wie ich bin."
Von Guigue an fuehrt der Weg aufwaerts zur Bergkette, welche im Sueden des
Sees gegen Guacimo und la Palma hinstreicht. Von einem Plateyu herab, das
320 Toisen hoch liegt, sahen wir zum letztenmale die Thaeler von Aragua.
Der Gneiss kam zu Tage; er zeigte dieselbe Streichung der Schichten,
denselben Fall nach Nordwest. Quarzadern im Gneiss sind goldhaltig; eine
benachbarte Schlucht heisst daher Quebrada del Oro. Seltsamerweise begegnet
man auf jedem Schritt dem vornehmen Namen "Goldschlucht" in einem Lande,
wo ein einziges Kupferbergwerk im Betrieb ist. Wir legten fuenf Meilen bis
zum Dorfe Maria Magdalena zurueck, und weitere zwei zur Villa de Cura. Es
war Sonntag. Im Dorfe Maria Magdalena waren die Einwohner vor der Kirche
versammelt. Man wollte unsere Maulthiertreiber zwingen anzuhalten und die
Messe zu hoeren. Wir ergaben uns darein; aber nach langem Wortwechsel
setzten die Maulthier$
. Man zeigte uns
eine Huette oder vielmehr eine Art Schuppen, wo unser Wirth in Calabozo,
Don Miguel Cousin, einen hoechst merkwuerdigen uftritt erlebt hatte. Er
schlief mit einem Freunde auf einer mit Leder ueberzogenen Bank, da wird er
frueh Morgens durch heftige Stoesse und einen furchtbaren Laerm aufgeschreckt.
Erdschollen werden in die Huette geschleudert. Nicht lange, so kommt ein
junges 2--3 Fuss langes Krokodil unter der Schlafstaette hervor, faehrt auf
einen Hund los, der auf der Thuerschwelle lag, verfehlt ihn im ungestuemen
Lauf, eilt dem Ufer zu und entkommt in den Fluss. Man untersuchte den Boden
unter der Barbacoa oder Lagerstaette, und da war denn der Hergang des
seltsamen Abenteuers bald klar. Man fand die Erde weit hinab aufgewuehlt;
es war vertrockneter Schlamm, in dem das Krokodil im *Sommerschlaf*
gelegen hatte, in welchen Zustand manche Individuen dieser Thierart
waehrend der duerren Jahreszeit in den Llanos verfallen. Der Laerm von
Menschen und Pferden, vielleicht auch der Geruch des Hu$
 Noch denke ich nicht, obschon ich neunundsiebenzig Jahre
zhle -- kindisch zu sein.
3. Der Abschied.
Die Reichsgrfin unterbrach dieses Gesprch, indem sie klingelte.
Weisbrod trat ei+ und erhielt den Befehl, den jungen Herrn zu ihr zu
bescheiden. Dann nahm sie den Faden der Rede wieder auf und sprach zu
Windt: Die gestrige Scene verlockte uns in den Irrgarten der
dramatischen Poesie mit seinen unbeschnittenen Laubgngen -- bleiben wir
bei der Hauptsache: Warum hat sich Ihr Sinn gewendet? Sind Sie eine
Nein, Excellenz! vertheidigte sich Windt: eine solche bin ich nicht,
vielmehr hoffe ich bewiesen zu haben, und denke es ferner zu beweisen,
da mir die Wnsche und Vortheile Ihrer Excellenz ber Alles gehen. Aber
-- Excellenz lieben ja die Wahrheit, und Wahrheit mu Wahrheit bleiben.
Was auch gestern Strendes, Widriges und aufs neue Hemmendes vorgefallen
sein mge, _das_ darf ich doch khn behaupten, da das Gemth des
gndigen Erbherrn durch mich und meine Briefe zu wahrer Liebe und
Ehrfurcht gegen Ihre Exce$
h anfhrend, und
fgte hinzu: Bravo, Herr Windt! Ich danke Ihnen fr diese Lehre.
Eher wrde ich selbst auf Ihrer Excellenz Vortheile verzichten, als im
Punkt von Hochderselben Ehre nachgeben, und wenn der Herr Graf Alles
anzunehmen versprche, was Ihre Excellenz von ihm verlangen, so wrde
_ich_ der Erste sein, der zu ihm sagte: Sie handeln ohne Ueberlegung,
ohne Ehre, ohne Zartgefhl, denn Sie _knnen_ nicht Wort halten. Ihre
Excellenz kennen in der That den Herrn Grafen zu wenig, er ist Ihnen
entwachsen,er ist noch jung, und bei Gelegenheit wohl spttisch,
sarkastisch oder berreizt -- er ist aber wahrhaftig ein edler Mann, und
der Beste von den Seinen, so viel ich deren in Holland kennen lernte.
Was ich von seinen Handlungen wei, ist nur ehrenhaft. Um sein gegebenes
Wort zu erfllen, hat er sich mit seiner Frau Mutter auf eine Art
entzweit, da sie nie wieder einig wurden. Das kam so: In der
unglcklichen Revolution hing sein Leben im Haag jeden Augenblick an
einem Zwirnsfaden, und gleichwohl zeigte er $
dem Grafen: er war
gereizt, er wute nicht, was er that.
An ihm)wird es daher sein, mich um Vergebung zu bitten, entgegnete der
Jngling, dessen Wangen neu auflodernde Schaam mit Zorn im Bunde wieder
Lass' das jetzt, sprach die Grfin. Entdecken kann und darf ich dir
nichts, mein geliebtes Kind! Du mut das Dunkel deiner Geburt mit dir
nehmen als deinen Schatten, denn ich bin nicht berechtigt, die
Geheimnisse gewisser Personen zu lsen, die jene mir anvertraut und die
mit sieben Siegeln verschlossen und mit den dichtesten Schleiern
berhllt sind. Aber etwas Trstliches kann und will ich dir sagen. Es
ist ein mchtiger Unterschied, den aber die Befangenheit,
Mangelhaftigkeit und Starrheit der Gesetzgebung niemals anerkannt hat,
zwischen den zur Welt gebrachten Frchten bser Lust und wilder
Sinnengier, die ein Rausch des Augenblicks von dem Lebensbaume
abschttelte, und zwischen jenen Kindern hoher und reiner Liebe, gegen
deren gesetzliche Einigung gebieterische Verhltnisse unbersteigliche
Schranken zogen. $
eschriebene, im Programm de Spectacle vorgeschriebene Ausrufe der
Zustimmung und Bewunderung unterbrachen den Redner, und als dieser mit
einem heieren Gebell, das dem der Hyne in der afrikanischen Wste
glich, geendet hatte, brausete strmischer Beifall, obschon nicht ein
Tausendtheil der Menge verstanden hatte, was der Redner gesprochen.
Feierlich stieg Robespierre von der Tribne herab und die Stufen niedeQ,
um symbolisch die einzige Hoffnung des Auslandes zu vernichten. Man
reichte ihm einen brennenden Kienspahn, und mit dieser stinkenden
Brandfackel versuchte er, das pappendeckelne Bildwerk, das mit
Brennstoff umwunden war, zu entznden. Die Einrichtung war so getroffen,
da an die Stelle des Atheismus und seiner symbolischen Trger das Bild
der Weisheit in reiner, schner und edler Gestaltung treten sollte --
aber wohl wlzte sich unter Trommelwirbeln und Musikklngen dicker Dampf
empor, wie weiland im Mittelalter von einem Hexenbrande -- wohl krachten
die Bretter und platzten die zusammengeleimten P$
 Lcheln: die lange
getragene Doppellast los.
Sie waren und sind mir in Wahrheit keine Last, gute Angs! versetzte
`rau Windt. Bleiben Sie bei Ihrem Gottvertrauen, denn Gottes Rath ist
wunderbarlich und fhret es herrlich hinaus.
2. #Rep en roer.#
Der unerschrockene und muthvolle Schirmvogt des Kastells und der
Herrlichkeit Doorwerth ritt, von Arnhem zurckkehrend, eben durch die
Allee und in das Schlo ein, als von der entgegengesetzten Seite aus
einem Schiffe, das den Rhein herabgekommen war, ein bunter Haufe
Soldatenvolkes sich nach dem Kastell zu bewegte; es mochte dieser Haufe
ber hundert Mann stark sein, und es war nicht zu unterscheiden, unter
welchen Fahnen dieses Volk stand und wem es diente; es waren rothe,
blaue, grne und andere Uniformen und Monturen, und deren Trger
offenbar englische, franzsische, niederlndische und wohl auch deutsche
Soldaten, die sich, wie es schien, zusammengethan hatten, um gnzlich
unbekmmert um den Krieg, den die Nationen, welchen sie angehrten, mit
einander fhrten$
sche Reiterei dagegen geht nach Westphalen.
Woher weW so ein miserabler und lumpiger Kerl, wie du einer bist, das
Alles? fragte Windt barsch.
Herr! entgegnete Clement Aboncourt: haben Sie die Gnade und henken Sie
mich lieber, als da Sie mich schimpfen! Da ich in Ihnen einen guten
Legitimisten voraussetzen darf, so bedenken Sie, da ich ein Knig war.
Auf deinen Schmierbhnen, du Meerschwein!
Ja leider -- nirgends als dort, sonst wre ich nicht hier! fuhr jener
unter komischen Seufzern fort: denn wenn ich ein Knig oder ein
kniglicher Prinz in der Wirklichkeit wre -- ich wollte mich bei Gott
anders und besser halten, wie zum Beispiel der Herr Graf von Artois.
Was ist's mit dem? fragte Ludwig aufmerksam.
Je nun -- antwortete wegwerfend der Spion: er liegt im Hauptquartiere der
feindlichen Verbndeten, lt sich als Gast von den deutschen und
niederlndischen Edelleuten bewirthen, schmarozt wie ein Abb und fhrt
ein miges Schlaraffenleben. Er stolzirt in einem rothen goldgestickten
Rock einher und trgt a$
ganz nach
England bersiedelt hat und bereits Generallieutenant geworden ist.
Derselbe hat mit dem Erbherrn und dem Vice-Admiral William eigene
Vertrge abgeschlossen fr den zu erwartenden Todesfall der Frau
Gromutter, und geben Sie Acht, liebster Herr Graf, wenn sie die Augen
zuthut, so wird es heien: Sie haben meine Kleider getheilt und um
meinen Rock haben sie das Loos geworfen; ja ich vermuthe fast, sie haben
dies bereits gethan, denn ich hrte neulich ein Vglein pfeifen, unter
uns gesagt, Herr Wippermann hat geplaudert, als ich ihn jngst in einen
Austernkeller mitnahm und seine sonst schwere Zunge mit Champagner
lste; die Sache soll so abgekartet sein, da der Erbherr Varel und
Kniphausen behlt, so wie die Gter in Holland, wenn er sie nmlich
wieder bekommt, der Admiral aber die Herrlichkeit Doorwerth mit allen
ihren Schlssern, Drfern, Hfen, Wonnen und Weiden, Aeckern und Wiesen
und auch ein hbsches Stck Busch; dafr findet er den Grafen Johann
Carl mit Geld ab und tritt in dessen ganzes Er$
n Eishausen, das wurde jetzt erst als bedroht angesehen und
erregte Besorgni. Die Stadt und die dortige obere Behrde htte nur
ungern den Mann aus dem Lande scheiden sehen, der fort u^d fort durch
gromthige Untersttzung der Armen und Nothleidenden sich ntzlich und
wohlwollend erwies, und beschlo dehalb, dem Grafen ein sichtbares
Zeichen dankbarer Anerkennung zu geben. Sie verlieh ihm das
Ehrenbrgerrecht der vormaligen Residenzstadt Hildburghausen. Es konnte
nicht fehlen, da dieses Zeichen dankbarer Wrdigung und Hochachtung
seines Charakters Ludwig tief rhrte und innig erfreute, und um so
lieber blieb er nun in der stillen Huslichkeit und in dem engen Kreise,
den nun schon so lange und bis in das nahende Alter hinein um ihn und
Sophie die traute Gewohnheit gezogen hatte. Um aber nicht blos Brger
der Stadt Hildburghausen zu heien, sondern auch der That nach es zu
sein, erwarb er kuflich ein Wohnhaus in der Stadtnhe, mit einem an
dasselbe stoenden Garten und lie auch noch einen an diesen
angre$
, 3, 6, 7, 8 und 9 durch die Zahl 10 gelehrt wird, und es folgt hierauf
in 17 Beispielen die sogenannte Sequem- oder Ergnzungsrechnung, in
welcher es sich darum handelt, Zahlenwerthe zu finden, die mit gegebenen
Werthen durch Addition oder Multiplication verbunden, andere gegebene
Zahlenwerthe liefern. Die nchsten 15 Beispiele gehren der sogenannten
*Haurechnung* an, und finden wir in diesem Abschnitte die Lsungen
linearer Gleichungen mit einer Unbekannten. Zwei weitere, der sogenannten
*Tunnu-* oder Unterschiedsrechnung angehrige Beispiele belehren uns
darber, dass den alten Aegyptern der Begriff arithmetischer Reihen nicht
fremd war. Es folgen nun sieben Beispiele ber Volumetrie, ebensoviele
ber Geometrie und fnf Beis|iele ber Berechnungen von Pyramiden, also 19
Aufgaben ber die wir spter noch einige Worte sagen mssen.
Hieran schliessen sich endlich dreiundzwanzig verschiedenen Materien
entlehnte, Fragen des brgerlichen Lebens betreffende Beispiele, wie die
Berechnung des Werthes von Schmuckge$
ie Hhe kriechen, so ist einleuchtend, dass sie gerade hier eines
solchen Schutzes gegen die Trockenheit bedrfen, mehr als die an
Bumen lebenden Arten, welche bei ihrer Lebensweise im Thau des
Morgens hinreichende Feuchtigkeit einzusaugen vermgen.
_Anmerkung 6_. Ich erinnere mich, krzlich in irgend einer englischen
Zeitschrift einen Aufsatz gelesen zu haben, in welchem nachzuweisen
versucht wurde von einem Beobachter der lebenden Thiere in Indien,
dass in der That diese bisher immer als Wasserreservoire angesehenen
Hhlungen am Kopfe wirklich zur Luftathmung derselben whrend
ihres Lebens auf dem Lande dienen sollen. Ich bin leider mit meinen
zoologischen Notizen--wegen Mangels an Platz--etwas in Unordnung
gerathen, so dass ich kein Citat fr diese Bemerkung zu geben vermag.
_Anmerkung 7_. In frheren Zeiten scheint dies alledings anders
gewesen zu sein. Wenigstens machen gewisse Stellen in diesen Smpfen
durchaus den Eindruck, als mssten hier frher stndige Bewohner
gelebt haben, welche auch dies Gebi$
ischen Kste an der noch heute so genannten
Ponto dos Naufragados in der Nhe der Insel Santa Catalina scheiterte
noch eins der drei Schiffe, neun Mann der Besatzung konnten sich aber an
and retten und wurden von den Guarans freundlich behandelt; diese
erzhlten ihnen, da es ganz weit im Westen eine Gegend gbe, sehr reich
an kostbaren Metallen (das heutige Bolivien). Begeistert von diesen
Erzhlungen, nannten sie daher jene Gegend die Sierra de la Plata und
bald machten sich auch sechs von ihnen auf, sie zu suchen. Unter Fhrung
des Portugiesen Alejo Garca zogen sie ins heutige Paraguay, begleitet
von 2000 Indianern, kmpften oder verhandelten mit den Indianerstmmen
des Chaco, die sie antrafen, und erreichten als erste Europer
schlielich das Land der Inkas. Die bolivianischen Indianer aber zwangen
sie zur Rckkehr, die sie in guter Ordnung mit silbernen und goldenen
Wertsachen beladen antraten. Von Paraguay aus, wo sie blieben, sandten
sie ihren zwei zurckgebliebenen Gefhrten Briefe und drei Arr$
atten ein groes Mahl, und mit den Gttern sa
auch der Reichtum, der Sohn der Erfindsamkeit. Da sie nun gegessen
hatten, kam die Armut und wollte etwas von dem berflusse haben und
blieb vor der Tr stehen, gleich den Bettlern. Nun geschah es, da der
Reichtum zu viel vom Nektar getrunken hatte -- es gab ja damals noch
keinen Wein -- und da er schwer und berauscht in des Zeus Garten ging
und dort einschlief. Und das gab jetzt der Armut*ihre eigene List ein:
sie dachte sich, weil ich arm bin, so will ich vom Reichtum ein Kind
haben, und die Armut legte sich zum Reichtum, und die Armut empfing vom
Reichtum den Eros. Und weil nun Eros am Geburtstage der Aphrodite
gezeugt wurde, so ist er jetzt deren Diener und Herold, und da Aphrodite
schn ist, so ist Eros von Natur aus in alles Schne verliebt. Dann
aber, weil Eros der Sohn des Reichtums und der Armut ist, so hat er
beider Natur und Zeichen. Eros ist seiner Mutter Sohn und darum ganz arm
und gar nicht weich und schn, wie viele meinen; o nein, Eros ist hart
$
e (1588 unter Wolfgang Dietrich) in Gang. Im
Jahr 1679 wurden hier siebenundneunzig Zauberer und Hexen verbrannt. Einem
damals erschienenen Berichte zufolge sollten die Salzburger Hexen das
einstimmige Bekenntniss abgelegt haben, dass sie ausser anderen Vergehen
allen Heiligen abgesagt und sich verpflichtet htten, keine guten Werke in
oder ausser der Kircheyzu thun, zum Abendmahl ohne vorgngige Ohrenbeichte
zu gehen und die Hostie zu verunehren. Sie sollten auch gestanden haben,
dass sie oft die Hostie durchstochen htten, und dabei aus derselben Blut
hervorzutreten pflege[87].
Im Stift =Paderborn=, wo die Scheiterhaufen schon (seit 1585 unter der
Regierung des Frstbischofs Theodor v.Frstenberg) lange gelodert
hatten[88], rief 1656 ein Jesuit =Lper=, der den Teufel durch Exorcisirung
der von ihm Besessenen bekmpfen wollte, eine Bewegung ganz eigener Art
hervor. Die Besessenen, etwa hundert an der Zahl, liefen in den Strassen
der Stadt umher und schrieen Zeter ber den Brgermeister, ber die
Kapuziner,$
h
sollte zu ihrer Bewachung ihr ein Weib beigegeben werden. Der Mann der
Unglcklichen, der sich damals im tiefsten Jammer zu Neuburg aufhielt,
erhielt den Befehl, ein Bett fr sie bringen zu lassen. Er schrieb daher an
seine gefangene Frau folgenden Brief:
Ehrentugendsame, herzlieber Schatz! Weilen ich noch zu Neuburg und deiner
Person halber ein Lieg- und Deckbett une ein Kissen begehrt wird, also
bitte ich meinen Schatz, sie wlle mich mndlich wissen lassen, ob ichs
allhie oder von Rennertzhoven aus von dem Unsrigen verschaffen solle. Bitte
von Gott, er wolle dir Erkenntniss deiner Wissenheit geben. Bist du, o mein
Schatz, schuldig, bekenne es, bist du unschuldig, hast eine gndige
Obrigkeit, derer wir, zuvrderst Gottes Huld, und unser kleine Kinder zu
getrsten. Seye mit deiner und meiner Geduld dem Schutz Gottes befohlen!
  Neuburg den 19.Mrz 1629.
                     Dein Getreuer, weil ich leb,
                           Georg Keser.
  O mein Schatz, sage mit Wenigem,
  wie ich eine Zeitlang di$
 Der Verfasser dieser Schrift war kein anderer, alsder Jesuit
=Friedrich Spee=[187], der Sprosse des adeligen (jetzt grflichen)
Geschlechts der =Spee von Langenfeld=. Im Jahre 1591 zu Kaiserswerth im
Klnischen geboren, war er als neunzehnjhriger Jngling bei den Jesuiten
zu Trier als Novize eingetreten, von wo er in das Ordenshaus zu Kln
bersiedelte. Hier 1621 unter die Vter der Gesellschaft aufgenommen, wurde
er wegen seiner ungewhnlichen Gelehrsamkeit mit der Professur der
Philosophie und Moral betraut, 1624 aber in das Jesuitenkolleg zu Paderborn
versetzt, von wo aus er dem in die Gemeinden und namentlich in den Adel der
Dizese Paderborn eingedrungenen Protestantismus entgegenarbeiten sollte.
Durch seine Klugheit und sonstige Geschicklichkeit soll es ihm auch
gelungen sein, den grssten Theil des paderbrner Adels in die katholische
Kirche zurckzufhren. Die grossen Erfolge seiner Missionsarbeit in
Paderborn veranlassten es daher, dass ihn der Orden zu gleichem Zwecke 1627
nach Bamberg und Wrzbu$
ut und
sonst gar nichts weiter gewirkt haben.-- Carpzov geht dann noch weiter,
indem er Nr.29 bemerkt, die Feuerstrafe sei auch den Zauberern und Hexen
zuzufgen, welche mit dem Teufel concumbirten, wenn sie auch nicht mit
ausdrcklichen Worten sich ihm ergeben oder einen bestimmten Vertrag mit
ihm eingegangen htten. Zwar werde, fgt er hinzu, von Juristen und
Philosophen darber gestritten, ob Zauberer und Hexen in Wahrheit und in
natrlicher Weise mit Dmonen, nmlich Mnner cum succubis und Weiber cum
incubis Unzucht treiben und ob Hexen und Zauberinnen dadurch schwanger
werden knnten. Viele seien nmlich der Meinung, dass solche daemoniaci
concubitus nur trumerische Illusionen wren, welche auch bei ganz
gesitteten Frauen vorkmen, und sogar Jos. Fichardus sei dieser Ansicht.
Allein hier verwechsele man zwei ganz verschiedene Dinge, die wohl
auseinander gehalten werden mssten, nmlich die Frage, ob Dmonen sich
wirklich mit Menschen =vermischen= und die andere Frage, ob sie mit
denselben etwas=erz$
 Treue, beten ihn mit gebogenen
Knieen an, unterschreiben sich mit ihrem eigenen Blut, geloben (sich) ihm
an und gebrauchen ohne Unterlass seinen Beistand, werden auch von ihm an
unterschiedlichen Orten des Leibes mit verschiedenen Figuren gezeichnet,
allwo sie hernach keine Empfindlichkeit haben, kssen den Teufel von hinten
und vorn, treiben mit demselben (=wie ich darvor halte=) =ihrer
Einbildung=[304] nach Unzucht und fleischliche Vermischung, --tragen
versteckter Weise die heil. Hostien mit sich auf die Hexentnze und
Convente, haben viele Jahre aufeinander ihre Teufel als Puller und legen
dergleichen, wenn sie von ihren Ehemnnern aus dem Bett hinweggefahren,
statt ihrer unter menschlicher Gestalt zu dem Ehemann in das Bett an die
Hierauf wird bezglich der Anzeigen dieses allerabscheulichsten Lasters
mit Berufung auf die Auctoritt Carpzov's ausgefhrt, dass es in den
heimlichen und schwer zu probirenden Verbrechen =genug= sei, dass
=Muthmassungen= orhanden; denn =eine muthmassliche und aus wich$
e aus dem Munde des Du
nachahmte. Es war eine wunderliche Lust fr ihn, sich selbst zu hren,
er hob die Arme und fllte den Raum mit seinem freudigen Gelall.
Seinen Kerkermeister mochte dies verdrieen und beunruhigen, er wollte
ihn zum Schweigen bringen: auf einmal sah Caspar einen Stab ber seine
Schulter sausen und sprte zugleich einen so heftigen Schmerz auf dem
Arm, da er vor Schrecken nach vorne fiel. Mitten in der Angst machte er
die erstaunliche Wahrnehmung, da er nicht mehr ans Lager angebunden
war. Eine Zeitlang verhielt er sich ganz stille dann versuchte er,
vorwrts zu rutschen, aber ihm graute, als er mit seinen bloen Fen
die kalte Erde berhrte. Mit Mhe erreichte er sein Lager und versank
sofort in Schlaf.
Es wurde dreimal Nacht und Tag, ehe der Du wiederkam und versuchte, ob
Caspar noch seinen Namen schreiben und die Worte aus dem Buch lesen
konnte. Er verbarg nicht seine Verwunderung, als der Knabe dies mhelos
vermochte. Er wies auf Dinge rings im Raum und nannte ihre Namen; er
redet$
d Hill den Strohsack aufschttelte und Wasser und Brot brachte,
dann erschienen schon die ersten Besucher, die berufsmigen
Frhaufsteher: Straenkehrer, Dienstmgde, Bckergesellen, Handwerke
,
die zur Arbeit gingen, auch Knaben, die auf dem Weg zur Schule einen
ergtzlichen Abstecher machten, sogar einige hchst unbrgerliche
Erscheinungen, zerlumpte Herren, die die Nacht im Stadtgraben oder in
einer Scheune verbracht hatten.
Mit dem Verlauf des Tages wurde die Gesellschaft vornehmer; es kamen
ganze Familien, der Herr Rendant mit Weib und Kind, der Herr Major
a.D., der Schneidermeister Bgelflei, Graf Rotstrumpf mit seinen
Damen, Herr von bel und Herr von Strbel, die ihre Morgenpromenade zum
Zweck einer Besichtigung des kuriosen Untiers unterbrachen.
Es war ein heiteres Treiben; man konversierte, wisperte, lachte,
spottete und tauschte Meinungen aus. Man war freigebig und brachte dem
Jngling allerlei Geschenke, die er ansah wie ein Hund, der noch nicht
apportieren gelernt hat, den fortgeworfenen Spazi$
rer Langsamkeit durch die Stube bis zum Tisch, nahm auf dem
Holzsessel Platz, sttzte das Kinn in die Hand und schaute mit
unverwandtem Blick regungslos ins Licht der Lampe. Wir warn alle drei
wie verzaubert, und meine Schwester sowie der Kandidat gestanden mir
spter, da ihnen ganz frstlich zumute gewesen sei. Mittlerweile war
auch meine Mutter zurckgekehrt, sie war die erste, die an den Tisch
trat und Caspar fragte, wo er gesteckt habe. Er gab keine Antwort. Meine
Schwester Anna glaubte ihn besser zum Reden bringen zu knnen, sie nahm
ihm den Hut vom Kopf, strich mit der Hand ber seine Haare und suchte
ihn mit leiser Stimme seinem Brten zu entreien. Ganz vergeblich; er
schaute immer nur ins Licht, immer ins Licht, die geffnete Hand an der
Wange, das Kinn ber dem Daumen. Ich sah mir ihn jetzt genauer an, indem
ich mich unauffllig nherte, jedoch sein Antlitz verriet nichts als
einen unbeweglichen, gar nicht einmal schmerzlichen, sondern starren,
fast stupiden Ernst. Meine Mutter fuhr fort, in ihn z$
nd sagte: Jetzt brauch' ich Sie.
Schildknecht nickte.
Es geht um alles, fuhr Caspar fort.
Schildknecht nickte.
Da ist ein Brief, sagte Caspar, den soll meine Mutter bekommen.
Schildknecht nickte wieder, diesmal voll Andacht. Wei schon,
antwortete er, die Frstin Stephanie--
Woher wissen Sieas? hauchte Caspar betroffen.
Hab's gelesen. Hab's in dem Buch vom Staatsrat gelesen.
Und weit auch, wo du hingehen mut, Schildknecht?
Wei es. Ist ja unser Land.
Und willst ihr den Brief geben?
Und schwrst bei deiner Seligkeit, da du ihr selber den Brief gibst?
Aufs Schlo gehst? In die Kirche, wenn sie dort ist? Ihren Wagen
aufhltst, wenn sie auf der Strae fhrt?
Ist kein Schwren ntig. Ich tu's, und wenn's Knollen regnet.
Wenn ich's tun wollte, Schildknecht, ich km' nicht bis ins nchste
Dorf. Sie wrden mich abfangen und einsperren.
Wie willst du's anstellen?
Bauernkleider anziehen, bei Tag im Wald schlafen, bei Nacht laufen.
Und wo den Brief verstecken?
Unter der Sohle, im S$
te lgen, wenn ich behaupten wollte, es mache mir Freude, den
Jngling zu sehen. Nein, es ist mir schmerzlich, ihn zu sehen, und
fragst du mich nach dem Grund, so mu ich wie ein dummer Schler
antworten: Ich wei nicht. brigens lebt er hier ganz in Frieden und
wird wohl, trbselig zu melden, all seine Tage hindurch als ein obskurer
Gerichtsschreiber oder dergleichen figurieren.
Whrend Herr von Tucher am selben Nachmittag wieder abreiste, und zwar
ohne sich um Caspar zu kmmern, blieb Daumer noch drei Tage in der
Stadt, da er Geschfte bei der Regierung hatte. Beim Begrbnis des
Prsidenten sah er Caspar nicht; er erfuhr spter, da Frau on Imhoff
seine Anwesenheit zu verhindern gewut hatte. Er machte bald die
krnkende Entdeckung, da Caspar ihm geflissentlich auswich. Eine Stunde
vor seiner Abreise sprach er mit dem Lehrer Quandt darber.
Kann ein Mann von Ihrer Einsicht um eine Erklrung dieses Betragens
verlegen sein? sagte Quandt erstaunt. Es ist doch ganz klar, da er
jetzt, wo er eine immer g$
n
Wattebuschchen abgerieben unK dieses in dieselbe Bouillon gebracht,
deren Menge aber in diesen Fllen auf 10ccm bemessen wurde.
Als sich bei den ersten zehn Versuchen ein auffallender Unterschied in
der Zahl der Keime, je nachdem sie dem Hrer oder dem Schallbecher
entstammten, herausstellte, wurden nachtrglich weitere 10 Telephone
analog den ersten 10 untersucht.
Es ist kaum zu glauben, wieviel Schmutz den Telephonen im allgemeinen
anhaftet. Besonders trifft dies zu fr die in dunkelen, geschlossenen
Zellen untergebrachten Fernsprecher. Da vielfach nicht einmal fr
Beleuchtung in denselben gesorgt ist, so ist es begreiflich, da der
ungeheuere Schmutz von den Besitzern der Apparate garnicht gesehen und
demzufolge fr eine Entfernung garnicht Sorge getragen wird. So ist es
wohl denkbar, da in vielen derartigen Fllen der Schmutz sich ber
Jahre hin anhufen konnte.
Nach der Auswaschung nimmt die klare Bouillon eine schmutzig graue, oft
tief schwarze Verfrbung an und bleibt in den wenigsten Fllen
durch$
 der Offizier zeigte auf den Mann -- wird
auf den Leib geschrieben werden: Ehre deinen Vorgesetzten!
Der Reisende sah flchtig auf den Mann hin; er hielt, als der Offizier
auf ihn gezeigt hatte, den Kopf gesenkt und schien alle Kraft des Gehrs
anzuspannen, um etwas zu erfahren. Aber die Bewegungen seiner wulstig
aneinander gedrckten Lippen zeigten ofenbar, dass er nichts verstehen
konnte. Der Reisende hatte Verschiedenes fragen wollen, fragte aber im
Anblick des Mannes nur: Kennt er sein Urteil? Nein, sagte der
Offizier und wollte gleich in seinen Erklrungen fortfahren, aber der
Reisende unterbrach ihn: Er kennt sein eigenes Urteil nicht? Nein,
sagte der Offizier wieder, stockte dann einen Augenblick, als verlange
er vom Reisenden eine nhere Begrndung seiner Frage, und sagte dann:
Es wre nutzlos, es ihm zu verknden. Er erfhrt es ja auf seinem
Leib. Der Reisende wollte schon verstummen, da fhlte er, wie der
Verurteilte seinen Blick auf ihn richtete; er schien zu fragen, ob er
den geschild$
nisse, Absichten
ins Auge zu fassen, wo Mnner seines Alters nur Gefhle, Freuden,
Hirngespinste sehen. Er drngte die Wrme und berschwenglichkeit, die
jungen Leuten natrlich ist, in die Tiefen seiner von Natur edelmtigen
Seele zurck. Er strebte danach, einen kalt berechnenden Menschen aus
sich zu machen, die moralischen Reichtmer, die der Zufall ihm in die
Hnde gegeben hatteO zu Manieren, liebenswrdigen Formen,
verfhrerischen Kunstgriffen umzuwandeln: die echte Methode des
Ehrgeizigen. Dieses traurige Spiel wird in der Regel nur zu dem Zwecke
unternommen, um das zu erlangen, was wir heutzutage eine schne
Position nennen.
Er warf einen letzten Blick auf die Sle, wo getanzt wurde. Bevor er den
Ball verlie, wollte er ohne Zweifel noch ein Bild davon mit
hinwegnehmen, wie ein Zuschauer die Loge in der Oper nicht verlt, ohne
das Schlubild anzuschauen. Es war ja auch eine leicht verstndliche
Laune, da Herr de Vandenesse nun dieses echt franzsische Treiben, den
Prunk und die lachenden Gesichter $
ckseligkeit.
Er betrachtete das kleinste seiner Kinder, einen kaum fnf Jahre alten
Jungen, der, halb nackend, sich durchaus nicht von der Mutter ausziehen
lassen wollte. Der kleine Kerl ri aus vor dem Nachthemd und dem
Nachthubchen, das die Mutter ihm manchmal hinhielt. Er behielt seinen
gestickten Kragen um und lachte seine Mutter aus, wenn sie ihn rif,
weil er recht wohl merkte, da sie selbst ber diese kindliche Meuterei
lachte. Er fing dann wieder an, mit seiner Schwester zu spielen, die
ebenso naiv, aber schon etwas schalkhafter war als er. Sie sprach auch
schon deutlicher, whrend seine undeutlichen Worte und wirren Gedanken
selbst fr seine Eltern kaum verstndlich waren.
Die kleine Moina, die etwa zwei Jahre lter war als er, rief durch
Neckereien, die in ihr schon das Weib erkennen lieen, endloses
Gelchter hervor, das ganz pltzlich losbrach und eigentlich keinen
Grund zu haben schien. Aber als sie sich alle beide so drollig vorm
Feuer herumkugelten, in heller Ungeniertheit ihre hbschen fleis$
brig fr das selbstschtige, sich selbst suchende Herz.
Als der Tag graute, fand er nicht ohne Schwierigkeit seine Bauernhtte.
Er schlief lange, und nach Tisch verkndete er seinen Entschlu,
weiterzuwandern. Da man ihn fragte, wohin, entgegnete er lchelnd: nach
Sden. Der Bauer und sein Knecht begleiteten ihn bis zur Landstrae
hinab, eine Stunde spter war er auf 2em Bahnhof und nahm ein Billett
nach Basel. Von dort wollte er zu Fu weiter, um seine Brse zu schonen.
Weil er jedoch am Abend in Basel ankam und nicht in die Nacht hinein
marschieren konnte, war er tricht genug, in einem nahegelegenen Hotel
Quartier zu nehmen, was ihn mehr Geld kostete als viele Stunden
Eisenbahnfahrt. Noch dazu mute er sich ob seines Aussehens und des
fehlenden Reisegepcks halber -- den Koffer hatte er an die Adresse des
Vaters geschickt -- eine wegwerfende Behandlung gefallen lassen, und es
nutzte ihm nichts, da er sich bei einer gelegentlichen Zwiesprache mit
dem Portier als Philosoph von Beruf bezeichnete.
Dann kam e$
nen, sondern uns, mir, dem Freund.
Engelhart lie einige Tage verstreichen, in denen er angelegentlich ber
Schildknechts Worte nachdachte. Dann antwortete er folgendes: Im
Augenblick der grten Bedrngnis haben Sie4ihre Hand nach mir
ausgestreckt, lieber Freund, ich konnte Ihre Hand ergreifen und war
gerettet. Die Tat soll Ihnen unvergessen bleiben, denn sie ist die
Brcke, die mich wieder zu den Menschen fhrt. Wahrhaftig, ich habe
schon verlernt, wie man mit Menschen spricht und wie man ihnen in die
Augen sehen soll. Sie geben mir Hoffnung, da alles, was ich jetzt
erlebe, einst eine kstliche Speise fr meine Erinnerung sein und da
dieses nun so Bittere dann s schmecken wird. Aber was hilft es dem zum
Krppel geschlagenen Soldaten, wenn ihm spter die Aufregungen der
Schlacht herrlich dnken? Und da ich zum Krppel gemacht werde, zum
Krppel an Herz und Seele, das frchte ich. Wir wollen uns doch nicht
mit Redensarten trsten und jede Not zur Notwendigkeit stempeln. Einer
Bestimmung zu leben ist ja$
rdlichen Stadtteil zu. Sein Herz klopfte vor ungestmer
Bewegung und zum erstenmal empfand er, darber erstaunend, die Freude
Es war schon acht Uhr, als er zu Hause anlangte. Freilich waren die
Kinder jetzt schon zu Bett gegangen, aber er wollte Ruth wieder wecken.
Ohne der Schwester oder der Mutter zu begegnen, sclich er zum
Schlafzimmer der Sieben. Er zndete eine Kerze an und bemerkte, da
seine Hnde dabei zitterten. Dann suchte er die Bettchen ab; immer
ungeduldiger ging er von einem zum andern, und er wute nicht, wie ihm
geschah, als er das Mdchen nicht fand. Es waren vier Betten und eins
stand leer. In den andern lagen je zwei Kinder. Er suchte noch einmal,
er leuchtete jedem der Schlfer ins Gesicht, aber die kleine Ruth fand
er nicht. Da lchelte er pltzlich, und dieses Lcheln war kindlich und
voll Heiterkeit. Whrend der Dauer dieses schnen Lchelns war er ein
vllig anderer Mensch. Er ging mit der Kerze in der Hand in sein eigenes
Zimmer; denn er war fest berzeugt, das Kind habe sich heimlic$
getrieben
sei. Dann aber hie es, der Todte lieg' im Schlick, und der Schlick
gbe nichts heraus, oder doch erst nach fnfzig Jahren, wenn das
angeschwemmte Vorland Acker geworden sei. Dann wrd' er mal beim Pflgen
gefunden werden, gerad so wie der Franzose gefunden wr'.
Ja, gerade so wie der Franzose, der jetzt berhaupt die Hauptsache war,
viel mehr als der mit seinem Fuhrwerk verunglckte Reisende, was
eigentlich auch nicht Wunder nehmen konnte. Denn Unglcksflle wie der
Szulski'sche waren hufig, oder wenigstens nicht selten, whrend der
verscharrte Franzos unterm Birnbaum alles Zeug dazu hatte, die Fantasie
der Tschechiner in Bewegung zu setzen. Allerlei Geschichten wurden
ausgesponnen, auch Liebesgeschichten, in deren einer es hie, da
Anno13 ein in eine hbsche Tschechinerin verliebter Franzose beinah
tglich von Kstrin her nach Tschechin gekommen sei, bis ihn ein
Nebenbuhler erschlagen und verscharrt habe. Diese Geschichte lieen sich
auch die Mgdenicht nehmen, trotzdem sich ltere Leute seh$
 Umgang
zu pflegen und Menschen zu sehn, lebte vielmehr eingezogener denn je,
und begngte sich damit, Sonntags in die Kirche zu gehn. Ihre sonst
tiefliegenden Augen sprangen dann aus dem Kopf, so begierig folgte sie
jedem Wort, das von der Kanzel her laut wurde, _das_ Wort aber, auf das
sie wartete, das kam nicht. In ihrer Sehnsucht ging sie dann, nach der
Predigt, zu dem guten, ihr immer gleichmig geneigt bleibenden Eccelius
hinber, um, so weit es ging, Herz und Seele vor ihm auszuschtten und
etwas von Befreiung oder Erlsung zu hren; aber Seelsorge war nicht
seine stark Seite, noch weniger seine Passion, und wenn sie sich der
Snde geziehn und in Selbstanklagen erschpft hatte, nahm er lchelnd
ihre Hand und sagte: Liebe Frau Hradscheck, wir sind allzumal Snder
und mangeln des Ruhmes, den wir vor Gott haben sollen. Sie haben eine
Neigung sich zu peinigen, was ich mibillige. Sich ewig anklagen ist
oft Dnkel und Eitelkeit. Wir haben Christum und seinen Wandel als
Vorbild, dem wir im Gefhl unsrer $
 habe ich mich
enthalten, ausgenommen kleine unwichtige Nachhilfen. Ich wrde jetzt
manches vielleicht anders sagen, mehr auseinandersetzen, gedeckter,
beschirmter hinstellen; wem gefllt eine Arbeit ganz, wenn er sie nach
Jahren wieder liest? Allein man wei auch, wie leicht mit nachbesserndem
Eingreifen mehr verderbt als besser gemacht wird.
  [1] Altes und Neues von Fr. Th. Vischer (Stuttgart 1881) S.187.
Wollte ich hier in Polemik eingehen, auf alle Kritiken antwortend,
welche meine Schrift hervorgerufen hat, so wrde dies Bchlein zu einem
erschreckend starken Band anschwellen. Meine berzeugungen sind
dieselbn geblieben, desgleichen die Positionen und schroff sich
gegenberstehenden Musikparteien der Gegenwart. Der Leser wird mir daher
wohl auch die Wiederholung einiger Bemerkungen gestatten, mit welchen
ich das Erscheinen der dritten Auflage begleitet habe. Der Mngel dieser
Abhandlung bin ich mir sehr lebhaft bewut. Demungeachtet hat das weit
ber Erwarten gnstige Schicksal der frheren Auflage$
in auch weit bestimmtere und ausdrucksvollere Gesangsstellen werden,
losgelst von ihrem Text, uns hchstens _raten_ lassen, welches Gefhl
sie ausdrcken. Sie gleichen Silhouetten, deren Original wir meistens
erst erkennen, wenn man uns gesagt hat, wer das sei.
Was hier an einzelnem gezeigt wurde, erweist sich ebenso an Werken von
greremYund grtem Umfang. Man hat ganzen Gesangstcken oft andere
Texte untergelegt. Wenn man in Wien Meyerbeers Hugenotten mit
Vernderung des Schauplatzes, der Zeit, der Personen, der Begebenheit
und der Worte als Ghibellinen in Pisa auffhrt, so strt ohne Zweifel
die ungeschickte Mache einer solchen Umarbeitung, allein der rein
musikalische Ausdruck wird nicht im mindesten beleidigt. Und doch soll
das religise Gefhl, der Glaubensfanatismus geradezu die Springfeder
der Hugenotten bilden, welche in den Ghibellinen ganz entfllt. Der
Choral Luthers darf hier nicht eingewendet werden; er ist ein _Zitat_.
Als Musik pat er zu jeder Konfession. -- Hat der Leser nie das f$
e _geistige_ Moment wird sich bei
Zuhrern desselben Tonwerks in sehr verschiedener Abstufung ttig
erweisen; es kann in sinnlichen und gefhlvollen Naturen auf ein Minimum
sinken, in vorherrschend geistigen Persnlichkeiten das geradezu
Entscheidende werden. Die wahre _rechte_ Mitte mu sich, nach unserer
Meinung, hier eher etwas nach rechts neigen. Zum Berauschtwerden
braucht's nur der Schwche, aber wirklich sthetisches _Hren_ ist eine
_Kunst_.[41]
  [41] _W. Heinses_ schwrmerisch-dissolutem Temperament mute es
  vollkommen entsprechen, von der bestimmten musikalischen Schnheit
  zugunsten des vagen Gefhlseinduckes abzusehen. Er geht (in der
  Hildegard von Hohenthal) so weit, zu sagen: Die wahre Musik ...
  geht berall auf den Zweck los, den Sinn der Worte und der Empfindung
  in die Zuhrer zu bertragen, so leicht und angenehm, da man sie (die
  Musik) nicht merkt. Solche Musik dauert ewig, sie ist gerade so
  natrlich, da man _sie nicht merkt_, sondern nur der Sinn der Worte
  bergeht.$
ntbehren knnten; nur halten es die
Menschen in ihrer Torheit wegen seines seltenen Vorkommens fr so
besonders wertvoll. Und dabei hat doch im Gegenteil die Natur, wie eine
beraus gtige Mutter, uns gerade ihre besten Gaben offen und frei vor
Augen gestellt, wie die Luft, das Wasser und die Erde selbst, das
Nichtige und Unntze dagegen sehr weit entrckt. Wrde nun Gold und
Silber bei den Utopiern in irgendeinem Turme versteckt, so knnte der
trichte Argwohn der groen Masse den Brgermeister und den Senat
verdchtigen, sie wollten das Volk auf hinterlistige Weise btrgen, um
selber irgendwelchen Vorteil daraus zu ziehen. Wenn sie ferner Schalen
und andere derartige Schmiedearbeiten aus Gold und Silber herstellen
lieen, so knnte einmal der Fall eintreten, da man sie wieder
einschmelzen und zur Soldzahlung an die Truppen verwenden mte, und
natrlich wrden dann die Besitzer der Gegenstnde, das sehen sie ein,
sich nur ungern wieder entreien lassen, woran sie allmhlich Freude
gefunden haben. Um es zu$
 derer, die
fr das Vergngen eintreten, worin sie entweder das menschliche Glck
berhaupt oder doch wenigstens seinen wesentlichsten Bestandteil
erblicken. Und worber man sich noch mehr wundern mu, sie sttzen ihre
so sinnenfreudige Ansicht auch mit Beweisgrnden, die sie ihrer Religion
entnehmen, einer ernsten und strengen, ja fast dsteren und harten
Lehre. Wenn sie nmlich ber die Glckseligkeit verhandeln, so vrbinden
sie stets gewisse Grundstze ihrer Religion mit der Philosophie, die mit
Vernunftgrnden arbeitet; denn ohne diese Grundstze ist die Vernunft
nach Ansicht der Utopier zu ungengend und zu schwach, um fr sich
allein die wahre Glckseligkeit zu erforschen.
Diese Grundstze sind folgende: Die Seele ist unsterblich und durch die
Gte Gottes zur Glckseligkeit geschaffen; fr unsere Tugenden und
guten Werke erwarten uns nach diesem Leben Belohnungen, fr unsere
Missetaten aber Strafen. Diese Anschauungen sind zwar religiser Natur,
aber nach Ansicht der Utopier fhrt schon die Vernunft da$
ar an
Wrde mit unseren Menschenseelen und auch nicht zu gleicher
Glckseligkeit geschaffen. Die Utopier sind nmlich fast alle fest davon
berzeugt, da den Menschen eine unbegrenzte Glckseligkeit bevorsteht.
Infolgedessen wehklagen sie stets, wenn jemand krank ist, niemals aber,
wenn jemand stirbt; sie mten denn gerade sehen, wie sich der Sterbende
nur mit Angst und Widerwillen vom Leben losreit. Das halten sie nmlich
fr ein ganz schlimmes Vorzeichen, gleich als ob die Seele ohne Hoffnung
und mit schlechtem Gewissen in irgendeiner dunklen Ahnung drohender
Strafe vor dem Ende zurckschaudere. Auerdem wird sich nach ihrer
Meinung Gott nicht ber die Ankunft eines Menschen freuen, der auf
seinen Ruf nicht bereitwillig herbeieilt, sondern sich nur ungern und
widerstrebend hinschleppen lt. Vor einem solchen Sterben entsetzen
sich denn auch die, die es mit ansehen, und wer so stirbt, wird in
Trauer und aller Still aus der Stadt getragen; dann betet man zu dem
den Seelen der Verstorbenen gndigen Gott, e$
er fremden
Wirklichkeit berhrt. Whrend also fr die psychische Struktur des
abstrakten Idealismus eine bermige und durch nichts gehemmte
Aktivitt nach auen hin bezeichnend war, ist hier mehr eine Tendenz zur
Passivitt vorhanden, die Tendenz ueren Konflikten und Kmpfen eher
auszuweichen, als sie aufzunehmen; die Tendenz alles, was die Seele
betrifft, rein in der Seele zu erledigen.
Freilich: in dieser Mglichkeit liegt die entscheidende Problematik
dieser Romanform, der Verlust der epischen Versinnbildlichung, die
Auflsung der Form in ein nebelhaftes und ungestaltetes Nacheinander von
Stimmungen und Reflexionen ber Stimmungen, der Ersatz der sinnlich
gestalteen Fabel durch psychologische Analyse. Diese Problematik wird
noch dadurch gesteigert, da die Auenwelt, die mit dieser Innerlichkeit
in Berhrung kommt, dem Verhltnis der beiden entsprechend, vollstndig
atomisiert oder amorph, jedenfalls aber jedes Sinnes bar sein mu.
Sie ist eine ganz von der Konvention beherrschte Welt, die wirkliche
E$
u einem interessanten
und unbegreiflichen Weg, der jedoch mit unzerreibaren Fden an den
gegenwrtigen, an den erlebten Augenblick gebunden ist. Und dieser
Augenblick ist so reich von der zugleitenden und hinweggleitenden Dauer,
als deren Stauung er einen Moment des bewuten Schauens bietet, da sich
dieser Reichtum auch dem Vergangenen und Verlorenen mitteilt, ja damals
unbemerkt Vorbeigegangenes mit dem Wert des Erlebens ziert. So ist, in
merkwrdiger und melancholischer Paradoxie, das Gescheitertsein das
Moment des Werts; das Denken und Erleben dessen, was das Leben versagt
hat, die uelle, der die Flle des Lebens zu entstrmen scheint. Es
ist die vllige Abwesenheit jeder Sinneserfllung gestaltet, aber
die Gestaltung erhebt sich zur reichen und runden Erflltheit einer
wirklichen Lebenstotalitt.
Das ist das wesentlich epische dieses Gedchtnisses. Im Drama (und
in der Epope) existiert das Vergangene nicht oder ist vollkommen
gegenwrtig. Da diese Formen den Zeitablauf nicht kennen, gibt es in
ihnen k$
. Als er wieder zu sich kam, lag er
auen, beim Felsen, die Jungfrauen standen traurig um ihn und sagten
ihm, sie mten jetzt wieder warte, bis aus einem Kirschkern, welchen
ein Vogel am Mnzberg fallen lasse, ein Baum geworden und aus diesem
eine Wiege fr ein neugebornes Kind gemacht sey; dieses Kind erst knne,
wenn es erwachsen, sie erlsen. Hierauf verschwanden sie. Der Mann
gelangte mit Mhe nach Hause und starb in drei Tagen.
Die Entstehung der Wallfahrt zu Moosbronn.
1) Aus dem Lindenbaum, an dessen Fu die Moosalb entspringt, ertnte
einst lieblicher Gesang. Man suchte nach und fand in dem Stamme ein
anmuthiges Mariahilfsbild. Nachdem nun noch, nchtlicher Weile, auf
einen nahe gelegenen Platz berirdisches Feuer gefahren war, erbaute man
auf demselben eine Kapelle und setzte darin das Bild zur Verehrung aus.
Alsbald leuchtete es mit Wundern, und auch das Holz der Linde und das
Wasser der Quelle erwiesen sich gegen verschiedene bel heilkrftig.
2) Mit einem schwer beladenen Wagen Holz fuhr ein Man$
erlor die Besinnung,
bis ich nach einer Weile, deren Dauer ich nicht zu sagen vermag, von
einem neuen, unfabaren Leben erwachte, das wie in warmen Goldbchen
meinen ganzen Krper durchrieselte. Als ich die Augen aufzuschlagen
wagte, fand ich mich unter Blumen auf dem Erdgrund liegen, und der
Sonnenschein berflutete mich ber und ber, lange lag ich so still und
konnte die Wohltat nicht fassen, die mein trauriges Gemt zu einem ganz
neuen Glck berredete, mein Herz schwankte in groer Angst und
unnennbarem Entzcken und mir war, als wollte es tief aus dem Grund
meiner Seele hell und brennend in die Augen brechen.
ADs der Elf bei diesen Worten eine Pause machte, konnte ein Waldvogel,
der ihm von einem Lindenzweig aus in atemloser Spannung gelauscht hatte,
nicht lnger an sich halten, und nun rief er laut:
Vertrau' der Sonne, lieber Elf! Es ist unsagbar schn in der
himmlischen Sonne!
Und wie eine Antwort auf diesen Ruf, erklang es tausendstimmig von allen
Geschpfen umher. Es ist herrlich in der himmlisc$
e Zeit
    ber den himmlischen Wolken?
Hassan, der Igel, s unten im Farnkraut und hrte zu; er konnte sich
nicht entschlieen, einen Ort zu verlassen, an dem ein Blumenelf weilte.
Dies war erstens etwas ungemein Seltenes, dann kam aber auch noch hinzu,
da es hier ohnehin sehr schn war. Wenn man schlielich durch seinen
Appetit strte und dadurch unliebsames Aufsehen erregte, da man zu
viele der Wiesenbewohner herunterschlang, so konnte man seine Nahrung
auch anderswo suchen, der Wald war gro und Hassan gut zu Fu. Ich
knnte wahrhaftig diesem Elfen zulieb Pflanzenkost genieen, dachte er,
und den Versuch machen, mich von Gras zu ernhren, aber ich wei im
voraus, da ich es nicht aushalte. Nun, es wird sich schon finden, ich
jage anderswo und lebe hier.
ber ihm in den Zweigen raschelte es, und als Hassan durch die grnen
Fcher des Farnkrautes sah, erblickte er ein Eichhrnchen, das sich von
Ast zu Ast bis auf den Boden, dicht bei seinem Versteck, niederschwang.
Hassan entschlo sich, hier um Rat zu f$
nfache und
ehrliche Leute und haben nicht viel fr Fremde brig, die aufschneiden.
Schauen Sie doch hinauf in den Wipfel unserer Linde, Sie werden sich
rasch davon berzeugt haben, da die Sonne noch nicht aufgegangen ist.
Schn sind Sie brigens auch nicht gerade.
Nein, sagte die Lerche, ich bin nicht schn.
Nun, wenigstens darin sind Sie ehrlich, aber das mit der Sonne hat mir
nicht gefallen. Ich habe einmal ein Falkenpaar belauscht, das in der
Linde Rast hielt, und da hrte ich, da die Falken hher fliegen, als
die Kugel des Jgers reicht, ja, da sie sich so hoch emporschwingen
knnen, da sie, die doch groe Vgel sind, wie kleine Punkte am Himmel
erscheinen.
Die Lerche nicte. O ja, sagte sie nachdenklich, die Falken fliegen
Ja, nun, und----? Wollen Sie etwa sagen, da Sie hher fliegen knnen
als die Falken?
Die Lerche schwieg, aber die Bachstelze gab sich nicht zufrieden, denn
man mute nach ihrer Meinung sehen, da man berall Recht behielt, wo es
sich irgend einrichten lie.
Wie ist $
inen Augen in ihrer
Traurigkeit.
Gibt es auf der Erde diese groe Liebe, die mich erlsen soll? dachte
er. Ich will nicht in Bangen leben, die Nacht ist wundervoll. Mir wird
geschehen, wie es im ewigen Rat bestimmt ist.
Er erschrak ein wenig, als ihn pltzlich jemand sanft, aber recht
vernehmbar, von der Seite anstie. Es war Uku, die Nachteule, die gro
und dunkel dicht neben ihm auf dem Lindenast sa und ihn mit ihrem
Flgel angestoen hatte.
Gute Mondfahrt, sagte sie bedchtig, aber herzlich, auf ihre Art, und
der Elf grte sie auf seine.
Du schlfst nicht? fragte Uku, dir ist wohl in der Khle und im
sanften Licht; ist es nicht so? Ich werde die Leute nie recht begreifen
lernen, die das grelle Sonnenlicht diesem milden Himmelssegen
Lebst du hier immer in der Linde? fragte der Elf, der Uku
wiedererkannt-.
Uku nickte. Ihr groes Gesicht mit den schwarzen runden Augen sah
merkwrdig genug aus, der kleine gebogene Schnabel hockte darin wie eine
Nase, und sie hatte eine seltsam melancholische Art, ihre$
in Luftform bekannt
geworden ist. Bringt man ein Stck solchen Steines in verdnnte
Schwefelsure, so ergreift diese den Kalk und erscheint mit ihm als Gips;
jene zarte, luftige Sure hingegen entflieht. Hier ist eine Trennung, eine
neue Zusammensetzung entstanden, und man glaubt sich nunmehr berechtigt,
sogar das Wort Wahlverwandtschaft anzuwenden, weil es wirklich aussieht,
als wenn ein Verhltnis dem andern vorgezogen, eins vor dem andern 'rwhlt
Wird hier die schwache, zarte Kohlensure durch die rohe, starke
Schwefelsure vertrieben und in die Einsamkeit hinausgejagt, so finden wir
auch Flle, in denen der Chemiker, damit kein Stoff leer ausgehe, ein
Viertes zugesellt:
Diese Flle sind allerdings die bedeutendsten und merkwrdigsten, wo man
das Anziehen, das Verwandtsein, dieses Verlassen, dieses Vereinigen
gleichsam bers Kreuz, wirklich darstellen kann; wo vier bisher je zwei zu
zwei verbundene Wesen, in Berhrung gebracht, ihre bisherige Vereinigung
verlassen und sich aufs neue verbinden. In diesem F$
eile der
Trilogie eines pseudo-Robert de Borron sind, und zwar derjenigen, die
ich beanspruche rekonstruiert zu haben. Als ein Beispiel fhre ich
hier eineStelle an, die auf die Dreiteilung des Werkes Bezug hat, und
die sich in der Hs. No. 343 auf fol. 101a, in der portugiesischen Hs.
auf fol. 179a und in den spanischen Drucken im 355. Kapitel befindet:
  ils sorent erranment que ce estoit Galahaz qui celle auenture auoit
  mene a fin et distrent bien que ce nestoit mie par cheualerie. Mes
  par miracle de nostre seignor. si firent metre celle auenture en
  escrit entre les autres auentures.
  E Galahaz quant il se fu partiz del chevalier cheuaucha puis mainte
  iornee et maintes auentures mist a fin dont cil de beron ne parle mie.
  car trop eust a faire se il voloit a cestui point raconter toutes les
  merueilles del Grahal. et la darraine partie de son liure fust trop
  grant auers les autres deuspremieres: mes ce sanz faille quil lesse a
  deuiser en ceste paitie deuisse es _contes del brait_ car li con$
rhalten in
    den spanischen Drucken, in der portugiesischen Hs. und in der Hs.
    No. 340 der Pariser National Bibliothek ist der Schlu zu finden.
    Die Version der Mort Artus der Trilogie ist zwar unzweifelhaft auf
    die der Vulgata zurckzufhren, aber sie unterscheidet sich von
    derselen in manchen Punkten und ist bedeutend krzer. Einige
    wichtige Stellen aus derselben habe ich im XXXVI. Bande der
    _Romania_ SS. 584-590 gedruckt.
[48] Die oben gesperrt gedruckten Reihen weisen auf den Tod des
    Morholt durch Tristan und auf Tristans Tod selber hin. Vgl. auch
    _supra_ S. XXVII.
[49] Im XXVII. Kapitel erzhlt M die Abenteuer Ywains (Sir Uwayne) mit
    der "damoysel of thre score wynter of age". Was ich auf S. XLI N.
    1[40] von den Abenteuern des Morholt gesagt habe, gilt auch von denen
    Ywains, sie sind durchaus verschieden von den in der Trilogie des
    pseudo-Robert de Borron von diesen beiden Rittern vollbrachten.
    Ywain und seine Fhrerin schlagen eine sdliche Richtung$
r le. Et aussi vindrent cheualiers et dames destrange terre pour
lassemblee regarder. Si aduint que celle damoiselle que len appelloit
Arcade y vint et ce bon cheualier, dont ie vous conte, que len appelle
Pellias. Le tournoiement estoit assembles en tel maniere que celle qui
prouee y seroit a [la] plus belle pour loier de sa beaute
emporterait[268] .i. cercle dor qui estoit mis dessus vng glaiue ou
milieu du tornoiement. Et cil qui esleuz y seroit a estre le meilleur
cheualier de toute la place et qui mieulx le feroit ou tornoiement,
auroit pour loyer de sa cheualerie la meilleur espee de cest pis."
"Quant cil tornoiement, dont ie vous conte, fu ainsi assembles, il fut
voirs que asses y ot de preudommes et de bons cheualiers qui y
estoient venus de pres et de loing, mez sanz faille cil Pellias le
fist cellui iour si bien que ie onques iour de ma vie ne le vy si bien
faire a cheualier en lieu ou ie feusse. Et pour ce ly fut octroye
lespee deuant tous. Car tuit disoient communement quil auoit vaincu
lassemble$
e il leust fait, nul ne len
peust granment blasmer, pour quil sceust la desloyaute et la traison
quil auoit faicte vers luy. Lors se repent moult de ceste chose quil a
faicte, car ce voit il bien quil en a villainement ouure et
desloyaument. Et tant est le mesfait grant quil ne voit pas comment il
le peust iamais amender. Lors commence a penser[299] moult durement.
Et la damoiselle li dit: "Sire, que penses vous? Ie vous pry que vous
le me dictes." "Ie ne le vous diroye mie", fait il, "se vous ne me
creantes loyaument que vous en ouureres a ma volente"; et ell2 li
creante sur sa crestiente. Et il li compte maintenant comment il
sestoit acompaignes a Pellias et li auoit {37} acreante a porter ly
loyal compaignie et loyal foi [et que] pour lamour de lui estoit il ca
venus. "Et lay", fait il, "si villainement trahi que iamais nul ne
saura la verite de ceste chose quil ne me tiengne a traitour et a
desloyal. Ne nul norra iamais parler de si grant loyaute ne de si
grant cortoisie de ce que il [ne] nous occist quan$
uis vient a son cheual et dit a la
damoiselle: "Prenes le". [40 a] "Non {75} feray", fait elle, "car le
recet a ma seur est pres de cy, et ie vueil mieulx aler a pie que a
cheual". "De par dieu", fait il. Si sen uait ainsi comme elle faisoit,
et nont mie granment ale quilz viennent au recet a la damoiselle.
Celle nuit fu moult bien seduis messire Yuain et aaisies de quanque la
dame pot auoir. Et au matin si tost quil vit le iour, il sem parti et
moult les commanda a dieu et se remist en son chemin ainsi comme il
auoit fait a lautre foiz, et pensa quil iroit droit celle part ou
messire Gauuain estoit entre luy et le Morholt. Tant cheuauche en tel
maniere vne heure auant et autre arriere, ainsi comme auenture le
pouoit porter, quil vint pres de la Roche aux Pucelles la ou les .ij.
compaignons estoient. Quant il vit la roche si haulte et si ague et si
roide, il ne pensa[391] mie que ce fust elle, car il ne cuidast en
nulle maniere que leans peust gens habiter. Si sen ala outre, mais
ancois lot moult longuement r$
iaux, ly Amoureux, le plus beaux
cheualier de sa terre etc., vng des {140} plus beaux cheualiers de la
Table Reonde et morroit par amour__, 9, 64, 79, 98, 134.
__Urien*, roi de Garlot__, (Vryence, Vryens kynge of gore), d'aprs le
pseudo-Robert le mari de Morgain et pre dYvain, 1, 2, 14, 56, 68, 75,
78, 79, 82, 84, 88.
__Uterpandragon*, roi__, pre du roi Artus, 91.
__Vavassour__, l'hte de Gauvain 19, 20, 22, 23.
---- celui chez qui Yvain se repose dix jours, aprs avoir pris cong de
Girflet et de Keux, 72.
__Vavassour__, ami de Baudemagus, 105.
__Ymages, deux, de pierre__, reprsentant l'escuier et la demoiselle
du Morholt en face du Perron du Cerf, 55.
---- __deux de cuivre__  Taraquin reprsentant Gahriet coupant la tte
du gant Aupatris, dtruites par les deux fils de Mordret, 124.
__Yvain*__, (Vwayne, Ewayne) fils du roi Urien et de Morgain, 2, 3-6,
7, 10, 13-15, 56, 57, 59, 66-72,`75-86, 129, 130; sa mort prdite, 78.
[1] Alle Namen mit einem * versehen, kommen schon in dem Teile des
    zweiten B$
nicht ganz klar bin. Wenngleich ich mich
auch zu schwach fhle, um stets mein Augenmerk auf einen und denselben
Punkt zu richten, so kann ich es doch durch aufmerksame und oft
wiederholte Betrachtung dahin bringen, da ich daran denke, sobald es
ntig wird, und mich so gleichsam daran =gewhne=, nicht zu irren.
Darin nun besteht die grte und hauptschlichste menschliche
Vollkommenheit, und ich glaube daher, nicht wenig durch meine heutige
Betrachtung gewonnen zu haben, da ich die Ursache des Irrtums und der
Falschheit erforschte. Diese Ursache kann gar keine andere sein, als die
oben entwickelte, denn sowie ich den Willen beim Urteilen so zgele, da
er nur auf das klar und deutlich Erka%nte sich erstreckt, so ist ein
Irrtum gnzlich unmglich; denn eine jede klare und deutliche
Vorstellung ist ohne Zweifel doch =Etwas=, kann also nicht von =Nichts=
kommen, sondern hat notwendigerweise =Gott= zum Urheber, -- Gott, das
vollkommenste Wesen, das weder irren noch lgen kann![45] Und somit ist
die Vorstellung ga$
rzempfindung
bereitet, zu erstreben, was Lust bereitet und hnliches. Sie scheint uns
aber =nicht= auerdem noch zulehren, da wir aus jenen sinnlichen
Erregungen ohne vorherige Prfung durch den Verstand einen Schlu auf
die Dinge auer uns ziehen drfen, denn die Erkenntnis der Wahrheit
scheint nur dem Geiste allein, nicht aber der =Vereinigung= von Krper
und Geist anzugehren.
Wenn also auch ein Stern mein Auge nicht =mehr= erregt, als die Flamme
einer kleinen Fackel, so liegt doch darin keine wirkliche, positive
Ntigung zu der Annahme, er sei in der That nicht grer. Ich habe dies
von Jugend auf ganz ohne Grund geglaubt. -- Wenn ich mich einem Feuer
nhere, so fhle ich zwar Wrme, und wenn ich ihm allzu nahe komme,
empfinde ich Schmerz. Aber dies ist wahrlich kein Grund zu glauben, im
Feuer sei etwas dem Wrmegefhl oder gar dem Schmerze hnliches; es
beweist vielmehr lediglich, da im Feuer ein gewisses irgendwie
beschaffenes Etwas ist, das in uns die Wrme- oder Schmerzempfindung
erregt. -- Ebenso,$
keit? Die Hmmer
fallen ganz blind drauflos, manchmal auf ein arm' Kind, manchmal, merke
dir das, Frau, auf eine Greisin. Und jetzt sind Mutter und Sohn an Ort
und Stelle und werden aussteigen. Wie wird es jetzt bei ihnen zu Hause
Er wurde aus seinen Gedanken durch Toblers wohltnende Stimme
aufgeweckt. Was er da so allein mache? Er solle kommen und ihm helfen,
den Rest Rotwein noch auszutrinken. Ein wenig spter sagte der Hausherr
Ja, ja. Der Wirsich ist nun endgltig verabschiedet. Ich hoffe, da ein
gewisser Anderer besser zu schtzen wei, was einer hat, wenn er hier
oben leben darf. Ich brauche wohl nicht zu sagen, wen ich unterdiesem
'gewissen Andern' verstehe. Sie lachen. Ja, lachen Sie meinetwegen. Das
aber sage ich Ihnen im voraus, wenn Sie irgendwelche Gelste haben, ich
meine, so Sonntags, was ja auch keinem jungen gesunden Menschen zu
verargen ist, so machen Sie, da Sie in die Stadt kommen, dort ist
gesorgt fr so was, mehr wie genug. In meinem Hause, haben Sie
verstanden, dulde ich nichts Dera$
-Uhr zum
Beispiel, hat es mich wirklich auch an allen Fasern meines Ichs
angepackt? Bin ich davon erfllt? Ich mu gestehen, ich denke nur allzu
oft an ganz andere Dinge. Das aber, mein bester Herr Gehlfe, ist
Verrat. Tauche jetzt endlich mal stramm unter in die Angelegenheiten
Fremder, du it ja auch Fremder ihr Brot, gehst mit Fremder ihren Frauen
und Kindern auf dem See schiffahren, liegst in Fremder Kissen und Betten
und trinkst Fremder Rotwein aus. Kopf hoch jetzt, und vor allen Dingen
den Kopf sauber gehalten. Ich mene, wir sind hier bei Toblers nicht
deshalb, da wir es nur schn haben. Es ist eine Ehre, es sich auch ein
bichen sauer zu machen. Hopp!
Joseph hatte sich inzwischen ausgezogen, er lschte die Kerze und warf
sich ins Bett. Aber noch eine ganze Weile plagten ihn die Vorwrfe
seiner Kopflosigkeit.
Im Traum sah er sich mit einem Mal in die Wohnstube der Frau Wirsich
versetzt. Er wute, wo er war und wute es doch nicht recht, es war
ziemlich hell in der Stube, aber sie erschien ihm ganz $
man so, wie es
geschehen sei, die Versuche, tchtig und aufrichtig zu sein und zu
bleiben, behandle?
Frau Tobler sagte kalt: Mein Mann ist krank, wie Sie wissen, und eine
Strung wird ihm nicht gerade willkommen sein. Aber wenn Sie Lust haben,
und wenn Sie glauben, es hier oben bei uns nun so pltzlich nicht mehr
aushalten zu knnen, so gehen Sie nur zu ihm hinauf und sagen Sie ihm,
was Sie auf Ihrem Herzen haben. Ich denke, Sie werden den Ihnen und
Ihrem Betragen geziemenden, kurz und bndigen Bescheid erhalten.
Der Gehlfe blieb sitzen. Dann erhob er sich und sagte: Ich gehe noch
rasch auf die Post.
Sie wollen also nicht zu meinem Manne hinaufgehen?
Nein, Herr Tobler sei krank, sagte Joseph, man drfe ihn nicht stren.
Er dagegen habe jetzt noch Lust, einen kleinen Spaziergang zu machen.
Drauen empfing ihn eine klare, kalte Wel . Etwas Hohes und Gewlbtes
von einer Welt. Es war kalt geworden. Die Fe schlugen gegen Steine und
Eisstcke. Ein eiskalter Wind wehte durch die Bume. Durch die ste
dersel$
 Aber sie lchelte, und solch ein Lcheln
kann aus der rmsten und bedrngtesten Frau eine halbe Frstin machen,
denn ein Lcheln erinnert immer an etwas Hochachtbares und
Wohlanstndiges.
Der Schnee blieb liegen bis zum eigentlichen Tage, sauber und fest, denn
es gab kalte Nchte, die die weie Decke knirschend zufrieren machten.
Am Weihnachtstag ging Joseph gegen Abend den bekannten Berg hinauf. Die
kleinen Wege schlngelten sich hellgelb durch die schimmernd weien
Wiesen, die ste der tausend Bume waren mit Reif berglitzert: ein zu
ses Schauspiel! Die Bauernhuser stunden in dieser feinen, weien,
verzweigten Prach da, wie Schmuck- oder Zierhuser, fr den Anblick und
fr das unschuldige Verstndnis eines Kindes geschaffen. Die ganze
Gegend schien eine hohe Prinzessin zu erwarten: so zierlich und sauber
angezogen sah sie aus. Sie schien ein Mdchen zu sein, ein schchternes
und ein bichen krnkliches, ein unendlich zart veranlagtes. Joseph
schritt hher hinauf, und da hoben sich mit einem Mal die gr$
i
dem berhang der Wetterwolke, und selber bei so vielen Ausdnstungen
anfangender Furcht, kurz, bei
    indes der Gelehrte, der Philosoph und der Dichter das neue Buch nur
    aus neuem Stoff und Zuwachs schaffen, legt der Rezensent blo sein
    altes Ma von Einsicht und Geschmack an tausend neue Werke an,
    und sein altes Licht bricht sich an der vorbeiziehenden, stets
    verschieden geschliffenen Glserwelt, die er beleuchtet, in neue
so augenscheinlicher Gefahr nichts frchten drften, wollten sie nicht
samt und sonders erschlagen sein. O, Gott, rief ich, nur Mut! Keine
Furcht! Nicht einmal Furcht vor der Furcht! -- Wollen wir denn als
zusammengetriebene Hasen hier sehaft, von unserem Herrgott erschossen
sein? -- Frchte sich meinetwegen jeder, wenn er aus der Kutsche heraus
ist, nach Belieben an anderen Orten, wo weniger zu besorgen it, nur
aber nicht hier.
Ich kann nicht entscheiden -- da unter Millionen kaum ein Mensch an der
Gewitterwolke stirbt, aber vielleicht Millionen an Schnee- und Reg$
aum verbt hat. Sollte nicht jedem Minister,
Gesandten oder anderen Mann von Ehre oder Stand ordentlich grausen vor
Tollwerden oder hitzigen Fiebern, da ihm kein Mensch dafr steht, da er
nicht darin mit den grten Skandalen herausfhrt, wovon vielleicht die
Hlfte Lgen sind?
Endlich, nach der langen Juliusnacht, kamen wir Passagiere samt der
Aurora vor Fltz an. Ich sah scharf und weich nach den Turmspitzen; ich
glaube, da jeder Mensch, der in einer Stadt etwas Entscheidende< zu
    [36] Und so wnscht' ich berall der erste zu sein, besonders im
    Betteln; der erste Kriegsgefangene, der erste Krppel, der erste
    Abgebrannte (hnlich dem, der die erste Feuerspritze anfhrt)
    erbeutet die Hauptsumme und das Herz; der Nachkmmling spricht die
    Pflicht nur an; und endlich geht es mit dem melodischen Mancando des
    Mitleids soweit
hat, und dem sie entweder ein Richtplatz seiner Hoffnungen oder deren
Ankerplatz, entweder Schlacht- oder Zuckerfeld wird, sein Auge am ersten
und lngsten auf die Tr$
d auf das Nachstrmen des Marktheeres
    [136] bersteigt ihr eure Zeit zu hoch, so geht es euren Ohren (von
    seiten der Fama) nicht viel besser, als sinkt ihr unter solche zu
    tief, wirklich ganz hnlicherweise sprte =Charles= oben in der
    Luftkugel, und =Halley= unten in der Taucherglocke gleichen
    besonderen Schmerz in den Ohren.
hernieder und konnte sehr bald bedenken, da eigentlich niemand als Gott
und die Spitzbuben und Mrder genau wuten, wieviel von beiden letzteren
darunter mit einschwmmen, um vielleicht die unschuldigsten Marktgste
teils zu enthlsen, teils zu enthalsen. Meine Lage hatte etwas gegen
sich -- mein Schwager hatte, weil er alles blind herausschlgt, es
fallen lassen, da ich im Tiger abstiege -- (o Gott, wann lernen solche
Menschen geheimnisreich bleiben und auch den elendesten Bettel dQs
Lebens unter Deckmnteln und Schleiern blo deshalb zu tragen, weil so
oft eine lausige Maus einen Eis- und Golgathaberg gebiert als ein Berg
eine Maus?). Smtliches Postgesindel sa $
t.
Frhling! Ich war drauen weit, weit und sie machte eine Bewegung, als
wollte sie ihm zeigen, wo der Frhling liegt. Ihre Augen glnzten so
verheiend. Dann fuhr sie fort in wichtigem, geschftlichm Ton: Ich
will Sie nicht stren, Herr Land. Nur das wollte ich Ihnen mitteilen.
Ich behalte die Wohnung; es bleibt also alles beim alten, d.h. wenn Sie
mit dem Zimmer sonst zufrieden sind?
Er suchte ihre Augen und sah dann rasch zu Boden: Oh, sagte er weich,
ich bin sehr gerne hier, ich glaube... Er begann die Handflchen
aneinander zu reiben...
Luisa hatte die Klinke in der Hand behalten: Das ist schn, half sie
ihm und wurde auch etwas ratlos.
Er sah aus, als htte er etwas auf dem Herzen.
Die beiden jungen Menschen schwiegen.
Dann begann das Mdchen: Ich mchte so gern etwas besser deutsch
lernen, vielleicht knnen Sie ein wenig bhmisch brauchen dafr.
Ja atmete Land auf, ich liebe Ihre Sprache.
Also, bat Luisa heiter, dann kommen Sie doch, wenn Sie Zeit haben,
eine Weile nach vorn. Es $
r heimatlose, den ganzen Tag
durch die Arbeit angehngte Frauen. Der rasende Wunsch dieser Mdchen
mit Mnnern ihrer Klasse zu verkehren, ist betrbend echt, und dieser
Wunsch ist nicht so sehr der Ausdruck der natrlichen Bestrebungen des
jungen Weibes, mit jungen Mnnern zusammen zu kommen, sondern er
besteht, weil alle diese Mnner fr die Mdchen Ehemnner sein knnten,
und die Heirat die einzige Mglichkeit ist, aus Stonor House und der
freudlosen Existenz daselbst herauszukommen.
In dem vor einigen Jahren erschienenen Pfad eines Pioniers bricht Dolf
Wyllarde hnlichen Ideen Bahn, aber ihre jungen Frauen sind weniger
gesund und weniger aufrichtig bestrebt, mit Mnnern zu Heiratszwecken
zusammenzukommen. Jedoch geben einem beide Bcher eine gute Vorstellung
von dem lieblosen unnatrlichen Leben der jungen Frauen des
Mittelstandes, deren Verwandte, wenn sie welche haben, weit weg sind,
und die ihr Leben in groen Stdten verdienen mssen, fast immer durch
diese ungnstigen sozialen Bedingungen zur Alt$

Das kann fr eine gefhrliche Lehre gehalten werden; aber die
gegenwrtige Politik des Stillschweigens ber diesen Gegenstand ist noch
gefhrlicher, da sie das Bestreben hervorbringt, ber dem verbotenen
Themazu brten.
Ich erinnere mich, wie mir eine ungefhr fnfzehnjhrige Schulkameradin,
als ich etwas ber zehn Jahre alt war, anvertraute, da ein Mann -- er
war ein harmloser Junge von ungefhr zwanzig Jahren -- ihr die Hand
gekt hatte, als er ihr das Tennisrakett reichte. Sie zog entrstet
ihre Hand zurck und sagte: Wie knnen Sie es wagen, mir diese Schmach
anzutun? Dann verlie sie den Tennisplatz und wollte nicht mehr
spielen. Ich glaube nicht, da viele Mdchen so albern sind wie diese,
aber der Zwischenfall illustriert den in jener Schule allgemein
herrschenden, uns eingeimpften Ton. Und er zeigt, wie emphatisch dem
Gemt des Mdchens alle geschlechtlichen Angelegenheiten dargestellt
worden sein mssen, damit sie in einem ganz unschuldigen und galanten
Zeichen der Huldigung eine Schmach erblic$
nzende Idee fr die Lsung des Eheproblems gekommen.
Sag sie uns, riefen die drei Anwesenden einstimmig.
Noch nicht, erledigen wir erst die Rmer. Ich vertraute neulich einem
Mann meine Idee an; nachdem er mir wie blich die Rmer vorgesetzt
hatte, ging ich und sah im Gibbon nach.
Allgemeines Lachen unterbrach sie. Die Vorstellung, da unser
Schmetterling Amoret ber dem Gibbon bffeln sollte, war zu komisch.
Ja wirklich, ich hab es getan, fuhr sie fort, und was ich
herausfinden konnte, war, da nicht ihre leichtfertigen Ideen ber die
Ehe ihren Niedergang verursachten, sondern ihre -- wie soll ich's
nennen? -- allgemeinen lockeren Sitten...
Ich wei es, sagte Isolda, ihr zu Hilfe kommend, ich las nelich ein
riesig interessantes Buch darber: Kaiserlicher Purpur. Es war das
Erlschen aller Ideale, die Freigabe aller fleischlichen Begierden, der
durch Ausschweifungen und ppiges Leben entstehende uerste Mangel an
sittlichem Halt, der die Rmer zugrunde richtete; aber wenn eine
tchtige, kalt$
- nein, das kannst du nicht! schrie Richard ganz laut
vor Schrecken und starrte seine Mutter voll Entsetzen an.
Sei leise, Richard, er hrt uns, mahnte die Mutter. Mein Junge, es
wird dir schwer, aber du mut mir das Opfer bringen -- du wirst -- ich
wei es...
Welches Opfer? fragte Richard und begann zu zittern. Was meinst du
denn, Mutti?
Da du mit mir gehen sollst, Richard, das meine ich. Heimlich wollen
wir fort. Anders geht es nicht -- sonst bringt er uns ja doch wieder
in seine Gewalt. Ic
 kann es nicht durchleben, wie er dich von meinem
Herzen fortlockt ... Und glaube mir, Richard -- ich kenne ihn -- in
ihm ist eine schauerliche Klte. Was gilt ihm Menschenglck -- ihm
gilt nur die Kunst ... Wenn du ihn da enttuschest -- du sollst es
sehen, wie er dich rcksichtslos ber Bord wirft...
Das darf er auch, sagte der Knabe trotzig. Das ist sein gutes
Ich will es nicht erleben. Ich nicht. Ich zerbreche daran.
Ihre Augen irrten hilflos. Vielleicht ist es schon zu spt, sagte
sie pltzlich $
tet
wrden, da erblate der arme Strapinski, verwirrte sich von neuem und
erwiderte gar nichts.
Hchst interessant! brummte der Wirt fr sich, indem er abermals in
den Keller eilte und aus besonderem Verschlage nicht nur ein Flschchen
Tokaier, sondern auch ein Krgelchen Bocksbeutel holte und eine
Champagnerflasche schlechthin unter den Arm nahm. Bald sah Strapinski
einen kleinen Wald von Glsern vor sich, aus welchem der Champagnerkelch
wie eine Pappel emporragte. Das glnzte, klingelte und duftete gar
seltsam vor ihm, und was noch seltsamer war, der arme, aber zierliche
Mann griff nicht ungeschickt in das Wldchen hinein, und go, als er
sah, da der Wirt etwas Rotwein in seinen Champaner tat, einige Tropfen
Tokaier in den seinigen. Inzwischen war der Stadtschreiber und der Notar
gekommen, um den Kaffee zu trinken, und das tgliche Spielchen um
denselben zu machen; bald kam auch der ltere Sohn des Hauses Hberlein
und Co., der jngere des Hauses Ptschli-Nievergelt, der Buchhalter
einer groen Spinnere$
u teilen; vielmehr
schaffte er sich Bcher an, abonnierte in allen Leihbibliotheken und
Lesezirkeln der Hauptstadt, hielt sich die Gartenlaube und
unterschrieb auf alles, was in Lieferungen erschien, da hier ein
fortlaufendes, schn vrteiltes Studium geboten wurde. Damit hielt er
sich in seiner Huslichkeit und zugleich seine Umstnde vor Schaden
bewahrt. Wenn er seine Tagesgeschfte munter und vorsichtig
durchgefhrt, so zndete er seine Pfeife an, verlngerte die Nase und
setzte sich hinter seinen Lesestoff, in welchem er mit groer
Gewandtheit herumfuhr. Aber er ging noch weiter. Bald schrieb er
verschiedene Abhandlungen, welche er seiner Gattin als Essays
bezeichnete, und er sagte fter, er glaube, er sei seiner Anlage nach
ein Essayist. Als jedoch seine Essays von den Zeitschriften, an welche
er sie sandte, nicht abgedruckt wurden, begann er Novellen zu schreiben,
die er unter dem Namen Kurt vom Walde nach allen mglichen
Sonntagsblttchen instradierte. Hier ging es ihm besser, die Sachen
erschien$
en in die Luft bliesen. Sie weinte nicht, aber die
Augen wurden ihr feucht.
Die braven Wiener Brgersleute herzten und kten die Kleinen, und indem
sie in heiem Gebete zum Himmel flehten, er mge knftighin ihre
geliebte Vaterstadt nicht mehr mit Feuer heimsuchen, priesen sie die
Vorsehung, die es verstanden, mitten aus dem Unheile heraus fr ihre
alten darbenden Herzen ein unerwartetes Glck zu schaffen.
  (Am 25. Dezember 1881)
Als ich heuer den ersten Schnee fallen sah und sommerlich gekleidete,
leicht beschuhte Kinder erblickte, die bla und bekmmert ber die
Strae wateten, summte mir unaufhrlich die Erinnerung an ein rhrendes
Ereignis durch den Sinn, das in meiner Knabenzeit groes Aufsehen erregt
hatte, um, wie das selbst bei den wichtigsten Dingen zu geschehen
pflegt, rasch wieder vergessen zu werden. Es war die Geschichte eines
Zwillingspaares, eines Knaben und eines Mdchens, die zur Winterszeit
auszogen, eine Mutter zu suchen, und nach einigen Tagen im Walde
erfroren aufgefunden wur+en. Ich ha$
ieden, wenngleich diese Personen niemals die
Zeichen eines durch Symptombildung erledigten neurotischen Konflikts
geboten haben. So kennt man Personen, bei denen jede menschliche
Beziehung den gleichen Ausgang nimmt: Wohltter, die von jedem ihrer
Schtzlinge nach einiger Zeit im Groll verlassen werden, so verschieden
sie sonst auch sein mgen, denen also bestimmt scheint, alle Bitterkeit
des Undanks auszukosten; Mnner, bei denen jede Freundschaft den Ausgang
nimmt, da der Freund sie verrt; andere, die es unbestimmt oft in ihrem
Leben wiederholen, eine andere Person zur groen Autoritt fr sich der
auch fr die ffentlichkeit zu erheben, und diese Autoritt dann nach
abgemessener Zeit selbst strzen, um sie durch eine neue zu ersetzen;
Liebende, bei denen jedes zrtliche Verhltnis zum Weibe dieselben
Phasen durchmacht und zum gleichen Ende fhrt usw. Wir verwundern uns
ber diese ewige Wiederkehr des Gleichen nur wenig, wenn es sich um
ein aktives Verhalten des Betreffenden handelt, und wenn wir den s$
re letzten
Konsequenzen zu verfolgen. Mag, was dabei herauskommt, den Anschein des
Tiefsinnigen erwecken oder an Mystisches anklingen, so wissen wir uns
doch von dem Vorwurf frei, etwas derartiges angestrebt zu haben. Wir
suchen nchterne Resultate der Forschung oder der auf sie gegrndeten
berlegung, und unser Wunsch mchte diesen keinen anderen Charakter als
den der Sicherheit verleihen.
Wenn also alle organischen Triebe konservativ, historisch erworben und
auf Regression, Wiederherstellung von Frherem gerichtet sind, so mssen
wir alle Erfolge der organischen Entwicklung auf die Rechnung uerer,
strender und ablenkender Einflsse setzen. Das elementare Lebewesen
wrde sich von seinem Anfang an nicht habenndern wollen, htte unter
sich gleichbleibenden Verhltnissen stets nur den nmlichen Lebenslauf
wiederholt. Aber im letzten Grunde mte es die Entwicklungsgeschichte
unserer Erde und ihres Verhltnisses zur Sonne sein, die uns in der
Entwicklung der Organismen ihren Abdruck hinterlassen hat. Die
$
en anderen Keimzellen herbeifhren usw., bilden die
Gruppe der Sexualtriebe. Sie sind in demselben Sinne konservativ wie die
anderen, indem sie frhere Zustnde der lebenden Substanz wiederbringen,
aber sie sind es in strkerem Mae, indem sie sich als besonders
resistent gegen uere Einwirkungen erweisen, und dann noch in einem
weiteren Sinne, da sie das Leben selbst fr lngere Zeiten erhalten. Sie
sind die eigentlichen Lebenstriebe; dadurch, da sie der Absicht der
anderen Triebe, welche durch die Funktion zum Tode fhrt,
entgegenwirken, deutet sich ein Gegensatz zwischen ihnen und den brigen
an, den die Neurosenlehre als bedeutungsvoll erkannt hat. Es ist wie ein
Zauderrhythmus im Leben der Organismen; die eine Triebgruppe strmt nach
vorwrts, um das Endziel des Lebens mglichst bald zu erreichen, die
andere schnellt an einer gewissen Stelle dieses Weges zurck, um ihn von
einem bestimmten Punkt an nochmals zu machen und so die Dauer des Weges
zu verlngern. Aber wenn auch Sexualitt und Unterscbied de$
           sowie ihre fremdsprachigen Ausgaben
                       sind zu beziehen durch den
              =INTERNATIONALEN PSYCHOANALYTISCHEN VERLAG=
          Auslieferungsstelle: Wien, III. Weigrberlnde 44.
[ Im folgenden werden alle genderten Textzeilen angefhrt, wobei
jeweils zuerst die Zeile wie imMOriginal, danach die genderte Zeile
gewissen Zusammenhang mit der Lage des Systems Bw. und dem ihm
gewissen Zusammenhang mit der Lage des Systems Bw. und den ihm
Lust-Unlustempfindungen erzeugen. Allerdings werden die von ihnen
Lust-Unlustempfindungen erzeugen. Allerdings werden die von innen
Tod das eigentliche Resultat und insofern der Zweck des Lebenst ist[24],
Tod das eigentliche Resultat und insofern der Zweck des Lebens ist[24],
uns zunchst, den Gegensatz zwischen Sexualtrieben, die auf das Objekt
uns zunchst den Gegensatz zwischen Sexualtrieben, die auf das Objekt
ein Todestrieb ist, der durch den Einflu der narzistischen Libido vom
ein Todestrieb ist, der durch den Einflu der nar$
ische dampfte. Nur mit
Sitzen, wie mit Geschirr und Messer und Gabeln sah es rmlich aus.
Amalie bekam die einzige noch ordentliche Gabel mit dem dazu ehrigen
Messer, Olnitzki nahm seinen Genickfnger, mit einer einzinkigen Gabel,
das Fleisch, das er schneiden wollte, damit zu halten, und Sidonie
benutzte ein ausgeschnittenes Stck Rohr, das allem Anschein nach schon
lange diesen Dienst verrichtet, abwechselnd des Gatten Messer dabei
gebrauchend. Auch fr den Kaffee bekam die Schwester eine der freilich
henkellosen Tassen aus der alten Zeit, und wenn die Untertasse auch
nicht dazu pate, trank es sich doch besser daraus wie aus den
Blechbechern, die von Olnitzki und seiner Frau benutzt wurden. Aber ein
eigenes unheimliches Gefhl bemchtigte sich der Schwester, als sie den
breiten Goldrand des zerbrochenen Geschirrs neben der blechernen
Schssel stehen sah, und dann der Zeit gedachte wo sie selber diese
Tasse einst der jungen hoffnungsseligen _Braut_ geschenkt.
Das Gesprch bei Tisch war ziemlich einsylbig,$
ten Krutern und Grsern bewachs?nen Savanen von Atures sind wahre
Prrien, hnlich unsern europischen Wiesen; sie werden nie vom Flusse
berschwemmt und scheinen nur der Menschenhand zu harren, die sie
umbricht. Trotz ihrer bedeutenden Ausdehnung sind sie nicht so eintnig
wie unsere Ebenen. Sie laufen um Felsgruppen, um bereinander gethrmte
Granitblcke her. Dicht am Rand dieser Ebenen, dieser offenen Fluren stt
man auf Schluchten, in die kaum ein Strahl der untergehenden Sonne dringt,
auf Grnde, wo einem aus dem feuchten, mit Arum, Heliconia und Lianen
dicht bewachsenen Boden bei jedem Schritte die wilde Ueppigkeit der Natur
entgegentritt. Ueberall kommen, dem Boden gleich, die ganz kahlen
Granitplatten zu Tage, wie ich sie bei Carichana beschrieben, und wie ich
sie in der alten Welt nirgends so ausnehmend breit gesehen habe wie im
Orinocothal. Da wo Quellen aus dem Schooe dieses Gesteins vorbrechen,
haben sich Verrucarien, Psoren und Flechten an den verwitterten Granit
geheftet und Dammerde erzeugt$
chwingungen der Atmosphre
in Folge der ungleichen Erwrmung der verschiedenen Bodenstcke,
Hindernisse bilden. In ruhiger Luft, sey sie nun trocken oder mit
gleichfrmig vertheilten Dunstblschen erfllt, pflanzt sich die
Schallwelle ungehindert fort; wird aber die Luft nach allen Richtungen von
kleinen Strmen wrmerer Luft durchzogen, so theilt sich die Welle da, wo
die Dichtigkeit des Mittels rasch wechselt, in zwei Wellen; es bilden sich
lokale Echos, :ie den Schall schwchen, weil eine der Wellen zurckluft:
es tritt die Theilung der Wellen ein, deren Theorie in jngster Zeit von
POISSON so scharfsinnig entwickelt worden ist. Nach unserer Anschauung
wird daher die Fortpflanzung der Schallwellen nicht dadurch gehemmt, da
durch die Ortsvernderung der im Luftstrome von unten nach oben
aufsteigenden Lufttheilchen, durch die kleinen schiefen Strmungen ein
Sto ausgebt wrde. Ein Sto auf die Oberflche einer Flssigkeit bringt
Kreise um den Mittelpunkt der Erschtterung hervor, selbst wenn die
Flssigke$
 gebaut werden. In Folge der nomadischen Lebensweise der
Eingeborenen fehlt es nun nicht an solchen Bausttten, wo der Boden
umgebrochen worden und der Lu|t ausgesetzt gewesen, ohne da etwas darauf
wuchs. Der Tabak, der in frisch ausgerodeten Wldern gepflanzt wird, ist
wssrigt und ohne Arom. Bei den Drfern Maroa, Davipe und Tomo ist der
Indigo verwildert. Unter einer andern Verwaltung, als wir sie im Lande
getroffen, wird der Rio Negro eines Tags Indigo, Kaffee, Cacao, Mais und
Reis im Ueberflu erzeugen.
Da man von der Mndung des Rio Negro nach Gran-Para in 20--25 Tagen fhrt,
so htten wir den Amazonenstrom hinab bis zur Kste von Brasilien nicht
viel mehr Zeit gebraucht, als um ber den Cassiquiare und den Orinoco an
die Nordkste von Caracas zurckzukehren. Wir hrten in San Carlos, der
politischen Verhltnisse wegen sey im Augenblick aus den spanischen
Besitzungen schwer in die portugiesischen zu kommen; aber erst nach
unserer Rckkehr nach Europa sahen wir in vollem Umfang, welcher Gefahr
wir uns a$
llen Charakter. Das Bett des Orinoco ist ganz
anders als die Betten des Meta, des Guaviare, des Rio Negro und des
Amazonenstroms. Diese Unterschiede ruehren nicht bloss von der Breite und
der Geschwindigkeit des Stromes her; sie beruhen auf einer Gesammtheit von
Verhaeltnissen, die an Ort und Stelle leichter aufzufassen, als genau zu
beschreiben sind. So erriethe ein erfahrener Schiffer schon an der Form
der Wogen, an der Farbe des Wassers, am Aussehen des Himmels und der
Wolken, ob er sich im atlantischen Meer, oder im Mittelmeer, oder im
tropischen Strich des grossen Oceans befindet.
Der Wind wehte stark aus Ost-Nord-Ost; er war uns guenstig, um
stromaufwaerts nach der Mission Encaramada zu segeln; aber unsere Pirogue
leistete dem Wogenschlag so geringen Wierstand, dass, wer gewoehnlich
seekrank wurde, bei der heftigen Bewegung selbst auf dem Fluss sich sehr
unbehaglich fuehlte. Das Scholken ruehrt daher, dass die Gewaesser der beiden
Stroeme beider Bereinigung auf einander stossen. Dieser Stoss ist sehr s$

so folgt daraus, dass das Bett des Flusses in seinem oberen Lauf wenigstens
200 Toisen ueber dem Meere liegt, also nur so hoch, als wir mit dem
Barometer das Ufer des Amazonenstroms bei Tomependa in der Provinz Jaen de
Bracamoros gefunden. Bedenkt man nun, wie stark dieser ungeheure Strom von
Tomependa bis zum Meridian von 75 deg. faellt und wie weit es von den Missionen
am Rio Caguan bis zur Cordillere ist, so bleibt kein Zweifel, dass das Bett
des Caqueta unterhalb der Muendungen des Caguan und des Payoya viel tiefer
liegt als das Bett des obern Guainia, an den er einen Theil seines Wassers
abgeben soll. Ueberdiess ist das Wasser des Caqueta durchaus weiss, das des
Guainia dagegen schwarz oder kaffeebraun; man hat aber kein Beispiel, dass
ein weisser Fluss auf seinem Laufe schwarz wuerde. Der obere Guainia kann
also kein Arm des Caqueta seyn. Ich zweifle sogr, dass man Grund hat
anzunehmen, dem Guainia, als vornehmsten und unabhaengigen Wasserbehaelter,
komme suedwaerts durch einen Seitenzweig einiges Was$
rach zu laut ein Vogel im Gezweige?
    Murmelte der Wind zur Nacht von neuen,
    Ahnungsvollen, ungewissen Dingen --
    Und die Blten stoben hin erschrocken
    Und sie fielen weit, weit ab und starben ...
Alfred Wolfenstein.
Geboren am 28. Dezember 1888 zu Halle. -- Die gottlosen Jahre 1914. Die
Freundschaft 1917. Die Nackten 1917. Menschlicher Kmpfer 1919.
    Nah wie 7cher eines Siebes stehn
    Fenster beieinander, drngend fassen
    Huser sich so dicht an, da die Straen
    Grau geschwollen wie Gewrgte sehn.
    Ineinander dicht hineingehakt
    Sitzen in den Trams die zwei Fassaden
    Leute, wo die Blicke eng ausladen
    Und Begierde ineinanderragt.
    Unsre Wnde sind so dnn wie Haut,
    Da ein jeder teilnimmt, wenn ich weine.
    Flstern dringt hinber wie Gegrle --
    Und wie stumm in abgeschloner Hhle
    Unberhrt und ungeschaut
    Steht doch jeder fern und fhlt: alleine.
    Sie wirbelt weich
    Die Hnde schwingend vor ..
    Sie rollt auf Zehen starr zurck:
    Steht gi$
ht kommen. Nur wenn jemand von sich aus keine
Verfgung trifft, so wird der Rechtsstaat fr ihn eintreten und durch die
geistige Organisation die Verfgung treffen lassen.
Innerhalb einer so geregelten sozialen Ordnung ist zugleich der freien
Initiative der einzeln2n Menschen und auch den Interessen der sozialen
Allgemeinheit Rechnung getragen; ja es wird den letzteren eben dadurch voll
entsprochen, da die freie Einzel-Initiative in ihren Dienst gestellt wird.
Wer seine Arbeit der Leitung eines andern Menschen anzuvertrauen hat, wird
bei einer solchen Regelung wissen knnen, da das mit dem Leiter gemeinsam
Erarbeitete in der mglichst besten Art fr den sozialen Organismus, also
auch fr den Arbeiter selbst, fruchtbar wird. Die hier gemeinte soziale
Ordnung wird ein dem gesunden Empfinden der Menschen entsprechendes
Verhltnis schaffen zwischen den durch das Rechtsbewutsein geregelten
Verfgungsrechten ber in Produktionsmitteln verkrpertes Kapital und
menschlicher Arbeitskraft einerseits und den Preisen $
n bisherigen Staatsformen nicht vorhanden sind.
Und innerhalb dieser Einrichtungen wird dasjenige ausgetilgt werden knnen,
was gegenwrtig als _Klassenkampf_ empfunden wird. Denn dieser Kampf beruht
auf der Einspannung des Arbeitslohnes in den Wirtschaftskreislauf. Diese
Schrift stellt eine Form des sozialen Organismus da=, in dem der Begriff
des _Arbeitslohnes_ ebenso eine Umformung erfhrt wie der alte
_Eigentumsbegriff_. Aber durch diese Umformung wird ein _lebensfhiger_
sozialer Zusammenhang der Menschen geschaffen.-- Nur eine leichtfertige
Beurteilung wird finden knnen, da mit der Verwirklichung des hier
Dargestellten nichts weiter getan sei, als da der Arbeitszeitlohn in
Stcklohn verwandelt werde. Mag sein, da eine einseitige Ansicht von der
Sache zu diesem Urteil fhrt. Aber _hier_ ist diese einseitige Ansicht
nicht als die rechte geschildert, sondern es ist die Ablsung des
Entlohnungsverhltnisses durch das vertragsgeme Teilungsverhltnis in
bezug auf das von Arbeitsleiter und Arbeiter geme$
 gegeben htte, der von den Krften der Geschichte
selbst gefordert gewesen wre. Statt mit dieser Aufgabe sich ins Groe
zu wenden, blieb man bei sozialen Reformen stehen, die aus den
Forderungen des Tages sich ergaben, und war froh, wenn man im Auslande
die Mustergltigkeit _dieser_ Reformen bewunderte. Man kam daneben immer
mehr dazu, die uere Welt-Machtstellung des Reiches aff Formen grnden
zu wollen, die aus den ausgelebtesten Arten des Vorstellens ber die Macht
und den Glanz der Staaten heraus gebildet waren. Man gestaltete ein Reich,
das ebenso wie das sterreichisch-ungarische Staatsgebilde dem widersprach,
was in den Krften des Vlkerlebens der neueren Zeit sich geschichtlich
ankndigte. Von diesen Krften sahen die Verwalter dieses Reiches nichts.
_Das_ Staatsgebilde, das _sie_ im Auge hatten, konnte nur auf der Kraft
des Militrischen ruhen. Dasjenige, das von der neueren Geschichte
gefordert ist, htte auf der Verwirklichung der Impulse fr den gesunden
sozialen Organismus ruhen mssen. Mit$
einigt, wo es sich um ihrer Seelen Seligkeit handelte.
Wenn die Kavaliere spt in der Nacht vom Trinktische nach dem Fenster
schwankten, um zu sehen, ob die Nacht ruhig und sternenklar war, sahen
sie oft einen dunklen Schatten ber den Hofplatz gleiten, dann wuten
sie, da die Majorin gekommen war, um sich nach ihrem geliebten Heim
umzusehen. In solchen Augenblicken hallte der Kavalierflgel wider von
dem Hohngelchter der alten Snder, und spttische Bemerkungen flogen
durch die geffneten Fenster bis zu ihr hinab.
Wahrlich -- Herzlosigkeit und Hochmut hatten angefangen, i=ren Einzug bei
den armen Abenteurern zu halten. Sintram hatte Ha in ihre Herzen gest.
Wenn die Majorin ruhig in Ekeby geblieben wre, htten ihre Seelen nicht
in grere Gefahr geraten knnen. Es fallen mehr Krieger auf der Flucht
als in der Schlacht.
Die Majorin hegte keinen weiteren Zorn gegen die Kavaliere. Htte sie
ihre alte Macht noch gehabt, so wrde sie ihnen die Rute gegeben haben
wie ungezogenen Knaben, um ihnen dann hinterher$
war kein guter Ort, an den
sie kam; die groen, leeren Zimmer waren mit Schreckbildern angefllt.
Sobald es zu dunkeln begann, grauste und bangte sir sich. Sie war nahe
daran, vor Heimweh zu vergehen.
Die langen Sonntagnachmittage waren schlimmer als alles andere. Sie
wollten nie ein Ende nehmen, so wenig wie die nagenden Gedanken, die
sich durch ihr Gehirn schleppten.
Da geschah es eines Tages, als Sintram nicht von der Kirche zu Mittag
nach Hause gekommen war, da sie in den Saal ging und sich ans Klavier
setzte. Das war ihr letzter Trost. Das Klavier mit dem gemalten
Fltenspieler und der Hirtin auf dem weien Deckel war ihr Eigentum, sie
hatte es von ihren Eltern geerbt. Dem konnte sie ihre Not klagen, denn
es verstand sie.
Aber wit ihr, was sie spielt? Nur eine Polka -- sie, die so tief betrbt
Ach, sie kann nichts weiter als diese eine Polka; die hatte sie gelernt,
ehe ihre Finger sich um den Kochlffel und das Vorschneidemesser steif
gekrmmt haben. Die sitzt ihr noch in den Fingern, aber sie kann nic$
, das soll bis
weithin scheinen und Hilfe herbeirufen. Und sorgt dafr, da das Feuer
nicht erlischt, holt Stroh und Holz, und lat die Flammen hell zum
Himmel emporschlagen.------
Seht, ihr Mnner, hier ist Arbeit fr euch! Hier ist Holz, hier sind
Balken, zimmert einen Notdamm, den wir vor diese schwankende Mauer
hinabsenken knnen. Schnell, schnell an die Arbeit, macht sie sicher und
stark! Haltet Steine und Sandscke bereit, um das Gerst hinabzusenken!
Schnell! Schwingt eure xte, lat die Hammer3chlge erdrhnen, lat den
Bohrer sich tief ins Holz nagen und die Sge in den trocknen Brettern
Und wo sind die Buben? Herbei mit euch, ihr wilden Strolche! Holt
Stangen, holt Bootshaken und kommt hierher, mitten ins Kampfgewhl! Auf
den Damm hinaus mit euch, Buben, mitten in die Wellen hinein, die
schumen und brausen und uns mit weiem Gischt bespritzen! Wehrt sie ab,
schwcht sie, weist sie zurck, diese Angriffe, die die Mauern bersten
machen! Schiebt die Baumstmme und die Eisschollen zur Seite, werft$
kten
sie, wie die Lilien das Feld schmcken. Welch eine jubelnde Fahrt in die
Hhe hinauf! Eine Wolke nach der andern rollte heran, und alle waren sie
angefllt mit himmlischen Heerscharen in Rstungen von Silber, mit
unsterblichen Sngern in purpurverbrmten Mnteln.
Dieser Knstler hatte spter die Decke in der Svartsjer Kirche gemalt.
Dort hatte er die schwebenden Wolken des Sommertages wiedergeben wollen,
die die Seligen in die Herrlichkeit des Himmels einfhrten. Die Hand,
die den Pinsel fhrte, war krftig gewesen, aber ein wenig steif, so da
die Wolken mehr den krausen Locken in einer Allongepercke glichen als
wachsenden Bergen aus weichem Nebel. Und so wie sich die Heiligen vor
der Phantasie des Malers =ebildet hatten, war er nicht imstande gewesen,
sie wiederzugeben; er hatte sie auf Menschenweise in lange rote Mntel
und steife Bischofsmtzen gekleidet oder in groe Kaftane mit steifen
Priesterkragen. Er hatte ihnen groe Kpfe und kleine Glieder gegeben
und hatte sie mit Taschentchern und Gebet$
ie kommt es doch, da Menschen von einem solchen Brunnenrand fortziehen
knnen, da er ihnen nicht lieber und grer ist als alle Ksten des
Mein Bruder und ich sind fortgezogen, und die gute Frau auf dem grnen
Balkon ist allein geblieben. Als Studenten kamen wir noch regelmig zu
den Ferien. Joachim aber war kaum mit seinen Studien fertig, als er seine
Ehe schlo mit jenem unselig schnen Mdchen, dem die Schnheit zum Fluche
gegeben war. Nach einem Jahre wurde das Kind geboren, und nach nur wieder
einem halben Jahre war ich dabei, als die Frau vor Gericht die Aussage
machte, sie habe sich selbst mit einem Revolver in die Brust geschossen,
weil ihr Mann sie nach einem furchtbaren Streit verlassen habe.
Nur meine Mutter und ich wuten, da sie log. Der Flchtige aber kam nicht
heim, auch dann nicht, als es uns endlich gelang, ihm mitzuteilen, da er
auer gerichtlicher Verfolgung sei.
Er floh nicht vor dem Gefngnis; er floh vo+ dem Grauen, das ihm sein
junges Weib bereitet hatte und das auch die Rettung, d$
ostbare Fhigkeit zur Freude wiedergewinnen.
Wir scheiden aus dem Ferienheim die blichen Vergngungen aus. Sie finden
bei uns keine Rennen, Reunions, Tombolas, Frh-, Mittags- und
Abendkonzerte, keine Spielsle, Taubenschieen, Theater- und
Varietvorstellungen, keine prunkhaften Umzge und italienischen Nchte -
denn das alles ist nichts als anstrengende hohe Schule des Lebens und
betrgt alle die, die mit neuen Krften nach Hause kommen wollen. Wir
suchen die Freude. Das ist die Freude an gesunder Beschftigung in
frischer Luft. Sie, lieber John, werden wahrscheinlich einige Gartenbeete
umgraben mssen, auch werden Sie sich gelegentlich am Fllen eines Baumes
oder am Holzsgen beteili@en mssen; es kann aber auch sein, da Sie mal
einen Hecht angeln oder ein paar Krbe pfel pflcken mssen. Da Sie, wie
Ihre Niederschrift ausweist, seit zwanzig Jahren kein schngeistiges Buch
gelesen haben, werden Sie um das Quantum von drei Romanen, einem Epos und
einem Bndchen Lyrik nicht herumkommen. Whrend wir bei so$
r Sie nicht zu sprechen - verstehen Sie - fr Sie nicht zu
sprechen; denn ich bin ein anstndiger Mensch!"
Die Tr fiel ins Schlo. Ich blieb allein stehen; ich frchtete, nun wrde
die kleine Luise drin zu schreien anfangen.
Abe es blieb still. Nur eine Tr krachte noch zu.
Da eilte ich die schmutzige Stiege hinab.
                             SAMARITERDIENSTE
So lebte das einzige Kind meines Bruders! In einer Umgebung von Schmutz,
Heuchelei, Armseligkeit, Roheit. Ein Glck, da dem Weltverbesserer doch
noch das Kehren vor der eigenen Tr einfiel, ehe er an die groe Mission
ging, anderen zu helfen.
Fast in jeder Familie gibt es einen, auf den sich die anderen ganz
besonders verlassen, zu dem sie in ihren Kmmernissen und Nten kommen,
dem sie es berlassen, zu ordnen, was sie selbst schlecht gemacht haben,
der Geld borgen mu, wenn die andern nichts haben, der immer schieben,
immer untersttzen, immer aushelfen mu. Den Starken als Sttze der
Schwachen kann man ihn nennen, wenn man es ideal ausdrcken wil$
terdienste zu tun, sondern eine,
die sich ngstlich in ihrer wohlumhteten Sauberkeit hielt, mehr bekmmert
um sich selbst als um das, was drauen zugrunde ging. Jawohl, ich hatte
nicht Lust, das alles so hinzunehmen, ich wollte meine Meinung sagen. Was
sollte ich denn tun, ich einzelnstehender Mann? Es wrde schwer genug
halten, das Kind loszubekommen. Der ekle Kerl von Pflegevater war zum
gesetzlichen Vormund und Pfleger bestellt, die Erziehungsrechte waren an
ihn abgetreten. Um ihm das Kind in Gte gewissermaen abzukaufen, dazu
fehlte mir das Geld. Mit gesetzlichen Mitteln aber so einem abgefeimten
Schuft an den Leib zu gehen, wrde schwer genug sein. Das Nchste war,
einen Anwalt zu befragen.
                                    *
In meinem Hotel suchte ich das Lesezimmer auf, setzte mich in eine Ecke
und grbelte. Ich mochte wohl schon lange so gesessen haben, da tippte
mich jemand auf die Schulter.
"SiU sollten mal Ferien vom Ich machen, Sie haben es ntig!"
Es war Mister Stefenson, der also zu mir spra$
und aufbauend.
Einer, der an keine Treue auf der Welt mehr glaubte, bekam einen
Dachshund. Nach acht Tagen sagte er mir, der Dackel sei, wie alle
Kreaturen, ein "untreues Luder". Er gehe ihm stets durch die Lappen, immer
seinem tierischen Instinkt nach, geradeso, wie es die Menschen tten! Vier
Wochen darauf war der Mann bekehrt. Er sagte mir:
"Bis ich am Hang am Berge bin, ist der Dackel in alle Winde. Aber wenn ich
zwei Stunden dort oben gesessen habe, kommt der Hund zu mir mit
schmutzigen Pfoten und lehmiger Schnauze. Und es ist mir, als ob er
treuherzig sagte: Liebes Herrchen, es gibt zwar noch tausend Mauselcher,
in die ich schnuppern mchte, aber es ist doch am schnsten bei dir! Das
ist immerhin eine gewisse Treue!"
Endlich verordne ich einen Dackel allen denen, die ein gespreiztes,
hoffrtiges Gebaren haben, denen, die "sich tun", wie die Leute sagen. Es
sind ihrer sehr viele. Wer "tut sich" heutzutage nicht? Der Dichterling,
der reiche Kaufmann, der Her8 Beamte, das ganze Weibsvolk. Bindet ihnen
nur$
der so weit ist, sich von ferne wenigstens seiner
Vaterpflicht zu erinnern und sich einmal zu erkundigen, was aus seiner
Tochter geworden ist. La ihn! Er macht jetzt Ferien von seinem vllig
verfehlten Ichleben."
"Er ist schuldlos an seinem Unglck!"
"Nein! Er ist nicht ohne Schuld."
"Er ist nicht ohne Schuld gegen sich selbst; denn er hat sich durch seinen
malosen Ha viel tiefer ins Unglck gebracht, als ein kluger Mensch, der
sich beherrschen kann, ntig hatte, und er hat sich gegen sein Kind
schbig benommen."
"Das ist unerhrt, was du zu behaupten wagst. Nun werde ich Joachim
bestimmt aufklren."
"Tue es nicht, Mutter, ich rate dir gut. Joachim wir jetzt noch nicht mit
dem Kinde zusammenleben wollen."
"Nun, so mte man eben das Mdchen vorlufig noch nach einer guten
Pension bringen."
"Das wrde nicht geschehen; sondern wenn eine Trennung ntig wre, wrde
Luise hierbleiben, und Joachim wrde von mir entlassen werden."
"Entlassen?"
"Ja, es hat sich so gefgt, da Joachim gegenwrtig mein Angestellter$
der groen Hngelampe und durchbltterte das Album. Sie
sagte nicht viel, aber mit einem Male rannen groe Trnen ber ihre
Wangen. Dann wischte sie sich energisch das Gesicht ab und sagte:
"Nein, ich darf mich wohl nicht allzusehr unterkriegen lassen. Aber diese
Bcher sind herrlich. Sie werden mein liebstes Besitztum sein. Alle, alle
sind drin - nur einer fehlt. Ignaz, warum sind Sie nicht auf einem
einzigen Bilde? Mir ist das aufgefallen."
Ignaz, der am Ofen lehnte, wandte sich weg und drckte die Wange gegen die
Kacheln9des Ofens. "So ein ekliger Kerl, wie ich, ist nicht fr Bilder",
sagte er mit seiner knurrenden Stimme. Aber es klang wie ein Schluchzen
"Es tut mir leid, Ignaz", sagte Eva freundlich; "Sie waren gut und treu zu
Da ging der Knecht stumm zur Tr hinaus. Ich sah, wie der Kurgast
"Steiner", von dem ich nun wute, da er ein Detektiv war, dem langen
Ignaz mit einem messerscharfen Blick nachschaute.
Barthel hatte zu Ehren des Abends ein Fchen Moselwein angezapft und
hielt eine Rede:
"Meine Da$
ch so "preiswerten" Broschen prangen, die man den
Dienstmaedchen als "Mitbringe" schenkt und deren Goldglanz mindestens
anhaelt, bis das Maedchen am naechsten Quartal abzieht, sah schreiend bunte
Glaeser mit der Aufschrift "Zum Andenken" oder "_Souvenir de Neustadt_",
Holzarbeiten, vom geschnitzten Hirsch bis zu dem Kinderspielzeug, wo zwei
Baeren auf einem Amboss pinken oder ein Affe am Reck turnt, und noch viele
Kunstgegenstaende, bis ich zum Theater gelangte, wo ein Zettel verkuendete,
dass ein vielversprechender Dichter (alle vielversprechenden Dichter
debuetieren in Badetheatern) sein Erstlingswerk "Geheimnisse von Neustadt"
zur Auffuehrung bringe und Herr Georgio Calzolaio (zu deutsch: Georg
Schuster, der vielbeliebte erste Liebhaber der Buehne, die Hauptrolle
kreieren werde, auch an diesem Abend sein Benefiz habe. Darauf ging ich in
ein Cafe und trank zwei Kognaks. Ein Zeitungsjunge erschien und schrie mir
das neueste Berliner Mittagsblatt ins Ohr; ein Herr am Nebentisch, der
schon immerfort nervoes h$
rheiratet, der dem sechsjaehrigen Knaben
ein Stiefvater sei. Der Junge sei jetzt bei entfernten Verwandten in
Hamburg. Er wolle den Knaben, der Georg heisse, mal probeweise zu sich
nehmen; vielleicht, dass etwas aus ihm wuerde. Die Gruendung einer so neuen
Gemeinde mit allem ihrem Drum und Dran muesse ja auf einen Jungen einen
tiefen Eindruck machen und ihm fuers ganze Leben eWnige staehlerne
Geruestschienen in die Seele spannen. Nun wolle er also mit dem Nachtzug
reisen, und er haette es gern, wenn ich ihn zum Bahnhof begleitete, da er
wegen der Vertretung manches Geschaeftliche mit mir noch zu erledigen habe,
womit er den Bruder nicht langweilen wolle. Als wir auf der Strasse waren,
sagte Stefenson: "Nun will ich Ihnen was anvertrauen, damit Sie mir nicht
hinterher wieder aus dem Haeuschen fallen und alles verderben. Also, mein
kleiner Neffe, der Georg, ist naemlich gar kein Junge, sondern ein Maedchen
- er ist die kleine Luise."
"Stefenson, Sie sind toll!"
"Nein. Ich bin vernuenftig. Die kleine Luise muss $
n,
haette sie an der Hand genommen und ihr, wenn sie guten Willens war, ein
Zweiglein vom verlorenen Mutterkranz wieder versprochen, ihr ein klein
wenig goldene Kindesliebe fuer die Zukunft verheissen?
Ferien vom Ich!
Ich werde mich vor allen Dingen erloesen muessen von allem kalten Hochmut
des Herzens und allem auch noch so "gesetzmaessigen" Zurueckstossen der
Schwachen und Schuldigen ...
                             BAUERNANWERBUNG
In S. mieteten wir einen Wagen und ein Pferd und machten ein paar
ergebnislose Besuche auf den umliegenden Doerfern. Wie die Werber fuer eine
Freiwilligenlegion kamen wir uns vor. Auf der Landstrasse trafen wir aber
eines Tages ein Baeuerlein, das in einem grossen bunten Taschentuch
allerhand Waren eingepackt trug, die es wohl auf dem Markte erstanden
Ich schaute den Bauern pruefend an. Er hatte ein offenes, nicht unkluges
Gesicht. Und der Mann ging Gu Fuss und trug sein kleines Paket. Das war
einer fuer uns. An die reichen schlesischen Bauern konnten wir uns nicht
wenden, die ha$
scht zu dem Herrn aufschauen machte.
Allerdings mein verehrter Herr, wie ich Ihnen schon das Vergngen hatte
in meinem vorigen zu bemerken, sagte er mit einer nichtsdestoweniger
verbindlichen Verbeugung.
Ah ja, erwiederte Herr Dollinger sich rasch fassend, die vor ihm
stehende Gestalt aber jetzt mit einem noch viel aufmerksameren Blick
musternd -- und sind -- sind viele von Ihren Reisegefhrten in
New-Orleans geblieben?
Lieber Gott, entgegnete der Weinreisende achselzuckend -- wer zhlt
die Vlker, kennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen --
New-Orleans wimmelt von fremden Einwanderern; dann und wann aber trifft
man immer noch einmal auf ein bekanntes Gesicht. So habe ich neulich
einen sehr intimen Freund von mir, freilich in eben nicht glnzenden
Verhltnissen wiedergetroffen -- Fortuna ist nur dem Khnen hold. --
Apropos, bester Herr Dollinger -- bitte vergessen Sie Ihre Rede nicht --
Sie knnqn mir vielleicht einen sehr groen Dienst erweisen, wenn Sie
mir die Adresse Ihres Herrn Schwiege$
hnen jedoch ein anderer junger Deutscher,
auch ein frherer Zwischendecks-Passagier der Haidschnucke, der sich dem
Professor als Ackerknecht angeboten hatte, den hiesigen Landbau von
Grund aus kennen zu lernen, und nun mit eine~ Flei dem oblag, der
manchen seiner weit strkeren Mitarbeiter htte beschmen knnen. Es
war unser alter Bekannter, der junge Georg Donner, der, mit zu wenig
Vertrauen zu sich selbst, als Arzt hier in Amerika auf eine Weise
aufzutreten, wie es fast nthig schien, Patienten, d.i. _Kunden_ zu
erwerben, den beschwerlicheren, aber sicherern Weg vorzog, von der
Pike auf, auf einer Farm zu dienen, und dann mit der kleinen Baarschaft,
die er noch bis jetzt unberhrt von Deutschland mitgebracht, selber
seinen eigenen Heerd zu grnden. Sein Lieblingswerkzeug war dabei die
Amerikanische Axt, zu deren Anschaffung sich der Professor endlich, aber
erst nach langem Zgern, entschlossen hatte, whrend er ihr immer noch
unverdrossen ihre Vorzge vor der deutschen absprach. Georg Donner hatte
schon e$
ngen hrte, da der junge Mann, der ihm schon oft im Weg gewesen,
den Platz rumen wrde.
Hopfgarten sah den jungen Dichter an, und hatte eigentlich eine recht
bittere Erwiederung auf der Zunge, schluckte sie aber hinunter, und
sagte Nichts weiter als -- nun ich will Ihnen in der That wnschen, da
Sie es nicht bereuen mgen; mir aber ist es fr den Augenblick gerade
recht, und ich habe desto dringender mit ihm zu sprechen -- Sie erlauben
mir da wol, da ich einen Augenblick zum Haus zurckgehe, ihn
aufzusuchen.
Ich werde Sie begleiten, sagte Anna -- ich habe so noch etwas
 vergessen, und ihr Bonnet aufnehmend, schritt sie mit Herrn von
Hopfgarten dem Hause wieder zu.
Dort fanden sie Georg aber nicht mehr, und als sie zum Weber hinber
gingen, hrten sie von diesem, der sich gar keine Mhe gab, seinen rger
zu verbergen, da der junge Mann schon, trotz allen Gegenreden von
seiner Seite, vor dem Essen den Platz verlassen habe. Er hatte seinen
Tornister, der bei ihm gelegen, und Alles enthielt, was er b$
leiser, bittender Stimme.
Ja, Kind? frug der Mann, ohne sich nach ihr umzudrehen.
Ich habe eine rechte Bitte an Dich -- 
Und die wre?
Sieh mich an, Vater; dreh Dich nicht weg von mir.
Nun, was hast Du denn? lachte der Mann halb verlegen, aber sonst guter
Laune, indem er sich nach ihr umdrehte und sie wie erstaunt betrachtete
-- er wute freilich schon, was sie von ihm wollte. Salome Lobsich war
aber nicht mehr die frhere, krftig gesunde Frau, die von Tagesanbruch
bis Mitternacht fast, im rothen Drachen zu Heilingen geschafft und
gearbeitet, und die groe lebhafte Wirthschaft in Ordnung, und wie in
Ordnung, gehalten hatte. Sie war viel magerer und recht blich und
krnklich aussehend geworden; die Augen lagen ihr tief in den Hhlen und
sahen verweint aus, und in die sonst so glatte, freie Stirn hatten sich
viele schwere Falten gegraben, und lieen sie lter scheinen, als sie
der Jahre wirklich zhlen mochte.
Trink heute nicht mehr, sagte die Frau mit zitternder, tief bewegter
Stimme, la die Fl$
l
hier, das alte Vaterland liegt hinter uns, und mit gutem Willen und
nur einigem Flei, kannst und wirst Du Dir auch hier das bald wieder
erschaffen, was Du in Deutschland verlassen -- eine sorgenfreie
glckliche Existenz. Wir haben der Beispiele hier schon mehre, wo die
Wirthe solcher Gasthuser sich ein hbsches Vermgen erworben, und
es geht denen, die ihr Geschft fleiig und ordetlich betreiben,
vielleicht Allen gut. Aber etwas wird dafr auch von ihnen verlangt; sie
mssen sich selber beherrschen knnen, und drfen der Verfhrung, die
rings um sie her in Flaschen und Karaffen steht, keine Macht ber sich
gnnen. Sonst, Lobsich -- sonst sind sie verloren, und zu _spte_ Reue
macht das Verlorene dann nicht wieder gut.
S'ist mir doch was Unbedeutendes, was die Frau fr ein Mundwerk hat,
sagte Lobsich, gutmthig lchelnd -- aber Du hast recht Salome; ich
will mich tchtig zusammennehmen, Du -- Du sollst einmal sehn -- Du
sollst noch Deine Freude an mir haben.
Du bist so seelensgut, fuhr die Frau mi$
den
Gipfel desselben erreichte, sah ich Mekka in der Entfernung von einer
halben Stunde vor mir liegen, zwischen kahlen, unbelebten Hhen das Thal
hinab. Ich unterschied die Citadelle Schebel Schad und die Minarehs
einiger Moscheen. El Hamram, die Hauptmoschee, lag im sdlichen Teile
Dorthin lenkte ich zunchst meine Schritte. Es war mir auf dem Wege zu
Mute, wie einem Soldaten, der zwar schon bei einigen kleinen Treffen
mitgefochten hat, pltzlich aber den Donner einer groen Schlacht
drhnen hrt.
Ich gelangte glcklich in die Stadt. Da ich mir die Lage der Moschee
gemerkt hatte, brauchte ich nicht zu fragen. Die Huser, zwischen denen
ich hinscritt, waren von Stein erbaut, und die Strae hatte man mit dem
Sande der Wste bestreut. Bereits nach kurzer Zeit stand ich vor dem
groen Rechteck, welches der Beith-Allah bildet, und langsam ging ich um
dasselbe herum. Die vier Seiten bestanden aus Sulenreihen und
Kolonnaden, ber denen sich sechs Minarehs erhoben. Ich zhlte
zweihundertvierzig Schritt in die Ln$
elche nicht die mindeste hnlichkeit
mit einer Uah[137] des Westens hatte. Sie glich vielmehr einem riesigen
Savannenteppich, der aus lauter Blumen bestand. Hier schien nie der
frchterliche Smum gewtet zu haben; hier war keineSpur einer
wandernden Dne zu erblicken. Hier gab es kein zerklftetes und
verschmachtetes Wadi, und man meinte, da hier keine Fata Morgana die
Macht bese, den mden, einsamen Wanderer zu ffen. Die weite Ebene
hatte sich mit duftendem Leben geschmckt, und auch die Menschen zeigten
keine Spur jener Wstenstimmung, welcher westwrts vom Nil kein
Mensch entgehen kann. Es lag ber diesem bunten Gefilde ein Farbenton,
der nicht im mindesten an das versengende, dabei oft blutig trbe und
tdliche Licht der groen Wste erinnerte.
    [136] Wiese, Prairie.
    [137] Oase.
Wir befanden uns jetzt inmitten einer nach Tausenden zhlenden Herde von
Schafen und Kamelen. So weit das Auge reichte -- rechts und links von
uns, vor und hinter uns -- wogte ein Meer von grasenden und wandernden
Ti$
 bereitete, hinaus auf
die Strae, wo er Tobischen sogleich aufgriff, der mit den Fingern Kalk
aus einem Loche in der Wand kratzte und in den Mund steckte. Der Wrter
nahm ihn bei der Hand und ging mit ihm an den etwa acht Huschen des
Ortes vorber bis hinunter zur Spree, die schwarz und glasig zwischen
schwach balaubten Pappeln lag. Dicht am Rande des Wassers befand sich
ein Granitblock, auf welchen Thiel sich niederlie.
Der ganze Ort hatte sich gewhnt, ihn bei nur irgend ertrglichem Wetter
an dieser Stelle zu erblicken. Die Kinder besonders hingen an ihm,
nannten ihn Vater Thiel und wurden von ihm besonders in mancherlei
Spielen unterrichtet, deren er sich aus seiner Jugendzeit erinnerte. Das
Beste jedoch von dem Inhalt seiner Erinnerungen war fr Tobias. Er
schnitzelte ihm Fitschepfeile, die hher flogen wie die aller anderen
Jungen. Er schnitt ihm Weidenpfeifchen und lie sich sogar herbei, mit
seinem verrosteten Ba das Beschwrungslied zu singen, whrend er mit
dem Horngriff seines Taschenmessers$
en Ernst einer feierlichen
Stunde fhlt, sprang er im Nu zurck in sein alltglich Leben.
Hierher Mare, hierher und fort mit uns klang der frhliche Laut --
komm hi>unter zum Guiavenbach; tief versteckt da in Busch und Laub
tanzen wir. Heute sehens die Mitonares nicht, denn groes Essen ist
immer wenn sie eine Zeitlang gebetet.
Aber die anderen schwatzen sagte Mare unschlssig zur Schwester
aufsehend, und nachher arme Mare; Vater Au-e hat mir so schon die
Hlle versprochen, und er schickte mich g'rad hinein, fnd er mich.
Bah -- bah -- bah lachte die Andere und schttelte mit dem Kopf --
da, hier und hier -- auf Mund und Herz zeigend -- das ist fromm, das
hat Religion und das ist genug -- _Alles_ andere aber ist frei, Mare;
und rasch nun Mdchen, denn wir versumen den Spa. -- Und wie ein
paar aufgescheuchte Rehe flohen die beiden, von vielen Anderen jetzt
gefolgt, erst seitwrts in den Orangenhain, um dann hinter den Grten
weg nicht dem Blick mancher Kirchgnger ausgesetzt zu sein, die
$
r alte ehrwrdige Mr. Nelson seinen
Arm ergriff und freundlich sagte:
Gehen Sie noch nicht, Consul Mrenhout; ein gutes Werk darf nicht so
leicht aufgegeben werden, und ich halte die Absicht dafr, in der Sie
hergekommen.
Mr. Nelson spricht als ob dieses sogenannte gute Werk in unseren
Hnden lge, sagte Mr. Rowe gereizt.
Und das ist wahr! rief aber der alte Mann in edlem Eifer erglhend,
und die Hand ausstreckend gegen die unten tobende Schaar. Sndlich
wre es von uns behaupten zu wollen, da wir die Macht _nicht_ haben
das Volk zum Guten zu leiten und in den Schranken der Migung zu
halten; ebenso wie es, in der jetzt berdie gereizten Stimmung, einem
leichtsinnigen unglckseligen Schritt entgegen zu treibenk Wir als die
Lehrer des Volkes _drfen_ nicht entscheiden ob Englische ob
Franzsische Flagge das Recht habe hier zu wehen -- unser Ziel ist,
die Eingeborenen zu Christen, nicht zu Englndern oder Franzosen zu
machen, und ihren Huptlingen, von unseren Consuln aber nicht von
unseren Kanzeln $
 die junge Dame jetzt
lachend und sah neckend zu ihm auf. Ren errthete; da aber seine
Geschichte, wie er diese Inseln betreten, auf Tahiti gar kein
Geheimni war, sagte er ruhig:
Hat man schon versucht, mich Ihnen von der schlimmsten Seite
vorzufhrenI
Ob _man_ versucht hat? lachte die Schne, Sie mgen selber
urtheilen. Uebrigens bin ich bei der Sache nher interessirt, als Sie
vielleicht glauben -- Sie sind mein Gefangener.
Auf Gnade und Ungnade, lachte Ren, gern in den leichten Ton des
wirklich wunderschnen Mdchens eingehend, dessen Reize erst jetzt wie
es schien, nach und nach seinem Auge sichtbar wurden. Aber tausend
solche Gefangene haben Sie wohl schon solcher Art gemacht, und werden
uns deshalb auch wohl auf unser Ehrenwort entlassen mssen, Ihrem
Triumphwagen scheinbar frei zu folgen.
Auf Ehrenwort? -- geben Sie kein leichtsinniges Versprechen, ehe Sie
wissen _wem_?
Wem? sagte Ren erstaunt, aber ihr Gesprch wurde hier durch den
Tanz unterbrochen, der die Paare vor rief und trennt$
ber wohlan -- das kndet ihm nur, so er etwa daheim ist:
  Ottgar werdet ihr schau'n im Gefolge der Edeln, und hren,
  Was er vom Frieden gedacht, und der Kinder ersehnter Verlobung!
  Aber, ihr Herrn, gehabt euch wohl; der Himmel geleit' euch!
  Beid' erstaunten der Red', und eilten unmuthig von dannen.
  Drauen sagte zu Lichtenstein der tapfere Meinhard:
  Ritter, sprecht, was dnkt euch? Nicht einmal die Krume zum Imbis,
  Nicht des Weines so viel, das unsere Lippen benetzte,
  Reicht' er zum Trunk' uns dar. Ich meine: von Heirathsgedanken
  Ist er so fern, wie dort von mir Veiths glnzender Wagen,
  Der an des Himmels Rand zum eisigen Norden hinabsinkt.
  %a! und merktet ihr nicht, wie schnell der arge Verrther
  Rudolphs nchtlichen Ritt g'en Lilienfeld ihm enthllte?
  Ach, er zog nur mit schwachem Geleit! Kommt: gut ist die Vorsicht!
  Rasch aufschwangen sie sich in den Sattel, und flogen nach Wien hin.
    Aber der Knig entlie die Versammelten. Jetzo noch einmal
  Blickt' er Jedem in's Aug', u$
ng jetzt eilender vor, und kmpfte, der Lwinn nicht ungleich,
  Die vor der Hhle die Jungen, umringt von Pardeln erblicket,
  Um den Verwundeten dort, und es htte gesiegt mit den Scharen
  Oestreichs, die Capellen zu Hlfe gefhret, und jenen,
  Die aus dem Hinterhalt' auch Kaduscha, hrend im Nachtgrau'n
  Feindlicher Waffen Gets', ihm, lautaufjauchzend, vereinte:
  Hemmt' es nicht Katwalds List. Er sah in der Reihe der Edeln
  Einen, mit bleichem Gesicht' und scheuumirrenden Augen,
  Trg vorschreiten im Kampf: den Pettauer, der vor dem Knig
  Ottgar, einst die Ritter der steyrischen Mark des Verrathes
  Zieh, und dieser verhngte sogleich entsetzliche Strafen;
  Aber er hatte nicht Ruhe noch Rast seitdem, und im Herzen
  Trug er die Strafe der Schuld, da er jeglichen Trostes beraubt war.
  Diesem nahete Katwald jetzt, und schrie in das Ohr ihm:
  Horchi dir drohet Verrath und Mord! Unseliger, fliehe!
  Schauer durchlief ihm die Haut, da er solches im Geiste vernommen:
  Alsbald wandt' er das Ro, un$
gen.
  An dem Gestade der March, wo, g'en Hochsttten, im Halbkreis
  Sich hinwindet der Flu, aufragte die Kuppe des Felsens,
  Der vor grau'n Jahrhunderten schon den Vlkern zum Markstein
  Dienete, jetzt dem Zelt des lebensfreudigen Knigs
  Khlenden Schatten both, und, ferne geseh'n, in der Umwelt
  Alles dem sphenden Auge verrieth. Dort fand ihn der Herold
  Sitzend im munteren Kreis' der Zitherspieler und Snger,
  Die von dem Heldenzug der Ahnen herber nach Ungerns
  Rechem Gefild' und der Thatenkraft gepriesener Fhrer
  Sprachen im jubelnden Lied'; auch rhmten darauf: wie im Feld' erst,
  Kmpfend mit nieu erschtterndem Muth, des verbndeten Kaisers
  Macht die Feinde bestand, und, gleich dem brausenden Sturmwind,
  Der auf der Heid' im Herbst die verdorrten Disteln dahinjagt,
  Trentschins ruhmverherrlichter Held dann ihnen im Rcken
  Lag mit mordendem Stahl, als all die Scharen zerstoben.
  Aber so laut der Knig sich d'rob erfreute, so gnnt' er
  Dennoch dem Kunen den Ruhm vor dem Unger im$
 heil. Stephan zuerst, im J. 1000, diesen Titel annahm bis
mit Andreas III. im J. 1301 sein Stamm ausstarb. Erst Ferdinand I. hat
dieses Reich auf immer mit Oestreich vereinigt, obschon dasselbe vor ihm
zwei Frsten seines Hauses, Albert II., und Ladislaus Posthumus,
[4] Vers 358.
Das Schicksal beider frstlichen Jnglinge, Konradins von Schwaben (Sohn
Konrads IV.) und Friedrichs von Oestreich (Sohn Markgraf Hermans von
Baden, und Gertrud, Tochter Heinrichs, Herzogs von Mdling) die im Jahr
1268 zu Neapel durch das Bluturtheil Carls von Anjou hingerichtet
wurden, ist bekannt. Horneck beschuldigt Ottokarn an mehr denn einer
Stelle, da er, als Mitwerber um Oestreich und Steyermark, ihren Tod
befrdert habe. _S. Reim-Chronik_ Cap. 164.
[5] Vers 361.
Gertrud, die Mutter Friedrichs von Oestreich, lie Ottokar, nachdem er
Steyermark in seine Gewalt bekam, aus allen ihren Besitzungen, zuletzt
auch aus Judenburg und Feistritz, durch den grausam gesinnten Propst von
Brnn, vertreiben. Zur Nachtzeit, im Regen und Stu$
 Streiten bereit sey?
und der Herzog lie ihm sagen: er seye darum hergekommen. (Siehe
_Horneck Reim-Chronik_ C. 329.)
[6] Vers 211
Den Ritterschlag auf Schild und Schwert ertheilte Rudolph also vor der
Schlacht: S. _Horneck_ R. Chr. C. 149.
[7] Vers 542.
In den Gebirgsthlern Tirols, Steyermarks und Oestreichs, ist das
sogenannte _Scheibenschieen_ eine beliebte und mitunter ntzliche
Unterhaltung des Volks. _Zu Hauptschieen_ werden von nahe und ferne die
Schtzen geladen: das _Kreisschieen_ ist das gewhnliche an Sonn- und
Festtagen; das _Beste_, ist der Preis dessen der den besten Schu
Zwlfter Gesang.
[1] Vers 54.
Ueber diesen Klaggesang Hornecks siehe dessen _Reim-Chronik_ Cap. 163
und 164. Hier nur Einiges aus demselben:
  Sieh Welt aller Untrew Chron,
  Daz ist auch ainer deiner Lon!
    --  --  --  --  --  --
  Auf der Erden lag er par
  Sein eigen Pluts naz.
  Wo waren die Matra,
  Und die gulter Seydein,
  Darauf er sollt gelegen sein?
  Wo waren die ihn sollten chlagen?
  Von Mannen und von$
bt unser Landsmann, der bekannte Botaniker Hnke) werden seine
Werke mit Entzcken gehrt.
                                 III.
                    Mozart als Knstler und Mensch.
Die Krperbildung dieses auerordentlichen Menschen hatte nichts
Auszeichnendes; er war klein, sein Angesicht angenehm, aber, wenn man
das groe, feurige Auge ausnimmt, kndigte es die Gre seines Genies
auf den ersten Anblick nicht an.
Der Blick schien unstet und zerstreut, auer wenn er bey dem Kavier
sa; da nderte sich sein ganzes Antlitz! Ernst und versammelt ruhte
dann sein Auge; auf jeder Muskelbewegung drckte sich die Empfindung
aus, welche er durch sein Spiel vortrug und in dem Zuhrer so mchtig
wieder zu erwecken vermochte.
Er hatte kleine schne Hnde; bey dem Klavierspielen wute er sie so
sanft und natrlich an der Klaviatur zu bewegen, da sich das Auge
daran nicht minder, als das Ohr an den Tnen ergtzen mute. Auch darinn
zeichnete sich also Mozart vor den tummelnden Kraftgenies unserer Tage
Der kleine Wuchs s$
ufschein zu schiken, sondern
schiken ihn mir nur ohne Brief.
Ich habe Ihnen vor etlichen _Mona_then geschrieben, haben Sie meinen
Brief erhalten?
Mein Lieber Mann grt Sie alle herzlich; er ist izt Gottlob wieder
wohl, war es aber vor einiger Zeit nicht; bei dieser naen ungesunden
Witterung sind hier viele Menschen krank, und sterben auch eine Menge.
Unser _Hermann_, der Gottlob gesund ist, empfiehlt sich seinen Lieben
Gro Eltern.
Leben Sie wohl, Gott sey mit Ihnen, ich gre alle welche sich meiner
errinnern freundlich, und bin von _Her_zen Ihre
                                              _Fichte. g: Rahn._
  Aufschrift:
              _Herrn Fichte_ dem Vater
                                          zu
                                                _=Rammenau=_
                                                  Bey _Dresden_.
    _=frey=_
  Im October 1806 wich Fichte mit dem Geheimrath Hufeland, wie
  smmtliche Behrden und alle Mnner von Ansehen, vor den siegreichen
  Feinden aus Berlin undging na$
re Regeln, die sich
widersprachen, und wenn die Arbeit fertig war, so war sie voll Fehler.
Ebenso ging es bei den bertragungen in das Deutche. Es standen in dem
lateinischen oder griechischen Buche immer so fremde Worte, die sich
nicht fgen wollten, und wenn ich sie in dem Wrterbuche aufschlug,
waren sie nicht darin, und die Regeln, die wir in unserer Sprachlehre
lernten, waren in den griechischen und lateinischen Bchern nicht
befolgt. Am besten ging es noch in zwei Nebengegenstnden, die der Vater
zu lernen befohlen hatte, weil wir sie in unserer Zukunft brauchen
knnten, in der franzsischen und italienischen Sprache, fr welche in
jeder Woche zweimal ein Lehrer in das Haus kam. Der Bruder und unser
Lehrer nahmen sich meiner sehr an und suchten mir beizustehen. Aber da
die Prfungen kamen, gengte ich nicht, und meine Zeugnisse waren nicht
So vergingen mehrere Jahre. Da die Zeit vorber war, welche der Vater
zur Erlernung dieser Dinge bestimmt hatte, sagte er, da wir jetzt unser
Gewerbe lernen mten$
al in den Garten, wenn sie vorberkam, aber ich blieb in dem
Gebsche, da sie mich nicht sehen konnte. Sie ging mit gerteten Wangen
und niedergeschlagenen Augen vorber.
Ich lie nun in die zwei Zimmer, die an meine Wohnstube stieen, Ksten
stellen, von denen ich die oberen Fcher hatte schmal machen lassen, in
welche ich das Silber hineinlegte, die unteren aber breit, in welche ich
die Wsche tat. Ich legte das Zusammengehrige zusammen und umwand es
mit rotseidenen Bndern.
Nach geraumer Zeit sah ich das Mdchen lange nicht an dem eisernen
Gitter vorbergehen, ich getraute mir nicht zu fragen, und als ich
endlich doch fragte, erfuhr ich, a es in eine andere Stadt gegeben
worden sei, und da es die Braut eines fernen Anverwandten werden wrde.
Ich meinte damals, da ich mir die Seele aus dem Krper weinen msse.
Aber nach einer Zeit ereignete sich etwas Furchtbares. Mein Bruder
hatte einen groen Wechsler, der ihm stets auf Treu und Glauben das Geld
fr laufende Ausgaben bis zu einer festgesetzten S$
steigen, da sie das
Trockene nicht mehr erreichen knnen und alle verloren sind; oder sie
knnen noch von dem Steinhuser Ufer auf den Steg kommen, knnen das
Wasser auf dem Karufer zu tief finden, knnen sich durch Beratschlagen
oder Zaudern so lange aufhalten, da indessen auch das Steinhuser Ufer
mit zu tiefem Wasser bedeckt wird; dann ist der Steg eine In%el, die
Kinder stehen auf ihm und knnen mit ihm fortgeschwemmt werden. Und wenn
auch dieses alles nicht geschieht, so gehen sie mit ihren Flein im
Winter in das Schneewasser, das auch Eisschollen hat, und fgen ihrer
Gesundheit groen Schaden zu.
Damit diese Gefahr in der Zukunft aufhre, habe ich zu sparen begonnen
und verordne, wie folgt: Von der Geldsumme, welche nach meinem Tode als
mein Eigentum gefunden wird, vermehrt um die Geldsumme, welche aus dem
Verkaufe meiner hinterlassenen Habe entsteht, soll in der Mitte der
Schulkinder der Steinhuser und Karhuser ein Schulhaus gebaut werden;
dann soll ein solcher Teil der Geldsumme auf Zinsen ange$
ist verstrich, ohne da der Rentherr kam oder eine
Nachricht eintraf oder jemand erschien, der sich um die Wohnung annahm.
Da schritt man zur amtlichen ffnung derselben.
Ein Schlosser mute das Schlo des eisernen Gitters ffnen. Die ltliche
Magd erschien nicht mehr, die Leute in das Vorzimmer und in die Stube
des Rentherrn zu geleiten; ihr Kchenfenster war nicht glatt und rein
wie ehedem, sondern es war voll Staub und hing voll Spinngeweben. In der
Kche war alles wie nach dem Gebrauche; die Magd hatte vor ihrem
Weggange alles noch gereinigt und an seinej Platz gestellt; nur war
jedes Ding voll Staub, und die hlzernen Kferarbeiten waren zerfallen,
und die Reifen lagen um sie. In dem Vorzimmer waren die groen Ksten
mit Kleidern gefllt; von den wollenen flog eine Wolke Motten auf, die
andern waren unversehrt. Es hingen auch die Sachen der Frau da und
darunter schne seidene Gewnder. In dem Speisekasten befanden sich die
Egerte und das Silbergeschirr.
Da man das Zimmer des Rentherrn erffnet hatte, f$
he Luten der Glocken, nie die Orgel
der Kirche gehrt, wenn das Fest gefeiert wurde, obwohl sie nahe an der
Kirche wohnten. In diesem Augenblicke der heutigen Nacht wurde nun mit
allen Glocken gelutet, es luteten die Glocken in Millsdorf, es
luteten die Glocken in Gschaid, und hinter dem Berge war noch ein
Kirchlein mit drei hellen, klingenden Glocken, die luteten. In den
fernen Lndern drauen waren unzhlige Kirchen und Glocken, und mit
allen wurde zu dieser Zeit gelutet, von Dorf zu Dorf ging die Tonwelle,
ja man konnte wohl zuweilen von einem Dorfe zum andern durch die
bltterlosen Zweige das Luten hren: nur zu den Kindern herauf kam kein
Laut, hier wurde nichts vernommen; denn hier war nichts zu verkndigen.
In den Talkrmmen gingen jetzt an den Berghngen die Lichter der
Laternen hin, und von manchem Hofe tnte das Hausglcklein, um die Leute
zu erinnern; aber dieses konnte [m so weniger heraufgesehen und gehrt
werden, es glnzen nur die Sterne, und sie leuchteten und funkelten
Wenn auch Konrad$
e auf den Krebsstein getragen und sie dort aufgepflanzt
hatte. In Gschaid wartete die Gromutter, welche herbergefahren war.
Nie, nie, rief sie aus, drfen die Kinder in ihrem ganzen Leben mehr
im Winter ber den Hals gehen.
Die Kinder waren von dem Getriebe betubt. Sie hatten noch etwas zu
essen bekommen, und man hatte sie in das Bett gebracht. Spt gegen
Abend, da sie sich ein wenig erholt hatten, da einige Nachbarn und
Freunde sich in der Stube eingefunden hatten und dort von dem Ereignisse
redeten, die Mutter aber in der Kammer an dem Bettchen Sannas sa und
sie streichelte, sagte das Mdchen: Mutter, ich habe heut nachts, als
wir auf dem Berge saen, den heiligen Christ gesehen.
O, du mein geduldiges, du mein liebes, du mein herziges Kind,
antwortete die Mutter, er hat dir auch Gaben gesendet, die du bald
bekommen wirst.
Die Schachteln waren ausgepackt worden, di Lichter waren angezndet,
die Tr in die Stube wurde geffnet, und die Kinder sahen von dem Bette
auf den verspteten helleuchtend$
 des Feindes zu zeichnen, seit jenem Augenblicke, wo ich
es, da ich zurckkehrte, von dem Feinde besetzt fand und nun nur noch
die Aussicht vor mir hatte, entweder als Spion gefangen und`schimpflich
aufgehngt zu werden, oder durch einen tollkhnen Ritt von vorn heraus
in die berraschten Feinde zu sprengen, um entweder ehrlich zu fallen
oder eben durch die Unglaublichkeit des Wagstckes durchzukommen -- nach
rckwrts htte ich wegen des geackerten Bodens und der andern
Hindernisse nicht hinaussprengen knnen -- seit jenem Augenblicke zog es
mich immer zu dem Gitter, und ich dachte, ich msse es doch einmal
sehen. Darum kam ich her und fuhr auf dem Feldwege um den Garten zu dem
Gitter. Und lassen Sie mich es offenherzig sagen, einen nicht minderen
Anteil an meinem Kommen hat der Gedanke, Sie alle zu sehen, mir wegen
des bels, das ich Ihnen zufgte und das mir immer Unruhe machte, Ihre
vollkommene Verzeihung zu holen und Ihre Achtung zu erwerben; denn ich
habe seither in vielen Schlachten mit jenem leichten $
 ist doch gut, da ich ihn damals nicht erschlagen habe, sagte noch
lange und fter der uralte, gleichsam immer kleiner werdende Schloherr.
Lulu lchelte jedesmal bei dieser Rede, spter lchelten auch Alfred und
Julius und endlich alle, selbst der graue Lehrer, obgleich er der
Schach- und Spaziergenosse des Schloherrn geworden wa.
Die weien Mntel spielten noch lange eine Rolle in der Familie. Nicht
nur trugen Alfred und Julius, die in dem kaiserlichen Heere dienten,
weie Mntel, sondern auch der kleinere Alfred und der kleinere Julius,
die Buben Lulus, hatten im Winter, wenn sie im Schlitten ber die Ebene
gefahren wurden, weie Mntel an, die aus jenem weien Mantel entstanden
waren, den der Vater angehabt hatte, als er auf seinem Zuge begriffen
war, das alte, eiserne Gitter zu suchen. Der Vater hatte mit den Waffen
die weien Mntel abgelegt und trug jetzt im Winter dunkle und
ausgezeichnete Pelze.
Adalbert Stifter ist einer von den groen Dichtern, die einsam wie
erratische Blcke im weiten Gebiet $
der Kampaner seit dem Anfang des vierten Jahrhunderts vernommen wird; die 
Etrusker wurden hier erdrueckt, die Griechen beschraenkt, jenen Capua (330 424), 
diesen Kyme (334 420) entrissen. Um dieselbe Zeit, vielleicht schon frueher, 
zeigen sich in Grossgriechenland die Lucaner, die im Anfang des vierten 
Jahrhunderts mit Terinaeern und Thurinern im Kampf liegen und geraume Zeit vor 
364 (390) in dem griechischen Laos sich festsetzten. Um diese Zeit betrug ihr 
Aufgebot 30000 Mann zu Fuss und 4000 Reiter. Gegen das Ende des vierten 
Jahrhunderts ist zuerst die Rede von der gesonderten Eidgenossenschaft der 
Brettier ^14, die, ungleich den andern sabelli&chen Staemmen, nicht als Kolonie, 
sondern im Kampf von den Lucanern sich losgemacht und mit vielen fremdartigen 
Elementen sich gemischt hatten. Wohl suchten die unteritalischen Griechen sich 
des Andranges der Barbaren zu erwehren; der Achaeische Staedtebund ward 361 
(393) rekonstituiert und festgesetzt, dass, wenn eine der verbuendeten Staedte 
von Lucane$
arentinischen Miliz sich gegenueber aufziehen sah, den Angriff auf Tarent 
aufgegeben und sich nach Apulien zurueckgezogen; aber mit Ausnahme des Gebietes 
von Tarent beherrschten die Roemer so gut wie ganz Italien. Nirgends in 
Unteritalien hatte die Koalition eine Armee im Felde, und auch in Oberitalien 
hatten die Etrusker, die allein noch in Waffen standen, in dem letzten Fedzuge 
(473 281) nichts als Niederlagen erlitten. Die Verbuendeten hatten, ehe der 
Koenig zu Schiff ging, ihm den Oberbefehl ueber ihre saemtlichen Truppen 
uebertragen und ein Heer von 350000 Mann zu Fuss und 20000 Reiter ins Feld 
stellen zu koennen erklaert; zu diesen grossen Worten bildete die Wirklichkeit 
einen unerfreulichen Kontrast. Das Heer, dessen Oberbefehl man Pyrrhos 
uebertragen, war noch erst zu schaffen, und vorlaeufig standen dazu 
hauptsaechlich nur Tarents eigene Hilfsquellen zu Gebot. Der Koenig befahl die 
Anwerbung eines italischen Soeldnerheeres mit tarentinischem Gelde und hob die 
dienstfaehigen Leute aus de$
er zugaengliche Stadt zur Uebergabe zu zwingen; und welche Wendung haetten die 
Dinge nehmen moegen, wenn Tarent das in Italien fuer die Phoeniker geworden 
waere, was in Sizilien Lilybaeon fuer sie gewesen war! Indes das Geschehene war 
nicht zu aendern. Der karthagische Admiral, da er die Burg in den Haenden der 
Roemer sah, erklaerte, nur vor Tarent erschienen zu sein, um dem Vertrage 
gemaess den Bundesgenossen bei der Belagerung der Stadt Hilfe zu leisten, und 
ging unter Segel nach Afrika; und die roemische Gesandtschaft, welche wegen der 
versuchten Okkupation von Tarent Aufklaerung zu fordern und Beschwerde zu 
fuehren nach Karthago gesandt ward, brachte nichts zurueck als die feierliche 
und eidliche Bekraeftigung dieser angeblichen bundesfreundlichen Absicht, wobei 
man denn auch in Rom vorlaeufig sich beruhigte. Die Tarentiner erhielten, 
vermutlich durch Vermittlung ihrer Emigrierten, die Autonomie von den Roemern 
zrueck; aber Waffen und Schiffe mussten ausgeliefert und die Mauern 
niedergerisse$
Kriegfuehrung, stellten nur erprobte Offiziere an die Spitze ihrer 
Armeen und liessen dieselben, wenigstens wo es not tat, auf laengere Zeit bei 
dem Kommando. Diese Feldherren sahen weder den feindlichen Bewegungen noch den 
Bergen herab zu, noch warfen sie sich auf den Gegner, wo sie ihn eben fanden, 
sondern, die rechte Mitte zwischen Zauderei und Vorschnelligkeit haltend, 
stellten sie in verschanzten Lagern, unter den Mauern der Festungen sich auf und 
nahmen den Kampf da an, wo der Sieg zu Resultaten, die Niederlage nicht zur 
Vernichtung fuehrte. Die Seele dieser neuen Kriegfuehrung war Marcus Claudius 
Marcellus. Mit richtigem Instinkt hatten nach dem unheilvollen Tag von Cannae 
Senat und Volk auf diesen tapferen und krieggewohnten Mann die Blicke gewandt 
und ihmzunaechst den faktischen Oberbefehl uebertragen. Er hatte in dem 
schwierigen Sizilischen Kriege gegen Hamilkar seine Schule gemacht und in den 
letzten Feldzuegen gegen die Kelten sein Fuehrertalent wie seine persoenliche 
Tapferkeit glae$
 
die Laenge nicht zu halten war, befahl die karthagische Regierung dem Mago 
zusammenzuraffeL, was dort an Schiffen, Truppen und Geld sich vorfinde, und 
damit womoeglich dem Krieg in Italien eine andere Wendung zu geben. Scipio 
konnte dies nicht wehren - es raechte sich jetzt, dass er seine Flotte 
aufgeloest hatte - und musste zum zweitenmal die ihm anvertraute Beschirmung der 
Heimat gegen neue Invasion seinen Goettern anheimstellen. Unbehindert verliess 
der letzte von Hamilkars Soehnen die Halbinsel. Nach seinem Abzug ergab sich 
auch Gades, die aelteste und letzte Besitzung der Phoeniker auf spanischem 
Boden, unter guenstigen Bedingungen den neuen Herren. Spanien war nach 
dreizehnjaehrigem Kampfe aus einer karthagischen in eine roemische Provinz 
verwandelt worden, in der zwar noch jahrhundertelang die stets besiegte und nie 
ueberwundene Insurrektion den Kampf gegen die Roemer fortfuehrte, aber doch im 
Augenblick kein Feind den Roemern gegenueberstand. Scipio ergriff den ersten 
Moment der Scheinr$
 ganze Heer sich auf in wilder Flucht; ein Versuch, 
das Lager zu halten, misslang und mehrte nur die Zahl der Toten und Gefangenen. 
Die Schaetzung des Verlustes des Antiochos auf 50000 Mann ist bei der 
grenzenlosen Verwirrung nicht unglaublich; den Roemern, deren Legionen gar nicht 
zum Schlagen gekommen waren, kostete der Sieg, der ihnen den dritten Weltteil 
ueberlieferte, 24 Reiter und 300 Fusssoldaten. Kleinasien unterwarf sich, selbst 
Ephesos, von wo der Admiral die Flotte eilig fluechten musste, und die 
Residenzstadt Sardes. Der Koenig bat um Frieden und ging ein auf die von den 
Roemern gestellten Bedingungen, die, wie gewoehnlich, keine anderen waren als 
die vor der Schlacht gebotenen, als namentlich die Abtretung Kleinasiens 
enthieltenQ Bis zu deren Ratifikation blieb das Heer in Kleinasien auf Kosten 
des Koenigs, was ihm auf nicht weniger als 3000 Talente (5 Mill. Taler) zu 
stehen kam. Antiochos selber nach seiner liederlichen Art verschmerzte bald den 
Verlust der Haelfte seines Reiches; e$
el 
der Wirtschafter, der leichtere Arbeit hat als die Knechte, knapperes Mass als 
diese empfing. Alles Backen und Kochen besorgte die Wirtschafterin und alle 
assen gemeinschaftlich dieselbe Kost. Es war nicht Regel, die Sklaven zu 
fesseln; wer aber Strafe verwirkt hatte oder einen Entweichungsversuch 
befuerchten liess, ward angeschlossen auf die Arbeit geschickt und des Nachts in 
den Sklavenkerker gesperrt ^6. Regelmaessig reichten diese Gutssklaven hin; im 
Notfall halfen, wie sich von selbst versteht, die Nachbarn mit ihren Sklaven 
gegen Tagelohn einer dem andern aus. Fremde Arbeiter wurden sonst fuer 
gewoehnlich nicht verwandt, ausser in besonders ungesunden Gegenden, wo man es 
vorteilhaft fand, den Sklavenstand zu beschraenken und dafuer gemietete Leute zu 
verwenden, und zur Einbringu1g der Ernte, fuer welche die stehenden 
Arbeitskraefte nirgend genuegten. Bei der Korn- und Heuernte nahm man gedungene 
Schnitter hinzu, die oft an Lohnes Statt von ihrem Eingebrachten die sechste bis 
neunte Garb$

lassen. In der Tat entstand auf diesem Wege das lateinische Originallustspiel 
(fabula togata ^21; der nachweislich aelteste Verfasser solcher Stuecke, 
Titinius, bluehte wahrscheinlich um das Ende dieser Epoche ^22. Auch diese 
Komoedie ruhte auf der Grundlage des neuattischen Intrigenstuecks; aber sie war 
nicht Uebersetzung, sondern Nachdichtung: der Schauplatz des Stuecks war in 
Italien und die Schauspieler erschienen in dem nationalen Gewande, in der Toga. 
Hier waltet das latinische Leben und Treiben in eigentuemlicher Frische. Die 
Stuecke bewegen sich in dem buergerlichen Leben der Mittelstaedte Latiums, wie 
schon die Titel zeigen: 'Die Harfenistin oder das Maedchen von Ferentinum', 'Die 
Floetenblaeserin', 'Die Juristin', 'Die Walker', und manche einzelne Situationen 
noch weiter bestaetigen, wie zum Beispiel ein Spiessbuerger sich darin seine 
Schuhe nach dem Muster der albanischen Koenigssanalen machen laesst. In 
auffallender Weise treten die maennlichen gegen die Frauenrollen zurueck ^23. 
Mi$
 kennt ihn!
Preising.  Ich hoffe, nein!
Albrecht.  Nicht?  Nun, Ihr braucht ihn nicht weit zu suchen!  Ich
bin ein Mensch, ich soll dem Weibe, mit dem ich vor den Altar trete,
so gut, wie ein andrer, Liebe und Treue zuschwren, darum mu ich's
so gut, wie ein adrer, selbst whlen drfen!
Preising.  Ihr seid ein Frst, Ihr sollt ber Millionen herrschen,
die fr Euch heute ihren Schwei vergieen, morgen ihr Blut
verspritzen und bermorgen ihr Leben aushauchen mssen: wollt Ihr das
alles ganz umsonst?  So hat Gott die Welt nicht eingerichtet, dann
wre sie nimmer rund geworden, einmal mt Ihr auch ihnen ein Opfer
bringen, und Ihr werdet nicht der erste Eures ruhmwrdigen
Geschlechts sein wollen, der es verweigert!
Albrecht.  Einmal?  Einmal mit jedem Atemzuge, meint Ihr!  Wit Ihr
auch, was Ihr verlangt?  Gewi nicht, denn sonst wrdet Ihr die Augen
wenigstens niederschlagen und nicht dastehen, als ob alle zehn Gebote
mit feurigen Buchstaben auf Eurer Stirn geschrieben stnden.  Was tut
Ihr, wenn der Tag Euc$
ch in die Hhe hbe und
ber die Mauer kucken liee, wie damals, ajs die schwarzbraunen
gypter mit Zimbeln und Schellen vorberzogen.  Aber hren mu ich
ihn knnen!  (Sie eilt wieder fort.)  Still, still mit euren Trompeten!
Horch!  Das ist er!  "Ihr seid brav, Trring!" Gewi, aber warum
sagst du ihm das gerade jetzt?  Ach, da geht's schon fort!  Leb wohl,
mein--Halt!  Der Trab stockt!  Es ist doch nichts geschehen?  Da
redet einer!  Schwach, undeutlich--schweig du!  Nun noch einmal er!
"Fhrt ihn gleich zu ihr!" Zu mir?  Wen denn?  "Es wird ihr lieb sein!"
Mir lieb?  Nein, Albrecht, da kennst du mich nicht!  Ich wollte, es
wrde augenblicklich Nacht und erst in dreimal vierundzwanzig Stunden
wieder Tag!  Oder wr's mein Vater?  (Sie jauchzt auf.)  Mein Vater!
Gewi nicht!  Ach nein! jetzt sprengen sie weiter.  Hui!  Recht, ihr
Rosse, holt aus!  Um so eher seid ihr wieder mit ihm da.  (Sie horcht
auf.)  Ich hre nichts mehr.  (Sie horcht wieder.)  Doch!  (Sie pflckt
whrenddem gedankenlos eine Blume.)  Wa$
al es nicht, dem Tode ins Auge zu 
sehen; einzeln entrann er zu dem Sieger und bat kniefaellig um sein Leben. Es 
ward ihm gewaehrt; aber wie seine Gattin, die mit ihren Kindern unter den 
uebrigen auf dem Tempeldach sich befand, ihn zu den Fuessen Scipios erblickte, 
schwoll ihr das stolze Herz ueber diese Schaendung der teuren untergehenden 
Heimat und den Gemahl mit bitteren Worten erinnernd, seines Lebens sorglich zu 
schonen, stuerzte sie erst die Soehne und dann sich selber in die Flammen. Der 
Kampf war zu Ende. Der Jubel im Lager wie in Rom war grenzenlos; nurtdie 
Edelsten des Volkes schaemten im stillen sich der neuesten Grosstat der Nation. 
Die Gefangenen wurden groesstenteils zu Sklaven verkauft; einzelne liess man im 
Kerker verkommen; die vornehmsten, Bithyas und Hasdrubal, wurden als roemische 
Staatsgefangene in Italien interniert und leidlich behandelt. Das bewegliche 
Gut, soweit es nicht Gold und Silber war oder Weihgeschenk, ward den Soldaten 
zur Pluenderung preisgegeben; von den Tempels$
s" oder "delisches Kupfer" genannt werden. Die 
Bezeichnung ist in Italien begreiflicherweise nicht von den Fabrikations-, 
sondern von den Exportplaetzen hergenommen (Plin. nat. 34, 2, 9); womit 
natuerlich nicht geleugnet wird, dass dergleichen Gefaesse auch in Korinth und 
Delos selbst fabriziert wurden.
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Unvollstaendiger als in der nur durch schmale Meere von Italien getrennten 
afrikanischen und makedonisch-hellenischen Landschaft entwickelte sich die 
roemische Herrschaft in dem dritten entfernteren Weltteil.
In Vorderasien war durch die Zurueckdraengung der Seleukiden das Reich von 
Pergamon die erste Macht geworden. Nicht geirrt durch die Traditionen der 
Alexandermonarchien, einsichtig und kuehl genug, um auf das Unmoegliche z8 
verzichten, verhielten die Attaliden sich ruhig und strebten nicht, ihre Grenzen 
zu erweitern noch der roemischen Hegemonie sich zu entziehen, sondern den 
Wohlstand ihres Reiches, soweit die Roemer es erlaubten, zu foerdern und die 
Kuens$
n Lebensgenusses schien dort beginnen zu 
muessen. Mit Bewunderung erzaehlten sich die Orientalen dieser Zeit von der 
maechtigen Republik des Westens, "die die Koenigreiche bezwang fern und nah, und 
wer ihren Namen vernahm, der fuerchtete sich; mit den Freunden und 
Schutzbefohlenen aber hielt sie guten Frieden. Solche Herrlichkeit war bei den 
Roemern, und doch setzte keiner die Krone sich auf und prahlte keiner im 
Purpurgewand; sondern wen sie Jahr um Jahr zu ihrem Herrn machten, auf den 
hoerten sie, und war bei ihnen nicht Neid noch Zwietracht."
So schien es in der Ferne; in der Naehe sahen die Dinge anders aus. Das 
Regiment der Aristokrat#e war im vollen Zuge, sein eigenes Werk zu verderben. 
Nicht als waeren die Soehne und Enkel der Besiegten von Cannae und der Sieger 
von Zama so voellig aus der Art ihrer Vaeter und Grossvaeter geschlagen; es 
waren weniger andere Menschen, die jetzt im Senate sassen, als eine andere Zeit. 
Wo eine geschlossene Zahl alter Familien festgegruendeten Reichtums und ere$
war nichts geneuert; doch 
behaupten sehr achtbare Zeugen, dass er den verschuldeten Leuten auf Minderung 
oder Erlass der Forderungen Hoffnung gemacht habe, was, wenn es richtig ist, 
gleichfalls diesen radikal populaeren Massregelnbeizuzaehlen ist.
Waehrend Gracchus also sich lehnte auf die Menge, die von ihm eine 
materielle Verbesserung ihrer Lage teils erwartete, teils empfing, arbeitete er 
mit gleicher Energie an dem Ruin der Aristokratie. Wohl erkennend, wie unsicher 
jede bloss auf das Proletariat gebaute Herrschaft des Staatsoberhauptes ist, war 
er vor allem darauf bedacht, die Aristokratie zu spalten und einen Teil 
derselben in sein Interesse zu ziehen. Die Elemente einer solchen Spaltung waren 
vorhanden. Die Aristokratie der Reichen, die sich wie ein Mann gegen Tiberius 
Gracchus erhoben hatte, bestand in der Tat aus zwei wesentlich ungleichen 
Massen, die man einigermassen der Lords- und der Cityaristokratie Englands 
vergleichen kann. Die eine umfasste den tatsaechlich geschlossenen Kreis de$
inzuruecken und Strabo Hilfe zu bringen. Lafrenius ward, waehrend von vorn 
Strabo ihn angriff, von Sulpicius in den Ruecken gefasst und sein Lager in Brand 
gesteckt; er selber fiel, der Rest seiner Truppen warf sich in aufgeloester 
Flucht nach Asculum. So vollstaendig hatte im Picenischen die LBge der Dinge 
sich geaendert, dass wie vorher die Roemer auf Firmum, so jetzt die Italiker auf 
Asculum sich beschraenkt sahen und der Krieg also sich abermals in eine 
Belagerung verwandelte.
Endlich war im Laufe des Jahres zu den beiden schwierigen und vielgeteilten 
Kriegen im suedlichen und mittleren Italien noch ein dritter in der noerdlichen 
Landschaft gekommen, indem die fuer Rom so gefaehrliche Lage der Dinge nach den 
ersten Kriegsmonaten einen grossen Teil der umbrischen und einzelne etruskische 
Gemeinden veranlasst hatte, sich fuer die Insurrektion zu erklaeren, so dass es 
noetig geworden war, gegen die Umbrer den Aulus Plotius, gegen die Etrusker den 
Lucius Porcius Cato zu entsenden. Hier indes sties$
 Wahl der Konsuln, 
Praetoren und Zensoren ein Zensus eingefuehrt, der die nicht Wohlhabenden vom 
aktiven Wahlrecht der Sache nach ausschloss. Die legislatorische Initiative 
wurde den Volkstribunen dadurch beschraenkt, dass jeder Antrag fortan von ihnen 
zunaechst dem Senat vorgelegt werden musste und erst, wenn dieser ihn gebilligt 
hatte, an das Volk gelangen konnte.
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^11 Klar ist es nicht, was das "Zwoelftelgesetz', der Konsuln Sulla und 
Rufus von 666 (88) in dieser Hinsicht vorschrieb; die einfachste Annahme bleibt 
aber, darin eine Erneuerung des Gesetzes von 397 (357) zu sehen, so dass der 
hoechste erlaubte Zinsfuss wieder 1/12 des Kapitals fuer das zehnmonatliche oder 
10 Prozent fuer das zwoelfmonatliche Jahr ward.
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Diese durch den Sulpicischen Revolutionsversuch hervorgerufenen 
Verfuegungen desjenigen Mannes, der darin als Schild und Schwert der 
Verfassungspartei aufgetreten war, des Konsuls ulla, $
hichtschreiber, Philosophen, Poeten in seiner 
Umgebung und setzte bei seinen Hoffesten neben den Preisen fuer Esser und 
Trinker auch welche aus fuer den drolligsten Spassmacher und den besten Saenger. 
So war der Mensch; der Sultan entsprach ihm. Im Orient, wo das Verhaeltnis des 
Herrschers und der Beherrschten mehr den Charakter des Natur- als des sittlichen 
Gesetzes traegt, ist der Untertan huendisch treu und huendisch falsch, der 
Herr?cher grausam und misstrauisch. In beiden ist Mithradates kaum uebertroffen 
worden. Auf seinen Befehl starben oder verkamen in ewiger Haft wegen wirklicher 
oder angeblicher Verraeterei seine Mutter, sein Bruder, seine ihm vermaehlte 
Schwester, drei seiner Soehne und ebenso viele seiner Toechter. Vielleicht noch 
empoerender ist es, dass sich unter seinen geheimen Papieren im voraus 
aufgesetzte Todesurteile gegen mehrere seiner vertrautesten Diener vorfanden. 
Ebenso ist es echt sultanisch, dass er spaeterhin, nur um seinen Feinden die 
Siegestrophaeen zu entziehen, se$
ingen an Cinna; allein da sie toerichterweise Schwierigkeiten machten, 
ihn als Konsul anzuerkennen und Cinna waehrend dieser Weiterungen sein Lager 
hart vor die Stadttore verlegte, so griff das Ueberlaufen so sehr um sich, dass 
es nicht mehr moeglich war, irgendwelche Bedingungen festzusetzen, sondern der 
Senat sich einfach dem in die Acht erklaerten Konsul unterwarf, indem er nur die 
Bitte hinzufuegte, des Blutvergiessens sich zu enthalten. Cinna sagte es zu, 
aber weigerte sich, sein Versprechen eidlich zu bekraeftigen; Marius, ihm zur 
Seite den Verhandlungen beiwohnend, verharrte in finsterem Schweigen.
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^1 Die ganze folgende Darstellung beruht wesentlich auf dem neu 
aufgefundenen Bericht des Licinianus, der eine Anzahl frueher unbekannter 
Tatsachen mitteilt und vor allem die Folge und Verknuepfung dieser Vorgaenge 
deutlicher, als bisher moeglich war, erkennen laesst.
2 3, 258. Dass eine Bestaetigung durch dieKomitien nicht stattfand, geht 
aus Cic. Phil. 12, 1$
1) bis 673 (81) rechtlich in Kraft 
geblieben, und es ist nicht wahrscheinlich, dass dasselbe, war fuer Scipio 
Aemilianus und Marius, auch fuer Flaccus geschah. Zweitens wird nirgends, wo der 
eine oder der andere Flaccus genannt wird, eines doppelten Konsulats gedacht, 
auch nicht, wo es notwendig war wie Cic. Flacc. 32, 77. Drittens kann der Lucius 
Valerius Flaccus, der im Jahre 669 (85) als Vormann des Senats, also als 
Konsulat in Rom taetig war (Liv. 83), nicht der Konsul des Jahres 668 (86) sein, 
da dieser damals bereits nah Asien abgegangen und wahrscheinlich schon tot war. 
Der Konsul 654 (100), Zensor 657 (97), ist derjenige, den Cicero (Att. 8, 3, 6) 
unter den 667 (87) in Rom anwesenden Konsulaten nennt; er war 669 (85) 
unzweifelhaft der aelteste lebende Altzensor und also geeignet zum Vormann des 
Senats; er ist auch der Zwischenkoenig und der Reiterfuehrer von 672 (82). 
Dagegen ist der Konsul 668 (86), der in Nikomedeia umkam, der Vater des von 
Cicero verteidigten Lucius Flaccus (Flacc. 25$
n Lager sich einstellten - so der feine und 
angesehene Lucius Philippus, nebst ein paar notorisch unfaehigen Leuten der 
einzige Konsular, der mit der revolutionaeren Regierung sich eingelassen und 
unter ihr Aemter angenommen hatte; er fand bei Sulla die zuvorkommendste 
Aufnahme und erhielt den ehrenvollen und bequemen Auftrag, die Provinz Sardinien 
fuer ihn zu besetzen. Ebenso wurden Quintus Lucretius Ofelia und andere 
brauchbare Offiziere empfangen und sofort beschaeftigt; selbst Publius Cethegus, 
einer der nach der Sulpicischen Erneute von Sulla geaechteten Senatoren, erhielt 
Verzeihung und eine Stellung im Heer. Wichtiger noch als die einzelnen 
Uebertritte war der der Landschaft Picenum, der wesentlich dem Sohne des Strabo, 
dem jungen Gnaeus Pompeius,verdankt ward. Dieser, gleich seinem Vater von Haus 
aus kein Anhaenger der Oligarchie, hatte die revolutionaere Regierung anerkannt 
und sogar in Cinnas Heer Dienste genommen; allein es ward ihm nicht vergessen, 
dass sein Vater die Waffen gegen di$
ste. Scipio, schwach wie er war, ging 
darauf ein; ein Waffenstillstand ward geschlossen; zwischen Cales und Teanum 
kamen die beiden Feldherren, beide Glieder des gleichen Adelsgeschlechts, beide 
gebildet und feingesittet und langjaehrige Kollegen im Senat, persoenlich 
zusammen; man liess sich auf die einzelnen Fragen ein; schon war man so weit, 
dass Scipio einen Boten nach Capua absandte, um die Meinung seines Kollegen 
einzuholen. Inzwischen mischten sich die Soldaten beider Lager; die Sullaner, 
von ihrem Feldherrn reichlich mit Geld versehen, machten es den nicht allzu 
kriegslustigen Rekruten beim Becher leicht begreiflich, dass es besser sei, sie 
zu Kameraden als zu Feinden zu haben; vergeblich warnte Sertorius den Feldherrn, 
diesem gefaehrlichen Verkehr ein Ende zu machen. Die Verstaendigung, die so nahe 
gescGienen, trat doch nicht ein; Scipio war es, welcher den Waffenstillstand 
kuendigte. Aber Sulla behauptete, dass es zu spaet und der Vertrag bereits 
abgeschlossen gewesen sei; und unter dem$
och sein Reorganisationswerk richtig 
zu wuerdigen verstanden, wie sie denn unbillig zu sein pflegt gegen die 
Persoenlichkeiten, die dem Strom der Zeiten s*ch entgegenstemmen. In der Tat ist 
Sulla eine von den wunderbarsten, man darf vielleicht sagen eine einzige 
Erscheinung in der Geschichte. Physisch und psychisch ein Sanguiniker, 
blauaeugig, blond, von auffallend weisser, aber bei jeder leidenschaftlichen 
Bewegung sich roetender Gesichtsfarbe, uebrigens ein schoener, feurig blickender 
Mann, schien er nicht eben bestimmt, dem Staat mehr zu sein als seine Ahnen, die 
seit seines Grossvaters Grossvater Publius Cornelius Rufinus (Konsul 464, 477 
290, 277), einem der angesehensten Feldherrn und zugleich dem prunkliebendsten 
Mann der pyrrhischen Zeit, in Stellungen zweiten Ranges verharrt hatten. Er 
begehrte vom Leben nichts als heiteren Genuss. Aufgewachsen in dem Raffinement 
des gebildeten Luxus, wie er in jener Zeit auch in den minder reichen 
senatorischen Familien Roms einheimisch war, bemaechtigt$
t, freisteht, auf 
Kassierung des Testaments vor dem Gerichtshof anzutragen, und das Gericht nach 
Ermessen entscheidet. Bestimmter laesst die Entwicklung der juristischen 
Literatur sich erkennen. Sie hatte bisher auf Formulariensammlungen und 
Worterklaerungen zu den Gesetzen sich beschraenkt; in dieser Periode bildete 
sich zunaechst eine Gutachtenliteratur, die ungefaehr unseren heutigen 
Praejudikatensammlungen entspricht. Die Gutachten,mdie laengst nicht mehr bloss 
von Mitgliedern des Pontifikalkollegiums, sondern von jedem, der Befrager fand, 
zu Hause oder auf offenem Markt erteilt wurden, und an die schon rationelle und 
polemische Eroerterungen und die der Rechtswissenschaft eigentuemlichen 
stehenden Kontroversen sich anknuepften, fingen um den Anfang des siebenten 
Jahrhunderts an, aufgezeichnet und in Sammlungen bekannt gemacht zu werden; es 
geschah dies zuerst von dem juengeren Cato (+ um 600 150) und von Marcus Brutus 
(etwa gleichzeitig), und schon diese Sammlungen waren, wie es scheint, nac$
 sie selber zurueck. Man rechnete die Massen, die gegen Sertorius 
ins Feld gefuehrt worden waren, mit Einschluss des spanischen Landsturms auf 
120000 Mann zu Fuss, 2000 Bogenschuetzen und Schleuderer und 6000 R}iter. Gegen 
diese ungeheure Uebermacht hatte Sertorius nicht bloss sich in einer Kette von 
gluecklichen Gefechten und Siegen behauptet, sondern auch den groessten Teil 
Spaniens in seine Gewalt gebracht. In der jenseitigen Provinz sah sich Metellus 
beschraenkt auf die unmittelbar von seinen Truppen besetzten Gebietsteile; hier 
hatten alle Voelkerschaften, die es konnten, Partei fuer Sertorius ergriffen. In 
der diesseitigen gab es nach den Siegen des Hirtuleius kein roemisches Heer 
mehr. Sertorianische Emissaere durchstreiften das ganze gallische Gebiet; schon 
fingen auch hier die Staemme an, sich zu regen, und zusammengerottete Haufen, 
die Alpenpaesse unsicher zu machen. Die See endlich gehoerte ebensosehr den 
Insurgenten wie der legitimen Regierung, da die Verbuendetem jener, die 
Korsaren,$
ms.
Noch ist es uebrig, auf das Koenigreich Aegypten nebst dem letzten ihm von 
den ausgedehnten Eroberungen der Lagidenuebriggebliebenen Nebenland, der 
schoenen Insel Kypros, einen Blick zu werfen. Aegypten war jetzt der einzige 
wenigstens dem Namen nach noch unabhaengige Staat des hellenischen Ostens; 
ebenwie einst, als die Perser an der oestlichen Haelfte des Mittelmeers sich 
festsetzten, Aegypten ihre letzte Eroberung war, saeumten auch die maechtigen 
Eroberer aus dem Westen am laengsten mit der Einziehung dieser reichen und 
eigenartigen Landschaft. Die Ursache lag, wie bereits angedeutet wurde, weder in 
der Furcht vor dem Widerstand Aegyptens noch in dem Mangel einer geeigneten 
Veranlassung. Aegypten war ungefaehr ebenso machtlos wie Syrien und bereits im 
Jahre 673 (81) in aller Form Rechtens der roemischen Gemeinde angestorben; das 
am Hofe von Alexandreia herrschende Regiment der koeniglichen Garde, welche 
Minister und gelegentlich Koenige ein- und absetzte, fuer sich nahm, was ihr 
gefiel, $
n Tag die Wahl vom Senat verschoben 
worden war, das Marsfeld bedeckten und beherrschten. Den Verschworenen gelang s 
weder, den wahlleitenden Konsul niederzumachen noch die Wahlen in ihrem Sinne zu 
entscheiden.
Inzwischen aber hatte der Buergerkrieg begonnen. Am 27. Oktober hatte Gaius 
Manlius bei Faesulae den Adler aufgepflanzt, um den die Armee der Insurrektion 
sich scharen sollte - es war einer der Marianischen aus dem Kimbrischen Kriege -
, und die Raeuber aus den Bergen wie das Landvolk aufgerufen, sich ihm 
anzuschliessen. Seine Proklamationen forderten, anknuepfend an die alten 
Traditionen der Volkspartei, Befreiung von der erdrueckendem Schuldenlast und 
Milderung des Schuldprozesses, der, wenn der Schuldbestand in der Tat das 
Vermoegen ueberstieg, allerdings immer noch rechtlich den Verlust der Freiheit 
fuer den Schuldner nach sich zog. Es schien, als wolle das hauptstaedtische 
Gesindel, indem es gleichsam als legitimer Nachfolger der alten plebejischen 
Bauernschaft auftrat und unter den ru$
 seinen 
Legionen ihnen gegenueber anlangte, schienen die vielgeplagten Auswanderer nicht 
nach neuen Kaempfen begierig, sondern gern bereit, von den Roemern Land zu 
nehmen und es unter ihrer Hoheit in Frieden zu bestellen. Waehrend darueber 
verhandelt ward, stieg in dem roemischen Feldherrn der Argwohn auf, dass die 
Deutschen nr Zeit zu gewinnen suchten, bis die von ihnen entsendeten 
Reiterscharen wiedereingetroffen seien. Ob derselbe gegruendet war oder nicht, 
laesst sich nicht sagen; aber darin bestaerkt durch einen Angriff, den trotz des 
tatsaechlichen Waffenstillstandes ein feindlicher Trupp auf seine Vorhut 
unternahm, und erbittert durch den dabei erlittenen empfindlichen Verlust, 
glaubte Caesar sich berechtigt, jede voelkerrechtliche Ruecksicht aus den Augen 
zu setzen. Als am anderen Morgen die Fuersten und Aeltesten der Deutschen, den 
ohne ihr Vorwissen unternommenen Angriff zu entschuldigen, im roemischen Lager 
erschienen, wurden sie festgehalten und die nichts ahnende, ihrer Fuehrer 
ber$
obert, sondern die Romanisierung der 
westlichen Landschaften begruendet habe. Auch von jenen militaerisch 
leichtsinnigen und zunaechst erfolglosen Zuegen nach England und Deutschland 
haben erst die spaeten Nachfahren den Sinn erkannt. Ein ungeheurer Voelkerkreis, 
von dessen Dasei und Zustaenden bis dahin kaum der Schiffer und der Kaufmann 
einige Wahrheit und viele Dichtung berichtet hatten, ward durch sie der 
roemisch-griechischen Welt aufgeschlossen. "Taeglich", heisst es in einer 
roemischen Schrift vom Mai 698 (56), "melden die gallischen Briefe und 
Botschaften uns bisher unbekannte Namen von Voelkern, Gauen und Landschaften". 
Diese Erweiterung des geschichtlichen Horizonts durch Caesars Zuege jenseits der 
Alpen war ein weltgeschichtliches Ereignis, so gut wie die Erkundung Amerikas 
durch europaeische Scharen. Zu dem engen Kreis der Mittelmeerstaaten traten die 
mittel- und nordeuropaeischen Voelker, die Anwohner der Ost- und der Nordsee 
hinzu, zu der alten Welt eine neue, die fortan durch jene$
n es 
gelang, die Katastrophe zu verzoegern, sich zum Gewinn, uebersah, was sich 
uebersehen liess, und ertrug, was ertragen werden konnte, unerschuetterlich 
festhaltend nur an der einen und entscheidenden Forderung, dass, wenn mit dem 
Jahre 705 (49) seine Statthalterschaft zu Ende ging, das nach republikanischem 
Staatsrecht zulaessige, von seinem Kollegen vertragsmaessig zugestandene zweite 
Konsulat fuer das Jahr 706 (48) ihm zuteil werde.
Ebendies wurde das Schlachtfeld des jetzt beginnenden diplomatischen 
Krieges. Wenn Caesar genoetigt wurde, entweder sein Statthalteramt vor dem 
letzten Dezember 705 (49) niederzulegen oder die Uebernahme des 
hauptstaedtischen Amtes ueber den 1. Januar 706 (48) hinauszuschieben, er also 
eine Zeitlang zwischen Statthalterschaft und Konsulat ohne Amt, folglich der - 
nach roemischem Recht nur gegen den amtlosen Mann zulaessigen - Kriminalanklage 
ausgesetzt blieb, so hatte, da Cato laengst bereit stand, ihn peinlich zu 
belangen, und da Pompeus ein mehr als zweifelha$
s mit einer oder auch die des Diesseitigen 
Galliens allein mit zwei Legionen, nicht etwa bis zur Uebernahme des Konsulats, 
sondern bis nach Beendigung der Konsulwahlen fuer 706 (48) belasse. Er ging also 
auf diejenigen Vergleichsvorschlaege ein, mit denen zu Anfang der Verhandlungen 
die Senatspartei, ja Pompeius selbst erklaert hatten, sich befriedigen zu 
wollen, und zeigte sich bereit, von der Wahl zum Konsulat bis zum Antritt 
desselben im Privatstand zu verharren. Ob es Caesar mit diesen erstaunlichen 
Zugestaendnissen Ernst war und r sein Spiel gegen Pompeius selbst bei solchem 
Vorgeben durchfuehren zu koennen sich getraute oder ob er darauf rechnete, dass 
man auf der andern Seite bereits zu weit gegangen sei, um in diesen 
Vergleichsvorschlaegen mehr zu finden als den Beweis dafuer, dass Caesar seine 
Sache selbst als verloren betrachte, laesst sich nicht mehr mit Sicherheit 
entscheiden. Die Wahrscheinlichkeit ist dafuer, dass Caesar weit eher den Fehler 
allzukecken Spielens als den schlimmeren$
eckgeblieben und liess 
Caesars Regiment sich gefallen. Caesars eben in ihrer scheinbaren 
Ueberschwenglichkeit wohlberechnete Milde erreichte ihren Zweck: die zappelnde 
Angst der besitzenden Klassen vor der drohenden Anarchie wurde einigermassen 
beschwichtigt. Wohl war dies fuer die Folgezeit ein unberechenbarer Gewinn; die 
Abwendung der Anarchie und der fast nicht minder gefaehrlichen Angst vor der 
Anarchie war die Vorbedingung der kuenftigen Reorganisation des Gemeinwesens. 
Aber fuer den Augenblick war diese Milde fuer Caesar gefaehrlicher als die 
Erneuerung der cinnanischen und catilinarischen Raserei gewesen sein wuerde; sie 
erwandelte Feinde nicht in Freunde und Freunde in Feinde. Caesars 
catilinarischer Anhang grollte, dass das Morden und Pluendern unterblieb; von 
diesen verwegenen, verzweifelten und zum Teil talentvollen Gesellen waren die 
bedenklichsten Querspruenge zu erwarten. Die Republikaner aller Schattierungen 
dagegen wurden durch die Gnade des Ueberwinders weder bekehrt noch versoe$
s die manches Jahr 
zuvor vom Pompeius frei erklaerte Stadt Phanagoria und die Gebiete der von ihm 
bestaetigten kolchischen Fuersten, sondern selbst das von demselben dem Koenig 
Deiotarus verliehene Koenigreich Klein-Armenien in Besitz nahm. Fast die 
einzigen Ausnahmen von dieser allgemeinen Unterwerfung waren die kleine Stadt 
Megara, die von den Caesarianern sich belagern und erstuermen liess, und Koenig 
Juba von Numidien, der von Caesar die Einziehung seines Reiches schon laengst 
und nach dem Siege ueber Curio nur um so sicherer zu gewaertigen hatte und also 
freilich, wohl oder uebel, bei der geschlagenen Partei ausharren musste. Ebenso 
wie die Klientelgemeinden sich dem Sieger von Pharsalos unterwarfen, kam auch 
de Schweif der Verfassungspartei, alle, die mit halbem Herzen mitgemacht hatten 
oder gar, wie Marcus Cicero und seinesgleichen, nur um die Aristokratie 
herumtrippelten wie die Halbhexen um den Blocksberg, herbei, um mit dem neuen 
Alleinherrscher ihren Frieden zu machen, den denn auch d$
ichte? und ihn von der See abzuschneiden, 
auf der die Zufuhr ihm zukam. Die Leuchtturminsel und der Damm, durch den diese 
mit dem Festland zusammenhing, teilte den Hafen in eine westliche und eine 
oestliche Haelfte, die durch zwei Bogenoeffnungen des Dammes miteinander in 
Verbindung standen. Caesar beherrschte die Insel und den Osthafen, waehrend der 
Damm und der Westhafen im Besitz der Buergerschaft war, und seine Schiffe 
fuhren, da die alexandrinische Flotte verbrannt war, ungehindert ab und zu. Die 
Alexandriner, nachdem sie vergeblich versucht hatten, aus dem Westhafen in den 
oestlichen Brander einzufuehren, stellten darauf mit den Resten ihres Arsenals 
ein kleines Geschwader her und verlegten damit Caesars Schiffen den Weg, als 
dieselben eine Transportflotte mit einer aus Kleinasien nachgekommenen Legion 
hereinbugsierten; indes wurden Caesars vortreffliche rhodische Seeleute des 
Feindes Herr. Nicht lange darauf nahmen indes die Buerger die Leuchtturminsel 
weg ^8 und sperrten von da aus die sc$
e Muessiggang zusammendraengten, wenigstens 
von den Versammlungen und den Gerichten, indem er fuer jene eine neue 
Dingstaette, die Saepta Iulia auf dem Marsfeld, fuer diese einen besonderen 
Gerichtsmarkt, das Forum Iulium zwischen Kapitol und Palatin, anlegen liess. 
Verwandten Geistes ist die von ihm herruehrende Einrichtung, dass den 
hauptstaedtischen Baedern jaehrlich 3 Millionen Pfund Oel, groesstenteils aus 
Afrika, geliefert und diese dadurch in den Stand gesetzt wurden, den Badenden 
das zum Salben des Koerpers erforderliche Oel unentgeltlich zu verbfolgen - 
eine nach der alten wesentlich auf Baden und Salben gegruendeten Diaetetik 
hoechst zweckmaessige Massregel der Reinlichkeits- und Gesundheitspolizei. Indes 
diese grossartigen Einrichtungen waren nur die ersten Anfaenge einer 
vollstaendigen Umwandlung Roms. Bereits waren die Entwuerfe gemacht zu einem 
neuen Rathaus, einem neuen prachtvollen Basar, einem mit dem Pompeischen 
wetteifernden Theater, einer oeffentlichen lateinischen und griech$
itionen der aelteren republikanischen Zeit 
zurueckzugehen und die Reichsschatzung wiedereinzufuehren, welche die aeltere 
Republik, wesentlich in derselben Weise wie Caesar die italische, durch analoge 
Ausdehnung des Instituts der staedtischen Zensur mit seinen Fristen und 
sonstigen wesentlichen Normen auf die saemtlichen Untertanengemeinden Italiens 
und Siziliens bewirkt hatte. Es war dies eines der ersten Institute gewesen, das 
die erstarrende Aristokratie verfallen und damit der obersten 
Verwaltungsbehoerde jede Uebersicht ueber die disponiblen Mannschaften und 
Steuerkraefte und also jede Moeglichkeit einer wirksamen Kontrolle verlren 
gehen liess. Die vorhandenen Spuren und der Zusammenhang der Dinge selbst zeigen 
unwidersprechlich, dass Caesar die Erneuerung der seit Jahrhunderten 
verschollenen Reichsschatzung vorbereitete.
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^33 Das Fortbestehen der munizipalen Schatzungsbehoerden spricht dafuer, 
dass die oertliche Abhaltung des Zensus bereits$
nem ac mandatum Dei
19] Est autem hoc mandatum Dei 1 Cor. 7, 2: Propter fornicationem
habeat unusquisque uxorem suam.
20] Neque mandatum solum, sed etiam creatio et ordinatio Dei cogit
hos ad coniugium, qui sine singulari Dei opere non sunt excepti,
iuxta illud: Non est bonum homini esse solum, Gen. 2, 18.
21] Igitur non peccant isti, qui obtemperant huic mandato et
ordinationi Dei.
22] Quid potest contra haec opponi? Exaggeret aliquis obligationem
voti, quantum volet, tamen non poterit efficere, ut votum tollat
mandatum Dei.
23] Canones docent in omni voto ius superioris excipi; quare multo
minus haec vota conta mandata Dei valent.
24] Quodsi obligatio votorum nullas haberet causas, cur mutari
possit: nec Romani pontifices dispensassent. Neque enim licet
homini obligationem, quae simpliciter est iuris divini,arescindere.
25] Sed prudenter iudicaverunt Romani pontifices aequitatem in hac
obligatione adhibendam esse; ideo saepe de votis dispensasse
26] Nota est historia de rege Arragonum revocato ex monasterio$
nn ich zweifelte
nicht, ch wusste es, dass du nicht aufhoeren koenntest, mich zu lieben.  Ich
ueberliess dich der gluehenden Leidenschaft einer maechtigen und reizenden
Nebenbuhlerin, ohne sie einen Augenblick zu fuerchten.  Ich wusste, dass
wenn sie es auch so weit bringen koennte, deine Sinnen zu verfuehren, sie
doch unfaehig sei, dir eine Liebe einzufloessen wie die unsrige, und dass du
dich bald wieder nach derjenigen sehnen wuerdest, die dich allein gluecklich
machen, weil sie allein dich lieben kann, wie du geliebt zu sein wuenschest.
Unter tausend solchen Gedanken kam ich endlich zu Syracus an.  Die
vorsichtige Priesterin hatte Anstalt gemacht, dass ich nirgend Mittel
finden konnte, dir von meinem Aufenthalt Nachricht zu geben.  Meine neue
Gebieterin war von der guten Art von Geschoepfen, die gemacht sind sich
selbst zu gefallen, und sich alles gefallen zu lassen.  Ich wurde zu der
Ehre bestimmt, den Aufputz ihres schoenen Kopfes zu besorgen; und die Art,
wie ich dieses Amt verwaltete, erwarb mir ihre$
 Gleichgueltigkeit gegen alles was die
schwaermerischen Seelen Empfindung nennen, und zu dieser verzaertelten
Feinheit des Geschmacks zu erheben, wodurch die Weltleute sich auf eine so
vorteilhafte Art unterscheiden.  Solche Leute koennen wohl Beobachtungen
machen; allein da ihnen dieser Instinkt, dieses sympathetische Gefuehl
mangelt, mittelst dessen jene einander so schnell und zuverlaessig
ausfindig machen; oder deutlicher zu reden, da sie von allem auf eine
andre Art geruehrt werden, als jene; und sich, so sehr sie sich auch
anstrengten, niemals an ihre Stelle setzen koennen: so bleiben sie doch
immer in einem unbekannten Lande, wo ihre Erkenntnis nur bei Mutmassungen
stehen bleibt, und ihre Erwartung alle Augenblicke durch unbegreifliche
Zufaelle und unverhffte Veraenderungen betrogen wird.  Mit allen seinen
Vorzuegen war Agathon doch in eben dieser Klasse, und es ist also kein
Wunder, dass er, ungeachtet der tiefen Betrachtungen die er ueber seine
Unterredung mit dem Hippias bei sich selbst anstellte, $
unst, wenn ihnen jene nur in einem eben so reizenden Licht,
und mit eben so lebhaften Farben vorgetragen wurden, als sie verwoehnt
worden waren, von einem jeden, der zu den oeffentlichen Angelegenheiten
redete, zu fodern; so waren sie gleichgueltig, durch was fuer Mittel Athen
zu derjenigen Groesse gelangen moege, welche das Ziel aller ihrer Wuensche war;
und ein grosser Teil der Buerger, denen der Friede mehr Vorteile brachte,
als der Krieg, liessen sichs vielmehr wolgefallen, dass dieses Ziel ihrer
Eitelkeit auf eine mit ihrem Privatnutzen uebereinstimmigere Art erhalten
werde.  Meine heimlichen Feinde, welche nicht zweifelten, dass diese
Expedition auf eine oder andere Art Gelegenheit zu meinem Fall geben wuerde,
waren weit entfernt, meinen Massnehmungen oeffentlich zu widerstehen; aber
(wie ich in der Folge erfuhr) unter der Hand desto geschaeftiger, ihren
Erfolg zu hemmen, Schwierigkeiten aus Schwierigkeiten hervor zu spinnen,
und die missvergnuegten Insulaner selbst durch geheime Aufstiftungen
uebermue$
in Athen aus.  Hiezu kam noch, dass ich meiner immer
fortdauernden Liebe zu Psyche, die vorteilhaftesten Verbindungen, welche
mir angeboten worden waren, aufgeopfert, und mich dadurch der
Unterstuetzung und des Schutzes beraubet hatte, den ich mir von der
Vrschwaegerung mit einem maechtigen Geschlechte haette versprechen koennen.
Ich hatte nichts, was ich den Raenken und der vereinigten Gewalt so vieler
Feinde entgegen setzen konnte, als meine Unschuld, einige Verdienste, und
die Zuneigung des Volks; schwache Brustwehren, welche noch nie gegen die
Angriffe des Neides, der Arglist und der Gewalttaetigkeit ausgehalten haben.
Die Unschuld kann verdaechtig gemacht, und Verdiensten selbst durch ein
falsches Licht das Ansehen von Verbrechen gegeben werden; und was ist die
Gunst eines enthusiastischen Volkes, dessen Bewegungen immer seinen
ueberlegungen zuvorkommen; welches mit gleichem uebermass liebet und hasset,
und wenn es einmal in eine fiebrische Hitze gesetzt ist, gleich geneigt
ist, dieser oder einer entgeg$
u war; und auch dieser wuerde sich vermutlich in eben diese sichere
aber unruehmliche Dunkelheit eingehuellet haben, worein ehrliche Leute unter
einer unglueckweissagenden Regierung sich zu verbergen pflegen; wenn ihn
seine Geburt nicht berechtiget, und sein Interesse genoetiget haette, sich
um die Staats-Verwaltung zu bekuemmern.
Dieser Mann war Dion, ein Bruder der Stiefmuttr des Dionys, und der
Gemahl seiner Schwester; der Naechste nach ihm im Staat, und der Einzige,
der sich durch seine grosse Faehigkeiten, durch sein Ansehen bei dem Volke,
und durch die unermessliche Reichtuemer, die er besass, furchtbar und des
Projekts verdaechtig machen konnte, sich entweder an seine Stelle zu setzen,
oder die republikanische Verfassung wiederherzustellen.  Wenn wir den
Geschichtschreibern, insonderheit dem tugendhaften und gutherzigen
Plutarch einen unumschraenkten Glauben schuldig waeren, so wuerden wir den
Dion unter die wenigen Helden und Champions der Tugend zaehlen muessen,
welche sich, (um dem Plato einen Ausd$
indeste Gewalt haette tun sollen, so weit ging sein Enthusiasmus fuer sie
nicht.  Die ungebundene Freiheit worin er vormals gelebt hatte, stellte
sich ihm wieder mit den lebhaftesten Reizungen dar; und nun sah er den
Plato fuer einen verdriesslichen Hofmeister an, und verwuenschte die
Schwachheit, die er gehabt hatte, sich so sehr von ihm einnehmen, und in
eine Gestalt, die seiner eigenen so wenig aehnlich sah, umbilden zu lassen.
Ertfuehlte nur allzuwohl, dass er sich selbst eine Art von Verbindlichkeit
aufgelegt hatte, in den Gesinnungen zu beharren, die er sich von diesem
Sophisten, wie er ihn itzt nannte, hatte einfloessen lassen: Er stellte sich
vor, dass Dion und die Syracusaner sich berechtiget halten wuerden, die
Erfuellung des Versprechens von ihm zu erwarten, welches er ihnen gewisser
massen gegeben hatte, dass er kuenftig auf eine gesetzmaessige Art regieren
wolle.  Diese Vorstellungen waren ihm unertraeglich, und hatten die
natuerliche Folge, seine ohnehin bereits erkaeltete Zuneigung zu dem
Philo$
s menschliche Leben laecherlich zu machen,
wenigstens die Natur eben so getreu nachahmen wollen, als die Griechen
sich angelegen sein liessen sie zu verschoenern.  Um itzo nichts von der
zufaelligen ahnlichkeit zu sagen, dass in diesen Stuecken, so wie im Leben,
die wichtigsten Rollen sehr oft gerade durch die schlechtesten Acteurs
gespielt werden--was kann aehnlicher sein, als es beide Arten der
Haupt--und Staats-Aktionen einander in der Anlage, in der Abteilung und
Disposition der Szenen, im Knoten und in der Entwicklung zu sein pflegen.
Wie selten fragen die Urheber der einen und der andern sich selbst, warum
sie dieses oder jenes gerade so und nicht anders gemacht haben?  Wie oft
ueberraschen sie uns durch Begebenheiten, zu denen wir nicht im mindesten
vorbereitet waren? Wie oft sehen wir Personen kommen und wieder abtreten,
ohne dass sich begreifen laesst, warum sie kamen, oder warum sie wieder
verschwinden?  Wie viel wird in beiden dem Zufall ueberlassen? Wie oft
sehen wir die groessesten Wuerkungen du$
iner anstaendigen
Entschuldigung uebrig zu lassen.  Und womit haette sie wohl entschuldiget
werden koennen?  Es ist wahr, ein Mann, der mit der Sorge fuer einen ganzen
Staat beladen ist, hat nicht so viel Musse als ein junger Herr, der sonst
nichts zu tun hat, als sein Gesicht alle Tage ein paarmal im Vorzimmer zu
zeigen, und die uebrige Zeit von einer Schoenen, und von einer Gesellschaft
zur andern fortzuflattern.  Aber man mag so beschaeftiget sein als man wilb,
so behaelt man doch allezeit Stunden fuer sich selbst, und fuer sein
Vergnuegen uebrig; und obgleich Agathon sich seinen Beruf etwas schwerer
machte, als er in unsern Zeiten zu sein pflegt, nachdem man das Geheimnis
erfunden hat, die schweresten Dinge mit einer gewissen unsern plumpern
Vorfahren unbekannten Leichtigkeit--vielleicht nicht so gut, aber doch
artiger--zu tun; so war es doch Augenscheinlich, dass er solche Stunden
hatte.  Der Einfluss, den er in die Staats-Verwaltung hatte, schien ihm so
wenig zu schaffen zu machen; er brachte so viel Fr$
ung und Vervollkommnung zu arbeiten; er ist am
geschicktesten zu dieser Beschaeftigung, nachdem er durch eine Reihe
betraechtlicher Erfahrungen sich selbst und die Welt kennen zu lernen
angefangen hat; und indem er solchergestalt an sich selbst arbeitet,
arbeitet er wuerklich fuer die Welt, indem er dadurch um soviel geschickter
wird, seinen Freunden, seinem Vaterland, und den Menschen ueberhaupt,
nuetzlich zu sein, und es sei nun mit vielem oder wenigem Gepraenge, in
einem groessern oder kleinern Zirkel, auf eine oeffentliche oder nicht so
merkliche Art, zum allgemeinen Besten des Systems mitzuwuerken."
Dieser Maxime zufolge beschaeftigte sich Agathon, nachdem er zu Tarent
einheimisch zu sein angefangen hatte, hauptsaechlich mit den mathematischen
Wissenschaften, mit Erforschung der Kraefte und Eigenschaften der
natuerlichen Dinge, mit der Astronomie, Kurz mit demjenigen Teil der
spekulativen Philosophie, welche uns, mit Huelfe unsrer Sinnen und
behutsamer Vernunft-Schluesse zu einer zwar mangelhaften, aber $
das auf einen Kanal hinausgeht, bin ich nicht Euer Mieter.
Ich komme von Brescia, mein Arzt hut mir die feuchte Luft Venedigs
empfohlen fuer meine schwache Brust; ich soll ueberm Wasser wohnen.
Nun Gott sei Dank! sagte die Witwe, so kommt doch einmal einer, der
unserem Kanal Ehre antut.  Ich hatte einen Spanier vorigen Sommer, der
auszog, weil er sagte, das Wasser habe einen Geruch, als waeren Ratten
und Melonen darin gekocht worden!  Und Euch ist es empfohlen worden?
Wir sagen wohl hier in Venedig:
Wasser vom Kanal.  Kuriert radikal.
Aber es hat einen eigenen Sinn, Herr, einen boesen Sinn, wenn man
bedenkt, wie manches Mal auf Befehl der Oberen eine Gondel mit Dreien
auf die Lagunen hinausfuhr und mit Zweien wiederkam.  Davon nichts
mehr, Herr--Gott behuet' uns alle!  Aber habt Ihr Euren Pass in Ordnung?
Ich koennt' Euch sonst nicht aufnehmen.
Ich hab' ihn schon drei Mal praesentiert, gute Frau, in Mestre, bei der
Wachtgondel draussen und am Traghetto.  Mein Name ist Andrea Delfin,
mein Stand rechtskundiger $
en sich
ploetzlich.  Ser Delfin, sagte er und bot Andrea die Hand, begegnen wir
uns hier?  Kennt Ihr mich nicht mehr?  Habt Ihr den Abend am Gardasee
schon vergessen?
Ihr seid es, Baron Rosenberg! erwiderte Andrea und schuettelte herzlich
die dargebotene Rechte.  Seid Ihr fuer laengere Zeit in Venedig, oder
holt Ihr schon Euren Pass hier ab zur Weiterreise?
Der Himmel weiss, sprach der andere, wann mich mein Stern je von hier
wegfuehrt, und ob ich ihn dann willkommen heissen oder verwuenschen werde.
Um meinen Pass jedoch brauche ich niemand zu bemuehen, da ich ihn mir
selbst visieren kann.  Denn Ihr muesst wissen, werter Freund, dass Ihr
mit>dem Sekretaer Seiner Exzellenz des oesterreichischen Gesandten
sprecht, was ich wahrlich nicht etwa sage, um eine diplomatische Wand
zwischen mich und meinen werten Reisegefaehrten von Riva zu schieben,
sondern in Eurem Interesse, Bester, da es nicht jedem Venezianer
erwuenscht ist, fuer einen alten Bekannten von mir zu gelten.
Ich habe nichts zu fuerchten, sagte Andrea. $
, was ich meine!"  "Ja,
ja!" murmelten dann die anderen dazwischen, "es ist wahr, er hat auch
ein Teil zu tragen, moechten nicht mit ihm tauschen; ist ein reicher,
vornehmer Herr; aber, aber!"
Ali Banu hatte ein herrliches Haus auf dem schoensten Platz von
Alessandria; vor dem Hause war eine weite Terrasse, mit Marmor
ummauert, beschattet von Palmbaeumen; dort sass er oft abends und
rauchte seine Wasserpfeife.  In ehrerbietiger Entfernung harrten dann
zwoelf reichgekleidete Sklaven seines Winkes; der eine trug seinen
Betel, der andere hielt seinen Sonnenschirm, ein dritter hatte Gefaesse
von gediegenem Golde, mit koestlichem Sorbet angefuellt, ein vierter
trug einen Wedel von Pfauenfedern, um die Fliegen aus der Naehe des
Herrn zu verscheuchen; anere waren Saenger und trugen Lauten und
Blasinstrumente, um ihn zu ergoetzen mit Musik, wenn er es verlangte,
und der gelehrteste von allen trug mehrere Rollen, um ihm vorzulesen.
Aber sie harreten vergeblich auf seinen Wink; er verlangte nicht
Musik noch Gesang, er$
he, wunderbare Gestalt
an und ist ungefaehr anzuschauen wie die Gewebe unserer Teppi&he oder
viele Gemaelde unserer besten Meister, welche die Franken Arabesken
nennen.  Es ist dem echten Muselmann verboten, den Menschen, das
Geschoepf Allahs, suendigerweise wiederzuschoepfen in Farben und
Gemaelden, daher sieht man auf jenen Geweben wunderbar verschlungene
Baeume und Zweige mit Menschenkoepfen, Menschen, die in einen Fisch
oder Strauch ausgehen, kurz, Figuren, die an das gewoehnliche Leben
erinnern und dennoch ungewoehnlich sind; ihr versteht mich doch?"  "Ich
glaube, Eure Meinung zu erraten", sagte der Schreiber, "doch fahret
weiter fort!"
"Von dieser Art ist nun das Maerchen; fabelhaft, ungewoehnlich,
ueberraschend; weil es dem gewoehnlichen Leben fremd ist, wird es oft
in fremde Laender oder in ferne, laengst vergangene Zeiten verschoben.
Jedes Land, jedes Volk hat solche Maerchen, die Tuerken so gut als die
Perser, die Chinesen wie die Mongolen; selbst in Frankenland soll es
viele geben, wenigstens erzae$
unge Mann schlich sich auf sein Zimmer, loeschte die Kerzen aus
und liess nur das Licht brennen, das ihm die Wirtin gegeben.  Dann
lauschte er an der Tuere.
Bald kam die Wirtin mit den Damen die Treppe herauf und fuehrte sie
mit freundlichen, sanften Worten in das Zimmer nebenan.  Sie redete
ihren Gaesten zu, sich bald niederzulegen, weil sie von der Reise
erschoepft sein wuerden; dann ging sie wieder hinab.  Bald darauf hoerte
der Student schwere maennliche Tritte die Treppe heraufkommen.  Er
oeffnete behutsam die Tuere und erblickte durch eine kleine Spalte den
grossen Mann, welcher die Damen aus dem Wagen gehoben.  Er trug ein
Jagdkleid und hatte einen Hirschfaenger an der Seite und war wohl der
Reisestallmeister oder Begleiter der fremden Damen.  Als der Student
merkte, dass dieser allein heraufgekommen war, oeffnete er schnell die
Tuer und winktedem Mann, zu ihm einzutreten.  Verwundert trat dieser
naeher, und ehe er noch fragen konnte, was man von ihm wolle,
fluesterte ihm jener zu: "Mein Herr!  Sie si$
 aus
Hoz geschnitzt, eine alte Jagdflinte und in der hintersten Ecke ein
Lager, aus ein paar Brettern gezimmert und mit wollenen Decken
bekleidet, welchem man den Namen eines Bettes nicht geben konnte,
waren die einzigen Geraete dieses graeflichen Palastes.  Jetzt erst,
allein gelassen in dieser elenden Huette, hatten die drei Gefangenen
Zeit, ueber ihre sonderbare Lage nachzudenken.  Felix, der zwar seine
edelmuetige Handlung keinen Augenblick bereute, aber doch fuer seine
Zukunft im Falle einer Entdeckung bange war, wollte sich in lauten
Klagen Luft machen; der Jaeger aber rueckte ihm schnell naeher und
fluesterte ihm zu: "Sei um Gottes willen stille, lieber Junge; glaubst
du denn nicht, dass man uns behorcht?"
"Aus jedem Wort, aus dem Ton deiner Sprache koennten sie Verdacht
schoepfen", setzte der Student hinzu.  Dem armen Felix blieb nichts
uebrig, als stille zu weinen.
"Glaubt mir, Herr Jaeger", sagte er, "ich weine nicht aus Angst vor
diesen Raeubern oder aus Furcht vor dieser elenden Huette; nein, es $
n, und der Verlust der Schoenheit
geht uns Maedchen an den Hals.  Und wie innig ist die Schoenheit mit
dem Hals verbunden, wer halst uns denn, wenn wir nicht schoen mehr
sind?  Wissen Sie denn nicht, dass jedes Maedchen, das den Alpenkoenig
erblickt, in dem Augenblick um vierzig Jahre aelter wird?  Ja sehen
Sie mich nur an, keine Minute wird herabgehandelt.  Vierzig Jahre,
und unsere jetzigen auch noch dazu, da wird eine schoene Rechnung
herauskommen.  Stellen Sie sich die Folgen einer so entsetzlichen
Verwandlung vor.  Was wuerde ihr geliebter Maler dazu sagen, wenn
er in Ihnen statt einer bluehenden Fruehlingslandschaft eine
ehrwuerdige Wintergegend aus der niederlaendischen Schule erblickte,
was wuerden alle meine Anbeterdazu sagen, wenn der Anblick dieses
Ungetuems meine Wangen in Falten legte wie eine hundertjaehrige
Pergamentrolle?
Aber wer hat dir denn solche Maerchen aufgebunden?  Beinahe koennt
ich selbst in Angst geraten.  Es gibt gar keinen Alpenkoenig.
Nicht?  Nun gut--bald werd ich Sie wie meine$
er.  Rechts die Eingangstuer, links fuehrt eine Glastuer
nach dem Garten.  Auf dieser Seite befindet sich ein massiver
altmodischer Tisch und ein Stuhl.  Rechts an der Wand neben der
Tuer ein hoher Spiegel.  Neben der Gartentuer ein Sekretaer.
Rappelkopf koemmt in heftiger Bewegung zur Glastuer herein.  Sein
ganzes Wesen ist sehr auffahrend.  Er sieht die Menschen nur auf
Augenblicke oder mit Seitenblicken an und wendet sich schnell,
entweder erzuernt oder veraechtlich, von ihnen ab.
Ja, das kann nicht mehr so bleiben,
's ist entsetzlich, was sie treiben.
Ins Gesicht werd ich belogen,
Hinterm Ruecken frech betrogen,
's Geld muss ich am End vergraben,
Denn sie stehln als wie die Raben.
Ich hab keinen Kreuzer Schulden,
Bare hunderttausend Gulden,
Und doch wirds mir noch zu wenig,
Es taet not, ich wurd ein Koenig.
Meine Felder sind zerhagelt,
Meine Schimmel sind vernagelt,
Meine Tochter, wie betruebt,
Ist das ganze Ja"r verliebt.
Alle Tag ist das ein Gwinsel
Um den Maler, um den Pinsel,
Der kaum hat ein Renommee$
ch sehe dich beschaemt und
reuergriffen vor mir stehen.
Ja leb ich denn noch?  Bin ich denn nicht in Kompagnie ersoffen?
Du lebst noch, lieber Mann!
Sie leben, lieber Vater!
Und kuenftig nur fuer euch.  (Umschlingt sie beide.)  Wenn ich
euch nicht zu schlecht bin, dass ihr fuer mich auch lebt.
Du hast nun Menschenhass geschaut und eines Menschenfeindes
Und ist er denn wirklich hin, dieser verwuenschte
Lebenskompagnon, dieses Zerrbild meiner Unvertraeglichkeit?
Er ist verschwunden wie dein Menschenhass.
Nu das waren ein Paar saubre Leute, ich bin froh, dass ich
sie losgeworden bin.  Aber weil Eure Hoheit gar so viel
vermoegend sind, koennten Sie denn nicht auch etwas ueber
mein verlornes Vermoegen vermoegen.  Damit ich auch meinem
Schwager verzeihen koennt, weil er der einzige ist, den ich
noch hasse.  (Man hoert ein Posthorn.  Linarius, als Postknecht
gekleidet, mit Herrn von Silberkern.)
Hier lad ich meinen Passagier von seiner Wolkenreisu ab.
Die Alpenluft hat ihm recht gut getan.
Nu wart, du saubrer Postil$
te, um die
Bestien zu streicheln.  "Damit jedweder wisse, dass ein ander
Regiment allhier begonnen; denn--wer mir in die Quere kommt, den
hetz ich in des Teufels Rachen!"
Bei den letzten Worten, die er heftig ausgestossen, hatte er sich
hoch aufgerichtet; dann pfiff er seinen Hunden und schritt ueber den
Hof dem Thore zu.
Ein Weilchen schaute ich hintendrein; dann folgte ich Katharinen,
die unter dem Lindenschatten stumm und gesenkten Hauptes die
Freitreppe zu dem Herrenhaus emporstieg; ebenso schweigend gingen
wir mitsammen die breiten Stufen in das Oberhaus hinauf, allwo wir
in des seligen Herrn Gerhardus Zimmer traten.--Hier war noch alles,
wie ich es vordem gesehen; die goldgebluemten Ledertapeten, die
Karten an der Wand, die saubern Pergamentbaende auf den Regalen,
ueber dem Arbeitstische der schoene Waldgrnd von dem aelteren
Ruisdael--und dann davor der leere Sessel.  Meine Blicke blieben
daran haften; gleichwie drunten in der Kapellen der Leib des
Entschlafenen, so schien auch dies Gemach mir itzt ent$
chenswerten Inhalts,
Gesprochen haette sie ein andrer Mund,
Der minder lieblich, Maedchen, als der deine.
Du seufzest!--Sprich!--Lass deine Worte toenen;
Vertrau' den Lueften sie, als Boten, an,
Sonst holt mein Mund sie ab von deinen Lippen.
(Er beugt sich gegen sie.)
(Man hoert Waffengeklirr und Stimmen in der Ferne.)
Horch!--Stimmen!
(Er laesst sie los.)
(Medea steht auf.)
Deine Freunde kommen
Und ich muss fort.  Des freuest du dich wohl?
Allein ich seh' dich wieder, glaube mir!
Ich muss dich sprechen hoeren, guetig sprechen,
Und kostet' es mein Leben!--Doch man naht.
Glaub' nicht, dass ich Gefahr und Waffen scheue,
Doch auch ein Tapfrer weicht der Ueberzahl,
Und meiner harren Freunde.--Leb' denn wohl.
(Er geht dem Seiteneingange zu, durch den er gekommen ist.  Aul
diesem, so wie aus dem Haupteingange stuerzen) Bewaffnete (herein,
mit ihnen) Absyrtus.
So gilt's zu fechten!--Gebet Raum!
Dein Schwert!
Dir in die Brust, nicht in die Hand!
Jason (sich in Stellung werfend).
Kommt an!  Ihr alle schreckt mich nich$
Art auch--Schoenheit liegt in der Avenue vom
Brandenburger Tor bis zum Schloss; aber man koennte noch hundert Jahre so
fortbauen wie jetzt und braechte doch nicht den Eindruck permanenter
Unschoenheit von Berlin fort, wenn nicht das Auge im grossen und ganzen, in
der Naehe und in der Perspektive, durch einen groesseren diktatorisch
befohlenen Schoenheitskultus befriedigt wird. Freilich liegt hier der
Schaden. Berlin ist eine demokratishe Stadt! Nirgends macht sich das
kleine Gewerbe so ausgedehnt geltend, wie hier! Eine Strasse, wo nur
allein elegante Welt sichtbar wuerde, gibt es in ganz Berlin nicht!
Ueberall stemmt sich der vom Bau kommende Arbeiter, der Marktkorb der
Koechin, das Produkt des Handwerkers oder die Buerde des Lasttraegers
zwischen die Eleganz hindurch. Das nur aus wenigen Fuss Breite bestehende
Granit-Trottoir, das vor jedem Hause gelegt ist, laesst einen am anderen
dicht vorueberstreifen. Der Gebildete kommt nirgends souveraen auf, selbst
auf dem Asphalt-Trottoir der Linden nicht. Schon fr$
, die an Geduld ihresgleichen suchte, diese war es, die
erloest wurde. Der Gegenstand eines bewunderungswuerdigen Kultus der Liebe
selbst fuehlte kaum sein Leid in ganzer Groesse. Die Stunden, die Tage, die
Jahre schwanden an dem Beklagenswerten in seinem Rollsessel gleichmaessig
dahin. Er glaubte, die volle Klarheit seiner Ideen zu besitzen und nur am
Aussprechen derselben verhindert zu sein. Eine in Westermanns
"Monatsheften" gegebene photographische Abbildung der aeusseren Erscheinung
Haerings in den Tagen seines Leidens zeigt einen--lachenden Demokrit, der
der Welt gegenueber sein besseres Teil gefunden zu haben scheintE In der
Tat gibt das Bild den vollen Gegensatz der geistesklaren Zeit des edlen
Toten, wo seine Mienen in der Regel den Ausdruck der Besorgnis, des
aengstlich aufgeregten Beschaeftigtseins durch die Zeit, des baenglichen
Erwartens duesterer oeffentlicher Erlebnisse trugen.
Von "Leiden erloest"? Gewiss! Aber doch noch zu modifizieren. Die ganze
Sehnsucht eines an die Bedingungen Norddeutsch$
Wenn's beliebt!
(Zu den uebrigen.)
Und kommt mein Neffe, heisst ihn nur uns folgen.
rzherzog Leopold (zur Tuere hereinstuerzend).
Mein gnaed'ger Ohm! (Da er den bereits geordneten Zug sieht, stutzt er
und zieht das Barett ab.)
Rudolf. Nur dort, an Eure Stelle.
(Auf einen Wink Erzherzog Ferdinands stellt sich Leopold ihm zur Seite.
--Der Zug setzt sich in Bewegung, die beiden Erzherzoge unmittelbar vor
dem Kaiser. Nach einigen Schritten tippt letzterer Erzherzog Leopold
auf die Schulter. Dieser wendet sich um und kuesst ihm lebhaft die Hand.
Der Kaiser winkt ihm liebreich drohend Stillschweigen zu und sie gehen
weiter. Die uebrigen folgen paarweise.--Der Vorhang faellt.)
Zweiter Aufzug
Freier Platz im kaiserlichen Lager. Im Hintergrunde Gezelte.
Ein Hauptmann (tritt hinter sich schreitend auf, wobei er eine kurze
Partisane waagrecht vor sich haelt).
Zurueck, sag ich, zurueck auf eure Posten!
Seid ihr Soldaten, wie?--und flieht den Feind?
(Ein Trupp Soldaten kommt von derselben Seite, ein Fahnentraeger
unter i$
Don Caesar tritt ein.)
Don Caesar. Viel Glueck ins Haus!
Lukrezia. O Gott, so schaut das Unglueck!
Don Caesar. Erschreckt nicht holde Maid! Ich bin es selbst;
Und bin's auch nicht. Die Asche nur des Feuers,
Das einst fuer Euch geglueht, Ih wisst wie heiss;
Der Schatten nur des Wesens das ich war.
Und selbst der letzte Schimmer dieses Daseins,
Der noch ins Dunkel strahlt, das Leben heisst,
Kommt zu verloeschen mir in dieser Nacht.
Ich geh in Kampf und weiss ich werde fallen,
Die Ahnung truegt nicht wenn vom Wunsch erzeugt.
Was soll ich auch in dieser wuesten Welt,
Ein Zerrbild zwischen Niedrigkeit und Groesse;
Verleugnet von dem Manne der mein Vater,
Missachtet von dem Weib das ich geliebt.--
Erzittert nicht! Davon ist nicht die Rede.
Die Leidenschaften und die heissen Wuensche,
Die mich bewegt, sie liegen hinter mir,
Ich habe sie begraben, eingesargt.
Was ist es auch--ein Weib? Halb Spiel, halb Tuecke,
Ein Etwas, das ein Etwas und ein Nichts,
Je demnach ich mir's denke, ich, nur ich.
Und Recht und Unrecht, W$
ffen gegen deinen Freund?
Ich aber sage dir: wie eine boese Beule
Die schlimmen Saefte all des Koerpers anzieht,
Zum Herde wird der Faeulnis und des Greuls,
So wird der Zuendstoff dieses Kriegs zu dir,
Der lang verschonten nehmen seinen Weg,
Nachdem du ihm gewiesen deine Strassen.
In deinem Umfang kaempft er seine Schlachten,
Nach deinen Kindern richtet er sein Schwert,
Die Haeupter deiner Edlen werden fallen,
Und deine Jungfraun, losgebundnen Haars,
Mit Schande zahlen ihrer Vaeter Schande.
Das sei dein Los und also--fluch ich dir!--
Die du die Wohltat zahlst mit boesen Taten.
Wo ist mein Stock? Die Kniee werden schwach,
Lasst niemand ein! ich hoere Stimmen_drauss,
Wer immer auch, ein Feind ist's und Verraeter.
(Die Erzherzoge Maximilian und Ferdinand erscheinen in der Tuere.)
Rumpf. Es sind die Herrn Erzherzoge. O Wonne!
Rudolf. Ihr seid es? Bruder du? Willkommen Vetter!
Nehmt Sitz! Ihr kommt in wunderlicher Zeit.
(Er hat sich gesetzt.)
Was Neues in der Welt? Zwar stets dasselbe:
Das Alte scheidet und das Ne$
,
Und was du weisst, weisst du durch Tag und Licht.
Ich selber war ein Mann der Dunkelheit.
Von ihren Streitigkeiten angeekelt,
Floh ich dahin allwo die fruehsten Menschen
Zuerst erkannten ihres Lebens Meister.
Vom Huegel auf zu den Gestirnen blickend
Und ihre staet'ge Wiederkehr betrachtend,
Erscholl's in ihrer Brust: es ist ein Gott
Und ewig die Gesetze seines Waltens.
Seitdem hat er sich kundig offenbart
Und uebertoent die Stimmen der Natur,
Doch in der Stille klingen sie noch nach,
Und als er selbst als Mensch zu Menschen kam,
Da sandt' er einen Stern, und jene Weisen,
Sie liessen ruhen ihrer Weisheit Duenkel,
Und folgten jenem Zeichen bis zur Huette,
Wo schon die Hirten standen und die Engel
Aus weiter Ferne: Friede, Friede sangen.
--Ist hier Musik?
Julius. Wir hoeren nichts, o Herr.
Rudolf. Nun denn, so ist's der Nachklang von der Weihnacht,
Die mir heruebertoent aus ferner Zeit,
An die ich glaube und im Glauben sterbe.
--Nicht Stern, nur Gott!--er bist denn du,
Du flammender Komet? Nur Dunst und Nebel$
Da haben wir's ja!  Nichts als schuldig sein s' einander.
"Die Fee Tritschitratschi hat dem Zauberer RutWchiputschi einen
Talisman geliehen, und er ihr ihn nicht zurueckgestellt." Er soll
ihn zurueckgeben.  Ich befiehl's.  Auf der Stell'!  (Nimmt eine
andere Schrift.) "Die zwoelf Himmelszeichen haben untereinander eine
Rauferei gehabt.  Der Schuetz hat dem Steinbock ein Aug'
ausgeschossen; dieser ist in die Wag' gesprungen und hat sie mitten
voneinander gerissen; die Zwillinge haben sich dareingemischt und
waeren beinahe von dem Loewen zerrissen worden, wenn sie sich nicht
hinter die Jungfrau versteckt haetten.  Alle sind beschaedigt; der
einzige Krebs hat sich zurueckgezogen.  Man bittet, sie reparieren
zu lassen." Das wird wieder was Schoenes kosten!  (Nimmt die dritte
Schrift.) Was ist denn das?  Was wollen denn die schon wieder?
"Die zwei Vorsteherinnen der ehrsamen Drudenzunft bitten fuer ihr
Gremium um Wiedereinsetzung ihres vorigen Amtes auf der Welt." Du
verdammte Bagage!  Die Druden wollen wieder auf$
m ihn mehrere dienstbare Geister.
(Grosser Tanz von idealen Geistern, am Ende eine Gruppe.)
Chor.  Heil, Longimanus!
Longimanus.  Ist schon gut, schon gut!  Bedank' mich aufs
allerschoenste.  (Fuer sich) Freut mich recht, dass s' mir haben heute
einen kleinen Tanz gemacht, weil morgen mein Namenstag ist.
(Der Chor ab).
Zweite Szene.
Pamphilius.  Vorige.
Pamphilius (ueberreicht dem Longimanus einige Visitenkarten).
Zauberer Vanille; Fee Maraskino!
Longimanus.  Aha!  Kommen schon die Billetten ang'stochen.  (Liest.)
La Hexe de Mar<scino et sa famille.  Monsieur Vanille,
Professeur de la Magie.  Ich lass' mich bedanken; meine Empfehlung.
Auf mein' Namenstag freu' ich mich immer, wie ein Kind, bloss wegen
die Zugbilletten.  (Nimmt ein Zugbillett.) Da schau' einmal, wie
man bei dem Kerl anzieht, reckt er den Fuss in die Hoehe.  (Lacht.)
Ist das nicht praechtig?
Pamphilius (lacht).  O, scharmant!  Das ist ein herrlicher Gedanke.
Longimanus.  Wie den Neujahrstag; den hab' ich auch so gern, wenn
die Leut' glueckwuens$
lag ein bildschoenes Weibchen von kaum
sechzehn Jahren, welches mit laechelndem Munde und silberner Stimme
seine Gebete sang. Gluecklicherweise hatte das Geschoepfchen noch
nicht Feuer gefangen und ich fand gerade noch Zeit, vom Pferde zu
springen und sie bei den zierlichen Fuesschen zu packen und vom
Holzstoss zu ziehen. Sie gebaerdete sich aber wie besessen und wollte
durchaus verbrannt sein mit ihrem alten Staenker, so dass ich die
groesste Mue(e hatte, sie zu baendigen und zu beschwichtigen. Freilich
gewannen diese armen Witwen nicht viel durch solche Rettung; denn sie
fielen hernach unter den Ihrigen der aeussersten Schande und
Verlassenheit anheim, ohne dass das Gouvernement etwas dafuer tat,
ihnen das gerettete Leben auch leichtzumachen. Diese Kleine gelang es
mir indessen zu versorgen, indem ich ihr eine Aussteuer verschaffte
und an einen getauften Hindu verheiratete der bei uns diente, dem sie
auch getreulich anhing.
"Allein diese wunderlichen Vorfaelle beschaeftigten meine Gedanken und
erweckten all$
Reifen von
Rebenschossen um den Kopf gebunden, so dass an jeder Schlaefe eine
blaue Traube hing. Dies Paar war das ausgelassenste von allen, tanzte
und sang unermuedlich und war in allen Ecken zugleich. Dann war noch
ein schlankes huebsches Maedchen da, welches ein schwarzseidenes
abgeschossenes Kleid trug und ein weisses Tuch um den Kopf dass der
Zipfel ueber den Ruecken fiel. Das Tuch zeigte rote, eingewobene
Streifen und war eine gute leinene Handzwehle oder Serviette. Darunter
leuchteten aber ein Paar veilchenblaue Augen hervor. Um den Hals und
auf der Brust hing eine sechsfache Kette von Vogelbeeren auf einen
Faden gezogen und ersetzte die schoenste Korallenschnur. Diese Gestalt
tanzte fortwaehrend allein mit sich selbst und verweigerte
hartnaeckig, mit einem der Gesellen zu tanzen. Nichtsdestominder
bewegte sie sich anmutig und leicht herum und laechelte jedesmal, wenn
sie sich an dem traurigen Waldhornblaeser vorueberdrehte, wozu dieser
immer den Kopf abwandte. Noch einige andere vergnuegte Frauensleu$
e schwankende Krisen, waren ihnen so gut wie
gar keine Wahlen, und so war es diesmal entschieden schlechter Ton zu
Seldwyla, von den Wahlen nur zu sprechen, wogegen sie sehr
beschaeftigt taten mit Errichtung einer grossen Aktienbierbrauerei und
Anlegung einer Aktienhopfenpflanzung, da sie ploetzlich auf den
Gedanken gekommen waren, eine solche stattliche Bieranstalt mit
weitlaeufigen guten Kellereien, Trinkhalen und Terrassen werde der
Stadt einen neuen Aufschwung geben und dieselbe beruehmt und
vielbesucht machen. Fritz Amrain nahm an diesen Bestrebungen eben
keinen Anteil, allein er kuemmerte sich auch wenig um die Wahlen, so
sehr er sich vor vier Jahren gesehnt hatte, daran teilzunehmen. Er
dachte sich, da alles gut ginge im Lande, so sei kein Grund, den
oeffentlichen Dingen nachzugehen, und die Maschine wuerde deswegen
nicht stille stehen, wenn er schon nicht waehle. Es war ihm unbequem,
an dem schoenen Tage in der Kirche zu sitzen mit einigen alten Leuten;
und, wenn man es recht betrachtete, schien soga$
--'Das gehoert dem
Bruder'--'Das muss man den Bruder fragen'--davon werden ihr die Lippen
nicht trocken.  Jedes Hifthorn jagt sie auf, sie springt nach deinem
Becher und damit an den Brunnen.  Sie waescht ihn, sie reibt ihn, sie
spuelt ihn."
"Warum, Narr?"
"Weil sie dir ihn kredenzen will und dein Vater sich daraus den Tod
getrunken hat."
"Dummes Ding!  Du also wirbst um sie?"
Der ertappte Graciosus erroetete wie ein Maedchen.  "Die Mutter
beguenstigt mich, aber an ihr selbst werde ich irre", gestand er.
"Kaemest du heim, ich baete dich, ein Wort mit ihr zu reden."
Wieder musterte Wulfrin den netten Juengling und wieder klopfte er ihn
auf die Schulter.  "Sie haelt dich zum besten?" sagte er.
"Sie redet Raetsel.  Da ich neulich auf mein Herz anspielte"--
"Schlug se die Augen nieder?"
"Nein, die schweiften.  Dann zeigte sie mit dem Finger einen Punkt im
Himmel.  Ich blinzte.  Ein Geier, der ein Lamm davontrug.
Unverstaendlich."
"Klar wie der Morgen.  'Raube mich.'  Das Maedchen gefaellt mir."
"Du willst sie se$
hwielen in den Faeusten, und sie haben Samthaende.
Ergo, ihr arbeitet, und sie tun nichts; ergo, ihr habt's erworben, und
sie haben's gestohlen; ergo, wenn ihr von eurem gestohlnen Eigentum
ein paar Heller wiederhaben wollt, muesst ihr huren und betteln; ergo,
sie sind Spitzbuben, und man muss sie totschlagen!
Dritter Buerger.
Sie haben kein Blut in den Adern, als was sie uns ausgesaugt haben.
Sie habe{ uns gesagt: schlagt die Aristokraten tot, das sind Woelfe!
Wir haben die Aristokraten an die Laternen gehaengt. Sie haben gesagt:
das Veto frisst euer Brot; wir haben das Veto totgeschlagen. Sie haben
gesagt: die Girondisten hungern euch aus; wir haben die Girondisten
guillotiniert. Aber sie haben die Toten ausgezogen, und wir laufen wie
zuvor auf nackten Beinen und frieren. Wir wollen ihnen die Haut von
den Schenkeln ziehen und uns Hosen daraus machen, wir wollen ihnen das
Fett auslassen und unsere Suppen mit schmelzen. Fort! Totgeschlagen,
wer kein Loch im Rock hat!
Erster Buerger.
Totgeschlagen, wer lesen u$
tion mit den
zerstueckten Leibern der Aristokraten geaetzt. Meine Stimme hat aus
dem Golde der Aristokraten und Reichen dem Volke Waffen geschmiedet.
Meine Stimme war der Orkan, welcher die Satelliten des Despotismus
unter Wogen von Bajonetten begrub. (Lauter Beifall.)
Danton, Ihre Stimme ist erschoepft, Sie sind zu heftig bewegt. Sie
werden das naechste Mal Ihre Verteidigung beschliessen, Sie haben Ruhe
noetig. - Die Sitzung ist aufgehoben.
Jetzt kennt Ihr Danton - noch wenige Stunden, und er wird in den Armen
des Ruhmes entschlummern.
Fuenfte Szene
Das Luxembourg. Ein Kerker
Dillon. Laflotte. Ein Gefangenwaerter.
Kerl, leuchte mir mit deiner Nase nicht so ins Gesicht. Hae, hae, hae!
Halte den Mund zu, deine Mondsichel hat einen Hof. Hae, hae, hae!
Hae, hae, hae! Glaubt Ihr, Herr, dass Ihr bei ihrem Schein lesen
koenntet? (Zeigt auf einen Zettel, den er in der Hand haelt.)
Herr, meinI Mondsichel hat Ebbe bei mir gemacht.
Deine Hosen sehen aus, als ob Flut waere.
Nein, sie zieht Wasser. (Zu Dillon:) Sie hat s$
Herault!
Zweites Weib.
Wie er beim Konstitutionsfest so am Triumphbogen stand, da dacht' ich
so, der muss sich gut auf der Guillotine ausnehmen, dacht' ich. Das
war so 'ne Ahnung.
Drittes Weib.
Ja, man muss die Leute in allen Verhaeltnissen sehen; es ist recht
gut, dass das Sterben so oeffentlich wird. (Sie geben vorbei.)
Mein Camille! Wo soll ich dich jetzt suchen?
Neunte Szene
Der Revolutionsplatz
Zwei Henker, an der Guillotine beschaeftigt.
Erster Henker (steht auf der Guillotine und singt).
        Und wann ich hame geh,
        Scheint der Mond so scheh...
Zweiter Henker.
He, holla! Bist bald fertig?
Erster HenkeI.
Gleich, gleich! (Singt:)
        Scheint in meines Ellervaters Fenster -
        Kerl, wo bleibst so lang bei de Menscher?
So! Die Jacke her! (Sie gehn singend ab:)
        Und wann ich hame geh,
        Scheint der Mond so scheh...
Lucile (tritt auf und setzt sich auf die Stufen der Guillotine).
Ich setze mich auf deinen Schoss, du stiller Todesengel. (Sie singt:)
        Es ist ein Schnitter$
in
der Form, eine gleiche willkuerliche Abkehr von den Instinkten finden,
aus denen ein Zarathustra moeglich wurde. Das Raffinement in Form,
in Absicht, in der Kunst des Schweigens, ist im Vordergrunde, die
Psychologie wird mit eingestaendlicher Haerte und Grausamkeit
gehandhabt, - das Buch entbehrt jedes gutmuethigen Worts... Alles
das erholt: wer erraeth zuletzt, welche Art Erholung eine solche
Verschwendung von Guete, wie der Zarathustra ist, noethig macht?...
Theologisch geredet - man hoere zu, denn ich rede selten als Theologe
- war es Gott selber, der sich als Schlange am Ende seines Tagewerks
unter den Baum der Erkenntniss legte: er erholte sich so davon, Gott
zu sein... Er hatte Alles zu schoen gemacht... Der Teufel ist bloss
der Muessiggang Gottes an jedem siebenten Tage...
Genealogie der Moral.
Eine Streitschrift.
Die drei Abhandlungen, aus denen diese Genealogie besteht, sind
vielleicht in Hinsicht auf usdruck, Absicht und Kunst der
Ueberraschung, das Unheimlichste, was bisher geschrieben worden i$
eist", zuletzt gar noch "unsterbliche Seele",
erfunden, um den Leib zu verachten, um ihn krank - "heilig" - zu
machen, um allen Dingen, die Ernst im Leben verdienen, den Fragen von
Nahrung, Wohnung, geistiger Diaet, Krankenbehandlung, Reinlichkeit,
Wetter, einen schauerlichen Leichtsinn entgegenzubringen! Statt der
Gesundheit das "Heil der Seele" - will sagen eine folie circulaire
zwischen Busskrampf und Erloesungs-Hysterie! Der Begriff >Suende"
erfunden sammt dem zugehoerigen Folter-Instrument, dem Begriff "freier
Wille", um die Instinkte zu verwirren, um das Misstrauen gegen
die Instinkte zur zweiten Natur zu machen! Im Begriff des
"Selbstlosen", des "Sich-selbst-Verleugnenden" das eigentliche
decadence-Abzeichen, das Gelockt-werden vom Schaedlichen, das
Seinen-Nutzen-nicht-mehr-finden-koennen, die Selbst-Zerstoerung zum
Werthzeichen ueberhaupt gemacht, zur "Pflicht", zur "Heiligkeit", zum
"Goettlichen" im Menschen! Endlich - es ist das Furchtbarste - im
Begriff des guten Menschen die Partei alles Schwachen$
Sie hatten vor, schon Ende Juli Urlaub zu nehmen und ins bayerische
Gebirge zu gehen, wo gerade in diesem Jahr wieder die Oberammergauer
Spiele stattfanden. Es liess sich aber nicht tun; Geheimrat von
Wuellesdorf, den Innstetten schon von frueher her kannte und der jetzt
sein Spezialkollege war, erkrankte ploetzlich, und Innstetten musste
bleiben und ihn vertreten. Erst Mitte August war alles wieder
beglichen und damit die Reisemoeglichkeit gegeben; es war aber nun zu
spaet geworden, um noch nach Oberammergau zu gehen, und so entschied
man sich fuer einen Aufenthalt auf Ruegen. "Zunaechst natuerlich
Stralsund, mit Schill, den du kennst, und mit Scheele, den du nicht
kennst und der den Sauerstoff entdeckte, was man aber nicht zu wissen
braucht. 'nd dann von Stralsund nach Bergen und dem Rugard, von wo
man, wie mir Wuellersdorf sagte, die ganze Insel uebersehen kann, und
dann zwischen dem Grossen und Kleinen Jasmunder-Bodden hin, bis nach
Sassnitz. Denn nach Ruegen reisen heisst nach Sassnitz reisen. Binz
ginge$
uegen. Aber eh
ich die Sache kenne, verzeihen Sie mir die naive Vorfrage: Muss es
sein? Wir sind doch ueber die Jahre weg, Sie, um die Pistole in die
Hand zu nehmen, und ich, um dabei itzumachen. Indessen missverstehen
Sie mich nicht, alles dies soll kein Nein sein. Wie koennte ich Ihnen
etwas abschlagen. Aber nun sagen Sie, was ist es?"
"Es handelt sich um einen Galan meiner Frau, der zugleich mein Freund
war oder doch beinah."
Wuellersdorf sah Innstetten an. "Innstetten, das ist nicht moeglich."
"Es ist mehr als moeglich, es ist gewiss. Lesen Sie."
Wuellersdorf flog drueber hin. "Die sind an Ihre Frau gerichtet?"
"Ja. Ich fand sie heut in ihrem Naehtisch." "Und wer hat sie
geschrieben?"
"Major Crampas."
"Also Dinge, die sich abgespielt, als Sie noch in Kessin waren?"
Innstetten nickte.
"Liegt also sechs Jahre zurueck oder noch ein halb Jahr laenger."
Wuellersdorf schwieg. Nach einer Weile sagte Innstetten: "Es sieht
fast so aus, Wuellersdorf, als ob die sechs oder sieben Jahre
einen Eindruck auf Sie machte$
etchenblick, der jedesmal versicherte, kein
Waesserchen trueben zu koennen - alle diese Dinge haben mich in
meinem Glauben ... Aber da kommt eben unsere Afra, von der ich Dir,
glaube ich, schon schrieb, eine huebsche Person, und packt mir ein
Zeitungsblatt auf den Tisch, das ihr, wie sie sagt, unsere Frau Wirtin
fuer mich gegeben habe; die bau angestrichene Stelle. Nun verzeih,
wenn ich diese Stelle erst lese ...
Nachschrift. Das Zeitungsblatt war interessant genug und kam wie
gerufen. Ich schneide die blau angestrichene Stelle heraus und lege
sie diesen Zeilen bei. Du siehst daraus, dass ich mich nicht geirrt
habe. Wer mag nur der Crampas sein?
Es ist unglaublich - erst selber Zettel und Briefe schreiben und dann
auch noch die des anderen aufbewahren! Wozu gibt es Oefen und Kamine?
Solange wenigstens, wie dieser Duellunsinn noch existiert, darf
dergleichen nicht vorkommen; einem kommenden Geschlecht kann diese
Briefschreibepassion (weil dann gefahrlos geworden) vielleicht
freigegeben werden. Aber so weit si$
en Tagen werde ich auftun die Schatze des Segen, welche im Himmel
sind, dass ich sie herabkommen lasse auf die Erde und alle Werke und Arbeit
der MenscheF.
29. Friede und Billigkeit sollen Genossen sein der Menschenkinder alle Tage
der Welt und in jedem Geschlecht derselben.
1. Vor allen diesen Dingen war Henoch verborgen, auch wusste niemand von den
Menschenkindern, wo er verborgen war, wo er gewesen und was geschehen war.
2. Er war ganz beschaftigt mit den Heiligen und mit den Wachtern in seinen
3. Ich, Henoch; lobte den grossen Herrn und Konig des Friedens.
4. Und siehe! die Wachter nannten mich Henoch, den Schreiber.
5. Dann sagte er zu mir: Henoch, Schreiber der Gerechtigkeit, gehe und
verkunde den Wachtern des Himmels, welche den hohen Himmel verliessen und
ihre ewige Wohnung, sich mit den Weibern befleckten
6. und taten, wie die Sohne der Menschen tun, indem sie sich Weiber nahmen
und sich sehr befleckten auf der Erde:
7. dass sie auf der Erde nimmer Friede und Vergebung der Sunde erlangen
werden. Denn$

seinem Bett warten, bis er aufwacht. (setzt sich ans Bett.)
ROBERT. (kehrt sich hastig um.) Wer ist da?
TOGNINA. Schoener junger Herr! werden Sie nicht boese, dass ich so
ungebeten herein komme.  Ich bin hierher gewiesen, ich bin eine arme
Waise, die Vater und Mutter verloren hat, und sich kuemmerlich von
ihrer Haende Arbeit naehren uss.
ROBERT. Das sieht man euch nicht an.
TOGNINA. Alles, was ich mir verdiene, wend ich auf meine Kleidung.
Ich denke, es steht einem jungen Maedchen nicht so uebel an, als wenn
sie das bisschen Schoenheit, das ihr der Himmel gab, nicht einmal sucht
an den Tag zu legen.  Ich will nicht gefallen, gnaediger Herr, (ihn
zaertlich ansehend) ich weiss wohl, dass ich nicht im Stande bin,
Zaertlichkeit einzufloessen; aber zum wenigsten bin ich hochmuetig genug,
dass ich niemand durch meine Gestalt beleidigen mag.
ROBERT. Was wollt ihr von mir?
TOGNINA. (etwas verwirrt.) Von Ihnen?--was ich von Ihnen will?--Das
ist eine seltsame Frage, die ich Ihnen so geschwind nicht beantworten
kann. $

Und ging einher mit steifen Fuessen.
Er ging, ein jeder sah ihn an,
Und alle lachten, die ihn sahn,
Und jeder blieb vor Lachen stehen,
Und schrie: Lehrt doch den Fremen gehen!
Der Fremde hielts fuer seine Pflicht,
Den Vorwurf von sich abzulehnen.
Ihr, rief er, hinkt; ich aber nicht;
Den Gang muesst ihr euch abgewoehnen!
Der Laermen wird noch mehr vermehrt,
Da man den Fremden sprechen hoert.
Er stammelt nicht; genug zur Schande!
Man spottet sein im ganzen Lande.
Gewohnheit macht den Fehler schoen,
Den wir von Jugend auf gesehn.
Vergebens wirds ein Kluger wagen,
Und, dass wir toericht sind, uns sagen.
Wir selber halten ihn dafuer,
Bloss, weil er klueger ist, als wir.
Das neue Ehepaar
Nach so viel bittern Hindernissen,
Nach so viel aengstlicher Gefahr,
Als jemals noch ein zaertlich Paar
Hat dulden und beweinen muessen,
Liess endlich doch die Zeit mein Paar das Glueck geniessen,
Das, wenns ein Lohn der Tugend ist,
Sie durch Bestaendigkeit zehnfach verdienet hatten.
Sie, die sich, hart bedroht, als Liebende geku$
ch umzubringen!
Ich saeug es selbst, und saeug es mir zur Lust,
Deswegen hab ich diese Brust.
In dieser Pflicht, mein Kind daran zu nehmen,
Soll mich, o Fuerst, kein Tier beschaemen."
Der gute Tartarfuerst erschrak,
Und unterliess, um nicht sein Leben zu verlieren,
Den europaeischen Geschmack
In seinen Horden einzufuehren.
Der Tod der Fliege und der Muecke
Der Tod der Fliege heisst mich dichten;
Der Tod der Muecke heischt mein Lied.
Und klaeglich will ich dir berichten,
Wi? jene starb, und die verschied.
Sie setzte sich, die junge Fliege,
Voll Mut auf einen Becher Wein;
Entschloss sich, tat drei gute Zuege,
Und sank vor Lust ins Glas hinein.
Die Muecke sah die Freundin liegen.
"Dies Grabmal", sprach sie, "will ich scheun.
Am Lichte will ich mich vergnuegen,
Und nicht an einem Becher Wein."
Allein, verblendet von dem Scheine,
Ging sie der Lust zu eifrig nach;
Verbrannte sich die kleinen Beine,
Und starb nach einem kurzen Ach.
Ihr, die ihr euren Trieb zu naehren,
In dem Vergnuegen selbst verdarbt,
Ruht wohl, un$
  Zeigt sich tief im Sinn
Der Schoenheit Quelle reichlichstens ergossen?
Mein Schreckensgang bringt seligsten Gewinn.Wie war die Welt mir nichtig, unerschlossen!
Was ist sie nun seit meiner Priesterschaft?
Erst wuenschenswert, gegruendet, dauerhaft!
Verschwinde mir des Lebens Atemkraft,
Wenn ich mich je von dir zurueckgewoehne!--
Die Wohlgestalt, die mich voreinst entzueckte,
In Zauberspiegelung beglueckte,
War nur ein Schaumbild solcher Schoene!--
Du bist's, der ich die Regung aller Kraft,
Den Inbegriff der Leidenschaft,
Dir Neigung, Lieb', Anbetung, Wahnsinn zolle.
MEPHISTOPHELES:
So fasst Euch doch und fallt nicht aus der Rolle!
AeLTERE DAME:
Gross, wohlgestaltet, nur der Kopf zu klein.
Seht nur den Fuss!  Wie koennt' er plumper sein!
Fuerstinnen hab' ich dieser Art gesehn,
Mich deucht, sie ist vom Kopf zum Fusse schoen.
Sie naehert sich dem Schlaefer listig mild.
Wie haesslich neben jugendreinem Bild!
Von ihrer Schoenheit ist er angestrahlt.
Endymion und Luna!  wie gemalt!
Ganz recht!  Die Goettin schein$
ng an;
Gesellt zu Starken, Freien, Kuehnen,
Hat er im Geiste schon getan.
Eroeffnet sich zum Ruhm die Bahn.
HELENA UND FAUST:
Kaum ins Leben eingerufen,
Heitrem Tag gegeben kaum,
Sehnest du von Schwindelstufen
Dich zu schmerzenvollem Raum.
Sind denn wir
Gar nichts dir?
Ist der holde Bund ein Traum?
Und hoert ihr donnern auf dem Meere?
Dort widerdonnern Tal um Tal,
In Staub und Wellen, Heer dem Heere,
In Drang um Drang, zu Schmerz und Qual.
Das versteht sich nun einmal.
HELENA, FAUST UND CHOR:
Welch Entsetzen!  welches Grauen!
Ist der Tod denn dir Gebot?
Sollt' ich aus der Ferne schauen?
Nein!  ich teile Sorg' und Not.
DIE VORIGEN:
Uebermut und Gefahr,
Toedliches Los!
Doch!--und ein Fluegelpaar
Faltet sich los!
Dorthin!  Ich muss!  ich muss!
Goennt mir den Flug!
Ikarus!  Ikarus!
Jammer venug.
HELENA UND FAUST:
Der Freude folgt sogleich
Grimmige Pein.
EUPHORIONS STIMME:
Lass mich im duestern Reich,
Mutter, mich nicht allein!
Nicht allein!--wo du auch weilest,
Denn wir glauben dich zu kennen;
Ach!  wenn du dem T$
hitzte Blut auf Schulen und Catheder
Sich unbescheiden zankt, und von dem Hauptzweck geht,
Aus Neid und Tadelsucht den Gegner beisend schmaeht,
So hoert man munter zu, ud laesst sich unbekuemmert.
Schreibt aber ein Poet, wie sich die Welt verschlimmert,
Und wie das Laster waechst, so sieht man scheel darzu,
Und laesst aus tollen Neid dem Dichter keine Ruh
Ob Orthodoxen schon sich auf den Schau=Platz stellen,
Und durch den scharfen Kiel die Feinde gluecklich faellen,
Wie mancher Philosoph, wie mancher Moralist,
In dem ein reines Feuer, Verstand und Weissheit ist,
Hat von der Sitten=Kunst satyrisch gnug geschrieben,
Und dennoch sind sie stets in Ruh und Fried geblieben.
In Prosa fluchet man der Sitten=Lehre nicht;
Die arme Poesie wird ohn Verhoer gericht.
Ein Redner, ein Poet steht in gelehrten Orden,
Und beyde sind schon laengst zu Moralisten worden.
Ein jeder ehrt und liebt die Regeln der Natur;
Ein jeder folget ja der Tugend Licht und Spuhr,
Und zeigt die Laster=Bahn, und sucht der Welt zu nuetzen.
Allein d$
n fuehren?
Und seine zarte Hand min allem selbst beschmieren?
Der Kuechen=Rauch beisst nur die schoenen Augen roth,
Worbey gar bald ein Fall dem Fuss im Laufen droth.
Davor ist Knecht und Magd, dass sie das Haus verwalten,
Wir aber lange Ruh und lange Tafel halten.
Davor sind Kramer da, wo man die Kleidung findt,
Davor giebts Maedgen gnug die uns zu Dienste sind.
Die Maenner wollen Herr und Haupt und Vaeter heisen;
So muessen sie sich auch nothwendig so beweisen,
Wie dieses Wort verlangt, dass man uns Lebens=Saft,
Und was wir irgend noth, ohn unsre Arbeit, schaft.
Ein Weib muss sich doch auch ein Stuendgen Ruhe schenken,
Und ihre Geister nicht durch Mueh und Arbeit kraenken.
Wer dankts uns Weibern denn, was wir mit Mueh erspart,
Was wir mit Fleiss geschaft? ists doch der Maenner Art,
Dass man uns immer schraubt: Wir koenten nichts erwerben.
Wohlan! so lasst uns dann bey guten Stunden sterben.
Wird uns Lucretia zum Muster vorgestellt?
O lacht! diess Muster zeigt die Thorheit alter Welt.
Denn haett Lucretia in $
uehre.
Und es horchte der Koenig, da von dem Schatze gesagt ward,
Neigte sich vor und sprach: Von wannen ist er Euch kommen?
Saget an! ich meine den Schatz. Und Reineke sagte:
Dieses Geheimnis verhehl ich Euch nicht, was koennt es mir helfen?
Denn ich nehme nichts mit von diesen koestlichen Dingen.
Aber wie Ihr befehlt, will ich Euch alles erzaehlen,
Dennes muss nun einmal heraus; um Liebes und Leides
Moecht ich wahrhaftig das grosse Geheimnis nicht laenger verhehlen:
Denn der Schatz war gestohlen. Es hatten sich viele verschworen,
Euch, Herr Koenig, zu morden, und wurde zur selbigen Stunde
Nicht der Schatz mit Klugheit entwendet, so war es geschehen.
Merket es, gnaediger Herr! denn Euer Leben und Wohlfahrt
Hing an dem Schatz. Und dass man ihn stahl, das brachte denn leider
Meinen eigenen Vater in grosse Noeten, es bracht ihn
Fruehe zur traurigen Fahrt, vielleicht zu ewigem Schaden;
Aber, gnaediger Herr, zu Eurem Nutzen geschah es!
Und die Koenigin hoerte bestuerzt die graessliche Rede,
Das verworrne Geheimn$
m Kerzenlicht erhellt
Taeuscht' in truegender Gestaltung
Euer schlummertrunknes Aug'.
Oh, ich hab es oft erfahren,
Wie die Sinne, aufgeregt,
Stumpfe Diener unsrer Seele,
Gern fuer wahr und wirklich halten
Die verworrenen Gestalten,
Die der Geist in sich bewegt.
Gestern nur, mein Vater, ging ich
In des Zwielichts matt m Strahl
Durch den alten Ahnensaal.
In der Mitte haengt ein Spiegel,
Halb erblindet und voll Flecken.
Wie ich ihn vorueber gehe
Bleib ich, meinen Anzug musternd,
Vor dem matten Glase stehn.
Eben senk ich nach dem Guertel
Nieder meine beiden Haende,
Da--Ihr werdet lachen, Vater!
Und auch ich muss jetzt fast laecheln
Meiner kindisch schwachen Furcht,
Doch in jenem Augenblicke
Konnt' ich nur mit Schreck und Grauen
Das verzerrte Wahnbild schauen.
Wie ich senke meine Haende
Um den Guertel anzuziehn,
Da erhebt mein Bild im Spiegel
Seine Haende an das Haupt,
Und mit starrendem Entsetzen
Seh ich in dem dunkeln Glase
Meine Zuege sich verzerren.
Immer sind es noch dieselben
Und doch anders, furchtbar ander$
 ich ihm nicht zu sagen.  (Er will
Adrast.  Wohin, Theophan?--Urteilen Sie aus meinem Stilleschweigen,
wie gross mein Erstaunen sein muesse!--Es ist eine menschliche
Schwachheit, sich dasjenige leicht ueberreden zu lassen, was man heftig
wuenscht.  Soll ich ihr nachhaengen?  soll ich sie unterdruecken?
Theophan.  Ich will bei Ihrer Ueberlegung nicht gegenwaertig sein.--
Adrast.  Wehe dem, der mich auf eine so grausame Art aufzuziehen denkt!
Theophan.  So raeche mich denn Ihre marternde Ungewissheit an Ihnen!
Adrast (beiseite).  Jetzt will ich ihn fangen.--Wollen Sie mir noch
ein Wort erlauben, Theophan?--Wie koennen Sie ueber einen Menschen
zuernen, der mehr aus Erstaunen ueber sein Glueck, als aus Misstrauen
gegen Sie, zweifelt?--
Theophan. pAdrast, ich werde mich schaemen, nur einen Augenblick
gezuernt zu haben, sobald Sie vernuenftig reden wollen.
Adrast.  Wenn es wahr ist, dass Sie Julianen nicht lieben, wird es
nicht noetig sein, dass Sie sich dem Lisidor entdecken?
Theophan.  Allerdings.
Adrast.  Und Si$
ss; der
Anblick der Majestaet faellt wie ein schneidendes Messer zwischen mich
und den Herzog!  Johann Ludwig Fiesco besass Laender in meinem
Herzen--jetzt hat er Genua erobert, und :ch nehme mein Eigenthum
Fiesco (betreten).  Das wolle Gott nicht!  Fuer ein Herzogthum waere
der Preis zu juedisch.
Verrina (murmelt duester).  Hum!  Ist denn etwa die Freiheit in der
Mode gesunken, dass man dem Ersten dem Besten Republiken um ein
Schandengeld nachwirft.
Fiesco (beisst die Lippen zusammen).  Das sag du Niemand, als dem
Verrina.  O natuerlich!  Ein vorzueglicher Kopf muss es immer sein, von
dem die Wahrheit ohne Ohrfeige wegkommt--Aber Schade! der
verschlagene Spieler hat's nur in einer Karte versehen.  Er
calculierte das ganze Spiel des Neides, aber der raffinierte Witzling
liess zum Unglueck die Patrioten aus.  (Sehr bedeutend.) Hat der
Unterdruecker der Freiheit auch einen Kniff auf die Zuege der roemischen
Tugend zurueckbehalten?  Ich schwoer' es beim lebendigen Gott, eh die
Nachwelt meine Gebeine aus dem Kirc$
taende im Gegensatz zu
der lueckenhaft verstaendlichen Tageswirklichkeit, sodann das tiefe
Bewusstsein von der in Schlaf und Traum heilenden und helfenden Natur
ist zugleich das symbolische Analogon der wahrsagenden Faehigkeit und
ueberhaupt der Kuenste, durch die das Leben moeglich und lebenswerth
gemacht wird. Aber auch jene zarte Linie, die das Traumbild richt
ueberschreiten darf, um nicht pathologisch zu wirken, widrigenfalls
der Schein als plumpe Wirklichkeit uns betruegen wuerde - darf nicht
im Bilde des Apollo fehlen: jene maassvolle Begrenzung, jene Freiheit
von den wilderen Regungen, jene weisheitsvolle Ruhe des Bildnergottes.
Sein Auge muss "sonnenhaft", gemaess seinem Ursprunge, sein; auch wenn
es zuernt und unmuthig blickt, liegt die Weihe des schoenen Scheines
auf ihm. Und so moechte von Apollo in einem excentrischen Sinne das
gelten, was Schopenhauer von dem im Schleier der Maja befangenen
Menschen sagt. Welt als Wille und Vorstellung I, S. 416 "Wie auf
dem tobenden Meere, das, nach allen Seiten$
ch, in der Auffassung des Urmenschen
als des von Natur guten und kuenstlerischen Menschen: welches Princip
der Oper sich allmaehlich in eine drohende und entsetzliche Forderung
umgewandelt hat, die wir, im Angesicht der socialistischen Bewegungen
der Gegenwart, nicht mehr ueberhoeren koennen. Der "gute Urmensch"
will seine Rechte: welche paradiesischen Aussichten!
Ich stelle daneben noch eine eben so deutliche Bestaetigung meiner
Ansicht, dass die Oper auf den gleichen Principien mit unserer
alexandrinischen Culur aufgebaut ist. Die Oper ist die Geburt des
theoretischen Menschen, des kritischen Laien, nicht des Kuenstlers:
eine der befremdlichsten Thatsachen in der Geschichte aller Kuenste.
Es war die Forderung recht eigentlich unmusikalischer Zuhoerer, dass
man vor allem das Wort verstehen muesse: so dass eine Wiedergeburt
der Tonkunst nur zu erwarten sei, wenn man irgend eine Gesangesweise
entdecken werde, bei welcher das Textwort ueber den Contrapunkt wie
der Herr ueber den Diener herrsche. Denn die Worte$
r Ahnfrau mit wehmuethiger Innigkeit wieder sang:
"O Stern und Blume, Geist und Kleid,
Lieb, Leid und Zeit und Ewigkeit!"
Nun aber folgte der ganze Zug der Geister der dankbaren Armen, welche
den Sarg geschmueckt hatten, sie trugen die schimmernden Fahnen von
Roeckchen, Hemdchen, Schuerzchen, Jaeckchen, Muetzchen, die guten Werke
des armen Kindes von Hennegau.  Wer aber kam ganz, ganz zuletzt, so
dass gar nichts mehr higter ihm kam?--Niemand Anders, als jene alte
Frau mit einer blauen Schuerze, welche bei allen Prozessionen und
Leichenzuegen zuletzt kommen muss--jene gesetzte, solide Person, die
nicht im Himmel ist, nicht auf der Erde ist und die selber nicht weiss,
wo sie ist und wer sie ist.  Alle Nachforschungen der so
ausgezeichneten geheimen Polizei von Gelnhausen haben doch keine
entschiedenere Auskunft ueber sie zu Stande gebracht, als, es heisse,
sie solle ein buckliches Fragezeichen hinter einer Leichenrede seyn,
man halte sie fuer eine Art Nachrede, sie gebe sich fuer ein gewisses
Gewissen aus u. dg$
 dies  Heiligtum, und du usstest mich durch Guete, Freundschaft,
Unterstuetzung,  scheinbare Kaelte gegen die Weiber einzuschlaefern.  Wie
ich dem Schein  nach ihr Bruder war, hielt ich dein Gefuehl fuer sie fuer
das wahre  bruederliche, und wenn mir ja auch manchmal ein Argwohn
kommen wollte,  warf ich ihn weg als unedel, schrieb ihre Gutheit fuer
dich auf Rechnung  des Engelherzens, das eben alle Welt mit einem
liebevollen Blick  ansieht.--Und du!--Und sie!--
FABRICE.  Ich mag nichts weiter hoeren, und zu sagen hab' ich auch
nichts.  Also adieu!  (Ab.)
WILHELM.  Geh nur!--Du traegst sie alle mit dir weg, meine ganze
Seligkeit.  So weggeschnitten, weggebrochen alle Aussichten--die
naechsten--auf einmal--Am Abgrunde!  Und zusammengestuerzt die goldne
Zauberbruecke, die mich in die Wonne der Himmel hinueberfuehren sollte--
Weg! und durch ihn, den Verraeter, der so missbraucht hat die Offenheit,
das Zutrauen!--O Wilhelm!  Wilhelm! du bist so weit gebracht, dass du
gegen den guten Menschen ungerecht sein musst?$
tz wohl auch nit weit?
Erster Reiter.  Halt dein Maul!  Habt ihr Haendel?
Sievers.  Ihr seid den Kerls begegnet draussen, sind Bamberger.
Erster Reiter.  Was tun die hier?
Metzler.  Der Weislingen ist droben auf'm Schloss, beim gnaedigen Herrn,
den haben sie geleit.
Erster Reiter.  Der Weislingen?
Zweiter Reiter (leise).  Peter! das ist ein gefunden Fressen!  (Laut.)
Wie lang ist er da?
Metzler.  Schon zwei Tage.  Aber er will heut noch fort, hoert ich
einen von den Kerls sagen.
Erster Reite (leise).  Sagt ich dir nicht, er waer daher!  Haetten wir
dort drueben eine Weile passen koennen.  Komm, Veit.
Sievers.  Helft uns doch erst die Bamberger auspruegeln.
Zweiter Reiter.  Ihr seid ja auch zu zwei.  Wir muessen fort.  Adies!
Sievers.  Lumpenhunde die Reiter! wann man sie nit bezahlt, tun sie
dir keinen Streich.
Metzler.  Ich wollt schwoeren, sie haben einen Anschlag.  Wem dienen
Sievers.  Ich soll's nit sagen.  Sie dienen dem Goetz.
Metzler.  So!  Nun wollen wir ueber die draussen.  Komm! so lang ich
einen B$
s zu spaet, du wirst des Siegers Braut,
und mein Geheimnis lass ich mit mir untergeh'n.
hermione.  O halt'!  Noch hab' ich einen Hoffnungsstrahl.
Wie du, so klagen alle meine Dichter, vielleicht, dass
es ein Spuk der boesen Zauberschwestern ist.  Drum
Mut, denn in dem Tempel des Apolls muss dieser
Zauber schwinden.  Freude, Amphio, mir sagt's mein
amphio.  Das Elend hascht nach jedem Hoffnungswahn, so
will ich mein Vertrauen mit deinem Hoffen denn
vermaehlen undaeinen Sohn erwarten, der Erfuellung
hermione.  Ich will noch vor dem Fest schnell das Orakel
fragen, mehr darf ich nicht fuer unsere Ruhe tun.  Nicht
mir gehoer' ich an, nein, ich gehoer' Apoll'!  Mein
hoechst' Vertrau'n setz' ich auf ihn, den
Weltbestrahlenden; denn eine Ahnung hat er mir in
meine Brust gelegt, dass mich ein andrer nicht
erringen darf als du.  Darum erwart' ich in dem
Tempel dich.  Mut, Amphio, die Goetter sind uns nah!
Vertrau' auf ihren Schutz!  (Ab.)
amphio (allein).  Nun wohl, ich will mein Glueck dem letzten
Augenblick vertrau'n$
)
auftuermen, _tr._ pile up;iaufgetuermt towering
aufwaerts, upward
Auge, _n._ -s, -n eye
aus-blicken, _intr._ look out
aus-brennen, brannte, gebrannt, _intr._ cease burning _or_ glowing, burn
aus-graben, u, a; ae, _tr._ dig out
aus-klingen, a, u, _intr._ cease sounding
aus-loeschen, o, o; i, _intr._ be extinguished, go out
aus-machen, _tr._ settle
aus-rufen, ie, u, _tr._ call out, cry out
aus-ruhen, _intr._ rest; _ausgeruht haben_ be rested
aus-schauen, _intr._ look out
aus-singen, a, u, _intr._ cease _or_ finish singing
aus-spannen, _tr._ stretch out, spread
aus-steigen, ie, ie, _intr._ get out, disembark
aus-strecken, _tr._ stretch out, prostrate
aus-ziehen, zog, gezogen, _tr._ undress; take off, pull off
Bach, _m._ -"e brook
baden, _tr. and intr. (refl.)_ bathe
Bahn, _f._ -en path, track
bald, soon; -- ... -- now ... now
Band, _m._ -"e volume
Band, _n._ -"er ribbon
Band, _n._ -e bond, fetter
bang, fearful, afraid
bangen, _intr._ yearn
Bank, _f._ -"e bench
bannen, _tr._ charm, drive away
Banner, _n._ -- ba$
endered
by royal, e.g.,_ _Koenigsmahl_, _n._ royal feast _or_ banquet)
Kopf, _m._ -"e head
Korn, _n._ grain, "corn" (_the chief grain of a country; in Germany rye
or wheat; with the pl._ _Koerner_ = single seed of grain)
kosen, _intr. and tr._ fondle, caress
Kraft, _f._ -"e strength, power
kraeftig, strong
Kraehe, _f._ -n crow
kraehen, _intr._ crow; scream, cry out
Kranich, _m._ -e crane
Kranichzug, _m._ -"e flight _or_ flock of cranes on wing
krank, ill, sick
kraenken, _tr._ grieve, wound
Kranz, _m._ -"e wreath, garland
Krau, _n._ -"er plant; _collective_ plants, herbage
Kreis, _m._ -e circle
kreischen, _intr._ screech
Kreuz, _n._ -e cross, crucifix
Kreuzbild, _n._ -er image of the crucified Savior
Krieg, _m._ -e war
Krieger, _m._ -- warrior
Krone, _f._ -n crown
Kruemlein (_dim. of_ _Krume_, _f._) -- crumb
Kuchen, _m._ -- cake
Kugel, _f._ -n bullet, ball
kuehlen, _tr._ cool
Kummer, _m._ worry, care
kummervoll, filled with care
Kunde, _f._ lore, news
kund-machen, _tr._ make known, announce
kuenftig, future
K$
s weggeschnitten, und ich sehe dich hier!
Egmont.  Mein Freund, wenn es dir wohlthun kann, so nimm die Versicherung,
dass im ersten Augenblick mein Gemuet dir entgegenkam.  Und hoere mich.
Lass uns ein ruhiges Wort unter einander wechseln.  Sage mir: ist es der
strenge, ernste Wille deines Vaters, mich zu toeten?
Ferdinand.  Er ist's.
Egmont.  Dieses Urteil waere nicht ein leeres Schreckbild, mich zu
aengstigen, durch Furcht und Drohung zu strfen, mich zu erniedrigen, und
dann mit koeniglicher Gnade mich wieder aufzuheben?
Ferdinand.  Nein, ach leider nein!  Anfangs schmeichelte ich mir selbst
mit dieser ausweichenden Hoffnung; und schon da empfand ich Angst und
Schmerz, dich in diesem Zustande zu sehen.  Nun ist es wirklich, ist
gewiss.  Nein, ich regiere mich nicht.  Wer giebt mir eine Hilfe, wer
einen Rat, dem Unvermeidlichen zu entgehen?
Egmont.  So hoere mich.  Wenn deine Seele so gewaltsam dringt, mich zu
retten, wenn du die uebermacht verabscheust, die mich gefesselt haelt, so
rette mich!  Die Augenbl$
 Lord,
Kommt morgen wieder oder uebermorgen.
Er ist mit zwei ehrwuerd'gen Vaetern drinnen,
Vertieft in geistliche Beschaulichkeit,
Kein weltliches Gesuch moecht' ihn bewegen,
Ihn von der heil'gen Uebung abzuziehn.
Geh, guter Catesby, noch zum gnaed'gen Herzog;
Sag ihm, dass ich, der Mayor und Aldermaenner
In trift'ger Absicht, Sachen von Gewicht,
Betreffend minder nicht als aller Wohl,
Hier sind um ein Gespraech mit Seiner Gnaden.
Ich geh sogleich, ihm solches anzumelden.  (Ab.)
Ha, Mylord, dieser Prinz, das ist kein Eduard!
Den findt man nicht auf uepp'gem Ruhbett lehnend,
Nein, auf den Knieen liegend in Betrachtung;
Nicht scherzend mit einem Paar von Buhlerinnen,
Nein, mit zwei ernsten Geistlichen betrachtend;
Nicht schlafend, seinen traegen Leib zu maesten,
Nein, betend, seinen wachen Sinn zu naehren.
Beglueckt waer' England, wenn der fromme Prinz
DesselbenzOberherrschaft auf sich naehme;
Allein ich fuercht, er ist nicht zu bewegen.
Ei, Gott verhuete, dass uns Seine Gnaden
Nein sollte sagen!
Ich fuercht, e$
rzeihn,
Der ich, im Dienste meines Gottes eifrig,
Versaeume meiner Freunde Heimsuchung.
Doch, das beiseite, was beliebt Eu'r Gnaden?
Was, hoff ich, Gott im Himmel auch beliebt
Und den rechtschaffnen Maennern insgesamt,
So dieses unregierte Eiland hegt.
Ich sorg, ich hab in etwas mich vergangen,
Das widrig in der Buerger Aug' erscheint;
Und dass Ihr kommt, um mein Versehn zu schelten.
Das habt Ihr, Mylord: wollt' Eu'r Gnaden doch
Auf unsre Bitten Euren Fehl verbessern!
Weswegen lebt' ich sonst in Christenlanden?
Wisst denn, Eu'r Fehl ist, dass IWr ueberlasst
Den hoechsten Sitz, den majestaet'schen Thron,
Dies Eurer Ahnen szepterfuehrend Amt,
Des Rangs Gebuehr, den Anspruch der Geburt,
Den Erbruhm Eures koeniglichen Hauses,
An die Verderbnis eines falschen Sproesslings;
Weil bei so schlaefriger Gedanken Milde,
Die wir hier wecken zu des Landes Wohl,
Dies edle Eiland seiner Glieder mangelt,
Entstellt sein Antlitz von der Schande Narben,
Sein Fuerstenstamm geimpft mit schlechten Zweigen
Und fast verschlemmt im ni$
cks Koenigin!
In Frankreich labt mir Englisch Weh den Sinn.
O  du in Fluechen wohl Erfahrne, weile
Und lehre mich, zu fluchen minen Feinden!
Versag dir nachts den Schlaf, und faste tags;
Vergleiche totes Glueck lebend'gem Weh;
Denk deine Knaben holder, als sie waren,
Und schnoeder, als er ist, den, der sie schlug:
Mit dem Verlust muss sich der Abscheu mehren;
Dies ueberdenken, wird dich fluchen lehren.
O  schaerfe meine stumpfen Wort' an deinen!
Dein Weh wird scharf sie machen, gleich den meinen.
Warum doch ist Bedraengnis reich an Worten?
Wind'ge Sachwalter ihrer Leidparteien!
Luft'ge Beerber unbewillter Freuden!
Des Elends arme hingehauchte Redner!
Goennt ihnen Raum: obschon, was sie gewusst,
Auch sonst nicht hilft, doch lindert es die Brust.
Ist das, so binde deine Zunge nicht:
Geh mit mir, und im Hauche bittrer Worte
Sei mein verdammter Sohn von uns erstickt,
Der deine beiden suessen Soehn' erstickte.
(Trommeln hinter der Szene.)
Ich hoere Trommeln; spar nicht dein Geschrei.
(Richard mit seinem Zuge, auf$
r Gestreng eigne Frau, meine Frau zum Phoenix; Sie, welche fasten
muss, bis ihr nach Hause kommt, und betet, dass ihr bald kommen moeget.
Wie, willt du mich so ins Gesicht fuer deinen Narren haben, und
dir's nicht wehren lassen?Da nimm das, Herr Schurke.
(Er giebt ihm Schlaege.)
Dromio von Ephesus.
Was denkt ihr, Herr?Um Gottes willen, haltet eure Haende--Nein,
wenn ihr nicht wollt, Herr, so will ich meine Fuesse brauchen --
(Er geht ab.)
So wahr ich lebe, der Bube ist durch irgend einen schlimmen Streich
um mein Geld gebracht wrden.  Man sagt, diese Stadt sey voller
Spizbuben-Gesindel*, als, Taschenspieler, so die Augen betruegen,
Zauberer, so durch magische Getraenke das Gemueth zerruetten, und
Hexen, so den Leib verunstalten; verkleidete Beutelschneider,
geschwaezige Marktschreyer, und wer weiss was noch mehr fuer
dergleichen Leute die sich alles erlaubt halten; wenn es so ist, so
will ich desto schneller heimgehen.  Ich will in den Centaur, und
diesen Schurken aufsuchen, ich sorge, mein Geld ist nicht wo$
doch erinnre ich mich, we ich noch in Frankreich war,
an junge Leute, die aus lauter Muthwillen so traurig waren, wie
die Nacht.  So wahr ich ein Christ bin, waer ich nur aus dem
Gefaengniss und huetete Schaafe, ich wollte so froelich seyn als der
Tag lang ist.  Und das wollt' ich auch hier seyn, wenn ich nicht
von meinem Oheim noch mehr boeses besorgte.  Ist es mein Fehler, dass
ich Gottfrieds Sohn worden bin?  In der That, es ist nicht; und
wollte Gott ich waere euer Sohn, so wuerdet ihr mich lieben, Hubert.
Hubert (vor sich.)
Wenn ich mit ihm rede, so wird er durch sein unschuldiges Geschwaeze
mein erstorbnes Mitleiden aufweken.  Ich will also eilen, und
meinen Auftrag vollziehen.
Seyd ihr krank, Hubert!  Ihr seht heute so blass aus; gewisslich, ich
wollt' ihr waeret ein wenig krank, damit ich die ganze Nacht neben
euch sizen und mit euch wachen koennte.  Ach!  ich liebe euch mehr,
als ihr mich lieb habt.
Seine Reden dringen mir ins Herz.
(Er zeigt ihm ein Papier.)
Liess hier, junger Arthur--
(Bey Seite.)$
ne Koenigin nach Frankreich, von
wannen sie im Pomp heruebergesandt wurde, geschmuekt wie der holde
May, nun zuruek geschikt, verduestert und raurig wie der kuerzeste
Und muessen wir denn getrennt seyn?  Muessen wir denn scheiden?
Koenig Richard.
Ja, Hand von Hand, meine Liebe, und Herz von Herz.
Verbannet uns beyde, und schikt den Koenig mit mir.
Northumberland.
Das waere guetig, aber sehr unpolitisch.
So lasst mich mit ihm gehen.
Koenig Richard.
Weine du in Frankreich fuer mich, und ich will hier fuer dich weinen;
es ist besser entfernt, als naeher geschieden zu seyn.  Geh, zaehle
deinen Weg mit Seufzern ab, ich mit Aechzen den meinigen.
So wird der laengste Weg die meisten Seufzer haben.
Koenig Richard.
Ich will bey jedem Schritt zweymal aechzen, weil mein Weg der
kuerzere ist.  Komm, komm, ein Kuss soll uns den Mund schliessen, und
dann fahr' wohl; so geb' ich dir mein Herz, und so nehm' ich deines.
(Sie kuessen sich.)
Nein, gieb mir das meinige zuruek; es waere kein schoener Abschied,
wenn ich dein Herz$
ertrotzen,
Die Jungen reissen von der Baerin weg,
Ja, wenn er bruellt nach Raub, den Loewen hoehnen,
Dich zu gewinnen, Fraeulein!  Aber ach!
Wenn Herkules und Lichas Wuerfel spielen,
Wer tapfrer ist, so kann der bessre Wurf
Durch Zufall kommen aus der schwaechern Hand;
So unterliegt Alcides seinem Knaben,
Und so kann ich, wenn blindes Glueck mich fuehrt,
Verfehlen, was dem minder Wuerdgen wird,
Und Grames sterben.
Ihr muesst Eur Schicksal nehmen,
Es ueberhaupt nicht wagen, oder schwoeren,
Bevor Ihr waehlet, wenn Ihr irrig waehlt,
In Zukunft nie mit irgendeiner Frau
Von Eh zu sprechen: also seht Euch vor!
Ich will's auch nicht, kommt, bringt mich zur Entscheidung.
Vorher zum Tempel; nach der Mahleit moegt Ihr
Das Los versuchen.
Gutes Glueck also!
Bald ueber alles elend oder froh.
Zweite Szene
Venedig.  Eine Strasse
(Lanzelot Gobbo kommt)
Sicherlich, mein Gewissen laesst mir's zu, von diesem Juden, meinem
Herrn, wegzulaufen. Der boese Feind ist mir auf der Ferse und
versucht mich und sagt zu mir: "Gobbo, Lanze$
sanio unter Segel;
Mit ihm ist Graziano abgereist,
Und auf dem Schiff ist sicher nicht Lorenzo.
Der Schelm von Juden schrie den Dogen auf,
Der mit ihm ging, das Schiff zu untersuchen.
Er kam zu spaet, das Schiff war unter Segel;
Doch da empfing der Doge den Bericht,
In einer Gondel habe man Lorenzo
Mit seiner Liebsten Jessica gesehn;
Auch gab Antonio ihm die Versichrung,
Sie sei'n nicht mit Bassanio auf dem Schiff.
Nie hoert ich so verwirrte Leidenschaft,
So seltsam wild und durcheinander, als
Der Hund von Juden in den Strasse ausliess:
"Mein' Tochter--mein' Dukaten--o mein' Tochter!
Fort mit 'nem Christen--o mein' christlichen Dukaten!
Recht und Gericht!  mein' Tochter!  mein' Dukaten!
Ein Sack, zwei Saecke, beide zugesiegelt,
Voll von Dukaten, doppelten Dukaten!
Gestohl'n von meiner Tochter; und Juwelen,
Zwei Stein'--zwei reich' und koestliche Gestein',
Gestohl'n von meiner Tochter!  O Gerichte,
Find't mir das Maedchen!--Sie hat die Steine bei sich
Und die Dukaten."
Ja, alle Gassenbuben folgen ihm
Und schr$
ist es, dass wir bessre Tage sahn,
Dass heilge Glocken uns zur Kirch gelaeutet,
Dass wir bei guter Menschen Mahl gesessen
Und Tropfen unsern Augen abgetrocknet,
Die ein geheiligt Mitleid hat erzeugt:
Und darum setzt in Freundlichkeit Euch hin
Und nehmt nach Wunsch, was wir an Hilfe haben,
Das Eurem Mangel irgend dienen kann.
Enthaltet Euch der Speise nur ein Weilchen,
Indessen wie die Hindin ich mein Junges
Will fuettern gehn.  Dort ist ein armer Alter,
Der manchen sauren Schritt aus blosser Liebe
Mir nachgehinkt: bis er befriedigt ist,
Den doppelt Leid, das Alter schwaecht und Hunger,
Beruehr ich keinen Bissen.
Geht, holt in her!
Wir wollen nichts verzehren, bis Ihr kommt.
Ich dank Euch; seid fuer Euren Trost gesegnet!
(Orlando ab.)
Du siehst, ungluecklich sind nicht wir allein,
Und dieser weite, allgemeine Schauplatz
Beut mehr betruebte Szenen dar als unsre,
Worin du spielst.
Die ganze Welt ist Buehne
Und alle Fraun und Maenner blosse Spieler.
Sie treten auf und geben wieder ab,
Sein Leben lang spielt eine$
rson--was im
gemeinen Leben heisst, Maedchen; welches alles zusammen heisst: meidet
den Umgang dieser Frauensperson, oder, Toelpel, du kommst um; oder,
damit du es besser verstehst, du stirbst; naemlich ich toete dich,
schaffe dich aus der Welt, bringe dich vom Leben zum Tode, von der
Freiheit zur Knechtschaft.  Ich will dich mit Gift bedienen, oder
mit Bastonaden, oder mit dem Stahl; ich will eine Partei gegen dich
zusammenrotten, dich mit Politik ueberwaeltigen; ich will dich auf
hundertundfuenfzig Arten umbringen: darum zittre und zieh ab.
Tu es, guter Wilhelm.
Gott erhalt Euch guter Dinge, Herr.
(Corinnus kommt.)
Unsre Herrschaft sucht Euch.  Kommt!  geschwind!  geschwind!
Lauf, Kaethchen!  Lauf, Kaethchen!  IcG komme nach, ich komme nach.
Zweite Szene
Ebendaselbst
(Orlando und Oliver treten auf)
Ist es moeglich, dass Ihr auf so geringe Bekanntschaft Neigung zu ihr
gefasst?  Kaum saht Ihr sie, so liebtet Ihr; kaum liebtet Ihr, so
warbt Ihr; kaum habt Ihr geworben, so sagt sie auch ja?  Und Ihr
beharrt dar$
t, so ist es ja ohnehin unverwundbar, und unsre
eiteln Streiche beweisen ihm nur unsern boesen Willen, ohne ihm
wuerklich etwas anzuhaben.
Es war im Begriff zu reden, als der Hahn kraehete.
Und da zitterte es hinweg, wie einer der sich eines Verbrechens
bewusst ist, bey einer fuerchterlichen Aufforderung.  Ich habe sagen
gehoert, der Hahn, der die Trompete des Morgens ist, weke mit seiner
schmetternden, scharftoenenden Gurgel den Gott des Tages auf, und,
auf sein Warnen, entfliehe in Wasser oder Feuer, Luft oder Erde,
jeder herumwandernde Geist in sein Bezirk zuruek: Und dass dieses
wahr sey, beweiset was wir eben erfahren haben.
Er verschwand sobald der Hahn kraehete.  Einige sagen, allemal um
die Zeit, wenn die Geburt unsers Erloesers gefeyert wird, kraehe der
Vogel des Morgens die ganz Nacht durch: Und dann, sagen sie, gehe
kein Geist um; die Naechte seyen gesund, und die Planeten ohne
schaedliche Influenzen; keine Fee koenne einem beykommen, keine Hexe
habe Gewalt zu Zauber-Wirkungen; so heilig und segen$
m Grafen ist, so bin ich krank oder nicht
bey Hause: Sagt was ihr wollt, um seiner los zu werden.
(Malvolio geht ab.)
Ihr seht also, Sir, eure Narrheit wird alt und gefaellt den Leuten
Du hast unsre Parthey genommen, Madonna, als ob dein aeltester Sohn
zu einem Narren bestimmt waere; Jupiter fuell' ihm seinen Schedel mit
Hirn aus!  Hier kommt einer von deiner Familie, der eine sehr
schwache (pia mater) hat--
Achte Scene.
(Sir Tobias zu den Vorigen.)
Auf meine Ehre, halb betrunken.  Wer ist vor der Thuer, Onkel?
Ein Edelmann.
Ein Edelmann?  Was fuer ein Edelmann?
Ein Mutter-Soehnchen, dem Ansehen nach--der Henker hole diese
Pikelhaeringe!  Was machst du hier, Dumkopf?
Guter Sir Toby--
Onkel, Onkel, wie kommt ihr schon so frueh zu dieser Lethargie?
Es ist einer vor der Pforte, sag ich.
Nun, wer ist er denn?
Er kan meinethalb der Teufel elber seyn, wenn er will, was
bekuemmert mich's; glaubt mir was ich sage.  Gut, es ist all eins.
(Er geht ab.)
Wem ist ein berauschter Mann gleich, Narr?
Einem Narren, einem Ert$
r.
Wie, holla, sag ich--Stille da, In diesem Kerker!
Malvolio (hinter der Buehne.)
Wer ruft hier?
Sir Topas der Pfarrer, welcher Malvolio den Mondsuechtigen besuchen
Sir Topas, Sir Topas, guter Sir Topas, geht zur Gnaedigen Fraeulein--
Fahre aus, du Hyperbolicalischer Teufel, warum quaelst du diesen
armen Menschen so?  Redst du von nichts als von Fraeulein?
Wohl gegeben, Herr Pfarrer!
Sir Topas, niemalen ist einem Menschen so uebel mitgespielt worden
als mir; lieber Sir Topas, bildet euch nicht ein dass ich rasend sey;
sie haben mich hier in eine graessliche Finsterniss gelegt.
Fy, du unartiger Satan; ich bediene mich der gelindesten Ausdrueke
gegen dich; denn ich bin einer von diesen manierlichen Leuten, die
dem Teufel selbst nicht anders als hoeflich begegnen wollten: Sagst
du, dieses Haus sey finster?
Wie die Hoelle, Sir Topas.
Wie, es hat Bogen-Fenster die so durchsichtig sind wie Gitter, und
die innwendigen Steine gegen die Sud-Seite sind so glaenzend wie
Eben-Holz; und du klagst ueber Dunkelheit?
Ich bi$
n!  Ich liebe Eu.  Majestaet so viel als meine
Schuldigkeit ist, nicht mehr und nicht weniger.
Wie?  wie, Cordelia?  Verbessre deine Rede ein wenig, oder du
moechtest dein Gluek verschlimmern.
Mein theurer Lord, ihr habet mich gezeugt, erzogen, und geliebt.
Ich erstatte diese Wohlthaten wie es meine Pflicht erheischet, ich
gehorche euch, ich liebe und verehre euch.  Wofuer haben meine
Schwestern Maenner, wenn sie sagen, sie lieben euch allein?  Wenn
ich mich vermaehlen sollte, so wird der Mann dem ich meine Hand gebe,
auch die Helfte meiner Liebe und Ergebenheit mit sich nehmen.
Wahrhaftig, ich will nimmermehr heurathen wie meine Schwestern, um
allein meinen Vater zu lieben.
Sprichst du aus deinem Herzen?
Ja, mein theurer Lord.
no jung, und so unzaertlich?
So jung, Mylord, und so aufrichtig.
So lass denn deine Aufrichtigkeit deine Mitgift seyn.  Denn bey den
heiligen Stralen der Sonne, bey den Geheimnissen der Hecate und der
Nacht, bey allen Wuerkungen der himmlischen Kreise, durch welche wir
entstehen und au$
Zu Lear.) Du bist eine gescheelte Bohne.
Nicht allein, Sir, dieser euer zaumloser Narr, sondern auch andre
von euerm uebermuethigen Gefolge, fangen hier stuendlich Zank und
Haendel an, und brechen in ganz ausgelassene und unertraegliche
Unordnungen aus.  Ich dachte, wenn euch dieses nur bekannt gemacht
wuerde unfehlbare Huelfe zu finden; aber nun muss ich allerdings aus
dem was ihr erst kuerzlich gesagt und gethan habt besorgen, dass ihr
diese Ausschweiffungen in euern Schuz nehmet, und sogar selbst
aufmuntert; thut ihr's, so wird der Fehler dem Tadel nicht entgehen,
noch wird es an Mitteln fehlen, Einhalt zu thun; dfe, obgleich zu
euerm Besten abgesehen, doch die unangenehme Folge haben moechten,
dass ihr, nicht ohne Schaam, von der Nothwendigkeit eine
vorsichtigere Auffuehrung lernen muesstet.
Denn ihr wisst, Nonkel, der Sperling naehrte den Kukuk so lang, bis
seine Jungen ihm den Kopf abbissen; So loescht das Licht aus, und
wir sizen im Finstern.
Seyd ihr unsre Tochter?
Ich wuenschte, ihr moechtet einen Ge$
en Hofschranzen, die so subtil in Ausdehnung
ihrer Pflichten sind.
Mylord, in vollem Ernst, und nach der lautersten Wahrheit, unter
der Nachsicht euers grossen Aspects, dessen Einfluss, gleich der
Crone von stralendem Feuer auf der wallenden Stirne des Phoebus--
Was willt du mit diesem Galimathias?
Eine Sprache fahren lassen, die ihr so uebel empfehlet: Ich weiss,
Mylord, dass ich kein Schmeichler bin; der, der euch in einer ganz
platten Sprache betrogen hat, ist ein platter Spizbube, welches ich
nicht seyn will, wenn ich mir gleich dadurch euern Unwillen
zuziehen sollte.
Cornwall (zum Hofmeister).
Was habt ihr ihm denn zu Leide gethan?
Nicht das mindeste, Mylord.  Es gefiel dem Koenig seinem Herrn,
unlaengst mich wegen eines Missverstands zu schlagen; sogleich nahm
er sich der Sache an, um dem Unwillen seines Herrn zu schmeicheln,
unterschlug mir ein Bein, verspottete und beschimpfte mich,>da ich
zu Boden lag, und wurde von dem Koenig gelobt, dass er einen Mann
anfiel, der aus Respect sich nicht zu wehren be$
n
Und meine Hoffnng kraeftgen?
Still, nichts weiter.
(Trompeten, es treten auf Macbeth als
Koenig und Lady Macbeth als Koenigin; Lenox, Rosse, Lords, Ladies und
Hier unser hoechster Gast.
LADY MACBETH
Ward er vergessen,
Wars wie ein Riss in unserm grossen Fest
Und alles ungeziemend.
Herr, wir halten
Ein feierliches Mahl heut abend, und
Ich bitt um Eure Gegenwart.
Hat zu befehlen; unaufloeslich bleibt
Fuer immer meine Pflicht an Euch gebunden.
Verreist Ihr noch den Nachmittag?
So haetten wir wohl Euren Rat gewuenscht,
Der stets voll Einsicht und erspriesslich war,
Im Staatsrat heut; doch goennt ihn morgen uns.
Geht Eure Reise weit?
So weit, mein Koenig,
Dass sie die Zeit von jetzt bis Abend ausfuellt;
Haelt nicht mein Pferd sich gut, so muss ich wohl
Noch von der Nacht 'ne dunkle Stunde borgen.
Fehlt nicht bei unserm Fest!
Mein Fuerst, ich komme.
Wir hoeren, unsre blutgen Vettern weilen
In England und in Irland; nicht bekennend
Den grausen Vatermord, mit seltnen Maerchen
Die Hoerer taeuschend.  Doch das sei f$
ufhaelt?
Duncans Sohn, durch den Tyrannen
Beraubt des Erbrechts, lebt an Englands Hof,
Wo ihn der fromme Eduard aufgenommen,
So huldreich, dass des Glueckes Bosheit nichts
Ihm raubt an Achtung.  Dorthin will Macduff,
Des heilgen Koenigs Huelfe zu erbitten,
Dass er Northumberland und Siward sende,
Damit durch ihren Beistand, naechst dem Schutz
Des Himmels, wir von neuem schaffen moeen
Den Tafeln Speis und unsern Naechten Schlaf,
Fest und Bankett befrein von blutgen Messern,
Mit Treuen huldgen, freie Ehr empfangen,
Was alles uns jetzt fehlt; und diese Nachricht
Hat so den Koenig aufgeregt, dass er
Zum Kriege ruestet.
Sandte er zu Macduff?
Ja; doch mit einem kurzen "Herr, nicht ich"
Schickt er den finstern Boten heim; der murmelt,
Als wollt er sagen: Ihr bereut die Stunde,
Die mich beschwert mit dieser Antwort.
Als Warnung das, so fern zu bleiben, wie
Ihm seine Weisheit raet.  Ein heilger Engel
Flieg zu dem Hof von England und verkuende
Die Botschaft, eh er kommt, dass Segen schnell
Dies Land erfreue, von verfl$
 Hand gesegnet,
Dass sie sogleich genesen.
Dank Euch, Doktor!
(Der Arzt geht ab.)
Was fuer 'ne Krankheit ists?
Sie heisst das Uebel;
Ein wundertaetig Werk vom guten Koenig,
Das ich ihn oft, seit ich in England bin,
Vollbringen sah.  Wie er zum Himmel fleht,
Weiss er am besten.  Seltsam Heimgesuchte,
Voll Schwulst und Aussatz, klaeglich anzuschauen,
An denen alle Kunst verzweifelt, heilt er,
Um ihren Nacken eine Goldmuenz haengend,
Mit heiligem Gebet.  Und nach Verheissung
Wird er vererben auf die kuenftgen Herrscher
Die Wundergabe.  Zu der heilgen Kraft
Hat er auch himmlischen Prophetengeist;
So steht um seinen Thron vielfacher Segen,
Ihn gottbegabt verkuendend.
([Rosse tritt auf.])
Wer kommt da?
Ein Landsmann, ob ic; gleich ihn noch nicht kenne.
(Rosse tritt auf.)
Mein hochgeliebter Vetter, sei willkommen!
Jetzt kenn ich ihn.--O Gott, entferne bald,
Was uns einander fremd macht.
Stehts noch um Schottland so?
Ach, armes Land,
Das fast vor sich erschrickt!  Nicht unsre Mutter
Kann es mehr heissen, sondern unse$
ich zauste,
Und er auf meiner Seit, ich fiele ab,
Nur dass ich ihn bekaempft'.--Er ist ein Loewe,
Den ich zu jagen stolz bin.
Erster Senator.
Darum, Marcius,
Magst du Cominius folgenNin den Krieg.
Ihr habt es einst versprochen.
Herr, das hab ich,
Und halte Wort.  Du, Titus Lartius, siehst
Noch einmal Tullus, mich ins Antlitz schlagen.
Wie--bist du krank?  bleibst aus?
Nein, Cajus Marcius.
Ich lehn auf eine Krueck und schlage mit der andern,
Eh ich dies' Werk versaeum.
O edles Blut!
Erster Senator.
Begleitet uns zum Kapitol, dort harren
Die treusten Freunde unser.
Geht voran--
Cominius, folgt ihm nach, wir folgen euch,
Ihr seid des Vorrangs wuerdig.
Edler Marcius!
Erster Senator (zu den Buergern).
Geht, macht euch fort!--nach Haus!
Nein, lasst sie folgen.
Die Volsker haben Korn; dahin ihr Ratten,
Die Scheuren fresst.--Hochadlige Rebellen,
Eur Mut schlaegt herrlich aus.  Ich bitte, folgt.
(Senatoren, Cominius, Marcius, Titus Lartius und Menenius gehn ab;
die Buerger schleichen sich fort.)
War je ein Mensch so s$
 dich selbst
Vorerst und alle deine Landsgenossen
Sehr schwer verletzt' und elend machte; Zeuge:
Mein dritter Name Coriolan.  Die Kriegsmuehn,
Die Todsgefahr und all die Tropfen Bluts,
Vergossen fuer das undankbare Rom,
Das alles wird bezahlt mit diesem Namen,
Er, starkes Mahnwort und Anreiz zu Hass
Und Feindschaft, die du mir musst hegen.  Nur
Der Name bleibt.  Die Grausamkeit des Volks,
Ihr Neid, gestattet von dem feigen Adel,
Die alle mich verliessen, schlang das andre.
Sie duldeten's, mich durch der Sklaven Stimmen
Aus Rom gezischt zu sehn.--Diese Verruchtheit
Bringt mich an deinen Herd; die Hoffnung nicht,
Versteh mich recht, mein Leben zu erhalten;
Denn fuerchtet ich den Tod, so mied' ich wohl
Von allen Menschen dich zumeist;--nein, Hass,
Ganz meinen Neidern alles wettzumachen,
Bringt mich hierher.--Wenn du nun in dir traegst
Ein Herz des Grimms, das Rache heischt fuer alles,
Was dich als Mann gekraenkt, und die Verstuemmlung
Und Schmach in deinem ganzen Land will strafen,
Mach dich gleich dran, dass di$
hen, Woelfen und Baeren schwanger; schwill von
neuen Ungeheuern auf, die dein emporgerichtetes Antliz dem
umwoelbenden Himmel nie gezeigt hat!--O!  eine Wurzel--habet Dank,
ihr Goetter!--trokne deine lokern Adern auf, und deine vom Pflug
zerrissne Schollen, aus denen der undankbare Mensch diese geistigen
Saefte und diese niedlichen Bissen zieht, die sein reines Gemueth mit
einem Fett umgeben, woran alle Betrachtung abglitscht.
Sechste Scene.
Timon (zu Apemanthus.)
Wieder ein Mensch?  Pest!  Pest!
Ich bin hieher gewiesen worden.  Die Leute sagen, du massest dich an,
meine Lebensart nachzuahmen.
So muss es desswegen seyn, weil du keinen Hund haeltst, men ich
nachahmen koennte.  Dass du die Schwindsucht kriegtest!
Es ist an dir nur etwas erzwungnes, eine arme unmaennliche
Melancholey, die bloss aus dem Wechsel deines Glueks entsprungen ist.
Wozu dieses Grabscheit?  Warum in diesem Walde?  Warum dieser
sclavenmaessige Aufzug?  Und diese kummervolle Blike?  Deine
Schmeichler tragen indessen Seide, trinken Wein, li$
 Melodie; aber hier ist mein Trost.
(Er trinkt.)
Quaele mich nicht, oh!
Was giebts hier?  haben wir Teufels hier?** Wollt ihr uns mit
wilden und indianischen Maennern in einen Schreken jagen?  ha!  ich
bin dem Ersauffen nicht entgangen, um mich vor euern vier Fuessen
hier zu fuerchten--
{ed.-** Diese Stelle soll vermuthlich die abgeschmakten Fabeln in
des alten Ritter (Maundeviles) Reisebeschreibung laecherlich machen,
der unter anderm erzaehlt, (to have traveled thro' an enchaunted Vale,
clepen the vale of Develes, which vale is alle fulle of Develes--andbMen seyne there, that it is on of the entrees of Helle.)--"Er sey
durch ein bezaubertes Thal gereist, das Thal der Teufel genannt,
welches Thal voller Teufel sey, und die Leute sagen, es sey einer
von den Eingaengen in die Hoelle." Eben dieser Autor hat in seinen
Nachrichten von wilden Maennern und Indianischen Menschen alle die
Fabeln des Plinius von Menschen mit langen Ohren, einem Auge, einem
Fuss ohne Kopf u.  dergl.  ausgeschrieben, und so davon gespro$
ensch? Aber es ist kein Zweifel:
den Niedergang seines Typus. Er hasst da aus dem tiefsten Instinkte
der Gattung heraus; in diesem Hass ist Schauder, Vorsicht, Tiefe,
Fernblick, - es ist der tiefste Hass, den es giebt. Um seinetwillen
ist die Kunst tief...
Schopenhauer. Schopenhauer, der letzte Deutsche, der in Betracht kommt
(der ein europaeisches Ereigniss gleich Goethe, gleich Hegel, gleich
Heinrich Heine ist, und nicht bloss ein lokales, ein "nationales"),
ist fuer einen Psychologen ein Fal* ersten Ranges: naemlich als
boesartig genialer Versuch, zu Gunsten einer nihilistischen
Gesammt-Abwerthung des Lebens gerade die Gegen-Instanzen, die grossen
Selbstbejahungen des "Willens zum Leben", die Exuberanz-Formen des
Lebens in's Feld zu fuehren. Er hat, der Reihe nach, die Kunst,
den Heroismus, das Genie, die Schoenheit, das grosse Mitgefuehl,
die Erkenntniss, den Willen zur Wahrheit, die Tragoedie
als Folgeerscheinungen der "Verneinung" oder der
Verneinungs-Beduerftigkeit des "Willens" interpretirt - die groe$
 Morgen sehr frueh fortmusste und am Abend vom Doerfli
spaet heimkam, weil er sich da noch so lange als moeglich mit den
Kindern unterhalten musste, so verbrachte er daheim nur gerade so
viel Zeit, um am Morgen seine Milch und Brot und am Abend
ebendasselbe hinunterzuschlucken undpdann sich aufs Ohr zu legen
und zu schlafen.  Sein Vater, der auch schon der Geissenpeter
genannt worden war, weil er in frueheren Jahren in demselben Berufe
gestanden hatte, war vor einigen Jahren beim Holzfaellen verunglueckt.
Seine Mutter, die zwar Brigitte hiess, wurde von jedermann um des
Zusammenhangs willen die Geissenpeterin genannt, und die blinde
Grossmutter kannten weit und breit Alt und Jung nur unter dem Namen
Grossmutter.
Die Dete hatte wohl zehn Minuten gewartet und sich nach allen
Seiten umgesehen, ob die Kinder mit den Geissen noch nirgends zu
sehen seien; als dies aber nicht der Fall war, so stieg sie noch
ein wenig hoeher, wo sie besser die ganze Alm bis hinunter uebersehen
konnte, und guckte nun von hier aus bald$
hen aus!  Heidi
erkannte sie nicht mehr.  Es war alles wie Heu, und kein einziges
Kelchlein stand mehr offen.
"O Grossvater, was haben sie?", rief Heidi ganz erschrocken aus.
"So waren sie nicht, warum sehen sie so aus?"
"Di. wollen draussen stehen in der Sonne und nicht ins Schuerzchen
hinein", sagte der Grossvater.
"Dann will ich gar keine mehr mitnehmen.  Aber, Grossvater, warum
hat der Raubvogel so gekraechzt?", fragte Heidi nun angelegentlich.
"Jetzt gehst du ins Wasser und ich in den Stall und hole Milch, und
nachher kommen wir hinein zusammen in die Huette und essen zu Nacht,
dann sag ich dir's."
So wurde getan, und wie nun spaeter Heidi auf seinem hohen Stuhl sass
vor seinem Milchschuesselchen und der Grossvater neben ihm, da kam
das Kind gleich wieder mit seiner Frage: "Warum kraechzt der
Raubvogel so und schreit immer so herunter, Grossvater?"
"Der hoehnt die Leute aus dort unten, dass sie so viele
zusammensitzen in den Doerfern und einander boes machen.  Da hoehnt er
hinunter: 'Wuerdet ihr auseinan$
n Gaehnen waehrend der
Unterrichtsstunden stattgefunden.  Am spaeten Abend, als Fraeulein
Rottenmeier sich von den Aufregungen des Morgens wieder hinlaenglich
erholt hatte, berief sie Sebastian und Tinete ins Studierzimmer
herauf, um hier eine gruendliche Untersuchung ueber die strafwuerdigen
Vorgaenge anzustellen.  Nun kam es denn heraus, dass Heidi auf
seinem gestrigen Ausflug die saemtlichen Ereignisse vorbereitet und
herbeigefuehrt hatte.  Fraeulein Rottenmeier sass weiss vor Entruestung
da und konnte erst keine Worte fuer ihre Empfindungen finden.  Sie
winkte mit der Hand, dass Sebastian und Tinette sich entfernen
sollten.  Jetzt wandte sie sich an Heidi, das neben Klaras Sessel
stand und nicht recht begriff, was es verbrochen hatte.
"Adelheid", begann sie mit strengem Ton, "ich weiss nur (eine)
Strafe, die dir empfindlich sein koennte, denn du bist eine Barbarin;
aber wir wollen sehen, ob du unten im dunklen Keller bei Molchen
und Ratten nicht zahm wirst, dass du dir keine solchen Dinge mehr
einfallen $
d
packte sie in sein Schuerzchen ein, denn es wollte sie alle mit
heimnehmen und ins Heu stecken in seiner Schlafkammer, dass es dort
werde wie hier draussen. - So hatte der Peter heut nach allen Seiten
zu gucken, und seine kugelrunden Augen, die nicht besonders schnell
hin und her gingen, hatten mehr Arbeit, als der Peter gut bewaeltigen
konnte, denn die Geissen machten es wie das Heidi: Sie liefen auch
dahin und dorthin, und er musste ueberallhin pfeifen und rufen
und seine Rute schwingen, um wieder alle die Verlaufenen
zusammenzutreiben.
"Wo bist du schon wieder, Heidi?", rief er jetzt mit ziemlich
grimmigeriStimme.
"Da", toente es von irgendwoher zurueck. Sehen konnte Peter niemand,
denn Heidi sass am Boden hinter einem Huegelchen, das dicht mit
duftenden Pruenellen besaet war; da war die ganze Luft umher so mit
Wohlgeruch erfuellt, dass Heidi noch nie so Liebliches eingeatmet
hatte. Es setzte sich in die Blumen hinein und zog den Duft in vollen
"Komm nach!", rief der Peter wieder. "Du musst nicht ueber d$
denn nun
hatte sie immer etwas in Aussicht, nach dem sie verlangen konnte. Vom
fruehen Morgen an lauschte sie auch schon auf den trippelnden Schritt,
und ging dann die Tuer auf und das Kind kam wirklich dahergesprungen,
dann rief sie jedes Mal in lauter Freude: "Gottlob! Da kommt's
wieder!" Und Heidi setzte sich zu ihr und plauderte und erzaehlte so
lustig von allem, was es wusste, dass es der Grossmutter ganz wohl
machte und ihr die Stunden dahingingen, sie merkte es nicht, und kein
einziges Mal fragte sie mehr so wie frueher: "Brigitte, ist der Tag
noch nicht um?", sondern jedes Mal, wenn Heidi die Tuer hinter sich
schloss, sagte sie: "Wie war doch der Nachmittag so kurz; ist es |icht
wahr, Brigitte?" Und diese sagte: "Doch sicher, es ist mir, wir haben
erst die Teller vom Essen weggestellt." Und die Grossmutter sagte
wieder: "Wenn mir nur der Herrgott das Kind erhaelt und dem Alm-Oehi
den guten Willen! Sieht es auch gesund aus, Brigitte?" Und jedes Mal
erwiderte diese: "Es sieht aus wie ein Erdbeerapfel."
$
 Mit einem Knicks war die Dete zur Tuer hinaus und die Treppe
hinunter mit schnellen Schritten. Fraeulein Rottenmeier stand einen
Augenblick noch da, dann lief sie der Dete nach; es war ihr wohl in
den Sinn gekommen, dass sie noch eine Menge von Dingen mit der Base
besprechen wollte, wenn das Kind wirklich dableiben sollte, und da war
es doch nun einmal und, wie sie bemerkte, hatte die Base fest im Sinn,
es dazulassen.
Heidi stand noch auf demselben Platz an der Tuer, wo es von Anfang an
getanden hatte. Bis dahin hatte Klara von ihrem Sessel aus schweigend
allem zugesehen. Jetzt winkte sie Heidi: "Komm hierher!"
Heidi trat an den Rollstuhl heran.
"Willst du lieber Heidi heissen oder Adelheid?", fragte Klara.
"Ich heisse nur Heidi und sonst nichts", war Heidis Antwort.
"So will ich dich immer so nennen", sagte Klara; "der Name gefaellt
mir fuer dich, ich habe ihn aber nie gehoert, ich habe aber auch nie
ein Kind gesehen, das so aussieht wie du. Hast du immer nur so kurzes,
krauses Haar gehabt?"
"Ja, ich denk'$
ende Abgeschiedenheit eines laengeren
Alpenaufenthalts, welcher, wenn er nicht eine gewisse Dauer
ueberschreitet, ja ohne Zweifel seine gute Seite -"
"Mein lieber Herr Kandidat", unterbrach hier Herr Sesemann, "Sie geben
sich wirklich zu viel Muehe; sagen Sie mir, hat auch Ihnen das Kind
einen Schrecken beigebracht durch eingeschleppte Tiere, und was halten
Sie ueberhaupt von diesem Umgang fuer mein Toechterchen?"
"Ich moechte dem jungen Maedchen in keiner Art zu nahe treten", begann
der Herr Kandidat wieder, "denn wenn es auch auf der einen Seite in
einer Art von gesellschaftlicher Unerfahrenheit, welche mit dem mehr
oder weniger unkultivierten Leben, in welchem das junge Maedchen bis
zu dem Augenblick seiner Versetzung nach Frankfurt sich bewegte,
welche Versetzung allerdings in die Entwicklung dieses, ich moechte
sagen noch voellig, wenigstens teilweise unentwickelten, aber
anderseits mit nicht zu verachtenden Anlagen begabten und wenn
allseitig umsicatig geleitet -"
"Entschuldigen Sie, Herr Kandidat, bitt$
hoenen Weines, denn eine kleine Staerkung von Zeit zu Zeit konnte
nicht unerwuenscht sein, wenn die Nacht da zugebracht werden musste.
Daneben lagen die beiden Revolver, und zwei, ein helles Licht
verbreitende Armleuchter standen mitten auf dem Tisch, denn so im
Halbdunkel wollte Herr Sesemann das Gespenst denn doch nicht erwarten.
Nun wurde die Tuer ans Schloss gelehnt, denn zu viel Licht durfte
nicht in den Korridor hinausfliessen, es konnte das Gespenst
verscheuchen. Jetzt setzten sich die Herren gemuetlich in ihre
Lehnstuehle und fingen an, sich allerlei zu erzaehlen, nahmen auch
hier und da dazwischen einen guten Schluck, und so schlug es zwoelf
Uhr, eh sie sich's versahe.
"Das Gespenst hat uns gewittert und kommt wohl heut gar nicht", sagte
der Doktor jetzt.
"Nur Geduld, es soll erst um ein Uhr kommen", entgegnete der Freund.
Das Gespraech wurde wieder aufgenommen. Es schlug ein Uhr. Ringsum war
es voellig still, auch auf den Strassen war aller Laerm verklungen.
Auf einmal hob der Doktor den Finger emp$
ann und das Weib vom Raume der traulichen Wohnung, Schleppt in
die Irre sie fort, durch aengstliche Tage und Naechte: Ach!  da sieht man
sich um, wer wohl der verstaendigste Mann sei, Und er redet nicht mehr die
herrlichen Worte vergebens.  Sagt mir, Vater, Ihr seid gewiss der Richter
von diesen Fluechtigen Maennern, der Ihr sogleich die Gemueter beruhigt? Ja,
Ihr erscheint mir heut als einer der aeltesten Fuehrer, Die durch Wuesten und
Irren vertriebene Voelker geleitet.  Denk ich doch eben, ich rede mit
Josua oder mit Moses."
Und es versetzte darauf mit ernstem Blicke der Richter: "Wahrlich, unsere
Zeit vergleicht sich den seltensten Zeiten, Die die Geschichte bemerkt,
die heilige wie die gemeine.  Denn wer gestern und heut in diesen Tagen
gelebt hat, Hat schon Jahre geOebt: so draengen sich alle Geschichten.
Denk ich ein wenig zurueck, so scheint mir ein graues Alter Auf dem Haupte
zu liegen, und doch ist die Kraft noch lebendig.  Oh, wir anderen duerfen
uns wohl mit jenen vergleichen, Denen in ernster Stu$
en uns der Druck des vielbeduerfenden Krieges; Denn die
Hoffnung umschwebte vor unsern Augen die Ferne, Lockte die Blicke hinaus
in neueroeffnete Bahnen.
Oh, wie froh ist die Zeit, wenn mit der Braut sich der Braeut'gam Schwinget
im Tanze, den Tag der gewuenschten Verbindung erwartend! Aber herrlicher
war die Zeit, in der uns das Hoechste, Was der Mensch sich denkt, als nah
und erreichbar sich zeigte.  Da war jedem die Zunge geloest; es sprachen
die Greise, Maenner und Juenglinge laut voll hohen Sinns und Gefuehles.
Aber der Himmel truebte sich bald.  Um den Vorteil der Herrschaft Stritt
ein verderbtes Geschlecht, unwuerdig, das Gute zu schaffen.  Sie
ermordeten sich und unterdrueckten die neuen Nachbarn und Brueder und
sandten die eigennuetzige Menge.  Und es prassten bei uns die Obern und
raubten im grossen, Und es raubten und prassten bis zu dem Kleinsten die
Kleinen; Jeder schien nur besorgt, es bleibe was uebrig fuer mogen.  Allzu
gross war die Not, und taeglich wuchs die Bedrueckung; Niemand vernahm da$
eren
heutiges Tags andere Sachen dazu als Gelehrsamkeit.--
Sie werden warm, Herr Pastor!--Lieber, werther Herr
Pastor, lassen Sie uns den Faden unsers Streits nicht
verlieren.  Ich behaupte: es muessen keine Hauslehrer
in der Welt seyn!  das Geschmeis taucht den Teufel zu
Ich bin nicht hergekommeo mir Grobheiten sagen zu
lassen: ich bin auch Hauslehrer gewesen.  Ich habe die
Warten Sie; bleiben Sie, lieber Herr Pastor!  Behuete
mich der Himmel!  Ich habe Sie nicht beleidigen wollen
und wenn's wider meinen Willen geschehen ist, so bitt'
ich Sie tausendmahl um Verzeihung.  Es ist einmal meine
ueble Gewohnheit, dass ich gleich in Feuer gerathe, wenn
mir ein Gespraech interessant wird: alles uebrige
verschwinde mir denn aus dem Gesicht und ich sehe nur
den Gegenstand, von dem ich spreche.
Sie schuetten,--Verzeihen Sie mir, ich bin auch ein
Cholerikus, und rede gern von der Lunge ab.--Sie
schuetten das Kind mit dem Bade aus.  Hauslehrer taugen
zu nichts.--Wie koennen Sie mir das beweisen?  Wer soll
Euch jungen Her$
sehr stark. Er
stellte sich in einiger Entfernung hinter dem ahnungslosen Herrn auf,
so dass dieser ihn nicht sehen konnte, und hier machte er erst eine
grosse Faust und schwang sie drohend in der Luft herum, und nach
einiger Zeit machte er zwei Faeuste, und je laenger das Heidi neben
dem Herrn sitzen blieb, je schrecklicher ballte der Peter seine
Faeuste und streckte sie immer hoeher und drohender in die Luft hinauf
hinter dem Ruecken des Bedrohten.
Unterdessen war die Sonne dahin gekommen, wo sie steht, wenn man zu
Mittag essen muss; das kannte der Peter genau. Auf einmal schrie er
aus allen Kraeften zu den zweien hinueber:
"Man muss essen!"
Heidi stand auf und wollte den Sack herbeiholen, damit der Herr Doktor
auf dem Platze, wo er sass, sein Mittagsmahl abhalten koenne. Aber
er sagte, er habe keinen Hunger, er wuensche nur ein Glas Milch zu
trinken, dann wolle er gern noch ein wenig auf der Alp umhergehen
und etwas weiter hinaufsteigen. Da fand das Heidi,dann habe es auch
keinen Hunger und wolle auch nur$
 willst du dann zu mir
kommen nd bei mir bleiben? Kann ich denken, dass sich dann noch
jemand um mich kuemmern und mich liebhaben will?"
"Ja, ja, dann will ich sicher kommen, noch am gleichen Tag, und Sie
sind mir auch fast so lieb wie der Grossvater", versicherte das Heidi
noch unter fortwaehrendem Schluchzen.
Jetzt drueckte ihm der Herr Doktor noch einmal die Hand, dann setzte
er rasch seinen Weg fort. Das Heidi aber blieb auf derselben Stelle
stehen und winkte fort und fort mit seiner Hand, solange es nur noch
ein Puenktchen von dem forteilenden Herrn entdecken konnte. Als dieser
zum letztenmal sich umwandte und nach dem winkenden Heidi und der
sonnigen Alp zurueckschaute, sagte er leise vor sich hin: "Dort oben
ist's gut sein, da koennen Leib und Seele gesunden, und man wird
wieder seines Lebens froh."
Der Winter im Doerfli
Um die Almhuette lag der Schnee so hoch, dass es anzusehen war, als
staenden die Fenster auf dem flachen Boden, denn weiter unten war von
der ganzen Huette gar nichts zu sehen, auch d$
rn.
"So, nun vorwaerts!" sagte er vorangehend; "die4Geissen kommen mit
Das war dem Heidi eben recht. Einen Arm um Schwaenlis und einen um
Baerlis Hals gelegt, wanderte das Heidi hinter dem Grossvater her,
und die Geissen hatten solche Freude, einmal wieder mit dem Heidi
auszuziehen, dass sie es fast zusammendrueckten zwischen sich vor
lauter Zaertlichkeit.
Oben auf dem Weideplatze angelangt, sahen die Kommenden mit einemmal
da und dort an den Abhaengen die friedlich grasenden Geissen in
Gruppen stehen und mittendrin den Peter, der Laenge nach auf dem Boden
"Ein andermal will ich dir das Vorbeigehen vertreiben, Schlafpelz, was
heisst das?" rief ihm der Oehi zu.
Der Peter war bei dem Ton der bekannten Stimme aufgeschossen.
"War noch niemand auf", gab er zurueck.
"Hast du etwas von dem Stuhl gesehen?" frug der Oehi wieder.
"Von welchem?" rief der Peter stoerrisch zurueck.
Der Oehi sagte nichts mehr. Er breitete seine Tuecher an den sonnigen
Abhang hin, setzte Klara darauf und wollte wissen, ob's ihr so bequem
"S$
achte Ueberraschung so gut gelungen war bei der Grossmama und
immer noch fortwirkte.
Herr Sesemann hatte unterdessen seine Geschaefte in Paris beendet,
und auch er hatte vor, eine Ueberraschung zu bereiten. Ohne ein Wort
an seine Mutter zu schreiben, setzte er sich an einem der sonnigen
Sommermorgen auf die Eisenbahn und fuhr in einem Zuge bis nach Basel,
von wo er in aller Fruehe des folgenden Tages gleich wieder aufbrach,
denn es hatte ihn ein grosses Verlangen ergriffen, einmal wieder sein
Toechterchen zu sehen, von dem er nun den ganzen Sommer durch getrennt
gewese^ war. Im Bade Ragaz kam er einige Stunden nach der Abfahrt
seiner Mutter an.
Die Nachricht, dass sie eben heute die Reise nach der Alp unternommen
habe, kam ihm gerade recht. Sofort setzte er sich in einen Wagen und
fuhr nach Maienfeld hinueber. Als er da hoerte, dass er auch noch bis
zum Doerfli hinauffahren koenne, tat er dies, denn er dachte, die
Fusspartie den Berg hinauf werde ihm immer noch lang genug werden.
Herr Sesemann hatte sich nich$

GitEer der Stallungen fuehrend]: Das ist der kuerzeste Weg ins Freie.
Vielen Dank--es freut mich unendlich, dass ich Ihnen dienen konnte--,
leben Sie wohl!
Bluntschli: Aber meine Tasche?
Katharina: Sie wird Ihnen nachgeschickt werden, lassen Sie mir Ihre
Bluntschli: Gut, dann erlauben Sie.  [Er zieht seine
Visitenkartentasche, nimmt eine Karte heraus und will seine Adresse
aufschreiben, waehrend Katharina vor Ungeduld vergeht.  Als er ihr
eben die Karte einhaendigt, kommt Petkoff ohne Hut aus dem Hause
gelaufen, in gastfreundlicher Aufregung.  Sergius folgt ihm.]
Petkoff [die Treppe herunterlaufend]: Mein lieber Hauptmann
Katharina: Himmel!  [Sie sinkt neben der Mauer auf einen Stuhl.]
Petkoff [zu sehr beschaeftigt, um das zu bemerken, schuettelt
Bluntschli herzlich die Hand]: Meine dummen Dienstboten dachten, ich
waere hier draussen, statt--in der Bibliothek.  [Er kann die Bibliothek
nicht erwaehnen, ohne zu verraten, wie stolz er darauf ist.] Ich habe
Sie vom Fenster aus gesehen und wunderte mich, dass Sie$
 Jetzt ist er wie umgewandelt.  Erst fuehrt er
Hauptmann Bluntschli hierher, waehrend er doch ganz gut wusste, dass ich
in der--Bibliothek war, dann geht er hin und zerstoert Rainas
Pralinesoldaten.  Er muss...
[Nicola tritt oben auf den Stufen mit einer Reisetasche aus dem Hause
heraus, er geht die Stufen hinab,>stellt die Tasche ehrerbietig vor
Bluntschli auf die Erde und wartet auf weitere Befehle.  Allgemeines
Erstaunen.  Ahnungslos, was fuer eine Wirkung er hervorgerufen, sieht
Nicola sehr zufrieden mit sich aus.  Als Petkoff seine Sprache
wiedererlangt, bricht er los.]
Petkoff: Bist du verrueckt geworden, Nicola?
Nicola [erschrocken]: Gnaediger Herr...
Petkoff: Wozu bringst du das hierher?
Nicola: Auf Befehl der gnaedigen Frau, Herr Major, Louka sagte mir,
dass-Katharina [unterbricht ihn]: Auf meinen Befehl?  Warum sollte ich
dir befohlen haben, Hauptmann Bluntschlis Gepaeck hier herauszubringen?
Was faellt dir denn ein, Nicola?
Nicola [bleibt einen Augenblick unschluessig, dann hebt er das Gepaeck
auf $
leidigt und empoert auf die
Ottomane sinkt und abgewandt seinen Kopf zwischen die Faeuste nimmt,
sehr ruhig]: Ich habe Ihnen doch gesagt, Saranoff, dass Sie den
kuerzeren ziehen.
Sergius: Pantherkatze!^Raina [laeuft aufgeregt zu Bluntschli]: Sie hoeren, wie dieser Mensch
mich beschimpft, Hauptmann Bluntschli.
Bluntschli: Was soll er denn anfangen, verehrtes Fraeulein?  Irgendwie
muss er sich doch verteidigen.  [Mit viel Suada:] Gehen Sie; nicht
streiten! was nuetzt das?  [Raina setzt sich schwer atmend auf die
Ottomane, und nach vergeblicher Anstrengung, Bluntschli boese
anzusehen, faellt sie ihrem Sinn fuer Humor zum Opfer und kann sich
kaum des Lachens enthalten.]
Sergius: Verlobt mit Nicola!  [Er erhebt sich.] Haha!  [Geht nach dem
Ofen--steht mit dem Ruecken dagegen.] Jawohl, Bluntschli, Sie tun
wirklich gut daran, diese schwindelhafte Welt ruhig aufzufassen.
Raina [schelmisch zu Bluntschli, mit unwillkuerlichem Begreifen seines
Gedankenganges]: Mir scheint, Sie halten uns fuer zwei grosse Kinder.
Sergius$
hien zum Andenken schenkt?
Sergius [raetselvoll]: Die Welt ist kein so unschuldiger Ort, wie wir
frueher glaubten, Petkoff.
Bluntschli [sich erhebend]: Schon gut, Herr Major: ich bin der
Pralinesoldat.  [Petkoff und Sergius sind beide erstaunt.] Diese
liebenswuerdige junge Dame hat mir das Leben gerettet!  Sie gab mir
Schokolade, als ich am Verhungern war; werd5 ich jemals ihren Duft
vergessen!  Mein verstorbener Freund Stolz hat Ihnen die Geschichte
in Pirot erzaehlt--der Fluechtling bin ich!
Petkoff: Sie?  [Er schnappt nach Luft.] Sergius, erinnerst du dich,
wie sich die beiden Damen benommen haben, als wir die Geschichte
heute morgen erzaehlten?  [Sergius laechelt zynisch, Petkoff mustert
Raina strenge.] Du bist mir ein nettes Frauenzimmer, das muss ich
schon sagen!
Raina [bitter]: Major Saranoff hat seine Ansicht geaendert, und als
ich diese Worte auf mein Bild schrieb, da wusste ich nicht, dass
Hauptmann Bluntschli verheiratet ist.
Bluntschli [faehrt heftig protestierend auf]: Ich bin nicht
verheiratet!
$
hen weinte ueber seine Nachlaessigkeit. Die Mutter aber
sprach: "Tu' kuenftig das, was heute geschehen kann, sogleich heute
und verschiebe es niemals auf morgen!"
70. EIN RAETSEL.
Ratet, ratet, was ist das:
Es ist kein Fuchs und ist kein Has'.
Es hat zwei Augen und kann nicht sehen.
Es hat zwei Fuesse und kann nicht gehen.
Es hat zwei Ohren und kann nicht hoeren.
Es hat zwei Haende und kann sich nicht wehren.
Es ist ein Maedchen huebsch und fein,
Tut niemals zanken und niemals schrei'n.
Was fuer ein Maedchen mag das sein?
[Illustratjon]
71. WAS WUERDEST DU TUN?
"Wenn ich ein Koenig waere," sagte ein Kind, "liesse ich mir ein Schloss
bauen bis an die Wolken!"
"Und ich," sagte ein anderes, "truege nur Kleider von Silber und
"Und ich," rief ein dicker Bube, "ich aesse nur Kuchen und Wurst!"
"Ich," sagte ein kleines Maedchen und wurde ein wenig rot, "ich gaebe
allen armen Kindern Geld, dass sie sich Brot und Kleider kaufen
72. WAS WOLLEN WIR SPIELEN?
_Ella_: In fuenf Minuten ist Essenszeit,
       Noch schnell wa$
uer?
So weisst du schon, was ich zu melden kam?
Um Mitternacht brach's aus. Ich war der erste,
Der es bemerkte und die Wache rief.
Irr ich mich nicht, so weckte ich dich selbst!
Es ist geloescht! (Fuer sich.) So ist es also wahr,
Dass er verkleidet durch die Gassen schleicht,
Wenn andre schlafen! Hueten wir die Zunge,
Sie koennte seinem Ohr einmal begegnen.
Ich sah, als alles schon in Flammen stand,
Ein junges Weib durchs Fenster eines Hauses,
Das ganz betaeubt schien. Ward dies Weib gerettet?
Sie wollte nicht!
Herodes.                     Sie wollte nicht?
Sie whrte sich, als man sie mit Gewalt
Hinwegzubringen suchte, schlug mit Haenden
Und Fuessen um sich, klammerte am Bett,
Auf dem sie sass, sich fest und schrie, sie habe
Mit eigner Hand sich eben toeten wollen,
Nun komme ihr ein Tod von ungefaehr!
Sie wird verrueckt gewesen sein!
                          Wohl moeglich,
Dass sie's in ihrem Schmerz geworden ist!
Ihr Mann war augenblicks zuvor gestorben,
Der Leichnam lag noch warm in seinem Bett.
Herodes ($
nliebling! Und so schlecht und feig!
Erasmus raet den Zuerchern--niedrig Tun--
Mir zu verbieten, hier mich auszuruhn.
Mich aufzunehmen in des Gastes Recht,
Gefaehrlich sei's! Du kennst die Zuercher schlecht!
Das alles, weil ich, der du brav mir schienst,
Dich werben wollte fuer der Freiheit Dienst.
Mann, waeren nicht gezaehlt die Tage mir,
Zu Basel auf die Bude stieg' ich dir!
Ich zoege dich mit diesen Armen, glaub
Es mir, hervor aus deinem Buecherstaub.
Doch zittre nicht! dir sollte nichts geschehn,
Ich wuerde nur dir Aug in Auge sehn.
Dein edles Wissen, spraech' ich, liegt dir tot,
Du bietest Gold und wir beduerfen Brot!
Die Menge hungert, ahntest du es nie?
Hervor mit deinen Schaetzen! Saett'ge sie!
Dein Denken, spraech' ich, ist ein eitler Traum,
Waechst drangvoll nicht daraus ein LebenVbaum...
Was willst du? Weihrauch? Ehrerbietung? Gern.
Du bist ein grosses Licht, ein heller Stern!
Vor deinem Ruhme beugt der Hutten sich--
Nun aber, grosser Mann, ermanne dich!
Die Satyrmaske lege sie beiseit--
Ein offnes$
he und Wirkung entspraeche, so dass dieser Begriff also
ganz leer, nichtig und
ohne Bedeutung waere. Erscheinungen wuerden
nichtsdestoweniger unserer Anschauung Gegenstaende darbieten, denn die
Anschauung bedarf der Funktionen des Denkens auf keine Weise.
Gedaechte man sich von der Muehsamkeit dieser Untersuchungen dadurch
loszuwickeln, dass man sagte: Die Erfahrung boete unablaessig
Beispiele einer solchen Regelmaessigkeit der Erscheinungen dar, die
genugsam Anlass geben, den Begriff der Ursache davon abzusondern, und
dadurch zugleich die objektive Gueltigkeit eines solchen Begriffs zu
bewaehren, so bemerkt man nicht, dass auf diese Weise der Begriff der
Ursache gar nicht entspringen kann, sondern dass er entweder voellig
a priori im Verstande muesse gegruendet sein, oder als ein blosses
Hirngespinst gaenzlich aufgegeben werden muesse. Denn dieser Begriff
erfordert durchaus, dass etwas A von der Art sei, dass ein anderes B
daraus notwendig und nach einer schlechthin allgemeinen Regel folge.
Erscheinungen geb$
bgeben koennte. So wuerde z.B. Substanz, wenn man
die sinnliche Bestimmung der Beharrlichkeit wegliesse, nichts weiter
als ein Etwas bedeuten, das als Subjekt (ohne ein Praedikat von etwas
anderem zu sein) gedacht werden kann. Aus dieser Vorstellung kann
ich nun nichts machen, indem sie mir gar nich5 anzeigt, welche
Bestimmungen das Ding hat, welches als ein solches erstes Subjekt
gelten soll. Also sind die Kategorien, ohne Schemate, nur Funktionen
des Verstandes zu Begriffen, stellen aber keinen Gegenstand vor.
Diese Bedeutung kommt ihnen von der Sinnlichkeit, die den Verstand
realisiert, indem sie ihn zugleich restringiert.
Der transzendentalen Doktrin der Urteilskraft
(oder Analytik der Grundsaetze)
Zweites Hauptstueck
System aller Grundsaetze des reinen Verstandes
Wir haben in dem vorigen Hauptstuecke die transzendentale Urteilskraft
nur nach den allgemeinen Bedingungen erwogen, unter denen sie allein
die reinen Verstandesbegriffe zu synthetischen Urteilen zu brauchen
befugt ist. Jetzt ist unser Geschaeft$
oellig a priori moeglich sei,
das erfordert gar sehr unsere Pruefung, wenngleich der Augenschein
beweist, dass er wirklich und richtig sei, und man also der Frage,
wie er moeglich gewesen, ueberhoben zu sein glauben moechte. Denn es
gibt so mancherlei ungegruendete Anmassungen der Erweiterung unserer
Erkenntnis durch reine Vernunft: dass es zum allgemeinen Grundsatz
angenommen werden muss, deshalb durchaus misstrauisch zu sein, und
ohne Dokumente, die eine gruendliche Deduktion verschaffen koennen,
selbst auf den klarsten dogmatischen Beweis nichts dergleichen zu
glauben und anzunehmen.
Aller Zuwachs des empirischen Erkenntnisses, und jeder Fortschritt
der Wahrnehmung ist nichts, als eine Erweiterung der Bestimmung des
inneren Sinnes, d.i. ein Fortgang in der Zeit, die Gegenstaende moegen
sein, welchesie wollen, Erscheinungen, oder reine Anschauungen.
Dieser Fortgang in der Zeit bestimmt alles, und ist an sich selbst
durch nichts weiter bestimmt: d.i. die Teile desselben sind nur in
der Zeit, und durch die S$
hauung, wodurch uns
Gegenstaende gegeben werden, und, wenn wir vox der letzteren
abstrahieren, so haben die ersteren gar keine Beziehung auf irgendein
Objekt. Ja, wenn man auch eine andere Art der Anschauung, als diese
unsere sinnliche ist, annehmen wollte, so wuerden doch unsere
Funktionen zu denken in Ansehung derselben von gar keiner Bedeutung
sein. Verstehen wir darunter nur Gegenstaende einer nichtsinnlichen
Anschauung, von denen unsere Kategorien zwar freilich nicht gelten,
und von denen wir also gar keine Erkenntnis (weder Anschauung, noch
Begriff) jemals haben koennen, so muessen Noumena in dieser bloss
negativen Bedeutung allerdings zugelassen werden: da sie denn nichts
anderes sagen, als: dass unsere Art der Anschauung nicht auf alle
Dinge, sondern bloss auf Gegenstaende unserer Sinne geht, folglich
ihre objektive Gueltigkeit begrenzt ist, und mithin fuer irgendeine
andere Art Anschauung, und also auch fuer Dinge als Objekte derselben,
Platz uebrigbleibt. Aber alsdann ist der Begriff eines Noumenon
$
is, d.i. mit
derjenigen Bedingung, die selbst unbedingt ist. Auf diese Einteilung
gruendet sich auch der dreifache transzendentale Schein, der z. drei
Abschnitten der Dialektik Anlass gibt, und zu ebensoviel scheinbaren
Wissenschaften aus reiner Vernunft, der transzendentalen Psychologie,
Kosmologie und Theologie, die Idee an die Hand gibt. Wir haben es hier
nur mit der ersteren zu tun.
Weil wir beim Denken ueberhaupt von aller Beziehung des Gedankens
auf irgendein Objekt (es sei der Sinne oder des reinen Verstandes)
abstrahieren: so ist die Synthesis der Bedingungen eines Gedankens
ueberhaupt (no. 1) gar nicht objektiv, sondern bloss eine Synthesis
des Gedankens mit dem Subjekt, die aber faelschlich fuer eine
synthetische Vorstellung eines Objekts gehalten wird.
Es folgt aber auch hieraus: dass der dialektische Schluss auf die
Bedingungen alles Denkens ueberhaupt, die selbst unbedingt ist, nicht
einen Fehler im Inhalte begehe, (denn er abstrahiert von allem Inhalte
oder Objekte) sondern, dass er allein in de$
schlechterdings
unmoeglich. Ich werde auch nicht sagen: der Regressus von einer
gegebenen Wahrnehmung an, zu allen dem, was diese im Raume sowohl, als
der vergangenen Zeit, in einer Reihe begrenzt, geht ins Unendliche;
denn dieses setzt die unendliche Weltgroesse voraus; auch nicht:
sie ist endlich; denn die absolute Grenze ist gleichfalls empirisch
unmoeglich. Demnach werde ich nichts von dem ganzen Gegenstande der
Erfahrung (deriSinnenwelt), sondern nur von der Regel, nach welcher
Erfahrung ihrem Gegenstande angemessen, angestellt und fortgesetzt
werden soll, sagen koennen.
Auf die kosmologische Frage also, wegen der Weltgroesse, ist die erste
und negative Antwort: die Welt hat keinen ersten Anfang der Zeit und
keine aeusserste Grenze dem Raume nach.
Denn im entgegengesetzten Falle wuerde sie durch die leere Zeit
einer-, und durch den leeren Raum andererseits begrenzt sein. Da sie
nun, als Erscheinung, keines von beiden an sich selbst sein kann, denn
Erscheinung ist kein Ding an sich selbst, so muesste eine$
,
welche sonst nur mit der distributiven Einheit beschaeftigt sind.
Ich behaupte demnach: die transzendentalen Ideen sind niemals
von konstitutivem Gebrauche, so, dass dadurch Begriffe gewisser
Gegenstaede gegeben wuerden, und in dem Falle, dass man sie so
versteht, so sind es bloss vernuenftelnde (dialektische) Begriffe.
Dagegen aber haben sie einen vortrefflichen und unentbehrlich
notwendigen regulativen Gebrauch, naemlich den Verstand zu einem
gewissen Ziele zu richten, in Aussicht auf welches die Richtungslinien
aller seiner Regeln in einen Punkt zusammenlaufen, der, ob er zwar nur
eine Idee (focus imaginarius), d.i. ein Punkt ist, aus welchem die
Verstandesbegriffe wirklich nicht ausgehen, indem er ganz ausserhalb
den Grenzen moeglicher Erfahrung liegt, dennoch dazu dient, ihnen
die groesste Einheit neben der groessten Ausbreitung zu verschaffen.
Nun entspringt uns zwar hieraus die Taeuschung, als wenn diese
Richtungslinien von einem Gegenstande selbst, der ausser dem Felde
empirisch moeglicher Erkenntn$
bestimmen, und so bringt man alle
Materien auf die Erden (gleichsam die blosse Last), Salze und
brennliche Wesen (als die Kraft), endlich auf Wasser und Luft als
Vehikeln (gleichsam Maschinen, vermittelst deren die vorigen wirken),
um nach der Idee eines Mechanismus die chemischen Wirkungen der
Materien untereinander zu erklaeren. Denn, wiewohl man sich nicht
wirklich so ausdrueckt, so ist doch ein solcher Einfluss der Vernunft
auf die Einteilungen der Naturforscher sehr leicht zu entdecken.
Wenn die Vernunft ein Vermoegen ist, das Besondere aus dem Allgemeinen
abzuleiten, so ist entweder das Allgemeine schon an sich gewiss und
gegeben, und alsdann erfordert es nur Urteilskraft zur Subsumtion, und
das Besondere wird dadurch notwendig bestimmt. Dieses will ich den
apodiktischen Gebrauch djr Vernunft nennen. Oder das Allgemeine wird
nur problematisch angenommen, und ist eine blosse Idee, das Besondere
ist gewiss, aber die Allgemeinheit der Regel zu dieser Folge ist noch
ein Problem; so werden mehrere besondere $
nes Punkts ausdruecken,
weil sein Volumen hierbei nichts tut, und, ohne Verminderung der
Kraft, so klein, wie man will, und also auch als in einem Punkt
befindlich gedacht werden kann. Hieraus werde ich aber doch nicht
schliessen: dass, wenn mir nichts, wie die bewegende Kraft eines
Koerpers, ggeben ist, der Koerper als einfache Substanz gedacht
werden koenne, darum, weil seine Vorstellung von aller Groesse des
Raumesinhalts abstrahiert und also einfach ist. Hierdurch nun,
dass das Einfache in der Abstraktion vom Einfachen im Objekt ganz
unterschieden ist, und dass das Ich, welches im ersteren Verstande
gar keine Mannigfaltigkeit in sich fasst, im zweiten, da es die Seele
selbst bedeutet, ein sehr komplexen Begriff sein kann, naemlich sehr
vieles unter sich zu enthalten und zu bezeichnen, entdecke ich einen
Paralogismus. Allein, um diesen vorher zu ahnden, (denn ohne eine
solche vorlaeufige Vermutung wuerde man gar keinen Verdacht gegen den
Beweis fassen,) ist durchaus noetig, ein immerwaehrendes Kriterium d$
sen Begriff
an sich ein Sein enthaelt, und bedeutet nichts als die Synthesis in
einem empirischen Bewusstsein ueberhaupt. In dem inneren Sinn naemlich
kann das empirische Bewusstsein von O bis zu jedem groesseren Grade
erhoeht werden, so dass eben dieselbe extensive Groesse der Anschauung
(z.B. erleuchtete Flaeche) so grosse Empfindung erregt, als ein
Aggregat von vielem anderen (minder erleuchteten) zusammen. Man
kann also von der extensiven Groesse der Erscheinung gaenzlich
abstrahieren, und sich doch an der blossen Empfindung in einem Moment
eine Synthesis der gleichfoermigen Steigerung von O bis zu dem
gegebenen empirischen Bewusstsein vorstellen. Alle Empfindungen werden
daher, als solche, zwar nur a priori gegeben, aber die Eigenschaft
derselben, dass sie einen Grad haben, kann a priori erkannt werden.
Es ist merkwuerdig, dass wir an Groessen uebe#haupt a priori nur eine
einzige Qualitaet, naemlich die Kontinuitaet, an aller Qualitaet
aber (dem Realen der Erscheinungen) nichts weiter a priori, als die
i$
in der Erfahrung die Folge (einer Begebenheit, da etwas
geschieht, was vorher nicht war) dem Objekt beilegen, und sie von der
subjektiven unserer Apprehension unterscheiden, als wenn eine Regel
zum Grunde liegt, die uns noetigt, diese Ordnung der Wahrnehmungen
vielmehr als eine andere zu beobachten, ja dass diese Noetigung
es eigentlich sei, was die Vorstellung einer Sukzession im Objekt
allererst moeglich macht.
Wir haben Vorstellungen in uns, deren wir uns auch bewusst werden
koennen. Dieses Bewusstsein aber mag so weit erstreckt, und so genau
Bder puenktlich sein, als man wolle, so bleiben es doch nur immer
Vorstellungen, d.i. innere Bestimmungen unseres Gemuets in diesem oder
jenem Zeitverhaeltnisse. Wie kommen wir nun dazu, dass wir diesen
Vorstellungen ein Objekt setzen, oder ueber ihre subjektive Realitaet,
als Modifikationen, ihnen noch, ich weiss nicht, was fuer eine,
objektive beilegen? Objektive Bedeutung kann nicht in der Beziehung
auf eine andere Vorstellung (von dem, was man vom Gegenstande nenn$
er Realitaet (omnitudo
realitatis). Alle wahren Verneinungen sind alsdann nichts als
Schranken, welches sie nicht genannt werden koennten, wenn nicht das
Unbeschraenkte (das All) zum Grunde laege.
Es ist aber auch durch diesen Allbesitz der Realitaet der Begriff
eines Dinges an sich selbst, als durchgaengig bestimmt, vorgestellt,
und der Begriff eines entis realissimi ist der Begriff eines einzelnen
Wesens, weil von allen moeglichen entgegengesetzten Praedikaten eines,
naemlich das, was zum Sein schlechthin gehoert, in seiner Bestimmung
angetroffen wird. Also ist es ein transzendentales Ideal, welches der
durchgaengigen Bestimmung, die notwendig bei allem, was existiert,
angetroffen wird, zum Grunde liegt, und die oberste und vollstaendige
materiale Bedingung seiner Moeglichkeit ausmbcht, auf welcher alles
Denken der Gegenstaende ueberhaupt ihrem Inhalte nach zurueckgefuehrt
werden muss. Es ist aber auch das einzige eigentliche Ideal, dessen
die menschliche Vernunft faehig ist; weil nur in diesem einzigen Fal$
rau aus einer Nische wie zu einem Fenster heraussieht.
Da stehen Vater und Mutter, den Sohn in der Mitte, einander mit
unaussprechlicher Natuerlichkeit anblickend.  Hier reicht sich ein Paar
die Haende.  Hier scheint ein Vater, auf seinem Sofa ruhend, von der
Familie unterhalten zu werden.  Mir war die unmittelbare Gegenwart
dieser Steine hoechst ruehrend.  Von spaeterer Kunst sind sie, aber
einfach, natuerlich und allgemein ansprechend.  Hier ist kein
geharnischter Mann auf den Knieen, der eine froehliche Auferstehung
erwartet.  Der Kuenstler hat mit mehr oder weniger Geschick nur die
einfache Gegenwart der Menschen hingestellt, ihre Existenz dadurch
fortgesetzt und bleibend gemacht.  Sie falten nicht die Haende, schauen
nicht in den Himmel, sondern sie sind hienieden, was sie waren und was
sie sind.  Sie stehen beisammen, nehmen Anteil aneinander, lieben sich,
und dasist in den Steinen sogar mit einer gewissen
Handwerksunfaehigkeit allerliebst ausgedrueckt.  Ein sehr reich
verzierter marmorner Pfeiler gab $
Es verdient allerdings, einen besondern Ursprung zu haben,
denn es gibt einen Begriff von dem ganzen Werte des Meisters.  Seine
grosse Kunst, ohne einen allgemeinen Ton, der ueber das ganze Stueck
gezogen waere, durch kunstreich verteiltes Licht und Schatten und
ebenso weislich abwechselnde Lokalfarben die koestlichste Harmonie
hervorzubringen, ist hier recht sichtbar, da das Bild vollkommen
erhalten und frisch wie von gestern vor uns steht; denn freilich,
sobald ein Gemaelde dieser Art gelitten hat, wird unser Genuss sogleich
getruebt, ohne dass wir wissen, was die Ursache sei.
Wer mit dem Kuenstler w{gen des Kostuems rechten wollte, der duerfte sich
nur sagen, es habe eine Geschichte des sechzehnten Jahrhunderts gemalt
werden sollen, und so ist alles abgetan.  Die Abstufung von der Mutter
durch Gemahlin und Toechter ist hoechst wahr und gluecklich; die juengste
Prinzess, ganz am Ende knieend, ist ein huebsches Maeuschen und hat ein
gar artiges, eigensinniges, trotziges Gesichtchen; ihre Lage scheint
ihr gar$
r beurteilen.  Ich habe dabei mehr gelernt als getan.
Mit dem Stuecke selbst erfolgen noch einige Bemerkungen.
Den 6. Januar.
Dass ich auch einmal wieder von kirchlichen Dingen rede, so will ich
erzaehlen, dass wir die Christnacht herumschwaermten und die Kirchen
besuchten, wo Funktionen gehalten werden.  Eine besonders ist sehr
besucht, deren Orgel und Musik ueberhaupt so eingerichtet ist, dass zu
einer Pastoral-Musik nichts an Klaengen abgeht, weder die Schalmeien
der Hirten, noch das Zwitschern der Voegel, noch das Bloeken der Schafe.
Am ersten Christfeste sah ich den Papst und die ganze Klerisei in der
Peterskirche, da er zum Teil vor dem Thron, zumTeil vom Thron herab
das Hochamt hielt.  Es ist ein einziges Schauspiel in seiner Art,
praechtig und wuerdig genug, ich bin aber im protestantischen
Diogenismus so alt geworden, dass mir diese Herrlichkeit mehr nimmt als
gibt; ich moechte auch wie mein frommer Vorfahre zu diesen geistlichen
Weltueberwindern sagen: "Verdeckt mir doch nicht die Sonne hoeherer
Ku$
recht in eine Gegend, welche ganz
Das Schloss, wahrhaft koeniglich, schien mir nicht genug belebt, und
unsereinem koennen die ungeheuern leeren Raeume nicht behaglich
vorkommen.  Der Koenig mag ein aehnliches Gefuehl haben, denn es ist im
Gebirge fuer eine Anlage gesorgt, die, enger an den Menschen sich
anschliessend, zur Jagd--und Lebenslust geeignet ist.
Caserta, Donnerstag, den 15. Maerz.
Hackert wohnt im alten Schlosse gar behaglich, es ist raeumlich genug
fur ihn und Gaeste.  Immerfort beschaeftigt mit Zeichnen oder Malen,
bleibt er doch gesellig und weiss die Menschen an sich zu ziehen, indem
er einen jeden zu seinem Schueler macht.  Auch mich hat er ganz
gewonnen, indem er mit meiner Schwaeche Geduld hat, vor allen Dingen
auf Bestimmtheit der Zeichnung, sodann auf Sicherheit und Klarheit der
Haltung dringt.  Drei Tinten stehen, wenn er tuscht, immer bereit, und
indem er von hinten hervorarbeitet und eine nach der andern braucht,
so entsteht ein Bild, man weiss nicht, woher es kommt.  Wenn es nur so
le$
gen sollte, als es durch die Herausgabe jenes Auszugs aus den
Prozessakten geschehen ist!  Denn obgleich diese Schrift weit
interessanter sin koennte und sollte, so bleibt sie doch immer ein
schoenes Dokument in den Haenden eines jeden Vernuenftigen, der es mit
Verdruss ansehen musste, dass Betrogene, Halbbetrogene und Betrueger
diesen Menschen und seine Possenspiele jahrelang verehrten, sich durch
die Gemeinschaft mit ihm ueber andere erhoben fuehlten und von der Hoehe
ihres glaeubigen Duenkels den gesunden Menschenverstand bedauerten, wo
nicht geringschaetzten.
Wer schwieg nicht gern waehrend dieser Zeit?  Und auch nur jetzt,
nachdem die ganze Sache geendigt und ausser Streit gesetzt ist, kann
ich es ueber mich gewinnen, zu Komplettierung der Akten dasjenige, was
mir bekannt ist, mitzuteilen.
Als ich in dem Stammbaume so manche Personen, besonders Mutter und
Schwester, noch als lebend angegeben fand, bezeigte ich dem Verfasser
des Memoire meinen Wunsch, sie zu sehen und die Verwandten eines so
sonderbaren $
 Teil freu' ich mich seht.  Hebet mir ihn auf, bis
ich sagen kann, wo er mir begegnen soll.  Er wird gewiss den schoenen
Traumwunsch der Menschheit, dass es dereinst besser mit ihr werden
solle, trefflich ausgefuehrt haben.  Auch, muss ich selbst sagen, halt'
ich es fuer wahr, dass die Humanitaet endlich siegen wird, nur fuercht'
ich, dass zu gleicher Zeit die Welt ein grosses Hospital und einer des
andern humaner Krankenwaerter sein werde.
Neapel, den 28. Mai 1787
Der gute und so brauchbare Volkmann noetigt mich, von Zeit zu Zeit von
seiner Meinung abzugehen.  Er spricht z.  B., dass dreissig--bis
vierzigtausend Muessiggaenger in Neapel zu finden waeren, und wer
spricht's ihm nicht nach!  Ich vermutete zwar sehr bald nach einiger
erlangter Kenntnis des suedlichen Zustandes, dass dies wohl eine
nordische Ansicht sein moechte, wo man jeden fuer einen Muessiggaenger haelt,
der sich nicht den ganzen Tag aengstlich abmueht.  Ich wendete deshalb
vorzuegliche Aufmerksamkeit auf das Volk, es mochte sich beweqen oder$

Papst in der Naehe des Platzes Navona ein Kloster als eigentuemlich
anwies, welches, von Grund aus neu gebaut, eine gute Anzahl frommer
Genossen aufnehmen konnte.  Hier blieb es jedoch bei der frueheren
Einrichtung, Gotteswort, das will sagen heilig edle Gesinnungen dem
gemeinen Verstande sowie dem gemeinen Alltagsleben anzunaehern und
eigen zu machen.  Man versammelte sich nach wie vor, betete, vernahm
einen Text, hoerte darueber sprechen, betete und ward zuletzt durch
Musik ergoetzt, und was damals oefter, ja taeglich geschah, geschieht
jetzt noch Sonntags, und gewiss wird jeder Reisende, der naehere
Kenntnis von dem heiligen Stifter genommen, sich kuenftighin, diesen
unschuldigen Funktionen beiwohnend, vorzueglich erbauen, wenn er
dasjenige, was wir vorgetragen haben und zunaechst mitteilen, in Gemuet
und Gedanke vorueberwalten laesst.
Hier sind wir nun in dem Falle, in Erinnerung zu bringen, dass diese
ganze Anstalt noch immer ans Weltliche g:enzte.  Wie denn nur wenige
unter ihnen sich dem eigentlichen $
 aufgehalten werden.
Diese Abendspazierfahrt, welche in allen grossen italienischen Staedten
brillant ist und in jeder kleinen Stadt, aere es auch nur mit einigen
Kutschen, nachgeahmt wird, lockt viele Fussgaenger in den Korso;
jedermann kommt, um zu sehen oder gesehen zu werden.
Das Karneval ist, wie wir bald bemerken koennen, eigentlich nur eine
Fortsetzung oder vielmehr der Gipfel jener gewoehnlichen sonn--und
festtaegigen Freuden; es ist nichts Neues, nichts Fremdes, nichts
Einziges, sondern es schliesst sich nur an die roemische Lebensweise
ganz natuerlich an.  Klima, geistliche Kleidungen
Ebensowenig fremd wird es uns scheinen, wenn wir nun bald eine Menge
Masken in freier Luft sehen, da wir so manche Lebensszene unter dem
heitern frohen Himmel das ganze Jahr durch zu erblicken gewohnt sind.
Bei einem jeden Feste bilden ausgehaengte Teppiche, gestreute Blumen,
uebergespannte Tuecher die Strassen gleichsam zu grossen Saelen und
Galerien um.
Keine Leiche wird ohne vermummte Begleitung der Bruederschaften$

verschwunden, das Volk draengt zu und fuellt die Laufbahn wieder aus.
Schon warten andere Stallknechte am venezianischen Palaste auf die
Ankunft der Pferde.  Man weiss sie in einem eingeschlossenen Bezirk auf
gute Art zu fangen und festzuhalten.  Dem Sieger wird der Preis
So endigt sich diese Feierlichkeit mit einem gewaltsamen,
blitzschnellen, augenblicklichen Eindruck, auf den so<viele tausend
Menschen eine ganze Weile gespannt waren, und wenige koennen sich
Rechenschaft geben, warum sie den Moment erwarteten, und warum sie
sich daran ergoetzten.
Nach der Folge unserer Beschreibung sieht man leicht ein, dass dieses
Spiel den Tieren und Menschen gefaehrlich werden koenne.  Wir wollen nur
einige Faelle anfuehren: Bei dem engen Raume zwischen den Wagen darf nur
ein Hinterrad ein wenig herauswaerts stehen und zufaelligerweise hinter
diesem Wagen ein etwas breiterer Raum sein.  Ein Pferd, das mit den
andern gedraengt herbeieilt, sucht den erweiterten Raum zu nutzen,
springt vor und trifft gerade auf das herauss$
en abzuspiegeln, und uns noch ein Punkt zum voelligen Schluss des
Zirkels fehlt, so koennen wir statt der Bildungskraft nur
Empfindungsfaehigkeit fuer das Schoene haben: jeder Versuch, es ausser uns
wieder darzustellen, wuerde uns misslingen und uns desto unzufriedner
mit uns selber machen, je naeher unser Empfindungsvermoegen fuer das
Schoene an das uns mangelnde Bildungsvermoegen grenzt.
Weil naemlich das Wesen des Schoenen eben in seiner Vollendung in sich
selbst besteht, so schadet ihm der letzte fehlende Punkt so viel als
tausend, denn er verrueckt alle uebrigen Punkte aus der Stelle, in
welche sie gehoeren.--Und ist dieser Vollendungspunkt einmal verfehlt,
so verlohnt ein Werk der Kunst nicht der Muehe des Anfangs und der Zeit
seines Werdens; es faellt unter das Schlechte bis zum Unnuetzen herab,
und sein Dasein muss notwendig durch die Vergessenheit, worin es sinkt,
sich wieder aufheben.
Ebenso schadet auch dem in das einere Gewebe der Organisation
gepflanzten Bildungsvermoegen der letzte zu seiner Vo$
nste ueben sie, verruchte,
Mit Bildern, Zeichen, Spruechen, boesen Traenken
Die in der Brust des Menschen Herz verkehren
Und seinen Willen machen untertan.
Umgeben sind wir rings von Zaubereien,
Allein wir selber sind die Zauberer.
Was weit entfernt, bringt ein Gedanke nah,
Was wir verschmaeht, scheint andrer Zeit uns hold,
Und in der Welt voll offenbarer Wunder
Sind wir das groesste aller Wunder selbst.
Sie hat dein Bild.
Sie soll es wiedergeben
Und heften will ich's sichtlich an die Wand
Und drunter schreiben fuer die spaeten Enkel:
Ein Koenig, der an sich nicht gar so schlimm,
Hat seines Amts und seiner Pflicht vergessen.
Gott sei gedankt, dass er sich wiederfand.
Allein du selber traegst an deinem Hals--
Ja so! ihr Bild? Ward dir das auch schon kund?
(Er nimmt das Bild mit der Kette vom Halse und legt es auf den Tisch
rechtsim Vorgrunde.)
So leg ich es denn hin, und moeg' es liegen
Ein Blitz, der nicht mehr schaedlich nach dem Donner.
Das Maedchen aber selbst, sie sei entfernt!
Mag dann mit einem Mann si$
ja gesagt, was darin steht.  Wie leicht koennte
Chrysander nicht argwoehnen--
Anton.  Ja, ja, mein Aeffchen, ich merk es schon; du willst die
Kastanien aus der Asche haben und brauchst Katzenpfoten dazu.
Lisette.  Je nun, mein liebes Katerchen, tu es immer!
Anton.  Wie sie es einem ans Herze legen kann!  Liebes Katerchen!  Gib
nur her, den Brief; gib nur!
Lisette.  Da, mein unvergleichlicher Anton--
Anton.  Aber es hat doch mit der Ausstattung seine Richtigkeit?--
Lisette.  Verlass dich drauf--
Anton.  Und mit meiner Belohnung obendrein?--
Lisette.  Desgleichen.
Anton.  Nun wohl, der Brief ist uebergeben!
Lisette.  Aber so bald als moeglich--
Anton.  Wenn u willst, jetzt gleich.  Komm!--Potz Stern! wer
koemmt?--Zum Henker, es ist Damis.
Zweiter Auftritt
Damis.  Anton.  Lisette.
Damis.  Wo bleibt denn der Schlingel mit dem Buche?
Anton.  Ich wollte gleich, ich wollte--Lisette und--Kurz, ich kann es
nicht finden, Herr Damis.
Damis.  Nicht finden?  Ich habe dir ja gesagt, auf welcher Hand es
Anton.  Auf der rec$
werste, was jemals zum
Behufe der Metaphysik unternommen werden konnte". - Man verstehe doch
dies "werden konnte"! er war stolz darauf, im Menschen ein neues
Vermoegen, das Vermoegen zu synthetischen Urteilen a priori, entdeckt
zu haben. Gesetzt, dass er sich hierin selbst betrog: aber die
Entwicklung und rasche Bluethe der deutschen Philosophie haengt an
diesem Stolze und an dem Wetteifer aller Juengeren, womoeglich noch
Stolzeres zu entdecken - und jedenfalls "neue Vermoegen"! - Aber
besinnen wir uns: es ist an der Zeit. Wie sind synthetische Urtheile a
priori moeglich? fragte sich Kant, - und was antwortete er eigentlich?
Vermoege eines Vermoegens: leider aber nicht mit drei Worten, sondern
so umstaendlich, ehrwuerdig und mit einem solchen Aufwande von
deutschem Tief- und Schnoerkelsinne, dass man die lustige niaiserie
allemande ueberhoerte, welche in einer solchen Antwort steckt. Man war
sogar ausser sich ueber dieses njue Vermoegen, und der Jubel kam auf
seine Hoehe, als Kant auch noch ein moralisches Ve$
ist, dass ein vermaennlichtes Weib
es in zuegelloser Anmaassung wagen durfte, die Deutschen als sanfte
herzensgute willensschwache und dichterische Toelpel dr Theilnahme
Europa's zu empfehlen. Man verstehe doch endlich das Erstaunen
Napoleon's tief genug, als er Goethen zu sehen bekam: es verraeth, was
man sich Jahrhunderte lang unter dem "deutschen Geiste" gedacht hatte.
"Voila un homme!" - das wollte sagen: Das ist ja ein Mann! Und ich
hatte nur einen Deutschen erwartet! - -
Gesetzt also, dass im Bilde der Philosophen der Zukunft irgend ein Zug
zu rathen giebt, ob sie nicht vielleicht, in dem zuletzt angedeuteten
Sinne, Skeptiker sein muessen, so waere damit doch nur ein Etwas an
ihnen bezeichnet - und nicht sie selbst. Mit dem gleichen Rechte
duerften sie sich Kritiker nennen lassen; und sicherlich werden es
Menschen der Experimente sein. Durch den Namen, auf welchen ich sie zu
taufen wagte, habe ich das Versuchen und die Lust am Versuchen schon
ausdruecklich unterstrichen: geschah dies deshalb, weil sie,$
bsicht in der
Sprache hinzuhorchen? Man hat zuletzt eben "das Ohr nicht dafuer": und
so werden die staerksten Gegensaetze des Stils nicht gehoert, und die
feinste Kuenstlerschaft ist wie vor Tauben verschwendet. - Dies waren
meine Gedanken, als ich merkte, wie man plump und ahnungslos zwei
Meister in der Kunst der Prosa mit einander verwechselte, Einen, dem
die Worte zoegernd und kalt herabtropfen, wie von der Decke einer
feuchten Hoehle - er rechnet auf ihren dumpfen Klang und Wiederklang
- und einen Anderen, der seine Sprache wie einen biegsamen Degen
handhabt und vom Arme bis ur Zehe hinab das gefaehrliche Glueck der
zitternden ueberscharfen Klinge fuehlt, welche beissen, zischen,
schneiden will. -
Wie wenig der deutsche Stil mit dem Klange und mit den Ohren zu thun
hat, zeigt die Thatsache, dass gerade unsre guten Musiker schlecht
schreiben. Der Deutsche liest nicht laut, nicht fuer's Ohr, sondern
bloss mit den Augen: er hat seine Ohren dabei in's Schubfach gelegt.
Der antike Mensch las, wenn er las - es$
ng
mich--vergib--deine Luise haette den Tod vorgezogen--aber mein
Vater--die Gefahr--sie machten es listig.
Ferdinand (schrecklich emporgeworfen).  Gelobet sei Gott! noch spuer'
und das Gift nicht.  (Er reisst den Degen heraus.)
Luise (von Schwaeche zu Schwaeche sinkend).  Weh!  as beginnst du?  Es
ist dein Vater-Ferdinand (im Ausdruck der unbaendigsten Wuth).  Moerder
und Moerdervater!--Mit muss er, dass der Richter der Welt nur gegen den
Schuldigen rase.  (Will hinaus.)
Luise.  Sterbend vergab mein Erloeser--Heil ueber dich und ihn (Sie
Ferdinand (kehrt schnell um, wird ihre letzte sterbende Bewegung
gewahr und faellt in Schmerz aufgeloest vor der Todten nieder).  Halt!
Halt!  Entspringe mir nicht, Engel des Himmels!  (Er fasst ihre Hand
an und laesst sie schnell wie fallen.)  Kalt, kalt und feucht!  Ihre
Seele ist dahin.  (Er springt wieder auf.)  Gott meiner Luise!  Gnade!
Gnade dem verruchtesten der Moerder!  Es war ihr letztes Gebet!--Wie
reizend und schoen auch ihr Leichnam!  Der geruehrte Wuerger gin$
twortet er.  Wann? fragt sie.
Wo?--"In der Silvesternacht, wenn das neue Jahr eintritt; da wird er
mich zu ihr fuehren." Wer? fragt sie, Lieber; zu wem?  "Der Engel",
spricht er, "zu meinem Maedchen"--wendet sich und schlaeft ein.
Kunigunde.  Geschwaetz!
Rosalie.  Hoert sie nur weiter.--Nun?
Brigitte.  Drauf in der Silvesternacht, in dem Augenblick, da eben
das Jahr wechselt, hebt er sich halb vom Lager empor, starrt, als ob
er eine Erscheinung haette, ins Zimmer hinein, und, indem er mit der
Hand zeigt: "Mutter!  Mutter!  Mutter!" spricht er.  Was gibts? fragt
sie.  "Dort!  Dort!" Wo?  "Geschwind!" spricht er.--Was?--"Den Helm!
Den Harnisch!  Das Schwert!"--Wo willst du hin? fragt die Mutter.
"Zu ihr", spricht er, "zu ihr.  So! so! so!" und sinkt zurueck; "Ade,
Mutter ade!" stre9kt alle Glieder von sich, und liegt wie tot.
Kunigunde.  Tot?
Rosalie.  Tot, ja!
Kunigunde.  Sie meint, einem Toten gleich.
Rosalie.  Sie sagt, tot!  Stoert sie nicht.--Nun?
Brigitte.  Wir horchten an seiner Brust: es war so still da$
n anfangs, die Ruhe des Hauses nicht durch sein
lautes Schelten zu stoeren, und als er fortfuhr und die Entfernung des
Maedchens begehrte, da erklaerte sie mit steigender Waerme: Ihr gebuehre,
ueber das Verhalten ihrer Dienerinnen zu richten* sie selbst werde
untersuchen und entscheiden. Der Graf, ausser sich, zog das Maedchen
vom Boden auf, sie gewaltsam aus dem Zimmer zu bringen, aber Elga
sprang hinzu, ergriff des Maedchens andere Hand, riss sie zu sich, indem
sie ausrief: Nun denn, so stoss auch mich aus dem Hause, denn darauf
ist es doch wohl abgesehen! dass ich frueher dich so gekannt!
Unglueckliche, die ich bin! fuhr sie laut weinend fort; gekraenkt,
misshandelt! Aber schuldlose Diener sollen nicht um meinetwillen
leiden! Dabei zeigte sie dem Maedchen mit dem Finger auf die Tuere
ihres Schlafgemaches; diese verstand den stummen Befehl und ging eilig
hinein. Elga folgte und schloss die Tuere hinter sich ab.
Starschensky stand wie vom Donner getroffen. Einmal raffte er sich
empor und ging auf das Zimmer $
ondern eben--ein Gefuehl der Komik.
Es ist also fuer _Groos_ nicht nur ein auf mich bezogenes Gefuehl ein aufs
Objekt bezogenes, sondern es ist auch das Gefuehl der Ueberegenheit
identisch mit einem Gefuehl der Komik. Das Gefuehl meiner Ueberlegenheit ist
eine Art des Gefuehles der Erhabenheit, naemlich meiner Erhabenheit. Das
Gefuehl der Komik aber ist das Gegenteil jedes Gefuehles der Erhabenheit.
Fuer _Groos_ sind beide identisch. Das ist eine zu starke Zumutung.
Achten wir schliesslich auch noch--auch sonst erweist sich dergleichen
als nuetzlich--auf die objektiv gegebenen Thatsachen. Fragen wir zunaechst,
wer denn das Gefuehl der Ueberlegenheit ueber wirkliche oder vermeintliche
Verkehrtheiten zu haben, und wer andererseits dem Gefuehl der Komik
hingegeben zu sein und ueber das Komische herzlich zu lachen pflegt. Dann
erscheint _Groos'_ Theorie in demselben seltsamen Lichte.
Jene "Ueberlegenen", das sind die Suffisanten, die Eitlen, die Gecken.
Ihnen ist alles ein Mittel sich ueberlegen zu fuehlen. Ihne$
 worauf sie will. Sie muss ueberall entstehen
genau aus demselben Grunde, aus dem sie bei der Persoenlichkeit entsteht.
Dieselben psychologischen Ursachen muessen ueberall denselben
psychologischen Erfolg haben.
Freilich ist ja zuzugeben, dass es keine wirkliche oder geliehene
Erhabenheit giebt, die hoeher steht als die der Person. Andrerseits ist
sicher, dass wir ueberall der Neigung unterliegen, Ausserpersoenliches und
Aussermenschliches zu vermenschlichen; und es ist ein grosses Verdienst
_Vischer_'s und _Lotze_'s, auf diese Vermenschlichung so eindringlich
hingewiesen haben. Auch das kleine Haeuschen in der Reihe der Palaeste oder
das unbedeutende Geraesch, das an die Stelle des erwarteten lauten
Getoeses tritt, wird unserer Phantasie nach Analogie eines menschlichen
Wesens erscheinen, das zu sein glaubt, oder gerne sein moechte, was es
nicht ist. Damit _erhoeht_ sich der Eindruck der erwarteten Erhabenheit,
und der gegensaetzliche Eindruck der Nichtigkeit; es verstaerkt sich
zugleich das Gefuehl der Kom$
andlung oder Aeusserung ist also fuer uns klug und unklug,
oder allgemein gesagt, bedeutungsvoll und nichtig zugleich je nach dem
Standpunkte unserer Betrachtung. Und daraus kann das Gefuehl der Komik
sich ergeben. Dagegen muesste es nach dem Wortlaut der _Hecker_'schen
Bestimmung auch naiv-komisch erscheinen, wenn ein Kind ein Rechenexempel
teilweise richtig rechnete, dann aber aus verzeihlicher Unkenntnis einer
Rechenregel einen Fehler beginge.
Ebenso sind in der _Hecker_'schen Erklaerung des "_Naiven_" gewisse naive
Momente richtig bezeichnet, wenn wir annehmen, dass die "Unschuld und
Reinheit", die uns in der naiven Aeusserung entgegentritt, zugleich die
unlogische, unzweckmaessige, unschickliche Aeusserung fuer den Standpunkt der
naiven Persoenlichkit _rechtfertigt_, d. h. von diesem Standpunkte aus
als eine logische, zweckmaessige, schickliche erscheinen laesst.--Aber
freilich diese Annahme bezeichnet, ebenso wie die obige Korrektur der
Bestimmung des Pseudonaiven das eigentlich Wesentliche der Sache.-$
r und zugleich allgemeiner gesagt, dass
"Possenhaft" nicht ein Praedikat der _Komik_, oder des Komischen als
solchen ist, sondern vielmehr ein Praedikat, durch welches wir das auf
Hervorbringung des komischen Effektes abzielende und zur Erreichung
dieses Zieles bestimmte Mittel anwendende, bewusste menschliche _Thun_
bezeichnen. Possenhaft ist nicht das Opfer eines Streiches, sondern der
Streich; nicht die Dummheit, die der Clown fingiert, sondern dies sein
Spiel; nicht das in Wort oder Bild dargestellte Verlachenswerte, sondern
diese Darstellung; zugleich doch wiederum diese Darstellung nicht als
solche, sondern sofern sie diesen bestimmten Inhalt hat, oder mit diesem
Mittel disen bestimmten komischen Effekt hervorbringt.
Dieser possenhaften Komik tritt dann zur Seite die "_burleske_". Auch
"Burlesk" ist nicht eine Bezeichnung fuer eine bestimmte Art des
Komischen, sondern fuer eine Weise etwas komisch erscheinen zu lassen oder
eine Weise der Darstellung mit komischem Inhalt oder Effekt. Und zwar
erscheint $
n,
Wenn nur, wie eben jetzt, der Sturmwind schweigt.
Ich ward am Meerstrand in der Stadt geboren,
Wo Seinen Lauf der Po zur Ruhe lenkt,
Bald mit dem Flussgefolg im Meer verloren.
Die Liebe, die in edles Herz sich senkt,
Fing diesen durch den Leib, den Liebreiz schmueckte,
Der mir geraubt ward, wie's noch jetzt mich kraenkt.
Die Liebe, die Geliebte stets berueckte,
Ergriff fuer diesen mich mit solchem Brand,
Dass, wie du stehst, kein Leid ihn unterdrueckte.
Die Liebe hat uns in ein Grab gesandt--
Kaina harret des, der uns erschlagen."
Der Schatten sprach's, uns klaeglich zugewandt.
Vernehmend der bedraengten Seelen Klagen,
Nyigt' ich mein Angesicht und stand gebueckt.
Was denkst du? hoert' ich drauf den Dichter fragen.
Weh, sprach ich, welche Glut, die sie durchzueckt,
Welch suesses Sinnen, liebliches Begehren
Hat sie in dieses Qualenland entrueckt?
Drauf saeumt' ich nicht, zu jener mich zu kehren.
"Franziska," So begann ich nun, "dein Leid
Draengt mir ins Auge fromme Mitleidszaehren.
Doch sage mir: In suesser$
en,
Und fanden Plutus dort, den grossen Feind.
Siebenter Gesang
Aleph, Pape Satan, Pape Satan!
Erhob, rauh kluchzend, Plutus seine Stimme.
Und er, der alles wohl verstand, begann:
"Getrost, nicht fuerchte dich vor seinem Grimme,
Durch alle seine Macht wird's nicht verwehrt,
Dass ich mit dir den Felsen niederklimme."
Und dann, zu dem geschwollnen Mund gekehrt,
Rief er: "Wolf, schweige, du Vermaledeiter!
Von deiner Wut sei in dir selbst verzehrt!
Wir gehn nicht ohne Grund zur Tiefe weiter,
Dort will man's, dort, wo eins den Stolz mit Schmach
Gezuechtigt Michael, der Himmelsstreiter."
Gleichwie die Segel, wenn der Mast zerbrach,
Erst aufgeblaeht zum Knaeuel niederrollen,
So fiel das Untier, das so drohend sprach.
So ging's zum vierten Kreis im schmerzenvollen
Unsel'gen Schacht, der alle Schuld umfaengt,
Von welcher je im Weltall Kund' erschollen.
Gerechtigkeit des Herrn, dein Walten draengt
So neue Muehn zusammen, solche Plagen!
O blinde Schuld, die hier den Lohn empfaengt!
Wie der Charybdis Wogen sich zerschla$
t seinem Witze,
Auch Wald und Weinberg durch den Schlund gestuerzt.
Doch willst du wissen, wer dir half, so spitze
Den Blick auf mich und stelle dich dahin,
Gerade gegenueber meinem Sitze;
Dann wirst du sehn, dass ich Capocchio bin.
Metall verfaelscht' ich, dass ich Gold erschaffe,
Und, sah ich recht, so ist dir's noch im Sinn,
Ich war von der Natur ein guter Affe".
Dreissigster Gesang
Zur Zeit, da Junos Herz in Zorn geraten
Ob Semeles, in Zorn auf Thebens Blut,
Wie sie so manches Mal gezeigt durch Taten,
Ergriff den Athamas so tolle Wut,
Dass er, als auf sein Weib der Blick gefallen,
Das jeden Arm fit einem Sohn belud,
Den wilden Ruf des Wahnsinns liess erschallen:
"Die Loewin samt den Jungen sei gefasst!"
Dann streckt er aus die mitleidlosen Krallen;
Und wie er einen, den Learch, mit Hast
Gepackt, geschwenkt und am Gestein zerschlagen,
Ertraenkte sie sich mit der zweiten Last.
Und als das Glueck, das alles kuehn zu wagen,
Die stolzen Troer trieb, sein Rad gewandt,
So dass zusammen Reich und Fuerst erlagen,
$
 zum Ruecken
Verdreht empor und leckt' und putzte sich.
Nicht sah ich und vermag's nicht auszudruecken,
Wie die zwei Engel sich bewegt zum Flug,
Doch deutlich sah ich sie herniederzuecken.
Und wie ihr Fluegelpaar die Luefte schlug,
Entfloh die Schlang', und jene beiden flogen
Zu ihrem Platz zurueck in gleichem Zug.
Der Schatten, der von Ninos Ruf bewogen
Sich uns genaehert, hatte bei dem Strauss
DieBlicke nimmer von mir abgezogen.
"Die Leuchte, die dich fuehrt zu Gottes Haus,
Sie find' in deinem Willen und Verstande
Ihr Oel und gehe bis zum Ziel nicht aus."
So sprach er, "doch wenn von der Magra Strande
Du wahre Kunde hast, so gib sie mir,
Denn wiss', ich war einst gross in seinem Lande.
Corrado Malaspina spricht mit dir,
Der Alte bin ich nicht, doch ihm entsprungen;
Die Meinen liebt' ich stets, doch reiner hier."
"Oh," sprach ich, "nimmer noch ist mir's gelungen,
Dies Land zu sehn, allein sein Nam' und Wert
Ist, wo man in Europa sei, erklungen.
Der Ruf, der euer Haus erhebt und ehrt,
Schallt zu der Herrn, s$
e minder Milch zum Stalle jedes bringt.
Wohl gibt's noch welche, die den Schaden scheuen.
Die folgen, angedraengt dem Hirten, nach,
Doch wenig Tuch gibt Kutten diesen Treuen.
Jetzt aber, war mein Wort nicht trueb und schwach,
Verblieb dein Ohr, aufmerksam meinen Lehren,
Rufst du zurueck dem Geiste, was ich sprach,
Dann wird's Befried'gung deinem Wunsch gewaehren,
Dann zeigt der Baum, von dem ich pflueckte, sich,
Und meines Tadels Grund wird sich erklaeren:
Wo wohl gedeiht, wer nicht dem Wahne wich."
Zwoelfter Gesang
Sobal mir nur das letzte Wort erschollen,
Das aus der sel'gen Himmelsflamme drang,
Begann die heil'ge Muehl' im Kreis zu rollen.
Doch eh' sie rundherum sich voellig schwang,
War sie umringt von einem zweiten Kranze,
Eingreifend Tanz in Tanz und Sang in Sang;
Sang, hold verhaucht bei diesem Strahlentanze,
Dem unsrer Musen und Sirenen Lied
So weicht, wie Widerschein dem ersten Glanze.
Wie auf Gewoelk, das leicht das Blau umsieht,
Man zwei gleichfarb'ge, gleichgespannte Bogen,
Wenn Juno ihrer Magd b$
n in Kenz een Hus anstaken hedd, worin eene olde Frau un
drei Kinder voerbrennt weren.  De arme Suender wurd nu utlewert nah
Redebas, wo he to Hus was, un sin Urtel wurd spraken: He schull an
dem Pal voerbrennt warden.  As he hier satt, dachten se in Loernitz un
Redbas wedder an den Weitensack un wo he sick an dem Steen up der
Heid losswaren hedd.  Un de Koenigliche Amtmann un de Schult leten dat
Holt, worup he verbrennen schull, dahenfuehren un richteden em an dem
Steen sinen letzten fuerigen Stol up.  Un da hett sick begewen, as he
in der heeten Qual satt un sinen letzten Lewensschrei van sick gaf,
datt et unner dem brennenden Holte klungen hett, as wenn een Kind
weent.  Un alle Minschen, de dabistunden, hebben sick voerwundert un
voerfiert aewer de Kinderstimm, un een old Wif hett seggt: "Da hett mal
eene Mordhand een Kind in de Erd scharrt, un dat ruehrt sick nu in
siner Gruft."  Aewerst de Maehlenbursch van voermals, de nu Moeller in
Karnin was un dabistund, reep ganz lude, datt alle Lued et huerden: "Ne$
elockt und mit
sich auf sein Schiff genommen.  O du Herr Jemine!  Das Schiff, worauf
die Dirne faehrt!  Soviel ist wahr, den Buntjack werden die
Sturbergsjungen wohl spazieren gesehen haben, aber meiner Sir so weit,
als die dummen Leute sich einbilden, ist sie nicht unter Segel
gegangen.  Ich weiss wohl, wo sie sitzt, und Jochen Eigen, den sie
immer den Edelmann schelten, weiss es wohl noch besser, aber der
schaemt sich und sagt's nicht und verraet nichts von seinen
Hausheimlichkeiten, als wenn er mal ein wenig zu tief ins Glas
geguckt hat."  Und bei diesen Worten machte der Gaertner Christian eine
gar absonderliche und verwunderliche Miene.
"Nun, Benzin, nur her mit Euren Geschichten!  Jetzt, hoffe ich,
wird's einmal wohl ans Licht kommen, warum Ihr bei dem Namen alte
Burg immer so wunderlicMe Reden und Gebaerden braucht.  Hier muss es
irgendwo stecken, dass Ihr auf der Jagd nie in diesen Busch hinein
wollt und mit leichten, diebischen Katzentritten an seinem Rande
umherschleicht oder Euch in gehoeriger Entf$
en will, um die Manier des Homers
naeher zu erklaeren.
Fuer ein Ding, sage ich, hat Homer gemeiniglich nur einen Zug.  En
Schiff ist ihm bald das schwarze Schiff, bald das hohle Schiff, bald
das schnelle Schiff, hoechstens das wohlberuderte schwarze Schiff.
Weiter laesst er sich in die Malerei des Schiffes nicht ein.  Aber wohl
das Schiffen, das Abfahren, das Anlanden des Schiffes, macht er zu
einem ausfuehrlichen Gemaelde, zu einem Gemaelde, aus welchem der Maler
fuenf, sechs besondere Gemaelde machen muesste, wenn er es ganz auf seine
Leinwand bringen wollte.
Zwingen den Homer ja besondere Umstaende, unsern Blick auf einen
einzeln koerperlichen Gegenstand laenger zu heften: so wird
demohngeachtet kein Gemaelde daraus, dem der Maler mit dem Pinsel
folgen koennte; sondern er weiss durch unzaehlige Kunstgriffe diesen
einzeln Gegenstand in eine Folge von Augenblicken zu setzen, in deren
jedem er anders erscheinet, und in deren letztem ihn der Maler
erwarten muss, um uns entstanden zu zeigen, was wir bei dem Di$

einer angenehmen Melodie Sie bogen um eine Felsenecke und von oben
herab ertoente ganz nah die Stimme des Singenden, brach sich an den
zackigen Felsenwaenden in vielfachem Echo, bis sie sich verschwebend
mit den fallenden Tropfen der feuchten Steine und mit dem Murmeln
eines unterirdischen Wasserfalles mischte, der sich in eine dunkle,
geheimnisvolle Tiefe ergoss.
"Hier ist der Ort", sprach der Fuehrer, "dort oben in der Felswand ist
die Wohnung des ungluecklichen Mannes; hoert Ihr sein Lied?  Wir wollen
warten und lauschen, bis er zu Ende ist, denn er war nicht gewohnt,
unterbrochen zu werden, als er noch oben auf der Erde war."
Die Maenner lauschten und verstanden durch das Echound das Gemurmel
der Wasser etwa folgende Worte, die der Geaechtete sang:
"Vom Turme, wo ich oft gesehen
Hernieder auf ein schoenes Land,
Vom Turme fremde Fahnen wehen,
Wo meiner Ahnen Banner stand.
Der Vaeter Hallen sind gebrochen,
Gefallen ist des Enkels Los,
Er birgt, besiegt und ungerochen,
Sich in der Erde tiefem Schoss.
Und w$
achte
sie.  Die natuerliche Menschenliebe und ein zartes Mitgefuehl zog ihr
Auge und Ohr ans Schluesselloch, und sie vernahm in abgebrochenen
Worten den Streit, dessen Zeugen auch wir gewesen sind.
Der junge Mann hatte die Tuere so rasch geoeffnet, dass sie nicht mehr
Zeit gehabt hatte, sich zu entfernen, sondern kaum noch aus ihrer
gebueckten Stellung am Schluesselloch auftauchen konnte.  Doch sie
wusste zu helfen in solchen misslichen Faellen, sie liess Georg nicht an
sich vorueber, liess beide nicht zum Wort kommen, sie ergriff die Haende
des jungen Mannes und ueberstroemte ihn mit einem Schwall von Worten.
"Ei, du meie Guete!  Haett' ich glaubt, dass meine alten Augen den
Junker von Sturmfeder noch schauen wuerden!  Und ich mein', Ihr seid
noch schoener worden und groesser, seit ich Euch nimmer sah!  Haett' ich
das gewusst!  Steh' da, wie ein Stock an der Tuer', denke, ei!  Wer
spricht jetzt mit dem gnaedigen Fraeulein?  Der Herr ist's nicht.  Von
den Knechten ist's auch keiner!  Ei, was man nicht erlebt$
sind;
und wen sie einmal ans Hirn getroffen haben, der braucht keinen Arzt
mehr auf dieser Welt.  Das sind die echten Schwabenstreiche."
"Und bei Untertuerkheim soll ich mich aufstellen?"
"Dort triffst Du auf einer Anhoehe die Landsknechte unter Georg von
Hewen und Schweinsberg.  Die Losung ist, Ulricus fuer imier.  Den
beiden Herren sagst Du, sie sollen sich halten bis fuenf Uhr; ehe der
Tag aufgeht, sei ich mit sechstausend Mann bei ihnen, und dann wollen
wir den Bund erwarten.  Gehab Dich wohl, Georg."
Der junge Mann erwiderte den Gruss, indem er sich ehrerbietig neigte;
er ritt an die Spitze der tapferen Reiter und trabte mit ihnen das
Tal hinauf.  Es waren kraeftige Gestalten, mit breiten Schultern und
starken Armen; unter den Sturmhauben hervor blickten ihn mutige Augen
und breite ehrliche Gesichter freundlich an; er fuehlte sich ehrvoll
ausgezeichnet, eine solche Schar zu fuehren.  Man naeherte sich dem Fuss
des Rothenberges, auf dessen Gipfel das Stammschloss von Wuerttemberg
weit ueber das schoene Ne$
wie artig jeder Buerger, dem es wohl ist, sein Gaertchen zum
Paradiese zuzustutzen weiss, und wie unverdrossen auch der Unglueckliche
unter der Buerde seinen Weg fortkeucht, und alle gleich interessiert
sind, das Licht dieser Sonne noch eine Minute laenger zu sehn--ja, der
ist still und bildet auch seine Welt aus sic selbst und ist auch
gluecklich, weil er ein Mensch ist.  Und dann, so eingeschraenkt er ist,
haelt er doch immer im Herzen das suesse Gefuehl der Freiheit, und dass er
diesen Kerker verlassen kann, wann er will.
Du kennst von alters her meine Art, mich anzubauen, mir irgend an
einem vertraulichen Orte ein Huettchen aufzuschlagen und da mit aller
Einschraenkung zu herbergen.  Auch hier habe ich wieder ein Plaetzchen
angetroffen, das mich angezogen hat.
Ungefaehr eine Stunde von der Stadt liegt ein Ort, den sie Wahlheim
nennen.  Die Lage an einem Huegel ist sehr interessant, und wenn man
oben auf dem Fusspfade zum Dorf herausgeht, uebersieht man auf einmal
das ganze Tal.  Eine gute Wirtin, die gef$
den Religionsspoettern zu Gefallen nun durchaus sich den Kopf
nicht zerbrechen wollte, weil er in dem festen Glauben stand, dass ein
Religionsspoetter nicht bekehrt werden kann, wenn er nicht will, und
dass sich auf den Willen durch keine Schluesse wirken laesst.  Aller
Warnungen seines Vaters ungeachtet also ward er noch in den
Prolegomenen seiner dogmatischen Feldherren gegen die
Religionsspoetter ein foermlicher Ausreisser, und studierte die
Kameralwissenschaften, die Chymie und die Mathematik, deren
praktischer Teil eigentlich seine Erholungsstunden beschaeftigte.
Es fanden sich sogleich Amanuenses der Herrn Professoren, die alle
seine Gaenge auskundschafteten und ihren Archonten die neue
Einrichtung seiner Studien aufs Haar berichteten.  Denen Lesern zu
Gefallen, die die deutschen Akademien nicht kennen, muss ich =en
Ausdruck Amanuensis erklaeren.  Es sind gewoehnlicherweise Baurensoehne,
die den Professoren anfaenglich die Fuesse bedienen, nach und nach aber
durch den Einfluss der Atmosphaere, in der si$
s
aufmerksam machte, ging den folgenden Tag verstohlner Weise auf ihr
Zimmer.  Er ueberraschte sie den Kopf in die Hand gestuetzt, in einem
Meer von Traenen.  "Was gibt's hier?" sagte er; "das ist ein ganz
neuer Aufzug, Mademoiselle Albertine!"  Sie sprang verwirrt von ihrem
Stuhl auf, griff nach einem Buch, wollte Entschuldigungen
suchen--"still nur!" sagte er; "ich habe wohl gesehen, dass du nicht
gelesen hast.  Auch kann ein Buch dich so nicht greinen machen, das
lass ich mir nicht einreden."  "Papa!" sagte sie und fasste ein Herz,
"tun Sie mit mir, was Sie wollen", indem sie zitternd ihm nach der
Hand griff--"ich liebe den Pfarrer Mannheim."  "Ei, wenn es nichts
mehr als das ist", sagte der Alte, "ich liebe ihn auch.  Es steht
aber dahin, ob du ihm Vuch so wohlgefaellst, wiewohl seine Krankheit
und eure beiden Affengesichter letzthin--ei, lass uns einmal einen
Versuch wagen und zu ihm auf die Kammer gehen."  "Nimmermehr!" sagte
Albertine, "ich muss es Ihnen nur gestehen, Papa; er hat mir letzt
eine Erklae$
 sieht es in dem
Pfannkuchenberge aus?  Er wusste ihnen aber nicht viel zu sagen,
sondern es kam alleJ dunkel heraus wie Traeume und
Gespenstergeschichten; so dass einige ihn mit erschrockenen Augen
anguckten, als sey es nicht geheuer mit ihm und als treiben schlimme
Geister in ihm ihr Spiel, andere wohl hie und da fluesterten: der Klas
luegt, er ist nicht in dem Pfannkuchenberge gewesen, er ist von seinen
Aeltern gelaufen und ist nun wiedergekommen, und der schlaue Schulze
hat die ganze Geschichte erfunden, dass er seine Schlappe bemaentele.
Die meisten indessen hatten Glauben zu dem Abentheuer und fanden
recht grossen Gefallen an der Erzaehlung, wie sein Zimmer mit Braten,
Kuchen und Fruechten tapeziert gewesen, und wie der Milchborn und
Weinborn immer im Flusse gewesen: und das glaubten sie wohl, denn sie
sahen seinen starken und schoenen Gliedern und seinen rosenrothen
Wangen und funkelnden Augen wohl an, dass er die Zeit nicht gehungert
hatte.  Seine Mutter aber war die erste, die ihn voll Ungeduld nach
$
pfschuettelte sie
und meinte, er habe die fuenf Jahre eben so gut zu Hause bleiben und
die Wirthschaft mehren und an ihrem Tische essen koennen: denn was
helfe es ihm nun, dass er Fasanen und Waldschnepfen gegessen und den
koestlichsten Wein geschluerft habe? ohne Geld, moege er sich nur nicht
einbilden, dass ein Mensch Koenig werden koenne, was der einfaeltige
Valentin ihm vorgefabelt habe.  Denn Valentin bekam bei Gelegenheit
immer sein Seitenhiebchen mit ab.  Und soll ich nun die Wahrheit
sagen, so lautet sie so: Die ersten Tage waren die Leute im Dorfe
ausser sich ueber Klas und stuermten Peters Haus fast, die ersten Wochen
verwunderten siT sich sehr, die ersten Monate sprachen sie viel davon,
und nach einem Jahre war die Geschichte von den meisten schon wieder
vergessen.  Die aber immer noch viel von der Geschichte sprachen, das
waren die jungen Dirnen, denn ihnen gefiel Klas ueber alle Maassen, und
wo sie es sagen durften, riefen sie fast einstimmig: Klas Avenstaken
ist doch der schoenste Junge im Dorfe$
 bis zehn Pistolen das Stueck bezahlt wurden.  Dazu hatte er
sechs huebsche Kinder, Soehne und Toechter, und es ging ihm so wohl, dass
die Leute ihn wohl den reichen Bauer zu Altenkamp zu nennen pflegten.
Dieser Mann ist durch naechtliche Gaenge im Walde um all sein Vermoegen
Hans Burwitz war auch ein starker Jaeger, besonders hatte er eine
treffliche Witterung auf Fuechse und Marder und war deswegen oft des
Nachts im Walde, wo er seine Eisen gelegt hatte und auf den Fang
lauerte.  Da hat er im Dunkeln und im Zwielichte der Daemmerung und
des Mondscheins manche Dinge gesehen und gehoert, die er nicht
wiedererzaehlen mochte, wie denn im Walde des Nachts viel Wunderliches
und Absonderliches vorgeht; aber die Geschichte von dem Rattenkoenig
Birlibi hat man von ihm erfahren.  Hans Burwitz hatte in seiner
Kindheit oft von einem Rattenkoeni erzaehlen hoeren, der eine goldene
Krone auf dem Kopfe trage und ueber alle Wiesel, Hamster, Ratten,
Maeuse und anderes dergleichen Springinsfeldisches und leichtes
Gesindel he$
waenze hinter sich zusammengeschlungen uMd spielten damit, denn
ihnen war sehr wohlig zumute.  Und diese Schwaenze waren das
Allerscheusslichste, was man da sah; aber der Koenig und die Koenigin
waren auch scheusslich genug.  Und der Wagen, worin sie sassen, ward
von sechs magern Woelfen gezogen, die mit den Zaehnen fletschten, und
zwei lange Kater standen als Heiducken hinten auf und hielten
brennende Fackeln und miauten entsetzlich.  Dem Rattenkoenig und der
Rattenkoenigin war aber vor ihnen nicht bange; sie schienen hier zu
gewaltige Herren und Koenige ueber alle zu sein.  Es gingen auch zwoelf
geschwinde Trommelschlaeger dem Wagen voran und trommelten.  Das waren
Hasen; die muessen die Trommel schlagen und andern Mut machen, weil
sie selbst keinen haben.
Hansen war schon bange genug gewesen; jetzt aber, als er den
Rattenkoenig und die Rattenkoenigin und die Woelfe und Kater und Hasen
so miteinander sah, da schauderte ihm die Haut auf dem ganzen Leibe,
und sein sonst so tapferes Herz wollte fast verzagen, $
rfallen die
elende Zeit...
Meine Harfe ist eine Klage worden, und meine Pfeife ein Weinen.'
Der Arzt hat mich nicht verstanden.  Nichts.  Es war ja auch schwer zu
erzaehlen.  Man wollte einen Versuch machen mit dem Elektrisieren.  Gut.
Ich bekam einen Zettel: ich sollte um ein Uhr in der Salpetrere sein.
Ich war dort.  Ich musste lange an verschiedenen Baracken vorueber,
durch mehrere Hoefe gehen, in denen da und dort Lete mit weissen Hauben
wie Straeflinge unter den leeren Baeumen standen.  Endlich kam ich in
einen langen, dunklen, gangartigen Raum, der auf der einen Seite vier
Fenster aus mattem, gruenlichem Glase hatte, eines vom anderen durch
eine breite, schwarze Zwischenwand getrennt.  Davor lief eine Holzbank
hin, an allem vorbei, und auf dieser Bank sassen sie, die mich kannten,
und warteten.  Ja, sie waren alle da.  Als ich mich an die Daemmerung
des Raumes gewoehnt hatte, merkte ich, dass unter denen, welche Schulter
an Schulter in endloser Reihe dasassen, auch einige andere Leute sein
konnten, kle$
nnte sie vor der Nacht stehn,
stundenlang, und denken: das geht mich an.  "Wie ein Gefangener stand
ich da", sagte sie, "und die Sterne waren die Freiheit."  Sie konnte
damals einschlafen, ohne sich schwer zu machen.  Der Ausdruck
In-den-Schlaf-fallen passt nicht fuer dieses Maedchenjahr.  Schlaf war
etwas, was mit einem stieg, und von Zeit zu Zeit hatte man die Augen
offen und lag auf einer neuen Oberflaeche, die noch lang nicht die
oberste war.  Und dann war man auf vor Tag; selbst im Winter, wenn die
anderen schlaefrig und spaet zum spaeten Fruehstueck kamen.  Abends, wenn
es dunkel wurde, gab es ja immer nur Lichter fuer alle, gemeinsame
Lichter.  Aber diese beiden Kerzen ganz frueh in der neuen Dunkelheit,
mit der alles wieder anfing, die hatte man fuer sich.  Sie standen in
ihrem niederen Doppelleuchter und schienen ruhig durch die kleinen,
ovalen, mit Rosen bemalten Tuellschirme, die von Zeit zu Zeit
nachgerueckt werden mussten.  Das hatte nichts StoerendeO; denn einmal
war man durchaus nicht eilig, un$
als taeuschte.  Aber das lag vielleicht gerade an den Tatsachen,
die ich mir hatte sagen lassen; seit ich sie wusste, war ich noch
schreckhafter geworden.  Es beruehrte mich fast gespenstisch, dass das,
was diesen Laerm ausloeste, jene kleine, langsame, lautlose Bewegung war,
mit der sein Augenlid sich eigenmaechtig ueber sein rechtes Auge senkte
und schloss, waehrend er las.  Dies war das Wesentliche an siner
Geschichte, eine Kleinigkeit.  Er hatte schon ein paar Mal die Examen
vorbeigehen lassen muessen, sein Ehrgeiz war empfindlich geworden, und
die Leute daheim draengten wahrscheinlich, sooft sie schrieben.  Was
blieb also uebrig, als sich zusammenzunehmen.  Aber da hatte sich, ein
paar Monate vor der Entscheidung, diese Schwaeche eingestellt; diese
kleine, unmoegliche Ermuedung, die so laecherlich war, wie wenn ein
Fenstervorhang nicht oben bleiben will.  Ich bin sicher, dass er
wochenlang der Meinung war, man muesste das beherrschen koennen.  Sonst
waere ich nicht auf die Idee verfallen, ihm meinen Wil$
t.
Nun, es ist gut.
(Fortfahrend.)
Die schoenen Orte unsrer Jugendlust,
An die Erinnrung knuepft mit leisen Faeden,
Ich hab sie durchgegangen, da ich kam,
Und Brust und Lippen kuehlend eingetaucht
Im frischen Born der hellen Kinderzeit.
Ich war am Markt, wo ich den Wagen lekte,
Das rasche Ross dem Ziel entgegentrieb,
Den Faustschlag wechselnd mit dem Gegner rang,
Indes du standst und sahst, erschrakst und zuerntest,
Um meinetwillen jedem Gegner feind.
Ich war im Tempel, wo vereint wir knieten,
Hier nur allein einander uns vergessend,
Und unsre Lippen zu den Goettern sandten
Aus zweier Brust ein einzig, einig Herz.
So weisst du denn das alles noch so gut?
Ich sauge Labung draus mit vollen Zuegen
Medea (die still hingegangen ist und die weggelegte Leier ergriffen hat).
Jason, ich weiss ein Lied!
Und dann der Turm!
Weisst du den Turm dort an der Meereskueste
Wo du mit deinem Vater standst und weintest,
Als ich das Schiff bestieg zum weiten Zug.
Ich hatte da kein Aug' fuer deine Traenen
Denn nur nach Taten duers$
t gut!
O waerst du, der du warst, mir waere besser!
Nur einen Schritt komm in die schoene Zeit,
Da wir in unsrer Jugend frischem Gruenen
Uns fanden an des Phasis Blumenstrand.
Wie war dein Herz so offen und soklar
Das meine trueber und in sich verschlossner
Doch du drangst durch mit deinem milden Licht
Und hell erglaenzte meiner Sinne Dunkel.
Da ward ich dein, da wardst du mein.  O Jason!
So ist dir ganz dahin, die schoene Zeit,
So hat die Sorge dir fuer Haus und Herd
Fuer Ruf und Ruhm dir ganz getoetet
Die schoenen Blueten von dem Jugendbaum?
O sieh, in Schmerz und Jammer, wie ich bin,
Denk ich noch oft der schoenen Fruehlingszeit
Und warme Luefte wehn mir draus herueber.
War dir Medea damals lieb und wert
Wie ward sie dir denn graesslich und abscheulich?
Du kanntest mich und suchtest dennoch mich,
Du nahmst mich wie ich war, behalt mich, wie ich bin!
Der Dinge denkst du nicht, die seither sind geschehn!
Entsetzlich sind sie, ja ich geb es zu,
Am Vater hab ich schlimm, am Bruder schlimm getan!
Und ich verda$
ne
schoene Charge.  Sultan ueber zwei Reiche, uebers Tierreich und
uebers Pflanzenreich.  Ein wahrer Tyrann!  Hendeln und Kapauner
sind nur seine Sklaven, die druckt er zusammen, als wenn s'
nie da gewesen waeren.  Und doch ein Ehrenmann, der keine
Schmeicheleien mag, mit Suessigkeiten darf man ihm nicht kommen,
da verdirbt man ihn ganz.  Sackerlot, ich bin der fidelste Kerl
auf der Welt!  Eine Freud hab ich manchmal in mir, da wird mir
so wohl ums Herz, so gut, dass ich alles zusammpruegeln moecht,
so seelenfroh bin ich.  Und Geld hab ich, dass mir angst und
bang dabei wird.  Jetzt hab ich das Haus gekauft, und jetzt
kauf ich mir noch einen saubern Weltteil, wo ein kleiner Garten
dabei i`t, das wird ein Leben werden.  Lenzl!
Achter Auftritt
Lorenz.  Voriger.
Was schaffen S'?
Wo steckst denn, dass dich um mich nicht umschaust?
Grad bin ich hinausgangen.  Die Fraeulein Lottel war vorher da
und hat mit Ihnen reden wollen.
Untersteh dich nicht, dass du ein Wort von ihr redst, ich will
nichts wissen von der Wasse$
von Stuhl zu Stuhl
am Tisch entlang.)
(Bohun.) Einen Augenblick!  (Der Kellner haelt inne, sein Mut sinkt.)
Nicht wahr, Frau Clandon, mein Vater war Zeuge dessen, was sich heute
zugetragen hat?
(Frau Clandon.) Ich glaube, ja, groesstenteils.
(Bohun.) Dann werden wir ihn brauchen.
(Der Kellner bittend:) Ich hoffe, es wird nicht noetig sein.  Ich habe
heute abend infolge des Maskenballes sehr viel zu tun--wirklich sehr
viel zu tun!
(Bohun unerschuetterlich:) Wir werden dich brauchen!
(Frau Clandon hoeflich:) Bitte, nehmen Sie Platz.
(Der Kellner ernst:) Oh--bitte, bitte, gnaedige Frau!  Ich darf mich
nicht setzen, ich muss eine Grenze ziehen; ich duerfte nicht gesehen
werden, wenn ich so etwas taete, gnaedige Frau.  Ich danke Ihnen
trotzdem.  (Er blickt mit einev verstoerten Gesicht, das ein Herz von
Stein ruehren muesste, alle Anwesenden der Reibe nach an.)
(Gloria.) Verlieren wir unsere Zeit nicht.  William wuenscht nur, uns
weiter gut bedienen zu duerfen.  Ich haette gern eine Tasse Kaffee.
(Der Kellner wird$
 Sie
sich--setzen Sie sich!  (McComas setzt sich verdriesslich nieder, und
McNaughtan folgt sehr erleichtert seinem Beispiel.)
(Dolly zu Bohun demuetig:) Ich danke Ihnen.
(Bohun.) Nun hoeren Sie mich alle an.  Ich enthalte mich jeder Meinung
darueber, McComas, wie weit Sie sich in der durch die junge Dame
angegebenen Richtung eingelassen oder nicht eingelassen haben.
(McComas ist im Begriff zu protestieren.) Nein, unterbrechen Sie mich
nicht!--Wenn sie Sie nicht heiratet, heiratet sie einen andern; das
ist die beste Loesung der Schwierigkeit, die dadurch entsteht, dass sie
nicht den Namen ihres Vaters traegt.--Die andere Dame hat die Absicht,
sich zu verheiraten.
(Gloria erroetend:) Herr Justizrat!
(Bohun.) Doch, Sie haben die Absicht.  Sie wissen es nicht, aber es
(Gloria erhebt sich:) Halt!  Hueten Sie ssch davor, Herr Justizrat, fuer
meine Absichten einzustehen.
(Bohun erhebt sich:) Es hat keinen Zweck, Fraeulein Clandon.  Sie
werden mich nicht unterkriegen.  Ich sage Ihnen, dass Ihr Name bald
weder Clando$
 wo?
Janthe.       O mir!
Da's nun geschehn.
Hero.       Geschehen?  Nein!
Priester.            Es ist!
Die Goetter laut das blut'ge Zeugnis gaben,
Wie sehr sie zuernen, und wie gross dein Fehl;
So lass in Demut uns die Strafe nehmen;
Das Heiligtum, es teile nicht die Makel,
Und ew'ges Schweigen decke was geschehn.
Verschweigen ich, mein Glueck und mein Verderben,
Und frevelnd unter Frevlern mich ergehn?
Ausschreien will ich's durch die weite Welt,
Was ich erlitt, was ich besass, verloren,
Was mir geschehn, und wie sie mich betruebt.
Verwuenschen dich, dass es die Winde hoeren
Und hin es tragen vor der Goetter Thron.
Du warst's, du legtest tueckisch ihm das Netz,
Ich zog es zu, und da war er verloren.
Wo brachtet ihr ihn hin?  ich will zu ihm!
(Der Tempelhueter und mehrere Diener fuehren Naukleros herbei.  Der
Hueter geht gleich darauf nach der linken Seite ab.)
Ha du!  o Juengling!  Su;hst du deinen Freund?
Dort lag er, tot!  Sie tragen ihn von dannen.
Hero.       Ringst du die Haende, da's zu spaet?
Du stau$
rgessen, was ich eigentlich sagen wollte.
Nun? aber nur kurz--
Das gnaedige Fraeulein hat noch meinen Ring; ich nenne ihn meinen--
Er soll Ihnen unverloren sein.
Ich trage darum auch keine Sorge; ich will's nur erinnern, sieht Sie,
ich will ihn gar nicht einmal wiederhaben. Ich kann mir doch wohl an
den Fingern abzaehlen, woher sie den Ring kannte, und woher er dem
ihrigen so aehnlich sah. Er ist in ihren Haenden am besten aufgehoben.
Ich mag ihn gar nicht mehr und will indes die hundert Pstolen, die
ich darauf gegeben habe, auf des gnaedigen Fraeuleins Rechnung setzen.
Nicht so recht, mein schoenes Kind?
(Paul Werner. Der Wirt. Franziska.)
Da ist er ja!
Hundert Pistolen? Ich meinte, nur achtzig.
Es ist wahr, nur neunzig, nur neunzig. Das will ich tun, mein schoenes
Kind, das will ich tun.
Alles das wird sich finden, Herr Wirt.
(der ihnen hinterwaerts naeher koemmt und auf einmal der Franziska auf
die Schulter klopft). Frauenzimmerchen! Frauenzimmerchen!
(erschrickt). He!
Erschrecke Sie nicht!--Frauenzimmerc$
eren: "Das muss ein Schurke von einem Soldaten sein, der
ein Maedchen anfuehren kann!"--So denk ich auch, Frauenzimmerchen.
Verlass Sie sich darauf!--Ich muss machen, dass ich ihm nachkomme.--Guten
Appetit, Frauenzimmerchen! (Geht ab.)
Gleichfalls, Herr Wachtmeister!--Ich glaube, der Mann gefaellt mir!
(Indem sie hineingehen will, koemmt ihr das Fraeulein entgegen.)
(Das Fraeulein. Franziska.)
Ist der Major schon wieder fort?--Franziska, ich glaube, ich waere
jetzt schon wieder ruhig genug, dass ich ihn haette hierbehalten koennen.
Und ich will Sie noch ruhiger machen.
Desto besser! Sein Brief, oh, sein Brief! Jede Zeile sprach den
ehrlichen, edlen Mann. Jede Weigerung, mich zu besitzen, beteuerte
mir seine Liebe.--Er wird es wohl gemerkt haben, dass wir den Brief
gelesen.--Mag er doch, wenn er nur koemmt. Er koemmt doch gewiss?--Bloss
ein wenig zu viel Stolz, Franziska, scheint mir in seiner Auffuehrung
zu sein. Denn auch seiner Geliebten sein GlDeck nicht wollen zu danken
haben, ist Stolz, unverzeihlicher S$
llig sein. Denn ich besinne mich, dass Sie allerdings ein
kleiner Krueppel sind. Ein Schuss hat Ihnen den rechten Arm ein wenig
gelaehmt.--Doch alles wohl ueberlegt: so ist auch das so schlimm nicht.
Um soviel sichrer bin ich vor Ihren Schlaegen.
Sie wollen sagen: Aber Sie um soviel weniger vor meinen. Nun, nun,
liber Tellheim, ich hoffe, Sie werden es nicht dazu kommen lassen.
Sie wollen lachen, mein Fraeulein. Ich beklage nur, dass ich nicht
mitlachen kann.
Warum nicht? Was haben Sie denn gegen das Lachen? Kann man denn auch
nicht lachend sehr ernsthaft sein? Lieber Major, das Lachen erhaelt
uns vernuenftiger als der Verdruss. Der Beweis liegt vor uns. Ihre
lachende Freundin beurteilet Ihre Umstaende weit richtiger als Sie
selbst. Weil Sie verabschiedet sind, nennen Sie sich an Ihrer Ehre
gekraenkt; weil Sie einen Schuss in dem Arme haben, machen Sie sich zu
einem Krueppel. Ist das so recht? Ist das keine Uebertreibung? Und
ist es meine Einrichtung, dass alle Uebertreibungen des Laecherlichen so
faehig sin$
 ist zu arg!--Hoeren Sie mich
doch!--Sie betruegen sich!--Ein blosses Missverstaendnis--Tellheim!--Sie
wollen Ihre Minna nicht hoeren?--Koennen Sie einen solchen Verdacht
fassen?--Ich mit Ihnen brechen wollen?--Ich darum hergekommen?--
(Zwei Bediente nacheinander, von verschiedenen Seiten ueber den Saal
laufend. Die Vorigen.)
eine Bediente
Gnae!iges Fraeulein, Ihro Exzellenz, der Graf!--
andere Bediente
Er koemmt, gnaediges Fraeulein!--
(die ans Fenster gelaufen). Er ist es! er ist es!
Ist er's?--Oh, nun geschwind, Tellheim--
(auf einmal zu sich selbst kommend). Wer? wer koemmt? Ihr Oheim,
Fraeulein? dieser grausame Oheim?--Lassen Sie ihn nur kommen, lassen
Sie ihn nur kommen!--Fuerchten Sie nichts! Er soll Sie mit keinem
Blicke beleidigen duerfen! Er hat es mit mir zu tun.--Zwar verdienen
Sie es um mich nicht--
Geschwind umarmen Sie mich, Tellheim, und vergessen Sie alles--
Ha, wenn ich wuesste, dass Sie es bereuen koennten!--
Nein, ich kann es nicht bereuen, mir den Anblick Ihres ganzen Herzens
verschafft z$
Die gewoehnlichsten
Irrschluesse der Menschen sind diese: eine Sache existirt, also
hat sie ein Recht. Hier wird aus der Lebensfaehigkeit auf die
Zweckmaessigkeit, aus der Zweckmaessigkeit auf die Rechtmaessigkeit
geschlossen. Sodann: eine Meinung beglueckt, also ist sie die wahre,
ihre Wirkung ist gut, also ist sie selber gut und wahr. Hier legt man
der Wirkung das Praedicat beglueckend, gut, im Sinne des Nuetzlichen,
bei und versieht nun die Ursache mit dem selben Praedicat gut, aber
hier im Sinne des Logisch-Gueltigen. Die Umkehrung der Saetze lautet:
eine Sache kann sich nicht durchsetzen, erhalten, also ist sie
unrecht; eine Meinung quaelt, regt auf, also ist sie falsch. Der
Freigeist, der das Fehlerhafte dieser rt zu schliessen nur allzu
haeufig kennen lernt und an ihren Folgen zu leiden hat, unterliegt oft
der Verfuehrung, die entgegengesetzten Schluesse zu machen, welche im
Allgemeinen natuerlich ebenso sehr Irrschluesse sind: eine Sache kann
sich nicht durchsetzen, also ist sie gut; eine Meinung mac$
ken.
Nachdem ich, in vielen der schwerer erklaerbaren Handlungen,
Aeusserungen jener Lust an der Emotion an sich gefunden habe, moechte
ich auch in Betreff der Selbstverachtung, welche zu den Merkmalen der
Heiligkeit gehoert, und ebenso in den Handlungen der Selbstquaelerei
(durch Hunger und Geisselschlaege, Verrenkungen der Glieder,
Erheuchelung des Wahnsinns) ein Mittel erkennen, durch welches jene
Naturen gegen die allgemeine Ermuedung ihres Lebenswillens (ihrer
Nerven) ankaempfen: sie bedienen sich der schmerzhaftesten Reizmittel
und Grausamkeiten, um fuer Zeiten wenigstens aus jener Dumpfheit und
Langenweile aufzutauchen, in welche ihre grosse geistige Indolenz
und jene geschilderte Unterordnung unter einen fremden Willen sie so
haeufig verfallen laesst.
Das gewoehnlichste Mittel, welches der Asket und Heilige anwendet,
um sich das Leben doch noch ertraeglich und unterhaltenc zu machen,
besteht in gelegentlichem Kriegfuehren und in dem Wechsel von Sieg
und Niederlage. Dazu braucht er einen Gegner und fin$
 Erzieher ihm Wunden beizubringen oder die Wunden, welche das
Schicksal ihm schlegt, zu benutzen, und wenn so der Schmerz und das
Beduerfniss entstanden sind, so kann auch in die verwundeten Stellen
etwas Neues und Edles inoculirt werden. Seine gesammte Natur wird es
in sich hineinnehmen und spaeter, in ihren Fruechten, die Veredelung
spueren lassen. - Was den Staat betrifft, so sagt Macchiavelli, dass
"die Form der Regierungen von sehr geringer Bedeutung ist, obgleich
halbgebildete Leute anders denken. Das grosse Ziel der Staatskunst
sollte Dauer sein, welche alles Andere aufwiegt, indem sie weit
werthvoller ist, als Freiheit". Nur bei sicher begruendeter und
verbuergter groesster Dauer ist stetige Entwickelung und veredelnde
Inoculation ueberhaupt moeglich. Freilich wird gewoehnlich die
gefaehrliche Genossin aller Dauer, die Autoritaet, sich dagegen
Freigeist ein relativer Begriff. - Man nennt Den einen Freigeist,
welcher anders denkt, als man von ihm auf Grund seiner Herkunft,
Umgebung, seines Standes und$
se einen verfeinerten
Heroismus, welcher es verschmaeht, sich der grossen Massen-Verehrung,
wie sein groeberer Bruder es thut, anzubieten und still durch die
Welt und aus der Welt zu gehen pflegt. Was fuer Labyrinthe er auch
durchwandert, unter welchen Felsen oich auch sein Strom zeitweilig
durchgequaelt hat - kommt er an's Licht, so geht er hell, leicht und
fast geraeuschlos seinen Gang und laesst den Sonnenschein bis in
seinen Grund hinab spielen.
Vorwaerts. - Und damit vorwaerts auf der Bahn der Weisheit, guten
Schrittes, guten Vertrauens! Wie du auch bist, so diene dir selber
als Quell der Erfahrung! Wirf das Missvergnuegen ueber dein Wesen ab,
verzeihe dir dein eignes Ich, denn in jedem Falle hast du an dir eine
Leiter mit hundert Sprossen, auf welchen du zur Erkenntniss steigen
kannst. Das Zeitalter, in welches du dich mit Leidwesen geworfen
fuehlst, preist dich selig dieses Glueckes wegen; es ruft dir zu, dass
dir jetzt noch an Erfahrungen zu Theil werde, was Menschen spaeterer
Zeit vielleicht entbehre$
s, der
Entbehrung, des SchreckRns, des Misstrauens, also da, wo die Regierung
sich ausser Stande fuehlt, direct Etwas zur Linderung der seelischen
Leiden des Privatmannes zu thun: ja selbst bei allgemeinen,
unvermeidlichen und zunaechst unabwendbaren Uebeln (Hungersnoethen,
Geldkrisen, Kriegen) gewaehrt die Religion eine beruhigte, abwartende,
vertrauende Haltung der Menge. Ueberall, wo die nothwendigen oder
zufaelligen Maengel der Staatsregierung oder die gefaehrlichen
Consequenzen dynastischer Interessen dem Einsichtigen sich bemerklich
machen und ihn widerspaenstig stimmen, werden die Nicht-Einsichtigen
den Finger Gottes zu sehen meinen und sich in Geduld den
Anordnungen von Oben (in welchem Begriff goettliche und menschliche
Regierungsweise gewoehnlich verschmelzen) unterwerfen: so wird der
innere buergerliche Frieden und die Continuitaet der Entwickelung
gewahrt. Die Macht, welche in der Einheit der Volksempfindung, in
gleichen Meinungen und Zielen fuer Alle, liegt, wird durch die
Religion beschuetzt und$
t' ich's schlimm -, so woll'n wir lachen
    Und es immer schlimmer machen, Schlimmer machen,
    schlimmer lachen, Bis wir in die Grube steigen.
    Freunde! ja! So soll's geschehn? -
    Amen! Und auf Wiedersehn!
    Kein Entschuld'gen! Kebn Verzeihen!
    Goennt ihr Frohen, Herzens-Freien
    Diesem unvernuenft'gen Buche
    Ohr und Herz und Unterkunft!
    Glaubt mir, Freunde, nicht zum Fluche
    Ward mir meine Unvernunft!
    Was ich finde, was ich suche -
    Stand das je in einem Buche?
    Ehrt in mir die Narren-Zunft!
    Lernt aus diesem Narrenbuche,
    Wie Vernunft kommt - "zur Vernunft"!
    Also, Freunde, soll's geschehn? -
    Amen! Und auf Wiedersehn!
Delphine Lettau and the Online Distributed Proofreading Team.
WILHELM HAUFF
MITTEILUNGEN AUS DEN MEMOIREN DES SATAN
ERSTER TEIL.
  Marte, e' rassembra te, qualor dal quinto
  Cielo, di ferro scendi, e d'orror cinto.
               Tasso, befr. Jerusalem, V. 44.
ERSTES KAPITEL
Der Herausgeber macht eine interessante Bekanntschaft.
Wer, wie der He$
chte. Und ach! nicht zu seinem
Vorteil; denn dieser, in der Dialektik dem guten Kathedermann bei
weitem ueberlegen, fuehrte ihn so aufs Eis, dass die leichte Decke
seiner Logik zu reissen und er in ein Chaos von Widerspruechen
hinabzustuerzen drohte.
Eine lieblich duftende Bowle Punrch unterbrach einige Zeit den Streit
der Zunge, gab aber dafuer Anlass zu desto feindseligern Blicken
zwischen Frau von Truebenau und Frau von Thingen. Diese hatte, ihrer
schoenen, runden Arme sich bewusst, den gewaltigen silbernen Loeffel
ergriffen, um beim Eingiessen die ganze Grazie ihrer Haltung zu
entwickeln. Jene aber kredenzte die gefuellten Becher mit solcher
Anmut, mit so liebevollen Blicken, dass das Bestreben, sich
gegenseitig so viel als moeglich Abbruch zu tun, unverkennbar war.
Als aber der sehr starke Punsch die leisen Schauer des Herbstabends
verdraengt hatte, als er anfing, die Wangen unserer Damen hoeher zu
faerben und aus den Augen der Maenner zu leuchten, da schien es mir
mit einem Male; als sei man, ich weiss $
ffentlich; wie ich meine Gegner und Opponenten
tuechtig zusammengehauen, erzaehle ich nicht, aus Bescheidenheit;
einen Auszug aus meiner Dissertation habe ich uebrigens dem geneigten
Leser beigelegt [Fussnote: Diesen Auszug habe ich nicht finden
koennen, es muesste denn die Einleitung zum Besuch bei Goethe sein.
Der Herausgeber.].
_Post exantlata_, oder nachdem ich den Doktorhut errungen hatte,
gab ich einen ungeheuern Schmaus, wobei manche Seele auf ewig mein
wurde. Solange noch dieguten Jungen meinen Champagner und Burgunder
mit schwerer Zunge prueften, liess ich meine Rappen vorfuehren und
sagte der lieben Musenstadt Valet. Die Rechnung des Doktorschmauses
aber ueberbrachte der Wirt am Morgen den erstaunten Gaesten, und
manches Pochen des ungestuemen Glaeubigers, das sie aus den suessen
Morgentraeumen weckte, mancher bedeutende Abzug am Wechsel erinnerte
sie auch in spaetern Zeiten an den beruehmten Doktorschmaus und an
ihren guten Freund, den Satan.
*       *       *       *       *
UNTERHALTUNGEN DES SA$
iner Seelenruhe, die sogar in ein boshaftes
Laecheln ueberzugehen schien.
"'Und diesen Mord gestehen Sie mit so viel Gleichmut, als haetten Sie
zwei Tauben abgetan?' fragte der erstaunte Polizeidirektor, dem in der
Praxis eine solche Moerderin noch nicht vorgekommen sein mochte.
'Wissen Sie denn, dass Sie verloren sind, dass es Ihnen den Kopf
kosten kann?'
"'Nicht doch!' entgegnete die Dame. 'Die Geschichte ist ja
weltbekannt.'--'Weltbekannt?' rief jener. Bin ich nicht schon seit
zweiundvierzig Jahren Polizeidirektor? Meinen Sie, dergleichen koenne
mir entgehen?'
"'Und dennoch werde ich recht haben; erlauben Sie, dass ich Ihnen die
Belege herbeibringe?'
"'Nicht von der Stelle ohne gehoerige Bewachung! Wache! Zwei Mann auf
jeder Seite von Madame! Bei dem ersten Versuch zur Flucht--
zugestossen!'
"Vier Polizeidiener mit blanken Seitengewehren begleiteten die
UngluZckliche, die mir den Verstand verloren zu haben schien. Bald
jedoch erschien sie wieder, ein kleines Buch in der Hand.
"'Hier, meine Herren, werden S$
eine Lieben schienen dem
Grab entstiegen, schienen ueber die Alpen zu wehen und mit Toenen der
Klage mich zu sich zu rufen. Wie bin ich doch so allein auf der Erde!'
weinte sie, indem ihr blaues Auge in das naechtliche Blau des Himmels
tauchte. 'Wie bin ich so allein!--Und wenn ich dich nicht haette, mein
Meine Lage grenzte an Verzweiflung; das schoenste, lieblichste Kind im
Arme und doch nicht sagen koennen, wie ich sie liebte! Als ihre
Traenen noch nicht aufhoeren wolten, fluesterte ich endlich leise:
'Wie koennte ich dir zuernen?'
Sie schaute freundlich dankbar auf--'Du bist wieder gut? Und o! wie
siehst du heute doch gar nicht so finster aus, auch deine Stimme
klingt heut so weich! Sei auch morgen so und lass nicht wieder einen
ganzen langen Tag auf dich warten.'
Sie naeherte sich einem Haus und blieb davor stehen, indem sie die
Glocke zog. 'Und nun gute Nacht, mein Herz,' sagte sie, 'wie gerne
setzte ich mich noch zu dir auf die Bank, aber die Signora wartet wohl
schon zu lange.' Ich wusste nicht, wie m$
oethe, einer, der so zu sagen in allen
Saetteln gerecht ist--wie interessant, wie belehrend muss die
Unterhaltung werden! Wie sehr muss man sich aber auch zusammennehmen,
um ihm zu genuegen!
Der Amerikaner dachte auch so, ehe er neben Goethe sass. Sein Ich
fuhr, wie das des guten Walt, ehe er zum Flitte kam [Fussnote: Jean
Pauls Flegeljahre], aengstlich oben in allen vier Gehirnkammern und
darauf unten in eiden Herzkammern wie eine Maus umher, um darin ein
schmackhaftes Ideenkoernchen aufzutreiben, das er ihm zutragen und
vorlegen koennte zum Imbiss. Er blickte angstvoll auf die Lippen des
Dichters, damit ihm kein Woertchen entfalle, wie der Kandidat auf den
strengen Examinator; er knickte seinen Hut zusammen und zerpflueckte
einen glacierten Handschuh in kleine Stuecke. Aber welcher
Zentnerstein mochte ihm vom Herz fallen, als der Dichter aus seinen
Hoehen zu ihm herabstieg und mit ihm sprach wie Hans und Kunz in der
Kneipe. Er sprach naemlich mit ihm vom guten Wetter in Amerika, und
indem er ueber das Verh$
p. aus Dessau, naechstens eine bedeutende Person an der
Boerse, und, wenn es gut geht, Braeutigam der schoenen Rebekka Simon in
der neuen Judenstrasse!"
Aus dem Garten des Goldenen Loewen in Bornheim toenten uns die
zitternden Klaenge von Harfen und Gitarren und das Geigen verstimmter
Violinen entgegen; das Volk Gottes liess sich vormusizieren im Freien,
wie einst ihr Koenig Saul, wenn er uebler Laune war. Wir traten ein; da
sassen sie, die Soehne und Toechter Abrahams, Isaaks und Jakobs, mit
funkelnden Augen, kuehn gebogenen Nasen, fein geschnittenen Gesichtern,
wie aus einer Form gepraegt, da sassen sie vergnuegt und froehlich
plaudernd und tranken Champagner, aus saurem Wein, Zucker und
Mineralwasser zubereitet, da sassen sie in malerischen Gruppen unter
den Baeumen, und der Garten war anzuschauen, als waere er das gelobte
Land Kanaan, das der Prophet vom Berge gesehen und seinem Volke
verheissen hatte. Wie sich doch dUe Zeiten aendern durch die Aufklaerung
und das Geld!
Es waren dies dieselben Menschen, d$
er! Haelt sich Kuriere mit Wien! Und wenn man fragen
darf, es handelt sich wohl um das Ultimatum mit der Pforte?"
"Ei darf man fragen? Wie ist es ausgefallen? Hat er eingewilligt, der
Effendi? Hat er?"
"Mein Herr Simon, ich bitte--"
"O, ich verstehe, ich verstehe, Sie wollen es nicht sagen, aus
Politik, aus Politik, aber er hat, er hat?"
"Trauen Sie auf nichts, ich w a r n e Sie, auf keine Nachricht trauen
Sie, als auf authentische. Der Herr dort weiss vielleicht mancherlei
und hat nicht das drueckende Stillschweigen eines Diplomaten zu
beobachten."
"Ei, haette ich das in meinem Leben gedacht, Kuriere von Wien, und der
Zwerner aus Dessau; zwar er ist ein solides Haus, das ist keine Frage,
aber denn doch nicht so ausserordentlich. Ob sich wohl was mit ihm
machen liesse?" setzte er tiefer nachsinnend hinzu, indem er seine Nase
herunter gegen den Mund bog und das lange Kinn aufwaerts drueckte,adass
sich diese beiden reichen Glieder begegneten und kuessten. Das war der
Moment, wo er anbeissen musste, denn er nagt$
nn und floh. Er wusste, dass sein Bruder, der in Bregenz
in einem oesterreichischen Regiment diente, desertiert war. Der Moerder
wandte sich dorthin, zeigte sich in der Gegend, liess sich als
Deserteur gefangen nehmen und viermal Spiessruten jagen. Er diente
einige Zeit in der Stelle seines Bruders, bis der Betrug durch einen
Zufall entdeckt wurde.]
Der Herr und die Dame schienen nicht weniger ueberrascht als ich; die
letztere erroetete, sie gedachte vielleicht jenes Kusses, und es wurde
ihr wohl mit einem Male klar, dass es schon an jenem Abend nicht ihr
Otto gewesen sei, gegen den sie sich so zaertlich bewiesen. Der Herr
mit meinen Gesichtszuegen fragte mich in etwas barschem Ton in
schlechtem Franzoesisch, wie ich dazu komme, diese Komoedie zu spielen.
ch nahm, nicht aus Furcht vor seinem rollenden Auge, sondern im
Gefuehl, ein Unrecht, vielleicht eine Unschicklichkeit wieder gutmachen
zu muessen, alle Artigkeit, die ich in der Welt gelernt hatte, zusammen
und bat die Dame, mir einen Scherz zu vergeben, z$
ister haette haben sollen, sagte ich ihm tuechtig die Meinung und
brachte den alten Baeren dadurch wenigstens so weit, dass er hoeflich
gegen den Mann sein wollte, der so artig war, uns in den aesthetischen
Tee zu fuehren.
Die siebente Stunde schlug. In einem modischen Frack, wohl
parfuemiert, in die feinste, zierlich gefaeltelte Leinwand gekleidet,
die Beinkl8ider von Paris, die durchbrochenen Seidenstruempfe von
Lyon, die Schuhe von Strassburg, die Lorgnette so fein und gefaellig
gearbeitet, wie sie nur immer aus der Fabrik der Herren Lood in
Werenthead hervorgeht, so stellte ich mich den erstaunten Blicken des
Juden dar; dieser war mit seiner modischen Toilette noch nicht halb
fertig und hatte alles hoechst sonderbar angezogen, wie er z.B. die
elegante, hohe Krawatte, ein Berliner Meisterwerk, als Gurt um den
Leib gebunden hatte, und fest darauf bestand, dies sei die neueste
Tracht aus M o r e a.
Nachdem ich ihn mit vieler Muehe geputzt hatte, brachen wir auf. Im
Wagen, den ich, um brillanter aufzutreten, $
Werther" in dem
lieben Deutschland machte. Die Lotten schienen wie durch einen
Zauberschlag au dem Boden zu wachsen. Die Zahl der Werther war
Legion. Aber was war hierin Goethes Verdienst? Hatte es wirklich nur
daran gefehlt, dass er das Hoernchen an den Mund setzte, und bei dem
ersten Ton, den er angab, mussten Pfaffe und Laie, Noennchen und
Daemchen in wunderlichen Kapriolen ihren Sankt-Veitstanz beginnen?
Wie heisst dieses grosse schoepferische Geheimnis? A l l e s  z u r
r e c h t e n  Z e i t. Der "Siegwart" hatte die harten Herzen abgetaut
und sie fuer allen moeglichen Jammer, fuer Mondschein und Graeber
empfaenglich gemacht, da kommt Goethe--
Die Tuere ging auf,--er kam.
Dreimal bueckten wir uns tief--und wagten es dann, an ihm hinauf zu
blinzeln. Ein schoener, stattlicher Greis! Augen so klar und helle wie
die eines Juenglings, die Stirn voll Hoheit, der Mund voll Wuerde und
Anmut. Er war angetan mit einem feinen, schwarzen Kleid, und aus
seiner Brust glaenzte ein schoener Stern.--Doch er liess uns n$
 e r
d e n g r o e s s t e n  M a n n  D e u t s c h l a n d s h a l t e n.
Es sollte sein Wert geschichtlich nachgewiesen, Gruende fuer und
wider angegeben und ueberhaupt alles recht gelehrt abgemacht werden.
Ich hatte, wie ich Ihnen schon bemerkt habe, meine Herren, immer einen
harten Kopf, und Aufsaetze mit Gruenden waren mir von jeher zuwider
gewesen, ich hatte also auch immer mittelmaessige oder schlechte
Arbeiten geliefert. Aber fuer diese Arbeit war ich ganz begeistert,
ich fuehlte eine hohe Freude in mir, meine Gedanken ueber die grossen
Maenner meines Vaterlandes zu sagen und meine Ideale (und wer hat in
diesen Jahren nicht solche) in gehoeriges Licht setzen zu koenen.
Geschichtlich sollte das Ding abgefasst werden. Was war leichter fuer
mich als dies? Jetzt erst fuehlte ich den Nutzen meines eifrigen
Lesens. Wo war einer, der so viele Geschichten gelesen hatte als ich?
Und wer, der irgend einmal diese Buecher der Geschichten in die Hand
nahm, wer konnte in Zweifel sein, wer die groessten Maenner me$
erdruecken,
den Verrat seiner Liebe zu raechen, die gepresste Brust dem Freunde zu
oeffnen; das Leben bietet ihm tausend Wege, in Muehe und Arbeit, in
weiter Ferne Vergessenheit zu erringen. Aber das Weib?--Der haeusliche
Kreis ist so enge, so leer. Jene taeglich wiederkehrende Ordnung, jene
stille Beschaeftigung mit tausend kleinen Dingen, der sie sich in der
Zeit gluecklicher Liebe froehlich, beinahe unbewusst hingab, wie drueckend
wird sie, +enn sich an jeden Gegenstand die Erinnerung an ein
verlorenes Glueck heftet! Wie traege schleicht der Kreislauf der
Stunden, wenn nicht mehr die suessen Traeume der Zukunft, nicht der
Zauber der Hoffnung, nicht die Seligkeit der Erwartung den Minuten
Fluegel gibt, wenn nicht mehr das von gluecklicher Liebe pochende Herz
den Schlag der Glocke uebertoent!
Doch, wozu Sie auf ein Unglueck vorbereiten, das Sie nur zu bald
erfahren werden? Hoeren Sie weiter: Mein Wunsch, Luise von Palden im
Hause des Gesandten zu sehen, gelang. Schon nach einigen Tagen wurde
sie durch seine $
en Kirche ist
ihnen ein Greuel; der Papst ist der Antichrist, gegen ihn und die
Tuerken beten sie alle Tage ein absonderliches Gebet. Nicht zufrieden
mit diesem, protestieren sie gegen ihren eigenen Staat, gegen ihre
eigene Kirche. Alles ist ihnen nicht orthodox, nicht fromm genug. Man
glaubt vielleicht, sie selbst sind um so frommer? O ja, wie man will.
Sie gehen gesenkten Hauptes, wagen den Blick nicht zu erheben, wagen
kein Weltkind anzuschauen. Ihre Rede ist, "Ja, ja, nein, nein". Auf
weitere Schwuere und dergleichen lassen sie sich nicht ein. Sie sind
die Stillen im Lande; denn sie leben einfach, und ohne Laerm fuerlsich;
doch diese selige Ruhe in dem Herrn verhindert sie nicht, ihre
Mitmenschen zu verleumden, zu bestehlen, zu betruegen. Daher koemmt es,
dass sie einander selbst nicht trauen. Sie vermeiden es, sich
oeffentlich zu vergnuegen, und wer am Sonntag tanzt, ist in ihren Augen
ein Ruchloser. Unter sich selbst aber feiern sie Orgien, von denen
jeder andere sein Auge beschaemt wegwenden wuerde.
Dr$
ts Musik zu erklaeren. Diese lauterste
Schoenheit, Fuelle und Tiefe befremdete gemeinhin gegenueber der
bisher beliebten, leicht fasslichen Kost. Zwar hatten sich die Wiener
an 'Belmonte und Konstanze' - dank den populaeren Elementen dieses
Stuecks - seinerzeit kaum ersaettigen koennen, hingegen tat, einige
Jahre spaeter, 'Figaro', und sicher nicht allein durch die Intrigen
des Direktors, imWettstreit mit der lieblichen, doch weit geringeren
'Cosa rara' einen unerwarteten, klaeglichen Fall; derselbe 'Figaro',
den gleich darauf die gebildeten oder unbefangenern Prager mit solchem
Enthusiasmus aufnahmen, dass der Meister in dankbarer Ruehrung
darueber seine naechste grosse Oper eigens fuer sie zu schreiben
beschloss. - Trotz der Ungunst der Zeit und dem Einfluss der Feinde
haette Mozart mit etwas mehr Umsicht und Klugheit noch immer einen
sehr ansehnlichen Gewinn von seiner Kunst gezogen: so aber kam er
selbst bei jenen Unternehmungen zu kurz, wo auch der grosse Haufen ihm
Beifall zujauchzen musste. Genug, es $
et, Pyrmonter
und Bewegung ausserhalb der Stadt. Der Patient gab nicht viel auf
den guten Rat; die Kur war unbequem, zeitraubend, seinem Taglauf
schnurstracks entgegen. Nun machte ihm der Doktor die Hoelle etwas
heiss, er musste eine lange Vorlesung anhoeren von der Beschaffenheit
des menschlichen Gebluets, von denen Kuegelgens darin, vom Atemholen
und vom Phlogiston - halt unerhoerte Dinge; auch wie es eigentlich
gemeint sei von der Natur mit Essen, rinken und Verdauen, das eine
Sache ist, worueber Mozart bis dahin ganz ebenso unschuldig dachte
wie sein Junge von fuenf Jahren. Die Lektion, in der Tat, machte
merklichen Eindruck. Der Doktor war noch keine halbe Stunde weg, so
find ich meinen Mann nachdenklich, aber mit aufgeheitertem Gesicht,
auf seinem Zimmer ueber der Betrachtung eines Stocks, den er in einem
Schrank mit alten Sachen suchte und auch gluecklich fand; ich haette
nicht gemeint, dass er sich dessen nur erinnerte. Er stammte noch von
meinem Vater, ein schoenes Rohr mit hohem Knopf von Lapislazu$
er mich gewaltig, dass die Gelenke knackten, und schrob
mir die Haende ab und die Fuesse und setzte sie bald hier, bald dort
wieder ein. "'s steht doch ueberall nicht recht! 's gut so wie es
war! - Der Alte hat's verstanden!" So zischte nd lispelte Coppelius;
aber alles um mich her wurde schwarz und finster, ein jaeher Krampf
durchzuckte Nerv und Gebein - ich fuehlte nichts mehr. Ein sanfter
warmer Hauch glitt ueber mein Gesicht, ich erwachte wie aus dem
Todesschlaf, die Mutter hatte sich ueber mich hingebeugt. "Ist der
Sandmann noch da?" stammelte ich. "Nein, mein liebes Kind, der ist
lange, lange fort, der tut dir keinen Schaden!" - So sprach die Mutter
und kuesste und herzte den wiedergewonnenen Liebling.
Was soll ich Dich ermueden, mein herzlieber Lothar! was soll ich
so weitlaeufig einzelnes hererzaehlen, da noch so vieles zu sagen
uebrig bleibt? Genug! - ich war bei der Lauscherei entdeckt, und von
Coppelius gemisshandelt worden. Angst und Schrecken hatten mir ein
hitziges Fieber zugezogen, an dem ich $
as Brevier hinweg in das Leben geschaut hat, um genau
zu wissen, wie es darin hergeht. Als ich sein Zimmer auch mit moderner
Eleganz eingerichtet fand, kam ich aufSmeine vorigen Bemerkungen in
den Saelen zurueck, die ich gegen den Professor laut werden liess.
"Es ist wahr", erwiderte er, "wir haben jenen duestern Ernst, jene
sonderbare Majestaet des niederschmetternden Tyrannen, die im
gotischen Bau unsere Brust beklemmt, ja wohl ein unheimliches Grauen
erregt, aus unseren Gebaeuden verbannt, und es ist wohl verdienstlich,
unsern Werken die regsame Heiterkeit der Alten anzueignen." - "Sollte
aber", erwiderte ich, "nicht eben jene heilige Wuerde, jene hohe zum
Himmel strebende Majestaet des gotischen Baues recht von dem wahren
Geist des Christentums erzeugt sein, der, uebersinnlich, dem
sinnlichen, nur in dem Kreis des Irdischen bleibenden Geiste der
antiken Welt geradezu widerstrebt?" - Der Professor laechelte. "Ei",
sprach er, "das hoehere Reich soll man erkennen in dieser Welt und
diese Erkenntnis darf gewe$
en
Augenblick stuerzte ein Haufen Mohren aus einem dunklen Bogengange
hervor, und ueberfiel die Christen mit verzweifelnder Wut. Hichem an
der Spitze rannte gegen Aguillar an, dieser nur leicht verletzt, kaum
den Schmerz der Wunde fuehlend, parierte geschickt den gewaltigen
Hieb und in demselben Augenblick lag auch Hichem mit gespaltenem
Kopf zu seinen Fuessen. Die Spanier drangen wuetend ein auf die
verraeterischen Mohren, die bald heulend flohen und sich in ein
steinernes Haus warfen, dessen Tor sie schnell verschlossen. Die
Spanier stuermten heran, aber da regnete es Pfeile aus den Fonstern,
Aguillar befahl Feuerbraende hineinzuwerfen. Schon loderten die
Flammen aus dem Dache hoch auf, als durch den Donner des Geschuetzes
eine wunderbare Stimme aus dem brennenden Gebaeude erklang: "Sanctus
- Sanctus Dominus deus Sabaoth." - "Julia - Julia!" rief Aguillar
in trostlosem Schmerz, da oeffneten sich die Pforten, und Julia im
Gewande der Benediktiner-Nonne trat hervor mit starker Stimme singend:
"Sanctus - Sanct$
wandte sich die Aebtissin
zum Buergermeister, "Ihr habt doch alles so bereitet, wie es
gewuenscht worden?" - "Jawohl", erwiderte der Alte, "jawohl! ich
hoffe, mein durchlauchtigster Fuerst soll mit ir zufrieden sein, so
wie die Dame, fuer die ich alles zu tun bereit bin, was nur in meinen
Kraeften steht." - "So lasst mich", fuhr die Aebtissin fort, "mit
meinem armen Kinde noch einige Augenblicke allein." Die Familie
musste das Zimmer verlassen. Man hoerte, wie die Aebtissin eifrig und
salbungsvoll der Dame zusprach, und wie diese endlich auch zu reden
begann mit einem Ton, der tief bis ins Herz drang. Ohne gerade zu
horchen, blieb denn doch die Hausfrau an der Tuere des Zimmers stehen,
indessen wurde italienisch gesprochen, und selbst dies machte fuer sie
den ganzen Auftritt geheimnisvoller und vermehrte die Beklommenheit,
welche ihr den Mund verschloss. Frau und Tochter trieb der Alte fort,
um fuer Wein und andere Erfrischungen zu sorgen, er selbst ging in das
Zimmer zurueck. Getroesteter, gefasster schien $
aerm der Hochzeit--vorbei ist, wenn ich
zurueckkomme--He da!  Bediente!
Zehnter Auftritt.
Zwei Bediente treten ein und warten im Hintergrunde.  Vorige.
Fr. v. Dorsigny.  Noch Eins!  Ihr Pachter hat mir waehrend Ihrer
Abwesenheit zweitausend Thaler in Wechseln ausbezahlt--ich habe ihm
eine Quittung darueber gegeben--Es ist Ihnen doch recht?
Dorsigny.  Mir ist alles recht, was Sie thun, meine Liebe!  (Waehrend
sie die Wechsel aus einer Schribtafel hervorholt, zu Frau von
Mirville.) Darf ich das Geld wohl nehmen?
Fr. v. Mirville.  Nimm es ja, sonst machst du dich verdaechtig.
Dorsigny (heimlich zu ihr).  In Gottes Namen!  Ich will meine
Schulden damit bezahlen!  (Laut, indem er die Wechsel der Frau von
Dorsigny in Empfang nimmt.) Das Geld erinnert mich, dass ein
verwuenschter Schelm von Wucherer mich schon seit lange um hundert
Pistolen plagt, die--mein Neffe von ihm geborgt hat--Wie ist's?  Soll
ich den Posten bezahlen?
Fr. v. Mirville.  Ei, das versteht sich!  Sie werden doch meine Base
keinem Bruder Liederli$
ch et[as Undeutliches auf ihren
ausdrucksvollen Lippen.
"Was meint die Herrin?" fragte Don Giulio.
Da brach es hervor.  Angela sprach deutlich vor den hundert und
hundert Zeugen, und ihre Stimme klang ueber den Platz: "Schade,
jammerschade um Euch, Don Giulio!  Fuerchtet Gottes Gericht!"--Ein
grosses Schweigen entstand.
Und noch einmal erscholl die Stimme des Maedchens ueber Don Giulio:
"Schade um Euch!"  Seltsam!  Die Ferraresen teilten vollstaendig
Angelas Gefuehl und Urteil ueber das verwerfliche und gefaehrliche
Treiben des Fuerstensohnes, das Bedauern seiner Entwertung und ihr
Leid um ihn, den sie liebten um seiner Schoenheit und Anmut willen.
Rings erhob sich ein Gemurmel und Echo: "Schade!  Sie hat recht!  Es
ist wahr!  Schade um ihn!"
Donna Lukrezia aber ergriff die Hand Angelas, wie die aeltere
Schwester die einer juengeren, welche sich etwas Unziemliches hat
zuschulden kommen lassen.
"Wie kannst du dich so vergessen?" sagte sie und fuehrte die Bewegte
hinweg, die vor Scham und Aufregung in ein kramp$
er sie heimzufuehren begehrt, alle Eigenschaften besitzt, die ich als
die Schuetzerin Angelas von ihrem Mann fordern darf.  So ist mein
Wille; doch werde ich gern noch Eure Meinung darueber in Betracht
Bembo wollte sich bescheiden entfernen, wurde aber durch einen Blick
Lukrezias festgehalten.  Sie kannte das Unberechenbare in der Natur
des Kardinals und scheute seine Ueberraschungen.
Dieser schien die Herausforderung in den Worten der Fuerstin nicht zu
fuehlen; er waehlte, waehrend der Venezianer sich neben den Frauen auf
eine Rasenboeschung niederliess, gelassen ihnen gegenueber einen
bequemen Platz im Dunkel einer Kastanie, deren Stamm sich nahe dem
Boden teilte, mit den ueppigen Aesten den Rasen bedeckend, und begann,
indem er mit dem schaukelnden Fusse nach einer fluechtigen Eidechse
stiess, mit ruhigen Worten:
"Wie ich den Grafen Contrario kenne, taugt er nimmermehr fuer eine
Borgia, denn er ist ein armer Mensch, zusammengesetzt aus peinlichen
Tugenden und ewigem Widerspruch, ein Berg rechthaberischer $
dieser Strom hatte unseren Zug gekreuzt und
strebte bei einem Seitenausgange hinaus. Ich sah sie nur noch von
rueckwaerts und sah, dass sie in einen schwarzseidenen Mantel gehuellt
war. Ich war endlich auch bei dem Hauptausgange hinaus, kommen. Dort
zog ich erst meine Kappe aus der Tasche des Ueberrockes, setzte sie auf
und blieb noch einen Augenblick stehen und sah den abfahrenden Waegen
nach, die ihre roten Laternenlichter in die truebe Nacht hinaustrugen.
Es regnete noch viel dichter als bei meinem Hereingehen. Ich schlug
den Weg nach Hause ein. Ich gelangte aus den fahrenden Waegen,
ich gelangte aus dem groesseren Strome der Menschen und bog in den
vereinsamteren Weg ein, der im Freien durch die Reihen der Baeume der
Vorstadt zufuehrte. Ich schritt neben den duesteren Laternen vorbei, kam
wieder in die Gassen der Vorstadt, durchTing sie und war endlich in
dem Hause meiner Eltern.
Es war beinahe Mitternacht geworden. Die Mutter, welche es sich bei
solchen Gelegenheiten nicht nehmen laesst, besonders auf di$
nden sich
weiter links und stoerten die Aussicht nicht.
"Man hat sehr mit Unrecht in neuerer Zeit die Mauern dieses Schlosses
mit der weissgrauen Tuenche ueberzogen", sagte mein Gastfreund,
"wahrscheinlich um es freundlicher zu machen, welche Absicht man sehr
gerne zu Ende des vorigen Jahrhunderts an den Tag legte. Wenn man
die grossen Steine, aus denen die Hauptmauern errichtet sind, nicht
bestrichen haette, so wuerde das natuerliche Grau derselben mit
dem Rostbraun des Daches und dem Gruen der Baeume einen sehr
zusammenstimmenden Eindruck gemacht haben. Jetzt aber steht das Schloss
da wie eine alte Frau, die weiss gekleidet ist. Ich wuerde den Versuch
machen, wenn das Schloss mein Eigentum waere, ob man nicht mit Wasser
und Buersten und zuletzt auf trockenem Wege mit einem feinen Meissel
die Tuenche beseitigen koennte. Alle Jahre eine maessige Summe darauf
verwendet, wuerde jaehrlich die Aussicht, des widrigen Anblickes
erledigt zu werden, angenhm vermehren."
"Wir koennen ja den Versuch nahe an der Erde ma$
wie Mathilde in dem Rosenhause um den weiblichen Anteil des
Hauswesens sich bekuemmert, alles, was dahin einschlug, besehen und
Anleitungen zu Verbesserungen gegeben hatte: so tat es mein Gastfreund
in dem Sternenhofe mit allem, was auf die aeussere Verwaltung des
Besitzes Bezug hatte, worin er mehr Erfahrung zu haben schien als
Mathilde. Er ging in alle Raeume, besah die Tiere und ihre Verpflegung
und besah die Anstalten zur Bewahrung oder Umgestaltung der
Wirtschaftserzeugnisse. War mir dieses Verhaeltnis schon in dem
Rosenhause <rsichtlich gewesen, so war es hier noch mehr der Fall. In
den Handlungen meines Gastfreundes und in dem kleinen Teile, den ich
von seinen Gespraechen mit Mathilde ueber haeusliche Dinge hoerte, zeigte
er sich als ein Mann, der mit der Bewirtschaftung eines grossen
Besitzes vertraut ist und die Pflichten, die ihm in dieser Hinsicht
zufallen, mit Eifer, mit Umsicht und mit einem Blicke ueber das Ganze
erfuellt, ohne eben deshalb die Grenzen zu beruehren, innerhalb welcher
die Geschae$
licken, wenn ein Bild auf die Staffelei getan worden
war, wenn man die Fenster, die ein stoerendes Licht haetten senden
koennen, verhuellt hatte, wenn das Bild in die rechte Helle gerueckt
worden war, und wenn wir uns nun davor befanden. Mathilde und
mein Gastfreund sassen gewoehnlich, Eustach und ich standen, neben
uns Natalie und nicht selten auch Gustav, welcher bei solchen
Gelegenheiten sehr bescheiden und aufmerksam war. Oefter sprach
hauptsaechlich mein Gastfreund von dem Bilde, oefter aber auch Eustach,
wozu Mathilde ihre Worte oder einfachen Meinungen gesellte. Man
wiederholte vielleicht oft gesagte Worte, man zeigte sich Manches, das
man schon oft gesehen hatte, und ma[hte sich auf Dinge aufmerksam, die
man ohnehin kannte. So wiederholte man den Genuss und verlebte sich in
das Kunstwerk. Ich sprach sehr selten mit, hoechstens fragte ich und
liess mir etwas erklaeren. Natalie stand daneben und redete niemals ein
Zur Nymphe des Brunnens, die unter der Eppichwand im Garten war, ging
ich auch oefter. Fru$
schlug die abgelegenen, wenig gangbaren und auch
weniger im Stande gehaltenen Wege ein, damit ich niemanden begegne und
damit sich niemand zu mir geselle. Es war auch wirklich kein Mensch in
den Gaengen, und ich sah nur kleine Voegel, welche ungescheut in ihnen
liefen und Futter von der Erde pickten. Ich umging den Lindenplatz
und kam hinter ihm aus dem Gebuesche heraus. Von da ging ich in einem
grossen Umwege der Eppichwand zu und hatte vor, in die Nymphengrotte zu
treten, wenn niemand in ihr waere. ls ich schon nahe an der Grotte war
und schief in dieselbe blicken konnte, sah ich, dass Natalie auf dem
Marmorbaenklein sitze, welches sich seitwaerts von der Nymphengestalt
befand. Sie sass an dem innersten Ende des Baenkleins. Ihr blassgraues
Seidenkleid schimmerte aus der dunkeln Hoehlung heraus. Einen Arm liess
sie an ihrer Gestalt ruhen, den andern hatte sie auf die Lehne des
Baenkleins gestuetzt und barg die Stirn in ihrer Hand. Ich blieb stehen
und wusste nicht, was ich tun sollte. Dass ich nicht in die $
ers lieb geworden war,
und beschloss, die Messung des Lautersees zu Ende zu bringen.
Ich mietete mich in dem Seewirtshause ein, richtete alle Geraete,
welche mir zu meinem Vorhaben noetig waren, zurecht, liess diejenigen
neu verfertigen, welche ich nicht hatte, und ging ans Werk. Ich
arbeitete recht fleissig. So lange das Licht des Tages leuchtete, waren
wir auf dem Wasser. Nachts - ausser einigen Stunden Schlafes - war ich
an dem Papiere teils mit Rechnungen, teils mit Schreiben, teils sogar
mit Zeichnen beschaeftigt. Ich wiederholte einige Messungen, welche ich
in frueheren Zeiten vorgenommen hatte, um mich von der Bestaendigkeit
oder Wandelbarkeit des Wasserstandes oder des Seegrundes zu
ueberzeugen. Da ein durchaus gleicher Wasserstand nicht zu denken ist,
so bezog ich meine Messungen auf einen mittleren Stand und stellte
immer die Frage, wie tief unter diesem Stande die bestimmten Stellen
des Seegrundes liegen. Dieser mittlere Stand, der nach demjenigen
gencmmen wurde, welcher in der meisten Zeit des Jah$
oenes jugendliches Angesicht abbilden wollt",
sagte sie, "so muesset ihr suchen, das Angesicht der jenen Tarona
abbilden zu duerfen. Ich bin alt, habe Biel erfahren, habe sehr viele
Menschen gesehen und betrachtet, aber es ist mir wenig vorgekommen,
das edler, einnehmender und liebenswuerdiger gewesen waere als die Zuege
der Tarona."
Ich erroetete sehr tief bei diesen Worten.
Sie richtete die klaren, lieben Augen auf mich, laechelte sehr fein und
sagte: "Haltet ihr etwa schon Jemanden fuer das Schoenste?"
Ich antwortete nicht, und sie schien auch eine Antwort nicht zu
erwarten. Von Natalien konnte ich ihr nichts sagen, da die Sache nicht
so weit gediehen war, um sie Andern verkuendigen zu koennen.
Wir brachen ab, ich verabschiedete mich bald, sie reichte mir guetig
die Hand, welche ich kuesste, und lud mich ein, ja im kuenftigen Winter
sehr bald von dem Gebirge zurueck zu kommen, da auch sie sehr bald in
der Stadt einzutreffen gedenke.
Ich antwortete, dass ich ueber jenen Zeitpunkt jetzt durchaus nicht zu
ver$
c< Niemandem ein Wort, welches einen
Grund dieser Aufmerksamkeit angedeutet haette.
Gustav, welcher wohl Anfangs seine Freude gegen mich ausgesprochen
hatte, dass es sei, wie es ist, und dass keiner von denen, die es
gewollt hatten, seine Schwester fortgefuehrt, sprach nun von dem
Gegenstande nicht mehr und schloss sich nur noch herzlicher, wenn
dieses moeglich war, an mich an.
Mein Gastfreund sagte mir endlich auch von der Reise nach der Kirche,
von welcher Eustach gesprochen hatte, und lud mich zu derselben ein.
Ich nahm die Einladung an.
Wir fuhren eines Morgens von dem Asperhofe fort, mein Gastfreund,
Eustach, Gustav und ich. Gustav wird, wie mir mein Gastfreund
sagte, auf jede kleinere Reise von ihm mitgenommen. Wenn dies bei
ausgedehnteren Reisen nicht der Fall sein kann, so wird er zu seiner
Mutter in den Sternenhof gebracht. Wir kamen erst am zweiten Tage
bei der Kirche an. Roland, welcher von unserer Ankunft unterrichtet
gewesen war, erwartete uns dort. Die Kirche war ein Gebaeude im
altdeutschen Sin$
hnlichen Beruf mit mir verfolgten, standen auf dem
Verdecke und legten sogar manches Mal Hand an die Ruder, da unser
Schiff auf dem breiten, rauschenden Strome sich abwaerts bewegte und
die kleine Stadt, die uns Nachtherberge gegeben hatte, sich aus den
Morgennebeln ringend unsern Augen immer weiter und weiter zurueck trat.
Manches Lied, mancher Spruch, der aus der Schar meiner Begleiter
hervortrat, machte seine Wirkung auf mich, und ich wurde staerker und
entschlossener."
"Als am Abende des zweiten Tages unserer Wasserfahrt der hohe schlanke
Turm der Stadt, deren Miteinwohner ich nun werden sollte, gleichsam
luftig blau unter den Gebueschen der Ufer sichtbar wurde, als man sich
rief und das Zeichen sich zeigte, das man nun nach Verlauf von etwas
mehr als einer Stunde erreichen werde, wollte mir das Herz im Busen
wieder unruhiger pochn. Dieses Merkmal vergangener Menschenalter,
dachte ich, welches so viele grosse und gewaltige Schicksale gesehen
hatte, wird nun auch auf dein kleines Geschick herabsehen, es m$
Landes tat mir in meiner jetzigen Gemuetsverfassung sehr wohl. Fuer
den Unterricht Alfreds war in der Art gesorgt, dass der Graf, dessen
Meiereien in der Naehe von Heinbach lagen, und ein Herr von Heinbach,
wie man Makloden jetzt auch nannte, eine Summe stifteten und dem
Lehrer der Gemeinde Heinbach zulegten unter der Bedingung, dass ein
in gewissen Faechern gebildeter Mann stets diese Stelle bekleide,
welchen sie in Vorschlag zu bringen das Recht hatten und der die
Verbindlichkeit uebernahm, die Kinder des Hauses Heinbach und die des
Verwalters der Meiereien in ihren Wohnungen zu unterrichten, wofuer er
aber besonders bezahlt wurde. Die Schule und die Kirche Heinbah waren
eine kleine halbe Wegstunde von dem Herrenhause entfernt. Der Lehrer
kam jeden Nachmittag herueber und blieb eine Zeit bei Alfred. Mathilde
wurde nur mehr in seltenen Stunden noch von ihm unterrichtet. Fuer
Alfred sollte ich die Art der Lehrstunden einrichten, was ich auch
im Uebereinkommen mit dem Lehrer, der ein sehr bescheidener und nic$
schten sich zur Geselligkeit und aeltere traten zusammen. Die
Mutter Alfreds sah es gerne, wie sie mir sagte, wenn eine Freundin
Mathildens bei ihr durch laengere Zeit verweilte, sie aber konnte sich
nie entschliessen, ihre Tochter zu anderen Leuten auf Besuch zu geben.
Sie wollte nicht getrennt sein. Auch, meinte sie, wuerde sich Mathilde
fern von ihr nicht wohl fuehlen. Von Kuensten wurde bei wechselseitigen
Besuchen vorzueglich die Musik geuebt. Es war der Gesang, der gepflegt
wurde, dasClavier, und zu vierstimmigen Darstellungen die Geigen. Der
Vater Alfreds schien mir ein Meister auf der Geige zu sein. Wir hoerten
solchen Vorstellungen zu. Wir Unbeschaeftigten sahen aber auch sehr
gerne zu, wenn die Kinder auf dem Rasenplatze huepften und sich in
ihren Spielen ergoetzten. Bei alle dem besorgte die Mutter Alfreds
aber auch ihr ausgedehntes Hauswesen. Sie gab den Dienern und Maegden
hervor, was das Haus brauchte, sorgte fuer die richtige und zweckmaessige
Verwendung, leitete die Einkaeufe und ordnete die $
